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Full text of "Motive zu dem Entwurfe eines Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich ... Amtliche Ausg"

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aKotibe  p  bem  ©nttoutfe 

eines 

6ürgerltfl)ett  ©el'e^budies 

füu  baö 


»Mi  IV. 

5amiticitted)t. 


Setlag  »ou  J.  ^ntttnUe 


^umiliettred^t. 


erjtcr  STttcI. 

§§  1227,  1228. 

2lbtt)cid)cnb  uotn  rom.  SRcd^te  l^at  baö  bcftel)cnbe  JRccfit  übcriüiegenb  baö    «nfpruc^ 
SJcrlobnife,  b.  1^.  bcn  auf  bic  fünftige  ©d^Iiefeung  einer  ef)e  gerid^teten  aSertrag,   urtoaLö, 
als  eitlen  red^teoerbinblid^en,  einen   flagbaren  Slnfprud^  ber  SSerlobten  auf  ®*ttj>«"«' 
Sd^Iiefeung  ber  @^c,  eoentuell  auf  ©d^abenöcrfafe  roegen  5Rici^terfüIlung  be^ 
grünbenben  SSertrag   anerfannt    ober    jroar  einen  flagbaren  Slnfprud^   auf  seiienbc« 
©d^tiegung  ber  &)t  uerfagt,  aber  im  gaUe  eines  ungered^tfertigten  aSerlöbnig*     ^'**' 
brud^cö  bem  verlegten  2^eile  batb  in  größerem,  balb  in  geringerem  Umfange 
einen  2[nfpru(^  auf  ©d^abenßerfa|  geroäl^rt.    3m  Stnfd^luffe  an  baö  fanonifd^e 
Ked&t  t^ai  inöbefonbcre  bie  gcmeinred^tUd^e  ^ßrarid  bem  SSerlöbniffc  ben  Äaralter 
eincö  red^töoerbinblid^en,  einen  flagbaren  2lnfprud^  auf  Sd^Iiefeung  ber  &)t, 
eoentueD  auf  ©ntfd^äbigung  bcgrünbenben  SSertrageö  beigelegt.  SÄuf  bem  33oben 
beö  gemeinen  Sled^teö  ftel^cn  im  SBefentlid^en  aud^  baö  preufe.  31.  S.  3i.  II,  1 
§§  82,  99,  112—116  oerb.  mit  21.  ®.  D.  I,  40  §§  1, 10,  foroie  üerfd^iebene 
neuere,  in  fleincren  SRed^tögebietcn  geltenbe  ©efe^e  (oergl.  qoÜ).  ®f|egef.  d. 
15.  aCuguft  1834  §§  29,  37,  41,  42,  46 ;  medflenb.  aScrorbn.  t).  18.  gebruar  1846- 
§  3  5Wr.  1, 3;  lübecf.  ©ef.  v.  26.  Df tober  1863  §§  4,  5).^  5Durd&  bie  ®eftimmungen 
bed  §  779  9lbf.  2  unb  beö  §  774  3lbf.  2  ber  ß.  ^.*D.  ift  jebod^  jebe  bircfte 
ober  inbirette  ©rjioingung  ber  ß^efc^Iiefeung  im  SBege  ber  3tt)angöt)oUftredEung 
auögcfd^Ioffen  (uergl.  aud^  §  52  beö  91.  ®ef.    über  bie  Seurfunbung  beö 
^ßerfoncnftanbeö  unb  bie  ©fiefd^Iiefeung  t).  6.  gebruar  1875). 

SHe  Sße^rjai^I  ber  neueren  ©efcgc  fd^tie^t  übcrl^aupt  febe  Älage  auf 
©d^liefeung  ber  ®^e  auö,  giebt  ober  bem  Derlegten  2:^eile  im  galle  eines  un^: 
gerechtfertigten  aSertöbniPrud^eö  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  einen 
9(nfpru(^  auf  ©d^abenöerfafe  unb  jroar  üorwiegenb  einen  Slnfprud^  auf  ®rfa^ 

«DtiDC  I.  Mt«en.  «efc|to($.  lY.  1 


2  S5erröbm§.  Unüccbinbrtd&feit.  SRiicftritt,  ®(f abenSetfajs.  §§1227,1228. 

bt^  pofttiocn  ©d^abcnö,  nid&t  auf  (Srfafc  bcö  ©rfüUungöintcrcffcö  (üergl.  fäd^f. 
@.  ®.  §§  1579,  1581;  TOÜrttemb.  ©cf.  t).  8.  Slufluft  1875  9Irt.  4;  ^cff.  ®e).  ü. 
18. 3lpril  1877  3lrt.  4;  olbcnb.  ©efcfec  t).  31.  ajlai  1855  3lrt.  3  unb  t).  7. 3imi  1858 
ncbft  aScrorbn.  v.  8.  $ßot)cmber  1875  9lrt.  16 ;  rocimar.  ©ef.  d.  2. 5Rot)ember  1848 
§§9,10;  braunfd^n).  aScrorbn.  v.  18.  gebruarl814;  naff.  SBcrovbn.  ü.  23.9lprU 
1822  §  96;  altenb.  ®ef.  t).  13.  Januar  1869  §§  1,  3;  reoib.  ©rläut.  jur  anmalt. 
S.  D.  SCit.  V,  VI,  VIII  §§  5, 11, 15, 18  nebft  anmalt,  ©cfcfee  t).  1.  3uU  1864 
unb  äusf.  ®cf.  iur  6. 5p.  D.  o.  10.  aJlai  1879  §  8;  3luöf.  ®c[.  jur  ß.  %  O. 
für  gicufe  ä.  2.  ü.  3.  aßd  1879  §  8). 

®ine  brittc  Äatcgoric  t)on  Sled^teit  f)at  bcm  aScrlöbniffc  ote  fold^em  icbc 
redjttid^e  SBirlfamfcit  ücrfagt,  namentlid^  aud^  jeben  9lnfprud^  auf  Sd^abcnä* 
crfa|  roegen  aScriöbnifebrud^eö  au^  bem  S8crlöbni§t)crtragc  auögefd^Ioffcn. 
3)al)in  gehören  —  abgefcfien  üon  einigen  älteren,  in  fleincn  ©ebictcn  Sa^ernö 
geltenben  3kii)ttn  —  baö  bab.  ®ef.  v.  9.  ©ejcmber  1875  §  13  unb  baö 
brem.  ©ef.  d.  31.  Dttober  1875  §  2.  ^uä)  ber  code  civil  entliält  feine  33e^ 
ftimmungcn  über  baö  aScrIöbnife  unb  hc^tn  SBirfungen.  S)a6  ouö  einem 
aScrIobniffe  auf  Sd^Uefeung  ber  ®l^e  nid^t  geftagt  werben  fann,  wirb  t)on  ber 
franj.  Suriöprubcnj  allgemein  anerfannt;  im  Uebrigen  ift  es  aber  beftritten, 
ob  ha^  Sßertöbnife  einen  9lnfprud&  auf  od^abenöerfa^  roegcn  Slid^terfüllung 
bes  ®l^et)erfpred^ens  erjeugt  ober  ob  geeigneten  Falles  nur  aus  bem  ©efid^tö^ 
punfte  bes  5Detifteö  ober  DuafibelifteS  mä^  SÜJafegabe  ber  9Irt.  1382,  1383 
beö  code  civil  ®rfag  beö  miberred&tlid^  jugefügtcn  Sd^abens  nertangt  merben 
fann  (oergt.  ba^u  S^rt.  55  beS  fd&meij.  Sb.  ©ef.  über  baß  Dbl.  31.). 

SBcnngleid^  mä)  ber  Dorftel^enben  Ueberftd^t  beö  beftel^enben  JRed^teß  in 
bcm  bei  roeitem  größten  2^^eile  ©eutfd^lanbö  bem  aSertöbniffe  mel^r  ober 
weniger  red^tlid^e  2Birffam!eit  beigelegt  ift,  fo  barf  bod^,  um  ein  rid^tigeö 
83ilb  oon  bcm  gegcnroärtigen  Slcd^töjuftanbc  in  S)eutfd&lanb  in  biefer  Sejie^ung 
ju  geroinnen,  nid^t  aufeer  9ld&t  getanen  werben,  bafe  nad^  ber  großen  aJlel^rjaf|t 
berienigen  ©ef efegebungen ,  roeld^e  aus  bem  aSerlöbniffe  im  galle  ber  ^lid&t:^ 
crfüHung  beö  ®l^eoerfpred^enö  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  einen 
9lnfprud&  auf  ©d^abcnöcrfa^  iulaffen,  biefer  Slnfprud^  baburd^  bebingt  ift,  bafe 
bei  (Singe^ung  beö  aSerlobniffeö  geroiife,  bie  ©üttigfeit  beö  legieren  bebingenbe 
gormen  beobad&tet  roerben,  formen,  roeld^e,  roenigftenö  in  großen  Äreifen  ber 
öeoölferung,  roeit  fic  ber  ©itte  wenig  entfprcd^en,  nur  feiten  beobad^tet  ju 
werben  pflegen,  fo  bafe  bem  praftifd^en  JRefultate  nad^  aud^  in  ben  ©ebieten 
jener  ©efeggebungen  ba^  aSerlöbnife,  weil  formloö  eingegangen,  feine  rec^tlid^c 
aSerbinblid^feit,  inöbefonbcre  aud^  nid^t  eine  aSerbinblid^feit  5um  ©rfafee  beö 
pofititjen  ©d&abenö,  erjeugt. 
©tonbpunrt  2)ie  Sled^töentwidEelung  jeigt  unoerfcnnbar  baö  Seftreben,  bie  rec^tli^en 

(Entwürfe«  ^Birfungen  beö  aSerlöbnifeoertrageö  einjufd^ränfen.  2)urd^  bcn  3Iuöfd^lufe  jeber 
bireften  unb  inbireften  ©rjwingung  ber  ©liefd^liefeung  im  SBege  ber  3njangö* 
DoUftredEung  l&at  bie  Sulaffung  einer  Älage  auf  ©d^liegung  ber  ®^e  fd&on  jefet 
jebe  praftifd^e  93ebcutung  verloren.  ®ine  weitere  er^eblid^e  Slbfd^wäd^ung  l^at 
bie  redjtli^e  S3ebeutung  beö  aSerlöbni^nertrageö  baburd^  crfal^ren,  bafe  nad& 
§  39  beö  SR.  ©ef.  über  bie  Seurfunbung  beö  5ßerfonenftanbeö  unb  bie  ©l^e^ 
fd^liefeung  ü.  6.  gebruar  1875  bem  aSerlöbniffe  bie  SBirfung  eineö  auffd^iebenben. 


Serröbnii  Uttt)erMnblt*fcit.  SRürftritt,  @*abenöcrfa^.  §§  1227, 1228.  3 

jum  ©infprud&c  gegen  eine  onberroeit  beabfid^tigte  ©^efc^Hefeung  bcrcd^tigenben 
^inbemiifcö  nid^t  me^r  jufommt.  ®ie  Seftimmung  beö  §  1227,  bQ§  intd^ 
bad  93erlöbni6  eine  SJcrbinblid^feit  ber  SSerlobten  jur  ©d^Iiefeung  ber  ®^c 
nicibt  bcgrünbct  wirb,  unb  bie  barauö  ftd^  ergebenbe  Äonfequenj,  bafe  im  goUe 
eincÄ  ungeredbtfertigten  aSerlöbni^brud^cö  bem  Derlefeten  J^^eife  ein  3lnfprud^ 
auf  bttß  erfüUungöintereife  ober  ouf  eine  Slbfinbung  alö  ©rfafe  für  bie  ge^offtcn, 
aber  vereitelten  SSort^eile  ber  @^e  nid^t  jufte^t,  ftellt  ftd&  nur  ald  eine  fon^ 
fequente  gortentroidelung  beö  bem  §  774  3lbf.  2  unb  bem  §  779  2lbf.  2  ber 
6. 5ß.  D.  ju  ©runbe  liegenben  Oebanfenö  bar  unb  fteljt  mit  ben  meiften 
neueren  biefen  Oegenftanb  regeinben  ©cfelgebungen  im  ®inftange.  ©in  fold^er 
Slnfprud^  mirft  als  inbiretteö  S^ongömittel  unb  beeinträd^tigt  bie  grei^eit  ber 
SBiDcnöbeftimmung  bei  ber  (S^efd^lie^ung;  er  uerträgt  fid&  nic^t  mit  bem 
SBefen  ber  ®^e,  meldte  in  erfter  2inic  ein  fittlid^cö  SBertjöltnife  ift  unb  nid^it 
ate  eine  Quelle  für  üermögensred&tlicbe  33ortbeife  be^anbelt  merben  barf.  2)er 
äuöfc^Iufe  beö  Slnfprud^cö  auf  baö  ©rfüUungöintereffe  ober  auf  eine  3lbfinbung 
gewahrt  aufeerbem  ben  großen  SSort^eil,  bag  baburd^  bie  Stufftellung  einer  üoH* 
flönbigcn  2:^eorie  beö  SSerlobniffeö  entbebrlid^  mirb  unb  bie  oielen  bamit  rer^ 
bunbenen  ©d^roierigfeiten  Dermieben  werben. 

3Cuö  ber  Sßorfd^rift  beö  §  1227  t)erb.  mit  §  424  ergiebt  fid^  femer  Don  Äonoenttonai. 
felbfl,  ba^  bie  SBerabrcbung  einer  Äontcntionatftrafe  für  ben  gall,  bag  bie  ^^^^*' 
6^e  ni^t  ju  ©tanbe  fommen  folltc,  unroirffam  ift  (übereinftimmcnb :  naff. 
aSerorbn.  v.  23.  3lprU  1882;  olbenb.  Oefefee  d.  31.  aJlai  1855  3lrt  3  unb  v. 
7.  3uni  1858;  fäd^f.  ®.  93.  §  1580;  alknb.  ®cf.  v.  13.  3anuar  1869  §  2; 
often.  ®.  93.  §  45;  ^ejf.  ©ntro.  II  ärt.  1;  abroeid^enb  bie,  allerbingö  nid^t 
unbeftrittenc,  gemeinred^tfid^e  5(Jrajiö;  preufe.  91.  S.  SH.  II,  1  §  113;  got^.  ®^egef. 
p.  15.  aiuguft  1834  §  42;  merflenb.  SBcrorbn.  t).  18.  gebruar  1846  §  3; 
lüberf.  ©ef.  p.  26.  Oftober  1863  §  4). 

33a  ber  §  1227  baö  SBerlobnife  für  red^tlid^  unt)erbinblid&  erflärt,  mitl^in  et^obw«. 
jebem  ber  ißerlobten  ber  SRüdtritt  freifte^t,  fo  läfet  ftd^  auö  ben  allgemeinen  ^^orfttTtu«! 
©runbfäften  aud^  ein  Slnfprud^  auf  6rfafe  beö  negativen  Sntereffeö  megen 
ungercd^tfertigten  SRüdtritteö  beö  anberen  "i^dUd  von  bem  SScrlöbnijfe  nid^t 
obleiten,  cö  fei  benn,  bafe  ber  SlüdEtritt  nadd  ben  befonberen  Umftänben  beö 
gaUeö  alö  eine  unter  bie  93eftimmungen  beö  §  704  Slbf.  1  unb  beö  §  705 
fallenbc  unerlaubte  ^anblung  anjufc^en  fein  foUte.  JRücfficbten  ber  93iIIigfeit, 
foroie  bie  SRüdfid^t  auf  baö  im  äSolIe  lebenbe  Sled^töbemufetfein  unb  auf  boö 
geltenbe  Siedet,  roet^eö  im  gaUe  beö  ungered^tfertigten  9lüdEtritteö  vom  SSer^« 
löbnijfe  übermiegenb  in  größerem  ober  geringcrem  Umfange  bem  ocriefeten 
Xf)dlt  einen  2lnfprud^  auf  ©d^abenöerfag  geroäbrt,  ftnb  iebod&  beftimmenb 
gcroefen,  in  bem  in  §  1228  3lbf.  1  bejeid^neten  Umfange  für  ben  gall  eineö 
ungerechtfertigten  SRüdtrittcö  oom  aSerlöbniffc  einen  9lnfprud&  auf  ©d^abenö* 
erfafe  o^ne  SRücffid^t  borauf  anjuerfennen,  ob  im  fonfreten  gallc  ber  SRüdEtritt 
0(0  ein  ^e(ift  \x6)  barfteOt. 

3)ic  aSorfd^rift  beö  §  1228  Stbf.  1  becft  —  infomeit  jum  ^^eil  über  bie  umfang  be« 
neueren  ©efefegebungen,  inöbef.  baö  fäd^f.  ®.  93.  §  1581  unb  baö  altenb.  ®cf.  ^,^^^^* 
t).  13.  Soiiuar  1869  §  3,  ^inauögebenb  —  aud^  fold^e  gälle    in  meldten  ein 
Serlobter  in  ©rmartung  ber  ®^e  eine  Slnftellung  ober  einen  93eruf  aufgegeben 


4  aSci-Iöbnig.  Uiü?erBinblt(&fcit.  mdiiitt,  @*abeneerfaft.  §§  1227, 1228. 

ober  eine  i{)m  mäfircnb  beö  Srautftanbcö  angebotene  3lnfteUun9  ober  fonft  einen 
oermögenSred^tlid^cn  (Srroerb  auögcfd^tagen  l^at.  Slnbcrerfeit«  fd^licfet  fie  ben 
entgangenen  ©eroinn  in  folgen  gäHen  auö,  in  roeld^en  baö  Entgelten  beöfetben 
nid^t  auf  einer  üermögenöred^tlid^en  SSerfügung  berul^t,  2)en  ©rfag  be« 
entgangenen  ©eroinneö  alö  S^^eil  beö  negatioen  Si^tereffeö  aud^  in  gällen  ber 
lefeteren  Slrt  ju  gemä^rcn,  fül^rt  ju  weit,  bringt  SBermidetungen,  fd^roierige 
©d^abenäbered^nungen  mit  fid^  unb  brol^t  eine  Quelle  langwieriger  ^rojejfe  ju 
eröffnen.  (Sine  fflefd^ränfung  beö  Umfangeö  beö  ©d^abenöerfafteö  in  ber  im 
§  1228  Srbf.  1  bejeid^neten  Slrt  bietet  jubem  ben  33ort^eiI,  bafe  eö  mit  SRüdEfid^t 
auf  biefe  Sefd^ränfung  unbebenllid^  erfd^eint,  uon  einer  naiveren  ^eftfteHung 
ber  SBorauöfcfeungen  bcö  älnfprud^eö  auf  ©d^abcnöerfafe  abjufe^en  unb  bie 
©ntfc^eibung  ber  grage,  mann  überf)aupt  ein  SBertöbnift  ofe  eingegangen 
anjufef)en  unb  mann  ein  SRüdEtritt  oon  bem  33erI6bniffe  gered^tfertigt  ift,  bem 
freien  ©rmeffen  beö  SRid^terö  ju  überlaffen.  ®ä  fann  barauf  oertraut  werben, 
bafe  ber  SRid^ter  unter  5Bürbigung  ber  Umftänbc  beö  einjelnen  galleö,  inö* 
befonbere  unter  öerüdEfid^tigung  ber  Sitte,  beö  3lnftanbeö  unb  ber  red^tlid(|en 
SSorauöfeftungen  einer  ß^efd^Iiefeung,  bie  rid^tige  (Sntfd^eibung,  ob  ein  JBer^ 
tobnifebrud^  oorlicgt,  finben  wirb  (oergl.  aud^  §  566,  §  598  Stbf.  3',  §  625, 
§  638  3lbf.  1,  §  648  3lbf.  2,  3). 
»eweiwaft;  Um  übrigeuö  bem  Sefd^äbigten  bie  ©eltenbmad^ung  beö  ©cbabenöcrfa|* 

anfprud^eö  nid^t  ju  fe^r  ju  crfd^meren,  ift,  wie  bie  gaffung  beö  §  1228 
Slbf.  1  ergiebt,  im  (Sintlange  [mit  ber  SWel^rjal^I  ber  beftel^enben  Siebte  bem« 
ienigen  SBerlobten,  meldder  megen  feineö  einfcitigen  SRüdtritteö  auf  ©d^abenö* 
erfafe  in  Slnfprud^  genommen  mirb,  ber  93emeiö  auferlegt,  bafe  ein  mid&tiger, 
nad)  ben  Umftönben  beö  gallcö  ben  SlüdEtritt  red^tfertigenber  Orunb  vor- 
gelegen ^at. 

«rfaittitfpruc^  '^Hai^  bcm  SBorbilbe  ä^nlid^er,  jebod^  weniger  roeitgefienber  33eftimmungen 

ber  «tern.  j^^g  yg^^^  ^  ^  g  ^59^  ^^^j,  j^^g  ^i^^^^^  (g^f  ^^  ^3^  3anuar  1869  §  3  gewöfirt 

ber  §  1228  9lbf.  1  unter  benfelben  SSorauöfe^ungen,  unter  meldten  ber  93eriobte 
felbft  Sd&abenöcrfaft  ju  forbern  beredjtigt  ift,  aud^  ben  ©Itern  beö  (enteren 
einen  Slnfprud^  auf  ©d^abenöerfafe  in  bem  in  §  1228  Stbf.  1  bejeid&neten  Um? 
fange.  2)ie  SSorfd^rift  ift  jmeifeUoö  pofitio,  empfief)It  fid^  aber  auö  Orünbcn 
ber  Silligfcit  unb  SttJ^cfmäliigfeit.  3n  oielen  fällen  ftnb  cö  ni^t  bie  SBerlobtcn 
felbft,  fonbern  bie  ©Itern  berfelben,  meldte  bie  jum  '^xocdz  ber  fünftigen  6tie 
erforbertid^en  9lufmenbtmgcn  burd^  9lnfd^affung  ber  9luöfteuer  ober  ©inrid^tung 
auö  il)rem  eigenen  3Scrmogen  madjen.  3n  berartigen  gälten  mürbe  bie  9ln* 
erfennung  eineö  9lnfpnid^eö  auf  ©d^abenöerfaft  roegen  ungcred^tfert igten  SScr? 
löbnifebru^eö  regelmäßig  ofine  praftifd^e  93ebeutung  fein,  rocnn  nid&t  aud^  ben 
(Sltern  beö  betreffenben  Verlobten  ein  felbftänbigcr  Slnfprud^  auf  ©df|abenöerfa| 
gemährt  mürbe,  ©in  genügenber  Orunb,  biefcn  Slnfprud^  ber  ©Item,  abmeid^enb 
oon  bem  ben  33erlobten  felbft  jufte^enben  9lnfpnid^e,  auf  ben  ©rfag  beöjcnigen 
©d^abenö  ju  befd^ränfen,  meld^er  i^nen  barauö  entftanben  ift,  bafe  fie  in  ©r« 
Wartung  beö  3wftaubetommenö  ber  ©^e  für  bcren  3^^^*^  etwaö  aufgewenbet 
Iiabcn  (ocrgl.  fäddf.  ©.  S.  §  1581,  altenb.  ®ef.  o.  13.  3anuar  1869  §  13),  liegt 
nid^t  üor,  wenngleid^  für  bie  ©Item  ein  anbcrweiter  ©d^aben  praftifd^  reget 
mäßig  niclit  in  grage  fommen  wirb.  *  ©benfowenig  empfiehlt  eö  fid^,  nad&  bem 


SerföBnig.  Un\jerHnbIi*fctt.  mätxitf,  S^abenferfatv  §§  1227, 1228.  5 

SSorgangc  bcö  fäd^f.  ®,  93.  unb  bcß  altcitb.  Oef.  bcn  9lnfprud&  Quf  ©d)obenö* 
crfa|  nic^t  ben  ©Item  afe  fold^cn,  fonbcrn  benjenigen  cinjuräumen,  bcrcn  6in* 
roiUigung  jur  ©J^cfd^tic^ung  crf orbcrlid^  roor ;  bcnn  bic  t)\ev  in  SRcbc  fte^cnbcn 
S[ufn)cnbungen  ftcl^en  mit  jener  ©inmilligung  jur  ß^efd^tiefeung  an  fid^  in 
feinem  S^fammenl^ange  unb  bcr  beabfid^tigte  Qmtd  wirb  nur  bann  üoUftönbig 
erreicht,  .wenn  ben  ©Itern  ber  9Infprud^  oI)ne  9iäcf[i(^t  barauf  gegeben  wirb, 
ob  eö  im  fontrcten  galle  ifirer  ©inroiUigung  jur  ß^efd^üefeung  beburfte,  ba 
no^  bem  (gntmurfe  (§§  1238,  1239)  —  abroeid&enb  von  bem  fäd^f.  ®.  ®. 
§§  1600,  1571  unb  ber  oltenb.  (g^eorbn.  t).  13.  SRai  1837  §  18  —  nebeii  bcr 
©inroilligimg  beö  SSaterä  nid^t  aud&  bic  ber  SWutter  erforberlid^  ift  unb  cö  nod^ 
jurürfgelegtem  fünfunbjroanjigften  Scbenöjafirc  bcd  Äinbcö  bcr  ©inroittigung 
beö  SSatcrö  ober  bcr  SRuttcr  jur  ©^cfd^Uefeung  überfiaupt  nid&t  mel)r  bebarf. 

3)ie  Seftimmung  beö  §  1228  3lbj.  2  ftellt  bem  galle  bcö  ungere^tfertigten  ®*aben*. 
einfcitigen  aiücftrittcß  ben  onbcrcn  %aü  glcid^,  in  roeld&em  ein  aScrtobtcr  burd&  bciwüSvitt 
ein  i^m  jur  Saft  faUenbes  SScrfd^uIbcn  ben  anberen  SScrlobtcn  jum  9?ücftritte     ««fl«« 
von  bem  SScrlöbniffe  ücranlafet  ^at.    3)cr  3wrü(Jtretcnbe  bejn).  bcjfcn  ®(tern  bc/«nber«; 
foUen  mithin  in  einem  fold^en  gallc  bcred^tigt  [ein,  üon  bem  anberen  !E^eiIe 
ben  ®r|a|  beö  i^nen  auö  bem  9iütftritte  entftanbenen  ©d^abenö  in  bem  in 
§  1228  2lbf.  1  bejcid)neten  Umfange  ju  Derlangen.    2)icfe,  bem  jmeiten  ©agc 
beö  §  566  Slbf.  1  fid&  anf^Ucfeenbe,  einer  gcmcinred^tlid^  tjielfac^  Dcrtrctcnen 
än{id&t  unb  uerf d&icbcnen  neueren  ©cfcftcn  (t)ergl.  prcufe.  31.  2.  dt.  II,  1  §  120 ; 
fäc^f.  &.  93.  §  1581 ;  got^.  ei^cgef.  v.  15.  Stuguft  1834  §§  37,  40-  42 ;  meimar.  ®cf. 
T>.  2.  Srtoüember  1848  §  10;  altcnb.  ®cf.  v.  13.  Sanuar  1869  §  3;  —  abmeic^cnb: 
najf.  aSerorbn.  v.  23.3lprif  1822;  olbenb.  ®cf.  v.  31.  aßai  1855  5Ärt.  3;  lübedf. 
®ef.  V.  26.  Dftobcr  1863  §  4;  anljalt.  ®cf.  v.  10.  aJlai  1379  §  8;  ®cf.  f.  3leuB 
ä.  S.  0.  3.  3Rai  1879  §  51)  cntfpred^cnbc  Scftimmung  red^tfcrtigt  fid^  namentlid^ 
burc^  bic  prattifd^c  ©rroägung,  bafe  anbercnfallö  ein  SScrIobtcr,  um  bcn  mit 
dnem  ungerechtfertigten  Stücftritte  für  i^n  Dcrbunbencn  9lad^t^cilcn  ju  entgelten, 
es  barauf  anlegen  tonnte,  burd^  fein  5ßerl)a[ten  b^n  anberen  J^ljcil  jum  3lflcf* 
trittc  }u  ocranlaffcn. 

Xnvä)   bic  öeftimmungen  beö  §  1228  wirb  ber  9tnfprud)  auf  ©rfafe  ®*oben». 
beöienigcn  Sc^abenö,  rocldier  einem  33erIobtcn  ober  beffen  Eltern  baburd)  ent^ "  ***etaer 
ftonbcn  ift,  bafe  erfterer  burd^  eine  unerlaubte  ^anblung  beö  anberen  2:^cilcö,  ""•'?{"^**" 
j.  93.  bur^  einen  93etrug  beö  Icßteren,  jur  ®ingcf)ung  beö  SSerlöbniffcö  ücr-    '""  ""^' 
anlagt  morben  ift,  nid&t  berührt.    3n  fold^en  göUen  ift  ber  93efd^Äbigte  nad^ 
ben    ttBgemeinen   ©runbfögcn    über    bcn    Sd^abcnöerfa^    auö    unerlaubten 
^anblungen  (§§  704,  705)  ben  ®rfa^  beö  negativen  SSntcrcffcö  ju  forbern 
bered^tigt.   ©in  93ebürfni6,  für  biefe  gällc  nodf)  befonberc  58orfd)riften  ju  geben, 
liegt  nic^t  üor.    Slud^  inforoeit,  alö  in  ben  göDen,  in  metcöen  nad^  §  1228 
eine  gefejlid^c  SBerpflic^tung  jum  Sdiabenöcrfafec  begrünbct  ift,  vermöge  bc^ 
fonberer  babei  fonfurrirenber  Umftänbe  bie  3Sorauöfet;ungen  jutreffen,  unter 
roeld^en  nad^  ben  allgemeinen  ©runbfägcn  über  ben  S^abcnöcrfa^  auö  un? 
erlaubten  ^anblungen,  inöbefonbcre  naä)  bem   §  705,  ein  mcitergrcifenber 
©c^abenderfa|anfpru^  Pag  greift,  ift  ber  tegtere  burc^  bic  bef onbcrcn,  auf 
bem  ©efic^töpunfte  einer  gefefelid^en  Obligation  bcrul^enben  93orfd)riften  beö   - 
§  1228  nid^t  auögef^Ioffen. 


6  SScclö&nife.    ©djenfunflcn  :c.  untec  Scrfobtcn.    §  1229. 

»ererbii(^feit  SJctfci^icbcnc  ©cfcggcbunflcu    laRcn   bcn  2[nfprud&   auf  ©^abenöcrfaß 

fprtt*e«"Buf  wegen  aScrlöbnifebrud^eß  nid^t  auf  bie  ®rben  bcä  Sercd^tigten  übergcl^cn,  roenn 
^tria"*'  ^^^  kßterc  Dor  bcr  Älagcer^ebung  geftorbcn  ift  (oergl.  föd&f.  ®.  35.  §  1587; 
'  "*'  altenb.  Oef.  d.  13.  3anuar  1869  §  9;  lübccf.  ®cf.  ü.  26.  Df tober  1863  §  5; 
anmalt.  ®ef.  v.  10.  3Jlai  1879  §  8).  3lad)  bem  preufe.  31.  S.  31.  'II,  1  §  127 
lönnen  bie  6rben  beö  unfd^ulbigcn  2^I)ei[eö  bie  ©ntf^äbigung  unb  3lbfinbung 
von  bem  fd&ulbigcn  2^^eilc  fogar  nur  bann  forbem,  roenn  biefelbe  bem  ®rb* 
laffer  bereite  red^töträftig  juerfannt  mar.  ®a  ber  im  §  1228  beftimmte 
Slnfprud^  auf  ©d^abenöcrfag  fid^  nid^t  alfi  3luöflu6  eined  junäd^ft  unb  un* 
mittelbar  auf  ©(^Ilefeung  ber  6^e  gerid^tetcn  ^öd^ftperfönlid^cn  Slnfpruddeö 
barfteDt  unb  aud^  nid^t  ben  Äarafter  einer  actio  vindictam  spirans  ^at,  fo 
folgt  au&  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen,  ba§  berfetbe,  roic  regelmäßig  alle  ®nt* 
fd^äbigungöanfprüd^e,  auf  bie  ©rben  beö  93ered^tigten  übergebt  (§§  292,  2051) 
unb  aud^  oon  hzn  ©laubigem  beö  legieren  im  SBege  ber  3nJÄt^9öüöllftre<fung 
gepfänbet  rocrben  fann.  ®in  genügenber  ©runb,  im  ^inblide  barauf,  baß 
aud&  burd&  bie  ®eltenbmad(|ung  beö  ^ier  fraglid^en  Sd^abenöerfaganfprud&ed 
perfönlid&e  3ntereffen  beö  Sered^tigten  berührt  unb  in  ben  Rrciö  bcr  35er^ 
iianblung  gcjogcn  rocrben,  bie  allgemeinen  ©runbfäfee  nad^  3lnalogie  ber 
33eftimmung  beö  §  728  9lbf.  1  in  bcn  bcieid)neten  SWid^tungen  ju  burd^brcd^cn, 
fann  nid^t  anerfannt  rocrben,  jumal  bcr  ©d^abcnöerfaganfpruc^  nadf)  §  1230 
mit  Slbtauf  eincö  Sabreö  oon  ber  9Iuf^ebung  beö  SScrlöbniffeö  an  tjcrjäfirt. 

2)aö  preufe.  91.  £.  SR.  II,  1  §§  125,  126  unb  baö  gotl).  E^egcf.  t). 
15.  3luguft  1834  §  46  bcfd^röntcn  bie  ©cltcnbmad^ung  beö  9lnfprud)eö  auf 
©ntfd^äbigung  unb  9lbfinbung  aud&  gegenüber  ben  (Srben  beö  fcfiulbigcn  3:^eileö. 
®ö  bangt  bicö  bamit  jufammen,  bafe  nad^  jenen  9led)tcn  ia^  SBcrlobnife  ju* 
näd^ft  einen  3lnfprud)  auf  ©d^licfeung  bcr  61)^  unb  nur  fubftbiär  einen  2lnfprud^ 
auf  ®ntfd^äbigung  begrünbet.  5Bom  Stanbpunfte  beö  ©ntrourfcö  auö  fann 
in  ber  ijkx  in  ^ebe  ftet)cnben  3lid[)tung  eine  3luöna^mc  t)on  ber  Siegel  beö 
§  292  nicbt  in  grage  fommcn. 

§  1229. 
ec^enrunaen  2[ni  3lnf d^luffc  an  baö  rom.  SRcd^t  (l.  1 5  Cod.   de  don.  ante  nupt.  b,  s) 

""oöten*'^*  bcftimmt  baö  gemeine  Slcd&t,  foroic  bie  ÜJlebrjabl  bcr  neueren  ©cfcggcbungen, 
bafe  ©d^enfungcn  unter  93erlobtcn  im  B'^'^if^  ^^^  unter  bcr  SKorauöfcgung 
gemad^t  anjufebcn  feien,  bafe  bie  ©t)cfcblic&ung  erfolgen  roerbe  (ücrgl.  preufe. 
91.  S.  3fl.  II,  1  §  122 ;  föcbf.  ®.  33.  §  1583 ;  roeimar.  ®cf .  t).  2.  ^noDcmbcr  1848 
§  10;got^.  ebegef.  0. 15.  9luguft  1834  §  42;  altenb.  ®ef.  o.  13.  Januar  1869 
§  5).  9luf  bemfelben  S3oben  ftct)t  aud^  ber  §  1229.  Da  bie  bier  fraglid^cn 
Sd^enhingen  in  SScranlaffung  beö  Srautftanbeö  alö  ^ziä)cn  bcr  Siebe  unb 
3uneigung  gemadjt  rocrben,  fo  cntfprid^t  cö  im  ^i^cifel  bem  SBillen  beö 
®eberö,  baß,  roenn  bie  nal)cn  perfönlid)cn  Sesicbungeu,  roetd^e  bie  Sd^cnfungcn 
ücranlaßt  I)abcn,  burcb  9lufl)cbung  beö  SScrlöbniffeö  roieber  gclöft  rocrben,  aud^ 
bie  ©dientungcn  ba&  SScrlöbniß  nid^t  Überbauern,  fonbern  bie  ®cfd)enfc  jurücts 
gegeben  rocrben  follen.  2)icfcr  ©cfi^töpunft  fann  jcbodf)  für  bcn  gall  nid&t 
alö  jutrcffcnb  eracbtct  rocrben,  roetm  baö  SBcrlöbniß  burd^  ben  ^ob  eincö  ber 
aScrlobtcn  aufgcljobcn  roirb.    3ln  einem  fold^en  gallc  rocrben  bie  bie  ®runblagc 


S3erlöbm§.    SSeriä^rung  beö  ©(j^aben^erfa^anfprucfeeS  k,    §  1230.  7 

ber  S^enfungcn  bilbettbcn  nafien  perfonlidien  Scjiel^iincjcn  m6)t  gcloft,  unb 
cntfpric^t  cö  im  3n)cifcl  umgcfcfirt  bem  SBillcn  bcö  ©cbcrö,  bafe  ber  Scfd^enfte 
bcjio.  bcffen  (gvben  bie  ©efd^cnfe  alö  9Inbenfen  behalten  [oUen.  3)icß  ift  aud) 
bct  StanbpunK  bcö  lüärttemb.  SKed&teä,  beö  fäc^f.  (S.  33.  §  1586  unb  beö 
altcnb.  Ocf.  ü.  13.  Sanuar  1869  §  8,  roä^renb  ba^  prcufe.  21.  S.  9?.  II,  1  §  123 
unb  baö  got^.  ®ef.  v.  15.  9luguft  1834  §  45  im  galle  ber  3luff)ebung  beö 
aScrlöbniffeö  burd^  ben  S^ob  cineö  SBerlobten  bem  Ueberlcbenben  bic  3Ba^l 
(Qjten,  ob  er  bie  empfangenen  Oefd^enfe  behalten  ober  ob  er  [ie  jiirücf geben 
unb  bie  oon  i^m  gcmad(|ten  roieberforbern  toüI. 

2)en  ©d^enfungen  unter  ^Brautleuten  ftellt  ber  §  1229,  ber  beutfd^en   ^0«  s"«» 
Sitte  unb  SRed^töentroirfelung  folgenb,  in  ber  I)ier  fraglid^en  Sejie^ung  baö*  «Äiiff?« 
ienige  gleid^,  roaö  ein  JBerlobter  bem  anberen  olö  3^^^^^^  ^^^  eingegangenen  ««fl«*«««- 
93erIobnif[eö  gegeben  l&at  (t)ergl.  bax)x.  2. 5R.  I,  6  §  17 ;  preufe.  31.  fi.  di.  I,  5 
§  209;  fäd^f.  ©.  S3.  §§  1583—1587;  altenb.  ®ef.  t).  13.  Sanuar  1869  §§  5—8). 

2)ie  gaRung  beö  §  1229  fd^Iiefet  fi^  bem  §  742  an.    2)aburd&  loerbeu    »»«««!. 
bcfonberc  Scftimmungen  barüber,  unter  roeld^en  SBorauöfcfeungen  in  ben  gölten  ""« sSkS" 
bcö  §  1229  ein  Slnfprud^  auf  Slürfforberung  begrünbet  ift  unb  meldten  Sn^att  forbenitt««- 
bicfcr  ainfprud^  ^ot  (oergt.  fäe^f.  ®. ».  §§  1584,  1585),  entbehrlich,   ©ö  ftnb    "****' 
in  biefer  §infid(|t  bie  allgemeinen  33eflimmungen  ber  §§  742—744  ma^gebenb. 
9Iu«  bem  §  743  9Jr.  2  ergicbt  fid^  namcnttid)  ber  bem  gemeinen  9led(|te  unb 
ben  mciften  neueren  ©efefegebungen  (oergl.  preufe.  31.  £.  5R.  II,  1  §  122;  fäd^f. 
©. ».  §  1585;  got^.  G^egef.  v.  15,  Sluguft  1834  §§  42,  45;  roeimar.  ©ef.  x>. 
2.  9Jooember  1848  §  10;  attenb.  ©ef.  t).  13.  Januar  1869   §§  5,  6)  cnU 
fpre(^enbe  ©aft  oon  felbft,  bafe  baö  5Rücfforberungöred&t  beö  ©eberö  auö- 
gefc^Ioffen  ift,  menn  berfelbc  t)on  bem  Söerlobniffe  jurüdftritt,  ol)ne  bafe  ein 
TOid^tiger,  nad^  ben  Umftönben  beö  galleö  ben  SRürftritt  redf)tfertigenber  ©runb 
oorgetegcn  ^at  ober  wenn  berfelbc  burd^  ein  oon  x^m  ücrfc^ulbeteö  SBerl^alten 
ben  anberen  2:^ei[  jum  JRüdEtritte  Dcranlafet. 

©in  Sebürfnife,  ben  Uebergang  beö  l^icr  frogüdjen,  rein  Dcrmögenöred^t*  ««mwic^reit 
liefen  änfprud^eö  auf  bic  ßrben  bcö  Serc^tigten  in  3lbn)eid^ung  üon  ben  oU^  ^*'^*^^***- 
gemeineti  ©rnubfäfeen  (§§  292,  2051)  ju  bcf^ränfcn  (oergl.  föd&f.  ©.  93. 
§  1587 ;  altcnb.  ©ef.  ü.  13. 3anuar  1869  §  9),  fann,  namentlid^  im  ^inblidPc 
auf  bie  im  §  1230  beftimmte  turjc  SSeriö^rung  beö  3lnfprudiieö,  nid^t  an^ 
crfonnt  toerben. 

Suroicroeit  eine  lelttoilligc  SSerfügung,  burd^  meiere  ein  SBcrlobtcr  ben  Surocnbunaen 
anbeten  bebad(|t,  ober  ein  iwifd^cn  ben  aSerlobtcn  gcfd&lojfcner  ©rbeinfeftungö-  xobeörocaen. 
©ertrag,  burd^  roeld)en  ber  eine  Sßerlobtc  ben  anberen  ober  einen  ^Dritten  alö 
9?crtragöerben  eingefegt  ^at,  ber  Slnfed^tung  unterliegt,  menn  baö  95erlöbni§ 
Dor  bem  Sobe  beö  ©rblafferö  aufgetoft  ift,  bcftimmt  fid^  nad)  bm  SSorfd^riften 
ber  §§  1783  ff.,  foroie  beö  §  1948  2lbf.  2  unb  bcö  §  1949  (ücrg(.  aud[|  §  1962). 


§  1230. 
3lai^  bem  SJorgangc  ber  mciften  neueren  ©efcjjc  (oergl.  prcug.  31. 2. 91.  II,  1  ««rja^runa 
§§  128—130;  föd&f.©.».  §  1587;  gotl).  ei;egcf.  o.  15.  Sluguft  1834  §  47 ; ''' f^tcT*' 
lübccf.  ®cf.  V.  26.  Dttober  1863  §  5;  altcnb.  ©ef.  0. 13.  Januar  1869  §  9)  ift  «nfpn»«^^«  »c 


8  ei^el&inbernifTc  imb  (SM^üeBung.    23crbemerfun(j.    (§§  1231—1249.) 

eine  furjc  SSeriäl^rimg  fotüo^l  bcö  im  §  1228  beftimntten  SÄnfprud^eS  auf 
©d^abenäcrfal  als  bcs  3lnfpruc^cö  auf  ^^i^ürfncibe  bor  im  §  1229  bejeid^ncten 
(Segenftänbe  alö  unentbcf)rlid)  eradjtet,  tljcilö  megen  bcr  ©diroierigfcit,  bie  I)icr 
in  33etrad)t  fommcnben,  im  inneren  beu  gamilie  fid)  ereignenben  S3orgänge 
nod^  nad)  längerer  Qü\t  ju  ermitteln,  tljeitö  um  ©d^u^  gegen  d^üanöfc  9ln- 
fpriid^e  unb  bie  bamit  üerbunbene  Störung  bcr  9lu^c  unb  bcö  griebenö  ber 
fjamilie  ju  gcmäf)rcn.  3(m  9Infd)tuftc  an  bie  neueren  Oefeßc  ift  bie  SScr^ 
iäljrungöfrift  auf  ein  3o^r  feftgefc^t,  beginnenb  mit  bem  ^citpunfte,  in  mefd^cm 
bieg  SSerlobnife  aufgcf)oben  ift.  ©ine  längere  grift  mürbe  mit  bem  ju 
erreid^enben  Qw^dc  ni(f)t  vereinbar  fein. 


äJovbemerlttug 

JU  bcn  §§  1231-1249. 

stettuna  SBenngleid^,  fooiel  bie  Stellung  bed  biirgerlid^cn  ©efepud^cö  p  ben 

fRtml^ttc  beftel^enben  Sleidjögefefeen  betrifft,  im  90lgemeinen  üon  bem  (Srunbfafee  an^^ 
».  6.  §e6ruov  jugel^en  fein  mirb,  ba§  ber  prioatred^tlid^e  Snl^att  ber  (enteren  oufre^t  ju 
erhalten  unb  nur,  foroeit  ein  SBcbürfnife  vorliegt,  ju  änbcrn,  ju  ergänjen  ober 
ju  beflariren  ift,  fo  ftef|t  bod^  ber  ®infd^tagung  biefed  SBegeö  in  9lnfel^ung 
bc«  in  bem  dl  ®ef.  über  bie  33eurfunbung  beö  5ßerfoncnftanbeö  unb  bie 
©^efd^üefeung  r>.  6.  gebruar  1875  §§  28' ff.  bereitö  geregelten  ß^efd^Ucfeungd^ 
redete«  ber  Umftanb  entgegen,  bofe  jenes  ®efeg  baß  ®l)efd)lic6ungßredöt,  ent^ 
fpred^enb  bem  auf  bie  6rmögtid)ung  ber  5Durdf)fül^rung  ber  3i^i'^f)^  ^' 
fd^ränften  3n)edEe  biefcö  2:i)eileö  jenes  ©efegeö,  nur  unoollftänbig  geregelt  l^at. 
«rforbwniffc  gjji  fj^j^  geljoreu  bie  SSorfd^riften  über  bie  materiellen  ©rforberniffe  ber  ©l)c* 
m^^nl  fddliefeung  überfiaupt  nid^t  in  bas  ^ßerfonenftanbßgefc^.  3)ies  gilt  aud&  oon 
ben  $Borfcf)riften  über  bie  fog.  auffd^iebenben  6l)et)inberniffe,  inbcm  biefclben  in 
erftcr  2inie  fid&  nid&t  an  ben  ©tanbesbeamten,  fonbern  an  bie  ©^efd&liefeenbcn 
roenben  unb  bie  ?lid^tbeobad&tung  berfelben  eine  SBiberred^tlie^feit  ber  Qf^e^ 
fd^Hefeenbcn  begrünbet,  meldte,  abgefe^en  von  etwaigen  fie  treffcnben  ©traf- 
beftimmungen,  unter  Umftänben  eine  SSerpftid^tung  jum  ©diabenßerfage  nad^ 
fid&  jieljen  fann.  Die  9lufna^mc  ber  SJorfd^riften  über  bie  ©rforberniffe  bcr 
©^ef^liefeung  in  baß  ^erfonenftanbßgefefe  ift  and)  lebiglid^  beß^alb  erfolgt, 
weit  man  bie  ©tanbesbeamten  in  ber  l)icr  fraglid^en  S3ejicf)img  auf  baß  üor 
bem  Sleidjßgcfe^e  in  ©eltung  gemefene  materielle  Sted^t  nid)t  t)ermeifen  fonnte, 
ba  baß  legtcre  tf)eilß  bunfel,  tf)eilß  in  ben  einjelnen  Sunbeßftaaten  Dcrfd&iebcn 
gorm.  mar.  2lud&  bie  SSorfd^riften  über  bie  gorm  ber  ®l)efd^lie§ung  felbft,  fomeit 
biefelben  bie  ©ültigfeit  bcr  ®^c  bebingen,  finb,  roenngleid^  biefclben  fid^  aud& 
an  ben  ©tanbeßbcamten  menbcn  unb  oon  biefem  Oefid^töpunfte  an&  jugleid^ 
bcn  Äarattcr  üon  2?erfal)rcnöüorfc^riften  fiaben,  bocf)  üorroicgenb  materiell 
rcd^tlid|C  33orfd)riftcn.  Süß  fold)e  gel}ören  biefclben  fi)ftematifd)  unb  prinjipieU 
nic^t  minbcr  in  baß  bürgcrtid)c  ©efe^bud),  alß  bie  93orfd|riften  über  bie  gorm 
anberer  9Ied)tßgcfd^äfte.  2)a  eß  bie  9lufgabe  beß  bürgerlid)en  ®efe6bud)cß  ift, 
baß  perfönlid^c  ©l)ered^t  in  feinem  ganjcn  Umfange  5u  regeln,  fo  mürbe  baß 
©cfefebuc^  in  micfjtigcn  fünften  eine  mefentlid^c  Surfe  cntl)altcn,  roznn  eß  über 


efectinbcrniffe  unb  eSef^Iicgung.   SScrbcmerfung.   {§§  1231—1249.)  9 

bic  materiellen  erforberniffe  ber  (S^e[(^Ue§uu3  unb  über  bie  gorm  ber  ©{le- 
fcdliefeung  fclbft  ganj  fd^roetgen  ober  in  biefcr  ^infid)t  nur  eine  SUerrocifung 
auf  baö  9t.  @ef.  d.  6.  gebruar  1875  enthalten  würbe.  3)ie  3luö)d)eibung 
ber  33oric^riften  über  bie  ®^el)inberniffe  unb  über  bie  gorm  ber  @f)efd)lie6ung 
oiis  bem  ©cfefebu^e  ift  aber  aue^  um  beöwitlen  nid&t  ju  empfehlen,  weil  iene 
Sorfc^riften  mit  ben  in  bem  ^erfonenftanbögefefte  nid^t  ent{)a[tenen  unb  bal)er 
im  bürgerlichen  ©efefebud^e  iebenfallö  ju  treffenben  SJorfd^riften  über  bie  an  bie 
SUc^tbcobad&tung  jener  Sßorfc^riften  fid)  Inüpfenben  S^tgcn,  insbefonberc  über 
bie  Sli^tigteit  unb  Slnfed^tbarfeit  ber  ®^e,  auf  baä  ©ngfte  in  SSerbinbung 
ftc^cn,  inbcm  jene  SSorf^riften  bic  ©runblage  ber  (enteren  bilben.  ©aß  ®efe^=j 
buc^  mürbe  an  Ueberfid^ttic^feit  unb  ®infac^^eit  fd^mere  ©inbufee  erlciben, 
toenn  es  gctiot^igt  märe,  bei  ben  S3eftimmungen  über  bie  ?5oIgfn  einer  gefefe^ 
roibrig  eingegangenen  6^e  auf  baä  SH.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1875  bcjm.  auf 
baö  bie  nöt^ig  merbenben  ©rgänjungen  unb  3lbänberungen  beö  legteren  ent^ 
^oltenbc  ©infü^rungögefeß  jum  bürgerlid)en  ©efe^buc^e  S3ejug  ju  neljmen. 
3)ie  aufnähme  ber  3Jorfd()riften  über  bie  6I)ef)inbcrniffe  unb  bie  gorm  ber 
®Hti&Iic6ung  in  baß  bürgcrlid^e  ©efefebud^  ift  aber  auc^  im  3ntereffc  ber  ©r- 
Ici^tcrung  ber  ©efd^öftöfül^rung  ber  Stanbeöbeamten  unb  im  Sntercffe  ber 
gorberung  ber  Verbreitung  ber  Äenntnife  jener  SSorfdjiriften  in  ben  bettjciligten 
Äreifcn  beö  ^JJublifumö  porju}iel)en,  ba,  auc^  menn  man  eä  in  biefer  ^infid)t 
im  Uebrigen  bei  bem  91.  @ef.  d.  6.  gebruar  1875  belaffen  moUte,  bod^  in 
»erf(^iebcnen  9lid^tungen  eine  ©rgänjung  biefeö  ©efe^cö,  fomeit  baöfelbe  nämlic^ 
ttuf  baö  2onbeßredt)t  üermeift  unb  in  bicfem  bic  nötf)igc  SßerüoUftänbigung 
finbet,  crforberlid^  werben  unb  aud^  eine  facfjlic^e  9lenberung  jener  Säorfdiriften 
mit  aiürfllc^t  auf  neue  5ßrinjipien  beä  ©efegbuc^cö  nid)t  ju  uermcibcn  fein, 
mithin  baö  e^efd&Uefeungöred^t  fid^  tljeite  in  bem  9t.  ©cf.  u.  6.  gebruar  1875, 
l^eite  in  bem  6infü^rungggefe|e  jum  bürgerlid[)en  ©efegbud^c  finben  mürbe. 

SDBcrben  bie  mcfentlid^en,  bie  ©ültigfeit  ber  ßfiefd^Iiefeung  bebingenben 
eJormoorfd^riften  in  bas  ©efegbud^  aufgenommen,  fo  empficf)It  eö  fid&,  menn^: 
glei^  f^ftcmatifd^e  9iü(ffic^ten  bagegcn  fprec^en  mögen,  bo^  aus  übermiegcnben 
®runben  praftif4ier  Sn^^^^öfeigfeit,  in  gleid^cr  SBcifc  aud)  in  Slnfetjung  ber 
ni^t  roefentlid^en  SSorfd^riften  über  bie  gorm  ber  ®f)efdl^lie§ung  fclbft  ju 
oerfa^ren,  ba  bie  mefentlid^en  unb  bie  unroefentlid^en  gormuorfd^riften  in 
einem  engen  S^^fon^tnen^ange  fte^en  unb  burd^  bie  Trennung  bcrfclbeu  bie 
praftif(^e  ^anbl^abung  ber  gefe^lid^en  Seftimmungcn  nidjt  uncrf)cblid)  erfdimcrt 
©erben  mürbe. 

3[nberd,  ate  in  älnfe^ung  ber  SBorfd^riften  über  bie  ©{)c^inberni)fc  unb  »eur* 
über  bic  e^d^Iicfeung  fclbft,  liegt  bagegcn  bie  Sad&e  in  3lnfcf)ung  ber  baö  SlIÄt 
Hufgebot  unb  bie  S3eurfunbung  ber  ©f)efd^liefeung  betrcffenben  S5orfdE)riften. 
5)iefe  aSorfd^riftcn  finb  lebigüc^  38erfaf)renöoorfd|riften  unb  gcl;ören  bcöl;alb 
f^ftematifcö  unb  nad^  ber  oon  bem  ©efe^buc^c  in  äl;nlid)cn  gällen,  j.  3J.  in 
Setreff  ber  bie  ©runbbudjorbnung  unb  baö  33erfal)rcn  in  ajormunbfd^aftös 
foc^cn  bejielenbcn  Seftimmungen ,  befolgten  SKet^obc  nidjt  in  baö  bürgerlid)c 
©efetbuc^.  ©in  gcnügenbcr  ©runb,  t)on  biefer  3Ket()obe  l)ier  abjumcid)cn, 
liegt  um  fo  meniger  t)or,  alö  baö  9t.  ©cf.  o.  6.  gcbruar  1875  bie  be- 
j^idineten  SSorfd&rif ten  DoUftänbig  entljält  unb  ein  Scbürfui^,  bicfclben  ju 


I 

^ 


10  e^eBinbcmifff.  ©cf^äftSunfä^iQfeit  ic.  §§  1231,  1232. 

änbcrn  unb  ju  crgänjcn,  rocnn  übcrljaupt,  bod^  tnir  in  geringem  aWofee  üorliegt. 
9lud5  bcr  Sufött^^cJ^^önO  ^i^f^^  SSorfd^riften  mit  ben  SSorfd^riften  über  bie 
gorm  ber  Sf)cfd()Iic6ung  fclbft  tft  nicjt  oon  cntfd^eibcnbcr  Scbeutung.  Safe 
aus  ber  2^rennung  biefer  33orfd()riften  ein  er^eblid^er  Uebelftanb  für  bie  praftifd^e 
^anb^abung,  inöbcfonbere  für  bie  ®cfd^äftöfü{)rung  ber  ©tonbeöbeamten, 
erroad&fen  mcrbe,  ift  nid^t  ju  beforgen,  jiimol  biefem  Uebelftanbe,  fomeit  nöt^ig, 
burd^  eine  bem  ^crfonenftanbögefcge  anju^ängenbe  3nftruftion  für  bie  ©tonbeß« 
beomten  abgeholfen  merbcn  fann  (t)crgl.  9lnm.  1  ju  §  1245  ff.). 


§  1231. 

©eftwft«^  S)ic  a\i&  bem  SBefen  ber  (S^c  mit  ißot^menbigfeit  pd^  ergebenbe  SSe^ 

«nWflfeit.  ^ti^„^„„g  j,eö  §  1231  f^Iiefet  fid)  in  fad&li^er  ^infic^t  bem  9«.  ®ef.  v.  6.  gebruar 
1875  infofern  on,  a(d  Icfeterefi  im  §  28  bie  ©inroiUigung  bcr  S^efd^fiefeenben 
ücriangt,  GinroiUigung  aber  2BilIensfäf|igfeit  t)orauöfegt.  SBcnngleic^  bie  93c* 
ftimmung  bcö  §  1231  im  ^inblicfc  auf  §  64  3lbf.  3  mUtxä^t  alö  felbftücrftänblid^ 
bctrad)tet  werben  fann,  fo  empfiehlt  es  fic^  bod&,  bicfclbe  im  3lnfd(|Iuffe  an 
bie  ^Terminologie  beö  ©cfeftcs  (§  64)  außbrütflid^  auösufpredfeen,  ba  e«  einer* 
feit«  im  Sntercffc  bcr  jur  ^anbljabimg  beö  ©efefecö  berufenen  ©tanbedbeamtcn 
liegt,  fftmmtlid[)c  Sfic^inbcrniffe  jufammenjuftcHcn,  anbererfeitö  burd^  bie  Sluf* 
na^me  bcr  Scftimmung  ieber  Sw^^iH  barübet  auögefd)toffen  toirb,  bafe  in  ber 
6f)efd^Iie6ung  ein  rcd^tögef^fiftlidjcr  3lft,  ein  SSertrag  ju  finbcn  ift  (oergl. 
preufe.  91.  2.  31.  IT,  1  §  39 ;  fäd&f.  ®.  93.  §  1592  oerb.  mit  §  4  beö  fäd^f.  ®cf.  t). 
5.  9loücmbcr  1875;  gotl).  ©Ijcgcf.  v.  15.  2luguft  1834  §  2  3iff.  f.;  altenb. 
ei)corbn.  t).  13.  SWai  1837  §  165;  l|cff.  ©ntm.  II  Slrt.  8). 

9Iuö  bem  §  1231  in  SBerbinbung  mit  bem  §  64  9lbf.  2  folgt  namcntlid^ 
üon  fclbft,  bafe  ^crfoncn,  n)eld)c  roegen  ®eifteöfranff)eit  entmünbigt  finb,  fo 
lange  bie  ßntmünbigung  bcftcljt,  aud)  in  fog.  lid)ten  SnJifd&^n^öw^cn  eine  6^e 
nid)t  fc^lie6en  f önnen  (ücrgl.  preufe.  91.  S.  %  II,  1  §  39, 1,  4  §  25 ;  got^,  ©l^cgef. 
0.  15.  9tuguft  1834  §  2  3iff.  f.). 

Uebcr  bcn  ©influfe  ber  ®efd&äftdunfä^ig!cit  eine«  ©^cfd^tiefeenben  auf  bie 
®ültigfcit  bcr  ei;e  ücrgl.  §  1250  3Jr.  2,  §§  1251,  1259  3lx.  4  nebft  aßotiocn. 

§  1232. 

sewranfte  1.  S)ic   Scftimmung   beö   9lbf.   1    ift   im  ^inblidc   auf   ben  red^tö* 

Täluftdt.'   gefd&äftUd()cn  Äarafter  bcr  S^cfc^lie^ung    nur   eine  5lonfequcnj  allgemeiner 

cinrnuiflunfl  ©niubfä^c  (ücrgl.  §  65  9lbf.  3,  §§  70,  71).    3^^  ^^^  entgegcngefcfetcn  6nt* 

^  »?rt«t!?r  fcft^i^""fl  lüürbc  man  gelangen  muffen,  wenn  bie  ©fiemünbigfcit  bie  Sebeutung 

f)dtte,  baß  mit  bem  ä^itpunftc  bcrfclbcn  in  9lnfel)ung  ber  6{)efd&tic{3ung  bie 

unbcfd)ränltc  (S3cfd)äftöfäl)igfeit  atö  erlangt  anjufc^cn  märe.    S)icfe  93ebcutung 

l)ai  aber  bie  6l)emünbigfcit  nad^  bem  ©ntmurfe  in  Uebercinftimmung  mit  ben 

bcftct)cnben  9led)tcu  nid)t.    ^ic  ®f)emünbigfcit  bcjcid^nct  cinerfeitö  bieicnige 

®i*en5c,  Dor  bercn  6rreid)ung  eine  gültige  ©^e  übertjaupt  nid)t  eingegangen 


(Sfee^inbemiife  unb  (Sl&eft^Iiegung.   SSorBemcrhina.   (§§  1231-1249.)  9 

bic  materiellen  ©rforberniffc  ber  ß^efd^Uefeung  unb  über  bie  gorm  bor  ©^c? 
f^licfeung  fclbft  ganj  fd^roeigen  ober  in  biefer  c^infic^t  nur  eine  ^crrocifung 
auf  baö  51.  ®ef.  t).  6.  gcbruar  1875  entöaUen  würbe.  3)ie  2IuS)d)eibung 
ber  ajorfdjriften  über  bie  (SI)ef)inberrüfie  unb  über  bie  gorm  ber  G^efd^Iiefeung 
an^  bem  ®efe|bud^e  ift  aber  aud^  um  besiuiflen  ni6)i  ju  empfetjlen,  weil  jene 
9Sorf(^riften  mit  ben  in  bem  ^^erfonenftanbögcfefce  nid)t  entf)altenen  unb  bal)cr 
im  bürgerlichen  Ocfegbud&e  jebenfallö  ju  treffenben  aSor|'cf)riften  über  bie  an  bie 
9lid|tbeobad^tung  jener  Sßorfd^riften  fid)  fnüpfenben  golgen,  inäbefonbcre  über 
bie  5ßid^tigfeit  unb  Slnfcd^tbarfeit  ber  ®^e,  auf  baö  ©ngfte  in  SSerbinbung 
[teilen,  inbem  iene  SSorfd^riften  bie  Oninblage'  ber  lejteren  bilben.  S)as  Oefefe- 
bu^  mürbe  an  Ueberfid^tti^feit  unb  6infad)^eit  fd^roere  ©inbufee  erleiben, 
wenn  eö  genöt^igt  märe,  bei  ben  Seftimmungen  über  bie  ^ol^cn  einer  gefe^^ 
roibrig  eingegangenen  ®t)e  auf  bas  91.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1875  besro.  auf 
ba^  bie  not^ig  mcrbenben  ©rgönjungen  unb  9lbänberungen  beö  legieren  ent* 
^altenbc  (Sinfü^rungögefeg  jum  bürgerlid^en  ©efe^bud^e  Sejug  ju  nef)men. 
3)ie  Slufnal^me  ber  ^orfdl)riften  über  bie  ®l)el)inbcrni}fe  unb  bie  gorm  ber 
(g^efc^liefeung  in  baö  bürgerlid^e  ©efegbud)  ift  aber  aud&  im  3ntcreffc  ber  ©r* 
lcid(|tcrung  ber  ©efd&äftsfü^rung  ber  ©tanbcöbcamten  unb  im  Sntercffc  ber 
görberung  ber  aSerbreitung  ber  Äenntnife  jener  aSorfdljriften  in  ben  bett^ciligten 
Äreifen  beö  ^^ublitumö  t)orjujiel)en,  ba,  auc^  rcenn  man  eö  in  biefcr  ^infid&t 
im  Uebrigen  bei  bem  SH.  ®ef.  ü.  6.  gebruar  1875  belajfen  wollte,  bod^  in 
xierfd^iebenen  9lid)tungen  eine  ©rgönjung  biefeö  ©cfeßcö,  fomeit  baöfelbc  nämtic^ 
auf  baö  Sanbeöred^t  üerroeift  unb  in  biefem  bie  nötljige  SBerüollftänbigung 
finbet,  erforberlid^  roerben  unb  aud)  eine  fad&lic^c  9lenberung  jener  SSorfd^riften 
mit  SRücffic^t  auf  neue  ^rinjipicn  beö  ®cfc§bud)eö  nid)t  ju  oermciben  fein, 
mithin  baö  (S^efd^liefeungöred^t  fid^  t^eilö  in  bem  9t.  ®cf.  ü.  6.  gebruar  1875, 
tt^eite  in  bem  6infü^rungögcfe|e  jum  bürgerlid^en  ®efe^budöe  finbcn  mürbe. 

SBcrben  bie  roefentli^en,  bie  ©ültigtcit  ber  ©liefd&liefeung  bcbingenben 
gormoorfd^riften  in  baö  ©efegbud^  aufgenommen,  fo  empfict)lt  eö  fic^,  roenn^ 
glcid^  f^ftematifd^e  9lücffidöten  bagegen  fpred^en  mögen,  boc^  aus  überroiegenben 
©rünbcn  praftifd^er  3w>^^"^ö6igteit,  in  gleid^er  SBcifc  aud^  in  3lnfcl;ung  ber 
nid^t  roefentlid^cn  33orfd)riften  über  bie  gorm  ber  ©tjefc^Uefeung  fclbft  ju 
Derfa^rcn,  ba  bie  mefentli^en  unb  bie  unroefentlidben  gormüorfc^rif ten  in 
einem  engen  3wfammenf)ange  ftel)en  unb  burd&  bie  SE:rennung  berfclbcn  bic 
prattifd^c  ^anb^abung  ber  gefeglid^en  33cftimmungcn  nid)t  uncr^cblid^  erfc^wert 
merben  mürbe. 

9lnberö,  als  in  9lnfef)ung  ber  SSorf^riften  über  bie  6^el)inbernijfc  unb  »cur* 
über  bie  ©Hd^li^fei^nfl  fclbft,  liegt  bagegen  bic  Bad)c  in  9lnfc^ung  ber  baö  «"„{g^ot 
Aufgebot  unb  bie  Seurtunbung  ber  6l)cfd^liefeung  betreffcnbcn  aSorfd^riftcn. 
Siefe  aSorfd^riften  finb  lebiglidE)  SSerfalircnöüorfc^riften  unb  geljören  beöl)alb 
fpftematift^  unb  nad)  ber  üon  bem  ©efelbuc^e  in  äl)nlid)en  gällen,  j.  S.  in 
Setreff  ber  bic  ©runbbuc^orbnung  unb  baö  aSerfal^rcn  in  aijormunbfdjaftö^ 
fachen  bcjielenben  Seftimmungen ,  befolgten  aKet^obc  nid)t  in  baö  bürgerlid()c 
©efefebud).  6in  genügenber  ©runb,  üon  biefcr  3ftetljobe  Ijicr  absuiücid^en, 
liegt  um  fo  weniger  oor,  alö  baö  91.  ©ef.  o.  6.  gebruar  1875  bie  be* 
ieidineten  äorfc^riften  Dollftänbig  entl}ält  unb  ein  Sebürfnife,   bicfclbcn  ju 


1 2  ebeJtnberniiTe.   ScWränftc  ©efdjaftöfaßiöfett.    §  1232. 

iinb  bcö  fäd^f.  ®.  S.  §§  1600,  1575,  rocniflftcn«  in  Slnfc^unß  bcr  wegen  S8er* 
fd^mcnbung  unter  SJormunbfd&aft  gcftelltcn  äSoHiäl^rlgen  in  ©ettung  geroefcnen 
Siedete  ~,  bie  ©inrailligung  beö  gcfefelid^en  33ertreterd  nid)t  crforberltd)  ift. 
9lu(^  biefe  9I6roeid^ung  red^tfertigt  fid^  burd^  bie  allgemeinen  ©runbfäße  bcä 
©efclbud^cS,  nodö  roeld^em  SSoIIiä^rige,  raeld&e  wegen  SBerfd^rocnbung  entmünbigt 
ober  nad^  ÜBafegabc  beö  §  1727  wegen  gewiffcr  ®ebred^en  beö  üormunbf^aft? 
lid^en  ©^ufeeö  für  bebürftig  ertlärt  ober  nad^  Sßafegabe  beö  §  1737  lyttcr  oor? 
läufige  Sßormunbfd^aft  gcfteUt  ftnb,  in  9lnfe^ung  ber  ©efdjäftöfä^igfeit  ben 
a)Jinbcriäf)rigcn,  wcld)e  baö  fiebentc  Sebenöjafir  jurüdfgelegt  l)aben,  auc^  rüdE- 
fid^tlidö  nid^t  Dcrmögenöred&tlid^er  Sied^tögcfc^äftc  gleid^fte^en  (§§  70,  71).  ©5 
fe^lt  an  einem  jwingenben  Orunbe,  jeneß  ^rinjip  für  bie  ©l^efd&Uefeung  ju 
bur^bred^en;  im  ®egentf)eil  liegt  ed,  fooiel  inßbefonbere  fold^e  SSoIljä^rige  be^ 
trifft,  wclcf)e  wegen  Sßerfd^wcnbung  entmünbigt  finb,  fowoE)!  in  bem  eigenen 
3ntcref?e  bcr  leftteren  alö  aud^  im  öffentli^en  Sntereffe,  burc^  baö  ©rforbernife 
ber  Einwilligung  bcö  gcfe6lid[)en  SJertreterö  jur  (Sticfd^licfeung  einen  ©d^u^ 
gegen  bie  leid()tfinnige  unb  unüberlegte  ©d^lieftung  einer  ®l^e  üon  Seiten  folc^er 
^l^crfoncn  unb  bie  barauö  ber  gamilic  unb  ben  ©emeinben  bro^cnbe  ^aft  ju 
gewähren.  9fnlangcnb  aber  bie  na6)  ÜJlafegabc  beö  §  1727  bcö  oormunbfd^aft^ 
lid)cn  ©d^ufeeö  für  bebürftig  ertlärten  üoUid^rigen  ^^ieiionen,  fo  fann  bejüglid^ 
biefer  bie  öeftimmung  beö  §  1232  9lbf.  1  um  fo  weniger  33ebenfen  erregen, 
alö  nad)  bem  §  1735  SÄbf.  3  baö  SSonnunbf^aftögcric^t  bie  3}ormunbfd&aft 
über  fold&e  ^^Jcrfonen  aufl)ebcn  foU,  wenn  ber  9Jlünbel  bie  5fuf^ebung  beantragt 
unb  mit  ber  9tuf^ebung  ber  SSormuubfd^aft  nac^  bem  §  71  bie  4)cfd^räntung 
ber  ®cfd)ciftöfft^iflfeit  wegfällt,  mithin  aud)  bie  83eftimmung  beö  9lb|.  1  in  Sin? 
fcl)ung  bcr  l)icr  fraglid&cn  ^^Jcrfonen  unanwcnbbar  wirb. 
^tfH*«  s)iad)  s)lbf.  1  ift  bie  (Sinwilligung  bcö  gefc6lid)en  aScrtrcterö  ber  in  bcr 

®efd&äftöfäf)igfcit  bcfd^ränttcn  ^erfon  erforberlid^.  SBer  als  ber  gefc^lic^c 
SSertreter  bcr)etbcn  anjufel)en  ift,  crgicbt  fic^  am  ben  S3eftimmungcn  über 
bie  clterlid()e  ®cwalt  unb  ben  öcftimmungen  bcö  3Sormunb)d)aftöre(^teö.  ülai^ 
biefen  Scftimmungen  ift  ber  gcfcfctid^c  33crtretcr  ber  in  bcr  ®efd^äftöfäl|igfeit 
befd^ränften  ^^crfon,  je  nac^bem  bie  Ic^tcrc  unter  elterlicher  ®ewalt  ober  ®or^ 
munbfd^aft  fteljt,  bcr  3nl)abcr  ber  cltcrlid^en  ©ewalt  ober  bcr  i>ormunb  bcjw., 
fofern  aM  bcfonberen  ®rünben  bie  SScrtretung  in  perfönlid&cn  9lngclegen^citen 
beö  Äinbcö  ober  SWünbelö  einem  ^pegcr  übertragen  fein  folltc,  biefer  leßtere, 
ba  bie  ®inwiUigung  jur  ©^cfd^licfeung  fid&  alö  9luöflu6  bcr  Sorge  für  bie 
^^Jerfon  bcö  ftinbcö  bcsw.  bcö  ^OJlünbelö  barftellt  (ücrgl.  g§  1503,  1649,  1650, 
1728,  1730,  1738  9lbf.  1  Sag  1,  g  1743). 
dfftmt^n  2Bie  auö  bcr  Scftimmung  beö  §  1651  9lr.  1  unb  bcö  §  1728  fid^  crgicbt, 

^t^ixZn  ift  ^^^^  ^^^  33ormunb  ju  bcr  ®l)cfd^lic6ung  jwifc^cn  fid^  felbft  ober  einem  feiner 
»ertreter  k.  ggerwaubtcu  iu  gcrabcr  Sinic  unb  bem  Sßünbcl  bie  nad^  bem  §  1232  9lbf.  1  er* 
f orbcrlid&e  ©inwilligung  5U  ertf)cilen  bcf)inbert.  S)ur^  bie  allgemeine  Scftimmung 
beö  §  1651  yiv.l  wirb  bie  befonbcrc  Seftimmung  beö  §37  bcö  ^)i.  Wcf.  über 
bie  S3eur!unbung  bcö  ^ßcrfoncnftanbcö  unb  bie  ®f}efd)lie6ung  o.  6.  gcbruar  1875 
crfefet.  2)cr  Stanbpunft  beö  ©ntwurfcö  weidet  allcrbingö,  abgefc{)cn  baüon, 
bafe  bie  ®^c  jwifd^cn  bem  Sßünbel  unb  bem  bebinbertcn  93ormunbe  bejw.  bem 
2lbFömmlingc  bcö  Icgtcrcn  nad)  bem  §  1259  ?ßr.  4  in  3Scrbinbung  mit  bem 


e^ejinbcmiflc.   SeWranlte  ®ef*aftßfaBtflfeit.    §1232.  13 

§  1232  äbf.  1  unb  bcm  §  1651  3lr.  I  anfechtbar  ift,  barin  üon  bcm  «Rci^d* 
gcfcgc  ab,  ba§  nad^  bcm  ©ntrourfc  bic  ®^c  jroifc^cn  bcn  bcjeicfinetcn  ^erfoncn 
nw^nb  ber  2)aucr  bcr  SSormunbfd^aft  nid^t  unbcbingt  ocrbotcn,  fonbcrn  jiu 
lofftg  ift,  njcnn  an  Stelle  bcö  inforocit  oon  ber  SBertrctung  ousgcfd^loffencn 
Sormunbeö  ein  ju  biefem  Sroerfe  beftellter  Pfleger  (§  1738  3lbf.  1  Sag  1) 
feine  ©inimlKgung  ju  ber  ß^cfd^Iiefeung  ertfieilt.  S)ie|e  9lbiDci(^ungen  ooti 
bem  aicic^ögefege  re^tfertigen  fid^  aber  burd^  bcn  Slnfd&Iufe  an  bie  allgemeinen 
fJrinjipien  beö  SBormunbfd^aftöred&tcö,  unb  and)  a\x^  bem  ©efid^töpunfte  ücr* 
bicnl  bcr  Stanbpunft  bed  ©ntrourfeö  bcn  3}oriug,  mcil  unter  Umftänben  bic 
^ortbauer  bcr  SBormunbfd^aft  im  Sntcreffe  bc«  üöiünbelö  münf^cnsrocrtl)  fein 
fonn.  ®a  jum  S^cdc  ber  ®rt{)cilung  bcr  ®inroilligung  bcö  gcieglid^en  SScr* 
treterS  jur  ß^efd^tiefeung  in  ben  Ijicr  in  SRcbe  ftc^enbcn  fällen  bic  ScftcUung 
eines  befonberen  Pfleger«  erforbcrlid^  ift,  )o  erhält  baö  3iormunbfd)aftögeri^t 
Don  bcr  bcabfid^tigtcn  ß^cfd^licfeung  immer  .Vtenntnift  unb  ift  baöfclbc  in  golgc 
beffen  in  ber  Sage,  bcn  SSormunb,  fomeit  bieö  bcn  Umftänben  nad^  im  3nter* 
effe  bcö  2Rünbete  geboten  erf^eint,  enttaffen  ju  fönnen  (§  1705  "ih.  1).  2)aß 
3ntereffe  bcö  aWünbetö  mirb  auf  biefe  2Beifc  in  auörcic^enbem  SÖiafec  gefd^ügt. 
Der  Stonbpunft  bcö  ©ntmurfcö,  nad)  roeld^cm  bie  6öc  jmif($en  bcm  3)tünbcl 
unb  bem  SSormunbc  bejro.  einem  Slbfömmtingc  beö  legtcren  iüäl)renb  bcr 
iJauer  ber  33ormunbfd^aft  n\6)i  abfolut  unjuläffig  ift,  näl^crt  fid&  benjcnigcu 
t)or  benx  Snfrafttreten  bcö  Sicid^ögcfcfteö  in  ©ettung  gerocfenen  Sflcd)ten,  met^e 
bie  ^icr  fraglid^en  ©ticfd^liefeungen  aud)  n)öf)renb  bcr  2)aucr  ber  33ormunb* 
fc^aft  ntit  ®enel)migung  bcö  35ormunbfdE)aftdgcric^tcö  geftattctcu  (ücrgl.  preufe. 
a.2.  9i.  II,  1  §  14;  föd^f.  @.  93.  §  1604;  altcnb.  eiieorbn.  ü.  13.  3)Jai  1837 
§§  15,  16).  SBie  bcr  SSormunb,  fo  ift  aud^  ein  Pfleger,  mcld^cm  bic  Sorge 
für  bic  ^erfon  bcö  9Äünbel«  obliegt,  bie  ©inmilligung  jur  ®f)cfd&Iicfeung  ju 
erteilen  be^inbcrt,  menn  cö  fic^  um  bie  S^cfdilicfeung  jroifd&cn  bcm  3)lünbel 
unb  bem  ?ßflcger  ober  einem  SJcrmonbtcn  bcö  lc|tercn  in  gerabcr  2inie  ^anbelt 
(oergl.  §  1743,  §  1651  3lt.  1,  §  1232  9lbf.  1).  35aö|clbc  gilt  nad^  §  1503  in 
aSerbinbung  mit  bem  §  1651  9lr.  1  unb  bem  §  1232  Slbf.  1  auc^  in  9lnfcl)ung 
beö  Sn^aberd  bcr  eltcrlld^en  ©eroalt,  foroeit  bei  biefem  bcr  ^icr  fraglid^c  gall 
im  öinblitfc  auf  bie  §§  1236,  1240  üorfommcn  tonn.  ®ö  ift  bicö  mögtid^, 
toenn  es  fid^  um  bie  6^e  jroifc^cn  einem  Äinbc  unb  einem  Cnfcl  hcQ  ^ntjabcrö 
ber  elterlichen  ©eroalt  ober  um  bic  ®l;c  jroifdicn  jjroci  9lboptioge)d)roiftern 
^anbett,  ba  ber  3lnnel)menbe  nad^  bem  ©ntrourfe  bie  e[terlid)e  ©croalt  über 
ben  nod&  minberiäl)rigcn  angenommenen  erlaugt  (§§  1001,  1623). 

3nroieroeit  neben  ber  ®tnroilligung  beö  gefegli^cn  )8ertrctcrö  aud)  bic 
©nroillißung  ber  ©Itern  afe  folget  crforbcrlid)  ift,  unb  inroieroeit  bie  ©im 
nriOigung,  roelc^e  ein  @lterntl^cil  als  fold^cr  crtl)cilt,  juglci^  bie  Ginroilligung 
bcö  le^tercn  alö  bcö  gcfcfelid^cn  Sßcrtretcrö  bcö  Äinbes  cntf)ält,  crgiebt  fid^  auö 
ben  §§  1238,  1239  (ücrgl.  in  Icfetcrer  ^infid^t  unten  S.  17  unter  3). 

auf  bic   nad^   2tbf.    1   erforberlic^e   ©inroiUigung   jur   ©fjcfd^licfeung  |*^^J^f  J*^ 
finbcn  bie  allgemeinen  SSorfd^riften  beö  §  127  9lb).  1—3,  inäbefonbcrc  aud)  (hnroiaiflun«. 
bie  aSorfc^rift  be«  §  127  äbf.  3  T)erb.  mit  §  119,  3lnroenbung.    S)ic  oon  bem 
flefe6ti(^n  SBertreter  ertl&eilte  ©inroilligung  jur  ©liefd^liefeung  laun  mitf)in,  fo  ®ib«wm«^' 
lange  bic  legtcrc  nod^  nid^t  erfolgt  ift,  roirffam  roiberrufen  roerbcn.     ®ö 


14  e^e^inbentüTc.   Sefc^ranfte  ®ef*aft8fd6iöfeit.    §  1232. 

cntfpridit  bicö  an6)  bem  ®cfid^töpun!te,  bafe  bte  ©inroilligung  beö  gcfcllid&en 
SBcrtretcrö  ein  Sluöflufe  ber  gürforgc  für  bic  ^crfon  beö  Sßertretenen  ift. 
treten  fpäter  Umftänbc  ein  ober  l)crt)or,  rocld^e  bie  (S^efd^Uefeung  alö  nid^t  im 
Sntereffe  beö  SBertrctenen  erfd)einen  lafjen,  fo  ift  ber  SBibcrruf  ber  ©inroilligung 
nid^t  nur  ein  SRed)t,  fonbcrn  aud&  eine  ^flid^t,  auf  roeld^c  nid^t  t)erjid^tet 
werben  fann.  STuö  jenem  Oefid^töpunfte  ergiebt  fid)  ferner,  bafe  eö  immer 
auf  bie  ©inmiUigung  beöjenigen  anfommt,  roeld&er  jur  '^di  ber  ©fiefdötic^ung 
'  ber  gefefelidie  SSertreter  ift.  ©oUte  berjenige,  roeldier  jur  3^it  ber  ©^efd^Iiefeung 
ber  gefe^Iid^e  SSertreter  ift,  bie  ©inroilligung  perfagen,  tro^bem  ein  frütiercr 
gefefcti^er  Vertreter  biefelbe  ert^eilt  l^atte,  fo  fiat  ber  Stanbeöbeamte  bie 
Slnorbnung  beö  Stufgebotcö  bejro.  bie  S^efd^Uefeung  abjulel)nen,  fo  lange  nid^t 
ber  icfeige  gefe^Ud&e  SBerlretcr  bie  ©inwilligung  ertf)ei[t  l;at  bcjro.  bie  (entere 
nad^  aJlafegabc  beö  3lbf.  2,  3  unb  beö  §  1238  2lbf.  4  erfefet  ift  (oergl. 
§§  45,  48  beö  iJt.  (Sef.  über  bie  Seurfunbung  beö  ^erfonenftanbeö  unb  bie 
ß^efd^Iiefeung  t).  6.  3uti  1875).  ©in  öebürfnife,  üon  bem  ©runbfa^c  ber 
2BiberrufIid^teit  ber  ©inroiUigung  für  fold^e  gälle  eine  9luönal)me  ju  mad^cn, 
in  roeld&en  ber  SBiberruf  auf  Orunb  von  Umftänben  erfolgt,  n)eld)e  bem 
gefe^Iid^en  SScrtretcr,  ber  bie  ®inmiUigung  ert^cilt  Ijatte,  jur  ^z\t  ber 
©rtl^eifung  ber  ©inmiUigung  befannt  waren  (oergl.  preufe.  31.  S.  9t.  II,  1 
§  111;  fftd^f.  ®.  SB.  §  1601;  got^.  ß^egef.  t).  15.  9luguft  1834  §  39),  !ann 
nid)t  anertannt  werben.  S)er  SBiberruf  ber  einmal  crtljeilten  ©inmiUigung 
fann  allerbingö  für  bie  Set^eiligten  unter  Umftänben  eine  grofee  ^ärte  fein; 
inbeffcn  barf  barauf  vertraut  werben,  bafe,  wenn  t)on  ber  in  ber  ©efd&fiftö- 
fä^igfcit  bef darauf ten  5ßcrfon  nad^  SKafegabe  beö  9lbf.  2  bejw.,  fofern  ein 
®lternt^eil  ber  gefeglid&e  SSertreter  berfetbcn  ift,  nad^  Slfafegabe  beö  3lbf.  3 
unb  beö  §  1238  aibf.  3,  4  auf  ©rgänjung  ber  einmal  ert^eilt  gewefenen 
aber  wiberrufenen  Sinwilligung  beö  gefe^Ud^en  33ertreterö  angetragen  wirb, 
baö  jur  ©ntfd^cibung  berufene  Oerid^t  |f(^on  t)on  felbft  auf  fold^c  befonberen 
33erf|ältniffe  bei  feiner  ®ntfd)eibung  SlüdEfid^t  nefimen  wirb.  ®inc  3luöna^me 
oon  bem  ®runbfa|e  ber  SBiberrufUc^fcit  ber  ©inwilligung  in  ber  bejeid^neten 
3lid)tung  würbe  jubem  feine  gro^e  praftifd^e  Sebeutung  f)aben,  ba  in  ben 
meiften  fallen,  in  weld^en  ein  SBibcrruf  erfolgt,  j^igleid^  neue  Umftänbe  mit 
ben  befannt  gewefenen  fonfurriren  werben.  Slnbcrerfeitö  ift  ber  Sluöf^Iufe 
beö  SBiberrufeö  aud^  im  ^inblidEe  auf  fold^e  gälle  in  l^ol^em  ©rabc  bebenflid^, 
in  weldjen  bei  ©rt^eilung  ber  ®inwilligung  übereilt  ober  gewiffenloö  ©erfahren 
ift  unb  auö  biefem  ©runbe  ber  2Biberruf  erfolgt. 
(Knwiatgung  3iiid^  bie  ^xaQ^,  inwiefern  bie  Einwilligung  ju  ber  6l)efd)lie6ung  unter 

iörtin^ngK. <&inäwfügung  einer  93ebingung  ober  3^i*t>^ftin^wiung  wirffam  ertfjeilt  werben 
fann,  ift  nad^  ben  allgemeinen  ©runbfägen  ju  beurtl)eiten.  3)ie  SRatur  ber 
©inwilligung  ju  ber  ß^cfdiliefeung  alö  eineö  familienrcd^tlid|cn  9led&tögcfd)äfteö 
ftel^t,  in  Ermangelung  einer  befonberen  SBeftimmung,  ber  Seifügung  einer 
Scbingung  ober  3<^itbeftimmung  nid^t  entgegen.  3lur  fann,  fo  lange  bic 
23ebingung  fd^webt  ober  ber  S^itpunft  nod^  nid^t  eingetreten  ift,  felbftüerftänblid^ 
bie  6^e  nid^t  gefd^loffen  werben.  ®in  entfd&eibenber  (Srunb,  in  bem  l^itr 
in  SRebe  ftel^enben  gallc  eine  9luönat|me  üon  ben  allgemeinen  ©runbfäfcen  ju 
mad)en,  liegt  nid^t  üor.    3!nöbefonbere  ift  eine  folcf)e  9luönal)mebeftimmung 


ete^inberniffc.    Scf^ränftc  ©efd&äftöfäßiöWt.    §  1232.  15 

burci  praftifd^c  SlüdEfid&ten  jum  3^^*^  ^^^  (Srlciddterung  her  ®efd^äftsfii^rung 
bcr  ©tonbcöbcamtcn  ober  jum  Sd^ufee  bcr  &)tn  gegen  Slnfed^tung,  rocnn  bcr 
©ntritt  ber  93cbingung  etwa  irrtl^ümlid^  angenommen  fein  follie,  nid^t  geboten, 
ba  nadf  ben  SBorfc^riftcn  über  baö  5lufgebotdt)erfQl&rcn  bie  SSerlobten  bie 
juftimmenbe  ©rfläning  berjenigen,  beren  ©inroilligung  jur  ß^efd&Hefenng 
erforberlid^  ift,  b.  ^.  bie  unbcbingte  unb  unbcfriftcte  (Sinroilligung  berfclben  in 
beglaubigter  gorm  beizubringen  l^aben  (§  45  beö  31.  ®ef.  über  bie  Seurtunbung 
be«  ^crfoncnftanbeß  unb  bie  ©^efd^Iiefeung  v.  6.  3uli  1875). 

2.  3n  einem  großen  2^^eile  S)eutfd&IanbS  ift  nod^  bem  burc^  ben  §  29®^^^^^^ 
Sbf.  5  bes  SR.  ©ef.  über  bie  SBeurfunbung  beö  5ßerfonenftanbeö  unb  bie  **f<j^^«"" ' 
©Hd&li^fewng  0.  6.  gebruar  1875  unberührt  geladenen  Üanbeöred^te  (üergl.  fle«**««- 
preufe.  ar.  2.91.  n,  1  §  54  unb  baju  ®ntfd^.  beö  91.  ®.  in  ©troff.  V,  118; 
fäc^f.  ®.  93.  §  1921;  got^.  ©^egef.  t).  15.  9luguft  1834  §  4  3lbf.  5; 
meining.  Oef.  v.  27.  SRoüembcr  1875  nebft  Snftruftion  o.  26.  gebruar  1876 
§  49;  oltenb.  33erorbn.  t).  30.  Dttober  1875  §  9;  fc^roorsb.^rubolft.  3m 
flruftion  o.  10.  ©ejember  1875  §  17 ;  code  civil  3lrt.  160 ;  bab.  Wef.  v.  9.  ®e^ 
jember  1875  §  2)  ju  ber  ß^cfc^Iiefeung  beocrmunbeter  5ßerfonen  neben  bejU). 
ftatt  ber  ßinroiUigung  beö  SSormunbeö  bie  ®enel)migung  beö  SSormunbfd^aftö- 
gcri^teö  ober  beö  gamilienratl^cö  erforberlid^.  6ö  tonn  nic^t  oerfonnt  werben, 
bafe  wichtige  ©rünbe  fid^  bofür  gcitcnb  machen  taffen,  bei  bem  für  ben  Seocr* 
munbeten  befonberö  roid^tigen  9lcd(|tögefc^äfte  ber  ß^efc^liefeung  neben  ber  ©in* 
roilligung  beö  58ormunbeö  auc^  bie  ®ene{)migung  beö  SBormunbfd^aftögeric^teö 
ju  verlangen,  jumal  nad^  bem  ©efefebu^e  in  üicien  gäHen,  xoM)t  an  ftd& 
nid^t  oon  fo  einfd()neibenber  Sebeutung  für  bie  SJer^ältniffe  beö  ÜRünbelö  ftnb, 
nomentlid^  ju  oermogenöred^tlid^en  9lec^tögef(^fiften  (§  1674),  bie  ®encl)migunn 
beö  Sormunbfd^aftögeriddteö  erforbert  mirb.  SBerlongt  man  bie  ®enc^migung 
beö  SBormunbf d^aftögerid^teö ,  fo  ift  baö  lefeterc  in  ber  Sage,  fontroliren  ju 
fönnen,  ob  ber  SSormunb  in  bcr  l^icr  fraglid^en  99ejiel|ung  bie  Sntereffen  beö 
ÜRünbelö  geroiffenl^aft  wahrnimmt.  ®ine  berortige  Äontrolc  f ann  inäbcfonbere  in 
folc^cn  ^Uen  roünfd^cnöroertl^  erfc^einen,  in  roeld^en  bie  SBa^I  bcr  ^erfon 
beö  aSormunbcö  Don  bem  93ormunbfd)aftögerid^te  nic^t  abfängt  (oergl.  §§  1635, 
1637,  1728,  1729).  S^^JWfl^fe^Ji  ift  femer,  bai  mit  ber  (g^cfd^Iiefeung  oft  aud) 
"loic^tigc  permögenöred^tUd^c  golgen  t)erbunben  finb.  2^ro^  biefer  für  baö  ®r^ 
forbemife  bct  ©enel^migung  beö  9Sormunbfd)aftögcrid^tcö  fpred^enben  ®rünbc 
ifi  eö  jebod^  rid^tigcr,  T)on  bicfem  ©rforberniffe  abjufcficn,  meil  eincöt^eilö  baö 
@efe|bu(ö  überhaupt  uon  bem  ^rinjipe  ouöge^t,  bofe  bie  ©orge  für  bie 
^kifon  beö  ÜHünbclö  bem  SSormunbe  allein  obliegt  (§  1648),  unb  anberen- 
t^eilö,  oom  praftifd&en  ®eftd^töpunfte  auö  betrad)tet,  üon  ber  ^[uffteUuug  jeneö 
ßrforberniffeö  nad^  ben  gemad^ten  (Erfahrungen  bie  erl^offten  SSort^eilc  nid|t 
iu  erroarten  finb.  SWad^  ber  9latur  ber  ^icr  in  Setrod^t  fommcnben  SSer^ 
Wltniffc  ift  baö  3Sonnunbfd^aftögcrid^t  nur  |in  feltencn  [fällen  in  ber  Sage, 
fitft  bie  not^ige  Äenntnife  ber  SSerl)ältnif)e  alö  ©runblage  feiner  ®ntfd&cibung 
ju  üerfc^affen.  3ti  Solgc  bcffen  wirb  bie  ®enel^migung  beöfelben  oft  eine 
reine  gormfad^e,  jumal  baö  3Sormunbfd&aftägerid^t  meift  üor  ooUenbeten  X\)aU 
fa^en  fte^t,  bcncn  Slec^nung  ju  tragen  eö  fd)lie6lid&  bod&  [xä)  gcjmutigen  fiefit. 
Sttbcrerfeitö  !ann,  menn  baö  aSormunbfd^aftögerid)t  ängftlid)   unb  peinlid) 


16  ei&ejinbemffc.   S3ef*rdntte  ®cfd6oft«fa5i0feit.    §  12^2. 

Derfäl^rt,  eine  beii  Umftfinbcn  nid^t  cn tfpred^cnbe  6ntf (Reibung  ober  bod^  eine 

nac^tl^eilige  SSerjogerung  ber  legieren  erfolgen. 

«nÄur  ^'  ®'^  -SSorfd&riften  beö  Slbf.  2,  3  betreffen   bie   grage,   inwiefern 

beftgefe«ii(^en  bie  ®inn)inigung  bed  gefegUd^en  SSertreterS  bur^  bie  ©enetimigung  bed  93or- 

»ertreters,  tnunbfd^aftsgerid^teS  erfefet  werben  fann,  roäl^renb  über  bie  Swlöffigfeit  rid^ter^ 

lid&er  ©rganjung  ber  ©inraiUigung  ber  Gltem  afe  fotd^er  ber  §  1238  3lbf.  3 

beftimmt. 

2)urc^  boö  9t.  ®ef.  t).  6.  gebruar  1875  §  29  3lbf.  4  finb  biejenigen 
lanbeögefegU^en  33eftimmungen,  nad^  weldien  bie  ©inroilligung  beö  SSormunbeö 
burc^  bie  ©ene^migung  beö  SBormunbfd&aftögeric^ted  erfefet  werben  fann,  un* 
berüfirt  gelaffen  (oergl.  inöbef.  preufe.  ä.  S.  SR.  II,  1  §§  69,  70 ;  got^.  ei)egef . 
t).  15.  Sttuguft  1839  §  6  3lbf.  2;  weimor.  ®cf.  ö.  2. 5Rot)ember  1848  §  3;  lübedE. 
®ef.  D.  26.  Dttober  1863  §  2  g.  ®.  oerb.  mit  ber  lübecf.  aScrorbn.  t).  11.  Dttober 
1820  §  29;  \)amb.  SSormunbfc^.  D.  t).  14.  Dejember  1883  3lrt.  58  3lbf.  3;  brent. 
aSormunbfd^.  D.  o.  14.  3Kai  1882  §  40).  Sie  SBorfd^rift  beö  aibf.  2  fd^Uefet 
fid^  bicfen  Scftimmungen  an.  9Jad^  ben  allgemeinen  ©runbfäftcn  beö  SSomiunb^ 
fd&aftörec^teö  tonn  allerbingö  baö  3Sormunbf(^oftsgeric^t,  menn  ber  SSormunb  ober 
^Pfleger  feine  ©inroilligung  t)erfagt,  nidE|t  an  ©teile  beö  55ormunbed  ober 
^Pflegers  bie  ©inwilligung  ert^eilen,  fonbcrn  nur  im  j^alle  pflid^tmibriger  SSer- 
fagung  ber  ©inwilligung  unb  aud&  in  bicfem  galle  nur  in  ber  9lrt  einfdireiten, 
bafe  es  entweber  ben  SBormunb  ober  ^JJfleger  burc^  bie  jutäffigen  3^^öngömittcl 
jur  ®rtl)eiluug  ber  ®inroiBigung  anhält  ober  bie  ©ntlaffung  beöfelben  üerfügt 
unb  einen  anberen  SSormunb  ober  5ßfteger  beftellt  (üergl.  §§  1684,  1705  3lx.  1, 
§§  1728,  1743).  ®S  ift  iebod^  unbebentUd^  unb  im  3ntereffe  ber  aSereinfac^ung, 
fomie  jur  SScrmcibung  üon  aSerjögerungeu  angemeffen,  üon  jenem  5ßrinjipe 
l^ier  eine  3luönal&me  ju  mad^en.  Um  bem  SWifeücrftänbniffe  5u  begegnen,  alö 
ob  baö  a3ormunbfd^aftögerid)t  bie  ©inwilligung  beö  2]ormunbeö  ober  5ßpegerö 
nur  im  galle  einer  ^flid^troibrigfeit  erfegen  fann,  ift  eö  alö  ratl)fam  eraditet, 
burd)  bie  aSorfddrift  beö  äbf.  2  ©ag  2  auöbrüdflid^  barauf  fiinsuroeifen,  ba§  baö 
aSormuubfd^aftögeric^t  bie  ©inroilligung  ju  ertfieilen  Ijat,  wenn  bie  ©rtfieilung 
im  3^tci*<^ff^  i^cö  SWünbelö  liegt. 
insbef.  3)ie  üorfte^eub  bejeid^neten  93eftimmungen  follen  aud)  bann  9lnrocnbung 

t^eueä  dl^bes  Pi^b^^V  ^^^^  ^'^  ©Itemt^eil  ber  in  ber  Oefc^äftöfäl&igfeit  befc^ränften  5ßerfon 
öefmic^en  t)er  gcfeglid^e  aSertrctcr  ber  legteren  ift,  t)orauögefcgt,  bafe  nad^  ben  SJorfd&riften 
ber  §§  1238,  1239  bie  (Sinroilligung  biefeö  ©Iternt^eileö  alö  fold^en  ju  ber 
®t)efd()lie6ung  beö  Äinbeö  nid&t  crforberlid^  ift.  ®icfe  ajorauöfegung  trifft 
namentlid;  in  bem  galle  ju,  in  meld^em  ein  Äinb,  roel^eö  baö  fünfunbjwanjigfte 
Sebenöja^r  jurüdEgetegt  \)at,  unter  ber  Sßormunbfd&aft  ober  ^^ßftegfdliaft  eineö 
@lterntf)eileö  fielet.  Sie  fann  aber  unter  Umftänben  a\i6)  in  9lnfe^ung  beö 
minberjätjrigen ,  unter  elterlid^er  ©eroalt  ftefienben  Äinbeö  jutreffen,  votnn 
nämli^  bie  elterlid)e  ©eroalt  beö  SBaterö,  roeil  berfelbe  tl)atföd)lid^  t)er^inbert 
ift,  bie  ©eroalt  auöjuüben,  ober  rocgen  aRinberiftt)rigfeit  beöfelben  ru^t  unb 
bie  etterlidde  ©eroalt  in  biefen  gällen  ber  aßutter  juftet)t  (üergl.  §§  1554, 1555). 
3in  foldien  pllen  ift  neben  ber  nad&  bem  §  1238  3lbf.  1  erforberlidien 
©inroilligung  beö  aSaterö  alö  foldEien  nad^  9lbf.  1  aud&  bie  ßinroilligung 
ber  aJlutter  alö  beö  gefeglid^en  SScrtreterö  beö  Äinbeö  erforberlid^.    ©in  ge* 


ei&cjinbermffe.    S^cmünbißfeit    §1233.  17 

nugcnbcr  (Srunb,  bic  änrocnbung  bcö  3lbf.  2  in  bcrartigcn  gällen  aud^ 
|ufc6lic§cn,  liegt  nic^t  »or,  ba  in  biefcn  gäUcn  ein  eigene«  SHcd^t  beö  be* 
trcffenben  ©Itemt^eilcd,  welcher  ber  gefe^Iicfie  55ertrcter  beö  Äinbe«  ift,  nic^t 
in  ^ogc  fommt. 

Snbetö  liegt  bagegen  bie  ©ad^e,  wenn  ein  folc^cr  ®ltcmt^eil,  ol^nc  beffen 
einn^iOigung  bod  5linb  mä)  btn  iBorfd^riften  ber  §§  1238,  1239  bie  ®^e  nid^t 
f(^Ue§en  barf,  jugleid^  ber  gefeglid^e  SSertreter  bed  £inbcd  ift,  fei  ed,  ha^  bad 
Äinb  unter  ber  elterlichen  (Seroalt  ober  unter  ber  33ormunbfc^aft  ober  ^Peg^ 
fd^ft  biefed  @lterntl^eiled  ftcl^t.  93ern)eigert  ein  folc^cr  @lterntl^eil  bie  ©in« 
vUiigung,  fo  fann  bie  ©intoiDigung  bedfelben  alö  folc^en  nad^  §  1238  ätbf.  3 
oerb.  mit  §  779  äbf.  1  ß.  %  D.  nur  bur^  ben  ^^Jrojeferid^ter  erfe|t  werben. 
3n  Srmongelung  einer  befonberen  93eftimmung  mürbe  aber  neben  ber  ©rgönjung 
burc^  ben  $ro}e§ric^ter  wegen  ber  @igenfd^aft  beö  ©Iternt^eiled  ald  bed  gefe^ 
lic^  SSertreterd  beö  Jlinbeö  nad^  §  1232  äbf.  2  noä)  eine  ©rgänjung  burd^ 
baö  Sormunbfd^aftdgeric^t  erforberlid^  fein.  3)iefe  tefetere  ©rgäujung  ift  jeboc^ 
neben  ber  erfteren  ald  überflüfrig  crad^tet  (nergl.  §  1238  3lbf.  4).  Das  Äinb, 
loelc^eö  in  ben  ^ier  norauSgefegten  fällen  bie  rid^terli^e  @rgänjung  ber  elter^^ 
tieften  ©inwilligung  na^  äßafegabc  befi  §  1238  3lbf.  3  verlangt,  mufe  ju  biefem 
3nK(fe  bie  S3eftellung  eines  ^flegerd  bei  bem  SBormunbfd^aftßgerid^te  beantragen 
(oergl.  §  1651  Sir.  1,  §  1738  2lbf.  1  Saft  1).  2)ad  aSormunbfcftaftögeric^t 
wirb  aber  einen  ?ßfleger  nur  bann  ju  beftellen  ftaben,  wenn  ed  auö  b^n  Um* 
jtonben  bed  galleö  minbeftenö  bie  Ueberjeugung  gewinnt,  bafe  bie  grage,  ob 
ber  3lnfprucft  befi  Äinbeö  auf  ©rtfteilung  ber  eltcrlid^cn  ©inwiUigung  begrünbet 
fei,  einer  näheren  Prüfung  bebürfe.  ^ält  baöfelbe  l^iemad^  bie  SeftcUuug 
eined  Pflegers  für  erforberltcft,  fo  wirb  biefer  bie  groge,  ob  bie  Äloge  auf 
Srtfteilung  ber  elterlid(^en  SinwiQiguug  ju  ergeben  [ei,  in  i^rcm  ganjen  Um^ 
fange  ju  prüfen  ^aben,  fowol^l  aud  bem  ©eftd^töpunfte,  ob  bie  @ingel^ung  ber 
6fte  überhaupt  im  3ntereffe  beö  Äinbeö,  alö  auö  bem  ©efiditöpunfte,  ob  bie 
Einwilligung  beö  (Slternt^eileö  ol^ne  genugenben  ©runb  verweigert  ift.  @nt* 
fcfteibet  ber  Pfleger  ftcft  ^iemad^  für  bie  @r^cbung  ber  Älage,  fo  wirb  auf 
biefem  SBegc  fad^lid^  baöfelbe  erreid[^t,  alö  wenn  ein  t)on  bem  ^ormunbfd^aftö* 
gericbte  ju  biefem  fpeiiellen  ^medt  beftellter  Pfleger  bie  Einwilligung  ju  ber 
S^d^liegung  beö  Äinbeö  ertl^eilt  I)ätte. 

2)er  ÜRangel  ber  nacft  §  1232  erforberlid^en  Einwilligung  beö  gefejlicften 
3Sertreterö  jur  ß^efd^lie&ung  ftat  bic  3lnfed^tbarfeit  ber  6^e  5ur  golge  (oergl. 
§  1259  9lr.  4  ncbft  SKotiüeu). 

§  1233. 

Sie  Seftimmungen  beö  erften  biö  britten  3lbfafeeö  beö  §  1233  ftel^en  c^emünbiöi 
mit  bem  §  28  beö  dt.  ®ef.  über  bie  Seurtunbung  beö  ^^5erfonenftanbcö  unb  '*^'' 
bie  6ftef(ftlie6ung  n.  6.  gebruar  1875  im  ®inflange.  ©in  Sebürfnife,  in  biefer 
Sejie^ung  baö  befteftenbe  9leicftöred^t  ju  änbem,  ift,  foniel  befannt,  nid|t  lieroop 
getreten;  aucft  ift  burcft  neue  $rin}ipien  beö  ©efegbucftcö  infoweit  eine  älenberung 
nijftt  oeranlogt.  3n*befonbere  fc^lt  eö  an  einem  genugenben  Slnlaffe,  bie  ©Ijc* 
münbigteit  ber  9)länner  erft  mit  ber  93ollj[ä^rigteit  ober  ^oUjälirigfcitöerflörung 
i  eintreten  }u  laffen. 

Stotm  1.  bdrflcrL  a<fc|6tt4  lY.  2 

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n 


18  eje^inbcrniffe.    SSerBot  ber  »igamie.    §  1234. 

9infiu%  her  3)ic  93cftitnmung  beö  Slbf.  4,  bag  burd^  SSoUiä^rigfcitöcrttärung  ß^c* 

«oaiajng*  ^jjj^jjigfgjt  „jjj^t  begrünbct  wirb,  fann  t)ieUcid)t,  I;ingcfcf|cn  auf  ben  S^td 
ertwrung.  ^cr  SSoUiä^rigfcitdcrHäruitg,  bie  mit  bcr  aDlinbcrjäl^rigfeit  t)crbunbenc  Se« 
fd&rfinfung  bcr  ®efd&äftdfä^igfcit  ju  bcfcitigcn  (§  26,  §  65  3lbf.  1),  unb  ^im 
gefcl)cn  auf  ben  tjcrfc^iebcuen  Äaraftcr  bcr  (S^cmünbigfcit  unb  bcr  SScf^ronfung 
bcr  ®cf(^äftöfäf)igtcit  unb  bic  ücrf^icbcncn  Icgiölatiocn  ©rroägungcn,  auf 
tt)cl^cn  bic  eine  unb  bie  anbere  beruf|cn,  afe  felbftoerftänblid^  bctrad^tct  werben. 
3Kit  SiüdEfid^t  auf  bic  abfolut  {autenbcJBorfc^rift  beö  §  26,  bitfe  SKinberiä^rige 
burdö  bie  SSoUjäfirigfeitdcrHärung  bie  red)tlid^e  Stellung  bcr  SBoIIiä^rigen 
erlangen,  unb  in  ber  ©rroägung,  bafe  bie  ß^emünbigteit,  weit  biefelbc  nic^t 
fd^on  mit  bcr  roirflidbcn  ©cfd^lecidtdrcifc  eintritt,  fic^  ate  eine  befonberc  9Crt 
ber  befd^räntten  ®efd()äftdfäl)igfcit  auffaffen  läfet,  ift  eö  icbod^  als  rat^fam 
erad^tet,  ben  im  9lbf.  4  beö  §  1233  cntl^altenen  Sag  im  ©efefee  auöbrüdlid^ 
auöjufpredien,  jumal  auf  bem  ©ebiete  beö  fog.  ^^Jriüatfürftcnrec^teß  fid^  bie 
(Streitfrage  erl^oben  f|at,  ob  tvlauä)it  5|Jcrfonen,  mctd&e  nad^  ben  ^audgefefeen 
mit  bem  jurüdfgelegtcn  ac^tje^ntcn  ober  neunjcl)nten  fiebenöia^rc  bie  95olt 
jälirigfeit  errcid)en,  mit  biefem  Sebenöia^rc  trog  ber  öeftimmung  bcö  §  28 
beß  91.  ®ef.  ü.  6.  gebruar  1875  bie  ®t)emüubigteit  erlangen. 

®cr  aWangel  ber  ß^emünbigfeit  begrünbct  bic  Slnfcd^tbarfeit  bcr  @^e 
(Dcrgl.  §  1259  9Jr.  3  nebft  aKotioen). 


§  1234. 

^8«*"  *•  yrfunbung  beö  5ßcrfonenftanbcö  unb  bic  ß^cfd^liefeung  t).  6.  gcbniar  1875 
an.  2)ic  rebattionellcn  Slcnbcrungen  (,,fann"  ftatt:  „barf",  „für  ungültig  crflört 
ift"  hatt:  „für  ungültig  ober  nid)tig  crflärt  ift")  fjängcn  mit  bem  fonftigen 
©prac^gebraudEie  bcS  ®efegbud&cö  jufammcn,  nad&  roeli^cm  bcr  Sluöbrudf  ,,fann 
nid^t"  jur  Scjeidlinung  ber  Ungülttgteit  bcß  3lfteö  gebrauefit  mirb  unb  ber 
SKuöbnidf  „Ungültigtcit"  fomobl  bic  9iid&tigfcit  alö  aud^  bic  9lnfcd)tbarfcit 
umfaßt.  2)a&  baö  ß^cücrbot  fxä)  nur  auf  ben  galt  bcjiclit,  mcnn  bic  frühere 
6f)c  in  gcbörigcr  gorm  gcfcftloffcn  war  (§§  1245,  1248),  brandet  nid^t  bc* 
fonbcrö  l)croorgcf)obcn  ju  rocrbcn,  ba  eine  nid^t  in  gcliorigcr  gorm  gcfd()lof|ene 
©l)e,  o^ne  bag  eine  ?li(^tigfeitöcrflörung  bcrfclben  ftattfinbet,  fraft  beö  (Scfefecö 
nid^tig  unb  bcö^alb  alö  flbcrtjaupt  nid^t  gefd^loRcn  anjufclöcn  ift  (ocrgl.  §  1250 
9Jr.  1,  §§  1252,  108). 

®er  Sßerftofe  gegen  baö  äJcrbot  be«  §  1234  l^at  bic  9iic^tigfeit  bcr  (S^c 
jur  golgc  (t)ergl.  §  1250  9ir.  3  ncbft  aWotiücn). 


§  1235. 

sBirfimaber  2)cr  3lbf.  1   fpri^t  eine  anQ  bem  ©runbfafee   beö  §  21  3lbf.  1   fid^ 

rungVnrberCrgcbcnbc  Äonfcqucnj  in  9lnfel)ung  bcr  6t|e  mit  Slücffid^t  barauf  befonberö 

eÄeftur  ^"^'  ^^^  ^^  ^^^  "^"  ^'"^  praftifdö  befonberc  roid^tige  ftonfcqucnj  ^anbelt,  mctd&c 
'  um  fo  mel;r  ljcroorgef)obcn  ju  toerben  ücrbient,  alö  bie  l)ier  fraglid^e  93eftimmung 


©j^^l^üibcniiffc.    SBirfung  ber  SEobe^crflärung  Jinf.  bcc  ®5^.    §  1235.         19 

in  pcrfc^icbcncn  ©cbicten,  namcntlid^  im  ©ebicte  beö  frans.  9led&tcö,  ncueö  Siedet 
fc^offt 

2)ic  Stnrocnbung  bcö  im  §  21  Slbf.  1  cntl)altcncn  pofitiücn  Orunbfafeeö 
öuf  bic  ®^c  ift  burc^  ein  bringcnbeö  Scbürfnife  geboten.  S)ur^  bie  allgemeinen 
©runbfäic  mirb  bcm  Sebürfniffe,  bcm  ©Regatten  eines  SSerf^oUenen  bie  äWög^ 
lic^feit  ju  gewähren,  nad^  erfolgter  S^obeöerflärung  beö  lefeteren  eitie  nene  @^e 
in  fci&Ucfecn  unb  baburc^  bie  fd^roeren  $Rad()tI|eile,  meldte  i^m  unb  feinen  31^ 
fle^origen  aus  bcr  gortbauer  beö  biöEierigen  3iiftttnbed  ermad^fen,  für  bie  3w= 
Junft  abiun)enben,  nid^t  in  aufireic^enbem  Üßafee  genügt.  3laä)  ben  allgemeinen 
®ninbfä|en  müfete  ber  ©begatte  beö  S8erfd)oIlenen,  um  jur  Sd^Iiefeung  einer 
Ticuen  6^e  jugelaRen  ju  merbcn,  fofem  er  nid)t  etroa  bie  UngüItigfeitöerMärung 
ober  bie  Sd^eibung  ber  beftel^enben  6^e  ju  erwirfen  in  ber  Sage  ift,  bem 
©tonbc&beomten  ben  2:ob  beö  SSerfd&oUcnen  in  übcrjeugenber  2Beife  nad^^ 
weifen.  6in  fol<^er  Slad^meiö  fann  aber  nur  in  ben  feltenften  gällen  gcfüfirt 
loerben.  6«  rcid&t  aud^,  um  ben  3lnforberungen  beö  fiebenö  ju  genügen,  n\ä)t 
ber  S(|cibungägrunb  ber  bodlic^en  SSerfoffung  ouö,  ba  bie  SSorauöfefeungen 
biefcö  ©dbeibungögrunbcß  nad&  SJlafegabe  beö  §  1443  in  SSerfc^oUentjeitöfäÜen 
ni^t  immer  oorücgen  ober  enoeiöUd^  finb.  SBirb  bem  ®l^egatten  be«  SSer^ 
fd^oKenen  nid^t  in  anberer  Slrt  bie  5K5gtid^feit  ber  SBieberoer^eiratl^ung  ge^ 
tDö^rt,  fo  liegt  bic  Oefa^r  na^e,  bafe,  gebrängt  burd^  bie  Söebürfniffe  beö  Sehens, 
in  änfe^ung  bcr  ©c^cibung  megen  böölic^er  aSerlaflung  eine  fd^äbtidie,  taye 
^rayid  fid^  bilben  mirb.  2)a6  ein  Sebürfnife  üor^anben  ift,  bcm  6t)egatten  eine« 
SJerfc^oUenen  burd^  befonberc  pofttiüc  Seftimmungen  bie  SBieben)erl)eiratl)ung 
iVL  ermöglichen  ober  bod^  }u  erteid)tern,  jeigt  aud)  bic  9ted^tdentn)idelung.  Ob 
gemeinrechtlich  bie  SBirfung  ber  S^obeöerflörung  aud^  auf  bie  perfonlid^en  ^cx^ 
^öltniRe  beö  SBcrfd^oHenen,  inöbefonbere  auf  bie  6^e,  fid^  crftredEt,  ift  beftritten, 
iinb  Qudb  auf  bem  ©cbiete  bcö  fat^olifd^en  Äirc^enred^teö  gelten  bie  9lnfid)ten 
barüber  auöeinanber,  ob  auf  ©runb  ber  3;obcßerflärung  eines  ®l}egattcn  ber 
anbere  ©begatte  jur  Sd^liefeung  einer  neuen  ®^e  jugclaffen  werben  barf.  Sie 
neueren  ©efcggebungen  —  abgefe^en  t)on  bem  franj.  Siechte  —  ^abcn  aber 
bofi  öcbürfnife  befonberer  SBeftimmungen,  burd^  meld)e  bem  @f)cgatten  beö  SSer* 
fc^oUenen  bei  Ungeroifei^eit  über  Sehen  ober  S:ob  bcö  le^tcren  bie  SBieber* 
Der^eirat^ung  ermöglicht  roirb,  allgemein  anerfannt,  unb  jroar  geftatten  bie 
meiften  berfclben  bie  SBieberDcr^eirat^ung  ol)ne  SGBeitercö  auf  ©runb  ber  J^obeS== 
erflörung  (oergl.  preufe.  21.  S.  SR.  II,  1  §  666;  l^annot).  ©ef.  t).  23.  ajlai  1848 
%  16;  brem.  SBerorbn.  t).  28. 3uni  1826  §§  21, 29;  lübecE.  SSerorbn.  o.  30.  ©ejember 
1829  §-16;  ^amb.  ©ef.  t).  14. 3uli  1879  Slrt.  14;  batjr.  Sluöf.  ©ef.  jur  6.  ^.  D. 
V.  23.  gebruar  1879  3lrt.  118, 119),  möl^renb  anbere  bie  3utaflung  ber  SBieber- 
Der^rat^ung  nad^  erfolgter  Slobcöerflarung  beö  anberen  ©Regatten  nod^  t)on 
einem  befonbercn  e^egeric^tli^en  Sßerfal^ren  abhängig  machen  (ücrgl.  fäd^f.  ©.  33. 
§  1708;  olbenb.  aSerorbn.  v.  16.  gebruar  1844  §  18).  ©inen  befonbercn  SBeg 
^ben  ba^  bab.  S.  91.  ©afe  232  a  unb  bcr  l)eR.  ©ntm.  II  Slrt.  127  eingcfd^tagen, 
inbem  biefe  bem  ©l&cgattcu  beö  aSerfd^oUenen  baö  Siedet  beilegen,  auf  ©runb 
ber  2^obeöerflärung  bei  bem  6öegcri(^te  bic  ©dieibung  ber  ®^c  ju  ücrlangen. 

®iefer  lefttere  8Beg,  bie  SBieberoer^eirat^ung  beö  ©Regatten  eineö  SBer^ 
fc^oUenen  ju  crmöglid^cn,  fommt  t)om  ©tanbpunfte  beö  ©ntrourfeö  auö  (oergl. 

2* 


18  e^el&inbemiffe.    SSerBot  ber  »igamic    §  1234. 

cinfi^  ber  3)ic  Seftitumung  bcö  2l6f.  4,  bafe  burd^  aSolIiä^rigfeitöcrKörung  e^c* 

"^"iitr^'  münbigfeit  nid^t  bcgrünbet  wirb,  tann  üiellei^t,  l)ingefc^en  Quf  ben  3"^^^ 
crfwrung.  j,^  SJoIljäl^rigfcitecrHärung,  bie  mit  ber  aDlinberjäfirigfeit  öcrbunbcne  93c« 
fc^ränfung  ber  ©ef^äftöfä^igfcit  ju  bcfcitigcn  (§  26,  §  65  STbf.  1),  unb  ^im 
gcfc^cn  auf  ben  ücrf^iebcuen  Sarofter  ber  ®^cmünbigfeit  unb  ber  93ef^ränfung 
ber  ®efd)äftöfä^igteit  unb  bie  üerfd^iebencn  Icgiötatioen  ©rroägungen,  auf 
roeldien  bie  eine  unb  bie  anbere  berufen,  alö  fctbftoerftänbUc^  betrad^tet  werben. 
2ßit  diM\iä)i  auf  bie  abfolut  lautenbeJBorfd^rift  bcfi  §  26,  bafe  aRinberjä^rige 
burd)  bie  SSoUiä^rigfeitöcrHärung  bie  red)tlid^e  ©tellung  ber  SBoIliä^rigen 
erlangen,  unb  in  ber  ©rroägung,  bafe  bie  ®{)emünbigteit,  weil  biefelbe  nid^t 
fd)on  mit  ber  wirflid^en  (Sefd)Ied&töreife  eintritt,  fic^  alö  eine  befonbere  Slrt 
ber  bef^ränften  ®efd&äftöfäf)igteit  auffaffen  läfet,  ift  eö  iebod^  alö  ratl^fam 
erad^tet,  ben  im  9lbf.  4  beä  §  1233  enthaltenen  ©aß  im  ®efe^e  auöbrüdEli^ 
auöjufpredien,  jumal  auf  bem  ©ebiete  beö  fog.  ^^5riüatfürftenred)ted  fi^  bie 
(Streitfrage  erl&oben  l^at,  ob  erlaudlitc  ^crfonen,  roeld^e  nad^  ben  ^auögefegen 
mit  bem  jurüdEgelcgten  oc^tje^ntcn  ober  neunje^ntcn  Sebenßial^rc  bie  aSolt 
iäl)rigfeit  erreid^en,  mit  biefcm  Sebenöial&re  trofe  ber  Seftimmung  beö  §  28 
beö  91.  Oef.  ü.  6.  gebruar  1875  bie  ©^emünbigfeit  erlangen. 

S)er  SWangel  ber  ®^emünbigfeit  begrünbet  bie  Sttnfcd^tbarfeit  ber  @^e 
(oergl.  §  1259  SRr.  3  nebft  aHotioen). 


§  1234. 

«erbot  25er  §  1234  fdiliefet  ftd)  fad)lid)  bem  §  34  beö  %  ®ef.  über  bie  S3e^ 

igamie.  ^^.fyj^jj^^g  jj^g  ^erfoneuftaubcö  unb  bie  ®t)efd^lie§ung  t).  6.  gebniar  1875 
an.  S)ie  rebattionellcn  3lenberungen  (,,fann"  ftatt:  „barf",  „für  ungültig  crflärt 
ift"  ftatt:  „für  ungültig  ober  nid)ttg  erflört  ift")  l^öngen  mit  bem  fonftigen 
©prad^gcbraud^e  beö  ©efefebud^eö  pfammen,  mä)  roeldjem  ber  9luöbrudE  „fann 
nid^t"  jur  S3ejci(^nung  ber  Ungülttgfeit  beö  9tfteö  gebraudlit  wirb  unb  ber 
SluöbrudE  „Ungültigfeit"  fomo^l  bie  «ßi^tigfeit  alö  aud&  bie  9Infed)tbarfeit 
umfaßt,  ©ag  baö  ß^eoerbot  fxi^  nur  auf  ben  gall  bejiel)t,  wenn  bie  frül)ere 
®^e  in  gel)5riger  gorm  gefd&loffen  mar  (§§  1245,  1248),  braucht  nid^t  be* 
fonberö  l^eroorgel^oben  ju  werben,  ba  eine  nid)t  in  gehöriger  ^orm  gefd^loffene 
6l;e,  oline  bafe  eine  atid^tigfeitöerflärung  berfclben  ftattfinbet,  fraft  beö  ©cfegcö 
nid^tig  unb  beölialb  alö  übcrl)aupt  nid^t  gefdjloffen  anjufelöen  ift  (üergl.  §  1250 
9lr.  1,  §§  1252,  108). 

2)er  SBerftofe  gegen  baö  SJerbot  beö  §  1234  l)at  bie  9li(^tigfeit  ber  (Sl^e 
jur  golge  (üergl.  §  1250  3lr.  3  nebft  3Wotinen). 


§  1235. 

jBirfunaber  2)er  3lbf.  1   fpri(^t  eine  aM  bem  ©runbfafee  beö   §  21  Slbf.  1   fid^ 

rung  ^*nf.  bir  crgebenbe  ftonfequenj  in  9lnfel)ung  ber  ®^e  mit  9tüdEfi(^t  barauf  befonbcrö 

öbeflhXr  ^"^'  ^^^  ^^  '^^  ^"'^  ^"^^  praftifd^  befonbere  mid^tige  Äonfequcnj  ^anbelt,  meld&c 
"um  fo  mcl;r  Ijcroorge^oben  ju  werben  rerbient,  alö  bie  l^ier  fraglid^e  Seftimmung 


e^cBinbemijfe.    gScmanbtfc^aft;  ®4traöcrfd6aft.    §  1286.  21 

§  1236. 
S^ie  Scflimmungcn  bcö  §  1236  über  ba^  ©f)CDcrbot  rocncn  93ern)anbt:s  «^e^inbemi* 

fc^aft  ober  ©c^roögcrf^aft  f einließen  fid^,  von  ^affimgsänbcrunflcn  abgefefien,  „anbift^aft 

im  aSSefentlid^cn  bem  §  33  5Rr.  1  biß  3  bcö  91.  ®ef.  über  bic  SBcurfunbung  beö  ^  «^f 

'^erfoncnftanbcö  iinb  bie  ®f>ef(i&[ic&ung  t).  6.  gebniar  1875  an.    ynöbefonberc     fc^oft. 

ciitfprcc^fn  axiä)  bic  Scftimmungen  beö  jroeiten  Slbfagcö,  wcldic  iid^  alö  eine 

^ii&notime  t)on  bem  ©rnnbfa^e  beö  §  30  9lbf.  3  beö  ©ntrourfeö  barftellen, 

jenem  Sleid^ögcfege  (uergt.  auäj  §  173  beö  Str.  0.  83.).    5Der  jrocitc  Safe 

beö  9lbf.  2  fann  üiettei^t  im  ^inbüdEe   auf  ben  §  32  beö  ©ntrourfeö   in 

3}erbinbung   mit   bem    erften  ©a^e   beö   Slbf.  2   alö   entbe^rltd^  betrautet 

»erben.    a3ei  ber  SSid&tigfeit  ber  Sa^e  unb  im  S^tercffe  ber  ©rlcic^terung 

bcr  ©efc^äftöfü^rung  ber  Stdnbeöbeamten  ift  eö  jebod^  alö  rat^fam  crad^tet 

luorben,  im  9lnfd|Iu?ye  an  ben  §  33  beö  bejeid^neten  JReid^ögefefeeö  bie  S3e* 

ftimmung  beö  jroeiten  ©aßeö  beö  9lbf.  2    im    ®efe|e  auöbrücfli^  t)eroors 

5u^6en. 

9lac^  bem  aSorgangc  beö  §  33  beö  91.  ®ef.  ü.  6.  ^ebruar  1875  (oergl.  ime^i^e 
L  14  §  2  D.  de  ritu  nupt  23, 2;  preufe.  21.  S.  91.  II,  1  §§  3,  4  nebft  «crorbn.  *'^*'"^"""« 
0.  22.  SJcjember  1843;  fäd&f.  @.  8.  §  1608)  mad&t  aud&  bcr  §  1236  baö  (S^e* 
Dcrbot  wegen  einer  auf  uncl^efid^er  Slbftammung  berul^enben  SBermanbtfd&aft 
ober  Sc^n)agerfdöaft  nid&t  i3on  ber  SInerfennung  beö  unei^eUd^en  Äinbcö,  inö* 
bcfonbere  aud^  nid^t  ocn  ber  9lnerfennung  beö  le|teren  burc^  ben  unc^elidden 
?Jater,  abhängig.  2)a  ber  ®runb  beö  ^ier  fraglid^en  ß^eüerboteö  baö  burd^ 
bie  JtHitfad^e  ber  ©rjeugung  begrünbete  natürlid&e  SBerl^ältnife  ift,  fo  fann  eö 
jur  Segrünbung  beö  S^ei^inbemiffeö  auf  bie  Sfnertennung  beö  unef|eltd)en 
Äinbeö  nic^t  onfommen,  unb  jroar  üom  ©tanbpunfte  beö  (Sntrourfeö  auö  um 
fo  weniger,  alö  ber  festere  ben  Sag  beö  franj.  9ledbteö:  „la  recherche  de  la 
pateniite  est  interdite"  (code  civil  9lrt.  340)  aud)  im  Uebrigen  nid^t  auf* 
genommen  ^ot.  2)ie  9(nfid()t,  bafe  in  Ermangelung  einer  Slnerfennung  beö 
unebelic^en  Äinbeö  oon  ©eiten  beö  uncl^etic^en  Sßaterö  bic  unel)elid^e  SSater* 
fc^aft  burd&  Seroeiö  überhaupt  nid^t  fcftjuftellcn  fei,  fann  alö  rid^tig  nic^t 
erQ(^tet  werben.  3m  §inblidfc  auf  bic  feltenen  f^^lle,  in  meieren  eine  fold&c 
Mtft^Dung  roegen  beö  ^ier  in  9lcbc  ftel)enben  S^eoerboteö  nötliig  wirb,  fc{)lt 
es  auc^  an  einem  praftifc^en  Sebürfniffe,  jum  ^voede  ber  ©rleid^terung  ber 
Seroeiöfü^rung,  mie  in  2lnfcl|ung  beö  9llimcntationöanfprud^eö  beö  unef|elid)cn 
Äinbeö  gegen  ben  unelielid^en  93ater  unb  beö  Slnfprud^eö  bcr  une^elidden 
Wutter  gegen  ben  leftteren  auf  (Srfa^  ber  ©ntbinbungö^  unb  2Bod^enbcttöfoften 
(§  1572,  §  1577  9tbf.  2),  fo  aud^  in  9lnfef|ung  beö  ^ier  fraglid^en  e^cljinbernijfeö 
eine  befonberc  9le^töt)ermut^ung  ber  unehelichen  SSaterfd^aft  aufjuftcllen.  95iel^ 
mcljr  Dcrbient  eö,  jumal  roegen  ber  an  bie  Uebertretung  beö  ^icr  fraglichen 
ß^eocrbotcö  fid^  fnüpfenben  tief  greif  cnben  folgen,  ben  SSorjug,  ben  9iid)ter, 
wie  ouf  bem  ®ebiete  beö  ©trafred^teö  (öergl.  §  173  ©tr.  ®.  83.,  SntfdE).  b. 
».  ®.  in  Straff.  I,  206  ©.  447,  II,  100  ©.  239  ff.),  fo  aud)  liier  in  betreff 
ber  Semeiöfrage  nid^t  an  9icd&töt)ermut^ungcn  ^n  binben,  fonbern  eö  in  biefer 
feinfic^t  lebiglid^  bei  ben  allgemeinen  ®runbfägcn  beroenben  ju  laffen. 

SSon  ücrfd^iebencn  ©eiten  ift  eö  getabelt  unb  alö  eine  SüdEe  bejci^nct  j,^^^^**"^ 
roorben,  bafe   baö  91.  ®ef.  v.   6.   gebruar  1875  —  abroeic^enb   t)on  bem     '^'''°*' 


12  efietinbemiffe.   93cf*ränftc  ©ef^aftSfaBißfcü.    §1232. 

unb  bcö  fcid^f.  ®.  23.  §§  1600,  1575,  rocnigficn«  in  9lnfc^unfl  bcr  rocgcn  95er* 
fd^rocnbung  unter  93ormunbfd)aft  gcftellten  äSoUieil^rigen  in  ©eltung  gerocfcnen 
SRed^te  — ,  bie  ©inioilligung  beö  gcfefelid^en  SSertreterö  nid^t  crforberlid^  ift. 
9tud^  biefe  Slbroeid^iing  red^tfertigt  [xä)  bxivd)  bie  allgemeinen  ©runbfäfee  beß 
®efe|bud()cö,  nad^  weld^cm  aSoIIiä^rige,  rocld^e  wegen  93erf(^n)enbung  entmünbtgt 
ober  nad^  ajla§gabc  beö  §  1727  wegen  geroi^er  ©ebred^en  beö  t)ormunbfd|Qft' 
Udden  ©djufeeö  für  bebürftig  erflärt  ober  nad^  SRofegabc  beö  §  1737  unter  oor^ 
läufige  aSormunbfc^aft  gefteUt  finb,  in  9lnfe^ung  ber  Oefd&öftöfö^igteit  ben 
■iDtinberiäl^rigcn,  roddjc  baö  ficbente  Sebenöja^r  jurüdEgetegt  liaben,  aud^  rüdE- 
fid&tllc^  nid)t  ocrmögenöred^tlic^er  5Hed&tögef(^äfte  gleidifte^en  (§§  70,  71).  ®ö 
fct)U  an  einem  jmingenben  Orunbe,  jeneö  ^rinjip  für  bie  ©l^efd^liefeung  ju 
burd^brec^en ;  im  ©cgent^eil  liegt  eö,  foüicl  inöbefonbere  fotd^c  SJoIljäl^rige  be- 
trifft,  wcldje  wegen  93erfd()wcnbung  entmünbigt  finb,  fowol&l  in  bcm  eigenen 
SntereRe  ber  Icfeteren  alö  aud^  im  öffentlid^en  Sntereffe,  burc^  baö  ©rforbernife 
ber  ©inwiUigung  beö  gefefelid^en  35ertreterö  jur  (S^efc^Ue^ung  einen  ©d^u^ 
gegen  bie  leid^tfinnige  unb  unüberlegte  ©d)liefeung  einer  ®l^e  üon  Seiten  folc^er 
^^Wrfonen  unb  bie  barauö  ber  gamilie  unb  beu  Oemcinben  brol^enbe  I^aft  ju 
gewähren.  Slnfangenb  aber  bie  nad)  SDlafegabe  beö  §  1727  beö  oormunbfd^aft* 
lid&en  ©d^ußeö  für  bebürftig  ertlärten  üolljäfirigen  5ßerfonen,  fo  fann  bejüglid^ 
biefer  bie  83eftimmung  beö  §  1232  9lbf.  1  um  fo  weniger  23ebenfen  erregen, 
alö  mä)  bem  §  1735  9lbf.  3  baö  93onnunbf(^oftögerid^t  bie  SJormunbfc^aft 
über  fold^e  5ßerfoncn  aufgeben  foU,  wenn  ber  SJlünbel  bie  Sluf^ebung  beontragt 
unb  mit  ber  9tuffjeburig  ber  SSormunbfc^aft  nac^  bem  §  71  bie  Öefd^ränfung 
bcr  ©efd^äftöfci^igfeit  wegfällt,  mithin  aud)  bie  33eftimmung  beö  9lb).  1  in  9ln^ 
fcf)ung  ber  ^ier  frag[id)en  ^45erfonen  unanwcnbbar  wirb. 

iSrtwtw  ^^^^^  ^^^^'  ^  ^f*  ^^^  einwiUigung  beö  gefet;lid)en  SSertrcterö  ber  in  ber 

®efd^äftöfät|igteit  befd^ränttcn  ^erfon  erforberlid^.  SBer  alö  bcr  gefe^lid)c 
SScrtreter  berfelben  anjufel^en  ift,  crgiebt  fid^  am  ben  Seftimmungen  über 
bie  cltcrlid^e  (Scwalt  unb  ben  Öeftimmungen  beö  SSormunbfd^aftöred^teö.  9lad^ 
biefcn  95cftimmungen  ift  ber  gefefelic^e  33ertreter  ber  in  bcr  ®efd^äftöfäl^ig!eit 
bcfd&ränften  ^^erfon,  je  nad^bem  bie  le^tere  unter  elterlid)cr  ©cwalt  ober  93or? 
^  muubfdiaft  ftefit,  ber  3[nf)aber  ber  elterlidöcn  ©ewalt  ober  ber  i>ormunb  be^w., 
fofern  auö  bcfonbercn  ©rünben  bie  SSertretung  in  pcrfönlid^en  9lngc[egent)eiten 
beö  Kinbeö  ober  SKünbelö  einem  5ßflegcr  übertragen  fein  follte,  biefer  legterc, 
ba  bie  ®inwiUigung  jur  ß^efd^liefeung  fid)  alö  9luöflu6  ber  ©orge  für  bie 
^erfou  beö  Uinbcö  bejw.  beö  iülünbelö  barftellt  (oergl.  §§  1503,  1649,  1650, 
1728,  1730,  1738  9lbf.  1  Saß  1,  §  1743). 
*^mtf  ^tr^  SBie  auö  bcr  Scftimmung  beö  §  1651  9ir.  1  unb  beö  §  1728  fi^  crgiebt, 

gefe«ii(^eii  ift  abcr  bcr  Siormunb  ju  bcr  ©^cfd^Uc^ung  jwifd^en  fid^  felbft  ober  einem  feiner 
»ertreter  k.  sßcrwanbten  in  gcraber  Siuic  unb  bcm  aÄünbcl  bie  wad)  bcm  §  1232  3lbf.  1  er* 
forberlid^c  ©inwilligung  ju  ertf)cilen  bcl)inbcrt.  Durd^  bie  allgemeine  SBeftimmung 
beö  §  1651  9lr.  1  wirb  bie  befonbere  Seftimmung  beö  §  37  beö  ))l  ®ef.  über 
bie  23eurfunbung  beö  ^crfoncnftanbeö  unb  bie  (S^cfdblie^ung  v.  6.  ^^-cbruar  1875 
crfe|t.  3)cr  ©tanbpunft  beö  ©ntwurfeö  weidet  allcrbingö,  abgcfeljcn  baoon, 
bafe  bie  @öe  jwifdjcn  bem  SKünbet  unb  bem  bebinbertcn  3Sormunbe  bejm.  bcm 
9lbfömmlinge  beö  le^tercn  nad}  bem  §  1259  9Jr.  4  in  SSerbinbung  mit  bcm 


S^cBinbemiffc.    gScrtüanbtft^aft;  ®4tt?aöcrfd6aft.    §  1236.  21 

§  1236. 
35ic  Scftimmungcn  bcö  §  1236  über  baö  ©f)coerbot  wegen  SScriDQnbt*  aminhetni^ 

fd^aft  ober  ©(^roogerfc^oft  fci^Iicgcn  fid^,  üon  gafjuitgöänberungcn  abgefcfien,  „a^nbif^aft 

im  gBcfentltd^cn  bem  §  33  5Rr.  1  biß  3  beö  91.  @ef.  über  bie  SBcurhmbung  beö  ^^^^\^^ 

^erfonenftonbeö  iinb  bie  ©^efd^tiefeung  ü.  6.  gebniar  1875  an.    3i"S6efonbere     ^^alT" 

cntfijrcd^en  awä)  bie  Seftimmungen  beö  jrociten  9Ibfa^eö,  vod6)c  ]xci)  alö  eine 

%idna^me  oon  bem  (Srnnbfa|e  beö  §  30  9tbf.  3  beö  ©ntrourfeö  barfteBen, 

jenem   Sleid^gcfege  (uergL  anä)  §  173  beö  Str.  ®.  S3.).    ®er  jroeite  Sag 

beö  SIbf.  2  fann  üielleidit  im  ^inbüde   auf  ben  §  32  beö  ©ntrourfeö   in 

IBerbinbung   mit   bem    erften  ©age   beö   9lbf.  2   alö   entbel)rli(i&  betrad&tet 

werben.    Sei  ber  SBid^tigfcit  ber  Sa^e  unb  im  3ntere?yc  ber  ©rleic^tcrung 

bcr  ©efc^oftöfü^rung  ber  ©tanbeöbeamten  ift  eö  jebod^  alö  ratl)fam  erad^tet 

loorben,   im  9lnf(i^luifc  an  ben  §  33  beö  bejeid^neten  SReid^ögefegeö  bie  93e* 

ftimmung  beö  jweiten  ©ageö  beö  9lbf.  2    im    ©efege  auöbrücflid^  I)ert)or' 

ju^eben. 

"iladi)  bem  SBorgange  beö  §  33  beö  91.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1875  (oergl.  "ne^eitc^ 
1. 14  §  2  D.  de  ritu  nupt.  23,  a;  preufe.  21.  S.  91.  II,  1  §§  3,  4  nebft  »erorbn.  *^^""*""''« 
t>.  22.  3)eiember  1843;  fä^f.  ®.  SB.  §  1608)  mad&t  au^  bcr  §  1236  baö  @^e^ 
Derbot  rocgen  einer  auf  unc^elid^er  3lbftammung  benifienben  SSerwanbtfc^aft 
ober  Sd^mfigerfc^aft  nid^t  t)on  bcr  9lnerfennung  beö  uneJielid^en  Äinbeö,  inö^ 
lefonbere  aud^  nid^t  T)cn  ber  9lnerfennung  beö  Icfeteren  burdf)  ben  une^etid^en 
SSater,  abhängig.  2)a  ber  Orunb  beö  f|ier  fragtid^en  ©fieoerboteö  baö  burd^ 
bie  J:^atfac^e  ber  ©rjeugung  begrünbete  natürlid&e  SBerliftltnife  ift,  fo  fann  eö 
§ur  33egrunbung  beö  ©^e^inberniffeö  auf  bie  Stnerfennung  beö  une^elid^en 
Äinbeö  nid&t  anfommen,  unb  jwar  i3om  ©tanbpunftc  beö  Sntwurfeö  a\i&  um 
fo  weniger,  alö  ber  lefttcrc  ben  ©a{f  beö  franj.  9led&teö:  „la  recherche  de  la 
pat^rnit^  est  interdite"  (code  civil  9Irt.  340)  aud)  im  Uebrigen  nic^t  auf- 
genommen ^at.  35ie  Stnfid^t,  bafe  in  Ermangelung  einer  9lnerfennung  beö 
imebelid^en  ftinbeö  oon  Seiten  beö  unehelichen  Sßaterö  bie  unel}elid&e  SSater* 
fd^aft  bur^  Seweiö  überhaupt  nid^t  fcftjuftellen  fei,  fann  alö  richtig  nic^t 
erod^tet  loerbcn.  3m  ^inbtirfc  auf  bie  feltenen  ^öllc,  in  weld^en  eine  fold^c 
MtfteUung  wegen  beö  ^ier  in  9lebe  fteJöf^ben  ß^eoerboteö  nötl^ig  wirb,  fel)tt 
eö  au(^  an  einem  praftifdf)en  Sebürfniffe,  jum  ^vocdc  ber  ®rleid^terung  ber 
SSeweiöfü^rung,  wie  in  Slnfel)ung  beö  9lUmentationöanfprud^eö  beö  unel^eli^en 
Äinbeö  gegen  ben  imelielid^en  93ater  unb  beö  Slnfprud^eö  bcr  uueJ^elid^en 
^Wutter  gegen  ben  leftteren  auf  (Srfag  ber  ©ntbinbungö^  unb  2Bod&cnbettötoften 
(§  1572,  §  1577  3tbf.  2),  fo  aud^  in  9lnfef)ung  beö  ^ier  fraglid^en  ®^el)inbernifyeö 
eine  befonbere  9lcc^töDcrmutf|ung  ber  unehelichen  5Baterf^aft  aufjuftellen.  SSiel* 
meljr  üerbient  eö,  jumal  wegen  ber  an  bie  Uebertretung  beö  l^ier  fraglid&en 
6^eDcrboteö  fic^  fmlpfenben  tiefgreifenben  "^olQtn,  ben  SBorjug,  ben  9lid)ter, 
wie  auf  bem  ©ebietc  beö  Strafred&teö  (wergt.  §  173  Str.  ©.  33.,  (gntfc^.  b. 
».  ®.  in  Straff.  I,  206  ©.  447,  II,  100  ©.  239  ff.),  fo  and)  liier  in  Setreff 
ber  Seweiöfrage  nid&t  an  9led^töDermut^ungcn  ju  binben,  fonbern  eö  in  biefer 
6infi(||t  Icbiglic^  bei  ben  allgemeinen  ©runbfäßen  bewenbcn  ju  taffcn. 

Son  t)erfc^icbencn  ©eiten  ift  eö  getabelt  unb  alö  eine  Sücfe  bejeid^net  ^^^^^'^ 
»orben,  bafe   baö  91.  ®ef.  v.   6.   gebruar  1875  —  abwcic^enb   T)on  bem     '^'"°'' 


14  e^el&inbennlTc.    ffiefc^ranfte  ®efd&äft§fd6t0fett.    §  1232. 

cntfprid^t  btcö  auö)  bem  ©eftd^töpunftc,  bafe  bic  SinroiHigung  beö  gcfe^Iid^cn 
3Scrtreterö  ein  SluSftufe  ber  ^ürforgc  für  bic  ^^erfon  beß  3Sertrctencn  ift. 
2:rcten  fpäter  Umftänbc  ein  ober  l^eroor,  roeldie  bie  ©^efd^Iiefeung  als  ni^t  im 
Snterefje  beß  SBertretenen  crf(^eincn  lafjcn,  fo  ift  ber  SBibcrruf  ber  ©intüiUigung 
nid&t  nur  ein  SRed^t,  fonbern  auä)  eine  ^fti^t,  auf  roeldie  nid^t  üerjid^tet 
werben  fonn.  Sluö  jenem  (Sefici^tßpunfte  crgiebt  fid)  ferner,  bafe  eß  immer 
auf  bie  ©inroilligung  beßjenigen  anfommt,  meld^er  jur  'Sdi  ber  6^efci^tie§ung 
'  ber  gefeglic^e  SSertreter  ift.  Sollte  berjenige,  meld^er  jur  3cit  ber  ß^ef^Uefeung 
ber  gefe^Iid^e  SSertreter  ift,  bie  ©inmilligung  üerfagen,  trofebem  ein  frül^erer 
gefefelid^er  Vertreter  biefelbe  ertl)eilt  ^atte,  fo  f)at  ber  Stanbeßbeamte  bie 
9tnorbnung  beß  ätufgebotcß  bejm.  bie  ß^efd^Iiefeung  abjuletjnen,  fo  lange  nid^t 
ber  jcfeige  gefe^Iid&e  Vertreter  bie  ©iniüilligung  ertl^eilt  l)ai  bejm.  bie  tegterc 
nad)  anafegabe  beß  3lbf.  2,  3  unb  beß  §  1238  Slbf.  4  erfegt  ift  (üergl. 
§§  45,  48  beß  9t.  (Sef.  über  bie  Seurfunbung  beß  ^erfonenftanbeß  unb  bie 
6^efd6Iicfeung  v.  6.  3uli  1875).  ©in  öebürfnife,  von  bem  ©runbfage  ber 
SBiberruflidifeit  ber  ©inroiUigung  für  fold^e  gälle  eine  9[ußna^me  ju  machen, 
in  mel(^cn  ber  SBiberruf  auf  ®runb  oon  Umftänben  erfolgt,  meldte  bem 
gefegtic^en  93ertreter,  ber  bie  ©inmiUigung  ert^cilt  ^atte,  jur  3^it  ber 
©rtl^eilung  ber  ©inroiUigung  befannt  waren  (üergl.  preu§.  21.  £.  di.  II,  1 
§  111;  fäc^f.  ®.  33.  §  1601;  gotf).  G^egef.  \>,  15.  9luguft  1834  §  39),  fanu 
nid^t  anerfannt  mcrben.  S)er  SBiberruf  ber  einmal  ert^eilten  (Sinmilligung 
fann  allerbingö  für  bie  Set^eiligten  unter  Umftänben  eine  grofee  ^ärte  fein; 
inbeffen  barf  barauf  Dertraut  merbcn,  baß,  wenn  üon  ber  in  ber  ®ef(^äftß'' 
fä^igfeit  bef darauf ten  5ßerfon  nad)  SRaggabe  beß  9lbf.  2  bejm.,  fofern  ein 
©(ternt^cil  ber  gefeglid^e  SSertreter  berfelben  ift,  naä)  aJlafegabe  beß  3lbf.  3 
unb  beß  §  1238  3lbf.  3,  4  auf  (Srgänjung  ber  einmal  ert^eilt  geroefenen 
aber  miberrufenen  ©inmilligung  beß  gefeglid^eii  33ertreterß  angetragen  mirb, 
baß  jur  ®ntfd&eibung  berufene  ©erid^t  [fd&on  üon  fclbft  auf  fotd^e  bcfonberen 
3}erl)ältniffe  bei  feiner  (Sntfd&eibung  Siürffid^t  nef)men  roirb.  ©ine  9lußna^me 
üon  bem  ©runbfafee  ber  2Biberruflid()feit  ber  ©inmilligung  in  ber  bejeid^neten 
SRid&tung  mürbe  jubem  feine  grofee  praftifd^e  Sebeutung  l)aben,  ba  in  ben 
meiften  ^ixUcn,  in  meldten  ein  SBibcrruf  erfolgt,  jugleidli  neue  Umftänbe  mit 
ben  befannt  gemefenen  fonfurriren  werben.  9lnbererfeitß  ift  ber  Slußfd^tufe 
beß  SBiberrufeß  aud^  im  ^inblidEe  auf  fold^e  gftlle  in  l|ol)em  ®rabe  bebenflid^, 
in  roeldjen  bei  ©rtl)eilung  ber  ©inroilligung  übereilt  ober  gemiffenloß  üerfa^ren 
ift  unb  auß  biefem  ©runbe  ber  SBiberruf  erfolgt, 
eimmaigung  '^\\^  bie  ^^rage,  inroiefcrn  bie  ©inroiUigung  ju  ber  ©^efdjliefeung  unter 

»ebi^guig  K. -Öi^ä^fügung  einer  Sebingung  ober  3^itbeftimmung  mirffam  ert^eilt  werben 
fann,  ift  na^  ben  allgemeinen  (Srunbfägen  ju  beurtl)eilen.  S)ie  3Jatur  ber 
©inwilligung  ju  ber  ©tjefd&liefeuug  alß  eineß  familienred)tlid^cn  Sle^tßgefd^äfteß 
ftel)t,  in  ©rmangelung  einer  befonberen  Seftimmung,  ber  Seifügung  einer 
Sebingung  ober  3^itbeftimmung  nid^t  entgegen.  5lur  fann,  fo  lange  bic 
33ebingung  fd^webt  ober  ber  3ritpunft  nod^  nid^t  eingetreten  ift,  felbftücrftänblid^ 
bie  @l)e  nid^t  gefd^loffen  werben.  ®in  entfd^eibenber  ®runb,  in  bem  \)m 
in  SKebc  ftel^enben  galle  eine  9lußnal)me  üon  ben  allgemeinen  (Srunbfäfcen  ju 
madjen,  liegt  nid^t  oor.    3>nßbefonbere  ift  eine  fotd)e  9tußna^mebeftimmung 


ßMinberniffe.    Sef^tönfte  ®ef^äftsfä6ifl?eit.    §  1232.  15 

burcib  proftifd&c  SRüdffid^ten  jum  3^^*^  ^^^  ©rlcid^tcrung  bcr  ©efd^öftöfül^rung 
ber  ©tanbcsbcomtcn  ober  jum  ©d^ufee  bcr  ®l^cn  gegen  STnfcd^tung,  rotnn  bcr 
ßinlritt  bcr  33ebingung  ctroa  irrtliümlid^  ongenommen  fein  follie,  nid^t  geboten, 
ba  naif  ben  Sßorfd&riften  über  boö  Slufgebotöücrfal^ren  bie  SSerlobtcn  bie 
iuftimmenbc  ©rflärung  bcrienigcn,  beren  ©innjiUigung  jur  (S^cfd^liefeung 
erforberüd^  ift,  b.  ^.  bie  unbebingte  unb  unbefriftcte  ©inraiUigung  berfelben  in 
bcgioubigter  gorm  beijubringen  l^aben  (§  45  be§  SR.  Oef.  über  bie  33eurhmbung 
bcd  ^ßcrfonenftonbeö  unb  bie  ß^efd^liefeung  n.  6.  3uH  1875). 

2.  3^1  einem  grofeen  3:^^eilc  2)eutfd6Ianbs  ift  naä)  bem  burd)  ben  §  29  ®«»e^«nifl«nfl 
STbf.  5  bcfi  SH.  ®ef.  über  bie  SBcurfunbung  beä  ^erfonenftanbcö  unb  bie ''^® «1^«^* 
ß^cf^licfeung  v.  6.  gcbruar  1875  unberührt  getaffenen  SanbeöredEitc  (t)ergl.  q^^^^- 
preufe.  at.  S.  9i.  II,  1  §  54  unb  baju  ©ntf^.  beß  SR.  ®.  in  ©traff.  V,  118; 
jät^f.  ®.  93.  §  1921;  got^.  S^cgef.  t).  15.  9luguft  1834  §  4  Sttbf.  5; 
mcining.  @ef.  o.  27.  3lopentber  1875  nebft  3nftruftion  t).  26.  gebruar  1876 
§  49;  Qltcnb.  aScrorbn.  ü.  30.  Dttober  1875  §  9;  fd^warjb.^rubolft.  3u^ 
flruftion  p.  10.  5Dejcmber  1875  §  17;  code  civil  3lrt.  160;  bab.  (9e).  ü.  9.  ©e- 
jember  1875  §  2)  ju  ber  (S^cfc^tte^ung  beoormunbeter  ^erfoncn  neben  bcjn). 
ftatt  ber  ©inroiDigung  beö  SBormunbeö  bie  ®enel)migung  bcö  93ormunbfd&aftö== 
gcrid^tcd  ober  bcö  gamilicnratfieä  erforbcrlid).  ®ö  fann  nid)t  oerfannt  roerbcn, 
ba§  wichtige  ®rünbe  fid^  bofür  geltenb  mad^en  taffcn,  bei  bem  für  ben  Seoor^ 
munbcten  bcfonbcrß  wid^tigcn  SRcd&tägefd^äftc  ber  ®^ef erliefen  ng  neben  ber  ©in- 
nrilligung  beö  SSormunbed  aud^  bie  ©cncl^migung  beö  3Sormunbfd|Qftögerid^tes 
}u  oerlongcn,  jumol  nad^  bem  ©efeßbut^c  in  Dielen  gäHen,  roeldjc  an  fid^ 
nid&t  üon  fo  einfd^ncibenbcr  Sebeutung  für  bie  $5erl^ältniffe  beö  SKünbetö  [\nb, 
namenilid^  i^u  Pcrmögenöred&tUd&cn  SRed^tsgefd^öften  (§  1674),  bie  ©encljmigung 
bcÄ  33ormunbfd^aftögerid^tes  crforbert  wirb.  SBcrlangt  man  bie  ©ene^migung 
bcö  93ormunbf(^aftögerid^teß,  fo  ift  baö  leßtcrc  in  bcr  Sage,  fontroliren  ju 
fonnen,  ob  bcr  SSormunb  in  ber  l^icr  fraglid^en  SSejie^ung  bie  3ntcreffcn  beö 
SRünbcte  geroijfcnl^Qft  roo^rnimmt.  @inc  bcrartige  Äontrole  fann  inöbcfonbcre  in 
foU^cn  goUcn  roünfd^cnömertl^  erfd^eiueu,  in  meieren  bie  SBa^t  ber  5ßerfon 
bcö  3Sormunbcö  pon  bem  aSormunbfd^aftögerid^tc  nic^t  abfängt  (oergl.  §§  1635, 
1637,  1728,  1729).  B^jugcbcn  ift  femer,  bafe  mit  ber  ©H^Ii^feung  oft  aud) 
'n)i(!^tigc  ocrmögenörcd^tlid^e  folgen  ücrbunben  fmb.  Xxo^  biefer  für  baö  6r^ 
forbemife  bct  ©cnel^migung  bcö  33ormunbfc^aftögerid)tcö  fpred)cnbcn  ©rünbc 
ifl  cö  jebo^  rid^tigcr,  üon  bicfcm  ©rforbemiffe  abjufc^cn,  weit  eineöt^eitö  baö 
©efeftbuc^  überhaupt  üon  bem  ^rinjipe  auögcl^t,  ba^  bie  ©orge  für  bie 
^Jerfon  bcö  aWünbelö  bem  aSormunbc  allein  obliegt  (§  1648),  unb  anbercn- 
t^cilö,  oom  proftifd&cn  ©cfid^töpunftc  auö  betrachtet,  Don  bcr  SffufftcUung  icneö 
©rforbcmiffcö  nad^  ben  gemachten  Erfahrungen  bie  erl^offten  SSort^cile  nic^t 
}u  erroörten  jtnb.  5Rad^  ber  5Ratur  ber  {)ier  in  33etradöt  fommcnben  SScr- 
i^öttnine  ift  boö  aSormunbfd^aftögcrid&t  nur  |in  feltcnen  [gällen  in  bcr  Sage, 
fid^  bie  notl^igc  Jlcnntnife  bcr  SBcrfiältniffc  alö  ©runblagc  feiner  ©ntfd^eibung 
5U  Dcrfd&affcn.  3^  golgc  bcffen  wirb  bie  ©cnelimigung  beöfelben  oft  eine 
reine  gormfad^c,  jumol  baö  aSormunbfd^aftögeridfit  meift  t)or  oollenbeten  Sri^at^: 
fa^en  ftc^t,  bcncn  Slc^nung  ju  tragen  eö  fd&licfelid^  bod^  fidi  gcjtoungcn  fielet. 
3[iü>crerfcitö   fann,  mcnn  baö  3Sormunbfdöaftögerid)t  ängftlid)   unb  peintid) 


16  ei&cjinberniffc.   Sef^ranfte  ©cfd&aftgfä^ißfeit.    §  123-2. 

üerfäl^rt,  eine  ben  Umftänben  nid^t  entfpued^enbc  ©ntfd&cibung  ober  bod^  eine 

noc^tl^eilige  SSerjogerung  ber  Icfetercn  erfolgen. 

«nÄauna  ^-  ®^^  ^orfd^riftcn  beö  aibf.  2,  3  betreffen   bic   grage,   inwiefern 

be«flefe|ii(^n  bie  ©inwilligung  beß  gcfefelici^en  33ertrcterö  burd^  bie  (Senefimigung  beö  SSor^ 

»ertreter«,  ntunbfd^aftägerid^teö  erfegt  werben  fonn,  roäl^renb  über  bie  3uläffigfeit  rid&ter* 

lid^er  (Srgänjung  ber  ©inroilligung  ber  ®ltern  qIö  fold^er  ber  §  1238  2lbf.  8 

beftimmt. 

5Dur^  boö  SR.  (Sef.  ü.  6.  gebruor  1875  §  29  Sttbf.  4  fmb  bieienigen 
lanbeßgefeglidöen  SBeftimmungen,  nad^  n)eld)en  bic  ©inroilligung  beö  SSomtunbeö 
burd^  bic  ©ene^migung  bcö  SSormunbfd&aftögerid^tcö  erfefet  werben  fann,  um 
berührt  gelaRen  (ocrgt.  inäbef .  preufe.  31.  2.  9t.  II,  1  §§  69,  70 ;  goti^.  (S^egef . 
0. 15.  äuguft  1839  §  6  2Ibf .  2 ;  roeimor.  ®ef .  o.  2.  3?oocmber  1848  §  3 ;  lübccl. 
®ef.  0.  26.  Dfiober  1863  §  2  g.  ®.  oerb.  mit  ber  tüberf.  SSerorbn.  o.  11.  Dftober 
1820  §  29 ;  ^amb.  SBormunbfd^.  D.  t).  14.  Dcsember  1883  2lrt.  58  3lbf.  3 ;  brem. 
S3ormunbf4  D.  o.  14.  SRai  1882  §  40).  2)ic  aSorfd^rift  beö  Slbf.  2  fd^tiefet 
fid^  biefen  Seftimmungen  (ix{.  3?Qd&  ben  allgemeinen  ©runbfägen  bcö  SSormunb* 
fd^aftöred^teö  fann  atterbingä  baö  JBormunbfd^oftögeridbt,  roenn  ber  SJormunb  ober 
5ßf(eger  feine  ©inroilligung  Dcrfagt,  nid^t  an  ©teile  beß  SSormunbeß  ober 
Pflegers  bie  ©inroilligung  ert^eilen,  fonbern  nur  im  ^allc  pffid^troibrigcr  SBer^ 
fagung  ber  ©inroiUigung  unb  aud&  in  biefem  galle  nur  in  ber  2lrt  einfd^reitcn, 
bafe  eß  entroeber  ben  SSormunb  ober  Pfleger  burd^  bie  juläffigen  3roöngßmittel 
jur  ®rtl^eilung  ber  ©inroilligung  anhält  ober  bie  (Sntlaffung  beöfelben  oerfügt 
unb  einen  anberen  93ormunb  ober  5ßf(eger  befteHt  (Dcrgl.  §§  1684,  1705  9lr.  1, 
§§  1728,  1743).  ®ö  ift  jebod^  unbebenflid^  unb  im  Sntereffe  ber  SSereinfac^ung, 
foroie  jur  aSermeibung  oon  aSerjögerungen  angemeffcn,  üon  jenem  5ßrinjipe 
^ier  eine  Sluöna^me  ju  mad&en.  Um  bem  aÄifeoerftänbniffe  ju  begegnen,  alö 
ob  büß  aSormunbfd&aftßgerid&t  bie  (SinmiHigung  beß  SJormunbeß  ober  5ßflegerß 
nur  im  galle  einer  5ßf(idbtroibrigfeit  erfefeen  taxm,  ift  eß  alö  ratl^fam  crod^tet, 
burd^  bie  SBorfd^rift  beß  älbf.  2  ©ag  2  außbrüdflid^  barauf  l)insuroeifen,  bafe  baß 
aSormunbfc^aftßgeric^t  bic  ©inroiHigung  ju  crtf|ei(en  ^at,  menn  bie  ®rtl^eilung 
im  Snterejfe  beß  SWünbelß  liegt. 
inöbef.  2)ic  oorftel^enb  bejeidjneten  S3eftimmungen  follcn  aud^  bann  Slnroenbung 

t^eites  ai«  be3  fiJ^ben,  TOCun  ein  ©Iternt^eil  ber  in  ber  Ocfd^äftßfä^igfcit  befd^räntten  5ßerfou 
gefetjUi^en  ^er  gcfefelic^c  aSertreter  ber  legteren  ift,  ooraußgcfcfet,  bafe  nad^  ben  SSorfd^riften 
ertteterd.  ^^^  gg  ^^^^^  ^^^^  ^.^  ©inmiHigung  biefcß  eitcrntljeilcß  alß  fotd^en  ju  ber 

®t)efdE)[ie6ung  beß  Ä^inbeß  nid^t  crforberlid^  ift.  5Diefe  23oraußfegung  trifft 
namentlid^  in  bem  gallc  ju,  in  roeld^em  ein  Äinb,  raeld^eß  baß  fünfunbjmanjigftc 
Sebensja^r  jurüdEgelcgt  ^at,  unter  ber  SBormunbfd^aft  ober  5ßf[cgfdf)aft  cincß 
eiterntljeileß  ftef)t.  Sic  fonn  aber  unter  Umftänben  aud^  in  3lnfe^ung  beß 
minbcriälirigcn ,  unter  elterlicher  Ocroalt  ftef)enben  Älinbcß  jutreffen,  menn 
nämlidt)  bic  elterliche  (Seroalt  beß  aSaterß,  rocil  berfclbe  tl)atffid&lid^  t)cr^inbert 
ift,  bic  (Seroalt  außjuüben,  ober  roegen  äßinberiftl^rigfeit  beßfelben  ru^t  unb 
bie  eltcrlid)c  (Seroalt  in  biefen  gällcn  ber  aKutter  juftel)t  (oergl.  §§  1554, 1555). 
3n  fold^cn  gälten  ift  neben  ber  nad)  bem  §  1238  3lbf.  1  erforbcrlic^cn 
®inroilligung  beß  Siatcrß  alß  folc^en  m6)  9lbf.  1  aud^  bic  (SinroiUigung 
ber  aWutter  alß  beß  gcfeßlid^cn  SBcrtrctcrö  beß  Äinbeß  crforberlid).    ©in  ge^ 


e^e^ittberniffe.    ßfecmünbigfett    §1233.  17 

nügcnber  ®runb,  bic  änroenbung  bcö  3lbf.  2  in  berartigcn  gäUen  auö- 
jufc^iUefecn,  liegt  nxdfi  Dor,  ba  in  biefcn  gäUcn  ein  eigenes  Siedet  beä  be^ 
treffcnben  ©Itcmt^Ued,  TOelc^er  ber  gefefeUc^e  SSertreter  bed  Äinbeö  ift,  nic^t 
in  ^agc  tommt. 

älnbcrö  liegt  bagegen  bic  ©od^e,  wenn  ein  foldjcr  ©Iterntfieil,  o{)nc  beffen 
einiDiUigung  bad  Einb  nad)  ben  aSorfd^riften  ber  §§  1238,  1239  bie  @^e  ni^t 
ft^üefeen  barf,  jugleic^  ber  gefeßlid&e  SScrtreter  beö  Äinbcd  ift,  fei  es,  ha^  baß 
Äinb  unter  ber  elterlid^en  Oeroalt  ober  unter  ber  SBormunbfd^oft  ober  ^ffeg* 
fc^ft  biefes  @(ternt^ei(ed  ftc^t.  3iern>eigert  ein  folc^cr  ©Iterntl^eil  bie  @im 
miOigung,  fo  fann  bie  @inn)iUigung  bedfelben  ald  fold^en  nad^  §  1238  3l6f.  3 
Derb,  mit  §  779  9lbf.  1  6.  ^.  D.  nur  burd^  ben  ^^rojeferic^ter  erfegt  werben. 
3n  @nnange(ung  einer  befonberen  ä3eftimmung  n)ürbc  aber  neben  ber  ®rgön}ung 
bur^f  ben  ^rojcgrid^ter  wegen  ber  @igenfd^aft  beö  ©(ternt^eiled  a(d  bed  gefe^ 
Ixd^  SJertrcterö  beö  5linbeö  nad^  §  1232  9lbf.  2  nod^  eine  ®rgänjung  burd^ 
baö  Sormunbf^aftßgeric^t  erf orberüd^  fein.  ®icfe  lefetere  ©rgänjung  ift  jebod^ 
neben  ber  erfieren  ate  überPfiffxg  erachtet  (oergl.  §  1238  3lbf.  4).  S)aö  Äinb, 
loelc^eö  in  ben  ^icr  Doraudgefegten  fällen  bie  rid^terlic^e  Srgänjung  ber  elter« 
liefen  ©inroiUigung  nac^  aWofegabc  beö  §  1238  2lbf.  3  üerlangt,  mu§  ju  biefem 
SuKtfc  bie  ^fteDung  eineö  $f[egerö  bei  bem  SSormunbfd^aftögerid^te  beantragen 
(oergL  §  1651  3?r.  1,  §  1738  2lbf.  1  ©afi  1).  5Daö  aSomtunbfc^aftögerid^t 
wirb  aber  einen  Pfleger  nur  bann  ju  beftellen  ^aben,  roenn  eö  auö  ben  Um? 
ftänbcn  beö  galleö  minbeftenö  bie  Ueberjeugung  gewinnt,  ba^  bie  grage,  ob 
ber  Snfpruc^  beö  ftinbeö  auf  ©rt^eilung  ber  elterlid^en  ©inroiUigung  begrünbet 
fei,  einer  näheren  Prüfung  bebürfe.  ^ält  baöfelbe  {|iemad^  bic  SefteUung 
eineö  ^pegerö  für  erforberltd^,  fo  n)irb  biefer  bie  grage,  ob  bic  Älagc  auf 
©rt^eilung  ber  elterlid^en  Sinroilligung  ju  ergeben  fei,  in  ibrem  gangen  Um? 
fange  ju  prüfen  ^aben,  fomol^I  auö  bem  ©efic^töpunfte,  ob  bie  ®inge^ung  ber 
&fe  überhaupt  im  Sntereffe  bcö  Äinbeö,  alö  auö  bem  ©efid&töpunfte,  ob  bic 
Sinroilligung  beö  ©Iternt^cilcö  o^nc  genügenben  ©runb  ocrrocigcrt  ift.  ®nt? 
fc^eibet  ber  ?Jfleger  fic^  ^iemad^  für  bic  ©r^ebung  ber  Älage,  fo  mirb  auf 
biefem  9Bcgc  ia6)l\6)  baöfelbc  erreid^t,  alö  menn  ein  Don  bem  93ormunbfd&aftß? 
geriefte  ju  biefem  fpcjieUen  3^^*^  befteUter  Pfleger  bic  ©inmilligung  ju  ber 
SH^licgung  bcö  Äinbeö  ert()ei(t  I)ätte. 

33cr  aSangel  ber  nac^  §  1232  erforberlid^cn  ©inmiUigung  beö  gcfcglic^cn 
Sertretcrö  jur  g^efd^üefeung  ^at  bic  SKnfcc^tbarfeit  ber  ®t)e  jur  golgc  (oergl. 
§  1259  5«r.  4  nebft  aBotioen). 

§  1233. 

®ic  Seftimmungen  beö  erften  biö  britten  Slbfagcö  beö  §  1233  ftcficn  c^emünbia- 
mit  bem  §  28  beö  SR.  ®ef.  über  bic  SSeurfunbung  beö  ^^Serfonenftanbeß  unb  *'*'' 
bic  S^efc^Uefeung  n.  6.  gebruar  1875  im  ©inflange.  6in  Sebürfnife,  in  biefer 
Sejie^ung  baö  beftef|cnbe  9ieicl)örecl)t  ju  änbem,  ift,  fooicl  befannt,  nid|t  ^croor? 
getreten;  aud)  ift  bur<^  neue  ^^ringipien  beö  ®efc|bud^eö  infomeit  eine  älenbcrung 
nid^t  oeranla|t.  3nöbefonberc  fe^lt  eö  an  einem  genügenben  ^ilnfaffc,  bic  @tjc* 
münbigfeit  ber  SRänner  erft  mit  ber  SSoUial^rigfcit  ober  aSolljäfirigfeitöcrflärung 
eintreten  }u  laffen. 


26  S^e^inbcmiffc.    SKaitöcI  ber  elterli(6cn  ©intoiHigung.    §  1238. 

§  2),  fo  ift  boä)  anbererfcitö  auä)  boö  ^ntc^^ff^  ^^^  ftinber  ju  bcrüdfid^tigen. 

9luf  bicfcr  9luöglcic^ung  ber  üerfc^iebencn  Sntcrcj^en  beru()cn  bie  Seftimmungcn 

bcr  §§  29,  30  bc§  SR.  ®ef.  ü.  6.  gcbruar  1875.    groingcnbc  ©rünbc,  in  ber 

^icr  fraglidicn  ^infic^t  t)on  bcm  beftc^cnbcn  9leid6ärcd)tc  abjurocic^cn,  liegen 

nid^t  üor.    3indbcionbere  empfiehlt  eö  fid&  au6)  nic^t,  bie  Sltterögrenje,  bis  ju 

TOeic^r  bie  ©intoiUigung  ber  ©Itern  erforberlid^  ift,  ouf  baß  9l(ter  ber  iBoü* 

jätirigteit  ^crunteräufegen,  ba  üerfrü^te  ®^en  nid^t  ju  förbcrn  finb.    9lur 

infonjeit  ift  eine  9lenbcrung  bcö  beseid)netcn  SReic^ögefcgeö  alö  angemeffen 

bis  8um  »Ott.  erad)tet  lüorben,    ate  ber  3lbf.  1  Sag  1   bie  ^öd^ter   ben  ©ötincn   gteid^* 

We" '  ftcUt,  mithin  anij  bie  crftcren    bis   jum  jurücfgelegten  fiinfunbjroanjigften 

Sebcnöjafire  ber  ©inroittigung  beö  SSaters  bejro.  ber  Sftutter  jur  ß^efd&Iiefenng 

bcbttrfen.     S)ie   3lücffidt)t    auf    bie   bcfonberen    Seftimmungen    beö   prciife. 

91.  2.  31.  II,  1    §§  46,  997,  988,   welche   baö  M.  ®ef.   t).  6.  gebruar  1875 

beftimmt   l}abeu,  in  9lnfet)ung  ber  Ziä)kt  bas  üoUenbctc  oierunbjroanjigfte 

Sebengjafir  ju  roälilen,  fommt  für  baö  bürgerlid^e  (Sefegbuc^  nid(it  in  Setra^t. 

Sind)  in  ber  ^infi^t  folgt  ber  9lbf.  1  Saft  1  bem  §  29  beö  di.  Oef., 

alö    er    jur   ©^efd)lie6ung    eincö    c()elid^cn   Äinbeö    nid)t    bie  (SinrtiiUigung 

beiber  eitern  (Dergl.  fäd^f.  ®.  ö.  §§  1600, 1571),  fonbern  in  Uebercinftimmung 

mit  bcm  fd^on  üor  bem  3nfrafttreten  beö  9i.  ®ef.  in  ben  meiftcn  Sled^tögebieten 

geltenbcn  5led)te  (oergl.  inöbef.  preufe.  91.  ö.  %  II,  1  §§  45,  46,  49)  nur  bie 

®inn)illigung  beö  SSaterö,  nad)  bem  2^obe  beö  leftteren  aber  bie  ©inmilligung 

ber  äßutter  forbert.    5IBenngtcid6  baö  Stitereffe  ber  9Kutter  burd)  bie  &f)t^ 

fd)lie6ung  i^reö  Äinbcö  nic^t  minber  berül)rt  roirb,  mie  baö  beö  3Saterö,  fo 

entfprid^t  eö  bod^  ber  Stellung  beö  S3atcrö,  alö   beö  ^aupteö   ber  gamilic, 

unb  bem  §  1506  9lbf.  2,  bafe  bei  95leinungöoerfd^iebenl)eiten  ber  SJater  hm 

9(uöfd}lag  giebt. 

beiÄinbem  äßaö   im  9lbf.  1  Saft  1   in  Slnfe^ung  efjelid^er  Äinber   beftimmt   ift, 

unflüiHfler  P^^^*   ^ud)   auf   bie   Äinber   auö  ungültigen  Slien,    fomie  auf   legitimirtc 

(Sbe  unb    ftinber  9lnroenbung  (oergl.  §§  1562,  1567,  1579,  1583),    auf  bie  Äinber  auö 

^Äinbir^nr  Ungültigen  (Sl^en  nad^  9lbf.  1  Saft  4  jcbod^  mit  ber  SRobififation,  bafe,  menn 

bem  aSater  nac^  ben   SJorfd^riften  ber  §§  1564,  1566,  1567  bie  auö  ber 

33atcrfd&aft  fid)  ergebenben  Siedete  nid^t  juftel)en,  an  Stelle  bcr  ©inmilligung 

beö  Sßaterö  fc^on  Dor  beffen  2^obc  bie  ©inmilligung  bcr  ajlutter  erforberlid^  ift. 

3n  ainfe^ung  eineö  burc^  @{|clid6feitöerflärung  legitimirten  Älnbeö  mürbe  in 

®emä§^eit  ber  Siegel  beö  §  1596  3lbf.  2  bie  ©inroilligung  ber  une^elid^en 

SKutter  menigftenö  bann  erforberlic^  fein,  rotnn  ber  SSater  geftorben  ift.    S)a 

icbocö  ein  fold()eö  Äinb  in  golge  ber  ®^elic^feitöerflärung  regelmäfeig  bcr 

mütterlidöen  gamitie  entfrembet  mirb  unb  liäufig  in  fojialer  ^inftc^t  eine  oon 

feinen  biötjcrigen  SSer^ältniffen  DöUig  ücrfd^iebene  Scbenöftellung  einnimmt, 

fo  beftimmt  ber  9lbf.  1   Saft  2,  Dafe  baö  burd^  ®l)elid&feitöerflärung  legi^ 

timirte  Äinb  ber  ©inroilligung  feiner  ÜKutter  nidf)t  bebarf,  aud^  bann  nic^t, 

rotnn  bcr  93atcr  beö  Äinbeö  geftorben  ift  (oergl.  and)  §  1597). 

bei  äuge*  ^n  9tnfcl|ung  bcr  an  Kinbeöftatt  angenommenen  ^^erfonen   finb  im 

"ÄiHbeTn"  §  1239  bcfonberc  SSorfd^riften  gegeben. 

aBegfatt  ©er    brittc    Saft    beö    9lbf.  1    entfpric^t    bem    §   29    9lbf.  3    beö 

SJÄng.  5».  ®ef.  V.  6.  gebruar  1875.     ®in  »cbürfnife,  in  ben  f)m  fraglichen  gäflen 


©fecjinberniffc.    ?DlanöeI  bcr  elterlichen  SintoilKöurtg.    §  1238.  27 

nad^  analog«  bcd  §  1554  9lbf.  1  Safe  2  bic  93cf)inberung  eine«  ©tterntl^eifeö, 
Mc  ßinroifligung  ju  ertfieilen,  t)on  einem  9luöfprud)c  beö  äJormunbfd^afts? 
geri^ted  abhängig  }u  machen,  tt)ette  um  ben  S)icnft  ber  ©tanbedbcomten  ju 
crleid^tem,  t^eilö  um  fpötcren  ©treitigfeitcn  über  bad  aSor^anbenfein  ober  Sticht- 
pori^anbcnfein  ber  ^ier  fraglichen  Se^inberungägrünbc  abjufrfineiben  (üergl.  in 
Wejer  ^infi^t  §  2001  9lr.  7),  liegt  nici^t  üor.  ®a  nac^  bem  ©ntnmrfc  bcr 
aRangcl  ber  elterlichen  6inn)iltigung  auf  bie  ©üttigfeit  bcr  &t)t  o^ne  ©inPufe 
ift,  10  fommt  inöbefonberc  baö  Sntercffc  bcr  Bxä)nl)dt  ber  ®l)c  nid^t  in  gragc. 

5Ja<i^  cinjelncn  Sanbeögcfe|cn  wirb  baö  elterliche  ©inroiltigungöred^t  jur  «enmrfung 
©W^^licßung  unter  befonbcren  Umftänbcn,  namentUd)  roegcn  beftimmter  aSer*  ^Z^^tn. 
ge^en,  Derroirft  (Dcrgl.  roflrttemb.  ®ef.  ü.  5.  September  1839  3Irt.  19,  27,  29, 
bob.  (Sef.  p.  23.  3)ejember  1871  Slrt.  14  3iff-  H/  Ic^tereö  jeboc^  aufgeljobcn 
burc^  bab.  ©ef.  t).  9.  2)ejember  1875  §  3).  Oi  bcrarttge  lanbeßgefeglid^c  öe^ 
nimmungen  neben  bem  §  29  beß  31.  ®ef.  d.  6.  gcbruar  1875  nod)  in  Äraft 
geblieben  pnb,  ift  nicftt  unbeftritten.  9)Ht  ber  (Sninbauffaffung  bcö  ®ntmurfcö, 
löclcbcr  baö  einroilligungörccfit  ber  (Sltern  nid^t  als  Sluöflufe  ber  gürforge  für 
Die  ^rfon  bcr  Äinber,  fonbcrn  ate  ein  eigenes  $Hecf|t  ber  ©Item  be^anbelt, 
roürbc  ed  iticftt  ocrcinbar  fein,  in  bcn  im  §  1559  bejcid^netcn  gällen  eineö 
gegen  baö  Äinb  ober  an  bem  Sinbe  ocrübten  aSerbred^enö  ober  aSergel^enS  mit 
ber  aSerroirfung  ber  elterliij^en  ©emalt  aüd)  ben  SJertuft  bcö  elterlid^en  ©in^ 
willigungÄrccIjtcö  eintreten  ju  laffen.  SSom  ©tanbpunftc  beö  ©ntmurfcö 
mi«  roürbc  ein  fold^cr  SScrluft  bcö  (Sinmillungörcci^tcö  bcn  Äaraftcr  einer 
8trofc  Ijabcn. 

9luö  bcr  bcäcid^ncten  ®runbauffaffung  folgt  ferner,  bafe  aud)  bic  ©d^eibung  ««fiwft  ber 
auf  ha^  l)ier  fraglid^c  ©inroilligungörcd^t  bcr  ®ltcrn  oljnc  ©influfe  fein  mu^;  *^*^^""®' 
bies  ift  aucft  bcr  Stanbpuntt  bcö  §  29  bcö  gebacf)tcn  Slcic^ögcfcßcö. 

iJ)ic  Seftimmungen  bcö  3tbf.  2  cntfpred)en  bcr  pcrfonlid^en  9iatur  bcr  ^tx\mi^ 
elterlichen  Sinmilligung  }ur  @l)efc^lic§ung.     S)ie  auöbrücflicf)c  ^eroor^ebung    (stn^iau 
bcrfelbcn  im  ©efegc  ift  um  beöroillen  crforbcrlid^,  mcil  bic  Scftimmungen  bcö  ««"aftre^^teftw 
Sormunbfc^aftörcc^teö  auf  bem  ^Prinjipc  berufen,  ba^   bic  gcfc^lid&e   aScr- 
trctungsmac^t  bcö  aSormunbeö  unb  baö  mit  bcrfelbcn  uerbunbcnc  dlc6)t  bcö 
Sormunbcö,  }u  Sled^tögcfc^äftcn  bcö  iSKünbelö  bic  ®inroiUigung  ju  ert()cilcu 
(§  65),  an  jid^  unbefc^ränft  ift  unb  inöbefonberc,  fomcit  nid)t  baö  ©efeß  auö== 
na^möroeife  ba^  ©egcnt^cil  beftimmt,  aud)  auf  bie  perfönlici)en  Slngclegcns 
bciten  bcö  OTünbclö  fid^  erftrecft  (ocrgl.  §§  1649,  1728,  1730  unb  bie  aJJotioe 
P  §  1049).    9lac^  bem  ©prac^gebraud^c  bcö  ©efefecö  bejic^t  fiel)  jebod^  bie  im 
Sbf.  2  auögcfpröd^cnc  Unjuläffigfeit  bcr  SJertretung  nur  auf  bic  'Vertretung 
im  JBillen.    ®inc  ^Scrtretung   in  bcr  ®rflärung  bcö  SBillcnö  in  bem  ©inne, 
ba§  bic  Ginroilligungöcrflärung   burd&   bic  Sßermittclung  cincö  9(nbercn  ab^ 
gegeben  wirb,  ift  felbfti)erftänblid&  md)t  auögcfd&lofjen. 

Snwiefern  bie  elterlid^e  ©nroilligung  jur  ®^cfd|lie§ung  unter  ^inju*  eimotafßung 
fügung  einer  SJebingung  ober  einer  3^itbeftimmung  mirffam  ert^eilt  werben  "g^JIgw  k"* 
tonn,  ift,  wie  im  galle  bcö  §  1232,  fo  auc^  ^icr  nad^  bcn  allgemeinen  ©runb- 
föjen  ju  beurteilen.    @d  wirb  in  biefer  ^infid&t  auf  bic  2luöfül^rungen  bcr 
aUotioc  iu  §  1232  S.  14  ff.  pcrroiefen. 


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28  eBcJinbemiflc    üRaitöcI  bcr  cltcrlicjen  (Sintt?ilItflun0.    §  1238. 

«ic^tertic^e  gBol^renb  m6)  bcm  §  32  bcö  JR.  ®cf.  o.  6.  ^ebruar  1875  im  goOc  ber 

t?r*X"^  SBerfagung  ber  cttcrlid^cn  ©inroilligung  jur  6l|cf<^Ii^6w«9  «ur  ooUiä^rigcn 
wiaiflung.  jjinbern  bic  Ätage  oiif  ric^tcrlid&c  (Srgönjung  juftc^t,  gcroS^rt  ber  SIbf.  3  oud^ 
minberjä^rigcn  ftinbcrn  bic  aJlöglirfifcit  bic  ©rfegung  bcr  cfterHd^cn  6irt« 
roilHgung  burd&  rid&tcrlid&cö  Urt[)cil  tjcrbcijufü^ren.  S)urc^  bicfe  Slcnbcrung 
bcö  9lcirf)Sgcfc|eö  roirb  bericiiigc  Stcc^tdjuftanb  roicbcr  liergcftellt,  rocld^cr  üor 
bcm  5leicf)ägefcgc  in  bcm  grofetcn  SCljeitc  JDeutfc^tonbö,  namentlich  in  bcn  ®e* 
bieten  beö  gemeinen  Sfcd^teö,  bcä  preufe.  91.  S.  5R.  unb  beö  fäd^f.  0.  S.,  be* 
ftanben  ^at  (oergl.  preu^.  91.  S.  SR.  II,  1  §§  58,  68;  fäddf.  ®.  83.  §  1602; 
rocimor.  Oef.  ü.  2.  Stoucmbcr  1848  §  5;  got^.  ß^egef.  ü.  15.  3luguft  1834 
§  6;  aftcnb.  e^corbn.  d.  l3.9Rai  1837  §  30;  lübecf.  ®cf.  ü.  26.  Oftober  1863 
§  2).  9[ud&  bei  minbcrjälirigen  Äinbcrn  fönnen  bic^er^ältniffe  fo  liegen,  ba§ 
bo«  Sntereffe  bcr  Äinber  einen  rechtlichen  ©d^uß  gegen  geroiffcnlofe  ©ttcrn, 
rocld^e  ilire  ®inroilligung  jur  ©^cfc^Iicfeung  auö  Soö^eit  ober  aud  eigcnniifiigcn 
aRotioen  ücrrocigcrn  unb  boburd^  üieHcidöt  baö  ganjc  OlüdE  ber  Äinber  für 
bic  S^^i^ft  jerftören  loürbcn,  bringcnb  cr^eifd&t.  Safe  burdö  bie  ©eroä^rung 
eines  fold^cn  5led()töfdöngeö  bic  9tutorität  bcr  ®ltern  gegenüber  bcn  ftinbern 
gefäljrbct  unb  \iQA  gamilienbanb  ju  fcf)r  gelodfert  werbe,  ift  nid^t  ju  beforgcn. 
D^nc  bringenbc  SSerontaffung  wirb  bcr  gefcßlic^c  33ertreter  beö  minberiä^rigen 
ftinbcö  nic^t  leicht  ben  9lnfprud)  auf  ©rt^cilung  ber  ©inroilligung  gegen  bcn 
93oter  ober  bie  Sßutter  beö  Äinbeö  ©erfolgen. 
^  «Unb?**  3m  9lnfci)luffe  an  "t^ix^  gemeine  SRcc^t  unb  oerfd^iebene  neuere  ©efegs 

gcbungöroerte  (Dcrgl.  roeimar.  ©cf.  t).  2.  9lot)ember  1848  §  5;  roürttemb. 
©ef.  0.  8.  giuguft  1875  9lrt.  38;  l)eff.  ®ntio.  n  9lrt.  14)  ift  oon  einer  näheren 
93eftimmung  ber  SSorauöfegungcn,  unter  meieren  bie  ®(tern  bie  6inn)iUigung 
JU  Dcrmcigcm  berechtigt  fein  foHcn  (ocrgl.  in  biefer  Sejic^ung  preu&.  91.  S.  91. 
II,  1  §§  58—67 ;  fädfif.  ©.  93.  §  1603;  gotf).  e()cgef.  t).  15.  9luguft  1834 
§  5;  altcnb.  ©fieorbn.  o.  13.  ajlai  1837  §§  30,  31),  abgefe^en.  9tud&  ber 
§  32  beö  5H.  ©cf.  o.  6.  gebruar  1875  enthält  feine  Seftimmungen  über  bie 
©rünbe,  aus  meieren  bie  cltertid^c  ©inroilligung  ücrfagt  mcrben  fann,  ot)nc 
iebod^  bie  in  biefer  Sejicl^ung  beftel^cnbcn  lanbcörcd^tlid^en  SBorfd&riftcn  befeitigen 
JU  motten.  Um  bcm  SRic^ter  eine  allgemeine  ©ireftiüc  für  feine  ©ntfdbeibung 
JU  geben,  ift  cS  inbcffcn  als  rat^fam  erad^tet  morben,  im  9lbf.  3  ju  be- 
ftimmen,  bafe  ber  9lnfprud^  beö  Äinbeö  auf  ®rtf)eilung  ber  ©inroilligung  auö^ 
gefd&loffcn  ift,  toenn  ein  mid)tiger,  nac^  bcn  Umftänben  beö  gaUcö  bic  SSer- 
mcigerung  rec^tfcrtigenbcr  ©runb  oorliegt.  6ö  fann  barauf  oertraut  mcrben, 
ba§  ber  9Uc^ter  an  bcr  §anb  biefer  allgemeinen  93cftimmung,  mic  in  anbcrcn 
ä^nlid)  licgcnben  gällcn  (oergl.  §  1228;  §§  566,  598,  648,  1896),  bic  rici)tigc 
®ntfd)cibuug  im  einjelncn  gallc  finben  mirb.  9llö  felbftücrftänblid)  ift  cö  inö^ 
befonbere  ju  betrad&tcn,  ba^,  mcnn  bcr  5ßatcr  ober  bie  3Ruttcr  gefc|licf)er  33cr* 
tretcr  beö  Äinbcö  ift,  ein  bic  SScrrocigerung  bcr  (Sinmilligung  rcc^tfcrtigcnber 
©runb  aud^  bann  ftetö  oorlianben  ift,  menn  bie  ©rt^cilung  ber  ©inmiUigung 
nid^t  im  Sntereffe  beö  Äinbcö  liegt  (ücrgl.  §  1232  9tbf.  2).  (So  crgicbt  ftc^ 
bicö  barauö,  bafe  ber  SSater  ober  bic  SRutter  alö  gefc^lid^cr  35crtrctcr  beö 
Äinbcö  in  erfter  Sinie  baö  3[nterefic  beö  Äinbcö  roal)rjunc]^mcn  berufen  ift 
unb  nad^  9lbf.  4  baö  red&töfräftigc  Urtl^eil,   burd^    roeld)cö  ein  ®ltemtt|eit 


e^cjtnbeniiffc.    5!BanöeI  bcr  eltcrliicn  eintoiaigung.    §  1238.  29 

}ur  @rt^ei[ung  ber  @inmiüioung  üerurt^etlt  roirb^  jugleid^  bie  SintDiUigung 
bes  Sttont^fitcfi  alft  bed- gefe^u^u  ä^ertretcrs  erfegt,  ätnbererfeitd  fönnen 
aber  aud)  folc^e  ©riinbc,  welche  bcm  befonbcren  3ntcref[c  beö  betrcffenben 
©Itemt^eilcö  ober  ber  gomilie  entnommen  ftnb,  bic  aSerroeigerung  ber  6in^ 
willigiing  red^tfcrtigen.  ®rünbc  biefer  2trt  treten  in  ben  33orbergrunb ,  wenn 
ber  33ater  ober  bie  SKutter  nid^t  jugleid^  ber  gefeglicfee  Sßcrtreter  beö  Äinbeö 
ift;  bod^  ift  nid)t  ouögef4|Ioffen,  bofe  auä)  in  fold^en  gällen,  namentlid^  rocnn 
baö  ftinb  tJoUio^rig  ift,  bic  SSerroeigernng  ber  eltcrlid^en  ©inroiUigung  auö  bem 
©eftc^töpunfte  bcä  3ntcref|eö  beö  Rinbeö  fid^  ofe  gere^tfcrtigt  barftellcn  fann. 

®ur^  bic  goifnng  ber  Sd^Iuferoorte  bcö  Slbf.  3  wirb  jugleic^  bic  S3c*  »eroeisioft 
loeifilaft,    unb   jroQr  in   Ucbereinftimmung  mit   bcm  geltenben   Siedete,  ju 
©unften  beö  Äinbeö  geregelt. 

SScflcn  ber  Orünbc,  oud  mcld&en  ber  SBibcrruf  ber  crt^eilten  ^1^^^'^^^  ®^S^^'' 
ßinroilligung  nic^t  befd)ränft  merbcn,  fonbern  cö  in  biefcr  §infid^t  bei  ben 
oUgemeinen  ©runbfäfecn  (§  127  3lbf.  3,  §  119)  ucrblcibcn  foU,  roirb  auf  bic 
äuöfü^rungcn  in  ben  SHotioen  ju  §  1232  (©.  13  ff.)  S3ejug  genommen. 

23er  §  32  beö  9t.  ®ef.  o.  6.  gcbruar  1875  ^at,  abgefc^cn  oon  ber  fflc:*  »erführen. 
ftimmung,  bafe  bie  6rgänjung  ber  eltcrlid)en  ©inroiUignng  eine  rid^tcrlic^e  fein 
mu6,  über  bie  3uftänbigfeit  unb  baö  5Berfaf|ren  in  betreff  ber  ©rgänjungö? 
Hage  feine  aSorfd^riften  gegeben.  6ö  finb  beö^alb  inforoeit  bic  lanbeögcfeg^ 
liefen  Seftimmungen  mafegcbcnb.  3lad)  ben  Icgtcrcn  gehören  bie  ®rgänjungö^ 
flagen  überroiegenb  ju  ben  Sachen  ber  ftreitigen  ©erid&tßbarfcit  unb  finbcn 
owf  biefclbcn  bie  für  geroöf)nUcöc  SWcdjtöftreitigfeiten  geltenben  aSerfa^rcnö:= 
»orfc^riftcn  Sfntoenbung  (oergl.  preufe.  21.  S.  SR.  II,  1  §  68,  preufe.  ®ef.  für 
bie  ^rooinj  |)annoi)cr  v.  1.  aWärj  1869  §  1;  mürttemb.  ®ef.  o.  8.  Sluguft  1875 
ärt.  3  ocrb.  mit  Ocf.  t).  18.  Stuguft  1879  2lrt.  34;  meimar.  ®ef.  u.  2.  9lo^ 
oember  1848  §  5;  got^).  ®ef.  v.  15.  Sluguft  1834  §  6).  S)agegen  bcftimmt 
baö  bab.  ®ef.  v.  9.  ©cjcmbcr  1875  §  5,  bofe  bic  Älogc  auf  rid)tcrli(^e 
©rgänjung  bei  ben  Slmtögerid^ten  anjubringen  fei  unb  baö  aSerfa^rcn  fid) 
nai)  ben  für  Slngdegcn^citcn  ber  frcimilligen  ®crid)löbarfeit  geltenben 
Sorf(ftriften  richten  foUc.  Snbem  ber  2[bf.  3  bcm  Äinbe  einen  3tnfprud() 
auf  ©rt^eilung  ber  elterlic()en  ©inroiUigung  beilegt,  ucrftdjt  cö  fic^  in 
fermangclung  einer  cntgcgeuftcljcnben  Scfttmmung  üou  felbft,  bafe  ber 
^rojeferic^ter  über  ben  3tnfprud&  ju  entfd)cibcn  \)ai  unb  ber  §  779  ber 
6.  ^^.  D.  anrocnbbar  wirb.  3Rit  ber  9latur  beö  elterlichen  ©inmilligungös 
rec^tcö  a(ö  eines  eigenen  9tec^tcö  ber  Altern  mürbe  cö  nid^t  im  @inflange 
flehen,  menn  man  bic  @ntfdE)eibung  nic^t  bem  ^rojcgriciitcr,  fonbern  bcm 
Siebter  ber  freimiUigen  ®crid^töbarleit,  inöbcfonberc  bem  SSormunbfc^aftö:: 
geridile,  übertragen  moUtc.  SBcnnglcic^  baö  Skrfal^rcn  oor  bem  SBormunb^^ 
fc^aftögeric^te  einfacber  ift  unb  rafcl)er  jum  Qide  fü^rt,  aud&  jugegeben  roerbcn 
wu^,  ba|  5ßrojcffe  ber  Ifitt  fraglichen  kxt  oft  mit  großer  ©rbittcrung  gcfül)rt 
werben  unb  in  böb^rem  SRafee  alö  baö  aSerfa^ren  oor  bcm  SSormunbfd^aftö* 
flerit^c  bic  gamUienbejie^ungen  ju  untergraben  geeignet  finb,  fo  ift  bod^ 
anbcrerfeitö  ju  bcrücffid^tigcn,  bafe  baö  ^ßroje^oerfa^ren  größere  ®arantieen 
flCTod^rt  unb  inöbcfonberc  in  ben  ja^lreic^en  gällen,  in  welchen  umfaffenbc 
Serociöaufno^mcn  not^ig  werben,  alö  baö  angemeffenere  crfd&eint. 


30        ®5«]&inberniffe.  ©Itcrl.  ©iniptlligung  bei  angenommenen  Rinbcrn.  §  1239. 

sBirfunflbe«  2)ie  ©rünbc,   auf  welchen  bie  Jöeftimmung  bcd  9lbf.  4  bcrul^t,  finb 

urt^etieft.   jjg^^-^g  ^^  jjg^  ÜRotiocn  ju  §  1232  Slbf.  3   borgclcgt  (ocrgf.  oben  ©.    17). 

aSic  QUO  ber  gaRung  beö  §  1238  ,,bQrf  nid^t"  unb  aM  einer  SSergteid^ung 
ber  §§  1250,  1259  fid^  crgiebt,  begrünbct  ber  SBangcl  ber  nad^  bcn  Sc^ 
ftimmungcn  bcö  §  1238  erforberlic^en  elterlid^en  ®inn)iUigung  nur  ein  auf* 
fc^iebenbcö  ©J^ctiinbemife  (oergl.  in  biefer  ^infid)t  bie  3)iotioe  ju  §  1259 
unter  9lr.  5).  Qux  Sicherung  beö  (S^eoerboteß  bienen  aufecrbem  bie  93eftimmungen 
beö  §  1536,  foroie  beö  §  2001  3lt.  7  (oergt.  bie  ÜRotiüe  ju  §§  1536,  2001). 


§  1239. 

c(terii*e  2)cr  §  1239  regelt  baä  eltertid^e  ©inroiUigungöred&t  in  Slnfei^ung  ber 

flun/bei  Oft.  ß^efd^Iiefeung  eines  on  Äinbefiftatt  angenommenen  Äinbeö,  unb  jroar  in  einer 
^^SiTbwir^"  ton  bem  §  31  bed  JR.  ®ef.  o.  6.  gebruor  1875  jum  a:^ei(  abroeid^enben 
SBeife,  inbem  er  einerfeitö  bie  Slboptiümuttcr  bem  Slbopticoater  in  ber  ^ier 
fraglid^en  §infid^t  Doüftänbig  gleic^ftellt,  anbcrcrfeitö  beftimmt,  ba^  baö  ®in* 
roilligungdred^t  ber  leiblid^en  (Sttern  in  golge  ber  3lnna^me  an  Äinbeöftatt 
bauernb  erlifd)t,  bie  ©inmilligung  ber  leiblichen  @Itern  mithin  aud^  bann  nid^t 
erf orberlidEi  ift,  wenn  bie  SKnna^me  an  Äinbeöftatt  roieber  aufgel)oben  ift  (§  1629). 
^ag  in  9[nfe()ung  eines  an  ^inbesftatt  angenommenen  Rinbes  nad^ 
äJtaggabe  bcd  §  1238  bie  Sinmilligung  bed  9Innel)menben  }ur  @^efd^(iegung 
erforberlic^  ift,  unb  jroar  o^ne  Unterfc^ieb,  ob  ber  (entere  ein  üRann  ober  eine 
grau  ift,  entfprid^t  bem  5ßrinjipe  befi  §  1601  unb  bem  ©tanbpunfte  beö 
®ntn)urfes,  n)e(d)er  bie  3lnnal^me  an  Äinbeöftatt  burd^  einen  9Kann  unb  bie 
9lnnal^me  an  Äinbeöftatt  bnxd)  eine  grau  grunbfälüd^  gleic^ftellt  (oergl.  bie 
aWotiüe  }u  §  1601).  3n  ©rmangelung  einer  befonberen  Seftimmung  mürbe 
aber  na^  ben  §§  1625,  1238  neben  ber  ®inn)iUigung  beö  3lnne^menben  aud^ 
bie  ®inroiUigung  ber  bisherigen  ®(tem  erforberlic^  fein  bejw.,  fofern  ber  3ln« 
nel^menbc  eine  grau  ift,  baö  ©inroilligungöred^t  ber  le^tcren  erft  nad&  bem 
2:obe  beö  leibfid&en  SSaterö  ober  nac^  bem  6intritte  eines  ber  im  §  1238  9[bf.  1 
©a|  3, 4  bem  Slobe  beö  93aterö  gleid^gefteUten  gälle  roirffam  werben,  ©in  fold^eö 
JRefuItat  fann  iebod^  im  ^inblidfe  barauf,  bafe  in  fe()r  oiefcn  gällen  baö 
angenommene  Jlinb  burcfe  bie  9lnna^me  an  Äinbeöftatt  in  ganj  anbere  fojiale 
SSer^ältniffe  fommt  unb  ben  leiblid^en  ®ltern  entfrembct  wirb,  als  ein  an« 
gemcffenes  nid&t  erachtet  werben.  3laä)  bem  SSorgange  bcs  §  31  beö 
9t.  ®ef.  V.  6.  gebruar  1875  beftimmt  beö&alb  ber  5tbf.  1,  bafe  in  9lnfe^ung 
eincö  an  ftinbeöftatt  angenommenen  Äinbeö  an  ©teile  ber  nad^  ben  ©e* 
ftimmungen  •  beö  §  1238  erforberlicften  ©inroilligung  ber  leiblid&en  ®ttern  bie 
©inroilligung  beöienigen  tritt,  roetd^er  baö  Äinb  an  Äinbeöftatt  angenommen 
^at  2)iefelben  Orünbe,  auf  meldten  biefe  Seftimmung  berul^t,  muffen  aber 
—  über  bie  SSorfd&rift  beö  §  31  beö  bejeid&neten  9t.  ®cf.  l;inauö  (oergt.  aucft 
preufe.  31.  2.  91.  II,  2  §  715;  fäd^f.  ®.  33.  §  1800)  —  ju  ber  weiteren,  bem 
§  1626  entfpred^enben  Seftimmung  führen,  bafe  eö  ber  ©inmilligung  ber  leib* 
lidicn  6ttern  aud^  bann  nic^t  bebarf,  menn  bie  2lnnal^mc  an  Äinbeöftatt  roieber 
aufgcfjoben  ift  (9lbf.  2).  ^m  ^ßrinjipe  ftimmt  bamit  baö  gemeine  9lecbt  in 
3lnfel;ung  ber  3lrrogation  unb  ber  adoptio  plena  fiberein. 


(5]&c6inbemxtfc.    9tbDptiDöenratibtf4aft.    §1240.  31 

2)cr  Sa|,  bofe  in  Slnfcl^ung  eines  an  Äinbcöftatt  angenommenen  ftinbeö 
cm  Stelle  ber  nac^  ben  Seftimmungen  beö  §  1238  erforberlic^en  ©iniöilligung 
htt  (eibli^en  @(tem  bie  SinmiUigung  beSjenigen  tritt,  meieret  bad  Ainb  an 
jtinbedftatt  angenommen  l)ai,  erleibet  iebod)  in  perfdEjiebenen  9]td^tungen  eine 
3Robififation  für  ben  gall,  wtnn  roä^renb  beftel)enber  ®I)e  t)on  einem  ©Regatten 
boö  Äinb  beö  anberen  ©Regatten  ober  ton  beibcn  ©Regatten  biefclbe  5ßerfon 
on  Äinbcöftatt  angenommen  ift  (§  1621).  2)a  in  biefem  galle  ber  9lngenommene 
nac^  §  1621  bic  redfitlicl^e  ©tellüng  eines  gemeinfd^aftlid)en  cl)elic^en  ÄinbcS 
beibcr  ©Regatten  erlangt,  fo  ift  eö  fonfequcnt,  bafe  in  biefem  galle  in  3lnfe^ung 
bfö  on  ftinbesftatt  angenommenen  Äinbcö  an  Stelle  ber  nad^  btn  S3e* 
fümmungcn  beö  §  1238  erforberlic^en  GinroiUigung  ber  leibtid^en  ©Item  bie 
Ginmilligung  beö  ©fiemannes  unb  nad)  befjen  Sobe  bie  ©inmilligung  ber 
G^cfrau  tritt. 

2)ie  im  jweiten  Sa&e  beö  §  31  beS  SR.  ®cf.  ü.  6.  gebruar  1875  mit 
giütffic^t  auf  bie  Sönbcr  beö  franjoFifdjen  9iec^teö  getroffene  ©infc^ränfung 
fommt  für  ben  ©ntmurf  nid^t  in  grage. 

§  1240. 

2)ie  Seftimmung  beö  §  1240,  lucldic,  mic  ber  erfte  Sajj  jum  2(uSbriicfe  »Wnbemt» 
bringt,  eine  Sluöna^me  tjon  ber  93orfd)rift  beS  §  1236  9lbf.  1  9ir.  1  in  33er^  «boptLer. 
binbung  mit  bem  ©runbfage  beö  §  1601  9lbf.  1  enthält  (oergl.  bie  SKotiüc  ju  wanbtf<^aft. 
§  1236  oben  S.  24),  fdiliefet  fi^  im  SBefentlidien  bem  §  33  3lx.  4  beö 
m.  ®ef.  V.  6.  gebruar  1875  an  (üergl.  auc^  preufe.  91.  S.  31.  II,  1  §  13). 
®ö  laffen  fic^  allerbingö  geroid^tigc  ©rünbe  bafür  geltenb  mad^en,  nad)  bem 
Vorgänge  beö  gemeinen  Sied^teö,  beö  code  civil  9lrt.  348  unb  beö  fäc^f.  (S.  S3. 
§  1614  baö  ©^eterbot  roegen  9lboptit)t)erroanbtfd)aft  weiter  auöjubel)nen,  inö^ 
befonbere  bie  ©^e  jmifd^en  bem  9lnne{)menben  unb  ber  SBittme  beö  9ln* 
genommenen,  foroie  umgefef)rt  bie  ©fie  jroifd^en  bem  (enteren  unb  ber  SBittwe 
beö  31nncf)menben  ju  ©erbieten,  unb  bas  ©t)et)erbot  aud)  nac^  9luf^ebung  beö 
aboptipocr^ältnif[eö  (§  1629)  fortbauern  ju  Iaf?en.  ©ö  ift  jebod)  alö  bebenffid^ 
fragtet,  in  ber  ^icr  fraglid^en  Sejie^ung  Don  bem  befte^enben  5lcid^örcd)tc  in 
loeiterem  Umfange  abjuroeicfeen ;  nur  infofern  ge^t  ber  §  1240  über  ba&  le^tere 
hinaus,  alö  er  nac^  bem  ^orbilbe  beö  franj.  9lec^teö  unb  beö  fdc^f.  ®.  S3.  aud^ 
bie  G^c  jroifc^en  bem  9inne^menben  unb  ben  9lbf5mmHngen  beö  9lngenommenen 
©erbietet,  unb  jmar  aud^  bann,  menn  auf  biefc  9lbtömmlinge  bic  9lnna^me 
an  Äinbeöftatt  fic^  nid)t  erftrecft  tiat  (§  1620).  2)ie  gi^foffung  einer  fold^en 
6b«  roibcrfprid^t  ju  fe^r  bem  natürlid^en  ©efü^le  unb  fann  ju  33erl)ältniffen 
führen,  roeld^e  mit  einem  gebeitjtid^en  gamilienfeben  nidftt  oereinbar  finb.  S)ic 
©riinbe,  auf  melden  biefe  ©rmeiterung  beö  ©f)eDerboteö  berufit,  fonnten  aud^ 
für  eine  Sluöbe^nung  beö  33erboteö  auf  bie  ©bc  jmlfd^cn  bem  9(ngenommenen 
unb  ben  93oreItern  beö  9lnnel^menben  geltenb  gemad^t  merben.  3ini>cf?en  ift 
biefc  Äuöbe^nung  wegen  ber  ©eltenl^eit  ber  l)ier  in  33etrac^t  fommenben  gäUe 
entbe^rlid^. 

Unter  „Slbfommlingen"   beö  9lngcnommenen  finb  nad^  bem  Sprad^? 
gebrauche  beö  ©efegbuc^eö  fold^e  unet)e(idE)e  9(6f5mmUnge,  meldte  nid|t  nad^ 


32  ei&c]6tnbcmiffc    Söarteicit  bcr  grauen.    §  1241. 

aßafegabc  bcö  §  30  mit  bcm  2lnfleitommencn  ocrioanbt  fiitb,  nid^t  ju  ücr* 
fielen,  ein  Scbürfnife,  bod  e^cocrbot  bcö  §  1210  nad^  ainalogic  beö  §  1236 
3lbf.  2  and)  auf  fold&e  uuc^elidEic  Slbtömmlinfle  auöiubct)nen,  liegt  nic^t  oor. 

S)aö  im  §  1240  bcftimmtc  @^c^inbcrni§  i)at  nur  bic  SScbeutung  eine« 
auff(^iebcnben  ©^eljinbcrniRed,  wie  t^d)  auö  bcr  gaffung  ,,barf  nic^t"  unb  ben 
§§  1250,  1259  ergicbt  (Dcrgl.  in  biefcr  S3cjict)ung  bic  aWotioc  ju  §§  1250, 1259 
unter  9Jr.  4).  3lufecrbcm  fnüpfcn  ftd&  an  bie  ajcrle^ung  bcö  SScrbotcd  bie  im 
§  1631  beftimmtcn  befonberen  golgen  (ocrgl.  bic  aKotioe  ju  §  1631). 


§  1241. 

flBartcieit  ber  ©er  §  1241  ftimmt  fad&Ud)  mit  bem  §  35  bcö  91.  (Scf.  o.  6.  gebvuar  1875 

*^*"*"*  übcrcin;  inöbefonbcrc  f|ält  bcrfelbc  tro^  ber  im  §  1467  beftimmtcn,  für  bie 
e^elic^c  Slbftammung  mafegcbenbcn,  etroaö  fürjcrcn  grift  üou  brei^unbert  2:agen 
an  ber  grift  oon  jc^n  aBonaten  fcft.  3luf  eine  genaue  Uebereinftimmung  ber 
l^ier  frogtid^cn  grift  mit  ber  im  §  1467  beftimmtcn  grift  ift  fein  (Schiebt  ju 
legen.  Die  SBorfcbrift  beö  §  1241  fte^t  mit  bem  §  1467  nur  infofern  im 
3ufammen^angc,  als  bie  grift  bcö  §  1241  im  ^inbficfc  auf  ben  3«^^*  bcö 
teßteren  nic^t  türjcr  fein  barf,  afö  bie  beö  §  1467.  2)agegen  fteben  einer  SSer- 
längerung  jener  grift  in  ber  bem  beftebenben  SReid^örcd&tc  entfprec^enben  SBcifc 
innere  ©riinbe  nicbt  entgegen.  2luf  bcr  anbcren  Seite  cmpfiefilt  ficb  bic  93ci^ 
bebaltung  bcr  grift  von  jc^n  aWonaten  aM  bcm  praftifd&cn  Ocjtcbtöpunftc, 
meil  pe  }u  einer  ©rleicbtcrung  bcr  33crcd)nung  bcr  grift  (§  149)  fü^rt. 

3)urc^  bic  gaf[ung  bcö  §  1241  mirb  bcr  nad^  bem  SBortlautc  beö  §  35 
beö  SR.  Ocf.  0. 6.  gcbruar  1875  moglidbc  3w>cifc[  auögcfcbloffen,  ob  baö  ©b^oerbot 
bcö  §  1241  aud&  in  bcm  galle  9lnrocnbung  finbct,  wenn  bie  frübere  @^e  ffir 
ungültig  erttärt  ift.  S)ie  ©rftrcdfung  bcö  ©b^ocrboteö  auf  biefen  gall  entfpric^t 
bem  3^^^*^  ^^ö  SJcrbotcö,  bei  cbctid^cn  Äinbcrn  bic  Ungcroifebcit  ibvcr  3lb« 
ftammung  ju  t)crl)ütcn  (§  1479),  in  SBcrbinbung  mit  ben  33cftimmungcn  ber 
§§  1562,  1567. 

3m  Slnfc^luffc  an  baö  gemeine  Sled&t  unb  bie  neueren  ©efeggebungen 
(Dcrgl.  prcufe.  21.  Ä.  SR.  II,  1  §  1006;  fäc^f.  0.  93.  §§  1605,  1607,  1621,  1627 
Dcrb.  mit  bem  fäd^f.  ®cf.  p.  5.  3louembcr  1875  §  7 ;  gotb.  6^egef.  t).  15. 2luguft 
1834  §§  15, 22, 23;  altcnb.  ®bcorbn.  t).  13.  OTai  1837  §§  38,  40, 163, 165—193; 
bab.  ®ef.  o.  9.  Sejember  1875  §  1 5Rr.  2;  §  36  bcö  SR.  Oef.  o.  6.  gebruar  1875) 
ift  bcm  @b^^i^^c^"if[c  ^^ö  §  1241  nur  bie  Sebeutung  eineö  auffc^iebenben  ®i)^^ 
binbemiffcö  beigelegt,  mic  nid^t  nur  a\\^  ber  gaffung  bcö  §  1241,  fonbem  auc^ 
auö  einer  SBcrglcic^ung  bcr  §§  1250, 1259  erbellt.  S)ie  33erletung  bcö  SSerboteö 
ift  aber  oufecrbcm  im  ^inblirfc  auf  bie  äßidi^tigfcit  bcr  3!tttcreffcn,  roclcbc  baö 
©bcücrtot  bcö  §  1241  JU  fdjüßcn  bcftimmt  ift,  nac^  bem  SJorgange  ücrfd&iebener 
neuerer  ©cfcßgebungcn  (ücrgl.  preufe.  2(.  2.  dl  II,  1  §§  1008—1012 ;  fäc^f.  @. ». 
§  1627  unb  fäd^f.  ®ef.  t).  5.  iRoDcmber  1875  §  7)  mit  Strafe  bebrobt.  55ic 
betrcffcnbe  Strafbcftimmung  (ücrgl.  2lnm.  1  unter  I,  2  ju  bem  Unterabfc^nitte 
„IV.  Ungültigfeit  bcr  ©be"  §§  1250  ff.j  ift  jcbodb  jum  3n)cdc  bcr  ergänjung 
beö  Strafgcfcjbudjcö  in  baö  einfübruugögcfcß  oerroiefen. 


(S^e^inbcrn.  Sid^crungbcrÄinbcr  früherer  e^c  Scamtezc.  §§1242,1243.      33 

§  1242. 

Xer  §  38  Sbf.  2  bcS  SR.  ®cf.  ü.  6.  gebniar  1875  l^at  bie  aSorfd^riften,  eic^erfteoun« 
iDctc^e  oor  ber  6^cfcl)lic6ung  eine  SWadEirocifung,  Sliiöeinanberfefcung  ober  ©id^er^  Xü^t^i^l 
fkllung  bcd  SSermögcnö  erforbem,  mit  SRücffic^t  auf  bie  gro^e  3Rannigfa[tigfeit 
bcr  ^ter  cinfd^fagenben,  mit  bem  el^elidien  ©üterrcd^te,  bem  (Sltcrn-  unb  35 or* 
munbfc^aftdrcd^tc  in  engem  3wfo^tt*^^^^ö'^9^  ftel^enben  lanbeögefeglid^en  Se* 
ftimmungen  (üergl.  bie  bei  v.  ©id^erer,  boö  Sleid^ögefe^  über  bie  93curfunbung 
beö  ?ßerfonenftanbeö  u.  f.  ro.  x>.  6.  gebruor  1875,  ju  §  88  S.  435  ff.  gegebene 
Ucbcrfi^t)  unberül^rt  gelaffen.  ©ä  ^anbelt  fid^  l^ier  oomefimlid^  um  fold^c 
33cftimmungen,  mcldbe  für  ben  gall  ber  SBieberüer^eirat^ung  eines  ©tterntl^eiles 
bad  3ntereffc  ber  Äinber  ber  früheren  6l|e  in  3lnfe^ung  il|re§  SScrmogcnö  ju 
ft^em  bejroerfen.  9lud&  ber  ©ntrourf  tnif)iHi  eine  dicvf)t  berortiger  Seftimmungen 
(pergl.  §§  1548,  1599,  1623  3lbf.  3,  §§  1734,  1404).  Um  bie  2)urc^fü^rung 
bicfer  Seftimmungen  ju  fidlem,  onbererfeitä  um  ben  ©tanbcöbeamten  nid^t  mit 
bcr  Prüfung  ju  bcfaften,  ob  bie  SBorauöfegungen  berfelben  üorliegen  ober 
nid^t,  bcftimmt  ber  §  1242,  ba^  unter  ben  bort  bejeic^neten,  leidet  feftjuftellenben 
aSorauäfefcungen  ein  ©Iternt^eil  bejTO.  ber  überlebenbe  ©l^egattc  eine  ®^e  erft 
fd^liefeen  borf,  nac^bem  ba^  SSormunbfd&aftögerid^t  ein  B^ugnife  barüber  crtlieilt 
bat,  bafe  bie  aus  jenen  SBeftimmungen  fid^  ergebenben  SSerpftic^tungcn  üon 
i^tn  erfüllt  finb  ober  il^m  nid^t  obliegen. 

Xtn  e^efid^en  Äinbem  (§§  1466,  1562,  1567)  ftefjen  in  ber  ^ier  frag:* 
li^en  ©infic^t  nod^  SRafegabc  ber  §§  1579,  1583,  1601  bie  legitimirten  Äinber, 
foroic  bie  an  ftinbesftatt  angenommenen  ^ßerfonen  gleid^. 

2)aS  e^e^inbernife  bes  §  1242  ^at,  roie  bie  Raffung  bes  §  1242  jum 
9IiiSbrucIe  bringt  (t)crgl.  audfi  bie  §§  1250,  1259),  in  Uebereinftimmung  mit 
bcr  aSorfd^rift  beS  §  38  3lbf.  2  beS  SR.  Oef.  ü.  6.  gcbruar  1875  nur  bie  ^c^^ 
beutung  eines  auffd^iebenben  @l^el^inbemiffes.  Gin  Sebürfnife,  bie  ©urdEifü^rung 
bcfi  ^ier  fraglichen  ß^eoerbotes  nod^  burd^  eine  bcfonbere  ©trafbeftimmung  ju 
fi<I)em  (pcrgl.  preufe.  91.  £.  31.  II,  1  §§  1001,  1008  ff.),  liegt  nid)t  üor,  um 
fo  mcniger,  als  es  ftd^  bei  biefem  Säcrbote  nur  um  ben  Sd^ufe  prioater,  nid^t 
um  ben  Sd^ug  offehtlid&er  3nterej^cn  t)anbe(t  (oergl.  übrigens  §§  1548,  1734 
in  gSerbinbung  mit  §§  1550,  1705  5Rr.  1). 


§  1243. 

•3m  Slnfc^Iuffe   an  §  38  Slbf.  1  Safe  1  beS  9t.  ®ef.  t).  6.  gebruar      c^c 
1875  föfet  ber  Sa|  1  biejenigen  reid^sgefeßlid^en  bejm.  lanbesgefeglic^cn  S8e^  b«"5uuär. 
ftimmungen  unberührt,  nac&  roeld&en  SKilitärperf onen  (t)ergl.  §  40,  §  38  Ht.  A,  pcrfonen  unb 
§  60  3lr.  4,  §  61  beS  SR.  a»il.  ®ef.  v.  2.  SRai  1874),   ingleid^en   Sanbes^    ^^"^ten, 
beamte  eine  befonbere  (Srtaubnig  }ur  @^efd^tiegung  nad^jufud^en  l^aben.    @ine 
fcttftänbigc  3)iSpofition  enthält  ber  ©ag  1  bagegen  infofern,  als  er  beftimmt, 
bag   ÜKilitarperfonen   unb  Sanbesbeamte,    wenn    unb   foroeit   für   biefetbcn 
nad^  jenen  Seftimmungen  eine  befonbere  (Srlaubnife  jur  ©Ijefd^liefeung  Dor? 
gcfc^rieben  ift,  ol^ne  bie  üorgefc^riebene  Srfaubnife  eine  G^e  nid^t  fdljtiefeen 
bürfcn.    Xa  es  fic^  um  bie  reid&Sgefe^Üd^e  2luffteUung  eines  an  ben  SDiangcl 

Itoüoc  %.  MrscrL  Ocfe|au<^.  IT.  3 


34         e^el&inbcrnifTc.    Sluölanbcr.    J)i8penfattongBefuflni§.    §§  1243,  1244. 


eines 
9CudIAnberS. 


Sorbe^alt. 


ber  crforberlid&cn  ©rtaubnife  ju  fnüpfenbcn  ©l^el^inberniffeö  fianbelt,  fo  tann 
es  nid&t  jrocifelliQft  fein,  bafe  biefc  SBcftimtnung  in  ba^  bürgerliche  ®efe|bud& 
gebort  (Dergl.  auä)  §  38  3(6f.  1  Safe  2  beö  91.  ®ef.  d.  6.  gebruar  1875). 
Db  jene  aSeftimmung  infofern  über  ben  §  38  3lbf.  1  beö  SR.  ®ef.  ü.  6.  gebruar 
1875  l^inauöge^t,  olö  fie  ben  SKangel  ber  Dorgefd^riebenen  ©riaubnife  in  allen 
fallen  ate  auffd^iebenbeö  @l|el|inbcmi6  roirfen  läfet,  au6)  wenn  naä)  bem  be* 
treffenben  Sanbeögefcfee  ber  SKangel  ber  oorgefd^riebenen  ©rtaubnife  ein  ©J^e- 
{jinbernife  überhaupt  nid^t  begrünbet,  fonbern  nur  biöäiplinarifd&e  folgen  naä) 
tid)  jie{)t,  fann  bo^ingeftellt  bleiben;  in  jebem  gaUe  ift  eö  im  Sntercffe  ber 
SRed^töeinl^eit  unb  ber  ©rlcic^terung  ber  ©efd^äftöfül^rung  ber  ©tanbeöbeamten 
angemeffen,  roenn  ber  SKangel  ber  tjorgefd^riebencn  Srlaubnife  allgemein  als 
auffd^iebenbeö  ®^ebinberni6  belianbelt  wirb.  9lnlangenb  bie  Äategorieen  ber^^ 
ienigen  ^erfonen,  bei  melden  ber  3Banget  ber  üorgefdEiriebenen  ©rlaubnife  als 
e^ebinbernife  roirten  foll,  fo  fdiliefet  fid^  ber  Safe  1  bem  §  38  beö  91.  ®cf. 
ü.  6.  ^ebruar  1875  an.  S)ie  5Weid^öbeamtcn  t)icr  ju  berücf fid)tigcn ,  ift  ent=^ 
bel^rlic^,  ba  in  biefer  ^infidjt,  fomeit  nötl^ig,  bie  Sleid^öfpeäialgefeggebung  SSor- 
forgc  treffen  fann. 

^ni}  ber  jrocite  £a^  beö  §  1243  fd^licfet  fid)  im  2Bcfentlid)en  bem  be^^ 
fte^enben  SReid&öredite  an,  nnb  ^roar  forool^l  in  ber  5Rid)tung,  bafe  er  bie  tanbeß- 
gcfefeUd&cn  SBorfc^riften  unberührt  läfet,  meldte  bie  Gljefc^lie^ung  oon  3luölänbern, 
b.  1^.  t)on  9lid^tbeutfc^en,  üon  einer  ©rlaubnife  ober  ber  Beibringung  eineö 
3eugnif|c3  abhängig  mad^en,  alö  auc^  in  ber  SRidljtung,  bafe  ber  SKanget  einer 
fotd^en  ßrlaubnife  ober  eineö  fold^en  3^uflnif[eö  ein  auffd&iebenbeö  Gl)cl)inbemi§ 
begrünben  foU  (üergt.  §  38  2lbf.  1  beö  91.  Oef.  ü.  6.  gebruar  1875).  2ßegen 
bcs  Suf^^^^^^^l^önges  bor  bejeid)neten  lanbeßgefe^lid^en  33orfd)riften  mit  ben 
öffentlid)red)tlid)en  33orfdE)riften  über  baö  SUeberlaffungömefen  unb  bie  öffent= 
lid^c  9lrmenpflege  unb  im  ^inblirfe  auf  bie  jalitrcidjcn  ))kx  einfd^lagenben 
©taatöüerträge  beö  9teid^eß,  unb  inöbefonbere  ber  einjetnen  S3unbegftaaten, 
fann  eine  jene  lanbeögefegtidien  SBorfd^riften  befeitigenbe  ein^citlid^c  Siegelung 
nid^t  erfolgen. 

S)urd&  bie  93eftimmungen  bcö  §  1243  roirb  ber  bax)v.  SSorbel^alt  nac^ 
a)k6gabe  beö  SünbnifeDcrtrageö  v.  23.  9Joüember  1870  unter  III  §  1  3Ibf.  1 
unb  beö  Sd^lufeprotofoUeö  t)on  bcmfelben  Sage  unter  I,  wenn  unb  fomeit  ber^ 
felbe  ^ier  überfiaupt  eingreift,  felbftüerftönblid)  nic^t  berührt.  Db  jener  SSor^ 
behalt  auöbrücflid^  außjufpred^en  fei,  ift  ber  ^^Jrüfung  bei  ber  Seratbung  beö 
®infäl^rungögefe|eö  vorbehalten. 


§  1244. 

»i«-  2)er  §  1244  entfprid^t  bem  §  40  beö  91.  ®ef.  o.  6.  ^^cbruar  1875 ;  ba^ 

TeÄ'  '^^  ^^^^  §  ^0  üor  ben  2ßorten  ,,bem  Staate"  pd^  finbenbe  SBort  ,,nur"  ift 
iebod)  alö  entbelirlidE)  erad^tet.  3m  Uebrigen  liegt  ein  genügenber  ®runb,  oon 
bem  9leid|ögefefee  abjumeid^en,  inöbefonbere  bie  Seftimmung  über  bie  3luöübung 
ber  2^iöpenfationöbefugni§  ftatt  ben  Sanbeöregierungen  ber  Sanbeögefcftgebung 
5u  übertragen,  nid^t  t)or. 


©tefinbernifte.  9ln5an0.  —  ®ßefd&ne§un0.  DBIigat.  Stöirejc.  §  1245.         35 

ju  bcn  §§  1231-1244. 

3m  3lnfd^lu)le  an  baö  bcftcl^cnbe  JHeidöörcd^t  f)ai  bcr  ©ntrourf  weitere     '««^t* 
©^c^inbemifje ,  alö  ftd^  quo  ben  §§  1231—1244  ergeben,  nic^t  onfgcnommen.  weue«?eU 
©in  ©ebürfnife,  aud  ber  großen  ^af)l  ber  oor  bem  Snfrofttreten  bcö  91.  (Sef.  »inbemiffe. 
0.  6.  ^bruar  1875    partifuforred^tlid^  onerfannten,  ober   burd^    bcn  §  39 
jcncö  5H.  ©ef.  befcltigten  fonftigcn  ß^e^inbernij^e  baö  eine  ober  baö  anbere 
wicber  cinjufüliren,  ift,  foDiel  befannt,   nid^t  hervorgetreten.    (So  gilt  bieö 
inöbcfonbere  auä)  oon  bem  SSerbote  ber   3Biebcn)er^eirat^ung  beö  für  ben 
fc^ulbigen  21)eil  crttärten  gcfdE)iebcncn  ®l|egatten.    SBenngleic^  für  ein  fold^eö 
jeilfic^  bcfd^ränttcß  SSerbot  geroid^tige  (Srünbe  fidj  geltenb  maä)tn  loffen,  fo 
finb  bod^  bie  onbererfcitö  bamit  Dcrbunbcnen  fittlic^en  (gefahren  unb  roirt^^ 
fc^oftlid^en  Slac^t^eik  ate  überroiegenb  ju  erad^ten. 

SSerfc^icbenc  ©efefegebungen  entgolten  unter  bcn  bic  materiellen  ©rforber^  einwintflung 
ni^c  ber  ©(jcfcftliefeung  bctreffenbcn  93eftimmungcn  bie  auöbrüdEUd^c  95orfc^rift,  \^Zf^^n. 
ba%  jur  ©^cfd^Iie&ung  bic  freie  (Sinroilligung  ber  ©^efd^Iiefecnbcn  crforberlid^ 
fei  füergl.  preufe.  31.  2.  dl.  II,  1  §§  38,  39;  altcnb.  e^eorbn.  p.  13.  aßai  1837 
§  165;  ^eff.  entro.  II  2lrt.  2;  fd^meij.  33b.  ©ef.  ü.  24.  ©ejcmbcr  1874  SKrt.  26). 
aud^  ber  §  28  bcö  SR.  ©ef.  d.  6.  gcbruar  1875  t)cbt  alö  matericllcö  erforbernife 
bcr  ©^ef(^tie§ung  bie  ©inroilligung  ber  ©l^ef^liefeenbcn  befonberß  l^croor  (oergl. 
ferner  code  civil  2lrt.  146 ;  fäd&f.  ©.  ö.  §  1588;  got^.  (Sfiegef.  ü.  15.  aiuguft  1834 
§  1).  2)ic  2lufno^me  einer  bcrartigen  93eftimmung  in  ben  3lbfdE)nitt  über  bie 
materiellen  6rforbernijfe  ber  ß^efd^Iie^ung  ift  jebod^  im  ^inblidfe  auf  bie  93or^ 
fd^riften  ber  §§  1231, 1248,  fomic  auf  bic  befonbcrcn  9Jorfdf)riftcn  über  bcn  ®inf(u^ 
Don  SBillendmängeln  auf  bie  ©üttigteit  bcö  ®^efdf)lieBungöüertrageö  (ücrgl. 
§  1250  ?Rr.  2,  §  1259  3lx.  1,  2)  entbel|rlid^.  Slut^  auö  bem  ©cftd^töpunftc  ift 
eine  bcrortigc  93eftimmung  nid^t  erforberüd^,  um  ben  ©tanbeöbeamten  barauf 
^injuroeifcn,  ba§  feine  ?}rüfung  fidf)  gecignetenfalls  aud^  auf  bie  freie  ©inwilligung 
bcr  ß^cf^Iiefeenben  ju  crftrecfen  ^abc,  ba  biefer  3medE  im  5lBcge  einer  3nftruftion 
erreid^t  werben  fann. 

©benforoenig  braud^cn  bie  Unjuläffigfeit  ber  SSertretung  ber  ß^efc^Iiefeenben  öertretunfl. 
im  SGBillen  unb  bic  Unjuläffigfeit  ber  Beifügung  einer  S3ebingung  ober  QzxU     »ewn- 
beftimmung,  rocnngreic^  cd  fid^  babei,  genau  bctrad^tct,  um  S3orfd^riften  tianbelt,  ®""^'^"  "• 
roeld^  bie  motericUen  ®rforberniffe  ber  ®[)cfd^lie§ung  betreffen,  neben  bcn 
SJorfd^riften  beö  §  1248  nod&  bcfoitbcrö  unter  ben  SSorfd^rifteu  über  bie  materiellen 
©rforbcmiffc  ber  ©fiefd&licfeung  l^croorgel)obcn  ju  rocrbcn. 

III.  mtmitfinm'). 

§  1245. 
2er  2lbf.  1  fprid^t  im  Slnfdjluffe  an  bcn  §  41  beö  SR.  ©ef.  o.  6.  gc^  'Pnnaip  ber 
bruar  1875  baö  ^rinjip  ber  obligatorifc^en  3^^^'^^^  ^wö.     3lngefi(^tö  beö  f^en 'Ä"^^^ 

*)  J)te  ©rönbe,  au&  njcl(6cn  bie  ffleftlmmunoen  über  ba§  Slufgebot  unb  bie  Sc 
itrfitnbuns  bcr  Sbcfd^He^uitg  au§  bem  ©efejibudje  außflefcfeieben  fmb,  anbcrcrfeitß  bic  bic 
gorm  ber  (Sbcfd&Iicgunß  fclbft  betrcffenben  SJorfdjriften  9lufnabme  in  bne^  ©efetjBuc^  gc» 
fimben  baben,  finb  berettö  oben  ©.  8  f.  baroefeflt. 

8* 


36  er^cfd&ItcBung.    OBIioatcrifd&c  Stüilcl&c    §1245. 

bcftefienbcu  9ieid|öreci^tcö  braud^t  auf  bic  für  unb  gegen  boö  3nftitut  bcr 
obdgatorifd^en  3iöilcl)c  fpred^eubcn  ©rünbc  nic^t  weiter  eingegangen  ju  werben. 
D^nc  bic  jroingcnbften  (Srünbc  würbe  eine  9lbroeid&ung  oon  bem  bcfte^enben 
SReid^öred^tc  in  ber  ^ier  fraglichen  S3eäic[)ung  nid)t  gcred^tfertigt  fein,  ©old&e 
©rünbe  jtnb  aber  nid^t  anjucrtennen. 

9lnlangenb  bie  gajfung  beö  9lbf.  1,  fo  weidet  bicfelbe  oon  bem  §  41 
beö  3i.  ®ef.  t).  6.  gebruar  1875  junödjft  infofern  ob,  alö  bie  in  bem 
festeren  fid^  finbenbcn  SBorte  ,,inner]^alb  beö  ©ebieteö  beö  ©eutfdjen  SReid^eö" 
wcggelaffen  finb.  SBelc^e  gormüorfc^riften  bei  ©f^efd^liefeungen  im  9luölanbe 
mafegebenb  finb,  rid^tet  fic^  nad&  ben  ©nmbfäfeen  beö  internationalen  ^ßrioat* 
red^teö.  9lid^t  minber  überflüffig  ift  baö  SBort  „red&tögültig"  im  §  41  beö 
SR.  ®ef.  (üergt.  §  1250  ?lr.  1).  3lu§crbem  fmb  bie  SBorte  ,,oor  bem  ©tanbeö^ 
beamten"  beö  §  41  jeneö  ©efegeö  im  9lbf.  1  burd^  bic  SEortc  ,,oor 
einem  ©tanbeöbeamten"  erfefet,  um  baö  SRifeDerftänbnife  auöjufd^liefeen,  alö 
ob  bic  (Sültigfeit  bcr  ß^efd^Iie^ung  bauon  abl^änge,  bafe  bic  ®l)c  üor 
bem  iuftänbigen  ©tanbeöbeamten  (§§  1246,  1247)  gefd^Ioffen  roorben  fei 
(§  1250  5Rr.  1). 
©lanbe«*  SBcldjcn  ^ßcrfoncn    bie    (Sigenfd^aft    eines  ©tanbeöbeamten    jufommt, 

beomte:  ^gftimmt  fid)  nac^  ben  allgemeinen  9Jorfdf)riftcn  beö  ^erfonenftanbögefefeeö 
(oergl.  §§  2,  3  beö  5R.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1875).  2)a  nad^  biefen  SBorfd^riften 
bie  33cfteÜung  eineö  ©tanbeöbeamten  nur  für  einen  beftimmtcn,  örtlid^  ab- 
gegrenätcn  ©tanbeöamtöbejirf  erfolgt,  fo  fann  einem  ©tanbeöbeamten  bie 
6igenfd^aft  eineö  fotd&en  nur  inforaeit  beigelegt  werben,  alö  er  innerfialb  feineö 
Sejirfeö  tljätig  wirb.  Slufeerl^alb  feineö  9lmtöbejirfeö  ^at  er  nur  bic  ®igen* 
fc^aft  eineö  ^riDatmanneö.  S)aö  SSerl^ältnife  ift  in  ber  l^ier  fraglichen  33e* 
jie^ung  bei  bem  ©tanbeöbeamten  baöfclbc,  wie  bei  9lid|tern  unb  5Rotaren. 
^nbiungett  Um  iu  bicfcr  SRid^tung  aber  ieben  3i^<^if^l  auöäufdjlie^en,  beftimmt  ber  §  1245 
^^^  2lbf.  2  auöbrücflid) ,  bafe,  wenn  ein  ©tanbeöbeamter  außerhalb  feineö  Sttmtö- 
t^re««eatrfe8,  bejirfeö  alö  ©tanbeöbeamter  l)anbelt,  er  nidjt  alö  ©tanbeöbeamter  gilt.  2)ie 
golge  bicfcr  93cftimmung  ift,  bafe  eine  üor  einem  ©tanbeöbeamten  aufeerfialb 
feineö  ^Imtöbcjirfcö  gcfdf)toffcne  6^e  nacb  2Ra§gabe  ber  allgemeinen  ©runbfä^e 
nid()tig  ift  (§  1250  3lx.  1,  §§  1252,  108).  ©ö  mufe  zugegeben  werben,  bafe 
biefc  Seftimmung  in  fold^en  fällen  ju  gärten  führen  fann,  in  wcld^cn  bic 
e^cfd^liefecnbcn  btn  au^er^alb  feineö  9tmtöbcjirtcö  l^anbelnbcn  ©tanbeöbeamten 
für  befugt  gehalten  l^abcn,  bei  bcr  ©l|cfdt)lie6ung  mitjuwirfcn,  jumal  nad^  bem 
©ntwurfe  SBirtungen  einer  fog.  ^utatiüel)c  nur  mit  einer  in  gehöriger 
gönn  gefd)loffencn,  a\i&  einem  anberen  ©runbc  ungültigen  ®§c  ücrbunben 
finb  (§§  1258,  1562).  Snbcffcu  fönnen  berartige  gärten  in  gleid^er  SBeifc 
anä)  bann  eintreten,  wenn  eine  ^erfon,  weld^er  bic  (Sigcnfc^aft  eineö  ©tanbeö* 
beamten  übcrljaupt  nid^t  jufommt,  alö  ©tanbeöbeamter  bei  bcr  S^cfd^liefeung 
mitgewirft  ^at.  2)ie  in  cinjclnen  gällcn  auö  ben  f)ier  fraglid^en  Seftimmungen 
in  ajcrbinbung  mit  ben  93orfd&riften  beö  §  1250  9Jr.  1  unb  beö  §  1252  ent* 
ftel;enbcn  gärten  werben  burd^  bie  mit  jenen  Seftimmungen  oerbunbencn 
SSortl^cile  überwogen.  Xk  SRüdfidjt  auf  bic  3Bid^tigfcit  ber  ®t)e  unb  bic 
Unterfd^eibung  ber  le^teren  üom  Eonfubinate  ücrlangt,  bafe  bic  grage,  ob 
eine  Gf)c  gcfdjloffen  ift  ober  nid^t,  nic^t  üon  mel)r  ober  weniger  unfid^eren 


(5M*ne§ung.    DBIiöatorifd^e  StmMe.    §1245.  37 

öciocifcn  abhängig  gcmad^t,  fonbern  bie  ®^cfd^Iic§ung  an  eine  bcftimmte,  511« 
jlcid^  ben  S3en)ei8  DöBig  jtc^ernbe  gönn  gebunben  wirb.  3!)iefcr  Qwed  wirb 
aber  nur  erreid&t,  wenn  eine  formgültige  ®^e  nur  Dor  einem  innerlialb  feines 
ämidbejirfeö  ^anbelnben  ©tanbcöbeamten  gefd)lof[en  merbcn  tann,  bo  bie  von 
einer  ^crfon,  roeld^c  überhaupt  nic^t  bie  (Sigenfd^aft  eines  ©tanbeöbeamten 
bcfi|t,  ober  bie  tjon  einem  ©tanbeöbeamten  aufeerlialb  feines  9tmtsbejirtes  vox^ 
genommenen  83eurfunbungen  feinen  öffenttidien  ®Iauben  ^aben.  3lur  bann 
würbe  es  angängig  fein,  eine  ®l)e,  bei  beren  Sd^Iie^ung  ein  ©tanbesbeamter 
au|er^afb  feines  SKmtsbejirfeS  mitgeroirft  f)at,  als  formgültig  ju  bctjanbetn, 
toenn  man  ber  33orfd^rift,  nad^  welcher  ein  Standesbeamter  für  einen  be^ 
ftimmten  Sejirf  beftellt  wirb,  einen  nur  reglcmentarifd^en  Starafter  beilegen 
fonnte.  25em  ftcl)t  iebod&  entgegen,  ba^  bie  ©tanbesbeamtcn  nid^t  Seamte 
bes  SReid^eS,  fonbern  ber  einseinen  SJunbeSftaaten  finb  unb  bie  üon  bem  einen 
öunbcsftaate  beftellten  ©tanbesbeamten  iebenfaUö  nid&t  in  bem  ©ebiete  eines 
anbcrcn  33unbeSftaateS  mit  red^ttid^cr  SBirffamfeit  als  ©tanbesbeamten  mürben 
l^anbeln  fönnen. 

3Son  felbft  ©erfte^t  es  fid&  übrigens,  ha^  bie  93eftimmung,  nad^  meld^er  im  %aüt  b«r 
ein  aufecrbalb  feines  33ejirfes  bönbelnber  ©tanbcsbeamter  nicbt  als  ©tanbes^  ^^JJ^bi""^ 
beamter  gilt,  auf  fold^e  gälle  feine  Slnmenbung  finbet,  in  roeldjcn  ein  ©tanbes*  «ufrK^td« 
becmter  oon  ber  2lufftd^tsbel^örbe  ermächtigt  ift,  für  geroiffe  gäUe  baS  9lmt 
eines  ©tanbesbeamten  in  einem  anberen  Sejirfe  roabrjune^men  (§  3  9lbf.  1 
bes  dl.  ®cf.  V.  6.  gebruar  1875),  ba  ber  betreff enbe  ©tanbcs6eamte  für  ben 
ftreis  bicfer  §äUe  aud^  ©tanbesbeamter  bes  anberen  SSejirfeS  ift.  ©benfo* 
TDenig  fallen  fold^e  gälle  unter  bie  33eftimmung  bcs  3lbf.  2,  in  meldten  eine 
als  ©tellt)ertreter  bes  ©tanbesbeamten  für  einen  beftimmten  SJejirf  ernannte 
^erfon  innerbatb  biefes  S3ejirfes  bei  einer  S^efc^liefeung  mitroirft,  obgleid^  eine 
Seranlaffung,  als  ©telloertreter  einzutreten,  nid^t  üorlag;  benn  in  biefem  galle 
fianbeltc  eine  als  ©tanbesbeamter  beftelltc  5ßerfon  nicbt  au^erl)alb  i^res  Slmts^ 
bejirfeS,  fonbern  unbefugter  SEeife,  o^ne  jur  9lusübung  ibrer  Sefugnife  in 
bem  fonfrcten  galle  berufen  gu  fein,  inncrljalb  ilires  Sejirfes.  9lud^  in  einem 
fol(ben  gallc  bie  6^e  als  eine  nid|t  formgültige  ju  bc^anbeln,  liegt  fein  ®runb 
t)or.  3m  ©egent^eil  mürbe  eine  fol^e  ^Regelung  in  ^ol^em  @rabe  bebenftid^ 
fein,  ba  man  ben  Set^eiügten  unmöglid^  jumutben  fann,  5U  prüfen,  ob  unter 
ben  oortiegcnben  Umftänben  ber  ^all  ber  ©tellüertretung  gegeben  ift. 

2)ic  im  2lbf.  2  enthaltene  weitere  Seftimmung,  ba^,  menn  ein  ©taubes^  a»itrDirfunfl 
beomter  bei  ber  ©c^liefeung  feiner  eigenen  ef)e  als  ©tanbesbeamter  l^anbelt,  «igener^c^e. 
er  nid^t  als  ©tanbesbeamter  gilt,  beruht  auf  ber  (Srmägung,  bafe  es  mit  ber 
im  §  1248  Dorgefd[)riebenen  gorm  unb  beren  ^mcde  uncereinbar  ift,  rotnn 
ein  ©tanbesbeamter  als  fold^er  bei  ber  ©c^liefeung  feiner  eigenen  (Sf|e  mit^ 
nrirfen  rooUte.  3)as  SR.  ®ef.  0.  6.  gebruar  1875  entbätt  in  biefer  Sejiebung 
eine  ausbrücllicl)e  SBeftimmung  nid^t.  3m  |)inblidEe  auf  bie  gormüorfd^riften 
bes  §  52  jenes  OcfefeeS  wirb  inbejfen  auc^  nad^  bem  legteren  9lid^tigfeit 
einer  fold^en  ®Hc^lie|ung  anjunebmen  fein  (oergl.  bab.  ©ef.  t).  9.  ^e-^ 
gember  1875  §  7).  3ur  Sefeitigung  t)on  Bmcifeln  ift  es  aber  ratbfam, 
biefen  ©aj  im  ®efe|e  auSbrürf lidd  auSjufpred^en.  3lnbererfeits  foU  es  auf  bie 
©ültigteit  ber  e^e  obne  Sinflug  fein,  wenn  ein  ©tanbesbeamter  bei  ber  ei|e=j 


38  fö6cfcl&Iic§ung.    Suftänbiöfcit  bcö  ©tanbcöBeamtcn.    §§  1246,  1247. 

fd^Ucfeung  na^cr  SBcrroanbtcv  mitroirft.  3nöbefonbcrc  foü  feine  aßitroirfung 
red^tdd^  aud^  in  fold^en  fällen  nid^t  audgefc^ [offen  fein,  in  mdd)tn  er  als 
aSater  ober  gefeglic^er  SBertreter  eines  ber  ß^efd^Iiefeenben  noc^  ben  §§  1238, 1239 
ober  bem  §  1232  9lbf.  1  feine  ©inroiUigung  ju  ber  (S^efd^Uefeung  ju  ert^eilcn 
l()Ot.  2)iefe  ©inroiUigung  liegt  ^6)on  barin,  bafe  er  ate  ©tanbeßbeamter  bei  ber 
S^efd^Iiefeung  mitroirft. 

§  124(). 

b^ef ©tanbet  ^^^  Seftimmungen  beö  3lbf.  1,  2,  4  roieber^olen  ben  fad()Iid^en  Sn^alt 

'  beanTten. '  beö  §  42  3lbf .  1  beö  SR.  Oef.  ü.  6.  "gebruor  1875.  Wogegen  entliält  bie  Se* 
ftimmnng  beö  §  1246  3lbf.  3  eine  ©rgänjung  beö  befte^enben  SReid^öred^teö, 
n)eld^e  ^auptfä^Hd^  ben  ^vo^d  oerfolgt,  fold^en  im  9luö[anbe  n)o^nl^aften 
SReic^öangeprigen,  roeld^e  im  Snlanbe  roeber  einen  SBoJ^nfi^  nod^  einen  ge* 
mo^nlid^en  Slufentl^oltöort  fjoben,  fonbern  fid)  im  Snlanbe  nur  oorübergel[)enb 
ouf^olten,  bic  ©fiefd^Iicfeung  im  Snianbc  in  \olö)tn  gällen  ju  ermogüd^en,  in 
meldten  aud^  ber  anbere  2:^ei(  einen  SBo^nfife  ober  geroölinlidöcn  3lufentl)altös 
ort  im  Snlonbe  nid^t  l^at.  6in  Sebürfnife,  für  fold^e  nid^t  gerabe  fel^r  feltcne 
gälle  SBorforge  ju  treffen,  liegt  um  fo  mel^r  oor,  alö  bie  im  3luö(anbe  roo^n« 
fiaften  2)eutfd()en  naö)  bem  an  il^rem  SQSol^nfige  jur  SInmenbung  fommenben 
auölönbifd^en  SKed^te  nid^t  immer  in  ber  Sage  fmb,  bort  eine  ®l)c  ju  fd^liefeen, 
ober  bod^  bei  einer  ß^cfc^Iiefeung  im  Sluölanbe  bie  bort  oorgefd^riebencn  formen 
beobad^tcn  muffen,  beren  Slnroenbung  i^ncn  jum  (Semiffenöbrucfe  gcreid^en 
fann.  ©ine  auöreid^enbe  Slbliülfc  roirb  auc^  nid^t  burd^  baö  ®cfeg,  betr.  bic 
©i^efd^Iiefeung  unb  bie  S3eurfunbung  beö  ^JJerfonenftanbeö  von  93unbeö^ 
anget)örigen  im  Sluölanbe,  o.  4.  aWai  1870  geroäl^rt,  ba  bic  ©ernähr  felitt, 
bafe  in  allen  ^iaattn  beö  2(uölanbeö  bie  bort  oor  fremben  biplomatifd^en  ober 
fonfutarifd^en  SSertretern  abgcfd()Iof[enen  6f)cn  alö  gültige  6()cn  aner!annt 
merben  (oergl.  (Sntfd^.  b.  dt.  ®.  in  ßioitf.  IX,  116  ©.  398,  401,  402). 
35ie  Seftimmung  beö  9lbf.  3  bcrft  alle  ^icr  in  Setrad^t  fommenben  gäüc, 
inöbefonberc  aud^  biejenigen,  in  meldten  ber  im  91uölanbc  geborene  2)eutfd&c 
im  Snlanbc  niemate  einen  Söo^nfig  ober  einen  gcmöl^nlidjien  9lufent^altöort 
gel()abt  l^at. 

SBie  auö  ber  S^ffung  beö  §  1246  unb  auö  einer  SBergleid^ung  ber 
§§  1250,  1259  flar  l)ert)orgel^t,  fiat  bie  SBeftimmung  beö  3lbf.  1  nur 
ben  Karafter  einer  Drbnungöoorfd^rift.  Die  SUd^tbeobad^tung  berfetben  ift 
mitfjin  auf  bie  Oültigfcit  ber  ®l^c  o^nc  ©inftufe.  2)aburd^  erlebigt  fic^  bic 
fad^Iid^  übcreinftimmcnbe,  befonbere  Seftimmung  beö  §  42  9lbf.  2  beö  SR.  ®ef. 
0.  6.  gcbruar  1875. 

§  1247. 

«W<^iie^una  5Der  §  1247  entfprid^t  fad^Ud&  bem  §  43  beö  9t.  ®ef.  ü.  6.  gebruar  1875. 

etonbX    91^4  ^if  33crle^ung  biefer  aSorfd^rift  ift  —  im  ©inftange  mit  bem  bcftcl^enben 
beamtcn  eine«  gfjeic^öred^tc  (§  42  9lbf.  2  beö  bcjeid^neten  SR.  ®ef.)  —  auf  bie  ©ültigfeit  ber 

oS    ©de  of)nc  ©inftufe  (oergl.  §  1246  9lbf.  1,  §§  1250,  1259). 


e5e|*Ilc§unö.    Sörmli*!citcn.    §§  1248,  1249.  39 

§§  1248,  1249. 

aScnnglcid)  im  Sntcreffc  bcö  9lnfel^enä  bcr  bürgcrtid^cn  ©Ijefd^Uc^ung  aBefentii<!^e 
unb  jur  ©croinnung  gröfecrer  ©arontiecn  für  bie  (Srnfttic^fcit  bcö  2BiIIenö  bcr  stimmt 
&)^äilk%anQ,  foroic  jur  ©id^crung  bcö  Scrocifcö  an  bcr  Scobad^tung  gcroiffcr,   ^^^^' 
ber  SBi^tigfcit  unb  bcr  5EBürbc  bcö  Slftcö  cntfprcd^cnbcr  f cicrlid^cr  gormcn  noci& 
SMafegabc  bcö  §  52  bcö  SR.  ®cf.  o.  6.  gcbruor  1875  fcftgcJ^altcn  werben  mufe,  fo 
ift  eö  bod^  anbcrcrfcitö  mit  atüdffid^t  barauf,  bafe  cö  jrocifcl^aft  unb  bcftritten  ift, 
inroicrocit  bic  im  §  52  bcö  St.  Ocf.  o.  6.  gcbruar  1875  oorgcfd^ricbcncn  görmUcI^:^ 
feiten  alö  rocfcntlid^,  b.  f).  alö  bic  ®ültig!cit  bcr  (S^c  bcbingcnb,  onjufcl^cn  finb, 
unb  ba%  eine  nid^t  unter  Scobod^tung  ber  roefentlid^cn  gormcn  eingegangene 
6§e  naö)  bcm  ©ntrourfe  alö  !raft  bcö  ©cfcfecö  nid^tig  befianbclt  werben  foH 
(§  1250  3Jr.  1,  §  1252),  im  3ntercf[c  ber  Sid^erung  ber  e^en  bringenb  gc- 
boten,  in  bcm  ®efe6bud[)e  bie  mcfcntlid^en  formen  bcr  (Sficfd^licfeung  t)on  ben 
unroefentlic^cn  fd[|arf  ju  fd&cibcn  unb  bic  erfteren  ouf  ein  möglid^ft  geringeö 
3ßa§  JU  befd^rfinfen,  inöbefonbere  flaräuftcllen,  bafe  bie  ©iiltigfcit  ber  ®^c 
nidSit  oon  bcm  ©cfiraud^c  beftimmter,  folcnner  SBorte  abhängig  ift. 

aitö  unbcbingt  mcfcntlid^  ju  erad^ten  ift  bie  ®rf[ärung  bcö  SBillcnö  bcr  ^erfönuc^c 
gH^Iicfeung  von  ©eiten  ber  ©^cfd^Ucfecnbcn  dot  bcm  ©tanbeöbeamten  unb  ®'"  gJJ*/ ^** 
ber  hierauf  crfolgcnbe  Sluöfprud^  bcö  legtercn,  bafe  er  bie  (Sl^e  für  gefd()Ioffen  J^5^J^"JJ^ 
erffäre  (ücrgl.  §  52  bcö  3i.  ®ef.  ü.  6.  gebruar  1875).    ®inc  roeitere  roefentUd^c  b^m  ©tanbel- 
SSorauöfcßung  ift  eö  nad^  §  1248  oerb.  mit  §  1250  5Rr.  1,  bofe  bic  93erlobtcn    ^*^"'*^"' 
ben  SBiUcn  bcr  eöcfd^Ucgung  perfonlid^  unb  bei  gleid^jcitiger  Slnrocfcnl^eit 
erflärcn.    3)aö  pcrfonlidöc  erfd;einen  ber  SScrlobten  t)or  bcm  ©tanbeöbcamten 
giebt  ni^t  allein  eine  größere  ®arantie  für  bic  ©rnftlidöfcit  bcö  2Bi[lcnö  unb 
bie  grei^eit  ber  SBiUcnöbcftimmung,  foroie  einen  größeren  ©d^ug  gegen  Ucber:: 
eilung  unb  gegen  $crfonenoerroed^fcIung,  fonbern  fld&ert  aud^  in  pl^ercm  äßafec 
ben  Seiociö  ber  ©i^cfc^Uefeung,  inbem  mit  bcr  2;^atfad^e  eineö  insmifd^cn  ctma 
erfolgten  SBiberrufeö  ber  SBoUmad^t  nid^t  gered^nct  ju  roerben  brandet.    S)icö 
ijt  —  obroeiddenb  oon  bcm  fanonifd^en  SRcd^te  —  aud^  ber  ©tanbpunft  bcö 
gemeinen  proteftantifd^cn  ©tieredötcö  unb  bcr  SWc^rjal^l  bcr  neueren  ®efe6j 
gebungen  (uergl.  prcug.  31.  S.  di.  II,  1  §  167  unb  preufe.  ®ef.  über  bie  S3e' 
urfunbung  bcö  ?ßcrfonenftanbcö  unb  bic  gorm  ber  ©^efd^Uefeung  o.  9.  $0lärj  1874 
§  35;  gotl).  @^cgef.  d.  15.  Sluguft  1834  §  59;  ital.  ®.  S3.  3lrt.  94).    3n  bcm 
§  52  beö  31.  ®ef.  t).  6.  gebruar  1875  ift  bie  pcrfönlid^c  (grllärung  ber  SBcrlobtcn 
par  nid&t  auöbrüdflid^  oorgefc^rieben,  baö  ©rforbernife  berfelben  ergiebt  fid^ 
aber  auö  ben  fategorifd^  oufgeftellten  gormoorfd^riften  bcö  §  52  unb  auö  bcm 
§  72  icneö  ®cfe6eö.    ©d^eibet  man  bie  ber  Sad^e  nad^  roefenttid^cn  gorm^ 
Dorfc^riften  auö  unb  crflärt  man  bie  übrigen  g5rmlid^!eiten  für  unrocfcntlidö, 
10  ift  cö  not^enbig,  auöbrücflid^  ouöjufprcd)en,  bafe  bie  ©rHärung  ber  SScp 
lobten  perfönlic^  unb  bei  glcid^jeitiger  sllnroefenljcit  abgegeben  roerben  mu§, 
jumol  bieö  eine  9luönal^me  oon  ben  allgemeinen  ®runbfä6cn  beö  ®efcgbud^cö 
ift.    5Dic  im  §  72  beö  31.  ®ef.  o.  6.  gebruar  1875  für  bic  Sanbeöl)crren  unb  Sünbes^erm ; 
bie  2)htglteber  ber  tanbeö^errlid^en  gamilien,  foroie  ber  fürftlid^en  gamitic 
^o^enjoUern  oorbe^altenc  3luöna^me   mirb  im  ©infü^rungögcfc^c  aufredet:: 
juer^altcn  fein. 


40  e^efd&riegung.    görmli^feilen.    §§  1248,  1249. 

Sn  ©rmangelung  einer  entgegenftel^enben  Seftimmung  tonn  bie  ©rtlärung 
her  SSerlobtcn  aud^  ftillfd^roeigcnb  erfolgen  (§  72).  ®q  iebod^  ftiUfd^roeigcnbe 
©rllärungcn  ber  SBerlobten  ofe  ©runblagc  für  ble  im  §  1248  2lbf.  1  vox^ 
gefd^riebene  (Srflärung  beö  ©tanbeöbeamten  faum  oorfommen  werben,  fo  fe^lt 
eö  an  einem  93ebürfniffe,  in  älbroeid^ung  von  allgemeinen  (Srunbfä|en  ju  be* 
ftimmen,  bafe  bie  Srflärung  ber  SBcrlobtcn  ftiUfd^roeigenb  nid^t  abgegeben  werben 
f önne.  Ueberbieö  ift  e«  bebenftid^,  bei  ber  ß^efd^Iiefeung  jroifd^en  außbrüdttid^en 
unb  ftillfd^roeigenben  ©rflärungen  ju  unterfd^ciben,  ba  bie  9lnfid^ten  über  bie 
Slbgrenjung  berfelben  in  ber  3uriöprubenj  auöeinanbergel^en. 
xauht,  <^x\  9lnfe]^ung  ber  @f|ef^Iie6ung  3::auber,  ©tummer  ober  2:aubftummer, 

foroic  fold^er  5ßerfonen,  meld&e  ber  beutfd^en  ©prad^c  nid^t  mäd^tig  finb,  \)at 
ber  ©ntmurf  in  Uebereinftimmung  mit  bem  SR.  ®ef.  o.  6.  gebruar  1875  be* 
fonbere  SBorfd^riften  nid^t  aufgenommen.  3ene  ^erfonen  fönnen  eine  6^e 
fd^üefeen,  foroeit  jroifd^en  i^nen  unb  bem  ©tanbeßbeamten  eine  SBerftänbigung 
nad^  üKafegabc  ber  §§  1248,  1249  möglid^  ift.  3n  (Srmangelung  befonberer 
reid^ögefefelid^cr  S8orfd)riften  bleiben  jroar  bie  lanbeögefeglid^en  aSerfabrcnö- 
oorfd^riften,  meldte  für  bie  SSerfianblung  ber  ©tanbedbeamten  mit  'jßerfonen 
ber  bejeid^neten  9lrt  gegeben  finb,  unberührt;  bod^  ift  bie  9iid^tbead^tung  biefer 
Ianbeögefc|Iid^cn  SSorfd^rifteh,  roie  fid^  auä  §  1250  3lv.  1  ergiebt,  auf  bie 
©ültigfeit  ber  @^c  o\)ne  ©inftuö. 
«u«fpru(^  3lnlangenb  bie  SWitroirfung  bes  ©tanbeßbeamten,  fo  genügt  es,  menn 

*'**beamten.^^' öte  TOefentUdE)  oorgefd^rieben  roirb,  bafe  berfelbe  auf  Orunblage  beö  üon  ben 
3SerIobten  crflärten  SBiüenö  ber  ©^efd^Iiefeung  bie  ®^e  für  gefd^Ioffen  ju  er- 
flären  f)at.  ®ie  norgängige  grage  be§  ©tanbeöbeamten  an  bie  93erIobten, 
mie  fie  im  §  52  beö  SR.  ®ef.  n.  6.  gebruar  1875  norgefd^rieben  ift,  fann  alö 
eine  mefentlid^e  ^örmlid^feit  entbel^rt  merben,  ba  baö  ©rforbernife  jener  ®r^ 
flärung  beß  ©tanbeßbeamten  eine  außreid&enbe  ®arantie  bietet,  ba^  oline  bie 
aftiüe  aJlitmirfung  beßfelben  eine  @be  nid&t  ju  ©tanbe  fommen  fann.  9luc§ 
bie  im  §  52  beß  SR.  ®ef.  für  bie  SKitmirfung  beß  ©tanbeßbeamten  fonft 
üorgefd^riebeneu  görmlid^feiten  fönnen  atß  mefentlid^e  nid^t  erad^tet  werben, 
2)agegen  l^at  ber  (Sntmurf  biefetben  alß  Drbnungßüorfc^riften  beibebalten 
(oergl.  §  1249  Slbf.  1  oerb.  mit  §  1250  5Rr.  1).  3n  ber  gaffung  roeid&t  ber 
§  1249  9lbf.  1  von  ben  cntfpred^cnben  SBorfd^riften  beß  §  52  beß  SR.  ®ef.  o. 
6.  gebruar  1875  jebod^  infofem  ab,  atß  ben  SBorten  „fraft  beß  ©efe^eß" 
eine  anbere  ©teile  gegeben  ift,  um  bie  nad^  ber  gaffung  beß  SReid^ßgefe^eß 
allerbingß  mbglid^e  2)eutung  außjufd^ liefen,  alß  ob  burd^  bie  bejal^enbe  9Int* 
mort  ber  Verlobten  bie  S^ef^Iieöung  fraft  beß  ©efegeß  tjolljogen  fei  unb  ber 
3lußfprudE)  beß  ©tanbeöbeamten  nur  eine  beflaratorifd^e  Sebeutung  l^obe, 
n)öl;renb  nad^  bem  ©ebanten  beß  §  1248  bie  &)c  nur  ju  Staube  fommt  burd^ 
bie  Slonfcnßerf(ärung  ber  aSerlobten  unb  bie  im  §  1248  bejeid^nete  ©rflärung 
beß  ©tanbeßbeamten.  ©o  lange  biefe  ®rf lärung  nod^  nid^t  erfolgt  ift,  fann  jeber 
ber  33erlobten  nod^  mirffam  jurüdEtreten.  9lud^  ift  bie  &t)t  nid^t  jur  ©ntfte^ung  ge* 
langt,  menn  einer  ber  SBerlobten  vor  erfolgter  6rf törung  beß  ©tanbeßbeamten  ocr* 
ftorben  fein  ober  ber  lefetere  bie  (Srflärung  in  SBirf lid^feit  unterlagen  I;aben  f oüte. 
3luf  ber  anberen  ©eite  ift  bie  ©intragung  ber  ©^efd^Iiefeung  in  baß  |)eirat^ß' 
regifter  (§  54  beß  SR.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1875)  für  baß  3uftanbefommen  ber 


(SM^IieSunö.    görmli^Ieiten.    §§  1248,  1249.  41 

6^  ni^t  roefentlid^;  bicfclbc  f)ai  Diclmcl^r  nur  bic  Sebcutung  einer  Se- 
itxfunbung  bcr  bereits  erfolgten  ©Ijefd^Uefeung.  ©in  Sebürfnife,  in  biefer 
SSejic^ung  üon  bcm  beftel^enbcn  SReid^sred&te  objuroeid^en  (tjergt.  auö)  code 
civü  «rt  75;  itol.  ®.  SB.  2Irt.  94;  fd^rocij.  Sb.  ®ef.  d.  24.  ©escmber  1874 
Art  39)  unb  ju  bem  abroeid^enben  ©tanbpunfte  beö  preufe.  Oef.  d.  9.  SRärj 
1874  §  35  jurücfjufe^ren,  ift  nid^t  l^erüorgetreten. 

3iDeifetIiaft  fann  eg  fein,  ob  cö  rätl^li^  ift,  bie  (Segcnroart  üon  jroei  ^f,^^^"^"^. 
3eugen  als  ^^eitne^ntem  an  bcnt  ©H^Iicfeungßafte  (©olennitötßjeugen)  in 
ber  airt  porjuf ^reiben ,  bafe  bie  SRid^tbeobod^tung  biefer  SBorfc^rift,  als  einer 
iDtfentUd^en  gormnorfc^rift,  bie  Slic^tigfeit  ber  ©J^efd^liefeung  nad^  fid^  jiefit 
(oergL  §  1248,  1250  5Rr.  1).  ^lacl^  gemeinem  proteftantifd^en  (S^cred^te  wirb 
bie  3iiii^^"tt9  ^on  3^wgen  nid^t  alö  mefentlid^  ongefe^en  (üergl.  ©euffert 
Xin,  258).  3[ud&  bic  franj.  Suriöprubenj  nimmt  an,  bafe  bcr  3Wangcl  ber 
3eugen  für  fid^  allein  nid^t  unbebingt  bie  Ungültigfeit  ber  ®t;e  nadf)  SKafegabc 
bcö  code  civil  2lrt  191  jur  gotge  tiabe,  fonbem  ba^  bie  §rage  unter  33e* 
rücffic^gung  ber  fonfreten  Umftänbe,  namentlid^  mit  3flü(frtd&t  barauf  ju 
entfc^eiben  fei,  ob  ©rünbe  für  bie  Slnnal^me  Dorlicgen,  bafe  bie  ^'jörmtidifeit 
jur  Umgel^ung  oon  (Sinfprad^en  Dcrlefet  roorben  fei.  dagegen  ^at  nad^ 
fat^oltfd^em  ©^erec^te  ber  SKangel  bcr  Saugen  bie  9lid|tigfeit  ber  6t)e  jur 
golge.  ©üöfelbe  ift  nad^  bem  §  52  beö  5».  ®ef.  ü.  6.  gcbruar  1875  anju^ 
ne^en.  9Benngleid^  bie  S^ii^'^^^fl  ^^^  3^9^^  ^"te^  ^öen  Umftänben 
|iDccEmä§ig  ift,  meil  fie  eine  größere  ©arantie  für  bie  95efo[gung  ber  gcfeglid^cn 
Sorfc^riften  unb  einen  größeren  ©^uß  gegen  ^Betrügereien  bietet  unb  auöcrbcm 
bagu  bicnen  fann,  in  befonberen  ^äBen,  j.  SB.  menn  ber  ©tanbeöbeamtc  nad& 
erfolgter  ß^efd^Iiefeung,  aber  Dor  ©intragung  berfelben  in  baß  ^cirat^ßregiftcr 
fttrbt  ober  wenn  nad^  bem  ^obe  bcß  ©tanbeßbeamten  baß  ^cirat^ßregifter 
iierloren  gegangen  ift,  ben  Seroeiß  ju  fid^ern,  fo  fann  boä)  anbercrfcitß  geltenb 
gemad^t  werben,  bafe  eß  ju  meit  ge^e,  bie  3i*äi^^w"9  ^on  3^^9^^^  ^I^  ^ine 
roef entließe  gormDorf^rift  ^injuftellen ,  bafe  eß  oielme^r  genügen  muffe,  menn 
bic  ©^ef^üefeung  burc^  ben  ©tanbeßbeamten,  eine  mit  öffentlichem  ©tauben 
Dcrfe^ene  ^rfon,  bejeugt  fei.  S)ic  SRüctfic^t  auf  ba%  beftefienbe  SRcc^t  unb  bie 
(Srrofigung,  bafe  bie  3^ji^^wng  oon  3^^9c^  ^^^  Deffentlid&feit  erfegen  unb  ben 
Slbfcf^IuB  gefe|TOibriger  ©l^en  Dcr^üten  foU,  ift  {cbod^  alß  übcrroiegcnb  crad^tet 
tDorben.  ajoju  fommt,  bafe  ber  ©tanbpunft  bcß  ©ntrourfeß,  praftifd^  betrad^tet, 
eine  grofee  ©efa^r  für  btn  SBcftanb  ber  ©Iie  nid^t  mit  fid^  bringen  fann. 
©oOte  in  einem  einjelncn  ^aUe  bie  3wäi^^w^9  ^on  3^wgen  Dcrgeffen  fein,  fo 
wirb  ber  ©tanbeßbeamte  burd^  bie  unmittelbar  an  ben  ®t)efd^Uciiungßaft  fid^ 
anf^Uegenbe  ©intragung  bcr  ©Ijef^liefeung  in  baß  ^ciratt)ßrcgifter  auf  ben 
9Rangel  aufmerffam  werben,  ba  bie  ©intragung  in  baß  .^}eiratl^ßrcgifter,  für 
weldbe  gormutare  norgefc^rieben  werben,  bic  perfönlid^en  93er^ättniffe  ber 
i^ttgejogenen  3^9^"  angeben  foB,  bie  ©intragung  aud^  non  ben  3^W9^^  P 
unterfc^reiben  ift  (§  13  3lr.  5  beß  31.  ®ef.  o.  6.  gebruar  1875). 

85on  gro§er  praftif^er  93ebeutung  ift  bagegen  bie  weitere  ^rage,  ob  unb  «iaenft^aftcn 
inwieweit  ber  aßangel  gewiffer  ©igenfd()aften  in  bcr  5ßcrfon  bcr  jugcjogenen  "  *"^'^"* 
3eugcn  auf  bie  ©ültigfeit  ber  ©^e  von  ©inftufe  fein  foll.    ®er  §  53  bcß 
91.  Ocf.  p.  6.  gebnmr  1875  entl)ält  in  biefer  Scjiel^ung  lebiglic^  bie  S3e* 


42  gl&efd^Iicgung.    gormli^feltcn.    §§  1248,  1249. 

ftitnmung,  bafe  olß  B^^gcn  nur  ©rofeiä^rigc  jugcjogcn  werben  foüen,  onbercr^s 
feite,  bafe  aSerroanbtfd^aft  unb  ©d^roägerfd^aft  jroifd^en  ben  S3et^eiligten  unb 
ben  QtViQtn  ober  ben  S^wgen  unter  cinanber  beren  B^ii^^u^fl  ni^t  entgegen* 
fte^t.  Ob  auf  (Srunb  biefer  33eftimmung  eine  ©^efd^Ue^ung,  bei  roeC^er 
minberjä^rige  3^ü9^^  jugejogen  finb,  als  nid^tig  Qnjufel^en,  ift  beftritten, 
ebenfo,  ob  cd  auf  bie  ©ültigfeit  ber  @^e  von  ©inftufe  ift,  wenn  ^erfonen  ate 
3eugen  jugejogen  finb,  njcldje  in  golge  3lberfennung  ber  bürgerlid^en  ®^ren- 
redete  auf  ®runb  beö  §  34  3lv.  5  bcö  Str.  ®.  93.  bie  gä^igfeit  oerlorcn 
^aben,  3^wgen  bei  9lufnal|me  oon  Urfunben  ju  fein.  2)er  §  1249  3lbf.  2  in 
SScrbinbung  mit  bem  §  1250  9lr.  1  entfd^eibet  biefe  Streitfragen  in  t)er* 
neinenbem  ©inne.  Ob  eine  5ßerfon  üoIIjät}rig  ift  ober  nic^t,  lä^t  fld^  bcrfelben 
n\ä)t  immer  anfeilen.  3SieIIcid)t  roiffcn  auc^  bie  S^^fl^J^  f^^t>ft  ^^^  Sllter  nid^t 
genau  ober  üielleid;t  geben  fie  mijfentlid^  ein  falfd^eö  Sllter  an.  6&  würbe 
baficr  in  fiol^em  ©rabe  bebenflid^  fein,  bie  93oUiä^rigfeit  ber  B^^fl^J^  ^^^  ^^^ 
roefentlid^eö  ©rforbemife  J^injufteUen.  (Sbenfo  mufe  ed  alö  bcbenflid^  crad^tct 
werben,  an  bie  S^äie^ung  fold^er  ^erfonen  afö  Beugen,  roeldjien  bie  bürgere 
üd^en  ®{)renred6te  aberfannt  finb,  bie  SRid^tigfeit  ber  ®f)efd^Iic6ung  ju  fnüpfen, 
ba  ber  ©tanbeöbeamte  ni^t  immer  in  ber  Sage  ift,  fid^  ju  Dergewifjern,  ob 
in  biefer  SRid^tung  ein  SKangel  oortiegt,  unb  bie  3^W9^^  ^^'^^  flcneigt  fein 
werben,  ben  äRanget  ju  üerfd^weigen.  ©aju  f ommt,  ba§  ber  wefentlid&e  B^ecf 
ber  B^ji^^it^Ö  ^ön  3^W8^^  6ei  ber  ©^efd^liefeung,  nämlid^  bie  ^erfteHung  ber 
Deffentlid^feit,  aud^  bann  erreid^t  wirb,  wenn  minberjä^rige  ober  fol^e  ^er* 
fönen  afe  S^^ifl^^  jug^jogen  fein  foUten,  weld^en  bie  biirgerlidjien  ®^renrec^te 
aberfannt  finb.  3)a  bie  ©^efd^Iiefeung  fid^  burd^  münblid^e  ®rflärungen  ooH^ 
jie^t  unb  bie  3lufnal)me  ber  §eiratt)öurhmbc  feinen  wefentlic^en  Seftanbt^eil 
ber  efief^Iiefeung  bilbet,  fo  fann  in  ber  Siegelung  bes  ©ntwurfeß,  ba^  bie 
3ujie^ung  folc^er  5ßerfonen,  wc(d;en  bie  bürgerlid^en  Sfiretired^te  oberfannt 
finb,  nid^t  bie  9lidbtigfeit  ber  ©fiefdEitiefeung  jur  golge  ^at,  aud^  feine  5lb- 
weid^ung  t)on  bem  §  34  3lx.  5  beö  ©tr.  ®.  93.  gefunben  werben,  inbem  ber 
le^tere  nur  bie  Unfäljigfeit  ber  l^ier  fraglidjen  5)Serfonen,  3^wgen  bei  9lufnal^me 
Don  Urfunben  ju  fein,  auöfprid^t,  biefe  Unfäf)igfeit  aber  bie  Unfä^igfeit, 
3eugc  bei  einem  lebiglid^  münblidd  fid&  voüjiel^enben  3lfte  ju  fein,  nid^t  in 
fic^  fc^licfet. 

3m  Uebrigen  ift  es  nid^t  alö  rat^fam  erad^tet,.  barüber  näf)cre  SSeftim^ 
mungen  in  baö  (Sefe^  aufjunefimen,  ob  unb  inwieweit  bie  äßa^rnel^mungö' 
fäf)igfeit  für  ben  Segriff  beö  B^^ifl^i^  wcfentlid),  bejw.  in  weld)cn  gälten  SQSa^r? 
nei)mungöfäl)igfeit  alö  nid;t  t)orf)anben  anjufefien  ift.  ©ö  ift  ju  beforgen,  bafe 
berartige  33eftimmungen  neue  Streitfragen  hervorrufen  werben.  9lud)  finb  bic:! 
felben  im  ^inblidfe  auf  bie  Seltenheit  ber  ()icr  ju  entfd)eibenben  S^agen  burd^ 
ein  praftifd^eö  Sebürfnife  nid^t  geboten.  3lad)  bem  SBorgange  beö  §  52  beö 
SR.  ©cf.  ü.  6.  gebruar  1873  fann  bie  ®ntfd^cibung  biefer  fragen  t)ielmef)r 
unbebenflid}  ber  SBiffenfd^aft  unb  ^^Jrariö  überlaffen  werben, 
»eifüguiifl  2)ic  93cftimmung  beö  §  1248  3Ibf.  2,  bag  bie  im  9lbf.  1  bejeid^neten 

öZc^llTv  ©rftärungen,  fowobl  bie  ©rflärungen  ber  SSertobten  alö  bie  ßrflarung  beö 
Scttbcftim.  Stanbcöbcamten,  uid^t  unter  33eifügung  einer  93ebingung  ober  B^itbeftimmung 
erfolgen  fönnen,  entfprid^t  bem  SBefen  ber  ©^e.    S)ic  3iiIofU9fcit  ber  SSei^ 


mungeu, 


nnflültigfcit  bcr  ©Je.    SfM^Kflfett  unb  Stnfe^tBarfcit  (§§  1250—1270).         43 

fügung  einer  auffc^icbenbeu  Sebingung  ober  ehieö  9lnfangötermineö  würbe 
jubem  mit  bem  ©ruabfage  ber  Unoerbiublid^feit  beö  SSerlobmffeö  (§  1227), 
bic  3wlcifngfeit  ber  3ieifügung  einer  auffd^iebenben  SBebingung  aud)  mit  bem 
3ipecfe  beö  Stonbedrcgiftcrö,  ben  öeroeiö  ju  fid^crn,  ba&  bie  ®f)e  ju  Staube 
gefommen  ift,  nic^t  vereinbar  fein.  3)ie  SSorfc^rift  beö  §  1248  9lb).  2  fte^t  mit 
bem  gemeinen  proteftantifc^en  ß^ere^te  im  ©inHange,  mä^renb  baö  fanonif^e 
Sfc^t  bei  ber  ©{)ef(i^Iie6ung  jmar  nxä)t  bie  .^injufügung  einer  3eitbeftimmung, 
iDo^t  aber  bie  ^injufügung  einer  S3ebingung  geftattet,  fofern  (entere  nid^t 
iftrem  Jn^alte  nacti  bem  SBefen  ber  &)t  ioiberfprid)t.  ®aö  preufe.  91.  2.  51., 
ber  Code  civil  unb  bas  fäd)).  ®.  ö.  entl)alten  in  ber  ^ier  fraglicfien  Scjiebung 
feine  auöbrürflidie  39eftimmung,  ebenfomcnig  baö  31.  (^3e).  o.  6.  ^ebruar  1875; 
bo<^  ergiebt  bie  fategorifd^e  gaffung  bcr  SJorfd^riften  beö  §  52  biefeö  ©efegcö, 
boB  ouc^  nad)  bem  lefeteren  eine  ®I)efd()Iie§ung,  meldte  unter  Seifügung  einer 
Sebingung  ober  3^i^f^^ftin^nxung  erfolgt,  ai^  ni^tig  anjufc^en  ift.  2)icfclben 
©rünbe,  meiere  nad^  Cbigem  (S.  39)  bcftimmenb  gcmefen  finb,  auöbrüdflid) 
au^ufprec^en,  bafe  bie  ©rflärung  ber  SSerlobten  perfönlid^  abgegeben  merben 
muB,  laffen  es  and)  aU  notf)roenbig  erfd^eincn,  auöbrürftid)  5U  beftimmen,  baß 
bie  im  3{bf.  1  beö  §  1248  bejeid^neten  ©rflärungen  unter  Jicifügung  einer 
Seöingung  (oergl.  baju  §  137  9lbf.  3)  ober  S^i^t^^fti^^^^^^^S  ^^i^t  erfolgen 
fönnen,  um  fo  mel)r,  atö  in  bem  ©efe^bud^e  oou  bem  örunbfafec  ausgegangen 
in,  baß  bie  3wlcilfigfcit  ber  Seifügung  einer  Sebingung  ober  3citbeftimmung 
bei  einem  Stec^tögef^äfte  bie  'Jtegcl  bUbet  unb  bie  9luöna()men  üon  biefcr  Stcgct 
in  ben  einfd)Iagenben  gälten  befonbcrö  feftäuftellen  finb. 

"Jlad)  bem  §  1248  Slbf.  1  in  SBerbinbung  mit  bem  §  1250  9Jr.  1  I)at 
nur  bie  Beifügung  einer  33ebingung  ober  3^i^6eftimmung  bic  9Ud^tigfeit  ber 
ßbefc^Iiefeung  5ur  gotge.  Xk  Seifügung  fonftiger  3fcbenbeftimmungen  if^/mV'Sefrm" 
loenngleid)  i)cr  Stanbeöbeamte  fie  uid)t  äulaf^en  foU,  auf  bie  ©üttigfeit  ber  munöen.  ' 
Glje  oifm  ©influß.  lies  gilt  inöbefonbere  aud^  üon  ber  Seifügung  einer 
Sorauöfeßuiig.  Sofern  bie  lefctere  nidbt  im  !onfreten  galle  alö  Sebingung 
oudjulegen  ift,  fommt  biefelbe  nur  alö  ein  bie  ©ültigfeit  bcr  Gf)e  nid)t  be- 
rü^renber  SBeroeggrunb  in  Setra^t.  9lbgefel}en  üon  ben  auf  bem  ©ebietc  beö 
Skrmoflenorecbteö  fid^  beroegenben  Äonbiftionen  (§§  737  ff.;  ücrgl.  aud^  §  667 
äbf.  2)  unb  üon  ben  SSerfügungen  üon  ^^obcömegen"  (§§  1781,  1948)  fommt 
nat^  bem  ©efebbuc^e  ber  §8orauöfe^ung  neben  ber  Sebingung  unb  bem  Scroeg^ 
grunbe  eine  felbftänbige  Sebeutung  überall  nid^t  ju. 

IT.  UttgiUHgfeit  Her  SijeO« 

§§  1250-1270. 
3m  9(nfc^Iuffe  an  bie  allgemeinen  (Srunbfät;e  beö  ©cfc^bud^eö  über  bic  ^^<^tiQUit 
Ungültigfeit  bcr  SHcc^tögefd^äftc  (§§  108—113)  unterfc^cibet  ber  Gntmurf  aud)  ""börtif '^ 

*)  2)ie  Segrünbung  ber  in  bcr  9(nm.  unter  II  unb  III  bejei^netcn,  jur  9lufna5mc 
in  büÄ  (ginfübrung^efff  Seftimmten  S3orf4riften  ift  bcr  Segrünbung  bc8  (Sintübrungö- 
gefc^ed  ucrbcbalten.  ©otoeit  biefelben  jebod?  mit  einseincn  §Borfcf?nftcn  beö  Bürger- 
liitcn  @eie^Bud)cd  in  unmittclBarem  Snfammenbangc  fteljen,  ftnb  fte  in  ben  SMotiücn 
m  ben  betreffenben  SSorfi^riften  Berüdftd&ttgt. 


44        UnöüItiöWt  bcr  (Sl^c.    W^tigfcit  unb  «nfc^tbarfeit  (§§  1250-1270). 

bei  bcr  6l^e  jmifd^en  jioci  9lrten  ber  Ungültigfeit  ber  ®^e,  nämlid^  jrotfd^en 
9Jid^tigfeit  unb  Slnfed^tborfeit  ber  ®l)e.  ®a  bie  ®{|cf d^Iiefeung ,  bur^  roeld^c 
baö  9lecl^t§t)erf)ältnife  ber  ®f)e  begrünbet  voitb,  red^tlid^  bctrad^tct,  ftd^  olö 
ein  Sieditßgefc^ftft  barfteHt,  fo  würben  in  (Srmangelung  befonberer  Se? 
ftimmungen  aud^  auf  bie  ®t)ef(i^lie§ung  bie  allgemeinen  ®runbfä|e  über  bic 
Ungültigfeit  ber  JRedjtögefdbäfte  Slnroenbung  finben  müRen.  ®ie  SHücffid^t  auf 
boö  SBefen  ber  ®tje,  insbefonbere  ben  fittlid^en  Äarafter  ber  legteren,  foroie 
bie  3fJücffid^t  auf  ha^  an  baß  Snftitut  ber  ®bc  f\ä)  fnüpfcnbe  öffentUd^c 
3nterejfe  madien  jebodE)  tiefgreifenbe  Slbroei^ungen  oon  ben  allgemeinen  ®runb* 
fäfeen  beä  Oefe^bud^eß  über  bie  Ungültigfeit  ber  9ted^tögcf^äfte  unb  beß^alb 
eine  befonbere  Siegelung  ber  Ungültigfeit  ber  ®l^e  erforberlid^.  3)iefe  Siegelung 
ift  ber  Oegenftanb  ber  §§  1250—1270.  ®ie  Siegelung  ift  eine  fo  crfd^öpfenbc, 
bafe  baneben  für  bic  Slnwenbung  ber  allgemeinen  ©runbföfte  beö  ©efegbud^eß 
über  bie  Ungflltigfcit  ber  ?{ed)tßgefdöäfte  nur  wenig  SRaum  bleibt. 

sRed&tit(^e  9lnlangenb  junäd^ft  bie  Slid^tigfeit  ber  ®f)e,  fo  fommen  bic  allgemeinen 

wiViöfeit,  ©ninbfdgc  über  bie  ^lid^tigfcit  eineß  Sled^tßgefd^äfteß  nad^  2Wa§gabe  beö  §  108 
o[;ne  SBeitereö  jur  5lnn)enbung,  menn  bie  ®t)c  nid}t  in  ber  burd^  bie 
§§  1245,  1248  üorgefd^riebenen  gorm  gef^toffen  ift  (§  1250  5»r.  1,  §  1252). 
Seru^t  bagegen  bic  ^lid^tigfeit  ber  ®l)e  nid^t  auf  einen  gormmangcl  bei  ber 
e^cfd^liefeung  (§  1250  3lx.  2,  3),  fo  fann  bic  Sad&tigfcit,  biß  bie  ©fie  auf:: 
gclöft  ober  für  ungültig  crflört  ift,  nid&t  inddenter.  fonbcrn  nur  im  9Bege 
ber  3]id)tigfeitßf(agc  gcitenb  gemad)t  mcrbcn.  S3iß  äu  jenem  3^itpwnftc  ift 
bal^er  bic  ®[)e  alß  gültig  ansufeben  (Dcrgt.  §§  1252,  1253).  2)em  ©cbanfen, 
baß  bic  ®^c  materiell  nidE)tig  ift,  mirb  aber  burdE)  bie  Seftimmung  Sted^nung 
getragen,  baß  bic  9lid)tigfcitöflagc  nid)t  nur  üon  febcm  ber  ©bigotten  unb 
Don  bcm  ©taatßanmalte,  fonbcrn  audj  üon  iebem  Stritten,  roeld^em  im  gallc 
ber  ?lid)tigfcit  ber  @f)e  ein  Slnfprud)  äufte^t  ober  im  galle  ber  (Sültigfeit  bcr- 
felben  eine  SJcrbinbüdjfeit  obliegt,  fomie  im  galle  eineß  aSerftofeeß  gegen  baß 
SJerbot  beß  §  1234  oon  bcmjenigcn  crt)oben  merben  fann,  mit  meinem  bic 
frül^ere  ®t)c  gefd^loffcn  mar  (§  1253).  9luf  jenem  ®ebanfcn  berubcn  ferner 
bie  33eftimmungen,  mel^c  nad)  bcr  3lnm.  1  ju  bcm  Untcrabf^nitte  „IV.  Un- 
gültigfeit  ber  ©f)c"  unter  III  bcm  §  139  ber  ß.  %  D.  atö  9lbf.  2  burd^  baß 
(Sinfüf)rungßgefe^  b^njugefügt  merben  follcn. 

@inc  nad^träglid^c  Leitung  bcr  9iic^tigfeit  bcr  ®f)c  (ücrgl.  §§  109,  110) 
tritt  nur  im  galle  beö  §  1251  ein. 

bcr  «n.  2)ic  Scftimmungcu  über  bie  Slnfed^tbarfcit  ber  ©b^  meid^en  oon  ben 

allgemeinen  ©runbfä^cn  über  bie  Slnfcd^tbarfcit  eineß  3?edE)tßgefd^aftcß 
(§§  112,  113)  namentlidf)  barin  ah,  baß,  fo  lange  bie  @bc  nid^t  aufgelöft  ift, 
bie  älnfcd^tung  ber  ©t)e  burd^  ©rl^ebung  ber  9lnfedbtungöftage  erfolgt  (§  1266 
9lbf.  1)  unb  ba§,  aud^  menn  bie  9lnfedbtung  in  biefer  9lrt  erfolgt  ift,  bie  an 
fid^  nad^  bcm  §  112  mit  bcm  9lnfe^tungßaftc  ücrbunbcne  SBirfung  ber  Un* 
gültigfeit  ber  ®l)c  fo  lange  incideuter  in  einem  anberen  SHed^tßftreitc  nid^t 
geltenb  gemad^t  merben  fann,  biß  bic  ©^e  aufgelöft  ober  für  ungültig  erftärt 
ift,  bafe  mitl^in  biß  bal)in  bic  anfed^tbare  eije  tro^  ber  erfolgten  3tnfed^tung 
atß  gültig  bcbanbelt  roirb  (§  1260).    3m  Swfammenbange  bamit  fteljt  bic 


nnöultiflfeit  bct  (56c.    3li(J&tiöWt  imb  9lnfe*tbarfeit  (§§  1250-1270).         45 

©eitere  Sbrocid^ung  oon  beu  allgemeinen  (Srunbfä^en,  bafe,  wenn  bic  Slufed^tung 
ber  6^e  burd^  (gr^ebung  ber  9lnfe(i^tungöllagc  erfolgt  ift,  bie  SBirfung  ber 
erfolgten  änfe^tung  naä)  SKafegabe  beö  §  1268  burc^  3wtüctnaljme  ber  Sin- 
fed^tungöHage  ober  burd^  (Genehmigung  ber  angefod^tencn  ®l|e  von  Seiten  beö 
anfct^tungöbcred^tigten  ©Regatten  in  ber  9lrt  rücf gängig  gemad^t  werben  fann, 
bo§,  porbc^altlidö  geroijyer  Sluöna^men,  baö  3lnfe(i|tungöred^t  crtifd^t  (oergl. 
baju  bie  in  ber  Sttnmerfung  ju  bem  Unterabfc^nittc  „IV.  Ungültigfeit  ber  ®^e" 
unter  II,  4,  5  mitget^cilten,  jur  Slufno^me  in  baö  ®inf.  ®cf.  beftimmten 
§§  575a,  576  ber  6.  $.  D).  3ft  bic  ®\)c  hxixd)  ben  Xob  beö  nid^t  anfe^tungö^ 
berechtigten  ©Regatten  oufgeloft,  fo  gilt  gegenüber  bem  §  113  bie  Sefonbcr^ 
^it,  bofe  bie  Snfed^tung  burd&  eine  gegenüber  bem  Siad^tafegcrid^tc  abjugebenbe 
38iUenderflärung  erfolgt  (§  1266  Slbf.  2).  3ft  bie  Sluflofung  ber  S^c  burd^ 
ben  S^ob  beö  jur  Slnfed^tung  bered^tigten  ©Regatten  ober  burc^  ©d^eibung 
erfolgt,  fo  ift  bie  Slnfed^tung  ber  6f)e  überl^aupt  auögefd^loffen  (§  1262). 
Sufecrbem  roirb  bie  anfeclftbare,  aber  nod)  nicl)t  angefod^tcne  @^c  unanfed^tbar 
bur^  ®ene§migung  oon  (Seiten  beö  anfe^tungöbered^tigten  ®t)egatten,  bcjm. 
im  ^ne  beö  §  1259  3lx.  4  burd^  ©ene^mignng  oon  Seiten  feines  gefefelid^en 
'Bertreterö,  in  einem  j^^lle  (§  1259  3lv,  3)  Qud^  burd^  nQdt)trägtid&e  ©iöpen^ 
fation,  ferner  in  allen  fallen  burd^  3eitabtauf  (§§  1263, 1264). 

SBö^rcnb  bie  Segrünbung  beö  norftclienb  tarafterifirtcn  Si)ftcmeö  beö  «e^tferti. 
entiourfcö  in  3lnfc^ung  ber  S3el)anblung  ber  Ungültigfeit  ber  ©öe  im  ©injelnen .  ^nnteu"^ 
ben  Spesialmotioen  vorbehalten  mirb,  f ollen  ^iernod^  bic  allgemeinen  ©efid^tö:^  fd&eibuno: 
punfte  bargelegt  werben,  meldte  bafür  mafegebenb  gemcfen  fmb,  bie  im  all* 
gemeinen  S^^eile  beö  ®efe|bud^eö  in  9lnfe{)ung  ber  Ungültigfeit  ber  Sted^tß* 
8ef(^fte  aufgeftellten  Äategorieen  ber  9li^tigfcit  unb  9lnfed[|tbarfeit  auc^  auf 
Me  gj^e  anjumenben. 

2)aö  fatl)olifd&e  foroie  baö  proteftantifd^c  ®l)ered)t  fennt  ben  Unterfd^icb  ©citenbcs 
iroif^en  Sflid&tigfeit  unb  9lnfcd^tbarfeit  ber  ef)e  nicl)t.  Sic  ®^c  ift  entmebcr  ^^'^'' 
ni^tig  ober  gültig.  Slber  bie  9lid^tigfeit  l^at  eine  Dcrfd^iebene  Sebeutung  unb 
ffiirtung,  je  nad^bem  baö  6^et)inberni6,  roet^eö  bic  5Jli^tigfeit  bewirft,  öffent* 
lOfct  ober  privater  9latur  ift,  unb  je  nad^bcm  biöpenfirt  roerbcn  fann  ober 
nid&t  3ft  i>oö  ©l^e^inbemife  ein  öffentlid^eö,  fo  erfolgt  bic  Slid^tigfcitöerftärung 
ber  6^e  oon  SImtöroegen,  ift  eö  prioater  3Jatur,  nur  auf  Slntrag  beö  aSer- 
testen,  daneben  ift  in  ben  legten  fallen,  foroie  bei  biöpenfabelen  ®^c^inber^ 
nijfen  beö  offentlid^en  SKed&teö  eine  Teilung  ber  3fid^tigfeit,  roenigftenö  bem 
praftifd&en  ®rfolge  nad^,  moglid^.  ®aö  fatt)olifd&e  ©f)cre^t  forbert  jroar,  ab* 
gcfe^en  t)on  bem  SÄuönal^mefalle  einer  S)iöpcnfation  in  radice  matrimonii, 
immer  bic  renovatio  consensus  ber  ©Regatten  nad^  Sefeitigung  beö  ^inberniffcö, 
aber  eö  oerlongt  in  ben  meiften  gällen  feine  Sßieberl^olung  ber  für  bic  ®l)e' 
f^lie^ng  gefejlid^  Dorgefd^riebenen  gorm.  Der  praftifd^e  ©rfolg  ift  nad^ 
fat^olifd^  ß^ered^te  alfo  im  SBcfentlid^en  berfelbe  wie  nadb  proteftantifd^em 
^red^te,  na(^  welchem  bei  pritjaten  e^e^inberniffen  bie  ®t)^  burd^  33erjidbt 
5on  Seiten  beö  SSerlcgten  bejro.  burd^  gortfefeung  ber  ®f)c  nad^  SBegfall  beö 
C^nbemiffeö  fonüaleöjirt  unb  au^  im  galle  beö  SBcgfallcö  anbcrer  ®^e* 
^inbemif[e  eine  Teilung  ber  Slid^tigfcit  ber  6^e  o^ne  SBieberfiotung  ber  nor* 
ficf(^riebenen  ^orm  Dorroiegenb  für  juläffig  gehalten  roirb. 


46         Unoültiofeit  bcc  SIjc.    Jli^tigfcit  imb  3lnfc*t6avfeit  (§§  1250-1270). 

Siefclbcn  Untcrfd^icbe  her  Sebeutung  uub  SBirfung  ber  einjelnen 
trcnncnbcn  ©^eJ^inbcrninc  mad)tr\  fämmtlid^c  neueren  @ef cggebungcn ;  wenn- 
gleid^  bic  ft)ftentatifd)c  33el;onbIung  ber  ©oc^e  in  benfelbcn  eine  tjerfd^iebene 
ift  unb  mond^e  9lbn)ei(i)ungeu  im  ©injelnen  oortommen,  fo  liegt  bod^  allen  ber 
®ebanfe  ju  ©runbc,  bafe  je  nod^  ber  9iatur  bcö  betreffenben  trennenben  (S^e* 
Ijinberniffeö  bie  Ungültigfeit  ber  ®f|e  entroeber  oon  3lmtön)cgcn  bcjro.  Don 
jebem  Setlieiligten  ober  nur  t)on  bem  oerlegten  J^^eile  ober  bod^  nur  tjon 
beftimmten  ^crfonen,  meldte  ein  bcfonbcreß  Sntereffc  baran  ^oben,  geltenb 
gemad^t  lüerben  fann  unb  bafe  in  bem  lefeteren  galle  bic  6t;e  burd)  ben 
SBegfall  beä  9led^teö,  bic  Ungüttigfeit  ber  6^c  geltenb  ju  mad^en,  gültig  wirb 
(oergl.  preufe.  21.  S.  dt.  II,  1  §§  933,  934,  950—952,  973—975,  ©efeferenirion 
^enf.  XV  anotioe  ©.  467,  9rbfd[)n.  9;  föd^f.  ©.  93.  §§  1620—1626  unb  fäd&f. 
@ef.  ü.  5.  SWoücmber  1875  §§  3—6;  code  civil  3lrt.  180—191;  gotft.  ß^egcf. 
t).  15.  9luguft  1834  §§23,  71,  135-137;  altcnb.  ei)corbn.  o.  13.  SWai  1837 
§§  6,  163—193;  f)cff.  entro.  II  9(rt.  11,  48  -63;  S.  %  D.  §  592). 
etonbpimft  9Benngleid(),  ^ingefe^en  auf  bic  fittlid&e  3latur  ber  G^e  alö  einer  doU* 

(sntrourfe«;  ftäubigcu  Scbcnögcmcinfd^aft,  fid&  bie  Slnfid^t  ocrtreten  läfet,  bafe  cö  bem  SBefen 
Der  @f)e  am  mciften  cntfpred^en  mürbe,  nur  ämif(^cn  abfolut  gültigen  unb 
abfohlt  nid)tigen  6l)en  ju  unterfcf)eiben,  fo  fann  biefc  Sluffaffung  boc^,  mmn 
man  bic  re^tlid^e  3iatur  ber  ®f|e  alö  eineä  burd)  ein  9ied&tögcfc^äft  begrünbeten 
9led&töt)ert)öltnif5eö  ins  9luge  fafet,  üom  Stanbpunftc  cineö  ©efefebud^eö  aus, 
rocld^cß  bei  9lc^t6gefd&ftften  bic  ÜJlöglid^feit  eines  S^ifd^cnsuftanbeö  jmifd^en 
vollftänbiger  (Sültigfeit  unb  üoUftänbiger  5Rid^tigfeit  anertennt,  äunädS)ft  prin^ 
^ipiell  alö  rid^tig  nid^t  erachtet  merben;  benn  ift  baö  5Rcd[|tßgefc^äft  ber  @^c* 
fd)lie6ung,  auf  roeld^em  baö  9ted)töocrf|ftltni6  ber  @^e  beru{)t,  mit  einem 
3Kanget  bet)aftet,  melier  nad)  ben  allgemeinen  ©runbfäßen  bic  Slnfed^tbarfeit 
cineö  9kdötögcfd^äfteö  begrünbet,  fo  mufe  biefer  SWangel,  fomeit  ni^t  baö  ©cfeft 
pofitio  ein  Slnbereö  beftimmt,  bic  gleidie  SBirfung  aud^  äufeern  auf  ba^  burd() 
baö  9ied)tögefd^äft  ber  ®t)ef(^lie6ung  bebingtc  SWe^töocr^ältni^  ber  (gl)e.  9Ibcr 
aud&  baö  praftifd^e  Sebürfnife  geftattet  cö  nid^t,  lebigtid)  jmifd^en  abfolut  gültigen 
unb  abfolut  nid^tigen  ©l^en  ju  unterfd&ciben,  menn  man  gemiffcn  Umftänbcn, 
inöbefonbere  ber  mibcrrcd^tlid^en  ©ro^ung,  bem  betrüge  unb  bem  Srrt^umc 
einen  ©influfe  auf  bie  ©ültigfcit  ber  @f|c  übcrfiaupt  gcmäliren  u)ill.  3ft  ber 
burdö  2)rof)ung  ober  betrug  jur  ©^cfd^liefeung  beftimmte  ©begatte  burd^  bic 
®ingel)ung  ber  @^c  unb  bic  mit  bcrfelben  oerbunbenen  golgen  in  eine  Sage 
Dcrfc^t,  bei  meld^cr  fein  3ntercffc  nur  burd^  3lufred^terl)altung  ber  @^e  gemalert 
werben  fann,  fo  mürbe  cö  eine  Ungered^tigfeit  fein,  il;m  biefen  9Beg,  fein 
Sutcreffe  ju  magren,  ju  oerfd^ tiefen,  roö^renb  anbererfcitö  bem  ©Regatten, 
roeld^er  burd^  2)rol^ung  ober  S9ctrug  ben  anberen  ©Regatten  jur  ©j^efd^lic^ung 
beftimmt  ^at,  fein  Unred^t  gefd^ie^t,  wenn  man  i^n  an  ber  oon  i^m  gerooBten 
®^e  fcftl)ält.  ©erabe  bei  ber  @^e  fann  aber,  menn  bie  t^atfäd&lic^e  cl)elid&e 
Sebenögcmcinf^aft  einmal  eingetreten  ift,  baö  Sfntereffe  bcö  ücrlc^ftcn  ®l|cgatten 
cö  entfd^ieben  verlangen,  bafe  bie  ®t)e  alö  gültig  anerfannt  merbe  unb  fortbauerc. 
Rann  l)iernadö  aud^  bei  ber  ®^e  eine  fold^c  9Irt  ber  Ungültigteit  nid&t  entbehrt 
merben,  meldjc  bic  ©ntfd^cibung  barüber,  ob  bic  ©^e  bcftel)en  ober  nid^t  be* 
ftel)en  foll,  oon  bem  SBiUen  bcö  einen  ober  anberen  ©Regatten  abl)fingig  mad^t. 


Unöültiflfdt  ber  (Sl^e.    9H(l&tift!eiföörfmbc.   §§  1250,  1251.  47 

fo  cmpficf^tt  es  fid^,  auf  bicfc  Slrt  bcr  Ungültigfett  im  Snfd^Iufjc  an  bic  all:* 
gemeinen  ®runbfä|e  bcö  ®efe|bu(j^eö  bic  Äategorie  ber  3lnfec!^tbarfcit  an* 
juioenben;  benn  baö  SBefen  ber  Slnfed^tbarteit  beftel)t  eben  barin,  ba^  ber 
gortbcftanb  bc«  anfechtbaren  Sted&t&gefd&äftcö  oon  bcm  SBiüen  bed  9SerIe|ten 
abfängt.  3)ie  Slnroenbung  ber  Kategorie  ber  Slnfcd^tbarfeit  auf  bic  6^c  f)at 
üUerbingö  anbererfeitö  jur  golgc,  ba^  biß  jur  erfolgten  Slnfcd^tung  eine 
roirfli^c,  gültige  6^e  beftc^t.  2)arau&  fönnte  gegen  bic  Slnrocnbung  ber 
ftatcgorie  ber  9lnfed)tbarfcit  ber  ©iniüanb  hergeleitet  werben,  bafe,  aud^  roenn 
man  bie  6^e  nid)t  alö  ©aframent  betrad^tct  unb  bic  aWöglid^Icit  if)rer  3luf? 
lofung  jugiebt,  eö  bod^  mit  bcm  fittlid^cn  SBefen  ber  @^e  im  SCßibcrfprud^c 
fte^e,  eine  roa^re  &)t  als  beftcl^cnb  anjufe^cn,  tro|bem  biefclbe  oon  9Infang 
an  mit  einem  aRangel  beliaftet  fei,  rod6)tt  bcm  einen  ober  bem  anbcren  (SJ^e- 
gatten  baß  Siecht  gebe,  bic  9lufl)ebung  ber  ®l)e  rücfmörtöl^in  ^crbeiiufülircn. 
5)iefelben  93cbcn!en  mürben  fid^  inbefjen,  praftifd^  betrad&tet,  aud&  gegen  bie 
Äategorie  ber  f og.  relatiücn  5ßid^tigfeit  erl)eben ;  benn  aud^  bei  bicfcr  wirb  baö 
t^otfäd()lid&  beftel^enbc  e^elid^e  SScr^ältnife  wegen  beß  burd^  bic  ^orm  ber  ®l)C' 
fd^Iießung  ^crüorgerufenen  ©c^eineß  ber  6^c  einftroeilcn  red^tlid^  ancrfannt  unb 
enlfc^eibct  nad^träglid^  ber  SBille  beß  einen  S^eileß  barübcr,  ob  baß  tf)atfädölid& 
befte^enbe  e^elid^e  SSer^ältnife  alß  ein  güttigeß  fortbaucrn  foll.  Slnbererfcitß 
Derbicnt  gerabe  Dom  fittlic^en  ©tanbpuntte  auß  bie  Kategorie  ber  Slnfcd^t* 
bartcit  oor  ber  fiategorie  bcr  retatioen  9lid^tigfcit  um  bcßmillen  ben  SBorjug, 
weil  bei  Slnmenbung  ber  erfteren  bie  6l^e  biß  jur  erfolgten  9lnfec^tung  alß 
TOirfli^c  ®^c  bel^anbclt  wirb,  roä^rcnb  bei  relatioer  9iid|tigfeit  ber  ©taat  in  bcr 
Sroifcf^enjeit,  trofebem  eine  6^c  nid^t  porl^anben  ift,  baß  ct)etid^c  S^fammen- 
leben  ni^t  aBcin  bulbet,  fonbern  ben  anbcren  S^^cil  ju  einem  fold^en  fogar 
not^igt,  o\)m  bcm  le^tcren  .burd&  bic  Oemö^rung  beß  JRcd&teß,  bic  SRi^tig- 
leitßtlage  ju  ergeben,  juglcid)  ein  SWittel  an  bie  ^anb  ju  geben,  jenen  B^^ng 
für  i^n  JU  befeitigen. 

Snlangenb  ben  ©prac^jgebraud^,  fo  rcbet  ber  Entwurf  nid&t  oon  3Jid^tigfeit  ®^'"** 
ober  9tnfed^tbarfeit  beß  ©Hd^licfeungßocrtragcß,  fonbern  fd^led^tl^in  Don  ^* '^  ' 
Slici^tigtcit  ober  3lnfc^tbarfcit  bcr  ®^c.  SBcnnglcic^  bic  crfte  9IußbrudEßweifc 
an  fic^  alß  bie  forreftcre  erfd^cint,  ba  bic  9iid^tigfeit  unb  9lnfedötbarfcit  junä^ft 
eine  ©igenf^aft  beß  baß  SRcd^tßocr^ältnife  ber  ®^c  begrünbcnbcn  (S^cf^licfeungß- 
Dcrtrogcß  ift,  fo  ift  bod^  bem  jweiten  türjercn  aiußbrurfc  bcr  SSorjug  gegeben, 
weil  er  ber  Sprat^weife  ber  ©efet^c  (6. 5ß.  0.  §§  568,  582 ;  ©tr.  ®.  93.  §§  179, 
171)  unb  beß  gcwo^nlid^en  Scbcnß  cntfprid^t,  aud^  fein  äKifeocrftänbnife  bc* 
forgen  läfet,  ba  eine  ®^c  nur  nid^tig  ober  anfed^tbar  fein  foH  unb  fann,  wenn 
ber  JU  ©runbc  licgenbc  SBertrag  nid[|tig  ober  anfechtbar  ift. 

§§  1250,  1251. 

58ic  bie  ©ingangßworte  beß  §  1250  ergeben,  fmb  bie  im  §  1250  bc=^'*«8'«**>«f 
Scic^netcn  gäDe  ber  3lic^tigfeit  bcr  ©^c  bie  einjigen,  wcld^e  baß  ®efc^^  un*      *^^ 
bef^abet  bcr  baneben  unberührt  blcibcnben  ®runbfä6c  beß  internationalen 
^riüatred^tcß,  anerfennt.    9llß  felbftücrftänbli^  ift  babei  üoraußgcfcgt,  bafe  eß 
tieft  um  ein  SBerl)Ältni§  ^anbclt,  wcld^cß  nac^  bcm  natürticiicn  93cgriffe  bcr  ©^c 


48  Unöülttgfeit  bcr  e^e.    SUd&tlgfcitöörünbc.    §§  1250,  1251. 

fflerfonen    ^^  ^^^  übct^oupt  citte  6l^c  fciit  foun.    ©ofe  citic  g^e  jroifd^en  5ßcrfoncn  bcö^ 

beftViSw   felbcn  ©efd^led^teö  auc^  rcc^Uid^  nid^t  tnoglid^  ift,  folgt  fd&on  quo  bem  Segriffc 

&twtdfiti,  j,^^  g^g  ^j^j)  ij^j  beöl^alb  im  ©cfcfte  nidjit  bcfonberd  außäufprcc^cn,  anä)  bonn 

nid^t,  roenn  baö  ©cfcß  fid^  bie  Slufgabe  ftcUt,  bic  SJid^tigfcitögrüiibc  crfd^öpfcnb 

mit  3n>ittern.  ju  regctu.    älud^  im  §inblic!c  auf  bic  S^itter  ift  eine  befonberc  Seftimmung 

nid^t  crf orberlidö ,  ba  bie  l[)cufige  mcbijinifd^e  SBiffcnfc^aft  3n>itter  ni^t  an* 

crfcnnt.    aiuf  bie  feltenen  gälle  aber,  in  n)cld^eu  bie  S^fl^^ö^^ifllclt  ju  bem 

einen  ober  anberen  Ocf^led^te  jroeifel^aft  ift,  I^at  baö  ®efeg  feine  Siürffid^t  ju 

nel^men,  locil  eö  fid^  in  benfelben  nur  um  tJ^atfäd^Iid^e  3^<^if^l  wnb  Ungewife? 

I^eiten  ^anbelt,  wddjt  il^re  ©riebigung  nac^  9Wa§gabe  ber  allgemeinen  ©runb* 

fäfec  finben  muffen.    3lud^  bie  neueren  (Sefeftgebungcn  l^aben  fid^  in  ben  \)kx 

fraglid^en  SBejicl^ungen  jcber  befonberen  S3cftimmung  enthalten. 

3m  Uebrigen  ift  ju  ben  §§  1250,  1251  golgcnbeö  ju  bemerfen: 
i.9n<^«flfeit  1.  3)ie  (Srünbe,  auf  meldten  bie  Seftimmungen  bcö  §  1250  3lv.  1  be* 

"  manflST"'  HtJ^eti  uub  Quä  TOcIc^en  bie  Sii^tbead^tung  anberer  görmlid^feiten,  ate  bcr  in 
ben  §§  1245,  1248  bcjeid^netcn,  bic  5Rid^tigfeit  bcr  (S^c  nid}t  jur  golge  l^abcn 
foU,  fmb  bereits  in  ben  äßotiücn  ju  ben  §§  1245—1249  bargclegt  morben. 
^eroorjul^cben  ift  nur  nod^,  bafe,  mie  fxä)  aus  ben  §§  1250, 1259  ergiebt,  aud^ 
bie  Unterlaffung  beö  3luf geboten  (§  44  beö  3«.  (Sef.  v.  6.  gebruar  1875)  ouf 
bic  ©ültigfcit  ber  6()e  ol^ne  ©influfe  ift.  6ö  entfprid^t  bieö  inöbefonbere  bem 
gemeinen  SKed^te  unb  bem  preufe.  31.  £.  SU.  II,  1  §  154  (ocrgl.  anbcrerfeit«  code 
civil  3Irt.  191 ;  bab.  ®ef.  o.,  9.  ©cjember  1875  §  2  lit  h).  aiud&  bic  Raffung 
beö  §  44  3lbf.  1  beö  %  ®ef.  o.  6.  gcbruar  1875  beutet  barauf  l^in,  bafe  nod^ 
bcr  3lbfid^t  biefeß  ©efefecö  baö  9lufgcbot  nid^t  ju  ben  görmlid^feiten  bcr  ©^c* 
f^licfeung  gcljören  fott.  S)a  bcr  3"^^^  '^^^  3lufgcbotcö  bal^in  ge^t,  ben  aib- 
fci^Iufe  gefcßioibriger  6^en  ju  pcrl^ütcn,  fo  fann  tebiglid^  bcr  Unterlaffung  bicfer 
görmlid^feit  wegen  icbenfallß  eine  ben  materiellen  ®rforberniffen  ber  6^e  ent* 
fprcd^enbe  Q\)t  nid^t  al§  ungültig  bel)anbelt  werben.  Daöfelbe  mu^  aber  aud^ 
bann  gelten,  wenn  ber  ®^e  ein  nur  auffd^iebenbeö  6l)e^inbcrni§  entgegen? 
gcftanben  l^aben  foUte ;  bcnn  eben  barauö,  bafe  bem  betreffenben  ß^clöinbcmiffc 
von  bem  Oefcfee  nur  ouffd^iebenbc  SBirlung  beigelegt  ift,  ergiebt  fic^,  ba^  baö 
©efefe  auf  bie  Slufrcd^ter^altung  ber  ®^e  ein  grö^ercö  Oemid&t  legt,  alö  auf 
bic  Befolgung  beö  betreffenben  ß^eoerboteö.  SBolltc  man  bcr  Unterlaffung 
beö  aiufgcboteö  in  folgen  gällen  einen  ©inftufe  auf  bic  ©ültigfcit  ber  @l^e 
beUegen,  fo  mürbe  bieö  inbireft  bal^in  füljrcn,  bem  SBerftoßc  gegen  baö  be* 
treffenbe  ©^coerbot  eine  größere  SBirfung  bcijulcgcn. 

S)ic  fpejieae  SBermeifung  auf  bic  §§  1245,  1248  im  §  1250  5Rr.  1  ift 

alö  not^roenbig  erad^tet  roorben,  roeit  eö  fid^  l^ier  nur  imi  bic  in  ©cutfd^lanb 

gcfd^loffcnen  ®f|cn  lianbclt. 

Ä^tigfeit  2.  2)ic  mit  ber  ®efd&äftöunfä^igfeit  (SBittenöunfä^igfcit)  cincö  ber  6^c* 

omm^'  fd^liefecnbcn  oerbunbenen  folgen  pnb  in  ben  bcftcl)enben  SKed^tcn  Dcrfd^icben 

unfä^Qfett.  beftimmt.    3lai)  fatl)olifd|em  (S^ered^te  wirb  bie  aBillenöunfäf)igfeit  alö  ein 

©citcnbc«   öffentli^eö  trennenbeö  ©^cliinbernife  bcl^anbctt.    Db  bieö  aud^  nad[|  bem  5Rcd^tc 

^'^***     ber  etjangclifd^en  ilird^c  ber  gall  ober  ob  nidjt  vielmel^r  nad^  bem  Icfttcrcn  ber 

SJJangcl  bcr  2Billenöfäl)igfcit  nur  ben  Äarafter  cincö  impedimentum  privatum 

l^at,  ift  beftritten.    Daö  9lcid^ögerid)t  l^at  fid^  für  bie  Icttcrc  9lnfid^t  entfd^ieben 


Unöumflfcit  bcr  Sße.    9H*ti0fcit^firünbe.    §§  1250,  1251.  49 

(entfc^.  b.  9J.  ®.  in  6ioitf.  IX,  57  ©.  215,  216,  9ir.  58  ©.  220).  3Iud&  bieienigen, 
roclc^c  bcr  crftcren  3lnfi^t  folgen,  ncJimcn  icbod^  an,  ba^  bic  6^c  burd^  mä)^ 
traglicöc,  na^  S3cfeitigung  ber  SBiBcnöunfä^igfeit  crfolgenbe  bciberfeitige  ©in* 
mlligung  bcr  ©Regatten  fonoaköjirt.  2)er  Stanbpunft  bcß  preufe.  2t.  2.  di, 
(üergL  II,  I  §§  38,  39,  971,  993,  I,  4  §§  20—28)  ift  in  bcr  ^icr  fraglid^en 
fiinfi^t  nid^t  jroeifelloS.  3n  S)ottrin  unb  ^rajiö  mxb  inbcffen  übenuicgcnb 
ongcnommcn,  bog  bcr  SRangcI  ber  SBittenöfä^igfeit  nic^t  bic  ?Jid^tigfcit,  fonbcrn 
nur  bie-  Ungültigfeit  bcr  ®f)e  begrünbe,  b.  1^.  nur  als  ein  impedimentum  pri- 
Tatum  ju  bctra(!^tcn  fei  (t)ergl.  ©ntfc^.  b.  dt.  ®.  in  ©ioilf.  IX,  57  (2.  215,  216). 
auf  biefcm  »oben  fteljcn  and)  baö  föd^f.  ®.  93.  §§  1623, 1624  in  aScrbinbung 
mit  bem  fäc^f.  @cf.  d.  5. 31ooembcr  1875  §  4  unb  bie  altenb.  ß^eorbn.  o.  13. 2Jlai 
1837  §§  163,  165—167  ücrb.  mit  bem  attenb,  ®cf.  o.  25.  3Kärj  1879  §  8 
(ocrgl.  femer  ®cf.  für  Stcufe  ä.  2.  o.  3.  a»ai  1879  §  14).  Sagegen  beftimmt 
bo8  got^.  ®^cgcf.  o.  15.  Stuguft  1834  §  23,  bafe  eine  von  einem  ©eiftcöfranten 
eingegangene  6^e  nuB  unb  nid^tig  unb  oon  Slmtöroegen  ju  trennen  fei,"  mv^ 
audgcfe^t  icboc^,  ba§  ju  ber  ^tit,  in  roeldöcr  bie  (S^etrennung  in  ^rage  fommt, 
bic  ©eifteöfranf^eit  noc^  fortbauere.  Daö  franj,  SWcd^t  \)at  in  ber  ^ier  fragst 
fic^n  ^infxc^t  feine  auöbrücflid^e  S9cftimmung.  3)ic  ^crrfd^enbe  ÜJleinung 
nimmt  auf  ®runb  bcö  code  civil  Slrt.  146  an,  bafe  bie  t)on  einem  85ßillend= 
unfähigen  gcfd^IoRcnc  ®f)e  fraft  beß  ®efegcß  nid^tig  fei,  ol)nc  bafe  eö  aud^  nur 
einer  9Jic^tiflfeitdcrfIärung  auf  erhobene  5Rid^tigfeitöflagc  bebürfe.  5Der  ^cR. 
©ntro.  III  3(rt.  51,  52  ^at  einen  SWittchDcg  eingef^Iagen.  3la6)  bemfelbcn 
^t  bcr  ÜÄangel  bcr  SBillcnßfä^igfeit  infofern  bcn  Äarafter  eines  impedimentum 
publicum,  ate  6iö  jur  Sefeitigung  bcö  ^inberniffeö  bcr  SKangel  audE)  uom 
etaatöanroalte  gcltcnb  gemad^t  werben  fann.  3laä)  Hebung  bcö  äßangelö  ftc^t 
bogegen  nur  bem  6f)egatten,  meld&er  jur  3cit  ^^^  ß^cfd^lic^ung  nid^t  millcnö- 
fö^ig  loor,  boö  Sle^t  bcr  9lnfcd&tung  bcr  ®l;e  ju. 

S)a  bic  6^cfdölie§ung,  rcd^tUd&  betrachtet,  fid^  alö  ein  SHed^tögefd^äft  stanbpunft 
barftcüt,  fo  cntfprii^t  cö  bcn  allgemeinen  ®runbfä|en  bcö  ©cfcfebud^cö  (§  64),  c„twwfe«. 
boft  bic  6^c  nichtig  ift,  wenn  einer  bcr  @I)efd()tie6enben  jur  3^^  ber  ®f)cs 
f(^lic|ung  gef^äftöunfäl^ig  mar.  3^  bemfelbcn  Stcfultatc  fül^rt  baö  fittlid)c 
SBcfen  ber  ©^c.  2)ie  ^[nrocnbung  bcr  Äatcgoric  ber  Slnfcd^tbarfeit  auf  bcn 
^ier  in  Siebe  ftc^enben  gaB  ift  mebcr  mit  bcr  rcd^tlid^cn  nod^  mit  ber  fittlid^cn 
Jlotur  bcr  &)t  ucreinbar.  Sei  änmenbung  jener  Äategorie  mürbe  biö  jur 
erfolgten  Snfcc^tung  eine  wirftid^c  (S^e  alö  beftel^enb  angenommen,  obrool^I 
eine  bcgrifförocfcntlic^c  SJorauöfefeung  berfelben  fel^lt.  ©ine  fo  weit  gc^enbe 
9bmei<!^ung  uon  ben  aQgemeinen  ®runbfägcn  fann  aud^  ni^t  a(ö  burd^i  ein 
praftifd^eö  93ebürfni§  geboten  erachtet  werben.  (Sinjclnc  feltcnc  gäUe,  in 
mU^  auö  bcr  SRic^tigfeit  bcr  @^c  gärten  unb  Unjuträglid^fciten  fid& 
möglid^enoeife  ergeben,  j.  93.  menn  einer  bcr  ©^cfd^Iie^enbcn  an  einer  fircn 
3bce  ober  an  einer  ä^nlid^cn  ®eifteöfronfl^eit  leibet,  o^ne  bafe  man  fagcn  fann, 
bie  Sd^üefeung  ber  @^e  ftc^c  unter  bem  ®influffe  berfelben,  ober  menn  ein 
wegen  ©eiftcöfranf^cit  ©ntmünbigter  roieber  gefunb  geworben  unb  nod^  vor 
ber  Sluf^ebung  bcr  (gntmimbigung  eine  6l)e  eingegangen  ift,  vermögen  eine 
foI4ie  3?urd^brc(^ung  ber  allgemeinen  ®runbfäfec  nid^t  ju  rcd^tfcrtigen.  2)cn 
proftif^en  SRurffic^ten,  meldte  perfd6icbene  Siedete  beftimmt  l^aben,  bcr  SBillcnS^ 

Ütotive  $.  bfirflccL  9t\«^ndf.  lY.  4 


50  Ungültigfcit  ber  Stc.    9Rt*tiflfcit?0rünbe.    §§  1250,  1251. 

imfäl^igteit  eines  ber  @§efc^Uc§cnben  nur  bcn  Äarafter  eines  impedimentum 
privatum  bcijukgen,  wirb,  [oroeit  jene  SRüdEftd^ten  in  ber  X^ai  SBead^tung  Der:« 
bienen,  burd^  biejenigc  Slbroeidiung  t)on  bcn  aügemeinen  ®runb[äfeen  (§§  109, 110) 
in  auörcid^enbcm  SRa^e  SRcd^nung  getrogen,  roeld^e  fid^  oud  bem  §  1251 
^cuung  ber  crgiebt.  3Benn  eine  5ßcrfon,  roel^e  bei  ber  ß^efc^lie^ung  gefd^äftdunfäf)ig  war, 
9ii*ti8««t.  ^^jjgjjg^.  gefd^äftsfö^ig  wirb,  beoor  bie  G^e  aufge[oft  ober  für  nid^tig  erftärt  ift, 
fo  liegt  CS  aUerbingö  im  öffentli^en  3ntereffc,  wie  im  3ntereffe  ber  unmittelbor 
Setfieitigten,  bafe  bie  9lufred^terl|Qltung  ber  ®^c  ermoglid^t  wirb.  Oefc^ä^e 
bieö  nid^t,  fo  würbe  jur  Herbeiführung  einer  gültigen  ®l;e  für  bie  33et^eiligten, 
auö)  wenn  mon  ni^t  auf  ®runb  beö  §  1234  in  einem  fold^en  gallc  bie  üor* 
gängige  9li^tigfcitöerflärung  ber  bisherigen  niditigen  ®^c  für  nöt^ig  erad^ten 
fönte,  bod&  iebenfaHs  bie  2Bieberl)oIung  ber  ^orm  ber  ©fiefd&liefeung  crforbertit^ 
fein.  ®in  fold^es  SKefuItat  ift  aber  wenig  angemeffen;  auc^  fann  bie  bamit 
uerbunbcne  SJerjogcnmg  teid&t  gefä^rlid^  werben.  6S  crfd^eint  ba^er  geboten, 
bas  an  fid)  richtige  ^ßrinjip  ber  Unl^eilbarfeit  ber  9lid[|tigfeit  Ijier  ju  burd^- 
bred^en.  ®cr  oerfiftltnifemäfeig  cinfad^fte  unb  befte  SluSweg  ift,  bie  RonoaleSjenj 
ber  ©f)e  burd^  ausbrürftid^e  ober  ftiUfd^weigenbe  Oene^migung  beS  ©efd^äftö* 
fäl)iggeroorbenen  in  ber  3lrt  jujutaffe»,  ba^  bie  G^e  auf  bie  3^it  jurücfwirft, 
in  wefd^cr  bie  ®^e  gefd^toffen  ift.  S'^ar  läfet  fid^  bagegen  einwenbcn,  bafe  bie 
gragc,  ob  im  gegebenen  gaUe  ©ene^migung  ftattgefunbcn  l&at,  leidet  ju  3n)eifeln 
unb  Streitigfeiten  2lnla6  geben  fann.  3lUein  bie  93ebenfen,  meldte  gegen  ben 
anberen  moglid^en  9lusroeg  fpred^en,  nämlid^  bie  Sßerroanbelung  ber  Slid^tigfcit 
in  9lnfec§tbarfcit  mit  bem  3citpunfte,  in  weld^em  ber  Oefd^äftSunfäfiige  auf^ 
gel)ört  l;at,  gefdjftftsuufä^ig  ju  fein,  fmb  weit  er^eblid^er.  9lbgefe^en  oon  bem 
anomalen  Äarafter  einer  fold^cn  SBerwanbelung ,  bringt  biefe  Äonftruftion 
namcntlid^  bie  unbefriebigenbc  Äonfequenj  mit  fic^,  ba^,  wenn  ber  ©efd^äfts- 
unfftl^ige,  insbefonbere  ber  (SciftcSfranfe,  ftirbt,  beoor  bie  Slnfed^tungsflagc  oon 
il)m  erhoben  ift,  bie  ©de  gültig  bleibt  (oergt.  §  1262),  obwoljl  er  von  ber 
©fiftenj  ber  ®^c  oieHeid^t  niemals  etwas  erfafiren  ^at. 

6in  Sebürfnife,  nad)  2lnatogie  beS  §  1264  ben  Slbtauf  einer  ^ßröflufim 
frift  ber  (Genehmigung  gleic^j^^fteHen,  liegt  im  §inblicfe  baruuf,  ba§,  fo  lange 
bie  ©cnefimigung  nid^t  erfolgt,  bie  6^e  nid^tig  ift  unb  bemnad^  ber  anberc 
et)egatte  bis  ba^in  bie  Slid^tigfeitöflage  crl^eben  fann,  nid^t  t)or.  2)aju  fommt, 
bafe  ber  3<^itpunft,  mit  weld^cm  bie  @efd^äftsunfäl)igfeit  aufgcl;ört  unb  ber  ®e? 
fd^äftöfäl)iggeworbene  oon  ber  ß^efd^lie^ung  Äenntni^  erlangt  ^at,  fid)  in  ber 
SRegel  einer  genauen  geftftellung  cntjieljt  unb  es  ba^er  an  einem  auSreid^enb 
fieberen  2lnl)alte  für  ben  S3eginn  beö  SaufeS  ber  ^räflufiofrift  fehlen  würbe. 

S)a  nad^  bem  §  1251  3lbf.  1  bie  ©enel^migung  erfolgen  fann,  bis  bie 
6lje  aufgelöft  ober  für  ungültig  erflärt  ift,  fo  folgt  barauS,  bafe  bie  ©c- 
ne^migung  aud^  nod^  imüaufe  beS  9Ud^tigfeitSprojeffeö  wirffam  erfolgen  fann. 
33on  fclbft  oerftetit  es  fid)  inbeffen,  bafe  bie  erfolgte  ©eneljmigung  in  einem 
bereits  anl)ängigen  ^lic^tigfeitsprojeffe  nur  fo  lange  geltcub  gemad()t  werben 
fann,  als  nad^  ben  ©runbfö^en  ber  6.  %  D.  übcrl)aupt  !J:f)atfad^en  nod^  mit 
©rfolg  norgebra^t  werben  fönnen.  ©benfowenig  fann  es  5weifell)aft  fein, 
ba6,  wenn  burc^  bas  Urtbcil  bie  (5f)c  für  ungültig  crftdrt  ift,  basfelbe  nic^t 
etwa  nad)träglic^  beöljalb  in  grage  geftcllt  werben  fann,   weil   bie  Gf)c  nod^ 


Unöülltöfcit  bcr  ß^e,    9ltd&ttöfeit?orunbe.    §§  1250,  1251.  51 

vox  her  Sicd^töfraft  bcfi  Urt^citeö  gcttcl^migt  roorbcn  roor,  biefer  Umftanb  aber 
in  bem  3iid^tigfeitdprojcf[e  ni^t  me^r  ^at  geltenb  gcmad^t  roerbcn  fonnen. 
2)aÄ  ©egent^eil  fann  tnßbcfonbcrc  aud^  niiji  quo  bcm  §  686  Slbf.  2  bcr 
€.  ^.  0.  hergeleitet  werben,  ba  ber  leftterc  auf  bem  ^ßrinjipe  beru()t,  bafe  bic 
in  her  3n>if(^en}eit  jroifd&en  bem  ©d^Iuffe  bcr  münblid^cn  SBerl^anblung  unb 
bem  Urt^eile  eniftanbenen  @inmenbungcn  fo  be^anbelt  n)erben  foUcn,  mie  menn 
beren  ®runb  erft  no^  bem  Urt^eile  entftanben  märe.  2)ied  fül^rt  aber  ba^in, 
bQ§  bie  in  ber  3^if^^^5^tt  erfolgte  ©ene^migung  ber  ®^e  gegenüber  bem 
rcd^tftfröftigen^  bie  @^e  für  ungültig  crflärenben  Urt^eilc  cbcnforoenig  in 
Setrac^t  fommen  fann,  mie  nad^  §  1251  eine  erft  nad&  erfolgter  Ungültigfeit«* 
erflärung  ber  &)t  ertlftrtc  (Senel^migung  ber  Icßtercn. 

S)a  bie  ©ene^migung  ber  (S^efd^liefeung  t)on  ©eitcn  beö  ©efd^öftäfä^ig« 
geworbenen  gegenüber  bem  anberen  2^^eile  ein  cinfeitigeö  Slcc^tögefd^öft  ift,  fo 
beborf  cö,  toenn  ber  ©ene^migenbe  in  ber  ©cfd^äftßfäl^igfcit  befd^ränft  fein 
follte,  na^  §  65  9lbf.  3  jur  SBirffamfeit  ber  ©enefimigung  ber  ©inroilligung 
feine«  gefeßlid^en  SSertreterö.  3n  Ermangelung  einer  befonberen  Seftimmung 
iDürbe  bie  o^ne  biefe  ©inmilligung  erfolgte  Genehmigung  nac^  §  65  9Ibf.  3 
nichtig  fein.  SBie  jebod^  aufl  §  1259  9lr.  4  fic^  crgiebt,  foB  ber  3Wangel  ber 
©nioiBigung  beö  gefegli^en  SBertreterß  in  bicfem  galle  nur  bie  2lnfed^tbarfeit 
ber  @^e  begrünben  (oergl.  bie  SDlotioe  ju  §  1259  unter  3lt.  5). 

3.  Sie  9li^tigfeit  einer  gegen  baö  SSerbot  beö  §  1234  ücrftofeenbcn  m^f^uu 
üfft  ifl  für  ben  %aU,  bafe  bie  frühere  6^e  eine  materiell  gültige  ift,  nid^t  nur  jjg^e. 
im  fot^olifc^cn  unb  proteftantifd^cn  ®f)ere^te,  fonbern  aud^  in  aUcn  neueren 
®efe^gcbungen  anerfannt  (oergl.  preufe.  31.  2.  SR.  II,  1  §  936;  code  civil 
«rt'l47,  184;  bab.  ®cf.  t).  9.  ajejcmber  1875  §  2  lit.  c;  fä^f.  ®.  ». 
§§  1590,  1621  unb  fädf)f.  ®ef.  o.  5.  9toocmber  1875  §  3;  got^  ©l^egef.  v. 
15.  «uguft  1834  §  22  lit  a  unb  §  23;  attenb.  ß^eorbn.  o.  13.  3Jlax  1837 
§  4  9hr.  1  unb  §  6  ücrb.  mit  bem  altenb.  ®ef.  t)om  25.  SWai  1879  §  8;  ®ef. 
fiir  9leu6  ä.  2.  v.  3.  aWai  1879  §  14 ;  licjf.  (Sntro.  II  3lrt.  10,  56).  Saöfelbe 
mu§  bann  gelten,  wenn  bic  frühere  6^e  anfed^tbar  ift;  benn  baö  SBefen  ber 
Infed^tbarfeit  beftel^t  gerabe  barin,  ha%  bie  anfed&tbare  6^e  bid  jur  erfolgten 
5nfe(^tung  ate  eine  mirtlid&e  6()e  be^anbelt  roirb.  "^eUn  einer  nod&  be* 
fteljenben  @^e  fann  aber  eine  jmeite  6^e  nidE)t  befielen.  S^^^if^l^löft  fann  eö 
iKigegen  fein,  ob  bie  9lid^tigfeit  ber  neuen  ©l|e,  meldte  gegen  baö  SSerbot  beö 
§  1234  üerftöfet,  axiä)  in  bem  galle  anerfannt  merben  foU,  menn  bie  frühere 
€be  materiell  nidfitig  ift.  2)er  ©tanbpunft  ber  beftel)enben  SRed^tc  ift  in  biefer 
^inftcf^t  ein  ücrfd^iebener.  3iad&  bem  fat^olifd^en  unb  proteftantifc^en  ß^ercdötc, 
bem  code  civil  äfrt.  189,  bem  bab.  2.  %  ©a|  189  t)crb.  mit  bem  bab.  ©ef.  t). 
9.  Xejember  1875  §  2  lit.  c  (ücrgl.  aud^  ^eff.  entro.  n  3lrt.  48  nebft  ben 
HRotioen  baju  ©.  72)  bcgrünbet  in  biefem  gaüc  bie  frühere  nid^tigc  Gt^e,  bis 
biefelbe  für  ni^tig  erflärt  ift,  nur  ein  auffdE)iebcnbeö  ß^ctiinbcrnife.  dagegen 
ift  nad&  bem  fä^f.  ©ef.  d.  5.  9Joüember  1875  §3  unb  ber  anlialt-beffauifd^cn 
9Jerorbn.  v.  27.  3uni  1823  §  13  in  einem  fold^en  galle  aud^  bie  neue  (S^c 
ni<!ötig.  S)er  ©tanbpunft  beö  prcufe.  31.  2.  SR.  ift  in  (Snnangelung  einer  aus* 
brücflic^  gefe^Ii^en  entfd^eibung  beftrittcn.  Slud^  baö  got^.  Göegef.  d. 
15.  9luguft  1834  unb   bie   altenb.  (S^eorbn.  o.  13.  a)ki  1837  fpred^en  p* 


52  Unoültiöfcit  ber  (Sße.    ?lid;tiöfcit^örünbe.    §§  1250,  1251. 

Über  bic  gragc  nid)t  auöbriicflid^  aus.  S)a  mä)  §  1252  9lbf.  2,  wenn  eine 
materiell  nid)ti9e  et)e  aufgeloft  ober  für  ungültig  crflärt  ift,  eö  fo  anjufeficn 
ift,  alä  ob  bie  6^c  ni^t  gefd^lofjen  roorben  wäre,  fo  würbe  eö  an  fxti)  bcr 
9iecl)töfonfequenj  cntfpred)en,  in  bem  Ijier  üorauögefe|;teu  gaüc  an  einen 
33erfto|3  gegen  boö  SSerbot  beö  §  1234  nic^t  bic  9lic()tigfeit  ber  neuen  @^e  ju 
fnüpfen.  3lud&  fprec^en  für  eine  folc^e  Siegelung  Stücffic^ten  ber  93iUigfcit 
unb  baö  materielle  9?erf)t.  2^rogbem  l)at  ber  (Sntrourf  fid;  aud)  in  Snfe^ung 
biefeö  galleö  für  bie  5iid)tigfeit  ber  neuen  @^e  entfdiieben.  S3cftimmenb  ift 
namentlid;  bie  ©rmägung  geroefen,  bafe  ber  §  171  beö  Str.  (S.  33.  awd)  in  bem 
f)ier  fraglid^en  ^-alle  bie  ®inge^ung  ber  neuen  QI)q,  beüor  bie  frühere  @^e  für 
nidjtig  erflort  unb  bamit  ber  ©d^ein  einer  beftel;enben  gültigen  (S^e  (§  1252 
3lbf.  1)  befeitigt  ift,  als  S3igamie  mit  Strafe  belegt  unb  ba§,  loenn  eö  mit 
biefer  Strafbeftimmung  ernft  genommen  merben  foll,  baö  bürgerliche  Siecht 
bie  ^ortbauer  eineö  33erl)ältnif|eö  nid)t  bulben  fann,  melc^eö  ben  2^l)atbeftanb 
ber  Sigamie  auömad^t. 

yiad)  §  1250  3ir.  3  ift  bie  5nid|tigfeit  bcr  ©öe  mcgcn  eineö  9}erfto|3e^ 
gegen  baö  SScrbot  beö  §  123-1  axiä)  bann  al^  begrünbct  anäufel;en,  nienn  jioar 
bie  frül;crc  6t)c  üor  ©inge^ung  ber  neuen  ®l;e  red)töfräftig  gefd&iebcn  ober 
für  ungültig  crflärt  mar,  baö  rcditöfräftige  Urtl)eil  aber  nad)  ÜJlafegabc  ber 
§§  541  ff.  bcr  ß.  ^ß.  D.  im  SDBcgc  ber  SBiebcraufnal)me  beö  $8erfal)renö  roiebcr 
befeitigt  loorben  ift;  benn  mit  bcmSBcgfallc  biefeö  Urtt;cilcö  ift  bic  ©runblage 
für  bic  3wläffigfcit  unb  bie  ©ültigfeit  ber  neuen  (Sl;e  weggefallen  unb  bie 
frütjerc  (Sl;c  alö  fortbcfteljcnb  anjufc^en.  SGßennglcid^  nidbt  ju  oerfenneu  ift^ 
ba^  barauö  gärten  für  bie  ®l;egatten  bcr  neuen  6^c  fid^  ergeben,  fo  fommt 
bod)  anbercrfeitö  in  93etrad)t,  bafe  baö  5Rec^t  beö  burd^  bic  neue  ®l)e  uerlcfttea 
(Sl)cgatten  ber  früljcren  ®l;e  ber  Slufred^tcrljaltung  ber  neuen  ©(jc  entgegcnfte^t 
unb  mit  9iüdfid)t  barauf  eine  ©urddbred^ung  ber  allgemeinen  @runbfä|c  burd^ 
eine  pofitiue,  jubcm  fafuiftifd^c  unb  für  feltenc  gällc  berechnete  Scftimmung 
nid^t  geredE)tfertigt  fein  mürbe. 
ÄonoQicijena  3lad)  protcftautifd^cm  ®^ercd)te  wirb  aud^   im  galle  eineö  SSerftofeci^ 

^^^^Kfeit"  fl^O^n  baö  e^cocrbot  ber  Sigamie  Äonüaleöjenj  ber  neuen  ®^c  angenommen^ 
»T  mme.  ^^"^  ^^^  ®^el)inbcrnii}  ber  befte^enben  ®t)e,  beoor  eö  jur  31i4ltigfeitöertlörunft 
ber  neuen  ®^c  getommcn  ift,  wegfällt  unb  ber  ®f)efonfenö  ber  ©Regatten  bcr 
neuen  ei)e  fortbaucrt.  ^nd)  boö  preug.  31.  2.  dt.  II,  1  §§  942—945,  ba&^ 
gotf).  e^cgef.  o.  15.  9luguft  1834  §  24  unb  bie  altenb.  ®^corbn.  d.  13.  aßai 
1837  §  7  laffen  wenigftenö  bann  Äonoaleöjcnj  eintreten,  wenn,  bcoor  cö  jur 
3lid)tigfcitöerflärung  bcr  jweiten  ®l)e  gefommcn,  bie  frühere  ®l)c  aufgeloft 
ober  für  ungültig  crflärt  ift  unb  bcr  boppclt  oer^eirat^ete  ®^cgattc  bei  ©in« 
geljung  ber  neuen  ©Ijc  feine  frühere  ©Ije  an&  entfd^ulbbarcm  Srrti^umc  für 
getrciuit  l;iclt.  SBenngleid)  Slüdfid^ten  ber  Silligfcit  nnb  ber  Sd^onung  für  bic 
Sutaffung  ber  Äonoaleö,^enj  ber  neuen  ©^c  nad)  SBcgfall  beö  l)ier  fraglic^ea 
^inberniffcö  fprcd)cn,  fo  ift  cö  bod),  namcnttid^  im  §inblirfe  auf  bie 
Scftimmungcn  beö  Str.  ®.  33.  §  171  (ocrgl.  oben  S.  52),  alö  bcbenflid)  er* 
ad^tet,  in  bcr  ^icr  fraglichen  ^infid^t  bic  allgemeinen  ©runbfäße  (§  109)  ja 
burd)brcd^en.  knd)  in  bcr  93cfd)ränfung  beö  prent.  21.  £.  9t.  empfiehlt  fic^ 
eine  3luönaf)mebeftimmung  ni^t,  weil  praftifd^c  Jlücffid^tcn,  inöbefonbere  bie 


Un^ürtiöfeit  bcr  (Sl&c.    9«*tiöfeit§örünbc.    §§  1250,  1251.  53 

Äücffit^t  auf  bic  ©id)erljcit  bcö  SScrfcIircö,  bagcgcn  fprcd^en,  bic  (Sntfdöcibung 
bcr  gragc,  ob  ftonoalcsscns  eingetreten  ift  ober  nid[)t,  oon  bem  Seroeife  meljr 
ober  rocniger  fd)n)er  feftsuftcllcnber  SSoraußfegungcn,  näm(id)  uon  bcm  Scioeife 
eines  entf^ulbbaren  Srrt^umeö  beö  eine  neue  ®^c  fc^ticf^enben  ©Regatten, 
abhängig  5U  ma^en. 

4.  S)ie  33eftimmung  beä  §  1250  Sir.  3,  bofe  eine  gegen  bog  Sßerbot  bes  sw^tigfeit 
%  1236  oerftofeenbe  6^e  nid^tig  ift,  fte(jt  mit  bem  fat^olifdf)en  unb  bem  pro«  roSfc^ft 
teftQutifc^en  6f)ered^te  unb  allen  neueren  ©efe^gebungen  im  ®in!(angc  (ücrgf.     ^^ 
preufe.  21.  2.  SR.  II,  1  §§  3,  6,  935;  code  civil  girt.  184,  161,  162;  bab.  ®cf.     '^^a^' 
0.  9.S)cicmber  1875  §  2  lit.  c;  fäd)f.  ©ef.  o.  5.  9iooember  1875  §  3;  got^. 
e^egcf.  V.  15.  Sluguft  1834  §  2  lit.  b— d,  §  23;  altenb.  (g^eorbn.  t).  13.  ^JKai 
1837  §  4  9lr.  2,  §  6  uerb.  mit  bem  attenb.  ®ef.  u.  25.  aWai  1879  §  8;  ©ef. 
für  3teuB  ä.  S.  o.  3. 3Rai  1879  §  3). 

2)ic  ÜWebrjal)!  bcr  beftel)enben  Siechte  bclmnbelt  auch  baö  ®bebinbcrni§  «>optiD»ej. 
ber   äboptiooerroanbtf^aft   (§  1240)    afö    ein    öffentlidjeS  trennenbeö   ®I)es  auffc^iebenbc« 
l^inbcrnife,  inöbefonbere  baö  fat^oUfc^e  imb  baö  protcftantifdjc  ®I)ereci&t,  baä  ®^^^^"^*"*^*- 
fd(^f.  ®ef.  D.  5.  9iot)ember  1875  §  3  (oergf.  fäc^f.  ®.  33.  §§  1614,  1621),  haQ 
6ab.  ®ef.  v.  9.  Sejember  1875-  §  2  lit.  c  unb  bas  got^.  (Sf;cgef.  o.  15.  Sfuguft 
1834  §  2  lit.  e,  §  23.    3laä)  preufe.  91.  S.  9i.  II,  1  §§  985—987  bcgrünbet 
Stboptiüücnüanbtfd^aft  jroor  ein  trennenbeö,  aber  nur  ein  priüatcö  (Sfie^inbernife. 
SBirb  bic  @^c  in  ber  golgc  gültig,  fo  wirb  ba^  burd^  bic  9lboption  begrünbete 
SJer^ältnife  als  erlof^en  angefe^en.    S)aS   franj.  Siecht  entbält  in  bcr  ()icr 
fragli^en  S5cjicl)ung  feine  bcfonbcrc  33cftimmung.    I)ic  Ijcrrfc^cnbc  SOJcinung 
legt  bem  ©^coerbote  bcr  Slboptioocrroanbtfc^aft  nur  bcn  Saratter  cincö  aufs 
fc^icbenbcn   G^cl|inbcrniffeö   bei.     2)icö    fc^cint   auc^   ber,    allcrbingö   nid^t 
unbcftrittcne  Stanbpunft  ber  attenb.  ®^corbn.  o.  13.  äßai  1837  §  35  oergt.  mit 
§§  4—6,  163,  165—193  ju  fein  (oergl.  aud^  altenb.  @ef.  o.  25.  Sßai  1879 
§  8).   91uf  bemfelbcn  «oben  fte^t  baö  ®ef.  für  SRcufe  ä.  2.  t).  3.  aßai  1879  §  14. 

®cr  üon  bcm  preufe.  91.  2.  5f.  eingefdölagcne  SBcg,  nad^  locld^cm  baö 
©^c^inbcmife  bcr  9lboptioocm)anbtfd^aft  nur  ein  9lnfed)tungdred^t  bcö  9(n^ 
genommenen  begrünbct,  ift,  l^ingcfel)en  auf  bic  biefem  ®l>el)inbernif|c  ju 
®nmbc  licgenbc  ratio,  nid^t  ju  billigen.  S)aö  ^rinjip  bcr  9lboption,  nac^ 
tocl^cm  bcr  9lngcnommenc  bic  red^tlid^e  Stellung  cineß  cfielidjen  fiinbcö  bcö  9ln' 
ne^menbcn  erplt  (§  1601),  füljrt  an  fid^  fonfequent  ba^in,  bcm  ®f)e^inberniffe 
ber  äboptioocnoanbtfdiaft  bicfclbc  SBirfung  bcijulcgcn,  toie  bcm  ber  Slutö^ 
»crroonbtfd^oft.  9ludö  SRüdEpc^tcn  bcö  9lnftanbcö  unb  bcr  9lufred^terbattung  ber 
Sittcnreinftcit  in  bcm  burdi  bic  9lnnaf|mc  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  Familien- 
leben laffcn  fid^  bafür  anführen.  Schlägt  man  biefcn  2Beg  ein,  fo  bleibt 
troft  ber  ß^cfd^licfeung  baö  burc^  bic  9lnna^mc  an  Äinbeöftatt  begrünbete  SSer? 
WltniB  an  fid^  unberührt.  S)a  jcbo^  bic  ®^c  nid^t  fraft  bcö  ©efefecö  atö  nid^tig 
bc^onbelt  wirb,  fo  entfielt  bic  notJ^menbig  ju  Äonfliften  fü^renbe  Unjuträglid&feit, 
baB  neben  bem  bur^  bic  9lnnal^mc  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  93crt)ältnif|c 
jugleic^  bic  Gl|c  fo  lange  beftcl)t,  biö  bic  legterc  für  nidjtig  ertlart  ift.  S)iefc 
Unjutrdglid^fcit  toirb  Dcrmieben,  mcnn  man  bcm  ®f)el)inbcrnific  ber  9lboptiü* 
©eruKinbtfc^aft  nur  auffd^iebenbe  SBirfung  beilegt  unb  juglcid^  bcftimmt,  bafe 
tnit  Sc^lieftung  ber  ©^c  bic  9luf^ebung  beö  burcö  bie  9lnna^mc  an  Äinbeöftatt 


54  UnsültioMt  bcr  S6c.    9li(i&tiflfcitßörünbc.    §§  1250,  1251. 

jToifdöcn  bcn  (gficfd^ücfeenben  begrünbeten  SBcrpltniffeö  fraft  bcö  ®efc|ed 
eintritt  (§  1631  9Ibf.  1).  ®a  feneö  «erpltnife  ein  fünftlid^  gcfd&affeneö  unb 
mä)  bem  §  1629  auc^  eine  üertragömäfeige  9luf^ebung  befifelben  jugelaffen 
ift,  fo  ftef>en  ber  Dorfte^enb  bcjeid^neten  Siegelung  prinjipiclle  Sebenfen  nid&t 
entgegen,  änbererfeitö  [pred^en  überroiegenbe  ©rünbe  bafür,  wenn  einmal 
baö  burd^  bie  annähme  an  Äinbcßftatt  begrünbete  ®ltcrn*  iinb  Äinbe&^ 
Derl^ältnife  in  golge  ber  ©d^Iiefeung  einer  6^c  jroifc^cn  ben  burd^  2lnna^me 
an  Äinbeöftatt  Derbunbenen  5ßerfonen  fattifd^  jerftort  ift,  aud^  rcc^tlid^  bie 
3luf^ebung  biefeö  83erpltnijfeö  anjuerfennen,  bie  ®f)c  aber  aufredet  ju  erhalten. 
2)aö  öffenttid&e  Sntereffe,  rocld^eß  jur  StuffteDung  beö  f>ier  fraglid&en  ßl^e* 
l^inbernijfeS  geführt  {)at,  wirb  burd^  bie  auffd^iebenbe  SBirfung  beöfelben  unb 
bie  Seftimmung  beö  §  1631  Slbf.  1  in  auöreidjenbem  SWafec  gefd^ügt.  ©in 
Sebürfnife,  bie  ©urc^fü^rung  beö  (S^e^inberniffeö  aufeerbem  nod&  burd^  eine 
befonbere  ©trafbeftimmung  ju  [d&üfeen,  liegt  nid^t  vor. 
Äuff^iebenbe  5,  ©Qg  fat^olifd^e  unb  baö  proteftantifc^e  (Sfiered^t,  foroie  üerfd^icbene 

«JewÄotc?  neuere  ©efefegebungen  (oergl.  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §  937;  bab.  ®ef.  t». 
ciSSJ^c«  ^'  3)cjember  1875  §  2  lit.  i;  ^eff.  ©ntro.  II,  11,  55)  fnüpfen  bie  Sßic^tigfeit  ber 
6^e  aud^  an  einen  SSerftofe  gegen  baö  (S^enerbot  wegen  (S^cbrud&eö.  Dagegen 
^abcn  ba&  fäd[)f.  ®cf.  o.  5. 5Rot)embcr  1875  §  7  (oergl.  auc^  fäd^f.  ®.  S3.  §  1627) 
unb  baö  gotf>.  ©fiegef.  ü.  15.  9luguft  1834  §§  13,  22,  23  biefem  ef|et)crbote  nur 
ouffd&tebenbe  SBirtung  beigelegt,  baneben  aber  bie  Uebcrtretung  beöfelben  mit 
©träfe  bebro^t.  Sluf  bemfelben  Soben  fd^einen  in  erfterer  ^infid^t  auc^  ba^ 
altenb.  ®ef.  t).  25.  SRai  1879  §  8  (abroeid&enb  bie  altenb.  e^corbn.  t).  13.  aJIai 
1837  §§  5,  6)  unb  baö  ®ef.  für  9leu6  ä.  S.  t).  3.  DJlai  1879  §  14  ju  fielen. 
S)cr  Code  civil  entl)ält  feine  auöbrüdEIi^c  93eftimmung  über  bie  SBirfung  beö 
(S^e^inberniffeö  beö  S^ebrud^eö.  9lad^  ber  ^errfd^enben  äneinung  l^at  baö  @^e» 
^inbemife  nur  bie  SBebeutung  eineö  auffd&iebenben  ®f)e^inbernijfeö. 

I)er  ©utrourf  ^at  fid^  ber  julegt  gebadeten  ®ruppe  t)on  SRed&ten  am 
gefd^loffen.  ®egen  bie  Ungültigfeit  einer  gegen  baö  SSerbot  beö  §  1237  Der* 
ftogenben  ©^e  föUt  Dorne^mlid^  inö  ®tmä)t,  bag  eö  fid^  nur  um  ein  biöpenfabteö 
©^e^inbernife  ^anbelt.  ®aju  fommt,  baft  bie  ?lic^tigfeit  oba'  Slnfed^tbarfeit 
ber  ©bc  ^ier  ju  einem  wenig  befricbigenbeu  Slcfultate  fü^rt.  3)en  ©Regatten 
bie  9lid^tigfeitöflage  ju  geben,  nad^bem  fie  unter  SSer^e^Iung  beö  entgegen^ 
ftel^enben  ^inberniffeö  bie  ©(je  erft  gefd^Iojfen  f)aben,  ift  mifelid^  (üergt.  aud[^ 
bab.  S.  SR.  ©ag  298  a  unb  bab.  ®ef.  ry.  9.  Scjember  1875  §  2  lit.  h;  |ieff.  ©ntro.  II 
9lrt.  11,  55);  anbcrerfeitö  fann  man  baö  Siedet,  bie  Sßid&tigfeitöerflärung  ber 
©^e  ^erbeijufü^ren,  füglic^  aud^  nic^t  bem  ©taatöanmatte  aDein  einräumen, 
menn  man  biefen  galt  ber  SJic^tigfeit  nic^t  iu  einem  ganj  eigenartigen  mad^en 
mill.  Sic  9lnfed&tbarfeit  entfpric^t  nid|t  bem  5tarafter  beö  ^ier  fraglid&en 
©^e^inberniffeö  alö  eineö  öffentlid^en  unb  ©erfagt  auc^  beöl^alb,  roeil  bie  um 
mittelbar  Sct^ciligten  in  ber  Siegel  fid^  ^üten  mürben,  t)on  bem  Slnfe^tungö^ 
redete  ®ebrauc^  ju  mad&en.  ©ö  bleibt  j^iemadö  "ur  bie  älnna^me  eineö  auf- 
fd^iebenben  ©^e^inbernij^cö  übrig.  S)a  aber  roicfitige  öffentltd^e  Sntcrcffen  bei 
bem  ©^eoerbote  beö  §  1237  in  grage  fommen,  fo  ift  baneben  ju  beren  ©c^u|e 
eine  ©trafbeftimmung  (oergl.  Slnm.  1  unter  I,  1  ju  bem  Unterabfd^nitte  „IV. 
Ungültigfeit  ber  ®t|e")  nicfit  ju  entbehren,  um  fo  weniger,  alö  gcrabc  in  bem 


Uiiflültigfeit  ^er  (S^c.    Snid&tigfeitggrünbe.    §§  1250,  1251,  55 

^Icr  in  SRebc  ftcl^cnbcn  gattc  bic  OcfQ^r  na^e  liegt,  bofe  baß  ©^eüerbot  nid)t 
yax  Äcnntnife  bcfi  ©tonbcöbeatntcn  gelangt.  Xuvä)  bie  ouffc^iebcnbe  SBirtung 
bcÄ  ©l^coerboteö  in  SBcrbinbung  mit  ber  ©trafbeftimmung  roirb  ber  B^Jed  bcö 
(S^cDcrbotcö  im  SBcfcntlic^cn  errcid^t  rocrbcn. 

6.  S)a  bie  e^c  auf  bem  9lcdjtägefc^äfte  ber  ©fiefc^Iiefeung  berulit,  fo  ^^^^^^ 
toürbc  no^  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  beß  -©efefebu^eö  (§§  95,  96)  bic  ©tnmiQtu>n. 
6^c  auc^  bann  nichtig  fein,  lücnn  bie  93oraußfefeungen  üorliegcn,  imter  welchen 
ein  SRcd^tögefd^äft  wegen  3KentaIreferüation  ober  Simulation  nidlitig  ift.  3la6i 
röm.  SRec^tc  ift  eine  fimulirte  ®^e  nid&tig  (1.  30  D.  de  rit.  nupt.  23, 2).  Ob 
bicö  auc^  nad)  gemeinem  SRed&te  anjunelKiien,  ift  beftritten.  3"  neuerer  3^it 
ift  namentlid^  unter  ^inroeiß  barauf,  bafe  bic  ®^e  nic^t  me^r  ein  unfeierlid&er  3lft 
fei,  fonbeni  in  publifer  SBeife  üor  einem  ftaatli^en  Organe  oolljogen  werbe,  baß 
(Segent^etl  außiufül^ren  Dcrfud^t.  Slud^  barüber  ge^en  gemeinrec^tüc^  bie  3ln- 
fid^tcn  auöcinanbcr,  ob  im  ^aUe  einer  2llentaIrefen)ation  bie  (S^c  nid^tig  fei 
(öcrgL  c.  26  X.  de  spons.  4, 1).  S)ie  neueren  ©efefegebungen  t)aben  fid^  in 
btn  l^ier  fragli^en  SBejiel^ungen  febcr  außbrüdlid^en  93eftimmung  enthalten. 
yiad)  bem  ©ntrourfe  ift,  roic  ftd^  auß  ben  ©ingongßroorten  beß  §  1250  in 
SScrbinbung  mit  §  1250  5Rr.  1—3  unb  §  1259  ergiebt,  bie  aUentat^ 
refcrDation  unb  bie  ©imulotion  in  oDen  göUen  auf  bie  ®ültig!eit  ber  ®t|e 
o^nc  ©influfe.  ®ieß  entfpric^t  für  ben  galt  ber  äßcntalreferüation,  fofern  ber 
anbere  @^egatte  ben  SDtangel  ber  Uebereinftimmung  beß  mirflic^en  äSiUenß  mit 
bem  crMärten  SBiUen  nici^t  gefannt  l|at,  ben  allgemeinen  ©runbfdfecn  beß 
©efegbud^eß  (§  95  ©ag  1),  enthält  bagegen  eine  Slbroeid^ung  mn  ben  lefeteren 
für  ben  gaU,  »enn  ber  anbere  ©tiegatte  jenen  3RangeI  gefannt  I)at,  fomic 
für  ben  gall  ber  ©imutotion  (§  95  Sag  2,  §  96  äbf.  1).  5Diefc  Slbroeid^ung 
ift  aber  burd^  praftifd^c  ©rünbc  ber  jroingenbftcn  9lrt  geboten.  3)aß  öffent* 
lid&c  Sntercffc  geftattet  nic^t,  ben  SlbfdiUife  oon  ©d^cine^en  ju  bulben.  ©elbft 
ber  ^inroeiß  auf  bie  SHöglid^feit  einer  folcfien  im  ©efcge  ift  in  ^ofjem  2Ka§e 
bebenflid^.  S)aß  S^iftitut  ber  ©^efd&Uefeung  t)erträgt  feinen  SWifebrauc^.  2Ber 
unter  ben  Dorgefd^riebenen  55ormcn  erftärt,  ha^  er  bic  ®^c  fc^liefee,  mufe  ju 
feinem  SBorte  fteben.  S)ie  ©eftattung  ber  ©d^einebc  würbe  aud^  bie  für  bic 
S^ef^eibung  aufgeftellten  ©runbfägc  unb  bie  in  i^nen  liegenben  ©d^ranfen 
iüuforifd^  i\i  mad^en  bro^cn,  fomie  }u  einem  tl^atfä^lid^en  SSer^ältniffe  bie 
SRögUd^feit  gemö^ren,  meld^eß  einer  @^c  auf  Qtii  jiemlid^  gleidf)fömf .  liefen 
Stüclfic^ten  gegenüber  fann  iiuf  ben  @inn)anb,  ba|  baß  93er^öitni§  in  fällen 
ber  ^icr  ooraußgefe^ten  Slrt  meber  redjtlid^  nod^  ftttlid^  eine  ®f)c  fei  unb  bag 
mon  bie  6^cfd&Iie§enben  nid^t  jur  ©träfe  bafür,  ba^  fie  bic  gorm  ber  (S^e* 
fd^üefeung  mifebrau^en,  mit  ber  ©träfe  ber  ®f)e  belegen  fönne,  entfd^eibenbeß 
©eiDid^t  nid^t  gelegt  werben,  äuc^  beim  ©runbbu^ired&tc  (oergl.  §§  832, 
1087,  §  1091  3lbf.  3,  §  1106  äbf.  2,  §  1107  SKbf.  2,  §§  1134,  1144)  ift  auß 
praftif<^cn  ©rünben  oon  bem  ©runbfaße  beß  §  96  9lbf.  1  jum  ST^eil  ab- 
gewichen. 

9luß  ä^nlic^en  ©rünben,  wie  biejenigen,  welche  ba^in  gefüfjrt  ^aben,     st^er». 
ber  2Jlentalrefen)ation  unb  ber  ©imulation  feinen  ®influ§  auf  bie  ©ültigfcit 
ber  &fc  einjuräumen,  foll  aud^  im  gaHe  beß  fog.  guten  Sd^erjeß  (§  97)  bie 
SJi^tigfeit  ber  ©^e  außgefd&loffen  fein.    SRegelmäfeig  wirb  übrigenß  in  ben  bier 


1 


56         Ungürtigfeit  ber  S6e.    ?Re*tU*er  Äaraftcr  ber  5ni4tigfeit.    §  1252. 

in  gragc  fommenbcn  gällcn  oI)ncl^in  bic  ©ad)c  fo  liegen,  bafe  entrocbcr  bic  für 
bie  (Sfiefd^Iiefeung  rorgefcfiriebene  gorm  nid^t  beobad^tct  ober  eine  SWental^ 
referüation  ober  Simulation  anjune^men  ift. 

3Begen  ber  öel^anblung  ber  ^olle  beö  fog.  roefenttic^en  3rrtt)umeö  bei 
ber  e^efd^üefeung  (§§  98,  99)  üergL  §  1259  unter  3lv.  2  ncbft  SWotioen. 


§  1252. 

ÄttrVftcr  ber  9tuö  bettt  ^ßriujipe  ber  Jlid^tigfeit  mürbe  an  [ic^  folgen,  bafe  3cber,  auf 

e^ier*eT/  ^^^"'^"  9ied|t§oer^ältniRe  bic  ®£|e,  wenn  fie  gültig  roäre,  Don  ©inffufe  fein 
roürbe,  fidf)  auf  bie  3lic^tigfeit  ber  ®^e  berufen  fönnte,  fei  eä  burd^  ©citcnb* 
madjung  eincä  9lnfpruc^es,  beffen  ®üttig!eit  burc^  bie  9ii^tigtcit  ber  @^c 
bebingt  ift,  fei  es  im  SBege  ber  (Sinrebe  burd&  93eftrcitcn  eines  2tnfprud&eö, 
beRen  ©ültigfeit  oon  ber  SHed&töbcftänbigfeit  ber  @^e  abf)ängt.  3laä)  bem 
SSorgonge  beö  fatf)oIifdf)en  unb  proteftantifdfien  ©^ered^teö  unb  ber  neueren 
^artifularred&te  (üergl.  preufe.  91.  2.  31.  II,  1  §§  950—952,  960—962  in  SScr:* 
binbung  mit  ber  preu§.  SSerorbn.  d.  28.  3uni  1844  §  5 ;  code  civil  Slrt.  186 
bis  191;  bab.  S.  dt,  ©ag  180—191  rerb.  mit  bem  bab.  ®ef.  d.  9.  ©ejember  1872 
§  2;  fä^f.  ®.  93.  §§  1620,  162JL  üerb.  mit  bem  fäd&f.  ®cf.  v.  5.  SJonember  1875 
§  3;  got^.  ©fiegcf.  d.  15.  Sluguft  1834  §§  23,  71;  altenb.  ©Ijeorbn.  x>. 
13.  aßai  1837  §§  6,  163;  ^ejf.  ©ntm.  II  3lrt.  56—63;  ©ntfdö.  b.  SR.  ®.  in 
eiüilf.  IX,  57  ©,  214,  entfd^.  b.  SR.  ®.  in  ©troff.  VII,  42  ©.  136)  unb  im 
arnfd^tuffe  an  ben  §  588  ber  ß.  %  D.  (Dergt.  audö  §  171  bcs  ©tr.  ®.  ».;  §  34 
beS  SR.  ®ef.  über  bie  33curfunbung  bcs  ^erfonenftanbes  u.  f.  m.  t).  6,  gebruar 
1875)  gel)t  iebod^  ber  ©ntmurf  baron  aus,  bofe  eine  nid^tige  ®^c  regelmäßig  nid^t 
m^^unTber  ^^"^  SBcitcrcs  afs  uid^tig  betianbelt  merbcn  foll,  fonbem  bie  SRid^tigfeit  ber* 
9ii<*tiflfeit  im  fclbcu  ttuf  ©ruub  ciucr  SRi^tigfcitSflagc  in  einem  befonbcren  aScrfal^ren  burd^ 
Äßfeu«.  rid^terlidöcs  Urtf)eit  feftgeftettt  mcrben  muß  unb  bis  baf|in,  baß  biefe  gcft* 
Hage.  ftcQung  erfolgt  ift,  in  einem  anbcren  SBerfafiren  über  bie  SRid^tigfeit  ber  (S^e 
incidenter  nid|t  ücrl^anbelt  unb  entfd^ieben  mcrbcn  barf.  (Sine  Äonfequenj 
bicfer  9lrt  ber  ©eftaltung  ber  5Rid&tigfcit  ift  es,  baß  bie  nid^tigc  ®^e 
bis  iur  SRid^tigfeitserflärung  einftmeilcn  als  gültig  anjufc^en  ift  (9lbf.  1). 
®rfoIgt  aber  bemnäd^ft  bie  SRidtitigfeitSerflärung,  fo  ift  es,  t»orbel^altUd&  bc^^ 
fonbcrer  9lusnat)men  (ocrgl.  §§  1257,  1258,  1562  ff.),  fo  anjufef>cn,  als 
ob  bie  ®t}t  nid^t  gcfd^loffen  märe  (9lbf.  2).  S)ieS  cntfprid^t  aud^  bem  be^ 
fte[)enben  SRec^te  (oergl.  ©euffert  XII,  342;  preuß.  91.  2.  SR.  n,  1  §§  952  bis 
955;  fäd&f.  03.  93.  §§  1628,  2054;  code  civil  9lrt.  201,  202;  got^.  (S^cgef.  t). 
15.  äuguft  1834  §  23).  ®abei  ift  iebod^  bas  aScr^öltniß  nid^t  fo  ju  benfen, 
als  ob  bie  ®f|c  erft  burc^  bie  SRic^tigfeitScrflärung  überliaupt  ju  einer  nid^tigcn 
mürbe,  fonbem  bas  Urt^eil  ^at  nur  betlaratorifd^c  93ebeutung  (oergt.  (Sntfd^. 
b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  IX,  57  ©.  214).  ®ie  ©igcnt^ümlid^feit  bes  aSerfidltniffes 
befte^t  lebiglidi  barin,  baß  bie  fc^on  oorf)er  Dor^anbenc  SRic^tigfeit  bis  jur 
SRid^tigfeitSerflörung  ber  ®^e  incidenter  nid^t  gcttenb  gemalt  werben  fann. 
S)icfe  Gigcntl^ümüc^feit  re^tfertigt  fid^  burd^  ben  9lusfd|(uß  ber  ^ßrioat* 
bispofition  über  baS  SRec^tSüer^ältniß  ber  ®^e  unb  baS  Sntereffe  bcs  ©toatcS 


Unöürtiörcit  ber  ß6c.    {RetJ^tKc^er  Sara!tcr  ber  Tu*tigfeit.    §  1252.         57 

on  ber  2t«fred6tcrf)altung  oü^tifl^^  ®f)C"/  ^^^^^  ^ic  9läc!fid)t  Quf  bie  offentlidöc 
Crbnung  unb  bie  ©i^erl)cit  beö  aScrfcl)rcd,  foioic  burd)  bic  ©rroögung,  bafe 
es  jur  SJcmtcibung  roiberfprec^enber  Urlf)ci{e  ratlifam  ift,  locim  bic  9Jid)tigfeit 
ber  6^c,  foroeit  t^unUd),  in  einem  befonbercn  S3erfal)ren  ein()eitli(^  mit 
SBirfung  für  unb  gegen  SlUc  (§  1256)  feftgefteüt  wirb.  9luf  ber  onberen  Seite 
börf  aber  unter  bem  ©runbfa^e  beö  9lbf.  1  boö  materielle  Mec^t  niä)i 
leiben.  @ö  barf  bal)er,  wenn  bie  (Sntfc^eibung  eincö  anberen  SRed)töftreitcö 
boüon  abfjongt,  ob  bie  ©f)c  nici^tig  ift  in  biefem  anberen  SWcc^töftrcite  bie  öe- 
rufimg  auf  bie  Slici^tigfcit  ber  6^e  nic^t  übert)aupt  auögefc^loffen  merbcn;  vkU 
mc^r  erforbert  es  bic  materielle  ®eredt)tigfeit,  bafe  in  einem  fold^cn  g-alle  baö 
Serfo^rcn  in  jenem  anberen  9led)t6ftreitc  biö  jur  ©rlebigung  beö  9ledf)t§ftreiteß 
über  bic  9tic^tigfeitöffage  auögcfe|t  bejm.,  menn  bic  le|tcre  nod)  nidit  erhoben 
ift,  auf  SIntrag  ber  Partei,  roeldtic  auf  bic  5Uid5tigfeit  ein  9lngriffö=^  ober  SSer- 
t^ibigungömittel  grünbet,  biefer  5ßartei  unter  9luöfegung  beö  SBerfatirenö  eine 
Mt  jur  erl^cbung  ber  9iid&tigfcitßf(agc  (oergl.  §  1253)  beftimmt  mirb.  S)er 
§  139  ber  S.  %  D.  geroöl^rt  in  biefer  ^infid^t  feine  genügenbc  9lust|ülfe,  ba 
er  einerfcitö  bem  ®erid)tc  bic  Sluöfe^ung  beß  SSerfa^renö  nid&t  jur  ^flid)t 
mac^t,  anbererfeitä  bie  Scfugnife  beö  ©erid^teö  jur  9luöfegung  nur  auf  bcn 
^ü  bcfc^ronft,  wenn  in  3lnfe^ung  ber  pröiubijiellen  gragc  ein  9ie(^töftreit 
bereits  anhängig  ift.  Um  biefc  Sücfe  auöjufüDen,  foU  ber  §  139  ber 
C.  %  D.  burc^  baö  ©infüfirungögefeg  in  ber  in  ber  ^Inm.  1  ju  bem  Unter* 
obf^nittc  „IV.  UngiUtlgfcit  ber  e^e"  unter  III  9lbf.  1  bejeidjnetcn  SBeife 
ergänst  roerben. 

2)er  Orunbfafe  beö  9lbf.  1  foU  inbeffen  nur  bann  Slnmenbung  finben,  «"»««bung 
wenn  bic  9ii^ttgfcit  ber  6^c  nid|t  auf  einem  gormmangel  bei   ber  ß^e*  ftn^cmemen 
fd^licfeung   berul^t;    ift  bic  @l)e  mcgen  gormmangelö   nid^tig,   fo  ift  cö  in  ö»^""^^**« 
©emäS^eit  ber  allgemeinen  Orunbfäfec  (§  108)  fo  anjufcl)en,  alö  ob  bic  @^e 
ni(^t  gefc^Ioffen  märe  (9lbf.  2).     9Iur  bann,  wenn  eine  ®^e  formgültig  gc*  im  m^^  ber 
fd^loffen  ift,  liegt  ber  öufeerc  ©d^cin  einer  6^c  vor  unb  ift  eine  33crmutl)ung  ^e*"*^*^^^^^^ 
für  Mc  (Sultigfeit  berfelbcn  begrünbet.    9]ur  unter  biefer  SSorauöfcfeung  ift  ein     ^^rm*^ 
Sebfirfnife  uor^anben,  burd^  bic  ^Rotl^rocnbigfeit  ber  5Ridt)tigfeitöftage  befonberc    """"^^  ' 
(Soronticen  ju  fd^affcn.    Snßbcfonbcre  fefilt  cö  an  auöreid^enben  ©rünben, 
bos  einfoc^c  unb  flarc  ^rinjip,  baß  bie  SBcobad&tung  ber  mefcntlid&cn  gorm 
barübcr  cntfd^cibet,  ob  9lid^tigfeitöerf(ärung  notliroenbig  ift  ober  9?id&tigfeit 
traft  bcfi  ©efcfteö  eintritt,  für  fotd^e  gälle  ju  burd^bredgien ,  in  TOctd&en  Ijin- 
fid^tlid^  ber  3wii^^w"9  ^^^^  3^^^9^^  ^i"^  loefentli^c  SSorfd^rift  oerlcgt  ift  ober 
bie  9lic^tigfcit  barauf  beruht,  bafe  eine  ^etfon  böS  9lntt  beö  ©tanbeöbeamten 
too^genommcn  ^ot,  meldte  l^icrju  nid^t  befugt  mar  (§§  1245,  1248).    Ob  eine 
<5^e  liegen  gormmongetö  nid^tig  ift,  wirb  in  bcn  feltcnften  ^ftüen  jroeifelljaft 
fein.    Sollten  aber  in  einjelncn  gällen  S^^^ifel  über  bie  ©ültigfeit  ber  ®()e 
in  ber  einen  ober  anberen  Jßinrid^t  entftefien,  fo  finb  bic  ©Regatten  iebcricit  in 
ber  SJage,  im  SBegc  ber  gcftftellungöflage  eine  (Sntfd^cibung  über  bcn  ©runb 
ober  Ungrunb  beö  3w>cifclö  ^erbeijufü^rcn.    ®er  Stanbpunft  beö  ©ntrourfcö, 
boB  bie  Scobad^tung  ber  mefentlid^en  gorm  barübcr  cntfd)eibet,  ob  9lidt)tigfcitö^ 
erflarung  cinju treten  ^at  ober  ni^t,  cntfprid^t  audf)   bem  gemeinen  Sk^tc 
(wrgt.  ©ntfd).  b:  dt.  ®.  in  ßiüilf.  IX,  57  ©.  214)  unb  im  aScfcntlidtien  bcn 


58  Uuöültiöfcit  ber  (gj^c    9}i(j&liflfcit«ragc    Scflitimation.    §  1253. 

neueren,  auf  gemeinred^tlid^er  ©runbloge  berul^nben  (Sefelgebungen,  roenn^ 
gleich  bie  festeren  ftd^  über  bie  grogc  nid^t  immer  mit  genü'genber  ftlor^eit 
auöfpred&cn  (nergl.  für  baö  preufe.  Siecht  ©ntfc^.  b.  SR.  ®.  in  ©traff.  vn,  42 
©.  136;  ferner  fä#  ®.  93.  §§  1620,  1621  unb  fäd^f.  ®ef.  d.  5. 5Woüember 
1875  §  3).  3)aß  franj.  9led^t  »erlangt  bagegen  aud^  im  gälte  bcr  aSerleßung 
roefentU^er  gormlid^feiten  bie  3iid|tigf eitöerKärung ;  bocö  nimmt  bie  Suri«^ 
prubenj  an,  bofe  bie  (S^c  wegen  SBerlegung  roefcntlic^er  gormlid&feiteu  in 
gcmiffen  gällen,  namentlid^  wenn  biefelbe  überl^aupt  nic^t  t)or  einem  Stonbeö« 
beamten  gcfc^loffcn  würbe,  fd^on  fraft  beö  ©efegcö  ate  nid^t  beftel^enb  anju^ 
feilen  ift  (üergl.  code  civil  3lrt.  191;  bab.  ®cf.  o.  9.  ©ejembcr  1875  §  2  lit  h). 

*«^öf*  ^^^  ^^^  ^"  ^^^  %oXi^^  in  roeld^em  bie  9lic^tigfeit  ber  ®^e  nid&t  auf  einem 

"ober"""   gormmangel  beruht,  fommen,  o^ne  bafe  cd  einer  5Rid&tigteitderMärung  bebarf, 

""ertiään***' ^^^  attgemeinen  ©runbfä^e  ber  9lid|tigfeit  bonn  jur  änmenbung,  mcnn  bie 
nid&tige  @^e,  fei  eö  burd^  Sob  ober  Sc^eibung  ober  in  gotge  Sobedertlärung 
(§§  1440,  1464),  aufgelöft  ober  auf  erhobene  Slnfec^tungßflage  l^in  —  bei 
Äonfurrenj  eineö  änfed^tungögrunbeö  —  (§  1260,  §  1266  äbf.  1)  für  um 
gültig  crtlärt  ift  (3lbf.  2).  Unter  biefen  aSorauöfefeungen  fommen  bie  9lücf:* 
fid^ten,  auf  meieren  baö  Snftitut  ber  SRi^tigfeitsHage  beruht,  nid^t  mclir  ober 
bod^  utc^t  mctir  in  gleichem  SRage  in  SBetrad^t.  ®ic  grage,  ob  bie  @^e  nid^tig 
ift  ober  nid^t,  ^at  atebann  nur  nod^  für  bie  einjelnen  Tiad^wirfungen  ber 
6^e  93cbcutung,  bei  melden  baö  offentlid^e  3ntercf[e  um  fo  meuiger  betl^ciügt 
ift,  als  biefelben,  foroeit  fie  Dermögenöred^tlid&er  9latur  fmb,  bcr  ©iöpofition 
ber  Parteien  unterliegen.  Sin  fi^  würbe  cö  iwar  roünfd&cnörocrtfi  fein,  au(§ 
in  9lnfe^ung  jener  Jlad^mirfungcn  roiberfprcd^enbe  (Sntfd)cibungen  tljunlid^ft  ju 
Dcrmeibcn;  aUein  bie  3itlöjfung  einer  bcfonberen  Sßid^tigfeitÄHage  atö  ^t^U 
fteQungdflage  mürbe,  menigftenö  für  ben  gall,  bag  beibe  ©Regatten  t)erftorben 
finb,  Ijingefe^en  auf  bie  grage,  meldten  5)Jerfonen  bie  Äläger*  bcjm.  bie  83c* 
ftagtenroUe  jujut^eilen  fei,  auf  unlösbare  ©^roierigfeiten  ftogen.  Stud^  ift 
baö  für  bie  9iid|tigfeilsflage  beftimmte  befonbere  a3erfal)ren  bcr  S.  ^.  O. 
(§§  585  ff.)  mit  feinen  bcfonberen  ©arantieen  für  bie  l^ier  in  SRebe  fte^enben 
gälte  meber  beregnet  nod^  aud^  paffenb.  9Rit  ber  Siegelung  beö  Sntmurfed 
ftimmt  im  SBefentlid^en  audi  baö  geltcnbe  SRc^t  (ocrgL  §  588  ber  6.  ^.  D.; 
Urtl^.  b.  SR.  ®.  bei  genner  u.  SRcdc  II,  77)  überein. 

«infiuB  ber  ©ine  Äonfcqucn j  beö  9lbf .  2  ift  eö,  ba%  burdb  eine  nid^tige  @^e  baö 

«bwÄw  gefefclid^e  ©rbred^t  bcr  ©Regatten  (§  1971)  nic^t  begrünbet  wirb.    aBcI^en 

«infi(*t.    ginptu^  bie  SRid^tigfeit  bcr  (Bf)t  auf  bie  SBirtfamfeit  einer  legtmiUigen  ^tv^ 

fügung  i^ai,  burd^  mctd^e  ein  @^egatte  ben  anberen  bebaut  ^at,  ober  auf  bie 

aßirffamfcit  eineö  jmif^en   ben  ®^egatten  gcfd&Ioifenen  (Srbeinfc^ungö*  ober 

aScrmäditnifeoertrageö,  crgicbt  fid^  auö  ben  §§  1783  ff.,  1948,  1949,  1962. 


§  1253. 

9H(*tt9W«*  3)a&  bie  Älage,  bur^  meldte  bcantrogt  wirb,  bie  ®^c  für  nid)tig  ju 

""^*'     erflären  (?li(i^tigtcitötlagc),  in  allen  göUen  oon  bcm  Staatöanroalte  erhoben 

werben  fann,  rechtfertigt  fic^  burdi  bie  JRüdfic^t  auf  baö  öffcntlid^c  ^ntcrejfe 

unb  cntfpridjt  bcm  §  586  bcr  6.  %  D.  3»wicfcrn  jur  ©rljcbung  bcr  9lic^tigfeitö^ 


Unflültigfdt  ber  g6e.    giid&ttöfeitgflaflc.    SeßiHmation.    §  1-253.  59 

ftoflc  au&etbem  ein  g^cgattc  ober  ein  2)ritter  befugt  ift,  foU  mä)  §  586  ber  s«flitimation. 
6.  %  0.  md)  ben  5Borfd(|riftcn  be«  bürgcrlid^en  SRed^teä  fic^  beftimmen.  S)ie  ©eitenbe« 
meiftcn  neueren  ©efe^gcbungen  ^aben  aufeer  bem  ©taQtöQnroQltc  a\x6)  bcm  ^^^ 
g^egotten  felbft  baö  ^e(^t  jur  ©r^cbung  ber  9lici&tig!citsflage  beigelegt  (oergl. 
Code  dvü  art.  184,  191;  bab.  ®e[.  t).  9.  ©csember  1875  §  2  lit.  c  unb  h;  iar)x. 
(Sei.  jur  aiuöfü^rung  ber  Q.  5ß.  D.  v.  23.  gebruar  1879  3Irt.  93  für  bie  Sanbcö^ 
l^e  red^tö  beö  9i^eind;  fäd&f.  ®ef.  v.  4.  aWärj  1879  §  2;  oltenb.  ®ef.  v. 
25.  aRärj  1879  §  8;  ®cf.  für  9leufe  ä.  S.  t).  3.  aWai  1879  §  15;  ^eff.  (Sntn).  II 
8rt.  56).  ®er  code  civil  ärt.  188,  baö  bab.  ß.  31.  Safe  188,  baß  ®ef.  für 
3leu§  &.  2.  0.  3.  anoi  1879  §  17  unb  ber  {|eif.  ®ntn).  II  3lrt.  58  räumen  ferner 
für  ben  gaU  ber  S3igamie  aud^  bemienigen,  mit  roeld^em  bie  früliere  (S^e 
gefc^Iojfen  mar,  ieneö  SRed^t  ein.  3laä)  bem  code  civü  ärt.  184, 186, 187, 191, 
bem  bab.  @cf.  n.  9.  2)ejembcr  1875  §  2  lit.  c  unb  h,  bem  ba^r.  ®ef.  o. 
23.  ^bruar  1879  2lrt.  53  unb  bem  ^eff.  ©ntm.  II  Slrt.  56  fann  aufeerbem  bie 
SKd^tigfeitöHage  im  ^rinjipc  t)on  iebem  dritten  erhoben  merben,  meld&cr  ein 
re^tli^eö  3nterefle  baran  ^at,  bafe  bie  @f)t  für  ni^tig  erflärt  merbe.  Db 
unb  inmiemeit  aud^  nad&  benjenigen  SRed^ten,  roeld&e  in  ben  liier  fraglid&en 
9e}ie^ungen  audbrücflic^e  99eftimmungen  ni^t  enthalten,  indbefonbere  nad^ 
))ceu^  Siedete,  auger  bem  Staatöanmalte  auc^  bie  ©Regatten  felbft  unb  britte 
beteiligte  ^erfonen  ald  jur  6rl|cbung  ber  5Wid^tigfeitöflagc  befugt  anjufelien 
jinb,  ift  bcftritten. 

S)en  e^egatten  felbft  ba&  Siecht  jur  ©rl^ebung  ber  3lid^tigfcitö!lage  bei*  etQnbpunrt 
julegen,  fann  einem  S3ebenfcn  nid^t  unterliegen.  3)a  bie  3lid&tigfeitätlagc  fidb  entwürfe«. 
ate  eine  Älage  auf  geftftellung  beö  Slid^tbefte^nö  ber  (g^  farafteriftrt,  fo 
entfpric^t  cd  f^on  ben  aÜgemeinen  ®runbfä6cn  über  bie  guläffigfeit  üon  geft^ 
jteHungöHagen  (§  231  ber  G.  5ß.  D.),  bafe  bie  5Wid&tig!eitöflage  üon  ben  6^* 
gatten  felbft  alö  ben  junä^ft  unb  unmittelbar  beteiligten  5ßerfonen  mufe 
erhoben  merben  fonnen.  S)ie  SInerfennung  bicfer  Sefugnife  ift  jubcm  burd^ 
bofl  3ntereffe  ber  (S^CQaüm  bringenb  gebotett.  @3  fann  nid)t  lebiglid^  von 
bem  ®rmeffen  unb  ber  red^tlic^en  SSeurt^eilutig  bed  Staatdanmalted  unb  ber 
bcmfflben  oorgefefeten  ^el^orben  abhängig  gemad^t  merben,  ob  ein  @l|e9^^^/ 
rodd^  in  einer  nid^tigen  @e  8W  leben  t)crmcint,  gejmungen  fein  foU,  in  ber^^ 
felben  meiler  ju  leben.  @benf omenig  fann,  menn  bie  @e  0^0^^  ^^^  Verbot 
bed  §  1284  Derftögt,  bemienigen  bie  92idt|tigfeitdflage  verfagt  merben,  mit 
loelcf^em  bie  frühere  @t)e  gefc^loffen  mar,  ba  berfelbe  burd^  bie  neue  ®e  in 
feiner  Kcc^töftcUung  unmittelbar  ©erlegt  ift  ujib  an  ber  Slid^tigfeitöerfldrung 
ber  neuen  6^  ein  bringenbed  red^tlid^es  Sntercffe  ^at  ^xoü\eü)a\itx  ift  bie 
Cntfc^ibung  ber  ^age,  ob  ba&  9ieä)t  jur  @rl|ebung  ber  92id^tigfeit3flage  aud^ 
auf  anbere  beteiligte  ©ritte  auögebel^nt  merben  foll.  2)iefeö  SRcdfit  jcbcm 
iCritten  einunrfiumen,  meld^er  irgenb  ein  rec^tlid&eö  S^^tercffe  baran  l^at,  ba% 
bie  ee  fü^  nid^tig  crtldrt  merbe,  fü^t  ju  meit.  dagegen  fprecfien  über* 
megenbe  ©rünbe  bafür,  einem  2)ritten  bann  jeneö  SRed&t  beijulegen,  menn 
bemfelben  im  golle  ber  Slic^tigteit  ber  @e  ein  Slnfprud)  juftetit  ober  im  gaüc 
bcc  ©ultigteit  berfelben  eine  SSerbinblid&teit  obliegt.  6ö  lä^t  fid&  jmar  ni^t  ocr* 
fennen,  bag  äRance^  bagegen  ju  fprcdjen  fd^eint,  britten  ^^crfoncn,  meld)e 
melleit^t  nur  ein  untergeorbneteö  Sntcrcffe  an  bem  Söcftanbe  ober  JJic^tbeftanbe 


60  Ungürtiöfeit  bcr  SBc.    5fti*tiflfcit9frage.    ?^ro5c6fä6iöfcit.    §  1254. 

bcr  G^c  f;oben,  übcrl^aupt  bic  SWad^t  cinjuröumcn,  bicfcii  öeftanb  in  ^ragc 
ju  [teilen.  3nbcf?cn  bei  genanercr  Setrad^tung  tann  2lnfto6  boran  nid^t 
genommen  merben.  3)urd^  ben  Orunbfa^  beö  §  1252  9lbf.  1  ift  bcm  ©ritten, 
bcfjen  3lnfpnid^  ober  SSerpffidjtung  bur^  bie  Slic^tigfcit  bcjro.  (Sültigfeit  bcr 
6^e  bebingt  ift,  baö  if)m  an  fic^  juftcljenbc  SRed^t,  bic  SJid^tigfeit  incidenter 
gcitcnb  }u  mQd)en,  entjogen.  2)qö  not^mcnbigc  ftorrclat  ift,  i^m  bas  Stecht 
}ur  ©rljcbung  ber  9lid^tigfeitöMage  i\u  geben,  ©od  rcditnc^c  3ntcrcffc  bei^ 
2)ritten  qu  bcm  S)cftanbe  ober  9lid|tbeftanbe  ber  @^e  fonn  ein  fe^r  cr^eblid^cfi 
fein  (SlIimentationöQnfprud),  SRed^te  an^  bem  ©üterücr^ältniffe,  9ied)te  an&  ber 
elterlid)en  ©emalt,  ?2ad6fo(ge  in  2et)cn  unb  gibeifommiffe,  9iled)t  Quf  ben 
©enufe  einer  Stiftung  u.  f.  ro.).  S)ie  SWöglid^feit,  fid^  an  ben  Stoatßanmalt 
ju  menben,  bamit  biefcr  bic  3Uc^tigfcitöHogc  ertjebe,  gemährt  bem  S)rittcn  nicftt 
biefclben  ©aranticen.  2tnbererfeitö  finb  c^ifanbfe  ^lid^tigfeitöprojeRc  nid^t  p 
beforgen.  S)ic  ben  unberufenen  Äläger  trcffenbe  Äoftenpftid^t  unb  bic  ©cJ^öffig^ 
feit  beß  ©d^ritteö  finb  gcnügenbc  ©d^ranfcn.  3)ie  gültige  (glje  läuft  aud^ 
feine  ©efa^r.  3n  bem  mit  ben  locitcften  ©aranticen  umgebenen  aScrfa^ren  ift 
ben  ©Regatten  bie  üKöglidjfcit  geboten,  alles  jur  3Bat)rung  il)rer  SWcd^tc 
©rforbcrlidic  üorjufe^rcn.  3ft  aber  bic  ®^c  nid)tig,  fo  entfprid;t  cö  burd^auö 
bem  öffentlichen  3ntcrcf(e,  menn  biefe  9lid)tigfcit,  fei  cß  and)  nur  burc^  bad 
9Sorgcf)cn  eincö  bctljciligtcn  dritten,  aufgcbcctt  roirb. 
oerer6n<^feit.  S)ag  nad)  bcm  STobe  eincö  bcr  ®f)cgatten  bie  9lid^tigfeitöflagc  uon  bcit 

©rben  bcöfelbcn  nid)t  crijobcn  werben  fann,  ergiebt  fid^  fc^on  aus  bem  §  1252 
Slbf.  2,  nadö  iDcldjcm,  mcnn  bic  nid^tigc  ®^c  aufgetöft  ift,  bie  allgemeinen  ©runb^ 
fä^c  ber  Siic^tigfcit  Slnmenbung  finben.  ©bcnforocnig  gel)t  im  galle  ber  SSigamic 
baö  Siedet  bcß  baburd)  ucrtc^tcn  6(|cgatten  ber  früljeren  6^c,  bic  ^lid&tigfcitßflagc 
iu  crl)cbcn,  auf  bie  ©rbcn  als  folc^c  über,  ba  baö  9kdl)t  bcö  33crftorbcncn  auf  SSer* 
nidjtung  ber  neuen  ©t)c  fid)  auf  ben  SJcftanb  bcr  früheren  6l)c,  mithin  auf  ein 
l)od)ftpcrfonlic^cöSRcd)töDcrl)ältni6,  grünbct  (ücrgt.  §2051).  93crul}t  bic  SBcfugni^ 
jur  ®r^cbung  bcr  5Rid^tigtcitö!lagc  barauf,  bafe  bcr  Slnfpruc^  ober  bic  3Jcrpflid)tuug 
bcö  jur  ©r^ebung  ber  9lid)tigfeitöflage  bered^tigten  ©ritten  burd^  bic  9iid^tigfeit 
bcjn).  ©ültigfcit  bcr  6ljc  bebingt  ift,  fo  fönncn  bic  ®rben  bcö  ©ritten  bic 
?lid&tigfeitötlagc  nur  bann  crl)cbcn,  menn  ber  Slnfprud^,  roeldöer  ben  SRccfttö^ 
grunb  für  baö  iRcd&t  5ur  ©rl^cbung  bcr  JUd^tigfcitöftagc  bilbet,  auf  fxc  übcrs= 
gegangen  ift  bcjro.  bic  $ßerpfUd)tung ,  fallö  biefelbc  bcftänbc,  auf  fic  über* 
gegangen  fein  mürbe,  ©omeit  bicö  bcr  gall,  treffen  in  bcr  ^crfon  bcö  ®rben 
bic  SSorauöfcJungen  bcö  Sag  2  5u. 

§  1254. 

^rojcifa^ig.  SBennglcic^  oom  praftifd^en  Stanbpunftc  auö  S3cbcnfen  bagcgen  erhoben 

'*"•  TOcrben  fönncn,  einem-  in  bcr  ©efd&äftöfäliigfeit  befd^ränften  ©Regatten,  inö? 
befonbere  einer  minbcrjät)rigen  ß^cfrau,  in  einer  fo  mid^tigen  9lngclcgcnl)cit 
auönalimömcife  aftio  unb  paffio  bic  ^rojefefä^igtcit  bcijulcgen,  jumat  bie 
^rojclfüljrung,  l)ingcfcl)cn  auf  bic  ^^rojcfefoftcn,  audf)  oermögenörcdjtlid^e  9Iad&* 
tbeilc  mit  fidf)  bringen  faun,  fo  fönncn  bicfe  Sebenfen  bod^  gegenüber  bcr  ©r« 
mögung,  bafe  bic  Gtiegattcn  burd)  einen  Sicd^töftreit,  mclcber  bic  5iic^tigfcit  bcr 


Ungültigfcit  bcr  S6c.    SRi^tigfeitöffage.    S^roinforifd&e  Sl^agrefleln.   §  l'2bb.     61 

iSI)c  ium  ©cgenftanbc  l)ai,  in  i^rcr  pcrfönlid^eti  JHec^töfteUung  unmittelbar  bc* 
rfi^rl  werben,  nid^t  qIö  burdt))d|tagenb  angefe^en  werben,  3n  einer  fo  per* 
fönlic^en  ängelcgenljcit  mufe,  foroeit  nidtit  bringenbe  (Srünbc  proftifc^cr  ^imd- 
mofeigfeit  cntgegcnfte^en,  bie  eigene  ®ntf(^Ue6ung  ber  23etljeiligtcu  mafegcbenb 
fein.  5)ic  ^crt)orgcl)obencn  praftif^en  33eben!en  uerüeren  jubem  baburd)  er- 
^lic^  an  ©croid&t,  bafe  bic  Parteien  burd^  einen  Sttnroalt  vertreten  fein  muffen 
imb  ouf  baö  33erfa^ren  bic  befonbercn  nuf  bem  Dffisialprinäipe  beruöenben  äJor^ 
fc^riften  bcr  6.  %  D.  ütcr  baö  S3erfof|ren  bei  ber  3Uc^tigfeitöfIage  3(nn)enbung 
finben.  3ft  ber  in  ber  ®cfdöäftÄfä^igfeit  bcfc^ränfte  e^egatte  in  9fn)ef)ung  bcö  ^^1'^^^**^",^ 
^ier  fraglichen  9lcci)töftreiteö  projefefä^ig,  fo  ergicbt  fid^  auö  §  50  ber  G.  ^4J.  D.  qZ^mtn 
iwn  fclbft,  baS  fein  gefeglic^er  SSertreter  für  if|n  ben  ^rojefe  nic^t  fütiren  fann.  *^'^^'^**"- 
Auf  ber  anbercn  ©eite  würbe  cö  aber  ju  weit  gelten  unb  praftifd^  in  ^of)em 
©robe  bebcnflid^  fein,  wenn  man  aud^  bem  gcfe|tid)en  SBertreter  eiucö  gefd&aftß* 
unfähigen  G^cgatten  bad  dic6)i  ent^ietien  wollte,  für  ben  (enteren  eine  ^{ic^tig* 
feitöHagc  ju  ergeben  (üergl.  aud)  ßntfc^.  b.  dt,  ®.  in  6iDilf.  IX,  58;  fäc^f. 
®. «.  §§  1623,  1624  unb  fäc^f.  ®ef.  u.  5.  Siooember  1875  §  4).  Xa  nai) 
§  1252  9(bf.  1  eine  nid^tige  ®^e,  beren  9lic^tigfeit  nid}t  auf  einem  gormmartgel 
bei  ber  ©H^li^feMnö  bcruljt,  fo  lange  als  gültig  be^anbelt  wirb,  bis  fie  auf* 
grlöft  ober  für  ungültig  erflärt  ift,  fo  würbe  ber  gefd&äftöunfö^ige  Ehegatte 
genot^igt  fein,  in  bcr  nichtigen  @^c  für  bic  Sauer  feiner  (Sefi^äftöunfäljigfeit 
fortjutcben,  fofern  nidjt  oon  anberer  ©eite  bic  3lidf)tigfeitöflagc  erhoben  würbe. 
ffienngleic^  ber  ©a§,  bafe  für  ben  gefd)äftöunfä feigen  G^egatten  ber  9ledf)tös 
ftreit,  welcher  bic  Slid^tigfcit  ber  (g^c  jum  ©cgenftanbc  l)at,  burc^  bm  gefeg- 
lii^en  aSertreter  geführt  wirb,  fd^on  ai\^  bem  ^^Jrinsipe  beö  ®ntwurfeö,  bafe 
bie  Sertretungdmad^t  bcd  gefe^lic^en  93ertretcrd,  foweit  nidjt  bad  @efeg  ein 
Snberefi  beftimmt,  audti  auf  bie  perfonlid^en  9{ngelegenf)citcn  beö  93crtrctcncn 
^  crftrerft  (§§  1649,  1728,  1743,  1503),  in  SJcrbinbung  mit  bem  §  50  ber 
6.  %  C.  hergeleitet  werben  fann,  fo  ift  cö  boc^  mit  SiüdEfic^t  barauf,  bafe  bic 
grage,  ob  bie  Stid&tigteitöflagc  burd&  ben  gefeßlid^en  äJertreter  eines  ©Regatten 
erhoben  werben  fann,  in  S)oftrin  unb  ^-IJroriö  ftreitig  ift  (oergl.  cinerfeitö 
Seuffert  XXXI,  248,  anbercrfcitö  ©ntfd^.  b^  dt.  0.  in  ßioilf.  IX,  58),  ate 
rat^fom  era^tet,  im  §  1254  jjenen  Sag  auöbrüdlic^  audjufpred^en. 

Do  bie  6.  %  0.  §  50  in  Slnfe^ung  ber  ^ßrojefefä^igfeit  auf  baö  bürger:^  «erfahren. 
licfie  SRed^t  uerwcift,  fo  gebort  bic  SSorfc^rift  beö  §  1254  in  baö  bürgerliche 
®efegbu^.  Dagegen  finb  t)crfd&iebene  baö  aScrfalircn  in  ®f)cfad)en,  inöbcfonbcrc 
Äud^  bie  9li4|tigfeitöflage,  betreff cnbc  9lenberungen  unb  ©rgänjungen  ber 
6.$.  C.  beirt  Ginfü^rungögcfegc  überwicfen  (oergl.  bie  9lnm.  ju  bem  Unter:^ 
abfc^nitte  „IV.  Ungültigfeit  ber  ei|c"  unter  II,  inöbcfonbcrc  bie  bort  mit- 
grt^eiltcn  §§  573  a,  577,  581  3lbf.  2,  §§  584  a,  587,  569  a  ber  ß.  %  C). 


§  1255. 

ßinjelne  neuere  ©efeggebungcn  boben  befonbcrc  Scftimmungcn  über  iJrooiforifc^e 
pnwiforifc^je  ajlafercgeln  wät)renb  bcr  Douer  beö  9lid&tigfeitöprojeffeö,  nament*  iJ^^nfb"« 
lii4  in  anfe^ung  bcr  SBcrppi^ung  bcr  ©l^cgatten  jur  Ijciuölicben  ®emeinfcf|aft,  «ec^unreue«. 
getroffen  (üergl.  fäc^f.  ®.  33.  §§  1621, 1753  oerb.  mit  bem  fäc^f.  (Sef.  o.  4.  aWärj 


62     Unöürtiflfcit  tcr  (S^c.  SRi^tigfeitöfraoe.  Umfano  b.  Sfc^tefraft  b.  UrtJ.  §  1256. 

• 

1879  §  2  3lb[.  3;  ®c[.  für  SRenfe  ä.  S.  t).  3.  SÖlai  1879  §  18;  fc^rocij.  »b.  ®ef. 
ü.  24.  JDcjcmbcr  1874  Slrt.  43,  44;  ital.  0,  33.  3Irt.  115).  5Da  nod&  bem  §  1252 
9lbf.  1  eine  nid^tige  ®^e,  bereu  ^iic^tigfcit  nic^t  auf  einem  gormmangel  bei 
ber  (S^ef^liefeuug  beruht,  fo  longc  alö  gültig  Qugefefieu  roirb,  biß  fie  oufgeloft 
ober  für  ungültig  erflört.  ift,  f o  enifprid^t  eä  ber  9lnaIogic  beö  33er^ättnineft 
unb  fütirt  Qud)  ju  einem  angemeffenen  Slefultate,  menn  bie  für  ben  ®^c^ 
fd)eibungSproje§  gcitenben  SSorf^riften  ber  §§  1462, 1463  auf  ben  SHid&tigfeitö* 
projefe  für  entfpred^enb  anmcnbbar  erflärt  merben.  3"fofern  liegen  allerbingft 
trog  beß  §  1252  9l6f.  1  bie  SBerl^ältnijfe  etroaß  üerfd&ieben,  als  nad^  ber  93or* 
f^rift,  meldte  burdi  ba^  einfü^rungdgefefe  bem  §  139  ber  ß.  ^.  D.  afe  9lbf.  2  ^im 
angefügt  werben  mirb  (oergl.  bie  9lnm.  1  ju  bem  Unterabfd^nittc  „IV.  Ungültigst 
feit  ber  ®^e"  unter  III),  aud^  t)or  erfolgter  Sßid&tigfeitäerflärung  bie  ?Ri(iötigfcit 
ber  6^e  mit  ber  5!Birfung  geltenb  gemalt  werben  fann,  ba§  ein  SRec^töftreit^ 
beffen  ©ntfd^eibung  oon  ber  Jli^tigfeit  ber  ®^e  abhängig  ift,  von  bem  Oeri^te 
bis  }ur  ©rtebigung  beö  SRed^töftreiteö  über  bie  9ii^tig!eitsflage  ausgefegt  werben 
mufe.  Snbejfen  ift  ein  Sebürfnife,  mit  JRüdEfi^t  auf  biefe  SSerfd^iebcn^eit  ber 
Sachlage  bie  SSerljältniffe  wäf)rcnb  ber  Sauer  beS  3lic^tigfeitspro}effcS  in  ber 
einen  ober  anberen  93eäie^ung,  insbcfonbere  in  9lnfe^ung  ber  UnterlialtSpflid^t 
beS  ©l^emanneS  gegenüber  ber  ®l^efrau,  in  einer  oon  ben  5Borfc^riften  beö 
§  1462  abweid^enben  Slrt  ju  orbnen,  nid^t  aujuerfennen. 

§  1256. 
©ubi<ftio<r  2)Q^  j)Qg  (iii^  j)ie  ?Rid)tigfeitSftage  erlaRene  Urt()eil  —  abweid^enb  üon 

wllt^tSraft  ber  5Rcgel  bcs  §  192  —  iebcnfalls  bann  für  unb  gegen  Sllte  wirfeu  mufe, 
urthliie«  ^^^"^  ^'^  ®^^  ^"^  nid^tig  erflärt  ift,  fann,  namentlid^  im  §inblidfe  auf  bie 
SBcftimmungen  beS  §  1234  beS  ®ntwurfes  unb  beS  §  171  bcs  ©tr.  ®. »., 
nid(|t  jweifelljaft  fein.  9luf  biefer  SSorauSfegung  beruht  au^  ber  §  588  bor 
®.  %  D.  Ueberwiegenbc  ®rünbe  fprec^en  aber  bafür,  aud&  bem  bie  ^lid^tigteitö» 
ftage  abweifcnben  Urt^eile  SBirfung  für  unb  gegen  91llc  beijulcgen.  S)as  in 
ber  Softrin,  insbefonbere  bcs  gemeinen  SRed^tcö,  üorwiegenb  Dcrtrctene  unb 
im  fäc^f.  ®.  33.  §  1857  ausbrürflid^  jur  STnertennung  gelangte  ^riujip,  bafe 
bas  ouf  eine  fog.  ©tatusflagc  crgc^enbe  Urt^eil  für  unb  gegen  9IUe  wirft, 
beruht  auf  SJücffid^ten  p^erer  9lrt  unb  ift,  namentli^  wegen  ber  Unt^eilbar^ 
feit  unb  ber  objcftiüen  9lotur  ber  l^ier  in  33etrad&t  fommenben  aSer^ältniffe 
unb  ber  fonft  eintretenben  SSerwidEelungcn,  im  Sntcreffe  ber  offentlid^en  Crb« 
nung  bringenb  geboten  (oergl.  aud^  bie  §§  1269,  1271,  1477,  1632).  ©iefen 
SJlücfftd&ten  gegenüber  fann  ber  Umftanb,  ba§  burc^  jenes  ^rinjip  Siechte 
britter  ^erfonen,  wcldie  an  bem  ^rojeffe  nid^t  S'^eil  genommen  ^aben  unJ> 
oielleid^t  gar  nid^t  in  ber  Sage  gewefen  fmb,  baran  S^fieil  ju  nehmen,  üerlcgt 
werben  tonnen,  als  burd^fd^lagcnb  nidjt  erad[)tet  werben,  tiefes  93ebenfen 
üerliert  iubem  erl)cblid)  an  ®ewi(^t  burc^  bie  befonberen  ®arantieen,  mit 
wcld)en  nad^  ben  S3eftimmungen  ber  ß.  5ß.  D.  unb  ben  biefetbe  ergönjenben, 
jur  9lufnal^me  in  bas  ©infü^rungsgefeg  beftimmten  äJorfc^riften  (ücrgt.  bie 
9lnm.  1  ju  §§  1250  ff.  unter  II  unb  bie  9rnm.  ju  §§  1476,  1632)  bas  83er* 
fatiren  bei  ben  ©tatusflagen  Mnb  insbefonbere  aud^  bei  ber  9Jid&tigfeitSflage 


Unflultiöfctt  ber  ßl&e.    <Sä)\i^  gutglaubiöcr  ©ritter.    §  1257.  63 

umgeben  ift.  3n  ^olQt  ber  DfpiialtnQjime  wirb  ba«  Urt^eK  in  ber  Sieget 
ber  Soc^Iage  entfpred^en.  3«^  Sfnfd^Iuffe  an  bie  gemcinred&tlid^e  2)ottrin 
empfiehlt  ed  jid^  febod^,  für  ben  galt,  roenn  borübcr  ju  cntfd^ciben  war,  ob 
bie  6^e  gegen  bie  SBorfciirift  befi  §  1234  verftofee,  ju  (Sunften  bed  Dritten, 
mit  welchem  bie  frühere  6^e  gefd&toffen  war,  eine  3tuöna^mc  bal^in  ju  mod^en, 
büB  bafl  Urt^eil  ni^t  gegen  benfelben  wirft,  fofem  er  nic^t  an  bem  5ßrojeRe 
2^il  genommen  ^atte.  ®iefe  Slufina^me  red^tfertigt  ftcfi  bur^  bie  ©rroägung, 
bog  efi  fid^  in  biefem  galle  nid^t  um  ein  oon  ber  ®^c  jmifdjen  ben  ^Parteien 
ob^öngenbed  Sle^t  eined  Dritten,  [onbern  itm  ein  felbftönbiged,  nnmittelbareö 
5le(^t  bedfelben  ^onbelt.  9luf  ber  gleid^en  (Srroägung  berul^t  bie  Seftimmung 
bcd  §  1632  SIbf.  1  Safe  2. 

2)ie  im  §  1256  beftimmte  SBorauöfefeung,  bafe  baö  Urt^eil  noc^  wä^renb  ^^^"^^ 
ber  fiebenöjeit  beiber  ©Regatten  rec^töfröftig  geworben  fein  mufe  (ocrgl.  aud^  preite«%ur^ 
§§  1269,  1477,  1632),  ift  eine  Äonfequenj  ber  ate  ©rgönsung  ber  ^Sorfd^riften  J;;^*^;^;;*^» 
ber  6.  ^.  C  über  baö  SSerfal^ren  in  ß^efad^en  befd^Ioffcnen,  jur  9Iufnal^me  in 
ba«  ginfül^rungfigefefe  beftimmlen  SSorfd^rift  beö  §  584  a  ber  S.  %  D.,  bafe, 
wenn  einer  ber  (S^egatten  t)or  ber  JRec^tdtraft  beö  ©nburt^eiles  ftirbt,  ber 
Set^töftrcit  in  Stnfe^ung  ber  ^auptfad^e  ald  erlebigt  anjufel^en  ift  (t)ergl.  bie 
Snm.  1  }u  bem  Unterabfd^nitte  „IV.  Ungültigfeit  ber  @^e"  unter  II,  9 ;  ferner 
bie  in  ber  »nm.  ju  §  1476  mitgct^eilten  §§  627  a— 627  b  ber  6.  %  D.).  aJIit 
bem  2:obe  eine«  ber  ©Regatten  fäUt  baß  bie  ®runb(agc  unb  ben  Oegenftanb 
ber  ^ter  in  Siebe  ftefjenben  SRed^töftreitigfeiten  bilbenbe  SJedötöoer^ältnife  weg. 
Soc^  bem  2:obe  eines  ber  ©Regatten  fann  bie  6^e,  wie  fic  ni(^t  me^r  gcs 
[(Rieben  werben  fann,  aud^  nic^t  mc^r  für  ungültig  erflärt  werben;  oielme^r 
fBnnen  nod^  bem  2:obe  eines  ber  ©Regatten  nur  nod&  Slad^wirfungen  ber  6^e 
in  grage  fommen.  Diefe  fxnb  aber  nid^t  Oegenftanb  beö  S^eprojcffeö,  fonbern 
muffen  in  einem  neuen  befonberen  ^rojeffe  geltenb  gemalt  werben.  Eine 
gortfefeung  be«  ß^eprojeffed  mit  SRüdftd&t  auf  fotd^e  SJad^wirfungen  ber  ®^c 
fu^rt  aud^  ju  ©c^wierigfeiten  in  STnfe^ung  ber  grage,  oon  wetd^en  ^erfonen 
^jw-  flcgen  welche  ^erfonen  ber  ^rojefe  fortgefefet  werben  foll.  3^^^^^^  ift 
für  foI(I)e  Sladdwirfungen  ber  6^e  baö  befonbere  SSerfa^ren  in  ß^efad^en  nic^t 
beredbnet.  Da  icbo^  bie  grage,  ob  biefe  SKuffaRung  fc^on  an&  ben  allgemeinen 
©nmbfä^en  hergeleitet  werben  fann,  nid^t  oline  S^J^if^l  ift  (ocrgl,  ßntfdö.  b. 
9J.  ®.  in  Gioilf.  IX,  57),  fo  ift  eö  alö  ratljfam  erad^tet,  bie  ß.  %  D.  burt^ 
ben  bejeic^ueten  §  584  a  in  ber  Ijicr  fraglid^en  ^inftc^t  ju  crgänsen. 


§  1257. 

Sie  olö  eine  ÜMobififation  beö  §  1252  3tbf.  2  fid^  barftellenben ,  im  6*u« 
^rinjipe  bem  preufe.  91.  2.  91.  II,  1  §§  960,  961  fid)  anfcliliefeenben  S3e^  ^"Är" 
ftimmungen  beö  §  1257  beruljen  auf  ber  ©rwägung,  ha^  eö  im  Siitereffe  ber 
Si(^er^cit  beö  3Serfe^reö  bringenb  geboten  ift,  ben  ©ritten,  welcher  im  $ßertrauen 
auf  bie  ©filtigfeit  einer  nid^tigen,  aber  in  gepriger  gorm  gefd&tojfenen  (S^e 
ftci  mit  ben  ©Regatten  ober  einem  berfelben  auf  9le^tögefd}äfte  ober  auf  einen 
SJcc^töftreit  einlädt,  in  9lnfel)ung  ber  SBirffamfcit  bicfer  SHed^tögcfcbftfte  ober 


64  Unflültiöfcit  bcr  ^f)e.    S^u^  öutöfoubiöcr  ^Dritter.    §  1-257. 

bcd  in  einem  fol(f)en  9iec^töftrcite  crloffenen  Urtl^eiteö  gegen  bie  aus  ber  9]ic^tig- 
feit  bcr  ehe  fidö  ergebcnben  golgcn  t^unüd)ft  ju  fd)ügcn  (rergf.  §§  304,  838;. 
1336,  1337,  2077,  2090).  2)er  Srfjiiß  begießt  [\ö)  aber  nur  auf  bie  SBirffanv* 
feit  bcö  9ied)tögeid)äftcö  ober  Urt^ei(c§.  2)ic  g3orfd;riften  bcS  §  1257  gc^ 
iDäf)rcn  bem  2:ritten  nid^t  aud^  bie  Scfuguife,  bef)ufs  ber  Sefriebigung  feiner 
gegen  einen  ber  ©fjegattcn  begrünbeten  gorberung  fici^  an  baßjenigc  9Semiögcit 
beä  anberen  ©Regatten  ju  galten,  roclc^cö,  roenn  bie  ©fjc  gültig  geroefen  wäre, 
S3eftanbtbei{  beö  33ermögenö  feines  Scbnibnerö  geworben  fein  ober  bocb  ber 
groangöroUftrecfung  ron  Seiten  beö  dritten  unterlegen  f)aben  mürbe.  @d 
folgt  bieö  barauö,  ba&  ber  ©laubiger  nidjt  ate  9luöflu&  beö  feine  gorberung 
begrünbenben  5Rcd)tögefcbäfteö  ein  Sted&t  barauf  gewinnt,  ha^  bci&  feiner  3w)ang«:s 
üoUftrerfung  unterliegenbe  Vermögen  in  bcmienigen  33eftanbe  üerbleibt,  in 
roeld^em  baöfelbe  jur  3^^*  ^^^  Segrünbung  feiner  gorberung  fid&  befinbct. 
S)ie  praftifcbe  S3ebeutung  biefer  3luffaRung  jeigt  fid^  bei  bem  gefcfelid^en  e^c* 
lid)en  ®üterredf)te  in  Slnfe^ung  ber  grüd)te,  roelcbe  bei  ©ültigfeit  ber  ®^c  bcr 
©Ijemann  auf  (Srunb  bcr  e^cü^en  SRußniefeung  (§§  1292,  1299)  erworben 
baben  würbe,  ferner  bei  ber  ©ütergemeinfd^aft  in  9lnfebung  beßienigen  SSer^ 
mögenö  bcr  ®bcfrau,  wetd^eö  bei  (Sültigfeit  ber  ®be  Seftanbtbeil  beß  ©efammt^ 
gutes  geworben  wäre  (§  1359,  §  1360  2lbf.  1,  §  1423  2lbf.  1,  §  1424  3lbf.  1^ 
§  1431). 

3n  9ln(ebnung  an  bie  S3eftimmungen  bcö  ©runbbuc^rec^ted  (§  837; 
Dcrgl.  aud^  §§  2077,  2090)  legt  ber  §  1257  baö  entfdtieibenbe  ©ewid^t  Icbiglid^ 
barauf,  ob  bem  ©ritten  bie  9lid)tigfeit  ber  ß^e  ju  ber  im  §  1257  aibf.  1,  2 
nätjcr  bcäcic^neten  3^it  befannt  war  ober  nic^t.  ®ie  9lnwenbbarfeit  ber  58ors 
fc^rif ten  beä  §  1257  aucb  bann  auöjufdbticfeen,  wenn  ber  S)ritte  bie  ?lid&tigfcit  bcr 
6^e  fennen  mufetc,  bem  dritten  mithin,  obwohl  wegen  33eobad^tunfl  ber  gorm 
ber  ®b^Wli^6"J^9  bem  äußeren  3lnfcbeine  nad)  eine  gültige  &i)c  vox\)anbtn  ift, 
noc^  eine  befonbere  SRad^forfc^ungäpflic^t  auf juerlegcn,  ift  als  bebenflic^  erachtet 
worben.  3n  Äonfequenj  biefcö  ©tanbpuntteß  mu§  aud^  bie  Äenntnife  bcr 
9lecbtöbängigfeit  beä  ?Ucf)tigteitöprojejfcö  oline  ©influfe  fein,  ba  bicfe  Äenntnift 
fid)  nur  alö  ein  gaU  beö  SUnnenmüffenö  ber  ?lic^tigfeit  ber  &i)t  barfteltt  unJ> 
befonbere  ©rünbc,  bejüglicb  biejeß  gallcö  eine  abweid^enbe  Stellung  einjii« 
nebmen,  nid)t  anjuerfennen  finb.  3luf  bcr  anberen  Seite  würbe  eß  ju  weit 
geben,  gänjlic^  baoon  abiufeben,  ob  ber  Sritte  bie  9Ucbtigfeit  bcr  et)e  fanntc 
ober  nid)t  fannte.  2)cr  ©runbfa^,  bafe  eine  für  nicbtig  erflärte  ©bc  atö  nic^t 
gcfcfitojfen  anjufcben  ift  (§  1252  3lbf.  2),  würbe  bamit  in  9lnfebung  2}ritter  tbat^ 
fädfjiid)  befeitigt.  Slugerbem  wäre  bamit  bie  3Jlöglidt)feit  gegeben,  bafe  ber  üon  ber 
9}ic^tigfcit  bcr  ©b^  unterrichtete  ©begatte  mit  bem  gleic^follö  üon  ber  SUc^tigfeit 
untcrricbtcten  ©ritten  fid)  Dcrbänbe  unb  burc§  entfpred^enbe  SRc^tßgeidtiäfte 
h^n  anberen  ©b^flötten  fd)äbigte,  ben  (enteren  DicUeid^t  um  fein  ganjeö  93er* 
mögen  bräd^te.  3)l\t  diüd)\d)i  barauf,  baß  wegen  bcr  beobad^tcten  gorm  bcr 
©befdjliefeung  eine  äufeerlid)  gültige  ©bc  vorliegt,  unb  in  Uebereinftimmung 
mit  anberen,  äbnlid)  ticgcnben  gäUen  (§§  304,  696,  837,  1336,  1337,  §  1278 
9lbf.  4,  §  1307  3tbf.  3,  §§  2077,  2090)  ift  eö  iebod)  alö  angemejfen  eracbtet 
worben,  bie  fflcweißlaft,  wie  bie  gajfung  beutlicb  ju  crfcnnen  giebt,  in  ber 
2(rt  5U  regeln,  ba^  berienige,  welcher  fid;  gegenüber  bem  ©ritten  auf  bie 


UnflürtiöWt  bcr  GJe.    ©^iife  flutgräuBiocr  Dritter.    §  1257.  G5 

Jlui^tigfeit  bcr  &)c  beruft,  ju  bciücifcn  f)at,  bag  bcm  Sirittcn  bic  Stid^tigfcit 
511  bcr  bctreffenben  ^di  bcfannt  war. 

9Bar  bic  6^c  jur  3eit  bcr  33ornQf)mc  bcö  SRed^tögcfd^äftcö  bcjro.  5U  bcr 
3rit,  in  welcher  in  einem  ontjängigcn  SRec^tSftrcitc  bic  Slidtitigfeit  bcr  ©(je 
Wttc  gcttenb  gcmod^t  werben  !onncn,  bereits  für  ungültig  crMärt,  fo  ift  bic 
Snroenbung  bcr  Seftimmungcn  beö  §  1257  oljnc  SRücffidjt  barouf,  ob  beut 
Stritten  bic  9iic^tigfcit  bcr  (S^c  befonnt  war  ober  ni^t,  auögcf^Ioffcn ;  benn 
ift  bic  Gl)c  für  ungültig  crflärt,  fo  fommen  ^lacbwirfungcn  bcrfctbcn  nid)t 
me^r  in  gragc.  ®cgcn  bic  Unfcnntnife  bcr  erfolgten  3flic^tigfeitftcrf{ärung 
aber  ift  ein  Dritter  ebenf owenig  5U  f^ü^cn,  wie  gegen  bic  Unfenntnife  bcr 
Suflofung  bcr  Gt)c  burd^  2:ob  ober  ©(Reibung  ober  in  golgc  2^obcöerfIftrung. 
Dagegen  ift  bic  ij^atfad^c  bcr  2lufIofung  bcr  GI)C  auf  bic  2lnwcnbbarfeit  bcS 
§  1257  ol^nc  Ginftufe.  9Son  praftifd^cr  Sebeutung  finb  bic  SSorfd^riften  bcö 
§  1257  in  einem  fold^cn  galle  wegen  bcr  3lacl)wirfungcn  bcr  ®l)c,  wcld)c 
burc^  bic  ®ültigfeit  bcr  @^c  bebingt  finb,  inöbefonbere  im  ^aße  bcr  3tuflöfun3 
bcr  (S^e  burd&  ben  2'ob  eines  bcr  Gb^Oö**^'^  wegen  beö  Crbrcciötcö  bcö  über- 
Icbcnben  6§cgattcu. 

Der  Schuft,  welken  bic  3?orfd)rift  bcö  3lbf.  1  Dritten  gcwäb^t,  bc- 
fctiränft  fid^  übrigenö  nur  auf  bic  unmittctbar  mit  ben  ©begatten  t)or^ 
genommenen  bcjro.  i^jncn  gegeimber  uorgenommenen  9le4itögcfc^äfte;  er  erftrerft 
ft(b  nid^t  auf  fold&c  gäDc,  in  weld^cn  ein  Dritter  im  SSertrauen  auf  bic 
(Sültigfeit  bcr  ©bc  mit  einer  anbercn  ^erfon  auf  ein  Med^tögefd^äft  fidj  ein- 
KÖt,  betfen  (Sültigfeit  mittelbar  oon  bcr  (Sültigfeit  bcr  ©b^  abtjdngt.  ^at 
j.  S.  ein  Dritter  einen  jum  JBcrmögcn  bcr  ©befrau  gebörenben  ©egenftanb, 
rodeten  ein  3lnberer  t)on  bem  mit  bcr  ©^efrau  in  (Sütergcmeinfdöaft  Icbcitben 
©bemanne  erworben  bötte,  uon  biefem  älnbercn  im  SBertraucn  barauf  erworben, 
bafe  bic  6^c  gültig  unb  bcr  ©bemann  bcö^alb  5ur  SBcröufecrung  Jeneö  (Segen- 
ftanbcö  befugt  gewefen  fei  (§  1352),  fo  fd&üfet  ibn,  fallö  fein  3lutor  bic  3lidjtig:^ 
feit  ber  ©be  jur  3cit  beö  ©nücrbcö  fanntc  unb  bic  SSeräufeerung  an  bcnfelben 
babcr  unwirffam  wor,  ber  Umftanb,  bafe  er  fclbft  sur  3eit  feincö  ©rwcrbcö 
bic  5li^tigfeit  ber  ©be  nid^t  fanntc,  nic^t  gegenüber  ber  ©befrau.  ©in  Sc* 
bürfniß,  ben  S^ug  bcö  guten  Olaubenö  im  Sntcrejfc  bcr  ©id&crljcit  bcö  SSer* 
fcbrcö  fo  loett  auöjubebnen,  liegt  nic^t  oor,  jumat  in  oiclcn  gällcn  bic  fonftigen 
SJcftimmungcn  beö  ®efegbucf|cö  über  ben  ©d&ug  bcö  guten  ©(aubenö,  inö* 
bcfonberc  bic  Seftimmungen  bcö  Sad&enrec^tcö,  bcm  Dritten  fd^üftenb  jur 
Seite  fteben  roerben.  Dagu  fommt,  bafe  aud^  in  ben  äbnlid^  licgcnbcn  gaUen 
bcr  §§  120,  121,  wenn  eine  SSolImad^t  burdb  Sßiberruf  crlofc^cn  ift,  bcr  gut* 
gläubige  Dritte  nur  in  Slnfcbung  bcr  unmittelbar  mit  bem  Scoollmäd^tigtcn 
oorgcnommenen  SRcd&tögcfd^afte  gcfd&üftt  wirb. 

9tnlangenb  ben  SB)f.  2,  fo  bcjicfit  fic^  bcrfclbe  im  9lnfc^Iujfe  an  §  304 
3ü)f.  2  (oergt.  ferner  §  1337)  fowobl  auf  ben  gall,  wenn  oon  einem 
bcr  ©begatten  ein  SRcd^töftrcit  gegen  ben  Dritten,  alö  auf  ben  umgcfclirten 
Sali,  wenn  oon  bem  Dritten  ein  SRcd&töftrcit  gegen  einen  ber  ©begatten  an* 
Wnglg  gcraod^t  ift.  3(ud[i  in  bem  Icfetercn  galle  bietet  ber  9lbf.  2  bem 
Dritten,  wcld^er  alö  Älöger  ein  obfiegenbcö  Urtl)cil  gegen  einen  ber  ©be* 

Sotioe  i.  bßrgerL  Ocfe|(n4.  lY.  5 


66  Unoürtiflfdt  ber  ©Sc.    ^utatiüe^e.    §  1258. 

galten  crftritten  f)at,  inforoeit  gcroiffe  S8ortf|cite^  olö  bei  aSoraußfegung  bcr 
©ültigfeit  ber  (Sf)t  baß  Urtl^eil  aiid^  gegenüber  bem  onberen  ®l)egotten  tüirffam 
ift  (t>ergl.  §  1352,  §  1360  3lbi.  1).  2Bic  im  §  304  3lbf.  2  (oergL  femer 
§  1337),  ift  an6)  im  §  1257  alö  mafegebcnbcr  3^itpw"W/  ^iö  ju  roeld^em  bic 
Äenntnife  beö  ©ritten  von  ber  9Jid&tigfeit  ber  @I)c  in  Setra^t  fommt,  ber* 
jenigc  3^itpi^"tt  beftimmt,  in  weld^em  bie  9iid^tig!eit  ber  6l^c  nod^  l^ättc 
gcitenb  gemad^t  werben  fönncn.  S)ie  (Srünbe,  auö  roeld^en  ber  ©ntrourf  biefen 
3eitpun!t,  nid^t  aber  ben  3^itpwi^W  ^^^  9lcd^tßf|ängigfeit  beö  9lec^töftreiteS 
als  ben  mafegebenben  Ijingeftettt  l^at,  finb  bicfelben,  roeld^e  ju  ber  entfprecbenbcn 
a^orfd&rift  beö  §  304  3t6f.  2  geführt  öaben. 

Saß  preufe.  91.  2. 5R.  II,  1  §  962  f)cbt  noc^  befonberö  fieroor,  bafe,  wenn 
bie  (Sfie  wegen  beß  SJerbotcß  ber  Sigamic  (§  1234  beß  ©ntmurfeß)  nid&tig 
ift,  bur^  bie  SB^rl^anblungen  eineß  ©ritten  mit  bem  uermeinten  jmeiten  ©Ije- 
gattcn  bie  9iecf|tc  beö  erftcn  unb  moliren  (Stiegotten  nid|t  gcfräntt  merben 
fönnen.  ©ine  entfpred^enbe  Scftimmung  ift  in  ben  ©ntrourf  nic^t  ouf* 
genommen,  ba  in  Crmongelung  einer  befonberen  SSorfc^rlft  eö  fi^  von  felbft 
t)erftel}t,  ha^  SRed^te  ©ritter  burc^  5Red^töftanbIungen  jroifd^en  anberen  5ßerfonen 
nid^t  beeinträd)tigt  werben  fönnen,  bie  aSorfd[)rift  beß  §  1257  ober  nur  infotoeit 
©d)"6  5"  getoäljren  besroedt,  alß  bie  91id&tigfeit  bcr  (Sf)c  bcr  SBirffamfeit  beö 
9lcd^tßgefd)äfteö  ober  beß  Urtt;eileß  entgegcnftcl;en  würbe. 


§  1258. 

»irtunfl einer  2)er  §  1258  betrifft  bic  S^agc,  ob  unb  inwieweit  im  gallc  ber  ^lic^tig- 

feit  bcr  ©^c  auf  ©runb  beö  guten  ©laubenö  bcibcr  ©Regatten  ober  eincö  ber* 
fclben  für  bie  ©Regatten  im  ajerpltnifjc  ju  ciuanbcr  unb  }u  ©ritten  bie  an 
fic^  an^  bcr  3lid)tigfeit  ber  ©[)e  fidf)  ergebenben  Honfequenjen  (§  1252  3lbf.  2) 
©crtenbed  ciuc  3)lobififatiön  erleiben  foUen.  ©ie  befteficnbcn  dkd)ic  ncl)men  gegenüber 
****•  bicfcr  grage  einen  priitjipicU  ücrfd^icbencn  Staubpunft  ein.  ©aö  gemeine 
9ted)t  unb  biefcm  folgcnb  bie  SKc^rja^I  bcr  neueren  G3cfcggcbungcn  (fäd^f. 
©. ».  §§  1028,  2054;  code  civil  3(rt.  201,  202;  ^eff.  ©ntw.  II  3lrt.  59—62, 
III  3(rt.  89  nebft  aWotiücn  S.  30  ff.;  fc[)weij.  S3b.0cf.  n.  24.  ©cscmbcr  1874 
3frt.  55;  t)ergl.  ferner  in  erbrcd)tlid)er  Scjie^ung  fonbcrö^.  Sutjcffionßorbn. 
V.  8.  ©ejcmbcr  1829  §§  94,  95;  Weimar.  (?3cf.  t).  6.  Sfpril  1833  §§  65,  68; 
altcnb.  ©cf.  v,  6.  3fpril  1841  §§  74,  75  t)erb.  mit  bcr  altcnb.  ©^corbn.  v. 
13.  aJJai  1837  §§  4—8,  26vS— 270;  ©ef.  f.  3Jcuf3  j.  2.  i).  10.  ©ejcmbcr  1853 
§§  67,  68)  legen  ber  ^^utatiücfie  bic  2Birfung  bei,  ba{3,  wenn  bcibc  GI)e* 
gattcn  in  gutem  ©tauben  finb,  für  bcibc  ©Regatten,  wenn  nur  einer  berfelben 
in  gutem  ©tauben  ift,  nur  für  ben  gutgläubigen  Gf)cgattcn  alle  red)tlid^en 
SBirfungen  einer  gültigen  ©f)e,  inöbefonbcre  anö)  bie  erbrcd)tlid^en  SGßirfungen, 
eintreten,  ©agegen  fommcn  nad)  bem  preufe.  31.  S.  di.  II,  1  §§  952—959 
(t)crgl.  aud)  ©efe^ret).  ^enf.  XV  §§  144—150,  157)  —  abgcfe^en  t)on 
einigen  unerl)cbü4icn  9)Jobififationcn  —  audf)  bei  einer  ^utatiüel)e  (ebiglid)  bie 
allgemeinen  ©runbfä^c  bcr  DJic^tigfcit  jur  Sfnwenbung.  9iad)  näfierer  Sc* 
ftimmung  bcr  §§  963—965,  967  II,  1  3{.  2.  %  ift  aber  bcricnige  Gtiegatte, 


Unöüfliöfeit  ber  (g^e.    9)utatiöc6e.    §  1258,  67 

mlc^cr  ben  onbcrcn  Gficgotteu  burd^  SSerfdjiüeigung  ober  ajerfteimlidjinig  bcö 
€^^inbcrnif|cö  ober  fonft  burd)  betrüglidje  SBorfpiegelungen  jur  Scftliefeimg 
ber  nichtigen  Qi)c  oerleitet  i}at,  bcii  anbercii  G^egattcu  fc^abtoö  511  [)ahcn  ocr^ 
pflichtet  9luf  bcm  Sobcn  beö  preufe.  9t.  S.  di.  ftcfjen  im  5ßrinäipc  aiid)  baö 
afterr,  0.  33.  §§  102,  1265  unb  baö.  gotf).  ß^cgcf.  ü.  15.  3lug.  1834  §  23 
Derb,  mit  bem  gotf).  @cf.  ü.  7.  3uui  1844  §  54. 

2)ie  oUgemeinen  ®runbfä^e  fügten  baf)iii,  baß  im  gallc  ber  9ti(i6tigfeit  «t^n^j^n^ 
ber  6f|e  für  boö  SBer^ältniß  ber  ©Regatten  ju  einanbcr  unb  ju  dritten  bic  Gutwurfe«. 
•@runb|ä|e  ber  9ii^tigfeit  mo&gebenb  fein  muffen,  mitf)in  iuöbefonbcre  axiö) 
büß  gegenfeitigc  Grbrec^t  ber  ©Regatten  auögcfd)Ioffcn  ift.  ©ine  2)urc^bred)ung 
biefes  ^45rin5ipeö  ift  nur  gered^tfertigt,  mcnn  unb  foweit  ein  bringenbeö  prof- 
tifc^eö  Sebürfniß  bieö  eri)cifd^t.  ©in  SSebürfnift  ober,  fic^  Don  ben  allgemeinen 
<3nmbfa^en  fo  weit  ju  entfernen,  mic  baö  gemeine  9le^t  unb  biefem  folgenb 
boö  fäcbf.  ©.  33.  unb  ba§t  fransöfifdje  Sted^t  es  tf)un,  fann  nid)t  anerfannt 
werben,  ^n  bem  großen  Gebiete  beö  auf  bem  entgegenfc^ten  Stanbpuntte 
fte^enben  preufe.  91.  2.  91.  ift  baö  33ebürfni§  einer  9lenberung  in  ber  f)icr 
fraglichen  33ejie^ung  nid)t  ^eroorgetreten.  ©egen  eine  foldje  9luöbef)nung  ber 
3Sirfungch  ber  5ßutatit)e^c,  mie  fie  im  gemeinen  9ted)te  unb  in  ben  bem 
(enteren  fid^  onfc^liefeenben  neueren  ÖJefefegebungen  9lnerfcnnung  gefunben  Iiat, 
fprec^en  subem  er^ebüd^e  fad^lid^e  S3ebenfen,  namentlid)  bie  mit  eina*  folc^en 
Siegelung  tjerbunbene  93erle|ung  ber  Siedete,  inöbefonbere  ber  ©rbred^te,  dritter 
unb  bic  3?ern)idelungen,  xoM)C  fic^  barauö  für  bic  nic^t  feltenen  gällc  ber 
3Jigamic  ergeben  fonnen,  fomic  bie  Grwägung,  baß  eö  unter  Umftänben  bcm 
gutgläubigen  ©Regatten  mcit  Dort^cil^aftcr  ift,  w^nn  er  bic  i^m  auf  ©runb  ber 
^lic^tigfcit  ber  ©^e  jufte^cnben  Sled&te  geltenb  macfien  fann,  alö  meim  für  il)n 
bic  SBirtimgcn  einer  gültigen  ©^e  eintreten.  9luf  ber  anberen  Seite  laffen 
icboc^  Slüdffic^ten  ber  SiHigfeit  unb  Sd&onung  unb  bie  9lüdEfid^t  auf  biejcnigen 
9led)tßgebietc,  in  n)eld)en  ber  gutgläubige  ©begatte  einen  befonberen  Sd^u^ 
flcnieBt,  cö  olö  bcbenflid)  erfd&einen,  oon  jeber  befonberen  33eftimmung  5um 
S(^u5c  bcö  guten  ©laubenö  abiufcl^cn  unb  ben  gutgläubigen  ©fiegatteri  lebigtid^ 
auf  bic  allgemeinen  ©runbfäge  ber  9iid^tigfeit  unb  beö  3d)abcnöerfa|eö  axi& 
unerlaubten  ^anblungen  (§§  704,  705)  ju  Dcrmeifen,  jumal  in  Icfeterer  ^in* 
fid^t  bie  allgemeinen  ©runbfäfie  nur  ju  einem  Slnfpnic^e  auf  ©rfa^  beö  ncga- 
tioen  Sntercffefi  führen  mürben,  n)eld)eö  in  mand^cn  gällen  alö  eine  auö* 
rcit^enbe,  ber  S3illigfeit  entfpred^enbe  ©ntfd^öbigung  nid^t  angefel^en  roerbcn 
fann.  33ei  biefer  ©obläge  erfd^eint  eö  alö  ein  paffenber,  jmifd^en  ben  uer- »a^iret^t  be« 
f^iebcncn  Siedeten  unb  ben  Dcrft^iebcnen  9lüctfid^ten  uermittelnber  9luön)eg,  *^öÄun" 
bem  gutgläubigen  ©Regatten,  fofern  ber  anbcrc  ©l^egatte  bei  Sd^liefeung  ber 
&ft  bereu  Slid&tigfeit  gefannt  l^at,  nad^  9luflöfung  ober  Ungültigfeitöerflärung 
ber  et)c  bic  SBa^l  ju  geben,  ob  gegenüber  bem  anberen  ©Regatten  in  uer« 
mogenörcd&tlid^cr  Sejic^ung  eö  bei  ben  [auö  ber  3flid^tigfcit  ber  ©l;e  fid) 
ergebenbcn  S^lfl^"  verbleiben  ober  baö  SScrl^ältnife  fo  bel>anbctt  werben  foll, 
wie  TOcnn  bie  ©^e  gefd)ieben  unb  ber  onbere  ©l^egattc  für  ben  fd^ulbigen  S^tjcil 
ertlärt  märe.  Sinb  bagegen  beibc  ©Regatten  bei  Schließung  ber  ©l)e  in  gutem 
Öloubcn  getucfen,  fo  foll  eö  bei  ben'allgemeinen  ©nmbfä^en  fein  Sieroenben 
^ttben.    aud&  für  biefen  gall  jebem  ber  ©Ijegattcn  baö  9led&t  ber  JSaljl  5U 

5* 


68  Ungültiflfcit  ber  eßc.    ^utatbcje.    §  1258. 

gebcn^  ob  im  93cr^ö(tniffc  berfelben  ju  cinanber  bic  @^c  ald  gültig,  aber  al^ 
gefd^icbcn  bel^anbclt  werben  folf,  empfiel^lt  fxä)  nid^t,  rocil  Qtebann  jcber  bcr 
©Regatten  ben  anbeten  nötl^igen  tonnte,  ftQtt  bcr  Siegel  gemöfe  bic  il^m  picUeid^t 
güttftigen  SBirfungen  ber  9iic^tigfcit  in  änfprud^  ju  nefimcn,  feinem  Sntcrcftc 
entgegen  ftd)  fo  bel^anbeln  ju  loffen,  loic  wenn  bie  6^e  gültig,  ober  gefd^icben 
n)are.  Xa  ed  ftd^  barum  l^anbelt,  bem  gutgläubigen  ©Regatten  eine  9Bol^ltl^at 
5U  erioeifen,  fo  barf  bic  lefeterc  bcmfclbcn  nid)t  Qufgebrängt  unb  gegenüber  bcr 
Siegel  ber  3ludnol[ime  nic^t  ba&  Uebergen)id^t  jugeftanben  roerben. 

3m  ©in^etnen  ift  jur  SRec^tfertigung  ber  SBeftimmungen  bcö  §  125vS  nod) 
golgenbcö  ju  bemerfen: 

!dtTi"'e?e.  1.  3Jic  befonbcrcn  Scftimmungcn  beö  §  1258  foHcn  nur  bann  gelten, 

lücnn  bic  SUid^tigfcit  ber  6l)c  auf  einem  anberen  ®runbc  als  auf  einem  gorm^^ 
mangel  berul|t.  3)icö  ift  aud^,  luenigftcnö  nad^  bcr  ^errfd^cnben  3Kcinung,  bcr 
Stanbpunft  beö  gemeinen  Slcc^ted  (ocrgl.  ferner  in  crbrcd^tlid^er  .^infid^t  mcimor. 
®cf.  V.  6.  3lpril  1833  §§  16,  65,  66;  gotl[|.  ®cf.  t).  2.  3anuar  1844  §§  19,  54; 
altenb.  ©ef.  v.  6.  äpril  1841  §§  17,  74,  75  t)crb.  mit  bcr  altcnb.  ©^corbn. 
V.  13;  anai  1837  §§  4,  5,  7,  283;  ®cf.  für  Sieufe  i.  2.  o.  10.  Scjember  1853 
§§  17,  67,  68).  ©benfo  fc^eint  ber  code  civil  2lrt.  201,  inbem  er  einer  für 
ni^tig  crflärtcn,  aber  in  gutem  ©laubcn  eingegangenen  ©f)e  bic  3Gßirfungcn 
einer  gültigen  ©^e  beilegt,  baoon  auösugeljen,  bafe  bic  SBirfungen  einer  5ßutatit):^ 
cf)c  überljaupt  nur  bei  foldjcn  ©lien  eintreten,  loeld&c  nid)t  f^on  fraft  bcö« 
©cfe^cö  nid&tig  finb,  fonbern  erft  burd^  rid)terlid&cö  Urt^cil  auf  erhobene 
gUd^tigfeitöflagc  für  nichtig  crtlärt  lucrbcn  muffen.  S)aö  fäd()f.  ®.  SB.  (oergL 
§§  1628, 1771, 2054  mit  §  1620)  mad^t  bagcgcn  ben  eintritt  ber  SBirfungen 
bcr  ^jJutatiDcfie  tiid^t  unbebingt  baoon  abhängig,  bafe  bie  ®lic  eine  formgültige 
fei  (Dcrgl.  au^  ^eff.  ©ntro.  II  3lrt.  61).  £)b  baö  prcufe.  91.  S.  91.,  fomcit  baö- 
felbc  überhaupt  mit  bcr  5[Jutatit)c,^e  befonbere  SBirfungen  oerbinbet,  gorm* 
gültigfeit  ber  ©l|e  oorauöfcßt,  ift  auöbrücflid^  nid)t  bcftimmt.  3)ic  SSorfd^rift 
bcö  §  50  II,  2  31.  S.  31.,  meldte  bie  rcd^tlic^c  Stellung  ber  Sinber  am  einer 
nid)tigen  ©^e  betrifft,  f(^ciut  bafür  ju  fpred^cn.  3nbcffcn  wirb  in  bcr  Softrin 
aud)  bic  cntgcgcngcfcötc  Slnfid^t  oertretcn. 

SBennglcid)  SBinigfcitörücffid^tcn  fid5  bafür  anführen  laffcn,  bic  83cftimmunj 
bcö  §  1258  aud^  auf  ben  gall  auöjube^ncn,  in  lücld^cm  eine  naä)  äRafegabc 
bcö  §  1252  2lbf.  1  alö  gültig  ansufe^enbc  ©^e  nid)t  vorliegt,  ber  eine  ©begatte 
aber  fxä)  in  einem  entfdpulbbaren  Srrtljumc  über  baö  33orl)anbcnfcin  bcö  gorm^? 
mangelö  befunben  l)at,  "fo  fann  bod)  ein  bringenbeö  SBcbürfnife,  oon  bem  fonft 
im  ©cfclbud^c  feftgel^altencn  ©funbfafee,  bafe  eine  formungültige  ©^e  alö  nid^t 
gefd&loRcn  anjufel)cn  ift  (§  1252  3lbf.  2),  ^ier  ju  ®unften  bcö  gutgläubigen 
©Regatten  abjumcid^en,  nid()t  anerfannt  mcrbcn,  jumal  md)  bem  ^ISrinsipc  bcö 
§  1258  überljaupt  nur  bic  feltenen  gölle  in  SBctrad^t  fommen,  in  meldten  lebiglid) 
bcr  eine  iTfieil  fid^  in  einem  cntfd^ulbbarcn  3rrtl|ume  über  baö  Söorljanbenfcin 
bcö  gormmangclö  befunben,  bcr  anbere  2:^cil  aber  bie  Slid^tigfcit  ber  ©^c 
gcfannt  dat.  ®egen  bie  9luöbcl^nung  fprid^t  aufeerbem  baö  praftifd()e  Scbenfcn, 
baß,  ba  in  bem  oorauögefefetcu  gallc  eine  Slid^tigfcitöcrflärung  ni^t  ftattfinbet 
(§  1252  9lbf.  2,  §  1253),  bcr  geitpunft  bcr  ©ntbcdung  bcö  3rrtl;umcö  ber  S3er* 


Unöültiofeit  ber  S^e.    ?)utatiüc5c.    §  1258.  G9 

möflcnfiauöcinaubcvfc^ung  ju  ©ninbc  gelegt  rocrben  müfete,  bicfer  3<^itpwJ^ft 
ober  ji(ö  fc^roer  firiren  läßt. 

2.  ©ntfprcd^cnb  bcm  in  bem  ©efegbiid^c  axid)  fouft  befolgten  Sprad;-  »««nfr  »>'« 
gcbraud^c  ift  bei  ber  gaffung  beß  §  1258  ber  3liiöbrucf  „guter  Olaubc"  Der^  ©lauben«. 
mieben  unb  finb  ftatt  beffcn  bic  SBorauöfefeungcn  beö  guten  ©foubenö  im  ©in- 

llQnge  mit  bcn  §§  877,  881  nä^er  bcftimmt.  S)ic  SBirfungcn  ber  ^utatiu^ 
c^  f(i^on  bann  ju  t)erfageu,  wenn  bie  Untenntnife  beö  G^egotten  auf  einer 
riiä^t  groben  ga^riäfjigteit  berul^t  Ijat,  ift  aus  (Srünben  ber  SiUigfeit  nid)t  alö 
ongemcifen  erachtet.  Slnbcrerfeitö  mürbe  cö  nid^t  gered^tfertigt  fein,  bie  93er^ 
günftigung  be«  §  1258  einem  fold^en  ©Regatten  ju  ®ute  f ommen  ju  laffen,  meld)er 
bie  Slic^tigfeit  ber  @^e  jmar  nid^t  gefannt,  beffen  Unfenntnife  aber  auf  grober 
ga^rlöffigfeit  beruht  bat.  3n  ber  ?{5erfon  beö  anberen  6[;egatten  mirb  bagegen, 
cntfprc(i^cnb  ber  ratio  le^sris,  mirttidje  Äenntnife  ber  SRid^tigfeit  ber  @^e  jur 
3eit  ber  ©^efd^Uefeung  uorauögefegt.  3n  beiben  SRid^tungen  ftellt  aber  ber 
g  1258,  abmeic^enb  t)on  bem  fäd^f.  ®.  S3.  §§  1628,  1771  (oergl.  aud^  §  837 
isbf.  2  b.  Qnim.),  barauf  ab,  ob  ber  betreffenbc  ß^egatte  bie  Jlid^tigfeit  ber  ©()c, 
itit^t  barauf,  ob  cv  bic  bie  Slid^tigfeit  begrünbenben  ^'^atfad^en  gefannt  fjat. 
*on  praftifd^cr  SBebcutung  ift  bicö  namentUd^  für  ben  galt  ber  ß^efc^Iiefeung 
eines  Snölänberö  mit  einem  Snfönber,  wenn  bem  erfteren  jroar  bie  bie  Stid&tig- 
feit  begrünbenben  Tfiatfad^en,  nic^t  aber  bie  ©igenfd^aft  ber  (enteren  alö  cineö 
^'lid^tigfeitögrunbeö  be!annt  waren,  ©erabe  mit  SRüdffid&t  auf  fold)c  göllc 
empfiehlt  eö  fic^,  auf  bie  Äenntnife  ber  9lid^tigfeit  ber  6I)c  abjufteUcn. 

änlangenb  bie  Semeiölaft,  fo  fann  eö  nad)  ber  S^ffung  beö  §  1258  ©ewcitiati 
unb  ben  allgemeinen  (Srunbfäften  (§  193)  nid^t  jmeifel^aft  fein,  bafe  berjenige 
©^cgotte,  roeld^er  gegenüber  bem  anberen  ©fiegatten  pon  bem  SRedjte  (ätbrand) 
machen  mill,  bag  unter  i^nen  ba^  §Berbö(tni&  fo  bebanbelt  merbe,  mie  menn 
bic  6bc  gefd^ieben  unb  ber  anbere  S^b^U  für  ben  fd^ulbigen  J^beil  erWart  märe, 
foioobl  bic  SSorauöfe^ungen  beö  guten  ©laubenö  auf  feiner  Seite  alö  bie 
Äcimtnift  ber  ?li^tigfeit  ber  6^e  jur  ^txt  ber  ©d&Iiefeung  ber  le^tcrcn  auf 
Seiten  beö  anberen  ©Regatten  ju  bemeifen  ()at. 

3.  SEBcnnglcicö  ber  §  1258  bem  gutgläubigen  ©fjegatten  ein  3QBabfred)t    ^**^*' . 
einräumt,  fo  ift  bocfe,  mic  auö  ber  gaffung  mit  genügenber  Älar^eit  erl^ellt,  ju?Äi?«üLn^ 
baö  Ser^ältnife  unter  ben  ©Eiegatten,  fo  lange  ber  gutgläubige  Gf)egatte  Don  gg^^i^Lj^g 
bem  i^m  beigelegten  befonberen  9ted^te  feinen  ©ebraudE)  gemad^t  bat,  junäd^ft 

nad^  ben  (9runbfa6en  über  bie  9Ud^tigfeit  ber  ®bc  ju  beurtl^eilen.  @rft  bie 
®rt(ärung  beö  gutgläubigen  (Sljegatten,  bag  er  pon  ienem  Siedete  ©cbraud^ 
mad^c,  bewirft,  bajj  beibe  J'^cile  im  SBer^ältniffe  ju  cinanber  —  nid^t  aud^  ju 
^Dritten  —  fo  berechtigt  unb  terpflid^tet  finb,  mic  menn  bie  ß^e  gültig,  aber 
gefc^iebcn  unb  ber  anbere  ©begatte  für  ben  fd&ulbigen  ^I)eil  erflärt  märe. 
jCurd^  bic  SCnerfenming  eineö  85Ba{)Irec^teö  unb  bie  bamit  in  SBerbinbung 
fte^be  aSermeifung  auf  bie  jur  analogen  3lnmenbung  geeigneten  aSorfd^riften 
ber  §§  208,  209  wirb  eine  einfad)e  unb  smecfentfprec^cnbe  Siegelung  beö  33ep 
^(tniffeö  erreid)t  Um  icbod^  bcm  anberen  ST^eile  ein  aJlittel  an  bie  ^anb  auftübunß  b«« 
jii  geben,  bie  ©nlfd^eibung  beö  aBal^Ibered()tigten  innerhalb  angcmeffencr  grift  ®*'^'"^***- 
^bcijufübren,  ift  im  Slufd^Iuffe  an  anbere  analoge  SBorfd^riftcn  (ücrgl.  inö- 


70  Uiiöültiöfeit  bcr  gje.    3)«tattec5c.    §  1258. 

bcfonbcrc  §  210  3lbf.  2)  bic  3lufnaf)mc  bcr  in  SKbf.  2  Sag  2,  3  enthaltene!! 
33orfc^riften  alfi  rat^fam  crod)tct.  3n  locld^er  SBeife  baö  SSBa^Ircd^t  gcgcniiber 
bcn  ©rben  bcö  anberen  2:f)eilc8  auöjuüben  ift  unb  wcld^en  (ginffufe  cö  l&at, 
lücnn  baö  SDBofilrc^t  sunäd^ft  nur  einem  ber  (grben  gegenüber  auögeübt  wirb, 
ift,  wie  in  anberen  gäDen  einedSSßal^Ireciited,  fo  aud^  f|ier  an  ber  ^anb  ber 
allgemeinen  ©runbfäge  ju  entfd^eiben. 
SÄQ^gebenbcr  4.  SKad^t  ber  gutgläubige  ©i^egatte  pon  bem  i^m  im  §  1258  Slbf.  1 

Seitpunft  für  jj^jg^icgteti  befoubereu  3ledS|te  ©ebrau^  \o  ift  für  bie  aSermogenöaudcinanber:^ 
a5ermöflcn5*  fefeung  uutcr  ben  ©Regatten  nad^  aWafegabe  ber  ©runbfäfee  beö  ©d&eibungö* 
°"*Aun".*''*  red^tcä  bcr  B^Upwwft  mafegebenb,  in  metd^em  bic  6^c  aufgeloft  ober  bai^ 
Urti^eil,  burd^  roeld^eö  fic  für  ungültig  erflart  roirb,  recßtöfräftig  geroorben  ift* 
ro^'JJenirus  ^^^  ^^^^^  ^^^  supcrveniens  auf  Seiten  bc«  jur  3cit  ber  ©c^Iiefeung  ber  &)e 
"in  gutem  ®lauben  befinblid^en  ©Regatten  ift  mithin  in  bcr  l^ier  fraglid^cn 
§infid^t  o^ne  ©influfe.  ®emcinrec^tUd{)  wirb  bie  gragc,  ob  mala  fides 
superveniens  bic  9Birfungen  ber  5ßutatiDelje  für  bie  3wfunft  aufgebt,  Der* 
fd^ieben  beantwortet.  2luf  bem  ©tanbpuntte  beö  (Sntrourfeö  ftel^cn,  menigften* 
nad^  bcr  J^crrfd^enbetx  3Kcinung,  bcr  code  civil  Slrt.  201,  ferner  bie  altenb. 
eijeorbn.  v.  13.  a»ai  1837  §§  270,  283  oerb.  mit  bem  altcnb.  ©rbfotgcgef. 
V.  6.  Slpril  1841  §§  17,  75,  ba&  got^.  ®öcgef.  t).  15. 9luguft  1834  §§23,25 
verb.  mit  bem  gotl^.  ©rbfotgegef.  v.  2.  Januar  1844  §  19  unb  baö  ®ef.  für 
3teu6  i.  S.  V.  10. 5Dcjcmber  1853  §§  17,  68,  fomic  ber  f|cff.  entm.  II  9Irt.  59, 
III  3lrt.  39.  dagegen  legt  baö  fäd^f.  ®.  S3.  §§  1(328,  1771  ber  5ßutatioc^c 
in  Slnfcl^ung  bcr  ©Regatten  felbft  bie  SBirhingcn  einer  gültigen  ®l^e  nur  hx& 
ju  bem  S^itpunfte  ber  erlangten  Äenntnife  bcö  ©l^el^inbemiRcö  bei,  mälircnb 
5U  ®unften  ber  in  ber  nid^tigen  ®^e  erjeugten  Äinber  bie  mala  Men  super- 
veniens nic^t  in  Sctrad^t  fommen  foll.  3laä)  bem  preufe.  21.  S.  SR.  II,  2  §  54 
ift,  foüicl  bie  SRcd^te  ber  ©Regatten  gegenüber  ben  Äinbern  anlangt,  mala  fide» 
superveniens  ol|ne  ©influfe. 

SGßcnnglcid^  bie  Äonfequenj  baljin  fü^rt,  mit  bcr  ^utatioelic  für  beu 
gutgläubigen  @l)egatten  9Birfungen  einer  gültigen  6^e  nur  biö  ju  bem  ^cxU 
puufte  ju  oerbinben,  in  meld^em  ber  ®l^egatte  üon  bcr  9tid{)tigfcit  ber  ®^c 
Äenntnife  erlangt  l^at,  bcr  aScrmogenöauöeinanbcrfcfeung  mitl[|in  biefcn  3<^itpunft 
äu  ®runbc  JU  legen,  menngleid^  ferner  bie  fac^li^en  Sebenfcn  fid^  nid^t  Dcr^^ 
tennen  laffen,  meldte  bagegen  fpred^en,  mit  einer  red^tötoibrigen  unb  bem 
öffcntlid^cn  3ntereffc  miberftreitenben  SBcrbinbung  über  jenen  Scitpunft  l^inauö 
SBirfungen  einer  gültigen  6^e  ju  »erfnüpfen,  fo  flnb  bod^  bic  ®egengrünbc 
alö  übcrroiegenb  ju  erachten.  SSor  Slllem  fällt  inö  ®etoid&t,  baß  bic  gcft* 
ftcllung  beö  Seitpunftcö,  in  meld^cm  ber  gutgläubige  e^egattc  oon  bem  e^e:^ 
Ijinbernine  Äenntnig  erlangt  l^at,  oft  mit  großen  Sc^mierigfeiten  t)erbunbeu 
ift  unb  eö  fd^on  auö  biefem  ®runbc  bebenflidf)  crfd^eint,  jenen  3^itpunft  bcr 
SBcrmogcnöauöcinanberfcfeung  unter  ben  ©i^egattcn  ju  ®runbe  ju  legen.  ®a 
bcr  Älägcr,  meld^er  bie  aSermögcnöauöeinanberfcgung  auf  ber  ©runblagc  beö 
in  einem  Don  i^m  anjugebenben  beftimmten  3citpunfte  uorijianbenen  5Bermögenö* 
äuftanbeö  f orbern  mürbe,  bic  gortbauer  beö  guten  ©laubcnö  biö  ju  biefem 
3citpunfte  unb  nid^t  barübcr  Ijinauö  beroeifen  müfetc,  fo  mürbe  in  vkkn 
gällen  fein  3lnfpruc^  an  ber  Sd^mierigfeit  beö  93emeifcö  fd^citcrn.    SBermitfeltc 


Ungulligfcit  bcr  e^e.    anfed&tunößöränbe.    §1259.  71 

unb  loeitläuftgc  ^rojeffc  würben  nid^t  auöb(ciben.  55aju  fommt,  ba^  man, 
njcniflftcnö  unter  gen)if?cn  5Ber[)äItniffen,  bcm  gutgläubigen  ©Regatten,  njenn  er 
fpoter  oon  bcr  9lici^tigteit  ber  ®f|e  Äenntnife  erlangt,  nid^t  n)ol)l  sumutl^cn 
fann,  bic  9ii(^tigfeH8f[agc  ju  erl^eben  ober  bic  9lid^tigfeit  ber  ®^e  feinerfcitß 
jur  8tn5eige  ju  bringen,  bamit  bic  @f|c  t)on  2Imtön)egen  für  mcf)tig  erllärt 
loerbe.  938irb  aber  ber  3^itpunft,  in  roeld^eni  ber  ©fjegatte  t)on  ber  Sti^tigfeit 
ber  ®^c  Jlcnntnil  erlangt  l^at,  a(ö  mafegebcnb  fiir  bie  aSermogenöauäeinanbcr? 
feftung  crflart,  fo  brängt  man  ben  ®f)egatten  bal^in,  jenen  ©d&ritt  ju  tl^un, 
}umal  mit  bem  ^inauöfd^icben  ber  ©eltenbmadjiung  beö  Ijier  fraglid^en  Sied^tcö 
bie  proftift^cn  ©c^roierigfeitcn  wegen  @rmittehmg  bcä  für  bic  SBermogenö- 
audeinonberfcftung  mafegebcnben  S^itpunfteö  unb  befi  bamaligen  SSermögcnö- 
jujlanbcö  not^roenbig  road^fen.  Um  fo  unbebenflid^er  ift  eö,  ber  mala  fides 
superveniens  einen  (ginftufe  nid^t  cinjuräumen,  alö  bcr  (gnttourf  mit  ber 
^utatioe^e  in  Slnfc^ung  bcr  ©Regatten  fold^c  SBirfungen,  vodäjt  SRediitc  2)ritter 
beeinträchtigen,  inöbefonberc  erbred^tlid^c  SBirfungen,  nid&t  ücrbinbet. 

5.   SJurd^  bic  Scftimmungen  beß  §  1258  mirb  bic  grage,   ob  wJ^i>  ejx®*J,^T*j„ 
inioiewett  bcr  gutgläubige  @^cgattc  gegen  ben  anbcrcn  S^l^cil,  wenn  biefer  bie  oagemeinen 
«ic^tigfcit  ber  @^c  gefannt  ^at,  nad&  SKafegabc  ber  allgemeinen  ©runbfäöc  ®'"»^f«*«"- 
über  S^abenderfag  au3  unerlaubten  ^anblungeti  einen  @ntfc^äbigungdanfpmd^ 
flcitcnb   mad^en  fann  (uergl.  §§  704,  705),  nid^t  berül&rt.    ®ine  befonbere 
aeftintmung  (ücrgt.  preufe.  21.  S.  JR.  H,  1  §§  963—965;  fä^f.  ®.  93.  §  1629)  ift 
in  biefer  Slid^tung  nid^t  crforberlid^. 


§  1259. 

2Bic  in  ber  SSorbemerfuug  ju  ben  §§  1250—1270  S.  45  ff.  bereits  J^eroor*  «nfec^t^arfeit 
gehoben  würbe,  forbcrt  baö  praftifd^c  Sebürfnife,  neben  ben  gäUen,  in  weld^cn    ^"  ^^' 
eine  @^e  a(3  md)tiQ  bel^anbclt  wirb  unb  bedl^alb  t)on  älmtswegen  für  nid^tig 
crflärt  werben  fann  (§§  1250, 1253),  and)  \old)c  %ixUc  anjuerfcnnen,  in  wcldden 
nur  beftimmtcn  ^erfonen  bad  SHed^t  iuftel^t,  auf  Ungültigfcitäerflärung  anju? 
tragen,  b.  If.  naä)  bem  Spfteme  beö^öntwurfcö  fold^c  gciUe,  in  weld[)en  bie  ®t)e 
ünfe(!^tbar  ift.    ®iefc  gdllc  beftimmt  ber  §  1259  unb  jwar,  wie  bie  ®ingangd?  iMw«Wie6ii<^c 
Worte  bcöfclben  ergeben,  in  auöfd^licfecnbcr  SBcife.  '^"flJmS??*' 

1.  2a6  bic  &)t  anfed^tbar  fein  foD,  wenn  einer  ber  ©i^efd&liefecnben,  fei  s^w^una. 
es  oon  bem  anberen  SC^cile,  fei  eö  oon  einem  dritten,  wiberred^tlid^  bur^ 
Jhro^ung  ju  ber  ©ficfd^liefeung  beftimmt  worben  ift  (^Jlr.  1),  entfprid)t  ben 
allgemeinen  ©runbfägen  beS  ©efeftbud^cö  (§  103)  unb  fteöt  mit  bem  geltenben 
Äcc^tc  infofem  im  ©inflauge,  als  baö  fanonifd&e  Siecht  unb  baö  gemeine  pro? 
teftantifc^c  e^cred^t,  fowic  auc^  bic  neueren  ©efeggebungen  bic  S3eeinf(uffung 
bfd  ©iUenö  burt^  wiberred&tlid^c  Srol^ung  burd&weg  alö  ein  prioateö  trennenbcö 
efie^inbcmife  be^anbcln  (ocrgl.  preufe.  91.  2.  di.  II,  1  §§  39,  41—44,  993; 
codecivü  2(rt.  180;  fä^f.  ©.  93.  §§  1593,  1625;  altenb.  etjcorbn.  ü.  13.  3)M 
1837  §§  163, 165, 168—170;  ^eff.  ©ntw.  II  3lrt.  3, 48).  g^äljere  93eftimmungen 
über  bic  SJorauöfc^ungcn  biefeö  9lnfedjtungögrunbeö,  inöbefonberc  über  bie  93c? 
f(^offcn^cit  ber  ÜCro^ung  unb  htn  fog,  luetus  reverentialis  (ocrgl.  fäd^f.  ©.  93. 


72  UnöüItioWt  bcr  66c.    9tnfed)tun98örunbe.    §1259.    • 

§  1593;  f)cff.  ©ntiü.  II,  4—6),  finb  l^icr  cbcnfoiocnig,  wie  in  bem  allgemeinen 
SC^cile  beö  ©efe^bud^eö  (üergl.  §  103),  alö  crforberlicb  ober  ongemcffen  crad^tct. 

»«truß.  2.  3n  9lnfef)ung  ber  grage,  ob  unb  inwieweit  awä)  ber  93etrng  ofö 

f old&er  auf  bie  ©ultigfeit  ber  ®Ije  pon  6influ&  ift,  gelten  bie  beftel^enben  SHcd^te 

©citcnbefi  auöeinanber.  Saß  fanonifd^e  SRed&t  crfennt  ben  S3etrug  alö  einen  fclbftänbigen 
^^^'  Ungültigfeitögrunb  nid;t  an.  3n  ber  Softrin  unb  5ßrariö  be«  gemeinen  pro? 
teftantifd&en  ß^ered^teö  ift  bie  grage  im  5ßrinjipe,  n?ie  im  ©iujelnen,  inö- 
befonbere  aud^  na^  ber  ÜRid^tung  l^in,  inwiefern  eine  burd)  33etrug  l)ert)or* 
gerufene  Säufd^ung  beö  einen  3;^eileö  über  bie  SBermogenßoerfiältnifie  beö 
anberen  ST^eUeö  bie  Ungültigfeit  ber  ®^e  ju  bcgrünben  vermag,  beftritten;  bie 
5ßrajiö  neigt  fid^  ber  Slnfid^t  ju,  ia^  eine  ®Ije  o^ne  9iüdf|id)t  auf  ben  ©egen* 
ftanb  beö  burd^  ben  betrug  oerantafeten  Srrt^umeö  megen  Setrugeö  anfed^tbar 
fei,  fofern  nur  aniunef)men  ift,  bafe  ber  ®etäufc^te,  menn  er  ben  roal)ren  Sad^- 
t)erl^a(t  gefannt  Ijätte,  bei  reif{id()er  Uebcriegung  bie  6f|e  nid^t  gefd^Ioffen  f)abm 
mürbe  (oergl.  ©euffert  I,  235,  III,  66,  ©ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  6ioilf.  V,  46, 
XVIII,  45;  anbercrfeitö  iebod^  (Sntfd^.  b.  SR.  ®.  in  ©traff.  VIII,  4).  Sluf  bem 
Soben  beö  fanonifd^en  Jtedöteö  ftel^en  ber  code  civil,  fomie  ber  f)c%  ®ntm. 
(ücrgl.  bie  tDlotioe  jum  l^eff.  Gntm.  II,  7  ©.  40  ff),  dagegen  finb  nad5  bem 
preufe.  31.  Ü.  SR.  II,  1  §  39  t)erb.  mit  I,  4  §§  84  ff.  (oergt.  aud&  ©efefercü. 
^:ßcnf.  XV  §  30;  altenb.  ©I^eorbn.  ü.  13.  ^M  1837  §§  171  ff.;  fc^meis-  83b. 
®ef.  D.  24.  ©cjember  1874  9lrt.  50)  auc^  in  9lnfel^ung  ber  6^e  bie  allgemeinen 
®runbfätse  über  bie  Ungültigfeit  ber  SBiUenöerftärungen  megen  öetrugeö  mafe* 
gebenb.  S)aö  föd^f.  ®.  S3.  §  1597  löfet  bie  2lnfed{)tung  ber  ß^e  wegen  »etrugeö 
bann  ju,  romn  ber  eine  ©begatte  jur  ©ingel^ung  ber  ©^e  burd^  2^äufd^ung  beö 
anberen  ij^^eileö  über  Umftänbe  t)ermod&t  roorben  ift,  meld&e  if)n,  mcnn  er 
biefelben  gefannt  i)ätk,  bei  t)ernünftiger  Ueberlegung  Don  ber  6ingel)ung  ber 
Gf)e  I)ätten  abgalten  muffen.  3ft  ber  S3etrug  üon  einem  ©ritten  verübt,  fo 
finbet  eine  3lnfed{)tung  ber  ®l)c  nur  ftatt,  mcnn  ber  anbere  ®^eg<itte  um  ben 
betrug  geroufet  bat  (fäd&f.  0.  33.  §  1598).  3luf  einem  ä^nlid^en  ©cbanfen 
beruben  bie  fafuiftifd^cn  SBorfd^riftcn  beö  got^.  ®f|egef.  u.  15.  Sluguft  1834 
§§  135,  136. 
etojibpunft'  S)cr  ©ntmurf  ift  im  5ßrinjipe  bem  preufe.  31.  2.  SR.  unb  ber  in  ben 

(?ntmuV  ®"tf*-  ^-  ^-  ®-  *"  ®^^^'f-  V'  4^'  XVIII,  45  audj  für  baö  gemeine  pro* 
teftantifd^e  ©beredet  vertretenen  3luffaffung  gefolgt.  3lad)  9Jr.  1  ift  bie  ®f)c 
megen  33etrugeö  unter  benfelbcn  SBorauöfegungen  anfechtbar,  unter  meldten 
33etrug  nad)  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  beö  ©efetjbud^eö  (§  103)  überl^aupt 
bie  Slnfed&tbarfeit  eineö  SRed&tögefd^äfteö  begrünbet.  5!Benngleid&  nic^t  üerfannt 
mirb,  bag  bie  ©l^e  alö  ein  Dormiegenb  fittlid^eö  SBerl^ältnig  nid^t  o^ne  SSeitereö 
nad^  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  über  Slnfed^tbarfeit  ber  SRed^tögefd^öfte  p 
beurt^eiten  ift,  fonbern  bie  ©igent^ümtid^fcit  bcr  ©f)e  unb  ba&  öjtentlid^c 
Sntereffe  an  ber  9lufrcdf)tert)attung  ber  ©^e  alö  einer  objcftioen  3nftitution 
befonbere  SerüdEfidjtigung  rerbicnen,  fo  finb  bod^  bie  ®rünbc,  meldte  bafür 
fpred)en,  ben  33etrug  überhaupt  alö  felbftftnbigen  Slnfed^tungögrunb  anjuerfenncn, 
alö  übermicgenb  ju  cra^ten.  Stellt  eö  feft,  baß  einer  ber  ©^efd^lieftenbcn 
burd)  betrug  ju  ber  ©I;cfd^lie{jung  beftimmt  morben  ift,  fo  fann  eö  nic^t  alö 
geredjtfertigt  angefeljcn  merben,  ben  ®etSufdöten  an  einer  6f|e  feftjuljalten. 


Ungültiöfeit  bcr  ejc    anfcc^tunflgörünbe.    §  1259.  73 

wtlä)t  nur  biird^  bod  rechte*  unb  fittenroibrifle  SBcrl^alten  bcö  Qnbcrcn  ^()cilcö 
ober,  wenn  aud^  burd^  bcn  Sctrufl  cincö  ©ritten,  fo  bod)  unter  aKitroiRenfc^aft 
bcfi  anbcrcn  a^^eilcfi  üon  bem  Setrugc  ober  unter  folc^cn  Umftänben,  unter 
loelc^cn  ber  onbcrc  S^^cil  uon  bicfem  SBetruge  wiRen  muf3te,  ju  ©tanbe 
gcfommen  ift  ©incr  fold^en  @^e  fc^lt  cß  uon  uoml^ercin  nn  ber  fittlid^en 
Sofiö.  auf  bog  Sebcnfcn,  bog  ber  Seftanb  ber  G^c  ju  fel)r  gefäfjrbet  unb 
fripolen  (S^efd^eibunBcn  SSorfc^ub  gefeiftet  roerbe,  ba^  cö  übcrl)aupt  mit  bem 
littlid&en  SBefen  ber  ®I;e  ni(^t  uereinbar  fei,  wenn  bcn  fubicftiücn  SSciocgs 
grünben  in  fo  weitem  Umfange  ol^nc  Stüdfid^t  auf  ben  ©egenftanb  beß  burd) 
ben  Sctrug  l^cruorgerufcnen  3rrt^umcß,  o^nc  SRüctfid^t  barauf,  ob  cß  fid^  um 
einen  für  bic  3nJecIe  ber  ®f|e  wefentüd^en  Umftanb  Ijanbelc,  rcd^tüd)e  Sc^ 
beutung  bcigcmeffen  werbe,  fann  im  ^inblidfe  barauf  entfd^eibenbeß  (Semid^t 
md^t  gelegt  werben,  bafe  ber  Äaufaljufammenl^ang  ber  ©l^efd^liefeung  mit  bem 
S3etnigc  nac^gemiefcn  merbm  mufe.  3(n  biefcm  Jlad^meife  merben  friuolc 
^nfeti^tungen  ber  &)c  wegen  Setrugeß  fd^eitern.  5Dcr  Slic^ter  mirb  biefen 
^loc^roeiö  nur  bann  alß  crbrad^t  anfeilen,  wenn  ben  Umftfinben  nad)  nic^t 
JU  besmeifeln  ift,  ba§  bcr  Oetäufd^te,  wenn  er  bie  mafire  ©ad^Iage  gefannt 
^ätte,  bei  vernünftiger  Uebcriegung  bie  ©I)e  nic^t  gcfd^Ioffen  l^aben  mürbe. 
^uß  ben  angefül^rten  ©rünben  ift  cß  aud^  nid^t  angezeigt  unb  nid&t  ratl;)am. 
He  9lnfcd&tbarfeit  bcr  @^e  roegen  Setrugeß  burd^  bic  SluffteUung  obicKiocr, 
bem  3»erfe  ber  6^e  entnommener  ©d^ranfen  iu  bcgrenjen.  ®ß  ift  ju  beforgen, 
ha%  bei  einer  berartigen  SSegrenjung  nid^t  aüc  Ijier  in  SBetrad^t  fommcnben 
tinb  ju  berüdfic^tigenben  gälle  getroffen  merben  mürben.  3nöbefonbcre  fonn 
tinter  Umftfinben  auc^  eine  Stfiufd&ung  über  bie  aSermogenßocrl^ältniffe  beß 
anberen  SCf^eileß  bic  3lnfed^tung  ber  @^e  wegen  Sctrugeß  red^tfertigen  (oergl. 
€ntf(^.  b.  SR.  ®.  in  Sioilf.  V,  46,  XVIII,  45).  3war  f oU  eine  ©l^e  ni^t  um 
beß  33crmogenß  willen  eingegangen  werben;  auf  bcr  anberen  Seite  fteljt  cß 
inbeRen  mit  bem  SBcfen  ber  6^e  feineßwegß  in  SBiberfprud^,  wenn  bei  bcr 
€ntf (Reibung  bcr  gragc,  ob  man  mit  einer  bcftimmtcn  ^^erfon  eine  ©Ijc 
f(^Iie§en  will,  ober  nic^t,  a\i6)  bie  SBcrmogenßoerl^ältniffc  biefer  5ßerfon  mit- 
bejiimmenb  finb,  namentlid^  fowcit  cß  fid^  barum  Iiaubclt,  ob  bem  fünftigen 
<5^egatten  eine  feinen  biß^crigen  SBcr^filtniffen  entfprec^enbe  öfonomifd^e  ©riftenj 
flefix^ert  fein  werbe.  SBann  übrigenß  in  folcfeen  unb  anberen  göUcn  in  ber 
2:^t  ein  Setrug  anjuncl^men,  inwieweit  namcntlid)  —  abgefel^cn  von  bem  in 
5lr.  1  ^roorgel^obcnen  befonberen  gatte  —  eine  SicdjtßpPid^t  beftcljt,  bem 
miberen  2^eilc  aUe  Umftänbe  mitjutl^cilen,  uon  welchen  t)orauß5ufel^cn  ift, 
bo§  fie  auf  bcn  ©ntfd&Iu^  beß  anberen  2:^eUeß  von  ©inPufe  fein  würben,  ift 
ffitt  ebenfowenig  ju  bcfHmmen,  wie  bics  in  §  103  gefd)e^en  ift.  SBie  bei 
anberen  SRcd^tßgefd^äften,  muffen  in  biefer  §infid)t  aud^  ^ier  bie  ©ittc  unb 
bie  9(nwenbung  bcr  allgemeinen  ©runbfö^c  uon  2^reue  unb  ©tauben  bei  %kv^ 
trfigen  entfd^eiben. 

9ttß  einen  befonberen  gall  beß  83ctrugeß,  burd)  weld^en  einer  ber  GI;c?  «er^e^rung 
f(^(ie§enben  uon  bem  anberen  2;^eilc  wibcrred^tlid^  jur  ©liefd^Iiejsung  beftimmt  '""«gil?*^ 
wori)en,  bejeid&nct  bcr  §  1259  3lt.  1  ben  gall,  wenn  bem  erftcren  fold)c  per-  ^^«f*««  '^• 
\Mxd^  ßigcnfd^aften  ober  aSerljältniffc  beß  anberen  3:i)cileß  uon  biefcm  uerl^cl)ft 
roorben  fmb,  wel^c  i^n  bei  oerftänbigcr  SBürbigung  beß  Sj^J^^^ö  ^^^  ®^c 


74  Uiiöültigfeit  bet  Sßc    Sfnfcd&tung^orünbc.    §  1259. 

Dou  bcr  ©^cfd^Iicfeung  abfjaltcu  mufetcn  uiib  t)on  rocld^cn  jugleid^  üorauöiufel^cn 
xoav,  bafe  fic  i^n,  wenn  er  fic  gefannt  l)ättc,  von  bcr  (S^efd^Hefeung  abgcljaltcn 
I)abcn  loürbcn.  2)ur(i^  bicfc  pofitbc  33cftimmung  wirb  cincrfcitö  in  gciüijfcm 
Umfange  eine  Offenborungäpfftd^t  bcr  ©J^cfd^Uefecnbcn  unter  einonber  an^ 
brüdfüdb  anerfannt,  anbererfcitö  ein  gall  beö  Sctrugcö  unter  aSorQuäfegungen 
bcftimmt,  welche  an  fxä)  ben  2:^atbeftanb  beä  S3etrugeö  im  Sinne  bes  §  103 
fcincöiücgö  erfc^öpfen,  inbem  nid)t  and)  ber  Jlad&mciö  ©erlangt  mirb,  bafe  bie 
betreffenbcn  Umftänbe  bem  anberen  S^^cile  ju  bem  ^wcdz  ücrfc^miegen  fmb, 
bamit  bcr  anberc  S^l^cil  von  bcr  Sd^Iiefeung  ber  6^e  nid^t  juriicfgcl^attcn  werbe. 

owToi^Tr.  ^^^  Seftimmuug    ber   9lr.  1    ftel)t   in   engem   S^f^mmenliange  mit 

bem  Stanbpun!te  beö  ©ntmurfcs,  bag,  abgefel^en  von  ben  in  3lx.  2  be^ 
jeid^ncten  gällcn,  eine  älnfed^tung  bcr  (S^c  megen  fog.  njcfentlic^en  Srrti^umcö 
über  ©igenfd^aften  unb  SBcr^öItniffc  beö  anberen  S^Ijcileö  nic^t  jugelaRen 
merben  foll. 

©ritmbeä  25Qg  geltenbe  9te^t  Ijat  ben  (Sinftufe  beö  3rrt^umeö  auf  bie  Oültigleit 

ber  6^e  Dcrfd^ieben  bcftimmt.  S)aö  fanonifd^c  9led)t  berücffic^tigt  als  trennenbcs 
ß^cl^inbcrnife  in  biefer  öejiel^ung  nur  ben  Srrt^um  über  bie  ^erfon  (error  per- 
sonae  unb  error  qualitatis  in  personam  redunclans)  unb  benSrrti^um  über  ben  freien 
Staub  (error  conditionis).  3m  Uebrigcn  ift  nad&  ber  l^crrfd&enben  3lnfid&t  in 
2)ottrin  unb  5ßrajiö  ber  Srrtl^um  über  ßigenfdjaften  ber  ?|Serfon  auf  bie 
©ültigfeit  ber  G^e  o^ne  ©inpufe.  ©ine  anbere  Sluffaffung  ge^t  iebod^  ba^in, 
bafe  bie  S3eftimmung  beö  tanon.  9led)teö  über  ben  ©influfe  beö  error  conditionis 
bcr  StuöbrudE  eineö  ^rinjipeö  fei  unb  in  allen  gällen  ber  Srrtl^um  über 
lücfcntlid^e  ©igenfd^aften  einer  ^erfon,  b.  1^,  über  fold^e  ©igenfd^aften,  burd^ 
meldte  ba^  SBcfcn  bcr  ®^c  berührt  merbc,  ein  prioateö  trennenbeö  ©^e^ 
Ijinbernife  begrünbe.  Sluf  bem  ©ebietc  beö  eüangelifd&en  Äird^enrec^teö  luiebers 
l^olt  fid^  biefelbe  Streitfrage,  ob  unb  inmicroeit  ber  Srrtl^um  über  ©igenfc^aften 
bcr  5ßcrfon  auf  bie  Oültigfeit  ber  6()e  uon  ©inftufe  ift;  bod^  ift  l^ier  2)oftrin 
unb  ^rariö  einer  ©rroeiterimg  biefeö  ©influffeö  im  ®anjen  geneigter,  toenngleid^ 
über  bie  gormuürung  beö  ^rinjipeö  unb  ben  Umfang,  in  loeld^em  bem 
Srrt^ume  über  ©igenfd^aftcn  unb  a3crf)ältniffe  ber  ^^erfon  ein  ©influfe  auf  bie 
©ültigfcit  ber  G^e  cinjuräumen  fei,  im  ©injelnen  feine  Uebereinftimmung 
bcftcl^t  (ücrgl.  ©ntfd^.  b.  31.  ®.  in  ©iüilf.  XVII,  58).  2lnlangenb  bie  5ßrariö, 
fo  wirb  Don  bcrfelben  jicmlid^  allgemein  Sd^roangerfd&aft  ber  ©ficfrau  dou 
einem  !£rittcn,  fofern  bem  ©bemanne  biefe  Sd^wangerfd^aft  unbefannt  geblieben 
ift,  alö  5Rid&tigteitögrunb  anerfannt  (t)er3l.  Scuffcrt  VI,  210,  211,  XII,  36, 
XXXV,  79).  SBielfad^  mirb  in  ber  5ßrariö  ferner  angenommen,  bafe  über« 
^aupt  bcr  ^rrt^um  über  ben  aJlangel  bcr  SSirginität  bie  SRid^tigfeit  bcr 
G^c  begrünbe  (ücrgl.  Scuffcrt  VII,  191,  XIII,  33,  XVII,  249,  XVIII,  144; 
anbererfcitö  X,  175,  XXI,  58). 

Son  ben  neueren  (Sefcfigcbungcn  berücffid^tigt  bcr  code  civil  Slrt.  180, 
lücnigftcnö  bem  SBortlaute  nad),  nur  ben  3trrtt)um  in  bcr  ^^erfon  (oergl.  aud^ 
ital.  ®.  SB.  Mxt  105  Slbf.  2;  fd^mcij.  93b.  OJcf.  v.  24.  ©cicmbcr  1874  2lrt.  50). 
3n  bcr  franjöfifd)en  Suriöprubcuä  fjcrrfd^t  jcbod^  ein  lebhafter  Streit 
barübcr,  ob  unter  bem  ^rrt^ume  in  bcr  ^^Serfon  im  3lnfd[|Iu{fe  an  baö  fanonifd^c 
JHcd^t   nur  bcr  Srrtfjum   über  bie  pf|i)fifd^e  ^^Jerfon  ju  tjcrftc^en  ober  ber 


Uiiöultiofeit  tcr  ß^e.    anfed;tunö8flrünbc.    §  1259.  75 

3rrt§um  aud^  nod^  in  anbcrcu  gollen  oIS  ^lid^tigfcitögruub  anjucrfcmicn  fei. 
J)ic  dcrrfd&cnbc  SKcinung  nimmt  leßtcrcö  an,  gcl^t  aber  in  Beantwortung  ber 
groge,  in  loeld&em  Umfange  ber  3^rt^um  über  ®igenfd&aftcn  ber  ^^ierfon  ju 
bcrüctfid^tigen  fei,  weit  auSeinanbcr.  3lad)  ber  einen  Sluffaffung  liegt  ein 
Srrt^um  in  ber  ^erfon  bann  oor,  roenn  ber  3trtf)um  fid&  auf  bie  personne 
cinle  bejieljt,  b.  I).  auf  ben  3i^Upö»i>  ^^r  5(}erfon,  inöbefonbere  bie  9lb^ 
ftammung  unb  gamilienangel^origfeit.  Slnbere  wollen  bagegen  aud^  ben 
3W^um  über  fojialc  ober  moralifd)e  unb  felbft  p6i)ftfd5c  ©igenfd^aftcn  berüd* 
fic^tigcu.  ®er  bcm  code  civil  nal)c  ftel^enbe  \)c%  ©ntn).  II  Slrt.  7  befianbelt 
aufeer  bem  3rrtl^ume  über  bie  3bentität  ber  ^^erfon  ben  S^rt^um  beö  &)c^ 
monneö  über  bie  t)on  einem  dritten  l|errül[|renbe  Sd^mangerfddaft  ber  grau  jur 
3cit  ber  e^efd^liefeung  als  91id^tigfeitögrunb  (ebenfo  ofterr.  ®.  33.  §§  57—59). 
Xugerbem  fann  bie  Siicfetigfeitöerflärung  wegen  3n:tl)ume8  beantragt  werben, 
luenn  einer  ber  ©Regatten  fd^on  oor  ber  ©liefd^liefeung  in  fiufeerlid^  erfennbarer 
338eife  jur  Seiwo^nung  unl^eilbar  unffil&ig  war. 

Sad  fäd^f.  ®.  33.  §§  1595,  1596  l^at  ben  ©inftufe  beö  3vrtl|umeö  auf 
bie  (Söltigfeit  ber  &)c  nod^  fafuiftifd^er  geregelt.  S)er*  Srrtl^um  fd&liefet  bie 
Ginmilligung  jur  6^c  aus,  wenn  eine  SBerwed^fclung  in  ber  5ßerfon  ftatt^ 
gcfunben  ^at,  ober  wenn  ber  eine  (g^efd^liefeenbe  erft  nad)  ©ingeljung  ber  ®^e 
crföl)rt,  bofe  ber  anberc  ©begatte  fd^on  oor.  ber  @i)c  mit  gewiffen,  nälier  be^ 
jeic^neten,  unheilbaren  geiftigen  ober  forperlidjen  Äranf Reiten  ober  ®ebredE)en 
behaftet,  namenttid^  unl^eilbar  unfäliig  jum  SBeifd^lafe  gewefen,  ober  ba^  er 
mibematürlid^e  Unjud^t  mit  einem  SWenf^en  ober  einem  S^^iere  getrieben  ober 
ba§  er  fid^  eines  SBerbred^ienö  fd^ulbig  gemad^t  Ijat,  weld^eö  von  ber  93cfd^affcn* 
^it  ift,  bag  anjune^men  ftel^t,  ber  3rrenbc  würbe  ben  Slnberen  nid^t  ge^eirat^et 
^ben,  wenn  er  baö  SBerbred^en  gefannt  ^ötte.  Slufeerbem  wirb  eö  als  ein  bie 
©inwilligung  ausfd^liefeenber  3rrt^um  eines  ©Regatten  bezaubert,  wenn  ber 
le^tcrc  erft  nad^  ©ingei&ung  ber  (g^e  Äennntnil  baüon  erlangt,  ba§  ber  anbere 
%gatte  nad^  bem  oorl&ergegangenen  SBerlöbniffe  eine  unjüd^tige  ^anblung  be- 
gangen l^at,  wegen  beren  ß^efc^cibung  verlangt  werben  fonnte,  ober  wenn  ber 
e^cmann  erft  nad^  ber  ©l^efd^liefeung  in  @rfal;rung  bringt,  \>a^  feine  ©l^efrau 
oor  eingel^ung  ber  ®^e  aufeere^elid^  geboren  l§at  ober  bei  beren  ©inge^ung 
uon  einem  Slnberen  fc^wanger  gewefen  ift. 

2lbwei(^cnb  oon  ben  bisher  angeführten  ©efcggebungen  berüdfidjtigt 
bos  preufe.  a.  fi.  %  II,  1  §  40  aufecr  bem  Srrtl^ume  in  ber  5ßerfon,  unb  jwar 
unter  33erweifimg  auf  bie  allgemeinen  93eftimmungen  (I,  4  §§  75—83),  all- 
gemein  ben  Srrtl^um  in  fold^en  perfönlid^en  ©igenfd^aften,  weld[)c  bei  Sc^liefeung 
einer  ß^e  ber  bctreffenben  3trt  oorausgefegt  ju  werben  pflegen  (t)crgl.  ©ntfc^. 
b.  %  ®.  in  eioilf.  XVII,  58).  3laö)  ben  §§  81,  82  I,  4  ift  ein  fol^er 
3nrt^um  in  ben  ßigenfdjaftcn  auf  bie  ©ültigfeit  ber  ©l^e  jebod^  ofinc  Cinftug, 
wenn  ber  Snrenbc  feinen  Srrtlium,  burc^  eigenes  grobes  ober  mäßiges  SSerfetieu 
wonlofet  l^at.  ®er  ®efegret).  5ßenf.  XV,  §§  31a,  31b,  32  ^at  biefc  SBorfc^riftcn 
bo^in  cinjufc^ränten  uorgefd^lagen,  bafe  ein  Snrtl^um  in  ben  ©igenfd^aften  ber 
^tfon  ein  ^Infed^tungsrec^t  nur  bann  begrünben  folle,  wenn  ber  ©bemann 
feine  G^efrau  nad)  ber  Gl^efd^liefeung  bereits  üon  einem  Slnbcren  gefd^wängert 
finbet,  ober  wenn  ein  fd^on  oor  ©ingel)ung  ber  Ql)c  i)orl|anben  gewefenes  immer^^ 


76  UngüItiöWt  bcr  ßßc    anfc4tunö§örfinbc.    §  1259. 

TOöfireubcö  Unücrinögcn  juv  S3eirooIjnung  ober  ein  anbcrcß  förpcrlic^eö  im- 
l^eilbareö  ©ebred^en,  weld^cß  Gfcl  ober  Slbfd^eu  erregt,  bem  anberen  2'f)cile 
üerfd^njicgeu  worben  ift.  9luf  einem  äljnlid^en  Stanbpunftc,  mic  ba^  prcufe. 
91.  S.  9t.,  ftel)en  im  ^Prinjipc  a\\6)  boö  gottj.  ß^cgcf.  v.  15.  3luguft  1834 
§§  135,  136  unb  bie  oltenb.  ei)eorbn.  v.  13.  üKai  1837  §§  177,  178. 
etanbpunft  2)yj  gulaffnng  ber  3lnfcd^tung  ber  ß^e  megen  3rrtl)umeö  beö  einen  2:f|eileö 

önticurfe«.  Über  fog.  wefentfidje  ©igcnfd^aften  ober  SSerfiältniffe  beä  Qnberen  S^^eileö,  b.  l). 
über  fold^e  in  bcr  ^erf on  beö  [enteren  begrünbete  Umftönbe,  meldte  objef liu 
von  bcr  ®I;cfd5Ue§ung  mit  bemfelbcn  abju^altcn  geeignet  waren  unb  im  fon* 
fretcn  gallc  aud^  ben  3t^renben  abgel^alteu  ^aben  mürben,  mürbe  fidf)  als  eine 
2luönoI)me  t)on  bem  Orunbfatje  beö  §  102  barftellcn,  ba&  ein  3rrtf)nm  in  bcn 
33emeggrünbcn  auf  bie  ©ültigfcit  eines  9led)tögcfd^äfte8  ol^nc  ©influfe  ift.  ©ine 
2)urd)bred^ung  biefeö  ©runbfa^e«  läfet  ftd^  nur  bann  red^tfertigen,  menn  bie* 
fclbe  burd^  bie  befonbcre  Slatur  bcr  ©^e  alö  einer  baucrnben  DoHiflcn  Scbcnö* 
gemeinfd^aft  unb  alö  eineö  üormiegenb  fittUd)en  JBer^ältniffeö  ober  burd^  ein 
jroingenbeö  praftifd)cö  Sebürfnife  geboten  ift.  3n  erfterer  §infid&t  fann  man 
für  eine  ©rmeiterung  ber  9Infed^tbarfeit  megen  S^^rtl^wtneö  anfül^ren,  bafi, 
mcnu  eö  in  ber  5ßerfon  eineö  ber  ß^efd^Iießenben  megen  bcr  perfonlid^cn  ©igen* 
fc^aften  unb  a3erf)ältniffe  beöfelbcn  an  einer  mefentlidfjen  SBorauöfefeung  für  eine 
baucrnbc  üöüige  Scbenögemeinfd^aft,  für  eine  gcgenfcitigc  innige  Eingabe,  mie 
fie  baö  SGßefen  ber  e[)e  mit  ftdö  bringt,  fel^It,  bem  anberen  S^^cile,  fofern  biefer 
fidö  im  l^nrt^umc  über  jene  ©igenfd()aften  unb  aScrl^SItniRc  befunben  Ijat,  bei 
Äenntniß  bcr  ©ad)Iage  aber  bie  6f)e  nid^t  gcfd^Ioffcn  \)ahtn  mürbe,  bie  gort* 
fe^ung  ber  ©l)e  nid^t  jugemut^et  merbcn  bürfe,  nomentlid)  bann  nid^t,  menn 
größere  fittlid^e  aWöngel  in  ber  5ßerfon  beö  einen  ä^^cileö  bem  anberen  Streife 
unbcfannt  geblieben  feien.  SSom  praftifd^cn  ®efid)töpunfte  auö  fann  man  ferner 
für  bie  3wlöffung  ber  Slnfed^tung  bcr  ©l^c  wegen  ^rrt^umeö  in  folc^en  gättcn 
flcftenb  mad^en,  bafe  oI;nc  biefc  3ulaffung  bie  3öl^t  ber  unglüdEIid^en  6^en  fic§ 
ücrme^rcn  werbe.  9Benngfcid&  baö  ©ewid^t  biefer  ©rünbe  nid)t  t)er!annt  wirb, 
aud^  baö  geltenbe  3led^t  übcrwicgenb  biefen  Stanbpunft  einnimmt,  fo  l)at  bod^ 
ber  ©ntwurf  Jöcbeitfcn  getragen,  tcbiglid^  am  bem  ©efid^töpunfte  beö  3i''rtf)umeö 
in  göUcn  bcr  bcjeid;neten  9lrt  bie  Stnfed^tung  ber  ®^e  ju  geftattcn.  33ei  biefer 
9lrt  ber  Siegelung  wirb  baö  inbiDibucDc  3ntereffe  beöienigen,  welcher  fid;  in  bem 
3rrtl)umc  befunben  l^at,  ju  fc^r  in  bcn  3Jorbergrunb  geftellt  unb  bem  öffent* 
lid&en  3»ttereffe  an  bcr  9lufred^terl)altung  bcr  ®{)en,  fowie  bem  3^it^reffc  beö 
anberen  Ä^eileö,  wenn  biefer  ben  betreffenben  Umftanb  ebcnfallö  nid^t  gekannt 
^at,  nid)t  genügenb  SRcd^nung  getragen.  9luf  ber  anberen  Seite  ift  eö  in* 
it^cn  mit  SRürffic^t  auf  bie  Slnforberimgen  beö  Sebenö  unb  mit  Slüdffid^t 
barauf,  bafe  in  großen  9ied)tögebieten  baö  geltenbe  SWed^t  bie  2lnfed)tung  ber 
©I)e  an^  bem  ©efid^töpunftc  beö  wefentlid&en  3rrt^untcö  in  weiterem  Umfange 
äuläfet,  alö  bieö  nad^  ber  3lx,  2  bcr  gall  ift,  bebenRid^,  an  bcr  Strenge 
beö  ©runbfafeeö  beö  §  102  bei  ber  ©fjcfd^liefeung  unbebingt  fcftsu^alten.  Sic 
9lnfed)tbarfeit  wegen  Setrugeö  gewäl)rt  nid&t  immer  auöreid^cnbc  ^ülfe.  ^n 
Dielen  ber  I)icr  in  93etrad)t  fommenbcn  SSerliöttniffc  wirb  swar  ein  Setrug  im 
Sinne  beö  §103  vorliegen;  nid)t  feiten  wirb  eö  jebod)  anbcrcrfeitö  jweifell)aft 
fein,  ob  eine  9ted)töpflid)t  beö  einen  I'^eilcö,  bem  anberen  bie  betreffenben 


llngülttflfcit  bcc  SBe.    anfcd&tunöcßrünbe.    §1259.  77 

Umftänbc  ju  offenbaren,  angenommen  werben  fann,  unb  ob  ber  crftcre  bicfe 
Umftfinbe  in  bctrügerifd^er  9lbfid^t  oerfdjioiegen  ^at,  bamit  ber  anbere  X\)til 
mc^t  oon  ber  Schließung  ber  ®l^c  jurüdgel^altcn  merbc.  2luö  biefen  ©rünben 
nnpftc^tt  CS  \idi,  bie  Sttnfed^tung  ber  ©l^e  auä  bem  ©efid^tspunüe  bcö  S3ctrugcö 
fc^on  bann  jujulaffen,  wenn  bie  in  bem  ©d^Iufefaßc  ber  9ir.  1  nöl^er 
bQci<ftneten  SSorauöfc^ungen  t)orl^anben  fmb.  35iird^  ba^  ©rforbernife,  ba^  bie 
betrcffcnben  ©igenfd^aften  unb  SBerl^ältniffc  bed  einen  ^^eileö  oon  biefcm  bem 
anbcren  ij^eile  oerfiel^lt  fein  muffen,  werben  namentlid^  bie  gärten  unb  Un- 
MIßgfciten  ücrmieben,  meldte  mit  ber  Slnfed^tung  lebiglid^  aus  bem  ®efid)tä^ 
punfte  beö  3trt^umed  für  btn  \x\ä)t  anfec^tungdbercd)tigten  anberen  ^f)eil  bann 
©erbunben  fein  fönnen,  wenn  and)  biefem  bie  betreffenben  Umftänbc  jur  3<^it 
ber  (S^ef^Iießung  unbefannt  loaren. 

Xa  burc^  bie  SSorfc^rift  beö  brüten  ©albfafeeö  in  9Jr.  1  beö  §  1259  eine 
bcfonberc  Dffcnbarungöpflid^t  in  3lnfel^ung  ber  bort  bejeid^neten  6igenfd)aftcn 
unb  SJer^ältniffe  ber  ©J^efd^lieöenben  nur  für  bicfe  felbft,  nid^t  aud^  für  brüte 
•pcifonen  bcftimmt  mirb,  fo  fann  ein  dritter  burd)  baö  bloße  35cr^ef|lcn  f o(d)er 
Gigcnf(^oftcn  unb  aSerl^altniffc  nad^  allgemeinen  ©runbfätfcn  cincö  S3etrugci^ 
fic^  nid^t  fd^ulbig  mad^en  unb  bed()a(b  auf  einen  fo(d)en  gall  bie  äior^ 
fc^rift  beö  5ioeiten  ^afbfafeeö  in  ?lr.  1  Eeinc  Slnroenbung  finben.  6at 
dncr  ber  ©l^efc^ließenben  gemußt,  baß  feine  perfönUd^en  ©igenfd^aften  unb 
*erl)ältniifc  üon  einem  Stritten  bem  anbcren  ^^^eile  Der^cf)It  finb,  fo  l)at  er 
fdbft,  loenn  er  nid^t  fprid^t,  iene  @igcnfd)aftcn  unb  93cr^8ltniffe  ocrl)el)lt.  Sa* 
gegen  ocrmag  ein  fo^rläf jigeö  33erf)alten  bcöfelbcn  in  biefer  S3ejie^ung  niemals 
naif  ajloßgabc  beö  jmeiten  c^albfaßcö  in  9Jr.  1  beö  §  1259  bie  Slnfcd^tung  ber 
6^e  ju  begrfinben. 

3m  Slnfd^luffe  au  bie  SSorfd^riften  beö  fanouifd^cn  9tec^tcä  unb  beö  Smpotenj. 
protcfiantifd^en  Gljered^tcö  über  baö  ®^el;inberniß  ber  ^mpotcnj  (uergl.  Seuffcrt 
XXXXII,  302)  laffen  uerfd)iebene  neuere  ®efe^gebungen  (oergl.  fäd^f.  (S.  33. 
§  1595;  got^.  eijegcf.  v.  15.  Sluguft  1834  §  104;  attcnb.  eijeorbn.  o.  13.  Mai 
1837  §§  178,  180—183;  ^eff.  (Sntm.  II  9lrt.  7  9lr.  2)  aM  bem  ®erid&tß:= 
punfte  u)cfcnttid)en  3rrtl)umcß  bie  Slnfed&tung  ber  Gt)c  megen  3"^Potcnj  cincö 
Glatten  ju.  Slud^  in  biefer  Scjiel^ung  ift  icbod&  für  foldfjc  gäUc,  in  metd&en 
bie  Seiwo^nungöunfä^igfcit  erfennbar  ift,  neben  ber  SBorfd^rift  ber  3lv.  1 
eine  befonbere  a3orfd()rift  entbefjrlid^.  3)aß  eine  äußerlich  crlennbarc  S8ci* 
too^nungöunfä^igfeit  bem  Unfähigen  imbefannt  geblieben  ift,  liegt  fo  fern  unb 
We  betreffenben  gälle  merben  fo  feiten  fein,  ba\]  cö  an  einem  genügcnben  Sin- 
laffc  fe^Ü,  für  folc^e  göDc  bcfonberc  SBorforge  in  treffen.  9lnlangcnb  aber 
fol(^  gäHc,  in  roeldden  ber  3Hanget  äußcrlid)  nid^t  erfennbar  ift,  fonbern  auf 
inneren  ©rünbcu  beruht,  fo  ift  für  bicfe  gälle  eine  Slbmcid^ung  oon  bem 
%unbfo|c  bcfi  §  102,  baß  ber  S^rtl^um  in  bcn  Scmeggrünbcn  auf  bie  (5Jültig= 
feit  eincö  Slec^tögcfd^äfteö  oljnc  ©inftuß  ift,  um  fo  bebcnflid)cr,  atö  ein  3)langcl 
ber  airt  fd^ioer  feftftcDbar  ift  unb,  aud)  abgefc^cn  baoou,  uid^t  einmal  unter 
allen  Umfiänben  bie  2lnnaf)me  gered^tfcrtigt  fein  wirb,  baß  bie  ®{)c  in  ber 
jii^crcn  Grroartung  ber  Seimoljnungöfäf^igfcit  gcf^loffen  ift.  Gine  fold^c  ©r* 
iwrtung  wirb  5.  35.  bei  ber  Gf^cfc^licßung  jn)ifd)cn  betagten  5|Jerfoncn  nid}t 
fetten  ^u  ocnteinen  fein. 


78  Unöültiöfeit  ber  (SJe.    9lnfcd)tun08grunbc.    §  1259. 

Mangel  ber  3.  3iaä)  betit  §  1259  3lx.  2  Ift  blc  (Sl)c  itt  jiüci  gällcn  anfcd^tbar  roegcn 

fiiSmurg^bea  3)hn9ctd  bct  Ucbcrcinftimmung  bcö  wirMid^cn  SBiUenö  mit  bctn  crflärteu 

ffi'a*nft^m"t  ^^''^^"^  f^f"^*^"  ^^^^^^  SKangel  auf  einem  3rrtf)ume  beö - ßrf lärenben  bcrul^te. 

tm  Irfiärten  SSoii  beit  allgemeinen  ©runbfäfeen  beö  ©efeßbud^eö  (§  98,  §  99  5BDbf.  1)  meidet 
®|[*y"  bie  Scftimmung  in  breifad^cr  Sejiel^ung  ab,  einmal  infofern,  afe  in  ben  in 
Srrt^ume«.  3lx.  2  bejeid&neten  gäHen  bie  Slnfed^tung  ber  Gl^e  megen  Srrt^umeö 
immer  juläffig  ift,  olinc  bafe  es  einer  fonhreten  Unterfud^ung  bebarf,  ob  an- 
junel^men  ift,  ba§  ber  Srrenbe  bei  Äenntnifj  ber  Sad^Iage  bie  e^e  nid)t 
gefc^Ioffen  ^abcn  mürbe  (§  98).  Sie  aeBic^tigfeit  unb  bie  ^öd^ftperf5nlid)c 
9ktur  ber  ß^c  »erlangt,  bafe  bie  ©ntfd^eibung  barüber  allein  bem  3rrenben 
,überlaf|en  mirb.  S)ie  imeite  3lbmeici^ung  befteljt  barin,  bafe  in  ben  Iiicr 
fraglid^en  gällen  bie  G^e  aud^  bann  ungültig  ift,  menn  bem  'Su'enben  grobe 
gal)rlaffigfeit  jur  Saft  fällt,  ber  anbcre  2:^eil  aber  ben  3trtl>um  meber  fanntc 
no6)  fennen  mufete.  ®ie  raefentlic^  auf  9{ücfpd{)ten  ber  ©ic^erl^eit  unb  Seid^tig* 
feit  beß  SSerfel^reß  beru^enbcn  ©rünbc  für  bie  ba&  SBiUenöbogma  burd^* 
bred^enbe  SJorfc^rift  beö  §  99  Slbf.  1  treffen  für  bie  ©liefd&tiefeung  nic^t  ju. 
3lud^  mürbe  eö  bem  SBcfen  ber  6l)e  nid^t  entfpred^en,  roenn  ber  3rrenbe  um 
bcömillen,  meil  iljm  grobe  ga^rlöffigfeit  jur  Saft  fällt,  an  eine  (St)e,  meldte 
er  in  SBirtlid^feit  nid)t  geroollt  \)at,  gebunben  fein  foUte.  2llö  eine  britte  Slb- 
roeic^ung  t)on  ben  attgcmeinen  ©runbfäfeen  erfd^eint  eö,  bafe  in  ben  gäUcn 
ber  3lx.  2  bie  ©fie  nid^t  nid^tig,  fonbern  nur  anfed^tbar  ift  (§  98). 
ISiefe  mit  ben  befte^enbcn  Siedeten  im  Ginflange  ftel^enbe  3lbmeid)ung  rec^t* 
fertigt  fid^  burdd  bie  ©rroägung,  baß  eö  unter  Umftänben  im  Sntercffe  beö 
Srrenben  liegen  fann,  bie  einmal  gefd&loffene  6l)e,  namentlid^  menn  bie  tl^at* 
fäd^lic^e  t^dxä)c  Sebenögemeinfd)aft  einmal  eingetreten  ift,  aud{)  nad^  ber  6nt* 
bcdfung  beö  Srrtl^umeö  f ortjufe^en,  bafe  aber  bem  anberen  2;t)eile,  roeld^er  feine 
freie  ©inroilligung  ju  ber  ß^ef^liegung  crtljeilt  l)at,  fein  Unred^t  gefd&iet)t, 
menn  er  an  biefer  ei)e  feftgel^alten  mirb. 

S)er  erfte  ber  beiben  in  3tv.  2  bejeicöneten  gälle,  roenn  einer  ber 
@l)c)d)lie6cnben  ben  SBillen,  überhaupt  eine  ©^e  ju  fd&lieften,  bei  ber  ©Ije* 
fd^liefeung  nid^t  gehabt  Ijat  unb  biefer  aJlangel  ber  Uebercinftimmung  beö  roirf^ 
lid)en  SBillenö  mit  bem  erflärten  SBillcn  auf  einem  3rrtl^ume  beö  ©rflärenben 
berul^t,  roirb  feiten  praftifd^  roerben ;  er  fann  jebod^  vorfommen  namentlid^  bei 
ber  fog.  3rrung,  bem  Srrt^ume  in  ber  ©rflärungöl^anblung,  fomie  bei  ber 
@l)efd)lic6ung  3:auber,  Stummer,  S^aubftummer  ober  folc^er  ^^Jerfonen,  meiere 
ber  beutfd)en  ©prad&e  nid^t  mädjitig  fmb.  S)er  jroeite,  aud^  in  bnx  beftel)enben 
SÄcd^ten  (üergl.  bie  Ueberfid)t  oben  unter  9^r.  2  S.  74  ff.)  überall  Dorgefeljene 
gall  betrifft  ben  3n:t^um  über  bie  3bentität  ber  5)ierfon.  S)ie  gaffung  ber 
9lr.  2  läßt  mit  genügenber  Älarl^eit  erfennen,  ba^  barunter  nur  ber  3rrt^um 
über  ba^  Snbioibuum,  nid^t  aud&  ber  3rrt^um  über  ©igenf^aften 
ber  H-^erfon  ju  tjerfteben  ift.  ®ie  Sofung  ber  grage,  in  meldten  gällen  ein 
folc^er  Srrtl^um  über  bie  3bentität  ber  ?|Jerfon,  eine  auf  3rrt^um  beru^enbe 
^4>erfonem)erroed^fclung  vorliegt,  mufe,  roie  im  §  98,  fo  ani)  ^ier,  ber  aDBiffem 
fd^aft  überlaffen  bleiben. 
^^^  .  4.  Sie  golgen  einer  Don  einem  ©l)eunmünbigen  eingegangenen  G^e  fmb 

»mm  n  0  et .  ^^^^  ^^^^  gclteubeu  SRed^te  fcl)r  t)erfd^ieben  geregelt.    3lad)  ber  einen  ®ruppe 


Ungültiafeit  ber  Qh.    Stnfecftunot'flrünbe.    §  1259.  79 

pon  SRecfttcn  bilbct  bic  G^cunmünbigfcit  ein  öffcntlid^eö  trennenbciS  ©^cljinbcrnife,  ^^^^l^ 
fo  ba^  bic  gegen  ba^  SBerbot  oerftofeenbc  Gf)c  abfolut  nid)tig,  bic  9licbtigfcit 
mitbin  von  Slmtfiwegen  gcltenb  ju  macbcn  ift.  gu  biefer  ®ruppc  geboren 
bad  fatbolift^e  unb  genteinc  proteftantifd^c  ©beredet,  ber  code  civil  3lrt.  144, 
184—187  unb  baö  bab.  S.  9t.  Safe  184—187  t)erb.  mit  bem  bab.  ®ef.  t).  9.  S)c^ 
jcmber  1875  §  2  lit.  c  (pcrgl.  oud^  b^R-  ®"tn).  II  Slrt.  55).  3la6)  gemeinem 
proteftantifd^en  6^ercd6tc  mirb  inbe^en  angenommen,  bafe  bie  nid^tige  Gl)c 
fonpaledjirt,  roenn  trofe  ber  mangeinben  ©b^^^^ö^t^iof^i^  ^^^  ©efd&fed&töoereini« 
gung  DoUjogen  ober  wenn  bie  ß^emünbigfeit  eingetreten  ift,  fofern  nid^t  in 
bem  lefcteren  goUe  ber  ß^eunmünbige  Dor  bem  (Eintritte  ber  ©b^n^üni^iflfcit 
feinen  S)iffen9  ju  erfennen  gegeben  ober  bei  Gintritt  beöfelben  bie  3lid[)tigfeit 
ber  6b«  flcltenb  gemod^t  Ijat  ^lad)  bem  code  civil  9lrt.  185  unb  bem  bab. 
2. 91.  £a6  185  ift  bie  ©rbebung  ber  ?lidbtigfeitä!Iage  nid^t  meljr  iuläfftg,  mcnn 
feit  bem  Eintritte  ber  ©^emünbigteit  fed&ö  3Honate  t)erf(offen  finb,  ober  menn, 
falte  bie  grau  ber  ebeunmünbige  S^beil  mar,  bic  lefetere  t)or  3lblauf  ber  fei^ö 
SRonate  empfangen  l^at. 

9ladb  einer  jmeiten  ©ruppe  von  Siedeten  ift  ber  aßangel  ber  ©bc- 
münbigfcit  ein  prit)ateö  trennenbeö  ©b^^i^i^cmife.  Sicö  ift  ber  Stanbpunft 
beS  preug.  91.  £.  91.  II,  1  §§  934,  970,  991,  992  unb  beß  fäc^f.  ©ef.  v.  5. 9io= 
wrmber  1875  §  5  (oergl.  audf)  ©ef.  für  9leu6  ä.  2.  n.  3.  a)lai  1879  §  14;  ferner 
ofterr.  ®.  83.  §§  48,  94 ;  fd^meij.  »b.  @ef.  ü.  24. 5Deiember  1874  9lrt.  27,  52). 

Ginc  britte  ©ruppe  t)on  9led^ten  legt  bem  3)langel  ber  Gbemünbigteit 
nur  bie  33ebeutung  eineß  auffd&iebenben  Gbebinbentiffeß  bei,  fo  baö  gotb. 
Gbcgef.  V.  15.  SKuguft  1834  §§  2,  3,  22,  23  unb  bie  altenb.  Gbeorbn.  v. 
13.  SKai  1837  §§  4—6, 163,  165—193  oerb.  mit  bem  altenb.  ®ef.  v.  25.  äßärj^ 
1879  §  8  (oergl.  ferner  baß  infomeit  iebodf)  burd^  baß  oben  angefübrte  ©ef. 
ü.  5.  9loDembcr  1875  §  5  abgeänberte  fäd^f.  ©.  S3.  §§  1589,  1627,  1621). 

2cr  Gntmurf  (9]r.  3)  b^*  f^d)  "^  l>cr  Ijier  fraglid[)en  Sejiebung  etan^punft 
bem  prcufe.  unb  bem  fäd^f.  9ied^te  angefd^Ioffen.  S^er  ©tanbpunft  berjenigen  cntwurf««. 
©efe^gebungen,  meld&e  ben  SRangel  ber  Gbemünbig!eit  nur  alß  auffd^iebenbcß 
Gbcbinbcmiß  bebanbeln,  ücrbient  namentlid^  um  beßmillen  feine  Billigung, 
weil  er  ben  ©eftcbtßpunft  unberüdErtdjitigt  läfet,  bafe  bie  Gl^e  bie  perfönlidtjc 
GinroiHigung  ber  (&\)^ä)lk%tnbtn  erforbert,  biefe  Ginmilligung  aber  nur  bann 
afe  eine  binbenbe  betrad^tet  merben  barf,  menn  ber  GinmiUigenbe  bie  gä{)igtcit 
befaß,  bie  S3ebeutung  ber  Gbc  in  ibrem  sollen  Umfange  erfennen  ju  fönnen. 
Siefe  gäbigfeit  ift  aber,  roenigftenö  ber  9iegel  nad^,  nor  Gintritt  ber  Gbe- 
münbigfeit  nid^t  ror^anben.  9luf  ber  anberen  Seite  ift  eö  aber  aud^  bebenffid^, 
bie  Gb<^ünbigfcit  alß  9ii(btigfeitßgrunb  anjuerfennen.  Saß  ®en)i^t  ber  Gbe- 
unmünbigteit  afe  eineß  Gbebinbentiffeß  ift  mefentüd^  geminbert  burd&  bie  3u* 
lajfung  ber  ©ißpcnfation  (§  1233  2lbf.  3).  Gin  bißpenfabfeß  Gbebinbernig  ju 
einem  abfolutcn  trennenben  Gbebinberniffe  ju  mad^en,  erfd^eint  nid)t  alß  an- 
flcmeffcn.  9lud^  baburd^  I|at  bie  Gbemünbigfeit  einen  anberen  Äarafter  an^ 
genommen,  ba|  biefelbe  nid^t  mebr,  mie  bieß  vkl^aö)  frül^er  ber  gall  mar, 
mit  bem  Gintritte  ber  5ßubertät  jufammenföUt,  fonbern  meit  über  biefen  S^iU 
puntt  biwaußgcfc^obcn  ift.  3n  golgc  beffen  ftellt  fic  fid()  alß  eine  befonbcrc 
«rt  befc^ranfter  ®ef(bäftßfä^igfeit  bar. 


^ 


80  Unöültiöfcit  fccr  g^c    9tnfc(f;tun65öränbc.    §  1259. 

3ln  bcn  aJlaugel  ber  ®[)emünbigfcit  bie  Sftid)ti8fcit  ber  ®[jc  ju  fnüpfcn, 
fü^vt  Qufecrbcm  unter  Umftänbcn  ju  großen  gärten.  S)ie  SlegcIfäUe  finb  bie^ 
jenigcn,  in  roeld^en  ber  Gljeunmünbigc  ber  ©^emünbigfcit  fel^r  no^e  ftcl&t,  ber 
eintritt  berfclben  üon  ben  S3ctl^cUigten  oieUcid^t  auf  ®runb  einer  unri^tigcn 
ober  ungenauen  ©eburtöurfunbc  in  gutem  ©tauben  fd^ou  afö  erfolgt  angenommen 
mirb.  3lbcr  aud)  wo  bieö  nid)t  ber  gall,  ift  bie  9lid&tigfeit  anftöfeig.  ©9  liegt 
feincöroegd  im  offentIicf)en  Sntercffe,  bcn  Staatöanmalt  eingreifen  ju  lajfeiv 
mcnn  eö  5,  SB.  äu  einer  ©d^roangerung  ber  grau  gefommen  ift.  ©benfo  ift 
bie  auö  ber  9lid^tigfeit  fid^  ergebeube  Äonfequens  mifelid^,  baß,  menn  ein  2:i)eil 
uor  eintritt  ber  ©^emünbigfcit  ftirbt,  bie  etwa  auö  ber  ©Ije  üor^aubeneu 
Äinber  als  iiinber  aus  ungültiger  (S^c  bef)anbelt  werben  muffen,  wad  namentlid^ 
in  bem  galle  beö  §  1566  ^art  fein  fann.  3)aju  fommt,  baß  c«  ju  einem 
eigent^ümlid)cn  Slcfultate  fii^rt,  wenn  eine  ®f)c,  it)e(d{)e  üon  einer  in  ber 
©efd&äftöfä{)igfeit  befd^ränften^  aber  «^cmünbigen  ^^erfon  ol^nc  bie  ©inroiUigung 
beö  gefefelid^en  SSertreterö  gefd^Ioffen  rourbc,  nur  anfed^tbar  ift  (Sir.  4), 
mä()renb  bie  uon  einer  burd^  SSoUiatirigfeitderflärung  gefd^äftöfäfiig  geworbenen, 
aber  trogbem  el^eunmünbigen  ^erfon  (üergl.  §  1233  3lbf.  4)  eingegangene 
G^c  als  nid^tig  bel^anbelt  würbe,  liefen  ©rroägungen  gegenüber  fann  auf 
bie  felteneu  göUe,  in  meldten  bie  ®f)e  bem  öffentlid&en  ^ntercffe  wiberftreitet, 
weil  ber  ©Ijeunmünbige  erft  eben  bie  Saläre  ber  Äinb^eit  überfd^ritten  I)at, 
entfdjeibenbed  ®en)id)t  nid)t  gelegt  werben,  ebenfowcnig  auf  ba&  SBebenfen,  baß 
bie  Sefjanblung  ber  ®{|eunmünbigfeit  afe  eines  3lnfed^tungsgrunbes  im  .^inblicfc 
auf  bie  SBorfd^riftcn  ber  §§  1261,  1263,  1264  ju  einer  bem  SBefen  ber  ©l^e 
wiberfpred^enbcn  ®^e  auf  ^^robe  führen  fonne. 

«aitflcib«  5.  ©in  weiterer  Slnfed&tungsgrunb  ift  nad^  3ir.  4  ber  SDiangel  ber 

b^"8*^ifSn  ßi'^^iUiOwwS  ^^^  gefeglid^en  aSertreterS  eines  ber  ©^efd^Ueßenben.    Sagegen 

»ertretcrs.  (j^t,  wie  bie  gaffung  ber  ©ingangsworte  bes  §  1259  üergli^en  mit  bcn 
3lv.  1-— 4  unb  ber  §  1250  ergeben,  ber  SRangel  ber  nad&  ben  §§  1238,  1239 
erforberlid^en  ©inwilligung  ber  ©Itern  als  fold^er  nur  bie  Sebeutung  eines  auf« 
fdjiebenben  ©^eljinbernijfes. 

©eitcnbcft  S)ic  beftel)enben  SÄed^te  tiaben  bie  SBirfung  bes  ÜWangelS  ber  elterlidjcn 

^''^**  ober  ber  üormunbfd&aftlid^en  ©inwilligung  jur  ©i^efd^ließung  fef)r  üerfdjiebcn 
geregelt.  2^^ei(S  legen  fie  biefem  ©^e^inberniffc  nur  auffc^iebenbe,  t()eils 
treuncnbe,  t^eils  je  nad^  SSerfd^iebenl^eit  ber  gäHe  auffd^iebenbe  ober  trennenbc 
SBirfung  bei  unb,  foweit  fie  bem  äJlangel  ber  ©inwilligung  einen  ©influß  auf 
bie  ©ültigfeit  ber  ©^e  einräumen,  ertlären  fie  bie  {entere  t^eits  für  abfolut 
nid^tig,  tfjeils  nur  für  anfedbtbar.  SJabei  pflegt  jwifd)en  ber  ©igenfd^aft  ber 
©Itern  als  fold&er  unb  ber  ©igenfd()aft  eines  ©(ternt()eiles  als  beS  gefeglic^en 
aSertreterS  beS  ©f)ef^Iießenben  nid^t  fd^arf  unterfd&ieben  ju  werben. 

3}aii)  bem  fanonifdjen  Siedete  wirb  bie  ©ültigfeit  ber  6^c  burd^  ben 
9)langel  ber  eltcrlid^en  ober  uormunbfdjaftfidjen  ©inwilligung  nid^t  berührt. 
S)em  fanonifc^en  dlcä)ic  finb  eine  große  S^^l  älterer  bapr.  Statuten  imb  t)cr^ 
fd^iebene  in  ber  5ßrot)inj  .^annooer  geltenbe  ältere  ^artitularre^tc  gefolgt, 
ferner  üon  neueren  ©efeggebungen  bas  got^.  ©Ijegef.  v.  15.  9luguft  1834  §§  4, 
22,  23,  bie  altenb.  ©^eorbn.  o.  13.  aWai  1837  §§  32,  36,  82,  16.3,  165—193, 
bas  fäc^f.  ©.  93.  §§  1571—1575,  1600,  1621,  1627  (lefetereS  iebodj  aufgehoben 


Unöültigfeit  ber  gjc.    anfed^tungößciinbe.    §1259,  81 

burc^  boö  fdd)f.  ©cf.  t).  5.  SUoücmber   1875  §  6)   unb  ba%  brem.  ®cf.  r. 
31.  Ohobcr  1875  §  1. 

3m  (Scgcnfagc  ju  jenen  SRed^ten  erftörcn  einjelne  ältere,  inöbefonberc 
franf.  unb  fc^roäb.  ^ßartilularred^te  bie  von  Äinbern  ofjne  bic  ©inroilligung 
bcr  6(tem,  foroie  bic  von  beüormunbetcn  ajlinberiäl^rigen  o^ne  bie  ©in- 
roilligung  bcr  SSormünbcr  gefd^Ioiyenc  ®öe  für  abfolut  nid&tig. 

3laä^  einer  britten  ©ruppe  üon  SRcd^ten  ift  bcr  aWange(  bcr  cltcrlici^en 
ober  ijormunbfd^aftlid&cn  ©inroiDigung  bejm.  bcr  ©inroilligung  beö  gamilicn* 
rot^es  ein  prioateö  trennenbcö  ©J^cl^inbernife.  S)al^in  gel^ören:  bcr  code  civil 
Sri.  182, 183,  bas  bab.  2.  SR.  ©ag  182  tjcrb.  mit  bem  bab.  @cf.  v.  9.  ^Dejember 
1875  §  2  lit.  b,  foroie  baö  fä^f.  ®cf.  v.  5.  Sloücmber  1875  §  6  (Dcrgl.  femer 
l^cjf.  gntro.  n  Slrt.  53 ;  bfterr.  ®. ».  §  96 ;  fc^roeij.  »b.  ®ef.  v.  24.  SDeäcmber 
1874  3lrt.  53).  S)ie  bem  code  civil  eigenttjümfid^cn  SSorfd^riften  über  ba& 
ehrerbietige  9lnfud&en  um  bie  elterlid^c  ©inroilligung  l^aben  inbeffen  nur  ben 
Äarafter  eincö  ouffd^icbenbcn  ß^cl^inbcrniffeß. 

©ine  rierte  ®ruppe  üon  Siedeten  läfet  baö  ^ier  fraglid^e  ©J^cfiinbernife 
je  nad^  SSerfd^iebenf^cit  bcr  göHe  balb  als  priüatcö  trennenbeö,  balb  nur  ate 
üuffc^iebenbeö  (g^ebinbcrnife  mirfen.  9lbgefef)en  von  einigen  älteren,  in  f(eincren 
Äec^tsgebietcn  geltenben  Siedeten,  nimmt  biefen  ©tanbpunft  oor  9lBcm  baö 
preuß.  3t.  S.  51.  II,  1  §§  978—984,  994—1000  ein  (üergl.  aud)  ®efe6reü., 
¥cnf.  XV  §§  164—170,  180—189).  3laä)  bem  preuß.  91.  2.  91.  bemirft  bcr 
SRongel  ber  oäterlid^en  ©inroilligung  bei  Söl^nen,  meldte  nod^  unter  eltcrlid^er 
®mali  ftel^cn,  unb  bei  minberjä^rigen  2:öd^tern  bic  Ungültigfeit  ber  ®^e. 
Sei  ©o^nen,  meldte  nid^t  mel^r  unter  pätcrlid^er  ®cn)alt  ftcl)en,  unb  bei  grofe* 
JQllrigen  ^od^tern  l^at  bagegen  bcr  ajlangel  ber  üäterlid^en  (SinroiUigung  nur 
bie  Sebcutung  cincö  auffd^icbenben  6f)c^inbcrniffeö.  35er  äßangel  ber  matter* 
li^en  (SinroiUigung  ift  bei  t)aterIofcn  gro^jäl^rigcn  Äinbern  auf  bic  ®ültigfcit 
ber  &)t  o^nc  ©influfe;  bagegen  fann  bei  tatcrlofen  minbcrjäfirigen  Äinbern 
bie  g^c  wegen  SKangclö  bcr  müttcrlid^cn  ober  bcr  oormunbfd^aftlid^cn  ©in* 
roilligung  alö  ungültig  angefod^ten  roerben.  Slucb  baß  gemeine  proteftantifd^c 
6f|crec^t  gcl^ört  ju  biefer  ®ruppc  von  9led)ten,  fofern  nad^  bemfclben,  maö 
icbod^  beftrittcn  ift,  bcr  ajlangcl  bcr  clterlid^en  ©inroilligung  alö  trennenbeö 
6|e|inbemi6  anjufe^cn  ift.  ®cr  ajlangel  ber  Dormunbf^aftlid^en  ©inroiUigung 
ift  auf  bie  ©ültigfcit  bcr  ®^e  o^ne  ©influfe. 

änfangcnb  ben  3ßangcl  bcr  einroilligung  beö  gefc^Iid^en  aSertretcrß,  fo  etanbpuntt 
•ofet  fi^  für  ben  ©tonbpunft  bcqenigcn  3led)tc,  meldte  biefen  3Äangcl  nur  afe  entrourfe«. 
ein  auff^icbcnbcö  6l^cl^inbcrni§  bcl^anbcln,  inöbefonbere  anfül^ren,  bafe  bei  einem 
ß^efc^lic^cnben,  rocld^cr  baö  SKter  bcr  ®l^emünbig!eit  erreidE)t  ^abe,  aud&  wenn 
berfcfte  für  ben  fonftigen  bürgerlid^en  SRcd^töt)crfcf)r  in  ber  ®efd^äftsfäf)igfcit 
befd^rönft  fei,  bod^  bic  jur  ß^cfcblicfeung  erforberlid^e  geiftige  unb  fittlid^c 
Seife  Dorauögefcfet  merbcn  bürfe,  unter  biefen  Umftänbcn  aber  baö  Sntcrcjfc 
an  ber  äufred^terl^altung  bcr  ®^e  größer  fei,  alö  bie  Stüdffid^t  auf  ben  c^c* 
münbigen,  aber  in  bcr  ®cfd&äftöfäl^ig!cit  befc^ränften  ©l^cgattcn,  roeld&er  üiclleid^t 
in  unüberlegter  SBeife  eine  feinen  3Serf|äItniffen  nid^t  cntfprcd^enbc  ©t)c  gc- 
fi^Iojfen  ^abe,  3^^^^^  gemalert  bic  aJlögIid)feit,  bic  ®l^c  megen  beö  aWangelö 
ber  (jinroinigung  beö  gefcfelid()en  SBcrtrcterö  anjufedötcn,  bem  betrcffcnbcn  (S^e^ 


82  Unoüliigfcit  bcr  ©fie.    Slnfcd^hingSörunbc.    §  1259. 

galten  ein  SKittel,  quo  biefem  Oejic^töpunfte  oud^  in  fold^en  gällen  bie  e^e 
anju fechten,  in  weld^en  von  einer  [eid&tftnnigen  ©fiefd^Iiegung  mä)  Sage  ber 
©ad^e  überall  nid^t  bie  SRebe  fein  fann,  ber  anfed^tungöberec^tigte  ©fiegattc 
aber  aus  anbcren,  an  unb  für  fid^  nid^t  ju  berücfftc^igenben  ©rünben  bie 
S^rennung  ber  Qt)t  l)crbeijufüf|ren  roünfd^t.  2^ro6  biefer  Seben!cn  l^at  ber 
©ntrourf  fid^  bafür  entfd^icben,  ben  3Kangel  ber  ©inroilligung  beö  gefeftUd^en 
Sertreterö  ate  9lnfed^tungögrunb  ju  bel^anbeln,  unb  jroar  tf)exlö  mit  SRücffid^t 
auf  ba^  befteöenbe  SRcd&t,  roeld^eö  üorroiegenb  btn  Stanbpunft  beö  ©ntrourfeö 
einnimmt,  tl^eilä  aus  bem  inneren  Orunbe,  bag  bem  in  ber  Oefd^äftöfäbigfcit 
S3efd^räntten  bei  einem  fo  roid&tigen,  baö  gonje  fiebenöglüdf  bcftimmenben  SRed^tö^ 
gefd^öfte,  wie  ber  ß^efdöliegung,  ber  ©d^ug  nid^t  entjogen  werben  foll,  weisen 
baä  Siedelt  i^m  bei  fonftigen  93erträgen  grunbfä^Iid^  geu)äl)rt.  S)er  (Sebanfe, 
auf  meinem  bie  33eftimmung  beö  §  65  3Ibf.  3  (üergL  aud^  bie  §§  70,  71) 
bcrufjt,  mufe  ba^in  führen,  aud&  bie  ol^ne  bie  erforbcrlid^e  ©inroiDigung  beö 
gefefelid^en  33ertreterö  gefdbloffene  ©be  ate  unmirtfam  5U  bc[)anbeln.  3m  9lm 
fdE)(uffe  an  bas  ©r)ftem  beö  (Sntrourfeö  unb  mit  SRüdEfid&t  barauf,  bafe  ber  nai^ 
bem  §  65  SÄbf.  3  bei  anberen  SSertrögen  eintretenbc  Sd&niebejuftanb  mit  bem 
SBefen  ber  6be  n\d)i  im  ©inflange  fte^en  mürbe,  ift  jcbod&  jener  ®ebanfe  bei 
ber  ©fiefd^Iiefeung  in  einer  anberen  gorm,  näm(idf)  in  ber  gönn  ber  9tnfec^tbar* 
feit  ber  ßl)e,  jum  9luöbrutfe  gcbrad&t. 
?em''1fcT  ®^^  Seftimmung  beö  §  1259  3lv.  4  finbet  inöbefonbere  auc^  in  bem  ^^alle 

Vertreter  uiib  Stumenbung,  menn  jmifd^en  einer  in  ber  ©efd&äftöfä^igfcit  befd^ränften  'tfierfon 
Vertretenen  ^"^  iörem  gefeftUd^cu  SBertreter  ober  einem  9lbf5mmlinge  beö  legieren  eine  ©fie 
gefd^loffen  ift,  o^ne  bafe  ein  ju  biefem  3^^*^  beftellter  Pfleger  feine  Gin- 
roilligung  ju  ber  Gl)efd^(ie6ung  ertf)eilt  batte  (üergl.  §  1232  Slbf.  1  oerb.  mit 
§  1651  9lr.  1,  §§  1728,  1743,  1503;  ÜKotiüe  }U  §  1232  oben  S.  12  ff.). 
@ö  fann  babingeftellt  bleiben,  ob  bie  SBeftimmung  beö  §  37  beö  SR.  ®ef.  über 
bie  Seurfunbung  beö  ^erfoncnftanbeö  unb  bie  6f)efd^Ue6ung  ü.  6.  gebruor 
1875,  bafe  eine  jroifd&en  einem  ^flegebefof^Ienen  unb  feinem  SSormunbe  ober 
beffen  Kinbern  mä^renb  ber  Dauer  ber  SSormunbfd&aft  gefdbloffene  6l)c  wegen 
eineö  SScrftofeeö  gegen  baö  e^eücrbot  beö  §  37  3lbf.  1  jeneö  ©efegeö  alö  un* 
gültig  nid^t  foU  angefod&ten  werben  fönnen,  audE)  auf  fold^c  gälle  ju  begießen 
ift,  in  meldten  ber  93ormunb  bie  nad^  bem  §  29  jeneö  ©efefeeö  erforbcrlid^c 
©inmiUigung  jur  ß^efd^liefeung  feineö  SKünbelö  in  h^n  göUen  beö  §  37  9ibf.  1  nad& 
bem  Sanbeöredfjtc  ju  ert^eilen  bcbinbert  ift  unb  ber  llfangel  jener  ©inroilligung 
nad^  2anbeöred)t  (ücrgl.  §  36  beö  gebadeten  %  ®ef.)  bie  Ungüttigfeit  ber  (S^e 
jur  golge  f|at  ober  ob  bie  S3eftimmung  beö  §  37  Slbf.  2  nid^t  üielmel)r  ba^in 
oerftanben  werben  mufe,  bafe  lebigli^  auö  bem  ©runbe,  weil  ein  ^Pflege? 
befol)lener  mit  feinem  93ormunbe  ober  beffen  Rinbcrn  wäf)renb  ber  Sauer  ber  93or* 
munbfd^aft  eine  ©(je  gefd^toffen  liat,  bie  ©be  alö  ungültig  nid&t  angef ödsten  werben 
fann.  33om  Stanbpunfte  beö  ©ntwurfeö  auö,  weld()er  baüon  auöget)t,  bafe  ein 
gefeßlid^  bel)inberter  aSertreter  infoweit,  alö  bie  :öel^inberung  reid)t,  überl)aupt 
nid^t  alö  gefcglicber  33ertreter  ju  betrad^ten  ift,  würbe  eö  eine  nid^t  ju  vc6)U 
fertigenbe  9fnomalie  fein,  wenn  in  ben  bier  fraglid^en  gällcn  entgegen  ber  Siegel 
beö  §  1259  3lr.  4  bie  3lnfed^tbarfeit  ber  ©be  auögefd^loffen  fein  foHte,  obwohl 
ber  in  ber  ©efd^äftöfäbigfeit  befc^räntte  ©begatte  beö  Sd^ufeeö,  weldjen  ibm 


Unöultiflfeit  ber  g^c    9tnfe*tunö§örünbc.    §  1-259.  83 

bo«  @cfcg  huxä)  baa  6rforbcmi6  ber  (SintoiKigung  beö  gcfc^lid&cn  SScrtrctcrö 
gemo^rcn  roill,  in  ber  xi)ai  niä)i  ti^eil^aftig  geworben  ift. 

35ie  (Srünbe,  auf  welchen  bic  5Bnfed^tbarfeit  ber  ®^e  berul^t,  roenn  einer  wene^migung 
ber  ©H^Iiefeenbcn  jur  3eit  ber  efiefc^Iiefeung  in  ber  ©efc^äftöfä^igfeit  be^  'T.eÄ'* 
f^rönft  unb  bic  ©inroilligung  jur  ®^efd^liefeung  oon  feinem  gefc^Ud&en  SBer^  ""taMgcn. 
tretcr  ni^t  crt^eilt  n)ar,  treffen  a\i6)  bann  jii,  wenn  im  gälte  beß  §  1251 
ber  ©cne^migenbe  jur  ^exi  ber  ©enc^migung  in  ber  ®efd)äftöfäf)igfeit  bc* 
ft^ränft  unb  bie  ©inroittigung  ju  ber  ©enel^migung  von  feinem  gefejlid^ien 
Sertreter  ni^t  ertfjeilt  roax,  ba  im  galle  beö  §  1251  ber  Äonfenß  beö  jur 
3eil   ber  (S^efc^Iiefeung   gefd&äftöunfäf^igen  ©Regatten    erft   in   ber  fpälcren 
(Scne^migung  bcöfelben  liegt  (ücrgl.  bie  aWotioe  ju  §§  1250,  1251  unter  3lx.  2 
oben  S.  50). 

©in  93ebürfnife,  bie  93ead^tung  beft  im  §  1232  beftimmten  ©t)e^inberniffeö     straf« 
no4  burc^   bic  Sluffteflung  befonbercr  Strafoorfc^riften  ju  fid^ern  (preufe.  ''°'*^*'''^^'"- 
3L2.  dl.  II,  1  §§  1008—1012;  föd^f.  ©.  33.  §§  1600,  1621,  1627),  liegt 
mäfi  t)or   (oergl.  aud^  iQ&  inforoeit  baö  fäd^f.  ®.  33.  änbernbe  fäc^f.  ®ef. 
ü.  5.  3lot)cmbcr  1875  §  7). 

SBelc^en  ©influfe  eö  auf  baö  e^etid^e  ©ütcrred^t  l^at,  wenn  bie  ©fjcfrau  jur 
3rit  ber  ©^cfd^licfeung  in  ber  ®efd^äftöfäl|igfeit  befd^ränft  unb  bie  ©inroilligung 
}u  ber  ©^efc^Ucfeung  von  iljrcm  gefe^lidien  93ertreter  nid^t  ert^eitt  war,  ift  im 
§  1284  beftimmt  (ocrgl.  bic  aWotiüc  ju  §  1284). 

2)aö  preufe.  SC.  2.  9t.  II,  1  §§  977,  982,  999  entl|ält  für  bcn  gall,  ^'c^tirnuige 
wenn  eine  in  ber  ®ef(^äftöfäl)igfeit  befdiränftc  ^erfon  ofine  ©inroinigung  beö  -*^^»'^3""8^"- 
gefejU^en  SJertreterö  eine  ©^e  gefd&loffen  l^at,  noc^  befonbere  93orf(^riftcn  über 
bie  SBirffamfeit  Icßtroilliger  SBerfügungcn,  roeld^e  ber  in  ber  ®efc^äftsfäl^igfeit 
befc^ränfte  Gl^cgatte,  inöbefonbere  bie  ©fjcfrau  ju  ®unftcn  beö  ©l^emanneö, 
getroffen  tfat    3n  bicfer  $infid|t  reid^cn  j[ebod|  bie  ollgemeinen  erbred^tlid^en  * 
©runbfätc  über  bie  aSiberruflid^feit  unb  über  bie  3lnfcd^tborfeit  lefetroilliger 
Serfügungen  aus  (§  1753  2lbf.  2,  §§  1780  ff.). 

©benforoenig  bebarf  cd  für  bcn  gaU,  wenn  eine  in  ber  ®efd^äft0fä^igfcit  «ec^t«. 
bff(^ränhc  ^^on  mit  i^rcm  gcfcfelidöen  aSertreter  ober  einem  3lbf ommlinge  "^'|,^*J^^^^^^^ 
bcflfelbcn  ofine  ©inroiHigung  eincö  }u  bicfem  S^edEc  beftellten  ^jJflegerß  eine 
©^  gefc^loffcn  ^at,  in  3lnfel;ung  ber  Sßirffamteit  ber  in  SSeranlaffung  ber 
©^  jroifd&en  jenen  ^erfonen  gefd^loffcncn  SRcd^tögcfd^äfte  unter  Sebenben,  j.  33. 
fined  ©^eücrtrageö,  befonbercr  3Sorfd^riftcn,  jum  Sd^ufee  ber  in  ber  ®efd&äftöi 
fä^igfeit  bcfd^ränftcn  ^^erfon,  ba  in  biefer  ^infid^t  bic  allgemeine  SSorfd^rift 
beft  §  1651  ^JJr.  1  ben  n5tl)igen  Schüfe  gen)ät)rt. 

21&a^renb  ber  ©ntwurf  ben  aWanget  ber  ©inroilligung  beö  gcfefelid^en  anangeiber 
Sertretcrö  afe  änfc^tungögrunb  belianbelt,  legt  er  bem  aWangcl  ber  nad^  bcn  %TS 
§§  1238,  1239  erforbcrli^en  ©inroilligung  ber  ©Item  als  fot(^er  nur  auf^  «i«  f'>^<^«- 
fc^iebenbe  fflirfung  bei.    ^ie  SlüdEfid^t  auf  baQ  3nteref[c  ber  Äinber  erforbert 
eine  barüber  ftinauögcljenbe  SBirfung  nid^t.    3)en  Äinbem,  fo  lange  biefclbcn 
in  ber  ©cfd^äftsfä^igfeit  befd[iränft  fxnb,  geroälirt  bie  neben  ber  ©inroilligung 
ber  ©ttcrn  alft  fold^er  erforbcrlid^c  ©inroilligung  beß  gefefelidöcn  aSertretcrß 
unb  bic  mit  bem  9)langct  ber  le|teren  ocrbunbenc  9lnfed|tbarfeit  ber  ©t)c  auß* 
m<^enbcn   Sc^u|;    fmb   biefclbcn  in   ber  ®efd^äftöfä^igfeit   nid^t  mel)r  be^ 

6* 


84         Ungültiöfeit  bcr  e6e.    «nfe^tbarfeit.    9?c$tli*et  Äarafter.    §  1260. 

fd^ränft,  fo  fcl^lt  cö  an  einem  ©d^ufebebürfniRe.  S8om  ©tanbpnnfte  beg 
@ntn)urfeö  ouö  fann  ber  (Sefid^töpunft  beö  SntercRcö  bcr  Äinber  um  fo  weniger 
Ijicr  in  Setrod&t  fommen,  alö  bcr  ®ntmurf  bqß  ©inroinigungöred^t  bcr  ®ltern 
als  \i)l6)ev  oormiegenb  nid^t  alö  einen  älusflufe  ber  gürforge  für  bic  5ßerfon 
ber  Äinber,  fonbern  alß  ein  ben  6(tcrn  in  i^rem  perfönlid^en  SntereRc  unb 
im  3ntereffe  ber  gamilic  beigelegtes  eigenes  9le(^t  ouffofet  (oergl.  bic  3Kotiüc 
ju  §  1238  oben  ©.  25  ff.).  S)iefeö  S^tereffc  ber  SItern  unb  bcr  gomifie  mu& 
aber  fjinter  bem  f|öl)eren  Sntcreffe  an  ber  Slufrcd^terl^altung  ber  einmal  doU^ 
jogencn  @^e  jurücfftelicn.  3enem  3nterej|c  unb  ber  9lüdfid^t  auf  bic  elterlid^e 
3lutoritöt  roirb  burd^  bic  S3el|anblung  be§  SRangelß  ber  elterlid[ien  ©inmilligung 
als  eines  auffd^iebenben  ®l^cl^inbernij|es  unb  burd^  bie  fonftigen  nad^  bem 
©ntrourfe  mit  ber  Uebertretung  bes  I)ier  fraglid^en  ©^coerbotes  oerbunbcnen 
5Radöt^eilc  (oergl.  §§  1536,  2001  9lr.  7,  §  1490  3Ibf.  2;  SRotioe  p  §§  1536, 
2001  9lr.  7)  in  ausreid^enber  SBcifc  Slcd^nung  getragen.  Sluc§  bic  Slnbrol^ung 
befonberer  ©trofen  wegen  eines  SBcrftofeeS  gegen  bic  SBorfd^riften  ber  §§  1238, 
1239  ift  cinesttieils  als  cntbe^rlid^,  anbcrenll^eils  im  ^inblidEc  barauf,  bafe  eö 
fid^  ^icr  nur  um  ben  Sd^ug  eines  ^riDatintcreffcS  Iianbelt,  nid^t  als  angemeffen 
cvad)ttt. 

§  1260. 
!Re(^tii(^€r  gjyg  i)en  allgemeinen  ©runbfägcn  bes  ©efefebud^cs  über  bas  aSefen  ber 

"infeit. ^"^  Slnfed^tbarfeit  eines  9led^tgefd^äfteS  folgt,  ba^  eine  anfed^tbare  @f)c,  folange 
baxuit.  jjjg  ginfcd^tung  nid^t  erfolgt  ift,  alle  SBirfungen  einer  gültigen  @f|c  äußert, 
anbererfeits,  ba6  nad^  erfolgter  Slnfcd^tung  es  fo  anjufefien  ift,  als  ob  bie 
@^c  nid^t  gefd^loffen  märe,  bafe  mitfjin  nad^  erfolgter  3lnfed^tung  bic  Ungültigst 
feit  ber  @^e  oon  Scbem,  ber  ein  rcd^tlid^es  3nteref[c  baron  I|at,  inddentep 
geltenb  gemad^t  mcrben  fann  (§  112).  5Bon  biefem  aus  ben  allgemeinen 
Orunbfägen  fid^  ergcbenben  Slcfultatc  meid^en  bie  S3eftimmungen  bes  §  1260 
infofern  ab,  als  bic  anfed^tbarc  ©tjc,  au(^  menn  bic  3lnfed^tung  erfolgt  ift, 
fo  lange  als  gültig  angcfcl^cn  roerben  foll,  bis  fie  aufgeloft  ober  für  un^^ 
gültig  erflärt  ift. 
sBirtunfl  ber  S)en  Staubpuuft  bes  (Sntrourfes,  baß  bie  anfed^tbarc  @^c  in  golge  ber 

anfe^tunfl.  gj^^ed^tung  rütfroärts^in  mit  binglic^er  SBirfung  oernic^tet  mirb,  ftef|t  fac^lic^ 
mit  bem  fanonifd^en  Siedete  unb  bem  gemeinen  proteftantifd^en  ©tjcrcd^tc, 
foroie  mit  bcr  2Jlet)rjal^l  ber  neueren  ©cfcggcbungcn  im  ©inflangc  (oergt. 
preufe.  91.  S.  SR.  II,  1  §§  973,  974,  952—965,  967;  fäd^f.  @.  S3.  §§  1628, 
1706;  Code  civil  Slrt.  180—183,  201—202;  l^cff.  ©ntm.  H  Slrt.  48,  53,  59—62; 
ofterr.  ®.  33.  §§  94—96,  102,  160,  1265 ;  fd^mei}.  »b.  ®ef.  v.  24. 5Dejembcr 
1874  3lrt.  50,  52,  53,  55  3lbf.  3).  5«ur  in  cinjclncn  fleineren  SRcd^tSgcbietcn 
mirft  bie  3lnfed^tung  nid^t  rüdtoärtsliin,  fonbern,  mie  bic  ©l^cfd^cibung,  nur 
für  bie  3ufunft  (gotl).  ©l^cgef.  v.  15.  3luguft  1834  §§  109,  117,  118,  135, 
136 ;  ücrgl.  aud^  altenb.  @^eorbn.  o.  13.  SKai  1837  §§  163—193,  267—272, 283). 
®urd^  biefe  lefeterc  9lrt  ber  Siegelung  mirb  iebodö,  ganj  abgefc^en  baoon,  bafe 
biefelbc  bm  allgemeinen  ©runbfä^cn  beS  ©ntmurfcs  über  ben  Segriff  ber 
Slnfec^tbarfeit  nid^t  entfprid^t,  bas  Sntcreffe  beS  anfcd^tungsbered^tigten  ®^e* 
gatten  nid[)t  in  ausreid^enbcr  SBcifc  gefd^ügt. 


nngültlfifeit  bcr  gje.    3lnfc*tbarfclt.    3ic$ilid}cr  Äarafter.    §  1260.         85 

3luci^  bann  ftimmt  bcr  Sutrourf,  raennglcid^   in  ber  Äouftniftion  ah  wc^»oer^. 
toci^cnb,  boc^  \a6)l\ö)  im  5DBcfcntlid)en  mit  bem  gcUcnbcu  Siedete  überein,  ba%    bum 
bie  anfc^tbarc  ®^e,  anä)  wenn  bie  9lnfed&tung  erfolgt  ift,  fo  lange  als  gültig  ob^SÄ 
be^onbclt  mirb,  biß   biefelbe  aufgeloft  ober  für  ungültig  erflärt  ift.    Sie   crrwrung 
©r^ebung  ber  3lnfed^tungßflage,  burd)  roeldbe  bie  9lnfed^tung  erfolgt,  fo  lange  anaef^ö^e; 
bie  e^e  nid)t  aufgeloft  ift  (§  1266  3lbf.  1),  f|at  nad)  bem  entmurfc  eine 
boppclte  Sebcutung.   (ginerfeitö  bilbet  fie  ben  SJlnfed&tungöaft  (§  113)  unb  l^at 
infofcm  einen  red^tsgefd^äftlid^en  Äarafter.    3lte  SÄnfec^tungöaft  bewirft  fie, 
boS  bie  ®f|e  materiell  rücfroörtöl^in  uernid^tet  wirb.    3lnbererfeitö  f|at  bie 
änfcd^tungätlage  infofern  bie  3latur  einer  gefifteDungöflage,  alö  in  bem  burd^ 
i^re  grfjcbung  anl^ängig  geworbenen  SRed^töftreite  feftgeftellt  werben  folt,  ob 
Me  Snfc^tung  begrünbet  war  ober  nid^t,  ob  mitljin  bie  ®fie  befielet  ober  nic^t. 
28ic  ober  nad^  §  1252  bie  3lid^tigfeit  einer  in  gehöriger  gorm  gefd^loffenen 
%  incidenter  nid^t  geltenb  gemad^t  werben  tdnn,  bis  bie  (5f)e  aufgeloft  ober 
ßt  i/rtgöltig  erflärt  ift,  fo  foU  aud^  bie  in  gotge  ber  ainfed^tung  eingetretene 
SBirfung  ber  Ungültigfeit  ber  ®l|e,  um  tliunlid^ft  eine  einlieitlid^e  geftftellung 
iu  erreichen  (§  1269),  fo  lange  incidenter  nidf)t  geltenb  gemad^t  werben  ifönnen, 
bi3  bie  angefod^tene  (£^e  aufgeloft  ober  für  ungültig  erflärt  ift.    3ft  bagegen 
bie  6l)e  in  ^jolge  ber  9lnfed^tung  für  ungültig  erflärt  ober  ift  bie  anfed^tbare  "«^^  *>«  ««^' 
€^e  na^  erfolgter  Slnfed^tung  t)or  (grlebigung  beö  3tec^tsftrciteö  aufgeloft,  fo  ''^^""^*'^' 
öufeert  nunmefir,  T)orbel^altlid^  gewiffer  Sluönal^men  (üergt.  §§  1270,  1567, 
§  1464  3lbf.  2),  bie  erfolgte  9lnfed&tung  bie  ilir  nad^  ben  allgemeinen  ©runb^ 
fä^en  (§  112)  jutommenbe  SBirfung,    2)a6  bie  in  ^olge  ber  Slnfed^tung  ein^ 
getretene  Ungültigfeit  ber  ®^c  aud^  in  bem  julegt  gebadeten  gälte  incidenter 
geltenb  gemad^t  werben  fann,  l)ängt  mit  ber  in  ber  9lnm.  1  ju  bem  Unter* 
abfc^nitte  „IV.  Ungültigfeit  ber  6f)e"  unter  II,  9  mitgetl^eilten,  alö  (Srgänjung 
ber  S.  5ß.  D.  jur  Slufna^me  in  baä  ®infüf|rungögefefe  beftimmten  SSorfd^rift 
befi  §  584  a  ber  ß.  %  0.  iufammen,  nad^  weld^er,  wenn  einer  ber  (gl^cgatten 
t)or  bcr  SJed^tsfraft  beö  ®nburtfieilcä  ftirbt,  ber  3ted^tsftreit  in  9lnfel|ung  ber 
^uptfad&e  alö  ertebigt  anjufel^en  ift  (t)ergt.  bie  SRotioe  ju  §§  1256  unb  1269). 

3ft  bie  ef)c  burd^  ben  2;ob  beö  nidbt  anfed^tungöbercdötigten  ©l^egatten&eisinfcc^tuitg 
oufgeloft,  fo  erfolgt  nac^  §  1266  9lbf.  2  bie  3lnfec^tung  burd^  eine  gegenüber   ""^.b^/"' 
bem  SRod^lafegerid^te  abjugcbenbc  SBillenöerflärung.    3n  biefem  galle  ift,  wie 
§  1260  äbf.  2  ergiebt,  bie  SBirfung  ber  SÄnfed^tung  nid^t  bat)on  abl^ängig, 
^6  bie  Ungültigfeit  ber  ®{)e  burd^  rid^terlid^eö  Urtf)eil  auf  (Srunb  einer  uor^ 
Sängigen  5ßräiubijialflage  auögefprodjen  wirb;  rielmefir  wirft  in  biefem  gatle 
ir>  änfec^tung  nac^  SKafegabe  ber  allgemeinen  ©runbfäfec  (§§  112,  113)  fraft 
be&  ©efefteö.    3)ie  (Sriinbe  für  biefe  9lrt  ber  Siegelung  finb  biefetben,  wie 
biejenigen,  roeld^e  ju  ber  Seftimmung  beö  §  1252  3Ibf.  2  gcfül)rt  ^aben,  ba^ 
.bie  Slic^tigfeit  einer  in  geliöriger  gorm  gef^loffenen  ®^e  nad^  äluflöfung  ber 
leftteren  na^^  üJlafegabe  ber  allgemeinen  ©runbfäge  geltenb  gemad^t  werben 
tonn  (oergL  bie  SKotioc  ju  §  1252  oben  ©.  57  ff.). 

äfuö  §  1260  9lbf.  2  folgt  von  fclbft,  bafe,  wenn  bie  S^e  in  golge  ber 
Xnfet^tung  alö  nic^t  gefd^loffen  anjufel^en  ift,  auä)  oon  einem  gcgenfeitigen 
6r6rc^te  ber  ©Regatten  nid^t  bie  3flebc  fein  fann.  28etd^en  ©inftufe  eö  auf 
Wc  aBirffamfeit  einer  legtwilligen  SSerfügung  ^at,  burd^  weld^e  ein  ©begatte 


L 


1 


86  Uuflültiöfcit  bcr  &ijt.    Stnfe^tungörec^t.    §  1261. 

bcn  anberen  bcbad^t  f)at,  ober  auf  bic  aSirffamfcit  cineö  jroifc^en  bcn  ©Regatten 
gefd^loRenen  (Srbcin[e|un9öT)crtragcö  ober  SBcrmäd^tnifeocrtrageö,  rocnn  bic  ®^c 
anfed^tbar  unb  angefod^tcn  ift,  ergicbt  Tid^  ouö  bcn  §§  1783  ff.,  1948, 1949, 1962. 

§  1261. 

anf^mng  '^^^  §  ^^^^  beruf|t  auf  bcm  5ßrinjipc,  baß  jur  Slnfcd^tung  bcr  ®^c  nur 

bcrjenigc  ß^cgatte  berechtigt  ift,  in  bcffen  ^erfon  bcr  Orunb  bcr  9lnfed^tung 
Hegt.  ®a§  in  bcn  gällcn  beß  §  1259  3lx.  1  nur  bemicnigcn  ©Regatten  bad 
Slnfed^tungörcd^t  juftc^t,  wcld^cr  ju  bcr  ©l^cfd^ilicfeung  bur(^  3)ro^ung  ober 
33ctrug  beftimmt  roorben  ift,  cntfpric^t  bcn  angemeinen  Scftimmungcn  beß 
©efegbud^eö  (§  103)  unb  bcn  ©rünbcn,  auf  rodeten  cö  bcrufit,  in  jenen  gällcn 
bic  ®^c  nur  für  anfed&tbar  ju  crflärcn,  unb  ftel^t  mit  bcn  bcftcfienbcn  3lcd[|tcn, 
fomcit  biefclbcn  in  bcn  fiicr  fraglid^cn  gäUcn  bic  Slnfcd^tbarfeit  bcr  ®^c  übers 
l^aupt  anertennen,  im  ©inf lange  (ucrgl.  prcufe.  31.  S.  SB.  II,  1  §§  39, 41—44, 993 ; 
Code  civü  3lrt.  180 ;  fäc^f.  ®.  S3.  §  1625 ;  attenb.  ©^corbn.  t).  13.  SKai  1837 
§§  163, 165, 168 ff.;  l^cR.©ntn}.  II,  3,  48;  fd^iocij. SBb. @cf.  X).  24. 5Dc5cmbcr  1874, 
Slrt.  50).  ©benforoenig  fann  eß  jmcifcl^aft  fein,  bafe  in  bcn  göUen  beß  §  1259 
9?r.  2  nur  bemicnigcn  ©Regatten  baß  Slnfcd^tungßrcd^t  ciniuräumen  ift,  meldtet 
geirrt  l^at  (oergl.  aud^  preufe.  21. 2,91. 11,1  §§  39, 41,  42,  993;  code  civil  2[rt.l80; 
fäd^f.  O.  S3.  §  1625).  2lucb  in  Slnfebung  bcr  gälle  beß  §  1259  3lx.  3, 4  führen 
bic  Orünbc,  meldte  mafegebenb  gemcfen  finb,  bic  ©^eunmünbigfeit  unb  bcn 
SBangcI  bcr  ©inroilligung  beß  gefc|lid^cn  SBcrtrctcrß  alß  Slnfed^tungßgrünbe 
anjuerJennen,  baju,  nur  bcm  bctrcffenbcn,  b.  1^.  bcm  el^cunmünbigcn  bcjn).  bcm 
in  bcr  ®efd^äftßfät)igfcit  befd&ränften  ©Regatten  baß  Slnfcd^tungßrcc^t  bcijulcgen 
(ocrgl.  prcufe.  31.  2.  91.  U,  1  §§  990,  972,  973,  994,  978—984,  999 ;  code  civü 
3lrt.  182 ;  bab.  2.  91.  ©afe  182  rerb.  mit  bcm  bab.  ®cf.  d.  9.  Dejcmbcr  1875  §  2 
lit.  b;  fäc^f.  ®cf.  t).  5.  9lot)ember  1875  §§  5,  6).  3nßbefonbcre  mürbe  cß  üom 
©tanbpunfte  beß  ©ntwurfeß  auß,  mclc^cr  bic  Sc^anbtung  beß  3Kangelß  bcr  ©l^c^ 
münbigfeit  alß  cineß  öffcntlid^cn  trenncnbcn  ©^cl^inbcrniRcß  abgclcl^nt  §at, 
mcil  bic  ©lieunmünbigfcit  alß  eine  bcfonbcrc  3lrt  befd^ränfter  ©cfd^äftßfäl^igfcit 
aufjufaifen  fei  (ocrgl.  bie  aRotit)c  ju  §  1259  unter  9lr.  4  oben  ©.  79), 
infonfequent  fein,  aud^  bem  cf)cmänbigen  ©Regatten  baß  Stnfcd^tungßrcd^t  bei^ 
julcgcn.  3w>ö^  mürbe  baburd^  bcm  gegen  bic  öel^anblung  bcr  ©l)cunmünbigfeit 
alß  cineß  bloßen  3lnfcd^tungßgrunbcß  fid^  crlicbcnben  Sebenfen  entgegengetreten, 
bafe  bcr  cl^emünbigc  ©l)egattc  in  eine  üble  2agc  gerat^cn  fann,  wenn  er 
oicüeid^t  längere  Sa^rc  l)inburd[i  in  bcr  Ungemife^eit  bleibt,  ob  bcr  anbete 
clicunmünbige  Xt)t\l  oon  feinem  3lnfed^timgßrcd^tc  ®ebraud^  mad^cn  merbc; 
allein  anbercrfcitß  mürbe  burd^  eine  fold^c  91cgclung  bic  ©^eunmünbigteit  in 
geroiffem  Umfange  bod^  bcn  Saraftcr  cineß  abfoluten  ©l)c^inbcmiffcß  ermatten. 
^\xö)  auß  bcm  ®erid^tßpunftc  beß  ^rrti^umeß  läfet  fid^  üom  ©tanbpunfte  beß 
©ntrourfcß  auß,  mcld^cr  fidf)  prinsipicll  gegen  eine  ©rmcitcrung  bcr  3lnfcd^tbarfeit 
roegen  3rrtl)umcß  über  bic  gälle  beß  §  1259  3lv.  2  I)inauö  entfd^ieben  ^at 
(ocrgl.  bic  3)lotiüc  ^u  §  1259  unter  9lr.  2  oben  S.  76  ff.),  ein  3lnfed&tungßrec^t 
beß  clicmünbigen  ©Regatten  nid^t  rechtfertigen.  SBciter  fommt  in  33etra(^t, 
bafe  in  bcn  meiftcn  gälten,  in  meldten  ein  G^egattc  jur  3cit  bcr  ©^cfd^licfeung 


anfcc^tbarfeit.    einPiig  bcr  9lufIö]uno  bcr  S^e.    §  1262.  87 

noci^  cl>cunmünbig  gcroefen  ift,  berfclbc  bcm  Slltcr  bcr  @t)cmünbigfeit  fefir  na^e 
ftdicn  wirb,  für  bcn  anbcren  ©Regatten  ba^er  erl^cbtid^c  Ucbelftänbe  an&  ber 
SBcrfagung  beö  Slnfccibtungdredötcö  nid^t  ju  bcforgcn  finb. 

©ine  anbcrc,  im  §  1265  cntfd^icbcnc  unb  bort  ju  erörtcmbe  ^agc  ift, 
ob  unb  inioicrocit  bic  Slußübung  bcö  3lnfed^tungßrc(|tcß  in  ben  gällcn  bcö 
§  1259  9ir.  3, 4  bcm  anfcd^tungöbcrcd^tigten  @f|cgattcn  felbft  ober  im  Slamen 
bcö  Ic^teren  feinem  gefefelidöen  SScrtreter  juftc^cn  foU  (oergt.  bic  SRotiüc  ju  §  1265). 

§  1262. 

2)ie  ^auptbebcutung  beö  §  1262  ift  bic,  bafe  ba«  änfcd^tungärcd&t  mit  «««w«*""9 
bem  S^obe  beö  anfec^tungöberec^tigten  ©Regatten  crlifd^t.  ®d  ift  bied  leine  »(nfeo^tung: 
pofitioe  öeftimmung,  f onbern  alö  eine  ftonfequcni  oDgemeiner  ©runbfäje  an^  ^^^b  bes  an* 
jufe^en.  ©ine  SBcrcrbung  bcß  Slnfcd^timgörcd&teö  fann  nid^t  ftattfinben,  ba  f«^*««««* 
baö  Untere  mit  SRüdEfid^t  ouf  bcn  ©cgcnftanb  ber  Slnfcd^tung  als  ein  t)od^ft  «Ratten" 
pcrfönlid^cö  SRcc^t  erf^eint.  S^av  ift  bic  in  golgc  ber  Slnfed^tung  ber  ®^e 
eintretenbe  aSemid^tung  ber  legtercn  aud^  von  ücrmögcnöred^tlid^cn  folgen  be^ 
gleitet,  unb  ^at  baß  3Infed&tungßred&t  infofern  für  bcn  Scrcd^tigten  aud&  ein 
DermogcnÄrcd^tlidbeö  3ntereffc;  allein  biefcö  3ntereffe  ift  nur  ein  mittetbareö. 
2)aß  atnfcd^tungßrcd^t  felbft  ift  nid^t  Sluöftufe  unb  Sinne j  Don  SScrmögcnö^^ 
redeten,  fonbcm  eineö  rein  perf5nlid[)en  33erl)ältniffes.  ©benforoenig  wie  baöfclbe 
©egenftanb  ber  33eräufeerung  ober  ber  Sroangßoollftredung  fein  fann,  fann  e& 
auf  bie  ©rben  ate  fold^c  übergel^en  (oergl.  jjcbod^  ©ntfc^.  b.  31.  ®.  in  ©ioitf, 
rx,  57).  3ln  pd^  ift  eß  red^tlic^  jroar  mögtid^,  aud^  nad^  bem  S^obe  bcß  an* 
feddtungßbered&tigtcn  ©Regatten  britten  ^erfonen,  roetd^c  ein  lieroorragcnbeß 
ucrmogenßrcd^tlid^cß  Sntcreffe  an  bcr  Ungültigfeit  ber  ©t)e  ^aben,  baß  5lcd[|t, 
bie  (Sf)t  anjufcd[|ten,  bcijulegen,  ba  ©egenftanb  ber  Slnfcc^tung,  genau  betrad^tet, 
nid&t  bic  bcftefienbe  ©^e,  f onbern  bcr  mit  bcm  betreff cnben  3Hangel  bel^aftctc 
(g^cf^UcfeungßDcrtrag  ift  unb  bie  Sluflöfung  be§^  perfönlid&en  9led[|tßt)cr^ältnif[eß 
ber  6^c  fid^  nur  a(ß  eine  auß  bcr  Sefeitigung  bcß  ©^efdöUe^ungßoertrageß 
folgenbc  Äonfcqucnj  barftcUt;  allein  ein  folc^cß  3lnfe(^tungßred&t  britter 
?Pcrfonen  erfdbcint  nid|t  alß  ein  auß  bcr  5ßcrfon  bcß  ücrftorbenen  anfed^tungß- 
bered^tigten  ©Regatten  abgeleitetcß,  fonbcm  alß  ein  traft  pofitioer  33orfd^rift 
in  ber  5ßcrfon  beß  ©ritten  begrünbetcß  neueß,  fclbftänbigcß  Siedet,  meld^cß  nic^t, 
wie  jeneß,  einen  perfönli(^cn,  fonbcm  einen  rein  T)crmögenßrcd&tlid^en  Äarafter 
^aben  xoüvbt  unb  alß  2tnnej  üon  SScrmögenßrcdötcn  in  ©rmangelung  einer 
befonberen  33eftimmung  aud^  ©egenftanb  bcr  93eräufeemng,  wie  ber  S^öngß- 
ooDftrerfung  fein  fonnte.  9llß  ©ubjefte  biefeß  3lnfe^tungßrcd^tcß  mürben,  ba 
bie  ©^e  biß  jur  erfolgten  Slnfcc^tung  alß  gültig  anjufc^en  ift,  bie  Seerbung 
bcß  pcrftorbenen  ©Regatten  mitl^in  junöd^ft  fo  ftattfinbct,  mie  menn  bie  ©f|c 
gültig  märe,  ani)  n\ä)t  bie  ©rben  bcß  anfcd&tungßbered^tigtcn  ©Regatten, 
fonbem  bicienigen  5ßerfoncn  ju  bcäcid^ncn  fein,  mcld&e  ©rben  fein  mürben,  menn 
bic  G^c  nie  beftanben  t)ätte.  ®iefe  5ßerfoncn  f önncn  allcrbingß  ein  erl)cblid^eö 
3nteref|e  baran  ^aben,  aud^  nod^  nad^  bem  S^obe  bcß  anfcd^tungßbcrcd^tigten  ©^c* 
gatten  bic  @^c  alß  ungültig  anjufcd^tcn,  um  bic  bem  überlcbenben  ©f)egattcn 
auf  ®mnb  bcß  c^elid^en  ©ütcrred^tcß  jugcfommcnen  SBort^cile,  inßbefonberc 


88  Sinfecj&tbarfeit.    ginfluß  bcr  9tufröfunö  ber  g^e.    §  1262. 

baö  ©rbrcd^t  beöfelbcn  gegenüber  bem  ücrftorbenen  (Sfiegatten,  ju  bcfeitigen, 
unb  eö  fragt  fid^,  ob  nld^t  überroicgenbc  Orünbe  bafür  [prec^cn,  jenen  ?ßerfonen 
roenigftenö  bann  ein  fold^eö  Slnfed^tungöred^t  emjuräumen,  wenn  ber  oerftorbcne 
©l^egattc  burd^  S)rol^ung,  S3etrug  ober  Srrt^um  jur  ©Iiefd^Kefeung  beftimmt 
TOorben  war,  t)oraußge[e|t,  bafe  bem  Ie|teren  felbft  baö  Slnfed^tungöred&t  jur 
3eit  feines  Si^obeß  noä)  juftanb.  ®ie  beftel^enben  SRed^te  entfialten  in  ber  l^icr 
fraglid^en  S3ejief)ung  nur  jum  2:fiei(  ansbrüctlicl&e  S3eftimmungcn.  S)ie  aitenb. 
(Sfieorbn.  t).  13.  ajlai  1837  §§  193,  267—270  (üergl.  aud^  baß  aitenb.  ©rb^ 
folgegef.  o.  6.  2lpri(  1841  §§  74,  75)  fd&reibt  in  Uebereinftimmung  mit  ben 
allgemeinen  ©runbfä^en  üor,  bafe  (Srben  in  bm  fällen,  in  roeld&en  ein  ©fiegattc 
roegen  3wangeS,  Betruges  ober  3rrtl)umeö  bic  ^ßid^tigfeitöerflärung  ber  6^e 
ju  verlangen  befugt  ift,  bic  5Wid^tigfeit  ber  ®^e  nid^t  weiter  rügen  fonnen,  xomn 
bcr  üerftorbene  ®^egatte  biefer^alb  Älage  ju  erl^eben  unterlaffen  l)atte.  3lud^ 
md)  bem  fäd)f.  (S.  S.  §§  148,  2055  fonn  baö  Slnfed^tungöred^t  nad^  bem 
S^obe  beö  anfcd[)tungöbered)tigten  ®f|egatten  nid^t  me^r  gciteub  gemad^t  werben. 
3luf  bemfetben  ©oben  fielen,  fot)ieI  baö  6rbred)t  beö  Überlebenben  ©^c^ 
gatten  betrifft,  baQ  meining.  ®ef.  v.  6.  9lpril  1833  §§  65—68  unb  ba^  ©ef. 
für.  Sleufe  i.  S.  t).  10.  SDejember  1853  §§  67,  68.  83on  berfelben  Siegel  ge^t 
baö  preug.  91.  £.  9t.  II,  1  §§  42—44  auö ;  bod)  mad^t  lefetereö  eine  9lus* 
na^me,  wenn  auö  einer  angcblid^  erjroungenen  6^e  !ein  jilinb  t)orf)anben  ift. 
Sn  biefem  galle  f)aben  bic  ®rben  beö  unfd^utbigcn  SC^eileö  ein  Siedet,  auf  bic 
9iid&tigfeit  ber  ß^e  ju  flagen.  S)cr  (Sefefereoifor,  ^cnf.  XV  ajiotioe  S.  69  ff., 
l;at  bic  Sefeitigung  biefer  9luöual)me  üorgefd^lagen.  3loä)  weiter,  alö  bo^ 
preufe.  91.  2.  91.,  gcl)t  ber  ^cff.  ©ntro.  II  9Irt.  50.  ©erfclbe  läfet  nid)t  nur 
allgemein  im  galle  beö  3^^öngeö,  foubern  audf)  im  gallc  einer  ^ßerfonem 
ücrroed^fetung  baö  Älagercd^t  beö  verlegten  ®l)egatten  auf  befjen  6rben  über- 
gelten,  ©agegen  wirb  Don  ber  franj.  3"^iöprubenj  auf  ®runb  beö  9lrt.  180 
beö  code  civil,  roeld^er  in  ben  gcbadEjten  gällen  nur  ben  betreffenben  ©begatten 
für  bered^tigt  erftärt,  bic  ®^e  anjufedEjten,  ben  6rben  beö  Icfeteren  baö  9lns 
fed)tungöred&t  ücrfagt.  gür  bie  S^f^ffwng  beö  9lnfed)tungörcd&teö  wegen 
3wangeö  ober  3rrtl)umcö  aud&  nadE)  bem  S^obe  beö  aufed^tungöbered^tigtcn 
®l)egatten  fann  man  anfüljren,  bafe  in  gällcn  biefer  9lrt  eine  freie  SBiUenö^ 
crflärung  beö  tegtcren,  mit  bem  anberen  X\)t\k  eine  ©Ije  fd^licgen  ju  wollen, 
nod^  gar  nid^t  üorgelcgeu  l^abe,  eine  wir!lid^e  Sfie  bal)er  überfiaupt  nid^t  ju 
©tanbc  gefommen  fei,  wenn  ber  anfcd^tungöbered^tigte  ®l)egattc  fterbe,  beoor 
er  nad^  Seenbigung  ber  3^ö"9öI^9c  ober  nad^  ©ntbedfung  beö  Srrt^umeö 
bie  (Sljc  genel;migt  l;abe.  9ludö  wiberftreite  eö  bem  9led^tögefü^le,  wenn  ber 
überlebenbe  6t)egattc,  trofebcm  üielleid6t  üon  biefem  ber  S^anQ  auögegangen 
ober  ber  3^tt)um  betrüglid)erwcife  J^eroorgerufen  fei,  bennod^  auf  Soften  ber* 
jenigen  ^^icrfoncn,  weld^e  oljnc  bic  ©tjc  bie  ©rben  beö  t)erftorbenen  ©begatten 
geworben  fein  würben,  bie  burd)  bic  ®l)e  ifjm  crwad)fencn  oermögcnöred^tlid^en 
33ortl)eile  bef)alten  unb  inöbcfonbere  unter  9luöfdE)lu6  ober  SSecinträd^tigung 
beö  9led^tcö  j[ener  ^crfoneu  ben  oerftorbenen  ©Ijcgattcn  beerben,  alfo  bic 
grüditc  feiner  red^tö*  unb  fittenwibrigen,  oicUcid^t  t)erbred^erifd)en  §anblung 
genießen  folle  (oergl.  bie  OJlotiüc  jum  beff.  ©ntw.  11  9lrt.  50  @.  67  ff.).  S)iefc 
©egengrünbc  fönnen  inbcffen  alö  burdjfd^lagcnb  nid^t  crad^tet  werben.    SBenn 


9[nfed&t6arfeit.    6inPu§  bcr  Stuflöfung  bcr  SJe.    §  1262.  89 

aud^  bcr  anfed^tungöbcred&tigtc  ©^egattc  bis  ju  feinem  3;obc  unter  bem  ©in« 
fluRe  beö  3w>ange3  geftonben  beiw.  int  Srrtl^ume  befangen  geraefen  fein  foDte, 
10  Meibt  cd  boc^  immer  jmeifel^aft,  ob  nid^t  bic  6f|e  bem  SBißen  beöfelben  in 
®irfli(^fcit  cntfpri^t  unb  ob  er  nid)t  naä)  Seenbigung  ber  3^i>tingßlQgc  ober 
ncKJ^  ©ntbecfiing  befi  Srrt^umeö  bie  ®f;e  genehmigt  f)aben  mürbe  (§  1263). 
3n  no^  ^o^erem  SKafee  ift  bieß  bcr  galt,  rotnn  fdjon  üor  bem  SKobe  bie 
3roongöIage  becnbigt  bejm.  ber  3rrt{|um  entbedEt  mar,  ber  anfed^tungöbered&tigte 
ß^egatte  aber,  obne  bie  Slnfed^tungäMage  erlioben  ju  i)aU\\,  oor  Slbtauf  ber 
STnfet^tungöfrift  (§  126^)  geftorben  ift.  3m  S^^if^f  ift  es  ober  ridjtiger,  bic 
6bt  aufrec^tjucrtialten,  a(ß  oieüeid^t  gegen  bie  9lbfid^t  beö  üerftorbenen  6^e* 
gatten  «nb  gegen  baö  Sntereffe  ber  in  ber  6{|c  erjeugten  fiinber  (oergL 
c.  11  X-  qui  filii  sint  leg.  4,  n)  lebiglid^  megen  oermögenöred^tlid^er  Sntereffen 
dritter  bie  Slnfed&tung  ber  ®l)e  ju  geftatten,  jumal  nid)t  roirftid^e  9led)te, 
fonbem  nur  SKuöfic^ten  dritter  burd^  bie  3lufred^terl^altung  bcr  Gfje  oereitelt 
Toerbcn.  £a5u  fommt  bie  Sc^roierigfeit  unb  Unjuoerläffigfeit  bcö  öeroeifeö, 
©enn  bie  Slnfcd&tung  aud^  noc^  nad)  bem  S^obe  bcö  aufcd)tungßbered^tigten 
Gbcgattcn  jugclaRcn  wirb,  namentlid^  fooiel  ben  Raufa(}ufamment)ang  unb  bie 
^ge  betrifft,  ob  bic  S'^^J^flöI^fle  ^^i^-  ^^^  Srrt^um  biß  jum  S^obe  fort- 
gebaucrt  ^at  ober  nicbt  unb  ob  im  le^teren  galle  bie  ©f;e  alß  ftillfi^roeigenb 
genc^igt  anjufe^en  ift. 

atnbcrß  liegt  bie  Sad&e,  menn  ber  anfcd^tungßbcred^tigte  ©(jegatte  oor 
feinem  2^obe  bie  9lnfed^tungöflage  erfioben  l^attc,  aber  oor  bereu  ©riebigung 
gcftütben  mar.  3n  bicfcm  ^alle  ift  ^mar  ber  SWed^tßftreit  über  bie  Slnfed^tungß:: 
Hage  in  ber  ^auptfad^e  olß  ertcbigt  anjufe^en  (oergl.  ben  in  bcr  9Inm.  1  ju 
auc§  IV  Sit.  1  §§  1250  ff.  unter  II,  9  mitgctl^eilten  §  581a  ber  6.  %  D.), 
bogcgen  fann  nad^  §  1260  9lbf.  2  bie  Ungültigfeit  ber  6f)c  auf  ®runb  ber  in 
bcr  ©r^ebung  ber  Slnfcd^tungßflage  liegenben  9lnfed^tung  (§  1266  9lbf.  1) 
nunmehr  oon  ^ebcm,  roeldöer  ein  red)tlidöeß  Sntereffe  baran  t)at,  inöbefonbere 
oon  bem  ©rben  beß  oerftorbencn  ©tjegatten,  incidenter  geltenb  gemad^t  merben 
(oergl.  bic  3»otioe  }u  §  1260  oben  ®.  85). 

3ft  bie  anfed^tbare,  nod)  nid^t  angefodötene  G^e  burd;  ben  2^ob  beß  nid^t      2:0b 
}ur  STnfed^tung  bered^tigten  ©begatten  aufgelöft,  fo   führen  bie  aUge^neinen  |^^^t„,"g  ^"^^^ 
®runbfä|e  umgefc^rt  babin,  bie  9Infed)tung  bcr  ©^e  axid)  nad)  ber  3fuflöfung  berec^agten 
ber  festeren  no^  iujulaffen.    3)ie  Sefeitigung  ber  ©l)e,  meldte  in  crfter  Cinie  ^^'^^""^"• 
burd^  bic  9(nfed^tung  bejroedEt  wirb,  ift  allerbingß  n\d)i  md)v  möglid;;  allein, 
wie  oben  3.  87  bcreitß  beroorgeboben  mürbe,  rid^tet  fid^  bie  3lnfed)tung  nid^t, 
wie  ber  2Intrag  auf  ©d^eibung,  gegen  bie  beftebcnbe  ©be,  fonbern  gegen  ben 
mit  bem  SRangel  bebafteten  ©J^efdölicfeungßocrtrag.   S)ic  ä[nfed)tung  beß  le^teren 
ift  aber  au^   nac^  Sluflöfung  ber  ®^c  nodb  red^tlid^  möglid^.    3)em  über* 
lebenben  anfcd^tungßbered^tigten  ©Regatten  nac^  bem  3:obe  beß  anberen  ©be=: 
gotten  bur^  eine  pofitiue  Seftimmung  baß  2lnfed^tungßred^t  ju  ücrfagen,  fann 
auc^  auß  ©rünben  praftifc^er  Sroedmä^igfeit  alß  gered^tfertigt  nid^t  anerfannt 
loerben.    S^ar  ift  mit  bcr  Sluflöfung  bcr  ©l^e  burd^  ben  S^ob  beß  anberen 
(S^aittn  für  ben  Überlebenben  anfc^tungßbered^tigtcn  ©begatten  baß  ,§aupt^ 
intereffe  an  ber  Stnfecbtung  meggefallen.    3luc^  mu§  äugegeben  merben,  bafe 
eß  }u  Sermidclungcn  fübren  fann,  menn  bic  9lnfed^tung  üiellcid^t  erft  lange 


90         Ujiflultiofcit  bcr  Sl&e.  Oencljiuiöimö  bc5  Slnfe^tunfl^Bcrei^tiöltu  §  1263. 

3cit  naä)  Sluflöfung  bcr  ®^c  erfolgt,  nad^bcm  bic  Dermogcnörcd^tlid^cn, 
namentli^  bic  erbrcd^tli(^cn  SBcrJ^ältniRc,  auf  (Srunb  bcr  Oülligfcit  bcr  ®^c 
georbnet  ftnb,  unb  bafe  mit  bem  SCobc  bcö  onbercn  Sl^egatten  bicjcnige  ?ßerfon 
^inroeggefaflen  ift,  tocld^e  am  bcftcn  in  bcr  Sage  fein  mürbe,  bic  für  bic  Sluf:^ 
red^ter^attung  ber  ®^e  fpred^cnbcn  2;^atfad^en  oorjubringen.  9luf  bcr  anberen 
Seite  fommt  aber  entfdicibenb  in  Setrad^t,  ba§  bic  SSerfagung  beö  Slnfed^tungö* 
red^teß  für  ben  überlebcnbcn  anfcd^tungsbere^tigten  ©Regatten  unter  Umftänben 
}u  großen  gärten  fül^rcn  fann,  namcntlid^  in  foI(^cn  gällen,  in  melt^en  er 
mit  bem  anberen  ©Regatten  in  ®ütergcmeinfd^aft  gelebt  ober  mit  bemfetbcn 
einen  @rbt)ertrag  gefd^loffen  l^at,  in  mel(^em  non  il^m  ju  Ounften  dritter  für 
ben  gall  fcineft  2^obeö  binbenbe  SSerfügungen  oon  2^obeöroegen  getroffen  ftnb 
.  (oergl.  §  1377  3lbf.  2,  §§  1783,  1948,  1956,  1959,  1961).  5lud)  t)om  ibcalen 
©efid^töpunfte  aus  fann  berfclbe  ein  bead^tcndmert^eö  3ntereffe  baran  ^aben, 
ha%  bic  SBirfungen  ber  ®l^e  Dcrnid^tet  merben  unb  er  nid^t  me^r  ald  ©begatte 
bes  anberen  2^^eiled  gilt,  j.  83.  wenn  bie  überlcbenbe  ®^efrau  ben  9iamen  bes 
oerftorbenen  ©l^cgatten  nid^t  me^r  ju  führen  roünfd&t.  2)ic  SSerfagung  bcö 
2lnfcd^tungöred^ted  nad^  bem  S^obe  beß  anberen  ©Regatten  ift  befonberö  be^ 
benfüd^  im  c^inblidEe  auf  bie  nid^t  feltenen  gäUe,  in  meldten  ein  S^egattc 
buxi)  S3etrug  bcö  anberen  ©Regatten,  namentlich  burd^  2^äufc^ung  über  bie 
perfönlid^en  93erl)ättniffe  bcö  tejtcrcn,  ju  ber  ®^efd6lie§ung  beftimmt  roorben 
ift  unb  bcr  33ctrug  erft  nad^  bem  S^obc  bcö  anberen  ©Regatten  entbccft  wirb. 

ber  cbou?d)  ^^^  allgemeinen  ©runbfägcn  mürbe  aud^  im  galle  bcr  Sluflofung  ber 

sc^cibunfl   @^c  burd^  ©d^eibung  ober  in  golge  Sobcöcrflärung  (§  1464).  bie  3lnfec^tung 

'^'Vobl°'°*  bcr  @^c  nid^t  auögcfd&loffen  fein,  inöbef onbere  im  gallc  ber  ©(Reibung  baö 
ernärunfl.  rcc^töfröftigc  6d^cibungöurtl|cil  einer  fold^en  2lnfed[)tung  nid^t  cntgegenfte^cn, 
ba  in  jenem  Urtt)eilc  über  bie  tcjtcrc  nid^t  cntfd&iebcn  ift  (ocrgl.  §  293  ber 
ß.  5ß.  D.,  §  191  b.  ©ntro.).  ®a  inbcffcn  naä)  2luflöfung  bcr  ®l)c  burd&  ©d&eibung 
ober  in  golge  S^obeöcrflärung  eine  9lnfcd[)tung  ber  ®l)c  nur  in  ben  feltenften 
gäUcn  in  ?5^age  fommen  mirb,  fo  liegt  ein  Sebürfnife,  in  biefen  gällen  baö 
9lnfcd[)tungörcd6t  nad^  Stuflöfung  bcr  ®^c  fortbauem  ju  laffcn,  ni^t  nor; 
üielmcl^r  ftnb  l^icr  bic  gegen  bie  3ulaf[ung  bcr  9lnfed^tung  nad^  Sluflofung  ber 
6f)c  fprcd^cnbcn  3w>^*"^ä6i9f^itö9^önbe  als  übcrmicgenb  anjufc^en  (oergL 
megen  bc§  preug.  dic6)M  Urtf).  b.  di.  ®.  bei  ©rud^ot  XXXII  ©.  114  ff.). 


§  1263. 

öeite^miflunfl  (^[^  ^öcftimmung  bcö  3lbf.  1  Safe  1  cntfprid^t  bem  5Bcfen  bcr  2ln:= 

""anmunQ^  fcc^tbarfcit  unb  ben  allgemeinen  (Srunbfäfecn  bcö  ©efefebud^cö  (§  113  Slbf.  3). 

©reÄt"  ®^^  ^*^^*  ^"*'  f^^^^^  junäd^ft  bic  gälle  bcö  §  1259  3lt.  1,  2  betrifft  — 
im  (Scgenfa|e  ju  bem  fanonifd^cn  9ted^tc,  wcld^cö  eine  megen  3wangeö  ober 
3rrtf)umcö  nid^tigc  Sl)c  nur  burd^  (Srneucrung  bcö  Äonfcnfeö  beiber  (S^e^ 
gattcn  jur  ®ntftc^ung  gelangen  läfet  — ,  mit  bcr  3)tct)rjal)l  bcr  beftefjcnben 
SRcd^te,  inöbefonberc  mit  bem  gemeinen  protcftantifd^en  ®^crcd)te,  bem  preu§. 
31.  S.  91.  II,  1  §  41  unb  bem  fäd[)f.  @.  S.  §  1625  (ücrgl.  aud^  t)eff.  ©ntm.  II 
3lrt.  49  nebft  aJlotioen  S.  67),  im  ^^Jrinäipc  im  ©inflangc,  mcnngleid^  biefelben 


Ungültiofcit  bcr  6f?c.  ®enc6miöunö  bcß  SlnfcdjtunööBcrcc^tiötcn.  §  1263.         91 

im  ©njcincn,  nomcntlid^  in  ätnfe^ung  bcr  grage,  inioicmcit  aud)  eine  ftill- 
f^iocigenbe  ®cnet)migung  genügt,  audeinonbcrge^cn.  5DBöf)rcnb  baö  gemeine 
proteftantif^c  (g^ere^t  unb  baö  föd^f.  0.  S3.  axiä)  bie  ftiUfd&roeigenbc  ®c^ 
ne^migung  für  auöreid^enb  erflören,  ocrlongt  baö  preufe.  31.  2.  SW.  auöbrücf^ 
lic^e  ©cncl^migung  ober  eine  fed&ö  95Bod|en  überfteigenbe  gortfefeung  bcr  ®^e 
no4  Hebung  beö  ^inberniRcö.  S)er  code  civil  airt.  181  befd^rönft  fid^  auf 
bie  Scftimmung,  bafe  bie  SUd^tigfeitöflage  wegen  2)ro^ung  ober  3rrtt)umeä 
ouÄgef^lotfen  ift,  wenn  Don  ber  Seenbigung  bcr  3w)angölage  bejn).  oon  bcr 
feitbecfung  beö  3rrtf|umeö  an  ein  fed^ö  ÜRonate  t)inburd^  fortgefefeteö  33ei- 
faimnenTOo{)nen  ftattgefunben  f)ot.  3)ie  franj.  3uriäprubenj  nimmt  inbeffen 
an,  bag  auc^  bie  audbrüdFIid^e  Genehmigung  ber  @^e  in  ienen  ^öUen  bie 
Sttic^tigfeitöMogc  befeitige.  3lnbere  Oefeggebungen  erroä^nen  bie  Ocnel&migung 
alft  Suf^ebungdgrunb  bes  älnfed^tunggrec^tcd  ebenfattd  nid^t  unb  enthalten  nur 
bie  93eftimmung,  bafe  bas  9lnfed^tungörcd^t  nad)  3lb[auf  einer  furjen  §rift  feit 
35cenbigung  ber  3w>QngSlage  ober  ber  ©ntbedfung  beö  Setrugeö  ober  3trtt)umcö 
ni(^t  me^r  geltenb  gemod^t  roerben  fann  (ücrgl.  gott).  ®^egef.  v.  15.  9luguft  1831 
§§  117,  137;  altenb.  e^rbn.  ü.  13.  a»ai  1837  §§  190,  191;  fd^roeij.  ab.  ®cf. 
0.  24.  ajciember  1874  art.  50  3Ibf.  2).  9Iuf  bem  ©oben  biefer  lefeteren 
©cfeftgebungen  fte^en  in  2lnfe^ung  ber  3lnfcc^tbartcit  bcr  (S^e  megen  ß^c* 
unmünbigfeit  aud&  baö  preufe.  31.  S.  3t.  II,  1  §§  990,  975,  976  unb  baö  fä^f. 
@cf.  0.  5.  SRooember  1875  §  5  (ücrgl.  ferner  code  civil  3lrt.  185). 

©in  genügenber  ®runb,  baö  ^^Jrinjip  beö  §  113  9lbf.  3  in  einem  bcr 
galle  beö  §  1259  3lr.  1—3  ju  burd^bred^en,  liegt  ni^t  Dor.  3lud)  fann  cö 
alö  angemeffen  ni^t  erachtet  werben,  in  Slbmcid^ung  oon  ber  SHegcI  beö  §  72 
bie  ftiUf^ioeigenbe  Genehmigung  ganj  auöjufc^Uc^en  ober  nur  unter  be^ 
fHimnten,  gcfefelid^  näfier  bejeid^neten  Siorauöfefcungen  ju  berütffid&tigen.  2)ic 
praftif^en  Sebenfen,  meldte  gegen  bie  S^^öff^^Ö  ^^^^^  ftillfd^roeigenbcn  ©e- 
nc^migung  erhoben  merben  fonnen,  mcrben  burd^  bie  SHüdEfic^t  auf  baö 
3nterefle  an  ber  9lufred|terl^altung  ber  ©Ijc  überroogen. 

3)ic  Scftimmungen  beö  §  1263  3lbf.  1  Sag  2,  3  red^tfertigen  fid^  burd^  ^erjönuci^e 
bie  ^5d^ft  perfönlid^e  3latur  ber  ®f|e  unb  bie  ©rmägung,  bafe  eö  fid^  in  bcn  neömiguna.^ 
^Uen  beö  §  1259  5lr.  1,  2  um  bie  33efeitigung  eincö  SöiUenömangctö,  in 
bcm  galle  beö  §  1259  3lx.  3  um  bie  5Rad^l^o(ung  ber  jur  ß^efc^Iicfeung  er:^ 
forberlic^en  perfonlid^en  ©inroiltigung  einer  jur  3^it  ^^  ®f)efd[)Iic6ung  e^e* 
unmünbigen  5ßerfon  ^anbelt.  3Wit  ber  pcrfönlidtien  3latur  bcr  (Sf)t  ift  in 
Snfe^ung  ber  ©enc^migung  ber  ®^e  eine  SSertretung  fd^lec^t^in  un- 
vereinbar,  äud^  barf  auö  biefem  ©runbe,  menn  bcr  genel)migenbe  ®^cgatte 
in  bcr  Oef^öftöfä^igteit  bef^räntt  ift,  bie  5DBirffamfeit  ber  Genehmigung 
(wrgl.  §  65  3lbf.  3)  nid^t  üon  bcr  ©inmiUigung  beö  gefcfeUd^en  SScrtretcrö 
ab^ngig  fein,  um  fo  roeniger,  alö  nad&  §  1265  aud^  baö  2lnfcd;tungöred)t 
nicbt  bur(^  ben  gefefetic^cn  Vertreter  ausgeübt  merben  fann. 

Die  SSeftimmung  beö  §  1263  9lbf.  2  (ücrgt.  ^cff.  entm.  II,  55)  berut)t  J^a^träoiic^e 
ttuf  ber  ©rmägung,  bafe,  rotnn  ber  aWangel  ber  (S^cmünbigfcit  burd^  nad^Mm  Äa"urb« 
Iräglicbc  ©iöpenfation  gcfjcilt  ift,  ein  Grunb  jur  Slnfcd^tung  tud)t  mcl^r  ^or- ^^^^^^|^Jj^' ^^.^ 
liegt,  ba  oorauögefegt  werben  barf,  bafe  bie  Diöpenjation  nur  bann  ert^eilt 
werben  wirb,  wenn  bieö  bem  Sntcrcffe  beö  cfjcunmünbigen  ©Regatten  entfprid^t. 


92         UngüItiöWt  bcr  G6c.  ©enc^miguitg  be§  9tnfc(]&tunö§Bcre(]^tigtcn.  §  1263. 

®eite^mü  ®inc  Sliiöual^mc  von  bcm  ^rinjipc,  bcfe  baö  ©cnclitnigungörcd^t  burd^ 

^"ßltÄjn  ^  bcn  anfed^tungöbcrcdötigtcn  ©Regatten  [elbft,  inöbcfonbcrc  n\ä)t  biird&  ben  gcfcfrs 
«ertrcterö.  u^cn  3Scrtretcr  beäfclbcn,  außäuübcn  ift,  mad^t  bcr  §  1263  9lbf.  3  für  bcn 
%aU  bcö  §  1259  3lv.  4.  3n  bicfcm  gallc  fott,  fo  lange  bcr  anfed^tungö^ 
berc($tigte  ©f)egotte  in  ber  ©efd^äftöföl^igfeit  bcfc^ränft  ift,  bie  (Sf)c  nur  burd& 
bie  ®cnef)migung  beö  gcfe^Udöen  33crtrcterö  unanfed^tbcr  werben.  ®ö  entfprid^t 
bicö  ber  ratio,  auf  roeld^er  im  g^Ue  bcß  §  1259  9lr.  4  bie  Slnfec^tbarfeit  ber 
6l^e  bcrul^t,  unb  fteljt  mit  bem  allgemeinen  Orunbfa^e  beö  §  65  3lbf.  3  im 
(Sinftangc  (ücrgl.  code  civil  airt.  183;  fäd&f.  ®ef.  v.  5.  Siooember  1875  §  6). 
2)cr  Stanbpuntt  beö  preufe.  91.  S.  ?H.  II,  1  §§  999,  984,  ba§,  wtnn  eine  minber* 
jährige  ^crfon  o^nc  bie  ®inn)illigung  beö  93ormunbeß  eine  6^e  gefc^lojfen 
})at,  bie  Ungiittigfeit  bcr  Icfeteren  überhaupt  nid^t  burd^  bie  ®cnet)migung  beö 
33ormunbeö  bejm.  beö  3}ormunbfd^aftögerid&teö  geljeitt  merben  fann,  fonbem 
bem  ©Regatten  immer  ba%  3ted&t  t)orbet)alten  bleibt,  bie  6^c  binnen  fed&ö 
3Konaten  feit  bcr  ®rrei($ung  ber  33olliäi)rigfcit  alö  ungültig  onsufec^ten,  ift 
TOcber  prinzipiell  ju  billigen  nodj  aud^  angcmeffen,  meil  baburd^  bie  ®nt? 
fdEicibung  über  bie  Ungültigfeit  ober  ©ültigfcit  ber  ®f|e,  ol)nc  bafe  bicö  burd^ 
baö  Sntcrcffc  beö  anfcd^tungöbered)tigten  ©Regatten,  meld)er  fcinerfeitö  per« 
fonlid^  in  bie  ©Ijc  eingemilligt  l)atte,  geboten  crfd&cint,  ju  mcit  l)inauö* 
gefd^oben  mirb. 
Grfeuungbcr  ®iu  Scbürfulfe,  uad^  Slimlogic  bcr  aSorfd^riften  beö  §  1232  Slbf.  2,  3 

Se%SJ^nWni^  beö  §  1238  3lbf.  4  aud)  hier  }u  beftimmen,  bafe  bie  ©enelimigung  beö 
«ertreterö.  gefcgUd^cu  SScrtrcterö  nad)  SKafegabe  jener  SSorfd^riftcn  erfegt  werben  fönne 
(ocrgl.  fäd)f.  ©ef.  v.  5.  Stoocmber  1875  §  6),  liegt  mä)i  üor.  Xa  nad)  §  1265 
bcr  gefc{;Iid&e  93ertretcr  einer  in  ber  ®cfdf)äftöfäljigfcit  befd^ränften  ^^>erfon  aud& 
im  galle  beö  §  1259  32r.  4  baQ  2lnfcd)tungöred)t  nid^t  auöübcn  fann,  fo  ift 
eine  berartige  öcftimmung  im  Sntereffe  beö  in  bcr  ©cfd^äftöfäl^igfcit  be* 
fd^ränften  ©tjcgatten  ju  bcm  S^vcdt,  um  baö  9lnfcd^tungörcd^t  beö  gcfeglid^en 
a[Jertretcrö  ju  bcfcitigcn,  t)om  Stanbpunfte  beö  ©ritraurfcö  axiQ  nid^t  erforberlid^. 
2)cr  ®cfid)töpunft  aber,  bag  bie  l)icr  in  SWcbe  ftef)cnbc  Scftimmung  infofern 
aud^  üom  ©tanbpunfte  beö  ©ntmurfcö  auö  nod)  im  Sntcrcfjc  beö  anfcd^tungö^ 
bcrcd^tigtcn  G&egattcn  liege,  alö  i^m  baburd^  bie  a)t5glid)fcit  gemährt  merbe, 
bcm  anberen  Xi)cik  möglid^ft  balb  bie  Sidf)crf)eit  ju  ocrfdiaffcn,  bafe  bie  3ln* 
fcd^tuug  bcr  6^e  übcrljaupt  nid;t  erfolgen  mcrbc,  fann  nid^t  alö  auörcid^enb 
angcfcljcn  raerben,  um  baö  ^riujip  beö  ©Itcrn-  unb  SBormunbfd^aftörcd^teö, 
nad^  mcld^em  ba^  aSormunbfd^aftögcrid)t  bcn  SBillcn  beö  gcfeglid;cn  aSertreterö 
nid)t  JU  crfcfecn,  fonbem  nur  bei  ^^flid^traibrigfcitcn  bcöfclben  einäufd^reiten  unb 
gecignetenfaHö  einen  anberen  SScrtrcter  ju  beftcUcn  befugt  ift  (rcrgl.  §§  1546, 
1684,  1705  3lv.  1),  ju  burd^bred^cn, 
®ene^miflung  Xa^  au6)  'wx  gallc  bcö  §  1259  3lv,  4  bcr  anfcd^tungöbcrcdjtigte  6l)e* 

evianuv  mx*  9^^*^/  uacftbcm  er  bie  unbcfd^ränftc  ®cfd)äftöfä^igfeit  erlangt  ^at,  felbft  baö 
befc^cöiifter  ®cncl)migutigörcd)t   auöjuübcn   Ijat  (§  1263  9lbf.  3  Sag  1),  cntfprid)t  bem 
Vwt^t'  cillgcmcincn  ®runbfagc  bcö  §  65  9lbf.  6.    $^ai  aber  ber  anfcd^tungöbered&tigte 
®l)egattc  baburd^,  ba^  er  bie  unbcfd^ränfte  ®cfd^äftöfäl)igfeit  erlangt  l^attc, 
einmal  baö  Wene^migungörcd^t  ermorben,  ift  mitl)in  bie  ®ültigfeit  ober  Um 
gültigfeit  ber  S^e  allein  üon  feinem  SBillen  abl^ängig,  fo  mufe  il)m  biefeö 


Unßüaißfcit  bcr  eßc.    3tnfe*tun06frift.    §  1264.  93 

©ene^migungörcd^t,  roic  in  bcn  %&Um  beä  §  1259  9lr.  1—3,  fo  a\tä)  in  bem 
gaflc  bcö  §  1259  9lr.  4  bleiben,  roenngleid^  er  fpätcr  roieber  in  ber  ©efd^äftö* 
fö^igfeit  bcfd^ränft  roerben  foltte.  3luf  biefer  ©rroägung  beruht  bic  39e* 
jfonmung  bcö  §  1263  5ttbf.  3  ©afe  2;  bic  ©ntfc^eibung  ber^grage,  ob  jene 
(Seftc^tepunfte  weiter  ba^in  fül^ren  muffen,  in  bem  gebadeten  galle  aud^  bie 
Sorf(^ft  beö  §  1263  3Ibf.  1  ©afe  3  entfprcd^enb  cnjuiüenben,  ift  in  ©r- 
mongelung  eines  33ebürfniffeö,  bicfe  gragc  im  Oefeße  befonberö  ju  entfdjeiben, 
ber  3uriöpnibenj  übcrlaffen. 

3la^  bem  fä^f.  ®ef.  o.  5.  ^Rooember  1875  §  G  ift  im  gaHe  beö  §  1259 
3lr.  4  bie  3tnfe(^tung  überfioupt  nid^t  mel^r  juläfftg,  wenn  ber  ©Ijegattc, 
»eld^er  bcr  ©inmiUigung  beö  gcfefelid^en  SBertreterö  beburfte,  baö  Üebenöiafir 
öoHenbet  E|at,  mit  bcffen  SBolIenbung  baö  ©rforbcrnife  bcr  ©inroilligung  nad) 
§  29  abf.  1  beö  SR.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1875  mcgfäüt  (oergl.  auä)  öfterr. 
©.».§%;  ^eff.  entm.  II,  53;  fd^raeij.  S3b.  ®ef.  ü.  24.  Dejember  1874  3lrt.  53). 
(Sne  bcrartige  Siegelung  fann  jebod^  oom  6tanbpun!tc  beö  ©ntrourfcö  auö 
einerfcitö  im  $>inblicfe  auf  bcn  §  65  3lbf.  6,  anbererfeitö  mit  SWücffid&t  barauf, 
bag  noc^  bem  §  1265  boö  9lnfed^tungöred[)t  nid^t,  mie  bieö  nad^  bem  fäd^f. 
Scfefte  ber  ^aU  ift,  bem  gefe^Iic^en  SBertreter  äuftc^t,  nidjt  in  grage  fommen. 

3)ic  aSorfd^riftcn  beö  §  1263  bejie^en  fid[i  Icbiglid^  auf  bcn  gall,  roenn  (Bene^miflung 
bic  anfed^tbare  (S^e  nod^  nid^t  angcf od[)ten  ift.  Sluö  bem  Segriffe  ber  Sin?  "«nfe^tunr 
fed^tung  ergiebt  fid^,  bafe  eine  erft  nad^  erfolgter  Slnfed^tung  erfolgcnbc  ®e* 
nc^migung  ber  ©^e  unroirffam  ift.  9iur  bann,  vocnn  bie  9lnfed[)tung  ber  6t)c 
burc^  6rl^ebung  ber  3lnfed&tungöftage  erfolgt  ift,  fann  auönal^mörocife  bie  @t|c 
nad^  §  1268  ©afc  2  trog  ber  erfolgten  Slnfedjtung,  biö  bie  ©Ije  aufgeloft  ober 
für  ungültig  erflärt  ift,  nod^  oon  bem  anfed)tungöbered^tigten  ©Regatten  felbft, 
ni<^t  bagegen  in  bcn  gällen  beö  §  1263  Slbf.  3  von  bem  gefcfcttdjen  SBertreter 
bcöfclben,  roirffam  gcnel^migt  merben  (oergr.  bie  3Wotiüe  ju  §  1268). 


§  1264. 
2)ie  im  §  1264  für  bie  Sluöübung  beö  Sltifcd^tungöred&teö  beftimmte  «"M^^weiuna 
^räHufiDfrift  ift  einerfcitö,  namcntlid^  im  Sntcreffe  beö  nid^t  jur  Slnfcd^tung  «nf«^tunÄ«* 
beret^tigten  ©Regatten,  auö  praftifc^cn  3lücffidötcn  bringenb  geboten,  bomit  'Q^*/^*(,f"J^ 
nidSit  bie  Ungemife^eit  über  bcn  gortbeftonb  ber  ®f)e  ju  lange  bauert,  anbcrers: 
feitö  aw^  vom  ©tanbpunfte  beö  anfed^tungöbered^tigten  ©Regatten  auö  un* 
bebenfli^,  ba  in  ben  meiftcn  gällen  bem  unbenufeten  9lblaufe  ber  grift  eine 
jKnfc^igenbe  ©enel^migung  ju  Orunbc  liegen  wirb.    S)ie  grift  beö  §  1264 
ift,  wie  in  ben  gällen  beö  §  104,  eine  ^röflufiüfrift.    S)ie  ©runbfäfec  über 
bie  ajeriä^ng  ftnb  nid^t  anroenbbor,  ba  ba^  9lnfed^tungöre^t  nid^t  bie  9Jatur 
einefi  Änfpru^cö  (§  154)  ^at  unb,  a\x6)  abgefc^cn  baoon,  bic  Slnrocnbung 
ienec  Orunbfäße,  namentlich  megen  bcr  Seftimmung  beö  §  182,  nad^  roeld^er 
bie  SeriS^ng  nur  eine  ©inrebe  erjeugt,  auf  njcld&e  oeriid^tet  roerben  fann, 
JU  einem  mit  bem  SBcfcn  ber  ®^e  nid&t  oereinbaren  3lcfultate  füfjren  mürbe. 
anbererfeitö  ift  bie  Strenge  ber  5ßräflufiofrift  in  einer  baö  3ntcreffe  beö  am 
ftt^tungöbercd^tigten  ©Regatten  angemeffen  fd[|ü^enbcn  aSeifc  baburd^  gemilbert, 
bofe  ber  §  1264  äbf.  2  bie  »orfd^riften  ber  §§  164,  166  für  entfprc^enb  an^ 


94         Unflülttöfcit  brr  Qh\    ^cv]bnl  9latur  bcö  9tnfed)tiinö«re$te?.    §  1265. 

roenbbar  crflärt.  ®ö  roürbe  in  ^ol^em  ®rabc  unbillig  fein,  bcn  9ScrIuft  bcö 
Slnfed^tungöred^teö  burc^  9lblauf  bcr  grift  eintreten  ju  lajjen,  obwohl  ber 
anfed^tungöbcreditigte  Sl^egatte  burc^  einen  ©tiUftanb  ber  SRed^täpflege  ober 
burd&  ®ef(i^äftsunfäf)igfcit  an  ber  Sluöübung  bejS  S[nfecl^tungöred)teö  üerl^inbert 
TOurbe  (üergl.  aud^  §  171  9lbf.  5,  §  1447  9lb[.  3,  §  1473  3lbf.  2,  %  1478 
Derb,  mit  §  104  3lbf.  3,  §  2030  2lbf.  3,  §  2040  3lbf.  6,  §  2046  STbf.  6, 
§  2100).  SWit  bein  ^rinjipe  beö  §  1264  aibf.  1  ftimmcn  bic  neueren  ®efe|^ 
gebungen,  lüenngleid)  biefelben  im  ©inselnen  abmeidien,  im  3BefentIid&en 
überein  (ücrgl.  preufe.  21.  S.  9J.  II,  1  §§41,  990,  999,  984;  fäd^f.  ®.  95- 
§  1625  unb  \ää)l  ®cf.  ü.  5.  9lot)ember  1875  §§  5,  6;  code  civil  2lrt.  181, 
183,  185;  got^.  ®t)egef.  t).  15.  aiuguft  1834  §§  117,  137;  altenb.  ©fieorbn. 
ü.  13.  3)lai  1837  §§  190,  191 ;  l;eR.  ©ntn).  II,  49,  53). 
söeweiäittfi.  ^Darüber,  mie  in  ben  göUen  beö  §  1264  bie  aeroeiölaft  [\ä)  geftaltet, 

entfd^eibcn  bie  allgemeinen  Wrunbfäße  unb  bic  9Jatur  ber  ^^iräflufipfrift. 

§  1265. 

!pcrfönii(^e  S)ie  ©eftimmungcu  beö  §  1265  Saß  1,  3,  wel($e  tfjcilö  einen  materiell^ 

'^b'er     red^tlid^en,  t^eilö,  foroeit  bie  3lnfed)tung  burcb  ®rl)ebung  ber  3(nfed^tungöflage 

anfec^tung«.  crfolgcu  mufe,  ouc6  einen  projejfualen  Karafter  l)abcn  (§  1266),  entfpred^en 
re*tc3.    __  ^{^g^^^j^^^^  ^p^^  ^^^  c^jjQ^  jjgg  g  ^o-g  sji,.,  4  (pergt.  §  1263  3lbf.  3)  —  ben 

93eftimmungen  beö  §  1263  9lbf.  1  ©aß  2,  3  unb  berul^en,  roie  biefe,  auf  ber 
I)öd^ft  per[5nlid)en  5Ratur  ber  G^c  (pcrgl.  aud^  Seuffert  XXXI,  248;  fäd^f. 
@.33.  §§  101, 1910).  aSon  ber  analogen,  auf  bie  3^id^tigfeitöflage  fi^  bejiel^enben 
ajorfdjrift  beö  §  1254  untcrfd^eibct  fid)  bie  Scftimmung  beö  §  1265  ©oß  1 
baburd),  bafe  baö  9lnfedE)tungörcd&t  burdf)  ben  gefeßUd&en  SSertreter  aud^  bann 
nic^t  auögeübt  werben  fann,  wenn  ber  anfedEitungöbered&tigtc  ©begatte  gefd^äftö^ 
unfäljig  ift,  bafe  in  biefem  galle  mitljin  baö  9lnfcd)tungöred^t  mäfirenb  ber 
2)auer  ber  ®efd)äftöunfäl^igfeit  rul^t.  5Dicfer  Unterf($ieb  red^tfertigt  fid&  burd& 
bie  ©rroägung,  ba^  eö  fid^  bei  ber  31id^tigfeitöflage  um  bie  öefeitigung  bcQ 
Sd^eineö  einer  in  SBirfUd)feit  überl)aupt  nid^t  beftefienben  6^e,  bei  bcr  Sin? 
fed^tung  bagegcn  um  bic  Skfeitigung  einer  mirfüd^en  6F)e  ^anbclt,  foroie  ba§ 
bie  9lidf)tigfcitöflage  aud^  üom  Staatöanmalte  unb  oon  britten  ^erfonen  erhoben 
merbcn  fann  (§  1253),  roäfirenb  bei  einer  anfed^tbaren  (S^e  nur  ber  betreffenbc 
(Sl^egatte  jur  9Infed^tung  bered)tigt  (§  1261),  bie  ©ntfd^eibung,  ob  bie  @^c 
fortbeftcben  foH,  mitfjin  allein  von  feinem  SBillen  abf|ängig  gemad^t  ift  (ocrgL 
jebod^  entfd^.  b.  di.  ®.  in  ßiüilf.  IX,  58). 

®in  Sebflrfnife,  üon  bem  ^riujipc  bcö  §  1265,  bafe  bie  Slnfed^tung  nid^t 
burd^  ben  gcfeßlid&cn  33crtreter  beö  anfed^tungöbered^tigten  ©l^egattcn  erfolgen 
fann,  für  ben  gall  bcö  §  1259  3lv.  3  eine  3luönaf|me  ju  maä)tn  (oergl.  preug. 
91.  2.  di.  II,  1  §§  990—992, 978, 979),  fann  nid&t  anerfannt  werben.  3mcife^ 
fiaft  ift  eö  bagegcn,  ob  cö  nid^t  ben  93orjug  üerbienen  mürbe,  im  gälte  beö 
§  1259  9]r.  4  infomelt,  atö  nac^  §  1262  9lbf.  3  bem  gefeßlid^cn  aSertreter  beö 
anfed^tungöbered^tigtcn  ©Regatten  an  ©teile  beö  Icßteren  ba&  ©encfimigungö^ 
red^t  juftc^t,  bem  gcfeßlid)en  SSertreter  aud^  bie  9luöübung  beö  9lnfedötungfi^ 
red)teö   ju   übertragen  (üergl.  preufe.  91.  2.  M.  II,  1  §§  994,  999,  978,  979 ; 


Unflultigf dt  ber  (55e.    Jcrin  bcr  5Infe*h!nö.    §  1266.  95 

fäd^f.  Ocf.  D.  5.  5Roocmber  1875  §  6 ;  l^c)t.  entro.  II,  53).  3)cr  3n)C(f  ber 
anfed^tbarfcit  bcr  (g^c  im  gallc  bcs  §  1259  9lr.  4  fc^cint  eß  mit  fid&  ju 
bringen,  bie  (Jntfd&eibung  barüber,  ob  bie  gortbaiicr  ber  ®l^e  im  SntereRc  beö 
in  ber  ©eft^äftisfäl^igfcit  befd^ränften  ®f)egatten  liege,  in  bie  ^anb  bc§  gefcfe^ 
Kd^  aSertreterö  ju  legen  (ücrgl.  §  65  3lbf.  3,  4).  3inbeffen  fül^rt  biefer  ®c^ 
fit^tfipunft  nicftt  mit  SZot^menbigfeit  ju  jener  Stuönabme,  ba  cd  fid^  ^ier  nid^t 
um  baß  Slufgeben  einer  üermogenßred&tli(^en  5ßofition,  fonbern  um  bie  Sluf- 
löfung  eines  rein  perfonlid^en  SSerbältniReß  bönbelt.  9lud^  baß  33ebenfen,  ba^ 
rt  bie  Sage  be«  anberen  2;^ei(eß  gefäbrbe,  wenn  bie  3lußübung  beß  Slnfed^tungß^ 
rct^tcß  auc^  in  bem  bicr  fraglid^en  galle  bem  in  ber  (Sefd)äftßfä^igfeit  bc« 
fc^ränften  ©Regatten  felbft  überlojjen  werbe  unb  bemgemöfe  bie  für  bie  Sluß- 
Übung  beß  Slnfe^tungßred&tcß  beftimmte  ^liräflufiofrift  erft  mit  bem  3citputitte 
ber  erlangten  unbef^ränften  ®efd&äftßfäl)igfeit  beginnen  tonne,  üermag  eine 
Jurcbbre^ung  beß  ^rinjipeß  beß  §  1265  für  ben  bejeidineten  gall  nid^t  ju 
rc^tfertigen.  ©benfowenig  empfieblt  eß  fid^,  nacb  bem  SSorgange  beß  frans. 
»fditcß  (uergl.  code  civü  ärt.  182;  bab.  S.  !jH.  Sa^  182  unb  bab.  ®ef.  t).  9.  De-^ 
iiembcr  1875  §  2  lit.  b)  neben  bem  anfed^tungßbercd^tigten  ©f)cgatten  aud) 
bem  gefet^Iic^en  Siertreter  beß  (enteren  baß  9tnfed^tungßred|t  ju  geben,  ©ine 
berartige  Seftimmung  mürbe  üom  ©tanbpunfte  beß  ©ntrourfeß  auß  nid^t  minber 
olß  eine  2fnomaIie  fid^  barfteüen  unb  mit  ber  Söorfd&rift,  ba§  ber  in  bcr  ®c^ 
f(^ftßfä^igfcit  bcfd^ränftc  6t)egattc  in  9lnfel)ung  ber  Slnfed^tungßflagc  projef^? 
fä^ig  fein  foU,  fd^roer  5U  oereinigen  fein. 

Der  srocite  Safe  beß  §  1265  bcjmecft  im  «öinblidEe  auf  §  1266  9lbf.  1,  ^^»eiuetung 
boft  SKi^oerftänbnife  ju  bcfcitigcn,  alß  ob  burd&  bie  öeftimmung  beß  §  12(55    xnroäite. 
2o|  1  au^  bie  SBorfd^rift  beß  §  74  ber  6.  %  D.  über  bie  95ertrctung  burd^ 
einen  SnmaCt  berührt  werbe. 

§  126G. 

2)ic  Seftimmungen  beß  §  1266  über  bie  9lrt  unb  2Bcifc  bcr  9lnfecbtung  '^o""  ^^^ 
ber  6^  rocid^en  oon  ben  allgemeinen  ®runbfäfeen  beß  §  113  barin  ab,  bafe  *"'^^'^*""^' 
jie  bie  SBillenßerflärung,  burd^  meldjc  bie  2lnfed)tung  erfolgt,  formalifiren. 
Sei  ber  großen  SBid^tigfeit,  meld)e  ber  9lft  ber  9lnfed^tung  bcr  ©^e  aud^  im 
Ser^ltnijfc  ju  3)ritten  ^at,  empfiel|tt  eß  fid|,  burd^  eine  geeignete  gorm  bafür 
}u  forgen,  bofe  über  bie  ©rnftlid^feit  ber  SKnfcd^tung  unb  über  ben  3citpunft 
berfflben  fein  3w^if^l  obmaltet. 

Da  nad^  §  1260  3lbf.  1  eine  anfed&tbare  ©bc,  aud)  rocnn  bie  9lnfcd^tung  ^mfedjtungö. 
erfolgt  ift,  fo  lange  alß  gültig  angefeben  mirb,  biß  fie  aufgclöft  ober  für  ungültig  ""^^ 
frftart  ift,  fo  erf(^eint  eß  alß  baß  9tngemeffenftc,  bie  9lnfcd^tung  ber  ©tjc,  fo 
lange  bie  Icfttcrc  nidbt  aufgclöft  ift,  mit  bcr  Älagc,  burd[)  meldEic  fcftgcftcllt 
Hwben  foU,  ob  bie  Slnfed^tung  eine  begrünbete  mar,  in  ber  9lrt  ju  Dcrbinbcn, 
bofe  bie  atnfed^tung  bur^  ©r^ebung  ber  9lnfcd^tungßflagc  erfolgen  mufe  (t)crgl. 
wci  §  1475  äbf.  1).  9luf  bie  boppelte  Sebeutung,  mcli^e  .Ijicrnad)  bie 
fe^ebung  ber  Sfnfed&tungßflagc  tfjcilß  alß  9lnfed&tungßaft  (§  113),  t^eilß  olß 
SeflftcBungßflagc  ^at,  ift  bereitß  in  ben  aWotiücn  ju  §  1260  oben  S.  85  bi"' 
gemiefen.  SWit  ber  aSorfd^rift  beß  §  1266  2lbf.  1  ftimmen  bcr  ©ad&e  nac^ 
aud^  baß  tat^olif^e  unb  ha^  gemeine  proteftantifd^e  ©beredet,  fomic  bie  neueren 


96  UnoürtifiFeit  ber  gl&c.    %m\\  bcr  Slnfedjtuna.    §  1266. 

©cfcfcjjcbungcn  übercin,  iDcnnglcid^  bie  lefetcrcn  jum  S^I;eil  QUöbrüdflid^c  unb 
unjroeibcutigc  Scftimmungcn  in  ber  l^ier  fraglii^cn  Scjid^ung  mäjt  cntl^altcu 
(oergL  prcufe.  21.  S.  SR.  U,  1  §§  42,  973,  974,  unb  baiu  Urtl).  b.  31.  ®. 
bei  ®vd6)0i  XXX  ©.  965  ff.;  code  civil  3lrt.  180—191;  bab.  S.  SR.  ©afe  180 
biß  191  unb  bob.  ®ef.  d.  9. 5Dejember  1875  §  2 ;  fäd&f.  ®.  93.  §§  1622—1626 
unb  fäd&f.  ®ef.  o.  5. 5Roo.  1875  §§  4—6;  ß.  ^.  D.  §  592). 
cSun  ®^^  ®rünbe,  auf  roeld&en  bie  Seftimmung  bcö  §  1266  3lbf.  1  berul&t, 

fl^cnübf?  bofe,  folangc  bie  6f)c  nid^t  aufgeloft  ift,  bie  2lnfed)tung  bcr  lefeteren  burt^ 
^^"^tf^Au^  ©r^ebung  bcr  Slnfed^tungsMage  erfolgen  mufe,  treffen  aber  für  bcn  gall,  xoznn 
bie  ®f|e  burd)  bcn  2^ob  beß  nidE|t  anfed^tungöbered^tigten  (Sf)egatten  aufgeloft 
ift  (§  1262),  nid^t  ju,  ba  in  biefem  galle  mä)  §  1260  3lbf.  2  bie  3lnfed[|tung 
als  fold^e,  of)ne  bag  eö  einer  ridjterlid^cn  UngültigfeitöerHärung  bebarf,  be* 
wirft,  ba^  bie  ®^e  als  nid^t  gefd^(ojfen  ansufcl^en  ift,  in  biefem  galle  mithin 
ber  S^^cd,  eine  ein^eitlid)e  geftfteHung  ju  errcid^en,  nid^t  in  groge  fommt 
(ücrgl.  bie  2Rotit)e  ju  §  1260  oben  ©.  85).  (Sß  fann  in  S^eif^I  gejogen 
werben,  ob  eö  für  biefen  gall  überfjaupt  einer  befonbercn  93eftimtnung  bebarf 
unb  ob  nid)t  üielmel^r  bie  allgemeinen  SBorfd^riften  beß  §  113  ^ier  außreid^en, 
Uebcrroiegenbe  ®rünbe  fpred^en  inbeffen  für  bie  3lufnat)mc  ber  befonbercn 
33eftimmung  beß  §  1266  3lbf.  2  (oergl.  aud^  §  1475  Slbf.  2).  Slbgefe^en  batjon, 
ia^  bie  gormalifirung  bcr  Slnfed^tung  wegen  ber  mit  ber  lefeteren  ocrbunbenen 
weitgreifcnben  SBirlungcn  im  3ntereffc  ber  Setl^eiligten  liegt  unb  bafe  bie 
3rnfedf)tung  l^icr  juglcid^  ber  Sai)t  mä)  bie  ^[ußfd^tagung  einer  (Srbfd^aft 
entf)ält,  bie  3lußfc^(agung  einer  ©rbfd&aft  aber  fowie  bie  9lnfed[)tung  ber  Sfn^ 
nat)me  einer  folc^en  nad^  bcm  ©ntwurfe  (§  2032,  2041)  ebenfallß  formaüfxrt  ift, 
fann  bie  Seftimmung  beß  §  1266  9lbf.  2  ©ag  1  namentlich  um  beßwillen 
nidf)t  wol^t  cntbel)rt  werben,  weil  eß  ftd^  ^icr  um  bie  9lnfed^tung  eincß  perfön:^ 
lid^en  83erf)ältniffeß  l^anbclt,  in  weld)eß  bie  ©rben  beß  anberen  ©fiegatten  nid&t 
eintreten  (§  2051)  unb  bei  müdjzm  eß  beß^alb  nad^  bem  J^obe  beß  arü)txen 
6f)egatten  an  einem  Slnfec^tungßgegner  (§  113  Slbf.  2)  fe^tt.  S)ie  SBiltenö^ 
crflärung,  burd^  weldfic  in  bem  gallc  beß  §  1266  9lbf.  2  bie  Slnfed^tung  erfolgt, 
mu^  gegenüber  bcm  9Jad^Ia6gerid^te  abgegeben  werben ;  fie  fann,  wie  auß  bem 
3lußbrude  „gegenüber"  im  ®egenfa6e  ju  bem  Slußbrude  „t)or"  (oergl.  j.  S9. 
§  1403  5Rr.  5,  §  1398)  crtjcllt,  aud[)  fd^riftli^  erfolgen.  2)urc^  bie  9lus^ 
fd^liefeung  bcr  Sd^riftform  würbe  bie  3lußübung  beß  3lnfed^tungßred^teß  im 
^inblirfe  auf  bie  Unjuläffigfeit  einer  SBcrtretung  (§  1265)  o^ne  5Rotf|  ju  fel>r 
erfd^wert  werben.  3)lit  bem  3eitpunKe,  in  welchem  bie  5BilIcnßerflärung  nad^ 
aKafegabc  beß  §  1266  3lbf.  2  ©ag  1  abgegeben  ift,  tritt  bie  im  §  1260  3Ibf.  2 
bejeid^nete  SBirfung  ein.  5Die  SJeftimmung  beß  §  1266  2lbf.  2  ©a|  2  (üergl. 
§  1475  3lbf.  2,  §  1398  3Ibf.  1,  §  1403  9lr.  5,  §  2040  Slbf.  2  Safe  2)  ^at  nur 
bie  Sebeutung  einer  Drbnungßoorfd^rift,  wetd&c  mit  SRüdfid^t  barauf  alß  an« 
gemeffen  crad^tet  ift,  bafe  bie  bort  bejeid^neten  5ßerfonen  t)omel|mli(^  burd&  bie 
Slnfcd^tung  berül^rt  werben  unb  ein  3ntcrcffe  baran  f)aben,  über  il^r  SRed^tß« 
oerf)ältni6  in  Slnfcf)ung  ber  ©rbfd^aft  beß  oerftorbenen  ©Regatten  nid^t  lönger 
in  Ungewifel^eit  ju  bleiben.  JBon  felbft  ocrftcl^t  eß  fid^  übrigenß,  bafe  baö 
Dkd^tafegeri^t  nur  infoweit  jur  Säcnad^rid&tigung  ücrpftid^tet  ift,  alß  eine  fol^c 
93cnad^rid^tigung  außfü^rbor  erfd^eint. 


«nfc(fttbarfcit  bcc  S^c.    5)roac§fä6iflfcit  2C.,  ÄlaGenicfnatinc.   §§  1267,  1268.     97 

§  1207. 

Tic  aSorfd^riftcn  beä  §  1267   ergeben  fic^  t^ei(d  aiiä  bei*  9fnaIogic    ^f^sef* 
bcr   ^Hd^tigfcitöMogc   imb   ber   Slnfed^tungäflagc    in    iljrer   ©igenfdjaft    alö  ocrtwums. 
einer  auf  SeftftcUung  beö  9Jid&tbeftef)enö  ber  ®öe  gerid)tcten  geftftellungö^  ^^rooiforif^e 
Hage,  tljeilö,  fooiel  bie  entfprcd^eubc  9lnn)enbung  beö  §  1254  betrifft,  and)  an^  aKatrcgcin. 
ben  ©rünben,  auf  toeld^en  i>a&  ^rinäip  beö  §  1265  beruf)t,  bafe  bie  3(nfe^tung 
mir  burc^  ben  anfec^tungöbcrec^tigten  ©fiegatten  felbft,  nic^t  burd)  einen  SJer- 
treter,  inöbcfonberc  nid^t  burd^  ben  gefcglic^en  SSertretcr,  erfolgen  fonn  (uergt. 
bie  3Wotiüc  5U  §  1254  oben  S.  61  imb  su  §  1265  oben  3.  94).  OKit  md^\i)t 
barauf,  ba%  nai)  bem  §  1265  ba&  9tnfed)timgöreci^t  burd^  ben  gefe^Iid^en  SBer^ 
treter  fclbft  bann  nidjt  ouögeübt  merben  fann,  wenn  ber  anfc(l&tungöbered)tigte 
(Si^eqaüt  gefd^äftöunföf)ig  ift  (oergl.  aWotioc  ju  §  1265  oben  S.  94),  erleibet 
inbcffeu  bie  entfpred&enbe  Slnmenbung  beö  §  1254  infofern  eine  SKobifitation, 
ald  bie  3(nfedötungöflage  üon  bem  gefefelidjen  SSertreter  eincö  gefd^äftönnfä^igen 
G^cgottcn  ni^i  erhoben  werben  fann. 

Sine  befonbere  JBorfd^rift,  ba^  für  ben  Sled^töftreit,  xoddjcv  bie  älm  «erfahren. 
fec^tung  einer  ®fje  jum  ©egenftonbc  t)at ,  bie  58orfd^riften  ber  S.  5ß.  D.  über 
ajccfttöftreitigfeiten  gelten,  weld^c  bie  Ungültigfeit  ber  6l|e  sum  C3egenftanbc 
baben,  ift  entbebriidj,  ba  onöroeiölid)  ber  9lnm.  1  ju  bem  Unterabfd)nitte 
„IV.  Ungültigfeit  ber  ©b^"  unter  II  bie  Ijier  in  39etrad)t  fommenben  S8or^ 
fc^riften  ber  6. 5ß.  D.  burc^  baö  Ginfüljningögefeß  mit  bem  Sprod^gebraudje 
beö  bürgcrlid^en  ©efeftbucbeö  in  ©inflang  gebradjt  werben  foBen,  inöbefonberc 
bcr  9Iuöbni(f  ber  6. 5ß.  D.  „Ungültigfcitöflage"  mit  bem  3luöbrurfc  „9ln^ 
fctibtungöftage"  Dcrtaufd^t  locrben  foU.  SEBic  jene  9lnmerfung  ergiebt,  werben 
Qufecrbcm  bie  95orf d^riften  ber  6. 5ß.  D.  über  9ledf)töftreitigfeiten ,  meldte  bie 
Ungültigfcit  (9lnfed)tung)  ber  ®be  jum  ©egcnftanbe  \^(xbz\\,  burd^  boö  ®in= 
fü^nmgögcfeg  in  ücrfd^iebenen  JRid^tungen  erganjt  bejm.  geänbert  merben  (t)ergf. 
indbef.  bie  in  ber  ermahnten  9lnmerfung  mitgetljeilten  §§  573  a,  575  a,  576, 
577, 584  a  ber  6.  %  D.,  unb,  fooiel  bie  §§  575  n,  576,  584  a  betrifft,  bie  OWotiüc 
3U  i;i^  1268,  1269  beö  ©ntmurfcö). 

§  1268. 
3Ja(^  aBgemeinen  ©runbfägcn  mürbe  bie  mit  ber  ©r^ebung  ber  gin^  Surüdna^me 
fet&tungöfloge  alfi  ginfec^tungöaft  (§  1266  9lbf.  1)  ücrbunbenc  SBirfung,  bafe  tuna^Haot 
t^,  üorbc^oltli^  ber  S3eftimmung  beö  §  1260  9lbf.  1,  fo  ansufefien  ift,  olö 
ob  bie  e^e  nid^t  gcf^IoReu  märe  (§  1260  9(bf.  2),  bur^  bie  ^urücfnabmc  ber 
Snfed^tungöffage  nid^t  miebcr  befeitigt  merben  fonnen.    2)ie  3uriidEnal^me  ber 
9Cnfe(^tungdf(agc  mürbe  {mar  bie  folgen  ber  9ied)töbängigfeit  uad^  äßaggabc 
bcÄ  §  243  ber  S.  %.  C  bcfeitigen,  nid^t  aber  ben  in  ber  ©rl^ebung  ber  9lm 
fcd^tutiflöflagc  nad&  §  1266  9(bf.  1  5ugleid^  tiegenben  red^tögefd^äftlid[)en  9lft 
ber  ainfec^tung  (§  113  Slbf.  1).   2:ro6  ber  3urürfnal[ime  ber  9lnfed^tungöflagc 
tonnte  ber  anfe^tungöberediitigte  ©begatte  mithin  bie  Ungültigfeit  ber  ©b^  i»^ 
aSege  einer  neuen  Slnfed^tungöflagc  alö  geftftcBungöffage  geltenb  mad^en  unb 
tonnte,  fobalb  bie  G^c  aufgeloft  ift,  aud^  feber  Sritte,  meldjer  ein  red^tlid^eö 
^tereffc  baran  ^at,  auf  bie  Ungültigfcit  bcr  ©^c  incidenter  fid^  berufen 

lUtiM  |.  bCrgerl.  (8cfe|(itd^  IV.  7 


93  UnGÜltig!cit  bcc  (S6c.    Slnfed&tbarfcit.    Äragerüäna^me.    §  1268. 

(§  1260  3lbf.  2).  S)ie  ßl;egatten  würben  bal^cr,  aud)  rocun  im  Saufe  beft 
9led^töftreitcß  eine  SÄuöföfinung  unter  bcnfctben  ftattfänbe,  genötl^igt  fein,  eine 
neue  @fie  einjugefien;  fiberl^aupt  würbe  ber  anfed)tungßbered^tigte  ß^egotte 
nid)t  me^r  in  ber  Sage  fein,  im  Saufe  bcö  Sied^täftreiteö  feinen  ©ntfci^Iug  mit 
SBirIfamteit  ju  änbem.  Um  biefe  a\i&  ben  aÖgemeinen  ©nmbfägen  fid^  er^ 
gebenben,  meber  bem  Sntereffe  ber  SBet^eiligten,  nod^  bem  öffentlidjen  S^tereffc 
an  ber  3lufrcc^terf|altung  ber  ®^cn  entfpred)enben  Äonfequenjen  ju  uermciben 
imb  ein  fadigemäSeö  9iefuttat  iu  erjielen,  greift  ber  Safe  1  in  SBerbinbung 
mit  ben  aSorfdiriften ,  wetd^c  nad)  ber  2lnm,  1  ju  bem  Unterabfd^nittc 
,JV.  Ungüttigfeit  ber  ef)c"  unter  II,  4,  5  als  §§  575  a,  576  ber  6.  5|}.  D. 
jur  2IufnaI)me  in  ba^  GinfüJ^nrngögefefe  beftimmt  [inb,  pofitiü  ein.  SBä^renb 
ber  neue  §  575a  ber  6.  %  D.  t)orfd)rcibt,  baß  bic  Slnfeci^tungöftoge  von  bem 
sBitfunfl:  Slläger  ju  jeber  3^it  aud)  o^ne  ©inroilligung  beö  S3ef(agten  (oergl.  §  243 
*"  *?]?""*  9tt^f-  1  ^^^  ®-  ^-  ^')  äurüdgenommen  werben  tann,  oerbinben  ber  Safe  1 
sinfe(^tun88»  lutb  bcr  ueue  §  576  ber  6.  ^.  D.  mit  ber  3w^ücfnal^me  ber  Älage,  ab* 
«^»«^^  gefel)cn  üon  ben  im  §  243  ber  6.  %  D.  beftimmten  projeffualifd^en  golgcn, 
jugleid)  bij  materiellred&tlidjc  SiBirhing,  ba^  bic  3InfedEitung  als  nid^t  erfolgt 
anjufclien  ift  unb  ba^  ber  Ätäger,  weldjer  bie  3lnfed)tungöflage  iurüdgenommcit 
Ijai,  auf  2:i)atfad^en,  mcld&e  er  in  bem  früfjcren  9ied^tßftreite  geltenb  gemad^t 
l)at  ober  mcld&e  er  in  bem  früheren  3ted)tßftreite  I)ätte  geltenb  mad)cn  fönncn, 
baö  5Hed)t,  bie  ßljc  anjufedjten,  nid^t  metir  grünben  fann.  S)iefe  lefeterc  Sor* 
fd&rift,  meldte  bie  fd^on  nad^  bem  biöl^crigen  §  576  ber  6.  %  O.  mit  bcr 
9lbn)eifung  ber  «Silage  für  ben  Äläger  rerbunbenen  SBirfungen  auf  bic  SurücE^ 
(Ausnahmen;,  nal)mc  bcr  Ä(age  auöbcl^nt,  foU  icbod),  wie  aus  9lbf.  2  bcö  neuen  §  576 
ber  e.  %  D.  fxä)  ergiebt,  auf  fold&e  S^^atfadien,  n)eld)c  nad)  ben  aSorfd^riftcn 
beö  §  1259  3lx.  3,  4  beö  bürgerlid)en  Oefefebud^eö  bic  3lnfed^tbarfcit  einer 
©[)e  begrünbcn,  nur  infomeit  3lnn)enbuna  pnben,  atö  ber  Slnfed^tungö^ 
beredE)tigte  ju  ber  3^^^,  in  metd^er  er  bic  auf  jene  2^()atfad^en  fidi  grunbenbc 
3lnfed&tungßflagc  jurüdgenommen  l)at,  im  galle  beö  §  1259  3lx.  3  cl)emünbig 
geworben  war  ober  im  galle  beö  §  1259  3lx.  4  bie  unbefd^rönfte  (Sefc^aftö- 
fät)igfcit  erlangt  l^attc.  S)a  in  biefen  göHen  bie  anfedjtbarc  ©^c  oon  bem  an^ 
fed)tungöbered^tigten  ©Regatten,  beoor  bcrfelbe  el)cmänbig  geworben  ift  bejw. 
bie  unbef darauf te  (Sefd^äftöfä^igfeit  erlangt  l^at,  nid)t  wirffam  genc^miflt 
werben  fann  (§  1263  Slbf.  1,  3),  fo  muß  if|m  aud^  bie  SRöglid^feit  cntjogcn 
werben,  in  jenen  gcillen  burd)  ©rf)ebung  ber  3lnfed^tungöflage  unb  bie  barauf 
erfolgenbc  3"^ödnal^me  berfetben  bie  SBirfung  ber  ©ene^migung  bcr  anfed^t* 
baren  Gl)t  inbireft  l^erbeifü^rcn.  ©iefer  ©efiditßpunft  mufe  aber  fonfequcnt 
weiter  ba^in  fül^ren,  aud^  bic  Slnwcnbbarfeit  beö  biöl^crigcn  §  576  ber  6.  %  D. 
infoweit  auöäufd^Iiefeen,  alö  bie  3lnfcd)tung  auö  einem  ber  im  §  1259  9lr.  3,  4 
bejeidincten  Oriinbe  erfolgen  fonntc,  cö  fei  benn,  bafe  ber  ftläger  ju  ber  3cit^ 
in  weld&er  jene  ©rünbc  in  bem  früf|crcn  SRed^töftrcitc  I)ätten  geltenb  gemocht 
werben  fönnen,  im  galle  beö  §  1259  9lr.  3  e^emünbig  geworben  war  ober  im 
Salle  bcö  §  1259  5«r.  4  bie  unbefd&ränfte  ©efd^äftöffi^igteit  erlangt  I)atte.  SBon 
prattifd^er  S3ebcutung  ift  bieö  nid^t  nur  in  bem  gallc,  wenn  ber  3lnfe(|>tun9ö5 
beredjtigte  mit  einer  in  anbcrcr  STrt  begrünbeten  Slnfed^tungöMage,  fonbern  inö« 
befonbcre  awä)  in  bem  J^alle,  wenn  er  mit  einer  Sd^eibungöflage  abgewiefen  ift 


Uitöürtiflfeit  ber  GSc.    Stnfe^tBarfeit.    ÄraGcrüdfna^me.    §  1268.  99 

SQBcrbcn  bic  SBirfuiiflen,  wcld^e  bcr  biöl^crigc  §  576  ber  ß.  5ß.  D,  mit  t«  «nfe^wnu 
ber  3fbroeifimg  ber  Stnfed^tungöttage  in  Slnfeljung  bcö  SRed^tcö  beö  Älflgerö,  ^^^^^Jf*^* 
We  G^c  auö  einem  anberen,  in  bcm  früheren  SHcd^töftreite  nid^t  geltenb  ge-  ®*"*>«nfl' 
tnad^tcn  ®nmbe  anjiifed)ten,  auf  bie  3wrüctnal)me  ber  3lnfed)tungöflagc  auö- 
flcbe^nt,  fo  bringt  eö  bic  ftonfeqncns  beö  bcm  §  576  ber  6.  ^.  D.  }u  Orunbc 
liegenben  ®eban!enö  mit  fid),  im  galle  ber  3urücfna[)mc  ber  Slnfed^tungöftagc 
bic  aSorfd^riften  beö  §  576  ber  6.  ^.  D.  aud^  infoweit  für  anmenbbar  ju  er- 
florcn,  alö  mä)  benfelbcn  burd)  bie  Slbmeifung  ber  Slnfed^tungöflage  baQ 
Siedet  bes  ftlogcrö,  bic  ®d)eibung  ju  ücrlongcn,  auögefd^Ioffen  mirb,  b.  I).  cö 
mufe  atid^  im  gaUc  ber  3"^**"^^)*^^  ^^^  9lnfed)tungötfagc  baö  9led)t  beö 
Älfigcrß,  bie  Sd^cibnng  ju  verlangen,  infomeit  auSgefd^loffen  werben,  als  ba^^ 
felbe  auf  fold&e  2^^atfad^en  fid)  grünbet,  lüeld^e  in  bcm  SHed^töftreite  über  bie 
Slnfec^tunflöflage  l^ätten  geltenb  gemad^t  merben  fönnen.    9luf  ber  anberen     auf  wc 
€eitc  ift  eö  j[cbod)  alfi  bebenHid^  eradjtet,  bie  nad^  bcm  bisl^erigcn  §  576  »cuagte«* 
A£a|  2  bcr  6. 5ß.  O.  mit  bcr  Slbroeifung  ber  3lnfedE)tungö!lagc  ober  ©d^eibungö- 
llage  für  ben  SBeflagten  Dcrbunbene  präflufioc  Sffiirfung  aud^  auf  ben  %aü 
öuöjubc^ncn,  menn  ber  Älägcr  bic  9lnfed)tungötlagc  jurüdEgenommen  l)at,  ba 
nacb  bcm  neuen  §  575  a  ber  6.  %  D.  biefe  3urüdnobmc  nid^t  an  bie  ©in- 
.roiUigung  beö  SBeflagten  gebunben  ift,  ber  Icgtere  alfo  genöt^igt  fein  würbe, 
fofort  mit  bcm  beginne  feiner  münblidjen  33erf|anblung  jur  ^auptfad^e  bic 
ISr^ebung  bcr  SBiberHage  ju  tjcrbinbcn,  um  nid)t  burd^  eine  plöfelid^c  ein* 
jcitige  Swi^ö^nöl^mc  ber  Slnfed^tungöflagc  von  ©eiten  bcß  Älägerö  fein  Siedet, 
iie  ß^c  anjufed^tcn  ober  bie  ©d^eibung  ju  ücrlangen,  ju  verlieren. 

ÜKit  SRürffid^t  barauf,  bafe  nad)  bem  bürgerlidE)en  ©efefebud^e  bic 
Snfed^tuiifl  bcr  ©bc  wnter  Umft8nben  aud)  in  anberer  SBcife  alö  im  9Bege  ber 
Älagc  erfolgt  (§  1266  3lbf.  2),  ift  in  bem  neuen  §  576  bcr  6.  5ß.  D.  bic 

9lußbnirfön)cifc  beö  biö^erigen  §  576  ber  6.  %  D.  „fatm  S^^atfad^en 

-üte  felbftänbigcn  Älagegrunb  nid^t  mebr  geltenb  mad^en",  t)ermieben  unb  ftatt 

ieöfelben  bic  SBenbung  gebrandet  „fann  auf  S^J^atfad^en ia&  SRcd^t, 

bic  Sd)eibung  ju  uerlangcn  ober  bic  6^c  anjufed^ten,  nid^t  mel^r  grünbcn". 
^cm  burd^  bie  biöl^erigc  gaffung  beö  §  576  ber  6. 5ß.  C  jugleic^  jiim  Stuö- 
inrucfe  gelangten  ©ebanfen,  bafe  eine  SCI^atfad^c,  auf  n)eld)e  nad^  §  576  ber  6.^^.^.D. 
icr  Eintrag  auf  ©d^eibung  nid)t  mctir  gegrünbet  werben  fann,  glcid^wofit  in 
35erbinbung  mit  einer  nod)  nid^t  auögefd&loffenen  S^^atfad^e  jur  Segrünbung 
.beö  äntrageö  auf  ©d)eibung  geltenb  gemad^t  werben  barf,  wirb  burc^  bie 
3}orf(ftrift  beö  §  1448  beö  ©ntwurfeö  9led[inung  getragen. 

Cbwo^l  bie  bi^  in  SRcbe  fte^enben  SSorfd^riften  über  bic  SBirfung  ber 
3urü(fna^mc  ber  älnfed^tungöflagc  auf  ba&  9{ed^t  beö  SllSgerö,  bie  @l)e  an* 
jufec^ten,  einen  moteriellred[|tlid^en  Äaratter  böben,  jumal  nad^  bem  ©ntwurfc 
bie  ßrbcbung  bcr  3lnfcd}tungöflagc  fid^  in  erfter  Sinic  alö  Slnfec^tungöaft 
barfteUt,  fo  ift  eö  bod^  wegen  beö  engen  3wfcimmcnl)angcö,  in  weld)em 
jene  93orfdEiriftcn,  abgcfeljen  Don  ber  SSorfdirift  beö  ©ag  1,  mit  ben  äJor* 
fdbriftcn  beö  biöbcrigai  §  576  ber  ß.  ^.  0.  ftet)en,  unb  wegen  ber  Stüdf* 
.witfung,  welche  Jene  SJorfd^riften  auf  biefe  äufeern,  fowie  jur  Sßcrmcibung 
»on  SSKcberl^olungen  alö  angemeffen  erad^tet,  bic  in  SRebe  ftel^enben  93or* 
fdbriften  mit  bcm  §  576  ber  6. 5ß.  D.  ju  Dcrbinbcn  unb  bem  le^teren  burd^  baö 


7* 


100      Ungültiofcit  bcr  616c.    ©cnc^mißunö  bcr  anöcfcd^tcnen  S6c.    §1268. 

©infü^rungßgcfefe  eine  ttcuc,  bic  l^erüovgefjobencn  9lenberungcn  unb  ©rgänjungcii 
bevücffid&tigenbe  gaffung  ju  geben.  3^9'^^^  M"t  bie,  einen  rein  proäeffualcii 
Äarafter  an  fid^  tvagenbe  SJorfdörift,  ba^  bie  2lnfed)tungstlagc  von  bcm 
Äläger  ju  ieber  3^1*  ^"^  ^^^^  ©inroilligung  bes  Seflagtcn  jurüdEgenommeii 
werben  fann,  als  §  575  a  Sa|5  1  ber  6.  '^.  D.  bem  Ginf ü^rungögefefee  über* 
lüiefen. 
öcnc^miflunfl  Stnlangcub  ben  sweiten  Safe  beö  §  1268,  fo  enthält  berfclbe  eine  9Iuö- 

im^fiaute^sttalime  üon  bcm  ®runbfafee,  bafe  eine  anfe^tbare  G()e  nac^  erfolgter  Slnfed^tung 
ftrct«8  ^^^rtf^"^  "^^*  ^^^^^  genehmigt  werben  fann  (t)ergl.  äJiotiüe  ju  §  1263  oben. 
3.  93).  3lnbererfeitö  [teilt  jene  SSorfd^rift  fi^  als  eine  fonfequente  gorfc^ 
entroicfelung  beö  ®ebanfenß  bar,  iüeld)er  ber  33orfd^rift  ju  Orunbc  liegt,  bafe 
bie  SBirfung  ber  burc^  Srfjebung  ber  3(nfecbtungöf(agc  erfolgten  Slnfed^tung 
burd)  bie  Sutüctna^me  ber  Slnfed^tungöflage  loieber  bcfeitigt  werben  fann;  fic 
fte^t  jubem  im  ©inHange  bamit,  bajj  bie  im  §  577  ber  (5. 5ß.  C  bejcid^netcit 
S?orf(^riften,  inäbefonbere  bie  aSorfdiriften  über  bie  SBirfung  eines  3ln* 
ertenntniffcö  unb  eineö  gerici^tlicf)en  ©eftänbniffeö  nadj  ber  neuen  gaffung, 
n)eld)e  ber  §  577  ber  6.  5ß.  D.  burc^  bas  Ginfü^rungögefcfe  erl^altcn  fott 
(üergl.  bie  3tnm.  1  ju  bem  Unterabfd^nitte  „IV.  Ungflltigfcit  ber  ©^e"  unter  II,  7) 
in  einem  9te(i[|t9ftreite,  mcldier  bie  Slnfed^tung  ber  ©^e  jum  ©egenftanbc  l;at, 
nur  in  9lnfcl^ung  fotd^er  2:^atfad^cn  feine  3lnroenbung  finben  foUen,  meldte  bie 
5(nfed^tung  ber  G^c  begrünben  f ollen.  Äann  ber  Äläger  bic  golgen  ber 
9tnfed^tung  burd^  S^rüdfna^mc  ber  9lnfed&tungöflagc  ober  baburd)  befcitigeu, 
bafe  er  bie  unmafirc  33cf|auptung  beö  83cflagtcn  jugeftcljt,  bic  ©^c  fei  bereite 
üor  ber  erfolgten  9lnfcd)tung  genel^migt,  fo  feljlt  eö  an  einem  auörcid^enben 
©runbe,  bem  Älöger  bic  Scfugnife  ju  uerfagen,  im  Saufe  beö  SHcd^töftrcitcft 
bie  ©Ije  bireft  ju  gencfimigen,  fo  lange  bicfclbe  nid)t  aufgclöft,  ober  für  ungültig 
crflört  ift,  jumal  nad^  §  1260  bis  ju  biefem  B^itpunfte  bie  ©^c  als  eine  gültige 
bedanbclt  mirb.  S)aö  9led^t,  bic  ©^e  in  bcm  Ijier  fraglid^en  gallc  trofe  ber 
erfolgten  3lnfed^tung  no^  mirffam  genehmigen  5u  fönncn,  foll  j|ebod^  nur  bcm 
anfed^tungsbered^tigten  ©Regatten  fclbft  juftcljen,  fowcit  berfclbe  nad&  aWafe* 
gäbe  beß  §  1263  2lbf.  1,  3  eine  anfed^tbare,  aber  nocb  nic^t  angefod^tcne  6^e 
feinerfeitö  ju  gcnclimigen  befugt  ift.  2)agegcn  foU  bem  gefe|lid&en  Sßcrtrctct 
beö  anfeditungöbcred&tigten  ©Regatten  baö  SHed^t,  in  ben  gäUcn  beö  §  1259- 
9]r.  4  bie  angefod&tenc  ©^c  nod^  im  Saufe  beö  SRcd&töftreiteö  über  bie 
3lnfcd)tungöflage  mi)  äßafegabc  beö  §  1263  3lbf.  3  genehmigen  ju  tonnen, 
nid&t  beigelegt  werben,  .^at  ber  anfedl|tungöbered&tigte  ©begatte  bur^  bic 
©r^ebung  ber  Slnfcd^tungöflagc  feinen  aSillcn,  bie  ©()e  nid^t  fortfefeen  5u 
wollen,  funbgegeben,  fo  barf  er  nid)t  burd^  bic  nad^träglid^e  ®cnel^"ii9i^ng  ber 
©^c  üon  ©eiten  beö  gcfcfelic^cn  SScrtrctcrö  an  ber  gortfcgimg  beö  ^^Jrojcffcd. 
geljinbert  werben. 

SBon  fclbft  ocrftel;t  eß  Rd)  übrigenö,  bafe,  wenn  bie  ©^e  red^töfräftig  für 
ungültig  erftärt  ift,  eine  üor  ber  9lec^töfraft  beö  Urtl^eileß  erfolgte  ©enc^migung. 
ber  ©f|e  aud^  bann  nid^t  mcl^r  in  S5ctrad)t  fommt,  wenn  bicfclbe  in  bcm 
SHed^töftrcite  über  bic  Slnfcd^tungöftage  ni(^t  me^r  geltenb  gemacht  werben 
fonnte  (ocrgl.  in  biefcr  S3ejicl)ung  bie  OTotiüe  ju  §§  1250,  1251  oben  S.  51). 


3lnfe*t6arfcitberßBe.  aBWuiiG  be§  UctBeilcö.  ©iitcr  ©laute.  §§1269,1270.   101 


§  12(>9. 

S)ic  S3cftimmung  bcö  §  1269  cntfprid^t  bcm  ^^rinjipc  bcö  §  1256  Sa^  1  subjeitiucr 
unb  beruht  auf  benfelbcu  ©noägungen,  welche  ju  bcr  Icgtcrcn  SBovfcfjrift  gc^  "Ic^^fraft 
fübrt  \)ahm  (ücrgl.  bic  2Rotioc  ju  §  1256  oben  S.  62  ff.;  ferner  §§  1271, 1477, t^^«  u"^^»«^- 
1632).  3lud^  bem  abroeifenben  Urtfieile  SBirfung  für  unb  gegen  3inc  bei- 
julegcn,  ift  in  bem  I;ier  fragUd^en  gallc  nm  fo  raeniger  ju  beanftanbcn,  a(6 
boö  anfed)tungöred^t  immer  nur  bem  betreffenben  ©l^cgatten  jufteljt,  üon  einer 
?SerteJung  ber  9ied)te  dritter  mitliin  l)ier  fiberijaupt  nid^t  bic  9tebe  fein  fann. 
3Jic  a^nioenbunfl  ber  Siegel  beö  §  192  mürbe  augerbem  ju  bem  nnangemeffenen 
9Jefultote  führen,  bafe  ein  dritter  na6)  9lnflöfung  ber  Gi)c  fid^  auf  bie  in  ber 
©rbebung  ber  Älage  liegenbe  Slnfed^tung  unb  bic  baburd)  ^erbeigefülirte  Un- 
gültigfeit  ber  ßl^e  berufen  fonntc  (§  1260),  obn)ol;(  gegenüber  bem  anfed)tungö5 
berecJbtigten  ©begatten  bie  Slnfed^tung  als  unbegrünbet  erfannt  morben  ift. 
Stirbt  einer  ber  ©b^gcitten  vox  ber  9teci^töfraft  beö  Urtbeileö,  fo  ift  ber  dicdjtQ- 
ftreit  in  3lnfef|ung  ber  ^auptfad^c  ate  crlcbigt  anjufcljen  (»ergl.  ben  in  ber 
3rnm.  1  JU  bem  Unterabfd^nitte  „IV.  Ungültigfeit  ber  ©be"  unter  H,  0  mit= 
gctbeUten,  5ur  9tufnal)me  in  ba^  ®infüf)rungögefe6  beftimmten  §  584  a  bcr 
C.  ^.  D.) ;  in  einem  folc^en  galle  tritt  baficr  bie  im  §  1269  bejei^nete  SBir- 
fung  nicfjt  ein  (üergl.  bie  SKotiüc  ju  §  1256  oben  S.  63). 


§  1270. 

Xic  Öcftimmungen  beö  §  1270,  meldte  fid)  alö  eine  iDlobififation  beö  im  «<^»» 
§  1260  Slbf.  2  auögefprod&enen  ©runbfageö  borftellen,  red^tfertigen  fid^  burd)  ^"!|ru"icr' 
bie  ©rroägung,  bafe  eine  anfed^tbarc  unb  angefod^tenc  ©()e  einer  nid&tigen,  aber 
in  gehöriger  gorm  gefcbloffenen  (Sf)c  fad^Iic^  gleic^ftefit.  Slnlangenb  inöbefonberc 
bic  Säorfc^riften  beö  §  1257,  fo  fpred^en  bic  Wrünbc,  auf  n)cld)en  biefelben 
berufen  (ocrgl.  bic  a)totioc  ju  §  1257  oben  2.  63  ff.),  bafür,  in  bcm  bort 
bejeid^nctcn  Umfange  britte  gutgläubige  5ßcrfoncn  aud^  gegen  bic  folgen  einer 
burt^  Snfcc^tung  ungültig  gemorbenen  6f)c  ju  fc^ügen.  35odö  mu§,  mie  im 
^Ue  befi  §  837  äbf.  2  (ücrgl.  ferner  §  2091),  fo  aud^  I)ier  bie  ftenntnife  bcr 
Snfcc^tbttrfcit  bcr  Äenntniß  ber  Slid^tigfeit  glci^gcftcUt  roerben  (nergt.  preuf^ 

%  S.  9t.  II,  1  §§  974,  960,  961). 

S)a  britte  5ßerfoncn  bie  Ungültigfeit  einer  anfed^tbaren  (S^c  nic^t  gcltcnb 
moc^  fonnen,  fo  laffen  fid^  ©rünbc  ber  93illigfeit  bafür  anführen,  ©ritte 
no<^  STOoftgabc  beö  §  1257  in  3lnfel)ung  fotd&er  unter  hcn  §  1257  fallcnber 
9Ic^tögcf4äfte,  locl^c  bie  Sefricbigung  beftc^enDcr  3lnfprüd^e  bcärocden,  fomic 
in  ainfe^ung  ber  unter  ben  §  1257  fallenbcn  Urt^eilc  über  bcrartige  Slnfprüdie 
auc^  bann  ju  fc^üfeen,  menn  fic  uon  ber  3lnfed^tbarfeit  ber  Glje  Äenntni^ 
Wtcn,  fofcni  nid&t  bic  Ungültigfeitöerfläning  ber  G^c  fd^on  t)or  bem  im 
§  1257  9lbf.  1  bcjm.  3lbf.  2  bejcid&neten  3fWpunftc  erfolgt  mar.  ^^on 
praftifdbcr  33cbcutung  mürbe  eine  bcrartige  9)Jobififation  ber  ^^orfd^riften  beö 
§  1257  }.  JB.  für  fold^e  golle  fein,  in  meldten  eine  ber  Gl;efrau  gegen  einen 
Stritten  5iiftel)enbe,  ju  bem  ©fiegute  gc^örenbc  gorberung  burd^  ben  ©ritten 


102        nngültiöf.  b.  (SIjc.  Srnfc^tBarfeit.  ®d;ufe  bcf^  ßuten  ©lauBcnö.  §1270. 

auf  Ocuub  ber  cfjclid^eu  Slufeuicfeung  an  bcn  ©bemann  (§§  1292,  1028) 
ober  eine  (S^egutsocrbinblid^fcit  burd^  bcn  ©J^emann  an  ben  dritten  (§  1318 
5Rr.  1)  ober  eine  ber  Gl&efrau  gegenüber  bem  ©ritten  obliegenbe  SBerbinblid^fcit 
burd^  ben  auf  ®runb  beftel;enber  ®ütergemeinfd)aft  perfönlid^  oerl^afteten  Q^(> 
mann  (§  1359  3lbf.  2)  erfüUt  locrbcn  foU.  SnbeRen  fann  ein  SBebürfnife,  bai^ 
5ßrinjip  beö  §  112  l^ier  in  einem  fo  weiten  Umfange  ju  burd^bred)en,  nici^t 
anerfannt  werben,  jumaf  bie  in  Setradit  tommenben  ^äUc  feiten  finb,  bem 
©ritten  gecignetenfaDö  aud^  baö  ieintcrlegungörcdjt  (§  272  3lv.  2),  baö  SRed^t 
ber  Äonbiftionen  (§  745)  unb  nad^  Umftänben  baö  SRe^t  ber  Streitoerfünblguna 
jur  Seite  ftel;t  (§  69  ber  ß.  %  D.). 
sinfprut^  be«  ©egen  bie  entfpred^enbe  2lnn)cnbung  beö   §  1258  fann  ber  ©iniüanb 

^ctefloften"  crf|oben  werben,  bafe  eö  einen  SEBiberfprud^  in  fid&  fdjliege,  ix>tnn  ber  anfed}tungö=f 
wMäubUn  ^^^^^*^9*^  ©l^egatte,  troßbem  berfelbe  fid&  ba^in  entfd^ieben  l^abe,  bie  Qi)c  ate 
ungültig  anjufed^tcn,  bennod&  nad^  SKafegabe  beö  §  1258  bie  SBafjI  l^aben 
foBc,  ob  gegenüber  bem  anberen  ©Regatten  in  üermögcnörcd^tlidier  33ejie^ung 
eö  bei  ben  auö  ber  Ungüftigfeit  ber  Gf)t  ftd^  ergebcnben  folgen  ocrbfeibeii 
ober  baö  SScrl^äftnife  fo  bcurt^eilt  werben  folle,  wie  wenn  bie  ©fie  gefc^iebeu 
unb  ber  anbere  ©^egatte  für  ben  fd^utbigen  2:^eil  ertfärt  wäre.  Snbeffcn  ber 
§auptjwedE  ber  9lnfedE)tung  ift  bod^,  wcnigftenö  bann,  wenn  bie  Slnfed^tung. 
bei  Scbjeiten  beiber  ©Regatten  erfolgt,  ber,  bie  perföntid}en  golgcn  ber  G^e^ 
fd^lie§ung  ju  befeitigen.  S)ie  SJefeitigung  ber  üermögenöred&tlid^en  SBirfungen 
ber  ©^e  ift  nur  eine  Äonfequcnj  ber  ©efcitigung  beö  perfonlid^en  9led)tö* 
üerl^ältniffeö  ber  ©f)e,  eine  Äonfequenj,  we(d)e  ber  anfcd^tungöbcred^tigtc  ©f)c* 
gatte  uicUeid^t  gern  uermeiben  würbe,  wenn  er  bie  3lbwcnbung  ocrfelben  ni^t 
mit  ber  gortfefeung  beö  perfonlid^en  SBer^öItniffeö  erfaufen  mü§te.  3h  gälten 
ber  Slrt  würbe  eö  unbillig  fein,  ben  anfed^tungöbcred^tigtcn  ©l^cgatten  in  bie 
Sage  ju  tjerfefeen,  entwcber  bie  ©^e,  bercn  gortfe^ung  il)m  nid^t  jugcmutl^et 
werben  fann,  fortfc|en  ober  auf  bie  biö  baljin  burd^  bie  ©^e  für  if|n  bc^^ 
grünbeten  ocrmogenöred^tlic^cn  SBirfungcn  uersid^ten  ju  müjfen.  3ßit  bem 
©ntwurfe  ftimmcn  in  ber  f)ier  fraglid^en  33ejie^ung  baö  gemeine  Siedet  unb 
bie  neueren  ®efe|gebungen,  foweit  biefelben  mit  einer  ^utatiocl^c  überhaupt 
SBBirfungen  einer  gültigen  ©^e  ucrbinben,  überein  (ocrgl.  code  civil  9lrt.  201, 
202  Derb,  mit  3lrt.  180  ff.;  \ää)i.  ®.  83.  §  1628;  ^eff.  ©ntw.  II  3lrt.  59—62 
uerb,  mit  Slrt.  48  ff. ;  fd^weij.  a3b.  ®cf.  t).  24.  ©ejember  1874  3lrt.  55  t)erb.  mit 
9trt.  50  ff.),  ©aji  in  bem  ^ier  fraglidjen  galle  bie  Äenntni§  ber  Slnfed&tbarfeit 
ber  Äenntnife  ber  SRidjtigfeit  glcid[|ftel^en  foU,  entfprid^t  ber  red&tlidijen  9latur 
ber  9lnfed^tbarfeit,  wcld)c,  imnn  bie  SÄnfed^tung  erfolgt,  bie  ©l^e  rüdwörtöl^iu 
oernid^tet  (oergl.  aud&  §  837  Slbf.  2).  ©ie  weitere  SBorfdjrift  beö  §  1270,  bag 
im  galle  ber  Stnfcd^tung  wegen  ©ro^ung  ber  anfed^tungöberecfttigte  ©begatte 
bem  ©l^egatten  gteidiftel^t,  weld^cr  bie  Slid^tigfeit  ber  ©f|e  nid^t  gefannt  unb 
beffcn  Unfenntnife  au^  nid^t  auf  grober  ga^rläffigfeit  berul^t  l^at,  ift  mit  ^M^ 
fid^t  auf  bie  ^iorauöfegungeu  erforbertid),  Don  weldjen  ber  §  1258  baö  bort 
beäeidinetc  befonbere  SRed^t  abhängig  mad)t. 

©urd^  bie  cntfpred^enbe  Slnwenbung  beö  §  1258  wirb  ein  nad&  bcn 
allgemeinen  ©runbfdöen  über  Sd^abcnöcrfafe  auö  unerlaubten  ^anblungen  bc^ 
grünbetcr  3tnfprudö  auf  £d)abenöerfa6  (§§  704,  705)  nid)t  berührt. 


llnguItiGfcit  bcr  G^c.    gcftiMunfl^fraGC.    §  1271.  103 

§  1271. 

Xcr  gntwurf  beruht  Quf  bem  ^^irinsipc,  bofe  eine  Sliditigfcilötlaac  im  ^^^J^^^ ' 
Sinne  bcr  (S.  %  C.  (§  585  ff.)  nur  bann  ftottfinbet,  wenn  eine  fovmgülticje,  bc« 
aber  materieU  nit^tifle  GI}e  für  nichtig  ertfärt  werben  foU  (§  1253).  3u  ^^tÄ'' 
anberen  gäUen,  in  roeld^en  cö  ftreitig  wirb,  ob  eine  ©[)e, befielet  ober  nici&t  be^  1»»^!^)««  un 
m,  foU  e«  bei  ber  SeftfteflungöHage  nac^  aKafeßabc  beö  §  231  bcr  e.  %  0.  ^'"'''''"• 
wrbteiben  unb  inöbefonbcre  bie  ©ntfci^eibunß  ber  ö^age,  in  weld)cn  einjelnen 
gölten  eine  Älage  auf  geftftcllung  beö  S3eftel)enö  ober  3lic^tbefte^enä  einer 
6^  äwif^^n  ^^^  ^^arteien  julöffig  ift,  in  ©rmangeümg  eines  Sebürfniffeö, 
biefe  grage  im  ©efefie  befonberö  ju  entfd^eiben,  an  ber  .^anb  beö  §  231  bcr 
6.  %  D.  ber  SBifienf^aft  unb  5ßrarid  übcriaffen  werben.  Uebrigenö  fann  eö 
einem  3tt><^ifcl  nid^t  wo^l  unterliegen,  bag  eine  fold^e  Älagc  iebenfallö  bann 
julöfftg  ift,  wenn  eö  f\ä)  barum  fjonbelt,  fcftiufteUen,  ob  jwifd&cn  bcn  ^^Sarteien 
md^  bem  inlanbifd^en  ober,  wenn  eine  im  9luö(anbe  gef^Ioffene  6^e  in  grage 
ftc|t,  md)  bem  auölänbifd^en  Siedelte  eine  formgültigc  ®I)e  beftc^t  (§§  1245, 
1248,  1250  3lr.  1),  ober  ob  eine  swifd^en  i^nen  gefd^Ioffene  ©f)c  wicber  auf^ 
gehoben  (§§  1440,  1464),  ober  für  ungültig  erflfirt  ift  (g§  1253,  1260).  3n 
©mtüngelung  einer  entgegenfte^enben  Seftimmung  wirb  aber  aud&  eine  foldie 
geftftellungöMage,  welche  bie  geftftellung  bejwedt,  bafe  bie  ®f)e  nid^t  materiell 
ttid^ig  ift,  nid^t  ald  auögefd&loffcn  anjufelien  fein,  ba  ber  G^egattc,  weldfier  bie 
wn  bem  anberen  ©fiegatten  beftritlene  materielle  (Sültigfeit  ber  Gl)e  behauptet, 
ein  rechtliches  3nteref[e  baran  Ijaben  fann,  bafe  bie  materielle  (Sülttgfeit  ber 
6^  burc^  richterliche  ©ntfd^eibung  alöbalb  feftgeftellt  werbe,  unb  eine  anbere 
Älage  jur  Grreic^ung  biefeö  3^^^^^^  i^m  ni^t  ju  ©ebote  fte^t.  2lnbererfeitd 
wirb  eine  Älage  ouf  geftfteUung,  bafe  bie  @^e  materiell  nid)tig  fei,  neben  ber 
9li<^tigfeitdf(age  nid^t  ald  julöfftg  eradbtet  werben  fönnen.  ®ie  Unjulöffigfeit 
einer  fold^en,  aud&  burd^  ein  Sebürfnife  leineöwegs  gebotenen  Klage  löfet  fid^ 
baraus  ableiten,  bafe  es  wegen  ber  ÜÄoglid^feit,  in  biefem  galle  bie  Jlid^tig:^ 
leitöflagc  ju  ergeben ,  an  bem  im  §  231  ber  6.  %  O.  t)orauögefe|ten  Snter^ 
cflc  fe^lt. 

Gine  anbere  grage  ift,  weldje  SJerfaljrenöoorfc^riften  auf  bie  liier  in  ^mwcnbuno 
Siebe  fte^enben  geftftellungöflagen  anjuwenben  finb.    3n  ber  Sad^e  fann  cd  «oifcjriften 
allerbings  nid^t  swcifelfiaft  fein,  bafe  auf  biefe  Älagen  bie  befonbercn  93or^  !|^^^«^^^^^^^^^^ 
fd^iften  ber  6.  %  D.  über  baö  93erfal^ren  in  Gljefad&en  jur  9lnwenbung     fat^en. 
tommen  muffen,  ba  baö  9led&töoerl(|ältni6  ber  ©l)e  flbcrliaupt  ber  "ißritjat^ 
bispofition  ber  Parteien  entjogeu  ift  unb  bei  Slnwenbung  bcr  allgemeinen 
SerfabrenÄoorfc^riften  ber  3wedf  befi  für  bie  ©fiefad&en  anerfannten  Dffijiat- 
prinjiped  ooUig  vereitelt  werben  fonnte.    Gö  fann  fid)  bafier  nur  fragen,  ob 
cfi  notfiwenbig  ift,  bie  Stnwenbbarfeit  ber  befonbercn  für  Gljcfad^en  maß* 
gebcnbcn   9Sorfd^riftcn  ber  S.  %  O.  auf  bie  l)ier  in  9lebe  ftcl)enben  5*eft^ 
ftcUungfiflagen  ausbrücfli(!^  auöjufpredien,  ober  ob  bie  Stnwenbbarfeit  jener 
Sorfcftriften  nid^t  fd[|on  auö  ben  SSorfd^riften  ber  G.  %  D.,  inßbefonberc  bcn 
§§  568,  592,  abgeleitet  werben  fann.    Se|tercö  ift  inbeffcn,  wenigftcnö  für 
bicieitigen  ^ölle,  in  weld&en  eö  fidd  nid)t  barum  l^anbelt,  ob  bie  G()c  materiell 
nic^t  nid^lig  fei,  beftreitbar,  unb  empfietjlt  eö  fidj  bcöt)alb,  in  bicfcr  S^ejic^ung 


104       SBirfimöen  bcr  GBc,    ^crföiilidfeeö  SScrWtnif^  bcr  Sl^eöctttcn.    §  1272. 

bic  6.  %  D.  buvd)  geeignete,  an  bie  SSorfd^riften  über  baö  SScrfal^ren  bei  ber 
Jlidjtigfeitöflage  fid^  anteljnenbe  35orfd&riften  im  Ginfiil^ningögefeße  ju  ergänjen 
(ücrgl.  bie  in  ber  3lnm.  ju  bem  Unterabfd^nitte  „IV.  Ungültigfeit  ber  G6e" 
unter  II  mitgetl;eilten,  jur  9hffnal)me  in  baö  ©infül^rungögefeg  beftimmtcn 
3lenberungen  unb  Grgänsungen  ber  6.  ^.  D.,  inöbefonbere  §  568  9lbf.  1, 

.§  573  a,  §  577  3lbf.  2,  §  581  2Ibf.  2,  §§  584a,  591a  ber  G.  %  0.)- 

fäbrwt  ®^^  SSorfc^riften  beö  §  1271  berufen  auf  ber  9lnaIogie  swifdjen  ber  Ijier 

sBi?hmg*bc«  tu  SHebe  ftel)enben  geftftellungöflage  unb  ber  9Jid)tigteitöMage. 

Urt^clle«. 


3tvciter  Xitd. 

^irftungen  6er  @^c. 
I*  9(Qgetnettte  ältorfc^riftem 

§  1272. 

SSK  ^^^  ^  ^^'^«  bcjiuecft,  ben  red)tlid)en  S^f^alt  beö  burd)  bic  G^e  unter 

ber  e^eflQtun  beu  G^egatteu  begrünbeten  perfönlid)en  JHed)töoer^äUnifieö  burd^  ein  aUgemeineö 
8u  eiiwnber.  s^tiujii)  jutti  9luöbru(fe  ju  bringen.  SBenngleid)  bie  auö  bem  SBefcn  ber  ©^c 
^^rimij*  ^^^  vcgelnben  perfönlic^cn  SRec^te  unb  ^flid)ten  ber  ©fiegatlen  unter  einanbcr 
in  erftcr  üinie  fittlid^cr  9}atur  ftnb,  fo  i)aben  biefclben  bod^  aud)  eine  red^t* 
lid)e  Seite,  ©ic  bilben  nid)t  allein  bie  ©runblage  beö  9lnfprud)eö  auf  ^er* 
ftellung  beö  el)cUd)cn  ifebenö  (§§  1276,  1443),  fonbern  iljre  SBerlegung  tann 
imtcr  Umftönben  aud)  baö  3led&t  auf  ©d)eibung  begrünben  (§§  1443—1445). 
S)en  fittlid^en  Orunbgcbanfen  beö  burd)  bic  Gf)e  unter '  ben  G^egattcn  bc* 
grünbeten  perfönlid^en  ä5erf)ältniffeö  burd)  einen  leitenben  ©runbfajj  im 
(Sefefc  auöjufpred^en,  empfiel)lt  fi^  aber  namentlid)  aud)  um  bcöiüillen,  mcil 
baburd)  bie  über  bie  red^tlid)en  9Birhtngen  ber  ©[)e  im  Ginselnen  gegebeneu 
S8orfd)riften  il^re  ridl|tige  9}eleud)tung  gcroinnen  unb  jum  rcd)ttid&cn  9luöbru(fe 
gebrad)t  mirb,  ba^,  wie  im  DbligationenredE)te  SE;reue  unb  ©lauben  (§  359), 
fo  im  Gf)crec^te  baö  fittlid&e  SBefen  ber  G()e  bie  önutblage  bilbet,  von  welcher 
bei  ber  9Iuölegung  beö  ©efefeeö  unb  ber  Scurtl^cilung  aller  9ted)töoerI|ältniffc 
ber  G^egatten  unter  einanber  auöjugcl^en  ift.  3n  ben  neueren  ©efc|gebungcn 
finb  bie  gegenfeitigcn  9ied)tc  unb  ^piditcn  ber  Gl)egatten  mciftenö  auöfü^r- 
lieber  unb  fpejicUer  bejeid^net,  alö  im  §  1272  gefd)el)en  ift  (oergl.  preufe. 
91.2.91.  II,  1  §§  174-183;  fäd&f.  &,^.  %  1630;  code  civil  9lrt.212;  öfterr. 
(S.  ^.  §§  44,  90).  Ginc  fold)e  ©pesiatifirung  ift  inbeffen  einerfeitö  cntbel^rlic^, 
ba  bie  in  ben  Oefefegebungen  fpejiell  l)eroorgel)obenen  ^flid)ten  (ju  gegenfejtigcr 
Streue,  ju  gegenfeitigem  Sciftanbe,  jum  ^wfammenleben  unb  nur  Üeiftung  bcr 
el)elid)en  '*^>flid)t)  fid)  auö  bem  SJegriffc  ber  el)elid)en  Sebcnögemeinfc^aft  Don 
felbft  ergeben,  anbererfeitö  aud)  nid)t  ^lücdtmdfeig,  meil  baburcft  ber  fittlic^e 
3nl)alt  bcr  Gl)e  bod)  nidjt  crfd)öpfcnb  bejcid)net  mirb  unb  baö  rid^tigc  SScr- 


SBirfungew  bct  (gje.    ^crfönl.  SteHimg  be§  (SBcmanncS.    §  1273.        .  105 

ftänbniB  unb  bic  rid)tigc  Scgrcnsung  bcr  I)cvöorgc]^obeneii  cinjclncn  ^flid)teu 
hod^  nur  bux6)  ein  !^\ixMQei)en  auf  bcu  aUgemcincn  Ojrunbfa^  bcö  §  1272 
flcwonnen  werben  fann.  9luö  biefem  ©runbfa^e  folgt,  baft  bie  ©Regatten  5u 
einer  fofc^en  Scbenögemeinf^aft,  aber  awd)  nur  ju  einer  folcfjen  bcrcd^tigt  unb 
xwrpflic^tet  ftnb,  wie  fie  bcm  SBefcn  ber  ©Ije  cntfprid)t  unb  role  fic  unter  Sc- 
rurffi(^tigung  beß  SBefenS  ber  ®^e  nad^  ben  obwaltcnbeu  Umftänben  für  G()c? 
gotten  fid)  gebiU)rt  unb  mit  ber  redeten  e^elid)en  Oefinnung  ücreinbar  ift. 


§ 


1273. 


2cr  §  1273  beftimntt  in  Ucbcrcinftimmung  .mit  bcm  gemeinen  ^Med)tc  stenung  bea 
unb  ben  neueren  ®e)efegcbungcn  (preufe.  91.  ü.  9J.  II,  1   §  184;  codc  civil  ^er  e^«iidjen 
«rt.  213;  fäd)f.  ®.93.  §  1631;  often\  ®.  S3.  §  91)  bie  SteHung  beö  e^c^  ö«"«"'^*«^»- 
mannet  in  ber  el^elic^cn  ©emeinfd^aft.    ®§  entfprid&t  ber  natürlid^en  Drbnung 
bcß  Ser^ältniffeö ,  baft  bic  ßnifd^eibung  in  allen  baö  gcmcinfd^aftlic^c  clietid^e 
Sebcn  betreffenben  9lngclegenl|eiten  bei  aBeinungöoerfd^iebenl^eiten  bem  ©l)e^ 
manne  jufte^t. 

9Iuö    jener  Stellung    beö  ßl^emanneö  *  ergiebt    fid)    inöbcfonbere    ba^  »cfiimmunö 
Scc^t  bcsfelben,    ben   SBo^nort,    b.  1).   ben    t^atfäd&Uci^en   aTufent^altsort,  ^olnlm^ 
jomic  bic  SBo^nung  ju  beftimmcn.     SJenngleid^  biefcr  lc|tere,  im  3lbf.  1    «n^*>« 
Saft  2  ouöflcfproc^ene  ©afe   nur  eine  Äonfequens  beö  im  3tbf.  1   Sa^  1      *^^"""®' 
«uögefprot^enen   ^ßrinjipeö  ift,  fo  empficf)lt  eö  fid|  bod),  biefe  Ronfequenj 
Toegen  i^rcr  großen  praftifd&en  SBid^tigteit  nad^  bem  3Sorgange  ber  neueren 
Qefe^cbungen  befonberö  l^eroorjuljeben  (uergl.  preuji.  31.  ii.  9i.  II,  1  §  679; 
eode  civü  3Irt.  214;  fäd^f.  ®.  33.  §  1633;  öfterr.  ®.  33.  §  29).     3n  9fm 
fe^ung  beö  SBo^nfigeö  ift  im  ^inblidfe  auf  §  39  Ijier  eine  befonbere  33cftimmung 
nic^t  erforberlid^.     ®egenübcr   ben  fategorifd^   lautenben  33eftimmungen  beö 
Sbf.  i    ent^Ätt   bic  33eftimmung    bcö   9lbf.  2    baö   nöt^ige  Stemperament, 
inbem  ftc  im  ßinf lange  mit  bem  ^riniipe  beö  §  1272  baö  ßntfd^eibungörcd)'t 
bcö  ßf^emanneö  in^altlid^  nöfier  bcgrenjt.    S)ic  neueren  ©efetgebungcn  ent^ 
galten  jum  2:^eit  mel^r  ober  minber  auöfül^rlidbc  33eftimmungen  barübcr,  in 
meieren  Italien  bie  ©l;efrau  bem  G^emanne  jn  folgen  nid^t  ücrpflid^tet,  inmiefern 
biefclbe  oon  biefcr  JBcrpflid^tmig  namcntlid^  bann  befreit  ift,  menn  bic  lefetcre 
burc^  aScrtrag  auögefd)Ioffen  ift  ober  wenn  ber  ©Ijcmann  feinen  SBo^nfiß  in 
boö  STuöIanb  verlegt  ober  wegen  begangener  93crbred)en  fid&  entfernt  l^at.  S)ic 
Aufnahme  berartigcr  fpejieller  33cftimmungen  in  baö  ®efefebud^  ift  nad)  bem 
Sorgange  beö  code  civil  9Irt.  214  unb  beö  l^eff.  ©ntw.  II  9lrt.  06  alö  entbel^rlid) 
unb  ni(ftt  alö  angemcffcn  erad^tet  worbcn.    stnlangenb  inöbcfonbere  bic,  in  ber  »ertrage  über 
gemcinret^tlid^n  2:^eorie  unb  ?ßrariö  allerbingö  nid^t  unbcftrittenc  '^vac^c,  ob  §oifläni(^t 
boö  Skd^t  beö  ©^emanncö,  ben  SBoi^nort  ju  beftimmcn,  burd^  SSertrag  bcfdjrönft  *>«  eoetrau. 
ober  auögef^Ioffen  werben  fann,  fo  ift  —  abweid^cnb  üon  bem  preufe.  3t.  2.  ))i, 
n,  1  §  682,  bem  got^.  Gfiegef.  §  89  5Wr.  1,  ber  altenb.  Gf)eorbn.  §§  146, 
175,  bcm  fc^warjb.4onberö^.  Gf)efd|eibungögef.  §  2  3ir.  5  unb,  fouiel  ben  gall 
ber  Sluöwanbenmg  in  baö  Sluölanb  betrifft,  aud)  Don  bem  württcmb.  @cf. 
0.  15. 9luguft  1817  §§  15,  16,  aber  in  Ucbcrcinftimmung  mit  bcm  Staube 
punfte  beö  föc^f.  ®.  33.  §  1692  unb  bcö  franj.  JRcd&teö  (code  civil  3(rt.  214, 


106  SBirfunacn  bcr  SSc    ?lamc  bcr  (S^cfrau.    §  1274. 

1388),  foioic  bcö  ©cfcgrcDifouö  (5ßcnf.  XV,  aKotiüc  S.  317)  —  bauen  quö^ 
gegangen,  ba§  ein  berartigcr  SBcrtrag,  mag  bcrfelbc  üor  ober  nad^  bcr  Qf)(^ 
fdiüegung  ge[d)Iofien  fein,  atö  nid^tig  anjufcl^en  ift,  ba  baö  SHed^t  beö  (S^c« 
manncs,  ben  SBo^nort  nad)  ällafegabc  beö  §  1273  ju  bcftintmen,  auf  bem 
SBefcn  ber  Qi)c  unb  bcr  natürlid[|cn  Stellung  beö  ßl^emanncö  in  bcr  (Sf)t 
6crut)t  unb  bcöl^alb  ein  abfoluteö  gied)t  ift,  baß  aber  biefer  ©afe  im  i&inblicfc 
auf  ben  §  100  (Dcrgl.  aud^  §  344)  eines  befonberen  9luöbrudeö  im  Oefefee 
«erieflunflbc?  uic^t  bcbarf.  Die  fragen  ferner,  ob  unb  inroieroeit  bic  ©(jcfrau  bem  ©§e* 
btts  stuöLbl  manne  ju  folgen  nid^t  üerpfi[id)tet  ift,  menn  ber  legtere  feinen  SBoJ^npö  in  baö 
3tuö[anb  »erlegt  ober  roegcn  begangener  5Berbredjen  fid^  aus  bem  Sanbc  entfernt 
(jat  (oergl.  preufe.  31.  2.  SR.  II,  1  §  681;  bai)r.  S.  S».  I,  6  §  12  9lr.  2;  gotl(|. 
ef)egef.  v.  15.  3luguft  1834  §  89  9lr.  2;  a(tenb.  eijcorbn.  o.  13.  üBai  1837 
§§  146,  216;  fd^n)arjb.4onbersf).  S^efdöcibungögef.  d.  30.  Sluguft  1845  §  2 
5ir.  5),  laffcn  eine  allgemeine  gefeglid^e  Gntfd^eibung  nid^t  ju,  fonbern 
fönnen  nur  an  bcr  $anb  beö  im  Slbf.  2  auögcfprodjcncn  5ßrinjipeö  unter 
Serüdffid^tigung  bcr  Umftänbc  beö  fon!reten  galleö  angemcffen  cntfc^icbcn 
lücrbcn.  Gin  genügenber  (Srunb,  in  ben  l)ier  fraglid^cn  ^-äUen  auö  befonberen, 
nid^t  bem  SBcfcn  ber  ©Ije  entnommenen  SRüdfid^ten,  }.  S3.  auö  ftrafpolitif^en 
^Kiirffid^tcn ,  pofitit)  elnjugrcifcn,  fann  nid)t  anerfannt  locrben  (t)ergf.  aud& 
§  39  3lbf.  2).  ©benforoenig  liegt  ein  Siebürfnife  t)or,  bie  im  föd^f.  ®.  35. 
§  1636  bejeid^neten  ^alle,  in  meldten  bic  G^efrau  bem  ©^manne  ju  folgen 
nid^t  üerppid)tet  ift,  befonberö  fjerDorjuOeben,  ba  bie  ri^tige  ©ntfd^eibung 
bicfcr  mic  anberer  göHc  fid()  auö  bem  ^^Jrinjipc  beö  3lbf.  2  oon  fclbft 
crgiebt. 

§  1274. 

Familien*  ßö  ift  ciuc  uatürlid^c  go(gc  ber  S^iuigtcit  unb  bcr  baö  ganjc  Scben  um« 

namen,  ^Qj^^^jit,^^  Scbcutung  bcr  ef)clid)en  ©cmcinfdEiaft,  bafe  beibc  ©Regatten  bcnfclbcn 
Familiennamen  führen.  2)ic  Stellung  beö  ©^cmanncö  bringt  eö  mit  fid),  bofe 
bic  ©f)efrau  ben  Familiennamen  beö  ©licmanncö  crl)ält  (t)crgl.  aud^  prcu§. 
31.  2.  di.  II,  1  §§  192,  193;  fäd^f.  ©.  ».  §  1632;  öftcrr.  ®.  SB.  §  92),  unb 
äioar  ift  bicfclbc  biefen  3iamen  ju  führen  ni(|t  nur  bered^tigt,  fonbern,  mie  ft^ 
ciw^  bem  ^rinjipe  beö  §  1272  crgiebt,  aud^  ucrpflid^tct,  fo  bafe  ber  ©bemann, 
mcnn  bie  ©f)efrau  biefe  33erpflid)tung  Dcrlc|en  foUtc,  gegen  bie  legtcrc  ge* 
cignctcnfallö  auf  öcrftcUung  beö  e[)elid^en  öcbenö  ju  flagen  bere^tigt  ift. 
2^aö  Si^titut  ber  3Jli6f)cirat^  ober  bcr  ©^e  jur  linfen  $anb,  bei  n)eld)er  bic 
©Öefrau  nic^t  ben  $Ramen  beö  Gl)cmanncö  crl)ält  (oergt.  preufe.  31.  S.  dl.  II,  1 
§  863),  ift  bem  ©efe^buc^c  unbefannt.  3)ic  mit  SiiidEfid^t  auf  bic  lanbcS^ 
()crrlid)en  gamilicn  unb  bie  gamilien  beö  l^o^cn  Slbclö  in  biefer  SJcjic^ung 
crforberlid)C  3luSna^mc  ift  bem  ©infü^rungögefc^e  oorbc^altcn.  Uebcr  bic 
rccfttlidjc  3iatur  beö  9ied)teö,  einen  beftimmten  gamilicnamcn  }u  führen,  t)crgl. 
bic  i^orbemerfung  ju  3lbfd^n.  II  S^it.  8  unter  Dir.  6. 

etanb  ^ic  in  neueren  ©cfc^gcbungcn  fid^  finbenbc  mcitere  33eftimmung,  baft 

bei-  e^cfrau.  ^-^^  gfjefrau  an  bem  Staube  beö  Gfjcmanneö  STficil  nc()mc  (preufe.  31.  S.  91.  II,  1 

§  193;  fädf)f.  ®.  S.  §  1632),  ift  ni^t  aufgenommen.    5Die  93eftimmungen  über 


SBirfuitöcn  bcr  ß^c    i^erfcnlid&c  StcttuiiG  bcr  Sl&cfrau.    §  1275.  107 

bell  Griücrb  bcö  Stanbcö  im  publiäiftifddcn  ©inuc,  inöbcfonbcvc  bcö  aibclä- 
ftonbcß,  ge()örcu  bcm  offcntUd^cn  SWcd^te  an  unb  finb  bcöf)a(b  nid^t  im  bürgere 
ücfjcn  ©efepud^c  ju  treffen.  Slnlangcub  aber  ben  Stanb  in  fosialcm  Sinne, 
fo  fanu  jroar  fad^lic^  nid^it  in  3w)cifel  gcjogen  werben,  bafe  bic  ®I)cfrau  an 
bcr  foäio(en  SebcnßftcHung  bes  ©ficmanneö  2:[)eil  nimmt  unb  baft  biefer  Sab 
auc^  iufoferu  eine  rcd^tlid^c  Sebeutung  ^at,  alö  fid)  baxan  miclf)tigc  golgen, 
nomentlid^  auf  bem  ©ebietc  beö  Sllimcntationöred^teö  unb  bcö  ©(^cibungS- 
rechtes  (§§  1280, 1444),  fnüpfen;  inbeffen  ber  bcfonbere  Sluöfprud^  biefeö  Sageö 
ijl  im  .^inblicfc  auf  baö  ^rinjip  bcö  §  1272  cntbe^rlid),  anbcrcrfeitö  infofern 
anä)  bd^cnflid^,  alö  er  an  bic  na^  früherem  Slcdjtc  mit  bcr  58crf4|icbenf)cit 
bcr  Stäube  rcrbunbenc  tjcrfd^icbcnc  SRcd^tSfteUung  erinnert  unb  ju  bcm  aWife? 
wrftonbniffc  33cranlaf?ung  geben  fonntc,  bafe  I)icr  unter  bem  Staube  aud)  ber 
Stanb  im  publijiftifd^en  Sinne  ju  uerfte^en  fei. 


§  1275. 

Jcr  §  1275   be^anbclt   bic   Stellung   ber  ©fiefrau   in   bcr  ^^^^^^^^^  mtUauV^^^ 
0cmcin|d^aft.    SÄnlangenb  bic  Scftimmung  beö  9lbf.  1,  fo  l)cbcn  bic  neueren    ef^euc^en 
Scfc^gebuugcn  regelmäßig  nur  bic  SScrpflici^tung  ber  ®fiefrau,  bcm  gemein^  ®*"**^"^*^^*- 
f(^oftIi(^cn  :&außmcfcn  oorjuftelöcn,  fieroor  (oergl.  preufe.  21.  2.  91.  II,  1  §  194 ; 
W  ®.  S.  §  1631;  öfterr.  ®.  S5.  .§  92).    2)ic  ber  beutfd^en  aiuffajfung  imb 
Sitte  entfprcd^cnbc  Stellung  ber  beutfc^cn  ^auöfrau  mirb  baburd^  inbcffcn  nid^t 
jutreffcnb  bejcid^nct.  S5ic  legterc  ift  gegenüber  bemßl^cmannc  nid^t  nur  ücrpftid^tct,  ^**|  ^^^^^ 
fonbcm  audb  bered^tigt,  bem  gemcinfc^aftlidien  .^außmefen  oorsufteficn,  fo  bafe,  .i^ausiefcn 
loenn  bcr  G^cmann  i^r  bicfen  »cruf  burd^  einen  SRifebraud^  bcö  ifim  nad^  »^JuWe«- 
§  1273  juftcl^cnbcn  ©ntfd&cibungfired^teö  ucrfümmcrt   unb  il)r   bic  iljr  ate 
ÖQuöfrau  gcbüfircnbc  Stellung  entjiel)t,  fic  gegen  ben  G^cmann  auf  §erftcHung 
bcö  eöelic^en  Scbcnö  ju  flagen  bered^tigt  ift  (ücrgl.  aud)  §  1278  3lbf.  3). 

Die  S3cftimmung  beö  Stbf.  2,  bag  bic  ©t)cfrau  ju  ^äuölid&en  Slrbeitcn    ;P«««($« 
inforocit    t)erpflid&tet    ift ,    alö    bic    legtcrcn   nad^   bem   Staube    bcö   ©tjc*    * '  *^  *"' 
manncö  für  bic  G§efrau  üblid^  finb,  folgt  auö  bcm  SBBefen  ber  c^clid^cn  Sebenö^ 
gcmcinf^aft  unb  auö  bem  ber  ©Ijcfrau  obliegcnbcn  Berufe.    2ß)er  aud^  baö 
@cf(^äftö*  unb  Scruföteben  mirb  nad^  beutfc^cr  3luffaffung  oon  ber  eljclidöcn  «uifeieifiung 
®emeinfd&aft  mit  ergriffen.    Xic  »eftimmung  beö  bic  mirt^fc^aftlic^c  Orunb^-  ^"^  V^ 
löge  bcr  e^cli^cn  Scbcnögcmcinfd^aft  bilbcnben  ©efd^aftß*  unb  Serufölebcnö,  c^emanne«. 
foroie  bic  Scitung  unb  bic  ^auptt^ätigfeit  in  bem  gemäl^lten  Serufc  liegt 
nauirgcmä§  bcm  ©liemannc  ob.   3)er  .Hauptberuf  ber  G^efrau  bcjieljt  fid^  auf 
iöö  3nuerc  bcö  $aufcö  unb  wirb  in  ben  mo^ll^abenbcn  Älaffen  ber  S3euöl!erung 
fi(&  regelmäßig  barauf  bcfd^ränfen.   Soweit  aber  bic  .^ülfclciftung  ber  G^efrau 
im  (Sefd^äftc  bcö  Gficmanncö  na^  bcm  Staube  beö  le^tercn  für  bic  G^efrau 
fiblid^  ift,  barf  fic  aud&  fold^cn  a3errid)tungen  gegenüber  bem  SJerlangen  beö 
%manncö  fi^  nic^t  cntjie^cn  (uergl.  fäd^f.  ®.  Ö.  §  1031 ;  öfterr.  ®.  S3.  §  92). 

Ginc  bcm  preufe.  2t.  2.  9i.  II,  1  §  195  (oergl.  anä)  airt.  7  beö  !q.  @.  Ö.)  eeibtianbiaer 
cntfprcdienbc  »eftimmung  beö  ^n^alteö,  baß  bic  G^efrau  ol;ne  GiniüiUigung  ®  crmL^* 
beö  G^emanneö  ein  Grmcrbögcfdjäft  nid^t  felbftänbig  betreiben  barf,  ift  in  ben  0«t<^«tte«. 
ßntnjurf  nid^t   aufgenommen,    meil   eine   bcrartigc   Scftimmung    in   biefer 


^ 


108       SBirfimgen  ber  SBc.  Rlm  auf  |)er[tcauno  bce^  c^cnd&en  Scbeng.  §  1276. 

^lUgcmcinl^cit,  namcntlid^  für  fold^c  gättc,  in  tücld^eu  bie  G^cgattcu  faftif^ 
getrennt  (eben,  nid^t  als  rid&tig,  foioeit  fic  aber  rid)tig  ift,  wegen  beö  in  ben 
§§  1272,  1273  auögefproi^cnen  Orunbfaßcö  als  entbe^rtid)  ansufel^en  ift.  Sie 
befonbere  Seftimmung  beö  3lrt.  7  beo  ^.  ®.  SJ. ,  roeld^e  fid&  allerbingö  au(^ 
auf  ben  %aU  bcjie^t,  wenn  bie  Gljegatten  in  getrennten  (Sütern  leben  nnb  ber 
33etrieb  beö  ^anbelögeroerbeö  t)on  ©eiten  ber  G^efrau  beöEialb  auf  bie  9Ser? 
ntögenöred)te  beö  Gl)emanneö  ol^ne  Ginftufe  ift,  bleibt  felbftDcrftänblici^  unberührt. 
3l(ö  mafsgebenb  für  baö  bürgerlid^c  ©efefebud^  fann  biefelbe  inbeffen  um  fo 
weniger  angefel^en  werben,  alö  bie  ®en).  0.  (§  11)  eine  entfpred&enbe  SSeftimmung 
für  anbere  ©ewerbebetriebc  nic&t  aufgenommen  l&at. 

3SeId)C  tjermogenöred^tlid^en  ??olgcn  fid)  baran  tnöpfen,  wenn  bie  G[;c« 
fran  ein  Grroerbögefd^öft,  fei  cö  mit  ober  o^ne  Ginroilligung  beö  G^emanneö, 
fclbftänbig  betreibt,  fteljt  ()ier,  roo  eö  fic!^  nur  um  baö  perfönlid&e  SBcrIjältnift 
unter  ben  Gf)egatten  ()anbelt,  au|er  '^xaQC  unb  crgiebt  fid^  auö  ben  ©eftim- 
mungen  beö  el;elid)en  ©üterrec^teö  (oergl.  inöbefonbere  §§  1289,  1307,  1311, 

§  1312  9h'.  1,  §§  1339,  1356,  1359,  g  1562  9tr.  1,  §§  1414,  1417,  §  1423 
TiV.  3,  §  1431). 

§  1276. 

Äiafleauf4>cr.  2)ic  S3eftimmungen  beo  §  1276  fe^en  bie  >^uläffigfeit  einer  Älagc  auf 

^^eSeu*  ^crftellung  beö  el^elic^en  Sebenö,  b.  l).  auf  GrfüUung  ber  auö  bem  perfonlidöcn 
fielen».  33crf)ältnijfe  ber  Gljegatten  fid^  ergebcnben  ^plid^ten,  uorauö.  £)ic  3"I*fU9fcit 
einer  fold^en  Ätage,  meldje  and)  bie  Älagc  auf  Sciftung  ber  nad)  §  1272  bc* 
grünbeten  cbelid^en  5ßflid)t  im  engeren  Sinne  umf afet,  ergiebt  fxd)  in  Gr- 
mangelung  einer  entgegenftefjenben  53eftimmung  auö  ben  allgemeinen  ©runb^ 
fäjjen  üon  felbft  unb  brandet  beöljalb  nid^t  erft  bcfonberö  beftimmt  h^i 
werben.  Sluf  ber  anberen  ©eitc  fel)It  eö  aber  axi6)  an  einem  genügeubcn 
©runbe,  in  9lbweid)nng  Don  ben  allgemeinen  ®runbfä^en  unb  bem  in 
großen  9led)tögebietcn,  namenttid)  in  ben  Gebieten  beö  gemeinen  9{ed)tco 
unb  beö  fäd)f.  ®.  ^.,  fowie  nad)  ber  uon  ber  Suriöprubenj  üorroiegenb  rer- 
tretenen  Slnfid^t  aud)  in  bem  ®ebiete  beö  franj.  SRed^teö,  geltenben  9ied)te, 
eine  Älagc  auf  ^crftellung  beö  cbelid)en  fiebenö  in  bem  beäcid&ncten  Sinne 
übcrl)aupt  ju  oerfagen  unb  nad^  bem  SSorgange  beö  preufe.  Mcd^teö  (oergi. 
preui  31.  y.  91.  II,  1  §§  679,  680,  684—686 ;  preuß.  aSerorbn.  v.  28.  3uui 
1844  §§  61-64;  preufe.  9luöf.  ®ef.  jur  G.  5ß.  D.  ü.  24.  ajlärj  1879  §  5; 
®efe^reo.  ^jJenf.  XV  §§  8 --14  b  nebft  aJtotiuen  S,  211  ff.)  bie  bicv  in 
33etra(^t  fommenben  Streitigfeiten  in  baö  ©c^eibungöüerfal)ren  ju  ücrweifcn 
unb  bieferl)alb  nur  interimiftifc^e,  auf  einfeitigen  91ntrag  ju  erlaRcnbc  rid^tcr? 
lid^e  äJerfügungen  jujulaffen.  Saö  orbentlid^c  fontrabittorifc^e  ^rojefeoerfaliren 
bietet,  aucb  wenn  bie  Grjwingung  ber  Jßcrftellung  beö  el^elid)en  Sebcnö,  ju 
weld)er  ein  Gl)egatte  üerurtt)eilt  ift,  nid)t  ftattfinbet,  bod^  infofern  im  ^ntcreffe 
ber  gbrberung  ber  3(ufred^terbaltung  ber  Ghtw  immer  nod^  größere  Sßortbeile, 
alö  eö  j^u  einer  näbcren  Unterfud^ung  ber  Streitigfeit  33eranlaRung  giebt  mio 
fd)on  bie  SJerurtbeilung  nlö  fold&e  wegen  il)reö  moralifd^cn  Ginfluffeö  üon 
nic^t  5u  unterfdjäfeenbem  SBertbe  ift.    9Iud&  fonnen  bie  Gbegatten  ein  3nteref(c 


SSWimflcn  ber  S^e.  Älaßc  auf  ^^crftcHung  bcö  ef)clid&cn  Scßeuß.  §  1276.       109 

baron  ^Qbcn,  ben  unter  ifincn  befte^enbcn  Streit  im  3Begc  ber  geftfteUungö- 
flöge  (§  231  ber  6.  %  D.)  jum  Stuötrage  ju  bringen,  ©aju  fommt,  ba^ 
eine  oorgängigc  aSerurtljeilung  jur  JpcrftcUung  beö  cf)elid)en  üebenö  eine 
fcfterc  ©runblage  für  baö  3d^eibungßücrfal)ren  (§§  1443—1445)  bilbet. 

3Cuf  ben  Sled^töftrcit,  weld^er  bie  c^erfteUung  beS  cf)cUc^en  üebenö  sum 
©egcnftanbc  (jat,  finben  bie  befonbereu  33orfd)riften  ber  6.  %  C  über  baö 
ikrfo^rcn  in  ßl)efad)en  nebft  ben  auö  ber  3lnm.  1  ju  bent  Untcrabfdinitte 
^IV.  Ungültigfeit  ber  G^c"  unter  II  fid^  ergebenben  2lcnberungen  unb  ©r^ 
gänjungcn  ber  6.  %  D.  (uergl.  inöbefonbere  bie  §§  573  a,  ,584  a)  3lnn)cnbnng. 
äuBcrbcm  foU,  n)ic  auö  ber  Slnm.  ju  §  1276  fid^  ergiebt,  im  Ginfüljrungö- ««M^ueBunsj 
gefc^c  befiimmt  roerben,  bafe  bie  «orfd&rift  beö  §  774  2lbf.  1  im  galle  bert\ff,rÄ' 
Scrurtl^eilung  jur  ^erftellung  beö  efieüd^cn  Sebenö  feine  2(nroenbung  finbet, 
eine  Ci^roingung  ber  i&erfteUung  beö  e{)eUcben  Sebenö  im  3Eßegc  ber  ,3n)angö^ 
ooüftrecfung  mithin  auögefdjiofjen  ift. 

änfangenb  bicfe  Ie|tere  39eftimmung,  roeldie  gegenüber  bem  in  ben  ®e= 
bieten  beö  gemeinen  dltdfk^,  beö  fäc^f.  ®.  33.  unb  wad)  ber  in  ber  Suriöprubenj 
»orroiegcnb  oertretenen  Slnfic^t  auä)  in  bm  ©ebieten  beö  franj.  3led)teö  geltenben 
3ic(^tc  (ocrgl.  femer  altcnb.  Gt;eorbn.  u.  13.  aßai  1837  §§  209—211;  got^. 
G^egef.  o.  15.  2luguft  1834  §§  91,  92,  111;  ®ef.  für  5Heufe  ä.  S.  ü.  3.  2«ai 
1^79  §§  11^  12)  eine  Steuerung  entfjält,  fo  ift  eö  allerbingö  moglid^,  ba^  bie 
Sniwnbunfl  Don  SiöangöüoUftrecfungömaferegeln  in  einjetncn  gälten  ju  einer 
bauemben  ^erfteUung  beö  efielid^en  Sebenö  fü^rt;  and)  ift  nid)t  ju  üerfennen^ 
bo§,  loenn  ber  ^xoawQ  auögefd)loffen  mirb,  bieö  auf  bie  ®eftattung  beö  Sd^ei* 
bungörec^tcö  jurüdwirft,  inbem  bei  fortbauernber  l^artnäcfiger  äJerroeigerung. 
ber  c^elid^en  "^Jßflid^ten  nur  bie  S^eibung  alö  ÜÄittel  ber  3(b^ülfc  übrig  bleibt 
i?§  1443—1445).  Snbeffen  fmb  bie  gegen  bie  älnwenbung  Don  S'^cmgömaf^^^ 
regeln  fpre(öenben  ©rünbe  olö  überroiegenb  aujufelien.  2)ie  Slnroenbung  von 
;}a)angömtt6regeln  jur  J&erftellung  beö  e^elid^en  Sebenö  fmb  mit  bem  SBefen 
ber  Gi^  alö  cineö  oorroiegenb  fittUd&en,  auf  ber  eljelid^en  ®efinnung  beruf)enben 
?er^ltniReö  nid^t  vereinbar.  Sie  ©rfaljrung  leiert,  ba§  biefelben  in  ben  meiften 
SöBen  aud^  o^ne  praftifd&en  ©rfolg  finb  unb  nur  baju  beitragen,  bie  ©rbitterung 
unter  ben  G^cgatten  ju  üermc^ren.  Daju  fommt,  bafe  nad^  §  774  9lbf.  2  ber 
6.  %  C.  bie  SJnmenbung  von  3rocingöma§regeln  jum  3w)edEe  ber  ^erftellung  bc& 
cWi^en  Sebenö  fd^on  iefit  nur  infomeit  ftattl^aft  ift,  alö  bie  Sanbeögefefte  bieö 
füt  äuläffifl  erflärcn,  unb  bafe  in  bem  großen  ©ebiete  beö  preufe.  91.  S.  dl  fold)e 
äroangömafercgeln  fd^on  feit  langer  ^txt  auögcfc^loffen  finb,  ha^  ferner  aud) 
bie  Sanbeöflcfefegebungen  anberer  Staaten  bei  (Selegenbeit  ber  Sluöfüljrungö^ 
gcfejc  ju  bem  91.  ®ef.,  betr.  bie  33eurf unbung  beö  ^erfonenftanbeö  u.  f.  lu., 
0.  iy.  gtbruar  1875  bejro.  jur  6.  %  D.  mel^rfad),  namentlid^  in  SBürttembcrg 
unb  in  »oben  (roürttemb.  ®ef.  t).  8.  9tuguft  1875  9lrt.  7 ;  bab.  ®ef.  u.  3.  mäv^ 
1«79  §  145  3lr.  1),  bie  burc^  §  774  Slbf.  2  ber  6.  %  D.  unberührt  gclaffenen 
lanbeögefcftCid^t,  bie  ©rjroingung  ber  ^^erftellung  beö  e^elid^en  Sebenö  für  ju- 
löffig  erftärenben  Seftimmungen  aufgehoben  l^aben.  3»  biefen,  ben  bei  loeitem 
flröBten  2^eil  beö  Sleid^cö  bilbenben  ©ebieten  baö  Si^^^ngöDerfa^ren  in  G^e- 
lochen,  Don  be{fen  Gntbelirlicbfeit  unb  Unämerfmäfeigfeit  man  ftd)  bort  überjeugt 
l>at,  micbcr  cinjufü^ren,  würbe  ben  größten  SQSiberfprud)  finben  unb  unburdd^ 


1 10       SSicfungeu  b.  ©Je.  SScrpfli^tö.  bcr  Sßcfrau  ju  perfönl.  Sciftunö.  §  1277. 

fü^rbar  fein.    Sie  jii  crftrcbenbc  ©in^eit  bcö  SRed^teö  fü^rt  mitl^iu  uotJ^wenbig 
bal)in,  icneö  3w)onößt)crfaI)rcn  übcrl^aupt  aiiöjufd&Uefeen,  jumol  baburd^,  wie 
oben  bereits  gejeiflt  rouvbc,  bie  Ätoge  auf  ^erftcHimg  bcö  ef)elid&en  Sebenö 
feineäroegö  alle  S3ebeutung  üerüert. 
%^vo]t%mQ"  ®ie  S3orfd)rift  beö  §  1276  reditfcrtigt  fid)  tfieilö  wegen  beö  engen  3"- 

«ertwtunB.  fammen^angcö  ber  Äfoge  auf  ^erftcttung  beö  el^elid^en  Sebcnö  mit  bem  Sdjci* 
bungöoerfa^ren  (t)erg[.  §§  1443,  1451),  tl^eite  im  ^inblide  barauf,  bafe  aud) 
baö  SRed^t  auf  ^erftellung  beö  cljelic^cn  Sebcnö,  menigftenö  in  ber  grofeen  aWebr- 
iaf)l  ber  gälle,  einen  l^öd)ftperfonUc^en  Starafter  I)at  unb  eine  Unterfd^eibung 
i^mifd^en  ben  oerfd^iebenen  fällen  praftifd^  nid^t  burd)fü^rbar,  aud^  wegen  bcr 
fonft  nött)ig  merbcnbcn  Äafuiftif  nid)t  angemeffen  ift.  Um  fo  unbebcnflid^cr 
ift  eö,  audf)  bem  gefeglidien  SBertretcr  eineö  gefd^äftöunfä^igen  ©l^egatten  bie 
©rfiebung  ber  Älagc  auf  l^erftettung  beö  eljclidien  Sebenö  nid)t  ju  gcftatten, 
alö  einerfeitö  nad^  bem  neuen  §  774  3lbf.  2  ber  6.  %  D.  bie  ©rjwingung  bcr 
^erfteßung  beö  eljelid^cn  Sebenö  im  SBcgc  ber  3w>ongöt)onftrecfung  auögcfdE)lof|cn 
fein  foll,  anbcrerfeitö  bie  ftlage  auf  ©eroä(;rung  beö  Unterl^alteö  felbflüerftänb* 
lid)  t)on  bem  gcfefelid)en  Sßertrctcr  beö  gefd^äftöunfä^igen  ©Regatten  gegen  bcn 
anberen,  bie  ^erftcHung  bcö  el)ctid)en  Sebenö  xicrmeigcrnben  G^egattcn  erl^obcn 
roerbcn  fann. 

§  1277. 

«crptii(^tung  Slbgcfe^cn  üon  bem  preug.  91.  S.  91.,  meldjcö  in  II,  1  §  19(5  beftimmt, 

tu  cfnerTiT  bofe  ol^nc  bcö  SRanncö  ßimuilligung  bie  grau  feine  SBerbinbung  cingeljen  fann, 
^crjon  ju  u>  it)oburd6  bic  9tcdE)te  auf  ifire  ^erfon  gefränft  werben,  entl)alten  bie  beftcl&cnbcn 
Tdftnnr  SRcd^te  feine  befonberen  Seftimmungen  barüber,  inwieweit  bie  ©^efrau  burd^ 
9tedötögefd)äfte  5U  einer  in  ^jjcrfon  ju  bewirfenben  Seiftung  fid^  tJerpPid^tcn  fann. 
Gö  erflärt  fid^  bieö  jum  ^^cil  wol)I  barauö,  ba^  md)  ben  mciften  9led&tcn 
bie  G^cfrau  alö  foId}e  ober  fraft  beö  el^clic^en  Oüterrec^teö  in  ber  ©efd^äftö^ 
fSl^igteit  bef^ränft  ift  unb  bal^cr  ol^ne  GinwiUigung  beö  Gfjemanncö  fid^  über- 
Ijaupt  nidjt  burd^  ?ted)tögefd)äfte  wirffam  üerpfCid^ten  fann.  9Inberö  liegt  bic 
Ba^^  nadE)  bem  Gntwurfe.  S)a  berfetbe  auf  bem  ^rinjipe  berul(|t,  bafe  bic 
Gf;efrau  weber  alö  fold^e  nod^  fraft  beö  efielid^en  ©üterred^teö  in  ber  ©cfd^fiftö- 
f«i)igfcit  befd)rftnft  ift  (üergl.  §  1301),  fo  mufe  auf  anbere  gßeife  bafür  gefovgt 
werben,  bafe  bic  G^efrau  fic^  nid&t  burd^  SHed^tögefd^äfte  ber  im  2lbf.  1 
beäeid)netcn  9lrt  il^ren  an&  ber  e^elid)en  ©emeinfd^aft  fid^  ergcbenbcn  5Pflid^ten 
entjieljc.  ©ie  obfolutc  9iatur  bcr  nad^  ben  §§  1272,  1273  bem  G^emannc 
gegenüber  ber  G^efrau  juftefienben  SHec^te  reicht  jum  ©d^uße  ber  Icgteren  gegen 
bic  l)ier  fraglid^en  SWed^tögefd&äftc  ber  Gf)cfrau  nid^t  auö. 

Giner  befonberen  Siegelung  bebarf  übrigenö  nur  ber  gall,  wenn  bic 
Gljefrau  nad^  ber  G^efd^liefeung  ftd^  ju  Sciftungcn  ber  Ijier  fraglid^en  9lrt  oer- 
pfliditct.  $at  bicfelbc  bereitö  t)or  bcr  G^efd^licfeung  eine  bcrartigc  Sßerpflid&tung 
übernommen,  fo  genügen  bie  allgemeinen  ©runbfäge,  namentlid^  baö  5|Jrin}ip 
beö  §  566  unb  beö  §  598  3lbf.  3.  2lud^  für  ben  gall,  wenn  ber  G^emonn 
fid^  bnx6)  SWcd^tögefd^öfte  ber  l^ier  fragli(i)en  2lrt,  j.  83.  burd^  bic  Ueberna^me 
von  Sd^ifföbienften,  ber  clielid^en  ©emeinfc^aft  cntjiel^t,  braud&t  im  ©efcgbud&c 
bcfonbcre  SSorforge  nic^t  getroffen  ju  werben. 


SBirfimöen  b.  Gße.    Scrpflidfetg.  bcuSSefrau  511  perfonl.  Seiftung.   §  1277.     111 

3ni  ßinjclnen  ift  no6)  golgcnbeö  ju  bemerfcn: 

L  3lad)  9lbf.  1  ift  ju  iebcm  SRec^tögefc^äf tc ,  burd)  luclc^eß  bic  GIjcfrQu  9Joiiii»cubiö« 
}u  einer  in  ^Jerfon  ju  bcroirtenbcn  Seiftung  fid^  Derpflic^tet,  ble  ©iuroilligung  roiaiguna  ui 
bcs  Göemanneö  erfotberlic^.  3m  ^inblidfe  auf  bcn  S^^^  ^^ö  (Scfcßcs,  bem  ©bc^  e^cmanne«. 
manne  Sd^u^  gegen  ®ntfrembnng  ber  C[)efrau  burd^  bie  Gingcl^nng  fold^cr  SRed^tö- 
gcfc^Sfte  JU  geroäl^ren,  welche  mit  bm  na6)  §  1272  nuö  ber  el^clid&en  ®emeinfd)Qft 
ft(^  crgebcnben  perfönlid)en  5ßfli(i[|ten  ber  ©fjefrau  gegenüber  bem  ©ftemannc  nid}t 
oereinbar  finb,  fann  eö  feinen  Uuterfd^ieb  mad)en,  ob  bie  SSerpflid^tung  ber 
€6efwu  auf  einem  2)ienftucrtrage  ober  auf  einem  anberen  SSertrage,  5.  33.  auf 
einem  38erf vertrage,  einem  9luf trage  ober  ©efeüfdEiaftöDertrage,  beruht.  9]ur 
barauf  fommt  eö  an,  ba^  burd)  hm  SSertrag  eine  üon  ber  ©f)efrau  in  5ßer)on 
3U  beroirtenbe  Üeiftung  übernommen  wirb.  9luci^  baä  fann  einen  Unterfd^ieb 
nic^t  mad^en,  ob  bie  Semirfung  ber  Seiftung  eine  [fingere  Qüi  in  9lnfpru^ 
nimmt  ober  nid^t.  Sin  fid^  mürbe  jmar  barauf  abjuftellen  fein,  ob  bie  ©r^ 
füttung  beß  SJcrtrageß  nad^  ben  fontreten  Umftänben  mit  btn  ber  Göefrau 
gegmüber  bem  ©bemanne  obliegenben  SSerpftid^tungen  aus  ber  e^elid^en  ®e^ 
meinfc^aft  vereinbar  ift  ober  nid^t.  ©ine  berartige  Unterfd^eibung  ift  jeboc^, 
ba  eö  au  einem  obiettioen  aWagftabe  fefilt,  auö  praftifd^en  ®rünben  nid)t  ju 
empfeblen, 

2.  3"  Grmangelung  ber  ©inmilligung  beö  ©t)emanneö  foUen  bic  ^ier  «nfcc^tunö«* 
fragtit^en  SRcd^tfigefd^äfte  ber  Slnfed^tung  von  Seiten  beß  ©^emanneö  nad)  ©".man^«. 
aHofegabc  beö  9lbf.  2,  3  unterliegen.  9tn  ben  SWanget  ber  ©inmilligung 
bie  5ii^tigfeit  beö  JWecbtßgefdjfifteö  ju  fnüpfen,  mürbe  über  ben  3^^*  ^?ö 
CNkfefeß  ^inaußgeben.  2ln  fic^  mürbe  eß  ber  einfad[|ftc  unb  bem  in  ben  meiftcn 
3le(^tßgebictcn  geftenben  SRed^te  am  näd^ften  fommcnbe  SGBeg  fein,  bie  Syor:= 
)(^riften  beß  §  05  über  bie  SSerträge  2)linberiäbtiger  für  entfpred&enb  an- 
roenbbar  jü  erflören.  föegcn  bic  ©infd)lagung  bicfeß  SBcgeß  fprid)t  inbefjcn, 
büB  berfclbe  t)om  Stanbpunfte  beö  ©ntrourfeß  auß,  meld^er  bie  unbefd)rfinftc 
©efcbäftßfäbigfeit  ber  ©befrau  alö  fold^cr  anerfennt,  fid)  alß  Surd)bred)ung 
cineö  großen  ^ßrinjipeß  barftellt  unb  jubem  über  ben  3^^*  ^^ö  ©efefeeö  infoferu 
binoußflc^t,  alß  ber  of|ne  ©inmilligung  beß  ©I)emanneö  gefd)Iofjenc  SSertrag  in 
feiner  ^irffamfeit  von  ber  ©cnebmigung  beß  ©bemanneß  abbangen  unb  burd) 
bic  ^erroeigerung  ber  ©enebmigung  au^  für  bie  aSergangenbeit  unroirffam 
fein  mürbe  (§  65  Sffbf.  3).  ^Dagegen  mirb  burdb  bie  Siegelung  beß  ©ntmurfcö 
bcn  wrfdbiebenen  in  SSetra^t  fommcnben  Sntcreffen  unb  Slücffid^ten  in  einer 
3iDerfentfpre(f|enbcn  unb  angemeffcnen  SBcife  Siedjnung  getragen. 

2)aß  bem  ©bemanne  beigelegte  3lufed&tungöredbt  meidet  von  ben  all*  sBirtung  b« 
gemeinen  »cftimmtmgen  über  bie  Slnfed&tbarfeit  ber  SRcd^tßgefd&äfte  (§§  112,  ^"^'**""«- 
113)  namentlich  infofem  ab,  alß  bie  Stnfed^tung  in  bem  l^ier  fraglid^en  gallc 
nur  jur  golge  b^t  i^öfe  baß  9ted[|tßgefd^äft  für  bie  3iJfwi^ft  aufgehoben  mirb 
unb  für  bie  SBergangenbeit,  abgefeben  bavon,  ba^  eine  ber  legteren  angebörenbc, 
wn  ber  ©^cfrau  in  5ßerfon  ju  bcmirfenbe  Seiftung  nid^t  mebr  verlangt,  fonberu 
mir  Scftabeußerfag  geforbert  merben  fann,  beftcben  bleibt.  S)iefe  2lbmeid^uug 
rcd^tfertigt  fid^  burc^  ben  befd^rfinften  3i^^ct  ber  9lnfed^tung  unb  ift  um  fo 
weniger  bebcnflicb,  alß  ber  §  112  felbft  barauf  fiinmeift,  ba^  burdb  baß  ©efefe 


1 1 2     aSirf ungcn  b.  g^e.    SScr^jflic^tö.  ber  ß^efrau  i\x  perfönL  Seiftuuö.  §  1277. 

geringere  aSirfungen  ber  9liifccf)tuug  bcftimmt  werben  fönnen.  atnbcrer[eit& 
loirb  baburd^,  baß  baö  SHedjtögcfd^äft,  Porbc()altlici^  ber  aus  bem  3tb|.  3  fid^ 
ergebenben  33lobififation,  für  bie  SSergangcn^eit  unbcbingt  aufredet  er()altcn 
werben,  mithin  bie  UngiUtigfcit  beö  9led)tßgefci^äfted,  foweit  baö  leßtcre  auf  bie 
3ufunft  fid)  besiegt,  auf  bie  ©ültigteit  beö  bie  SSergangentjeit  betreffeubcix 
2:^ei(eö  beö  9ied)t3gefd^äfteö  o()ne  (Sinflufe  fein  foU  (üergl.  §  114),  in  angemeffenet 
aSeife  ben  Streitigfeiten  üorgebeugt,  loeldie  bur^  bie  Slnroenbung  ber  SSoiid^rift 
beö  §  114  auf  biefen  %a\i  Ijerüorgcrufen  ju  merbcn  brotjen.  ©iefc  9lrt  bct 
Siegelung  erfdjeint  aud)  feineöwegö  ungered&t  gegen  ben  ©ritten,  axid)  bann 
nid)t,  lüenn  bemfelben  bie  Gigenfd)aft  ber  (S{)efrau  alö  foIclj)er  unbefannt  gc^ 
blieben  fein  foUte,  ba  il)m,  mie  in  3lnfel)ung  ber  ®efd)äftöfä[)igfeit  beö  anberen 
Kontrahenten,  fo  aud)  in  ber  l)ier  fraglidjen  S3eäie[)ung  bie  ©rfunbigungöpflid^t 
obliegt  (üergl.  ferner  §  1305).  Sollte  er  in  biefer  93cjief)ung  üon  ber  S^cfrau 
gctäufd^t  roorben  fein,  fo  bleibt  il)m  ber  Slnfprud^  auf  Sd^abenöerfag  nad> 
ältafegabe  ber  allgemeinen  (Srunbfäße  über  Sd^abenöerifaß  ouö  unerlaubten 
§anblungen  fetbftoerftänblid^  üorbebalten. 

anMtimö«.  S)a  a\i^  ben  allgemeinen  SJeftimmungen  beö  §  113  für  ben  I)ier  in  Siebe 

öcgncr.  j*^et)enben  gall  bie  ^erfon  beö  Stnfed^tungögegnerö,  lüenigftcnö  bireft,  fid^  m(i)t 
ergiebt,  fo  ift  biefelbe  jur  SSermeibung  üon  3^cifeln  f)ier  befonberö  beftimmt 
(9lbf.  2  Sag  3).  aJHt  md[x6)i  barauf,  baß  bie  2lnfed)tung  toefentlid)  gegen 
ben  ©ritten  fid)  wenbet,  entfpridjt  eö  ber  Sad^ilage  nni  bem  ^ntereffe  beö  ©ritten 
am  meiften,  menn  biefer  alö  ber  9lnfed)tungögegner  bejeidjuet  roirb. 

sttnwfcnHt  3.  fßon  ber  Siegel  beö  9lbf.  1,  baß  bie  Gt)efrau  ju  einem  Sied^tö^ 

^^fbtvou'  gefd^äfte  ber  l)ier  fraglid)en  3lrt  ber  ©nroilligung  beö  ©t)emanneö  bebarf,  für 

munbuiifl  bes  ^[^  c^ft[(e  ^[^^^  STuöualjme  äu  madjen,  in  weld^en  bie  Gin[)otung  ber  GiniüiUigung 
'  wegen  längerer  3tbn)efenl)eit  ober  5iranf^eit  beö  ©^emainieö  nidjt  erfolgen  fann 
ober  ber  le^tere  unter  SSormunbfddaft  ftet)t,  ift  nid^t  alö  erforberlid^  unb  ald 
angemeffen  erad^tet.  Qwav  Iflßt  fid)  für  biefe  SÄuönatjme  anführen,  ba^  bie 
junad)ft  beut  ß^emanne  5uftet)enbe  unb  obliegenbe  Sorge  für  baö  Sntercffe 
ber  etielid^en  Oemeinfd^aft  auf  bie  Cl)efrau  übergel)en  muffe,  wenn  ber  G^c- 
mann  an  bereu  SBatirneljmung  tljatfäd^lid^  üerfiinbert  ift,  bamit  nid^t  bie  ©^c? 
frau  in  bie  Sage  oerfegt  werbe,  Sled^tögefd)äftc  ber  l)ier  fraglidjen  9lrt,  weld&e 
'  für  il)ren  unb  i^rer  gamilie  Unterl)alt  üieUeidjt  unerläßlid^  finb,  in  unanfe^t^ 
barer  SBeife  übertjaupt  nid^t  abfd^ließen  ju  fönnen.  3»^beffen  finb  biefe  (Sefidjtö:* 
punfte  nid)t  alö  burdEifd^lagenb  ju  eradjten,  um  eine  ©urdjbred^ung  ber  Siegel 
5U  red)tfertigen.  ©aö  9tnfed)tungöred^t  beö  ©tiemanneö  in  ben  gällen  längerer 
9lbwcfenl)eit  ober  Äranf^eit  ganj  wegfallen  ju  laffcn,  ift  namentlich  um  beö^ 
willen  bebenMid),  weil  alöbann  bie  ßf)efrau  fid^  aud^  für  bie  3cit  nac^  ber 
Slücffe^r  bejw.  nad)  ber  2öieberl)erftellung  beö  Gl)emanneö  burd^  bie  GrfüUunft 
beö  93ertrageö  unbefd^rönft  i\n\)  üielleid^t  auf  lange  Qtit  ber  el^elic^cn  ©cmein- 
fd&aft  würbe  entjieljen  fönnen.  9tnlangenb  aber  ben  %aU,  wenn  ber  ©fiemann 
unter  33ormunbfdEiaft  fteljt,  fo  ergiebt  fid^  auö  Slbf.  5,  ba§  baö  3Infed&tungöred&t 
rul)t,  wenn  ber  Gljemann  gefd^äftöunfäl^ig  ift.  3ft  aber  ber  ßfiemann  in  ber 
®efd^äftöfäl)igfeit  befdjränft,  fo  fe^lt  eö  an  einem  auöreidjenben  Oninbe,  \f)n 
feiner  auö  ber  e()elid)en  (Semeinfd^aft  fließenben  Siedele  für  oerluftig  511  erflaren, 
ia  er  biefe  auöjuüben  fäljig  ift. 


©itfungen  ber  ßfie.  ©d&cnfungcn  unter  S^eflatten.   (§§1272—1277.)       113 

•L  S)cm  S^tdc  cntfpred^cnb  ftc^t  baä  ainfcd^tuugöred&t  nur  bcm  ®f|c*  crwf^en  unb 
manne  afe  folgern  ju;  boöfelbc  erlifd^t  batjer  mit  Sluftöfung  bcr  ®^e.    3lber  «ÄnSl 
au^  roä^rcnb  bcr  S^it,  roä^rcnb  rocld^cr  bic  [jäuälid^e  ©emcinfd^aft,  gleid^oicl     "**^*' 
ob  ouß  jurci(i(>cnbcn  ©rünbcn  ober  nid^t,  aufgetjoben  ift,  mufe  bie  3luöübung 
bcÄ  änfcd^tungöred^teö  rulien,  ba  roä^renb  biefer  S^it  boö  red^tU^e  3nterej|e 
bcä  ß^emonneö  burd^  bie  ©rfüDung  bcö  SScrtrageö  nid&t  üerlefet  wirb.   3lnberö 
liegt  bogcgen  felbftoerftänblid^  bie  ©ad^c,  xotnn  bie  S^efrau  jum  S^c^c  ber 
ßrfüHung  bcö  SSertrageö  fi^  entfernt  I^Qt. 

5.  Sie  SBeftimmung  beö  §  1277  3Ibf.  5  red[)tfertigt  fidfi  burd&  bie  Ijöd^ft  |^^f  jj^' 

pcrfönlid^e  3iatur  bcö  bem  ®f|cmanne  in  2lnfef)ung  ber  fiier  fragtid^cn  3ltö)t&^  einwiui* 

9ef(^fte  ber  ß^cfrau  eingeräumten  ®ntfdE|eibungöredE|te8,  roeld^eö  feine  ©runb^^  ^l^^^]^ 
läge  in  ben  Scftimmungen  ber  §§  1272, 1273  i^ot  (oergl.  aud&  §  1238  3lbf.  2, 

§  1263  äbf.  h  §§  1265,  1474,  1614). 


iu  ben  §§  1272-1277. 
Scftenfungen  unter  ®{)egattcn.    3nterjeffionen  ber  ©Ijefrau. 

änbcrroeite  befonbere  bcfd^ränfenbe  Seftimmungen  in  3lnfel|ung  ber  von 
einem  ßl)cgotten  abgef^loffenen  3led^tögefd)äfte,  a(ä  bie  bcö  §  1277,  finb,  ab-^ 
gefe^n  üon  ben  aus  bem  elielid^en  ©üterrcd^te  fxä)  ergebenben  SSorfdjriftcn 
(oergl.  §§  1300—1310, 1352—1359, 1362, 1417, 1423, 1431),  in  ben  ©ntmurf 
ni^t  aufgenommen.  Snßbefonbere  finb  befonbere  Seftimmungen  über  ©d^em 
fangen  unter  ben  ©Regatten  unb  über  3ntcrjeffionen  ber  S^efrau  nid&t  für 
crforberlid^  erachtet.    3n  biefer  Sejieliung  ift  golgenbeä  ju  bemerfen: 

1.  ?flad)  rom.  SRed^te  finb  ©d^enfungen  unter  ®l)egatten,  T)orbel^aItlic^  ©(^enfungcn 
geroiffer  3Iudnal^men,  ungültig.    Sie  ©d^enfung  font)aIeö}irt  ober,  menn  ber  (g^^atL. 
©(genfer,  ot>ne  ba§  eine  ©d^eibung  ftattgefunbcn  l)at,  üor  bem  Sefd^enften 
ftirbt,  loobei  freilid&  \^f)x  ftreitig  ift,  ob  bicö  aud^  für  baö  ©c^enfungöoerfpred&en 
gilt.    2)ic  Scftimmungen  beö  röm.  SWcc^teö  bilben  aud^  l;eute  nod^  baö  gemeine  ©citenbc« 
3le4t  unb  fommen  regelmäßig  aud^  ba  jur  3lnn)cnbung,  roo  baß  el^elid^e     ^^'^^' 
©ütcrrec^t  auf  beutfd&red^tlid^er  ©runblage  berul^t.     3luf  bem  Soben   beö 
gemeinen  ?flt^te&  ftel)en  im  2Befentlidöen  baö  fa(if.  ®.  ».  §§  1647—1649, 
ferner  infofern  baö  franj.  SHed&t,  als  baö  leßtere  bie  ©d^entungen  unter  ©lie^j 
gotten  für  miberruftid^  erHärt  (code  civil  3lrt.  1096).   S)aö  preufe.  91.  £.  dl.  II,  1 
§§  310 — 313  ^at  bagegen  ben  gemeinred^tlid^en  (Srunbfa^  aufgegeben  unb  bie 
Sd^fungcn  unter  ©Regatten  unter  bie  allgemeinen  (Srunbfäfee  über  ©d^en^ 
hingen  geftcOt  (ocrgt.  aud^  ©efefereo.,  ^enf.  XV  §§  228  ff.  ©.  192  ff. ;  femer 
öfterr.  @.  33.  §  1246).    2luf  bemfelben  ©tanbpunfte  fte^en  ber  mürttemb. 
6ntio.  §  60,  ber  elirenbreitft.  entro.  §  27  unb  ber  breöb.  (Sntn).  3lrt.  502, 
le|tcrer    jcbod^    oorbei^attlid^    anbermeiter    lanbeögefefelid^er    Scftimmungen. 
3leuerbingö  ^aben  aud^  bic  olbenb.  ©efefee  v.  24.  9Ipril  1873  3lrt.  37  unb 
10.  Sönuar  1879  3lrt.  35  baö  SBerbot  bcr  ©d^enfungen  unter  ©Regatten  auf* 
gehoben,  bie  ©üUigfeit  berfelben  aber  an  bie  öffentlid^e  Seurfunbung  gefnüpft. 

Itetivc  |.  b&rgcrl.  Sefe^bud^  lY.  8 


1 14       Söirfungcn  bcr  @Bc.   ©dfecnfuiiflcn  unter  gficßatten.   (§§  1272— 1277.) 

(stanbpunit  ^jj^f^^  5^,^  ©rünbcu,  tocld^c  für  eine  Scfd^ränhing  ber  ©^cnhingen 

etttiDurfc«.  unter  ©Regatten  angcfüfirt  werben  (ocrgl.  1.  1,  l.  3  pr.  D.  de  don.  inter  vir. 
et  ux.  24,  i),  erfd^eint  ate  ber  geroid^tigftc  ber,  ba§,  wenn  bie  reci^tc  e^elid^c 
©ejtnnung  unter  ben  ©Regatten  l^crrfd^e,  STOeö,  rooö  bcibe  ©Regatten  beft^cn, 
ald  gemeinfam  gelte,  eine  ©d^en!ung  unter  ©fiegatten  ba^er  ol)nc  Scbeutung 
fei  unb,  n)enn  fie  trogbem  angenommen  merbe  unb  bie  red&tlid^en  Äonfequcnjcn 
barauö  gcjogen  mürben,  barin  ein  mit  ber  xtä)kn  efielid^en  ©cftnnung  im 
SBiberfprud&e  ftel^enbcr  ©igennug  l^eroortrete.  Äonfequcnt  mürbe  biefc  STuf* 
faffung  jur  allgemeinen  ®ütcrgemeinf(i^aft  führen,  ©o  mcnig  inbeffen  biefe 
burd^  baö  unter  ben  ©Regatten  befte^enbc  fittlid^c  SSer^crltnife  fid^  begrünbcn 
läfet  (oergl.  bie  Sßorbemerfung  ju  3lbfd&n.  I  Sit.  2  „IL  ©^eli^cö  Oüterreci^t")/ 
ebcnforoenig  läfet  baß  SSerbot  ber  ©d^enfungen  unter  ©(legatten  fid^  burd^  baß* 
fclbe  red^tfcrtigcn.  SMufe  man  anerfennen,  bafe  ein  Sonbergut  ber  ©Negotien 
mit  bem  SBefen  ber  ©^e  vereinbar  ift,  fo  fann  audfi  bie  fd&enfroeife  Üeber^: 
tragung  bcöfelben  nid&t  bamit  in  SBiberfprud&  fte^en.  aSielmc^r  finb  aScr« 
^ältnifje  bcr  mannigfac^ften  3[rt  bentbar,  in  meldten  gcrabe  bie  3nnigfcit  beß 
unter  ben  ©Regatten  befte^enben  aSerliältniffeß  eine  ©d&enfung  burd^auß  natür^ 
Ud^,  unter  Umftänben  felbft  alß  fittlid^  geboten  erfc^einen  läfet.  3Iud^  baß 
röm.  SRedEit  fiat  bieß  burd^  eine  nid^t  geringe  3^^!  ^^on  Slußna^men  anertannt. 
3)ie  übrigen  für  baß  93erbot  ber  ©d^enhmgen  imter  ©Regatten  angeführten 
®rünbe,  inßbefonbere  ber  ©efid&tßpunft,  bafe  barin  ein  Schüfe  gegen  bie 
Sc^mäd^c  beß  einen  unb  gegen  bie  §abfud[|t  beß  anberen  ©Regatten  liege,  foroic 
bafe  eß  gegen  ben  ©d^ein  beß  ©igennu^eß  unb  gegen  üblen  SRuf  fd^ü^e.  Der* 
bienen  nod^  weniger  Sead^tung.  2)ic  ©rfa^rungcn  in  benienigen  Säubern,  in 
meldten  baß  Sd&enfungßperbot  fd^on  gegcnmörtig  nid&t  mebr  bcftel^t,  beftätigen, 
ba|  barauß  für  baß  SBerliältnife  unter  ben  ©l)egatten  teincriei  nad^t^eiligc 
folgen  cntftanben  finb  unb  fein  Sebürfnife  beftel)t,  auß  jenen  9lüdffi^ten 
geroiffermafeen  eine  Sepormunbung  ber  ©Regatten  in  ber  l)icr  fraglichen 
Slid^tung  eintreten  ju  laffen. 

©rfennt  man  bie  ©ültigfeit  ber  ©d&enfungen  unter  ben  ©Regatten  an, 
fo  lägt  eß  [x(S)  auä)  nid^t  redE)tfertigen,  jum  S^edEe  ber  S3cf5rberung  eincß  ben 
e^elid^en  5ßflid&ten  entfpred&cnben  SSerl^altenß  beß  bcfd^enften  ©l^egatten  ben 
SBiberruf  ber  ©d&enfungen  unbebingt  jujulajfen.  ©ß  ^ic§e  bieß  glcid&fam  bei 
©l^cgatten  ben  UnbanI  präfumircn,  mä^renb  bei  anberen  5ßerfonen  ber  SBiberruf 
einer  ©d^enhmg  nur  megen  ermiefenen  Unbanfeß  juläffig  ift  (§  449).  • 

©benfo  fe^It  eß  an  einem  außreid&cnben  ®runbe,  bie  ©c^enfungen  unter 
©Regatten  an  eine  befonbere,  von  ber  für  ©d^enfungen  überhaupt  oorgefd^rie* 
benen  gorm  (§§  440,  441)  abroeid^enbc  gorm  ju  binben. 

gür  eine  Sefd^ränhmg  ber  ©d^enfungen  unter  ©l^egatten  wirb  bißmeitcn 
nod&  bie  Slürffic^t  auf  bie  ©laubiger  gettenb  qtmaä)t.  3)icfe  lann  inbeffen 
nur  baf|in  fül^ren,  ben  ©laubigem  ein  SBiberrufß*  ober  9lnfed^tungßred^t  ein* 
juräumen.  3n  biefer  Sejicl^ung  ift  burd^  ben  §  25  ber  ftonf.  D.  unb  ben 
§  3  9lr.  4  beß  31.  ®ef.  v.  21.  Suli  1879  aSorforge  getroffen.  ÜJJan  fann 
perfd^iebener  Slnfid&t  barüber  fein,  ob  bie  Slnfed^tbarfeit  oon  Sd^enfungen  unter 
©Regatten  nid^t  nod^  weiter,  alß  in  jenen  ®efe|en  gcfd^e^en,  etma  auf  alle 
roäfirenb  ber  ©l^e  gemad^ten  ©c^enfungen  außjubel^nen  fei.    ®ie  für  unb  gegen 


iBIrfunflen  bcr  (Sk.     Sntcrjcffioncn  ber  SBcfrau.    (§§  1272—1277.)       115 

eine  fold^e  Sfudbci^nung  fpre^cnbcn  ©rünbe  ftnb  inbcjfen  bei  Scratl^ung  bcr 
Äonf.  O.  cingei^enb  erwogen  unb  liegt  beöl^olb  feine  SBeranlajfung  t)or,  baö 
bama(6  gemonnene  SlefuUat  n)ieber  in  ^age  ju  [teilen^  jumal  burd^  bie  ^e^ 
ftimmungen  bed  el^e(id^en  @äterred^ted  in  ber  {)ier  fraglidjen  Sejicljung  eine 
Senberung  ber  Saä^laqt  nic^t  eingetreten  ift. 

2.  3m  Dbligationenred[>te  ift  baoon  auögegangeii,  ba|  Snterjefftonen,  ^.r|jj'^7„%^ 
namentlid^  öürgfc^oftdoertroge,  ber  g-rauen  formfrei  fein  foUen.   ^ier  l^anbelt  c^cfrau  au 
c«  ficiö  nur  um  bie  fpcjieUe  grage,  ob  oom  ©tanbpunfte  beö  gomilienred^teö  |5"|J^„^ 
am  ein  Sebürfnife  tjortiegt,  Snterjeffionen  einer  ©l^efrau  ju  (Sunften  i^red 
ßftemonneö  buvö)  befonbere  Scftimmungen  ju  befc^ranfen.    2)ie  beftefienben 
Stecfite  ge^en  in  biefer  i&infic^t  Qui^einanber. 

9lodö  röm.  unb  gemeinem  JRec^te  ift  bie  Snterjeffion  einer  ß^efrau  ju  ««itenbe« 
©unftcn  i^reö  G^emanneö,  üorbe^oltlicö  gemiffer,  jum  2^t)eil  nid)t  unbeftrittener  ^'^^*" 
äuÄnoljmen,  unbebingt  nichtig,  roä^renb  im  Uebrigen  beu  3^auen  gegen  bie 
fticr  fraglichen  Sicrbinblic^feiten  ein  ®c^u^  nur  im  SBege  bcr  ©inrebc  gcmäljrt 
wirb  (oergl.  Nov.  134  c.  8).  I)ie  neueren  ©efe^gcbungen  I)abcn  bogcgen  ben 
Stttnbpunft  beö  röm.  unb  gemeinen  9lcd)ted  in  ber  ^ier  fraglichen  93ejief)ung 
burd&Tocg  aufgegeben.  3^"^  2^^^il  fteUen  fic  allcrbings  im  3lnfd^(uffc  an  eine 
gemeinred[>tlt^e  ?ßrarid,  meldte  bie  SBcUcianifcöc  ©inrebe  ocrfagt,  wenn  bie 
^u  nad^  vorausgegangener  Sele^rung  auf  bie  iE)r  )ufte^enbe  dieä)i^n>oiiU 
ti^i  fpciieU  tjcrjid^tct  iiai,  bie  ^nterjeffion  einer  grau  überhaupt  (ücrgl. 
mecßenb.4^roer.  SScrorbn.  o.  16.  äßai  1857;  ®efc^c  für  SRcufe  ä.  S.  o.  24.  3?e* 
jcmber  1833,  27.  3uU  1844  unb  20.  gebruar  1883  §  4;  (^cf.  für  "Sltn^  \.  ii. 
0.  3.  Dftober  1848;  roürttemb.  @ef.  v.  21.  a»ai  1828  2trt.  5—8)  ober  bod^ 
bie  3nterjcffion  einer  (S^efrau  }u  (fünften  i^reö  @f}emanned  (oergl.  fäd^f.  0. 33. 
§§  1650—1654  nebft  bcr  fäcj^if.  aScrorbn.  o.  9.  3anuor  1865  §  17;  altenb. 
@cf.  0.  15.  3fuguft  1849;  fd^marjb.^rubolft.  ®ef.  o.  30.  aWärj  1849;  ^eff. 
6nixo.  IV,  2  SKrt.  590  9lbf.  2  nebft  SDlotioen  S.  227)  balb  mefir  balb 
weniger  unter  gormjmang.  S)ie  SKc^rja^I  ber  neueren  Oefeggebungen  f)at 
bagegen  in  ber  ^ier  fraglichen  9lid^tung  jebe  Sefd^räntung  ber  grauen,  ind^ 
befonbere  au^  berßH^auen  in3tnfcl|ung.ber  3nterjeffionen  ju  ©unften  if)rer 
Scanner,  vorbehaltlich  ber  aM  bem  el)elid^en  ©fiterrec^te  unb  ber  familiem 
rec^tlid^n  Stellung  ber  ß^efrau  überl^aupt  pd^  ergebenben  allgemeinen  Se^ 
fc^ränfungen,  gänjli^  befeitigt.  3^  ^^^^^  ©ruppc  gefiören  aufeer  bem  franj. 
Siechte  unb  bem  bab.  2.  9i.  folgcnbe  ®efe|e:  bad  für  bie  ganje  preufeifd^e 
aRonard^ie,  unter  Stuöfd^lufe  bed  SBejirfeö  beö  ehemaligen  3lppellationögerid)te3 
}u  Äoln,  geltenbe  preu|.  ®ef.  o.  1.  JDcjembcr  1869,  meining.  ®ef.  t).  14.  X^ 
tauber  1869,  got^.  0ef.  o.  6.  Stuguft  1869,  Coburg.  ®ef.  o.  27.  Slpril  1870, 
olbenb.  @ef.  für  bad  gürftent^um  fiübccf  imb  baö  $erjogtf)um  Dlbenburg 
V.  15.  ü»ari  1870,  tübedr.  ®ef.  ü.  21.  aWärj  1870,  braunfd^ro.  ®ef.  o.  5.  2lpril 
1870,  brem.  ®ef.  v.  9.  aRai  1870,  ^amb.  ®cf.  o.  3. 3uni  1870,  ®ef.  für  Sägern 
rec^to  beö  JR^eind  o.  14.  3ö"mö^  1871,  roeimar.  ©ef.  o.  20. 1)ejember  1871, 
HHitbed.  ®ef.  o.  10. 3uni  1872,  @ef.  für  ©d()aumburg*2ippc  o.  20.  9Kärj  1873, 
Wf.  @cf.  für  bie  ^rooinjen  Starfenburg  unb  Dberf)effen  o.  5.  2Äai  1875, 
an^U.  (Sef.  o.  9.  3lpril  1878,  fd^roarib.^fonberöl).  ®ef.  o.  16.  S)eiember  1887. 
2)ur<^  bad  preu§.  ©ef.  o.  1. 1)ejember  1869  finb  übrigens  bie  SBorfd}riftcn  beö 

8* 


116       SBirfunöcn  bec  (S^e.    Snteräeffionen  bec  Slfeefrau.    (§§  1272—1277.) 

preu§.  31.  S.  %  II,  1  §§  198—201,  nad^  mldjtn  in  allen  %&ütn,  in  bencn  bie  (g^c^ 
frau  bem  ®f|cmannc  ober  ju  beffcn  33ort^ci(e  ju  ctroaö,  rooju  bie  ©cfeße  fie  nid&t 
oerpflici&ten,  üerbinbUd^  gemad^t  werben  foU,  ber  SBertrag  ober  bie  SSer^anblung 
gcrici^ttici&  üoUjogen,  au6)  ein  Seiftanb  ber  ®^efrau  jugejogen  werben  foU,  im 
foroeit,  alä  c§  fid^  nid^t  um  eine  Snterjeffion  ber  (Sfiefrau  ju  Ounften  i^reft 
©l^emanneß  l^anbelt,  unberütirt  geblieben. 

9ludE|  ba,  roo  partifularred^tUdEi  nod^  Sefd&räntungen  ber  ®^efrauen  in 

3tnfcl^ung  ber  Siiterjefftonen  befielen,  finben  biefetben  traft  reid^ögefefetic^cr 

S3eftimmungcn  feine  Stnroenbung  auf  ^anbefefrauen  unb   anberc  Oemerbe* 

frauen  unb  fold^e  S^efrauen,  roeldfie  in  eijie  ®rn)erbs*  ober  SBirtfifd^aftögenoffem 

fd^aft  getreten  fijib  (ocrgl.  4  ®.  S.  9lrt.  6  2lbf.  2;  31.  ®em.  0.  §  11;  SR.  ®cf., 

betr.  bie  priüatred^tUd&e  Stellung  ber  Srroerbß*  unb  SBirt^fd^aftögenoffenfd^af ten, 

V.  4.  3uti  1868  §  12  3lbf.  4). 

stonbpuMtt  3luö  bem  elielidjen  a3erl)ättnij|e  lönnen  ausreid^enbe  ©rünbe,  bie  3ntcr* 

(httoSfcs.  i^ffion  einer  S^efrau  ju  ©unften  beö  @l)emanneö  befonberen  Sefd^röntungen 

ju  unterwerfen,  nid^t  l^crgeleitet  werben.    Sßenngleid^  jujugeben  ift,  ba^  eine 

(S^efrau  pd)  leidster  bewegen  laffen  wirb,  eine  SSerbinblid^teit  für  i^ren  (S^c^ 

mann,  alö  für  einen  gremben  ju  übernel^men,  fo  ift  bod^  anbcrerfeitß  ju 

berütffid&tigen,  bafe  gerabe  bie  ®l^e  alö  ein  auf  gegenfeitige  Siebe  unb  auf 

gegenfcitigeö  SSertrauen  gegrünbeteö  SSer^ftltnife  bei  normaler  Oeftaltung  bes 

lefeteren  ber  ©fiefrau  einen  ©d^ug  bagegen  gewätirt,  bafe  ber  Ehemann  fein 

Slnfel^cn  unb  feinen  ®inffu6  baju  mifebraudjcn  roirb,  auö  eigennüfeigen,  nid^t 

bem  gemeinfamcn  Sebürfniffe  unb  Sntereffe  entfpred^enben  ^mtdcn  bie  Ehefrau 

JU  il^rem  unb  i^rer  gamilie  3lad()t^eite  jur  Uebernal^me  einer  SJerbinblid^teit 

für  il^n  }u  ocrleiten.    Um  auönalimämeife  Dortommenben  2)li6bräuc^en  ju  bc* 

gegnen,  ift  eß  nid^t  geredfitfertigt,  allgemeine,  bie  3nterjeffion  ber  (Sfiefrauen 

}u  ®unften  ifirer  Seemänner  befdfiränfenbe  SSorfd^riften  ju  geben,  jumal  bie^ 

felben  auf  ber  anberen  ©eite  aud^  mit  Setäftigungen  unb  Jlad^t^eilen  oer« 

fd^iebencr   Slrt   nerbunben   finb.     SBie   roenig   baß   3Jli6trauen,    meld^eß   in 

berartigen  Seftimmungen  ju  S^age  tritt,  ben  beutfd^en  S^ftänbcn  unb  bem 

beutfd^en  SRed^tßbemufetfein  entfprid^t,  gel)t  inöbefonbere  barauß  l^eroor,  ba^ 

bie  meiften  beutfd^en  e^elid&en  ®ütcrred^tßft)fteme  balb    in  größerem,  balb 

in  geringerem  Umfange  bem  ®^emanne  ba&  Siedet  einräumen,  über  baß  93er* 

mögen  ber  @f)efrau  ju  bißponiren,  ol)ne  i^n  babei  nur  an  bie  ©inmilligung 

ber  le^teren  ju  binben  ober,  fomeit  biefe  ©inioilligung  erforberlid^  ift,  befonbere, 

bie  ®rtf)eilung  biefer  ©inmilligung  erfd^merenbe  Seftimmungen   ju  treffen. 

®egcn  bie  Snterjefponßbefd^ränfungen  fprid^t  aber  weiter  ber  Umftanb,  ba^ 

biefelben,  wie  bie  ©rfal^rung  gegeigt  l^at,  il^ren  ^votd  bod&   nid^t  erreid^cn. 

©ine  6l;efrau,  wcld)e,  il^rem  Spanne  t)ertrauenb,  bereit  ift,  eine  3Berbinbtid^feit 

für  benfelben  ju  übernel^men,  läfet  fid^  non  biefem  ©ntfd^tuffe  aud^  babur^ 

nidE)t  abbringen,  ba^  jur  ®ültigfeit  ber  Snterjeffion  bie  aSornal^me  vox  ®erid&t 

unb  banebcn  üiclleid^t  eijie  oorgängige  33elel)rung  burdfi  baß  lefetere  unb  ein 

außbrürflid^er  33erjid^t  auf  bie  il^r  jufte^enbe  Slec^tßwol^ltl^at  üorgefd&rieben 

wirb,    ©aju  fommt,  baß  berartige  gormoorfd^riften  in  golge  ber  SBed&fet« 

fä^igfeit  ber  6f)efrauen  leid)t  umgangen  werben  fönnen  (oergl.  ©ntfd^.  b.  SR.  ®. 

in  6ii)ilf.  XI,  1).    3lad)  bem  SSorgange  beö  röm.  SRed^teß  aber  im  SBiberfprud^c 


SSirfunöcn  ber  65e.    ©^lüffclöetualt  bcc  ©Befrau.    §  1278.  117 

mit  ttHen  neueren  ®efe|flebungcn  bie  Snlerjeffion  einer  ®6efrau  ju  Ounften 
i^reö  ß^emanneö  für  unbebingt  nid^tig  ju  erftärcn,  roiberftreitet  bem  fittlid^en 
SBefen  ber  &)t,  TOeld^es  t)evlangt,  bafe  bie  ©i^efrau  ben  ©l^emann  imterftüfet 
unb  ttud^  aSerbinblid^feiten  für  benfelben  übernimmt,  menn  bicö  ben  Umftänben 
tiad^  fittlid^e  ^ßpid^t  unb  burdi  ein  gemeinfd^aftUd^eS  Sebürfnife  geboten  ift. 
3)cr  Stanbpunft  beö  ©ntmurfeö  ftel^t  aud^  mit  einem  S3efd&[uRe  beö  pciten 
beutfd^en  Swnftentageö  t)om  3afire  1861  im  @inf lange. 

3:^iefelben    ©rroägungen,    meldbe    ber    Sefeitigung    ber    ^nteneffionö*     ucb«. 
bcfd^rdnfungen  baö  SBort  reben,  fpred)en  auö)  bagegen,  nad&  bem  33 or gange  »erpfiic^tuitg 
bed  preufe.  21.  S.  3?.  II,  1  §§  198—201  SSerträge  jroifd^en  ben  (Sliegatten,  burd^  ^"^^^T" 
roel^e  bie  ß^efrau  ftd^  bem  S^emanne  ju  etroad  üerbinblid^  mad^t,  rooäu  bie    ^ 
©efe^c  ftc  nid^t  uerpflid^ten,  an  eine  befonbere  gorm  ju  binben.    2)ie  SRüdE^ 
fi(^t  auf  bie  befd^ränfte  ®efd&äftöfäl)igfeit  ber  ®f)efrauen,  mit  meld^cr  jene 
Sorf(^riftcn  beö  preug.  SRed^teö  jufammenl^ängen,  fann  t)om  Stanbpunfte  beö 
entiDurfeä  axi^,  meld^em  eine  S3efd)ränfung  ber  ®efd^äftöfät)igfeit  ber  (Sl^efrau 
als  fold&er  ober  fraft  beö  cfielid^en  ©ütcrred^teö  unbefannt  ift,  nid&t  in  33etrad&t 
fommen. 

§  1278. 

Suö  bem  GJrunbfage  beö  §  1275  3Ibf.  1  folgt,  ba§  bie  ®^efrau  baö  e^mos 
fM)i  daben  mufe,  bie  jur  ©rfüllung  il;reö  Serufeö,  bem  gemcinfd^aftlid^en  ^^cfJaM*' 
^auöiocfen  oorjuftel^en,  erforberlid^en  SSerfügungcn  ju  treffen  wnb  bie  baju 
not^ioenbigen  9ied()tögcf^äfte  ab jufd^ tieften,  unb  jroar  of)ne  SRüdEfid^t  auf  bie 
Irt  beö  e^clid^en  (Süterftanbcö.  SBäbrenb  biefer  Oebanfe  in  ben  älteren 
Redeten  meiftenö  in  ber  2lrt  jur  3lnertennung  gelangt  ift,  baft  bie  ®f)efrau 
für  befugt  erflärt  wirb,  biö  ju  einem  gcmiffen  ®elb^  ober  2Bertf|betrage  über 
i^r  unb  i^reö  ©^emanneö  35ermogcn  ju  verfügen,  wirb  bagegen  baö  SSerljältnife 
i>on  ber  neueren  2^l)eorie  unb  ^ßrajiö  unb  ben  neueren  ©efegen  regelmäßig  fo 
öufS^föfet,  ba§  bie  uon  ber  ®l^efrau  innerfialb  il^reö  fiäuölid^en  aSBirfungötreifeö 
getroffenen  SSerfügungen  unb  eingegangenen  aSerbinbUd^feiten  für  ben  ®f|emann 
binbenb  finb  (oergl.  ©euffert  V,  29,  XIV,  98,  XXXIX,  22 ;  Urt^.  b.  SR.  ®. 
bei  ©rud&ot  XXVI  ©.  1003;  preui  21.  S.  SR.  II,  1  §§  321—324,  328,  389; 
©efetreo.,  «ßenf.  XV  §§  243  ff.  nebft  SRot.  6.  204  ff.;  fäd&f.  ®.  93.  §§  1645, 
1699;  olbenb.  ®ef.  v.  24.  2IpriI  1873  2lrt.  4).  pr  bieienigen  SRed^tc,  meiere 
baoon  auögel^en,  bafe  bie  ©l^efrau  regelmäßig  in  iljrer  ®ef^äftöfät)igfeit 
befc^anft  ift  unb  o^ne  ©inroilligung  beö  ©fiemanneö  SRed)tögefd&äfte  mirffam 
nid^t  abfd&Iicßen  fann,  begrünbet  baö  fiier  fraglid^e  SRe^t  ber  ®bcftau  (fog. 
S<!&IüffeIgeioaIt)  eine  2luönal|me  von  jener  SRegel,  unb  roirb  baöfelbe  bal^er 
Wöweilcn  aud^  in  biefem  Sufammenfiange  be^anbelt.  gür  ben  (Sntrourf  fommt 
bicfe  6eite  ber  ©od^e  nid^t  in  33etrad^t.  SSom  ©tanbpunfte  beö  ©ntrourfeö 
auö  Regt  boö  ©d^roergeroid^t  beö  SRed^tcö  ber  ©d^Iüffelgemalt  in  ber  bamlt 
wrbunbencn  gefe|Iid()en  SSertretungömac^t,  fraft  meld^er  bie  ®]^efrau,  roeil  nid^t  ajertmung«* 
fie,  fonbern  ber  (Seemann  bie  efielid^en  Saften  ju  tragen  ^at,  Innerl^alb  it)reö  *"''**• 
^duöK^en  SBRirfungötreifeö  im  9tamen  beö  ®]^emanneö  über  beffen  SScrmögen 
JU  Berfugen  unb  i^n  burd^  9ied^tögefd^äfte  ju  üerpffid^ten  befiigt   ift.    2luö 


n 


118  ©irfunoert  fccc  (S^c.    ©(^lüffclgctrart  bcr  ß^efrau.    §  1278. 

bicfer  aScrtrctungömod^t  in  aScrbinbung  mit  bem  im  ©cfefebuc^c  anertanntcn 
©runbfafee,  ba§  in  ©rmanflclung  einer  entgegenftel^enben  Seftimmung  ber 
aSertrcter  eines  9lnberen  ate  fol^er  mit  [xä)  felbft  fontrafjiren  fonn  (ocrgL 
§  45  ©a^  I,  §  805  Slbf.  2,  §  1651  S«r.  1),  folgt  weiter  t)on  felbft,  bafe  bie 
©i^efrau  als  SBertreter  bed  ©^emanneö  innerhalb  i^reö  l^auölid^en  SBirfungd* 
Jreifeö  bie  jur  33erfügung  über  ©l^egut  crforberlid^c  ®inroiUigung  beö  &)tf 
manneö  (§  1300)  fid^  felbft  ju  ertl^cilen  bered^tigt  ift.  S)ie  Seftimmung  beö 
2lbf.  1  geirä^rt  aber  ber  ®f|cfrau  nic^t  nur  baö  SHed^t,  innerhalb  bcr 
bejeid^neten  (Srenjen  bcn  ®^emann  ju  vertreten,  fonbern  aud^  baö  SRed^t, 
innerhalb  Jener  ©renjen,  wie  ein  33eauftragter,  bie  Oefd^äfte  beö  ß^emonncs 
für  biefen  ju  besorgen  (t)erg(.  §  585).  ©ic  fann  mit(;in  geeignetenfoUd  aud^ 
in  eigenem  Flamen  für  Sled^nung  beö  (S^emanneä  l^anbeln,  in  ber  3lrt,  bo§ 
nid^t  ber  (entere,  fonbern  fie  felbft  auö  bem  betreffenben  Sied^tögefd^äfte  bered&tigt 
unb  t)crpflid&tct  wirb,  fie  aber  üon  bem  ©bemanne  verlangen  tann,  bafe  er  fie 
üon  ber  SSerbinbUd^feit  befreie.  6ö  ift  benfbar,  baj3  ber  dritte  ein  3;nterejfe 
boron  Ijot,  nid)t  bem  6l;emanne,  fonbern  ber  ©^efrau  ju  frebitircn,  unb  cd 
fe^tt  an  einem  QUöreid^cnbcn  Orunbc,  ber  (S^efrau  bie  2ÄögIidE|feit  absufd^ncibcn, 
in  bcr  bejeid&ncten  3lrt  fid^  perfönlid^  ju  t)erpflid^ten. 
öebietbcr  2)er  Ärciä,  inncrfialb  beffen  bie  (5()efrau  bered^tigt  fein  foU,  bie  Oe* 

^ßewiu!  fd^öfte  beö  ©^cmanneö  für  biefen  ju  bcforgcn  imb  ben  lefetercn  ju  oer- 
treten,  lä§t  fid^  nur  im  SlUgemcinen ,  unb  jmar  in  9(nle^nung  an  bcn 
©runbfag  beö  §  1275  3lbf.  1  am  jutrcffenbften  burdfi  33e5ugna^me  auf  bcn 
^äuölidöcu  Söirtungöfreiö  ber  (5l;efrau  beftimmen.  2)ie  in  ben  neueren  ©efe^en 
mciftcuö  fid^  finbenbe  Scjugnal^me  auf  t)m  ^auö^alt  fann  alö  oöKig  jutreffenb 
nid^t  erad^tet  roerben.  2)ie  (St)efrau  mu§  tmd^  bem  Icitenben  ©efid^töpunttc, 
auf  mclc^em  baö  9led)t  ber  Sd^Iüffelgeiüalt  berul)t,  nid^t  nur  fold^e  iWed^tö^ 
gefd^äfte,  meldte  fid)  auf  ben  §auöl)aU  bcäicl^en,  fonbern  oud^  anberc  5ur 
S3eftreitung  ber  el^eüd^cn  Saften  bicncnbe  3?ed)tögcfd^äfte,  j.  83.  fold^e,  meldte 
bie  3lnfd&affung  bcr  notf)menbigen  Kleibung  für  fid)  unb  bie  Äinber  unb  bie 
©rjiebung  bcr  Icgtercn  betreffen,  ju  fd&Iiefecn  befugt  fein.  3I]ibercrfeitö  ift  fie 
aber  audfi  nid^t  alle  SJed^tögefc^äfte  bicfer  3lrt  ju  fd&Ucfecn  bered&tigt.  Xic 
tegtcrcn  muffen  inner()alb  beöicnigcn  ftreifcö  liegen,  mcldjcr  burdd  bie  fojialcn 
SSer^ältniffc  ber  ©Regatten  unb  burd^  bie  Sitte  beftimmt  mirb.  ©egenüber  bem 
©ritten  fann  eö  babei  aber  felbftuerftänblid^  nur  barauf  anfommen,  ob  baö 
9icd)tögefdöäft  innerf)alb  bcö  fo  bcgrenjten  Äreifcö  liegt,  nid^t  aud^  barauf,  ob 
baöfclbe  im  einjelnen  gaUc  jur  Scfricbigung  cineö  Sebürfniffcö  notbroenbig 
gemefen  ift.  9luS  ber  Scjugna^me  auf  ben  bäuölid^en  SBirfungöfrciö  in  SBcrs^ 
binbung  mit  bcr  ratio  bcö  ©cfcgcö  mirb  fid^  aud&  üon  felbft  ergeben,  inroiemcit 
baö  l)icr  fraglid^c  SHed^t  ber  ©b^f^au  aud&  bann  juftcbt,  rocnn  bie  b^wölic^c 
©cmcinfdjaft  ber  ©begatten  aufgcbobcn  ift  (ücrgl.  fäd)f.  ©.  33.  §  1756).  3br 
unter  bicfer  SJorauöfc^ung  baö  3flcc^t  allgemein  ju  nerfagen,  mürbe  namentli^ 
im  ^inblicfe  «auf  fold^e  ^älle  bebcnflid^  fciji,  in  welchen  bcr  ©licmann  fi^ 
entfernt  bat. 
«ittDcnbunvj  2a§  nad)  3lbf.  1  Sag  2  bie  aSorfdfiriftcn  ber  §§  591—595,  603  ouf 

ft^riftcn  Tiber  ^^^  ^Bcrbättnife  bcr  ©begatten  untcreinanber  in  bcr  tjicr  fraglidEjcn  ^infi^t 
«uftrafl.    cntfpredjcnbc  9lnit)cnbung  finbcn  follcji,  rcdjtfcrtigt  fic^  burd)  bie  Slnalogic. 


Sßirfunöcii  bcr  Sfc.    sSiftlüffclöenjaft  bcc  Srjcfrau.    §  1278.  119 

Snlongcnb  iiiöbcfoubcrc  bie  für  entfprcd^cnb  anroenbbar  crflärte  Scftimmung 
bcÄ  §591  ©06  2,  [o  toivb  eö  oon  beu  Umftänbcn  beö  einjelnen  gallcö  unb 
bcr  Sitte  abi)&nqtn,  ob  unb  inroicroeit  bcr  ©^emann  üon  ber  ©^efrau  bic 
Segung  einer  3le^nung  im  Sinne  iener  93eftimmung  verlangen  fann.  2)aö 
Sec^t  beö  ß^cmanncö  auf  SHed^nungßlegung  gänjlic^  ju  uemeiueu,  ift  nid&t 
ate  angeme{)en  erad^tet. 

S)ic  meiften  neueren  ©cfc^e  (oergl.  oben  S.  117)  beftimmen  fd^Ied^tl^in,  «erct^tiflima 
büft  aus  ben  üon  ber  ©l^efrau  auf  ®runb  i^rer  Sd&Iüffelgeroalt  gefd^lofjenen  "ung  bc^e&c* 
Sec^tögefd^äften   nid^t    fie,   fonbem   nur    ber  Ehemann    uerpflid^tet    werbe.    *""""**• 
3nbeffen  ge^t  ber  Sinn  biefcr  Seftimmungen  rool^t  nur  bal^in,  ba§  in  ©r* 
mongelung  eine«  anbermeiten,  fei  eö  auöbrüdElid^  auögcfprocbenen  ober  aus  ben 
Umftänben  ju  entne^menben  SBiUenä  ber  Äontra()enten  angenommen  werben 
foü,  bafe  bie  ^ier  fraglid^en  Sleci&tögefd^äfte  t)on  ber  ©l^efrau  nid^t  in  eigenem 
Flamen,  fonbem  im  Flamen  beö  ©i^emanneö  abgefd^lofjen  feien.  3)ie  3lufftcUung 
einer  fold&en,  ben  realen  SBerl^äItnif[en  in  ben  meiften  g-ällen  entfpred)enben 
unb  bie  G^efrau  gegen  materiell  ungered&te  ober  bod^  unbillige  9lnfprüd^e 
fd^üfenben   3(uölegungöregcl   (Slbf.  2)    ift    wegen    i^rer   großen    praftifd&en 
ffiic^tigfcit  trog  ber  ^Borfd^rift  beö  §  116  3lbf.  1  ©afe  2  nid)t  ju  entbel^ren, 
jumal  eö  gcrabc  in  ben  ^ier  fragüd^en  gättcn  regelmäßig  an  befonberen 
Umftänben  fel)lt,  welche  ergeben,  bafe  baö  SMed^tögefd^äft  nad)  bem  SSillcn  ber 
^nbelnben  im  3Jamen  beö  @l)emanneö  oorgenommen  roerbcn  follte. 

Xa  ba^  im  Slbf.  1  bejcid^ncte  -Hed&t  ber  ß^efrau  in  bem  i^r  burd)  »cfc^rantunu 
ben  §  1275  3lbf.  1  beigelegten  Siedete,  bem  gemeinfdfiaftlic^en  ^auömefcn  gntju^una 
wrjuftc^en,  feine  ©runblage  l^at,  bicfeö  tc^terc  Sicd&t  aber  infofern  ein  be^  »>«'  Gm\^cu 
ft^ränfteö  ift,  alö  bem  ©bemanne  bei  3)leinungöt)erfd^ieben^eiten  bie  ®nt?  ^"^^^  ' 
fc^eibung  nad^  SKafegabc  beö  §  1273  jufte^t,  fo  mu§  bem  ©bemanne  aud^  bie 
öefugniß  eingeräumt  werben,  baö  im  9lbf.  1  bejeid^nete  3?edE|t  ber  ©tiefrau 
}u  befd^ränten,  nad&  Umftänben  felbft  eö  it)r  ooUftänbig  5U  entjie^en. 
Änbererfeitö  ift  eö  jum  Sd&u^e  ber  ©f)efrau  gegen  SBilltür  beö  ©bemanneö 
geboten  unb  entfpric^t  eö  bem  §  1275  3lbf.  1  in  SSerbinbung  mit  bem  §  1273 
3bf.  2,  ber  ©^efrau  bic  Sefugnife  oorjube^alten,  bie  ^erfteUung  beö  c^eticben 
Öebenfi  ju  Derlangen,  wenn  bie  33efd&ränfung  ober  ©ntjieljung  beö  im  3lbf.  1 
b^^neten  Slec^teö  fic^  alö  ein  äJligbraud^  beö  9ied)teö  beö  ©liemanneö 
borfteüt.  3lad(>  bem  in  ber  2(nm.  ju  §  1276  mitgeteilten  neuen  §  774  9lbf.  2 
ber  6.  %  C  gewährt  biefe  ©efugnife  ber  ©^efrau  infofern  allerbingö  nur 
einen  unooUfommenen  Sd^ufe  gegen  mifebräud&lidjc  ©ntjiebujig  ober  S3e^ 
fc^ränfung  i^reö  SRed^teö,  alö  bie  ^erfteltung  beö  etielid^en  Sebenö  nid)t  er? 
jiDungen  werben  fann  unb  ber  ©(lefrau  geeignetenfallö  alö  äufeerfteö  lUittel  nur 
bttö  3led&t  bcr  Sd^eibung  (§§  1444,  1445)  bleibt.  %\id)  ucrfagt  bic  Älage  auf 
©erftellung  beö  c^elid^en  Sebenö  in  fold^en  fällen,  in  weld^en  ber  gefefelidjc 
Vertreter  beö  ©^emanneö  baö  Ijier  fraglidje  dicä)t  ber  ©l;efrau  bcfd)räntt  ober 
entjogen  l|ot,  waö  in  ©rmangelung  einer  entgegenftcl^enben  33eftimmung  im 
Öinblirfe  barauf,  bafe  eö  fic^  ijkx  wefentlid^  um  ein  T)ermögenörecetlidecö  SBer- 
Wtni§  Rubelt,  alö  juläffig  ju  erad^ten  ift  unb  aud)  im  Snteretfe  beö  ©lie? 
manneö  burc^  pofitioe  SBorfd^rift  nid^t  auögcfd^loffen  werben  barf.  ^nbeffen 
rei^  biefe  Sebenfen  nid^t  auö,  t)on  bem  '^rijiiipe  beö  neuen  §  774  2lbf.  2 


120       aBirfungen  bcc  (ä^e.    Oeocnf.  Sßertretimg  ber  (gj^eßatten.    (§  1278,) 

ber  S.  ^.  D.  in  bem  liier  fraglid^cn  gaUc  abjuroeid^en  unb  bcr  ®f|cfrau  bic 
aRöglid^feit  ju  gcroäl^rcn,  gegenüber  bem  ©fjcmanne  baß  im  9lbf.  1  bcö  §  1278 
beseid^nete  3?ed^t  ju  crjTOingen.  3m  ©egentl^eil  tft  eine  fold&e  Siegelung  megen 
bcr  bamit  für  ben  ®f)emQnn  ocrbunbenen  Oefal^ren  in  l^ofiem  Orabe  bcbenHid^ 
unb  um  fo  roentger  angezeigt,  als  bcr  (Stanbpunft  beß  ©ntourfcö,  rocnigftenö 
t)om)iegenb,  bem  geltenbcn  SRcd^tc,  inöbefonbere  bem  fäd^f.  ®.  33.  §  1645  unb 
naä)  ber  in  ber  S)oftrin  vertretenen  Sluffaffung  aud^  bem  preufe.  91.  S.  SR.  II,  1 
§  323  (t)ergL  ferner  olbenb.  ®ef.  v.  24.  9Ipril  1873  STrt.  4)  entfpric^t.  ®egen 
mifebräud^lid^e  S3efdE|ränfung  ober  ®ntjief)ung  bcö  ^icr  fragttd^en  Slcd^tcö  üon 
Seiten  bcö  gefcglic^en  aSertretcrä  beö  ©^cmanncs  mirb  bic  G^efrau  burc^  bic 
Seftimmungen  bcö  3Sormunbfd^aftgred^teö  über  bic  Scfugnife  bcö  SBormunb^ 
fc^aftögcricbteö,  bei  ^ßfüd^traibrigfciten  bcö  SSormunbeö  einjufd^reiten  (§§  1684, 
1705  3^r.  1),  in  genügenbcr  SBeifc  gefd^ü^t. 
ec^u«  bed  3)ic  jum  ©d|uge  bcö  guten  ©laubenß  dritter  biencnbe  Seftimmung 

benr©rt«"r.  ^^ö  9lbf,  4  berul)t  auf  äfinlid^en  ©rmägungen,  wie  bicjenigcn,  wcld^e  ju 
bcr  Seftimmung  bcö  §  1336  geführt  l^obcn  (oergl.  bic  3Rotit)c  ju  §  1336 ;  femer 
bic  §§  120, 121).  3tud^  bic  neueren  (Scfcfcgebungen  (ncrgl.  preug.  31.  S.  k.  II,  1 
§  323;  föd&f.  ®.  93.  §  1645;  olbenb.  ®cf.  t).  24.  9lpri(  1873  9lrt.  4)  fmb  beftrebt, 
ben  guten  ®lauben  dritter  jU  fd^ügen,  inbem  fie  5ffentlid)e  95cfanntmad&ung 
einer  T)on  bem  ©liemannc  auägel^enben  ®ntjiel^ung  ober  Sefd^rönfung  bcö 
SRed^tcö  ber  ®f)efrQU  üorfd^rcibcn  bejro.  beftimmcn  bafe  eine  fold^e  ©ntjiel^ung 
ober  93ef(^ränfung  gegenüber  einem  ©ritten  nur  bann  ve6)Ü\6)t  SBirfung  l^at, 
wenn  fie  bem  Icgteren  jur  Qtxt  ber  35ornal^me  bcö  Slcd^tsgefd^äfteö  befannt 
gcTOcfen  ift. 

9i  n  ^  a  n  i 

m  §  1278. 
©egcnfcitige  SSertretung  ber  ©ficgattcn  in  93el^inberungöfällen. 

S)er  ©ntrourf  entl^ält  feine  33eftimmung,  bafe  bcr  6l;cmann  bic  ®\)e^ 
frau  äu  vertreten  bered^tigt  unb  vcrpflid^tet  fei  (oergl.  preufe.  31.  S.  dt.  II,  1 
§§  188—191;  ®efcferet).,  5ßcnf.  XV  §  135).  ©afe  ber  (Seemann  gegenüber 
ber  g^efrau  bercd^tigt  unb  verpflid^tet  ift,  fie  ju  befd^ügen,  ju  oert^eibigen 
unb  il)r  in  allen  Slngelegcnl^eitcn  beijuftel^en,  ergiebt  fld^  auö  bem  ©runbfa^c 
beö  §  1272.  3)en  ©l^cmann  aber  burd^  baö  ®efe6  ju  ermäd^tigen,  bie  ®^efrau 
in  bcren  3[ngelegenfieiten  allgemein  ju  vertreten,  mürbe  fid&  nur  bann  rcd^t^ 
fertigen  laffen,  xotnn  bic  ©licfrau  in  bcr  ®efd^äftöfäl|igfeit  bcfd^ränft  märe. 
Slbgefei^en  von  ben  aus  bem  cl^elid^en  ®üterred^te  fid^  ergebenben  befonbercn 
Seftimmungen  (vcrgl.  §§  1318,  1319,  1352,  1353,  1417,  1431),  bebarf  bal^er 
ber  ®l)emann,  um  im  3^amen  ber  (g^efrau  roirffam  fianbcln  jU  fönnen,  einer 
SSoHmad^t  ber  te^teren,  mie  anbererfeitö  bic  ß^efrau  einer  SBoUmad^t  bcö  ®l^e* 
manncö  bebarf,  um  biefen  in  feinen  9lngelcgcnl^citen  vertreten  ju  fönnen.  ®inc 
Sluönal^mc  von  biefcm  ®runbfa6e  ift  in  bem  ©ntmurfe  auc^  für  fotd^c  göDe 
nid^t  gemadjt,  in  meldten  einer  bcr  ©Regatten  in  golge  von  Äranf^eit  ober 
Slbmcfenl^eit  aufeer  ©tanbc  ift,  feine  3lngelegenf)citen  fclbft  mal^rjunel^mcn.  3)ie 
befte^enben  Slcc&te  cntljalten  allerbingö  fiäufig  im  Slnfd&lujfc  an  baö  i^nen  ju 


SBirfungm  bcr  SJe.    Haftung  tregen  gal^rlaffigfeit.    §  1279.  121 

©runbe  licgcnbc  c^cHd&c  ©üterred&t  33eftimmungcn,  hwtä)  rocld^c  balb  in 
gr6§ercm,  balb  in  geringerem  Umfange  bie  Sefugnife  ber  ®l^efrau,  bei  93es 
^inbening  be3  (S^emanned  an  beffen  SteQe  bie  %em)altung  bed  SSermögend 
}u  übeme^en,  anerfannt  wirb,  roä^renb  in  älnfe^ung  bcö  ©l^emanneö  bie 
bemfelben  aud^  o^ne  aSoraußfeftung  einer  Se^inberung  bcr  ©l^efrau  fraft  bcr 
e^B(^en  98ormunbfd^aft  ober  bcö  gefcfelid^cn  Oüterrcd^teö  juftel^enben  SSer^^ 
waltungfired^tc  al&  gcnügenb  erad&tet  werben.  Snöbefonbere  gewährt  auc^  baö 
preufe.  a.  S.  91.  II,  1  §§  202—204,  326—328  ber  ©l^efrau  in  geroiffem 
Umfange  boö  SReci^t,  bei  Sel^inberung  bt^i  ©^emanneß  bzn  legieren  in  beffen 
Sermogensongclegenl^eitcn  ju  oertreten.  ®ö  (äfet  fid^  nid^t  t)crfennen,  bafe 
biefen  Scfttmmungcn  ein  natürtid^er,  in  bem  burd^  bie  ®öe  begrünbeten  per^ 
fonIi(!^en  SSer^ältniffe  unter  ben  ©l^cgatten  rourjelnber  (Sebanfe  ju  (Srunbe 
liegt,  ein  ©ebonfe,  TOctd&er,  fonfcquent  burdbgefül^rt,  t)orbe^altlid^  ber  Stuö^ 
geftaltung  im  (Siniclnen,  ju  ber  allgemeinen  Scftimmung  fül(irt,  ba%  im  galle 
ber  Se^inberung  eincö  ©i^cgatten  burd&  ftranf^eit  ober  Silbroefen^eit  bcr  anbere 
(Statte,  foroeit  erforbertid^,  für  ben  crfteren  befjen  Ocfd^äfte  ju  beforgen  unb 
i^n  )u  vertreten  bered&tigt  unb  oerpflid^tet  fei.  3nbeffen  finb  bie  gegen  bie 
aufnähme  einer  folgen  Seftimmung  fpred^enben  ©rünbe  alö  übenoiegenb 
frontet.  Site  gefeglid^e  Siegel  ift  bie  S^nerfennung  ber  aSertretungöbefugnife 
befi  einen  ober  anberen  ©^egotten,  fei  cß  in  größerem  ober  geringcrem  Um? 
föngc,  für  ben  bel^inberten  ®l^egatten  gefä^rlid&  unb  in  üielen  gäUcn  cl^er 
Stoben  a(ß  9lu|en  ju  bringen  geeignet.  3lud&  l^ingefc^en  auf  3)ritte,  giebt 
eine  berartige  Seftimmung  ju  Sebenfen  Slnlafe,  ba  bie  SSoraußfeßungcn  bcr 
Sertretungöbefugnife  ber  9latur  ber  ©ad^e  nad^  unbeftimmt  unb  für  2)ritte 
fc^Toer  erfennbar  ftnb.  SBciter  fommt  in  Setrad^t,  ba^  in  benjenigen  Slcd^tß? 
gebieten,  in  meldten  berartige  Seftimmungen  gcgenmdrtig  feilten,  bcr  SKangcl 
berfelben  ftd^  in  ber  ^ßrayiß  nid^t  fül^lbar  gemad^t  l^at.  ®cm  SebürfniRc  mirb 
bvxät  bie  »orfd^riftcn  über  bie  Oefd^äftßfü^rung  oline  ätuftrag  (§§  749  ff.)  unb 
über  bie  ungered)tfertigte  Sereid^erung  (§§  742—744,  748),  foroie  burd^  bie  33e* 
ftimmungen  bcß  SSormunbfd^aftßred^teß  über  bie  (Srünbe,  auß  bencn  eine  aSor^: 
tnunbfi^ft  ober  eine  5ßflegf^aft  eingeleitet  merbcn  lann  (§§  1633, 1726, 1727, 
1737,  1738—1740),  Tocnigftcnß  für  bie  grofee  3Jlcf)rjal|l  bcr  gälle,  in  auß=^ 
reic^enber  SQBcife  SRedbnung  getragen.  3m  e^clid^e]i  (Süterrcd&te  (§§  1306, 1358, 
1417,  1431)  ift  ferner  SSorforge  getroffen,  ba^  bie  ß^efrau  über  il^r  ®l)cgut 
0^  ©inroiHigung  beß  (S^emanneß  ju  ucrfügcn  bcjro.  bei  ber  (Sütergcmcinfd^aft 
in  anfe^ung  folc^er  Slcd&tßgefd^äfte  unb  Slc^tßftreitigfeiten,  meldte  auf  baß 
<?cfammtgut  fid^  begießen,  ben  ®^emann  ju  ücrtrcten  berechtigt  ift,  wenn  ber 
e^ann  megen  Slbmefcnficit  ober  Äranf^eit  bie  ©inroilligung  ju  crtl^citen 
bejn).  bie  baß  (Scfammtgut  betreffenbcn  9lngclegcnl^eitcn  fclbft  mal^rjunelimen 
ou§er  ©tanbe  unb  ©efal^r  im  SSerjuge  ift. 

§  1279. 

3)ic  Seftimmungcn  beß  §  1279  (oergl.  baju  §  145)  rcdjtfcrtigen  fid^  ^öttung 
bim^  bie  befonbere  S«atur  beß  el^elid&en  SSerl^ältniffeß  unb  ber  auf  bem  tcfeteren  ""l^^^l 
beru^nben  T)ermögenßred^tli(§en  Sejiel^ungen  bcr  (Sl^cgatten  unter  einanber; 


} 


122  Söirfimoen  bcc  ei&c.    Untcr^altgpfli^t  bcö  ßfecmannct^    §  1280. 

fie  entfprcd^cn,  fooiel  indbcfonbcrc  baß  ÜJiafe  bcr  Haftung  beö  G^cmanncö  bei 
©rfüDung  bcr  il^m  in  golgc  beö  gcfcfcli^en  Oütcrftanbc«  bcr  e^clid&cn  3iui^ 
niefeung  unb  SBcrwaltung  (§  1283)  obliegcnben  aSerpflid&tungcn  betrifft,  bcrjenigcn 
Sluffafjung,  roetd^e  im  3lnf(i^luffc  an  bic  Seftimmungcn  beö  röm.  JRcci^tcö  über 
bic  Jicftitution  bcr  dos  aud^  für  ba^  neuere  beutfd^e  e^cU^c  (Sütcrred^t  bic 
j^crrfd^cnbc  geworben  ift,  foroie  bem  fäd&f.  ®.  Ö.  §  1655  unb  bem  olbenb.  ®cf. 
p.  24.  Slpril  1873  3lrt.  13  (oergl.  ferner  roürttemb.  (gntro.  §  67).  6in  genügcnber 
Orunb,  naö)  bem  Sßorgangc  beö  preufe.  2(.  S.  SR.  II,  1  §§  554,  555,  561,  595 
tjcrb.  mit  I,  21  §  132  bic  i^aftung  beö  ©fjemanneö  je  naä)  ben  ücrfd)iebenen 
39cftanbtl)eilcn  beö  SSermögenö  bcr  ©t)cfrau  pcrfd^icbcn  ju  beftimmcn  unb  nur 
in  Setreff  bcr  ilapitalien  bic  5ßcrfönlic^fcit  beö  6f)cmanncd  ju  berücfjid^tigen 
ober  mä)  bem  aSorgangc  beö  lübccf.  ®ef.  o.  10.  gcbruar  1862  3lrt.  4  ben  ß^c^^ 
mann  nur  für  grobe  ^ai^rläfftgfcit  haften  ju  laffen,  liegt  nid^t  üor.  Slnberer« 
feitd  mufe  bcr  Oefic^töpunft,  auf  rocld^cm  bic  befc^ränftcre  Haftung  beö  @f)^ 
manncö  bei  bem  gefcfeUd^cn  e^elid^en  ®ütcrred&tc  beruht,  ba^in  führen,  eine  glcid^c 
Scfdjränfung  bcr  Haftung  aud^  ju  ©unften  bcr  ß^efrou,  foroic  t)orbe^aItIid& 
bcr  bei  bcr  ©ütcrgcmcinfd^aft  rocgen  bcr  »Haftung  beö  ©bcntanncö  geltenben  be* 
fonbcren  33cftimmungen  bcr  §§  1364,  1417,  1431,  in  2tnfe^ung  bcr  einem  ®^e^ 
gatten  in  g-olge  beö  ©crtragömöfeigen  cficlid^cn  ©ütcrrcd^tcä  ober  auf  (Srunb 
beö  §  1278  obliegcnben  SScrpflid^tungcn  eintreten  ju  laffen.  ^Dagegen  empfiehlt 
cö  [xä)  nid^t,  bic  bcfdfiränftc  »Haftpflicht  bcr  ®l)cgatten  nad&  ÜBafegabc  beö  §  145 
in  3lnlcbnung  an  baß  olbenb.  ®cf.  x>.  24.  3lpril  1873  ä[rt.  34  aud&  auf  anbere 
nur  in  S?eronlaffung  bcr  ®l^c,  inöbcfonbcrc  burd^  9luftrag  ober  ©efd^äftdfül^ruug 
ol^ne  ätuftrag,  unter  ben  ©Regatten  bcgrünbctc  ocrmögcnörcc^tlid^e  aSerbältniffc 
außjubc^nen,  ba  eine  Slußbcbnung  bcr  l^icr  fraglid^cn  ^aftpflid^t  roegen  bcr 
bamit  Dcrbunbencn  Sd^roierigfeit,  im  cinjclncn  gaUc  fcft}uftelten,  ob  bcr  93er^ 
pflict)tctc  biejenigc  Sorgfalt  angeroenbct  f)at,  meldte  er  in  eigenen  Slngclegcm 
Ijcitcn  an5umcnben  pflegt,  an  fid)  feine  Segünftigung  ücrbicnt  unb  aud^  ba^ 
gettcnbe  3?ed)t  —  abgefe^cn  uon  bem  olbenb.  ®cf.  —  )o  locit  nid&t  gebt. 
Sclbftoerftänblid)  finbet  übrigcnß  bic  $8orfd^rift  beß  §  1279  aud&  ouf  bic  auö 
§  1340  fid)  ergcbcnbcn  aScrpPid^tungcn  beß  ®^cmanneö  Slnmcnbung,  ba  eß  fic§ 
im  §  1340  um  eine  33orfd^rift  beß  cl)clid^en  ©ütcrrcd^tcß,  unb  jroor  beß  vex^ 
tragßmä6igen  ®üterftanbeß  bcr  J^rennung  bcr  ®üter,  ^anbclt.  Slud^  nad& 
gemeinem  Siedete  gelten  in  3lnfcl)ung  beß  bem  ©bemanne  jur  SScrroaltung 
übcrlaffcncn  ^>ßarap^ernalocrm5gcnß  biefclbcn  ®runb)ä6e  megen  bcr  Haftung 
beß  @l)emanncß,  mic  bei  bcr  dos;  cbenfo  ftcHt  baß  preufe.  3t.  2.  SR.  ir,  1  §  547 
in  biefer  ^infic^t  baß  oorbcbaltcne  SJermogen  bcr  ®^cfrau  bem  cingebra^ten 
SScrmögcn  ber  Icgtcrcn  glcid^. 


g 


1280. 


untcröaito.  2)cr  §  1280  rcgclt  bic  Untert)altßpflid^t  beß  S^cmanneß  gegenüber  ber 

Äanncö  ©^^frau.    Db  unb  iniüicmcit  ber  (Seemann  auf  ®runb  bcr  il^m  gegenüber  bcr 

Gegenüber  ber  ©fjefrau  obUcgcnbcn  Untcr^attßpflid^t  pon  ©ritten  unmittelbar  in  3lnfprud& 

*^*'^""'    genommen   roerben   fann,    rid^tet   fid)    nadfi   ben    allgemeinen   ®runbfäfecn, 

nomentlidj  ben  aSorfd^riften  über  bic  ®cfd^äftöfül)rung  o^ne  Sluftrag  (r»ergl. 


SBIrfungcn  bcr  (Sfc.    Hntcrl)altöpfli(fet  beß  (ätcmanneÄ.    §  1280.  123 

§§  749  ffv  indbef.  §  755  ©afe  2)  unb,  foroeit  ba&  Siecht  öffcntlid^er  »e^Brbcn 
unb  Scrbonbc,  bcn  ß^cmonn  unmittelbar  in  Slnfprud^  ju  nehmen,  in  grage 
fte^t,  nacb  bcn  bctrcffenbcn  Scftimmungcn  bcö  öffentlid&cn  SRcd^tcö,  tücld&e  in 
bicfcr  öinjicbt  unberülirt  bleiben. 

3)a6  ber  g^emann  gegenüber  bcr  ß^efrau  tjcrpftid^tet  ift,  biefer  ben  feiner  ®«^*^*J"« 
SebenöfieUung,  feinem  SSermogcn  unb  feiner  @rn)erböfäl)igteit  entfpred^cnben  gemeinen. 
UntcrboU  in  bcr  burd)  bic  etjelid^e  Sebenögemeinfd^aft  gebotenen  SBeifc  ju 
gcioäbrcn,  folgt  aus  bem  Orunbfa^e,  ba§  ber  (Sf)emann  bie  elietid^en  Saften 
SU  tragen  ^ai,  foroie  auö  bem  SBcfen  beö  el^clidien  S3crt)ältniffeä  unb  ftel)t  ber 
Sa^c  mä)  mit  bem  gemeinen  SWed^te  unb  ben  neueren  ©efcfegebungen  im 
einöange  (oergl.  Scuffert  XLII,  306;  preug.  91.  S.  91.  II,  1  §§185,  186; 
code  civü  art.  214;  fäd^f.  ®.  33.  §  1634;  olbenb.  ®ef.  t).  24.  3lpril  1873  3lrl.  3). 
Son  bcr  gcfc|Ucl&cn  Unterl)alt8pp[id&t  ber  aSerroanbtcn  unterf^eibet  bic  Untcr^^ 
^ItöpfUcbt  beö  (Sficmanneö  gegenüber  bcr  ®f)cfrau  fidi  junädift  baburd),  bafe 
fte  rMjt  brtri)  ine  »ebürftigfcit  ber  efiefrau  bebingt  ift  (§  1481),  meil  fie  nid)t 
btöö  auf  bem  unter  ben  G^egattcn  beftcl)cubcn  fittlid^en  SSer^ältnifJc,  fonbern 
Donmcgcnb  auf  ber  ^Pftid^t  beö  Gfiemanncö,  bic  et)elid^en  Saften  ju  tragen, 
berubt  6in  rocitcrer  Unterfd^ieb ,  meld^cr  in  bem  SBefen  bcö  efielid^en  SScr- 
^Itnificö  fid^  grünbet,  befte()t  barin,  bafe  bie  Unterl)a(tßpftic^t  ber  iCerroanbten 
luub  §  1482,  abgcfcl)en  oon  ber  auö  §  1482  9lbf.  2  fid^  crgcbenbcn  aJlobifi^ 
fation,  nur  bann  eintritt,  rocnn  unb  foroeit  berj[enige,  gegen  roeldjcn  ber  Unter:^ 
^tßanfpTird)  geltenb  gemad^t  wirb,  bei  33erüdEfid^ligung  feiner  anberrociten 
Serpfli^tungcn  im  Staube  ift,  bcn  Untcrfialt  ol^ne  S3eeinträdf)tigung  fcineö 
eigenen  ftanbeömffßigen  Uuterbaltcö  jU  geraälircn,  möljrenb  ber  ß()cmann  feinen 
Unterbau  für  fic^  fclbft  üorab  ju  nehmen  nid^t  bcrcd)tigt  ift.  ©eine  SSer^ 
pf[i(^tung  gebt  jmar  ebcnfallö  nid^t  loeiter,  alö  feine  Seiftungöf ftf)igf eit ;  aber, 
roos  er  ^ot,  mufe  er,  mag  cö  nun  für  ben  beiberfcitigen  ftanbeömäfeigcn  ober 
nur  für  bcn  noti)bürftigcn  Unterl^alt  genügen  ober  fclbft  für  ben  Icgteren  nid^t 
DöUig  auöreid^en,  mit  bcr  G^efrau  tlieilen.  älnbercrfcitö  muß  bie  G^cfrau, 
vDcm  bcr  G^cmann  mie  ein  guter  ^auöDater  imb  gamilicnt)ater,  meld^er  nid^t 
Mos  bcn  9lugcnbli(f,  fonbern  bie  bauernbe  Si^crung  bcr  ©fiftenj  feiner 
Jamilie  im  9lugc  fiat,  l)anbclt  unb  ber  ©f)efrau  ben  einem  fold&en  SSerfa^ren 
entfprecbenben  Unterhalt  geroä^rf,  fid^  bamit  aud^  bann  begnügen,  menn  biefer 
Unterbalt  l^intcr  bem  ftanbcömä^igcn  jurüctbtcibt.  3)erfelbe  ©ebanfc  fd^eint 
aud^  bcn  Scftimmungen  beö  preufe.  31.  S.  $W.  II,  1  §§  185,  186  ju  (Srunbe 
\u  liegen.  95olIftänbig  entfpred^cn  inbeffen  biefe  93eftimmungen  ber  3luffaffung 
bfö  ßntrourfcö  infofern  nic&t,  alö  nad^  bcr  Icßtcren  ber  Q^tmann  anä)  jur 
Senwbrung  bcö  notfjbürftigen  Untcrfialteö  nur  md)  SWafegabc  feiner  Seiftungö^ 
fö^igfeit  pcrpfli^tet  ift  unb  bie  gleid^e  93ered)tiguug  beö  eigenen  Unterl)alteö 
bcö  ßbnnanncö  mit  bem  Unterhalte  bcr  ©fjcfrau  in  ben  Seftimmungen  bcö 
Vtm^  91,  2.  9{.  feinen  gcnügcnbcn  9tuöbrudE  gefunben  l)ai.  Sei  ber  großen 
Serfd&icbenbcit  bcr  cinjclncn  l^ier  in  39etrad&t  fommenben  gällc  cmpficf)lt  eö  fid), 
wn  ieber  ©pejialijtrung  abjufcbcn  unb  nur  bcn  baö  gaujc  SSerbältnife  bc^^ 
fterrfd^enbcn  Orunbfog,  mic  bicö  im  9lbf.  1  gefd^el)cn  ift,  jum  9tuöbrudEe 
w  bringen.  S)ur(§  bzn  ©runbfa^,  ba^  bcr  Untcrbalt  in  ber  burdfi  bic  c^eUdje 
8cben8gemcinf<^aft  gebotenen  SBcifc  ju  gcn)äf)rcn  ift,  beftimmt  fic^  inöbefonbere 


124  SÖirfunoen  bcr  (56e.    UnterJaltSp^id&t  beß  (Seemannes.    §  1280. 

Qud^  bie  9lrt  unb  bie  ^orm,  in  rotl6)tx  bcr  Unterl^alt  gcroal^rt  roerbcn  muß, 

fo  bafe  CS  in  bicfer  ^injtd^t  nö^crer  SBeftimmungen  nad^  SKafegabc  bcö  §  1488 

9Ibf.  1,  2  imb  beö  §  1491  ni^t  beborf.    3m  ©injelncn  ift  nod^  %olitnt>e(i  ju 

bemcrf  cn : 

jiranf^eit».  1.  2)ag  bct  ®^cmann  auf  Orunb  feiner  Untcrl^altöpflid^t  bie  Äranf^eite^ 

unbjjurtoften.  ^^^j^  flurfoftcn  gcgcnüber  ber   ß^efrau  nad^  SKafegabe  beö  9lbf.  1   ju  be^ 

ftreiten  \)ai  (nergl.  preufe.  91.  S.  5R.  II,  1  §  187 ;  fäd)f.  (S.  93.  §  1634),  ift  afe 

felbftoerftänbUdi  }u  erod^ten  unb  brandet  beäl^alb  nid^t  bcfonberö  ^croorge^obcn 

ju  werben. 

Unterst  im  2.  2)00  fäd^f.  @.  ö.  §  1680  bcftimmt,  ba^  ber  burd^  bcn  Untcrfialt  im 

©eföngmife.  Q^fä^g^j^g  ^^\^  jjy^^  jjj^,  SSertbeibigung  ber  ©bcfr^u  ücrurfo^te  Slufroanb  in 

©rmangelung  eigenen  SSermögenö  bcrfelben  ouö  bem  beö  ©bcmonneä  ju  be^ 
jal^ten  ift.  3laä)  ber  2luffaf[ung  beö  ©ntrourfeö  liegt  ein  genügenber  ®runb, 
in  5lnfe^ung  ber  S^ragung  ber  Jloften  bes  Unterbatteö  ber  ®^efrau  in  einem 
®efängnif?e  bie  Unter^altungöpflid^t  beö  ®^emanneö  gegenüber  ber  ©b^frau 
pofitit)  ju  befdfiranfen,  tiid;t  nor.  Snöbefonbere  nermog  ber  ©efid^töpunft,  bafe 
cö  in  biefem  golle  auf  einem  SBerfd^utben  ber  ©befrau  berubt,  wenn  ibr  bcr 
Unterl)alt  nid)t  innerbalb  ber  ^äuöUc^en  (Semeinfd^oft  gen)ä[)rt  roerben  tann, 
unb  ba^  eö  unbillig  gegen  ben  @f|emann  fei,  wenn  berfelbe  in  biefem  gatte 
unbebingt  jur  (Seiüäbrung  beö  Unterfialteö  an  feine  ©b^ftau  -perpflic^tct  fein 
folte,  jumal  ibm  bie  2)icnftleiftungen  ber  (S^i^t\van  in  feinem  ^aufe  urü>  in 
feinem  ©efd)äftc  (§  1275  2Ibf.  2)  entjogen  feien,  eine  Sefd^ränfung  ber  Unter? 
battöpflid^t  beö  @f)emanneö  nid)t  ju  red^tfertigen.  ba  bie  ©ad^lage  in  biefem 
galle  feine  anbere  ift,  mt  in  fold^en  fällen,  in  meldten  bie  ©b^frou  [\ä)  burd^ 
iör  $?erfd&ulbcn  eine  Äranfbeit  jugejogen  Ijat,  meldte  i^re  Sßerpflegung  aufeet:^ 
balb  ber  bciuölid)en  (SJemeinfd)Qft  notlimenbig  mad)t.  2)aö  SBefen  ber  @f)t, 
burcb  meldje  bie  ©b^fl^tten  fic^  für  bie  guten  unb  fd^led^ten  2^age  miteinanber 
ücrbunben  babcn,  unb  bie  Stellung  beö  ©b^ntanneö  in  ber  el)eli(^en  ©emein;? 
fd^aft  bringen  eö  mit  fi^,  bafe  aud)  in  fold^en  gällen  bie  Unterbaltöpftid^t  beö 
©tjemanneö  gegenüber  ber  ©fjefrau  feine  3lenbcrung  erteibetT 
»crt^cibu  3.  3lnbererfeitd  feblt  eö  aber   auc^  an   auöreid^enben  ©rünben,  mit 

flunflMofien.  j^^^  ^»^j  ^  ^    ^.^  Unterl^altöpflid^t  beö  ©fiemanneö  babin  ju   crmeitern, 

bafe  berfelbe  bie  burd^  bie  SSerti^eibigung  ber  ©b^f^^öu  in  einem  Strafuerfal^ren 
T)crurfad^tcji  Äoftcn,  ^u  beren  ©rftattung  fie  ücrpflid^tet  ift,  in  ©rmangelung 
eigenen  33ermögenö  ber  ©l)efrau  auö  eigenen  ÜJlitteln  bejal^lcn  foH.  3"  i^cn 
Soften  bcö  Unter^alteö  finb  begrifflid^  jene  Soften  nid^t  ju  red^nen  (pergl.  bie 
aWotioe  ju  §  1488).  2lud^  fonft  fann  eine  9tcc^töpflic^t  beß  ©^emanneö,  in 
einem  gegen  bie  ©bcfrau  eingeleiteten  ©trafoerfa^ren  für  bie  Seftellung  cineö 
85ertl)eibigerö  auö  eigenen  Sßitteln,  menn  aud^  nur  auöplföroeife,  ju  forgen, 
nid^t  anerfannt  werben.  Ob  eine  fold^e  SBertbcibigung  münfd^enömcrt^  ift, 
läfet  fid^  jubem  objeftiü  unb  allgemein  nid^t  beftimmen;  pielmebr  wirb  cö  bem 
©rmejfen  beö  ©l|cmanncö  ju  überlaffen  fein,  ob  im  einjclnen  gaUc  eine  fittlid^e 
^flidfit  für  if)n  befielet,  für  bie  33ertl^eibigung  ber  ©^efrau  auf  eigene  Äoftcn 
Sorge  ju  tragen  (oergl.  aud^  §  140  ber  Str.  5ß.  D.).  Gin  Sebürfnife,  bie 
Unterl^altöpflid^t  beö  ©bemanneö  in  biefer  ^infid^t  pofitit)  ju  erroeitcm,  ift 
um  fo  roeniger  t)orl)anben,  alö,  wenn  bie  Sßerttieibigung  notl^menbig  ift,  ber 


SBirfungen  ber  ©i^e.    Unter^altßpflid&t  bcö  gfteiuanncÄ.    §  1280.  125 

Siöüt  hux6)  bic  ScftcDung  cincö  aScrtficibigcrö  für  bicfelbe  üon  3lmt§n)egen 
forgt  unb  ber  aCngcftogtc  bic  Äoftcn  ber  SBertl^eibigung  in  biefem  galle  nur, 
loeim  er  t)erurt^eilt  wirb,  ju  tragen  l)at  (§§  140,  141,  150  ber  ©tr.  ^.  D.). 
Jiöfaüf^e  JRücfjxd&ten ,  toelc^e  eö  oUerbingö  lüünfd^cnöroertfi  erfd^eiuen  laffcu 
tmdtn,  bcm  ©bemanne  überhaupt  bie  Äoften  eines  ftrafrcd^ttici&en  SSerfal^renö 
gegen  bie  ©^efrau  jur  Saft  ju  legen  (üergl.  preufe.  31.  S.  dl.  II,  i  §  191), 
tonnen  ^ier  nid^t  audfd^Iaggebenb  fein. 

4.  2lud&  bie  Äoften  eines  t)on  ber  6l)efrau  gefüt)rten  ^rojeffeö  red^net  ber  ^"ic^fopeit. 
ßnliDurf  ni^t  ju  ben  von  bem  ®f|emanne  auf  ®runb  feiner  Unterl^altöpflid^t 

SU  beftreitenben  Roften  bcö  Unter{|a(ted  ber  ©l^efrau.  Segrifflid^  gcfjören  fic 
nic^t  }u  ben  Äoften  beS  Unterfialted  (uergl.  bie  2ÄotiDe  ju  §  1488).  ©benfotüenig 
ijt  in  bem  ©ntrourfe  eine  allgemeine  Sered^tigung  unb  83erpflid)tung  bcö  ®l)e^ 
raannes,  bie  @^efrau  in  il^ren  3lngelegenf)eiten  ju  nertreten  (preu§.  31. 2. 91.  II,  1 
§  188),  anerfannt  (oergl.  oben  bie  aRotine  ©.  120).  2)a  bie  ©Ijefrau  projefjfäliig 
ifl  (§  51  9lbf.  2  ber  S.  %  D.)  unb  ber  Seemann  fic  bafier  an  ber  gül)rung 
wn  $rojcffen  nid&t  l)inbern  fann,  fo  roürbe  eine  93eftimmung,  n)eld)c  i^m  bie 
Verpflichtung  auferlegte,  bie  Äoften  eines  t)on  ber  ©Ijefrau  gefül^rten  9?ed^ts^ 
ftreiteß  bicfer  gegenüber  ju  tragen,  ju  einer  großen  ^örte  gegen  beti  ®f)cmann 
fü^en.  3)ie  abroeic^enben ,  in  i^rer  2;ragn)eite  übrigens  t)iclfad)  beftrittenen 
»orfd^riften  bes  preufe.  91.  S.  91.  n,  1  §§  187—189 ,  meldte  mit  ben  .Scftim* 
mungen  beö  bamaligen  ^rojefered&tes  unb  mit  ben  95eftimmungeu  über  bic 
bef^ränfte  @cfd)äftsfä^igfeit  ber  S^efrau  auf  baö  ®ngfte  jufammenbängcn, 
fonnen  pom  Stanbpunfte  beS  gegenroärtigen  ^rojefercd^tcS  aus  nid)t  mcf;r  als 
Sorbilb  bienen. 

3nroicrocit  ber  ®f)emann  bie  Soften  ber  SScrtlieibigung  ber  G^efrau  in 
einem  gegen  fie  gerichteten  ftrafred^tlid^en  33erfaf)ren  unb  bie  fonftigen  Soften 
bes  leftteren,  fomie  bie  Soften  eines  von  ber  ®l)efrau  gcfül^rten  9iedjtsftreites 
auf  ®runb  bes  c^elid^en  ©üterred&tes  aus  eigenen  aOlitteln  ju  beftreiten  ober 
bod&  bie  Sefricbigung  mcgen  j[ener  Soften  aus  bem  9]crmögen  ber  ©^efrau  ju 
bulben  üerpfri(i)tet  ift,  ergiebt  fid^  aus  ben  befonberen  93cftimmungen  bes  zf)c^ 
li(^n  ©üterre^tes  (nergl.  §  1297  5»r.  5,  6  unb  3lbf.  2,  §§  1311,  1312,  1316, 

1321,  1322,  1359,  1362,  1366,  1367,  1417,  1418,  1423,  1426,  1431). 

5.  Die  im  W)\.  2  beS  §  1280  bcftimmte  cntfpredjenbe  Slnraenbung  ber  «nTOeubuna 
bic  Unterfjoltspflid^t  ber  aSerroanbten  betreff enbeu  33 orf Triften  bes  §  1488  «^^^"^"iiten 
Äbf.  4  unb  ber  §§  1492--1496  red&tfertigt  fid^  bur^  bic  Slnatogic.    3n  allen      über 
biefen  Scjie^ungen  liegt  fein  ®runb  üor,  bic  Unterljaltspflid^t  bes  (Seemannes  "p^'cjjt« 
flegenüber  ber  ®^efrau  anbers  als  bic  ber  SSermanbtcn  ju  bcljanbcln.    3n  «emanbtcn. 
welchem  aScr^ältniffc  ber  Unterl^altsanfprud^  ber  Gl)efrau  }u  bcm  Unterhalts* 
önfprud^e  ber  aSerroanbtcn  bes  ®l^emannes  ftel;t,  ergiebt  fid)  aus  §  1483  3lbf.  2. 
Snroieroeit  bic  Unter^altSpfli^t  bes  ®l^emanncs  ber  Untcrljaltspfli^t  ber  SBcr^ 
roonbten  ber  (S^efrau  t)orgcl)t,  beftimmt  ber  §  1484. 

8D8cgen  ber  SWobififationcn,  meldte  bie  Unterlialtspflidöt  bes  £1;cmanneS 
gegenüber  ber  ®^efrau  erleibet,  wenn  auf  S^rennung  ber  Gl;egatten  üon  Xi]ä) 
unb  SJett  erfannt  ift,  oergl.  §  1460. 


126  Söirfungen  bcr  ®Be.    UnterBattSpflid&t  ber  eßcfmu.    §  1281. 

§  1281. 
untcröoits.  2n  Slnfc^ung  ber  UntcrJ^aUöpffid^t  bcr  6^cfrau  gegenüber  bem  ©|>c^ 

^^^fxm  ntanne  l^crrfd^t  in  ben  beftel^enben  Stcd&ten  feine  Uebereinftimmung.  3!)a« 
^Tbcmannc""  röHi.  Siedet  enthält  nur  bie  JBcftimmung,  bafe  bie  grüd^te  einer  bem  ©bemanne 
beftellten  dos  auci^  bann,  wenn  bie  Icfetere  audna^mSroeifc  fd^on  roö^rcnb 
beftel^enber  6l^e  (bei  3nfoloenj  beS  Seemannes  u.  f.  ro.)  bcr  (S^efrau  aud^ 
geantoortet  werben  tnufe,  jum  Unterl^alte  ber  gamitic  üerroenbet  werben  [oBcn 
(1.  29  Cod.  de  jur.  dot.  5, 12).  3n  ber  gemcinred^tlid^en  5ßrQjiö  wirb  allerbingö 
biöroeilen  eine  TOcilcrgcbenbe  fubfibiäre  Untcrl^altöpjtic^t  ber  (S^efrau  gegenüber 
bem  ©bemanne  angenommen  (oergl.  ©cuffert  XXVII,  267)  unb  oud^  in  ber 
2)oItrin  beö  beutfd^en  9lcd)tcö  finbet  biefe  3Injid^t  fid^  vertreten.  3"  ^iner 
allgemeinen  Slnerfennung  ift  bicfelbe  inbeffen  feineßrocgö  gelangt  (pergl.  ©euffert 
XLIir,  21).  9lud^  baa  preufe.  31.  £.  SR.  II,  1  §  262  befd^ränft  fxä)  auf  bie  »e^ 
ftimmung,  bafe  bie  ®infünfte  beö  t)on  bcr  ®^efrau  eingebrad^tcn,  in  golge  beö 
Äonfurfeö  über  baö  SSermögen  beö  ®l^emanncs  aber  in  bie  SScrmattung  ber  (S^c- 
frau  jurüdEgcfaDenen  aScrmögend,  foroeit  erforbcrlid^,  jum  Unterl^alte  bed  ®^e* 
tnanueS  unb  ber  gemeinfd^aftUd^en  Äinbcr  Dcrmenbet  merben  follen.  93ci  ber 
3let)ifton  beö  31. 2.  SR.  rourbe  aber  bereits  t)orgef^Iagen,  bafe,  wenn  ber  Seemann 
ofinc  feine  Sd^ulb  unoermögenb  mürbe,  fid^  unb  feine  gamilie  ju  ernähren,  bie 
e^efrau  i^n  aus  ben  bcreiteften  SKittcIn  unterftü^cn  unb  baju  aDenfaDß  anä)  bie 
©ubftanj  il^eö  aSermögenö  angreifen  müjfe  (5|Jenf.  XV  §  142b  ncbft  SRotioen 
S.  180  jf.).  SRad^  bem  code  civil  Slrt.  1448  ift  bie  ®^efrau,  menn  fte  ©ütcr^^ 
trennung  auögeroirft  l^at,  ju  ben  Soften  ber  |)ausl^altung  unb  bcr  ©rjie^ung 
ber  Äinber  einen  T)eri)ältni6mä6igen  33eitrag  aus  il^rcm  Sßermögen  ju  Iciften 
unb  jene  Äoften  aDcin  ju  beftreitcn  t)erpflid^tet,  xomn  bem  ©bemanne  nid^tö 
übrig  bleibt.  5Daö  fä^f.  ®.  93.  §  1637  unb  baö  olbenb.  ®ef.  t).  24.  3lpril  1873 
3[rt.  33  erfennen  bagegcn  bie  fubfibiäre  Unter^altßpflid^t  bcr  ®^cfrau  allgemein 
an,  unb  jroar  oline  SRüdEftd^t  barauf,  ob  bcr  ©bemann  ol^ne  feine  ©d[>ulb  ober 
burdö  feine  Sd&ulb  unoermogenb  geroorbcn  ift  (ücrgl.  ferner  baijr.  S.  91.  I,  6 
§  12  5Rr.  7). 

3)er  ©ntrourf  f)at  fid&  im  5ßrinjipe  ben  julcgt  bcjcid^ncten  ©cfefegcbungen 
angefd^loffen.  Sie  fubpbiöre  Untcrl^altöpffi^t  ber  ©^cfrau  entfpric^t  bem 
fittlid^en  2Bcfen  ber'el^clid^en  (Semeinfd&aft.  SBennglcid^  junä^ft  ber  Seemann 
eö  ift,  rocldöer  bie  cfielicbcn  Saften  ju  tragen  l^at,  fo  mufe  bod^,  menn  er 
feinerfeits  bin  erforbcrlid^en  Unterfiatt  für  fid^  unb  feine  gamilie  ju  bef^affen 
außer  ©tanbc  ift,  bie  natürliche  SScrpPic^tung  ber  ©^cfrau,  nad^  i^rcn  fträftcn 
JU  ben  el^clidöen  Saften  beijutragen,  mirtfam  merbcn.  3[u8  biefer  Sluffaffung 
ergiebt  fid&  weiter,  bafe  bie  Unterl^altßpflid^t  bcr  ©tjcfrau  nid^t  nur  bann  citu 
treten  mu§,  wenn  ber  ©i^emann  oollig  t)ermögenßloö  unb  crroerböunfäl^ig  ift  — 
maß  bcr  t^^ffung  nad^  oon  ben  oben  angeführten  Oefeggebungen  ooraudgefc^t 
}u  merbcn  fc^cint  — ,  fonbern  fd&on  bann,  menn  er  bei  einer  btn  5ßfli(§ten 
eineö  guten  ^auöoatcrs  unb  ^amilienoaterß  entfpred^enben  Sßcrmcnbung  feinet 
aWittel  nid^t  im  ©tanbc  ift,  pd^  fclbft  unb  feine  gamilie  in  einer  feiner 
Scbenöftcllung  cntfprcd^cnben  SBcife  ju  unterhatten.  ®ie  ©^cfrau  mufe  l^ier 
fo  t)iel,  als  jur  Sefc^affung  bicfeö  Unterl^attcö  notlimcnbig  ift,  ä«f<ä&ie6en,  wenn 


SSirfimficn  ber  6l&c.    Praosumtio  Muciaiia.    §  1282.  127 

unb  fomeit  fte  naä)  9ßQ§gabe  t^red  Vermögens  unb  i^rer  @rtDerbdfä{)igfett 
bQju  im  ©tonbc  tft,  unb  nöt^igenfallö,  roeniflftcnö  inforocit,  a(ö  jur  Scfd^offung 
bc8  not^bürftigcn  Unterhalte«  crforberlici^  ift,  anä)  bcn  Stamm  il^reö  SScr^ 
mögend  opfern^  in  gleici^er  9Beife,  mit  bied  na^  §  1280  ber  (Sl^emann  gegen? 
über  ber  ß^frau  ju  t^un  t)erpfltc^tct  ift.  Scitenb  ift  aud&  in  5lnfel^ung  ber 
Unter^attöpflid^t  ber  @^efrau  ber  allgemeine  ®runbfa|,  ba^  ber  Unterhalt  in 
brr  burc^  bie  e^elid^e  2ebendgemeinfc^aft  gebotenen  Sßeife  ju  gen)ä^ren  ift. 
£a|  bie  SSerpflic^tung  ber  @^efrau,  rotnn  biefelbe  nid^t  auf  ben  notfibürftigen 
Unterhalt  bed  Seemannes  5efd^rönft  n)irb^  t)on  Seiten  bed  (Seemannes  mig^ 
brautet  werben  fonnte,  ift  nid^t  ju  beforgen.  S)ie  im  Slbf.  2  beftimmte 
fnlfpre(<)enbe  äntoenbung  ber  bort  bejeid&neten  SBorfd^riften  über  bie  Unterhalt«* 
pfßd^t  ber  SJerroanbten  ifl  burd[>  bie  Analogie  gered^tfertigt  (pergL  aufeerbcm 
§  1483  abf.  2,  §  1484,  §  1460  Slbf.  1,  2). 


§  1282. 

2)er  §  1282  betrifft  bie  fog.  praesumtio  Muciana.     S)as  röm.  Siecht  Praeromtio 
(wrgL  J.  54  D.  de  doo.  1.  v.  et  u.  24,  i,  1.  6  Cod.  de  den.  L  v.  et  u.  5,  i«)  fteUt    *^''"*'**- 

bie  Sermut^ung  auf,  bafe  SlUeö,  roaö  bie  ©i^efrau  roä^renb  beftc^enber  ®^e  ®ä^* 
cnootben  ffoi  (nac^  einer  anberen  älnfic^t,  n)aö  fie  überhaupt  befigt),  aus  einer 
6(^enhtng  bed  @i|emanned  I)errül^re.  3)araud  folgt,  ba  @c^enhingen  unter 
Statten  naä)  röm.  Sted^te  nid^tig  finb,  bag  ber  @^emann,  rnenn  er  angeblid^ 
wn  i^  ber  6^efrau  gef^enfte  ©egcnftänbe  jurüdEforbert,  entroeber  unbcbingt 
ober  bo(^  bonn  t)on  ber  äSeweidlaft  befreit  ift,  menn  feftftel^t,  bag  bie  @f)efrau 
jene  ©egenfitänbe  niö^renb  ber  ^auer  ber  @^e  erworben  ^at.  3n  2)eutfd^Ianb 
ift  inbeffen  bie  gemeinre^tlid^e  $ra;id  unter  bem  @inf{uf[e  beutfd^red^tlid^er 
e^lic^er  ©üterred^töDeri^ältnifie  oon  {e^er  geneigt  geroefen,  ber  ^icr  fraglidjen 
Skrmut^ung  eine  fclbflänbigere  unb  audgebel)ntcre  Sebeutung  beijulegen, 
einmal  inf ofcm ,  ald  man  bie  SSermut^ung  häufig  ganj  allgemein  bal^in  ge*  /^  -a 
fttfet  ^at,  ba6  alle«,  maö  bie  ©Regatten  befifecn,  biß  jum  Semeife  bcö  ©egern 
t^le«  ald  ©igent^um  beö  (S^emanneö  gelte,  anbererfeitö  in  ber  SRid^tung, 
ba§,  au(^  wenn  feftfte^e,  ba%  bie  G^cfrau  bie  betreffenben  ©cgenftänbe  roä^renb 
ber  S(ie  Don  anberen  ^erfonen  ato  bem  ©bemanne  ermorben  l^abe,  bod^  bid 
imn  33eioeife  bed  ©egent^eiled  anjune^men  fei,  ba%  bie  ß^efrau  biefen  ©rmerb 
aud  ben  3Rttteln  bed  ©^emanned  unb  für  ben  legteren  gemad^t  ^abe  unb  bed- 
balb  bie  betreffenben  ©egenftänbe  i^m  gehörten. 

3«  ben  neueren  ©efejgebungcn  ift  bie  ^ier  fraglid^e  aScrmutliung,  foroeit 
jie  ttber^upt  emmlint  mirb,  regelmäßig  oon  ber  ©runblage  abgelöft,  auf 
mclcier  fie  nad^  röm,  «Redete  berul)te.  a)ad  prcufe.  ä.  £.  31.  II,  1  §  544  be* 
iHmbelt  fte  bei  ben  33eftimmungen  über  bie  a^bfonberung  bed  Vermögend  ber 
€^gatten  nac^  Sluflöfung  ber  ßl)e  burd&  ben  3;ob  eined  ber  ©Regatten  unb 
f(ftteibt  bort  gonj  allgemein  Dor,  bafe  im  jmeifelfiaften  gaUc  bem  ©bemanne, 
feinen  ©rben  unb  ©ISubigem  bie  a5ermutl)ung  ju  ftatten  fomme,  ba§  bad 
Sorbanbene  ju  feinem  SSermögen  gehöre.  Dbroobl  bie  SSorfd^rift  fid^  bem 
ffiortlaute  nod^  nur  auf  ben  bejeid^neten  gall  ber  SSermögendabfonberung  be* 
jieftt,  fo  wirb  biefelbe  bod^  in  ber  5ßrajid  in  weiterem  Umfange,  namentlid^ 


128  SEÖirhingen  ber  ®6e.    Praesumtio  Muciana.    §  1282. 

;  bei  bcr  SroangSooIIftrcdEung  gegen  ben  ®^emann  roä^renb  befte^enber  6^e, 
!  angetDenbct.  S)ic  S3eftimmung  beö  fäd^f.  ®.  SB.  §  1656  ift  tnfofcrn  enger,  als 
jte  nur  in  2lnfe^ung  ber  in  ber  SBol^nung  bes  ©^emanned  befinblid^en  bcTOcg^ 
lid^en  Sad^en  bie  SSermull^ung  aufftellt,  bafe  fte  bem  ©l^emanne  eigent^ümlid^ 
gctfören,  cö  fei  benn,  bofe  fie  jur  Seffeibung,  jum  ©c^mutfc  ober  fonft  jum 
©ebraud^e  btoö  für  bie  5ßerfon  ber  6f|efrau  beftimmt  finb. 

gür  ben  gall  beö  Äonfurfeö  über  ba^  5öermögen  bes  ©^emanncö  f)ai 

bie  Äonf.  D.  ben  (Släubigern  beö  tegteren  gegenüber  ber  ß^efrau  einen  über 

ben  ©d^ug  burd)  bie  praesumtio  Muciana  weit  fjinaudgel^enben  ©d^u§  gewährt, 

inbem  jie  im  §  37  beftimmt,  bafe  bie  ©fiefrau  bcö  (Semeinfd^ulbnerß  Oegem 

ftänbe,  roeld^e  fie  roä^renb  ber  ®^e  erworben  ^Qt,  nur  in  Slnfprud^  nehmen 

fann,  wenn  fie  berocift,  bafe  biefetben  nid^t  mit  SÄitteln  beß  6f|emanne8  er* 

roorben  finb.     ®iefe  in  i^rer  S^rogroeite  nad^  cerfd^iebenen  3Ud[)tungcn  ^in 

nid)t  jroeifeKofe  33eftimmung  bicnt  einerfcitö  jur  ©rgänjung  ber  SSorfd^riften 

ber  §§  24,  25  ber  Äonf.  D.,  inbem  fte  bie  9Iufbectung  anfed)tbarer  SRct^tö* 

gefd^äfte   erleichtert,   anbererfeitö   f|Qt   fie   eine  nod^   barüber  l^inQuögcl^enbe 

felbftänbige  Scbeutung.    ®iefe  festere  berul^t  t^eilö  barin,  bafe  fie  bie  ®(äu* 

biger  gegen  bie  3la(i)ti)txlt  fd^üfet,  meldte  il^nen  quo  ber  burd^  bie  el^etid^e 

Sebenögemeinfd^Qft  regefmöfeig  eintretenben,  l^äufig  aud^  oon  bem  ©Regatten 

\  abfic^tlidö  jum  3'^^*^  ber  SBcrfürjung  ber  ©laubiger  bcä  ©^emanneö  l^erbei« 

.  geführten  tl^atfäi^Iid^en  SBermifc^ung  beö  beiberfeitigen  SSermögcnö  ber  ©Regatten 

'  brotien,  tl^eitö  barin,  bafe  fie  ben  ©laubigem  beö  Seemannes  ein  fefbftänbigeö 

9lcd)t  auf  bie  aus  btn  SÄittetn  bes  ©emeinfd^ulbners  üon  ber  fö^efrau  er- 

roorbenen  ©egcnftänbe  beilegt.     3n  erfterer  SBejie^ung  fann   aüerbings  bie 

gaffung  bes  §  37  ju  bem  Si^^U^^  SBeronlaifung  geben,  ob  nid^t  ujenigftens 

für  ben  gall,  menn  bie  ®f|cfrau  im  Sefige  ber  Sad^en  ift  unb  ber  ÄonhirS* 

ocnoalter  gegen  fie  Hagt,  bem  lefeteren  bcr  33emeis  obliegt,  ba^  bie  (S^cfrau 

bie  Sad^en  njötfrenb  ber  ®f)e  erworben  l^abe.    Snfofern  ift  aud^  für  ben  gaU 

bes  Sonfurfes  bie  l^ier  fraglid^e  SBermutl^ung  neben  ber  Seftimmung  bes  §  37 

ber  Äonf.  D.  als  ©rgänjung  berfelben  nid^t  ofine  SBebeutung. 

etQiibvunft  2)ic  burd^  §  1282  im  3lnf(^luffe  an  bas  in  bem  größten  Xi)nk  2)eutf^* 

öntJurfcs.  lönbs  geltenbe  SHed^t  ancriannle  SSermut^ung  ^at  eine  boppette  ©eite.    ©ie 

Äararter  bcr  bieut  eiuerfeits  jum  ©d^uge  ber  ©laubiger  beS  (Seemannes,  anbererfeitö  jum 

»cnnot^una  Q^^j^^  i)e§  legtereu  felbft  unb  feiner  ®rben.   ^f)vt  ^auptbebcutung  ^at  biefelbe 

siagcnicinen.  auf  bem  ©ebiete  beö  gefefelid^en  el^elid^en  ©üterred^tes  unb  bes  oertragsmäfeigcn 

©üterftanbes  ber  S^rennung  ber  ©üter.    3)ieS  gilt  insbefonbere  in  2lnfe^ung 

ber  ©laubiger  beS  ©l^emannes,  ba  ber  (Sntnjurf  auf  bem  5ßrinjipe  berul&t,  baß 

—  abgefel^en  üon  ben  üerfd^iebenen  ©üterftänben  ber  pertragsmäfeigcn  ©fiter* 

gcmeinfd^aft  —  bie  S^efrau  mit  ber  ©ubftanj    il^reS  SSermögenS  für  bie 

©d^ulben  beS  ©l^emannes  nid^t  l^aftet  unb  and)  mit  il)rem  3lnfprud&e  auf 

SRcftitution  i^res  in  bie  SBerroaltung  beö  (Seemannes  gelangten  aSermogen« 

bejro.  auf  ©rfafe  für  ben  nid^t  mel^r  oorl^anbenen  ober  oerfd^led^tertcn  2;^eU 

besfelben  l^inter  ben  übrigen  ©läubigern  beS  ©l^emaunes  nid^t  jurüdEtritt  (t)ergl. 

bie  SKotioe  ju  §§  1298,  1299).   Snbeffen  fann  bie  ^icr  fragli(^c  SBermut^ung 

megen  bes  Söorbelialts*  unb  ©onbergutes  (§§  1347—1351,  1412—1416,  1431, 

1432)  aud^  bei  ben  t)erfd&iebenen  3lrten  ber  ©ütergemeinfd^aft  praltifd^  »werben. 


SBirfungcn  bct  (S6c.    Praesumtio  Muciana.    §  1282.  129 

namentlich  qu^  ^}u  ©unften  ber  ©(fiubioev  bcd  @(|entanned^  ba  bic  (S^efrau 
au4  bei  allgemeiner  ober  portifttlorer  ©ütergcmcinfcfiaft  ben  ©laubigem  bed 
g^anneö  ni^t  perfonlid^  Reiftet,  fonbem  bie  fetteren  als  fold^e  ber  ©^cfrau 
gegenüber  nur  aus  bem  ©efammtgute  i^rc  S3cfriebigung  ju  oerlangen  bereci(|tigt 
finb  (§§  1359—1361,  1423  Sbf.  1,  §§  1424,  1431).  Swar  folgt  fd^on  auö 
ben  allgemeinen  Scroeidgrunbfäfeen  (§  194  9lbf.  1)  bcjro.  aug  ber  Seftimmung 
kcfi  §  1421,  ba§,  wenn  bic  in  ©ütergemeinfdiaft  lebenbe  6f)efrau  aScrmögenös 
gegenftänbe  gegenüber  bem  ©bemanne  ober  bef^en  ©löubigern  als  i^r  an^^ 
fd^liefelic^  ge^orenb  in  Slnfprud^  nimmt,  fic  junäd^ft  btn  33en)eiä  ju  führen 
fyd,  bafe  biefelbcn  ni(^t  ©efammtgut  finb.  ©te^t  aber  bie  9iic(|tjugel^5rigfeit 
}um  ©efammtgute  feft,  fo  tritt  aud^  ^ier  ju  ©unften  bed  @l^emanncd  unb 
feiner  ©laubiger  gegenüber  ber  ®^efrau  bic  3Sermut^ung  bc«  §  1282  ein. 
auf  bicfen  ©rmögungcn  berul^t  eö,  menn  bie  S3eftimmungen  beö  §  1282  unter 
bie  allgemeinen,  bei  iebcm  ©üterftanbe  anrocnbbaren  S3eftimmungen  über  bic 
ffiirfungen  ber  ®^e  aufgenommen  finb. 

SBie  oben  ©.  128  bereits  f)ert)orgc^oben  rourbe,  ift  nad^  bem  gcgenmörtig  ®<*u»  b«? 

geltcnben  Siebte  bie  Sage  ber  ©laubiger  bes  6f)emannes  gegenüber  ber  ei)efrau  ^«JemoTOe«** 

baburd^,  ba|  bie  ©eltung  bes  §  37  ber  Äonf.  D.  fid^  nur  auf  ben  gaü  beö 

ÄonfurfeS  über  bas  Sßermogen  bes  ©ficmanncs  bef^ränft,  in  biefem  galle  eine 

er^blid^  günftigere,  als  aufeer^alb  bcs  ÄonfurfeS.    ©S  laf^en  ftc^  geroid^tige  «»Bet jKiib  be« 

©rünbe  baffir  anfül&rcn,  biefe  Unglcid^^cit  in  ber  Slrt  ju  bcfeitigcn,  bafe  ben 

©Mubigem  beS  @^emannes  audd  augerlialb  beS  ftonturfes  ber  meitergc^enbe 

Sc^ul  bes  §  37  ber  Äonf.  O.  in  geeigneter  5lBeife  gemährt  unb  baburd^  in 

93eibtnbung  mit  einer  SSerbeutlic^ung  ber  Raffung  bes  §  37  bic  ^ier  fraglid^c 

35ermutl>ung,  fo  oiel  baS  aScrl^ältnife  ber  ©laubiger  beS  ß^cmanneö  gegenüber 

ber  C^frau  betrifft,  überhaupt  cntbel^rlidd  gemalt  wirb,   gür  bie  33cfeitigung 

ber  Ungleici^^eit  fann  namentlid^  geltenb  gemad^t  merben,  bag  bic  legterc  eine 

äSerme^nmg  ber  Äonfurfc  ^crbcijufü^rcn  brol)e  unb  eine  SBertürjung  ber 

©laubiger  in  benienigen  ^Uen  ju  ^olge  liabc,  in  meldten  mcgen  ©cring- 

fflgigfeit  ber  üor^anbenen  SKaffe  bic  Eröffnung  bes  ÄonfurfeS  nic^t  ocrlangt 

«erben  fann.  Xvol^  biefcr  gegen  ben  gegenwärtigen  SRed^tSjuftanb  fidE)  ertiebcnbcn 

Sebenfen  ift  oon  einer  äusbe^nung  beS  §  37  ber  Äonf.  O.  3(bftanb  genommen. 

S)er  §  37  enthält  ni(^t  nur  in  projcffualif^er,  fonbern  aud^  in  matcricllred^ts 

li<l^  ^tnft^t  eine  tiefgrcifenbe  3tbn)cid^ung  oon  ben  allgemeinen  ©runbfögen. 

O^ne  ein  bringcnbcft  prattifd^cS  ^ebürfnig  ift  besl)alb  eine  9luSbcl)nung  bes 

§  37  über  ben  gall  bes  ÄonfurfeS  l^inauS  nid^t  gcred^tfertigt.    5DicS  ergicbt 

^c^  fd^on  baraus,  bag  eine  fold^e  älusbc^nung  bem  geltcnben  9lccf)tc  frcmb  ift. 

SBä^renb   bie  9teid^Sgefeggcbung  be}n).  bic  Sanbesgefc|gebungcn  bic  Seftim« 

mungen  ber  Äonf.  O.  über  bie  Slnfcd^tung  oon  9lc^tsl)anblungeu  bcS  ©emcin^ 

fc^lbnerS  unb  über  bie  ^angorbnung  ber  Äonfursglöubigcr  auf  bic  3$crl)ö(tniffe 

au^^alb  beS  ÄonfurfeS  ausgebc^nt  t)aben,  ift  eine  3lusbe^nung  bcs  §  37 

»eber  oon  6eiten  ber  9leid^sgefe6gebung  no^  oon  Seiten  ber  SanbcSgefeß* 

gebungen  erfolgt.    SBefonbere  S3cad)tung  ocrbient  in  biefcr  $infid)t  ber  33or* 

gang  in  ^reufeen,  roo  bie  Scftimmungcn  ber  §§  88—90  ber  prcufe.  Äonf.  D. 

0. 8.  üBai  1855,  meldte  einen  ä^nlicficn  S^^cf  mic  ber  §  37  ber  beutfd^cn  Äonf.  D. 

verfolgten,  ebenfalls  auf  ben  ÄonturSfaB  befdiränft  geblieben  finb,  o^ne  bafe 


130  SSirfunflen  ber  S^e.    Praesumtio  Muciana.    §  1282. 

in  ber  l^ier  fraglidöen  Scäie^ung  aus  bcr  SScrfc^iebenl^eit  bcö  SHedjtcö  für  bcn 
%aU  beö  Äonturfeß  uub  Qufeer^alb  beä  ftonfurfcö  in  bcr  5ßrajiß  SDlifeftänbc 
fid)  ergeben  ^aben.  3)icfe  gcfeggcberifd^en  SBorgänge  bercd^tigcn  p  bcr  3ln* 
na^mc,  bafe  aufecr^alb  bcö  Äonturfcft  ben  ©täubigern  bcä  (S^emanncö  gegen 
bic  il^nen  aus  ber  el^elid^en  Scbcnögemeinfci^aft  unb  ber  bamit  ücrbunbenen 
t^atfäd^Hci^en  9Sermifd)ung  bcö  belberfeitigen  Sßcrmögenö  ber  ©fjcgatten  burd^ 
bic  oonpiegcnb  in  bem  geltcnben  SRed^te  anerfannte  praesumtio  Muciana  aus* 
reid^cnber  ©ci^u|;  gewährt  rairb.  3«  ber  SC^at  liegen  bic  SSerljältniffc  für  ben 
gall  bes  Äonfurfcö  unb  aufecrljalb  bcö  Äonfiirfeß  au6)  n\6)i  nöllig  gleic^. 
gür  ben  %a\i  bcö  Äonturfeö  ift  namentfid^  mit  9lücffxci|t  auf  bic  DorjugSroeife 
in  33etraci^t  lommenbcn  faufmännifd^cn  Äonfurfe,  roel^c  bic  SKc^rja^I  ber 
Äonfurfe  auömad^en,  eine  größere  ©trenge  gegenüber  bcr  (S^cfrau  jum  ©d^uftc 
ber  ©laubiger  bcö  ®^emanneö  am  5ß(age.  9lud  biefen  ©rünben  oerbicnt  efi 
ben  SSorjug,  oon  einer  Sluöbel^nung  beß  §  37  ber  Äonf.  D.  abjufcl^en  unb 
ftatt  beffcn  bie  praesumtio  Muciana  }u  ©unften  bcr  ©laubiger  bcö  ®f)emanncö 
in  bem  ©efegbud^c  anjuerfennen.  ©aburd^  wirb  aud^  eine  SBerbeut[i(^ung 
beS  §  37  in  3(nfc{|ung  bcr  93cn)ciöfaft  entbet)rlid^.  S)ie  in  biefer  |)inft4it  ju 
3roeifeln  91nlafe  gebenbc  Raffung  bcß  §  37  crflärt  ftd6  barauß,  bafe  ber  [entere, 
wie  bic  SKotiüc  bcr  Äonf.  D.  ergeben,  ooraußfe|t,  bafe  "öd^  bem  bürgerlid^en 
Siedete  bic  praesumtio  Muciana  befiele.  Um  aber  bem  praftifd^en  33ebürfniRe 
ju  genügen  unb  um  ju  t)erl)inbern,  bafe  ber  3^^*  beß  ©efcftcß  Dcreitett 
werbe,  ift  eß  erforbcrlid^,  bic  in  SRcbc  ftcl^cnbe  SBermut^ung  nid^t  mit  bem 
fäddf.  ©.  33.  auf  bie  in  ber  SBol^nung  beß  ß^emanneß  befinbli^en  benjeglid^en 
©ad^en  ju  befd^ränfen,  fonbcrn  im  SÄufd^Iuffc  an  bic  5ßrajiß  beß  preufe.  SRed^tcö 
in  bem  Umfange  beß  §  1282  3lbf.  1  anjuerfennen.  Slufecr  bcn  ben  ©ad^en 
glcic^jufteUcnbcn  3inf)abcrpapicren  unb  bcn  an  Drbre  lautcnben,  mit  einem 
Stanfoinboffamente  ncrfeficncn  5ßapieren  fonncn  anbere  gorberungen  unb 
fonftige  SRed^tc  bcr  9iatur  bcr  Ba(i)c  mä)  nid&t  in  93ctrad^t  fommcn,  meil 
biefclben  an  eine  beftimmte  ^crfon  gefnüpft  finb  unb  nur  oon  biefer  geltenb 
gcmadfjt  rocrben  fönnen.  3n  3lnfc^ung  bcr  ©runbftücfe  mirb  bie  ^räfumtion 
üon  fclbft  infoiDcit  gegcnftanbloß,  alß  auß  bem  ©runbbudde  baß  ©egent^eil 
fidö  ergiebt  (§  826).  S)a§  bic  »eftimmung  beß  erften  Slbfa^cß  beß  §  1282 
auf  bie  im  §  1285  bcjei^ncten  ©ad^cn  feine  Slnroenbung  ^nbet,  entfprid^t 
bem  §  1656  beß  fäd&f.  ©.  S.  unb  re^tfertigt  ft(^  baburd^,  ba^  biefe  ©ad&en 
ncrmögc  il^rer  33cfd^affenf)eit  unb  Scftimmung  ol^nc  SBcitercß  junäd^ft  olö 
grauengut  fid)  barfteUen. 
«ufntt^nic  ©in  Sebürfnife,  nad^  bem  aSorbilbc  beß  franj.  Mcd^teß  (nergl.  ©ntfd^. 

Bemörens-  ^'  ^'  ®-  "^  ^^^^'f-  ^^'^'  ^^)  ^^"^  nerfd&icbencr  auf  bem  ©i)fteme  par* 
rerie^niffe».  tifulärcr  ©ütergemeinfd)aft  beru^enber  beutfd^er  SRcd^tc  bcn  ©läubigcrn  beß 
ß^cmanneß  einen  nod^  meitcrge^enben  ©d)u6  burd^  eine  SBorf^rift  beß 
Sn^alteß  ju  geroäl^ren,  bafe  bic  ®^efrau  bie  im  §  1282  ju  ©unften  bcr 
©laubiger  beß  ©^emanneß  anerfannte  33crmut^ung  in  3lnfct)ung  fold^cr 
berocglid^en  ©ad)cn,  meldte  fic  in  bic  ®t)e  cingebrad)t  ober  mätircnb  ber  ®t)e 
burd^  Sd^cnfung,  ©rbfolgc  ober  93ermäd)tni§  crroorben  fiat,  nur  bmi)  ein 
nad^  äRafegabc  bcr  §§  993,  1042  mvb.  mit  §  1292  aufgenommeneß  aSermögenß- 
nerjeid^nife  mibertegcn  fönnc,  fann  bagcgcn  nid)t  ancrfannt  mcrbcn,  unb  ftnb 


SSirfungcn  bcr  66c.    Praesumtio  Muciana.    §  1282.  131 

cud^  im  Ucbrigen  bic  gegen  bie  Slufnol^me  einer  fold^en  SSorfd^rift  fpred^cnben 
Sebenfen  ate  liberroiegenb  onjufetien.  ®ö  löfet  [id^  allerbingö  nic^t  oerfennen, 
bag  mit  einer  folgen  SBorfd^rift  große  SSort^eile  üerbunben  finb,  boburci^ 
nomenttid^  ben  Dielen,  l^äufig  unbegrünbeten  unb  mit  erl^cblid^en  Äoften  für 
bic  ©laubiger  rerbunbenen  3tit^t)entionöf(agcn  ber  ©^efrau  in  loirffamer 
Seife  entgegengetreten  wirb.  9luf  ber  anbercn  Seite  fällt  inbeffen  entfd^eibenb 
ins  ©emic^t,  ba§  eine  berartige  SSorfd^rift  bem  geltenben  SHed^te  in  ben  meiften 
Sec^tfigebieten  nidfjt  entfprid^t  unb  in  bem  größten  2^fjei(e  ©eutfd^tanbö  bie 
€ittc,  ein  Stio^tar  über  ba&  SSermögen  ber  ß^efrau  aufjuncfimen,  nid^t  be^ 
fiebt,  aud^  ni(ftt  ju  erwarten  ift,  baß  burd^  eine  gefefelid^e  33eftimmung  ber 
bqcic^neten  2lrt  bie  Silbung  einer  fotd^en  ©itte  fierbeigefül^rt  werben  wirb, 
€ine  fold^e  Seftimmung  mürbe  bo^er  im  555iberfprud^e  mit  ben  ©runbfäfeen 
bcs  gefeglid^en  el&eli^en  ©üterred^teö  beö  ©ntrourfeö  bie  inbirette  golge  l^oben, 
bog  bie  S^efrau  mit  il^rem  in  bie  @^e  eingebrad^ten  ober  mäl^renb  ber  @^e 
burd^  S^entung,  Erbfolge  ober  85ermäd(|tnife  erworbenen  beroegli^en  33ermögen 
ben  ©laubigem  beö  ß^emanneö  l^oftcte.  yiad)  franj,  SRed^te  liegt  bie  Baä)C 
infofem  oöüig  anberö,  als  nad&  bemfelben  bie  Haftung  beö  beme8lid}en  SSer* 
mogenö  ber  ©fjefrau  für  bie  Sd^utben  beö  ©l^emanneö  in  golge  ber  bas  ge* 
fc^lic^e  elielic^c  ®ütcrredE|t  bitbenben  aKobiliorgemcinfd^aft  bie  gefeftlid&c  SRegel  ift. 

SBie  oben  ©.  128  bereits  angebeutet  mürbe,  bereitet  bie  auf  einem  neuen,  • '^**{! 
mebr  roirt^d^aftlic^en  unb  im  ©injelnen  juriftifd^  nid^t  weiter  auögeftatteten 
©ebanfen  berufjcnbe  93eftimmung  beö  §  37  bcr  Äonf.  D.  nad&  cerfc^iebenen 
Siebtungen  I)in  S^wierigfeitcn.  Snöbefonbere  giebt  ber  unbeftimmte  9luöbru(f : 
^nid^t  mit  üRitteln  beö  ©emeinfd&ulbnerö"  unb  baö  SBerliältnife  beö  §  37  ju 
ben  Seftimmungen  ber  Äonf.  C  über  bic  änfecfitung  von  SWed^tögefcdäften, 
namentlich  oon  Sd)enfungen  beö  @t)emanneö  an  bie  (g^efrau,  ju  3roeifeln  unb 
Sebenfen  Sfnlaß.  6ö  fd^eint  ba^er  na\)c  ju  liegen,  biefe  Sd)wierigfeiten  unb 
Sebenfen  bei  ©clegenl^eit  ber  Robifitation  beö  gefammten  bürgertid^en  SWed^teö 
in  bicfem  S^fß^ntcnliange  tbunlid^ft  j\u  befeitigen.  S^beffen  ift  eö  bod^  alö 
bebenf li(^  erad(|tet,  ben  §  37  ber  Äonf.  D.,  nac^bem  berfelbe  unter  33eirat^  von 
€o4i>erftonbigen  Tjerfd)iebener  Sebcnöfreife  nad^  rciflid^er  ©rwägung  unb  trofc 
ber  gegen  benfelben  fpred^enben,  fd^on  bei  (Gelegenheit  feiner  S3erat^ung  er* 
tannten  unb  geltenb  gemachten  93ebcnfen  bcfd^lofjen  worben  ift  unb  erft  t)or 
loenigen  Saljrcn  bie  Suftimmung  ber  gaftoren  ber  SRcid^ögefefegebung  gefunben 
bot,  jeftt  ohne  ben  93eiratl|  fold^er  Sod^oerftönbigen  wieber  ju  änbern,  jumal 
boö  öebürfniß  einer  fold^en  3lenberung,  foDiel  befannt,  biö^er  nid^t  ficroor* 
getreten  ift.  @ö  fann  barauf  vertraut  werben,  baß  SBiffenfdEiaft  unb  ^ßrajiö 
ben  bem  §  37  ju  Orunbe  liegenben  ©ebanfen  rid^tig  erfaffcn  unb  bie  ©d)wierig* 
feiten,  welche  er  bietet,  überwinben  werben.  6t)entucll  wirb  bei  einer  Sieuifion 
bcr  Äonf.  D.  bie  etwa  erforberlid)  werbenbe  9lenberung  beö  §  37  oor juncl^men  fein. 

2)ie  Orünbe,  auf  weld^en  bie  Slnerfenmmg  ber  praesumtio  Muciana  ju  eermut^uns 
©unftcn  ber  ©laubiger  beö  ©iKn^anneö  bcruf)t,  nötl^igen  an  fid^  nic^t  baju,  f^^^l^l^^ 
jene  Sermut^ung  audti  auf  baö  SJerfjältniß  unter  ben  ©Regatten  felbft  ju  er*  c^euotten  ju 
ftrerfen,  unb  eö  fann  jwcifetliaft  fein,  ob  biefe  (SrftredEung  unter  ben  heutigen    **"""*'*^- 
Scrbättniffen  nod^  gered)tfertigt  unb  angemeffen  ift.    2)ie  Ojrünbe,  weld^e  baö 
röm.  3te<!^t  5ur  3lufftellung  ber  33ermut^ung  ueranlaßt  ^aben  (evitandl  turpis 


132  aSirfunocn  bcc  (gifte.    Praesumtio  Muciana.    §  1282. 

quaestus  gratia  circa  uxorem)  finb  icbenfoUd  nid^t  me^r  iutreffenb.    9lud)  bic^ 
jcnigcn  Umftäubc,  wd6}t  in  S)cutfd)Ianb  bic  ainnal)mc  unb  Sluöbcl^nung. 
jener  SBcrmutfiung  ^ouptfäd^Iid^  beförbert  l^abcn,  oerlicren  t)om  Stanbpunfte  bcö- 
©ntrourfcö  ans  an  ©eroid^t.  3laä)  bem  gefc^lidöen  ej^clid^cn  ©üterred^tc  beö  ®nfc 
rourfcö  erwirbt  bic  ®^cfrau,  was  fte  burd^  il^re  3lrbeit,  fofcrn  biefc  nid^t  unter 
bie  aSorfc^rift  beö  §  1275  aibf.  2  fällt,  ober  burd^  bcn  felbftänbigen  ^Betrieb, 
eines  6m)erbögefd^äfteß  erroirbt,   nid^t  bem  ®^emannc,   fonbern   fid^   felbft 
(§  1289).   3^r  beroeglic^eö  unb  unbcioeglid^eö  SSemtögen  bleibt  il^r  ©igcnt^unt 
unb  ber  (Seemann  fann  barüber  —  tjon  uner^eblidden  9luöna^men  abgefc^ca 
(oergr.  §  1292  oerb.  mit  §  1000,  §  1294,  §  1318  5Rr.  1,  2)  —  nur  mit 
©inroiUigung  ber  e^efrau  unb   als  ü)x  aSertrcter  üerfügen,  fo  bafe  olfo  and) 
ber  erlös  aus  SRed^tögefd^äften  i^r,  nid^t  bem  ©bemanne  juföUt  (§§  1318^ 
1319).    SBeiter  fommt  in  33etrad;t,  bafe  nadf)  einer  in  S)eutfd[)lQnb  jiemlicfy 
verbreiteten  Sitte  ein  großer  2^^cU  beö  §auö^altöinoentared  oon  ber  ß^cfrau 
qIö  Sluöfteucr  in  bie  6^c  gebrad^t  mirb  unb  ifir  ©igent^um  bleibt.    Unter 
biefen  Umftänben  fann  eö  in  3^^if^I  fl^iogen  werben,  ob  bie  SSermutl)ung^ 
ba^  bie  in  ber  Sn^abung  beö  ©^emanneö  ober  ber  e^efrau  ober  beiber  (B^e^ 
gatten  befinblid^en  Sad^en  bem  ©bemanne  geljören,  in  biefer  9lUgemein^eit  bea 
t^atfäd^lid^en  SJerpltniffen  entfpred^e  unb  ob  es  beö^alb  nid^t  ben  SSorjug  vtt^ 
biene,  t)on  einer  fold^en  SSermut^ung  ju  (Sunften  beö  ß^emanneö  unb  feiner 
@rben  ganj  ab jufe^cn,  jumal  ber  ©^cmann  für  ben  gall,  bafe  bie  Sachen  ia 
feiner  Snl^abung  pdf)  befinben,  fd^on  burc^  bie  allgemeinen  ^croeiögrunbfäge 
gefc^üfet  fei  unb  für  anbere  gälle  baö  ^rinjip  ber  freien  Seroeiömürbigung. 
auöreidde.    9lld  burd^fc^lagenb  fönnen  inbejfen  biefe  Orünbe  nid&t  angefe^ca 
werben.    3lud^  unter  ben  fjeutigen  5Berl^ciltniffen  entfprid[)t  bie  Sluöbe^nung. 
ber  SSermut^ung  auf  baö  SSerl^ältnife  unter  ben  ©l^egatten  felbft  in  ben  mciftcn 
gälten  ber  ®ad)lage.    ^nöbefonbere  gilt  bieö  t)on  ben  mäl)renb  ber  @^e  er^ 
roorbenen  ©egenftänben.    S)a  ber  ©Ijemann  bie  e^elic^en  Saften  ju  tragen  f)at 
unb  ba^er  bie  ju  biefem  3^^*^  erforberlid^en  Slnfd^affungen  mad^en  muß,  ba 
i^m  aufeer  ben  grüd^ten  feineö  eigenen  SSermbgenö  fraft  ber  el^elid^en  dlufj^ 
niefeung  (§  1292)  audf)  bie  grüdfite  beö  SBermögenö  ber  ©l^efrau  jufallen  unb 
ber  ©rroerb  burd)  älrbeit  fiauptfädjlidf)  auf  ber  2:i)ätigfeit  beö  ©^emanneö  be^ 
rul)t,  fo  fprid^t  eine  ftarfe  t^atfäd^lid^e  5Bermut^ung  bafür,  bafe  baö  mä^rcnb 
ber  e^e  ©rmorbcne  oon  bem  ®§ema«ne  erroorben  ift.    SBo  ouönal^mömeife  bie 
5Bermut^ung  beö  §  1282  ber  ©ad^lage  nid^t  entfpric^t,  wirb  bie  e^efrau,  ba 
i^r  ber  ©egenbemeiö  offen  ftcl)t  (§  198),  burd^  baö  ^riujip  ber  freien  ri^ter^ 
lid^en  Seioeiöroürbigung  genügenb  gefd^ügt.    Xagegen  finb  jum  ©d^uge  beö 
®^emanneö  gegen  bie  (Sefa^ren,  meldte  if|m  aM  ber  mit  ber  el^elid^en  Sebcnö* 
gemeinfc^aft  oerbunbenen  tljatfäddlid^en  SSermifd^ung  beö  beiberfeitigen  SBcr^ 
mögenö  bro^en,  bie  allgemeinen  Scrociögrunbfäge  nid^t  alö  auöreic^enb  ju 
eradjten,  ba  oft  fd^mer  ju  entfd^eiben  ift,  ob  ber  ©l^emann  Snl^aber  ober  fKit* 
inl^aber  ber  Sadfje  ift,  ober  ob  bie  le^tere  fid^  in  ber  auöfd^lie^lidfien  3n^abung 
ber  6t)efrau  befinbet.    S)aö  S3cbärfni§,  bie  Sßcrmut^ung  aud^  auf  baö  2Jer* 
f)ältnife  unter  ben  (St)egatten  felbft  auöjube^nen,  jeigt  fid[)  namcntlid^  in  folc^en 
gällen,  in  meli^en  bie  e^efrau  unter  ä)Utnal|me  oon  Sad^en  auö  ber  gemeim 
fc^aftlid^en  SBo^nung  t)on  bem  e^cmanne  faftifdf)  fid^  getrennt  ^at,  ober  in 


(SWi4e«  @ütcrred&t.    SmlfeeUIid^c  gtcgelung.   (§§  1283  ff.)  133 

welchen  bicfelbc,  j.  S.  in  gofgc  beö  felbftänbigcn  Sctricbcö  eines  ern)crbö== 
gefc^äfted,  befonbcrc,  nidf)t  ju  bcr  gemeinfä^oftlid^en  2Bof)nung  ge^örcnbe  SRäumc 
innert.  3"  bead^ten  ift  ferner,  ba6  bie  Slußbe^nung  ber  33ermut^ung  auf 
t«ö  gjer^ättnife  unter  ben  ©Regatten  felbft  anci)  ben  Äinbern  jum  ©d^uge  ge^ 
leic^t  in  ben  im  praftifd^en  Seben  nid^t  feiten  üorfommenben  gäUen,  in  welchen 
bie  ß^efrau  balb  nod^  bem  J^obe  beö  ®^emanneö  roieber  l^ciratl^et  unb,  burd^ 
i^Tcn  neuen  ©bemann  beeinflußt  unb  baö  Sntereffe  ber  Äinber  erfter  6f)e 
«ufeer  9Iugen  fefeenb,  bie  Se^auptung  auffteUt,  bafe  jum  Slad^toffe  beä  ücr^ 
jitorbenen  crftcn  ©^emanncö  ge^orenbe,  nad^  bem  Stöbe  beöfelben  in  ifirer  3ns 
babung  oerbUebenc  ober  in  t^re  3!nf|abung  getaugte  Sad^en  il)r  ©igent^um 
feien.  25ic  ©rbfd^aftöflage  vermag  ben  Äinbern  in  fold^en  gällen  ni^t  immer 
ausreid^cnben  Sd^ug  ju  gemö^ren,  meil  fie  ben  tjon  ben  Äinbern  oft  fdjioer 
ju  erbringcnben  ^Rad^meiö  »orauöfegt,  ba§  ber  ©rbfaffer  bie  betreffenben 
Sotten  äur  ^txt  feines  S^obeö  in  feiner  3inl^abung  ober  aWitinl^abung  gel)abt 
^t  foergL  §  2081  9lr.  1).  gerner  fommt  in  ©etrad^t,  ba^,  menn  man  bie 
?}ennut^ung  nur  ju  ©unften  ber  ©laubiger  be§  ©^emanneö,  nid^t  aber  aud^ 
}u  ®unften  bes  le^teren  felbft  anerfennt,  aus  einer  fold^en  JRelatioität  praf- 
tif(^  S(^n)ierigfeiten  unb  SBermidfelungen  fid^  ergeben  mürben.  2)ie  Slrt  unb 
SBcife,  roic  bie  praesumtio  Muciana  fid^  entmidelt  l^at,  unb  bas  geltcnbe  9ted^t 
finb  ein  mid^tiges  S^wgniß  bafür,  baß  burd^  bie  9lnerfennung  ber  SBermut^ung 
oü(J  im  SBer^ältniffe  ber  ©Regatten  unter  einanber  in  ber  2^^at  einem  prat 
tifc^n  Sebürfniffe  Sted^nung  getragen  mirb.  ©elbftTjerftönblid^  fommt  bei 
irr  ©ütergcmeinfd^aft  bie  SBermut^ung  beö  §  1282  aud&  im  98erl)ältniffe  unter 
ben  g^cgottcn  erft  in  Setrad^t,  wenn  feftftelit,  ba^  bie  betreffenben  Sad^en 
niäjit  ©cfammigut  finb.  3nöbefonbere  gel)t  bie  SSermutl^ung  bes  §  1421  ber 
bcs  §  1282  aud^  ju  Ounften  ber  S^efrau  oor. 

StuÄ  allflcmeinen  ©runbfäjen  ergiebt  fid^,  baß  bie  SScrmut^ung  beö  ®eöen6e»ei«. 
§  1282  burd^  ben  Siac^meiö  roiberlegt  wirb,  baß  bie  ß^efrau  bie  betreffenbe 
So(^e  erworben  l^at,  fofern  fte  nid^t  cixoa  auöbriidElidd  ober  ftillfd&meigenb  im 
Flamen  bc«  G^emanneö  ge^anbelt  l)aben  foUte  (§  116).  Uebcr  bie  gälle  bcj5 
§  1275  abf.  2  unb  bes  §  1278  2lbf.  2  I)inaus  bie  allgemeine  Siegel  aufju^ 
fteUen,  bö§  bie  ©^efrau  bas  t)on  ibr  ©rmorbenc  im  3">^ifcl  ini  Flamen  bes 
C^iemanneS  ober  aud^  nur  für  bcffen  9led)nung  crroorben  fjaic,  mürbe  burd^ 
Mc  tbatfäcbtic^cn  SBerbältnijfc  nid^t  gered^tfertigt  fein  unb  auä)  bem  gettcnbcn 
Sc(^tc  gegenüber  fic^  als  eine  roefentlid^c  Steuerung  barftellen. 


IL  eiielidied  «titemdit 

©inleitung. 

1.  Sei  ber  Siegelung  bes  e^elid^en  ©ütcrred^leS  ift  baoon  ausgegangen,  «n^eitiic^c 
btti  bas  Untere  für  ganj  ®eutfd)lanb  cinljeitlic^  ju  regeln  ift  unb  bas  ©ijftem  *1Än '* 
ber  fog.  aSenoaltungsgemcinfd^aft  (®ütereinf)eit,  ©üterocrbinbung)  unter  ben  ®tt*err«<**e9. 
wrfc^iebencn  in  ©eutfd^lanb  geltenben  ©üterrcd^tsf^ftemen  fid^  am  beften  als 
<8runblagc  eines  ein()eitlid^en  gefejlid^en  ©üterre^tes  eignet.    Sieben  bem  gcfcg* 
lieben  e^elid^cn  ®üterrcd^tc  fmb  aber  bie  |)auptformen  ber  aufecrbem  je^t  in 


134.  eScIid&eS  ®ütcrrc*t.    einftcitli^c  Sfteflclunö.   (§§  1283  ff.) 

®eutfdf)fanb  gcitcnben  ©üterred^töftjftcmc  afe  oertragömöfeigcö  cljctid^eö  Oüter* 
recJ^t  gcorbnct. 

2)ie  grage,  ob  ha%  cficUc^c  ©üterred^t  für  ganj  iScutfc^Ionb  einheitlich 
geregelt  toerben  foH,  ift  bereits  mef)rfac^  ©egenftonb  ber  offentlid^en  Sefpreddung 
gctoefen  unb  ^at  entgegengefe^te  33eantn)ortungen  erfafirenO-  2)rci  2Bege  [xnb 
benfbar.  3Kan  fann  entroeber  boö  eJ^elid^e  ©üterred^t  aus  bcm  bürgerlichen 
Oefegbud^e  gänjüd^  auöfd^eiben  unb  bie  SWegctung  bcöfelben  ber  Sanbesgefeg^ 
gebung  übcrtof^en,  ober  bie  Siegelung  erfolgt  jroar  burd^  ba^  bürgerlid^e  ©efe^* 
bud^,  aber  in  ber  3lrt,  ha^  im  2lnfdöluffe  an  bie  ^auptgruppen  be§  gegen* 
roärtig  in  2)eutfd^lanb  geltenben  SWed^teö  mehrere  ©t)fteme  beö  e^elid^en  ®üter* 
red&tcö  in  baö  ©efegbnd^  aufgenommen  werben  unb  bann  entroeber  buxd)  bie 
SReid^ögefefegebung  ober  bie  Sanbeögefe|gebung  beftimmt  roirb,  in  roeld&cm 
2;^eile  ©eutfd^lanbö  ba§  eine  ober  anbere  biefer  ©i)ftcme  gelten  foU  (fog.  SHe* 
gionalfi)ftem),  ober  enbtid^  es  wirb  baö  gefcfelid^e  ebelic^e  ©üterrec^t  einheitlich 
für  ganj  ©eutfd^lanb  normirt.  3n  bem  tefeteren  galle  bleibt  bann  nod^  bie 
grage  ju  entfc^eiben,  ob  unb  inroieroeit  burdd  ^^^  ©efegbud^  bie  <Srunbfä|e 
feftgeftellt  roerben  follen,  meldte  für  ben  gall  jur  Slnroenbung  fommen,  roenn 
bie  ©Regatten  fid^  t)ertragömä§ig  einem  anberen  ©üterrec^te  unterroerfen. 

2)er  erfte  ber  bejeid^neten  SBege  fiat  bisher  feinen  3}ertl;eibigcr  gcfunbcn, 
3)aö  c\)ü\ä)t  ©üterred^t  ^ängt  fo  üielfad^  unb  fo  eng  mit  ben  übrigen  j^^eilcn 
bed  Sted^tes  jufammen,  bafe  eine  ein^eitlid^e  S3e^anbtung  beiber  unerläBlid^  er* 
fd^eint,  roenn  nidfjt  bie  größte  SJerroirrung  unb  Unftdf|erl)eit  beö  Slcd^teä  ein* 
treten  foU.  9iur  roenn  baö  elielid^e  ©üterred^t  roie  ba^  übrige  S^ec^t  oon  ber 
SReid^dgefeggebung  feftgeftellt  roirb,  ift  eine  ©eroä^r  bafür  gegeben,  bafe  bie 
t)erfd)icbenen  Sied^töfä^e  i^rem  3"^^^^/  ^i^  ^^^^^  iuriftifd^en  Äonftruttion 
na6)  mit  einanber  im  ©inflange  fielen, 
sbie^nung  S)aö  Slegionalf^ftem  bejroetft,  fooiet  als  tfiunli^,  fid)  bem  beftcl^enben 

.  gjj^j^^  SRcddte  anjufc^liefeen.  S)ie  auf  ®runb  amtlid^er  SKittfieilungen  ber  ^Regierungen 
f^perne«.  jufammcngeftellten  Ueberfid^ten  ber  cerfd^iebenen  in  S)eutfdf)lanb  geltenben  e^e* 
lid^en  @üterred)te  unb  ifireö  ©eltungögebieteö  (cergl.  9leubauer,  baö  in  S)eutfd^ 
lanb  geltcnbe  e^elid^e  ®ütcrredE)t)  ergeben,  roie  bunt  ber  in  I)eut)cötanb  be* 
fte^enbe  Sie^töjuftanb  ift.  9luf  roeit  über  100  belauft  fid)  bie  ^a\)l  ber  gegen* 
roärtig  in  2)eutfd^lanb  geltenben  ti)diä)tn  ©üterrec^te  unb  eö  ^anbelt  ftcd  babei 
nid^t  um  SDtobififationen  eineö  unb  bcöfelben  ®i)ftemeö,  fonbern  alle  oerfd^icbcnen 
©i)ftemc  finb  vertreten.  S)ie  ^auptgruppen  bilbcn  bie  allgemeine  ©ütergemein* 
fcftaft,  bie  partifulöre  ©ütergemeinfd^aft,  bcutfd^red^tlid^e  3:rennung  ber  ®ütcr 
(SBerroaltungögemeinfd^aft,  @ütereinl)eit  u.  f.  ro.)  unb  baö  röm.  Sotalrec^t. 
Snnerfialb  einer  jebcn  biefer  ©ruppen  fommen  aber  roieber  bie  größten  216* 


1)  aSerGl.  inßBef.  SSer^.  be§  11.  bcutf db.  3uciftentaoe§  93b.  I  ®.  46,  S3b.  H 
®.  61 ;  93ec6.  bc§  12.  beutfct\  SuriftcntageS  3Bb.  I  ©.  29,  9?b.  U  (S.  276,  285,  Sb.  m 
©.  33;  Sinbing,  über  bie  ©runboeftaftunG  be§  el^clic^cu  ©ütecrec^teö,  im  SlrcSio  für 
ciüilift.  ^rayig  5R.  ^,  S5b.  6  ©.  49  ff.,  »b.  7  ®.  109  ff. ;  3totf),  ubcc  llnififaHon 
unb  Äobififatiön,  in  ^aufer'6  3citf*r.  für  diüäi^^  unb  2anbcgrc*t,  -iPb.  I  ©.  1  ff., 
unb  in  ber 3eilf*r.  f.  üergl.  »t.  Sß.  53b.  I;  d.  ©erbcr,  SabrB.  für  Sogmatif  I  ®.  239 ff.; 
?)etcrfen  in  C)aufcc'ö  3eitf*r.  für  9?eid&ö'  unb  Sanbeörec&t  ÜI  ®.  121  ff. 


e^clit^c«  ©ütcrred&t.    ginl&eitli*e  gtegeluno.    (§§  1283  ff.)  135 

weid^ungcn  t)or,  unb  iaf)lxt\ä)t  Ucbcrgangöformen  ftcE)cn  auf  bcn  (Srcnjen  ber 
perfd^icbcnen  Spftcmc.  2)ic  9Jot^n)ettbigfcit  einer  5Bercinfad^ung  biefeö  SRed^tö* 
äuftanbeö  wirb  von  5ßiemanbem  oerfonnt. 

S;ic  aäcrtl)cibiger  beö  9RegtonQlft)ftemed  finb  bcr  Slnfid^t,  ba§  bem 
Sebürfnific  burd^  eine  3ufammenfaRung  bcr  üerfdE)iebenen  ®üterrccf)te  mä)  ilircn 
^uptgruppcn  ®enüge  gefd(|cf)c  unb  bafe  bic  geftftellung  eineö  eint)eitlid^en 
gefcjfid&en  ®üterrec(|teö  wegen  ber  großen  prinjipiellen  SSerfci|iebent)eit  bcr 
befle^enben  SRed^tc  untl^unlid^  fei.  ©enügt  werbe  babei  bem  Sebürfniffe  auf 
bie  angegebene  9lrt,  weil  bie  SSerliättniffc,  roelc^e  buxd)  boß  ct)elid^e  (Süterrcd^t 
georbnct  würben,  ilirer  9latur  nac^  auf  einen  engeren  Äreiä  fid^  befd^ränftcn. 
S)er  ^ouptjroed  bcö  e^clid^cn  Oüterred^tcö  fei  bie  Drbnung  bcr  tjennögens- 
red^tlic^en  SBer^oItniffc  unter  btn  ©Regatten.  2)ie  Ictteren  l^ätten  aber  immer 
benfclben  3Bo^nfi|  unb  fei  ein  ÄonfCitt  t)erfd)iebener  SHeddte  in  biefer  .^infid^t 
mithin  nid|t  benfbar.  2)aö  SäerliäUnife  ber  ©Regatten  nad^  aufecn  fomme  nur 
in  jrocitcr  Sinie  in  35etrad^t  unb  berühre  in  ber  großen  3Kel^riaI)I  ber  gälle 
au(^  nur  bic  nähere  Umgebung,  gür  fol^e  SScr^ältniffc  fei  bie  ^erftcUung 
eineö  ein^citlidden  JHed^teö  in  ganj  Dcutfcfifanb  o^ne  bcfonbercn  5lBertf),  unb 
^be  ein  Sebürfnife  in  biefer  9lid^tung  fid^  im  SSoIfe  felbft  bur(^auö  nid^t  geltcnb 
gemacht.  2)a}u  fomme,  bag  nad^  bem  in  ^eutfdb(anb  geltcnben  unb  icbcnfaKd 
fqtju^altenben  ?ßrinjipe  bcr  35ertragöfrcif)eit  ben  ©Regatten  baä  Siedet  juftcfie, 
boö  e^etic^c  ©ütcrred^t,  nad&  meinem  fie  leben  wollten,  oertragömöfeig  feft- 
juftellcn,  bafe  alfo  bie  ©in^eit  aud&  bei  geftftettung  eines  unb  beöfelben  gefe^^ 
U(^  ©üterrec^teö  für  ganj  2)eutfd)[anb  bod^  nid^t  erreiddt  werbe.  Sie 
notürUd^e  ftonfequenj  fü^re  bo^in,  wie  in  erftcr  Sinie  ben  ©Regatten  felbft,  fo 
in  jroeiter  Sinie  bem  Sofak  ober  Sanbeöred^tc  bie  geftftcBung  ber  guter« 
rc<^tU4|cn  33erf|ältniife  ju  übcriaffen.  Unt^unli^  fei  aber  bie  geftfteUung  cineö 
einheitlichen  ©üterrcc^teö  für  ganj  S)eutfd^lanb,  weil  eine  fotd^c  nur  bann 
mögli<^  unb,  ^ingcfe^en  auf  ben  Seruf  beö  ®efe|gcbcrö,  Siedet  ju  finbcn,  nid^t, 
Äec^t  }u  mad^cn,  nur  bann  juläffig  fei,  wenn  ein  cinlieitüc^eö  e^elid^eö  ®üterred(|t, 
loenigjtcnd  bem  ©runbgebanfen  nad^,  bereits  cjiftire  ober  bod^  in  bcn  ücr^ 
f(|iebenen  Sled^tsgebictcn  eine  ftetige  SntwidEetung  in  fonoergirenber  SRid^tung 
ftattgefunben,  minbeftenö  allcntlialben  ba&  Scbürfnife  einer  SIcnberung  beö 
bejte^enben  SRed^teö,  unb  jwar  gleichmäßig  nad&  bcrfelben  SRic^tung  l^in,  fid^ 
gejcigt  ^abe.    Äeinc  biefer  aSorauöfcgungen  liege  aber  jur  3^it  oor. 

2)iefc  ©inwenbungen  gegen  bie  einl^eitlid^e  ©eftaltung  beö  ef)elid^en 
©ütcrred^teö  fönnen  jcbod^  alö  ftit^^altig  nid^t  anerfannt  werben.  ®ie  SSer« 
t^ibiflcr  beö  SRegionatfijftemeö  unterfc^äßen  iunäd)ft  bie  Ucbelftänbe,  weld&e 
mit  ber  aScrfc^ieben^eit  beö  in  3)eutfd)lanb  geltenben  cljelic^en  ©üterred^tcö  in 
ber  JC^at  ücrbunben  finb.  @ö  ift  ein  Uebetftanb  unb  wirb  alö  fotd^cr 
empfunben,  bafj  je  nad^  bem  S^^föUc  beö  erften  SBofinfigeö  ber  ©licgattcn  batb 
biefeö  balb  jeneß  el)clic^e  ®üterre4|t  mit  allen  feinen  tiefgreifenben  "^olqzn 
für  bic  gefammten  Sebenöücrl^ältniffc  ber  ©Regatten  jur  2lnwenbung  gelangt, 
foroie  bafe  in  golge  bcr  5Berfd^iebent)eit  beö  geltenben  SRc^tcö  bie  fd^wicrige 
unb  beftrittcne  grage,  ob  unb  weld^en  ©influfe  ber  SBcd^fel  beö  SBofinfigeö 
bcr  ©^cgotten  auf  baö  unter  i^nen  gcltenbe  ®ütcrrcdf|t  Ijat,  fo  häufig  praftifd^ 
wirb.    9Bie  man  aud^  bic  Icgtere  grage  entfd^eiben  mag,  große  Unjuträglid^* 


136  etelid&cß  ®ütcrre(i&t.    ßlnfteitlicSe  SRcöcIunfi.   (§§  1283  ff.) 

feiten  unb  SSerroidEcIungen  finb  babci  nid^t  ju  oermeiben.  SSor  3lttem  ift  cft 
aber  baö  SSerl^ältnife  bcr  @t)cgattcn  nad^  aufeen,  bcffcn  ocrfddiebcnc  gcfefelid^c 
^Regelung  fditoerc  S'iac^tfieile  mit  fid^  bringt.  3)ic  fragen,  wie  n)cit  boö  SScr« 
fügungöred^t  beö  ©^emonneö  über  bod  SBermögen  bcr  ©^efrau  gcfit  unb  ob 
unb  inn)ien)eit  ba&  Söemtögen  beä  einen  ©Regatten  für  bic  ©d^ulben  bcä 
anberen  ^aftct,  finb  nid&t  nur  für  bcn  großen  ^anbeteuerlel^r,  fonbern  aud& 
für  ben  SJcrfefir  beö  täglid^en  Scbenö  oon  ber  größten  praftifdften  Sebeutung; 
i^re  üerfc^iebenc  Seantroortung  in  bcn  nerfd^iebenen  Oütcrrcd^tcn  l&at  eine  für 
ben  SScrfe^r  empfinblid^e  Unfid^er^eit  jur  golge  unb  gicbt  indbefonbere  in  bcn 
©renjbejirfen,  ju  roeldicn  bei  ber  großen  OJlenge  ber  ocrfd&icbencn  ©üterrcd^te 
ein  großer  SC^eil  ©eutfd^Ianbö  gefiört,  nid^t  feiten  }u  SSerfürjungen  unb 
SCäufd&ungen  9lntaß.  6d  ift  jwar  ber  ©ebanfc  aufgeroorfen,  biefem  Ucbelftanbc 
baburd^  ju  entgel)en,  baß  man  jn)ifd^cn  bem  aSerfjältniffe  ber  ©Regatten  unter 
einanber  unb  i^rcm  SBerljäUniffc  nad)  außen  unterfd^eibe ,  ieneö  n)ie  biö^cr 
bem  Sanbeörec^te  überlaffe,  biefcä  aber  für  ganj  2)eutfd^Ianb  cintjcitlidd  regele. 
3nbeffen  ftefit  bas  SSerfiältniß  ber  ©Regatten  nac^  außen  mit  il^rem  33er^ältniffe 
unter  einanber  in  einem  fo  innigen  3i*fömmcn^angc  unb  ift  bie  SRüdEroirfung 
jeber  für  baö  eine  33erl)ä(tniß  gegebenen  öeftimmung  auf  baö  anbere  fo 
unoermeiblid^,  baß  aSßiberfprüd^c  unb  Unflar^eiten  nur  bei  einer  Siegelung 
beiber  oermieben  merben  fönncn. 

9lud^  bcr  axi^  ber  •  SScrtragöfreificit  ber  ©Regatten  ju  Ounften  beö 
9legionaIfi)ftemeö  hergeleitete  ©cfid^töpunft  ift  nid^t  ate  iutreffcnb  ju  erachten. 
2)er  bemfelbcn  ju  ©runbe  licgcnbc  ©ebanfc,  roeld^er  in  fonfequenter  S)urd&? 
fül^rung  bofiin  fül^ren  mürbe,  audd  i^^ö  ganje  Sntcftatcrbrcd^t,  überhaupt  alle 
biöpofitioen  9?cd^töfäfec  oon  ber  cin^eitlid^en  Siegelung  auöjuf daließen,  bcrul^t 
auf  einer  SSerfennung  beö  eigentlid^cn  Orunbcö,  aus  roeld^em  baö  Sebürfniß 
cincö  einl^eitlid&cn  SRcc^teö  entfpringt,  unb  f)ängt  mit  bem  prinjipiellen  ©tanb« 
puntte  jufammen,  meldten  nad^  Obigem  bie  SBcrt^cibigcr  beö  Slcgionalfpftcme« 
JU  ber  grage  ber  Äobififation  beö  bürgerlid^en  SRcd^tcö  überl^aupt  einnehmen. 

3ener  prinäipieUc  Stanbpuntt  ift  nur  ba  rid(|tig,  mo  eö  fid^  um  bie 
ftetige  unb  regetmäßige  gortcntmidfelung  beö  SRed^tcö  oon  einer  gegebenen  ein^ 
I)eitlid^en  ©runblagc  auö  I)anbclt.  ,^ier  fann  unb  muß  ber  ©efc^geber  fid^ 
barauf  bcf^ränfcn,  baö  bereitö  im  SBoIfc  Icbcnbc  Siedet  jufammcnjufaffen,  fo^ 
mie  bie  auö  bcr  Slenbcrung  ber  SBcr^ältnifJe  cntfpringcnbcn  neuen  93ebürfniffc 
ju  erforfdicn  unb  bie  bemfelbcn  cntfprcd&enbcn  9lenbcrungen  beö  biö^erigen 
SRed^tcö  oorjuneljmcn.  2lnbcrö  liegt  aber  bie  Sad^e,  wo  eö  fid^,  mic  jegt  in 
3)eutfd)lanb,  barum  l^anbclt,  nad^  einer  3löl^tl)unbcrte  langen  politifd^en  3^^^' 
fptitterung  unb  einer  berfclben  cntfpredöcnbcn  ocrfd^icbcnartigcn  ©ntroidEclung 
beö  3?cd^tcö  in  bcn  ocrfd^iebcncn  SC^cilcn  3)eutfcf|lanbö  ein  ein^eitlid^eö  SRed^t 
erft  roiebersugcroinncn.  |)icr  fann  ber  ©efeggebcr  fidd  auf  iene  enge  aufgäbe 
nic^t  bcfc^räntcn;  benn  ein  cinbcitUd^eö  Siecht,  rocld&eö  er  nur  in  bie  ent* 
fpred^cnbc  gorm  ju  bringen  liättc,  ift  nod^  nic^t  oor^anben  unb  bei  bem 
unleugbar  oorbanbencn  ©treben  unb  Sebürfniffe  nod^  einheitlicher  (Seftaltung 
beö  SHcd^teö  ift  man  nur  barübcr,  ba^  übcrljaupt  ein  ein^citli^cö  SRcdfet  ^er- 
geftcllt  werben  foll,  nid^t  aber  über  bcn  fonfrctcn  3nl)alt  beöfelbcn  einig,  ^ier 
muß  bcr  öefcggeber  in  ber  Xi)ai  in  gcroiffcm  Sinne  neucö  Siedet  fc^affen  unb 


ejeli^eS  ®ütcrrc*t.    einJcitlicSe  SÜCöelunG.   (§§  1283  ff.)  137 

bcn  3}crfuc^  roagcn,  aM  ber  äSicIgeftalttgfeit  bed  beftef)enben  Sfled^ted  biejcnigen 
9te|tö)ätc  auÄjuTOä^Icti,  rocl^c  unter  S3crücffid^tigung  aller  9Serf)ättniffc  am 
meiften  jur  (Seltung  in  ganj  S)cutfd^lanb  geeignet  erfd^cinen.  555as  if)m  Ijierju 
bod  Siecht  giebt^  ift  bte  aus  bem  politifd^-nationa(en  ^ebürfniffe  bed  beutf^en 
Solted  entfpringenbe  ^orberung  bcd  [enteren  nad^  (Sin^eit  bed  bürgerUdien 
Äft^ted.  3>ad  nationale  Scben  bcbarf  }u  fetner  ooHen  ©ntfattung  bcö  ein^ 
^eitUc^  ^tä)M  faum  minbcr  alö  ber  cinl^eittic^en  Sprad^e.  ©bcnfo  fann 
bü«  iMec^t  fetbft  nur  auf  biefer  (Srunbtage  jur  ooBftcn  unb  rei^ften  ®nt« 
vrictelung  gelangen,  älllerblngd  ift  aud^  t)on  biefem  Stanbpuufte  aud  bem  felb- 
jtanbigen  6ingreifen  ber  ©efeggebung  infofern  eine  ©c^ranfe  gejogen,  ald  fie 
einheitliche  JRed^tönormen  nur  feftftellen  fann  unb  barf,  foroeit  begrünbete 
Sudjicbt  oorbanben  ift,  bag  biefe(ben  über  furj  ober  lang  mirflid^  in  bad 
SWbtöberouStfein  einbringen  werben.  SBenn  unb  foroeit  ba^cr  bie  realen 
Ser^ttniffe  in  3)eutfd^tanb  fo  oerfddieben  fein  follten,  bafe  fic^  eine  für  9lBe 
Wlcnbe  gemeinfamc  9ted^tdnorm  nid^t  finben  tiefee,  müfete  auf  bie  ^erftellung 
eine«  gemeinfamen  SRec^ted  Derjid^tet  roerben. 

35on  bem  in  bem  Sid^erigen  entroidPelten  prinsipiellen  ©tanbpuntte  aud 
ift  QU(^  bie  prin^ipieUe  §rage,  ob  bad  ebeüd^e  @üterred^t  einheitlich  für  ganj 
2eutf(Jtanb  georbnet  roerben  fann,  ju  beurtl^eiten.  3t|re  Verneinung  roürbe 
von  jenem  Stanbpunfte  aud  ftd^  nur  bann  red^tfertigen  taffen,  roenn  bie 
Serfc^iebcn^eit  ber  jur  ^ext  geltenbcn  Srifteme  bed  e^eli^en  ®üterred^ted  auf 
einer  folgen  SSerfc^iebcn^eit  ber  tfiatfäd^üd^en  SBerfjältnifje  berufjte,  ba&  eine 
für  oUe  paffenbe  gemeinfame  Siegel  nid^t  gefunben  roerben  f önnte.  ®a  bie  6^e 
felbft  in  ganj  3)eutfc^lanb  biefelbc  ift,  fo  fonnte  ein  ®runb  für  eine  oer* 
fcftiebenortige  Siegelung  bed  efiefic^en  ©üterrec^ted  benfbarerroeife  nur  in  einer 
?krf(6iebenbeit  ber  geiftigen  ©igentt)ümlid^feit  ber  bcutfd^en  3SoIfdftämme  ober 
in  riner  SJerfd^iebcnbeit  ber  roirt^fd^aftUd^en  SBer^ältniffe  gefunben  roerben,' 
€in  fold^er  @runb  ift  aber  niclft  üor^anben. 

SBSad  5unäc^ft  bad  romifd^e  2)ota[red^t  anlangt,  beffen  @e(tungdgebiet 
nur  ein  ocr^ältnifemäfeig  Heined  ift,  fo  fann  ed  feinem  Sw'cifcf  unterliegen, 
boB  beffen  ^errfd^aft  nid&t  auf  befonberen  (Sigcntf)ümlid^feitcn  berjenigen 
©Äiete,  in  welchen  cd  ^errfcfit,  beruht.  6d  ift  in  benfelben  mit  ber  all* 
gemeinen  Slejcption  bed  röm.  Sled^ted  jur  ^errfc^aft  gelangt,  üerbanft  tcbiglic^ 
biefer  feine  (Geltung  unb  fann  ba^er  feinen  Slnfpruc^  auf  befonbere  Serücf* 
fii^tigung  wegen  lofaler  ©igent^ümlid^feiten  feined  ^errf^aftdbejirfed  mad^en. 

3iocifel^ofter  fann  bie  grage  bei  ben  el^eli^en  ®üterrcdE|ten  bcutfd^* 
tet^tlid^en  Urfprungeö  fein.  SlUen  liegen  jroar  geroiffe  gemeinfamc  Slnfd^auungen 
}u  ®ruiibe.  ^c  ge^cn  baoon  aud^  bag  unmittelbar  fraft  ©cfegcd  burd)  bie 
Eingebung  ber  6^e  eine  bem  ^rocdt  berfelbcn  entfpredfjcnbe  33eränberung  ber 
wrmögcndrcd^tUd^en  aSer^ältniffe  ber  ©Regatten  eintritt.  3lUen  liegt  ferner  ber 
Qebonfe  ju  ©runbe,  bafe  bad  SSermögen  ber  ©b^frau  roö^renb  ber  Q\)c  mit 
bem  bed  ©bcmonned  in  beffen  ^anb  für  bie  Qvotdc  ber  ©t)c  ocreinigt  roirb, 
boft  bem  e^cmanne  bie  SScrroaltung  bcdfelben  juftebt  unb  bad  äSerfügungdred^t 
ber  e^frau  in  Snfe^ung  biefcd  93erm5gcnd  befd[)ränft  unb  regclmögig  an  bie 
Ginnrilligung  bed  (S^emanned  gcbunben  ift,  ba^  cnbiid^  bie  ebelid^en  Saften 
junö^fl  aud  bem  ©rtrage  bed  bciberfcitigcn  SBermogend  unb  ber  beiberfeitigen 


138  e6cri(6e§  ©ütcrred&t.    ©nßeitlid&e  SRcöelung.   (§§  1283  ff.) 

2Irbeit  ju  beftreiten  finb.  33on  bicfcn  gcmcinfamcn  ©runbtagen  aus  f)ai  aber 
eine  ©ntiüictclung  in  cerfd^iebenen  SHid^tungen  ftattgef unben ,  inbent  bie  fßtt^ 
einigung  beö  beiberfcitigcn  5Bcrmögenö  balb  me^r  balb  weniger  intenfto,  baö 
aSerroaltungdrcdöt  beö  ß^emanneö  balb  me^r  balb  rocniger  umfangreidd  fid^ 
geftaltet  \)at  unb  eine  9iad^n)irtung  ber  6^e  nadd  bem  2:obe  balb  in  größerem 
balb  in  geringerem  Umfange  anerfannt  ift.  SDarauö  finb  bie  üerfd^icbenen 
©r)fteme  ber  allgemeinen  unb  partifulären  ©ütergemeinfd^aft,  foroie  ber  fog. 
SSerroattungögemeinfd^aft  ((Süterein^cit,  Oüteroerbinbung)  mit  i^ren  rer* 
fd^iebencn  Unterarten  fierüorgegangen.  2)iefe  SSerfd^icben^eit  ber  ©ntroitfelung 
berul^t  icbod^,  wie  bie  ®efci^id)te  beö  e^elid^cn  ©üterred^teö  nnb  eine  aScr* 
gleid^ung  ber  jegigen  tdatfäd^lid^en  35er^ältnijfe  in  ben  (Settungögebieten  ber 
t)erfd^icbenen  Siedete  jeigt,  nid^t  auf  eigent^ümlid^en  33ert)ältniffen  in  ben  Der* 
ft^iebencn  ^^cilen  2)eutfdblanbö,  inöbefonbere  nid^t  auf  ber  ©igenartigfeit  bor 
beutfd^en  SSolföftämme  ober  ber  SSerf(^ieben^eit  ber  roirtfifd^afttid^cn  SSerööltniffe. 
2)ie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  fommt  bei  ben  ocrfddiebenftcn  Stämmen 
unb  unter  ben  üerfd^iebenften  roirtl^fdEiaftlidöen  93cr^öltniffen  oor.  9Hd^t  bie* 
felbe  ©tammeöeigcnt^ümliddfeit  fann  es  fein,  meldte  in  Oft*  unb  SBeftpreufeen, 
wie  in  5JBürjburg  unb  SBa^reut^,  in  ^ofen,  toie  in  SBeftfalen,  in  Singen  unb 
äßeppen,  wie  in  gulba  unb  Sambcrg,  in  S3rcmen  unb  Hamburg,  n)ie  in 
9Iürnbcrg,  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  crl^ält.  6ie  ift  rocber  auf  ben 
©üben  nod)  auf  ben  91orben,  roeber  auf  ben  Dften  no^  auf  ben  SGßeftcn  von 
2)eutf(^tanb  befd^ränft,  aber  ebenfomenig  t)errfd^t  fic  ^ier  ober  bort  ausfd^licfelid^. 
©ic  fommt  ferner  unkt  ben  ocrfd[)icbenften  mirti^fd^aftli^en  SBer^dltnijfen  oor 
unb  unter  ganj  benfclben  roirt^fd^aftlic^en  58crt)ältniffen  finbet  fid)  neben  ber 
allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  bie  ©rrungenfd^af tö?  unb  bie  SBcrroaltungßgemein^ 
fd^aft.  ©ic  ift  mebcr  auf  bie  ©tobte  nod^  auf  baö  Sanb  bcfd^ränft  unb  ebenfo^ 
menig  in  jenen  ober  auf  biefem  auäfd)lie6lid&  ^errfd^cnb.  3)cn  großen  ^anbclß^ 
ftöbtcn  Hamburg  unb  33remen  mit  allgemeiner  ©ütergemeinfc^aft  ftel^en  Serlin 
unb  Scipjig  mit  aSerroaltungögemeinfdEiaft  unb  granffurt  a.  3)1.  mit  ©rrungen* 
fd^aftögemeinfd&aft  gegenüber.  3n  ät)nlidbcr  SBeife  läßt  fic^  für  alle  benfbar 
in  Setrad^t  fommenben  roirt^fdiaftlidien  SBcr^ältniffe  nadEiroeifen,  bofe  in  if)neti 
n\ä)i  ber  Orunb  für  bie  ^errfd^aft  ober  äluöfd^tiefeung  ber  ©ütergemeinf^aft 
berul^t. 

3u)eifctl|after  fann  eö  auf  ben  erften  SBlicf  erfd^einen,  ob  nicfit  bie 
aKobiliargemeinfd^oft  mit  befonberen  tJ^atfäd^lid^en  SSer^ältniffen  ilired  ©eltungß* 
gebietcd  jufammcn^ängt.  ©ie  l^crrfc^t  am  ganjen  tinfen  JR^einufer  unb  in 
33aben,  aufecrbem  nur  »creinjett,  j.  33.  in  ©d^leöroig  auf  ®runb  beö  jütifc^en 
Soro.  Snbeffcn  aud^  in  i^rem  großen  gcfd^loffenen  ©eltungögebiete  am  M^ein 
ift  fie  niddt  burd^  eine  auf  ben  befonberen  SBer^ältniffen  jener  ©egcnb  beru^enbe 
©ntmidfelung  jur  §errfdf)aft  gelangt;  oietmel^r  uerbanft  fie  ifire  bortigc  ©eltung 
ber  ®infül)rung  beö  code  civil.  2)ie  jefet  bort  allgemein  ^errf^enbe  SKobiliar^^ 
gemeinfd)aft  beö  franj.  SRed^tcö  ^at  jroar,  mie  überhaupt  baö  franj.  Stecht,  fcfte 
aSßurjel  gefaxt.  Db  fic  freilidf)  üollftänbig  ben  S3ebürfttiffen  unb  Slnfc^auungen 
ber  SBcoölfcnmg  entfpridfit,  fann  nad)  ben  omttid)cn  äWitt^eilungen  über  bie 
3a^l  unb  9lid)tung  ber  ei^eoertröge  mit  ©runb  bejroeifelt  werben.  SBenn 
man  aber  fiieroon  aud)  abfieljt  unb  onnimmt,  ha^  bie  äßobiliargemeinfd&aft 


eWtd&c8  ©üterrc^t.    (gin6eitli*e  {ReßelunG.   (§§  1283  ff.)  139 

» 

im  ®anim  für  jtüerfmä^ig  gcl^attcn  tüirb  unb  burd^  (Scioo^nl^eit  fid^  ein* 
gebürgert  l^ai,  fo  ftnb  e«  boä)  nur  biefe  3Komente,  nid^t  befonbcre  tf|atfäcf)Iiciöc 
Ser^ültnijfe,  auf  roeld^cn  bie  SlnJ^önglid^feit  ber  93eoötferung  berul^t.  S^ne 
ÜJlomente  allein  fonnen  aber  f)xtx  fo  wenig,  wie  in  Setreff  anbcrer  2;^eile  bcd 
franj.  9led&teö  bic  SReid^sgefe^gcbung  üeranlaffcn,  auf  j[ebe  9lenberung  ju  t)er* 
jidjten.  SBaö  bcl^ufä  ^erfteUung  ber  SRed^töeinl^eit  in  granfrcicf)  in  ienen 
(Segenben  eingeführt  worben  ift,  mufe,  wenn  eö  fid^  nid^t  eignet,  in  ganj 
2)eutf(^lanb  eingeführt  ju  werben,  be^ufä  J^^^ft^Dung  ber  9ledE)töeinf)eit  in 
S)eutfc^Ianb  audd  roicber  aufgehoben  werben  fönnen,  unb  man  barf  vertrauen, 
bo6  ber  ©influfe  eines  allgemeinen  beutfd&en  SRed^teö  auf  ©itte  unb  ®cn)oI)n* 
^it  nit^t  fd^roäc^cr  fein  wirb,  ate  ber  bcö  franj.  SRed^teö  eö  geroefen  ift. 

2)cr  ^auptftfe  ber  reinen  ©rrungenfdfiaf tögemeinfc^aft  ift  ©übbcutfd^fanb ; 
jeboi^  fommt  biefelbc  aud^  in  anberen  S^l^eilen  S)eutfd^Ianbß  t)or,  unb  neben 
i^r  befte|t  anbercrfeitö  aud^  in  ©übbcutfd^tanb  in  großen  ©ebieten  bic  all* 
gemeine  ©ütcrgemeinfd^aft,  in  mehreren  Heineren  ©cbietcn  aud^  getrenntes 
e^Iit^eö  Oüterred^t.  S)ic  ©rrungenfddaftögemeinfd^aft  bed  iegigen  SRed^teö  ift 
übrigens  feineswegs  fel^r  alten  S)atumS.  ©ie  ift  nid^t  unmittelbar  aus  ber 
(Srrungcnfdbaftsgemeinfc^aft  bcS  älteren  SWeddtes  ^enjorgegangen,  fonbem  berul^t 
auf  einer  rücfläufigen  ©ntwidPelung.  3n  nic^t  wenigen  ©ebieten,  in  weld)en 
jc|t  ©rrungenfd^aftsgemeinfd^aft  f^errfd^t,  ^at  früfier  aWobiliargemeinfd^aft  unb 
3Jcrfangenfd^aftSred^t  ober  felbft  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  gegolten;  aber 
bie  mit  biefen  intenfioeren  gormen  ber  Ocmeinfd^aft  »erbunbenen  $Rad&tf)ei(e 
madjten  itd^  mit  ber  S^it  fo  fül^lbor,  bafe  man  fie  wieber  aufgab  unb  ju  ber 
loferen  gorm  ber  4Srrungenfd^aftSgemcinfd^aft  jurütffefirte.  9lud^  fiier  ift  ein 
entfdjeibenber  6influg  befonberer  ©tammeSeigentf|ümlid&!eit  ober  beftimmter 
roirt^^aftlic^er  SSerl^ältnijfe  nic^t  nad^weisbar. 

©asfclbc  gilt  von  ben  jwifd^en  ber  SRobiliargcmeinfd^af t  unb  ber  ©rrungem 
fcJaftSgemeinfd^aft  in  ber  aWitte  liegcnben  ©^ftemen,  fowic  von  ben  uerfd^iebenen 
gormen  beS  getrennten  ©üterred^teS. 

2)ie  gaftoren,  wetd^c  für  btn  ie|figen  S^P^nb  bes  eficlid^en  ©üterred^tcs 
in  S)eutf(^Ianb  beftimmenb  gewefen  Tmb  unb  einer  einl^eitlid&en  Siegelung  bes^* 
felben  entgegenfte^en,  beftclien  wefcntlidti  in  einer  93erfc^ieben^eit  ber  Slnfid^ten 
über  ben  inneren  9Bert^  unb  bie  praftifd^en  SBorjüge  ber  oerfd^iebenen  ©i)fteme 
unb  in  ber  SWad^t  ber  ®ewoI)nl^eit.  S)ie  93ebeutung  biefer  SKomcnte  barf  jwar 
genri§  nid^t  gering  angcfd)[agcn  werben,  2)aS  e^eli^e  ®üterred^t  gehört  ju 
benjenigen  2^^eilen  bes  Slecfitcs,  weld^e  wegen  ber  Statur  ber  von  xf)m  be* 
^errfc^ten  JBer^ättntffe  am  tiefften  in  bas  3Jewufetfein  bcS  SSoIfeS  einbringen 
unb  bei  welchen  ©ewo^n^eit  unb  ererbte  Ueberlieferung  eine  2lnl)äng{idö!eit 
erjeugen,  meiere  oft  felbft  burdd  bie  ©rfenntnife  ber  UnjwcdEmäöigfeit  nid^t 
jerftört  werben  fann.  2»og  audd  bas  l^ierauf  jU  legenbe  ©ewid^t  fiäufig  über* 
trieben  unb  eS  immerl^in  rid^tig  fein,  bafe  bic  aKef|rjaI)l  ber  6f|egatten  nidE)t 
loei^,  nac^  weld^em  cl^cticdcn  ©üterred^te  fie  [eben,  fo  würbe  bod^  mit  Siedet 
brr  Sorwurf  beS  Seid^tfinnes  ben  Oefcggebcr  treffen,  weld^er  ofinc  jwingenbe 
©rünbc  bas  in  einem  ©ebiete  burd^  Oewolinl^cit  eingebürgerte  cl)elid^e  ®üter* 
red&t  burd^  ein  anbercS,  wenngleich  prinjipicU  riddtigcreö,  erfegen  wollte.  SIbcr 
ber  ^o^eren  gorberung  ber  nationalen  9ic^lSeinl)eit  gegenüber  fann  bic  9ln* 


140  (SfidiiltQ  ®ütcrre*t.    (gm^ritlid&c  fRz^cirnQ.   (§§  1283  ff.) 

I^ängli^fcit  nn  baö  ^crgcbrad^te  feine  entfd^cibcnbc  Sebeutung  für  fid^  in 
Stnfprud^  nelimen,  unb  roenn  aus  fold^em  ©runbe  eine  5lcnbcrung  erfolgt, 
roirb  ba^  nationale  93en)u6tfein  unb  baö  (Seroic^t,  rociddeä  einem  cinlcitlic^cn 
nationalen  SRed^te  innennji^nt,  baö  älufgeben  beö  §ergebra(i^ten  unb  bie  ®e^ 
roöfinung  an  baö  5Reue  aufeerorbentlid^  crieid^tern.  2)ie  großen  ©eifpietc 
granfreid&ö  unb  Defterreid^ö  jeigen,  ba§  man  fid^  bort  nid^t  gefcl>eut  ^at,  ju 
©unftcn  ber  ^erftettung  ber  SRcd^töeinl^cit  aud^  in  baö  el^elidde  ©üterrcc^t  ein* 
jugreifcn  unb  bie  bort  früher  äl^ntic^  roie  nod^  jefet  in  ©cutfc^lanb  beftel^enbc 
bunte  3)tannigfaltigfeit  ber  oerfd^iebenften  SRed^te  burd^  ein  cin^citlid^cö  e^e- 
lidfjeö  ©üterred^t  ju  erfe^en.  SRag  fid^  aud&  barüber  ftreitcn  la^cn,  ob  bei  ber 
9luön)aI)I  beö  neu  eingeführten  einl^eittid^en  9led&teö  baö  3li(^tige  getroffen  ift, 
fo  roirb  bod^  ber  grofee  ©eroinn,  roeld^er  burd^  bie  gewonnene  ©infieitlid^fcit 
bcö  SRed^teö  an  fid^,  ganj  abgefc^en  t)on  feinem  S^i^atte,  erreid^t  ift,  in  iencn 
Säubern  ganj  allgemein  anerfannt.  9lud&  in  2)eutfd&[anb  ^at  man  fidb  ba, 
mo  ^ö^ere  SRüdEftd^ten,  inöbcfonbere  bie  ^erftellung  territorialer  ober  proüinjieller 
SRec^töeinl^eit,  cö  erforbcrten,  nid&t  gefreut,  baö  l^errfd&enbe  el^elid^e  Oüterred^t 
burd&  bie  Oefeggebung  umjugeftalten.  @ö  ift  bieö  nid^t  nur  l^äufig  für  fleincre 
Oebicte  gefd^efien,  um  baö  SRcc^t  berfelben  mit  bem  cineö  benad^borten  Oebicteö 
in  ©inflang  ju  fefeen,  fonbern  aud)  in  größeren  (Sebieten  f|at  bie  ©efefegebung 
nic^t  feiten  einfc^neibenb  eingegriffen.  9luö  älterer  Qdi  mag  nur  an  bie 
bax)x.  ©efe^gebung  unb  inöbefonbere  an  bie  erft  nad^  mannigfad^em  SBiber? 
ftanbe  burc^gcfcgte  ©infül^ning  beö  mürttcmb.  2.  91.,  fomie  an  bt^cn  fpötcre 
Sluöbc^nung  auf  bie  neu  erworbenen  roürttemb.  Sanbeöt^cile  ccinnai  merben. 
3n  ^ßrcufeen  mürbe  menigftcnö  bie  ^erftellung  proüinsieller  SRec^töein^eit  in 
^Betreff  beö  e^elid^en  ©üterred^teö  allentljalben  crftrebt  unb  jum  größten  2:(jeilc 
erreid)t.  3>n  Oft*  unb  SEßeftpreufeen  foroie  in  5ßofen  mürbe  bie  allgemeine 
©ütergemeinfd^aft  beö  preufe.  91.  S.  31.  eingefül^rt.  3«  SBcftfalen  mürbe  an 
Stelle  einer  großen  3cif|l  ^on  fiofalred^ten  burdd  ©efeg  oom  16.  SÄprit  1860 
ein  ein^eitlic^cö  ©ütcrgcmeinfcf)aftöred^t  gefefet.  §icr  beruht  baö  neue  9icd&t 
allerbingö  auf  ä^nlid^cn  ©runblagcn,  wie  bie  oufgeljobenen  älteren  JRed&te, 
unb  würbe  baöfelbe  in  bcnjenigen  2^f)cilen  ber  5ßrooinj,  in  meldten  rom. 
>Dotalrec^t  galt,  nidOt  eingefüljrt;  bagegen  würben  in  ©d)lcfien  burd^  baö 
©cfe|  ü.  11.  3uti  1845  mel^r  alö  fedfjöjig  auf  bcn  oerfd^iebenften  unb  ent* 
gegengefegteften  ©runblagen  beru()cnbe  e^clid&e  ©üterred^te  befeitigt  unb  burd^ 
bie  aSerwaltungögemcinfd^aft  beö  91.  S.  91.  crfegt.  9luö  neuefter  ^t\t  ift  ferner 
an  baö  93cifpiel  Sübccfö  unb  Dlbenburgö  ju  erinnern.  3n  fiübedf  würbe  an 
Stelle  bcö  alten  lübifd^en  9led&teö  burd^  ©efefc  ü.  10.  gebruar  1862  ein 
©i)ftem  ber  reinen  aSerwaltungögemcinfd^aft  eingefüt)rt,  unb  in  Dlbeuburg, 
xod  faft  alle  ©t)fteme  beö  cljeli^en  ©üterre^teö  in  ben  ücrfd&iebenen  SofaU 
redeten  uertreten  waren,  würben  bie  lefcteren  fämmtlid^  burc^  baö  ®cfe$ 
V,  24.  9lpril  1873,  welc^eö  1879  feinem  wefentlid^en  ^nljtilte  nadf)  aud&  auf  baö 
§ürftentl|um  Sübccf  auögebe^nt  würbe,  aufgeljoben  unb  burd^  ein  einljeitlid&eö, 
auf  bem  Si)fteme  ber  SSerwaltungögemcinfdiaft  beruljenbeö  9led^t  erfe^t.  9lud& 
ber  l;eff.  ©ntw.,  fowie  ber  im  SDknuffripte  Dorliegenbc  bax)v.  @ntw.  eincö  bürgcr« 
lieben  ©efefbud^eö  beabficbtigten,  an  ©teile  ber  oielcn  oerfd)iebcnen,  in  ben 
betreffenben  Sänbern  geltcnben  cl)clid)cn  ©üterred^te  ein  einljeitlic^eö  cbclid&cö 


eWi*eß  ©ütcrrcdjt.    ScrtraggindBiöc  ©utcrftänbe.    (§§  1283  ff.)        141 

©ülerrfd^t  ju  fe^cn.     SGBaö  tiicmad^   bcl^ufö  ^erftcUung  territorialer  ober 
prooinjieller  9le(i^tÄcinl|eit  mit  gutent  ©runbe  für  juläffig  unb  notfiiüenbig 
erachtet  loorben  ift,  wirb  fidler  mit  nici|t  weniger  SHcd^t  anä)  bc^ufö  ^erftellung  . 
btr  nationalen  9Ied^tdeinl^eit  gefd^e^en  tonnen. 

2Iud^  bic  58ert^cibiger  bcö  9legionalfi)ftemd  muffen  fi(^  übrigens,  um 
einen  einigermaßen  brauchbaren  9iec^t§5uftanb  f)er5ufteUen,  baju  oerftel^en,  in 
einer  grofeen  ^a1)l  von  ©ejirten  ein  dou  bem  ie|t  bort  gcltenbcn  etielidben 
©ülerrec^tc  burd^auö  abrocid^enbeö  el^elid^eö  ©ütcrred^t  ciujufü^ren.  ©ic  »er? 
fcnncn  nic^t,  bafe  ber  jegige  3iifto^^^  ^^  el^etid^en  ©ütcrred^tcö  in  einem 
grofeen  2:^cile  2)eutfc^lanbö  an  tiefen  Sc^&ben  leibet  unb  fein  gortbefte^en, 
no(J|bem  im  Uebrigen  baö  ^ßrojcfered^t  mic  baö  bürgerli(i^e  31ed)t  cinfieitlid^  gc- 
orbnet  ift,  unerträglich  fein  mürbe.  Slud^  fie  moücn  bal)er  bie  93ilbung  größerer 
JJed^tögebiete,  in  meldten  ein  unb  basfelbe  ef|elici)e  ®ükxxtä)t  gelten  foU. 
S)ie«  ift  aber,  mag  man  bie  SRed^tögcbiete  in  ber  einen  ober  anbcren  3lrt  ein* 
t^Uen,  niemals  ju  erreichen,  ol^ne  in  oieten  Oebieten  baö  biöl)erige  Oüterrec^t 
üufjutiebcn  unb  burd)  ein  auf  entgegengefc|ten  ©runblagen  berutienbes  ju  er* 
feten.  ©rächtet  man  aber  ein  Eingreifen  ber  ®efe|gebung  in  baö  befteljenbe 
c^lic^c  ©üterrc^t  für  juläffig,  um  eine  aus  3tt>c*^äfei9'^it^9^ö"i>^«  fi^J  | 
empfe^lenbe  9Crronbirung  ber  SRed^tögebiete  ju  erjielen,  fo  muß  ein  folc^eö  i 
eingreifen  ber  ®efe|gebung  um  fo  mefjr  als  julöffig  erad^tet  werben,  wenn  eß  ' 
fi^  barum  ^anbelt,  ben  großen,  burd^  ein  nationales  Sebürfniß  geforberten, 
für  bie  ganjc  ©ntroicfetung  unferes  nationalen  Sebens  cntfc^eibcnben  3^^^/ 
bie  ^erftellung  ber  nationalen  iRec^tSeinl^cit,  ju  errcid^cn. 

SBenngleidb  aus  ben  oorftc^enb  bargelegten  ©rünben  in  ber  SSerfd^ieben^^  mMu  «t'e* 
^it  bcs  gegcnroärtig  in  S)eutfd&tanb  geltenben  el)elic^en  (Süterred^tes  fein  ent*  Tm^  m  e^e. 
fd^ibenbcs  ^inberniß  gegen  bic  ^erftcUung  eines  einl)citlid^en  c^elid^en  Oüter-^  "**"^J^*"' 
re^tcs  für  ganj  S)cutfd^lanb  gefunben  mcrbcn  fann,  fo  wirb  bod^  anbererfeits 
jebe  mit  biefem  S^tdc  vereinbare  Jiütffic^t  auf  bic  faft  allenttialben  me^r  ober 
weniger  berrfc^cnbc  3ln^änglid&fcit  an  baS  beftetjcnbc  9ied}t  genommen  roerben 
muffen.  Gs  ift  bes^alb  nit^t  nur  ber  in  faft  allen  beutfd^en  9tcdE)ten  geltcnbe 
©runbfaj  f eft jutialten ,  baß  bie  ©Regatten  ben  gefeglidden  ©ütcrftanb  burd) 
Sertrag  ousfc^ließen  ober  änbern  unb  nadb  SWaßgabc  ber  allgemeinen  ©runb« 
fo^e  bes  ©cfetjbuc^es  einen  anberen  ©üterftanb  vereinbaren  fönncn,  fonbem 
es  muß  i^nen  aucb  bie  SWbglid^feit,  burd^  SSertrag  einen,  bem  bisl^erigen  JRed^tc 
entfprec^enben  ©üterftanb  l^eriuftellen,  baburdd  erleichtert  merbcn,  baß  bas 
(Sefefibuc^  neben  bem  gefeglid^en  e^elid^en  ©ütcrrc^tc  bie  fonftigen  liauptföd^lid^ 
ie|t  in  £eutfcl>lanb  gcltenbcn  gefellid^en  ©üterftänbe  als  vertragsmäßige  (Süter* 
ftänbe  regelt.  @cgen  eine  fold^e  Siegelung  Ijat  fid&  5mar  bei  ben  aScr^anblungen 
bcs  beutfdb^n  3"riftentages  ein  lebtjaftcr  SBiberfprud^  erl^oben.  ®s  ift  bagcgen 
insbefonbcrc  gcltenb  gemadit,  baß,  mcnn  bas  gefe^li^e  (Süterrec^t  in  ätoecf* 
mäßiger  S38eifc  gcorbnet  merbe,  fein  Sebürfniß  oorfianbcn  fei,  ben  3lbfc^luß 
wn  ß^epcrträgcn  burd^  S3eftimmungen  ber  fraglichen  9Irt  ju  crleid^tcrn,  unb 
büß  baburcf)  bic  J^erftcüung  eines  bem  gefegtidöen  ©ütcrredötc  t^atfäd^tid^  cnt* 
fprec^cnbcn  cinfjeitlic^en  Mec^tSiuftanbcS  etfc^mert  unb  viellcid^t  bauernb  gc* 
fö^rbet  werbe,  ®icfc  Sluffaffung  ^at  jeboc^  in  ber  bctreffenben  Slbtljeilung  beS 
3«riftentages  bic  üKcl)rt)eit  nidit  erlangt;  es  ift  vielmcljr  von  berfelben  ber 


142         er)clid&e§  Oütcrrcd^t.    aScrtraggmäBtge  ©üterftanbe.    (§§  1283  ff.) 

93cfd^Iu6  gefaxt:  eö  fei  not^roenbig,  in  einem  gcmeinfamen  beutfd^en  ©cfefe* 
bud^c  neben  bem  ©i)ftcme  beä  gefe|Iid)en  @üterrcci|teö  bie  übrigen  ^Qupt* 
formen  beö  beutfd^en  c^elid^en  ©üterred^teö  jur  ©rgönjung  genereller  6^es 
ücrträge  bispofitiD  ju  normiren  (SBer^anbl.  bcä  13.  3uriftentageö  IT,  2  ©.  137). 
9luf  bemfelben  93oben  fielet  aud)  ber  ©ntrourf.   ®ö  ift  jmar  nic^t  ju  bejroeifcin, 
ba^,  menn  bos  Oefeß  feine  93eftimmungen  ber  fraglid^en  3lrt  giebt,  ber  3lb^ 
frf)Iu6  t)on  ß^eDertrftgen  jum  Qmtdt  ber  ^erftellung  eineö  il^ren  bisherigen 
9ted^tägen)o]^n^eiten  entfpred^enben  3"ftönbeß  ben  93et£)eiligten  anfeerorbenttid^ 
crfd^roert  wirb,    SKand^c  SSerfiältniJfe  beö  biöl)erigen  SWed^teö  lafjen  ficf)  in  ©r* 
tnangelung  auöbrüdttidber  gefeg(id)cr  SBeftimmungen  burd^  SBertrag  überhaupt 
nid^t  l^erfteUen,  j.  93.  baö  SBer^ößnife  beö  (Sefammtguteö   bei  ber  Oütcr:? 
gcmeinfd^oft  unb  baä  bei  fortgefe^ter  Oütergemeinfd^aft  eintretenbe  SOcr^ältnife. 
Unter  allen  Umftänbcn  TOÜrbe  eä  aufeerorbentlid^  fc^roierig  fein,  ©^eoerträge 
^u  formuliren,  burd^  roeld^e  ein  ben  biöl)erigen  SSerl^ättniffen  aud^  nur  in  ben 
^auptjügen  unb  im  TOirt^fd^aftlid^en  SHcfuItate  entfpred^enber  ^uftanb  ^ergefteüt 
mürbe.    3^cife(  unb  Unflarl^eiten  aller  9Irt  mürben  bie  unauöbleiblid^e  golgc 
fein.    ®ie  f)icrauö  fid^  ergebenben  9iad^tl^eile  ftnb  fo  bebeutenb,  bafe  ma^r* 
fdfieinlidö  üicle  S3et^ei(igte  fi(^  baburd^  t)on  bem  3lbfd^Iuffe  von  (g^eoerträgen 
öbfiatten  laffen  mürben.    ®urd&  fold^c  3ßitte[  aber  auf  bie  SBerminberung  ber 
(g^eDertröge  unb  bie  tl)atfäd^lid^e  Unterroerfung  unter  baQ  gefe^lic^e  ©üterrec^t 
einsuroirfen,  fanu  nid;t  als  gered^tfertigt  erad^tet  merbcn.    2)as  5ßrinjip  ber 
tBertragäfreil^eit  ift  für  bas  efielic^c  ®üterredf|t  in  2)cutfd^Ianb  oon  jc^er  a\U 
gemein  anerfannt  roorben.    ®aö  beutfdf)c  SRed^töbemu^tfein  »erlangt,  ba%  bie 
^degatten  innerfialb  ber  burd^  baö  fittlid^e  SBcfen  ber  @]^e  gejogenen  ©d^ran!en 
ibre  äufeeren  SBerbättniffe  frei  nad^  il^rem  ©rmeffen  orbncn  fonnen.    3)aö  Sc« 
bürfni^  einer  fold&en  grei^eit  mirb  burd^  bie  @infüt)rung  eines  ein^eitlid&cn 
gefcllid^en  ©üterred^teö  ni^t  uerminbert,  fonbern  oergrö§ert,    Dbne  bie  aSers^ 
tragöfreil^eit  mürbe  baö  einl^eitlid^e  gefe|lidE)c  (Süterrec^t  in  oielen  ^f)tiltn 
®eutf(^Ianbö  a(ö  eine  fd^mere  93cbrücfung  empfunben  mcrben.    3ene  grci^cit 
barf  ba fier  aud^  nidfjt  inbireft  baburd^  oerfümmert  merbcn,  bafe  bie  9lufnof)me 
fold^er  gcfeft(idf|er  Seftimmungen  unterbleibt,  burd^  meiere  allein  ben  93etl^eiUgten 
bie  a)l5gli(^feit  gemalert  mirb,  in  praftifd^  jmedfmöfeiger  SBeife  einen  il^ren  biö* 
tierigen  (Semobn^eiten  unb  Scbürfniffen  entfpred^enben  3iiftöni>   b^iufteUen, 
35ou  felbft  t)erftei|t  fid)  übrigens,  bafe  bei  ber  Drbnung  beö  tjertragsmöfeigcn 
cljeüd^cn  ©üterred^ted  nidf)t  alle  juriftifd^en  ©igenttjümlid^fciten  beö  biöl^erigcn 
IRed^teö  ju  berüdfftd^tigen  finb,  ba§  üielmebr  bie  juriftifd^e  fionftruftion  beö 
ganjen  c^elidben  ©üterred^teö  eine  einfieittid^c  fein  unb  baö  ücrtragömäfeige 
©ütcrred^t  fid^  in  biefer  Scjicl^ung  burc^auö  an  baö  gefegUd^e  ®üterred(|t  an« 
fd^liefeen  mufe.    5Die  biö^erige  SKannigfaltigteit  ber  juriftifd^en  gorm  aufrecht 
ju  erl^alten,  mirb  burd^  ein  praftifdfjeö  Sebürfnife  ni(^t  geboten  unb  burd^  baö 
SBefen  cineö  einl^eitlid^en  (Scfe^buc^eö  auögefcbloffen.    Sßur  barauf  fommt  cä 
mi,  ben  93etbei{igten  bie  Sßöglid^teit  jU  ertcid^tern,  einen  in  feinem  mirt^f^aft- 
Ud^en  SRefuItate  bem  biö^erigen  Siedete  entfpredfienben  S^ft^nb  I)erjufteUen. 
©ntfprcd)cn  bie  über  bie  einjelnen  ß^eoerträge  aufjunefimenben  S3eftimmungen 
bicfem  S^edt,  fo  ift  bem  Sebürfniffe  Oenügc  gefd^e^en.    S)ie  öctbeiligtcn 
tonnen  bann  burdf)  einfädle  93e5ugnal^me  auf  bie  gefe^lic^en  33eftimmungen  baö 


®6eli*e§ ®ütcrrcd&t.  (Softem  bc§  Qt]d^l  ® utcrred6te§.  ginl.  (§§  1283  ff.)       143 

Don  i^ncn  geroünfc^tc  ®üterred&t  inx  ©eltung  bringen,  2)aburc^  roirb  jebcr 
3roong  auögcfc^loffen,  unb  bleibt  eö  ber  natürlichen  ©ntroicfelung  überladen,  bie 
@eroo^nf)eit  an  baä  bisherige  JRed^t  allmälig  ju  überroinben  unb  baä  neue 
flefc^ü^c  (Süterre^t  aud&  tl^atfäd^Iid^  jur  allgemeinen  ©eltung  ju  bringen. 

2.  Sei  ©ntfd^eibung  bcr  weiteren  grage,  raeld^eö  Sijftem  bcö  e^elid^en  e^embe« 
®ütcrred|tcö  fid^  am  beften  jur  ®infü^rung  in  ganj  2)eutfc^Ianb  eignet,  finb  @üt«re^tlk 
folgenbc  ©rioägungen  ma^gebenb  geroefen: 
.  anlangenb  junod&ft  baö  röm.  3)otalred^t,  fo  liegt  bcmfelben  ber  ©cbanfe  »«s  ^otau 

lu  ©runbc,  ba%  bie  6^c  an  unb  für  [xä)  einen  ©inftufe  auf  bie  rermögcnös     "*** 
re^tliii^en  93cr^ältnif[e  ber  ©l^egatten  nid^t  auöübt.   3tur  wenn  bem  ©fiemannc 
burd^  ein  bef onbereg  jted{it§fle{dbäft,  bie  Seftellung  ber  dos,  ein  33eitrag  ju  ben 
e^ti^en  Saften  gegeben  wirb ,  fommen  auf  baö  baburc^  begrünbete  9{cd)tös  . 
i>er^ltni§  bcfonberc  SHed^täfäße  jur  Slnroenbung.    3m  9Befentlid|en  auf  bcm* 
fetten  »oben  berufen  bie  Scftimmungen  beö  ofterr.  ®.  S.  (§§  1218—1266), 
fonjie  bed  itaL  ®.  33.  (2lrt.  134,  135,  1378—1446).    pr  biefen  ©tanbpunft 
läßt  fi(^  unter  DoUer  Slnerfennung  ber  ftttlid^en  ^cbeutung  ber  ®l)c  geltenb 
matten,  bafe  cd  nid^t  bie  9lufgabe  beö  9led&teö  fei,  bie  fittlic^en  gorberungen, 
loelt^c  )\ä)  bei  ber  baö  ganje  Sebcn  umfaffenben  Sebeutung  ber  (S^e  auö  ber- 
fetten  allerbingö  aud^  für  bie  ©eftaltung  ber  oermögenöredEitlid^en  aSer^ältniffe 
ergeben,  in  9led^töfä|e  umiuwanbeln,  ba§  burd^  einen  fold^en  93erfuc^  nielme^r 
gerabc  bem  flttlid&en  Äarafter  ber  ®^e  ©intrag  gefd&el^e.    3ludE|  ift  nid&t  ju 
tjcrfennen,  bafe  bie  red^tlic^e  Stellung  ber  ®f)cfrau  bei  feinem  ©pfteme  beö 
c^etit^en  ©ütcrrcd^teö  eine  fo  felbftänbigc  unb  gefid&crte  ift,  alö  bei  bemjenigen, 
loelt^eö  im  Slnfd^luffe  an  ben  ©runbgebanfen  beö  röm.  SRed^teß  ber  (SI)e  eine 
unmittelbare  ©inroirlung  auf  baö  SBermögen  ber  ©ftefrau  t)erfagt.    ^n  einer 
»on  bem  allgemeinen  beutfc^en  grauenpcrcine  unb  einer  großen  Slnjafil  von 
3weigoereincn  beö  lefeteren  an  ben  beutfdl)en  SReidfiötag  gerid^teten  ^Petition 
©irb  um  Umgeftaltung  beö  befte^enben  el&elid^cn  ©ütcrred^teö  auf  biefer  ©runb- 
tage  gebeten  unb  biefe  gorberung  unter  ^inroeiö  auf  bie  auö  bem  ic|igen 
3ta^tdjuftanbc  für  bie  grauen  entfpringcnben  ©efal^ren  unb  auf  ben  ©runbfa|, 
bafe  ben  grauen  biefelben  SRed&te  roie  ben  3)Wnneni  gebül^rten,  ;iu  redfitfcrtigen 
»erfud^t  (uerfll.  baö  Organ  beö  9lllg.  beutf dEien  grauenoereinö :  „?Jeue  Salinen" 
%:.  8,  11   unb  „föinige  beutfdEie  ©efefeeöparagrapt)cn  über  bie  Stellung  ber 
grauen",  l^crauögeg.  Dom  9lllg.  beutfc^en  grauenüerein,  fieipjig,  1876).    SBic 
mon  ober  über  bie  prinjipielle  Sered^tigung  biefeö  ©tanbpunfteö  aud^  benfen 
mag,  fo  wirb  man  bod^  onerfennen  muffen,  bafe  ber  gefdEiid^tlid&en  ©nlmictclung 
beö  beutfd^cn  Sled^teö  eine  anbere  9luffaffung  ju  ©runbe  liegt.    3laä)  biefer 
foH  burc^  bie  ©inge^ung  ber  ©l^e  unmittelbar  fraft  ©efefeeö  eine  bem  3^^^*^ 
ber  g^e  cntfpred^enbc  ©eftaltung  ber  oermogenöred^tlid^en  SSerl^ältniffe  ber 
6§egotten    eintreten.     S)iefc    allen    eljelid^en    ©üterrec^ten    beutfd^red(|tlid&cn 
Urfprungcö  ju  ©runbc  liegenbe  SKuffaffung  \)at  bei  ber  SRejcption  bcö  röm. 
Sec^teö  eine  fold^c  SBiberftanböfraft  beroö^rt,  ba§  baö  röm.  Sotalred^t  nur  in 
einem  t)erl)ältni6mä6ig  fleinen  2:{)eitc  ©cutfd^lanbö  jur  t^atfnd^lid^cn  ©eltung 
M  gelangen  fönnen.    S)aö  beutfd^c  SRedbtöbemufetfein  tritt  in  biefem  ©angc 
ber  gef(^id&tli^en  ©ntmidfelung  fo  flar  Ijeroor,  bafe  ber  ©efe^gcbung  bcr  non 
i^r  cinjufd^lagenbe  SSeg  baburd)  bcftimmt  üorgcroiefcn  ift  unb  für  baö  fubjcftioe 


144      (S5eli(6e«  Öütcrrec^t.  ©pffcm  bc«  flcfe^I.  ©üterrcdfetc«.  Sint.  (§§  1283  ff.) 

©nneffen  über  bcn  SBorjug  bcr  einen  ober  anbeten  3luffaffung  fein  ©pielraum 
mei^r  bleibL  %\xä)  in  benjenigen  3::^eilen  S)cutfc^lanbd,  in  xodä^  baö  rdm. 
^otalrcd^t  gilt^  ^at  bad  legiere  übrigend  mannigfache  SKobififationen  erfal^ren^ 
welche  baöfelbe  bem  beutfd^cn  SRed^te  nä^er  gebracht  ^aben.  83on  großer 
praftifc^er  93ebeutung  ift  babei  befonberö  bie  jiemlid^  allgemeine  ©ittc,  bafe  bie 
@()efrau  t^atfäc^lic^  i^r  ganjed  SSermögen  bem  @^emanne  jur  SSermaltung 
unb  Siußung  für  bie  3wecfe  ber  ®^c  überlädt  gaftt  man  eine  in  fol(fter  9lrt 
erfolgenbe  Ueberlaffung  bed  grauenüermogenö  als  ftiUfd&roeigenbe  ©efteUung 
einer  dos  auf,  fo  ift  im  praftifd^en  Slcfultate  ber  Unterfc^ieb  pon  ber  beutfi* 
rcd^tUd&en  aScrroaltungögemeinfc^aft  nur  ein  geringer.  @ine  Sßereinigung  beft 
röm.  ©otalrcd^teö  mit  bem  beutfd&en  ©^fteme  ber  SBerroaltimgögemeinfc^oft 
roirb  ba^cr  o^ne  cr^eblid^e  ©d^mierigfeiten  ju  erreid^en  fein. 
a)ic  beutw*  SCßeit  größer  finb  bie  (Segenfägc  unter  bzn  Derfc^iebencn  SRed^ten  beutfd^^ 

eX^r  ^^^Üiä)en  Urfprungeö.  6d  liegen  i^nen  jmor,  mie  oben  bereits  ^eroorge^oben 
würbe,  gcroiffc  gemeinfame  9lnfd^auungen  ju  ©runbe,  aber  bie  Sluöfü^rung 
berfetben  ift  in  ben  ^auptgruppen  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd&aft,  bcr 
SDlobiliar^j  unb  ©rrungenfd&aftögemeinfd^aft,  ber  reinen  6rrungenfd&aft«« 
gcmeinfd;aft  unb  ber  aSermaltungögemeinfc^aft  eine  fo  Derfd^iebene  geroefen, 
bafe  eine  oollftänbige  SJereinigung  berfelben  nic^t  möglich  ift,  man  fic^  vkU 
mc^r  für  baö  eine  ober  anbere  ©pftem  entfd^eiben  mufe.  S^beö  berfelben  l^ot 
feine  eigent^ümlidEien  Sßorjüge  unb  feine  befonberen  9iad&tl^eile  unb  bie  ge* 
fd^ic^tlidie  ©ntmicfelung  giebt  auf  bie  grage,  meld^ed  biefer  üerfd&icbenen 
©pfteme  bcn  2lnfc^auungen  beö  beulfd)en  SBolfed  im  ©anjen  am  meiften  ent^ 
fpric^t,  feine  fo  beftimmtc  Stntroort,  wie  eine  fold^e  auß  jener  ©ntroicfelung 
in  betreff  beö  röm.  S)otalred^teö  entnommen  merben  fann.  3nöbcfonbere 
fann  barauf,  bafe  gegenüber  bem  urfprünglid^  in  S)eutfd^lanb  geltenben,  nad^ 
ber  t)errfd)cnbcn  SKeinung  auf  bem  ©^fteme  ber  ©ütertrennung  berubenben 
c^elic^en  ©üterred^te  im  SKittelaltcr  bie  partifulärc  unb  allgemeine  ©üter»^ 
gemcinfc^aft  in  großen  ©ebietcn  Dcutfd&lanbd  fid&  eutmicfett  l)at,  entfd^eibcnbeft 
©eroic^t  ju  ©unften  ber  ©ütergemeinfc^aft  nid&t  gelegt  werben;  benn  biefe 
©ntroicfelung  l^at  feit  bem  SRittelatter  nid&t  nur  feine  rociteren  gortfd^ritte 
gemod^t,  fonbcm  es  ^at  feitbcm,  inöbefonbere  feit  ber  SRejeption  beö  rom» 
SRed&teö,  eljer  eine  ©ntmicfelung  im  entgegengefegten  ©inne  ftattgefunben.  3n 
Dielen  SClieilen  Siorb-  unb  9Hittelbcutfd^tanbö,  in  meldten  im  ÜKittelalter  ©ütcr*^ 
gemeinfdEiaft  in  ber  einen  ober  anbercn  gorm  gegolten,  f)at  bie  legtcre  feitbem 
ber  53enDaltungdgemeinf(^aft  meieren  muffen,  fo  }.  SB.  in  bcr  aWarf  Sranbcm 
bürg,  in  mand^en  ^^eilen  üon  @d[|lcfien,  SC^üringen  u.  f.  m.  3lodi  in  iüngftcr 
3eit  finb  bie  in  einem  S^^cile  beö  ©rofe^erjogtliumcö  Dlbenburg  geltenben  x>tt^ 
fd^icDenen  formen  ber  ©ütergemeinfd^aft  burd)  bie  ©efege  oon  1873  unb  187^ 
JU  ©unften  ber  93crroaltungögcmeinfd&aft  befeitigt  unb  auf  berfelben  ©runblage 
berul)t  baö  unter  Sefeitignng  beö  alten  lübifd^en  JRedjteö  burc^  baö  ®efc|  oon 
1862  in  ber  Stabt  Sübecf  eingefüt)rtc  el)elic^e  ©üterred^t.  Slud)  in  ©üb:^ 
beutfd)lanb  l;at  bie  ©ntroicfelung,  roeld)e  biö  jum  SKittelalter  einer  intenfioercn 
93creinigung  beö  93ermögenö  ber  (S^egattcn  juftrcbte  unb  t)on  ber  alten 
2:rennung  ber  ©üter  auf  ücrfd^iebencn  SBegen  unb  in  Dcrfd^iebenen  formen 
burd&  bie  Grrungcnfd^aftögemeinfc^aft  jur  üWobiliargemeinfd^aft,  jum  ^Bcr* 


(Sinfeitung.    Seutf^rc^tfid^e  ®v[tcnic.    (§  1283.)  145 

fangcnfc^oftö'  unb  2^I;ciIred)tc  unb  Diclfad^  äur  aUgcmciiicn  ©ütcrgcmeiufd^aft 
geführt  ^attc,  feitbcm  eine  umgefe^rtc  SKiditiing  angenommen,  unb  ift  in  oer* 
ft^iebenen  S^^eilen  Sübbetttfd)Ianbö  an  SteKe  jener  intenftüeren  ^-orm  ber 
©fitcrgemeinfc^aft  bic  reine  ßrrungenfd^aftögemeinfd^aft  beä  neueren  JHeci^te& 
getreten.  Slud^  bic  ©ntroürfe  für  Reffen  unb  SBürttemberg,  fomic  ber  oben 
crroa^nte  ©ntrourf  für  bas  .Hönigreirf)  Öa^ern  beftimmen  alö  gefefe[id)e& 
©ütcrrc^t  bic  (Srntngenfdjaftägemeinfd^aft  unb  nur  ber  für  ben  Sejirf  bcö  t)or^ 
tnaligen  SfppeUationögerid^tcö  ßfircnbrcitftein  ausgearbeitete  ßntiourf  beruht  im 
Änf(61ujtc  an  boö  franj.  rRed)t  auf  ben  ®runbfa|en  ber  aRobiliargemeinfd^aft. 

änlangenb  ben  gegenroörtigen  Umfang  ber  (Seltungögebiete  ber  vcx- 
?(^iebenen  Snfteme  be&  el)elic^en  öjüterred^teö  in  2)eutfd)Ianb,  fo  Ijerrfd^t  bic 
aBgemeinc  ©ütcrgemeinfdöaft  in  einem  G5ebiete  uon  etwa  9  687  070  Cinmo^nern. 
ter  allgemeinen  ®ätergemeinfd)aft  finb  fiierbei  alle  SRed)te  jugeredjnet,  meldjc 
rcgelmöfeig  bei  3luflofung  ber  6f)e  baö  SScrmögen  beiber  C{)egatteu  nid^t  in 
i^re  nrfpriinglid^cn  S3eftanbtf)eilc  jerf allen  laffen,  fonbern  alö  eine  gemeines 
fAoftli^e  üJlaffc  bel^anbdn  unb  entmeber  bem  überlebenbcn  ©fjegatten  allein 
^urocifen  ober  nad)  Quoten  tf)eilen  laffen.  2luf  bic  pielfad^  beftrittene  grage 
ber  ftonftruftion  ift  babei  feine  3iücfftd|t  genommen,  ba  nidit  biefe,  fonbern 
ber  roirt^fc^afttid^c  3roecf  unb  ©rfolg  bcö  Si)ftemeö  für  ben  Äarafter  beöfclben 
in  ber  fjicr  fraglichen  93esiel)ung  entfc^cibenb  fein  mufe.  93on  biefem  Staube 
punftc  aud  mirb  bann  aber  aud)  bas  Geltungsgebiet  beS  lübifd)en  äted^tes 
unb  ber  pommerfd^en  ^auernorbnung  bem  ©cbictc  ber  allgemeinen  ©üter- 
gcmcinfd^ft  ^injujured^nen  fein,  meil  aud)  biefe  5Red)tc,  fo  bcftritten  i^re 
iuriftif^c  Äonftruftion  ift,  für  ben  "gall  einer  beerbten  (Sl)e  mirt^fc^aftlidö  auf 
bem  öobcn  ber  aHgemeinen  ®ütergemeinfd^aft  ftel^en  unb  für*  ben  Oefammt^ 
farttftcr  eincö  9ted&teö,  meld^eö  bei  beerbter  unb  bei  unbeerbter  6^e  eine  uer=^ 
f(^iebcnc  öe^anblung  eintreten  läftt,  bic  in  bem  crftgcbad)tcn  galle  eintretenbc 
Öc^ttnblung  als  entfc^cibenb  ju  bctrad^ten  ift.  3)aburd)  ücrgrofecrt  fidb  baö 
Geltungsgebiet  ber  allgemeinen  ®ütergcmcinfd)aft  um  ctma  1  304  600  Cin^ 
loo^ncr,  fo  ba%  basfelbc  im  ©anjcn  faft  11 000  000  ©inmol^ner  umfaßt. 

auf  bic  aJlobiliargemeinfddaft  beö  franj.  5Red^teö  fallen  etma  7 157  750 
(Jinroo^ncr,  auf  bic  reine  {Srrungenfd&aftögemeinfd^aft  unb  bic  jroifdEien  i^r  unb 
ber  aRobiliar*  nnb  ßrrungenfd^aftdgemcinfd&aft  in  ber  SDlittc  ftel^enben  Si)fteme 
ctiDQ  6  931  090. 

SDaö  beutf^red^tlid&c  getrennte  ©üterred^t,  b.  l).  bieienigen  Si)fteme, 
ioel<^e  an  ber  Switänbigfcit  beö  SScrmögcnö  ber  ©Regatten  burc^  bic  (S[)c 
roebcr  roäljrenb  berfelben  nod&  bei  il)rer  äluflöfung  eine  9lenberung  ein* 
treten  laffen,  bem  G^emannc  aber  mä^renb  beftel^enber  ®^c  bic  SBerroaltung 
unb  Jlugung  beö  SBcrmögcnö  ber  G^efrau  überlaffen  (33a:roaltungögemeinfd^aft, 
©uterrin^cit,  (Süteroerbinbung,  Softem  ber  eljelid^cn  9iufenie6ung  unb  aSer* 
Bwltung)  umfafet  ein  ®ebiet  üon  etwa  13  986  942  einroolineni ,  baö  rom. 
^lalxcd^i  cnblic^  ein  ©ebiet  t)on  etwa  3  070  901  ©inmol^nern.  2)a  baö  röm. 
totalrc<!^t,  loie  oben  bereits  l)eroorge^oben  ujurbe,  ber  bcutfc^redbtlid^cn  SBer* 
»altungögemcinfc^aft  fo  na^e  ftefit,  bafe  eine  SScreinigung  beiber  St)fteme  feine 
crbcbliclcn  ©d^roierigfeiten  bietet,  fo  merben  bic  (Seltungögebiete  biefer  bciben 
Jied^tc  bei  ber  Seurtfjeilung  ber  ^rage,  meld&eö  ber  ücrfd^iebenen  in  93etrad)t 

«otise  V  KtrficrL  (Sefr^^u^.  IV.  10 


1 


146  e6clif?e§  @uterre(j&t.    ©i;ftcm  bc§  öe[etific6cn  @ütecrcd&te5. 

fommcubcn  (5i)ftcmc  in  bcm  größeren  2:^cilc  von  ©cutfd^Ianb  gilt,  ote  ein 
(Sebict  be^anbelt  werben  müflcn.  ®onad&  ergeben  fid^  für  boö  ©eltungögebict 
beö  getrennten  ©üterrec^teö  im  Oanjen  mel^r  als  17  000  000  Ginrool^ner. 

Sem  refatit)  größeren  Umfange,  meldten  I)iernad)  baö  Oeltungögebict 
ber  jutefet  gebuchten  ©nippe  von  SKec^ten  f)at,  mirb  inbeffen,  ba  eö  ftd&  nid[>t 
um  ein  fo  bebeutenbeö  Uebergeroid^t  I)anbelt,  bafe  barauö  ol^ne  SBeitereö  auf 
bie  SRid^tung  beö  SKed^töbemufetfeinö  beö  aSoIfeö  im  ©anjen  gefd^Ioffen  werben 
fann,  nur  bann  cntfd^cibenbe  SBebeutung  ju  ©unften  beö  Si)ftemeö  ber  SBcr* 
maltungögemeinfd^aft  beigelegt  werben  fönnen,  wtnn  eö  an  anberen  Sln^oto- 
punften  fe^It,  wenn  fic^  inöbcfonbere  weber  auö  ber  9lrt  unb  SGBeife,  in  welcher 
bie  ef)egatten  \\)xc  üermbgenöred^tlid^en  aSerljältniffe  ju  orbnen  pflegen,  nac^' 
weifen  läfet,  bafe  baö  eine  ober  anbere  Si)ftem  üorwicgenb  ben  Slnfd&auungcn 
unb  SBcbürfniffen  beö  SBolfeö  in  ganj  S)eutfd[)Ianb  entfprid&t,  noc^  wegen  bcö 
Snfialteö  ber  ju  ©runbc  tiegenben  JRed^töföfee  bem  einen  ober  bem  anberen 
©ijfteme  ber  SBorjug  gegeben  werben  mufe. 

S)a  faft  nad)  allen  beutfd^en  SHed^ten  bie  ©^egottcn  befugt  T^nb,  i^rc 
üermogenöred^tlid^en  SBerl^ättniRe  burd^  Söertrag  in  einer  von  bem  gefefeltd&cn 
©üterred)te  abweid^enben  3lrt  ju  orbnen,  unb  ba  bie  ©efc^id^te  beö  ebelit^en 
©üterred^tcö  in  ©eutfd^Ianb  jcigt,  bafe  bie  ©Iiegatten  von  biefer  Scfugnife  in 
großem  Umfange  namentlid^  bann  ©ebrauc^  gemad)t  l)aben,  wenn  baö  befte^cnbc 
gefefeHd)e  ®üterred)t  ben  berrfd^enben  3lnfd^auungen  unb  S3ebiirfniffen  nid^t 
üollftänbig  entfprad^,  fo  ift  ber  SBerfud)  gemadEit  worbcn,  burd^i  ftatiftifd^c 
©rl^ebungen  über  bie  "^aU  unb  bie  JRid^tung  ber  abgefd^Ioffenen  (Slieüerträgc 
3luffd^lufe  barüber  ju  erl^alten,  ob  bie  33eoölfcrung  in  ben  üerfd^iebenen  ^^eilen 
S)eutfd^Ianbö  mit  bem  beftel;enben  el^elid^en  ©üterrec^te  aufrieben  ift  ober  ob 
bie  3::cnben5 1;erüortritt,  baöfelbe  in  ber  einen  ober  anberen  Stid^tung  ju  änbcm. 
®aö  ©efammtergebniß  ber  in  biefer  33ejie]^ung  gemad)ten  amtlid^en  Srmittelungen 
ift  inbeffen  für  bie  Beantwortung  ber  üorliegenben  grage  oI)ne  entfd&eibcnbe 
Sebeutung.  ^n  einjetnen  S^fjeilen  beö  ©eltungögebieteö  fowof)!  ber  allgemeinen 
©ütergcmeinfd^aft  alö  ber  ©mnigenfd^aftögemcinfd^aft,  wie  ber  SSerwaltungö^ 
gcmeinfdjaft  jeigt  fidEi  allerbingö  bie  5ieigung,  baö  gefeglid&e  ©üterredfit  »ertragö^ 
mäfeig  burd^  ein  anbereö  ju  crfe^en.  3n  bem  weitauö  größten  S^^eilc  beö 
©eltungögebieteö  ber  bejeid^neten  ©i)ftemc  beutet  iebod)  nic^tö  barauf  ^in,  bafe 
biefelben  ben  Slnfd^auungen  unb  Sebürfnifjen  ber  Seüölferung  nid^t  entfpred^cn. 
yiwx  in  bem  ©eltungögcbiete  beö  franj.  3ied&teö  fdficint  jiemlid^  allgemein  bie 
Steigung  verbreitet,  bie  9)lobiliargemeinfd)aft  ab}ufd)wäc^en  unb  bie  ©befrou 
burc^  Ginful^rung  ber  Gnrungenfd^aftögemeinfd^aft  uor  ber  Haftung  für  bie 
Sd&ulben  beö  ßbemanneö  ju  fd^ü^en.  ßinc  in  ganj  S)eutf(^lanb  übereinftim* 
menbc  9lid)tung  ber  ©l;euerträge  5U  ©unften  beö  einen  ober  anberen  guter- 
red^tlid^en  St)ftemeö  finbet  bagegen  offenbar  nid^t  ftatt,  unb  nur  bann,  wenn 
eine  fold^e  fi^  nadEiwcifen  ließe,  würbe  barauö  ein  entfd^eibenbeö  SKoment  für 
bie  33eantwortung  ber  Dorliegenben  gragc  entnommen  werben  fönnen. 

6ö  ift  babcr  weiter  5U  unterfu(^cn,  ob  baö  eine  ober  anbere  ber  l)ier  in 
Setrad;t  fommenben  Si)fteme  beö  eljcttd^en  ©üterred^teö  fid^  a\i^  inneren 
©rünben  porjugöweife  baju  eignet,  alö  gefe^lic^cö  ©üterre^t  in  ganj  S>eutfcl^* 
lanb  eingeffll^rt  ju  werben. 


ginleitunö.    gHIöemeine  ®üteröemein[4aft.    (§  1283.)  147 

3[m  größten  ift  bev  Ginflu&  bcr^^e  auf  bic  SBcrmoßenöocrliättniije  bcr  a>ie  aogcm. 
S^gattcn  nod^  bcm  ®i)ftemc  ber  aKgemeinen  ©ütergetncinfd^aft,  bnvä)  roeld^cS  ^^"iS'a^^*"' 
büd  beibcrfcttigc  Vermögen  ber  ©l^egatten  ju  einem  untrennbaren  gcmcinfd^aft' 
ticken  35ennögen  (Oefammtgute)  vereinigt  unb  grunbfäfiUci^  eine  Haftung  bcö 
einen  ©Regatten  fiir  bie  Sd^ulben  beö  anberen  begrünbet  wirb.    S^ö'^i^  ift 
bem  ®^manne  balb  in  größerem,  halb  in  geringerem  Umfange  bas  Stecht  ber 
Senooltung  beö  Oefammtguteö,  inöbefonbcre  baö  JRed^t,  einfeitig  über  baöfelbc 
ju  verfügen,  beigelegt.    Siamentlid)   l^at  baö  unabrocißbare  33ebürfnife  beö 
proftifddcn  ficbcnö  aDent^alben  bal&in  gefüf)rt,  baö  ©efammtgut  regelmäßig 
für  bic  Don  bem  ®^emanne  einfeitig  fontraljirten  ©d^ulben  Ijaften  ju  laffen. 
Suf  ber  anberen  ©eite  ift  nad^  allen  9iedE)ten  —  mit  Sluönafime  beö  münfter. 
Scd^teö  —  bcr   ©Ijefrau,    abgefel^en  t)on  bem  JRed^tc  ber    fog.  ©d^Iüffef- 
gcwQlt,  rcgclmofeig  iebe  ©iöpofition  über  baö  (Sefammtgut  cntjogen.     Saö 
Softem  ber  oHgcmeinen  ©ütcrgemeinfd^aft  wirb  t)on  SSielen  alö  bie  ibealfte 
Jorm  beö  e^elid^en  ©üterrec^teö  betrad&tet.   S5aö  ftttUd&c  SBefen  ber  6f|e  bringe 
CS  mit  fid^,  bog  bie  burd^  bic  ®^c  begrünbete  DoIIe  Sebenögemeinfdjaft  ber 
S^egottcn  aud^  in  Dcrmögenöred^tlid^er  93ejie^ung  }um  Sluöbrudc  gelange,  bag 
ba^  jcbcr  (Segenfag  ücrmogenöred^tlid^er  3ntereffen  unter  bcn  ©Regatten 
t^untic^ft  befcitigt  unb  baö  ©d^idfal,  roeld^eö  ben  einen  ®l)egatten  in  Der- 
mögcnöred^tlidder  Sejicl;ung  treffe,  in  gleidjer  SBeifc  aud^  üon  bem  anberen 
ßliegatten  mitgetragen  merbe.   ®ine  fo  intenfiüc  Sßereinigung  beö  beibcrfeitigcn 
Sermogenö  ber  ©Regatten  auf  gemeinfamen  ©ebeif)  unb  Söerberb  fann  jebod) 
alö  eine  auö  bcm  fittUc^cn  SBefen  ber  ®^c  notl^menbig  folgenbe  Slonfequenj 
nic^t  betrad^tct  werben,    ©emife  lonncn  im  einjelnen  galle  bic  Umftänbc  fo 
liefen,  bafe  icbcr  (S^cgatle  fein  ganjeö  SBermögen  bem  anberen  ©Regatten  ju 
opfern  bereit  fein  muß,  aber  ebenfo  geroife  ift  eö,  bafe  bieö  nid^t  atö  auö* 
ttoi^mölofc  ?ßf{id^t  fjingefteDt  merben  fann,  bie  Umftänbc  pielme^r  fo  Hegen 
tonnen,  bafe  ein  fold^eö  Opfer  pom  fittlic^en  ©tanbpunfte  auö  nid&t  geforbert, 
JQ  wegen  foBibircnbcr  anberer  ^ftid^ten  nid^t  einmal  alö  ftatt^aft  angefel)cn 
werben  fonn.    ©obalb  man  aber  bic  in  biefer  Sejie^ung  auö  bcm  SBefen  ber 
C^  fid)  ergebenbcn  fxttlidjcn  5ßf[i(ftten  in  SRed&töpflid&ten  ummanbclt,  prt  nad^ 
ber  Slatur  beö  Sied^teö  bic  SHoglid&teit  einer  83crücffid^tigung  beö  einjelnen 
gaUcö  auf,  unb  ia^  ©ijftcm  bcr  Oütcrgemcinfdjaft  muß  bal^er  bei  bem  Sßcr* 
fu(^e,  ein  bcm  jtttlid^cn  SBefen  bcr  6^c  oollftänbig  entfpred^cnbeö  5led)t  ficr- 
juftellen,  ju  9led&töfä|en  gelangen,  beren  2lnn)enbung  im  einjcinen  %aüt  bem 
fittUt^en  aSefcn  ber  6^c  fcineöiucgö  entfprid^t.   ®egen  baö  ©^ftcm  ber  Güter« 
gemeinf(|aft  fprid^t  aber  oor  9lBem  bic  fd^roerc  Ocfäl^rbung  ber  bered)tigteu 
3ntercf[en  ber  ß^efrau,  meldte  mit  jenem  ©i)ftcme  untrennbar  pcrbunben  ift, 
loenn  bem  (Spanne  bie  für  baö  praftifd^c  SBcbürfnife  uncrläfeUd^e  freie  Sc* 
»egung  gelaffcn,  namentlich  in  Uebereinftimmung  mit  bem  gcltenben  SRed)tc 
bie  Haftung  beö  oefammtguteö  für  bic  pon  bem  ©Ijemanne  einfeitig  f ontral)irten 
Sd^ulben  anerfannt  mirb.    2)aburd^  mirb  baö  ^ermiJgcn  ber  Ehefrau,  aud^ 
loenn  im  Uebrigen  ber  e^emann  in  ber  SJerfügung  über  baö  ©efammtgut 
mel^r  ober  roeniger  burd^  baö  5ßrin5lp  ber  gefammten  §anb  befc^ränft  wirb, 
roenigflenö  mittelbar  ber  cinfeitigen  SJJcrfügung  beö  6f)emanncö  unterworfen  unb 
beni  fieid^tfinne  unb  ber  ©iifeoermaltung  beöfelben  preiögegeben.    2)iefc  ©c* 

10  • 


148  ßl^clicficö  ®ütcrrcd?t.    ©vftcm  be§  ocfefeli^cn  ©üterrcdfetct^ 

fäbrbung  bcr  6()cfvau  i)at  QUcntl^oIbcii  in  fotc^cm  ÜDJa^c  fic^  füljlbar  flciuad^t, 
ba^  bic  mciftcn  ?flc6)tt  bcii  SUcrfud)  gemadjt  f)aht\\,  SJcftimmungen  ju  finbcn, 
burc^  rocldjc  biefelbc  oerringert  loerbcn  foll.    ^nöbcfonbcrc  ift  bcr  ei)efrau 
l)äufig  unter  gcroifjcn  SJorauöfc^ungcn  bic  Scfugnife  beigelegt,  n)egen  fd^Ied^tcr 
Sßirtl^fd^aft  bcä  ©fiematincd  auf  (Süterfonbcrung  anjutragen.   Slbgcfe^en  jebod) 
baüon,  ba%  bic  Slnroenbung  fo(d)er  aRittel  foft  immer  einen  tiefen  unb  oft  unl^ciU 
baren  SÄife  in  baä  fittlidje  83er{)ältnif}  bcr  ©l^egatten  mit  fid^  bringt,  wirb  burd> 
biefelben  in  ber  großen  ajlcl^rsal^l  bcr  gällc  bcm  33ebürfniffe  nid^t  abgcl^olfen, 
bo,  tocnn  bie  aSorauöfegungcn  oorliegen,  unter  meldjen  bic  3lnmcnbung  iencr 
aiJittel  juläfrig  ift,  bic  ^ülfc  regelmäßig  ju  fpät  fommt.    Sluf  bcr  anbercn 
Seite  läfet  fid^  allerbingö  nid^t  ücrfennen,  baß  gerabe  in  ber  an^  ber  allgemeinen 
©ütergcmeinfd&aft  folgenben  Haftung  beö  einen  (g^egatten  für  bie  Sd)iilbcn 
bcö  anbercn,  inöbefonbere  in  ber  Haftung  bcr  ß^cfrau  für  bic  ©d^ulbcn  be^ 
etiemanncß,  ein  $auptgrunb  liegt,  axi&  meld^em  bie  allgemeine  (Sütergcmcin* 
fd)aft  in  oieten  Oegenben  fefte  SBurjcl  gefaßt  l;at.   S)ic  baburd^  l^erbcigefü^rte 
(Sinfad^^eit  beö  SBer^ältniffcö  nad^  außen,  bie  (5rl[|ö^ung  bcö  Ärebiteö  beö  e^c- 
manneö  unb  bie  größere  ©idEierfieit  feiner  (Slöubiger  mürben  alö  fo  große 
iüort^eitc  betrad^tet,  baß  bic  ®efä^rbung  ber  e^efrau  bagegen  jurürftrat. 
Sic  93ebeutung  biefer  33ort^cilc  ift  aud)  fcineörocgö  gering  anjufd^lagen.    Sie 
mcrben,  roie  bic  SBcr^anblungen  unb  SBcfd^tüjfc  bcö  12.  beutfd^en  3urifteutagcö 
ergeben,  von  Dielen  Seiten  für  fo  er^eblid^  erachtet,  baß  man,  um  fic  5u 
eiTcid)en,  eine  Haftung  ber  6l)efrau  für  bie  Sd;ulben  bcö  Sljcmanneö  minbcftenö 
infomeit,  atö  cö  fid^  um  baö  in  bcr  $anb  bcö  ß^cmanneö  befinblid&e,  alö 
Gigent^um  bcr  ©Ijefrau  äußcrlid)  ni^t  erfennbarc  93ermögcn  berfelbcn  unb 
bic  mädrenb  ber  ei)c  entftanbenen  S^ulbcn  beö  ©t)emanncö  l^anbclt,  fclbft 
mit  bem  S^ftemc  bcr  SBermattungögemeinfd^aft  ju  ücrbinben  geneigt  ift.   3taä) 
bcr  Sluffajfung  beö  entrourfeß  ift  jebod)  bic  auö  ber  Haftung  ber  ©befrau  für 
bie  Sd^ulbcn  beö  ©^emanneö  entfpringenbe  ®efäl)rbung  bcr  ©^efrau  atö  ein  ju 
f)o^er  5ßreiö  für  bie  bamit  oerbunbencn  33ort(;eile  ju  erad^ten  unb  bie  große  3al)t 
bcr  ®l|coerträgc,  burd)  meldte  bie  ©ütergemcinfd^aft  in  (Gebieten,  in  bencn  fie 
baö  gefeglid^e  ®üterredE|t  bilbet,  auögefd)lo5fen  ober  befi^ränft  roirb,  f^eint 
cntfd^ieben  bafür  ju  fprcd^en,  baß  biefe  3luffaffung  Jcftt  in  großen  Äreifen  bcr 
SBcoölfcrung  gett)eilt  wirb. 

Unleugbare  SSortl&eile  bietet  baö  SDftem  bcr  allgemeinen  ®ütergcmein^ 
fdjaft  bei  9lufl6fung  ber  ß^c.  ©in  S^^f^ff^i^  ^^^  bu^d&  i>ic  ©tje  ju  einem  ®e* 
fammtgute  oercinigten  SBermögenö  beiber  ©Regatten  in  feine  urfprünglid^en 
Scftanbtfieilc  ift  mit  bem  5ßrinjipe  ber  ©ütergcmeinfd^aft,  bcr  baburd^ 
gcforberten  ocrmögenöred^tlid^en  ©inl^cit  beiber  ©Regatten  unb  ber  83efeittgung 
bcö  ©cgenfatfcö  ücrmögcnöredjtlid^er  3ntereffen,  unoerträglid^.  S)aö  burd^  bic 
G^c  JU  einer  untrennbaren  ©inl^eit  ücrfd&moljcne  Sßermögen  muß  bal^er  bei 
Stuflöfung  bcr  ©^e  entmeber  bem  Überlebenben  ©Regatten  allein  jufallcn  ober 
äioifd^en  bem  Icfttercn  unb  ben  ©rben  beö  juerft  Dcrftorbenen  ©Regatten  nac^ 
Ouoten  get^cilt  werben.  Sinb  Äinber  auö  bcr  ®f)c  Dor^anben,  fo  tritt 
mciftenö  fortgefefetc  ©ütcrgemeinfd^aft  unb  erft  nad^  83eenbigung  berfelbcn, 
inöbefonbcrc  bei  Sd^licßung  einer  jmcitcn  ©^c,  Jl;eilung  ein.  35ic  ©infac^^eit, 
in  meld&er  baö  35erf)öltniß  fid)  Ijier  loft,  bic  aSermeibung  icber  Untcrfud^ung 


ginleitunö.    Siaßemchic  @utcr0eincinf(6aft.    (§  1283.)  149 

fccö  urfprüttglid^cn  SJennögenöbcftQnbcß  iinb  jcbei*  Slbrcd^rtung,  foiüie  bic  dlU 
maligc  nnb  fd^oncnbe  Ucbcrleitung  burd^  ^ic  fortgcfe^tc  ©ütcrgcmciufdjaft 
fmb  gewife  nid^t  gering  nnjufi^tagenbc  SSorjügc.  9Ibcr  cö  fragt  fid^,  ob  fic 
nicftt  ho6)  jli  tf)ciier  crfauft  fiub,  ob  nid^t  in  ber  Cuotent{)cilung  bcö  beibcr^ 
fcitigen  SScrmögcnö  unter  Umftänben  eine  .^örte  unb  Ungered^tigfeit  gegen  ben 
übcrlebenben  ©Regatten  liegt,  xodä)t  burd^  ba&  SBcfen  ber  6{)e  nid)i  geforbert 
wirb,  fonbcrn  mit  iör  in  SBiberfprud)  fteljt.  SBenn  ber  eine  ©öegatte  bei 
€inge^ung  ber  Gf)e  reid),  ber  anberc  arm  war,  fo  oerliert,  toenn  ber  (entere 
Mi)  oieUeid^t  ganj  fiirjer  3^it  ftirbt,  ber  erfterc  mit  bem  Gbegatten  juglcid^ 
fein  ^albed  Vermögen.  S)ie  gro§c  in  biefer  Äönfequcns  ber  allgemeinen 
f^ütcrgemeinfd^aft  jiegcnbe  ^ärte  fonn  5Wiemanb  perfennen,  unb  bafe  )ie  alö 
folt^e  gefüllt  ift,  bemeift  ber  in  Derfd&iebenen  9led)ten  gemad^tc  Sßerfud^,  ibr 
bunö  bcfonbcre  Seftimmungen  entgcgenjuroirfcn.  33ei  unbeerbter  ©be  fann 
bicfi  baburdd  gcfd^efjcn,  ba^  ber  iibcrlebenbe  (Sl)egatte  baö  ganse  ©efammtgut 
erbölt,  ein  3Iuöw)eg,  ber  inbcffen  anbererfeitö  imt  bediüillen  nid)t  unbcbenflid) 
ift,  weil  baburdö  baß  ©rbred&t  ber  SSeriüanbten,  felbft  ber  Gltern  unb  OJc^ 
f^roifter,  befcitigt  wirb,  3n  bcm  regelmäßigen  galle  aber,  xotwn  Äinber  auö 
ber  6(>c  uor^anben  fxnb,  ift,  ol^ne  bie  SBorjügc  ber  (Sütergemeinfd^aft  aufö 
Spiel  ju  feßen  ober  ungered^t  gegen  bie  ßinber  ju  werben,  eine  5lbbülfe  über- 
baupt  nic^t  moglid).  SBenn  j.  89.  einige  JRed&te,  um  jene  .^ärtc  ju  ücrmeibcn, 
fttttt  nac^  Quoten  tbeilcn  ju  laffen,  auf  baö  urfprünglid^e  SSermogen  beö  juerft 
Derftorbencn  ©Regatten  iuriirfgreifen  ober  bod^  bem  iibcrlebenben  @f)egatten  baß 
3ltdfi  geben,  bie  Äinber  ftatt  uon  bem  ©efammtgute  nur  uon  bem  93ermögen 
befi  juerft  Derftorbenen  ®l)egatten  abjufinben,  fo  mirb  baburd^  ber  ganjc  oben 
^orgebobenc  SJortbetl  ber  Oütcrgcmeinfd^aft  miebcr  geopfert.  SBenn  anberc 
Siechte  bagegen  in  ber  Slrt  ju  I)clfen  fuc^en,  bafe  fie  bem  übcrtebenben  Gbe^ 
gotten  baf^  ganje  33crm5gen  unbef c^ränft  überrocifen,  fo  muffen  fie  ibn  bod), 
um  We  3ntereffen  ber  .Siinber  nidbt  ju  gefä^rben,  minbeftenö  bei  Gingel^ung 
ber  ^rocitcn  e^e  nötl)igen,  mit  btn  Äinbern  ju  fd^id&ten,  3)ic  nur  Dcrcinjelt 
T)or!ommenbe  33eftimmung  aber,  nad^  roeldber  felbft  biefe  5ßftid^t  erlaffen  mirb 
(Bremen)  ober  nad)  meld^er  fraft  Oefefeeö  ©infinbfd^aft  eintritt  (gutba),  gc- 
föbrbet  bic  Äinber  in  foldier  9trt,  ba^  fic  fd^rocrlic^  9tad)al)mung  oerbient. 
SBeitcr  fommt  in  83etrad)t,  bafe  baö  ^nftitut  ber  fortgefe^ten  ©ütergcmeinfcbaft, 
roelcied,  wenn  bie  allgemeine  ®fttcrgcmcinfd)aft  als  gcfc^lidbcö  ©ütcrrcd)t 
beftimmt  mürbe,  im  3ntereffc  beö  überlebenbcn  ©Oegatten  nod)  meniger,  alö 
bei  bem  uertragömöfeigen  ©ütcrftanbc  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfc^aft, 
entbebrt  werben  fSnnte,  unleugbar  mit  erbeblid^cn  9Jadbtljcilen  ücrbunben 
ift  unb  große  Sd&mierigfeiten  unb  SBermirfelungcn  mit  fic^  bringt. 

Gin  fernereö  SUebenfen  gegen  bic  allgemeine  ©ütergcmcinfd&aft  liegt 
barin,  ba^  burd&  bicfelbc  bie  2'l;eilung  beö  ©runbbefi^eö  unb  ber  Uebergang 
beßfelben  Don  einer  ^'^n^ili^  i^  bie  anberc  beförbert  wirb.  Xiefc  5Jac^tl)eilc 
ftfteinen  allerbingö  in  manchen  ©cgenben,  in  mcldien  (Sütergemeinfc^aft  fd)on 
lange  gilt  unb  aucb  von  ben  Wrunbbefi^ern  burdb  ©bcücrtrag  nid^t  au6= 
gnd^loffen  ju  werben  pflegt,  wie  5.  S3.  in  äBeftfalen,  yingen,  ü)leppen  u.  f.  w. 
nid^t  alö  foldbc  gefüllt  ju  werben.  Saö  3lnerbcnrcd)t,  welcbcö  in  bicfen 
Wegenben  früljer  bcftanben  f)ai  unb  bort  ncuerbingö  in  anbercr  Oicftalt  wicbcr 


150  Stelicficß  @üterred6t,    gpffcm  fcc^  Qc\c^üijtn  ©üterrec&tcö. 

cingefül)rt  ift,  unb  bic  aud^  mä)  3luf{)cbung  bcö  friUjcrcn  Slncrbenrcd^teö  gc^ 
bliebctic  Sitte  bcr  ©utöübcrgabc  an  eines  ber  Äinber  f)aben  üermutblid^ 
wcfentlicf)  ba ju  mitgejoirft,  bie  gebad)tcn  nad^t^eiligcn  gofgeti  nid^t  bcfonbcrö 
^cruortreteii  5u  laffen.  3u  auberen  (Segenben  aber  entjieljt  ft(jE)  minbcftenö 
ber  größere  ©runbbcfil  regelmäßig  bur^  ©fieüertrag  ber  ©ütergemeinfd^aft, 
ober  ift  er  fd&on  froft  beä  @efe|eö  baüon  ausgenommen.  3ebenfatt8  unters? 
liegt  bie  neue  ©nfü^rung  beö  ®i)ftemeö  ber  ©ütcrgcmeinfd)aft  in  ©egenben, 
in  roeld^cn  ein  gefd^loftener  großer  ober  bäuerlid^er  ©runbbefi^  beftetjt  unb 
Sitte  unb  @en)ol^nf)eit  nid)t  über  bie  gebadeten  Uebelftcinbe  f)inn)egl^elfen,  ben 
crnfteften  ^ebenten,  unb  würbe  bicfelbc  bort  üorauöfid^tlid^  auf  großen 
aCßibcrftanb  ftoßen. 

3llö  ein  befonberer  33orjug  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  mirb  cß  bis? 
weiten  l^ingcftellt,  boß  baburd^  bcm  Überlebenben  ©Regatten,  insbefonberc  bcr 
Überlebenben  ©Ijefrau,  eine  angemeffene  SSerforgung  gefid^crt  werbe.  S)ics  ift 
ieboc^  nur  fel^r  bebingt  richtig.  S)ie  §älftc  bes  ©cfammtgutes  fann,  wenn 
baö  ganjc  SSermögcn  pon  bem  Überlebenben  ®l^egatten  ^errü^rte,  piel  ju  locnig, 
fic  fann  im  entgegengefeßten  galle  bei  Äonfurrcns  mit  Äinbern  ju  picl  fein. 
SaS  für  alle  gällc  rid^tige  2ßaß  fann  bei  getrenntem  ©üterrcd^te  fieserer  unb 
jutreffenber  burc^  SBeftimmungcn  gefunben  werben,  weld)e  bem  Überlebenben 
6l)egatten  ein  nad^  ber  9iäl)e  ber  SSerwanbten  bcs  ©rbloffers,  mit  weld^en  er 
fonfurrirt,  abgeftuftes,  mel^r  ober  weniger  ausgebelintcs  Srbred^t  ober  SRießbraud&s* 
red)t  an  bem  SBermögen  bes  SBerftorbenen  einräumen. 

©ine  3tbwägung  ber  mit  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  oerbunbeneu 
3Sortf|eile  unb  Slac^t^eile  ergicbt  ^iernad^  ein  Uebergewidjt  ber  lefeteren. 
«leaHobiiiar»  <^cx  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  am  näd^ftcn    ftel^t  bie  äJiobiliar^ 

gememic^aft.  g^^^gj^^^j^Q^j^    gj^»  j^j  {„  '^^j^  ^y.^^^^  dit6)tc  JU  ciuem  feft  abgefc^tojfeneu,  im 

©anjcn  flaren  unb  einfad^en  Si)ftemc  ausgebilbct  worbcn.  Sic  liegt  aud> 
bem  für  ben  S3ejirf  bcs  üorm.  3lppellationSgcrid()tcs  ju  ©^renbreitftein  aus* 
gearbeiteten  ©ntwurfe  ju  ©runbc,  weld^cr  in  ben  Sauren  1865,  1866  bem 
prcuß.  Sanbtagc  uorgelcgt  unb  Don  bcm  lc|tcren  im  8GBefentlid)cn  gebilligt 
würbe,  wegen  ber  injwifc^en  eingetretenen  politifd^en  aSeränberungen  aber  unb 
bcs  baburd^  angeregten  S^cifels,  ob  nid^t  eine  gemeinfame  Äobififation  für  bie 
ganjc  ^rooinj  $effen*9iaffau  uorjujiefien  fei,  nid)t  ©efeg  geworben  ift. 

©S  ift  nid^t  5u  Dcrfennen,  ia^  mand)c  SRa^tljeile  ber  allgemeinen  ©üter* 
gemeinfd)aft  bei  ber  äßobiliargemeinfd^aft  ücrmieben  ober  bod^  uerringert  werben. 
Soweit  bas  SBermögcn  ber  Gl^efrau  in  ©runbbefiß  beftcl;t,  wirb  ber  Icgterc, 
ba  er  jum  Sonbergute  gel^ort,  gegen  bie  aSerfügungen  unb  ©d^ulben  beS 
©l)emanneS  gefid^ert.  3ebem  ©Regatten  bleibt  bei  Stuflofung  ber  ®^e  fein  in 
bie  ©f)c  eingebrad^ter  ober  burd)  ©rbfolge  erworbener  ©runbbefig  ungefd^mälcrt 
erhalten,  unb  wirb  alfo  bie  ©cfa^r  einer  3^^plitte^wng  bcSfelben  unb  bcs 
Uebcrgangeö  besfctben  in  eine  anbere  gamilie  oollftänbig  uermieben.  SKnbcrer* 
fcitö  bleiben  bod)  wefentlid^c  SSorjüge  bcr  allgemeinen  ©ütergemeinfd&aft 
erljalten,  insbefonberc  ift  baS  SBcr^ältniß  nac^  außen  wäl^renb  ber  ©l^c  einfad^ 
unb  flar,  unb  finb  bic  ©täubiger  bes  ©IjcmanneS,  ha  fic  fic^  an  bas  aWobiliar* 
ücrmögcn  bcibcr  ©Ijegatten  l;alten  fönnen,  gegen  ^äufd^ungen  gefd^ü^t.  I)ic 
SluSeinanberfe^ung  bei  9luflöfung  bcr  ©f)c  ift  jwar  nid}t  ganj  fo  einfad^,  wie 


ßinfeitunö.  SWoBiliaröcmcinfd&aft.   SrcuuGcnJcfeaft^Jöemcinfd^aft.  (§  1283.)     151 

bei  bet  allgemeinen  ®ütcrgcmcin[c^oft,  ba  eine  Sluöfd^eibiuig  beö  unbeiueglid^en 
3Scrmogenß  unb  eine  gcgenfeitigc  Sered^nuug  wegen  SScriDcnbungcn ,  Sonbcr- 
fd^ulben  u.  f.  lu.  ftattfinbcn  muß.  3nuncr()in  aber  luivb  biefc  SKuöeinanbcr- 
feßung,  ia  fid)  boö  S^nmobiliarüermögen  leid)t  ermitteln  läfet,  üerljättnifemäfeig 
einfoc^  fein  unb  feine  großen  Sd^roicrigfeiten  bieten. 

©ntfd^cibcnb  gegen  baö  gonje  Softem  ber  a)iobiIiargemcinfd^aft  fprid^t 
ober  bic  t)5Uige  ^rinjiplofigteit  beö  3)k6ftabeö,  mä)  lüetd^em  ber  Umfang 
bedienigen,  roaS  unter  ben  ßficgotten  gemcinfam  fein  foll,  beftimmt  luirb.  6ö 
laRen  fic^  ©rfinbe  bafür  anführen,  bcm  Untcrfdiicbe  äwifdöen  bcn)cglid;em  unb 
unbcmeglid^em  aSermogen  einen  ßinflufe  auf  ha^  a3erf)ältni6  ber  ®f)egatten  nad^ 
außen  einjuräumen  unb  baö  erftere,  loeil  bei  bemfelben  regelmäßig  eine  fold)c 
SJenncngung  eintritt,  baß  Sritte  nid^t  mc^r  unterfd^ciben  fönnen,  loaö  bem 
einen  ober  bem  anberen  ©Regatten  gef)ört,  untcrfd^iebötos  ber  SBerfügung  beö 
Seemannes  ju  unterwerfen  unb  ben  ©laubigem  ^aften  äu  laffen.  Seilen  rein 
äußeren  unb  5ufäDigen  Umftanb  aber  für  baö  33erl)ältniß  unter  ben  ©fiegatten 
felbft  als  entfd^eibenb  l^injuftellen  unb  uon  i^m  ben  Umfang  beö  gcmeinfamcn 
SJermögenö  abt)ängig  iu  mad)en,  fet)It  eö  an  jebem  inneren  ©ninbe.  S)aö 
Softem  fü^rt  bal)in,  baß,  mcnn  ber  eine  6f)egatte  nur  unbeioeglic^cö,  ber 
anbere  nur  beroeglid^eö  SBermogen  befi^t,  uon  bem  crfteren  nidjtö,  baö  legtcre 
bagegen  ganj  in  bie  Oemeinfd^aft  fällt  unb,  wenn  bie  ©()c  aufgelöft  wirb,  ber 
eine  ß^egatte  fein  ganscö  SBermögcn  behält  unb  baö  Ijalbc  Vermögen  beö 
anberen  ©Regatten  noci)  baju  bcfommt,  wä^renb  biefer  fein  Ijalbeö  SSermögen 
verliert,  o^ne  etwaö  bafür  wieber  ju  erbalten.  2)ie  auö  biefer  ^rinjiplofigteit 
entfprtngenbe  ungteid^c  unb  ungcred&tc  Sebanblung  ber  ©begatten  mod^te  fid) 
in  früfiereu  3citcn,  alö  baö  beweglidje  SSermögen  nocb  Don  oerfiältnißmäßig 
geringer  93ebeutung  war,  weniger  fübibar  mad^en.  93ei  ber  großen  S3ebeutung 
aber,  weld^e  baöfelbe  fegt  erlangt  i^ai,  würbe  bie  Ginfübrung  eineö  fold^en 
Si)ftemeö  in  ©cgenben,  in  weld^en  baöfetbc  biö^er  nidjt  gegolten  bat  unb  wo 
bie  altbergebrai^te  Oewofmbeit  unb  bie  Sitte  ber  (S^eoerträgc  nid^t  über  bie 
^rte  beö  S^ftemeö  ^inwcgbilft,  im  ^Sc^ften  ®rabe  bebenttidö  fein  unb  auf 
emftlidjen  SGßiberftanb  ftoßcn.  S)ic  atntlid^en  ä)Jittbeilungeii  über  Qa\)l  unb 
3nl|alt  ber  im  ©ebiete  beö  franj.  SHecbteö  abgefd)loffenen  (Si^eDtttväc^c  beweifen 
jubem,  ba%  bie  aWobiliargemeinfd^aft  aud^  in  biefem  (Gebiete  in  großen  Greifen 
ber  Seoölferung  nic^t  alö  bie  jwecfmäßigfte  gorm  beö  efielid^en  ®üterred&teö 
onerfannt  wirb. 

3lnlangenb  baö  Softem  ber  reinen  ©rrungcnfd&aftögemeinfd^aft,  fo  wirb  s^te  er- 
ttocb  biefem  Sijfteme  an  fic^  burd)  bic  Gingcbung  ber  (S^e  an  ber  3"ftäiibigfeit  7S\tit^ 
beö  beiberfcitigen  SBermögenö  nid^tö  gcänbcrt;  aber  bie  Scbenögemeinfc^aft,  in 
n)eld)e  bic  ©begatten  burc^  bie  ©bc  getreten  finb,  foU  aud&  in  uermogenöred^t^ 
lid&cr  Scjie^ung  baburd^  fid^  betbätigen,  baß  9lüeö,  waö  fie  mit  ibren  pb^fifc^^c"/ 
gciftigen  unb  SJermögenöMften  erwerben,  gemcinfam  wirb,  gemcinfam  aber 
oud)  bie  ebelid^cn  Saften  getragen  werben.  9ieid)t  ber  cbelid^e  ©rwerb  jur 
©cftreitung  ber  ebelid^en  Saften  nic^t  auö,  fo  muß  baö  gcblenbc  grunbfäfeUd^ 
oon  beibcn  ©licgatten  }ugefd)oRen  werben-;  bleibt  nad)  ber  9luflöfung  ber  ©b^ 
ein  Ueberfd^uß,  fo  gebort  bcrfelbc  beibcn  ©f)cgatten  gemcinfam,  unb  äwar,  ba 
cö  fi(b  nidjt  um.  eine  ©rwcrbö^  fonbern  um  eine  fittlid)c  Sebcnögcmcinfd^aft 


152  ®r}elid6c§  Oütcrrcd^t.     ©vftem  bc»  öe[e^Iid?en  ®üterre$tc3. 

t;anbelt,  iebem  ©Ijcgattcn  ju  9leid)en  ^(;eilcii,  ofjue  bafe  toeitcr  imterfud^t  wirb, 
ob  öoii  bem  einen  meljr,  von  bem  anberen  locniger  ju  bem  ©rwcrbc  bei- 
getragen  ift. 

So  einfad)  unb  natürlid)  bie  bicfem  (5i)ftcmc  jn  Ornnbe  licgenben  Qk^ 
banten  cr|d)einen  nnb  [o  anfpred^cnb  fte  für  baö  Oemüt^  fmb,  fo  [teilen  fic^ 
ifjrcr  inriftifd^cn  9iuöfü(jrung  boc^  fel^r  erljcbfid)e  Sd^roierigfeitcn  unb  S3ebcnfen 
entgegen.  SBic  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft,  wirb  aud)  bei  biefem 
£i)ftcttic  bie  übenoiegenbe  Stellung  beö  ©l^cmanneö  allgemein  aner!annt.  3l)m 
ftetit,  wenn  aud)  bei  mid)tigercn  ©cfd)öften  nad)  bem  5ßrinjipe  ber  gefammten 
$anb  bie  ©inroilligung  ber  6l)efrau  gcforbert  wirb,  bod)  allentl)alben  in  mel^r 
ober  weniger  auögebelintem  SDJa^e,  um  ben  9tnforbcrungcn  beö  pra!tifd)en 
^ebcnö  gerecht  ju  werben,  bie  SSerroaltung  foroo^t  ber  @rrungenfd^aft,  atö  axiä) 
beö  ©onberguteö  ber  ©l^efrau  ju,  unb  er  aflein  l;at  traft  feineö  ljauöf)errlid)en, 
Don  ber  ©cltüng  eines  bcftimmten  Si)ftemeö  beö  elielid^en  ©iiterrec^teö  um 
abl^ängigcn  Sled^tcö  bie  entfd&eibenbe  Stimme  ü6er  bie  9lrt  beö  gemeinfamcn 
el^elidjen  Sebcnö,  fowie  über  bie  9lrt  unb  baö  3)iaB  ber  für  baöfelbe  ju 
madienben  Slufmenbungcn.  9luö  biefen  S3efugniffen  ergiebt  fi(^  aber,  bafe  cö 
fd)lie6lidS)  in  ber  ^anb  beö  ®()emanneQ  liegt,  ob  ber  ©rtrag  beö  beiberfcitigen 
93ermögenö  unb  ber  beiberfeitigen  9lrbeit  5ur  SBeftreitung  ber  eljelic^en  Saften 
auörei^t  ober  nid^t,  ob  ein  Ueberfd^ufe  perbleibt  ober  äugefcfet  werben  mufe. 
3n  bem  leßteren  galle  mufj  bie  ®^efrau  nad^  bem  ^ßrinjipe  ber  ®rrungenfd)aftö' 
gemeinfd)aft  i^ren  9lntl^cil  an  ber  (Sinbufec  tragen,  unb  jwar  in  bcmfelben 
3)ia6e,  wie  fie  an  bem  Ueber)d)ufie  S^^cil  nimmt,  alfo  ju  gleichen  3;^cilcn  mit 
bem  ®f)emanne.  ä)littelbar  ift  baljer  auc^  bei  biefem  Sgfteme  in  faum  ge- 
ringerem aWafee,  wie  bei  ber  allgemeinen  Oütergcmeinfd&aft,  batt  ganjc  5ßer* 
mögen  ber  ©^efrau  bem  yeidjtfmne  unb  ber  aWifjDerwaltung  beö  ©bemanne© 
^reiö  gegeben,  ja,  bao  SRefultat  fann  l)ier,  weil  baö  bem  ©Regatten  bei  ©im 
geljung  ber  ©l;e  j)ufte^enbe  aSermögcn  ni^t  gemcinfam  wirb,  in  nod)  größeren 
|>ärten  gegen  bie  S^efrau  füt)ren,  alö  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfc^oft. 
SBenn  ber  Cl)emann  bei  6ingcl)ung  ber  ©^e  ein  SBermogen  oon  100  OOO  3)Jarf, 
bie  ©l;efrau  t)on  10  (KK)  SRarf  befifet  unb  bei  9luflöfung  ber  ei;c  fid)  jeigt, 
baß  ber  ©rtrag  beö  beiberfeitigen  SJermbgcnö  unb  ber  beiberfeitigen  9lrbeit 
aur  Sicftreitung  ber  eljclid)en  Saften  nid&t  auögereid)t  Ijat,  xnelmeljr  20  000  ü)iarf 
jugefefet  finb,  fo  muß  jeber  ©begatte  jur  Hälfte  baju  beitragen;  bie  ©tiefrau 
verliert  alfo  ilir  ganjeö  SBermögen,  wäl)renb  ber  ©bemann  nur  einen  tjer* 
Ijättnifemäfeigcn  a:f)eil  beö  feinigen  einbüßt  unb  90  000  3)lar!  behält.  3»  i>cr 
^Dlöglid)feit  fold^er  JHcfultate  liegt  ein  fd^werer  Uebetftanb,  wcld^er  auc^  in  bem 
■©eltungögebiete  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfd)aft  alö  fold^cr  em'pfunben  wirb. 
Um  bemfelben  abjul)elfen,  genügt  nid^t  bie  9tuffteUung  beö  ©runbfafeeö,  ba6 
ber  ©bemann  für  feine  ikrwaltung  ücrantwortlid^  ift  unb  übermäfjigc  9luf* 
wenbungen,  aud^  wenn  fie  für  baö  gemcinfame  e^elid^c  Scben  gemalt  fmb, 
von  bem  ©bemanne  allein  getragen  werben  foUen.  Sie  Unbeftimmtljeit,  weld^e 
in  bem  abgriffe  beö  Uebermäfeigen  feiner  Statur  nad^  liegt,  unb  bie  praftifc^c 
Unmogtid)fcit,  nad)  9luflöfung  ber  ©l)c  auf  3al)rc  unb  Sa^rjelintc  lang  rürf* 
ioärtöl;in  ju  unterfud)en,  ob  bie  einseinen  9tuögaben  übermäßig  gewcfeu  finb 
x)ber  nid)t,  madjcn  ben  burd)  jenen  ©runbfag  gefud)ten  Sd^ug  ber  ©l;efrau 


Sinicitung.    ©rrunöenf^afUöcmeinfc^aft.    (§  1283.)  153 

i»öllig  iüuforif^.  SBielc  auf  bcm  5ßriiijipc  ber  ernmgcnfd^aftößemein)d^aft  bc* 
ru^nbc  Siechte  fmb  bal^cr  weiter  gegangen  unb  i)abcn  bic  ©^efrau  bireft  ober 
inbireft  von  ber  SC^eUnaljme  an  ber  ©inbwfee  befreit,  fo  insbcfonberc  in  Äur^ 
^len,  ferner  in  SBürltemberg,  wo  ba^  Snftitut  ber  wcibltd&en  greil^eiten  oljnc 
gcfcjlid^en  Sln^alt  in  bcm  Sanbred&te  lebiglid^  burd)  (Sen)ol^n^citörcd)t  fid) 
«itroicfelt  i)ai,  foroie  nad^  bem  franj.  Siebte  unb  bem  eljrenbreitft.  Gnt* 
würfe.  3n  grofeen  ©ebicten  ber  errnngenfd)aftögemeinfd)aft  ^at  man  fid) 
alfo  genöt^igt  gefe^en,  eine  roefentUdöc  Äonfequens  bcs  i^r  ju  ©runbc 
licgenbcn  ^rinjipeö  aufjugcben.  S)ic  ©efäl^rbung  ber  ß^efrau  ift  baburd^ 
befeitigt,  aber  eö  frogt  fx6),  ob  mit  einer  fotdjcn  iDIobififation  ba§  ^knnsip 
felbft  no6)  l^altbar,  ob  eö  gere(iE)t  ift,  bie  (Sljefrau  an  bem  Ueberfc^ufjc  bes 
f()eK(^en  (Srroerbeö  S:^eil  nebmen  ju  lafjen,  von  ber  S;ragung  ber  einbujje 
ober  ju  befreien. 

Gin  meitercö  Sebeiifen  gegen  bie  ©rrungcufd^aftögemeinfc^aft  liegt  barin, 
kß  bas  ^l^erpItniS  ber  ©[jegatten  nad^  aufeen  febr  fompUjirt  wirb,  ©ö  mirb 
unterfd^ieben  jmifd^en  ©onbcrfc^ulben,  b.  f).  fold^en  Sd^ulben,  roüijt  im  auö^^ 
f^lieBlicften  3ntereffe  eines  G^egatten,  unb  Gtiefc^ulben,  b.  1^.  fold&en  Sd)nlben, 
mld^t  im  gemeinfamen  3ntereife  beiber  ©Regatten,  inöbefonbere  beljufö  23c^ 
ftrcitung  ber  eficlid^en  üaften  ober  5um  SBcften  beö  gemeinfamen  SSermögenö, 
fontrü^irt  finb.  Gö  liegt  auf  ber  §anb,  bafe  biefe  Unterfd^eibung,  obtooljl 
prinjipieD  richtig,  bod^  wegen  ber  natütlid^en  Unbeftimmt^eit  ber  \i)v  5U 
<?ninbe  liegenbcn  83egriffe  für  bie  praftifti^e  |)anbl;abung  mit  grofeen  Sd^wierig^ 
feiten  oerbuuben  fein  muft.  Unb  bod^  ift  fte  ^äufig  nid^t  nur  für  baö  ajerbältni^ 
ber  G^cgallen  unter  cinanber,  fonbcrn  aud^  für  il^r  aSerpltnife  nad)  au^en 
oon  entfc^eibcnbcr  93ebeutung.  3m  Ginjelncn  gelten  bie  ©eftimmungen  barüber 
freilidj  febr  auöeinanber.  gür  bie  Sonberfd^utben  bctftet  regelmäßig. nur  ber 
behreffcnbc  ©begatte  mit  feinem  ©onbcrgute,  bisweilen  aud^  mit  feinem  2ln^ 
t^Ue  an  ber  Grrungenfd^aft ;  bod^  fommt  aud)  folibarifdE)e  Haftung  ber  Gr- 
nmgttif^iaft  balb  unbebingt,  batb  fubfibiär,  balb  in  Sietreff  ber  Sd)ulben 
bciba  G^cgattcn,  bolb  nur  in  33etreff  ber  Sd^ulben  beö  G^emanneö  oor.  gur 
bie  ß^eft^ulbcn  haftet  immer  bie  ganjc  Grrungenfd^aft.  £b  unb  inwieweit 
bie  ßbegattcn  an^  mit  iljrem  ©onbergute  bafür  baften,  ift  wieber  fef;r  üer^ 
ft^ieben  faeftimmt.  ^öufig  wirb  ^ier  nod^  wieber  unterfd^ieben,  ob  bie  ©d)utben 
von  beibeu  G^cgatten  ober  nur  Don  bem  Gfjcmanne  fontral^irt  finb.  gür 
erftere  baften  bcibe  G^egatten  balb  folibarifd^,  balb  pro  rata  anäi  mit  il^^^em 
Sonbergute.  3n  Setreff  ber  leftteren  fdjliefeen  bagegen  biejenigen  9led)te, 
roel(^e  bic  ®l|cfrau  oon  ber  a^^citna^mc  an  ber  Ginbufec  befreien,  aud)  bie 
^ftung  bcrfclbcn  mit  ibrem  Sonbergutc  an^,  wölirenb  bie  übrigen  9icd)tc  fic 
für  biefe  Sd&ulben  balb  folibarifd&,  balb  pro  rata  baften  laffen.  S)aö  Si)ftem 
ber  Grrungcnfd&aftögcmeinfc^aft  fte^t  aud^  ^icr  wieber  t)or  ber  3llternatit)c, 
entioeber  baö  SBermogen  ber  Gfjcfrau  5u  gefälirben  ober  ju  ©unften  ber  legteren 
ungerecht  ju  werben.  SBic  lebbaft  baö  Sebcnlen  biefer  Sllternatiüc  in  ben 
Sonberu  ber  Grrungenfc^aftögemeinfdöaft  gefüblt  wirb,  tritt  beutlid^  in  ben 
SBotioen  bcö  wiirttemb.  Gntwurfeö  über  baö  ebelid^e  ©ütcrrcd^t  von  1840 
bcTDor.  S5ic  oielfad^en  gegen  baö  S^ftitut  ber  weiblid)cn  greifieitcn  crf)obenen 
ßinroenbungcn  unb  bie  jur  3lbbülfe  bcrfelben  üorgcf^tagenen  SBcge  werben 


154  Slteli^cö  ®üterrcd6t.    e^pftcm  beö  flcfe^Iic^eu  ®üterrcd}tc§. 

barin  cingcfjeub  cvraogcn  unb,  obwo(;I  jene  ©iniücnbungcit  alö  bcgrüiibct  a\\^ 
erfoimt  lücrbcn,  bic  üorgcfdjlagcucn  3lbl^ülfcmittcl  bo(iE)  ald  noä)  größeren  3Jo 
bcnfcn  iintcrlicgcnb  jurücfgenjicfcn.  2)cr  gebadete  ©ntrourf  fclbft  fd^Ifigt  fd^licfelid^ 
Dor,  bcr  ©fjcfrau  jiDav  baö  SRcd|t  ju  bctaffcn,  bie  tüciblid^cu  SBol^It^atcn  am 
äunifcn,  boöfctbe  aber  an  bic  83ebinguug  ju  Eniipfcn,  bafe  fie  bie  §älfte  i^reö 
93cvmogcnö  bcit  Oläubigcrn  opfere.  Sine  fold^c  rein  äufeerlid^c  SSermittelung 
bciocift  am  bcftcn,  bafe  in  9Birflid)fcit  I)ier  eine  SBermittelung  nid^t  möglid^  ift 
Gntfd^Iiefet  man  fid^  ju  ber  9Uternatiöe,  bic  Äonfcquenj  beö  ^^rinjipeö  bcr  ®r^ 
rungenfdjaftsgemeinfdjaft  ju  (Sunften  ber  ß^efrau  ju  opfern,  fo  fann  attcr^ 
bingä  eine  SBereinfad&ung  ber  Sad^c  baburd)  erjielt  werben,  ba^  man  nad^  bcm 
33orbiIbe  beä  franj.  9icd)teö  unb  beö  c^renbreitft.  ©ntnjurfeö  bic  Unterfc^eibung 
jn)iid)en  ß^cfc^utben  unb  ©onberfd)ulbcn  mit  allen  fidE)  baran  fnüpfcnben 
3n)eifcfn  für  baö  3Sert|ältni6  ber  G^egatten  nad)  auften  gänjlid^  aufgiebt  unb 
bie  ©rrungenfd^aft  für  alle  SdE)ulbcn  entroeber  beiber  @()egatten  ober  bod)  beö 
ß^emanncö,  im  Uebrigen  aber  ieben  ©Regatten  für  bie  in  feiner  5ßerfon  ent^ 
ftanbencn  ©d^ulben  nad)  allgemeinen  ©runbfägen  l^aften  W§t, 

Jlid^t  minbere  Sebenten,  wie  auö  bem  SBerl^ältniffe  nac^  aufeen,  ergeben 
fid^  aM  bem  aScrliältniffc  bcr  Grrungcnfd&aft  ju  ben  ©onbergütern.  Um  feft- 
juftcHcn,  ob  eine  ®n'ungenfd)aft  Dorljanben  ift  unb  worin  biefclbe  befielt,  miife 
eine  9lu3einanberfe|uttg  unb  33ered)nung  unter  ben  ©Regatten  ftattfinbcn,  weld^c 
mit  fold^cn  ©dE|Wierig!eiten  uerbunben  ift,  bafe  barin  oon  jel^er  bie  größte  unb 
bebcnflid()fte  Sc^attcnfeite  ber  ßrrungenfd^ftßgemeinfdöaft  gefunbcn  ift.  Seljufö 
ber  Slüöcinanberfegung  muffen  nid^t  nur  baö  üon  ber  ©Ijefrau  in  bie  ©f|e  eiiv^ 
gebrad&te  unb  wä^renb  bcr  lefetercn  burd^  ©c^enfung  ober  ©rbfolge  erworbene 
SJcrmögcn  ber  ®f;efrau,  fowie  ba^  urfprünglid^e  SBermögen  beö  (g^emanneö  feft* 
geftellt,  fonbcrn  aud;  atte  93erwcnbungcn,  wcld^e  wäl;renb  ber  ®auer  bcr  ®^c 
von  einer  bcr  beiben  SBaffen  auf  bic  anbere  ober  auf  bie  gemeinfame  ©rrungem 
fd^aft  ober  umgefel^rt  uon  biefcr  auf  jene  gemad^t  finb,  ermittelt  unb  crfe|t, 
inßbefonbcre  aDc  auö  bem  ©onbergute  eineö  Sficgatten  jur  S3cftreitung  ber 
efietic^en  Saften  gemad^ten  3lufwenbungcn,  anbererfeitö  aber  aud^  bie  auö  bem 
®rtrage  beö  bcibcrfcitigcn  3Sermögcnö  ober  burd^  bic  bciberfeitigc  2lrbeit,  alfo 
auö  ben  SUittcIn  bcr  gcmeinfamcn  (Srrungenfdjaft,  auf  baö  ©onbergut  eineö 
©Regatten  gemachten  SSerbefferungen  oergütct  werben.  S)abei  wirb  bann  aud^ 
bie  Unterfdjcibung  iwifc^cn  6I)efd)uIben  unb  Sonberfd^ulben,  mag  man  bic* 
felbe  aud^  für  baö  33erl^ältni6  ber  ©(jcgatten  nad^  aufeen  aufgeben,  üon  großer 
praftifd&cr  33ebeutung.  ©ine  bem  SRcd^te  entfpred&cnbe  Sluöeinanberfeöung  ifl 
l)iernad^  in  ber  3:i;at  nid^t  anberö  möglid^,  alö  wenn  bie  2luögaben  unb  Gin^: 
nal)mcn  fowotjl  bcr  bcibcrfcitigcn  Sonbcrgüter  alö  ber  gcmeinfamcn  ©rrungen^ 
fd^iaftömajfe  burd^  bie  ganje  ®^e  oerfolgt  unb  fcftgeftcBt  werben.  3^*  ^^^ 
©nbc  würbe  bic  2lufna^mc  eineö  genauen  unb  oollftänbigen  Siioentarcö  beö 
bcibcrfcitigcn  SSermögenö  bei  6ingcf|ung  bcr  ®^e  unb  eine  fortlaufcnbc 
aied^nungöfüfirung  wäl^rcnb  bcr  ®^c  nid)t  ju  entbehren  fein  unb,  fclbft  wenn 
biefe  93cbingungcn  erfüllt  wären,  würbe  bie  natürli^c  Unbeftimmtl^eit  beö  33c» 
griffcö  bcr  cl^clid)en  Saften  unb  bcr  (5^cfd)ufben  nod)  immer  reid^cn  ©toff  5u 
3weifctn  unb  Streitigfeiten  bieten.  SUiö  bcr  5^rariö  bcr  Sanber,  in  weld^en 
bie  ©rrungcnfdjaftögemeinf^aft  gilt,  wirb  nun  jwar  bc5cugt,  bafe  bic  Sad^c 


Sinlcituiiö.  SrnmQcnf4aflÖöcnicinfc6aft.  ©emifd&te  S^fteme.  (§  1283.)       155 

in  SBirflic^fcit  fid^  Diel  cinfad&cr  geftoltc.  2)cr  ©runb  bafür  liegt  aber 
Icbiglic^  barin,  bafe  man  nac^  alt^ergebrad^ter  ©itte  unter  aäerjid^tlciftung  auf 
eine  bem  SRct^tc  entfprcd^enbe  SluSeinanberfegung  ftd)  regelmäßig  auf  bie  93er* 
glcic^ung  bcö  bei  ©ingel^ung  unb  bei  Sluftofung  bor  ©f)c  t)orl)anbenen  SScr^ 
mogcnöbcftanbeö  befdirfinft  unb  auf  (Srunb  berfelben,  ol)nc  in  bie  ®in5cll)eiten 
cinjuge^n,  baS  aScr^ältnig  oergleid&öroeife  ju  orbncn  pflegt.  3n  üielen  (Sc* 
bieten  ber  ©rrungenf^aftögemeinfd^aft  ift  es  jubem  feftfteöenbe  ©itte,  ba%  bei 
Gingeliung  ber  6^c  ein  ^noentar  aufgenommen  wirb,  unb,  roo  bieö  nid^t  ber 
gaU  ift,  ^ilft  fd^Iiefelid^  bie  SSermutfiung,  bag  alles  t)orf|anbcne  aScrmögen 
6rrungcnfd)aft  fei.  SBenn  aber  and)  regelmäßig  bie  Sluöeinanberfefeung  in 
©fite  erfolgen  mag,  fo  liegt  barin  bod)  fein  SSerociö  für  bie  S^Jectmäßigfcit 
beö  Si)ftemeö,  fonbeni  man  ift  im  ®egentl)eil  barauö,  baß  eine  fold^e  gütlid^e 
Sudcinanberfeßung  erfolgen  muß,  um  bie  oermicEeltftcn  unb  unerträglid^ften 
Unterfud&ungen  ju  uermeiben,  auf  eineti  fd^rocven  3Rangel  beö  Spftemeö  ju 
[(fließen  bcred^tigt.  9Bie  üermirfelt  unb  fd^mierig  bie  SKuöeinanberfefeungen 
loerben,  wenn  im  cinjelnen  ^alle  ©trcit  cntftel^t,  geljt  jur  ®enüge  aus  bcn 
in  folc^en  ©trcitigfeitcn  ergangenen  Urt^eilen  l)croor.  93efonberö  belel^renb  ift 
in  biefer  Sejie^ung  aud^  ber  mürltemb.  ©ntro.  ü.  1840,  auß  beffen  rcid^er 
ftafuiftif  man  bcutlid^  bie  große  SRengc  bei*  Streit-  unb  S^^^if^löpunfte 
crfcnnt,  njeld^e,  wenn  eine  gütlid&c  Sluäeinanberfefeung  nid)t  erfolgt,  ju  ben 
öcrroirfeltften  unb  peinlid^ften  ^ßrojejfen  9lnlaß  geben  miif^cn.  SBo  ba&  Softem 
ber  ©minflenfd&aftögemcinfd&aft  uon  Sllterö  ^er  gilt,  mögen  Sitte  unb  OeiuoJ&n- 
^it  üba-  bie  Sc^roierigfeiten  ber  äudeinanbcrfefeung  Ijinmeg^elfen.  Sei  Sin* 
fü^rung  biefcö  Spftemeö  aber  in  Ocbietcn,  in  meldten  eö  bisher  unbefannt 
gcroefen  ift,  mürben  jene  Sd)n)ierigfeiten  auf  baö  Sc^roerfte  empfunben  merbcn. 
2ic  unertäßlid^e  SBcbingung  für  ein  in  ganj  5Deutfd^lanb  einjufülirenbcö  e^e* 
li(^  (Sütcrrec^t  ift,  baß  eö  etnfad^,  ftar  unb  praftifc^  leidet  ju  l^anb^aben  ift. 
2od  ober  gerabc  ift  eö,  maß  bem  S^fteme  ber  ©niingenfd^aftßgemcinfc^aft 
fc^lt;  ber  bemfelbcn  ju  ©runbe  liegenbe,  an  fid)  rid^tige  Oebanfe  läßt  eine 
unmittelbare  3(ußfül^rung  ntc^t  ju,  ol^ne  jugleid^  bie  l)eroorgel[|obenen  praflifc^en 
Uebelftänbc  ^erbeijufüliren,  unb  feine  iuriftifd&c  S^ec^nif  mirb  im  Staube  fein, 
bcnfelben  abju^elfen.  gaßt  man  ben  l^auptfäd&lid^en  3mecf  jcneß  (Sebanfenß 
inö  äuge,  mic  er  unß  in  ber  erften  gefd;id&tlid^en  ßntfte^ung  ber  ©rrungen* 
fd^ftßgemcinf^aft  entgegentritt,  ben  S'^ecf.  nämlid&,  ber  (S^efrau  burc^  ®e* 
roa^ng  cineß  9lntl)eileß  an  bem  mä^renb  ber  G^c  ermorbcnen  93ermögcn 
eine  ongcmeffene  SSerforgung  nad)  3luflofung  ber  (Sl)e  ju  fid^eni,  fo  läßt  biefer 
3roed  fic^,  mie  weiter  unten  gejeigt  werben  foU,  auf  bem  Soben  ber  9Ser* 
rooltungßgemeinf^aft  in  einfad^er  SIBeife  burdEi  Oewäl^rung  eineß  außgebe^nten 
&rb*  ober  Sließbraud^rec^teß  ber  ©Regatten  erreid^cn. 

Slnlangenb  bie  gemifd()ten  jwifd^en  ber  3)lobiliargemeinfd^aft  unb  ®r*  «cmif(^te 
rungenfd^aftßgemeinfdjaft  in  ber  SWitte  fte^enben  Si)fteme,  fo  muß  anerfannt  ®'^*""^ 
loerben,  baß  in  ber  ©leid^ftellung  berjenigen  33eftanbtl|eile  beß  aJiobiliar* 
oermogenß  mit  ben  3»nnio6itten,  weldEie  nac§  ben  iegigen  wirt^fd^aftlid^en  9Ser* 
^Itniifen  in  ä^nlid^er  ärt  wie  biefc  bie  Sebeutung  beß  probuftiüen  Äapitaleß 
^üben  unb  äußerlid^  alß  aSermögen  ber  ß^efrau  crfennbar  finb  ober  erfennbar 
flcmo(^t  werben  fonnen,  eine  bem  3n)edEc  unb  bem  (SJciftc  ber  ajlobiliargemeinfc^aft 


156  GfecKc&ey  @uterred&t.    ©jpftem  beö  gefc^lid?cn  ®ütcrce$tc3. 

cntfprcd^cnbe  gortcntroicfclung  ber  Icfetcrcu  liegt  iinb  baburd^  bie  9iad)tf)cilc 
bcrfelbcn  gemilbert  werben.  9lud)  loerben  burd^  bie  9luäbef)nung  ber  Grrungen- 
fd^aftögcmcinfci&aft  auf  ben  ber  oorerwäfinteti  Äategorie  üou  ©cgcnftänben  n\d)t 
ongel^örcnbcrt  Sfjeil  bcs  3)iobiIiQn)crmögenö  -  bie  bei  ber  Sluöeinanberfeßimg 
naä)  3luflöfung  ber  6()e  entftefienben  ©d)roierigfeiten  ueiTingert.  Srogbeni 
ftel^en  ber  ©infiil^rung  eineö  auf  folc^en  (Srunblagen  beru^enbcn,  in  bem  üom 
^^JrofeRor  ©d^röber  für  bie  Äommiffion  im  ^aljre  1875  erftattcten  ®utad)tcn 
bcfünüorteten  unb  in  einem  bem  legtcren  beigefügten  ©ntrourfe  nä^er  auo« 
geftattcten  ©^ftemeä  in  gauj  ©eutf^Ianb  bie  ernfteften  S3ebcnfen  entgpgen. 
^iefe  33ebenten  fallen  im  9BcfentlidE)en  mit  benjenigen  S3cbcnfen  jufammen, 
welche  oben  gegen  bie  3Robiliargemcinfd^aft  unb  bie  ©rrungenfd^aftögemeinf^aft 
crljobcn  finb.  SBerbcn  auc§  bie  Slad^tljeite  biefcr  Si)fteme  burd^  baö  gemifd^te 
©riftem  gemilbert,  fo  treffen  bodfi  anbererfeitß  bei  bem  leßteren  bie  9iad)tljcilc 
jener  beibcn  ©ijfteme  jufammen.  Saju  tritt  nod^  baä  weitere  93ebenfcn,  mie 
cö  bei  bem  gemifd&ten  Si)fteme,  bei  meld&em  ein  2:t)eil  beö  3)iobilian)erm5genö 
in  bie  ©emcinfd^aft  fällt,  ein  anbcrer  nid&t,  mit  ben  ooreljclid^en  Sd&ulbcn  gc« 
galten  werben  foll.  ©ie  ganj  t)on  ber  Oemeinfd^aft  auöjufi^liegen,  ift  un- 
geredet  gegen  bie  (Stäubiger,  wie  gegen  bie  ©Regatten ;  fte  ganj  in  bie  ® cmeim 
fd^aft  fallen  ju  laffen,  würbe  jwar  für  bie  ©laubiger  Dortlfieil^aft  fein,  fonntc 
aber  ben  ®{|egatten  gegenüber  nid^t  minbcr  ju  einer  Ungcred)tigfeit  führen, 
wie  bie  DoUftänbige  Sluöfdjticfeung.  ©in  jutreffenbcr  unb  fefter  3Hafeftab  für 
bie  Sßcrt^ellung  ber  Sd^ulben  würbe  nur  in  bem  83erl|ältniffc  i^reö  SJetragcö 
ju  bem  Setrage  beö  in  baö  ©efammtgut  fallenben  unb  beö  baDon  auögefd^loffcnen 
SSermögenö  ju  finben  fein,  alfo  eine  ^ered^nung  unb  ©c^äfeung  üorauöfe^en, 
weld^e  baö  ©i)ftem  nod)  tompliäirter  unb  für  bie  leidste  praftifd^e  ^anbl)abung 
unbraud^bar  mad^en  würbe. 
s)ic  «er*  Sie  SSerwaltuugögemeinfdjaft  berul|t  wie  bie  6n:ungenfd&aftögemcinfd[)aft 

fllmc\*nw!ft.  ^wf  bem  ®eban!cn,  bafe  bie  ^wftänbigfeit  beö  bciberfeitigen  aSermögenö  burd) 
1^  bie  6f)e  nid^t  geonbert,  ha^  ober  ber  ©rtrag  beö  beiberfeitigen  SBermögenö  unb 
ber  beiberfeitigen  3lrbeit  jur  33eftrcitung  ber  e()elid^en  Saften  üerwenbet  unb 
■  ju  bicfem  3wedEe  baö  SSermogen  ber  S^efrau  mit  bem  SBcrmogen  beö  ©^e= 
manneö  in  ber  ^anb  beö  legtercn  alö  beö  ^äuö^errn  imb  ^auptcö  ber  6f>c 
vereinigt  werben  foll.  2)ie  weitere  Stuöfü^rung  biefeö  ©ebanfenö  erfolgt  aber 
bei  ber  SSerwaltungögemeinfd^aft  —  abweid)enb  Don  ber  6rrungcnfdbaftö= 
gcmeinfd^aft  —  in  ber  9lrt,  bafe  ber  ©rtrag  beö  beiberfeitigen  SBcrmögenö  unb 
ber  beiberfeitigen  9lrbeit,  Dorbel^altlid^  ber  bei  bem  felbftänbigcn  ©rrocrbe 
ber  ©^efrau  burd^  i^re  9lrbeit  eintretenben  3)lobififationen ,  bem  ©bemanne 
alö  beRen  alleinigcö  ©igentljum  überlaffen,  anbererfeitö  aber  ber  ©Ijemann  uer:^ 
pftid)tet  wirb,  bie  cl^elid&cn  Saften  allein  ju  tragen.  S)urd^  biefe  9(rt  ber  ©c^ 
ftaltung  wirb  bie  9totf)wenbigfcit,  eine  befonbcre  ©rrungenfc^aftömaffe  ju  bilbcn, 
mit  allen  fid)  baran  fnüpfenben  Uebelftänben  üermiebcn  unb  baö  83erl)ältnift 
unter  ba\  ©l)egatten  fo  einfadj  geftaltet,  wie  bieö  bei  geft^altung  beö  ®runb> 
fageö,  bafj  an  ber  S^ftänbigfeit  beö  beiberfeitigen  SBermogenö  nidjtö  gcänbert 
wirb,  nur  mogtid)  ift.  9lber  aud)  gegen  bie  @ered)tigfcit  biefeö  SBegeö  laffen  fic^ 
begrünbete  ©inwcnbungcn  nid)t  erl)eben.  2)em  6f)emanne  fteljt  bie  Verwaltung 
beö  beiberfeitigen  Sermögenö  ju,  er  ift  aud)  unter  ben  iet5igen  wirt^fd)aftli(^en 


einirituno.    aScm>aItun(jööentcinMaft.    (§1283.)  157 

Scr^ltniffcn  regelmäßig  no^  bcr  IjouptfödjUc^  crroerbcnbe  2^I;ci(,  n)oI)renb  bie 
ß^efrau  \f)n  babei  mciftenö  nur  burci)  if)rc  ^ülfc  im  §aufc  unb  im  ©efd^äftc 
unterftüftt  33on  i^m  (jSngt  alfo  Dorroicgeub  ber  betrag  bcr  ©inna^mc  ab. 
8nbercrfcitö  aber  i)at  er,  wie  oben  bereits  ^erüorge^obcn  roiirbc,  fraft  fcincö 
^QUö^errlic^en  Sted^tes  bie  3lrt  bed  gemeinfc^aftlid^en  Sebens  unb  bas  äßag 
ber  bafur  ju  mad^enben  9[ufn)cnbungen  ju  beftimmen.  93on  i^m  aQein  ^ängt 
Qlfo  ber  öetrag  ber  cl^eHd^n  Sluägaben  ab.  Sei  fold&er  ©ac^Iagc  fann  cö- 
nur  a(o  natürlich  unb  als  geredet  erad^tet  votxbcn,  luenn  i^m  allein  aud)  bie 
Serontwortung  bafür  auferlegt  mirb,  ba%  bie  efjelic^en  3ludgabcn  burd)  bie 
cWic^en  (Tmna^mcn  gebecft  werben,  unb  roenn  er  allein  bad  etroairfc  S)cfijit  . 
lU  Mtcn  oerpflidötet  ift.  Sind  benfelbcn  ©rünben  muß  it)m  bann  aber  aiid^ 
bcr  ctnwigc  Ueberfd^ufe  jufaUcn.  ®r  allein  trägt  bie  ®efa^r,  il)m  allein  qq^ 
bü^rt  ba^er  aud^  ber  Oeroihn. 

S)ic  gragc,  in  roeld^em  SWafee  bem  ®l)emannc  ein  Serfügungörcd^t  über 
tKi^  feiner  Sßenoaltung  unterworfene  SSermögen  ber  ß^efrau  cinjuräumen  ift, 
wirb  bei  bem  ©gfteme  ber  SSerroaltungögemeinfd^aft  im  SBefentlid^cn  nad)  bcn^^ 
felbeu  9Jürffid&ten  ju  entfc^eiben  fein,  wie  bei  ber  ®rrungenfd()aft3gcmcinfd)aft. 
Ttan  fyii  für  bie  ©ntfd^eibung  biefcr  ^rage  Ijicr  infofern  freiere  J^anb,  mie 
bei  bem  ©tjfteme  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft,  als  ber  Seemann  über 
frin  eigenes  SSermögen  iebenfallö  frei  verfügen  fann,  eine  SBefc^ränfung  feineiS 
Snrfugungdrec^tefi  über  bod  93ermogen  ber  @^efrau  l^icr  alfo  meit  weniger 
bebenfU^  ift,  ato  bei  ber  allgemeinen  ®ütergcmeinfdE)aft,  ba  bei  ber  Icfttcreii 
«ne  folc^e  9cfd&ränfung  fonfequenter  SBeife  immer  aiid^  bad  mit  bem  SBcr^ 
mögen  ber  @^frau  5U  einer  ungetrennten  SDlaRc  Dereinigte  aScrmögen  bcft 
e^anned  ergreifen,  bie  freie  Senuftung  bcöfelben  alfo  in  imgleid^  größerem 
9la6e  becinträd^tigen  mu§.  Ungcbunbcn  burc^  bcrartige  Slücffid^ten  fann  bei 
bem  €i)flcme  bcr  SBerwaltungdgemeinfc^aft  iaQ  93erfiigungdred)t  bcd  ©Ijc- 
niönne«  fo  georbnet  werben,  wie  cö  unter  3lbwägung  bcr  SWüdfic^t  auf  bie 
ctc^r^t  bcr  (S^efrau  einerfeitd  unb  bie  Stellung  bed  Seemannes,  fowie  bie 
Bidfcti^lt  bed  ^te^reS  anbererfeitd  am  iwedhnäßigften  erfd)eint. 

Cb  unb  in  welkem  SRaßc  be^ufd  Sid^erung  ber  9tedE)te  bc3  @l)emannc& 
Me  ©cfc^ftöfä^igfeit  ober  Sispofitionöbefugniß  ber  ei^efrau  ju  befd^ränfcn^ 
ift  eine  ^age,  weld^e  bei  allen  Sqftemen  bed  e^elid^en  ©üterred^tcö  im 
Scfhrtlic^en  in  gleicher  2lrt  ju  cntfdijeibcn  fein  wirb  unb  beren  Söfung  bei 
bem  2i)ftemc  ber  JJerwaltungftgemeinfd^aft  minbeftenö  feinen  größeren  Sd^wicrig- 
fetten  begegnet,  Qlö  bei  anberen  Spftemen. 

9ln(angenb  bie  Sd^ulben  ber  ©Regatten,  fo  finb  bie  auö  bem  ^rinjipe 
ber  Serroaltungdgemeinfd^aft  fic^  ergebenben  @runbfäge  einfach  unb  flar.  @ia 
Untetfc^icb  jwifd^en  (g^efd^ulben  unb  ©onberfd&ulbcn  finbct  nid&t  ftatt.  3cbcr 
©Kgattc  ^ftet  na<^  allgemeinen  ®runbfä|en  für  bie  in  feiner  ^^Jcrfon  ent^^ 
ttottbenen  ©Bulben  unb  nur  fiir  bicfc.  Snöbefonberc  läßt  fic^  eine  Haftung 
bcr  "ff^frdirtiir  hie  Sd)ulben  beö  ©demanneö  auö  bem  Si)ftcme  ber  93cr^ 
0Qltung6gcmeinf(^aft  nid^t  ableiten.  Unoereinbar  mit  bem  legteren  würbe  eine 
fold^c  burdft  pofitioc  3Sorfd&rift  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  beftimmte 
Öttftung  inbcffen  nid^t  fein,  imb  wirb  bie  grage,  ob  eine  fold&e  SBorfc^rift  mit 
Südfi^t  auf  bcfi  SJcr^ältniß  ber  ©Regatten  nad^  außen  imb  bie  Sid)cr^cit 


158  65ctici6c§  ®ütcrrcd&t.    (Softem  be§  QcU^liiicn  ®ütcrreifitc0. 

bcö  aScrfcfireß  fid^  cmpfict^It,  bei  (Sclcgenl^cit  ber  33cgrünbun9  bcr  cüijcfncn 
Söeftimmungen  bcö  entiourfefi  bcfonbcrö  erörtert  werben  (oergl.  bie  2)iotioc  ju 
§§  1298,  1299).  §ier  genügt  cö,  barauf  l^insurocifen,  bafe  au^  in  biefcr  §im 
fid&t  baö  @i)ftem  ber  SSem)altungögcmeinfd;aft  freie  ^anb  fäfet,  baö  aSer^ältnife 
in  ber  ben  üerfd^iebenen  SRücffid^ten  am  beften  entfpred&enben  SBeifc  jü  orbncn. 

©ine  unleugbare  Sd^attenfeite  beS  ©i)ftemcö  ber  a3enoaltungögemcinfc||Qft 
liegt  barin,  ba^  bei  Sluflöfung  ber  G^e  bie  Sluöfonberung  beö  SBermögenö  ber 
^l;cfrau  aus  bem  beö  ©öemanneö  unb  bie  geftftellung  etwaiger  ©rfafeanfprücöc 
wegen  nid^t  mel^r  Dor^anbener  ober  üerfc^fe^terter  aSermogenöftfirfe  einerfeitö 
unb  wegen  aSerwenbungen  anbererfeitö  notl^wenbig  wirb.  Sic  Slot^wenbigfctt 
einer  fold^en  Sluöfonberung  unb  JReftitution  beö  aSermögenö  ber  ß^efrau  ftc^t 
jwar  mit  bem  SBefen  ber  G^e  nid&t  in  SBiberfpru^,  ba  fie,  abgegeben  von 
Befonberen  Sludnaf)mefäUen,  erft  na^  3luf(öfung  ber  6^e  erfolgt.  Slu^  ift  bie 
3luöeinanbcrfegung  l^ier  ungleid^  einfa^er,  wie  bei  ber  ©mmgenfd&oftö- 
gemeinfd^aft,  bei  welcher  lefeteren  bie  ^auptf^wierigfeit  barauö  entftebt,  ba^ 
eine  2lbred^nung  unter  ben  SJermogenömaJfcn  erfolgen  mu§.  Smmer^in  fönncn 
aber  aud&  bei  bem  Si)fteme  ber  Säerwaltungsgemeinf^aft  bie  5um  ^rotäc  bcr 
3lußeinanberfe^ung  notöwenbig  wcrbenben  (Srmittctungen  unter  Umftänben  mit 
©d^wierigteiten  tjerbunben  fein  unb  fann  baö  ganje  SSerfal^ren  für  ben  über- 
lebenben  ©liegatten  etwas  ^jjeinli^eö  l^aben  unb  fein  @efül;l  oertegen.  2)iefcr 
Uebelftanb  wirb  inbeffen  burc||  bie  erbrec^tli^en  Seftimmungen  beö  ©ntwurfeö^ 
ttieilö  burdi  ben  bem  überlebenben  ©begatten  traft  ©cfegeö  juftel^enben  Süorauö 
an  gewiffen  jum  9Ja^taffc  beö  oerftorbenen  6l)egatten  geprenben  ©egcm 
ftänben,  namenttid^  an  bem  jum  SRad&laffe  gcl^orenben  ^auö^altöiuoentare^ 
weld)eö  bie  ©l^egatten  im  gewöljnlidjen  Gebraute  gehabt  l^aben,  tlieilö  burd^ 
baö  bem  überlebenben  ©l)egatten  in  weitem  Umfange  einjuräumenbe  SÄDeins 
crbred^t,  für  oiete  gällc  wefentli^  gemilbert  (oergl.  §  1971).  SBoUftänbig 
befeitigen  lä§t  jener  Uebelftanb  fid^  freili^  nidjt;  benn  ben  einsigen  baju 
geeigneten  ajiitteln,  cntwcber  bei  bem  SE:obe  eineö  ©Regatten  eine  ®ütcr= 
gemeinfd^aft  t)on  S^obeöwegen  eintreten  ju  laffen  ober  ber  ©^efrau  bcjw.  bevcn 
©rben  ftatt  beö  Slnfprudieö  auf  Sleftitution  beö  ^rauenoermögenö  einen  Sln^ 
fprud)  auf  einen  Inbegriff  beftimmter  ©ad^en  ober  Seiftungen  (Oerabc  ober 
Seibjud^t)  ober  auf  eine  Quote  beö  beiberfeitigen  SBermögenö  ju  geben,  ftel}cn 
fo  crbeblid^e  Sebenfen  entgegen,  bafe  ber  babur^  errei^te  ©ewinn  alö  ju 
treuer  erfauft  crfdieint  (oergl.  barüber  bie  SWotioc  in  §  1327). 

Unabhängig  oon  bem  3tnfpru^c  bcr  ©dcfrau  auf  SRcftitution  i^reö  Jßcr- 
mögcnö  mufe  aber  bcr  ©^efrau  unb  ebenfo  bem  ©bemanne  ein  angcmcfiener 
crbrcd)tlic^cr  9lnfpruc^  an  bem  5Rad;laf)e  beö  jucrft  oerftorbenen  ©l;egattcn  cim 
geräumt  werben,  .^icrin  liegt  eine  uncrläfelid^e  ©rgönJÖhg  beö  ©^ftcmcö  bcr 
aSenoaltungögemeinfc^aft.  S)ie  aRe^rjabl  ber  barauf  berubenbcn  Sichte  gcwäbrt 
aud|  in  ber  2:t)at  bem  überlebenben  Gtjegattcn  ein  melir  ober  weniger  ou^s 
flcbc^ntcö  ©rbred^t.  ©a^  bieö  Dom  röm.  9tcd)te  nur  in  oöUig  ungenügcnbcr 
3lrt  gcfd^c^en,  ift  woljt  einer  bcr  ^auptgrünbc,  auö  welchen  bie  83eftimmuugcu 
iencö  Sflcd^teö  in  ber  ^ier  fraglid^en  33e5icl^ung  nur  in  einem  oer^öltnilmäfeig 
fo  flcinen  Xi)c\k  oon  2)cut)d)lanb  l^aben  2Bur5cl  faffen  fönncn.  Saö  ©rbrecftt 
bcö  überlebenben  ©[}cgatten  mu^  fo  bcmeffen  fein,  ba^  barin  bie  9?ad)wirhing 


einlcitunö.    aSemaltuno^öemcinfdjaft.    (§1283.)  159 

bcr  burd)  bic  ß^c  begrünbeten  Scbenögemeinjci^aft  fid)  offenbart  xinb  ber  über? 
lebenbe  ß^egattc,  foroeit  bieö  mä)  Sage  ber  $8erf)ältni?fe  möglicb,  baburd)  in 
ben  Stanb  gefegt  wirb,  in  ä^nlid^cr  SBeifc  fortiufeben,  wie  er  roä^renb  beftebenbcr 
G^  gelebt  ^ot  (oergf.  §  1971).  3m  ©injelnen  wirb  in  biefer  Sejie^ung 
auf  bie  üRotioe  ju  ben  betreffenben  erbred^tUd)en  öeftimmungen  terroiefen. 
©ntfc^eibenb  für  bic  oorliegenbe  grage  ift,  bafe  iebcm  auö  bem  SBefen  ber 
%  entfpringenben  Sebürfniffe  in  Setreff  ber  SBerforgung  beö  übericbenben 
©Regatten  burd^  erbred^tUd^e  SBeftimmungen  in  bcr  oollftänbigften  unb  jn* 
trcffcnbftcn  Srt  Ocnüge  ge|d)el)en  fann. 

2)Q6  feinen  ©runbsügen  nad)  int  S3iöt)erigen  farafterifirte  Si)ftem  ber 
Scrrooltungögemeinfcbaft  bat  im  SBcrgleid^e  mit  bem  ibealcn  3"g<^/  roeld^er  in 
bcr  allgemeinen  (Sütergemeinfd^aft  f)crt) ortritt,  mie  im  9SergIeid)e  mit  bem  baö 
Öemütö  anfprcc^enben  ©ebanfen,  beffen  a5ern)irfüd)nng  bie  Grrungenfc^aftö^ 
gcmeinfc^oft  erftrebt,  ctroaö  fübl  SSerftänbigeö  unb  praftifd^  9lüd^terneö.  2?ie  SBer- 
einigung  beö  SSermogenö  ber  ©begatten  ift  eine  rein  äu6erlid)e  unb  bient  tebiglid) 
bem3rocdc,  bem  ©b^ntanne,  roeldjem  bieSeitung  beö  gemeinfamen  ebeti^en  Scbenö 
jufteljl,  auc§  bie  Verfügung  über  bie  ju  biefem  Qrotdc  erforberlid^en  äußeren 
3Riltd  JU  fidlem.  3n  biefer  SBefd^ränfung  auf  ben  burd^  baö  unmittelbare 
praftifd^e  95cbärfni§  gebotenen  Umfang  ift  aber  gerabe  ein  mefenttid^er  ^orjug 
bcö  Spftemeö  ber  S3em)attungögemcinfd)aft  }u  finben.  Gs  uermeibet  baburd) 
bic  fd^roeren  Uebelftänbe,  n)cld)c  jeber  ääerfud),  in  meiterge^enber  SBeife  ben 
jtttlidien  ©ebalt  ber  ©bc  burd^  Sied^töfägc  jum  2tuöbrudEc  ju  bringen,  nad) 
ft(^  jieöen  mufe,  unb  ift  bod&  auf  ber  anberen  ©eite  biegfam  genug,  um  iebe 
ffiobififation,  welche  burd)  baö  praftifd^e  Sebürfnife  geforbert  wirb,  ju  geftatten. 
SKit  bem  Si)ftcme  ber  ©rrungenfc^aftögemeinfc^aft  ftebt  eö  in  feinem  tieferen 
prinjipieBen  ©cgenfage.  Gegenüber  jenem  ©i)fteme  boubelt  eö  fid^  im  SBefent- 
U^  um  eine  äroedfmäfeigfeitöfrage.  S^if^^^^  i>^"  beiben  ^auptformen  ber 
(Srrungenfc^aftögemeinfdfiaft,  uon  n)cld)en  bie  eine  bie  (Sf)tfva\i  nur  an  bem 
nacb  Seftrcitung  ber  ebclid^en  Öaften  t)erbfeibenben  Ueberfd^uffc  beö  Grtrageö 
bcs  beiberfeitigen  SSermögenö  unb  ber  beiberfeitigen  Slrbeit,  bie  anbere  aud) 
an  ber  ©inbufee  2:beil  nehmen  läfet,  ftcf)t  baö  ©ijftem  bcr  SScrmaltungö* 
gemeinfc^aft  gleid^fam  in  ber  aKitte,  inbem  eö  bie  ©^cfrau  roeber  an  bem 
Ueberfd^ujfe  nod)  an  ber  ©inbu^e  Xijtil  nebmen  läfet,  fonbern  Seibcö  bem 
(Spanne  aBein  überiöeift.  6ö  liegt  bierin  eine  billige  unb  jrocdEmäfeige  ^ßer- 
mittclung,  unb  eö  fann  beö^alb  barauf  vertraut  merben,  bafe,  ba  ben  gered)ten 
tlnfprucben  bcr  ©b^ftöw  ^^^^  i>ic  erbrcd^tlid)en  Seftimmungen  ©cnüge  gefd)iebt, 
bcr  Ucbcrgang  ju  bem  Spftcmc  ber  aSermattungögemeinfdjaft  für  bic  ®ebiete 
bcr  ©mingenf4aftögcmeinfd)aft  ein  oerböltniBmäfeig  leichter  fein  wirb.  S)cr 
cntfcbeibenbe  SSorjug  ber  SBermaltungögemein|d)aft  vor  ber  ©rrungcufd^aftö- 
gcmeinfcbaft  liegt  aber  in  ber  größeren  ©infadö^eit  unb  Seid^tigfeit  bcr  praf? 
tif(ben  ^nbbabung,  meldte  ber  ©rrungenfd^aftög^meinfd^aft  in  fold^cm  SJiafec 
feblt,  boß  baran  ieber  SJerfuc^,  fie  in  ganj  S)cutfd)lanb  einjufübren,  fd^eitcrn  muß. 

©rö§er  ift  bie  Sifferenj  jmifd^en  ber  SSerroaltungögemcinfd^aft  unb  ber 
aDgemeinen  ®ütergemeinf^aft  ^ier  beftel^t  in  ber  Xi)at  ein  prinjipieller 
©^enfttfe.  Der  ibeale  ©runbgebanfe  ber  allgemeinen  ©ütergcmcinfd^aft  läßt 
^i^  icbocb  praftifdö  o^ne  fd^mere  ©cfä^rbung  ber  ©f)efrau  nid^t  burd^fübren. 


160  eScIid&cÖ  Oütcrrcdjt.    g^flcm  bc§  gefetliÄcn  ©ütcrred^tcS. 

Slud^  bringt  bic  praftifd^c  2)urd)fü^rung  bicfcö  ©pftcmcö  unter  Umftäubcn  große 
.gärten  für  bcn  übcricbcnben  ©Regatten  mit  fid).  Dicfc  Ucbclftänbc  wiegen 
fd^tt)crcr,  alö  bic  auö  bem  ^ßrinjipc  bcr  oUgemeincn  Oütergenteinfdjoft  ftd^ 
crgcbenbe  ©infod^l^eit  ber  ©nmbfä^c  über  bie  Haftung  für  bic  Sdiulben  unb 
über  bie  Sluöeinanberfefiung  bei  9luflöfung  ber  ®l^e.  ©aju  fommt,  bafe  in  bcn 
wid^tigften  Sejie^ungen,  inöbefonberc  in  Slnfcl^ung  ber  Sidjerung  ber  Olöu:? 
biger,  foroic  in  Slnfe^ung  ber  ©eroäfinntg  eines  angemeffcnen  3lntl^cifeS  an 
bem  SBermögen  bcö  jnerft  nerftorbenen  (Sfiegotten  an  ben  überfebenben  &\)c^ 
gatten,  ba^  unmittelbare  praftifd^e  Sebürfniß,  roenngleid;  in  roeniger  einfad^er 
9Bcife,  burd^  befonbere  Seftimmungen  aud|  bei  bcr  SSernjaltungßgcmcinfdiaft 
.  Rdö  bcfriebigicn  löfet. 

Gntfd^cibcnb  bei  Slbmägung  ber  SBorjügc  unb  Jlad^t^citc  ber  oerfdfiiebcncn 
©r)ftemc  fommt  enblicb  ber  Oefid^fspunlft  in  39ctrad&t,  boß  cß  im  ^i^cifel  oor^ 
fid)tiger  unb  rid^tiger  erfd^cint,  bic  fraft  ©efcfceö  mit  ber  ©^efd^lie^ung  cim 
tretenbe  9lenberung  in  ben  üermögensrec^tlid^en  aScrl^ältniflcn  bcr  ©Regatten 
auf  baö  geringere  SKafe  ju  befd^ränfen  unb  ben  SBet^eiligten  bie  ®rn)citerung 
burd)  SJertrag  ju  überlaffen,  alö  umgefd^rt"  ju  Dcrfafircn.  @ä  ift  für  bie  (S^c* 
gatten  felbft  weit  leidster,  bei  gcfcfelid^  beftcl^enbcr  SSerroaltungögemeinfdjaft 
burd)  (Sdcücrtrag  allgemeine  ober  partifulärc  ®ütcrgemeinfd)aft  cinjufüljren^ 
wenn  fie  bieö  als  ifjrcn  SBerbättniffen  entfpre^enber  erachten,  als  umgcfe^rt 
bei  gefeglidi  bcftel^enber  ©ütergemcinfd^aft  bic  tegtere  aufjul^ebcn  ober  cin^^ 
N  äufd^ränfen.  5!Bäf|renb  Sfieocrträgc  ber  erftcren  ^vt  in  Slnfel^ung  beö  "^cx^ 
^ättniffcö  nad^  au^en  nöUig  unbebenfUd^  crfd^einen,  jtnb  ©^coerträge  bcr 
tcgtercn  3lrt  in  bol^cm  ®rabe  geeignet,  bie  ©id^erf)cit  beö  SScrlc^rcö  ju  gcfäl^rbcn 
unb  JU  2^äuf^ungen  ber  ©laubiger  Slnlafe  ju  geben.  S)aö  ^rinjip  ber  9}er* 
tragöfrei^eit  unter  ben  (Sl^egatten  unterliegt  bei  gcfeglid^  befte^enber  allgemeiner 
(Sütergcmeinfd^aft  in  ber  2^l|at  fel^r  ernften  Sebenfcn.  SBcnn  baö  ©cfcfe  bem 
©täubiger  baö  SRe^t  giebt,  fid^  an  baö  SSermogen  bcibcr  ©Regatten  ju  Ratten,, 
blefen  aber  jugleid^  bic  Sefugnife  aufteilt,  biird^  SBereinbarung  cineö  anberen 
©üterftanbeö  unter  fid^  ba^  gcfeglid^c  SWed^t  beö  ©läubigcrö  auösufd^lie^cn,  fo 
ucrlcitet  cö  baburc^  ben  ©laubiger  ju  einem  Vertrauen,  weldieö  ju  täufd()cn 
cö  ben  ©Regatten  geftattet.  Um  biefem  SBibcrfpru^e  ju  cntgcfien,  merbcit  ba^cr 
93eftimmungen  notlirocnbig,  meld&e  bic  2Bir!ung  bcr  bic  ©ütergemcinfdjaft  aus* 
fd^liefecnbcn  ®^eoerträgc  gegenüber  2)ritten,  tnöbefonberc  ben  ©löubigern,  an 
fold^c  S3ebingungcn  fnüpfcn,  ba§  baö  allgemeine  SSefanntroerben  bcr  ß^cocr* 
trftge  torauögcfcfet  merben  fann.  Slbfd^lu^  in  beftimmtcr  gorm  unb  offentlidje 
93etanntmad(|ung  ober  Eintragung  in  gcmiifc  Siegiftcr  Tinb  ba^cr  faft  aüentliatbcn 
üorgefd^rieben.  Slbcr  bic  ©rfal^rung  beroeift,  bafe  alle  SSorfc^riften  folc^er  ärt 
bod^  nid^t  Dor  2:äufdöungen  ju  ftd^ern  oermogcn,  unb  cinjelnc  SRcd^te,  n)ie 
j.  S.  baö  ^amb.  äied^t,  l)oben  fid^  bcöljalb  ncranlafet  gefeiten,  bic  Söirffamfeit 
fold&er  ß^eoerträge  gegenüber  ©ritten,  üon  einjelnen  beftimmten  Slnöna^mcs- 
fällen  abgejel)en,  gänjlid^  auöstifd^lie^en  (uergl.  aud|  .bic  5Bcr^anblungen  bcö» 
13.  beutfd^en  3»tiftentageö  93b.  2).  ®ine  berartige  Seftimmung  bcfc^rönft 
aber  fidötbar  inbireft  bie  SScrtragöfrcitjeit  felbft  in  ^ol^em  ©rabc  unb  mürbe ' 
bei  einfü^rung  bcr  ©ütergemeinfd^aft  in  ©egenben,  in  meldten  biefc  biö^cr 
nid^t  gegolten  ^at,  unerlröglid)  crfd)einen.    Sllan  müfete  fid)  ba^cr  mit  ben 


e^egitt  u.  Sorbel&altögut.    @H  Sflu^megung  u.  SScncaltung.    §  1283.       161 

mDQ^ten  Seftimtnungen  über  bie  SlotJ^toenbigfctt  ber  SSeröffentltd^ung  begnügen 
unli  fu^  betoL  bfbenffir^.  flonfecnienjen  gefallen  (äffen.  ^Ucd  biefed  witb  oer^ 
mieben,  loenn  baö  gefegüc^e  ©üterred^t  auf  bad  ^riniip  ber  ^erroaltungS:' 
gemeinf^aft  gegrfinbet  xoxvb. 

Sud  ben  oorfte^enben  ©runben  ergtebt  ft^,  ba^,  Dom  praftifd)en  Stanb- 
punfte  auft  betrad^tet  bie  ^erfteQung  eined  ein^ettlid^en  ef)e(id^en  ©ütcrred^teö 
für  gan)  3)eutf(i^(anb  fid^  iebenfaUö  am  (cid)teften  auf  bem  ^oben  bes  am 
wniflflen  tief  eingreifenben  ©gftemeö  ber  SSerroaltungögemeinfd^af  t  bcroerf  ftelligen 
läit.  Xud)  ber  12.  beutfd^e  ^uriftentag  (3b.  3  @.  80)  i)at  ftd^  für  biefed 
Sqfifm  ate  ©runblage  bed  gefetflid^en  ©üterred^tcd  ausgefprod^en. 


1.  @l^egut  unb  äSorbe^attdgut. 

§  1283. 

Der  §  1283  bringt  ba«  bem  ©ntrourfc  ju  Orunbe  Hegcnbe  5ßrinjip  befi  vrmxv  m 
^fe^Ki^n  e^elt^ien  ©üterred^te«  im  9lUgemcinen  jum  äluöbrude.  2)ie  ©rünbc,  ^eteiiJSJn" 
vdifc  beftimmenb  geioefen  Bnb^  ^^  e^clid^e  ©üterrec^t  ein^eitUd^  ju  regeln  Güterrechte«. 
unb  auf  bäd  ^rinjip  ber  fog.  SSenoaltungdgemeinfd^aft  ju  grünben^  ftnb  bereits 
oben  @.  133  ff.  in  ber  (Stnleitung  bargelegt.  3^^^  ^ejeic^nung  bes  Sqftemed 
ift  gegenwärtig  ber  3luÄbruct  „Sßerroattungögemeinfdiaft"  am  meiften  ge* 
bniu^lid^.  3n  bem  ©efegbu^e  ift  iebod^  biefer  äludbrucf^  mie  au^  ber  uon 
onberen  Seiten  uorgefdftlagene  äuftbrucf  „®ütereinl^eit"  ober  ,,®üterpereinigung" 
ober  v®uterDerbinbung''  uermieben,  weil  feiner  biefer  Sluöbrücfe  baö  SSer^ältni^ 
ooQig  {utreffenb  bejeid^net  unb  jur  allgemeinen  9lnerfennung  gelangt  ift.  3nd« 
bcfonbere  ^at  au(||  ber  SluÄbrucf  .^SBenoaltungögemeinfd^aft"  in  neuerer  3cit 
oon  oeifc^iebenen  Seiten  lebhafte  9lnfe(||tung  crfaliren.  3m  älnfd^luffe  an 
äftdii^c  Raffungen  neuerer^  auf  bem  ^oben  beö  ^ier  fraglichen  ©üterred^td» 
fpftcmeft  fte^cnber  ©efeftgebungen  (uergl.  preufe.  31.  S.  91.  II,  2  §§  205, 212, 231 ; 
tö*f.  ®.  33.  §  1655;  olbenb.  ®ef.  ü.  24.  Slpril  1873  2lrt,  5)  bejeid)net  bor 
Sntnmrf  bod  ©efammtrec^tdper^öltnig,  in  n)eld)ed  bas  Vermögen  ber  @^efrau^ 
unb  {QKir  foiDO^l  bo^ienige,  n^eld^ed  fic  üur  3<^i^  ^^^  Sd)liegung  ber  @^e  ^at, 
aU  au(^  badienige,  n)eld)€ft  fie  möl^renb  ber  @f)c  enoirbt,  fraft  bed  ©efefted 
gegenfiber  bem  ©bemanne  tritt,  alö  ^^Jlufeniefeung  unb  SBenualtung  bcß  (5{;c* 
manne«''.  33urd^  biefe  Sejeid^nung  wirb  ber  ^nf^alt  bed  burdi  bie  Gf)c  in 
Infe^^ng  beö  3}ermögend  ber  ©^efrau  unter  ben  ©Regatten  begrünbeten  ^led^tö« 
wtiiältniffeÄ,  toie  Ie|tereÄ  jum  Qtotdt  ber  ©ur^fü^rung  be«  bem  £i)fteme  ber 
SenooUungftgemeinfd^aft  ju  ©runbe  liegcnben  mirtljfd^aftlid^en  ©ebanfcnö  in 
ben  auf  bem  SSoben  biefefi  ©#eme«  fte^enben  neueren  SReci^ten  fid^  geftaltct 
kü,  in  feinen  roefentlid^en  ©runbiügcn  farafteriftrt.  9Ud  Sluöftufe  jencö 
®efammtre4|tftoerl^ltniffe«  fte^t  bem  ©bemanne  einerfeits  bie  e^eüd^e  ?tu^^ 
n«6ung  JU,  meiere  i^m  ein  eigenes,  bem  Slic^brau^e  analoge«  JKe^t  auf  bie 
%itimBm  be«  grauenoermögenö  gemährt  (§§  1292  ff.),  anbererfeitö  in  enger 
Serbinbung  mit  ber  e^elid^en  Slufcniefeung,  aber  innejli^^baüoiL-fiüiüebcn, 
bie  e^licj^e  genDaltung,  uermoge  bereu  er  bere(!^tigt,  aber  aud^  uerpflidjtct  ift, 

ltotiM|.Mh^L«clc|bu4.  IV.  ^^ 


162       ei^eflut  u.  aSorBeßaltgßut.    g^cL  Jlutnicgung  u.  ScrtoaltuitG.    §  1233. 

für  l^ie^jrbnunQgma^igc  ^erroaltung  berSubftgns  bc8  33crmogen^  bcrGt)efrau 
?iu_foraen  (D?rc[L§§  1317  ff.  nebft^cn  aÜgcmcihen  uitoUDcn  ju  §§  T517  ff.)- 
Öbroo^ie  SBorfi^riftcn  bcö  ®efcfebud|cd  über  ben  SRicfebraud^  (§§  980  ff.) 
audb  bcn  gcfeßtid^cn  9itc§braud^  mitumfaffen  unb  im  ^inbücfc  barauf  bic  crft* 
gcbac^tc  ©citc  beö  cf)cmännti^cn  SRed^teö  au^  alö  ,,3lie6braud&"  jutrcffenb 
bcäci^uct  werben  fönnte  (ücrgl.  prcufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §  231;  fäd)f.  ®.  ». 
§  1655;  olbcnb.  ®ef.  ü.  24.  aiprit  1873  3lrt.  5),  fo  ift  eö  bod^  roeflcn  bcr 
eigent^ümlid^feiten  bcö  bem  e^emanne  an  bcm  SSermögcn  bcr  e^efrau 
jufte^enben^  Siiefebraud^eö  (§§  1292  ff.,  §  1311)  alö  angemeffencr  crod^tct,  für 
baö  in  gragc  fte^enbe  3lcd&töi)er^ältni6  eine  befonberc  Sescid^nung  cim 
jufül^ren,  rocld^e  barauf  ^inrocift,  bafe  cö  ftd^  l^ier  nic^t  um  ben  gemo^nfic^cn 
3liefebraud|  I;anbclt. 
«erminoioflie.  2)aö   ber   Siugnicfeung  unb   SSerroaltung    beö  (Seemannes   traft    bcö 

«^eflut.     Qg^gg^g  unterliegenbe  3Sermögcn  ber  ß^efrau  bejeid^net  baö  ®efe^bud|,  roic 
fid^  auö  ber  ßinflammerung  im  §  1283  ergiebt,  tcrminologifd^  atö  ,,C6egut", 
©ine  furjc  Sejeid^nung  für  baö  gebac^tc  SSermögen  ber  (Sl)cfrau  ift  auö  icd^ 
nifc^en  ©rünben  nid)t  in  entbehren.     3"^^^^  ift  es  bic  SRcgcI,  bafe  allcö  SJer- 
mögen  bcr  Sf)efrau  bcr  cl)cUd)en  ^Ru^nieftung  unb  SScrroaltung  unterliegt, 
unb  cö  fd^cint  ba^cr  na^c  ju  liegen,  fid^  auf  einen  befonberen  Sluöbrudf  für 
bic  3lusnaf)mcfäUe  ju  befd^ränfen,  foiocit  aber  biefc  nidöt  in  gragc  fommen, 
oon  bcm  93crmögen  bcr  ßf)cfrau  fd^Icdöt^in  ju  reben.    3!n  bicfcr  9lrt  ocrfäftrt 
}.  33.  ba^  fäc^f.  0.  ».  (oergl.  §§  1640,  1681,  1693).  Gd  liegt  barin  inbe^lcn 
eine  Ungenauigfeit  beö  Sluöbnidfcö,  ba  bie  SSorfd^riften,  rocidjc  fd)cinbar  für 
baö  ganje  SSermbgcn  ber  G^efrau  gegeben  mcrbcn,  in  bcr  2'f)at  nid^t  für  baö 
oorbc^altenc  3Sermögcn  gelten  fotten.     ©anj  oermeibcn  läfet  ftd&  jubem  eine 
befonberc  Scjcidömmg  beö  nid^t  Dorbcbattcncn  SSermögenö  für  fold^c  gaüc 
nid^t,  in  meldten  bie  befonberen  SSorfd^riftcn  für  bie  eine  unb  bic  anbcrc  airt 
beö  93crm5gcuö  einanber  gegcnübergcfteUt  werben  muffen.     |)icr  bleibt  bann 
in  Grmangclung  cineö  befonberen  SluöbrudEcö  nur  übrig,  ben  bcr  cf^cUd^en 
^lufenicfeung  unb  33crioattung  untcrlicgenben  S^^eil  beö  SScrmogcnö  negatit) 
alö  nid^t  oorbc^altcncö  ober  atö  baö  übrige  SScrmögen  bcr  Gftcfrau  ju  be- 
jeid^ncn  (ücrgf.  fäc^f.  GJ.  95.  §  1681).     2)aö  prcufe.  k.  S.  fR.  II,  2  §§  210, 
231  bejcid^nct  baö  bcr  5Rugnic§ung  unb  SBcrroaltung  beö  G^cmannö  unter- 
liegenbe aScrmögcn  bcr  G^cfrau  alö  „Gingcbrad^teö"  ober  „cingcbrad)teö  SSer- 
mögen".     SScrfd^icbcnc  ©cfe^c  unb  Gntmürfe  f)aben  fid&  biefcm  SBorgangc 
angcfdjioffcn  (oergl.  }.  S.  olbcnb.  0cf.  ü.  24.  3lpril  1873  3lrt.  5,  6);   aud^ 
bat  biefc  Söejcic^nung   im  ficben  roie   in   bcr  SBiffcnfd^aft  eine  meitc  SSer^ 
breitung  gefunben.     Wegen  biefen  Sluöbrudf  erbebt  fid)  jcbod^  baö  33cbcnfen, 
baß  in  bcm  3Bortc  „cingcbrad)t"  bic  .^inroeifung  auf  eine  befonberc  ^ätig^ 
feit  ber  G^cfrau,  auf  einen  Sted^töaft,  burd)  iocId)cn  baö  SBcrmögcn  bcr  (S^c^ 
frau  bem  Gbcmannc  cingcbra^t  loirb,  liegt,  n)äl)rcnb  bod^  bic  cbclid^c  9lu^ 
nic^ung  unb  9Scrioattung  o^nc  einen  foldjcn  9lcd^töaft  unb    obnc  ba%  eine 
obtigatorifd)c  a^crpflid^tung  bcrGt)cfrau  ^u  bcmfclbcn  bcftet)t,  h*aft  bcöQefe^eö 
eintritt.     Gö  finb  in  bcr  2^l)at  a\iQ  bicfcr  Sebcutung  beö  SBortcö  ^in  unb 
micber  S^ci^^l  unb  unridbtige  9luffa?fungcn  cntftanbcn  (ocrgl.  Gntfd^.  b.  31.  (^. 
bei  @rud)ot  XXV  o.  752)  unb  ift  co  ba^cr  ratbfamcr,  jenen  Sluöbrucf  burd^ 


ßtcgut  u.  ScrBcWtögut.    ei^cl.  9tut^nie§un9  u.  aSertoaltunö.    §  1283.       163 

finen  anbcrcn  ju  crfcgen.  2)er  oou  bem  ©ntrourfe  geroäfiltc  9luöbrucf 
^©^egut"  cntfiält  ottcrbingö  eine  9Jeucrung  unb  ift  aud^  infofern  nid^t  üöUig 
finioanbdfrci,  alö  er  o^nc  weiteren  3wfö6  ^^^^^  ^^if  ^^^  gemeinfd)aftUd^e  SJer- 
mögen  ber  ©Regatten  bei  ber  ©ütergemeinfd^aft  ^injuroeifen  fd^eint.  9luf  ber 
<mberen  Seite  brüdft  er  aber  badjenige,  worauf  eö  l^ier  anfommt,  baß  nämtidö 
baö  betreffenbe  SBermogen  in  ein  burd^  bie  ®f)e  beftimmteö  9tc(^töt)er{^ttnift 
getreten  ift,  unmittelbar  aus.  S)em  fieroorgel^obenen  Sebcnfen  fönnte  burd^ 
kn  3ufög  ,,bcr  grau"  abgefjolfen  werben.  3inbeffen  wirb  baburd^  bie  ftürje 
bcs  äuöbrucfcö  jw  f^^tr  beeintrad^tigt.  9lud&  ift  ein  SKifeDerftänbnife  nid^t  ju 
ieforgen. 

3)aB  alled  Sßermögcn  ber  (S^efrau  bis  jum  SSeroeife  beö  Oegentl^eileö 
öte  (S^egut  gilt,  bebarf  fcineö  befonberen  SKußbrudEeö,  ba  bieö  bereits  auö 
ungemeinen  ®runbfä|cn  (§  194  Slbf.  1)  ft^  ergiebt. 

2)er  9lu|nie6ung  unb  SBerroaltung  beö  (g^emanneß  in  Slnfel^ung  beß  ®^«i»*« 
%guted  ftel^t  anbererfeitß  naö)  bem  ©pfteme  ber  aSermoItungögcmeinfd^aft 
bie  Verpflichtung  beö  6l^emanneö  gegenüber,  bie  eljeUc^en  Saften  allein  ju 
tragen.  3)ie  leßtcren  begreifen  nad^  ber  bcutfd^en  9luffaffung  ber  ®^e  afe 
eincd  bie  DoHe  Scbcnögemeinf^aft  unter  ben  ©l^egatten  begrünbenben  SSerl^ält^ 
iriifed  aUe  biefe  Sebenögemeinfc^aft  betreffenben  unb  iljren  ^mäcn  bienenben 
ausgaben,  ©ie  umfoffen  bal)er  forool^I  ben  für  ben  Unterhalt  beiber  ®f)e' 
gaitcn  wie  ben  für  ben  Unterlialt  ber  gemeinfd^aftlid^en  3tbfommUnge  erforber^^ 
liefen  atufroanb  (oergL  §  1339  9lbf.  1).  SBerf^ieben  baoon  fmb  biejenigen  \ 
Saften,  roeld^c  als  Sluftflufe  ber  ei^elid^en  ^lufenie^ung  unb  SBerroaltung  bem  1 
€6emannc  in  ^fnfel^ung  beß  ß^eguteö  gegenüber  ber  6f)efrau  obliegen  (§  1297).  ! 
®n  Sebürfnife,  ben  S3egriff  ber  el^elid^en  Saften  im  ©efefee  genauer  ju  be* 
fHmmen,  liegt  md)t  vor.  ©elbft  ber  ©runbfag,  bafe  ber  ®t)emann  bie  etielid^en 
Saften  ju  tragen  ^at,  ift  in  bem  ©ntmurfe  ni^t  außbrüdlid^  audgefprod^en. 
3n  biefcr  ^nigcmein^eit  ift  jener  ©runbfag  jur  aufnähme  in  baö  ©efcfebucö 
f(^on  beö^alb  nid^t  geeignet,  meit  ber  eigene  Unterl^alt  bed  (Sl^emanned  einen 
wfcntlid&cn  ©eftanbtl^eil  ber  el^elid^en  Saften  bilbet,  eine  gefegli^e  Seftimmung 
ober,  ba^  ber  ©bemann  feinen  eigenen  Unterl^alt  ju  beftreiten  oerpfli^tet  fei, 
feinen  ©inn  ^aben  mürbe.  3)ad  Oefefe  mufe  fid^  uietme^r  barauf  bef^rönfen, 
biejemgcn  Äonfequensen  jeneö  (Srunbfagefi  auöjufpre^en,  meldte  eine  gefefelid&e 
Seftimmung  julaffen  (oergl.  §  1328  9lr.  2).  knö)  biefe  Jlonfcquenjen  gepren 
inbeffen  nicftt  fämmtlid&  in  ba«  elietid^e  ©üterred^t  (oergl.  inöbefonbere  §§  1278, 
1280,  1480,  1485).  SJlit  bicfer  93e^anblungöroeife  ftimmen  audi  bie  meiften 
neueren  Oefefee  überein  (oergl.  preufe.  21.  S.  9?.  II,  1  §§  185  ff.;  fäd()f.  ®.  33. 
§§  1634,  1635;  code  civil  Slrt.  214;  l)eff.  ©ntm.  I  3lrt.  66).  3l\xx  baö  olbenb. 
®ef.  0. 24.  april  1873  Slrt.  3  ftellt  ben  allgemeinen  ®runbfa|  auf,  bafe  ber 
Seemann  bie  Saften  beö  el^eli^en  Sebenö  ju  beftreiten  Iiabe. 

3n  biefem  3wfömmen^ange  mag  übrigen«  nod^  t)eroorge^oben  werben,  Äoftcn  ber 
bofe  ber  entrourf  bie  Soften  ber  (gbefd^liefeung  nid^t  ju  ben  c^elic^en  Saften  «^^^<^"^«"«8- 
red^nct,  ba  fie  bur^l  einen  9led&t«att  oeranlafet  fmb,  burd&  meldten  bad  93er* 
^Itniß  erft  begrünbet  mirb,  meldte«  ben  ©bemann  jur  2^ragung  ber  el^etid^en 
Saften  oerpfliditet.    2)iefe  Äoften  [xnb  tjietmeljr  nac^  §  320  oon  jebem  2^f}eile 
m  feölfte  }u  tragen  (»ergl,  aud^  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  171). 

11* 


164         eßcöut  unb  aScrBeJaltÖflut.    einfhüeilioc  Ofitcrtrciuiunfl.    §  1284. 


oKiItung. 


§  1284. 

Guftpenfion  S)ic  Scftimtttung  bc«  §  1284,  rocld^e  {td&  an  eine  o^nlid^e,  ieboc^  nod^ 

^gSiÄnl  weitcrge^enbc  SBorfd&rift  be«  preufe.  ^.  2. 5R.  (II,  1  §§  978,  980,  981,  983^ 

Hü.^.?!!'  ^*^^^)  anfd^Ucfet,  bejroerft,  in  bem  im  §  1284  tJorouÄgefefcten  gaUe  bie  e^efrau 
gegen  bie  il^r  aud  bem  (Eintritte  bed  gefeglid^en  ©üterfianbed  ber  e^elid^ea 
Slufenicfeung  unb  SBenoaftung  unb  ber  mit  biefem  ©üterftanbc  tjerbunbcnea 
Siedete  bed  @l^emanned  bro{)enben  ©efa^ren  in  angemeffener  SBeife  ju  fd^älen. 
83on  praltifdfier  Sebeutung  ift  bie  SBorfd)rift  beö  §  1284,  no^  welker  biö  ju 
bem  bort  6e}ei(i^neten  3^itpun{te  bad  SSermogen  ber  @^efrau  oon  bem  gefegt 
lid&en  SSertreter  penoaltet  wirb,  nomentlid)  für  fol^c  gäBe,  in  rocld^en  ber 
Seemann  aus  eigcnnfi^igen  äßotioen  mit  9{ä({ft^t  auf  ba^  SSermogen  ber 
(S^efrau  bie  @^e  gefd^Ioffen  ^at,  bie  in  ber  ©efd^öftdfö^igfcit  befc^rfinfte  @^e^ 
frau  aber,  meil  fte  unter  bem  @inf[u{fe  bed  @^emanned  fte^t  unb  i^r  bie 
nöt^ige  SBiberftanbdfraft  unb  @inftd^t  fe^It,  bie  @^e  jur  ^cxi  nid^t  anfed)tea 
(§  1259  3lt.  4,  §§  1261,  1265),  anbererfeitö  ber  gefefiü^c  SSertreter  ber  ©ftc* 
frau  bie  &)c  n)egen  ber  ^rfönßd^feit  bed  @^emanned  unb  ber  barauft  ber 
@l^efrau  unb  i^rem  SSermögen  brol^enben  ©efa^ren  nid^t  genehmigen  mill 
(§  1263  3lbf.  3).  Sie  gortbauer  ber  elterlid)en  ©croalt  bcjm,  ber  SBormunb«^ 
fc^aft  über  bie  @^efrau  (§§  1509,  1536,  1655)  gen)ä^rt  ber  (enteren  feinett 
genfigenbcn  @c^u^  gegen  jjene  ©efa^ren,  ba  in  Ermangelung  einer  befonberea 
SBeftimmung  ber  @^emann  fraft  ber  e^eli^en  Stufeniegung  (§§  1292,  984)  bie 
Verausgabe  bed  SSermögcnd  ber  @^efrau  verlangen  fann,  mithin  in  ber  Sage 
ift,  tl^atfäd^Ud^  über  bad  Vermögen  berfelben  ju  feinem  93ort^ei(e  ju  verfügen. 
3)cr  ©d^u^,  meldten  ber  §  1284  ber  ©l^cfrau  ju  geroäl^ren  bejroedft,  ift  um  fo 
me^r  am  ^^(age,  ate  na^  bem  ©ntmurfe  (§  1265)  ber  gefe^lid^e  iJSertreter 
aud)  in  bem  I)ier  fragtid)en  ^alle  nid^t  bered^tigt  ift,  bie  @^e  anjufed^ten. 
3[uf  ber  anbcren  Seite  mürbe  ed  über  bad  ^ebürfnig  ^inaudge^en  unb,  ^in^ 
gefe^en  namentüd^  auf  ben  ^auptfaQ,  menn  bie  @^e  nad^trägUd^  bur^  ©e^ 
ne^migung  unanfed^tbar  gemorben  ift  (§  1263),  ju  einem  unangemeffenen 
Slefuttate  führen,  menn  man  unter  ben  SSoraudfe^ungen  bed  §  1284  bie  e^elid^e 
!ßugnie6ung  unb  SBermaltung  überhaupt,  nid^t  blöd  6iö  ju  bem  im  §  1284 
bejeid^neten  3^itpun!te,  audfd^Iiegen  moUte. 

S)arauö,  bag  bid  5u  ienem  S^Uput^^^te  Trennung  ber  ©üter  nad^  3Ra6^ 
gäbe  ber  93orfdiriften  bed  §  1339  ftattfinben,  bie  e^eUd)e  Stugniegung  unb 
aSermaltung  erft  oon  jenem  ^citpunfte  an,  ol^ne  SRüdEtoirfung  auf  bie  3«it  ber 
©fiefd^Iiefeung,  eintreten  foll,  fiub  praftifd^c  Unjuträglic^feiten  für  bie  SRegelfäUe 
nid^t  }u  beforgen.  Sluf  bie  feltenen  gälle,  in  meieren  ber  SUlangel  ber  ©im 
rotUigung  bed  gefeftlid^n  Sßatretcrd  erft  fpäter  entbedft  wirb  unb  ber  @^emana 
injroifd^en  baö  SRe^t  ber  e^clid^en  Slu^niefeung  unb  SBermaltung  in  golge 
feined  ^rrt^umcd  t()atföd()Ud^  ausgeübt  ^at,  braud)t  {eine  Stüdftd^t  genommen 
JU  werben.  SBoUte  man,  nad^bem  ber  gefeftUd^e  SBertreter  bie  &f)t  genehmigt 
ober  bie  ©fiefrau  bie  unbefd^ränftc  ©efc^äfiöfä^igfeit  erlangt  l&at,  bie  Siuft« 
niefeung  unb  SBermaltung  bed  ß^emanned  rüdmärts  l^in  üon  ber  3eit  ber  6^ 
fd^Uefeung  an  eintreten  laRen,  fo  mürben,  namentlid^  im  ^inblide  auf  bie 


ßj^egut  unb  Borbcjolttöut.    einftttJcUigc  ©ütertrcnnung.    §  1284.         165 

tnjioifc^  Don  bcm  gcfcftU^cn  S3crtrctcr  bcr  ®f|cfrau  über  baö  SScrmöflcn  bcr 
lejtercn  getroffenen  SBerfugungen,  nur  nod^  größere  prafttfd^c  Sd^wicrigteitcn 
{t^  ergeben. 

S)a  oud&  bei  bcr  ouf  ®runb  beö  §  1284  eintretcnben  S^rennung  ber 
@üter  bie  ß^efrau  na^  SKafegabe  beö  §  1339  »crpfli^tet  ift,  bem  ©bemanne 
oufi  ben  (Sinfünftcn  i^rcö  93enn5genö  einen  angemcffenen  Seitrag  jur  Se- 
ftreitung  bcr  ei&efid^en  Saften  ju  Iciften,  fo  ift  eine  befonbere  Seftimmung, 
iDcIc^e  in  bem  ^ier  fraglid^en  galle  bem  ©bemanne  einen  Slnfprud^  auf  bie 
€infünfte  befi  SBermSgcnö  ber  ®^efrau  ob^r  boc^  auf  einen  2:^eil  biefer  ©in^ 
fünfte  beilegt  (oergl.  preufe.  ä.  fi.  SR.  II,  1  §  983),  entbc^rlid}. 

S)ag  in  bem  ^alle  bed  §  1284  jum  Sc^u^e  beö  guten  ©(aubend  S)ritter  «nioenbuna 
üu(^  bie  bei  ber  Dcrtragömöfeigen  2:rennung  ber  ©üter  geltenben  §§  1336, 1^^^^^^^ 
1337  cntfprec^enbe  Slnmenbung  finben  foUen,  red&tfertigt  pdi  burc^  bie  3lnalogie   »ertrag«* 
ber  Serl^ältniffe.      35agegen   muffen    bie    ©rünbe,    auf   roef^en   bie    ^^^'Slf^nT' 
fümmung  bed  §  1284  bcrul^t,  ba^in  führen,  in  bem  ^alle  bcd  §  1284  t)on 
tiner  entfprcd^enben  Stnmcnbung  bed  §  1340  abiufel^en.    Sic  Uebertragung 
Iw  §  1340  auf  ben  gall  beö  §  1284  mürbe  um  fo  mißlicher  fein,  alö  fie  ben 
Snft^in  crmcrfcn  fonntc,  bafe  bie  in  ber  ®efd)äftöfä^igfeit  befd;ränKe  (S^efrau 
bcm  (Spanne  bie  ^ermaltung  itires  SSermögend  ober  etned  S^eited  bedfelben 
nad^  SRaggabe  beö  §  1340  o^ne  ©inmiUigung  ilired  gefegUd^en  SSertreterö  foUe 
übcrloffen  fonnen.    Slnbcrerfcitö  ift  ju  bead^ten,  bafe,  metm  bie  SSermaltung 
bcft  Vermögend  ber  S^efrau  ober  eineö  S^eilcd  bedfelben  bem  ©bemanne  von 
bem  gefe|[i(^cn  SSertreter  ber  @^efrau  ober   na^  erlangter  unbefd)röntter 
<Sff(Wftdffi^igteit  ber  ©l^efrau  Don  ber  lefeteren  felbft  überladen  fein  foBte, 
bttrin  —  ron  fem  Uegenben  gällen,  insbefonbere  üon  bcm  galle  abgefct)en, 
in  mld^tm  bie  Sorge  für  bie  ^erfon  ber  ß^efrau  unb  bie  ©orge  für  ba& 
^krmögen  berfelben  in  ben  ^änben  tjcrf^iebener  gefe|fid&er  SBertreter  ruijt  — 
regelmäßig  iug(eic^  bie  ©enel^migung  ber  @()e  (§  1263)  liegen  mirb. 

Sbgefcl^en  Don  bcr  S3eftimmung  beö  §  1284  roerbcn  bie  SRcd^te  beö  ®^c:j  mm  t«* 
monne«  an  bcm  SBcrmögcn  ber  Ehefrau  burd^  bie  3Rinberiäf;rigfeit  ober  cim^^^^^^ 
öuf  anbcren  ©rünben  bcru^enbe  Scfd^rönfung  bcr  ©efd&äftöfäf)igfeit  ber  (S^c^wt  ber^e^ 
frau  nic^t  berührt,    ©omeit  jcbod^  ber  (Seemann  bei  Sluöübung  feiner  SRed&tc 
<m  bie  SKitmirfung  ber  ß^efrau  gcbunben  ift,  finben  in  SKnfel&ung  ber  SBer« 
trrtung  bcr  festeren  bie  attgemeincn  ©runbfäfte  ber  ettcrlid^en  ©eroalt  unb 
bfö  Sormunbf^iaftörcd^tcö  (§§  1509,  1655,  1728,  1743)  3lnrocnbung.    ©in 
genügenbcr  ©runb,  für  ben  gall,  roenn  bie  e^efrau  in  ber  ©efd^äftöföljigfcit 
bcfd&rfinft  ift,  jum  ©(^uge  berfelben  bie  cl^elic^e  ?lu|nie6ung  unb  SBerroaltung, 
iDenn  aud^  nid^t  auöjufd^liegen  ober  ju  fuöpenbiren,  bod^  in  ber  einen  ober 
cnberen  JRid&tung  ju  befc^ränlcn  (pcrgl.  preufe.  31.  2.  91.  H,  18  §§  737  ff., 
beren  fortbauernbe  ©eltung  ieboc^  im  ^inblidfc  auf  ben  §  102  ber  preufe. 
^dxm.0.  V.  5.  3uli  1875  beftritten  ift;  femer  fä^f.  ©.  SB.  §  1930),  liegt 
nid^t  oor. 

SSSegcn  beö  ©nfluffeö,  meldten  eine  ©efd&ränfung  beö  ß^manncö  in  ber      be« 
®ef*rftÄffi^g!eit  auf  bie  e^clic^e  3lu6nie6ung  unb  SScrroaltung  äufeert,  oergl.  «^«"««"*«- 

§§  1326,  1328  9flr.  4. 


168      (S^cgut  u.  SSorBc^altögut.    SSorbcl&altööut.    3uwenb.  35ritter.    §1287. 

bem  SBcrmögcn  bcr  ß^cfrou  gcl^orcnber  ©cgenftfinbc  audjufd&Uc§en,  xotnn  fic 
bieg  nad^  ben  fonfreten  Umftänben  a(d  in  intern  3ntere{fe,  namentlid^ 
als  im  3ntcreffc  bcr  @^cfrau  licgcitb,  crad^tcn,  fttmmt  im  ^rinjipe  foroo^l 
mit  bcm  gemeinen  Äe^te  als  mit  ben  neueren  Oefefegebungen  fibereirt 
(üergt.  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §§  208,  209;  fä#  ®.  33.  §§  1693,  1694; 
olbenb.  ®ef.  v.  24.  STprit  1873  äri  16).  3)a6  bie  oertragömäfeige  ^t^ 
grünbung  oon  SSorbeJ&attögut  nur  burd^  (g^eüertrag,  mithin  nur  in  bcr 
im  §  1335  Slbf.  1  i)orgefd)Iagenen  gorm,  erfolgen  fann,  rcd^tfertigt  [xü^ 
baburd^,  bog  barin  eine  3(enberung  beö  gefe^ßd^en  ©üterftanbed  liegt,  bie 
SBereinborung  einer  fotd^en  ä[enberung  aber,  aud^  menn  fic  ftd&  nur  auf 
SBermögcnötl^cilc  ober  cinjctne  SBermögenögcgenftänbe  bejietit,  unter  ben 
Segriff  bcd  (gfjcoertragcd  nac^  aßafegabe  beö  §  1333  fällt.  SBon  bem  ^ier 
fraglid^en  @l^et)crtrage  unterfd()cibct  fid^  ber  auf  2:rennung  bcr  ®üter  gerid&tete 
ß^cocrtrag  beö  §  1338  babur^,  bci^  burd^  im  lefetcrcn  na^  ber  Stbft^t 
ber  Set^ciUgten  bad  Softem  ber  c^etid)cn  Sflugnicgung  unb  SSermattung  über^ 
l^aupt  audgefd^loffcn  n)crben  foQ.  @d  !ann  nid^t  jmcifell^aft  fein,  bag  xn^ 
bcfonbcre  ber  gall,  in  rocld^cm  bie  ®t)efrau  fid&  itir  ganjeö  gcgenroörtigeö  unb 
julünftigcd  93crmogen  oorbel^altcn  i)ai,  l^icr  audfd^eibet,  ba  in  einem  fo(d^en 
^alle  ber  SBcrtrag  ba^in  audjufegen  ift  (ocrgl.  §  73),  ba^  Trennung  ber 
@üter  ftattfinben  foD.  ©in  Sebürfnife,  biefen  ^all  burd^  eine  bcfonbcre  gcfefe» 
lid^e  SBorfd^rift  ju  cntfc^cibcn,  liegt  nid^t  üor. 
«orflengabe.  ®ie  SBorfd^rift  bcd  prcufe.  21,  fi.  SR.  II,  1  §  207,  bafe  bie  oon  bem  (S^t^ 

manne  bei  ©^licfeung  ber  ®f)c  Dcrfpro^cnc  aRorgcngabc  SBorbc^altögut  roerben 
foU,  l^at  feine  Slufnatimc  gcfunben,  weil  bcr  ©ntrourf  bie  SKorgcngabe  aü 
bcfonbcrcö  JRcc^tftinftitut  überhaupt  nid&t  fennt.  ©ine  folc^c  SKorgcngabc  wirb 
gegenroärtig  nur  nod^  äu^crft  feiten  oorfommcn.  S^^cm  fann  i^r  Swecf,  o^ne 
ha^  cö  biefertialb  befonbcrcr  SBeftimmungen  bcbarf,  burd&  ©^cnfung  crreid&t 
roerbcn.  ©oU  bcr  ©cgcnftanb  einer  fold^cn  3wn)enbung  S3orbel^alt«gut  merben, 
fo  bcbarf  eö  allerbingß  bcr  gorm  beö  ®bcoertragcfi.  3n  biefer  ^infid^t  eine 
Sludnal^mc  von  ber  Siegel  beö  §  1286  jujulaffcn,  fann  um  fo  weniger  a(d 
angcmcffcn  erad&tet  mcrbcn,  ate  babur^  bie  Umgebung  bcr  SSorfd^riftcn  über 
Ummanblung  t)on  ß^egut  in  SBorbc^altdgut  crlcid^tcrt  loerbcn  mürbe. 

§  1287. 

»orbe^ait«-  2)er  §  1287,  roclc^cr  im  5ßrinjipe  fomo^l  mit  bcm  gemeinen  Sted^tc 

*"*"ile®'™"*'  (ocrgl.  ©cuffert  V,  186,  XXIII,  37)  ate  mit  ben  neueren  ©cfcfegcbungcn  überein* 

8tt»«nbung  ftimmt  (ocrgl.  prcufe.  3f.  S.  SR.  II,  1  §  214;  fädij.  ®.  S3.  §  1693;  olbenb.  ®ef. 

®'**^''    0.  24.  aipril  1873  3lrt.  17  §  2  lit.  c),  bcjioecft,  ©ritten,  meld)e  bcr  ®^cfrau 

ctmaö  l^interlaffcn  ober  unter  Sebenbcn  jurocnbcn  moUcn,  bie  üHögUd^feit  ju 

gcmä^ren,  bad  ^intcrlaffcnc  ober  S^fl^n^^w^^tc  burd^  cinfcitigc  99cftimmung 

ol^ne  unb  felbft  gegen  ben  SBiUcn  beö  ß^emanncö  bcr  cl^elid&en  Siufcniefeung 

unb  aScrioaltung  ju  cntjief)cn.    2)ic  ®croä^rung  biefer  2Rögfid^fcit  ift  nament* 

fid^  oom  ©tanbpunftc  bc«  3ntercffefi  ber  (g^efrau  au«  geboten.    2)ic  Ser* 

^ältniffc  liegen  nic^t  feiten  fo,  bafe  cd  ©ritten,  rocld^c  ber  @^cfrau  etroaö 

lintcrlaffen  ober  unter  Sebenbcn  jurocnbcn  rooUcn,  inöbefonbere  ben  Sltem 


g^egut  tt.  Sor6c6aIt8flut.    aSorbe]6aItööut.    Suwcnb.  ©rittet.   §1287.       169 

ober  fonftigcn  SSenoQnbtcn  bcr  (g^efrau,  mit  SRüdEjid^t  auf  bic  biddcrigc  93cr* 
OKiItung  bed  (S^manned  ober  bad  unter  ben  ©Regatten  befte^enbe  perfönU^e 
SSer^Itnife  bringenb  roünfd^endroert^  erfd^emen  mu^,  im  3nteref[e  ber  (g^efrau 
unb  bereit  Srben  jebe  @inn)irfung  beö  @()emanned  auf  bad  ber  @^efrau  ^inter^ 
laffene  ober  unter  fiebenben  QixQtxocnbttt  oufisuf^liefecn. 

Son  bcr  Siegel,  bafe  ber  ©rbfoifer  ben  oon  il^m  ber  6§efrau  l^interlaffenen  fjfi^tt^eu. 
(Segenftänben  burc^  feine  SBeftimmung  bie  @igenfd^aft  ald  93orbel)altögut  bei^ 
Icjen  fann,  maö^i  ba«  olbenb.  ®cf.  v,  24.  Slpril  1873  Slrt.  17  §  2  lit.  c 
infoioeit  eine  Sudna^me^  a(d  bad  Qn^crottibtit  einen  ber  @§efrau  gebül^renben 
$f[i(^tt^i(  audmadit,  n)ö^renb  bad  preug.  9[.  S.  91.  unb  bad  föd^f.  @.  ^.  in  biefer 
Sejiie^ng  einer  befonbercn  93eftimmung  fid^  enthalten.  @in  audreid^enber 
<9ninb,  bem  ©ritten  in  Slnfel^ung  bed  ber  @^efrau  gebü^renben  $f{id^tt^ei(ed  bad 
^ier  fragliche  Stecht  ber  SBeftimmung  ju  Derfagen,  ift  nid^t  Dori)anben;  vielmehr 
trifft  bic  ratio,  auf  rocld^er  bie  SBorfd^rift  bed  §  1287  berul^t,  im  gBefentlid&en 
auc^  für  biefen  ^aQ  ju.  ©a  bie  99eftimmung  bed  ©ritten  Icbiglid^  bejmectt,  htn 
9efe((id^en  Eintritt  ber  e^elid^en  9lu^niegung  unb  SSerroaltung  aud)ufd^Uegen, 
ber  S^frau  aber  DöUige  ^*ei^eit  (ägt^  mit  bem  ald  ^fiid^tt^eil  ^inter^ 
lajjenen  ju  t^un,  toad  fie  mill,  fo  fann  in  einer  fotd^en  33eftimmung  eine 
SWoftung  ober  Sefd^ränfung  bed  ?ßflid^ttl;eiled  nid^t  gefunben  werben.  Slnberd 
liegt  bie  @Qd^e  aüerbingd  bann,  menn  bie  fragliche  Seftimmung  ald  mirttid^e 
Sebingung  ober  Sluflage  getroffen  ift  (ücrgl.  §§  1981,  1982).  ©benfomenig 
W  ftd^  bie  äludna^me  bt&  olbenb.  ©efe^cd  in  älnfe^ung  bed  ber  @l;efrau 
gc^örenben  ^|Jpi4itt^ei[ed  aud  bem  ©eftditdpunfte  eined  bem  ©l^emanne  ju* 
fte^nben  Slcd^ted  auf  bie  e^elid^e  ^lugniegung  unb  SSermaltung  an  bem  ber 
S^efrau  gebfi^nben  ^flid^tt^eile  ableiten,  ba  ber  (Seemann  in  @rmangelung 
einer  befonbercn  S3eftimmung  gegenüber  bem  ©ritten  fein  fctbftänbigcd  SRed^t 
borauf  ^at,  bafe  ber  ß^efrau  ber  5ßflid&ttt)eil  ald  6I|cgut  l^interlaifen  merbe. 
3)em  G^cmanne  aber  ein  fold^ed  Siecht  burdf)  pofitipe  Seftimmung  bcijulegen, 
ift  burc^^  ben  3mecf  ber  e^efid^en  Slugnie^ung  unb  SBerroaltung  nid^t  geboten 
unb  um  fo  bebenf lieber,  ald  bad  Sntereffc  ber  (gl^efrau  baburd^  unter  Um^ 
ftonben  fd^wer  gefä^rbet  werben  fonntc. 

Xnlangenb  ben  ©rroerb  ber  ©l^efrau  burd&  S^^^^^i^u^Ö  ^^^^^  ©ritten  auwenbungen 
unter  fiebenben,  fo  befd&rfinfen  bad  preufe.  21.  2.  9*.  II,  1  §  214  unb  bad  ^^^^^ 
olbenb.  ®ef.  v.  24.  Slpril  1873  3lrt.  17  §  2  üt.  c  bad  ^ier  fragli^e  S3e^ 
jKmmungdred&t  bed  ©ritten  auf  ben  burd^  ©d^enhmg  gemad^tcn  ©rroerb  ber 
Cdefrau,  tofi^enb  bad  fäc^f.  ®.  S3.  §  1693  allgemein  oon  3un)cnbungen  rebet. 
S)iefer  lefttercn  Sludbrucfdroeifc  ^at  au^  ber  ©ntmurf  jtc^  angefdfilojfen,  jcbod^ 
in  bem  ©inne,  bafe  unter  ,,3wn)enbung"  nur  uncntgcltlid^cr  ®rw)erb  ju  Der- 
ftc^  ift  3m  galle  eined  entgeltlidien  (grrocrbed  ber  ß^cfrau  fann  —  abgcfel^en 
wn  fog.  gemif(||ten  ®efd()öftcn,  metd&c  in  bcr  l;ier  fragtid^en  Se5iel|ung  unter 
Umftänben  bem  unentgeltlid^en  ©rmerbe  glcid^jufteUcn  fein  werben  —  Don  einer 
,p3uwenbung"  eined  ©ritten  nid^t  bie  SRcbe  fein;  tjielmel^r  l^at  l^ier  bie  93c* 
ftimmung  bed  ©ritten,  ba§  ber  ©rroerb  ber  ®^efrau  SSorbel^altdgut  fein  foUc, 
ben  Äarafter  einer  von  ber  ®f|efrau  audbebungcnen  ©cgcnlciftung.  2ludE)  in 
biefen  gfiDftt  bcr  93eftimmung  bed  ©ritten  bie  SBirfung  bcijulegen,  bafe  ber 
Grrocrb  bcr  S^efrau  SSorbedaltdaut  wirb,  mürbe  mit  bem  ^rinjipc,  bafe  bie 


170  (SBcöut  u.  aSorBcJaltSgut.  SorScBaltgout.  SRe^tßgcfd&dftL  Qttoeih.    §1288. 

®f)cfrau  i^r  ^Scrmögcn  nid^t  cinfcitig  ju  aSorbctiattögut  mad^cn  tann,  nid^t 
vereinbar  fein  unb  mit  bem  gciteubcn  $Red)tc  nid)t  im  ©inflonge  fielen. 
fSform.  giii  3tnfe^ung  fold^cr  oon  einem  Dritten    ^errü^rcnben  ©egcnftänbc, 

xotl6)t  bie  ß^efrau  bur^  ©rbfolge  ober  bur4)  SSermäc^tnife  ober  alö  ^^pid^t- 
tl^cil  ermirbt,  mu§  bic  33cftimmung  beä  ©ritten,  ba^  bie  ©egcnftänbc  33or* 
bcf)attägut  fein  foUen,  um  red^tögültig  5U  fein,  burd^  leßtroillige  Scrfügung,  in 
3lnfef)ung  fol^er  (Segcnftänbe,  roeld^e  bie  ß^cfrau  burc^  Sui^^^^^^^B  cineö 
Dritten  unter  Sebenben  erroirbt,  bur^  eine  mit  ber  S^roenbung  felbft  p  vcv^ 
binbenbe  SBillenöerflärung  erfolgen.  Die  im  9Bege  legtmiUiger  aSerfügung 
erfolgenbc  Seftimmung  l)at  t)ierna^  einen  fclbftönbigen  fiaraftcr.  Sic  fegt 
nid)t  legtroillige  3un)enbung  im  eigentlid)en  Sinne  oorauß,  ift  t)ielmel)r  auc^ 
bann  mirffam,  wenn  ber  Dritte  in  9lnfe^ung  ber  oon  i^m  l^errü^renben  33cr^ 
mögenögegenftänbe  eö  bei  ben  ®runbfä&en  beö  3nteftaterbred^teö  belaffen  ober 
bie  ß^efrau  auf  ben  ^f(id)tt^eil  befd^ränft  t)at.  Dagegen  i)at  bei  S^xocxu 
bungen  unter  Sebenben  bie  33eftimmung,  bafe  bie  jugemenbeten  ®egenftänbc 
aSorbe^aftögut  fein  foUen,  bic  9iatur  einer  3lebenbcftimmung. 

3in  3tnfcl^ung  ber  ©rrid^tung,  3lnfed^tbarfeit  unb  2(uf Hebung  ber  l)icr 
fragli4)en  legtroilligen  SSerfügungen  finben  bie  allgemeinen  SSorfd^riften  bcö 
erbrcd^teö  Slnrocnbung  (t)ergl.  §§  1753,  1780—1787,  1955,  2021).  Durd^ 
bie  S^luferoorte  beö  §  1784  Safi  1  („ober  ein  JRed^t  erlangt  ^abcn  mürbe") 
ift  SSorforge  getroffen,  ba^  inöbefonbere  aud^  legtroillige  aSerfügungen 
ber  f)ier  fraglid^en  9Irt  gecignetenfallö  t)on  bem  ®f)emanne  angcfod&ten  roerbcn 
fönn.en.  SBäl^rcnb  in  3lnfe^ung  fold^er  Ocgenftänbe,  meiere  bie  ©fiefrau  oon 
S^obeömegen  erwirbt,  bie  Seftimmung,  ba§  bie  ©egenftänbe  aSorbef)aItdgut 
fein  fotten,  ber  für  legtmiUige  SSerfügungen  oorgcfc^riebencn  gormen  bebarf,  ift 
für  bic  bei  einer  3uwenbung  unter  Sebenben  erfolgenbc  Jicbcnbeftimmung,  bag 
bie  jugcioenbetcn  aSermögcnßgegenftänbe  SSorbc^altögut  fein  foUen,  bie  öe^ 
oba^tung  einer  befonbercn  gorm  nid;t  oorgefd^rieben,  meil  ein  33ebürfni§ 
boju  ntd^t  oorliegt.  Daju  fommt,  bafe  burd^  eine  in  Slnfe^ung  ber  Jiebciu 
beftimmung  oorgefc^riebene  befonbere  gorm  bie  guroenbung  jum  SRac^t^eilc  ber 
®^efrau  erfc^roert  unb  im  gallc  ber  3lid()tbcobad)tung  ber  gorm  naö)  ben 
®runbfä|en  über  tf^eilmeife  Jlid^tigfeit  eines  9ied)tögcfd^äftes  (§  lU)  unter 
Umftönben  nid^tig  fein  mürbe. 

§  1288. 

(Srwcrb  ber  Dcr  Sutmurf  bcrul^t  auf  bem  ^ßrin^ipc,  bafe  bie  S^efrau  mcber  alft 

^^S^'^^fölc^e  nod)  traft  beö  efieUdicn  ®üterred)teö  in  ber  ®ef(^äft3fäl)igfeit  befd)räntt 

8ef(^äfte unter  ift    (ocrgl.  bic    allgemeinen   3Kotioe   ju  §§  1300—1310),   bafe    pc    bal)er, 

Sebenben.   jj{,gg|g|jg^  ^jq^  ^^j^  '^j^  §  ^300  bcjeid&nctcn  bingüd^cu  Stcd^tögcfd^äftcn   über 

g^cgutörec^tc,  anberc  9ted)tögefdöäfte  unter  Sebenben  ol)ne  ©inroilligung  bcö 
(Seemannes  mirffam  oorne^men  fann,  jcbod)  mit  ber  auö  bem  §  1301  fid^ 
ergcbcnbcn  3)lobififation,  baß  ein  3fted)tögcfd|ftft  unter  Sebenben,  burc^  meld)eß 
bie  @t)efrau  ju  einer  Seiftung  oerpflid()tct  mirb,  in  3lnfe^ung  bcä  ß^eguteö 
gegenüber  bem  ©tjcmannc  nur  bann  mirffam  ift,  rocnn  ber  Ehemann  in  bic 
aSornat)mc  beö  3ted)tögcfc^äftcö  eingcroilligt  t)at  ober  baöfelbe  genehmigt.    Dicfe 


e^cgut  u.  SorbeMtöflut.  SSorbel&artÖöut.  JRcc^t8oef4aftr.  SrtoecB.    §1288.  171 

ungemeinen  Orunbfögc  in  SScrbinbung  mit  bor  SWcgel  beö  §  1283  würben  in 
gmangelung  befonbercr  93eftimmungcn  baf)in  füfiren,  bafe  ber  (Srroerb  ber 
g^frau  auö  Sied^tögefdiäftcn  unter  Sebcnben  in  allen  gälten  bcm  ß^egutc  ju- 
fide,  bafe  aber  ber  anberc  Kontrahent  wegen  ber  auö  bem  Jled^tögcfd^äftc  für 
bic  ß^efrou  entftanbenen  58erbinbli^feit  in  ©rmangelung  ber  ©inroiÜigung 
ober  ©cne^mignng  beö  Seemannes  nad&  bcm  §  1311  »erb.  mit  §  1312  3lv.  1 
Sefriebigung  auö  bem  (g^egute  nur  foweit,  alö  ba^  S^egut  burd^  ba^  dttä)t^^ 
gefcläft  bercid^crt  ift,  mürbe  oertangen  fönnen.  ®ö  fann  iroeifell^aft  fein,  ob 
es  nic^t  bcn  SJorjug  oerbienen  mürbe,  eö  in  ber  i^m  fraglid^en  93ejie^ung 
iii<Öt  nur  in  9lnfel)ung  ber  im  §  1288  Slbf.  2  bejeid^neten,  fonbern  in  Sln^ 
fe^ung  aller  3leci^tSgefc^äfte  ber  ©fiefrau  unter  Sebenben  bei  bcn  allgemeinen 
©runbfäftcn  berocnben  ju  laffen.  gür  biefen  ©tanbpuntt  fann  man  a^ifüfiren, 
bog  auf  b.iefc  SBeife  ber  immer  mit  geroiffen  Uebelftänben  oerbunbenc  Sd^mebe* 
juftQnb  »ennieben  roirb,  melc^er  nad^  §  1288  3lbf.  1  eintritt,  biö  ber  (Seemann 
bie  (Sene^migung  ju  bem  SHed^tögefc^aiftc  ertfieilt  ober  üerroeigert  l}at,  bafe 
ferner  bcrortigc  o^nc  ©inroilligung  beö  Ehemannes  mit  dritten  abgefc^loffenc 
3ie(^tögefdöäftc  ber  ©fiefrau  feine  93egünftigung  oerbienen  xinb  jubem  bie 
^icr  in  9tebc  fte^enben  gälle  in  ber  ^ßrajis  nid&t  oon  grofeer  Sebeutung, 
er^eWid^c  proftifd()e  Ucbclftänbc  batier  auö  ber  Slnroenbung  ber  allgemeinen 
©ninbfäfcc  nid^t  ju  beforgen  finb.  3nbeffen  fmb  bie  für  bie  SBeftimmung 
beö  3tbf.  1  fpred^enben  ©rünbe  ber  33iUigfeit  als  übcrmiegenb  anjufeljen. 
3n§bcfonberc  fommt  in  S3ctrad^t,  bafe  eö  fomol^l  im  3lntereffe  ber  6l)efrau 
ol§  beö  ©ritten  liegt,  SHec^t  unb  33erbinblid^feit  ber  9latur  beö  gegenfeitigcn 
Sc^tögefc^oftcß  entfpred&enb  nid^t  auöeinanberfallen  ju  laf[en.  2^agegen  fe^lt 
eö  in  Slnfc^ung  ber  im  9lbf.  2  bejeidineten  Stc^tögefd^äfte,  bei  meldten  icner 
®e|i(^töpunft  n\ä)i  jutrifft,  an  einem  auörei^enbcn  ®runbc,  oon  ben  all^ 
gemeinen  ©runbfäßen  objuroeic^en.  ^voav  fann  gegen  bie  SBorfd&rift  beö 
3ttf.  2  geltenb  gemad^t  mcrben,  bafe,  aud^  wenn  in  ben  gällen  beö  3lbf.  2 
materiell  nur  ein  ©rmerb  in  grage  fte^e,  eö  bcm  ®f)emanne  bod)  megen  ber 
Slrt  ober  beö  ®egen[tanbcö  beö  oon  ber  ®^efrau  gemad^ten  ©rmerbeö  unter 
Umftönben  ermünfd&t  fein  fonne,  baö  ©rmorbene  oon  bem  ®^egute  auöju* 
f(^lic§en.  3nbeffen  mcrben  berartigc  gällc  fcl^r  feiten  fein,  unb  fann,  aud^ 
obflefe^en  baoon,  ein  beö  gefefelid^en  ©d^ugeö  bebürfenbeö  red^tlid&eö  ^ntcreffc 
beö  ß^emanneö  infomeit  nic^t  anerfannt  merben.  3uöbefonbere  fann  au^  ber 
©efic^töpunft,  bafe  in  ben  gällcn  beö  3lbf.  2  jebenfallö  bie  aSerroaltungö^ 
Pflicht  beö  ß^emanneö  oi^ne  fein  3^*^)"^^  erf)5t|t  merbe,  atö  burd^fd^lagenb  nid^t 
erachtet  merben  gegenüber  ber  ©rmägung,  ba§  bie  ß^e  für  ben  ®f)emann 
aud^  ^flid^ten  gegenüber  ber  ß^efrau  erjeugt  unb  bem  ©bemanne  ni^t  ju  naf)c 
getreten  wirb,  menn  bei  unentgeltlid^em  ©rmerbe  ber  6l)efrau  feine  SÖerroat 
tungöpflic^t  aud^  ol^ne  feine  ©inmilligung  eintritt,  jumat  eö  nic^t  in  ber  ^anb 
ber  G^frau  liegt,  nad&  belieben  uncntgeltlidien  ©rmerb  ju  mad^en.  3"  ^i"^"^ 
tt^nlic^en  Slefultate,  roie  bem  beö  §  1288,  menn  aud)  auf  einem  anberen  SBegc, 
führen  biejenigen  ©efeßgebungen,  meiere,  mie  baö  preu^.  31.  S.  %  unb  baö  fäd^f. 
®.  33.,  bic  ©^efrau  in  ber  ®efd()äftöfo^igfeit  befdjränfen  (uergl.  preufe.  31.  2.  91. 
II,  1  §  320;  fäd^f.  @.  93.  S.  1638).  3rud^  mit  bemjenigen,  maö  alö  ge^ 
meines  Jted&t  —  ^ier  allerbingö  meiftenö  nur  unter  bcm  ©efid^töpunfte  cincö 


172  e&egut  IL  S8orBc6aIt§öut.  SorBe^altögut.  JRed^tßßcfd&aftl.  ©rncrb.  §  1288. 

SBerjid^ted  bed  6i)emanncd  —  gelehrt  lüirb  unb  iPQd  bad  olbenb.  ®ef.  v. 

24.  aCprif  1873  3lrt.  17  §  2  lit.  b  auöbrüdnd^  bcftimmt>  ftc^t  bcr  entmurf, 

abgcfcficn  baoon,  ha%  nad^  bicfen  Sleti^tcn  niti^t  jroifti^cn  bcn  im  §  1288 

2lbf.  1,  2  bcjcid&nctcn  Gnocrbcn  untcrfdbicl^cn  wirb,   im  SBcfcntlid^cn   im 

©inflange. 

e^mtbts  ggjie  oben  bereits  ^eroorgeboben  würbe,  befielt  nod^  SÄbf.  1,  fo  lanßc 

*"  ""^     ber  Gbcmonn  feine  Oencbmigung  ju  bem  Sted^tögef^äfte  ber  G^cfrau  nid^t 

oerroeigert  i^ai,  ein  Sd^roebejuftanb,  in  bem  ed  ungemife  ift,  ob  ber  oon  ber 

@^efrau   gemachte  (Srroerb   bem  Gb^flute   ober  bem  SSorbe^altdgute  ^ufäUt. 

2^ritt  bie  ©ntf^eibung  bemnäd)ft  nad^  ber  einen  ober  ber  anberen  Seite  ein, 

fo  ijat  biefelbe  rücfmirfenbe  Sroft,  b.  b-  e§  roirb  baö  SBer^altni^  ie|t  fo  be^ 

l^anbett,  a(g  ob  baö  Srmorbene  Don  Einfang  an  @^egut  bejm.  Sßorbe^altdgut 

geroefen  märe.    2)iefe  Slrt  ber  93cbonbIung  entfpricbt  prinsipiell  ber  ratio, 

auf  meld^er  bie  93eftimmung  beö  3fbf.  1  berubt,  unb  fid^crt  por  ben  9Ser* 

midfclungen  unb  Äonfliften,  roel^e  eintreten  würben,  wenn  man  bad  93er? 

bältnig  in  ber  Slrt  geftalten  wollte,  baß  bad  ©rworbcne  fraft  beö  ©efcfteö 

©f|cgut  würbe,  burd)  bie  SSerweigerung  ber  ®encbmigung  oon  Seiten  beö 

G^emanneö  aber  obnc  SRüdwirfung  aufborte,  Gbegut  ju  fein,  unb  SSorbebattdgut 

würbe.    2)er  (Sebanfe  beö  Gntwurfeö  ift  burd)  bie  g^ffung  im  ©ingange  beö 

5lbf.  1:   „SSorbebaltögut  finb"  (nid^t:   „werben")  in  genügenber  Sßeifc  jum 

StuöbrudEe  gelangt. 

«ttfforberung  Um  bie  mit  bem  Scbwebesuftanbe  oerbunbcnen  Uebelftänbe  tbuntid^ft  ju 

«rflitoinfl.  wili^^ni  unb  bcn  3iif*ö^^^  ^^^  Ungewifebcit  abjufürjen,  ift  nac^  3[naIogie  beö 

§  65  3lbf.  5  unb  beö  §  123  9Ibf.  3  (oergl.  auc^   §§  315,  1300)   burd^  bie 

Seftimmung  beö  3lbf.  1  Sa^  2  ber  ©befrau  bie  93efugni6  eingeräumt,   an 

ben  ©b^niann  eine  9Iufforbcrung  ju  erlaffen,   fid&  binnen  einer  grift  von 

jwei  28odf)en  über  bie  ©enebmigung  ober  beren  Sßerwcigerung  ju  erHären, 

unb  jwar  in  ber  9lrt,  ba6  bie  (Senebmigung,  fowie  beren  95crweigerung  nad^ 

93eginn  ber  grift  nur  gegenüber  ber  ©b^ftau  erflärt  werben  fann.   2)iefe  leitete 

9lbweid)ung  oon  ber  Siegel  beö  §  127  9lbf.  1  red^tfertigt  pd^,  wie  im  J^^Ue 

beö  §  123  9lbf.  3,  burcb  ben  3we(f  bcr  grift.    Sa  im  gälte  beö  §  1288  äbf.  i 

Saß  2  nid^t,  wie  im  gallc  beö  §  123  9lbf.  3,  bcr  anberc  SSertragfc^Iieftenbe, 

fonbern  bie  ©befrau  ber  9Iufforbernbe  ift,  fo  mu§  bie  ©rflärung  in  bem  ^icr 

in  SHcbe  ftebenbcn  gälte  gegenüber  ber  ©befrau  erfolgen. 

«noerb  bcr  ÜJcr  §  1288  bcjicbt  t\d)  uur  ouf  ben  ©rwcrb  bcr  ©befrau  burd^  Stec^tö^ 

«obSS^«"  9^)^^f*^  ^^^^  Scbenbcn.   3n  3lnfe^ung  beö  ©rwerbeö  bcr  ©befrau  oon  3:obeö^ 

wegen  foU  cö  —  abwcid^cnb  oon  bem  gemeinen  Siedete  unb  bem  olbcnb.  ®ef, 

ü.  24.  Slpril  1873  9lrt.  17  §  2  lit.  b,  welche  swifc^en  bem  ©rwerbe  Don  7obeö« 

wegen  unb  burd)  9lcc^tögefd)äfte  unter  äcbcnbcn  in  bcr  bicr  fraglichen  ^inftc^l 

ni^t  unterfdieiben  —  bei  ben  allgemeinen  ©runbfägen  beö  ©ntwurfcö  ocr« 

bleiben,    ^lad)  bicfen  allgemeinen  ©runbfägen  ift  bie  ©inwilligung  beö  ©b^' 

manncö  jur  9lnnabme  einer  bcr  ©befrau  angefallenen  ©rbfd^aft  mä)t  erforberlidb 

(§  1308  'Jlr.  1),  worauö  weiter  folgt,  ba§  bie  ©rbfd^aft  mit  allen  9lftioen  unb 

^affioen  bem  ©f)cgute  jufällt  (§§  1283,  1311,  §  1312  3h:.  1);  bod)  ift  bur^ 

bie  »orfdfiriftcn  beö  ©rbred^tcö  über  baö  Snoentarred^t  (§  2148  5lr.  4)  95or? 

forgc  getroffen,  bafe  bcr  ©l)emann,  unabbängig  x>on  bem  SBillen  ber  ©befrau. 


e^aut  u.  SurBcjaltl^gut.  SorBe^oIt^out.  grtocrb  bur^  arBcit.  §  1289.       173 

bunj^  ©dtcnbrnod^ung  bcö  3nDcntarrcd^tcö  baö  ©fiegut  gegen  eine  Ucbcr:' 
fc^utbung  \M  aBnc^tftfff64t^fi|gn  famt.  .^n^cbürfnife,  in  ^fc^ung  bed  ®r^ 
iDerbeö  ber  @^efrau  burc^  ©rbfolge  oon  ben  attgemcincn  Orunbfäfeen  ab^ 
juweic^en  unb  axid)  in  biefer  ^infid^t  burc^  eine  befonbere  bem  2lbf.  1 
Sa^  1  cntfpred^cnbc  SSorf^rift  SSorforgc  ju  treffen,  fonn  nidit  anerfQnnt 
iDerben.  S)ad  Snoentarred^t  gcn>ä^rt  bem  ©bemanne  auöreid^enben  Sd^ug. 
Xie  Snoagung,  bafe  baburd^  bem  ©bemanne  Saft  unb  Slrbeit  aufgcbürbet  wirb, 
unb  Quc^  ber  ^noentarerbe  immer  ©efa^ren  audgefegt  bleibt,  ift  nid^t  ah 
burc^fc^lagenb  }U  erad^ten.  6d  ift  bie  ^flic^t  beg  ©()emanned,  bei  lufratioen 
Cnoerben  ber  ©^efrau  baö  3ntercffe  ber  legteren  ma^rjune^men  unb  bie  mit 
bem  ©noerbe  oerbunbene  Saft  ber  SBenoaltung  für  biefclbe  ju  übernehmen. 
le^nltc^  ©noogungen  muffen  ba^in  führen,  aud^  in  Slnfetjung  beg  ©rmerbeö 
ber  ©^efrau  burd^  SSermä^tni^,  felbft  wenn  baö  Untere  mit  einer  93erpPid()tung 
be(Qftet  ift,  ed  bei  ben  aUgemeinen  ®runbfä|en  ju  be(affen.  9lud)  infotveit 
ift  ber  ©bemann  burc^  bie  erbrc^tlic^en  38orfd^riften  (§  1881)  gegen  Senad^? 
ti^iligungen  audreic^enb  gefdififet  (oergl.  §§  1283,  1308  3lx.  1,  §§  1311,  1312 
Shr.  1).  ©bcnforoenig  bebarf  eö  in  Slnfel^ung  beöicnigen,  roaö  bie  ©fjefrau  als 
?fli(ftttftcil  erwirbt,  5um  Sd^uge  bcö  ©fjemanned  befonberer  Seftimmungen, 
ba  no4i  ben  SSorfc^riften  bed  ©rbre^tcö  (§  1976)  bad  ^flid^tf)eUöred(|t  lebiglid^ 
Steckte,  nömUc^  ben  2[nfprud&  auf  eine  ©elbleiftung,  begrünbet.  3ft  ciber  bie 
(9dtenbmQc^ung  beö  $f[id^tt^ei(8anfpru^ed  von  ber  9(udfd[}(agung  einer  ^n^ 
iDcnbung  abtjöngig  unb  mac^t  bie  ©^efrau  oon  biefcm  ^}[udfc^(agungdrec^te 
feinen  ©ebrauc^  (§§  1980—1982),  fo  fommen  bie  oorerroä^nten  allgemeinen 
@runbfä|e  über  ben  ©noerb  ber  ©l^efrau  burd^  Grbfolgc  bejro.  SBermä^tnife 
}ur  Xnmenbung. 

§  1289. 

!Der  Orunbgebonfc  bed  Si)ftemed  ber  33enoaItungögemcinfc^aft,   nad^  arwtrb  ber 
mrlcfiem  bie  e^elic^en  Saften  jmar  oon  bem  ©fiemannc  allein  getragen  merben  ^^arbe^ll"^ 
foüen,  i^m  bafür  aber  ber  ©rtrag  beö  beiberfeitigcn  SScrmögenö  unb  ber  »«*"«&  «*««« 
beiberfeitigen  9lrbcit  übenoiefen  wirb,  )ä)tint  auf  ben  crften  Slicf  baf|in  füt)ren  gewtte«. 
|u  muffen,  ben  burc^  bie  Arbeit  unb  ben  gleife  ber  ©^cfrau  gemalten  ©rroerb 
unterfc^iebdloft  bem  ©bemanne  jujuroeifen.     3n  ber  2:^at  ift  bieö  auc^  ber 
Stonbpunft  bed  9tec^ted  bed  Sad^fenfpiegelö.    ^n6)  für  bad  l^eutige  gemeine  munu^ 
beutfc^e  Stecht  wirb,  menigftenö  alö  Siegel,  angenommen,  bafe  bie  ©befrau  9llleö,     ^***- 
vm  fie  in  fofdfjer  9Crt  enoirbt,  bem  ©bemanne  erwirbt;  boc^  mirb  aud^  bie 
3lnfi(^t  oertreten,  ba^  biefer  ®runbfa|f  fid^  auf  ben  fclbftänbigen,  fog.  arti? 
fqiellen,  ©noerb  ber  ©fiefrau  nid^t  bejiel^c.    ®anj  allgemein  ftellt  baö  olbenb. 
Qef.  0.  24.  Slpril  1873  3lrt.  2  ben  ©runbfag  auf,  bafe  baö  roä^renb  ber  ©^e 
burc^  "gleife  unb  Slrbeit  ßrroorbene  ju  bem  33ermögen  beö  ©^cmanneö  ge^re. 
Ittf  bemfelben  »oben  fte^t  and^  baö  lüb.  ®ef.  o.  15.  gebruar  1862  §  2, 
jrbod)  mit  ber  äßobififation,  bog  bas  oon  ber  ©^efrau  in  einem  oon  i^r  felb^ 
ftänbig  ald  ^nbetefrau  betriebenen  @efd^afte  ©rmorbene  ju  il^rem  SBcrmogen 
^red^net  werbe.    3loi)  weiter,  als  bie  angefül^rtcn  3led^te,  fd^eint  baö  preufe. 
S.  2. 91.  II,  1  §  211  JU  ge^en,  inbem  eö  beftimmt,  bafe  bie  ©^efrau,  was  fic 


174       ei&egut  u.  SSorbcJalt^öut.  SSorBcJalteflut.  gnrerb  burd6  9lrbeit.  §  1-289. 

in  ftef)cnber  @t)e  ermirbt,  in  bcr  Siegel  bcm  SWannc  cnoirbt.  Stuß  bcr  am 
Sc^tuffe  jenes  §  211  fid^  finbenbcn  SSerroeif ung  anf  bie  §§219,  220  unb  ouö 
ber  entfte^ungögcfc^idötc  biefer  33eftimmungen  fd^eint  fid^  iebod^  ju  ergeben, 
ba^  bie  9lbfic^t  nur  bal^in  gegangen  ift,  benjcnigen  ßrroerb  ber  ©ftcfrau  bem 
6f)emanne  äiijufpred^en,  meldten  fie  burd^  il)rc  Slrbcit  im  §aufe  unb  im 
®efdöäfte  beö  Seemannes  maä)i,  bafe  bagcgen  bcr  (Srroerb  ber  6^efrau  burd^ 
eine  felbftänbige  erroerbenbe  S^ätigfeit  bcr  ©fiefrau  gehören  unb  in  35ejiet)ung 
barauf  nur  eine  ©infdjränf ung  beö  3lücfforberungdred^teä  infofern  ftattfinbeu  foU^ 
atö  bie  ß^efrau  bei  Sluflöfung  ber  ©öe  oon  jenem  ©rroerbe  nur  baöjcnige  foU 
in  9lnfpruc^  nef)men  fönnen,  was  in  ilapitalien  ober  ©runbftüdEen  auf  ibren 
9Jamen  belegt  ift.  S)iefe  9luffaffung  ift  aud^  in  ber  ^rafiö  bie  bcrrfcbenbc 
geroorben  unb  bei  ber  Sieuifton  beö  preufe.  2t.  S.  5K.  jur  Oeltung  gelangt 
(oergl.  ^enf.  XV,  3Äotiüe  S.  140).  3m  Sffiefentlidien  benfelben  Stanbpunft 
tt}eilt  baö  fäd)f.  ®.  SB.  §  1668,  inbem  baöfelbe  beftimmt,  bafe  baö jenige,  roaö 
bie  (Sf)efrau  burd^  Sienfte  erroirbt,  roetd^c  roeber  auf  baß  §außroefen  nodi  auf 
baß  ©eioerbe  beö  ©bemanneö  93ejug  l^aben,  ifjr  ßigentbum  roerbe,  ba^  ftc 
aber  nicbt  jurüdff orbern  fönne,  roaß  fie  oon  biefem  ©rroerbc  bcm  Gij^xnannt 
jur  SSerroenbung  in  ber  SBirtf)fd^aft  überlaffen  b^^^e  ober  felbft  in  biefelbe 
Dcrroenbe. 
etanbpunft  S)er  ©ntmurf  bctt  fi^,  foDiel  junädift  bie  Hauptfrage  betrifft,  inroicroctt 

entwürfe«.  ^^^  ®^cmanne  materiell  ein  9lecbt  auf  ben  oon  ber  ©fiefrau  burd&  ibre  Strbcit 
unb  ibren  glei^  gemad^ten  Grroerb  juftel;en  foU,  prinjipiell  bem  preufe.  JRed^te, 
roic  baöfclbe  oon  bcr  Orariß  aufgefaßt  roirb,  unb  bem  fäc^f.  ®.  83.  angefd^Ioffen. 
2)ic  ©bcfrau  ift  üerpflid^tet,  bem  ^außmefen  oorjufteben  unb  bäuölid^e  3trbeitcn 
xinb  Hülfe  im  (Sefd^äfte  beö  G^cmanneß  inforoeit  5u  Iciften,  alß  fol^c  93cr^ 
rid)tungen  nad)  bcm  Staube  beö  (S^emanncß  für  bie  6l)efrau  üblid)  fxnb 
(§  1275).  SBaß  burd^  bicfe  2:f)ätigfeit  erworben  wirb,  fällt  bem  ©bemanne  in 
bcrfelben  9lrt  unb  nad^  benfelben  ©runbfäfeen  5u,  roie  i^m  ba^  uon  anbcren 
in  feinem  H^ufc  ober  ©cfd^äfte  uerroenbeten  (Sc^ülfen  ©rroorbenc  jufällt.  3"^ 
Seit  beß  ©adjfenfpicgelß  bcfdi)ränftc  bie  S^b^tiglcit  ber  ©b^frau  fid)  mo^l  faft 
außnaf)mßloß  auf  SIrbeit  unb  ©rroerb  ber  bejeid^netcn  9lrt.  gür  bie  bamaligcn 
SBcrl^ältniffe  mar  baber  bcr  Sa|,  bafe  ber  ©rtrag  bcr  9lrbeit  roie  bcß  SSer^ 
mogenß  ber  Gl)efrau  bem  ©bemanne  sufalle,  burd^auß  gered|tfcrtigt.  5Äud& 
gegenmärtig  bilbct  bie  SBcfd^ränfung  ber  S^bätigfeit  ber  ©befrau  auf  9lrbcit  ber 
bcjcid&netcn  Strt  in  ben  mobl^abenben  ©täuben  nod&  bie  Siegel;  bod&  fommt 
aud^  bei  biefen  bcr  Setrieb  eineö  felbftänbigen  ©rroerböjroeigeß  oon  ©eitcn  bcr 
©befrau  in  mannigfad^  Dcrfd^icbcncn  formen,  alß  H^ubelßfrau,  Scbrerin, 
9lngcftellte  im  ^oft^  3;elcgrapl)en:=  ober  ^ßrioatbienfte,  alß  ©d^aufpielerin, 
©ängerin  u.  f.  ro.,  biörocilen  cor.  Sei  ben  fog.  arbeitenben  Älafjen  ift  aber 
eine  felbftänbig  erroerbenbc  2^bÄtigfcit  ber  ©^efrau  fet)r  l^äufig  unb  nid^t  feiten 
für  bie  ©rbaltung  ber  gamilie  unentbel^rlidf).  gür  SBcrbältniffc  biefer  Slrt 
füf)rt  ber  Orunbfaß,  ba^  ber  ©rtrag  ber  9lrbeit  bcr  ©^efrau  unterfd^iebölofi 
bem  ©l^cmannc  jufällt,  ju  ungered^ter  ober  bod&  unbilliger  Scnad^tbciligung 
bcr  ©^efrau.  S)ic  Unbilligfcit  liegt  nid^t  fomol^l  barin,  bafe  baö  oon  ber  6^e* 
frau  in  ber  fraglid^en  9trt  ©rroorbene  jur  Seftreitung  ber  ebclid^cn  Saften  üer* 
lücnbct  mirb  —  benn  regelmäßig  roirb  bie  ©^cfrau  nur  bcßbalb  einen  felb* 


j 


ejcgut  u.  aSörBcßaltögut.  SorBel&altgßut.  Qtmvh  bur*  3lrBeit.  §  1289.       175 

ftönbigcn  ©nocrböäiocig  betreiben,  um  ben  ®rtrag  bcöfelben  für  bic  c{|c[id^en 
Saflcn  ju  oerroenben,  -unb  biefc  SBcrroenbung  bal)er  anä)  ot)ne  befonbere  red^t« 
Ii(^c  SBerpflid^tung  eintreten  laRen  — ,  alß  üielmefir  barin,  bafe,  obroof)!  bie 
G^efrou  ilber  i^rc  rcd^tlid^e  SSerpfli^tung  ^inauö  arbeitet  unb  fe(bftänbig 
fnoirbt,  boä)  nid)t  i^r  SBiDe,  fonbern  ber  beö  ©b^nianncö  über  bie  SBcrroenbung 
bc6  ©rroorbenen  entf^eiben  foH.  S)icfer  ©cft^töpunft  mufe  aber  fonfequent 
weiter  ba^in  fuhren,  ben  @rtrag  jeber  felbftänbig  erroerbenben  2;i)ätigfeit  ber 
€f|cfrau  über  baö  fäd^f.  unb  baß  preug.  JRed^t  ^inauö,  nad)  roeld^en  jener 
Grlrog  —  abgefefien  oon  ber  im  preu&.  21.  S.  91.  II,  1  §  220  entf)a(tcnen 
Sfndnaf^me  —  bcm  ©^egute  jufällt  unb  ba^er  ber  ^ßußniefeung  unb  5Bcrroa[tung 
bcfi  G^emanncö  unterliegt,  für  SSorbe^altögut  ju  erflären,  weil  nur  auf  biefcm 
fficgc  ber  G^efrau  bie  aWögtid^feit  eröffnet  roirb,  über  bie  Sßerroenbung  jeneß 
Cnoerbeß  na^  if)rem  freien,  üon  ber  SWitmirtung  beö  (S^emanneö  unabl)ängigen 
ßrmeffen  ju  entfd^eiben.  Um  fo  meftr  entfpri^t  eß  ber  SiUigfeit,  ber  (5f)efrau 
in  Änfc^ung  beß  (Srioerbeß  burd^  ifire  2lrbeit  eine  felbftänbigere  Stellung  5u 
geben,  olß  biefefbc  burd^  bie  neuere  ©efeggcbung  in  Slnfe^ung  ber  Sid^er- 
ftcüung  i^reß  SBermögenß  ungünftiger  gefteUt  roorben  ift.  ®egen  ben  ©tanb^ 
punft  bcß  foc^f.  unb  preufe.  9?ed^teß,  meldte  ben  ^ier  froglid^en  ©rroerb  ber 
^lufniefeunfl  unb  aSenüoItung  beß  (gl^emanneß  unterwerfen,  fprid)t  jubem  bie 
€noagung,  ba§  ber  ^ier  fraglid&e  ©rroerb  feiner  SWatur  nad)  laufenbcß  ®in^ 
tommen  ift,  roeld^eß  a(ß  fol^eß  bie  Seftimmung  I)at,  ju  ben  laufenben  Sluß^ 
geben  perroenbet,  nid^t  aber,  mie  bieß  beim  ©Ijegute  ber  ^aH  ift,  alß  Äapital 
üufgefpart  ju  toerben.  @ß  ift  jroar  nid^t  ju  oerfenneu,  bafe  burd^  bic  93e^ 
tanbhmg  beß  ^ier  fraglid^en  Grroerbeß  ber  6f)efrau  a(ß  Sßorbelialtßgut  gegenüber 
bem  geltcnben  Weckte  baß  SBorbe^attßgut  eine  erl^eblid^e  9Iußbel^nung  erfährt 
unb  ba|  Quß  biefer  Slußbc^nung  beö  Sßorbeljaltöguteß  wegen  ber  mit  bem  S3c* 
ftt^en  oon  SBorbe^altßgut  immer  oerbunbenen  Sd^roierigf  eiten  unb  SBerroidfelungen 
Scbenfen  gegen  bic  Siegelung  beß  (Sntmurfcß  fiergcfcitet  werben  fönnen.  ^n^ 
bqlcn  fann  ouf  biefe  Sebenfen  gegenüber  ben  für  bie  33eftimmung  beß  §  1289 
fprcc^enben  ©rünbcn  entfd^eibenbcß  ®m\ä)t  nid^t  gelegt  roerbcn,  jumal  baß 
beutf^ie  SRed^t  ber  ©b^^frau  inforoeit,  alß  bicfelbe  ein  faufmännifd^eß  ober 
fonftigeß  ©emerbe  betreibt,  oon  jel)er  baß  SWcd&t  freier  93erfügung  über  il^r 
Vermögen,  wie  ibr  ein  fold^eß  in  2lnfef)ung  beß  Sßorbebaltßgutcß  juftel^t,  ein* 
gerduml  Ijat,  oon  biefem  ©eficfttßpunfte  auß  betrad)tet  bie  Siegelung  beß  @nt* 
rourfeß  ftc^  mitl)in  nur  atß  eine  gortentmidfelung  bcß  bcm  geltcnben  JRcd&te 
JU  (Sninbe  liegenbcn  ©ebanfenß  barftellt.  (Segen  bie  Siegelung  beß  (Sntmurfeß 
fonn  audf  ni^t  mit  ®runb  ber  ©inmanb  erl^oben  roerben,  ba§  babur^  bem 
C^emanne,  welcher  allein  bie  el)clid)en  Saften  5u  tragen  böbe,  ju  naije  getreten 
werbe;  bcnn  ba  bie  ©b^^frau  o^ne  bie  Ginwilligung  bcß  6f)emanncß  fid&  ju 
petfönlic^en  Sienftleiftungen  wirffam  nid^t  ocrpflid)ten  fann  (§  1277)  unb  ein 
Grwerbßgef^äft  nid^t  betreiben  barf,  wenn  ber  ^Betrieb  eineß  fold&en  mit 
ben  ibr  auf  ®nmb  ber  cl^eli^en  ©emeinfd^aft  gegenüber  bem  ©bemanne 
oMiegenbcn  ^flid^ten  nid^t  ocreinbar  ift  (oergl.  §  1273,  üJfotioc  ju  §  1275 
oben  S.  108),  fo  f)at  ber  ©fjemann  cß  in  ber  Siegel  in  ber  ,§anb,  ben 
eigenen  ©rwerb  ber  ©befrau  burcb  ibre  3lrbeit  ju  ocrbinbcrn  bcjw.  feine 
Ginwilligung  baoon   abljöngig   ju  mad)en,   bafe   ber  ©rwerb   ber  Gbefrau 


174       e^eöut  u.  SSorkfialtööut.  SSorlJcßaltßöut.  ertrerb  biird&  Arbeit.  §1289. 

in  ftcl^ciibcr  Gi)t  erwirbt,  in  ber  Sieget  bem  SKannc  erroirbt.  3luö  bcr  am 
Sd)(uffc  jencö  §  211  fi^  finbenbcn  SScrroeifung  auf  bie  §§  219,  220  unb  auö 
bcr  ®ntftef|ungögef^id)tc  biefer  Seftimmungcn  f^eint  ftd^  jcbod^  ju  ergeben, 
bafe  bie  Slbfidjt  nur  botjin  gegangen  ift,  bcnjenigen  ©rroerb  ber  ®öcfrau  bcm 
(S^emannc  jujufpred^cn,  welchen  fie  burd^  i^re  9lrbcit  im  J^aufe  unb  im 
Oefd^äfte  beö  ®^emanneö  mad^t,  ba§  bagegen  bcr  ©rroerb  ber  G^efrau  burd^ 
eine  fclbftänbige  erroerbenbe  2^f)ätigfeit  bcr  ®^efrau  gehören  unb  in  93e}icl|ung 
barauf  nur  eine  ©infd^ränfung  bc§  Stücfforberungöred^teö  infofern  ftottfinben  f oU, 
als  bie  6I)efrau  bei  9Iuflöfung  ber  ®öe  oon  jenem  ©rroerbe  nur  basjenige  fott 
in  9lnfprud)  nehmen  fönnen,  xoa§>  in  iiapitalien  ober  (Srunbftüdfen  auf  i^rcn 
Slamcn  belegt  ift.  3)icfe  Sluffaffung  ift  auö)  in  ber  ^rajiö  bie  ^errfc^cnbe 
geioorben  unb  bei  ber  SHeoifion  beö  preufe.  9r.  2.  9i.  jur  (Settung  gelangt 
(oergr.  ^cnf.  XV,  Motm  S.  140).  3m  SBcfcntlid^cn  benfelben  Stanbpunft 
t^eilt  baö  fäd)f.  03.  33.  §  1668,  inbem  baöfefbe  beftimmt,  bog  baöienigc,  roaö 
bie  ßf)cfrau  burd^  ©ienfte  erroirbt,  roel^e  roeber  auf  baö  ^auöroefen  nod^  auf 
baö  ©eroerbe  beö  G^emanncö  Sejug  f)aben,  i^r  ©igent^um  roerbe,  bo§  ftc 
aber  nid^t  jurüdEf orbern  fönne,  loaö  fie  oon  biefem  ©rroerbc  bcm  6f)emannc 
jur  SJerroenbung  in  ber  SBirt^fd^aft  überlaffen  [)abe  ober  felbft  in  biefelbc 
Dcrroenbe. 
etanbpunft  2)er  ©ntrourf  ^at  fic^,  fooiel  junäd^ft  bie  Hauptfrage  betrifft,  iumicrocit 

entwürfe«.  ^^^  ©ticmannc  materiell  ein  SRed^t  auf  ben  üon  ber  ©liefrau  burd&  iljre  9lrbett 
unb  il;ren  gleife  gemalten  ©rroerb  jufte^en  foU,  prinjipicll  bem  preufe.  Siedete, 
roie  baöfclbe  oon  bcr  ^rariö  aufgefaßt  wirb,  unb  bem  fäd&f.  ®.  93.  angefd[)loffen. 
Sic  ß^efrau  ift  oerpflid^tet,  bcm  ^auöroefen  üorjufte^en  imb  löftuölid^c  2(rbeitcn 
unb  ^iilfc  im  (Sefdjäftc  beö  ©licmanneö  inforoeit  ju  leiftcn,  atö  fold^e  SScr* 
rid^tungen  nad&  bcm  Staube  beö  ©^cmanneö  für  bie  ©^efrau  flblid)  ftnb 
(§  1275).  SBaö  burdö  bicfe  a:l)ätigfeit  enoorben  wirb,  fällt  bem  ©fiemannc  in 
bcrfclben  9lrt  unb  na^  benfelben  ®runbfä|en  ju,  wie  i^m  baß  t)on  anbcrcn 
in  feinem  ^aufc  ober  ©efd&äftc  ocriocnbetcn  ©e^ülfcn  ©rroorbene  jufaClt.  3^^ 
3cit  beö  ©adjfcnfpicgetö  befci)ränfte  bie  S^^ätigfeit  bcr  ©^efrau  ftd)  roo^l  faft 
auönatimöloö  auf  Slrbeit  unb  ©rroerb  ber  bcjcid^netcn  9lrt.  gür  bie  bamaligcn 
aSeri)ältniffe  mar  ba^cr  ber  Sag,  bafe  ber  ©rtrag  ber  3lrbeit  mie  beö  SScr- 
mögenö  bcr  ©t)efrau  bem  ©bemanne  jufaUe,  burd&auö  gerecl)tfertigt.  Su^ 
gegenmärtig  bilbct  bie  93efcl)ränfung  ber  il)ätigfeit  ber  ©^cfrau  auf  arbeit  bcr 
beseid&neten  2lrt  in  ben  mo^tl^abenben  Stäuben  nod^  bie  SRcgel;  bo^  lommt 
aud)  bei  biefen  ber  SBetrieb  eineö  felbftänbigen  ©rrocrböjmeigeö  oon  Seiten  ber 
©defrau  in  mannigfa^  oerfd^iebenen  formen,  alö  ^anbelöfrau,  Scl^rcrin, 
9lngcftclltc  im  ^ßoft-,  2^elegrapl^ens  ober  ^rioatbienfte,  alö  Sc^aufpielerin, 
Sängerin  u.  f.  ro.,  biöiocilen  oor.  93ei  ben  fog.  arbeitenbcn  Älajfen  ift  aber 
eine  fclbftänbig  cnocrbcnbc  S^^ätigfeit  bcr  ©fjefrau  fel)r  l^äufig  unb  nic^t  feiten 
für  bie  ©r^altung  bcr  ^amilic  unentbefirli^.  gür  Sßer^ältniffe  bicfcr  Slrt 
fül)rt  ber  ©runbfag,  bafe  ber  ©rtrag  ber  3lrbeit  bcr  Gficfrau  untcrfd^icböloft 
bcm  ©Ijcmanne  jufällt,  ju  ungered^ter  ober  bod^  unbilliger  S3enad^t^eiligung 
bcr  ©^cfrau.  2)ie  Unbilligfeit  liegt  nicl)t  foroo^l  barin,  baß  baö  oon  ber  ©^c* 
frau  in  bcr  fraglid&en  9lrt  ©rioorbcnc  jur  SBcftrcitung  ber  efjelid^en  Saften  oer* 
locnbet  loirb  —  bcnn  regelmäßig  mirb  bie  ©Ijefrau  nur  bcöl)alb  einen  fclb^ 


g^egut  u.  SSöiBcHtößut.  S8otBe5aIt§0ut.  ertwctB  bur*  SlrBcit.  §1289.       175 

flönbigen  ©riücrböäiocig  betreiben,  um  ben  ©rtrag  beöfelben  für  bie  c{|clid^en 
Saften  ju  oenoenbcn,  itnb  biefc  SSerroenbung  bolier  anä)  ofine  befonbere  rcd^t* 
lic^c  3}erpflid^tung  eintreten  lajfen  — ,  olö  t)ielmef)r  barin,  bafe,  obrool^I  bie 
C^efrou  iibcr  i^re  red^tlid^e  88erpflid)tung  fiinouö  arbeitet  unb  felbftänbig 
erwirbt,  bod^  nid^t  if)r  äBiUe,  fonbern  ber  beö  ®ftemannes  über  bie  SSerroenbung 
bc§  ßrroorbcnen  entfd^eiben  foD.  S)iefer  ©efid^töpunft  mufe  aber  fonfequent 
iDeiter  bal)in  fül^ren,  ben  ©rtrag  jeber  felbftönbig  erroerbenben  2;f)ätigfeit  ber 
6(icfrau  über  baö  fäd^f.  unb  baft  preu§.  Siedet  ^inauß,  nad)  roel^en  jener 
Grtrag  —  abgefefien  oon  ber  im  preu§.  31.  S.  SW.  II,  1  §  220  entbaltenen 
3fiiönaf|mc  —  bcm  Gtiegute  5ufällt  unb  baf)er  ber  Slufenicfeung  unb  SBcrroaltung 
bcfl  (Seemannes  unterliegt,  für  93orbe^altögut  ju  erflären,  weil  nur  auf  biefcm 
SBege  ber  ©bcfrau  bie  aWBglid&feit  eröffnet  roirb,  über  bie  33enüenbung  jeneö 
ßnoerbes  na^  ibrem  freien,  üon  ber  SDUtwirtung  beö  (S^emanneö  unabbängigen 
Crme^fen  ju  cntfd^eiben.  Um  fo  mebr  entfprid^t  eö  ber  SiUigfeit,  ber  ©Ijefrau 
in  SSnfe^ung  beö  Grroerbcö  burd^  i^rc  9Irbeit  eine  felbftönbigere  Stellung  ju 
geben,  ote  biefefbc  burd^  bie  neuere  ©efe^gebung  in  Slnfebung  ber  ©i^er^ 
fteüung  ibrcö  SSermogenö  ungünftiger  gefteUt  roorben  ift.  ®egen  ben  ©tanb^ 
punft  beö  fäc^f.  unb  preu§.  Sled^teö,  meldte  ben  l)ier  froglid^en  ©rroerb  ber 
Slutnie^ung  unb  93enoaItung  beö  Gfiemanneö  unterwerfen,  fprid^t  jubem  bie 
Snoögung,  ba§  ber  ^ier  fraglid^e  ßrroerb  feiner  3Jatur  nad^  laufenbcö  (Sin* 
tommen  ift,  mefd^eö  olö  fofdE)eö  bie  Seftimmung  l^at,  ju  ben  laufenben  9Iuö^ 
gaben  Benoenbet,  nid^t  aber,  mic  bieö  beim  ©Ijegute  ber  ^aH  ift,  alö  Kapital 
üufgefpart  ju  werben.  @ö  ift  jroar  nid)t  ju  oerfennen,  bafe  burd^  bie  93e* 
bonblung  beö  ^icr  fraglid^en  Crroerbeö  ber  ©b^f^^ö"  ö(ö  aSorbebaltögut  gegenüber 
bem  geltenben  Siedete  baö  SBorbe^altögut  eine  erl^eblid^e  2luöbe^nung  erfäl^rt 
unb  ba%  auö  biefer  Sluöbc^nung  beö  SSorbel^altöguteö  wegen  ber  mit  bem  S3e* 
ftc^en  oon  SBorbe^altögut  immer  oerbunbenen  Sd^mierigfeiten  unbSBermidfelungen 
Sebenfcn  gegen  bie  Siegelung  beö  ©ntwurfeö  hergeleitet  werben  fönnen.  3n^ 
befjen  fann  auf  biefe  Sebenfen  gegenüber  ben  für  bie  33eftimmung  beö  §  1289 
fprcd^enben  ©rünben  entfd&eibenbeö  ®ewid^t  nid&t  gelegt  werben,  jumal  baö 
beutf^ic  gied^t  ber  ©befrau  infoweit,  alö  biefelbe  ein  faufmännifd&eö  ober 
fonftigeö  (Sewerbc  betreibt,  oon  jcljer  baö  Siecht  freier  35erfügung  über  i^r 
SJermögen,  wie  i^r  ein  fold^eö  in  2lnfef)ung  beö  SBorbe^altöguteö  5uftel)t,  ein- 
geräumt  bot,  oon  bicfem  ©eftcbtöpunfte  auö  betrad)tet  bie  Siegelung  beö  ©nt* 
iDurfeö  ftd^  mithin  nur  atö  eine  gortentwidfelung  beö  bem  geltenben  Siedete 
}u  (Srunbc  liegcnben  ©cbontenö  borftellt.  (Segen  bie  Siegelung  beö  (Sntwurfeö 
fttnn  andf  nid)t  mit  ®runb  ber  6inwanb  erl)oben  werben,  ba§  baburd^  bem 
C^emonnc,  welker  allein  bie  el^clid^en  Saften  ju  tragen  bctbe,  ju  na^e  getreten 
werbe;  bcnn  bo  bie  6b<^frau  oI)ne  bie  ©inwilligung  beö  ©bemanneö  ftd^  ju 
Verfönlid)cn  2)ienftleiftungen  wirffam  nid&t  ocrpflid)ten  fann  (§  1277)  unb  ein 
Grroerbögefc^äft  nid&t  betreiben  barf,  wenn  ber  Setrieb  cineö  fold^en  mit 
ben  ibr  auf  ®runb  ber  e^eli^en  Oemeinfd^oft  gegenüber  bem  ©bemanne 
obliegenben  ?ßflid^ten  nid^t  oereinbar  ift  (oergl.  §  1273,  SJlotioc  ju  §  1275 
oben  S.  108),  fo  i)at  ber  ©fiemann  eö  in  ber  Siegel  in  ber  .^anb,  ben 
eigenen  Grroerb  ber  ©befrou  burcb  ii)vc  9lrbeit  ju  oer^inbern  bejw.  feine 
Ginroilligung  baoon   abbSngig   ju  mad)en,    bafe   ber  ©rwerb   ber  (S^efrau 


176       Sl&cöut  u.  aSorbel&altSflut.  SSorbcl^altSöut.  (SnucrB  burd6  SlrBdt  §1289. 

bjdvä^  if^xc  3Erbcit  qani  ober  jum  S^^etl  il^m  aber  bem  S^eguie  jufaUe. 
3ubcm  toidx  hei  normalen  93er^&Untf[en  t^atfad^id^^  im  £eben  bie  @^efrau 
o^nel^in  ben  ©rroerb  bcr  ^ier  fragtid^cn  Slrt  regelmäfeiß  entwcber  felbft  in  bic 
^öudltd^e  SBirt^fc^aft  oermenben  ober  )u  biefem  S^tdt  bem  @^emanne  über^ 
(äffen.  2)Qg  in  bem  einen  mie  in  bem  anberen  %aUt  ein  Srfaganfpru^  ber 
@^efrQu  gegenüber  bem  S^emanne  audgefd)(o{fen  ift^  f)ai  allerbingd  ber  @nt« 
murf  aud  ben  in  ben  3ßotioen  )u  §  1340  entn)id(e[ten  ©rünben  nid^t^  mie 
bieg  im  fäd^f.  ®.  93.  §  1668  gef^c^en  (üergt.  au^  olbenb.  ®ef.  t>.  24. 2Cpril 
1873  Slrt.  33  §  1;  preufe.  31.  fi.  91.  II,  1  §§  218—220),  auöbrüdlid^  beftimmt; 
inbeffen  werben  bic  allgemeinen  ©runbfäfee  regelmäßig  ju  bemfelben  Sie^ 
fultate  führen. 

2)er  §  1289  unterfd&eibet  ni^t,  je  nod&bem  bie  ©^efrau  gcmerbamäfeig 
ein  befonbereö  ©ef^öft  betreibt  ober  nur  in  einjelnen  gälten  il^re  2lrbeit  }U 
felbftänbigem  (griücrbc  ücrroenbet.  6ine  [old^e  Unter[d^eibung  mürbe,  ba  cfi 
ftd^  in  bem  einen  wie  in  bem  onbcrcn  ^aUt  um  einen  ©rmerb  ber  S^efrau 
burd^  falc^e  älrbcit  -^anbcU,  ju  n)el4ier  bie  ^^efrau  gegenüber  bem  @^emanne 
red^tlid^  nid&t  ucrpflid&tct  mar,  priniipieB  nid^t  gered^tfertigt,  aufeerbem  praftifd^f 
unjmechnQgig  fein,  ha  fid^  ^äuftg  faum  unterfd^eiben  (offen  mirb,  ob  ed  ftd^ 
nur  um  einjetne  arbeiten  ober  um  ben  93etrieb  eined  felbftänbigen  @rmerbd^ 
gefd|)äfted  ^anbeiL  SlQerbingd  mac^t  bie  Siegelung  beö  Sntmurfed  bei  bem 
©rmerbe  ber  S^efrau  burd&  eine  nid^t  gemerbömäfeige  2^^ötigfeit  bic  anbere  Untere 
fd^eibung  not^mcnbig,  ob  ber  ©rroerb  unter  bie  Seftimmung  beß  §  1275  9lbf.  2 
föBt  ober  nid&t;  inbeffen  fmb  bie  mit  bicfer  Unterfd^eibung  üerbunbenen  prafc 
tifd&en  ©dömierigfciten  geringer  anjufd)(agcn,  mie  bieienigen,  roc{d&e  bie  erft^ 
gebadete  Unterfd^eibung  mit  ftd^  bringen  mürbe, 
«eberioffuiifl  Säcfoubcrc  Scftimmungen  für  ben  gaB,  menn  bcr  ©bemann  S^egutö^ 

aThVt^l  gegenftänbe  jum  Sroecfe  bcfi  fe(bftänbigcn  Setriebeö  eineö  ermerbögcfc^äftcÄ 
trau  gum  bcr  ©^cfrau  für  eigene  SHcd^nung  übertäßt,  o^ne  ba%  bie  SSorauöfefeungen  bcft 
tiSS!?'  §  1286  üortiegen,  l)at  bcr  ©ntmurf  niddt  aufgenommen.  3nöbefonbcre  fanit 
ein  Sebürfnife,  —  in  Slbrocid^ung  oon  bem  geltcnbcn  Siedete  unb  oon  bem  ^rinttpe 
bcd  §  1286,  nac^  meld^em  o^nc  bic  fd^ügenben  formen  bed  @^et)ertragci^ 
(§  1335)  &^cgut  burd^  bie  ©Regatten  nic^t  in  SBorbe^altdgut  foB  oer^ 
monbett  locrbcn  fönncn  —  mit  einer  berartigen  Ueber(af|ung  ald  fold&en  bie 
gBir!ung  ju  ocrbinbcn,  ba§  bie  übcrlaffenen  e^egutögegenftänbc  33orbe^altögut 
merben,  nic^t  oncrfonnt  merben.  Ucberlägt  ber  Seemann  bcr  @^efrau  @^e^ 
gutögegenftänbc  in  bcr  bejcic^nctcn  3lrt,  fo  liegt  barin  bic  ©inmiBigung  beil 
®()emanncd,  bafe  bic  ®^efrau  über  bic  i^r  übcrlaffenen  Oegcnftänbc  jum 
3mc(fe  beö  geftatteten  ©efc^äftßbctricbcfi  oerfügen  fönne  (t)ergl.  §§  1300,  1307). 
®urd^  bic  5Bcrfügung  über  bic  bctreffenben  ©cgcnftänbc  fd^eiben  bic  (egtercn 
aud  bem  S^egutc  auö  (§  1293);  bcr  @rtöd  aud  ben  Umfaggefd^äften  fällt 
aber  nod^  §  1289  ni^t  in  ba^  S^egut,  fonbern  mirb  SBorbcl^altögut.  S)aburc^,. 
bafe  bic  bcr  ®^cfrau  jum  ^roedc  beö  Sctricbeö  eines  ©rrocrbögcfd^äftc«  über* 
(affencn  ©egcnftänbc  ©l)egut  b(cibcn,  biß  bic  ©Ijcfrau  barüber  oerfügt  l^at, 
mirb  bcr  Setrieb  beß  ©rrocrbagcfc^äftcß  nic^t  gel^inbcrt.  ^toax  fonn  ber  ®^e* 
mann  froft  bcr  i^m  in  Slnfc^ung  bcr  überioffenen  ©cgcnftänbc  T}crb(cibcnbcn 
cl)clid&cn  9lu6nicfeung  unb  33crn)a(tung  eingreifen  unb  babur^  bic  S)ißpofitioncn 


g^rgut  unb  »crbclfeamflut.    aSorbcWt^flut.    ©uricöotion     §  1290.       177 

ber  (^cfrQu  inforocit  auöf fließen;  allein  göllc  bcr  9li*t  locrbcu,  fo  lange  ber 
ß^mann  mit  bcm  betriebe  beö  ©rroerbögef^äftcö  überfiaupt  einoerftanben  ift, 
nic^t  leicht  TJortommen.  (Segen  eine  folc^c  SRegcIung,  nad^  weiter  bic  über- 
lajienen  ß^egutegcgenftänbe  33orbe^aftögut  würben,  fprid^t  ferner,  bafe  eä  an 
einem  genügcnben  ©runbc  fe^[t,  bie  ber  fö^efrau  überlajjenen  Oegenftönbc 
baucmb,  ou^  für  bie  S^t  nad^  9luf^ören  beö  ©rmerbögcf^äftcö,  bem  ß^egutc 
}u  entjie^cn.  Db  unb  inroieroeit  bic  (g^efrau  nad^  bem  Sluftioren  beö  ©rmerbä- 
gqd^fted  gegenüber  bem  ©bemanne  T)crpflid^tet  ift,  an  ©teile  ber  nid^t  mef)r 
oor^nbenen  @^egutdgegenftönbe  einen  entfprec^enben  S^Ejeil  itjred  Siorbe^alts^ 
gut«  in  6^egut  umjuroanbeln,  bejio.  ben  fö^emann  wegen  ber  il^m  in  Sin- 
fe^ung  bcr  überladenen  ©l^cgutdgegenftänbc  entge^enben  Jlußung  ju  cntf^äbigen, 
iäftt  )\^  allgemein  nid^t  beftimmen,  fonbern  fann  nur  im  aBcge  ber  Slußlegung 
unter  33erürffidf)tigung  ber  Umftänbc  beö  cinjelnen  galleö  entfdbieben  roerbcn. 
Ic^nlid&c  j^agcn  fonnen  auc^  bei  bem  gcmoi^nUdöcn  9Jie§braud^e  fxä)  ert;eben, 
iDcnn  ber  ^Jiefebraud^er  bem  ©igcnt^ümer  einen  S^^cil  ber  bem  Jüe^braud^c 
unteriiegenben  (Scgenftänbe  jum  3^^*^  beö  33etriebeä  eines  ©rmerbägefd^äfteö 
überlajfen  ^at.  I)iefelben  Orünbe,  roeld&e  ben  ©ntrourf  beftimmt  ^aben,  t)on 
ber  bcfottberen  Siegelung  beö  rcd&tögefd^äftli^en  3lie6braud^cö  an  einem  ermerbö- 
gefd^fte  abjufe^en,  fpred^en  im  SBefentli^eu  au^  bagegen,  baß  l^ier  in  SRebe 
fte^enbe  Serl^iältnig  burd^  älufftcDung  bidpofttiper  Tted^tönormen  befonberö 
ju  regeln, 

§  1290. 

Sud  bem  S^tdz  beö  SBorbc^altöguteö  crgiebt  ficö,  ba§  3llleö,  maö  bic  «orbc^ou«- 
6§efrau  auf  @runb  unb  in  golge  ber  il^r  jufte^enben  Siu^ung  unb  SBer^^  eurrSJation. 
iwitung  beöfclben  enoirbt,  SBorbe^altögut  werben  mufe  (ücrgl.  preufe.  Sl.  2.  SR. 
11, 1  §§  217,  218;  ©efefircü.  ^enf.  XV  §§  164—166  nebft  3»otiüen  S.  149;  fäd^f. 
6.  S.  §  1693 ;  olbcnb.  ®ef.  v.  24.  äpril  1873  Slrt.  17  §  2  lit.  a).  Unter  ben  ^eroor^ 
gehobenen  ©efid^töpunft  fäUt  gunöd^ft  aQer  ©rmerb,  meld^er  ber  (S^efrau  auf 
®runb  eines  ju  bem  SSorbel^altögutc  ge^örenben  SRed^teö,  fei  eö  unmittelbar 
früft  ®efe|eö  ober  burc^  Sßermittelung  eineö  ben  Snfialt  beö  SRed^teö  oer^ 
wirRi(^nben  Sle^tögef^äfteö,  jufäHt,  femer  baöicnige,  roaö  fie  als  ©rfa§  für 
bie  3<^t5rung,  99efd^äbigung  ober  ©ntiicl^ung  eines  jum  SSorbe^altsgute  gc- 
^orenben  ©egenftanbcS  enoirbt.  2)a  bie  grage,  inroieroeit  in  ben  beibcn 
^orge^obenen  Slid^tungen  bas  ©urrogationöprinjip  reid^t,  oorjugömeifc  auf 
bem  ©ebiete  ber  partitulären  (Sütergcmeinf^aft,  bei  melier  in  3lnfel^ung  beö 
Sonbergutcß  im  SDSefentlidden  biefctbe  grage  ju  entfd^eiben  ift,  ©egenftanb  ber 
ßrörterung  unb  beö  Streites  geworben  ift,  fo  wirb  in  biefer  S3eäie^ung  auf 
bie  OTotioe  ju  §  1414  oerwicfen.  ©ine  britte  §auptflaffe,  weldE)c  unter  ben 
im  gingange  l^eroorge^obenen  ©efi^töpuntt  fällt,  bilbet  ber  Grwerb  burd^ 
[oU^c  Slec^tögef^fifte,  weld^e  auf  33orbef>altögut  fid^  bejie^en.  I)aö  SSorbc^altö^ 
gut  fte^t  ^ier  ni(^t  re^tlic^,  fonbern  nur  wirt^fd^aftlid^  mit  bem  ©rwerbe  im 
Sufammen^angc.  3)iefer  ^ufammcn^ang  brandet  au^  nic^t  barin  ju  beftel^en, 
ba|  ber  erwerb,  wie  bics  bei  Umfafegefd^öften  bcr  S^tt  ift,  fi^  wirtfif^aftlic^ 
I        ttto  bun^  bas  SBorbe^altsgut  gemacht  barftellt,  fonbern  es  genügt  fdjon,  wenn 

i  fittioe  I.  UigcrL  ecfc«bii4  IV.  12 


178       ei&cöut  imb  aSorbcHtßflut.    SSorkbaltcöut.    ©urroßation.    §1290. 

baß  SRcd^tögcfd^äft  fubicftb  mit  SBcjic^ung  ouf  boö  Sßorbc^atogut  gcfd)Ioffcu 
ift  unb  obicftb  mit  bcmfclbcn  in  Swftt^^cti^ang  gebraut  roerben  fann,  j.  S. 
TOcnn  Snüentaricnftüdc  für  ein  jum  SSorbcl^altßgutc  gel^rcnbcö  ©runbftürf 
ongcfd^afft  werben  ober  ein  S)icnftoertrag  über  Slrbeiten  gcfd^Ioffcn  wirb,  mcläfc 
obieftio  auf  ©egenftänbc  beö  SBorbel^altdgutes  ftd^  bejie^en.  j)a6  ber  ©rrocrb 
auß  S^ec^tögefd^äften  ber  bejcic^nctcn  Slrt  bem  SSorbe^aCtögutc  jufallen  foU, 
rechtfertigt  f\ä)  baburtfi,  ba§  bie  orbnungömäfeige  SScrroaltung  unb  ©r^altung 
eines  SSermögenö  ol^ne  fold^c  Ste^tögefd^öftc  auf  bie  S)aucr  unmögCid^  ift.  S)cr 
®^efrau  foH  ober  bie  SSerroaltung  unb  ©rf^altung  beß  Sßorbcl^altflguleft  üoU* 
ftänbig  gefid^ert  werben.  ®ß  müRen  i^r  beß{|atb  aud^  bie  jur  ©rreitftung  bicfcö 
3mec!eß  unentbe^rUd)en  ÜRittel  geroöl^rt  werben.  3luf  ber  anbcren  Seite  mürbe 
eß  aber  ju  weit  gelten,  bcn  ®rmerb  ber  ®^efrou  auß  Sied^tßgcfd&äften,  mefd&c 
fte  fubjeftio  unter  Sejugnal^me  auf  il^r  Sßorbel^attßgut  gefd^ [offen  l^at,  aud^ 
bann  für  aSorbctiaftßgut  ju  erßören,  wenn  ba&  SRed^tßgef^äft  objeftio  mit  bem 
5Borbei|aItßgute  ni^t  in  Sufömmenl^ang  gebrad^t  werben  fann,  bie  ©fiefrau  jur 
3eit  ber  3Sornaf>mc  beg  Sled^tßgefd^äfteß  SSorbcfialtßgut  oielleid&t  überhaupt 
nid^t  befcf[cn  Ijat.  ©ine  fold&e  SÄußbcl^nung  würbe  aud&  mit  bem  ^rinjipc, 
ba^  bie  ®l^efrau  fid^  nid^t  cinfeitig  beliebig  Sßorbel^altögut  uerfd^affcn  fann, 
unnereinbar  fein. 

2)aß  preufe.  91.  S.  9t.  II,  1  §  218  (t)ergC.  aud&  ®efe|ret).  5ßenf.  XV  §  165) 
mad^t  bie  Seftimmimg,  bafe  baßjenige,  waß  bie  ®l^efrau  dou  ben  ©infünftcn  beö 
oorbefialtencn  Söermögenß  erfpart,  bicfem  SBcrmögen  juwöd^ft,  T)on  ber  SSoranö^ 
fegung  abl^ängig,  bafe  biefe  ©rfparni^  jur  3cit  ber  3tbfonberung  beß  83er- 
mögenß  beiber  ©fiegatten  auf  ben  9lamen  ber  ®l|cfrau  gefd^rieben  ift  ober 
fonft  flar  erfieUt,  bafe  fie  ben  33efi6  ber  erfparten  ©a^en  ober  ©eiber  nod^ 
ni^t  aufgegeben  ^at.  ®ine  berartige  pofitiDe  SSorf^rift  ift  iebodd  burd^  ein 
Sebürfnife  nid^t  geboten,  ©afe  ber  ®^efräu,  wenn  fte  il^re  @rfparniffe  jur  33e- 
ftreitung  beß  el)e[id[)en  Slufwanbeß  ocrwenbet  ober  bem  ©bemanne  ju  fold^em 
3wedfe  überlaffen  ^at,  regelmäßig  fein  3lnfprud^  auf  @rfa^  aufteilt,  folgt,  wie  in 
ben  aWotioen  ju  §  1340  (ocrgl.  aud^  bie  2Rotit)e  ju  §  1289  oben  S.  176)  auö^ 
gefül^rt  ift,  auß  allgemeinen  ®runbfä|en. 
Qxmxb  ber  S)urd[i  bie  Seftimmungen  ber  §§  1286—1290  finb  bie  göDe  erfd)5pft, 

mä^renMcit.  ^^  rüdd)en  ber  Entwurf  aSorbe^altßgut  juläfet.  2)aß  olbcnb.  ®ef.  v.  24.  Stpril 
weiuger  1873  5Ärt.  18  enthält  nod6  bie  weitere,  ben  übrigen  beftel^enben  SWccftten 
ii^Sunbiett!  M^ibefannte  33orfd^rift,  ba§  baßjenige,  waß  bie  (Sfiefrau  wäl^renb  einer  jeit^ 
weiUgen  ©d^eibung  t)on  SCifd^  unb  S3ett  biß  jur  SBiebercereinigung  ber  ®^c* 
leute  anbcrß  als  burd^  (SrbfaH  ober  ©d&enfung  auf  ben  3:;obeßfaU  erwirbt, 
für  biefe  3^it  JU  \i)vem  oorbelialtenen  SBermögen  geljört.  ^n  bem  gebadeten 
^alle  liegt  aUerbingß  ein  Slußna^meoerl^ältnife  Dor,  bei  welkem  nad^  ber  Slatur 
beßfclben  ber  ®l)efrau  bicicnige  greil^eit  ber  ^Bewegung  gewäl^rt  werben  muft, 
wel^e  not[)wenbig  ift,  bamit  fie  felbft  für  il^ren  Unterl^alt  forgen  fann.  3nbeffen 
fmb  in  biefer  33ejiel)ung  bie  allgemeinen  ©runbfäfe  in  SBerbinbung  mit  beu 
93eftimmungen  ber  §§  1287,  1289,  1290  alß  außreid^enb  ju  erad^ten.  3nö^ 
befonbere  reid^en  bie  allgemeinen  ©runbfäftc  auß,  um  ber  ©[)efrau  bie 
Sßerwenbung  beß  il;r  t)on  bem  ®l^emannc  ober  britten  ^crfonen  ju  il^rem 
Untcrfialtc  (Segebenen  ju  biefem  3wedfe  5U  fiebern. 


Sfccflut  u.  SSorBcfialtöflut  SSorbcJatt^öut.  ©d&u^  gut.  ©faubenö  k.  §1291.     179 


§  1291. 

®o6,  rotm  bafi  SBorbcl^altögut  burd^  ©J^coertrag  für  SSorbc[;altögut  cv^  ^^^f  *^JJJ^,^ 
Bfirl  ift  (§  1286),  auf  basfclbe  bic  §§  1336,  1337  Slnmcnbung  pnbcn,  cvgicbt  ®iaHbc««! 
^  f(^on  unmittelbar  au8  bcn  §§  1336,  1337  in  93crbinbung  mit  §  1333 
(wrgL  bic  SWotioc  ju  §  1336).  S)ic  gtcid^en  ©rünbe,  meldte  für  bicfcn  gall 
}u  bcn  Scftimmungcn  bcr  §§  1336,  1337  gefül^rt  l^abcn,  muffen  aber  weiter 
bo^in  führen,  biefelben  auf  baö  33orbcl^altögut  aud&  bann  für  cntfprcd^cnb 
araoenbbar  ju  erftären,  wenn  baöfelbe  ouf  ben  SSorfd^riften  ber  §§  1287  biß 
1290  beruht 

©bcnfo  red^tfcrtigt  fid^  bie  burd&  bzn  §  1291  beftimmte  entfpred^cnbe  »«vioauuna 
änioenbung  bed  §  1340  auf  ba&  93orbe{)altdgut  burd^  bie  älnalogie  ber  ä^er^^   bemann. 
^Kniffe. 

^aqtq^n  ift  eö  ate  beben! lid&  unb  nidbt  als  angemeffen  eradbtct  worben,  »«*'««  »>« 
bie  »eftimmungen  beö  §  1339,  na«  meieren  bei  t)ertragömä6iger  a;rennung  'S«'" 
bcr  ®üter  bie  (S^efrau  üerpflid&tct  ift,  bem  ©bemanne  aus  ben  ©infünften  i^reö  ^"^*"'- 
Vermögend  unb  bem  ©rtrage  eines  von  it|r  felbftänbig  betriebenen  ©rwerbö- 
jfft^äfteö  jur  Seftreitung  bes  Unterhaltes  beibcr  ©Regatten  fomic  ber  gemein- 
fc^ftlid^en  äbtommlinge  einen  angemeffenen  33eitrag  ju  feiften,  auf  bafi  SBor^ 
bf^Itdgut  audjube^nen.  SBenngleid^  bas  S3orbe^a(tsgut,  namentlid^  nad^  ben 
Scftimmungen  beö  ©ntrourfeö,  unter  Umftänben  eine  erl^eblid^e  9luöbe^nung 
dabcn  fann  unb  bem  @f>emannc  infomeit  bie  Siußungen  oon  bem  SSermögen 
ber  S^efrau  ate  ^Beitrag  ber  (enteren  )u  ben  von  bem  ©bemanne  ju  tragenben 
e^Kd^n  Saften  entgegen  unb  es  bes^alb  natür[id[i  unb  billig  gu  fein  fc^eint, 
bag  bie  Safran  bem  ©bemanne  t)on  bem  ißorbe^altsgute  in  anberer  ^orm 
mä^  SRciggabe  beS  §  1339  einen  angemeffenen  Beitrag  ju  bcn  clielid^cn  Saften 
flfnmljrt,  fo  crgiebt  bod^  eine  naivere  Setrad^tung,  bag  ber  l^ier  in  SRebe  ftcl^enbc 
^U  Dou  bem  ber  ©ütertrennung  wefentlid)  ücrfdjieben  ift.  93eru^t  bic  93ors 
bc^ottseigenfd&aft  auf  ©J^cücrtrag  (§  1286),  fo  liegt  es  im  ©inne  biefcS  aSer* 
tragcö,  bafe  bie  (S^efrau  bas  üorbeljaltene  Sßermogeu  nid^t  allein  felbftänbig 
wrnwltcn,  fonbcrn  aud^  über  bic  9tu|ungen  bes  le^tercn  frei  Dcrfügen  will, 
lic  Slnerfennung  einer  gefcfclidjjcn  SeitragSpflid^t  bcr  ©l^cfrau,  rocld^c  and) 
im  Sinne  beS  §  1339  einen  abfoluten  Äarafter  nid^t  ^at,  mürbe  baljcr  mit 
bem  ©inne  bes  G^coertrageS  in  SBiberfprud^  treten.  3Ict)nlid)  liegt  ber  gall, 
wenn  bie  Sorbe^altsgutseigcnfd^aft  auf  ber  Seftimmung  eines  ©ritten  bcruljt 
(§  1287),  wobei  in  Setrad&t  fommt,  bafe  ber  (Seemann  ein  Siedjt  auf  bic  ^n^ 
waibung  pon  ©eiten  beS  3)ritteu  nic^t  t|at.  9Jod)  meniger  ift  bie  Slnerfennung 
einer  SeitragSpflid^t  ber  ß^efrau  in  bem  galle  bes  §  1288  gerccl)tfertigt,  xocnn 
bcr  6^mann  es  abgelehnt  fiat,  ben  ©rroerb  bcr  (Sl;efrau  aus  einem  SHed^ts^ 
flef(6äftc  unter  Sebenben  in  bas  ©fiegut  aufjune^mcn.  9lnber6  liegt  baS  "iicv^ 
Wtnife  aUerbingS  in  ben  fällen  bes  §  1289.  3nbeffen  ift  oxid)  für  biefc  gällc 
ein  Sebürfnife,  burd)  bas  ©efefe  ^ürforgc  ju  treffen,  nidjt  anjuerfenneu,  ba, 
»ie  in  ben  aWotloen  ju  §  1289,  oben  ©.  175  ff.,  bereits  t)crt)orgel^obcn  lourbc, 
bcr  Sb^mann  es  in  ber  ^anb  l;at,  feine  ©inroilligung  ju  bcr  Uebernal^me 
perfonlit^cr  S)ienft[eiftungcn  Don  ©eiten  ber  (Slicfrau  ober  ju  bem  ^Jetriebc 
eines  felbftänbigen  @rmerbsgefd^äftcs  bur«  bie  le|tevc  baoon  ab()ängig  ju 

12* 


180        9lu^nie§unfl  beö  eSeflutcö.    Sorf^riftcn  üBcr  gflicfebrau*.    §  1292. 

mad^en,  bofe  bie  6f|cfrau  fid^  i^m  gegenüber  jur  Setftung  eine«  Seitragcfi  ju 
bcn  efielid^en  Soften  t)erpPid)tet.  Um  fo  bebenfltd^cr  ift  e«,  bic  SBorfd^rlft  beö 
§  1339,  tt)eld^e  wegen  ber  Unbeftimmtt)eit  beft  für  bie  Semeffung  beö  Seitragcö 
im  einjelnen  galle  anjulegcnben  ÜHafeftabeö  in  i^rer  praftifd^cn  Slnroenbung 
immerl^in  mit  geroiffcn  ©d^roierigfeiten  unb  Unjuträgti^fciten  t)erbunbcn  ift, 
ol^ne  bringenbe  ©rünbe  auf  baö  SBorbel&attögut  auöjube^nen,  alö  eine  berortige 
33eftimmung  —  obgefel^en  oon  bem  otbcnb.  @ef.  t).  24.  Stpril  1873  5lrt.  33 
§  1  —  bem  geltenben  JRec^tc  fremb  ift.  Snöbefonbere  ift  aud^  im  franj.  JRcd^tc 
(code  civil  3Irt.  1448,  1537)  eine  Sßerpflid^tung  ber  @f)efrQu,  ju  ben  Saften  bcr 
6f|e  beizutragen,  nur  für  bic  gälle  bcr  gcrid^tlid^  erfannten  ©üterabfonberung 
unb  ber  auf  ®{)eüertrag  berufienben  ©ütertrennung  anerfannt 
3i«^tii*e  2)ie  neueren  ©efegbüd^er  enthalten  jum  2:^eil  nod^  naivere  Scftimmungcn 

(s^fvm  i"  über  bic  rec^tlid^e  ©tettung  ber  ®^efrau  gegenüber  bem  iBorbe^altßgute,  namcnt* 
^wÄ«**  ^^^  ^"  ^^^  Slid^tung,  bafe  bie  ©fjefrau,  f oroeit  nidjt  ein  2[nbereö  bcftlmmt  fei, 
flutcs.  über  bas  aSorbebaltsgut  ol^ne  aWitroirfung  bes  ©bemanne«  T)erfügen,  bosfclbe 
oerroalten,  beffen  ^^ugungen  für  fid^  jiefien  unb  biefe  für  fid^  ücnoenben  lönnc, 
ferner  barübcr,  inmiemcit  fie  baö  aSorbe^altögut  mirffam  mit  ©d^ulben  bcfaften 
fönnc  (ücrgl.  preufe.  31.  S.  9i.  II,  1  §§  221—223,  225—227,  229,-  230,  318, 
319,  619,  620  —  baju  Urt^cU  b.  91.  ®.  bei  ©rud&ot  XXXI  @.  976  — ; 
fäd^f.  ®.  33.  §§  1640,1693).  Die  9lufna^mc  berartiger  Seftimmungen  in  boö 
©efefebud^  ift,  rocil  bie  red)tlid&e  ©tcBung  ber  ©l^efrau  ju  bem  SBorbel^altö^^ 
gute  fld^  auä  bem  33egriffc  beß  Icfetcrcn  (oergl.  §  1286)  in  SSerbinbung  mit 
bem  ©runbfafee  beö  ©ntmurfeö,  bafe  bic  (gl^efrau  afs  folc^e  ober  froft  beö  gcfe^ 
lid^en  e^elid^cn  ©üterred^teö  in  ber  Oefd^äftöfä^igfeit  nid^t  bcfd^ränft  ift,  oon 
felbft  ergiebt,  alö  entbel^rlid^,  überbieö  wegen  ber  Kafuiftif  alö  bebenHid^  er* 
ad^tct.  9lnbererfcitö  fcl^lt  eö  an  einem  genügenben  ©runbc,  baö  auö  ben  aü? 
gemeinen  ©runbfäfeen  fid^  ergebcnbe  freie  35erfügungöred^t  ber  ß^efrau  über 
baö  9SorbeI)altögut  in  Slnfel^ung  gcroiffer  baju  ge^orenbcr  ©egcnftänbc  burc^ 
porttiüc  »orfd&rift  (ocrgt.  preufe.  31.  2.  !M.  II,  1  §  223)  einjufd&ränfen. 


2.  9lufeniegung  beö  ®f|cgutcö. 

§  1292. 

«nroenbun«  Daö  bcm  ß^cmaunc  juftel^cnbe  JHed&t  ber  Shigniefeung  beö  ©l^eguteö,  bic 

ft^riuerü'bcr  ^¥^^^^  SRufenicfeung,  bilbct  bic  eine  ©citc  beö  burc^  bic  ©^c  in  Slnfc^ung  beö 

ben  «ie|.  SBcrmögcnö  ber  ©fiefrau  unter  bcn  ©l^egatten  begrünbeten  ©efammtred^tö^ 

^''""^'     Dcrl^ältniffeö  (§  1283).    S)ie  etjelid^e  Sfiu^niefeung  bejroedft,  bem  ©bemanne  bic 

mirttifd^aftlid^e  aWat^t  ju  geben,  bie  5ßufeungen  beö  ©^egutcö  jur  ©eftrcitung 

ber  cJielid^en  Saften  ju  üerroeuben.    S)er  ©ntrourf  gemährt  bem  ©^emonnc 

biefe  SKad^t  in  ber  red^tlid^en  ^orm  beö  9iie&braud&eö.    3)aburd^  erlangt  bcr 

6f)emann  ein  cigencö  Siedet  auf  bie  Shifeungen  beö  ©l^egutcö.    ©ine  Siegelung, 

mel^e  fid^  auf  bic  unmittelbar  unb  bireft  auö  bcm  roirt^fd^aftll^en  3roerfc 

beö  ©i)ftemeö  folgenben  Äonfequenjen  befd^ränfen  unb  bcm  ©bemanne,  o^nc 

Slncrfcnnung  cineö  eigenen  SRcd^tcö  auf  bie  SHu^ungen,  nur  bic  9efugni§ 

beilegen  wollte,  über  bic  im  Uebrigen  im  ©igcntl)ume  ber  ©l^efrau  Dcrblcibenbcn 


9ltt^ic§unfl  beö  ß6egute«.    SJotrtriften  über  9He|6rau4    §129-2.        181 

grüßte  ie&  S^eguted  )um  ^roedt  ber  Seftreitung  ber  ef^elid^en  Saften  ju  t)er$ 
fügen^  nmrbe  für  baö  praftifd^e  fieben  im  ^inbücfe  auf  bie  babur^,  mentgftend 
unter  Umftänben^  not^tpenbig  n)erbenbe  9ludeinanberfegung  unb  3lbred^nung 
loegen  ber  gezogenen  ^^te  tinb  ber  baraud  beftrittenen  el^eUd)en  Saften  nid^t 
brauchbar  ^  überbied  für  bad  SSerJ^&Itnig  nod^  äugen  um  bedmillen  bebenfUd^ 
fein,  meil  babur^  Unflar^eit  unb  Unftd^er^eit  barüber  entfte^t,  mad  ju  bem 
Vermögen  be«  6^emanneö  gebort  unb  ba^er  t)on  feinen  ©laubigem  angegriffen 
loeAenJann^  unb  iDad  anbererfeitd  äte  ^^rü^te  bed  @^eguted  nod)  im  @igentt)ume 
ber  ß^efrau  verblieben  ift.  S)ie  ^raftifabilität  bed  3lcd^teö  erforbcrt  ^ier  eine 
feftere  unb  leidster  ertcnnbarc  %jialtun2^ber  Steckte  beö  ®l^emanneö,  unb  bieö 
finirnur  baburdl^  erreid^t  röcrben,  ba§  i^m,  wie  er  einerfeitö  üerp^id^tet  wirb, 
bie  e^li(^en  Saften  allein  ju  tragen^,  anbererfeitö  bad  Sted^t,  bad  93ermogen  ber 
6^Qu  iu  nu^n,  old  ein  eigenes  9le^t  eingeräumt  roirb.  ^ud^  im  Uebrigen, 
fooiel  ben  ^ni)aii  unb  ben  Umfang  ber  mit  ber  e^elid^en  92ugniegung  ju 
ocrbinbenben  Siedete  unb  ^^id^ten  bed  (S^emanned  anlangt^  finb  bie  im  Sßefent« 
lidfta  benfelbcn  roirt^fd^aftlid^en  3^^^  ocrfofgenben  SSorf^riften  über  ben 
9Iie§braud^,  fomeit  biefelben  nid^t  lebiglid^  auf  ben  red^tdgef^äftU^en  3lxt^^ 
brauch  bered^net  finb,  —  vorbe^aUli^  indbefonbere  ber  aud  ben  befonberen  9e^ 
jtimmungen  über  bie  Haftung  bed  @^eguteö  für  bie  93erbtnb(id[|feiten  ber 
S^efrau  (§§  1311  ff.)  unb  aud  ber  mit  ber  e^elid^en  ^ugniegung  verbunbenen 
d)Aväim  Serroaltung  (§§  1317  ff.)  fid&  ergebenben  äWobififationen  —  im  ©rofeen 
unb  ®anytn  auf  bad  bem  (S^emanne  jufte^enbe  9led^t  ber  Stu^niegung  an^ 
ocnbbar.  äSenn  aud^  uerfd^iebene  älbmeid^ungen  not^menbig  finb,  um  ein 
bem  allgemeinen  ©ebanten  bed  @Qftemed  ber  93ern)altungdgemeinfd^aft  ent^ 
fptec^eft  »er^ättnife  fierjuftellen  (§§  1293—1299),  fo  ift  cö  bodd  für  bie 
S^et^nit  bed  Sled^ted  oort^eil^after,  an  bie  fefte,  burd^  ä^^eorie  unb  ^ra^id 
au^ebilbete  unb  in  bem  ©efegbud^e  jubem  jugleic^  mit  Stürffi^t  auf  bie  ^äUe* 
beft  gefegli^en  9{iegbraud^ed  georbnete  Kategorie  beö  92iegbraud^ed  auiufnüpfen, 
oift  eine  ganj  fetbftänbige  S^^eorie  ber  e^elid^en  9lugniegung  aufiufteÜen, 
melc^  jubem  im  SBefentlid^en  boc^  nur  ju  einer  SSieberl^olung  ber  für  i>cn 
^iießbrauc^  geltenben  Orunbfäfee  führen  mürbe.  Sebenfen  gegen  bie  Stnroen^ 
bung  ber  Sßorfd^riften  über  ben  ?lic|braud^  auf  bie  el^elid^e  Siugniegung 
fonnen  au^  baraud  nid^t  l^ergeleitet  merben,  bag  baburc^  bad  Sted^t  bed 
S^anned  auf  bie  Slugniegung  bed  Sf^eguted  einen  binglid^en  ^(arafter 
qewinnt,  fofern  nur  bancben  bie  allerbingö  roefentlic^e  unb  unerläfelid^c  9Wobi* 
Sfation  onerfannt  wirb,  bag  bie  e^eli^e  3^lu6niegung  immer  nur  boö  icrociligc 
C^gut  ergreift  (§  1293).  3)ie  binglid^e  Statur  beö  eJ^emännlid^en  Sted^teö 
bereitet  inöbefonbere  aud^  in  fold^en  fällen,  in  meldten  ein  jum  @^egute  gc« 
börenber  ©egenftanb  befd^äbigt,  }erftört  ober  fonft  ber  S^efrau  entzogen  mirb 
unb  bie  grage  entfielet,  inmiemeit  ber  @t|efrau  unb  iniDiemeit  bem  @^emanne 
bicfer^Ib  @rfag  ju  teiften  ift,  leine  befonberen  Sc^mierigfeiten ;  oielmc^r 
führen  bie  allgemeinen  ®runbfä|e  über  @^abenderfag  in  SSerbinbuug  mit 
bem  ©runbfa|e,  bag  bie  e^eli^e  9!u^niegung  aud^  baöienige  ä^ermögen  ber 
G^au  ergreift,  roeld^efi  fie  möl^renb  ber  ®^e  erwirbt  (§  1283),  oon  felbft, 
o^ne  bag  eft  in  biefer  Seiiel^ung  einer  befonberen  gefegUd^en  @ntfd^eibung 
bebttrf,  ju  einer  ongemeffenen  Söfung  jener  grage.    3luf  ber  anberen  Seite  ift 


182        9luönie§imo  bcö  (Sßeflutc«.    Sorfd&riften  ü6er  5ftic§braud&.    §  1292. 

tnit  bem  binglid^cn  Äaraftcr  bcö  cJ^emännlid^cn  SRcd^tcÄ,  abgcfe^cn  uon  anbcrcn 
SSorti^cUcn  (Dcrgl.  §  899),  inöbefonbcre  bcr  SSort^eil  ücrbunbcn,  bofe  baß  (Scfeg, 
Yüctl  bie  binglic^e  Statur  iened  9^ed^ted  bem  (S^emanne  bte  änögKc^feit  geioä^rt, 
baä  fe|terc  ol^nc  SKitroirfung  bcr  ß^cfrau  gegen  3ebcn  ju  T)erfo[gen  (ucrgl. 
§  1017),  freiere  ^anb  bei  ber  ©ntfc^eibung  ber  grage  erhält,  ob  bem  ®^e* 
manne  ein  t)on  ber  SKitroirhing  ber  ß^efrau  unabhängiges  3led^t,  bie  ber 
@t|efrau  }uftc^enben  @^eguterec^te  gerid^tlid)  geltenb  }u  mad^en,  einjuräumen 
ift  ober  nid^t  (oergl.  SDlotiDe  ju  §  1322).  9Mit  bem  ©tanbpunfte  be«  &nU 
rourfeö,  bofe  auf  bie  bem  ©bemanne  an  bem  ®^egute  iuftel^enbe  SRugniefeung 
bie  aSorfd^riften  über  ben  9iiefebraudö  Slnmenbung  finben  foHen,  foroeit  nid^t 
aus  bem  ®efe|e  ein  Slnbereö  ftdd  ergiebl,  ftimmen  bie  neueren  Oefe^gebungcn 
(ocrgl.  preufe.  31.  2.  di.  II,  1  §  231;  (SefefcreD.  5ßenf.  XV  §  178  nebft  ÜJlotiücn 
S.  156 ;  fäd^f.  ®.  33.  §  1655 ;  otbenb.  ®ef .  o.  24.  Slpril  1873  3trt.  5)  unb,  fooiel 
loenigftenö  bie  Slnerfennung  beö  e^emännli^en  SRed^tcö  auf  bie  9lu|ungen  bed 
grauenoermogcnö  als  eine«  eigenen  JRed^teö  anfangt,  übermiegenb  anö)  bie 
S^^eorie  unb  ^rajiö  beö  gemeinen  bcutfd^en  Siebtes  überein.  Sle^nlic^  ift  baö 
3}erl)ältnife  md)  allen  benjenigen  Med^tcn,  roeldde  auf  bem  ©gfteme  ber  ©r^ 
rungcnfd^aftös  ober  ÜRobiliargemeinfc^aft  berul^en,  fclbftoerftanblic^  jebod^  mit 
bem  Unterf triebe,  bafe  l^ler  bie  9lu|ungen  ni^t  bem  ®^emanne  perfonlid^, 
fonbern  bem  ©efammtgute  juf allen. 

3m  ©injelnen  ift  ju  §  1292  nod^  golgenbeö  J^erooriu^eben : 

a)irefte  3cn*  1.  änlaugenb  bie  gajfung,  fo  erKärt  ber  §  1292  bie  SSorf^riften  über 

»wfdjdft«"  ^^"  ^liefebraud^  mit  SRüdtfid&t  barauf ,  ha^  bie  tefeteren  and^  ben  gefefelidöen 

"T**u4  5liePraud[)  mit  umfajfen,  für  bireft  anroenbbar.   SBon  einer  entfpred^cnbcn  9ln* 

wenbung  barf  um  fo  rocniger^gefprod^cn  werben,  als  eine  berartige  3luöbrucfd' 

meife  ju  ber  unrid)tigen  9lu9lcgung  83cranlaf{ung  geben  fönnte,  bafe  au^  bie 

fpejiell  für  ben  red^tögcfd^öftlic^en  Jliefebraudö  gegebenen  33cftimmungcn_auf 

bie  ti)diä)t  ^lufenicfeung  anmenbbar  fein  foUten.    ©in  Sebürfnife,  ausbriidfUd^ 

barauf  l)injun)eifen,  bafe  bie  Slnroenbbarfeit  ber  SBorfd^riften  über  ben  9lic§braud^ 

fid)  nid^t  auf  bas  ®efammtred|)tsoer^ältnig,  fonbern  auf  bas  burd)  bas  (entere 

in  2tnfel)ung  ber  cinjelncn  bemfelben  unterliegenben  Oegenftänbe  begrünbetc 

9ied)töDer^öltni6  bejiel;t.  Hegt  nid^t  uor.    Surd^  bie  Raffung  beß  §  1292  loirb 

ferner  in  auörei^cnbcr  SBeife  jum  9luöbrudEc  gcbrad^t,  bafe  bie  9[Jorf(^riften 

über  ben  Jliefebrauc^  nid^t  nur  für  bie  Stexi^te,  fonbern  aud&  für  bie  ^l^^id^ten 

beö  Seemannes  ma^gebenb  finb. 

^^rüfuufl  ber  2.  ©iuc  uäljcre  ^^Jrüfung,  ob  unb  inroicmeit  bie  eiujelncn  83orfd)riften 

fdtTrehu  »^^^  ^^^^  5iie6braud^  auf  bie  el)elid()c  ^Jugniefeuug  als  aumcnbbar  ober  nid^t 

seinen  vov*  a(g  anu)eubbar  ju  crad^ten  finb  unb  ob  unb  inioieiueit  eö  n6tl)ig  ift,  bie  nid^t 

^^''  ^'"'    anroenbbaren  33eftimmimgen  ausbrüdflid^  üon  bcr  Slnmenbbarfeit  ausjufcftlie6en, 

fü^rt  JU  bem  Stcfultate,  bafe,  abgcfe^en  oon  ben  Seftimmungen  ber  §§  1293 

bis  1299,  ein  Sebürfni^,  nod^  anbere  einjelnc  SJorfd^riften  über  ben  9iie§braud) 

fpejiell  oon  ber  9lnmcnbbar!eit  ausjufd)lie^en ,  nid)t  t)orl)anbcu  ift.    ^m  (Sixu 

jcinen  crgicbt  iene  ^^irüfung  golgenbcö: 

a)  3)ie  Säorfdjriften  ber  §§  980,  981,  984,  985,  987,  988,  989,  bcfi 
{^  990  Safe  1,  bcr  §§  991,  994  bis  1002,  1004,  1007,  1010,  1017,  1028, 
1024,  1026,  1027  fiiib,  oorbcl)alttidö  bcr  aus  anbcren  fpejiellcn  )öeftimmuugen 


X 


Jhitnieöung  bcö  ©teöutc«.    gSorfc^riftcn  über  gflicfebrauc^.    §  1292.        183 

W  crybenbcn  aJlobififationcn  (ucrflC.  inöbef.  §§  1293,  1296,  1300,  1305,  1311, 
1317—1325),  aniDctiibor,  o^nc  bafe  cö  in  Slnfc^ung  jener  SSorfd^riftcn  weiterer 
3Robiftfationen  ober  Qn^äiit  bebarf. 

2Iu§  ben  angeführten  SBorfd^riften  über  ben  ^liefebraud^  (t^erfif.  §§  984/  »"tßc«nfls« 
991,  1007  perb.  mit  §§  1279,  1292)  erßiebt  fid^  inöbefonbere,  bofe  ber  e^e^  eljemlnne^ 
mann  fraft  ber  e^eli^en  Slufeniefeung  jroar  bereditigt  ift,  bie  ®l)egutöfa(f)en 
inncju^oben  unb  für  fid^  ju  nuficn,  bafe  i^m  aber  ein  SRecfit,  bie  ©ubftanj 
bed  e^egute«  o^ne  ©rfafiüerbinbtid^feit  für  bie  ^voedt  ber  6^e  ju  üerroenben, 
nic^t  iufte^l.  6s  entfprid^t  bieö  —  im  (Segenfage  ju  bem  SWed^te  bed  ©ad^fen:^ 
ipiegete  —  ber  ®nlroicfelung  beö  neueren  Sfied^teö  (oergf.  preu^.  91. 2.  9i.  II,  1 
§§232,  247  Derb,  mit  II,  1  §  561;  fäd^f.  ®.  89.  §§  1655,  1673—1675, 
1688,  614;  olbenb.  ®ef.  ü.  24.  3lpril  1873  5lrt.  5,  7).  Ueber^oupt  ift  aber 
nadi  bem  Entwürfe  ber  Seemann  fraft  ber  e^etid^en  9{u|niegung,  abgefel^en 
oon  geroiffen  3lufinal&men,  inöbefonbere  ben  gällen  ber  §§  999,  1000,  1294 
unb  ben  unten  noä)  befonberö  ju  berüctfidötigenben  SBorfd^riften  über  ben  Sliefe- 
brauch  an  ^orberungen  (§§  1028  ff.),  über  bie  Subftanj  bed  @E)eguted  )u  Der- 
fugen  nic^t  befugt.  (Sine  anbere,  im  3iif<^^>n^>i^^)^9<^  ^it  ^^)t  SSorf^riften 
über  bie  e^eli^  SSenoaltung  (ucrgl.  bie  äJlotioe  ju  §  1318)  ju  crörternbe, 
oon  ben  neueren  ©efet^en  oerfd^ieben  beantmortete  ^rage  ift  ed  bagegen,  ob 
ton  (£l>emanue  traft  feineö  SSermaltungöred^teö  in  gemiffem  Umfange  ein  93er== 
fügungdred^t  über  S^egutdfad^en  eingeräumt  merben  foU. 

S)urd^  ben  §  1292  in  »crbinbung  mit  §§  1007,  1279  wirb  ferner  bie  ^^^^^^f 
Srage,  ob  bem  S^emanne  in  9(nfel^ung  ber  burd)  gen)a^nlid)e  9lbnu$ung  oI)ne 
frin  ^rfc^ulben  oerfc^Ied^terten  ®f)egutdfad)en  eine  @rfaftpf(id^t  gegenüber  ber 
(SlKfrau  auferlegt  merben  foll,  grunbfätlid^,  corbefialtlid^  geiüiffer  9tuönaf)men 
(wrgl.  §  1000),  ju  ©unfteu  beö  ß^emanneä  entfd^iebcn.  gür  eine  fold^e 
Sriatpjlif^t  taffen  fid^  allerbingö  gemi^tige  ©rünbe  anführen,  tiamentU^  im 
Öinblidc  borauf,  bafe  bie  ©fiefrau  nad^  bem  Orunbgebanfen  beö  ©gftemeö  ber 
Senoaltungögemeinfd^aft  nur  mit  ben  3!u6ungen,  nid^t  mit  bem  Stamme  i^reö 
Vermögens,  ju  ben  e^elid)cn  Saften  beitragen  foU,  ba^  aber  bei  einer  länger 
boueniben  G^e,  fofern  baö  ganje  a^ermögen  ber  6f)efrau,  mie  f)äufig  ber  ^all 
ift,  nur  in  einer  3iaturalauöfteuer  befteljt,  bie  ganje  ©ubftanj  itireö  iiev^ 
mögend  nic^t  feiten  burd^  bie  gemä{)n(id^e  Slbmi^ttng  verloren  ge^en  ober  bod) 
mebr  ober  weniger  mert^Ioö  merben  mirb.  2luf  ber  anberen  Seite  ift  inbeffen 
.iu  bcrürffid^tigcn,  baß  ber  ©runbfafe  ber  unbcbingten  ©rfa^pffid^t  für  bie  ge^ 
roöbniidje  Stbnuftung,  meldten  ber  ®ntrourf  nid^t  einmal  für  baö  Oefellfd^aftö^ 
rct^t  anerfannt  l)at  (oergt.  §  656),  nod)  roenigei  für  baö  auf  fittlid)er 
(SrunDlage  beru^enbe  äJer^ältniß  unter  ben  ßfjegatten  paßt,  bag  baöfelbe  jubem 
not^roenbig  5U  oerroidelten  unb  ffeinlid^en  Slbred^nungen  unb  oft  ju  einer 
großen  ^firte  für  ben  Seemann  fü^rt,  namentlid^  menn  bemfelben,  wie  bicö 
nacb  bem  ©ntrourfe  ber  gall  ift,  baö  Sted^t,  o^ne  ©inmiUigung  ber  et)efrau 
lwocglid)c  G^egutöfac^en  ju  ueräufeern,  gänjlid)  üerfagt  ift.  3(nbererfcitö  mirb 
Mc  .feärtc,  meldte  unter  Umftönben  für  bie  (S^efrau  barin  liegen  fann,  ba§ 
iie  für  bie  ^Ibnu^ung  ber  5um  ß^egute  gef)örenben  ©ad)en  ©rfafe  uidjit  erl)ält, 
roenigftenö  für  ben  gaU  ber  Scenbiguug  ber  el^elid^en  Shi^nießung  unb  äJer- 
Bwltung  buxdf  ben  3:ob  eineö  ©Regatten,  burd^  bie  Seftimmung  beö  §  1971 


184       SRu^niegung  beß  e^cöutcö.    Socfd&riften  über  SflteßBcauc^.    §  1292. 

über  ben  SOorouS  bes  überCcbcnben  ©Regatten  einigermaßen  gcmilbert.    6nfe 

fd^eibcnb  fommt  ferner  in  Setrad^t,  bafe  —  abgcfcl^en  von  bem  otbenb.  ®cf, 

ü.  24.  3lpril*1873  3lrt.  13  §  3   —   bem  gcltenben  Sleci^te  füergl.  preufe. 

31.  S.  SR.  II,  1  §  561;   fä#  ®.  93.   §§  1655,  1688,   614;   lübed   ®c[.  D. 

10.  gebruar  1862  SIrt.  6)  eine  erfaftpflid&t  für  bic  geroö^nliddc  Slbnufeung 

fremb    ift.      ^uä)  bie  im  preufe.  ä.  2.  SR.  n,  1  §  560  entl^altene  ÜKobi^ 

fifotion  beö   Sßrinjipeö,    mä)  roefc^cm   ber  6§emann  für  ni^t  mel^r  vot^ 

l^onbcnc  ei)egutöfad^en  nur  im  gallc   eineö  il^m  jur  2aft  faBenben  SSct^ 

fd^ulbenö   oerantmorttid^   ift,  fann  in   Uebereinftimmung  mit  ber   Oefe^cö^ 

reüifion  (^enf.  XV  3Kotit)e  ©.  257)  roeber  quo  praftif^en  Oefid^töpunften, 

no6)  l^ingefe^en  auf  ben  mut^mafeUci^en  SBillen  beö  ®^emanneö  ate  geredet* 

fertigt  ancrfannt  werben. 

Seit  Sßon  befonberer  SBid^tigfeit  im  3ntereffe  ber  ©id&erung  ber  @^cfrau  ift 

mli^unXl  Wc  Slnmcnbung  beö  §  1004  auf  bie  e^eli^e  SRufeniefeung.   äuö  biefer  9tnmcn^ 

gefleitfeiHgen  buug  ergicbt  jtd),  bafe  bic  (g^efrau  bie  i^r  auf  ®runb  ber  e^eli^en  Sluftniefeung 

«nfprüc^e.  ^^^^^  ^^^  (g^emauu,  namentUd^  wegen  SBerleftung  ber  bem  lefeteren  fraft  ber 

e^elid^cn  Sluftniefeung  obliegenben  Sßerpflid&tungen,  juftel^cnben  Slnfprüd^e,  fomeit 

ber  ®f)emann  nid)t  auf  ®runb  befonberer  Scftimmungen  (Dcrgl.  §§  1294—1296) 

wegen  ber  c^eüd^en  SRuftniefeung  unb  SBerrooltung  erft  nac^  bercn  Seenbigung 

jur  (Srfüllung  üerpflidötet  ift,  fd^on  roäl^renb  ber  S)auer  ber  el^clitften  SRug* 

niefeung  unb  SBerroaltung  gegen  ben  (Seemann  gcitenb  mad^en  fann  unb  bcm^ 

gemäfe  bie  ©rfüHung  biefer  Slnfprü^e  Don  ©eilen  beö  ©bemanne«  ber  Slm 

fed^tung  burd^  bie  ®läubiger  beö  lefctcren  auf  ®runb  beö  §  25  5Rr.  2  ber 

Äonf.  D.  unb  beö  §  3  $Rr.  4  beö  SR.  ®ef.  t.  21.  Suli  1879  nid^t  unterliegt. 

3n  5lnfel^ung  ber  ber  (g^efrau  auf  ®runb  ber  el^elid^en  SBerroaltung  gegen  ben 

©bemann  jufte^enben  9lnfprüd^e  enthält  ber  §  1324  SCbf.  2  eine  bem  §  1004 

üerb.  mit  §  1292  entfprcddenbe  33cftimmung.    S)ie  auf  bem  »oben  ber  partim 

fulören  ®ütcrgemeinf^aft  ftcl^enben  SRed^te  nel^men  prinjipieB  regelmäßig  ben 

entgegcngefefeten  ©tanbpunft  ein,  nämlid)  ben  ©tanbpunft,  bafe  mö^rcnb  beö 

Scfte^enö  ber  ®cmeinfd^aft  bie  ®eltcnbmadöung  aller  a[nfprüd[|c  ber  ©^egatten^ 

foroeit  fie  ju  il^rem  ber  gemeinfc^aftti^en  SBerroaltung  unterworfenen  SSermögcn 

gehören,  unftatt^aft  ift  (Dcrgl.  inöbefonbere  in  3lnfc^ung  beö  franj.  äted^teö 

©ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  ©ioilf.  XIV,  84).    ®ie  auf  bem  SBoben  ber  SBerwaltungö^ 

gemcinfd&aft  ftel^cnben  SRcc^te  entl^aiten  eine  auöbrüdElid^e  Scftimmung  in  ber 

N       l^icr  fraglidfien  Scjiel^ung  regelmäßig  nid)t.   ®em  ®ebanfen  ber  SBcrwaltungd» 

i      gemeinfd^aft  entfprid^t  eö  aber,  ber  ©^cfrau  bie  ©ubftanj  i^rcö  SBcrmögenö 

t^unli^ft  ju  erhalten  unb,  foweit  bicö  mit  bem  3ntercf[e  ber  ® laubiger  beö 

©^cmanneö  vereinbar  ift,  ju  fid&ern.    S)arauf  berul^t  eö,  wenn  ber  ©ntrourf 

eincrfeitö,  bem  S^Qt  ber  neueren  Ste^töentwidfelung  folgenb,  ber  ©^efrau 

wegen  i^reö  ©^eguteö,  qb^cfe^en  üon.bem  galle  beö  §  1005^(t)ergL  unten 

lit.  c),  ein  SRed^t  auf  'öicbcrt)eitö(eiftung  gegen  ben  Seemann  n\ä)i   bcUggt. 

(§§  1294,   1295),"  no(^    aud^   einen  2;itel   ju   einem  ^fanbred^te   gcwäl^rt 

(nergl.  oben   ©.  183),    anbererfcitö   bem    ©bemanne  baö   SRed&t,   ©^egutö* 

fa^en   ol^ne  ©inwilligung  ber  ©^efrau  in  tcräußern,  gninbfäftUd^  oerfagt 

(§§  1318,  1319),   bie  Slnwenbbarteit  ber  93orf^riften  über  ben  9Hc§braud^ 

an  üerbraud^baren  ©ad^cn  im  SBefentli^en   auöfd^tießt   (§  1294)   unb   boö 


w, 


Jlufemegunfl  be8  eitegutc«.  aSorfi^riftcn  fiberSfHeßbrau^.  §  1292.  1 85 

Stecht  beö  @^emanncd^  über  bie  }um  @|egute  gel^örenben  ^orberungen  }u 
wrfügcn,  ttiffbliö)  cmfd[iränft  (§  1292  t)erb.  mit  §§  1028,  1033—1036, 
1318  3h:.  2,  §  1323).  Der  3toec!  bicfer  im  antcre^c '  bcr  ©id^crung  bcr 
&ft\xa\i  getroffenen  Seftimmungcn  fönnte  uoBig  Dcrcitelt  werben,  wenn 
bcr  e^efrau  bad  äted^t  üerfagt  n)firbe,  bie  i^r  aud  ber  93er(egung  ber 
bem  ß^cmanne  fraft  ber  e^elid^en  SRufeniefeung  ober  froft  ber  efielic^en  SBer^ 
miltung  obUegenben  SSerpflid^tungen  enoad^fenen  älnfprü^e  gegen  ben  &)c^ 
mann  fd^on  oor  93eenbigung  ber  e^etid^en  9}u|niegung  unb  SSenoaltung  geltenb 
}u  rmäjinu 

b)  änwenbbor  auf  bie  el^eUd^e  Siufcniefeung  finb  femer  bie  58orfd&riften  ®"**jj^^"^* 
ber  §§  992,  993,  1042.    3ndbef onbere  fann  ein  Sebfirfnig,  bie  Sierpflid^tung  ba«  a^'e^ut. 
btd  S^emanned,  nad^  aRaggabe  bed  §  993  ber  (S^efrau  ein  93er}eid^nig  ber 
eiitjelnen  (S^eguti&gegenftänbe  mitjutl^eilen,  ton  einem  oorgängigen  SSerlangen 

ber  6^au  abl(|fingig  ju  madEien,  nid^t  anertannt  n)erben.  2)ad  geltenbe 
9t«l^t,  toet^ed  ed  in  ä(nfel^ung  ber  3nt)entarifationdpf(id|)t  ebenfalls  bei  ben 
allgemeinen  ©ninbffi^en  über  btn  9liegbraud^  bemenben  (ägt  (oergt.  preug. 

a.  2.  m.  II,  1  §  231  Derb,  mit  I,  21  §§  21  ff.;  fäd^f.  ®.  S3.  §  1655  oerb.  mit 
§  632),  ffot  in  biefer  Sejie^ung  }u  praftifd^en  Uebelftänben  nid^t  geführt, 
ffio  bie  Sufnal^e  eined  SSerseid^niffed  burd^  ben  Seemann  biöl^er  ni^t  übtid^ 
gewefen  ift,  wirb  fte  aud^  fünftig  unterbleiben,  fo  longe  fie  nidfit  oon  ber  ß^e* 
frou  oerlangt  voith.  ©teilt  bie  le^tere  ein  fold^ed  93er(angen  an  ben  @()emann 
nid^t,  fo  giebt  fte  baburd^  ju  erfennen,  bag  fie  auf  bie  SRitt^eilung  eined 
fo((^  Sei^ei^niffed  feinen  SBert^  legt,  unb  fann  fte  bed^alb  ben  @^e^ 
mann  iDegcn  9lid^terfüUung  ber  ^ier  fraglid^en  SBerbinbUd^feit  nid^t  oerant:" 
mortlic^  mod^en. 

c)  3luc^  ber  Slnroenbbarfeit  ber  §§  1005,  1006  ftel^en  gegrünbete  Se*  st^erung  ber 
benfen  nic^t  entgegen  (oergl.  in  2[nfe^ung  be«  gemeinen  beutfdjien  9Jec^te«  (gntfd^.  y^^)'"?  ; 

b.  ».  ®.   in  Cioilf.  vn,  35  r  ferner  preufe.  Sl.  £.  31.  II,  1  §  255;   föd^f.     y\  ' 
®.S.  §§  1669,  1684;  olbenb.  ®ef.  o.  24.  äpril  1873  Slrt.  11).    Snöbefonberc  ^"\  ;/  ' 
mirb  boö  3wtereffe  ber  ©laubiger  befi  ©^cmanneö  babur^,  ba§  ber  G^cfrau  nod^ '  4  .:    \\ . 
Mo|gabe^be«^§J.005  ein  9lcdf|t  auf  ©id^er^eitdleiftung  beigelegt  wirb  unb  bem'^"'     * 
gemäg  eitte  ouf  ®runb  biefer  Seftimmung  il;r  Don  bem  ©bemanne  beftcUtc  ;';  '• ; ' '  .' 
£i<^^t  ber  9(nfe'$iiing  oon  Seiten  ber  ©laubiger  beö  (Sl^emanne«  auf  ®runb    .  '' 

be«  §  25  91r.  2  ber  ftonf.  D.  unb  bed  §  3  3lr.  4  beö  9i.  ®ef.  o.  21.  3uli  1879  /^  •  • 
ni^^üilt|erliegt,  nic^t  gefä^rbet,  ba  nadf)  bem  mit  bem  §  1004  in  engem  ^wfö.mmen^ 
^nge  ftefeiiSeh  §  1005  ber  @igent^ämer  oon  bem  31iegbraud^er  nid^t  ziwa  megen 
SermogendperfaUed  bc«  le|teren,  fonbern  nur  bann  ©id^er^eitßleiftung  ju  oer-  * 
langen  bered^tgt  ift,  wenn  bie  Seforgni^  ber  SJerlc^ung  bcr  3lcd^te  bcö  ©igen* 
t^ümerfi  in  änfebung  ber  einjclnen  bem  JJicfebrauc^e  untcriiegenbcn  ^aä)m 
begriinbel  tfi.  6d  l^anbelt  fid^  in  bem  galle  bed  §  1005,  äi)nlicS)  mie  in  bem 
JaHe  bed  §  775  »bf.  3  ber  ß.  5ß.  D.,  nur  um  bie  »cftellung  einer  Sid^erlieit 
für  ben  .burd^,  femerefl  j^uioibertLanbeln  cntftel;enben  fünftigen  Sd^abcn.  S)ie 
Smocftbbarteit  ber  §§  1005,  1006  gemährt  anbererfeitö  ben  großen  93ortl^eil, 
bofe  bie  e^efrau,  rotnn  ber  (Seemann  i^re  SRe^te  ucrle^t,  nidfit  immer  ju  bem 
öufeerften,  tief  eingreif enbcn  unb  bcö^ialb  möglid^ft  ju  uermeibenben  ©cbrittc 
gebrangt  wirb,  auf  ®runb  beö .  §  1328  3}r.  1  bie  gänjlid^e  Slufbebung  ber 


1 86  9flufeme§un0  beö  (Sfeeßuteß.  Surf  griffen  über  5mc66raud&.  §  1292. 

xMm   e^cUiJcn  ?lu|nic6unö  unb  SBcrtoattung  ju  verlangen.    SBcrfdfiicbenc  neuere 

'^**  *  *   (icfefce  gcjoä^rcn  ber  ß^cfrau  ium  ©d^ufee  tfirer  Siedete  aufeerbem  o^ne  diüd^ 

fid^t  barouf,  ob  ber  ß^cmonn  burd^  [ein  SBer^alten  bic  SBeforgnife  einer  SBcr* 

iefeung  ber  SRed^te  ber  G^efrau  bcgrünbet  ^at,  an  ©teile  ber  burc^  altere 

Siechte,  inöbefonbere  burc^  bie  fäd^f.  ^Prajiö,  mit  ben  übrigen  ©otalprioilegicn 

beö  röm.  Slcd^teß  auf  bic  SD^ten  ber  ß^efrau  übertragenen  gefcfelic^en  ^rjpotöct 

(Dcrgl.  au^  code  civil  3lrt.  2121,  2135,  2136)  einen  gcfeglid^en  a:itel  ouf  Sc* 

ftcBung  einer  ^Xjpot^d  an  ben  ©runbftüden  beö  ©tiemanneö  (üergl.  inöbef. 

preufe.  Stt.  2.  %  II,  1  §  254  unb  preufe.  2luöf.  ®ef.  jur  beutf^en  Äont  D. 

l.\  C<^  '/y.t).  6.  9Wärj  1879  §  4;  föd&f.  ®. ».  §  390;  olbenb.  ®ef.  v.  24.  äpril  1873 

^iiyi^.6  "m%xi.  14).    3n  ber  a3erpflid[|tung  bcö  ©l^entanncö  jur  SeftcHung  einer  fold^eii 

i^-T;'^      .    ^ppot^ef  fann  jcbod^  eine  fc^roere  Söcnad^t^ciligung  ber  roirt^fc^aftlid^en  83er== 

^^^^r*        ')*'*^^ff^  ^^*  ®^cmanncö  liegen.    Sic  ift  um  fo  gröfeer,  wenn  bie  ^gpot^ef 

^rUh^J^TL   nic^t  bloß  für  ben  Slnfprud^  auf  ®rfafe  be«  SBert^eö  ber  bcm  ©bemanne  nod^ 

(f^9ii  ben  ©runbfäjcn  über  ben  9iie§braud&  wx  ücrbrauc^baren  ©a^en  alö  ©igem 

t^um  übcrlaffencn  S^egutögcgenftänbe  (ücrgl.  §  1295  nebft  SRotiücn),  fonbcm 
audf)  für  fold^e  9lnfprüc^c  bcftellt  merben  foU,  rocld^e  nod^  gar  nid^t  entftanben 
finb,  fonbern  mogliddcrmeifc  auö  einer  SBcrlefeung  ber  bcm  ©bemanne  auf 
®runb  ber  el^cli^en  9iu|niegung  unb  SBernialtung  obliegenben  ^erpflid|)tungen 
entfielen  fönnen.  ®ie  ®efal|r,  roeld^c  für  ben  ©bemann  in  ber  Icbiglid^  oon 
ber  äSiillfür  ber  ©^efrau  ab^öngcnben  ®eltenbmac^ung  eined  folc^en  Steci^ted 
liegt,  wirb  jroar  erl^ebli^  oerringert,  wenn  baö  3le^t  ber  Ehefrau,  wie  bicd 
na^  bcm  preufe.  ®cf.  o.  6.  SDlärj  1879  unb  bem  olbenb.  ®ef.  t).  24.  9lprit  1873 
ber  gall  ift,  auf  baö  erfte  3al^r  nad&  ©ingcljung  ber  ©^c  bcfd&ränft  mirb.  3n 
bemfelbcn  SJlafec  fd^roinbct  aber  burd)  eine  fold^c  Sefc^ränfung  ber  mit  ber 
fraglid&en  Seftimmung  für  bic  ©^efrau  ucrbunbcnc  9lufeen.  35er  natfirlid^e 
®ang  ber  gefd[|icöttid&en  ©ntroidfetung  bröngt  ba^in,  aud[i  biefen  legten,  ber 
©^efrau  roenig  nügcnbcn  SWeft  ber  ©olatprioilegien  ju  befcitigen,  jumat  bie 
unbcbingtc  ®cit)äl)rung  bcö  3led^tcö  auf  SefteUung  einer  ^i)potl^ef  aud^  bie 
®läubigcr  bcö  ©^emanneö  ju  gefä^rben  geeignet  unb  mit  ber  S^cnbcni  ber 
9ieid^sgefc|gcbung,  inöbcfonbcrc  ber  Äonfuröorbnung,  bic  ©^efrau  nic^t  oor 
anberen  ®läubigern  beö  ©^emanncö  ju  begünftigen,  nid[|t  Dcreinbar  ift.  Um 
fo  unbebenflid^er  ift  es,  ber  ©^cfrau  iencö  SRec^t  ju  Dcrfagen,  als  bic  ®efal^ren, 
iucld)en  bad  ©l^cgut  in  ^olgc  ber  bcm  ©bemanne  baran  suftc^enben  Sted^te 
ausgefegt  ift,  burd^  bic  Scftimmungcn  bcö  ©ittwurfeö  über  bic  Scgrcnjung 
biefer  9led()tc  unb  bie  9luöbel)nung  ber  Sefugniffe  ber  ©Ijefrau  (ücrgl.  inöbcf. 
§§  1004,  1824  3lbf.  2,  §§  1033—1036  Derb,  mit  §  1292,  ferner  §§  1294, 
1318—1320),  wenn  aud^  nidöt  oöUig  befeitigt,  fo  bod^  im  5ßerglei^c  mit  bcm 
beftet)enben  Siedete  ert)cblic^  ücrringcrt  finb. 
»ennietöutifl  j)  Slnlaugcnb  ben  §  1008,  fo  tann  bic  2lnmcnbbarfcit  biefer  Scftimmung 

vüAtmi/üon  auf  bic  cl)cli^c  Jlugnicfeung  feinem  ^^^if^'  unterliegen  unb  nur  bic  grage 
runbpden  öufgcmorfcn  roerben,  ob  cö  fidj  nid&t  empfietitt,  bcm  ©bemanne  jum  3iüecfc  ber 
©id)erung  eines  angcmcffcncn  ©rtrageö  ber  eticlid^cn  9iufenic|ung  auf  bcm 
Üßege  ber  33crmictl)ung  ober  äJcrpad)tung  oon  ©l;egnutbftudfcn  rocitergcl^enbc 
^Med^tc,  alö  fid^  aud  bem  §  1008  ergeben,  beijulegcn  unb  ju  bem  ©nbc  fein 
SSerroaltungörcd^t  (§§  1317—1319)  in  ber  einen  ober  anberen  9lrt  ju  ermciteru 


3lu$nie§unö  bcö  S^eaute«.    Sorf^riften  über  5ftic§braud&.    §  1292.         187 

(oergL,  fooiel  bic  portihitäre  ©ütcrgemcinfd^aft  betrifft,  code  civil  9lrt.  1429, 
1430;  bttb.  S.  SR.  Bai  1430  a;  ^eff.  entto.  IV,  2  3lrt.  452;  tüürttemb.  ©ntw. 
§  119).  Scn  auf  bem  33oben  bcr  aSerTüQltunflöflcmeinfd^aft  fte^enben  SRcd^ten 
^  icboc^  bcrartige,  baö  3lc6)t  beö  @^emanneö  über  bie  (Srunbfäfec  beß  Jliefe« 
broud^cd  ^inoud  errocitcrnbe  SBcftimmungen  frcmb  (t)crgl.  prcufe.  91.  2.  9t.  II,  1 
§  231  ocrb.  mit  I,  21  §§  388,  389;  fäc^f.  ®.  33.  §  1655  Derb,  mit 
§§  1222—1226),  o^nc  bafe  in  bcr  ^ßrayiö  ba«  %tf)ltn  folcfier  Seftimmungen 
ab  ein  SKangel  empfunben  ift.  ©ine  9lenberung  beö  befte^cnben  SRed^teö  in 
ber  ^ier  fraglid^en  9iic^tung  ift  um  fo  bebenfUd^er,  ate  burd^  eine  fo(d^e  (Sv^ 
iDeiterung  bed  SSenoaltungdred^ted  beö  @t|emanned  auf  ber  onberen  @eite  baö 
3ntercRe  bcr  (Sl^efrau  in  l^ol^cm  SRafee  gefäl^rbct  werben  fann.  ©ntfpri^t  bcr 
Sbfd^Iug  bed  Sniettf^  ober  $ad)tpertragcö  unb  ber  2^\f)alt  beöfclbcn  bem 
3ntereffe  bcr  (g^cfrau,  fo  wirb  bicfclbc  uon  felbft  il^rc  (ginroiUigung  baju  geben. 
3ür  bic  fcltenen  §öUc,  in  metd^cn  bic  @()cfrau  i^rc  (Sinmilligung  auö  bofem 
SBiücn  Dcrfagt,  braud^t  bcfonbcrc  SBorforge  im  ©cfcfcc  ni^t  getroffen  ju  merben. 
SSJcilcr  fommt  in  Sctrad^t,  bafe  eö  audd  mit  großen  ©c^roierigfeitcn  Dcrbunben 
ift,  bic  Sormiöfcgungcn,  von  rod6)cn  bod  erweiterte  9tcd)t  bed  Seemannes  ah 
Wngig  fein  foU,  in  einer  angemcffencn,  allen  3nteref[en  SRed^nung  tragcnbcn 
äSBcifc  }u  bcftimmcn. 

e)  3la(i)  ben  ©runbfoftcn  oom  SWic^braud^c  ftcfjt  beim  93cginne  beö  Siiefe^^  ««i«*  *>«i' 
brau(^s  bem  (gigcnt^ümcr  in  Slnfel[iung  bcr  Soften,  meldte  er  auf  bie  ^eroor^^  ^t^en^^* 
bringung  bcr  bei  S3cginn  beö  SHefebraud^eö  nod^  nid^t  getrennten,  bem  3lie§* 
brauc^r  jufallenbcn  t^d&te,  mcnn  aud^  innerfialb  ber  Orenicn  n)irt^fd^aftlid)en 
Scrfa^rcnö,  Dcnocnbet  ^at,  fraft  ©cfefecö  ein  ©rftattungsanfprudi)  nid^t  ju, 
wtt^renb  umgcfc^rt  für  ben  gall  bcr  ©ecnbigung  beö  9Uefebrau^eö  bcr  §  1009 
bem  9Ucgbtaud^cr  gegen  ben  @igentf)ümcr  einen  fold^en  (Srftattungöanfprud^ 
(jciöä^rt.  3)ic  a^nrocnbbarfcit  beö  §  1009  auf  bic  c^eUd[ie  Jlnfenicfeung  fann 
feinen  Änftanb  finben.  2)agcgcn  ift  cö  nid^t  ol;nc  S^eifcl,  ob  eö  fid^  nid^t 
empficf|It,  in  crftcrer  93ejie^ung  für  bic  el^clid^e  Jlufenie^ung  bic  ©runbfäge 
über  ben  ^licfebrauc^  ju  mobifijiren.  2)ic  SilligfcitörüdEfid^t,  rocld^c  ju  bcr 
33c|timmung  beö  §  1009  gcfülirt  f>at,  fd)cint  bafür  ju  fprec^en,  bei  ber  c^c? 
lid^n  9Ju|mc6ung  bcr  6f|cfrau  in  fold)cn  %&Ua\,  in  meldten  roäl)reub  beftc^enber 
.  6|fc  }um  SBcrmogen  bcr  ®^cfrau  gc^orcnbc  ©cgcnftänbc  fraft  beö  (Sefc^eö  ober 
auf  ©runb  beö  §  1331  bcr  e^clid)cn  9lu|nie§ung  unterroorfen  merben,  einen 
gleid^cn  6rfa|anfpru(^  gegen  ben  ©bemann  ju  geben.  3nbcRcn  fönncn  blefe 
8illigfeilörücffid^tcn  nic^t  alö  burd^fd^Iagcnb  crad^tct  roerben,  um  eine  Slbmcid^ung 
oon  ben  allgemeinen  SSorfd^riften  über  ben  SUefebraud)  in  bcr  Ijicr  fraglid)cn 
Mit^tung  JU  re^tfertigen,  jumal  bie  einjcincn  l^icr  in  33etrad^t  fommenbcn  gcillc 
wrf^iiebcn  liegen.  Suöbcfonbcrc  fe[)lt  cö  an  einem  genügenbeu  ®runbe,  bem  ®^e* 
manne  in  folc^cn  göUen  bic  aScrpflid^tung  jum  ©rfage  ber  Äoften,  welche  auf  bic 
.fecroorbringung  bcr  bei  bem  33cginnc  bcr  c[)elid()cn  Shignicftung  nodd  nid^t 
getrennten  grüßte  aufgcmcnbct  ftnb,  naä)  älla^gabc  beö  §  1009  aufjucrlegeu, 
in  welchen  bic  (g^efrau  mä^rcnb  ber  6f|e  burdt)  ein  läftigeö  Sted^tögef^öft 
unter  Sebenben,  j.  S.  bur^  iaufd),  ober  in  roefd^cn  fie  burd^  Sd()cnfung  einen 
in  baö  e^cgut  fallenbcn  ©egenftanb  erioivbt.  3n  fallen  ber  erftercn  9trt  ift 
bie  ®>efrau  in  bcr  Sage,  fid)  ben  ©rfa^  bcr  fraglidt)en  ftoftcn  burdji  eine  SSer* 


188  9lufemc§uno  bce  S^egutcg.  93orf d&rif ten  üBer  9lie§brau(j&.  §  1292. 

clnbarung  mit  bem  ©ficmonnc  t)or  bcm  ©rroerbc  p  ftd^crn;  in  bcn  gfiUcn  her 
leiteten  9lrt  fommt  ed  auf  bie  älbfid^t  bed  ©d^enlerd  an.  älud^  in  ätnfe^ung 
bed  ©rmerbcd  bcr  (g^cfrau  burd^  ©rbfolge  ober  SScrmöc^tnife  ift  ein  SBebürfnlfe, 
t)on  bcn  allgemeinen  Orunbfäfeen  abjuweid^en,  nid^t  onjuertenncn,  um  fo  weniger, 
ald  bie  @^efrau  felbft  bie  fraglid^en  5loften  l^ier  nid^t  aufgemenbet  l^at.  älnberö 
Hegen  bie  SJerl^äitnlffe  atterbingö  in  bem  gaUe  bcö  §  1331;  inbeRen  empfiehlt 
eö  ftd^  nid^t,  für  biefen  befonberen  gall  eine  baö  ©efeft  f ompUjirenbe  fafuiftlfd^e 
SSorfd^rift  ju  geben.  3lld  ein  ongemeffener  3ludn)eg  fann  ed  audEi  ni^t  ettoa 
zxacS)iü  n)erben,  für  bie  etieli^e  92ugnie^ung  bad  befonbere  ^rin^ip  aufjufteDen, 
bafe,  fofern  ber  @^emann  auf  Orunb  bed  §  1009  t)on  ber  (Stiefrau  ©rfafe 
forbert,  anbererfeite  aud^  ber  (enteren  ein  entfpred^enber  @rfoganfprudE|  }ufte^en 
foll,  inbem  eine  berortige  Seftimmung  —  abgefel^en  t)on  ben  gegen  eine  SSb« 
toeid^ung  ton  ben  allgemeinen  SSorfd^riften  über  ben  92iegbraud^  bereits  ^eroor« 
gehobenen  öebenfen  —  ju  großen  praftifd^en  ©d^roierigfeiten  fül^ren  fann, 
n)enn  eine  äludgleid^ung  megen  ber  beiberfeitigen  5loften  DieUeidEft  erft.  nadEi 
langen  So^l^cn  erfolgen  foll. 
üfftiidift  «ut*  f)  Sluc^  bie  aSorfd^riften  über  ben  SWiefebraud^  an  ^orberungcn  (§§  1028 

^orbewngw.  l^i«  1087)  ftnb  —  abgefet)cn  t)on  ben  befonberen  SBeftimmungen  beö  §  1029 
Stbf.  3  unb  beö  §  1030  über  ben  3lie§braud&  an  gorberungen  auf  fieiftung 
Dcrbraud^barer  Baä^m  (oergl.  §  1294  nebft  9Kotit)en),  foroie  abgefe^en  t)on  bem 
§  1032,  beffen  Unanmenbbarfeit  auö  bem  ^rinjipe  bed  §  1293  (oergl.  Tlotiot 
baju),  unb  abgefe^en  t)on  bem  §  1037,  beffen  Unanmenbbarleit  aud  bem  §  1283 
pd^  crgiebt  —  jur  Slnroenbung  auf  bie  elielid^e  Sßufenie^ung  geeignet. 

S>en  bei  Siegelung  bed  äSerfügungöred^ted  bed  @^emanneö  in  Slnfel^ung 
ber  jum  ®^egute  ge^brenben  gorberungen  in  93etradt|t  f ommenben  t)erfd^iebenen 
JHüdEfidtiten,  nämlid^  einerfeitö  ber  SRürfftd^t,  bem  ©bemanne  bie  nötl^ige  freie 
93eioegung  ju  geftatten  unb  eine  angemeffene  9lu|ung  bed  @l^eguted,  foioeit 
badfelbe  in  gorberungen  beftel^t,  ju  ermogtid^cn,  anbererfeitd  ber  SWirffid^t  auf 
bie  ©id^erung '  ber  ®^efrau,  wirb  burd^  bie  SBorfd^riften  über  ben  Sliefebraud^ 
an  gorberungen  in  SSerbinbung  mit  ben  bie  e^elid^e  aSerroaltung  betrcffenben 
33orfc^riften  ber  §§  1317,  1323  in  angemeffener  2Beife  SRed^nung  getrogen. 
Sndbefonbere  fe^lt  ed  an  genügenben  ©rünben,  bad  nadEi  §  1028  (t)ergl.  aud^ 
§  1035)  bem  9iiegbraudE|er  einer  nid^t  auf  3i^f^^  audftel^enben  ^orberung 
juftel^enbe  SRed^t,  bie  gorberung  felbftänbig  einjugiel^en,  bei  ber  eJ^elid^en  9iu|^ 
niefeung  etwa  in  ber  einen  ober  anberen  9lrt  ju  befd&ränfcn.  'iS)a&  im  fäd^f. 
®.  S9.  §  1677  unb  in  ben  ©efcgen  tjerfd^iebener  t^üring.  ©taaten  (oergl.  j.  S. 
altenb.  (g^eorbn.  t).  1.  ÜJJai  1837  §  138)  für  bie  ©rl^ebung  unb  ©inHagung 
ber  jum  @^egute  ge^örenben  gorberungen  Don  ©eiten  bed  ®§emanned  ganj 
allgemein  Dorgefc^riebene  Srforbemig  bcr  @inn)illigung  ber  (S^efrau  vermag 
ber  lefeteren  reale  ©id^erl^eit  bod&  nid^t  üu  gema^rcn,  ba  ber  ©bemann  fraft 
feiner  9{u|niegung  unb  93ermaltung  ein  Siedet  barauf  l^at,  ba^  ber  ©egenftanb 
bcr  J^orbcrung,  indbefonbere  bie  ju  er^cbcnben  (Selber,  in  feine  $änbe  gelangen 
(uergl.  §  1292  oerb.  mit  §  984).  S)ad  ©rforbemife  ber  ©inrollligung  bcr 
6f)efrau  gemährt  bcr  leßteren  aUerbingd  ben  SBort^eil,  bafe  fie  fidler  ift,  von 
ber  ©rl^ebung  ber  gorberung  ftenntnig  )u  crl^alten,  unb  baburd^  in  bcn 
©tanb  gefegt  mirb,  5u  überroad^cn,  bag  ber  ©bemann  mit  bem  erl^obenen 


9ht^nteBun0  be«  Sl^eguted.  äSorf Triften  über  9tie&Brau(g.  §  1 292.  1 89 

©fflcnftanbe,  nomcntlid^  mit  bcn  crlf^obencn  ©elbbcträgen,  mä)  SWofegabc  ber 

«efrimnmngett  über  bic  c^clid&e  »crroaltung  (§§  1317,  1323)  pPid^tmäfeifl 

oerifd^rt,  unb  nSt^igenfaKd  il^re  9led|te  gegen  ben  ©(lemann  gerid^tlid^  ge(tenb 

ju  machen  (§  1292  oerb.  mit  §  1004,  §  1324).   liefern  SBort^eile,  roeld^ec  ftd^ 

übrigend  oud^  bireft  baburd^  erreid^en  liege,  bog  baö  ©injie^ungöred^t  bed 

Slftmannt^  von  einer  Dorgöngigen  9ßitt(|eilung  über  bie  beuorftel^enbe  ©in^ 

iie^ung  an  bie  S^efrau  abl^öngig  gemad^t  mürbe,  fte^t  inbeffen  ber  9tad^^ 

tbeil  gegenüber^  bog  burd^  bod  @rforbernig  ber  @inmiDigung  ber  Sl^efrau  }ur 

Sin^ie^ung  ber  ^orberungen  ober  burd^  baö  (^rforbernig  einer  oorgängigen 

9Ritt(|ttIung,  aud)  menn  man  baö  eine  ober  anbere  Srforbernig  auf  ©elb^ 

forberungen  befdtfränfen  moUte,  ber  ©l^emann  in  feiner  freien  S3emegung  ju 

fe^  ge^mt  mirb,  unb  biefer  ^{ad^tl^eil  ift  iebenfaDd  bei  nid^t  oerjindlid^en 

Sorbtrungen,  bei  meldten  eö  fid^,  roenigftcnd  in  ber  SRegel,  um  geringere 

betrage  ^nbelt,  bie  nid^t  ju  einer  Kapitalanlage  beftimmt  finb,  fonbern  ben 

3ioe(fen  ber  laufenben  93ermaltung  bienen,  ald  übermiegenb  anjufe^en.   ^ciin 

fommt,  bofe  in  bem  größten  S^^eile  beö  ber  SSermaltungögemeinfd&aft  an* 

ge^orenben  Stedbtftgebieted,  indbefonbere  nad^  bem  gemeinen  beutfd^en  9{ed^te,  bem 

mvi%.  «.  S.  dt.  II,  1  §§  233  ff.  unb  bem  olbenb.  ®ef.  x>.  24.  Slpril  1873  9lrt.  7 

lit^  b^  ber  (Seemann  in  ber  @in)iel^ung  uon  forberungen  ber  l^ier  fraglid^en 

9rt  nid^t  befd^rfintt,  bemfelben  oielmel^r  in  älnfe^ung  fold^er  forberungen 

über^upt  baö  SRed^t  freier  SSerfügung  eingeräumt  ift.    S)aö  prcufe.  ST.  2.  91. 

unb  bod  olbenb.  ®ef.  unterfd^eiben  in  biefer  93eiiel^ung  allerbingd  nid^t,  toie 

ber  entnmrf,  jwifd&en  üerjindUd^en  unb  nid&t  oerjindlid^en  gorberungen,  fonbern 

}iDif(^  jlopitatien  bejm.  üerbrieften  gorbenmgen  einerfeitd  unb  fonftigen 

^berungeit  anbererfeitd  unb  räumen  nur  in  Slnfel^ung  biefer  lefeteren  gorbe:! 

nuigen  bem  (S^emanne  bad  freie  Serfügungdred^t  ein.    3m  ©rogen  unb 

(Sanken  fällt  aber  biefe  (entere  Unterfd^eibung,  meldte  ber  @ntmurf  aud  praftifc^en 

©rünben  abgelehnt  l^at,  mit  ber  bem  ©ntrourfe  ju  ©runbe  liegenben  Unter* 

f4ieibung  jufammen,  ba  in  ber  großen  SKe^rja^I  ber  gäUe  nid^t  auf  ^in^tn 

audfle^enbe  forberungen  mirt^fd^aftlid^  nid^t  ben  jlarafter  von  Jtapitalien  ober 

verbrieften  forberungen  ^aben.    gel^It  ed  l^iemad^  an  einem  audreid^enben 

(Sninbe,  in  Xbmeid^ung  t)on  bem  §  1028  baö  @iniiel^ungdred^t  bed  @^emanneö 

in  9nfe§ttng  nid^t  auf  S^^f^n  audftel^enber  forberungen  ju  befc^ränlen,  fo 

tonn  anbererfeitd  ein  93ebürfni6,  bad  93erfügungdred^t  bed  (S^emanned  in 

Snfe^ung  foldber  forberungen  über  bie  Seftimmungen  bed  §  1028  l^inaud,  fei 

ed  fraft  ber  e^elii^en  9iu^niegung  ober  fcaft  ber  c()elic^en  ^ermaltung,  ju 

moritern,  abgefel^en  t)on  ber  SBorfd^rift  bed  §  1318  3lx,  2,  nid^t  anerfannt  unb 

im  Sntereffe  ber  ©id&er^eit  ber  @^efrau  auc^  nid^t  ald  angemeffen  erad&tet 

loenien. 

Sioeifel^aftcr  fann  ed  fein,  ob  nid^t  burd^  bie  3lnn)enbung  ber  §§  1033,  ^^'^^.^jI"^^^^^^ 
I0B4  (oergl.  audt|  §  1035)  über  ben  Sliegbraud^  an  einer  auf  3infeu  aiiö-  ^"rbcvunflcn 
fte^enben  ^orberung  auf  bie  e^elid^e  92u|niegung  bie  Siedete  bed  @^emanned 
\a  fe^r  eingefc^räntt  merben,  unb  ob  ed  jum  Sd^uge  ber  @(|efrau  nid^t  genügen 
mürbe,  loenn  bie  ^ftimmungen  bed  §  1033  nur  infomeit,  a(d  fie  auf  bie 
itünbtgung  ftd^  bqiel^en,  für  anmenbbor  erflärt  mürben,  jlann  bie  Jlünbigung 
nur  xKm  beiben  ©Regatten  gcmeinfdjaftlid^  erfolgen,  fo  ift  bie  ©fiefrau  gegen 


190  ?lujinie§unö  beö  efteßuteö.  Sorf^riften  über  9Hc6braud&.  §  1292. 

eine  cinfeitige  Stenberung  in  her  Slnlagc  i^reö  aSermogcnö  burd^  Äünbigung 
t)on  ©eiten  bcd  @l|emanncö  geftd&crt.  Stud^  crl^ält  bie  6f)efrau,  wenn  nur 
beibe  ©Regatten  gemeinfd^oftlid^  fünbigen  fönnen  unb  beiben  ©Regatten  gemein* 
fd^aftlid^  ju  fünbigen  ift,  bie  ©id^erfieit ,  oon  bcr  beoorfte^cnben  S^Wwng 
überhaupt  Kenntnis  }u  erlangen,  ©ie  wirb  boburd^  in  bie  Soge  t)erfe|t,  übers 
road^en  ju  fönnen,  ob  bie  3oi&Iung  bcntnädtift  erfolgt  unb  ber  ©f)emann  bcn 
erl^obenen  S3etrag  nod^  SKafegobe  bed  §  1323  oerrocnbet,  jumal  fie  nod^  §  1324 
STbf.  1  Derb,  mit  §  591  von  bem  ©bemanne  über  bie  SJcrroaltung  beö  (S^eguteö 
jeberjeit  ^[uöfunft  ©erlangen  fann.  ®egen  bie  Slnroenbung  ber  fonftigen  auö 
ben  §§  1033,  1034  fid&  ergebenben,  über  bie  S3eftimmungen  bcö  §  1028  l^in* 
auöge^enben  Scfd^ränfungen  auf  bie  el)d\(^e  5ftufenie&ung  fann  baß  Sebenfen 
geltenb  gemad^t  werben,  bafe  biefelbcn  auf  einem  SRifetrauen  gegenüber  bem 
5Rie6braud&er  bcrul^en,  ein  fold&eft  SRifetrauen  aber  bem  jmifd&en  ben  ©^e^ 
gatten  beftel^enben  SSertrauenöoerl^ältniffc  nid^t  entfprid^t.  3^effen  oerlicrt 
biefeö  S3ebenfen  an  ©eroid^t  burc^  bie  ©rmägimg,  bafe  bie  in  Siebe  ftel^cnbcn 
SBorfd^riften  nid&t  fpejiett  für  bie  ef)elid^c  SRufeniefeung  beftimmt  finb,  fonbcru 
baß  cd  pc6  nur  um  bie  3lnn)enbung  ber  für  ben  SRiefebraud^  überl^oupt  geltcnben 
SSorfd^riften  auf  bie  e^elid^e  5Rufenie6ung  ^anbelt.  Sei  biefer  ©ad^Iage  ift  Wc 
grage  ba^in  ju  ftellen,  ob  überroiegenbe  ®rünbe  bafür  fpred^en,  oon  bem 
^^Jrinjipe,  bie  efielid&e  SRufenieftung  nad&  ben  ©runbfaften  t)om  9lie|braud^c  ju 
geftaltcn,  in  ber  ^ier  fraglid&en  93ejiel)ung  eine  9luönal[)mc  ju  mad^cn.  ®icfi 
ift  aber  ju  Derncinen.  5!Benn  bie  beftel^enben  Siedete,  inöbcfonbere  aud^  bie 
neueren  P55cfeftgcbungen,  in  bcr  33efd&ränfung  bcö  ©^emanncö  in  3lnfe^ung  bcr 
aSerfügung  über  bie  l;icr  fraglid^en  ^orberungen  nid^t  fo  meit  ge^en,  mie  bie« 
bei  ber  Slnroeubung  ber  §§  1033,  1034  ber  gaU  ift,  inbem  fte  bie  Serfügung 
beö  ©^emanncö  nur  an  bie  ©inroilligimg  ber  S^efrau  binben  unb,  abgefc^en 
t)on  bem  olbcnb.  Oefege,  bie  gcrid)tlic^e  ©rgänjung  biefer  ©inroilligung,  rocnigftenfi 
unter  gcmiffeu  SSorauöfc^uugen,  julajfen  (ocrgl.  preufe.  91.  S.  91.  II,  1 
§§  233  239;  fäd)f.  ®.  ».  §§  1677,  1657),  fo  barf  nid&t  unbcrüdfrtd&tigt  gc* 
laffen  werben,  cina^feitö,  bafe  biefelbcn  aud^  bem  5Rie§braud|cr  in  9lnfet|ung 
bcr  l^icr  fraglid^en  gorbcrungcn  im  SlBgemcincn  eine  freiere  ©teUung  einräumen, 
anbercrfcitö ,  ba^  biefelbcn  baä  SBermögeu  ber  ©l^efrau  burc^  anbere  3Rttte( 
(©inröumung  eines  ^fanbrcd^tötitcte,  SRcd^t  auf  ©id^erl^eitöleiftung  u.  f.  xo.) 
fidöeräuftcllcn  beftrebt  ftnb,  bicfe  9lrt  bcr  ©idöcrftcDung  bcr  ©dcfrau  obn: 
üon  bem  ©ntwurfe  mit  SHüctfid^t  auf  baö  3ntcref[c  bcr  (Gläubiger  —  obgefe^cn 
von  bem  ^allc  bcö  §  1005  —  grunbfäfelid^  abgcleljnt  ift  (ocrgL  oben  ©.  185  ff.). 
3mar  gicbt  bcr  ©ntmurf,  mcnn  ber  ©bemann  bie  i^m  in  9lnfel(iung  bcr  e^elid^en 
^lufeniefeung  unb  SScrmattung  obliegenben  äJcrpfltd&tungen  Dcrteftt,  nad^  näherer 
Seftimmung  beö  §  1006  ocrb.  mit  §  1292  unb  bcö  §  1328  dlv.  1  bcr  ©^efrau 
ba^  JWcdfit,  bie  ©cqucftration  bcö  ©ticgutcö  bcju).  bie  gänjlid&c  Slufl^ebung  bcr 
cl)clid[|cn  9lu^nic6ung  unb  i^rroaltung  ju  ocriangcn;  allein  bie  ,^ütfc  auf 
biefcm  aScgc  fommt  oft  ^u  fpät,  unb  ift  cö  im  ^ntercffe  ber  ©^e  überhaupt 
angcmcffcncr,  baö  löcrl^ältni^  ber  cf|clid)cn  ^Jufenicfnmg  unb  aSermaltung  t^un* 
üc^ft  t)on  Tjontl^ercin  fo  ju  geftaltcn,  bafe  bie  ©fiefrau,  mcun  fie  ®runb  l^at, 
ifirem  ©ficmanuc  5u  mißtrauen,  uirf)t  gen5tf)igt  wirb,  fofort  ju  ienen  tief* 
cingrcifcnbcn  aWittctn  il;rc  3wP"<^t  S^i  ncl^mcn.    ©inen  angemeffenen  9(uöioeg 


SHu^nifgung  beö  @(eGuted.    SScrf^nften  über  9}i#rau(^.    §1292.        191 

in  biffcr  Scjicl^ung  bieten  bic  SSorfd^riftcn  ber  §§  1033,  1034.  ©le  geroä^reit 
einen  jroedfmafeigen  6rfa|  für  fonftigc  mit  bem  Sntereffe  bcr  ©täubiger  bcö 
S^anneö  nld^t  vereinbare  Sid^er^eitdmagregeln  unb  fmb  ein  eintrieb  für 
ben  Sämann,  bei  ber  SSermaltung  beö  @^eguted  Sdled  ju  Dermeiben,  roas  ber 
S^efrau  gu  SÜigtrauen  älnlag  geben  fönnte.  "S^ann  n)irb  bei  normalen  @^en 
baft  Ser^ä(tmg  ftdg  oon  felbft  ba^in  geftalten,  bag  bie  @^efrau  bem  @f)emanne 
bic  erforberlid&en  SSoUmadöten  ju  einer  uneingcfc^rftnften  aSerroaltung  bed  ®{|c= 
gutes  aud^  in  Änfe^ung  ber  l^icr  fraglid^en  gorberungen  ertl^eilt.  3n  einjelnen 
Sejie^ngen  loerbcn  übrigens  bie  SBorfd^riften  ber  §§  1033,  1034  in  if)tcv 
Änroenbung  auf  bie  e^elid^e  SRufeniefeung  burd^  bie  SBorfd^riften  über  bic  cl^elid^c 
»ermaUung  (Dcrgl.  §§  1317,  1318  SRr.  2,  1323)  mobifijirt.  gnmieroeit  bicö 
ber  ^0,  braucht  iebodi  l^ier  ebenforoenig,  n)ie  in  anberen  ^öUen,  gefegUd^ 
bcfonberö  beftimml  ju  werben,  fonbem  fann  unbebenflid^  ber  SBijfenfd^aft 
unb  $rajid  überladen  werben.  Sle^nlid^e  ©rroägungen,  roie  biejenigen,  meldte  .^n^abcr. 
ber  anioenbbarfcit  bcr  §§  1033,  1034  baö  SBort  reben,  fprcd^en  bafür,  audb  '"""''" 
bie  befonbcren  öcftimmungen  beö  §  1036  über  ben  9lie§braud^  an  einer  ©döulb:^ 
pctfd^reibung  auf  Snl^aber  ober  an  einer  Äftie  auf  bie  el^clid^c  SRufcniefeimg 
uneingefc^ränlt  an}un)enben.  ^em  geltenben  Sted^te,  inöbefonbere  aud^  ben 
neueren  ®efe|flebungen  (oergl.  prcufe.  SÄ.  2.  SR.  II,  1  §§  231,  233,  247 ;  fäd^f. 
®.8.  §§  1677,  628;  olbenb.  Oef.  t).  24.  3lpril  1873  STrt.  5,  7  lit.  b),  finb 
berartige,  bod  Stcd^t  bed  @^cmanned  auf  bie  auöfd^lieglid^e  ^in^abung  ber  i)ier 
froflli^en  Rapiere  befd^ränfcnbc  Seftimmungen  aDerbingö  fremb.  Oegen  bie 
Smoenbung  iener  ^orfd^riften  auf  bie  e^elid^e  SRugnielung  Iö|t  ftd^  ferner 
erinnern,  bag  biefelben  mit  bcr  Stellung  beö  @^emanned  in  ber  @^e  unb  bem 
)oif(|en  bett  Sl^egatten  bcftel^enben  %ertrauenöt)erl(|ä(tniffe,  weld^cd  bie  natür« 
lüft  ®runb(age  bed  el^cnd^en  ©üterred^tcö  bi(be,  nid^t  vereinbar  feien  unb, 
loenigftend  in  ben  weitauö  meiften  gfiDen,  aud^  ber  tl^atfäd^Iid^cn  ©eftaltimg 
im  Seben  nid^t  geredet  rofirben,  ba%  jene  SBorfd^riften  aufeerbem  bic  SBermaltung 
bei  S^anned  nid^t  unerbcblid^  }u  erfc^meren  unb  ju  Dcrt^euern  brofiten, 
iumal  biefelben  audb  ^uf  bie  Stalonö,  jlupond  unb  ©eroinnant^eilfc^eine  fid) 
bejie^en.  3)iefe  ©e^d^töpunfte  fönnert  jcbod^  gegenüber  ber  Slüctrtc^t  auf  bic 
Sid^er^it  ber  S^efrau  auö  ä^nlid^cn  ©rünben,  wie  bieienigen,  weld^c  für 
bie  Snroenbbarfeit  ber  §§  1033,  1034  oben  ©.  189  ff.  gcitenb  gemad&t  finb,  alö 
bur(^f(^logenb  nid^t  erad^tet  werben,  ©cgenüber  bem  beftel^enben  JRed^tc  inö* 
befonberc  ift  ju  bead&tcn,  bafe  bie  ^nl^aberpapiere  ate  gorm  ber  93ermogend- 
onloge  in  neuerer  'S^xt  eine  weit  größere  93ebeutung  erlangt  b^ben,  ate  bicö 
\A\fcc  ber  %aU  geroefen  ift.  SebenfaHö  fönnen  bie  ben)orgcbobcnen  Sebenfen, 
wenn  man  an  ber  änmcnbbarfcit  ber  §§  1033,  1034  auf  bic  cbcUddc  9lug^ 
niefeung  feft^alten  roiU,  nid&t  bal^in  fül^ren,  bic  SBorfd^riften  bed  §  1036  üon 
ber  9nn)enbbarfeit  auf  bic  cl^clid^c  SRufeniefeung  überhaupt  auö^uf d^lielcn ;  bcnn, 
bo  ber  e^emonn  nad5  ben  §§  1034,  1323  tjcrb.  mit  §  1664  cd  in  bcr  .^anb 
bot,  bie  @^gutdgetber  aud^  in  ben  im  §  1664  bejci^nctcn  3nf)aberpapiercn 
onjulegen,  fo  fonnte  auf  bicfcm  2Begc  o^nc  bic  ätnmcnbbarfcit  bes  §  1036  ber 
intd  ber  §§  1033,  1034,  ber  (g^efrau  in  3(nfef)ung  beö  liier  fraglid^en 
2Vt(eA  l^eö  aSermögenö  eine  größere  ©id^erung  gegenüber  bem  (&l)tmanm  nu 
gewd^ren,  ooüftänbig  oereitelt  werben. 


192        9lutnic§unö  bc^  ei&eöutc9.    SSoif Triften  übet  SlIegBcau*.    §  1292. 

©onfiigesor.  g)  «ßi^t  aniüeubbat  auf  bic  e^elid^e  Slufentcgung  finb  —  außer  bcn 

Wrifu«  Über  j^^^^. ^^  ^^^^  j.^  ^  ^^^^^  g   ^^^  aiigefü^ttcn  §§  1032,  1037   —  bic  SBor* 

9iieibrau<^.  fd^tlfteu  bct  §§  982,  983,  986,  bcs  §  990  ©a|  2  utib  bcö  §  1022.  3nbeffen 
ift  es  nid^t  nöt^ig,  bic  Uuanmenbbarfeit  biefcr  ^eftimmungen  befonberd  aui^ 
jufpred^en,  ba  biefclbe  t^eilö  aus  bor  Scftimmung  bcfi  §  1283,  ba§  bic  cJ^clid^c 
Jlufenicfeung  fraft  ®efe|eö  entfielt  unb  aud^  baö  fünftigc  SSermögcn  ber  ®^c* 
frou  ergreift,  tl^cife  aus  bcr  SSorfd^rift  beö  §  1293  fid^  r>on  felbft  ergiebt  (»crgl. 
bic  aWotiüc  ju  §  1305). 

«cräu^criic^.  ],)  (gbenfoiDenig  braud^en  bie  §§  1003,  1011—1013  auäbrüdEIi^  aufi* 

gefc^loffeu  ju  roerben,  ba  biefelbeii  burd&  bic  Seftimmungen  bcr  §§  1297  bi« 
1299  crfe^t  finb  (tjergf.  bie  äßotioe  ju  §§  1297-1299). 

»ccnbiflunij.  i)  3)er  §  1014  ftimmt  inforoeit,  als  er  an  bcn  Xob  bed  Sered^tigten  bie 

Secnbigung  beö  ^Riefebraud^cö  fnüpft,  mit  bem  §  1327  3lv.  1  überein;  im 
Uebrigcn  ift  berfelbe  für  bie  etjclid^e  Slufeniefeung  gegenftanböloö. 
nmt.  k)  atutangenb  bic  §§  1015,  1016,  1025,  fo  folgt  bic  Unanioenbbarfcit 

bed  §  1015  fd^ott  barauö,  bag  bic  cE)cIic^c  92u|;meguug  in  bad  ©runbbuc^ 
nxd)t  eingetragen  wirb  (ücrgl.  ÜDlotiüc  ju  §  1305),  ein  einfeitiger  SSerjid^t  beö 
©^cmanncö  auf  bic  elieUc^e  Jhi^nicfeung  an  einjelnen  ©runbftürfcn  nad^  ""Ma^- 
gäbe  beö  §  1015  baiftx  fd^on  wegen  Unannjcnbbarfeit  ber  oorgefd^riebenen 
gorm  nid^t  auöfül^rbar  ift.  Ob  im  Uebrigcn  auf  Orunb  beö  §  1292  »erb. 
mit  §  1016  STbf.  2  unb  §  1025  ein  einfeitiger  SSerjic^t  beö  ß^emanneö  auf 
bic  e^elid^c  9lugnie|ung  an  einjelnen  (S^egutöfad^eu  ober  an  einjelnen  @(|egutö' 
rechten  im  ©egenfagc  ju  bem  einfeitigen  äSerjid^tc  auf  bic  cljcUd^c  92u^ntegung 
unb  SBcnoaltung  im  ©aujen  (ocrgl.  bie  illotiDe  ju  §  1327)  alö  juläffig  ober 
umgcfct)rt  im  ^inblicfe  barauf,  bag  eine  älcnbcrung  beö  gefcglid^en  ©üterred^ted 
nad^  §  1333  einen  ß^coertrag  erforbert,  alö  unjuläffig  anjufe^en  ift,  bebarf 
bei  ber  geringen  praftifc^en  SBid^tigfeit  ber  ^ragc  feiner  bcfonbcren  gefc^lid^en 
©ntfd^cibung.  3Iuctj  in  3lnfel^ung  bcö  §  1016  3lbf.  1  ift  eine  befouberc  Sc* 
ftimmung  nic^t  crforbcrlid^.  3)er  erfte  ©afe  bcö  §  1016  SHbf.  1  entfpri^t  bem 
@runbfa|fc  beö  §  1293,  bcr  jmcitc  ®a^  ift  roegcu  bcr  bcfonbcren  SScftimmung 
beö  §  1298  gegcnftanböloö. 

»erbrauc^.  1)  S^ic  UnanTOcubbarfcit  bcr  §§  1018—1020,  bcö  §  1029  Slbf.  3  unb 

b«re  eac^eiL  ^^^  g  ^Qg^  -^^  j^  g  ^294  auöbrüdfUd^  auögcfprod^cn  (t)crgl.  bic  ÜRotipc 

5U  §  1294). 

ä«oif(^riftcu  m)  9lud)  in  3litfc^ung  ber  älnioenbbarfcit  bcr  auf  bcn  JUefebraud^  an 

vjj^braud)  einem  gansen  5Bcrmögen  fidd  bcjiel)cubcn  33orf(^riften  bcr  §§  1038—1041, 

ort  einem   1043    (mcgcn   bcö  §  1042   t)crgl.  oben  Ht.  b  ©.  185)  finb  fpcjieUc  aSor* 

«crm  en.  j^j^^^j^j^^  ^jj^.  ^j^  cl)clid^e  SRugnicfeung  nid^t  crforbcrlid^.    S)ie  SKnroenbbarfcit 

bcö  §  1038  ift  nid^t  ju  bcauftanbcn ;  anbererfeitö  fann  cö  nid^t  irocifclliaft  fein, 

baß  bic  §§  1039,  1040,  1043  auf  bic  el)clid&c  Slu^nicßung  feine  ^nmenbung 

ftnbcn  fönncn,  rocil  fic  bic  öegrünbung  beö  ^Ueftbraud^cö  an  einem  ganjen 

SBcrmögcn  burd)  3^ed^tögcfd^äft  betreffen,  bie  c^elid^c  Jlufenicfeung  aber  nod^ 

§  1283  fraft  bcö  ©efefecö  eintritt.    ®ic  Unanrocnbbarfcit  bcö  §  1040  ergiebt 

fid&  aufterbem  auö  ber  bcfonbcren  Scftimmung  beö  §  1293,  nad^  rocld^cr  nur 

baö  iemcitige  äJermögcn  ber  6l)cfrau  ber  cl)elid^en  9lu^nie§ung  unterliegt,  in 

58erbiubung  mit  beu  bcfonbcren  Scftimmungcn  über  bie  Haftung  bcö  ©^cgutcö 


^luimieBunö  bcg  ßteöutc«.   Oegenfianb :  baö  ictretlige  ei&eöiit.  §1*293.       193 

für  bie  ScrbinbUc^feiten  ber  e^efrau  (§§  1311  ff.)  imb  über  bic  e^elic^e  aSer^ 
rooltung  (§§  1317, 1318, 1323).  ainlangcnb  tnbl\6)  ben  §  1041,  fo  ift  berfclbe 
on  fic^  nic^t  unanrocnbbar,  er  roirb  aber  burd)  bie  befonberen  Scftimmimgea 
bc9  §  1297  crfefet  beju).  crgänjt. 


§  1293. 

3Bic  in  ben  aWotiocn  ju  §  1292  (oben  ©.  181  ff.)  bereite  l^erüorgcl^oben  ®cflenfianb 
würbe,  fo(gt  aus  bem  §  1292,  bafe  bem  (g^emanne  an  ben  cinjelncn  ber  ef)e?  tl^^nq 
liefen  Sijufenielung  unterliegenbcn  ®egenftänben  ein  bingtid^eö  ditä)t  nad^  *><»Me»eiiige 
iDlQBgobc  ber  öeftimmungen  über  btn  3l\^^bxani)  juftef)t.  3)ie  binglid^e  *^'""*' 
3latur  bcö  bem  ©bemanne  an  ben  einjetnen  (Sfiegutögegenftänben  juftel^enbcn 
Äe^teß  würbe  cd  an  ftc^  mit  fxä)  bringen,  bafe,  wenn  baö  SHed^t  einmal  ent^ 
ftanben,  feine  gortbauer  nnabtiängig  batjon  ift,  ob  bie  ®egenftänbe^.jp£ld^  eö 
ergriffen  tiat,  auS~6em  SJermögen  Ber~®5efrau"auöf($efi)en  ober  ob  baß  9led)t 
ber  lc|tcrcir  in  irgenb  lürtcSicr  fonfligen  3Irt  mobifijirt  roirb  (üergL  axid) 
§  1038).  ©ine  fold&e  ©eftaltung  beö  e^emännücfien  SflußniefeungöredEiteö  als 
eines  Don  bem  SSermogen  ber  ©l^efrou  gönjlid^  abgelöften,  fetbftfinbig  ge* 
iDorbenen  SSermögenöred^te«  roürbe  iebod^  mit  bem  Orunbgebonfen  ber  SSer^^ 
rooltungögemcinf^aft,  ba^  bie  (S^efrau  mit  9lDem,  roaö  fie  l^at,  aber  and)  nur 
mit  bem,  roaö  fie  ^at,  in  ber  gorm  ber  el^elid^en  ^luftniefeung  unb  SSerroaltung 
iftren  Seitrog  jur  S3eftreitung  ber  el^elid&en  Saften  geroö^ren  foU,  nid&t  im 
ßinflange  fte^en;  oielme^r  ift  eö  eine  not^roenbige  Ronfequenj  jeneä  (Sebanfenö 
unb  beß  3w>€(feß  beö  e^emännlid^en  Sßußniefeungßredjtcß,  bafe  baßfetbe,  alß 
Sußflul  beß  unter  btn  (gl^egatten  befte^enben  familienred^tlid^cn  95erf)ältniffcß, 
öfcnlid^  wie  ber  SKimentationßanfprud^  ber  SSerroanbten  (oergl.  bie  allgemeinen 
aRotiw  ju  §§  1480—1496  unter  2),  fid)  jeben  2lugenb(i(f  erneuernb,  immer  nur 
boö  jeroeifu^e  (St)egut  ergreift.  ®ie  mit  biefem  Orunbfafee  für  ben  Seftanb  beß 
e^emShnlic^cn  JRed^teß  an  unb  für  fic&  Derbunbenen  (Sefa^ren  roerben  burd^  v 
bie  Seftimmungcn  über  bie  Sefd^ränfung  beß  SSerfügungßrec^teß  ber  @{)cfrau  ] 
(§§  1300  ff.)  roefentlid^  geminbert.  2)en  bejeid^neten  Orunbfaß  befonberß  jum  ' 
Sußbrucfc  5U  bringen,  ift  ber  ^rotd  beß  §  1293.  9Cuß  ber  gaffung  beß 
§  1293  erbeut  mit  genügenber  2)eutlid&feit,  bafe  inßbefonbere  aud^  eine  roäljrenb 
beß  Scfte^enß  ber  e^e(id^en  Jlufeniefeung  erfolgte  Setaftung  pon  ©^egutß^ 
gegenftänben  bem  burd^  bie  ctielid^c  Sßufeniefeung  begrünbeten  SRec^tc  beß  6l)e:^ 
manneß  üorge^t.  SBenngleid^  bie  neueren  (Sefegbüd^er  eine  außbrüdEUd{)e,  bem 
§  1293  entfpred^cnbe  SBorfd^rift  nic^t  entfialten,  fo  ift  bod^  bie  2lufnaf)me  einer 
fo[(^  a(ß  rat^fam  erad^tet,  ba  in  berfelben  ein  roefentlidier  Unterfdjieb  von 
bem  geroö^nlid^en  ^licfebraudde  Ijertjortritt  unb  eine  3lei[)e  roid^tiger,  im  (Sefegc 
ni^t  befonberß  ^erDorgel^obener  Äonfecjuenjen  barauß  fi^  ergiebt.  ^n  legtercr 
Öejie^ung  rourbc  namentlich  in  ben  aJlotipen  ju  §  1292  (oben  @.  188)  bereitß 
ftcTDorge^oben,  ba%  auß  bem  ©runbfage  beß  §  1293  bie  Unanroenbbarfeit  beß 
§  1032  auf  bie  e^cUd^e  SRugniefeung  fid^  t)on  felbft  ergebe.  3Jlit  bem  ©runb^ 
gcbanfen  beß  §  1293  ift  bie  im  §  1032  für  ben  %aU  ber  SBercinigung  von 
Jorberung  unb  SBerbinblid^feit  in  ber  ^erfon  beß  gorberungßbercd^tigtcu  bc* 
IHmmte  relatiüe  gortbauer  ber  gorberung  ju  ©unften  beß  3iic6braud|crö  nicbt 

|.  kfirgorL  Oefc%6u4.  IV.  13 


194  9lu^nie§unö  bcß  ß^cßutcS.    S3er6rau$6arc  Sad^cn.    §  1294. 

tjcrcinbor,  üiclmel^r  ücrbicibt  c8  in  bcm  bejeid^nctcn  Solle,  fooicl  bic  c^clid^c 
SRufcnicfeung  betrifft,  roegen  bcr  SBorfd^rift  be«  §  1293  bei  ber  SRegef  beö  §  291, 
ba^  bwvä)  bie  SSercinigung  t)on  gorberung  unb  Serbinblid^Ieit  in  ber  5ßerfon 
ber  S^efrou  ha&  Sd^ulbüer^ättnig  erlifc^t  unb  bed^alb  auö)  bad  burd^  bie 
efielid^e  9lu6nie|ung  begrünbete  SRedit  beö  S^emonneö  on  ber  ^^egutdforbe^ 
rung,  torbeJ^altlici^  eineö  unter  Umftänben  nad^  §  1316  Slbf.  3  begrünbeten 
SluÄgleid&ungöQnfprud^eö  gegenüber  bem  SSorbe^altögute  ber  ®^efrau,  erlifd^t. 
5!Begen  anberer  auö  bem  ©runbfafee  beö  §  1293  pd^  ergebenber,  im  ©efeße 
nid^t  befonberö  auögefproc^ener  Äonfequenjen  Dergl.  bie  SBotioe  ju  §§  1302, 1303. 


§  1294. 

6^i(^9iu««  SDoö  5ßrinjip  beö  §  1294,  bog  auf  bie  el^elid^e  Slufeniefeung  an  t)er^ 

"»«Ä"  brauchbaren  Sachen  (§  780)  bie  SBorfc^riften  über  ben  SRiefebrauc^  an  t)er^ 
^««"  ^*««- braud^baren  ©ad^en  (§§  1018—1020)  —  entgegen  bem  ©runbfafee  beö 
§  1292  —  feine  SÄnroenbung  finben  follen,  bcr  (Sl^efrau  mitl^in  baö  ©igent^um 
ber  Derbraud^baren  (S^egutöfad^en  verbleibt  unb  ber  (Sl^emann,  abgefel^en  von 
ber  im  Safe  2  beftimmten  5Kuöna^me,  aud^  nic&t  bered^tigt  [ein  foH,  in 
eigenem  Sßamen  über  jene  ©ad^en  mit  ber  3Birfung  ju  verfügen,  bai 
er  ber  (Sl^efrau  nad^  ^eenbigung  ber  e^elid^en  92ufeniegung  unb  SSerroaltung 
ben  SBert^  ber  ©ad&en  ju  erfefeen  l^at,  entfiält  gegenüber  bem  geltenben  Sied&te 
eine  roefentfid^e  Steuerung.  3laäf  gemeinem  beutfd^en  SRed^te  wirb,  menigftenö 
ba,  mo  ba&  ©tiftem  beö  efiemännlid&en  SRiefebrau^eö  fid^  entroirfclt  l^at,  üor« 
miegenb  angenommen,  bag  bie  )um  ®^egute  gel^5renben  verbraud^baren  ©ad^en, 
inöbefonbere  aud^  ba^  baare  ©elb,  in  baö  @igentl^um  beö  @l^emanneö  über^ 
ge^en  mit  ber  SJerbinblic^feit  beö  lefeteren,  biefelben  bei  Seenbigung  feineö 
Sled^teö  in  gleid&er  3Kenge  ober  bem  SBertlie  nad^  jurüSjuerftatten.  SKuf  bem« 
felben  33oben  ftel[)en  baö  fäd^f.  ®.  33.  §§  1655,  1674,  1675,  1677  Dcrb.  mit 
§§  623,  625  unb,  mie  in  ©rmangelung  einer  befonberen  S3eftimmung  on* 
junel^men  ift,  baö  olbenb.  ®ef.  v.  24.  Slpril  1873  (vergl.  Slrt.  5,  7  üt  b); 
ob  unb  inroierocit  aud^  baö  preufe.  31.  2.  SR.  benfelben  ©tanbpunft  einnimmt, 
ift  nid^t  }n)eifeIloö;  bod^  ftel^t  bem  @^emanne  iebenfaHö  baö  9ted^t  freier  S3er^ 
fügung  über  bie  l^ier  fraglid^en  ©aci^en  jiu  (oergl.  n,  1  §  231  Derb,  mit  I,  21 
§  173  unb  I,  2  §§  120, 121,  ferner  II,  1  §§  238, 548,  550—552, 247).  SBenn* 
gleid^  bie  SRüdtfic^t  auf  ba&  befte^enbe  Siedet  gegenüber  bem  von  bem  (Sntmurfe 
angenommenen  ^rinjipe  fd^mer  inö  ©eroid^t  fällt  unb  roenngleidd  iujugeben 
ift,  ba§  baö  SSerl^öItnife  fid^  einfad^er  geftaltet  unb  ©ci^mierigfeiten  »ermieben 
werben,  menn  man  bie  @runbfä|e  über  ben  Stiefebraud^  an  verbraud&baren 
\  ©ad^en  aud^  auf  bie  verbraud^baren  @^egutöfac^en  anmenbet,  fo  ftnb  bod^  bie 
'•  gegen  bie  ©infd^Iagung  biefcö  SBegeö  fpred^cnben  ©rünbe  alö  übermiegenb  an? 
jufel)en.  aWit  ber  Stenbenj  ber  9leic^ögefefegebung,  inöbefonbere  bcr  Slonf.  D., 
bie  ®^efrau  wegen  ber  il^r  auf  ©runb  beö  el&elic^en  ©ütcrred&teö  juftel^enben 
Stnfprüd^e  vor  ben  ©laubigem  beö  (S^emanneö  nid^t  ju  begünftigen,  n)üri)c 
'  eö  nid&t  vereinbar  fein,  menn  man  ber  ß^efrau  megen  i^reö  2[nfprud^cö 
auf  Slürfgcraäl^r  beö  nad&  ben  ©runbföfeen  über  ben  9lie§brauc^  an  ver* 
brau^bareu  ©ad^en  auf  ben  Seemann  übergegangenen  (g^egutcö  nac^  ÜRoS* 


9fhit;nie6ung  beö  ß6cöutc3.    SccBraud^Barc  ®a$cit.    §  1294.  195 

%aht  beö  §  1020  ein  Sted^t  auf  ©id^erl^eitöleiftung  beilegen  unb  bamit  bcn 

©laubigem  bed  @^entanneö  bad  Mt(S)t,  eine  auf  ©runb  bed  §  1020  von  bem 

lejteren  beftellte  ©id^er^eit  nad^  SRafegabe  beß  §  25  $Rr.  2  bcr  Äonf.  D.  unb " 

IW  §  3  3lr.  4  beö  SR.  ®ef.  o.  21.  3uli  1879  aniufed^ten,  tjcrfogen  wollte 

(oergL  §  1295  nebft  SKotioen).    Sluf  ber  anberen  ©citc  geftattet  efi  aber  bie 

«uf  bad  SntereRe  unb  bie  ©id^erung  ber  (gl^efrau  }u  nel^menbe  SRüdffici^t  nid^t, 

bie  @runbfd|e  über  ben  3iie6braud&  an  t)erbraud^baren  ©ad&en  unter  3Iuö« 

f4(u6  beö  §  1020  auf  bad  oerbraud^bare  @^egut  fd^Ied^t^in  jur  älnmenbung 

ju  bringen,    ^a  bem  @^emanne  in  ^nfe^ung  bed  @()eguted  neben  ber  e^elid^en 

^lugniegung  jugleid^  ba^  93ern)altungöred^t  jufte^t^  fo  liegt  aud^  ein  ^mingenbed 

^ürfnife,  fraft  ber  el^elid&en  Slufeniefeung  bad  ©igent^um  ber  Derbraud&baren 

C^utdfac^n  auf  ben  ©bemann  übergel&en  ju  laffen,  um  bemfelben  eine 

jioerfentfpred^enbe  Srtuftung  biefer  ©ac^en  ju  ermöglid&en,  nid^t  t)or,  inbem  ber 

Seemann  aud^  o^ne  biefen  ©igentl^umdübergang   fraft  feined  SSermaltungd^s 

ret^led  in  ber  Sage  ift,  bie  Derbrauc^baren  ©ad^en  fid^  nufebar  mad^en  ju 

fonnen  (oergL  §§  1317,  1319,  1323).    @ine  anbere  grage  ift,  ob  eö  fid^  nid^t, 

um  ben  ätnforberungen  beö  fiebenß  geredet  ju  werben  unb  fid^  von  bem 

geltenbcn  Siedete  nid^t  ju  mcit  ju  entfernen,  empfehlen  würbe,  einen  üßittelweg 

einjufc^Iagcn,  nämlid^  ben,  jmar  bie  Slnmcnbbarfeit  ber  Orunbfä^e  über  ben 

Stiegbrau^  an  Derbraud^baren  ©ac^en  auf  bie  oerbraud^baren  (Sl^egutöfad^en 

aud}uf(^(iegen,  bem  ©l^emanne  aber  bad  9ted^t  beizulegen,  über  biefelben  t^at^ 

iodjilxäf  ober  red^tlid^  für  fid^  mit  ber  SCBirfung  ju  verfügen,  bafe  er  ber  6f|e* 

frau  nadEi  Seenbigung  ber  el^elid^en  Stugniegung  unb  Verwaltung  ben  SSert^ 

JU  erfeften  t)erpflid^tet  wirb,  weld^en  bie  ©ad^en  jur  3cit  ber  SBerfügung  l^atten. 

3n  9n)e^ung  berjenigen  oerbraud^baren  ©ad^en,  welche  burd^  Verbrauch  genügt 

ju  werben  pflegen,  unterliegt  biefe  9lrt  ber  Siegelung  auc^  T)om  ©tanbpunfte 

bcd  3ntcrencö  ber  ©l^efrau  aud  feinem  SBcbenfen  (§  1294  ©ag  2,  3  »erb.  mit 

§  1295  Soft  1).    dagegen  fpred^en  gegen  bie  Sludbel^nung  biefer  ^Regelung 

auf  bie  üerbraud^baren  ©ad^en  im  weiteren  ©inne,  alfo  auf  biejenigen  be* 

mgf}j^tn  ©adtfen,  weld&e  burd^  SBeräußerung  genügt  ju  werben  pflegen,  ind^^ 

befonbere  bad  }um  (S^egute  ge^örenbe  ®elb,  fowie  auf  bieienigen  beweglidC)en 

©a(^n,  welche  ju  einem  ©a^inbegriffc  geboren,  beffen  beftimmungdmäfeigc 

9luftung  in  ber  SJeräufeerung  ber  einjelnen  ©ad^en  befte^t,  indbefonbere  auf 

bie  {u  einem  SBaarenlager  gel^orenben  ©ad^en  (oergl.  §  780),  im  SBefentlid^en 

biefelben  Srwägungen,  weld^e  ben  Entwurf  beftimmt  l^aben,  bie  älnwenbbarfeit 

ber  Orunbfdfte  über  ben  Sßiefebraud^  an  Derbraud&baren  ©ad(ien  auf  bie  jum 

€begute  ge^örenben  Derbrauc^baren  ©ad^en  audjufd^liegen.     Sie  Sage  ber 

G^efrau  ift  bei  jener  SRcgelung  jwar  infofem  eine  günftigcre,  ald  bie  ß^efrau 

bid  ba^in,  bag  ber  (Sliemann  über  bie  fraglid^en  ©ad^en  Derfügt  ^at,  ©igen^ 

t^ümerin  ber  (enteren  bleibt  unb  bed^alb  bad  älnfed^tungdred^t  ber  ©laubiger 

bed  ß^emanncd  audgefd^loffen  ift,  wenn  ber  lefetere  j.  85.  bad  jum  ß^egute 

fie^orenbe  ©eO),  ftatt  über  badfetbe  für  fid^  }u  t)erfügen,  für  bie  ©^efrau  belegt. 

Sllein,  fobalb  ber  ©bemann  von  feinem  SRe^te,  über  bie  ©ad^en  für  fid^  5u  tjcr* 

fügen,  ©ebraud^  gemad^t  l^at,  ift  bie  ©ad^lage.  biefelbe  unb  ift  bie  ©fiefrau  in 

bemfelben  SRage,  wie  bei  ber  Slnwenbung  ber  ©runbfäge  über  ben  Sliefebraud^ 

an  oerbraud^baren  ©ad^en,  gefäl^rbet,  falld  man  i^r,  wad  aud  bem  oben  ©.  194 

13* 


196  fJlu^iüefeuno  beö  (S^cöuteö.    SJerBraud^bare  ©acfien.    §  1294. 

bargelcgtcn  ©rünbcn,  ni^t  ju  tjcrmcibcn  ift,  boö  SRed^t  auf  ©id^er^eitöteiftung 
nad)  SJJafegabe  beö  §  1020  Dcrfagt.  2)ic  mit  ber  Sluöbci^nung  bcö  im 
Saß  2  bcjcid^ncten  93crfügungöre(j^tcö  bcö  Seemannes  auf  ücrbraud^barc  @I^C' 
gutöfad^cn  im  roeitcren  ©innc  für  bic  ®^cfrau  tjcrbunbcncn  ®cfal;rcn  roürbcn, 
fot)ie(  baö  praftifdö  l^auplfä(i^U^  in  Setrad^t  fommenbc  (Selb  betrifft,  smar 
einigermaßen  oerminbert  werben,  fofern  man  etwa  in  3lnnä^erung  an  bie 
Seftimmungen  bcö  preufe.  21.  S.  9t.  II,  1  §§  233—238  bie  aSorfd&riftcn  ber 
§§  1033,  1034  auf  fold^c  gorbcrungen,  meldte  mit  einer  $i)pot^cf  tjcrbunbcn 
ftnb,  foroie  auf  ©runbfd&ulbcn  unb  ©igenti^ümcr^ppot^efen  auc^  bann  für 
anroenbbar  crKärte,  rotnn  biefetben  nid^t  tjcrjinölic^  finb  (ücrgl.  §  1035).  3n^ 
beffcn  befeitigt  werben  baburd^  bie  ber  6f)cfrau  bro^enben  ©efa^ren  nic^t; 
benn  eineöt^cilö  mürbe  bem  (Sficmanne  baö  33erfügungöred^t  über  bieienigen 
®e(ber  bleiben,  meldte  er  nad^  3Jla6gabe  bcd  §  1028  auf  ®runb  nid^t  Dcr^ 
jinölid^cr  unb  nid^t  burd^  §9potl[)ef  gefidfierter  J^ot^berungen  erl^oben  ^ättc. 
2)cr  Setrag  fold^er  gorberungen  fann  aber  unter  Umftänben,  j.  S3.  bei  gorbc* 
rungen  auf  rüdfftänbigc  Äaufgelber,  auö  ©d{)cnfungen  unb  SSermdd^tninen,  auö 
SBcd^feln  unb  anberen  Drbrepapieren,  ein  fel[)r  crl^eblid^er  fein.  9lnbererfeitö 
finb  bie  gälle  nid^t  feiten,  in  meldten  überhaupt  nid^t  burd^  ©injici^ung  von 
gorbcrungen,  fonbern  auf  anbcrc  9Beife,  j.  33.  burd^  bie  ber  (gfiefrau  mit« 
gegebene  9luöfteuer,  burd^  ©d^cnfung  ober  ©rbfolge,  baarcö  ®elb  Seftanbt^eil 
bcö  (S^egutcö  wirb,  ©in  Sebürfniß,  bem  (S^emanne  baö  Sled&t,  über  baö  jum 
®l)egute  ge^örenbc  ®e(b  innerlialb  gemiffer  ®renjen  für  ftc§  ju  oerfügen,  um 
beöroillcn  einjuräumen,  weil  man  fonft  ben  9lnforberungen  be&  Scbcnö  nidbt 
geredet  roerbe  unb  bie  ©tcDung  bcö  ß^emanncö  alö  bcö  ^auptcö  ber  cJ^cIid^en 
®emeinfd^aft  ju  erfd^üttern  brol[ie,  fann  um  fo  mcntgcr  ancrfannt  werben,  alö 
ber  §  1335  3lbf.  2  ben  ®f)egatten  bie  aRöglidifeit  giebt,  burd^  formlofen  93cr^ 
trag  aud&  in  Slnfefiung  ber  ß^cgutögclber  ein  ben  öeftimmungen  bcö  §  1294 
©aß  2,  3  cntfpredEienbcö  S3cr^ältni|  l^crjuftcllen,  unb  alö  in  mdtn  gfiUen,  in 
roefd^en  ber  (Seemann  über  Heinere  jum  @l)egute  gef)5rcnbc  ®elbbcträge  für 
fid)  oerfügt,  nad^  Sage  ber  ©ad^e  eine  ftillfdöroeigenbe  ©inroilligung  ber  6^^^ 
frau  angenommen  roerbcn  fann,  bafe  ber  (Seemann  jene  Beträge  für  [lä)  »er* 
roenbe  unb  erft  nad^  Seenbigung  ber  cl[ie(id^en  ^iußniefeung  unb  SSermoUung 
reftituire. 
^forberunflen  Sie  Sluöfdilicfeung  bcr  aSorfd^riften  über  ben  3lie6braud^  an  Derbraud^ 

"wt^raSS"^  baren  ©ad^en  oon  ber  älnroenbung  auf  bie  jum  ©l^cgute  ge^brenben  oerbraud^« 
barer  Baä^n.  j)axen  ©ad^cu  mufe  fonfcqucnt  ba^in  fül&ren,  aud)  bie  SBorfc^riften  bcö  §  1029 
2lbf.  3  unb  bcö  §  1030  über  ben  fRiefebraud^  an  gorbcrungen  auf  Seiftung 
tjcrbraud^barer  <Ba(i)tn  von  ber  Slnroenbung  auf  bic  el^elid^e  Jlußnicgung  an 
bcrartigen  gorberungen  auöiufddUeBen. 
e^i<^e  9imj*  3[n  Ucbereinftimmung  mit  ben  neueren  Äobififationcn  ftnb  befonberc  93es 

"'**ncm""  ftimmungen  über  bie  ®cftaltung  ber  e^clid^en  SRußniefeung  für  ben  gall,  wenn 
9twvH>   JU  bem  ber  eficlid^cn  Jlußniefeung  untcriicgenben  aSermögen  ber  ®l;efrau  ein 
**     ^^'   ©rmerbögefd^öft  gel)ört,  met^cö  nid^t  für  Slcd^nung  ber  6f)cfrau  fortgefcßt 
werben  foB  (ücrgf.  §  1289),  auö  äl^ntic^cn  ®rünben  nid^t  aufgenommen,  loic 
biejcnigcn,  wefdde  ben  ©ntwurf  beftimmt  ^aben,  von  befonberen  SSeftimmungen 
über  ben  Jlicfebraud^  an  einem  (Srwerbögefddäfte  abjufel^en. 


9lu^nic§un3  bcß  (S^egute».    ©id&crl&eitülelftung.    §  1295.  197 


§  1295. 

3)aB  bic  ©^galten  bic  Onmbfäfte  über  bcn  Slicfebraud^  an  ryexbva\i6)^   «ertrag«*^ 
baren  ©ad^en  burc^  ©^cocrtrag,  unb  jioar  ol^nc  an  bie  fonft  für  ©l^cocrträge  "^meSunfl"*' 
im  §  1335  9lbf.  1  Dorgefd^ricbcnc  gorm  gcbunbcn  ju  fein,  auf  bie  ^^^^^^H^^nBa^n 
Shijniefeung  an  pcrbraucbbaren  ©ad(ien  in  bcr  2lrt  jur  Slnroenbung  bringen 
fonncn,   bog  bie  @^efrau  bem   (S^emanne   baö  @igentl^um   Derbraud^barer 
S^gutöfad^en   unter  ^eobad^tung    ber  für  bie  (Sigentldumdübertrogung  an 
foltftcn  ©ad^en   Dorgcfd^riebenen   SJoraudfefeungen    gegen   bie   SSerpfli^tung 
übertragt,  il^r  ben  9Berll(|  berfelben  nod)  Seenbigung  ber  e^elidien  Sßufenielung    * 
unb  Senoaltung  ju  erfeßen  (oergf.  §  1018),  ergiebt  fi(^  aud  ben  §§  1333, 
1335  (oergL  bie  aßotioe  ju  §  1335). 

3n  berfelben  3lrt,  wie  in  9lnfe^ung  oerbraudjbarer  ß^egutögegenftänbe,    ""  "^** 
fönnen  bie  St^egatten  aud^  in  ^Infe^ung  nx^t  Derbrauc^barcr  @f)egutsgegen«  baren  sa<^. 
jtänbc  bie  @runbföge  über  ben  Tliegbraudd  an  uerbraud^baren  Sad^en  burd^ 
ß^eoertrag  jur  9tnroenbung  bringen,  jebod^  mit  bem  UnterfdE|iebe,  bag  ein 
foid^cr  Scrtrog  bcr  im  §  1335  Slbf.  1  für  ©l^eoerträge  allgemein  tjorgcfd&riebenen 
gorm  bcborf  (oergl.  §§  1333,  1335 ;  aßotioe  ju  §  1335).    3Serfd^iebene  neuere 
©ffe^c  enthalten  nähere  83eftimmungen  barüber,  roeld^e  Sebeutung  eö  l^at, 
wenn  bem  (g^cmonne  nid^t  ocrbroud^bare  ß^egutßgegenftänbe  unter  Slngabe    ®«rt§- 
eines  beftimmtcn  SBertl^eß  jugebrad^t  Tinb,  ob  unb  inroiemcit  in  einem  fold^en    ""^'*^"^* 
ivaüe  inßbcfonberc  Uebcrgang  bcd  ©igenttjumeö  auf  bcn  ß^emann  mit  bcr 
Scrp^id^tung,  nadd  S3ecnbigung  ber  el^elidden  SRufenielung  unb  SScrroaltung 
ben  angegebenen  SBert^  ju  erftattcn,  anjunel^mcn  ift  (oergL  fäd^f.  ®.  33. 
§§1672,  1673;   lübecf.  ®ef.  t).   10.  gebruar  1862  9lrt.  7;  preufe.  31.  S.  3*. 
II,  1  §§  563,  564,  571,  581).    3n  ben  ©ntmurf  finb  berartige  Seftimmungen 
nic^t  aufgenommen,  ba  eö  fxd)  um  eine  Sluölegungöfrage  ^anbelt,  meldte  nur 
unter  S3erücfft(§tigung  ber  Umftänbe  befi  einjelnen  galleö  beantwortet  merben 
fann  unb  fidb  beö^alb  ju  einer  gefefelid^cn  ®ntfdE|cibung  nid^t  eignet,  bie  9luf^ 
flellung  pofitiüer  SBorfd^riften  aber  ju  ©unften  ber  ©liefrau,  mie  fold^e  im 
preufe.  a.  2.  31.  II,  1  §§  564,  581  ftd&  finben,  burd^  auörcid()enbe  ©rünbe  fx6) 
nic^t  re^tfertigen  lägt. 

änlangenb  bcn  §  1295,  fo  befc^ranft  bcrfelbe  feinem  unmittelbaren  ©ic^«5eia. 
3nlKiItc  nad^  ftd|  auf  bie  Sled^tönorm,  ba^  bcr  (Seemann  in  ben  bort  Safe  1  ^^'^*""^' 
bejeit^neten  bciben  gfiHen  ber  6f)efrau,  aud&  romn  bie  33orauöfefeungen  beß 
§  1020  vorliegen,  ©id^cr^eit  nid^t  ju  Iciften  Ijai  unb  aud^  im  galle  beö  §  988 
Sbf.  2  üon  ber  SSerpffid^tung  jur  Sid^erficitöleiftung  befreit  ift.  S)a6  bcr 
ßl^au  büß  9led6t  auf  ©id^er^citölciftung  in  biefen  gällcn  ücrfagt  mirb,  redfit^ 
fertigt  jid^  auö  bcn  in  ben  aWotioen  ju  §  1294  (oben  ©.  194)  bereits  bar^ 
gelegten  ©rünben  burd^  bie  SRüdEficbt  auf  baö  3ntereife  bcr  (Släubiger  bcö  ©fie^ 
mannes  unb  entfprid^t  bei  bem  unter  ben  ©Regatten  beftc^enben  aSertraucnö- 
wr^ltnijfc  unb  im  ^inbticfe  barauf,  ba§  bie  (Sf)cfrau  bic  3Jlöglid^fcit  Ijat, 
bie  e^eüd^c  ^lufenicfeung  unb  aScrmaltung  burdd  Cf)coertrag  auöjulc^tiefecn, 
bcr  präfumtioen  «bfid^t  ber  (S^egatten  (oergl.  audd  föd&f.  ®.  S3.  §  1669; 
onbererfeitd  preufe.  21.  2.  S«.  II,  1  §  255;  olbenb.  ®ef.  t).  24.  9lpril  1873 
Srt.  11).    Die  auöbrüdflid^c  9lufnaf)me  jener  Seftimmung  ift,  fooiel  bcn  gall 


198    §Wutinie§unö  bc§  (S^cfluteS.  ©ofortige  ©rfa^pfliit  bcö  ei&emanne«.  §  1296. 

bcö  §  988  äbf.  2  betrifft,  wegen  ber  Sflegel  beö  §  1292,  foDicl  aber  bic  im 
§  1295  ©a|  1  bejeid^neten  gälte  betrifft,  um  beßroiHen  notl^ig,  weil  cö  pc^  in 
biefen  gällen  fad^li^  um  einen  SRiefebraud)  an  t)erbrau(^baren  ©ad^en  im 
©inne  beö  §  1018  l)anbelt,  in  ©rmangelung  einer  entgegenftel^enben  SBe^ 
ftimmung  ba^er  ber  §  1020  Slnmenbung  finben  mürbe,  yixä^t  befonber^ 
berüctfid^tigt  im  §  1295  ift  ber  gall,  wenn  bic  ß^efrau  bem  ©fiemannc  ha^ 
®igentl)um  nid^t  t)erbraud^barer  ®t)egutßgegenftänbc  mit  ber  SBerpftid^tung 
übertragen  ^at,  bm  85Bert^  berfclben  nad^  Seenbigung  ber  el^elid^en  SRuftnie^ung 
unb  SSermaltung  ju  erfefcen,  ba  gfillc  ber  3lrt  feiten  ftnb  unb  beöl^alb  einer 
befoubcrcn  93erürfRd^tigung  nic^t  bebürfen.  SBegen  ber  Orünbe,  auö  meldten 
ber  ©ntrourf  ber  @{|efrau  aud)  baö  in  ben  neueren  ©efefeen  t^eite  unbefc^rönft^ 
tf)eite  nur  unter  geroiffen  Sefd^ränfungen  onerfannte  älec^t  auf  einen  S^itcl 
jur  §^potf|ef  an  ben  ©runbftüdfen  beö  ß^emanncö  tjerfagt  f)at,  roirb  auf  bic 
üßotioc  ju  §  1292  oben  ©.  185  ff.  ücrroicfen. 
«nfe<^tbartcit  ®inc  Dou  bcm  ß^emanuc  bemirftc  ©idierftellung  ober  ©rfüHung  bcö  ber 

^2iunfl^t.  to!  ®f|efrau  in  ben  gäHen  bcö  §  1295  jufteficnbcn  ©rfa^anfprud&cö  unterliegt  ju 
(Sunften  ber  ©laubiger  beö  et)emanneö  ber  Slnfcd^tung  nac^  SKa^gabc  bcö 
§  25  3lt.  2  ber  Äonf.  D.  unb  beö  §  3  5Rr.  4  beö  SR.  @cf.  t).  21.  3uli  1879 
in  aSerb.  mit  ben  §§  1296,  1327,  1328  b.  (Sntm.  $Rad^  bem  ganjen  ©inne  unb 
3n)edfc  jener  öeftimmungen  ift  bieö  nici^t  ju  bejmcifcln.  3^^if^l^öft  fann  cö 
bagcgen  fein,  ob  nid^t  bic  Slnfcd^tung  ber  ©id&erftellung  auf  ®runb  iener 
Seftimmungen  bann  auögefd^loffen  ift,  menn  ber  Seemann  ftd^  Dor  ober  bei 
^  6ntftef)ung  beö  ©rfafianfprud^eö  jur  ©id^erl^eitölciftung  t)erpflid|tct  ^atte.  @inc 
2)eflaration  in  bicfer  SRid^tung  fällt  jcbocb  nid^t  in  ben  SBcreicb  bcö  bürgcrtid^cn 
®efe6bud)eö.  Ueber^aupt  ift  bic  (gntfd^cibung  ber  grage,  ob  unb  meiere  Slenbc^ 
rungcn  ober  aSerbcutlic^ungcn  be&  §  25  $Rr.  2  ber  Äonf.  D.  unb  bcö  §  3  9lr.  4 
beö  SR.  ©cf.  V.  21.  3uli  1879  in  golge  ber  über  bic  c^elid^e  SRugnic^ung  unb 
SScrroaltung  getroffenen  S3cftimmungcn  beö  ©ntmurfcö,  namenttid&  in  ber  ^icr 
fraglichen  SRid&tung,  ctroa  erforbcrlid^  merben,  roegen  bcö  3wfömmcnl[)ongcö 
jener  Seftimmungen  mit  aubcren  Scftimmungcn  ber  bc5cid^netcn  ©efege  einer 
SRcoifion  ber  Icgtcrcn  Dorbefialtcn. 


§  1296. 

eiiatjppic^t  Snroicfcm  bie  ß^egutögläubigcr  in  bcm  gallc,  roenn  ber  Gt)emann  jur 

mannet^Dor  ©^üllung  ciucr  gcgcuübcr  ber  ®f|efrau  i^m  oblicgenbcn  3}crbinblid)feit  roegen 

»ecnbiflung  bcr  eljclidöen  SRußniefeung  unb  aScrroaltung  erft  nad^  beren  93ecnbigung  ücr* 

sRu^nieWö-  Pffi^^t  ift  (ücrgl.  §§  1294, 1295),  be^ufö  i^rer  S3efriebigung  t)on  bem  G^emannc 

fdbon  vov  Scenbigung  bcr  c^elidS)cn  Sfuftniefeung  unb  SBerroaltung  bic  ©rfüUung 

bcr  ^icr  fraglichen  Söcrbinblid^fcitcn  t)crlangen  fönnen,  ergiebt  fid^  auö  §  1311 

(oergt.  bic  SKotioe  ju  §  1311).    2)cr  §  1296  regelt  in  bcr  ^ier  fraglicljcn  Sc* 

jicbung  nur  ha^  Säcrliältnife  unter  ben  ©Regatten  fclbft.  3)ic  in  btn  beftel)cnbcn 

5Hccl)tcn  niddt  bcfonbcrö  oorgcfcljcnc  SBcftimmung  bcö  §  1296,  meldte  fic^  alö 

eine  Slbtocic^ung  uon  bem  §  1294  ©aß  3  unb  t)on  ben  SBorfd^riften  beö 

§  1018  über  ben  9iic6braud^  an  t)crbraudf)baren  ©adjcn,  foroeit  bicfclbcn  burd^ 

Gljcoertrag  auf  C^cgutögcgcnftänbc  für  aniocnbbar  crKärt  ftnb  (Dcrgl.  §§  1295^ 


9lu^nieBunfl  beS  ej^egute«.    Saften.    §  1297.  199 

1333, 1335),  barftcUt,  rechtfertigt  [x6)  burd^  bie  (Srroägung,  baß  bic  e^clid)c 
^higniciung  i^rcr  9latur  unb  i^rem  3"^^^^  "^^  ^^  ^^^  ^^^  S^emanne  in 
änfe^ung  beö  ßtjeguteö  jugleic^  obliegcnbcn  SSerroattungßpflid&t  (§§  1317  ff.) 
i^re  Bd)xank  finbet  unb  burc^  erfterc  bie  orbnungömäfeige  SSerrcattung  bcö 
g^utcä  ni<^t  beeinträd^tigt  werben  barf.  SSon  biefem  bem  OnmbgebQnfcn 
ber  SBerroaltungögcmeinfd^oft  entfpreci^enben  Oefic^tspunfte  aus  bctroditet,  fann 
in  bcr  SSeftimmung  bcS  §  1296  eine  83er(egung  ber  SRed^te  beö  ß^emanncö 
nic^t  gefunben  werben.  SÄuf  ber  onberen  ©eitc  fönnten  ber  S^efrou  aus  bcr 
unbebingten  SBerfagung  beö  SHediteö,  bie  fofortige  ©rfüllung  ber  ^icr  fraglid^eu 
Serbinblid^feiten  beö  ß^emanneö  beim  SSorl^anbenfein  anbcrroeiten  ©^eguteö  511 
oerlangen,  unter  Umftänben  gro§e  9kd^tf)ei(e  erroac^fen. 

ÜJeben  ber  allgemeinen  85eftimmung  beö  §  1296  ift  eine  bcfonbere,  ben 
Jon  beö  §  988  Slbf.  2  oerb.  mit  §  1292  betreffenbe  SJorfdirift  nid^t  erforberlii^, 
öa  biefer  gall,  fomeit  berfetbe  wegen  ber  SBorfc^rift  beö  §  988  3lbf.  2  Safe  2 
^cr  über^oupt  in  Setrad^t  fommen  fann,  von  ber  SSorauöfefeung  im  ©ingange 
bfö  §  1296  mit  umfafet  wirb. 


§  1297. 

!Eic  Seftimmungen  beö  §  1297,  burc^  meldte  bie  für  bcn  Sflicfebraud^  ^tS^Ä'^ 
geltcnben  SBorfc^riften  beö  §  1003  erfcfet  unb  ergänjt  werben,  regeln  bic  nteßung. 
3rage,  inwieweit  ber  6f)emann  auf  @runb  ber  e^clic^en  ^ftufeniefeung  unb 
Serrooltuug  flegeniiber  bcr  G^efrau  üerpftid^tet  ift,  für  bie  3cit  ber  cf)elid&cn 
Äufniefeung  unb  33crwaltung  bie  Saften  bcö  ©fieguteö  unb  bie  Äoften  bcr  ßr* 
Haltung  beö  le|teren  ju  tragen.  2^ie  auö  bem  §  1297  gegenüber  bem  §  1003 
ni)  crgebenben  2lbweid^ungen  unb  ßrgänjungen  berul)cn  tfieitö  barauf,  bafe  bic 
eWic^e  Slufenicßung  unb  SSerwattung  nid^t  nur  baöientge  SSermögcn  bcr 
G^frau,  welc^eö  fie  jur  3^it  bcr  ©(icfd^Ucfeung  f)at,  fonbern  aud&  baöjcnigc 
ergreift,  weld^eö  fie  wäfjrenb  ber  Gf|e  erwirbt,  t^eilö  auf  bem  ©cfid^töpunfte, 
bo6  ber  e^cmann  fraft  feiner  c^cIidEien  SRufeniefeung  alle  ?lufeungcn  bcö  ®l)c^ 
guteö  bejie^t  unb  i^m  überbieö  regelmäfeifl  oud^  bie  3lrbeitöh:aft  bcr  (Stjcfrau 
SU  ©Ute  fommt,  inbcm  bie  lefetere  i^re  3lrbeitöfraft  junä^ft  für  baö  6auö 
unb  boö  (Sefd^äft  beö  ©l^emanneö  ju  Dcrwenben  ücrpflid^tct  unb  nur  auöna^mö? 
weife  ju  einem  felbftänbigen  ©rwcrbe  ju  ocrwcnben  im  ©tanbc  ift  (ücrgl. 
§§  1273,  1275  äbf.  2,  §  1289).  2)a  bie  G^efrau  biernad^  laufenbe  ein^^ßeitenberöe. 
naf)men  regelmagi^  nid^t  l)at,  fo  cntfprid^t  eö  auf  ber  anbercn  Seite  bcr 
9iIIigTH!7  wenn  ber  ©bemann  grunbfäfeti^  bieienigen  33crbinbli(^tciten  bcr 
CffefroW/  wetd&eö  lefetere  bei  orbnungömöfeiger  SBirt^fd^aft  fonft  auö  i^rcn 
lonfhitar  ßinna^men  beftreiten  würbe,  gegenüber  ber  ©^cfrau  ju  tragen  ücr^ 
pfli<^tet  ift.  2)iefer  ©runbfafe  fann  iebo^  nur  atö  Icitcnbcö  Icgiölatorifdficö 
aRotiö  in  ajetrac^t  fommen  (oergt.  §  1297  9lr.  4  a.  6.).  2llö  angemeincr  Sicd^tö- 
(aj  ift  bcrfelbc  jur  2(ufna^me  in  baö  ©cfcfebud^  nidfit  geeignet,  tfjcilö,  weil  er 
in  feiner  aTnwenbung  ju  Dietfad^en  3"J^if^I^^  Slnlafe  geben,  tf)cilö,  weit  er 
o^nc  ©nfc^ränfung  mit  anbercn  nad^  §  1292  auf  bic  cljclid^c  Jiufeniefjunft 
für  anwenbbar  crflärten  SSeftimmungen  über  bcn  Jlicfebrauc^,  namcntlidi  mit 
bem  Sa|e,  bafe  ber  @^emann  bie  mit  bem  orbnungömäfeigcn  ©cbraudje  bcö 


200  5nu^mc§img  be§  ß^eflutc^.    Saften.    §  1297. 

ßlicguteö  Derbunbenc  SKbnulimg  regelmäßig  nid^t  ju  trogen  ocrpflid&tet  fem 
foll  (uergl.  bte  äRotbe  ju  §  1292  oben  ©.  183  ff.),  in  Sßiberfprudd  treten  würbe. 

3lm  ©injelnen  ift  ju  §  1297  golgenbeö  ju  bemerfcn: 
€r5a[tung8*  1.  2)aß  ber  Gf)cmann  für  bie  3^^*  ber  el^elid^en  Siufeniefeung  unb  3Ser^ 

'*^^*"'  roaltung  bie  bem  fRiefebraud^er  jur  Soft  faDenben  Grl^oltungöfoften  (§  997, 
§  998  3lbf.  1,  §  1000)  JU  tragen  oerpflid&tet  ift,  folgt  an  p^  ^ä)on  aus  bem 
5ßrinjipe  bc§  §  1292.  Sä  ift  jeboc^  a(ö  angemeffen  erad^tet,  im  Gingange  beft 
§  1297  auöbrüdlic!^  barauf  iiinjuroeifen,  weil  ol^ne  biefen  ^inroeiö  bie  gaRung 
bcö  §  1297  ben  3tt)eifel  erregen  fönnte,  ob  nid&t  im  §  1297  eine  üoUftänbige 
9Iufjä^lung  ber  ben  ßt)emann  fraft  ber  el^elid^en  SRu^niefeung  imb  SBerroaltung 
trcffenbcn  Saften  beabfid^tigt,  ba^er  bie  SSerpftid^tung  jur  2:ragung  ber  bem 
9lic6braud)cr  obliegcnbcn  Grfialtungßfoften  auftgefd^foffen  fei. 

9i6gaben  «nb  2.   Sie  S3eftimmungen   beö   3tbf.  1   unter  3lr.  1—3  entfprcd{)cn  ben 

^^^^l    33orfd[)riftcn  bcs  §  1003  9ir.  1,  2,  4,  jebod^  mit  ber  auö  bem  §  1293  fid^ 

rungweitrfiflc  ergebcnben  SWobififation,  bafe  ber  G^emann  bie  im  §  1003  ?lr.  2  errocifinten 
iiaftcn  unb  9lbgaben  auä^  bann  ju  tragen  I)at,  wenn  bie  jum  G^egute 
gcijörenben  (Segenftänbe  erft  nad|  93eginn  ber  cl)elic§en  ^higniefeung  mit  ben- 
fclbcn  belaftet  finb. 

3Bie  in  ben  SWotiüen  ju.§  1285  bereits  f)crt)orge^oben  rourbe  unb  auö 
ber  gaffung  ber  3lr.  1—3  beö  §  1297  („jum  Gf)egute  gel^örenbe  ©egenftänbe") 
in  aSerbinbung  mit  §  1285  a.  G.  ftar  erljellt,  bejie^en  bie  Seftimmungen  ber 
3h-.  1—3  beö  §  1297  fid^  aud^  auf  bie  im  §  1285  be^eid^neten  Sadjen,  ob- 
n5ot)I  bie  (enteren  ber  eljetid^en  ^iujniefeung  nid^t  unterliegen.  Die  Sfm 
gemefjen^eit  biefcr  mit  bem  preug.  91.  2.  dt,  II,  1  §  228  im  ^^rinjipe  überein- 
ftimmcnben  Siegelung  fann  im  §inbUdc  barauf,  ba^  ber  Gf)efrau  wegen  ber 
a\\  i()rem  fonftigen  aSermögen  regelmäßig  bem  Gfiemanne  jufteljenben  Siu^- 
nicßung  fonft  bie  3)Iittel  jur  Seftreitung  ber  l^ier  fraglid^cn  Saften  u.  f.  ro. 
fel)len  würben,  nid^t  in  Bw^^if^I  gcjogen  werben. 
Si"Ten.  3.  S)ie  Seftimmung    beö   9lbf.  1   9lr.  4,    baß    ber   Gfjemann,    oor* 

bel)alttic]^  ber  am  9lbf.  2  fid^  ergebenben  Ginfd)ränfung,  nad^  SJcr* 
I)ältniß  ber  3^iÜ)auer  ber  ef)eli(^en  ^lu^nießung  unb  SJerwaltung  bie  3i"fcn 
aller  G^egutöücrbinbUd^feiten  (oergl.  §  1311,  1312),  weldie  im  SBerliältniffc 
ber  Gf)egatten  ju  cinanber  nid)t  bem  aSorbel^altögute  jur  Saft  fallen  (ocrgl. 
§  1316),  JU  tragen  oerpflid^tet  ift,  oljue  Unterfd^ieb  jwifd^en  ben  nor  ober 
naä)  Gintritt  ber  cf|clid;en  3lu^nießung  unb  Sßerwaltung  entftanbcnen  G^e^ 
gutöoerbinblid)feiten,  red^tfertigt  fid^  einerfeitö  baburd),  baß  bie  cfielid^e 
3hit5nießung  auf  ein  ganjeö  aSermögen  unb  jwar  aud^  auf  baöjenige  3Jer* 
mögen  ber  Gfiefrau  pd)  bejiclit,  wetd^eö  biefelbe  erft  wäfirenb  ber  Gl)e  erwirbt, 
anbererfeitö  burd^  bie  Grwägung,  baß  bie  3^"^"  ^on  ajerbinblid&feiten  bei 
orbnungömäßigcr  aBirtl)fd;aft  auö  ben  Ginfünften  beö  SBcrmögenö  beftritten 
JU  werben  pflegen.  aSon  ben  aiorfd;riften  über  ben  9ließbraud)  f§  1003  9ir.  3, 
§  1041)  unterfc^cibet  fid^  bie  9ir.  4  beö  §  1297  namentlid^  audb  infofern,  alö 
nad)  bem  §  1003  Ter.  3  ber  Sacßbraud^er  bie  3infen  einer  auf  bem  9iieß^ 
braudjögegenftanbe  l)aftenben  (af,^efforifd)en)  .^^polfjef  of)ne  9lüdfid^t  barauf  ju 
tragen  ^at,  ob  bie  gorberung,  für  weld)e  bie  ,^i)potl}ef  l)aftet,  mit  bem  Ocgen- 


«nu^nieBima  beS  ßJefluteS.    Saften,    §  1-297.  201 

jianbc  bcd  SlieBbraud^cö  im  3wfömmcnf|angc  ftcl)t  Tt)äl)rcnb  nad)  bcni  §  1297 
3lr.  4  Qllcin  bie  ©igcnfd^aft  bcr  S3crbinblid)fcit,  loegcn  weld^cr  bie  .^ppottief 
icftellt  ift,  cntfd^cibct,  bcr  e^cmann  mitl^in  bic  S^riicn  einer  SBorbelialtögutöDer- 
binbU(lj)feit  ober  einer  fold^cn  ©^egutöpcrbinblid^feit,  wddjt  im  33erl)ältniffe  bcr 
ßbegatten  ju  cinanber  nad^  §  1316  bem  aSorbe^attögutc  jur  Saft  fällt,  and) 
bann  ni^t  ju  tragen  ^at,  wenn  ein  ©fjegutßgrunbftüdE  für  biefelben  als 
öppot^ef  bittet.  S)ie  änroenbung  beö  §  1003  3lx.  3  in  ber  ^ier  fraglichen 
Sejiebung  würbe,  namentlid^  für  fold^e  gälle,  in  roelcben  nad&  beginn  bcr 
eWitb^n  ^lugniefeung  für  eine  aSerbinblicbfeit  ber  juleßt  gebadeten  9lrt  eine 
Öqpotbef  an  einem  ßb^gutögrunbftücfe  beftellt  wirb,  ju  einem  angemejfenen, 
bcr  abfid&t  ber  Set^ciligtcn  entfpred&cnben  SRcfultate  nid^t  führen,  inbem  nicbt 
angenommen  mcrben  fann,  bafe  ber  ©bemann  burd^  bie  SeftcHung  ber  |)i)P0' 
tfytt  für  eine  fold^c  SSerbinbUd^feit  ber  Qijt^xau  bie  S^n^^^,  meldte,  bingefe^en 
ouf  bie  pcrfönlid^e  Sdbulb,  im  aSerbättniffe  ber  ©b^flötten  ju  cinanber  bem 
??orbcbaItögute  jur  Saft  fallen,  gegenüber  ber  ©bcfrau  alö  eine  neue  Saft  b^be 
übernebmen  moUcn. 

3)ie  Olcid^ftellung  anbcrcr  roieberfebrcnber  Sciftungcn  mit  ben  Qin^tw    s(nbcre 
bcr  ©b^^Owteocrbinblid^fciten,  fofern  bie  SJcrbinblicbfcit  ju  fold}cn  Seiftungen    J^J'^'n^c 
im  Scrbäftniifc  bcr  ®f)tiaikn  ju  cinanber  nld^t  bem  aSorbebaltögutc  5ur  Saft  seiftungcn. 
föllt  unb  ein  orbenttid^cr  .^auöüater  biefelben  aus  bcn  ©intünften  feines  aSer^ 
mögcnß  ju  bcftreitcn  pflegt,  berubt  auf  äbnlid^cn  ©rroägungcn,  mic  bieienigen, 
iwl(bc  JU  bcr  bie  3^"^^^  betrcffcnbcn  aSorfcbrift  bcö  §  1297  9ir.  4  gefübrt 
babcn,  iinb  entfprid^t  bem  §   1041  Slbf.  2.    3)a6  ju  bcn  micberfebrenben 
Seiftungen  nit^t  aud^  3lu§gabcn  jum  Qvocdc  ber  9lnfd^affung  fold^er  (Segens 
ftänbc  geboren,  loclci^e  lebiglid)  jum  ©rfage  ber  burd)  bcn  gcmöbnlid&en  ©e^ 
hxü\xä)  abgenufeten  Stüdfc  biencn  (ücrgl.  oben  ©.  199  ff.  unb  SOlotioc  ju  §  1292, 
oben  S.  183  ff.),  fann  roegcn  bcö  Sluöbrurfeö   „Seiftungen"  unb  im  ^inblidfc 
auf  bic  §§  1007,  1038  in  aSerbinbung  mit  §  1292  nid^t  jrocifctbaft  fein. 

dagegen  ftnb  —  maö  roegen  ber  bct^öorragenbeu  2Bid)tigfeit  ber  satmen* 
bctrcffenbcn  gallc  in  SJlr.  4  bcfonberö  lieroorge^obcn  ift  —  ju  bcn  mieber^  leVCgt«. 
fcbrcnbcn  Sciftungcn  im  ©inne  ber  ^ir.  4  biejenigcn  Sciftungcn  ju  rcd^ncn, 
njclcbe  üon  bcr  ©bcfrau  auf  Orunb  ibrer  gcfcglid^en  aScrpflid^tung  jur  (Sc? 
löäbrung  bcö  Unterbalteö  an  ©ritte  ju  entrid^ten  ftnb,  Dorauögcfc^t  aud^ 
^icr,  bafe  bic  SScrbinblidjfcit  ju  fold^cn  Seiftungen  im  äJerbältniffe  ber  ©bc- 
flotten  JU  einanbcr  nid^t  bem  aSorbcbaltögute  jur  Saft  fällt  unb  ein  orbcnt^ 
lieber  fiauöoater  biefelben  aus  ben  ©infünften  feines  SJcrmögcnö  ju  bcftreitcn 
pflegt  ©S  geboren  babin  inöbefonbere  fold^e  Seiftungen,  n)cld)c  bic  ©bcfrau 
auf  ®runb  ber  §§  1480  ff.  Derb,  mit  §  1313  an  aScrmanbtc  ober  auf  ©runb 
bcö  §  1454  an  ben  gefcbicbenen  ©tiegatten  ober  alö  ©rbe  eines  auf  Orunb 
bcr  §§  1571—1575  jur  (Semäbrung  bes  UnterbalteS  an  ein  unc^elid)e6  Äinb 
wrpflitbtcten  unebclidöen  SSaterS  an  bas  unebclidöc  Äinb  jum  ^^cdfc  bes 
UnterbalteS  ju  cntrid^ten  l)at,  forocit  ber  ©bcfrau  biefc  SJcrpflicbtungcn  nid^t 
mit  3lü(ffic^t  auf  ibr  SJorbebaltSgut  obliegen.  Someit  bagcgcn  jene  SJer:: 
pflitbtungcn  mit  SRürffic^t  auf  bas  SSorbcbaltsgut  überbaupt  crft  bcgrünbet 
ober  in  ibrem  Umfange  oergröfeert  merben  unb  bcsljalb  §  1316  9tbf.  2 
3ir.  2  anroeitbbar  mirb  (Dcrgl.  bie  3)Uim  ju  §  1310  unter  3lx.  2),  ift  bie 


202  SflufnieBuitö  bcä  e^egutcS.    8aften.    §  1297. 

SBerbinbUd^feit  bcß  ©^cmanncö  jur  2^ragung  bcv  l[)ier  fraglici^cn  Sciftungcn 
mä)  aWafegabc  bcö  §  1297  9}r.  4  Quögefdöloffen. 
^roae^foften.  4.  2)ic  ©rüitbe,  Tücldöc  bcn  ©ntrourf  bcftimmt  ^abcn,  bcm  ©bemanne 

als  folgern,  fei  cö  aus  bcm  Ocfid^töpunftc  bcr  Unter^altöpflic^t  ober  bcr 
'^flid^t,  bie  ©^cfrau  ju  fci^ügcn  unb  ju  r)crtt)cibigcn ,  bic  aScrpffid^tung  juc 
S^vagung  bcr  Äoftcn  cincd  üon  bcr  ©^cfrau  gcfülirtcn  SRcdötSftrcited  nic^t  auf* 
jucrlcgcn,  finb  in  bcn  SWotiocn  ju  §  1280  (S.  125)  bargcicgt.  §icr  l^anbelt  cö 
\iä)  um  bic  entfd^cibung  bcr  bort  oorbc^altcncn  ^agc,  ob  unb  inroicmcit  jene 
33crpf[id^tung  bcn  ©Ijcmann  auf  ®runb  bcö  c^cUd^cn  ©ütcrrcd^tcö  traft  bcr 
cf)cli(jcn  SRufenicfeung  unb  SBcrmaltung  treffen  foU.  Ocmcinrcd^tlid^  braucht 
bcr  SRicfebrau^er  bic  Äoftcn  eines  JRcd^tSftrcitcS,  rocici&cn  bcr  ©igent^ümer  eines 
bcm  SUiefebraud^c  unterworfenen  SSermögenS  über  bie  ©ubftanj  bcs  leßtcrcn 
ober  über  SBcrbinblid^fcitcn,  für  rocld^e  basfelbc  Iiaftct,  füfirt,  nic^t  ju  tragen. 
3U6)  preufe.  St.  S.  9t.  I,  21  §§  82—86  muß  er  biefc  Soften  unter  geroiSfcn 
SBorauSfcfeungcn  üorfd^iefecn.  S)ie  Sc^anblung  biefer  grage  bei  bcr  c^clic^cn 
SJußniciung  ift  foroo^l  gcmcinrcd&tlid^  als  na^  preufe.  Siedete  bcftrittcn.  dlad) 
bcm  fä^f.  ®.  33.  §  1682  ftnb  bie  Soften  eines  SRed^tSftreiteS,  mcldicn  bic  ©^c* 
frau  ober  mit  bercn  ©inroilligung  bcr  Seemann  über  ben  ©tamm  beS  c^c^ 
wciblid&en  SSermögenS  mit  einem  ©ritten  fü^rt,  aus  bcm  Stamme  biefcs  SBcr^ 
mogciis  }u  tragen. 

Sei  bcr  SWcgelung  bcs  SlicfebraudicS  ift  baüon  ausgegangen,  bafe  bcr 
9Jie6brauc]^er  nid^t  oerpftid^tet  ift,  bie  Äoften  eines  9ied&tsftrcitcS  ganj  ober 
tt)eiln)cifc  ju  tragen,  roeld^er  t)on  bcm  Sigent^ümer  über  bic  Subftanj  bcd 
bcm  5ßic6braud^c  untermorfcnen  SBcrmögcnS  ober  über  eine  SBcrbinbli^feit, 
für  roelc^c  Icßtcrcs  ^aftct,  gcfül^rt  ift.  ®ic  für  biefc  SKrt  bcr  Siegelung  mafe* 
gcbcnb  gcmefcncn  ©rünbc  treffen  icbod^  bei  bcr  e^clicben  5Ru6nic|ung  nid^t  ju; 
üic[mcf)r  mufe  f)icr  bcr  oben  S.  199  bereits  ^croorgcfiobcne  ©cfid^tspunft,  bafe 
bic  ©infünfte  beS  33crmogcns  bcr  ©ficfrau  unb  bcr  ©rtrag  bcr  9lrbeitSfroft 
bcrfclbcn  regelmäßig  bcm  ©bemanne  jufallcn,  eS  bcr  ©^cfrau  mithin  regcU 
mdfeig  an  alten  laufcnbcn  ©inna^men  fef)(t,  in  SScrbinbung  mit  bcr  ©rroägung, 
ba§  —  t)on  au§crgcn)öl)nüd^cn  göUen  abgefe^cn  —  bic  ^ßrojefefoften  roirtfy^ 
fd)aftlid^  bic  Statur  tjon  aSerroaltungsfoftcn  l^abcn,  rocid&c,  mic  anbcre  jur 
Sicherung  unb  ©r^altung  bcS  SBcrmögcnS  aufgcroenbetc  Äoften,  ein  orbentti^er 
.^auSt)atcr  aus  bcn  taufenben  ©inna^men  ju  beftreiten  pftegt,  fonfequent  ju 
bcr  S3eftimmung  bcs  §  1297  3lv.  5  füf)rcn,  ia^,  üorbcJ^altlid^  bcr  aus  bcm 
3lbf.  2  fid^  crgebcnbcn  ©infd&ränfung,  bcr  ©ficmann  gegenüber  bcr  ©^cfrau 
bie  Äoften  eines  icben  von  bcr  ©ficfrau  gcfül;rtcn  Jtcd^tSftrcitcS  ju  tragen 
ocrpflid^tct  ift,  fofcrn  bie  SJcrbinblid^feit  bcr  ©^cfrau  jur  Prägung  bcr  Äoften 
eine  ©f)cgutSt)erbinblid&feit  ift  unb  im  3Scr^äItniffe  bcr  ©f)cgattcn  ju  cinanber 
nic^t  bcm  33orbcl)aItsgutc  jur  Saft  fällt.  SBie  eine  SBcrglcid^ung  bcr  §§  1312, 
1316  crgicbt,  fallen  bcm  ©bemanne  l)iernad^  jur  Saft  bic  Äoften  eines  von 
bcr  ©f)cfrau  gcfül)rtcn,  bas  ©^cgut  bctreffcnbcn  Slftioprojcffes,  fofcrn  bcr  ©be- 
mann  in  bic  güf)rung  bcs  9lcd{)tsftreitcö  cingcmiUigt  l|at  ober  bicfclbc  gc« 
ncl)migt  (§  1302)  ober  fofcrn  nad6  §§  1306,  1309  9tr.  1,  3  bie  ©iniDilligung  bcs 
©IjemanncS  in  bie  güf)rung  beS  9?cdötöftreiteS  nid|t  crforberlid^  mar,  ferner 
bic  Äoftcn  eines  gegen  bic  ©l)efrau  megen  einer  ©l)egutSocrbinblidj>fcit  wenn 


?lu^nic§un0  be§  (SfeeguteS.    Saften.    §  1297. 


203 


011(6  o^tt«  Sinroilligung  ober  ®cnct|miflung  bcs  ®{|emanncö  (ücrgl.  §  1303  mit 
§  1312  9Jr.  1  a.  ©.),  gefül)rtcn  3lc(]&töftrctteß,  fofcrn  bic  Sßcrbinblic^fcit 
fcer  6§efraii  jur  STrttgung  bcr  Roflcn  im  93erf)ältniffc  ber  ©Regatten  ju  ein* 
onber  na^  §  1316  äbf.  2  5Rr.  3,  4  nid^t  bcm  Sßorbefialtögutc  jur  Saft 
ffittt,  enblid^  auä)  bie  Äoften  eines  von  ber  ©ficfrau  gefüiirten ,  \i)xt  perfcn* 
lid^  SSer^ältniffe  betrcffcnben  SRed^töftreitcö,  fofern  eö  fid^  niciit  um  einen 
Äe^^tdftreit  jroifd^cn  ben  ©Regatten  felbft,  fonbcrn  jmifd^en  ber  (SJ^efrou  unb 
rinem  3)rittcn  ^onbelt  unb  ber  ©bemann  in  bie  güiirung  biefeö  ?Hcö)i&' 
ftteitcö  eingewilligt  f^ai  ober  biefelbe  gcnel^migt  (oergL  §  1312  3lx.  1  mit 
§  1303  unb  §  1316  3lbf.  2  Sßr.  4).  S)er  einwiUigung  bcö  ei^emonncö  in  bie 
Stt^ning  beft  Sled^tßftrciteö  ober  bcr  (Senelimigung  in  biefelbe  l)at  ber  ©ntmurf 
ben  gall,  romn  ber  (Seemann  feine  ©inroiüigung  ju  ertlieilen  üerpflid^tet  mar 
(§§  1320—1322),  ni^t  gleid&geftellt,  oielmefir  bie  ©ntfd^eibung  ber  grage,  ob 
unb  inroicroeit  in  einem  fold^en  gallc  ber  ©bemann  bie  Äoften  beö  pon  bcr 
©W^öu  oI)ne  feine  ©inmiHigung  ober  ©enefimigung  geführten  SRed^täftreiteö  nad) 
SWafegabe  beö  §  1297  gegenüber  ber  ©fiefrau  ju  tragen  I)at,  ber  93eurt^eifung 
an  ber  ^onb  ber  allgemeinen  (Srunbföfce  überladen.  @ö  fe^It  an  einem 
genügenben  (Srunbe,  in  biefer  S3ejiel()ung  burd^  eine  pofttiüe  SSorfc^rift  bie 
ßiniwnbungen  beö  ©^emanneö,  namentlid^  fooicl  ben  Umfang  ber  entftanbencn 
^rojcfefoften  betrifft,  ju  befd^ränfen.  3m  Uebrigen  wirb  wegen  bcr  JRiicf- 
icirfung  bcr  Scftimmungcn  bcö  §  1316  auf  bie  S3eftimmung  beö  3lbf.  1 
3lr.  5  auf  bie  SKotiüc  ju  §  1316  S3ejug  genommen. 

5.  Slnlangcnb  bie  Äoften  ber  SBcrt^eibigung  ber  ®t)efrau  in  einem  gegen 
fie  gerichteten  ©trafücrfa^ren  (9lr.  6),  fo  f)ai  bcr  ©ntrourf  bie  Prägung 
biefer  Äoften  bcm  ©bemanne  alö  fold)em  aus  ben  in  ben  SKotioen  ju  §  1280 
3. 124  bargefegten  ©rünben  nid^t  auferlegt.  S)a  aber  jene  Äoften,  mie  bie 
Äoften  cinefi  bie  perfonli^en  SSerfjältniffc  ber  ©^efrau  betreffenben  Slcd^täftreitcö, 
ate  eine  Slufroenbung  jum  [©^uge  unb  jur  Sid&erung  perfönüd^cr  9icdf)tc, 
vxlä^  ein  orbentlid^er  ^auönater  aus  feinen  laufenben  ©innafimen  ju  beftreitcn 
pflegt,  onjufe^en  ftnb,  fo  muffen  ä^nlid^e  ©rmägungen,  mie  biejenigcn,  auf 
twf^n  bie  S3eftimmung  ber  ?ir.  5  beruf)t,  bal)in  führen,  bcm  ©l^emanne 
gegenüber  ber  ©^efrau,  uorbe^aftlid^  bcr  auö  3lbf.  2  fid&  crgcbenben  ©in- 
fc^ronfung,  aud^  biefe  Äoften  jur  Saft  }u  legen,  fofcrn  er  ju  bcr  aScrt^eibi* 
gung  feine  ©inmiUigung  ober  ©enel^migung  ertfieilt  l^at.  9Jadf)  §§  1321, 
1322  ift  er  aber  feine  ©inmiUigung  ju  crtljeilcn  ocrpflid^tct,  mcnn  bie  3luf* 
wenbung  ber  SSert^eibigungöfoften  fid)  ben  Umftänben  nad^  alä  eine  jur 
orbnungömäfeigen  Seforgung  ber  pcrfönlid^en  9lngclegenf)citen  bcr  ©t)cfrau 
erforberlid^c  aWaferegel  barftcHt.  2Iud)  fjicr,  wie  in  ben  gällcn  ber  3lv.  5, 
fehlt  e$  an  einem  genügenben  ©runbe,  ben  ^all,  in  meld^em  ber  ©tiemaiut 
feine  ©inrotUigung  ju  ber  SOertfieibigung  'ju  [crttjcifen  oerpfIid)tet  mar,  bcm 
%(i\lt,  in  roclc^em  ber  ©Eiemann  feine  ©inmiüigung  ober  Ocnefimigung 
wirflid^  ertl)eilt  l^atte,  burd^  eine  pofitioe  Sßorfc^rift  jum  3laä)ii)c\k  bcö  ©()c? 
manneö  gteic^juftenen.  Safe  bie  SBertI)eibigungöfoften,  aud^  menn  bcr  6t)emann 
5u  ber  3Jertf|eibigung  feine  ©iniriilligung  ertljeilt  f)attc,  bcm  ©f)cmanne  bann 
nie^t  jur  Saft  fallen  follcn,  menn  bie  ©^efrau  in  bcm  gegen  fie  gerichteten 
ftrofrec^tli^en  JBerfa^ren  tjerurt^eilt  ift,  folgt  barauö,  ba§  in  einem  folgen 


aSert^eibt« 
gungSfoften. 


204  9lu^nic§unö  bc§  CkguteS.    Saften.    §  1-297. 

gallc  jene  Äoftcn  alß  mittelbare  golgc  ber  von  bcr  ß^efrau  begangenen  um 
erlaubten  §anblung,  wegen  bercn  fie  üemrtl^eilt  ift,  fid)  barfteHen  unb  beö^alb 
ebenfo  n)ic  bic  Äoften  eines  Sled^töftreiteö  über  eine  SSerbinblid^feit  ber  ®^efrou 
aus  einer  t)on  i^r  begangenen  unerlaubten  ^anblung  be^anbelt  werben  muffen 
(§  1316  2lbf.  2  9lr.  1,  3).  S)a  aber  in  bem  3^itpunfte,  in  roeld^em  bie  Scr- 
tljcibigung  erfolgt,  fid)  nod^  nid^t  üorl^erfel^en  lägt,  ob  bie  (S^efrau  üerurt^cilt 
iö:rben  mirb  ober  nid^t,  fo  mufe  eine  Seftimmung  barüber  getroffen  merben,  njcr 
biö  ju  bcr  ©ntfd^eibung  bic  Äoften  ju  tragen  f)at.  ®ie  5Watur  beö  SSer« 
l)attniffcö  roie  bic  SiHigfeit  fprid^t  bafür,  bie  SSerpflid^tung  bem  ©bemanne 
aufäucriegen. 
»cf(^räntunö  6.  S)ie  im  3lbf.  2  beftimmte  SJefd^rönfung  ber  SSerpffid&tung  beö  ©^e- 

»erp^^bc4  n^^nnes  jur  S^ragung  ber  im  3lbf.  1  unter  9]r.  4—6  bejeid^neten  3^^^^"/ 
e^cmanncä  Sciftungcu  unb  Äoften  gegenüber  ber  Gfiefrau  entfpridit  bem  allgemeinen 
bCT  iSftTb^r  ®ninbgebanf en ,  auf  meinem  bie  33eftimmungen  ber  9lr.  4  —  6  berul^en. 
sRu^niefeung.  gcj  [ß^eu  [\ä)  attcrbingö  praftifdic  (Srünbe  bafür  anfüljren,  bem  ©fiemannc 
bic  bejeid^nete  3SerpfIid^tung  ofine  Slüdffid&t  barauf  aufjuertegcn,  ob  icnc 
3infcn,  Seiftungen  unb  Soften  ben  Setrag  ber  auö  bem  ©fjegute  gejogencn 
ober  JU  jiel)cn  gerocfenen  9lugungen  überjleigcn,  inöbefonbere  ber  ©efid&töpuntt, 
baß  baburd^  fonft  notbroenbig  mcrbenbe  SÄbrec^nungen  unter  ben  ©Regatten 
uermieben  werben,  foroie  ber  ä'^^if^l  barüber,  was  unter  ben  gcjogenen  unb 
JU  jicl)en  gcmcfcnen  ^lu^ungcn  ju  pcrfteben,  ob  inöbefonbere  aud^  bcr  SSortl^cil 
auö  bem  Ocbraudje  bcr  6l)cgutäfad^cn  bafjin  ju  rcd&nen  fei  (ücrgl.  §  793). 
Siibcffcn  fann  auf  biefe  Scbcnfen  gegenüber  ber  Grwägung  entfd&eibenbcö 
®cn)id^t  nid)t  gelegt  werben,  baß  bie  uneingefd^ränfte  SJcrpflic^tung  bcö  ©^e« 
manncö  jur  S^ragung  ber  f)ier  fraglid^cn  3ii^f^"/  Seiftungen  unb  Äoften  unter 
Umftänbcn  grofee  gärten  für  ben  Gfiemann  mit  fi(^  bringen  unb  mittelbar 
ba^in  fül^rcn  fönnte,  bafe  bic  ©laubiger  bcr  ©ficfrau  auö  bem  pcrfönlid^en 
3?crmögcn  beö  ©b^nianneö  53efricbigung  ücrlangen  fönnten.  Sie  Unbilligtcit 
jcigt  fi^  namentfid^  in  foldjcn  fallen,  in  weld&en  t)orel)clid&e  ücrjinölid^c 
£d)utbcn,  üon  bcnen  bcr  ß[)emann  feine  Äcnntnife  l)attc,  üor^anben  finb,  bic 
Gf)efrau  aber  3Iftiüt)ermögcn  nid)t  befigt  ober  baö  9Iftiüücrmögcn  berfclbcn 
9i Übungen  nid^t  abwirft  ober  wä^rcnb  bcr  ©^e  ücrlorcn  gcl)t.  Um  fo  weniger 
ift  bie  im  3lbf.  2  beftimmte  33cf(^ränfung  ju  cntbct)rcn,  alö  bem  ©bemanne 
nad&  bem  ©ntrourfc  auö  ben  in  ben  3Rotit)cn  ju  §  1327  nä^er  angeführten 
ßJrünben  baö  SRcd^t,  bie  33ccnbigung  bcr  cl)elid^en  9iuftnie§ung  unb  SSerwaltung 
burd^  einfcitigcn  SiJerjid^t  l)crbeiäufüt)rcn,  ücrfagt  ift,  berfclbe  fid)  alfo  t)on  bcr 
l)ier  fraglid^cn  3]crpflid)tung  aud)  nid&t  einmal  für  bic  3^ifw^ift  cinfeitig  bc* 
freien  fann.  Sluc^  bic  3iiläffigfcit  beö  33crjic^teö  würbe  übrigenö  bic  .^ärte 
nid^t  befeitigen,  bafe  bcr  ©Ijcmaun  otinc  bic  Sefd^ränfung  beö  Slbf.  2  in  bic 
Sage  fommen  fönnte,  iebcnfallö  bie  3i"f<^^^  ouö  bcr  3cit  t)or  bem  SJcrjid^tc 
jalilcn  JU  muffen, 
öinfiufebcs  7.  3)ie  grage,  inwieweit  in  bem  gallc,  wenn  Äonturö  über  ba^  3Jer^ 

uv'^^cl^L.  "liegen  i^cr  ©bcfrau  eröffnet  unb  ba^  ©l)egut  jur  Äonfurömafje  gejogen  ift, 
bcr  ©l)cmann  trogbem  mit  -Rüdffid^t  barauf,  bafj  bic  cljetid^c  9iu|nie6ung  unb 
Sßerwaltung  burd^  ben  Slonfurö  nicbt  bcenbigt  wirb  unb  inöbcfonberc  baö  nad^ 
ber  ©r Öffnung  beö  Sonfurfcö  erworbene  3}crmögcn  bcr  ©^cfrau  ergreift,  bic  im 


5iu{;nteBun0  bcö  Stcöutc^.  aScrau§crUd&feit,  ?)fänb6arfcit.   §§  1298, 1299.     205 

§  1297  bcjcic^netcn  Saften  ju  tragen  I)at  unb  inroieroeit  biefelben  anbercrfcitö 
wn  ber  Äonfurßmaffe  jU  tragen  finb,  ift  burd&  ba^  ®efe^  nid)t  befonbcrö 
cntft^ieben,  ba  bcr  (Sntrourf  oud^  im  Uebrigen  befonbcrc  Scftimmungen 
über  boö  33erl^ältni§  beö  (Sfiegutcö  im  galle  beö  Äonfurfcö  über  ba^  33cr* 
mögen  ber  @^efrau^  rocil  in  ben  Sereid^  ber  Äonf.  D.  fallenb,  nid^t  aufs 
genommen  ^^at 

8.  2)ie  Seftimmungen  bcö  §  1297  begrünben  nur  eine  3Scrpf[id^tung  ««f*««^«  ^«« 
beä  Seemannes  gegenüber  ber  ©(jefrau.    ^en  ©löubigern  ber  Ie|tcrcn,  fomeit  gegenüber  bcn 
jie  gegenüber  berfelben  einen  9Infprud&  auf  ©rfüllung  bcr  im  §  1297  beäcid)netcn  ®fÄ^ 
Serbinblic^feiten  fjaben,  nad^  Analogie  ber  33eftimmungen  über  SSerträge  ju 
(Sanften  dritter  (§  412)  einen  unmittelbaren  Slnfprud^  gegen  ben  (gfiemann 
eiujuräumen,   ift  im  ^inblide  auf  bie  im   9lbf.  2  beftimmte  Sefc^ränfung 
ber  SSerpflid&tung  beö  ß^emanncä  gegenüber  ber  Cfiefrau  aM  praftifd^en  ^lüdf- 
fi^ien  niddt  afd  angemeffen  erad^tet.    ©elbftücrftänblid&  ift  inbcffcn  nid^t  auö^ 
9ef(Ö(ojfen,  bafe  bie  ©laubiger  bcr  ©fiefrau  fidö  ben  ^ier  fragüdfien  Stnfprud^ 
bcr  Ic^teren  im  SBege  ber  SnjangöüoUftredung  überroeifen  Iaf|cn. 


§§  1298,  1299. 

1.    S)cr  Sd^roerpuntt  bcr   §§   1298,   1299    liegt  in  bcnjcnigen  S3c^  IuöSm 
ftimmungen,  meldte  bad  S3crt|ältnig  bcr  ©laubiger  bed  @^emanncd  gegenüber  e^eflutes  für 
bem  e^egute  betreffen.    (Sd  tianbelt  ftc^  bei  bcr  Slegelimg  biefeä  SBcrfiältniffcö  ^t?  «"j!^'" 
}unäd^ft  um  bie  ^age,  ob  unb  inmiemeit  bie  Haftung  bcr  Subftanj  bcd  @lje^    manne«. 
gute«  für  bie  ©d&ulben  bcö  g^emanneö  anerfannt  merben  foH. 

Ob  nod&  älterem  9?ed)te,  inßbefonbere  nad^  bem  ?icd^te  beö  Sad^fcn*  ©eitenbe« 
fpiegetö,  bie  ®^efrau  mit  i^rem  (Singebra^ten  für  bie  ©d^ulben  bcö  ©fie^  ^^^^ 
manneö  haftete,  ift  beftritten.  ©cgenroörtig  ift  in  ben  ©ebieten  ber  SBcr^ 
QNiltungögemeinfd^aft  eine  fold^e  @d^ulbcnl)aftung  balb  in  größerem,  balb  in  gc^ 
ringerem  Umfange  nur  in  wenigen  fleineren  SRed&tögebieten,  fo  auf  ©runb 
älterer  Statuten  inöbefonbere  in  ber  ©tabt  ©tabe,  in  einjelnen  Sejirlen  üon 
Sommern,  ^olftein,  Reffen  unb  in  bcr  ©tabt  9?oftodf,  auf  ©runb  neuerer 
©efeje  für  bie  ©tabt  Sübedf  unb  für  bie  ©tabt  SBiömar  anerfannt.  3n 
Subecf,  wo  naä)  bem  älteren  SRed^tc  baö  SBermogen  ber  ®l)efrau  nur  bei 
beerbter  &ft  für  bie  ©d^ulben  bcö  ©fiemanneö  haftete,  ift  burd^  ®ef.  o. 
26.  Cftober  1863  SKrt.  1,  2  beftimmt  roorbcn,  bafe  eine  ©fiefrau,  mag  fie  in 
beerbter  ober  unbeerbter  @^e  leben,  mit  bem  i^rem  ®l)emanne  jugebrad&tcn 
Sermöflcn,  b.  f).  fomol^l  mit  bem  SSermBgen,  roeld^eö  bei  ©ingcfiung  ber  (gt)e 
boö  il^rige  gemefen  ift,  alö  auc^  mit  bemienigen,  roeldicö  fte  roä^renb  ber  (g^e  burd^ 
Ccbfc^aft  ober  irgenbroie  fonft  crmorben  \)at,  für  bie  aSerbinblidEjfeiten  bcö  ®f)e== 
monneö  haftet,  fomeit  fie  nid^t  mit  lefetercm,  ganj  ober  tt)eiln)eife,  in  getrennten 
©ütern  lebt.  3Ilö  in  getrennten  ©ütern  tebenb,  mirb  eine  ß^efrau  bann  betradf)tct, 
menn  jte  entroeber  vov  i^rer  83erl^ciratl)ung  ober  aber  mäbrenb  ber  @^e  t)or  bcr 
juftänbigcn  Sc^örbe  bie  ©rflärung  abgegeben  f)at,  ba^  fie  für  bie  aScrbinblid)- 
Wtcn  i^eö  ß^emanneö  überall  nid^t  l^aften  ober  ba%  fie  einen  beftimmten  2:t;cil 
i^efi  bcmfclben  jujuhringenben  SBermögenä  t)on  bcr  Haftung  für  jene  SBcr^ 


206     5Ru^nic§ung  bcg  ®6e0utcö.  aSeraugcrli^feit,  ?)fdnbBarfeit.  §§  1298, 1299. 

binblid&fcitcn  auönel^mcn  roollc.  ®inc  fold^c  ®rflärung  ^at  brittcn  ^crfoncn 
gegenüber  icbod&  erft  t)om  2^age  ber  öffentlid^en  Sefanntma^ung  an  red^tUd^e 
SBirfung.  3lel^nUd^e  Scftimmungen  entf)olten  für  ben  %aU  beerbter  e^c  bie 
§§  4,  5  bcö  neuen  ©tatuteö  von  SBiömar  x>.  9.  ©ejember  1875. 

3laä)  gemeinem  beutfd^en  SRed^te  finbct  eine  Haftung  ber  ®^frau  für  bie 
©d^ulben  beö  ®l)emanncö  mit  ber  ©ubftanj  beö  E^egutcs  nic^t  ftatt.  2)er 
©(jemonn  fonn  jroar  naä)  ber  l^errfd^enben  SÄeinung  bie  fa^renbe  §abe  ber 
S^efrou  oI)ne  beren  ©inroiUigung  üeräufeern,  aber  biefeö  auf  bem  pd^ft  per^ 
fönlid&en  ajerroaltungöred^tc  beö  ß^emanncö  berul^enbc  unb  jubem  mit  ber 
SSerpPid^tung  jum  SEertlicrfafee  nad^  Sluflöfung  ber  ©^c  üerbunbene  S)id* 
pofitionßred^t  unterliegt  nid^t  ber  3w)<irtgöüoUftredEung  von  ©eiten  ber  ©laubiger 
beö  Seemannes.  3laä)  3lufföfung  ber  E^e  wie  im  Äonfurfe  über  bas  SSer^ 
mögen  beö  ©^emanneö  Dinbijirt  bie  ©^efrau  bie  il^r  ge^örenben  ©ad^en  unb 
mac^t  ir^rc  ßrfafeanfprüc^e  wegen  ber  eingebrad^ten  fungibelen  ©ad^en  unbebingt, 
mcgen  ber  übrigen  infomeit  geftcnb,  alö  fxe  in  golge  eineö  von  bem  ©bemanne 
ju  üertretcnben  SScrfc^uIbenö  ober  einer  von  i^m  vorgenommenen  Sßeräufecrung 
nid^t  me^r  t)or^anben  ober  t)crfd&red)tert  finb. 

Sluf  bem  Söoben  beö  gemeinen  SRed^teö  ftetien  il^m  im  SBefentlid^en  in 
ber  l^ier  fraglid^cn  S9ejiet)ung  aud^  baö  preug.  SK.  S.  SR.  (II,  1  §§  257—260), 
baö  fäd^f.  ®.  93.  (oergl.  §§  1678,  1685)  unb  ba&  olbenb.  ®ef.  t).  24.  3lpri[ 
1873.  Sluf  bem  ©cbiete  beö  preufe.  %  S.  SR.  ift  eö  jmar  lange  ftreitig  gc? 
mefen,  ob  baö  bem  ©bemanne  nadj  91.  fi.  SR.  II,  l  §  247  juftelienbe  SRed&t,  über 
bie  aWobiticn  ber  ©^efrau  frei  }u  verfügen,  ni^t  aud^  ben  ©laubigem  beö 
©fiemanneö  ju  ©ute  fomme  unb  bie  Snteroention  ber  ©^efrau  gegen  eine  im 
SBcge  ber  3w)angöooUftredEung  erfolgte  ^ßfänbung  auöfd^liefee.  2)ur^  boö 
preug.  @ef.  v.  7.  STprif  1838  ift  biefe  Streitfrage  inbeffen  ju  ©unften  ber 
©{)efrau  entfc^ieben.  2lud&  bie  prcufe.  Äonf.  D.  v.  8.  3Rai  1855,  obrool^f  i^re 
unoerfennbare  S^enbenj  bal^in  gel^t,  bie  ©laubiger  beö  ©^emanneö  gegenüber 
ber  ©^efrau  günftiger,  mie  biöl^er,  ju  fteUen  (vergl.  inöbef.  bie  §§  88  ff.), 
erfennt  prinjipiell  ba^  33inbifationöred^t  ber  ©tiefrau  an  unb  betöfet  i^r,  menn* 
gteid)  an  lej^ter  ©teile,  alö  legten  SReft  ber  von  ber  gemeinred)tli^en  ^rajiö 
auf  bie  SBermaltungögemeinfd^aft  übertragenen  ©otalprioilegien  beö  rom. 
SRed^teö,  nod^  ein  33orjugöred^t  megen  i^rer  ©rfafeforberung. 

3n  neuerer  ^tii  l^aben  ft^  von  verfd^iebenen  ©eiten  Stimmen  bafür 
erf)obcn,  bei  ber  SSerivaltungögemeinf^aft,  roenigftenö  in  geiviffem  Umfange, 
eine  Haftung  ber  ©tiefrau  für  bie  ©d^ulben  beö  ©^emanneö  mit  ber  ©ubftans 
beö  ©^eguteö  eintreten  ju  laffen.  3nöbefonbere  ^at  bie  erfte  Slbti^eifung  beö 
12.  beutfd^en  3uriftentageö  ftd^  ba^xn  auögefprod^en,  bafe  eine  Haftung  beö 
SSermögenö  ber  ©^efrau  für  bie  ©d^ulben  beö  ©^emanneö  inforoeit  anjuerfennen 
fei,  alö  baöfelbe  nid^t  auf  beren  5Ramen  angelegt  fei  unb  beftänbig  angelegt 
bleibe  (vergl.  bie  a3erf)anblungen  beö  12.  beutfd^en  Suriftentageö  SBb.  3  3.  33  ff., 
80).  ©ine  fold^e  Haftung  ift  in  verfd^iebenen  gormen  unh  in  verf^iebenem 
©rabe  bentbar  unb  vorgefd^tagen  morben.  ©ie  fann  entroeber  alö  eine  per* 
fönfid^e  Haftung  ber  ©^efrau  gegenüber  btn  ©laubigem  beö  ©Iiemanneö  in 
ber  SSlrt  gebadet  fein,  ba&  bie  Haftung,  äfinlid^  mie  bie  beö  Snventarerben,  auf 
bm  93etrag  beö  ©^eguteö  befd^ränft  ift,  ober  eö  finbet  nur  eine  Haftung  beö 


SJu^nicBung  b^5  SJeguteS.  SSeraufecrKd^feit,  ^fanbBarfcit.  §§  1293, 1299.     207 

SBermögcnö  bcr  ©l^cfrau  unb  nur  tnittclbttr  infofcm  ftott,  als  i>a&  bcm  Q\)c^ 
manne  in  änfe^ung  bcr  ©ubftanj  beö  @{|egutcö  jufte^cnbe  SScräufecrungörcd^t 
gegenüber  bcn  ©läubigern  ate  ein  SSermogcnöre^t  aufgefaßt  wirb  unb  ba^^ 
fclbe  ba^cr,  roic  onbere  SBcrmogcnöred^te  bed  ß^emanneö,  einen  ©cgcnftanb 
ber  Sroangöoollftreching  bilbet.  S)iefc  Ie|tere  gorm  ber  Haftung  ber  ß^efrau 
ift  ittbeRen  nur  ba  burd^fü^rbar,  voo  bem  ©l^emanne  auä)  gegenüber  ber  @^e- 
frau  bic  SSefugnig,  ®^cgut  ol^ne  ©inroiUigung  berfelben  ju  Deräufecrn,  in  auö- 
gebe^ntem  SIRafec  jufle^t.  3w)if^c^  bk^cn  beibcn  gomten  ber  fioftung  liegt 
rine  britte,  roeld^c  möglid^enoeife  auä)  mit  ber  jroeiten  t)erbunbcn  werben 
fonn.  Sie  befielet  barin,  ba6  bic  ß^efrau  ben  Slnfprud^  auf  SRücfcrftattung 
bedienigen  S^^eileö  il^rc«  ©l&cguteö,  weld^cr  in  baö  ©igentl^um  beö  ß^emanneß 
übergegangen  ift,  foroie  bcr  il^r  wegen  ber  aSerroaltung  beö  ©l^egutcö  etwa 
lufte^enben  6rfa|anfprüd^c  crft  nad^  ber  Scfriebigung  aller  ©laubiger  beß 
G^anneö  geltcnb  ntad^en  fann,  ben  lejteren  alfo  im  Äonfurfe  über  baß 
Vermögen  bed  ß^emanneß  nad^fte()t. 

^rinjipicK  Iä§t  fi(5  auf  bem  93obcn  bcr  SScrroaltungßgemeinfd^aft  eine  0tanbp«n!t 
^oftung  ber  e^cfrau  für  bic  ©d^ulben  beö  (g^emanneß  mit  ber  Subftanj  beß  «ntwurfc«. 
%9uteß,  wenn  aud^  nur  in  ber  Sefd^ränfung  auf  baßienigc  SBcrmögen  ber 
©Wrau,  roel^eß  äufecrlid^  alß  baß  irrige  nid^t  erfennbar  ift,  mebcr  auß  bcr 
S^atfac^e,  ba§  baß  SBermogen  bcr  ß^efrau  mit  bem  beß  ß^emanneß  äußerlid^ 
in  ber  ^anb  beß  lefeteren  nercinigt  ift,  noc^  fonft  auß  bem  befonberen  S8er* 
kniffe,  in  mcld^em  bic  ß^egatten  ju  einanber  ftcl^cn,  rcd^tfertigen.  ®ie 
S^tfaibc,  bafe  ein  unb  bicfelbc  ^Jerfon  neben  i^rem  eigenen  SBermögen  nod) 
baß  SBermSgcn  cincß  2lnbercn  in  ^änben  l^at  unb  ücrroaltet,  unb  ba^  in  golgc 
bcRen  S)ritte  o^nc  naivere  ßrfunbigungcn  nid^t  ju  unterfd^eiben  vermögen;  mcrd&e 
DOtt  ben  in  ber  ^anb  beß  ©d&ulbnerß  nercinigtcn  SBcrmögcnßgegenftänben  biefem 
geboren  unb  meldte  er  nur  ncrroaltet,  fommt  aufeer  bei  ber  ßf)c  aud^  nod^  in 
man^n  anberen  Scbcnßücrf^ältniffcn  nor,  o^ne  bafe  baran  gebadet  wirb,  ben 
©laubiger  um  beßroiUen,  mcil  er  in  bcm  ©tauben  geroefen  ift,  bafe  baQ  SScr- 
mögen,  roeld^eß  er  in  ber  ^anb  feineß  ©d^ulbnerß  gefeiten  l^ai,  bem  Icgtcrcn 
allein  gebore  unb  Sritten  ein  Slnfprud^  auf  SReftitution  beim,  auf  ßrfafe  nid^t 
üuftebe,  in  ber  SIrt  ju  fd^üßen,  |ba6  il^m  baß  ganje  aSermögen  für  nerfiaftet 
crHdrt  unb  il^m  gegenüber  bcr  SReftitutionß::  bcsro.  ßrfaganfprud^  beß  ©ritten 
als  nid^t  oor^anben  angcfel^en  mirb.  Slud^  baß  befonberc  aSerpttnife,  in 
ioel(^em  bie  ß^cgattcn  unter  einanber  ftcl^cn,  gemährt  feinen  prinjipicllen 
Sn^ltßpunft  für  bie  ^ier  in  Siebe  ftcl^cnbc  Haftung  ber  ß^efrau.  3nß^ 
befimberc  fann  roeber  auß  ber  fubfibiären  Untcrl^attßpflidit  bcr  ßl^cfrau  gegen- 
über bem  ©bemanne  (§  1281)  nod^  ouß  bem  bem  ßl)cmannc,  nid)t  in  bcffen 
eittfcitigem  Sntcrcffc,  fonbern  im  SJitetcffe  ber  el^clid^en  ©emeinfd^aft,  ein^ 
geräumten  aSermaltungß*  unb  aScrfügungßred^tC;  mag  baß  lefeterc  auc^  nod^  fo 
üußgebe^nt  fein,  eine  Haftung  bcr  ß^efrau  mit  ber  Subftans  beß  ß^eguteß 
für  oHe  Sd^ulben  beß  ß^emanneß  gefolgert  roerben,  namentlich  nid^t  für  bic* 
jenigcn,  rocld^e  fid&  formell  unb  materiell  Icbiglid)  alß  eigene  Sd^ulbcn  beß 
Icfteren  barftcDen,  SSom  Stanbpunfte  beß  ßntrourfcß  auß  Dcrmag  baß  aSer* 
roottungö«  unb  aSerfügungßrcd^t  beß  ßl^emanncß  um  fo  mcnigcr  ju  einer 
fol(!^en  ^oftung  ju  führen,  alß  nad)  bcm  ßntmurfc  bcr  ßl;cmann  bei  bcr 


208     Sfhif lücöuua  bcö  (Er?cöut^5.   3Scrdu§erIi*fcit,  g)fänb6arfeit.  §§  1298, 1-299. 

SluSübung  jcncö  dic(^k&  in  roeitcm  Umfange  an  bic  aWitroirfung  bcr  ©^cfrau 
gcbunben  ift  (§§  1319,  1320).  ®ß  fann  ftdb  bal^er  nur  fragen,  ob  übcrroicgenbe 
©rünbe  ber  Silligfeit  unb  Sroetfmäfeigteit,  foroic  baö  im  $8oIfe  lebcnbe  9lcd^td? 
bcroufetfcin  bafür  fpred)en,  bic  Sonfequenjen  bcö  ®t)ftemcö  ber  SBernJoltungö- 
gcmeinfd^aft  ju  ©unftcn  ber  ©laubiger  beß  ©ficmanneö  ju  burciibrcd&en.  9lu(^ 
biefc  gragc  ift  iebo^  ju  t)erneinen.  S^^jugebcn  ift,  ba§  burd^  bie  Haftung  ber 
@t)cfrau  mit  ber  Subftanj  beö  S^eguteö  für  bie  Sd^ulben  beß  ß^emanncö  bic 
Sage  ber  ©laubiger  beä  tegteren  er^eblid^  üerbeffert  n)irb,  biefelben  inöbcfonbere 
gegen  S^äufc^ungen  unb  gegen  bie  SRad^tf^eilc ,  roeldie  mit  ben  rielfod^  un- 
begrünbeten  3ntert)entionöMagen  ber  ©fiefrauen  für  fic  üerbunben  finb,  gefd&üßt 
rocrben.  Snbcjfen,  wenn  baö  ©efeg  bie  SBcrroaltungsgcmeinf^aft  als  gcfefelid^eö 
cl)elicf|es  ©ütcrred&t  fiinfteHt,  fo  miffen  bie  ©laubiger  beö  ©^emanneö  unb 
muffen  fie  loijfen,  baß  ber  ©l^cmann  bie  e^cli^en  Saften  allein  ju  tragen  l^at 
unb  baö  SSermögen  ber  ©^efrau  nur  ju  nußen  unb  ju  t)ern)alten  bcred^tigt  ift. 
SBcnn  fie  bal^er  hcn  5lrebit,  roeldf)cn  fie  bem  ©bemanne  geben,  o^ne  nähere 
©rfunbigung  nad^  bem  äußerlid^  in  ber  §anb  beö  ©^emanncö  ücreinigtcn 
SSermögen  bcmeffen  unb  baburd^  in  SJad^t^eile  gerat^en,  fo  l^aben  fie  biefelben 
[\6)  felbft  äujufd^rciben.  Daju  fommt,  bafe  bie  bejeidf)neten  Sflad^t^eilc  burc^ 
bie  äcftimmungen  beö  §  1282  bcö  ©ntmurfcö  unb  bcö  §  37  ber  Äonf.  D. 
mcfentlidf)  geminbert  merben.  ©ntfd^eibenb  fällt  aber  —  ganj  abgefc^cn  Don 
ben  ©d&roierigfeiten,  meiere  ficii  ber  praftifd^en  S)urd&fül|rung  beö  ^ßrinjipcö  ber 
©cbulbcnfiaftung  ber  ©fiefrau  auf  ber  ^icr  fraglid^en  ©runblagc  entgegen« 
ftellen,  unb  abgcfe^en  üon  bem  93ebenfen,  baß  mit  ber  gefcglid&en  9(nerfcnnung 
einer  fold^cn  Haftung  bic  Sluöfc^Ueßung  berfetben  bur($  ©^epertrag  faum 
vereinbar  fein  mürbe  (t)ergl.  oben  ®.  160)  —  inö  ©emi($t  bic  Ungcred^tigfcit 
unb  bie  Unbilligfeit  gegen  bie  ßf)cfrau,  meld&e  oom  Stanbpuntte  ber  aScr^ 
maltungögemeinfc^aft  am  in  ber  Haftung  ber  ©^efrau  mit  ber  Subftanj  ilircö 
©f)egutcö  liegt.  2)ic  ©^cfrau  l^at  feinen  9lntt)eil  an  bem  SBermogen  beö  ®^e« 
manneö  ober  an  bcr  ©rrungenfcbaft,  bcr  @l)cmann  l^aftct  au^  in  feiner  äßcifc 
für  bic  Sd^ulbcn  ber  ©fiefrau.  ^aö  glcid^c  aWaß  für  beibe  2:^eile  forbcrt, 
baß  bic®l^efrau,  wie  fxc  am  ©erainne  nid^tS^lieil  nimmt,  fo  aud^  bie  ®cfa^ 
beö  SBcrluftcö  ni^t  trägt.  SKan  fann  l)iergegen  aud^  nid&t  einroenben,  baß 
ber  cigentlicbc  Stamm  beö  aScrmogenö  ber  ©fjcfrau  oon  ber  Haftung  un* 
berührt  bleibe,  wenn  nur  bcr  äußerlicb  atö  Sßermogen  ber  ©^efrau  nid^t 
erfennbar  gebliebene  2^l^eil  biefer  «Haftung  unterliege.  S3ei  ber  3Ket|rjal^l  bcr 
©t)en  beftel^t  baö  ganjc  Vermögen  ber  6t)efrau  nur  in  baarem  ©clbc  ober  in 
bcroeglid^cn  unb  baber  alö  ©igentfium  ber  ©fiefrau  nid^t  ertennbaren  ©ad^cn. 
S)ic  ©^efrau  mit  biefem  S^bcilc  i^rcö  SBcrmogcnö  fiaften  ju  laffcn,  ^eißt  atfo 
bei  bcr  3)lcf|rjaf)l  ber  ©^en,  bic  ©f)efrau  mit  il^rem  SSermogcn  unbcfcbrönft 
l^aften  laffcn.  3lnjucrfennen  ift  allcrbingö,  baß  bic  ©^efrau,  aud^  wenn 
fie  feinen  Slntl^cil  an  bcr  ©rrungcnfd^aft  Ijat,  mittelbar  an  ieber  SBcrbcffcrung 
ber  5Bcrmögenölage  bcö  ©^emanncö  Xi)til  nimmt,  inbem  nad&  beffen  93cr* 
mögenölagc  fid^  baö  3)Iaß  bcö  cl^clid^cn  Slufroanbcö  rid^tet  unb  bei  5Kuftofung 
bcr  ©f)c  burd)  ben  ^ob  beö  ©f)cmanncö  bic  ©^efrau  il)ren  Slntl^cil  an  bcr  SJcr^ 
befferung  burd^  baö  il)r  juftc^cnbc  ©rbrec^t  crbält.  Slllein  bic  SKuöglcid^ung 
bicfcr  83ortl)eile  erfolgt  bei  bem  ©t)ftcmc  bcr  SSermaltungögcmcinf^aft  baburd^. 


Siu^nieBimfl  b.  ejc^ut.  Seraiigcili^fcit.  edSuIbcnfeaftung.  §§  1298, 1299.       209 

bo§  bcm  (g^cmannc  oUcin  bic  Ülugungcii  bcö  bciberfcitigcn  aSermöjjcnö  ju* 
füllen  unb  regelmäßig  ttuti^  bcr  ©rhag  ber  9lrbcitötraft  ber  (S^efrau  ju  ®utc 
fotnntt. 

SJie  gef^icf|tlid^e  ©iitroidclung  unb  bic  ©eftaltung  bcö  gcitcnbcn  SHcd)tcft 
fpre^cn  ferner  entfddiebcn  bofür,  baß  c«  bem  3lecl^tdbeiüu6tfein  beö  $ßoIfc* 
ni(^t  enlfpred^en  würbe,  mit  bem  S^ftcme  ber  SBcrioaltungögemcinfd^aft  eine 
^ftung  ber  ß^efrau  für  bie  Sd^ulben  befi  ß^emannee  ju  ocrbinbeu.  3)Ht 
wr^tnifemäfeig  wenig  3luSnQfimen  ^at  üon  je^cr  bei  allen  et)eli^cn  ®üter^ 
rechten  bie  Haftung  ber  ®l^cfrau  für  bie  ©Bulben  beö  ß^emanneö  einer  Xf)c\U 
na^mc  ber  ©^efrau  an  bem  SBermögen  ober  bod^  an  bem  ©rroerbc  bcö  Gf|e* 
mcnncd  cntfproc^en.  ©oroeit  bei  ben  urfprünglid)  auf  bcm  ©oben  ber  5Bcr^ 
loaUungfigemeinfd^aft  fte^enben  9ted^ten  bie  Haftung  ber  @f|efrau  für  bic  Sc^ulbcn 
bed  C^cmanneö  ©ingang  fanb,  ift  bamit  regelmäßig  eine  Umgcftaltung  beö 
gonjen  S^ftcmeö  in  ber  3lrt  ücrbunben  gcmefen,  baß  baöfelbe  minbeftenä^ 
wirlöfd^oftlic^  nid^t  mef)r  ber  aSerroaltungögemeinfd^aft,  fonbern  ber  (Süler- 
gcmeinfc^aft  juiujä^lcn  ift.  Xa&  l)ierin  ftd^  abfpiegetnbc  SRe^tögefüfil  tritt  mit 
befonberer  S^ärfe  in  benfenigen  SRcc^teu  l)ert)or,  meldte,  roic  baö  ältere  lübifd^c 
3(e(^t,  ^alb  auf  bem  ^oben  bcö  einen,  liatb  auf  bcm  SSoben  bcd  anbereti 
Spficmeö  fte^en.  Someit  bicfe  SRe^te  bei  beerbter  ©()c  bic  Sd&utbcnf)aftung. 
bcr  ©liefrau  ongenommen  l)abeit,  ^aben  fte  anbeierfeitö  auti^  baö  aScrmogen 
beiber  (S^gatten  ju  einer  9Rajfc  ücrfd^moljen,  unb  laffen  fie  bei  2luflöfung  ber 
6^c  bejro.  bei  SBecnbigung  ber  fortgcfefcten  Oütergemeinf^aft  bcm  übcrlcbcnben 
Spotten  eine  Quote  bcö  ©anjen  jufallcn.  Soweit  bicfe  ©cmeinfd^aft 
bcu  aftioen '3Jermogend  aber  nid^t  ftattfinbct,  nämlid^  bei  unbeerbter  G^e, 
finbet  aud^  feine  Haftung  ber  Gficfrau  für  bie  Sd^ulben  bcö  ©^emanncö  ftatt. 
*u<^  bic  ©ntroicfelung,  meldte  bie  ©rrungenf^aftögcmcinf^aft  in  einem  großen 
J^Ic  i^rcö  ©eltungögebictcö  genommen  \)ai,  bietet  einen  gingcrjcig  für  bic 
Jiic^tung,  welker  baö  im  93olfe  lebenbe  dted^tögefü^t  fid^  juneigt.  SBic  oben 
c.  153  bereitö  l)erDorget)obcn  mürbe,  ift  in  einem  großen  J^öcilc  bcö  SWed^tö- 
gcbictcö  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfddaft  ber  ©l)cfrau  baö  9lcd)t  beigelegt,  fid) 
burtft  SSei^id^t  auf  bie  Grrungenfdjaft  von  ber  2^ragung  bcr  ©inbuße  unb  von 
ber  Haftung  für  bie  ©d^ulben,  fomeit  fie  biefclbcn  nid^t  perfonlid^  übernommen 
^t,  JU  befreien,  obrool^l  ber  Grrungcnfd&aftögemcinfd)aft  prinjipicU  bie  ©emein* 
fcftoft  ber  ©inbußc  cntfprid)t.  2)ie  Gl)efrau  ftaftet  alfo  ^icr  in  8Birflid)fcit  für 
bic  Sc^ulben  beö  G^emanneö,  aud)  wenn  biefclbcn  jum  SBcftcn  bcr  ©^e  gemad^t 
finb,  nur  mit  itjrem  Slnt^cilc  an  ber  ©rrungcnfd)aft,  nic^t  mit  it)rcm  übrigen 
Vermögen,  obroof)l  baöfelbc  ebenfo  roic  bei  ber  SScrroaltungögemcinfd^aft  bem 
Jluftungö-  unb  aSenoaltimgöred&tc  bcö  ©f)cmanueö  unterliegt,  ©aöfclbc  gilt 
bei  ber  SMobitiargemeinfc^aft  beö  franj.  9iec^teö  in  3tnfcl)ung  beö  oon  ber  &o 
meinfdiaft  auögefd^loffencn,  glcid^roofil  aber  bcm  3iu^ungö*  unb  SBcrroaltungö^ 
redete  bcö  ©^emanncö  unterlicgenbcn  Sßcrmogcnö  bcr  6()cfrau.  ®ö  roirb  alfo  auf 
bie  Sicherung  ber  ©l^cfrau  großercö  ®croid)t  gelegt,  afö  auf  bie  Sid^crung  bcr 
©laubiger  beö  G^emanneö.  3)icfe  J:cnbenj  tritt  aud)  barin  f|crt)or,  baß,  roic 
ouö  bcn  amtlid|>en  3)iitt^cilungcn  über  bie  ©tjcocrträgc  [x6)  crgiebt,  fclbft  in 
monc^icn  berienigcn  SHccfttögebictc,  in  rocld^cn  bic  .^aftung  bcr  ©fjcfrau  auf 
%unb  bcö  gefel^üd^en  ©iitcrrcc^tcö  in  mcf)r  ober  rocnigcr  auögcbcfintcm  OÄaße 

Sotise  ).  burserl.  0c|et0u(^.  IV.  1^ 


^ 


210       5nutuie6utt0  b.  ßf  e0ut.  Serdu^crli*! eit.  S^uIbcnKiftuitö.  §§  1298, 1299. 

bcftel)t,  I)äufi9  yoId)c  ©(jcocrträgc,  tüeld^c  bcn  Slußfd^Iufj  bcr  Sd^ulbenljaftung 
bejwedfcn,  üorfommcn. 

2Baö  bem  Slcc^iöbcroufetfeiu  bcö  SBoIfcö  loiberftrcbt,  ift  nid^t  bic  Slid^fc 
Ijoftung  bcr  ©tjcfuQU  für  bie  S^ulbcn  bcö  GI)cmanncö,  fonbcrn  bic  S3c5 
günftigung  bcr  ®l^cfrau  üor  anbcrcn  ©läubigcrn  bcs  ß^cmanncö.  3ii  biefer 
^infic^t  ift  inbcffcn  bereite  burd)  bic  neuere  ©cfe^gcbung  bcn  früher  twr« , 
Ijanbcncn  Ucbelftänbcn  im  SBcfentlid^en  abgcl;oIfcn.  ®as  aus  bem  rom.  Siedete 
ftammcnbe  gcfc^üd)e  ^^ifßnbrec^t  bcr  (S^\)C^va\x  ift  f(^on  faft  allcntfjalbcn  ouf* 
geI;obcn,  i^r  58orjug3rcd)t  im  Konfurfc  über  bas  SBcrmögcn  bcfi  (S^cmanncfi 
burd&  bic  beutfd^e  Äonf.  D.  (ücrgl.  §  54)  •  befeitigt.  3la6)  bem  ©ntwnrfc  foDeu 
ferner  boö  di^ä)i  bcr  Gl;cfrau  auf  Scftellung  einer  §i)pot^ef,  foroie  —  ab* 
gefeljcn  Don  bem  golle  bcö  §  1005  ücrb.  mit  §  1292  —  baö  9ted)t  auf 
Sidberbcitöleiftung  gegenüber  bem  (5[)cmQnnc  megfaHcn  (Dcrgt.  bie  ä)lotiuc  ju 
§§  1292,  1295  oben  ©.  185 ff.,  197 ff.),  ebenfo  bie  Sefd&ränfungen  bcr  grauen, 
inöbefonberc  auti^  ber  ©befraucn,  in  bcr  Ucbcrnol^mc  frember  SScrbinblicbtcitcn 
(ücrgl.  oben  S.  115 ff.).  Stufeerbcm  ift  burd&  bcn  §  1282  bcö  ©ntmurfeß  in  93er* 
binbung  mit  bcn  Seftimmungen  bcr  ftont.  D.  §  24  3lx.  2,  §  25  9ir.  2,  §  37  iinb 
bcö  9?.  ©ef.  t).  21.  3nli  1879,  betr.  bie  9lnfed&tung  von  9ted&tßl^anblungcn  eine« 
Sd^ulbnerö  anfecrl^alb  bcö  Äonhiröt)erfal)renö,  §  3  9lr.  2,  4  bcn  (Släubigern 
bcö  ©fiemanneö  gegen  bie  il^nen  axi^  bcr  t^atfä^Iid^en  SSermifd^ung  bcö  SBer* 
mögenö  ber  (Sr^egatten  unb  auö  ber  iJcid&tigfeit  betrügerifc^er'  ©efd^äfte  ber 
festeren  bro[;enben  ©cfal^ren  in  weitem  Umfange  Sd^ug  gemährt.  Surd^ 
biefe  3lrt  bcr  ©cftaltung  bcö  35crbftltniffcö  ber  ©laubiger  bcö  ©bcmanncö 
gegenüber  bcr  ®^cfrau  mirb  bcn  bercdf)tigten  3ntercffcn  ber  ©laubiger  in  auö* 
reid&enbem  3)laJ3e  Sicdinnng  getragen  unb  bem  Slcd^töbemufetfein  beö  aSoItcö 
im  Girofeen  unb  ©anjen  beffer  genügt,  alö  b\xx6)  eine  aufÄoften  ber  Gbefrau 
erfolgenbe  93euorjugung  ber  ©laubiger  bcö  ®f|emanneö. 

2^cr  Stanbpunft  beö  ©ntmurfcö,  bafe  bie  G^efrau  für  bie  Sd(|ulben  beö 
Gfiemanncö  nid^t  mit  ber  Subftanj  bcö  G^egutcö  Ijaften  foll,  ftc^t  auc^ 
mit  bcr  bcn  fonftigen  93cftimmungen  beö  el[)end&cn  ©üterred&tcö  ju  ©runbe 
Uegenben  S^enbens  im  Ginflange,  ber  Gbefrau  bie  Grl^altung  ber  ©ubftauj  bcö 
G^eguteö  tbunli^ft  5U  fidjern.  9luf  biefem  Seftreben  beruljen  namentUd^  bie 
Seftimmungen  ber  §§  1033—1036  ücrb.  mit  §  1292  über  bie  e^elidbe  Slufe* 
niefeung  an  ücrsinölic^en  gorbcnmgen  unb  3n{)aberpapiercn  (»ergt.  äWotioe  511 
§  1292  S.  189  ff.),  bie  Sruöfd^lie&ung  ber  Srnrocnbbarfcit  ber  aSorfd^riftcn  über 
bcn  Stiefebraud^  an  t)erbraud)barcn  Sad^en  auf  bie  el^elidde  Shifenicfeung  an  oer* 
brau^baren  Gl)egutöfad&en  (ücrgl.  §  1294  nebft  Ü)lotiPen  ©.  194  ff.),  bie  SWid^t* 
anerfennung  beö  SRed^teö  beö  Gbemanncö,  traft  feineö  93erroaltungörcd|>tcö  über 
bie  bcmeglid^cn  Gl;egutöfad^cn  oI)nc  Ginroilligung  bcr  Gficfrau  ju  verfügen  (t>ergL 
§§  1318,  1319  nebft  Sllotiücn),  foroic  baö  dk^i  ber  Gljcfrau,  bie  if)r  flcgen 
bcn  G[)emann  roegen  SScrlc^ung  bcr  tlim  fraft  ber  ebclid^en  Slufeniefeung  ober 
fraft  bcr  cljclid^en  SNcriüaltung  obüegcnben  SUerbinblicbfeiten  juftel^cnbcn  Sin* 
fprüd^c  fd^on  t)or  Seenbigung  ber  efielid^cn  Jhifenicfeung  unb  SBcrrooltung 
gcltcnb  ju  mad^cn  (§  1004  uerb.  mit  §  1292,  §  1324  Stbf.  2;  aJiotioe  ju 
§  1292  S.  184).  SBcnnglcicb  bic  Slncrfcnnung  ber  Haftung  bcr  GH^au  für 
bic  Sddulben  bcö  G()emanncö  mit  bcr  Subftanj  beö  Gfjeguteö  mit  ben  on* 


5Ru6nic§unö  fc.  SBeöut.  Serau6ern<6feit.  S^ulben^aftuno.  §§  1298, 1299.       211 

flcfü^rlm  Scfrimmunöen  infofern,  olö  biefctbcn  ber  Gficfvou  junödjft  gegcn^ 
Tiber  bcm  Gbcmonnc  gd^uft  ju  gewähren  bejroerfcn,  nid^t  unbcbingt  unücreinbar 
fein  mürbe,  fo  ^ötte  bod^  bei  3lnerfcnnung  jener  .^aftung  ber  G^emann  cö 
in  ber  §anb,  inbireft  bcn  S^^  l^^^^  Sicftimmungen  aud&  in  ber  bejcid&neten 
Stiftung  u5Qig  ju  vereiteln. 

2.  3n  ber  Softrin  beö  gemeinen  beutfd^en  SRed^teö  ift  eö  beftritten,  ob  »erauieriic^* 
unb  inwieweit  bie  ©runbfofee  beö  gemeinen  SWed&teö,  nadf)  n)eld)en  ber  Sliefe^  «p/änlbarteit 
hxan^  ber  Stuöübung  nad^  auf  einen  9lnbcren  mit  binglid)er  SBirfung  übcr^^  «eitenb«« 
tragen  unb  beft^otb  axiij  üerpfänbet  unb  t)on  btn  ©laubigem  bes  (g^emanncö  ^^^ 
im  SBege  ber  3wangöT)oUftredEung  gepfänbet  werben  fann,  aud&  auf  bie  ef;e:= 
lic^c  Jlufiniefeung  anjuroenben  feien.  SSon  ber  einen  Seite  loirb  biefe  2rnn)eub* 
borfeit  unbebingt  bejabt,  von  anberer  Seite  wirb  bagegen  be{)auptet,  bafe  bie 
tff^liift  SBuftniefeung  il^rem  Orunbe  unb  S^edfc  nad^  ein  f)öd^ft  perfönlidjeö 
SMt  fei  unb  bedljalb  einen  Oegenftanb  ber  ä^^Q^flöPoIIftredfung  für  bie 
Gläubiger  beö  ©b^manneö  nic^t  bilben  fönne.  Db  bie  Sßert^eibiger  biefer 
9uffaffung  auc^  bie  Uebertrogung  ber  burd^  bie  el^elid^e  9hi|niegung  bc- 
flrünbcten  Siedete  auf  einen  3lnberen  ber  3luöübung  nad)  mit  bingnd)er  Sßirfung 
«fe  unjuläffig  eradjtcn,  ift  aus  ben  betreffenben  ßrörterungen,  votli)t  fid)  regel- 
mäßig nur  auf  bie  Unjulöffigfeit  ber  3w)<^J^9öoolIftrecfung  befd^rönfen,  mit 
€id)a^cit  nid^t  5Ü  erfe^en.  ©ine  britte,  jroifdjen  ben  beiben  voriger  enoö^ntcn 
^fw^ten  in  ber  aWittc  ftel)enbc  Sluffaffung  menbet  jioar  im  3lllgemeinen  bie 
%unbfo|e  über  bie  Uebertragbarfeit  beö  9lieprau($eö  and)  auf  bie  ebelid)c 
3JuJnic6ung  an,  fte^t  aber  bie  SBerpftid&tung  beö  G^emanneö  jur  S3eftreitung 
ber  ibm  in  golge  ber  e^elid^en  9iu|nie§ung  oblicgenben  Saften  foroic  ber 
ebeli^en  Saften,  inebefonberc  beö  ftanbeömäfeigen  Unterf^altcö  für  bie  GIjc? 
frau  unb  bie  ftinber,  alö  in  foId()er  Sfrt  mit  bem  JRedjte  beö  G^emanneö 
Dcrbunben  an,  ba§  bie  3wangöt)oUftredCung  in  baö  lefetere  nur  inforocit  5U^ 
fldajfen  wirb,  alö  baburc^  ber  ©rfüHung  jener  S8erpflid)tungen  fein  Gintrag 
flcfc^ie^t. 

3[uf  bem  33oben  biefer  lefeteren  Sluffaffung  ftefjt  im  8Befentnd{)en  baö 
preufe.  3f.  S.  dt.  Sieben  bem  aUgemeinen  5|Jrinjipe,  ba|  in  Slnfe^ung  beö  ein- 
flcbrod^ten  SJermogenö  ber  Gfiemann  bie  9led)te  unb  5ßf[id^ten  beö  Sliefebraudjerö, 
mithin,  wie  ber  leßtere,  anä)  baö  9?ed)t  l^at,  bie  einjelnen  9iu6ungöred)te  ber  • 
3fu6ubung  nad)  ju  übertrogen  (II,  1  §  233  uerb.  mit  I,  21  §  110),  entFjält 
baö  a,  2. 9t.  bie  befonbere  33eftimmung,  bafe  bie  ©laubiger  beö  Gf;emanneö  fid) 
an  ben  bem  Unteren  an  bem  eingebrad&ten  SBermogen  ber  G^efrau  äufteljenben 
^iefebrau^  galten  tonnen,  bie  @[)efrau  aber,  wenn  ber  Gfjcmann  bie  ibm  nad^ 
II,  1  §  256  obliegenbe  a3erpflid)tung  jur  ©ewälinmg  beö  ftanbeömöfeigcn 
Utüer^lteö  an  bie  G^efrau  unb  bie  ftinber  ju  erfüllen  n\ä)t  me^r  oermögenb 
ift,  ibr  6ingebrad^teö  j\urüdforbern  unb  allenfallö  auf  bie  ©röffnung  beö  Slom 
furfeö  über  baö  SBcrmogen  beö  G^emanneö  antragen  fann  (II,  1  §§  257,  258). 
3n  ber  ^rariö  b^ben  biefe  Seftimmungen  in  SBerbinbung  mit  bcm  §  93  ber 
»rcu|.  ftonf.  D.  v.  8.  SWai  1855  iu  mand^eu  3weifeln  unb  Streitigfeiten  SlntoB 
flegeben.  2)ie  in  ber  5ßrariö  Dor^errfd^enbe  3Iuffaffung  gel^t  babin,  bafe, 
»enn  bie  ©laubiger  beö  G^emanneö  bie  3roangöuollftre(fung  in  bie  bcm  Gbe- 
«lonne  jnftel^enben  Slu^ungöred^te  an  bem  Gingebrad^ten  ber  Gf)efrau  erwirft 

14* 


21 2      SRu^mcBunö  b.  SJ^cöut.  SScraufecrli^f  cit.  ©d&uIbcnl&aftiinG.  §§  1^298, 1299. 

fiabcn,  bic  lefeterc  oud^  i()ncn  gegenüber  beii  Slad^rociö  beö  Unoermogenö  bc0 
ß^emanncö  jur  ©rfiillung  feiner  Untcrl^aUungspfl:id)t  ju  erbringen  l^at,  ba& 
ober  bei  gefifteHung  biejcr  ^^^agc  anä)  bie  ©infünftc  beö  ©Ingebrod&ten  mit  in 
SWed^nung  ju  äie{)cn  fmb  unb  bic  G^cfrau  bal^er,  fofern  boß  SBcrmögen  bcö 
e^emanncö,  einfc^üefeUci^  jener  ©infünfte,  jur  ®rfüHung  feiner  Unterljaltöpflic^t 
ttiiöreid)enb  ift,  nid^t  boä  Singcbrad^te  felbft  iurüdfforbern  unb  bie  gänilid&e 
SKuf^ebung  ber  5ßfänbung  bcanfprud&en,  fonbcrn  nur  t)crlangen  fann,  ba%  i^r, 
foroeit  nBtf|ig,  ttuö  ben  ©infünften  beö  eingebrachten  ber  für  i^ren  unb  ber 
Äinbcr  Unterfjatt  crforberfi^e  93etrag  gewährt  wirb,  loofirenb  ber  banad^  Dcr^^ 
bicibenbe  SReft  von  ben  ©laubigem  beft  (S^emanncö  jum  Qxücde  i^rer  93o 
fricbigung  in  Slnfprud^  genommen  werben  fann  (oergl.  Gntfd^.  b.  SR.  D.  ^.  ®. 
XVI,  90;  entfd^.  b.  SR.  ®.  bei  ®rud&ot  XXIV  S.  1023,  XXV  S.  891, 
XXX  S.  969  ff. ;  ©ntfd^.  b.  SR.  ®,  in  ßiüilf.  I,  55).  9luf  bic  eingebrachten 
üJlobilicn  ber  (Stjefrau  finbet  iibrigenö  nad^  bem  §  3  beä  preufe.  ®ef.  t).  7.  Slpril 
1838  baö  SRed^t  ber  ®Iäubiger  beö  (Seemannes,  fi^  an  ben  bem  Ie|tcrcn  in 
9tnfel)ung  beö  6ingebrad)ten  iuftel^enben  SRiefebrauc^  ju  l^alten,  überall  feine 
Slnroenbuug.  ®ic  üorftel^enben  Seftimmungen  gelten  aud&  im  gallc  beö  Äon^s 
furfeö  über  ba^  SSermögen  beö  ©f|emanne§.  Soweit  banaä)  bie  ®f|efraii 
megcn  Unücrmögenö  beö  -e^emanncö  jur  ©rfüllung  feiner  Unterf|altöpp[id)t 
baö  ßjngebrad^tc  jurüdjuf orbern  bered^tigt  ift,  fällt  bic  SSenuattung  unb 
Jlu^ung  beö  auö  bem  Äonfurfe  geretteten  ©ingebrad&ten  an  bie  (S^efrau  jurudE; 
bod)  mufe  fic  auö  ben  ®infünften  bcöfelben  bem  ©bemanne  unb  ben  Äinbern 
ben  nBtf)igen  Unterhalt  gemäfjren  (91.  S.  SR.  II,  1  §§  261,  262;  ©ntfd^.  b. 
dl  D.  §.  ®.  XVI,  90). 

2lud)  baö  fäd&f.  ®.  33.  I[)at  bie  gragc,  ob  bie  für  ben  9Ue6braud^  geltcnbe 
9}orfd)rift,  ba^  berfelbe  ber  3luöübung  nad^  auf  einen  Slnbcren  lUcrtragen  werben 
fann  (§  600),  in  ®emä6l^eit  beö  allgemeinen  ^ßriujipeö  ber  §§  660, 1655  aiiä) 
auf  ben  ef)emännlid&en  9Uefebraud&  Änmenbung  finbet,  uid^t  fpcjiell  entfd&iebcn. 
3n  2lnfel)ung  beö  5ßfänbungörec^teö  ber  ®läubiger  beö  6f|cmanneö  enthalt  aber 
ber  §  1683  beö  fäc^f.  ®.  93.  bic  befonbere  93eftimmung,  baß  bie  ®läubiger 
beö  ©^emanneö  bic  grüc^tc  beö  bem  SRiefebrauc^e  beö  legteren  untermorfencn  aSer- 
mögenö  ber  ß^efrau  nur  infomeit  in  9lnfprud&  nehmen  fönnen,  alö  nid^t  bie 
Äoftcn  ber  Griialtung  beö  ®egenftanbeö  beö  SRiefebraud^eö  unb  ber  Unterhalt  bc» 
©fiemanneö  unb  ber  gamilienglicber,  in  beren  Untcrfjalt  ber  ©bemann  gefe|li(§ 
ücrpflidötct  ift,  baoon  iu  beftrciten  finb.  2)ic  gaffung  biefer  S3eftimmung  fd^cint 
barauf  f)injubeuten,  bafe  nur  bie  bem  ©fiemanne  auf  ®runb  fcineö  S)Ue6braud^c& 
crmorbenen  grüd^te,  nid)t  baö  SRiefebraud^öred^t  felbft,  ber  Sluöübung  nad^  ben 
®egenftanb  ber  3rocingöüollftredfung  foll  bilben  fönnen.  3m  gaUe  beö  Äonfurfeft 
fann  bie  ©f)efrau  if)r  ®ingebrad)teö  auö  ber  Ronfurömaffc  jurücfforbem;  boc^ 
befte^t  baö  SRed^t  beö  ©^emanneö  an  bemfetben  fort  (§  1685). 

Unbebingt  auögefd^loffen  wirb  bie  Si^onflö^oUftredung  in  bm  el)emänn^ 
Itd^en  9Ue6braud&  burd^  baö  olbenb.  ®ef.  t).  24.  3lpril  1873  3Irt.  10.  3n 
bem  Äonfurfe  über  baö  SBermögen*  beö  ©^cmanneö  forbert  nad^  3lrt.  15  bie 
Gf)cfrau  il^r  ©ingebrad^teö  fclbftänbig  jurücf,  bod^  werben  burd^  ben  Äonfurft 
alö  fold^en  bie  SRed^tc  beö  ©fjcmanneö  an  bem  ©ingebrad&ten  nic^t  berührt. 
S)icfe  lefctcre  93eftimmung  ift  inbcffen  mit  SRücfftdjt  auf  ben  §  1  3tbf.  2  ber 


9}u^me6unöb.e]6eöut.  SSeraugcrlici^fcit.  ©^ulbeit^aftung.  §§  1298, 1299.       213 

beulfc^en  Äonf.  D.  burd^  bcn  §  52  beö  olbenb.  Ginf.  ©ef,  ju  bcn  beutfd)cn 
Suftijflcfcßcn  D.  10.  3lpril  1879  ba^in  mobifiiirt,  bog  bcr  eljemännlid^c  Slicfe- 
brou^  mit  bcr  ©voffnung  bcö  Äouturfeö  über  boö  SJermögcn  bcö  ßljcmanucö 
duf^oren  foH  (tjcrgl.  aud)  2lrt.  35  beö  olbenb.  ®ef.  für  bci&  §ürftcntl)uin  ÖübedE 
D.  2.  aprit  1879). 

9la^  franj.  Siedete  ift  bie  ^nrage,  ob  bie  SKuöübuiig  beö  bcm  G[)cmanne 
bcjro.  bcr  ©cmeiufci^aft  an  bem  ©onbcrgutc  bcr  ©f)cfran  5uftef)cnben  SRu^ungö^ 
rechtes  unter  bie  Sieget  beö  Slrt.  1166  beö  code  civil  fäHt  nnb  bcöljalb  üon 
ben  ©laubigem  bcö  Gfiemonncö  nid^t  in  Slnfprud)  genommen  werben  fann 
unb  in  roclcftent  93crf)o[tniffe  baju  boö  ben  ©laubigem  in  9InfeI)ung  bcr  grüc^te 
unjmeifclfiaft  5ulommenbc  SRed&t  ftel^t,  beftritten. 

2)ie  bcutfd^e  ftonf.  D.  §  1  Srbf.  2  get)t  baüon  a\\&,  baß  ber  gefe^tid&c 
^liefebraud)  beö  Gf|emanneö  an  bem  aSermögen  ber  Gfiefrau  nid&t  alö  ein  bcr 
äußübung  nad&  an  bie  ?ßcrfon  beö  @I)emanneö  gebunbcneö  SRedjt  }u  bctrad^tcn 
fei,  unb  folgert  baranö,  bafe  er  ber  S^^^^wß^^oHftrerfnng  unterHcgc  nnb  bem^ 
gemoB,  fo  lange  er  mafjrenb  beö  Sonfurfeö  beftef)e,  aud)  jur  Sonfurömaffc 
gebore  (oergl.  Sßotioc  jur  Äonf.  D.  ©.  22 ;  ^rot.  ber  9leid^ötagöfommiffion 
t>.  11. 3iooembcr  1875).  2)aneben  mirb  aber  anerfannt,  bafi  auö  bem  ©rtragc 
beö  Jliefebrau^cö  junäd^ft  ber  angemeffene  Unterl)alt  beö  ©emeinfd^ulbncrö 
JU  bcftrciten  unb  bie  i{)m  gefcftlid)  obliegenbc  SSerpflidjtung  jum  Unterhalte 
feiner  G^efrau  unb  feiner  Slinber  ju  erfüllen  fei.  5Durd{)  bie  Seftimmung  beö 
§  1  3lbf.  2  ber  Äonl.  D.  ^at  übrigenö,  mie  bie  33eratf)ungcn  unb  bie  3)lotiüe 
ber  ftonf.  C  ergeben,  über  bie  grage,  ob  bcr  e^emännlic^c  Siießbraud^  n)äl)renb 
beö  Äonfurfcö  fortbauere  ober  burd^  ben  lefttcren  aufgef)obcn  merbc,  niddt  ent== 
fd^ieben  merben  follen,  ba  biefe  grage  bem  bürgerfid^en  9led}tc  angcljörc. 

Gö  läfet  fid^  nid)t  pcrfennen,  ba^  erl)eblid)c  ©rünbc  bafür  geltenb  gemadjt  ^»«j^««** 
loerbcn  fonnen,  in  Sonfequenj  beö  im  §  1292  aufgeftellten  ^rinjipeö  imb  im  Gntwurfe«. 
^nf^luffe  an  baö  in  ben  meiften  Sied^tögcbicten  geltcnbc  Siedet  bie  SSorfd^riften 
beö  §  1011,  ba%  bcr  9lic6brau($  oeräufeert  unb  belaftet  merben  fann,  awd)  auf 
bie  burdö  bie  eljelid&c  Siu^niefeung  an  ben  einjelncn  ©l)eguiögegenftänbcn  bc^ 
grönbetcn  9lu6ungöred)te  anjuroenben  unb  bemgemclfe  aud)  baö  ^fänbungöred)t 
bcr  ©laubiger  beö  ©bcmanneö  an juerf ennen ,  baö  lefeterc  iebod^  nur  unter 
ö^nlii^en  93efd)ränfungen,  mie  bicienigen,  meldte  im  §  1299  in  Slnfc^ung  ber 
l^änbung  ber  auf  ©runb  ber  c\)d\6)t\x  Siu^nießung  oon  bem  ©fiemannc  er- 
worbenen grüd&tc  beftimmt  finb,  unb  nad)  bem  SSorgange  beö  preufe.  Sled^tcö 
unter  9luöfd)lu6  bcr  5|Jfänbung  ber  burd^  bie  el)elid^c  Siufeniefeung  an  bcn 
bewegli(!^en  ©löegutöfad)en  begrünbeten  Siedete,  forocit  jene  Sad^cn  nid^t  3"- 
be^Sr  oon  ©mnbftücfcn  ober  bcr  ^fänbung  unterlicgcnbcn  SRcd)tcn  finb.  Sn- 
bejfeit  fmb  bie  für  bcn  im  §  1298  5um  Sluöbmdtc  gelangten  entgegengefe^tcn 
Stanbpunft  bcö  Gntrourfcö  fpred^enben  ©rünbc  alö  überroiegenb  ju  crad)tcn. 
Sie  burd^  Wc  ©ftc  begrünbetr  familienre^tlid^  ©cmalt  beö  6l)emanneö,  rocld)c 
bcmfelben  baö  9led()t  gcmäl)rt,  baö  ©ficgut  mie  ein  SliePraud^er  ju  nugen,  ift 
ibrcm  ©nmbe  mie  ibrem  S^edfc  nad^  an  bie  5ßcrfon  beö  G^cmanncö  gcbunbcn. 
3hir  bcm  ©b^mctnnc  mill-  bie  G^cfrau  nad^  bcm  bcm  cljcUd^en  ©ütcrrcd^tc  5U 
©ninbe  licgcnbcn  ©cbanfen  bie  5Jufeung  ibreö  aScrmögcnö  flbertaffen  unb  nur 
ben  3n>cdfcn  ber  ©l)c'  alö  33citrag  jur  33cftrcitung  bcr  ctjclid^cn  Saften  foll 


/ 


2 14       5Ru^nic§un3  b.  S^eöut.  Seraugcrlid^f  cit.  ©^ultcnßaftimö.  §§  1298, 1299. 

bicfc  Slutjnicfeung  bicncn.    3^^  ^^^^  ©fjcmannc  foU  unb  fami  bic  ©^cfrau  ba^ 
35crtrQiicn  l)abtw,  bafe  er  fein  dicäft  nur  in  ber  bem  3njecfe  bcäfelbcn  cnt* 
fpredöcnbcn  SBcife  ousüben  nnb  bic  uon  i^nv  übernommenen  58erpPic^tuiKjcn 
üoBftänbiß  crfüKcn  merbe.     2)iefe  in  ber  ^^crfon  bcö  ©^emanneö  ticgcnbe 
©arontic  fällt  weg,  lücnn  bie  Jhifcungörcd^tc  bcö  Gljemanncö  ocräußcrt  merbcit 
fönnen  wnb  inöbefonberc  bie  ^lugung  beö  ß^egutcö  bem  ©()emQnnc  t)on  feinca 
©laubigem  entjogen  werben  fann.    35aö  (Sljegut  bient  bann  nid)t  mef)r  bcni 
SwJcdFe,  für  roeldjen  eö  beftimmt  ift,  fonbern  einem  biefer  Seftimmung  frcmbca 
3it>ccfe.    ©benfo  fällt  febe  (Semäfir  weg,  ba6  bic  9lrt  ber  S^ugung  nid)t  im 
;  cinfeitigen  Sntercffc  bcö  ©ficmannes  bejn).  ber  dritten,  fonbern  im  Sntcrcffc 
I  beä  gcmeinfd&aftlic^en  Sebenö  erfolge.   ®em  (Sljemaimc  fann  jroar  bic  Sefugniß^ 
'  Seftanbtl^cite  bcö  ©l^cgutcö  burd^  3Scrmietf)ung  ober  SBcrpad^tung  ju  nu^cn^ 
nid;t  ücrfagt  werben;  oUein  cinerfcitd  liegt,  menn  bic  barauf  gcrid^tctcn  Ver- 
fügungen t)om  Sficmannc  felbft  auögcl^en,  eben  barin  bie  erforbertid^c  ©arantic^ 
bafe  biefe  9lrt  ber  9iu§ung  bem  Sntcreffe  ber  Gt)c  entfprid^t,  anbcra-fcitö  ift 
bicfc  2lrt  ber  9?u|;ung  eine  normale,  roäl^renb  eine  9hi|uug  bcö  G^cgutc* 
burd)  SScräufecning  ber  9lugungörcd^tc  oon  Seiten  bcö  ©f)cmanncö  eine  burc^aui^ 
ungett)o]^nli(^c  ift,  burd^  meld&c,  namcnttid^  im  §inblidEc  auf  bic  SSorfc^riftcn  bc& 
§  1013,  baö  natürlid^c  SBcrl^ättnife  üollftänbig  nerfd^oben  merbcn  mürbe,  ganj 
abgefef)cn  t)on  ben  SBcrroidfelungcn  unb  Sd^micrigfeiten,  meld)c  barauö  in  9(n- 
fcljung  ber  Haftung  für  bic  mit  ber  clöclid&en  ^lufcnicfeung  nad^  §  1297  im 
©anjen  ücrbunbcnen  Saften  cntftcl^cn  fönnen,  mcnn  bic  burd^  bic  cljcUd^e 
Slugniefeung  begrünbeten  Siedete  nur  an  einem  JCtjeilc  ber  ju  bem  (S^egutc  gc- 
Ijorcnben  ©cgenftänbe  ober  an  ucrfd^icbcnc  britte  ^ßcrfoncn  übertragen  mcrbciu 
35ie  Seforgnife,  ba^  eö  alö  eine  JBcrlcfeung  bcö  5ted&tögefü^lcö  cmpfunbcit 
werben  fSnntc,  mcnn  }mar  bic  auf  (Srunb  ber  cl)clid;cn  Jlugnicfeung  oon  bem 
©f|cmanne  ermorbenen  grüd)te,  nid^t  aber  bic  burd)  bic  cl)elid^e  Stufeniclunj 
begrünbeten  Siedete  an  ben  5um  ®f)egute  gcl^örcnbcn  ©egenftönben  ber  ^fäm' 
bung  üon  Seiten  ber  ©laubiger  bcö  ß^emanneö  nad)  aKa§gabc  bcö  §  129^ 
unterliegen,  ben  Icfttcren  mitl^in  bic  3Köglid^fcit  ücrfagt  wirb,  ben  Ueberfd^ug,. 
meld^er   nad^   9lb5ug    bcö    ^ur   Scftrcitung    ber   Scbürfniffe   beö   e^clidljeii 
Sebenö  unb  ber  fonft  mit  ber  ctjclid^en  9lu6nie§ung  ücrbunbencn  35erpfli($tungcn 
crforbcrlid^cn  2^f|citcö  ber  Slugungcn  t)crblcibt,  fidf)  im  SBcgc  ber  ^fänbung  ber 
9hifeungörcd^tc  ju  fidlem,  fann  nid^t  getljcilt  werben.    2)a§  unübertragbare 
ui\b   ber  ^fänbung  nid^t  untcrliegenbc  Sledjtc  bic  Quelle  beö  ©nücrbcö  über* 
;  tragbarer  unb  ber  ^fänbung  unterlicgenber  83ennögenöredf)tc  bilbcn,  fommt  im 
j'Jicd^tc  t)iclfadj  oor,  o^nc  bafe  barin  ein  baö  'Jled^tögcfü^t  pcrlcfcenber  SBiber* 
■fprud)  gcfunbcn  wirb.    ®d}u  fommt,  bafe  bic  burd^  bic  e^elid)e  ^lufenicfeimg. 
begrünbeten  Siedete  bcö  ®ljemanneö  immer  nur  eine  fel^r  unfid^cre  unb  roirtl^* 
fd^aftlid)  faum  ju  billigcnbc  Ärcbitbafiö  bilbcn  würben.   3cne  SRcd&tc  unb  mit 
if)ncn  baö  burd^  ^fänbung  begrünbctc  3?ec^t  ber  ©täubiger  bcö  (S^cmannc^ 
fallen  nidjt  allein  weg,  wenn  bic  el^elid^c  Jlufcnicfeung  unb  Skrwaltuug  aus. 
einem  ber  in  ben  §§  1327,  1328  bescidjnctcn  ©rünbc  becnbigt  wirb,  fonbern 
nad)  bem  §  1293  and)  bann,  wenn  unb  foweit  ein  jum  ©Ijegutc  gel|örcnber 
©cgcnftanb  auö  bem  ßljcgutc  auöfd)cibct.    2)icö  ift  inöbcfonbcrc  ber  gall,. 
wenn  bie  ©t)efrau  btn  gepfänbetcn  @f)egutögcgcnftaub  mit  ©inwilligung  be& 


SRu^nieBuiiG  beö  (Sl&cöute^.    ^Mänbung  bcr  grüdfete.    §  1299.  215 

ß^aniicö  ocräufecrt.  S^icfeö  ©inroilligungörcd^t  bcö  ©fjcmauncö  in  gotflc  bcr 
^fänbung  511  uiUcrbinbcn  unb  feiner  pcrfonlid^en  9latur  äunjibcr  bcr  SJluöübnng 
mi^  Quf  bic  (Släubiger  bcö  ®£)emannes  übergefjcn  ju  laffen,  fönntc  baö 
Sittcreffe  ber  ©^efrau  auf  baö  Sd^rocrfte  gefoljrbcn.  3luf  ber  anbcren  Seite 
würben  bie  ©laubiger  beö  ©^emonncö  boburd^  gegen  bie  if)nen  aus  bem  §  1293 
bro^enben  (Scfa^ren  auä)  nid^t  t)oIIftänbig  gefd^ügt,  ba  nadf)  §§  1293,  1311 
bafi  burc^  eine  ^ißfänbung  t)on  Seiten  ber  6f)egutögläubiger  begrünbete  3icd)t 
bcr  {cjtercn  bem  SRcd^tc  bcr  (Slöubigcr  beö  S^emanneö  üorgeI)en  würbe,  ber 
6^Qnn  aber  es  in  feiner  §anb  ^at,  febc  SOerbinblid^feit  ber  ©fjcfrau  burd) 
feine  CinroiUigung  ju  einer  ©fiegutöücrbinblid^fcit  ju  niad)en  (§§  1301,  1311, 
1312  3lx.  1).  »ei  biefer  Unrtd)erf)eit  ber  Ärebitbariä  entfprid^t  eö  felbft  bem 
Sntcrcffe  ber  ©laubiger  beö  ®[}cmanneö  mc{}r,  bie  l^ier  fraglid^en  3ied)tc  für 
unpfänbbar  ju  erflären,  a(ö  burd^  bie  3^iläffigfeit  ber  ^^fänbung  ben  Sdjein 
einer  ftrebitbafxö  ^crDorjurufcn,  roetd^c  jene  SHcd^te  in  SBirttid^feit  ju  gcu)äl)ren 
nid^t  im  Starü)^  finb. 

Xafe  bic  im  §  1298  bcäcidönetcn  Sicd&tc  aud)  nid^t  belaftet  werben  tonnen, 
braucht  im  ^inblicfe  auf  bic  §§  1022,  1207  nid^t  befonberö  I)eroorgeI)obcn  ju 
ioeri)en.  2)agcgcn  mu6  mit  SRüdEfi^t  barauf,  bafe  bcr  (S()emann  nid^t  gc^^ 
^inbcrt  ift,  bie  9luöübung  bcr  ^ier  fraglid^cn  Siedete  einem  SInberen,  inö* 
bcfonbcrc  burd^  SScrmict^ung  unb  SScrpa^tung,  ju  übcrlaffen,  angcfid^tö 
ber  «orfd^rift  bcö  §  312  bie  Unjuläffigtcit  ^ber  ^^Jfänbung  auöbrüdli^ 
bcftimmt  mcrbcn. 

Xk  ©rünbc,  weld&e  beftimmenb  geroefen  fmb,  bic  ^:ßfänbung  bcr  butc^  *|S^""VT 
bie  e^elic^e  3iiitnie§ung  begrünbeten  Siedete  gänjticö  auöäufd^Iiefecn,  treffen  ine^ciic^cnDiuu- 
Snfe^ung  bcr  auf  (Snmb  ber  e^clid^cn  ^iufeniefeung  t)on  bem  ®f)emanne  er*  "icftuna. 
toorbenen  grüd^te  uic^t  5U.  ®ö  fann  fogar  jmcifclfiaft  fein,  ob  eine  93e? 
f(|ranfung  ber  ^[änbuna.  iencr  .grüd|tc  gerechtfertigt  ift.  S)ic  ©efeße,  wcld^e 
flcioijfc  gorberungen  jum  S^^cil  auö  äfinlid^en  ©rünben  für  unübertragbar 
irnb  unpfänbbar  crKaren,  mie  biejcnigcn,  meldte  für  bie  Unübertragbarfeit 
unb  Unpffinbbarfeit  bcr  burdj  bic  c^clic^c  ^Ru^niefeung  begrünbeten  3lcd&te 
Odtcnb  gcmoddt  fmb,  begnügen  fid^  regelmäßig  l^iermit  unb  bcfd)ränfen  bic 
^fonbung  ni^t  aud)  in  Setreff  beö  auf  ©runb  einer  fold^en  gorberung  pou 
bem  ©laubiger  cnüorbencn  ©egenftanbeö  (ncrgl.  §§  296,  724  3lbf.  3,  §  727 
bcö  ßntrourfcö;  §  749  ber  6.  %  O.  in  Säerbinbung  mit  ben  in  ben  a}lotiüen  5U 
§  1285  oben  S.  167  3lnm.  angeführten  ©cfcftcn).  3Jur  in  2lnfel)ung  bcr 
Cffijierc,  Seamten  u.  f.  ip.  enthält  §  715  9lr.  7  bcr  6.  %  D.  infofern  eine 
bem  aufifc^lujfe  ber  ^^Jfänbung  beö  änfprud^eö  auf  ba§t  Sienfteinfommcn  (§  749 
3h:.  6,  8  ber  6.  ^.  C.)  fid^  anfd)Iie§enbc  Seftimmung,  alö  banad)  aud)  ein 
bem  bctrcffenben  2)icnficin!ommcn  cntfprcdicnber  ©elbbctrag  bcr  ^^Jfänbung 
ttui^t  untcrroorfcn  ift.  Gö  ift  inbeffen  5U  berüdffid^tigen ,  bafe  bie  beseid^netcn 
Jötberungcn  rcgctmäfeig  nur  auf  öeiftung  Don  ©elb  gel)en  unb  bafe  cö  bem 
flercd^tigtcn  eincrfeitö  regelmäßig  ot)nc  Sd^micrigfcit  möglid^  fein  wirb,  baö 
i^m  bcja^ttc  ©elb,  aud^  rocnn  baöfelbe  gefcglidf)  ber  ^ßfänbung  nic^t  cntjogen 
ijl,  bodSi  t^atfäd^li^  bcrfelben  ju  cntsicfjcn  unb  für  bieienigen  3^^*^  5^^  ^^^'^ 
wnbcn,  um  bcrcn  willen  bie  i^fänbung  ber  ö-orberung  auögcfd^lovfen  ift,  baß 
über  onbcrcrfeitö  bie  Unterfd^eibung  beö  auf  ©runb  bcr  üon  ber  '^Jfänbung  bc^ 


216 


9lu^ttie§unö  be§  (SBcöuteS.    ^fanbung  bcr  grüite.    §  1299. 


freiten  gorbcrung  gejaljften  (Scibcö  von  anberem  ©efbc  na6)  ber  Sktiir  bcd 
©elbeö  mit  arofecn  Sc^roierigfeitcii  ücrbunbcn  unb  IjSufig  ganj  unburc^fü^rbar 
ilX  rocö^afb  bcnn  aud^  in  bcn  gällen  bcö  §  715  91r.  7,  in  tDcld^cn  aus  Siürf* 
fi(^t  ouf  baö  öffenilid)c  3ntercf|e  ein  befonberer  ®d)Ug  erforbcrlid^  crfd^icn^ 
t)on  bem  Slodjroeife  ber  3bentität  beö  Dor^anbencn  Oelbeö  mit  bem  auf  (Srunb 
beö  (Scljaltöanfpnid^eß  gesatiUen  ®elbe  gänjlid)  abge|c{|en  ift.  Sei  ber  el)eHd^eii 
9hi6nie6ung  l^anbclt  eö  fid)  aber  ni^t  bloß  um  ©clbforberungen,  fonbern  ju^ 
nädjft  um  bie  natürlid&en  grüd^te  beö  ß^eguteö,  inöbefonbere  um  bie  grüd^tc 
bcr  ßfjegrunbftücfe.  ®ic  5ßfänbung  biefer  grüd^tc  üou  Seiten  ber  Otäubigcr 
bcö  ß^cmanncö  unterliegt  t^atfäd^ti^  feinen  Sdjroicrigfeiten.  ©er  (Seemann 
\i  toürbc  bafier,  wenn  biefelbe  unbef darauf t  juläffig  wäre,  baburd^  aufeer  Staub 
gefegt  merben  fonnen,  fie  bem  3 werfe  bcr  cl^elid^en  Slufenicfeung  entfprcc^eixb 
jur  93eftreitung  ber  eJ^eli^en  Saften  ju  Dcrmenben.  3luf  bicfen  ©rroäguugcn 
,  in  Sßcrbinbung  mit  bcr  Siüdfidjt  auf  baö  Sntcreffe  bcr  ®^efrau,  ba§  bie 
'  grüd^te  ber  cfjclid^cn  SJujjniefeung  il)rem  3"^^^^  erfialtcn  merben  unb  bcr  fHM^ 
fid^t  auf  baö  geltenbe  5led)t,  beruht  im  ^ßrinsipc  bie  im  §  1299  9tbf.  1  bc^^ 
i  ftimmtc  Sefd&räntung  ber  ^ßfänbung  bcr  l^ier  fraglid^en  grüd^te  üon  Seiten 
.  bcr  ©laubiger  bcö  G(;emanncö.  ©in  ä^n(id)cr  ©cbanfe  liegt  bem  §  749  9lr.  3 
bcr  e.  %  D.  ju  ©runbc. 

3m  ®injclncn  geben  bie  Seftimmungcn  beö  §  1299  nod^  ju  folgcnben 
Scmcrfungcn  Slnlag: 
«ef^rfinfung  a)  2)cr  ^xütd  bcr  I)icr  fragli^cn  Söcftimmung  ift,  bem  ß^cmannc  bie 

***' ^^^*"^""^' SScrrocnbung  ber  auf  ©runb  bcr  el;clid^cn  9lufenic6ung  von  if)m  crmorbcncn 
grüd&te  änr  ®rfüKung  bcr  mit  ber  e^elid&cn  SRufenicfeung  ücrbunbenen  SJer^ 
pp[id)tungcn  unb  jur  33eftreitung  ber  el)elicöen  Saften  gegcniiber  feinen  ©lau* 
bigern  infomeit  }u  ftdbern,  alö  bie  einfünftc  bcö  ©^emanncö  jur  Scftrcitung 
jener  Stuögaben  nid^t  genügen  mürben,  xotnn  bie  grüd&tc  bcr  c^elid^en  9lu|s 
nicfeung  bem  ©bemanne  cntjogen  roerbcn  (ucrgl.  §  1299  3lbf.  1,  3).  3)ie  mit 
bcr  codieren  Sßugnicgung  Dcrbunbcncn  SBerpflidötungcn  beö  6[)emanneö  ergeben 
ft^  auö  §  1297.  S)agegcn  ift  ber  S3egriff  ber  c^elid^en  Saften  in  bem  ©nt* 
murfc  nid&t  allgemein  aufgefteUt  (ücrgl.  SOiotiüc  ju  §  1283  oben  S.  103)  unb 
mufe  ba[)cr  baöjenigc,  maö  barunter  fällt,  fowcit  eö  bei  bcr  tjier  fraglid^en 
Scftimmung  in  S3etrad^t  fommt,  fpejieU  angegeben  roerbcn.  6ö  geboren  ba^in 
icbcnfallö  bie  UntcrljaltöPcrpfKc^tungen,  roeld&e  bem  ©bemanne  gegenüber  feiner 
©öcfrau  unb  ben  gemeinfd^aftlidden  ftinbcrn  gefeftlid)  obliegen,  foroic  bcr 
ftanbcömäfeigc  (ocrgl.  §  1488  W)l  2)  Untcrbalt  bcö  e^cmanneö  fclbft.  SJa^ 
gegen  gct)ören  an  fid^  nid^t  bafjin  bicienigen  Untert)altöt)erpPid^tungen,  me(d^e 
bem  ®l}emanne  gegenüber  ben  einfeitigen  2lb!ömmlingcn  unb  anberen  SSer- 
roanbten  bcöfelben  gefcglid&  obliegen,  ba  bcr  ©bemann  jur  ©rfüUung  biefer 
SJcrpflic^tungcn  gegenüber  bcr  ©l)cfrau  nid^t  ücrpftid^tct  ift,  bie  Scrücffic^tigung 
biefer  S5erpp[id()timgen  bei  Scfd^rönfung  bcr  ^^fänbung  mitfiin  unmittelbar  nur 
jenen  SBcrroanbten  ju  ©ute  tommt  unb  i^ncn  gegenüber  anberen  ©laubigem 
bcö  ©liemanneö  ein  SJorjugöred^t  geroäbrt,  auf  roclc^eö  fic  einen  begrünbeten 
ilnfprud^  nic^t  l)abcn.  9)littelbar  l)at  inbejfcn  aud^  bie  ©fiefrau  ein  Sntercjfe 
baran,  baf]  rocnigftcnö  ber  für  ben  Untcrl)alt  bej^  minbcriäftrigcn  einfeitigen 
Äinbcr  bcö  Gl)cmanncö  crforbcrlic^c  93ctrag  von  bcr  ^^Jfänbung  frei  bleibt 


3hifemc§unö  be§  ß^eguteS.    9)fanbun0  ber  grüßte.    §  1299.  217 

©cgcnübcr  biefcn  ftinbeni  ift  bcr  ©Oemnun  naä)  §  1482  9lbf.  2  bcn  Unterfjalt 
inforocit  ju  gcn}ät)rcn  t)crpflid}tct,  afe  er  bcn  legieren  bei  SSerädtfid^tiguufl 
feiner  anberrociten  SSerpflid^tunflen  für  fid)  imb  bie  Äinba  jiifommen  ju  be- 
ftreUen  im  ©tonbc  ift,  unb  mö)  %  1483  Sfbf.  2  ftet)t  ber  Unterfialtdanfpruci^ 
biefer  Äinbcr  bem  Uutcrl^altöanfpruc^e  bcr  ©^efrau  unb  ber  flemcinfd^aftlid{)en 
minberja^riflett  Äinbcr  gtcid).  SBenn  bal^er  bie  grüd)tc  ber  cficlid^cn  SJufe- 
nießung  nur  infoweit  t)on  bcr  ^^Sfänbung  frei  bleiben,  als  für  ben  Unterhalt 
bcö  ß^emonncfi,  feiner  g^efrau  unb  ber  gemeinfd^aftlid^en  Srbfömmüngc 
erforbcrli(i^  ift,  fo  würbe  ber  (Seemann  bie  i^m  baburd^  }u  Oebotc  geftelltcn 
SKittel  bod^  nid^t  außfd^Iiefelid^  für  biefen  S^edE  pcrmenben  fönncn,  fonbcrn 
awi)  für  ben  Untcrl^alt  bcr  einfeitigen  winberjafirigen  Äinbcr  mit  Pcrmcnbcn 
muffen.  Slnbercn  aScrroanbtcn  gegenüber  ift  allcrbingß  ber  6t|cmann  rcd^tfid^ 
nur  infomcit  jur  ©emä^nmg  bcö  Unterl^olteö  ücrpflid^tet,  ate  er  bei  Serücf- 
fid^tiflung  feiner  nnbcrroeitcn  33erpf(id&tungcn  im  Staube  ift,  ben  UnterI)oIt 
o^nc  ^ceintröd^tigung  feincd  eigenen  ftanbedmägigen  Unter{)Q(tcö  }u  gen)ä()ren 
{§  1482  3lbf.  1),  unb  gebt  ber  Untcr{|altöanfprud^  bcv  ß^efrau  unb  ber 
minberiä^rigen  ftinber  bcm  Untert)altöanfprud)c  iener  aSermanbten  Dor  (§  1483 
3Ibf.  2).  2:f|atfäd^Iicö  mirb  inbeffcn  bcr  ©bemann  geneigt  fein,  lieber  bcn 
ftonbcömäfeigen  Unter^olt  für  ftd^  unb  ben  t)on  i{)m  bcr  6I)efrau  unb  ben 
gemeinfcboftfi^cn  3lbfömmlingen  gcfcglid)  ju  gemäbrenben  Unterl)alt  cin^ 
jufd^ränfen,  ald  feinen  anbcren  bcö  Unterboltcö  bebürftigen  SBermonbtcn,  inö* 
befonbere  feinen  einfeitigen  t)oniäl)rigen  Äinbern  f omie  feinen  ©nfcln  unb  ©Itcrn, 
bell  Unterhalt  üoUftänbig  5u  ücrfagcn.  @ö  mürben  ba{|er  aud^  in  biefer  SBc^ 
jie^ung  bie  @^efrau  unb  bie  gemeinfd^afttic^en  ^Ibfömmlinge  mittelbar  baruntcr 
JU  leiben  ^abcn,  menn  nid^t  bie  für  ben  Unterhalt  aller  gegenüber  bem  Göe* 
manne  unteröaltöbered^tigtcn  aScrmanbten  bcö  festeren  erforbcriidjicn  99UttcI 
iJon  bcr  ^ßfänbung  frei  blieben.  3luö  biefen  (Srünben  cmpfie[)lt  eö  fid^,  nad() 
bem  SBorgangc  bcö  fäd^f.  ®.  35.  §  1G83  (ücrgl.  aud^,  fooiel  bie  einfeitigen 
fiinbcr  beö  e^cmanncö  betrifft,  §  1  äbf.  2  ber  Äonf.  D.),  bie  ^^Jfänbung 
allgemein  infomcit  auöjufd^Iiefeen,  alö  ber  ßl)emann  ber  grüd^ite  bebarf,  um 
biejcnigen  Unterbaltönerpflid&tungcn  }u  erfüllen,  n)eld)c  i^m  feinen  SBcrmanbtcn 
gegenüber  gefeftlid^  obliegen  (§§  1480  ff.).  ®urd^  biefe  Seftimmung  mirb 
jebo(^  ber  Untcr^altöanfpnic^  ber  SBermanbten,  fomeit  bei  Scurt^eitung  ber 
Seiftungöfä^igfeit  bcö  @l)emanneö  bie  anbermeitcn  SBerpfli^tungcn  bcöfelben  ju 
beriicffu|)tigen  [\nb  (oergt.  §  1482),  gegenüber  bem  ©bemanne  rcd)tlid)  ni^t 
erweitert,  ba  ber  ß^emann  gegenüber  jenen  SBermanbtcn  von  bem  Siedete  bcö 
§  1299  Öebraudö  ju  mad^en  nid[)t  oerpflic^tet  ift  (oergl.  SOiotiüc  ju  §  1328  Sir.  2). 
9tuö  ber  Raffung  bcö  §  1299  ergiebt  fid^  übrigenö  mit  genügenber 
1)eutlid)feit,  baß  roegen  fold^er  9luögaben,  melcfie  bei  orbnungömäfeigcr  SBirtb* 
fc^Qft  crft  auö  bcn  in  bcr  S^Junft  ju  jicl^enben  grüßten  ju  beftreiten  fmb  unb 
nü(b  bcn  Umftfinben  bcö  galleö  oorauöfidbttid^  a\i&  biefen  grüddten  beftritten 
werben  fönnen,  SBiberfpni^  gegen  bie  ^ßfcinbung  nid&t  erl^oben  mcrbeu  fann. 
älnbercrfeitö  ift  cö  mit  9lütffid)t  auf  bcn  3n)crf  bcr  aSorfd&riftcn  beö  §  121)9 
«nb  auö  praftifdben  9iüctfid^ten  alö  bcbenfli^  cradjtet,  bie  ^cfd)rSntung  bcr 
^fönbung  infomcit,  alö  cö  fid)  imi  rücfftänbige  Sciftungcn  bcr  l)ier  fraglid^cn 
ärt  l^anbclt,  unbebingt  auöjufc^lic^cn. 


I 


218 


Slu^nicgitno  fccS  Sfceßuteß.    5^fanbunö  bei:  grüd&tc.    §  1299. 


Segriff  bec 
ertoorbenen 


9ic^t  befi 

Siber« 

fpruc^e« 


b)  SBanii  bic  grüd^tc  bcr  cf)cü<j^en  ?luguic§ung  (ocrgl.  §§  792,  989, 
1027)  alä  erroorben  anäufcfien  fmb  unb  bcsfjalb  naä)  ^Wafegabc  bcä  §  1299 
9l6f.  1  bcr  5ßfönbung  unterliegen,  rid^tct  [\ä)  mä)  bcn  allgemeinen  ©runb* 
fäfeen  (oergl.  §§  794,  899,  1026).  Db  unb  iniuieroeit  inöbcfonberc  bic  «atür* 
li^eu  grüd&te,  beoor  ftc  oom  ^Soben  getrennt,  beoor  fie  olfo  nad^  §  899 
©igent^um  bcö  (g^emonneö  geworben  finb,  gepftinbet  werben  fönnen,  ift  nadf 
§  714  ber  6. 5ß.  D.  ju  bcurt{)cilen.  3)ie  bort  beseid^ueten  grüd&te  finb,  fooiel 
bie  Suläffiafeit  ber  5ßfftnbung  betrifft,  bereits  alö  crroorbenc  grüd^tc  onjufcljcn. 
9[ud)  barüber  ift  eine  befonbcrc  gefegUd^e  ©ntfd&eibung  nid^t  erforbcrlid),  ob 
unb  inioieweit  gorberungen,  lueld^e  nad^  §  1292  Derb,  mit  §§  1027,  792 
3lv.  2  ju  bcn  grüd^ten  ber  e^clid)en  J^ugniefeung  gepren,  j.  93.  bie  auf  Orunb 
eines  üon  ber  ©Ijcfrau  oor  SBeginn  ber  eljclid^cn  Sßugniefeung  unb  SScrrooItung 
gef^loffenen  ^ad^t^  ober  3ßictfjoertrageö  bem  ©bemanne  jufallenben  '^ad)U  ober 
3)lietf)ge[ber,  fd}on  uor  ber  gälligfeit  gepffinbet  werben  fönnen.  6ö  l^ängt  bieS 
oon  ber  Sluölegung  bcö  §  1026  in  33erbinbung  mit  §  794  3ir.  2  ab.  Soweit 
iamd)  bic  betreffenben,  ju  bcn  Siu^ungen  gel^örenbcu  SÄnfprüd^c  fd^on  oor  bcr 
gäUigfeit,  wenn  aud^  nur  afe  bebingte  ober  betagte,  bem  (S^emannc  erworben 
finb,  !önncn  biefelben  nad^  §  743  ber  ©.  %  D.  (oergl.  au^  §  733  baf.)  qc^ 
pfönbet  werben.  §atte  ber  Seemann  fclbft  auf  ®runb  ber  el^elid^en  Siuß^ 
nicJ3ung  ©[jegutögegcnftSnbc  ocrmiet^ct  ober  ücrpad^tct,  fo  ift  bic  ^^fänbung 
ber  i()m  auf  ©runb  bcö  Üßictlj-  ober  ^ßad^toertrages  suftcljcnbcn  3Äiet^^  ober 
^45ad}tgclber  aud^  fd&on  Dor  beren  gältigfeit  nad^  §  743  ber  ß.  %  D.  icbcnfaUö 
als  julöffig  ju  crad)ten. 

c)  S)a§  aufeer  bem  ©Ijcmannc  nadf)  §  1299  9lbf.  2  aud^  ber  e^efrou 
baö  9te^t  juftcficn  foH,  gegen  bie  ^fänbung  ber  g-rüd^tc  nad^  3Bo&gabc  bcö 
§  1299  9lbf.  1  SBiberfprucb  ju  ergeben,  red&tfertigt  ]xä)  burd)  bic  (Srwfigung, 
baß  ein  fotd[)eß  SBibcrfprud^örcd^t  ber  g^efrau,  wcnngleid^  baöfelbc  wegen  be« 
bem  ©(jemanne  an  bcn  grüßten  juftcl^cnben  ®igent||umöred^teö  einen  pofitiüen 
Äaratter  an  ficb  trägt,  bodt)  bcr  ^rariä  beö  geltcnbcn  SWed^ted  in  großen 
9led)tßgebieten  cntfprid^t  (ocrgf.  för  ba^  preufe.  91.  S.  SR.  ®ntfd&.  b.  31.  ®.  bei 
(5)ruc^ot  XXV  S.  891;  anbererfeitö  §  1  9lbf.  2  bcr  ftonf.  D.)  unb  bag  auf 
biefe  2Bcife  bic  S^efrau  gegenüber  bem  e^emanne  felbftänbigcr  geftcllt  unb  cö 
ücrmieben  wirb,  ha^,  wenn  ber  Icfiterc  uon  feinem  2Bibcrfprud&dred)tc  feinen 
©cbrau^  mad}t  unb  bic  mit  bcr  cfielidticn  ^tufetticfeung  für  i^n  oerbunbencn 
93crpflid)tungcn  unb  feine  Untcr^altöpflid^t  gegenüber  bcr  Gfiefrau  unb  bcn  ^ 
gemeinfd^aftüdden  9lbfömmüngcn  ucrtefet,  bic  ©ficfrau  fofort  jii^em  äu^erftcn_ 
ütittcl  greift,  bie  9luff|ebung  bcr  c^c(id)en  Jiufenicfeung  unb  aScrwattungnad^ 
aiJaTsgabc  bes  §  1328  3ir.  1,  2  ju  ücrtangcn.  aSon  praftifd)cr  Sicbeutung  ift 
ba^  fctbftänbigc  SBibcrfprud^örc^t  ber  ®^efrau  namentüd)  in  fold&en  gäUcn, 
in  wcld)cn,  wenn  nid^t  bcr  ^wcdE  bcr  Scftimmung  bcö  §  1299  9lbf.  1  ücreitclt 
werben  foU,  fd)nelle  ^ütfe  erforbcrlid^  ift,  j.  33.  wenn  bcr  (Seemann  abwcfenb 
ift  ober  ficb  gegenüber  bcn  3ntcrc}fcu  bcr  ß[)efrau  glcidigültig  ober  gar  boö* 
willig  i)crl)alt.  S)ie  Seftimmung,  bafe  bic  Sljcfrau  it|r  aSiberfpruc^drc^t  im 
äßcgc  ber  ^tlagc  nad^  SKafegabc  bcö  §  600  bcr  6.  %  D.  geltenb  ju  mad^en 
r^at  (§  1290  9rbf.  2),  entfprid)t  bem  £i)fteme  bcr  6.  ^.  D.  3n  9tnfc^ung  bcr 
9rrt  unb  SBcifc,  wie  bcr  G(;emann  Sßibcrfprud^  5u  ergeben  ^at,  bebarf  cd 


»cfd&ranf .  b.  SScrfÜQunöör.  t.  Sfecfrau.  ® ef cfiamf a^iöfcit.  (§§  1300-1310.)     21 9 

feiner  befonbcrcn  Scftimmung ;  in  bicfcr  Einfiel)!  ftnb  bic  93ovfd)i*iftcu  bcö 
§  685  bcr  ß.  %  D.  niofegcbenb. 

a)  2cr  bic  Scrociöloft  regctnbe  brittc  Slbfag  bcö  §  1299  f onntc  üictteid^t  »cmciMaft 
im  ^inbücfc  auf  bie  aUgcmciucu  ©niubfä^c  ctfö  felbftDcrftänbtidö  cntbcf)rt    . 
lOfrbcn  (Dcvgl.  §§  193,  194).     ^ic  Slufna^mc  beöfelbcn  ift  {cbod^   bei  bcr 
proftifd^cn  SBid&tigfcit  bcr  grage,  um  bic  3^^cifcl  ju  befeitigcn,  tocIc^c  in 
bicfcr  ^iufi^t  in  bcr  ^^raris  ficft  crljobcn  l)ttbcn  (ucrgl.  Urtlj.  b.  9t.  (S.  bei 
®ru(^ot  XXX  S.  969  ff.),  a(ö  ratl^fam  crad^tct. 

2ic  Scfrtmmungcn  bcr  §§  1298,  1299  loirfcn,  wie  fid^  am  §  1  3lbf.  1  ^rxuxihiA 
bcr  Äonf.  C  crgiebt,  aud^  auf  ben  gaU  bcö  ÄonfurfcS  iibcr  baö  SBcrmögcu  ^'""""'^  * 
bcfl  (S^anntA  jurüdE;  bicfclbcn  finb  jcbodf)  im  ^inbttctc  auf  bic  93cftimmung 
bcö  §  1327  9lr.  3,  nad^  loclc^cr  mit  bcr  9lcd)tsfraft  bcö  öcfd&luReö,  burd^ 
©cl^n  bcr  Äonfurö  über  baö  33crmögcn  bcö  G^emanneö  eröffnet  wirb,  bic 
c^efi(^  ^hiftnicßung  unb  SlJcrroaltung  cnbigt,  für  bicfen  gall  nur  oon  geringer 
irrattifdicr  Scbcutung.  3laä)  ben  §§  1298,  1299  beö  ©ntrourfcö  in  aScrbin^ 
bung  mit  §  1  2lbf.  1  bcr  Äonf.  D.  fallen  nur  bic  von  bcm  ©ficmannc  jur 
3cit  bcr  ßroffnung  bcö  Äonfurfcö  auf  ®runb  bcr  e^cUd)cn  9tugnic6ung 
bereits  crnjorbcncn  grüc^tc  mit  bcr  auö  §  1299  fid^  crgcbcnbcn  Scf^ränhmg 
in  bic  Äonfurömoffc. 


3.  Scf^ränfung  beö  SJcrfügungörcc^tcö  bcr  ®I)efrau. 

§§  1300-1310. 

2?cr  entiourf  bcruf)t  auf  bcm  (Srunbfafec,  baß  bie  ß^efrau  n)cbcr  ate  ,^^['^^^1**^*^ 
\9^U  ^'  ^-  ^^"^  9tädEjtd)t  auf  baö  unter  ben  ©Regatten  ßeftefienbc  (Sutcrrc(5r  e^efrau.^^ 
ummUelbQrJn  gqlflc  bcr  ®§cjclbft,  nod^  .mittelbar Jn  golge  beö.cl)clid5cn  ©utcv- 
rn^tcö  in  bcr_©cf(^äftöfä()igfcit  befd&ranJLiS.    dagegen  läfet  ber  ©ntrourf  jum  ®^i^J^^"^'""» 
Sd^uge  Der  5cm  ß^cmannc  auf  ©runb  ber  c^cUd^cn  ^hifenicfeung  unb  S?cr*  «crtügunfl«. 
loaüung  sufte^cnbcn  SHcd^tc  nad^  näherer  33cftimmung  bcr  §§  1300—1310  eine    "^*'^- 
SJefd^ronfung  beö  33erfügungörcd^tcö  bcr  G^efrau  in  2lnfcl)ung  beö  ß^cgutcö 
eintreten. 

Xer  Stanbpunft  bcö  bcftc^cnbcn  SHcd^tcö  in  bcr  ^ier  fraglichen  33ejie^ung  ®^"^*^^* 
ift  ein  oerfc^icbener. 

3lod^  fronj.  Steckte  unb  bcm  bab.  S.  9t.  ift  bic  ß^cfrau  alö  fold)c  in  ber 
©cfc^öftöfäl^igfeit  bcfd^ranft.  Sic  bcbarf,  oljnc  SRürffi^t  auf  ba^  bcftcl^cnbc 
e^li^c  ©ütcrrcd^t,  jur  ^ßrojcfefüfirung,  foroic  ju  allen  9lcd&tögcfd(|äften,  audt) 
bcnienigcn,  bur^  tocld^c  ftc  Icbiglic^  erwirbt,  bcr  ©rmöd^tigung  bcö  ß^cmanncö 
ober  bcr  ©rgänjung  bcrfclbcn  burd)  baö  ®erid)t.  3n  ©rmangctung  einer 
folgen  (Srmddf)tigung  ift  bic  Sicd^tö^anblung  bcr  Gljcfrau  nid^tig;  bod^  fanu 
biete  9lid^tigfcit  nur  uon  bcm  G^emannc,  bcr  ®^efrau  unb  bereu  ®rbcn,  nid^t 
oon  brittcn  '^Jerfoncn,  gcUcnb  gcmad^t  toerben  (code  civil  9lrt.  215— 225;  bab. 
2.91,  Sag  215—225;  ©nifd^.  b.  9t.  ®.  in  6it)ilf.  VI,  123  S.  396,  XIV,  85). 
2)iefer  (Srunbfag  mirb  inbeffen  —  abgefc^cn  von  einigen  prinjipieU  ni(^t  in 
Setrad^t  fommenbcn  STuöna^mcn  in  Setreff  ber  .^anbclöfraucn,  bcr  ^rojeffc 
unter  ben  G^cgottcn  u.  f.  xo.  —  b\xx6)  baö  c{)clicf)c  ®ütciTcd)t  infofern  mobi^ 


220     Sei  4ranf.  b.  Serf üflungör.  b.  ekfrau.  ©ef ^aftSfalngfeit.  (§§  130(>-1310.) 

fijirt,  als  bcr  G^cfrau  im  goUc  bcr  gcrid^tüci&en  SSermögcnöabfonbcnmg  baö 
9?e(f)t  juftdjt,  i^r  ^Jcrmögcn  ol^nc  ü)Utn)irfun9  bcö  @f)cmanneö  ju  ücrioaltcn, 
unb  ate  i^r  a\x6)  burd)  ©Ijcücrtroö  ein  fol^eö  SBcrroaltungörcd^t  in  größerem 
ober  geringerem  Umfange  eingeräumt  werben  faun  (oergl.  code  civil  Strt.  1449, 
1534,  1536,  1576 ;  bab.  ü.  %  ©afe  1449,  1534,  1536,  1576).  5Daö  3lec^t  ber 
(S^efrau  bleibt  aber  immer  ein  befd)ränlteö.  ^nöbefonbcre  tann  fie  o^nc  6r* 
möd^tigung  beö  6l)emanneß  meber  oor  ©erid^t  [teilen,  nod)  il&re  Siegenfd^often 
üeräufjern.  SBie  meit  im  Uebrigen  in  ben  bejcid^neten  gällen  bas  SBerwaltungö-- 
red^t  ber  e^efrau  gel^t,  inöbefonbere  in  roeld^em  Umfonge  fie  baburd^  bercd&tigt 
wirb,  o^ne  ßrmäd^tigung  bes  G^emanneö  9JerbinbUd^feiten  einjuge^cn,  ift  in 
melirfad^er  §infid&t  beftritten  (oergf.  ©ntfd^.  b.  9t.  @.  in  eit)ilf.  IV  3.  350  ff.). 
5Dem  franj.  Siedete  fd}lie6t  im  gBefentlid^en  bcr  ^cff.  ©ntn).  I,  2  9lrt.  65—75, 
IV,  2  3lrt.  453,  501,  532  ff.  fid&  an. 

3n  ben  beutfd^en  JRed^tcn  ftelien  bie  öeftimmungen,  meldte  bic  ©efc^äftßs 
fäl)igfeit  ber  ®^efrau  betreffen,  mcnn  fie  aud^  biöweilen  äufeerüc^  felk 
ftänbig  neben  bem  e{)elid&en  @ütcrredf)tc  5U  hefteten  fd^einen,  mit  bem  legteren 
bod)  burd^roeg  in  innigem  3wfammenl)ange  unb  finbcn  in  bemfelben  iljrc  Qr- 
Wuterung  unb  ©rgäujung  (ocrgl.  Gntfd^.  b.  9t.  ®.  in  ßiüilf.  VII,  51,  XVI,  32). 
^id)t  von  allen  9led^ten  wirb  aber  iiberl^aupt  eine  Sefd^rfintung  ber  ©efd^äftß* 
fäljigfeit  ber  G^efrau  angenommen,  öietmeljr  begnügt  ein  3:^eil  berfelben  fic^ 
bamit,  bog  ajerjügunggred&t  ber  ßljefrau  in  2lnfe^img  beö_beLJJ&di«6(?ifc:Stti* 
nie^ung  unb  SBernjaltung' unteWegenben  IBefmögenö  ?;uim  ©d&ube  ber  9te(^tc 
beö  Gf;emanneö  me^r  ober  menigcrju  ftefö^ötfifetU  Snöbefonberc  gel^t,  fooicl 
bäö  gegenwärtige  gemeine  beutfd&e  9{ed)t  betrifft,  bie  in  ber  3)o!trin  fierrfd^enbc 
3luffaffung  bal^in,  baß  baö  betreffenbe  9ied^tögefd^äft  ber  G^efrau  gültig  ift, 
aber  inforoeit,  als  baburd^  bie  Siedete  beö  Gliemonneö  an  bem  ber  ebelid^cn 
^luftniefeung  unb  SBermaitung  unterliegenben  SBermögen  ber  GH'^au  gefränft 
werben  mürben,  nid^t  geltenb  gemadf^t  werben  fann.  Sie«  ift  j.  S.  aud^  ber 
©tanbpunft  befi  märt,  ^rooiniiatred^teö  (oergl.  Gntfd^.  b.  9t.  ®.  bei  Orud^ot  XXV 
©.  1020  ff.),  beö  9ted)tcö  ber  etabt  Stürnberg  (oergt.  Gntfdd.  b.  9t.  0.  in  6it)Uf. 
i;  37)  unb  bcs  in  giaffau  geltenben  9ted&teö  (Gntfd^.  b.  9t.  ®.  in  Gimlf.  VI,  123 
S.  396).  9luf  bemfelben  ©oben  fte^t  im  ^ßrinjipe  bas  olbenb.  @cf.  v. 
24.  Slpril  1873;  bod&  fmb  nad^  3lrt.  8  §  1  baf.  Sßerfügungen  unter  Sebcnben, 
wcldje  bie  ®l[)efrau  über  ®egenftänbe  beö  eingebrad^ten  SScrmögenö  obnc 
3uftimmung  beö  G^emanneö  unb  in  nid^t  gered^tfertigter  SJertretung  beöfclben 
trifft,  nid)tig. 

3n  ben  raeiften  OJebieten  beö  bcutfdjen  9led^teö  gilt  bagegen  ber  ©runb* 
fa^,  baJ3  regelmäßig'  alle  öon  ber"Gt)efrau  oljue  Ginwilligun^  ififiJS^emauneö 
eingegangenen  9led)tögefd^äfte  unter  Scbenben,  burd^  weld^e  fie  nid^t  lebiglicb 
9led)te  erwirbt,  nid^tig  finb  be^w.  ia%  bie  SGBirffamfeit  biefer  9led(|tögefc^äfte  oon 
ber  ©enetjmigung  beö  G^cmanueö  abl[)ängt,  fo  in  bem  größten  J'^eilc  beö 
©ebieteö  bcö  gemeinen  fädjf.  9te(§teö,  wo  biefer  ©runbfafe  mcl^rfad^  aud&  burd(> 
Sanbeögefcgc  auöbrüdflic^  anertannt  ift  (Dcrgl.  j.  S.  altcnb.  G^corbn.  t).  13.  3)M 
1837  §  143),  im  Äonigreid)  Sac^fen  nad^  bem  fäc^f.  0.  ».  §§  1638,  1641, 
Ijier  iebod)  mit  ber  S3efdbränfung,  ha^  bie  Gl)efrau,  wenn  fie  ein  ol)ne  Gin« 
wiUigung  beö  G^emanneö  abgefd)loffcneö  9tcdjtögefd^äft  erfüllt  bat,  baö  0c* 


Scfcferänf .  b.  ScFfüfluno^r.  t.  ßMrau.  ©cfc^aMä^iof cit.  (§§  1300-1310.)     221 

leijtrtc  nid^t  jurücfforbern  fann,  ferner  in  tjcrfd^icbcncn  2^^cUen  )iBai)crnö  wad) 
älteren  Statuten,  im  ©ebictc  beö  roürttcmb.  2.  SR.  nad^  fonftonter  ^jJroriö 
(öcrgl.  Seuffert  m,  179;  loürttcmb.  ®ntn).  §§  133—146),  [oroic  im  ®cbietc 
bfS  pmi§.  a.  2.  SR.  II,  1  §§  168,  189,  320  ((Sntfd^.  b.  91.  ®.  in  Sioilf.  III, 
70  S.  252,  IV,  67  ©.  241,  XIII,  70  3.  295,  XV,  58  ©.  255,  XVI,  32; 
entf4  b.  91.  ®.  bei  ©rud^ot  XXIV  S.  490,  XXVU  S.  450;  üergl. 
idoci  anif  prcufe.  ®ef.  über  baö  ©taatöfd^ulbbud^  v.  20.  3uU  1883  §  9).  auf 
bemfclben  Stanbpunftc,  wie  bic  ongcfülirten  Siedete,  ftel^t  anä}  ber  eljrenbrcitft. 
entw.  §  18. 

ane  angcfül&rten  9led)te  lajfcn  inbeffen  t)on  ber  9legcl,  bafe  bie  von  ber 
6^Qu  o^ne  @inn)inigung  bei^  Seemannes  Dorgenommenen  9{ed^tdgefd6äftc 
ttnflfiltia  Rnb,  flewiffe  Stusna^men  i\iu  Siefe  bejiel^en  fid^  tljeilö  auf  bie 
^©ift^n  bcn  G^egatten  felbft  abgefc^loRenen  9lc^tögefd^äfte  (üergL  preufe. 
S.8. 91.  II,  1  §  198;  fäd^f.  0.  ».  §  1638,  1647  ff.),  t^eilö  betrejffen  fie  fold&e 
5Ie^gefd^fifte,  weld^c  bic  6t|efrau  inncr^ciJS  Jl^res  puölid^cn  SBirfungsfreifeft 
ober  bei  Se^inberung  bed  (S^emanned  in  Vertretung  beöfelben  ober  inncrljafb 
cincd  Don  i^r  mit  ©enel^migung  beö  G^emanned  felbftänbig  betriebenen  ©rmerbd^ 
9(1(fldftefi  abgefd^toffen  Ijat  (tjergl.  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §§  321  ff.,  §§  202-204, 
:m,336;  fäd^f.  ®. »;  §  1645).  Sie  ©efefee  ftimmcn  barin  überein,  ba^  bie 
Jled^tögefc^äftc  ber  Ie|tercn  2[rt  gültig  finb  unb  bafe  burd^  bie  unter  bie  erft- 
gebohlten  ^ategorieen  fallenbcn  9Ied^tdgefd^äfte  ber  Seemann,  burd^  bie  anberen  bie 
6Wwu  ücrpflid^tet  wirb.  2)iefe  STuönol^men  berül^ren  inbeffen  boö  ^ßrinjip  nid^t, 
bo  eine  Verpflid^tung  nur  in  fold^en  gäUcn  ancrfannt  wirb,  in  roeld^en  n)enigften& 
inbircft  eine  (^el^igung  beö  S^emanneö  vorliegt,  unb  anbererfeitö,  foroeit  bie 
^krpjCidlitung  ber  (g^efrau  onerfannt  wirb,  au^  baö  eingebrad^te  SSermogen  ber 
Icjteren  bafür  ^aftet.  SBon  prin5ipiellcr  ^ebeutung  ift  bagegen  bie  üon  allen  , 
öngefü^rtcn  9ltä)ttn  anerfannte  auönoljmc  in^.  Slnleöung .  beö  vorbe^altcucu, 
Scrmoggffö  bti  gpüfrau.  "^i~iiln|e^ung  bicfcö  SSermögcuö  \)at  bie  S^cfraii 
bie  freie  Serroaltung  unb  fann  oljue  3i*ji^^w"9  ^^  ©Ijemanneö  barüber 
verfügen.  ^u6)  i{l  bic  ^ö^igteit  ber  @^efrau,  baö  norbel^altene  äSermögen 
o^ne  Ginn)tlligung  beö  ß^ematmeö  mit  Sd^ulben  ju  belaften,  ancrfannt;  bod> 
maxien  cinjclne  ^rtifularred^tc  bie  ©ültigfeit  ber  SSerbinblid^feit  baoon  ab^ 
^ngig,  ba§  bie  S^efrau  biefelbe  mit  SBejie^ung  auf  xf)v  Vorbel^altögut  eingebt 
(wtgL  fod^f.  ®.  S3.  §  1640)  ober  bafe  bie  aSerbinblidifeit  burd^  SBerpfänbung 
wn  ®cge]tftänben  beö  aSorbel^attöguteö  binglid^  Dcrfid^crt  ift  (uergl.  preuß. 
a.  Ü.  31.  U,  1  §§  318,  319).  Stud^  barin  gel[)en  bie  9Jed^te  unb  bie  3lnfid)tcn 
auöeinanber,  ob  unb  inwieweit  bie  ßfiefrau  nad^  Sluflöfung  bcv  @f)c  wegen 
ber  ^icr  fraglichen  SSerbinbUd&fciten  nid^t  nur  mit  bem  porbel^oltenen,  fonbern 
oudf  mit  i^em  übrigen  SBermögen  l^aftct  (ücrgl.  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §§  619, 
«20;  fod^f.  ®.  ».  §  1640). 

£ur^  ©^ertrag  fann  ferner  nad^  allen  angefül^rtcn  9led^ten  baö  9lcd^t 
beö  (S^anneö  in  Slnfe^'ung  beö  SBermogenö  ber  (Sl[)efrau  auögefd}löffcn 
iDcrben  unb  bie  lefeterc  baburd^  in  Dcrmögenöred^tlidöer  Segiefiimg  DoUftftnbig 
bic  Stellung  einer  unoer^cirat^eten  grau  erlangen. 

3m  (Segenfafee  5U  ben  auf  bem  33oben  beö  franj.  unb  beö  beutfd^en  9le(^teö 
ftcbenbcn  Wcii^ten  fennt  baö  rom.  SJotalredjt  meber  eine  S3efd^rfinfiuig   ber 


222    a3cl4iauf. b.  Secfügunflör.  b.  (SMrau.  ®ef*äft3fa]&iöfeit.  (§§  1300-1310.) 

©cfd^äftöfäi^igfcU  noci^  an6)  bcfonberc  Scftimmungen  über  bic  93e)d^räntung 
bcö  SScrfügungörcti^tcö  bcr  ß^efrau.  Gä  bcbarf  fold^cr  Scftimmungen  nid^t, 
ba  bev  (Seemann  nur  bieicnigen  9tcd)tc  crroirbt,  tocIcI&c  i^m  bie  ß^cfrau  burd^ 
Sotalüertrag  einräumt,  bicfe  SWcd^te  aber  üollftänbig  in  fein  SBermogcn 
übergeben. 

3n  neuerer  ^dt  fmb  bie  partifularred^tUd^en  S3eftimmungen  über  bie 
Sefd^räntung  ber  ©efd^äftöfci^igfeit  ber  ß^efrou  naö)  t)erfd)iebenen  9iid^tungcn 
Ijin  burci^  bie  SReid)8gefe|gebung  burd^bro^en.  SBon  SBebcutung  fmb  in  biefer 
Sejicl^ung  befonberß  bie  Seftimmungen  beö  §.  ®.  93.  9lrt.  7—9  über  bic 
^anbetefrauen,  bie  SBorfd^riften  ber  (Sero.  D.  §  11  über  bie  ®^efrauen,  welche 
fefbftänbig  ein  Oeroerbe  betreiben,  unb  bcfl  §  51  SDbf.  2  bcr  6.  ^.jD.  über  bie 
^ßrojefefäl^igfeit  ber  ©l^efrou.  9JamentUd^  biefe  Icgtere^  in  ifircF^ragiDeite 
unb  SRüdtoirfung  auf  ba§  ebelid^e  ©ütcrred^t  oHerbingö  fel^r  beftrittene  Seftim« 
mung  entpft  für  bie  auf  bem  ^oben  ber  S3e[d)ränhing  ber  ©efdJoH&Täl^c^fcit 
ber  Gfjefrau  ftebenben  9ledf)te  eine  tief  einfd^ncibeube  ^urd^bred^ung  befi  ^rinjipeä. 
©tanbpuntt  ^  ©er  iu  jcnen  reidtiSgefefeUd^en  93eftimmungen  Ocroortretcnben  ^^entJfnj/ 
«ntrourfe«.  ^'^^'  ©efdf^äftsfäl^igfcit  ber  ©i^efrauen  üon  bem  ©inffuffe  ber  6^c  x\nb  bes 
ef)elid)en  Oüterred^teö  unabl^ängig  ju  mad^en,  ift  aud^  ber  ©ntrourf  gefolgt. 
3)cr  bem  franj.  Siedete  ju  Orunbe  liegenbe  Oefic^töpunft,  bafe  aud&  bei  oöllig 
getrennten  Oütern  baß  SBermögcn  ber  ®^efrau  einen  lüefenttic^en  roirt^fc^aft- 
lxö)m  gaftor  beö  gemeinfd^aftKd^en  e^elid)en  2ebenß  bilbe  unb  biefeö  bur{§ 
einfeitig  oon  ber  ß^efrau  Dorgenommcne  9lenberungen  i^rcö  SBermSgcnä 
gcfäljrbet  unb  geftört  werben  fönne  unb  bafe  baber  ber  ©bemann  alö  baö 
^aupt  ber  6^e  unb  im  ^inblidfe  auf  ben  aucb  bei  getrennten  ©üteru  i^m 
gegenüber  bcr  &)t^xau  juftebenben  2lnfprud)  auf  einen  Seitrag  jur  3:ragung 
ber  cl^elid^cn  Saften  (ücrgl.  code  civil  3Irt.  1.537 ;  §  1339  bcs  ©ntrourfeö)  ein 
3intcref|e  baxan  Ijabc,  bafe  baö  Söermögen  ber  ß(}efrau  crl^alten  bleibe,  üaTitog 
eine  SJefd^ränfung  ber  ®efd^äftöfäl^igfeit  ber  ©^efrau  nid^t  ju  red^tfertigcn. 
2)ie  efielii^e  ©emeinfd^oft,  in  wefd^er  bie  ef)egatten  leben,  legt  i^ncn  allcrbingö 
bie  SSerpPid^tung  auf,  bei  allen  i^ren  nermögenöredf)tlid&en  ^anblungen  baö 
3nteref|e  ber  e^elidjcn  @emeinfd[)aft  im  3tuge  ju  bebalten.  Mein  biefe  SJer* 
pflid^tung  ift  roefentlid^  fittlii^er  9iatur.  ^\)xt  (Erfüllung  auf  ©eiten  ber 
©Ijcfrau  burd^  eine  33ef darauf ung  ber  ®efd^äftdfäf)igfeit  ju  fiebern,  ift  burdb 
ein  praftifd^eö  Sebürfnife  nidE)t  geboten  unb  mürbe  jubem  ungered&t  gegen  bic 
©^efrau  fein.  3»  bcn  beutf^en  SHed^ten  ift  baö  ^rinjip  ber  aSertragöfreil^cit 
ber  ©Ijegatten  immer  babin  aufgefaßt,  ba^  bnxö)  ©fieoertrag  iebe  ©inmirhmg 
beö  ©bcmanneö  auf  bie  t)ermögenöred()tlid&e  ©pbäre  ber  ®^efrau  auÄgefd^Ioffen 
merben  tonne.  Unb  felbft  ber  code  civil  nnb  bie  il^m  oerioanbten  Steckte 
fel[)en  fid^,  obmol)l  pc  prinjipieU  bie  93efd(|ränfung  ber  ©efd^äftöfäl^igteit  bcr 
ßljefrau  afe  eine  golgc  ber  ©be  an  fic^,  ni^t  alö  golge  eines  befonbcrcti 
cljclicbcn  ®üterred)teö  betroc^ten,  bod&  burd^  baö  SScbürfnife  beö  Sebenö  unb 
bcö  SJcrfeljreö  genöttiigt,  ber  ©^efrau  bei  eintretenber  ©üterfonberung  bic 
(Sefd^äftöfäfiigteit  im  SBefentlid^en  mieberjugeben. 

©ebr  oiel  5meifelf)after  ift  bie  grage,  ob  nid^t  eine  Sefdjränhmg  bcr 
®cfd^aftöfäf)igfeit  ber  ©f)efrau  alö  golge  beö  gefe^lid&en  eljelid&en  ©üterredbtcö" 
fi(5  empfefilcn  mürbe.    Sie  bem  ©bemanne  auf  ®nmb  ber  eJ^efid^en  Sflufc« 


ac!*ränf.  b.  3>erfüflunfl§c.  b.  ßtefcau.  ©ef^aftöfafHöfcit.  (§§  1300—1310,)     223 

nieSung  unb  SBerioaltung  5uftel;cnbcn  9icd^tc  bcbürfen  trofe  il^rcö  binglidicn 
Horofterfi,  namentlich  im  ^inblirfe  auf  bic  SBeftimmnngcn  ber  §§  1293,  1311, 
foiöo^I  gegenüber  ber  G^efrau  als  gegenüber  ©ritten  eines  bcfonbcren  ©d&iifeeö. 
liefer  3^5*  wirb  am  cinfadbften  errei(f)t,  wenn  man  bic  GT)efrau  in  9rnfel)ung 
Dermoflen6red6tlt(^er'?Rerfit6pefd&äfte  imtcr  2c6enbcn,  unb  jiüar  ol^ne  Untcrfd)icb 
jipifd^n  btnflüd^en  ujtb  obliciatorifd&en  SütedStSflcfd&äften,  fon)ic  jnjifcfjen  obli^ 
gotorif^cn^ro^^^^ 

nac^  3(na(ogie  ber  fiir.  Me  SiirjitS^efd^fäftc  äKüihprjfti^rigcr  im  §  65  gegebenen 
Mfc^nftnr-in  ber  ©efd&äftafäbiafeit  bcfdiränft.  ©ine  berartige  ©eftaftung 
1%' ferner  infofern  aud)  im  3nteref[c  ber  ©I;efrau  felbft,  als  fic  baburd) 
gegen  bic  Öefal^ren  gef^üftt  wirb,  welche  i^r  aus  ber  unbefd^ränften  Oefd^äftß* 
fä^igfeit  in  äSerbinbung  mit  einer  SBerfügungöbefd)ränfung  in  STnfeljung  bcö 
edeguteö  in  fold^en  Stallen  brol^en^  in  meldten  bie  @()efrau  bie  Slbfid^t  gehabt 
l)ai,  bas  SRec^tsgefc^äft  nur  unter  93orbe^alt  ber  ©enel^migung  bes  @[)emanncs 
iu  fc^IieBen,  biefc  äbfid^t  aber  nic^t  genügenb  5u  erfcnnen  gegeben  I)at  ober 
in  rotli^tn  fie  auS  Unad^tfamfeit  ober  aus  Unfenntnig  ber  ©efe^e  überl)aupt 
nic^t  baran  gebadet  l^at,  bag  ftc  bas  Sted^tsgef^äft  mit  Sßirffamfeit  für  ba^ 
%gut  nur  mit  6inn)inigung  beS  G()emannes  fdE)(iegcn  lönne^  in  n)e(c^en  fic 
über,  tüenn  fie  baran  gebadet  l^ätte,  bas  9led^tsgefd(|äft  überliaupt  nid^t  ab* 
gff<i^loifen  ^abcn  würbe.  3wjugeben  ift  ferner,  ba6  bie  a]erpffid)tungsfät)igfeit 
brr  ß^frau,  namentlid^  in  fold^en  gällen,  in  meld&en  ber  ©laubiger  erft  SluS- 
ficftt  ^at,  nad^  Stuflofung  ber  ei;e  befriebigt  ju  roerben,  ju  mud^rtid^er  9tuß- 
iegtung  ber  ei^efrou_33eranIaffung  geben  unb  ba^  bie  mirtt)fd&aftiid)e  ©runblage 
bed  bi^erigen  ^ausfianbes  jerftört  werben  fann,  wmn  nad)  9Iuflöfung  ber  ©I)c 
ober  nadb  anbermciter  SBeenbigung  ber  el^elid^en  ^ingnie^ung  unb  SScr- 
©oltung  bic  ©laubiger  ber  ©tjcfrau  bas  SBermögen  ber  festeren  wegen  ber 
o^ne  ©inwilligung  bcö  ß^emannes  eingegangenen  aSerbinbßd^feiten  angreifen 
fönncn.  3)iefe  ©rroägungen  fönncn  inbeffen  als  burd^fd^Iagenb  nid^t  cr^ 
q^tet  werben,  um  bas  große  ^Prinjip,  baß  bie  ©^efrau  als  fo[d)c  in  ber 
<8efc^äftsfäf)igfcit  nid^t  bcfdiränft  ift,  ju  burd)bred&cn  unb  bem  praftifcben 
^cfultatc  nad^  bie  Siegel  umjuftofeen.  Gin  bringenbes  praftifd)eS  öebürfniß, 
bie  an  fic^  gefd^ftofS^igc  GI)efrau  mit  3iüd'fid^t  auf  bic  bcfonbcren 
SJer^Ilnitlc  bcö  eliefid^en  ©üterrcdjteS  gegen  bie  aus  ber  3lnerfennung 
i^rer  SSerpflid^tungSföl^igfeit  f\ä)  ergebenben  ©efal)ren  ju  fd^üfeen,  fann  nid&t 
anerfonnt  tucrbcn.  2)ie  bcfonbcren  SScr^ältniffc  Tes'  gefefefidöcn  e^clid^en  ©üter- 
ret^tcs  oeriangen  nur  einen  ©d^uft  ber  Siedete  bes  Gt)emannes  gegen  bie  ©c- 
fa^rni,  loclc^  i^m  cnnad&fcn  würben,  wenn  bie  G^cfrau  oline  feine  Gin- 
oüligung  über  baS  G^egut  bireft  ober  inbireft  Dcrfügen  fönnte.  tiefem 
3ntcreife  bes  G^annegjtn  Gr^altung  feiner  i^m  an  bem  Göcflute  jufte^cnben 
3ic^e  fann  aber  m  ausreic^cnbcr  Sßeife  fd&on  baburd^  SHed)nung  getragen 
werbenV  ba|  bas  %rfä(junosrec^t  bei-  GJ^efrau  in  SKnfe^una  bes  Gtieguteö  bc- . 
t^ntt  wirb.  3nsbcfonbere  fann  bem  ©efid^tspunfte,  bafe  eine  wcitergeljcnbe 
dcf(j^änfung  ber  SBerpflid^tungSfä^igfeit  ber  G^efrau  bcsl^alb  im  Sntcreffe  bes 
©^emanneS  liege,  weil  berfetbe  burd^  bie  SHücffid&t  auf  feine  Gfjcfrau  unb 
bttr^i  bie  SRüdEfit^t  auf  fein  Grbred&t  m  bem  SSennögen  ber  G^efrau  fid)  ge- 
iwungcn  fe^cn  werbe,  bie  Don  ber  Gl&cfrau  aud^  ol)ne  feine  Ginwilligung  ein- 


224    »ef^ränf.  b.  aScrfüßunö^r.  b.  (Sl&cfrau.  ©cfd&dMaßiöifeit  (§§  1300-1310.) 

gegangenen  aSevbinblid&feiten  an^  bcm  Gfjegute  bod^  ju  erfüllen,  um  bic  mit 
bcr  9li(i^terfüUung  eintretcnben  roeitercn  nad^t^ciligen  golgen  ju  t)ermeibcii, 
für  bie  ^ier  oorliegenbc  Srage,  ob  eö  mit  Jtüdfid^t  auf  bie  bcfonbcren  SSer- 
llältnifle  beä  cl^elid)en  ©ütcrred^tcß  geboten  ift,  bic  ß^efrau  in  ber  ©ef^äftß^ 
fä^igfeit  ju  bef d&ränf en ,  fein  ©emid&t  beigelegt  werben.  Slud^  roenn  bic  oon 
ber  ©Ijcfrau  eingegangenen  33erbinblid^feiten  für  unmirffam  crflärt  werben, 
würbe  in  üielcn  gällen  bcr  (S^emonn  fid)  burc^  bic  Slücflid^t  auf  bcn  9luf 
feiner  (S^cfrau  boc^  moralifd^  gejroungen  fcfien,  bic  SJcrbinbtic^fciten  ju  cr:= 
füllen.  3)afe  ber  ©tanbpunft  bcö  Gntwurfcö  gegenüber  bem  in  bcm  weitaus 
größten  2^^'cÜe^cutfc^ianbö  geltenben  9lcJ)tc  eine  5Reucrung  cnt^ftif,  fällt  allere 
JjlDflö  fciöwcr  ins  (^jcwid^t;  allein  bcr  3ug  ber  mobernen  ^dt  ge^t  unücrfennbar 
ba^in,  bic  ©fjefrau  auf  bem  ©ebietc  bcö  5|5rioatrc^tcd  fclbftänbigcr  ju  ftcUen. 
SnöbefonberF  niufe,  ba  bic  5ßrojc6fal|igfeit  nur  eine  Seite  ber  (Scfd^dftftfdf/igfcit 
ift,  bic  Slncrfennung  ber  5ßrojcfefäf|igtcit  ber  ©l)cfrau  burd^  bic  6. 5ß.  D.  fom 
fcqucnt  bat)in  fülircn,  bic  G^efrau  auci^  ouf  bcm  (Sebictc  bcß  5ßrit)atrcdötcs 
für  unbcfd^ränft  gefd)aftgfal)ig  ju  crflärcn,  wft^rcnb  umgcfe^rt~  wenn  Dad 
bürgcrlicl)c  ibeKßljucl)  mti  Dem  ct)elid^cn  ©üterrcd^tc  eine  Sefd^ronfung  bcr 
(Scfd)äftöfäf)igfeit  bcr  ®l)cfrau  uerbinbcn  wollte,  bic  ilonfcqucnj  bat)in  führen 
müfetc,  bcr  (S^t)t^xaxi  infoweit  au^  bic  ^ßrojcfefä^igfcit  5u  cntjie^cn,  bamit  bic 
\  Gtjcfrau  nid^t  im  SBcgc  bcö  ^rojeffeö  bod^  ol)ne  Ginwilligung  beö  GbcmanneS 
jwirffam  Sd^ulbcn  mad&en  fonnte.  Ginc  äenbcrung  ber  6.  ?ß.  D.  in  bcr  l)ier 
fraglid&cn  SBcjictjung  ift  aber  um  fo  mifelid^cr,  alö  baburd^  eine  9}ei^c  fonftigcr 
bcn  ©runbfä^cn  ber  G.  5ß.  D.  nid^t  cntfpred^enbcr  93eftimmungcn  notljwcnbig 
werben  würbe. 

Gntfd^cibcnb  fommt  cnblid^  in  33ctradf)t,  ba%,  wenn  bic  SwISffiQfcit  üon 
SBorbci^altdgut,  namcntlid)  in  bcm  Umfange  bcö  Gntwurfeö,  ancrfannt  wirb,  baö 
^Prinjip  bcr  Sefd^ränfung  ber  (Sefc^fiftöfft^igfeit  bod^  nid^t  burd^gcfü^rt  werben 
f ann, f onbern  ju  ©unftcn  ber  auf  bas  SSorbcljaltsgut  pd^  bcjicl^enben  pbligatorif d^cii 
SRc^tögcfd^äftc  burdf)broc^en  werben  mufe,  um  bcr  G^efrau  eine  orbnungömäfeige 
aScrwaltung  bcs  G^egütcö  5U  ermogli^cn  (oergl.  §  1291  ncbft  aJlotiücn  ®.  i79). 
3)aburd&  wirb  aber,  abgcfeljcn  uon  bcr  barin  licgcnbcn  ^rinjipwibrigfcit,  bic 
Grrcidjung  bcr  S^oetfc,  wcld^c  man  über  bcn  3wcdE  bcr  SBefd^rönfung  be* 
aScrfügungörcd&tcö  bcr  G^efrau  ^inauö  mit  bcr  93cfd^rän!ung  ber  ®efc^äftfi* 
fSl)igfeit  bcrfctbcn  öcrfotgt,  wenigftcnö  in  großem  Umfange  bod^  ocrcitclt,  fofcni 
man  fidf)  nid)t  baju  t)crftcl|t,  bic  ©cfd^äftöfä^igfcit  bcr  G^efrau  anä)  in  3lm 
fcl)ung  bcö  5Borbebaltdgutcs  nad^  bcm  SBorbitbc  bcö  preufe.  ä.  S.  91.  II,  1 
§§  319,  619  ober  bod)  in  bcr  3trt  ju  bcfc^ränfcn,  ba|  bic  G^efrau  auc^  ixai^ 
Sccnbigung  bcr  Gbc  wegen  bcr  t)on  \f)x  oljnc  Ginwilligung  ober  ©cncl^migung 
bcd  Gt)cmanned  eingegangenen  93crbinblid){citcn  nur  fowctt  l}aftct,  ate  bad  jur 
3cit  bcr  Secnbigung  bcr  Gljc  nod)  Dor^anbenc  SBorbcbaltsgut  jurcid^t.  Ginc 
bcrartigc  SJcfd^ranfung  fü^rt  aber  nid^t  nur  ju  großen  praftifd^en  Sd()wicrig» 
feiten,  fonbern  ift  aud)  mit  einer  iwccfmäfeigen,  bcm  ^ntcrcffc  bcr  Gljcfrau 
unb  bcr  3id^erl)cit  bcö  93crfct)rcs  cntfprcdjcnbcn  3Serwoltung  bcd  SBorbcljaltS^ 
gutcö  nid)t  Dcrcinbar. 
3uriftifc^c  2^a  cö  fic^  um  eine  Sc^dörünfung  bcö  9Scrfügungörcd^tcö  Icbiglidb  jum 

^fÄmf*^'  Sdju^c  bcr  ^ntcrcffcn  bcö  G()emanncö  (jonbelt,  fo  liegt  cö  nal)c,  foüicf  bic' 


Ccfifiranfiniö  fceS  SBcrfüflungt^rc^tc«  bcr  ß^efrau.    (§§  1300—1310.)      225 

juriftif^c  Jtonftruftion  beö  S8crl[)ältniffeö  betrifft,  fid^  an  bcn  §  107  l^icr  am      ,t»c« 

äuftöliefeen.    ßinc  fold^c  ©cftaltung  cmpfiel)lt  fid^  inbeffcii  ni^t,  lüeil  hanaä^  *c2te«"b?r' 

bic  oon  bcr  ©tjcfrou  ol^nc  ©intoilligung  beö  ©^etnanncö  getroffene  Sßerfiigung    «^«t^««- 

überßftegutSred^tc  nur  bcm  (S^emonnc  gegenüber  unrotrffam  fein  würbe.    Ginc 

folcftc  iWelatuJttöt  Deöl5erf)äItniffeÄ  ftel)t  mit  ^iiiTcm  ©nttburfe  ju  (Srunbc 

(iegcnben  @ebanfen,  bog  boö  Siedet  beö  @I|emanned  ntemal3  n)eitcr  gelten 

tonn,  a(d  bod  bcr  ß^efrau  (ucrgl.  §  1293),  nid^t  im  ©inflangc  unb  mufe 

bcdt^olb  mögUd^ft  üermieben  n)erben.    älugerbcm  niürbe  bie  ^eftimmung  bc& 

§  107  Sbf.  3,  nod&  rocld^em  ein  aSeräufecrungÄoerbot  bcr  fraglid^en  3lrt  in 

bcm  Honfurfc  über  baß  SBcrmögen  bedienigen,  rocld^cr  bcm  SSerbote  unterliegt, 

bier  alfo  im  Äonfurfc  über  boö  SSennögen  bcr  6{)cfrou,  gegenüber  ben  Äonturö^ 

gföubigcm  feine  gSirlfamfeit  ocrlicrt,  mit  bcm  Qtoedc  ber  in  JHebe  ftctienben, 

^um  8(bu|e  ber  Jlcd^tc  beö  ß^emanneö  bienenben  SBcftimmung  unDcrträglid^  fein. 

£er  ^wed  wirb  nur  bann  üoUftänbig  eneid^t,  wenn  bic  S33ir!famfeit  cinc> 

Sct^tögcft^oftcö  ber  ©fjefrau  unter  Sebcnbcn,  burd^  wcldjcö"^  über  ein  6^e* 

gutörcc^t  ocrfügt,  nicbt  nur  gegenüber  bcm  ßljcmannc,  fonbern  gegenüber 

3ebfm,  axiS^  ju  ©unften  ber  ß()cfrau,  von  ber  Suiiiiillifluiifl  beö  G^cmanncö 

itrggfiliiger  1S^ '  nbl^gngig  gemQ^'rt)irb,  roie  bie  SiBirffamfeit  beö  Stcd^tö^ 

gef^Sftcö  eincö  3)IinberiQl)rigen  nod6  §  G5  oon  ber  ®inn)illigung  beö  gcfeljlicften 

Sertretcrö  (§  1300),  mfi^rcnbln  Wnfcl^ung  fofc^cr  SRed^tögefd^äftc  ber  ei;cfrau, 

bur(^  nnrldbe  fie  ju  einer  üeiftung  oerpflidi^tct  wirb,  jum  Sdiufec  beö  el^c* 

männlid^n  Slcc^tcö  bic  Seftimmung  genügt,  bafe  fol(^c  SRcd^tögcfd^äftc  ber 

C^cfrou   in   STnfcfiung  beö  G^egutcö  gegenüber  bcm  ©fjemanne  nur  bann 

©irffam  finb,  wenn  bcr  festere  in  bic  93ornal[)mc  bcrfelben  cingcmilligt  f)at 

ober  biefclbcn  genel^migt  {§  1301  t)erb.  mit  §§  1311,  1312  5Rr.  1).    3ludj  in 

HtcTcr  93eite^ng  b^^nbelt  eö  ftd^  aber  nid^t,  mc  bei  ben  ^Ißinber]ö()rigen,  um 

eine  tbeitoeife  S3ef(^ränfung  ber  ®efd&äftöfat|igfeit,  ba  ber  ®runb  ber  ^c^ 

fd^ränfung  beö  SBerfügungöredt)teö  ber  @f)efrau  Icbiglid^  in  bcm  Siedete  bcö 

G^onneö  liegt,  n)fi^rcnb  bic  Scfd^röntung  bcr  ©efd^fiftöfä^igfeit  immer  in 

einem  'JRangel  ber  in  bcr  ©efd^öftöfö^igfcit  befdf)ränften  5ßerfon  felbft  fidfj 

grünbet  unb  baö  Srforbemig  ber  Sinmilligung  ober  ©ene^mtgung  beö  gefegt 

lic|en  Sertreterd  nit^t  Äuöflug  eincö  eigenen  SHcd^tcö  beöfelben,  fonbern  nur 

Jolge  jcneö  3Hongctö  unb  baö  SJHttet  jur  Sefeitigung  beöfelben  ift  (oergl.  bie 

§§  65,  70,  71).    S)ie  »efd&ränfung  beö  SBcrfügungörcd^teö  ber  ei^cfrau  fteHt 

ft4  Diclme^r  alö  STuöfltug  beö  burd^  bic  e^elid^c  9iugniegung  unb  SScrmaltung 

begrunSeTen    cigent^umlid^en   bingTid^cn  SRcd&tcö  beö  Gf)cmanncö  bar.     Sie 

?latur  beö  bmgtid&en  Üled^teö  bringt  eö  mit  fid),  bafe  baöfelbe  gegen  fdt^ 

cinträc^tigung  burdd  einfeitige  SSerfügungen  bcöicnigen,  beffcn  SRcd^t  belaftct 

ift/  flcfid^rt  werben  mu§.    3"^  ©rreid^ung  biefcö  ^[dc&  ift  bei  gemöl^nlid^cn 

binglid^en  Siechten  eine  Sefd^rönfung  beö  SBcrfügungörcdjtcö  beö  93claftetcn  in 

bcr  Sirt,  bafe  er  o^üc'^nmilTigung  beö  Scrcd^tigtcn  über  baö  bclaftetc  SRcdjt 

uberbaupt  nid^t  pcrglgei!"  l^nu,  nid^l  erforberUd^.    @ö  genügt,  ba^  bcr  93c*    ■ 

rcci^figft  "  f^Ui  Siedet  .flegen  jcbcnJIDrittcn  ocrfolgcn  fann.    ^ei  ber  cf)eüdE|en 

92u(nie6un(i  unb  SSermattung  ift "  bagegen  bie  Sad^tagc  im  ^inblicfe  auf  bie 

SciHmmungcn  ber  §§  1293,  1311  eine  befonbere.    §icr  bringt  bie  binglic^c 

Satur  beö  e^männlid&en  SRcd^tcö,  alö  eincö  Don  bcr  Verfügung  beö  93elaftetcn 

MeiiM  |.  UrscrX.  Oefct^tul^  IV.  15 


226      Scfd&ränfung  b.  SSerfügunö^r.  b.  e^efrau.  8tc*Ugcf*afte.  §§  1300, 1301. 

unabhängigen  SHc^tcs,  eö  mit  fic^,  ba&  ber  Gfiefmu  ba^  SHcd^t  cntjogcn 
werben  tnu^,  of)nc  (SinTOilligung  beß  G^emanneö  bireft  ober  inbireft"  über 
ß^egut  ju  oerfügen,  roeif  fonft  baß  Siedet  bcß  (S^cmanneö  burd)  i^re  STcr^ 
fügungen  beeinträchtigt  werben  fonnte  (t)a*gf.  a\i6)  §  1901).  3n  ä^nlid^er 
gBeife  ift  im  gaDe  beß  §  1024  bie  »efd^ränfung  beß  SBerfügungßred&teß  bcß 
^orberungßberec^tigten  ein  3lußf(u§  beß  an  ber  gorberung  beftel^enben  SHicfe^ 
braud^ßred^teß  (»ergl.  and)  §§  960,  965,  977,  1016,  1061,  1189,  1213).  2)aß 
SSerl^ältnife  ift  in  bcn  I)ier  fraglid^cn  fällen  feiner  3Birfung  nac^  ein  ä^nlid^eß, 
roie  baßjenige,  lüeld&eß  bei  einem  mehreren  ^erfonen  gemeinfd&aftlid&  jufte^enbcn, 
roeber  reell  nod^  nad^  Quoten  get^eilten  Siedete  befteljt.  SBie  im  galle  einer 
fold^en  ©emcinfc^aftlid^feit  beß  SRed&teß  bie  Uebertragung  beß  Icfetcren  nur  burd^ 
alle  93cred(|tigte  gemeinfd^aftlid^  erfolgen  fann,  fo  fann  aud^  bie  SScrfugung 
über  ©begutßred&te  nur  burd)  beibc  G^egatten  gemeinfd&aftlid^  erfolgen.  Gin 
Untcrfd)ieb  fiegt  nur  infofern  uor,  a(ß  in  Jenem  gaHe  ia&  3led&t  aller  SÄit- 
beredf)tigten  auf  ben  Grroerber  übergel^t,  i^ier  aber  immer  nur  über  ba^  Siedet 
ber  ©Ijefrau  uerfügt  wirb.  S)ie  SUitroirfung  beß  @l)emanneß  l)at  nid(|t  bie 
aSebeutung,  bafe  baburdd  fein  eigeneß  SRed^t  auf  ben  ©rroerber  übertragen, 
fonbcrn  bafe  burd^  feine  Ginroilligung  ber  Uebergang  beß  SRed&teß  ber  G^efrau 
ermöglicht  wirb.  ®cr  Gl[)emann  fd^liefet  baber  bie  binglid^en  SRed^tögefd^äfte 
nid)t  alß  aWittontra^ent  ab,  fonbem  feine  GinroiDigung  fteÜt  ftdö  atß  ein  ein* 
feitigeß  ju  Jenen  9led^tßgefd)äften  Iiinjutretenbeß  Sled^tßgefd^äft  bor,  morouft 
folgt,  bafe  er  auß  jenen  9ied)tßgefd&äften  perfönlid^  nicbt  l^aftet.  Gbenfomenig 
ift  feine  Ginroilligung  ober  ©enetjmigung  an  bie  für  baß  betreffenbc  Slec^tö^ 
gefdfiäft  felbft  oorgcfd^riebene  gorm  gebunben,  üiclmel;r  pnb  in  biefer  ^infid^t, 
mie  aud^  im  Uebrigen,  bie  allgemeinen  SBorfd^riften  beß  §  127  maftgebenb. 
SBegen  ber  Slußgeftaltung  ber  Sefd^ränfung  beß  SSerfügungßrec^teß  ber  G^efrau 
im  Ginjelnen  auf  ber  bejeic^neten  ©runblagc  wirb  auf  bie  SKotioe  ju  ben 
cinjelnen  ^ßaragrapben  »enmefcn. 


§§  1300,  1301. 
Ä«^»-  Sie  allgemeinen  ©efid[)tßpunfte,  auf  meldten  bie  Seftimmungen  ber 

bcJ'cTef^au.  §§  ^3^'  l^^l  berulien,  fomie  bie  Juriftifd)e  9ktur  ber  öef^ränfung  beß  »er» 
fügungßred^teß  ber  Gbefrau  finb  bereitß  in  ber  Söorbemerfung  ju  bcn  §§  1300  biö 
1310,  oben  ®.  222  ff.,  bargelcgt.  3m  Ginjelnen  ift  ju  ben  §§  1300,  1301  nod^ 
golgenbeß  ju  bemerfen: 
s)inflii(«c  1.  ®er  §  1300  regelt  bie  33cfd^ränfung  beß  SJerfügungßred&teß  ber 

fl^wte    ^^^^^^^^  ^^  SKnfe^ung  bingli^cr  SHed&tßgefdjäfte  über  Gliegutßred&te.    gur  SSc* 
übere^eautö^jeidEinung  ber  betreff enben  9ied)tßgefd&äfte  fd^liefet  ber  §  1300  fi^  an  bie  Raffung 
«*^^-     beß  §  107  an  (oergl.  SOJotioe  ju  §  107  S3b.  I  ©.  213). 

3m  Uebrigen  liaben  ben  a3eftimmungeu  beß  §  1300  tl^eilß  bie  aSor» 
fd&rifteu  beß  §  65,  tbcilß  bie  SBorfd&riften  ber  §§  310,  830,  876  jum  ajorbilbc 
gebient.  3nßbefonbere  leljnt  bie  aSorfd&rift  beß  §  1300,  bafe  bie  S38irffam« 
feit  einfeitiger  9led&tßgefd)äfte  ber  ^ier  fraglidjen  3lrt  pon  ber  Ginroißigung  beft 
G^emanneß  abhängig  ift,  biefelben  mitbin  burd^  bie  03enel[)migung  bcß  leiteten 
feine  SBirffamfeit  erlangen  fönnen,  fid^  an  bie  SlJorfd&rift  beß  §  65  3lbf.  3  an. 


gcfcfiränfung  b.  ScifüßungSr.  b.  Sßefwu.  JRcc^tSöef cfeäfte.  §§  13  00, 1301.       227 

Snbcrcrfcitö  red^tfertiflt  fid^  bie  SBorfd)rift  bcö  §  1300,  bafe,  wenn  baj5  SRedjtö^ 
flcfd^ft  ein  ajertrag  ift,  boöfelbc  ^burd^  bie  ©cne^migung  bcö  ©fjcmanncß 
©irffam  wirb,  burd^  bie  Slnalogic  ber  §§  310,  830,  876. 

9lel^nUd|e  ©imgungen,  toic  bicjenigen,  auf  roeld&en  bie  93cftimmungen  »i»^"««- 
bc«  §  65  3lbf.  4,  5  berufen,  f|oben  fenier  botiin  gefül)rt,  auf  ben  gaU,  wenn 
bie  6(|efrau  einen  SSertrag  ber  ^ier  fvagUd)en  airt  ol^ne  bie  erforbertid)e  (Sin? 
»illigung  bed  G^emanned  ge)c^(o{fen  {)at,  fene  Seftimmungen  für  entfpred)enb 
oinoenbbar  ju  ertlären.  SBenngleid^  bie  ®^efrau  nicftt,  wie  ber  aRinberjöfirige, 
in  ber  ©eft^oftöfäl^igfcit  befd&ränft  ift,  fo  Dorf  berfelben  bodf)  im  ^inblide  auf 
bie  Sef^ränfung  i^reö  SBerfügungöred^teö  Aber  ©tiegutöred^te  nid&t  geftattet 
werben,  bie  burd^  einen,  roenngleid)  of)ne  bie  erforberiid)e  ßinroilligung  beö 
€^emanneö,  oon  il^r  gefc^Ioffenen  Sßertrag  in  golge  ber  ®ebunbent|eit  bcö 
cnberen  SBertrogfc^liefeenben  fiir  boö  ©^egut  begrunbete  SRed^töpofition  ol^ne 
bie  ßinwilliflung  bcS  G[)emQnneö  auf jugeben.  9luf  ber  anberen  Seite  erforbcrt  »«fforberung 
f«  ober  bie  SRöcffid^t  auf  bm  burd)  ben  SSertrag  gebunbencn  anberen  SSertrag?  crt*änmj. 
fc^Iiegenben,  biefein  bad  9ted^t  ju  geben,  naci^  äßaggabe  bed  §  65  9lbf.  5  ben 
©iiemonn  iu  einer  Grfifirung  über  feine  ©ene^migung  ober  bereu  SSenueigerung 
oufjuforbem,  unb  jroar  in  ber  9lrt,  baf3,  nad^bem  ber  Sauf  ber  im  §  65  9lbf.  5 
befrimmten  grift  begonnen  ^at,  bie  (Genehmigung  ober  bereu  SBerrocigerung 
—  übioeid^enb  Don  ber  Siegel  bcö  §  127  3lbf.  1,  aber  im  Ginf fange  mit  ber  SSor- 
Wrift  bcö  §  123  3ttf.  3  (oergl.  aud&  §  315  2lbf.  2,  §  1288  3lbf.  1)  —  nur 
gegenüber  bcm  anberen  SBertragfd^liefeenben  erflärt  loerben  fann.  dagegen 
ftBin  oor  bem  ^Beginne  icucr  ^m  bie  ©enef)migung  ober  bereu  SSerioeigeruug 
in  ©emäß^it  ber  Siegel  bcö  §  127  9lbf.  1  aud^  gegenüber  ber  (Sl)efrau  mirtfam 
ertlört  werben.  3)ie  befonberen  ©riinbe,  aM  n)eld)en  im  galle  bcö  §  65  9(bf.  3 
bie  @enef|miflung  ober  bereu  SSenueigerung  uou  bem  gefefelid)en  SBertreter 
immer  nur  gegenüber  bem  anberen  SSertragfd^tieftenben  foll  erflärt  werben 
fonnen,  treffen  ^ier  nic^t  }u. 

3laä)  bem  §  65  9lbf.  6  tritt,  iDcnn  ber  aJlinberiäl)rige,  roeld^er  oftne  bie  ^^"'''Jj*^^"^ 
erforberlicfte  ©nroiUigung  beö  gcfefelid&en  SBcrtreterö  einen  SSertrag  gefd)toffcn  "ber  t^i^ 
katit,  bie  unbefd^ränfte  ©efd&fiftöfä^igfeit  erlangt  l|at,  feine  ®enel)migung  an  5^«*"!^^"»^^ 
bie  Stelle  ber  Genehmigung  bcö  gefefelid^en  SSertreterö.    S)er  9lnalogie  biefer  »cnoaitung. 
Stimmung  toürbe  eö  an  fic^  entfpred^en,  in  bem  l)ier  in  Siebe  ftel^enben  §alle, 
iDenn  bie  Gfieftau  ol^ne  bie  erforberlid^e  (Sinmilliguug  beö  @l|cmanneö  einen 
unter  bie  JBorfd^riften  bcö  §  1300  fallcnben  SBcrtrag  gefd^loffen  l^at,  na^  SBegfall 
ber  e^elic^cn  Slufeniefeung  unb  SSermaltung  bie  ®enel;migung  ber  ®t)efrau  an 
Stelle  ber  ©cne^migung  beö  6^emanneö  treten  ju  laffen.    Snbeffen  ift  bie 
So^loge  ^ier  infofem  eine  anbere,  alö  fd^on  ber  SBcgfall  ber  e^clid^en  Slug* 
iiie|ung  unb  SSermaltung  alö  fold^er  bie  jtonoalcöienj  ber  binglid^en  Verfügung 
ber  G^efrau  bewirft,  mithin  für  eine  erft  in  'golgc  ber  ©eneljmigung  ber 
(S^iefraii  einiretenbiT  AouDaleöieu}  in  bem  uorliegenben  ^alle  fein  9iaum  ift. 
Siefe  SHrfung  beö  Segfalleö  ber  el^elid^en  Slu^niegung  unb  SSermaltung 
^ebt  fid^  auö  ben  ein  aUgemeineö  Sled^töprinjip  f unbgebenben  SSorfd^riften  ber 
§§  310,  830,  876  in  SBerbinbung  mit  ber  ©rroägung,  bafe  ber  gall,  in  n)cld)cm 
bie  ß^rau  über  ein  SHcd^t  t>erfügt  t)at,  über  mcld^eö  fie  roegen  bcö  toiu 
hirrirenben  bingli^cn  Slec^tcö  bcö  ©^emanncö  mirffam  nidE|t  ucrfügcn  fonntc, 

15» 


228      33ef4ronfiino  b.  SScrfilounöC^r.  b.  e^efra«.  JRct^tßöcfd&aftc.  §§  1300, 1301. 

bcn  in  bcti  §§  310,  830,  876  üorcjcfc[)encn  fallen  bcr  bingtid^cu  SScrfügung 
oon  Seiten  eines  3lid)tbercd)tigten  analog  ift  unb  fogar  als  baö  minus  gegenüber 
bem  majus  fid^  betrad^ten  lä^t.  S^^^^  ^^'^^^  ^^^^  ^'^^  3Sorfci^riften  ber  §§  310, 
830,  S76  ber  ^ier  ebenfalls  in  8etrad)t  fommenbc  ©rlafeüertrag  (§  290)  nid^t 
unmittelbar  getroffen.  3"beffen  fann  ein  praftifd^eö  Sebürfniß,  Icbigtid^  mit 
iHücffid^t  auf  biefen  gall  ben  §  65  9lbf.  6  für  entfpred^cnb  annjcnbbar  ju  cr^ 
flären,  um  fo  weniger  anerfannt  werben,  als  barauf  Dertraut  werben  barf, 
bofe  SBijfenfd^aft  unb  5ßrajid  oon  felbft  ba^in  gelangen  werben,  jene  ^ox^ 
fd)riften  im  SBege  ber  Slnalogic  aud^  auf  ben  ©rlafeocrtrag  anjuwenben. 
»ibcmifm.  agic  in  ber  SlJorbemerfung  ju  bcn  §§  1300—1310  S.  226  bereits  Ijcr* 

einwimgiuig.  ^o^g<?l)oben  würbe  (oergl.  aud)  oben  ©.  227),  finben  auf  bie  Ginwifligung 
unb  (Senel^migung  beS  ß^emannes  in  ©rmangelung  einer  entgegenfte^cnben 
SBeftimmung  uon  felbft  bic  allgemeinen  9Sorfd)riften  beS  §  127  3lnwenbung. 
S^ieS  gilt  insbefonbcrc  aud&  Don  bcr  aSorfd)rift  beS  §  127  Slbf.  3  über  bic 
2ßiberruflid|feit  ber  ©inwiUigung.  Qwax  ift  in  anberen  fallen,  in  weisen 
ber  Snl^abcr  eines  Mcd^tcS  über  basfelbc  Dcrfügt,  bas  fonfurrircnbe  binglid&c 
9tedjt  eines  ©ritten  aber  bie  Einwilligung  bcs  legteren  ju  ber  SSerfügunj 
erforberlid)  mad&t  (oergl.  §§  960,  965,  977,  1016,  1024,  1061,  1189,  1213), 
in  bcm  ©efegbuc^c  bic  crt^eiltc  Ginwilligung  ftets  ausbrürflid^  für  mu 
wiberrufli^  crflärt  unb  liegt  es  bes^alb  na^e,  aud^  bic  l;icr  fraglid&c  6in:^ 
wiltigung  beS  ©f)cmannes  für  unwiberruflid)  ju  erflärcn,  ba  nad)  bcni 
prinjipiellen  ©tanbpunftc  bcS  Entwurfes  bie  33erfügtuig6befd^rfinhing  ber  ©Ije^ 
fvau  fidd  als  3luSflu&  eines  eigentl^ümlid^en  binglid^cn  SRedf)teS  beS  G^emanncft 
barftellt.  Snbejfcn  ift  ber  3luSfd&lu6  ber  SBiberruflid^feit  ber  (SinwiBigung  in 
Tyällen  bcr  l)icr  fragtid&en  3trt  ni^t  eine  aus  ber  9Mtur  bcs  bem  ©ritten  ju« 
ftc^enben  binglid&cn  SRed^teS  fi^  crgcbcnbc  logifd^c  SiotlMOcnbigfcit,  unb  liegt 
im  uorlicgcnben  ^allc  mit  SlüdEfid^t  auf  baS  umfajfcnbe,  wirt^fc^aftli(b  bcm 
aKiteigentt|umc  gleid&ftebcnbc  SRcd&t  beS  CficmanneS  bic  3lnalogic  bericnigcn 
gäUe  näl)er,  in  weld)en  bic  SBirtfamteit  ber  Verfügung  eines  3lid&tbered^tigtcn 
oon  bcr  (Einwilligung  bcS  Scrcd^tigtcn  ab^öngt  (oergl.  §§  310,  830,  876  oerb. 
mit  §  127  9rbf.  3).  3ebenfalls  fpre^cn  praftifd^c  SJüdfri^tcn  bafür,  bcn 
.SBiberruf  ber  ©in willigung  bes  Gbemannes  na^  aJlafegabc  beS  §  127  8lbf,  a 

•   ■  yijiilQiicn^""   '     *  '■ 

anbete  2.    ^Icbcu  bcu  im  §  1300  bcjeid&neten  binglid^cn  Stcd^tSgcfd^äftcn  bcr 

cÄ*tc.    ®fK^^"  fommen  nur  nod^  fold^c  binglid^c  ober  obligatorifd^c  SHcd^tsgcf^Äfte 

berfelben  in  ^rage,  burd)  weld)c  fic  lebiglid^  Siedete  erwirbt  ober  oon  SBcr^ 

binblid|fciten  befreit  wirb,  fowic  fold^e  SRed^tsgcfd^aftc  berfelben,  burd&  welche 

fic  }u  einer  Seiftung  ocrpflid^tct  wirb."   SiTÜTnfc'^uiiß  ber"1cr|tcn  Kategorie  ooli 

9Jcd}tsgefd(|äften  bcbarf  es  Ijlcr  einer  befonberen  33cftimmung  nid&t,  ba  aus  bcr 

unbcfd)ränften  ©cfdööftsfäbigtcit   ber  ©^rau  unb  bcn   SBcftimmungcn   bcr 

§§  1283,  1288  fid^  ergicbt,  bafe  bcr  Grwerb  aus  fold^cn  9led^tsgefc^äften  bcm 

ei;egt!te  jufällt  (oergl.  bic  aWotioc  ju  §  1288,  oben  S.  171).    dagegen  ifl  ia 

»crvfiidjtuuo  3rnfel)ung  ber  ^weiten  Rategoric  oon  SRcditsgcfd&äften  mit  SlüdEfid^t  auf  bcit 

uifJu^fl!    (Svunbfaß  bes  §  1293  unb  beS  §  1311  jum  ^d)\\^c  ber  cbclid&cn  Slu^nicfeung 

unb  Verwaltung  eine  befonberc  Scftimmung  erforberlidj.   ©er  §  1301  bcftimmt 

besf)alb,  bafe  iene  Slcdötsgefd^cifte,  wenngleid^  bic  G^efrau  bur^  bicfclben  o^ne 


Sef^ranfunö  b.  SSerffiöungSr.  b.  (SSefrau.  3Ie$t§0C|$äfte.  §§  1300, 1301.       229 

Äücffid^t  borauf,  ob  bie  Ginwilligunfl  ober  ®encl)migung  beö  ®()cmaiincö  511 
bcnfdbcu  crtöcilt  ift  ober  nid^t,  ucrpflid^tet  wirb,  bod)  in  9tn)e[;ung  beä  G()c= 
jutefi  gegenüber  bcm  ©()emnnnc  nur  bann  roirffam  finb,  wenn  ber  ©bemann 
in  bie  3Sorna^me  beö  Sled^tögefd^äfteö  eingewilligt  i}ai  ober  biefelbc  genel)migt 
(oergL  auc^  §§  1311,  1312  9Jr.  1).  ©ö  ift  äujugcben,  ba^  auö  biefcr  3(rt  ber 
©eftoltung,  roeldbc  niirJflQLG^entannc,  nid^t  and)  ber  Gf)j?frau  baö  9ied)t  giebt, 
fi^  auf  bm  3)iangefbere^emännli4cn  ©iniDÜtigung  ober  ©eneljmigung  ju 
Berufen,  furTie  G^cfrau  unter  Umftänben  ©efafiren  crioai^fcn  tonnen  (uergl. 
bie  ijorbemerfung  ju  §§  1300—1310  oben  ©.  223).  Um  bie  e()efrau  gegen 
bicfc  ©efa^ren  ju  fc^ii^en  unb  fid^  im  praftifd)en  Slefultate  bem  uorroiegenb 
auf  bem  Soben  ber  bcfc^rönften  Oefd&ftftöfäljigfeit  ber  et^efrau  ftel;enben, 
gcttenben  Siechte  mel^r  jn  näl^ern,  fönntc  man  bem  §  1301  ben  ^ufc^l  beifügen, 
boB,  wenn  ein  SWed^tßgefd&äft  ber  im  §  1301  bejeid^neten  9trt  Dorgenommen 
roirb  unb  baöfelbe  f\ä)  nidf)t  auf  SSorbel^altögut  bejieljt  (§  1290),  im  S^i^ciKl 
ongenommcn  werben  foHe,  bafe  baö  9ied|tögefdt)äft  in  ber  auöbrüctiidj  ober 
ftiÜfc^roeigcnb  crflärten  SSorauöfegung  ber  (Senel^migung  beö  Gt^emanneö  Dor- 
genommen fei  (oergl.  §  742).  Snbefjen  würbe  eine  berartige  Seftlmmung  mit 
bcm  ^rinjipc  ber  unbcfd&ranften  ©efdE)äftöfäl;igfeit  ber  (S^efrau  nid^t  im  Gin- 
flange  fielen  unb  fann  ein  Sebürfnife,  biefeö  ^rinjip  jum  ©d&u^e  ber  G^cfrau 
in  ber  bejeid^neten  2frt  abiufddwSd^en,  aud^  für  bicjenigcn  (Scbiete,  in  wcld)en 
bie  C^efrau  nad^  bem  geltenbcn  9ted)tc  in  ber  ®efd^ftftöfäl)igfcit  befdircinft  ift, 
tti^t  onerfannt  werben.  3^^^^"^  ift  ^^'^  9lnnal^me,  bafe  eine  berartige  ^ntcr- 
pretationöregel  regelmäßig  bcn  Intentionen  ber  ^^iarteien  entfpred^en  werbe, 
au<^  für  jene  ©ebietc,  wenigftenö  nad^  ®infül)nmg  beö  5ßrinjipcö  ber  un^ 
bcf^ränften  ®ef(^aftöfSl)igfeit  ber  G^efrau,  bebenflid);  inöbefonbere  paßt  eine 
berartige  Mcgcl  nid&t  für  biejenigen  ©ebiete,  in  weld)en  biöl^er  S)otalred^t 
gegolten  f)aL  Gö  Dcrbient  bal)er  bcn  SJorjug,  bie  Gntfd&eibung  ber  grage, 
awö  bie  2lbfx^t  ber  ^Parteien  gewefen  ift,  ber  J^eurtfieilung  beö  fonfreten  galleö 
JU  überlaffcn. 

Ginc  9luönal;mc  üon  bem  ^rinsipc  beö  §  1301  ift  and)  nid&t  für  fotd)c  oBngatorifc^c 
Skc^tögefc^äftc  ber  Gtiefrau  für  erforberlid^  erad)tct,  burd)  weld&e  fie  jur  SBor^  au^mmg«. 
iw^me  eines  bcr_im  §_1300_bejeid^tiete2t  binglid}cn  9ledE|tögef|$äfte.  ocrpflidjtct  ß^*^'^«^"- 
wirb.  Gin  burd[)fd)fagcnber  OriiiÄ,  auf  fold^e  oBTigatorildjc  äSeräufeerungö- 
gef(^äftc  nic^t  ba&  ^ßrinjip  beö  §  1301,  fonbern  ba§f  beö  §  1300  anjuwenben, 
biefelbm  mithin  in  Grmangelung  ber  Ginwilligung  unb  ©enelimigung  beö 
G(^anneö  ote  abfolut  unwirffam,  aud^  gegenüber  ber  Gljefrau  unb  bem 
Sorbe^altögutc  berfelben,  ju  bel)anbeln,  ift  nid^t  anjuerfennen.  S)urd)  baö 
Snterejfc  beft  Gl^emanneö  wirb  eine  fold^e  3luönat)me  nid)t  geforbert,  ba  feine 
Sed^tc  burd&  baö  ^rinjip  beö  §  1301  uoUftänbig  gefd)üfet  werben.  Gbenfowcnig 
ififet  eine  berartige  3luönal^me  fidli  auö  bem  ®efid)töpunfte  reditfertigen,  baJ3 
Sec^tftgefd^fte  ber  ^ier  fraglidjen  2lrt  bem  Snterefje  ber  Gbe  felbft,  alfo  einem 
Sjfentlid^n  3"tcrejfe,  wiberftreiten,  baß  fie  axi^  einer  mit  bem  3"^^*^'  i^"^ 
bem  SKcfen  ber  G^c  nid&t  vereinbaren  ©efinnung  Ijeroorge^en  unb  beöl^alb  alö 
gegen  bie  guten  Sitten  verftofeenb  ju  betrad^ten  finb.  93on  einem  3)Iangel 
ber  rechten  e[;elid|en  ©efinnung  unb  t)on  einem  SSerftoge  gegen  bie  guten 
©itten  fann  feineöwegö  in  alten  gällen  bie  Siebe  fein,  in  weld)en  bie  Gfjcfrau 


230      Scfd^ranfmiö  b.  aScrfüownße-r.  b.  ejcfraii.  ^rcscptruiiQ.  §§  1302, 1303. 

SRcd^tögcfd^äftc  bcr  Ijier  fraglidjcn  9lrt  ofjuc  ©innjiBigung  bcö  G^ctnanucö  ab 
fc^liefet  (üergl.  §  348),  j.  ».  ni^t  in  fold^cu  gfiUcn,  in  n)cld)cn  bic  e^efrau 
baö  SRcd)t,  über  n)efd)cö  jn  ücrfiigcn  fie  ftd^  uerpffid^tct  tiat,  für  SSorbci^altögut 
Ijält  ober  in  n)cld)cn  ftc  irrtl^ümlidj  annimmt,  bag  ber  ß^emann  i^r  gcgcm 
über  feine  ©inmillignng  ju  ber  SSerfügung  ert^eilt  l^obc,  ober  in  xocldycn  fie 
nur  unter  SBorbel^alt  bcr  ©enetimigung  bcö  ß^cmanneö  fid^  ju  ücrpffid^tcn 
beQbrid)tigt,  biefen  SSorbe^aft  aber  nid^t  genügenb  erflört  ^at  (oergl.  §  742). 
Somcit  aber  nod^  ben  befonberen  Umftänben  beö  gallcd  in  ber  Xi)at  ein 
93erfto§  gegen  bic  guten  Sitten  anjunef^mcn  fein  foUte,  fül&ren  bic  aUgemcinen 
©runbfäfee  nid^t  baf|in,  bafe  bic  aSirffamfeit  bes  9ied}tßgefd^äftcg  üon  ber 
Oencfimigung  beö  ©fiemonnes  obl^ängig,  fonbcrn  baß  bafifelbe  nidjtig  ift 
(§§  106,  344).  ©bcnfomenig  fann  ein  »on  bcr  G^efrau  o^ne  ©inmiDigung 
bcö  ©{jcmanneö  abgefd^Ioffeneß  9ied^tögefd|äft  bcr  l)icr  fraglid^en  Slrt  ate  ein 
ocrbotöroibrigcö  im  ©inne  beö  §  344  ober  beö  §  105  ongefe^en  werben.  2)aft 
®efc6  räumt  bcm  ©bemanne  bic  e^elid^e  ^lußniefeung  unb  SSerroaltung  jroar 
nid^t  in  feinem  auöfd^Ucglidöcn  perfönlid^en  ^ntcrcffe,  fonbcrn  im  Sntercffc  ber 
6^e  ein.  35ie  baö  e^emännlid)e  $Red[)t  betreffenben  93eftimmungen  pnb  aber 
nid^t  in  bcm  Sinne  alö  im  öffcntlid^en  Sntercffc  gegeben  ju  bctrad^ten,  bafe 
jcbeö  bagegen  ocrftofeenbc  SRcd^tögcfdjöft  alö  ein  ocrbotömibrigeö  ju  be^anbeln 
märe.  2)aö  Oegent^cit  ergicbt  pd^  unirocifelfiaft  barauö,  bafe  baö  Siecht  beö 
e^emanneö  burd^  ©^eocrtrag  (§  1333)  beliebig  befd^ränft  unb  ganj  aufgehoben 
mcrben  fattn.  2)ic  3luffajfung  beö  9?ed^tögefd)ciftcö  alö  cincö  oerbotöroibrigen 
mürbe  auc^  fonfequent  bafjin  fiU)rcn  muffen,  baöfelbc  —  abmcid&cnb  oon  bem 
^<ßrinjipc  beö  §  1300  —  für  fd^lcd^t^in  nid^tig  ju  crflärcn,  bic  ftonoalcösenj 
burdi  ©cncljmigung  bcö  G^emanncö  mit{)in  auöjufdjlicfeen.  2Bo  fic^  in  ben 
©cfcgcn  eine  Seflimmung  beö  Snl^altcö  pnbet,  ba^  düc  ober  gcmiffc  obtigo^ 
torifc|c  9lcd^tögefd)äfte  bcr  ©fjcfrau  in  ©rmangclung  bcr  ©inroiBigung  ober 
Ocncfimigung  beö  ©^emanneö  aud)  für  fie  fclbft  nid)t  binbenb  finb,  liegt 
immer  ber  oon  bem  ©ntrourfe  prinjipiell  abgelehnte  Ocbanfc  ju  ©runbe,  ba& 
bic  ©(jcfrau  felbft  cineö  befonberen  Sd}ufecö  bcbürfc  unb  bcö^alb  in  größerem 
ober  geringerem  Umfange  in  bcr  ®cfd)äftöfä^igfeit  befd)ränft  roerben  muffe. 

§§  1302,  1303. 

^m^  3»  ben  5|SartifuIarred^tcn  ift  entfpred^enb  ben  SBcftimmungcn  über  bic 

bcfÄ«.  »cfc^ränfung  ber  ©cfc^äftöfei^igfeit  bcr  ©Ijcfrau  oiclfac^  anä)  baö  Siedet  ber 

©^efrau  jur  5i'ifl^w"9  ^on  ^^ßrojeffcn,  je  nad^bem  bic  Scfd)ranfung  bcr  ©e^ 

(s«uenbc3  fd^aftöfS^igfeit  alö  unmittelbare  golge  ber  ©Ijc  ober  mittelbar  alö  golgc  bcÄ 

^*'^^*     et}elid^cn  Oütcrred^tcö  gebadet  ift,  balb  in  größerem  balb  in  geringerem  Um^ 

fange  auöbrüdlid^  befd^ränft  unb  ftatt  bcr  ©^efrau  bcm  ©fiemannc  traft  feiner 

efielid&en  ©croalt  bejio.  alö  Sluöflu^  feineö  burd^  baö  cl|clid^e  ©ütcrred&t  bc* 

grnnbetcn  aSerroaltungöred&tcö  bie  Scfugnife  beigelegt,  bic  ©jcfrau  in  ben  i^r 

aScrmögen  betreffenben  ^ßrojcffen,  fei  eö  oljne  3uäict)ung  ober  unter  S^S^c^tHtg 

bcrfelbcn,  jn  ocrtrctcn,  mobei  cö  jcbod)  nid^t  immer  jwcifelloö  ift,  ob  unb  in* 

micmcit  ber  ©l;cmann  bei  biefer  ^ßrojcfeffl^rung  in  eigenem  Flamen  ober  ald 

33crtrctcr  b:r  ©jcfrau  in  bcrcn  3Jamcn  ^anbclt  (ocrgl.  code  civil  9Irt.  215^ 


S3ef (j&ränhwö  b.  ScrfüßunfiSr.  b.  (g^cf rau.  |)rosc§f ü^runö.  §§  1302, 1303.       23 1 

218,  1428;  prcu§.  91.  S.  91.  II,  1  §§  188,  230,  239,  245,  246  ücrb.  mit 
a.  ®.  D.  1, 1  §§  19  ff.).  2Daö  fäd^f.  ®.  33.  enthält  in  bcn  ^icr  fragUdjcn  »c^ 
jie^unflen  bireftc  Scftitnmungcn  nid)t.  3luö  bcn  §§  1638,  1682,  1693  icncä 
©efcgbudjeö  ift  inbcRcn  ju  entnehmen,  eincrfeitö,  ba^  bic  ß^efrau  in  3lnfc^ung 
bcd  ©fKflutcfi  ofinc  ©innjiüigung  bcö  ß^cmanneö  ^roscffc  ju  füf)ren  ntd^t  bo 
Tcd^tigt,  aiibcrctfcitö  bcr  ®f)cmonn  5Projcffe  über  bic  ©ubftanj  bcö  ß^cguteö 
nur  mit  (Sinmilligung  bcr  e^efrou  ju  führen  befugt  ift.  Sagcgcn  ftc^t  nai) 
bcm  olbenb.  ®cf.  d.  24.  3lpri(  1873,  mie  [\ä)  aus  3lrt.  5,  7  crgicbt,  bcm  etie^ 
manne  fraft  feines  SScrroaltungöred^tcö  bic  SBefu^nife  ju,  o^nc  3wjict|ung  bcr 
C^frou  in  2Cnfc^ung  ber  ©nbftonj  beö  (S^egutcö  ?ßrojeffc  jii  fülircn,  o^nc 
te&  onbercrfeitö  auöbrücflid^  bcftimmt  ift,  bafe  bic  ®ljefrau  infomcit  bie 
Scfugnife  jur  ^rojcfefü^rung  nid}t  f)ai.  Sn  ber  S^oftrin  bes  gemeinen  beutfd^en 
9tecl^tcö  geljen  bie  Slnjid^ten  borüber  ouöeinanber,  inroiemcit  ber  ®{)emann  bafi 
feinem  Siebte  untertiegenbe  SlJermogen  ber  ©^cfrau  unter  Sluäfc^lufe  bcrfclben 
im  ^rojcffe  ju  ücrtreten  bered^tigt  fei,  unb  cö  ift  oft  fd^roer  ju  er!cnnen,  mic 
babei  bie  Stellung  beö  (S^emanncd  gebadet  ift. 

es  fann  nit^t  jmeifet^aft  fein,  bafe  burdj  bic  Slncrfennung  bcr  ^ßrojefe* 
gljj^it  bcr^|Sf|efrau  mä)  äRofegabc  beö  §  51  Stbf.  2  ber  6. 5p.  D.  bicicnigcn 
portifuforrc^tli^n  öeftimmungen  befeitigt  finb,  meldte,  wie  baö  franj.  9lcd)t, 
bic  Sefc^nfung  bcr  @efd)äftäfa^igfeit  unb  bcmjufolge  aud^  bie  Sefd)ränfung 
bcr  g^c'^au  in  bcm  9ied)tc  bcr  5)Jroje§fü^rung  unmittelbar  als  golgc  bcr  ®^c 
eintreten  loffen.  S)agcgcn  ift  eö  smcifcl^aft  unb  fef)r  beftritten,  ob  unb  in- 
mierocit  burdb  bcn  §  51  3lbf.  2  bcr  6.  %  D.  aud^  bieienigen  partifularred^t» 
Ii<i^n  SefKmmungcn  berührt  ftnb,  meldte  ba^  9tcd)t  bcr  ®f)efrau  jur  ^rojefe^^ 
fü^rung  in  atnfe^ung  bes  S^gflutcS  in  golge  beö  bcm  ©fiemanne  jufte^enben 
8crTOaItun9örcd)te4 '  'Bctd)ranten,  iejm!  alö  Sluspufe  biefcö  SRed)tcö  bcm  ©^c^ 
manne  inforocit  baö  9lc^t  bcr  ^ßroicfefütirung  mit  SBirfung  gegen  bic  ß^efrau 
bcilcflcn  (pcrgl.  ©ntf^.  b.  31.  ®.  in  ßiüilf.  IV,  103,  XIII,  70  ©.  294,  295 ; 
Urtfieil  b.  9t.  ®.  bei  ®rud^ot  XXXI  S.  976,  1159). 

3n  ftonfequcnj  beö  bcm  ©ntrourfc  ju  ®runbe  Uegenbcn  ^rinjipeö  ctanbpuuw 
bcr  unbefd^rönften  ®efd^äftöfä&i^it  bcr  Qf)^xan  ift  batjon  ausgegangen,  entwürfe«. 
bafe  bic  g^efrau  nad^  aWafegabc  beö  §  51  3lbf.  2  bcr  6.  %  D.  aud&  in 
ber  ^rojcfefä^igfeit  in  feiner  SBeife  bcf darauf t  ift.  S^arauö  in  SBcrbinbung 
mit  5cf  ghbägung,  bafe  bic  ^ßrojcgfülirung"  nur  a(ö  ein  SJcrmaltungöaft, 
ni^t^olö  eine  unter  bcn  §  1300  fallcnbc  SBcrfügung  ^anjufeficn  ift,  fomic 
in  Serbinbung  mit  bcm  ®run5fafee  beö  §  1293,  baß  bie  9led)tc  bcö  ®^c:* 
monneö  om  93ermogcn  ber  g^efrau  nid)t  mcitcr  gc^cn,  alö  bic  ber  Unteren 
felbft,  mürbe  in  grmangclung  einer  befonbercn  Scftimmung  folgen,  nid^t  nur, 
bo§  bie  g^cfrau  einen  9|lcd^ßrcit^_burdö._mc(d^cn  ein  G^cgutöred^t  geltenb 
gemacht  mirb^ojnc  6inroiKifliin(i_bcö  gtjcmgnucö  cvl)cbcn  fönnte,  fonbern  aud) 
bo6  ber  (elftere  trofe  feiner  c|cüd^cii  Shi^nicßung  unb  93crroaltung  baö  gegen 
bie  g^efrgu^mcnn_jm^^^  bcrfelbcu,  ergangene  Urtl)cil  olinc 

9Iürffid^t  borauf,  ob^erin  bicl^ü^rung  bcö  ^)lcd)töftrcitcä  cingcroiHigt  Ijat  ober 
biejeife  gcnelitiitlflt^  Ijcäcn  ndi   gelten    (afjcn   müßte   (oergl.  imtcn  3lx.  5J. 
£icfcö  aus  bcn  aUgemcinen  ®runbfäfecn  fid)  regclnbc  Stcfultat  mürbe  iebod)  \ 
bic  3lc(f|tdfteDung  bcö  g^emanncö  ju  fcfjr  gcfftfirbcn.    SBcnnglcic^  bic  ^ßrojcfe^  ' 


L 


232      33efd&ränfuno  b.  SSerfügunöSc  b.  ejcfiau.  ^roicSfütrunß.  §§  1302, 1303. 

fülirung  an  fid)  nur  alö  ein  ^cnpaltungöaft  anjufcl^cn  ift,  fo  fann  bicfclbc 
hod)  lüegcn  bcr  SBirfungcn  bcß  rec^töfräftigcn  Uutljcilcö  biefclbcn  SBirhmgcn 
fjerü orbringen,  wie  eine  SBerfügung,  unb  ift  cö  bcöl^alb  im  3ntereRe  beö  e^e* 
ntQnneö  geboten,  if)m  gegenüber  njenigftcnö  bic  SBirtung  beö  Urtfieilcö  aus- 
jufc^liefeen,  wenn  ber  ^rojefe  of)nc  [eine  ©inroilligung  ober  ©cnel)migung  üon 
«ftioproieffc  bcr  ®{)efrQu  gefüfirt  roorbcn  ift.  Um  iebod),  cntfpred)enb  bem  ©runbgebanfen 
*^^"f^!r*' ^^ö  §  1293,  möglid)ft  bic  entftcl;ung  eines  relatioen  5ßer^äHniRe«  ju  ücrmciben 
unb  eine  einl^eitlid)e  geftftellung  beibcn  G^egotten  gegenüber  ju  erreichen,  ift 
ber  Gntwurf  nod^  einen  ©djritt  weiter  gegangen,  inbcm  er,  wie  bie  SBirffam* 
feit  ber  im  §  1300  bcjeid)netcn  9fled)tögc)d&äfte,  fo  ba§  9ted^t^ber_®f|€frau,  einen 
?Recbtöftrcit  ju  crl^ebcn,  in  meldjcm  ein  G^egutßrcdjt  ijeltcnb  jjemad)t  wirb,  an 
bie  Einwilligung  ober  ©enci)migunäJbcö  Gliemonneö  fnüpft.  2)ie  ©l^efrau  iil 
hixnad)  in  9lnfct)ung  bcr  Grljcbung  cineö  fo(d)cn  9ied}töftreiteö  ol)nc  ©im 
willigung  ober  ©cnebmignng  beö  ®f)emanneß,  wenngleich  proje§fäf|ig,  boc^  jur 
Sad^c  nid&t  legitimirt,  woraus  folgt,  bafe  eine  von  il)r  oljne  ©inwiUigung  ober 
(53enel)migung  bes  ßt)emanues  erhobene  Klage  bcr  ^ier  fraglid^en  9lrt  oon 
3tmtöwegcn  abjuweifcn  ift.  Sollte  aber  biefc  3lbweifung  ausnai^msweifc,  fei 
CS  in  golge  eines  3vrtl)umeö,  fei  es  in  gotgc  einer  ÄoUufion  ber  Parteien, 
.unterblieben  fein,  fo  ift  bas  in  biefem  9led)tsftreite  ergangene  Urt^cil  jwor 
gültig,  aber  nad&  §  1302  Sag  2,  fowcit  esjum  9laci^tl)eilc  bcr  (S^^an  aus* 
gefallen  ift,  in  9lnfef|ung  bes  ©l[)egutcö  gegenüber  bcm  Gf)emannc  uhwirffam 
0)crgl.  and)  §§  1311,  1312  9Jr.  1).  3"^^^*  Tann  auf  bicfe  SBeife  ein  bcm 
Oebanten  bes  §  1293  nid)t  cntfpred^enbes  retatiocS  ä}crl)ältni6  cntftcöen;  in? 
bcjfen  lä^t  fid)  bies  nid)t  DoUftänbig  vermeiben,  wenn  man  cinerfeitö  an  bcr 
^roieBfäl)igfcit  ber  G^cfrau  feftl)ält,  anbererfeits  ben  ß^emann  gegen  bie 
^^olgen  einer  o^ne  feine  Ginwilligung  erfolgten  ^^irojefefü^rung  ber  ©fiefrou 
fd^ügcn  wiH.  2)iefer  Icfetcrc  3wect  wirb  aber  burd)  bic  Seflimmung  beS  §  1302 
Sag  2  oollftänbig  crrcid)t.  9lud)  wenn  ber  Srittc  ein  ficgrcidjcS  Urtl^cil  gegen 
bie  ©Ijcfrau  erftritten  ^aben  folltc,  fann  ber  ©öemann,  wie  fi^  aus  §  1292 
ücrb.  mit  §  1017  mit  genügenber  Seutlid)feit  ergicbt,  bic  i^m  fraft  ber  cl)clic^en 
9lugniefiung  juftel)enben  9lecbte  mittels  ber  actio  confessoria  gegen  bcn  ©ritten 
fclbftänbig  ucrfolgcn,  ol)ne  bafe  il)m  aus  bcr  ^^Jcrfou  ber  G^efrau  bic  Ginrcbc 
ber  rcd)tsfräftig  cntfd)icbcnen  Sa^c  wirffam  entgegcngclialtcn  loerbcn  fönntc 
(oergl.  §  192).  Slud)  bann  ücrfagt  bicfe  Ginrcbc,  wenn  bie  Gljcfrau  fpätcr 
mit  Ginwilligimg  beö  G^emanneö  bas  bctreffcnbc  Gt)cgut8rccftt  in  einem  neuen 
^^Srojeffc  gegen  ben  ©ritten  gcltenb  mad)t  unb  ber  G^cmann  als  Sntcroenicnt 
biefem  -^^rojeffe  beitritt,  ha  baoon  auSjugcljcn  fein  wirb,  bafe  in  einem  fold^cn 
galle  bas  Slcd^tsoerljältnife  gegenüber  beibcn  ©Regatten  nur  cinl^eitUd^  fcft« 
geftcHt  werben  fann  (ucrgt.  barübcr  unten  9ir.  5). 

Slnbcrcrfeits  ergicbt  fid^  arg.  e  contr.  aus  bem  §  1302  Sag  2,  fowic 
aus  bcm  Orunbfagc  bes  §  1293  oon  felbft,  baß,  wenn  bcr  Gl^emann  in  bie 
Gr^ebung  beS  SRedjtsftrcitcs  eingewilligt  l;at  ober  biefelbc  genehmigt,  baS  in 
bem  9tcd()tsftreite  jum  9}ad^tl|eile  ber  Gficfrau  crlaf[ene  Urt^eil  awd)  gegenüber 
bcm  Gljcmanne  in  9lnfel)ung  beS  Gl)cgutcs  wirffam  ift. 
wrtr>'-  Gin  relatiücs  ajcr^nltniß  läfet  fid)  auc^  für  bieienigen  gäHe  ni^t  Der* 

vroicfic.    j^^pijjj.^^  jjj  ,|;,eld}cn  gegen  bic  Gljcfrau  ein  9icd)töftreit  erf^oben  wirb.    Sic 


Scf d^ränf unö  b.  S5crf ügunggr.  b.  Slfecf rau.  i>roäe§f ü^nwö.  §§  1302, 1303.       23 1 

218,  1428;  prcufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §§  188,  230,  239,  245,  246  ücrb.  mit 
31.  ©.  C.  1, 1  §§  19  ff.).  2)aä  fäc^f.  ®.  93.  cntf)ält  in  bcn  I)icr  fraglid&cu  Sc:= 
jie^ungcn  bireftc  93cftimmungcn  nid)t.  3luö  bcn  §§  1638,  1682,  1693  jcncö 
@€fc6bud6eß  ift  inbcffcn  ju  cntncl^mcn,  cincrfcitö,  bafe  bie  ©^cfrau  in  2lnfc^ung 
beö  ßfKÖWteö  o^nc  ®inn)iUtgung  beö  6f|enianncö  ^rojcffc  ju  füfircn  nid)t  bc* 
tc^tigt,  anbercrfcitö  bcr  Seemann  ^rojcffc  über  bic  Subftanj  bcö  6{)cgutcS 
nur  mit  ©inmiUigung  bcr  G^efrau  ju  führen  befugt  ift.  2)agcgcn  ftc^t  naä) 
bcm  olbenb.  ®cf.  d.  24.  3lpri(  1873,  loie  fid^  auö  9lrt.  5,  7  crgicbt,  bcm  G^c^ 
mamie  froft  feines  SBcrroaltungäred^teö  bic  ^cfugni^  ju,  ol^nc  S^^ii^^^ng  bcr 
S^cfrau  in  9lnfcf|ung  ber  ©ubftanj  beö  S^eguteö  ^rojcffe  ju  führen,  of)nc 
bo6  anbercrfcitö  auöbrücHic^  beftimmt  ift,  bafe  bic  ©Ijcfrau  infomeit  bic 
Scfugnife  jur  ^ßrojcfefül^rung  nidjt  ^at.  3n  bcr  S)oftrin  beö  gemeinen  bcutfdden 
Slec^teö  ge^en  bic  S^nftd^ten  barüber  auöcinanber,  inmieroeit  bcr  Seemann  baö 
feinem  Siedete  untcriicgenbc  SSermögcn  bcr  ©l)cfrau  unter  Sluöfd^luß  bcrfelben 
im  ^JroscRe  ju  vertreten  bcred^tigt  fei,  unb  cö  ift  oft  fd&mcr  ju  erfennen,  mic 
babei  bie  Stellung  beö  ß^emanncö  gcbad&t  ift. 

6ö  fann  nid^t  ämeifell^aft  fein,  ha^  burdj  bic  9(ncrfcnnung  bcr  ^rojefe^^ 
gjigfcit  bcr  ß^efrau  nü6)  äRafegabc  beö  §  51  3lbf.  2  ber  6.  %  D.  bicienigen 
PQrtifutQrred)tlidjcn  öeftimmungen  befeitigt  finb,  meldte,  mic  baö  franj.  9lcd)t, 
bic  8ci(^änfung  bcr  ®efd)äftöfa^igfcit  unb  bemjufolge  auc^  bic  Sefdf)ränfung 
bcr  ©{jcfrau  in  bcm  Siedete  bcr  ^rojcSfüfirung  unmittelbar  alö  golgc  bcr  ®{)c 
eintreten  laffen,  ©agcgen  ift  cö  jrocifcl^aft  unb  fefjr  beftritten,  ob  unb  in=: 
toicnjcit  ivivd)  bcn  §  51  9lbf.  2  bcr  S.  $.  D.  aud^  bicienigen  partifularrcddt* 
fi^en  Seftimmungen  berührt  finb,  meldte  baö  SHed)t  ber  G^efrau  jur  ^rojefe* 
fü^rung  in  3[nfel)unQ  beö  Gbeciutcö,  in  golgc  beö  bcm  ©Iicmanne  jufte^cnbcn 
$crn)Qltuügörcci)teÄ '  De)cl)ränten,  tcjrol  alö  Sluöflufe  biefcö  SRedEiteö  bcm  ®t)c* 
manne  inforoeit  baö  SRcc^t  ber  ^rojcfefül^rung  mit  SBirfung  gegen  bic  ®f)cfrau 
Wiegen  (oergl.  @ntfd&.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  IV,  103,  Xlli,  70  ©.  294,  295 ; 
Urteil  b.  di.  ®.  bei  ©rud^ot  XXXI  S.  976,  1159). 

3n  Äonfequenj   beö   bcm  ©ntmurfc   ju  ®runbc  licgcnben  ^JJrinjipcö  etanbpunft 
to  unbefdiränftcn  ©cfd^äftöfäl&iflteit   bcr  ßl)cfrau   ift  baoon  auögegangen,  cntrourfe«. 
H  bic  (S;t)t^va\i  mä)  Wla^^abc  beö  §  51  3lbf.  2   ber  ß.  ^.  D.  aud&  in 
1^«  ^voscfefa^igfcit  injeiner  2Beife  befd&ränft  ift.     25arauö  in  aSerbinbung 
mit  5cr"  Igrmägung ,  ba§  bic  ^rojcfefü^rung' nur  alö  ein  SScrmaltungöaft, 
m^t  o(s  eine  unter   bcn  §  1300  fallenbe  SSerfügung  ^ansufc^en  ift,  foroic 
in  SSerbinbung"  mit  bcm  ©runbTdfec  bcö  §  1293,  bafe'bic  SRcdjtc  beö  ®f)c^ 
Wönncä  am  SSermogen  bcr  ©l^cfrau  nid)t  meiter  gc^cn,  alö  bie  ber  tefeteren 
Wbft,  würbe  in  ©rmangclung  einer  befonberen  Scftimmung  folgen,  nid)t  nur, 
H  bie  ©Ijcfrau  einen  9ited)töftrcit ^  ^burdj  mclcljen  ein  ß^cgutöred)t  gcltenb 
9cmod|t^rb^ojne  (SinroiTngüna  bcö  ^Öemanncö  cvöcbcu  fijnnte,  fonbcrn  aud) 
SoSTcr  Ic^terc  trofe  feiner  cl)cUdj[cn  SJugnicfeung  unb  aScrroaltung  ba&  gegen 
i^^c  %frair7  mcmi jui^  ^um  9?ad^tt)cilc  bcrfelben,  ergangene  Urtt)eil  ofinc 
^  ^ötfRd|^arau^  ob  er  in  bic  gü^rung  bcö  ^)ted)töftreitcö  cingcroilligt  l;at  ober 
.  Neibc  genclutilai.   gegen  fid)   gelten    taffcn   müfetc   (ocrgl.  unten  3lr.  5).  \ 
;  S^iqcs  QUO  bcn  altgemcinen  ©runbfägcn  fid)  rcgclnbc  iRcfultat  mürbe  iebod)  i 
kic  Sc^löftcBung  bcö  G^emanncö  5u  fet)r  gefäfirbcn.    gBcimgleid)  bie  ^rojcfe*  1 


234       S9cf(]&ranfun9  b.  gSerfüßumjC^r.  b.  eWrau.  ^rojcfefü^runö.  §§  1302, 1303. 

B^epfteaungs.  rctotlücn  aScrpItniffcö  ju  ucrmciben,  fallen  a\i6)  Älagcn  bcr  ©tiefrau  auf  gcft* 

""^''     ftcUung  eines  ©(legutäred^tcö  unter  jene  »eftimmung  (oergl.  übrigens  ©ntfd^. 

b.  gt.  ®.  in  etüilf.  IV,  103).    2lnbercrfeitö  ift  bie  G^efrau  burd&  iene  »e^ 

ftimmung  tiid^t  gcl)inbcrt,  jum  ^mdc  bcr  58ert^eibigung  im  ^rojeffc  e^cgutß^ 

redete  geltenb  ju  mad^en,  foioeit  barin  nicj^t,  mie  j.  33.  in  bcr  Slufrei^nung 

einer  e^cgutßforberung  (§  282),  eine  rcdjtögefd^äftlidlie,  unter  bie  93orfd&riftcn 

bca  §  1300  fallenbe  SSerf iigung  Hegt,    ©agegen  fann  fie  im  SBcge  bcr  SGBiber^ 

Wage  ol^ne  ©inroilligung  bcä  e^emanneä  e^egutörcd^te  nid^t  geltenb  mad&en. 

2.  2)er  §  1302  bejieljt  fxd)  ferner  auf  iebe  3lrt  ber  Erhebung  eines 

3led&täftreites,  burdE)  toeld^en  ein  ®^cgutöred)t  geltenb  gemaddt  wirb,  j.  S.  Quc^ 

auf  bie  gerid&tlid^c  ®eltenbmad)ung  eines  ef)egutsred^tes  im  SBege  bcS  SRa^m 

oerfa^rens. 

ffliberruf  3.  ,^at  bcr  ©Iiemann  feine  ßintoilligung  ju  ber  ©rl^ebung  bes  Wcc^ts* 

©inwfaißimfl.  ft^^ites  crtl^cilt  unb  ift  bcr  legtere  rcd^töliängig  geroörbcn,  fo  fann  ber  etjcmann 
feine  ©inroilligung  nid)t  mel^r  roiberrufen.  ©s  ergicbt  fid^  bies  fd^on  aus  bcr 
gaffung  bcs  §  1302.  Snsbcfonbcrc  ftc^t  aud^  bie  Seftimmung  bcö  §  127  3lbf.  3 
nid^t  entgegen,  ba  audEi  nadi  biefcr  S3eftimmung  bie  ©inroilligung  nid^t  mel^r 
lüibcrrufcn  werben  fann,  fobalb  burd^  ben  2lft,  ju  weldEiem  bie  GimoiUtgung 
crforbertic^  ift,  in  golge  ber  crtl^citten  Ginroilligung  redEitlid^c  SBirfungcn  bo? 
grflnbet  finb. 
oc  4.  S)a6  bcr  SRangcl  ber  (ginmilligung  bcs  ß^emanues  nic^t  mc^r  foll 

ne^miflun*  gcrügt  wcrbcu  fonnen,  wenn  bcr  (entere  bie  ^rojcgfiil^rung  genel^migt,  re^t* 
fertigt  [xö)  aus  ©rünbcn  praftifd)cr  3^öedEmä6igfeit  unb  burc^  bie  3lnalogic 
bcs  §  513  91r.  5  unb  bcs  §  542  3lx.  4  ber  6.  %  D. 
«eben*  5.  2)a  nad&  §  1302  bas  in  bcm  SRcd^tsftrcite  gegen  bie  ©ficfrau  crloffcnc 

intciT>cntion  ü^i^eil  aud^  gegen  ben  ef)cmann  wirft,  tocuu  er  in  bie  ^ßrojefefül^rung  cin^ 

G^emannc«.  gcioilligt  l^at  obcr  biefetbe  gcncfimigt,  fo  ücrftclit  es  fid^  uon  felbft,  ha^  bcr 
ß^emann  bcm  JWed^tSftrcitc  ber  6f)cfrau,  roclc^cr  mit  feino:  ©inroilllgung  ober 
Oenc^migung  gefüf)rt  mirb,  nad^  §  61  ber  6. 5ß.  D.  als  9icbcnintcrt)cnicnt 
beitreten  fann  unb  bafe  er  in  einem  foldden  gallc  nad&  SKafegabc  bcs  §  66  bcr 
6. 5ß.  D.  als  Streitgenoffe  gilt.  2)aburd^  ift  bcm  ß^cmanne  aud^  nad)  er^ 
t^cittcr  Ginroilligung  ober  ®encf)migung  fein  ßinffufe  auf  bie  Ocftaltung  bcs 
^^JrojcjfcS  unb  bie  einjelncn  ^rojcfel^anblungcn  gegenüber  bcr  ©l^efrau  unb 
bcm  ©cgner  gcfid^ert  (t)crgl.  §§  58,  434  bcr  6. 5ß.  D.).  ©ine  befonberc  gcfc^ 
lidjc  ßntfd&cibung  bcr  grage,  ob  in  einem  foldden  gallc,  fomie  in  bcm  ^Bc, 
menn  bcibe  ©Regatten,  bie  ß^efrau  auf  ®runb  i^rcs  ß^cgutsrcd^tes,  bcr  G^c* 
mann  auf  ©runb  feiner  cl)clid)en  Slufcnicfeung  (§§  1292,  1017),  als  Streit^ 
genoffen  gemcinfdEiaftlidd  f lagen  (§  57  bcr  6. 5ß.  C),  bas  ftreitige  Sicc^ts^ 
Dcrl)ältniB  gegenüber  bciben  ®f|cgattcn  nur  eintjeitlidd  feftgeftcUt  mcrben  fanu 
(ucrgl.  §  59  bcr  G.  %  C),  ift  nid^t  crforbcrlid),  ba  bie  rid)tige  Gntfc^cibung 
ficö  aus  ben  allgemeinen  ®runbfät5en  in  SSerbinbung  mit  bcm  5ßrinjipe  bcö 
§  1293  oon  felbft  ergicbt. 

233cgcn  ber  grage,  ob  ein  Scbürfuife  üor^anben  ift,  bcm  ©^cmonne 
neben  feiner  Sefugnife,  bie  iljm  auf  (Srunb  bcr  c^cliddcn  Slu^niefeung  su* 
ftcldcnbcn  9led)te  felbftcinbig  gcrid^tlid)  5u  t)erfolgcn  (§§  1293,  1017),  nod^ 
bie  mcitcre  Scfugnifj  bcijulegcn,  fraft  feines  SScrroaltungSrcddtcS,  fei  cS  in 


S5cf(5ranfunö  b.  SScrf ügunößr.  2C.  (Sinfeit.  3ic(J6tSocf *oftc  dritter.  §  1304.       235 

cigaicm  Flamen,  aber  mit  SBirfiing  für  unb  qcgcu  bic  Gf)cfrau,  ober  im 
?lQmcn  ber  ©f)cfrau  als  beren  SSertreter  felbftänbig  ^roseffc  über  bie  ©ubftanj 
fccö  Gbcgutcö  ju  führen,  wirb  auf  bic  3Jlotioc  gu  §  1322  93ejug  genommen. 


§  1304. 

einfcitigc  ^cd^tßgefd^äfte  2;rillcr,  bereu  SBirffamfcit  baüou  abl)ängt,  ba^  (Unm^t 
fic  bem  35et^eiUgten  gegenüber  vorgenommen  werben,  fönncn  bas  SBermögen  Qcmn^ 
ber  g^cfrau  in  feinem  aftiüen  ober  in  feinem  pafftocn  S3eftanbe  betreffen;  fic  ^'^*"**^* 
Rnncn  aber  aud&  oon  ber  2lrt  fein,  bafe  baburd)  ba^  33ermogen  ber  Cfjefrau 
Sugleic^  in  feinem  aftioen  unb  feinem  paffioen  Seftanbe  eine  Slcnberung  cr=* 
leibet  ober  bod^  ericiben  fann.  3^  feinem  aftiuen  33eftanbc  loirb  baö  58ermögcn 
ber  e^efrau  j.  8.  berührt  burc^  bic  STufed^tung  eineö  Sle^tögefd^äfteö  (§  113), 
burc^  bie  Äünbigung  einer  ber  ®l^efrau  juftel)enben  ©arlel^enöforberung  oon 
Seiten  bc«  Sc^ulbnerä  (§  457),  bur(^  bie  Grflärung  ber  2Ba^I  bei  einer  alter* 
ntttioen  Obligation,  xocmi  bic  ßfiefrau  bic  ©läubigerin  unb  ber  ©d^ulbner 
BW^Ibcred^tigt  ift  (§  208),  in  feinem  pafftuen  Seftanbc  burd^  bie  Jlünbigung 
ber  einem  ©ritten  gegen  bic  G^efrau  juftel^cnben  2)arIe^cnöforberung  oon 
Seiten  beft  ©läubigerd  (§  457),  burd^  bie  SKafjuung  oon  Seiten  eineö  ®Iäu* 
bigerö  ber  G^efrau  (§  245),  burc^  bic  oon  bem  ajertäufer  abgegebene  ©r^^ 
flärung,  bo6  er  bad  i^m  sufte^enbc  2Biebcrfauföred)t,  fomie  burc^  bic  oon 
bem  SSorfauföbered^tigten  abgegebene  ©rflärung,  bafe  er  fein  S8orfaufdred)t  auö^s 
übe  (§§  477,  482).  3u  ben  einfeitigen  SHedjtögefd^äftcn  S)ritter,  metd^c  baö 
Sermogen  ber  Gtjcfrau  in  feinem  aftioen  unb  jugteid^  in  feinem  paffioen  Sc- 
ftttnbe  berühren  ober  bodEi  berühren  fonnen,  gepren  j.  33.  bic  Slufrcd^nungö? 
tdlöxnnq  (§  282),  bic  Grflärung  beö  JRüdEtritteö  oom  »ertrage  (§§  426,  427 
Sbf.  1),  baö  anbieten  ber  öeiftung  oon  Seiten  beö  Sd)ulbuerö  (§§  254, 
255  ocrb.  mit  §§  257—261),  bic  Äünbigung  bei  gegenfeitigen  aSerträgeu  unb 
bie  änfed^tungfierflärung  bei  gegenfeitigen  SSerträgeu  (§  113). 

2)ie  beftcl^enben  SRed^tc  enthalten  in  ber  Ijler  fraglid)cn  93ejiel^ung  feine 
befonberen  93eftimmungen.  Safe  einfeitigc  SWedjtögefd^äfte  ber  I)ier  fraglid^en 
Srt,  wenn  fie  lebiglid^  baö  SBorbel^altögut  betreffen,  gegenüber  ber  Gf)cfrau 
Dorgcnommcn  werben  muffen,  fann  uid^t  jn)eifc(f)aft  fein.  3n  Grmangelung 
einer  befonberen  Seftimmung  mürbe  eö  aber  aud)  in  3lnfrf|ung  fold^er  ciiu 
feüigen  Äed&tögefd^afte,  meldte  fid)  auf  ba^  G^cgut  in  feinem  aftiucn  ober 
pofjiucn  93cftanbe  bejiel^en,  ba  bic  G^efrau  in  ber  ©efc^äftöfäl)igfeit  nid^t  be^ 
fcbränft  ift  (wrgl.  §  66)  unb  eö  [i6)  nid)t  um  $Red)tögefd^äfte  ber  G^efrau 
(§§  1300, 1301)  fianbelt,  bei  ber  Siegel  uerblciben,  bafe  berartige  3led&tögcfd)äftc 
gegenüber  ber  G^efrau  üorgenommcn  werben  fonnen  unb  muffen,  fofcm  nid^t 
auö  ben  Seftimmungen  über  bie  ebclid^c  9lu§nie§uug  fid)  ergiebt,  bafe  fic  cnt^^ 
TOcbcr  gegenüber  bem  G^cmanne  aBein  ober  gegenüber  biefcm  unb  ber  Gf)efrau 
flcmeinfcftaftncft  oorjune{)mcn  ftnb  (oergl.  §§  1028,  1033).  2)iefeö  auö  ben 
aKgcmeinen  (Srunbfäßen  jid)  ergebenbc  SRcfuttat  wirb  jcbod)  ben  9lnforbcruugen 
bcö  prattifd)en  Sebenö  unb  einer  smedmäfeigen,  bem  Sutercffe  beö  Gfjcmaimcö 
wie  ba:  G^au  entfprcd^enbeu  SBcrmaltung  bcö  Göcgutcö  nidEit  gcred)t.  2)a 
ber  G^eniann  fraft  ber  ef)elidjen  Jhifeniefeung  uub  äJerwaltung  bnö  SSermogen 


236      .öcfd&ranf.  b.  SSei-füßunoör.  fc.  S^efrau.  ©irffamfeit  geg.  ©ritte.  §  1305. 

bcr  (S'öcfvau  in  i&änbcn  I)at  imb,  wie  bie  Gcfaftrung  Icljrt,  er,  roeim  nid)t  an^^ 
fd^licfelicl),  fo  bod)  uorjugörocifc  um  bie  SSerroaltund  bcö  SBcrmögenö  ficft  bc- 
tiimmert  unb  mit  ber  2adf)Iage  bcfonnt  ift,  fo  Hegt  cö  am  nadEiften  unb  ift  cö 
am  sweimäöigftcn,  mcnn  bie  Ijier  fraglid)en  9lcd)tögefd)äfte,  fofern  fie  auf 
6I)egiitöred)te  fid)  bcjicl)cu,  PorbeI)aftHd)  ber  im  §  1307  9lb|.  1  beftimmten 
9luötial)me,  nur  gegenüber  bem  G()emanne  wirffam  oorgenommen  roerbcn 
fonnen.  S)er  entgegengefe^tc  ©tanbpuntt  fann  unter  Umftänben  ju  einer  er- 
t)eblid)en  ©efäl)rbung  ber  $Hed)tc  bcö  Gfjemanueö  fü[)ren,  wenn  bie  @f|efrau  cö 
imterlÄfet,  ifjn  von  ber  il)r  gegenüber  erfolgten  SJorna^mc  ber  l^icr  fragUd^cn 
9Jed)tögefd)äftc  jcitig  in  Äenntnife  ju  fefeen.  Sie  SBorfdirif ten  über  bie  c^eüd)c 
Diuftnieftung  gcn)ä{)ren  bem  Gfjcmanue  feinen  auöreid)enben  Sdju^,  ba  burc^ 
biefelben  praftifc^  widjtigc  ^äUc,  j.  SJ.  roenn  eö  fid)  um  bie  Äimbigung  cincö 
von  ber  Gtjefrau  vox  i^rer  SSer^ciratl^ung  gefc^loffcnen  SJUetl^  ober  ^acftt^ 
Dertrageö  ober  um  bie  3lnfed)tung  cincö  9led^tögefd)äfteö  fianbelt,  nic^t  gebccft 
werben,  9luf  ber  anbercn  Seite  ift  nid^t  ju  beforgen,  ba^  bcv  ©tanbpimft 
beö  Cntmurfeä  grofje  ®cfa()ren  für  ©ritte  mit  fid)  bringen  wirb,  ba  ben 
lefeteren  bie  ©igenfd^aft  ber  alß  33etl&eiligte  i^nen  gcgenüberftcl)enben  ^xa\x 
als  einer  ©^efrau  regelmäßig  befannt  fein  unb,  forocit  bieö  auöna^mSiDcifc 
nid)t  bcr  gall  fein  foUte,  il)re  Unfenntniß  regelmäßig  auf  il)rer  eigenen  Siad^« 
läffigfeit  bcrul^en  wirb  (oergL  §  1305  nebft  3Kotit)en).  S)ic  SBorfc^rift,  bafe 
bie  I)ier  fraglid)en  9Jed)tögcfc6äfte,  wenn  fie  auf  G^egutöred&te  fid)  bcjie^en, 
nur  gegenüber  bem  Gdemannc  roirffam  oorgenommen  werben  fonnen,  muji, 
iinbef^abet  ber  im  Sntereffe  ber  ©id^erl^eit  ber  Gljcfrau  auf  bie  e^elid)c  9hi6^ 
niefeung  fiir  anroenbbar  erflärten  SSorfdiriften  über  bcn  Jliefebraudd  (§  1292 
»erb.  mit.  §§  1033,  1035,  1036),  auf  alle  Sled^tögefc^äftc  ber  ^ier  fraglid^cn 
9trt,  iüeld)e  auf  Gl)egutöred)tc  fid)  bejie^en,  9lnioenbung  finben,  oftne  Unter- 
fddieb,  ob  baburdö  nur  ber  aftipe  Seftanb  ober  jugteid^  ber  paffioe  ^eftanb 
beö  G^egutefi  berührt  wirb.  SBoUte  man  Dorfd)reiben ,  baß  in  bem  tc^tcreu 
§aUe  bao  9ledötdgefd)äft,  roenn  es  gegenüber  ber  Gl)efrau  Tjorgenommcn  ift^ 
nur  in  3lnfe^ung  beö  G^eguteö  gegenüber  bem  @f)emaime  feine  SBirtfamtcit 
f)abe,  fo  mürben  an^  einer  fold^en  JHelatioität  bie  größten  SSerwirfcIungen  cnt* 
ftef)en.  Stnbererfeitö  muß  bie  Slnalogie  beö  §  1301  bat)in  führen,  in  2(nfc^ung 
f  olddcr  einfeitigen  $HedötSgefd)äfte,  meld)e  auf  ©^egutöoerbinblidEifeiten  fid^  bejicbcn, 
jene  cRelatioität  jujulaffen,  jumal  barauö  praftifd)c  Sd^mierigfeiten  F)ier  cbenfo« 
wenig,  wie  im  galle  beö  §  1301  fi^  ergeben  fonnen  unb  baö  3ntereRe  dritter, 
weld)e  ber  G^efrou  üiclleidöt  gerabe  mit  Dlürffidöt  auf  baö  93orbeI)altögut  ber* 
felben  Ärebit  gewäf)rt  I)aben  unb  weld^en  oieUeid)t  gar  ni^t  befannt  geworben 
ift,  baß  ber  G^emann  feine  GinwiDigung  5u  bem  ©efd^äfte  gegenüber  bcr  Gtic- 
frau  erflärt  I)atte  (oergl.  §  127  3tbf.  1),  bringenb  erl)eifd^t,  baß  baö  gegenüber 
ber  Gbefrau  oorgenommene  cinfeitige  9lcd)tögefdöäft  in  5lnfcf)ung  bcö  SSor- 
bef)aItögutoö  wirffam  ift. 

§  1305. 

tiBtrifamfeit  ®ie  bcm  Gutwurfc  ju  Wrunbe  liegenbc,  in  ber  ajorbcmerfung  ju  bcn 

aegcnajritte.  §§  1300^1310,  obcu  S.  225,  nä()er  bargelegte  9luffa|fung  ber  S3efdf)ränfung 

beö  SJerfügungörec^tcö  ber  Gl)efrau  atö  9luöftuß  eineö  bem  Gl)emanue  in  ^n* 


fflcfc^rän!.  b.  SScrfügunfllr.  b.  S^efrau.  SBu!famfcit  ßcfl.  ©ritte.  §  1305.       237^ 

fc^ung  bcfl  ßficgutcö  juftci&ciibcii  ci9cnt^ümrid)cn  bingtidjen  9icc&tcs  müfetc  an- 
fiel tonfcqucttt  bo^irt  führen,  bic  SSorfddriftcn  ju  ©unftcn  berienigen,  lücld^c 
Ätt^tc  oon  einem  9lid^tbcrec^tigten  ^rlcitcn  ober  foitft  mit  einem  Jiid^tbered)^ 
tigten  auf  Slc^tögcfd&äftc  fid&  eintaffcn  (oergt.  §§  303—305,  837,  838,  877, 
878,  939,  1083,  1090,  1114,  1116,  1136,  1144),  mi^  in  benienigctt 
göUen  jur  SInrocnbung  ju  bringen,  in  roeldien  ber  ©rioerb  ober  bic  aienberung 
eine«  g^egutörc(^teS  auö  einer  Don  ber  ßljefrau  oljne  ©inroilligung  ober  ©c^ 
nc^migung  beß  Gtiemanneö  getroffenen  SSerfügung  (§  1300)  abgeleitet  wirb, 
bo  ber  Gnocrb  ober  bic  9lenberung  beß  Gl^egutörediteö  in  biefen  gällcn  mir 
bed^alb  nic^t  eintritt,  meil  bcm  33erfägenben,  ber  ß^efrau,  baß  bie  cinfeitige 
Serfügung  ^inbembc  binglid^e  JRcd^t  eineß  3lnberen,  beß  ßl^cmanncß,  entgegen^ 
fianb.  9JamcntIid^  tonnte  nad)  ber  9led&tßfonfcquenä  im  ©mnbbud^Dcrfcl^rc  bie 
8ef(5ränfung  beß  33crfügungßrc(^teß  ber  G^cfrau,  wenn  biefe  Scfd&ränfung  in 
bas  ©runbbud^  nid^t  eingetragen  märe,  nac^  aWafegabe  ber  §§  837,  838  gegcu:^ 
über  einem  gutgläubigen  ^Dritten  ebenfomcnig  in  Sctraci^t  fommen,  wie  eine 
fonftigc  jum  Sc^ufec  ber  3nterc?fen  einer  bcftimmtcn  ^erfon  biird^  baß  ®efe^ 
begrünbctc,  aber  nid)t  eingetragene  aSerfügiingßbefd^ränfung  (oergl.  awi)  §  107 
Sbf.  1).  ^n  einer  praftifd^  fo  n)id)tigen  grage,  wie  ber  rorliegenben,  fann 
inbejfcn  nid^t  bie  9lcd^tßfonfequenj,  fonbern  nur  baß  Sebürfnife  beß  praftifd^en 
üebcnß  entfd^cibenb  fein,  ©egen  baß  geftl)alten  an  jener  9icd^tßfonfcquen5. 
fprit^t  fd^on  t)on  üoml^ercin  ber  fd)merroiegenbe  Umftanb,  bafe  ha^  barauß  fid^ 
crgebenbc  Slcfultat  betn,  allerbingß  Dormicgenb  auf  bem  33obcn  ber  Scfd^ränfung 
ber  ©efd^ftßfä^igfcit  ber  (S^efrau  ftcfjenben,  geltcnben  SRed&tc  nidE)t  cntfpridfit,. 
roel(^ß,  foDicI  namentlid^  ben  ©nmbbud^oerfe^r  betrifft,  bauon  außgel)t,  baft 
Scft^ronfungcn  beß  aScrfügungßredfiteß,  meldte  au^  ber  befd)ränften  ©cfdjäftß:^- 
fä^igfeit  beß  33ercdE)tigten  fliegen,  ber  Gintragung  nid^t  bcbürfcn,  um  gegenüber 
dritten  roirifam  ju  fein  (ucrgL  fSd^f.  aScrorbn.  ü.  9,  Januar  1865  §§  114, 121 ;  ^  ^ 
irrcuB.  ®ef.  ü.  5.  üHai  1872  §  11).  Gß  ift  in  Ijo^em  ©rabe  bcbenflidi,  in  <?iner  '  '' 
10  wichtigen  SHaterie  o^nc  bic  jroingenbften  praftifdEien  ©rünbc  uon  bem 
geltcnben  Siechte  ab5uwcid)en.  ©old^e  ©rünbe  liegen  aber  nid)t  oor;  im 
©egent^ilc  fprcc^cn  übenoiegenbe  ©rünbe  bafür,  in  ber  \)kx  fraglid)en  Sc- 
jie^ung  —  roenngleidö  gegen  bic  Sled^tßfonfequeuj  —  an  bem  beftcl^enbeu 
Äeii^tc  feftju^alten  linb  bemgemöfe  ju  beftimmen,  bag  bie  SBorf^riften  ber 
§§  1300—1304  über  bic  SSefd&ränfung  beß  Sßerfügungßrec^teß  ber  Gfiefrau 
gegen  einen  ©ritten  aud^  bann  Slnmenbung  finbcn,  menn  biefer  bie  auß  ienen 
Sorfd^riften  ftcft  crgcbenben  S3efd)ränfungen  ber  G^efrau  nid)t  gefatmt  Ijat. 
3m  praftifd^en  fieben  finb  bic  gSUe,  in^^tDcId^en  bcm  ©ritten,  loeld^cr  mit 
einer  ^rau  9ied&tßgefdE|äfte  fd^Iicfet,  bic  Gigenfd)aft  berfelben  alß  einer  Gf)efrau 
unbefännt  geblieben  ift,  feiten.  Sttuß  ber  Seftimmung  beß  §  1305  faun  baf)er 
«ne  jjrofec  ©efal^r  für  bic  ©id^crl&eit  beß  SJcrfe^reß  nid^t  crn)ad)fen.  5Dem 
tritfen  bie  Grfnnbigungßpflidit  aufjuerlegen,  fanü  um  fo  roeniger  alß  eine 
unbillige  §ärtc  angefe^en  merben,  alß  berfclbc  regelmäßig  o^ne  große  9Wü^c 
nd^  über  bic  in  Setrad&t  fommenben  ajerl^fitttüffc  ©cmißl^cit  uerfd^affen  fanu 
unb  bic  e^efrau  im  galle  einer  abfidEitlid^en  STäufd^ung  beß  ©ritten  bem 
lettenn  für  (Sd^abenßerfdl  l)aftet  (§§  705,  704).  3lud^  läßt  ftd)  eine  geroiffc 
Analogie  smifc^cn  bem  ^ier  fragtid^eu  galle  unb  ben  fällen  ber  ©efd^äftö^ 


238       Scfd&ranf.  b.  SSerf ügungSr.  b.  (SMrau.  SBirffamfeit  geg.  Dritte.  §  1305. 

unfäl^igfeit  unb  ber  bcfc^rönften  ©efd^äftöfäl^igfeit  nid^t  ücrfenncn,  nomentUcft 
tücnn  man  bie  gälle  bcr  Gntmünbigung  wegen  SBerfd^roenbung  ober  wegen  geujificr 
©eifteöfranflÖ^itcn  inö  Slugc  fafet,  in  rodijtn  bie  2;^Qt[ad^e,  t)on  roeld^er  bic 
<Sefd&äftöunfäF)igfeit  ober  bie  S3efd(|ränfung  ber  ©efd^äftöfo^igfeit  ob\)änQt, 
cbenfallö  rcgetmäfeig  aufeerlid^  nid^t  ericnnbar  ift.  ®in  weitercö  erl^eblid^eö 
93ebenfen  gegen  ba&  geft^atten  an  ber  SRec^töfonfequenj  in  ber  l^ier  fraglid^en 
Sejiel^ung  ergicbt  fid)  barauß,  bafe  babur^  bie  SRcd^te  bcö  ©bemanne«,  nament* 
üä)  in  bm  gällen  ber  §§  837,  838,  303—305,  in  roeldjen  bem  83ered&tigtcn 
ber  Seroeiö  ber  mala  fides  beö  ©ritten  obliegt,  in  l^o^em  äRafec  gcffil^rbet 
werben  würben.  S)er  Siüdfid^t  auf  bie  ©id^cr^eit  dritter  ftel^t  bie  Slücfftc^t 
auf  bie  Sicherung  ber  Siedete  beö  ß^emanncö  unb  auf  bie  ©urddfül^rung  bcr 
3wecfc  ber  eljielidjen  9lugniefeung  unb  Sßerwaltung  gleic^wertl^ig  gegenüber. 
®ie  Orunbfägc  über  ben  ©d^uß  beß  guten  ®Iaubenö  finb  fetbft  nur  eine 
3luönaf)me  Don  einem  anberen  5ßrinjipc  unb  in  bem  ©efefebud^e  aud&  feines- 
wcgä  für  alle  gälle,  j.  S3.  nid^t  bei  ber  Uebertragung  pon  gorberungen,  jur 
Slnerfennung  gelangt,  ©ntfd^eibenb  föllt  enbtid^  ins  ©ewid^t,  bafe  bic  Sin- 
wenbung  ber  ©runbfäfee  über  ben  Qd^nii  bcß  guten  ©laubcnß  auf  ben  ^ier  in 
SRebc  ftel^enben  gall  ju  einer  Ueberlaftung  ber  ©runbbüc^er  mit  ©intragungcn 
ber  Sefd^ränfung  beö  SSerfügungsred^teß  ber  (S^efrau  unb  inßbefonbere  ouc^ 
mit  S5fd)ungcn  ju  fül^ren  brol^t,  ba  ©ritte,  folange  nid&t  bie  SBerfügungß* 
befdf)ränfung  bcjw.  bie  S^^atfad^e,  üon  weld^er  biefelbe  abl^ängt  —  bie  ©igen- 
fdjaft  beß  S3ere(^tigten  atß  einer  ©f)efrau  — ,  gelöfc^t  ift,  fid^  auf  Sicd^tß- 
gefc^äfte  mit  ber  ©liefrau  uor  bem  ©runbbud&e  au^  bann  nid^t  einlafjen 
werben,  wenn  bie  ©^efrau  auf  anbcre  SBeife  ben  SBcgfall  ber  SJcrfügungß^ 
befd^ränfung  nad^juweifen  bereit  fein  foDte.  S)a6  aber  eine  Ueberlaftung  ber 
©runbbüdjer  mit  ©intragungen  alß  ein  großer  praftifd^er  Ucbelftanb  anjufc^en 
ift  —  gans  abgefel^cn  uon  im  mit  ben  ©intragungen  unb  Söfc^iungcn  für  ben 
©bemann  oerbunbenen  Äoften  — ,  läßt  fid^  nic^t  tjcrtenncn.  3Jluß  l^ierna^  bic 
9lnwenbung  ber  ©runbfä^e  über  ben  ©d^ufe  beß  guten  ©laubcuß  für  ben 
©runbbudE|uerfel)r  icbcufallß  außgcfd^loffen  werben,  fo  fann  eß  nic^t  alß  an^ 
gcmeffen  erad^tet  werben,  für  ben  minber  wid^tigen  gall  beß  üßobtliaroerfel^reö 
unb  beß  SSerfel^reß  mit  nid^t  ^npotl^cfarifdf)  geft^crten  gorberungen  bem  cnt- 
gegengefcfeten  ^rinjipe  ju  folgen,  felbft  wenn  man  bic  fonftigcn  gegen  bicfeö 
^^Jrinjip  oben  geltenb  gemachten  SSebcnfen  für  fid^  allein  alß  bur^fd^lagcnb 
nid^t  crad^ten  wollte. 
®ti?T  ^*^"  ^^^  aSorfd^rift  beß  §  1305  ift  eine  83eftimmung  beß  Snijalteß,  ba§ 

ajr^bbu<^.  bie  ©intragung  in  ba^  ©runbbud^  jur  Segrünbung  bcr  clielid&cn  Slufeniefeung 
unb  aSerwaltung  unb  jur  SBirffamteit  ber  bamit  Dcrbunbenen  Scfd^ränfung 
beß  SBcrfügungßred^teß  ber  ©^efrau  in  Slufe^ung  beß  ©^eguteß  weber  erforbcrlic^ 
nod)  juläf fig  fein  foll  (ücrgl.  fäd)f.  ©.  S3.  §  1670),  cntbcl)rlid^.  Sluß  anberen  »c* 
ftimmungen  erlieUt  mit  gcnügenbcr  ©cutlt^feit,  bafe  bie  e^elid^c  9iu6nic§ung 
unb  aScrwaltung  fraft  beß  ©efcfeeß  mit  ©ingel^ung  ber  ©^e  begrünbct  wirb 
(§  1292  t)erb.  mit  §  1283).  Slnlangenb  aber  bic  cbenfaUß  mit  bcr  ©bc* 
fd^licßung  fraft  beß  ©efcfecß  cintretenbc  aScrfügungßbefä^rönfung  ber  ©^efrau, 
fo  läßt  bic  33cftimmung  bcß  §  1305  in  aSerbinbung  mit  bem  S^ccfc  bcr  im 
§  837  Dorgcfd^ricbcncn  ©intragung  einer  aScrfügungßbcfd^ränfung  feinen  S'^fi^l 


fflcfd&ränfunö  bc§  SerfügunöSrcdStcö  bcr  (S^efrau.  9lu§na6men.  §  1306.       239 

Iwrüber  auffommcn,  ba&  Sritte  fid^  auf  ben  SOJangel  beö  (Sintragcö  bcr  S3c' 
f^ränfung  bed  93erfugung&rcd)ted  ber  @l^efrau  mö)  ^Jla^^aht  bes  §  837  nid)t 
berufen  fonnen.  S)a§  aber  anbererfeitö  bic  ©intragung  ber  e^elid^en  9iu^s 
nic^ung  unb  9}ern)a[tuug  unb  ber  ^erfügungdbefd^rönfung  in  bad  ©runbbud) 
nid^t  iulafftg  ift  folgt  aud  bem  ©nmbfage  bcd  @runbbuc{)red^ted^  bag  bic 
3uIfifHflfcit  einer  ©intragung  immer  befonberß  beftimmt  werben  muß  unb 
Äbcr^oupt  Eintragungen^  an  wel^e  fid^  eine  redE)tIid^e  SBirfung  nid^t  fnüpft^ 
unjuläffig  finb.  3)ie  in  ber  ©runbbuc^orbnung  ju  trcffenben  S3eftimmungen 
werben  barüber  feinen  3^^cifel  (äffen. 


§  130G. 

aSBennglcic^  bie  SBorf^rift  beö  §  1306,  bereu  Sinn,  mic  fid^  axi&  %  1310  ®^Jg«"J*^f ' 
be«  9la^en  ergiebt,  bat)in  ge^t,  bag  in  ben  gSUen  bed  §  1306  bad  uon  ber  «bioefen^tt 
eWrou  oorgenommene  9led^tsgefd^aft  (§§  1300, 1301),  foroie  baö  in  bem  ^^o"  .°j?f ,,^"gL 
i^  geführten  ähio^  ober  ^afftüprosefie  erlaffene  Urtftcil  (§§  1302,  1303)  trofe  '  mannea,  ' 
bcft  SRangete  ber  Einwilligung  ober  ©ene^migung  bed  ß^emanned  audf)  in 
Snfe^uug  bed  G^egutcd  gegenüber  bem  @^emanne  mirffam  ift,  wegen  bcr  uid^t 
p  Dermeibcnben  Unbeftimmtl^eit  ber  SSorauöfegungen,  unter  welken  bie  in  ben 
§§  1300—1303  bejeid&nete  ©inwilligung  beö  ©^emanncö  nid^t  erforberlid^  fein 
foH,  in  bjer  ^ßrajis  ju  ©d^wierigfeiten  unb  ju  Streitigfeiten  SSeranlaffung 
flebcn  fann,  au(^  ein  iDHfebraud)  üon  Seiten  ber  ei)efrau  nic^t  Döllig  auö- 
gefcftloffen  fein  mag,  fo  trägt  bie  SBorfdEirift  boc^  anbcrcrfeitö  einem  praftifd^cn 
Sebürfniffe  SRec^nung,  ba  gällc  ber  im  §  1306  DorauSgefefeten  2(rt  fid^  nidjt 
feiten  ereignen,  bie  SBorfd&riften  beö  SSormunbfd^aftöred^teö  über  bie  SKnorbnung 
einer  aSormunbfi^aft  ober  ^flegfd&aft  aber  (§§  1727,  1739,  1740)  unb  bie 
«orfc^riftcn  über  bie  ©efd&äftöfü^rung  oljue  aiuftrag  (§§  749  ff.)  in  folgen 
gdüen  ni^t  ausreichen,  um  bie  ßfiefrau  Dor  Sd^abeu  ju  bewahren.  ®a6  ein 
fold^eö  prattifd)ed  99ebürfnig  beftef)t,  gcl^t  audj^  baraud  [)ert)or,  bag  in  ben 
meiften  SHec^ten  ä^nlid^c  SSorfc^riften  fi^  pnben  (oergl.  Scuffert  XIX,  99, 
XXXVm,  135;  preui  21.  S.  SR.  II,  1  §§  202—204,  324—328;  fäd^f.  («.  83. 
§§  1643, 1679).  S)ie  l|ier  fragtid^e  SBeftimmung  ftef)t  aud^  nid^t  in  aSiberfprud) 
mit  ben  ©rünben,  weld^c  ben  ©ntwurf  (pergl.  S.  120  ff.)  beftimmt  ^aben,  baoon 
abjufe^n,  ber  G^efrau  baß  Diel  weitergetjcnbe  unb  ben  ©^cmann  in  weit  I)öl)ercm 
^Q^e  geffi^rbenbe  Siedet  beijulegen,  unter  ben  93oraudfegungen  beö  §  1306 
ben  C^ann  in  bcffen  eigenen  SBermögenfiangelegcn^eiten  ju  Tjertreten,  ba  cö 
jt^  im  nur  um  bie  eigenen  älngelegen^eiten  ber  @^efrau  l^anbelt.  Obwot)! 
bie  e^frau  in  ben  fallen  beö  §  1303  aud^  o^ne  Sinwitligung  beö  @()emanncö 
OR  ber  ^^rung  beö  9ied^töftreiteö  felbft  niemalö  gel)inbert  ift,  fo  fonnen  bod) 
bie  Sorauöfegungen  beö  §  1306  unter  Umftönben  aud^  im  ^aQe  beö  §  1303 
itttreffen,  namentUd^  bann,  wenn  bie  @i)efrau  wegen  einer  iweifell^afteii  (Stje- 
gulöoerbinbßd^feit  oerflagt  ift  unb  fie  jur  SSermeibung  fonft  fte  t^iclleid^t 
treffenber  9lad^t^ei(e  ein  ^ntereffe  baran  l^at,  ba^  bie  SSerbinblid^feit  na^ 
erfolgter  aSerurt^dlung  auö  bem  e^egute  (oergl.  §  1316)  fofort  erfüßt  wirb. 
Sttö  biefem  Orunbc  ift  aud&  ber  §  1303  im  §  1306  mitallegirt. 


240       S3cf(6ranfimö  bc9  SJerfüflunößrc^teS  fccr  gßcfrau.  9luf najmcit.  §  1307. 

^Ta  im  §  1306  immer  ®cfaf)r  im  SSerjuge  ijorauögcfe^t  loirb,  bicfc 
SSorauöfcgung  ober,  roenigftenö  in  bcr  Siegel,  nur  bann  üorliegcn  wirb,  wenn 
bcr  C()cmann,  fallä  er  nid^t  bel)inbert  gcrocfcn  märe,  bie  ©inroilligung  l)ättc 
crt^cilen  miiRen  (§§  1320—1322),  fo  ift  jum  ©d^ufee  bcö  ©l^emanneö  eine 
Seftimmung  beß  Snl^alteö,  ba^  bie  (S^efrau  in  bcn  gälten  beö  §  1306  gegen* 
über  bem  ©Ijemanne  üerpflid^tet  fein  foll,  fofd^e  i^anblungen  ju  nntcrlaffen, 
n)eld)c  jur  orbnungömä^igen  SSermaltung  beö  (S^cguteö  nid^t  erforbcrlid^  finb, 
nid^t  für  nötljig  erQd)tct.  (Sine  fold^c  93eftimmung  mürbe  non  um  fo  geringerer 
prattifd^cr  Sebcutung  fein,  als  bie  in  ber  ©runbbud^orbnung  ju  Ireffenben 
a?orfc^riften  über  bie  Segitimation  jn  SScrfügungen  üor  bem  (Srunbbud^amtc 
bie  Seftimmung  beö  §  1306  für  ben  ©runbbuc^Derfe^r  üorauöftc^tlid^  überhaupt 
unpraftifd^  modden  mcrbcn. 
tnncr^oib  beft  3J»^^crf)aIb  beö  Ijäuölid^en  äBirtungöfreifeö  ber  ©^efrau  werben  nur  feiten 

ffiirfimfl«!  Stcd^töl^anblungen  in  grage  fommen,  meIdE)c  bie  SSermaltung  beö  ®I)eguteö 
(reife§.  betreffen.  Gö  liegt  beöljalb  fein  Sebürfnife  t)or,  mn  bem  in  ben  §§  1300—1303 
bejeidjneten  ©rforberuiffc  ber  ßinmilligung  beö  G^emanneö  aud^  in  fold^en 
fällen  Qbjufel^en,  in  meldten  bie  S^efrau  nad&  §  1278  ben  Gljcmann  ju  Der* 
treten  bcred^tigt  ift.  S)iefe  gälte  bebürfen  um  fo  roeniger  einer  befonberen 
Serücffid^tigung,  alö  bie  SSorfdjrift  beö  §  1278  in  SBerbinbimg  mit  bem  von 
bem  ©efefcbuc^e  anerfannten  ©runbfafee,  bo^  in  ©rmangelung  einer  entgegen* 
ftelienben  Seftimmung  ber  33ertreter  cineö  3lnberen  alö  fold^er  mit  fid^  fclbft 
fontral)iren  fann  (oergl.  §  45  ea|  1,  §  805  5lbf.  2,  §  1651  5Rr.  i),  auö^ 
reid^t,  um  ber  ©Ijefrau  innerl)alb  if)reö  puölid^en  SBirhingöfrcifcö  bie  S8er^ 
fügung  über  ©^egut,  j.  ^.  über  unbraud^bar  geworbene  Sad&en  ber  im 
§  1285  bejeid&neten  3lrt,  ol|nc  befonberc  ©inmilligung  beö  ©IJiemanneö  5u 
ermöglidfien,  inbem  fie  infomeit  alö  SSertreter  beö  ß^emanneö  fic^  felbft  bie 
©inroilligung  ju  ertl^eilen  in  bcr  Sage  ift. 

SBegen  beö  gallcö,  wenn  bie  ©fiefrau  felbft  5um  SSormunbe  ifireö  ©^o 
manneö  beftcllt  ift,  wirb  auf  §  1326  3lbf.  2  unb  bie  SKotiüe  baju  oevmicfen. 


§  laOT. 

»ctricb  cincÄ  2}ic  freiere  Stellung  ber  gemerbetreibenben  @l)efrauen,  iuöbefoubcrc  ber 

ßefTäto.  -&anbclöfx'auen,  ift  in  bem  beutfd^en  etjelid^en  (Süterred^tc  T)on  je^er  ancrfannt 
unb  burd)  bie  tteueren  ©efcge  beftätigt  (oergl.  preufe.  91.  S.  91.  II,  1  §§  a35  ff. ; 
olbenb.  ®ef.  o.  24.  3rpriri873  3lrt.  8  §  2  unb  ärt.  9  lit.  b;  !q.  (9.  93. 
9lrt.  7—9;  Ocm.  D.  §  11).  2)aö  ^.  ®.  93.  unb  bie  ®ero.  O.  mußten  fxd^  auf 
bie  ©egenftänbe,  meldte  burd)  fie  georbnet  mcrbcn  foUten,  alfo  auf  öanbet 
unb  ©cmcrbebetrieb  bcfd^ränfen.  5Bom  Stanbpunfte  beö  ©efefebu^eö  ax\^ 
liegt  3Seranlaffung  ju  einer  fold^cn  93cfdöränfung  nic^t  üor,  !Dic  ®nmbe, 
n)cld)c  baffir  fprcd^cn,  bcr  ®f)efrau,  wenn  fie  mit  Ginmilligung  beö  ©^emanned 
§anbel  ober  ©emerbc  betreibt,  eine  felbftänbigc  Stellung  ju  geben,  treffen  in 
bcmfelben  ^tDlaj^e  aud^  bei  icbem  anbercn  oon  ber  ®^efrau  betriebenen  (Srmcrbö^ 
gcfd^äftc  }u,  j.  S.  bei  einem  fünftlerifd^en  ober  miffenfc^afllid^cn  Scmfe^ 
mefd^cr  juglcidj  alö  ©riücrböämcig  betrieben  wirb.  3m  9lnfd)Iuffc  an  bad 
olbcnb.  ®cf.  P.  24.  9lpril  1873  9lrt.  8  §  2  fpridjt  beöljalb  ber  §  1307 


S3ef(6rän!uno  beg  SSerfügunößrc^tcS  ber  S^efrau.   3lu5na6men.  §  1307.       241 

oBgemein  oon  bem  fclbftänbigen  betriebe  eines  ©rtocrbögefd^äfteö  (ucrgl.  aud^ 
§  1289). 

®ic  re^tlid^e  Scbeutung  bcö  §  1307  liegt  pom  ©tanbpunftc  bcö  QnU  »ebeutung; 
nmrfefi  aus,  nad^  roeld^cm  bic  ß^efrau  in  i^rer  SSeqjflid^tungöfä^igfcit  nid^t 
bef(|ronft  ift,  roefcntli^  barin,  ba^,  obrool^I  nad^  §  1289  ber  ©rroerb  axi^  bem 
fflbftänbigen  Seiriebe  beö  (Snoerbdgefc^äfteö  SBorbe^altßgut  ift  bie  SBerbinblid^* 
feiten  ber  ß^efrau  aud  ben  im  §  1307  9lbf.  1  bejeic^neten  9?ed^tögcfd&äftcn 
ß^egutdoerbinblid^fciten  unb  bic  in  ^rojcffen  ber  im  §  1307  äbf.  1  bejeid^netcn 
Srt  gegen  bie  6^cfrau  erlaffenen  Urt^eitc  audd  in  älnfel^ung  beö  ©i^eguteö 
gegenüber  bem  (S^emonne  roirffam  pnb,  fofem  ber  ß^emonn  feine  ©inroilligung 
iu  bem  felbftänbigen  SBctriebe  be«  ©rroerbögefd^äfteö  ertl^eilt  l^at  (pcrgl. 
§§  1310,  1311,  1312  3lx.  1).  ©iefcr  bem  $.  @.  S3.  3lrt.  8,  9  entfprec^enbe 
Stanbpunft  beö  ©ntrourfed  mirb  gleid^mä^ig  burd&  bie  9lütfftd&t  auf  ben 
Ärebit  ber  S^cfrau  mie  burd^  bie  SRüdEfic^t  auf  bie  ©idf)erf)eit  beö  SBerfel^reö 
gered^tfertigt,  o|ne  anbererfeitö  bie  ^ntereffen  beö  6t|cmanneö,  ba  bejfen  ®\r\f 
©illigung  ju  bem  betriebe  beö  ©rroerbögefd^äfteö  Dorauögefefet  roirb,  ju  ücr^^ 
Ie|en.  9li^t  erforberlid^  ift  übrigenö,  ba^  ber  (Seemann  bei  ber  ©rt^eilung 
ber  ©inroillißung  ber  red^tlid^en  S^lg^n  berfelben  fic^  beraubt  gemefen  ift. 
SBeiter  crgiebt  fid&  auö  §  1307,  bafe  bie  g^efrau,  wenn  fie  mit  ©inmiUigung 
beö  g^emonneö  ein  felbftänbigeö  @rn)erbögefd^5ft  mit  @^egut  betreibt,  fomeit 
ber  geftattete  ©ef^äftöbetrieb  eö  mit  ftd^  bringt,  audd  ^^^  i^  §  1300 
be}ei(^fnctcn  Sle^tögefd^äfte  in  Slnfe^ung  ber  ju  bem  ©rroerbögefc^äfte  ge^ 
^örenben  e^egutögegenftänbe  mirffam  t)ome^mcn  fann  unb  jur  geridfitlid^en 
©eltenbmo^ung  ber  betreffenben  ©l^egutöred^te  (§  1302)  legitimirt  ift,  ba§  bie  in 
einem  folc^en  Mec^töftrcite  ergangenen  Urt^eile  ba^er  ebenfaUö  audd  i^  3ln* 
fe^ung  bcd  @i|^guteö  gegenüber  bem  @d^manne  mirffam  unb  bie  auö  folddcn 
Urteilen  entftanbenen  ^erbinbliddfeiten  ®degutöüerbinbliddfeiten  ftnb  (üergt. 
§§  1310,  1311,  1312  3ir.  1).  5Die  felbftänbige  ©teUung  ber  ©l^efrau  unb  bie 
Sücffic^t  auf  bie  2age  dritter  bringt  cö  femer  notlimenbig  mit  ft^,  bafe  bie 
im  §  1304  bejeiddncten  Sleddtögefddäfte,  fomeit  ftc  auf  baö  ©rroerbögefddäft  fidd 
bcjie^en,  um  roirffam  ju  fein,  ftetö  gegenüber  ber  ß^efrau  vorgenommen 
werben  muffen  unb  anbererfeitö  aud;  nur  if)r  gegenüber  vorgenommen  ju 
iDerben  brauddcn. 

2)en  Ärciö  berienigen  cinjctnen  SReddtögefdiaftc  unb  SRed^töftreitigfeiten,  nrnfong. 
ju  loeldden  unter  ber  im  ©ingangc  beö  §  1307  beftimmtcn  SSorauöfe^ung  bie 
einroittigunfl  beö  (g^emanneö  nid^t  erforberlidd  ift,  begrenjt  ber  §  1307  Slbf.  1 
im  Xnf^Iuffe  an  bie  Sluöbrudöroeifc  beö  §  67  ba^in,  bafe  barauf  abgeftellt 
wirb,  ob  ber  geftattete  Oefd^äftöbctrieb  bie  betreffenben  9ledf)tögefd[|äftc  ober 
Se^öftreitiflfeiten  mit  fidd  bringt  ©enauer  läfet  fidd  ber  Äreiö  ni^t  n)of|I 
beftimmen.  3luc^  bie  neueren  Oefefie  brüden  ftdd  vielfadd  äF)n(idd  mie  ber 
entrourf  auö  (mgl.  §.  0.93.  3lrt.  273,  47;  ®ero.  D.  §  11;  olbenb.  (Scf. 
0.  24.  3lpril  1873  Srt.  8  §  2).  2)aö  preufe.  21.  S.  SÄ.  II,  1  §  335  gef|t  aUer* 
bingö  bem  3BortIaute  nadd  weiter,  inbem  eö,  menn  eine  ©d^frau,  meldte  ein 
©croerbc  betreibt,  roeld^eö  feiner  Sefd^affendeit  nac^  Ärebit  unb  aSerlag 
rrforbert,  bie  Sinmilligung  beö  (S^emanneö  fdd^^c^tdin  für  alle  @ddu(ben  ber 
ßbefrott  für  nid^t  erforberlidt)  erf lärt.    6ine  berartige  3luöbednung  TOürbe  aber 

StotiM  i.  MrgcrL  ecfe|te4'  IV.  16 


242      S5cf$rdnfung  beg  aSerfüöun9örc(6tc8  ber  (S^efrau.  ausnahmen.  §  1308. 

über  bcn  SrocdE  ^inauögcl^cn  unb  bas  S'itcrcffc  bcö  ®^cmannefi  ju  fc^r  gcffi^rbcn 

(Dcrgt.  awä)  ©cfcftrco.  5Pcnf.  XV  §  257). 

mt' '  2)ic  aSorfcfirift  bcö  §  1307  3lbf.  2  ft^Ucfet  peil  bcm  3lrt.  7  2lbf.  2  bcö 

"*Mra\'$.  ®.  93.  an.    ©ie  toirb  burc^  bic  SRücfftc^t  auf  bic  ©ic^er^eit  bcö  95erfc^rcö 

Seemannes,  erfotbcrt  utib  Dcttcfet  baö  JRcd^t  bcö  e^cmanncö  nid^t,  rocil  bic  Untcrtaffung 

bcö  SBibcrfpruddeö  cntrocber  wirflic^  in  ber  Mfxd)i  ber  einroiHigung  erfolgt 

ober  eine  Jlad^föfftgfcit  cntl^ätt,  bcrcn  golgen  nid^t  bic  ®(äubigcr  ber  ®^efrau^ 

fonbern  il)n  treffen  muffen. 

@*u*  2)ie  «Beftimmung  bcö  §  1307  3lbf.  3  ift  cbenfallö  burd&  bic  fUficfrid^t  auf 

-  öiouS  *  bic  ©ic^er^eit  bcö  SBerfel^reö  geboten  unb  red^tfertigt  jtdEi  im  einjctncn  bur(ft 

bic  Stnalogie  jroifc^en  bem  ^icr  in  Siebe  ftc^enben  galle  unb  benjcnigcn  gäUen, 

auf  rocid&e  bic  für  cntfpred^cnb  anroenbbar  crflärten  SSorfdEiriftcn  ber  §§  1336^ 

1337  pd^  bcjie^cn  (oergl.  im  Uebrigen  bic  üRotiuc  ju  §§  1336, 1337  in  SScrbinbung 

mit  bcn  aKotioen  ju  §  1257  oben  ©.  63  ff.  unb  ju  §  1309  unter  gir.  1  a.  ©.). 

9lebcn  ber  S^rüdna^me  ber  ©inroiUigung  ermähnt  ber  ©ntrourf  im  §  1307 

9lbf.  3  nid^t  aud^  bcn  gall,  in  njcld^cm  ber  ©bemann  feine  ©inroilligung  ju 

bem  Seiriebe  bcö  (Srroerbögefd&äfteö  nur  in  befd&ränftcr  SBeife  crt^eitt  t^at. 

©clbftücrftänblid^  fann  ber  Seemann  bei  ber  ©rt^cilung  feiner  ©inroilligung 

bie  3lrt  bcö  ©rroerbögcfd^öflcö,  beffcn  felbftänbigen  SSctrieb  er  ber  (S^efrau 

geftatten  roill,  näfier  begrenjen,  nid^t  aber  innerhalb  bcö  geftatteten  ®rmerbft« 

gefc^ofteö  bcn  Jlreiö  ber  im  §  1307  9lbf.  1  bejcid^nelen  ^leddtögcfd&Sfte  «nb 

Sled^töftreitigfeiten  mit  SBirfung  gegen  S)rittc  bcfd^ränfcn. 

§  1308. 

*etli«"*  ^'  ®^^  ©tünbc,  roeldEie  cö  unbcbenflic^  erfd^einen  laffen,  bie  9lnna^mc 

Qrbmtzc,  einer  ©rbfd^aft  ober  eineö  SSennäc^tnijfcö  (ücrgl.  §§  1873,  2029)  Don  Seiten 
ber  ß^efrau  nidE|t  an  bic  ©inroiHigung  bcö  e^cmanneö  ju  binben,  finb  bereitö 
in  bcn  SKotiücn  ju  §  1288  oben  ©.  172  ff.  bargelegt.  @ö  fann  ameifel^aft  fein, 
ob  bicö  eineö  befonbercn  gcfe|lid^en  SKuöbnicfcö  überfjaupt  bcbarf.  ®ö  lä%t 
ftdd  bie  Sluffaffung  pertreten,  bafe,  wenngleich  bie  Slnna^me  einer  ©rbf^aft 
ober  eineö  SBcrmäddtniffcö,  foroeit  biefclbe  auf  SßillenöerMärung  berul^t,  fid^  ald 
ein  SWe^tägefd^aft  barftcUt  (ücrgl.  §§  1873,  2029),  bod^  mit  SRütfltc&t  barauf, 
bafe  nac^  bem  ©ntrourfe  ber  ©rmerb  einer  ®rbfdf)aft  ober  eineö  SSermfid^tniffeö 
fraft  bcö  Oefe^cö  erfolgt,  bie  in  golge  eineö  fold^en  ©rrocrbeö  bie  ©^cfrau 
treffenben  SBerbinblic^fcitcn  für  bic  Icßtcre  nidEit  erft  burd^  bic  STnna^mc 
ber  ßrbfc^aft  ober  beö  aSermäd^tniffcö  begrünbet  merben  unb  beöl)alb  nid&t  ate 
SBcrbinblid&feiten  auö  einem  JRcd^tögcfd^äflc  ber  ©f)efrau  im  ©inne  beö  §  1301 
anjufel^en  fmb.  Snbcjfen  unterliegt  biefe  Sttuffaffung  —  ^ingefefjen  auf  bic 
maleriellc  ©eite  ber  ©acftc  —  bod^  er^cblid^en  S3ebenfen  unb  ift  cö  beöl|a[b  jur 
aSermcibung  dou  3roeifeln  unb  im  Sntereffe  ber  ©urd^fid^tigfeit  bcö  (Sefeged 
ratfifam,  ben  ^ier  fraglidEien  ©afe  auöbrüdflic^  auöjufpred^en. 
«u9«  9lnlangenb  bie  3luöfd^Iagung  einer  ©rbfd^aft  ober  eineö  SScrmäcbtniffcö^ 

fAiagung;  j^  jj-^  ^^  ^^^  gcmciucm  SRcc^tc  nic^t  unbcftritten,  ob  ber  S^efrau  allein  bod 
SWed^t  ber  (Sntfd^cibung  in  bicfer  ^infidfit  juftebt;  bod)  roirb  bie  grage  vox^ 
miegcnb  bejafit  (ücrgl.  ©cuffcrt  II,  191,  IX,  301,  XXI,  130;  aWotiüc  su 


Sefd^ränfung  beS  SSerfügungdred^teS  ber  (S^efcau.   3(u§na]&men.  §  1308.       243 

§  143  be«  roürttcmb.  ©ntto.;  audEi  aWotioe  jur  Ronf.  D.  S.  21  ff.,  116  ff.). 
^ie  neueren  ©efefee  enthalten  in  ber  ^icr  fraglid^en  Sejte^ung  meiftenö  feine 
fluöbrüctlic^en  Seftimmungen.  SSon  ber  ©oftrin  beö  preufe.  SRcd^tcö  wirb  auf 
%unb  bed  ä.  S.  SR.  I,  9  §  389  t)erb.  mit  II,  1  §  205  angenommen,  ba^ 
iic  ©ftefrau  eine  i^r  (ipso  jure)  angefallene  (grbfd^aft  o^ne  bie  ©inmilligung 
brt  g^anneö  ni^t  ausfd^Iagen  fönne.  5Kuf  bemfetben  ©tanbpunftc  fte^t  ber 
e^tenbreitft.  entro.  §  34. 

33om  Stanbpunfte  bed  formeQen  Sied^ted  aud  fteQt  bie  9ludfd^(agung 
einer  ©rbfc^aft,  mtnn  biefelbe,  wie  bieö  nad^  bem  ©ntmurfe  ber  gaU  ift,  fraft 
ie«  ©efefeeö  erworben  wirb,  fid^  allerbingß  als  baß  aufgeben  eineö  bereite 
eriDorbenen  SRec^teß  unb  beöl^alb,  fofem  nid^t  bie  ®rbfdEiaft  na^  §  1287 
^orbe^altöflut  geworben  ift,  alö  ein  unter  ben  §  1300  faUenbeö  SRed^tögefd^äft 
bor.  Sie^t  man  jeboc^  auf  baö  SBefen  ber  ©adEie,  fo  ^at  ber  ©rroerb  ber 
(hbft^oft  fraft  bed  ©cfcfteß,  fo  lange  ba^  SRedEit  ber  Slußfc^tagung  noc^  nid^t 
weggefallen  ift  (§§  2028  ff.),  nur  eine  formelle  93ebeutung,  inbem  bie  Sluö:: 
f(^lagung  bewirft,  ba^  eö  fo  angefe^en  wirb,  wie  wenn  ber  Sluöfd^tagcnbc 
niemate  6rbe  geworben  wäre  (§  2042).  aßatcrlcll  l^at  bie  2lußfdE|lagung  l^icr 
alfo  biefelbe  Sebeutung,  wie  nad^  benjenigen  Siedeten,  nad^  wetd^en  bie  ®rb« 
fc^ft  burd^  Slntretung  erworben  wirb,  b.  ^.  materiell  betrad^tet,  farafteriftrt  fic 
fidSi  nid^t  als  baß  SKufgeben  eineß  bercitß  erworbenen,  fonbem  alß  bie  3l\ä)U 
onnülime  eineß  angetragenen  SRed^teß.  ®icfe  9luffaffung,  weld^e  audEi  bem 
§  439  Slbf.  3  ju  ©runbe  liegt,  mufe  haf)\n  führen,  ber  ®^efrau  baß  JRe^t  ber 
9ußf(^(agung  alß  ein  ^öd^ft  perfönlic^eß  Siedet  ol^ne  Stüdtfi^t  auf  bie  @in$ 
iDilligung  beß  @^emanneß  beizulegen.  @ß  fte^t  bieß  auc^  mit  bem  3^^cfe  beß 
e^^errlic^en  9lcd^teß  beß  6I)emanneß  nic^t  in  SBiberfprud^.  ©iefeß  foB  il^n 
gegen  wittfürtid^e  SSeränberungen  ber  wirtfifd^aftlic^en  ©runblage  beß  eticlid^cn 
2cbenß  pon  ©citen  ber  ß^efrau  fc^üfeen.  S)ie  wirt^fd)aftlid^e  ©runblage  bilbet 
ober  nur  baß  ber  ®^efrau  jufte^enbe  SBermogen,  nid^t  eine  gel^offte  (Srbfdiaft. 
S^lägt  bie  ®I|efrau  bie  legtere  auß,  fo  wirb  baß  ®^egut  nic^t  oerminbert, 
fonbem  nur  nic^t  Dermc^rt.  SBermag  bie  ®^efrau  o^ne  ©inwiUigung  beß  ©{jc^^ 
tnanneß  felbft  eine  angefallene  ©rbfd^aft  außjuf dalagen,  fo  bebarf  eß  fetbft=^  (ftr5üerji<^t. 
terlianbli^  ber  (SinwiDigung  beß  6l)emanneß  nod^  weniger  ju  einem  ®rb^ 
'CTiic^te,  jumal  eine  nod^  nid^t  angefallene  @rbfd)aft  jum  ®^egute  überhaupt 
ni^t .  gebort  unb  ein  SBerjid^t  in  biefcr  SRid^tung  bal^er  gar  nidEit  unter  bie 
Siegel  beß  §  1300  fäUt 

9[ef|nlid^,  wie  in  3lnfe^ung  ber  Slußfd^lagung  einer  ®rbfdf)aft,  liegt  bie 
€o(^e  bei  ber  SKußfd^lagung  eineß  SSermäd^tniffcß. 

Wogegen  fann  eß  iweifell^aft  fein,  ob  ber  6l)efrau  o^nc  ©inwilligung  »«fif^t  out 
beß  e^emanneß  aud^  ber  SBerjid&t  auf  einen  ^jjftid^tt^eilßanfprud^  geftattet  werben  ^fii^üTeiw- 
foü,  ba  ber  5ßflic^tt^cilßanfpruc^  nad^  ber  ben  SBeftimmungen  beß  ©rbre^teß   «»»fp™*- 
(§  1976)  5U  ©runbe  liegenben  Äonftruftion  bie  Statur  einer  auf  bem  ©efefee 
beru^enben,   mit   bem   ©intritte   beß   ©rbfallcß   bem  ^jjffid^ttl&cilßbcrcd&tigtcn 
erworbenen    eigent^ümlid&cn   SRad^lafeforberung   l^at    unb    im    ©rbred^tc   an 
ben  Äonfequenjen  biefer  Sluffaffung  namentlich  auc^  in  ber  Slid^tung  fcft« 
gehalten  ift,  ba§  ber  Sered^tigte  nidE|t  burd^  einfcitige  ©rflärung  ben  ®rwerb 
mit  rürfwirfenber  Äraft  wieber  aufljeben  fann.    Snbeffen  l^inbert  biefc  9luf^ 

16* 


244       Sefc^rän  fung  bcö  Serfüöimoßred6tee  ber  S^efrau.   StitSnaJmcn.   §  1308. 

faffung  n\6)i,  im  33er^fi(tniRe  unter  bcn  ®f|egattcn  in  bcr  ^icr  fraglid^en  Se«^ 
jic^ung  bcn  SJcrsid^t  auf  bcn  ^flid&ttf|citeanfprud(|  ber  2Iuöf^Iagung  einer 
(Srbfdf)aft  ober  eines  5Bermä(^tniffe6  gleic^juftellen.  2)iefc  ©lei^ftellung,  roeld^e 
auf  bie  materielle  ©ad^Iage,  auf  ben  Äarafter  bcö  ^ßflid^tt^eiteanfprud^eö  alä- 
eines  erbrec^tlic^cn,  an  ©teile  bes  ©rbrcddteö  tretenbeu  3lnfprud^eß  baö  ent* 
fd^eibenbe  ©eroid^  legt,  red&tfertigt  fid^  burd^  baö  befonberc  SSerl^ältnife  ber 
©Regatten  unter  cinanber.  liefern  SBerpltniffe  entfprid^t  es,  bafe  ber  (S^c^ 
mann  ber  ß^efrau  bie  ©ntfd^eibung  barübcr  überlädt,  ob  fie  i^rcn  ^flic^tt^eife 
anfprud^  gcitcnb  mad^en  ober  ob  fic  es  bei  ben  SBerfügungen  beS  GrblajferS. 
betaffen  mill,  meiere  biefer  oicUeiddt  aus  befonbercn  3lücfrid^ten  im  SSertrauca 
barauf  getroffen  l^at,  ba^  bie  ef)efrau  in  2lnertennung  biefer  Slücffid&ten  ben. 
i^r  gefe^Ii^  jufte^enben  ^f(idf)tt^eiteanfprud)  nid&t  gcltenb  madf)en  werbe.  3^ 
fotd^en  gäUen  bem  ©fjcmanne  bas  JRe^t  beijulegen,  gegen  ben  SBillen  ber 
6f)efrau  bie  ©eltenbmaddung  bes  ^flidE|ttt)eiISanfpruc^eS  burd&jufegen,  !ann  a(& 
angemejfen  nid^t  erachtet  werben.  SRod^  weniger  mürbe  eö  gerechtfertigt  fein^ 
in  fold^en  gällen,  in  meldten  bie  Oeltenbmac^ung  beö  ^^JflidEittlieifsanfprucöe* 
pon  ber  SStuSfc^Iagung  einer  bcr  ß^cfrau  oon  bem  ©rblaffcr  gemachten  3^ 
menbung  abhängig  ift  (§§  1980—1982),  bie  ©l^efrau  in  bcr  grei^eit  iftrcr 
entfd^licfeung  ju  befd^ränfcn  (oergl.  auc^  ©euffcrt  II,  191,  XXI,  130).  S)iefca 
©rroögungen  gegenüber  fann  auf  bas  Sebenten  cntfd)cibenbes  ©emic^t  nid^t 
gelegt  werben,  ba^  im  praftifd&en  Sebcn  ber  5ßf(id^tt^eiteanfpru(^  ber  ©fiefrau,. 
weil  regetmäfeig  unent jie^bar ,  fd^on  bei  ©ingel^ung  ber  ®^e  oon  bem  (Sf)tf^ 
manne  als  wirtl^fdfiaftlidje  ©runbtage  ber  ®^e  mit  in  3fle^nung  gejogen 
werbe  unb  es  bes^alb  eine  unbillige  J^ärtc  gegen  ben  (Seemann  fei,  wenn  bie 
ß^efrau  o^ne  feine  (Einwilligung  willfurlid^  auf  ben  ^flic^tt^eilsanfprud^  oetf 
jid^tcn  bejw.  bie  ©cltcnbmadEiung  beS  lefeteren  burdEi  9lnnat)me  ber  Sww^ nbung 
ocrciteln  fönne.  2)ic  Äonfcqucnj  biefer  3luffaffung  würbe  jubem  ba^in  führen. 
muffen,  entgegen  bem  ©tanbpunfte  beS  §  1287,  aud)  bie  9lusf^lic§ung  bcr 
el^elid&en  ^Rußnicfeung  unb  Verwaltung  burdö  33eftimmung  bcs  ©rblafferö  in^ 
foweit,  als  bcr  ^flidE|ttt)eil  ber  e{)cfrau  rcid^t,  nid&t  jU  gcftattcn  (oergl.  bie 
aiiotioe  ju  §  1287  oben  S.  169)  unb  bie  3lusfc^lagung  einer  auf  ®runb  cind* 
®rbcinfc|ungSoertragcS  bcr  ®l)efrau  angefallenen  ©rbfd^aft  ober  eines  auf 
einem  aScrmäd^tnifeoertragc  bcru^enbcn  aScrmäd^tniffcs  ebenfalls  an  bie  ©in^ 
willigung  bcS  ef)emanneS  ju  binben.  Uebrigcns  ift  auc^  im  ©rbrec^tc  ben. 
pcrfönlid^cn  SWücffid^ten,  weld^e  bei  ber  ©eltenbmaddung  bcs  ^ffid&tt^eil&f 
anfprud^es  in  Setrad^t  tommcn,  infofern  SRcdfinung  getragen,  als  bcrfelbe  iiad^ 
§  1992  bcr  ^fänbung  im  aOBcgc  ber  3i^ongöoollftrccfung  unb  ber  SlrreftootU 
jicl^ung  gegen  bcn  ^^fliddtt^eilsbercc^tigten  nur  bann  unterworfen  ift,  wenn  ber 
Ic^tcre  benfelbcn  gerichtlich  ober  aufecrgerid^ttic^  gcitcnb  gcmad&t  l^at. 
«bie^nung  2.  ©ic  Scftimmuug  bcs  §  1308  3lx.  2  beruht  auf  äl)nli^en  Gwägungcn^ 

»«^?0«*  wie  bie  beS  §  1308  3lv.  1.  2)ie  burdd  ben  SßertragSantrag  für  bie  e^efrau 
antrogc».  bcgrünbctc  unb  wegen  bcr  ©ebunbcnl)cit  beS  2Intragenben  (§  80  ff.)  rcd^tlid^ 
gcfid^crtc  aWoglic^fcit,  ein  9tedf)t  ju  erwerben,  ift  eine  ^od&ft  perfönlic^e  Sefug^ 
nife,  unb  mufe  beslialb  über  bie  3lblcl^nung  ber  SBille  bcr  S^efrau  allein  enfc- 
fd^cibcn.  S)icfe  3lrt  bcr  Sclianblung  ftel)t  aud)  —  abgefe^cn  oon  bem 
e^renbrcitft.  ©ntw.  §  34  —  mit  bcr  Stuffaffung  bcr  meiften  ©cfefte  im  Sin*- 


S5c|(^ränfun0  be3  Serfügung^rcc^tcö  ber  (gl&efrau.   SluSna^men.  §  1309.       245 

floiige.  Tai  bie  (Sbcfrau  jcbcn  33crtraß§antrag,  fofern  nid^t  bcr  aSertrag  unter 
bfn  §  1300  fällt  o^m  ©inroilligung  bcö  (S^cmanncö  roirtfam  annehmen  fann, 
ergicbt  fic^  aus  i^rcr  ©efd^öftöfö^igfcit  üon  fclbft.  ®ie  ©inroittigung  beö 
€bemanncö  ift  ^ier  nur  für  bic  gragc  oou  S3cbcutung,  ob  bic  burc^  bcu  aScr? 
trog  begrünbeten  SRcd^tc  unb  ^flid&tcn  r\ai)  aSafegabe  ber  §§  1288,  1301  bem 
S^egute  ober  bem  aSorbefialtögute  iufallen. 

3.  2)o6  bie  6inu)iUigung  beö  @^emanneö  ju  SRed^tögefd^öften,  roeld^c  bie    I^^\^^ 
€^ou  mit  bem  ©liemanne  felbft  fd^liegt,  in  folgen  §äUen  niddt  erforbcrtid^  unb  mt^l 
i)l,  in  iDcId&en  ber  ®f)emann  in  ^crfon  ober  ftatt  beöfetben  beffen  gefeglid&er  ^^^^^^ 
Satrcter  ^anbelt,  ift  als  felbftoerftönblid^  betrad)tct  (nergl.  §  1326).    dagegen      '^""** 
^ängt  bie  Gntfd&eibung  ber  grage,  ob  bie  ©inroilligung  beß  @t)emanncö  anä) 

in  einem  folc^cn  golle  nid^t  crforberlid^  ift,  in  meld&em  bie  ©fiefrau  mit  einem 
SeDoHmät^tigten  beö  @f)emanncö  fontral^irt,  Don  ber  ßntfd^eibung  ber  grage 
ab,  ob  in  ber  (Srt^eihmg  ber  SSoUmad^t  Don  ©eiten  beö  ©fiemanneö  jugleid^ 
<nxä^  bie  ©rtl^eilung  ber  Ginroilligung  beö  lefetcren  ju  9iedf)tögefd^äften  ?|ioifd}en 
bem  SetJoHmö^tigten  unb  ber  ß^efrou  liegt,  gür  biefen  goU  poptiü  ju  be* 
ftimmen,  ba^  bie  Ginmilligung  beö  @f)emanneö  nid^t  crforbcrlid^  fei  (oergt. 
ffi^f.  ®.  33.  8  1638  ,,mit  ©ritten"),  fnnn  alö  angemefjen  nid)t  erad^tct 
loerben,  oielme^r  üerbient  eö  ben  9Sor5ug,  bie  ©ntfd^eibung  ber  93eurt^eilung 
beö  einjelnen  galleö  ju  übcrloffen.  dagegen  ift  eö  unbebenfüd^  unb  entfprid^t 
eß  bem  §  1309  9Jr.  2,  von  ber  Siegel  beö  §  1300  im  Sntercffe  ber  e^efrau 
wegen  beö  foHibirenben  Sntereffeö  beö  ß^emanneö  unb  jur  SSereinfad^ung  bcr 
Bad)t  (DergL  §  1320)  bie  3luöna^me  ju  mod^en,  boß  bie  ©inmilligung  beö 
€(iemonneö  nid^t  erforberlid^  ift  ju  einem  SRed^tögefd^äfte,  meld^eö  oon  bcr  dfjt^ 
fron  <|egenüber  bem  ©bemanne  üorgenommen  mirb. 

4.  ©ine  oUgemeine  Seftimmung,  ba&  bie  ©inroilligung  beö  ®f|cmanneö  ®i*ening 
mä^t  erforberlid^  fein  foH  5u  fold&en  ^anblungen,  meldte  lebiglid^  bie  ©rf)altung  SS?  c'^u«! 
unb  Sicherung  bcö  ©^egutcö  betreffen,  mürbe  jroar  an  fic^  feinem  Sebenfen 
unterliegen,  ba  ein  bem  3"tereRe  ber  ß^efrau  miberftieitenbcö  red^ttidjcö 
3ntereRe  beöG^emanneö  l^ier  faum  benfbar  ift.  Sie  ift  iebod^  alö  entbc^rli^ 
erod^tet,  ba  für  ben  roidötigften,  f)ier  in  grage  fommenben  galt,  nämlic^  in 
Snfe^ung  berjenigen  i^anblungen,  roetdde  bie  ©r^altung   unb  ®ur^füt|rung 

bcö  3nocntarred^teö  in  Sejiel^ung  auf  eine  bem  ©l^egute  angefallene  ©rbfd^aft 
beperfen,  im  ©rbred^te  (§  2148  3lx.  4)  befonberö  $5orforge  getroffen  ift. 

SBeld^e  red^tli^ie'SSebcutung  eö  ^at,  bafe  in  ben  gällcn  bcö  §  1308  bie 
ßinioiniflung  beö  ©tjemanncö  nic^t  erforberlid^  ift,  ergiebt  fidb  auö  bcr  aU^ 
gemeinen  SSorfc^rift  bcö  §  1310. 

§  1309. 
1.  3)er  im  §  1309  3lx.  1  üorgefe^ene  gall  ift,  fooict  junädjft  bie  3Iftio^  «ortfe^ung 
projeffe  ber  ©^efrau  betrifft,  bem  galle  ganj  analog,  menn  rofifirenb  93efte^enö  'Xul*** 
ber  eMid^cn  Sfhifeniefeung  unb  SBermaltung  ber  ©bemann  feine  ©inmiUigung 
§u  bem  ^rojeffe  ert^eilt  ^atte  unb  leftterer  red^tö{)ängig  gcroorben  ift.   9Bie  in 
einem  fold&en  galle  (oergl.  §  1301  nebft  aKotinen  oben  S.  234),  fo  mufe  au^ 
in  bem  ^icr  in  9lcbe  fte^enben  galle  bie  gortbaucr  bcr  jur  Seit  bcr  9lcd)tö* 
^ngigfeit  einmal  oorlianben  gemefenen  2lftit)Icgitimation  bcr  ©fjcfrau  Don  bem 


246      Scf(??rdnfunG  be«  aJerfüßunöSre^teß  bcr  SJcfrau.  ausnahmen.  §  1309. 

SBiDcn  bcs  @^cmanncö  unabhängig  unb  baä'  in  bcm  ^rojeffc  crgel^cnbc  Urt^cit 
auä)  in  3lnfc^ung  beö  ©fiegutca  gegenüber  bem  (S^cmannc  wirffam  fein  (oergl. 
§§  1310,  1311,  1312  5Rr.  1),  2)iefe  Regelung  ift  nad^  ^Analogie  beö  §  236 
ber  6.  5ß.  D.  inöbefonbere  aud^  mit  Slücffid^t  auf  bie  Sage  beö  ^rojefegegner^ 
ber  ®^efrau  geboten.  SBie  bcr  ©bemann  bie  auf  einem  Dor  ©intritt  ber  el|c* 
Iid)en  Sluftniefeung  unb  SBerroaltung  vorgenommenen  SRed&tögefc^äfte  ber  (St|e* 
frau  berul^enben,  menngleid)  erft  nad^  jenem  S^itpunfte  eintretenbcn  red^tlid&en 
SBirfungen  ftc^  gefallen  laffen  mu§,  fo  auc^  bie  redfitlid^en  folgen  eines  bereit* 
Dor  jenem  S^itpunfte  anl^ängig  geworbenen  ^rojeffeö.  S)iefer  ©eft^töpunft 
mu§  aber  fonfequent  ba^in  führen,  and)  bem  in  einem  bei  ©intritt  ber  e^e^ 
lid^cn  SRufeniefeung  unb  Sßerroaltung  bereits  red^tö^ängigen  ^ßaffiüprojeffe  gegen 
bie  ®f)efrau  ergefienben  Urt^eile  in  2lnfe^ung  beö  ß^eguteS  gegenüber  bcm 
©{jemanne  SBirffamfeit  beijuregen  (ocrgl.  §§  1310,  1311,  1312  5Rr.  1).  ©ine 
fold^e  SBeftimmung  ift  ebenfalls  im  ^ntereffe  bcs  ^rojcfegegners  bcr  ©^cfrau 
burd^  bie  öiKigfeit  geboten,  ba  ber  tegterc  ben  ©l^cmann  nid)t  jroingcn  fann, 
bem  ^rojeffe  beijutreten,  berfelbe  mitl^in  ol^ne  jene  S3eftimmung  genötfiigt  fein 
mürbe,  gegen  ben  ©l^emann  bemnäd^ft  Don  3leuem  ju  Hagen  (oergt.  §  1314), 
SInbererfeitö  fann  ber  ©bemann  gegen  eine  nad^läffige  ^ßroje^füfirung  bcr  ®^c? 
frau  in  allen  gällen  fic^  baburd^  fd^ügen,  ba%  er  bem  ^rojcjfe  als  9iebcm 
interoenient  beitritt,  in  meld^cm  galle  mit  JRürffxd&t  auf  §  1310  beS  ©ntmurfcs 
ber  §  66  ber  ©.  %  D.  Slnrocnbung  finbet. 

®a6  bie  SSorausfegungcn,  unter  meieren  bie  ©inmitligung  beS  Seemannes 
jur  gü^rung  eines  9lcd^tSftrcites  ber  ©^efrau  an  fi^  crforberlid)  ift,  erft  nodb 
ber  JHed^tS^ängigfeit  beS  le^tcren  eintreten,  fann,  abgcfcl^cn  üon  bem  gallc  bcs 
§  1309  3lv.  1,  aud^  nod)  in  anberen  gällen  Dortommen,  nämlid^  bann,  wenn 
ber  @t;emann  feine  ©inroilligung  ju  bem  felbftdnbigcn  betriebe  eines  ©rmcrbs« 
gefd^äftes  üon  ©eiten  ber  ©f)efrau  nad)  ©intritt  ber  9led^tsf|ängigfeit  eines  bas 
©rn)erbsgcfdf)äft  betreffenben  SReddtsftrcitcS  jurüdEnimmt  ober  mcnn  bie  ©^cfrau 
auf  ©runb  bes  §  1306  of)ne  ©inroilligung  bcs  ©^cmanneS  einen  Slcd&tsftrcit 
fübrt  unb  nad^  ©intritt  ber  SRcd^tsliängigfeit  bie  ^Borausfcgungcn  bcs  §  1306 
mcgfallen.  ©in  Sebürfnife,  mit  SRücffid^t  auf  biefe  gölle  bie  SSorfd^rift  bcs 
§  1309  3ir.  1  }u  crroeilcrn,  liegt  jcbod)  nid)t  üor,  ba  einerfeits  aus  bcm  jener 
3Sorfd^rift  ju  ©runbe  liegenben  ^rin5ipe,  anbererfeits  aus  bem  §  1310  ocrb. 
mit  ben  §§  1306,  1307  ficb  crgicbt,  bafe  aucb  ^^  ben  bcjeid^neten  gälten  bie 
©inmilligung  bcS  ©^emanucs  jur  gortfegung  bes  Stcd^tsftreitcs  bcr  ©^cfrau 
nid^t  crforberlid^  ift.  3lnbererfeits  mürbe  burd)  eine  aud^  iene  gälle  umfaffenbc  ©r* 
meiterung  bcr  gaffung  beS  §  1309  9Jr.  1  bas  ©efeg  an  ©urdbfid&tigfeit  ocrlicrcn. 
öcitenb.  2.  Sie  im  §  1309  9tr.  2  bcftimmte  9lusnal^me  ift  eine  not^mcnbigc 

""e^l^SwT*  S^ffl^  ^^  ^ön  bcm  ©ntiourfe  angenommenen  ©runbfafteS,  bafe  bie  gcrid^tlic^e 
rw^tcfl:     ©eltcnbmad^ung  oon  ®f)egutsanfprüd)cn  bcr  ©^cfrau  gegen  ben  6f(cmann  aud) 
ermann!   fdf)ou  mä^rcub  bcftcl)enbcr  cl)clid^er  Slugnicfeuug  unb  SBcrmaltung  .wläffig  ift 
(oergl.  §   1292  ucrb.  mit  §  1004,  ferner  §  1324  Slbf.  2  unb  9)lotioc  ju 
§  1292  oben  S.  184). 

ctSelF^nö«*  ^'  ®'^  93eftimmung  beS  §  1309  3lx.  3  umfafet  fomofil  ben  gall,  in 

Doufticdung  TOclc^cm  bic  3roangSt)ollftrecIung  gegen  bie  ©l}efrau  fclbft  ouf  Orunb  eines 

Xgut*  gegen  fic  üoUftredbaren  SCitclS  ftattfinbet,  als  au^  ben  anberen  goH,   in 


S3cf(J6ranfung  bc5  aScrfuguno§rcc&tcg  ber  (SMrau.  9lußnal&men.  §1309.       247 

melc^cnt  Seftanbtl^cile  beö  ®f|cguteö  bei  einet  gegen  2)ritte  gerid^tetcn  3n>on9ß=* 
ooQftrecfung  gepffinbct  werben.  3n  bem  erftercn  goUe  foB  bic  ®f)efrau  bie 
bem  Sc^ulbncr  bei  einer  gegen  i^n  gerid^teten  3n)angöDoHftrecfung  juftcl^cnben 
Scd^lc  felbftönbig  wa^rne^men,  in  bem  anberen  galle  auf  ®runb  il^rcö  bie 
SSeröufeerung  ^inbemben  9led&ted  in  ©emäfe^eit  bes  §  690  ber  6.  %  D.  SBiber- 
fpnw^  ergeben  fönncn.  S)er  §  1309  SRr.  3  mod^t  ferner  feinen  Unterfd^ieb,  ob 
cd  fid^  um  eine  SroangöDoIIftredEung  in  baß  ß^egut  wegen  einer  ©elbforberung 
ober  um  bie  ajoDftrerfung  eineö  auf  bie  aSeräufeerung  einer  (g^egutefad^e 
gerichteten  Urti^eiled  ^anbelt.  3n  aKcn  ^ier  in  grage  fommenben  gällcn  ift 
regelmäßig  ®efa^r  im  33erjuge,  unb  ^at  ber  ©l^emann  ni^t  feiten  ein  bem 
Sntercffe  ber  ß^efrau  entgegcnftcl^enbeö  Sntereffe,  n)eöl;a(b  nid^t  immer  barauf 
ju  red^nen  ift,  baß  er  freiwillig  feine  ©inroilligung  ju  ben  F)ier  fraglid&en 
Met^tdftreiti'gfeiten  na^  ajlafegabe  ber  §§  1319,  1322  ertl^ieiten  wirb,  aiuf  ber 
onberen  Seite  ^at  ber  Ehemann  fein  red&tlid&  ju  bead^tenbcö  Sntereffc,  bic 
Qeltenbmaci^ung  eineö  ß^cgutörcd^teS  burd^  bie  ©^efrau  in  bem  ^ier  fraglichen 
goDe  ju  ^inbem,  jumal  er  gegen  eine  fd^tcd^te  5Proje§fül)rung  ber  ®^efrau 
fi4i  boburdb  fd^flfccn  fann,  bafe  er  bem  ^ßrojeffe  als  SRcbeninteroenient  beitritt,  in 
mli^m  galle  er  nad^  §  66  ber  6.  %  D.  Derb,  mit  §  1310  b.  Qniro.  als 
£treitgenoffe  gilt. 

4.  25ie  aSorfd^rift  bcs  §  1309  9lr.  4  entfpri^t  ben  ©rünbcn,  aus  weld^en  »tbcrfpru^ 
ber  g^efrou  bas  im  §  1299  äbf.  2  beftimmte  felbftänbigc  3Biberfprud&Srcd)t  ^,^^^^t^ 
beigelegt  ift,  fowie  ber  änatogie  bcö  §  1309  3lx.  3,  ba  baS  SBiberfpru^sred^t  *^*"^"ö^^ 
bie  materiellen  S^edt  beS  ©Iiegutes  ju  fiesem  beftimmt  ift.    2:ic  fad^lidf)e 
SJebeutung  ber  9lr.  4  ift  bie,  bafe  baburd)  bic  jum  3wede  ber  ^ier  fraglid^en 
Äec^tSperfoIgung  t)on  ber  Ehefrau  eingegangenen  ober  bie  lefetere  in  golge  ber 
$roje§fü^ning  treffcnben  ajcrbinblid^feiten  ben  Äarafter  t)on  ©l^egutsoerbinblid^* 

feiten  erlangen  (oergl.  §§  1310,  1312  SWr.  1,  §  1297  ?lr.  5).  SJafe  bie  e^e* 
frou  ouc^  ofine  ©inwilligung  bcß  ef)emanncs  jur  Sr^ebung  beS  SBiberfprud^es 
im  SBcge  ber  Älage  fac^lid)  legitimirt  ift,  ergiebt  fidEi  fd^on  aus  ben  §§  1302, 
1303,  ba  ber  ©bemann  ®igentf|ümer  ber  grüd^te  ift,  bie  (Sliefrau  baljcr  ein 
ß^egutdrcd^t  im  6innc  bcS  §  1302  nic^t  geltenb  madf)t. 

5.  ©in  Sebürfnife,  ber  Ehefrau  nod^  in  anberen  gällen,  als  ben  in  ben  »inbifotion 
§§  1306,  1307,  1309  bcjeid^neten,  bie  geric^tli^e  ®eltcnbmad&ung  oon  ©^eguts^  »etäu'JaJJr 
redeten  o^ne  ©inwilligung  bcs  Ehemannes  ju  gcftattcn,  insbefonbcrc  bann,   ^f^^^' 
»enn  ber  Seemann  rcc^tswibrig  über  6f)egutsgegenftänbe  üerfüg't  \)at,  liegt 

nid^t  oor.  93om  ©tanbpuntte  bcs  Entwurfes  aus  fann  cS  nid^t  zweifelhaft 
fein,  bafe  bic  ®^efrau  in  gällcn  ber  julegt  gcbaddten  9lrt  bie  i^r  gegen  S)ritte 
jufle^enben  ß^egutßanfprüc^c  fc^on  walirenb  befte^enber  c^elid^er  SRufeniefeung 
«nb  Scrroaltung  geltenb  mad^en,  insbefonbcrc  bie  üon  bem  ©bemanne  red^ts^^ 
töibrig  ücräufeertcn  ß^egutsfad^en  ron  bem  brittcn  Sefiger  mnbijircn  fann 
(oergl.  fäc^f.  O.  ö.  §  1675).  Sine  anberc  gragc  ift  cö  aber,  ob  ilir  in  bicfen 
§ällen  bie  33efugni6  jur  felbftänbigen  gerid&tlic^en  ©eltenbmad^ung  ber  be- 
treffenben  ©^egutsre^te  eingeräumt  werben  foll.  I)er  ®cfid)töpunft,  bafe  aud^ 
in  gfiUen  biefer  9lrt  bas  3ntcrcffe  bcs  ©liemanncs  mit  bem  ber  ®l)efrau 
foUibire  unb  eS  im  Sntereffe  beS  cl^elic^en  griebenö  tl)unlid^ft  ju  oermeiben 
fei,  bie  Gl^efrau  auf  ben  SBeg  ber  Älage  gegen  ben  (Seemann  ju  perweifen,. 


248       Scfd&r.  b.  Scrfügunoßr.  b.  g^cfrau.  ©ebeutuitg  ber  Stue^na^mcn.  §  1310. 

um  bcffcn  ©intüinigung  jur  gcrid^tUd^cn  ©cltcnbmac^ung  bcr  bctrcffcnben  6^c^ 
gutöre^tc  5u  crjnjingcn  (ocrgl.  §§  1320,  1322  b.  ®ntro.  ocrb.  mit  §  779  bcr 
6. 5}J.  O.)/  fcmn  nid^t  alö  burd)fd^lQgcnb  crad^tet  mcrbcn,  um  eine  3)ur^6red&ung 
bcr  SRcgcI  bcö  §  1302  ju  rcd^tfcrtigcn.  9lu(^  ift  in  ben  güDen  ber  ^ier  frag^ 
lid^en  9lrt  regelmäßig  Oefal^r  im  SScrjuge  nid^t  oorl^anben.  6ß  ^anbett  fid^ 
nid^l,  mic  im  galle  beß  §  1309  5Rr.  3,  um  bic  Slbwenbung  eines  brol^enben 
SSerlufteö,  fonbem  um  bie  SBiebererlangung  eines  bereits  verforenen  Seftgcö. 
gubem  f|ängt  bie  Segitimation  ber  ©^efrou  in  ben  l;ier  fraglid^en  gällcn  nic^t, 
mie  in  bem  gallc  bes  §  1309  3lv.  3,  bloS  boDon  ab,  ob  bie  ©odEie  jum  (S^e* 
gute  ge{)ort,  fonbern  oon  ber  t)ielIeidE|t  beftrittenen  unb  jmeifel^often  groge,  ob 
bic  Verfügung  mit  ober  of|ne  ©inroilligung  ber  ©^efrau  erfolgt  ift,  ober  ob 
oiclleid^t  überall  feine  red&tsmibrige  93erfügung  beö  ©^emanncs  in  §rage  fielet, 
fonbem  ber  S)ritte  bie  ©ac^e  auf  Orunb  eines  SRcd^tsgefd^äftcS  bes  ©^emanncs, 
JU  beffen  SSornal^mc  berfclbe  t)ermoge  feiner  e^etid^cn  Siugnießung  befugt  mar, 
j.  33.  auf  (Srunb  einer  SBcrpad^tung,  erlangt  l^at.  2)oS  SScr^ältnife  fann  fo 
liegen,  ba§  bcr  (Seemann  ein  bringenbes  ^ntereffe  baran  ^at,  bie  ©r^ebung 
ber  Elage  ju  ^inbern,  of|ne  bafe  unter  ber  ^inausfd^iebung  bcrfelbcn  baS 
3ntereffe  ber  ©fiefrau  leibet.  SDasu  f ommt,  bofe  eine  fd^arfe  ^JJräjifirung  ber  ^ier 
fraglid(ien  9luSnal^mc  t)on  ber  SRcgcl  beS  §  1302  fd^mierig  ift,  eine  fol^e  äuö^ 
na^me  ba^er  aSeranlaffung  ju  Streitigfeiten  unb  ^rojeffen  ju  geben  bro^t. 
5)as  3lntcrcjfe  ber  ©liefrau  ift  —  abgefc^cn  baoon,  bafe  fie  gceignctenfaUs  gegen 
izn  (Seemann  auf  ©rt^eitung  feiner  ©inmilligung  ju  bem  ^rojeffe  Magen 
fann  — -  baburdEi  genügenb  gefd^üfet,  baß  ilir,  menn  ben  ©bemann  ein  SJer« 
fd^ulben  trifft,  ein  ©rfa^anfprudEi  gegen  benfclben  äufte^t,  meldten  fie  ol)ne  feine 
©inmilligung  fofort  geltenb  ju  mad^en  bered[|tigt  ift  (oergl.  §  1292  oerb.  mit 
§  1004,  ferner  §  1324  9rbf.  2,  §  1309  9lr.  2),  unb  baß  fie  im  äußerften 
galle  nad^  SRaßgabc  bes  §  1328  9lr.  1  bie  2lufl|ebung  ber  e^elid^en  Slufenießung 
unb  SSerroaltung  ücrtangcn  fann. 
^roie^r  6^  2)ie  rcd^tlic^e  33ebeutung  ber  im  §  1309  beftimmten  SluSna^mcn  ift 

nid^t  nur  bic,  baß  in  bm  gSUcn  bes  §  1309  bie  ©^efrau  jur  gerit^tli^en 
©eltcubmad^ung  ber  bctreffenben  ©^egutsrec^tc  ol^nc  ©inroilligung  beS  @^e^ 
manncs  aftio  legitimirt  unb  bas  in  einem  9led^tsftrcite  ber  fragli^en  ärt 
erlaffene  Urt^cil  auc^  in  3lnfe^ung  bes  ©^egutes  gegenüber  bem  ©bemanne 
mirtfam  ift  (§  1310),  fonbern  aud^  bie,  baß  bic  oon  ber  ©t)efrau  behufs  jmed^ 
entfpret^enber  SRed^tSoerfolgung  eingegangenen  ober  fie  in  golge  bcr  ^rojeß* 
fü^rung  fraft  bes  ©efefecs  treffenben  3Jerbinblid[|fcitcn,  fei  eS  gegenüber  i^rem 
5ßroießgegncr  ober  gegenüber  it)rem  Slnroaltc  ober  i^rem  ©crid^tSooUjie^er  ober 
gegenüber  bem  (Scric^te,  ol^ne  SRüdEfid^t  auf  bic  ©inmiDigung  bes  ©bemanne« 
als  ©^egutSücrbinblic^feiten  {oergl.  §§  1311,  1312  3lx.  1)  ju  betrauten  finb. 

§  1310. 

»ebeutung  3)er  §  1310  bcjmedEt,  bie  rec^ttid^c  33cbeutung  ber  S3eftimmung,  bafe 

«ujna\men.  iu  bcu  gäUcu  bcr  §§  1306—1309  utib  bcS  §  2148  5Rr.  4  bic  ©inmiDigung 

beS  ©^emannes  nid^t  erforbertic^  ift,  in  pofitioer  SBcifc  jum  ftarcn  ^lusbrucfe 

JU  bringen.     9lus  §  1310  in  SSerbinbung  mit  §  1312  5Rr.  1  ergiebt  fi^ 


SetfcinbUd&fcitcn  ber  ß^efrau.   e^egut^berbinbli^fcitcn.  §§  1311 ,  1312.       249 

nomcntlu^,  bofe,  foweit  mö)  bcn  aSorfd^riftcn  ber  §§  1306—1309'  unb  bcö 
§  2148  3h:.  4  ju  einem  SRed^tögcfd^äfte  ober  einem  SRec^töftreite  ber  S^efrau 
bie  ßimoilKgung  bcö  ©fiemonneö  nirf)t  erforberlic^  ift,  bie  barauö  entftonbcncn 
SfrtinWic^feiten  ef^egutdoerbinblic^feiten  ftnb  (§  1311).  3m  Uebrigen  mirb 
jur  9lc4itfertigung  ber  im  §  1310  entgoltenen  SSorfdirift  auf  bie  äHotioe  ju 
Jen  §§  1306—1309  93ejug  genommen. 


4.    SSerbinblidjfeiten  ber  ©l^efrou. 

§§  1311,  1312. 

I.  2)em   ©runbgebanfen  ber  el)cttd^cn  Slufeniefeung  unb  SJermaltung,  ©teaung  ber 
inäbefonberc  bem  im  §  1293  jum  Stuöbrude  gelangten  5ßrinjipe,  bafe  nur  baö  ®^«J,efTau*^'' 
jeweilige  Vermögen  ber  ß^efrau  ber  el^elid^en  SRufeniefeung  unb  a3ern)altungfl«flenttberbem 
unterliegt,  entfprid^t  ber  ®runbfa§,  bafe  bie  ©laubiger  ber  fö^efrau,  fomeit  ^^2Tat 
nid^t  bafi  ©efcß  ein  3lnbered  beftimmt  (§  1312),  megen  aller  SSerbinblid^feiten 
ber  ß^efrau  bie  Scfriebigung  aud^  auö  bem  S^egute  o^ne  SHüdfic^t  auf  bie 
eWi^«  Slugniefeung  unb  SScrmaltung  t)erlangen  fönnen  (§  1311).    ®ö  gilt 
Med  namcntüd^  von  allen  r[px  ©intritt  ber  e^elic^cn  9lu|niefeung  unb  SScr* 
TOcltung  entftanbenen  SBerbinblic^feiten  ber  ®^efrau,   fomie    von  ben   nod^ 
eintritt  ber  e^elic^cn  9luftnic6ung  unb  Sßermattung  entftanbenen  SBerbinblid^" 
leäen  berfelben  auö  SRed^tögefc^öften  unb  Urt^eilen,  menn  ber  ®l;emann  in 
l>if  äSoma^me  befi  9led^tögefd[|äfteS  ober  in  bie  gü^rung  beö  SHed^tdftrcited 
ringeroilRgt  ^at  ober  bie  eine  ober  anbere  genehmigt  (oergl.  §§  1301—1303, 
1311,  1312  9lr.  1).   2)iefen  SBerbinblic^feiten  ftelien  gteid^  bie  aSerbinblid^teiten 
ber  6^au  auö  SHed^tögefd^äften  unb  Urt^eitcn  in  fotd^cn  gcillcn,  in  meieren 
cufina^Srocife  bie  ©nmilligung  beä  ©^emanneö  nid^t  crforberlic^  mar  (oergl. 
§§  130^—1311,  1312  SWr.  1).    3nfomeit  finbet  ber  ©ntmurf  ftc^  im  ^rinjipe 
mit  allen  bcfte^enben  3?ed&ten  im  ©inf lange  (oergl.  preufe.  21. 2. 9J.  II,  1  §§  320, 
335,  336,  338;  fä(^f.  ®.  33.  §  1679;  olbenb.  ®ef.  o.  24.  2lpril  1873  Sttrt.  9). 

3n>eifet^ft  unb  nic()t  unbeftritten  ift  bagegen  bie  S^age,  ob  unb  inmieroeit  ©«f«»««^« 
nod^  ben  befte^enben  Siedeten  anbere  nadfi  ©intritt  ber  c^elid^en  ^lugniefeung  rluenVnb 
unb  SeriDoUung  entfianbene  SSerbinblid^teitcn  ber  (S^efrau,  inöbefonbere  bie    ^^^^ 
unmittelbar  burd^  ©efefe  bcgrimbeten  ober  auö  unerlaubten  i^anblungen  Ijer« 
rü^miben  SScrbinblid^fciten  berfelben,  ß^egutßoerbinblidifeiten  im  ©inne  bcö 
§  1311  finb.    gür  baö  gemeine  SRed^t'mirb  bie  Haftung  bcö  ©f)cguteö  für  ©citcnbc« 
©c^lben  biefcr  Sfrt  balb  bejolit,  balb  oemcint  (oergl.  in  9lnfe^ung  ber  i&aftung     ***** 
brft  ©efammtguteö  für  bie  35eliftöfd(iulbcm  auf  bem  ©ebietc  ber  ©ütergemein* 
f(|oft  entfd^.  b.  SR.  ©.  in  ßioilf.  VII,  51).    ®aö  preufe.  91.  S.  %  entljält  in 
Wefer  SSejic^ung  feine  auöbrücflid^e  Seftimmung,  unb  ift  cö  in  ^otgc  beffen 
namentüi^  ftreitig,  ob  bie  ©löuhiger  ber  ©bcfrau  megen  ©eliftöfd^ulben  fid^ 
wä^renb  ber  6^c  an  baö  ©Ijegut  lialten  fonnen.    S)ie  neuere  ©oftrin  fd^cint 
icboc^  oortoiegenb  anjunetjmen,'  bafe  ber  §  320  II,  1  91.  £.  9t.  ftd)  nur  auf 
Dertragömögige  3Serbinblid^feiten  ber  ß^efrau  bcäief)c  unb  bcöl)alb  bie  Haftung 
beöSbeguted  für  gcfcftlic^e  SSerppid^tungen  ber  @^efrau  ju  bejatien  fei  (oergl.  aud^ 
©cfeftreo.  ?ßenf.  XY  §  242  nebft  aKotioen  @.  204).   S)aö  fddjf.  ®.  35.  §  1679  cr^ 


250       SScrBinblid&feiten  bet  (S^cfrau.  S6eoutet?erbinbIi$fcitcn.  §§1311,1312. 

fennt  ganj  allgemein  bie  Haftung  bed  e^eiDeiblid^en  93enn5geng  für  aUt  oor  ober 
TOä^rcnb  bcr  ®^e  red^tögültig  entftonbcnen  SBcrbinblid^fciten  ber  ß^efrau  an 
unb  befc^rSnft  biefc  Haftung  rürffid^tlid^  bcr  ©d[|ulbcn  auö  unerlaubten  ^anb? 
lungen  in  §  1680  nur  infofern,  ate  fie  nur  in  ©rmangelung  oon  SBorbeJ^attdgut 
eintreten  foU.  Saß  olbenb.  ®ef.  o.  24.  Äpril  1873  Slrt.  9  läfet  baft  eingcbrad^tc 
SSermögen  ber  ®^efrau  oufeer  für  bie  oore^clid^en  unb  für  bie  roä^renb  bcr 
®^c  mit  ©ene^migung  beö  Seemannes  ober  in  einem  oon  bcr  S^efrau 
felbftänbig  betriebenen  ©rioerbdgefd^äftc  eingegangenen  SSerbinbli^fciten  bcr 
@^efrau  aud^  für  bcren  Sd^ulben  aud  unerlaubten  ^anblungen  ^aften^  eriDä^nt 
aber  im  Ucbrigcn  bie  gcfefelid^cn  SSerbinbUd^fciten  ber  S^efrau  nic^t. 

etanbpunft  2)cr  ©utiourf  ge^t  baoon  aus,  bafe  cö  racber  burd^  bie  Seftimmung  bcö 

«ntmurfeft.  ©(^cgutcd  uod^  burd^  bie  bem  @^cmanne  in  3lnfe^ung  bed  legtercn  gebfi^renbe 
Stellung,  weld^c  i^m  nic^t  um  feiner  felbft,  fonbern  um  bcr  e^elid^cn  (Scmcin* 
1  fd^aft  millen  eingeräumt  roirb,  -geboten  ift,  ben  o^ne  ben  3BiUen  bcr  (S^cfrau 
\  eintretenben  SBcrönbcrungcn  beß  ®^cguteö  i^rc  rcgclmäfeige  SBirfung  ju  ocr* 
I  fagen.  ^icß  gilt,  oorbclialtlic^  ber  auß  §  1312  fid^  ergebenben  älußna^men, 
in  gleidjer  SBeife  üon  htn  SSerönberungen  beß  5(JaffiDbeftanbeß  mie  beß  Slftio* 
beftanbeß  beß  ©^cguteß.  @ine  von  bem  SBillen  ber  @^efrau  unab^öngige 
SKenbcrung  ber  crfteren  9lrt  liegt  aber  in  ber  ©ntficl^ung  oon  93erbinbli(^teitcn 
ber  (S^cfrau  auß  unerlaubten  ^anblungcn  unb  auß  3wftänbcn,  mit  meldten 
baß  ®cfe§  biefc  SBirfung  oerbinbet.  Daß  6l|egut  oon  ber  Haftung  für  SBcr« 
binblid^feiten  biefer  ^Irt  ju  befreien,  mürbe  nid^tß  Sttnbereß  bebeutcn,  aü  bcr 
ß^efrau  ju  ®unftcn  beß  S^emanncß  ha&  ^rioilcgium  ju  crt^eilcn,  bie  ^ier 
fraglid^en  ©Bulben,  fomeit  fie  fein  SBorbetjaltßgut  l|at,  mä^renb  ber  ©^e  ni^t 
;  beja^len  }u  brauchen.  @in  fold^eß  bie  9led^te  2)ritter  bcnac^tl^ciligcnbcd  ^ri^ 
'  oitegium  barf  bcrfelben  nid^t  beigelegt  mcrbcn.  2)ie  ©ad^lage  in  SKnfcl^ung  bcr 
l^ier  fraglichen  SSerbinblirfitciten  ift  auc^  feineßmegß  bie  glcid^e,  wie  in  ^nfe^ung 
ber  aScrbinblid^teitcn  ber  ©Ijcfrau  auß  SHcd^tßgcfd^äftcn,  meldte  bie  Icfetctc 
olinc  bie  crforberlid^c  ©inroilligung  beß  ©(lemanncß  oorgenommen  l)ai;  bcnn 
einerfeitß  Ijanbclt  eß  fid^  in  bem  Ic^tercn  gaüe  um  93crbinbUd^feitcn,  melcfK 
burdEi  ben  SBitten  bcr  6f|efrau  bcgrünbct  finb,  anbererfeitß  mußten  bie  ©lau- 
biger, bcren  Slnfpruc^  auf  einem  SHcdEitögefd^äftc  bcr  ß^cfrau  beruht,  bafe  biefc 
für  bie  Sauer  bcr  ®^c  oljne  ©inroiUigung  bc^  ßfjcmanneß  baß  @^egut  ni^t 
oerpfIicl)tcn  fonntc. 

binbiijwten  ^^  ""^  inmicmcit  eine  aSerbinbtic^feit  ber  ®t)cfrau  alß  eine  gefcfelic^c 

aus      Sßerbinblidöteit  anjufc^cn  ift,  ridjtct  fid^  nad)  ben  aUgemcinen  ©runbfä^cn. 

furruÄ'ne  ®'^^  9^^^  iußbcfonbcrc  anä)  von  bcr  aScrbinblidSifcit  bcr  S^efrau  auß  einer  oon 
auftroö.  i^r  oorgcnommcnen  ®cfd)äftßfül)rung  obnc  9luftrag  (§§  749,  750).  3ici  bcr 
Seltcntieit  beö  l)icr  in  Siebe  ftcl^cnbcn  gallcö  fann  ein  praftifd^cß  Sebürfnife^ 
fei  cß  im  Sntereffe  beß  ©ritten,  weil  bcrfclbe  eine  ©cfd^äftßfü^rung  bcr  ©öe* 
frau  ol^ne  3luftrag  nid^t  ju  ^inbern  oermag,  fei  cß  jum  Stufte  bcr  Steckte 
beß  ®l)cmanncö,  in  bcr  einen  ober  anbcrcn  91id[|tung  jum  Sn^^^^c  bcr  ißcr* 
meibung  oon  Streitfragen  burd)  eine  bcfonbcrc  gefc&licftc  Seftimmung  ein* 
jugreifcn,  nic^t  anertannt,  fonbern  bie  ööfung  ber  J-rage,  ob  eine  bcrartige 
Sßcrbinblic^feit  bcr  ©öefrau  alß  eine  auf  ©cfc^  beru^enbc  SBcrpflicfttung  unb 
bcöl)alb  nac^  §§  1311,  1312  immer  alß  ©(jcgutßocrbinblid^tcit  anjufcl^cn  ober 


SerBhiMid&friten  bcr  ®6cfrau.   (SJegutgücrBinbli^fciten.  §§  1311, 1312.       251 

nQ(^  Snalogic  bcr  auf  einem  SReci^tögcfc^äfte  bcr  ®l^cfrau  bcrufienben  SBerbinb* 
li^feit  (§  1301)  ju  beurtl^eUen  ift,  unbebenflidji  ber  5JBifjcnf(^aft  unb  ^ßrajiä 
fibcrfaffen  »erben,  um  fo  mc^r,  alß  bcr  ©ntmurif  gmubfägUd^  bie  (gnlfd^cibung 
ber  ^age,  ob  unb  inroierocit  bie  SSorfd^rifteii  über  9?ed[|tögefd^äftc  fid^  jur 
analogen  änroenbung  auf  SHed&tö^anblungen  anberer  Slrt  eignen,  bcr  SBiffem 
f(^fl  unb  ^ra;iö  überlaffcn  l^at. 

IL  SBa^enb  bieienigen  SSerbinblid^fcitcn  ber  ®^efrau,  roelc^e  bereits  oor  ausntt^men. 
eintritt  ber  e^elid^en  Slufeniefeung  unb  SSenoaltung  entftanben  maren,  auö^ 
na^ftlo&  @(^egutdoerbinb(i(i^feiten  ftnb  (t)erg[.  iebod^  bie  3notit)e  }u  §  1312 
fix.  3,  unten  S.  254),  erfennt  bcr  ©ntmurf  in  Slnfcl^ung  ber  nadE)  jenem  QdU 
punftc  entftanbenen  SBerbinblit^feiten  ber  ®^efrau  oon  bcm  ©runbfage  beö 
§  1311  im  §  1312  t)erfci^iebenc  Stuöna^men  an. 

1.  ®a6  aSerbinbli^teiten  ber  ®^efrau  auö  Slec^tßgefci^äften  unb  Urt^eilen,  ^^^^^^^^^ 
welche  nad^  ben  93eftimmungen  ber  §§  1300—1310  in  9lnfef|ung  beö  ©(legutefi  sfie(^tfi. 
gegenüber  bem  ©bemanne  unmirffam  finb,  ni^t  bie  ©igenfc^aft  von  ®h^QVit^*^^l^^l^^^^^ 
oerbinblic^feiten  ^aben  (§  1312  3lx.  1),  entfprid^t  ben  §§  1301—1303  unb  ift 
bereits  in  ben  SWotioen  ju  biefen  5ßaragrap^en  gered^tfertigt  roorben.  ©afe 
infibcfonbere  aud^  bie  SSerbinbUd^feit  ber  (S^efrau  iur  ä^ragung  bcr  gerid&tlic^en 
Äojlen  eines  3le(^tSfireitcS  infomcit,  oIS  bas  in  bem  3^ed^tsftreitc  erlaufene 
Urt^eil  in  9(nfe^ung  beS  (S^eguteS  gegenüber  bem  ©bemanne  unn)irffam  ift, 
ni<^t  als  ®^egutSoerbinblirf)feit  ancrfannt  mirb,  ift  eine  Äonfequenj  ber  (^x^ 
TOogungen,  auf  meldEicn  bie  33eftimmungen  ber  §§  1303,  1304  berufen,  unb 
bcs  afjefforif(^en  ÄarafterS  jener  Sßerbinblid^fcit.  gisfalifd^e  SRüdEfid^ten 
genügen  ni^t,  um  jum  9{a(^tt|ei(e  bes  (Seemannes  eine  ^bn)eid^ung  von 
ber  ftonfcquenj  ju  red^tfertigen.  Sad^c  bcs  Staates  ift  es,  fid^  gegenüber  ben 
jrrojeöfü^renben  Parteien,  foroeit  fie  nid^t  bas  3lrmenred()t  I)aben,  megcn  bcr 
6cri(^tsfoften  }u  ftc^ern.  S)a  bie  SSerbinblic^fcit  bcr  ®^efrau  jur  Prägung 
ber  ^ier  fraglid&en  Äoften  p^  nid^t  als  eine  SSerbinblid^fcit  aus  bem  Urt^eile  ' 
bürjlent,  fo  mug  iene  aSerbinbIid)feit  im  §  1312  3lx.  1  befonbcrö  Ijcroorgc^obcn 
werben.  2)agegen  bebarf  es  feiner  befonbcrcn  (Srroä^nung  bcr  ®crid^tsoolIjief)cr^ 
lojlen,  ba  bie  (enteren,  fomeit  bie  SBcrbinblidEifeit  ber  ß^efrau  jur  3<^^lwng 
berfelben  nid^t  auf  einem  SRec^tsgefc^äftc  (3luftrage)  beruht,  ju  hcn  (Seric^ts- 
tofien  }u  rennen  finb. 

3Jon  ber  aus  §  1312  3lx.  1  )\6)  ergebenöcn  SRcgcI,  bafe  bie  aScrbinbft^fcit  Wo- 
ber C^frau  wegen  ber  Soften,  noeld^c  fie  aus  einem  oon  i^r  gcfü()rten  SRcc^ts* 
ftrette  ber  im  §  1312  3Jr.  1  bejcid^nctcn  9Irt  bcm  (Scgncr  ju  crfefeen  f)at,  feine 
e^egiitSoerbinblid^feit  ift,  mad^t  ber  §  1312  9ir.  1  für  ben  gall  eine  9luSnaf)me, 
wenn  bie  S^efrau  bie  Seflagte  mar  unb  bcr  9?edötsftreit  eine  ©ficgutspcrbinbs 
lii^feit  betraf.  SJiefe  StuSna^mc  red^tfertigt  fid^  burd)  bie  ©rroägung,  bafe  bcr 
Snfprudö  öuf  (Srfaft  ber  bcm  fttäflcr  crroadbfencn  ^ro^jcfifoftcn  als  ein  bcm 
fecuptonfpruc^e  bini^utretcnbcr  ?ff^benanfprud)  _crfd^cint  unb  nad&  ben  ©runbföfecu 
bc«  ßnttourfes  (§  1314)  bie  6t)egutsgläubiger,  um  fid^  Scfricbigung  aus  bem  ■ 
C^gute  }u  t)erf(^affcn,  genot^igt  ftnb,  immer  aud)  gegen  bie  (Sf)cfrau  ju  ffagcn 
unb  gegen  biefc  ein  Urt^cil  ju  erroirfen.  S)ie  3luSnaf)mc  mirb  auc^  nid)t  im 
^inWicfc  borauf  entbehrlich,  baß  bcr  S)ritte  bie  ®f)egattcn  gcmeinfdöaftlid)  afs 
Streitgenofjen  oertlagen  fann  (§57  ber  ß.  ^^D.)/  '^^  ^^^  '^i^t  fd^Icd)tf)in 


V 


n 


252       SScrBinblicfifcitcn  bct  (Sf)cU(i\i.  e^egutöDctBinblt^feitcn.  §§  1311, 1312, 

behaupten  Iä§t,  bafe  baö  iti  ciucm  fold^en  5{Jrojcffc  gegen  bie  Ehefrau  ergc^cnbc 
Urt^eil  aud^  in  3lnfcl^ung  beö  (S^cguteö  gegenüber  bem  ©bemanne  roirfforn  ift 
unb  bcstjalb  in  einem  folc^en  galle  bie  SSorfd^rift  beö  §  1312  9lr.  1  fd^on  von 
fclbft  feine  Slnmenbung  finbet.  2)ie  am  Sc^Iuffe  bcr  3lx.  X  beö  §  1312  be- 
ftimmte  9luftnal^mc  üon  bcr  Siegel  ber  3lv.  1  bejie^t  fic()  übrigens  nur  Quf  bie 
93crbinblid^feit  ber  ®^efrau  jur  2^ragung  ber  ^(Jrojefefoftcn  bcnt  (Segner  gcgciig 
über.  (Sin  genügenber  ®runb,  bicfe  Sttuönal^me  aud[i  auf  bieT)ic  S^cfrau  in 
einem  fold^en  gälte  treffenbcn  ©eric^tafoftcn  unb  bie  Roften  i^reg  3lnmaltcd 
außjubelinen ,  liegt  nic^t  oor.  Snöbefonbere  fann  barauö,  bafe  biö  ß^efrau 
proje^fätiig  ift,  bafe  fie  in  Slnmaltöprojcffcn  fraft  gefe^tic^er  SSorfc^rift  eine« 
Slnroalteö  bebarf  unb  ber  Staat  bie  5|Jroje§fü^rung  bcr  ®^efrau  ni^t  ablehnen 
fann,  ein  burd^fc^tagenber  ®runb  ni6)t  Ijcrgeleitet  werben,  um  jum  ?lad^t^cile 
beö  ®^emanneß  aud^  bie  bcjcic^netcn  SSerbinblid^fciten  ber  @^cfrau  nad&  Änaloflic 
ber  33orfd)riften  über  bie  gefcglidjien  SBcrbinblid^feiten  bcr  eiiefrau  immer  ald 
©^egutöücrbinblid^feitcn  ju  be^anbeln. 

sßtiDproiefle.  S^^^if^lflöf^  ^^^^  ^^  bogegcu  fein,  ob  nic^t  ju  ®unftcn  beö  ^Proicfegcgncrö 

ber  ß^efrau  in  Slnfel^ung  ber  33erbinblic^feit  ber  (enteren  jur  S^ragung  bcr 
^ßrojefefoften  von  bcr  Sieget  beö  §  1312  3lx.  1  eine  roeiterc  Stuöna^mc  für  bcn 
^aD  JU  mad^cn  ift,  mcnn  ber  ^ßrojefe  von  bcr  ©Ijcfrau  erhoben  mar.  S)urd^ 
bie  ©r^ebung  beö  ^rojef^cö  notl&igt  bie  @t)cfrou  hcn  S5ef tagten,  ftd)  gegen  bie 
Älagc  JU  «ert^eibigen ,  unb  falten  bie  bemfetbcn  baburc^  Dcranlafetcn  Soften, 
menn  bie  (S^efrau  in  bem  ^rojeffe  imtcrticgt  unb  bem  ©cgner  jum  ©rfaße 
ber  Soften  Dcrpflid^tct  ift,  materiell  unter  bcn  ®efic()töpunft  cineö  i^m  miber 
feinen  SGBitten  burcf)  eine  miltfürlid^e  ^anblung  ber  ®t|cfrau  jugcfügten 
©djabcnö.  Sic  SBilligfeit  unb  bie  9lnalogie  ber  Haftung  beö  ©^egutcö  für  bie 
2)etiftöld^kn  -bcr^  Gfjefrau  fc^eint  I)iernad[i  ber  gcbac()ten  SStuöna^mc  baö 
SBort  JU  reben.  Stuf  ber  anbercn  Seite  fommt  inbcffcn  in  Setrad^t,  bafe  in 
ber  Haftung  beö  ©f)eguteö  für  bcn  ©rfag  bcr  ^ßrojefefoftcn  in  bem  l^icr  frag^ 
|1  ticken  gälte  eine  grofee  §ärte  für  bcn  ®f|cmann  liegen  fann,  roenn  bie  ®öcfrau 
frioolc  ^rojcfjc  fü^rt,  meldte  ju  f)inbem  bcr  Seemann  nirf)t  im  Staube  ift. 
3n  ©rmangclung  überroiegenber  ©cgcngrünbc  oerbient  eö  bat)er  bcn  SBorjug, 
cö  in  bcr  ^icr  fragtid^cn  SSejic^ung  bei  bcr  3icget  beö  §  1312  9ir.  1  bemcnben 
JU  taffen. 

»eretc^ening  ©iuc  3Kobififation  crlcibct  aber  bie  9tegel  beö  §  1312  9lr.l  burd&  ben 

«^e^ute«.  ^"  ^^^  ^^*- 1  beigefügten  S\x\a^,  ba^,  fomeit  boö  @f)cgut  bereichert  ift,  bie  im 
©ingangc  bcjeid^nctcn  93crbinbtid&teiten  alö  ®t)cgutöücrbinbli(^tciten  gelten  unb 
bie  SBcftimmungcn  beö  §  748  9lbf.  3  cntfpred^enbc  9lnroenbung  finben  foUen. 
3)a  bie  ®^cfrau  in  ber  ®efd)äftöfä^igfcit  ni(^t  bcf darauf t,  in  ben  im  §  1312 
9Ir.  1  bcjcid^nctcn  gälten  baö  Jtcc^tögefc^äft  bcr  ®f^cfrau  mithin  gültig  unb 
boö  auf  ®runb  beö  Icfetercn  üon  bem  ©ritten  bcr  S^efrau  ©eleiftctc  fraft 
feineö  rcc^tögfittigcn  SBiltcnö  in  baö  93crmögen  bcr  ®ljcfrau  gelangt  ift^ 
anbercrfcitö  bcr  baburd^  bem  ®[)cmanne  ouf  ®runb  feiner  cljctid^cn  Jlugnicfeung 
jugefommene  93'ort^cil  fid)  nur  alö  bie  mittelbare  golgc  cineö  gültigen  Slec^td* 
gefd^äftcö  ber  ®f)efrau  barftcllt,  fo  ift  md)  bcn  allgemeinen  ®runbfä6cn  über 
Sc^utboer^ättniffe  an^  33crcid)crung,  inöbefonbere  nad)  §  748,  ein  Serei^c* 
rungöanfprudf)  meber  gegen  bie  G^cfrau  nod;  gegen  hcn  ©tjcmann  bcgrünbet. 


Scr6inbIi*fcltcnbcr®Mrau.  gJeöutetJcrBinbli^rettcn.  §§1311,1312.       253 

^tm  ©eiftc  beö  §  748  in  SScrbinbung  mit  bcm  ©cfid^töpunfte,  bafe  in  ben  in 
9lcbc  fte^enbcn  gäUen  baö  JHed^tögefd^äft  ber  e^cfrau,  rocnnglci^  gültig,  bo6) 
in  änfc^ung  bcd  ß^cguteö  gegenüber  bem  ®f|emannc  unroirffam  ift,  cntfpri^t 
cd  icboc^^  bte  auf  bem  betreffenben  9ted^tdgefd[i&fte  ber  S^efrau  berutienbe 
Serbinblid^fett  ber  (enteren  bid  jum  ^Belaufe  ber  93ereicf)erung  bed  @^eguted 
Qld  G{|egutdüerbinb(id[|feit  anjuerfennen.  9luf  bicfem  28ege  mirb  ein  luirt^- 
f(^ftad&  aud^  bem  geltenben  JRe^te  (t)ergL  preufe.  31.  S.  3t.  II,  1  §  334;  fäd^if. 
®.  9.  §  1641)  cntfpred^enbed  SÄefuItat  errei^t,  menngleid^i  mit  SRücffic^t  borauf, 
boB  bic  ©fjefrau  nad&  ben  meiften  auf  bem  S3oben  ber  aSerroaltungßgemeim 
ft^aft  ftcl^enben  ©cfeftgebungen  in  ber  ®cfd)äftdfäl)ig!eit  befdiränft  ift,  oom 
Stanbpunfte  biefer  ©efeggebungen  aus  bie  @ad^e  j[uriftifd^  anberg  liegt  unb 
ber  ©cbanfc  beö^alb  in  onbcrer  SBcife  burc^gefülirt  mirb. 

2.  Sie  im  §  1312  3ir.  2  beftimmtc  Sluöna^me  beruht  auf  ber  ©rmägung,  Ber5in«i<^. 
bo|  in  ben  Dorauögefefetcn  gätten  bem  S^emannc  an  betp  Slfti^ermerbe  feinerlei  §o?flc  ViTer 
3k(6tc  juftel^en  (§§  1286,  1287)  unb  beö^alb  mit  ben  Slftiüen  audEi  bie  bamit  «'*^*«^  *^' 
oerbunbenen  ^fftüen  (ebiglic^  bem  93orbel^a(tdgute  jufaQen  muffen.  SBie  aud 

ber  gttffung  ,,ald  SJorbe^altßgut"  ficroorge^t,  fällt  unter  bie  92r.  2  übrigens 
ni(bt  audb  ber  galt,  wenn  bie  ©rbfd^aft  ober  baö  aSermäd^tnife  in  ©emöfel^cit 
ber  Siegel  bcö  §  1283  juno^ft  (S^cgut  (»ergl.  bic  SRotioc  ju  §  1288  oben 
©.  172  ff.)  unb  erft  fpöter  bur^  (S^eoertrag  aSorbc^altögut  geworben  ift. 

3.  SBcnngleid^  bic  in  ber  9lr.  3  bed  §  1312  oon  bem  ©runbfagc  beö   »«  S^i«« 
§  1311   auftgcnommenen   SBcrbinblid&feiten    ni(^t    unmittelbar   aus   Sled^ts*  ^orbt^m* 
^»iblungen  ber  ß^efrau  l)errü^rcn,  meldte  fie  mit  Dcrbinblid^er  Sraft  für  bas  «"*«  »  aJ*"' 
ß^egut  ntci^t  tjornc^men  fonnte,  fo  fmb  biefelben  bod),  mcil  fie  bic  ®f|efrau    u.  f.  ».* 
nur  in  golge  eines  ju  bem  93orbef|altSgute  gcf)örcnben  9tec()teS  ober  besSc* 

fites  einer  ju  bem  ^orbe^altsgute  ge^örenben  Sad^e  treffen,  als  untrennbar 
mit  bem  5Borbcl|altSgutc  Dcrbunben  ju  bebanbeln.  äßittelbar  finb  jubem 
wenigflens  bieienigen  SBerbinblid^feiten  ber  f)ier  fraglidfien  Slrt,  meiere  mit 
folc^n  Sorie^altSgegenftönben  im  3wfönitnent)angc  flehen,  beren  aSorbelialts« 
eigcnfd^aft  nidbt  auf  ß^eoertrag  beruht  (§§  1287  ff.),  golgc  bcSjenigen  SBillens* 
oftes  ber  (g^efrau,  bux6)  meieren  bie  betreffenben  ©cgenftönbe  SSorbefialtSgut 
würben.  ®ine  Haftung  bes  ©b^ßwtes  für  bie  in  Siebe  ftc^cnben  93erbinblic^* 
teilen  mürbe  bal)er  mittelbar  bas  9{ed)t  beS  &\)tmanm&  Don  ber  SSillfür  ber 
C^au  abhängig  mad&en.  ^u  ben  l^icr  fraglid^en  SSerbinblid^feiten  geboren 
namentlich  bie  SSerbinblicbfeit  jur  ä9e}ablung  ber  auf  bem  ^orbelialtsgute 
ru^nben  SRealtaften  unb  ber  baoon  ju  entrid^tenbcn  ©teuem,  ferner  bie  SSer« 
binblic^feiten  megen  93ereid^erung  beS  ^orbe^altsgutes,  fomie  jur  Erfüllung 
ber  auf  ©cgenftönbe  besfelben  gcrid^teten  binglic^en  SKufprüd^e  aller  3lrt.  2)ie 
in  9hr.  3  beS  §  1312  befummle  93efd^ränfung  ber  Haftung  beS  etjcgutcs  wegen 
SSerbinbli^feiten  biefer  9lrt  ift  um  fo  unbcbenKid^er,  als  na^  ber  3fJatur  imb 
bem  3n^olte  ber  betreffenben  SKnfprüt^e  eine  ©efäfirbung  ber  ©laubiger  nic^t 
iu  bcforgen  ift.  3la6)  ber  Sd^lufebeftimmung  ber  3lv.  3  foU  es  inbcffen  aud^ 
in  9nfe^ung  ber  bort  beseic^neten  93erbinblid^feiten  bann  bei  ber  dtcgel  beS 
§  1311  oerbteiben,  menn  baS  betreffenbe  Siedet  ober  bie  betreffenbe  Sad^e  ju 
einem  ®nüerbsgefc()äfte  gehört,  meld^es  bie  ©fiefrau  mit  (Sinroilligung  bes 
©Cannes  felbftänbig  betteibt.    S)iefc  2lusna^me  Don  ber  S3eftimmung  bes 


254       aSetBinblid&feitcn  bcr  gfecfrau.  eifeegutöücrbinbli^fcltcn.  §§  1311, 1312. 

§  1312  3lx.  3  ift  buvd^  bicfclbcn  Orünbc  gcrcd^tfcrtigt,  auf  bencn  bic  SBorf^rift 
bcß  §  1307  bcrul^t,  um  fo  mc^r,  als  bic  auf  9lec||tögcfd&aft  unb  auf  ©cfcfe 
berufjcnbcn  SScrbinbüd^fcitcn  oft  in  cinanbcr  übergeben,  eine  oerfd^iebcne  Se^ 
^anbfung  berfelben  in  bem  ^icr  in  Siebe  ftc^cnbcn  gallc  ba^er  aud&  ju 
praftifd^en  Unjuträglic^fcitcn  ju  fül^ren  brol^t.  2BcnngIcid[i  bic  3lv.  3,  wie  auft 
bem  Eingänge  beö  §  1312  fxd;  crgiebt,  bem  SBortlautc  nad^  nur  biejenigen 
aSerbinblid^feitcn  ber  in  bcr  9ir.  3  bcicid^nctcn  Slrt  trifft,  rocid&c  erft  na^ 
©intritt  bcr  c^elid^en  Sßu^nicfeung  unb  SScrmaltung  cntftanbcn  finb,  fo  fann 
eö  bo(§  nicfit  in)cifclf)aft  fein,  bafe  bic  in  bcr  3ir.  3  bcjcid^netcn  SSerbinbUd^^ 
feiten  bcr  6f)efrau  auc^  inforoeit,  ate  bicfclbcn  uor  icnem  3^itpunftc  bereits 
Cntftanbcn  ftnb,  bann  nid^t  ben  Äaraftcr  t)on  ®f|cgutöDcrbinbU^fciten  ^oben, 
wenn  bic  gortbauer  berfelben  oon  bcr  gortbauer  beö  Sted^tcö  ober  beö  Scfiftcö, 
in  golgc  beffcn  ftc  cntftanbcn  ftnb,  abhängig  ift.  2)a  bic  l^icr  fragli^cn  91m 
fprüd^c  i^rcr  5Ratur  nad^  gegen  baö  aSorbctialtögut,  ju  roeld^em  baö  bctrcffenbe 
JRcd^t  ober  ber  SBcpg  bcr  betreff cnbeu  ©adjie  geprt,  fid^  rid^ten,  fo  fönnen 
aud^  bie  entfprcd^cnbcn  aScrbinblid^fcitcn  feine  ß^cgutöocrbinblic^fcitcn,  b.  ^. 
33crbinblid^fciten  fein,  wegen  bercn  aus  bem  ©öegute  SBcfricbigung  pcrlangt 
werben  fann. 
»erbinbiic^*  4.  ©ag  bic  im  §  1312  unter  5Rr.  1—3  beftimmtcn  Slußna^men  Don 

'tau  gegenr  bcr  SlcgcI  bc&  §1311  auf  93erbinb[i(^fcitcn  bcr  6f|cfrau  gegen  ben  ®^c* 
ebemanne  ^^^^^  ^^^"^  Slnwcnbung  finben,  bafe  biefc  SScrbinblid^feitcn  pielmc^r  immer 
©ficgutßocrbinblid&tcitcn  fmb,  aud^  wenn  bicfclbcn  ilircr  @ntftel)ung  unb  i^rem 
Snl^altc  nadE)  an  fid^  eine  Haftung  beä  ®{|egutcö  nid[|t  begrünbeu  würben,  ocr? 
ftc^t  fid^  oon  felbft.  6d  folgt  bieß  barauö,  bafe  bic  Sefc^ränfung  bcr  Haftung  nur 
eine  gotge  beö  cntgcgenftc^cnbcn  SRcc^tcö  beö  ß^emanncö  ift,  biefc  Sefd^ränfung 
baficr  gegenüber  ben  eigenen  Slnfprüd^cn  beö  Icgtcrcn  wegfallen  mufe. 
örfa«pfiid,t  ni.  9iuö  bem  ©runbfage  beö  §  1311,  bafe  bie  e^cgutdgläiibiger  aud^ 

inonne«*»or  ouö  bcm  ®f|cgutc  oljuc  SRürfftd^t  ouf  bic  c^clid^c  ^lufenicfeung  unb  SBcrwaltung 
9h»ÄX  ^^'^^^9""9  ocriangcn  fonnen,  crgiebt  ficfi  oon  fclBft  bie  ftonfcquenj,  ba§, 
*  wenn  einem  6f)egutög(äubigcr  im  SBcgc  bcr  S^ongöooIIftredung  eine  gorbe» 
rung  ber  ®{|cfrau  gegen  ben  ®f|cmann  überwiefcn  wirb,  ju  bcren  ©rfüHung 
ber  Seemann  gegenüber  ber  6()cfrau  wegen  bcr  cficli^cn  Slufenicfeung  unb 
aScrwaltung  erft  narf)  93cenbigung  ber  Icfetcrcn  ocrpfIid[|tct  ift  (oergl.  §§  1294, 
1295),  bic  ^inauöfd^iebung  bcr  gälligfcit  gegenüber  bcm  ©töubigcr  aufecr 
Setrad^t  bleibt,  biefer  t)ielmel^r  bie  fofortige  ®rfüUung  ber  93crbinblid6fcit  Der* 
langen  fann.  S)ie  Slufnal^me  einer  fpcjicUen,  biefc  Äonfcquenj  jum  9luöbructe 
bringenben  Seftimmung  ift  um  fo  mel^r  alß  entbcl^rU^  era^tet,  ate  bicfctbe 
einerfeitö  im  §inblidEe  auf  ben  §  1294,  anbererfeitö  im  ^inblidEe  auf  bie  SSor« 
fc^rift  beö  §  1292  t)erb.  mit  §  1004,  fowie  auf  bie  SBorfd^rift  beö  §  1324 
9lbf.  2,  nad^  wcld^cn  bie  ®^efrau  bic  if)r  gegen  ben  ®^cmann  juftef)cnben  3Ln^ 
fprüd^c  wegen  SSerlcJung  ber  i^m  auf  Orurtb  ber  cl^clic^cn  ^Rufeniefeung  unb 
SSerroattung  oblicgenbcn  SJerpjIid^tungen  fd^on  t)or  SBccnbigung  ber  c^elic^en 
Jln^nieSung  unb  Säcrwaftung  gcitenb  mad)cn  fann,  nur  eine  geringe  praftifd^e 
SBcbcutung  liat. 

billlicjwt'  ^^  •  ®'^  ©igcnf^aft  einer  SScrbinblid^feit  ber  e^efrau  ate  einer  e^cgutd* 

»cbeutung.  tjcrbinblid^fcit  ift  nur  gegenüber  bem  G^emanne,   nid^t  aud)  gegenüber  bcr 


SerBlnbli^f.  b.  Sfecfrau.  Unterßalttpflid&t  öcßcnüb.  Scnraiibten.  §  131 3.       255 

ß^efrQu,  Don  SSebeiitung,  inbcm  bic  Icfttcrc  fein  SRcd^t  ^ot,  bcr  Scfrtcbigung 
tined  Sorbe^Qltsgutegläubigerd  auö  bcm  @^egute  ju  tDiberfpred^en.  ©egenüber 
bcm  Spanne  bcftcl)t  bic  Scbcutung  aber  Icbiglid^  borin,  ba§  er  bic  Sc^ 
friebigung  bcr  @^egutdg[äubiger  aud  bem  @^cgute  ol^nc  9lädE{td^t  auf  bie  e^e« 
iit^  Jlutniefeung  unb  SSerroaltung  ju  butben  pcrpflid^tct  ift.  ®inc  perfonlid^  vcrfdniic^e 
^ftung  beö  ß^ctnanncö  für  bic  Sc^ulbcn  bcr  ©^cfrau  n)irb  burd^  bie  ©igcm  cSemSnc«. 
fd|oft  bcrfdbcn  als  (S^cgutöPcrbinbUc^fcitcn  nid^t  bcgrünbct,  fclbft  bann  nid)t, 
locnn  biffe  ©igenfd^aft  barin  fic^  grünbct,  bafe  bcr  ©f|cmann  ju  bem  bc* 
treffenben  JRc^tÄgcfd^äftc  ober  SRcc^töftrcitc  bcr  ß^cfrau  feine  ©inroilligung  ober 
(Scne^migung  crtf|cUt  l^at.  2)ic  bem  gemeinen  beutfd^en  Steckte,  n)cnigftenö 
mäf  bcr  ^crrfd^cnbcn  anfid^t,  foroie  bcm  föd^f.  ®.  85.  (§§  1639,  1678)  unb 
bem  olbcnb.  @cf.  o.  24.  Äpril  1873  unbefanntc  S3eftimmung  bcd  preufe. 
S.  2. 31.  II,  1  §§  329  ff.,  bafe  bcr  Seemann  für  bie  von  feiner  S^efrau  mit 
feiner  ßintoilligung  eingegangenen  aScrbinblic^fcitcn  perfonli^  I)aftet,  menn  er 
fi(^  gegen  biefe  Haftung  nid^t  audbrüdlid^  vcrroatirt  ober  bie  @^cfrau  ein 
Unterpfanb  für  bic  @d^utb  bcftcDt  ^at,  lägt  fti^  aud  aDgemeinen  ©runbfägcn  nid^t 
ra^tfertigcn.  9ln  fiä)  liegt  bie  Slbftc^t  perfonlid^er  Haftung  in  bcr  ©rt^eifung  bcr 
Simoilligung  ober  ©enc^migung  nid^t  auögcbrüdft  unb  geben  aud^  bie  ^er« 
^(tniffe  beö  Sebend  feinen  genügenben  äTnl^altdpunft  für  bie  älufftcUung  einer 
bü^in  gclienben  SSermut^ung.  SInbercrfeitö  fc^It  cö  aber  auc^  an  einem  ge* 
nügenben  ®runbe,  ju  ©unftcn  bcr  ©laubiger  bcr  ®l|cfrau  eine  -  berartigc 
SuÄna^mebefitimmung  ju  treffen,  gür  fofc^ic  gällc,  in  meldten  bic  (g^efrau 
wirtli^  moteriell  ©cfc^äfte  beö  ©bemanne«  fül)rt,  geroä^ren  bic  altgemeinen 
©runbfäte  über  bie  ©cfd^öftöfül^rung  ol^ne  SÄuftrag  (§§  753,  758),  foroic  bic 
bcfwiberen  Seftimmungen  beö  §  1278  ben  ©löubigcrn  bcr  ®^cfrau  aud& 
gegenüber  bem  6f|emannc  auörcidE)enbcn  ©d^ufe.  @d  liegt  allcrbingö  na^c, 
bann  jum  ©d^ufcc  bcr  ©laubiger  bcr  6f)cfrau  eine  pcrfbnlid^c  Haftung  beö 
S^onnca  eintreten  ju  lajfcn,  wenn  bie  ß^efrau  mit  ©inroiUigung  beß  ©fics 
manne«  fclbftonbig  ein  ©rmerbögefc^äft  betreibt  unb  bcr  Ertrag  beä  Icjtcrcn 
bem  e^emannc  juf äUt  (ücrgf .  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  337 ;  §.  ©.  83.  3Crt,  8 
Dcrt.  mit  bem  prcufe.  ©inf.  ®cf.  o.  24.  3uni  1861  9lrt.  19,  39,  bcm  ©inf.  ©ef. 
für  S^lcdioig*$)olftein  t).  5.  3uli  1867  §  9,  für  SaHcnburg  v.  21.  Dftober 
1868  §  9,  bem  ^cff.  ©inf.  ©ef.  für  9ifiein^effen  v.  1.  3luguft  1862  Sttrt.  26, 
bem  bab.  (ginf.  ©ef.  v.  6.  Sluguft  1862  ärt.  5,  bcm  lüberf.  ©inf.  ©ef.  v.  26.  Z)h 
tober  1863  Art.  2  §  1).  SSom  ©tanbpunfte  beö  ©ntmurfcö  auö  fann  in* 
beffen  biefer  ©erw^töpunft  m6)t  in  83ctrad)t  fommeu,  ba  nad&  §  1289  bcr 
€noerb  bcr  ©t^efrau  burd^  ben  felbftänbigcn  83ctricb  eineö  ©rrocrbögcfcftäftcö 
SSorbc^oItfigut  wirb,  bic  oon  bcr  ©tjcfrau  in  einem  fold^en  85ctricbe  gc- 
fd^Iofiencn  9ledl)t«gcfcöäftc  alfo  benfclben  Äaraftcr  l^abcn,  wie  anberc  ben  Umfafe 
bc«  SBorbc^altöguteö  bctreffcnbc  9lcd&tögcfd[|äftc  berfelben. 


§  1313. 

SBä^renb  bic  §§  1311,  1312  bic  grage  regeln,  inroiemcit  megen  einer  '^p^J"^**' 
na^  allgemeinen  ©runbfäßcn  in  bcr  ^crfon  bcr  ©l^efrau  entftanbencn  58cr*    c^cfrau 
Knbli(^feit  bic  »cfriebigung  auc^  am  bem  ©^egute  o^nc  SRürffid^t  auf  bic  »JSl 


256       S3ccHnbIi4f.  b.  gßcfrau.  UntertaltSpflicfit  gcgenüb.  aSemanbteit.  §  1313. 

c^didEic  ^Jugniefeung  uiib  SScrroaltung  ocrtangt  rocrbcn  fann,  betrifft  bcr  §  1313 
bie  anberc  gragc,  ob  unb  inmierocit  bic  c^clidEie  Stuftnicfeung  imb  SBcrroaltung 
bic  @ntftet)ung  fold^cr  SScrbinblic^fciten  in  bcr  5ßcrfon  bcr  ®f|cfrau  ^inbcrt, 
bcrcn  ©ntftc^ung  ober  Umfang  von  bcr  Seiftungöfft^igfcit  bcö  in  Slnfprud^ 
Oenommencn  abfängt,  ©ö  fommt  in  biefcr  ^inftd^t  oorjugörocifc  bie  gefcßlid^e 
S3crpf(ici^tung  bcr  @i)efrau  jur  ®emäf)x\inq  bed  Unterhaltet  an  ^enoanbte  in 
Sctrad^t  (§§  1480,  1482),  aufeerbem  bic  gcfcftlid^e  SSerpffic^tung  bcr  früher 
gcfd^icbcnen,  allein  für  ben  fd[iulbigen  ^Ocil  crflärtcn  ®^efrau  jur  OeroS^rung 
bcö  Unterhaltes  an  ben  unfc^ulbig  gefd)icbenen  ©Regatten  (§  1454  oerb.  mit 
§  1482  3lbf.  1).  2)cr  §  1313  bejic^t  fid^  nur  auf  bic  gcfcfelid^e  aSerpffid^tung 
bcr  ß^efrau  jur  (Scroätirung  bcä  Unterhaltes  an  einen  3Sern)anbtcn;  burd^  ben 
§  1454  5lbf.  2  tft  inbeffen  bic  »eftimmung  bes  §  1313  aud[i  auf  ben  anbercn 
bejcid^inctcn  gall  auSgcbe^nt. 

S)a  nad&  bcr  ben  Seftimmungcn  beS  ©ntnjurfcS  über  bie  gefcllid^e 
Unterhaltspflicht  ber  ajcrroanbtcn  unb  bcS  gefd^iebcnen,  allein  für  ben  fc^ulbigen 
2:^eil  crftärten  ©Regatten  ju  (Srunbe  liegenben  3luffaffung  in  ben  gebac^ten 
göUen  bic  Untcr^altSpflidEit,  obwohl  bicfctbe  in  bem  aScrroanbtfd&aftsocr^ältnifle 
bcjro,  in  bem  Sd^eibungsurt^eile,  burd)  roclt^cs  ber  eine  @f)cgattc  allein  für 
ben  fc()ulbigcn  J:t)cil  crflärt  ift,  i^re  Orunblagc  \)at,  glcid&wo^l  erft  beim 
aSorl)anbenfcin  bcr  in  ben  §§  1481,  1482  beju).  im  §  1454  3lbf.  1  beftimmtcn 
SSorausfegungen  als  eine  fort  unb  fort  fic^  cmcucrnbc  aScrbinblid^fcit  jur 
©ntftc^ung  gelangt  unb  oor^er  auc|i  als  bebingte  SSerbinblid^tcit  nid^t  beftc^t 
(oergl.  bie  93orbcmcrfung  ju  §§  1480—1496),  fo  fann  bcr  ©aft,  bafe  bei  bcr 
Scurt^cilung,  ob  uub  inroicroeit  bic  in  ben  §§  1482,  1454  Slbf.  1  beftimmte 
SSorauSfegung  bcr  Sciftungsfö^igfeit  in  ber  ^erfon  ber  'S^cfrau  oor^anben  ift, 
bic  c^clic^e  ^lufenicfeung  unb  SSerroaltung  nid^t  in  Setrad^t  fommt  (§§  1313, 
1454  5lbf.  2),  aus  allgemeinen  ©rnubfä^en,  insbcfonbcre  aus  bcr  Seftimmung 
bcS  §  1311,  nic^t  abgeleitet  merben.  Xer  ®cfid(|tspunft,  ba§  bie  gcfcllid^e 
Untcrl;altspflid[|t  bcr  @()cfrau  gegenüber  i^ren  SJcnoanbtcn  ftd^  als  3[usf[u§ 
eines  bereits  uor  bcr  ©^cfd^licgung  begrünbeten  familienrcd^tlicöen  S8er* 
l|öltni{fcs  barftcllc  unb  eben  beS^alb  burd)  bas  Siedet  beS  Seemannes  eine 
93ef darauf ung  nid^t  crlciben  fönnc,  trifft  jubem  für  bicienigen  gäUc  nidft  ju, 
in  meldten  bas  ^crmanbtfd^aftSDcrl^ältnig,  }.  9.  hnxä)  bie  (Seburt  eines  ©nfelft 
bcr  fö^cfrau,  erft  nad&  ber  S^cfd^liefeung  bcgrünbet  wirb,  ©cm  Oninb^ 
gebanfen  bcr  e^elid^cn  92ugniegung  unb  S3ern)altung,  naä)  mcld^cm  bie  Siedete 
bcS  @l)cmanncs  an  bem  @l)egutc  nid|t  meiter  ge^cn  f ollen,  als  bie 
bcr  @^cfrau  felbft,  menn  bie  cl)clicbe  3tu^nie§ung  unb  S3ern)altung  nid^t 
bcftänbe,  fomie  ber  93illigteit  unb  ben  fojialcn  3lnfc^auungen  cntfpridbt  c* 
inbeffen,  bafe  bei  bcr  33eurtt|cilung,  ob  unb  inroiemeit  bic  6l|cfrau  i^rcti 
ajcrroanbtcn  bcjro.  bem  früheren  gefd^iebenen  ©Regatten  ben  Unterhalt  ju  ge^ 
mäliren  im  Staube  ift,  bie  c^clid^c  ^lufenicfeung  unb  $8erioaltung  nic^t  in 
Sctra^t  fommt.  9lnbcrcrfeits  roirb  baburd^  bem  Sliemannc  um  fo  meniger 
JU  nat)c  getreten,  als  bcrfclbc  bei  ©inge^ung  ber  ©^c  bie  SSermanbten  ber 
©^cfrau,  n)eldE)cn  bic  Ic^terc  bcmnäd^ft  mögli^crroeife  Unterhalt  ju  gemö^ren 
ocrpflid^tct  ift,  regelmäßig  gefannt  ^at  bejm.  i^m  ber  Umftanb,  bafe  feine 
©Ijcfrau  früher  gefd^ieben  unb    in   bem  Sd^cibungSurt^cile  für  ben   allein 


aSccbinbli^feitcn  bcr  Slfefrau.    S^cmöötJoUftrcdfunö.    §  1314.  257 

f(|ulbicjcn  'Sfftxl  crKört  ift,  regelmäßig  ni^t  unbefonnt  geblieben  fein  mirb. 
2)cr  f|ier  fragUd^ie  im  §  1313  anerfannte  ©runbfag  fteljt  jubem  mit  bem 
gcitcnben  Siebte,  inöbcfonberc  mit  her  preug.  unb  fäd^f.  ^ßrajiö  (üergl. 
Striet^orft  XUV  ©.  283,  XLV  S.  48,  XLVII  ©.  372 ;  fä^f.  ®.  SB.  §  1679) 
im  ßinflange. 

3roeifel^aft  fann  eö  jebodji  fein,  ob  nid^t  ber  ©runbfafe  bcä  §  1313  ba^in 
]u  mobifisircn  ift,  baß  bem  ©bemanne  in  bem  SHeinertrage  bcr  efielid^en  Jiug' 
nieBung  unb  Söerroaltung  ein  ben  SBerJ^ältniRcn  entfpredienber  S3eitrag  su  feinem, 
feiner  C(}efrau  unb  ber  gcmeinfd^oftüdien  Slbfömmtingc  Unter^olte  oerbicibcn 
muß.  gür  eine  folc^e  äßobififotion  läßt  fid^  geltenb  mad^en,  baß  burd^  bic 
Eingebung  bcr  ©^e  für  bic  ©l^cfrau  materiell  bie  SBcrpflid^tung  begrimbet 
nwAc,  bem  ©bemanne  einen  angemcffenen  Seitrag  jur  Scftreitung  ber  e^elid^cn 
Sofien  gu  gemfi^ren,  unb  bie  e^etii^e  Jlugnicßung  unb  SBermaltung  nur  bie 
gorm  fei,  in  roeld&er  bei  bem  gefeglid^en  e^elid^en  ©üterre^te  bie  ©()efrau 
jenen  Seitrag  bem  ©bemanne  fcifte,  boß  inöbcfonberc  bei  ber  auf  SSertrag  bc* 
ru^enben  ooBftänbigcn  ©ütertrennung  eine  fold^e  S3eitrogßpflid)t  ber  ©Ijcfrau 
httd)  bie  »cftimmung  bcs  §  1339  auöbrücKit^  anerfannt  fei,  bei  biefem  ©fiter^^ 
flanbe  bal^er  j[cnc  Scitragöpffic&t  bcr  .©^efrau,  wie  j[ebe  anbere  SSerpPidjtung 
berfelben,  in  Slnfc^ung  ber  grage,  ob  fic  nac|i  SWaßgabc  ber  §§  1482, 
HW  abf.  1  jur  ©emäl^rung  bcö  Unterfialteö  im  ©tanbe  fei,  berüdfftc^tigt 
©erben  müffc.  Ucberroicgenbe  Orünbe  fpred^en  inbeffen  bagegen,  bem  gefeglid^en 
e^lic^en  ©üterrcd^tc  ju  Ounften  beö'  ©l^emanneö  unb  jum  9lad^tl)eile  ber 
unter^altöberec^tigten  Scrroanbten  bcjro.  beö  unfd^ulbig  gefd&iebencn  früfjcrcn 
©Ratten  ber  ©^efrau  einen  fold^ien  ©inffuß  auf  bie  gcfeglid&e  Untcrtjaltö* 
wrpjli(^tunfl  ber  Ie|teren  einjuräumen.  3nß6efonbere  fällt  entfd^eibenb  ins 
®emi(^t,  baß  bie  in  SHcbc  ftclicnbc  9Jlobifitation  bem  gcitcnben  SRe^te  frcmb 
ift,  bie  ©infad^^eit  unb  S)ur(^fid[|tigfeit  beö  Ocfcfteö  ftört  unb  bie  praftifc^e 
änroenbung  beöfclben  erfd^mert. 

Dbroodt  bic  »eftimmung  beö  §  1313  alö  eine  SJiobififation  beö  §  1482, 
wm  fi>ftematif d^en  ©tanbpunfte  auö  betrad^tet,  in  ben  Slbfd^nitt  über  bic  gc* 
fejUc^c  UntcrljaltöpPid^t  ber  SBcrroanbten  gef)ören  mürbe,  fo  empfiehlt  eö  fid^ 
hoii,  wegen  beö  3wfömmenf|angcö  ber  Seftimmung  mit  bem  Sffiefen  ber  cl^c^^ 
litten  Slußnießung  unb  SScrmaltung,  bicfelbe  an  biefer  ©teile  ju  betaRen. 

SBcgen  ber  grage,  inmiemeit  ber  ©I)cmann  gegenüber  ber  ©fjcfrau  bic 
^er  fraglid^en,  nad^  bett  allgemeinen  ©runbfflgcn  in  Serbinbung  mit  ben 
§§  1313,  1454  Slbf.  2  if|r  jur  Saft  fallcnbcn  Unter^altöfoften  auf  (Srunb  ber 
e^ic^en  Sflußnießung  unb  Sermaltung  ju  tragen  pcrpftiditct  ift,  t)ergl.  §  1297 
Sbf.  1  3h.  3  unb  Slbf.  2  nebft  aKotitJcn  oben  ©.  201. 


§  1314. 

Sie  3roöngöt)oUftrccfung  gegen  baö  ©Ijegut  rid^tet  fidf)  tfieilö  gegen  bic   swangö. 
e^au,  t^eilö  gegen  b^n  ©Ijcmann,   gegen  bic  erftere  infofern,  alö  cö  il)r  ''g"gl'„'tl"a^ 
Sermögcn  ift,  auö  mclc^cm  bic  Sefriebigung  ücrlangt  mirb,  gegen  ben  legieren    e^»^«»*- 
infofcm,  alö  bic  Sefriebigung  auö  bem  ®f)egutc  ol)ne  9iüdEfid)t  auf  bic  cljclid^e 
Slu^nicßung  unb  SSerroaltung  erfolgen  foU.    2)arauö  in  aScrbinbung  mit  bem 

Sl0ti9c  |.  bflrgerL  Ocfeibu^.  lY.  17 


258  gScrBlnblid&fcitcn  bcr  ß^efrau.    3»ang8üottftr:c(fun0.    §  1314. 

örunbfafec  bcö  ©ntrourfcö,  bo§  bcr  ©bemann  an6)  in  Slnfc^ung  bcö  ®^cgutcfi 
bic  ß^cfrau  im  ^rojcffc  ju  t)crtrctcn  ni6)t  Icgitimirt  ift  (tJcrgl.  §§  1303,  1319, 
1322),  anbcrcrfcitö  in  SScrbinbung  mit  bcn  S3cftimmungen  bcr  §§  662,  671 
bcr  6.  %  D.,  nad)  meldten  bic  3w5ongäDoBftrcdtung  auf  Orunb  einer  mit  ber 
SBoUftrcdungöMaufel  ücrfel^cncn  Sluöfcrtigung  bcö  Urtl^eilcä  erfolgt  unb  nur 
beginnen  barf,  rotnn  bic  ^erfonen,  gegen  meldte  fie  ftattfinbcn  foll,  in  bem 
Urt^eile  ober  ber  bemfelben  beigefügten  SBoUftretfungöftoufel  namcntlid^  be- 
}ei(^net  ftnb,  folgt,  bafe  eine  Sw^^ngö^^ottfirecfung  gegen  baö.  ®^egut  nur  bann 
julöffig  ift,  wenn  bic  ®^efrau  ju  ber  bcn  ©egenftanb  ber  Sw^i'tgö^oUftrerfung 
bilbenben  Seiftung,  ber  (Seemann  ju  ber  Oeftattung  ber  3roangöoolIftrcdEung 
gegen  baß  ®f|egut  (§  1311)  tJcnirtl^cUt  ift  ober  ein  anberer  ooUftrecf barer 
S^itel  gegen  bic  @()efrau  bejm.  gegen  bcn  @§emann  in  bcn  bejeid()neten  Sflic^^ 
tungen  oorliegt.  2)abei  mad^t  eö  feinen  Unterfc^ieb,  ob  bic  SBcrurtl^eilung  in 
einem  gemeinf^aftlic^  gegen  beibe  ©Regatten  ate  ©treitgenoffen  (§  57  ber 
6. 5ß.  O.)  erhobenen  ^ßrojeffe,  ober  in  gefonberten  5|Jrojef[en  erfolgt  ift  (ocrgl. 
aud^  §  1904;  ©ntfdE).  b.  91.  ®.  in  ßi^ilf.  X,  IS^I^cmQkidi  biefer  im  §  1314 
2lbf .  1,  2  auögefprod^iene  Saß  als  felbftoerftönblidg  angefe^cn  rocrben  tann  unb 
aud^  in  ben  befte^enbcn  Oefcftgcbungen  nid^t  befonberö  ^croorgcl^oben  wirb, 
fo  ift  eö  hoä)  bei  ber  SBid^tigfeit  bcr  grage  als  angemejfen  eröd^tet,  bcn* 
felben  auöbrüdPlic^  auöjufprci^cn,  um  namenttid^  ber  9luffaffung  entgegen* 
jutreten,  bafe  bie  SBerurtfieilung  ht&  ©l^emanncö  genüge,  ober  bafe,  wenn  etroa 
lebiglid^  auf  ®runb  eines  gegen  bie  ©^efrau  erroirften  Urtl^eites  bie  3w>ö"3^ 
üoUftredung  gegen  bas  ©l^cgut  eingeleitet  )eln  follte  unb  ber  ©^cmannn  auf 
©runb  ber  el^elid^en  ^lugniefeung  unb  aSerroaltung  in  (Semöfel^eit  beS  §  690 
ber  6.  ^.  D.  SBiberfprud)  gegen  bie  3wangöoollftrcdEung  crl^ebt,  ber  ©laubiger 
in  biefem  SBerfal^ren  eine  ©inrebe  barauf  grünben  fönne.  ba§  bie  SBcrbinblidö* 
!eit,  megen  meld^ier  bie  3w'0"gööönftredEung  ftattfinbe,  eine  ©l^egutsperbinblic^s 
^  feit  (§  1311)  fei.    9lnbererfeits  fann  bie  ©ntfd^eibung  bcr  fpejicHen  grage,  ob 

es  aud^  in  bem  galle,  rocnn  bemeglic^e  ©^egutsfad^en  gepfänbet  rocrben  foBen 
unb  ber  ©^emann,  o^ne  bafe  bie  SBorauSfefeungen  bcö  §  1314  Slbf.  3  uorliegen, 
fid^  jur  Verausgabe  Jener  ©ad^en  bereit  erftärt  l^at,  jur  2Birffamfeit  ber 
3n)angSt)ollftrecfung,  namcntlid^  gegenüber  anberen  ©läubigern  ber  ©^efrau, 
eines  üoUftredEbaren  S^itcls  gegen  bm  ©l^emann  bebarf  ober  ob  in  einem  fold&cn 
galle  bic  3TOongSoollftredung  trog  beS  SßangclS  eines  pollftredEbaren  2:itelö 
gegen  ben  ©bemann  als  roirffam  anjufclicn  ift  (oergl.  §  713  ber  ß.  %  D.). 
unbebcnfli^  ber  SBiffcnfc^aft  unb  5ßrayis  überlaufen  roer^n.  ^  Sßon  jelbft 
^  ücrfte^t^cs  fid&  ^übrigens,  bafe  roegcn  einer  aScrbinbtid&feit  ber  ©fefrau  gcgtn» 

/.,  '  ',.^'.        über  bem  ©bemanne  bie  3w'ön9St)onpredfung  gegen  baS  ©l^egut  allein  auf 
'  ©runb  eines  gegen  bie  ®l)cfrau  üoUftrcrfbaren  2:itets  erfolgt,  ba  ber  ©runb, 

aus  roeld^em  anbere  ©löubijcr  ber  ©t;efrau  einen  ooUftrcdEbaren  Äitel  auc^ 
gegen  ben  6l;cmann  ernnr!en"müifen,  lebiglid^  in  bem  burd^  bie  e^elii^e  Stufe* 
nicgung  unb  aSertoaltung  begrünbeten  Siedete  beS  ©^emannes  liegt 
sjonfirecf-  Sie  bem  ©t)ftemc  bcr  6.  ^.  D.  unb  bem  9lbf.  2  beS  §  1314  fid^  aiu 

fd&liefeenbc  33eftimmung  bcs  §  1314  2lbf.  3  bc5roedEt  einerfcits,  ben  3n>cifcl  ju 
befeitigen,  ob  bcr  §  702  TiX.  5  ber  ß.  5ß.  D.  fid^  aud)  auf  ben  %aü  bejic^t,  in 
roetc^em  bcr  G^emann  roegen  einer  ber  G^efrflii  obliegenben  SScrbinblid&fcit  ber 


6arer  ZiteL 


ScrBinbIi(5!citcnbere6efrau.  SoIIftr.?lu8fctt.öC8.l>.@6cmann.  §1315.       259 

im  §  702  9lr.  5  bcr  ®.  5ß.  D.  bcjcid^ncten  9IrVbic  SBoUftred ung  gegen  \^^fi  ®f)e=j 
9ut  Beroilligt;  anbererfcitö  giebt  |tc  barübcr  l^inauö  bem  §  702  9lr.  5  bcr  6. 5ß.  D. 
eine  Sudbc^nung,  tocidjie  forool^t  im  Sntcreffe  beö  ß^emanncö  alö  bcS  2)ritten 
bie  gej^^gerfotflung  crleid^tert  unb  inöbcfonbere  benfelben  bic  Äoften  eincö 
^fojejtSlrfpQrt  (oergt.  §  89  bcr  6.  %  D.). 

Scfottberc  SBcfttmmungcn  barübcr,  in  roefd^cr  9lrt  auf  Orunb  beö  gegen  »erfahren. 
bic  ß^cfrau  unb  gegen  ben  ß^emonn  crroirftcn  oollftrecfbaren  Titels  bie  aSoB* 
ftrcdungsHau[cI  ju  crt^cilcn  unb  in  njcli^cr  Slrt  bie  3w)angöt)olIftredPung  gegen 
bie  bciben  ©fjegatten  gcmcinfd^afttici^  burd^jufü^ren  \\\,  ftnb  cntbc^rlid^,  ba  in 
biefcn  Sejic^ungen  bie  allgemeinen  aSorfd^riften  bcr  ß.  %  D.  ausreichen. 
3ndbcfonberc  fe^It  eö  oxi  einem  Sebürfniffe,  bie  grage,  ob  bei  bcr  3w)ang&* 
TODftrcctung  gegen  baö  ©l^egut  aud^  bcr  (Seemann  xi^is  SKafegabc  bcr  §§  711, 
780—784  bcr  6.  5ß.  D.  jur  Slblciftung  beö  SKanifcftationöcibcö  angcl^altcn 
©erben  fann,  burd&  baö  ©cfcg  fpcjicB  ju  cntfd[|ciben.  2)a6  bei  bcm  Sw^öngö- 
üollftredungöücrfafiren  iebcr  bcr  ©Regatten  bic  bem  ©c^ulbncr  in  bicfer  §in« 
|i<^t  pfte^enben  5RcdE)tc  fctbftänbig  mal^rjunefimen  befugt  ift,  crgiebt  ftd^  für 
bic  ß^efrau  auÄ  §  1309  9lr.  3,  für  ben  (Seemann  aber  aus  ben  il^m  fraft 
bcr  e^li^en  Slugnicfeung  unb  Sßcrmaltung  iuftcl^cnben  SRedEitcn. 

•  Ucbcr  ben  ©influfe  bcr  e^cUd^en  Sßugnicfeung  unb  SSerroaltung  auf  \^^^  «ontur«  über 
«erführen  itn  gaUe  beö  Äonfurfcö  über  baö  aScrmögen  bcr  e^efrau  ^at  bcr  ""^^^l 
feitamrf  in  Ucbcreinftimmung  mit  bcm  gcltcnbcn  SRed^tc  befonbere  Seftim^^ 
TOungen  nic^t  aufgenommen.  SBom  ©tanbpunfte  beö  ©ntmurfcö  auö  ift  bic 
So^lagc  gegenüber  bcm  geltcnben  Siedete  aUerbingö  infofern  eine  anbere,  alö 
ber  Entwurf  bic  unbef^ränfte  ©cfd^äftöfä^igfcit  bcr  ®^efrau  anerfennt  unb 
in  rocitcrem  Umfange  SSorbc^altögut  juläfet,  bie  göllc  bal^er  fünftig  häufiger 
uorfommen  tocrbcn,  in  meldten  ©laubiger  ber  (S^cfrau  ni^t  ß^cgutögläubigcr 
Rnb  unb  bcS^alb  SBcfricbigung  auö  bem  ©l^cgute  ol^nc  9lüdEfxd)t  auf  bic  e^c:^ 
U(ie  9luftnic§ung  unb  SScrmaltung  nic^t  pcrlangcn  fönnen  (oergL  §  1311).  ^ 

©ercbe  biefc  Solle  ftnb  cö  aber,  mcldöc  für  baö  Ronfuröocrfal^ren  befonbere 
S^fiöierigfeitcn  bereiten.  SBcnnglcid^  eö  Ijicmad^  nal^c  ju  liegen  fd^cint,  bie 
auö  bem  SDBcfcn  ber  el[|cUd^en  ^lufenicfeung  unb  SBcrmaltung  in  SScrbinbung 
mit  ben  Scftimmungcn  ber  ftonf.  D.  fi^  crgebcnben  S^^^f^f  i"^  S^f^^^^^cn- 
^nge  mit  bem  c^cli^cn  ©ütcrrec()tc  ju  löfen,  fo  ift  eö  bod^  alö  rat^fam 
trottet,  bie  grage,  ob  unb  mcIdEic  2lcnberungen  bcr  ßonf.  D.  in  golge  ber  in 
bcm  bürgerlichen  ©cfcfcbud&c  über  bic  döelic^c  S^ufeniefeung  unb  SSerroaltung 
jctroffcncn  Seftimmungen  crforbcrlid^  mcrben,  bcr  Sleoifion  bcr  Äonf.  D.  üor- 
iubc^alten,  ba  jcbc  Slrt  ber  Siegelung  mefir  ober  roenigcr  eine  2)ctIaration 
bcjm.  cinr  aknbcrung  bcr  Äonf.  O.  mit  fid&  bringen*  mürbe,  bic  a;ragn)cite 
eincö  folc^en  ©ingriffeö  in  bie  Slonf.  D.  aber,  inöbcfonbere  bie  SRüdEmirfung 
bcöfdbcn  auf  anbere  äfinlid^  licgenbc  gälte,  olinc  eine  umfajfcnbc  Seratl^ung 
bcr  Äonf.  D.  fid^  nid&t  überfeinen  läfet. 

§  1315. 
2)ie  SScfttmmung  beö  ©afe  1,  meldte  bejmcdEt,  bem  ©ritten,  meltiner  gsoüftrcÄare 
ein  ooflftredEbareö  Urt^cil  ober  eine  anbere  tJoUftrccfbarc  entfd&cibung  (oergt.  ^"^J'^Jen""« 
§  702   ^x.  3,  4  bcr  6.  5ß.  0.)  gegen  bie  ®l)cfrau   crmirtt  fjat,  in  ben  ^cn  c^emann. 

17  ♦ 


L 


260       SBcrBinbl.  b.  ©Mr.  Srxigöfei^uncj  atr.  eßeßiit  u.  SScrbcItallgout.  §  1316. 

im  ©ingangc  bes  §  1315  bcicid^neten  gällen  eine  neue  Älagc  gejjcn  bcn  ©fic^ 
mann  unb  bic  bamit  ocrbunbcncn  SBcitcrungen  unb  Äoftcit  ju  crfparcn,  xei)U 
fertigt  fi^  burd^  bie  9lüdftd|t  auf  ben  dritten  unb  bie  2lnaIogie  ber  §§  236^ 
665  ber  ©.  %  D.  9lte  fclbftoerftänblic^  fonn  biefelbe  n\6)i  erachtet  werben, 
bo  aus  bem  §  1309  9lr.  1  unb  ben  §§  1311,  1312  3lv.  1  nur  bic  gBirffam* 
feit  ber  f)ier  froglid^en  (Sntfc^eibungen  aui)  in  3lnfel)ung  beö  e^eguteö  gegen* 
über  bem  ©bemanne,  nid^t  aber  auf  bie  SSoDftrecfbarfeit  berfelben  gegen  ben 
©fiemann  fic^  ergiebt,  Sle^nlidie  ©rmägungen,  wie  biejenigen,  auf  meldten  bic 
Seftimmung  beö  §  1315  ©aß  1  berufjt,  fü^iren  bafiin,  ben  bort  gebeerten 
©ntfd^eibungen  bie  im  §  702  3lx.  1,  2,  5  ber  6.  ^.  D.  bejeid^neten  üollftred^ 
baren  3::itel  gleid^äufteüen,  fofern  bie  (enteren  jur  3^'*  ^^^  (Sintritteö  ber  e^c* 
lid^en  Sßuftniefeung  unb  Sßenoaltung  bereits  t)or^anben  marcn.  Dt;nc  bicfe 
©leid^fteUung  würbe  ber  prattifrfie  SBertfj  ber  l^ier  fraglid^en  3:itel  für  ben 
©ritten  burc^  bie  ©inge^ung  ber  6^e  von  ©eiten  ber  ß^efrau  er^eblid^  be* 
einträc^tigt  merben. 

®ur(^  bie  auöbrüdffid^e  S3e5ugna^me  auf  ben  §  703  ber  S.  %  D.  wirb 
Jebcr  B^cif^f  barüber  gel^oben,  ba^  auf  bie  SroangöooUftrecfung  am  ben  ooB* 
ftrecfbaren  Titeln  bcö  §;  702  ber  6.  %  0-  neben  bcn  §§  665—668,  671  bie 
befonberen  aSorfd^riften  ber  §§  704,  705  ber  ß.  %  D.  entfprcd^enbe  ^[n* 
iDcnbung  finbcn. 

§  1316. 

9iu58iei(^un8  .  SBcuu  bic  ß^cfrau  neben  bem  ©^egute  SSorbel^altögut  l^at,  fo  l^aftct 
fl^ÄsttM^ft^^^f^änblid^  and)  baö  legtere  bcn  ©^egutßgläubigern,  unb  jwar  l^abcn  biefe 
be^aitsQut  nad&  bem  ©ntrourfe  bic  unbcfd^ränftc  SBa^I,  ob  fie  i^re  Sefricbigung  auö  bem 
®^egutc  ober  auö  bem  Sßorbetialtsgute  fud^cn  wollen.  '  ©ine  anbere  grage  ifl, 
inroiemeit  bie  ©l^egutöoerbinblid^feiten  im  aScrpItniffe  ber  ©Regatten  ju  ein- 
anber  bem  ©^egute  ober  bem  SSorbc^altögute  jur  Saft  fallen  foHcn  unb  eine 
35erbinblid^feit  ber  ©Regatten  unter  einanbcr  jur  9luöglcid^ung  bcö  ©^cguteft 
unb  bcß  93orbef|aIt8guteö  anjuerfcnnen  ift.  SDa  regelmäßig  aUes  SBermogea 
ber  ©l^efrau  ©l^egut  ift,  fo  entfpri(f)t  cö  ber  ©ad^tage,  oon  ber  SHegcl  an^ 
jugef)cn,  baß  bie  ©ficgutöocrbinblid^feiten  aud[i  im  SSerfiättnine  ber  ©^egatteti 
JU  einanbcr  bem  ©^cgute  jur  Saft  fallen  (ücrgl.  aud^  olbenb.  ®cf.  ü.  24.  3lpril 
1873  3rrt.  19  §  2).  aSon  biefer  SRcgel  (§  1316  Slbf.  l)  pnb  aber  im  §  131^ 
9tbf.  2  einjetne  2luönal)m§fäUe  anerfannt,  in  wetdEien  Gf)cgutäDerbinbtid^!eiten 
im  aSerliältniffc  ber  ©l^cgattcn  ju  einanbcr  bem  aSorbctjaltögutc  jur  Saft  foDen 
foUen.  Sic  red^tlid^c  33cbcutung  jener  Siegel  unb  ber  3luSnal)me  ift,  mie  fic^ 
aus  §  1316  9lbf.  3  bcö  9ltil)crcn  crgicbt,  bic,  ha^,  wenn  eine  ©^egutö:* 
ucrbinblid^fcit,  mcl^c  im  SBcrl^öltniffc  ber  ©f)cgattcn  ju  einanbcr  bem  ©^egutc 
jur  Saft  füllt,  auö  bem  aSorbe^altögutc,  ober  eine  anbere  ©f)cgutßoerbinb* 
lid&fcit  anQ  bem  ©Ijcgutc  getilgt  ift,  im  erftcn  ^aUc  ju  bem  58orbc^altögutc 
auö  bem  ®l)egute,  im  jwcitcn  gallc  ju  bem  ©l)cgute  an^  bem  SSorbc^altögutc 
inforocit  ©rfaß  ju  Iciftcn  ift,  alö  Ijierju  ba^  S^crmögcn  auörcid^t,  an&  mclc^cm 
ber  ©rfafe  ju  teiften  ift.  ©ö  befteljt  alfo  feine  gen)Bl}ntid^e  ©rfagücrbinbli^teit, 
fonbern  nur  eine  aScrbinblidjtcit  jur  Sluögleid^ung  ber  bciben  jum  SBcrmögca 


SftbtnbLb.  e^cfr.  3tu8flleid&ung  stp.  (Sßcflut  u.  aiorBcl&altgöut.  §1316.       261 

bcr  g^cfrou  gc^örenbcn  SMoflen.  S)a6  bic  bcm  ©bemanne  gegenüber  ber  ®^e=^ 
frau  obliegciibc  85crpflid||tung^  bie  G^cgutöperbinblid^feitcn,  toeld^c  im  $8er^ 
^tniffe  ber  ©Regatten  ju  einanber  bem  @^egute  jur  Saft  fallen,  auö  biefem 
ju  erfüllen,  burd^  baö  SSor^anbenfein  oon  ®^cgut  bebingt  unb  barauf  befd^ränft 
ift,  oerflcdt  fid^  pon  felbft.  daneben  bleibt  bie  befonbcre  SBerbinblidfifcit  beö 
€^anncd  gegenüber  ber  @^efrau,  S^egutöoerbinbUc^feiten  nac^  äHaggabe 
bcfi  §  1297  aud  feinem  eigenen  SScrmögcn  ju  erfüllen,  fcIbftoerftänbtidE)  un- 
berührt, aber  oud^  auf  ©eiten  ber  ß^efrou  mufe  bic  SScrpffid^tung,  bie  im 
§  1316  9U)f.  2  bejcid^neten  S^egutdoerbinblic^feiten  auf  bad  SJorbel^altdgut  ju 
übernehmen,  barauf  befdjiränft  werben,  ba§  fie  baö  (S^egut,  foroeit  jene  SBer^ 
binblic^feitcn  aud  biefem  getilgt  ftnb,  aud  bem  93orbel^altdgute,  fofern  unb 
foioeit  ein  fold^eö  Dor^anbcn,  ju  ergänjen  verpflichtet  ift.  2)ic  SluffpRung, 
bog  bie  S^efrau  bem  ^^emanne  megen  ber  burd^  bie  @rfüUung  ber  fragti^cn 
Serbinblid^feiten  aM  bem  (S^egute  eingetretenen  SSerminberung  bed  @^eguted 
unb  folgeioeife  anä)  bcr  el^eti^en  9{ugnicgung  perfönlid^  mit  ii)ttm  SSermogen 
verontmortlid^  fei,  würbe  mit  bcm  ©runbgebanfen  ber  e^elid^en  9lu^niegung 
unb  Senoattung,  ba§  bie  (egtere  bad  äiermögen  bcr  @^efrau  nur  infomeit 
irnb  fo  lange  ergreift,  ate  cö  baö  SBermögen  bcr  (S^efrau  ift  (§§  1293, 1311), 
nid^t  im  SinHange  fte^cn  unb  eine  groge  UnbiQigfeit  gegen  bie  @()efrau  mit 
jidi  bringen.  ®ie  gcfegli^e  9lncrlcnnung  einer  S8erbinblid)fcit  bcr  ®f|cfrau 
ate  cina  @^cgutöDcrbinbUd^feit  barf  für  bie  @^efrau  nic^t  bie  So(ge  ^abcn, 
ba|  i^e  SJcrbinblid^feit  cr^ö^t  mirb,  ba§  fic  aufecr  bcr  urfprünglid^en  SBer^ 
binbli(^feit  au^  nod^  gegenüber  bem  @^emanne  jum  S^abenöerfage  t)erpf(id^tet 
imrb.  38on  einer  anbcrcn  5Äuffaffung  fönntc  man  möglid^ermeife  bei  fold^en  für 
bie  ^vKdt  bed  SSorbe^Itöguteö  eingegangenen  ^erbinblid^feiten  ber  @(|efrau 
aittge^,  meldte  bie  (Sigenf(^aft  einer  (S^egutöoerbinbUd^feit  nur  bur^  bie 
<SinDiIIigung  ober  Genehmigung  beö  @^emanneö  erlangt  ^aben.  äßan  fönnte 
in  biefer  ©inmiDigung  ober  ©ene^migung  eine  ®cfd[iaftöfü^rung  beö  ®f)Q^ 
manneö  für  bod  93orbet)a(tögut  erbliden  unb  auö  bcm  ©efid^töpunfte  eineö 
}tt  biefem  ^roedt  gemalten  Slufmanbeö  bem  (S^emanne  einen  unbefd^rönften 
SnfpnK^  auf  @rfag  für  bie  i^m  bei  Erfüllung  ber  betreffenben  SSerbinblid^feit 
auö  bem  Gl^egute  cntgel^enbe  e^elid^e  ^u(nie§ung  einräumen.  @ine  fo(d[)e 
Sluffoffung  würbe  inbeffen  ber  ocrmutf|lid^en  Slbfic^t  ber  ©Regatten  nic^t  ent^ 
fprecben.  S)urd^  bie  5ßatur  ber  l^ier  fragli^cn  SBerbinblid&fcit  ber  ©Regatten 
alö  einer  blogen  93erpf(i(^tung  }ur  äluögleid^ung  beö  @^cgutcö  unb  beö  93or« 
be^ialtögutcö  ift  übrigenö  felbftoerftanbüd^  ni^t  auögcf^loffcn,  bag,  wenn  einer 
bcr  Sbcgötten  biefe  SBerbinblid&feit ,  fowcit  biefclbc  nad^  3lbf.  3  begrünbct 
ift/  burc^  fein  SSerfc^uIbcn  ni^t  erfüllt,  er  bem  anberen  ©Regatten  nad^  SWaß? 
flobe  bcr  allgemeinen  ®runbfä|e  über  bie  folgen  bcr  Slid^tlciftung  unb  über 
bie  gülgen  beö  SScrjugeö  jum  ©d^abenöerfafec  ücrpflid^tet  ift. 

SBenngleidö  ber  Slbf.  3  unmittelbar  nur  auf  fol^c  ^öUe  fid^  bejicljt,  Bereinigung 
in  welchen  bur^j  bie  2:ilgung  einer  ß^egutöoerbinblic^fcit  baö  S^egut  auf  beranr«nb 
Äoftcn   be«  SSorbe^altögutcö  ober  baö  lefetere  auf  Äoften  beö  erftcren  bc^      ««* 
rci^Krt  ift,  fo  fann  cö  bod^   nid)t  5weifcll)aft  fein,  bafe  bie  93eftimmung  ^*"^^*'^'"'* 
brt  Slbf.  3  analog    aud&    auf  fold^e    gällc   9lnwenbung    finbcn   mug,    in 
»eld^  burcb  bie  53ereinigung  ber  ß^cgutSücrbinblid^fcit  unb  bcr  berfclbcn 


262      gSerBinbl.  b.  (Söefr.  21uöfllei(]&unö  jt».  S^egut  u.  SorBel&altöflut.  §  1316.    , 

cntfpred^cnben  gorberung  in  bcr  ^ißcrfon  bcr  ß^cfrau  (§  291)  baö  SSorbc^Qltö- 
gut  auf  Äoftcn  bcö  ©f|cgutcö  ober  umgefel^rt  bicfcß  auf  Äoftcn  icncß  bercid^crt 
ift  (Sine  fold^c  Bereicherung  bcö  SSorbe^altöguteö  auf  ftoften  beö  ©fiegutö^ 
fann  j.  35.  eintreten,  wenn  bic  S^efrau,  n)eld[ier  eine  ©^egutöforberung  jufte^t^ 
bcn  ©d^ulbncr  beerbt,  bie  ©rbfc^aft  aber  nod)  §  1287  bem  SSorbcfialtögutc 
äufänt.  Umgefel^rt  ift  ba&  ©l^egut  auf  Soften  beö  SBorbe^attöguteS  bereicherte 
wenn  bie  gorberung  ju  bem  tefeteren  geljBrte,  ber  ^lad&Iafe  beö  ©d^ulbnerd 
aber  6f)egut  geworben  ift. 

^[nlangenb  bie  einjelnen  9Iuönal^men  von  bcr  Dlcgef  bcö  SKbf.  1,  fo  ift  in 

biefer  Scjiel^ung  golgenbeö  ju  bemcrfcn: 

cerbtnbiic^.  1.  2)ie  im  9lbf.  2  3lx.  1  beftimmte  9luönaf)me  rc^tfertigt  fid^  burc^ 

^l^mbun  ^i^  ©rroägung,  bafe  es  unbillig  fein  würbe,  wenn  in  bem  9Ser()äItniffe   bcr 

^onWunBcn:  ®()egatten  JU  einanber  baß  SRcdEit  bcö  6f)emanncö  unter  bcn  t)on  ber  (S^efrau 

begangenen  unerlaubten  ^anblungen  leiben  follte.    3^  ^^^  33erbinbfidöfcitett 

ber  6f)efrau  aus  bem  burc^  eine  unerfaubte  ^anblung  berfelbcn  herbeigeführten 

©trafoerfal^rcn  geprt,  ol^ne  bafe  bicS  eineß  befonberen  9lußbrucfeö  bebarf,  aucj^ 

bie  SScrbinbliddfcit  ber  ®£|efrau  jur  ä^ragung  bcr  Äoften  einer  in  einem  folgen 

aSerfa^ren  mit  ®inn)iUigung  beß  (Sfiemanneß  erfolgten  aSert^eibigung  ber  ©^c* 

frau,  xotm  bie  Icßtcre  ücrurt^eilt  ift  (oergl.  §§  1321, 1301, 1311, 1312  9lr.  1, 

§  1297  5Rr..6),    2luf  bemfelben  ©tanbpuntte,  wie  bie  9lr.  1   bcß  3lbf.  2^ 

ftel)t  ba»  fäd)f.®.a3.  §  1680;  baßfetbe  wirb  aud[i  für  bqß  preufe.  31.  S.  9t.  na<^ 

5lnalogie  beß  §  203  II,  2  an^iune^men  fein,  fofcm  nac^  preu§.  21.  2.  9?.  übcr= 

^aupt  eine  Haftung  bcß  ß^egutcß  für  bie  aSerbinblid^teitcn  bcr  ®l|efrau  aud 

einer  von  ber  Icfetercn  begangenen  unerlaubten  ^anblung  anjuerfennen  ift 

(ocrgl.  aJlotioe  ju  §§  1311,  1312  oben  ©.  249).    2)ie  beibcn  angefütjrteii 

©cfcfegcbungen  gc^cn  infofern  nod^  weiter,  wie  bcr  ©ntwurf,  alß'  fie  aud^ 

gegenüber  bcn  ©laubigem  bcr  ß^efrau  eine  Haftung  beß  ©ficgutcß  für  bic 

^ier  fraglid^en  aScrbinblidEifeitcn  nur  außl^ülfßroeife  für  bcn  ^all  ancrifenncn, 

bafe  ba»  aSorbel^altßgut  ju  il^rer  Sefriebigung  nid^t  l^inreic^t.   (Sine  fold^e  ®c* 

fd&ränfung  bcß  Slec^tcß  ber  ©laubiger  ift  iebod^  nid^t  gerechtfertigt.    3^rc 

Sefriebigung  fann  baburd^  unter  Umftänben  er^eblic^  t)cr5ogert  werben  unb 

fönnen  i^nen  barauß  unnüfee  Soften  erwad^fen.    3)lit  bem  ©ntwurfe  ftimmt 

in  biefer  ^inpc^t  baß  olbenb.  ®ef.  v.  24.  Slpril  1873  STrt.  19  §  1  überein. 

ou«  einem  2.  S)a  bcm  (S^cmauuc  an  bem  aSorbel^altßgutc  bcr  ®^efrau  fcincrici 

»ÄlL  9*^**  i^f^^^^t  fo  ^mi  eß  in  ber  9latur  bcr  ©ad^e  unb  cntfprid&t  es   ber 

gut  fi<^  6e*  a3illigfcit,  fowie  bcr  oermutl^lid&cn  SÄbfid^t  ber  et)egattcn,  bafe  fol^e  SierbinbUdb- 

*«StS'"    '^^^^^  ^^^  ©t)efrau,  wctd&e  an&  einem  auf  baß  SSorbc^altßgut  ftd^  bcjie^cnbcn 

oer^itniffe,  JRcrfitßocr^ältniffc  cntftanbcn  fxnb,  fowcit  biefelben  übcrliaupt  e^egutßocrbinblid^^ 

feiten  finb,  im  aScrl^ältniffe  ber  (S^egattcn  ju  einanber  bem  SSorbcIialtßgutc  jur 

Saft  fatten  (§  1316  9lbf.  2  3lx.  2).    ®ine  übereinftimmenbe  aSorfd^irift  entl^ält 

baß  olbenb.  ®ef.  t).  24.  aipril  1873  Sürt.  19  §  1,  wä^renb  in  bcn  anbeten 

©cfcftgcbungcn  biefer  gall  nid^t  befonberß  entfd^ieben  wirb.    3«  ^^^  unter 

bie  3lv.  2  bcß  3lbf.  2  fallenbcn  9Serbinblic||feiten  gehören    namentlid^    bic 

33erbinblid^fciten  ber  ©i^cfrau  auß  Sted^ißgefc^äften,  wcld)e  fi(^  auf  baö  ^or* 

be^altßgut  bcjiclien  (§  1290),  wenn  bcr  ©l^cmann  feine  ©inwilligung  ober 

©enclimigung  baju  crt^eilt  ^atte  (§§  1301,  1311,  1312  5Wr.  1).    3n  ber  (hr^ 


SScrBinW.  b.  Sl^efr.  9tugoleid&iin0  sto.  (gßcßutu.  SorBc^altSflut.  §1316.       263 

t^eilung  her  ©inroilligung  ober  ©enefimigung  liegt  an  fid^,  fofcrn  nidf)t  ein 
Snbereö  oeraftrebet  ift  ober  aus  ben  Umftänben  erliellt,  feine  Uebernaf)mc  ber 
3Sorbe^aItögutsoerbinbUd&Ieit  ate  einer  (S^egutöfaft  gegenüber  ber  ®^efrau.  9]ur 
ben  ©laubigem  gegenüber  foB  baburd^  bie  ©igenfc^aft  ber  ^Berbinbtid^feit  ate 
einer  ß^egutöoerbinblid^feit  anejfannt  werben.  3m  SSer^ältniffe  ber  6I)egatten 
ju  einanber  entf^eibet  bagegen  nac^  wie  t)or  ber  materielle  ^rozd,  für  meldten 
bie  Serbinblid&feit  eingegangen  mürbe,  barüber,  ob  fie  bem  6l|egute  ober  bcm 
8or6e^altsgutc  jur  Soft  fällt.  95ori  befonbers  praftifd^er  SBic^tigfeit  ift  bie 
im  §  1316  abf.  1  9lr.  2  beftimmte  9luönaf|me  in  9lnfefiung  ber  SBerbinblid^* 
feiten  ber  ©fjefroii  aus  bem  felbftönbigcn  Setriebe  eines  ©rroerbögefd^äftcö, 
wenn  ber  (S^emonn  ju  biefem  Setriebe  feine  (SinmiHigung  ert^eilt  Ijat  (§§  1307, 
1310,  1311,  1312  $«r.  1,  3).  Unter  bie  3lx.  2  beö  9lbf.  2  fättt  aber  ferner  unteri&aits. 
ou(^  bie  gefcfeUd^e  SSerppid^tung  ber  ß^efrau  jur  ©eroäl^rung  beö  Unter-  ^*^feurn!*^' 
Mt^  an  i^re  33erroanbten  ober  an  ben  unfd^ulbig  gefd^iebenen  früheren  ef)e=^ 
gotten  b^r  6^frau  (§§  1480  ff.,  1454),  fomeit  bicfe  SBerpftic^tung  lebiglic^ 
bur(^  ben  Scfig  von  SBorbel^altögut  begrünbet  ober  baburc^  oergröfeert  ift 
(»ergL  §§  1482,  1454  Slbf.  2).  SBenngleic^  praftifd^e  ©rünbe  gegen  eine  foldie 
oer^Itnifemäfeige  SSertfieitung  ber  l^ier  fraglichen  Unterl^altungSpftid&t  auf  ba^ 
C^gut  unb  bas  SBorbefjaltögut  ft^  geltenb  mad&en  taffen  unb,  l^ingefetien  auf 
ben  perfönli^en  Äarafter  ber  ^ier  fraglichen  33erbinblid&feit,  eine  gemiffe 
SiHigfeit  bafür  ju  fpred&en  fd^eint,  biefe  SBerbinblic^feit  im  Serl^ältniffe  ber 
C^gotten  ju  einanber  ftet*  unb  im  oollen  Umfange  bem  SSorbel^altögute  jur 
Soft  ju  legen  —  j[ebod&  oorbe^altlid^  ber  SBerppic^tung  beö  ß^emanneß  gegenüber 
ber  6(iefrau,  bie  t|ier  fraglichen  Unter^altungöfoften,  fofem  ein  orbentlid^er 
6au§ooter  bicfelben  aus  ben  ©infünften  feineö  Vermögens  ju  bcftreiten  pflegt, 
nac^  9Wa§gobc  be«  §  1297  3lbf.  1  9?r.  4  unb  3lbf.  2  aus  ben  5Rufeungen  ber  cfier: 
lid^  ^luftniefeung  unb  aSermaltung  ju  beftreiten  — ,  f o  tonnen  jene  ©rünbe  bod^ 
niddt  als  burd^fd^lagenb  crad^tet  roerben,  um  jum  $flac^t^eile  ber  ®f)efrau  oon 
bem  ©runbfafie  abjumeic^en,  bafe  eine  SSerbinblid^feit,  meldte  bie  ®£|efrau  lebiglic^ 
wegen  i^rcö  E^eguteö  trifft,  au^  bem  legteren  jur  Saft  fallen  mu§.  5Dad  Se- 
bürfnife  einer  3luöna^me  in  biefer  SRic^tung  lann  aud^  nid^t  etwa  in  9lnfel|ung 
ber  Unter^altungöoerpflid^ung  ber  S^efrau  gegenüber  iljrem  une^etid^en,  im 
ß^bruc^e  erjeugten  Äinbe  anerfannt  roerben.  ^rvax  fc^eint  eö  nalie  ju  liegen, 
in  biefem  galle  bie  UnterfialtungöpflidE|t  nad&  9lnalogie  ber  3lv.  1  beö  §  1316 
Slbf.  2  wie  eine  SSerbinblid^feit  ber  ©^efrau  auö  einer  üon  i^r  begangenen 
unerlaubten  §anblung  ju  be^anbeln.  S^tbeffen  empfiehlt  eö  fi^  nidE|t,  einen 
fo  fpejietten  ^U  bur^  eine  fafuiftifd^e  33orfd^rift  befonberö  ju  berütffic^tigen, 
jumol  ber  ß^emann,  roenn  er  will,  in  einem  fold^en  galle  bie  ©c^eibung  Der« 
langen  lann.  Snwieroeit  ber  ©l^emann  benjenigen  S^lieil  ber  Unterf|altöpflid)t 
ber  g^frau,  roeld^er  bem  SSorftel^enben  nad^  bem  ®f|egute  im  S8erl)ältniffe  ber 
Chatten  ju  einanber  jur  Saft  fällt,  gegenüber  ber  ®f)efrau  perfönlid^  aus 
feinem  Vermögen  ju  erfüllen  t)erpflid&tet  ift,  ergiebt  fid^  auö  §  1297  3lbf.  1 
»r.  4  unb  «bf .  2. 

3la^  ber  SRr.  2  beö  2lbf.  2  fallen,  wie  bie  S^ffung  ergiebt,  bie  33er* 
binblid^feiten  ber  e^efrau  auö  einem  auf  baö  58orbel^attögut  fid^  bejlel^enben 
Wec^töüer^ältniffe  au<^  bann  bem  SBorbel^altögute  jur  Saft,  roenn  biefelben  oor 


264       aScrBinbl.  b.e^cfr.  9tußölei(]6ung  m  (S^cöutu.  aSorBcl&altÖöut.  §1316. 

bcm  Sintritte  ber  c^clid)cn  Slu^nicfeung  unb  aScrroaltung  ober  oor  bcm  QtxU 
punftc,  in  tocld^cm  baö  ®ut  SSorbcJ^attögut  gctoorbcn  ift,  cntftanbcn  finb, 
j.  33.  bic  bcvcitö  x)or  jenem  S^itpunfte  föHig  geworbenen  Seiftungcn  auf 
©riinb  einer  9leül(aft,  njeld^e  auf  einem  ju  bem  58orbel^attögute  geborenben 
(Srunbftüde  rul)t,  ober  bie  auf  ein  foldieö  ©runbftücf  ftd^  bejieljenbcn  oor? 
cbelid^en  Smmobiliarfdjulben  ber  ©bcfrau.  6ß  entfprid^t  bieö  ber  materiellen 
^ugcbörigfeit  biefer  33erbii\blid^feiten  jum  aSorbefialtögute  unb  ber  oermutb- 
licl;cn  Slbfid^t  ber  Set^eiligtcn  (oergl.  au^  code  civil  3lrt.  1409). 
«erBinbiic^*  3.  ©aß   bie   unter   3lx.  3  be§  9lbf.  2   bejeid^neten   aScrbinbUd^fciten, 

^'m^T  i»öbcfouberc  bie  SSerbinblic^feit  iur  (grftattung  ber  Soften  eincö  Slec^töftreiteß, 
fireitigfciten,  loeldjcr  Über  eine  ber  unter  SRr.  1,  2  beö  9lbf.  2  bejeid^netcn  aSerbinblid^^ 
feiten  oon  ber  ßb^froii  gcfül^rt  ift  (oergf.  §  1312  91r.  1),  im  SSer^ältnijfe 
ber  ©Jiegatten  ju  einanber  bcm  33orbef)aItögute  jur  Saft  fallen,  red^tfertigt  fid^ 
burd)  bie  materielle  3wflcprigfeit  jener  SSerbinbtid^feiten  ju  ben  unter  9ir.  1, 2 
bejeid)neten  SSerbinblic^feitcn  bcjio.  burc^  bie  ©rroägung,  ba^  eine  SScrbinblicb' 
feit  baburd^,  bafe  fie  burd^  Urtfjeil  feftgeftellt  ift,  i^ren  materiellen  Äaraftcr 
nidjt  änbert. 

SInlangcnb  bie  SBerbinblic^feiten  ber  Gficfrau  auö  anberen  Sled^tßfjtrcitig* 
feiten  alö  ben  unter  3lx.  3  bc§  3lbf.  2  gebadeten,  fo  fommen,  ba  bic  SJer^^ 
binblic^feit  ber  ®^efrau  aus  einem  of)nc  (Sinroilligung  ober  ©cnebmigung 
beö  Seemannes  oon  ibr  gegen  einen  Sritten  erhobenen,  menn  au^  baö  ©b^gut 
betreff enben  SRed&töftreite,  überhaupt  feine  ®bcgutöoerbinbIi^feit  ift  (ocrgl. 
§§  1302,  1311,  1312  3lx.  1;  aJcotioe  ju  §§  1311,  1312  oben  ©.252),  nur 
nod)  biejenigen  gälle  in  93etrad^t,  in  meldten  bic  ©befrau  mit  ©inroiUigung 
ober  ©enel^migung  beö  @()emanneö  ober,  obne.  bag  cö  einer  f o(d^cn  ©inmiUigung 
bcbarf,  einen  baö  (S^egut  aud)  im  33erbaltniffc  ber  ©b^flötten  unter  cinonber 
bctrcffcubcn  3fled)töftreit  gefübrt  liat  (ocrgt.  §§  1302,  1306,  1309—1311, 
§  1312  3lr.  1)  ober  in  n)eld)cn  bie  ®f)efrau  megen  einer  ©^egutöoerbinbUd&fcit, 
rocidje  im  aSerbältniffe  ber  ©f)egatten  ju  einanbct  bem  ©^cgute  jur  Saft  fällt, 
ücrffagt  loorbcn  ift,  obnc  ba^  ber  ©bemann  ju  bem  Sled^töftreite  feine  ®in* 
TOittigung  ober  ©enebmigung  ertl^eilt  bat  (§§  1303,  1311,  1312  3lv.  1).  S)a& 
bic  $5crbinblid)feitcn  ber  ©^efrau  auö  einem  boö  ©l^cgut  aud^  im  aScrbältnifjc 
ber  ©begatten  ju  einanber  betrcffenben  SRed^töftreite  bann  bem  ©^egute  jur 
Saft  foUen  muffen,  wenn  ber  ©fjcmann  in  bie  gül;rung  beö  Slec^töftrcitcö  cim 
gebilligt  I;at  ober  biefelbc  genel^migt,  fann  nad^  bem  ^rinjipe  beö  §  1.316 
nid)t  jioeifel^aft  fein,  ©aöfelbe  gilt  oon  ben  33erbinblid^fciten  auö  einem  ber- 
artigen,  obnc  ©inroilligung  ober  @encl)migung  beö  ©^emanneö  gefübrten 
SHcdjtöftrcite  in  ben  göUen  beö  §  1306  unb  beö  §  1309  9ir.  1,  ba  in  bicfen 
gällen  baö  9ScrI)äItni6  ganj  fo  ju  bcurtbcilen  ift,  wie  wenn  ber  ©bemann 
feine  ©inroilligung  ert^eilt  b^tte  unb  bem  le|teren  aud^  feincömegö  ju  nabc 
getreten  wirb,  wenn  bie  ftoften  eincö  fold^cn  Sted^töftreiteö  ber  Siegel  beö  9lbf.  l 
gemäß  aud)  im  S[5er^ältnifjc  ber  ©Regatten  ju  einanber  bcm  ©^egutc  jur  Saft 
fallen.  9lber  audj  für  ben-  gall  beö  §  1309  Str.  3  fcf)lt  cö  an  einem  auö^ 
reid)cnben  ©runbc,  oon  bem  ^^Srin^ipe  beö  §  1316  abjumeid&en.  S)er  3w>ccf 
ber  9luöna[)mebcftimmung  beö  §  1309  9lr.  3  erforbert  cö  allcrbingö  nid^t  um 
bebingt,  baß  bie  SSerbinblic^teit  ber  ©befrau  jur  ©rftattung  ber  ^^irojefefoftcn 


ScrBtnbr.  b.  Sbcfr.  au&fllcicj&unö  i».  ß^eout  u.  aSorBd&altöQut.  §1316.       265 

in  einem  fofd&cn  galle  auä)  im  3Scrf|ältniffe  ber  Sficcjattcn  ju  einanber  bcm 
f^eflutc  ifix  Saft  fallen  unb  in  Äonfcquenj  baoon  ber  (Seemann  bicfc  Äoften 
no4  aHafegobc  beS  §  1297  SÄbf.  1  3lx.  5  unb  5ttbf.  2  gegenüber  ber  Gfjefrau 
pcrfönlicft  aus  ben  9iu|ungen  beö  Gfieguteä  ju  tragen  l)at.  Snbeffen  fpre^en 
bo4  überwicgcnbe  Orünbc  ber  Säilligfcit  bafür,  bic  ©fiefrau,  rocnn  fic  jum 
S4u^  bcß  ß^cgutes  gegenüber  einer  Stt^^wflöooIIftrecfung  \\ä)  genöt[)igt  fiel)t, 
einen  ^rojcfe  ju  ergeben,  weil  ber  ©bemann  DicUeid^t  bie  SBat)rnef)mung  i^res 
3nicrejfc«  wegen  feines  entgegengefe|ten  3nterefjeß  üernac^Iäffigt,  nidjt  ber 
©cfo^r  oufijufe|en,  bie  Äoften  beö  5ßrojef|eö  auö  i^rem  9Sorbcf)aItögute  bejn). 
Uli«  i^rem  g^egutc  tragen  ju  muffen,  ©er  3wedE  beö  §  1309  9Jr.  3  njürbe 
babur(^,  wenn  aud&  nid&t  t)ereitelt,  bo^  infofern  üerfümmert  werben,  alö  jene 
@efQör  bie  ©(jefrau  auc^  t)on  ber  ©rl&ebung  eineö  an  [xä)  gerechtfertigten 
^rojeffeö  jurud jufd^reden  geeignet  fein  fönnte.  2lnbererfeitfl  liegt  bic  Seforgnife 
fem,  bag  bic  ©fiefrau  frioolc  5ßrojcffe  ber  ^ier  fraglid^en  3lrt  ju  füfiren  oer* 
onlagt  werbe,  wenn  bic  Äoften  eineö  folc^en  ^ßrojeffeö  au^  im  83ert)ältniffe  ber 
Cftcgottcn  ju  einanber  bcm  (S^egute  jur  Saft  fallen  unb  ba^er  ber  ©fiemann 
biffetbcn  na^  SKafegabc  beö  §  1297  9(6f.  1  3lx.  5  unb  3Ibf.  2  gegenüber  ber 
G^efrou  pcrfönlid^  ju  tragen  Dcrpflid^tct  ift.  3^fif^W)öft<^^tr  fann  cö  fein, 
ob  nicjt  für  ben  gaU  eine  Sluöna^me  oon  ber  SReget  beö  9lbf.  1  geredet- 
fertigt  fein  würbe,  wenn  bic  ßl)efrau,  ol)ne  bie  ©inwiltigung  beö  ©^emanneö 
cinjii^olen  (§§  1320,  1322),  ^xi)  auf  einen  von  einem  ©ritten  gegen  fic  er:: 
ftobencn  9led)töftreit  wegen  einer,  wenn  auc^  im  93erl)ältniffc  bcv  Gl)egatten 
^u  cinonber  bcm  (5l)egutc  jur  Saft  fallenbcn,  ß^egutöüerbinblid^feit  eingelaffen 
hat  (§§  1303,  1312  9lr.  1).  3nbeffcn  ift  anä)  im  S3erf)ättnifie  ber  ©Regatten 
JU  einanber  ber  ©eftc^töpunft  alö  entfdjeibenb  gu  erad^ten,  bafe  bie  SSerbinb^: 
li(^feit  jur  ©rftattung  ber  ftoften  beö  9led)töflreiteö  gegenüber  ber  ben  ©cgen- 
fmnb  beö  legieren  bilbenben  ^auptDcrbinbtic^feit  einen  afjefforifd)en  Äaratter  ' 
ftat  Xaju  fommt,  bafe  eö  in  Dielen  fällen  ju  einer  nid)t  ju  red)tfertigenbcn 
Unbilligfeit  flcgen  bie  ®l|efrau  fütircn  würbe,  wenn  man  bie  ^ier  fraglidic 
SerbinbUd^fcü  ber  ©^efrau  im  aSer^ättniffc  ber  G^egatten  ju  einanber  all- 
gemein alö  eine  bem  SSorbe^altögutc  }ur  Saft  fallenbe  unb  beöljalb  aud^  nic^t 
unter  bic  Scftimmung  beö  §  1297  91r.  5  fallenbe  33erbinblic^fcit  betianbeln  wollte, 
namentlich  in  einem  fold^en  galle,  in  weld^cm  bie  6l)cfrau  ein  SSerfäumnife? 
urtbeil  gegen  fid^  ergeben  läfet,  ba  infoweit  non  einer  frioolen  ^^rojefefü^rung 
ber  (S^efrau  iiic^t  bie  SRcbc  fein  unb  ber  ®l)efrau  nid^t  entgegengel)altcn  werben 
fomi,  bafe  fic  nad^  aWafegobc  ber  §§  1320,  1322  fidE)  ber  ßinwilligung  beö 
Cftemonneö  ju  ber  güfjrung  beö  9led^töftreiteö  ^ättc  ücrgcwifiern  follen. 

9lnberö   liegt  bagcgcn  bie  Sad)e  in  9lnfe^ung  berjenigcn  SSerbinblic^*  in«bef.  au« 
feiten  ber  ©^efrau,   welche   auö  einem  SRed^töftreite  jwifd)en   ber    Ic^tcren  jRctJwfttcitc 
unb  bem  ©tjemanne  in  Stnfc^ung  ber  ftoften  beö  9led)töftreiteö  entftanben  ^^l^^^^^^j^^^^^ 
finb,  fei   eö,  bai   eö   fid^   um  bie  gerichtliche  ©cltenbmadjung  eineö  Gt)e* 
guiöre^teö  von  Seiten  ber  ß^cfrau  gegen  ben  Gtjemann  (§  1309  9ir.  2), 
ober  um  ben  galt  ^anbelt,  wenn  ber  G^cmann  bie  Gf)efrau  wegen  einer 
6f)egutöoerbinblic^fcit  oerttagt  l)at.    3n  biefen  gällen  fpredjen  allerbingö  über? 
»iegenbe  ©rünbc  ber  »illigfeit  bafür,  bie  in  3Jr.  4  beö  §  1316  3lbf.  2  bc^ 
jeic^neten  SBcrbinblid^fciten  im  SBer^ältniffc  ber  Gt)egatten  ju  einanber  alö 


266       SerBinbl.  b.  e^efr.  9tug0lei*unö  ito.  ei^cout  u.  SorBcßartößiit.  §  1316. 

SSorbe^altSgutöüerbinbUc^fcitcn  ju  bcfianbeln,  fo  bafe  bcr  (Seemann  biefelbcn 
naä)  §  1297  9lr.  5  anä)  nid^t  auö  bcn  Jlugungen  beö  ©^cgutes  gegenüber 
bcr  Ehefrau  ju  tragen  t)erpf(i(^tet  ift.  3^  ^c"  W^  fraglichen  SSerbinblid^fcitcn 
gel^oren  nid)t  nur  bie  93erbinblid^feit  jur  S^ragung  ber  ^rojefefoften  gegenüber 
bcnt  ©bemanne,  fonbern  auc^  bie  33erbinblicf|feit  roegen  ber  Oerid^töfoften  unb 
bcr  Äoftcn  gegenüber  bem  9lnn)olte  unb  bem  ©erid^töoonjiefier,  foroeit  bie 
SSerbinbtid^fcit  roegen .  bief er  leßteren  Soften  überhaupt  ß^egutöoerbinbli^teit 
ift  (DcrgL  aßotloe  ju  §  1309  oben  ©.  248  unb  §  1312  31r.  1  g.  (5.).  S)o6 
bie  Scftintmung  beö  §  1316  9lr.  4  auf  bcn  gaU  feine  Sänroenbung  finbet, 
xocnn  ber  ©^emann  in  bie  Soften  rerurtlieiU,  bie  ©fiefrau  aber  gegenüber 
bem  ©erid^te  bejn).  i^rcm  Slnroalte  unb  ©cric^töoolljiefier  jur  3öf|Iung  Tjon 
Soften  üerpffid^tet  ift,  t)erfte{)t  fxd)  üon  fetbft  unb  bcbarf  feines  befonbcrcn 
9luöbrucles. 

»crbinwic^.  4.  SSon  bcr  SRegcI  bcö  9lbf.  1  nodj  roeitere  2luänaf)mcn  anjuerfennen, 

e^^efwu  9^cn  ^lä  blc  im  9lbf,  2  unter  Sftr.  1—4  beftimmten,   ift  burd^  ein  S3cbürfniB 

ben  e^emann.  ni^t  gcbotcu.  ^fnöbcfonbcrc  bcbarf  cö  einer  befonbcrcn  3[ufina^mc  nic^t  in 
9Infc^ung  fofd&cr  ©^cgutöocrbinblidbfeitcn,  rocld^e  biefe  ©igenfd^aft  Icbiglic^  bcö- 
^alb  f)abcn,  njcil  ber  ®f|emann  ber  ©(äubiger  ift  (oergl.  SRotioe  ju  §§  1311, 
1312  oben  ©.  254).  S)ic  nteiften  unb  roid^tigftcn  bcr  l^icr  in  grage  fommenben 
SScrbinbUd^feitcn  fallen  o^net|in  unter  bie  5lr.  2  beö  Slbf.  2;  in  SBfnfel^ung 
bcr  nod^  übrig  bicibenbcn  fcitencn  gällc  fcf)It  cö  aber  an  einem  auörcicfienbcn 
Orunbc,  bie  SRegel  bcö  3lbf.  1  ju  burc^brc^cn. 

«ertraß  über  5.  3l(ö  fcIbfttJcrftänbUc^  ift  CÖ  fcmcr  ju  erachten,  bafe  bie  ®^efrau  gegen? 

qmunl  ü^^^  ^^^  ©bemanne  burd^  SBcrtrag  ©ficgutöücrbinblic^feitcn  auf  baö  SJor* 
bc^altögut  übernehmen  fann.  Db  ein  fold^cr  93ertrag  alö  ein  ©[)ei)ertrag  auf? 
jufaffcn  ift  unb  beö^alb  bcr  für  ©()ct)crträgc  üorgefc^riebenen  gorm  bebarf 
(§  1335),  ift  nad^  bcn  SBcftimmungen  bcö  §  1333  5U  beurtfjcilen.  ©in  S3e? 
bürfni^,  biefe  ^rage  burd^  eine  fpcjicUe  SSorfd^rift  ju  entfd&eiben,  bejto.  fofern 
bicfctbe  nac^  §  1333  ju  beja[)cn  fein  foUte,  für  bcn  ^icr  in  SRebe  fte^cnben 
gall  eine  9luönaf)me  üon  bcr  im  §  1335  für  6f)cr)erträge  üorgefd^riebeuen 
gorm  ju  beftimmen,  liegt  nid^t  Dor. 
ccr^cim.  6.  S)aö  prcug.  31.  2.  9t.  IE,  1  §§  339,  340  entl)ä[t  nod^  bie  befonbcrcn 

'^tÄc^  Seftimmungcn,  ba^  ber  (Sf)cmann  a\\^  bem  SSorbcIialtögutc  foH  Grfa^  forbern 

st^uibcn.    fonncu,  wenn  baö  cingebrad^tc  SBcrmögcn  burc^  Dorcfjelid^e  ©c^ulbcn  ber  ©^es 

frau,  rocldje  bie  legtcrc  bem  S^cmannc  ücrfd&roicgcn  ^at,  ücrminbert  wirb  ober 

8Biffcntit*e«  bic  ©^cfrau  bem  ©bemanne  frcmbe  Sad^en  lüiffcntlid^  atö  i^re  eigenen  ein? 

^frembeT"  gcbrad|t  ^at  unb  bcr  Icfetcre  biefe  fpätcr  f|at  l^erauögcbcn  muffen,  derartige 
Sachen.  Seftimmungcn  finb  nic^t  atö  gcrcd&tfcrtigt  anjufe^en.  ©ine  obligatorif^c 
aScrpfJi^tung  bcr  ß^efrau,  bem  ©{)emanne  i^r  SBcrmögcn  einsubringen,  befte^t 
nic^t.  Sraft  beö  (Sefcfecö  wirb  baö  33crmögen  ber  ©^efrau  mit  ber  ©^e^ 
fd^Iicfeung  fo,  wie  cö  in  bicfcm  SlugcnblidEc  beftcl^t,  ber  eJ^cUdöcn  Slu^nicfeung 
unb  SScrroattung  untcrroorfen.  58on  einer  JJcrpflid^tung  bcr  ©^efrau  jur  ©c? 
n)ät)rlciftung  (§§  370  ff.)  fann  bafjcr  feine  3lebc  fein.  Snmiefcm  [aber  bic 
G^efrau  in  bcn  bcjeic^neten  gällcn  üxoa  auö  bem  ©efid&töpunftc  beö  dolus 
i^um  ©rfage  ücrpPic^tet  ift,  rietet  ftd^  nadf)  bcn  allgemeinen  ®nmbfä^en 
über  ©c^abcnöcrfag  auö  unerlaubten  ^anbtungcn  (§§  704,  705). 


ober 


ajcrtoaltunö  bc8  eßeguteö.    SorBcmcrfung.    (§§  1317—1320,  1322.)       267 

7.  2)ic  im  3lbf.  3   bcftimmte  äluöglctc^ungdocrbmblid^feit  bejieljt  ftdö  ««"»««*>«"« 
nur  auf  bic  %ä\ie,  in  rocld^cn  eine  6f)egutSDcrbinbUd)feit  auö  bcm   ®f)C'  '««1*««!* 
gute  bcjiD,  bem  SBorbefialtegutc  getilgt  ift,  nid^t  aber  and)  auf  fol^e  gälle,  in  ^c^oi»«"* 
loel^ien  bcr  6f|cmann  eine  5Rid^tel^egutöt)erbinblic^feit  auö  bem  ©fiegute  getilgt 
ober  fonft  ß^egut  jum  33eften  bcs  33orbe^aItßguteö  Derroenbet  ober  in  roetdicn 
umgcfe^rt  bic  G^efrau  3Sorbef)aItögut  jum  SBeften  beö  (Stjeguteö  perroenbct,  „„g^j^^jt 
insbefonbere  eine  ju  fotc^em  3^^^^  ^on  il^r  eingegangene  SSorbcl^altögutö^ 
oerbinblid^Ieit  bemnöc^ft  aus  bem  3iorbeI)altsgute  beja^itt  {)at.    @d  liegt  in 
gdllen  biefer  2lrt  fein  bem  el^clid&cn  ©üterred^te  eigent^ümlid&cö  SSerl&ältnife 
Dor,  unb  mufe  bcö^alb  bic  ?5^age,  ob  unb  inmieioeit  in  folc^cn  fällen  ein 
6rfa|anfprud^  begrunbet  ift,  unter  Serüdtfid^tigung  beö  unter  ben  ©Regatten 
bejte^enbcn  befonberen  SJer^ältniffeö  unb  ber  Umftänbc  beö  einjelnen  galleö 
naäf  bcn  allgemeinen  ®runbfä|en  über  bic  0efrf)äftöfüf)rung  o^ne  Sluftrag 
unb  fibcr  33ercid^erung  beurt^eilt  werben. 


5.  SSerroaltung  beö  ©Ijegutcä. 

§§  1317-1320,  1322. 

3lad)  allen  auf  bcm  S3oben  ber  SSerroaltungögemeinfd^aft  ftcf)cnbcn  «e<*tbc« 
Stt^tcn  ift  bcm  @^cmannc  ein  über  bic  Siechte  beö  Jliefebrauc^eö  Ijinauögcljenbeö  iw%Z 
Sct^t  bct  SBcrroaltung  in  2lnfe^ung  beö  ß^egutcö  beigelegt.  2)er  Umfang  ""^""3*^^* 
biefcö  SBcncaltungörec^teö  unb  bic  3lrt  ber  3lusübung  beöfetben  ift  ieboc^  in 
ben  cinjctnen  Siedeten  oerfc^ieben  beftimmt  unb  nidit  immer  auö  ben  betrcffenben 
gefejlic^cn  SJeftimmungen  mit  Sic^erlieit  ju  ertennen.  ^nöbefonbcre  er= 
geben  fidj  nad^  ber  3lid|tung  \)i\\  3w)eife(,  wie  baö  SBerroattungöred^t  gebadet 
ift,  ob  alö  ein  potenjirteö  Sliefebraud&öred^  in  ber  3lrt,  bafe  ber  (Seemann, 
loic  bic  in  bem  Siebte  beö  9lie6braud&eö  liegenben  ^anblungen,  fo  md)  bic 
bttrüber  f)inouögef|enbcn,  bel^ufö  SSerroaltung  beö  (S^eguteö  erforbcrlid^cu 
^onblungen  innerhalb  ber  ©renjen  feineö  33crroattungörcdE|tcö  für  eigene 
Sec^nung  unb  in  eigenem  Flamen  oorjunclimen  bered)tigt  ift  —  jcboc^  unter 
SJcranlroortüc^feit  gegenüber  ber  ®^efrau  für  ben  bei  3luöübung  beö  SBcr^ 
Äwltungörcd^tcö  burc^  fein  58erfd^ulben  ober  feine  SBerfügungcn  bcr  ®f)efrau 
jugefügten  S(6abcn — ,  ober  alö  ein  oon  bem  Siedete  bcr  ef)elic^en  S^ugniefeung 
wrfd^icbcncö,  nid^t  alö  2luöflu§  ber  festeren  anjufcfienbcö  9lcdE|t,  roeld^eö  bem 
(S^cmannc  bic  Scfugnife  gcroäl^rt,  bic  nid^t  in  bem  9?cd)tc  beö  9iiefebraud^cö 
üegcnbcn,  be^ufö  SSerroaltung  beö  Gl&egutcö  erforberlid&en  ^anbtungen  inner- 
^alb  ber  ©rcnjcn  feineö  SBerroaltungöre^teö  für  9ied&nung  unb  im  5Ramen 
ber  ©^efrau  oorsunclimen.  Slnlangenb  inöbcfonbere  baö  preufe.  91.  S.  %,  fo  ©ertenbe« 
enthält  baöfelbc  neben  ber  allgemeinen  S3cftimmung,  baß  bcm  Gt)emanne  bic  ^^^^ 
SJenoattung  beö  eingebrachten  SScrmögenö  ber  6f)efrau  juftelit  unb  berfelbc 
in  31nfe^ung  beö  leßtcrcn  alle  SRed^tc  unb  ^flirf)ten  beö  ^liefebraud^erö  f)at 
(11/ 1  §§  205, 231),  nur  noc^  befonbere  Seftimmungen  barüber,  inroieroeit  ber 
(S^ann  über  bic  jum  eingebrachten  58ermögen  ber  (Sf)efrau  geljörenben  Orunb^ 
ftücte,  ©ercd^tigfcitcn,  Kapitalien  unb  SWobilicn  ju  Dcrfügcn  unb  ^rojeffe  über 
bie  Subftanj  beö  ©ingcbrad^ten  ju  führen  begro.  jum  3"^^*^  ^^^  33erfügung 


2G8       Scnualtuno  bc§  ei&cöutcß.    aSorbcmerfung.    (§§  1317—1320,  1322.) 

ober  bcr  ^rojcfefül^ning  bic  ©iniüilligung  ber  (S^cfrou  ju  crjroingeu  berechtigt 
ift  (2r.  S.  3i.  II,  1  §§  232—247;  31.  ©.  D.  I,  1  §§  19  ff.).  SBö^renb  ber 
©bemann  bei  3Jerfügungen  imb  ^rojcffcn  über  OrunbftüdEc,  ©eredfftigfcitcn 
imb  Sapitaticn  an  bie,  in  gen)if[cit  näl^cr  bcftimmtcn  göUen  aHcrbingö  Cr- 
jiüingbarc,  ©inroiUigung  ber  (S^efrau  gebunben  ift,  fte^t  il)m  in  Slnfe^ung  bcr 
cingebrodE)ten  Sßobißen  baß  9led|t  freier  SSerfügung  unb  ^rojefefül^rung  ju 
(3t.  S.  91.  II,  1  §§  247,  561;  31.  ®.  D.  I,  1  §§  19,  22;  Urtl)ci[  b.  SR.  ®.  bei 
Oru^ot  XXXI  ©.  976).  Ob  biefeö  betn  ß^cmonne  in  afnfcl^ung  bcr  ein* 
gcbrod&ten  ÜBobilien  jufte^enbe  93erfügiingörcd^t  afe  3luöf[u6  bes  bcm  ©bemanne 
äiiftel^enben  SJerroaltungöred^teö  aufiufaffen  fei  unb  beö^alb  feinen  ©egenftanb 
ber  äroöngßüoUftrcdung  für  bie  ©laubiger  beö  ß^emanneö  bilbe,  ift  im  ®e« 
biete  beß  preufe.  31.  2.  9t.  lauge  ftreitig  geroefen,  biß  biefer  ©trcit  burd^  93er* 
orbnung  v.  7.  3lpril  1838  in  bem  üorftel^cnb  bejcid^netcn  ©innc  entfd^icben 
worbcn  ift.  35iefe  (Sntfdjeibung  (äfet  freitid^  immer  no6)  ben  3rocifel  befte^en, 
ob  ber  Seemann  bei  SSerfügungen  über  eingebrachte  3)iobilien  im  9lamen  ber 
©fiefrau  ober  in  eigenem  9lomen  ju  l^anbeln  l&at,  ob  mitl^in  auß  bem  SSer« 
äufeeningßgefc^äfte  bie  (S^efrau  gegenüber  bem  ©ritten  bcrcdjtigt  unb  ocr^ 
pPic^tet  ober  ber  ©bemann  Sd^ulbner  bcr  ©liefrau  wegen  beß  erlöften  ^rcifeß 
ober  beß  SBcrtbeß  ber  ocräufeerten  Sad^c  wirb  (oergl.  j[ebod^  31.  S.  9i.  II,  1 
§§  240,  241,  560,  561).  3le^nlid^e  3rocifel,  iuroiemeit  bcr  ©^cmann  in 
eigenem  9lamen  ober  a[ß  SSertreter  ber  S^efrau  ju  l^anbcln  l)ai,  beftc^cn  an^ 
in  3lnfef|ung  bcr  ^ßrojefefül^rung  beß  ©^emanncß  über  bic  Subftauj  beß  6in^ 
gebrad^teu.  3lu(i^  m6)  bcm  fädEif.  0.  93.  §  1657  ftel^t  jmar  bem  ©bemanne 
neben  bem  9Jcc^tc  beß  ^licfebrauddcß  baß  9led)t  bcr  Sßerroaltung  beß  3Scrmögciiö 
ber  ©^cfrau  ju;  baßfetbe  geroäljrt  ifjm  aber,  roic  auß  ben  §§  1657,  1674  ff., 
1682,  1688,  1690  unb  bcm  ganjcn  3ufammcnf)ange  beß  betreffenben  Slbfd^nittcö 
l^croorgebt,  nid^t  bie  93cfugniJ3,  in  eigenem  9Jamcn  über  bie  ©ubftanj  beß 
SSermögenß  ber  ©^cfrau  ju  oerfügen  ober  .bie  legtcrc  ol|nc  bereu  93oUma^t 
ober  ©inroiUigung  bei  bem  Stbfc^Iuffc  oon  9led&tßgefd^äften  xmb  bcr  §ü^rung 
üon  5ßrojcflen  ju  oertreten,  fonbcrn  bcr  pofitioc  Snl^att  beß  aSerroaltungßrcdjtcß 
befd^räntt  fid^,  abgefefjcn  oicUcidjt  oon  tl^atfäd^lidjcn  93erfügungen  über  bic 
©ubftanj  beß  aSermögenß  bcr  ©()cfrau,  ju  meieren  ber  ©^emann  auf  ®runb 
feineß  9?ie6braud^ßred&tcß  allein  nidE|t  befugt  fein  mürbe,  auf  baß  9led^t,  bic 
rid^terlidfie  ©rgäujung  ber  SWitroirfung  ju  oerlangen,  menn  biefc  i^re  3)lxU 
mirfung  ju  fold^en  ^anblungcn,  meldte  bcr  ©bemann  ol^nc  biefelbe  nic^t  uor* 
uel^men  tann,  auß  unjureidjenbcn  ©rünben  rerroeigert.  3lbmeic^enb  oon  bcm 
fei^f.  ©.  93.  legt  bagegen  baß  olbenb.  @ef.  u.  24.  3lpril  1873  3Irt.  5,  7  bcm 
©bemanne  neben  bcm  9lcd&te  beß  9lie6braud)eß  ein  umfajfenbcß  9icc^t  bcr 
aScrroaltung  beß  eingcbrad^ten  SScrmögcnß  in  bcm  ©innc  bei,  bafe  er  grunb- 
fäfetid)  befugt  ift,  oline  äJoUmadjt  ober  ©inmilligung  bcr  ©^cfrau  bic  jur 
3>ern)attung  beß  eingebrachten  aSermögenß  erforbcrlid^cn  9ledötßgcfd^äfte  oor* 
junclimen  unb  bie  bei  jener  SScrmaltung  oorfommenbcn  ^rojeffe  über  boß  ein* 
gcbrad^te  aSermögen  ju  füfircn.  9lur  ju  bcftimmtcn,  im  3lrt.  7  nS^cr  be- 
jcid^neten  9ted^tögefd^äften  (ju  SBerfügungen  über  ©runbbcftfe,  ©runbgered^tig^ 
feiten  unb  bie  bew  ©runbftüdfen  gleidEigcftcUtcn  ©d^iffe  ober  ©(^iffßant^cile, 
über  SSermäd^tnifie  unb  ©rbfd)aften,  foroic  über  Perbrief tc  gorberungcn  unb 


aScmxiItuno  tc3  ß^cnwteS.    Scrkmcrfitng.    (§§  1317—1320,  1322.)       269 

SBert^papicre,  rodele  auf  bcn  9lamcn  ber  G^cfrau  ober  if;rcr  SRcdötSDorgöngcr 
lauten,  ju  SSerglcic^cn  über  bie  Dorftel^enb  bejicic^ncten  aScrm5genöbcftanbt()eilc, 
foroie  jum  ©rroerbc  üon  ©ritnbbcfig  für  bie  ©l;efrau),  nid^t  and)  ju  ^rojeifen, 
bebarf  ber  ß^emonn  ber  aSoUrnad^t  ober  ber  Ginmittigung  ber  ©^efrou,  ofiric 
bo§  in  jenen  gällen  eine  geric^tlid&c  ©rgänjung  ber  Ginroilligung  für  jufäffig 
ertlärt  ift.  ^roax  nid)t  ausbrücllic^  auögefprod^en,  aber  nad)  bem  .3wfommcn' 
^ange  ber  üerfc^iebenen  S3eftimmungcn  faum  ju  bejrocifeln  ift,  bafe  ber  ©fjo^ 
monn  in  9ln«übung  feines  aSerroaltungÄrcd&tcä  nic^t  in  eigenem  92amen, 
fonbem  ai^  SSertreter  ber  ß^efrou  in  bcren  Flamen  ju  Ijanbcin  fjQt,  fo  bafe 
Mcfc  QU3  ben  von  bem  ß^emonne  innerfjalb  ber  ®renjen  feiner  3iiftcinbigfeit 
in  itirem  9?amcn  Dorgenommenen  Oefd^äften  foroo^I  berechtigt,  a(ö  anä)  oer* 
pfli^itet  wirb.  Cb  unb  inroietoeit  ber  (Seemann  fraft  feines  SBernjaltungSrediteö 
folc^c  t^atfoc^Iic^en  3Seränberungen  mit  ber  SubftQnj  beS  ©fiegutes  Dornel^men 
bürf,  JU  roeld&eu  er  nad)  ben  ©runbfägen  über  ben  Siicfebraud^  nid)t  berc^tigt 
fein  würbe,  ift  in  ben  angefüfirten  (Sefefcen  auöbrüdfüd&  nid^t  beftimmt. 

3n  Uebereinftimmung  mit  bem  geltenben  SRed&te  räumt  auc^  ber  ©ntmurf  @tanbpunft 
bem  ß^emonne  neben  bem  dleijic  ber  ef)elid^en  SRugniefeung  bas  SRcc^t  ber  GnJttfrte«. 
Serroallung  bes  ©^egutes  ein,  unb  jraar  bal^in,  bafe  er  für  bie  orbnungsmägige 
Senoaltung  bes  ef)eguteS  Sorge  jn  tragen  bered)tigt  ift  (§  1317).    ©in  fold^es 
über  bie  Siedete  beS  9liefebraud^erS  l)inausgcf)enbes  aSertoaltungsrcd^t  ift   im 
3ntereffc  beS  ©fiemanneö  unb  f)ingefet)cn  auf  ben  3«^^  bes  6t)egutes  praftifd^ 
nic^t  ju  entbehren,  um  bem  ©bemanne  eine  angemeffenc  unb  jroedfentfpred^enbe 
roirtlifd^afllic^c  93enugung  bes  ©fiegutes  ju  ermöglid^en.  3)as  Siedet  ber  efietid^en 
JluftnieBung  gemährt  für  fid)  allein  bem  ©bemanne  nidjt  bie  baju  erforber(id)cn 
Sffugniffe,  namentUd^  n\6)i  oom  ©tanbpunfte  beö  ©ntrourfeS  aus,  nad^  mefc^cm 
öuf  bie  efjcli^e  9iu|nie6ung  an  Derbrauc^baren  Sad^en  unb  an  gorbenmgcn 
öuf  Seiftuiig  oerbraud^barer  Sad&en  bie  Orunbfäge  bes  gen)öf)n[id)en  SWicft= 
braudjes  feine  Slnmenbung  finben  unb  ber  ©fiemann  fraft  ber  e^elidicn  SRu^s 
niffeung  über  t)erbraud^bare  ©fiegutsfac^en  nur  in  fef)r  befd^ränftcm  Umfange 
jn  oerfügen  berechtigt  ift  (§  1294).    2)er  ©ntiourf  ^at  aber  bas  SBermaltungs^  Äörafterunb 
red^t  beS  ©^cmannes  nic^t  als  ein  potenjirtes  SRedfit  ber  e^elidEien  ^lufeniefeung  ^emouungt 
,  unb  oIs  9lusflu§  ber  (enteren  geftaltet,  fonbem  als  ein,  menn  audE)  mit  jenem     '^«^t««- 
9Ie^te  im  S^fammen^ange  ftetienbes  unb  jur  ©rgänjung  besfelben  biencnbcs, 
bod)  innerlich  üerfc^iebenes  Siedet,  welches  if^m  in  9lnfe^ung  ber  58erroaltung 
ber  Subftanj  bes  ©^egutes  bie  Stellung  bes  SSermalters  eines  fremben  SSer^ 
mogens  giebt,  fo  bafe  er  bei  9(uSübung  feines  SSerroaltungSred^teS  mic  ein 
Seauftrogler  für  9tedE|nung  ber  ©fiefrau  unb  nad^  außen  f)in,  innerlialb  ber 
in  biefer   .^infld^t    feinem  SSerraaltungSred^te    gejogenen    ©d^ranfen   (oergL 
§§  1318,  1319,  1322),  als  SSertretcr  ber  ©^efrau  in  bercn  Siamen  l^anbclt. 
Siefe  2rt  ber  S3et|onbIung  bes  58crn)aItungSredf)teS  erfc^eint  ats  bie  natürlid)ftc  «ertrctungs- 
unb  bie  bem  unter  ben  ©(jegatten  bcftefienben  S8er{)ättnif[e  entfpredEienbfte.     "^°'^'" 
diejenige  gorm  beS  SSermaltungörcd^tes,  nad)  welcher  ber  ©^emann  immer 
nur  in  eigenem  3?amen  ju  ^anbetn  beredjtigt  ift,  fo  baß  bie  ©^efrau  aus  btn 
tJon  bem  Gf^emanne  über  SSeftanbtfieile  bcS  Gfjegutes.  abgefd)(offencn  SRed)tS:= 
gefc^öften  obligotorifdb  nid)t  uerpflicfitet  wirb,  fonbem  nur  bie  wirflid)  erfolgte 
33eräu&erung  als  mirffam  anerfenncn  muß,  bagegcn   anberer[eits  fraft  beö 


.  270       SScriualtung  be«  ®]&«flute«.    SorBcmcrfimQ.    (§§  1317—1320,  1322.) 

Oefcgcß  bog  von  bem  ©bemanne  burd^  ba^  betrcffcnbc  SRcd^tögcfci&äft  ©rroorbcnc 
ober  einen  ©rfaganfpru^  gegen  ben  ©bemann  erroirbt,  bietet  jroar,  roenigftenö 
bann,  wenn  jugleic^  baö  ^ßrinjip  ber  ©urrogation  für  bie  Dcräufeerten  ©egem 
ftänbe  anerfannt  wirb,  bcn  SSortl^eil,  bafe  bie  ®l^efrau  baburd^  in  geringerem 
SKafee  gcfälirbet  wirb,  roeil  ber  ©öemann  nid^t  in  ber  Sage  ift,  bie  ß^efrau 
baburc^,  bafe  er  ate  58ertreter  berfelben  in  i()rent  Flomen  ^anbelt,  gegenüber 
©ritten  obtigatorifd^  ju  rerpflid^ten.  9luf  ber  anberen  ©eite  liegt  aber  in  bem 
Slußeinanberreifeen  beö  obtigatorifdjen  9led^tögefc^äfteö  unb  ber  jur  aSoHjie^ung 
beöfclben  getroffenen  Verfügung  ein  innerer  3Biberfprud^.  ©oU  ber  (Seemann 
baö  SRed^t  ^abtn,  über  Seftanbtl^eile  bed  ©l^eguteö  ju  oerfügen,  fo  mu§  er, 
wenn  ber  3^^*  biefeö  3led^tcö  nid^t  beeinträd^tigt  werben  foH,  aud^  bas  auf 
bie  33erfügung  gerid&tet^  obligatorifc^e  SRed^tögefc^äft  in  einer  für  bie  ß^efrou 
binbenben  SBcife  abfc^Iiefeen  fönncn;  mit  ber  9lner!ennung  einer  fold^en  S3in* 
bung  fällt  aber  ber  l^eroorgcJiobcne  SBortl^eil  ber  anberen  gorm  bes  SBerroattungö* 
rcd^teö  meg.  (Segen  biefe  gorm  fpridEit  aber  weiter,  bafe  baburc^  baö  SSer* 
l^ältnife  forool^I  unter  ben  ©l^egatten,  als  gegenüber  ©ritten  ein  unp^ereö  unb 
unftarcö  wirb.  S)ie  ©renje  jroifd^en  bem  ß^egutc  unb  bem  eigenen  SSermogcn 
beö  ß^emanneö  wirb  üerroifc^t.  9iad^  aufeen  l^in  crfd^eint  baö  SWed&t  beö  ©^c* 
manncö,  über  baö  ß^egut  ju  verfügen,  burc^auö  alö  ein  eigenes  SJermögenö? 
rcc^t  beöfelben,  unb  boc^  foU  eö  ein  fold^cö  nid^t  fein,  fonbern  bem  ©bemanne 
nur  ate  SSenoalter  beö  ©fiegutcö  jufte^en  unb  beöl^atb  aud^  ber  3^angö:s 
rollftredfung  t)on  ©citen  ber  ©laubiger  beö  ©l^emanneö  nic^t  unterliegen.  SBaö 
ber  ©bemann  burd^  ein  3lec^tögcfd&äft  ber  fraglid^en  9lrt  erworben  l&ot,  ift 
nac^  ber  äufeeren  ©rf^einung  beö  von  il^m  in  eigenem  SJamen  abgefd^toffencn 
Sled^tögefc^äfteö  fein  ©igentl|um  geworben;  aber  fraft  ©efefecö  foU  eß,  foroeit 
baö  ©urcogationöprinjip  anerfannt  wirb,  bo^  nic^t  i^m,  fonbern  ber  ©^efrau 
erworben  unb  folgeweife  ber  3n>öngöt)oIIftrectung  von  ©eiten  ber  ©laubiger 
beö  ©^emanneö  entjogcn  fein,  ©iebt  man  aber  ber  ©l^efrau  nur  einen  ®rfa|^ 
anfprudE)  gegen  ben  ©l^cmann,  fo  wirb  baö  Sntereffe  ber  ©l^efrau  gcfä^rbet, 
ba  bie  in  ben  5PartifuIarred^ten  ber  ©fiefrau  burd^  SSorred^te  im  Äonfurfe, 
burdf)  baö  9ied&t  ber  ©ic^erfjeitöteiftung ,  burc^  bie  ©ewal^rung  cineö  ?ßfanbs 
red^tötitelö  u.  f.  w.  gewährten  ©Id^cr^eitöred^te,  -  foweit  fie  nid^t  fd^on  burt^ 
bie  SWeid^ögefeggebung  befcitigt  finb,  naä)  bem  ©ntwurfe  in  aSegfall  fommen 
(oergl.  motxvt  ju  §  1292  oben  ©.  185  ff.),  ©aju  fommt,  bafe  auc^  bei  am 
crfeimung  beö  ©urrogationöprinjipcö  bie  ©fiefrau  gegenüber  bem  ©bemanne 
f)äufig  nid)t  in  ber  Sage  fein  wirb,  feftjuftellen,  wcld^e  S8crmögenötl)cite  nou 
i^m  an  SteKe  ber  reräufeerten  @()cgutögcgcnftänbe  getreten  finb.  S)er  ©efatir, 
weld^e  für  bie  ©fiefrau  barin  liegt,  bafe  fie  burd&  bie  t)on  bem'  ©bemanne  in 
ifirem  Flamen  abgefrfitoffencn  SRed&tägcfd^äftc  obligatorifdb  gegenüber  ©ritten 
oerpflid^tct  wirb,  fann  in  auöreidjcnbem  aJIa^e  unb  ot)nc  ba^  ber  C^e^ 
mann  in  feiner  freien  Bewegung  ju  fcfir  bccinträd^tigt  wirb,  baburd)  bc^ 
gegnet  werben,  bafe  fein  SRcdjt,  ofinc  ^oUmad^t  ber  ©^efrau  in  bereu  9tamen 
^^^'^^^^^^' ^c6)i^c\(i)ä^ic  ju  f daliegen,  eingeengt,  iljm  aber  bie  Sefugnife  beigelegt  wirb, 
ber  c^'efrou.  wcuu  ciu  SRcc^tögefdbäft  ober  ein  SWec^töftreit  jum  Qrotdt  ber  orbnungömöfeigen 
33erwaltung  beö  ©ficguteö  erforberfic^  wirb,  üon  ber  ©tjefrau  ju  Derlangeii^ 
bafe  biefe  baö  ©efd^äft  mit  feiner  ©inwilligung  rornel^me,  fofern  fic  ifjm  nid&t 


SScnraltung  bc3  eßeguieS.    SSorBemcrfung.    (§§  1317—1320,  1322.)       271 

jumSiwcfc  ber  33oma^me  beö  ©cfd^äftcö  ^oUma6)i  crt^cilcn  lüill  (§§  1318, 1319, 
1322).  gür  baö  c^cHd^c  Oütcrrcd^t  t)crbient  biefc  Slrt  ber  SRcgctung  im  ^inblicfc 
barouf,  bofe  bie  ©Regatten  jufammcnicbcn  unb  ber  ©^cmann  baf)cr  ol)nc 
Sc^ioicrigteiten  unb  SScrjogcrungen  ieberjcit  in  ber  Sage  ift,  fxd^  an  bie 
©dcfrott  mcnben  ju  fonnen,  rotnn  ein  SRcc^lögefd^äft  ober  ein  Sled^töftreit  jum 
3rowrc  ber  orbnungömfifeigcn  SBerroaltung  bcö  ®^egutcö  erforberlid^  wirb, 
icbenfallfi  ben  SSorjug  por  einer  fold^en  Oeftaltung,  rocld^e  bem  ©fiemanne  baö 
Siecht  gemol^ren  n)ürbe,  bie  @^efrau  and)  o^ne  SSoQmad)!  naä)  äugen  l^in 
»irtfam  jU  oertreten,  fofern  baö  betrcffenbe  SRecJ^tögefc^äft  obieftio  jum  Swede 
ber  orbnungömöfeigen  SBerroaltung  beö  ®^eguteö  erforberlid^  ift.  ©ine  berartige 
Oeftaltung,  rocl^e  bie  SBirffamfeit  beö  SRed^tögefci^äfteö  aud^  im  3Serf)äftniife 
}u  dritten  von  einer  fo  unbeftimmten  Sßorauöfe^ung  abhängig  mad^t,  ift, 
foroeit  fie  nid^t  burc^  befonbere  95erl|ältnif[e  geboten  ift,  um  bem.  Sered^tigtcn 
eine  freiere  Semegung  ju  ermoglid^en,.  im  Sntereffe  ber  SHcdf|töfic^er^eit  moglid^ft 
iu  oermeibcn.  9lu^  würbe  eine  folc^e  objeftioc  ©d^ranfc  beö  SBertretungö^ 
rct^teö  beö  G^cmanneö  bie  (S^efrau  nid^t  in  bem  SWaße  fd^üfecn,  mie  bicö  nad^ 
bem  ^riniipc  beö  ©ntrourfeö  ber  gall  ift,  nad&  roeld^em  ber  (Seemann,  abgefel^cn 
oon  ben  im  §  1318  beftimmten  3luönal^men,  ein  SRed^tögefd^äft  im  5Jamen  ber 
6^au  nur  auf  ©runb  einer  SSoDmadöt  berfclben  nornefimen  unb  aud^  einen 
Sft^töftreit  für  biefelbe  nur  auf  ©runb  einer  SBoümadjt  ber  legieren  fül^ren 
fann  (§§  1319,  1322). 

2)agegen  ift  ber  ©fiemann  fraft  beö  in  bem  SScrroattungöred&te  Uegcnben  eanbein  für 
gefefelid^en  Sluftrogeö  befugt,  nidbt  nur  alle  jur  orbnungömäfeigen  SSerroaltung  *^2?"^Su*'*'^ 
beö  ß^eguteö  erforberlic^  merbenben  tf|atfädf)Ud^en  SSerfügungen  für  SHcd^nung 
ber  ß^efrau  uorjune^men,  fonbern  audf)  foId)e  jur  orbnungömägig^n  SSer* 
woltung  beö  G^egutcö  erforberlid^  merbenben  SKed^tögefc^äfte,  meldje  eine  93er- 
fügung  über  baö  ß^egut  nid^t  entfialten,  für  SRed^nung  ber  (Sfiefrau  im  eigenen 
Samen  ju  fd^Iicfeen  unb  fobann  non  ber  ®^efrau  nad)  ÜKafegabc  beö  §  1324 
Sbf.  1  »erb.  mit  §  595  feine  Befreiung  Don  ber  eingegangenen  SBerbinbtid^feit 
bqro.  ßrfag  feiner  Suölagcn  ju  verlangen,  ober  ftd^  megen  biefeö  SKnfprud^cö  auf 
®runb  beö  §  1318  31r.  1  auö  ben  6f|egutögelbern  bejal^It  }u  ma(^en,  fomeit 
niiibt  bie  Sufroenbungen  auf  Orunb  ber  el^etid^en  ^Rugniefeung  (§  1297)  if|m 
felbft  }ur  Saft  fallen.  2)iefc  9luöbet|nung  beö  3Sern)aItungöred()teö  im  JJer- 
^Ilnijfe  ber  ©tjegatten  unter  einanber  ift  cinerfeitö  unbebenflid^,  ba  bie  ©l^efrau 
bie  ^onblungen  beö  (S^emanneö  nur  infomeit  anjuerf ennen  brandet,  alö  bie^ 
felben  —  roaö  bem  ©bemanne  nod^juroeifen  obliegt  —  jur  orbnungömägigen 
Senoaftung  beö  ©fjeguteö  erforberlid^  waren,  anbererfeitö  um  beöroillen  an- 
gcmeffen,  meil  baburc^  baö  ©efefe  an  6infad&f)eit  unb  Kfarljeit  gewinnt  unb 
befonbere  fofuiftifd&e  Seftimmungen  entbefirlid^  werben. 

3)em  Siedete  beö  ®^cmanneö  jur  orbnungömäfeigcn  SBerwaltung  beö  ^fiic^t  m 
e^eguteö  entf priest  bie  aSerpPid^tung  beöfelben,  für  bie  orbnungömäfeige  9Ser*  ^^'^^^^^'^ 
loaltung  beö  ß^eguteö  ©orge  ju  tragen  (§  1317).    S)iefe  33crwaltungöpf(id)t  »erroaitunfl. 
umfoBt  ni^t  nur  bie  SSerpflid^tung,  baö  6f)egut  ju  erl^altcn,  fonbern  aud^  bie 
Serpfllid^tung,  fold^e  burd^  eine  orbnungömägige  Sßerwaltung  gebotenen  ^anb^^ 
lungen,  wetd^c  bie  SScrbefferung  beö  6f|eguteö  bejwedfen,  fowie  bie  jur  orbnungö^ 
mäßigen  93erroaltung  beö  ®f)eguteö  crforberlid^en  SRed^tögefdjäfte  t)orjunef|men 


272  SScrtualtuno  bc§  gj^cgutcg.    SRct^tltcftcr  Äaraftcr.    §  1317. 

bejiü.,  forocit  ber  ©Ijemaun  oI)iic  S^ii^^ung  ber  6[)cfrau  baju  nid&t  bcrcdjtigt 
ift,  bic  [entere  von  ber  3lotf)n)enbigfcit  beö  bctreffenbcn  SRcd^tögefc^äftcd  ober 
beö  5U  fü^renben  Slcd^töftreitcö  in  Äcnntni^  ju  fc|cn  unb  auf  aScrlangcn  ber 
Gf)cfraii  cntroebcr  in  bic  93orna()me  bcä  SKed^tögcfd^äfted  ober  bcö  9lcd^töftreitcfi 
burdj  fie  fclbft  einjuroilligcn  ober  fic  babei  als  SBeüoUmäc^tigtcr  ju  oertretcn 
(§  1319  3Ibf.  2,  §§  1320,  1322).  Gine  foldie,  über  bie  Werten  bcö  Stiefel 
brauc^erö  (uergf.  §§  991,  996,  1000,  1028,  1033,  1034,  1035)  rocit  ^inaufi* 
gcf)enbe  SBerroaltungöpffid^t  beö  ©^emanneö  ift  in  bicfer  9luäbc^nung  unb 
9lIIgemein^cit  im  gcitcnbcn  SRec^tc  allcrbingd  nicf|t  anerfannt  (oergL  preu§. 
21.2.91.  II,  1  §§  205^,  231;  preufe.  91.  ®.  D.  I,  19  §  21;  födif.  ©.95. 
§§  1644,  1655;  olbenb.  @ef.  ü.  24.  3lprif  1873  STrt.  5).  2)ie  3lncrfennung 
einer  fold^en  aSerrooItungöpflic^t  bcö  (Seemannes  rcd^tfcrtigt  fic^  aber  bur^  bie 
natürlid^c  ©tellung  be§  (enteren  gegenüber  ber  ®f|efrau,  burd)  ben  3"^^*  ^ 
el)elid^en  ^iugnicfeung  unb  Sßerroaltung,  roeldje  nic^t  (ebiglid^  bcm  Sntereffe 
bcö  ©fiemanneö,  fonbern  ber  efielic^en  ©cmeinfd^aft  ju  bicnen  bcftimmt  ift, 
unb  burd)  bic  roeitere  Grmägung,  bafe  fraft  ber  efielid^en  9tufenie§ung  imb 
33erroaltung  baö  Cfjegut  [xd)  in  ben  §änbcn  beö  @[)cmanneö  befinbct  unb  bie 
ß^efrau  in  ber  SSerfügung  über  baö  @[)cgut  bcfc^ränft  ift.  Gine  fold^e  3luö^ 
bef)nung  ber  SSenualtungöpffid^t  ift  üom  ©tanbpunftc  beö  Gntrourfeö  ouö  um 
fo  weniger  ju  entbef)ren,  alö  nad)  §  1304  cinfeitigc  SRcc^tögefc^äftc  3)ritter, 
bcren  SBirffamfeit  baoon  abfängt,  bag  fic  gegenüber  bem  Setfjcüigten  üor« 
genommen  werben,  wenn  biefelben  auf  ©fiegutöred^te  ftdj  bcjiefien,  gegenüber 
bem  ©fjemannc  üorjunetjmen  finb.  Sßon  ben  bem  G^emanne  fraft  ber  c^elic^en 
9}ugnic6ung  obliegenben  5ßf(ici^ten  unterfd)eibct  fxd^  bie  33crn)a(tungöpflicöt 
beöfelben  rcc^tlic^  mefentlic^  baburd),  baß  ber  G^emann  bei  GrfüIIung  berfelben 
bie  Stellung  eineö  gefeglid)  Beauftragten  l^at  unb  baf)er  bic  Äoftcn,  meiere 
i^m  barauö  ermadjfcn,  bem  Gfiegutc  jur  Saft  fallen  (§  1324  3lbf.  1,  §  595), 
roätircnb  er  baöienige,  maö  il)m  auf  ©runb  ber  c^etidEien  ^lufeniefeung  obliegt, 
auf  eigene  Soften  ju  tfjun  oerpflic^tct  ift. 

3m  Uebrtgen  mirb  jur  Segrünbung  ber  §§  1317—1320,  1322  auf  bic 
bcfonberen  SMotioc  ju  ben  einjelncn  Paragraphen  oerroiefen. 


§  1317. 

we<^t  SBcgcn  ber  Segrünbung  ber  Scftimmung  beö  §  1317  ©aft  1  roirb  auf 

unb  jjii(^t  ^j^  allgemeinen  9)Jotioc  ju  §§  1317  ff.  oben  S.  269  ff.  »cjug  genommen. 

e^cmanne«  5Dcr  ämcitc  Sa^  beö  §  1317  bejmecft,  bem  bei  ber  S^ffw^S  ^  crften 

aagemeinen.  Sagcö  fouft  nid)t  auögefdf)Ioffcncn  SDUfeücrftöubniffe  ju  begegnen,  alö  ob  ber 

Sluöbrucf  „orbnungömöfeig"  fon)of)I  in  33c}icf)ung  auf  baö  SSerroaltungörec^t 

alö  in  S3ejicl)ung  auf  bie  aSermaltungöpflidit  beö  G^cmanneö  biefclbe  Se? 

beutung  t)abe,  mitt)in  nid^t  nur  bei  ber  33eftimmung  beö  Umfangcö  beö  SSer* 

maltungöred^tcö,  fonbern  auc^  bei  ber  Gntfdf)eibung  ber  gragc,  ob  ber  G^cmonn 

feine  SScnoaltungöpPid^t  erfüllt  t)abe,  fd)(cd)t^in  ber  objeftioe  üKa^fiab  ber 

§anblungön)eifc  eincö  orbcntlid)cn  ."öö^^^^ötcrö,  nid^t   bie  Scftimmung   beö 

§  1279  JU  (Srunbc  ju  legen  fei. 


SSmDaltunö  be3  Sl&cöuteö.   Sertretungöma^t  bcS  ei&emanne^.   §  1318.       273 


§  1318. 

SJer  entrourf  gcl^t  auö  bcn  in  bcn  aUßemeincn  üRottocn  ju  §§  1317  ff.  ^'^^^^''2h 
oben  ©.  269  ff.  näi^cr  bargcicgtcn  Orünbcn  von  bcm  ^rlnjipc  auä,  ba^  bcr  »«trctungs* 
C^emonn,  t)orbc^aItli(]^  beö  i^m  fraft  ber  cl^cUd^cn  3?ufenie6ung  juftcl^cnbcn  ^^^l^^ 
Sc(Ötefi,  über  gcroiffc  ©i^egutögegcnftänbc  in  eigenem  9tamen  ju  ocrfügen  (üergl. 
§  1292  ücrb.  mit  §§  1000,  1028,  1035,  ferner  §  1294),  früft  feines  SSer^ 
woItungöre^tcÄ  mebcr  im  eigenen  Flamen  nod^  im  Flamen  ber  Cdefrau  über 
ß^utegegenftänbe  ju  t)erfügen  ober  fonft  im  3lamcn  ber  ©^efrau  SRed^tö* 
gef(^afte  oorjunel^men  bered^tigt  ift,  fonbern,  um  ein  JRec^tßgefc^äft  im  Skmen 
bcr  g^cfrau  uorjunel^men,  bcren  SBolImad^t  bebarf.  S)aj}  ber  G^emünn  fraft 
feine«  SScnoaltungfircd^teö  im  eigenen  9lamen  über  ®f)cgut  ju  verfügen  nid^t 
bete^tigt  ift,  crgiebt  fi^  in  ©rmangelung  einer  cntgegenftel^enben  SBeftimmung 
QUO  bcn  oDgemeinen  ©runbfägen  unb  bem  Segriffc  bcr  SSerroaltung  von  felbft. 
3}o6  if|m  fraft  feines  SBermattungöred^teö  grunbfäßüdE)  aud^  nid^t  baö  Jle^t 
lufte^t,  o^ne  SBoHmad^t  bcr  ©fiefrau  in  bcren  9iamcn  ein  SHcd^tögcfd)äft  vox^ 
lunc^men,  ift  im  §  1319  Slbf.  1  beftimmt.  ©er  §  1318  enthält  bie  Shiöna^mc 
pon  biefer  Siegel.    3n  biefer  ^infic^t  ift  golgenbeö  ju  bemcrfen: 

1.  SGBo^rcnb  unbcrocglid^e  ©ad^en  foroo^I  nad^  bcm  älteren  Siechte  (ab*  «eipegiic&c 
gefe^  von  bem  galle  cd(|ter  9lotl^)  als  nad^  allen  neueren  ©cfefeen  (oergl.     faX«. 
oben  6.  267  ff.  bie  allgemeinen  aJlotioc  ju  §§  1317  ff.)  bem  einfeitigen  SBcr* 
fügungörec^tc  bed  @^emanned  cntgogen  finb,  ift  bagegen  im  9lnfd^Iuf[c  an  bad 
ältere  Siedet  unb  bie  SJoftrin  beö  gemeinen  bcutfd&cn  SRcd&tcö  in  großen  5Rcd()tö:=   mttn\>ci 
gebieten  bcr  aSermaltungögemeinfd^aft  aud^  burdj  neuere  Oefege  baö  freie  5Ber*     ^*'^*" 
fügungflred^t  bcö  ©l^emanncä  in  2lnfel)ung  bcr  cingebrad^ten  SJlobilicn  unbebingt 
anerfannt  (t)ergl.  inöbef.  preufe.  Sl.  2.  91.  IT,  1  §  247 ;  otbenb.  ©cf.  v.  24. 2lpril 
1873  Srt  5,  7).   Sluf  bcm  entgegcngefcfeten  ©tanbpunfte  ftcf)t  von  bcn  neueren 
©efeftgebungen  nur  bQ&  fäd^f.  @.  S.,  roeld^cö,  abgefel)cn  t)on  bcn  nad)  bcn 
®runbfä|en  beö  quasi-ususfructus  in  baö  ©igcntlium  bc&  G^cmanncö  über^ 
ge^enben  oerbraud^baren  ©l^egutöfac^cn  (§§  623,  660,  1655),  ben  G^cmann 
ttu(^  bei  ber  aSeräufecrung  bcroeglidöer  Sadjen  an  bie  GinmiHigung  bcr  ©Ijcfrau 
Mnbet  (§§  1674,  1675).    äud^  bei  ber  SlcDifion  bcö  prcufe.  31.  S.  31.  würbe 
pwn  Steoifor  Dorgefd^lagen,  ben  6t|cmann  bei  ber  SSeräufecrung  unb  58crpfän* 
bung  von  SRobilien  an  bie  ©inmilligung  ber  ©Ijcfrou  ju  binben  C^enf.  XV 
§  199,  aWotioe  ©.  167).    3n  ben  auf  bem  »oben  ber  partifutaren  ®ütcr* 
gemeinfd^aft  ftc^enben  SRed^ten  unb  Gntroürfen  ift  baö  Siedet  bcö  G^cmanncö, 
o^ne  ßinTDiBigung  ber  ©i^efrau  bcren  ©onbergut  ju  t)eräu6crn,  balb  anerfannt, 
bolb  befd^ränft,  balb  entjogen  (oergl.  bie  3Jlotioe  ju  §  1417  unter  31t.  8). 

3)cr  (gntrourf  l^at  in  ber  l|ier  fraglid^en  93eäie^ung  fid^  bem  Stanbpunfte  stoubpunft 
be«  fä(^f.  ®.  35.  angefd^loffen.    3)ur(^  bie  SHücffi^t  auf  bie  ©idE)crl)eit  beö  93cr*  entrourfc«. 
fc^efl  ifl  baö  freie  SSerfügungöred^t  bcö  G^cmanncö  in  Slnfe^ung  bcr  bemeg:^ 
i\ä^  e^egutfifad^en  ni^t  geboten.    SBeräufecrt  ber  ®l)emann  foldic  ©ad^cn  im 
eigenen  92amen,  fo  fxnb  gutgläubige  ©ritte  fd^on  burd^  bie  allgemeinen  ®runb:^ 
f^  (§§  877—879,  1182)  auöreid&enb  gefd^ü^t.    aSeräufecrt  aber  bcr  ©Ijcmanti 
im  Flamen  ber  (g^cfrau,  iebod^  o^ne  aSoDma^t  berfelbcn,  fo  fann,  mcnn  baö  ^ 
©efeft  i^  eine  fold^e  SBefugnife  ni^t  beilegt,  oon  einer  unoerfd^ulbeten  S^äufc^ung 


274       aScnraltung  beS  Sljeöuteß,   a8ertrctu»o5J«a(i&t  beö  Sfeemanneß.  §  1318. 

S)rittcr,  toeld^c  oI)ne  5ßrüfung  ber  Scgitimotion  fid&  mit  einem  nid^t  mit  S3er* 
trctungömad^t  perfclienen  SBcrtretcr  eingeladen  l^aben,  ni^t  bic  ditbt  fein.  §ür 
bie  ©laubiger  bcö  Seemannes  ift  ferner  bad  freie  33erfügungörcd^t  beö  lefetercn 
o^ne  Sebeutung,  wenn  biefeö  JRedöt,  feiner  pcrfonlid^en  5Ratur  cntfprec^enb,  ote 
Sluöffufe  bcö  SJerroaltungöred^teö  bel^anbelt  unb,  wie  bieö  im  (Scbiete  beö  preufe. 
91.  S.  SR.  mä)  ber  SBerorbn.  ü.  7.  3lpril  1838  ber  gatt  ift,  ber  SioanflöooUs 
ftredung  t)on  Seiten  ber  ©laubiger  befi  S^emonneö  entjogen  wirb.  Sfber  auc^ 
im  Sntercffe  einer  bem  ^xotdt  beö  S^eguteö  cntfpred^enben  SSenooItung  lann 
eö  nidöt  als  erforberlid^  erad^tct  werben,  bem  ©bemanne  baft  SRed^t  freier  SSer* 
fügung  über  bic  beroegltd^en  ©J^egutöfad^en  einjuräumen.  3n  ber  gro§cn 
3)lef)rjal^t  aller  gäDe  finb  bie  jum  S^egute  gel^örenben  beweglichen  ©aci^en 
übcriiaupt  nic^t  jum  Umfafee,  fonbem  jum  bauernben  ©ebraud^e  beftimmt. 
3n  ben  5[uönal)mefällen  aber,  in  meldten  eine  SBcräufeerung  berfelben  burc^ 
bie  el^elid^e  SBirtlfifd^aft  geboten  ift,  genügt  baß  bem  ©bemanne  na^  §  1319 
STbf.  2  juftclEienbe  Siedet,  oon  ber  ©liefrau  bie  ©inroiHigung  ju  ber  SSeräufecrung 
ju  üerlangen.  S)aju  fommt,  ba§  für  bie  @l)efrau  unter  Umftänbcn  eine  grofec 
^ärte  unb  fclbft  ®efal)r  barin  liegen  fann,  wenn  bie  oft  non  inbiDibuellen 
Slnfd^auungcn  abliöngige  ©ntfd^eibung,  ob  eö  im  3ntereffc  ber  elielid^en  SSirtlfes 
fd&aft  angemeffen  ift,  bafe  biefe  ober  jene  ©ad^e  neräufeert  werbe,  allein  bem 
©bemanne  überlaffen  wirb.  ®ö  ift  unoerfennbar  eine  große  §örte  für  bic 
6l(iefrau,  wenn  fic  eö  bulbcn  muß,  bafe  ber  6l|emann  fold^e  ©ad^en,  weld^c 
für  fie  einen  befonberen  3lffeftionöwertf|  liaben,  ober  9luöfteuergegenftänbc  Der* 
äußert,  weil  biefelben  feinen  ©rtrag  bringen  unb  er  biefelben  für  unnüfeen 
Sujuö  ober  in  biefem  Umfange  für  entbel^rlid^  l^ält.  ©efäl^rlic^  ift  aber  baö 
freie  93erfügungöred^t  beö  @l)emanneö  für  bic  ®l^efrau,  weil  baburd^  bic  bciDeg- 
liefen  ef)cgutöfad^eu,  welche  jubem  in  ber  OWd^rjal^l  aller  6^en  ben  ^oiipt- 
beftanbtlieil  beö  ©l^eguteö  auömad&en,  oline  iebe  ©id^erl^eit  in  bie  §anb  bcö 
®^emanneö  gegeben  werben  unb  bei  iieid&tftnn  beö  Ic^teren  ober  bei  geftortem 
e^elid^en  33erl)ältniffe  bie  ®l|cfrau  bal^cr  ®efal)r  läuft,  ilir  ganjeö  S^egut  )u 
oerlieren.  S)ie  $Rid(|tanerfennung  beö  l^ier  fraglid^en  33erfügungöred&tcd  beö 
S^emanncö  ftc^t  aud^  im  ®inflange  mit  ber  .ganjen  SRid^tung  ber  neueren 
SRed&töentwidfelung,  welche  fid^tbar  ba^in  ge^t,  ber  ©liefrau,  wie  fte  einerfeitd 
an  ber  ©id^erung  il^rer  SRed^tc  ©inbuße  erleibet,  anbererfeitö  eine  felbftänbigerc 
Stellung  einjuräumen. 
aerbrQU(^.  3lud^  iu  Slufc^ung  ber  jum  ®t)egute  gel^orenben  üerbraud^boren  Sod^eu 

6arc  €o(^cn.  j^^^^  ^^^  ^ebürfuife,  bcm  (Sl)emanne  baö  SRed^t,  im  9tamcn  ber  ®^efrau  barüber 
JU  ücrfügen,  von  bem  ©efid^töpunfte  auö  beijulegen,  weil  fonft  ber  6^- 
mann  in  ber  58erwaltung  beö  ©fieguteö  ju  fel^r  beengt  unb  man  ben  Stm 
forberungen  beö  praftifc^en  Sebenö  nic^t  geredet  werbe,  nid&t  ancrfanut 
werben.  I)a  ber  ©bemann  nad^  §  1294  über  folc^e  pcrbraud^bare  Sad^en, 
welche  burd^  SBerbraud^  genügt  ju  werben  pflegen,  fraft  ber  ei^elid^cn  9lu6= 
niefeung  in  eigenem  9Jamcn  ju  ücrfügen  beret^tigt  ift,  fo  fommcn  ^icr  nur  folc^e 
Sad^cn  in  Sietrad^t,  weldEie  burd^  SSeräußerung  gemifet  ju  werben  pflegen,  alfo 
namcntlid)  baö  baare  ®elb,  fowic  folc^e  ©ad^cn,  welche  ju  einem  Sad^inbcßriffe 
geboren,  bef[en  beftimmungömäßige  5Ru6ung  in  ber  SBeräufeerung  ber  cinjcinen 
©adfien  befielet  (§  780).    Gin  SE:^eil  ber  oben  gegen  bie  3lnerfennung  eine« 


SSertualtuitfl  beö  SJ&egutcö.   S€rtretung6ma(i6t  beS  ®5eniamteg.   §  1318.       275 

freien  SScrfügungöreti^teö  bcs  ©J^emanncö  über  bic  beroeglid^en  ©{jegutöfod^en 
ongefü^rten  ©rünbc  trifft  allerbingö  in  3lnfcl)ung  ber  bcieid^neten  ocrbraud^* 
boren  Sadjicn  ni^t  ju.  ©ntfd^eibcnb  ift  aber  aud^  ^ier  bic  5Rüdf)l^t  auf  bic 
Si^crl^eit  ber  ©l^efrau.  Snöbefonberc  würbe  büö  freie  aSerfügungßred^t  beö  ^^^f^^^' 
©demanneß  über  ba&  jum  ®^cgute  ge^örenbc  baare  ®e[b,  axiä)  roenn  bcm 
bemanne  nur  baö  SRc^t,  im  Slamen  ber  ®l|efrau  barüber  ju  verfügen,  ein^ 
geräumt  roürbc,  bie  (S^efrau  in  l^o^ent  ©rabc  geföl^rbcn  fönnen,  inbem  ber 
S^onn  nid^t  ge^inbert  wäre,  über  bic  (Selber  in  ber  9lrt  ju  feinem  eigenen 
Shi^en  JU  t)erfügcn,  ba^  er  j.  S.  im  $Rümen  ber  ß^efrau  mit  ben  ®c(bern 
betfclben  feine  ©d^ulben  bejal^lte.  3)ie  mit  einem  folc^en  S3erfügung§red)te  beö 
e^emanncÄ  für  bie  ß^efrau  ücrbunbcnen  ®efaf)rcn  mürben  auä)  bann,  menn 
man  eß,  fooicl  bie  Verfügung  über  folc^e  (Selber  betrifft,  metd^e  auf  (Srunb 
einer  ouf  S^n\tn  auöfte^enben  gorberung  ober  eines  3nl^aberpapiereö  ein=: 
gejogen  finb,  bei  bcn  burd^  §  1292  für  anroenbbar  erftärten  befonberen  93c- 
^mmungcn  ber  §§  1033—1036  beroenben  laffen  mollte,  feineömegö  befeitigt 
©erben,  ba  ber  Sctrog  eingciogener  unoerjinöli^er  gorberungcn  ein  felir  erl^eb^j 
li^cr  fein  unb  oud^  ouf  anberc  SBcife  baareö  ®elb  Seftanbt^eil  beö  ®l)cguteö 
werben  fann  (ücrgL  bie  SWotipc  ju  §  1292  oben  ©.  189  ff.).  Smeifelfiaft  fann 
cö  bogegen  fein,  ob  nid&t  bem  ©bemanne  im  3ntereffe  einer  freieren  Sc^ 
roegung  roenigftcnfi  ju  gcftatten  fei,  ©l^egutägelber  jum  3^^*e  ber  Seftreitung 
ber  für  bic  orbnungömäfeige  SSerroattung  notl^igen  9luögaben  ju  ücrmcnbcn 
unb  nad^  SKa^gabe  ber  für  bic  Belegung  t)on  aÄünbelgelbcrn  gcltenben  SSor^ 
fünften  (§§  1664,  1665)  auf  ben  Flamen  ber  ®^efrau  ober  burd^  9lnfauf  pon 
3n^bcrpapieren  »crjinölic^  §u  belegen  (§  1323).  3n  erfterer  .^infic^t  fommt 
inbefien  in  Setrad^t,  ba&,  wenn  bem  ©l^emanne  baö  SRcd^t  nid^t  }uftel)t,  fraft 
feinoJ  aSerroaltimgöred^tcö  im  $Ramen  ber  (S^efrau  jum  3n)edEc  ber  93eftreitung 
ber  bejei(|ncten  Sluögabcn  eine  33erbinblid&fcit  einjugef)en,  ifim  auc^,  oorbe^att^ 
li^  ber  Seftimmung  beö  §  1318  9Jr.  1,^  nidf)t  bic  Sefugnife  beigelegt  werben 
borf,  unmittelbar  über  bie  (S^egutögelber  ju  ienem  ^xoeät  ju  verfügen,  ©in 
9ebürfni§,  über  bie  ^älle  beö  §  1318  3lx.  1  Ijinauö  bem  ©bemanne  bie  SSer- 
wenbung  oon  ©^gutögclbcrn  §u  gcftatten,  liegt  um  fo  weniger  Dor,  alö  ber 
ß^nonn  bic  geroö^nlid&cn  Stuöbcffcrungö^  unb  SBicbcrfjcrftellungöfoften  auf 
C^nmb  ber  etjelid^cn  ^lugniefeung  auö  eigenen  ajfitteln  ju  beftreitcn  liat  (§§  1292, 
I2iü  im  ©ing.,  ücrb.  mit  §§  997,  998)  unb  alö  cö  bemfetbcn,  foweit  bic  orb== 
muigömäfeigc  SBcrwaltung  beö  ©l^eguteö  fonftigc  9luögabcn  nötl)ig  madfit,  auf 
Qrunb  bc5  §  1317  unbenommen  bleibt,  junäd^ft  in  eigenem  Flamen  für  Slec^* 
nung  ber  ©^cfrau  bie  jur  93eftreitung  jener  9luögaben  erforbertid^cu  SSerbinblic^^^ 
feiten  einjuge^en  unb  ftdd  fobann  wegen  beö  if|m  nad^  §  1324  9Ibf.  1  in  93er:: 
binbung  mit  §  595  sufte^enben  Slnfprudjeö  auf  ©rfafe  feiner  93crwcnbungcu 
öuf  ®runb  beö  §  1318  9lr.  1  auö  bcn  @f)cgutögelbern  bcjal^It  ju  mad^en. 
Sniangenb  ober  bic  einfeitige  Sefugnife  jur  ücrjinölid^eu  9lnlcgung  ber  ©be- 
flutdgriber,  fo  würbe  jwor  ber  ©^emonn,  wenn  er  bic  ©fiegutsgelber  nid^t  nad) 
3Ra6gobc  ber  für  bic  9ln(cgung  üon  äHünbelgelbern  gcltenben  a3orfd[)riften  an^ 
gelegt  ^oben  foUte,  ber  ©H^au  noc^  ben  Sßorf^riften  ber  §§  1317,  1279, 1323 
perantroortli(^  fein  unb  bic  ©^cfrau  noc^  §  1324  9lbf.  2  fdE)on  wäl^renb  bc^ 
fte^nber  e^elid^er  9lu|nie6ung  unb  Söerwaltung  dou  bem  ©^cmannc  bic  3l\\&^ 

18» 


276      aSerttjaltung  beg  Sl&eöHteö.   SScrtrctunoSmad&t  bcS  ®]&emajmcö.  §  1318. 

gängigmad^ung  einer  fold^cn  bem  §  1323  nid&t  entfpred^cnben  SBelegung  ocr* 
langen  f onnen ;  allein  gegen  bie  Slnerfennung  jener  Sefugnife  fällt,  auc^  tocnn 
bancbcn  bie  bcfonbercn  SSorfd^riften  ber  §§  1033—1036  unbcrül^rt  bleiben, 
bod^  entfd^eibenb  ins  Oeroic^t,  bafe  bie  ©(lefrau  injroifd&en  bie  ©efa^r  einer 
in  anberer  Slrt  erfolgten  ^Belegung  ju  tragen  l^ätte,  wenn  man  nid^t  —  toad 
icbod)  mit  ber  S8erte^röfid&erf|cit  nic^t  vereinbar  fein  mürbe  —  bie  Oültigfeit 
ber  Belegung  au^  gegenüber  ©ritten  von  ber  S3eobad^tung  ber  S3eftimmung 
beö  §  1323  obl)ängig  mad^cn  wollte.  SSom  ©tanbpunite  beö  ©ntnmrfcfi  au» 
finb  bie  befonberen  Seftimmungen  bcö  preufe.  21.  S.  91.  II,  1  §§  550—552  unb 
beö  olbenb.  ®ef.  v.  24.  2lpril  1873  3lrt.  13  §  2,  meldte  ber  ®^efrau  na^ 
2lufl5fung  ber  @f|e  bie  SBal|l  laffen,  ob  fte  ein  obne  il^re  ©inroilligung  auö^ 
gelicbenes  Kapital  übernel^men  ober  baare  9{üct}al^lung  verlangen  milt,  ent^ 
be^rlic^. 
«nbere  Slnlangenb  biejenigen  ju  bem  (S^egute  gel^orenben  üerbraud^baren  Qa^tn, 

^"^eal^^"^^  meldte  JU  einem  ©ad)inbcgriffe  geboren,  beffen  bcftimmungömSfeige  öenufeung 
in  ber  SSeräufeerung  ber  einzelnen  Qad)m  beftel)t  (§  780  3lbf.  2),  fo  fann  ein 
Sebürfniß,  in  Slnfel^ung  biefer  ©ac^en  baö  SRed^t  beS  6f)emanneö,  über  bie? 
felben  im  9kmen  ber  ß^efrau  einfeitig  ju  Derfügcn,  um  fo  weniger  anerfannt 
werben,  alö  in  biefer  ^infid^t  Ijowptfö^K^  tiur  bie  ju  einem  3Baarenlager 
gebörenben  ©acben  in  Sctrad)t  fommcn,  ein  ber  ©l^efrau  gcl[|örenbed  SBaaren^ 
lager  aber  nad^  §§  1289,  1290  regelmäßig  S3cftanbt^eil  beö  aSorbeJ^altöguted 
fein  wirb. 
«öcflut«.  3m  SBefentlid^en  biefelben  Orünbe,  meiere  ben  ©ntrourf  beftimmt  i^aben, 

forbcnmgcn.  ^^^  ©^emannc  baö  3lcd^t  freier  SBerfügung  über  bie  5um  ©l^egute  ge^orenben 
Sad^cn  ju  t)erfagen,  muffen  ba^in  führen,  bemfelben  aud^  in  Stnfebung  ber 
JU  bem  (Si)cgute  gcl^örenben  gorberungcn,  Dorbebaltlidö  ber  i^m  in  biefer 
^infidfit  fraft  ber  e^elid^cn  SJufeniefeung  juftebenben  SWed^te  (§§  1028,  1035 
üerb.  mit  §  1292)  unb  abgcfei)cn  von  ben  im  §  1318  3lx.  1,  2  bcftimmten 
9luönaf)men,  baö  Sted^t  freier  SBerfügung  nic^t  einjurfiumen.  S)ie  Slnerfennung 
eineö  fold^en  SKec^tcö  mürbe  aucb,  fooicl  inöbefonbere  bie  auf  3^"^*^  ^uö? 
fte^enben  gorberungen  unb  bie  3nf|aberpapiere  betrifft,  mit  bem  S^edEc  ber 
burd)  §  1292  aud)  auf  bie  ebe(id()e  Jlnftniefeung  für  anroenbbar  erflärten,  bie 
©id&erung  ber  @l)efrau  bejmcdEcnben  befonberen  Seftimmungen  ber  §§  1033—1035 
nid)t  üercinbar  fein  (oergt.  im  Uebrigen  in  9lnfel^ung  ber  jum  @§cgutc  ge- 
fjörenben  gorberungen  bie  aWotioe  ju  §  1292  oben  ©.  188  ff.). 
(srfünung  2.  9Son  bem  ©runbfafee,  bafe  ber  ©bemann  ol^ne  aSoUmad^t  ber  S^efrau 

gutTrcrHnL  i"  ^^^^u  SRomeu  Über  ®t)egutögegenftänbe  ju  verfügen  nid(|t  bere^tigt  ift,  fann 
ric^feit;  aber  unbebcnflid^  bie  im  §  1318  5Rr.  1  beftimmte  2luönal|mc  gemalt  roerbciu 
6ö  entfpric^t  einer  orbnungömöfeigen  SSermattung  unb  liegt  im  Sntereffe 
beiber  Gt)egatten,  inöbefonbere  aud&  ber  ©l^efrau,  rotnn  ber  ©b^Q^^  i"  b^t 
Sage  ift,  ©l)egutöoerbinblid)feiten  tbunlidE)ft  obne  SBerjug  auö  bem  S^egute  }u 
erfüllen.  3lnbercrfcilö  wirb  bie  ©befrau  burc^  biefc  Sluönal^me  nid&t  gefä^rbet, 
ba  bie  Icgtere  bem  ©bemanne  nur  bie  birefte  ©rfüllung  ber  ©begutöoerbinblld^s 
feit  ax\&  bem  ©Ijegute,  eiufdKiefelid^  ber  einer  fold^en  ©rfüllung  gleid^fte^enben 
Hinterlegung  (§  272  9lbf.  2),  geflattet,  nid&t  bagegen  bie  Eingabe  an  S^blungd^ 
ftatt  ober  bie  SSeröugerung  t)on  ©l^egut,  um  auö  bem  ©rlöfe  bie  äSerbinblic^^ 


SSertooItung  beS  Q^egitted.   3Sertretung§ma(]6t  be§  (SBemcmneg.  §1318.      277 

feiten  }u  erfüllen,  unb  ba  aufeeitem  bie  2Birffamfeit  ber  SSerfügung  gegeii^ 
über  ber  @^efrau  baoon  abl^ängig  ift,  ia^  bie  aSerbinblirfifeit,  unb  jroar  mit 
biefera  ^nffalte,  bcgrünbet  loar.  3m  Uebrigen  bejiel^t  fic^  bie  im  §  1318  5ßr.  1 
anerfonntc  ausnähme  auf  alle  9lrten  Don  6f)egutäüerbinblid)fciten,  tnöbefonbcre 
and)  auf  fol(]&e,  welche  bie  Sßerfügung  über  (Sl^egutöforberungcn  jum  ©cgen« 
ftanbe  tiobcn,  e«  fei  bcnn,  bafe  übe,r  ein  SRed^t  an  einem  Orunbftücte  ober  über 
ein  SHe^t  an  einem  foldden  SRcd^te  ju  verfügen  ift.  5Diefc  legtere  (Sinfc^ränfung 
ijl  im  ^inblidc  auf  bie  Seftimmungen  beö  ©runbbud^red^teö  über  bie  Segitimation 
ju  SScrfügungen  t)or  bem  (Srunbbud^amte  iebcnfalld  für  folc^e  gölte,  in  rocld^cn 
eine  Eintragung  in  baö  (3runbbud&  iur  ©ültigfcit  bcö  ©rfüüungögcfc^äftes  er« 
forbcrlic^  ift  (oergt.  inöbefonberc  §  828),  geboten;  fte  empficfjlt  fic^  aber  bar* 
über  hinaus  aud^  für  folti^e  gälte,  in  wetzen  im  9(nfc^Iuffe  an  bie  erfolgte 
GrfüBung  ©intragungen  in  baß  ©runbbud^  unb  bie  Segitimation  ju  fotd)en 
in  Stoge  !ommen  fönnen  (j.  S3.  9lbtretung  einer  8rieff)i)potl)ef,  Uebcrtragung 
einer  gorberung,  für  mctc&e  ein  in  ia^  Orunbbud^  eingetragenes  Siedet  als 
?fonb  haftet;  t)ergl.  §§  1112—1115;  9lnm.  1  ju  §  1208),  unb  jroar  t^eilö 
burc^  bie  9lucffid&t  auf  bie  SBid^tigfeit  biefer  gälte,  tjorne^mti^  aber  burd) 
Süflid^tcn  proftifd^er  Bwecfmäfeigfeit,  meil  jum  3roecfe  ber  bemnädift  erforberlic^ 
loerbenben  ©intragungen  bie  Segitimation  beö  6t)emanncö  bodf)  urhmbUd^  nad^* 
gewiefen  werben  mufe.  3«  l>cn  befteljenben  Oefegen  finbet  fi^  ber  im  §  1318 
S?r.  1  t)orgefe^ene  galt  nid^t  fpejiell  ermäfint;  baö  SBerfügungöred^t  beö  ©fie* 
manne«  in  ber  ^ier  fragtid^en  SRid^tung  ergiebt  fic^  inbeffcn  meiftenS  a\i^  ben 
übrigen  Seftimmungen  fener  Oefefte,  insbefonbcrc  aus  bem  bem  ©l;emonne 
eingeräumten  generellen  SSerfügungöredite  über  beracglidfie  ©ad)en. 

3.  a[ud^  bie  im  §  1318  31r.  2  beftimmte  3luönal)me  fann  mit  SRüdEfid^t  3t"frec^nung. 
auf  bie  Säorauöfeßungen   unb    bie  unmittelbare  SBirfung  ber  9lufrcd)nung 

(§§  281—283)  einem  S3cbenfen  nid^t  unterliegen,  obmofil  bem  ®l)cmannc 
babur^  ein  über  bie  mit  ber  e^elic^en  ^lugniefeung  üerbunbencn  3icd)te 
J^nouÄge^enbeö  SRed^t  infofem  gcroäl^rt  wirb,  alö  er  aud^  mit  einer  auf  3infen 
ttuöfte^ben  ß^egutöforberung  ot)ne  ©inmiltigung  ber  ©t)cfrau  aufred)neu 
lann,  wä^renb  i^m  nad^  §  1292  t)erb.  mit  §  1033  baö  SRedjt  ber  ©iujietiuug 
einer  folc^en  gorberung  nur  gemeinfc^aftlic^  mit  ber  ©Ijefrau  juftc^t.  ©elbft^ 
wrftänbU^  müRen  aber  alte  übrigen  gefegtidjen  SBorauöfe^ungen  ber  9lufs 
rec^nung  t)orliegen,  inöbefonbere  mufe  alfo  bie  ß^egutäoerbiublidjfeit  fältig 
fein.  2)ie  SJcftimmung  beö  §  1318  3lx.  2  geftattet  bem  e^emanne  nur,  eine 
ß^egutöforberung  gegen  eine  ®^egutöoerbinblidE)feit  aufjured)nen,  nid)t  aud) 
gegen  eine  SBorbel^altögutöüerbiublic^Ieit  ber  e^efrau.  ©ine  3luöbcl)nung  bcö 
Jleil&ted  beö  ©^emanneö  auf  SBerbinbti^feiten  ber  tefetcren  9trt  mürbe  nid)t  ge* 
te<i^tfertigt  fein,  ba  bie  silitgung  einer  fold)cu  5Bcrbinbtid)!eit  burd^  Jlom== 
nenfation  mit  einer  ©^egutöforberung  fein  jum  Qmd^  ber  orbnungömäßigcn 
Serroaltung  beö  ©^eguteö  erforberlic^er  9th  ift  unb  cö  aud)  nid)t  alö  an-^ 
gemeffen  erad^tet  werben  fann,  bem  ©bemanne  auf  biefe  2ßeife  einen  ©ingriff 
in  bie  ber  ©^efrau  iuftelienbe  SBermattung  bcö  aSorbc^atlsgutcö  ju  gcftattcn. 

4.  3)urc^  bie  im  §  1318  3lx.  3  beftimmte  2tusnal)me  wirb  baö  fd)arfe  Qvwtxm 
$rin}tp  beö  ©ntrourfeö,  bafe  ber  ©tjemann  bie  ©f)efrau  aucö  in  9tnfel)ung  bcö  eic^eTJn'g  b« 
©fieguteö  o^ne  bereu  SBoItmad^t  nid^t  Dertretcn  fann,  in  einer  angemejfcnen   ^^m^- 


L 


278  aScrtüattunö  beS  ei&eöute§.    SRed&tßgcfcfiafte.    §  1319. 

SBeife  abcjcfd^iDäd^t.    Sion  praftifd^er  Sebcutung  ift  bic  Slußna^mc,  ab9cfct)e!i 

üori  bcn  im  §  2148  9lr.  4  befonbcrö  oorgcfcf|cnen  ^anblungcn,  toclc^c  bie  (Sr- 

tjaltung  unb  2)urd^fü^ruug  beö  Snocntarrcd^teö  bejüglid^  einer  bem  ©^egute 

ougcfallencn  ®rbfd)aft  betreffen,  namentlid^  auä)  in  foId)en  gäUen,  in  loeld^cn 

eö  fid^  um  bie  ©rroirfung  eineä  3lrrefteö,  einer  einftroeiligen  SBerfügung  ober 

bcr  ©intragung  einer  33ormerfung  in  baö  ©runbbuc^  (§§  844,  845,  1085) 

ober  um  bie  3lnnaf)me  eineö  ^fonbeö  ober  eines  Sürgen  fianbelt. 

Annahme  5.  gjn  ben  aßotioen  ju.  §  1308  oben  ©.  242  ff.  finb  bie  ©rünbe  bargelcflt, 

KuM^i^ung  auö  benen  bie  ©inroiUigung  beö  ß^emanneö  nic^t  erforberIid&  fein  foU  ju  ber  Sin- 

^mt^c'  no^me  ober  ber  Sluöfd^tagung  einer  ©rbfd^aft  ober  eined  SSermäd^tnii^eö  üon 

©eilen  ber  ©tiefrau  ober  ju  ber  Slble^nung  eines  ber  Ie|teren  gemad^tcn 

aSertragäontrageS ,   inöbefonbere  einer  ©c^entung  (§  1308  9lr.  1,  2).    a»it 

jenen  ©rünben  mürbe  eö  nid^t  vereinbar  fein,  menn  man  in  biefen  SSeiie^ungeu 

jugleidE)  ein  SHed^t  beö  ß^emanneö,  bie  ®f|efrau  ol^ne  SBoUmoc^t  ju  vertreten, 

anerfennen  rooUte,  weil  baburd^  ber  eigenen  @ntfd^lie§ung  ber  ©tjcfrau  in 

biefen  perfönlidEien  3lngelegen^eiten  präjubijirt  werben  mürbe. 

9)uet^.  unb  ß.  2Begen  ber  ©rünbe,  meldte  ma§gebenb  geroefen  finb,  bem  @t)cmannc 

uatrTflf.    höft  feines  SBerroaltungSred^teS  nic()t  au^  bas  9led^t  beizulegen,  im  3tamen 

bcr  eijefrau  o^ne  beren  SBoIImad^t  äWiet^^  unb  ^ad^toerträge  abiufd^Uc§eu, 

wirb  ouf  bic  äRotiüc  ju  §  1292  oben  ©.  186  ff.  Scjug  genommen. 

eintcitigc  7.  SBegcn  ber  SJertretungsmad^t  bes  Seemannes  in  2lnfel^ung  cinfeitigcr 

Qcmt^    ^){cd^tsgefd^äfte  ©ritter,  beren  SBirtfamfeit  booon  ob^ängt,  ba§  fie  gegenüber 

2)rittcr.    5,,^  ®[)efrau  vorgenommen  roerben,  oergl.  §§  1304,   1307  9tbf.  1  Sag  2, 

§  1310  ncbft  bcn  ÜKotioen  ju  §  1304  oben  ©.  235  ff. 

Äoutrai)ircn  8.  ^u  ßrmangelung  einer   entgegenfte^enben  Seftimmung   finbet    bcr 

mit  fit^  fcidft.  ^^^^   bem  ©ntrourfe   anerfannte    allgemeine   ©runbfa^,    bafe   ber   SSertretcr 

eines  9lnberen  als  fold^er  mit  fid^  felbft  fontral)iren   fann,  fofern  nur  fein 

barauf  gcrid^tcter  SöiHe  nad^  au&cn  l^erDortritt,    aud^  auf  bic  im  §  1318 

bejeid^neten  gälle  3lnmenbung.    (Sin  93ebürfni6,  für  biefe  gälte  jum  ©cftugc 

bcr  ©^efvau  Jenen  ©runbfag  ju    burd^bre^cn,    liegt  nid^t  üor.     3"   bem 

gallc  bes  §  1318  3ir.  1  ift  bie  9lncrfennung  jenes  ®runbfa|es  einerfcits  eine 

IHnforberung  bes  praftifd^en  Sebeus,  anbererfeits  oom  ©tanbpuntte  bes  3ntcr* 

cffes  ber  S^efrau  Döllig  unbebenfli^  (ocrgl.  auc^  §  45  Sag  1,  §  1651  5ir.  l, 

§  1503  9lbf.  1).    3n  bem  galle  bes  §  1318  3lx.  2  liegen  bie  SBcrljältniffe  im 

ißcfentlid^cn  ebenfo,  mie  im  galle  bes  §  1318  3lx.  1.    3ebenfallß  ift  eine  er* 

l)cblid)e  @cfä[)rbung  ber  Sutercffcn  ber  ©tjcfrau  in  jenem  galle,  meld^er  511? 

bem  pvaftifd)  Don  geringer  Scbeutung  ift,  Don  ber  3lnii)enbung  bcr  allgemeinen 

förunbfäge  nidjt  ju  bcfovgcn  (oergt.  aud^  §  1304).    ©benfomenig  fann  in  ben 

?vällcn  bcö  §  1318  9fr.  3  nac^  bcr  "JJatur  ber  unter  biefe  9Jummer  fallenben 

i^anbtuugcu  bie  9lnu)cnbuug  ber  allgemeinen  ©ninbfögc  eine  ®efäl|rbung  bcr 

(S1)efrau  mit  fid)  bringen;  im  ©egcutt)cil  gereift  biefelbe  il)r  in  biefen  gallen 

nur  5um  Ä^ortl)eitc. 

§  1319. 
sncuoamii(^ti*  '^xix  Sted^tfei'tigung  beS  im   §  1319  anerfannten  5ßrinjipeS  mirb  auf 

ö^emaitne«.  bic  allgemeinen  9Kotiuc  ju  §§  1317  ff.  oben  S.  270  ff.  unb  auf  bie  ajiotioc 


aScnualtunfl  be§  Sfeeöutcö.    gted&tSflefd&afte.    §  1319. 


279 


iu  §  1318  unter  Str.  1,  5,  6  oben  ©.  273  ff.,  278  Sejug  genommen.    3m  @in^ 
jflnen  ifl  }u  §  1319  no^  ^olgenbed  ^eroorju^eben : 

1.  SBon  ben  bcfte^enben  ©efefeen  voxvb  bie  erforberlid^e  3Jlitn)irfung  ber 
S^efrau  ju  benjenigen  SRed^tegefd^äften,  weld^e  ber  ©fiemonn  allein  oor^ 
june^men  ni^t  bered^tigt  ift,  meiftenö  alö  (Sinroilligung  ober  ÜJlitroirfung 
bejcidlinet  (oergl.  prcufe.  5L  fi.  5R.  n,  1  §§  232,  233,  239,  243,  244;  fäd^f. 
©.».  §§  1657,  1674—1677).  S)aö  olbenb.  ®ef.  ü.  24.  9lpril  1873  3lrt.  7 
[orbert  äSoUma^t  ober  @inn)iUtgung,  ber  n)ürttem6.  (Bntm.  §  129  äSoUmac^t 
ober  Genehmigung  ber  @^efrau.  ^er  §  1319  bebient  fid^  bed  äludbruded 
^SoKmo^lt",  roeit  biefer  ha&  beabpd^tigte  9te^tät)erl^ältni§,  bafe  ber  6f)emann 
bad  Stec^tögefc^fift  im  Flamen  ber  S^efrau  oorjunelimen  \)at  unb  bat)er  bie 
(e^ere  m^  ^aggabe  bed  §  116  aus  bem  9led^tggefd^äfte  beg  @f)emanned 
berechtigt  unb  oerpflid^tet  mirb,  am  f^arfften  jum  3ludbrudEe  bringt,  ^at  ber 
ß^mann  o^ne  SSoUma^t  im  9lamen  ber  @^efrau  als  beren  SBertreter  ge^anbelt, 
fo  finben  bie  §§  123—127  Slnroenbung. 

2,  aSirb   ein   ni^t  unter  ben    §  1318  fallenbeö  9led^tögefc()äft  jum  anaeißeppit^t 
Swetfe  ber  orbnungdmäfeigen  SBerroaltung  beö  (g^eguteö  erforberlid^,  fo  \)at  ber  (g^em^ncs. 
e^onn  feiner  SBermaltungöpPic^t  (§  1317)  junäc^ft  genügt,  rotnn  er  bie 
ßWrau  ^ieroon  in  Äenntni§  gefegt  ^at,  unb  fann  abwarten,  ob  bie  (g^e^ 

frQu  oon  bem  i^r  burc^  §  1320  beigelegten  Siedete  ©ebraud^  ma^t.  2)er  »Htroirfuitfl«. 
e^ann  fann  aber  oermoge  beö  i^m  iufte^enben  S8ermaltungdrec||teö  aud^  '«^rau^'' 
jcincrfeits  Don  ber  6f)efrau  oerlangen,  bafe  biefe  baö  Oefd^äft  mit  feiner  (gin^ 
Billigung  (§§  1300, 1301)  oornel^me,  unb,  mie  fid6  in  (Srmangelung  befonbercr 
8eftimmuugen  oon  felbft  oerfte^t,  bie  ®t)efrau,  vocnn  fie  fid^  beffeii  meigert, 
auf  öornafime  beö  ©efd^äfteä  oerflagen.  2)em  ef)elidE|en  SBer^öltniffe  unb  ber 
Stellung  bed  @^emanned  entfprid^t  ed  ieboc^,  ber  ©l^efrau,  mmn  fte  felbft  bad 
(^'(^ft  nid^t  oomef)men  miD,  bie  Sefugnife  ju  geben,  if)rerfeitö  in  einem 
fo((^n  §aUe  Don  bem  ©bemanne  ju  Derlangen,  ba§  biefer  als  i^r  Se* 
wKmäc^tigter  fid)  ber  SBornaljme  beö  ©efd^äfteö  unterjiefie.  3[5on  biefer 
Sefugnig  fann  bie  (S^efrau  auc^  bann  nod^  @ebraud^  mac()en,  loenn  fte  bereitiä 
rec^tdfräftig  uenirtfieilt  ift,  baö  ©efd^äft  felbft  mit  ©inroilligung  beö  ©fjemanneö 
oorjune^men.  2)iefe  9lrt  ber  ©eftaltung  oerbient  oor  einer  foldjen  Siegelung, 
wcldfc  bem  ©bemanne  einen  alternativen  9lnfprud&  bal)in  giebt,  ba^  bie  (gtjefrau 
entroebcr  i^m  bie  erforberlid)e  SBoUmad^t  ert^eile  ober  felbft  ba&  Oefd^öft  mit 
feiner  ©inroiüigung  r)ornel)me,  ben  33orjug,  weil  bei  jener  ©eftaltung  bie 
Xurdjfübrung  beö  gegen  bie  ß^efrau  ergangenen  red^töfräftigen  Urtf)eilcö  fid; 
einfacher  erlcbigt,  33on  ben  neueren  ®efefeen,  fomeit  bicfelben  überl)aupt  eine 
crjioingbare  ^^erpflid^tung  ber  6l)efrau  jur  äWitroirfung  anerfennen  (ocrgl.  bie 
ttUg.  aJtotioe  ju  §§  1317  ff.  oben  ©.  268  ff.),  roeidEit  ber  ©ntrourf  in  ber  ^ier 
froglit^en  Säcjie^ung  oUcrbingö  infofern  ab,  alö  jene  bem  ©Ijemannc  ein  Siedet 
barauf  geben,  bafe  bie  ßfjefrau  ju  bem  oon  il|m  oorjunelimenben  (Sefd^äfte  il)re 
CinroiUigung  erttfeile.  3)a  eö  fid^  jebod)  in  crfter  Sinie  um  Slngelegenfieiten  ber 
©befrau  bonbelt,  fo  fonn  bie  le|tere  billigermeife  nic()t  genotfjigt  werben,  burd) 
einen  9lnberen  für  f\6)  Ijanbeln  ju  laffen,  wenn  fie  felbft  ju  l)aubetn  bereit  ift. 

2)ad  prcufe.  9C.  S.  SR.  11, 1  §  239  überroeift  bie  ®ntfc()eibung  ber  grage,  vit^teruc^e 
ob  bie  (S^efrau  i^re  ©inroiüigung  ju  einem  oon  bem  (St}emaune  beabfid)tigteu    '^^  "^""^' 


280      25erh).  b.  g^efluteS.  9{ed&t0öef$äfte.  SScrtrenb.  f.  b.  ®Mrau.  §§  1320, 1321. 

9led)tögefdjäftc  ju  crtfieKen  üerpfttd)tct  ift,  bcm  SSormunbf^aftögcrid^tc.  SBcnm 
gleidj  fic^  lüdjt  t)erfenncn  läßt,  ba§  bas  SSormuubfd^aftöocrici^t  [einem  ganjen 
Sßirfungöfvcife  r\a6)  5ur  ©ntf^eibung  ber  grage,  ob  ein  ©cfd^äft  jur  orbnimgö* 
mäßigen  SBcriüQltung  eineö  33ermögen§  crforberli^  ift  ober  uid^t,  befonberd 
geeignet  erfdjeint,  bn§  ferner  auf  biefem  SBege  bie  ©ntfd^eibung  regelmofeig 
rafd^er  erfolgen  wirb,  als  auf  bem  SBege  beö  orbentlid^en  5ßro}cReS,  tinb  ba% 
bie  9lnnifung  beö  SBormunbfdjaftsgerid^teö  jur  ©ntfd^cibung  einer  unter  ben 
6I)egatten  beftefienben  ©treitigfeit  bem  el^elid^en  SBer^ältnijfe  mcl)r  entfprid^t, 
alö  bie  erljebung  eines  ^rojeffeö,  unb  ben  grieben  weniger,  roie  biefe,  gefä^rbet, 
fo  ift  bod^  ia^  ®eroid^t  biefer  ©rünbe  nid^t  ausreid^enb,  um  eine  Slußna^me 
t)on  bem  orbentlid^en  Sled^tämege  ju  red^tfertigen.  2)er  l^ier  in  SRebe  ftel^enbe 
©treit  unter  ben  et)egatten  betrifft  oerm5gensrcd&tIid()e  SJerl^ältnijfc  berfelben. 
Seibe  ®[)egatten  finb  gefd)äftöfät)ig.  ©er  bcm  früfieren  el^elid^en  (Süterrcd^te 
unb  jum  SEfjeil  aud^  nod^  bem  preug.  91.  S.  9t.  ju  ©runbe  Uegenbe  ©ebanfc 
einer  et)elid)en  aSormunbfd^aft  ift  t)on  bem  ßntmurfe  t)öUig  aufgegeben.  S)ie 
^ereinjieljung  beö  33ormunbfd)aftägerid)teö  würbe  fid&  alfo  als  bie  ©infefeung 
eines  3lusnaf)megerid&te§  barftellen,  weld^e  um  fo  weniger  gered^tfertigt  fein 
mürbe,  alö  baö  9SerfaI)ren  im  ^rojef^mege  mit  größeren  Oarantteen  um^ 
geben  ift. 

§  1320. 
9«ttttnrfimfle*  5)ie  83eftimmung  bc§  §  1320,  meldte  aud^  ber  S^efrau  baß  SWcd&t  bei- 

eÄ^ne«.  f^9t/  if)v*crfeitö  bie  Snitiatiüe  ju  ergreifen,  wenn  ein  ^led^tögefd^äft,  mag  baö= 
felbe  unter  ben  §  1318  fallen  ober  nid^t,  jum  ^mtät  ber  orbnungsmäfeigen 
aSenüaltung  erforberlid^  wirb,  ift  eine  Äonfequenj  ber  im  §  1317  anerfanntcn 
Syerwaltungöpfiid^t  beö  G{)emanneS  (üergl.  bie  allg.  SWotiue  5u  §§  1317  ff.) 
unb  entfprid^t,  foüiel  bie  ©eftaltung  beß  9lnfprud)eß  ber  ©tiefrau  im  (Sin- 
jelncn  betrifft,  bem  §  1319  9lbf.  2  ©afe  2  (i?ergl.  bie  aÄotiue  ju  §  1319  unter 
9ir.  2  oben  S.  279).  2)a6,  wenn  bie  ©inwilligung  beß  ef)emanneß  jur  9Sor= 
na^mc  beß  betreffenben  Oefdjäfteß  felbft  burd)  red^tßfröftigeß  Urt^eil  erfcfet  ift 
(§  779  ber  6.  %  C),  ber  Gljemann  bie  einmilligung  nid&t  mefir  nad^  §  127 
3fbf.  3  miberrufcn  fann,  ergiebt  fid)  auß  bem  SBefen  beß  red&tßfräftigen  Urt^cileö 
t)on  felbft. 

§  1321. 

serrocnbrniö  ^\c  im  §  1321  auerfaunte,  über  bie  nad^  §  1317  bem  Gfiemannc  ob^ 

fih"bfc^vc"!  li^Ö^^i^^  93erpftid^tung,  für  bie  orbnungßmägige  SBermaltung  beß  ®f)egutcö  ju 

ibniic^cn  «n*  f orgen,  Ijinaußgcl^enbc  3}erpflid)tung  red^tfertigt  fid^  burd^  bie  ©rroägung,  ba% 

bcvTiKfVau"  baß  33erm5gen  ber  ®()efrau  burd)  bie  ßf)e  feiner  natürtid^en  Seftimmung, 

aud)  für  bie  Sefriebigung  ber  burd;  bie  perfönlid^en  9lngelegen^eiten   ber 

Ctjefrau  I)crt)orgerufenen  33ebürfniffc  ju  bienen,  nid^t  entjogen  werben  barf 

(üergl.  and)  fäd)f.  (9.  33.  §  1644).    ^ür  bie  perfönlid^en  93ebürfnif[c  ber  ®I>c* 

frau  Ijat  5Wor,  fowcit  bicfelben  unter  ben  Segriff  beß  Unterl^alteö  fallen 

(§  1488),  ber  ®f)emann  auß  eigenen  äHitteln  5U  forgen  (§  1280).    ©ß  ftnb 

aber  nod^  anbere  bie  ^^erfon  ber  ©fiefrau  betreffenbe  ^Angelegenheiten  benfbor. 


SJcttealtung  bcö  e^egute«.    JRed^tgfirritigleiten.    §  1322.  281 

©clc^e  Dermogcnöred&tfid^c  Slufrocnbungcn  crforbcru.  Xaf)\n  gefioren  ins^ 
iefonbcrc  5ßrojeffe,  rocld^c  bic  perfonlid^cn  SBcrl^ältniffc  bcr  ß^efrau  betreffen, 
foiöie  ein  gegen  fie  eingeleitetes  ©trafüerfal^ren.  3lbroeid)enb  üon  bem  §  1320 
legt  ober  ber  §  1331?- bem  ®f|emanne  nur  bie  SSerpflid^tung  auf,  ju  bcn 
bftreffenben  ^onblungen  ber  ß^efrau  feine  ©inroilligung  ju  ert^eilen.  ®cm 
(Spanne  in  biefen  gällcn  burd^  boö  ©efefe  attgemcin  Qud&  bie  aSerpflid^tung 
aufjuerlegen,  fid)  auf  SSerlangen  ber  S^efrau  alö  beren  S3et)olfmäd^tigter  bcr 
8oma^me  ber  betreffenben  ^anblungen  ju  unterjieljcn,  ift  bebenflid^;  an- 
gemejfener  ift  eß,  in  biefen  gällen  bem  ©rmeffen  bcS  ®()cmanneö  bic  ®nt^ 
fc^ibung  barüber  ju  überlajfen,  ob  im  einjelnen  galle  eine  fitttid^e  ^flid^t 
für  i^n  bcft^t,  bie  SBcrtretung  ber  ©fiefrau  in  ben  Ijier  fraglidjen  9lngelegen* 
^ten  berfclben  ju  übernehmen. 

Snroiemeit  ber  ®f|cmann  bie  burd^  bie  perfonlid&en  Slngelegenl^eiten  bcr 
©Wtou  erforberlid^  roerbenben  9luögaben  fraft  bcr  el^clid^en  SRufeniefeung 
gegenüber  ber  ß^efrau  aus  eigenen  3»itteln  ju  tragen  ocrpflid^tet  ift,  ergiebt 
lä^  aud  §  1297. 

§  1322. 

3n  ben  §§  1302,  1303,  1306,  1307,  1309  ift  beftimmt,  inroicweit  bie  »et^t«. 
e§efrau  SRe(^tfiftreitigf elten ,  meiere  baö  ©fiegut  betreffen,  ju  führen  berechtigt  SrcfÄ 
iii.  Sine  baoon  uerfc^iebene  ^rage  ift  cd,  ob  unb  inmiemeit  bem  @l^emanne 
fraft  feines  SBerroaltungßred^teß  baö  SRed^t  jur  felbftänbigen  §ü^rung  fold&er 
Äcijitfiftreitigfeiten,  fei  eö  in  eigenem  Flamen,  aber  mit  SBirhmg  gegen  bie 
6^au,  ober  im  SRamen  ber  lefeteren  als  beren  SBertreter,  beigelegt  merbcn 
fol  aSie  au^  ber  in  ben  aRotiücn  ju  §§  1302,  1303  mitget^eilten  Ueberfid&t 
beö  befte^enben  SRe^teö  (ücrgl.  aud^  bie  allgemeinen  SKotioe  ju  §§  1317  ff. 
oben  S.  267  ff.)  fi^  ergiebt,  ift  ein  folcfieö  SRecfit  bes  6l)emanneß  in  Dcrfd^iebencn 
Äeti&tdgebieten  balb  in  größerem  balb  in  geringerem  Umfange  in  bcr  einen 
ober  anbereu  gorm,  namcntlid^  infomeit  anerfannt,  alß  bcr  ©^emann  über  bie 
betreffenben  ß^egutßred^te  aud^  frei  ju  Dcrfügcn  befugt  ift;  eß  ift  {ebod^  nid)t 
unbefhritten,  inmieroeit  biefe  93efugni6  beö  6|iemanncß  jur  felbftänbigen  ^^Jrojefe* 
fü^ng  burd^  bie  im  §  51  ber  ß.  ^.  D.  anerlannte  ^ßroie^fä^igteit  ber  ^\)C' 
freu  eine  SCenberung  erfahren  fiat.  ®er  (Sntrourf  gel[)t  baoon  auß,  bafe  ber 
S^ann,  oorbel^altUd^  ber  auß  §  1318  3lx.  3  ftd^  ergebenben  Slußna^men 
(wrgL  bie  aMotioe  ju  §  1318  unter  9ir.  4  ©.  277  ff.),  fraft  feineß  SBemjaltungß^- 
ret^teß  §ur  felbftänbigen  gü^nmg  ber  ^icr  in  Siebe  ftclicnben  SRed^tßftreitig* 
leiten  nic^t  befugt  fein  foU,  fonbern  bie  Seftimmungen  bcr  §§  1319—1321  auf 
Me  gü^ng  eineß  SRed^tßftreitcß  entfpred^enbe  Slnroenbung  finbcn  foUcn.  SScnn- 
gWi^  bie  ^roje|fü^rung  nad^  ber  9luf faffung  beß  ©ntmurfcß  an  fic^  nld^t  als  eine 
Serfügung,  fonbern  alß  ein  ber  @rl()altung  beß  SBcrmögenß  bienenber  33cr* 
nwltungßaft  anjufel^en  ift,  fo  fann  blcfelbe  bod&  megen  ber  ©runbfä|e  über  bie 
Sirfung  beß  red^tßfröftigen  Urt^eileß  (§  191)  mittelbar  in  i^ren  golgcn  einer 
Serfügung  me^r  ober  weniger  gleid^fommen.  Saju  fommt,  bafe,  menn  bem 
(Spanne  baß  Siedet  eingeräumt  wirb,  ß^egutsred^tc  im  Flamen  bcr  ®l;efrau 
o^ne  SoDmac^t  berfclben  geri^tlid^  geltcnb  ju  mad^en,  bie  ®^efrau  ber  ©cfaljr 


282  aSertvaltunö  beg  Sl&eöuteS.    SJnIcouno  bon  ©cfbern.    §  1323. 

Qußgefelt  ift,  bei  Scid^tfinn  unb  Strcitfud^t  beö  ß^emonncö  mit  bcr  oft  [c^roer 
briicfcnbcn  SJerpfllc^tung  jur  S^ragung  ber  5ßrojcfefoftcn  bcloftct  ju  locrbcn, 
foroeit  bcr  ®f)cmann  nid&t  m6)  aWafegabe  beö  §  1297  3lbf.  1  $Rr.  5  unb  Slbf.  2 
biefe  Äoftcn  gegenüber  ber  (S^efrau  jn  tragen  oerpPid^tet  ift.  3luf  bcr  anbcrcn 
Seite  ift  cd  auä)  t)om  Stanbpunfte  bcS  S^tcreffed  bed  ®^emanned  aud  nid^t 
burd^  ein  93cbürfni6  geboten,  bemfclben  bic  Sefugnife  jur  felbftänbigen  geric^t^ 
ticken  SBerfolgung  oon  ß^egutöred^ten  beijulcgen.  2)em  3ntereffe  beö  ß^c* 
manned  ift  genügt  einerfeitö  hnxä)  bie  im  §  1322  beftimmte  entfprec^enbc 
Slnrocnbbarfcit  beö  §  1319  Slbf.  2,  anbcrcrfeitö  baburc^,  bafe  er  bie  i^m  ocr^ 
möge  ber  c^clid^en  ^iufcniefeung  felbftänbig  äufte^enbcn  Sflcd^te  an  bcm  ß^egute 
auf  Orunb  beö  §  1292  Derb,  mit  §  1017  auc^  o^nc  aWitroirfung  bcr  ß^cfrau 
gegen  ©ritte  gcitcnb  ju  mad^en  berechtigt  ift.  gür  bcn  ©ritten  fann  aus 
bicfcr  Slrt  bcr  ©eftaltung,  ba  ba&  in  bcm  ^ßrojcffc  beö  (5t)cmanncö  gegen  bcn« 
fclben  crtaffenc  Urtl^eil  nid^t  aud^  gegen  bic  @t|cfrau  mirft  (§  192),  frcili^  bic 
Unbcqucmlic()fcit  cntftcl^cn^  über  eine  unb  bicfclbe  gragc  möglic^crroeife  jnoci 
^rojcffc  führen  ju  muffen,  juerft  mit  bem  ©bemanne  unb  bann  mit  bcr  ß^c* 
frau.  9lufi  bicfcr  Unbcqucmlid^teit,  meldte  bei  icbem  ^licfebrau^öücr^ältniffc 
eintritt,  fann  inbeffen  ein  cntfd&cibcnber  Ocgengrunb  um  fo  weniger  abgeleitet 
lücrbcn,  afe  bicfclbe  bei  bcr  Statur  ber  l^icr  obroaltcnbcn  SScr^ältniffc  praftifc^ 
nur  fcl^r  feiten  eintreten  wirb. 

§  1323. 
3(nicflunö  oon  SBcnnglcidE)  bie  SBcftimmung  beft  §  1323  gegenüber  bcr  SRegel  bed  §  1317, 

fldbe"n.'  ^^6  ^^^'  (Sficmann  jur  orbnungömäfeigcn  SScrmaltung  beö  ®^cgutcö  bered^tigt 
unb  nur  ju  einer  fold^cu  SBcrmaltung,  unbefd^abet  ber  SBorf^rift  beö  §  1279, 
ücrpflid^tct  ift  (ocrgl.  aud&  §  1319  Slbf.  2,  §  1320),  ^\ä)  alö  eine  9Ibfd&n)ä*ung 
feines  SBenoattungdrcd^tcö  unb  als  eine  rocfentlic^c  SScrfd^örfung  feiner  SScr? 
luattungöpflid^t  barftcUt  unb  gegenüber  bcm  gcitenbeu  JRcd^tc  eine  Steuerung 
entf|ätt,  TOcnngtcic^  ferner  gegen  jene  Seftimmung  baö  Sebenten  fic^  crl^ebcn 
lögt,  bag  bie  älnlcgung  von  6()cgutögclbcrn  nad^  bcn  für  bic  Slntcgung  oon 
tütünbclgclbcni  gcltcnbcn  SSorfd^riftcn  (§§  1664,  1665)  megen  bcr  mit  einer 
)otd)en  3lrt  bcr  ^Anlegung  regelmäßig  Dcrbunbcnen  geringeren  Slugungscrtrögc  im 
§inblidEc  auf  bie  Sebürfniffe  ber  gamilie  unb  bcn  Umfang  bcr  üon  bcm  ©ficmanne 
JU  tragenben  c^clid^cn  Saften  nid^t  immer  angemeffcn  fein  merbe,  fo  empfiehlt  fic^ 
bic  in  Siebe  ftc^cnbc,  eine  aubermeite  SScreinbarung  unter  ben  ©Regatten  nic^t  auÄ* 
fdjlicfeenbe  Seftimmung  bod)  um  bcöroiUcn,  rocil  fic  fid^  an  bic  burd^  §  1292 
aud^  auf  bic  c^elid^c  Sluftnicgung  für  anrocnbbar  erftärtcn  58orfd>riftcn  bcr 
g§  1033-  -1035  über  bic  3lulegung  bcr  in  golge  ber  (Siujic^ung  t)crjindUd[)cr 
J^orberungen  eingegangenen  (Selber  auf  daliegt  unb  cß  an  einem  außrcid^cnbeu 
(S3runbc  felilt,  in  3lnfcl)ung  ber  fonft  jum  ®^cgutc  ge^örcnbcn  (Selber  ctnwö 
9lnbcrcs  ju  bcftimmen  unb  baburd()  baö  ®cfefe  ju  fompUjircn.  5)aju  fommt, 
bafe  bic  Söcftimmung  beö  §  1323  geeignet  ift,  Strcitigtcitcn  unter  bcn  ©f)e= 
gattcn  über  bic  Srage,  mann  eine  3lulcgung  als  eine  orbnungömägigc  anjufc^eu, 
abjufd^ncibcn. 

2)ic  Seftimmung  beö  §  1323  bejicfjt  fid^  übrigens  nur  auf  ®^egutögelbcr. 
©cm  (Sljcmannc  ober  bcr  (5l)cfrau  baö  JHcc^t  beijulcgen,  aud^  in  Slnfe^ung 


ißmraltung  beg  ei^cQuieö.    SJorfd&riftcn  ü6er  3luftraö.    §  1324.  283 

Qudftc^enber  Äapitalien,  rocld^c  unter  aJlitroirfung  bcibcr  ©Regatten  QxdtxQ  an* 
gelegt  ober  t)on  ber  ©^efrau  in  bic  6^e  gebrad^t  ober  fpäter  burd^  ®rb* 
f^aft  u,  f.  ro.  Seftonbt^eil  beö  6f|egutcö  geworben  finb,  eine  anbcnoeite  Sln^ 
(cgung  naä)  SDloggabe  beö  §  1034  }u  verlangen,  obn)ol^[  bie  (Sinjie^ung  biefer 
Äapitalien  auö  anbcren  (Srünben  im  Sntereffe  einer  orbnungömäfeigen  9Ser? 
rooltung  nid^t  erforberli^  ift,  fann  TOeber  als  angemeffen  nod^  aud;  im  ^inblidEe 
ouf  bie  »efrtmmung  beö  §  1033  3Ibf.  3  oerb.  mit  §  1292  unb  bie  58e^ 
ilimmungen  ber  §§  1317,  1319  SKbf.  2  unb  beö  §  1320  alö  burd^  ein  Sebürfnife 
geboten  erachtet  n)erben. 

§  1324. 

1.  2)ie  Seftimmung  beö  §  1324  3lbf.  1  cntfprid^t  ber  ©tellung  beö  «niuenbutta 
6^emonneö  olö  SSerroalterö  eines  fremben  SBermogenö  unb  ber  i^m  mä)  §  1317  «orfXiften 
in  Slnfe^ung  beö  ß^eguteö  obliegenben  aSerroaltungöpflic^t.    3(m  ©injelnen  ift  ^^^  «»ftra«. 
in  biefer  ^infid^t  no^  gotgenbeö  ^eroor ju^eben : 

1.  äuö  bem  burc^  3lbf.  1  für  entfpred^enb  onrocnbbar  erflärten  §  591  «ciociäian 
in  Serbinbung  mit  ben  allgemeinen  SBeroeiögrunbfägen  (oergl.  ©euffert  anTpriw'eiVer 
XIX,  163,  XXVI,  189,  XX\ai,  124)  ergiebt  fi^,  bofe,  wenn  im  gaUc  beö  «^^^^«« 
Untergongeö  ober  ber  SSerf^lec^terung  t)on  33eftanbtl^eilen  beö  6t)eguteö  bie 
iS^au  oon  bem  ©l^emanne  @rfafe  forbert,  fei  eö  nad^  Seenbigung  ber  ef|e* 
lijj^n  Sfluftniefeung  unb  SBermaltung  ober  roöfirenb  beö  Sefte^enö  ber  lefeteren 
(wrgl.  §  1292  oerb.  mit  §  1004,  ferner  §  1324  3lbf.  2),  bem  ef)emonne  ber 
Seioeiö  obliegt,  bafe  ber  Untergang  ober  bie  S8erfd)led)terung  nic^t  bur^  ein 
oon  i^m  nac^  §§  1279,  1317  ju  oertretenbeö  3Serfd^ulben  fierbeigefü^rt  ift 
(oagl.  au(^  §§  777,  1292,  1007,  1324  Slbf.  1,  §  592  nerb.  mit  §§  193,  239). 
'iliift  ju  oertennen  ift,  bafe  biefe  ^Regelung  ber  Semciölaft  unter  Umftänben  ju 
flroften  gärten  für  ben  ©bemann  fii^ren  fann.  6ö  lä§t  fid^  bagegen  ein* 
roenben,  ba§  eine  foldje  Oeftattung  mit  bem  unter  ben  ßfiegattcn  beftefienben 
Sertrauenöoer^ältnifle  nic^t  ju  oereinigen  fei  unb  ber  bem  ©bemanne  auf* 
gebürbete  SSemeiö  bei  längerer  2)auer  ber  Gt)e  oon  il)m  n\ö}i  toerbe  gefüljrt 
»erben  fonnen,  unb  iwar  um  fo  weniger.  Je  inniger  ia^  unter  ben  ®f)egatten 
bcftebenbe  SSer^ältnife  gerocfen  fei,  weil  unter  folgen  Umftänben  ber  ©(jemann  gqr 
nic^it  baran  gebadet  ^abe,  fid^  bei  eingetretenen  35eränbcrungen  beö  ©I)eguteö  bie 
erforbcrlic^en  Scroeiömittet  ju  fxd^ern.  3luf  ber  anberen  Seite  ift  jebod^  ju 
berücffic^tigen,  bafe  bie  ©^efrau  nod)  weniger  alö  ber  ©^emann  im  Staube  ift, 
boft  @(^t(ffa(  ber  einjelnen  33eftanbtl)eile  beö  ©l^eguteö  ju  oa-folgen  unb  bar* 
julegen,  ba  nicfjt  fie,  fonbern  ber  ©f)emann  ha^  ©begut  in  öänben  l)at  unb 
wnoaltet.  2)aö  uon  bem  in  biefer  Sejie^ung  auf  bem  eutgegengefegten  Staub* 
puntte  fte^enben  lübecf.  ®ef.  v.  10.  Februar  1862  9lrt.  4,  12  im  3lnfc()luffe  an 
bttö  ältere  lüb.  9le^t  ergriffene  SBluöfunftömittel,  und)  weld)cm,  wenn  eine  ©l)c 
SiDüiiiifl  3at)rc  ober  länger  gebauert  ^at,  in  ©rmangetung  anberer  SBeweiö* 
mittel  ber  6ib  beö  Überlebenben  ©Regatten  genügen  foU,  um  gegenüber  ben 
Grben  beö  ooroerftorbenen  ©Regatten  bie  5Hidj)tig!eit  feiner  Slngaben  über  baö  oon 
ber  ©bffrou  bem  ©bemanne  äufl^brad^te  barjutliun,  ift,  abgefel^en  oon  anberen 
bagegen  fprec^enben  Sebenten,  mit  ben  SJorfd^rifteu  ber  6.  %  D.  nic^t  oer* 


284         aScrtoaltutiQ  beö  (S^egutee.    Sorfd&rtftcn  über  Sfuftrag.    §  1324. 

einbar.  S)aö  ^ßrinjip  bcr  freien  Setüciöroürbigung  wirb  regelmäßig  genügen^ 
um  ben  ©tiemann  gegen  unbillige  S^niwt^ungcn  iu  fd^ügen,  unb  mirb  in 
oielen  fällen  von  fclbft  ba^iu  fiifiren,  bem  ß^emonnc,  mtnn  beRen  angaben 
über  bie  ©rfüUung  feiner  aSermatlungöpflid^t.  nac^  feiner  ^ßerfönli^feit  unb 
hm  fonftigen  Umftänben  beö  galleö  fid&  alö  glaubfiaft  barfteUcn,  nad^  ^a%^ 
gäbe  beö  §  435  ber  6.  ^.  D.  einen  (Sib  aufjuerlegen.  5lbgefe^en  üon  bem  lübccL 
@ef.  ü.  10.  gebruar  1862  entljalten  bie  übrigen  (Sefeftgebungen  in  änfel^ung 
ber  S3en)ciölaft  in  %ä\itix  ber  I)ier  in  Siebe  ftel^enbcn  9lrt  feine  befonbere  S3c? 
ftimmung,  Diclmel^r  laffen  biefelben  cd  in  biefer  IScjie^ung  bei  ben  allgemeinen 
©ruubfäßcn  über  bie  SBerpflii^tung  jur  Sleftitution  beim  ^lie^raud^e  bemenben 
(Dergl.  preufe.  91.  S.  %  II,  1  §§  231,  548—617  Derb,  mit  I,  21  §§  111  ff-, 
132  ff. ;  fäd)f.  ®.  33.  §§  1688,  614;  olbenb.  ®cf.  t).  24.  9lpril  1873  STrt.  5,  13). 
©ine  fpejicUe  Seftimmung  enthält  in  biefer  Mid^tung  iebodj  baö  preug. 
91.  S.  91.  II,  1  §  561  für  ben  galt,  menn  bie  ©fiefrau  t)on  bem  ©bemanne 
ober  beffen  ©rben  megen  nid^t  mef)r  por^anbcner  ober  am  SBert^e  verringerter 
cingebrad^ter  äJlobilien  ©rfafe  Derlangt.  ©in  f old^er  ©rfafeanfprud^  foll  bcr  Ehefrau 
nur  infofern  juftel^en,  ald  bie  SSemid^tung,  93eräu§erung  ober  SSerringerung  burd^ 
Söorfafe  ober  grobeö  SBerfel^en  beö  ©^emanneö  erfolgt  ift.  S)ic  9lbrid&t  biefer 
S3eftimmung  ge^t,  mie  aus  bem  ganjcn  3wföni^fi^^öJi9^  f^d^  ergiebt,  fid^tbar 
ba^in,  inforoeit  bie  ©fiefrau  für  beroeiöpflid^tig  ju  erflären.  gür  eine  berartige 
Seftimmung  läßt  fxd^  geltenb  mad^en,  baß  nad^  ber  9latur  ber  bei  Sa^en  ber 
l^icr  fraglidicn  9lrt  obmaltenben  33erl^ältnijfe  ber  ©bemann  in  Dielen  ^Den 
aUcrbingö  Dollig  außer  ©tanbe  fein  wirb,  über  bie  9lrt,  wie  fold^e  Sad^en 
abfianben  gcfommen  ober  Dcrfd^led^tcrt  fmb,  9luöfunft  ju  ertl^eilen,  unb  eine 
große  SBa^rfdjeinlid^feit  bafür  fprid^t,  baß  ber  SSerluft  ober  bie  S3erfd[|led^tcrung 
in  golge  ber  geroö^nlid&en  9lbnu6ung  eingetreten  ift.  3nbeffen  fonncn  bod^, 
namentlid^  bei  einer  ©^e  Don  furjer  Sauer,  bie  gälle  aud^  umgcfelirt  liegen; 
außerbem  gemalert  baö  ^rinjip  bcr  freien  Seroeiömürbigung  bem  ©bemanne 
auöreidjcnben  ©d^ufe,  fo  baß  cö  bcbenflid^  ift,  bur^  eine  befonbere  SBeftimmung 
t)ier  in  bie  allgemeinen  Seroeiögrunbfäfee  cinjugreifen. 
»eflinn  bcr  ©iuc  aubcrc,  mit  ber  oorfte^enb  erörterten  ^xaq^  im  S^f^mmenl^ange 

*pSt"b"f '  ftcfl^"^^  S^öge  ift  bie,  Don  meldten  SSorauöfefeungen  bcr  ©intritt  bcr  bem  e^c* 
Gijcmannc«.  ntanuc  oblicgcnbcu  SBermaltungöpflid^t,  beren  ©rfüllung  ber  ©l()cmann  nad^ 
Dbigem  bemeifen  muß,  abl()ängt,  ob  inöbefonbere  in  biefer  Sejiel^ung  ber  ®^e* 
frau  ber  S3cn)ciö  obliegt,  baß  fie  bem  ©bemanne  \\)x  SSermögen  übergeben,  ober 
ob  ber  äSeroeiö  genügt,  ha^  unb  meld^eö  SSermogcn  fie  bei  ©ingebung  ber  (S^e 
gel^abt  fiabe.  ®ie  neueren  ®efe§c  enthalten  aud^  in  biefer  ^In^d^t  fpe^ieUe 
^eftimmungen  nid)t.  Sic  preußifd^e  ^ra^iö  \)at  ieboc^,  tocnngleid^  nic^t  o^ne 
erl;eblid^en  SBiberfprud^,  am  ber  Sßorfd^rift  beö  preuß.  91.  S.  SR.  II,  1  §  205 
bie  gcfcfclid^c  SBcrmutt)ung  abgeleitet,  ba^  ber  ©^cmann  allcö  üon  bcr  ©^efrau 
bei  ©ingeliung  ber  ©^e  befcffene  unb  mä^rcnb  berfelbcn  mit  feinem  SBiffen 
erioorbcne  33crmögcn  bcr  ©liefrau  in  feine  SBcrmaltung  überfommen  l[)abe 
(ocrgl.  aud^  ©ntfd^.  b.  9t.  @.  bei  ®nid!)Ot  XXV  ©.  752).  Sa  no^  §  1283 
bie  eljclid^c  9tufenicßung  unb  SBermaltung  mit  ©d^ließung  ber  ©^e  traft  beö 
©cfc^cö  bcgrünbct  mirb,  fo  folgt  barauö,  ba^  mit  biefem  3eitpunfte  auc^  bie  bem 
©t;cmannc  nad^  §  1317  obliegcnbc  aSerroaltungöpflic^t  fröft  beö  Ocfegcö  ein« 


SßcttDaltung  beö  ej&egutc«.    aSorf^riftcn  üBcr  Auftrag.    §  1324.  285 

tritt,  ol^nc  ba%  t&  eines  bcfonbcrcn  Slfteö  ber  3ttation  von  ©eitert  ber  ©^cfrau 
Jcborf.  Auf  ber  anberen  ©eite  oerfte^t  eö  fi6)  ober  von  felbft,  bafe  in  9ln^ 
ft^ung  ber  jum  S^egute  gefiörenben  ©ac^en  eine  S3erantn)ortli(l)feit  beö  Gf)c^ 
monncd  nur  bona  begrünbet  ift,  wenn  er  bie  3nt|abung  jener  ©ad()cn  erlangt 
^t  ober  loenn  eö  il^m  jur  ©d^ulb  anjurec^nen  ift,  bafe  er  bie  3nl^abung  ber^ 
fetten  nid^t  erlangt  §at.  ©otonge  bal^er  bie  ©ad&en  in  ber  3n^abung  ber 
ß^efrau  fid^  befinben,  fann  oon  einer  S3erantn)ortIi(i()feit  beö  ©tjemanncö  feine 
Sehe  fein,  ba  bie  ß^efrau  bem  ©l^emonne  barauö,  bafe  ber  Icfetere  il^r  bie  3n* 
^bung  uberlajfen  \)at,  niemals  einen  SBorrourf  ma^cn  fann.  SBcnn  ba^cr 
bie  g^efrau  von  bem  ©bemanne  bie  3urii(fgabe  oon  ©l^egutöfad^en  ober  ©rfa^ 
fflr  ben  Untergang  ober  bie  SSerfd^lcd^terung  berfelben  forbcrt,  fo  mu§,  ba  in 
Srmangelung  befonberer  Umftänbe  baoon  ansjtigel^en  ift,  bag  bie  @^egutsfad^en 
|ur  3^it  ber  Ginge^ung  ber  ©^e  fid^  in  ber  3nf|abung  ber  ß^efrau  befunbcn 
^ben,  unb  ba  bie  3ti^abung  nid^t  fraft  ©efefces  auf  ben  6f)cmann  übergefjt, 
bie  ß^efrau  nad&roeifcn,  baß  bie  ©ad^en  in  bie  Sn^abung  bcS  ®f;cmanneö  ge« 
langt  ober  in  ben  ^änben  britter  ^ßerfonen  geroefen  finb,  roäfirenb  aföbann 
bem  S^manne  nac^  ben  oben  bargelegten  ©runbfä^en  ber  SBeroeis  obliegt, 
ba|  ber  95erlufi  ober  bie  SBerfd^led^terung  ber  betreffenben  ©ad^en  nid^t  in  einer 
fd^ulbooDen  Slic^terfüUung  feiner  SSerroaltungSpflid^t  fid&  grünbet.  3^  (Sunftcn 
ber  ß^ou  bie  gefefelic^e  SSermutfiung  auf juftellen,  bafe  bie  ©^egutöfad^en  in 
bie  3n^bung  bes  Seemannes  gelangt  finb,  ift  im  ^inblide  auf  bas  ^rinjip 
ber  freien  Semeismürbigung  meber  burd^  ein  Sebürfnife  geboten,  nod^  audj  bei 
ber  SSerfd^ieben^eit  ber  in  Setrad^t  fommenben  SBer^ältniffe  angcmeffcn. 

2,  S^^if^l^öft  fann  es  fein,  ob  es  fid^  empfiehlt,  aud^  ben  jrocitcn  ©afc  *^^*'  ^^ 
bfS  §  591  auf  bie  el^elid^e  SBerroaltung  für  entfpred^enb  anroenbbar  ju  er*     ^'JJjr* 
Hören,    (Ss  lofet  ftd^  bagegcn  geltenb  ma^en,  bafe  bie  im  §  591  ©a^  2  aufi^  ^^^^^f 
flefprod^ne  SBerpflid^tung,  eine  bie  georbnete  3ufömmenftellung  ber  ®iunaf)men 

unb  SfuSfloben  ent^altenbe  unb  mit  33elegen  ücrf eigene  SRed^nung  ju  legen,  ben 
C^ann  ju  ^art  treffe  unb  bem  lefeteren  bie  Erfüllung  bicfer  SBerpflid^tung 
praftifc^  nic^t  möglich  fein  werbe.  Snbeffcn  fpred^en  äl^nlid^e  ©rünbe,  mie 
btejenigen,  meldte  bal^in  geführt  f)abtn,  bie  liier  fraglid^e  Seftimmung  aud^  in 
bem  goUe  bcS  §  1278  äbf.  1  für  cntfpred^enb  anmenbbar  ju  erflären  (oergl. 
bie  SBotiDC  ju  §  1278  oben  ©.  119),  bafür,  aud^  liier  biefetbe  für  cntfpred^enb 
onioenbbar  ju  erflären,  jumal  bie  IJieroorgel^obenen  praftifd^en  Sebenfen  ba- 
burd^  an  ©eroid^t  üerlieren,  bafe  bie  l^ier  fraglid&e  3Serpflid[)tung  Dermöge  ber 
bem  ß^emanne  juftel^enben  elielid^en  9lufenie§ung  fxä)  nur  auf  bie  SSerraaltung 
ber  ©ubftanj  beS  S^eguteS  erftredCt. 

3.  5Durc^  bie  entfpred^enbe  änroenbbarfeit  beö  §  595  wirb  ber  Slnfprud^  ^^^^  »">" 
beö  ß^annes  auf  (grfafe  feiner  auf  baö  ßl^egut  gemad^ten  SBermenbungen  bungcnTuf 
über  bie  in  biefer  JBejie^ung  für  ben  SRiefebrau^  geltenben  unb  burd^  §  1292  ^^^  ^^*ö«t. 
tttt^  auf  bie  e^elic^e  ^lufeniefeung  für  anroenbbar  erflärten  SBorfd^riften  beö 

§  1010  l&inauS  erl^eblid^  erweitert.  ®ö  ift  bieö  eine  Äonfequenj  ber  STrt  unb 
Seife,  loie  nad^  bem  ßntrourfe  (§  1317)  baö  aSerroaltungöred^t  unb  bie  93er* 
mltung^pflid^t  beö  @l|emanneö  geftaltet  ift  (oergl.  bie  allgemeinen  Sßotioe  }u 
§§  1317  ff.  oben  6.  271).  ©aß  bie  meiften  beftel^enben  Siedete  nid^t  fo  weit 
9^,  fonbem  eö  in  Slnfel^ung  beö  3(nfprud^eö  beö  ß^emanneö  auf  (^rfag 


286       aSertoalt.  b.  eßcguteß.  aSorBeJalt  tocgen  b.  ejcltdö.  9lu^nie6un0,  §  1325. 

feiner  SSerroenbungen  im  aSefcntUc^en  bei  ben  ©runbfäfeen  oom  ^licfebraud^e 
bemenbcn  Idffen,  ^ängt  mel^r  ober  n)eniger  mit  ber  ätuffaffung  hed  "SitttoaltunQ^^ 
red^tcö  ate  cincö  potenjirten  ^liefebraud^sre^ted  jufammcn  (üergl.  inöbef.  preufe. 
31.  S.  9t.  II,  1  §§  231,  586  ff.  ocrb.  mit  I,  21  §§  56,  75  ff.,  124  ff.,  1, 13  §§  228, 
234  ff.,  238  ff.,  258  ff.,  262  ff.).  3)aö  olbenb.  ®ef.  o.  24  3Ipril  1873  enthält 
überf)aupt  feine  befonberen  Seftimmungen  über  SBcrroenbungen ;  eö  werben 
bal)er  in  biefer  Sejietjung  nad)  Wct  5  bie  ©runbfäge  über  ben  9ttegbrau(^ 
ate  mafegebenb  anjufe^en  fein.  2)aö  (überf.  ®ef.  o.  10.  gebruar  1862  3lrt.  6, 8, 9 
fd()lie§t  jeben  Slnfprti^  auf  ©rfa^  für  aSerbefferungen  beroegli^er  ©ac^en  au«  unb 
gemährt  nur  einen  3lnfprud^  auf  (grfafc  für  bie  bejaf|lten  üorefielici^en  ©d^ulbcn 
ber  (Sl^efrau  unb  für  bie  beim  SCobe  ber  Ie|teren  erroelölic^  noä)  Dorl^anbcnen 
$erbef[erungen  unbemegli^er  @ad^en.  dagegen  ^at  ba&  fod^f.  ®.  99.,  obmo^t 
na(^  bemfelben  bad  9ted^t  bed  @f|emanned  an  bem  eingebrachten  SSermögen 
ber  (Sl^efrau  im  9lUgcmeinen  nad^  ben  Orunbfäfeen  üom  ^ie§brau^e  beurt^cilt 
mirb  (§§  660,  1655),  biefe  ©runbfäfce  bod^  infofern  mobifijirt,  ate  ber  ®^e* 
monn  nad&  §  1690  für  SSerroenbungen,  meldte  er  auf  bie  jurüdEjugcbcnben 
©egenftänbe  gemad&t  ^at,  {e  nad^bem  bieö  mit  Sluftrag  ober  o^ne  Sluftrag  ber 
®(;efrau  gefd^eEjen  ift,  nad^  ben  über  bie  Oefd^äftsfü^rung  mit  ober  o^ne  S^uf- 
trag  geltenbcn  ©runbföfeen  (§§  1314, 1352)  ©rfafc  forbem  fann. 
Seit  ber  u.  ägegeu  ber  »egrünbung  befi  §  1324  9lbf.  2  wirb  auf  bie  aRotioe 

iiut(^un9  ber  ju  §  1292  obeu  ©.  184  ff.  Se}ug  genommen. 

Vnfprfl<l^e. 

§  1325. 

©er^äitnii  2Rit  JRüdEfid^t  barauf,  ba^  in  bem  (Sefefebuc^c  bie  JJorfd^riften  über  bie 

9iIÄ?nT  ^W^^^  ^lufcniefeung  unb  bie  58orfd^riftcn  über  bie  e^elid^e  aSermaltung  getrennt 

8ur  e^eii<^en  gehalten  fiub,  ift  eö  jur  Sßermeibung  oon  aJlifeoerftänbniffcn  für  rat^fam  er- 

ad^tet,  burdE)  eine  befonbere  SBeftimmung  barauf  J^injumeifen,  ba§  bie  burd^ 

§  1292  auf  bie  e^elid^c  ^IJu^niefeung  für  anmcnbbar  crflärten  SSorfd^riften 

über  ben  9lie§braud&  in  t)erfd^iebenen  SJid^tungen  burd^  baö  SSerroaltungöred^t 

unb  bie  93ermaltungöpflic()t  beß  ©bemanneö  nad)  SKafegabe  ber  §§  1317—1.324 

mobifiiirt  merben  unb  bei  einer  ÄoUifion  bie  legteren  SBorfd^riften  üorgc^en. 

3nn)ien)cit  biefe  SSorfd^riften  mobifijirenb  eingreifen,    lägt  fi^  of)ne  grofee 

.ttafuiftif  bur^  baö  ©efeft  im  ©injelnen  nicf)t  entfc^eiben  unb  !ann  unbebcnHid^ 

ber  2BifIenfd()aft  unb  'ijjrafiß  überlaffen  mcrben  (ücrgl.  inöbef.  §§  991,  994  mit 

§  1317;  §  1002  3[bf.  2,  §  1034  mit  §g  1317,  1318  ')lx.  1,  2  unb  §§  1319—1.321 ; 

§  1010  mit  S  1324  9lbf.  l  unb  §  595). 


().    Sluöübung  ber  cIjclidEicn  üJiu^nicfeung  unb  SiJcrmaltunfl  burc^ 

ben  gefefelid^en  'Vertreter  beä  ßljemanneö. 

§  i:i2(). 

oeitenbed  ^\q  gcmeinred)tUd^e  '^^rapiö  nimmt  ati,  ha^  baö  mit  ber  cl^eUd()en  iBor^ 

^^"^^     munbfd)aft  oerbunbene  gefefelid^e  9iiePrauc|ö^  unb  SSenDaltungßred^t  beö  S^e- 

manueö  mit  bem  3^itpunfte  aufhört,  in  meld^em  ber  (Sl^emonn,  fei  eß  burd^ 

Slbroefen^eit,  ©cifteöfranf^eit  ober  baburd^,  bafe  er  megen  SBcrfd^roenbung  cnt» 


«ugüBung  b.  cK  SRufenieiunö  u.  Scrtoalt.  bur*  ßef cftl.  Scrtret.  §  1 3-26,       287 

münbigt  ift  witfä^iß  wirb,  feinen  ©efd^öften  oorjuflel^en,  weil  jeneö  Siedet  ein 
Sudjlufe  ber  nic^t  übertragbaren  el^elid^en  SJormnnbfd^aft  fei  (oergl.  ©enffert 
XIX,  99,  XXIV,  246,  XXXVU,  125,  XXXVIII,  135).  auf  biefem  ©tanb^ 
puntte  fte^t  aud^  baö  olbenb.  ®ef.  v.  24.  9lpril  1873  3lrt.  12.  ©agegen 
beftimmt  baö  fä^f.  ®.  39.  §  1927,  bafe,  wenn  bem  Pflegebefohlenen  ate  ®^c= 
monn  bie  33erroaltung  unb  ber  9lie§braud&  am  SBcrmögen  feiner  ß^efrau 
auflegt,  ber  SSormunb  auc^  biefeö  SßermBgen  ju  üermalten  f)at  3)cn  ©tanb« 
punh  bcö  fä^f.  ®.  33.  t^eilt  in  ber  ^ier  fraglid^en  33e}ie^ung,  wie  in 
Crmangetung  einer  cntgegenfte^cnben  Seftimmung  unb  mit  Slürffid^t  auf  bcn 
rrd^tlid^en  Äaraftcr  bes  e^emfinnlid^en  JRed^teö  nad^  preufe.  3led^te  anjuneömcn 
ift,  oud^  bad  preug.  91.  fi.  31. 

2)a  nad^  bem  @ntn)urfe  in  ben  im  §  1326  älbf.  1  Doraudgefe|ten  gälten  etonbpunft 
bie  c^üd^e  ^lufeniefeung  unb  SBermaltung  ni^t  fraft  ©efefeeä  becnbigt  wirb  ^„t^uy^^g. 
(wTflL  §  1328  9lr.  3,  4),  fo  muffen  in  \tntn  gällen  bie  bem  "gfiemanne  in 
Snfe^ung  bed  @^eguteö  {uftel^enben  Siedete  unb  obliegenben  ^erpflid^tungen 
tro|  i^red  perfonlic^en  Starafterd  oon  bem  gefeglid^en  SSertreter  bed  @^emanned 
ttufigeübt  werben.  S)ie  bagegen  ju  crl^ebenben  Sebenten  Derlieren  i^re  336=^ 
beutung  boburc^,  ba^  in  ben  mid&tigften  ber  im  §  1326  oorauögefefcten  gälte 
ber  g^efrau  bofi  SRe^t  juftel^t,  jeberjeit  nad)  bcn  SBorfd^riften  beä  §  1328 
9lr.  3,  4  bie  äuf^cbung  tier  e^elid^en  Sluftniefeung  unb  SBermaltung  ju 
oetlangen. 

3)ic  33eftimmung  beö  §  1326  3lbf.  2  bejmedft,  ber  S^efrau,  menn  ftc  Hümxm^ 
fclbft  ium  aSormunbe  il^reö  (g^cmanneö  beftcDt  ift  (§  1729  9lbf.  4),  bie  a»bg^  ^m^umi^ 
lid^feit  {u  gemäl^ren,  bie  jur  SBorna^me  i^rer  SRed^tögefd^äftc  unb  jur  ^l^rung  rechte«  butd^ 
i^er  »ed^töftreittgfeitcn  erforberlid&e  ©inroiUigung  beö  S^emanncö  (§§  1300  «1^^^. 
M*  1303)  ate  aSertreter  bed  Unteren  fid)  felbft  ertl^eilen  ju  fönnen  unb  baburd) 
bie  in  ©rmangelung  einer  befonberen  SSorfd^rift  nad^  ben  SSorfd^riften  beö 
§  1651  9lr.  1  unb  beö  §  1728  in  »erbinbung  mit  bem  §  1738  Sftf.  1  ©afe  1 
^um  ^vsKdc  ber  ©rt^eitung  ber  ©inroittigung  für  ieben  einjelnen  galt  not^^ 
oenbig  roerbenbe  33efteUung  eines  ^ftegerö  entbetirlid^  ju  mad^en.  3n  bem 
wmiuögcfe^ten  §aUe  oon  bem  ©rforberniffe  ber  ©inroiUigung  beö  6()emanncö 
ganj  abjufel^cn,  empfiefilt  fid^  nid^t.  3ebenfaHö  mürbe  bei  biefem  SBegc  bie 
3}efugni|  ber  (S^cfrau,  ofine  bie  fonft  erforberlid^e  ©inmiUigung  beö  ©^emanneö 
Jled^tögcfd^äftc  ooi^unefimcn  unb  SRed^töftreitigfeiten  ju  füfircn,  jum  ©d&u|c 
ber  Siechte  beö  (S^emanneö  auf  fold^e  3lcd^tögefd^äfte  unb  SRed^töftrcitigfeiteu 
bcfd^itft  werben  muffen,  meldEie  bie  JJcrmaltung  beö  ®f)eguteö  betreffen,  unb 
würbe  überbieö  bur^  eine  weitere  39eftimmung  ber  ßl^efrau  bie  3Serpflidj)tung 
oufericgt  werben  muffen,  fold^e  SRed^tögefc^äftc  unb  9ledt)töftrcitigfeiten  ju 
unterlaffen,  wetd^e  jur  orbnungömägigen  SSermaltung  beö  (S^eguteö  nidi)t 
crforberlid^  finb.  Söei  bem  Dom  ©ntwurfc  eingefd^lagenen  5IBege  ergiebt  fid) 
bagegen,  wenn  bie  6^efrau  alö  gefeftlid^er  Sßertreter  beö  ®f)emanneö  bie  6im 
iDiDigung  ert^eilt,  i^re  SSerantwortlid^feit  gegenüber  bem  (g^emanne  uon  felbft 
QUO  ben  gjeftimmungcn  beö  Sßormunbfd&aftöred^teö  (§  1696).  W\t  StüdEfid^t 
auf  biefe  SSerantwortlid^leit  ift  eö  aud^  unbebenfUd),  bie  l^icr  fraglid^e  aSor- 
fd^rift  ni^t  auf  folc^  Med^tögefd^äfte  unb  Sled^töftreitigfeiten  ber  ©^efrau  511 
befc^onfen,  wel^e  bie  SBerwaltung  beö  ®l)eguteö  betreffen,  fonbern  auf  alle 


288         SBcenblöung  bcc  eMici&cn  5ftu6nie§un0  unb  SScnüaltuno.    §  1327. 

SRed^tögcfd^oftc  unb  SRcc^töftrcitigfcitcn  bcrfelbcn,  oud^  auf  fold^c,  tocld^c  bic 
aSerroallung  i^res  aSorbc^altegutefi  betreffen,  auäjubc^nen.  S)iefc  Sluöbe^nung 
empfiehlt  pc^  um  fo  mc^r,  als  baburd^  bie  bie  ©i^er^cit  bcö  SBerfe^rcß  ge* 
fä^rbcnbe  Untcrfd^eibung  in)ifd)en  fold^en  SRcc^ttgef^äftcn  unb  Sied^töftecittg* 
feiten,  roeld^e  auf  bie  aSeriüaltung  beö  ©^cguteö  fid^  bejie^en,  unb  anbcrcn 
SRcd^tögcfd^äftcn  unb  Sled^töftreitigfeiten  ber  ©l^efrau  entbe^rlid^  roirb. 
cinroiuiflunß  Uutcr  bie  Scftimmuug  beö  §  1326  3lbf.  2  ffillt,  o^nc  ba§  e«  in  bicfer 

*"*"eine«  ^  '^^infxd^t  einer  befonberen  SBorfc^rift  bebarf  (cergl.  olbenb.  ®cf.  0.24.  Slpril  1873 

fl^äM  ^^*  ^^  ^  ^^'  ^"^  ^^^  ^^  ^  ^^^^  gebeerte  ©inroilligung  bed  (S^emanncfi  ju 
bem  felbftänbigen  Setriebe  eines  ©rrocrbßgefc^äftes  oon  Seiten  ber  @^efrau. 
SBennglei^  ber  Eintritt  ber  an  biefe  ©inroiUigung  fxd^  fnüpfenben  red^tlicften 
SBirfungen  für  bad  @^.egut  nic^t  baoon  abklängt,  bag  ber  Seemann  ftc^  biefer 
SQSirfungen  als  folgen  feiner  ©inroiHigung  bewußt  geroefcn  ift  (oergL  SRotioe 
}u  §  1307  oben  ©.  241),  fo  ift  bie  fragtid^e  (ginroiUigung  bod^  infofern,  ab 
fie  jum  Qxotät  beö  ®intrittcd  jener  SBirfungen  ertl^eilt  wirb,  ate  ein  Sled^tft^ 
gefd^öft  ober  bod^  ate  eine  analog  ju  beurtl^eilenbe  SRed^tdl^anblung  t)erm5gend« 
red^tlid^er  9latur  anjufelien.  ©elbftüerftänblic^  roirb  jebod^  baburd^,  bafe  bie 
(S^efrau  alö  gefefelid^cr  SBertreter  beö  ®^emanneö  fid&  felbft  bie  l^ier  fraglid^c 
©inroilligung  ert^eilt  IJiat,  baö  IJiod^ft  perfönlid&e,  eine  SSertretung  nid^t  ju« 
laffenbe  SRe^t  beö  ß^emanneö,  auf  @runb  beö  if|m  nad&  §  1273  juftel^enbcn 
©ntfd&eibungöred^teö  ber  ß^efrau  bcn  felbftänbigen  Setrieb  beö  ®rn)erbö* 
gefd^äfteö  ju  untcrfagen,  wenn  ber  Ie|tere  mit  i^ren  auö  ber  el^ielid^en  ©emein« 
fd&aft  gegenüber  bem  ©bemanne  entfpringenben  perfonlid^en  5ßflld^tcn  uuDcreinbar 
ift  (oergl.  bie  aßotiüe  ju  §  1275  oben  S.  107  ff.),  nic^t  berührt. 
«nrocnbunfl  sjuö  bcm  ^riujipe  beö  §  1743  ergiebt  fid),  bafe  baöjcnige,  roas   ber 

^Äaft  §  1326  für  ben  gaU,  wenn  ber  Seemann  unter  SBormunbf^aft  fte^t,  bcjro. 
für  ben  gaU,  rocnn  bic  ©Ijcfrau  jum  SSormunbe  beö  ®^emanneö  befteUt  ift, 
beftimmt,  aud&  auf  bie  5ßf[egfd^aft,  inöbefonbere  aud&  auf  bie  in  ben  §§  1739, 
1740  bejeid^neten  ^ßflegfd^aften,  entfpred^cnbe  3lnn)enbung  finbct. 


7.  Seenbigung  ber  eljieüd^en  Slufeniefeung  unb  JBerroaltungi). 

§  1327. 

«cenbißungs*  ©cr  §  1327  beftimmt  bie  Scenbigungögrünbc  ber  e^elid^ien  Slufeniegung 

«''"''•    unb  aSerroaltung. 
«ufiöfun«  ber  I,   2)a§  bie  cl^elid^e  ^lu^niefeung  unb  SBcrroaltung  mit  ber  9[uf(öfung 

®^'"  ber  Gf)e  beenbigt  mirb,  folgt  auö  bem  Sroedfe  berfelben  (t)ergl.  prcufe.  »•  S.  9*. 
II,  1  §§  614,  732,  743  ff.;  fäd[)f.  0.  83.  §  1687).  SBegen  ber  SBermögcnÄ* 
auöcinanberfe^ung  im  galle  ber  ©d&eibung  üergl.  bie  aJlotioe  ju  §  1452. 

a3erfd)iebene  SRed^te  entl^alten  für  ben  gall  ber  Seenbigung  ber  eJ&elic^n 
gflufeniefeung  unb  SBermaltung  burd^  bcn  SCob  eincö  ber  ©Regatten  wegen  ber 
3luöcinanbcrfcfeung  beö  beiberfeitigen  SJcrmogenö  befonbere  »eftimmungen. 

1)  SBegen  ber  ber  UeBcrfd?rift  im  SEc^te  Betöefügtcn  Slnm.  üergT.  bie  SWoHoc  }um 
§  1295  @.  198. 


iBecnbtgunö  bcr  el&el.  Slu^nicguitfl  unb  aSertoaltuiuj.    §  1327.  289 

1.  3n  cin5clnen  SRed^tögcbieten  tritt  beim  Si^obe  eineö  bcr  (Sfiegattcn,     ®?t«* 
nomcntUd^  im  gallc  beerbter  6f)e,  eine  fog.  Oütergemeinfd^aft  von  SCobcöroegcn  "^on^xlt"!' 
ein  in  bcr  9lrt,  ba%  bic  überlebcnbe  SBittroc  ober  bcr  übericbenbc  Gtjegattc     "'•^sc«. 
überhaupt  eine  Quote  beö  beiberfeitigcn  SSermBgenö  alö  9lbfinbung  für  fein 
'Scrmögen  erhalt.    SJcrartige  Orunbfä^e  gelten  insbefonberc  in  bcr  ficR.  ®mfs 

fdiaft  ©c^aumburg  unb  nod^  bem  SRed^te  ber  Stabt  Dttcrnborf  ju  ©unften 
ber  fiberlebenben  SBittroe  im  goUe  ber  beerbten  ßf)e.  3fad^  onberen  9ied)tcn 
M  bcr  übericbenbc  ©fjegatte  bie  SBal^l,  ob  er  fein  SßermBgen  jurücfncfimcn 
ober  eine  Quote  bed  beiberfeitigcn  35crm5genä  beanfpru^cn  roill,  fö  namcntlid) 
nod^  märf.  ^ßrooinjialrccl^te  unb  bem  9tcd>te  oon  ©d^aucnburgs^olftein.  3lad) 
bcm  märf.  ^ßroüinjialrec^te  ift  baö  2Bal)lrec^t  in  ber  9lrt  mit  bem  (Srbrcd)tc 
bcö  überlebcnben  6(|egattcn  ücrbunben,  bafe  ber  lefetcrc  als  Grbe  beö  uerftorbencn 
f^gotlcn  jur  ^älfte  berufen  mirb,  falls  er  aber  für  bic  9lnnal^mc  bcr 
Grbfc^oft  ftc^  crHärt,  auf  SJerlangcn  bqr  äWiterben  fein  eigencö  SJermogen  in 
bic  &:6fd&aftömaffe  einjuroerfcn  t)crpflic()tct  ift.  2)a  nad^  ben  Scftimmungcn 
beö  ßntiourfcd  (§  1971)  baö  ßrbrcd^t  beö  überlebcnben  ©Regatten  nicl)t  baoon 
abhängig  ift,  bafe  er  fein  eigenes  33crmögen  in  bie  Grbfd^aftsmaffe  cinrairft, 
fo  fonn  nur  in  ?yrage  fommen,  ob  bei  9luflBfung  ber  ®^e  burd)  ben  2:ob  eines 
bcr  (S^egatten  an  ©tcHe  bes  ©fjegutes  eine  Quote  bes  beiberfeitigcn  33crmögeus 
treten  unb  reftituirt  merben  foU.  %iiv  eine  bcrartigc  33cftimmung  läfet  [\ä) 
anfügen,  ba§  baburd^  bic  oft  fd^roierige  unb  peinlidbc  SluScinanbcrfcßung 
rwgen  beS  G^egutcö  oermieben  unb  einer  bcr  SSorjüge  ber  ©ütergemeinfd^aft 
erreicht  wirb.  2)ie  entgegenftef)enben  Orünbc  fiub  icbod)  als  cntfd^iebcn  über- 
löiegenb  ju  erac()tcn.  Sei  ber  58erfd^iebenf)eit  ber  Oröge  bcs  Gf)cgutcS  unb 
bes  3Serf)äUniffeS  beö  Icfctcren  ju  bem  SSermögen  beS  G^emannes  mirb  eine 
Cuote  beö  beiberfeitigcn  SSermogens,  roie  man  bicfclbe  aud^  beftimmen  mag, 
in  bem  einen  gälte  }u  groß,  in  bem  anbcren  gaUe  ju  gering  fein,  um  als 
angemeRener  Grfafe  für  baS  G^egut  ju  crfdöcincn.  2)ic  bamit  möglid^crroeife 
wrbunbenc  93enad^tf)eiligung  beö  überlebcnben  G^egatten  wirb  allcrbingö  oer^ 
mieben,  ©cnn  man  ii)m  bie  9Ba^l  einräumt,  ob  er  fein  aSermögen  jurücfnefimen 
ober  ftatt  beffen  eine  Quote  beö  beiberfeitigcn  Vermögens  bcanfprudlien  mill. 
3Ji(^t  oermieben  wirb  baburd^  aber  bie  mit  einer  fold[)en  Ocftaltung  unter 
llmftanben  ücrbunbcne  fd^merc  S3enad^tl^eiligung  ber  Grben  beS  oerftorbenen 
e^egatten.  SRed^tfertigen  liefec  fid^  eine  fog.  OütcrgcmcinfdEiaft  üon  S^obesrocgcn 
bo^  nur  burd^  biefelben  Orünbe,  meldte  fid^  für  bie  allgemeine  (Sütergemein^ 
fc^oft  onfü^ren  laffcn.  S)iefe  Orünbe  fül)rcn  aber  n?citer.  Gr!ennt  man  biefelben 
ato  burd^fcijlagenb  an,  fo  ift  es  eine  ^albl^cit,  bie  ®ütergcmeinfd)aft  nur  beim 
Jobe  eines  ber  G^cgatten  unb  nid^t  fd^on  bei  Scbjeiten  bcrfclben  eintreten  ju 
löffen.  Segen  bas  ©pftem  ber  ©ütergemcinfd^aft  üon  S^obcSiocgcn  fpri^t  aud^ 
Me  gefc^ic^tlid^e  Gntmidfelung.  OTen  neueren  auf  bem  SBobcn  ber  SScrroaltungS* 
gemeinfc^aft  fteldenben  Siedeten,  insbefonbcrc  bem  prcufe.  91.  2.  9?.,  bem  fäd^f. 
®.  ©.,  ben  meiften  tl^üring.  Grbfolgegcfc^en,  bem  olbcnb.  ©cf.  o.  24.  9tpril 
1873  unb  bcm  lüb.  ®ef.  v.  10.  gebruar  1862,  ift  basfelbe  unbcfannt.  uebema^me 

2.  3lad)  bem  prcufe.  91.  ß.  SR.  II,  1  §§  570  ff.  ftcl)t  bcm  überlebcnben  ®t)c*  Xattm 
monne  bic  3&af)l  ju,  ob  er  bie  eingebrad^ten  ©runbftürfc  unb  ©cred^tigfeiten  in  ®^""*'^5!n* 
5latur  jururfgeben  ober  beren  SBcrt^  erfefeen  roill.    Gs  lä^t  fid^  nid^t  oerfennen,   Q^mann. 

m&üat  i.  Mkcfirt  Ocfe|ta<9.  IV.  19 


290  Seenbiöung  bcr  ejel.  5ßujjnlcBimg  unb  aSenDaltung.    §  1327. 

ba§  mit  einer  fold&en  SBorfd^rift  nid^t  gering  anjufd^Iogcnbe  SBortl^eife  ocrbunbcn 
ftnb.  2)ie  terroidfelten  unb  foftfpieligen  ©treitigfeiten,  roeld^e  ni^t  fetten  über 
bie  SSerbefferung  ober  SSerfc^Ied^terung  ber  eingebrad^tcn  (Srunbftücfe  unb  ben 
bafür  ju  leiftenben  (grfafe  entftel^en,  werben  baburd^,  xotnn  nid^t  abgefc^nitten, 
fo  hoä)  Derminbert.  SBenn  ber  ß^emonn  feine  ganje  Äraft  ber  Seroirt^« 
fd^aftung  unb  SSerbefferung  ber  cingebrad^ten  ©runbftüdEc  geroibmet  unb  barin 
feinen  Sebenöberuf  gefunben  \)at,  fo  fann  eö  für  benfelben  I)art  fein,  rocnn  er 
burd^  ben  S^ob  ber  ®I)efrau  in  bie  Siotfiroenbigfeit  oerfefet  wirb,  ben  ©egen? 
ftanb  feiner  S^Iiötigfeit  unb  feineö  Serufeö  aufjugeben  unb  fic^  mit  einem 
unfidEieren  unb  fdEiroer  ju  erroeifcnben  Slnfprud^e  auf  6rfa|  ber  gemod^ten  SSer- 
befferungen  ju  begnügen.  ®r  wirb  bei  einer  fold&en  9luöfid&t  naturgcmöi 
einen  oiel  geringeren  Slntrieb  l^aben,  bie  (Srunbftürfc  in  gutem  ©tanbc  ju 
erfialten  unb  }u  Dcrbeffern,  als  wenn  er  bie  Oeioi^^eit  I)at,  fie  bebalten  ju 
fönnen.  3KitteIbar  bient  ba^er  eine  Seftimmung,  wie  bie  bed  preu^.  91.  S.  91., 
nid&t  nur  bem  3ntereffe  beö  @f)emanneß,  fonbern  aucf)  bem  Sntereffe  einer 
guten  Sanbesfultur.  3lUen  biefen  ©rroägungen  ftel)t  inbeffen  baö  redjtlid^c 
Sntereffe  ber  (S^efrau,  il^re  ©runbftüdte  i^rer  gamilie  jU  erhalten,  forocit  bicö 
mit  ben  erbred^tlid&en  Orunbfä^en  vereinbar  ift,  entfd&eibenb  gegenüber.  ®ine 
Sd^mälerung  ber  5Re.£l)te  ber  ©fjefrau  auf  bie  jum  ©fiegute  gel)örenben  (Srunb* 
ftüdfe  fraft  ©efefeeä  eintreten  ju  laffen,  ift  um  fo  bebenflid^er,  alö  gerabc  beim 
(Srunbeigentl)ume  bie  S^enbenj,  baöfelbe  in  bcr  gamilie  ju  ert)altcn,  minbcftenö 
in  ben  WnblidEien  Rreifen,  weit  verbreitet  unb  tief  eingerourjett  ift. 
Stimntt  ber  3.    9lbn)eidE)enb  t)on  bem  röm.  SledEftc,   nad)  meld^em  ber  G^emann 

h^^^^^^iM^^Q^^^^  ^^^  unförperlid^e  2)otaIgcgenftänbe  erft  ein  ^äf)x  md)  93ecnbigung 
ber  e^e  ber  ®^efrau  ^erauöäugeben  oerpflid^tet  ift,  aber  in  Ucbereinftimmung 
mit  ben  auf  bem  33oben  ber  ^Jermaltungögemeinfd^aft  ftef)enben  neueren  ®efe|en 
(oergt.  preufe.  91.  S.  91.  II,  1  §§  548  ff.,  559  ff.,  570  ff.,  614  ff.;  föd&f.  ©.  ». 
§  1688;  olbenb.  @ef.  ü.  24.  9lpril  1873  9lrt.  12;  lüb.  Oef,  o.  10.  gebruar  1862 
9lrt.  2,  11)  geEjt  ber  ®ntn)urf  baoon  auö,  ba^  bie  3wrüdEgabe  beö  ©^eguted 
fofort  naä)  ber  Seenbigung  ber  ß^e  ju  erfolgen  ^at  (üergl.  §  1292  mit  §  1007, 
§  1324  9lbf.  1  mit  §  592).  ©ine  9luönal^me  von  biefem  Orunbfafee  \)at  ber 
©ntrourf  aud^  infomeit  nidEit  gemad^t,  alß  ber  (Sficmann  jur  ©rfüUung  einer 
gegenüber  ber  ©^cfrau  i{)m  obliegenben  SBerbinblid^feit  wegen  bcr  e^elidben 
^lugniefeung  unb  SSermaltung  erft  nad^  bereu  Seenbigung  oerpflid^tet  ift  (ücrgl. 
§§  1294,  1295).  es  laffen  [xä)  aUerbingö  Silligleitögrünbc  bafür  anführen, 
bie  SBerpPid^tung  jur  Erfüllung  berartiger  SBerbinblid^feiten  für  ben  fsaJi, 
menn  bie  el;elid&e  9Ju|nie6ung  unb  SJermaltung  burd^  htn  Si^ob  eined  e^e^ 
gatten  beenbigt  mirb,  erft  na^  9lblauf  einer  beftimmten  grift  feit  bem  2:obe 
eintreten  ju  laffen,  bem  ®^emanne  ober  beffen  ©rben  aber  in  einem  fold^cn 
galle  bie  33erpf[ic^tung  aufjuerlegen,  ben  fd^ulbigen  Setrag  oom  S^agc  bcö 
S^obeö  an  }u  oerjinfen.  ©iS  fann  eine  ^ärte  barin  liegen,  menn  ber  ©bemann 
fofort  mä)  bem  2^obe  feiner  @f)efrau,  alfo  mit  bem  ©intrittc  eines  (Srcigniffe^, 
meld^eö  üorauöjufcl^en  er  t)ieUeid^t  üöUig  au^er  ©taube  mar,  bie  (Selber, 
meldte  er  in  feinem  ©cfd^äfte  angelegt  ober  fonft  für  fid&  Dermenbet  ^at,  fofort 
flüffig  ä«  mad^en  unb  ben  ©rben  bcr  ©Ijefrau  ausjujaf)len  üerpffidEitct  ift. 
9le^ulidj)  liegt  bie  ©ad^e,  rocnn  ber  ©Iiemann  juerft  t)erftirbt,  in  9[nfebung  feiner 


Scenbißung  ber  ejcl.  Stutintcßunfl  «nb  SSertoaltung.    §  1327. 


291 


©rben.  Auf  ©rroägungcn  biefer  9lrt  wirb  anä)  bic  befonberc  33cftimmung  beö 
preuft.  3[,  S,  31.  n,  1  §  549  bcruljen,  ba^  bic  ®^efrau  ober  bereu  ©rbeu  bic 
Serjinfuug  uur  nad^  äblauf  be§ieuigcu  Quartalcö  forbcru  föuucu,  iu  rocld^cm 
bie  Jrenuuug  ber  G^c  bur^  beu  ^ob  erfolgt  ift.  2)ie  l^eri)orgef)o6cueu 
SiDigfciiörüdfjid^tcu  fiub  iubcffeu  n\d)t  alö  auörcid^eub  }U  crad^teu,  um  in  ber 
^ier  fraglichen  Slic^tung  iu  ©unften  beö  ®^eniQnneö  ober  bcffcn  ßrben  eine 
Sbioeid^ung  oon  ber  3legcl  ju  red^tfertigen,  jumol  eine  berartige  S3cgünftigung 
auf  ber  anberen  ©eitc  unter  Umflänbcn  für  bie  (gficfrau  brücfenb  fein  fann. 
IL  3la6)  bem  SBorgange  ber  meiften  ©cfefee  geftel^t  ber  ©ntrourf  einer 
Trennung  ber  G^egatten  oon  2;ifd^  unb  83ett  einen  ©influfe  auf  bie  efjelid^e 
3Iu|nie§ung  unb  SSerroattung  nid^t  ju  (ocrgl.  §§  1444,  1459—1461).  ®en 
®runben  ber  SiUigfeit  gegen  bic  (S^efrau,  roeld^c  für  bie  entgegengefcfetc  Sc* 
flitnmung  beö  olbenb.  ®ef.  t).  24.  3lpri[  1873  9lrt.  11  geltenb  gemacht  roerben 
fonnen,  fte^en  eben  fo  geroici^tige  ©rünbe  ber  Silligfcit  gegen  bcn  ©f^cmann  gegen- 
über. 3"^^"^  würbe  ber  prot)iforifd&e  Äaralter,  roeld^cn  bie  2^rennung  oon 
Jifc^l  unb  23ett  i^rem  S^cd^  naä)  behalten  mufe,  beeinträchtigt  werben,  wenn 
loic^tige  uermogcnöred^tlid^e  golgen  baran  gefnüpft  roürben.  6in  93ebürfni§ 
ift  pom  Stanbpunfte  beö  ©ntrourfeö  aus  in  biefer  Slid^tung  um  fo  meniger 
öor^anben,  als  nad^  §  1289  ber  t)on  ber  ®^efrau  burd^  eine  felbftänbigc 
2^tigfeit  gemad^te  @rmerb  bem  ^orbe^altdgute  pfällt. 

III.  Unter  bcn  Seenbigungögrünben  ber  e^clid^cn  9lu6nie§ung  unb 
?5erroaltung  ift  bie  Ungültigfeitöerflärung  einer  nid^tigen  ober  anfed^tbaren 
6^  ni^t  mit  aufgeführt,  ba  burd^  eine  fold&e  Ungültigfcitöcrflärung  bie  e^e^ 
Kdje  SJuftitiefeung  unb  33em)altung  nid^t  beenbigt,  fonbern  feftgeftcDt  wirb, 
baj  bie  ®^e  unb  mitfjin  aud&  bie  e^elid^e  3iugnie6ung  unb  SBerroaltung  nie 
beflanben  f)at  (§§  1252,  1260).  gür  bie  SScrmögenöauöeinanbcrfefeung  finb 
in  bicfem  galle  neben  bcn  befonberen  SBeftimmungen  ber  §§  1258,  1270  bie 
ollgemeinen  ©runbfäge  über  bie  SBinbifation  unb  bic  Äonbiftionen,  foroie  über 
bcn  Auftrag  unb  bie  ®cfd&äftöfüf)rung  ofine  Sluftrog  mafegebcnb.  9luf  bem* 
fetten  »oben  fte^t  im  ^ringipe  aud^  baö  preufe.  31.  ß.  SR.  H,  1  §  952.  »e* 
fonbere  Scftimmungen,  mie  fie  banebcn  im  31.  S.  5R.  II,  1  §§  953—959  p^ 
finben,  ftnb  burd^  ein  Sebürfnig  nid^t  geboten.  ®ie  übrigen  neueren  Oefcg* 
gebungen  enthalten  in  ber  ^ier  fraglid^cn  Sejie{)ung  ebenfalls  feine  Slbroeid^ungcn 
Don  ben  auö  ben  allgemeinen  ©nmbfäfccn  fid^  ergebenben  Eonfepucnjen. 

IV.  aSkgen  ber  SBegrünbung  beö  §  1327  3lx.  2  mirb  auf  bic  SWotiüc 
JU  §  1328  Sejug  genommen. 

V.  SEBelc^en  ©influfe  naä)  bcn  befte^enben  Siedeten  bie  ©roffnung  beö 
Äonfurfeö  über  baö  SBcrmögcn  beö  ®f)emanneö  auf  bie  cl^elid&c  3Jufenic§ung 
«nb  Serroaltung  I|at,  ift  beö  3ufammenf)angeö  roegen  bercitö  bei  Octegenl^cit 
ber  »egrünbung  beö  §  1298  bargelcgt  roorben  (ücrgl.  bic  SWotiDC  ju  §§  1298, 1299 
oben  ©.  211  ff.).  ®a  nad^  bem  §  1298  bie  Siedete,  meldte  burd)  bic  c^elid^c 
Suftniefeung  an  ben  ju  bem  ©Ijegutc  gePrenben  ®egcnftänben  für  ben  ®^e* 
mann  begrünbet  finb,  ber  ^fänbung  nid^t  unterliegen,  fo  mürben  jene  9ted^tc 
nebji  ben  auf  Orunb  ber  eficlid&cn  Slufenicfeung  crft  nad&  ber  ©röffnung  beö 
Äonhirfcö  von  bem  6f|emanne  ermorbcnen  grüdjtcn,  aud^  mcnn  bie  c^clid^e 
^lu^niefeung  unb  SBcrmaltung  burd^  bie  Gröffnung  beö  Äon!urfcö  über  baö 

19  • 


3eitn>e{Iige 
Trennung  oon 


Ungültig« 

fettAerUSrung 

ber  fifft. 


aufdebung 
bun^ 

Urt^eil. 

JtonturB  be§ 
G^emannei). 


N 


292  Seenbifluufl  ber  cl^cl.  5yiu^nie§un0  unb  Scnualtung.    §  13*27. 

SScrmögen  beö  ®^cmanncö  \üä)t  beenbißt  tücrbcu  roürbc,  nid&t  Scftanbt^cit  bcc 
Äonfurömoffe  rocrbcn  (ücrgl.  §  1  9lbf.  1  bcr  Ronl  D.).    ^ingcfe^cn  auf  bic 
©laubiger  bcö  ©()emanncs  würbe  boljer  ber  ®f)efrau  aus  ber  gortbauer  bcr 
cf)elid5en  ^lufeniegung  unb  SScriüaltung  eine  ©efäljrbung  nic^t  bro^en,  jumal 
fic  nad^  §  1309  9ir.  3  aud^  im  Konfurfe  über  bas  aSermögen  beö  e^emanneft 
iljre  e^egutöred^lc  felbftänbig  geltenb  5u  mad^en  bered^tigt  fein  TOÜrbe.    ©nt;' 
f(^eibenb  für  ben  Stanbpunft  beö  ßntrourfeö,  \>a^  bie  el)elid^e  Stu^nicfeung 
unb  SSerroaltung  burd^  bie  Gröffnung  beö  Äonfurfeö  üler  baö  5Bermogen  bcd 
ef)emanned  beenbigt  werben  foU  (§  1327  3Jr.  3),  ift  bagegen  bie  ticfeingrcifenbe 
SBcrönberung  in  ber  roirtlrfd^aftUd^eu  üage  beö  ©f)emanneä,  welche  bur^  bie 
gröffnung  beö  Äonfurfeö  über  fein  3Sermögcn  I)erbeigefül^rt  wirb.    üMit  StücE- 
fid^t  barauf  fann  cö  bcr  G^efrau  nid^t  jugemutt)et  werben,  ein  in  fold^cm 
SKaf^c  auf  perföntid^eö  SScrtrauen  gegrünbeteö  9Serl)äItni6,  wie  baö  ber  e^clidEien 
Shifeniefeung  unb  93crwattuug,  gegen  i[)rcn  SBillen  fortbefteficn  ju  Iaf|cn.    ^n 
ber  großen  3Kel}räaI)t  bcr  göHe  würbe  bie  Gbefrau,  wenn  fie  bei  Gingcfjung 
ber  Gl)e  ben  Gintritt  beö  Äonfurfeö  über  baö  SJermogen  beö  G^emanneö 
üorauögefefjen  I)ätte,  bic  9luöfdE)Iie6ung  beö  gcfe^Iid^en  ©üterred^teö  burd^  Gbe« 
Dcrtrag  (§  1333)  auöbcbungen  l^aben.     3^r  bie  greibeit  ber  Gntfc^liegung 
wicberiugeben,  wenn  ber  Äonfurö  wirflid^  eintritt,  ift  eine  gorberung  ber 
SSilligfeit  unb  entfprid[)t  aud^  burd^auö  ben  allgenieinen  ©runbfägen,  rocid&e 
bie  SBirfung   beö  Honlurfeö  auf   aScrbältniffe  bcftimmen,   bie  in  ä^nlid^er 
9lrt,  wie  baö  SSerböItnife  bcr  ef)efid^cn  Sliu^nicfeung  unb  SBerwaltung,   mit 
SRüdfid^t  auf  pcrföntid^cö  SSertraucn  unb  bie  ganje  wirtl^fd)aftlid^e  Sage  ber 
93ctl)ciligtcn,  wie  j.  S.  ®efcllfd^aftöüerl)ältniffe  (§  653),  eingegangen  fmb.    3Iuf 
ber  anberen  ©citc  fann  barin  aucf)  eine  unbillige  S8cnad)t[)eiligung  beö  G^e* 
manncö  felbft  bann  nid^t  gefunben  werben,  xomn  ber  Äonfurö  fein  ooix  ibm 
rerfd^ulbctcr  ift,  jumat  if)m  bie  G^efrau  nad^  Seenbigung  ber  e^elid^cn  3ln^ 
niefeung  nad^  SKafegabe  beö  §  1339  einen  angemeRenen  Seitrag  jur  Seftreitung 
ber  eljclid^en  Saften  ju  gewä[)ren  oerpftid^tet  ift  (oergl.  §  1330).    aJlit  bcm 
Gntwurfe  ftimmcn,  fooiel  ben  I)ier  fraglid^en  93eenbigungögrunb  betrifft,  bic 
olbcnb.  ®cfe|c  o.  2.  9lpril  1879  9lrt.  35  unb  ü.  10.  Sttpril  1879  Slrt.  52 
überein  unb  a\x6)  bie  Seftimmungen  beö  preufe.  31.  ii.  91.  II,  1   §§  258, 
261-  -263  füf)rcn  in  bcr  2RcI)rjal)l  ber  gälle  praftifd^  im  gOSefentUc^cn   ju 
bemfelbcn  5WcfuItate. 

SBäbrcnb  nad^  ben  angefübrten  93eftimmungen  beö  preufe.  21.  S,  91,  bic 
ebelid^e  ^lufeniefeung  unb  SBerwaltung  burd&  bie  Gröffnung  beö  Äonfurfeö  über 
baö  Vermögen  beö  Gbemanncö  an  fid&  nic^t  berührt  unb  tjon  bcm  ^onfurö^ 
Verwalter  auögeübt  wirb,  fo  lange  nid^t  bie  Gbefrau  nad^  ÜKafegabc  bcft 
§  258  II,  1  üon  bem  Siedete,  ba^  eingebrad^te  aSermögen  äurüdfjuforbcm, 
©ebraud^  mad^t,  tritt  nad&  bem  Gntwurfe  (§  1327  9lr.  3)  in  Uebereinftimmung 
mit  ben  olbenb.  ©efc^en  bie  93eenbigung  ber  el)etid^en  Jlufcniefeung  unb  aScr* 
waltung  in  bem  f)icr  fraglid^en  galle  von  SWcd&töwegen  ein.  Gö  bient  bicft 
}ur  SJcreinfa^ung  ber  äScrbältniffe  unb  erfpart  ber  Gl)efrau  bie  Äoften,  roeld^ 
ein  befonbcreö  SJcrfafircn  über  bie  Scenbigung  ber  ef|elid()en  Jluftniefeung  unb 
3Serwaltung  auf  9Intrag  ber  Gbefrau  oeranlaffen  würbe.  9lürffid&ten  praftifd^er 
Swccfmäfeigfcit  fprcd^cn  aber  bafür,  bie  Seenbigung  erft  mit  ber  Med&töfraft 


SBeenbigung  bcr  c5cl.  9lu^mc§un0  unb  Senraltuiig.    §  1 327.  293 

beä  Sefdfttuffe«,  burc^  rocld^en  bcr  Äonfurö  über  boö  SBcrmögcn  bcö  6()emQnncö 
eröffnet  wirb,  eintreten  ju  laffen.  Gö  werben  babiird^  bic  Uebclftänbe  imb 
Öcfo^ren  üermicben,  rocld^e  [x6)  ergeben,  wenn  bie  Seenbigung  fd^on  an  ben 
Groffnungöbefd^tufe  jelbft  gefnüpft,  fpäter  aber  ber  Icftterc  raieber  aufge!)oben 
wirb,  ainbererfeits  fonnen  aus  ber  ^ortbauer  ber  el)elid^en  ^lufeniefeung  unb 
Smoaltung  biö  jur  Sled^töfraft  beö  Groffnungöbefd^Iiiffeö,  iroßbcm  mit  ber 
erlQjfung  beö  Icfttercn  bie  SBßirfungen  bes  Äonfurfeö  eintreten,  praftifc^e 
S<6n)ierigfcitcn  nic^t  cntfte^en,  ba  nad)  §  1298  beß  Gniro.  Derb,  mit  §  1  9lbf.  1 
ber  Äonf.  D.  bie  Siedete,  TOcIc^e  burd^  bie  el^elic^e  ^luftniefeung  an  ben  jum 
ff^ute  gc^örenben  (Segenftänbcn  begrünbct  finb,  nebft  ben  auf  Orunb-  jener 
Sollte  von  bcm  ©bemanne  nad^  ber  ©röffnung  beö  Äonfurfeö  erworbenen 
3rii(^ten  nic^t  jur  Äonfurömaffc  geprcn. 

VI.   Ucber  bie  SBirfungen  ber  2^obeöerHärung  auf  bie  el)elirf)e  5Ju^     xobc«* 
nic§ung  unb  SSerroaltung  ent[)altcn  bie  neueren  ©efe^gcbungen  feine  befonberen   ^^"*™"<* 
Sejlimmungcn. 

Jür  ben  gaU,  ba§  bic  @l)efrau  für  tobt  erflört  ift,  liegt  baß  Sebürfnife 
befonbercr  öeftimmungeti  in  ber  l)ier  fraglichen  SRid^tung  iebenfallö  nid^t  t)or. 
6ö  genügen  inforoeit  bie  aflgemcincn  ©runbfäfee,  inöbefonberc  ber  Orunbfag 
bcö  §  21  9[bf.  1.  3w^if^IÖöft  fann  ed  fein,  ob  nid^t  bie  allgemeinen  ©runb- 
föje  and)  für  ben  galt,  bafe  ber  @{)emann  für  tobt  erffärt  ift,  auöreid^en  be« 
würben.  iDlan  fann  fic^  bafür  auf  baö  geltenbc  3led)t  berufen  unb  weiter  c^'J"^»«««"*»- 
gcltenb  moc^cn,  eß  fönne,  foüicl  ben  ©d^u^  gutgläubiger  dritter  betrifft, 
rotli^  fic^  im  SSertrauen  auf  bie  burd)  bic  ^^obeßerflärung  bcgrüubcte  SJer* 
mmbting  auf  Sted^tögefd^äfte  mit  ber  G^cfrau  in  Slnfefiung  beö  Gljcgutcö  ein* 
gclcfien  fjaben,  barauf  vertraut  werben,  bafe  SBiffeufd^aft  unb  5ßraf iö  baö  bem 
§  2090  }u  ®runbe  Uegenbe  ^^Jrinjip  im  SBegc  ber  Slnalogie  aucb  auf  ben 
hier  fraglichen  gall  anmcnben  roerbe.  3luf  ber  anbercn  ©eite  fommt  jebod^ 
in  8ctrad)t,  t>a%  ben  Ijier  in  9lebe  ftetienben  fragen  immerl)in  eine  geroiffe 
?raftif(^e  2Bic^tigfeit  nid^t  absufpred)en  ift,  bafe  ferner  bie  analoge  2(nn)cnb= 
borfeit  beö  §  2090  auf  ben  t)ier  fraglid^en  ^all  ftd)  bcftreiten  täfet,  aber  aud), 
obflcfcl)en  baüon,  auö  bcr  SKnmenbung  ber  allgemeinen  (Srunbfä^e  über  bie 
Sirfung  bcr  S^obcöerflärung  üielfad^e  SScrroidfelungcn  ftd)  ergeben,  wenn  ber 
für  tobt  erflärtc  Gl)cmann  bemnäd^ft  äurüdfelirt  ober  nad^geroiefen  wirb,  ba^ 
er  erft  nad^  ber  2'obcöcrflärung  geftorben  ift.  S)iefer  le^tere  ®efic^töpunft 
\pt'uifi  bafür,  fic^  nid^t  bloö  auf  eine  33eftimmung  jum  Sd^ufee  bcö  guten 
(^loubcnö  Xrittcr  ju  befd^rönfen,  meldte  nad^  ber  2:obcßerflärung  fxd^  mit  ber 
Sbefrau  auf  9led^tögefd^äftc  unb  9led)töftreitigfeitcn  cingetaffen  l)aben,  Jonbern 
mit  bcr  ©rtaflung  bcö  Urtöciteö,  burc^  meld)e6  ber  ©bemann  für  tobt  crflärt 
ifk,  bic  Sccnbigung  bcr  c^ctid^cn  SJugniefeung  unb  SJermattung  eintreten  ju 
lüjfcn.  Sicfc  9(bmcic^ung  t)on  bcr  SRcgct  beö  §  21  9lbf.  l  läfet  fic^  aber  aud) 
prinjipicH  ©on  bcm  ©cfic^töpunfte  auö  re^tfertigen,  ba§  bie  el)elid)e  9iufe:j 
nicjung  unb  93crwaltung  ein  Äorrelat  bcr  bem  ®l)emanne  obliegenben  ^flid)ten 
bilbet,  roclt^c  er  im  galle  ber  Sßerfc^ollcnficit  nid^t  erfüllt.  9luf  älinlid)en  Gr- 
wägungen  beruht  bic  Scftimmung  bcö  §  1328  9tr.  3,  ba^  bie  G()cfrau  bie 
lufbcbung  ber  cbctid^cn  3?u^nic6ung  unb  aSerroaltung  fogar  fd)on  bann  ju 
iwrUmgcn  berechtigt  fein  foH,  wenn  ein  Slbroefcnlicitöpflcger  für  ben  Gt^emann 


294  Secnbiflung  bcr  e^cl.  SRufemcßung  unb  SScrtoaltung.    §  1327. 

bc)Mt  unb  eine  9luöftd^t  auf  botbigc  3luf^cbung  bcr  5ßPegfd^aft  ni^t  Dor^anfacn 
ift.  I)em  Sntereffe  beß  ß^emanneö  roirb  in  Quärcid^enbcm  SKafec  boburd^ 
9led()nung  getragen,  bafe  er,  roenn  er  jurüdffel^rt  unb  bic  ®^c  nid^t  etwa  in 
anberer  5Krt,  fei  eö  burd^  ®ingcl^ung  einer  anberen  (Sf|e  von  (Seiten  ber  (S^cfrau 
(§  1464)  ober  burd^  ben  ^ob  ber  legieren,  aufgelöft  ift,  nad^  aKofegabe  bcr 
§§  1331, 1332  bie  8BieberI)crfteflung  ber  ef)eHc^en  9lu|niefeung  unb  aSerroaltung 
ju  ücrlangen  bered^tigt  ift.  3luf  biefem  SGBege  wirb  baö  l^ier  in  SRcbe  fte^cnbe 
SBerl^ältnife  in  einer  einfa^en  3lrt  unb  für  bie  meiften  gäfle  ol^ne  jebc  ^örte 
geregelt.  2)icfe  9lrt  ber  Siegelung  bietet  inöbefonbcre  aud^  ben  nid^t  ju  untere 
fd^äfecnben  aSortl^eil,  bafe  für  ben  ©runbbud^ücrfe^r  eine  Marc  gefeglic^e  SBor* 
fd^rift  geroonnen  wirb  unb  fonft  etwa  nötl^ig  racrbenbe  tünftttd^e  SSorf^riftcn 
ber  ©runbbuddorbnung  entbe]^rlid[)  roerben,  burd^  TOcIdie  ber  ß^efrau  grunbbud^ 
mäßige.  SBerfügungen  ermöglid^t  roerben  müßten. 
anfec^tuufl  ©ine  befonbere  gefeglid^e  (Sntfd^eibung  ber  groge,  roeld^en  ®influ§  c8 

^«Sutfl.'  ö^f  ^i^  efielid^e  ^ßugniefeung  unb  SSerroaltung  f)at,  wenn  bie  S^obcöerflörung 
in  golge  einer  Slnfed^tungfillage  aufgehoben  roirb,  ift  bei  ber  großen  ©cltcn^cit 
beö  galleö  nid^t  als  geboten  ju  erad^ten,  fonbern  !ann  an  bcr  §anb  bcr 
allgemeinen  ©runbfäte,  inöbefonbere  beö  §  22,  füglid&  bcr  3uriäprubcnä  über« 
laffcn  werben. 
"e"T^*  ®benfon)enig  ift  ein  Sebürfnife  oor^anben,  ben  gaU  befonberä  ju  bcrüct 

urfunbe.  fiditigen,  wenn  ber  auf  ©runb  einer  falfd^en,  b.  i).  materiell  unrid^tigcn 
©terbeurfunbc  für  tobt  gel^altenc  (Seemann  nod^  lebt  ober  ju  einer  fpätcren 
3cit,  als  ber  angenommenen,  ücrftorben  ift,  ba  gällc  bcr  Slrt  feiten  jinb. 
®ine  ©leic^ftellung  biefes  gaUefi  mit  bem  bcr  2:obcöcrfIärung  mürbe  aud^ 
fd^on  aus  bem  (Srunbe  m6)i  angängig  fein,  mcU  bic  Eintragung  in  baä 
©tcrbercgifter  bejro.  bie  aiuöftcHung  beS  Sterbeattefteö  nid)t  mit  ä^nlid^en 
Äautelen  umgeben  ift,  mic  bie  gerid&tlid^e  SCobcäcrKörung  im  Sntcrcffc  beö 
aSerfd^oUenen. 
Beenbiguna  VII.  2)ic  S^föffigfcit  ciucr  93eenbigung  ber  el&clid&en  Slufeniefeung  unb 

*^  »ertror  SScrroaltuug  h\ix6)  ©lieocrtrag  (§.  1327  9ir.  4)  ergiebt  fid&  aus  bem  im  §  1333 
ancrfannten  (Srunbfafee  bcr  aScrtragSfreil&eit  ber  ©Regatten.  2)ic  ©rünbc,  aus 
meldten  ber  ©ntmurf  oon  biefem  ©runbfafee  aud^  mä^rcnb  bcfteljenbcr  6^e 
feine  2luSnaf)me  mad^t,  fxnb  in  ben  aWotiücn  ju  §  1333  bargelegt,  ©in  fotd^cr  bic 
Seenbigung  ber  c{)clid^en  JJugniefeung  unb  Jierroaltung  bcftimmenber  ©^cocrtrag 
unterliegt  ju  Ounften  ber  ©Idubigcr  bcs  ©l^emannes  bcr  3lnfcc^tung  nad^  9Ka§gabc 
bes  §  25  3lx.  2  bcr  Äonf.  D.  unb  bcs  §  3  5ßr.  4  bcs  SR.  ®cf.  v.  21.  3uU  1879. 
S)ieS  gilt  nid^t  nur  in  9lnfel)ung  bcr  auf  ©runb  eines  fold^cn  ©^CDcrtragcö 
erfolgten  ©rfüUung  bericnigen  SBcrbinblid^feiten,  meldte  ber  ©Ijemann  toegen 
bcr  c^elid^cn  ^Rugniefeung  unb  SJcrmaltung  crft  nad^  bcrcn  Secnbigung  ju  er^ 
füHcn  ücrpflid^tct  ift  (ücrgl.  §§  1294,  1295  nebft  aWotiDcn  ju  §  1295  oben 
@.  198),  fonbern  aud&  in  9lnfel)ung  bcr  auf  ®runb  beö  ©^coertrageS  erfolgten 
9Jaturalrcftitution  beö  ®t)egutes  roegen  ber  üon  ber  ©tjefrau  feit  bcr  9tü(fgcn)ä^r 
aus  bem  6l)cgutc  bcjogcncn  grüd^te. 
(jinfeittgcr  vill.  S)ie  Sccnbigung  ber  el^elidden  Slugniefeung  unb  aSermaltung  burd> 

öjemonne«!  cinfcitigcu  SScvjid&t  beö  ß[)emanneS  wirb  nad)  gemeinem  beutfd^cn  9ic(§tc  nid^t 
'  für  juläffig  gcljalten.    9luf  bemfelbcn  »oben  ftcljt  baö  fäd&f.  ®.  33.  §  1686, 


3?cenbigun0  ber  cjcl.  9flutinic§unö  k.  auf  SJcrIangen  bcr  (S6cfrau.  §  1328.      295 

S5ic  übrigen  neueren  ©efefegcbungen,  inöbcfonberc  aud^  baä  preufe.  31.  S.  SH., 
enthalten  in  bcr  ^ier  froglid^en  ^inftd^t  feine  auöbrüdflidden  33eftimmungen 
(wrgL  jebocö  21.  S.  fft.  n,  1  §§  208,  251).  3)  er  ©ntrourf  [erliefet  fi^  ber  2luf:= 
M«n9  i>«ö  fä<ä&f.  ®.  S.  ön.  2)ie  (Srünbe,  auf  roeld^en  bie  Suläffigfeit  eines 
emfcitigen  äerjid^teß  auf  ben  Sliefebraud^  beruht  (§§  1015,  1016),  treffen 
W  ber  elieüc^en  Slußniefeung  unb  SSenoaltung  nid&t  ju,  ha  bie  legtere  nid^t 
lebiglic^  im  cinfeitigen  Sntereffe  beö  @£)cmQnneö,  fonbeni  im  3ntereffe  ber 
e^Iid^en  ©emeinfc^aft  t)on  bem  Oefegc  beftimmt  ift,  unb  batier  Qud^  bie 
C^frou,  namentlid^  roegen  ber  mit  ber  ef|elid&en  Sluftnie^ung  cerbunbenen 
Scnoaltungöpflic^t  beö  6f)emanncö,  ein  SRe^t  auf  bie  gortbauer  beö  burd^  bie 
c^elid^e  9lu|nie6ung  unb  SBerroaltung  begrünbeten  gegenfeitigen  9lecötdT)erf)äIt^ 
niffeö  \)at  gür  ben  Seemann  fann  auö  ber  Unjuläffigfeit  eineö  einfeitigen 
SSerji(|teS,  ^ingefe^en  auf  bie  nad^  §  1297  mit  ber  e^eli^en  Stugniefeung  unb 
Serroaltung  für  i^n  pcrbunbenen  Sierpflidbtungen,  eine  unbillige  ^ärte  nic^t 
entftföen,  ba  er  nad&  §  1297  2ftf.  2  bie  bafelbft  im  3lbf.  1  unter  3lx.  4—6 
bejeid^netcn  3^"^"/  ßciftungen  unb  Äoften  nur  inforoeit  ju  tragen  I|at,  als 
bicfelbcn  ben  SSetrag  ber  Slufeungen  nic^t  überfteigen,  meldfie  er  auö  bem  (Sf|e^ 
gute  gejogcn  i)at  ober  bei  beffen  orbnungfimä^iger  SBerroaltung  tjättc  jie^en 
ßnnen.  S)ic  Sonfequenj  ber  3wlöffw"9  ^^"^S  einfeitigen  aSerjidited  beö  ®t}e:= 
manneö  würbe  jubem  bal|in  führen  muffen,  bem  @f)emanne  aud&  fd^on  bei 
Singe^ung  ber  ®^e  bie  Sluöfd^liegung  ber  e^elid^en  ^tugniegung  unb  93er^ 
iwltung  burd^  einfeitige  SBiflenöerflänmg  ju  geftatten,  maö  mit  bem  ®runb* 
principe  beö  ©ntmurfeö,  bofe  bie  Sluöfc^liefeung  beö  gefcglid^en  ©üterftanbeö 
einen  g^eoertrag  erforbert  (§  1333),  nid^t  im  (Sinflange  fteljen  mürbe. 

IX.  3)ic  Seftimmung  beö  3[bf.  2  red^tfertigt  fid)  im  ^inblidfe  auf  bie  ^lac^roirtung. 
bem  ©bemanne  nad^  §  1317  jugeroiefene  Stellung  beö  SBcrmalterö  eineö  fremben 
Sermögenö  burd^  bie  Slnalogie  ber  SSerl^ättniffe. 

§  1328. 

1.  SSSenn  ber  (Seemann  bie  i^m  in  Sttnfel^ung  ber  e^elid^en  SJuftniefeung  »«rieftuna  b« 
unb  aSermaltung  obliegcnben  SSerpflid^tungen  oerle^t  l^at  unb  eine  erl^eblid^e  manneobüe. 
©efä^rbung  ber  SRed&te  ber  e^efrau  für  bie  3ufunft  begrünbet  ift,  fo  ^at  fx6)  l'^^^^J^; 
bie  Sorauöf egung ,  unter  n)eld[)er  i^m  baö  SSermögen  ber  ®l)efrau  überlaffen 
ift,  nic^t  bewährt.  Sein  eigencö  SSer^alten  l^at  beroiefen,  ba§  baö  in  i^n  gc* 
fefle  35crtrauen  nid^t  begrünbet  mar.  2)ie  ®f)efrau  mufe  bal^cr  in  biejenige 
Sage  jurüctoerfe^t  merben,  in  metd^er  fie  fidd  befanb,  atö  fie  if)m  in  ber  ge? 
bockten  SSorauöfeßung  ibr  SSermogen  alö  ®^egut  überlaffen  ^at.  2)icfc  lieber- 
toffung  beruhte  jmar  nid&t  auf  SRec^tögefd^äft,  fonbern  bie  c^elid^e  Jiufeniefeung 
unb  Serroaltung  trat  mit  ber  ©ö^fc^licfeung  fraft  beö  (Sefcgeö  ein;  allein  bie 
gefejlic^c  Seftimmung  felbft  beruht  auf  jener  aSorauöfe|ung  (ocrgl.  aud^ 
olbenb.  ®cf.  v.  24.  Slpril  1873  3lrt.  11).  3tt)ar  ift  nad^  §  1292  oerb.  mit 
§§  1005,  1006  bie  ß^efrau  in  gällen  ber  f)ier  fraglid^en  9(rt  bered^tigt,  von 
bem  ©bemanne  ©id^er^citöleiftung  ju  ncrlangen  ober  ju  beanfpruc^en,  bafe 
bem  ©bemanne  bie  Sfuöübung  ber  ef)etid&en  Siufeniegung  entjogcn  unb  für 
Äed^nung  beö  ©^emanneö  einem  von  bem  ©erid^te  ju  beftellenben  aScrroalter 


296      ^eenbißunö  bec  ebd.  Stu^ntcgunG  jc.  auf  ScrlanQen  bei*  (gj&efrau.  §  1328. 

übertragen  roerbe.  SlDcin  ein  fold^eö  5Red)t  auf  ©idjer^citöleiftung,  auf  loelt^cö 
bic  ei)efrau  na(^  prcufe.  91.  £.  SR.  II,  1  §  255  für  ^ällc  ber  [)lcr  in  JRebc 
ftel)cnbcn  9lrt  befd^ränft  ift,  giebt  feine  ®cn)ä^r  gegen  fünftige  33efd^äbigung 
beö  GI)cguteö,  fonbcrn  nur  für  ben  ©rfa|  bcö  baburd^  Deranlafeten  ©d^abcnö. 
S)er  ©tjefrau  fann  aber  nic^t  jugemut^et  werben,  ftd^  mit  biefcm  ju  begnügen 
(üergl.  and)  ®efe|rct).,  ^enf.  XV  §§  206  ff.  nebft  3Jiotit)en  ©.  172). 
Gbenforoenig  fann  if)v  bie  Sltternatiüe  jugemutt)ct  werben,  entmeber  bcm  (S^e* 
manne  bie  eljeli^e  SRu^nicfeung  unb  33erroaltung  femer  ju  belaffen,  ob^ 
iüol)l  baö  perfönlid^e  SBertrauen  auf  eine  bem  ©efege  cntfpred^enbc  SluSübung 
ber  e^elid^en  SJugniefeung  von  Seiten  beß  G[)emanneö  burd&  beffen  c^anblungdi^ 
meife  jerftört  ift,  ober  bic  gcrid^tlidje  ©equeftration  nad^  SKafegabe  bcö  §  1006 
ju  beantragen,  roeld^e  fie  nötfjigt,  bie  3luöübung  ber  cbelid^en  Siugniefeung 
bur^l  eine  il)r  frembe  ^erfon  bulben  ju  muffen.  STud^  ber  SKuöroeg  beö  fäc^f. 
05.  33.  §  1684,  loeld&eä  ber  GI)cfrau,  falls  ber  Gbctnann  il)r  58crmögen  burdd 
unorbentUd^e  2Birtl)fd()aft  in  (Sefatjr  bringt,  baö  5Rec^t  beilegt,  bem  dl)cmannc 
bie  SScrmaltung  ju  entjieljen,  ben  3UePraud^  aber  unocränbcrt  fortbeftef)en 
Icifet,  empfiel)It  fid^  nid^t,  felbft  menn  man  —  maö  iebenfallö  notlimcnbig  fein 
würbe  -  -  in  einem  fold^en  galle  ben  5Hie6braud^  baljin  mobifijirt,  ba^  ber 
Icgtere  bcm  Göemanne  nur  einen  ainfprud[)  auf  ben  ^Reinertrag  beö  Gf)egutcö 
gcn)ä()rt,  ba  eine  berartige  ^Regelung  fünftlidje  unb  ücrroictcUc  SScrftältniRc 
mit  fid^  bringt,  xütnn  einerfeitö  baö  SRed^t  beö  ßl)emanneö  nid^t  ilfuforifd^, 
aubcrcrfeitö  ber  Gf^efrau  bie  nöttiige  freie  SSeroegung  in  ber  SBerwaltung  gc« 
\ml)xt  werben  foU.  Um  fo  unbcbenflidder  ift  cö,  ber  Gljcfrau  unter  ben  93or* 
auöfefeungen  beö  §  1328  3Jr.  1  baö  SRed|t  einjuröumen,  bie  9hif Hebung  ber 
cöelid^en  ^Jufeniefeung  unb  SBcrwdltung  ju  verlangen,  alö  bie  Gf)cfrau  nac^ 
erfolgter  3lufl)ebung  auf  Orunb  beö  §  1330  bcm  Gljemanne  nacb  SDlafegabe 
beö  §  1339  einen  Seitrag  jur  S3eftreitung  ber  el)e[id|en  Saften  ju  gcwäljren 
üerpflidE)tet  ift.  9lud&  üom  ©tanbpunfte  ber  ©laubiger  beö  G[)emanneö  auö 
fann  in  ber  93eftimmung  beö  §  1328  9Jr.  1  feine  unbillige,  ber  S^enbeni  beö 
§  25  5Rr.  2  ber  Äonf.  D.  unb  beö  §  3  3h.  4  beö  SRcid^ögcfcleö  t)om  21.  3uU 
1879  wiberfpredfienbe  33enad()tI)eiUgung  berfelben  gefunbcn  werben. 

3ln[angenb  bie  S^^ffw^Ö  ^^^  §  1^28  3tr.  1,  fo  wirb  biefelbc  trog  be« 
©ebrauc^eö  beö  "ißluraleö  „SScrpflid^tungen"  feinen  3tt>^ifcl  barüber  auff.ommcn 
laffen,  bafe  fdjon  bic  3ScrIefeung  einer  ber  in  SRebe  ftel)cnben  SBcrpflid^tungcn 
unter  Umftänben  baö  SRcd^t  ber  Gl)efrau,  bie  9lufl)cbung  ber  e^elid^en  'ilup 
niefeung  unb  SSerwaltung  ju  »erlangen,  begrünben  fann;  anbererfeitö  roeifl 
ber  ^ISlural  barauf  I)in,  bafe  jeneö  SRed^t  ber  Gtjcfrau  and)  burd^  baö  3^- 
fammentreffen  mef)rerer  ^^iflidf)tDerle|ungen  begrünbet  werben  fann,  üon  benen 
—  für  fid^  allein  betrad^tet  —  feine  baö  SRec^t  ber  G^efrau  ju  begrünben 
geeignet  fein  würbe.  2)urc^  ben  3luöbrudE  „verlegt  t)at"  wirb  femer  nad^ 
bem  Sprad^gebraud^e  beö  Gntwurfeö  (ocrgf.  §§  56,  710—712,  734—736,  1006) 
^um  flaren  9luöbrudEe  gcbrad^t,  i>a%  bie  ^^Sflid^tüerlefeung  auf  einem  SSerfd^ulben 
beö  Gt)emanneö  berufen  mu§. 
«ermbflens.  2.  Scr  Umftaub,  bafe  ber  G^emann  fein  eigencö  35ermbgen  fc^Ied^t  Der» 

Qfy^mannll  woltct  obcr  iu  SJcrmögenöDcrfall  gerätfi  unb  baburd)  bic  GrfüUung  berjenigen 
58crbinblid)feiten  gegenüber  ber  G^efrau  gefä^rbet,  wefd)c  er  wegen  ber  eljelid^ 


Scenbiflung  bcr  e^cl.  Sflut^nidgunö  2c.  auf  Verlangen  bcc  SJcfrau.  §  1328.      297 

^lulnicfeung  unb  aSerioaltung  erft  nad^  bcren  Seenbigung  ju  erfüllen  ijer- 
pflichtet  ift  (§§  1294,  1295),  foU  ebenforoenig,  wie  ein  ditd)i  ber  ®I)efrau 
ouf  Si^er^eitöleiftung  (§  1295),  ein  SRed^t  berfelben  auf  Sluf^ebung  ber 
c^elid^n  9lu|nie6ung  unb  3Sem)aItung  begrünben.  SBenngleid^,  l)ingefel^en. 
lebiglic^  auf  baß  3Sert|äItnife  bcr  ©Regatten  unter  einanber,.S3iIIigfeitsgrünbc 
büfür  fprcd^en,  ber  ß^efrau  ein  fold^eö  Siedet  beijulegen  (üergl.  olbenb. 
®cf.  0.  24.  april  1873  ärt.  11;  au^  prcufe.  91.  2.  SR.  II,  1  §  255),  fo 
würbe  bod^  eine  fold^e  93eftimmung  t)om  Stonbpunfte  beö  Sntercffeö  ber 
Gläubiger  bcö  ©Ijemanneö  aud  mit  ber  ^enbcnj  beö  §  25  Sir.  2  bcr  Stont  D. 
unb  beö  §  3  3tr.  4  beä  dt.  (Sef.  ü.  21.  3uli  1879  unücreinbar  fein  unb  ber 
C^frau  auf  inbirettem  SBege  tJ^atfäd^lid^  ein  SSorred^t  geben,  roeld^eö  iljr  von 
bnr  Äonf.  C.  red^tlid^  ücrfagt  ift.  5Äuf  benfelben  ©rroägungcn  beruljt  bic  33e* 
ftimmung  beö  §  1295,  ba§  in  ben  bort  bejeid^neten  gälten  bie  6f)efrau  oud) 
bann  fein  SRec^t  auf  Sid^crfieitölciftung  Ijaben  foU,  wenn  bie  SSorauöfegungen 
beß  §  1020  vorliegen. 

3.  25ic  Seftimmung  beö  §  1328  3ir.  2  rcd^tfertigt  fid)  burd^  bcn  StoccE  ^Jeiie^ung bei- 
ber  c^clid^cn  Siu^niefeung  unb  aSerroaltung,  bem  ©bemanne  auö  beni  33ennögen  eöemTnne 
ber  G^efrau  einen  Seitrag  jur  Seftreitung  ber  e[)elid)en  Saften  5U  geioä^ren.  Jj^jX^g" 
2)ic  natürlid^e  2luffaffung  biefed  SSerljältniffeö  fül)rt  baf)in,  ben  S^m^  ber  pfitc^t. 
UcbcrloRung  beö  G^egutes  an  ben  ©l^emann  mit  biefer  Uebcvlaffung  in  bcr 
Slrt  in  33erbinbung  ju  fegen,  ba%,  menn  ber  3^^*  ^i^t  erreid^t  roirb,  aud^ 
bic  Ucberlaffung  beö  ©^eguteö  mcgfällt.  ©ö  roürbe  unbiUig  fein,  bie  ©t)cfrau, 
roenn  ber  ©bemann  iljr  unb  ha\  gemeinfd^aftlid^en  Slbtömmlingcn  ben  er? 
forberli^en  Unterhalt  ni^t  gcmäl}rt  unb  eine  crl^cblidde  ©efä^rbung  beö  9ied)teö 
ber  ©^efrau  ober  ber  3Ibfömmlinge  auf  @en)ät)rung  beö  Unter^alteö  für  bie 
3ufunft  ju  beforgcn  ift,  barauf  ju  ücrrocifcn,  bafe  fic  bcäro.  bie  9lbfömm(ingc 
gegen  ben  ©bemann  auf  @en)ät)ning  beö  Unteröalteö  flagcn  fönnen,  obwohl 
iftr  eigenes  in  ber  ^anb  beö  ©^emanncö  befinblidfic  SSermögen  il^r  bie  35tittcl 
JU  biefem  Unterhalte  o^nc  Sdöroierigfeiten  bieten  mürbe.  S)ie  ©f)cfrau  mürbe, 
icenn  fie  einen  fold^cn  galt  oorauögefel)en  l)ätte,  fifl^  burc^  oertragömäfeige 
8uöf(^üc6ting  ber  el)elid^en  Slugniefeung  unb  SSerroaltung  bagegen  gefiltert 
büben.  2Iuf  benfelben  Stanbpunft  mufe  fid^  baö  Oefcg  ftellen  unb  bie  ©r? 
füllung  ber  bem  ©{)emanne  oblicgenben  5Berpftid^tung  jur  (Scmäl^rung  beö 
Unter^altcö  an  bie  ©^cfrau  unb  bie  gemcinfc^aftUdEien  3lbfömmlinge  unter 
gcwiffen  ©nfd&ränfungen  atö  3Sorauöfegung  beö  gortbeftanbeö  feincö  5Rcd()teö 
bc^nbefn.  SDerfelbe  Oebanfc  liegt  bem  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §§  256,  258 
}u  Orunbc  (üergl.  ©ntfd^.  b.  SR.  @.  in  ©iüilf.  I,  55,  Urt^.  b.  SR.  ©.--bei 
®ru*ot  XXX  e.  969  ff.).  2Bä{)renb  iebod)  ba^  preufe.  91.  2.  SR.  baö  SRcd^t  ber 
S^frou,  i^r  ©ingebrad^teö  jurüdiuforbern,  Don  ber  2;^atfad^e  abhängig  mad)t, 
boB  ber  ©bemann  feiner  SBerbinblid^feit,  ber  ©^efrau  unb  ben  mit  i^r  erjeugten 
Äinbem  ben  nad^  33erl)öltnife  itjreö  Stanbeö  notl^igen  Untcrfialt  ju  gcroäliren, 
ni<^  me^r  ju  erfüllen  ücrmögcnb  ift,  fnüpft  ber  ©ntmurf  ba^  SRed^t  bcr  ©£)e? 
fwu,  bie  äuf^ebung  ber  e^elid^en  ^lugniefeung  unb  SSermaltung  ju  Dcrlangcn, 
an  bic  SSorotiöfeftung,  bafe  ber  Seemann  bie  93erpftid^tung,  ber  Gl)efrau  unb 
ben  gcmcinfd^aftlid^en  9lbfömmlingen  ben  Untertjalt  ju  geroäljren  (§§  1280, 
1481,  1482),  perlest  l|at  unb  eine  erl^ebtid^  ®efät|rbung  beö  SRcdE)teö  bcr  ©f)e*= 


298       93ecnbiGnnö  bcr  eW-  SKu^nicgunö  2C.  auf  Serlangcn  ber  S^^fw".  §  1328. 

fi-au  ober  bcr  Slbfömmlingc  auf  ©eroä^rung  bed  Untcrl^afteö  für  bic  3^h**ift 
ju  bcforgcn  ift.  2)a  na6)  bcn  §§  1280,  1482  lüeber  bic  ©Ijcfrau  mä)  bie  Slfr» 
fömmlinge  ein  unbebingtcä  SRed^t  auf  ®cn)äl^rung  bcö  ftanbcömöfeigen  Untere 
l^alteß  gegenüber  bcm  ®f|cmanne  l^abcn,  fo  fann  bcr  gortbcftanb  bcö  el^emänn^ 
lid&cn  9tcc^teö  nid^t  batjon  abfjängig  gcmad^t  werben,  bofe  ber  ®f|emann  il^ncn 
ftanbesmä§igcn  Unterl^alt  ju  geroäl^rcn  Dcrmögenb  ift.  ®aö  Oegent^cU  toürbc 
bal^in  füliren,  bafe  bic  ©fjcfrau  bie  SKuf^cbung  bcr  efjclid^cn  Slugniefeung 
unb  SScrroaltung  aud^  bann  TOürbe  verlangen  fonncn,  wenn  bie  SKittel  bcö 
®l)cmanncä  einfddliefelidö  bcö  ©rtragcö  ber  c^clid^cn  Slugniefeung  o^nc  fein 
aSerfc^ulben  nid^t  auöreidien,  ber  ©ticfrau  unb  bcn  SJlbfommlingcn  ben 
ftanbcömäfeigen  Unterl^alt  ju  gcroäl)rcn.  2)ieä  würbe  nid^t  nur  eine  um 
gereddtfertigte  §ärte  gegen  bcn  ®f)cmann  fein,  fonbern  oud^  bcr  ©ftefrau 
nid)tö  nügen,  ba  fie  bei  bem  üorauögcfcgtcn  Unt)crmögcn  nun  il^rerfeitö  ocr* 
pflidjtet  fein  würbe,  ben  gonjen  ©rtrag  bcr  c^clic^cn  Shitnicfeung  ju  ibrem, 
il)reö  ®{)cmanncö  unb  bcr  2lbfommlinge  Untcrl)alt  ju  Dcrroenben  (§§  1281, 
1485).  3lnbcrcrfcits  barf  aber  bcr  @f|efrau,  auc^  xotnn  ber  Seemann  ihr  unb 
bcn  3lbfommIingen  ftanbcömäfeigcn  Untcrl)alt  ju  gcroäl^rcn  ücrmogcnb  ift,  bad 
Siedet,  bie  äluffjcbung  bcr  c^elid^en  Siufeniefeung  unb  Sßcrroaltung  ju  Dcrlangen, 
aus  ben  oben  l^cröorgctiobenen  ©cfid^töpunftcn  nic^t  Dcrfagt  werben,  wenn  bic 
SJorauöfcfeungen  bcö  §  1328  9lr.  2  Dortiegen.  SKad^t  man  mit  bcm  ©ntwurfc 
ba^  dic6)t  ber  ®^efrau,  bie  2luf^cbung  bcr  e^elid^en  3lugniefeung  unb  SSer* 
waltung  ju  verlangen,  batJon  abtjängig,  baß  ber  ®f|cmann  bic  gegenüber  bcr 
6f)efrau  unb  bcn  gemeinfd&aftlid^en  aibfommlingen  ii)m  oblicgcnbe  Untcr^altfi^ 
pflid^t  in  bem  Umfange,  wie  fie  ifjm  nad^  bcn  allgemeinen  ©runbfägcn  obliegt, 
nid^t  erfüllt,  fo.  bebarf  es  in  einer  Sejic^ung  für  bcn  f)ier  in  SRcbc  ftc^enben 
gall  einer  aWobififation  bcr  Untcr^altöpffid^t.  9iad6  bcn  §§  1280,  1482  liegt 
eine  SScrlcgung  bcr  bcm  ©ficmannc  oblicgcnbcn  Untcrfialtöpflic^t  infoweit 
nic^t  üor,  ate  er  wegen  Unoermögenö  ben  Untcrljatt  übcrl)aupt  ober  bod^  bcn 
ftanbcögcmöfeen  Untcrfialt  ju  gcmäfircn  nid^t  im  Staube  ift,  unb  jwar  au^ 
bann  nirf)t,  wenn  bcr  ©rtrag  bcr  cl^clidEicn  5Rufenicfeung  an  fid^  jur  ©cwä^rung 
icneö  Unterf)altcd  genügen  würbe,  ber  ©bemann  ober,  tnbem  er  bcn  ®rtrag 
in  anbcrcr  SBcifc  für  ^lö)  oerwenbet,  burd&  .eigene  ©d&ulb  fid^  au^cr  ©tanb 
gefegt  f)at,  bcn  Unterhalt  jU  gcwäl)rcn,  ober  fo  Diele  Sd^utben  gemad^t  fyit, 
bafe  nadfi  9lbjug  bcrfclbcn  jur  ®ewäf)rung  bcö  Unterhaltes  nid^tö  übrig  bleibt, 
3war  giebt  il^m  bcr  §  1299  baß  SRcd^t,  ber  5ßfänbung  ber  auf  ©runb  ber  el^c* 
lid^en  Shignicfeung  Don  il^m  erworbenen  grüd^te  dou  ©citen  feiner  (Stäubiger 
JU  wiberfprcd^cn,  unb  bamit  bic  Üßöglid^feit,  jene  grüc^te  für  bcn  Unterhalt 
bcr  Gfjcfrau  unb  ber  älbfömmlingc  ju  Dcrwcnbcn.  9lud)  bcr  6I|cfrau  felbft 
ftcf)t  nadEi  §  1299  icneö  SBibcrfprud^öred^t  ju ;  allein  eine  rct^tlid^c  33erpflid&tung 
gegenüber  bcr  6t)cfrau,  bic,  wenn  aurf)  tjon  ber  5ßfänbung  befreiten,  grüd^te 
bcr  cl^clidöcn  JJugniefeung  für  icncn  Untcrfialt  ju  ocrwcnbcn,  befte^t  für  ben 
®l)emann  nid&t,  unb  bei  S3curtf)cilung  bcr  S^age,  ob  unb  in  weld^em  Umfange 
er  jur  (9ewäl)rung  bcö  ftanbcömäßigcn  Unterfjalteö  ocrpflid^tet  ift,  fonn  er 
nad)  bcn  §§  1280, 1482  bic  Scrüdffid)tigung  feiner  Sd^ulbcn  oerlangen.  3ladt 
bcm  ^rocdc  bcr  cl)clid^cn  SJuftniefjung  mu^  aber  bafür  geforgt  werben,  baß 
bcr  Gljcfrau   bic   SScrwcnbung  bcö  bei   orbnungömäfeigcr  SBcrwaltung   unb 


Secnbtgunß  bcr  efecl.  9lu^nic§ung  2C.  auf  SScrlangcn  bcr  (Sfeefrau.  §  1328       299 

?lu|fung  beö  ß^cgutcö  \iä)  crgebenbcn  SReincrtrageS  ber  c^clid)en  Siufeiücfeung 
ju  i^rem  eigenen  Unter^oltc,  foroie  jum  Unterhalte  ifireö  ©fjemanneö  unb  ber 
gemeinftloftlid&en  3lbfömmlingc  geftd^ert  wirb.  2)icö  gefd^iel)t  aber  in  an-- 
gemeffener  SBeife  burd^  bie  Sufafebeftimmung  im  §  1328  3lr.  2,  ba^  bei  ber 
Seurt^eilung,  ob  unb  inroieroeit  ber  @{)emann  jur  ©eroäfirung  beö  Unterhaltes 
im  Stanbe  ift,  iener  ^Reinertrag  alö  ein  jur  (SrfüUung  anberroeiter  3Ser? 
pffi^tungen  beö  ß^emanneö  nid&t  ju  oerroenbenbeß  ©infommen  beö  legtercu 
angcfe^en  wirb.  S)arauö  ergiebt  fid^,  bafe,  fonjeit  jener  Sleincrtrag  reid^t, 
feine  Unter^altöpflid&t  gegenüber  ber  @^efrau  unb  ben  9lbf5mmlingen  nad) 
KüBgabc  ber  §§  1280,  1482,  1483  in  ber  ^ier  fraglichen  Sejieliung  alö 
begrünbct  gilt  unb  er  biefe  Unter^altöpflid|t  im  ©innc  beö  §  1328  9ir.  2 
gegenüber  ber  ß^cfrau  üerle^t,  roenn  er  i{)r  unb  ben  9(bfömmlingen  a\i^  bem 
Äeinerlroge  bcr  e^elid^en  ^lugniefeung  ben  Unterfialt  nac^  9)?a6gabe  jener  93e^ 
fhmmungen  fd^ulbDoDer  SBeife  nid^t  geroäfjrt.  2Bie  im  gaUe  beö  §  1328 
Sr.  1,  fann  aud^  in  bem  f)icr  fraglid^en  galle  in  bem  Siebte  ber  ßfiefran, 
unter  ben  33orauöfefeungen  beö  §  1328  9Jr.  2  bie  3luff)ebung  ber  efjeli.d^en 
?lujnie§ung  unb  3[}erroaltung  ju  verlangen,  eine  unbillige,  mit  ber  2^enbenj 
beö  §  25  9ir.  2  ber  Äonf.  D.  unb  beö  §  3  9ir.  4  beö  SR.  ®ef.  ü.  21.  Suli 
1879  im  aBiberfprud^e  fte^enbe  Seuac^tfieiligung  ber  ©täubiger  beö  ß^emanneö 
ni(|t  gefunben  werben.  3m  SBefentlid^en  auf  bemfelben  ©tanbpunfte,  wie  ber 
(Sntrourf,  fte^t  bao  olbenb.  ®ef.  ü.  24.  Slpril  1873  3lrt.  11,  roelc^eö  baö  liier 
in  Sebe  ftel^cnbc  SRed^t  ber  (Sl)efrau  baoon  obl|ängig  mad^t,  bafe  ber  ®t|emann 
bie  Scftrcitung  ber  eljclicjcn  Saften  oernadfjläfftgt.  2)arin  meid&t  jebod)  ber 
6ntnmrf,  loic  im  galle  beö  §  1328  9ir.  1,  fo  aud^  ^ier  üon  bem  olbenb.  (Sefe^c 
ßb,  ba§  er  eö  nic^t  bem  ©rmeflen  beö  ©erid^teö  überläBt,  ob  ftatt  ber  9luf^ 
Wung  bcr  e^elid^en  Jlu^niefeung  unb  aienoaltung  im  einjelnen  galle  eine 
weniger  cinfd^ncibenbe  ©idöcrt)eitöma§regel  ergriffen  werben  foU.  ©rfolgt  auf 
Serlangen  bcr  (S^efrau  bie  9luft)ebung  ber  etjelid&en  ^Rufeniefeung  unb  SSer^ 
Bwltung,  fo  ift  fie  nac^  §  1330  aud^  in  biefem  galle  bem  ®l)emanne  einen 
angemeffcnen  Seitrag  jur  2:ragung  ber  e^elid^en  Saften  m6)  ÜJlafegabe  beö 
§  1339,  iebo(§  mit  ber  auö  §  1339  2lbf.  4  fid^  ergebenben  SRobififation,  ju 
kiften  ocrppic^tet 

4.   3Bie  in  ben  aRotioen  ju  §  1326  bereitö  ^eroorgeljoben  mürbe,  nimmt  abroefen^eitä: 
bie  gemeinrcd^tlic^e  5ßrof iö  an,  bafe  baö  e^emännlid^e  SRed^t  mit  bem  3eitpunfte  SünU 
ouf^ort,  in  mcld^cm  ber  ©bemann  burd^  3lbmefenl)eit  ober  burd^  ©ntmünbigung  j;!"^^^^®"'^^'^ 
wegen  ©eiftcöfranf^eit  ober  Sßerfc^roenbung  unfäl)ig  geroorbcn  ift,  feine  SRed&te  c^cmaime«. 
in  Snfe^ung  beö  ©l^eguteö  auöjuüben.    SKuf  bemfelben  S3oben  fte^t  aud^  baö 
olbenb.  ®cf.  o.  24.  3(pril  1873  STrt.  12  für  fold^e  gälte,  in  meieren  über  bie 
?erfon  beö  ©Ijemonneö  eine  Äuratcl  perliängt  mirb.    Slufeerbcm  fönnen  nad) 
äirt  11  jencö  ©efefteö,  menn  eine  längere  2lbn)efenl)eit  beö  ®l)emanneö  eö 
nfotbcrlid^  erf(^cinen  läfet,  auf  9tntrag  ber  ©liefrau  gerid^tlidje  IRa^regeln 
jur  Sic^erftellung  beö  cingebrad^ten  SBermogenö  ober  ber  SSermenbung  ber  9luf^ 
fünfte  beöfclbcn  für  bie  ct)elid^en  Saften  angeorbnet  unb  nott)igenfanö  ju  biefem 
öe^ufe  bem  ©f)cmanne  bie  SRed^te  am  SSermögen  ber  Gf)efrau  entjogen  merben. 
Sog^en  finb  nac^  bem  fäd^f.  ®.  93.  (oergl.  §§  1642,  1927)  unb  bem  preuft. 
S.  S.  91.  jene  Umftanbe  auf  ben  gortbeftanb  ber  eljclid^en  Siu^niefeung  unb 


300      Secnbiöuno  bcr  cl)cl.  ?ftutmie6ung  k.  auf  aSerlangcn  bcr  (SJefrau.  §  1328. 

SSertüQltung  of)nc  ©inftufe.  2)cr  Gntiüurf  fd^Iiefet  fid^  bem  ©cbonfen  bcö  ge* 
meinen  5Reci^teS  unb  bcö  olbcnb.  ©cfe^cs  im  ^ßrinjipc  an  (§  1328  91r.  3,  4). 
3n  ber  5ßerfönlid^fcit  beö  Gficmanneö  unb  bem  perfönlic^en  SBerl^ältnine  bcr 
(g^cgottcn  liegt  ber  entfd^eibenbe  ®runb,  aus  roeld^cm  baö  33crmogcn  bcr  &)e^ 
frau  bem  6l)emanne  jur  9hi6ting  unb  Sßerroaltung  übertoffen  wirb.  3ft  bcr 
©t)cmann  nid^t  mef)r  im  Stanbc,  bie  SßermögcnSocrroaltung  ju  fülircn,  fo 
fällt  bie  SBorauöfe^ung  meg,  oon  meld^cr  baä  ©efefe,  entfprcd^enb  bem  ücr? 
mutl^Iid^en  Sißillen  ber  (Sliefrau  unb  bem  perfönlid^en  SSer^ältniffc  unter- facn 
Gt)egatten,  bei  ber  Siegelung  bed  el^clid^en  ©üterrec^teö  ausging.  25er  ß^cfröu 
fann  nid^t  5ugemutl)et  werben,  ftatt  bes  G^emanneS  felbft  fidd  beffen  gefeglid^cn 
S3ertreter  als  93erroalter  i^res  93ermögenö  gegen  i{)ren  SBiUen  aufnot^igen  ju 
(offen;  fic  mufe  baljcr  in  fotd^en  gättcn  bcrcd^tigt  fein,  bie  äuf^ebung  bcr 
eljclid^en  9Ju|nie^ung  unb  SSerroaltung  ju  oerfangen.  ®ie  93eenbigung  bcr 
et)e{icl)en  Stu^niefeung  unb  33enpaltung  unter  ben  SSorauSfeftungen  beS  §  1328 
9Jr.  3,  4  fvaft  bes  ©cfeßeö  eintreten  ju  laffen,  empfiefilt  fid^  m6)t,  ba,  ob^ 
gefeben  bat)on,  bafe  bie  33orauäfe|ungen  im  gaHe  beö  §  1328  3lx,  3  mc^r 
ober  weniger  unbeftimmt  finb,  bie  33erl)ältnific  fo  liegen  fonnen,  bafe  bie  9Iufs 
fjebung  ber  el)elid[)en  Siu^niefeung  unb  SJerroaltung  unb  bie  boburd^  notJ^mcnbig 
merbenbe  üermögensrcd()tlidi)e  9luSeinanberfe^ung  unter  ben  G^egatten  bem 
SBillen  ber  Gliefrau  nid^t  entfprid^t,  namentli^  wenn  fie  felbft  jum  äJormunbc 
ober  9lbn)efenf)eitöpfleger  bes  Gf)emanneS  befteflt  ift  (§  1729  9lbf.  4,  §  1743). 
3in  ein5clnen  gällen  fonn  bie  9luf^ebung  ber  cbelid^en  Slu^nie^ung  unb  SScr^ 
waltung  unter  ben  SJorauöfe^ungen  bes  §  1328  3lv:  3,  4  allerbings  eine  ^ärte 
gegen  ben  G^emann  enthalten.  Gntfd^eibenbeS  Oeroid^t  fann  barauf  inbcffcn 
nid^t  gelegt  werben,  wenn  man  ben  ®runb  unb  S^J^öE  ber  ef)elid&cn  3lnp 
niefeung  unb  SJerwaltung  ins  3lugc  fafet,  weld^e  nid)t  lebiglid^  bem  einfeitigcn 
Sntereffe  bes  G^emanneS,  fonbern  bem  Sntereffe  ber  et)elid&en  ©emeinfd^aft  ju 
bienen  beftimmt  ift.  Gine  unbillige  S3enad^tl)eiligung  bes  Gl)emanneS  wirb 
l)ier,  wie  in  ben  anberen  Rollen  beS  §  1327  9^r.  2—4,  babiird^  üermieben,  ba§ 
bie  Gl)efrau  einen  angemeffenen  Seitrag  jur  S3eftreitung  ber  eljelid^en  Saften 
bem  G^emonne  ju  leiften  Derpflid^tet  ift  (§§  1330,  1339)  unb  ber  Gl^emann 
unter  ben  SSorausfe^ungen  bes  g  1331  bie  2Bieberl)erftellung  ber  c^eüd^cn 
S^u^niefeung  unb  SSerwoltung  oerlangen  fonn.  9(ud^  gegenüber  ben  ©laubigem 
bes  Gl)emonncs  enthält  bos  dk^i  ber  Gl)efrou,  in  ben  göUen  beS  §  1328 
9Jr.  3,  4  bie  9lufl)ebung  ber  elielid^cn  SJu^niefeung  unb  SSerwoltung  oerlongcn 
JU  fönnen,  l)ier  fo  wenig,  wie  in  ben  gällen  bes  §  1328  9lr.  1,  2,  eine  Um 
billigfeit. 

25ie  ratio  ber  Seftimmung  bes  §  1328  9ir.  3  fd^eint  ba\)\n  ju  führen, 
ber  G^efrou  bos  Siedet,  bie  9luf()ebung  ber  e^elid^en  ^lugniefeung  unb  ^tr^ 
woltung  JU  üerlongen,  oud^  bann  beijulegen,  romn  bcr  G^emann  feit  längerer 
3eit  obwefenb  ift,  bie  SSorouSfegungen  einer  9lbwefenl)eitspflegfd6aft  ober  bcö« 
l^olb  nid^t  uorliegen,  weil  er  jur  Sieforgung  feiner  SJermögensangelegen^eitcn, 
unb  insbefonbere  jur  9lusübung  ber  elieli^cn  ^^ugniefeung  unb  SSerwoltung, 
einen  Seoollmäd^tigten  beftellt  ^ot  (§  1740).  Gine  fold^e  9luSbe^nung  bcß 
l-Xed^tes  ber  G^efrou  würbe  jebod^  in  üielen  gällen  eine  unbillige  ^firtc  gegen 
btn  G^emann  fein.    Sie  Seftimmung  beS  §  1328  3ir.  3  in  ber  i^r  gegebenen 


SSccnbißung  bcr  c^cl.  SKu^nicBuno  2C.  auf  aScrlanßcn  bcr  ©ßefraii.  §  1328.       301 

Segrenjung  ift  um  bcöroiDen  weit  roeniger  gefätjrlid)  für  bcn  (5l)emann,  rocK 
bie  SSorauöfefungen  bcrfclbcu,  nomUciö  bic  9lnorbnung  einer  generellen,  bas 
ganje  XJermogcn  bcö  G^cmanneö  bctrcffcnben  2lbn)efenl^citdpflegfd)aft  unb  bic 
8uöft(^tStofigfcit  einer  bolbigen  3lüdE?et)r  bcä  6{)emanncö,  regelmäßig  nur 
bann  üorlicgcn  merbcn,  xotnn  ber  (entere  perfd)oUcn  ift.  6in  3Jebürfni§,  bie 
3lr.  1  bed  §  1328  in  bcr  angegebenen  SBeife  ju  ermeitern,  liegt  um  fo  weniger 
vox,  als,  TOenn  bcr  ßfiemann  in  gofge  längerer  2l6n)efenl|eil  fd^ulb^aftcr  aSeife 
bic  in  9Jr.  3  bcö  §  1328  bejcid^nctcn,  i^m  oblicgenben  SSerpftid^tungen  Derlc^t, 
bie  g^efrau  ouf  ©runb  beö  §  1328  9Jr.  1  bie  Sluf^ebung  ber  cl)elid)cn  ^hiß- 
niefeung  unb  'Sermottung  uerlangen,  bicfelbe  geeignetenfalld  oud^  Sd^eibung 
loegcn  böslicher  5Ser(aJfung  (§  1443)  beantragen  fann. 

2)a§  ber  G^efrau  baö  SRec^t,  bie  3luf{)ebung  ber  efiefid^cn  9iu|nie6ung 
unb  SJcnoaltung  ju  perfongen,  nic^t  aud)  in  bem  gallc  beigelegt  ift,  in  roeld^em 
auf  (Srunb  bcö  §  1737  eine  norfäufige  i^ormunbfd^aft  über  ben  ©bemann  an* 
georbnet  roorbcn,  entfpridjt  bem  prooiforifc^en  Äarafter  biefer  33ormunbfd}aft. 
ßbenfo  fanu  eö  ate  angemcffen  nid|t  eradjtet  roerben,  in  benjenigen  gälten  ber 
e^cfrau  ein  fold^eö  SRedbt  einjuräumen,  in  meldten  ber  ©tiemann  auf  ©runb 
bcö  §  1739  einen  5ßfleger  erl)atten  f)ai,  ha  eine  fold)e  ^flegfd^aft  l;äufig  nur 
einen  oorübergel^enben  Äarafter  f)at  unb  jubem  von  bem  SSormunbfd^aftS^ 
geriefte  roicbcr  aufjubeben  ift,  wenn  ber  ^ftegebefol)lene  eö  beantragt  (§  1748 
äbf.  2  Safe  3). 

Sniongenb  bic  Sdilufebeftimmung  in  ber  9ir.  4  beö  §  1328,  fo  bejTOccft  jinfe^tuixß 
biqelbc,  bic  ^örten  unb  Unsuträgtic^fciten  t^unlid^ft  ju  ücrmeiben,  meldte  fid)  „^Jj^tifllmö«. 
im^inbticfc  auf  bicSeftimmungen  bcö  §  1331  ergeben,  wenn  ber  (Sntmünbigungö-  tcwum- 
bef(fflu|,  weiter  nad^  ben  §§  603,  623  ber  6.  %  C.  bereitö  mit  ber  ^JKit* 
t^eilung  an  bic  SSormunbfc^aftöbcl^örbe,  bejro.  mit  ber  S^ftellung  an  ben 
Gntmünbigten  in  SBirffamfeit  tritt,  im  SBege  ber  3lnfed)tungöflage  aufgehoben 
mrb,  nac^bcm  auf  ©runb  jcneö  93efd^lu5feö  bic  3luf^ebung  ber  e^elid^en  3lup 
nie§ung  unb  «crmaltung  erfolgt  ift  (§§  613,  624  ber  ß.  %  D.).  2)ie  SSorf^rift 
bcö  §  139  bcr  6.  ?ß.  D.  rcid^t,  abgefe^cn  baoon,  bag  bie  ^ilnmcnbbarteit  ber* 
fetten  auf  ben  porliegenben  gaU  in  gmeifcl  gejogen  rocrben  fann,  um  bcämillcn 
nic^t  auö,  meil  bicfelbe  nur  beftimmt,  ba§  unter  ben  SSorauöfefeungen  bcö 
§  139  baö  ©erid^t  bie  Sluöfcfeimg  anorbnen  fann.  9ln  fid)  fd)eint  cö  allerbingö 
bie  einfad^ftc  Söfung  bcr  fid^  barbietenben  ©d^roierigfeiten  ju  fein,  wenn  bcr 
C^frou  baö  SRcc^t,  bic  9luf^cbung  bcr  c^clidien  ^hifeniefeung  unb  SSermattung 
ttuf  ©runb  bcr  ©ntmünbigung  beö  ß^cmanncö  ju  verlangen,  erft  bann  gegeben 
müri)e,  TOcnn  bic  grift  jur  SKnfcd^tung  beö  Gntmünbigungöbefd^luffeö  im  SBcgc 
ber  anfed^tungöftogc  (§§  605,  624  ber  6.  ^.  D.)  unbenufet  abgelaufen  ober 
bic  erhobene  2tnfcd&tungöflagc  rcd&töfräftig  abgeroiefen  ift.  2)ic  Cinfd^lagung 
bicfcö  35Bcgeö  ift  icbod&  bcbcnflid^,  mcil  baburd^  baö  in  SRcbc  ftctjcnbe  Siedet  ber 
(^cfrou  für  ben  gaU  bcr  ©ntmünbigung  beö  ©^emanncö  rocgen  ©ciftcöfranfl)eit 
im  ^inbüdc  auf  bic  Seftimmung  beö  §  605  bcr  ß.  %  D.,  bafe  in  biefem  J^altc 
We  grift  jur  (Sr^ebung  bcr  Slnfcd^tungöflagc  für  ben  ©ntmünbigten  erft  mit 
bem  a^age  beginnt,  an  rocld^em  er  von  ber  ©ntmünbigung  Äenntniß  erlangt 
bat,  ouf  ungcmiffe  3fit  ^inauögcfd^obcn  mirb,  unb  mcil  eö  mit  ber  S^cnbcnj 
iener  ©eftimmung,  ben  ©ntmünbigten  gegen   bic  an?>  ber  3Kittl^cilung  bcö 


302  ffieenb.  bcr  eM.  S^ufinlcfeunö  2C.  5Rüdfflctt5a6r.  iTrennunG  b.  ®ütcr.  §§1329,1330. 

Gntmünbigungöbcfd^Iuffcd  an  i^n  feinem  ©ciftcöjuftanbe  brol^cnben  ©cfa^ren 
ju  fd^ü|en,  nid^t  im  ®inflange  [teilen  roürbe,  bie  (Sl^efrau,  um  bcn  Slblouf  bcr 
grift  fjcrbcijufüljren  unb  baburd^  boS  SRed^t  auf  9luff)cbung  bcr  e^clid^en  ^luft^ 
tiie^ung  unb  SSerrooItung  ju  erlangen,  bal)in  ju  brängen,  ben  cntmünbigten 
Gf)emann  oon  ber  erfolgten  ©ntmünbigung  in  Slenntnife  5u  fegen. 
Äonftitutiwer  5.   ^laä)  §  1327  31y.  2  tritt  in  ben  fällen  beö  §  1328,  wenn  nicbt  ber 

urt^lue«!^*  ß^emann  bem  bered^tigten  SUerlangen  ber  ©f)efrau  baburd^  entfpri^t,  bafe  er 
mit  ber  (S^efrau  einen  bie  3luf^ebung  ber  el^elid^en  ^lufeniefeung  unb  SJep 
roaltung  beftimmenben  6[)et)ertrag  fd^tiefet,  bie  Seenbigung  ber  elielic^cn  ^luj- 
nie§ung  unb  SSerroattung  mit  ber  Sied&töfraft  beö  Urt^eifeö  ein,  burd^  mcldbeö 
bie  SÄufbebung  beftimmt  mirb.  2)aö  Urtl^cil  bat  in  biefcn  '^&]ic\\  anöna^mö« 
meife  einen  fonftitutioen  Äarafter.  2)iefc  9lrt  ber  SRegelung  mürbe  im  ^in-- 
blicfe  auf  bcn  §  779  3lbf.  1  ber  (£.  %  D.  an  fid^  nidf)t  unbebingt  nottiig  fein, 
fofern  man  nur  in  bcn  ?^ällen  beö  §  1328  ber  ©^efrau  einen  9lnfpru^  auf 
9lufbebung  bcr  cficlid^en  5lugnie§ung  unb  3?ern)a[tung  im  SBege  cineö  ©^e* 
ücrtragcö  geben  mürbe.  ,3nbeffen  ift  bcr  von  bem  ©ntmurfc  cingcfcblagcne 
Sßeg  nid^t  allein  einfad^er,  fonbcrn  im  .^inblidfc  auf  bie  9lnatogie  bed 
Sd)eibungöurtbeite§  aud)  als  angemcffencr  ju  crad)tcn. 

§  1329. 

^fitpimft  für  S)ic  einen  pofitiücn  Maraftcr  an  fid^  tragenbc,  bas  obligatorifd^e  Ser- 

gcwä?r«n*0  bältui^  uutcr  bcu  ©begatten  betreffenbe  Seftimmtmg  beö  §  1329  besmecft,  bie 
bc«  e^cgutcö.  gfjefrau  gegen  böfen  SBillen  beö  @l)cmanncö  unb  gegen  bie  9Zad&t^eile  ju 
fdf)ügcn,  meldte  xf)x  auö  ber  SScrjögcrung  brof)cn,  wenn  ber  (Stiemann  fidft  in 
bcn  fällen  beö  §  1328  bcr  Dcrtragömäfeigen  3lufbebung  bcr  ebelid^cn  3lu6* 
niegung  unb  SScrmaltung  miberfcgt  unb  baburd^  bie  (S()efrau  notbigt/  ihren 
bcred()tigten  9Infpru(^  im  SBcgc  ber  AUagc  burd&jufegcn. 

§  1330. 
b^2*'nn"n  ^^^  Sccnbiguug  ber  ebetid^en  ^Jinfeniegung  unb  SSermaltung  in  ben 

ber  0üte"r""  S^Uci^  ^^ö  §  1327  3lx,2—^  bat  uotbmcnbig  jur  golgc,  ba^  für  bie  S^lfw^f* 
unter  ben  ©fiegatten  !Ircnnung  bcr  Öüter  eintritt,  fofern  nid^t  burc^  6b^ 
ucrtrag  ctroaö  3lnbereä  beftimmt  ift.  2)a6  für  biefcn  Giütcrftanb  bie  SJor- 
fdjriften  ber  §§  1339,  1340  mafegebenb  fein  unb  aud^  bie  SBeftimmungen  ber 
§§  1336,  1337  entfpred^enbe  9lnmcnbung  finben  foHcn  (oergl.  in  biefer  ^infid^t, 
fooicl  bcn  gaU  bes  §  1327  9ir.  4  betrifft,  bie  aJlotioc  ju  §  1436),  red^tfertigt 
ficj  burd^  bie  9lnatogie  ber  SScrbältniffe.  3)urdE|  bie  Slnroenbbarfeit  beö  §  1339 
inöbefonbere  merben  bie  .gärten  gemitbert,  meldte  unter  Umftänbcn  bie  9luf* 
tiebung  ber  cbelic^en  Siufeniegung  unb  SSerroaltung  in  ben  gäUen  beö  §  1327 
3lr.  2—4  mit  fid^  bringen  fann.  ©in  »ebürfnife,  für  bie  gäflc  beö  §  1327 
9Jr.  3,  4  Don  ber  in  ben  §§  1336,  1337  gebadeten  aSeröffenttid^ung  beö  (Sim 
tritteö  ber  (Gütertrennung  mit  3iücffid&t  barauf  abjufef)en,  bafe  bie  öffent(i(|c 
33efanntmad^ung  ber  Jlonfuröeröffnung  bejm.  bie  ber  S^obeöerttärung  oorauö* 
ge^enben  öffentlid^en  9lufrufe  einen  ^inreid&enben  (Srfag  für  jene  aSeroffent- 
lic^ung  bieten,  liegt  nid^t  oor. 


»eenbifluno  b.  cK  Sfluftmcgung  :c.    SBieberJöecfteUuno.    §§  1331, 1332.      303 

§  1331. 

S)ad  bcm  ß^cmonnc  im  §  1331  9lbf.  1  beigelegte  ditd^i,  unter  beu  bort  ©icber^er- 
bqeic^neten  Sßorouöfefeungen  bic  SBieberlierftenung  ber  el}elid)cn  ^lufenicfeungeJeUd^eSiRui. 
unb  SSerroaltung  ju  Dertongen,  red^tfertigt  fid&  burd^  bie  ©rroägung,  bofe  unter  Jj^JjJJfjy""*" 
jenen  SSorauöfegungen  bie  ©rünbc  für  bie  9tuff)ebung  ber  e^elid^en  SJu^niefeung 
unb  Senoaltung  für  bic  3wfunft  oollftonbig  roeggcfaflen  fmb,  bie  e]^eUd)c 
JJnJniefeung  unb  Sßcrroaltung  ober  t)om  ©tanbpunKe  beS  ®efe§eä  ax\^  bic  bem 
cbcü(!^cn  Sßerftältnifie  am  meiftcn  cntfpred^enbe  Ocftaltung  beö  e^cüd^en  (Süter^ 
rct^tc«  ift.  3)urd^  bie  2lnerfcnnung  jeneä  9tec&tcd  beö  ©fiemanneö  werben 
Duftcrbent  bie  gärten,  n)eld)e  unter  Umftänben  mit  ber  9lufl)cbung  ber  efielid^en 
3hi|nicBung  unb  SBerroaltung  in  ben  goUen  beä  §  1328  3lx.  3,  4  oerbunbcn 
fein  fönnen,  n)efentlic&  gemilbert  (oergl.  aud)  olbenb.  ®ef.  o.  24.  3lpril  1873 
Srt.  11  §  2,  3Irt.  12).  2)ie  Sefugnife,  bie  gDSiebertjerfteUung  ber  efjelic^en 
9}u|niefeung  unb  SSerroaltung  ju  verlangen,  bem  ®I)emanne  auä)  no6)  in 
anbeten  %aUtn,  etwa  im  gaUc  bcs  §  1327  9k.  3  bann  einjuröumen,  menn  er 
naä^  Secnbigung  beö  Äonfuröoerfaljrcnö  roicbcr  ju  beffcren  SSermögenöumftänben 
gelangt  ift  (oergf.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §§  264, 265),  ift  bagegen  als  bebend 
li4  erad^tct,  ha  fid^  in  biefen  anberen  gällcn  nid^t  mit  Sid^erl^cit  fcftftellen 
läßt,  ob  bie  ©rünbc  ber  2tuf^ebung  ber  et)elic^en  9lu|nie6ung  unb  SJerrooItung 
in  ber  X\)ai  oollftänbig  meggefoUcn  finb. 

3)oö  9Hed|t  bcß  ®I)emanneß  auf  SBieberfierftellung  ber  el)clid)cn  9hi6- *"^*"«r»i'fTip. 
nie^ung  unb  SSerroaltung  an  eine  ^räflufiofrift  ju  binben,  um  bie  ©cftaltung 
beö  flüterrcd^tüd^cn  SBer^ältniffeö  nid^t  auf  unbeftimmte  ^dt  üon  ber  ÜBillfür 
be«  g^emonneö  abhängig  ju  mad^en,  empfiehlt  fid^  nid|t.  ©ine  fold^c  ^räffufin^ 
frift  t)ertragt  fic^  nid^t  mit  bem  ©eftd^töpunfte,  ba^  baö  l^ier  fraglid)e  9{ed^t 
beö  ß^emanncö  bem  (Srunbgebanfen  beö  gefe^Iid^en  e^elid)en  Oütcrredjteö  ent^^ 
fpricjt;  biefetbe  ift  auc^  burd^  ein  praftifd^cö  Sebürfni^  nic^t  geboten,  überbieö 
für  foi(|e  göHe  bebcnflid^,  in  TOcfd^cn  jroar  bie  ©ntmünbigung  ober  SJormunb^ 
f(^ft  roieber  aufgel^oben,  bie  ©efunbl^eit  beö  G^emanneö  aber  nod)  nid^t  in  bem 
9Ra§e  roiebcrlicrgefteflt  ift,  bafe  er  üor  Slblauf  ber  ^röHufiofrift  bie  orbnungö:^ 
mSfeige  SSerroaltung  beö  33ermögenö  ber  ß^efrau  mieber  übernehmen  fann. 

Somit  bie  ®^efrau  im  galle  ber  SBiebcrl^erftenung  ber  ef)eli(^en  9lu6'  «orbe^ait«. 
nifjung  unb  58crroaltung  nid^t  fd^Icd&ter  geftellt  mirb,  atö  menn  bic  (entere  ^"'  fwu. 
niemalö  aufgehoben  morben  märe,  beftimmt  ber  §  1331  3Cbf.  1  ©ag  2,  bafe 
im  gaDe  ber  SBieberlierftenung  berjenige  2:^eil  beö  93ermögenö  ber  ®^cfrau 
SJorbe^altögut  mirb,  mcld^er,  menn  bie  efielid^e  9Ju^nie6ung  unb  aScrroaltung 
nii^t  aufgehoben  roorben  märe,  SBorbel)aItögut  geblieben  ober  geroorben  fein 
würbe.  S)icfe  golge  ber  SSBicber^erfteUung  ber  e^elic^en  Jlufeniefeung  unb  aSer:^ 
wUung  tritt  mit  ber  SBicberlö^rfteUung  fraft  beö  Ocfeßeö  ein.  Siefe  dlc-^ 
flelung  oerbient  bcn  SSorjug  üor  einer  folt^en  ©eftaltung,  meldte  ber  ß^efrau 
nur  einen  entfprecftcnben  SKnfprud^  giebt.  S)icfer  [entere  2Beg  mürbe  ben  auf 
Sicber^erftcIIung  ber  e^elid^en  SJutiniefeung  unb  SSerroaftung  gerid^teten  ^rose^ 
tomplijiren,  ba  er  bie  S^cfrau  nötl^igen  mürbe,  in  jenem  ^rojeffe  ifiren 
Snfpru^  Im  SGBegc  ber  Sinrebe  geltenb  ju  mad&cn  unb  ju  fubftantiiren,  fallö 
bctfelbe  nicftt  ouögefc^toffen  werben  foU.    aSon  felbft  oerftel&t  eö  fic^  übrigenö. 


304 


(Sl&cüerträge.    fflcflriff.    Sulafilgfcit.    §  1333. 


3citpunft  bc«:i 

SBicbexi 

eintrittee . 


Zäfüti 

beä  guten 

(glaubend 

u.  f.  n). 


bafe  bie  von  ber  ®[)cfrau  bis  jur  aBiebcrijerftcUung  bcr  ef)cUd)cu  Siufeniefeung 
iinb  33crroaltung  injmifdjcn  eingegangenen  33crbinblid)feiten  mä)  ben  §§  1311, 
1312  unterfd^iebsloß  e^egutöoerbinbUd^feiten  ftnb,  Dorbc^altli^  bcr  SKuögleid^ung 
unter  ben  ©tjegotten  felbft  nad&  aJlafegabc  bed  §  1331  9lbf.  1  ©aß  2  in  SSer:^ 
binbung  mit  §  1316,  [oraie  Dorbefialtiid^  bcö  aus  §  1331  3lbf.  2  unb  §  1329 
etwa  fid)  ergebenben  9lnfprud&eö  bes  ß^emanncö  gegen  bie  ßfiefrau. 

9lad&  aibf.  2  tritt  bie  aBiebertjerftellung  ber  efjend^en  Slußniefeung  unb 
aSerroaltung ,  fofern  fte  nid^t  burc^  (g^eoertrag  erfolgt,  mit  bcr  SRed^töfraft 
beö  bie  2BieberöerfteIIuijg  beftimmenben  Urt^cileS  ein.  ©infaci^cr  mürbe  cö 
allerbingö  fein,  ju  beftimmcn,  bafe  bie  9BieberI)crftcIIung  bnrd^  eine  in  bcr 
gorm  einer  gerid)tUd^en  ober  notariellen  Urfunbe  gegenüber  ber.@f)efrau  ab- 
jugebenbe  ©rflärung  beö  ©Ijemanneä  erfolgt.  Snbeffen  ift  biefe  9lrt  ber  Siegelung 
um  beämiHen  bebentUd),  meil  bie  3ßieber()erftenung  ber  e^cUd^en  ^flußnießung 
unb  SBcrmaltung  nid)t  lebiglid^  üon  bcr  barauf  geri^teten  SBiDcnöcrffärung 
beö  ©fiemanncd,  fonbern  jiigleidj  üon  anbercn,  üon  ber  @[)efrau  DieUeid&t  be^ 
ftrittenen  SSorauöfefeungen  abl)ängt.  ^nöbcfonbcrc  fann  ber  (g^efrau  bem  Slm 
fprud&e  beö  ©^emanneö  gegenüber  bie  (Sinrebe  jufte£)en,  bafe  fic  auö  einem 
anberen  (SJrunbe,  als  bemjenigen,  roeld^er  ju  bcr  ©ütertrennung  gefül)rt  [)at,  bie 
befinitioe  Oütertrennung  oertangen  fönne,  fei  es,  ba^  biefer  3lnfpriid)  fd&on  5ur 
3eit  ber  erfolgten  ©ütertrennung  t)or[)anben  gcmefen  (ücrgl.  5.  3J.  §  1328 
9lr.  1)  ober  erft  fpätcr  eingetreten  ift  (oergl.  §  1327  9lr.  3). 

2)aB  im  galle  ber  aBieberI)crfteIIung  bie  33eftimmungen  ber  §§  1329, 
1336,  1337  cnifprcc^enbe  ainroenbung  finben  foUen  (§  1331  9lbf.  2  606  2), 
rcditfertigt  fid^  burd)  bie  älnalogie  ber  3Serl)ältniffe. 


§  1332. 

2)ie  Seftimmung  beS  §  1332  beruht  auf  äfinlic^en  Grroägungen,  roit 
imiaärbcr  bicicnigcn,  meldte  ju  ben  Seftimmungen  beö  §  1331  geführt  I)abcn  (oergl.  bie 

lobe«* 
ertlärung. 


^teber^er 
fteHung 


ajlotioe  JU  §  1331  unb  ju  §  1327  ©.  293  ff.). 


©crtraß*^ 
frci^eit. 


SDritter  Xitel. 

L  ungemeine  Sorfd^ rif ten. 

§  1383. 

3n  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  SHcdEite  (ücrgl.  ®ntfd&.  b.  91.  0. 
in  ßiüilf.  XVI,  27)  unb  ben  neueren  2anbeöred)ten  txtmwt  ber  §  1333  auö 
ben  in  ber  (Einleitung  ju  bem  el^elidöen  (Süterred^te  oben  S.  171  ff.  bereits 
bargclegten  Orünben  aud^  auf  bem  ©cbiete  beö  el)elid)en  Oüterred^teö  in  STn* 
fel)ung  ber  Drbnung  ber  oermögenöred^tlid^cn  SJerljältniffe  unter  ben  ßl^egattcn 


e^cmtraflc.    aSeßriff;  Suläffigfeit.    §1333.  305 

ben  Orunbfaft  ber  aSertraflöfrcl^cit  an,  unb  ätoar  bol^in,  bofe  bic  ©Regatten  »e«rtff  u% 
ni(^t  nur  ben  flefcllid^cn  ©üterftonb  ber  c^ici^en  Siufenicfeung  unb  gjcr^  ®^'*'^^^**- 
©dtunfl  mobiftjiren  ober  no^cr  beftimmen,  fonbcrn  an6)  benfelben  gänjlid) 
Qiisf(^fie6en  unb  bie  güterred^tlid^en  aSerfjältniffe  burd^  SBertrog  fclbftänbig 
regeln  bejro.  ben  gcfeglid&en  ©üterftanb  mö)  erfolgter  Sttenberung  ober  Slußs 
Wliefeung  roieber^erftellen  unb  ben  burd^  aScrtrag  begrünbeten  ©üterftanb 
wieber  änbem  fönnen.  5file  SSerträgc  biefer  2(rt,  auä)  bieienigen,  burc^  loetd^e 
ker  gefeftlicfte  ober  ber  oertragdmäfeig  unter  ben  S^egotten  bcfte^cnbe  ©üterftanb, 
loenn  au^  nur  in  einjelnen  Scjie^ungen,  namentlid^  in  SSejiel^ung  auf  ein* 
idne  SBermögenöftücfe  ober  SBermogenöt^eilc  (oergl.  §§  1286,  1335  2lbf.  2, 
§§  1346, 1351  SRr.  1,  §§  1413, 1416),  mobifiairt  wirb,  faUen  na^  §  1333  unter 
ben  Segriff  beö  ß^eDertrogeö  unb  unterliegen  ba^er,  t)orbe^altli<3^  ber  im 
§  1335  äbf.  2  bcftimmten  SluSno^me,  ber  im  §  1335  9lbf.  1  Dorgefd^riebenen 
Jorm.  ©elbftDerftänblic^  fönnen  inbcffen  burd^  ß^eocrtrag  fold^e  93eftimmungen 
ni^t  getroffen  werben,  meldte  entioebcr  nac^  ben  allgemeinen  ©runbfögen  beö 
®efetbu<^eö  (»ergl.  indbefonbere  §§  105,  106,  344)  ober  nac^  ben  befonberen 
Sorfc^riften  über  ß^eoerträge  (oergl.  §  1334)  auögef(^loffen  finb  füergl.  code  civil 
Art  1387;  ©euffert  XIX,  100,  XXX,  38).  ^nöbefonbere  t)crftel|t  e«  fid^  von 
felbft,  ba6  gefeglid^e  33orfd^riften,  burd^  meldte  bie  SGBirfungen  ber  6^e  für 
bas  9lec^tÄocr^äItni&  britter  5ßerfonen  ju  ben  ß^gatten  ofinc  SRüdffid&t  ouf 
ein  beflimmteö  e^elid^es  ©üteroerl^öltnife  geregelt  fmb  (oergl,  j.  83.  §  1282), 
burcö  ©^ewrtrog  nid^t  gednbert,  foroie  bafe  bie  burd^  baö  ©cfeg  unter  geroiffcn 
t^QtfQ(|Iid^cn  38orauöfe|ungen,  insbcfonberc  unter  ber  a3orouöfc|ung  eines 
bejtünmten  unter  ben  ©Regatten  beftetienben  ©flterred^töoertiältniffeö,  britten 
?crfonen  eingeräumten  9led^te  (oergl.  j.  83.  §§  1311,  1359  3lbf.  2)  beim 
Sor^onbenfein  jener  SBorousfeftungen  burd^  ©tjcocrtrag  nid^t  beeinträchtigt 
neri^  fönnen. 

3n  Uebcreinftimmung  mit  bem  gemeinen  Siedete  unb  ben  meiften  Sanbeö^  c^eoertrÄ«« 
rechten,  inöbefonbere  aud^  —  oon  gemiffen  auf  bie  ©ütergemeinfd^aft  fid^  be^^  9?^"i?nfb^ 
jie^enben  ©pejialitäten  abgefetien  —  in  Uebereinftimmung  mit  bem  preufe.      «^«• 
Staate  (oergl.  preufe.  ä.  S.  91.  II,  1  §§  215,  251,  252,  354,  355,  412 ff.; 
baijr.  S.  «R.  I,  6  §  29;  mürttcmb.  S.  SR.  III,  8  §§  2,  3;  fäd^f.  ®.  83.  §§  1691, 
1694;  olbenb.  ®ef.  o.  24.  äprit  1873  3lrt.  21),  fann  nad&  §  1333  9lbf.  2  ein 
(S^eoertrag  fomo^l  oor  als  nad)  ©inge^ung  ber  (Sl|e  gcfd)loffen  rocrben. 

2^er  abroei^enbe  ©tanbpunK  anberer  SRed^te,  inöbefonberc  bcö  franj. 
»e^ted  unb  bed  bab.  2.  91.  (code  civü  5lrt.  1394, 1395 ;  bab.  lö.  di.  Sag  1394, 
1395;  oergl.  au^  ^eff.  ©ntn).  IV,  2  Slrt.  437),  meldte  ben  aibfd^lufe  oon  (gfie* 
Verträgen  roä^renb  befte^enber  6^e  für  unjuläffig  erflären,  läfet  [\d)  burd)  bie 
befonbere  Slotur  beö  unter  ben  ©Iiegatten  felbft  beftef)enben  93ert|ältniffed  nid^t 
xed^tfertigen.  3^  inniger  bie  burd^  bie  6^e  begrünbete  SebenSgemeinfd^aft  ift, 
um  fo  tiftt  ift  ed  möglid^,  ba|3  bie  ©Regatten  erft  mälirenb  ber  @l)e  ju  ber 
Snjid^t  gelangen,  bag  eine  anbere  Drbnung  ber  S3ermögendoer^ältnif[e ,  als 
bie  gefe|(id^e  ober  als  bie  oor  @inge{)ung  ber  @l|e  oon  ifjncn  oereinbarte,  für 
fie  ifoedtnägiger  fei.  3[ud^  äußere  83erf|ältnif{e  fönnen  eintreten,  roetdje  eine 
9eiü)ening  munfd^enötoert^  erfd^einen  laffen.  S)iefen  ©rroägungen  gegenüber 
fann  auf  bie  SKoglid^feit  eines  ÜJliPraud^eö  ber  e^elic^en  Sörtlid^feit  ober  be& 


Srilter; 


306  ©öeoerträge.    »egriff;  Sußfrtöfeit.    §  1333. 

Ucbergeroid^tcs  beö  ©^emanncö  —  ©efic^töpunfte,  auf  rodeten  bie  Scftimmung 
bcö  preufe.  31.2.31.  II,  1  §§  854,  355  ju  berufen  fd^eint,  bafe  bic  ©ütcr- 
gcmcinfd^aft  rcgclmäfeig  nur  oor  ®ingef|ung  ber  @^e  Dcrabrcbct  werben  fann  — 
entfd^eibenbeg  ®emid^t  ntc^t  gelegt  n)erben,  ^umol  ber  @ntn)urf  and)  bie  be^ 
fd^ranfenben  93eftimmungen  über  bie  Sürgfd^aftcn  ber  (S^efrauen  unb  boß 
SBcrbot  ber  ©d^enfungen  unter  ©Regatten  befeitigt  ^at  (oergt.  bie  aBotioe  oben 
©.  113  ff.). 
^m.V  ^^^  ^^^  nteiften  JRec^te,  n)e(d^e  ben  Slbfd^Iuß  oon  ®f)eoerträgen  roä^renb 

befte^enber  @^c  nidfit  julaffen,  ift  oud^  weniger  bie  Stüdffid^t  auf  bie  ©Regatten, 
als  bie  SRücffid^t  auf  bic  Sntereffen  dritter  ma^gcbenb  gcroefen.  ®iefe  tegtere 
SRürffic^t  ^at  t)erfd^iebenc  onbere  SRed^te,  roel^e  fein  entfd^eibenbeö  ©eroid^t 
barauf  legen,  bag  baö  33er^ättni§  unter  ben  ®f|egatten  mit  bem  SSer^ältniffe 
nad^  äugen  übcreinftimmt,  bo^in  geführt,  ftatt  ben  Slbfditufe  von  ß^eoertrogen 
TOä^renb  befte^enber  ®^e  auäjufc^riegen,  benfclben  nur  bie  rec^tUt^e  SBirffamfcit 
gegenüber  ©ritten  inforaeit  ju  entjie^en,  alö  pe  auf  eine  bie  Snterejfen  S)rtttcr 
berü^renbe  Stenberung  beö  gcfeglic^en  ©üterred^teö  gerid&tct  ftnb  (oergL  e^rcm 
breitft.  ©ntto.  §  85).  2)ad  l)amb.  SRed^t  ge^t  in  biefer  SRid^tung  nod^  einen 
©d^ritt  weiter  unb  entjie^t  aflen,  anä)  ben  oor  6ingel[|ung  ber  G^e  ge? 
fc^Ioffenen  e^eocrträgcn  ber  fragtid^en  Slrt  bie  red^tlid^e  SBirffamfeit  gegenüber 
©ritten,  ©ine  berartige  Se^anblung  ber  ©ac^e  ift  oud^  bei  ben  SBer^anblungen 
bcö  13.  beutfd&cn  3uriftentageö  lebhaft  oertlöeibigt  worben  (tJcrgl.  S3b.  U  jener 
SSer^.  ©.  65  ff.).  S)ie  aJlcl^rja^t  ber  ^ier  in  SRcbc  ftc^enben  «Redete  ge^t  ieboc^ 
nid^t  fo  weit,  fonbcrn  befc^ränft  ftd^  barauf,  bic  SBirffamfeit  ber  g^cüertragc 
gegenüber  ©ritten  tjon  einer  öffentlid^cn  Seifanntmad^ung  abpngig  ju  mad^cn. 
9luf  bicfcm  ©tanbpuntte  fte^t  aud^  ber  non  ber  1.  unb  2.  ^[btfieilung  be« 
13.  beutfd^cn  3uriftcntaged  gefaßte  Scfd^Iug  (S3b.  II  ©.  137). 

gür  bic  ©ntfd^cibung,  ob  es  jum  ©d^u|e  ber  Sntercffcn  ©ritter  in  ben 
l)ier  fraglid^en  SRid^tungen  befonberer  Sßorfd^riften  beborf,  ift  ber  3n^alt  bc« 
gefefetid^cn  e^elid^cn  ©üterrcd^teö  oon  entfd^eibenber  »ebeutung.  3^  no<%  ber 
Ocftaltung  be&  Ie|tcrcn  ift  bic  Slüdfroirfung,  roeld^c  baöfc(be  mittelbar  auf  bic 
SRcd^te  ©ritter  ^at,  eine  größere  ober  geringere,  ©ie  ift  fcl^r  cr^eblid^  bei  ber 
allgemeinen  ©ütcrgemcinfdiaft  wegen  ber  Seftimmungen  über  baö  SSerfügungös 
red^t  in  3lnfel^ung  beß  ©cfammtgutcö  unb  über  bic  Haftung  beö  Icgtercn 
für  ber  beiberfcitigcn  ©d^ulbcn  ber  ©Regatten.  3lcl)nlic^  liegt  bic  ©ad^e 
bei  ber  aKobiliargemeinfc^aft  beö  franj.  SRc^tcö.  SBcnigcr  crJ^cblid^  ift  ber 
©influß  bcö  gcfc|Ii(^cn  ©ütcrrcd^tcö  auf  baö  SSer^ältniß  ju  ©ritten  bei  ber 
©rrungenfd^aftögcmcinfd^aft,  obwol^I  auc^  l^ier.  Je  nadd  ber  Sluöbilbung,  roclt^e 
biefcö  ©pftcm  im  ©inicincn  gefunben  ^at,  bic  SlüdEwirfung  bcöfclbcn  auf  baö 
SBcrl^ältniß  ju  ©ritten  eine  red^t  bcbeutcnbc  fein  fann.  5Rur  no^  in  einjcincn 
»ejic^ungen  tritt  eine  berartige  SRüctwirfung  bei  bem  ©pftcmc  ber  e^clld^cn  3bip 
nießung  unb  SSerwaltung  ein  unb  fic  fallt  ganj  weg,  wo  tjollftanbigc  ®üter* 
trennung  ober  ©otatred^t  bcftefjt.  ©cm  entfprcd^enb  finbcn  fid&  SSorfd^riften,  lüelt^e 
ben  Slbfd^lufe  oon  ©^cocrträgcn  wäl^rcnb  bcftc^cnbcr  ©^c  auöf daließen  ober  i^nen 
bic  rcd^tlid^c  SBßirffamfcit  gegenüber  ©ritten  oerfagen  ober  bic  Icfttcre  oon  einer 
bffentlid[)cn  Sc!anntmad)ung  abhängig  machen,  oorsugöwcifc  unb  am  ton* 
fequcntcften  ouögcbilbct  in  ben  SRcc^tögcbictcn  ber  allgemeinen  ©ütergcmcinfc^aft 


e^cöertrogc.    Segriff;  Suläfftöfeit.    §1333.  307 

iinb  bcr  SKobiliorflemcinfd^aft  bcö  fronj.  SReci^tedi).  35ie  übrigen  Siedete  ber 
^ifulären  ©ütergemcinfd^aft  ^aben  pm  S^eit  berartigc  SSorfdiriften  auf^ 
jmommen,  jum  S^cil  lüeggetoffcn.  3n  ben  auf  bem  SBoben  ber  SSerroaltungd^ 
jemeinfd^aft  unb  ber  ©ütertrennung  fte^cnben  SRed^ten  festen  fie  meiftenö  t)olI^ 
jifabig,  ober  efi  fotnmen  bod^  nur  fpejicHe  Scftintmungcn  für  einjelne  SScr^altniffe 
iHnr.  3m  9[nf(i^lu{fe  an  biefe  ©eftattung  unb  @ntn)itfe(ung  bed  beftetienben  9ted^ted 
^t  aud^  ber  Gntourf^  ba  bad  gefeglid^e  ©üterred^t  bedfe(ben  auf  bem  @i)fteme 
te  e^Iid^en  Slufeniefeung  unb  SBerroaltung  berul^t,  bef  onbere  Seftimmungen,  burc^ 
loelc^e  bie  S^läffigfeit  Don  @^et)erträgen  mfil^renb  beftel^enber  @^e  audgefd^Ioffen 
ober  benfelbcn  blc  red^tltd^e  aBirffamfeit  gegen  35ritte  Dcrfogt  ober  bie  legtere 
janj  aDgemein  Don  einer  öffentlit^en  S9efanntmad^ung  abl^ängig  gemad^t  mtrb, 
iiit^t  für  erf orberlid^  erachtet,  f onbcm  fid^  jum  Sd^ufte  ber  3ntereffen  35ritter  auf 
We  »orfd&riften  ber  §§  1336,  1337  befd^ränft  (üergt.  bie  SKotbe  ju  §§  1336, 
1337).  3w&bef onbere  fe^U  eÄ  nom  ©tanbpunfte  beö  ©ntrourfeö  aufi  an  einem  ^^{^^^^ 
Sebfirfnifie,  jum  ©d^ufte  ber  (Staubiger  ber  Sl^egatten  bie  SBirffamfeit  ber  ^**' 

C^ewrrträge  in  ber  einen  ober  anberen  9lrt  weiter  ju  befc^ränfen.  35ie  bc^ 
fonbere  SSeftimmung  befi  ,olbenb.  ®ef.  v.  24.  Slpril  1873  3[rt.  20,  bag,  wenn 
oorbe^Itened  Vermögen  in  eingebrad^ted  vtwoanbtlt  n)irb,  badfelbe  aud^ 
naäfytt  für  alle  früheren  SBerbinblic^feiten  ber  S^efrau  in  STnfprud^  genommen 
werten  fann,  üerbient  feine  SiUigung.  Sie  äfnalogie  ber  §§  1311,  1312, 
luu^  loelc^en  bie  ©laubiger  ber  @^efrau  megen  aller  Dor  Eintritt  ber  el)e- 
lii^en  Slufinieftung  unb  SBenoaltung  entftanbenen  aSerbinblid^Jeiten  ber  6^e* 
frau  bie  SBefriebigung  au(^  aud  bem  @l^egute  o^ne  Stüdffid^t  auf  bie  el^eli^e 
5tu(niegung  unb  äSenoaltung  verlangen  fbnnen,  trifft  bei  ber  Umn)anb(ung 
finjelner  93eftanbt^eUe  bed  SBorbel^aHdguted  in  @^egut  nid^t  ju.  ®ad  33ep 
^(tni§  tft  in  biefem  ^alle  fein  anbercd,  a(d  n)enn  bie  S^efrau  bad  @igem 
^um  an  einjetnen  39eftanbt^ei(en  beö  SSorbelialtdguted  auf  i^ren  @l^emann 
«ber  einen  5Dritten  übertrögt  ober  einen  gemötinlic^en  92ie|3braud^  an  fold^en 
iSegenftänben  befteüt.  ^aju  lommt,  bag  jene  Seftimmung  bed  o(benb. 
iSefe^eft  o^e  weitere  bef  onbere  Seftimmungen  in  il^rer  2)ur(^f  ü^rung  ju  praf* 
tifi^en  Sd^roierigfeiten  führen  mufe.  3n  einem  äl^nlid&en  ©inne,  wie  bie 
gebückte  Seftimmung  beö  olbenb.  ©efejefi,  ift  l^in  unb  wieber  aud^  bie  SSor^^ 
fcjrift  be«  preufe.  St.  S.  3i.  II,  1  §  252  aufgelegt  roorbcn.  ©o  oerftanben, 
würbe  biefelbe  über  bad  olbenb.  ©efe^  ^inau$  ba^in  führen,  bag  anbererfeitd 
ixaif  eine  üertragömäfeige  Sluf^ebung  ber  e^elid^ien  Slufeniefeung  unb  SSer- 
Twttung  gegenüber  ben  frül^eren  ©laubigem  beö  ®l^emanneö  atö  nid^t  erfolgt 

')  »ergl.  inrtefonbere  preui  «.8.  St.  11,  1  §§  412,  413,  419,  422  ff.  netft 
^  preu^  ©ef.  o.  30.  aJlärj  1837;  Brem.  S^epaftenorbn.  ».  19.  ©cjcmbec  1833 
S§  3-5,  7  unb  brem.  ®ef.  ».  25.  3uni  1879  §  22;  olbenb.  ®ef.  u.  24.  3tpril  1873 
«It.  39  §  1 ,  art.  31  §§  2 ,  3 ;  f otoic  in  3tnfe6utig  ber  ßteöcrträge  bcr  ftaufleutc  bie 
oerf((iebenen  Ginf.  ©efc^c  jum  i>.  ®.  S5. ;  ferner  über  bie  Beftrittenc,  aber  in  neuerer  3eit 
öon  ber  |>ra;i8  oorwiegenb  uemcintc  grage,  oB  na^  gemeinem  Sleci^te  bie  öffcntlidfee 
Sefanntna^ung  jur  Sßirffamfeit  ber  bie  gefe^Iid^e  allgemeine  ©i'ttergemeinlc^aft  aud' 
fdftlieBenben  ober  aufBebenben  Verträge  gegen  ©ritte  erforbcrlid^  ift,  ©euffert  IX,  170, 
171,  XX,  47,  61,  XXVn,  237,  XXXI,  338;  ßntf*.  b.  9t.®.  in  ©iuilf.  VI, 
-62,  IX,  19. 

20* 


308  .(Stcmtrdöc.    SBcgriff;  Sulaffiofcit.    §1333. 

aniufcl^cn  iDare,  bicfelben  [xä)  mithin  an  bic  Slugungen  bed  umgemanbelleit 
SScrmögeud  nod^  in  bcm  gleid^en  Umfange  galten  fönnten,  ato  iDenn  bodfelbe- 
nod^  cingebroc^tcö  SBemiögcn  wäre.  ®inc  bcrartigc  Scftimmung  ift  inbcffca 
cbcnforocnifl  gercd^tfertigt,  roic  bic  gcboc^tc  93eftimmung  beö  olbcnb.  ©cfcftefi^ 
2)ie  e^clid^c  92u^niegung  unb  SBern)a[tung  ift  tüic  ftd^  namentlid^  aud  bea 
SJcftimmungcn  ber  §§  1298,  1299  ergicbt,  nid^t  baju  bcftimmt,  ben  ©laubigem 
bcd  @^emanneö  a(0  ^rebitbaftd  ju  bienett.  2ßie  anbete  93eftanbtl^ei(e  bed- 
SSermögend  bcd  ©^emanned,  rotnn  fle  aud  biefem  Vermögen  audgefc^^ieben 
finb,  ben  ©laubigem  beö  S^emanneö  nid^t  metir  l^aften,  fo  unterliegen  aud^ 
bie  9{ugungen  bed  S^eguted  biefer  Haftung  nid^t  me^r,  fomeit  bie  e^elid^e 
9iugnie|ung  unb  SScrroaltung  n)eggefaQen  ift.  ©egen  bie  ©efa^ren,  rotUStt 
ben  ©laubigem  bed  @^emanned  aud  ber  ätuf^ebung  ber  el^elid^en  92u|nie§ung. 
unb  93em)altung  burd^  @l^et)ertrag  n)al^renb  beftel^enbcr  @^e  im  ^inblidEe  auf 
bie  9tugungen  bed  @^egutcd,  indbefonbere  aber  im  ^inblidte  auf  bie  Erfüllung, 
fold^er  SSerbinblid^feiten  bed  @^emanned  gegenfiber  ber  @l|efrau  em>ad^fea 
fönnen,  n)eld^e  ber  @^emann  n)egen  ber  el^elid^en  9{u|niegung  unb  äSermoltung 
erft  nac^  beren  ^enbigung  ju  erfüllen  Derpflid^tet  ift,  ftnb  bie  ©laubiger  bed- 
e()emanned  burd^  bie  SBorfd^riften  bed  §  25  Sir.  2  ber  Äonf.  D.  unb  bed  §  3- 
3lr.  4  bed  51.  ©ef.  v.  21.  3uli  1879  audreic^enb  gcfd^ü^t. 
«uf^ebutifl  3tt>^if^l^öf^  fönn  ed  fein,  ob  ed  fi^  ni^t  jum  Sd^uße  ber  3nteref|m 

*wn**bT  ©bitter  empfehlen  würbe,  oon  ber  SHegel  bed  §  1333  3lbf.  2,  ba^  ein  ©(^ 
«üterflemcin-  vertrag  aud^  nac^  @ingct|ung  ber  6^e  gefd^loffen  werben  fann,  für  fok^ 
Slcoertl*o*  ß^eoerträge  eine  äudnal^me  ju  mad^en,  meiere  auf  bie  3luf^ebung  ober 
9tenbemng  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ober  ber  ©rrnngenf^ioftfis^ 
gcmeinfd&aft  ober  ber  ©emeinfd^aft  bc&  beroeglid^en  SSermogend  unb  ber 
©rrungenfd^aft  gerid^tet  fmb.  ©egen  eine  fold^e  Sludnal^me  fann  aller* 
bingd  bei  einer  praftifd^  fo  roid^tigen  grage,  wie  ber  tjorliegenbm,  auf  bea 
©efi(^tdpun{t,  bag  ed  ftd^  oom  Stanbpunfte  bed  ©ntmurfed  aud  ni(^t  um 
bie  SKuffiebung  einer  auf  ©efeft,  fonbem  um  bie  2luf Hebung  einer  auf 
aSertrag  beml^enben  ©ütergemeinfd^aft  ^anbelt  unb  für  biefen  %aU  au4i  boÄ- 
beftel^enbe  äted^t  übermiegenb  bie  Sluf^ebung  ber  ©ütergemeinfd^aft  mö^renb 
bcftel^cnbcr  6^e  burd^  (S^etjertrag  juläSt  (oergl.  indbefonbere  preufe.  Sl.  S.  91. 
II,  1  §  419;  olbenb.  ©ef.  o.  24.  9lpril  1873  ^xi.  27  §  1,  3lrt.  31  §  3),  für 
ftd^  allein  entfd^eibenbed  ©emid^t  nid^t  gelegt  werben,  jumal  bie  dSorfd^riften 
bed  ©efe^bud^ed  über  bie  nertragdmögige  ©ütergemeinfc^aft  l^erDorragenb  boju 
beftimmt  finb,  in  benienigen  ©ebietcn,  in  meldten  gegenwärtig  ©ütergemein* 
fd^aft  fraft  bed  ©cfeged  beftel)t,  bie  lefetere  moglid^ft  ju  erfe|en,  nad)  bem  jur 
3eit  in  grofeen  SRed^tdgebielen  geltenben  SHed^te  aber,  indbefonbere  nac^  fran}. 
JRec^te  unb  —  wenigftend  für  bie  Siegel  —  aud^  nad^  bem  preufe.  91.  2,  9L 
(t)ergl.  code  civil  3lrt.  1394,  1395 ;  preufe.  31.  S.  di.  II,  1  §§  412  ff.)  bie  gcfcfr^ 
lid^e  ©ütcrgemcinfd^aft  wä^renb  bed  Sefte^end  ber  6^e  burd^  ß^eoertrag  mc|i 
audgcfdjloffcn  werben  fann.  ©ntfd^cibcnb  ift  aber  bie  Grwägung,  bafe  aud  ben. 
oben  ©.  305  ff.  bargelegten  ©rünben  bad  Sntereffe  ber  ©Regatten  bie  Swläffifl* 
feit  ber  3luf^ebung  ber  ©ütergemcinfd^aft  briiigenb  er^eifd&t.  2)iefem  3^tcref|e 
ber  6f)egatten  mufe  bic  Siüdffic^t  auf  bie  SSerfetjrßfK^er^eit,  indbefonbere  Me 
9<ücffid)t  auf  bie  ©laubiger  bed  ©l^emanned,  nad^fte^en.  3)em  3ntereftc  SJrtüer- 


ejcuertrage.    SuIafriöfcU;  »cfc^rdnfuno.    §1334.  309 

wirb  au^  in  bcr  ^kr  fratjlid&en  Scjic^ung  burd^  bic  SSorfd^riften  bcr  §§  1336, 
1337  in  gcnügcnber  SBcifc  Stecftnung  gdragcn.  SBcgcn  bcr  fpcjieUcn  gragc, 
t*  irnb  inroicrocit  ein  S3cbürfnl§  anjucrfennen  ift  roenigftenß  in  bcm  gallc, 
TDtnn  bcr  ücrtragömäfeigc  ©üterftanb  bcr  ©ütergemeinfd^aft  naä)  SRafegabc  bcr 
«orfc^riftcn  bcr'§§  1435—1437  ocroffcntlid^t  war,  ju  ©unften  bcr  ©fäubigcr 
irt  einen  ober  anbercn  ß^cgotten  einen  über  bic  SBorfd^riften  beä  §  1336 
^iiunidge^enbcn  Sd^ufe  eintreten  ju  laffcn,  wirb  auf  bie  ÜRotiüc  ju  §  1336 
9()ug  genommen. 

3m  3[nf(ftlu{fe  an  bafi  prcufe.  91.  2.  SR.  —  obroeid^enb  üom  code  civil  «ertTäae  ber 
«rt.  1388  nnb  bem  fäd&f.  ®.  S3.  §  1692  —  fmb  in  ben  (Sntiüurf  bef onbcrc  üb«?^rl*IIIr- 
Sejitimmungcn  über  aScrträge  ber  ©Regatten,  roeld^e  bercn  perfonlid^e  33crf)ä(t' ^*""J^«  ®*^ 
Tiific  unter  einanber  regeln,  nid&t  aufgenommen.    ®d  genügen  in  biefer  S3e« 
iif^ung  bic  ollgemeinen  Orunbföße  bcö  ©efegbud&cß,  inöbefonberc  bie  35orfd)rift 
befi  §  106  in  aScrbinbung  mit  ber  ©rroägung,  bofe  baö  Snftitut  ber  S^c  ein 
3«ftitut  bcr  5ffent[id&cn  Drbnung  ift.    3)arauö  ergiebt  fic^  oon  fclbft,  bafe 
jebe  35frtragdbeftimmung,  meldte  nad&  bcm  ganjcn  Sinne  unb  3wccfc  beö 
6efe|cd  gegen  baö  familienre4)tlic^c  SBcr^ältnife  bcr  ®f)e  imb  bamit  gegen  bie 
öffenllid^  Crbnung  oerftofet,  nac^  SKofegabc  bcö  §  106  nid^tig  ift. 

Saß  in  benienigen  gdllen,  in  meldten  eine  anfcd^tbare  ®^c  alö  nid&t  umoirffom* 
flefc^Ioffen  onjufe^en  ift  (§  1260  aibf.  2),  aud^  ber  ©tjCDcrtrag  unroirffam  ift,  »ertr^^Mm 
wil  bcrfelbe  boö  »cftefien  einer  (gf|e  uorauöfcfet  (fäd^f.  ®.  93.  §  1706),  öerftel)t  ^^^^  ^JJ 
^  r>on  felbft.    6d  finbcn  in  einem  fotc^cn  galle,  fooiel  bie  gofgen  ber  Un«      e^c 
wirifamfät  beö  (gfieocrtrageö  betrifft,  oorbefiattlid^  bcr  S3cftimmungcn  bcö 
§  1270  ücrb.  mit  ben  §§  1257,  1258,  bie  allgemeinen  ©runbfögc  über  bie 
^inbifation,  über  bic  Äonbiftion,  über  ben  aiuftrag  unb  bic  Ocfd&äftßfüfirung 
o|nc  Auftrag  STnroenbung.    S)aöfelbe  gilt,  wenn  bic  ®^e  nid)tig  ift  (§§  1252, 
1257,  1258).    3iuä)  bic  bcftcf|cnbcn  JRcd^te  entfjaltcn  in  bicfcr  ^infid^t  bc- 
fonbcrc  Scftimmungcn  nic^t.    SGBirb  bagegen  bie  ®^e  gefd^ieben,  fo  bcfjält  bcr 
S^cöcrlrog  in  ©cmdfe^cit  allgemeiner  ©runbfäfec  bie  SBirffamtcit,  meldte  er 
biß  jur  ©d^eibung  ^atte,  in  ooUem  Umfange  unb  l^ört  bic  SBirffomfeit  beß- 
felbcn  mit  bcr  Slcc^tßfraft  bcß  Urt^eifcö  nur  für  bic  Bufunft  auf  (§§  1452, 
1371  3lr.  1,  §  1429  atbf.  1,  §  1431  9lbf.  1).    S)ic  ©rünbc,  rocid&c  ben  ©nttourf 
be^mt  öobcn,  cö  in  biefer  ^inpd^t  oud^  bcjüglid^  bcß  ©ütcrgcmcinfdjaftö* 
Dertrage«  —  abrocic^cnb  uon  einem  SC^cilc  bcß  beftcfjcnbcn  9lcc^tcß  —  bei  ben 
allgemeinen  ©ninbfä^en  bcmenben  ju  (offen,  finb  in  ben  SRotiocn  ju  §  1452 
bargelegt. 

§  1334. 

®ie  an  ö^nlid^e  SSorfd^riften  bcö  code  civil  9lrt.  1390  unb  ber  olbcnb.  »««ttana^me 
«efc|e  V.  24.  3lpril  1873  9lrt.  23  imb  o.  10.  Januar  1879  9lrt.  22  fid^  on^  ÄVt«- 
f4tie§enbe  »eftimmung  bcß  §  1334  2(bf.  1,  ba^  ber  cficadjc  ©ütcrftonb  in  »>«•  o«f«»- 
bem  S^ertrage  nid^t  burd^  Scjugno^mc  auf  ein  nid^t  mc^r  geltenbeß  ©efe^ 
befttmmt  werben  fonn  (nergl.  oud^  l)eff.  ©ntio.  IV,  2  9trt.  438,  cfircnbreitft. 
ftttw.  §  84),  bcjmccft,  im  Sntcrcffe  ber  9led&tßfid&cr^eit  ben  großen  Uebet 
ftönben  entgcgcnjutrctcn,  roe(d)c  o^nc  jene  33cftimnuing  ouö  bcm  ©runbfajjc 


310  SßcDerträoc.    Suläfftöfeit;  »cWränfung.    §  1334. 

ber  SBcrtragöfrci^cit  bcr  ©Regatten  ouf  bcm  Ocbictc  bcfi  c^clic^en  ®ütcrrc(||tc* 
ju  entfielen  brol^cn.  D^nc  eine  fotd^c  Scftimmung  tDürbe  ju  bcforgen  fein, 
bag  bie  ä(nt)öng(i(i^teit  an  bad  bid^erige  Siedet  unb  bie  Sßad^t  ber  ©eroo^n^eit 
l^äupg  JU  ®^et)erträgen  führen  würbe,  in  roeld^en  ber  cl^eUd>e  ©üterftonb  ein* 
fad&  burd&  Sejugna^me  Quf  baß  bisl^crige  SRec^t  beftimmt  wirb.  ®ine  folc^e 
SBeftimmung  n)ürbe  (läufig  fd^on  bedl^alb  \x6)  al%  ungültig  barftellen,  loeil  in 
bem  bifitierigen  SRed&te  Sled^töformen  oorfommen,  meld&e  na6)  ben  allgemeinen 
Orunbfägen  beö  ©efeftbud^eö  burä)  SBertrag  unter  ben  ©Regatten  überhaupt 
nid^t  l^ergeftellt  werben  fonnen.  aber  aud&  abgcfe^en  batjon  würbe  bur^  bie 
3uläffigfeit  ber  SSejugna^me  auf  ein  nid^t  mel^r  geltcnbeß  ©efeß  bie  ie|t 
befte^enbe  SSerfd^iebenl^eit  unb  Unfid^er^eit  beß  e^elid[)en  (Süterred&teß  in  einer 
anberen  gorm  erl^alten  unb  bie  Unfid&er^eit  um  fo  größer  werben^  je  me^r 
mit  bem  3nfrafttreten  beö  neuen  ©efefteß  bie  praftifc^e  ^anbl^abung  unb 
Äenntnife  beß  biß^erigen  SRed^tcß  unb  bie  baß  lefetere  ^äupg  ergänjcnbe  ©itte 
unb  ©erool^n^eit  fd^minbet. 
fBegugna^me  S^cifeli^after  fauu  eß  fein,  ob  aud^  bie  weitere  SBorfd^rift  beö  §  1331 

^mm^'  f^^  empfiefilt,  weld^e  bie  oertragßmfifeige  Seftimmung  beß  el^etid^en  ®üter^ 
•efe».  ftanbeß  burd^  Sejugna^me  auf  ein  außlänbifd^eß  ®efe|  verbietet.  ®cgen  biefe 
Slußbe^nung  beß  SSerboteß  fann  namentlid^  eingewenbet  werben,  bafe  baburc& 
ben  bered^tigten  ^ntereffen  ber  Slußtänber,  weld^c  im  3nlanbe  i^ren  SBo^nfiJ 
i^aben,  ju  nalie  getreten  werbe.  3nbeffen  ift  bicfeß  Sebcnfen  bo^  nur  bann 
begrünbet,  wenn  man  oon  ber  SSorauöfeJung  außge^t,  ba^  nad)  ben  ®runb* 
fäfeen  beß  internationalen  ^ßrioatred^teß  9lußlänber,  weld^c  im  S^tanbe  i^ren 
SBo^nfife  ^aben,  nid^t  bem  e^elid^en  ©üterred&tc  beßjenigen  ©taateß,  wetd^em 
fie  angehören,  fonbern  bem  ef^elic^en  ©ütcrred^te  ilireß  SBol^nfileß  unterworfen 
ftnb.  Slnbererfcitß  läfet  fid&  nid)t  oerfenncn,  ba§  biejenigen  Sebenfen,  welche 
oben  gegen  bie  S^fäffigfeit  ber  Sejugna^me  auf  ein  nid^t  melir  geltenbeß 
©efeft  crlioben  worben  finb,  jum  ^l)eil  aud^  gegen  bie  S^läffigfeit  einer 
SBejugna^me  auf  ein  außlönbifc^eß  ©efeg  fpred^en.  3^^^"^  tonnte  o^ne  bie 
l^ier  fraglidfie  S3eftimmung  in  benjenigen  2:^eilen  3)cutfc^tanbß,  in  welchen  jejt 
franj.  Siedet  gilt,  baß  SSerbot  ber  Sejugna^me  auf  ein  nid^t  me^r  geltenbeß 
©efeg  umgangen  werben,  ©elbftoerftftnblid^  ift  eß  übrigcnß  ben  ©Regatten 
burd&  ben  §  1334  9lbf.  1  nid^t  oerwefjrt,  i^ren  ©üterftanb  nac§  2Wa§gabe  beß 
materiellen  3nf)alteß  eineß  fremben  Sted^teß  burd&  (S^euertrag  ju  regeln,  foroeit 
bieß  mit  ben  allgemeinen  ©runbfft^en  beß  ©efegbud^eß  vereinbar  ift.  Slur  bie 
allgemeine  Sejugna^me  auf  ein  außlänbifc^eß  ©cfej  in  (S^eoerträgen  ift  burci^ 
ben  §  1334  3lbf.  1  außgefdfjloffen. 
«usna^me  »u  SSou  ber  9tegel  beß  §  1334  Slbf.  1  mad^t  jebod^  ber  jweite  Sttfafe  iu 

beSS«"m  ©unften  beutfd^er  (5f)cgatten  für  ben  gall  eine  Slußnal^me,  ba^  bcr  ©gewann 
b*nb^""ffiL  *^^  -3^^*  ^^^  ©d&liefeung  beß  (S^eocrtrageß  ober,  wenn  ber  ®^eoertrag  oor  6in« 
*  *flot^n.  get)ung  bcr  6t)e  gefd^loffen  wirb,  jur  Qtii  ber  Singe^ung  ber  ®^e  feinen  SBo^nfift 
im  Slußlanbe  f)at.  2)a  bie  ©tiegattcn  in  folgen  gällen  i^re  SSerfe^rß* 
bejie^ungen  bauernb  im  älußlanbc  ()aben,  fo  ift  eß  burd^  bie  Slüdfid^t  auf  baß 
Sntereffe  ber  ©Regatten  geboten,  benfetbcn  bie  SJloglid^fcit  ju  gewähren,  einen 
burd^  baß  an  ifirem  SQBo^nfißc  geltenbe  außlänbifdbc  ©cfeg  geregelten  e^elid^en 
©üterftanb  burd&  S3ejugna^me  auf  biefeß  ©efc^  alß  ocrtragßmöfeigen  c^cli(^en 


S]6ewrträfle.    gorm.    §1335.  311 

(Suterjianb  roirffam  ju  bcftimmcn.  Um  bcn  beabfid^tiflten  3roe(f  ju  crrcid^cn, 
genügt  c8  inbcRen  nid^t,  nur  bic  Slntocnbung  ber  Söorfd^rift  bcö  §  1334  2lbf.  1 
in  bcn  in  JRebc  ftcl^cnben  gällcn  auöiuf^lHcfecn,  oiclmclir  mufe  man  —  in  Slb^ 
lodd^ung  von  ber  n)eiteren  9tegel^  bag  in  Ermangelung  einer  befonberen  93  or^ 
fd^rift  aud^  bur^i  (S^eoertrag  nic^tö  vereinbart  merben  fann^  maö  nid^t  nad^ 
Ko^gobc  ber  allgemeinen  ©runbfäfte  burd&  33ertrag  beftimmt  werben  fann,  — 
bcn  e^egotten  geftatten^  bad  an  i^rem  SBol^nfi^e  geltenbe  audlänbifd^e  e^etid^e 
©üterre^it  in  feinem  oollcn  Umfange,  aud^  in  Slnfc^ung  fold^er  einen  Seftanb- 
t^il  jenefi  SRec^ted  bitbenben  SSorfd^riften,  meldte  mit  jmingenben  33orfc§riften 
bed  beutf^en  Jied^teö  in  SGBiberfpru^  ftel^en,  burd^  ©fieoertrag  als  oertragfi^ 
mo^igeö  @üterred^t  }u  vereinbaren.  SBenngteid^  bie  SBorfd^rift  bed  §  1334 
S6f.  2  i^re  ^ttptbcbeutung  unter  ber  SBoraudfe^ung  \)at,  bag  bad  e^etid^e 
@üterrec(|t  ft^  nad^  ben  ©cfegen  bed  ^iaatt^  beftimmt,  meld^em  ber  Seemann 
{ur  3rit  ber  S^efd^liegung  angehört,  fo  fann  biefelbe  boc^  oud^  bann,  menn 
man  bad  Siedet  bed  SBo^nfi^eö  alö  maggebenb  aufteilt,  in  gemiffen  fällen  fid^ 
ald  ptattxid^  enoeifen,  namentlich  in  folgen  Rollen,  in  meldten  baS  auölänbifc^e, 
om  ffio^n^ge  ber  beutfc^en  ©Regatten  geltenbe  Siedet  Dorfd^reibt,  ba^  bad 
c^lic^e  ©üterred^t  ft^  nad^  btn  ©efegen  bed  Staated  richtet,  meld^em  ber 
Seemann  angehört. 

§  1335. 

äbtoeid&enb  vom  gemeinen  SHcd^te,  bem  roürttcmb.  SHcc^te,  bcm  föd^f.  @.  S3.  ?form  ber 
(pergL  iebod^  §§  1704, 1705  baf.)  unb  x>on  ben  in  verfd^iebenen  Heineren  SRec^td*  ^^^^^^^ 
gebieten  geltenben  fianbedred^ten  ift  in  ben  meiftcn  9{ed^tdgebieten  für  bie 
Sbf^liegung  von  (S^eoertragen  tl^eild  allgemein,  t^eild  für  gemiffe  (S^eoertröge, 
nomentlit^  für  fotd^e,  burd^  mcld&e  bic  ©ütergcmeinfd^aft  eingeführt  ober  ber 
gefe|ti^  ©utcrftanb  ber  ©ütcrgcmcinfd^aft  audgcfd&loffen  merben  foU,  bie 
Seobad^tung  einer  bcftimmten  gorm  oorgefdöricbcn,  mie  bie  3"äi^^w"9  ^^n 
3eugen,  fd^rifttic^e  ©rric^tung,  gerid&tlid&c  ober  notarielle  gorm  ober  gerid^tlid&c 
8cftätigung.  ©erid&tlic^c  bejro.  notarielle  gorm  ober  bic  eine  ober  anbere  ift 
namentlich  erforbertid^  nad^  bem  bai)r.  S.  9i.  I,  6  §  29  verb.  mit  bem  bat)r. 
3lotariotdgcf.  v.  10.  Sloocmber  1861,  nad^  bem  preu^.  SReddte  (oergl.  preu^. 
I.  2.  91.  II,  1  §§  209,  215,  82  ff.,  198  ff.,  356,  419,  ®ef.  V.  20.  aWärj  1837 
§§  1—4,  ®cf.  ü.  1.  SWörj  1869),  na^  fronj.  Siechte  unb  bem  bab.  S.  SR.  (code 
övü  art  1394,  1395,  bab.  S.  SR.  Sa^  1394,  1395),  fomic  nac^  ben  olbenb. 
©efeten  v.  24.  Slprit  1873  2trt.  21  unb  v.  10.  Januar  1879  3lrt.  20  (oergl. 
aud^  ben  e^renbreitft.  @ntn).  §  86). 

S)ic  im  §  1335  9lbf.  1  jur  (Sültigfeit  bed  e^eoertraged  oorgcfd^riebene 
gerid^tüc^e  ober  notarielle  gorm  red^tfertigt  fid&  im  3ntereffe  ber  öffentlid^cn 
9ie(^tdfi(^^eit  unb  burd^  bie  groge  ^id^tigfeit  ber  l^ier  in  Sctrad^t  fommenbcn 
Scttroge,  n)el(§e  auf  lange  Qtxi  bered^net  unb  nid^it  nur  für  ba&  SSer^ältnife 
ber  e^egatlen  unter  einanber,  fonbern  in  ber  Siegel  aud^  für  ba^  SScr^öltnife 
berfelben  ju  2)ritten  oon  ticfeingreifenber  SBebcutung  finb  (oergl.  aud&  §  350 
Sbf.  2).  3laä)  bem  ©prad&gcbraud^c  bed  ©efe^bud^ed  l^at  übrigend  bie  gerid)tlid&e 
ober  notarielle  gorm  im  ©egenfafte  }u  einer  folc^en  Sßorfc^rift,  meldte  ben 


312  eöcüertrdöc.    gorm.    §  1335. 

Slbfd^lufe  eines  SBertrageö  „t)or  ©erid^t  ober  Slotar"  beftitnmt,  nid^t  ben  ©inn, 
bafe  bie  SOBillcnöcrHärung  ber  ©Regatten  bei  gleid&jeitiger  SlniDcfcit^cit  berfelben 
oor  Ocrid^t  ober  3lotax  münbfid^  abgegeben  werben  muß  (ocrgL  §§  868, 1616); 
oielme^r  ifann  jebcr  ber  @^cgattcn  feine  SBiUcnäerMärung  für  ftc^  üor  Ocric^t 
ober  SRotar  abgeben  unb  ein  Sludtaufd^  biefer  einfcitig  erfolgten  SDSillend^ 
erflärungen  ol^ne  eine  ÜJlitroirfung  beft  ©crid^teö  ober  9lotareö  jur  gültigen 
©d^liefeung  beß  SBertrageä  nad^  ben  allgemeinen  ®runbfäfeen  über  ba^  2n\iar\i^ 
fommen  ber  Sßerträgc  auöreid^en.  3)en  5Äbfd^tu6  ber  ß^eoerträgc  burd^  bie 
SSorfd&rift,  bafe  biefelben  uor  ®erid^t  ober  5lotar  gefd^toffen  werben  muffen,  ju 
erfc^roeren,  ift  burd^  ein  Sebürfnife  nid&t  geboten. 

dagegen  fann  eö  jroeifel^aft  fein,  ob  eö  nid&t  mit  JRücffid^t  auf  bicjenigcn 
SC^eile  S)eutfd^lanbfi,  in  roeld^en  gegenroörtig  einer  ber  im  ©efegbu^c  fpejieH 
geregelten  oertragömäfeigcn  ©üterftänbe  baö  gefefeli^e  ©üterred^t  bilbct,  unb 
im  ^inblicfe  auf  ben  B^^edf,  loeld^en  boö  ©cfeßbud^  burd^  bie  Siegelung  jener 
©üterftänbe  l^auptfäd&Iid^  anftrebt,  angcmejfen  fein  mürbe,  bie  äbfc^liefeung 
fold^er  @^et)erträge,  burd^  meldte  einer  ber  in  bcm  ®efe|bud^e  geregelten 
üertragömäfeigen  ©üterftänbe  vereinbart  mirb,  in  ber  Srt  ju  erlci^tern,  ba§ 
jene  ©^eoertröge  bei  ber  ©fiefd^liefeung  aud^  vox  bem  bei  ber  lefeteren  mife 
roirfenben  ©tanbeöbeamten  gefd^toffen  merben  fönnen.  ©ie  gegen  eine  fold^ 
SSeftimmung  fpred&enben  ©rünbe  ftnb  iebod^  alö  übermiegcnb  ju  crad^ten.  ®ö 
l^anbelt  fid^  ^ier  gerabe  um  bie  roid^tigften  unb  bie  einfd^neibenbften  6^e? 
vertrage,  bei  meldten  bie  SSertragfd^liefeenben  am  mciftcn  ber  Sete^rung  unb 
33erat^ung  burd&  baö  ©erid^t  ober  ben  9lotar  bebürfen.  2)ie  ©tanbeöbeamten 
fönnen  gemö^nlid^  unb  in  ben  meiften  ©ebieten  vermöge  i^rcr  Äenntniffe  unb 
©rfa^rung  fold^e  Sele^rung  nid^t  erttieilen.  S)aju  fommt,  ba^  eine  Scftimmung 
ber  fraglid^en  9lrt  bem  gettenben  Siedete  gegenüber  fxd&  als  eine  mefentlid^e 
Steuerung  barftellen  unb  inöbefonbere  für  fold^e  ©ebiete,  in  meldten  gegenroSrtig 
bie  SSermaltungßgemeinfd^oft  baö  gcfefelidfie  ©ütened^t  bilbet,  ^ingefe^en 
namentlid^  auf  bzn  ß^eoertrag,  burd)  meldten  bie  aud^  mit  mid^tigen  erbrecht? 
lid&en  SBirfungen  oerbunbene  allgemeine  ©ütergemeinfc^aft  eingefül^rt  wirb 
(vergl.  §§  1384  ff.),  in  ^o^em  ©rabe  bebenflid^  fein  mürbe.  Slud^  ^at  bie 
6rfol)rung  nid&t  gejcigt,  bafe  in  benjenigen  ©ebieten,  in  meldten  gegenwärtig 
gerid)tlid&e  ober  notarielle  gorm  erforberlid^  ift,  biefe  gormoorfd^rift  ben 
SJlbfd^lufe  von  ©^eocrträgen  in  nad^^altiger  SBeifc  l^emmt  ober  minbert. 
sutsna^me  S)cr  §  1335  2lbf.  2  beftimmt  für  ben  bort  bejeid^netcn  fpejiellen  SBertrag 

To^rJ^ritr  eine  aiuöna^me  von  ber  im  3lbf.  1  bcß  §  1335  entfialtcnen  gormvorf^rift 
2)iefe  Slußna^me  ift  burd^  ein  bringenbeö  prattif^cs  Sebürfnife  geboten,  ©old&e 
SSerträge  werben,  namentlid^  im  ipinblicfe  auf  bie  Seftimmung  beö  §  1294 
Sag  1,  au^  f ünftig  bäufig  vorfommen,  vielleid^t  fogar  bie  Siegel  bilbcn,  o^ne 
ba6  bie  ©l^egatten  an  bie  S3eobad)tung  ber  im  §  1335  Slbf.  1  oorgefd^riebenen 
gorm  benfen.  Unterwirft  man  biefe  93erträge  ber  gorm,  fo  liegt  bie  ©efa^r 
na\)t,  bafe  bicfelben  in  vielen  gällcn>  weil  formlos  abgefc^loffen,  nid^tig  finb 
unb  beöfialb  bie  ®f)efrau  baö  »Eingegebene  von  bem  ©bemanne  j[eber§eit  fofort 
JU  fonbijiren  berechtigt,  mitl)in  baö  9lnfed^tungöred&t  ber  ©laubiger  beö  ®^c* 
manneö  nad&  SÄafegabc  beö  §  25  5Rr.  2  ber  Äonf.  D.  unb  be«  §  3  %:.  4  beö 
31.  ©ef.  V.  21.  3uli  1879  auögefd^lojfen  ift.    2)ie  »eftimmung  beö  §  1335 


ejetjerträge.    g^orm.    §1335.  313 

Ä6f.  2  fonii  anä^  nid^t  etwa  oon  bcm  ©efid^töpunftc  aus  atö  cntbc^rtid^  er? 
oc^tft  locrbcn,  bog  ein  SBertrag  bcr  ^icr  fragüd^cn  3lrt  überi)Qupt  \\\ä)i  bcn 
Äorafter  eines  (g^cüertrogeö  im  ©inne  bcö  §  1333,  fonbcrn  eines  gcroo^nlid^en 
iwift^en  bcn  ©f^egatten  gefdötoffenen  SSertrogeS  I)abc ;  benn  biird^  ben  im  §  1335 
Sbf.  2  bcjcic^ncten  SSertrog  wirb  nid&t,  mie  bnv6)  einen  gcmo^nlid^en  SSer* 
äufeerungSüa-trag,  nur  bcr  ©cgcnftanb  ber  c^elid&en  Slugnicfeung  unb  35er« 
nwltung  naä)  SWofegabc  bes  gefcftUd^en  etjetid^cn  Oüterrcd&tes  (§  1293)  geönbert, 
fonbem  c«  werben  baburd^  bic  mit  bcr  efielid^en  Slugmefeung  unb  SSermaltung 
frttft  beS  ©efefteS  oerbunbenen  SRed&te  beS  ©fiemanncs  in  einer  oon  ben  biSi= 
pofitioen  95orfd&riften  bes  gefeftlid^en  c^elit^en  ©üterrcd^tes  abmeid^enben  Slrt 
uittfleftoltet,  unb  fnüpfen  fid^  an  einen  fold^cn  SSertrag  befonbere  gütcrred&tlid^e 
gofgen  (oergf.  §§  1294—1296).  3la6)  bem  §  1333  fallen  aber  unter  ben 
Segriff  beS  e^coertrages  auc^  fold&e  SBerträge,  burd^  roeld^e  bas  gefefelid&c  e^e^ 
lütt  ©üterrcd^t  nur  in  einjelnen  S3ejief)ungen  geänbcrt  roirb. 

ein  Sebürfnife,  bie  3(usna^me  beS  §  1335  Slbf.  2  aud&  auf  foldde  SSer* 
träge  ber  bort  bejcid^neten  STrt  ausjubcfincn,  meiere  nxäft  ocrbraud^barc  6t)eguts^ 
foijen  }iim  ©egenftonbe  l^aben,  liegt  bagegen  nid^t  oor.  SSerträge  ber  3lrt 
finb  feiten,  wenn  fic  aber  Dorfommcn,  jumal  wenn  ©runbftüdfe  in  S^age  ftefien, 
oon  befonberer  33ebeutung.  3lu(^  entfte^t  in  fold^en  göDen  fiäufig  ber  Sweifd, 
ob  loirtlit^  ein  SSertrag  ber  ^ier  fraglid^en  3Irt  ober  nur  ein  SBert^anfdfilag 
mit  Äüdfi^t  ouf  eine  etwaige  ®rfafepflid^t  bcS  ß^cmannes  beabfid^tigt  ift.  ®s 
ifl  ein  (Seroinn,  wenn  blcfe  grage  bei  ®clegenl|cit  bcS  SSertragsabfd^IuffeS 
unter  SRitmirfung  bes  ©erid&tes  ober  9lotareS  ttargeftellt  wirb. 

9Bic  ous  ber  gaffung  bes  9lbf.  2  mit  genügenber  Äfarfieit  erfiellt,  be* 
}ie^  fi(i  berfelbe  übrigens  nid^t  aud&  auf  einen  fold&en  SSertrag,  burd^  meldten 
bie  ®runbfa^c  über  bcn  Sliefebroud^  an  oerbrauc^baren  Saä)en  auf  bie  efielid^c 
Sutniefeung  an  ben  jum  G^cgute  gcf)örcnbcn  ober  fünftig  in  basfetbc  faüenbcn 
wrbrau(Jbaren  Sad^en  generell  in  ber  ärt  für  anroenbbar  crKört  werben,  bafe 
ttuf  ®runb  eines  fotd^en  35ertragcS  bas  ©igcnt^um  bcr  oerbraud^barcn  ©ac^en 
öuf  ben  g^mann  o^nc  Uebergabc  in  berfelben  3Beifc  übergef)cn  foU,  wie  wenn 
Me  ©ninbfäfec  über  ben  9liefebraud&  an  oerbraud^baren  ©adrett  fraft  beS  ©e* 
fejes  mafegebenb  wären.  Db  unb  inwieweit  ein  berortiger  35ertrag  in  ©r* 
mttngelung  befonberer  SBeftimmungen  überhaupt  rcd&tlid^  moglid^  ift,  fann 
MingefteUt  bleiben.  S^benfallS  liegt  fein  Sebürfnife  cor,  benfelben  oon  ber 
?ormoorf(^rift  bcS  §  1335  2tbf.  1  ju  entbinbcn.  3m  ©egent^eil  würbe  bie 
3«Iöffung  eines  fold&cn  SSertrages  of)ne  bie  fd&üfeenbc  gorm  bes  §  1335  2lbf.  1 
öom  Stanbpunftc  beS  Sntercffcs  ber  ß^efrau  aus,  welche  bur^)  bie  im  §  1294 
MKmmtc  Slusf^Iicfeung  ber  33orfd^riften  über  ben  SWicfebraud)  an  oerbraud^* 
Soren  Sachen  Don  ber  5Änmenbung  ouf  bie  efielid^c  S^u^nicfeung  gefd&ü^t  werben 
foB,  bebenfüc^  fein. 

Suf  ben  Äbfd^Iufe  oon  @I|eoertrÄgcn  burdfi  SBertretcr,  insbefonbere  gefegt  em^unQ 
üfy  Vertreter,  finbcn,  oorbe^altlid^  ber  befonberen  S3cftimmungcn  bcS  §  1341  ^^^^^' 
Sttf.  2  unb  bcS  §  1431 5Äbf.  2,  bie  aKgemcinen  ©runbfäfec  STnwcnbung.    ®urd^^  Ber"r*er 
fcWogcnbe  ©rünbc,  bie  legtcrcn,  in  2lbweid&ung  uon  bem  gcitenbcn  Siedete, 
rtma  nac^  ber  Slid^tung  I|in  ju  burd^brcd&en,  bafe  ben  gefegüd^cn  9Sertrctern 
in  Snfcljung  ber  S^liefeung  eines  ©fieocrtragcs  bic  SßcrtrctungSmad)t  ent5ogen 


314  e^ewertrSge.    SBirffamfcit  flCflcn  ©ritte.    §  1336. 

würbe,  liegen  nid^t  t)or,  ha  cö  fxd^  bei  @^et)ertrdgen  in  crfter  Sinie  unb  in 
bcr  ^auptfad^e  nur  um  ocrmöflcnöred^tlid^c  Sejiefjungen  .^onbelt,  in  Stnfe^ung 
beren  aud^  fonft  bem  gcfefelid^en  Vertreter  bie  aSertretungömod^t  jufte^t  (uergL 
§§  1649,  1728,  1743,  1503).  Slnlangenb  inöbefonbcre  bieienigen  in  bic  SBcr^ 
l^altniffc  ber  ®l^egatten  allerbingS  tief  einfd&neibcnben  ®^ct)erträge,  burd^  meiere 
ber  ©fiterftcmb  ber  oBgemetnen  ©ütergcmeinfc^oft  ober  ber  ©emeinfd^oft  bcd 
beroeglid^en  SBemtogenö  unb  ber  ©rrungenfd^aft  uereinborfroirb,  fo  ift  infoiocit 
burd^  bie  Söeftimmungen  beö  §  1341  Slbf.  2  unb  bcö  §  1431  3ffif.  2  für  baß 
3ntereffe  ber  unter  elterlid&er  ©eroalt  ober  unter  SSormunbfd^aft  ftel^enben  ^cr» 
fönen  genügenb  geforgt.  ©benforoenig  ift  ein  Sebürfnife  anjuerfennen,  ab^ 
roei(^enb  oon  ber  Siegel  beö  §  127  Slbf.  2,  bie  jur  SBirffamfeit  eines  ©l^eoertraged 
erforberlid^e  6inroiltigung  ober  Oene^migung  beö  gefeglid^en  SSertreterfi  (§  65 
2lbf.  3)  an  bie  im  §  1335  2lbf.  1  oorgefc^ricbene  gorm  ju  binben. 


§  1336. 

®*«»ke«  3n  bm  aßotioen  ju  §  1333  finb  bereit«  bie  ©rünbc  bargelegt,    auö 

mmZti   roeld&en  ber  ®ntrourf   eine  allgemeine  Seftimmung,  rocld&c  bie  SBirffamfcit 

*«|J^«;  eines  ß^coertrageö  gegenüber  dritten  überhaupt  oon  ber  öffentlichen  ^ttannU 

^*     *"'  mad^ung  abfjängig  mac^t,  nid^t  aufgenommen  f|at.    dagegen  finb  befonbere 

93eftimmungen,  burd^  roeld^e  nad^  bem  äSorbilbe  bed  §  1257  ^bf.  1  gutgläubige 

S)ritte,  bie  ein  SRec^tdgefd^äft  mit  einem  ber  ©Regatten  gefd&loffen  ober  biefem 

gegenüber  vorgenommen  liaben  ober  benen  gegenüber  einer  ber  ©Regatten  ein 

ätec^tsgefc^öft  t)orgenommen  l^at,  in  älnfel^ung  ber  SBirffamfeit  eines  folc^en 

9led^tSgefd^äfteS  gegen  bie  ^ol^m  roenigftenS  geroiffer  S^eoertr&ge  gefd^ügt 

roerben  nid^t  }u  entbeliren. 

im  9aae  ber  @incn   berartigeu   ©d^uß   uerlei^f  ber   §  1336   junäd^ft   gegen    einen 

^hla^^t^t \^i^^^  ®^eoertrag,  burd^   rodeten  ber  gefeftlid&e  ©üterftanb   ausgefd^lofjcn 

«üterfionb««,  oi)er  geöubert  roirb.    2)al^in  gehören  inöbefonbere  bie  gälte,  wenn  an  (SteQe 

bes  gefefcli^en  ©üterftanbes  Trennung  ber  ®üter  vereinbart  (§  1338)   ober 

in  Slnfe^ung  einjelner  jum  SSermögen  ber  ©fiefrau  ge^örenber  ©egenftänbc 

bie   e^elic^e   SHußniefeung    unb   aSerroaltung   ausgcfilofjcn   wirb    (§  1286). 

SBer  im  93er trauen  auf  bie  gefefetid^c  Siegel,  ba&  bem  ©bemanne  an  bem 

93ermögen  ber  ®^efrau  bie  el^elid^e  SHuSniefeung  unb  SSerroaltung  5ufte^e^ 

fid^  mit  bem  ©bemanne  auf  fold^e  Slec^tsgefd^äfte  über  ^eftanbt^eile  biefes 

aSermögenö  einlädt,  welche  xmter  ber  aSorausfeJung  beö  93efte^ens  ber  c^e^ 

liefen  9lu^niegung  unb  äSerroaltung  an  jenen  ©egenftänben  für  bie  @^efrau 

binbenb  fein  mürben  (oergl.  j.  33.  §  1292  ocrb.  mit  §§  1026—1028,  1035, 

1008,  1318),  barf  in  biefem  SSertraucn  in  9lnfe^ung  ber  SBirffamfeit  folc^er 

3led&tSgefd^äfte  nid^t  getäufdbt  werben,  eö  fei  benn,  bafe  bie  Stuöfd^liefeung  ober 

älenberung  }ur  3^it  ber  ^orna^me  beö  9ied^tögefd^äfteö  nad^  äßaggabe  ber  93or- 

fd&riften  ber  §§  1435—1437  oeroffentlid^t  mar  ober  bem  ©ritten  befannt  fein 

mufete.    3«  ^^^  Äategoric  berjenigen  6t)eoerträge,  burd^  meldte  ber  gefegUc^e 

©üteiftanb  auögcfc^loften  roirb,  gehören  ferner  fold^e  S^eoerträge,  burd^  meiere 

einer  ber  oerfd^iebenen  ©üterftänbe  ber  ©ütergemeinfd^aft  (§§  1341  ff.,  1410  ff., 

1431  ff.)  oercinbart  morbcn  ift,  fei  eö,  bafe  berfelbe  unmittelbar  an  bie  Stelle 


Stebertraflc.    SBirFfamfeit  öcgcn  Dritte.    §  1336.  315 

it&  gefeilteren  Oüterftonbeö  ober  an  bie  Stelle  cincö  anbeten  ocrtragömäfeigcn, 
ober  nic^t  oeröffcntUcidten  ©ütcrftanbefi  tritt  ©in  ©d&uft  dritter  gegen  fold&e 
g^ewrtrögc  ift  jroar  nid&t  von  bem  ©efid&töpuntte  auö  erforberlid^,  bafe  bie^ 
fe(6en  unter  einer  oertragdmägigen  3ludf(^[iegung  ober  3ßinberung  ber  bem 
(Joanne  an  bem  SBcrmögcn  ber  ®^efrau  fraft  beö  (Sefe^eö  juftefjenben  SHed^te 
in  Snfe^ng  ber  SSirffam!eit  ber  im  §  1336  bejeid^neten  9ie(i^tdgefci^fte  ni^t 
leiben  bürfen;  benn  im  SSergleid^e  }u  bem  gcfeglid^en  ©fiterrec^tc  werben  burd^ 
bie  oerfc^iebencn  ©üterftänbe  ber  ©ütergemeinfd^oft  bie  SRecfite  beö  @^emanned 
cn  bem  35erm5gen  ber  ®^cfrau  nid&t  geminbert,  fonbern  me^r  ober  weniger 
enoeitert.  2)agegen  bebarf  cd  bei  fold^en  ©^eperträgen  eined  Sd^uged  gut^ 
gUmbiger  dritter  im  ^inblide  auf  bie  nid^t  unerf)eb(id^en  93erfugungö^ 
befc^rfintungen^  meieren  ber  ©l^emann  im  SSergleid^e  ju  bem  gefeglid^en  ©üter^ 
rechte  bei  ben  oerfd&iebenen  gormen  ber  (Sütergemeinfc^aft  in  Slnfel^ung  fold^er 
©egenftfinbe,  meldte  nad^  bem  gefefcUcfien  Oüterred^te  ju  feinem  SSermögen 
gehören  mürben,  nicfjt  nur  in  binglicficr,  fonbern  aud&  in  obligatorifd^er  93e* 
Jie^ng,  unterliegt  (oergl.  §§  1353,  1417,  1431  2tbf.  1).  3um  ©d&uße  ber 
Serfc^rftfr^er^eit  reichen  ^ier  bie  allgemeinen  ©runbfäße  über  ben  Sd^ufe  beö 
guten  ©laubend  nie^t  aud,  ba  biefelben  einerfeitd  fic^  nic^t  auf  bie  Slbtretung 
^^pot^farifd&  nid^t  gefxd^erter  gorbcrungen  erftrcdfen,  anbererfeitö  nur  baö 
Mnglid^e,  ni^t  ouc^  baß  obligatorifd&e  SRed&tögefd^äft  fd&üften  (pergl.  §§  837, 
877-879,  1033,  1114  üerb.  mit  §  1343).  3lud&  bie  allgemeinen  ©runbfäfee 
über  ScJabenöerfaJ  auö  unerlaubten  ^anbtungcn  (§§  704,  705)  mad&en  in 
ber  ^ier  fraglid&en  93ejief|ung  bie  befonbercn  Scftimmungen  beö  §  1336  jum 
S^u^e  gutgläubiger  S)ritter  nid&t  entbehrlich.  2)ie  Seforgnife,  bafe  eine  9luö? 
be^ung  beö  §  1336  auf  folc^e  ©^eoerträge,  burd^  meldte  an  Stelle  beö  gcfeg^^ 
lic^n  ©üterftanbcö  einer  ber  ©üterftänbe  ber  ®ütergemeinfd)aft  vereinbart 
loirb,  in  benjenigen  ©ebieten,  in  meieren  bie  ©ütergemeinfd&aft  in  ber  einen 
ober  ttnberen  gorm  gegenwärtig  ber  gefcftlid^e  ©üterftanb  ift,  ju  fet)r  erf^weren 
©erbe,  weil  fte  bie  ©Regatten  ju  ber  mit  Soften  unb  SBeitläufigfeitcn  öer- 
bunbenen  SBeroffentli^lung  ber  ©f|et)erträge  bränge,  beren  ^nl^alt  jubem  für 
bas  ^ublifum  ni^it  immer  beregnet  fei,  fann  alö  bcgrünbct  nid^t  anerfannt 
Toerben,  ba  bie  SSeroffentlid^ung  nad^  §  1437  nid^t  oon  Slmtöwegen,  fonbern 
nur  auf  Antrag  erfolgt,  bie  @I)egatten  aber  bei  normalen  93erl)ältniffen  wegen 
beö  gegenfeitigen  SSertrauenö,  auf  wetd&em  bie  ©cmcinfd^aft  bcrut)t,  oon  einer 
Seroffentlic^ung  ber  ©^eoe.rträgc  überhaupt  Slbftanb  ncljmcn  werben. 

SBic  auf  ben  burd^  bie  Siegel  beö  ©efegcö  feftgeftcUten  c^elid^en  ©ütcr^  etne«  »eröff. 
flonb,  muffen  gutgläubige  ©ritte  jxd^  aud^  barauf  oerlaffen  fönnen,  bafe  ein   '^aitgen 
Deröffentlii^ler  üertragömäfeiger  ©üterftanb,  fo  lange  bie  9lenberung  beöfelben  «üterfianbe«. 
ni<^t  ©eröffentlid^t  ift,  noc^  fortbeftel^e.    8Bar  ber  gcfefelid^e  ©üterftanb  burc^ 
Sercinborung  ber  ©ütertrcnnung  (§  1338)  auögefd^toffen  ober  burd^  oertragö- 
möBigc  Seftimmung  oon  aSorbe^attögut  geänbert  unb  bicfe  Sluöfd^liefeung  ober 
Senberung  üeröffentli'^t,  fo  muffen  gutgläubige  3)ritte  in  9lnfel^ung  ber  SBirf^ 
famfeit  oon  dted^tögefc^äften,  welche  fic  mit  ber  ©l)efrau  fd)liegeu,  nad^  9)lag^ 
gäbe  beö  §  1336  fo  gefci|ü^t  werben,  alö  ob  bie  9(uf Hebung  ober  SIenberung 
beö  veröffentlichten  6t)eoertrageö  nid^t  erfolgt  wäre.    ®ieö  fü^rt  batjin,  bafe 
nic^t  nur  bie  von  ber  ©^efrau  getroffenen  3[}erfügungen  über  baö  nac^  SRafe* 


316  e^eücrträttC.    SSäirffamfeit  gegen  ©ritte.    §  1336. 

gobc  bcs  ocroffcntlid^tcn  (SI)et)ertragc6  bcr  c^cli^en  Jlujniefeung  unb  Serioaltimg 
nid^t  unterUegenbe  SSermögcn  auä)  o^ne  @tntt)il(igunc{  beö  (S^emanned  old 
tüirffam  anjufefien,  fonbcrn  aud&,  fofem  ber  ©ütcrftanb  bcr  ©ütertrcnnung  vcv- 
einbart  unb  ücröffentlid^t  war,  bic  von  bcr  @^cfrau  eingegangenen  SScrbinb- 
lid)feiten  alä  oor  ©intritt  beö  neuen  ücrtrogömäfeigen  (Sütcrftonbeö,  fei  cd  bcr 
e^elid^en  ^Wufiniefeung  unb  SBerroaltung  ober  ber  ®ütergcmein[d&aft,  entftanbciv 
b.  I;.  als  ©l^egutös  bcju).  olfi  (Sefammtgutöoerbinbüdfifeiten  ju  bc^anbeln  finb 
(nergt.  §§  1311,  1312,  1359,  1362,  1417,  1423,  1431  3lbf.  1).  2(ber  auä)  für 
bcn  %aU  ber  3luff|cbung  bcö  ocröffentlid^ten  oertragämäfeigen  ©üterftanbcö 
ber  Oütergemcinfd&aft,  ber  allgemeinen,  wie  ber  portifulären,  burc!^  ®^eücrtracj, 
ift  ber  Sd^uft  beö  guten  (Slaubenö  mi)  SWafegabe  be«  §  1336  mit  9lü(ffi4|t 
borauf  geboten,  bofe  mit  ber  SÄuflöfung  ber  (Sütcrgemcinf^oft  an  ©teile  bcö 
einfcitigen  SBerfügungßred&teß  beö  ß^emonneö  über  baö  (Scfammtgut  (§§  1352, 
1417,  1431  3lbf.  1)  baö  5ßrinsi|)  ber  gefammten  ^onb  tritt  (§§  1373,  1429 
aibf.  1,  §  1431  9(bf.  1)  unb  au6)  bie  e^cfrau  baö  Siedet  oerliert,  in  bcn 
gällen  beö  §  1356  vcrh.  mit  §  1307  unb  beö  §  1358  (ücrgl.  ferner  §§  1417, 
1431  2lbf.  1)  cinfeitig  über  ©efammtgut  ju  nerfügen  (oergf.  auc^  prcufe. 
31.  2.  91.  II,  1  §  419,  422  ff. ;  olbenb.  ®ef.  o.  24.  9IpriI  1873  Slrt.  31  §§  2,  3). 
©ic  SRücffid^t  auf  bie  S8erfc^röfxd)er^cit  verlangt  iebod^  nur  für  ben  gall  einen 
bcfonbercn  ©d^ug  bcö  guten  ©laubenö,  mcnn  ein  oeroffentlid^tcr  Dcrtragfi- 
mäßiger  (Süterftanb  fpäter  geänbert  inirb.  35er  jufällige  Umftanb,  bafe  ber 
Dritte  ben  Sttbf^Iufe  beö  nic^t  peröffentlic^ten  ©fieücrtrageö  auf  anbere  SOBeifc 
erfahren  Ijat,  fann  bcmfclben  fein  Slnrcd^t  geben,  bafe  i^m  gegenüber  ber  ©^e- 
ücrtrag  nad)  SRafegabc  bcö  §  1336  alö  nod^  befte^enb  angefe^cn  wirb.  SBiel^ 
mcljr  ift  eö  feine  Sad^e,  fic^  banac^  ju  erfunbigen,  ob  ber  (Sfieoertrag  nod^ 
bcftefit.  3Iud^  in  anberen  ä^nüd^  liegenben  göllen,  inöbcfonberc  bei  ben  93e« 
ftimmungen  über  bie  SSoUmad&t  (§§  120,  121)  ift  ber  Entwurf  jum  ©^u^c 
beö  guten  ®Iaubenö  nic^t  fo  weit  gegangen.  Gin  Scbürfnife,  fo  roeit  5u  ge^en, 
fann,  fooiel  fpejieU  fold^c  ©^cücrträge  betrifft,  burd^  n)e[d)c  bcr  nid^t  ocr- 
öffcntlid^tc  tJcrtragömcißige  ©üterftanb  bcr  Oütergemcinfd^aft  aufgehoben  wirb, 
inöbcfonberc  aud^  mit  SHücffiddt  auf  bicjcnigcn  ©ebietc  nic^t  anerfannt  werben, 
in  meieren  bic  ©ütcrgcmeinfd)aft  in  ber  einen  ober  anbcrcn  gorm  gegcnroärttg 
bcr  gcfcfetid&c  Oüterftanb  ift  unb  fünftig  üicUeid^t  bie  cntfpred&enbc  ocrtragö^ 
mäfeige  ©ütcrgcmeinfd^aft  beö  ©efc^bud&cö  bic  Siegel  bilben  wirb,  jumQ!  in 
mand&cn  gftllen  bem  gutgläubigen  ©ritten  bie  allgemeinen  ©runbfäße,  xn^ 
befonberc  bie  Seftimmungcn  über  ben  Scliabcuöerfaß  auö  unerlaubten  ^mtb- 
hingen  (§§  704,  705),  fdjüßcttb  iur  ©eite  ftel)cn  merbcn.  SBcld&c  SBirfungcn 
eö  l;at,  menn  bie  (Stiegattcn  ober  einer  bcrfclben  bcm  35rittht  bcn  nid|t  tjer^: 
öffcntlid)ten  oertragömäfeigen  ©üterftanb  angcjcigt,  bic  Slnjcigc  bcr  fpätercn 
Stcnbcrung  aber  untcrlafjcn  l^abcn,  ift  an  bcr  ^anb  ber  allgemeinen  ®runb:= 
fäfee  JU  bcurttjcilen. 

S)ic  93eröffcntlid)ung  bcö  ocrtragömäfeigcn  ©ütcrftanbcö  fd^ügt  übrigens 
ben  Dritten  nad)  SDlafegabc  bcö  §  1336  nur  unter  bcr  SBorauöfcgung,  bafe  ber 
oeröffentlid&tc  ocrtragömäfeige  ©ütcrflanb  in  2Birflid)feit  burd)  einen  gültigen 
®f)CDertrag  uercinbart  ift.  Der  33er5ffentlid)ung  alö  fold)cr  aud)  in  ©r* 
mangclung  jener  SSorauöfc^ung  bic  im  §  1336  bcjcidjneten  SBirfungen  bei* 


e^cücrträflc.    SBicffamfcit  öCßen  Dritte.    §1336.  317 

iulcgcn,  mithin  baß  cl^crcd^tlid&c  SWcgiftcr  in  9lnfe^unfl  bcr  publica  fides  mit 
bem  ©runbbuei^c  (§  837)  auf  eine  fiinie  ju  ftellen,  würbe  ju  n)cit  ge^en. 
Sielmc^r  fonn  in  bicfer  Sejie^ung  boö  e^ere^itlic^c  SRcgifter  nur  als  bem 
^onbeldregifter  gleid^fte^enb  be^anbelt  merben. 

Der  ©c&ug,  melden  ber  §  1336  2)rittcn  ju  gcroöl^ren  bejmectt,  ift  aus*    «««««' 
8cf(^IoRcn,  wenn  bie  burd^  ®^eoertrag  erfolgte  Sttufifci&Uefeung,  ^[uf^ebung  ober  '^"gXn*'** 
»cnberung  befi  betreffcnbcn  ©ütcrftanbcß  na^  SKafegabc  ber  §§  1435—1437   «'««^en«. 
»croffentlüt  war  ober  bem  ©ritten  bcfannt  war  ober  befannt  fein  mufete. 
^ic  gaffung  beö  §  1336  läfet  feinen  B^eifel  barübcr  auffommen,  bafe,  um 
bic  änroenbbarfeit  ber  barin  jum  ©d&u^e  beö  guten  (Slaubenö  getroffenen 
bcfonberen  SSorfi^riftcn  außsufd^üefeen,  erforbcrlid^  ift,  bafe  biejenigcn  Seftim« 
mimgen  beö  6()eüertrageö,  loelcftc  gerabe  für  bie  SBirffamfcit  bes  fonfreten 
9le(^tdgcfcftäfted  non  SBebeutung  finb,  jur  Qüt  ber  33orna^me  beö  lefeteren  nad^ 
ÜRofegabc  bcr  §§  1435—1437  Deröffentlid^t  waren  ober  bem  ©ritten  befannt 
waren  ober  befannt  fein  mußten. 

3)ie  Slrt  bcr  ^Regelung  ber  Seroeiölaft  entfprid&t  bem  §  1257  3lbf.  1,  »«>ei««f*. 
bie  ©leidöftcUung  beö  Rennenmüffenö  mit  bem  Äcnneu  ber  Slnalogic  ber  58e? 
ftimmungen  beö  §  120  3lbf.  2  unb  beö  §  121  3Ibf.  4. 

Eer  §  1336  fd&üfet  ©ritte  nur  in  3lnfe^ung  ber  SBirffamfcit  ber  bort  «wf«««  *>«« 
bcjeic^ncten  SRed^tögef^öfte.  aSßcnn  ba^er  ein  ©ritter,  welcher  nad^  9luf^ebung  **"**** 
ober  Slcnbcrung  beö  oeroffentUd)ten  ©üterftanbeö  ber  ®ütcrgemeinfc^aft,  aber 
Bor  bcr  SBcroffentlid^ung  biefer  Sluf^ebung  ober  Slenberung  in  bem  guten 
©laubcn,  bafe  bie  ®ütergemeinfd)aft  nad)  aWafegabe  bcr  früheren  SSeröffcnt* 
li(tiung  no(^  unneränbert  fortbeftel)e,  gegen  einen  ber  ©Regatten  burd^  ein  9ied)tö$ 
gcfc^aft  ber  im  §  1336  bejcic^neten  2lrt  einen  älnfprud^  erroirbt,  fo  ift  ju 
@unften  biefeö  ©ritten  baö  SScr^öItnig  nid^t  etma  allgemein  fo  ju  beurt^eilen, 
olö  wenn  bie  ©ütcrgemcinf^aft  }ur  3<^it  ber  SSornaljme  beö  Sted^tögefd^äftcö 
noc^  nic^t  aufgel)oben  gemcfcn  wäre,  fo  bafe  ber  ©ritte  aud&  auö  benj[enigen 
©cflcnftänbcn,  weldbc  ber  eine  ober  anbere  ©Ijcgattc  in  ber  3^'*  ^^^  ^^^  ^luf^^ 
Hebung  bcr  (Sütergemcinfd^aft  biö  jur  93ornaf)mc  beö  JRec^tögefcöäftcö  erworben 
liat,  unter  ber  SSorouöfcgung,  bafe  biefelbcn  beim  gortbcfte^cn  ber  (Süter* 
gcmcinfd^aft  ©cfammtgut  geworben  wären,  nad^  SHafegabc  ber  Sßorfd^riften  über 
bic  bctrcffenbc  ©ütcrgcmeinfd&aft  feine  93efriebigung  oerlangen  fönntc.  93iet 
me^r  crgicbt  f\d)  auö  §  1336  für  bcn  in  9icbc  ftcfjcnben  gaU  nur  fo  oiel, 
bag,  fofern  beim  gortbeftel^en  ber  betreffcnbcn  ©ütcrgemcinfc^aft  nad^  bcn  SSor^ 
fd^riften  ber  leßtcrcn  bie  SBerbinblid&feit  ©efammtgutöocrbinblidbfcit  fein  würbe 
(§§  1359,  1362,  1423,  1431  3lbf.  1),  ber  ©laubiger  ben  ß^cmann  perfönlid^ 
in  Snfprud^  nehmen  unb,  foweit  bie  3luöeinanberfe|ung  no^  uic^t  erfolgt  fein 
foDtc,  33efriebigung  auö  bem  nocf)  t)or[)anbenen  ©cfammtgute  ücrlangen  fann 
(§§  1359,  1373,  1374,  1423  3lbf.  1,  §  1429  3lbf.  1,  §  1431  3lbf.  1).  3ft 
baö  ©efammtgut  aber  bercitö  gct^eilt,  fo  fann  nur  in  gragc  fommen,  ob  ber 
©laubiger  beö  einen  ßl^egatten  auö  ber  $erfon  beö  legteren  gegen  bcn  anberen 
Ctiegattcn  etwa  einen  ^Infprud^  auf  3lücfgabe  gcltenb  mad^cn  fann,  wenn  unb 
foweit  unter  Serüdfi^tigung  bcr  ^ier  fraglichen,  im  SBcrfiältnijfe  jwifdjcn  bem 
©laubiger  unb  bcn  (Stiegatten  alö  ©cfammtgutöDcrbinblid^fcit  ju  be^anbelnben 
SäcrbiiÄlic^feit  -bcr   anbere  ß^egatte  bei   ber   Stuöeinanbcrfegung   über   ba^ 


318  ei&coerträGe.    SBirffamfeit  geflen  ©ritte.    §  1336. 

* 

Oefammtflut  ju  üicl  erhalten  l^at  (§§  1377,  1380,  1429  Slbf.  1,  §  1431 
9lbf.  1).  ®in  SJcbürfnife,  über  biefe  ouö  bcm  §  1336  fx6)  ergebcnbcn  Ron^ 
fecfuenjen  jum  ©d&uftc  ber  ©laubiger  fjinaußjuge^cn,  ift  nid^t  anjuerfennen. 
5Dod  preufe.  31.  fi.  SR.  II,  1  §§  419,  431  gefjt  für  ben  gaH  ber  Äuftebung  ber 
©ütcrgemeinfci^aft  jum  ©d^ufte  ber  ©laubiger  aUcrbingö  nod^  weiter,  fofern 
man,  entgegen  ber  in  neuerer  ^zxi  bei  bem  Steic^ögeric^te  jur  Slncrlcnnung 
getaugten  Slnfid^t,  berjenigen  Sluffaffung  folgt,  roefd^e  bie  Scftimmung  be« 
§  431 II,  1  31.  ß.  SR.  in  ber  preufe.  ^ßrafiö,  ber  Ste^tfpred^ung  beö  SR.  D.  §.  ®. 
unb  ttucö  iti  einem  früheren  Urt^eile  beö  SReid^ögeri^teö  gcfunben  l^ot  (oergL 
®ntfd^.  b.  gt.  O.  $.  ©.  X,  98,  XIX,  13;  entfd^.  b.  SR.  ®.  in  Sioilf.  V,  74, 
XIV,  76).  9lad^  jener  Stuffaffung  werben  bie  roätirenb  ber  ©ütergemeinf^aft 
entftnnbcnen  gorberungen  gegen  bie  ßfjegotten  oon  ber  3(uf^ebung  ber  ©üter« 
gemeinfd&aft  überall  nid&t  berührt,  fonbcm  eö  wirb  bcjügtic^  berfelbcn  bie 
©ütergemeinfd&aft  alö  fortbefte^enb  betrad^tet,  fo  bafe  jeber  ©noerb,  weisen 
einer  ber  S^egatten  nad^  Sluf^ebung  ber  ©ütergemeinfc^aft  w&l^renb  Sefte^end 
ber  ®^e  mac^t,  ben  ©laubigem,  beren  gorberungen  oor  ber  3luf^ebung  cnt? 
ftanben  finb,  cbenfo  ^aftet,  wie  er  benfelben  haften  würbe,  wenn  bie  ©üter* 
gemeinfd^aft  nid^t  aufgehoben  wäre,  ^adfclbc  gilt  auf  ber  ©runblage  jener 
SluffaRunq  5u  ©unften  berjenigen  ©laubiger,  weld^e  in  ber  3">ifcÖ^»iü^i* 
jwifd&en  ber  3luf^ebung  ber  ©ütergemeinfc^oft  unb  bem  Slblaufe  beö  jur  offent^ 
lidben  Sefanntmad&ung  bcftimmten  S^itraume«  bejw.  ber  fpäteren  offcntUd^en 
SBefanntmad&ung  Slnfprüd&c  gegen  einen  ber  ©Regatten  erworben  ^aben.  ©egen 
eine  berartige  pofitioe  SRegclung  fpred^en  aber  —  abgcfe^en  baoon,  bafe  bei  ber  oei> 
tragdmäfeigen  ©ütergemcinfd^aft  ber  S^edf,  ben  ©laubigem  eine  größere  ©i(^er« 
^cit  ju  gewägten,  überhaupt  me^r  in  ben  ^intergrunb  tritt  unb  oon  biefem 
©tanbpuntte  aus  ben  ©laubigem  burd^  ben  §  1336  unb  bie  SSorfc^riften  ber 
Äonf.  D.  unb  beö  SR.  ©ef.  v.  21.  3uli  1879  über  bie  3lnfed&tung  ber  »lec^tfi^ 
l)anblungen  eine«  ©c^ulbnerö  auSreicftenber  ©d&ufc  gewährt  wirb  —  bie  praf« 
tifd^en  ©d&wierigfeiten  unb  SSerwidtelungen,  welche  fic^  aus  ber  giftion  beö 
gortbeftc^enö  ber  ©ütergemeinfd^aft  im  S8erf)ältnijfe  ju  ben  ©laubigem 
namentlid^  bann  ergeben,  wenn  bie  nad&  3luf Hebung  ber  ©ütergemeinfc^oft 
üon  bem  einen  ober  anberen  ©liegatten  erworbenen,  im  SBerbältniffe  ju  ben 
©laubigem  jum  ©efammtgute  ge^örcnben  ©egenftänbe  üon  biefem  ®f>egattcn 
einfcitig  Deräufeert  finb  ober  fonft  eine  ©urrogotion  ftattgefunben  ^at.  äuö 
biefcn  ©rünben  empfiehlt  eö  fid&  aud^  nid^t,  für  ben  gall  ber  Sluf^ebung  ber 
©ütergemeinfd^aft  bie  SBorfd^riften  beö  §  1336  ju  ©unften  fold&er  ©laubiger, 
weld^c  in  ber  ^^^ifc^cnseit  jwifd^en  ber  Sluf^ebung  unb  ber  SBeröffentlic^ung 
ber  lefiteren  in  bem  guten  ©lauben,  ba^  bie  ©ütergemeinfd^aft  noc^  fortbefte^e, 
gegen  ben  einen  ober  ben  anberen  @t)egatten  3lnfprüd^e  erworben  ^oben,  in  ber 
3lrt  JU  erweitern,  ba§  fie  fid^  jum  Qm^dt  i^rer  Scfriebigung  aud^  an  ben* 
jenigen  in  jener  Sw^'f^cnjeit  gemad&ten  ©rwerb  ber  ©Regatten  galten  fonnen, 
weld&er  otjne  bie  3lufl|ebung  ber  ©ütergemeinfd^aft  bem  ©efammtgute  ju« 
gefallen  unb  Dbjcft  i^rcr  S3efriebigung  geworben  wäre. 

»er^ÄitniB  Slulaugeub  bie  %taQt,  wie  bie  allgemeinen  Söorfd^riften  über  ben  ©d&u^ 

«orwrifun  beö  guteu  ©laubenö,  inöbefonbere  bie  beöfallfigen  Sßorfd[)riften  beö  ©runbbud^* 

fifter  ben    te^tcö,  uac^  weld&eu  ber  gute  ©laube  nur  bann  auögefd&loifen  ift,  wenn  ber 


e^eöerträge.    SBirtfamfcit  gegen  ajritte.    §  1336.  319 

5)rittc  jur  ^dt  bcö  ftd^  oolljie^enben  (Srtoerbcd  bcß  3led)te3  bic  5Rid&tüberein^  64u*  be< 
fHmtnung  bcö  (Srunbbud^eÄ  mit  bcr  roirffid^cn  SRcd^tötagc  gcfannt  6at  (t)ergl.  ©laub«« 
§§  837,  838,  1083,  1114,  877—879),  ju  bcr  33cftimmung  bc«  §  1336  ftc^ 
Der^alten,  nac^  toeld^er  ber  gute  ®(aube  bed  Stritten  fdbon  bann  ald  nid^t 
oor^onben  angcfe^en  wirb,  rocnn  bie  Sfcnberung  beö  G^coertrogeö  jur  3^^^ 
ber  Sornafime  bcß  SRe^itögcfd^äfteö  naä)  SWafegabc  bcr  §§  1435—1437  t)er^ 
offentlid^t  loor  ober  bem  dritten  befannt  fein  mufetc,  fo  bebarf  cd  in  biefcr 
^infi^t  feiner  befonberen  gefeftUcfeen  Seftimmung.  ©8  fann  nid^t  jroeifel^aft 
fein,  bo§,  ou(^  wenn  ber  S^coertrag  Quf  ©runb  bes  §  1336  bem  ©ritten 
gegenüber  ate  untoirlfam  nid^t  ansufe^en  ift,  bie  äBirffamfeit  bed  Sled^td^ 
gefc^äfted  bed  Dritten  mithin  auf  biefe  93eftimmung  nid^t  geftfigt  werben  fann, 
bo(^  ni^t  audgef(!^loffen  ift,  bag  bad  in  ^olge  bed  StieDcrtraged  an  ft^ 
nnroirffomc  SRe^tögefd^äft  nad&  SRafegabe  ber  allgemeinen  aSorfd^riften  über  ben 
@4u|  bed  guten  (glaubend  ald  mirtfam  fid^  barftellt. 

S)ad  prcufe,  ?r.  S.  31.  n,  1  §  216  cntfjält  jum  Sd&ufic  ber  3ted^te  ^JJ'SuT 
Dritter  bie  befonbere  SBeftimmung,  ba^,  menn  ©runbftüde  ober  Kapitalien,  fc^uffeftber 
welt^e  nac^  gefegtid^er  83eftimmung  jum  ©ingebrad^ten  geboren,  bnrd^  ®^^  nteju^wUT 
oertrag  bie  (Sigenfd^aft  bed  SBorbel^altdguted  aud^  in  SSejicI^ung  auf  einen  eenooitunfl. 
bitten  erlangen  foUen,  biefelben  ald  SSorbel^altdgut  auf  ben  9{amen  ber 
6^au  gefd^rieben  werben  muffen.  Sßom  ©tanbpunfte  bed  ©ntrourfcd  aud  ift 
eine  fold^e  Eintragung  ber  iBorbe^ltdgutdeigenfd^aft  bed  gebuchten  Sied^ted  ber 
e^efrou  in  bcr  Siegel  für  ©ritte  ofine  3ntcreffe,  ba  ber  ®f)emann  fraft  ber 
c^lid^n  !Ru|nie6ung  unb  SBerwaltung  o^ne^in  über  gebuchte  3lcd^te  ber  @^e:= 
frau  o^ne  bcren  aSollmad^t  ju  oerfügcn  regelmäßig  nid^t  bered^tigt  ift  (oergl. 
§  1292  ocrb.  mit  §  980  Slbf.  1,  §§  984,  1033—1036,  ferner  §§  1318,  1319). 
eine  Suöna^mc  finbet  in  biefer  ^infic^t  nur  ftatt  bei  ni^t  oerjindlid^en 
6?pot^farif^  gefiederten  gorberungen,  ©runbfd&ulben  unb  ®igcntf|ümer* 
^iipot^efen  (§  1292  ocrb.  mit  §§  1028,  1033,  1035),  foroie  bei  ben  fraft  ber 
eWiiften  Sluftniefeung  erworbenen  Slnfprüd&en  auf  bic  3^^^^^  ^^^  SRufeungen 
gebildeter  Weckte  (§§  1026,  1027).  S)iefe  le^tercn  Slnfprüd^c  fommen  {ebod^ 
für  bie  üorliegenbe  grage  nic^t  in  93etrad^t,  ba  fic  rüdfftänbigc  Seiftungen  jum 
©egenftanbc  ^abcn  unb  bcd^alb  überhaupt  nid&t  unter  bem  ©d&ugc  bed  offent* 
liefen  (glaubend  bed  @runbbud{)ed  fteljcn  (ocrgt.  §  1090  SÄbf.  2,  §§  1108,  1121, 
1136,  1141,  1060).  Slnlangcnb  aber  bie  übrigen  gebud)tcn  Stellte,  über  welche 
ber  ©^emonn  burd^  ®eltenbmad&ung  ber  betreffenben  Slnfprüd^c  ju  verfügen 
beret^tigt  ift,  fo  mürbe  ein  Sebürfnife,  bm  Sludf^lufe  ber  et)elid&cn  SRu^nicfeung 
Hnb  SSerwaltung  in  Scjic^ung  auf  jene  9ledt|te,  abgefe^en  von  ber  Sßorf^rift 
bed  §  1336,  aud&  burdd  ©intragung  in  bad  ©runbbud^  befannt  ju  mad&cn,  im 
^nblidfe  ouf  bic  ©runbfafec  bed  ®runbbud&redE)tcd  nur  bann  anjuerfennen  fein, 
iDcnn  bic  e^elit^c  Slüfenicfeung  unb  SSerwaltung  fctbft  in  bad  ©runbbud^  ein* 
getragen  wäre.  S)a  bied  aber  weber  erforberlid^  nod^  juläffig  ift  (ocrgl. 
§§  1283,  1305  unb  bie  üJlotioe  ju  §  1305  oben  ©.  238  ff.),  fo  muß  aucft  in 
Sejie^ung  auf  iene  gebud&tcn  Slct^tc  bie  SBorfd&rift  bed  §  1336  genügen, 
ffiirb  bie  c^elid&e  9lu|nic6ung  unb  SBcrwaltung  nid^t  eingetragen,  fo  vertraut 
berjenige,  weld^er  bem  ©bemanne  fraft  bcr  c^clid^cn  ^lugnicfeung  auf  ®runb 
ber  ^icr  fraglid&en  gebud^ten  JRcd&te  Iciftet,  in  SBirflid^fcit  nic^t  bem  Orunb* 


320  e^cöerträge.    23irffomfcit  gegen  ©ritte.    §  1337. 

bud^e  (§  838),  fonbern  ber  g^f^fel^cn  SRcgct,  bafe  bcm  ©bemanne  in  änfcl^ung 
jener  Siedete  bic  cfielid^c  ^lufenie^ung  iinb  SBcrronltung  juftel^e.  ©icfeö  aSer* 
trauen  ift  aber  waä^  §  1336  ein  unbcred^tigtcft,  wenn  bic  Sluöfd&Ucfeung  bcr 
e^elic^cn  Sßufenicfeung  unb  aSerroaltung  in  Slnfc^ung  jener  Siebte  nn^i  SWafe^ 
gäbe  ber  SSorfd^riften  ber  §§  1435—1437  veröffentlicht  war.  Slnberö  liegt  Die 
©ad^e  bei  9luft)ebung  ber  ©ütergemeinfc^aft,  fofem  bie  ©ütergemeinfd^aft  in 
baö  ©runbbuc^  eingetragen  roorben  ift  (oerg(.  §§  1343, 1417, 1431  3lbf.  1  ©erb. 

mit  §§  837,  838,  1083,  1114). 

§  1337. 

€*«»  2)er  §  1337  bejroedft,  benjenigen  ©d^ufe,  weld&cn  ber  §  1336  ©ritten  in 

öiSlbSinei  Slnfe^iing  ber  bort  bejeid^neten  SRe^itSgefd^äfte  geroäl^rt,  auä  ben  gleid^en 
«^«•^  Orünben  unb  im  Slnfd^Iuffe  an  §  1257  2lbf.  2  aud^  in  SÄnfebung  eine«  red^ts^ 
iifi  tcn.  j^g^-gg^  Urtbeiteö  ju  geroä^rcn,  roeld^eö  in  einem  jroifc^en  einem  ©ritten  unb 
einem  ber  ©Regatten  anl)ängig  geworbenen  SRec^töftreite  ergangen  ift  (ocrgL 
bie  aWotiüe  ju  §  1257  Slbf.  2  oben  ©.  65  ff.  unb  ju  §  1336).  SBon  praftifd&er 
SBebcutung  ift  bicfe  9lu«be^nung  namcntUd^  für  fold&e  gälle,  in  welchen  bcr 
Dcroffcntli^ite  ucrtragömäfeigc  Oüterftanb  ber  (Sütertrennung  ober  ber  ©ütcr- 
gemeinfd^aft  burcli  (Stieoertrag  geänbert  wirb,  im  ^inbüdEc  auf  bie  93orf(§riftcn 
ber  §§  1302,  1303  bejro.  ber  §§  1352, 1358, 1417, 1431  3lbf.  1.  ©ic  ®rünbc, 
meldte  ben  ©ntrourf  beftimmt  Ijabcn,  im  §  1337  alö  ben  cntfd^cibenbcn  S^tpunft 
für  bie  33eröffentlid^ung  bejro.  ba&  Kennen  ober  Äennenmüffen  beö  ©ritten  bie^ 
jenige  3^it  fjinjuftenen,  in  roeld&er  bie  ®eltenbmad^ung  ber  burd^  S^coertrag  er^ 
folgten  Sludfc^licfeung,  aiuffjcbung  ober  ätenberung  beö  bidljcrigcn  ©ütcrftanbcÄ 
in  bcm  SRed^täftreite  l^ättc  geltenb  gemad^t  werben  fönnen,  finb  biefelben,  wie 
biejcnigen,  auf  weld^cn  bie  cntfprec^enbe  SSorfc^rift  beö  §  304  Slbf.  2  berul|t. 

^othtmtttnn% 

iu  ben  §§  1338—1434. 

5Die  Im  ®cfe»-  ©ic  §§  1338—1434  regeln  bie  üertragömäfeigen  ©ütcrftänbe  ber®üter* 

rÄ^m.  trennung  (§§  1338-1340),  ber  aUgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  (§§  1341—1409), 

trofl«mäBi8en  bcr  ©rrungenfd^aftögcmcinfd^aft  (§§  1410—1430)  unb  bcr  ©cmcinfd^aft  bei^ 

üterfiänbe.  j^^j^^^i^^^^^  SScrmögcnö  unb  ber  ®rrungenfd&oft  (§§  1431—1434).   ©ic  ©rünbc, 

auö  welchen  cö  für  not^wenbig  erad^tet  ift,  neben  bcm  auf  bcm  SBoben  ber 

äScrwaltungögemeinfd^aft  berubenben  gcfegücben  ©üterred^tc  auc^  bic  i^aupU 

fäd[)lid^ften  anberen  biö^cr  in  ©cutfd^tanb  üblid^  gewcfenen  gormen  beö  cl^ctid^ca 

©üterrcd&tcö  in  ber  9lrt  ju  orbnen,  bafe  bie  barübcr  getroffenen  SeftimmungcR 

bann  jur  3(nwenbung  fommen,  wenn  bie  ©Regatten  burd^  Sl^eocrtrag  einen 

jener  ©üterftänbc  oerabrcbet  l^aben,  finb  bcreitö  oben  ©.  141  ff.  in  ber  @in* 

Icitung  }um   c^elid^cn  ©ütcrrccbtc  bargelegt,     älnlangenb   inöbefonbere  ben 

(Sütcrftanb  ber  Oütcrtrcnnung,  fo  mufe  berfclbc  fd^on  bcö^alb  geregelt  weri)en, 

weil  bie  ^eftimmungen  bcöfelben  in  oerfd^iebenen  ^äQen  aud^  fraft  beö  ©efc^eft 

bejw.  auf  cinfeitigcn  Slntrag  bcr  S^efrau  eintreten  (oergt.  §§  1284, 1330, 1372, 

1381,  1429  9lbf.  1,  3,  §  1431  3lbf.  1).    (Sin  SBcbürfnife,  nac^  bcm  Vorgänge 


Srcnnuno  bcr  ©fiter.    SBcfcn  bcß  Oütcrftanbeß.    §  1338.  321 

bed  Code  civil  S^rt.  1497  ff.  no^l  Qnbcrc  Scftimmungcn  über  cinjelnc  SBcrtragö* 
ffoufefn  Qufjune^men^  tann  bagegen  nid^t  anerfannt  tDcrben. 

Sei  ber  Siegelung  ber  einjetncn  ücrtragömäfeigen  ©üterftänbe,  inß*  «nflcm«ne 
iefonbcre  bcd  ©üterftanbeö  ber  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  unb  beö  ®üter^  puntte  bet  iev 
ftanbed  ber  Grrungcnfd^aftögemcinfd^Qft,  fonn  aber  felbftocrftänbüd^  bcr  grofecn  ^"^l^^^ 
Serfc^iebcn^cit  bes  geftenben  SRed^teö  in  ben  einjelnen  9ied)tögebieten,  namcntUd^ 
ber  Serfc^icben^cit  ber  auf  bem  Soben  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinf d)aft  bcjro. 
bcr  Gmingenfd^aftögemeinfc^aft  ftel^enben  beutfc^en  Siedete,  welche  nid)t  nur  in 
untergeorbncten  fünften,  fonbem  aud^  in  grunblegenben  fragen  von  einanbcr 
übiDei(^en,  nic^t  in  ber  3lrt  Sled^nung  getragen  werben,  bafe  üerf^iebcne  Sriftcme 
bfft  betreffcnben  (Süterftanbcö  in  bem  Oefegbud^e  neben  einanber  geregelt 
»erben  unb  ben  33et^eiligtcn  bie  SBal^l  bcö  einen  ober  anberen  ©r)ftemcö  über- 
lajfen  wirb.  Gine  folc^e  Siegelung  würbe,  abgefel^en  von  ben  ©d^roicrigfeiten, 
iDelc^c  bic  Sluöma^l  unb  bie  Slbgrcnjung  ber  ju  berüdffid&tigenben  eiujelnen 
Siiflemc  mit  fid^  bringt,  ju  btn  größten  praftifc^en  Unjuträglid^feiten,  ins« 
befonbcre  ju  einer  ©eföl^rbung  ber  93erfet)röfid^erl^eit,  fül^ren.  6ö  bleibt  bal^cr 
nur  übrig,  ft(f|  auf  bie  Siegelung  cincö  Spftemeä  bcö  betreffcnben  ®üterftanbe& 
}u  befc^ränfcn  unb  bei  biefer  Siegelung  barauf  Sebac^t  ju  nel^men,  ba§  bic* 
jclbe  bem  materiellen  ®runbgebanfcn  ieneö  (Süterftanbcö,  ben  SlüdEfic^tcn 
proftifc^er  S^Jecfmöfeigfeit  unb  ben  roid^tigeren  Siedeten  t^unlid^ft  geredet  mirb. 


II.  ZttnnmiQ  bet  &äter* 

§  1338. 

Das  aSefen  beß  oertragfimäfeigcn  ©üterftanbeö  ber  (Gütertrennung  beftel)t  ®«fc"  ^c« 
kann,  bafe  bie  e^elid^e  Slufcnicfeung  unb  93erroaltung  ot)ne  ©rfaft  bur^  einen  ®"*^'^^*'"'''*'- 
anberen  ücrtragsmäfeigen  ©ütcrftanb  auögefd^loffcn  ift.  (S§  fallen  mitliin  bic 
Sirfungen,  meldte  fonft  bie  ®^e  fraft  beö  ®e)efees  nad)  SHafegabc  bcr  §§  1283 
bis  1332  auf  baö  3Sermögen  ber  ß^efrau  ausübt,  weg.  S)ic  (S^cfrau  l^at  in 
Snfe^ung  i^rcö  SSermogenö  bie  Stellung  einer  unt)er^ciratf)ctcn  grau.  2)ie 
39cfrimmung  bcö  code  civil  ^xt  217  ff.,  1538  (ocrgl.  aud)  ^cff.  ©ntm.  9lrt.  534), 
noc^  ipet^er  aud^  bei  ooUftänbiger  ©ütertrennung  jur  ^i5cräu§erung  t)on  Siegen- 
fc^ften  bcr  @t|efrau  bic  (Sinroilligung  beö  ß^emanneö  crforbcrlid^  ift,  ftel)t 
fbenfo  wie  boö  für  ben  gall  ber  ©ütertrennung  üom  code  civil  3lrt.  215  feft- 
Hc^oltenc  (Srforbemife  ber  ®inn)illigung  bcö  (5l)cmanncö  ju  5ßrojeffen  bcr  ß^c* 
frau  mit  ber  Dom  ßntmurfe  grunbfäfclid^  ancrfannten  unbefd^ränftcn  ®efdf)äftö* 
fö^igfeit  ber  ß^efrau  in  5EBiberfprud^  (t)ergl.  bie  SSorbemerfung  ju  ben  §§  1300 
Hö  1310  oben  S.  222  ff.).  Slid^t  berül^rt  rocrben  bagegcn  burd^  ben  ©ütcrftanb 
ber  ©ütertrennung  bie  allgemeinen  SBcftimmungcn  über  bic  SBirfungen  ber 
e§e  (§§  1272—1282),  inöbefonbere  nid^t  bie  Seftimmung  beö  §  1280  über  bie 
Unter^ültöpflid^t  beö  ®^emanneö  gegenüber  ber  (Sljcfrau.  S)iefe  UntcrJ^altö^ 
Pflicht  befte^t  felbftänbig  neben  ber  e^elid^en  Slugnicfeung  unb  33crn)attung  unb 
beru^  auf  ber  Stellung,  meldte  ber  Gfjemann  in  ber  Gl)e  cinnctimcn  foll. 
SU  ^aupt  ber  c^clid^cn  (Semeinfd^aft  f)ai  er  baö  gemeinfd^aftlid^e  2eben  in 
allen  äußeren  SBejiel^ungen  ju  leiten  unb  ju  beftimmen  (§  1273).    S)icfcm 

«etfw  %,  ftOiQrri.  Oefcltei^  IV.  21 


322  Srennimg  ber  ®üter.    SSeitraöÖpflidbt  ber  SBefrau.    §  1339. 

SScd^tc  cntfprid^t  bic  5ßfli(i^t  jur  Scftrcitung  bcö  e^cU^cn  Slufroanbcö.  aSScber 
auf  biefed  SRct^t  nod^  auf  bicfc  5ßpid&t  fann,  weil  bicfclben  auf  bcm  SBcfcn 
ber  (Bf)t  unb  bcsl^alb  auf  ber  offcntlid^cu  Drbnung  bcrul^cn,  burc^  e^eocrtrag 
tjerjid^tct  werben  (ocrgl.  §§  106,  1280  Slbf.  2  ocrb.  mit  §  1495  unb  3ÄotiDc 
}U  §  1333  oben  ©.  309). 


§  1339. 

»eitrag«*  2)ie  Seftimmung  bcö  §  1339,  nad^  roeld^cr  im  galle  beö  ©ütcrftanbcd 

(i^J^aum  ^^^  ©ütcrtrennung  bie  S^cfrau  gteid&roo^I  bcm  ®l^emanne  einen  angcmeffenen 
«epreitung  SBcitrag  5ur  Scftreitung  ber  e^elid^cn  Saften  aufi.  ben  ©infünftcn  i^rc«  Skr- 
^^'sJftcn*^"  mögens  unb  bem  ©rtrage  eineö  von  i^r  felbftänbig  betriebenen  ©rroerbfi^ 
gefd^äfteö  ju  leiften  oerpflid&tet  ift,  berul^t  auf  ber  2lnnal^me,  bafe  ber  ^n^ 
beö  ß^eoertrageö,  burd&  n)elrf)en  ol^ne  Söeftimmung  eines  anberen  Oütcrftanbefl 
bie  e^elid&e  Jiufeniefeung  unb  SSerroaltung  aufigefd^loffcn  wirb,  regelmäßig  nur 
ba^in  ge^t,  ber  ß^cfrau  bie  felbftänbige  SBerioaltung  i^reö  aSermögcnö  ju 
fidlem,  nid^t  aber  ba^in,  fxc  von  ber  natürftd^en  ^ßffid^t,  bie  el^clic^cn  Saften 
mitjutragen,  überl^aupt  5u  cntbinben.  3cne  33eftimmung  enthält  allerbings 
für  große  JRe^ltögebictc,  insbcfonbcrc  für  bie  (Sebiete  beö  preufe.  91.  S.  91.  unb 
beö  fäd^f.  ®.  33.,  eine  nid&t  unroefcntUd^e  ?leuerung.  Sie  entfpric^t  aber  mit 
StüdEftd^t  barauf,  ba^  bie  t)ier  in  Jlebc  ftcl)cnbe  93eitragöpflid&t  ber  ®^cfrau  in 
bcm  natürlid^en  SBerfiättniffe  ber  ©Regatten  begrünbct  liegt  unb  bic  c^eli^e 
Stugnießung  unb  58erroaltung  nur  alö  bie  regelmäßige  §orm  erfc^cint,  in  weither 
bic  ©^efrau  fraft  beö  ©efefieö  itircn  Beitrag  jur  SSeftreitung  ber  e^clid&en 
Saften  bem  ©fiemanne  leiftet,  bem  pcrmutl^lid^en  SCBiUen  ber  ©Regatten  unb 
fte^t  übcrbieö  im  ©inftange  mit  bem  in  anberen  großen  SHcc^tögcbietcn  ©cutftö- 
ianbö  geltenben  Siedete,  inöbefonbcre  mit  bcm  franj.  Siedle  unb  bcm  bob.  S.  31. 
(ücrgl.  Code  civil  2lrt.  1537;  bab.  S.  9i.  ©afe  1537;  ferner  olbcnb.  ®ef.  o. 
24.  Slpril  1873  3lrt.  33  §  1 ;  l^cff.  entro,  Slrt.  539).  2)ic  Orünbc,  roel^c 
ben  ©ntrourf  bcftimmt  tiaben,  eine  fold&e  33eitragöpflid)t  ber  ß^efrau  ouö  ben 
©infünften  bcö  SSorbctiattögutcö  nid^t  anjuerfenncn,  treffen  fiter  nid^t  ju 
(Dcrgt.  bie  ÜÄotioc  ju  §  1291  oben  ©.  179  ff.),  aiuö  ber  ücrfd^iebcnen  Srt  ber 
33ef)anblung,  je  na^bem  bie  ctjclid^c  SRufenicßung  unb  SScrroaltung  burd^  6fie* 
t)crtrag  gänjlid^  auögefd^toffen  ober  nur  befd^räntt  ift,  finb  praftifc^e  ©d^roierig' 
feiten  über  bie  Orenjen  ber  Slnrocnbbarfcit  beö  §  1339  nid^t  ju  beforgen,  ba 
ber  Untcrfd&icb  jroifc^en  icnen  fallen  nid^t  nur  tt)eoretifd&,  fonbem  aud^  im 
praftifc^en  Sehen  leidet  ju  finben  ift.  Um  fo  mefir  emppcfilt  fid&  ber  fiier 
fraglid&e  ©tanbpunft  bcö  ©ntmurfcö,  alö  bie  Seftimmung  bcö  §  1339  aui 
in  benienigen  gällcn  cntfprec^cnbc  Slnrocnbung  finbct,  in  meieren  S^rcnnung 
ber  Oütcr  unmittelbar  fraft  beö  ©efegeö  ober  auf  einfeitigen  2lntrag  ber  6b^ 
frau  eintritt  (ocrgl.  §§  1284,  1330,  1372,  1381,  1429  9lbf.  1—3,  §  1431  3rbf.  1). 
3)a  in  ocrfd^icbencn  bicfcr  gälte  bic  93crt|ältniffc  fo  liegen  fonncn,  baß  ben 
©tjcmann  irgenb  ein  SBerfd^ulbcn  nid^t  trifft,  fo  mürbe  cö  unter  Umftänben 
eine  große  ^ärtc  gegen  ben  ®f|cmann  fein,  menn  eö  ber  SBiltfür  ber  (S^cfrau 
übcrlaffen  bliebe,  ob  fic  einen  S3eitrag  ju  ben  eljclid^cn  Saften  Iciftcn  mill, 
xoenn  ber  ©bemann  mithin  auf  ben  fubfibiären  Untertialtöanfprud^  nad^  ÜRaß-- 


Srcnnuno  ber  (guter.    S3eitraö§pfli(6t  ber  eijefraii.    §  1339.  323 

gäbe  bcö  §  1281  bcfd^ränft  würbe.  3"  ©rmangclung  ber  SBorfd&rift  beä 
§  1339  roürbc  bo^er  für  jene  gäHe  burd^  fetbftönbige  Seftimmungen  33orforge 
getroffen  toerben  muffen. 

5Die  ^ier  fraglid^e  SeitrogöpPld^t  ber  ©l^efrau  ift  übrigens  nid^t  afe  «evjic^t  auf 
eine  fol^c  mit  bem  e^eli(|en  SBer^ältniffe  oerbunbene  golge  anjufefien,  roeld^e  ^^^  *^'*^**fl- 
hvcä)  bQ&  SBcfen  ber  ^^e  abfolut  geforbert  wirb;  oielmel^r  ge^t  ber  ©ntrourf 
bttoon  aus,  ba%  auf  jene  SBeitragöpflid^t  roirffam  t)eräid^tet  werben  fann.  3)ie 
Icgtere  enthält  oUerbingfi  geroiffcrmafeen  eine  ®rgänjung  ber  Seftimmungen 
aber  bie  Unter^altöpflicj&t  ber  ©l^efrau,  inbem  baburd^  eine  bem  natürlid^en 
Ser^ottniffe  ber  ©b^flötten  cntfpred^enbe  ©eftoltung  ber  fubfibiären  Unterhalts* 
pjliclit  ber  6befrau  (§  1281)  infofern  errcid^t  wirb,  als  bie  @l)efrau  in  bem 
gaKe  bes  §  1339  baö  üon  ibr  ju  Seiftenbe  nid^t  bireft  ju  il^rem,  ifireö  ©b^ 
manncö  unb  ber  gemeinfd^aftlid^en  Slbfömmlinge  Unterhalt  üerroenbet,  fonbem 
eö  an  ben  ©b^^^^"  ^(^  ^^^  ^<tupt  ber  @()e  abliefert  unb  biefer  aldbann 
fdnerfeits  für  eine  jiuecfentfpred&enbe  Sßerroenbung  ju  forgen  ^at.  S)arauö 
folgt  ober  nid&t,  ba§  bie  im  §  1339  bcftimmte  93eitragöpflid^t  ber  gefefelic^en 
SUmentationöpflid^t  Dollig  g(eid^}uftenen  unb  eine  DertragSmägige  ^uö* 
ft^Iiefeung,  mie  ber  lefeteren  (§  1281  9lbf.  2,  §  1495),  fo  aud^  ber  erfteren  ju 
»erbieten  ift.  (Sine  foId[)c  Siegelung  mürbe  ju  meit  geben  unb  inöbefonberc 
im  ^inblide  auf  biejenigen  9led^tögebiete,  meldten  eine  bem  §  1339  ent^^ 
fpret^nbc  35orfd^rift  gegenwärtig  fremb  ift,  bebenflid^  fein. 

3m  ©injelnen  ift  nod^  golgenbeä  ju  bemerten; 

1.  Sie  Sefd^rönfung  ber  93eitragSpfIid&t  ber  ®^efrau  in  ber  9lrt,  bafe  »careujung, 
fie  ni<|t  auS  bem  ©tamme,  fonbem  nur  aus  ben  ©infünften  i^red  Sßermögenö 

ben  Seitrag  ju  Iciftcn  bot,  entfprid^t  ber  3lnaIogie  ber  ebelid^en  ^Jugniefeung 
unb  SSerroattung.  3)a  ber  ©rtrag  eineö  felbftänbig  betriebenen  ©rroerbö* 
geftbäfteö  JU  ben  laufenben  ©innabmen  gebort,  fo  ift  berfelbe  l^ier  ben  ©in- 
fiinften  bcö  95ermögenö  gleid&juftellen  (oergl.  code  civil  9lrt,  1537 ;  olbenb.  ®ef. 
B.  24.  april  1873  9lrt  33  §  1).  S)ie  geftftettung  ber  ^5be  beö  Beitrages  fann 
im  Streitfälle  unbebenflid^  bem  SRid^ter  überlaffen  werben.  5Der  Slbf.  1  be* 
ft^ronft  fic^  baber  auf  bie  Seftimmung,  ba^  bie  ©l)efrau  ju  bem  bejeid^neten 
3medfe  einen  angemeffenen  Seitrag  ju  leiften  ^abe  (üergl.  aud&  olbenb.  ®ef. 
V.  24.  aipril  1873  SKrt.  33  §  1).  3)iefe  2lrt  ber  Siegelung  ift  einer  gefefeli^en 
^rung  beft  Seitrageö  nad^  bem  SSorbilbe  beö  code  civil  SKrt.  1537  t)orjujiel)en, 
locil  eine  fold^e  gijirung  in  oielen  gfillen  ju  Ungered^tigfeiten  führen  fann. 
Stoauö,  ba§  ein  angemeffener  SBeitrog  ju  leiften  ift,  ergiebt  fid^  tjon  felbft, 
btt§  bei  Semcffung  ber  $o^e  beö  Beitrages  ber  ftanbeömäfeige  Ünterlialt  ber 
Statten  roie  ber  Slbfommlinge  in  Setrad^t  gejogen  werben  mug,  ber  tefeteren 
ieboift  nur  infoweit,  als  ber  ©^emann  ben  9lbf5mmlingen  nad^  SWafegabe  ber 
Sotfc^riften  über  bie  Unter^altdppHd^t  ftanbeömäfeigen,  nid^t  bloö  notlibürftigen, 
Unterbau  ju  leiflen  ^at.  Ueberlägt  man  bie  ^eftfegung  bes  Beitrages  bem 
Stifter,  fo  werben  aud^  weitere  fpegielle  SSorfd^riften  über  bie  3lrt  unb  bie 
3cit  bcö  JU  leiftenben  Seitrageö  u.  f.  w.  entbel^rlld^  (§§  1488,  1491). 

2.  3)ie  Seftimmung  beö  Slbf.  2,  weldbe  bem  Oebanfen  beö  auf  bie  Gntfte^unß 
Uttttr^ttepPid^t   fxä)    bejie^enben   §  1492   entfprid^t,   bejwecft,   ben   aßife^  ^^^  ®f^"«** 
fiättben,  inftbefonbere  ben  ja^treid^en  Streitigfeiten  unter  ben  ©begatten  unb 

21* 


324  Sfrcnnuno  bcr  ®ütcr.    SScnvattung  be8  Gl^emanneg.    §  1340. 

beu  UnbiUigf eilen  ju  begegnen,  njcld&e  o^nc  jene  93eftimmung  fid^  ergeben 
tonnten.  Ol^ne  bie  legterc  roürire  ber  ©l^emann,  wenn  er  ial^rclang  ben  e^e« 
liefen  9lufn)anb  allein  beftritten  unb  bie  ©l^efrau  bie  ©infünfte  i^reö  SSer* 
mögend  ober  ben  ®rtrag  beß  oon  il^r  felbftänbig  betriebenen  ©noerbögefd^öfteß 
für  onbere  Sw^ccfc  oenoenbet  ^ätte,  bered^tigt  fein,  noc^träglici^  bie  üeiftung 
beö  Seitrageö  für  bie  ganje  SBergangenl^eit  ju  forbern.  S)em  ^rs)tdt  bed 
Beitrages  unb  ber  notürUd^en  9luffaffung  bes  SJer^ältniReö  entfprid^t  ober 
ein  folc^eö  SRefuItat  tüd^t,  5umal  bie  3Serl^ältniffe  nid^t  feiten  fo  liegen  werben, 
bofe  bie  ©fiefrou  i^re  ©infünfte  ftillfd^roeigenb  für  ben  gemcinfd^afttid^cn  ^ufts 
l^alt  ocrroenbct  l^ot,  ol^ne  bafe  i^r  biefcrl^alb  ein  ©rfaftanfprud^  juftänbe. 
uebemoflbar»  3.  j)ic  Seftimmung  beS  9lbf.  3  red^tfertigt  fid^  burdd  ben  3rocdE  bcÄ 

?»fanb&wfeit  t)on  ber  ®f)efrau  ju  leiftenben  Seitragcö  unb  bie  änologie  ber  el^elic^cn  3hitf* 
anf^ruA««  niefeung  unb  SSerroaltung,  boren  aiequioalent  bie  33eitragöpflic^t  ber  ©^efrau 
au'freSIiunfl.  bübet  (oergl.  §§  1298,  1299).  3m  3interejfe  ber  ©^cfrou  muB  SSorforge  gc* 
troffen  werben,  ba|  ber  Seitrag  bem  3^^*/  meld^em  er  ju  biencn  beftimmt 
ift,  nid^t  burd^  Uebertragung,  33elaftung,  5ßfänbung  unb  Slufred&nung  entjogcn 
werben  fann  (oergl.  aud)  §§  288,  724  9lbf.  3).  3)ie  Unjuläfftgfeit  ber  ^fänbung 
unb  ber  33elaftung  brandet  jcbod^  im  §inblide.auf  bie  SSorfc^riften  beö  §  296 
atbf.  2  unb  ber  §§  1022,  1207  ^ier  nid^t  befonberö  beftimmt  ju  werben.  2)a 
bie  '^öfie  beö  Beitrages  ftd&  nad&  bemjenigen  rid^tet,  was  jum  Unterl^alte 
beiber  ©l^egatten  fowie  ber  gemeinfd^aftlid^en  2lbfömmlingc  erforberlid^  ift,  fo 
entfpri^t  ed  ber  im  §  1299  für  bie  ^fänbung  ber  auf  ®runb  ber  e^elidffen 
9iugnie§ung  oom  ©bemanne  erworbenen  grüd^te  beftimmten  33efd&ränfung, 
wenn  bie  ^fänbung  bcö  Ijier  fraglichen  33eitrageö  gönjUd^  auögcfd&loffcn  wirb. 
9luö  praftifdjen  Slüdffid^ten  ift  babei  fein  Unterfd^icb  gemad^t,  ob  bcr  Seitrog 
rüdfftänbig  war  ober  nid^t. 

3uiüd.  4.  j)cr  SBorfd^rift  beö  3tbf.  4  liegt  berfelbc  ©cbanfe  ju  (Srunbe,  auf 

^«^ri'«*  welchem  bie  Seftimmung  beö  §  1328  9Jr.  2  berul^t.  ©ine  bem  Sd^lufefafte  ber 
Gfjefrau.  gj|.^  2  bcö  §  1328  eulfpred^eube  SBeftimmung  ift  an  biefer  Stelle  nid&t  auf* 
genommen,  ba  bie  Sinologie,  foweit  nöt^ig,  oon  fetbft  jur  9lnwenbung  bcr 
SBorfrfirift  beö  §  1328  3Jr.  2  ©afe  2  führen  wirb.  5Durd&  bie  gaffung  bcö 
9lbf.  4  wirb  übrigens  jum  Maren  ä[uöbru(fe  gebrad^t,  bog  bie  ©öefrou  in  bem 
galle  beö  3lbf.  4  oon  ber  Seitragöpftid^t  nur  infoweit  befreit  wirb,  alfi  fic  ben 
SBeitrag  ju  bem  im  9tbf.  1  bcjcic^neten  ^rozdt  wirflid^  oerwenbet  l^at. 

5.  5Dic  SSeftimmung  beö  9lbf.  5  rerf)tfertigt  ftd^  burd&  biefelben  (Srünbe, 
wetd^c  für  bie  Seftimmungen  beö  §  1328  ülx.  3,  4  mafegebenb  gewefcn  fuib. 
3n  ben  betreffenben  gätlen  barf  bie  ©tjefrau  in  Stnfcl^ung  ber  ^Serrocnbung 
beö  Seitrageö  nirf)t  an  baö  ©rmeffen  beö  gefeftlidben  SSertretcrö  bcö  ©^cmanneö 
gebunbcn  werben  (oergl.  5Rotit)c  ju  §  1328  @.  299  ff.). 


§  1340. 
'^ber««"^^  I'ic  ön  äl)nlirf)e  Seftimmungen  beö  code  civil  Slrt.  1539  unb  bc«  ^1. 

cbH^r' u*buv4  ®"^"^'  9lrt.  526  (uergl.  and)  1.  11  Cod.  de  pact  conv.  5,  u;  ©euffert  X\TII, 
ben  cCrnrnn.  123^  XXTX,  145,  XLH,  38;   öfterr.  ©.  33.  §§  1238  ff.)  fid&  aufd^ücfeenbc 


Srciuiung  ber  Oütcv.    SSertüaltuno  bc§  Sfcmanncö.    §  1340.  325 

»eftimmung  bc^  §  1340,  rocldbc  axiä)  in  bcn  gälten  bcr  §§  1291, 1330,  1381 
ab).  2,  §  1417  (ocrgl.  ferner  §  1429  9Ibf.  1—3,  §  1431  äbf.  1)  entfprc^enbe 
SniDenbiing  pnbct,  bcjrocdft,  ein  ^äuftg  üorFommenbeö,  beim  äßangcl  einer  bc- 
ftimmt  audgcfprodienen  Slbfid^t  unftareö  unb  unfid^ereö  3Serl)ältni&  jur  55er^ 
meibung  fonft  fpäter  Ieid)t  barauö  ftd^  ergebenber  Streitigfeiten  burd^  eine 
biöpofttioc  Seftimmung  in  ber  3lrt  jii  regeln,  wie  bie  Parteien,  rotnn  fte  boran 
gtboj^t  Rotten,  baöfclbe  üoraudfid^tlic^  geregelt  ^aben  rofli'bcn  unb  wie  eä  bie 
ßtrei^ung  jene«  Qm^de^  mit  fid^  bringt.  35on  biefcm  legieren  (Seficl)töpunfte 
aus  genügt  eß  nomentlidi  nid[)t,  bem  G^emanne  in  bem  üorauögefefitcn  galle 
nur  bie  Scfugniß  cinjuräumen,  bie  Ginfünfte  beö  ilim  jur  SSermoltung  über^ 
lojfenen  SSermögenö  ber  ©fjefrou  ju  (Sf)ejnjec!en  5U  wrmenben  (oergl.  1.  11  Cod. 
de  pact  conv.  5,  u:  „circa  se  et  uxorem"),  unb  baueben  bie  33ermutl)ung 
oufjuftcllen,  bafe  ber  Seemann  bie  ©intünfte  ju  itntn  3n)edEen  t)ern)enbet  liabe; 
wlme^r  muß,  wenn  ber  angeftrebte  3"^^*/  fpötere  Streitigfeiten  abjufd^neiben, 
fTTfic^t  TOcrben  foll,  bem  G^emanne  innerhalb  ber  im  §  1340  bejeid^neten 
©renjen  boö  JRedit  beigelegt  merben,  bie  Ginfünfte  beö  if)m  überladenen  3Ser* 
mögens  naif  feinem  Grmeffen  ju  üermcnben.  9luö  biefem  SWed^te  in  SJerbinbung 
mit  ber  JJcftimmung  in  §  1340  2lbf.  2  gellt  mit  ausreid&cnber  ©eutlid^feit 
dctcor,  bafe  ber  Gtiemann  —  abgefetien  üon  bem  gälte,  menn  er  bie  auf  bem 
Scnnögcn  bcr  G^efrau  rul^enben  Saften  nid^t  ober  nid)t  üoUftänbig  beftrittcn 
lioben  foDte  -  ju  einer  Siec^nungölcgung  mö)  SKafegabc  bcö  §  591  nid^t  üer- 
pfli(^tct  ift,  fonbcrn  feine  33erpfli^tung  lebiglic^  auf  bie  »Verausgabe  bcrjcnigen 
©ntünfte  fic^  befd^ränft,  meldte  ju  ber  3cit,  in  roefc^cr  bie  Gljefrau  biefelbcn  in 
Snfpru(6  nimmt,  nod^  bei  bem  Gt)emanne  Dorl^anben  finb.  ©emgemöfe  liegt 
mi(^  bcr  G^cfrau  ber  SBemeiö  ob,  bafe  unb  meldte  Ginfünfte  ftd)  5U  jener  3cit 
no(J  in  bcn  ^önbcn  beö  G^emanneö  befunben  Ijaben. 

9leid^en  bie  Ginfünfte  bcö  bem  G^emanne  jur  SSerroaltung  überfafjencn 
Vermögens  ber  Gl^efrau  aus,  um  bcn  nad&  §  1339  üon  'ü)v  5U  leiftenben  Sei- 
♦rog  jur  Scftrcitung  ber  e^clic^en  Saften  ju  bccfcn,  fo  üerftc^t  eß  fid)  t)on 
fetbft,  bog  ber  G^cmann  bie  Ginfünfte  beö  i^m  jur  ^ermaltung  überlaffenen 
SVmögcnö  junädift  aud^  jur  GrfüUung  biefer  auf  bem  3Sermögen  ber  G^cfrau 
ni^enben  SUcrpftic^tung  ju  Dcrmenbcn  ücrpflid()tet  ift  unb  unter  jener  SJorauö- 
fc^ung  oon  einer  Seitragöpflid^t  nad)  SWa^gabe  beö  §  1339  nid^t  bie  SHebe 
fein  fann,  inbem  bie  G^cfrou  burd^  bie  Ucberlaffung  ilireö  Sßermögenö  an  bcn 
G6cmonn  jum  3w)ec!c  bcr  aSermaltung  nod^  SWafegabe  bcö  §  1340  il)rer  Sei^ 
twgöpflid&t  auf  bie  cinfad[)fte  SBcife  genügt. 

S)urd^  bcn  3^if^^"f^6  „foroeit  nid^t  bie  Gtjcfrau  ein  3lnbereö  bcftimmt 
N^,  wirb  bie  biöporttiüc  9latur  beö  t)ier  fraglidjen  Jkditöfagcö  unb  loeiter 
florgcftcDt,  baß  bie  G^efrau  nid^t  bloö  bei  Ueberlaffung  ber  SSermaltung  i^reö 
Sennogcnö  an  bcn  G^emann,  fonbcrn  iebcrjeit  eine  anberc  33cftimmung  über 
ben  Umfang  bcr  bem  G^cmanne  eingeräumten  S8efugnif[e  treffen  unb  inö- 
befonbcrc  auc^  bie  JJermenbung  ber  gerabc  tjor^anbenen  grüd^te  ju  einem  be* 
ftimmten  3^^^^  verlangen  fann.  Safe  bcr  Gf)emann  audj  im  gälte  beö 
§  laio  na(^  ÜHafegabc  bcö  §  1279  nur  jur  Slnmcnbung  berienigen  Sorgfalt 
xtpftid^tct  ift,  n)cld^c  er  in  eigenen  9lngclegenl)citen  anjumenben  pflegt,  er= 
giebt  ^  auö  §  1279  (tJcrgl.  bie  aWotioc  ju  §  1279  oben  S.  122). 


326         SlDgemciue  ®ütcröemeinf(J6aft.    SSorBcmerfung.    (§§  1341-1409.) 

»erroen.  ^fn  üerfd^icbcticn  ©cfetgebungcn  finbcn  fid^  nod^  93cftimmungen  barübcc, 

o^au  für  ob  unb  inroicrocit  bcr  Seemann  gegenüber  ber  ©fiefrau  jum  ©rfafte  oerpflid^tct 

baft  ^au«*  ift,  njenn  bic  Icfetere,  ol^nc  baju  ocrpflid^tet  ju  fein,  aus  bem  ©rtragc  i^rer 
Slrbeit  ober  ben  ©infünften  i^reö  ber  e^elid^cn  Jtugniefeung  unb  SBerroaltung 
nid^t  unterliegenben  SBermogenß  SBerrocnbungen  für  bas  gemeinfd^aftlid^e  ^a\x^ 
roefen  ober  fonft  jur  Scftreitung  ber  el^elid^en  Saften  gemad^t  ober  ju  einem 
foI(|en  3n)cde  bem  ®^emonne  jenen  ®rtrag  ober  jene  ©infünftc  übertaffen  ^at 
3)ie  2^enbcnj  jener  S3eftimmungen  gel^t  bo^in,  in  fo(d)en  gällen  ben  ®rfa^ 
anfpmd^  ber  ©^efrau  überliaupt  ausjiifd^liefeen  ober  boc^  an  crfd^roerenbe 
aSorauöfeftungen  ju  fnüpfen.  3m  ©injelnen  gelten  inbeffen  bic  ocrfd^iebenen 
©efe^e,  foüiel  bie  JBoraußfegungen  unb  ben  3n^alt  ber  JRed&tönorm  betrifft, 
auöeinanber  (oergl.  fäd^f.  ®.  33.  §  1668;  olbenb.  ®ef.  o.  24.  2lpril  1873 
2lrt.  33;  preui  31.  S.  91.  II,  1  §§  218—220). 

3)er  ©ntrourf  I|at  berartige  pofitiDc  Seftimmungen  nid^t  aufgenommen, 
ba  biefelben  einerfeitö  im  ^inblidfe  auf  bic  allgemeinen  ©runbfäfee,  inöbefonbere 
auf  bie  SSeftimmungen  über  bie  SBorauöfegungen  eines  ©rftattungöanfprud^cÄ 
auf  ©runb  einer  (Scfd^äftöfül^rung  obne  SÄuftrag  ober  ber  ©ereid^erung  (§§  753, 
754,  758,  748)  in  33erbinbung  mit  ben  allgemeinen  ©runbfäften  über  bie  33e* 
meislaft  unb  bem  5ßrinjipe  bcr  freien  öeroeiömürbigung  burd&  ein  SScbfirfnife 
nid^t  geboten,  anbererfeitö  um  beßmillen  im  ^o^cn  ®rabe  bcbentlic^  finb,  tocU 
aus  einer  berartigen  Scftimmung,  mie  man  aud^  i^re  SSorauöfegungen  faff^n 
mag,  für  anberc  äfinlidf)  liegenbe  gällc  ein  argumentum  e  contrario  ju  ©unftcu 
eines  ©rfafeanfprud^eä  ber  ©^efrau  gegen  ben  ©bemann  entnommen  merben 
fönnte.  3n  ber  grofeen  SWelirjal^l  berjenigen  gälle,  meldte  bie  angeführten 
©efe^c  t)or  Slugen  l^aben,  merben  bie  aÖgemeinen  ©runbfäge  oon  felbft  ba^in 
füfiren,  bafe  ein  ©rfaftanfpruc^  ber  ©fiefrau  nid&t  bcgrünbet  ift.  Soweit  aber 
im  cinjclnen  gälte  baö  ©egentl^cil  ftd^  ergeben  foBte,  liegt  fein  ©runb  cor, 
ber  ©fiefrau  btn  if)r  nad^  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  jufte^cnben  3lnfpru^ 
burd^  eine  pofitinc  93eftimmung  gänjUd^  abjufd&neiben. 


drunb« 
gebanfen. 


III.  »Ogemeine  »ätergemeinfdfiaft')« 

SBorbemcrfung 
äu  ben  §§  1341—1409. 

8»«ruub  2)ie  Qwcdt,  meldte  bie  allgemeine  ©ütergcmeinfd^aft  nerfolgt,  finb  im 

Slllgemcinen  bereits  in  ber  ©inleitung  ju  bem  gefetUd^cn  e^elidf)cn  ©üterrec^te 
oben  ©.  147  ff.  bargelegt.  Sie  finb  tfjcils  fittlid^  ibealer,  tfjcite  prattif(| 
tt)irtl)fd^aftlic^er  3latur.  5Die  tjotlftänbige  Sebensgemeinfd^aft,  meldte  bie  6^e 
unter  htn  ®f)egatten  bcgrünbet,  foU  auc^  in  oermogensreddtlid^cr  Sejie^ung 
jum  3luSbrudEc  gelangen  unb  ber  ©cgenfag,  ja  felbft  bic  SSerfc^iebcn^eit  wt» 
mögcnsrcd^tlirf)cr  ^ntcreffcn  unter  ben  ©fjcgattcu  aufgehoben  werben.    SJeibe 

1)  SBeöen  beö  öcltcnbeii  SRc^teg  oeröl.  inöBefonbere  SHeubaucr,  baß  in  3)eutf(J^t 
lanb  öcltcnbe  ekli^c  ©ütcicec^t  unter  33enu^ung  amtlid&er  SDlaterialien,  1879. 


attöcmcinc  ©ütergemeinfiaft.    93orbemcrfunö.    (§§  1341—1409.)         327 

S^gatten  foUen  nur  ein  SSemtogen  ^oben^  n)el(|eö  fon)oI)[  bte  $un!ttonen  bed 
Sermögend  beö  einen  ald  bed  anbeten  ©Regatten  t)er|ie^t.  ^urd^  biefe  ^tt^ 
finigung  bed  beiberfeitigen  93ermögend  auf  gemeinfamen  ©ebeit)  unb  ^erberb^ 
mlä^  in  bem  SBerpttniffe  ber  ©fiegatten  unter  cinanber  bem  flttUd^cn  SGBefen 
ber  6^e  gerecht  ju  werben  ftrebt,  foU  aber  juglei^  eine  93ercinfa^ung  bed 
Ser^öitniffed  ber  ©Regatten  nad^  äugen,  foroie  bie  @rf)ö{)ung  il^reg  5lrebited 
unb  eine  größere  Sid^er^eit  i^rer  ©laubiger  erreici^t  werben. 

3Jie  iur  3^it  i*i  ©eltung  beftnbli^en,  auf  bem  S3oben  ber  allgemeinen 
©ütergcmeinfd^aft  ftefienben  SRed&te  fmb  iebod^  weit  entfernt,  bie  aus  bem 
ininjipiellen  ©runbgebanfen  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  fid^  ergebenben 
fionfequeuien  nad^  allen  Seiten  l)in  ju  jiel^en.  ^oUftänbig  burd^gefü^rt 
finben  fie  fid^  in  feinem  SRed^te,  meil  eine  fold^e  üottftänbigc  Surd^fül^rung 
l^roftifc^  nic^t  möglid^  ift,  unb  t)ie(e  9ted^te  jeigen  fo  groge  älbmeid^ungen,  bag 
mon  jioeifeln  fann,  ob  fie  übertiaupt  nod^  auf  bem  Soben  ber  allgemeinen 
6fitergemcinf^aft  fte^en.  äuö  ber,  mefentUd^  auf  ber  SSerfd^ieben^eit  ber 
^orifc^en  ©ninbtage  unb  @ntn)idelung  berul)enben,  bunten  äRannigfaltigfeit 
ber  (Sütergemeinfd^aftöred^te  ^eben  jtc^  bie  fotgenben  ©ä^e  ^eroor,  mcld&e, 
loenn  fie  auc^  nid^t  audnatimßloö  t)on  allen  SRed^ten  anerfannt  unb  burd^gefül^rt 
jinb,  bod^  fo  übermiegenbe  Slnerfennung  gefunben  liaben  unb  oon  fo  ent* 
fd^enber  Sebeutung  für  ben  ganjen  23au  bed  ©qftemeö  ftnb,  bog  man  fie 
oIä  ti)pif(^  für  baöfelbe  bejeid^nen  fann  unb  als  ©runblage  für  ben  ©ntrourf 
unbebingt  feft^alten  mug. 

1.  3)afi  Sßermögen,  roetd^eö  ber  Seemann,  unb  \>a^  SBermögen,  metd^eö 
W<  ß^efrau  jur  3eit  bed  ©intritted  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  bat  ober 
»o^renb  berfelben  erwirbt,  wirb  ju  einer  ungetrennten  SWaffe  üereinigt,  in 
wifyx  bie  ben  einjelnen  ©Regatten  juftebenben  S8erm5gendrcd&te  Dollftänbig 
nsfge^ 

2.  2tud  biefem  gemeinf^afttid^en  SBcrmogen  fönnen  alle  ©laubiger  bed 
S^anned  i^re  Sefriebigung  oertangen. 

3.  3)em  Q\)^mannt  ftebt  bad  SRed^t  ber  SBerroattung  bed  gemctufd^aftlid^en 
Sermogend  ju ;  babei  ift  er  nur  innerbatb  geroiffer  ©rengen  an  bie  SWitroirfung 
ber  ©^efrau  gebunben,  roä^renb  bie  le|tere  nur  mit  (Sinroilligung  bed  ©Ije? 
motmed  ober  innerbatb  eined  oon  il^r  mit  Einwilligung  bed  ®f)cmanned  felbftänbig 
betriebenen  ©rwerbdgefd^äfted  ober  innerfialb  bcdjenigen  befd^ränften  Äreifed, 
innerhalb  beffen  fie  ben  Seemann  ju  vertreten  befugt  ift  (f)äudlidf)er  SBirfungd- 
frrid,  Se^inberung  bed  ß^emanned),  über  bad  gemcinfiiaftlid^e  SBermögen  oer^^ 
fügen  fonn. 

4.  Gine  Haftung  bed  ß^emanned  gegenüber  ber  Ehefrau  wegen  ber 
Senoattung  bed  gemeinfddaftlidben  JJermögend  finbet  nicbt  ftatt. 

5.  Xie  (S^efrau  fann  ein  oon  bem  gemeinfrfiaftlid^en  SSermögen  ab= 
gefonbcrtcd  felbftänbiged  SSermögen  ^aben,  an  weld^cm  bem  6l)cmanne  ald 
folc^m  feine  ober  nur  befd^ränfte.  JRed^te  jufte{)cn.  3n  Solge  bejfen  finb  Sin- 
fprütfte  unb  SSerbinblid^feiten  ber  ß^efrau  möglidl),  welrfie  bad  gemeinfdfiaftlid^e 
Sermogen  nic^t  berühren,  unb  jwar  felbft  jwifcben  ber  ©^cfrau  unb  bem  gc- 
meinfd^aftlid^en  SSermögen. 


328         SlUflemcine  ©ütcrgemeinfd&aft.    aSoiBemcrfuiiG;    (§§  1341—1409.) 

6.  S3ci  9luf(öfung  bcr  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  fällt  baö  gemein^ 
fd)aftKrf)e  SJermögen  mit  bm  barauf  ^aftenben  ©d^ulben  entroebcr  bcm  über? 
lebenben  ©Regatten  allein  ju  ober  eö  mirb  unter  ben  ©Regatten  bejro.  bercn 
©rben  nad^  3[nt^eilen  get^eitt.  ©ine  ©onberung  nad^  ben  urfprünglid^cn  SJn- 
t^eilcn  finbct  nid^t  ftatt;  aber  nid^t  fetten  werben  geroiffc  Äategorieen  Don 
©d^ulben  (j.  93.  bie  SBcrbinblid^feiten  auß  unerlaubten  ^anblungen)  als  Sonbcr? 
Derbinblid^feiten  beö  betreffenbcn  ©l^egattcn  bel^anbelt. 

7.  ©ine  23crpflid)tung  ber  ©^efrau,  über  ben  33eftanb  beö  gemcinfd^aft- 
l\ä)tn  93ermögenj3  l^inauö  für  fold^e  ©d^utbcn  ju  l^aften,  für  meldte  fie  mii 
allgemeinen  Orunbfägen  nid^t  perfönlid^  iSlöftet,  ift  entroeber  überhaupt  ober 
boä)  bann  auögefc^loffen,  menn  fie  von  ben  i^r  ju  biefem  ^xocde  ju  ©ebote 
geftellten  SKed^töbe^elfen  (9luöfrf)lagung  beö  ®ef ammtguteö ;  Snoentarred^t)  ©e- 
braud^  madE)t. 

3n  allen  anberen  Sejieljungen  finben  [id^  tiefgreifenbe  3Serfd^ieben^citen, 
inöbefonbere  in  9lnfe^ung  ber  fragen,  inmiemeit  ber  ©bemann  bei  ^Serfügungen 
über  baö  gemeinfd^aftlid^e  SJermögen,  namentUd^  bei  entgeltlidjjen  SSerfügungcn, 
an  bie  SRitroirfung  ber  ©^efrau  gebunben  ift,  für  meiere  Sd^ulben  ber  ©öe? 
frau  baß  gemeinfc^aftlid^e  33ermögen  haftet,  ob  namentlid^  für  bie  unmittelbar 
Iraft  beö  Oefeges  ober  auö  unerlaubten  ^anblungen  ber  ©^efrau  entftanbencn 
SSerbinbli^feiten,  ferner  ob  unb  meldte  9iad^mirfung  bie  allgemeine  Öüter* 
gcmeinf^aft  bei  ber  9Iuftöfung  bcr  ©l)e  burrf)  ben  2^ob  cineö  ©Regatten,  inä-- 
bcfonberc  bei  beerbter  ©^c,  bat. 

SSergleid^t  man  ben  ^^P^nb  beö  gegenroörtig  befte^cnben  5Medbtcö  mit 
ben  aus  bem  prinjipicllen  ©nmbgebanfen  ber  allgemeinen  ©ütergemeinf^aft 
fid^  ergebcnbcn  äufeerften  Äonfequenjen,  fo  jeigt  fid^,  bafe  biefe  Äonfequcnjcn 
in  ben  befteljcnbcn  Siedeten  überroiegenb  für  ben  ©licmann  feftgel^alten  fmb, 
b.  {).  bafe  baö  gemcinfc^aftUd^e  33ermögen  im  SDßefentlirfien  alle  gunftioncn 
beö  SSermögcnö  beö  ©fiemanneö  f)at,  mäl^renb  rüdffid^tlid^  ber  ©^efrau  große 
9lbroeid)ungen  unb  Sd^manfungen  üorfommen,  eine  9Iuögleirf)ung  für  ibrc 
geringeren  3icrf)tc  aber  in  einer  aJtinbcrung  il^rcr  3Serantroortlid^feit  für  bie 
Sdtiulben  gefud^t  mirb,  baß  ferner  bei  3Iuflöfung  ber  ©^e  burd^  ben  Xoh  bcm 
übertebenbcn  ©t)egattcn,  obmof)l  anä)  i)kx  nid^t  feiten  unter  Seoorjugung  beS 
©^emanneö,  üon  faft  allen  luid^tigcren  SRed^tcn  —  mit  9luönal&mc  beö  prcufe. 
91.  S.  SR. ,  nac^  roelc^cm  baö  gemcinf d^afttid^e  3Scrm5gen  jroifdben  bem  über? 
lebenben  ©Regatten  unb  ben  Äinbern  nad)  Hälften  getl^eilt  roirb  —  auögcbe^nte, 
über  baö  gefeftlid^e  ©rbred^t  ^inauöge^enbe  Dled^te  an  bem  ©efammtgutc  bei* 
gelegt  roerben  unb  babei  bie  5Rid)tung  üor^errfd^t,  bem  überlebenben  ©Regatten 
bei  beerbter  ©t)e  an  bem  ©efammtgute  äl^nlidie  9ied)te  beijulegen,  wie  fol^e 
mä^renb  befte^enber  ©^e  bem  ©bemanne  juftelien. 

i'citcnbcoe.  3n  bcm  ©utTOurfc  ift  bei  ber  Oeftaltung  ber  allgemeinen  Oütergemein- 

^IfclTe"'*'^  fc^aft  im  ©injelncn  baDon  auögegangen,  bafe  ber  oben  ©.  326    bejeicbnctc 

wegciung  bes  ibcalc  ©mubgcbanfc  unb  bie  barauö  fid^  ergebenben  Slonfequenjen  alö  teitenbe 

entwürfe«,  (sjefit^töpunftc  bienen  muffen,     ©ine  Dottftänbige  S)urd)fübrung  biefer  «on? 

fequenjcn  ift  aber  nid)t  möglid).     3[l)r  ftel^t  junäd^ft  bie  gefd&id)tlic§e  Gnt* 

roicfetung,  rocl^e  bie  (Sütergemcinfcbaft  in  ©eutfc^lanb  gefunbcn  l^at,  unb  bie 


Sniflemcinc  ®ütcr0ememf$aft.    ajorBetncrfunö.    (§§1341-1409.)         329 

borouf  bcru^enbc  ©cftaltung  bcö  gcgcnroärtigcn  Sled^tejuftanbeö  entgegen. 
Soiocit  ft^  ^ierauö  ergicbt,  bafe  einjelnc  Jlonfequenjen  bcö  tbealen  Otunb* 
gebanfcnö  in  bcnicnigcn  SRed^tögebleten,  in  roeld^en  bie  allgemeine  ©iiter? 
gcmcinfci^aft  bafi  gefe6nd[)e  ©üterred^t  bilbct,  von  ber  ^errf^enben  Sluffaffung 
jurüdfgeroicfen  finb,  bürfen  biefelben  auc^  in  bem  ©ntwurfe  feine  Slufna^me 
finbcn;  oielme^r  muffen  an  ©teile  berfclben  biejenigen  Seftimmungen  treten, 
njcld^e  bcn  bcftel^enben  Slediten  unb,  foraeit  biefc  in  il^ren  pofitioen  S3eftim' 
mungen  oon  cinonber  abmeieren,  ben  fonftigen  (Srunbfäften  beö  Cntrourfeö 
unb  ben  STnforbcrungen  bcr  Swcdmöfeigfeit  unb  ©infad^^eit  am  meiften  ent* 
fprcd^en.  ©obann  mufe  bei  ber  äusgeftaltung  im  ©injetnen  immer  im  3luge 
bellten  werben,  ba|  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  nad)  bem  ßntmurfe 
nk^t  bad  gcfc^Ud^e  ©üterred^t  bilbet,  fonbern  nur  auf  ©runb  eines  @^e^ 
pertragefi  eintritt  S)aö  SSer^ättnife  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfd^aft  na6) 
auBcn  wirb  baburd^  ein  loefentlid^  anbereö.  2)ie  üon  i^r  mitoerfolgten  Qwzdc, 
bie  wrmögenöred^tlid&en  SBerljältniffcL  bcr  G^cgatten  in  einer  bem  öffentlid&en 
i^ntereffe  möglidjft  cntfpred^enben  SBeife  ju  geftalten,  ben  Rrebit  ber  ßf)egatten 
ju  ^ben  unb  i^ren  (Gläubigern  eine  größere  ©id^erljeit  ju  gcmä^ren,  S^Jccfe, 
iDcId^e  bei  ber  gefc^id^tlid^en  (Sntmidelung  ber  allgemeinen  ©ütergcmeinfd^aft 
eine  grofee  JRoUc  gefpielt  ^aben,  laffen  fid^  in  üollem  Umfange  nur  ba  er^ 
rcid^n,  mo  bie  allgemeine  (Sütergemeinfd^aft  baö  gefeglid^e  ©ütcrrcd^t  bilbet. 
Sei  ber  oertragömäßigen  allgemeinen  (Sütergemeinfdiaft  treten  jene  3"^^*^/ 
au^  rocnn  biefelben,  namentlid^  üon  bem  ©efid^töpunfte  aus,  baß  bie  S3cftim« 
raimgen  bcö  (Sntrourfes  über  bie  Dertragsmäßige  allgemeine  (Sütergemeinfrfiaft 
bcroorragcnb  baju  bcftimmt  finb,  in  benjenigen  (Sebieten,  in  meldten  bie  all? 
gemeine  (Sütergemeinfd^aft  gegenwärtig  ben  gcfefelid^en  (Süterftanb  bilbet,  ben 
Iffteren  ju  erfefeen,  nid^t  gänjlid^  unberüdEftd^tigt  gelaffen  werben  bürfen,  bod^ 
gegenüber  ber  Slüdffid^t  auf  bas  Sntcreffc  bcr  6f)egatten  unb  bas  93erl)ältni6  ber 
legteren  unter  einanber  mei^r  in  ben  .^^intergrunb,  unb  cS  tann  fid^  in  biefer 
Sejie^ung  bei  ber  DcrtragSmäßigen  ©ütergemeinfd^aft  im  SBcfentlic^en  nur 
barum  ^onbeln,  biefelbe  fo  ju  regeln,  baß  bas  aSer^ältnife  nad)  außen  ein 
JÄögü^fft  einfa^es  wirb  unb  bie  ^Hed)te  ©rittcr,  insbefonbcrc  ber  ©laubiger, 
büburd^  nic^t  in  ^ö^erem  aJlaße  gefä^rbet  werben,  als  wenn  bas  gefefelidfie 
®üterred^t  2(nwcnbung  fänbe.  2)er  ücrtragsmäßige  Äarafter  ber  ®üter? 
gemeinfd^oft  legt  bem  (Entwürfe  ferner  infofern  gewiffe  ©d^ranfcn  auf,  als  mand)c 
Sotgen,  roeld^e  unbebenflid^  mit  i^r  oerbunben  werben  fönnen,  wenn  fic  bas 
gefeftlic^e  ©üterred^t  bilbet,  als  golge  eines  t)ertragsmäfeigen  )öcrt)ältnifieS  fid^ 
ni<5t  me^r  rechtfertigen  taffen  unb  als  an  bie  ganjc  ©cftaltung  beS  S3er^ 
Wltniffeö  in  weit  b&^erem  aWafee,  als  wenn  cS  fic^  um  ein  felbftänbiges  Si}ftcm 
bcs  gefe^lid^en  ©üterrec^tcs  l^anbelte,  ber  9lnfprud^  gemad^t  werben  muß,  baß 
fic  fid^  an  bie  fonftigen  Seftimmimgen  beS  (Entwurfes  anf erließt  imb  fein 
frembortigeS  Clement  in  benfelben  bineinträgt. 

93on  wefentlid^er  SSebeutung  für  bcn  ganjen  S8au  bes  ©i)ftemes  ift  ferner  ^^"»jf^i^i« 
Mc  entfd^ibung  ber  grage,  ob  unb  weld^e  beftimmte  juriftifd^e  Konftruftion^""^*' "'"''"■ 
ber  oUgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  jum  ©runbe  gelegt  werben  foll.    2Ingefid^ts 
bes  in  Doftrin  unb  ^rajis  fd^on  feit  langer  3eit  befte^enben  unb  auc^  gegen- 
»artig  noc^  nic^t  ausgetragenen  ©treites  über  bie  Juriftifd^e  9ktur  bcr  aH^ 


330         aUgemcine  ©ütcroemcinfdfeaft.    gSorBemerfung.    (§§  1341—1409.) 

gemeinen  ©ütergemcinfd^aft  unb  über  baß  Sled&töüerl^ältnife  ber  ©Regatten  ju 
bem  gcmeinfamcn  aSermögen  unb  im  ^inblidfe  auf  bie  5B8id^tigfeit  bcr  l^icr 
froglid^en  3Rateric  ift  eö  als  bcbcnfUd&  crad^tct,  bei  ber  Siegelung  ber  all* 
gemeinen  Oütergemeinfd^aft  von  einer  beftimmten  iuriftifd^en  fionftruttion 
überl^aupt  gänjlid)  abjufel^en  unb  bie  einjctnen  5ßunfte  fo  ju  regeln,  ba§  feiner 
ber  ücrfd^iebenen  Äonftruftionen  präiubijirt,  fonbern  ber  SBiffcnfd^aft  unb 
^rajiß  in  biefer  Sejie^ung  üöttig  freie  $anb  getaffen  mirb,  ©ine  fold&e  9lrt 
ber  Siegelung  fül^rt  jur  Äafuiftif,  unb  werben  trofebem  3^^^f^l  ^^  ©trcitig« 
feiten  in  21nfel(iung  ber  im  ©efeje  nici^t  befonberö  entfd^iebenen  5ßunfte  nid&t 
ausbleiben,  ba  laum  ju  erwarten  ift,  bafe  S)oftrin  unb  ^ßrajiö  fünftig  ju  einer 
einl^eitlid^en  9luffaffung  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  gelangen  werben. 
2luö  biefen  ©rünben  empfiel^lt  eä  fid&,  bei  ber  Siegelung  ber  le|teren  nid^t  nur 
von  einer  beftimmten  juriftifd^en  Äonftruftion  auöjugeljen,  fonbern  biefclbc  im 
©efeßc  in  ber  einen  ober  anbcren  9lrt  aud^  jum  beutlid^en  Sttuöbrurfe  ju 
bringen,  fo  bafe  eö  für  bie  im  ®efe|e  nid&t  fpejiell  entfci^iebenen  5ßunftc  an 
einer  ftaren  9Jorm  nid^t  felilt. 

aSon  ben  oerfd^iebenen  in  S)oftrin  unb  5ßrajiß  vertretenen  2;^coricen 
f onnen,  namentlid^  wenn  man  bie  ®runbfä|e  beö  ©efegbud^eö  über  ben  Segriff 
beö  6igentl)umcö  (§  848),  über  bie  juriftif^en  ^ßerfonen  (§§  41  ff.)  unb  über 
bie  ©ojictfit  (§§  629  ff.,  inöbef.  §  645)  berüdffirf)tigt,  bie  SC^eorieen  beö  con- 
dominium  plurium  in  solidum,  ber  juriftifd^en  5|Jerfon  unb  ber  ©ojietät  nid^t 
in  grage  fommen.  dagegen  bietet  fonjof)l  bie  Äategorie  beö  beutfd^rec^tlid^cn 
SRitcigent^umeö  —  b.  \).  eines  SRiteigentl^umeö,  bei  meld^em  im  ©egenfage  ju 
bem  auf  bem  5|Jrinjipe  ber  greil^eit  ber  einzelnen  S^i^eill^aber  beru^cnben 
römifd^cn  aWiteigent^ume  bie  2lntl^eite  ber  einjelnen  J^^eil^aber  mä^renb  ber 
S)auer  ber  ©emeinfc^aft  burd^  bie  'S^tdt  ber  legteren  gebunben  finb  unb  befi* 
l^alb  als  felbftänbige  SJermogenöred^te  nid&t  geltenb  gemad^t  werben  fönncn, 
fonbern  erft  mit  ber  2luflöfung  ber  ©emeinfd^aft  praftifc^  hervortreten  — ,  als 
aud^  bie  Äonftruttion  beö  9llleincigent^umeö  bes  ©l^emanneS,  weld&e  jwar  im 
aSerl^ältnijfe  ber  ©l^egatten  unter  einanber  an  bem  ©emeinfd^aftßoerl^ältniffe 
feft^ält,  nac^  aufeen  ^in  aber  als  ben  alleinigen  2^räger  aller  red^tlidien  33c« 
jie^ungen  bes  ©efammtguteö  ben  Seemann  be^anbelt,  für  bie  ©rreic^ung  ber 
3wedfc  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  unb  für  bie  ©eftaltung  ber  Icgteren 
im  ©injelnen  eine  geeignete  ©runblage.  SBenngleid^  bie  julefct  gebadete  Äon- 
ftruftion,  l^ingefel^en  namentlid^  auf  bas  beftel^enbe  SRed^t,  nur  wenig  Slnl^ängcr 
gefunben  l^at,  fo  ift  bod&  nid^t  ju  verfennen,  bafe  bie  Äonftruftion  ber  all* 
gemeinen  ©ütergemeinfd^aft  auf  biefer  ©runblage  oom  Icgiölativen  ©tanbpunitc 
aus  entfd^iebene  aSortl)eile  gewälirt.  33ci  biefer  Äonftruftion,  für  weld^e  auf 
bem  f)anbelsredötlid^en  ©ebiete  bie  ftille  ©efellfd^aft  eine  3lnalogie  bietet,  ift 
bas  ©efammtgut  aSermögen  beS  (Seemannes  unb  wirb  er  allein  ben  ©emcim 
frfiaftsgläubigern  perfönlidf)  verhaftet.  33efonbere  93eftimmungen,  um  bie  ©infieit 
beS  aSermogenS  unb  bas  9ie^t  ber  ©laubiger,  fid^  an  basfelbe  }u  l^alten,  jum 
SluSbrudEc  JU  bringen,  bebarf  es  babei  nid)t.  9ln  bie  ©teile  bes  ©runbfafecö, 
bafe  bas  aSermögen  beiber  ©liegatten  ©cmeinfd^aftsoermögen  unb  ber  von  il^nen 
wäfirenb  befte^enber  ©emeinfrfiaft  gemadbte  ©rwerb  fraft  9?ed^tenß  gemeim 
fd^aftlid^  wirb,  tritt  ber  ©runbfag,  bafe  baS  aSermögen  ber  ©liefrau  auf  ben 


SUgcincine  @fitcröetiieinfd6aft.    SBorBcmerfunö.    (§§  1341—1409.)         331 

S^ann  überge(|t  unb  ber  t)on  i^r  iDäi^renb  beftel^enber  ©emetnfci^aft  gemachte 
ßnoerb  bem  ©^cmonnc  iufällt;  ftatt  bcr  33cftimmung,  ba^  für  alle  als 
®emdnf(^aftöfd^ulbcn  anjucrfcnncnbc  ©d^ulbcn  bcö  ©fiemanncö,  roic  bcr  ß^c^^ 
frou  beibe  ©^cgottcn  gemeinf^iaftlici^,  minbcftenö  mit  bem  ©efammtgute, 
^ften,  braucht  nur  beftimmt  ju  merben,  ba^  ber  6§emann  für  bieiettigen 
Si^ulbcn  bcr  ©Ijcfrau,  roctd^en  icne  ©igcnfd^aft  jufommt,  perfönlid^  liaftet. 
2to  aSer^altnife  unter  bcn  ©Regatten  felbft  bleibt  bagegen  materiell  baöfelbc, 
loie  bei  bcr  Äonftruftion  auf  ber  Orunblage  beutfd^red^tlid^cn  SWiteigentl^umeS, 
nur  bofe  bie  SRed^te  ber  ©fiefrau  feinen  binglic^en  Karafter  \)abcn,  fonbern  i^r 
Icbiglic^  einen  perfönlid^en  ätnfpruc^  gegen  ben  ®^emann  geroä^ren.  6in  auf  biefer 
©runblage  aufgebautes  Softem  ber  allgemeinen  ©ütergcmeinfrfiaft  jcid^net  fi^ 
ni^t  aUcin  burd&  ©infad^^eit  unb  Älarlieit,  fonbern  inöbefonberc  aud^  baburc^ 
aus,  baB  es  ftd^  ben  allgemeinen  ©ruribfäfeen  bes  ©efefebud^es  uollftönbig  an- 
fd^liefet,  roä^renb  man  bei  bcr  Äonftruftion  auf  ber  Orunblage  beS  beutfrf)^ 
retötlid^en  9Miteigent^umeS  mit  einem,  in  bem  ©efegbud^e  jroar  audö  fonft 
als  möglich  onerfanntcn,  aber  nidbt  fpejicll  geregelten  SRiteigent^umc  unb 
®emeinf(^aftSoer^ältniffe  (üergl.  §§  762,  946,  659,  827;  3lnm.  1  ju  §  827) 
}u  rechnen  ^at,  bef[en  aSermcrtlibarfeit  für  bie  Äonftruftion  ber  ©üter* 
gemeinft^aft  eine  9lci^c  befonberer  Scftimmungen  erforberlid^  marf)t  (ücrgl. 
inSbef.  bie  §§  1344,  1345,  1352,  1353,  1359  3lbf.  1,  §§  1360,  1361,  1373 
bis  1375).  Xroft  jener  mit  ber  Sonftruftion  ber  ©ütergemeinfd^aft  auf  ber 
©runblagc  beS  SUlcincigentliumes  beS  (Seemannes  unoerfcnnbar  uerbunbencn 
Sotjüge  ift  es  [cbod^  als  bebenflid^  erachtet,  biefe  Äonftruftion  bem  ©ntrourfe  ju 
@tunbe  ju  legen,  aiuf  bas  pnäd^ft  ftd&  aufbrängenbe  Sebenfen,  bafe  cö  einen 
SBibcrfpn«^  ju  entl^alten  fd^eint,  nod^  t)on  ©ütergcmeinfd&aft  gu  reben,  xoenn  ber 
6§cmann  SSUeineigent^ümer  bes  ganjen  SßermögenS  beiber  ©tiegatten  ift  unb  bcr 
6^au  nur  ein  perfonlid^er  9lnfprud^  auf  2^l^eilung  nad^  Sluflofung  ber  ®c* 
mcinfc^aft  jufte^t,  unb  auf  bie  ©rmägung,  bafe  eine  ©iffercnj  jroifd^en  ber  ©e^^ 
flttttung  bcs  ©cmetnfd^aftSücrl^ältniffeS  nad^  innen  unb  nad&  aufecn  l|in  an  fid^ 
ni^t  loünfddensmertl^  ift,  fann  jmar  burd&fc^lagenbes  ©emicftt  nid^t  gelegt 
loerben.  3lucö  bas  Sebcnfen,  bafe  bie  Äonfequenj  jener  Äonftruftion  ju  einem  un^ 
bcft^ränften  SScrfügungsrcd^tc  bes  (Seemannes  über  bas  gemeinfame  SBcrmögen 
fü^,  ift  nid&t  Don  entf^cibcnbcr  33ebeutung,  ba,  fomcit  im  Sntereffe  ber 
Sicherung  ber  (S^efrau  eine  ©infd^ränfung  bes  33erfügungSredöteö  bes  ©^c- 
numncs  fid^  als  notl^mcnbig  erroeift,  bies  aud^  bei  jener  Äonftruftion  oline 
9ta§c  Sd^mierigfeiten  burd^  geeignete  33orfd&riften  fid^  erreid^en  lie|e.  SBid^tiger 
ift  bagegen  ber  gegen  jene  Äonftruftion  fid^  erl^ebenbe  ©inmanb,  bafe  bie  ©l^e^ 
fnm,  roenn  bcrfelben  nac^  Sttuflöfung  ber  ©emcinfrfiaft  nur  ein  perfönlid^er 
2^lungöanfprud^  gegen  ben  ©bemann  juftclit,  für  fol^e  gfillc  nid^t  aus^ 
rdd^enb  gefi^ert  ift,  in  meldten  ber  ©bemann  nad^  Sttuflöfung  bcr  ©emein- 
fc^ft  unb  por  erfolgter  2^^eilung  bcS  gcmcinfd^aftlid&en  SSermögens  cinfeitig 
Sd^ulbcn  mad^t  ober  in  meldten  ber  SSetrag  ber  aus  ber  3cit  bcr  ©cmein^^ 
f^aft  ^crrü^renben,  im  33erl)ältniffe  ber  ©l)cgattcn  ju  cinanber  allein  bem 
(^emanne  jur  Soft  fallcnben  ©cfammtgutsocrbinblid^fciten  bes  lefetcrcn,  inö= 
befonbcre  aus  unerlaubten  ^anblungcn,  ein  erf)cblid^er  ift  (ücrgl.  §  1367 
Sbf.  2,  §§  1373—1377).    3mar  crlebigt  ftd^  bas  Scbcnfcn  gegen  ben  nur 


332         Sniöeincmc  ©üterflemcinfd&aft.    aSocbeinerfung.    (§§  1341—1409.) 

pcrfonlid^en  Äaraftcr  bcr  Siedete  ber  Gl^cfrau  in  benjcnigcn  fallen,  in  roelc^en 
bic  ©cmeinfd^Qft  burd^  ben  Xob  bc§  G^cmanneö  aufgclöft  unb  bic  übcrtebcnbc 
G[)cfrau  bcr  alleinige  Grbe  beö  leiteten  njirb  (üergl.  §§  1383,  1384  vtxb.  mit 
§  1971).  Snbeffen  bleibt  jeneö  Scbentcn  für  alle  bicjenigen  gölle,  in  roeld^en 
bic  (Semcinfd)aft  n)äf)renb  bcftelienber  G^e,  tnöbefonbcre  burd^  G^efd^eibung, 
gcloft  TOirb  ober  in  welken  bie  Gf^efrau  bic  gütergcmelnfd^afttic^e  Grbfolge 
tDcgcn  bcr  Uebcrfd^ulbung  beö  5Rad^taffeö  in  golge  fotd^er  ©cfammtgutö« 
ücrbinblid^feitcn  beö  Gl)cmanneö  duöfc^tägt,  roeld^e  im  33erl^ältniifc  ber  G^c* 
gatten  unter  einanber  bem  Gf)cmanne  jur  Saft  fallen  (§§  1371,  1372,  1386). 
SBitl  man  aber  aud^  biefeö  Sebenten  alö  auöfd&laggebenb  nid^t  anfe^n,  weit 
auf  ber  anberen  ©eite  nid&t  ju  überfelien  ift,  ha^  burd^  ben  binglid&cn  Äaraftcr 
bcr  5Rcrf)tc  ber  Göcfrau  baö  9Scr^ältni|  gegenüber  itn  ©laubigem  ein  Der* 
midcltcrcö  unb  inöbcfonberc  bie  Sage  ber  oben  bejcid^neten  ©efammtgiitö* 
gläubiger  beö  Gfjcmanncö  eine  roeniger  günftigere  mirb,  fo  fällt  bod^  gegen 
bie  Sionftruftion  ber  ©ütergcmcinf^aft  auf  ber  (Srunblage  beS  3llleineigent^ume§ 
beö  G^cmannes  cntfd[)eibenb  ins  ®eroid&t,  ba^  biefelbe  bem  geltenben  9te(^te 
unb  ber  in  ®oftrin  unb  ^raj iö  t)oräugörocife  ucrtretcnen  ^luffajfung  über  bie 
juriftifrfic  9latur  ber  Wütergcmeinfd^aft  nid^t  cntfprid&t  unb  auö  biefem  ©runbe 
äu  bcforgen  ift,  ba§  fie  auf  SBibcrftanb  ftoßen  unb  eine  auf  bcr  ©runb* 
läge  bicfcr  Äonftruftion  geregelte  ©ütcrgemeinld^aft,  mcil  fie  btn  l^ergebra^ten 
3lnfd&auungen  ber  S3et^eiligten  feine  SRcdfjuung  trägt,  im  Sehen  feinen  Gingong 
finben,  mitbin  ber  3^^^*  ^^^  Jlobififation  ber  allgemeinen  ©ütergcmcinfd^oft 
im  ©efegbud^c  nid^t  crrcidjt  wirb.  S)iefe  SSeforgni^  liegt  um  fo  näf|er,  otö 
cö  fid)  nid^t  um  bic  Siegelung  einer  gefegli^en,  fonbeni  einer  ncrtragömä^igcn 
allgemeinen  ©ütcrgcmcinfd^aft  Ijanbclt.  3Jur  bann  ift  ju  erroarten,  bafe  biefeö 
3nftitut  fein  tobter  S3udf)ftabe  bleiben,  fonbern  in  bcnienigcn  ©cbieten,  in 
lüclc^cn  bie  allgemeine  ©ütcrgcmcinfrfiaft  gegenioärtig  bao  gcfcglidfic  e^elid^c 
(^3ütcrred6t  ift,  fic^  einbürgern  wirb,  wenn  biefelbe  nid^t  nur  matcrieU  ben 
Wrunbgebanfen  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfdfiaft  in  fid^  aufnimmt,  fonbern 
audj  formell  ben  l)crgcbrac^ten  3Infc^auungen  unb  bem  ücrmutl^lid^cn  2)ur(§' 
fd^nittömillen  in  ben  bct^ciligtcn  Greifen  fid^  anfd&liefet.  93on  biefem  (Scfid^tö^ 
punfte  auö  Dcrbicnt  cö  ben  33orjug,  bie  allgemeine  ©tttergemeinfd^aft  auf  ber 
©runblagc  beo  bcutfiircd^tlidicn  ■rWitcigentbumeö  in  bem  oben  S.  330  be* 
jcid^netcn  Sinne  ju  regeln,  ba  biefe  Slrt  ber  Siegelung,  menn  aud^  bic  9lm 
fid^ten  über  bic  red^tlid^e  9latur  ber  bei  biefem  ©ütcrftanbc  unter  ben  ©^e« 
gatten  bcftel)cnben  Gigcnt^umögemcinfdfiaft,  namentlidf)  barüber,  ob  biefelbe  atö 
ein  bcutfdbred^ttid^  mobifijirtcö  röm.  3)iitcigent^um  ober  al6  ein  felbftänbiger 
bcutfrfircd^tlid^cr  ©emcinfd^aftöbcgriff  (©emcinfd^aft  jur  gefammten  §anb)  auf- 
5ufaffen  ift,  üielfadi  auöcinanbergcl^cn,  im  praftifd^en  SHcfultatc  bod^  bem 
geltenben  Siedete,  inöbcfonberc  bem  preug.  unb  bem  franj.  Siechte,  foroie  ber 
neueren  ©oftrin  unb  5ßrariö  oorroicgcnb  cntfprid^t  (ücrgl.  ©cuffert  XVIII,  146, 
XXI,  131;  Gntfd^.  b.  Si.  ©.  in  Gioilf.  I,  140;  Urtlj.  b.  di.  ©.  bei  ©rud^ot  XX\q 
£.  972  ff.,  1005  ff.;  Gntfc^.  b.  3i.  ©.  in  Straff.  IV,  31,  X,  06,  XII,  113)  unb 
ein  mit  ben  l^crgcbrac^tcn  Slnfd&auungen  im  Ginflangc  fte^enbeö  S3ilb  bcr  all= 
gemeinen  ©ütergemeinfd&aft  gemäbrt. 


Ällöcmeinc  ©üterflcmemfd&aft.    2ScreinBaruno.    §  1341.  333 

1.  33creinbarung  bcr  ©ütergcmcinfd^Qft. 

§  1341. 

35cr  crfte  Slbfafe  bcö  §  1341  beftimmt  bur^  bic  aSerrocifung  üuf  bic  ®«KftH4er 
Sorfd^riftcn  ber  §§  1342—1409   bcn   gcfefelidden  Sn^alt  beö  C^eücrtragcö,  ^Tmn'^ 
bur^  meldten  tjcrcinbart   ift,  ba§  unter  bcn  ©Regatten   allgemeine  e^elidje  s*"*^*"^*"^*^' 
©ütergemcinfd^oft  befielen  foD.    S)ie  Orünbe,  wzlä)c  bm  Gntrourf  beftimmt 
liobcn,  ben  ^n^alt  biefcfi  ©^cocrtrageö  gefc|lid^  t)oUftänbig  ju  regeln,  finb  in 
ker  ©inlcitung  ju  bem  gefeglici^en  efielic^en  ©üterred^tc  oben  S.  141  ff.  bc^ 
reilß  borgelcgt.   3luö  §  1333  Slbf.  2  ergiebt  fid^,  bafe  ein  fold^cr,  bie  allgemeine 
©ülergemcinfc^aft  einfü^renber  ©^eüertrag  aud^  n)äl)renb  beö  93eftel^enö  ber 
%  gefc^loffen  werben  fann  (oergl.  bie  aWotiüe  ju  §  1333  oben  S.  305  ff.). 

3lad)  ben  aUgcmeinen  (Srunbfäfcen  beö  ®efefebud)eö  fann  ber  auf  ©i^^- ^^^^"^^^^^^^^ 
fü|rung  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  gcrid^tetc  ©(jeücrtrag,  wenn  einer 
ber  SBcrtroflfd&Iiefeenben  in  ber  ®efdf)äftöfäf)igfeit  bcfc^rmift  ift,  üon  bcm 
ktteren  mit  ©inroilligung  ober  ©enel^migung  feineö  gefe^Iidjen  SBertreterä  ober 
burd^  biefcn  im  9?amen  beö  SJertreterß  mirffam  abgefrf)loffen  roorben.  Se^tercß 
gilt  auc^  bann,  menn  einer  ber  Sßertragfc^Iicfeeuben  gefdjäftßunfätjig  ift  (üergt. 
§  65  9rbf.  3,  §§  1649,  1728,  1503  Slbf.  1).  5Die  ©rünbe,  auö  roeld^en  ber 
Sntrourf  in  3lnfe^ung  ber  G^eoerträge  eine  Vertretung  burd)  gefe6Hd)e  aSer- 
treter  niä^t  überl^aupt  ausgefd^loffen  l^at,  finb  in  ben  SWatitjen  ju  §  1335  oben 
S.  313  ff.  bargelegt.  3)urd^fd^Iagenbe  ©rünbe,  in  biefer  ^infid^t  für  bcnt)ierin 
Kebe  fte^nbcn  G^eüertrag  allgemein  eine  3lu8naf)me  ju  mad^cn  ober  nod) 
weiter  ju  gcf|cn  unb  bie  oertragömäfeigc  Gingefjung  ber  allgemeinen  ©üter^ 
gemeinfc^aft  für  ^^Jerfonen,  meldte  in  ber  ®efd^äftöfäl)igfeit  befd^ränft  fmb,  ooU* 
fWnbig  ouSjuf (fließen,  finb  nid^t  ansuerfennen.  3Jad^  bem  preufe.  9(.  S.  dt 
U,  2  §§  415,  780  ff.  fon  allerbingö  bie  gefefelid^e  ©ütergemeinfd^aft,  fallö  bie 
e^frau  minberiä^rig  ift  (ob  aud&  bei  aKinberjä^rigfeit  beö  G^emanneö,  ift  be^: 
fhritten),  ntd^t  f ofort,  fonbern  erft  bann  eintreten,  roenn  fie  nic^t  binnen  beftimmter 
Jrift  na4  erreichter  aSottiö^rigfeit  ber  Gfiefrau  auf  beren  93crlangen  auß- 
flef^loffen  wirb,  es  fei  benn,  bafe  ber  SSormunb  ber  Gficfrau  für  bie  legterc 
auf  biefc  SBo^lt^at  oeriic||tet.  S)ie  me^rfad&  üert^eibigte,  von  anberen  Seiten 
bagegen  beftrittene  3lnfid^t,  bafe  jene  Seftimmung  burd^  ben  §  102  ber  preufe. 
Sormunbf(^.  C.  t).  5. 3uli  1875  als  befeitigt  ausuferen  fei,  ift  üom  5ieic^ö=: 
flm(|tc  nit^t  gebiUigt  (Dergl.  Gntfd^.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  V,  59).  2lel;nlicöc 
8cfttmmungen  finben  ftd^  inbeffen  in  anberen  ®ebieten,  in  weld^en  bie  aU> 
flemcine  ©ütergemcinfd^aft  ben  gefe^lid^en  ®üterftanb  bilbet,  nic^t.  ^r  biefc 
©ebide  mürbe  ba^cr  bie  Unmöglid^feit,  bei  ber  Serlicirat^ung  einer  minbcr* 
io^rigcn  grou  bie  allgemeine  ®ütergemeinfc^aft  einjufülircn,  bic  Unmoglid^feit 
in  fi^  f^Uefeen,  bcn  gewohnten  SRed^töjuftanb  burd^  ®f)et)ertrag  ju  ermatten. 
Sur  eine  Seftimmung  bcr  oben  bejeid^neten  9Irt  läfet  fid&  jroar  inöbefonbere 
geltenb  machen,  ba^  md)  bem  ©ntmurfe  (§  1385)  unter  geroiffen  aSorauö- 
f<|ungen  mit  ber  ocrtragömäfeigen  allgemeinen  ©ütergemcinfd&aft  bie  SBirfungcn 
eines  erbeinfefeungßüertrageö  ücrbunbcn  finb  unb  nad^  ben  crbred^tlid^en  ^t^ 
jttmmungen  (§§  1941,  1942)  ein  ®rbeinfe|ungßt)ertrag  t)on  5ßerfonen,  meldte 
gcfci^ftßunfä^ig  ober  in  bcr  ®cfc||äftßfäl)igfeit  befd^räntt  finb,  aud^  nid^t  burd^ 


334  5llIocmrfne  ©ütcröcmelnfd&aff.    SBeretnBarung.    §  1341. 

bercn  gcfc^Hd^c  SBcrtretcr  ober  mit  ©inroilligung  bcr  festeren  gefd^loffen 
tocrbcn  fann.  3nbcffcn  treffen  bic  prinjipiellen  ©riinbc,  auf  roeld^en  biefe 
S3eftimmungen  berufen,  bei  bem  (Sütergemcinfc^aftßtJertragc  nici^t  ju,  ba  ber 
3n)ecf  beö  lefttcren  nic^t  in  bcr  ®inräumung  eines  ©rbred^teö  beftc^t,  fonbern 
ber  SBertrag  nur  mittelbar  unter  geroiffen  SSorauöfefiungen  fraft  be«  ©efejeß 
©ene^miguna  bflg  gütergcmcinfc^aftlid^e  ©rbrcci^t  begrünbet.  9Kit  9iücffid&t  auf  bie  aufeep 
munbwan«.  geroö^nlid^en  unb  tiefgrcifenbcn  SBirfungen  aber,  welche  bic  allgemeine  ©üter^ 
flcri<^teo.  gemeinfd^aft  auf  bie  Ser^ältniffe  ber  ©Regatten  äußert,  beftimmt  ber  %  IUI 
3tbf.  2,  baß,  roenu  einer  ber  SBertragfcä^ticfeenbcn  unter  clterlid^er  ©croatt  ober 
SSormunbfd^aft  ftel^t,  ju  bem  auf  ©infü^rung  biefer  ©ütergemeinfd^aft  gc^ 
rld^teten  SSertrage  bie  Oenc^migung  bed  SSonnunbfd&aftögerid^tcö  crforbcrli^ 
fein  unb  biefe  Oencljmigung  nur  ert^eilt  roerben  foU,  roenn  ber  unter  elterlid^er 
Oeroalt  ober  unter  93ormunbfd^aft  ftef)cnbe  SBertragfd^liefecnbe  gel^ort  ift  unb 
mit  bem  (S^eücrtragc  fid^  cinücrftanben  erttärt  f)al.  äuö  biefer  Icgtcrcn  Se^ 
fd^ränfung  ergiebt  fid^  iuglcid^,  ha^  für  eine  gefrf)äftöunfä^ige  ^crfon  ein 
©tieoerlrag  ber  ^ier  fraglirf)cn  9lrt  überl^aupt  nid^t  gefd^loffen  werben  foH, 
locnngleid^  bcrfelbc,  fallö  bics  bodf)  gefd^eljcn  fein  unb  baö  SSormunbfd^aftögerici^t 
bie  (Senel)migung  baju  ert^citt  tiaben  foUte,  aus  praftifd^cn  ©rünben  ni(^t 
alö  ungültig  bel^anbelt  wirb.  2}a|  bur^  bie  Scftimmungen  befi  2lbf.  2 
in  benienigen  ©ebieten,  in  meldten  biöljcr  bic  allgemeine  (Sütergemeinfd^aft  alfi 
gcfegli^cö  e^elirfies  (Süterrerf)t  beftanben  Ijat,  ber  Slbfc^lufe  eines  auf  ©infü^ 
rung  ber  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  gerid^tetcn  (S^cücrtrageß  ju  fe^r  er- 
fd[)njert  merbe,  ift  nid^t  ju  beforgen;  in  ienen  Oebietcn  wirb  ber  SBormunb^ 
fd)aftärid^ter  aud^  Kinftig  tein  Sebenfen  tragen,  einen  fold^en  ß^eoertrag  reget 
mäfeig  ju  genehmigen,  unb  nur  in  foldien  gällen,  in  meldten  bic  allgemeine 
Oütcrgemcinfd^aft  jum  mirflid^en  5Had&tl)eile  beö  betreffenbcn  ©Ijegattcn  auö* 
fd^lagen  mürbe,  bie  ®enef)migiing  ücrfagcn. 

2)ie  rcd^tlid^e  SBirffamfeit  eines  o^nc  bic  nad&  3lbf.  2  Safe  1  erforber^ 
lic^e  ©ene^migung  bcs  93ormunbfd^aftSgerid&teS  gefd^lof[enen  (g^cocrtrogcß 
beurtl^eilt  ftd^  na^  ben  Sßorf^riften  ber  §§  1514,  1681,  1728,  1737  Slbf.  4. 
3)ie  93eftimmung  bes  3lbf.  2  ©afe  2  ^at  bagegen,  mic  bie  ?5a|fung  ergiebt, 
in  Uebereinftimmung  mit  ber  entfpre^enbcn  SSorfd^rift  beS  §  1680,  nur  ben 
Äarafter  einer  DrbnungSüorfc^rift.  Um  bas  SSormunbfc^aftSgeridbt  barauf 
Ijinjuroeifcn,  ba§  es  ftd^  nid^t  einfad^  mit  ber  ©ntgegenna^mc  bcr  ©rftörung 
beS  SScrtragfd^licfeenben  begnügen  foll,  ift  ausbrüdflic^  beftimmt,  baß  ber  SBertrag« 
fd^ließenbc  t)pr  ®rtl^cilung  ber  ©enc^migung  aud^  gehört  rocrben  foll. 

3luö  bem  ^ßrinjipe  bes  §  1743  folgt,  baß  bic  Scftimmungen  be« 
9Ibf.  2  aud^  auf  bie  5ßflegfd^aft  cntfpred[)enbc  3lnn)enbung  finben;  bod^  ift  in 
foldien  gälten,  in  meldten  ber  ^Pflegebefohlene  in  bcr  ©efc||äftöfälöigfeit  nic^t 
befd^ränft  ift  (§§  1739,  1740),  bic  ©cne^migung  beS  aSormunbfd^aftögeric^tefi 
fetbftoerftänblid^  bann  nid^t  erforberlid^,  menn  bcr  5ßfIcgcbcfol&tene  fclbft,  ni^t 
ber  ^Pcgcr,  ben  ©l^etJcrtrag  fd&licßt  (oergl.  aWotioe  ju  §  1743). 

SBcitcrc  bcfonbcre  Seftimmungen  jum  Sd&ufec  bcr  6^cfrau  gegen  bie 
il^r  aus  ber  vertragsmäßigen  ©inge^ung  bcr  allgemeinen  ©ütcrgemeinfc^aft 
möglid&crroeife  ermad^fenben  $Rad^t^eilc,  rote  ftc  j.  S3.  im  preuß.  91.  2, 31.  IT,  1 
§§  357,  358  fid&  finben,  ftnb  nid^t  für  erforberlid^  gel^olten. 


Slffgemcinc  ®üteröemeinf(6aft.    ?)riniip.    ©cfammtgut.    §  1342.  335 

2.  9Scr^ättni6  roS^rcnb  bcftc^enbcr  Oütergemeinfd^aft. 

§  1342. 

3)ic  Scftimtnunfl  bcö  §  1342  brinflt  cincrfcitfi  bcn  im  SBcfen  ber  all-  ^"«5^^ 
jcmcinen  Oütctflcmcinfc^aft  begrünbeten  ©cbanfcn  jum  3luöbrudEe,  bofe  burc^ 
bU  aDgemeine  ©ütergemeinfd^aft  baö  SBermögen,  roeld&eö  ber  (Sfiemann,  unb 
bod  SJcrmogen,  roeld^eö  bic  ©l^efrau  jur  3^it  bcß  ©intritteö  ber  allgemeinen 
©ülcrgemeinfc^oft  f)at  ober  mäl^renb  berfelben  erwirbt,  ju  einer  neuen 
ungetrennten  9)laffe  vereinigt  wirb,  in  roeld&er  bie  ben  einzelnen  (Sl^egatten 
jufte^enben  SSermogenörec^le  aufgefien,  anbererfeitd,  bofe  baö  fo  ju  einem 
©anjen  pereinigte  33ermögen  gemeinfdbaftUdbeö  93ermogen  beiber  ©Regatten 
(®efommtgut)  mirb,  beibe  @tiegatten  mitl^in  ©ubiefte  bcö  Oefammtguteö 
finb  (ocrgl.  preufe.  ST.  S.  5R.  II,  1  §§  363,  370,  372;  fäd)f.  ®.  93.  §  1695). 
2ic  naivere  Äarafterifirung  biefeö  ©efammtguteö  als  eineö  beutf(|red^tli(|en  ««wft«  ^ 
SRitetgentl^umcö,  b.  ^.  eines  9Kiteigentt|umeö,  bei  meld&em  bie  3lnt^eile  ber  %um^^ 
©Regatten  roö^renb  ber  5Dauer  ber  Oemeinfd^aft  afe  felbftänbige  SSermögenS* 
rechte  nid^t  geltenb  gemad^t  werben  fönnen,  fonbern  erft  nad^  9luf(öfimg  ber 
Qemeinfd^aft  Sonberreci^te  bn:  ©fiegatten  an  ber  gemeinfd^aftlid&en  SJlaffe  fier* 
oortreten  (oergl.  ®ntfd&.  b.  SR.  ®.  in  eiüil^  I,  140  ©.  396),  ergiebt  ftd^  mit 
gcnfigenber  3)eutli^feit  auö  ben  Späteren  einzelnen  SBorfd^riften  (üergl,  inöbef. 
§§  1344,  1345,  1373,  1376—1378,  1382  3lbf.  1).  ®ie  ©rünbe,  mlä)C  ben 
(Sntrourf  bcftimmt  l^aben,  bei  ber  Siegelung  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft 
büÄ  ^rinjip  beö  beutfd^red^tlid^en  SKiteigentl^umeö  in  bem  bejeid^neten  Sinne 
JU  ®ninbe  ju  legen,  ftnb  bereits  in  ber  SBorbemerfung  ju  ben  Seftimmungen 
über  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  oben  6.  326  ff.  bargelegt  morben. 

3ur  te(^nifd&en  SBejeid^nung  bes  beiben  ©Regatten  gemeinfd&aftlid^  ge^  s-eiminoiogte. 
^örenben  98erm5gens  ^at  ber  ©ntmurf  ftatt  beS  in  ber  SQßiffenfd&aft  allerbings 
gebrouc^Ii^en  Stusbrudfes  „©ommtgut"  ben  SluSbrudf  „®efammtgut"  gemälilt, 
ba  ber  festere  Slusbrud  fid^  bem  bei  bem  ©efammtfd^ulbtjer^öltniffe  befolgten 
Sprod^ebrauci^e  (§§  321  ff.)  anfd^liefet. 

Sbioeic^enb  t)on  ber  ^^Rwng  bes  §  1283,  ift  im  §  1342  auf  bie  3lu8*  Äu«na^men 
RO^efdUe,  in  melden  geroiffe  SBermögenSftüdfe  bes  einen  ober  anbercn  ®l^c?  JdniU)T. 
gatten  ni^t  in  bie  ©emeihfd^aft  fallen  (§§  1346—1349,  1351),  abftd&tlid^  ni^t 
^ingennefen.  6in  fol^er  ^inmeis  ift  einerfeits  megen  ber  barauf  bejüglic^en, 
«nmittelbor  fici^  anfd^liefeenben  fpejiellen  33orfc^iften  für  entbeJ^rlid^ ,  anberer^« 
fetts  bes^alb  für  nid&t  angemef[en  eradbtet,  meil  burd&  einen  berartigen  S^f^ft 
bie  ©c^ärfe  beS  im  §  1342  ausgefproc^cnen  ^ßrinjipes,  ba^  alles  33erm5gen 
ber  Statten  gemcinfc^aftliciö  mirb,  ju  fe^r  abgefd^mäd^t  merben  mürbe.  2)er 
§  1283  fann  tnfomeU  nici^t  als  SBorbilb  bienen,  ba  bei  bem  gcfefeli^en  elie^ 
B(^en  ©üterrec^te,  namenttid^  wegen  ber  83eftimmung  bes  §  1289,  9lusna^men 
»an  ber  Siegel  weit  l^äufigcr  fein  werben,  als  bei  ber  allgemeinen  Ofitergemein^^ 
fc^ft  Sag  alles  por^anbene  SSermogen  ber  ©Regatten  bis  jum  93cweife  bes 
Qegcnt^IeS  als  ©efommtgut  gilt,  ergiebt  fid&  aus  ben  altgemeinen  ©runb- 
fäljen  über  bie  S3erocislaft  pon  felbft  (oergl.  §  194  9lbf.  1)  unb  brandet  beslialb 
^€t  ebenforoenifl,  wie  in  bem  anologen  galle  bes  §  1283,  befonbers  beftimmt 
}u  werben. 


336        Stfföemciuc  @üteröemcinfd)aft.    ©cfammtout.    Gntfie^ung.    §  1343. 


§  1343. 

%1\ammu  ^'^  SJorfd^tift  bcö  ©ofe  1  ift  für  bie  errei^ung  bcr  3n)edc  bcr  qD^ 

ßuteeiflcm  gemeinen  ©ütergemeinfc^aft  fo  toefentlid^,  bafe  ftc  auä)  bei  ber  Dertragömäfeigcn 
mn.  allgemeinen  Oütergemeinf^aft  nid^t  cntbel)rt  werben  fann,  menn  man  btn  6^e^ 
galten  bie  SWöglidöteit  gewöfiren  miH,  burd^  ©^eoertrag  ein  bem  SRed^tösuftanbe  in 
ben  biöl)erigen  ©cbieten  ber  aDgemeincn  (Sütergemeinfd^aft  cntfpred^enbeö  SScr*: 
tjältnife  Ijerjuftellen.  S)icö  ift  auc^  ber  Stanbpunft  aller  9icd^te,  meldte  bie 
©ütergemeinfd&aft  jmar  nid^t  afe  gefefclic^eö  ©üterred^t  ancrfennen,  aber  als 
t)ertragömä§igen  ©üterftanb  julaffen  unb  orbncn  (ücrgl.  inöbefonbere  preufe. 
31.2.  ?H.  II,  1  §§  361  ff.;  fäcöf.  ®.  33.  §  1695;  code  civil  SÄrt.  1528). 
SBenngleidf)  baä  ^^rinjip  bes  §  1343  fd^on  auä  ber  Seftimmung  beö  §  1342 
abgeleitet  werben  fann,  fo  ift  es  bei  bcr  SBid^tigfeit  ber  ©ad|c  bod^  alö  rattiforn 
erachtet,  baöfelbe  im  (Sefefte  befonberö  auöjufpred^en.    Ucbereinftimmenb  mit 

IteA?/'  ^^^  P^^"&-  '^^**^  ^^'  ^'  ^'  ^^'  ^  §§  365—367 ;  preug.  @cf.  über  ben  eigene 
tl)umdem).  u.  f.  m.  o.  5.  aKai  1872  §  5  nebft  bcr  Orunbb.  0.  §  50)  —  ob^ 
roeid^ent)  von  bem  fä^f.  ®.  33.  §  1695  -  gilt  bie  JRegcl  beö  §  1343  Sa|  1 
narf)  ©ag  2  aud^  in  Sttnfel^ung  fold^er  JRed^te,  ju  beren  Ucbertragung  bm'^ 
Sic^tögefd^äft  ßinlragung  in  baö  ®runbbud&  crforberlid^  ift.  Gs  enthält 
biefc  33eftimmung  allcrbingö  eine  S)urc^brerf)ung  bcr  ^rinjipicn  beö  (Snnib^ 
bud^rec^teö,  ha  eö  fic^  bei  ber  ücrtragömäfeigen  ©ütergcmcinfd^aft  um  einen 
burdb  SRed^tögefd^äft  oermittclten  SBcrmögcnöübergang  fianbelt  unb  bcöbalb  jur 
Ucbertragung  ber  I)ier  fraglid^en  Siebte  nac^  SWafegabe  ber  33eftimmungen  beö 
©runbbudtired^teö  (ocrgl.  inöbef.  §§  828,  868)  an  fid^  bie  Cintragung  in  baö 
®runbbud&  crforbcrlidö  fein  mürbe.  9lud^  läfet  ftd^  nidbt  oerfcnnen,  ba^  burd^ 
bie  I)ier  fragli^e  33cftimmung  beö  ©utmurfeö  bie  ^al)l  ber  gölte,  in  meieren 
ber  3nf)alt  beö  ©runbbud&eö  ber  mirflirfien  SRcd^tölage  nid^t  entfpric^t, 
namcntlid^  in  fold^eu  ©ebieten,  in  welchen  ©ütergemeiufd^aft  [)ergcbrad^\  ift, 
fid^  cr[)eblid^  Dcrmc^ren  mirb,  ba  bie  ©Regatten  cö  £)aufig  unterlajfen  merbcn, 
für  bie  33erid^tigung  beö  ©runbbud^eö  ©orge  ju  tragen,  unb  ba^  eine  fol^ 
Differenj  jmif^en  bem  ©runbbud^e  unb  ber  mirflid^en  SRcd^tölage  immer  alö 
ein  Uebclftanb  fid^  barftellt  unb  bcöl^atb  tl)unlidöft  ju  oermciben  ift.  3ni>^^ 
finb  bie  für  ben  ©tanbpunft  beö  6ntmurfeö  fpred^cnbeu  Orünbe  alö  über« 
miegenb  anäufet)en.  5Der  entgegengefegte  ©tanbpuntt  fann  im  Sßiberfprud^e 
mit  bem  Oebanfen  bcr  ®ütcrgemeinfdf)aft,  bafe  bie  einem  ieben  bcr  ©Regatten 
mirftid^  iuftel)enben  SHcd^tc  gemeinfd^aftlid^  merben  foUcn,'  batiin  führen,  ba§ 
ein  eingetragencö  9icd^t  bcr  ^ier  fraglid^en  9lrt,  aud^  menn  baöfelbe  bem  alö 
33eredf)tigten  eingetragenen  ©Regatten  nic^t  juftcf)t,  trogbem  unter  Umftänben 
nad^  aSafegabe  ber  ©runbfäfec  über  ben  öffentlichen  ©laubcn  beö  Orunbbud^eö 
(§§  837,  1083,  1116)  33eftanbt{)eil  beö  (Scfammtguteö  merben  fönnte.  2)iefer 
Umftanb  fann  jmar  für  fid^  allein  entfd)eibenb  nid^t  in  Setrac^t  fommcn 
(t)ergl.  §§  839,  1359).  ©ntfd&eibenb  fällt  aber  inö  ©emid&t,  ia'^  o^nc  baö 
^rinjip  beö  ©ntmurfcö  eine  gebeil^li^e  ©ntmitfelung  bcr  oertragömäfeigen 
©ütergemeinfd&aft  in  benicnigen  ©ebieten,  in  mclrf)cn  biefelbe  gegenmärtig  ben 
gefeßlid^en  cl)elidöen  ©üterftanb  bilbct,  tüd^t  ju  ermarten,  fonbem  ju  beforgen 
ift,  bafe  3[al)re  ücrftrcid^en  fönnen,  e^c  in  9lnfet)ung  ber  mid^tigften  ju  bctn 


angcm.  @ütcrgcmclnf(6aft.    OefammtQut.  Äaratter.    §§  1344, 1345.       337 

äJermogcn  her  ©l^egattcn  gcl^orcnbcn  ©cgcnftänbe  eine  roirtlid^c  ©üter* 
gemeinfd&aft  eintritt.  Sluf  ber  anbeten  ©cite  fommt  in  S3etrarf)t,  bafe  boö 
^ringip  beö  ©ntrourfcÄ  rocgen  ber  publica  fides  bcö  ©runbbud^eö  (tjergl. 
§§  837,  838,  1083,  1116)  Oefa^ren  für  bie  S8ertef)röfid^erf)cit  nid&t  mit 
fid^  bringt. 

6ine  befonbere  Seftimmung,  bofe  ieber  ber  ©Regatten  befugt  ift,  ju  t)er*  «intJ^«««n8 
fangen,  bofe  bie  ©efommtgutöeigenfd^aft  ber  f|ier  fraglid^en  SRed^te  in  boß  fammtsguts' 
@runbbu(§  eingetragen  werbe  (oergl.  preuß.  ©runbb.  0.  §  50),  ift  entbe^rlid^,  tSrÄJr 
ba  in  golge  ber  mit  bem  ®intritte  ber  Oütergcmeinfd^aft  traft  ®efe|eö  üer^      bu<^. 
hmbenen  3led^tfionberung  baö  ©runbbud^  unrid^tig  wirb  unb  beö^alb  ber 
§  MS  STnTOenbung  finbct.    Um  ieboci^  in  biefer  SRid^tung  feinen  3w^if^l  ^^f- 
bmmen  ju  Iaf[en,  ift  bie  Slnroenbbarfeit  beö  §  843  auf  biefen  gall  im  §  1343 
oudbrücffic^  audgcfprod^en.    Slnlangenb  bie  2lrt  unb  SGBeife,  in  roeld^er  bei 
befte^enber  ©ütergcmeinfd&aft  bie  Serid^tigung  beö  ®runb6udf)eö  ju  erfolgen 
^t,  fo  ift  in  biefer  ^infid^t  bie  für  bie  ©runbbud^orbnung  oorbefialtenc  Se- 
ftimmung  mafegebenb,  ba§,  menn  ein  SRed^t  ate  metireren  ^ßerfonen  gemein- 
fcftaftlid^  jufte^enb  eingetragen  mirb  unb  ©emeinfc^aft  nad^  Sruc^t^eilcn  nic^t 
befte^t,  aus  bem  Snl^cilte  ber  (Eintragung  baö  bie  Slbmeid^ung  von  ber  SRegel 
ergebenbc  SRed^teoerl^ältniß  ^eroorge^en  mufe  (oergl.  2lnm.  ju  §  827). 


§§  1344,  1345. 

2)ie  Seftimmungen  ber  §§  1344,  1345  fmb  Äonfeguenjen  beö  ^ßrinsipcS  m^tRaxat» 
beö  bcutfd&red^tU^en  SHiteigentl^umeö,  roefd^eö  ber  ©ntmurf  bei  ber  Siegelung  **®5omm^* 
ber  oBgemeinen  (Sütergemeinfd^aft  jum  Sludgangöpunfte  genommen  ^at  (oergl.     ß"*««- 
Mc  SBorbemerfung  jur  allg.  ®ütergemeinfd^aft  oben  S.  330).    ©ie  bringen 
bie  ©ebunben^eit  ber  hm  ©Regatten  an  bem  ©efammtgute  juftel)enben  9lntljeilc 
bur(ft  ben  3*^*  ^^  ©efammtguteö,  roeld^eö  möfirenb  ber  3)auer  ber  ©emein- 
fc^ft  nid&t  ben  ©onberintereffen  ber  ©Regatten,  fonbern  bem  3nterefjc  ber 
^lid^m  ©cmeinfd^aft  ju  bienen  beftimmt  ift,  jum  Sluäbrudfe  xinb  faratterifircn 
ba^  nä^er  bie  9latur  ber  nad^  §  1342  begrünbeten  Sied^tögemeinfd^aft  (oergl. 
au^  entfdb.  b.  91.  ®.  in  ©ioilf.  I,  140;   Urt^.  b.  51.  ®.  bei  ®ru^ot  XXVI 
S.  1006).  Snöbef onbere  bejroedft  bie  SBorfd&rift  bcö  §  1344  Safe  1,  nad)  roclc^er  ««nc  »ru<^- 
bie  JU  bem  ©cfammtgute  getiörcnben  ®egenftänbe  ben  ©Regatten  nic^t  nad&  ^xn6)^  *^cin8e?nen^" 
teilen  jufte^cn,  bie  Slnmenbbarfeit  ber  mit  bem  ^rozdt  ber  ©ütergemcinfd^af t  ^««««f*'^"^«"- 
unvereinbaren  Seftimmungen  über  bas  gcrool&nlid^c  9Jliteigentt|um  unb  bie  ge^^ 
»ö^nli(^e  JRe^tögemeinfd^aft  (§§  947—951,  762—773)  ausjuf d&liefeen ;  ferner 
fon  bie  aUorf^rift  beö  §  1344  ©afe  2  flarftellen,  bag  bie  ju  bem  ®efammtgutcnnfleti^eiit^eit 
gc^örenben  gorberungen  ben  ©Regatten  nid^t  get^eilt  }uftel)en  (§§  320, 339, 341),  ^orbcrSnßc«. 
anbererfeitö  bie  ©emeinfd^aft  in  9lnfe^ung  biefer  gorberungen  unter  ben  ©Ije- 
gatten  ni^t  etwa  ein  ®efammtfd^ulboer^ältni6  f)er|tellt  (§§  321—323, 325—337). 
»ic^t  für  «nanroenbbar  erflärt  fmb  bie  §§  324,  338,  340,  roeil  fidl)  bicfelben 
lebigli^  ouf  ben  ^ier  nid^t  in  Setrad^t  fommenben  gall  bejiel)en,  wenn  bem 
einen  ober  anberen  ©Regatten  alö  bem  ®läubiger  mel)rcre  ©efammtfd^ulbner 
gegenüberfte^en. 

«otbe  }.  UfarfltrL  Okf e^iu^.  IT.  ^ 


338       Mq.  ®ütergcmeinfci6aft  SSorBc^alt^ut  u.  ©onbcrflut.  (§§  1346-1351.) 

unoeräuicr*  Um  Quf  ber  (Srutiblagc  bcö  Sßiteigentljumeö  bcv  ©Regatten  an  bcm 

bcr«nt\eue.  ©cfQtntntgutc  bic  ^xücdt  btv  Oütetgcmcinfd&aft  ju  crreid&en,  genügen  aber 
bic  S3eftimmungcn  beö  §  1344  nodj  nid^t.  6ö  mu§  rocitcr  beftimmt  iDerbcn, 
ba^  ber  9lntf)eil  eines  ©Regatten  an  bent  ©efammtgute  unb  an  ben  cinjcincn 
SU  biefem  geprenben  ©egenftänben,  aud^  foweit  ber  Slnt^eil  nid^t  in  einer 
Quote  befte{)t,  ber  93erfügung  biefeß  ©Regatten  entjogen  unb  ber  B^öngS^ 
öoUftredEung  nid^t  unterroorfcn  ift,  bamtt  nid^t  baö  ©cfammtgut  feinem  3^^^/ 
ber  el^elid)en  (Scmeinfd^aft  ju  bienen,  cntfrembet  werben  fann  (§  1345  9fbf.  1). 
iDa  ber  in  Siebe  ftel)cnbe  9lntbei[  aud^  ben  9lnt^ei[  an  ben  5U  bem  ©efammtgute 
ge^örenben  ©ad^en  begreift,  allgemeine  SBorfd^riftcn  aber,  meldte  bcm  §  296 
5lbf.  2  unb  ben  §§  1022,  1207  entfpred^en,  für  unDcräufeerlid^e  <Sad^en  nid^t  ge^ 
geben  [inb,  fo  ift  cö  erforbcrlid^,  im  §  1345  9lbf.  1  neben  ber  Unüeräugerlid^* 
feit  aud^  bie  3lid^tbelaftbarfeit  unb  5lid^tpfänbborfeit  befonberö  ju  ermähnen. 
«uöfc^iufe  ber  3)ic  S3eftimmung  bcö  §  1345  9lbf.  2  fönnte  an  [\ä)  entbcbrt  werben, 

x^ctiung«*  jj^  i)icfelbe  inforocit,  als  jxe  ben  SE:i|eilungöanfprud^  in  9lnfc^ung  ber  ju  bem 
©efammtgutc  gel^örenben  einjelnen  ©egenftänbe  betrifft,  ftd^  nur  olö  eine 
.Honfequenj  bcö  §  1344  barfteüt,  infoiDcit  aber,  afö  fie  ben  2:i^ei{ung9anfprud^ 
in  9lnfef|ung  bes  ©cfammtguteö  uerneint,  fd^on  barauö  abgeleitet  roerbcn  fann, 
bafe  ber  (Sntrourf  nur  einen  2^bcil"tigöanfprucb  in  Slnfel^ung  einjelncr  gemein* 
fd^aftlid&er  Oegcnftänbe,  nid&t  aber  in  9lnfel)ung  eines  gcmeinfd^aftlic^en  aSer* 
mögenöganjen  fcnnt  (oergl.  §  767).  S)ie  auöbrüdflid^e  ^erDor^ebung  ber  im 
§  1345  2lbf.  2  enthaltenen  Seftimmung  ift  jeboc^  bei  ber  grofecn  Sebeutung 
berfclben  als  ratlifam  cradjtet. 
»ruc^t^eiic  Db  roälirenb  ber  S)auer  ber  (Semcinfd&aft  latente  S3rud&tl|eile  an  bcm 

[armt^utc.  Wcfammtgute  ~  im  (^5cgenfage  ju  ben  einjelnen  baju  gebörenben  ®cgcn^ 
ftänben  —  anjunebmen  finb  ober  nid^t,  ift  in  bem  ©ntrourfe  nid^t  befonbcrß 
cntfd&ieben,  ba  es  neben  ben  Seftimmungen  beS  §  1345  im  ^inblide  barauf, 
ba§  bie  allgemeinen  'Borfd^riften  beS  ®ntrourfes  über  bie  ©emeinfd^aft 
(§§  762  ff.,  946  ff.)  [id^  nur  auf  bie  ©emeinfd^aft  in  3lnfe^ung  einjclner 
®egenftänbe  bejieben,  einer  befonberen  gefefelid^en  (Sntfd^cibung  jener  groge 
nid^t  bebarf.  9Bas  im  Uebrigen  aus  ber  nad^  §  1342  begrünbeten  Oemcin* 
fd^jaftlid^feit  bes  ©efammtgutes  folgt  unb  mie  insbefonbere  bas  SScrbältnife 
nad^  Sluflöfung  ber  ©emeinfd&aft  fid^  geftaltct,  ergiebt  fid&  aus  ben  fpatcrcn 
fpejicDen  Seftimmungen  (ücrgl.  insbefonbere  §§  1373—1377,  1382  Slbf.  1). 

§§  1346-1351. 

«omöe.  3)ic  §§1346—1351  betreffen  bic  9luSnal)mef alle,  in  meldten  geroiffe,  bcm 

fammtflutc  ^^^^^^  ^^^^  anbcrcu  ©begatten  gebörenbe  ©cgenftänbe  von  bem  ©cfammtgute 

flcwioffenc  ausgefcbloffcn  finb.    aHit  bem  S3cgriffe  ber  allgemeinen  Oütergcmcinfd^aft  ift 

eeflenftänbe.  ^^.^  gu((jjj^,^g  fold^cr  3luSnabmcn  nid^t  unocrtröglid^.    5)cr  rcd^tlid^c  Äaraftct 

ber  ©ütergemeinfd^aft  als  einer  allgemeinen  mirb  baburd^  nid^t  geänbcrt.    S)cr 

33egriff  ber  aillgemeinl^eit  brauddt  niddt  not^menbig  ba^in  gefaxt  ju  werben, 

bafe  unbcbingt   alles  aSermögen   ber   (glicgattcn   gcmcinfd^aftli^   roirb.     (SA 

genügt,  bafe  bie  ©cmeinfd^aftlid&teit  bie  Siegel  bilbet.    3)iefe  SRegcI  rcd^tfertigt 

bic  befonberen  5IBirfungen,  mcldjc  mit  ber  allgemeinen  ©ütergemeinf^aft  — 


aOg.  ©ütcrgemeinf^aft.  aSorBeWt^flut  u.  ©onbcrottt.  (§§  1 346—1351.)       339 

im  Oegcnfoge  }u  her  partifulärcn  ©ütcrgcmcinfd^aft  —  namentlid^  in  2lnfcf|ung 
bcr  «Haftung  lücgcn  her  ©d^ulbcn  unb  bcr  ^Jod^roirfungcn  bcr  ©ütergctncinfci^aft 
naäj  äuflöfung  berfclben  burd&  bcn  SCob  eines  ©(;egatten  üerbunbcn  finb. 
6s  ift  jroor  nid^t  ju  tjertcnncn,  baß  burd^  bie  Swföffiing  t)on  ©onbergütem  im 
»eiteren  ©iiine  bei  ber  allgenteinen  ©ütergemeinf^aft  baß  SSer^ältnife  an  @in* 
fat^^eit  oeriicrt;  inbeffen  laffen  ftd^  biefclben,  wie  bei  ben  einjelnen  gälten  näfier 
ncd^geroiefen  werben  wirb,  mit  SRüdEfidit  auf  baö  bcftel^enbe  9led)t,  ba§  praftifd^c 
9ebürfni6  unb  bcn  ücrtragömöfeigen  Äarafter  ber  allgemeinen  (Sütergemein- 
fc^aft  bes  ©ntrourfeö  nid^t  üermeiben. 

S>aä  üon  bem  ©efammtgute  auögefd^lojfene  (Sut  jerfftDt  in  jmei  Älafjen,  untcrjt^ei. 
in  SSorbcfialtögut  (§§  1346—1350)  unb  in  ©onbergut  im  engeren  Bxmt^^^^^a^!^ 
(§1351).  aSö^renb  baö  SSorbelialtögut  tjon  bem  ©efammtgute  t)oIIftänbig  ^^^^^l^ 
aii8gef(^loRen  ift  in  ber  9lrt,  bafe  baöfelbe  aud^  nid^t  für  Sied^nung  beö  ^"  ^'^^"^* 
®efammtgute§  rcrrooltet  mirb,  bie  9lugungen  unb  Saften  bcöfelben  batier  nidE)t 
bem  ©efammtgutc  juf allen  (rergl.  §§  1346,  1351  aibf.  1,  §  1411  2lbf.  2),  ift 
bas  Sonbcrgut  ber  SSerroattimg  für  SJec^nung  beö  ©efammtgutcö  in  ber 
8rt  unterworfen,  bafe  bie  9lu^ungcn  beöfelben  ju  bem  ©efammtgute  in  bem- 
felben  Umfange  gel^oren,  in  mcldjem  bei  bem  gefefelid^en  el^elidE)en  ©üterred^te 
bie  Jlujungen  beö  ß^eguteö  bem  ©bemanne  gel)ören,  unb  bafe  anbererfeits  bie 
©r^attungöfoften  unb  Saften  beö  Sonbergutcö  bem  ©efammtgute  nad^  SMaggabe 
bcö  §  1297  3lbf.  1  iur  Saft  fallen  (tjergl.  §§  1351,  1411  3l6f.  2,  §  1418). 
Sür  bie  ß^efrau  l^at  bie  Unterfdfieibung  jroifdöen  Sßorbe^altögut  unb  ©onbergut 
no(^  bie  bcfonbere  Sebeutung,  bafe  baö  erftere,  wie  bei  bem  gcfefelid^en  efielid^en 
©uterftanbe,  ieber  ©inroirfung  beö  ©liemanneö  entjogcn  ift,  möfircnb  baö 
Sonbergut  ber  Gf^efrau  bem  ß^egute  bei  bem  gefe|tidöen  (Süterftanbe  gleid^fteljt  * 
(wrgl.  §  1351  9lbf.  2,  §  1417).  S)a  bem  ©liemannc  nidEjt  nur  über  fein 
Sonbergut,  fonbcrn,  obgefel^en  von  ben  im  §  1353  beftimmten  Sluönaljmen, 
au(^  über  ba§  (Sefammtgut,  ol^ne  bieferlialb  ber  @l)efrau  tjerantmortlid^  ju 
frin,  bie  freie  93erfügung  juftcl^t  (§§  1352,  1364),  anbererfeitö  berfelbe  für  bie* 
jcnigen  SSerbinblid^feiten  ber  ©fiefrau,  meldte  ©efammtgutöDerbinblid^feiten  finb, 
perfönlid^  ^oftct  (§  1359  ^Ibf.  2),  fo  ^at  eö  für  ben  ©fiemann  nur  ein  rep 
^Itnifemäfeig  geringeö  praftifd^eö  Sntereffe,  neben  bem  ©onbcrgute  aud^  nod^ 
Sorbe^altögut  beöfelben  im  ®efe|je  befonberö  jU  berüdffi^tigen.  Snbeffen 
fonn  eö  bod^  unter  Umftänben  für  if|n  t)on  Sntereffe  fein,  aud^  bie  SJiu^ungen 
gewifier  Oegenftfinbe  von  bem  ©efammtgute  auöäufc{)lie§en,  um  bie  9Ser* 
iDcnbung  biefcr  9lufeungcn  feiner  unbefdiränften  SBerfügung  (oergl.  §  1353 
Ibf.  2)  üorjubel^alten  unb  anbererfeitö  biefelben  bem  SSerfügungöred^te  ber 
&j^a\i  in  bcn  Sluönal^mefällen,  in  meldten  bie  legtere  über  ©efammtgut  ju 
t)erffigen  befugt  ift,  ju  entjicl^cn  (§§  1356,  1358;  Dergl.  aud&  §  1366).  ©in 
genügcnber  ©runb,  nur  auf  Seiten  ber  ©fiefrau  3[}orbe^altögut  neben  bem 
Sonbergute  ju  berüdEftd)tigen,  liegt  bafier  nic^t  nor. 

Cine  anberc  gragc  ift,  ob  umgefelirt  ein  Sebürfnife  anjuerfennen  unb 
«fi  olö  ongemeffcn  ju  eradEjten  ift,  bei  ber  allgemeinen  ©ütergcmeinfc^aft  neben 
bem  Sorbc^altögutc  cineö  ©Regatten  oucf)  nod^  ©onbcrgut  im  engeren  ©innc 
jujulQffen.  3)ie  ©rünbe,  meld&e  für  ben  ©ntrourf  beftimmenb  geroefcn  finb, 
biefe  groge  ju  bejahen,  fmb  in  ben  Spejialmotioen  ju  §  1351  nälier  bargelegt. 

22* 


340  Stttocmeinc  ©ütcrflemcinfioft.    SorbcSaltößut.   §  1346. 


§  1346. 

«or5^üi«*  3)er  üoUftänblgc  Sluöfd&Iufe   gcroiffer  Oegcnftonbc  cincö  ©Regatten  oon 

^einrt  e?t"  bcm  Ocfammtgutc  bnxä)  ©i^eocrtrag  wirb  von  bcn  bcftcl^enben  Siechten  mit 
pcrtrogea.  wenigen  ausnahmen  (j.  95.  bcö  ^omb.  SHcd^tcä)  fclbft  für  bic  gcfefeUciöc  Oütcr* 
^«Sr*  9^^^i^f^öft  jugclajfcn.  SRur  njü^renb  bcfte^cnbcr  6^c  toirb  er  ^äupg  für  um 
juläffig  crflärt  ober  bie  SBirfung  bcö  3luöf(i^[uffcö  ©ritten  gegenüber  t)on  be^ 
fonberen  SOorauöfefeungen,  inöbefonbere  gc^riger  SBcröffentUc^ung,  abl^fingig 
gemad^t  (t)crgf.  bie  Sßotioe  ju  §  1333  oben  ©.  305  ff.),  änlangenb  inöbcf onbere 
baö  preufe.  91.  S.  SR.,  fo  entJ^ält  baöfelbc  in  ber  l^ier  frogtid^en  33ejie]&ung  feine 
befonberen  S3eftimmungen.  ®ie  3uriöprubenj  nimmt  jeboc^  an,  bafe  infoioeit, 
als  bie  ©ütergemeinfd^aft  burd&  ß^eoertrag  überl^aupt  ouögcfd&Ioffen  werben 
fann  (t)ergl.  SRotioe  ju  §  1333  oben  ©.  305,  308),  anäf  bie  üollftönbige  aus* 
fd^Uc^ung  einjelner  Oegenftänbe  von  ber  Outergemeinfd^aft  burd^  (S^eoertrag  ate 
juläffig  JU  eraci^ten  fei  (oergl.  aud^  fäd^f.  0. 33.  §  1703) ;  boc^  ge^en  bie  9lnfid^ten 
barüber  ouäeinanber,  ob,  fooiel  bie  SBirfung  eines  folc^en  ß^eoertrageö  gegen? 
über  2)ritten  betrifft,  offentlid^e  öefonntmod^ung  mie  bei  bm  SBerträgen  über 
bie  aiuöfd^Iiefeung  ber  (Sütergemeinfd^oft  (preufe.  31.  S.  JR.  n,  1  §§  422  ff.)  er? 
forberlid^  ober  bie  Sttnalogic  berjenigen  33eftimmungen  mofegebenb  fei,  meldte 
gelten,  wenn  burd^  Seftimmung  eines  2)ritten  bei  einer  IcItmiBigen  3^* 
menbung  ober  einer  ©d^entung  einjelne  Oegenftänbe  von  ber  Oemeinfd^aft 
ausgefd^lojfen  finb  (preufe.  51.  2.  SR.  II,  1  §§  374—376).  5Rod^  bem  olbcnb. 
®ef.  V.  24.  äpril  1873  SIrt.  30  §  1,  SIrt.  31  §  2  fann  SSorbel^altögut  burc^ 
®l^et)ertrag  nur  in  bem  auf  ©infül^rung  ber  ollgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  gc* 
rid^teten  ©l^etertrage  ausbebungen  werben,  unb  ift  bie  red^tUc^e  SBirffomfcit 
einer  fofd^cn  Vereinbarung  gegenüber  ©ritten  von  Dorfd&riftsmäfeiger  offent? 
lid^er  Sefonntmac^ung  abfjängig  gemad^t,  obrool^I  ber  ©ütergemcinfd^aftsoertrag 
felbft  einer  fold^jen  S3efanntmac^ung  nid^t  bebarf  unb  bie  Oütergemeinfd&aft 
felbft  audE)  mäl^renb  befte^enber  @^e  aufgel^oben  werben  fann  unb  nur  jur 
aßirffamfeit  biefer  2luft)ebung  ©ritten  gegenüber  bie  öffentUd^e  93efanntmad&ung 
erforberlic^  ift  (oergl.  airt.  27  §  1,  3lrt.  31  §§  1,  3). 
etanbpuiitt  3m  9lnfd(|IuJfe  an  bie  grofee  aJlet)rja^I  ber  befte^enben  SRcd^tc  gel^t  aud& 

«ntowfe«.  ^^^  ©ntmurf  baoon  aus,  ba%  es  burd^j  ein  bringcnbes  praftifd&es  öebürfnife 
geboten  ift,  ben  eijegatten  ju  geftatten,  burc^  ®^et)ertrag  and^  mit  SBirfung 
gegen  ©ritte,  rorbe^oltlid^  ber  jum  Sd^ufec  ber  lefeteren  bienenben  Sc? 
ftimmungen  ber  §§  1336,  1337,  beftimmte  ©egenftänbe  von  bem  ©efammtgute 
DoIIftänbig  auSjufdilic^en.  ©ic  aSerI)ältnif[c  fönnen  fo  liegen,  ba§  bie  ®^e* 
gattcn  jmar  im  Slllgemeinen  bem  Oütcrftanbe  ber  (Sütcrgemeinfd^aft  ben  38orjug 
geben,  bie  SRüdEfic^t  ouf  bic  Sid)erung  ber  ß^cfrau  aber  bcn  Slusfc^tufe  ein* 
jcluer  ©egenftänbe  t)on  bem  ©efammtgute  erforbert.  ©as  Snterejfe  ber  ®^cs 
frau  an  einem  fold^cn  9luöfd^Iuffe  ift  bei  ber  allgemeinen  ©ütergcmcinfd^aft  im 
^inblirfc  auf  bas  faft  unbefd)ränfte  SSerfügungSrcd^t  bes  ©^emannes  über  ba^ 
©efammtgut  (§§  1352,  1353),  auf  bie  Haftung  bes  ©efammtgutes  für  atte 
©ddulbcn  bes  (Sljcmanncs  (§  1359  3lbf.  1,  §  1361)  unb  auf  bie  erbred^tlid^cn 
SBirtungcn  ber  altgemeinen  ©ütergemcinfd^aft  (§§  1384  ff.,  1395),  nod[|  bei 
weitem  größer,  als  bas  ^ntereffe  ber  ©tjefrau  an  bem  oertragsmäfeigen  9luö? 


aUgemeinc  ©üterflemctnfd&aft.    SSorBe^altgöuh    §§  1347,  1348.  341 

f^luffc  cinjciner  ©cgcnftänbc  tjon  bcr  cl^elid&cn  Jlufcniefeunö  unb  SScmjalhtng 
(§  1286).  9lud^  bcr  (Seemann  tann,  mt  bereite  in  ben  oUgemeinen  SRotiDen 
ju  §§  1346—1351  oben  ©.  339  J^eroorgetjoben  würbe,  nid^t  nur  wegen  ber 
erbrcd^tlid^en  golgcn  ber  ©ütergemeinfd^aft,  fonbem  auä)  in  anberen  dixä)^ 
hingen  ein  bead^tenöroertfied  3ntercffe  boran  l^aben,  bafe  beftimmte  ©egenftänbe 
imöf  6^et)ertrag  für  SBorbel^allßgut  erftärt  werben.  Um  fo  mel^r  ift  ein  33e^ 
bürfnife  für  bic  Seftimmung  bes  §  1346  anjuerfennen,  als  in  benjenigen  Oe^ 
bieten,  in  wefd^en  bie  allgemeine  ©ütergemeinfc^aft  gegenwärtig  ber  gefcglid^e 
©üterftonb  ift,  jene  ooraußfic^tlic^  auf  Orunb  ber  l^ergebrad^ten  ©itte  aud^  in 
fold^en  göEen  bie  Siegel  bilben  wirb,  in  weld^en  il^r  nac^  ber  ^ßerfönlid^feit 
unb  ben  SSermogenöDerl^öItniffen  ber  ©fiegatten  emfte  SBebenfcn  entgegenftel^cn 
unb  in  welchen  eö  bal^er  bringenb  wünfd&enöwertl)  fein  fann,  biefelben  burd^ 
bic  Sulajfung  üertrogßmäfeigen  S3orbcI)altöguteö  ju  üerringcrn. 

3Begen  ber  Orünbe^  aus  wetd^en  ber  (Sntwurf  aud^  wäl)renb  beftel^enber 
e^  e^etjerträgc  ber  ^ier  fraglid^en  Sttrt  julftfet  (§  1333  9lbf.  2),  wirb  auf  bic 
aRotiöc  gu  §  1333  oben  ©.  305  ff.  Scjug  genommen. 

©in  genügenbcr  Orunb,  ron  ber  -Siegel,  bafe  burd&  SBereinbarung  bcr 
ß^gatten  3Sorbef|alt§gut  nur  in  bcr  gorm  beS  (S^coertragcö  begrünbet  werben 
fann,  für  Sd^cntungen  eineö  ©fjcgatten  an  ben  anberen  aus  bem  SSorbel^altö* 
pte  bcö  erftcren  eine  Sluöna^mc  ju  mad^en  (oergl.  I^eff.  @ntw.  IV,  2  3lrt.  444 
9lr.  2),  liegt  ni^t  ror. 

§  1347. 

5Die  Seftimmung  bcö  §  1347  fte^t  im  2BefentlidE)en  mit  ber  aWel^r jol^l  «»^«[J'"«««' 
ber  bcftefienbcn  5led&te  (oergl.  inöbef.  preufe.  31.  2.  91.  II,  1  §§  373—376;  code  ''' 
civü  art.  1401 ;  olbcnb.  ®cf.  t).  24.  3lpril  1873  3lrt.  17  §  2  üt.  c  vtxh.  mit 
an  31  §  2;  württemb.  ©ntw.  §  246  3lx.  3;  J^ejf.  ®ntto.  IV,  2  Slrt.  444  5Rr.  1; 
e^renbreitft.  (Sntw.  §  8  3lx.  1)  im  ©inftange  unb  berul^t  auf  äfinlid^en  ®r^ 
»Sgungen  wie  bic  Seftimmungen  ber  §§  1346,  1287  (oergl.  bie  3Kotioc  ju 
§  1287  oben  ©.  168  ff.  unb  ju  §  1346).  aiuö  bem  Dcrtragömäfeigcn  Äarafter 
ber  allgemeinen  Oütergcmcinfd^aft  fann  ein  entfd^eibenbcr  (Srunb  gegen  bic 
Seftimmung  beö  §  1347  nid^t  l^ergeleitet  werben;  oielmcl^r  ift  bie  3lnna^me 
bcred^tigt,  ba^  bie  ©l^egatten  burd^  bic  ©infül^rung  ber  allgemeinen  Oüter* 
gemeinf^aft  nid&t  beabpd^tigt  l^aben,  bie  2lnnal&me  einer  mit  ber  im  §  1347 
bejric^neten  Seftimmung  gcmad^ten  3w^^^^^w"9  nnmogli^  ober  t)on  ber 
SBiUfür  beö  anberen  ©Regatten  abhängig  }u  mad^en. 

2)cm  3ntereffe  ©ritter  wirb  burd^  bic  allgemeinen  ©runbfägc  über  ben 
Sd^u6  i^cö  fluten  ©laubenö  unb  bic  befonberen  Seftimmungen  ber  §§  1336, 
1337,  welche  burc^  §  1350  aud^j  auf  ben  oorlicgcnben  gall  für  entfpred^cnb 
önmenbbor  erflärt  finb,  in  außreid&cnber  SBcifc  SRcd^nung  getragen. 

§  1348. 
2)ie  SBorfd^rift  beö  §  1348  entfprid^t  bem  für  baö  gefefetid^c  cl^elid^c  »orbe^ait«. 
©üterred^t  in  ber   l^icr  fraglid^en  93cjiel^ung   mafegebenben  §  1288.     S)ic    |J^ 
®runbc,  welche  ju  bcr  SBorfd&rift  bes  §  1288  geführt  l^abcn,  namentlid^  bic 


342  Sinöcmcine  ®ütcrGememfd5aft.    SSorbcl&aUöflut.   §  1349. 

«noerb  burt^  JHiidpci^t  ttuf  bic  ©rittcu,  treffen  and)  l^ier  }u  (oergl.  bic  Sßotioe  ju  §  1288 
gefÄuntcr  oben  S.  170  ff.).  ®ic  33iUtgfeit  fprid^t  für  eine  glcid^e  Sel^anblung  l^ier  um  fo 
aebenben,  tncl^r,  alö  in  ©rmongelung  ber  SSorfd^rift  beö  §  1348  bcr  ©rroerb  aud  bem 
ol^nc  ©inroiUigung  beß  ß^cmanneö  vorgenommenen  SRcd^tögcfd^äfte  ber  ß^efrau 
ber  Icfeteren  nod^  §  1342  nur  ju  einem  3lnt^eile  jufallen,  bie  Oegenleiftung 
ober  nod^  §  1362  5Rr.  1  il^r  allein  obliegen  würbe.  2)ic  befte^enben  Siedete 
entl^Qltcn  in  ber  l^ier  froglid^en  33ejie]^ung  meiftcnö  feine  befonberen  Se^^ 
ftimmungcn.  ©oroeit  nad&  bcnfelben  bie  ®I;efrau  in  ber  ©efc^äftäfä^igfcit 
bcfd^ränft  ift,  wie  nad&  bem  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  389,  fül&ren  biefelben 
infofem  ju  einem  äl^nlid^en  SRefuItate,  roie  ber  §  1348,  als  bcr  unentgeltlid&e 
(Srmerb  anä)  of|ne  ©inroiUigung  beö  ®^cmonned  bem  ©efammtgutc  jufäUt 
(prcufe.  21.  S.  SR.  n,  1  §  372;  fäd^f.  ©.  33.  §§  1638,  1641;  obroeid^enb 
Code  civil  9lrt.  934),  bie  SEBirffamfeit  eineß  bie  ®^efrau  jugleid)  üerpfiid&tenben 
SRed^tögefd^äftcß  aber  t)on  ber  ©inmilligung  beö  ß^emonneö  abhängig  ift.  3"^ 
SDScfentUd^cn  auf  bemfelben  ©tanbpunfte,  mie  ber  ©ntrourf,  ftef)t  baö  olbcnb. 
@ef.  t)om  24.  9lpril  1873  3lrt.  17  §  2  9lr.  6  Derb,  mit  Sttrt.  30  §  2;  boc^ 
weift  baöfelbe  jeben  von  ber  ©l^efrau  unter  3Biberfprud&  beö  ß^emanneö  gc* 
mad^ten  ©rmerb  bem  aSorbel^altögute  ber  ©fiefrau  ju. 
von  «obe§*  3lnlangcnb  biejenigen  Oegenftänbe,  welche  bic  ®^efrau  burd^  Erbfolge, 

"***"'  3Scrmäd^tni6  ober  als  ^flid^tttieil  erwirbt,  fo  bleibt  cd,  foweit  nid^t  biefelben 
na^  §§  1346,  1347,  1351  3ir.  1,  3  auönal^möweife  SSorbetjaltögut  bejro. 
©onbcrgut  ber  ©l^efrau  werben,  bei  bcr  SRegel  beö  §  1342,  bafe  biefelben  bem 
©efammtgute  anfallen,  obwol^l  nad^  §  1355  bie  ©ntfd^eibung  über  bic  9ln^ 
nafimc  einer  ©rbfd^aft  ober  eineö  33ermäc^tniffcö  allein  ber  (S^efrau  jufte^t 
(ücrgt.  einerfeitö  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  372 ;  anbererfeitö  code  civil  3lrt.  776). 
S)ie  (Srünbe  für  biefe  3Irt  ber  Scl^anblung  finb  biefelben,  weld&c  für  bas 
gefcfelid^e  cl^clic^c  ©üterred^t  ju  einer  gteid^en  SRegelung  gefüt)rt  l^abcn  (oergl. 
bie  SRotioe  ju  §  1288  oben  ©.  172). 
unb^^^itb  ®benfo  oerbleibt  eö  in  Slnfel^ung  beöienigcn,  waö  bie  ßliefrau  burd^  i^re 

eine«  3lrbeit  ober  burd^  ein  mit  ©inwilligung  beö  ß^emanneö  fetbftänbig  t)on  i^r 
J^Sm.  ictriebencö  ©rwerbögcfd^öft,  mag  baö  lefetere  jum  ©cfammtgute  ober  jum 
©onbergutc  bcr  ß^efrau  gel^ören  (oergl.  §  1351  9Jr.  4  mit  §  1414),  erwirbt, 
bei  ber  SRcgcl  beö  §  1342.  S)ie  33cftimmung  beö  §  1289  ift  nad&  bem  3wedc 
ber  ©ütergemcinfdjaft  bei  bcr  Ic^teren  nidt)t  anwcnbbar.  3lnberö  liegt  bagegen 
bie  ©ad^e,  wenn  bie  ©l^cfrau  ol^nc  ©inwilligung  beö  ß^emanncö  ein  ©rwerbß^ 
gefd^äft  betreibt.  3n  biefem  galle  finben  auf  ben  (Srwerb  ber  ß^efrau  quo 
ben  einsclncn  SRed^tögcfd^äftcn  bie  S3orfc^riften  beö  §  1348  Slnwcnbung. 
©cl)ört  aber  baö  ©rwcrbögcfdjöft  jum  SSorbclialtögute  ber  ß^cfrau,  fo  werben 
bic  oon  i^r  burdE)  ben  Setrieb  beö  ®rwcrbögcfdE)äfteö  erworbenen  ©cgcnftanbc 
nad^  9)la6gabe  beö  §  1349  aSorbc^altögut. 


§  1349. 

»orbc^ait«*  5[)cr  §  1349  ift  bem  §  1290  nad^gcbilbct.     SBic  bei  bem  gefefelid^cn 

surroflattoii.  e^clid^cn  ©ütcrred^tc,  bringt  and)  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  bcr 

3wedE  beö  SSorbci^altögutcß  eö  mit  fid),  ba%  baöfelbe  ol^ne  SRürffid^t  borauf^ 


J 


aagcmeine  @üterflemeinfd?aft.    aSorbeJaltöQut.    §  1350.  343 

ob  cd  im  Saufe  bcr  Qüi  eine  onbere  red^tUd^e  unb  roirt^fdjaftlid^e  gorm  annimmt, 
in  feiner  ©igenfc^aft  olö  SBcrmögen  erl^alten  bleibt  (oergl.  3KotiT)e  ju  §  1290 
oben  S.  177  ff.).  ®ie  auf  bem  Soben  ber  allgemeinen  ©ütergcmeinfd^aft 
flc^enben  Siedete  entgolten  in  ber  ^ier  fraglid&en  93ejiel}ung  regetmäfeig  feine 
audbrüdEIi(^en  93eftimmungen.  3luf  bem  Oebiete  ber  partifulören  Oüter^^ 
9cmeinf(^aft  loeid&en  bagegcn  in  9lnfe^ung  ber  ©urrogation  bei  ben  Sonbergüteru 
bie  SBorfd)riften  ber  Siedete  fel^r  üon  einanber  ab,  unb  befteljen  barüber  t)ielc 
Streitfragen.  3Sßie  in  ben  Sßotiüen  ju  §  1414  nä\)cx  bargetegt  ift,  fjängen  bie 
Bon  bem  ^ßrinjipc  be§  §  1349  unb  beö  §  1414  abroeid&enben  93eftimmungen 
irieler  auf  bem  Soben  ber  partifulören  ©ütergemeinfd^aft  ftel)enben  SHed^^te 
mit  ber  befonbcren  SHatur  ber  Sonbergüter  im  engeren  ©inne  jufammen, 
welche,  roenn  fte  aud^  t)on  bem  ©cfammtgute  auögefd^toffen  fmb,  bod)  infofern  mit 
bemfelben  in  SSerbinbung  fielen,  alö  fie  für  SRed^nung  beö  (Sefammtguteö  rer^ 
weitet  werben.  S^rofebem  t|at  ber  ©ntrourf  aud^  für  bie  ©onbergüter  im 
engeren  ©innc  bei  ber  partifulören,  wie  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd&aft, 
ttuö  ben  in  ben  äBotioen  ju  §  1414  entroidfelten  Orünben  baö  ^^Jrinjip  bcö 
§  1349  anerfannt  (oergl.  §§  1414,  1351  2lbf.  2,  §  1431  äbf.  1).  Um  fo 
weniger  fonn  efi  Sebenfen  ^abcn,  bei  bem  23orbef)altögute  baö  ^ßrinjip  beö 
§  1349  onjuerfcnnen,  alß  bicfeö  tjon  bem  ©efammtgute  ooHftönbig  awQ^ 
gefd^lojfen  ift,  aud^  bie  SSermaltung  beöfelben  nid^t  für  9iedE)nung  bcö 
©efommtguteö  ftattfinbet. 

§  1350. 

Der  §  1350  ftimmt,  fooiel  ba^  SBorbc^altögut  ber  ®^efrau  betrifft,  mit  «4«*  be« 
hem  §  1291  überein  unb  beruht  auf  ä^nlid^en  ©rraägungen,  mie  biefer  (Dergl.  ^S^hm. 
bie  aWotiüe  ju  §  1291  oben  @.  179). 

2)o6  bcr  ß^emann  in  9lnfe^ung  feines  3[Jorbe^altöguteö  biefelbe  red^ttic^e  «erwaitung. 
Stellung  ^at,  mie  wenn  er  nid^t  oerlieiratl^et  märe,  t)erftcl)t  fid^  naä)  bem  Äk^^ 
griffe  beä  SBorbe^altöguteö  (§  1286)  von  fetbft.  3luß  ben  aSorfd^riften  ber 
§§  1336,  1337  ergiebt  \ii)  ferner,  bafe,  fomeit  baö  SSorbe^altögut  beö  ei)e^ 
manneß  auf  ©^et)ertrag  berul^t,  jene  93orfd^riften  birefte  9lnmenbung  finben. 
3)er  §  1350  be^nt  biefelben  aud^  auf  bicjenigen  gälle  auö,  in  roeldEjen  baö 
Sorbe^altögut  befi  ©^emanneö  nid^t  burd^  etieoertrag  für  SJorbe^altägut  erftört 
tft  (oergl.  aud^  in  Slnfel^ung  beö  ©onberguteö  beö  (St)emanneö  §  1351  9lbf.  2). 
2)ie  änmenbung  ber  SSorfd^riften  bcr  §§  1336, 1337  auf  baö  93orbel^altögut 
bcd  ß^emanneö  jum  ©d&ufie  beß  guten  ©laubenö  2)rittcr  ift  allcrbingö  nur  t)on 
geringer  praftifd^er  93ebeutung ;  fie  f ommt  nur  für  bie  feltenen  gölle  in  93etrac^t, 
in  meieren  bie  6f)efrau  oußnalimßmeife  über  ©efammtgut  roirffam  oerfügen 
twn  (§§  1356,  1358),  biefelbe  aber  in  2Birftid&feit  über  fold^e  ©egenftänbc, 
weld^c  jum  93orbet|oltßgute  beö  ß^emanneö  gcl)ören,  alö  jum  Cöcfammtgutc 
gc^lörenb  perfügt  l^at  unb  ber  ©ritte  in  biefer  ^infid^t  in  gutem  ©lauben  mar. 
Swbejfen  fel^lt  eö  an  einem  auöreidienben  ®runbe,  bie  l)ier  fragtid^en  ^ällc, 
ie  no(^bem  bas  SSorbe^altßgut  beö  6l)emanneö  auf  Gljeoertrag  berutjt  ober  nidE)t, 
oerf^ieben  ju  be^anbeln. 


344  äHflcmcinc  @ütcr0cmcinfc6aft.    ©onbcrgut.    §  1351. 


§  1351. 

wt*«onb«r*  ^^  ^^^  ^^^  ^^^  S3obcn   bct  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^Qft  ftc^enben 

gut    'SHed&ten  werben  ©onbergüter  im  engeren  Sinne,  im  ©inne  ber  partifulären 

(Seitenbed  ©ütergemeinf d^aft ,  nid^t  berüdfid^tigt.  ©in  äJ^nlid^eö  SBerJ^ältnife  befielet  nur 
'****■  in  3lnfel)ung  fold^er  (Segenftönbe,  meldte  ber  freien  SSeraufecmng  ber  ©Regatten 
nid^t  unterliegen,  infofern,  qIö  biefelben  ber  ©ubftanj  nod^  tjon  ber  ®emein? 
fd^oft  außgefd^lojfen  finb,  bie  Jlußungen  berfelben  aber  ber  festeren  juf allen 
(f 0  ba&  gemeine  SRed&t  —  ©ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  ®it)ilf.  VIII,  32  — ;  oergl.  ferner 
preufe.  31. 2. 51.  II,  1  §§  363, 370;  tipp.  SBerorbn.  v.  1786  §  7;  Iieff.  entro.  IV,  2 
3lrt.  441,  442 ;  roürttemb.  @ntro.  §  244 ;  el^renbreitft.  entro.  §  8  3lbf.  2).  9tad& 
einjelnen  Statuten  fallen  überl^aupt,  foroeit  nid^t  baö  ©egcnt^eil  audgemad&t 
ift,  bie  SJufeungen  ber  t)on  ber  ©emeinfd^oft  auögenommenen  ©egenftänbe  in 
bie  ©emeinfc^oft  (oergf.  j^ejf.  (Sntn).  IV,  2  9lrt.  442). 

etanbpunft  9BenngIeid^  ber  S^f^ff^^J^O  ^on  Sonbergut  bei  ber  allgemeinen  ©üter^ 

«ntwfrfe«.  gcmeinfdE)aft  ein  prinjipielleö  33ebenfen  ebenf omenig  entgegenftel^t,  mie  ber 
3ulaffung  von  SBorbe^altögut  (üergl.  bie  allgemeinen  SRotiDe  }u  ben  §§  1346 
bis  1351  oben  S.  338  ff.),  fo  tann  eö  bod^  nomentlid^  angefic^tö  beö  beftc^enben 
?Htä)U^  jmeifel^aft  fein,  ob  eö  burc^  ein  33ebürfni§  geboten  unb  au(^  nur 
angemeffcn  ift,  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ©onbergüter  im  engeren 
Sinne,  namentUd^  auf  ©runb  red^tögefd^äftlidE^er  Seftimmung,  jujufaffen.  ®d 
läfet  fid^  nic^t  t)er!ennen,  ba§  burd^  bie  S^^^öR^^fl  ^^^  Sonbergut  im  engeren 
Sinne  megen  ber  baburd^  l^eroorgerufenen  SSerbinbung  ber  Sonbergüter 
mit  bem  ©efammtgute,  unb  ber  befonberen  Stellung  beö  ß^emanneö  ju 
bcm  Sonbergute  ber  ©fiefrau  bie  5Berl^ältniffc  bei  ber  allgemeinen  ©iitcr^ 
gemeinfd^oft  fomplijirt  werben  unb  im  einzelnen  galle,  fofern  bas  Sonber? 
gut  burd^  ©^eoertrag  beftimmt  ift,  namenttid^  wenn  ber  Umfang  ber 
Sonbergüter  ein  erl^eblidfier  ift,  3^^ifrf  barübcr  entfte^en  fSnnen,  ob 
eine  allgemeine  ©ütergemcinfd^aft  mit  ben  befonberen  SBirfungen  berfelben 
atö  non  ben  Parteien  überl^aupt  nod^  gewollt  anjufeljen  ift.  Sluf  ber  anbcren 
Seite  ift  eö  jebod^  bebenflid^,  ben  ©Jiegatten  ober  ©ritten,  meiere  ben  6^e* 
gattcn  eine  Sumenbung  madfien  wollen,  bie  aJlöglid^feit,  burc^  red&tögefd^äft* 
lid^e  93eftimmung  gewiffe  ©egenftänbe  als  Sonbergut  im  engeren  Sinne 
t)on  bem  ©efammtgute  auöjufd&Iiefeen,  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemein* 
fd^aft  gänjtid)  abjufd&neiben,  jumal  gegenüber  ber  3ulaffung  tjon  SSorbel^altö* 
gut  bie  3ulof[u"g  üon  Sonbergut  im  engeren  Sinne  als  baö  minus  erfd^eint, 
ba  baö  le^tere  für  9lcd^nung  beö  ©efammtguteö  rentaltet  unb  genügt 
wirb.  3)ie  3wfaf}ung  t)on  Sonbergut  im  engeren  Sinne  ift  namentUd^  für 
fold^e  gälte  ron  SEBid^tigfeit,  in  weld^en  eö  ber  ©l^efrau  wcfcntlid^  nur 
barauf  anfommt,  fid^  in  Slnfe^ung  gewiffcr  3SermBgenögegenftänbe  gegen  ba& 
weitge^cnbe  SSerfügungöred&t  beö  ©^emanneö  über  baö  ©efammtgut  {§  1352) 
}u  fid^ern,  ober  in  welchen  ber  6t)cmann  fid^  nur  in  9lnfe^ung  ber  Subftanj 
gewiffer  aSermögenögegenftänbe  bie  unbefd^^ränfte  SSerfügung  (§  1353)  ))orju? 
behalten  wünfd^t.  Sobann  fommt  in  Setrad^t,  ba§  in  Slnfe^ung  fotd^er 
©egenftänbe,  weldje  burd&  $Red^tögefdöäfte  nic^t  übertragen  werben  f5nncn 


Stüflemcine  ©ütergemeinfiaft.    (Sonberflut.    §  1351.  345 

(2e^,  ©tamm*,  gibcifornmifegütcr,  fleroiffc  Bauerngüter,  l^öd^ftperfönttd^e 
JU(^tc  —  Dergl.  §§  295,  486,  954,  1047,  1050,  1059),  boö  SBer^ältnife  eine 
ongcmcffenerc  ©eftaltung  crfäl^rt,  tüenn  jene  ©egenftänbe  auöbrücfUd^  als 
Sonbergut  im  engeren  ©inne  bel^anbelt  werben.  Qroax  ergiebt  jxd^  an  ber 
^nb  ber  oUgemeinen  ®ninbfä|e  von  felbft,  ba^  bie  l^ier  fraglichen  ©cgen- 
ftönbe  ber  ©ubftanj  nod^  nid^t  Seftanbtl^eil  beß  ®efammtguteö  werben,  bafe 
bogegen  bie  Slugungen  ouf  ®runb  beö  §  1342  in  ha^  ©efammtgut  fallen. 
Ste  felbflDerftänblid^  fönnte  cö  aud&  bctrad&tet  werben,  baß,  wenn  bem  ©efammt^ 
gute  bie  Slußungen  jener  Oegenftänbe  ju  @ute  fommen,  bemfelben  anbererfeitö 
Qud^  bie  Saften  unb  bie  Soften  ber  orbnungömäfeigen  ©rl&altung  berfefben  jur 
2aft  foBen.  Wogegen  würbe  ftd^  beim  Sd^  »eigen  beö  ©efefeeö  fadjlid)  einmal 
ber  Unterfd^icb  ergeben,  bafe  ber  6f|efrau  bie  SBerwaltung  ber  l^ier  fraglid&en, 
i^  ge^orenben  Oegenftänbe  verbliebe,  fobonn,  ia^  naä)  ber  Siegel  beö  §  1342 
Me  Surrogate  ber  ^ier  fraglid^en  Oegenftänbe  bem  Oefammtgute  jufielen, 
»ä^rcnb,  wenn  man  biefe  ©egenftönbe  alö  ©onbergut  im  engeren  ©innc 
bc^nbelt,  in  3Infe^ung  jener  Oegenftänbe  bem  ®l)cmanne  bie  SSerwaltung  nac^ 
äRo^gabe  ber  beim  gefeglid^en  el^elid^en  Oüterred^te  für  baö  @^egut  geltenben 
äJejKmmungen  juftel^t  wnb  bie  ©urrogate  ©onbergut  ^nb  (t)ergl.  §§  1414, 1417 
mit  §  1351  9lbf.  1  5Rr.  4  unb  3[bf.  2).  3n  beiben  »ejiel^ungen  nerbient  aber 
bie  le|tere  Oeftaltung  ben  SSorjug,  namcnttid^,  fooiel  baö  Siedet  ber  aSerwaltung 
in  Infe^ung  ber  Ijier  fraglid^en  Oegenftänbe  betrifft,  ba  eö  bem  eJ^clid^en  9Ser=: 
^Itniffe  unb  ber  Stellung  beö  (S^emanneö  am  meiften  entfprid^t,  wenn  eö  in 
Ermangelung  cineö  entgegenftel)cnben  ß^eoertrageö  in  biefcr  ^infid^t  bei  ben 
SefHmmungen  beö  gefeftlic^en  e^elid^en  Oüterred^teö  verbleibt.  Sw'^if^f^ofter 
tonn  eö  allerbingö  fein,  ob  aud^  bei  ben  l^icr  fraglid^en  Ocgenftänben  baö 
Surrogationöprinjip  beö  §  1414  fid^  empficl^lt,  ob  eö  nid^t  üielmelir  oon  bem 
©efi^töpuntte  auö,  bafe  ber  Orunb  ber  ©onbergutöeigenfd^oft  bei  biefen  ©egem 
Äonben  lebiglid^  in  i^rer  Unübertragbarfeit  liege,  rid^tiger  fein  würbe,  mit 
bem  SBegfaltc  biefcö  Unteren  ^inbemiffeö  aud^  jene  6igcnfd)aft  wegfallen  ju 
'offen,  Snbeffen  vom  ©tanbpunfte  einer  oertragömäfeigen  allgemeinen  Oüter? 
gemeinf^ft  auö  Hegt  bod^  bie  9lnna^me  naiver,  ba§  jene  Oegenftänbe,  wenn 
ne  einmal  oon  ber  ©ütergemeinfd&aft  auögefc^loffen  finb,  aud^  baucrnb  auö* 
gefc^loffen  unb  ein  felbftönbigeö  SSermögen  beö  betreffenben  ©Regatten  bleiben 
foDciu  Säfet  man  aber  einmal  für  biefen  gall  ©onbergut  im  engeren  ©inne 
}u,  fo  würbe  eö  um  fo  weniger  gered^tfertigt  fein,  bie  3utQffung  t)on  ©onber* 
gut  im  engeren  ©inne  auf  Orunb  red^tögefd^äftlidicr  93eftimmung  ber  ©l)egatten 
ober  cineö  2)ritten,  weld^er  benfelben  eine  3uw)enbung  mad^t,  bei  ber  allgemeinen 
©ütergemeinfd^aft  gänjUd^  abjufc^neiben.  3lud^  bei  ber  ber  allgemeinen  Oüter^ 
gemeinfc^aft  fe^r  nafit  fte^enben  SKobiliorgemeinfd^aft  beö  franj.  SHed^teö,  bei 
Vfdfyx  regelmäßig  nur  bie  3mmobilien  von  ber  Oemeinfd&aft  auögefd^loffen 
finb,  tonnen  auf  Orunb  red^tögefd^äftlid^er  Seftimmung  ber  ©Regatten  ober 
IWtter,  weld^e  ben  festeren  eine  3unjenbimg  mad^en,  SRobilien  für  ©onbergut 
erflärt  werben  (t)ergl.  code  dvü  3lrt.  1401,  1500).  5Da  naä)  §  1431  3lbf.  1 
ber  §  1351  auf  bie  ©emeinfd&aft  beö  beweglid^en  SSermögenö  unb  ber  ©rrungen* 
f^t  entfprec^nbe  Slnwenbung  finbet,  fo  ftimmt  in  2lnfel^ung  biefer  Oemein* 
fdHtft  ber  ßntmurf  mit  bem  franj.  Siedete  üollftänbig  überein. 


344  ^Dgemetne  ©ütergemeinfc&aft.    ©onbergut.    §  1351. 


§  1351. 

»w  «onbcr.  ^"  ^^"  ^"^  ^^^  S3oben  ber  allgemeinen  Oütergemeinfd^oft  ftc^enben 

gut.      SHcd&ten  werben  Sonbergüter  im  engeren  ©inne,  im  ©inne  ber  partifulören 

(Seitenbe«   ©ütergemeinfd^aft,  nid^t  berüctfidEitigt.    ©in  äJ^nlid^eö  SBcrJ^ältnife  befte^t  nur 

****■     in  Slnfel^ung  fold^er  ©egenftänbe,  meldte  ber  freien  SSeröufecrung  ber  ©Regatten 

nid^t  unterliegen,  infofern,  alö  biefelben  ber  ©ubftanj  noc^  Don  ber  ©emein? 

fd^aft  auögefd^Ioffen  ftnb,  bie  9lu^ungen  berfelben  ober  ber  festeren  jufatten 

(f 0  ba^  gemeine  Siedet  —  ©ntf d^j.  b.  91.  0.  in  ®it)ilf.  VIII,  32  — ;  t)ergl.  ferner 

preufe.  31. 2. 91.  II,  1  §§  363, 370;  lipp.  SBerorbn.  v.  1786  §  7;  l^eff.  (gntm.  IV,  2 

3lrt.  441,  442;  mürttemb.  ©ntn).  §  244;  e^renbreitft.  ©ntm.  §  8  3lbf.  2).    3laii 

einjelnen  Statuten  fallen  überfiaupt,  fomeit  nid^t  baö  ©egenti^eil  auögemadSit 

ift,  bie  SJugungcn  ber  von  ber  Oemeinfd^aft  aufgenommenen  ©egenftänbe  in 

bie  ©emeinfd^aft  (ocrgf.  liejf.  (Sntn).  IV,  2  9lrt.  442). 

etanbpunft  SBcungleid^  ber  S^^Iöffung  von  ©onbergut  bei  ber  allgemeinen  ®üter^ 

«ntwurfe«.  gcweiufd^aft  ein  prinjipielleö  Sebenfen  ebenf omenig  entgegenftcEit,  mie  ber 
3ulaffung  oon  SBorbe^altögut  (ücrgl.  bie  allgemeinen  SRotioe  ju  ben  §§  1346 
bis  1351  oben  ©.  338  ff.),  fo  fann  eö  bod^  namentlich  angcfic^tö  be0  befte^cnben 
9lcd^teö  jroeifcl^aft  fein,  ob  eö  burd^  ein  33ebürfni§  geboten  unb  aud^  nur 
angemeffen  ift,  bei  ber  altgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ©onbergüter  im  engeren 
©inne,  namenttid^  auf  ®runb  red^tögefd^äftlic^er  Seftimmung,  iujulajfen.  6ö 
läfet  fid^  nid^t  Derfennen,  ba§  burd^  bie  3^^ö{fung  t)on  ©onbergut  im  engeren 
©inne  mcgcn  ber  baburd^  hervorgerufenen  SBerbinbung  ber  ©onbergüter 
mit  bem  ©efammtgute,  unb  ber  befonberen  ©teUung  beö  ®^emanncö  ju 
bem  ©onbergute  ber  ©l^efrau  bie  5ßerf|ältniffe  bei  ber  allgemeinen  ©iiter^ 
gemeinfd^aft  fompliäirt  merben  unb  im  einzelnen  galle,  fofern  baß  ©onber^ 
gut  burd^  ©l^eoertrag  beftimmt  ift,  namentlid^  wenn  ber  Umfang  ber 
©onbergüter  ein  cr^eblid^er  ift,  Smeifel  barüber  entftelien  fönnen,  ob 
eine  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  mit  ben  befonberen  aBir!ungen  berfelben 
als  t)on  ben  Parteien  überfiaupt  nod^  gcroollt  anjufel^en  ift.  9luf  ber  anberen 
©eite  ift  eß  jebod^  bcbenflid^,  ben  ©liegatten  ober  ©ritten,  meiere  ben  ®^e^ 
gatten  eine  Sumenbung  mad&en  mollcn,  bie  aJlBglid^feit ,  burd^  rcd^tögefc^öft? 
lid^e  SUeftimmung  gemiffe  ©egenftänbe  als  ©onbergut  im  engeren  ©inne 
oon  bem  ©efammtgute  auöjufd^liefeen ,  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemein^ 
fd^aft  gänjlid)  abjuf dEjneiben ,  jumal  gegenüber  ber  3i*lQffung  üon  S3orbe^altd* 
gut  bie  3ulof[ung  t)on  ©onbergut  im  engeren  ©inne  als  boö  minus  erfc^eint, 
ba  baö  Ic^tere  für  9icd^nung  beß  ©efammtguteß  vermaltet  unb  genujt 
mirb.  2)ie  3ulaf[ung  Don  ©onbergut  im  engeren  ©inne  ift  namentlid^  für 
fold^e  gälle  tjon  9Bid^tigfeit,  in  meldten  eß  ber  ©ficfrau  mefentlid^  nur 
barauf  anfommt,  fid^  in  9lnfel|ung  geroijfer  SBermögenögegenftänbe  gegen  ia^ 
roeitgelienbe  SBcrfügungßreddt  beö  e^emanneß  über  baß  ©efammtgut  {§  1352) 
iu  fidlem,  ober  in  meldten  ber  ©f)emann  fid^  nur  in  9lnfe^ung  ber  ©ubftonj 
gemijfer  aSermögenögegenftänbe  bie  unbefd^ränfte  SBerfügung  (§  1353)  ooi^u« 
bel^alten  münfd^t.  ©obann  fommt  in  SBetrad^t,  ba§  in  9lnfe^ung  fold^er 
©egenftänbe,  metd)e   burd^  9led^tßgefd^äfte  nid^t  übertragen  werben  fönnen 


SOgenietne  ©ütergetneinf^aft.    (Sonbergut.    §  1351.  345 

(£e^n?,  ©lamtn:^,  gibcifornmifegütcr,   gcmffc  93aucm9Ütcr,   l^od^ftperfönlid^c 

Setzte  —  ocrgl.  §§  295,  486,  954,  1047,  1050,  1059) ,  baö  SSer^ältnife  eine 

ongemcffmcre  ©cftaltung  crfäl^rt,   wenn  jene  ©cgenftänbc  auöbriidfUcI  ald 

Sonbcrgut  im  engeren  ©innc  bcl^anbelt  werben,    ^wax  crgiebt  fid^  an  ber 

$anb  ber  oUgemeincn  ©runbfägc  von  felbft,  bofe  bie  l^ier  fraglid^en  Oegcn^ 

^be  ber  Subftanj  na6)  nid&t  Seftanbtl^eii  beö  Oefommtguteö  werben,  bafe 

bügegen  bie  9?ufeungen  auf  ®runb  beö  §  1342  in  i>a&  ©efommtgut  faUcn. 

8te  felbftoerftänblid^  fönnte  ed  au6)  betrad^tet  werben,  bofe,  wenn  bem  Oefammfe 

gute  bie  SJuftungen  Jener  ®egenftänbe  ju  ®ute  fommen,  bemfclben  onbererfeits 

au(5  bie  Soften  unb  bie  Soften  ber  orbnungSmäßigen  ®rf|altung  berfelben  jur 

2aft  fallen,    ©agegen  mürbe  fxä)  beim  ©d^ioeigen  beö  ©cfe^cö  fod^lid)  einmal 

ber  Unterfd^ieb  ergeben,  bafe  ber  ®^efrau  bie  SSermaltung  ber  liier  fraglid^en, 

i^  ge^orenben  ©egenftänbe  Derbliebe,  fobann,  ba%  naä)  ber  Siegel  beö  §  1342 

bie  Surrogate  ber  l^ier  fraglichen  ©egenftänbe  bem  ®efammtgute  jufieten, 

awllrcnb,  toenn  man  biefe  ©egenftänbe  alö  ©onbergut  im  engeren  Sinne 

belianbeft,  in  STnfeliung  jener  ©egenftänbe  bem  ©liemanne  bie  SBerrooltung  nac^ 

3Ra6flabe  ber  beim  gefeglic^en  el^eli^en  ©üterred^te  für  baö  ©l^egut  geltenben 

Sejiimmungen  jufte^t  unb  bie  Surrogate  Sonbergut  finb  (Dergl.  §§  1414, 1417 

mit  §  1351  aibf.  1  5Rr.  4  unb  9lbf.  2).    3n  beiben  Sejiel^ungen  Derbient  aber 

bie  [entere  ©eftaltung  ben  SSorjug,  namenttid^,  fooiel  baQ  Siedet  ber  SJerwaltung 

in  Snfc^ung  ber  l^ier  fraglichen  (Segenftänbe  betrifft,  ha  eö  bem  e^elidE)en  SSer=: 

ffätaijfe  unb  ber  Stellung  beö  (S^emanneö  am  meiften  entfprid^t,  roznn  eö  in 

Ermangelung  eineö  entgegenftelienben  ©^eüertrageö  in  biefer  ^infid^t  bei  ben 

Sejiimmungen  beö  gefeglidfien  elielid^en  Oüterred^^teö  Derbleibt.    'S^t\^di)a^kx 

fönn  eö  allerbingö  fein,  ob  aud^  bei  ben  tjier  fraglid^en  ®egenftänben  baö 

Surrogotiondprinjip  beö  §  1414  fid^  empfiel^lt,  ob  eö  nid^t  Dielmelir  Don  bem 

©eji^töpunftc  quo,  bafe  ber  Orunb  ber  Sonbergutöeigenfd^oft  bei  biefen  ®egen* 

itanben  lebigli^  in  tl^rer  Unübertragbarfeit  liege,  rid^tiger  fein  mürbe,  mit 

itott  SSBegfalle  biefeö  le|teren  ^inbemiffcö  aud^  jene  ©igenfd^aft  megfallcn  ju 

Nen,    3nbeffen  Dom  Stanbpunfte  einer  Dertragömö^igen  allgemeinen  ©üter* 

gnnrinfd^aft  ouö  liegt  boc^  bie  9lnnal^me  naiver,  bafe  jene  ©egenftänbe,  menn 

Se  einmal  Don  ber  ©ütergemeinfd^aft  auögefc^loffen  finb,  aud^  baucrnb  auö- 

geft^lojfcn  unb  ein  felbftänbigeö  33ermögen  beö  betreffenben  @f|egatten  bleiben 

foHen.    2ä%i  man  aber  einmal  für  biefen  ^all  Sonbergut  im  engeren  Sinne 

}«,  fo  mürbe  cd  um  fo  meniger  gered^tfertigt  fein,  bie  3utaffung  Don  Sonber* 

gut  im  engeren  Sinne  auf  ©runb  rec^tögefd^äftlic^ier  93eftimmung  ber  (Sficgatten 

ober  eineö  3)ritten,  meld&er  benfelben  eine  3umenbung  mad^t,  bei  ber  allgemeinen 

®fitcrgemeinfcj^aft  gäujlid^  abjufc^neiben.    2lud^  bei  ber  ber  allgemeinen  ©üter* 

gnneinfi^aft  fe^r  na\)z  fte^enben  SKobiliargemeinfd^aft  beö  franj.  SJed^teö,  bei 

loetd^  regelmäßig  nur  bie  Sfmmobilicn  Don  ber  ®emeinfd&aft  auögefdE)toffen 

finb,  tonnen  auf  ©runb  red^tögefd^öftlic^cr  Seftimmung  ber  ®l)egatten  ober 

3)ritter,  meldte  ben  lefeteren  eine  gu^enbung  machen,  SRobilien  für  Sonbergut 

erfldrt  werben  (nergl.  code  civU  Sttrt.  1401,  1500).    S)a  nad^  §  1431  2lbf.  1 

ber  §  1351  auf  bie  ©emeinfc^aft  beö  bemeglid^en  SSermögenö  unb  ber  Srrungen* 

fd^ft  entfpred^enbe  Slnmenbung  finbet,  fo  ftimmt  in  9lnfe^ung  biefer  ©emein* 

f^  ber  ©ntrourf  mit  bem  franj.  Siedete  Dollftänbig  überein. 


346  SHtgenteme  ©üterflcmeinfcftaft.    ©onberflut.    §  1351. 

art  ber  33ci  bcr  Siegelung  bcö  JÄed^töoerfiältniffeö  ber  ©onbcrgüter  im  ©injclncn 

»cge  ung.  ^^^  ^^^  gnttüurf  iu  bcm  9lbfc§nittc  über  bie  ©ütergemeinfd^aft  fid^  im  SBcfent^ 
lid^cn  barauf  befci^ränft,  bie  cinsctncn  gällc  ju  beftimmen,  in  meldten  ©onber^ 
guter  anerfannt  werben  follen,  bagegen  im  Ucbrigcn  bie  SSorfd&riften  über  baä 
3lcd)tst)crf)ältni§  ber  ©onberguter,  inßbefonbere  ju  bem  ©cfammtgute,  bem 
Slbfdjnitte  über  bie  ©rrungenfcbaftögemeinfd^aft  vorbehalten  unb  bie  bort  ge* 
gcbenen  SSorfd^riften,  foroeit  fie  anö)  für  bie  allgemeine  Oütergemeinfd&aft 
paffen,  im  §  1351  auf  bie  ©onbergüter  bei  ber  le^teren  für  entfpred^enb  on?  * 
menbbar  erftort.  S)a  ©onbergüter  im  engeren  Sinne  bei  ber  allgemeinen 
Oütergemeinfd^aft  nur  bie  3lußnal|me,  bei  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft  ha* 
gegen  bie  Siegel  unb  bie  (Srunblage  bes  ganjen  3nftituteö  bilben,  fo  ift  bie 
©rrungcnfd&aftSgemeinfd^aft  ber  eigentlid^e  Sife  jener  SSorfd^riften,  unb  jtnb 
baljer  bie  legieren  am  äroedEmäfeigften  im  3ufammenl^ange  mit  jener  gorm  ber 
©ütcrgemeinfc^af t  unb  im  Sichte  berfelben  ju  geben.  3lud^  geroinnen  burd& 
biefe  9lrt  ber  Siegelung  fon)ol)l  bie  Seftimmungen  über  bie  allgemeine  ®ütcr* 
gemcinfd^aft  alö  bie  33eftimmungen  über  bie  ßrrungenfd&aftßgemeinfc^aft  on 
©urd&fid&tigteit. 
Ä**  **SieIir  3lnlangenb  bie  einjelnen  gälle,  in  meldten  nad^  §  1351  3lbf.  1  ©onber* 

^^^'  gut  im  engeren  ©inne  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ancrtannt 
ift,  fo  entfprec^en  bie  gälle  unter  Sir.  1,  3  btn  §§  1346,  1347  (oergl, 
aud^  §§  1412,  1413),  ber  galt  beö  §  1351  3lbf.  1  Sir.  2  bem  eingange 
beö  §  1415  unb  ber  gall  unter  Sir.  4  ben  §§  1349,  1414.  SBegcn  bcr 
33egrünbung  bes  im  §  1351  9lbf.  1  Sir.  4  anerkannten  ©urrogationöprinjipeß, 
roeld^cö,  jum  2;i)eil  abmeid^enb  Dom  franj.  Sled&te  unb  bem  e^renbrcitft.  6nt« 
murfe,  nad^  §  1431  3lbf,  1  auc^  auf  bie  ©emeinfd^aft  bcß  beroeglid&en  SSer- 
mögenö  unb  ber  ©rrungenfd^aft  Slnmenbung  finbet,  mirb  auf  bie  Sßotioe  $u 
§  1414  üerroiefen. 

@in  auöreid^cnber  ©runb,  nad^  bem  SBorbilbe  ber  errungenfd^aftagemcin? 
fd&aft  (§  1415)  außer  bcnjenigen  Siedeten,  meldte  burd)  Sled^tögefc^äft  nic^t 
übertragen  werben  fönnen,  audj  biejenigen  Don  einem  ber  ©Regatten  cnoorbcnen 
Siedete,  roeld&e  mit  bem  2^obe  beö  Sered^tigten  erlöfc^en  ober  burd^  bcn  2^ob 
eineö  ©Regatten  bebingt  finb,  o^ne  Slüdffid^t  auf  bie  Ucbertragbarfeit  berfelben 
bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  unb  nad^  §  1431  Slbf.  1  folgemcifc  au^ 
bei  ber  (Semeinfd^aft  beö  beroeglid^en  33ermögenö  unb  ber  (Srrungenfc^aft  als 
©onbergut  ju  bef)anbeln,  liegt  nid^t  t)or.  2)ie  mirtJ^fd^aftlid^c  Slatur  jener 
Siedete  jroingt  nid^t  baju,  in  Slnfe^ung  berfelben  baö  ^^Jrinjip  ber  §§  1342, 
1431  3lbf.  1  JU  burd^bred^en.  Sei  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfdfiaft  liegt  baö 
5ßerl)ältni6  infofern  anberö,  alö  bei  biefer  ©onbergüter  bie  Siegel  bilben,  bei 
ber  allgemeinen  (Sütergemeinfd&aft  bagegen  bie  3luönal)me.  S)ie  oben  ©.  344  ff. 
ern)ät)nten,  gegen  bie  S^l^ffung  t)on  ©onbergütern  bei  ber  allgemeinen  (Süter* 
gemeinfd&aft  übcrt)aupt  fpredtienben  33eben!en  müjfen  bal^in  füliren,  bie  SäUe,  in 
meld&en  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ©onbergüter  im  engeren  Sinne 
beftcl)cn,  nic^t  o^ne  Slotl;  5U  t)ermel)rcn.  ©aöfelbe  gilt  tjon  ber  ber  allgemeinen 
©ütcrgemcinfd)aft  nal)eftel)enben  Oemeinfd^aft  beö  beroeglid^en  SSermogenö  unb 
ber  ©rrungenfdfiaft.  2)ieö  entfpric^t  aud^  bem  ©tonbpunfte  ber  auf  bem  Soben 
biefer  beiben  formen  ber  ©ütergemeinf^aft  ftel)enben  geltenben  Slecfete. 


SHlöcincinc  OütcrgcmclnfdDaft.    ©onbergut.    §  1351.  347 

Jiic^t  offne  3w'cifcl  ift  cö  bagegcn,  ob  eö  nid^t  ongemcffen  fein  roürbc,  nad)  ^^^^^^^^^ 
km  Sorbilbc  ber  für  baä  gefe^Ud^c  c^elid^c  ©üterred^t  getroffenen  Seftimmung  c^efrau  6eft. 
bes  §  1285  auc^  fold^e  Oegcnftanbe  ber  ®öefrau  für  Sonbcrgiit  im  engeren  ®***^*^ 
Sinne  ju  erflören,  welche  auöfd^lic^lid)  jum  perfönlid)en  ©cbraud)e  ber  ©Oe- 
fron,  inßbefonberc  jur  flieibung  ober  jum  ©d^mucfe,  beftimmt  fmb.  S)er 
Sahir  jener  Oegenftänbe  fd^eint  eö  ju  roiberfpred^cn,  wenn  ber  6f)emann  über 
ücfclben  als  Seftonbt^eile  beö  ©efammtguteS  nad^  ÜKa^gabe  ber  §§  1352, 
1353  unter  Stuöfd^Iufe  ber  6f)efrau  nid^t  nur  red^tUdj,  fonbern  aud)  tljatfäd&fidö 
uerfügen  fann  (oergL  foc^f.  ®.  33.  §§  1671,  1699).  änbeffen  (legen  bic  58cr:= 
|a(tniffe  bei  ber  allgemeinen  (Sütergemcinfd^aft  in  biefer  §infid^t  bod^  rocfenttic^ 
onbcrö,  old  bei  bem  gcfcglid^en  e^elid^en  Oüterred^te.  aJtit  bem  SBefen  ber 
Allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ift  eö  nid^t  oereinbar,  bie  in  SWebe  ftef)enben 
Oegcnftanbe  ber  G^efrau,  welche  unter  Umftänben  einen  \)oi)c\\  SBertI)  ^aben 
fonnen,  oon  bem  ©efammtgute  auöjufd^Iie^en.  ©ine  foldje  SluöfdjHefeung  ent- 
Wt  nid^t  nur  eine  imbillige  Segünftigung  ber  ©fiefrau  gegenüber  bem  QI)q^ 
manne,  fonbern  gefälirbet  aud&  bie  SSerfcfiröfid^er^eit,  inbem  baburd)  jene  ©egen^^ 
ftanbc,forocit  bcren  ^fänbung  na^  §  715  3lx,  1  ber  6.  %  D.  sulaffig  ift,  j.  33.  bie 
3unjelen  ber  ©fjefrau,  ber  ^fänbung  r>on  Seiten  ber  ©laubiger  bcö  6()emanncö 
(§§  1359—1361)  entjogen  werben  mürben.  3Iuf  baö  bem  ®t|emannc  in  3lnfet)ung 
bes  ©efammtguteö  jufte^enbc  SSerfügungöred^t  fonn  um  fo  roeniger  ©eroid&t  ge* 
legt  roerben,  alö  baöfelbe  ouf  roeit  mid^tigere  ©egenftänbe,  atö  bie  f)ier  frag^ 
lidien,  fic^  erftrecfen  tann.  3lad)  bem  SSorbilbe  beö  preufe.  ST.  S.  91.  il,  l  §  364 
(oergl.  oud^  ^eff.  ©ntro.  IV,  2  3lrt.  444  9Jr.  4)  etwa  bie  notl^menbigen  Ä(eibungö^ 
ftütfe  ber  G^efrau  auöjunel^men,  l^at  im  ^inbUdfc  auf  bie  Unterljaltöpfli^t  beö 
e^emanneö  (§  1280)  unb  auf  bie  Seftimmung  im  §  715  3ir.  1  ber  ©.  5ß.  D., 
noi^  ©eld^r  bic  ftleibungöftücfe,  foroeit  biefelben  für  ben  Sd^ulbner  unb  feine 
jjamilie  unentbcj^rlid)  finb,  ni(^t  gepfänbet  werben  fönnen,  feinen  SBertt).  Sem 
perfonlid&en  S^tei^^ffc  ber  ©Regatten  in  älnfe^ung  ber  I)ier  fragtid^cn  ©cgem 
ftonbe  wirb  burc^  bie  auf  bie  il}eilung  beö  ©cfammtguteö  fid^  bejiefienbc  9Sor^ 
f^rift  bcö  §  1.378  in  auöreid^enber  SEBeife  3led^nung  getragen. 

änlangenb  btn  §  1351  Slbf.  2,  fo  rechtfertigt  fidE)  bie  entfpred)enbe  Sttn-  ®*«*  ^* 
wenbung  ber  §§  1336,  1337   auf  baö  Sonbergut,  aud)  rocnn  baöfelbe  nid^t  ©lauben«. 
inrc^  ß^eoertrag  für  Sonbergut  erflärt  ift,  burd^  bie  Siüdtfid^t  auf  bie  SSer^ 
tc^öfid^er^eit  (pergL  aud)  §§  1291,  1350),  bie  entfpredE^enbe  3lnn)enbung  ber    «e*ts- 
§§  1417,  1418,  1420—1422  unb  beö  §  1429  3lbf.  4  burd^  bie  9lna(ogic  beö  ©ontlS'Juu«- 
Sec^töoer^ältniffcö  ber  Sonbergüter  bei  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfdiaft. 

!3n  ©rmangelung  einer  cntgcgenftefienben  SSorfd^rift  wirb  bie  nad)  §  1351  »«»^Wflung. 
Sbf.  2  oerb.  mit  ben  §§  1417,  1283  bem  (Sf)emanne  an  bem  Sonbergute  ber 
©Htöu  iuftei^cnbe  DJulniefeung  unb  aSerroaltung  bei  ber  allgemeinen  ©üter* 
9^einf4)aft  foroie  nadd  §  1431  Slbf.  1  aud)  bei  ber  ©emeinfc&aft  beö  bemeglid^en 
Semögens  unb  ber  ©rrungenfd&aft  nur  mit  9luf(ofung  ber  ©ütergemcinfdEjaft 
bcenbigt.  Gin  Sebürfnife,  ber  ©fjefrau  im  3nteref[e  ber  Sid)erung  ifireö 
Sonbergutcfi  bic  SKoglid^feit  ju  gcroä^ren,  auc^  fd^on  t)or  3tufföfung  ber  ©üter^ 
9«neinf(^aft  in  benjenigen  gälten,  in  meldfien  bie  eljelid^e  Shigniefeung  unb  93er* 
loahung  bejro.  bie  ©rrungenf^aftögemeinfd&aft  beenbigt  wirb  (oergl.  §§  1327, 
1328,  1429),   inöbefonbere  im  gälte  beö  Äonfurfeö  über  baö  $Bermogen  beö 


348       MQcm.  ®ütcrgcmeinf*aft.  ©cfammtgut.  Sertoaltung.  §§  1352, 1353. 

(gfjcmanncö,  bie  Secnbtgung  bcr  ^lufenicfeung  unb  SSerroaltung  bcö  6^cmanncö 
an  t^rcm  ©onbergutc  Iicrbcijufü^rcn,  liegt  nid&t  oor,  5umoI  baö  Sefte^cn  Don 
Sonbergut  bei  ber  allgemeinen  Oütergemeinfd^oft  feiten  ift  unb  bei  ber  ©emeim 
fc^aft  beß  beroeglid^en  33ermögenö  unb  ber  ©rrungenfc^aft  fraft  beß  ©efcftcft 
nur  bie  Smmobifien  ©onbergut  finb,  in  Snfel^ung  ber  3niw^obiIien  aber  eine 
©efäfirbung  ber  ®^efrou  am  menigften  ju  besorgen  ift. 

§§  1352,  1353. 

«erroaitung  i.  "^aö)  ber  grofeen  Sftel^rjal^l  bcr  auf  bem  S3oben  ber  allgemeinen,  toic 

^'*  Julr""*' ^cr  partifulären  (Sütergemeinfd&aft  ftefienben  SRed^te  ift  baß  »ermaltungß^ 
(seitenbed  ted^t  iu  2(nfef)ung  beß  ©efammtguteß  —  rorbcfiattlid^  geroiffcr  SÄußno^mefäDe, 
9«e<^t.  iji  mcld&cn  aud^  bie  6t)cfrau  über  baß  lefetere  ju  verfügen  bered&tigt  ift  ober 
in  meldten  eß  il^rcr  SJlitmirfung  bebarf  -—  allein  bem  ©bemanne  unter  Sluß- 
fd)tu6  ber  ß^cfrau  beigelegt,  ©ine  3lußnal^me  mad^t  in  biefer  Se^ie^ung  nur 
auf  ber  einen  ©cite  baß  münft.  Siedet,  roeld^eß  ber  ef)efrau  baß  JRed^t  ein- 
fettiger  SBcrfügung  über  baß  Oefammtgut  in  bemfelben  Umfange  einräumt, 
n)ie  bem  ©bemanne,  onbererfeitß  baß  nürnb.  Siedet,  nad^  meld^em  bie  G^ 
gattcn  alle  S3ertröge  über  baß  gemeinfd^aftUd^c  SSermögen  gemeinfd^aftlidb 
fd)lie§en  muffen.  3n  Setreff  ber  Orenjen  beß  bem  ©^emonne  juftc^enbcn 
SBerroaltungßred^teß  madEien  fid^  aber  in  ben  übrigen  Siedeten  jmei  entgegen- 
gefegte  SRid^tungcn  geltenb.  9ladf|  ber  einen  ift  bem  ©bemanne,  abgefel^en  tjier 
junäd&ft  t)on  6cbenfungen  unb  ben  biefen  gteid^äuftellenben  (Sefd^äftcn,  inß^ 
bcfonbere  ben  fog.  Ucbertragßoerträgcn,  bie  Sefugnife,  über  baß  ©efammtgut 
ju  tjerfügen  imb  in  83ejief|ung  auf  baßfelbe  SMed^tßgefd^öfte  aller  5Srt  qIm 
Sufd^Iiefeen,  fomie  bie  auf  baßfelbe  fidE)  bejieljenben  SRec^tßftreitigfeiten  ju  führen, 
otine  jebe  33efd&ränhmg  beigelegt.  9tad^  ber  anberen  ift  ber  ©bemann  auf 
©runb  beß  ^ßrinjipcß  ber  gefammten  .^anb  bei  ber  Slußübung  beß  SScr- 
mattungßred^teß  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  an  bie  ÜWitmirfung 
bcr  ©^cfrau  gebunben.  3^  ber  erftcn  ©ruppe  t)on  9?ed&ten,  bei  meldten  baß 
•prinäip  ber  ©liCDogtei  beß  Gl^emanneß  jur  außfd^ließtic^en  ©eltung  gefommen 
ift,  gehören  inßbefonbere  bie  ©ütergcmeinfd^aftßred^te  meftfälifdden  Urfprunged,  fo 
bie  meiften  ber  in  ber  ^rooinj  ^annoocr  gettenben  ©ütergemeinfc^aftßret^te, 
bie  SHcd^te  t)on  Sremen  unb  Hamburg  unb  baß  meftfäl.  ®ef.  t).  16.  Äpril 
1860  §  3  (Dergt.  jebodö  baju,  fooiel  Sßerfügungcn  beß  ©^emanneß  über  ben 
Inbegriff  beß  ©cfammtguteß  ober  einen  aliquoten  S^eil  beßfelben  betrifft, 
Gntf^.  b.  3?.  ®.  in  Gioilf.  I,  140).  ©ß  gef|oren  ferner  batjin  bie  meiften 
fc^leßm.  I^olftein.  Siedete,  ücrfd^iebenc  haxjv.  Statuten,  foroie  baß  franj.  9{ed^t 
(code  civil  3lrt.  1409  9lr.  2,  3lrt.  1421;  üergl.  aud&  eljrenbreitft.  ©ntm.  §  30; 
oßnabr.  ©ntro.  §  6). 

93on  ben  auf  bem  Soben  beß  5ßrinjipeß  ber  gefammten  ^anb  fte^cnben 
Siedeten  binbet  ein  S^cil  ben  ©bemann  nur  bei  ben  SBerfügimgen  über  ©runb? 
ftütfe  an  bie  aJlitmirfung  ber  ©^efrau,  anbere  9fled)te  ftellen  btn  ©runbftucfim 
in  biefer  93ejie^ung  ©ered^tigfeiten  unb  bie  auf  ben  Flamen  ber  ©^efrau  ober 
beiber  ©Regatten  belegten  Äapitalien  gleid^  ober  forbern  ju  geroiffen  anberen 
SRcd^tßgefc^äften,  mie  ju  ber  Ueberna^me  t)on  Sürgfd^aften,  bie  ©inn)iDigung 


attgem.  ©ütergemeinfiaft  ©cfammtgut.  aScrtüaltunfl.  §§1352,1353.       349 

Iw  g^cfrau.   3^  öi^f^  ©ruppc  t>on  SRcd^tcn  gcl^örcn  namentUd)  Qufecr  ein- 

jrfncn  in  bcr  5ßrooinj   ^onnoocr   gcitcnbcn   Steckten,    tjcrfd^icbcncn   bai)r. 

Statuten  unb  bcm  (üb.  Mcd^tc  (ob  nur  in  9lnfc{)ung  ber  t)on  ber  Ehefrau 

ober  ouc^  ber  oom  ®I|cmanne  l^errü^rcnben  (SrunbftüdEe,  ift  ftrcitig),  baö  preu^. 

1 2. 31.  n,  1  §§  377—380,  ferner,  fooicl  bie  Dcrtragömäfeige  ©ütergemeiU' 

f(jQft  betrifft,  baö  •  fäd^f.  ®.  58.  §§  1697,  1698  unb  baf^  olbenb.  ®ef.  v. 

24  Spril  1873  art.  25  (t)ergl.  an6)  fieff.  entro.  IV,  2  3lrt.  447 ;  roürttemb. 

feit».  §  254).    Slnlangenb  infibefonbere  boö  preug.  9t.  2.  91.,  fo  bcbarf  bcr 

C^ann  jur  SBerpfanbung  ober  SBcräufeerung  von  ©runbftücfen  unb  ©ercc^tig^^ 

feiten,  fomie  jur  fiünbigung  unb  ©injic^ung  üon  Ä^apitalicn,  roeld^c  ouf  bcn 

Jlflmen  ber  (S^efrau,  i^rcö  ©rbloffcrö  ober  ©cfd^enfgebcrö  ober  auf  bcn  9iamcn 

kiber  ß^cgotten  gefd^riebcn  finb,  bcr  ©inroiUigung  bcr  (Sl)efrQU.  Snforocit  ift 

ber  Seemann  allein  anä)  nid^t  jur  ^^Jrojefefütjrung  legitim  irt  (91.  (S.  D.  I,  1 

§  23).   äufecrbem  fann  aber  bic  ß^efrau  gegen  jcbc  oon  bcm  ©bemanne  bc^' 

oWit^tigtc  SBerfügung  gegenüber  bem  ©ritten,  mit  melct)em  bic  3[Jerfügung 

MUjogen  werben  foll,  mit  bcr  SBirfung  SBibcrfprud^  ergeben,  bafe  bie  ©r- 

gönjung  i^rer  ©inroiDigung  burd^  baö  SSormunbf^iaftögcriciöt  abgewartet  werben 

au6  (pteufe.  2r.  2.  91.  II,  1  §§  387,  388).    ©in  öf)nad&cö  Söiberfpruc^örcc^t 

itmfyci  ber  ©^efrau  bie   lippc^bctm.   SBerorbn.  d.   1786  §  9.     3lad)  ücr^ 

f(4iebenen  baijr.  Mcc^ten,  nämlid^  bcr  fränfifdjen  2.  ©.  D.,  bcn  9icd)ten  üon 

S^Jwinfurt  unb  ßaftcU  unb  in  befd^ränftcrem  Umfange  aud^  nad^  bem  bamb. 

i  %,  fonn  unter  geioiffen  SSorauöfcgungen  bie  ©^cfrau  binnen  einer  bc^ 

ittmmten  grift  auf  bie  Sluf^cbung  beö  einfeitig  oom  ©f)emanne  vorgenommenen 

Qefcjäfted  flogen  (fog.  reclamatio  uxoria).   ®emeinredE)tIid^  roirb  jroar  allgemein 

onrrfannt,  bafe  bas  SBcrroaltungörcd^t  in  9lnfe{)ung  beö  (Scfammtguteö  auö* 

fcdlieftlic^  bem  ©bemanne  jufte^t  (oergt.  Seuffert  I,  72,  248,  XXXIV,  309 ; 

fntfi  b.  3t.  ©.  in  ©iüilf.  VII,  51);  boä)  gefien  bie  ginfid^ten  barüber  auö== 

eiiumber,  ob  ber  ©bemann  bei  SSerfügungen  über  Smmobilicn  ber  ©inwiUigung 

fc  eWrau  bcbarf  (oergl.  ©cuffert  I,  71,  248,  351,  XVI,  227,  XVIII,  147, 

XIX,  156,  XXXI,  147). 

8ufi  bem  bem  ©ntrourfe  ju  Orunbe  liegcnben  5ßrinjipc  beö  beutfdd*  etantpuntt 
tt(^tli(^  aWiteiflcntfiumefi  bcr  ©fjcgattcn  an  bem  Oefammtgute  (§§  1342, 1341/  ^ntiSU«. 
l'M5)  folgt  an  fid&,  bafe  bie  SBcrroaltung  in  9lnfet)ung  beö  lefetcren  beibcn 
fbcgotten  gcmeinfc^aftlid^  }uftc{)en  müfetc.    ©ine  fol^e  ©eftoltung,  roefd^e  ba^ 
&in  führen  mürbe,  bafe  ber  ©bemann  bei  allen  auf  baö  ©cfammtgut  fid^  bc- 
jie^enben  ©efc^äften  ber  ©inmiUigung  ber  ©tjefrau  bebürfte,  ift  aber  prattif^ 
w4t  bur(6füf)rbar  unb  mit  ber  ©tellung  beö  ©f)cmanncö  nid^t  vereinbar. 
ßienfoiDenig  fonn  cö  in  grage  fommen,  uadE)  bem  aSorbilbc   beö  münft. 
Secjtefi  iebcm  ber  ©Regatten  baß  SRcc^t  einfeitigcr  SBerfügung  unb  Jflcloftung 
in  änfe^ung  beö  ©efammtguteß  bcijulcgcn.    2)er  SScrroaltung  cineö  aSermögenö 
ift  regelmäßig  am  heften  gcbient,  wenn  fie  einf|citHd^  unb  burd^j  einen  SBillcn  bc* 
fttmmtroirb.  2)icfe  Scftimmung  fann  bei  ber  el^elid&cn  Oenoffenfc^aftim^inblitfc  *"*/*"*^' 
öuf  bie  Stellung  beö  ©^emanneö  alö  beö  ^auptcö  ber  ©t)e  nur  bcm  Ic^tercn  über==  »erroaituna«. 
trogen  werben.  Saß  bei  ber  allgemeinen  Oütcrgcmcinfd&aft  bcr  ©fjcmann  in  9ln*  /^^^man^«. 
fe^ung  ber  SSermaltung  beö  ©efammtgutcö  —  im  ©egcnfafte  ju  bcm  bei  bcm  gefc^^ 
Bdfen  e^elic^n  ©üterred^te  bem  ©bemanne  juftcl^cnbcn  Siedete  bcr  SSerwaltung  beö 


348       SHTgetn.  @üteröcmeinfd&aft.  ©cfammtgut.  SScrtoaltung.  §§  1352, 1353. 

6(jctnanne§,  bie  SBccnbtgung  ber  Jlugnicfeung  unb  SBerrooltung  bcs  6^cmonncS 
an  il^rcm  ©onbcrgutc  ticrbcijufü^rcn,  liegt  niä)i  cor,  jumal  baö  Seftclien  üon 
©onbcrgut  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  feiten  ift  unb  bei  ber  ®emeim 
fd^aft  bes  bcroeglid&cn  3Sermögenö  unb  ber  ©rrungenfc^oft  traft  beö  ©cfegcft 
nur  bie  Smmobilien  ©onbergut  pnb,  in  Slnfeliung  ber  3mmobiIien  aber  eine 
(Sefäfirbung  ber  ß^efrau  am  menigften  ju  beforgen  ift. 

§§  1352,  1353. 

«ertoaitung  I.  3l(iä)  ber  grofectt  aJlel^rjafil  ber  auf  bcm  SSoben  ber  allgemeinen,  toic 

*"**  JSeT"'*' ber  partifulären  ©ütergemeinfdiaft  fte^enben  SRed^tc  ift  baö  SSerroaltungs^ 
mttnhti  red^t  in  3(nfel^ung  bcö  Oefommtgutes  —  norbeJ^altlid^  geroiffer  Sluöna^mefäHe, 
9*e<^*-  in  ujclc^en  aud^  bie  (Stjefrau  über  baö  legtere  ju  t)crfügen  bered^tigt  ift  ober 
in  meieren  eö  ilirer  9Jlitn)ir!ung  bebarf  —  allein  bem  (g^emanne  unter  äuS- 
fdjiufe  ber  (S^cfrau  beigelegt.  Gine  Sluöna^me  mad&t  in  biefer  33eiief|ung  nur 
ouf  ber  einen  ©eite  baö  münft.  Siedet,  meld^eö  ber  ß^efrau  baö  3led^t  ein« 
fcitiger  SJcrfügung  über  baö  Oefammtgut  in  bemfelbcn  Umfange  einrfiumt^ 
mie  bem  ©bemanne,  anbererfeitö  baö  nürnb.  JÄed^t,  nad^  roeld^em  bie  (S^ 
gatten  alle  SSertröge  über  boö  gemeinfd^aftlid^e  SBermogen  gemeinfd^aftlidb 
fd)fie6en  muffen.  3n  ^Betreff  ber  Orenjen  beö  bem  ®t)emanne  juftc^enben 
aScrmaltungöred^teö  mad^en  fid)  aber  in  ben  übrigen  SRed^ten  jroei  entgegen- 
gefegte  9iid()tungcn  geltenb.  3laä)  ber  einen  ift  bem  ©bemanne,  abgefe^en  hier 
äunädöft  Don  Sd^enfungen  unb  ben  biefen  gleid^jufteUenben  ©efd^äftcn,  ins- 
befonbere  ben  fog.  Uebcrtragöoerträgen,  bie  Sefugnife,  über  baö  (Sefammtgut 
ju  rerfügcn  unb  in  33ejief)ung  auf  baöfelbe  SRed^tögefd^öfte  aDer  3lrt  ob« 
Sufd^liefeen,  f oroie  bie  auf  baöfelbe  fid^  besieljenben  JRec^töftreitigfeiten  ju  führen, 
oljne  jebe  SBefd^ränfung  beigelegt.  9lad&  ber  anbercn  ift  ber  ©^emann  auf 
©runb  beö  5ßrinjipeö  ber  gefammten  §anb  bei  ber  3luöübung  beö  aScr* 
maltungöred&teö  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  an  bie  aWitroirtung 
ber  ©fjefrau  gebunben.  3"  ^^^  ^^f*^^  ©ruppe  von  Siedeten,  bei  meldten  baö 
^^rinjip  ber  ©fieoogtei  beö  ©^emanneö  jur  auöfd^Ueßlid&en  ©eltung  gcfommen 
ift,  gcfiören  iuöbefonberc  bie  ©ütergemeinfd^aftöred&te  meftf älifd&en  Urfprungcö,  fo 
bie  meiften  ber  in  ber  ^roüinj  ^annooer  gcitenben  ©ütergemeinfd^aftörcc^te, 
bie  Siechte  von  Sremen  unb  Hamburg  unb  baö  meftfäl.  ©ef.  ü.  16.  3fpril 
1860  §  3  (Dergt.  jebodö  baju,  fooiel  SSerfügungcn  beö  ©l^emanneö  über  ben 
Inbegriff  beö  ©efammtguteö  ober  einen  aliquoten  Xi)til  beöfelben  betrifft, 
©ntfdf).  b.  3?.  ©.  in  Giüitf.  I,  140).  ©ö  gel^ören  ferner  ba{)in  bie  meiften 
fd^Ieöro.  I^olftein.  Siedete,  üerfd^iebenc  bai)r.  Statuten,  fomie  baö  franj.  9led^t 
(code  civil  Sttrt.  1409  9lr,  2,  Slrt.  1421 ;  oergl.  aud^  el)renbreitft.  Gntm.  §  30; 
oönabr.  ©ntro.  §  6). 

93on  ben  auf  bem  Soben  beö  ^ßrinjipeö  ber  gefammten  ^anb  fte^cnben 
Siedeten  binbet  ein  Xijtil  ben  ©bemann  nur  bei  ben  SSerfügungen  über  ©runb* 
ftüdfe  an  bie  ajlitroirfung  ber  G^efrau,  anbere  Siedete  ftellcn  ben  ©runbftüdfen 
in  biefer  SSejiel^ung  ©ered^tigfeiten  unb  bie  auf  ben  9Jamen  ber  ©^efrau  ober 
beiber  ©Regatten  belegten  Kapitalien  gleidEi  ober  forbern  ju  gemiffen  anberen 
5Red^tögefd^äften,  toie  ju  ber  Uebernal^me  tjon  S3ürgfd^aften,  bie  ©inroiBigung 


angeni.  ©ütergemcinfd&aft  ©cfammtgut.  SSenraltung.  §§  1352, 1353.       349 

bct  g^efrau.  3"  ^i^fcr  ©ruppc  von  SRed^ten  gcprcn  namentlid^  aufecr  ein:= 
jdncn  in  ber  5ßrooinj  ^annoocr  geltenbcn  Siedeten,  Dcrfd^icbcncn  bai)r. 
Statuten  unb  bcm  lüb.  SRed^tc  (ob  nur  in  Slnfel^ung  ber  üon  ber  ®^efrau 
ober  au^  ber  t)om  ©bemanne  fierrü^renbcn  Orunbftücfe,  ift  ftreitig),  baö  preu^. 
S.  8.  %  II,  1  §§  377—380,  ferner,  foDicl  bic  oertragämäfeigc  ©ütergemein^ 
f(iaft  betrifft,  ba^  \a6)l  ®.  83.  §§  1697,  1698  unb  baö  olbenb.  ©ef.  v. 
2L  3[pril  1873  «rt.  25  (oergl.  aud^  f|eff.  gntn).  IV,  2  Slrt.  447;  roürttemb. 
ftitio.  §  254).  SÄnlangenb  inöbefonbere  baö  prcug.  91.  S.  31.,  fo  bebarf  ber 
6^nn  jur  SScrpfänbung  ober  Sßeräufeerung  oon  ©runbftüdfen  unb  Oered^tig^ 
feiten,  foroie  jur  Sünbigung  unb  ©injicl^ung  oon  Kapitalien,  roeld^e  auf  ben 
Samen  ber  ß^efrau,  i^reö  ©rblaffcrö  ober  ©efd^enf geberö  ober  auf  ben  Flamen 
kiber  ©Regatten  gefd^riebcn  finb,  ber  ©inroiüigung  ber  ß^efrau.  Snforoeit  ift 
ier  gdemann  allein  aud&  nid^t  jur  ^rojegfütjrung  legitimirt  (SS.  0.  D.  I,  1 
§  23).  Äufeerbem  fann  aber  bie  ®§efrau  gegen  iebc  üon  bem  ©bemanne  be^ 
oifiditigte  SBcrfügung  gegenüber  bcm  dritten,  mit  n)eld)em  bic  aScrfügung 
wttjogen  werben  foU,  mit  ber  Söirfung  SBiberfpru^  crf)ebcn,  ba^  bic  ®r* 
Jö^^jung  i^rer  ©inroiUigung  burd^  baö  33ormunbf^aftögcrid&t  abgeroartet  njerbcn 
mu§  (prcufe.  a.  2.  SR.  II,  1  §§  387,  388).  ©in  ä^nlid^cö  aQBibcrfpruc^örec^t 
poSifci  ber  ß^cfrau  bie  lippe^betm.  SBerorbn.  v.  1786  §  9.  3lad)  ücr? 
fc^iebencn  bapr.  Sfied^ten,  nomlid^  ber  fräntifd^en  S.  ©.  D.,  ben  SRcdjtcn  üon 
S(^ioeinfurt  unb  ßafteU  unb  in  befd^ränfterem  Umfange  aud^  nad^  bem  bamb. 
2.  S.,  fonn  unter  geroijfen  SSorauöfcfeungen  bie  ß^efrau  binnen  einer  be^ 
jttmmten  grift  auf  bic  5liif^ebung  beö  cinfcitig  t)om  ©bemanne  üorgenommcnen 
8ef(^ftcö  flagen  (fog.  redamatio  uxoria).  Oemeinred^tlid^  roirb  jroar  allgemein 
anertannt,  bafe  baö  9Scrn)attungöred)t  in  9lnfe^ung  beö  ©efammtgutcö  auö^ 
i4lic6li(^  bem  ßfiemannc  sufte^t  (oergl.  ©euff ert  I,  72,  248,  XXXIV,  309 ; 
(Jntf^.  b.  m.  ®.  in  eioitf.  VII,  51);  bod&  gelien  bic  ainfid^ten  barüber  auö* 
cinanber,  ob  ber  ©bemann  bei  Verfügungen  über  3«imobilien  ber  ©inroilligung 
6r  g^efrau  bebarf  (oergl.  ©euffert  I,  71,  248,  351,  XVI,  227,  XVIII,  147, 
XIX,  156,  XXXI,  147). 

Sus  bem  bem  ©ntrourfe  ju  ©runbe  licgenben  ^rinjipc  beö  beutfd^*  ©tonbpuntt 
ret^tli^  aWiteigcntliumcö  ber  ©Regatten  an  bcm  ©cfammtgute  (§§  1342, 134^/  (g„ti„%«. 
1345)  folgt  on  fid^,  ba^  bie  SSerroaltung  in  9lnfel)ung  beö  lejtcrcn  beibcn 
Blatten  gcmeinfd^aftlidb  juftc^cn  mü^te.    ©ine  fol^c  ©eftaltung,  meldte  ba* 
Wn  führen  würbe,  bafe  ber  ®f)emann  bei  allen  auf  baö  (Scfammtgut  fid^  be^ 
ji^enben  ©efd^äften  ber  ©inmilligung  ber  ©^efrau  bebürfte,  ift  aber  praftifd^ 
^  burc^fü^rbar  unb  mit  ber  Stellung  beö  ©t)cmanncö  nid^t  vereinbar. 
CienfoiDenig  fann  eö  in  grage  fommen,  nad^  bem  33orbilbe   beö  münft. 
Äc^teö  iebem  ber  ©ticgatten  baö  SRcd^t  einfcitiger  SBcrfügung  unb  33elaftung 
in  Snfe^ung  beö  ©efammtgutcö  bcijulegcn.    S)cr  SSermaltung  cineö  Sßcrmögcnö 
[it  regelmäßig  ßm  heften  gebient,  xotnn  fic  einl)citlid^  unb  burd^  einen  SBillcn  be^ 
ftimmttoirb.  3)iefe  Seftimmung  fann  bei  ber  el^clid&en  ©cnoffenf^aft  im^inblicte  ^"*/*"*^' 
öuf  bie  Stellung  beö  ©Ijcmanncö  alö  beö  ipaupteö  ber  ©I)c  nur  bcm  legtcrcn  über-  »enpaiöwg«« 
ttttgni  werben.  Safe  bei  ber  allgcmeineu  ®ütcrgemcinfd&aft  ber  ©l)cmann  in  2ln*  (^^man^. 
fe^ng  ber  38enoaltung  beö  ©efammtgutcö  —  im  ©cgcnfaftc  ju  bcm  bei  bcm  gefegt 
lidN  eljelid^en  ©üterrec^tc  bem  ©tjcmannc  juftc^cnbcn  Siedete  ber  aSerroaltung  beö 


350       aUrtcm.  ®ütcrflcmctnf*aft.  ©efamtntout.  agenraftung.  §§1352, 1353. 

Göccjutcä  (§§  1318,  1319)  —  gninbfätad&  ni^t  an  bic  aRitroirfung  ber  e^e^ 
frau  gcbunbcn  wirb,  ift  um  fo  uotörocnbigcr,  als  boö  ©cfammtgut  regelmäßig 
mä)  baö  ganjc  33ermogen  beö  ©fjcmannes  umfaßt.  2ßie  bic  obige  UcberTid^t 
ergiebt,  ift  bicö  anä)  faft  burd)n)eg  ber  ©tanbpunft  beö  geltcnbcn  SRe^tcd. 
S)ic  3lbfd^n)äd)ung,  melcbe  ber  (Srunbfa^,  ba^  bcm  ß^cmonne  baö  unbefd^ränfte 
SScrroaltungörcdfit  in  2lnfcl)ung  beö  ©efammtguteö  5uftcl^t,  naä)  ciuäelnen 
"^cö^im,  inöbcfonbere  nad^  bcm  preuß.  21.  S.  91.,  babur^  erfahren  ^at,  ba§  ber 
©fjcfrau  allgemein  ober  bod)  in  größerem  Umfange  ein  SBiberfprud&örcdit  gegen 
bic  aSerfügungen  beö  Gf)emanncß  eingeräumt  ift  (ücrgl.  oben  ©.  249),  Dcrbient 
aus  ben  üorftetjcnb  bargelegten  ©rünben  feine  Billigung.  33ielme^r  !ann  nur 
in  grage  fommcn,  ben  Gtjcmann  bei  einjelnen  befonbers  mid^tigen  Sled^tö^ 
gefd^äften  an  bie  GinioiÜigung  bor  Gt)efrau  ju  binben. 
Ättrttfterbe«  giu  tücitcrcr  mcfentlid&er  Untcrfd)ieb  sroif^en  bem  bem  G^emanne  in 

*  «äu«"^*'  3lnfel)ung  beö  ©efammtgutcö  unb  bem  iljm  bei  bem  gefe6lid)en  el^elid^en  ©üter? 
redfitc  in  SInfefjung  beö  Gfjegutcö  juftrfjenben  95ern)altungöred)tc  befielt  barin, 
baß  ber  Gljemann  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemcinfc^aft  fraft  fcineö  SSer- 
iDa(tungöred)teö  nid&t  bcred&tigt  ift,  im  ?Ramen  ber  Gt;efrau  (§  116)  ober  für 
il)re  perfönlidie  ?Kcd)nung  ein  SHed^tögcfd^äft  Dorjuneljmen  unb  einen  Slec^tfi* 
ftreit  }u  fiiljrcn,  ba^  bie  G^efrau  mitijin  in  ^olgc  ber  üon  bem  G^emannc  in 
9luöübung  feincö  SSerroaltungörcd^teö  Dorgenommenen  5Red^tdgcfc^äftc  unb 
gcfiitirtcn  $Rcdötöftreitigfeitcn  roeber  gegenüber  einem  ©ritten  nod&  gegenüber 
bem  Gljcmannc  perfonlid^  nerpflid^tet  wirb,  mälirenb  bei  ber  SSerroaltung  bc§ 
Gf)eguteö  ber  G^emann  innerl^alb  ber  ©rcnjen  fcineö  SJerroaltungöred^teö  für 
JRed^nung  bcjm.  im  Flamen  ber  Gf)cfrau  l^anbclt  (oergl.  §§  1317 — 1319  ncbji 
äliotiücn  oben  S.  269  ff.).  STOatcricU  füfjrt  mithin  ber  G^emann  bie  3Ser* 
maltung  beö  ©efammtguteö,  aud)  menn  er  babei  äußerlid^  alö  SSertreter  be« 
®efammtgutcö  ber  beiben  Gtiegatten  aufgetreten  fein  f oBte,  für  eigene  Sled^nung 
unb  in  eigenem  Flamen,  jeboc^  mit  ber  SBirfung,  baß  feine  ipanblungen,  fooid 
ba^  ©efammtgut  betrifft,  au^  bie  Gf)efrau  binben  (ücrgl.  §§  1359—1361). 
2)aö  SBern)aItungöred()t  beö  G^emanneö  bcgrünbet  eine  fac^Ud)e  Segitimation 
beöfelben  ju  $Red^tögefd)äften  unb  SWed^töftreitigfeiten  in  9lnfc^tntg  beö  (Sefammt* 
guteö.  2)aö  a3erl)ältniß  ift  ein  äl&nlidöeö,  mic  in  bem  gaUe,  in  roeld^em 
3emanb  mit  GinroiUigimg  beö  Sered^tigten  über  ein  frembeö  Sled&t  in  eigenem 
9tamcn  uerfügt  (uergl.  §§  310,  830,  876).  S)icfc  3lrt  ber  ©eftaltimg  be« 
aSermaltungöredöteö  beö  G^emanneö  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ifl 
cincrfeitö  unbcbenflid^,  ba  f)icr  roegen  beö  ©runbfafeeö,  baß  aud^  baöienige 
aSermogcn,  roeld^eö  ber  Gl^emann  mä^renb  beftcljenbcr  (Semcinfdöaft  erwirbt, 
bem  Oefammtgutc  jufällt,  feine  ©d)n)ierigfeiten  megen  ber  ^agc  ber  Surro^ 
gation  entfielen  fönnen  —  mic  bicö  bei  bem  gefeglid^cn  eljetidöen  Oüterred^tc  ber 
yall  fein  mürbe,  rocnn  man  bort  bem  SSerroaltungöred&tc  beö  G^emanncö  in 
9lnfel)ung  beö  Gf)eguteö  benfelben  .Karafter  beilegen  roollte  (tjergt.  bie  üJlotiüf 
5u  §§  1317  ff.  oben  ©.  209  ff.)  — ,  anbererfeitö  unbebingt  geboten,  wenn  man  mit 
bem  Gntmurfe  eine  pcrfönlid&e  Haftung  ber  Gfiefrau  für  bic  ©d^ulben  M 
Gfiemanneö  auöfd^licßen  mill.  9Rit  bem  Gntrourfe  ftimmt,  foüiel  bic  gorm 
beö  bem  G^emannc  juftet)enben  SBcrmaltungörcdötcö  betrifft  —  abgefcM  6i^ 
Don  ber  ^rage,  ob  unb  inroiemeit  bie  G^efrau  nad&  ben  beftcl)enbcn  Slecbtcn, 


angetn.  ®ütcröemcinf(j&aft.  (Sefammtout.  gScriraltunö.  §§135i>,  1353.       351 

jet  c«  f(^on  roälircnb  bcftcfjcnbcr  Ocmcinfd^aft,  fei  cö  naä)  2luflöfung  bcrfelbcn, 
für  bic  S(§ulbcn  bcß  ß^cmanneö  perföntid^  fioftct  — ,  anä)  bic  ^ßrajid  bcr 
©ätergcmcinf^oftfircd^tc  übcrcin. 

Um  ongcftci^tö  bcr  abtocid^cnbcn  S3cftimmiingcn  t)erfd)icbener  Siechte  S'^twiaiae 
feinen  B'^^'f^'  borübcr  5«  lojfcn,  bafe  bic  95crfiigung§gcn)Qlt  bcö  ©(jcmonncö  *  ^""^*"* 
unb  nomcntlic^  bic  9luöfdf|lic6ung  bcö  33crfügung§rcd)tcö  bcr  GljcfrQu  ficb  nur 
ouf  ^Hf^tSgcfc^öfte  unter  Sebcnben  bejiel)cn,  ift  im  §  1352  auöbrflcllid)  bcr 
Sufaj  „unter  Scbenbcn"  gemad^t.  Snroicrocit  jcbcr  bcr  Gt|cgattcn  einfcitig  ober 
nur  mit  3wfti"i^i*^9  ^^^  anbercn  über  baä  Ocfammtgut  lefttroillig,  fei  cd 
iD%cnb  bcftef)cnber  Gf|c,  fei  cß  mä^rcnb  bcr  fortgefegten  ©ütcrgemeinfd^oft, 
}u  ocrfügcn  bcreditigt  ift,  ergiebt  jtd^  quo  bcn  §§  1382—1390,  1409,  unb  roirb 
bicferdalb  auf  bic  SKotioc  ju  jenen  ^ßaragropl^en  Dcrroiefen. 

SJcr  ©runbfag,  bofe  baö  ©cfammtgut  bcr  unbef^ränften  33crroaltung 
brt  Cbemanncß  unterliegt  unb  bofe  anbcrcrfeitö  ber  Gf)efrau  gleidfic  93efugniffc 
ni(|t  juftel^cn,  crleibet  no^  bciben  Siid^tungcn  ^in  Slußna^men.  S)ie  9luönal)mcn 
in  ber  erften  SJic^tung  beftimmcn  bic  §§  1353,  1355,  bic  Sluönaljmen  in  bcr 
peiten  SRic^tung  bic  §§  1278,  1354—1358.  S)q6  burc^  bic  83eftimmung  be^ 
§  1352  Slbf.  2  inöbefonberc  bic  S3orf^rift  bcß  §  1278  nid&t  berül)rt  wirb, 
bfbarf  feines  bcfonbcrcn  3lußbnideß,  ha  biefelbc  md)  bcr  il)r  jugeroiefcncn 
ft)ftcmatifc^en  Stellung  o\)m  9lücf|lci)t  auf  einen  beftimmten  ebclid^en  ®ütcr^ 
ftanb  Sniocnbung  finbct. 

3n  ©rmangclung  einer  bcfonbcrcn  Scftimmung  tjcrfte^t  fid)  ferner  Don  ©ewt»* 
fclbft,  bafe  bic  e^efrau  in  bcr  ©cfc^äftöfäljigfcit  nic^t  befd)ränft  ift.  Sie  ^'tl^'J'' 
Stünbe,  aus  meldten  ber  ©ntmurf  bei  bem  gefcglici^cn  et)end)cn  ®üterred&tc 
W  flffl^n  eilte  folc^e  Sefd^ränfung  erflärt  f)ai  (ucrgl.  bic  SDlotiüc  ju 
§§  1300—1310  oben  ©.  222  ff.),  treffen  awä)  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemcin^ 
f^oft  JU.  3)ic  Slcd&te  bcß  ß^emanneß  mcrbcn  burd^  bcn  9lußfd^tu6  ber  ßljcfrau 
wn  bem  SBerroaltungßrec^tc  (§  1352  Slbf.  2)  in  33crbinbung  mit  ber  rocitcren 
Sfftimmung,  bog  bic  SScrbinblid^tcitcn  :ber  Gfiefrau  auß  Stcd^tßgcfc^öftcn  unb 
Urt^lcn  regelmäßig  nur  bann  Ocfammtgutßoerbinblidöfcitcn  jtnb,  wenn  bcr 
G^emann  in  bie  SSorna^mc  bcß  Slcd^tßgcfd&öftcß  ober  in  bic  güfirung  bcß 
Sccitßftreitcß  cingemilligt  ober  baju  feine  ®enel)migung  crtticilt  bat  (§  1362 
Sr.  1,  §  1359  3lbf.  1),  außrcid&cnb  gcfc^ügt. 

II.  ainlangenb  bic  im  §  1353  beftimmten  Scf^ränfungen  bcß  SScp   «efc^raru 
waltungßre^tcß  beß  G^cmanneß,  fo  bcrul^cn  bicfelben  auf  folgcnbcn  ©rmögungcn:  serwattunfl«- 

1.  3Iud^  mcnn  man  im  Ucbrigen  uon  icber  Scfd^rönfung  bcß  SRcd^tcß    "^^• 
beß  S^anneß,  über  cinjelne  jum  ©cfammtgutc  geljorenbc  Ocgcnftänbc  ent* 
9AÜ\d^  JU  Dcrfügen,  abfcben  roolttc,  fo  mürbe  cß  fid)  bocb  rcdjtfcrtigcn,  bcn 
f^onn  bei  fold^cn  SRcc^tßgcfdjäftcn,  meldte  bic  SSeräufecrung  ober  S3elaftung 
bcß  ®ffamtntguteß  im  Oanjen  ober  cincß  ?3rud&t^citcß  bcß  Icgtcrcn  jum  ©egen-    ««*«* 
ftanbe  ^aben,  an  bic  SWitmirfung  bcr  ©bcfrau  5U  binben.   S)erartigc  einfcitig  Jag^oe'am^t^ 
wm  bem  g^emonne  üorgenommenc  SRc^tßgefc^äftc  bcjroecten  rcgclmcifeig  im0«*^"\f««»*" 
SBiberfprud^e  mit  bem  SGBcfen  unb  bem  3"^^^^  ^^^  ®ütcrgcmcinfc^aft,  foroie 
«ü  bem  3roe(fc  beß  bem  ©ficmannc  im  Sntcrcffc  ber  clöcli^cn  ®emcinfd)aft 
eingeräumten  SSerroaltungßrcddtcß,  bcr  ©ütcrgcmcinfd^aft  baß  ©ubftrat  unb  bcr 
fiirfrau  i^re  Siedete  am  ©cfammtgutc  jum  cinfeitigen  93ortljcitc  beß  (S^cmanneß 


ic 


352       aUgcm.  ®üter0cmemf(J6aft  ©efammtöuh  SSecttalhing.  §§  1352, 1353. 

ju  cntjiel^cn.  SSuö  bicfcm  Ocfxd^tßpunftc  f)at  auä)  bic  ^ßrafiö  ol^nc  bcfonbcrcn 
gcfcfeKd^en  Slnl^alt  oiclfad^  angenommen,  ba^  fclbft  naö)  fold^en  SRcd^ten,  meldte 
bem  ©bemanne,  fooicl  cntgeltlid^e  SRe^tögefd^äfte  über  ba^  ©cfammtgut  be^ 
trifft,  ein  unbefd^ränlteö  SBerroaltungöred^t  einräumen,  ber  (Seemann  JRed^tö* 
gef^äfte  ber  oben  bejeid^neten  3lrt  einfcitig  nid^t  üornel^mcn  fönne.  3^0^ 
befonbere  ^at  baö  SReid^ögerid^t  in  biefem  ©innc  aud^  ben  §  3  befi  meftfäl. 
®ef.  0.  16.  3lpril  1860  ausgelegt,  obrool^I  jene  ©eftimmung  im  2lbf.  2  unb  3 
i^rem  SBortlaute  nad^  nur  geroiffe  unentgeltlid^e  33erfügungen  über  baö  ®c* 
fammtgut  unb  fog.  Uebertragöoerträge,  b.  1^.  fold^e  aSerträge  bem  einfeittgen 
aSerrooItungöred^te  bed  ß^emanneö  entjiel^t,  bur^  meld&e  baö  gemcinfd&oftlic^e 
5Bermögen  ganj  ober  tfieitroeife  fd^on  bei  Sebjeiten  ber  ©Regatten  in  Mücffid^t 
ouf  eine  fünftige  ©rbfolge  abgetreten  wirb  (oergt.  ©euffert  Vin,  147, 
XXXI,  147;  ©ntf^.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  I,  140).  Um  bzn  SroedE,  bie  (S^efrau 
gegen  Slc^tögefd^öfte  ber  f|ier  fraglid^en  3lrt  ju  fld^ern,  ju  errcid^en,  mufe  oud^ 
baä  obligatorif^e  SWed^tögefd&öft,  burd^  meld^eö  ber  ©bemann  [\6)  einfeitig  jur 
aSeräufeerung  ober  Selaftung  beö  ©efammtguteß  im  ©anjcn  ober  cineö  93rud|^ 
tl^eileö  beöfelben  üerpflid^tet,  für  unroirffam  erflärt  werben,  ba  nad^  §  1359 
iebe  aSerbinbUd&fcit  beö  ©Iiemanneö  ®efammtgutöoerbinblid)feit  ift.  3)cr 
3tuöiocg,  ba&  obligatorifdie  3led^tögefd)äft  beö  ©fiemanneö  nid&t  für  unioirffam 
JU  erüören,  fonbern  ber  baburd^  begrünbeten  SBerbinblid^feit  beö  ©^emanneö 
ben  Äarafter  einer  ©efammtgutöüerbinblid&feit  ju  üerfagen,  mürbe  o^ne  3lot^ 
baö  5ßrinjip  beö  §  1359,  bafe  alle  aSerbinbli^feiten  beö  ©l^cmanneö  ©efammt* 
gutöücrbinblid^feiten  finb,  burd^bred^en  unb  ju  Äomplifationcu  beö  ®cfc|cfi 
aScranlaffung  geben.  ®ö  müjfen  aber  weiter  au^  bie  bingtid^en  SRed&tögefc^äfte 
getroffen  werben,  meldte  bie  SBeräu^erung  ober  Selaftung  beö  ®efammtgutcö 
im  ©anjcn  ober  cineö  Srud&tl^eilcö  beöfelben  bejroecten.  Suriftifd^  betrad^tct, 
fönnen  binglid)e  Siecl^tögcfd^äfte  allerbingö  nur  über  bic  cinjelncn  }u  bem 
®cfammtgutc  geprenbcn  ®egenftänbe  gefd^loffen  roerben.  SSon  Sebcutung  ift 
bic  9luöbe^nung  ber  Sefd^ränfung  auf  bic  binglid^en  Slcd^tögefd^äftc  ber  be^ 
jcid^nctcn  älrt  einmal  im  ^inblicte  barauf,  ba^  nad^  bem  ©ntmurfe  in  3lnfe§ung 
gcroiffer  SRed^te  jum  Qxocdt  itircr  Uebertragung  bie  generelle,  auf  Ueberttagung 
beö  äScrmögenö  gerid&tetc  aBillenöerflärung  I|inreid&t  (oergl.  §§  312,  313),  \o^ 
bann  bcötialb,  weit  fonft  bie  jur  3tuöfü^rung  beö  unroirffamen  obligatorifd^cn 
9tedötögefd[)äftcö  oorgenommenen,  auf  bic  cinjelnen  jum  ®efammtgute  gel^orenbcn 
®cgenftänbe,  mit  Sttuönaöme  ber  ®runbftüdc,  gerid&teten  binglic^en  Sled^tö^ 
gefd^äfte  alö  fold^e  aud&  ol^ne  bie  ©inmilligung  ber  ©Ijefrau  roirffam  fein 
mürben,  mitl)in  bem  ©efammtgutc  in  3lnfef)ung  bicfer  ®cgenftänbe  nur  ein 
S3ercid)crungöanfprudö  juftel^en  mürbe,  aßit  9iüdEfxd)t  auf  bic  regctmäfeig 
mäljrenb  ber  gaujcn  2)auer  ber  @^e  begrünbete  9luöfd)lie6ung  beö  SSerfügungö* 
rcd)teö  ber  G^cfrau  über  bie  ju  bem  ®efammtgute  gcljörenben  ®egenftfinbc  iji 
in  biefcr  .^infid&t  eine  größere,  binglid^c  ©id^erung  ber  ß^cfrau  angejcigt 
aSegcn  ber  Segitimation  beö  @l)emanneö,  $RedE)töftrcite  ju  führen,  meldte  eine 
unroirffamc  aSerfügung  ober  SBerpflid^tung  ber  ^ier  fragtid^en  9lrt  jum  ©cgem 
ftanbe  l^aben,  wirb  auf  bie  9luöfüf)rungen  unten  unter  3lx.  8  S3ejug  genommen. 
»e<^t9j.^  ^  2.  SBeit  ärocifelliaftcr  ift  bic  grage,  ob  bic  SBirffamfeit  fol^er  SHcd^tö^ 

«ranbptfe!' gefd^öfte  beö  ©Ijemanneö,  burd^  meldte  ein  ju  bem  ®efammtgute  gel^örenbed 


Snigem.  ©ütcrgcnicinfiaft.  ©efnwmtöut.  aSertraltwig.  §§  1352, 1353.       353 

©runbftücf  ober  eine  bemfelben  naö)  §  781  gleidigcftcllte  Sered^tigung  üer^ 
äußert  ober  belaftct  ober  bic  SSerppic^tung  ju  einer  fold^en  SBeräu^erung  ober 
Selaftung  begrünbet  roirb,  Don  ber  3Kitroirfung  ber  Ehefrau  abf|ängig  gemad^t 
»erben  foB.    SBie  bie  obige  Ueberfid^t  bcö  geltenben  SRed^tcö  ergiebt  (oergl. 
2.  M8  ff.),  nehmen  in  biefer  Sejiel^ung  gerobe  bic  bei  ber  Siegelung  ber  all- 
gemeinen Outergemcinfd&aft  Dorjugöroeife  ju  berütffid^tigenben  Sfled^te  einen 
oerfd^iebenen  Stanbpunft  ein.    I)er  ©ntrourf  \)ai  fld^  benjenigen  Siedeten  an^ 
gefddlofien,  roeldbe  in  ber  ^ier  fraglid&en  ^injid^t  an  bem  ^rinjipe  ber  ge* 
lammten  ^anb  feftge^alten  unb  infofoeit  bad  ^^rinjip  ber  @^eoogtei  nid)t  jur 
unbef^ränften  ^errfd^aft  f)aben  gelangen  laRen.    Sei  ber  ©ntfd^eibung  ber  »«äuBcrunfl. 
Jrage  fällt,  fooiet  junädift  bic  SBeräufeerung  betrifft,  oor  3lUem  bie  ©noägung 
ind  @etoid^t,  bag  bod  unben^eglid^e  SSermögen,  xotnn  and)  nid^t  l^ingefe^en  auf 
bad  SBert^oer^fittnig,  fo  bod^  {jingefei^en  auf  feine  roirtl^fd^aftUd^e  unb  fojiale 
9ebeutung,  gegenüber  bem  beroegtid^en  93ermögen  aud^  nod^  gegenmörtig  eine 
^orragenbe  ©tcUung  einnimmt.  Der  bei  weitem  größere  2;f|eil  bcö  ©runb^ 
bcfi|ed  bilbct  bie  fcfte  ©runblage  beö  S3auem?  unb  Outöbefigerftanbeö.    S)er 
®runbbe)i6   mac^t  bei  biefem  Staube  regelmäfeig  ben  ^auptbeftanbtl^eil  beö 
Sknnogcnd  auö  unb  ift  bei  bemfelben  bie  93afid  ber  ganjen  mirt^fd^aftlidEien 
2l^gfeit  unb  bed  @tanbei^t)er{|ä(tniffed.    2)ie  SSeräugerung  beö  ©runbbcfi^ed 
hat  ba^er  in  bicfen  Äreifen  ber  Seoölferung  eine  befonberö  tiefeingreifenbe 
SBirhmg  auf  bie  fiebendoer^öltniffe  ber  ganzen  §ami(ie.    @ine  für  bic  &ijc^ 
frau  unb  bie  jtinber  fo  mid^tige  Sebenöoeränberung  barf  bem  @t)emanne  o^ne 
bie  ßinioinigung  ber  ®f|efrau  ju  ber  SSeräufeerung  nid^t  geftattet  TOcrben.  ©ö 
ift  JU  beforgen,  bafe  in  benj[enigen  ©ebieten,  in  meieren  gegenwärtig  bie  all^ 
gemeine  ®ütergemeinfd&aft  ber    gefeftßd^c  el^elid)e  Oüterftanb   ift  unb  Sc* 
i(^ranfungen  be9  SSerfügungdred^ted  beö  @^emanned  ber  {|ier  fraglid^en  äirt 
bejie^n,  o^ne  bicfe  Sefd^ränfungen  bie  oertragömäSige  Oütergemeinfd^aft  beö 
Oefetbu^  feinen  (gingang  finben  wirb.    S)er  ©inroanb,  ba^  ber  3^^*/  ^ic 
©Wtau  unb  bie  Rinber  in  ben  i^eroorgei^obenen  S3ejiel)ungen  gegen  einfcitigeö 
^onbeln  be«  ß^emanneö  ju  fd&üften,  burd&  baö  ©rforbemife  i^rer  äWitmirfung 
bri  ber  SBeräufecrung  unbemeglid^er  Qa^tn  bod&  nid&t  erreid^t  werbe,  wenn  — 
1MÖ  otterbingö  unoermeibUc^  ift  —  bie  Haftung  beö  Oefammtguteö  für  bic 
S^ulben  beö  ß^emanneö  beftc^cn  bleibt,  mit()in  bic  ©laubiger  im  SBcge  ber 
äwongfioollflrecfung  bie  SJeräugerung  burd^jufefecn  oermogen  (§§  1359—1361), 
fonn  alö  burd^fd&Iagenb  nic^t  erad^tet  werben,    ^ßrattifd^  ift  immer  nod)  ein 
erW>U(^er  Unterfd^ieb  oor^anben,  wenn  man  bem  ©bemanne  bie  einfeitige 
biielte  aSeräufeerung  ber  3inniobilien  oerfagt.    2)ie  3"^^^^/  roeld^e  ber  Gt)c* 
mann  bei  ber  bireften  SSeräufeerung  oerfolgt,  wirb  berfelbe  auf  bem  inbircftcn 
Sääcge  beö  Sc^ulbenmad^enö  nur  feiten  erreid^en  unb  eö  ift  um  fo  weniger  ju 
beforgen,  bog  ber  (gljemann  bicfen  Umweg  betreten  wirb,  alö  biefeö  äjJittel 
über  ben  3we*  iebenfallö  weit  ^inauöget)t.  S)aju  fommt,  bafe  in  oielen  gällcn 
ber  S^au  bei  ber  5ßerf5nlid^fcit  beö  ß^emanneö  auö  ber  83efugni6  bcö 
le|teren,  baö  ©efommtgut  mit  ©d^ulben  ju  belaften,  überall  feine  ©efa^r 
bro^,  wo^l  aber  ein  Sd^ufc  berfelbcn  gegen  leid&tfinnige  SBeräufeerungen  ber 
3mmobilien  oon  ©eiten  beö  ©Ijcmanneö  angcjeigt  ift.    2)aö  ber  ©^efrau  im 
§  1372  beigelegte  Sled&t,  unter  ben  bort  nä^er  bejcid^neten  SSorauöfc^ungen 


354      Möem.  ©ütcrßemetnWaft.  ©cfammtgut.  Scrncaltung.  §§  1352, 1353. 

Vit  Sluflofung  ber  (Sütcrgcmcinfd^aft  ju  ocrlangen,  tjcrmag  bcr  @l)cfrQU  feinen 
©d^u^  gegen  bie  l^ter  fraglid^en  ©efal^ren  ju  geroätiren.    ©benforocnig  borf 
.man  bie  ©^efrau  auf  bie  SRBglid&feit  ocnDeifen,  baö  unberoeglid^e  SBermogen 
bei  Singe^ung  ber  aUgemeinen  ©ütergemeinfd&aft  t^ertragömöfeig  für  SBor* 
befjaltögut  ober  ©onbergut  ju  erMären  (§§  1346,  1351  9lr.  1),  ba  bcrartige 
aSorbel^alte  bei  ber  aUgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft  im  ^inblicfc  auf  bie  ^mtdt 
ber  legieren  feiten  t)orfommen  unb  feine  93egünftigung  tjerbienen.  3luc3^  baburc^ 
fann  bie  ©^efrau  fid^  nid^t  fid^ern,  bafe  in  bem  e^et)ertrQge  bie  aSerfügung 
bcö  efiemonneä  über  Immobilien  tjon  i^rer  Sßitmirtung  abl^ongig  gemad^t 
wirb,  ba  eine  berortige  Sereinborung  gegenüber  ©ritten  of)ne  SBirfung  ift 
(§  796)  unb  nad^  ben  ©runbfägen  beö  ©runbbud^red^teß  aud^  burd^  ©in* 
tragung  in  baö  ©runbbud^  SBirl^'amfeit  gegen  S)ritte  nid^t  erlangen  fann. 
©egenübcr  bem  praftifd^en  S3ebürfniffc,  bie  @l)efrau  unb  bie  Äinbcr  in  bcn 
fieroorgel)obenen  33eiiet)ungen  ju  fd&ügen,  fonn  erljebtid^eö  ©eroid^t  borauf  nid^t 
gelegt  werben,  bafe  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  bei  SInerfennung  ber  un* 
befd^ränften  SBerfügungögemalt  beö  Gfiemannefi  fid^  einfad&er  geftattet,  ba%  bie 
93cfdE|ränfung  ber  leßteren  fid&  aud^  auf  bie  oon  bem  ©bemanne  fctbft  J&errül^renben 
©runbftüde  erftrecft  unb  unter  Umftänbcn  bcn  ©bemann  aud^  an  ber  Sluö* 
Übung  perf onlid^er  SRed&te,  j.  33.  an  ber  aSerlegung  beö  3)omijilcö  an  einen  anbeten 
Ort,  tl^atfäd^üd^  l^inbern  fann.  ßiner  ®cfäf|rbung  ber  Sntereffen  beö  ©l^emanncß 
bur^  bie  ^ier  fragtid&e  Sefd&ränfung  beö  SScrfügungöred^teö  wirb  burd^  bie 
93cftimmung  beö  §  1353  9lbf.  4  in  auöreic^enber  2Beife  entgegengetreten, 
»eiojiunfl,  9lel)ntid^e  ©rroägungen,  roie  bie  tjorftel^enben,  fpred&en  bafür,  bie  Se« 

fd^ränfung  ber  SBerfügungögeroatt  beö  (g^emanneö  aud^  auf  bie  Selaftung  beö 
insbefonbere  ©ruubbefifeeö  auöjubel^nen,  inöbefonbere  aud&  auf  bie  Selaftung  mit  ^gpotl^cfen 
Ar  unb  Orunbfd&ulben  (üergl.  preufe.  31.  £.  5R.  II,  1  §  378;  fäc^f.  ®.  83.  §  1698). 
3n)ar  finb  bie  5ßerfonalgtäubiger  beö  ®l^emanneö  nad^  §§  1359,  1360  in  ber 
Sage,  im  SBege  ber  S^öngöDoUftrectung  nad&  aWafegabe  beö  §  1130  bie  Gin* 
tragung  einer  ©id&erungö^tipotl&ef  ju  ermirfen.  S^beffen  wirb  bie  S3efc^ränfung 
beö  SBerfügungöred&teö  beö  ©l^emanneö  in  ber  Selaftung  mit  ^gpotl^cfen  unb 
@runbfdi)ulben  bo^  baju  beitragen,  im  Sntereffe  ber  ©rl^altung  beö  ©runb« 
befigeö  in  ber  gamilie  bie  SBerfd^ulbung  beö  legieren  ju  erfd^roeren  unb  ber 
®efaf)r  entgegentreten,  bafe  ber  ©l^emann  einfeitig  burd^  ©intragung  ©on 
©runbfd&ulben  ben  pm  ©efammtgute  gel^orenben  ©runbbefig  mobilifirt  35ic 
93cforgni6,  bafe  anbererfeitö  ber  Seemann  burd^  eine  fold^c  SKuöbel^nung  ber 
S3efd^ränfung  feiner  Sßerfügungögeroalt  in  ber  aSermaltung  beö  Ocfammtgutcfi 
JU  febr  beengt,  namenttid^  in  ber  Süuönuftung  beö  SHealfreblteö  gefä^rbet  loerbe, 
erlebigt  ftd^  aud^  l^ier  burd^  ben  ^inmeiö  auf  ben  §  1353  iKbf.  4.  ^ad^t 
man  in  3lnfe^ung  ber  33elaftung  mit  ^tipot^efen  unb  ©runbfd^ulbcn  feine 
aiuönal^mc,  fo  empfiel^It  eö  fid^  fd^on  im  3ntereffe  ber  ©infad^l^eit  beö  ©efe^ed, 
aud&  in  Slnfeliung  ber  93elaftung  mit  ©runbbienftbarfeiten  feine  Sluöna^me  ju 
beftimmen,  mennglei^  anjuerfennen  ift,  bafe  burd^  eine  fold&c  Selaftung  bie 
roirt^fd^aftlid^e  (Srunbtage  ber  gamilie  nid^t  erfd^üttert  wirb  unb  barauö  ber 
gamilic  regelmäßig  eine  ©efal^r  nid^t  erroäd^ft. 
M?l«äult*  ^^  ^^"  beabfid^tigten  3*^^*  i^  erreichen,  muß  aber  auß  a^nlid^en 

runfl  unb  »e*  ©rünben ,  mie  ben  oben  ©.  352  unter  9lr.  1  angefül^rten,  auc^  baö  einfettig 


«Oflcrn.  ®ütcrgcmcinf$aft.  ©cfammtgut.  SSertraltung.  §§1352,1353.       355 

vom  Spanne  vorgenommene  obUgatortfd^e  9lec^tögefd^&ft  burd)  meld^eS  bepianunggertc^« 
felbc  jur  SJeräufeerung  ober  Selaftung  eineö  jum  ©efammtgute  ge^örenbcn  ^^^^hT 
®runbftücfeö  fiti^  verpflichtet,  für  unroirffam  crftärt  werben.  Qxoax  enthält 
Wc«  eine  SJurd^brec^ung  allgemeiner  ©runbföSe  (vergl.  §  348),  allein  biefe 
Sücffi^t  fann  nid^t  mafegebenb  fein,  wenn  —  wie  bied  ^ier  ber  gall  —  baö 
praftif(^e  Sebürfnife  eine  fold^e  Surd&brec^ung  bringenb  erl^eifd^t  3)icfem 
Sebürfniffe,  bie  ß^efrau  unb  bic  Äinbcr  5U  fd^üfeen',  mufe  bie  JRüdffid^t 
a«f  bic  SSerfel^röfid&erl^eit  roeid^en,  jumal  ber  legteren  aud^  in  Slnfe^ung  beö 
obligatorifdben  9ied^tdgef^äfteö  burd^  bie  S3eftimmungen  beg  §  1336  in  an^^ 
rcic^enber  SBeife  SRe^nung  getragen  ift.  ®in  genügenber  ©runb,  au^  baö 
obligatorifdbe  9led^tdgefd^öft  ber  (S^efrau,  burd^  weld^ed  biefelbe  fic^  einfeitig 
jur  SSerSufeerung  ober  Selaftung  eineö  jum  ©efammtgute  geljörenben  Orunb^ 
ftiicfcö  Derppid^tet,  für  unroirffam  ju  erMären,  liegt  bagegen  nid^t  vor,  ba  bie 
boraus  für  fie  begrünbete  SSerbinblid^teit  nad^  §  1362  9lr.  1  feine  Oefammtgutä* 
x)crbinblidbfeit  ift  unb  beö^alb  nad^  §  1359  3lbf.  1  bad  ©efammtgut  nid^t  berührt. 

SBie  bie  gaffung  beö  §  1353  äbf.  1  ergiebt,  bejiel^t  fid^  bie  l^ier  fraglid^c 
Sefd^rfinfung  ber  SSerfügungägeroalt  beö  ß^emanneö  übrigenö  nid^t  bloö  auf 
Sertröge,  fonbem  aud&  auf  cinfeitigc  SRed^tögef^äfte  (§  872).  6in  auöreid^cnber 
©runb,  bic  te|teren  von  ber  SSefd^ränfung  auöjufd&liefecn,  ift  nid^t  vor^anben. 
SSSegen  ber  2egitimation  beö  ß^emanneö  jur  gü^rung  von  SRed^töftreitigfciten, 
Q)eh^  ein  jum  ©efammtgute  gel^örenbeö  ©runbftüdt  ober  baö  Sted^t  eineö 
dritten  an  einem  fold&en  ober  bie  Sßerpflid^tung  beö  ®^emanneö,  ein  ©runb:: 
ftäd  )u  verfiugern  ober  }u  belaften,  jum  ©egenftanbe  \)ai,  wirb  auf  bie  9(uö^ 
fü^rungen  unter  9ir.  8  verwicfcn. 

3.  S)ie  Sefd^rönfung  ber  aSerfügungögcroalt  beö  ß^emanneö  in  SÄn*  «ertügung 
fc^ung  entgelttid^er  JRed^tögefd^öfte  nod^.  weiter  auöjubel^nen,  inöbefonbere  ben  gminowaa" 
©runbftücten  unb  ben  ilinen  nad^  §  781  gleid^ftel^enbcn  Sered&tigungen  in  ber  "^**- 
^Icr  fraglid^en  93ejief|ung  bic  SRed^te  an  (SrunbftüdEen  übcrfiaupt  unb  bie  Siebte 
üh  folc^cn  Siedeten  gleidöiuftcllen,  ift  nicbt  alö  angemeffen  erad^tet.  SBenngleic^ 
QU(^  iene  $Red^te  einen  gcwijfen  Smmobiliarfarafter  l^abcn  (vergt.  §  1432  2lbf.  2, 
§  1511  3lx.  1,  2,  §  1674  5ßr.  1,  2)  unb  baö  geltenbe  SWec^t  jum  2:f|eil  einer 
fo((^  9[uöbe^nung  ber  ^efd^räntung  beö  SSerfügungöred^teö  beö  @^emanneö 
jur  ©eitc  fteljt  (vergt.  preu§.  31.  S.  di.  II,  1  §  379),  baburd^  aud^  ber  9Sor^ 
tbeil  erreicht  werben  mag,  bafe  eine  größere  Uebercinftimmung  beö  ©runbbud^eö 
mit  ber  burc^  bic  ©ütergcmeinfd^aft  fierbeigefü^rten  wirflid^en  SRed^tölage  erjielt 
wirb,  fo  treffen  bod&  bieienigen  ©rünbe,  weld^e  für  ben  ©ntwurf  wcfentlic^ 
nuiBgebenb  gewefen  ftnb,  bie  SSerfügungögewatt  beö  @§emanneö  in  9lnfe{)ung 
ber  ©runbflürfe  ju  befd&ränfen,  nämtid^  bic  l^ervorragenbe  wirtl^fd^aftlid^c  unb 
fojiale  Scbeutung  beö  ©runbbefileö,  auf  bie  JWed^te  an  ©runbftüdfcn,  foweit 
biefe  Siedete  nid^t  nad^  §  781  ben  ©runbftüden  gleid^geftellt  finb,  wie  j.  33. 
ia^  ßrbbaurec^t  (§§  961,  962),  unb  auf  bic  Siedete  an  fold^en  ^ed^ten  nid^t 
JU.  3^iöMönbere  ift  eine  9luöbef|nung  auf  ^r)pot^efen  unb  fold^e  gorberungen, 
für  welche  eine  ^gpot^ef  alö  5ßfanb  l&aftet,  nid^t  gered^tfertigt,  inöbefonbere 
bann  nid&t,  wenn  man  bie  Scfd^ränfung  ber  aSerfügungögcwalt  beö  @t)cmanneö 
nicftt  auf  95krtl|papiere  übcrtiaupt,  inöbefonbere  auf  3nf)aberpapiere,  erftrectt. 
ßine  fo  ivcitge^enbe  SBefc^ränfung  ift  aber  mit  ben  ©rünben,  auf  wcld^en  bic 

23* 


356       9lHöem.  ®utergeineinf(J6aft.  ©cfamtntöut.  SBcriraltung.  §§1352,1353. 

SWegcI  bcö  §  1352  beruht,  nid)t  Dercinbar  unb  würbe  fidö  alö  eine  Umftofeung 
jener  Sflegel  barftellen. 
uebertrag«'  4.  3m  ^Inblirfc  ouf  bie  S3eftimmungcn  beö  §  1353  über  folc^c  SRed^tö* 

»ertrage,  g^^^g^j^^  jjy^^j^  toeldtie  boö  Oefammtgut  im  Oonsen  ober  ein  93rud)tf|eil  bcö^ 
felben  ober  ein  ju  bem  ®efammtgute  geliörenbeö  ©ninbftüdf  reräufeert  ober 
belaftet  ober  bie  SßerpPid^tung  p  einer  fold^en  SSeräufeerung  ober  Seloftung 
begrünbet  wirb,  ift  bie  befonbere  93erü(ffid)tigung  ber  fog.  UebertragSüerträge 
(oergL  §  3  3lbf.  3  bed  roeftfäl.  Oef.  o.  16.  Slpril  1860;  e^renbreitft.  entm.  §  30) 
entbehrlich,  ba  eö  fid)  bei  biefen  SBertrögen  rcgetmäfeig  um  ipofeßabtretungcn, 
alfo  um  bie  SSeräufeerung  t)on  (Srunbftücfen,  ^anbelt,  fomeit  bieö  ober  nid^t  ber 
%a\l  ift,  regelmäßig  ba&  ganje  Vermögen  ben  Oegenftanb  beö  SSertrogeö  bilbet. 
2)aju  fommt,  ba§  ber  fog.  Uebertragöoertrog  im  ©efepud^c  überhaupt  nid^t 
befonberß  geregelt  ift. 
6<^nfuii0en  5.  3n  Slnfeljung  üon  ©d^enfungen  ift  nod^  ben  meiften  Siebten  ba& 

ditd)t  beö  ©fiemanneö,  über  boö  Oefammtgut  ju  Derfügen,  mel^r  ober  weniger 
oeitenbeft  befc^röuft.  9lm  engften  bcgrenjt  ift  biefe  Sluönatimc  im  preufe.  51.  S.  W.  II,  1 
**^*  §§  381—383,  411.  3la6)  bem  [enteren  fmb  bie  oon  bem  ©^emonne  quo  bcm 
©efammtgute  einfeitig  gemad^ten  ©d^enfungen  gültig,  jebod^  tann  bie  ©Ijefrou 
biefelben  inforoeit  miberrufen,  olö  if|r,  roenn  fie  fetbft  bie  ©d^enfung  gcmad^t 
l^ötte,  ber  SBiberruf  geftattet  fein  mürbe,  ober  olö  fte  in  golge  ber  ©dfeenfung 
bei  Sluflöfung  ber  ©emeinfd^oft  auö  bem  gemeinfd)aftlid^en  SBermogcn  roeniger 
erholten  mürbe,  alö  pe  eingebrad^t  tjot.  ©rfolgt  ber  SBiberruf  üon  ©eiten  ber 
®^efrQU  nid^t,  fo  muß  ber  Seemann  bie  einfeitig  oon  i^m  gemad^ten  ©d^cn* 
hingen  bei  ber  Sluflöfung  ber  Oemeinfd^aft  pd&  auf  feinen  9lnt^eil  anrechnen 
laffen.  3^  ^i"^  "w^  befd&ränften  SKnfed^tbarfeit  (nad&  SWafegabe  ber  Onmb^ 
föfee  über  Sßerlefeung  beö  5ßfIid)ttf|eUeö)  fül^ren  aud^  bie  ^efiimmungen  be* 
brem.  unb  beö  oerben.  Sle^tcö,  ha^  ber  Seemann  über  feinen  ftotutarifcftcn 
Slnt^eil  (Ropftl^eil)  am  ©efammtgute  burd^  ©d^enfung  ju  Derfügen  bered^tigt 
ift.  ®ine  größere  Qal^l  von  Siedeten,  inöbefonbere  bie  Siechte  t)on  Oönabrüct 
aßünfter,  gulba,  ®rbad^,  ^Bamberg,  fomic  bie  lippe^betm.  Söerorbn. 
D.  1786  §  8,  entjiel^en  bagegen  bem  ®^emanne,  abgefeljen  von  geringeren  Sfm 
ftanbö*  unb  Oelcgenfieitögefd&enfen,  bie  Sefugniß,  burd^  ©d&enfung  einfeitig 
über  baö  Oefammtgut  ju  Derfügen.  S)ieö  mirb  Dielfad)  aud^  alö  ber  ©tanb« 
puntt  beö  gemeinen  beutfd()en  JRed^teö  l)ingefteUt  (©euffert  I,  351,  XXXI,  147 ; 
Dergl.  aud^  mürttemb.  ®ntm.  §  254  lit.  b;  ©efegreo.  beö  preufe.  Sf.  SL  9?. 
5ßenf.  XV  §§  304,  305  nebft  üßotiDen  ©.  351;  f)eff.  ©ntro.  IV,  2  2lrt.  448). 
®inen  mittleren  ©tanbpunft  nimmt  ber  code  civil  3lrt.  1422  ein,  roeld^em  in 
biefer  ^inft^t  im  SSBefentlid^en  baö  meftfäl.  ®ef.  d.  16.  Sffpril  1860  §  3,  ber 
oönabr.  ©ntm.  §  6  unb  ber  el^renbreitft.  ®ntm.  §  30  Slbf.  3  gefolgt  finb. 
SJlad^  biefen  ©efeggebungömerfen  finb  bem  ©l)emanne  einfeitige  ©c^enfungen 
unberoeglid&er  Ba^m  ober  beö  gefammten  beroeglid^en  SBermögenö  ober  einei^ 
93rud&t^eileö  beö  festeren,  foroie  einjelner  bemeglid^er  ©ad)en,  fofcm  ber  ®^c$ 
mann  fid^  ben  9lie6brau($  baran  Dorbefjalten  roill,  unterfagt. 
etanbpunft  ©er  ©ntrourf  gel^t  baoon  auö,  bafe  bem  ©liemanne  ha&  SRed^t,  einfeitig 

«ntourfe«.  ^"^  ^^^  Oefammtgute  Sd&enfungen  ju  mad^en,  gmubfäfelid^  entjogen  merben 
mug,  ba  ©d^enhmgen  regelmäßig  aufeerf)alb  bcö  Rreifeö  einer  orbnungömäligea 


«ttgcnt  ®utcrgcmcinfd&aft.  ©efammtgut.  aJcrwattung.  §§  1352, 1353.       357 

SermögcnöDerroaltung  Hegen,  boö  bered^tigte  Sntereffe  ber  (Sfiefrau  entfd&ieben 
gegen  eine  folc^c  Sefugnife  beä  ©^emanncö  fprid)t  unb  bie  (entere  anbererfeit§ 
üni)  n\6)t  bux6)  bie  Stücfjtd^t  auf  bie  bem  @[)emanne  ge6ü()renbe  Stellung 
ober  mit  Stüdffidit  auf  bie  SScrfel^räfidöerfieit  crforbert  wirb,  (Sine  9luönal)mc 
ift  im  §  1353  3lbf.  3  nur  für  fotd^c  ©d^enfungen  gemod^t,  roeld^c,  fei  eö  nad^ 
bcn  Ser^öltniffen  beö  ß^emannes  ober  ber  ß^efrau,  burc^  eine  ftttlid)e  ^ftid^t 
ober  bie  auf  bcn  Slnftanb  ju  nefimenbc  SHücffic^t  gered&tfertigt  werben,  meil 
berortigc  ©c^enfungen  innerhalb  beö  Äreifeö  einer  regelmäßigen  unb  orbnungö* 
mäßigen  SermogenSücrroaltung  liegen  (oergl.  aud^  §§  1661,  1952  9lbf.  3). 
S)a6  biefe  9lußnal)me  wegen  ifirer  Unbeftimmt^eit  unb  it)rer  2luäbel^nung 
eine  Cucttc  oon  3n)iftigfeitcn  unter  bcn  ®{|egatten  ju  merben  brofie,  namentlid^ 
©cnn  ber  ©bemann  auf  ®runb  biefer  Seftimmung  feinen  aSermanbten  größere 
Sc^cnfungcn  juroenbc,  ift  nid^t  ju  beforgen.  S)en  3Sorjug  einet  fefteren  33e? 
grenjung  ^abcn  aüerbingö  bie  SSorfd^riften  beö  franj.  9led)teö  unb  beö  if)m 
folgcnben  meftfäl.  (Sef.  v.  16.  9lpril  1860.  ©egen  biefe  aSorfd^riften  fällt  aber 
cntfc^eibenb  inö  ©croid^t,  baß  biefclbcn  bcn  3"^^^/  ^^ö  rcd^tlid^c  Sntereffc  ber 
C^efrau  an  ber  ©rl^altung  beö  ©cfammtgutcö  ju  fd^üfeen,  in  einer  nur 
fc^r  ungcnügenben  SBcife  erfüllen.  9luf  ber  anberen  Seite  mürbe  baß  SSer* 
fügungörcd^t  beö  ß^cmanncö  ju  fel&r  beengt  mcrben,  wenn  man  bem  Icfetcrcn 
nur  baö  Sted^t  beilegen  moUte,  o^ne  ©inmiUigung  ber  (S^efrau  gebräud^lid^c 
©elegen^citögcfcbcnfe  }u  mad^en. 

Um  bcn  3^^^  jw  erreid^cn,  genügt  eö  iebod&  nid^t,  nur  ben  binglid^en  e^enftmö«. 
SJcrtrag,  burd^  rodeten  ein  jum  ©efammtgute  get|örenber  ©egenftanb  Dcrfd^cnft  t^SlfJSbJ^e. 
TDirb,  an  bie  Ginroilligung  ber  Qf^efvan  ju  binben,  fonbcrn  baöfelbe  muß  im 
^inblidc  barauf,  baß  iebe  SSerbinblid&fcit  beö  ß^emanneö  ©efammtgutö^? 
ocrbinblic^fcit  ift  (§  1359  2lbf.  1),  aud^  für  baö  ©d^cnfungöDcrfprcd^cn  beö  6^e* 
monneö  bcftimmt  mcrben,  unb  jmar  gteid^ricl,  ob  baö  lefttere  ©cfammtgutö^ 
gcgenftänbc  ober  fungibelc  ©ad^cn  ober  felbft  foI(§c  ©cgcnftänbc,  meldte  jum 
Sorbe^altögutc  ober  jum  ©onbcrgute  beö  @^cmanneö  geboren,  jum  ©egem 
ftonbc  I)at  (ocrgl.  §§  442—444).  S)agegcn  ift  ber  ©bemann  burd)  ben 
§  1353  9lbf.  2  nicbt  ge[|inbcrt,  o^nc  ©inmilligung  ber  ®t|cfrau  auö  feinem 
Sorbcliattö^  ober  ©onbcrgute  unmittelbar  burd^  binglicbcn  SSertrag  ju  Der* 
ft^entcn,  ba  in  einem  fold^cn  galle  für  bcn  ©Ijcmann,  abgefc!|en  üon  bem 
goDc  cincö  dolus,  eine  93crbinblid^fcit  burd^  bie  ©d^enfung  ni^t  begrünbct, 
mithin  baö  ©cfammtgut  nid^t  baburd^  bcrül^rt  wirb.  3n  gleid^er  SSBcifc  mie 
ber  binglic^c  SSertrag,  burd^  meldten  ein  jum  ©cfammtgute  getiörenber  ©cgen* 
ftanb  ocrfd^enft  wirb,  fällt  aber  aud^  ber  binglid^e  SSertrag  unter  bie  Sc* 
ftimmung  beö  §  1353  älbf.  2,  burd^  meldten  über  einen  fold^cn  ©egenftanb 
»um  3rocrfe  ber  ©rfüUung  cincö  nad^  §  1353  9lbf.  2, 3  unroirtfamen  ©d&enfungö* 
»erfprec^cnö  ocrfügt  mirb,  wobei  tjicr  ba^ingcftellt  bleiben  fann,  ob  biefer 
Suöfü^ningöocrtrag  nad&  bcn  SBcftimmungcn  über  ©d^cnfungen  (§§  437,  441) 
felbft  o(ö  ©cbcnfung  ju  bctrad&tcn  ift.  2)er  ©tanbpunft  beö  preuß.  91.  S.  SR., 
na(^  welchem  ber  ß^cfrau  nur  ein  SBiberruföred^t  juftcfit,  unb  ber  ©Ijcmann, 
wenn  fte  pon  bicfcm  Siedete  feinen  ©ebraud^  gemad)t  l)at,  fid^  bie  einfeitig  t)on 
i^  gemad^ten  ©c^enhingcn  anred^nen  laffcn  muß,  gemährt  ber  6^efrau  feinen 
auöteic^nbcn  ©dbug  unb  ift  beöbalb  nid^t  ju  empfe()lcn. 


358       M^m.  ®üteroemcinf4aft.  eefanimtgut.  SScxtrallung.  §§  1352, 1353. 

aus.  S)cr  Code  civü  3lrt.  1422   (rergl.   oiid^   ^eff.  ®ntn).  IV,  2  Slrt.  448) 

pattungen.  ^^^|^^j^  ^^^  Seftimmutig ,  ba§  bcm  ®t|emannc  einfeitige  uncntgcttlid^c  93cr* 
fügungcn  über  baö  ©efatnmtgut  jur  Sluöftattung  gcmeinfci^aftlici^er  ftinbcr 
unbcfd^ränft  gcftattct  finb.  ®q  r\aä)  bem  ©ntrourfc  (§  1500)  badjenige,  tdqs 
einem  Äinbc  wegen  beffen  Sßer^eirat^ung  ober  ©rrid^tung  eined  eigenen  $ouö* 
ftanbes  üon  bent  SBater  ober  ber  äFlutter  innerhalb  bcr  im  §  1500  Slbf.  3  bc^ 
jeic^neten  (Srenjen  olö  3tuöftattung  burd^  Sßertrag  jugeftd^ert  ober  gemährt 
roirb,  nid^t  als  ©d^enfung  gilt,  fo  fallen  berortigc  ^uöftottungen  über^oupt 
nid&t  unter  bcn  §  1353  3tbf.  2,  fonbem,  Dorbe^altlid^  ber  Sefd^rSntung  be& 
§  1353  Slbf.  1,  unter  bic  Siegel  beö  §  1352,  nad^  meld^er  ber  Seemann  fold&e 
3luöftattungen  o^ne  ©inmiUigung  ber  ®^efrau  quo  bcm  ©efammtgutc  ju  ge? 
n)Qf)ren  bered^tigt  ift.  @S  gilt  bieß  ober,  ba  bie  Seftimmung  beö  §  1500  fxd) 
audf)  auf  einfeitige  Äinber  bejiel^t,  aud^  Don  3[uöftattungen  beß  ®^emanneß 
QU  beffcn  einfeitige  Jlinber,  o^ne  bofe  er  biefer^alb  bem  ©efommtgutc  bei  Sttuf* 
lofung  ber  (SemeinfdEiaft  ©rfag  ju  leiften  üerppid^tet  wäre  (oergl.  bic  Sßotioc 
JU  §  1365).  8Sorauögefe|t  mirb  jebod)  in  allen  fällen,  ba§  bie  Sluöftattung 
ia&  ben  Umftänben  bcö  galleß,  inöbcfonbere  bcn  SBermogenSoer^ältniffen  bc& 
®f)emanneö  entfpred&enbe  EWafe  nid^t  überfteigt  (§  1500  Slbf.  3).  Soweit  biefeö 
9)la6  übcrfd^ritten  mirb,  liegt  eine  ©d^enfung  Dor,  fo  bag  infoTOcit  bic  Sc^^ 
ftimmungen  beö  §  1353  Slbf.  2,  3  jur  Slnroenbung  fommen.  SDaäfcIbe  gilt 
t)on  Sluöftattungcn  beö  ®^emanncö  an  anberc  5ßerfonen,  j.  SB.  an  feine  ®e^ 
fc^roifter  ober  an  einfeitige  Äinber  ber®f|efrau;  fold&e  Sluöftattungen  bebürfcn 
ba^cr  nad&  §  1353  Slbf.  2  ftetö  ber  ©inroilligung  ber  ®^eifrau,  eö  fei  benn, 
ba^  —  maä  iebod^,  abgefe^en  von  Sluöftattungen  an  einfeitige  Äinbcr  ber 
®^efrau,  faum  jemalö  anjunel^men  fein  wirb  —  bic  @eroäl)rung  einer  folcbcn 
Sluöftattung  nac^  §  1353  Slbf.  3  burd&  eine  fittlid&e  ^flid&t  ober  eine  auf  ben 
Slnftanb  ju  nelimenbe  JHüdffid^t  gcrcdfitfertigt  fein  foUte. 

Snroieroeit  ber  ®^emann,  meld&cm  ein  SBorbeljaltögut  ober  Sonbcrgut 
gel^ort,  ju  bcm  ©cfammtgutc  ®rfa|  ju  leiften  ücrpflid^tet  ift,  menn  er  einem 
5linbe  eine  Sluöftattung  gewährt  ober  jurid&ert,  weld^c  nad^  bem  §  1500  nic^t 
alö  ©d^cnfung  anjufef)en  ift,  aber  baö  bem  ©efammtgute  entfpred()enbe  9Wa§ 
überfteigt,  beftimmt  fid)  nad^  §  1368. 
TOitiDirfung  6.  3n  ben  fällen  beö  §  1353  Slbf.  1, 2  ift  bic  SBirffamfcit  beö  3fled^tö^ 

ber  «^efrau.  g^j^g^j^g  j,^g  Gljcmanneö  T)on  bcr  ®inn)illigung  ober  ©ene^migung  ber  6l)efrau 
abljängig  (ücrgl.  §  65  Slbf.  3,  §  1300).  JJid^t  erforbertid^  ift  alfo,  bafe  bic 
®t|egatten  gemcinfc^aftlid^  atö  Äontral^enten  auftreten,  loic  bieö  in  bem  §  3 
Slbf.  3  beö  meftfäf.  ©cf.  t).  16.  Slpril  1860  für  Uebertragöoertrögc  tjorgefdirieben 
ift  (oergl.  ©ntfd^.  b.  9i.  ®.  in  ßiuilf.  I,  140  ©.  397).  ©ö  mürbe  bicö  einerfeitö 
mit  bcm  ^rinjipe  bcö  ®ntn)urfcö  nid^t  im  ®intfangc  ftel^en,  ba§  bic  ß^efrau 
auö  ber  SBcrroaltung  beö  ©cfammtguteö  nid^t  pcrfonlid^  haftbar  fein  foH 
(§  1352  Slbf.  3,  §  1359),  anbcrcrfeitö  um  bcöroillen  bcbenflic^  fein,  weil  alö* 
bann  bie  ©inroiUigung  ber  ®f)efrau  ber  für  baö  betrcffenbe  Slcd^tögcfd^äft  Dor* 
gcfdl)ricbcncn  gorm  bebürftc  unb  baö  einfcitig  Don  bem  ®l)emanne  Dorgenommcnc 
obligatorifd)c  SRcd^tögcfd&äft  burd^  bie  ©encl^migung  ber  ®^efrau  nidjt  mirffom 
mcrben  mürbe.  S3inbet  man  bagegen  ba^  SRc^tögcfd^ftft  beö  6f|cmanncö  an 
bic  ßinroilligung  ober  ©cnctjmigung  bcr  ©liefrau,  fo  ergiebt  fxö)  in  beibcn 


Sniflcin.  Oütergcmcmf^aft.  ©cfammtgut.  aSertpaftung.  §§1352, 1353.       359 

Sejic^ungcn  boö  ©cgcnt^eit^  inbem  bic  allgetncincn  Seftimmungcn  bcs  §  127 
äniDcnbung  finbcn.  3)anad&  ift  inäbcfonbcrc  anä)  bei  Sd^entungcn  bcö  Gf)c^ 
manne«  bie  6inioinigung  ober  ©cncl^migung  bcr  ß^efrau  an  bie  für  ©d^enfungen 
oorgcf^riebene  gorm  nid&t  gcbunben.  ©benforocnig  bcbarf  es  bei  Sd^enfuugeu 
bes  g^emanncö  ber  für  ©fieoertröge  rorgefd^riebenen  §orm,  inbem  bcr  Gntrourf 
boDon  audgel)t,  bafe  bicfelben  oud^  in  folgen  gällen,  in  roeldjen  bic  Gin^ 
miüigung  ber  ß^cfrau  crforberlidö  ift,  ni^t  augcrtjalb  beö  Qxotäe^  beö  ©c^ 
fammtguteö  Hegen  unb  beS^alb  nid^l  ald  eine  älenberung  bcg  oertragdmögigcn 
©üterftanbeö  bcr  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  auf 5uf offen  finb.  Sicö  ift 
and)  porrotcgcnb  bcr  ©tanbpunft  beö  geltenben  9kd)teß,  2)ic  ^rariö  beö 
fran§.  3tcti^ted  nimmt  cbenfaUö  übcnüiegenb  an,  bafe  berartige  Sd^enfungcu 
nid^t  eine  älcnberung  bed  @^epertraged  enthalten  unb  bes^alb  mit  @inn)illigung 
ber  ß{|efrau  juläffig  finb,  mfil^renb  ©[jcDcrträgc  nad^  franj.  SRed^te  roäl)rcnb 
befte^enber  G^c  nid^t  gefd&loffen  rocrben  tonnen.  Db  unb  inroieroeit  bagcgen 
mä)  ben  beftc^enben  Siedeten,  j.  S.  bem  §  3  2lbf.  2  beö  roeftfäl.  Oef.  d.  16.  3(pril 
1860,  bic  ©inroiUigung  ber  ©tiefrau  ju  ©d^enfungen  ber  für  bie  te|teren  vox^ 
gcfd^ricbcnen  gorm  bebarf,  ift  nid)t  jmeifelloö  unb  Ijängt  mit  bcr  allgemeinen, 
oon  bcm  ßntrourfc  im  §  127  pcrncinten  gragc  jufammen,  ob  bie  erforberUd)c 
ßinioilligung  cincö  3)rittcn  ju  bem  oon  einem  2lnberen  gefd^toffenen  9lcd)tö- 
flcfc^äfte  ju  bcm  S^^atbcftanbc  beö  Ic^teren  gehört  (oergl.  Urtl^.  b.  3i.  (S.  im  preufj. 
3. 3R.  ai.  üon  1886  S.  330  ff.).  Gin  genügcnber  ©runb,  in  ben  gäüen  beö 
§  1353  oon  bcr  Siegel  beö  §  127  2tbf.  2,  bafe  bie  formlofc  ©inmilligung  ober 
Qcnc^migung  genügt,  abjumei^cn,  liegt  nid&t  Dor.  3^^^  Grreid&ung  beö 
bcabfic^tigten  Sjocdteö  rei^t  bic  formlofc  Ginroilligung  ober  (Scne^migung  bcr 
e^frau  auö.  33icfc  9lrt  bcr  SRcgctung  ücrbicnt  aud^  beö^alb  ben  93orjug, 
weil  babur^  bic  Sebcnfcn  gegen  bic  93efd^ränfungen  beö  93erfügungörcd&teö  beö 
ß^manneö  einigermaßen  abgcfd^mäd^t  merben. 

Xa«    o^nc   Ginroilligung    ober    ©cncfimigung    beö    G^emanneö    üor^  unwirifttw- 
genommcnc  9icc^tögefrf)aft  ift,  oorbe^altlic^   bcr  Söcftimmungcn  ber  §§  837, 'S^itaSriSnr 
1336  über  ben  ©cftug  beö  guten  (Staubenö  2)ritter,  nid&t  nur  für  bie  Gf)cfrau,  ^  ^^«  ^^^^ 
fonbern  oud&  für  ben  G^emann  unroirffam.     Gö  entfprid)t  bieö  bem  SBcfen  genoLtenen 
ber  aUgcmcincn  ©ütcrgcmeinfd^aft  unb  bem  5ßrinjipe  bcr  gefammteu  ^aub;  ^^^"^^ 
ttu(^  würbe  bic  Unocrbinblid^feit  beö  obligatorifd^en  3ledE)tögefd)äftcö  nur  für 
bie  Gbcfrau,  roic  bcrcitö  oben  ©.  352  l^eroorgctjoben  rourbe,  mit  bem  (Sruub^ 
fafe  nic^t  im  Ginf lange  flehen,  bafe  alle  SBerbinbli^feiten  beö  Gl;emauncö 
©efammtgutöocrbinblic^fciten  finb  (§  1359).     SKit  bcm  Gntrourfe  ftimmen 
in  biefcr  93cjic^ung  inöbefonbere  baö  preuß.  31.  2.  dt,  foroie  baö  roeftfäl.  ®cf.  vi. 
16.  aipril  1860  §  3  überein  (oergl.  Gntfd).  b.  dl  ©.  in  Gioitf.  I,  140  ®.  397 ; 
Urtti.  b.  JR.  ®.  bei  @ru(^ot  XXVI  S.  1009). 

7.  Sie  auf  SRed&tögef^öftc  ber  im  crften,  nid&t  aud&  auf  SRed&tögefd^äftc  «erpfi^tung 
ber  im  sroeiten  2lbfa6e  beö  §  1353  bcjcidjnctcn  2lrt  fi^  bciie^enbe  Seftimmung  g^efrai  m 
beö  §  1353  2lbf.  4  ift  im  Sntereffe  beö  Gtjcmanneö  geboten  (oergl.  aud)  a^itroirfung. 
§  1319).    atud)  nad^  ben  meiften  befte^cnben  9ted)ten,  nad^  meldten  bie  Gin^ 
loilligung  bcr  G^^^au  ju  geroiffen  SBcrfügungcn  beö  Gf)emanneö  erforbcrlid) 
ift,  fann  biefe  Ginroilligung,  xoznn  [ic  o^ne  genügenben  ©runb  oerroeigert 
ujirb,  burd^  boö  Oeric^t  erfeftt  rocrben  (oergl.  inöbefonbere  preufe.  31. 2.  SH.  II,  1 


360       3(Ilöcmeme  ©utcroemeinfc^aft.    2}erfüoimG«red6t  ber  (S6cfrau.    §  1354. 

§§  387,  388).  SDagegen  ftcl^t  ber  ®^efrau  —  abroeid^cnb  von  bcm  gefc|Ii(i^cn 
c^clidöcn  ©ütcrrcd&tc  (§  1320)  unb  DorbeJ^altlid^  ber  93cftimmung  beö  §  1366  — 
ein  2(nfpriid^  auf  ajlitroirfung  ni^t  ju.  Gin  fol^cr  Slnfpru^  würbe  mit  bem 
5ßrinjipe,  ba^  bei  ber  allgemeinen  Oütergemeinfc^aft  bas  SScrroaltungöred^t 
allein  bcm  (S^emanne  juftefit  unb  ber  legtcrc  ber  ß^efrau  für  feine  SBcrmaltung 
nic^t  ücrantroorta^  ift  (§  1352  3l6f.  1,  2,  §  1364),  nid^t  oereinbar  fein. 
^t^^tlr  ^'   ®^^  §  ^^^^  bcfd&räntt  in  ben  bort  beseid^neten  gätten  baß  SScr* 

manne«  jur  tt)attungörcci)t  bcö  ©^emanncS  nur  in  Slnfe^ung  ber  Sßornal^me  Don  SRcd&tö^ 
Ä^fl.  Ö^fci&äften,  nid^t  aud^  in  9lnfe^ung  ber  Segitimation  jur  gü^rung  von  SRed^tö- 
ftreitigfcitcn,  mcldje  bie  jum  ®efammtgute  gefiörenben  ®runbftüdEe  ober  bie 
SRc^tc  dritter  an  fold^en  ober  überl^aupt  eines  ber  im  §  1353  bcjeid^netcn 
SRed^tsgcfdiäfte  jum  Oegenftanbe  I)abcn.  aSenngleid^  nic^t  }u  oerfennen  ift,  bafe 
bie  ^roje6fül)rung  megen  ber  mit  ber  SRed^töfraft  beö  Urtl^eileS  rerbunbencn 
SSBirfungcn  (§  191)  mittelbar  ben  ®rfolg  einer  Sßcrfügung  f)aben  fann  unb 
bie  üon  bem  ©bemanne  geführten,  baö  ©efammtgut  aftio  ober  paffio  be* 
treffcnben  ^rojeffe  in  Sejic^ung  auf  baö  ©cfammtgut  nad^  §  1352  aud& 
gegen  bie  ©^efrau  roirfen,  fo  fef|It  eö  bod&  an  einem  genügenbcn  ®runbe, 
jum  Scf)u6c  ber  ©liefrau  gegen  eine  Umgebung  ber  ben  (Seemann  be^ 
fd&ränfenben  SBorfd^riften  beß  §  1353  im  2lnfc^Iuf|c  an  ba&  preufe.  3ttd^t 
(21.  @.  D.  I,  1  §  23),  in  Slnfe^ung  ber  oben  bezeichneten  JRcd^töftreitigfeitcn 
üon  bem  ©runbfa^e  beö  ©ntmurfeö  abjurocld^n,  ba§  bie  5ßroje6fül^rung  qIö 
ein  SSerroaltungöatt  jum  Sw^edc  ber  Erhaltung  beß  SSermögenß  anjufe^cn  unb 
beö^alb  ber  SBeräufeerung  nid^t  gleid^juftellen  fei.  S)aju  fommt,  bafe,  wenn 
man  in  ben  gällen  beß  §  1353  bie  SBefd^ränfung  beß  SSerroaltungßred^teß  aud^ 
auf  bie  ^roäefefüljrung  außbel^nen  moUtc,  mcitere  befonbere  Seftimmungcn 
barübcr  crforberli^  werben  mürben,  rocld)e  aOßirhing  baß  in  einem  tjon  bem 
©liemanne  einfeitig  gefütirten  Sted&tßftreite  gegen  benfelben  ergangene  Urtfieil  ^at. 

S)er  ©ntrourf  ge^t  übrigenß  baoon  auß,  bafe  baß  bem  ©bemanne  un- 
befc^ränft  äuftet^enbe  ?iedbt  ber  ^roje^fü^rung  nidfit  auc^  baß  Sled&t  umfaßt, 
einen  Sicd^tßftrcit  einfeitig  burd^  proieffualifd^c  Sled^tßgefd&öfte  (SSergleic^,  aSer* 
jid^t,  9lncrfenntni§  beß  geltenb  gcmad^ten  9lnfprud&eß;  Dcrgt.  §§  277,  278  ber 
C.  5ß.  0.)  ju  ertebigen,  fomeit  ein  fold^eß  Sted^tßgefd^öft,  aufecrfialb  beß  ^ro* 
jeffeß  gefd)Ioffen,  an  bie  ©inroilligung  ber  (S^efrau  gebunbcn  ifl  (oergl.  ba* 
gegen  Scuffert  XXVI,  135),  unb  bag  bie  Oüttigfeit  jener  projcffuaüfc^en 
JHec^tögefdfjäfte  gegenüber  bem  ^rojefegegner  inßbefonbere  aud^  auß  §  52  ber 
E.  ^.  D.  nid)t  l^crgelcitet  werben  fann. 

9.  Slnlangenb  bie  ?$rage,  inmiemcit  ber  ©fiemann  auf  (Srunb  feiner 
33crn)altung  gegenüber  ber  ©^efrau  üerantroortlid^  unb  erfafepflid&tig  ift,  fo 
wirb  in  biefer  Scjiel^ung  auf  bie  §§  1364,  1365,  1369  nebft  3Botioen  Sejug 
genommen. 

§  1354. 

©ertenb-  3ift  auf  ©ruub  cineß  nad^  bm  SBeftimmungen  beß  §  1353  unmirffamcn 

TnÄf  5Rcc{)tßgefd^äfteß  eine  (Sintragung  in  baß  (Srunbbuc^  erfofgt,  fo  gehört  ber  in 

auf  »eri<^tt.  gofgc  ber  Unmirffamfeit  beß  9tec^tßgefd()äfteß  nacb  §  843  gegen  ben  ©ritten 

(Sranbbucjt«.  bcgvünbete  Serid&tigungßanfprud^  nad^  §  1342  jum  ©efammtgute.    3n  ®r« 


Snigemcine  Oütccgemeinfd&aft.    aSerfüßungSredöt  bcr  ®6cfcau.    §  1355.       361 

mongclung  einer  befonbcrcn  Scftimmung  roürbe  bal^cr  naä)  §  1352  nur  bcr 
G^cmonn  jur  (Seltenbmad^ung  jcncö  Slnfprud^cö  legitimirt  fein.  3n  SJurd^- 
brofiung  bcS  5ßriniipcö  beö  §  1352  bcftimmt  aber  bcr  §  1354,  bofe  bic  6f)cfrau 
bcn  STnfpruc^  auf  Serid^tigung  bcd  Orunbbud^cö  o\)nt  SWitroirfung  bcö  ©^e^ 
monncd  foD  geltenb  mad^en  tonnen,  weil  fonft  im  ^inblicfe  auf  bic  Seftimmungcn 
über  bic  publica  fides  beö  ©runbbu^efi  (§§  837,  1116,  1136)  bcr  ^roect  bcr 
im  §  1353  beftimmtcn  Scfd^rönfung  bcö  SSerfügungörec^tcö  bcö  (Sf)emanneö 
in  Stnfel^ung  ber  jum  ©efammtgutc  ge^orenbcn  (Srunbftüdc  leidet  ocreitclt 
werben  fönntc  (uergl.  Urt^i.  :b.  9t.  ®.  im  preufe.  3.  aW.  931.  ü.  1886  S.  331). 
Sic  Seftimmung  bcö  §  1354  not()igt  aber  nic^t  baju,  nod^  weiter  ju  gelten 
unb  bcr  ßbcfrau  aud^  in  3lnfe^uug  rcd^töroibrig  Dcräufeerter  SWobilicn  baö 
Sfc^t  ber  aSinbitation  ju  geben.  3m  galle  bcö  §  1354  l^anbclt  eö  [lä)  um 
bie  äbroenbung  einer  ber  ©^efrau  bro^cnben  (Scfal^^,  in  bem  "^aüt,  in  mcIiJiem 
ber  ermann  noc^  §  1353  rec^tömibrig  üßobilicn  Dcräufecrt  l^at,  I)anbelt  eö 
jidi  bogegcn  um  bie  Sluöglcid^ung  cincö  bcreitö  eingetretenen  93crluftcö  (ücrgt. 
Qud&  bicSMotiüe  p  §  1309  oben  ©..247  ff.),  ©aju  fommt,  bafe  eö  bem  e^c* 
momic  fraft  feineö  i^m  jufte^enben  SSerroaltungörc^teö  überlaffen  bleiben  mufe, 
ob  er  bie  ju  bem  ©efammtgute  ge^örenbcn  3ÄobiIien  in  bcn  Rauben  S)ritter 
laffen  will  ober  ni^t. 

Xq%  baö  Siedet  ber  ß^efrau,  nad&  SWafegabc  bcö  §  843  üon  bem  ®^e^ 
manne  bic  SBeri^tigung  bcö  ©runbbud&eö  in  Slnfc^ung  ber  nad)  §  1342  Qt^ 
mcinfd^aftUcö  gcmorbenen  Ked^tc  beö  G^emanneö  ju  Dcrtangcn,  t)on  bcr  3Jlit^ 
©irfung  bcö  ©^emanneö  nid^t  abl^ängig  ift,  brandet  bagcgcn  trofe  beö  §  1352 
m(6t  bcftimmt  ju  merben,  ba  eö  ftd^  l^ierbei  nid^t  um  bie  @cltcnbmad^ung 
cincö  jum  ©efammtgute  ge^örenben,  fonbern  cincö  bcr  G^efrau  auf  ©runb 
bcr  ©emeinfcöaft  gegen  bcn  ©bemann  jufteljcnbcn  Sted^tcö  ^anbclt. 


§  1355. 

SDie  33eftimmung  beö  §  1355,  meld)e  fid^  alö  eine  2(uöna^mc  t)on  bem  crmerb  ber 
Qninbfafec  beö  §  1352  2Ibf.  1, 2  barftcBt,  cntfpri^t  bcn  SBorfd^riften  bcö  §  1308  lob^^'e«" 
3?r.  1, 2  Derb,  mit  §§  1318,  1319  unb  beru()t  auf  ä^nlic^cn  Grmägungen,  wie  »le^nung 
biefe  »orfc^riftcn  (ücrgl.  bie  aWotioe  ju  §§  1288,  1308,  1318  oben  @.  172  ff.,  ^/^J*^, 
242  ff.,  278).    ©benfomenig,  mie  im  §  1308  9lr.  2,  braud&t  im  §  1355  neben   antrage«, 
bcr  able^nung  cincö  bcr  ®f|efrau  gcmad^tcn  5Bertragöantragcö  bie  3lnna^mc 
cincö  fold^en  ermähnt  ju  merben,  ba  auö  allgemeinen  @runbfägen  folgt,  bag 
eine  nur  bcr  ß^efrau   gemad&te  Offerte   aud&    nur  t)on    biefer  fclbft  ober 
wn  einer  jur  SSertretung  berfelben  ermöd^tigten  ^crfon  angenommen  werben 
fonn,  ber  (Seemann  aber  nad&  §  1352  ?Kbf.  3  im  Flamen  bcr  ß^cfrau  ju 
^nbcln  nic^t  berechtigt  ift.    2)ie  beftc^cnben  9tcd&tc  enthalten  in  bcn  fjicr 
fniglid^en  Sejic^ungen  meiftenö  feine  auöbrüdflid^en  Seftimmungen.    (Semein* 
ret^tlic^  ift  eö  namentlidb  beftritten,  ob  bcr  @()emann,  foDiet  bie  ^ilnna()mc 
ober  Suöfc^logung  einer  bem  Oefammtflute  angefallenen  ®rbfd&aft  betrifft,  aud^ 
in  biefer  ^infic^t  bic  ß^efrau  ju  oertretcn  bered^tigt,  bejm.  bic  Icfttcrc  of)ne 
ßinroiHigung  beö  ß^emanneö  eine  ©rbfc^af t  anjunefimcn  ober  auöjufdjiagcn  befugt 


362       angem.  Oütcrgemeinf^aft.  SScrf üounflSrcc&t  bcr  (Sithau.  §  1356, 1357. 

ift  (ocrgl.  Scuffert  IX,  301).  5ßQcö  bcr  brem.  SRad^lafeorbn.  x>.  1843  §  282 
entf(J)eibet  über  bie  2lnna^mc  ober  Sluöf^Iogung  einer  fold^en  ©rbfd^Qft  ous^ 
fd)Ue6Iid)  bcr  SBille  bcö  ß^entanneö.  3laä)  bem  code  civil  SKrt.  217,  219, 
776,  934  (ücrgl.  aud&  9Irt.  1411—1418)  fann  bie  ©Ijefrau  oI)ne  Swftimmung 
bcö  ßf)cmanncö  eine  ©rbfd^aft  ober  eine  ©d)enfung  nid^t  annehmen  ober  auft* 
[flogen.  2)er  cf)renbreitft.  ©ntn).  §  34  beftimmt,  bafe  eine  ber  ©^efrau  om 
gefoBene  ©rbfd^aft  roeber  oon  bem  ®^entanne  ofjnc  3ttftimmung  bcr  6f|cfrau 
nod^  oon  bcr  6f)efrau  ol^nc  S^ftin^^iuttS  bcö  ©^emonnefi  ouögcfc^Iagen,  eine 
ber  ©ö^frau  angebotene  ©cbcnfung  fon)of)[  t)on  ber  ®^efrau  als  für  fie  oon 
bem  ©bemanne  rcd^tögültig  angenommen  werben  fann.  3)cr  ©rbfd^oft  finb  in 
bicfcr  ^infid^t  bie  SSermäd^tnine  glcid^geftcllt.  3ft  eine  ©rbfd^aft  nid^t  uon 
beiben  ©fjegatten  ouögefd^Iagcn,  fo  foU  für  bie  ©rbfd^aftöfd&ulben  immer  baö 
©efammtgut,  bcr  Seemann  aufeerbem,  wenn  bie  ©rbfd^aft  t)on  ber  (S^cfrau 
mit  feiner  ©enc^migung  erroorben  ift,  perf5ntid&  ^aften,  fofern  er  bei  6r* 
t^eilung  ber  le^teren  feine  perfönlid^e  Haftung  nid^t  auöbrüdf üd^  außgefd^Ioffen 
bat  (§§  25—28).  S)ie  ©oftrin  bcö  preu&.  JWed^teö  oerncint  bie  »efugnife  bcft 
®t)cmanneö,  ofjnc  B^ftinimung  ber  ©bcfrau  auf  eine  ber  (enteren  angefallene 
©rbfd)aft  ju  oerjid^ten,  geroäbrt  aber  anbererfeitö  aud^  ber  ßbcfrau  nid^t  baft 
9lcd)t,  eine  il)r  angefallene  ©rbfd^aft  oljnc  Ginroilligung  bcö  Gfiemanncö  ax\^ 
jufcfilagen. 

§  1356. 

»etrieb  eine«  2)ic  cnifprcd^cnbc  9lnn)enbung  bcö  §  1307  in  9lnfel^ung  cincö  ©rrocrbö* 

gWM   fl^f^^f^^^^  rodi)cQ  bie  Gljcfrau  fctbftänbig  betreibt,  red&tfcrtigt  ftd&  burd)  bie 

bm(^bie(j^e-3lna[ogic  bcr  SBcrbältniffc  (oergf.  bie  5Kotioe  ju  §  1307  oben  ©.  240  ff.)  unb 

^'^"""      ftebt  mit  bem  gcttenbcn  SRcd^tc  im  3BcfcntIid^en  im  (Sinflangc  (ocrgl.  inöbef. 

prcuß.  21.  2.  dt.  II,  1  §§  335  bis  337,  389 ;  code  civil  3lrt.  220 ;  olbenb.  ©ef. 

ü.  24.  aipril  1873  airt.  26  §  2,  3lrt.  9;  ^.  ®.  33.  9lrt.  8).    Dicfclbc  fü^rt  nic^t 

nur  ba^in,  ba%  bie  ajerbinblid^fcitcn  bcr  ©t)efrau  aus  ben  bort  be}cid)nctcn 

9?cd^tßgcfd^dftcn  unb  auö  Urtt)eilcn,  meldte  in  ben  bort  bcjeid^ncten  Stcc^tö^ 

ftrcitigfeiten  gegen  bie  ©f)cfrau  ergangen  finb,  ben  Äaraftcr  von  ©efammtgutös 

oerbinbIid)fcitcn  l)aben  unb  bcöfialb  bas  ©efammtgut  unb  ber  Seemann  pcr^ 

föntic^  bafür  fiaftcu  (§§  1359,  1362  9ir.  1),  fonbern  auc^  bat)in,  baß  bie  ©(^ 

frau  über  bie  ju  bem  ©rroerbßgefdjöftc  gct)orenben  ©efammtgutögcgcnftänbe 

mirffam  oerfügen  fann. 

Ueber  bie  Srage,  inmicroeit  bie  ©cgcnftönbe,  meldte  bie  ©^efrau  burd^ 
ben  Setrieb  eincö  felbftänbigcn  ©rmcrbögef^äftcö  erroirbt,  bem  ©efammtgute 
äufoUcn,  oergl.  bie  aJlotire  ju  §  1348  (3.  342). 

§  1357. 

gortfe^ung  2^ie  Scftimmuug  bcö  §  1357  beruht  auf  älinlid^en  ©rroägungen,   wie 

bei  (Kntdtt  ^^^  ^^^  §  ^^^^  ^^-  ^  ^^^^'  ^^^  §  ^^^^'    ®^  ^^^"  ^^^^^  "^  ^^^f^  »ejicfjung 
ber  ©üter*  auf  bic  äJtotiüc  JU  §  1309  obcu  ®.  245  ff.  Scjug  genommen  werben.   Die  SBoB* 

an"änfl*CT  fttctfbarfcit  bcö  in  einem  ^^Jrosejfc  ber  l)ier  fraglid)en  9lrt  ergangenen  Urt^eileö 
»c<^«ftreite«.  gcgcti  bcu  G^cmaun  ergiebt  fid^  auö  §  1360  3(bf.  2. 


ättficmcinc  ©üterQcmemf^aft.    SScrfügunö^rc^t  bec  ßßcfrait.    §  1358.       363 


§  1358. 

S)cr  §  1358  fc^Ucfet  fxä)  bctn  §  1306  unb  äl^nlid^en,  im  (Sinjelneii  aller*  %bwt\enm 
bingd  tne^fac^  QbTOcid&cnbcn  S3cflimntungcn  oiclcr  ^Portifulorreditc  unb  neuerer  jiran'i^eit  be* 
entoürfe  on  (öcrgl.  Scuffcrt  XIX,  99 ;  preufe.  21.  2.  91.  II,  1  §§  202—205,  ®^«»««""«»- 
32&~327,  389;  code  civil  3lrt.  1427;  roeftfäl.  @ef.  v.  16.  3lprit  1860  §§  4,  5; 
ferner  oönobr.  ©ntn).  §  7 ;  cfirenbreitft.  (gntro.  §§  36,  37 ;  [jeff.  enlro.  IV,  2 
8rt  457;  mürttcmb.  entw.  §§  258,  159).  Sßon  bem  §  1306  unterfd^eibet  ber 
§  1358  ftd^  boburd),  bafe,  roo^renb  bic  e^efrau  im  gaDe  beö  §  1306  ftctö  in 
eigenem  Flamen  unb  für  eigene  Sled^nung  i^anbett,  fie  im  gallc  beö  §  1358 
innerhalb  bcr  bort  bejcid&neten  ©renken  im  9Jamen  beö  (Stiemanneö  unb  für 
Sled^nung  beö  Icgteren  ju  fjonbeln  bered^tigt  fein  foU.  ®iefc  SKobififation 
tcdjtfcrtigt  ftc^  burd^  bic  T)erfd)iebcne  ©ad)lQgc  unb  im  3ntercffe  ber  SBer- 
einfac^ung  bcr  SScr^ältniffe.  SBoUte  man  nad^  bem  Sßorbilbe  x)erfd)iebcncr 
©ütcrgemeinfd&oftöred^tc  bcr  ©^efrau  in  bcn  f)ier  fraglid^en  göUen  biefelbc 
re(6tüd|e  ©teUung  geben,  mcl^e  ber  6f)emann  bei  3luöübung  fcineö  SSer* 
flwltungörcd^tcö  einnimmt  (§  1352  9lbf.  1,  3),  fo  mürbe  bieö  ba{)in  füt)rcn, 
boB  für  bic  ouf  bem  ©efammtgutc  baftenben  ©d&ulben  je  nad&  ber  3lrt  iljrcr 
Cntfte^ung  tf)ci(ö  nur  bcr  (Sfiemonn,  tbeitö  nur  bic  ß^efrau  pcrfönlid^  t)aftetc. 
Uebrigenö  ift  eö  nid^t  auögefd^ (offen,  bog  bie  6I)efrau,  wenn  fie  mill,  in  bcn 
Sitten  beö  §  1358  and)  in  eigenem  9flamcn,  aber  für  3lcd&nung  bes  ©öe* 
manneö,  ^anbclt.  3nöbefonbcrc  fann  fic  in  ben  gällcn  beö  §  1358  in  eigenem 
SJonien  über  ©cgenftönbe  beö  Ocfammtgutcö  aud^  binglid)  ücrfügcn  in  gleid()cr 
Seife,  rote  fonft  bcr  Gljcmann.  -Jlimmt  bie  ©l^efrau  innerl;alb  bcr  im  §  1358 
gejogcncn  ©renjcn  ein  5lcd)tögcfd&äft  in  eigenem  9iamcn  uor,  fo  folleu  i{)rc 
boTttuö  entftcl^cnbcn  SSerbinbtid^teiten  jur  SSercinfad^ung  bcr  ©ad^c  unb 
QUO  Mücfficbten  bcr  »iUigfeit,  roic  auö  §  1362  3li\  1  fid)  crgicbt,  un^ 
mittelbar  aü  ®efammtgutöt)crbinblid)feitcn  bcl^anbelt  rocrben.  Saö  ©Icid)c 
gilt,  wenn  bic  6()cfrau  auf  ®runb  beö  §  1358  in  eigenem  9Jameu  einen 
Sta^töftrcit  fübrt. 

6in  2r^cit  ber  ©ütergemcinfd^aftöredötc  räumt  bcr  Gficfrau  baö  SScr-  »eoor- 
Bwltungörcd^t  nidjit  nur  in  9flot^fäUen,  fonbem  unbebingt  ein,  roenn  eine  Sor^  m\tZ^ 
munbfdboft  ober  Slbmcfcn^citöpflegfd^aft  über  bcn  ßl)cmann  angeorbnet  ift,  in 
bem  Sinne,  ba§  in  biefen  gäüen  bem  SSormunbe  ober  Pfleger  baö  Sßev- 
loaltimgöred^it  in  9lnfcl)ung  beö  ©efammtgutcö  entjogen  fein  foll  (ücrgl.  inöbcf. 
»ejjfäl.  ®cf.  0.  16.  9lpril  1860  §  4;  lippe^betm.  SScrorbn.  v.  1786  §  10;  fäd)f. 
®.  8.  §  1700,  1701;  oönabr.  gntro.  §  7;  el;renbreitft.  ©ntm.  §  37;  Ijcff. 
&ttiö.  IV,  2  9lrt.  457).  ^ür  eine  fold^c  SRcgelung  löfet  fid&  anfü{)ren,  ba§  bic 
CWtttti  nur  bem  Gf)emannc  pcrfbnüd^  bic  SSerroaltung  beö  ©efammtgutcö 
burd)  ben  ©ütcrgcmcinfcbaftöücrtrag  ^abc  anoertraucn  wollen  unb  nid)t  j\u 
bulbcn  btau6)t,  bo§  ein  Slnbcrer  bic  SBcrwaltung  beö  if)r  ju  gleid^em  9led)tc 
wie  bem  ©bctnannc  juftcficnbcn  ©cfammtgutcö  überncl)mc.  ©in  SHcd^t  bcr 
GW^üu  ouf  bic  alleinige  9Serwaltung  beö  ®efammtguteö  fann  auö  biefem 
Qefid^töpunftc  icbod&  nic^t  abgeleitet  werben.  Gö  fönnte  barauö  nur  gefolgert 
werben,  bofe  baö  33cnDaltungöred^t  beö  ©demanncö  wegfallen  unb  baöfelbe  non 


364  9lIIgeineinc  ©ütcrgemcinfd&aft.    ©d^ulben^aftung.    §  1359. 

ber  ®t)cfrou  unb  bcm  gcfcfeUd^cn  33crtrctcr  beö  ®[)cmannc8  gemcinfd^aftUd^ 
ausgeübt  iDcrben  tnüfete.  2)a  aber  eine  fold^e  gemcinfd&afttic^e  aSenoaltung 
praftifd^  nid^t  burd)füf)rbar  ift,  fo  würbe  nichts  übrig  bleiben,  als  bie  ©emeiit' 
fd)aft  aufäulöfen  unb  iebem  SC^eile  bie  SSermaltung  feines  3lnt^eile3  ju  über? 
laffen.  S)ie  ©rünbe,  weld^e  ben  Sntraurf  beftimmt  Ijiabcn,  biefen  SBeg  nic^t  ein^ 
jufd^Iagen,  finb  in  ben  9)lotiüen  ju  §  1372  ©.  398  ff.  nä^er  bargelegt.  2:ritt  aber 
in  ben  f)ier  fraglid^en  gällen  feine  9lufI5fung  ein,  fo  ftel^t  bas  SRcd^t  bcö  e^c^ 
mannes  bcm  ber  ß^efrau  minbeftens  gteid&bered&tigt  gegenüber,  unb  enthält 
es  feine  Unbilligfeit  gegen  bie  legiere,  wenn  fie  ftci^  bie  SSermaltung  bcö 
©efammtgutes  burd^  ben  gefefelid&cn  SSertreter  bes  (Seemannes  gefallen  laffcn 
mufe  (oergl.  §  1370).  3ft  bie  Ehefrau  jur  SBerroaltung  geeignet,  fo  roirb  baö 
SBormunbfd^aftSgerid^t  fcbon  ron  felbft  fte  als  SBormunb  ober  Pfleger  beö  (S^c^ 
manneS  beftellen  (§  1729  Slbf.  4,  §  1743).  3ft  fie  aber  nicf)t  baju  geeignet, 
fo  entfpric^t  es  i^rem  eigenen  3ntereffe,  wie  bem  beS  ß^emannes,  mc^r,  wenn 
bie  33enoaltung  nid^t  fraft  bes  ©efeges  auf  fie  übcrgel^t,  fonbern  ein  geeigneter 
5ßfleger  ober  3Sormunb  beftellt  wirb,  weld^er  bei  vernünftiger  gül^rung  ber 
SSormunbfd^aft  if}r  bie  aSerwaltung  innerl^alb  besjenigen  befd^räntten  fireifcö 
überladen  wirb,  ben  fie  ju  überfelien  im  ©tanbe  ift. 


§  1359. 

Haftung  bes  gjug  ^cm  bem  ©ntwurfe  ju  ©runbe  liegcnben  5ßrinjipe,  bafe  baö  ©o 

flu?e«"Sr  Mc  fairtmtgut  beiben  ©Regatten  in  ber  9lrt  gemeinfcbaftlid^  gebort,  ba&  bie  Slnt^cilc 

wtenb?r ©Te- ^^^^^'^^^  wö^reub  bcr  Sauer  ber  Oemeinfc^aft  nid&t  l^erüortretcn  unb   ald 

flatten;  '  fclbftänbxge  S3ermögensred)te  nic^t  gcltenb  gemad^t  werben  fönnen,  in  93erbim 

bung  mit  bcr  ©rwägung,  bafe  bie  allgemeine  ©ütcrgemcinfd^aft  nid)t  ba^in 

•j    füljrcn  barf,  bas  gcmcinjd^aftli^c  SBcrmögen  bem  B^Ö^^ff^  ^^^  ©laubiger,  bed 

I    einen  ober  anbcrcn  ©Regatten  ju  cntjieben,  folgt,  bafe  bie  ©laubiger  beö  ©^e- 

;    mannes  unb  bie  ©laubiger  ber  (S^cfrau  grunbföglid^  wegen  aller  SJerbinblid^^ 

feiten  bcr  (S^egatten  bie  33efriebigung  auc^  aus  bem  ©efammtgute  muffen  Dcr* 

langen  fönnen  (§  1359  Slbf.  1).    ©s  entfprid&t  bies  bem  ©runbgebanfen  bcr 

allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft,  bafe  baS  gemeinfd^aftli^e  SBermogen  bie  gunftion 

bcs  SSermögenS  fowol)l  für  ben  einen  als  ben  anberen  ©Regatten  l^aben  unb  bie 

cljclic^e  SBirtljfd^aft  auf  gcmeinfamen  ©cbeil)  unb  SSerberb  gcfüljrt  werben  foD. 

ooröintritt  SBou  jcncm  ©mubfafec  mad^t  ber  ßntwurf  in  9lnfel^ung  ber  bereits  üor  6in« 

©ütergTmem.  tritt  bcr  ©ütcrgcmcinfd^aft  cntftanbencn  (ber  rore^elid^en)  ©d^ulben^cö^cinm 

fc^ft  ent.  ot)er  anberen  ®f|egattcn  überhaupt  feine  3lusnal)me.    2)ieS  ift  aud&  ganj  über^ 

nanbenc   ,  ^^j^^^j^jj  ^^^  ©taubpuuft  bcr  gcltcnbcn  Sled&te  unb  ber  neueren  Entwürfe. 

3nSbefonbere  ftel)cn   bamit   im  ©inf lange    baS   gemeine  9lcd&t,   wenigftcn« 

nad^  bcr  Ijcrrfd^enbcn  3lnftd^{,    bie  fc^lesw.  ^olft.  SRcd&te,   bie  mciftcn  Siedele 

in  ber  ^ßroüinj  Hannover,    bas    brem.  SRe^t,    bie   lippe-bctm.  SBerorbn, 

X).  1786  §§  9,  13,   bie  ^led^te  ron  gulba  unb  Grbad^,  bie  3Re^rjal^l   bcr 

baxjv.  Siedete,  baö  franj.  gied[|t  (code  civil  Slrt.  1409,  1526),  baS  fädbf.  ®.  8. 

§  1696  unb  bas  olbcnb.  ©ef.  ü.  24.  3lpril  1873  3lrt.  26  (ocrgt.  femer  J^e«. 

Gntw.  IV,  2  2lrt.  461, 462 ;  württcmb.  ©ntw.  §§  241,  249,  251 ;   c^renbrcitfl. 


Slllöemeinc  @ütcrGctncinfd&aft.    ©d&ulben^ciftuitg.    §  1359.  365 

entro.  §§  14,  90;  oönobr.  entit).  §  5).  SDoö  pveufe.  21.  2. 5».  II,  1  §§  391 
bis  395  tno^t  t)on  bcr  im  Uebrißcn  anerfanntcn  SRcgel,  ba^  für  bic  üor^ 
eWic^en  Scf)ulbcn  bcö  einen  wie  beö  anbercn  ©Regatten  baä  9emeinfc^aftlid)c 
Vermögen  ^aftct,  nur  infofern  eine  3(usnaf)me,  ate,  roenn  ein  ©{)cgattc  mc^r 
S^ulben  als  SSermogen  in  bie  Oemeinfd^aft  gebrod)t  })ai,  bcr  anbcrc  innere 
^olb  iroeicr  3ö^re  nod^  üolljogener  @^e  auf  bie  3lbfonberung  beö  93erm5genö 
antragen  fann,  in  roeld^em  galle  ben  oorel^elid^en  ©laubigem  nur  baö  ab-^ 
gcfonberte  SScrmogen  i^reö  perfonlid^en  ©d^ulbnerd  haftet.  9Jur  einjelnc 
9lf(|te  fc^Iiefeen  bie  ^oftung  beö  ©efammtguteö  für  bie  oorelielid^cn  ©d^ulben 
be«  ß^emanneö,  wie  bie  ber  ß^efrau  ganj  aus  (münft.  9led&t)  ober  be^ 
f(^ränfcn  bie  Haftung  beö  ©efammtguted  jroar  nid^t  in  9lnfeljung  ber  ror* 
c^ieli(öen  Sc^ulben  beö  ©l^emanneö,  roo^I  aber  in  2lnfel)ung  bcr  üoref)eIic^en 
6(^ulben  ber  ß^efrau  in  ber  Slrt,  bafe  bie  ©laubiger  ber  tegteren  nur  biö 
}u  bem  Setrage  beö  ron  ber  ß^cfrau  eingebrachten  SSerntögenö  auö  beut 
©efornrntgiite  i^re  93efriebigung  finben  fönnen  (lüb.  9led)t).  ©in  fol^eö 
3urücfgreifeu  auf  baö  üon  bem  einen  ober  onberen  ©Regatten  in  bie  ©emein- 
fc^oft  gebrockte  Vermögen,  roic  bieö  nad^  ben  julefet  gebadeten  9led)ten  unb 
Qti(|  nac^  bem  preu|.  21.  2. 5R.  eintreten  fann,  ift  icbod^  mit  bem  SBefen  beö 
©efammtguteö  alö  eincö  neuen  einfjeitlid^en  33ermogcnö  nid()t  vereinbar.  ®ie 
in  ber  gefd&id^tlid^en  ®ntn)idte(ung  einjelner  jener  JRed^te  Ucgenben  ©rünbe, 
loelc^c  bie  fonfequente  2)ur(ibfüf|rung  beö  ©ebantenö  ber  allgemeinen  ©üter^ 
gcmeinfd^aft  in  33ejie^ung  auf  bie  ©d()utben  ber  Ehefrau  ge^inbert  ^aben, 
fommen  für  ben  ©ntmurf  nidb^  ^^  Setrad^t.  ©benforoenig  fann  auf  bie 
SiDigfcitögrünbe,  meld&e  ba,  mo  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  baö  gefe|Iid^e 
©fiterred^t  bilbet,  bafür  angeführt  werben  fönnen,  bie  ©laubiger  cineö  ©tic? 
flotten  auf  baö  üon  bem  festeren  in  bie  ©cmeinfd^aft  gebrad()te  SSermogen  ju 
oerroeifen,  bei  ber  üertragömäfeigen  ©ütergemeinfdt)aft  ein  entfd^eibenbeö  ©croi^t 
flclegt  werben. 

äud&  in  3[nfef|ung  ber  nadd  ©intritt  bcr  aDgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  «««"^  ^^^^^ 
entfianbencn  SSerbinblid^feiten  beö  ©^emanneö  ift  in  bem  ©ntrourfe  ron  bem  gemeinfd^aft 
®runbfa|e  beö  §  1359  2Cbf.  1  feine  2tuönabmc  gemad()t.    ®amit  ftimmen  faft  j^JJJ^^^'J'iX 
oDe  Sed^te  überein  (üergl.  inöbef.  preufe.  21.  2.  91.  II,  1  §§  380,  386 ;  roeftfäl.    'reit«.' 
©ef.  0.  16.  atprit  1860  §  3;  code  civü  2lrt.  1409  5Wr.  2,  2lrt.  1411—1418, 
1424;  ffid&f.  ®.  ».  §§  1696,  1697;  olbenb.  ©ef.  x>.  24.  2lprU  1873  2lrt.  26); 
nur  ©ercinjelt  wirb  in  Setreff  einjelner  2trten  üon  3Serbinblid()feiten,  j.  S.  ber 
Sfitgfd^often,  nod^  feltener  in  Setreff  ber  ©(ftulben  auö  unerlaubten  ^anb^ 
[ungen  beö  ®^emanncör-«ine  2luönaf)me  gemacht,    ©erartige  2luönal^men  finb 
jÄüd^^mtl  "bem  SBefen  ber  ©ütergemeinfd&aft  unb  mit  bem  3ntereffe  beö  ©t)e== 
manneö   bejm.  ber  ©laubiger  beö  legieren  nid^t  vereinbar.    Snroiefcrn  im 
Ser^aitniffc   ber   ©liegatten   ju   einanber   bie   ©efammtgutöDcrbinblid^feitcn, 
iöel(^  in  ber  5ßerfon  beö  ©^emanneö,  inöbef onbere  an&  unerlaubten  ^anb^ 
lungen  beöfelben,  entftanben  finb,  bem  ©fiemanne  jur  2aft  fallen,  beftimmt 
ber  §  1367. 

S58egen  ber  grage,  in  roeldden  göllen  baö  ©efammtgut  wegen  ber  nad^ 
eintritt  ber  ©ütergemeinfd^aft  entftanbenen  SSerbinblic^feiten  ber  ©Ijefrau 
^ftet,  wirb  auf  §  1362  nebft  aWotiücn  t)erroiefen. 


>Re(^t 


366  9iagcmcme  OütecöcmemWaft.    S^uTben^afturto.    §  1359. 

^er|öna(^e  Ob  utxb  inmiciDcit  ein  ß^cgatte  U)äf)renb  bcfte^enbcr  ©emcinfd^aft  für 

bfe^Äntml  i^ic  ©d^utbcu  bed  anbercti,  forocit  biefclbcn  Oefammtgutöocrbinblic^fcitcn  finb, 
fluttocrbinb*  x\\i\:  mit  bctu  ©cfammtgutc  ober  auc^  perfönlid^  ^aftct,  ift  in  ben  meiften 
Sted^tcn   nid^t   auöbrüdüd^  bcftimmt    unb   gemeinred^tUd^   beftritten    (ocrgl. 
©cuffcrt  IV,   26,  XXXI,  340).     3lnlangenb   inöbcfonbere  bic  üorc^elid^cn 
®Sfl^*'    Sc^utben,  fo  befd^ränft  naä)  bem  preufe.  21.  Ä.  dt.  II,  1  §  391  bie  ^oftung 
fid)  forool^I  für  bm  ß^cmann  als  bie  G^efrau  auf   baö   gemcinfddaftlid&e 
SBemtögen.     ©aäfclbc  wirb  anä)  für   üerfd^iebene  onbere  SRed^tögcbietc,  fo 
für  DönabrücE,   93remcn,   33erben  unb  für  bie   meiften  bagr.  SRed^tc  aii^ 
genommen   (oergf.  femer  föc^f.  0.  33.   §  1696;  efirenbreitft.  ©ntm.   §  14). 
Sagegen  l^aftet  nad&  franj.  Slcd&te  (code  civil  3lrt.  1409,  1431;  [oergl.  oud^ 
olbenb.  ®ef.  o.  24.  Slpril  1873  3lrt.  26  §  2  oerb.  mit  3lrt.  9)  ber  e^emann 
roä^renb  ber  @f)e  für  bie  ber  ©emeinfd^aft  jur  Saft  faBenbcn  Dore^clic^cn 
Sd&ulbcn  ber  ©Eiefrau  perfönlid^,  roa^renb  umgete^rt  eine  perfonlid^e  §af* 
tung  ber  Icfetercn  für  bie  oorel^elic^en  ©cftulben  beß  ®^emanneö  mit  9lü(ffid(|t 
auf  baö  ber  G^efrau  bei  9luflöfung  ber  (Semeinfd&aft  eingeräumte  Siecht, 
fid)  burc^  3lusfd^lagung  ber  ©emeinfc^aft   ober  burd^  3lufnal^me  cincö  3n* 
Dcntareö  gegen  bie  pcrfönlid&c  .^aftung  ju  fd^üfeen  (code  civil  9lrt.  1453, 
1483,  1494),  nid^t  ftattfinbet.    (Sine  äfinlic^e  Sluffajfung  fd^eint  aud^  manchen 
bcutfc^en  SRed&ten   ju  ©runbe   ju  liegen.     9lad^  einer  Slei^e  biefer  SRct^tc, 
j.  33.  bem  (üb.  3fiec^te,  bem  ^amb.  SRed^te,  bem  meftfäl.  ®ef.  v.  16.  äpril 
1860  (arg.  §  12),  f)aftet  ber  ®f|emann  mcnigftenö  bann,  menn  i^m  nac^ 
3luflöfung  ber  ®^e  baö  Oefammtgut  iufällt,  für  oUe  barauf  laftenben,  aud^ 
bie  oore^elid&en,   ©d^ulben  unbcfd^räntt,   roäfirenb   ber  @f|efrau   baö  3le^t 
eingeräumt  ift,  fid^  burc§  3luöfdblagung . ber  (Scmeinfc^aft  beüm.  burd^  Stuf* 
na^me   eines  Si^oentareö  gegen  eine  pcrfönli^e  Haftung  für  bie  ©emcin« 
fd^aftäfd^ulben  ju  pd&ern  (oergt.   bie  3Kotioe  ju   §§  1373—1380),  unb   cö 
fragt  ftc^,   ob  nic^t  roenigftenö   nac^  biefen  5Rcd&ten   eine  gleid^e  Haftung 
beö  (Seemannes  fd^on  roä^renb  ber  (S^c  angenommen  werben  mufe.     gür 
bic  mäfirenb  ber  ®^e  entftanbenen  ©efammtgutöoerbinblid^feiten  ber  ©^efrau 
fiaftet  ber  ©Eiemann  au^  nad&  bem  preufe.  91.  S.  SR.  II,  1  §§  389,  329, 
335  —  337  perf5nlid&,  wenn  bic  ©fjcfrau  biefelben  mit  feiner  ©ene^migung 
eingegangen  ift  unb  er  bei  ©rt^eilung  ber  lefeteren  feine  perfonlid&c  Haftung 
nic^t  audbrüdlic^  audgefd^(offen  \)at,   ober  menn  bie   ^erbinbUd^feiten  auö 
einem   üon   ber   (S^efrau   betriebenen   ©cmerbe   l)errü^rcn   unb   bie   festere 
bie  einfünftc  barauö  fid^  nic^t  auöbrüdflidö  ootbel^alten  ^at.    SRad^  franj.    f,^ 
Siedete  begrünbet  bie  S^^ftin^niung  beö  ©^emanneö  }u  ber  ©inge^ung  einer  /,.;. 
SScrbinblid^feit  von  ©citcn  ber  ß^efrau  unbebingt  bie  pcrfönlid&e  Haftung  iM^fCZ 
erftercn.    SDaöfelbe  gilt  oon  ben  aSerbinbli^feitcn  ber  ©licfrau,  met^e  fic  ö||t^[^'- 
öffenttid^e  ^anbelöfrau  in  ifiren  |)anbelöangetegenl^citen  eingegangen  ifl  i^^  -f 
civil  3lrt.  1419,  220;  ^.  ®.  93.  3lrt.  8;  rcrgt.  anä)  olbenb.  ®ef.  v.  24.  3W^-jj^ 
1873  arrt.  26  §  2  oerb.   mit  Slrt.  9;   efirenbreitft.  entm.  §§  16,  17).    W.nx^l 
pcrfönlid^c  ^oftung  ber  ©fiefrau  roäfirenb  ber  ®^c  für  bie  Don  bem  ß^em/ ^^      ^ 
roäfirenb   berfetben   eingegangenen  SSerbinblid^feitcn   roirb   bagcgen  DoitJ  iiej  ^  * 
meiften  SRed^tcn,  inöbefonbere  aud^  oon  bem  preufe.  91.  Ä.  5R.  n,  1  §  ^^)enufe!!f'^^ 
bem  franj.  JRcd&tc,  nid^t  anerfannt.  fuIbJ^'  ' 


M 


%n9 


SfUgcmeine  @ütergcmeinfc6aft.    ©ijulbenßafhina.    §  13&9.  367 

£er  enlrourf  ift  benjenigen  SHei^ten  gefolgt,  itieli^e  eine_perf&iilidw  ^""^^jj' 
Wla^  b(Ä^et|emannea  für  bie  ©efammtgutancrbmbtii^fetten  ber  Eöfftf"> 
tüäirife  umactejrt^  eine  folc^c  Haftung  bec  Icgteren  für  bte  (Slcfamtntgutö^ 
DcrbinNitfeteitcn  befl  etiemannca  roä^renb  ber  S^auer  bcr  (^ifs  einlceten  laifen. 
Im  ton  2Befen  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfc^Qft  uiib  bem  ^rinsipe  bcs 
t^uifijtt^tlit^en  SOHteigenttiumcö  tonn  eine  über  bo«  Oefommtgut  ^inoufl» 
itebcnM  ^ftung  brs  einen  @tiegatten  für  bie  Sc^ulben  bes  anbeten  nti^t 
obgclcitct  »erben.  SGon  bicfcr  Sec^tßtonfequenj  jum  9lQc§t^ile  ber  ß^efrou 
iil!(uip(i<^,  fe^It  es  an  gcnügcnben  Orünben.  3m  ©egenll)ei[e  weift  bie 
üleifitamliDicfeiung  barauf  ^in,  ba^  baä  9Je(^tSben)ugtfein  eine  99eft^ränfung 
Ixx  voftung  bet  Gtiefrou  für  bie  Si^utben  befl  ©bcmannea  auf  baS  ©eforamt; 
Sut  fotberi  3)ie  innere  SHed&tfertigung  einer  foltften  Sefcfiränfung  liegt  in 
bnn  Bern  6^emanne  jufteljenben  ousgebelinten  Serfiigunflerei^tc  (§  1352)  unb 
in  &Et  poffioen  SteEung,  roelctie  bie  C^efrau  roä^rcnb  befte^enber  (Süters 
gtmcinfdiQft  einnimmt  unb  rocit^c  i^r  bie  aßöglicbteit,  einen  ©inffufe  auf  bie 
Scciöaltung  beß  ©efommtgutes  anajuäben,  faft  PoUig  entjic^t  (§  1352  W)\.  2, 
^  i:iöä,  1359, 1362).  ©ie  bef^rähfte  Lüftung  bet  ®^cfrau  für  bie  Sijiulben 
W  ebemannca  enthält  bie  bm6)  bie  SBiüigtcit  geforberte  StueglcidEiung  für 
tit  unfllei^e  Sctet^tigung  bet  eijegatten.  einer  faft  [Äranfcn[ofen,  burcf)  teine 
rcdilliiic  Sierontmortlicöfeit  gegenübet  bet  Ehefrau  gcbunbcncn  SSerfügungS' 
(|ftuali  bea  eijemonncs  mog  bie  (Sfiefrau  immertiin  il)r  in  boa  ®efammtgut 
tüUciibc*  aScrmögen  onücrtrauen.  SJafe  lie  aber  bei  gingcljung  ber  öüter; 
gfmcinfdiaft  ou(^  bie  äbr»Ä)t  gehabt  ^a^e,  bem  g^emanne  boa  unbeft^tänfte 
Scdit  (injuräumeii,  pe  perföniic^  n»;;!  Sdjulben  s»  betaften,  fann  nii^t  an= 
Stnommen  roerben.  (Sa  tritt  f)icDria{i^,  fowict  bie  Haftung  ber  Sljeftau  für  bie 
SAuIhm  bca  e^emannes  roöjgrenb  beftc^enber  et)e  betrifft,  gegenüber  bcn  ; 
(^äubigern  ein  a§nlid)ea  ^;er[)ältnife  ein,  roie  bei  bet  flommanbitflefellfd)ofl. 
"Tiaiera  liegt  bafleai/„  i,ie  Sat^c  in  ainfe^ung  bea  (Seemannes.  5Bcnn= 
8[(i(fe  bie  33eftimmuna^'j8  §  1359  gifaf.  2,  bafi  bet  (Seemann  für  bie  a5cr= 
brnblit^Ieiten  bet  <Si^au  roeltfec  Ociommtgutßoerbinblic^feiten  rmö  (§  1359 
9H".  1,  I  1362),  •i  J^niiä)  ^Qftet,  unter  Umftänben  in  ^Mm  für  ben 
Gfiemann  füVen.'j^n„  namenttit^  wenn  ber  Setrag  ber  Doreöcli*en  e^ulben 
oer  Gfiefrau  fvy,^^^^^^^  ^^^  „„i,  [,«  ®^emann  Don  benfetben  feine  Scnntnife 
gEbübt^Uo  yj  j,  ,  entftfieibenb  ins  ©eroic^t,  bofe  bem  e^emannc  unter  9[wS= 
?Ä«?ia»bQ8  W  unbef^ünlteaSerfügungarecöt  über  baB  ©efammtgut 
r ,  2*135"  1353)  unb  er  babur(^,  roenn  er  93otbe^altegut  obet  Sonbergut 
^  ™;  'Ir  Siaae  ift,  Senoenbungen  auf  baäfelbe  üu«  bem  ©efammtgute  ju  motten 
X  w  »laubigem  ber  e^efrau  auf  bicfe  SJeife  Seftanbt^eite  bc3  ©efammtguteß 
-  .feit  ihtet  »efriebigung  ju  entjie^en  ober  boc^  i^re  Sefriebigung  aus 
iivUmmtgute  ju  erf^roeren.  giid)t  minber  ift  bie  perjBnlic&e  Haftung  bea 
rnnee  föc  bie  @e(ammtgut6cerbinbli(^feiten  ber  et)efrau  im  Sntereffe  bet 
Jen  um  beaniiUen  bringenb  geboten,  roeil  oI)ne  biefe  ,&aftung  bet  Ehemann 
r  itct  roerben  Knnte,  fein  SGerfügungäre^t  jum  31a*t^eile  bet  eöefrau  baju 
;,cuu8en,  feine  eigenen  Sc^ulben  aus  bem  ©J'"'"'«»»^,  ä"  2^*°?!f"'iJ.'; 
i  .ilt)cn  ber  ebeftüu  aber  unbejaölt  äU  lajfen.  66  empfielflt  ftj  «u*  ni*t, 
I  Unfcliung  bet  petfönlic^n  Haftung  bcfl  etjemanncß  iiuif^en  ben  uot  ©tm 


368  Moemeine  ©üterGctneinf^aft.    ©d.iiltcnl&afiuitg.    §  1360. 

tritt  bcr  OütcvgcmcinfdiQft  entftanbencn  SBcrbinblid^fciten  ber  ß^cfrou  unD  ben 
n)äf)renb  bcfte^enbcr  ©ütcrgemcinfd^aft  entftanbencn  SJerbinblic^feiten  bcrfelbcn 
ju  untcrfcf^eibcn,  ba  jene  SSerbinblidöf^it^n  fid^  von  biefen  oft,  name  ntüc^  bei 
längerer  Sauer  bcr  6^c,  nid^t  untcrfd[ieibcn  laffen,  inbem  fie  biird)  Sßeränberung 
in  ben  Sd^ulbt)crf)öltmf|en  in  cinanber  übergeben.  9luf  bie  möglid^crroeifc 
mit  ber  Seftimmung  bes  9lbf.  2  für  ben  ®{|cmann  ocrbunbcnen  gärten 
fann  namentlich  üom  ©tanbpunfte  einer  rertragömältgcn  ©ütcrgemeinfc^aft 
entfd^eibenbcö  ©emid^t  nid^t  gelegt  merben.  Um  fo  unbebcnftic^er  ift  eß,  bie 
pcrfönlid^e  Haftung  ber  ß^efrau  gegenüber  ben  ©laubigem  beö  (Seemannes 
JU  Dcrncinen,  bagegen  bie  perfönlid&e  Haftung  bcö  Icfiteren  gegenüber  ben 
©laubigem  ber  (S^efrau  anjuerf ennen ,  roenn  man  mit  bcm  ©ntmurfe  (oergl. 
§  1380)  baoon  außgcfit,  ba§  aud^  im  93erl[|ältnij]e  bcr  ©Regatten  ju  einoubcr 
alle  ©cf ammtgutöoerbinblid&f eiten ,  meldte  im  aSer^ättniffe  bcr  (S^egottcn  }u 
cinanber  bcm  ©efammtgute  jur  Saft  fallen,  pon  bcm  ©bemanne  allein  ju  tragen 
finb.  ©ine  anbere,  bei  ben  JBcftimmungen  über  bie  2lufl6fung  bcr  ©cmcinfd^oft 
5U  crorternbc  gragc  (ücrgl.  bie  üBotioe  ju  §§  1373—1380)  ift  eö  bagegen,  wie 
bei  9luflöfung  ber  ©ütergemcinfd^aft  bie  Haftung  ber  ©l^cgattcn  gegenüber  ben 
©laubigem  bcrfelben  geregelt  roerben  foll. 

©emein-  Scfonbcrc  Scftimmungcu   über  jbie  ron  ben  ©l^egattcn  gcmcinfd^aftlid^ 

^t^Äenrcingegangenen  SBcrbinblid^feitcn,  mie  fold&e  in  ben  befte^enben  SRcc^ten  meWö^ 

**  feltm  *^  ftd^  finben,  finb  oom  ©tanbpüftlte  bcö  ©ntrourfcö  auÄ  cntbel^rlid^.   S)ic  ®üter« 

bereUötten.  gcmciufd&aft  ftcl^t  ber  ©ingcl^ung  einer  ©cfammtfd^ulb  (§§  321  ff.)  von  ©citen 

beiber  ©Regatten  nid^t  entgegen.    Db  fte  bieö  bcabfid^tigt  l^abcn,  ift  na^  ben 

allgemeinen  ©mnbfä^en  ju  bcurt^cilcnj^  eine  unter  il^nen  beftc^enbe  ®üter« 

gemeinfdöaft  ift  für  bie  ©ntfd^cibung  biefer  ^rage  o^nc  S3cbeutung.    33on  Sc^ 

beutung  mirb  biefelbc  aber,  wenn  burd^  bie  oon  ben  Sfjcgattcn  gemcinfdiaftlic^ 

eingegangene  SBcrbinblid^tcit  naä)  ben  allgemeinen  ©runbfäfecn  icber  bcr  G^ 

gatten  nur  jur  §älfte  haftbar  ift  [(§  320).    5Da  i,n  bcm  gcmcinfd[|aftlic||en 

SIbfd&luffe  bcö  SRed&tdgcfd^äfteö  bie  ©inroilligung  bcö  "l^l^icmanneö  in  bie  Sop 

na^me  bcö  SRcc^tögcfd&äfteS  von  ©citen  bcr  ©l^efrau  liegt)"*  fo  l^aftct  nadd  äbf.  2 

ücrb.  mit  §  1362  3tr.  1  bcr  ©tjcmann  audt)  für  ben  bie  e^cfriau  trcffenbcn  2:(|cU 

ber  SSerbinblid^fcit  pcrfönlid^.  '  ^ 


§  1360. 


^3»an««-  S)ie  S3cftimmung  bcö  3lbf.  1  ergiebt  fid&  barauft,  bafe  baö  ©^ömmtgut 

"'flefllrSrt"  ausfd&ticfelidö  in  ber  ^anb  unb  unter  ber  SSertretung  beö  e^cmai?^  ^ 

©efammtgut.  bcpubct  (§  1352).     Snöbcfoubcrc  fmb  aud&  bie  jum  ©efammtgute  gcljP^^^ 

©runbftücfc,  roie  aus  §  1359  3lbf.  1  in  SSerbinbung  mit  §  1360  Slbf.  i  Jt^'^ 

erl^ellt,  bur^  bie  im  §  1353  beftimmtc  »cfd^ränfung  bcö  aScrfügungö? 

)         bcö  eijcmanneö  ber  ^Pfänbung  ron  ©citen  eineö  ©cfammtgutögläubigcrß 

©runb  eineö  tjollftrccf  baren  SCitclö  gegen  ben  ©bemann  ni^t  cntsogcnlsS 

ftimmt  oorbeliattlic^  ber  SBcftimmung  bcö  preug.  9t.  S.  5H.  H,  1  §  386,  bie  pr 

5ßrajiö  flbercin  (ücrgt.  ©ntfc^.  b.  3i.  ©.  in  ©ioilf.  XVI,  84;  Urtl^.  b'  SR    o 

©rud^ot  XXXI  ©.  845).  '      ' 


allgemeine  ©utergemeinfd^aft.    ©^ulbenl^aftung.    §  1360. 


369 


auf  ber  anbcren  ©citc  t)erfte]^t  eö  in  ©mtangelunß  einer  bcfonberen 

Seftimmung  fid^  üon  fclbft,  bog  ein  ©efammtgutögläubiger  auf  ®runb  eines 

ooOfirecfbQren  ^itete  gegen  ben  Seemann  bie  3n)ongöt)oUftredfung  in  Slnfel^ung 

foI<jer  jum  (Sefornrntgutc  gel^orenber  ©cgenftänbe,  roeld&e  fx6)  in  ber  Sn^abung 

ber  6§efrQu  befinben  ober  öuSerlid^  alö  ber  lefeteren  allein  gcprenb  fid^  barfteDcn, 

).  33.  in  SSnfefiung  ber  im  ©runbbud^e  allein  auf  ben  Flamen  ber  @i;efrau 

eingetragenen  9ted^te^  gegenüber  ber  @^efrau  nur  mä)  SDtaggabe  ber  allgemeinen 

©ninbfä^e  ber  ffi.  5ß.  D.  crmirfen  fann,  roeld^c  Slnmenbung  pnben,  mcnn 

Sermögenöftüde  eined  ©d^ulbnerö  jum  Q^tdc  ber  5ßfänbung  ^crbeigefd^afft 

loerben  foDen^  meldte  berfe(be  nid^t  in  ^änben  ^at  ober  bejügUd^  beren  fonft 

Äufeerlid^  ni^t  erfennbar  Ift,  ba^  fxe  bem  ©c^ulbner  gel^ören  (oergl.  §§  713, 

745  ff.  ber  ^.  ^.  D.).    (Sin  genügenber  (Srunb,  in  blefer  S3ejiel)ung,  um  ben 

(äefammtgutegläubigem  bie  SSerfoIgung  i^rer  Siedete  gegenüber  ber  S^efrau  }u 

erleichtern,  bte  allgemeinen  ©runbfäge  }u  burd^bred^en  unb  etma  ju  beftimmen, 

ba§  eine  t^oQftrecfbare  ä^udferligung  bed  gegen  ben  Seemann  DoOftredfbaren 

Silete  ouf  ©runb  ber  §§  665  ff.  ber  6.  5ß.  O.  anä)  gegen  bie  ß^efrau  in 

9nfe(iung  bed  ©efammtguted  im  SlDgemeinen  ober  in  Slnfe^ung  fpejieDer 

angeblich  baju  ge^orenber  ©egenftänbc  ertl^eilt  werben  tonne,  liegt  ni^t  t)or. 

Ucberbie«  würbe  eine  bcrartigc  93cftimmung    cr^eblid&c  praftifd^e  SBortl^eile 

nicftt  gewähren.    SBürbc  bem  ©efammtgutögläubiger  ein  ooUftrcrfbarcr  3CitcI 

na^  ÜHafegabc  ber  §§  665  ff.  ber  6. 5ß.  D.  gegen  bie  ®f)efrau  in  STnfel^ung 

Des  ©efammtguteß  im  Snigemeinen  ert^eilt,  fo  ftänbc  jroar  feft,  ba^  bie  Gtjt^ 

frau  bie  3n'angSt)oDftredung  in  baö  ©efammtgut  fi^  gefallen  [äffen  mügte 

unb  bie  (entere  nid^t  (ebigli^  burd[)  bie  ^el^auptung,  ba^  fte  nid)t  mit  bem 

e^emanne  in  aUgemeiner  ©ütergemcinfd&aft  lebe,  ju  l^inbcm  oermöd^te  (oergl. 

S§  668,  687,  688  ber  6. 5ß.  D.) ;  aDcin  immer  bliebe  nod&  bie  grage  offen  unb 

bebürfte  cfi  ber  gcftftellung,   ob  ber  cinjelne  ©egenftanb,  an  meldten  ber 

@Idubiger  fid^  l^alten  n)ill,  }u  bem  ©efammtgute  mirtlid^  gehört  ober  ob  berfelbe 

ni^t  oielme^r  SBorbel^aItö>  ober  ©onbergut  ber  eijefrau  ift.    SBolIte  aber  ber 

Gläubiger,   um  bem  ju  entgefien,  in  Sttnfc^ung  cinjclner  ©egenftänbc  einen 

ooDflrecEborcn  2^itel  gegen  bie  ß^efräu  fidd  oerfd^affen,  fo  würbe  cö  il)m  nur 

in  ben  feltenften  gällen  gelingen,  bie  SSorauöfegungen,  inöbefonbere  bie  3"* 

ge^örigfcit  beö  ©egenftanbeö  ju  bem  ©efammtgute,  burdd  offentlid^c  Urfunbcn 

i§  665  ber  6.  %  D.)  barjutl^un,  er  riclmclör  faft  immer  jur  Slnftellung  einer 

bcfonberen  Äloge  (§  667  ber  6.  %  D.)  genöt^igt  fein. 

Xie  aSeftimmung  beö  §  1360  »bf.  2  cntfpric^t  bem  §  1315.   5Die  ^aö)-^  ^ItTm 
lüge  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  unb  bei  bem  gefeftlid^en  el^clic^en  ^LTmm^ 
©üterrecftte  ift  in  ber  l^icr  fraglichen  ^infid^t  aUerbingö  nic^t  ooUig  bicfelbe.  „^„«^^^[^^^".1 
SSei  ber  ei^Ii^en  9lu6nie|ung  unb  aSerroaltung  befd^ränft  bie  3tt)angöüoUftrcrfung  xitci«  gcoeu 
M  ouf  büS  ber  e^efrau  nad&  wie  oor  gel^örenbe  ©liegut.    Slufeerbem  ift  bie  ^*"  ^^«'"«"»^ 
lid^e  Slu^niefeung  unb  aSerroallung  ber  gcfefeUd^c  ©ütcrftanb,  ju  beffen  yiaä)' 
fe  e«  fitnüit,  menn  ber  35eftanb  ber  6^e  bargetl^an  wirb.    Sei  ber  ©üter^^ 
tnf(|iaft  ^anbelt  ed  fid^  bagegen  um  bie  3i^^n9d^<>Dft^<^<{i^ng  in  ba§f  ©e- 

|ut  unb  um  bie  perfönlid^e  5Berbinbli^feit  beö  (Seemannes  (§  1359  • 
2).    Äud^  mit  Slüdffid^t  auf  bie  SBertragsnatur  ber  allgemeinen  ©üter^ 
fd^ft  fann  man  SBcbenfen  tiaben,  bie  geftfteltung  beö  93orl)anbcnfeinö 

i.  MrserL  «cfe|6u<9.   IV.  24 


370  aHöemeine  ©ütcrgemeinfd&aft.    ©d&ulbenfaftung.    §  1361. 

bcrfelbcn  in  bcn  gällcn  bcö  §  1360  Slbf.  2  bcm  abgcJürjtcn  SScrfa^rcn  nad^ 
aWafegabc  ber  §§  665  ff.  bcr  6.  ^.  D.  ju  übertaffcn.  Snbeffen  fprcd^cn  bic 
©rünbc,  toelc^e  ju  bcr  Scftimmung  bcö  §  1315  gefüf)rt  tiabcn,  übcrroicgcnb 
bafür,  biefelbc  auä)  auf  bic  ©ütcrgemcinfd^aft  ju  übertragen  (ocrgl.  bie 
üBotipe  JU  §  1315  oben  ©.  259  ff.).  3Dcr  bcn  §§  665  ff.  bcr  6.  %  D.  ju 
Orunbc  Uegcnbc  (Scbanfc  maä)t  fid^  ^ier  fogar  nod^  ntc^r  als  bei  bcm  gefcfe^ 
lid&cn  ©üterftanbc  gcitcnb,  ba  bic  ®ütcrgemeinfcf)aft  nad^  §§  1342,  1343  in* 
fofem  eine  9lrt  oon  UniDcrfalfufjeffion  [mit  fic^  bringt,  alö  ein  SScrmogcns^ 
Übergang  im  Oanjen  unb  eine-  SSercinigung  ber  3SermBgen  beibcr  ©Regatten 
JU  einem  (Sanjcn  auf  (Srunb  bcö  ©ütcrgcmcinfd&aftäüertragcÄ  fraft  beö  ®e^ 
fcfeeö  eintritt.  9luf  ber  anbercn  ©cite  ift  im  ^inblidfe  auf  bic  SSorauöfe^ungcn, 
üon  v)ddim  nad)  bcn  §§  665—667  ber  ß.  ^.  D.  bic  ©rtl^citung  einer  doU* 
ftrccf baren  Slusfertigung  gegen  bzn  ©fiemann  abfjängig  ift,  unb  im  ^inblitfc 
auf  bic  bem  ©ficmanne  nad^  bcn  §§  668,  687,  688  ber  ß.  5ß.  D.  iuftc^cnbcn 
SRed^töbe^elfe  eine  Sccinträdötigung  bcr  SRec^töIagc  bcö  ©fjcmanncö  nid^t  gu 
beforgen.  6r  ift  nid&t  mi^tii^er  baran,  als  ber  t)on  bcr  3«>öngöt)onftrcdfung 
TOcgen  ©d^uCben  bcö  ©rblajfcrd  bebrof)te  ßrbc,  meld^er  bic  Ungültigfeit  beö 
S^eftamentes  bef)auptet. 

§  1361. 

Äonhirtbe«  j)ie  ©ntfd^eibung  ber  ?5ragc,  ob,  wenn  über  baö  SBcnnogen  bed  61^ 

e^emanne«.  ^^^j^^^^^g  mäJ^rcnb  beftcf)enber  Oütcrgemeinfd^aft  Äonfurö  eröffnet  mirb,  bas 
Oefammtgut  jur  Äonfurömaffe  gcl^ort  unb  bcr  Ehefrau  in  Slnfcl^ung  bcö 
Ocfammtguteö  nid^t  baö  $Rcd^t  auf  2luöeinanberfe6ung  unb  Slbfonbcning 
juftcl^t,  l^ängt  auf  baß  ©ngfte  mit  ber  anbercn  ^rage  jufammen,  ob  unb  roeld^en 
©inf(u§  bic  (Sröffnung  beö  Äonhirfcö  über  ba^  SSermogen  beß  (S^emanncö  auf 
bcn  Seftanb  ber  ©ütergemcinfd^aft  fiabcn  foU.  2)ie  grofee  äftc^rjal^I  ber 
beutfd^cn  ©ütergcmcinfd^aftörcc^te  räumt  bcm  Äonfurfe  einen  ©injlufe  in  biefcr 
§infid[|t  überl[iaupt  nid^t  ein.  ßine  9luönaf|me  mad^t  baö  preufe.  31.  2.  SR.  II,  1 
§  421  infofern,  als  cö  iebem  ber  ©{)cgatten  baö  SHcd^t  einräumt,  bic  Sluf^ebung 
bcr  ©ütcrgcmcinfd^aft  für  bie  3^if^^"ft  i^i  t)erlangen,  wenn  ber  anbete  in 
Äonfurö  gerate  (ücrgl.  baju  31.  S.  dl  II,  1  §  431 ;  preufe.  Äont.  D.  §  94). 
gerner  führen  bic  Seftimmungen  bcö  code  civil  9lrt.  1443—1447  über  bad 
Siedet  bcr  Gl}cfrau,  bic  gcrid&tlid&e  SBermogenöabfonbcrung  ju  ücrfangen,  ba^in, 
bafe  bie  ®l)cfrau  im  gallc  bcö  Äonfurfcö  über  baö  SBcrmögen  bcö  (S^emauneö 
auf  gcrid)tlic^c  ä5ermögcnöabfonbcrung  Hagen  fann,  unb  jmar  mit  ber  SBirfung, 
baö,  roenn  burd^  baö  Urtf)cil  bic  ©ütcrtrcnnung  auögefprod^en  roirb,  bic  Ie|tcre 
mit  bcm  2^agc  ber  Klage  alö  eingetreten  angefcfien  loirb  (uergL  aud(^  ^R. 
Cntu).  IV,  2  9lrt.  471 ;  e^renbreitft.  ßntm.  §§  42, 47).  3la6)  bem  bab.  ©Inf.  ®cf. 
ju  bcn  JRcid^öiuftiägcfc^cn  v.  3.  a)lärj  1879  foU  im  ftonfurfe  über  baö  93ermogcn 
bcö  e^emanneö  bie  3SermBgenöabfonberung  auf  3lntrag  bcr  (S^efrau  o^c 
aSScitercö  t)on  bem  J^onfurörid^ter  anögefprod^cn  merben.  Db  bic  Seftimmungcn 
ber  §§  14,  44  ber  bcutfd&cn  Äonf.  0.  aud&  auf  baö  gütergemeinfd&aftlid^e  Säer« 
mögen  ansuroenbcn  finb,  ift  beftritten.  9lad&  ber  einen  3lnfid^t  [teilen  [tnt 
Seftimmungen  ber  Slnnal^mc,  bafe  baö  ©cfammtgut  im  galle  beö  jtonhirfeft 


®eltenbe8 


3l%m«ne  ©ütcrflemeinf^aft.    ©d&ulbentaftung.    §  1361.  371 

über  bad  SBermogcn  bcö  ®^cmanncö  jur  Äonfurömaffc  (jcjogen  werbe,  nid&t 
mlgcgcn.  9luf  bcr  anbeten  ©eite  \)at  ba^  SReiddßgertd^t  (©ntfd^.  in  6ioi(f. 
MH,  26)  fid^  ßanj  allflemcin  ba^in  auögefprod^en,  baf^  mäj  bem  ©^fteme 
bcr  beutfd^cn  Äonf.  0.  baö  gütergemeinf^aftUd&e  SSermögen  als  fofd^eö  jur 
fionfurömaffe  nid^t  gebore,  ba§  üielme^r  —  au^er^alb  beß  Äonhiröocrfa^renö  — 
eine  äuöeinanberfcßung  ber  gütergemcinfd^aftlid^en  SSer^öItniffe  unter  Serücf- 
jttjtigung  ber  gütcrgemeinfc^oftlid^en  ©d^ulben  jroifcöen  ben  ©fltergemeinfd^aftes: 
genofen  erforbcrltd^  fei,  um  boö  ©onberoermögen  eines  jeben  ber  ©fiegatten 
unb  bo^  bie  Duotc  ju  beftimmen,  welche  alä  aintl^eil  beö  e^iemanneö  jur 
flonfurdmoffe  bes  leiteten  fliege. 

2)er  ©ntnjurf  ge^t  baoon  aus,  ba§  bcr  ß^efrau  iebenfaHö  nid^t  boö  stttnbpunit 
Sec^t  beigelegt  werben  barf,  auf  (Srunb  ber  ©roffnung  beö  ^onfurfeö  über  entwürfe«, 
bofi  Vermögen  beö  (Seemannes  bie  9Cuf[5fung  ber  Oütergcmeinfd^aft  in  ber 
trt  JU  verlangen,  bafe,  wenn  auf  il^ren  9lntrag  bie  Sluflöfung  bcr  ©iiter^^ 
9emcinf(|aft  auögefprod[|en  ift,  baö  33erl^öltni6  auä)  gegenüber  ben  Äonfurö* 
gloubigern  in  berfelbcn  SBeife  be^anbelt  wirb,  alö  ob  bie  ©ütergemeinfd^aft  jur 
3eit  ber  ßröffnung  beö  Äonturfeö  bereits  a\x^  einem  anberen  (Srunbe  auf- 
geßft  wäre,  bafe  t)ielmel^r  bcr  ©^cfrau  ben  Äonfurögläubigern  gegenüber  in 
Snfeliung  bes  5ur  3^^  ber  Äonfuröeröffnung  t)orl)anbenen  Oefammtgutcö  ein 
Se^t  auf  Süuöeinanberfefeung  unb  Slbfonbcrung  lebcnfaDö  rerfagt  werben  muß 
(oergl.  oud^  otoenb.  ®ef.  t).  24.  aipril  1873  9lrt.  26  §  1).  ©ß  ift  jwar  nid^t 
JU  ocrfennen,  ba^  bie  ®^efrau  unter  Umftänben,  trofc  ber  Ucberfc^ulbung  beö 
6(iemonneö,  aud^  in  SÄnfe^ung  bcö  jur  3<Jit  bcr  Äonfuröeröffnung  oorl[ianbencn 
®cfammtguteö  ein  S^tcreffe  an  ber  Stuäeinanberfefeung  unb  ber  3lbfonberung 
(laben  fonn,  nSmlid^  bann,  wenn  bie  Ueberfd^ulbung  bcö  ß^emanncö  in  folgen 
©efammtgutöocrbinblid^feiten  beöfclbcn  il^ren  ®runb  l^at,  welche  in  bem  SSer* 
^Itniffc  ber  ©Regatten  ju  einanbcr  -  nid^t  bem  ©efammtgute,  fonbern  bem  ®l^e* 
manne  jur  fiaft  faDen  (§  1367),  ba  nad&  bem  §  1377  3lbf.  1  in  SSerbinbung 
mit  §  1376  bcr  (Seemann  bejw.  ber  an  bcjfcn  ©teile  tretenbe  Äonturöoerwalter 
bei  ber  Suöcinanberfefeung  bie  Berichtigung  jener  ©cfammtgutöDcrbinblid^fciten 
ou«  bem  ©efammtgute  gegenüber  bcr  S^cfrau  nidjt  ücrtangen  unb  auf  biefc 
äBeife  auf  Orunb  ber  5luöeinanberfe6ung  ju  ®unften  ber  ©fiefrau  ein  Ueber- 
f(^u|  fic^  ergeben  fann.  3nbejfcn  werben  gälle  biefer  9lrt  feiten  fein,  unb  ift 
onbercrfeits  ju  bead^ten,  bafe,  wenn  Äonfurö  über  baß  SSermögen  bcß  ®l)e^ 
manncß  nid^t  eröffnet  ift,  bie  G^efrau  fid^  gefallen  laRen  muß,  ba§  aud&  wegen 
jener  (Scfatnmtgutßüerblnblic^feiten  bie  ©täubiger  bcß  ß^cmanneß  im  SBcge 
ber  3roangßooUftrecfung  il^re  S3efriebigung  auö  bem  ©cfammtgute  fuc^en 
(§§  1359,  1360).  3)em  jufölligen  Umftanbe  aber,  ob  ber  Äonturß  eröffnet  ift 
ober  nic^t,  fann  ein  fo  weitgreif enber  Cinflufe  auf  bie  rcddttid^c  Sage  ber 
©löubiger  nid^t  eingeräumt  werben.  3ii^<^"^  fommt  in  S3etrad^t,  bafe,  wenn 
man  ber  ©^efrau  boß  SRed^t  auf  Slußcinanbcrfefeung  unb  Slbfonbcrung  beilegt, 
bieß  baß  nid^t  befriebigenbe  Slefultat  jur  golge  ^aben  würbe,  bafe  bie  ß^efrau 
eß  in  ber  ^anb  ^ätte,  auf  ®runb  bcß  §  1377  9lbf.  1  aud^  bie  Sefriebigung 
foUi^r  ©efammtgutßgläubiger  auß  bem  ©cfammtgute  verlangen  ju  fönnen, 
tocÜfc  in  bem  Äonfurßücrfa^ren  ftd^  nxä)i  gemelbet  l^aben.  ®ß  fann  jweifet 
Wt  fein,  ob  bie  »eftimmung  beß  §  1361  9lbf.  1  in  ©rmangelung  einer  ent* 

24* 


I 
L 


370  aHöemeine  ©üteigemeinf^aft.    ©d&uIfcatMtun^-    §  1361. 

berfclben  in  bcn  gällcn  bcß  §  1360  3lbf.  2  bcm  abgclürjten  SBcrfa^rcn  nod^ 
ÜKalgabc  ber  §§  665  ff.  bcr  6.  %  D.  ju  übcrlaffen.  Snbcffen  fprcd^cn  bic 
Orünbc,  raeld^e  ju  bcr  Seftimmung  bcö  §  1315  9cfüf)rt  l^abcn,  übenüicgcnb 
bafür,  biefelbc  awä)  auf  bic  Oütcrgcmcinfd^aft  ju  übertragen  (oergl.  bic 
aßotipe  JU  §  1315  oben  S.  259  ff.).  S)er  bcn  §§  665  ff.  bcr  6.  5ß.  O.  ju 
®runbc  Ucgenbc  Oebanfe  ma6)t  fid^  [)icr  fogar  no(i^  mel&r  ate  bei  bem  gefc^« 
Ud^en  ©üterftanbc  gcltcnb,  ba  bic  ©ütcrgcmcinfd&aft  mä)  §§  1342,  1343  in^ 
fofcm  eine  3(rt  von  UniDerfalfufieffion  [mit  fic^  bringt,  als  ein  SßcrmSgenS* 
Übergang  int  ®anjen  unb  eine- 33ereinigung  bcr  SBcrmögcn  beiber  ©Regatten 
JU  einem  ©anjcn  auf  ©runb  bcö  Oütcrgcmcinfd^aftöücrtragcö  traft  beö  ©e* 
fefecö  eintritt.  9luf  ber  anbcren  Seite  ift  im  iginbftcfe  auf  bie  SSorauöfctungen, 
von  rodeten  nad^  bcn  §§  665—667  bcr  6. 5ß.  D.  bie  (grtl^cilung  einer  oolt 
ftredbaren  3luöfcrtigung  gegen  ben  ©fjcmann  abl^ängig  ift,  unb  im  ^inblicfe 
auf  bie  bcm  @f)cmannc  nad^  ben  §§  668,  687,  688  ber  ß.  ^.  D.  juftc^enben 
Slcd^täbcl^clfe  eine  S3ceinträd()tigung  bcr  SHcd^töIagc  bcö  ©l^emanneö  nid&t  ju 
bcforgcn.  ®r  ift  nid^t  mifelid^cr  baran,  alö  bcr  oon  ber  3w>öngöt)ollftredEung 
roegcn  ©d^ulben  bcö  ©rblaffcrö  bcbro[)te  ©rbe,  wcld^er  bie  Ungültigfeit  bcö 
S^cftamcntcö  bcl^auptet. 

§  1361. 

Äoniurtbe«  j)ic  ©utfc^cibung  bcr  t5^agc,  ob,  wenn  über  baö  SBcrmögcn  bcö  @^e^ 

ö^emonne«.  ^^^,^^g  mäl^rcnb  bcftcficnbcr  ©ütcrgcmeinfd&aft  Äonhirö  eröffnet  wirb,  baö 
®8Re'c?t'*  Oefammtgut  jur  Äonfurömaffe  gcl^ort  unb  ber  (g^efrau  in  Slnfel^ung  bcö 
©cfammtgutcö  nid^t  baö  SRcd^t  auf  9luöcinanbcrfefeung  unb  Slbfonbcning 
juftcl)t,  Ijöngt  auf  baö  ®ngftc  mit  ber  anbcren  §rage  jufammen,  ob  unb  weld^en 
©influfe  bic  ©röffnung  beö  Äonhirfcö  über  baö  SSermögen  beö  (S^emanncö  ouf 
bcn  Scftanb  bcr  ©ütergemeinf^aft  l^aben  foD.  2)ie  grofee  äJZc^rja^I  bcr 
beutfd^cn  ®ütergemcinfd^aftöred)tc  röumt  bcm  Äonfurfe  einen  ©influfe  in  bicfcr 
^inftc^t  überhaupt  n\ä)i  ein.  ©ine  9luönat)mc  mad^t  baö  preufe.  21.  2.  SR.  II,  1 
§  421  infofern,  alö  cö  icbem  bcr  ©Regatten  baö  SRc^t  einräumt,  bie  Stuf^ebung 
ber  ©ütcrgcmeinfc^aft  für  bie  3wfunft  ju  t)crlangen,  menn  ber  anbere  in 
Äonfurö  gerät!)  (ocrgl.  baju  31.  S.  91.  II,  1  §  431 ;  preuß.  Äont.  D.  §  94). 
gerner  fül)rcn  bie  Scftimmungcn  beö  code  civil  3lrt.  1443—1447  über  ba^ 
9lcd&t  ber  G()efrau,  bic  gcrid^tlic^c  SBcrmögcnöabfonberung  ju  verlangen,  ba^in, 
ba§  bic  6f)cfrau  im  gallc  bcö  Ronfurfcö  über  baö  SBcrmögcn  bcö  Seemannes 
auf  gcri^tüc^c  SSermögcnöabfonberunn  Magen  fann,  unb  jroar  mit  bcr  SB8irtung, 
ba§,  roenu  burd^  baö  Urt()eil  bie  ©ütertrennung  auögcfprod^en  roirb,  bie  legterc 
mit  bem  2^age  ber  Klage  alö  eingetreten  angcfcficn  mirb  (uergl.  aud^  ^eff. 
entro.  IV,  2  9Irt.  471 ;  cf)rcnbrcitft.  Gntro.  §§  42, 47).  3la6)  bem  bab.  Ginf.  ®cf. 
}u  bcn  9leid^öiuftiägcfcgen  v.  3.  ajlärj  1879  foD  im  ftonfurfe  über  baö  93erm6gcn 
beö  ©tiemanncö  bie  aScrmögcnöabfonbcrung  auf  3lntrag  bcr  G^efrau  o^ne 
SBcitcrcö  von  bem  Äonfurörid)tcr  auögefprod^en  merben.  Ob  bie  ^cftimmungen 
bcr  §§  14,  44  bcr  bcutfd^cn  Äonf.  D.  au^  auf  baö  gütcrgemeinfd^aftUd&e  9Scr* 
mögen  anjurocnbcn  pt^i).  ift  beftritten.  5Rac^  ber  einen  Slnfid^t  [teilen  icnc 
Seftimmungen  bcr  9lnnal^mc,  bafe  baö  ©efammtgut  im  galle  beö  Jtonfurfed 


SWöemeinc  ©ütcröcmeinf^aft.    ©d^ulben^aftung.    §  1361.  371 

über  bafi  Scrmögen  beö  ß^cmonneö  jur  Äonfurömaffe  gejogen  werbe,  nid^t 
entgegen.  Sluf  bcr  anberen  ©eite  ^at  baö  9Jeid(|ögerid^t  (ßntfd^.  in  ßioilf. 
\Tn,  26)  ftd^  ganj  allgemein  bal^in  auögefprod^cn,  ba^  mä)  bem  S^fteme 
ker  beutfc^cn  Äonf.  O.  baö  gütergemeinfc^aftlid^c  SSermögen  alö  fold^eö  jur 
Äonturßmaffe  nid^t  gebore,  bafe  üielmel^r  —  außerhalb  beß  Äonfuröocrfalirenö  — 
fine  ätuöeinanberfeßung  ber  gütergemcihfdjaftlid^cn  aSer^öltni^je  unter  Serücf- 
ftc^tigung  bcr  gütergemeinfd&aftlid^en  S^ulben  jn)i[(iöen  ben  ©iitergemeinfc^aftö^ 
genoffen  erforberlid^  fei,  um  baö  ©onberoermögen  eincß  jeben  ber  ©Regatten 
unb  bo^r  bic  Quote  ju  beftimmen,  mel^e  alö  Slnt^eil  beö  ß^iemanneö  jur 
fionfurömaffe  beö  legieren  fliege. 

3)er  ©ntrourf  ge^t  baoon  ouö,  bafe  bcr  G^efrau  iebenfaHö  nic^t  baö  etanbpunft 
Se^t  beigelegt  werben  barf,  auf  ©runb  ber  (gröffnung  beö  Jlonfurfeö  über  «ntSmrfe«. 
boö  aScrmogen  beö  ß^emanncö  bie  9luf[ofung  ber  ©ütergcmeinfc^aft  in  ber 
Srt  }u  Dcriangen,  bafe,  menn  auf  ifiren  SKntrag  bie  3luf[öfung  ber  ®üter^ 
gemeinfc^aft  ouögefprod^en  ift,  baö  aSer^ältnife  au^  gegenüber  ben  Äonfurö^* 
gläubigem  in  berfelben  SBeife  be^anbelt  roirb,  alö  ob  bic  ©ütergemeinf c^aft  jur 
3eit  ber  Eröffnung  beö  Äonlurfeö  bereitö  auö  einem  anberen  ©runbe  auf^ 
geßfk  Tofire,  bafe  üielmel^r  ber  ß^efrau  ben  Äonfurögläubigern  gegenüber  in 
änfe^ung  beö  jur  S^it  ber  Äonfuröeroffnung  Dor^anbenen  (Sefammtgutcö  ein 
Sed^t  auf  9luöeinanberfefeung  unb  9lbfonbcrung  iebenfallö  t)erfagt  werben  mufe 
(oetgr.  audd  olbenb.  ®ef.  v.  24.  Slpril  1873  5frt.  26  §  1).  ©ö  ift  äioar  ni^t 
ju  ötrfennen,  bofe  bie  ß^efrau  unter  Umftänben,  trofe  ber  Ueberfd^ulbung  beö 
(%manneö,  aud^  in  änfe^ung  beö  jur  S^it  ber  Äonfuröeröffnung  üorl[ianbenen 
Scfamnitguteö  ein  Sntereffe  an  ber  Sluöeinanberfcfeung  unb  ber  9Ibfonberung 
^ben  fann,  nfimüd^  bann,  wenn  bie  Ueberfd^ulbung  beö  ß^emanncö  in  fold^en 
@efainmtgutöt)erbinbUd^Ieiten  beöfelbcn  i^ren  @runb  l^at,  weld^e  in  bem  ^er^ 
^Itniife  bcr  ©Regatten  ju  einanber  •  nid^t  bem  ©cfammtgute,  f onbern  bem  ®l)e« 
manne  jur  Saft  fallen  (§  1367),  ba  nad&  bem  §  1377  2lbf.  1  in  SSerbinbung 
mit  §  1376  ber  (Seemann  beju).  ber  an  bcffen  ©teile  trctenbe  ÄonfuröDermalter 
bei  bcr  Äuöcinanberfefeung  bic  93erid)tigung  jener  ©efammtgutöoerbinblid^feiten 
OUÖ  bem  ©efammtgute  gegenüber  ber  ®^cfrau  n\i)t  ücrlangen  unb  auf  biefe 
SBeife  auf  Orunb  ber  5luöeinanberfefeung  ju  ®unftcn  ber  ®^efrau  ein  lieber^ 
fd^ug  fid^  ergeben  fann.  3nbejfcn  werben  gäUe  biefer  Slrt  fetten  fein,  unb  ift 
anbcrerfcitö  ju  bead^ten,  bafe,  wenn  Äonfurö  über  ba&  SSermögen  beö  ®f)e* 
manneö  nidbt  eröffnet  ift,  bie  (S^efrau  fid^  gefallen  laffen  muß,  bafe  aud^  wegen 
jener  ®cfammtgutöt)erbinblid[)feiten  bic  ©laubiger  beö  ©f)emanneö  im  SBcgc 
ber  3roangöt)oUftre(fung  i^rc  Sefricbigung  an&  bem  ©efammtgute  fu^en 
(§§  1359,  1360).  3)cm  jufäUigen  Umftanbe  aber,  ob  ber  Äonfurö  eröffnet  ift 
aber  ttid^t,  fann  ein  fo  weitgreifenbcr  Cinflufe  auf  bic  rcc^tlid^e  Sage  ber 
Gläubiger  nid^t  eingeröumt  werben.  3^^^^  fommt  in  Setrad^t,  ba§,  wenn 
man  bcr  e§cfrau  ba^  SRec^t  auf  SKuöeinanbcrfefeung  unb  SKbfonbcning  beilegt, 
biefl  baö  nidbt  befriebigenbe  Slefultat  jur  golgc  fiaben  würbe,  baß  bie  ©Iiefrau 
eö  in  bcr  ^anb  l^ötte,  auf  ®runb  beö  §  1377  9lbf.  1  aud^  bie  Sefriebigung 
foI<^r  ©cfammtgutögläubiger  auö  bem  ®cfammtgutc  uerlangcn  ju  fönnen, 
meldte  in  bem  Äonfuröoerfa^ren  fic^  nid^t  gemelbet  ^aben.  6ö  fann  iweifel* 
^  fein,  ob  bie  Seftimmung  beö  §  1361  9lbf.  1  in  ©rmangetung  einer  ent* 

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372  Snignneinc  ©ütcrflenicinf^aft.    ©d^ulbenl^aftunö.    §  1361. 

gegcnftcl^cnbcn  S3eftimmung  nid^t  atö  [cIbftt)crftonbti^  ju  bctrad^tcn  ift  unb 
bcöl^alb  eines  befonberen  2luSbrurfcö  im  ®efc|c  nid^t  bcborf.  ^ür  bie  ©elbft- 
ücrftänblid^fcit  lägt  fid^  anfül[iren,  bafe,  lüenngleid^  bad  ©efammtgut  nod^  §  1342 
gemcinfc^aftlid^eö  ^Sermögen  bciber  ©Regatten  ift,  baöfelbe  bod^  ber  3roongö? 
üoUftredEung  von  Seiten  ber  Otöubiger  bcö  ©Ijcmanneö  unbef^ränft  unterliegt 
(§  1359  3lbf.  1,  §  1360  Slbf.  1)  unb  infonjcit  n)ic  SSermogen  beö  e^emanncö 
bef)anbelt  wirb,  nad^  §  1  9lbf.  1  ber  Äonf.  D.  ober  baö  ftonfuröoerfa^ren  büß  gc- 
fammte  einer  SroangöDoUftredfung  untcriiegenbe  SSermögen  beö  ©emeinfd&ulbncr« 
umfofet,  roetd^eö  i^m  jur  ^t\t  ber  ©röffnung  beö  SScrfa^renö  gehört.  Um  ieboi^  bic 
3n)eifel  Qbjufddneiben,  welche  Qnbererfcitö  auö  ber  $flotur  beö  Oefammtguteö  afe 
cineö  beiben  ©Regatten  gef)örenbcn  gemeinfd^oftlid^en  SScrmogenö  in  SSerbinbung 
mit  bcn  §§  1, 14,  44  ber  Äonf.  O.  I^crgeleitct  merben  fönnen  (ocrgt.  ®nt[d^.  b. 
JR.  ®.  in  ßioilf.  VIII,  26),  ift  cö  bei  ber  SBid&tigfcit  ber  ©ad^c  alö  rat^jomcr 
erad^tet,  ben  l^ier  fraglid^cn  Orunbfal}  im  ©efefec  auöbrürflid^  auöjufprcc^en 
(oergl.  aud&  §  2150  9Ibf.  4).  Wogegen  ift  eö  nid^t  für  erforberlid^  gcl^olten, 
boneben  ben  fpejieDen  goU  im  ©efc^c  bcfonberö  }u  bcrüdffic^tigcn,  wenn  bic 
©ütergemeinfc^aft  oor  ber  (Sröffnung  beö  Äonhirfcö  über  baö  SScrmögen  bcö 
©^emonncö  jioar  nod^  nid^t  aufgelöft  roar,  bie  ®^efrau  aber  t)or  jenem  S^it- 
punfte  bereitö  ein  Siecht  auf  Sluflöfung  ber  ©ütergcmeinfd^aft  erlangt  ^ottc 
unb  ber  SRed^töftreit,  in  melc^cm  baö  bie  3(uf[Bfung  beftimmenbe  Urt^cil  er- 
laffen  ift,  Dor  ber  ©röffnung  beö  ÄonfuröDerfa^renö  anhängig  mar.  6ö  lajfcn 
fidö  SiDigfeitögrünbe,  inöbcfonbcre  bie  9lücffid()t  auf  ben  ©^u^  bcö  91nt^cilö^ 
red^tcö  ber  ßliefrau  an  bem  Ocfammtgute  gegen  bie  nad&  ber  SJed&tö^ängigfeit 
beö  SRed^töftreiteö  entftanbenen  ©efammtgutöüerbinblid&feitcn  bcö  ß^cmauncö, 
roelc^c  na^  §  1379  im  9ScrI)äftniJfc  ber  ©liegatten  ju  cinanber  nid^t  bem  ®c^ 
fammtgute,  fonbem  bem  ©bemanne  jur  Saft  fallen,  bafür  anführen,  bcn  l^icr 
fraglid^en  gall  ebenfo  ju  bef)anbcln,  wie  ben  gall,  rotnn  nad)  SKuflofung  ber 
©ütergemcinfc^aft,  aber  vor  erfolgter  2luöcinanberfe|ung  Äonturö  über  boö 
33ermögcn  bcö  ©Ijemanncö  eröffnet  wirb  (§  1375).  Snbeffcn  reiben  bicfc 
©rünbe  nid^t  an^,  um  für  einen  fo  fpcjicDcn  gall  pofttio  cinjugreifen,  um 
fo  weniger,  a(ö  bie  ©laubiger  burd)  bic  SrBffnung  bcö  ÄonhiröDcrfa^rcnö  ein 
bem  burd^  5ßfänbung  begrünbeten  ^ßfanbrcd^te  analogeö  SRed^t  auf  SScfriebigung 
auö  bem  ©cfammtgutc  erlangt  f)abcn,  wäl^renb  baö  9ted^t  ber  6^cfrau  awi 
Sluöcinanberfcßung  gegenüber  ^Dritten  in  SBirflidjfcit  crft  mit  ber  Kcd^tö^ 
fraft  beö  Urt^eilcö  jur  Cntftcl)ung  gelangt. 

3)0^  im  Äonfurfe  über  baö  33crmBgcn  bcö  ®l)cmanncö  ber  Äonfurö^ 
Dcrwalter  bcn  33efd^ranfungcn  bcö  93erfügungörcd)tcö  bcö  6l)cmanncö  noc^ 
aWafegabc  bcö  §  1353  nid^t  unterliegt,  fann  nid^t  jweifelf)aft  fein,  ba  jene 
S3efd)ränfungen  anä)  ber  ^ßfönbung  oon  ©eitcn  ber  ©laubiger  bcö  (Sl^emanneö 
nic^t  cntgcgcnftcficn  (§  1359  9lbf.  1,  §  1360  5lbf.  1 ;  2Rotit)c  ju  §  1360  oben 
©.  368;  oergt.  anbererfeitö  entfd^.  b.  SR.®,  in  ßioilf.Vni,  26),  unb  bcbarf 
beöl^alb  feiner  befonberen  ©ntfc^eibung. 

SBcgen  ber  grage,  ob  ber  Sl)efrau  im  gaDe  beö  Äonfurfcö  über  boö 
aSermogen  bcö  ®t)cmanncö  baö  Siedet  beijulcgen  ift,  bic  Sluflöfung  ber  ©üter- 
gcmcinfdjaft  für  bie  S^funft  in  bem  ©inne  ju  verlangen,  bafe  jwar  baö  jur 
Seit  ber  Äonfuröeroffnung  Dorl^anbene  ©cfammtgut  Seftonbti^cil  ber  ftonfur^ 


SHTflewrinc  ®üter0cinelnfd6afi    ©ctulbcnl&aftung.    §  1362.  373 

moffe  oerbicibt,  bcr  ©l^cfrou  ober  in  9ln[cf|ung  bcö  naö)  bcr  Sccnbigung  bcö 
HonJfuröoerfa^rcnd  verbliebenen  Ueberreftes  beß  ©efammtguteö  unb  beö  etraaigen 
fpötercn  erwerbe«  baö  ditä)t  ouf  Sluflöfung  ber  ©ütergcmeinfd^aft  unb  auf 
Sußeinanberfefeung  mä)  SWafegabe  beßicnigen  S^itpunf^ö  juftel^t,  in  roeld^em 
fic  biefcö  Verlangen  [teilt,  wirb  auf  bie  aWotiüe  ju  §  1372  rcrwiefen. 

änlangenb  bie  Seftimmung  beä  §  1361  Sttbf.  2,  bafe  burd^  ben  Äonfurö  ^^^°^^^l^ 
über  baö  SBermögen  ber  g^cfrau  roä^renb  bcftc^enber  ©iitergemeinfd^aft  baö 
©efammtgut  nid^t  berüfirt  wirb,  fo  red&tfertigt  [xä)  biefe  Seftimmung  burd^ 
bie  SJüdffK^t  auf  bie  ©teDung  beß  ©fiemanncö  gegenüber  bem  (Sefammtgute 
(wrgL  §  1352).  3lud^  biefe  Seftimmung  tann  im  ^inblidfe  barauf,  bafe  ber 
Änt^eil  ber  6t)efrau  an  bem  Oefammtgute  ma^renb  beft  S3eftel^ens  ber  ©üter^ 
gcmeinfd^aft  afö  ein  felbftänbigeö  Sermögenörec^t  nid^t  geltenb  gemad^t  werben 
lann  unb  inöbefonbere  ber  3w)angöt)oUftredfung  oon  ©eiten  ber  ©laubiger  ber 
S^frau  auf  ©runb  eine«  gegen  biefe  Doltftredtbarcn  2;itelö  —  wcnigftenö  bcr 
Äcgel  nad&  —  nid^t  unterliegt  (§§  1344,  1345,  1360),  unb  angeftd^tö  beö  §  1 
3Ibf.  1  ber  Äont.  6.  als  felbftoerftönblidj  be^eid^net  werben,  jumal  wenn  auö^ 
gcfprod^cn  ift,  bafe  im  galle  ber  ©roffnung  beö  Äonfurfcö  über  bas  aSermögen 
l)cfi  g^emanneß  ba&  ©efammtgut  ju  beffen  Äonturömaffe  gel^ört  (§  1361  9lbf.  1). 
3nbeffen  oerbient  eö  aus  äl^nlid&en  ©rünben,  wie  biejenigen,  weld^e  jur  Sttuf* 
no^e  beö  §  1361  Slbf.  1  geführt  ^aben,  ben  Säorjug,  jur  3lbfd^neibung  von 
;^eifeln,  ju  weld^en  bie  Seftimmungen  ber  §§  14,  44  ber  Äonf.  D.  SBer^ 
onlaRung  geben  fonnten,  ben  t)ier  fraglid^cn  ©afe  ebcnfallö  auöbrüdlid^  auß^ 
jufpret^cn. 

§  1362. 
2)ic  im  §  1362  beftimmten  Slußnal^men  oon  bem  ©runbfagc  bes  §  ^^^^  ^f^^^^f^^^ 
äbf.  1,  bafe  audd  ölle  9Serbinblid)feiten  bcr  ß^efrau  ©efammtgutöüerbinblid^-  frau,»ei(^e' 
feiten  finb,   berul^en  auf  bem  ©ebanfcn,  ba^  iebcnfallß  für  biejenigen  3Ser^  crmmt^w. 
Wnbli4|feiten  ber  ei^efrau,  für  wetd&e  nad^  bem  gcfefelidjen  eficlid^en  ©üter^^  tcrbtnbiic^. 
rechte  baö  e^egut  nid^t  ^aftet,  bei  bcr  ©ütergemeinfd^aft  baö  ©efammtgut  *''*'"  ^"^' 
m(^t  Soften  barf.    a)cr  §  1362  f^ließt  fid&  beölialb  im  SBcfentad^en  bem 
§  1312  an,  unb  fann  aur  Segrünbung  beß  §  1362  auf  bie  SRotiüe  ju  §  1312 
im  allgemeinen  Sejug  genommen  werben.    9lnlangenb  inßbcfonbcre  bie  S3e=:  «"«  ^*^**' 
ftimmung  be«  §  1362  3lx.  1,  fo  bient  biefelbc  in  SBerbinbung  mit  bcr  aSorfdirift  ^'1?^»"^ 
beß  §  1352  Slbf.  2  baju,  bie  Sfled^te  beß  ©^cmanneß  in  3lnfet)ung  beß  ©efammt^ 
guteß  geflen  bie  i^m  auß  ber  ©efc^äftß*  unb  ^rojefefäljigfcit  ber  ßf)efrau 
broi^ben  ©efa^ren  ju  fc^üfeen.    2)ie  bcftel^cnben  dicä)k,  mit  Sttußna^me  beß 
munft,  Stec^teß,  ftimmen  in   biefer  33ejiel)ung   mit  bem  Entwürfe  überein 
(wrgl.  indbef.  für  baß  gemeine  9led)t  ©euffcrt  XXXIV,  309;  Gntf^  b.  SR.  ©. 
in  6imlf.  vn,  51;  femer  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §  389;  code  civil  9lrt.  1419). 
2a§  bie  im  §  1312  3lv.  1  am  ©d)luRe  entlialtenc  Seftimmung,  nad^  weld()cr 
bie  3Serbinbli^feit  ber  ß^efrau  wegen  bcr  Sloftcn,  welche  biefelbc  auß  einem 
üon  '\t)v  geführten  SRe^tßftreite  bem  ©egncr  ju  crfe^cn  fiat,  ftctö  Göcgutß^ 
perbinbUd^feit  ift,  wenn  bie  ß^efrau  ber  Seflagte  war  unb  ber  3?cd)töftrcit 
eine  G^egutßoerbinblid^feit  betraf,  auf  bie  ©ütcrgcmeinfd&aft  nidjt  übertrogen 
ift,  grünbct  fi^  barin,  ba6  bei  ber  ©ütcrgcmeinfd;aft  bcr  ©laubiger  ber  GIjc- 


374  Sllloenieinc  ®üter0emeinf$aft.    ©d&ulbcn^aftunfl.    §  1362. 

frau,  um  auö  bem  Ocfamnttgutc  Sefriebigung  ju  erlangen,  feinen  Slnfpnid^ 
nid^t  gegen  bic  ß^efrau  ju  rid^ten  brandet,  fonbern  gegen  bcn  Seemann  allein 
flagen  tann  (§§  1352,  1360  Slbf.  1).  ®lc  (Srficbung  einer  Ätagc  gegen  bie 
ß^efrau  fann  nur  ben  ^wcd  ^abcn,  bie  Sicfriebigung  auö  bem  3Sorbe^altö^ 
ober  ©onbcrgute  ber  ©^efrau  ju  erlangen,  gür  bic  Soften  eines  biefcrlialb 
o^ne  ©inmilligung  ober  ©eneljmigung  beö  G^emanneö  gefül^rten  ^rojeffeö  na^ 
§  1359  baö  ©efammtgut  unb  bcn  (S[)emanu  perfönlid^  ^aftcn  ju  laffcn,  fc^lt 
es  an  einem  genügcnben  Orunbe. 
cintcioiflunö  ©ine  93eftimmung  bariibcr,  ob  ber  (Seemann  bei  ber  ©rtlicilung  ber  ©in- 

scanne«  ^oilligung  ober  Oencbmigung  ju  einem  cinjelnen  JHcd^tögefd^fte  ober  Stents* 
unter  «u«.  ftrcitc  bcr  ©fiefrau  bie  Haftung  bcö  ©efammtgulcö  unb  bamit  feine  pcrfönüc^e 
Ä^ber  Haftung  mit  SBirffamfeit  gegen  bcn  ©ritten  auöfc^tiefecn  fann,  ift  in  ben 
©efommt-  ©ntwurf  uid^t  aufgenommen.  3luc^  mit  einer  fold^en  ©efd^rönfung  ^ot  bie 
^"*  '  6rt^eilung  ber  ©inmilligung  ober  ©enc^migung  bcö  ß^emanncö  JBebeutung 
für  fold^e  ^^älle,  in  meldten  bie  eiiefrau  ©onbergut  im  ©inne  beö  §  1351 
bcfigt,  inbem  auf  ©runb  einer  fold^en  GinmiHigung  ober  ©ene^migung  ber 
©laubiger  ber  Gl^efrau  aud^  auö  beren  Sonbergute  33cfriebigung  üerlangen 
!ann  (oergl.  §  1351  2lbf.  2  t)crb.  mit  §§  1417,  1311,  1312  3lv.  1).  »on 
größerer  Sebcutung  ift  bie  ^rage  bei  ber  partifulären  ©ütergemeinfd^aft,  ba 
bei  biefer  ©onbergütcr  bie  SRegcl  bilben  (oergl.  §  1423  Slbf.  2  3ir.  2,  §  1431 
Slbf.  1).  S^^^ifrfloö  fann  ber  ß^emann  bei  ßrtlieilung  ber  GinmiDigung  ober 
©ene^migung  burd^  SBertrag  mit  bem  ©ritten  bie  Haftung  bcö  ©efammtguteö 
unb  feine  perfönlid^e  Haftung  auöfd^liefeen.  3luc§  bann  tritt  eine  folc^c 
Haftung  fd^on  nad^  bcn  allgemeinen  ©runbfäfeen  ni^t  ein,  wenn  er  feine  ©im 
milligung  ober  @cnel)migung  nur  unter  ber  Sebingung  erttieilt  bat,  bafe  ienc 
Haftung  auögefd)loffcn  roerbc.  9ltö  felbftt)erftänblid[)  wirb  eö  ferner  iu  bctrad^ten 
fein,  bafe  bcr  ©bemann  in  fold&en  fällen,  in  meldten  baö  9led)tögcf(^äft  bcr 
©l^efrau  ober  bie  gü^rung  bcö  Sic^töftreiteö  berfclben  be^ufö  ber  orbnungö- 
mäßigen  SScrroaltung  beö  ©onbergutcö  bcr  ©^cfrau  crforberlid^  unb  bemgemäfe 
bcr  ©bemann  nad^  §  1351  3lbf.  2  t)erb.  mit  §§  1417,  1320,  1322  feine  ©im 
milligung  ju  bem  5Rcc^tögcfd^äftc  ober  ju  bcr  gül)rung  bcö  3icd^töftreiteö  ju 
ertl^eilen  ocrpflid^tct  ift,  bie  Haftung  bcö  ©efammtguteö  unb  feine  pcrfönlic^e 
Haftung  mirffam  auöfd^licßcn  fann,  ba  eine  fol^e  Haftung  burdd  ben  ^xocd 
ber  ©iniüilligung  ober  @cnel)migung,  bie  orbnungömäßige  SBermaltung  beö 
©onbergutcö  ju  crmöglid^cn,  nid^t  geboten  ift  unb  eine  unbillige  §ärtc  gegen 
bcn  ©^cmann  cntfialtcn  mürbe,  ©ngcgcn  fann  cö  jmeifcl^aft  fein,  ob  baöfelbc 
in  ©rmangclung  einer  bcfonbcrcn  SBcftimmung  aud^  in  anberen  göUcn  an- 
juncf)mcn  ift,  in  n)ctct)en  bcr  ©f)cmann  bic  ©inmilligung  ober  ©enebmigung 
gegenüber  bcr  Gl;cfrau  (ocrgl.  §  127  2lbf.  1)  jwar  unbebingt,  aber  mit  ber 
SSefd^ränfung  crtljcilt,  ba§  bie  Haftung  bcö  ©efammtguteö  unb  bamit  audb 
feine  pcrfönlidjc  t^aftung  auögcfc^loffcn  fein  follc.  ©in  Sebürfniß,  bicfe  S^^agen 
burc§  bci^  ©cfcfe  bcfonbcrö  ju  cntfd^eibcn,  liegt  inbefjen  nid^t  vor;  melmebr 
fann  bic  itbfung  berfclben  an  bcr  .^anb  bcr  allgemeinen  ©runbfäfee  unbebenflidö 
ber  SBiffcnfd^aft  unb  'ißrariö  übcrlaffcn  werben,  ©benfomcnig  ift  cö  ofe 
crforbcrlidö  crad[)tct,  bcfonbcrö  ju  beftimmcn,  ob  ber  ©l^cmann  bei  ber 
©rtticilung  bcr  Ginmilligung  ober  ©cncljmigung  ju  bem  felbftänbigcn  Setriebe 


aUgemdne  ©ütergemeinfd^aft.    Sd^ulbenlgaftung.    §  1362.  375 

rincfi  ©rroctbögcfd^äftcö  t)on  Selten  ber  ß^efrau  bie  Haftung  beö  ©cfammt^ 
guto  unb  feine  perfönlid)e  Haftung  mit  rcd(|tlic^cr  SBirtfornteit  gegen  ©ritte 
ttudf(^[ie§en  fann.  3tuö  bcr  burd&  §  1356  für  entfpred^enb  anroenbbar  erflärten 
»eftimmung  be«  §  1307  2lbf.  2,  3  er^eUt  mit  genügcnbcr  ©cutli^feit,  ba§  bie 
^ier  froglid^e  93efcöränfung  cbenfomenig  wie  anbere  ber  ©inroilligung  bei^ 
gefügte,  mit  ber  äSorfd^rift  beö  §  1307  3lbf.  1  in  SBiberfpruc^  tretenbe  33e* 
f(|fränfungen  (oergl.  bie  SDiotioe  ju  §  1307  oben  ©.  242)  gegenüber  ©ritten 
rcc^tlid^  in  Setrod^t  fommt.  ^ßoptio  ^ier  baö  ©egentfieil  ju  beftimmen,  mürbe 
mit  ber  ?}erfe^röft^erl^eit  unb  mit  bem  3lrt.  8  SHbf.  2  beö  $.  ®.  93.  nid^t  im 
ßinflonge  fielen,  überbicö  ba&  SBerl^ältriig  unnötljig  fomplijiren. 

afniangenb  bie  Haftung  beö  ©efammtguteß  für  bie  mäl^renb  befte^enber  .^"^*""**^ 
(Sötergemeirif^aft  quo  unertaubtcjt  ,§QnbIungen  berG^efrou  cntftanbencn  SScr*  *  erlaubten 
biiiblt<j^^|[^gn  ber  lefeteren^  fo  gei)en  in  biefer  .^infirfjt  bie  bcftcljcnbcn  Siedele  ^«"»»^""fl«"- 
augeinanber.  kidit  andenommeft  mirb  eine  fotd^e  Haftung  namentlich  nad) 
fronj.  Siedete  (code  civil  3lrt  1424)  unb  oerf d^iebenen ,  in  Heineren  9ted)tS:^ 
gebiden  geltenben  beutfd^en  Oütergemeinfc^aftöred^ten  (fo  für  S3rcmen  —  ob- 
»0^1  nidbt  unbeftrittcn  — ,  für  SBerben,  Sßünfter,  ^ilbeöl^eim  unb  $ilbburg=* 
^tifen).  dagegen  haftet  baö  ©cfammtgut  für  bie  Ijier  fraglid^en  SSer- 
binbüc^feitcn  ber  ß^efrau  nodd  ben  Siebten  non  Dsnobrüdf,  SWeppcn,  ©ig:« 
moringcn,  nac^  bem  fäd^f.  ®.  33.  §  1696  unb,  mie  bie  neuere  ©oftrin  unb 
?rQjiö  beö  preufe.  SRec^teö  annimmt  (oergl.  borüber  ©ntfd^.  b.  91.  ®.  in 
Cipilf.  VII,  51  ©.  160  2lnm.  1),  audb  nadt)  bem  preu§.  31.  S.  3t.  II,  1  §§  390, 
384  (oergl.  ferner  olbcnb.  ®ef.  v.  24.  3lprif  1873  9Crt.  26  §  2,  9lrt.  9; 
oflnabr.  ©ntm.  §  6;  el^renbreitft.  ©ntm.  §  22).  9Iuf  bemfelbcn  33obcn 
ftc(|t  ©onoiegcnb  bie  neuere  Doftrin  unb  5ßrajis  bcö  gemeinen  SHcc^teß  (nergl. 
Scuffert  XXXIV,  309;  @ntfd^.  b.  31.  ©.  in  Gioilf.  VII,  51).  einjelne 
9te<i^te  (äffen  bie  Haftung  bed  ©efammtguted  nur  fubfibidr  nad^  einem  etmaigen 
Sonbergute  ber  6t|efrau  eintreten,  j.  93.  bie  9led)te  ron  6rbad&,  gulba,  SBürj- 
bürg  (ebenfo  ^eff.  ©ntm.  IV,  2  9lrt.  465,  467;  mürttemb.  ©ntro.  §  252). 

aEBcnnßleid^  fxd^  nid^t  oerfennen  föfet,  bafe,  fooiel  bie  Haftung  für  bie 
l^itr  fragli^^en  SBerbinblidbfeiten  ber  @()cfrau  betrifft,  bie  Sl5er^ältnijfc  bei  bem 
gefeilteren  c^etic^n  ©üterrec^te  unb  bei  ber  allgemeinen  @ütcrgcmeinfd)aft  in^ 
fofem  nic^t  oöUig  gleid^  liegen,  alö  baö  ©efammtgut  aud)  bas  eigene  SBer- 
mögen  beft  @^emanned  umfagt  unb  bie  c^aftung  bed  ®e[ammtgute3  au^  bie 
petfönlid^e  ^oftung  beö  ©fiemanneö  naä)  fidb  iiel)t  (§  1359  9lbf.  2),  unb  bafe 
ba^  bie  Lüftung  beö  ©efammtguteö  für  bie  nac^  (Eintritt  bcr  ©ütcrgcmein* 
fijaft  entftanbenen  95erbinbUc^feiten  ber  (S[)cfrau  auö  unerlaubten  ^onblungen 
bcr  letzteren  ben  ©bemann  unter  Umftänbcn  empfinblid^  treffen  fann,  fo 
fann  bod^  auf  biefen  ©efid^töpunft  gegenüber  ben  prinjipicUcn  ©rünben,  auf 
wcl^ien  baö  ^rinjip  bcö  §  1359  3lbf.  1  bcruf)t,  baß  alle  33crbinblidöfcitcn  bcr 
Glatten  ©efammtgutöt)erbinblid;feiten  finb  (ocrgl.  bie  Hiotioe  5u  §  1359 
oben  ©.  364  ff.),  fomie  gegenüber  ben  im  3Bcfeiitlid)en  aud)  bei  bcr  allgemeinen 
©utergemeinfc^aft  iutreffenbcn  ®rünbcn,  meldte  ben  Crntrourf  bcftiumil  l^obcn, 
bei  bem  gefc^Udjen  eljclicben  ®iiterrcd}te  \)a^  6()C9ut  aud;  für  bie  l)ier  in 
Siebe  He^nlMii  iUerbinoRciifeireti  ber  Gl)cfrau  Ijaftcn  ju  laffcn  (ucrgt.  bie  illotioe 
iu  §§  18n,  iW^-rtm  ®.  249),  entfd^cibcnbcö  ®ciüid}t  uidjt  gelegt  mcrbcn.   (Sine 


376  aitgcmetnc  ©üterocmeinfd^aft.    Untcr5aIt8lJfK(i&t.    §  1363. 

Unglcid^l^icit  bcr  33ef)Qnbtung  ber  (gficgattcii  in  bcr  l^icr  fraglid^en  SSejiel^ung, 
Je  nad^bcm  es  ftd^  um  2)elitt§[d&ulbcn  bcö  ©fictnanneö  ober  ber  ß^cfrau  ^an- 
beft,  würbe  aud)  mit  bem  Söefen  ber  allgemeinen  Oütergemeinfti^aft,  roeld^e 
baß  genoffenfc^aftli^e  (Slement  in  ber  Drbnung  ber  güterred^ttic^en  SBcr^Slt^ 
niffe  ber  ©Regatten  befonberö  jur  Oellung  ju  bringen  beätoerft,  [d^wer  oercim 
bar  fein,  ©ine  anbere,  im  §  1367  3lbf.  2  3lr.  1  entfd^icbcne  grage  ift,  inioie* 
fern  bie  l^ier  fraglichen  SBerbinblidöf^iten  im  Sßerl^ältniffe  ber  ©Regatten  ju 
einanber  bemjenigen  ß^egotten  jur  Saft  gelegt  werben  follcn,  in  beffen  ^crfon 
fte  entftanben  fxnb. 
®efe«ii(^e  2)arüber,  ob  bei  ber  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  auc^  für  bie  nad) 

**wtm "^^  eintritt  ber  legteren  entftanbenen  gefeglid^en  SBerbinblid^teiten  ber  ei)efrau  boö 
berc(^efrau.  ©efammtgut  l^aftct,  entfialten  bie  befte^cnben  SRed^te  meift  feine  duöbriirfli^eii 
Seftimmungen  (oergl.  föd^f.  ®.  93.  §  1696).  (So  wirb  bieö  iebod^  üielfod^, 
namentfi^  aud^  t)on  ber  ©oftrin  nnb  ^rajiö  beö  preufe.  Stentes,  angenommen 
(oergl.  ©trietl)orft  a3b.  45  ©.  48;  ferner  ©ntfd^.  b.  D.  31.  @.  ju  SRoftocf  bei 
SBud^fa  unb  Subbe  IV  ©.  251).  9luf  bemfelben  »oben  fte^t,  Dorbe^altHc^ 
ber  im  §  1362  3lx.  3  bejeid^neten  SSerbinblid^feiten  unb  oorbe^altlid^  ber  h^ 
fonberen  Seftimmungen  beö  §  1363  über  bie  gefeftlid&e  Unter^altungöpflid^t 
gegenüber  ben  SSerroanbten,  auc^  ber  ©ntmurf,  unb  jroar  aud  äfinlic^cn 
Orünben,  mie  biejenigen,  meiere  bal^in  geführt  liaben,  aud^  bie  2)eliftöfd&ulben 
ber  ©l^efrau  als  ©efammtgutsoerbinblid&fciten  ju  bel^anbeln. 

§  1363. 

^»*j]^^j^«'  Ueber  bie  SBe^anblung  ber  auf  ber   gefejlid^en  UnterJ^altöpflid&t   be- 

Bütten  "ege^  rul^eubeu  Slufprüd^e  ber  3Sern)anbten  beft  ©l^emanneö  unb  ber  SJerroanbten  bcr 

«erroonbTcn.  ®^^fr^w  eutl^alten  bie  beftel^enben  ©ütergemeinf^aftöred^te  meiftend  feine  bc= 

*  fonberen  S3eftimmungen.  3m  ©ebiete  beö  preufe.  21.  2.  31.  wirb  oon  ber  ^raj^id 

überroiegenb  angenommen,  bafe  baß  Oefammtgut  auc^  für   bie  gefcglid^en 

Sttimentationßoerbinblic^feiten  ber  ß^efrau  l^afte,  ebcnfo  in  igamburg  (ücrgl. 

I^amb.  SBorm.  0.  t)om  14.  ©ejember  1883  2trt.  31)  unb  in  ©c^merin  (©ntfci^. 

b.  D.  31.  ®.  JU  SRoftocE  bei  Su^fa  unb  »ubbe  IV  ©.  251).     9lad&   franj. 

SRed^te  wirb  bie  SSerpfli^tung  ber  ©Regatten  jur  Oemäl^rung  bcß  Untcr^oltcö 

nid^t  nur  an  gemeinfd^aftlic^e,  fonbern  auc^  an  einfeitige  3l6fommUnge  eine« 

©Regatten  aCß  ®emeinfc^aftßfd)ulb  be^anbelt.    3m  code  civil  3lrt.  1409  3lr.  5 

werben  auöbrücfüc^  alß  ©emeinfd&aftßfc^ufben  jroar  nur  bejeid^net  bie  (Sr^ 

nä^rung  ber  ©fiegatten,  bie  (Srjiel^ungß*  unb   Unter^aÜßfoften  ber  Äinbcr 

unb  alle  übrigen  Saften  ber  ©^e.  S)arauö  wirb  inbeffen  t)on  ber  3uriöpnibcnä 

gefolgert,  bafe  ber  Unterhalt  forool;!  ber  einfeitigen  Äinber,   alö   aud^  ber 

onberen  unter^altöberec^tigten  Sßermanbten  ber  ©Regatten  —  oorbelialtli^  einer 

SWobififatiou  bei  ben  erft  roö^renb  ber  ©emeinf^aft  anerfannten  une^clid^en 

Äinbern  eines  ©Regatten  —  atß  eine  Saft  ber  ®l^e  unb  auß  biefem  ©efid^tö- 

punfte  alß  eine  ©emcinf^aftßtaft  ju  betrachten  ift  (oergl.  aud^  roürttcmb. 

©ntro.  §§  103  ff.). 

»erürffi^tt.  gg  j^anbelt  fid^  an  biefer  Stelle  junäd^ft  um  bie  (gntfc^eibung  ber  gragc, 

Tamm^flutrt' i^^^i^w'cit  bei  ben  auf  ber  gcfefetid^en  Unter^altöpfliddt  benil)enben  3lnfprüd^en 


aiTflcmrine  ®üteröcmdnfd&aft.    Unter6art«pflid6t.    §  1363.  377 

bcr  SScrtDQnbten  bcö  ß^emanneö  ober  bcr  SBerroanbtcn    ber  ®f)cfrau    baö 

©cfammtflut  ate  33erntöflen  beß  93erpftid^tctcrt  in  Setvod^t  fommt  bcjro.  in- 

loicrocit  bic  bcr  ©^cfrau  obliegcnbe  Untcr^altfipfli^t  alö  eigene  Unterl^altS- 

pjlic^t  bcö  ß^cmanneö  anä)  gegenüber  ben  SScrroanbten  ber  ®t)efrau  bel^anbelt 

werben  foU.    S)a  nati^  bem  ®ntn)urfe  baö  ©efammtgut  gcmeinfd&aftUdieö  Scr- 

mögen  bcibcr  ß^egotten  ift,  weld^cS  naä)  3lufföfung  ber  ©iitergemcinfc^aft 

einem  jcbcn  ber  e^egattcn  jur  ,^älfte  jufällt  (§§  13-1:2,  1377),  fo  fc^eint  cö 

na^  }u  liegen  unb  ber  einfodjfte  STnörocg  ju  fein,  in  ber  I)ier  fraglitficn  Sc- 

^ie^ung,  foDicl  bie  Seiftungäföfiigfeit  eines  ©Regatten  jur  Oeroäljrung  beö 

Unter^Ucfi  betrifft,  bie  ^ölfte  beö  ©efammtguteö  bem  aSermögcn  beö  be^ 

ireffcnbcn  ©Regatten  ^injuiured&nen.   3inein  eine  f olc^e  3erlegung  beö  ©efammt« 

guteö  in  Quoten  wiberfprid&t  bem  ^rinjipe,  bafe  baö  (Sefammtgut,  fo  lange 

bie  ©ütergemeinf^aft  heftest,  ein  unt^eilbareö  (Sanjeö  ift  (§§  1344,  1345), 

unb  oertrögt   ftd^   nid^t   mit   bem    ©runbgebanfen   ber   Oütergemeinfd^aft, 

baß  baö  ©efammtgut  bie  gunftion  l^at,  alö  SBermögen  beö  einen,  wie  beö 

anbcren  ©fjcgatten  ju  bienen.    JRid^tiger  unb  juglcid^  unbebenHid^  ift  eö,  für 

bie  gcftftcBung  ber  Seiftungöfä^igfeit  beö  einen  ober  anberen  ©Regatten  baö 

ganjc  ©cfammtgut  ju  ©runbe  ju  legen.     S)ieö  entfprid^t  aud^,  fooiel  bie 

Unter^aftöpPid^t  beö  @f|emanneö  gegenüber  feinen  SBerroanbten  betrifft,  bcr 

tct^tli^en  StcDung  beö  ß^emanneö  gegenüber  bem  Oefammtgute,  oermögc 

welcher  er,  oorbc^altüd^  bcr  auö  §  1353  fid^  crgebcnben  S3ef^rän!ungen,  über 

bttö  ©efammtgut  mic  über  fein  eigeneö  SSermögen  ju  oerfügcn  bcred^tigt  ift 

(§  1352).     Änbcrö  liegt  atterbingö  bic  Sad^c  in  ^[nfcl^ung  bcr  Untcrl^altö^ 

pjli(|t  bcr  g^cfrau.  S)a  baö  SBcrfügungöred^t  in  Slnfel^ung  bcö  ©efammtguteö 

unier  9uöfd^(ug  bcr  @(|efrau  allein  bem  @l)cmannc  jufte^t,  biefcr  aud^  aifcin 

über  bic  grüd^tc  bcö  ©efammtguteö  ju  verfügen  bercdjtigt  ift,  fo  fel)lt  cö 

wö^renb  bcftc^enbcr  ©ütcrgcmeinfd^aft,  abgefe^en  oon  einem  etwaigen  SBor^ 

be^ltö*  ober  Sonbergutc  bcr  ®^cfrou,  an  fid^  an  bcren  2ciftungöfäl)igfeit, 

mithin  an  einer  SSorauöfefeung  für  bic  ©ntftcl^ung  ber  gefcfclid^cn  UntcV^altö- 

pjTid^t    6ö  fann  icbod^  feinem  Sw^cifcl  unterliegen,  bafe  bic  allgemeine  ©ütcr- 

gemcinf^aft  bicfen  ßrfolg  nid)t  \)ahtn  barf,  fonbcrn  bag,  ba  baö  ©efammtgut 

motcricB  bic  S3cftimmung  ^at,  alö  SBermogen  beö  einen  mie  beö  anberen  ®t)c^ 

%Qittn  §u  bienen,  bic  Untcr^altöpflid^t  bcr  ®^efrau   gegenüber  il)ren  33er^ 

nKmbtcn  in  glcid&cr  SBeife,  roic  biejenige  beö  @f|emanneö  gegenüber  feinen 

Senoanbtcn  aM  bem  ©cfammtgute  erfüllt  roerben  mufe  (t)crgl.  auc^  bic  aJlotioe 

JU  §  1313  oben  ©.  255  ff.).    2)ieö  wirb  am  einfad^ften  baburd^  erreicht,  baß 

öoö  Sertjöltnift  fo  ju  bcurt^eilen  ift,  wie  menn  baö  ©efammtgut  bem  ©^e^^ 

monne  geborte  unb  roic  menn  bie  aSermanbten  ber  ®f)cfrau  ju  bem  (Sliemannc 

in  bemicnigcn  SBcrroanbtfd^aftöoer^öltniffc  fid^  befänben,  in  melc^em  fie  ju  ber 

eW^au  fi(§  befinben.    2)aburd^  wirb  suglcid^  crjielt,  bafe  bei  ber  Söere(|nung 

ba:  2eifiungöfäf|igfcit  nad^  Sflafegabc  beö  ©efammtguteö  fomoljl  bie  Unterljaltö^ 

anfprüd^e  ber  Sßenoanbtcn  ber  @l|efrau  alö  bic  bcö  @()emanncö  bie  gcbü^renbe 

Serüdfid^tigung  ftnbcn. 

^t  bcr  (g^emonn  SSorbc^attö^  ober  Sonbergut,  fo  fann  eö  nid;t  jroeifet  gjp/j,^"^'^*^^, 
baft  fein,  ba^  bei  ber  33eurtl)citung,  ob  unb  inroiemeit  eine  UnterJ^altöpftid^t  ober  eonber 
beö  e^anncö    gegenüber   feinen   aSermanbten   beftel^t,   aud^    bcr   ©tamm  ^mamwl 


378  •  «Itöctneinc  ©utergenicinl^aft.    Untcr^alt^Jjfli^t.    §  1363. 

eines  Sonbcrguteö  unb  ein  SSorbel^altögiit  bcö  ß^cmanncä  naä)  aWafegabc 
bcr  attgcmcinen  Orunbfflfee  über  bie  Unterl)altöpflid&t  in  33etrod)t  ju  jicl^en 
ift.  yiaä)  §  1359  ift  bie  aScrbinblid^feit  beß  ßficmanncö  iroov  in  i^rem 
ganjen  Umfange  ®efammtgutöt)erbinbUd)feit ;  mä)  §  1367  3lv.  2  fällt  bie* 
felbe  aber  inforaeit,  alö  [xc  rocgen  beö  aSorbefialtSs^  ober  Sonbcrguteö  bcö 
eijemanneö  begrünbet  ift,  im  38erl)ältniffe  ber  ef)egatten  ju  einanber  bem  ©^ 
manne  jur  Saft  (üergl.  bie  3)totit)c  ju  §  1367  9ir.  2).  3lnbererfeitö  fprcd&en 
übermiegenbe  ©rünbe  ber  ©ered^tigfeit  unb  Silligfeit  bafür,  bafe  bei  ber 
gcftftellung  ber  2eiftungöfäl)igfeit  beö  @f)emauneö  gegenüber  ben  aSermanbtcn 
bcr  e^cfrau  bcr  Stamm  eineö  Sonbcrguteö  unb  ein  aSorbefjaltsgut  bc8  e^c* 
manncö  w\6)t  in  S3etra^t  fommt,  fonbern  babei  nur  baö  ©cfammtgut,  bcffen 
(Srtrag,  bie  SRugungen  bcr  beiberfeitigeu  Sonbergütcr  (§  1351)  unb  ber  bciber- 
feitige  (Srmcrb  ju  ®runbe  gelegt  mcrben  (§  1363  3lbf.  1  Safe  2).  5Daö  (Segen* 
tf)eil  mürbe  über  ben  3"^^*/  ^o&  bem  unterl^altöbered^tigten  SJcrroanbten  ber 
efiefrau  burd^  bie  9Jatur  beö  ©efammtgutcö  i^r  Unter^altöanfprud^  nid^t  oer^ 
türjt  m erben  fott,  I)inauöge]^en  unb  fbnnte  ba^in  führen,  bag  ber  ©tiemcnn 
nad^  aWafegabe  bes  §  1482  unter  Umftänben  ben  einfeitigen  Slbfömmlingen 
ober  ben  fonftigen  93crmanbten  ber  S^efrau  aus  ber  Subftanj  feines  Sonber* 
gutes  ober  SBorbefjaltSgutes  ben  Unterhalt  gcmätjren  müfetc,  namentlich  bonn, 
wenn  bie  (Sfiefrau  aSorbel^aItö:=  ober  Sonbergut  nic^t  beftfet,  aud6  ©cfammtgut 
nidjt  t)orf)anbcn  ift.  ^nroiefern  ber  (Seemann,  mcnn  er  bie  i^m  nac^  §  1363 
9lbf.  1  gegenüber  ben  SBcrroonbten  ber  ei)efrau  obliegenbe  Unter^altöpflid^t, 
obmofil  biefelbe  ©efammtgutßoerbinbfid^feit  ift,  aus  feinem  SBorbc^altös  bcjro. 
Sonbcrgute  erfüllt  ^at,  aus  bem  ©efammtgute  ©rfafe  verlangen  fann,  beftimmt 
fld^  nad)  ben  §§  1365,  1369,  1351  9lbf.  2,  §§  1417,  1420,  1428. 
sBerücfr«^.  ©eI)ort  umgefelirt  ber  ©Ijcfrau  ein  SSorbelialtö*  ober  Sonbergut,  fo  fte^t 

ÄÄ*  ^^"  5Bcrmanbten  ber  (Sfiefrau  gegen  biefe  neben  bem  nad&  §  1363  3lbf.  1 
ober  ©onber.  gcgcuübcr  bcm  6f|emanne  begrünbeten  Unterl^altöanfprud^e  nac^  aRofegabc  bcr 


ber 


e^efrau.  allgemeinen  ©runbfäfee  über  bie  gcfc6lid)e  Untcr^altöpflid^t  roegen  beö  Stamme« 
beö  Sonberguteö  ober  megen  beö  aSorbel)altögutcö  ein  felbftänbiger  Unter^altö* 
anfprud^  ju.  S)a  biefe  Sßcrbinbti^fcit  bie  ßl)efrau  lebiglid^  megen  i^rcö  SSor^ 
beljaltöguteö  bcjW).  Sonberguteö  trifft,  fo  mu^  berfelben  bie  ©igenfc^aft  einer 
©efammlgutöoerbinblid^feit  ijerfagt  merben  (§  1363  3Ibf.  2).  (Sin  gcnügcnbcr 
(Srunb,  ben  l)ier  fragli^en  Slnfprud^  alö  einen  nur  fubfibiärcn  5u  geftalten 
für  ben  gall,  bafe  bie  $8cnoanbten  auö  bcm  Oefammtgute  baö  ©rforbcrlic^c 
ju  ifjrem  Unterl^alte  t)on  bem  ©£)cmanne  uid^t  erlangen  fonnen,  liegt  nic^t 
t)or.  3luf  ber  anbercn  Seite  entfprid^t  cö  aber  bcm  ^w^dt  beö  ©efammt^ 
gutcö,  als  SSermögen  beö  einen  wie  beö  anbercn  6f)cgattcn  ju  bienen,  bafe  bie 
Untcrf)altöpflid^t  bcr  G^cfrau  gegenüber  i^ren  aScrmanbtcn  infomeit,  alö  bcr 
Gt)emann  nad^  §  1363  9lbf.  1  bcnfelben  a\\&  bem  Oefammtgute  ben  Unterhalt 
JU  gen)ät)ren  oerpflit^tet  ift,  iebcnfallö  im  33erl)ältniffe  bcr  @l)egatten  ju 
einanber  bem  ©efammtgute  bcsm.  bem  ei)cmanne  jur  ßaft  fällt.  3)icö  bringt 
bcr  §  1363  9lbf.  3  jum  SluöbrudEc.  S)ic  allgemeinen  ©nntbfäfee  über  ben 
(Srfafeanfpru^  bcr  ©f)cfrau,  mcnn  biefelbe  3}crmcnbungen  auö  i^rcm  93ors 
bcljaltö^  ober  Sonbcrgute  auf  baö  ©cfammtgut  gcmad)t  l^at,  reid^en  nid^t  ouö, 
um  bcr  Gtjcfrau,  mcnn  fic  nad)  ÜMafegabc  beö  §  1363  9lbf.  2  ilircn  SBcrmanbtcn 


Slfföcmeiue  ®ütergememfd;aft.  SJeranüüortlid&feit  be§  Sl&emaimcS.  §  1364.    379 

ben  Untcrl^Qlt  aus  i^rcm  SBorbcl^altögute  ober  Sonbcrcjute  9ciüär)rt  t)Qt,  einen 
6rfQjanfpru(^  gegen  ben  ß^cmann  ju  fidlem,  ba  bicfclbc  burd^  biefe  &q^ 
Währung  bcß  Unterhaltes  in  ®emäBl)eit  be§  §  1363  3lbf.  2  nur  eine  eigene 
SJerbinblic^Wt  erfüUt  {|at. 

3u  ben  unter  bic  Seftimmung  beö  §  1363  faHenben  Unterl^nltßanfprüd^en 
gebort  au^  bcr  Unterl^attöanfprud)  eines  unc()elid&en  fiinbes  ber  (SI)efrau 
(oergl.  §  30  W)l  3,  §§  1480,  1568).  dagegen  fommt  bcr  Uutertialtsanfprud^ 
eine«  unehelichen  Äinbes  be§  Gf)cmanneS  l)ier  nid)t  in  Sctro^t,  ba  biefer  3In:= 
fpru^,  n>enngleid^  auf  ber  JBerroanbtfdioft  berui)enb  (§§  1571,  1572),  naä) 
§§  1573, 1574  nic^t  t)on  ber  2eiftungsfä^ig!cit  bcs  uncljelid^cn  aSatcrS  abf)ängig 
ift,  bas  SRcd^t  bes  une^elidjen  ÄinbeS,  wegen  biefes  3lnfprud^c§  Scfriebigung 
andf  aus  bem  ©efammtgute  ju  üerlangen,  fiä)  mithin  fd)on  aM  ben  allgemeinen 
©runbfäßen  über  bie  ®efammtgutöoerbinblid}feiten  bcs  G^emannes  ergiebt. 

lieber  bie  entfprciä^cnbe  9lnrocnbung  bes  §  1363  auf  btn  UntcrI)altS' 
anfpru^  beS  gefd)iebenen  früf)eren  Gf)cgatten  t)ergt.  §  1454  9lbf.  2. 

§  13G4. 

3n  Uebcrcinftimmung  mit  allen  auf  bcm  ©oben  ber  (materiellen)  all?  »«antwort-' 
gemeinen  ©ütergemeinf^aft  ftel)enben  3ied)ten  unb,  foüiel  bie  partifuläre  e?cma\me* 
©ütergcmcinfd^aft  betrifft,  mit  bem  franj.  9led)te  (abmeic^cnb  bas  nur  eine  ™«ö«"  ^«^ 
öufeerc  ©ütcrgemeinf^aft  fennenbe  olbenb.  ®ef.  t).  24.  3lprit  1873  9lrt.  28beö'^fammt 
§  1,  9lrt.  13),  gel^t  ber  ©ntrourf  baoon  aus,  ba^  ber  Gtiemann  für  bic  9Ius?  «»te«. 
Übung  bcö  i^m  in  Slnfeljung  beS  ©efammtgutcS  juftel)enben  SScrmattungs? 
rechtes  (§  1352)  grunbfafelid^  gegenüber  ber  ©ficfrau  red[)tlid^  nid^t  ücrantmortlid^ 
ift.  S)cr  9IuSfc^lu^  einer  fold^en  red^tlidjen  SBerantmortlid^fcit  ift  burd^  bas 
SRefcn  bcr  allgemeinen  ®ütergemeinfd)aft,  bei  mcldjcr  baS  beiberfcitige  SBer- 
mögen  auf  gemcinfamen  (Sebeifi  unb  SBcrberb  vereinigt  mirb,  geboten.  ®inc 
SerantroortUd^feit  bes  g^emanneS  megen  güfirung  bcr  SBcrmaltung  bes  ®c* 
fammtflutes  mürbe  jubem  bic  ganjc  Stellung  bcs  CI)cmanneS  ju  einer 
uncrträglid^cn  unb  bie  allgemeine  ©üterg(jmcinfd^aft  ju  einer  unerfd)öpflid^en 
CueHc  Don  ©treitigfeiten  machen.  Wiener  ©runbfag  fd^liefit  jcbod^  nidjt  aus, 
ba§  bcr  (Seemann  Dcrpflid^tct  mirb,  megen  einer  fold()en  SBcrminbcrung  bcs 
©cfammtgutcS,  meldte  uon  i^m  in  ber  Slbftd^t,  bie  ©fjefrau  ju  bcnad^tlieiligcn, 
bewirft  ift,  ju  bcm  ©efammtgute  Grfag  ju  Iciften.  Safe  bem  e()cmannc  bei 
Susübung  feines  SßermaltungSred^tcS  infomeit  eine  Sd^ranfe  gefegt  mirb, 
cntfprid^t  ben  allgemeinen  SJlcd^tsgrunbfäfeen,  nad)  n)eld)cn  Ungcbunbcnl)cit  bod^ 
ni^t  jur  «rglift  füfiren  barf  (ücrgl.  auä)  §  225 ;  Gntfd^.  b.  31.  ©.  in  Straff. 
XII,  113).  Gbcnforoenig  roiberfpri^t  es  jenem  ©runbfa^e,  ha^  bcr  ©(jcmann 
wegen  einer  fold^cn  5Bcrminberung  bcS  ©efammtgutcS  für  erfagpf[id}tig  crtlärt 
©irb,  rocl^c  bas  ©efammtgut  burd&  ein  nad^  ben  33eftimmungcn  bes  §  1353 
unroirffames  Slec^tsgefd&äf t  bcS  (5l)emanneS  erlitten  l)at ;  bcnn  f omeit  bcr  Icfetcrc 
bie  burd^  ben  §  1353  feinem  33crn)altungSrcd^te  gcjogcnen  ©djranfcn  über? 
fcbreitct,  I)onbclt  er  gegenüber  ber  ßfiefrau  pftid^tmibrig,  unb  ftcf)t  besl)alb  feine 
Serantmortlicbfeit  infomcit  mit  ben  allgemeinen  ©runbfägen  im  ßinflangc. 
»ie  fxc^  ous  §  1369  ergiebt,  ift  ber  in  bm  gällen  bcs  §  1364  -oon  bem 


380  aHöemelnc  ®üteröemdnfd&aft.    SScrtocnbungen.    §  1365. 

(SJ^cmoimc  5u  bem  Ocfammtgutc  511  leiftcnbe  ®rfag  aber  crft  bei  9lufl5fuixfl 
bcr  ©ütcrgemcinfci^aft  ju  bemirfen.  S)ic  ^ier  fragliti^c  SScrbinblid^tcit  bcö 
©^emanncö  f)Qt  n\6)i  bcn  Äaraftcr  einer  ©efammtgutSüerbiublid^fcit,  fonbcru 
[teilt  fid)  als  eine  auö  bem  ©cmeinfd^aftöoerliältnijje  felbft  eutfprinöenbe  SScr- 
binblidjfeit  beö  @[)cmanueö  gegeniibcr  bcr  ©f)cfrQU  bar.  S)ie  ®rünbe,  roelcftc 
bcn  ©ntiüurf  bcftimmt  l;abcn,  bie  ©rfagoerbinbUdjfeit  in  biefen,  roie  in  onbcrcu 
"^äUtn  (§§  1365, 1367)  alö  eine  geroö^nlidje  ©rfa^pfüdöt,  nid)t  bloß  als  eine  ber 
gemeinrcd^tlid^en  Äollationöpftid^t  anafoge  Slnred^nnngöpftid^t  bei  bcr  3luö' 
einanbcrfegung  ju  bc^anbeln,  ftnb  in  ben  SRotiüen  ju  §  1377  bargelegt. 
sBcrantroort.  Scfonberc  Scftimmungcn  über  bic  ^aftpflid^t  ber  ®f)efran  fiir  einen 

berT^efrnu.  ©c^^abcn,  iüeld)en  bie  [entere  bem  ©cfammtgutc  jugefügt  l^at,  finb  in  bcn 
©ntrourf  n\6)i  aufgenommen,  gär  eine  9luöbel)nung  beö  (Srunbfa^cö,  ba^  ber 
Cfjcmann,  abgefetien  Don  ben  gftUen,  in  mefdjen  er  bie  if)m  im  §  1353  gc* 
fegten  ©djranfen  übcrf^reitet,  gegenüber  bcr  ©(jcfrau  lücgen  einer  aSerminbc- 
rung  beö  Oefammtguteö  nur  im  galfc  eines  qualifijirten  dolus  red^tlic!^ 
Dcrantmortlid^  ift,  auf  bie  Haftung  ber  ®t)efrau  lööt  fid^  oUerbingß  anfüF^ren, 
ba^  eö  ctroaö  Slnftöfeigeö  ^abc  unb  mit  bem  SBcfen  ber  Oütergcmcinfd^aft, 
mit  ber  Oerc^tigteit  unb  Silligfeit  nid^t  im  ®inf(ange  ju  ftc[)en  fd^eine,  rocnn 
in  ber  liier  fraglid^en  S3ejiel|ung  bie  ß^efrau  ungünftigcr  bef)anbclt  merbc,  afe 
ber  ©fiemann.  2luf  ber  anberen  Seite  fommt  {ebod^  in  93etrad^t,  ba^  bic 
befonberen  ®rünbe,  auf  meldten  bie  ^ier  fraglid^e  Seftimmung  beö  §  136i 
beruljt,  infomeit,  alö  biefelben  mit  ber  Stellung  beö  S^emanncö  ju  bem  (Sc* 
fammtgute  jufammenl^ängen,  bei  bcr  ®^efrau  nic^t  jutreffen,  ba  bicfer  ein 
Siedet,  in  bie  SBerroaltung  beö  Oefammtguteö  einjugreifcn,  nid^t  iuftel^t 
3meifel^aft  fann  eö  inbeffen  fein,  ob  nid^t  bie  ©ad^tage  bonn  bicfelbc  ift, 
votnn  bie  ßt)efrau  bei  3luöübung  ber  S^lüffclgemalt  (§  1278)  ober  bei  9luö^ 
Übung  beö  SRcd^teö,  ben  (Seemann  im  galle  ber  3lbroefcnl;cit  ober  ßranf^cit 
beöfelben  bei  Oefafir  im  58erjuge  ju  vertreten  (§  1358),  bem  ©cfammtgutc 
einen  Sd^abcn  jugefügt  f)at.  ®ine  gcfegtid^e  ©ntfc^eibung  jener  fragen  ift 
iebod)  nidjt  erforberlid^,  jumal  aud^  bie  beftel^enben  Siedete  fid^  ieber  befonberen 
öeflimmung  in  ber  l)ier  fraglidjcn  ^infid)t  entl)alten  Ijaben;  oieImcf)r  Dcrbient 
eö  ben  38orjug,  bic  ©ntf^eibung  ber  grage,  inioieroeit  bie  Haftpflicht  bcr 
eiiefrau  nac^  allgemeinen  ©runbfäfeen  begrünbet  unb  ob  unb  inroicmcit  etroa 
ber  §  1364  JU  einer  analogen  9Inroenbung  auf  bie  6l)cfrau  geeignet  ift,  bcr 
SBiffenfc^aft  unb  ^rajiö  ju  überlaffen.  Gine  aWobififation  ber  ©rfagpflit^t 
ber  S^efrau  crgiebt  fid^  übrigenö  aud^  für  bie  f|ier  in  SRebc  ftet)enbcn  gäUe 
ouö  bem  §  1369. 

§  1365. 

»erroen.  ^^  ©nuangclung  einer  befonberen  S3eftimmung  mürbe  ber  G^emanu, 

S"nnl«  lücnji  er  an^  bem  ©cfammtgutc  SScrrocnbungcn  in  fein  SSorbeljaltögut  gcmad^t 

aui  bem    fjat,  fofern  nid^t  bic  3Sorauöfefeungcn  beö  §  1364  vorliegen,  iebcnfaHö  nur  jur 

^InTin"'*^  ^crauögabc  ber  jur  3cit  ber  5Rcd&töf|ängigfeit  beö  Slnfpruc^eö  noc^  üorijonbencu 

»orbc^Qi«-  Vereiterung  nac^  SWafegabe  ber  allgemeinen  ©runbfäge  über  Sd&ulbDcrljältniffe 

^"^'      ax\^  ungered)tfertigter  SBcrcidjcrung  (§§  748,  739)  oerpfli^tct  fein.    9lber  felbjt 

bicfe  i>crpflid)tung  fonnte  im  .^inblicfc  auf  baö  freie  SScrmaltungörcc^t  bcö 


SlIlQcmcme  ®ütciöeincinfd&aft.    SSeimcnbunaen.    §  13G5.  381 

ß^etnanneö  (§  1352)  in  3^^ifrf  g^joflen  rocrbcn.  ®in  fold^cö  SRefuItat  fonu 
aber,  ba  bad  ©efammtgut  unb  bai  Sorbe^altögut  bed  @()emanned  in  bcv 
^nb  beö  Icßtcrcn  vereinigt  fxnb,  biefcr  bal^cr  Jebcr  3^it  in  ^^^*  2^9^  ift  ^uö 
betn  Oefammtgutc  SScrroenbungcn  in  fein  93orbel^oltöflut  ju  mad^en,  olä  ein 
bcfriebigcnbcö  ni^t  ongcfc^cn  werben;  oielmeljr  ift  eö  bei  biefer  befonberen 
Sachlage  geboten,  jum  ©d^ufec  ber  ©fiefrau  pofitio  einjugrcifen  unb  bcm  freien 
Serfügungörc^ite  befl  ©demonneß  biir^  bie  S3eftimmung  eine  ©d^ranfe  ju 
fejen,  ba%  bcrfcfbe,  wenn  er  ©cfammtgut  in  fein  SBorbel^altögut  üerroenbet 
\fii,  bcn  SBert^,  welchen  baö  93ern)enbete  jur  ^tit  ber  Säermenbung  I;otte,  ol^ne 
Sürffic^t  barauf,  ob  il^m  ein  58erfd^ulben  jur  Saft  fällt,  ju  bcm  ©cfammtgute 
JU  erfejen  oerpfCid^tct  ift,  «nbcfd^abet  feiner  SBerpPi^tung  ium  ©d^abenöerfofee, 
fofcrn  bic  SSorauöfcftungen  beö  §  1364  vorliegen  (§  1365  3lbf.  1).  ®aö  bcn 
Setzten  ber  partifulären  ©ütcrgenteinfd^aft,  inöbcfonbcre  oud^  bem  fronj. 
Scc^tc,  jii  ®runbc  ticgenbe  ^rinjip,  bafe  bei  SSerwenbungen  auö  bem  ©cfammt- 
gute in  bad  ©onbergut  bed  S^emanned  nur  bid  }um  belaufe  ber  ^ereid^erung 
Grfot  JU  reiften  ifl  (ocrgl.  bie  SRotioe  ju  §  1420),  fann  für  bcn  l^icr  in  SRebe 
fte^cnben  gall  um  beöroillcn  nid^t  mafegebenb  fein,  meil  baö  SBorbcl^altögut 
beö  g^emanueö  —  im  ©egenfafte  jum  Sonbergute  beßfclben  (§  1351)  —  mit 
bcm  ©efommtgutc  in  feiner  SBcrbinbung  ftcl)t,  fonbcrn  gegenüber  bcm  Ic^tcrcn 
eine  ooUig  fcfbftänbigc  33crmogcnömaf[c  (ocrgl.  §  1346)  bilbet.  Ucbcr  bie  Slatur 
ber  ^ier  fvaglid&en  ©rfafepftid^t  ate  einer  gerool^nlidden  ®rfagoerbinbfid^feit  im 
(^genfafte   ju  einer  bloßen  2lnrcd^nungöpflid^t  uergl.  bie  9Jiotioe  ju  §  1377. 

3luä)  für  bcn  umgefc^rten  gall,  bafe  ber  ®I)emann  aus  feinem  Söor^^    »<nücn. 
be^otogutc  eine  SSerroenbung  in  baö  ©cfammtgut  gemadöt  ^at,  fönnen  bie  in  eTemannl* 
Snfe^ung  ber  ©rfafepflid^t  bei  SSenoenbungen  auö  bem  Sonbergute  beö  (S\)e^  »"'blbttit?- 
mannet  in  baö  ©cfammtgut  meiftenö  ouf  bcm  S3obcn  bes  33ereid[)crungSj  gute  in  m 
prinjipcd  ftcl^cnbcn  gicd^tc  ber  partifulärcn  ©ütergcmeinfd&aft  (ücrgl.  bie  a»otioe  ©'^«'"»"taut. 
JU  §  1420)  megen  bcÄ  ücrf^icbencn  Rarofterö  bcö  ©onbcrgutcö  unb  bcS  SSor- 
be(mltdgutcd  nid^t  jum  SSorbilbc  bicnen.     ©benfomenig  pafet  bic  Slnalogic  ber 
Scftimmungcn  über  bcn  3lnfptud^  bcö  Siicfebraud^crö  auf  ©rfag  feiner  SScr^ 
roenbungcn  (§  1010),  ba  ber  SlieSbraud^er  bie  9lufeungcn  für  fid^  allein  bc* 
^ic^t,  xoS^unb  bie  Slufeungcn  bcö  ©cfammtgutcö  Scftanbtf)cil  bcö  Icfetcrcn 
werben  unb  beiben  ®t|cgattcn  ju  ©ute  fommen  (§  1342).   3lm  einfad^ften  unb 
iufllcid^  am  angcmcffcnftcn  ift  eö,  roic  im  galle  bcö  §  1365  Slbf.  1,  fo  aud^ 
^icr  ju  bcftimmen,  bafe  bcm  ©bemanne  ber  SBcrtl^,  n)eld)cn  baö  SBcrroenbctc 
}ur  3eit  ber  SBcrmcnbung  ^attc,  auö  bcm  ©cfammtgute  ju  crfc^en  ift  (§  1365 
Sbf.  2).     6ö  fann  jrocifcl^aft  fein,  ob  cö  einer  fold^cn  auöbrüdflid^cn  S3c^ 
ftimmung  bcbarf.    ßrroägt  man,  bag  baö  SSorbcl^altögut  bcö  C^cmanncö  unb 
baö  ©cfammtgut  atö  rcdEitlid^  getrennte  58crmögcnöriiaffcn  fid)  gcgcnüberftcf)cn 
unb  bafe  ber  ß^emann,  abgcfcl^en  von  bcn  Seftimmungcn  beö  §  1353,  juglcid) 
ber  unbcfd&ränfte  SBcrioaltcr  beö  ©cfammtguteö  ift  (§  1352),  fo  läfet  fid)  bie 
Anficht  üertreten,  bafe  ber  ©bemann,  melier  aM  feinem  33orbcf)aItögute  SBcr- 
©enbungcn  in  baö  ©cfammtgut  mad^t,  fofcrn  nid^t  mä)  bcn  Umftänbcn  beö 
gaUeö  ber  9BiDe,  baburd^  einen  Slnfpruc^  gegen  baö  ©cfammtgut  ju  erlangen, 
olö  auöflefd^loffen  anjufc|en  ift,  fd^on  nad^  bcn  ©runbfägcn  über  bie  ©cfd^äftö^ 
fü^rung  o^nc  Auftrag  ben  ©rfa^  feiner  Slufrocnbungcn  o^ne  SWüdffid^t  barauf. 


382  3tll0Cineinc  ®ütcrötMtiein|$a[t.    SSertüenbungen.    §  1335. 

ob  ber  bnx6)  biefclbcn  bcabft(i^tigtc  ©rfolg  eingetreten  ift  ober  nid^t,  verlangen 
fann  (§§  753,  754  9lbf.  1).  9latf)fam  ift  cö  jcbod),  um  Sroeifcl  objuf^neibcn, 
eine  auöbrüdffidöe  Scftimmung  oufjunetjmen,  jumal  burc^  §  1365  9lbf.  1  aud^ 
ber  umgefclirte  gall  befonberö  geregelt  ift.  ©in  genügcnber  ®runb,  bcn  grfafe* 
anff rud)  bes  6f|emanneä  —  obroeid^enb  t)on  bcn  allgemeinen  Orunbfäßcn  — 
auf  bie  33erei(^erung  beö.  ©efommtguteä  jur  3^it  ber  2luffofung  ber  Oemcins 
fd^aft  ober  auf  bie  Sereid^erung  jur  ^di  ber  aiermenbung  ju  befd^ränfen,  liegt 
nid^t  üor.  3nöbefonberc  ift  eine  ®efäl)rbung  beö  Siitereffeö  ber  Ehefrau  burc^ 
bie  Seftimmung  beö  §  1365  3lbf.  2  nic^t  ju  beforgen.  2)ie  lefetere  fann  um 
fo  weniger  Scbenfen  erregen,  atö  ber  ß^emann  fraft  feineö  SJerroaltungö^^ 
red^teö  o^nel^in  nid)t  gefiinbert  ift,  wenn  Slufioenbungen  auf  baä  Oefammtgut 
gemad^t  merben  foHen,  ^d^  bieferl^alb  an  einen  ©ritten  ju  roenben  unb  biefen 
jur  58orna^me  ber  9lufroenbungen  ober  jur  2)ar[ci^ung  ber  baju  erforbcrtic^en 
®elbfummen  ju  ücranlajfen,  roobur^  bann  eine  ©efammtgutöoerbinblid^fcit 
begrünbct  werben  würbe  (§  1359  3lbf.  1).  3luf  bie  SBereid^crung  jur  3cit  ber 
SBerwenbung  abäuftellen,  ift,  abgefel^en  baüon,  bai  biefelbe  regelmäßig  mit  bcm 
SBBcrt^e  beö  SBcrwenbeten  jur  gcit  ber  Sßerwenbung  jufammenfallen  wirb,  aud^ 
um  beöwillen  nid^t  ju  empfeljlen,  weil  ber  Umfang  ber  Sereid^crung  jur  ^dt 
ber  5öerwenbung  häufig  weit  fc^werer  nad^juroeifen  ift,  atö  ber  9Bert^  bcö 
SSerroenbeten  jur  3^it  ber  SSermenbung.  (Sine  befonbere  gcfcftlid^e  ©ntfd^eibung 
ber  grage,  ob  ber  bem  ©t)emannc  burd&  §  1365  3lbf.  2  beigelegte  ©rfafeanfprud^ 
bann  auögefd^lojfen  ift,  wenn  er  ol^ne  ben  SBillen,  ben  Slnfprucö  ju  erlangen 
(§  754  3lbf.  1),  gefianbelt  Ijat,  ift  nid^t  atö  erforberlid^  crad&tet. 

2)a6  in  bcn  gällen  beö  §  1365  ber  ©rfaß  erft  bei  ber  3luflofung  ber 
©emeinfd^aft  jU  bcmirfen  ift,  ergiebt  fi^  a\x^  §  1369. 

©ine  befonbere  93cftimmung  barüber,  ob  ber  ei)emann  bei  9luft5fung 

ber  ©ütergemeiiifd^aft  aud)  ben  SBertf}  beöjenigen,  roaö  er  auö  feinem  SBor- 

be^altögute  5U  feinem  eigenen  ftanbeömäfiigen  Unterhalte   ocrroeubet  ^at,  alö 

eine  SBerroenbung  von  Säorbeljaltögut  in  Oefammtgut  erfe^t  verlangen  fann, 

ift  wegen  bcö  fafuiftifd^en  5larafterö  einer  fold^en  Seftimmung  nid^t  als  an^ 

gemejfen,  überbieö  alö  entbef)rlid&   eradfitet,  ba  bei  ber  allgemeinen  ©üter^- 

gemeinfd^aft,  weld&c  regelmäßig  unb  i^rer  5Hatur  nad^  allcö  83ermogcn  ber 

eiiegatten   umfaßt,  ein  S^m^^l  barüber,  baß  ber   el;etidf|e  Slufwanb,  unb 

inöbefonbere  aud^  ber  eigene  Unterl^alt  beö  ©fiemanneö,  bem  ©cfammtgute  jur 

Saft  fällt,  ni(^t  wol)l  auffommcn  fann. 

aserwcn*  gür  bic  göHc,  in  weld^cn  SSerwenbungen  auö  bem  Oefammtgute  in  haii 

bÄammt.  SSorbcl^altögut  ber  ©tjefrau  ober  auö  bem  le|;teren  in  ha^  Oefammtgut  gemad&t 

gute  in  hai  fmb,  f oll  CO  mit  Slücfrid&t  barauf,  baß  baö  aSorbel^altögut  ber  ©^efrau  unb  bad 

flut^tfr^ete-  ©efammgut  —  rocnw  man  üon  bem  galle  abfielt,  in  weld^em  bie  g^efrau  bic 

frau  ober  um.  sßerwaltung  beö  SBorbel^altöguteö  bem  ©tjcmanne  übertaffen  ^at  (§§  1350, 

sefe^t.    ^^^^^  ^  ^^.^^  .^^  ^.^^^^  ^^^^  vereinigt  finb,  bei  ben  allgemeinen  Orunbffiftcn, 

inöbefonbere  ben  ©runbfäßen  über  bic  ©efd^äftöfül;rung  o^ne  9luftrag  unb 
über  bie  ©ereid^erung,  fein  S3ewenben  tjaben. 

Snroieweit  wegen  SBerwenbungen  auö  bem  Sonbergute  eineö  ber  ®^c* 
gatten  in  ia&  ©efammtgut  ober  auö  bem  le^tercn  in  baö  ©onbergut  ©rfa^ 
iu  Iciften  ift,  beftimmt  fi^  in  ©cmäß^cit  bcö  §  1351  W)l  2  nad&  §  1420. 


I 
J 


ungemeine  ®üteröcmcinfd&aft.    SSertreubungen.    §  1365. 


383 


3n  bcn  aKotioen  iu  §§  1352,  1353  oben  ©.  358  würbe  bereite  Iieroor:^  öewä^ninö 
gehoben,  ba&  bcr  ©bemann  auf  ®nmb  ber  §§  1352,  1500  ol^ne  ©inroiUigung  paJ^'ng  «u« 
ber  6^cfrau  bered^tigt  ift,  feinen  einfeitigen  Äinbern  eine  ben  SSerl^ältniifen  c^^^j®|*^ 
cntfpredjienbe  aiuöftattung  aus  bem  ©efammtgutc  ju  geroäfiren.  ©aöfclbe  gilt 
oon  9tuöftattnngcn  an  einfeitige  ftinbcr  bcr  S^cfrau,  foiuelt  biefelbcn  burd^  eine 
fittlic^e  ^flid^t  gcrcd^tfertigt  werben  (§  1353  3lbf.  3).  3luf  bem  entgcgengefefeten 
Stanbpunfte  fte^t  baö  franj.  3?ed&t  (code  civü  3lrt.  1438, 1469 ;  ücrgl.  anä)  W\. 
6nlu).  ly,  2  3lrt.  449, 466).  2)aöfelbe  legt  bie  an  einfeitige  Äinber  gegebene  3luö^ 
ftottung,  Qutid  wenn  biefelbe  nidjt  gegen  bie  Seftimmung  beö  code  civil  5lrt.  1422 
ofrfi5§t  unb  beö^alb  wirffam  ift,  immer  aDein  bem  betreff enbcn  @l)egatten 
jur  iJaft,  befianbelt  fie  alfo  wie  eine  SBermenbung  von  ©efammtgut  jiim 
öeften  bed  Sonbergutcö  iencö  @l)egatten.  gür  bicfc  9Irt  ber  ^Regelung  löfet 
nif  anfü{)rcn,  btt&  bie  3luöftattung  einfeitiger  Äinbcr  eines  ®f|egatten  ifjrer 
Satur  naö^  niift  im  gcmeinfd^aftlid^en  Sntereffe  beiber  ©ijegatten,  fonbern  im 
auftfc^lieglidb^n  ©onberintcreffe  bcdjenigen  ®f)egatten  liegt,  beffen  einfeitigen 
itinbern  bie  Sludftattung  gemätirt  wirb,  unb  bag  fte  naä)  ben  über  bie  jloQation 
geltenben  ©mubfäfecn  (§  2162)  tebiglid^  ber  ©rbfd^aft  biefeö  ®l^egotten  ju  Oute 
tommt.  auf  ber  anberen  ©eite  ift  inbeffen  ju  erwägen,  bafe  ba§  ©efammtgut 
feinem  3n>edEe  nad^  jur  Sefriebigung  ber  33ebürfniffe  unb  ber  fittUd^en  wie 
ber  tec^tlid^en  58erpflid^tungen  fowot|I  bed  einen  als  beö  anberen  ©Regatten 
bienen  foB,  oon  bicfem  Oefid^töpunfte  auö  bctrad^tet  aber  bie  3luöftattung  ein- 
fettiger  Ainber  eined  ®t|egatten  nid^t  ald  augcrl^alb  bcr  ^\mdt  bed  ©efammt^ 
Bitte«  liegenb  betrautet  werben,  mithin  aud^,  oorbefialtlid^  ber  SBorfd^rift  beö 
§  1368,  feine  ßrfaftpflid^t  jenes  ®I)egatten  begrünbcn  fann.  2)ireft  fommt 
subem  bie  an  einfeitige  Äinbcr  gegebene  3luSftattung  bem  jur  ©cwäfjrung 
berfelben  fxttlid^  oerpflid^teten  ßl}cgatten  ebenf owenig  ju  Statten,  wie  bem 
anberen  ©Regatten.  3)ie  2Roglid)feit  aber,  baß  biefelbe  ben  ßrben  bcs  aus^ 
jlott€nben  ©Regatten  ju  @utc  fommt,  tjcrmag  bie  Segrünbung  einer  ©rfa^* 
»erbinbli(^fcit  ebenfowenig  ju  rcd^tfcrtigcn,  wie  aubere  SSerwenbungen  aus  bem 
@efammtgute,  beren  golgen  naä)  3luflöfung  ber  Ocmcinfdbaft  tfjatföd^lid^  nur 
bem  einen  ober  anberen  ©fjegatten  ju  Oute  fommen,  j.  S.  9lufwenbungcn  jur 
Criemung  ober  Scgrünbung  eines  Berufes,  jur  SBieber^erfteDung  ber  jerrütteten 
©efunb^cit  eines  ©l^cgattcn  u.  f.  w.  S)ie  beutf^en  Oütergemeinf^aftsre^te 
emw^nen  bie  l|icr  in  Mebe  fte^enbe  J^^agc  meiftens  gar  nid&t,  was  fi(^  baraus 
erflärt,  bafe  bei  ©ingetjung  einer  ©t)e  mit  Oütergemeinfd^aft  bie  Äinbcr  aus 
einer  früheren  6^e  regetmäfeig  abgcfunben  werben  ober  eine  ©infinbfd^aft  gc^ 
fcftloffen  wirb.  5ßrinjipieU  aber  bürfte  ber  ©tanbpunft  ber  beutfd^en  ©üter> 
gemetnfc^aftsrec^te  mit  bem  ©ntwurfe  übereinftimmcn.  Safe  für  3uwenbungen 
ou«  bem  Oefammtgute  an  gemcinf^iaftlid^e  5Unbcr,  fofern  biefelben  bur^  eine 
fittli(|c  $fli(^t  gerechtfertigt  werben,  insbefonberc  für  bie  ©ewä^rung  einer 
Susftottung  an  biefelbcn,  Dorbelialtlid^  ber  SBorfc^rift  beö  §  1368,  fein  ©rfag 
geleiftet  ju  werben  braud^t,  ergiebt  fid^  aus  ber  bargelegten  3luffaifung  Don 
felbfl  (oergL  über  ben  eigent^ümlid^en  ©tanbpunft  beS  franj.  Siebtes  in  biefer 
^nfi(|t  code  civü  «rt.  1438,  1439). 

Ob  unb  inwieweit  in  folc^en  gällen,  in  weld^en  mit  ©inwiDigung  ber  s<^cniunöen. 
©Wrou  ©d^enfungen  an  einfeitige  Stbfommlinge  eines  ©fiegatten  gemadjt  fmb. 


384  Slllöemeine  ®ütcröememfd6aft.    SSeracnbungcn.    §  1366. 

tocld&c  nidöt  biird^  eine  fittU^c  ^ßflid&t  ober  bie  auf  ben  Slnftonb  ju  nc^menbc 
SHücffid^t  gered^tfertiflt  werben,  ober  in  roeld^en  oon  einem  ©Regatten  ous- 
bcbungcn  ift,  ba^  bie  ©c^enhmg  als  oon  i^m  allein  erfolgt  angefcl^cn  rocrben 
fotte,  bcr  betreffenbe  ©fiegatte  ju  bem  ©efammtgute  ©rfaß  ju  leiftcn  ocr- 
pflid^tet  ift  —  roaö  für  bie  Slnred^nung  ouf  ben  5ßflic^ttl^ciO  ben  aufecrorbcnfc 
liefen  5ßflid&tt^eil  unb  bie  Slußglcid&ungöpflid^t  SBebeutung  ^at  (ocrgl.  §§  1991, 
2017,2162)  — ,  f)ängt  von  ben  Umftänben  befi  einjelnen  gaUeö  ab;  eine  bc^ 
fonbere  S3eftimmung  in  biefer  ÜRid^tung  ift  nid^t  geboten. 

§  1366. 

««'  3)ie  S3eftimmung  beö  §  1366  oerfolgt  für  bie  Oütergemeinfd^aft  benfelben 

"'für'bt?"  3ttJctf/  n)eld^en  für  baö  gefefelid^e  el^elid^e  Oüterred^t  ber  §  1297  9lr.  5,  6  unb 

«St"  ^^^  ^^  ^^^^'  ^^^^  ^^^^^'  ®^^  ^^^  ^^^^  ^^  ^^^^  fte^enben  ausgaben  bem 
Reiten     ©efammtgute  jur  Saft  fallen  muffen,  entfprid^t  ber  S3eftimmung  beö  lefttcren, 

ber  ß^rau.  ^jg  Sßermögen  beö  einen,  wie  beö  anberen  ©l^cgatten  ju  bienen.  (Sin  bem 
§  1297  9lr.  6  Safe  2  entfpred^enber  S^fafe,  ba§  bie  ®f)efrau,  menn  fic  in 
einem  gegen  fie  gerid^teten  ftrafrcd^tlid^en  SBerfal^rcn  üerurt^eitt  ift,  bie  a\i^ 
bem  ©efammtgute  aufgeroenbeten  Äoften  ju  bem  ©efammtgute  ju  erftatten 
l^at,  ift  entbefirli^.  2)iefe  ©rftattungöpflid^t  ergiebt  fid^  börauö,  ba§  bie 
I)ier  fraglid^e  SScrbinblid^f eit ,  ju  bereu  ©rfüllung  SRittel  beö  ©efammtgute« 
uerroenbet  finb,  fi^  alö  eine  fold^c  barfteüt,  mefd^c  auö  bem  burd^  eine  uu=: 
erlaubte  §anblung  ber  ©fjefrau  l^erbeigefüfirten  ®trafücrfa{)ren  entftanben  ift 
unb  beö{|atb  unter  bie  SBeftimmung  beö  §  1367  5Rr.  1  fällt. 


§  1367. 

(<iem«nf(f)Qft*  35em  ©runbgebanfcn  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd&aft,  bei  meld&er  baö 

wljamm"  beiberfeitige  SSermögen  ber  ef)cgatten  auf  gemeinfamen  ©ebei^  unb  SSevberb 

flutsDerbinb*  vereinigt  werben  foll,  cntfprit^t  eö,  bafe  alle  ©efammtgutöüerbinbtici^feiten, 
h^ifettcn.  ^^  j^  biejenigen  SBerbinblid^feiten  beö  einen  ober  anberen  ©Regatten,  megen 
bereu  bie  ©laubiger  auc^  auö  bem  ©efammtgute  Sefriebigung  oerlangen 
tonnen  (§  1359  Slbf.  1),  aud^  im  aSerljältniife  ber  ©Regatten  ju  einanbcr  bem 
©efammtgute  jur  Saft  fallen  muffen.  $Dagegen  erftredEt  [x6)  biefer  ©runbfa^ 
uid&t  auf  biejenigen  3Scrbinblid)feiten,  meldte  überhaupt  nid^t  ©efammtgutfi- 
uerbinbli^feiten  finb,  b.  l).  auf  bie  im  §  1362  unb  im  §  1363  3lbf.  2  Safe  2 
bcjeid)neten  58erbinbli(^feiten  ber  ©Ijcfrau,  ba  baö  ©efammtgut  bur^  biefe 
aSerbinbtid^feiten  überall  nic^t  berührt  mirb.  3ener  ©runbfaj  erleibct  aber 
in  Slnfel^ung  geroiffer  ©efammtgutöoerbinblid&feiten  9luönal)men  in  bev  ^xi, 
bag  biefe  aSerbinblid^tciten  nid^t  bem  ©efammtgute,  fonbem  bemienigeu  ©t>e^ 
gatten  jur  Saft  fallen  follen,  in  beffen  5ßerfon  pc  entftanben  finb.  S)iefe 
Sluöuafimen  finb  im  §  1367  Slbf.  2  beftimmt.  2)ie  Sebeutung  beö  ©runb^ 
fageö,  bafe  bie  ©efammtgutöoerbinbtid^feiten  aud^  im  SBerfiöltniffe  ber  ©^ 
gatten  ju  cinanber  bem  ©efammtgute  jur  Saft  fallen,  ift  einerfeitö  bic^  b<x%, 
menn  eine  unter  biefen  ©runbfag  fallenbe  ©efammtgutöüerbinblid^feit  eines 
©ijegatten  auö  beffen  93orbef)altö:^  ober  Sonbergutc  getilgt  ift,  biefem  G^e^ 


j 


SOIö.  ®utcr0cmcinfd6.  ©cmcinfd&aftlid&fcit  bcc  aScrBinblid^fcitcn.  §  1367.       385 

galten  aud  bem  ©efornrntgute  @rfag  geletftet  werben  mug^  imb  jiDar  bcr 
g^ou  fd^on  loä^rcnb  bcfte^cnbcr  Outergcmcinf^oft,  bem  ß^emonne  bagegen 
erft  bei  ^[uflofung  bcr  leßteren  (§  1369),  anbererfcitft  bic,  bag  na6)  ber  9luf? 
(ofung  ber  ©ütergemeinf^aft  bei  ber  äludeinauberfegung  loegen  bed  ©efammt^ 
gute«  iebcr  (g^egattc  oeriongen  fann,  bafe  biefe  ©efammtguteüerbinblid^fciten 
iundd^ft  aus  bem  (Sefammtgute  berid^tigt  tocrben  (oergl.  §§  1376,  1377  9lbf.  1 
nebfi  aKotioen  ju  §  1377).  S)er  ß^cfrou  gegenüber  fiaftet  ber  6[)emann  aufecr* 
bem  perfönlii^  wegen  beft  ber  erfteren  ju  teiftenben  ©rfaßcö,  rocnn  eine  ®e* 
fttmmtgutdoerbinblid^feit  ber  ß^efrau,  roel^c  im  SBerl^öltniffe  ber  G()egatten  ju 
einanber  bem  ©efommtgute  jur  Saft  fällt,  auö  bem  SBorbefialtögute  ober  bem 
Sonbergute  ber  ©fiefrau  getilgt  ift,  ba,  wie  auö  bem  §  1380  fid^  ergiebt  unb 
in  bcn  SKotiocn  ju  bicfcm  ^ragrap^en  näl)er  gerechtfertigt  ift,  ber  (Sntrourf 
ttuf  bem  ^rinjipe  benil^t,  bafe  ber  ©fjemann  alle  (SefammtgutSüerbinblid^feitcn, 
©eld^e  im  9Serbältni{fe  ber  ©Regatten  ju  einanber  bem  ©efammtgutc  jur  ßaft 
fallen,  aud&  gegenüber  ber  @^efrau  allein  ju  tragen  verpflichtet  ift,  bic  lefeterc 
mithin  an  bcr  ©inbufee  nid^t  2:l|eil  nimmt.  S)ie  im  §  1367  9lbf.  2  bcftimmten 
Sudnabmcn  l^abcn  bagegen  bie  ^ebeutung,  bag,  menn  eine  ber  bort  be^ 
jad^ncten  ©cfammtgutßoerbinblic^feitcn  aud  bem  ©efammtgutc  getilgt  ift,  mä) 
SKafegabe  bcö  §  1369  oon  bem  betrcffenben  ©Regatten  ju  bem  ©efammtgutc 
etfüft  geleiftct  roerben  muß,  unb  nad^  §§  1376,  1377  3lbf.  1  feber  (S^cgatte 
ttüc^  Suflofung  ber  ©ütergcmcinfd^aft  oerlangen  fann,  ba^  bie  bem  anbercn 
Chatten  allein  jur  fiaft  fallcnbcn  ©efammtgutöücrbinbU^feiten  bei  ber 
Sudeinanberfc^ung  nid^t  aud  bem  ©efammtgutc  berid^tigt  merben. 

3u  ben  cinjclnen  im  §  1367  3lbf.  2  bcftimmten  Sluönal^men  oon  bem  siusnaJuncn. 
®ninbfo|c  bcö  §  1367  3lbf.  1  ift  gotgenbeö  ju  bemerfen: 

1.  SBennglci^  nad^  bem  ©runbgebanfen  ber  allgemeinen  ©ütergcmein«  sjerbinbii.!}. 
fc^ft  bie  ©Regatten  auc^  in  mirtfif^aftlid^cr  95ejiel)ung  ©lüdf  unb  UngtüdE  ^'^^^ 
mileinanber  t^eilen  foBen,  fo  erfd^eint  eö  bod^  als  eine  Ueberfpannung  iencö  an  «nenau^cji 
W  bcrcd&tigtcn  ©runbgebanfend,  unb  fann  eß  nid&t  als  im  ©innc  beö  auf  •^'^""""ö'^"' 
Smfudntng  ber  allgemeinen  ©ütergemeinf^aft  gerichteten  33ertraged  betrad^tct 
locrben,  roenn  man  biefeö  5ßrinjip  im  SBer^ättnifJe  bcr  Sl^cgattcn  ju  einanber 
auc^  auf  bie  unter  Umftänben  fel^r  meitgel^enben  Dcrmögensre^tlicljen  folgen 
unerlaubter  ^anblungen  ann)enben  mollte.  2)a}u  fommt,  bag,  menn  man  bie 
Lüftung  ber  (S^efrau  für  bieienigen  ©cfammtgutdocrbinblid^fcitcn,  meldte  im 
Scr^oltniRc  ber  ß^egatten  ju  einanber  bem  ©efammtgutc  jur  Saft  fallen,  mit 
bem  ©ntrourfe  (§  1380)  auf  ben  Setrag  beö  ©efammtguteö  befd^ränft,  bic  9lm 
wenbung  ber  SRegcI  beö  §  1367  SKbf.  1  auf  bic  ©efammtgutöüerbiublid)fciten 
am  unerlaubten  ^anblungen  ju  einer  offenbaren  Ungcredfitigfcit  führen  mürbe. 
^M  tritt  Aar  ^eroor,  menn  bie  bei  Sluflöfung  bcr  ©ütergemcinfd&aft  oor^ 
^nbene  Ueberfd^ulbung  bed  ©efammtguted  Icbiglic^  burd^  SSerbinbUd^fciten 
ttud  unerlaubten  ^anbtungen,  meldte  Don  ber  ®f|efrau  mä^renb  bcftc^enbcr 
©ütcrgemeinfi^aft  begangen  finb,  l|erbeigefül)rt  ift.  2)cr  ©runbfafe  beö  §  1367 
9ttf.  1  in  aSerbinbung  mit  bem  ^Prinjipe  beö  ©ntrourfcö,  ba^  ber  ®[)cmann  bie 
unter  bic  SRegcl  beö  §  1367  5Äbf.  1  fallcnbcn  aScrbinblid^feitcn  gegenüber  bcr 
(S^ou  ollein  ju  [tragen  ^at,  mürbe  bal^in  fülircn,  ha^  ber  (Seemann  gegen* 
über  bcr  ß^efrau  ücrpflid^tct  märe,  iene  aSerbinbtid^feiten  aud&  über  ben  Sc* 


386       Slflfl.  ©ütcrucmeinf*.  ©emeinf ^aftlid^fcit  ber  SerBinblic^fciten.  §  1367. 

ftonb  bcö  ©efammtguteö  l^inauö  ju  tragen  unb  fein  etwaiges  gSorbcl^altö:^  ober 
©onbergut  unb  feinen  fünftigen  (grroerb  jur  SCilgung  jener  SBerbinblid^feiten 
}u  üerrocnben,  njötirenb  ber  ®^cfrau  il^r  aSorbel^altö*  ober  ©onbergut,  fowie 
il^r  fünftiger  ©rroerb  ungefd&mäfcrt  oerbliebe  unb  fie,  roenn  fie  barauö  i^re  Oläu- 
biger  l^ätte  befriebigen  müjfen,  biefer^alb  oon  bem  ©bemanne  fogar  ©rfal  oer:^ 
langen  fönnte  (§  1380).  2)iefe  Ungered^tigfeit  läfet  fid6  aber,  wenn  man  bie 
bcfd^ränfte  Haftung  ber  S^cfrau  oud^  im  93ert|äftniife  ju  bem  6^cmannc 
grunbfäfeUd^  feft^olten  unb  anbererfeitö  in  ber  ^ier  fraglid&cn  33ejie^ung  ben 
Ehemann  unb  bic  ®t)efrau  ben  3lnforberungen  ber  ®ere(j^tigfeit  entfprcd^enb 
gleid^  bel)anbeln  miD,  nur  baburd^  ücrmeiben,  ba%  man  bie  ^icr  in  SRebe 
ftcl^enben  SSerbinbUd&feiten  im  SBer^öItniffe  ber  ß^egottcn  5U  cinanber  bem* 
jenigen  ©Regatten  jur  Saft  legt,  in  beffen  ^erfon  fte  entftanbcn  fxnb  ('§  1367 
9lbf.  2  gir.  1 ;  oergl.  bamit  §  1316  3lbf.  2  3lx.  1).  9lud^  bie  beftefienben  SRed&tc  unb 
bie  neueren  ©ntroürfe  enthalten,  fooiel  bie  bicr  fraglid&en  93erbinblic^feitcn 
eines  ©Regatten  betrifft,  mel^rfad^  SWobififationen  ju  Ounften  bes  anbcrcn  ®^e* 
gatten,  inbcm  fie  tl^cils  oorfd^reiben,  bafe  für  jene  93erbinblid&fcitcn  junäci^ft  ba& 
©onbergut  bcS  betreffenbcn  ©fiegatten  fiafte  (fo  bic  Sied&tc  üon  SBürjburg, 
erba^  unb  gulba;  t)ergl.  aud)  njürttcmb.  entm.  §§  249,  252;  l^eff.  ©ntro.  IV,  2 
3lrt.  462,  465,  466),  t^cils  beftimmen,  bai  ber  für  f oId)c  SSerbinblid^feitcn  aus 
bem  Oefammtgute  bcjal^Ite  S3etrag  auf  ben  bem  betreffenben  ©Regatten  bei 
Sluflöfung  ber  ©emeinfd&aft  jufallenbcn  9lnt^ci[  bes  ©efammtguteß  ansured^nen 
fei  (fo  bic  SWec^te  üon  SBürjburg  unb  ßaftell  unb,  fofern  ber  anbere  ©begatte 
fid^  bic  ©ntfc^äbigung  oorbel^alten  bat,  baö  bamb.  S.  9t. ;  üergl.  aud)  bcfi. 
entro.  IV,  2  3lrt.  465,  467;  loürttemb.  entro.  §§  293—296,  298,  e^renbrcitfl. 
entm.  §  91).  S)aS  franj.  SRed^t  (code  civil  9lrt.  1424)  unb  baö  prcufe.  21.  2.  91. 
II,  1  §§  384,  385,  390  fd^reiben  eine  fotd&e  änrec^nung  nur  für  ©elbftrafcn 
bejm.  für  biefc  unb  bie  Unterfud&ungsfoften  üor.  SBenngleid^  mit  einer  Der* 
artigen  Sefdjränfung  gemiffe  praftifd^e  aSort^eilc  üerbunbcn  fein  mögen,  fo 
fommen  biefelben  bod^  gegenüber  ben  für  eine  3luSbe^nung  auf  alle  SBcrbinb^ 
lid^feiten  aus  unerlaubten  ^anbhmgen  fpred^enben  (Srünben  nid^t  cntfd^ibenb 
in  S3etrad^t. 
ou«  einem  ttuf  2.   ©ic  im  §  1367  9lbf.  2  3lv,  2  beftimmte  aiusna^me  in  Änfe^ung 

j,g^fj®*j;^JoId^er  aSerbinblid^feiten,  meldte  aus  einem  auf  bas  93orbei)aItSgut  ober  bas 
sonbergut  ©oubcrgut  fid[)  bcjiebenben  SRed^tSoerl^äftnijfe,  menn  aucb  oor  bem  ©intritte 
IVZt^!  ^^^  ©ütergemeinfd^aft  ober  oor  bem  3eitpunfte,  in  meld&em  baS  Out  »or^ 
oer^aitntffe,  bcl^oltsgut  obcr  ©onbergut  geworben  ift,  entftanbcn  fxnb,  entfprid&t  bem  §  1316 
Slbf.  2  9Jr.  2  unb  ergiebt  fid^  aus  ber  5Ratur  unb  bem  gmedfe  bes  ©onbergutcs  ober 
aSorbctialtSgutes  (üergt.  code  civü  airt.  1409  3h:.  1,  2,  STrt.  1412,  1437). 
3m  ©injelnen  wirb,  foüiel  bie  2:ragn)eite  biefer  SluSnal^me  betrifft,  auf  bic 
aWotioe  JU  §  1316  unter  SRr.  2  oben  ©.  263  ff.  »cjug  genommen.    Äufi  ben 
bortigen  Slusfü^rungen  ergiebt  fid^  insbefonbere,  ba&  bie  gefegliddc  aSerpflid^tung 
bes  g^emannes  jur  Oemätirung  beS  Unterl^alteS  an  aSerwonbte  unb  an  ben 
unfd^ulbig  gef^iebenen  frül^eren  e^egatten,  fomeit  biefc  SScrpflic^tung  Icbiglic^ 
burd^  ben   SBcfi^    ton  SBorbe^alts^  ober  ©onbergut    begrünbet  ift    (oergl. 
§§  1363,  1454  9lbf.  2),  ebcnfatts  unter  bie  SluSnal^me  fättt.    3)ie  gleid^c  SJer* 
pp[id^tung  ber  e^efrau  fommt  bagegen  ^icr  nid&t  in  »etrad^t,  ba  biefelbc  nacft 


OTfl.  ©ütcrgemcinfcfi.  ©enidnf^aftrid&fett  ber  SSerbinblid&feitcn.  §  1367.       387 

§  1363  «bf.  2  ©afe  2  unb   §  1454  9lbf.  2  übcrl^aupt  nid^t  ©efammtgut«^ 
wrbinbUd^fcit  ift. 

®ic  «uöno^mc  bcö  §  1367  5abf.  2  SRr.  2  foll  jeboc^  nid^t  ^lafe  S^^^ifen, 
fonbern  bic  SRcgel  bc«  §  1367  Slbf.  1  eintreten  in  9lnfcl^ung  folt^er  SSerbinb* 
li^feUen  eines  (g^cgatten,  roeld^e  m6)  Eintritt  ber  ©ütergemeinfd^aft  burc^ 
ben  Setrieb  eineö  für  SRed^nung  beö  ©efonimtgutcö  t)on  bem  betreffenden  ß^e^ 
gatten  betriebenen  @m)erbdgefd^äfted  ober  in  ^olge  eined  äteci^ted  ober  beö 
Sefifted  einer  ©ad^e,  roelc^e  ju  einem  fold^en  ©rwerbögefd^äfte  gel^oren,  ents= 
fionben  finb.  (So  rechtfertigt  ft^  bieg  baburd^,  bafe  auä)  ber  ©rrocrb  aus 
einem  fold&en  ©rroerbsgefd^äfte  beö  einen  ober  anberen  ©Regatten  unbefd^rfinft 
bem  ©efammtgute  jufällt  (oergl.  §  1351  5Rr.  4  Derb,  mit  §§  1414,  1342). 
SDorauö,  in  SJerbinbung  mit  bem  ^rinsipe  beö  ©ntmurfeö,  ba%  bie  ®f)efrou 
wegen  ber  unter  bie  SRcgcI  beö  §  1367  2lbf.  1  foDenben  SSerbinblic^feiten  aud& 
im  aSer^äftniffe  ju  bem  ©bemanne  ni^t  über  ben  Seftanb  Des  ©efammtguteö 
^inüuö  tieftet,  fonbern  ber  ©b^Jn^nn  bie  ©inbufee  allein  }u  trogen  bot  (§  1380), 
ergiebt  fi^i  otterbings,  bafe  ber  ©^emonn  aud^  in  9Infe^ung  ber  \)kx  fragfid^cn 
Serbinblid^feiten  ber  ©befrau,  foroeit  ha^  ©efommtgut  nid^t  auöreid&t,  ber 
ßb^frau  für  ben  Sluöfall  perfönlid^  l^aftet.  Snbeffen  liegt  ber  nötbigc  ©d&ufr 
für  ben  Seemann  infomeit  in  feiner  Sefugnife,  gegen  ben  Setrieb  beö  ©rroerbö? 
gefc^äftcs  burd^  bie  ©befrau  ©infprud^  ju  erlieben  ober  bie  eribeilte  ©in^ 
wiHigung  jurücTjune^men  (§§  1356,  1307),  unb  fommt  weiter  in  Setrad^t, 
bcr§  berfelbe  über  ben  ©rroerb  aus  bem  ©rroerbsgefd^öfte  nad^  SWafegabc  bes 
§  1352  }u  perfügen  bered^tigt  ift.  S)em  entfprid^t  es,  bafe  bas  ©noerbsgefc^äft 
ber  ©b^f^öi^  öu4i  in  9lnfebung  ber  aus  bemfelben  entftebenben  SBerbinblid^* 
feiten  nid&t  nur  nadb  außen  (§  1362  3lr.  1,  3,  §  1359  9lbf.  2),  fonbern  audb 
im  SSerboItniffe  ber  ©Regatten  ju  einanber  gerabe  fo  wie  ein  ©rmerbsgefd^äft 
bes  &^tmannt&  felbft  angefeben  mirb  (»ergt.  bie  9Motit)e  ju  §  1429  unter  2). 

3)a6  femer  bie  SKuSnabme  bes  §  1367  2lbf.  2  9ir.  2  in  9Infe^ung  fold^er 
SScrbinblid^feiten  bes  einen  ober  anberen  ©Regatten,  meld&e  ju  ben  nad^  ben 
Sorfd^ften  beS  §  1418  Don  bem  ©efammtgute  ju  tragenben  Saften  bes  Sonber* 
gutes  geboren,  feine  SKnmenbung  finben  foD,  grünbet  ftc^  barin,  baß  nad6 
§  1351  3tbf.  1  oerb.  mit  §  1411  Slbf.  2  baS  ©onbergut  für  Sied^nung  beS 
(SefammtguteS  Derroaftet  mirb  unb  aud^  bie  SRugungcn  bes  ©onbergutes  nad& 
SRafegabe  bes  §  1411  Slbf.  2  bem  ©efammtgute  jufallen,  nad^  bem  SBefen  ber 
©utergemeinfd^aft  aber  rüdffid^tlidb  ber  grage,  mer  jene  Saften  ju  tragen  bot, 
CS  Hiebt  barauf  anfommen  fann,  mieoiel  in  bie  ©emeinfd^aft  aus  ben  ©rträg^ 
niffen  ber  beiberfcitigen  ©onbergüter  ftiefet. 

3.  «niangenb  bie  SuSnal^me  bes  §  1367  3lbf.  2  3lx.  3,  fo  fmb  bie ««« ^«  ««t»- 
SertinWidfefeiten  beS  ©l^emannes,  meldtie  aus  ber  5Wu6nie6ung  unb  SKermattung  TcStung 
eiittd  ©onbergutes  ber  ©befrau  biefer  gegenüber  entftanben  finb,  insbef onbere  "J*«*  ®^"^f^] 
bie  i^  wegen  93erfd^ulbens  bei  aiusübung  ber  ^Rufcniefeung  unb  SSerroaÜung  *^"'*frau, 
bes  ©onbergutes  treffcnbe  ©rfafeüerbinblid^feit  (t)ergt.  §  1351  9lbf.  2  üerb.  mit 
§§  1417,  1292,  1004,  1324),  nad^  §  1359  ©efammtgutSoerbinbUd^teiten  unb 
vriirben  bicfelben  in  ©rmangelung  einer  befonberen  Seftimmung  unter  bie 
Stegel  bes  §  1367  äbf.  1  fallen,  mitbin,  fomeit  bas  ©efammtgut  reid^t,  üon 
ber  ©^rau  im  SSerbältniffe  ju  bem  ©fiemanne  jur  ^älfte  ju  tragen  fein.    ©S 

25* 


388       Slllö.  ® uteröcmeinf(^.  ©cmciufiaftlid&feit  bcr  SSerbinbli^feitcn.  §  1367. 

fann  jmeifet^aft  fein,  ob  cS  niij^t  bcn  SBorjug  ocrbicncn  würbe,  cd  in  bicfcr 
§infid[|t  bei  ber  SRegcl  beö  §  1367  3lbf.  1  ju  belaffeit.  2)afür  fann  namentlich 
geltcnb  gemacht  werben,  bafe  bie  3lu6nie6ung  unb  SSenoaltung  beö  Sonbergutcö 
na6)  §§  1351,  1411  2lbf.  2  für  SRed^nung  bcä  ©efammtguteö  erfolge  unb  bcr 
Seemann,  obgefcl^en  üon  bcn  ^llcn  beö  §  1364,  ber  g^efrau  gegenüber  für 
bie  SSerroaltung  beö  ©cfammtguteö  nid^t  ücrantTOortlid^  fei,  bie  ®^cfrau  mithin 
Qu^  bie  Qud  einer  9lad^(äfftgleit  bed  @^emanned  bei  9[udübung  biefer  93er^ 
roollung  für  ben  legteren  cniftonbenen  SBerbinbliiJ^feiten  bis  jum  belaufe  bcd 
©cfammtguteö  mitjutragen  l^abc.  S)ieö  wirb  in  ©rmangclung  einer  bcfonbcrcn 
83eftimmung  inöbcf onbere  aud^  für  baö  franj.  SRcd^t  angenommen  in  ©cmäg^eit 
ber  Mcget,  hai  alle  SBcrbinblid^fciten  beö  @()emanncö  jugleid^  SScrbinblid^feiten 
bcr  Oemeinfd^aft  finb  (Dcrgl.  code  civil  3lrt.  1428).  Ucbcrmiegenbe  ©rünbe 
bcr  33ittigfeit  unb  bie  SRüdfid^t  auf  bie  ©id^erung  beö  ©onbergutcö  bcr  ©^c- 
frau  gegen  ®ingriffc  beö  ß^emanncö  fpred&en  inbeffcn  bafür,  bie  f)xcx  fraglid^en 
SBcrbinblld^fcitcn  beö  ®^emanneö,  meldte  materiell  bireft  jroif^en  bicfem  unb 
ber  Ehefrau  entftel)en  unb  beftcljcn,  nid^t  bem  ©cfammtgute,  fonbem  allein 
bem  ©bemanne  jur  Saft  ju  legen,  forocit  nid^t  baö  ©cfammtgut  berei^ert  i)l. 
©oroeit  legtcreö  bcr  gaU,  minbert  ftdd  ber  3lnfprud^  bcr  6l)cfrau,  ba  Re  in« 
foroeit  auö  bem  ©cfammtgute  bei  bcr  3luöeinanbcrfcfeung  (grfafe  erhält  (§  1351 
3lbf.  2  oerb.  mit  §  1420).  gür  bie  ©ntfd^cibung  bcr  grage,  ob  baö  ©cfammt« 
gut  bercid^ert  ift,  tann  aber  nid^t  ber  3^itpunft  alö  mafegebenb  betrad^tet 
merben,  in  rocld^cm  burd^  bie  ^anblung  beö  S^emanneö  eine  Vereiterung 
beö  ©cfammtguteö  auf  Soften  beö  ©onbergutcö  bcr  ß^efrau  einmal  eingetreten 
ift,  ba,  wenn  man  biefen  3^itpunft  ju  ©runbc  legen  roollte,  bie  (S^efrau, 
fofern  bie  Screid^erung  beö  ©cfammtguteö  fpöter  roeggcfallcn  ift,  nac^  ber 
JHegel  beö  §  1367  9lbf.  1  bie  l^icr  fragtid^cn  SKcrbinblic^fcitcn  beö  ©^emanncö 
biö  jum  Selaufc  beö  nod^  uorl^anbenen  ©cfammtguteö  jur  ^älftc  trogen 
müfete,  bcr  Qmd  bcr  Scftimmung  beö  §  1367  3lbf.  2  Sir.  3,  bcr  g^efrau 
if)r  ©onbergut  ju  crl^attcn,  mithin  nid^t  errcid&t  mürbe.  3)arauö,  baß  bcr 
6f)cmann  über  baö  ©cfammtgut  frei  verfügen  fann,  ol^ne  ber  ©l^cfrau  ijcr* 
antmortli^  ju  fein,  unb  bafe  bie  teßtere  bcn  SScrluft  beö  ©cfammtguteö  mit* 
jutragen  l^at,  folgt  nid^t,  bafe  baburc^  anä)  ber  ju  i^rem  ©onbergute  gc^örcnbc 
©rfaganfpruc^,  rodeten  fie  gegen  ben  ©bemann  pcrfönlid^  einmal  erroorben 
l^at,  eine  aWinbcrung  crlcibet.  ©ntfd^eibcnb  fann  l^iernac^  nur  fein,  ob  ba^ 
©cfammtgut  jur  ^tit  bcr  Sluöcinanbcrfeßung  (§§  1351,  1420)  nod^  auö  bem 
©onbergute  bcr  ©^efrau  bcreid^ert  ift,  unb  jroar  l^at  bcr  ©^cmann  ju  bcmeifen, 
ba^  unb  inroiemeit  eine  fold&e  Sereid^erung  ju  icner  ^txt  Dorlianben  ift. 
aui  9ie4t»-  4.  ®ic  im  3lbf.  2  Sir.  4  beftimmte  2luöna^me  entfprid^t  bem  §  1316 

ftreitiflfeiten.  gjf,f^  g  3lv.  3.    S)cr  Sufaft  „Co  fci  bcuu,  bafe gehört"  ift  im  ^inblirfe 

auf  bie  ScrüdEfic^tigung  beö  ©onbergutcö  eincö  bcr  ®l|cgattcn  im  §  1351 
3lbf.  2  Sir.  2  in  aSerbinbung  mit  §  1351  9lbf.  2  unb  §§  1418,  1297  3[bf,  1 
9ir.  5  crforbcrti(^. 
eonpiße  Unter  ben  aiuönaf)men  beö  §  1367  3lbf.  2  fmb  nid^t  aud^  bieienigen 

^^wün*"*^'  aSerbinblid^feitcn  beö  ©f)cmanneö  befonberö  crn)äf)nt,  meldte  bcr  lefetcrc  in  ber 
9lbfi(^t,  bie  ©liefrau  ju  bcnad^tl^eiligen,  eingegangen  ift  (§  1364).  @ö  ift  bieft 
nic^t  alö  crforberlid^  erachtet,  ba  bie  33elaftung  beö  ©cfommtgutcö  mit  einer 


..j 


aao.  ©üteroctneinf*.   ®cmctnfd6aftri(]&fcit  bcr  SctBiubltdjfeitctt.  §  1367.     389 

Scrbinblid^feit  fd^on  eine  SBenninberung  beö  festeren  cntl^ält,  ber  Seemann 
mithin,  toenn  er  eine  SScrbinbUd^feit  in  ber  Slbfic^t,  bie  ©^efrou  ju  benad^* 
t^iflen,  eingeölt,  nadö  ^^^  §§  1364,  1369  gegenüber  ber  S^cfrau  bieferfialb 
bei  Suflofung  ber  ©ütergemcinfd^oft  ju  bcm  ©efammtgute  ©rfafe  ju  leiften 
perpflid^tet  ift.  S)arauö  folgt  non  felbft,  baß  jene  SBerbinblid&feit  im  93er^ 
laltnijfc  bcr  ©ficgatten  ju  einanbcr  nid^t  bem  ©efammtgutc  jur  Saft  fällt, 
ßbenfoioenig  broud^en  fold^e  Säerbinblid^Ieiten  beS  e^cmanneö  berüdffiditigt  ju 
werben,  welche  für  i^n  burd^  Ucberf^rcitung  ber  im  §  1353  feinem  SSerroaltungö^ 
rtt^c  gejogencn  ©d&ranfen,  fei  eö  gegenüber  ber  ®{|efrau,  fei  es  gegenüber 
^Dritten,  entftonbcn  finb.  ©oroeit  il)m  borauö  mä)  §  1364  eine  ©rfafe* 
wrbinbli^feit  gegenüber  ber  ß^cfrau  cnoad^fen  ift,  l^anbeft  eö  fid&  überl^aupt 
nidfi  um  eine  Oefammtgutöoerbinblid^feit  (§  1359  Slbf.  1),  unb  fommt  beö^alb 
eine  folt^e  SSerbinbtid^fcit  auö  biefem  ©runbc  l^ier  nid^t  in  Setrad^t.  3ft 
in  einem  fold^en  ^De  etwa  auf  ®runb  cined  S3etrugeö  beö  ©liemonneö 
eine  Sd^abenöerfa^oerbinbliddfeit  bcö  legtcrcn  gegenüber  einem  ©ritten  be^ 
grünbet,  fo  finbet  §  1367  3lbf.  2  ?Rr.  1  änmenbung.  ©omeit  aber  bem 
Xritten,  roeld^er  aus  einem  nad^  §  1353  unmirffamen  SRed^tögefd^äfte  beö 
Cbemanncö  an  biefen  geleiftet  bctt,  ein  Sereid^erungöanfprud^  jufte^t,  muß  bie 
entfpred^enbc  SSerbinblid^feit  aud^  im  33crf)ältniffe  ber  ©Regatten  ju  einanber 
eine  ©efommtgutönerbinblid^feit  fein. 

3lid)i  berüdEfid^tigt  ift  ferner  im  §  1367  9lbf.  2  bie  aM  ber  gcfe6[id)en 
Unterhaltspflicht  ber  ®f)efrau  gegen  btn  G^emann  roäl^renb  beftebenbcr  ©emcin^^ 
f(^oft  entfte^cnbe  SSerbinblid&feit  (§  1281).  Gö  würbe  einen  inneren  2Biber* 
fpruc^  entfialten,  menn  man  biefe  SBerbinblid^feit  ber  ©l^cfrau,  roelcbe  nad^ 
§  1281  nur  eintritt,  foroeit  ber  ©^cmann  megen  aSermögenötofigfeit  «nb 
©noerbdunfäl^igfeit  fic^  felbft  ju  unterf)alten  nid^t  nermag,  im  Sßerl^ältniffc 
bcr  6(^gatten  ju  einanber  als  eine  bem  Oefammtgute  jur  2aft  falleube  SSer- 
binblid^feit  bebanbeln  unb  bamit  ben  ©^emann  für  uerpflid^tet  crflären  roollte, 
i^  biefe  Serbinblid^feit  abjunetimen  ober  if)r  für  beren  (Erfüllung  fofort  Grfaft 
^u  leiften.  ©d  mürbe  bieö  anäf  mit  bem  ^rinjipe  beö  Gntrourfeö,  baft  ber 
fraft  (Scfeges  jur  ©emäbrung  beö  Unterhaltes  SSerpflid^tetc  von  bem  93e* 
rw^tigten  für  ben  gall,  bafe  ber  le^tcre  mieber  ju  SSermögen  fommen  follte, 
feinen  Grfaft  Perlongen  tann  (oergt.  3Rotit)c  5u  §  1481),  nid^t  im  Ginflange 
f^en.  35ei  ber  fel)r  geringen  praftifd^en  Sebeutung  bcö  f)ier  fragtid^en 
SoDefi  ifi  es  inbeffen  nid^t  für  erforberlid^  gel)alten,  bcnfelben  im  Ocfcgc  be* 
fonberd  $u  berüdPftt^tigen. 

35on  felbft  nerftcl^t  cö  fid^  ferner,  bafe  and)  burd^  aScrtrag  unter  ben  Äu«na^tnen 
ehalten  «usnabmen  t)on  ber  Siegel  beö  §  1367  3lbf.  1  feftgefe^t  werben  J"rSt 
Bnnen.    ©ic  in  bem  galle  beö  §  1316,  l^at  ber  ©ntrourf  aber  aud^  i\kv  eine 
befonbcre  gcfefelid^e  Gntfd^eibung,  ob  ein  fold)er  93crtrag  alö  Glieoertrag  im 
Sinne  beö  §  1333  anjufe^en  ift  (nergl.  bie  SWotiüe  ju  §  1316  oben  S.  266), 
nic^t  für  not^ig  erad^tet. 

3)ie  ©rünbe,  ouö  meldten  ber  ©ntrourf  eine  na^  SWaggabe  beö  §  1367 
Sttf.  2  begrünbete  SBerpflid^tung  eineö  ©Regatten,  ju  bcm  ©efammtgutc  ©rfag 
}u  leiften,  alö  eine  geroöl^nlid^e  ©rfafcoerbinblid^feit,  nid^t  alö  eine  i^flidöt  beö 
brtrcffenben  ©t)egatten,  fid&  ben  t)on  ibm  ju  leiftenben  ©rfa^  auf  ben  bei  ber 


390  ailöemeinc  ©ütcrgcmeinfÄaft.    auöftattung.    §  1368. 

Sluöcinanbcrfcfeung  i^m  jufallcnben  3lntf)eit  am  Ocfcmmtgutc  anred&nen  ju 

laffcn,  gcftoltet  ^at,  ftnb  in  bcn  aWottoen  ju  §  1377  bargclegt. 

serHnb.  <^[^  SScftimtnungcu  beö  §  1367  finbcn  anä)  auf  bic  aScrWnbli^ifeitcn 

^' t^^Stcn"  bcr  ©Regatten  unter  cinanbcr,  forocit  biefclben  OcfammtgutöDcrbinblic^fcitcn 

einJÜlbir    ^^^*^'  SluTOenbung.    Scfonbcrc  S3cftimmungcn  finb  in  bicfcr  ^infid^t  burd^  ein 

""""  ''   Sebürfnife  nid^t  geboten,  ba  eö  fic^  nur  um  ftonfequenjen  beö  §  1367  in 

aScrbinbung  mit  anberen  S3cftimmungen,  inöbefonbere  mit  ber  Seftimmung, 

bo6  bie  JU  bem  ©efammtgute  gefiörenben  gorberungen   ben  ®{|egatten  un« 

gettieilt  juftefjcn  (§  1344),  foroie  in  SSerbinbung  mit  ber  fclbftänbigen  Slotur 

beö  aSorbel^altßguteö   ober  ©onberguteö  eines  ©l^egatten  gegenüber  bem  ®e* 

fammtgute  ^anbelt. 

§  1368. 

au«iiattuna  9luö  bcn  §§  1352,  1353  oerb.  mit  §  1500  folgt,  bafe  ber  ei^cmonn, 

Siem(^n.  ^^^l^S^^m  ein  Sonbergut  ober  ein  SBorbel^altSgut  gehört,  an  ftd&  bered^tigt  ifl, 
einem  Äinbe  eine  ben  SBerl^ältniffcn  beö  ©efammtguteö,  beö  ©onbergutcö  ober 
aSorbe^attöguteö  entfpred^enbe  3luöftattung  auö  bem  Oefammtgute  ju  gewähren, 
ba  bie  ®en)äl)rung  einer  ben  Umftänben  beö  gaDeö  en^pred^enben  Stufiftattung 
nad^  §  1500  feine  ©d^enfung  ift,  fonbem  fid^  alö  bie  Erfüllung  einer  fittfid^en 
SSerbinblid&feit  barfteHt,  meldte  er  roic  jebe  anbere  i^m  obfiegenbe  SBerbinbli^feit 
auö  bem  (Sefammtgute  ju  erfüllen  befugt  ift  (Dergf.  bie  SRotitje  ju  §§  1352, 
1353  oben  ©.  358  unb  ju  §  1365  oben  ©.  383).  Soweit  icbod^  bie  9lud^ 
ftattung  baö  bem  ©efammtgute  entfprec^enbc  2Ra&  überfteigt,  fomeit  biefelbe 
iugleidö  unter  SBerüdEfic^tigung  beö  ©onberguteö  ober  aSorbe^altöguteö  bemeffen 
ift,  erfüllt  ber  e^emann  eine  auf  fein  ©onbergut  ober  aSorbel^altögut  fid^  be* 
jiel^enbc  SSerbinblid^feit;  inforoeit  mu^  bic  3luöftattung  ba^er  nad^  Slnalogic 
beö  §  1367  2lbf.  2  3lr.  2  im  93erl^ältnif[c  ber  ©Regatten  ju  cinanber  bem  (g^e* 
manne  jur  Saft  fallen,  b.  \).  mn  bem  lefetercn  ju  bem  Oefammtgute  nac^  3Ra§s 
gäbe  beö  §  1369  ©rfafr  gelciftet  werben.  Umgefclirt  fann  ber  (gljemann,  loenn 
bie  äluöftattung  in  bem  bejcid6ncten  gallc  ganj  auö  bem  ©onbergutc  ober 
SBorbe^altögute  gemeiert  ift,  nac^  aJla^gabe  beö  §  1369  infomeit  ©rfafe  forbem^ 
alö  bie  Sluöftattung  baö  bem  Oefammtgute  entfprcd&enbe  ÜJlafe  nid^t  überfteigt, 
ba  inforoeit  eine  auf  bem  Oefammtgute  rul^cnbe  fxttlic^c  SBcrbinblicbfeit  aud 
bem  ©onbergutc  ober  SBorbe^altögute  erfüllt  ift.  Dbrooljl  bie  aSorfd^rift  beö 
§  1368  auö  ber  Slnalogie  beö  §  1367  2lbf.  2  5Rr.  2  f)ergeleitet  merben  tann^ 
fo  ift  eö  boä)  bei  ber  SBid&tigfeit  ber  grage  alö  angemeffen  erad^tct,  biefclbc 
im  Oefefee  auöbrüdEIidd  ju  entfd^eiben,  jumal  fxe  für  bie  fortgefefete  ©üter« 
gcmeinf^aft  (§  1401)  unb  bic  partifulörc  Oütergemeinfd&aft  (§  1427,  §  1431 
2lbf.  1)  üon  befonbercr  33ebcutung  ift. 


§  1369. 

3cit  bei-  2)ic  auf  bem  SBoben  ber  allgemeinen  Oütcrgcmeinf^aft  fte^cnben  bcutfd^ 

maiu«fl    9*^^*^  cntlialtcn  regelmfifeig  feine  bef onberen  Scftimmungen  über  bcn  3cttpunft, 

fleflenfeitiocr  in  TOcldiem  bie  Seiftung  beöienigen,  maö  einer  ber  (S^cgatten  ju  bem  Oefantmt» 


SOgemdnc  ©ütergcmetnfd&aft.    Ocöcnfeltigc  Snfprüc^e.    §  1369.  391 

gute  ju  leiflcn  ober  quo  bem  ©cfammtgutc  ju  forbcrn  i)at,  ju  bcioirfcn  ift  «nfprüc^e  her 
(wrgl.  icboc^  prcufe.  21.2.91.  n,  1  §§  382—384,  390;  ^eff.  entro.  IV,  2  ^^*«''"'" 
ärt.  467;  c^renbrcitft.  @ntto.  §  91).  3la6)  bcn  Steckten  bcr  partifulärcn 
©utergemeinfd^ttft  tritt  bic  ©rfafeDerbinblid^fcit  jwifd^cn  bcm  ©cfammtflute  unb 
bcn  ©onbergütcm  bcr  ©Regatten  entracbcr  übcri^aupt  ober  bod^  in  SBetreff  ber* 
jenigen  9[nfprü(i^e,  iveld^c  auf  einer  93ereid^erung  bed  ©efammtguted  auf  Soften 
b(A  Sonberguted  ober  bt&  {enteren  auf  Soften  bed  ©efammtgutes  berufen, 
regelmäJBig  crft  mit  Sluflöfung  ber  Oemeinfd^aft  ein.  Snöbefonbere  ift  biefer 
3eitpunft  aud^  nac^  franj.  SRec^te  (code  civil  2lrt.  1468, 1470, 1473)  maggebenb. 

älnlangenb  junfid^ft  bie  ^äUe,  in  vozläftn  einer  ber  ©Regatten  }u  bem 
(Sffommtgute  etmas  ju  leiften  ^at,  [o  ge^t  ber  ©ntrnurf  ebenfalls  grunbföglid^ 
büoon  aud,  ba%  bic  Seiftung  erft  bei  9luflöfung  ber  (Sütergemeinfd^aft  ju  be* 
»irfen  ift.  Daß  SRu^en  ber  l^ier  fraglici^en  Slnfprüd^e  ber  ®l^egatten  unter 
einanbcr  cntfprid^t  bem  3Befen  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfd^aft,  nad&  welci^em 
bas  ©cfommtgut  bie  ^unttionen  beö  äSermögend  bed  einen  mie  bed  anberen 
S^gattcn  ^at  unb  mfi^renb  bed  93efte^en3  ber  (Semeinfd^aft  ber  ©egenfag  in 
ben  oermogendrcd^tlid^en  ^ntereffen  ber  (S^egatten  t^unlid^ft  jurüdEjubrängen 
ift  2)aiu  lommt,  bafe  5Borbe^aIt8gut  unb  ©onbergut  ber  ©Regatten  bei 
ber  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  nur  oerl^ältnifemäfeig  fettenc  3Iuönal^men 
finb,  bcr  leiftungdpfli^itige  @^egatte  mitl^in  in  ber  Siegel  gar  nic^t  in  ber 
Sage  ift,  bie  SSerbinblicdfeit  mä^renb  beftel^enber  ©utergemeinfd&aft  erfüllen  ju 
ßnnen.  ^tnn  ©nmbfag  foD  inbeffen  im  galle  einer  3Serbinblid&feit  ber 
CW^öu,  fofern  bie  lefttere  SSorbe^attögut  ober  ©onbergut  ^at,  infofern  feine 
Xmoenbung  ftnben,  ate  bie  fieiftung  aud  bem  SSorbe^altsgute  ober  aud  bem 
Sonbergute  erfolgen  fann.  @elbftt)erftönblid^  ift  baburd^  jebod^  nid^t  aus- 
grfi^loffen,  ba§  bie  (S^efrau  bem  @^emanne  gegenüber  auf  eine  aud  anberen 
gefejlit^n  SJefitimmungen  jxdd  ergcbcnbe  ^inauöfd^iebung  i^rer  ©rfüUungöpflid^t 
fid)  berufen  fann  (oergl.  §  1351  äbf.  2  oerb.  mit  §§  1417,  1292,  1010). 
3ene  aJlobififation  beö  im  §  1369  3lbf.  1  ©afc  1  audgefprod^enen  (Srnubfaßes 
re^tfertigt  jxdb  einerfeits  baburd^,  bafe  bad  SBorbel^altö^  unb  ba«  ©onbergut 
bcr  S^au  bem  Oefammtgute  als  getrennte  felbftänbige  aSermögenßmaffen 
gegenüberfte^cn,  anbcrerfeilö  burd^  bie  Srmägung,  ba^  ber  Seemann  leicht  in 
bic  fiage  fommen  fann,  ben  fof ortigen  ©rfaß  ber  für  bie  ß^efrau  aus  bem 
®efammtgute  gemad^ten  Slufroenbungen  ju  3roedEcn  ber  SSermaltung  bes 
@cfammtgutcs  nid^t  entbcl^ren  p  tonnen.  älnberS  liegt  bagegen  bie  @ad^e 
in  Xnfc^ung  einer  SBerbinblic^fcit  bes  (gliemanncs,  aud^  wenn  berfclbe  SSor« 
be^ltsgut  ober  ©onbergut  ^at.  2)a  bas  ©efammtgut  unb  baS  ^orbelialtSgut 
ober  Sonbcrgut  bes  (Seemannes  in  feiner  §anb  Dereinigt  ift  unb  er  über  baS 
©cfommtgut  jubcm  wie  über  fein  eigenes  SBcrmögen  oerfügt,  fo  fann  er  gegen 
fUb  felbft  einen  Slnfpruc^  nid^t  ergeben.  3lud^  liegt  es  im  Sntereffe  ber 
(^frau,  wenn  ber  (Seemann  basienige,  mos  er  5u  bem  ©efammtgute  ju  leiften 
^t,  crft  bei  Sluflofung  ber  ®emeinfd&aft  ju  leiften  oerpfli^tct  ift,  ba  ber 
f^emonn,  menn  er  fofort  bie  Seiftung  bemirten  müfete,  in  ber  Sage  fein  mürbe,, 
über  bas  ©elelfletc,  o^ne  ber  S^efrau  oerantmortUd^  ju  fein,  ju  verfügen. 

gSBcnngleic^  bie  »orft^rift  beS  §  1369  3lb|.  1  oorroiegenb  für  folc^e  gälle 
öon  Scbcutung  ift,  in  welchen  einer  ber  ©Regatten  ju  bcm  ©efammtgute  ©rfag 


392  StQöcmciue  ©ütergcmcinfc^aft.    ©eflenfcittgc  Stnfprü^e.    §  1369. 

ju  Iciften  f)ai  (ücrgl.  §§  1364, 1365  SKbf.  1,  §  1367  Slbf.  2,  §  1368),  fo  bcjie^t 
fiä)  biefelbc  bod^  nid^t  Icbiglidb  auf  fold^c  @rfa|t)crbinblid&f citcn ,  fonbcrn  ouf 
alle  SBcrbinblid^feitcn  cincö  (g^cflattcn  gegenüber  bcm  ©cfammtgute,  al\o  g.  93. 
aud&  auf  baöjenige,  roaß  einer  ber  ©Regatten  auö  einem  auf  fein  ©onber^ 
ober  SSorbel&altsgut  fid^  bejiefienben  SRcd^töDeröältniffe  bem  ©efammtgute  ald 
S)arlef)en  ober  aus  irgenb  einem  anberen  9ledf|tögrunbc  fd&ulbet.  6ö  fann 
bieö  namentlid)  bann  t)orfommen,  roenn  einer  ber  ©Regatten  aus  einem  fein 
©onber^  ober  Sßorbel^altsgut  betreffenben  SRed^töoerl^ättniffe  einem  ©ritten  etnniö 
fd&ulbet  unb  bemnäd^ft  bie  ©rbfd^aft  biefeä  ©ritten  bem  ©efammtgutc  erroorben 
wirb.  S)ic  ratio  beö  §  1369  3lbf .  1  trifft  überhaupt  in  allen  gäßen  ju ,  in 
roetd^en  ein  ©begatte  bcm  Oefammtgute  etroaß  fd&ulbet.  3n  3lnfe]^ung  ber 
ß^efrau  trifft  fie  aber  weiter  aud^  auf  alle  33erbinblid^feiten  ber  festeren 
gegenüber  bem  ©onber^^  ober  SSorbel^altögute  beö  ©l^emanned  ju.  3Kit  bem 
3Befen  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfd^aft,  meldte  alles  SSermögen  unb  alle 
©infünfte  ber  ©^efrau  il^rer  ©iöpofition  regelmäßig  entjie^t,  mürbe  ed  nid&t 
uereinbar  fein,  menn  ber  ©bemann  fd^on  üor  9luflöfung  ber  ®ütergemcinfd6oft 
uon  ber  ©tiefrau  bie  ©rfüllung  jener  Sßerbinblid^feiten  ©erlangen  wollte,  obroo^l 
fie  uermöge  ber  ©ütergcmeinfd^aft  biöponibleö  SBermögen  nid^t  befißt.  2lnberö 
liegt  bie  ©ad^e  nur  bann,  wenn  unb  fomeit  fie  ©onber-  ober  SSorbe^altsgut 
l^at,  meld^eß  jur  ©rfüllung  ber  aSerbinblid^feiten  ausreid^t.  3luß  biefen  ©rünben 
bcftimmt  ber  jroeite  Slbfafe  bes  §  1369,  ba%  bie  aSorfd^riften  beö  erften  SIbfafecö 
aud^  auf  anbere  Sßerbinblid&feiten  ber  ©l^efrau  gegenüber  bem  ©bemanne  STn^ 
menbung  finben  follen. 

3luf  öfinlid^en  ©rroägungen  wie  ber  Orunbfag,  bafe  bie  Seiftung  bcs* 
jenigen,  maß  ber  ©f)emann  ju  bem  Oefammtgute  ju  leiften  l^at,  erft  bei  auf- 
löfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ju  bcmirfen  ift,  berul^t  bie  weitere  33eftimmun9 
beö  §  1369  2lbf.  1  Safe  1,  baß  baöfelbe  aud^  für  ben  umgefel^rten  gall  gelten 
foH,  wenn  ber  ©bemann  auö  bcm  ©cfammtgute  etmaö  ju  forbern  l^ot  (oergl. 
inöbefonbere  §  1365  3lbf.  2,  §  1369  9lbf.  2).  ©agegen  fel^tt  cö  an  einem  ge? 
nügenben  ©runbe,  ber  ©l^efrau  bie  Oeltcnbmad^ung  ber  ju  i^rem  SSorbe^alt«^ 
ober  ©onbergute  ge^örenben  Slnfprüd^e  auf  ©rfafe  gegen  ba^  ©efammtgut 
bejw.  ben  ©f)emann  roä^renb  befte^enber  ©ütergemeinfd^aft  ju  Dcrfogen,  mtU 
mel^r  füt)rt  umgefelirt  ber  ^wtd  beö  SSorbeJ^attöguteö  unb  beö  ©onbergute« 
ber  ©l^efrau  unb  bie  SRüdEfid^t  auf  bie  ©idjerung  ber  Icfeteren  ba^in,  eö  in 
biefer  ^infid^t  bei  ben  allgemeinen  ©runbföfeen  ju  belaffen.  ©ine  Sluöna^me 
finbet  inbeffen  nad^  §  1351  3lbf.  2  in  Sßerbinbung  mit  §  1420  rüdEfid&tlid& 
eineö  jum  ©onbergute  ber  ©l^efrau  gel^örenben,  lebiglid^  auf  bie  SC^atfac^e  ber 
Bereicherung  beö  Oefommtguteß  geftüfeten  ©rfafeanfprud^eö  ftatt. 

©ine  bem  code  civü  3lrt.  1473  (oergl.  aud6  i^eff.  ©ntm.  IV,  2  9trt.  460) 
cntfpred^enbe  Seftimmung,  ba&  bie  ©rfafeanfprü^e  roegen  53erroenbungeu  auö 
bem  ©efammtgute  ober  auf  baöfelbe  t)om  ka^t  ber  Sluf^ebung  ber  ©fiter* 
gemeinfd^aft  an  fraft  ©efegeö  ju  uerjinfen  finb,  l^at  ber  ©ntmurf  in  Ueber* 
ftimmung  mit  bem  e^renbreitft.  ©ntm.  (oergl.  2Rotit)e  ju  §§  77—79  9h:.  6 
jenes  &nim.)  unb  mit  bem  mürttemb.  ©ntm.  §  166  ni^t  aufgenommen, 
ba  eö  an  einem  auöreid^enben  ©runbe  felilt,  in  biefer  ^infid^t  Don  ben  alt 
gemeinen  (S5runbfä|en  abjuweid^en. 


J 


9UIg.  ©üteröcm.  SScrtrct.  bc3  e^emamieg.    auflöfunß.   §§1370,  1371.       393 

§  1370. 
3n  bcn  SWotiocn  m  §  1358  oben  ®.  363  fmb  bereits  bie  ©rünbe  bar-  «"^üöunfl  be? 
gelegt  toetc^e  ben  entmurf  beftimmt  ^aben,  für  bie  gäfle,  in  n^elc^en  eineS*5' 
Sormunbfd^aft  ober  eine  3lbn)efen{)eitepffcgfd&aft  über  ben  (Sf)emann  angeorbnet  ^"J^^^J*!*?*" 
ijt,  ber  e^efrou  fein  SRed^t  barauf  jii  geben,  ba§  bie  SBerroaltung  beö  ©efammt^ 
gute«  ftott  auf  ben  gefeglid^en  SBertreter  beö  ®liemanneö  auf  fie  felbft  übergcfie. 
3)ie|em  Stanbpunfte  beö  ©ntrourfcö  entfprid^t  eö,  roenn  burd^  ben  §  1370  bie 
Seftimmung  beß  §  1326  9lbf.  1  für  entfpred&enb  anroenbbar  erflärt  ift.    Sie 
(Srünbe,  auf  wcldien  bie  99eftimmung  beö  §  1326  9lbf.  2  berul^t  (üergf.  bie 
fflotiue  ju  §  1326  oben  3.  287  ff.),  führen  aber  weiter  ba^in,  aud&  biefe  33e:= 
ftimmung  auf  bie  allgemeine  Oütergemeinfd&aft  ju  übertragen,  ba  ouc^  bei 
ber  lejtcren  bie  GlnroiUigung  beö  ß^entanneö  ju  9lc(]^tögefd)äften  unb  3led^tö=^ 
ftrritigfeiten  ber  ©fiefrau  in  Sctrad^t  fommt  (üergt.  §§  1356, 1307, 1362  3lx.  1). 


3.  9fuflöfung  ber  ©ütergemeinfd&aft. 

§  i:V71. 

1.  S)aB  bie  ©ütergenteinfdiaft  mit  ber  Sluflofung  ber  S^e  (ücrgl.  §§  1440,  stufidjuna«. 
1464)  oufflcloft   wirb,  entfprid^t,  Dorbel^altlid^  ber  öeftimmungen  über  ^^^  «i  Ji^!^^^^ 
fofl.  fortgefette  ©ütergemdnfd^aft  sroifdjen  bem  überlebenben  ©Regatten  unb*    ci^e. 
ben  gcmänftfeaftlid^en  abfommlingen,  ben  beftel(ienben  9led)ten  (üergl.  inöbef. 
mreuß.  9L  2.  91.  n,  1  §§  634,  732,  755  ff.,  811  ff.;  code  civil  3lrt.  1441).   ©cljr 
»erf(^icben  finb  aber  bie  SBeftimmungen  beö   geltenben  Sled^teö  barüber,  in 
welker  Sri  im  galle  ber  ^uflöfung  ber  ©ütergemeinfd&aft  burd^  (Sljefd^eibung 
bie  3uöcinanberfejung  wegen  beö  ®cfammtguteö  erfolgt.    3)er  Sntraurf  läfet 
(ö  auc^  in  biefem  ^alle  lebiglid^  bei  bcn  allgemeinen  @ninbfägcn  über  bie 
SoJgen  ber  äuflofung   ber  ©ütergcmeinfdiaft  (§§  1373  ff.)  bemenben.    S)ic 
na^  Segrünbung   biefer  9luffaf[ung  ift  wegen  beö  3wföwi^^6oi^9^ö,  in 
»el(i^  biefe  grage  mit  ber  ^rage  über  bie  oermogenöred^tlid&cn  SBirfungen 
ber  g^c^eibung  übcrl^aupt  ftel(|t,  ben  SRotiüen  ju  §  1452  vorbehalten. 

3n  Uebcrcinftimmung  mit  ben  beftel^enben  Siedeten  (ocrgt.  jebod^  code  ^^°^^*^ 
civil  Jrt.  124)  ftnb  befonbcre  Seftimmungen  über  baö  im  galle  ber  2^obeö^ 
erflörung  eincö  6f)egatten  eintretenbe  SSer^öItnife  nid^t  aufgenommen.  Gö 
nnben  ba^er  in  einem  fold^en  galle  bie  allgemeinen  ©runbfäge  (§§  21,  2089, 
2090)  Ämocnbimfi.  S)orauö  fönnen  allerbingö,  wenn  bemnäd^ft  ba&  fortleben 
beö  Statten  ober  ein  fpäterer  ober  früherer  S^itpunft  beö  2^obeö  beöfelben 
W  ergiebt,  Derroirfelte  aSer^ältniffe  entfte^en.  2lUein  biefer  Oeftd^töpunft  fann 
fingeftc^tft  ber  tiefgreifenben  SBirfimgen,  meldte  mit  ber  allgemeinen  Oüter- 
gemrinfd^ft,  nomentlidb  aud&  in  erbredjtlid^er  Sejiel^ung,  Derbunben  finb,  nid&t 
ba^n  führen,  pofttio  ju  beftimmen,  bafe  mit  ber  ©rtajfung  beö  Urt^eileö, 
bunt  loelc^  ein  S^egatte,  ober  burd^  meld^eö  ber  S^ematm  für  tobt  ertlärt 
wirb  (oerfll.  §  1327  9ir.  4),  bie  (Sütergemeinfd^aft  befinitio  aufgclöft  fein  foH. 

8nlaitgenb  bie  JRürfroirlung  ber  Ungültigfeit  ber  6^e  wegen  5flid&tigfeit  »»aüitiaroit 
ober  Snfec^arfeit  berfelben  auf  bie  SGBirffamfeit  beö  ®l)eoertrageö,  fo  wirb    ^"  ^^* 
in  biefer  Sejiel^ng  auf  bie  SWotioe  5u  §  1333  oben  ©.  309  ocrwiefcn. 


394  «Höcmcine  ®ütec0cmeinf*aft.    autröfung.    §  1372, 

«ufiöfung  2.  SBegcu  bcr  ©rünbc,  auf  locld^cn  bic  Scftimmung  bcö  §  1371  31t.  2 

bu«^  (Sfitf  3.  2)ic  SSeftimmung  bcö  §  1371  9lr.  3  ift  bereits  im  S^fon^^^^^^ngc 

üertraa.    ^.^  ^^^  g^^^^j  j^^^  g  ^^^^  ^^^  ^  ^^^^  ^^  ^^^  ^  gercd^tfcrtigt  loorben. 

«nfcc^tunfl.  4.  3n  9lnfel^ung  beö  ©influffeö  einer  2)ro^ung,  eines  Setrugeö  ober 

eines  3rrt^nmes  auf  bic  ©ültigfeit  beS  ©utergemcinfc^aftsoertragcs  foUen 
nad^  bem  ©ntwurfe  lebigtid^  bie  allgemeinen  ©runbfäfee  entfd^eiben  (§§  95 — 104, 
112—114).  darüber  l^inaus  nad^  bem  aSorgange  einjelner  Siechte  noc^  in 
gewiffen  anberen  gällen  eine  9luflofung  ber  Oütergemeinfd^aft  in  bem  ©inne 
jujulaffen,  ba%  ber  vov  ©inge^ung  ber  ©ütergemeinfd^aft  befte^enbe  3uftanb 
roieber^ergeftellt  wirb,  ift  burd^  ein  Scbiirfnife  nid^t  geboten.    Snsbefonbere 

ro^ «?*iu6e?*  '^^"  ^^  ^^^^  ^^^  angemeffen  erad^tet  werben,  lebiglid^  auf  Orunb  ber  X^aU 
f(^uibung. '  fad^e  ber  Ueberfd^ulbung  eines  ©l^egatten  bei  @ingel^ung  ber  (Sütergcmeinfc^oft 
bem  anberen  @l^egatten  bas  9Ied^t  cinjuröurnen,  bie  9Bieberauf^ebung  ber 
©ütcrgemeinfd^aft  in  bem  bejeii^neten  ©inne  ober  aud^  nur  für  bie  3utunft 
ju  Dcrtangen  (oergl.  preug.  31.  S.  91.  II,  1  §§  392—395,  420).  3ft  ber  onbcre 
©begatte  bur^  93etrug  beS  überfd^ulbeten  ©Regatten  jur  Singe^ung  bes  ©uter^ 
gemeinfd^aftsoertrages  beftimmt  roorben,  fo  genügen  bic  allgemeinen  ®runbfä|c 
(§§  103,  104,  112,  113).  Siegt  ein  fold^er  »etrug  nid^t  oor,  fo  ^anbelt  cd 
fid&  um  einen  3rrt^um  in  ben  ©erocggrünben.  gür  biefen  gall  aber  l^icr  bie 
SRcgel  bes  §  102  ju  burd&bred^cn,  nad&  roeld&er  ein  berartiger  Sfrrt^um  auf 
bie  ©iiltigfcit  bes  9led^tSgefd^äfteS  ol^ne  @inf{ug  ift,  fel^lt  es  an  genägcnben 
Orünben.  93ei  einer  auf  Oefefe  beru^enben  Oütergcmeinfd&aft  fönnen  mögltc^er^ 
n)eife  ©rünbc  ber  S3illigfeit  bal^in  fül^ren,  megen  Ueberfd^iulbung  eines  (S^e^ 
gatten  }ur  ^cit  beS  @intritteS  ber  ©ütergemeinf^aft  bie  3lufl5fung  ber  leiteten 
JU  geftatten.  93ei  bcr  Dcrtragsm&gigen  ©ütergemeinfd^aft  aber  mürbe  ein 
fold^es  9led^t  mit  ben  allgemeinen  ©runbfagen  über  bic  red^tlid^c  9Birffamfeit 
ber  aSerträge  in  SBiberfprud^  treten  unb  ju  einer  Ungered^tigfeit  gegen  ben 
anberen  ©Regatten  fül^ren.  2)aiu  f ommt,  bag  bas  im  preug.  91.  £.  91.  anertannte 
9{ed^t  eines  ©Regatten,  megen  Ueberfd^ulbung  bes  t)on  bem  anberen  eingebrod^ten 
SSermögenS  auf  älbfonberung  bes  legteren  anjutragen  bejm.  bie  ätuf^ebung 
ber  ©ütcrgemeinfd^aft  für  bie  3iif""ft  iu  ocrlangcn,  fid&  aud&  praftifc^  nit^t 
ben)al[|rt  ^at. 

§  1372. 

aufiafungbet  Dbroot|l,  ^ingefe^en  auf  baS  SBcfen   ber   Oütergemeinfd^aft  unb    bic 

f^aft  wir»«"*  mit  einer  roäl^renb  befte^enber  ©^e  erf olgenbcn  9luf Ibfung  ber  ©ütergemeinfd^ft 

^Srtti"  ^^l^wnbenen  tiefgreifenben  SBirfungen,  insbefonbere  auc^  in  crbre^tUc^cr  ^in« 

fid^t  (§  1384  ff.),  gemid^ligc  ©rünbe  bafür  fpred^en,  nac^  bem  SBorgange  per* 

fd&iebener  ©ütergemeinfd^aftsrcd^te  ein  SRed^t  ber  ©i^efrau,  in  gcroiffen  gdOen 

bie  9luft6fung  ber  ©ütergcmeinfd&aft  unb  S^rennung  ber  ®üter  ju  verlangen, 

überl^aupt  nid^t  anjuerfennen,  fonbem  bie  ©l^efrau  lebiglid^  auf  ben  allgemeinen 

Sd^u^,  meldten  bie  ©ntmünbigung  beS  ©liemanncs  megen  SSerfd&roenbung  gc« 

mä^rt,  ju  Dcrmeifcn  (fo  bie  Siedete  Don  S3remen,  SSerben,  SWünfter,  ^uCbo, 

Csnabrüd,    mo^l    an6)   bie  fd^leSmig4)olfteinfc^en   Siedete),  fo  tommt  bo^ 

anbererfeits  in  39etrad[)t,  bafe  bie  Oütcrgemeinf^aft  ein  93ertrauenSt)crl[fältniB 


aUöcmciiic  ©fitcrgcmeinfd&aft.    Stuflöfung.    §  1372.  395 

ift,  bei  roeld^cm  bic  ß^cfrau  bcm  e^emannc  eine  über  beffen  gefefelid^e  öefugniffe 
weit  dinauöfle^enbe  SÄad^t  über  i^r  3Sermogen  in  ber  aSoraußfefeung  anvertraut, 
bag  ber  ©bemann  biefe  üRad^t  in  einem  bem  ^wtdt  ber  Oütergemeinfd^aft 
cnifpred^enben  ©eifte  gebraud&en  werbe.  SRad^t  ber  (Seemann  fxd^  eines  offene 
boren  ^Kifebroud^eö  fd^ulbig,  fo  erforbert  eö  bie  ©cred^tigfeit,  ber  (g^efrau  bic 
aRoglid^feit  ju  gemäl^ren,  baö  aSer^ältnife  für  bie  3uhi"ft  aufjulöfen  unb 
Trennung  ber  ®üter  ju  verlangen.  2)er  Seemann  fann  fid^  über  bie  il^m 
barauö  enoa^fenben  Slad^t^eile  nid^t  befd^roeren,  ba  er  biefelben  burd^  bic 
Xöuf(^ung  bcö  in  ifin  gefe|ten  aSertrauenS  felbft  verfd^ulbet  ||at.  93ei  Se^^ 
rtimmung  ber  einjelncn  gälle,  in  roeld^en  bie  ß^efrau  bered^tigt  fein  foH,  bie 
Suf^ebung  ber  ©ütergemeinfd^aft  unb  ^^rennung  ber  ®üter  }u  verlangen,  ift 
in  Äonfequenj  beö  ju  ©runbe  liegenben  ©ebanfcnö  baoon  ausgegangen,  bafe 
einetfcits  eine  erl^eWid^e  ©efä^rbung  beö  ©emeinfd^aftsred^tes  ber  ©f^efrau 
ijorliegcn,  unb  bafe  anbererfeits  bicfe  ©efä^rbung  burd^  einen  SÄifebraud^  ber 
bem  ©bemanne  eingeräumten  JRed^te  ober  burd^  eine  aSerleßung  ber  bemfelben 
oWiegenben  SSerpflid&tungen  lierbeigefüi^rt  fein  müjfe. 

3tn  ©injelnen  ift  jum  §  1372  nod^  golgenbeö  ju  bemerfcn: 

1.  2)ie  aSorfd^riften  ber  3lt.  1,  2  beö  §  1372  entfpred^en  unter  Serürf^  ®?  eÄ 
fi<Ötigung  ber  verfd&iebenen  ©ad^Iage  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  tuU  ucbcr" 
unb  bei  bem  gefe^Kd^en  e^elid^en  ©üterrcd^tc  bem  §  1328  5«r.  1;  bafe  bie  ^ox^^^^^^^^lt 
ousfeftungen  bes  §  1371  3lx.  1  nid^t  vorliegen,  wenn  ber  ß^emonn  bei  einem     rw^tea. 
unter  ben  §  1353  fallenben  SJed^tSgefd^äfte  bie  @enef)migung  ber  Ehefrau  fid& 
»orbe^alten  blatte,  ift  als  felbftverftönbüd^  erad^tet.    2Bic  aus  ber  gaffung  bes 

§  1372  9lr.  1  mit  gcnügenber  2)eutlid&feit  erhellt,  liegt  bie  33eforgung  einer 
(Sef%bung  ber  SRed&te  ber  e^efrau  für  bie  3"^w"ft  ^W  "ur  bann  vor,  menn 
}u  beforgen  ift,  bafe  ber  6f)emann  fünftig  bie  SSornal^me  eines  nad^  ben  S3es= 
f&nmungen  bes  §  1353  uuroirffamen  3led^tsgefd^äfteS  roieberl^olen  unb  baburd^ 
bas  ©cfammtgut  verminbem  unb  bie  (S^efrau  ber  ©efal^r  ber  39enad^tl[|eiligung 
bei  fpötercr  3[ufl6fung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ausfegen  werbe,  fonbern  eö  fann 
bie  Seforgnife  einer  fold^en  ©efäl^rbung  fd^on  burd^  bie  von  bem  ©bemanne 
in  Ueberfc^reitung  feines  aSerroaltungSredöteS  vorgenommene  aSerfügung  felbft 
begrünbet  fein,  wenn  nad^  bzn  Umftänben  ju  beforgen  ift,  bag  ber  ©bemann 
bie  bem  Oefommtgute  aus  ber  aSerfügung  cnvad^fenben  Slnfprüd^e  gegen  ©ritte 
nii^t  geltenb  machen  wirb,  biefelben  in  golge  beffen, verloren  gelten  unb  ber 
ß^emonn  bei  ber  fünftigen  Sluseinanberfefeung  nid^t .. -i  ber  Sage  fein  wirb, 
aus  feinem  Äntl^eile  an  bem  ©efammtgute  ober  aus  feinem  aSorbel^alts*  ober 
Sonbergute  ber  ©i^frau  6rfa|  ju  leiften. 

3n  9lr.  2  bes  §  1372  ift  nid^t,  wie  in  3lx.  1,  ber  Sn\a%  „unb  eine 
er^bli^e  ©cfä^rbung  ber  SRed^te  ber  ß^efrau  für  bie  3whi"ft  i^  beforgen  ift" 
aufgenommen,  ba,  rotnn  ber  ©liemann  bas  ©efammtgut  in  ber  9lbftd^t,  bic 
^efrau  ju  benad&tl(ieiligen,  verminbert  l^at,  barin  immer  ein  fo  großer  OWife« 
braud^  feiner  ©tettung  liegt,  ba§  bie  Seforgnife  einer  erljebtid^en  ©efäl^rbung 
für  bie  3wfwttft  o^ne  SCßeiteres  als  begrünbet  angefclien  werben  luufe. 

2.  2)cn  Unterhalt  für  bie  gamilie  ju  gcroäliren,  ift  in  erfter  Sinie  ber  ««rie^unfl  bei- 
3«>ect  beö  Oefammtgutes.    SBenn  ber  ©bemann  bie  il^m  in  biefer  SBcjic^ung  "pf^fb!«' 
obliegenbe  SSerpflid^tung  verlebt,  fo  jerftört  er  felbft  bie  aSorausfcfcungen,  unter  <s^emanne«. 


396  aCgemcinc  ®ütcr0cmemf*aft.    Stuflöf  11119.    §  1372. 

roetd^cn  bic  @^cfrau  i^m  il^r  SBcrmogen  übcriaffcn  l^atte.  ©ic  fann  in  einem 
fold^en  goUe  nid^t  borauf  befd^räntt  werben,  gegen  ben  Seemann  auf  ©r* 
füUung  feiner  aSerpflid^tungcn  ju  Hagen;  rielmel^r  mufe  iljr,  wenn  jugleid^ 
eine  erl^eblid^c  Ocfä^rbung  beö  JRed^teö  ber  @^efrau  ober  ber  gemeinfd&aftßcl^en 
Stbfömmlingc  für  bie  3uhinft  ju  bcforgen  ift,  cbcnfo,  roie  nad^  bem  gefc|li(i^en 
c^eUd^en  ©üterrcdjte  (§  1328  3lt.  2),  baö  JRed^t  eingeräumt  mcrbcn,  bie  9![uf' 
löfung  ber  Oütergcmcinfd&aft  unb  S^rennung  ber  ®üter  ju  verlangen,  um 
baburd^  in  ben  ©tanb  gefegt  ju  werben,  felbft  für  ifiren  unb  ber  gemeinfd^aft^ 
[id[)cn  aibfömmlinge  Unterljalt  ju  forgen. 
93er.  3.  ©incß    aWipraud^cö    beö    SSertrauenö,   auf    roeld^em    bie    Oüter- 

d;ioenbunfl  g^j^g^j^f^j^^^j  bcrul^t,  mad^t  ber  ©l^cmann  fi^  aud&  bann  fd^ulbig,  roenn  bie 
«^cmonnec.  SBorauöfegungcu  einer  (Sntmünbigung  beö  e^emanneö  wegen  SSerfd^menbung 
(§  29)  üorliegen.  S)ic  (S^cfrau  würbe  in  einem  fold^en  gaHe  fd&on  nad^  au* 
gemeinen  ©runbfägcn  (§  621  2lbf.  3,  §  595  3lbf.  1  ber  (S.  ^4?.  D.)  bcred^tigt 
fein,  bic  ©ntmünbigung  beä  ß^emanneö  wegen  SSerf^wenbung  ju  beantragen 
unb  baburd^  bie  Sttnorbnung  einer  SSormunbfd^aft  über  bcnfelben  J^erbeijufü^rcn 
(§  1726).  3^r  banebcn  baö  9ied^t  einjuräumen,  bie  SKufCofung  ber  ®üter* 
gemeinfdfiaft  unb  2:rennung  ber  ®üter  ju  verlangen,  ift  eine  9lnforbcrung  ber 
SiHigfeit,  bamit  biefelbe  nid^t  genöt^igt  wirb,  bie  weitge^enben  Siedete  über 
i^r  33crmögcn,  wcldje  fie  bem  ©bemanne  anoertraut  ^atte,  aud^  bem  SJor? 
munbe  bcs  Icgteren  anjuoertraucn.  2)aö  weftfäl.  ©ef.  x>.  16.  Slpril  1860  §  4 
unb  uerfd)iebenc  anbere  ©ütcrgemeinfd^aftörcd^te  (t)ergl.  aud&  el^renbreitft.  6ntw. 
§  37;  oänabr.  ®ntw.  §  7)  oermeiben  bics  baburc^,  bafe  fie,  wenn  ber  &)^ 
mann  unter  SSormunbfd^aft  geftellt  ift,  baö  SSerwattungöred^t  beö  lefeteren  ru^en 
unb  auf  bic  ®f)efrau  übergeben  laffen.  S)ie  ©rünbe,  auö  weld&cn  ber  (Sntwurf 
S^cbenfcn  getragen  l^at,  fid^  einer  fold&en  ^Regelung  anjufd^Iiefecn,  finb  bereit« 
in  ben  SRotioen  ju  §  1358  oben  ©.  363  ff.  bargclegt.  Sefonberö  bcbcntfid^ 
ift  biefcr  SBeg  im  gallc  einer  ©ntmünbigung  beö  ©^emanneö  wegen  93er* 
fc^wenbung,  ba  ^ier  bie  in  ber  Ueberlajfung  ber  Sßerwaltung  an  bie  @^efrau 
im  praftifd^en  9lefultatc  licgcnbe  aSormunbfd^aft  ber  ß^efrau,  aud^  wenn  bic 
festere  fonft  ju  ber  Verwaltung  beö  93ermogcnö  burc^auö  befäl^igt  fein  foUtc, 
wegen  if)rcö  pcrfönlid&en  SSer^ältniffeö  ju  bem  (S^emanne  unb  ber  ju  beforgenbcn 
Störung  beö  cljclid^cn  griebenö  burc^auö  unjwerfmftjsig  fein  fann,  ©d&lägt 
man  aber  jenen  4öcg  nid^t  ein,  fo  mu§  a\i&  ben  angeführten  ©rünben  nad^ 
bem  aSorbilbe  ocrfdiieb^'^icr  anbercr  JRc^tc,  j.  93.  beö  würjb.  unb  beö  tio^enlo^. 
Slcd^teö  (üergL  aud^  code  civil  9Irt.  1443),  ber  Cljefrau  baö  gted^t  eingeräumt 
werben,  unter  ben  im  §  1372  3ir.  4  bejeid^neten  aSorauöfeftungen  bic  Sluf* 
löfung  ber  ©ütergcmeinfdiaft  ju  verfangen.  ®ine  genügenbe  ®ewä^r,  bafe  bie 
G^cfrau  üon  bicfem  9Jed^te  nid&t  o^nc  9lotf|  ®ebraud()  mad^en  wirb,  liegt 
barin,  bafe  fie  burd^  bie  Sttuflöfung  ber  ®ütergcmeinfd&aft  baö  i^r  bei  «uf* 
löfung  ber  legieren  burdf)  ben  JCob  beö  ®f)emanneö  juftelicnbc  gütergemeinfc^aft* 
lic^e  ©rbred^t  (§§  1384  ff.)  ücrtiert.  S)iefen  ©rwägungen  gegenüber  fann 
barauf,  bafe  ber  ©licmann,  abgefelicn  non  bem  'gaUe,  in  welkem  er  ba^ 
®efammtgut  in  ber  Slbfid^t,  bie  ®befrau  ju  benad^tl^eiligen,  ocrminbcrl 
(§  1364),  bie  ®ljefrau  für  bie  SJerwaltung  beö  ®cfammtgutcö  nid&t  oer* 
antwortlid^  ift,  fein  ®cwi^t  gelegt  werben;  t)ielmel)r  red&tfertigen  jene  Gr* 


attoemcinc  ®ulcr0cmeiuf*aft    auflöfunö.    §  1372.  397 

iDSgungen  eö^  bem  SSemaltungdrcd^te  beö  (S^cmanned  burd)  bie  ^orfd^rift  bes 
§  1372  3lx.  4  eine  ©d^ranfc  ju  fe|en.  ®d  empfiehlt  fid)  aud^  nid^t,  biefeö 
äle^t  ber  S^efrau  oon  bcr  roirfli^en  ©ntmünbigung  bcö  ©^cmanneö  iDegen  S3er=: 
fc^ioenbung  ab^öngtg  }u  maä)tn,  ba  bie  @t)efrau  baburd^  o^ne  3loti)  baju 
gcbröngt  loerben  toürbe,  bie  in  bie  SSer^ältnif^e  bed  Sl^emanncd  unb  ber 
gamilie  überhaupt  xotii  tiefer  eingreifenbe  Sntmünbigung  bed  ©^emanneö  ju 
beantragen,  tiefer  3laä)0)z\l  ift  ^5l^er  anjufdilagen^  ate  ber  92ad^tt)ei(,  bag 
über  bie  93oraudfe|[ungen  ber  @ntmünbtgung  naä)  bem  ©ntwurfe  nielleid^t  in 
wrf4|iebenen  ^ßrojeffen  unb  möglid^erroeife  in  roiberfpred^enbem  ©inne  ent^ 
fd^ieben  wirb  unb  bag  ber  ^^rojeg^  in  n)e(d^em  bad  SRe^t  auf  9luf(öfung  ber 
©ütergemeinf^aft  geltenb  gemacht  voixh,  nid^t  mit  ben  fd^ügenben  formen  bed 
Sntmünbigungdoerfa^rend  umgeben  ift. 

2Rit  bem  code  civil  3lrt.  1443,  roeld^cm  oud^  ber  ^cff.  ©ntro.  IV,  2  ««rmbaen«. 
Srt.  471  unb  ber  el^renbreitft.  Sntro.  §  42  gefolgt  finb,  nod)  weiter  }u  iltmanntt. 
idftn  unb  ber  ß^efrau  ol^ne  JRürffid^t  barauf,  ob  ben  ©bemann  ein  5Berfd^uIbcn 
trifft  unb  biefcö  in  einer  SBerlegung  ber  if|m  burd^  bie  ©ütergcmcinfd^oft  auf- 
erlegten  SSerpffid&tungen  fi^  grünbet,  bad  Siedet,  bie  9luf(öfung  ber  ©üter* 
gcraeinfc^aft  f^on  bann  einjuräumen,  mcnn  burd)  bie  Unorbnuug,  in  meld^er 
bie  9krmogendongeIegen{|eiten  beö  6t)emanned  fic^  befinben,  bad  Eingebrachte 
ber  ß^rau  ober  ber  Don  i^r  roä^renb  ber  @i)t  gemad^tc  unb  in  bas  ®c* 
fommtgut  fallenbe  ©rroerb  gefäfirbet  wirb,  ift  mit  bem  SBcfen  ber  ®üter= 
gemeinfc^ft,  nad&  rocld^cm  bie  @f)egattcn  alle  ücrmögcnörcc^tlicöeu  ©d[)idffalc 
gemcinfom  tragen  f ollen,  fomie  mit  bem  freien,  an  feine  SScrantmortü^feit 
wegen  Slac^löffigfeit  ber  SSeriDattung  gebunbcnen  SScrfügungöred^tc  beö  ®^e* 
monneft  über  bad  Oefammtgut  nid^t  üereinbar.  Slud^  ift  cd  infonfequent,  auf 
bad  bei  6ingel()ung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ober  mälirenb  berfelben  in  bad  oe- 
fammtgut gefallene  93ermögen  }urü(fjuge]^en,  ba  bad  le^tere  burd^  bie  ©fitere 
gemeiiifd^aft  in  bem  ©efammtgute  befinitiü  aufgegangen  ift.  Ucberbied  fann 
bad  Äed^t  ber  ®§efrau,  wegen  SSermögendoerfalled  bed  ©^emanned  bie  9luf^ 
Bfung  bcr  ©ütergemeinfd^aft  ju  ©erlangen,  im  .^inblidfe  auf  bie  ©runbfätje 
über  bie  3tudeinanberfegung  wegen  bed  ©efammtguted  nad^  äluflöfung  ber 
©ütergemeinfc^aft  (§§  1375  ff.),  namentlid^  wenn  ber  @^efrau  gegen  ben  ß^c^ 
mann  ©rfojanfprüd^c  jufte^en  (§  1369),  bie  9l'ed)tc  ber  ©laubiger  bed  leftteren 
im  SBiberfprud&e  mit  ber  S^enbenj  ber  Äonf.  D.  geföfirben. 

4.    (Sinjelne  Siedete,  j.  93.  bie   Hppesbetm.    33erorbn.  v.  1786  §  14  unerlaubte 
(mgl.  anäi  württemb.  ©ntw.  §§  292—294),  gewäliren  ber  Glicfrau  bad  »ted^t,  ««»^^|.";'fl*" 
bie  9ufIofung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ju  ©erlangen,  unter  gcwiffen,  notier  be^  ß^cmttnnea. 
ftimmten  Soraudfe|ungen  aud^  bann,  wenn  burd^  bie  aud  unerlaubten  ^anb^ 
lungen  bed  ß^emanned   für  ben  teftteren   entftanbenen  SBcrbinblid^feiten  jur 
Ballung  Don  ©elbftrafen  unb  Unterfud^ungdfoften  ber  Slnt^eil  ber  @^efrau 
an  bem  ©efammtgute  gefä^rbet  wirb.    @in  fo  weitgelienbed  3lcä^t  ber  @^efrau 
wrträgt  fi<^  jebo^  nicf>t  mit  bem  SBefcn  ber  ©ütergemeinfd^aft,  ba  in  bem 
Doroudgefejten  ^aÜt  eine  SSerlefeung  ber  bem  ©bemanne  burd^  bie  ©ütergemein== 
fdjüft  auferlegten  SBerpflid^tungen  nid^t  vorliegt.    ©oentueU  würbe  man  ein 
entjpre^bed  9{ed^t  aud^  bem  @^emanne  jugefte{)en  unb  fonfequent  für  aQe 
%SU  onerfennen  muffen,  in  welken  bie  9lnt^eildred^tc  cincd  6l)egattcn  burd^ 


398  ungemeine  ®üteröcmetnfd&aft.    Stufföfunö.    §  137-2. 

bic  aus  unerlaubten  ^anblungen  beö  onbcren  ©Regatten  entftanbenen   2}ci> 
binbÜd^feitcn  beö  legieren  geföl^rbet  werben. 
Äoniurs  5,    gngie  in  bcn  SRotioen  ju  §  1361  oben  ©.  370  bereits  angeführt 

©bemanne«.  TOurbc,  räutttt  bttö  prcufe.  91.  2.  31.  II,  1  §  421  im  gaHe  ber  ©röffnung  bcß 
Äonfurfeö  über  ha^  SJermögen  eineö  ©Regatten  bcm  anberen  baß  SRed^^t  ein, 
bie  9luflöfung  ber  Oütergemeinfd^aft  ju  ©erlangen;  au^  bie  SBcftimmung  beö 
Code  civil  2lrt.  1443  fii^rt  ba^in,  bafe  bie  6f)efrau  im  galle  ber  ©roffnung 
beö  Äonfurfcö  über  baö  Vermögen  beö  ®l^emanneö  gerid^tlidfic  33erm5genö5 
abfonberung  forbern  fann.  SBenngleid^  nac^  bem  §  1361  im  gallc  beö 
Äonfurfeö  über  baö  3Sermögen  beö  (Sl^emanneö  baö  Ocfammtgut  jur  Äonfurö- 
maffc  geprt  unb  ber  ©^efrau  in  3lnfe^ung  beö  ©efammtguteö  ni(j^t  baö  Siecht 
auf  9luöeinanberfe|ung  unb  9lbfonberung  juftel^t,  fo  mürbe  bomit  eine  2tufs 
löfung  ber  ©ütergcmeinfd^aft  auf  Orunb  beö  Äonfurfeö  für  bie  3wfunft,  b.  ^. 
unbefd^abet  beö  SRed^tcö  ber  Äonfurögläubigcr  auf  33efriebigung  aM  bcm  jur 
Äonfurömaffc  gel^orenbcn  ©efammtgute,  an  fid^  nid^t  unoereinbar  fein.  Äeinen* 
fallö  fann  inbeffen  bei  ber  allgemeinen  ®ütergemeinfd&oft,  lüie  bei  bcm  gefcgs 
lid^en  e^ctid^en  ©ütcrrcd^tc  (§  1327  ^v.  3),  bic  Äonfuröeroffnung  über  baö 
SJermögen  beö  ©i^emanneö  bie  SBirtung  l^aben,  bafe  bie  ©ütergcmeinfc^aft 
fraft  Oefcftcö  aufgcloft  mirb,  ba  baö  5Rcd^t  ber  ß^efrau  an  bem  fünftigen 
©rroerbe  beö  ®^emanneö  unb  i^r  gütcrgemcinf^aftli^eö  (Srbred^t  i^r  gegen 
i^ren  SBillen  nid&t  entjogen  merben  barf,  fonbem  eö  fann  nur  in  ^rage 
fommen,  ob  man  ber  ©^efrau  baö  Siedet  beilegen  foU,  in  bem  oorauögcfegtcn 
gälte  bic  Sluflöfung  ber  Oütcrgemeinfd^aft  ju  verlangen.  SBcnngleic^  bie 
©rünbe,  meldte  ju  ber  SBorfc^rift  beö  §  1327  3lv.  3  gefülirt  traben  (oergl.  bic 
SKotiDC  JU  §  1327  oben  ©.  291  ff.),  jum  S^^cil  aud^  bei  ber  aUcjemcinen  ©üter? 
gemeinfd^aft  jutreffcn,  fo  fällt  bod^  gegen  bie  2lnerfennung  eineö  fold^en  Sied&tcö 
ber  ©Ijcfrau  bic  ©rmägung  entfd^eibcnb  inö  ©emid^t,  bafe  biefclbc,  menn  ben 
©bemann  ein  SSerfd&ulben  megen  beö  Äonfurfeö  nid^t  trifft,  mit  bem  ©runb- 
gebanfen  unb  bcm  Qrotdt  ber  allgemeinen  ©ütcrgemcinfd^aft,  nad^  meld^em  bie 
©Regatten  aud^  in  Dcrmögcnöred&tlid^cr  33cjicl^ung  ©lüdE  unb  Unglütf  mit  eim 
anber  tragen  follen,  im  SBibcrfpru^e  ftelicn  unb  im  ^inblidtc  auf  bie  mit  ber 
2luflofung  ber  ©ütergcmeinfd^aft  oerbunbcnen  ticfgrcifenbcn  folgen  eine  gro§e 
.^ärte  gegen  ben  Ehemann  mit  fid^  bringen  mürbe,  gällt  aber  bem  Icgteren 
ein  SSerfd^ulben  jur  2aft,  fo  merben  in  ni(|t  feltenen  fällen  bie  SSorauöfetungen 
ber  ®ntmünbigung  megen  aSerfd^menbung  üorlicgen,  unb  mirb  alöbann  bie 
©^cfrau  auö  biefcm  ©runbc  bie  9luflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ücrlongcn 
fönncn.  S)aju  fommt,  ba§  man  baö  Siedet  ber  ©i^efrau,  um  ©pcfulationen 
bcrfctbcn  entgegen jutrctcn,  bod^  icbcnfallö  an  eine  5ßräflufit)frift  mürbe  binbcn 
müjfcn,  bie  geftfc|ung  einer  fold^cn  5ßräflufit)frift  aber  immer  üroa^  me^r  ober 
meniger  SBillfürlid^cö  unb  ctroaö  SKifelic^eö  bat.  SBcrfagt  man  ber  ®^efrau 
in  bem  t)orauögefc|ten  galle  ba^  SRcd^t,  bie  Sluflöfung  ber  ©ütcrgcmeinfdf^aft 
}u  verlangen,  fo  fann  im  ^Inblidfc  auf  §  1361  5lbf.  2  unb  §  1352  no^  rocntgcr 
bcm  ©bemanne  im  gaüc  beö  Äonfurfeö  über  baö  SBcrmögcn  ber  ©^efrau  ein 
entfprcd^enbcö  3?e^t  gegeben  merben. 
sttwefcr-  6.  Slbmcid^cnb  oom  gcfcglid^cn  cl^elid^cn  ©üterred^tc  (§  1328  3ir.  3,  4 : 

'1"«^'  »«^9l-  «w*  olbcnb.  ©ef.  o.  24.  3lpril  1873  3lrt.  27  §  2)  foD  bei  ber  oUgemcinen 


Sfagemeine  ©ütcrgemcinfd^aft.    3(ufIöfuno.    §  1372.  399 

©ütergcmcinfd^aft  Me  9lnorbnung  einer  Slbrocfenl^eitöpffegfd&oft  über  bcn  ©^c^  cntmünbi. 
mann  ober  bie  ßntmünbtgung  beöfelbcn  wegen  (SeifteÄfrant^eit  Quf  bcn  Scftanb  ^"^dfT^/" 
ber  Oütergemeinfd^aft  ol^nc  Sinflufe  fein.    ®ie  ©rünbe,  auf  meldten  bie  SSor^   '^«"'^«* 
fünften  be«  §  1328  9tr.  3, 4  berufen  (t)ergl.  bie  SRotiüe  ju  §  1328  oben 
6. 299  ff.)/  treten  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  gegenüber  ben  auö  bem 
fflefen  ber   letzteren  pd^  ergebcnben   prinjipicllen  ©efid&töpunften   unb   bcn 
fi^roeren  9lo^t|eilen,  roeldbc  bie  Sluftofung  ber  allgemeinen  Oütergemcinfd&aft 
für  ben  ©bemann  jur  ^o(gc  liaben  fann,  in  ben  |)intergrunb.    S)ie  Orünbc, 
aus  weld^en  ber  (Sntrourf  [\ä)  bem  oon  bem  meftfäl.  @ef.  o.  16.  9lprit  1860  §  4 
unb  oon  anberen  ©ütergemeinfd^aftsred^tcn  cingefd^lagcnen  SBege,  in  ben  l^ier 
in  Siebe  fte^enben  göllcn  bas  äJermaltungöred^t  beö  ©liemanncö  rul^en  unb 
auf  bie  G^efrau  übergel^en  ju  lojfcn,  nid^t  ongefd^Iojfen  ^at,  ftnb  bereits  in  bcn 
aSotioen  ju  §  1358  oben  ©.  363  ff.  ongefü^rt. 

7.  3lai)  ber  ©ingongdbeftimmung  bcs  §  ,1372  fann  bie  ©l^efrau  in  benS'*^*'^«®^«* 
gällen  beß  §  1372  neben  ber  äuflofung  ber  ®ütcrgemeinfd&aft  jug(cid&  2^ren*  a-renmmj  ber 
nung  ber  ®üter  oerlangen.  SBenngleid^  bie  ©rünbe,  ouö  roeldöcn  bie  ß^efrau  ^^*^**^ 
mä^  %  1372  bie  StufCofung  ber  ©ütcrgemeinfc^aft  oerlangen  fann,  mit  ben« 
jcnigen  Orünben  nirf|t  ooBftänbig  jufammenf allen,  aus  meldten  fie  bei  bem 
gefc^lid^en  Oütcrftanbe  bie  SBeenbigung  ber  ef|cUdf|en  3?u|nie6ung  unb  SScr- 
BJOltung  ju  f orbern  bered^tigt  ift  (§  1328),  fo  fc^en  fte  bod^  immer  eine 
3krle|ung  ber  bem  ß^emanne  in  Sejiel^ung  auf  bad  unter  bcn  ©Regatten 
befte^enbe  c^clid^e  ®üterred^töoert|ältni6  obliegenben  SSerpflid&tungcn  oorauö. 
6ö  loürbe  fid^  bal^cr  nid^t  red^tfertigen  laffen,  raenn  baö  ©efcg  bie  ei)efrau, 
trojbem  ed  berfclben,  um  fte  gegen  bie  Oefäl^rbung  il^rer  Siedete  oon  ©eiten 
bf«  g^Ktnanned  ju  fd^ü^en,  einen  fo  fd^roeren  ©ingriff  in  bejfen  9lcdE)te  geftattct, 
wie  er  in  ber  äluflofung  ber  ®ütergemeinfd|aft  liegt,  bod&  nöt^igcn  wollte, 
bem  ©bemanne  badjenige  SSertraucn  ju  fd&cnfen,  mcld&eö  bie  i^m  na^  bem 
gefeftlid&en  ®üterredf|te  jufte^enbc  clieli^c  Sflugniefeung  unb  SBcnoaltung  ooraus- 
fejt,  2)aö  Qtmi^tn  beö  burd^  bie  ®ütcrgemeinfd^aft  l[|crgeftellten  innigen 
oermogenöred&tlid^en  SBerliättniffeö  wirb  jubcm  Ijäufig  ju  mand^en  ©treitigfciten 
unb  aSerroirfelungcn  füliren  unb  nid^t  fetten  eine  Störung  beö  perfontid^en 
Str^filtnif^eö  unter  bcn  ©Regatten  jur  golge  ^aben.  3m  3ntcreffe  beiber 
2^ife  wirb  efi  bal^er  regelmäßig  liegen,  wenn  burd&  bie  el^eli^e  ^lugnicfeung 
unb  Senoadung  tcin  neuer  Slnlafe  ju  SScrroirfelungcn  gegeben  mirb,  fonbern 
DoDftfinbige  ®fitertrennung  eintritt  (oergl.  code  civil  ijivt.  1449).  SBie  fid^ 
QUO  bem  ©ingonge  beö  §  1372  unb  bem  §  1381  crgiebt,  foD  eö  ber  ©l^efrau 
jeboc^  unbenommen  bleiben,  ftatt  S^rennung  ber  ®üter  ju  oerlangen,  ju 
beantragen,  bafe  in  bem  bie  9lufl5fung  ber  ®ütergemcinfd^aft  bcftimmcnben 
Urt^Ie  ber  ©intritt  beö  gcfe|lid^en  ®ütcrftanbeö  beftimmt  merbe,  in  meldiem 
SaUe  biefe  33eftimmung  in  bem  Urt^eile  erfolgen  muß  (oergl.  bie  SBotioe  ju 
1381).  5Durd^  bie  »orfd^rift  beö  §  1372,  bafe  bie  ©l^efrau  neben  ber  3luf« 
lofung  ber  ©ütergemeinf^aft  S^rcnnung  ber  ®üter  ju  oerlangen  bered^tigt  ift, 
ipirb  )uglei(^  Ilargeftcllt,  bag  ber  ©bemann  bem  Siedete  ber  ©l[|cfrau  nic^t 
genügt,  wenn  er  in  bem  galle  beö  §  1372  f\ö)  jwar  ju  einem  bie  3luf lofung 
ber  ®utergemeinf4oft  bcftimmcnben  ©^eoertrage,  ni^t  aber  jugleid^  jur  oertragö« 
mAligen  ©infü^ng  ber  S^rennung  ber  ®üter  erbietet. 


400       aOö.  ®üteröemcinf(^aft.  auflöfunö.  9tc(j&t^ccrMrtm§.  (§§  1373-1380.) 

8.  lieber  bcn  fonftitutioen  Rarafter  bcö  bie  Sluflöfung  bcr  ©üter« 
gemeinfd^Qft  bcftimmenbcn  Urt^eilcö  (§  1371  3lx.  2)  oergl.  bie  SBotioe  ju 
§  1328  oben  S.  302. 

§§  1373-1380. 

«e*w.  ®ic  §§  1373—1380  regeln  baö  9ied^töücrbältnii  roel^eß  nad)  äufIBfung 

"*'nocJ"*    bcr  ©ütcrgemeinfd^aft  in  Slnfe^ung  beö  ©efammtguted  unb  ber  auf  basfctbe 

'ÄlTemeL?'^^*  bcjic^cnbcn  3ie(]^töDer^ältni?fe  im  35cr^ältniffe  ber  ©Regatten  ju  ©ritten, 

j(^aft.   '  insbefonbere  ju  ben  ©efammtgutägläubigern  unb  im  äJerJ^altnijfc  ber  ©Regatten 

ju  einanbcr  eintritt.    S)ie  99eftimmungen  ber  §§  1373—1380  betreffen  junad^ft 

unb  unmittelbar  nur  bie  gälte,  in  roeld^en  bie  ©ütergemeinfd^aft  nid^t  burd^ 

ben  arob  eineö  ber  ©Regatten  aufgelöft  ift.    5Rad&  §  1382  9lb).  2  finben  bie* 

felben  inbeffen,  t)orbef)alttid^  bcr  befonberen  SSorfdbriften  ber  §§  1384  ff.  über 

bie  fortgefc|te  ©ütergcmeinfd^aft  jroifd&cn  bem  übertebenben  ©Regatten  unb 

gemcinfd^aftlid^en  3lbfömmlingen,  aud^  auf  bie  burd^  bie  Stuflöfung  ber  ©ütcr- 

gemeinfd^aft  in  golge  S^obeö  eines   ber  ©Regatten   nai)  §  1382  3lbf.  1  eim 

tretenbc  ®cmeinfd&aft  jroifd^cn  bem  übertebenben  ©fiegatten  unb  bcn  6rben 

bes  oerftorbenen  6f)egatten  9lnroenbung. 

oeitfnbed  g^  bcu  bcftcticnbcn  JRcd^ten  ift  baö  nad&  Sluftöfung  bcr  ©ütcrgcmcim 

fc^aft  eintrctenbe  9ied^töt)cr^ältni6  fcfjr  ücrfd^icben  geftattet.  SBielfad^  ^aben 
biefclbcn  junäd^ft  nur  ben  galt  bcr  9luftöfung  bcr  ®ütergemeinfdE)aft  burd^  ben 
Xob  eineö  ber  ©fjcgattcn  oor  3lugcn.  3^^"^  ^^^it  bcrürffid&tigcn  fie  banebcn 
nod^  befonberö  bcn  galt  ber  9luflöfung  ber  6f|c  burd&  ©^cfc^eibung.  Sie^t 
man  t)on  benicnigen  dicä)ttn  ^ier  ab,  roetd^e  mit  ber  3luflöfung  ber  ©fiter- 
gcmcinfd&aft,  namentlid^  im  gaUc  ber  ß^efc^eibung,  ba^  ©cfammtgut  in  feine 
urfprünglid^cn  SBcftanbtl^eite  jcrfaDcn  taffen,  täfet  man  ferner  bie  befonberen, 
mit  ben  ®t)cfdOeibungöftrafcn  im  3uföntmen^ange  fte^enben  ocrmögcnßre^tli^en 
golgen  ber  ©l^cfd^cibung  (ocrgl.  barüber  bie  SUotioc  ju  §  1452)  unb  biejcnigcn 
Seftimmungen  fjicr  unberütffid^tigt,  nad^  n)etd)en  im  gälte  bcr  3Iuflöfung  ber 
©ütcrgcmcinfd^aft  burd^  bcn  Xob  eines  bcr  ©Regatten  bem  übcrlebcnben  6^ 
gatten  baö  ganjc  ©efammtgut  jufällt  ober  fortgefefetc  Oütergcmeinfd^aft  ober 
Seifig  eintritt  (ocrgt.  barüber  bie  3Äotioc  ju  §  1384),  fo  ergiebt  eine  SScrglcid^ung 
ber  oerfd^iebenen  Sftcd^te  im  aDßcfcntlid^cn  folgenbe  SRefultate. 

®emeinfam  ift  alten  f)m  in  Setra^t  fommenben  SJed&tcn,  bafe  mit  auf- 
löfung  ber  ©emeinfd^aft  baö  ©cfammtgut  in  ein  beiben  ©Regatten  no^  ben 
geiool^nlid^cn  ©runbfäfecn  über  bie  ©emeinfd^aft  bejro.  bie  ©rbcngemeinfd^ 
juftetienbcö  gemcinfd^aftlid&eö  SBermögen  fidf)  tjcrmanbelt;  bod^  finb  bie  im  gaUe 
ber  3luflöfung  ber  ©ütcrgemcinfd^aft  burd^  bcn  2^ob  eineö  ber  ©Regatten  bem 
übertebenben  ©Regatten  unb  ben  ©rbcn  beö  Dcrftorbcnen  ©Regatten  on  bem 
gcmcinfd^aftlid&en  SBcrmögen  jufte^enben  Sru^t^eile  fe^r  uerfd^ieben  befHmntt 
93iö  5ur  erfolgten  SKuöcinanbcrfefeung  geftattet  fid^  nad^  ben  einjcinen  Siedeten 
baö  Slec^töocr^ältnife  bcr  2^l|eit^aber  in  Slnfc^ung  beö  gemcinfc^aftlid^en  Sßer- 
mögcnö  praftifd^  übrigenö  oerfd^ieben,  je  nad&bcm  bie  ä^^eit^abcr  einer  geroöljn' 
tid^en  ©cmcinfd^aft  bejro.  einer  ©rbengemeinfd^aft  über  bie  i^nen  an  bcn  einjcinen 
©egeuftänben  äufte^enben  9lnt^eite  frei  ocrfügen  fonncn,  roic  bieö  nac^  ge* 


attfi.  ® fitcroemcinf d&aft.  «wf löf ung.  3{ed&tßt?er6altni§.  (§§  1373-1 380.)      40 1 

meinem  Sted^tc  ber  galt  ift,  ober  bie  2lnt()cUe  bcr  ST^eil^abcr  an  bcii  eiujelncu 
|u  einem  gemcinf^aftlic^cn  SBermögen  ge^örenbcn  ©egcnftöiibcn,  mie  j.  33.  naä) 
bem  prcufeifd^en  St.  S-  3lv  biß  jur  erfolgten  3:^cilung  gebunben  finb  <üergt. 
preufe,  2L  S.  31.  II,  1  §§  653  ff.,  I,  17  §§  127,  151;  code  civil  3lrt.  1467  ff.). 

2)ie  aScrfd^ieben^cit  bcr  befte^enben  SRedbtc  jeigt  fid^  oorncl^mlid^  auf  bem 
(Scbicte  bcr  ©d^ulben^aftung. 

"Jlad^  bem  einen  Sqfteme  haftet  nod&  3luflöfung  ber  Oütergemeinfdiaft 
mif  (Srunb  ber  festeren  lebcr  ®l^cgatte  nad)  SSerl^äftnife  beö  il^m  an  bem 
gemeinfc^Qftlid^en  SBermogen  jufteljcnbcn  Sni^t^eilcö  für  bie  (Scfammtgute:^ 
oerbinblidbfciten  perfonlid^,  unbef^abet  bct  x\)n  —  abgefcl[|en  t)on  bcr  ©iitcr* 
flcmeinfc^aft  —  ttxoa  treffenbcn  weitcrgel^cnben  perfönüdjeu  Haftung.  Sod^ 
räumen  oerf^iebene  ber  an  fxäf  auf  biefetn  Sobeu  fteljenben  SRedöte  bcr  S^e^ 
frttu  ba&  yitäfi  ein,  fic^  von  biefer  burd^  bie  ©iitcrgemcinfd^aft  für  fic  be* 
grünbeten  igaftung  baburdb  i^  befreien,  bag  fte  bem  ©efammtgute  innerhalb 
einer  beftimmten  grift  unb  in  beftimmt  oorgefd^ricbencn  formen  entfagt,  waft 
mcitcr  }ur  $o(ge  l^at,  ba^  ba^  ganje  ©efammtgut  bem  ©bemanne  bejn).  beffcn 
fobcn  ücrblcibt,  biefe  aber  anbererfcitö  mit  ben  Ocmeinfd^aftöfd&ulben  allein 
belüftet  roerben.  ^n  biefer  3Irt  ift  bie  .^aftiutg  für  bie  ©c^ulben  namcntUd^ 
geregelt  im  lüb.  SRec^tc  (oergl.  Seuffert  XXXV,  39),  in  Srcmen,  in  äJerben 
(^ier  jebod^  nur  in  3lnfe^ung  ber  oorebcUd^en  ©d&ulben  ber  ©^efrau),  in 
Süncburg,  ^ilbeö^eim  unb  in  ber  lippe^bctm.  SBcrorbn.  v.  1786  §§  17,  15 
(Dcrgl.  ou<^  mürttemb.  @ntn).  §§  263—269). 

3ladi  einer  anbercn  ©ruppe  oon  Siedeten  fann  bie  ß^efrau  fid^  nad^ 
Analogie  bcr  ©runbffifce  über  baö  3nt)entarred)t  bcr  ßrben  burdf)  bie  orb* 
miiigdmfigigc  9lufnal^me  eincd  ^Hoentarcd  fomol^l  gegenüber  ben  ©(öubigern 
al%  andf  gegenüber  bem  @^emanne  gegen  bie  Haftung  für  bie  ©emeinfd^aftg« 
fi^utbcn  über  ben  Scftanb  i^reö  3Int^eileö  an  bem  gemeinfd^aftlid^en  Vermögen 
^inaud  fic^rn.  Sied  ift  bcr  Stanbpuntt  bcg  I^amb.  dlcd^ted  unb  bed  meftfäl. 
@cf.  ü.  16.  Slpril  1860  §  12  (uergl.  aud^  ©efcfereo.  ^enf.  XV  §§  183 ff.; 
e^renbrcitft.  entm.  §§  81,  82;  oönabr.  @ntm.  §  15).  S)ie  beiben  julcfet  bc^ 
jeii^neten  Sßege  vereinigt  bad  franj.  9led)t.  3la6)  bemfe(ben  I;aftet  nad^  Stuf- 
Bfung  ber  Oütergemcinfcboft  auf  ®runb  ber  lefttercu  jcber  @f|egatte  für  bie 
@emeinf(^aftöf(^u(ben  grunbfä^Ud^  iur  ^älfte;  ber  @^efrau  ift  aber  nid^t  nur 
bod  dledbt  eingeräumt,  bie  ©emeinfd^aft  audjufd^lagen  unb  fid^  baburc^  gegcn^ 
über  bem  (S^emannc  unbcbingt,  gegenüber  ben  ©laubigem  inforoeit  uon  bcr 
^ftung  für  bie  ©emeinfcbaftöfc^ulbcn  ju  befreien,  ate  fic  benfclbcn  nid^t  aud 
einem  befonberen  ©runbc  pcrfönlid^  Ijaftct,  foubern  baneben  and)  bie  Sefugnife 
beigelegt,  bur^  bie  orbnungömäfeige  3lufnal)me  eines  Snoentarcö  il^re  Haftung 
gegenüber  bem  S^emanne  luic  bzn  ©laubigem  mit  ber  oorl^er  bcieid)neten 
Sirfung  ouf  ben  93etrag  bed  i^r  jugefaUcnen  älntl^cilcd  an  bem  gemcinfd^aft^ 
lic^n  »ermogeu  ju  bef darauf cn  (code  civil  9lrt.  1453,  1471,  1472,  1482  ff., 
14ö2ft.).  SJem  fronj.  9led)tc  ift  unter  einigen  9Kobififationen  ber  l^eff. 
entw.  IV,  2  3lrt,  475,  492,  493  gefolgt. 

3n  anboren  iRed^tögebictcn  ift  oon  oom^ercin  fraft  bed  ©efegeö  bie 
^ftttng  cineö  iebcn  G^egatten  —  unbefd^abet  ber  i^n,  abgefel)en  oon  ber 
(Sütergemeinfd^aft,  treffenbcn  perfönlidden  Haftung  —  nur  auf  baöienigc  be^ 

IbtiM  I.  MrgcrL  9t\t%ht^  IV.  26 


402       9100.  ®üteröemcmi*aft.  Stuflöfunß.  5Re*tgöec]6artm§.  (§§  1373—1380.) 

fd^ränft  i^ctd  er  aud  bem  gütergemeinfd)aftltc^en  SSermögen  erlangt  I)at.  9lur 
eine  in  bicfer  3lrt  bc|d)ränfte  Haftung  wirb  angenommen  nad^  bcn  SRcd&ten 
von  Sd^leöroigs^olftein,  Don  äßünfter,  ©rbad^,  ^oljenlo^e,  5ßappenl|eim,  6k^ 
ftöbt,  SBamberg  unb  inöbefonbere  nad)  bem  preufe.  21.  2.  SR.  II,  1  §§  661,  758. 
Db  bieö  and^  nad^  gemeinem  9ted)te  ber  ^aQ  ober  nad^  bem  letzteren  eine 
perfönlid^e  Haftung  ftattfinbet,  ift  beftritten. 
«>»e  9Son  ben  oerfd^iebenen  moglid&en  3Begen,   baö  9ledötöoer]^äItni6  na^ 

"^ÄTn"  3luflöfung  ber  ©ütcrgemeinfdjaft  ju  geftalten,  ift  an  fid)  alö  ber  nod&ftliegenbc 
»«ö«.  |j|^5  yy^xn  prinsipicUen  Stanbpunttc  aus  bem  SBefcn  ber  (Sütergcmeinfc^aft 
Diellcid^t  am  meiften  cntfpred^enbe  SBeg  bieienige  ©cftaltung  anjufe^cn,  nad^ 
roeld^er  mit  9luflöfung  ber  ©ütergemeinf^aft  baß  ©efammtgut  fic^  in  ein 
beiben  G^egatten  nad^  ben  gen)ö^n(id^en  ©runbfögen  über  bie  (Bemeinfd^aft 
(§§  762  ff.,  §§  947  ff.)  ic  iur  ^filfte  juftel)enbed  gemeinfd&aftU^efi  aSermögcn 
t)ern)anbelt,  bie  G^cfrau  für  äße  Oefammtgutäoerbinblid^teiten  ben  ©laubigem 
jur  ^älftc  t)aftet  unb  {eber  ber  ©Regatten  gegenüber  bem  STnberen  bie  im 
.  SBerf)ältniffc  berfelben  jii  einanber  bem  ©efammtgute  jur  Saft  fallenben  ®e» 
fammtgutöoerbinblid^fciten  (§  1367  Slbf.  1)  jur  .^älftc  ju  tragen  l^at.  SKit 
ber  Sluflöfung  ber  Oiütergemeinfd^aft  fällt  ber  ©runb,  auf  roeld^cm  cö  be? 
rut)t,  bafe  bcn  ©tjegatten  roä^renb  beß  S3efte^enß  ber  ©ütergemeinfd^ft  baß 
Oefammtgut  unget^eitt  juftct)t,  Ijinroeg.  Gß  ift  batier  fonfcquent,  wenn 
mit  bem  SBegfallen  jeneß  Ö3runbcß  nunmehr  bie  Slnt^eile  ber  Gfiegotten  on 
bem  ©efammtgute  atß  felbftänbigc  SBcrmögenßred()te  in  ber  9lrt  ^croortreten, 
bafe  iebem  6l)egatten  nad^  SRajägabe  ber  allgemeinen  ©runbfoße  über  bie 
©emeinfd^aft  (§  764)  bie  ^ätfte  jufte^t,  unb  jioar  nid&t  nur  an  bem  ©anjen, 
fonbern  aud^  an  ben  einjelnen  baju  ge^örenben  ©egenftfinben.  SKnbererfeitö 
liegt  eß  in  ber  ^Jtatur  ber  Sad^e  unb  mirb  eß  bei  biefem  SBege  burd^  baß 
3[ntercffc  ber  ©efammtgutßgläubiger  geboten,  ba^  bie  G^efrau,  menn  i^r  bie 
^älfte  beß  ©efammtguteß  alß  ein  i^rer  freien  SBerfüguug  unterliegenbeß  Skr- 
mögenßobieft  jufällt,  gegenüber  bem  Gfiemanne  bie  i&älfte  ber  in  bem  SBer« 
b&ltniffe  ber  Gl)egatten  ju  einanber  bem  ©efammtgute  jur  Soft  fallenben 
©efammtgutßoerbinblid^feiten  ju  tragen  oerpflid^tet  ift  unb  für  alle  ©efammt^ 
gutßoerbinblid^feiten  ben  ©täubigern  jur  ^alfte  haftet.  S)er  für  bie  G^efrcu 
barauß  cntftel^enben  ©efalir,  über  ben  SSetrag  ber  i^r  jugefallcnen  ^alfle  be« 
©efammtguteß  binattß  jur  äSeja^limg  ber  ©efammtgutßocrbinblid^Iciten  bei^ 
tragen  ju  müjfen  —  einer  ©efabr,  gegen  meldte  biefelbe  im  älufc^luffe  an  bie 
neuere  Sled^tßentmidFetung  angefid)tß  beß  bem  G^emanne  mö^renb  befte^cnber 
G^e  eingeräumten  freien  SSerfügungßred^teß  über  baß  ©efammtgut,  inft* 
befonbere  angeftc^tß  beß  Sled^teß  beßfelben,  o^ne  3u)iel^ung  ber  G^efrau  mit 
SBirffamfeit  in  ^nfef)ung  beß  ©efammtguteß  Sd^ulben  }u  mad^en,  uot^menbtg 
gefd^üfet  werben  mufe  — ,  fann  bei  bem  in  Siebe  fte^enben  @Qfteme  in  auß* 
reid^enber  SBeife  babtird^  entgegengetreten  merben,  bag  ber  G^efrau  noc^ 
bem  ^orbilbe  beß  franj.  dted^teß  nid^t  nur  baß  9{ed^t,  baß  ©efammtgut  auß« 
jufd^lagen,  fonbent  aud^  baß  9led^t  beigelegt  mirb,  burd^  bie  9lufna^me  eineß 
Snoentareß  ftd^  gegen  eine  über  ben  83etrag  beß  i^r  jufallenben  9lnt^ilcß  an 
bem  ©efammtgute  l)inaußgel)enbc  Haftung  ju  fidlem.  3luf  ber  anbercn  Seite 
mirb  baburd^  baß  3ntcreffe  ber  ©efammtgutßgläubiger  nid^t  gefä^rbet,  namentlich 


aag.  ®uteröcmcinf*aft.  auflöfunfl.  JRcd&tSüerJättmg.  (§§  1373-1380.)      403 

TDcnn  man  bcn  Icgtcren  in  ä^nli^er  aSBeifc,  wie  ben  Grbfd^aftögläubigeru 
(§  2150),  ein  aibfonbcrungörec^t  im  Äonfurfe  über  baö  SBennbgcn  ber  ßfjefrau 
beilegt,  ^r  baö  porftc^enb  bejeid^ncte  ©qftem  täfet  fid^  femer  geltcnb  mad^en, 
ba|  ed  ben  beftel^enben  Metten  am  nad^ften  fommt,  inßbefonberc  mit  bem 
fronj.  Sichte  unb  —  abgefe^en  von  bem  9liidfd)logungöred&te  —  aud^  mit  bem 
loeftfäL  @ef.  v.  16.  april  1860  §  12  im  ©inflange  ftef)t.  SDeti  für  iencö 
©pftem  fprcd^ciiben  ©rünben  fte^cn  inbeffen  anbererfeits  fd^roerroiegcnbc  93c^ 
benfen  gegenüber.  a)ie  änroenbbarfeit  ber  erbred&tlid&en  SBorfd^riften  über  baö 
^noentarrec^t  (§§  2092  ff.)  auf  bcn  ^ier  in  SRebe  fte^enben  goH  fü^rt  — 
ganj  abgefe^en  baoon,  bag  cö  tttoa&  Siünftlid^efi  l()at,  biefelben  aud^  ba  an« 
juioenben^  mo  ein  i^obcÄfoII  nid^t  vorliegt,  ba%  inöbefonbcre  bie  Slnomafie 
cineft  ^rtifularfonfurfed  über  ben  ©efammtgutdant^eil  ber  (S^efrau  fid) 
baranö  ergeben  mürbe  (oergl.  §§  2110  ff.,  §  2150)  —  in  i^rer  ©urd^fü^rung 
ju  bcn  größten  ©d^roierigfeiten  unb  Äomplifatlonen.  ©aju  fommt,  bafe 
no4i  jenem  ©^fteme  im  ^inblidfe  barauf,  bafe  ber  ©^efrau  bie  ^älftc 
bcd  (äefammtguted  unb  ber  einiclnen  baju  ge^örcnben  ©egenftänbe,  inö- 
befonberc  auc^  ber  gorberungen,  ate  ein  i^rer  freien  SBcrfügung  untcrliegenbeö 
ISermögcnöobieft  jufällt,  anbercrfeitö  ber  g^emann  für  alle  im  SBerl^ältniffe 
ber  S^gatten  }u  einanber  bem  ©efammtgute  }ur  Saft  faUenben  ©efammtgutd- 
BerbinbUd&feiten  ber  ©fjefrau  unbefd^rfinft  l^af tet,  baö  3!ntereffe  beß  ©^emonne«  in 
^o^em  ®rabe  gefoi^rbet  mirb.  Sic  aud  ber  Slnmenbung  ber  erbre^tlidtjcn  93or« 
fünften  über  bafi  3nocntorrcd^t  l^ergeleiteten  93ebenfen  mürben  aBerbingö  meg- 
fallen,  loenn  man  nai)  bem  Siorbilbe  ber  oben  @.  401  angefül^rten  älteren 
beutfd^en  Siedete  ber  S^efrau  nur  bad  Siedet  beilegen  mürbe,  baö  ©efammtgut 
<iuft}uf(^Iagen  unb  fid^  baburd^  Don  aQer  Haftung  für  bie  im  93er{)&(tniffc  ber 
<^gatten  ju  einanber  bem  ©efammtgute  jur  l^aft  faUenben  (Sefammtgutö:" 
Dcrbinb(i(^feiten  a(ö  fold^e  ju  befreien  unb  ben  @()emann  allein  bamit  ju  bc^ 
loften,  Slüeiu  biefer  3Beg  mirb  bem  3ntereRc  ber  Gfiefrau  ni^t  geredet ;  bem- 
felben  fielen  im  9Befentlic^en  biefelben  ®rünbe  entgegen,  auö  meldten  aud^  ber 
<Srbe  ni(^t  auf  bie  SBal^l  bef^ränft  ift,  entmeber  bie  @rbfd^aft  auögufd^lagen 
unb  ftd^  baburc^  Don  ber  Haftung  für  bie  ©rbfd^aftöfd&utben  ju  befreien,  ober 
bie  ßrbfd^aft  anjune^mcn,  bann  aber  perfönli^  ju  haften.  Sie  gälte,  in 
tDe((^n  imeifel^ofte  ^Infprü^e  auf  erl^eblid^e  Beträge  geltcnb  gemad^t  merben, 
fmb  ni<^t  feiten.  @ö  mürbe  unbillig  fein,  bie  @^cfrau,  meldte  im  ^inblidc 
4mf  bad  aÖcin  bem  (S^emannc  5uftel^enbe  Sicrmaltungdrec^t  in  Slnfc^ung  beö 
"(Sffammtguted  mit  ben  93erl^ältnif[en  bcö  legtercn  rcgelmäjsig  nxi^i  näljcr 
bcfannt  fein  mirb,  in  fold^en  fallen  in  bie  3n)angdlage  ju  Dcrfegcn,  megcn 
einer  entfernten  ®efal|r,  um  fi(^  gegen  biefelbc  ju  fidlem,  baö  ©cfammtgut 
auöfd^lagen  ju  muffen.  ®aju  tommt,  bag  aud^  bicfem  Sqftcme  icbenfallö  baö 
eben  ^erDorge^obene,  auö  ber  ©efä^rbung  bcö  Sntcrcffcö  bcö  G^emanneö  f|er^ 
geleitete  Sebenfen  cntgegcnfte^t. 

Die  gegen  bie  im  93orftel^enben  bcicid^netcn  ®t)ftcme  ftd^  er^ebenben 
Sebenfen  mürben  menigftenö  jum  2^^eil  pcrmicben  merben,  menn  man  im 
t^nf^luffc  an  bie  oben  @.  402  angeführten  Siteren  beutfd^en  9led^te  unb  au 
boö  preug.  9.  S.  91.  beftimmte,  bag  bie  @§efrau  rüdfid^tli^  ber  nid^t  in  i^rcr 
^erfon  entftanbenen  ©efammtgutöDcrbinblid^feitcn  nur  mit  ber  itjr  jugefaHencu 

26» 


(Sntiourfef. 


404       aag.  @ütcröcmcm[d6aft.  auflofitnß.  SRcd&t^l^crJälttui  (§§  1373—1380.) 

§älftc  bcö  ©cfommtgutcö  ju  l^aftcn  l^abe.  9lHcin  fo  cinfad^  auc^  bicfcr 
2Bcg  crfd^eint,  fo  ift  bcrfclbc  bocft  —  abgcfcldcn  baüon,  baß  er  in  gicidjcr 
SBeife^  tdic  bic  anbeten  ®t)fteme  aud  ben  oben  bargelegten  (Srunbcn  baft 
3nterc5fc  bed  ß^cmanneß  gefäl^rbct  —  um  bcöroiHen  nid^t  ju  empfei^Ien, 
meil  cd  im  ^inbüde  barauf,  bag  ed  ftd)  ^ier  um  ben  Uebergang  eined^ 
Srud^tl^eileö  eincö  gonjen  SScrmögenö  ^anbclt,  mit  bcm  Sntercffe  ber  @(Su6tgcr 
nid^t  ücreinbar  ift,  ber  G^efrau  bic  SSefugnife  ju  geben,  bic  ©(öubigcr 
auö  bem  il^r  jugefaücnen  Slnt^eilc  an  bem  Ocfommtgute,  roic  fie  fid^  mclben^ 
5u  bcfriebigen,  a(fo  t)on  ber  33erpflid)tung  ber  e^cfrau  ju  einer  prioritätö^ 
mäßigen  bejm.  oerl^filtnigmögigen  ^efriebigung  ber  ©Ifiubiger  ganj  Qbjufe^en. 
Segt  man  aber  ber  (gl^cfrau  eine  fold^e  SSerpffid&tung  auf,  fo  ftel(|t  man  mieber 
oor  ben  mit  ber  SÄnroenbung  ber  ©runbfagc  fibcr  baö  Snoentarrcd&t  ocr^ 
bunbenen  @d^mierig{eiten. 
^liniip  bcB  Sie  mit  ben  ermähnten  ©pftemcn  ücrbunbenen  Sd)roierigteiten  fallen 

im  aCBefentUd^en  meg,  unb  baö  SSer^filtniß  mirb  anbercrfeit«  in  einer 
ben  3ntereifen  beß  (S^emanneö,  ber  ©^efrou  unb  ber  ©(fiubiger  gfeit^mäfeig 
SRcd^nung  tragenben  9Beife  geftaltet,  mcnn  man  nad^  3lnaIogie  ber  S3eftimmungcn 
beö  $.  ®.  33.  über  baö  (Sefellfd^aftöDermögen  einer  offenen  ^anbetegefellfd^aft 
bcito.  einer  JtommanbitgefeOfd^aft  (t)erg(.  awä)  §  659)  aud^  nad)  ^eenbigung 
ber  ©ütergemeinfd^aft  bad  bidl^erige  ©cfammtgutdoer^äHnig  fortbefte^en  lägt, 
jcbod^  mit  ber  aJlobififation,  bog  ber  fpätcre  Crroerb  ber  ©Regatten  unb  bic 
für  einen  berfelben  fpäter  cntftanbenen  SBerbinbUd^feiten  nid^t  in  bie  ©emein? 
fd)aft  faQen,  an  bie  @tcQe  bed  SSermaltungöred^teö  bed  S^emanned  ber  ©runb^ 
faß  ber  gefammten  ^anb  tritt  unb  Jcber  Gfiegatte  bic  3ludeinanberfeßung  oer^ 
langen  faint,  bag  alfo  @onberrcdE)te  ba*  G^egatten  an  bem  ©efammtgute  erfl 
in  imb  mit  ber  atuöeinanberfefiung  ^eroortreten  (§§  1373,  1376).  2>em 
3intereffc  beö  (Seemannes,  melier  aud&  für  bie  im  SBer^ältniffe  ber  G^egatten 
JU  einanber  bem  ©efammtgutc  jur  Saft  faüenben  ©efammtgutöoerbinblid&feiten 
unbefd()ränft  haftet  (§  1359  Slbf.  2,  §  1380),  wirb  in  t)oUem  SKafee  babur^ 
genügt,  bag  bie  @^efrau  über  i^ren  3(nt^eil  an  bot  5um  @efammtgute  gc^ 
Ijorcnbcn  cinjelncn  Ocgenftänben  vox  erfolgter  Sluöeinanberfeßung  nit^t  oer^ 
fügen  (§  1373)  imb  ber  ©bemann  t)erlangen  fann,  bafe  oor  erfolgter  2^ei(ung 
bed  9lftit)t)ermögend  junäd^ft  bie  93erid^tigung  aQer  im  93er{)ä(tnif[e  ber  @^e^ 
gatten  }u  einanber  bcm  @efammtgute  ober  ber  G^efrau  allein  gur  Saft  faOem 
ben  ©efammtgutdoerbinblid^Ieitcn  auö  bem  ©efammtgute  erfolgt  unb  bie 
G^cfrau  benienigcn  SSctrag,  melden  fie  wegen  S3erid)tigung  ber  i^r  oUcin  jur 
Saft  fallenben  Oefammtgutftocrbinblid^feiten  aus  bem  ©efammtgute  bcm  legterm 
ju  crfeftcn  f|at,  ouf  ben  i^r  gebü^renben  Stfjeil  bcö  ©efammtguteö  fic^  an* 
red)ncn  lägt  (§§  1376^-1378).  3lnlangenb  bie  G^efrau,  fo  ift  biefelbc  na* 
bem  @t)fteme  beö  Gntmurfeö  rütffid[)t(id^  ber  nid^t  in  i^rer  ^to^on  entftanbenm 
©efammtgutöoerbinblidifeitcn  gegen  jebe  Haftung  über  ben  öctrag  i^rcö  9ln* 
tf)eUeö  an  bem  ©efammtgute  t^inauö  fomo^l  gegenüber  ben  ©laubigem  aU^ 
gegenüber  bem  G^emanne  gefd^üfet  (§§  1359,  1377  S^bf.  1,  §  1380).  3)er 
©cfa^r,  ba6  fie  wegen  ber  in  i^rer  5ßerfon  cntftanbenen  ©efammtgtüft» 
Dcrbinblid^feitcn,  meldte  in  bem  93erl^ä(tnif[e  ber  G^egatten  )U  einanber  bem 
©efammtgute  jur  Saft  fallen,  oon  ben  ©Iftubigern  perfonlid^  in  älnfprud^  ge* 


affgemeine  ®utcröemeinfd&aft.    auflöfuno.    ©cfatnmtgut.    §  1373.        405 

iiommcn  wirb  uiib  i^r  nur  ein  JRcgrefeanfprud^  8^9^^  ^^^  ©I)cmann  juftel)t 
(§  1380),  toirb  babnxö)  begegnet,  bofe  fic  nad^  §§  1376, 1377  3lbf.  1  t)crlanflcu 
tann,  ha%  bei  ber  9Iuöeinanberfc|unfl  junäddft  otte  ©efammtgutöücrbinblid)' 
toten  ouö  bcm  Oefammtgute  berichtigt  werben,  xod(i)t  im  SSerl^ältniJtc  bcv 
Grotten  }u  einanber  bem  @efammtgute  jur  Saft  fallen.  S)aburd^  toirb  ju- 
glei(^  bod  3ntereffe  ber  @efammtgutdg(fiubiger,  üorbe|a(t(id^  ber  ^oge,  loic 
bod  Ser6&(tnig  im  %aUt  bed  jlonturfcd  über  baö  SSerm&gen  eines  ber  S^e^ 
gatten  }u  geftalten  ift  (t)erg(.  fDlotvot  jti  §  1375)  in  audreid^enber  äßeife  gen)a^rt. 
3um  3c^u|e  ber  ©^efrou  gegen  Senad^tl^eiügungen  burd^  ben  Seemann  bient 
ferner  bas  mit  ber  9(uflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  eintretenbe  ^rinjtp  ber 
flcfommten  ^anb  (§  1373).  ^m  Uebrigen  wirb,  fooiel  bie  ©eftaltung  beö 
SkrWItniffeö  im  ßinjelnen  betrifft,  ouf  bie  befonberen  äWotiüc  ju  ben  cinje(ncn 
Paragraphen  Sejug  genommen. 

§  IHTS. 

S)er  §  1373  bringt  boö  ben  Seftimmungcn  beö  preufe.  31.  2.  91.  über  bie  dfo»^»^«»«' *>«* 
©emeinfd^aft  ber  äWiterben  unb  ber  ehemaligen  ©ütergemeinfd^aftögenofien  gSumJau. 
{oergl.  oben  S.  401 ;  Urt^.  b.  SR.  ®.  bei  ©rud^ot  XXVI S.  1166)  natieftc^enbc,  ^!^^^^^^^^^l 
in  ben  allganeinen  SKotioen  ju  ben  §§  1373—1380  oben  ©.  404  bereits  näl)er    ^t^m^. 
begrünbctc  ^rinjip  jum  3luöbrucfc,  bafe  aud^  wad)  Sluftofung  ber  Oüter- 
gcmcinfd^oft  baö  ©efammtgutöoerljöltnife  fortbeftel)t,  icbod^  mit  ber  OJlobififation, 
bafe  ber  fpäterc  ßrroerb  ber  ßfiegatten,  oorbe^altti^  einer  nad)  §  1373  Slbf.  2 
ftottfinbenben  ©urrogation,  nid)t  mel^r  in  baö  Oefammtgut  fällt  unb  bie  für 
einen  ber  G^cgatten  fpätcr  cntftanbenen  SBerbinblid^fciten  ni^t  mef)r  ©efammt^ 
8«töo«:binWid[>feiten  ^xni,  bafe  ferner  an  ©teile  beö  ioäl[|renb  33efteljenö  ber  *""»«p  ^^ 
<9utergemcinf<!^aft  bem  G^emanne  allein  juftel)enben  9Senoaltungöred|tcö  ba^  ^^^^^^ 
^rinjip  ber  gefammten  ^anb  tritt  unb  jeber  ber  ß^egotten  bie  9tuöeinanbcr> 
fejung  perlangen  fann  (§  1376).     2)a  mithin  jebem  berfelben  nad)  Sluf- 
lofung  ber  ©utergemeinfc^aft  ber  9lnt()eil  an  bem  ©cfammtgute  alö  ©anjcni 
Ate  ein  felbftänbigeö  ©onberred&t  jufte^t,  fo  ift  cd  fonfcquent,  baß  bicfer  Wn^^«rf««t 
9nt^i(  5u  ©unften  ber  ©lÄubiger  beö  betreffcnben  ©Regatten  ber  ä^^o'^flS'  ber«mbciie 
ooflftrcrfung  unterroorfen  ift.     9ln  fid^  würbe  bie  ftonfequenj  weiter  bal^in  ^«^«'""^s"*«- 
führen,    aud&    bie   Sßeräufeerung    ober   SSelaftung    beö   Slnt^eileö    an    bem 
^ommtgute  als  ©anjem  jujufaffen.     Snbeffen  ift  eö  alö  angemeffener  er- 
a^tet,  bie  3wlflfigf^t  ^^^^^  fold^en  SBeräufeerung  ober  Selaftung  pofttio  auö^ 
juf<i^lie§en  unb  beö^erlb  infomeit  ben  §  1345  Slbf.  1  für  anroenbbar  ju  erMären. 
Senn  man  aud^  entf^cibcnbeö  ©emid^t  barauf  allein  nidjt  legen  will,  bag  bie 
Seräufeerung  ober  ©elaftung  beö  Slnt^eileö  nad^  ben  §§  312,  1208,  294  burd) 
einfädle  äßiUenöerflärung  nad^  SRaggabe  ber  SSorfd^riften  über  Slbtretung  einer 
gorberung  erfolgen  fonnte  —  ein  SRefultat,  roel^eö  für  fotd&e  gällc  nid&t 
unbebentUd^  ift,  in  meieren  SHed&te  ju  bem  ©efammtgute  geboren,  ju  beren 
Uebertragung  burc^  SRcd&tögcfd^äft  fonft  bie  Eintragung  in  ba&  ©runbbud^  er- 
forbett  roirb  — ,  fo  lommt  bo^  weiter  in  SSetrad^t,  baß  eö  ber  ©igent()ümtid&* 
teit  bc«  ftier  fraglid^cn  a3erl)ättnif[eö  nic^t  entfprid^t  unb  ju  erlieblid&en  Uebet- 
ftänben  fü^rt,  wcim  ein  G^egatte  eö  in  ber  ^anb  l^aben  foll,  burd^  Sßeräußcrung 


406      9lttöc«t.  ©utcröcmeinf^aft.    Sfuflofung.  Stt^anoöCöUftrcdfung.   §  1374. 

fciiieö  9lntl^cilßrcrf|tcd  bcm  anbcrcii  G^cgotten  eine  frembe  5ßcrfon  als  antl^cilö^ 
bercd^tigt  gcgenüberjuftelleii.  !^mat  fann  anä)  bic  5ßfänbborteit  bcö  Stnt^eildi^ 
red&tcö  eine  ©inmifd^ung  brittcr  5ßcrfonen  mit  fic^  bringen;  allein  burd&  bic 
Suloffung  ber  SSeräufeenmg  roirb  bie  3^^!  bicfer  gälle  ol^ne  9iot^  üermc^rt, 
roä^renb  bic  5ßfänbung  beö  SlntJ^cilörcd^teö,  roeld^e  mit  3iü(!fid|t  auf  bic  naäf 
Slupfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  cntftanbcncn  9li(i^tgcfammtgutöt)erbinbHd&^ 
feiten  eined  6f|egatten  nic^t  DöUig  abgefd^nitten  werben  fann  unb  jubcm  nie 
}u  einer  SBcräufeerung  beß  Slnt^eileö,  fonbern  nur  5U  ber  Sluöeinanberfegung 
füfirt,  nur  auönal^mömcife  5ßlag  greifen  wirb. 

2)ie  proienuaIifd}e  grage,  mit  meld^em  3lfte  unb  in  meld^em  3^itpunftc 
in  bem  ^ier  in  Siebe  ftel^enben  ^aUc  bie  5ßfonbung  a(ö  bewirft  aniufcljeu  ift^ 
ift  nad^  ben  öeftimmungen  ber  6.  «ß.  D.  (§  730  9tbf.  3,  §  754  Sttbf.  2)  ju 
beurtl[ieilen.  ©ine  SBeranloffung,  in  biefer  Sejie^ung  für  ben  ^ier  fraglichen 
fpejiellen  %aü  bie  6.  %  D.  ju  beflariren,  liegt  um  fo  weniger  oor,  ate  bic* 
felbe  grage  fid^  aud^  in  anbercn  äl)nlid^en,  nid^t  minber  mistigen  gäücn 
erljebt.  9lud^  befonberc  SBeftimmungen  barüber,  in  weld^er  Slrt  bie  9lus^ 
einanberfe^ung  im  SBegc  ber  SwangöüoDftredfung  ju  erfolgen  l;at,  ftnb  im 
^inblicfe  auf  §  754  Slbf.  3  ber  6. 5ß.  D.  cntbe^rlid^. 

öemeinfc^ft.  3113  felbftoerftänblid)  ift  eö  ferner  erachtet,   bafe  mit  Sluflöfuug  ber 

©tpMnb"  ®ütergemeinfd)aft  bie  G()efrau  von  bem  Gf)emanne  ben  gemeinfd^aftUc^cn  SBcfit 
sn^euitfl.  uiib  bie  aWitinl^abung  ber  ju  bem  ©efammtgute  ge^örenben  ©ad^en  oerlangen 
fonn,  was  für  fie  von  Scbeutung  ift,  um  fid)  gegen  cinfeitige  SSerfügungen 
JU  fid^crn.  S)aö  9led)t  beö  gemeinfd^aftlid)en  S3efi6eö  (§  799)  unb  ber  SSit* 
in^obung  ift  nur  eine  Äonfequenj  beö  ber  juriftifdjen  9latur  beö  beutfd^red^t- 
liefen  äßiteigent^umeö  entfpred^enben  5ßrinjipeö  ber  gefammten  ^anb. 

inwieweit  einjelne  SSorfd^riften  über  bie  Oemcinfd^aft  nad)  ©ruc^tl^cilen 

(§§  763—773)  auf  bie  nad)  Sluflöfung  ber  ©ütergemeinf^aft  in  älnfc^ung 

beö  ©efammtguteö  fortbauernbe,  ebenfallö  nur  einem  Dorübergel^enben  S^Jerfc 

bienenbe  ®emeinfdE)aft  anwenbbar  [xnb,  nomlid^  fold^c  33orf^riften,  wel^c  nic^t 

auf   ber    SSorauöfegung    einer   nad^   Snic^t^eilen   befte^enben   ©emcinfc^aft 

berufen  (uergl.  j.  33.  §  765  3lbf.  2  Safe  1,  §§  767,  768),  ift  ber  aCSiJfenfd^aft 

%mt  jur  unb  5ßrajiö  übertajfeu.     3lai)  bem  SSorbilbc  ber  §§  1033—1036,  1217,  1218 

^ierilr^  ift  eö  icbod)  für  erforberlid)  erad^tet,  um  biö  jur  erfolgten  Sluöcinanbcrfcfeung 

»erwaitunfl.  eine  orbnungömäfeigc  aSerwaltung  beö  ©efammtguteö  ju  ermöglid&en,  auÄ? 

brüdPlid^  JU  beftimmen,  bafe  ber  eine  ©begatte  gegenüber  bem  anbercn  ©Regatten 

verpflichtet  ift,  ju  einer  bel)ufö  ber  orbnungömäfeigen  Verwaltung  erforberlid^cn 

SKaferegel  mitjuwirfen. 


§  i;}74. 

3ioünfl3*  ^a  naä)  Sluflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ber  ©bemann  einfcitig  über 

7iScn*bo«^  ^^^  Oefammtgut  nid)t  meljr  oerfügen  fann,  fonbern  baö  ^rinjip  ber  gefammten 

öefammtflut  <Qanh  wirffam  wirb,  fo  ift  auö  benfcfben  ©rünben,  weld^c  ju  ber  93cftimmung 

.  beö  §  1314  Ülbf.  1  gefflfirt  ^aben  (oergl.  bic  2»otiüe  ju  §  1314  oben  S.  257  ff.), 

in  bcm  ^ier  in  JRebe  fte^cnbeu  galle  bie  3it)angöooUftredung  gegen  baö  (Sefammt? 


Slllöcm.  Oütergcmctnf^aft.    2(uflöfung.   3tt'anööüonftrc(Iiing.   §  1374.       407 

gut  nur  bann  qIö  ftatt^aft  ju  ccad^ten,  wenn  ein  ooUftrcdEbarer  2^UcI  foioolif 
gegni  bcn  6f)cmQnn  als  gegen  bic  ß^efrau  Dor^anbcn  ift.  ©egen  bcn  @{|es 
mann,  locld^cr  für  alle  ©efammtgutöoerbinblic^feitcn  perföntid^  f)aflct  (§  1359 
Sbf.  2)  ttiufe  —  in  gicidjer  SBeifc,  n)ie  in  bcm  galle  bes  §  1314  5ttbf.  1  gegen 
Me  g^efrQu  —  ein  Quf  Seiftung,  gegen  bic  G^efrau,  foraeit  bicfefbe  für  bic 
Sefammtgntöocrbinblid^teitcn  perfönlid^  nid^t  ^aftet,  ein  auf  bic  (Seftattung 
bcr  SroottgsooIIftredEung  gegen  baö  ©efammtgut  gerid)teter  ooUftrecfbarcr  2^itct 
wrlicgen.  ^aftet  bagegen  and)  bic  Gljcfrau  wegen  ber  betreffenben  ©efammt* 
9utocrbinbli<|fcit  perfontid),  fo  ift  cß  genügenb,  xomn  gegen  bicfelbc  ein  auf 
Srijtung  gcrid^tcter  üoUftrectbarer  S^itcl  vorliegt,  äumat  bie  SSerurtfieihing  jur 
gfijlung  aud^  bic  Sßerurt^eilung  jur  ©eftattung  bcr  S^jangöpollftrerfung  gegen 
bad  ©efammtgut  in  ftd^  fd&liefet.  2)ic  Seftimmung  beö  §  1374  3lbf.  1  Sag  1 
fcnn  DicUeid^t  afe  felbftoerftänblid^  angefcl^en  werben.  S^beffen  ift  cö  jur 
Scfeitigung  oon  3weifeln  ratfifamcr,  bicfelbc  in  baö  ©efefe  aufjune^men. 

S5ic  cntfprcd^cnbc  Slnwcnbung  ber  SBorfd^rtften  beö  §  1314  3lbf.  2,  3  «oaiirwföare 
roltfcrtigt  fic^  burc^  bic  änalogic  bcr  SBcrliättniifc,  bic  »eftimmung  bcö'SJJrJSS? 
§  1374  Slbf.  2  burdö  bic  Analogie  bcö  §  1315  unb  beö  §  1360  äbf.  2.    210:^  ^««  «^jjjj| 
loeic^nb  Don  bicfcn  tcfeteren  SBorfd^riften  ift  icbod^  im  §  1374  9lbf.  2  bcr  %(xU,  xtteia  a^Vn 
Bwin  bic  ©ütcrgcmcinfd^aft  roäljrcnb  bcr  SRcd^tö^ängigfcit  bcö  SHed^töftreitcö  ^''  ^^'^^«• 
Ottfgelöft  ift,  bcm  gaUc,  wenn  bic  3luftöfung  bcr  ©ütcrgcmeinfd^aft  erft  naä) 
SJcenbigung  beö  SRcd^töftrcitcö  erfolgte,  nid^t  gtcie^gcftellt.    SSßar  jur  ^dt  ber 
8iifI6fung  ber  ©ütergcmcinfd^aft  ein  jum  ©efdmmtgute  gel^örenber  ©egen- 
ftanb  in  bem  Streite  befangen,  fo  ift  cö  im  §inblicte  auf  bic  Slnalogic  bcr 
^  236,  665  bcr  Q.  %  D.  alö  fctbftt)crftänblid&  crad&tet,  ha^  ha^  in  bem  SRcd^tö^ 
flrrite  bcö  ß^cmonncö  nad^  ätuftofung  bcr  ©ütcrgemcinfd^aft  ergangene  Urtljcil 
in  änfc^ung  beö  ©cfammtgutcö  au(^  gegen  bic  ©^efrau  wirffam  unb  tjoll^^ 
firetfbar  ift.    3)ic  SÄuöbc^nung  bcr  ©eftimmung  bcö  §  1374  3lbf.  2  aber  auf 
ben  göU,  wenn  bcr  jur  ^üt  bcr  SKuflöfung  ber  ©ütergcmcinfd^aft  bereitö  an^ 
^gtge  Sled^töftreit  einen  pcrfönlid^cn  Slnfprud^  jum  ©egenftanbe  l^at,  ift  oom 
etonbpunftc  beö  3ntcreffcö  ber  Ehefrau  auö  für  bebenHid^  gcl^alten,  weil  a(ö^ 
bann  ber  Seemann  bejn).  bcffen  Grbcn  in  bcr  Sage  fein  würben,  im  SBibcr^ 
fpruc^e  mit  bcm  ^rinjipe  bcr  gefammten  ^anh  auf  bcm  SBcgc  bcr  ^ßrojefe- 
fii^ng  cinfeitig  jum  9lad(ft^cilc  bcr  ©Jicfrau  ju  verfügen.    35ic  2tnaIogic  bcö 
§  1360  9lbf.  2  trifft  l^icr  infoweit  nid(|t  ju,  ba  bic  3ntcrcffcn  bcr  ei}cgattcn 
in  bcn  ^icr  in  JRcbc  flc^enbcn  göBcn,  namcntUd^  wenn  bie  ©ütcrgcmcinfd^aft 
in  golgc  ©^cfd^cibung  ober  auf  SÄntrag  bcr  Gf)cfrau  burd^  rid^terlid^eö  Urtf)cil 
(§  1371  9lr.  2,  §  1372)  bccnbigt  ift,  nid^t,  wie  im  'gaDc  bcö  §  13ß0,  .§anb 
in  ^nb,  fonbcrn  auöcinanbergc^cn. 

3fi  in  bem  galle  bcö  §  1357  baö  Urt^cil  gegen  bic  ß()cfrau  bereitö  t)or 
bcr  Sttflofung  bcr  ©ntcrgcmcinfd&aft  ergangen,  fo  ücrftc{)t  cö  fid)  Don  felbft, 
baft,  wenn  boö  abgc!ürjtc  SJcrfal^ren  bcö  §  1360  9lbf.  2  gegen  bcn  Gfjcmann 
mo^renb  beftc^enbcr  ©ütcrgemcinfe^aft  trog  feincö  einfeitigen  aScrwaltungö^ 
tcfj^  fiatt^ttft  ift,  baöfclbc  um  fo  mcljr  juläfftg  fein  muß,  wenn  mit  ber 
Suflofung  bcr  ©ütcrgcmeinfd^aft  baö  SRce^t  bcö  G^emanncö  nad^  §  1373  burd& 
baö  $rinjip  bcr  gefammten  §anb  bcfc^ränft  ift.  9Bar  bagegen  ber  :Jled)töftrcit 
bcr  Gfiefrou  jur  3cit  bcr  2luf(5fung  ber  ©ütergemcinfc&aft  nod^  an{)ftngig,  fo 


408  allgemeine  ©uteroemeinf^aft.    giuflöfunö.    Äonfur§.    §  1375. 

tann  auf  @runb  bed  naö)  biefem  S^i^PU^^^^^  9^S^^  ^^^  (S^efrau  ergangenen 
Urt^cilcö  baö  abgcfürjte  SSerfa^rcn  gegen  bcn  ©Ijcmann  nic^t  in  rocitercm 
Umfange  juläffig  fein,  ate  nad^  Dbigem  gegen  bie  Gfiefrou  auf  (Srunb  cineö 
nad^  9Iuf(5fung  bot  Oütcrgemeinfe^aft  gegen  bcn  G^emann  ergangenen  Urt^eileft. 


§  ia75. 

Äontur«  2)ic  S3cftimmungcn  beö  §  1375  finb  eine  Üonfequeuä  beö  mit  Sluflöfung 

0atunoorb!^ber  @ätergemeinfd^aft  eintretenben  ^rinjiped  ber  gefammten  $anb,  fomie  bed 
^"JJJJJJ"^*'^'' ©runbfageö,  ha^  mit  jenem  3citpwnfte  ber  2lntl)ci(  eineß  Gt)egatten  an  bcm 
©cfammtgute  infofern  afe  ein  felbftönbigcß  ©onbcrred^t  I)erüortritt,  alö  ieber 
ber  G^egatten  bie  äludeinanberfegung  ipegcn  beö  ©efammtguted  ücrlangcn 
fann  unb  baficr  ber  9lnt{)ei(  eines  G^egatten  an  bem  ©efammtgute  )u  ©unften 
ber  ©laubiger  biefeö  Göegatten  ber  3n>öngdDoBftre(fung  unterroorfen  ift  (§  1373 
ocrb.  mit  §  1  3Ibf.  1,  §§  14, 44  ber  Äont.  D.).  3»ad&t  ber  ftontuöDerroolter  ober 
ber  nid&t  im  Äonfurfe  bepnblidde  G^egatte  üon  bem  SRed^te  ber  Sluöeinanbcr^ 
fe^ung  mä)  SWaggabc  ber  §§  14, 44  ber  Äonf.  D.  ©cbraud^,  fo  finben  auf  bie 
Sluöcinanbcrfefeung  bie  §§  1377—1380  ainmenbung.  ®abei  ift  eö  atö  felbft^ 
Derftönblid)  üoraudgefe^t,  bag,  xocnn  bad  ©efammtgut  jur  Berichtigung  aDer 
©efammtgutötjerbinblid^feiten  nad&  aWaggabe  beö  §  1377  SSlbf.  1  ni(^t  ftin^ 
reid)t,  forool)!  ber  Äonfuröüemjaltcr  alö  ber  nid&t  im  ÄouJurfe  befinbli^e  G^e^ 
gattc  nad^  SKnalogic  ber  für  bie  SBert^eilung  innerl)alb  beö  ftonfuröoerfolirenÄ 
geltenben  SBorfd&riftcn  prioritätömäfeigc  bejro.  ocrftältnifemä^ige,  überhaupt 
f onfurömä§ige  Serid^tigung  ber  ©efammtgutßtjerbinbüd^feiten  Dertangen  fönnen 
(üergl.  Sßotioc  ju  §  1377).  93on  felbft  üerftcl)t  eö  fid^  fenter,  bafe  ber 
ftonfuroüerroalter  bei  9luöübung  beö  SRed^teö,  bie  Sluöeinanberfegung  ju  per* 
langen,  pfüd^tmäfeig  ju  oerfafiren  ^at  unb  ben  Äonfurögläubigern,  miti^in  im 
Äonfurfe  über  baö  SSermögen  beö  Göemanneö  inöbefonbere  aud&  ben  ©efammt* 
gläubigem,  ba  biefe  alö  perfönlid&e  ©laubiger  beö  G^emanneö  juglcic^  Äonfurö* 
gläubiger  fmb,  üerantmortlid^  ift. 

Sluö  bcn  83eftimmungcn  beö  §  1375  in  aSerbinbung  mit  ben  aSorfd^riftcn 
ber  §§  1376,  1377  3lbf.  l,  nad^  meldten  ieber  ber  Gfiegatten  oertangcn  fann^ 
bag  bei  ber  9[uöcinanbcrfcgung  aM  bcm  ©efammtgute  fold^e  ©efammtgutö^ 
ücrbinblie^fcitcn,  meldte  in  bem  SSerl^ältniffe  ber  Gbegatten  ju  einanber  bcm 
anbcrcn  Gl)cgatten  allein  jur  Öaft  falten,  aM  bem  ©efammtgute  nid^t  berid^tigt 
rocrbcn  (oergl.  bie  3Rotii)c  ju  §  1377),  ergiebt  fid&,  bafe  im  galle  beö  Äon* 
furfeö  über  baö  aSermögcn  beö  Gfiemanneö  ba^  3nterejfe  ber  Gfjefrau  toDflänbtg 
gefid)ert  ift.  dagegen  läßt  fid^  nid^t  Dcrfenneu,  ba^,  ^ingefe^en  auf  boö  3nterefic 
ber  ©cfammtgutögläubiger ,  gegen  bie  Siegelung  beö  Gntmurfeö  gemic(|tige 
Scbenfcn  erhoben  werben  fönnen.  8Bäl}renb  bie  ©cfammtgutögläubiger  oor 
3luflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  bei  Ucbcrfd^ulbung  beö  ©efammtgute«  in  ber 
Sage  finb,  burd^  htn  9lntrag  auf  Gröffnung  beö  Äonfurfeö  über  boö  SBermögen 
beö  Gftemanneö  im  SBcgc  eineö  georbneten,  gcrid^ttid^en  Sßerfa^renö  bie  fonhirö« 
mäßige  Scfriebigung  auö  bcm  jur  Honfurömafjc  beö  G^emanneö  ge^örenben 
©efammtgute  l)crbei5uffll)ren  (§  1361  3lbf.  1),  föHt  nad^  atuflofung  ber  ©ütcr* 


aagememe  ©ütergememf^aft.    «luffofung.    Äonfiirö.    §  1375.  409 

^cmeinfd^ft  nur  ber  Slnt^eil  bce  ß^enianned  an  bcm  ©efammtgutc  in  bic 
Xonturömaffe^  unb  erfolgt  bie  Sefriebigung  bcr  OJefammtguteglätibiger  aitö 
bcm  ökfammtgutc  mä)  üßafegabc  beö  §  1377  2lbf.  1  aufeerfjQlb  beö  Äonfiivö* 
uerfa^rcnß.  S)a  in  bem  ©cfammtgutc  bcr  jur  Äonfurömaffe  gel)örcnbc  9littl)eil 
cnti)oItcn  ift,  eine  SwöngöDoUftrerfiing  in  bic  jum  ©cfammtgutc  ge^örenbcn 
einjcincn  ©egcnftänbc  fid&  bal)cr  juglcid^  als  eine  3tt)ongöooUflredfung  in  ben 
bei  bcr  Sluöcinanbcrfcgnng  ber  Äonfnrömafic  beö  G^emanneö  jufallenbcn  San- 
t^I  barftcDt,  fo  ift  in  Jyolgc  ber  Groffmmg  beö  ftonfnrfeö  über  baö  S3er=^ 
mögen  beö  G^cmanneö  nad^  bem  §  U  ber  Äonf.  D.  n)öl}renb  ber  S)auer  beö 
Äonfuröoerfa^renö  aui}  bic  3w)angdüolIftrecfung  ber  ©cfammtgutögläubigcr  in 
bic  jum  ©cfQmmtgute  gcl^örenben  cinjelncn  Oegenftänbc  auögefd^Ioficn.  ©ajn 
lommt,  baß  nac^  bcr  SRegelung  beö  ©ntrourfeö  mittelbar  ein  SBorjug  berienigcn 
@efammtgutdg{öubigcr^  n)eld;e  aud^  in  bcm  93erl^ältnif[e  ber  ©Regatten  ^u 
cinanber  ©cfammtgutögläubigcr  ftnb,  Dor  benjenigen  ©cfa.mmtgutögläubigcrn 
bcgrfinbet  wirb,  bercn  3lnfprüd^c  in  bcm  S3crf)SItniffc  ber  ®f)egatten  ju  eim 
<mber  allein  bem  G^emannc  jur  Saft  falten  (§§  1376,  1377  9lbf.  1),  unb  baß 
ünbercrfeitö  bie  bei  ©clcgcnficit  ber  Sluöcinonbcrfe^ung  beö  ©cfammtgutcö 
ni^t  befricbifltcn  ©cfammtgutöglfiubigcr  in  Slnfcfiung  beö  in  bie  Sonhirömaffe 
bcfi  g^cmanncfi  fallenben  Slntl^cilcö  am  ©cfammtgutc  mit  bcnienigcn  Slid^t^ 
yfammtgutögtäubigern  beöfelbcn  fonfurriren,  bereu  Slnfpriid^c  erft  nad^  3lufs 
löfung  ber  ®ütcrgcmeinfd(|oft  entftanben  fmb.  ferner  fann  gegen  bie  ^Regelung 
bcfi  Sntiourfeö  erinnert  werben,  bafe,  menn  ba^  ©cfammtgut  überfd^ulbct  imb 
bcfi^olb  ein  nac^  9Raggabc  beö  §  44  ber  j^onf.  O.  in  bie  5tonfurömaf[e  fallen« 
bcr  Snt^eil  nici^t  ju  erroarten  ift,  in  Grmangetung  anberroeitcn  SBcrmögcnö 
bcfi  e^anncö  ben  ©efommtgutdgtäubigcm  überhaupt  bie  äRöglid^feit  fc()(t, 
bic  ßroffnung  beö  Äonfuröocrfa^renö  unb  bamit  bie  fonfurömöfeigc  S8e= 
fricbigung  ilirer  Stnfprüd^e  in  ben  fd^üfeenben  gormcn  eineö  gerid^tli^cn  S8er* 
fa^ö  ^erbeiiufü^ren.  Gö  fann  I)ier  ba^ingcfteUt  bleiben,  ob  biefe  bem 
3ntere$fc  ber  ©cfammtgutögläubigcr  entnommenen  ©ebenfen  bcr  9lrt  finb,  bafe 
Sc  bic  Slüdftd^t  auf  baö  Sntereffe  ber  ß^efrau  überroiegen,  unb  ob  cö  beöljalb, 
um  icnen  33ebenten  entgegenjutreten,  ben  SBorjug  ücrbicnen  mürbe,  nad^  Sluf* 
löfung  bcr  ®ütcrgemeinfd>aft  im  gallc  bcr  3öWwugöunfäf)igfcit  beö  ©efammt« 
^;v(k^  ein  felbftänbigcö  Äonfuröoerfa^ren  in  3lnfc^ung  beö  le^tereu  nad^ 
3Ra6gabe  ber  §§  198—201  ber  Äonf.  O.  jujulaifcn  ober  bie  SBorfdjriften  bcr 
§§  14,  44  ber  Äonf.  D.  in  bcr  einen  ober  anberen  9lid&tung  für  ben  Ijier  in 
fHAe  fite^enben  ^U  ju  mobifijircn  ober  ju  ergänjen.  ^ür  ben  t)on  bem 
GntiDurfe  cingefd^Iagenen  SBcg  fällt  cntfc^cibcnb  inö  ©emid^t,  ba^  ber  tcfctcre 
fi4  bcm  geltenbcn  Äonfurörec^tc  anfd&Iie§t,  eine  3lcnbcrung  ber  Äonf.  D.  aber 
für  ben  §ier  in  Siebe  ftc^enben  fpejiellcn  gaU  o^ne  eine  cingel^enbc  SRcoifion 
ber  Äonf.  D.  alö  ongcmcRcn  nid^t  erachtet  merben  fann,  ba  bic  l)ier  in  S9etrad&t 
fommcnben  fragen  cinerfeitö  mit  anberen  bem  Äonfuröred)tc  angeprcnben 
^gen  jufammen^ängen,  anbererfeitö  aud^  bei  anberen  ©emcinfd^aftöucr- 
^ttniffen,  metcjie  unter  Umftänbcn  cbcnfaDö  ein  ganjeö  SBcrmögcn  umfajfen 
fonnen,  fid^  ergeben.  Slu^tigcr  ift  eö  bal)cr,  bie  Gntfdjcibung  ber  S^agc,  ob 
unb  TOcl^e  befonberen  83eftimmungcn  in  golge  ber  in  bcm  ©cfcgbud^c  über 
bic  Sluflöfung  ber  ©ütcrgcmeinfd^aft  getroffenen  Seftimmungen  jum  Sd&ugc 


410       9lIIöc«ictnc  ®üteröcnicinf$aft.     Stu^ctnanberfcfimö.    §§  1376,  1377. 

bcö  3ntcrcf)cö  bcr  ©cfammtgutögtaubigcr  im  gallc  bcfi  Äonfurfcö  über  ba« 
aSermögcn  cincö  bcr  ©Regatten  erforbcrlid^  werben,  ber  JReoifion  bcr  Äonf.  D. 
üorjubefialtcn. 

§  1376. 

anfpru<*  auf  SBcnugleid)  naö)  bcm  ^^riiiiipc  beö  §  1373  and)  mä)  Sluflöfung  ber 

fS?«T m^Vn  ®"^c^'Scmeinfd)ap  baö  ©cfammtguisuerflältnife  fortbaucrt,  fo  tritt  boc^  mit 

be«  okfammt«  jeticm  S^itpunftc  bcr  9lnt^cil  eines  iebcu  ber  ©Regatten  an  bem  ©ef ammtgutc 

^"'***     infofern  alö  ein  felbftänbigeö  35crmogcnöred^t  ^croor,  alö  nunmehr  —  ab^ 

n)eid)enb  pon  bem  roft^renb  bcftel^cnber  (Sütergemeinfd&aft  mafegebcnbcn  §  1345 

9lbf.  2  —  ieber  ©fiegatte  oerlangen  fann,  bafe  jroifci^cn  it)m  unb  bem  onberen 

Gf)cgatten  bie  Sluöeinanbcrfcgung  locgen  beö  ®efammtguteö  nad^  ÜRafegabc  ber 

§§  1377—1380  porgenommcn  njcrbc.    ®d  ift  biefcö  Stecht  auf  2lu8einanber* 

feftung  eine  Sonfequeni  ber  3luf (öfung  bcr  (Sütergemeinfc&aft  unb  bcr  prinzipiellen 

(Seftaltung  beö  mit  bicfem  3citpunfte  eintretcnbcn  SSer^ältniffeö  in  Slnfc^ung 

beö  ©cfammtguteö  (uergl.  bie  aUgemeinen  aWotioe  ju  §§  1373—1380  oben 

S.  404  unb  bie  SDlotioe  ju  §  1373  oben  S.  405). 


§  1377. 

»eri<5tiflunß^  2)ie  Scftimmung  beö  §  1377  3lbf.  1  entfpricftt  bem  §  656  3lbf.  2  Soft  1 

^ut^eÄt'unb  red^tfertigt  fi(i^  forool)!  burd)  baö  Sntcreffc  ber  ©Regatten  ate  burd)  baft 
a<^fcfte«.  ^ntcreffc  ber  ©efammtgutögläubigcr.  2)a  ber  ®^emann  für  alle  ©efammt^ 
gutöoerbinblid^feiten  ben  ©Ifiubigcrn  perfonlid^  l^aftet  (§  1859  3lbf.  2),  fo  I^Qt 
er  inöbefonbcrc  ein  ^croorragenbeö  Sntcreffe  baran,  bafe  Jene  SSerbinblid^fciten 
auö  bem  ©cfammtgute  getilgt  merben  unb  er  in  biefer  ipinficfit  fid^ergeftettt  wirb. 
3m  öinblidfc  barauf,  f oroie  in  ber  (Srroägung,  bafe  eö  unter  Umftänben,  j.  35. 
jum  Qxocdc  bcr  SBermeibung  beö  Äonfurfeö,  bem  3ntereffc  beö  ©^emanncd 
mctir  cntfpred&en  fonn,  mcnn  bie  ®efammtgutöüerbinbli(^fciten  nid^t  fofort 
getilgt  werben,  fd&eint  cö  nafie  ju  liegen,  baö  SSerl^ältnife  in  ber  ärt  ju  orbnen, 
bafe  bcm  ©l^cmannc  baö  9led)t  beigelegt  mirb,  bcn  Setrag  jener  SSerbinblid^ 
feiten  5u  feinen  ^änben  auö  bem  ©efammtgute  üorab  5U  verlangen,  bcr  ©^e* 
frau  aber  baö  9led^t,  Don  bem  ©bemanne  megen  2^ilgimg  fotd^er  ©efammt^ 
gutöücrbinblid^feitcn,  für  meld&e  fic  bcn  ©laubigem  perfönlid^  Reiftet,  ©id^* 
l)eitölciftung  ju  forbern.  ^ür  eine  bcrartige  Siegelung  löfet  ficft  ferner  an^ 
füfiren,  baß  auf  bicfem  SBegc,  ba  bcr  93etrag,  meldten  bcr  (g^cmanu  tjorab 
erhält,  in  fein  SBcrmogen  unb  mitljin  im  gälte  eincö  Äonfurfcö  über  bad 
Icfeterc  in  bie  Äonfurömaffe  föllt,  bie  mit  ber  Siegelung  beö  ©ntmurfcö  ocr» 
bunbcne  t(|atföd)lid)e  93euor}ugung  bcr  ©efammtgutögläubigcr  gegenüber  bcn 
fonftigcn  md)  9luflofung  bcr  ©ütcrgcmeinfd&aft  ^injugetommenen  ©Ifinbigem 
beö  C(}cmanncö  uermieben  merbe,  fomie  bag  baö  93er^ältnig  ftd^  für  ben  ^D 
cinfad^cr  gcftattc,  menn  bie  ©efammtgutöoerbinbtid&feitcn  jur  3^it  *>«t  ^^' 
cinanberfcgung  nod&  ntd^t  fällig  finb.  9luf  bcr  anbereu  ©eite  fommt  inbeffen 
in  Sctrad^t,  baj3,  menn  man  bem  6(;cmanne  ba^  3ltd)t  beilegt,  ben  99ctrag 
bcr  ©cfammtgutöücrbinblid^fciten  ju  feinen  .^dnben  auö  bcm  ©efammtgute 


J 


Sllocnicme  ©utcröemcinfc&aft.    äußcmanbcrfcfitno.    §  1377.  411 

oorob  ocrlangcn  ju  fönnen,  bcr  ©l^emann  in  SÄnfc^ung  bcr  Scrid^tigung  jener 
Scrbinbüd&feiteii  im  SBibcvfpnt^e  mit  bem  5ßrinjipc  bcr  gefammtcn  c^anb 
(§  1373)  in  erl^eblicftcr  SBcifc  jiim  oUeinigen  SiquibQtor  beö  ©efornrntguteö 
gemacht  unb  baö  SntcreiJe  bcr  ©Ijefraii  in  l^ofiem  Orabe  gcfäl|irbct  wirb. 
3{amcntü(iÖ  in  fold&cn  göBen,  in  n)eld)cn  bie  Oütergcmcinfd^oft  biirdö  6f)e* 
fi^eibung  ober  m6)  SRafegabe  bcö  §  1371  3lx.  2  unb  beö  §  1372  auf  3lntrag 
bcr  ßdefrau  burd^  Urt^cil  oufgeloft  ift  Ijat  bie  Icfetcrc  feine  ©ewftl^r  bafür, 
baß  bcr  6^emann  mit  bem  vorab  erhaltenen  betrage  and)  bie  in  il^rer  5ßerfon 
cntjianbenen,  im  Sßer^ältniffe  ber  ©Regatten  ju  einanbcr  bem  Oefammtgute 
jur  Saft  faUenben  ©efammtgutdperbinblid^feiten  mirftid^  bcrid^tigt  unb  ben 
empfangenen  S3etrog  nid^t  etwa  ju  anberen  S^^^tf^i^  oerroenbet.  (Segen  biefe 
(Sefa^r  oermag  aud)  ein  9Ied^t  auf  @ic^er^citd{ciftung  gegenüber  bem  (Sf)t^ 
manne  bie  (S^efrau  nid^t  in  audreic^enbcr  ^cife  ju  f^ügen^  }uma[  ber  @^e$ 
münn  ^oufig  gar  nid^t  in  ber  Sage  fein  mirb,  bcr  (g^efrau  genügenbe  Sid^er^^ 
^it  beftellcn  ju  fonnen.  3Rad^t  man  aber  ba^  dit^t  bed  @^emanneö^  ben 
Setrag  bcr  ©cjammtgutöoerbinblid^fciten  aus  bem  ©efammtgute  üorab  iu 
erhalten,  baoon  abhängig,  bafe  er  3^9  ^^  3^8  ©id^cr^eit  leiftet,  fo  oerliert 
babur(i  jcneö  9led)t  in  Dielen  gällen  überhaupt  allen  praftifd^en  SBertfj.  3^* 
bem  fytt  bie  @{|efrau  aud)  in  ^nfel^ung  fold^er  im  SSertjältniffe  ber  @f|egatten 
JU  cinanber  bem  ©efammtgute  jur  Saft  faQenber  ©efammtgutdpcrbinbüd^feitcn;. 
für  xDtld)t  ftc  nid^t  perfonlid^  ^aftet^  iDcnngteid^  fein  red(|t(id^ed^  fo  bod^  ein 
er^eblic^ed  t^atffid^lic^ed  ^ntcreffe  baran,  ba%  biefelben  5unäd)ft  aud  bem 
@efammtgute  berid^tigt  merben.  Unterbleibt  biefe  S3erid()tigung^  fo  ift  bie  ®\)o 
frou  nad^  erfolgter  3[iiöeinanberfe|yung,  obn)of)l  fie  ben  ©efammtgutöglöubigern 
nit^t  perfonlid^  Wtct,  bod)  immer  ber  ©efal^r  ausgefegt,  oon  benfelben  im 
SBege  bcr  actio  PaulLona  ober  einer  aus  ber  5ßerfon  bcö  ß^emanncö  f)er* 
geleiteten,  im  S^JangöDollftretfungöocrfal^ren  gegen  ben  Unteren  itinen  über^ 
miffenen  condictio  indebiti  in  9lnfprud)  genommen  unb  fo  in  ^{Jrojeffc  mit  ben 
@efammtgutöglfiubigern  oermidelt  ju  loerben.  Slud^  gemäljrt  bie  SSorfd^rift 
bcö  §  1377  Slbf.  1  bcr  e^cfrau  infofern  eine  größere  ©id^erung  gegen 
Zfiuf^tmgen  unb  99enad^tl^eiligungen,  alö  fie  bal^in  ftil)rt,  bag  bei  ^eftftellung 
bcr  ^age,  ob  unb  inroicroeit  bie  ©cfammtgutöocrbinblid^fcitcn  in  SBirflid^feit 
bcgrunbet  ftnb,  bie  ©laubiger  felbft  mit  jugejogen  merben.  äluö  äl^nlidben 
©rünbcn  ift  aud^  für  ben  gall  ber  SHuflöfung  ber  ©efellfd^aft  im  §  656  3lbf.  2 
gonj  allgemein  beftimmt,  bag  auö  ben  jur  3^it  ber  Sluöeinanbcrfegung  Dor^^ 
danbcncn  gemcinfd^aftlid^cn  ©egenftänben  junöd^ft  bie  gemeinfd)aftlic^en 
S^ulbcn  ju  beric(|tigen  finb,  ol^ne  bafe  unterfd^icben  mirb,  ob  ber  einjelne 
©cfeUfcftafter  an  bereu  ^Berichtigung  ein  red&tlid^eö  ober  nur  ein  tl)atfä(^lid|cö 
3ntereffc  ^oL  3Beitcr  ift  ju  bcad)ten,  baft  burd)  eine  33eftimmung,  roeld&c  bem 
Spanne  baö  Siedet  giebt,  ben  SBctrag  ber  ©cfammtgutöocrbinblid^fciten  a\\^ 
bem  ©efammtgute  Dorab  ju  oertangen,  bie  Sid^erlieit  ber  ©cfammtgutö? 
gläubiger  infofem  gefä^rbet  merben  fann,  alö  benfelben  nac&  erfolgter  2:f)cilung 
beö  übrig  bleibcnben  ©cfammtgutcö  nur  nodd  baö  33erm5gcn  bcö  G^cmanncö, 
nic^t  aud^  bie  ber  ©l^efrau  angefallene  eine  §älfte  bcö  ©cfammtgutcö  l^aftct, 
fie  mithin  bie  ©efa^r  einer  nad&tl^eiligcn  Slcnbcrung  in  ben  aScrmögcnöocrfiälti: 
ntffen  bcö  G^emanncö  5u  tragen  l^abcn,  raenn  bcrfclbc  ben  oorab  erljaltcncn 


412  9lHöemcinc  ©üteröcmeinWaft.    2lu§ctnauberfe{iun0.    §  1377. 

Setrag  nic^t  fofort  jur  SJcrid^tigung  bcr  bctrcffcnbcn  ©cfammtgutöücrbinblit^^ 
feiten  ücnocnben  würbe.  3)er  üon  bem  ©ntrourfe  cingcfd&lagene  SBeg  mac^t 
an6)  l^icr  cbenforocnig,  wie  in  bem  goUc  bcr  Sluöeinanberfefcung  ber  ©cfell^ 
fd)after  mä)  Sluftöfung  ber  ©efcDid^aft  (§  656),  befonbere  SSeftintmungcn 
barübcr  crforberlid^,  wie  ju  Derfaljren  ift,  wenn  bic  OefammtgiitöoerbtnbUcft» 
feiten  jur  3cit  ber  Sluöeinanbcrfefeung  nod^  nic^t  fällig  fein  foUten. 
anÄ^  ber  ^^^^  ^'^'^f*  Derftefjt  eö  fid&,  bafe  auf  ®ninb  beö  §  1377  «bf.  1  oud^  bie 

«Regatten  SBerbinblid^feitcn  wegen  ber  Grfafeanfprüd^c  bes  G^emanneö  ober  ber  G^cfrou 
ÄmC.Öcgcn  baö  ©efammtgut  (§  1365  9lbf.  2,  §  l367-3lbf.2,  §§  1368,  1369)  ju^ 
näd^ft  au»  bem  (Se)ammtgute  berid^tigt  werben  muffen  (üergl.  code  ci^il 
3lrt.  1470),  ba  eö  einem  S^^^^I  "i^*  unterliegen  fann,  bafe  aud)  bicfe  2kr? 
binbltd^feiten  als  ©efammtgutöoerbinWid^feiten,  b.  I).  a(ö  SSerbinblid^feitcn  am 
Kufefien  fmb,  wegen  beren  a\i&  bem  Oefammtgutc  SBefriebigung  ©erlangt 
werben  fann  (§  1359  3(bf.  1).  3)a6,  foüiel  bie  Grfafeanfprüd&e  beß  G^emannefi 
betrifft,  ber  lefetere  für  bie  ©cfammtgutöüerbinbtid^feiten  perfonlic^  baftet 
(§  1359  9Ibf.  2),  ftel^t  nid)t  entgegen,  ba,  wenn  a\x6)  bic  perfonUd)e  ^aftimg 
bier  wegfftDt,  weil  ber  GI)emann  jugleicb  ber  ©laubiger  ift,  bod^  bic  SBer« 
binblid^feit  ber  ©l)efrau,  ju  bulben,  bafe  er  aus  bem  ©efammtgutc  fid&  be* 
fricbige,  befielen  bleibt,  ©clbftoerftönblid^  ift  cö  femer,  bafe  infoweit,  ote  ein 
erfagbereddttgter  G^egatte  )ugteid^  ju  bem  ©efammtgute  Grfa|  }u  leiften  ©er- 
pPid^tet  ift,  fompenfirt  werben  fann. 
»TÄunfl  aSenngleicb  ber  SBortlaut  bed   §  1377  3lbf.  1  ben  3lnfd&ein  erwerft, 

ber  oefammt'  bag  allc  ©efammtgutsocrbinblid^feitcn  ol^ne  Unterfd^ieb  aud  bem  ©efommtgute 
^Xfeuen*"'  Jwnäd|ft  JU  bcrid&tigen  fmb,  fo  erl)ellt  bod^  auö  bcn  »eftimmungen  bcs  §  1367 
2tbf.  2  (oergl.  bic  SRotioe  ju  §  1367  oben  ©.  384  ff.)  in  SSerbinbung  bamit,  ba» 
eö  [lä)  bei  ber  Slußeinanbcrfefeung  wegen  beö  ©efammtguteö  um  bic  Siegelung 
beö  inneren  SBerbSUniffeö  unter  ben  G^cgattcn  b^nbclt  (§  1376),  mit  ge? 
nügenber  3)eutlid^feit,  bafe  ein  Gljegatte  bic  S3erid)tigung  fold^cr  ©cfammtgutfi* 
oerbinblid^fcitcn  aus  bem  ©efammtgutc,  weld^e  er  nad^  §  1367  äbf.  2  im 
SSerl^ättniffc  ber  Gbegatten  ju  einanber  allein  ju  tragen  b^t/  iiic^*  verlangen 
fann.  ^as  33ebcnfen,  bag  bies  mittelbar  }u  einer  Scoorjugung  berienigen 
©efammtgutögldubigcr  fü^rt,  weld&c  aud&  im  35ert)ältniRe  ber  Gl^egatten  ju 
einanber  ©efammtgutsgläubiger  finb,  oermag  eine  abwcid^enbc  pofitioe  ^ 
ftimmung  nid^t  ju  redfitfertigen,  jumal  wenn  man  erwägt,  bafe  bcr  ®nmb, 
wesl^alb  wäfirenb  beftebenber  ©ütcrgemeinfd^aft  bie  ©laubiger  eines  G^egatten 
aud^  wegen  berartiger  ©efammtgutsocrbinblid^feiten  aus  bem  ©cfammtgute  als 
fold^em  93efriebigung  oertangen  fönnen,  nämlid^  bcr  ©runb,  bajj  wä^renb  bt- 
ftebenber  ©ütergemeinfd&aft  9lnt^eilc  ber  cinjelncn  Gfiegattcn  an  bem  ©cfammts 
gute  als  felbftänbigc  SBermögenSred^tc  nid^t  beroortreten,  nad)  SHufßfung  ber 
©ütergemeinfd^aft  infofern  nicftt  mebr  jutrifft,  als  jefet  ber  Slntl^cil  jebcs  G^ 
gatten,  b.  l).  bas  3led)t  bcöfelben  auf  SluSeinanbcrfcfeung,  gepfänbet  werben 
fann  (§  1373). 

3lts  felbftoerftänblid^  ift  es  ferner  crad^tct,  bafe,  wenn  bas  ©efammtgut 
jur  Serid^tigung  aller  ©cfammtgutsocrbinblid^feiten  nid&t  ausreicht,  jebcr  ber 
Gljcgattcn  fonfursmäfeige  SJerid^tigung  jener  SBcrbinblic^feitcn  oertangen  fonn 
(oergl.  bic  Sliotioe  5u  §  1375  oben  S.  408). 


aUflcinetnc  ©ütcrflcmeinfd&aft.    SJu^einanbcrfe^unö.    §  1377.  413 

2)ic  33eftimmung  bcö  §  1377  2lbf.  2,  bafe,  WQä  nad)  Scrid^tiguug  bcr  »ert^eitunö 
im  §  1377  Slbf.  1  bcjcid^nctcn  3Scrbiubüd)fcitcn  übrig  bleibt,  ju  gicicibcn  2:^cilcn  ^üMmuv' 
unter  bie  beiben  ®^cgatteii  t)ert^ci(t  ipirb,  entfpridjt  ber  Siegel  befi  §  764  unb  *>^*  ^^mtttn. 
jtc^t,  foDiel  büß  in  bcn  geltenben  Sleci^ten  fc^r  üerfd(|ieben  beftimmtc  J^^eilungö« 
oerödltnife  betrifft,  mit  ber  SKefirjoIil  ber  bcftel^enben  Siedete  —  bic  allcrbiugö 
mciftcnö  junä^ft  nur  bcn  goD  ber  Sluflofung  ber  ®ütergemcinfd&aft  burd^  ben 
2:ob  eines  ber  ©Regatten  oor  Slugen  ^abcn  — ,  abgefeficn  l^ier  oon  im  befonberen 
erbrc^Üic^en  golgen  ber  ©ütergemeinfd&aft,  im  ©inflangc  (üergl.  inöbef.  preufe. 
%.  2.  «.  II,  1  §§  637,  638,  755 ;  loeftfäl.  ®cf.  o.  16. 3lpril  1860  §§  7, 15 ;  code 
dvfl  »rt.  1474;  fäd^f.  ©. ».  §  1702;  Ijeff.  ©ntm.  IV,  2  9lrt.  480  ff.;  e^rcm 
feeitft.  entw.  §  50;  württcmb.  entm.  §  309;  oönabr.  ®ntiü.  §§  9,  17). 

5?a6  ber  t)on  einem  ber  Gfiegatten  ju  bem  ©efommtgute  5u  tciftcnbe  s^eiüina«* 
GrfaJ  (§§  1364,  1365  3lbf.  1,  §  1367  atbf.  2,  §  1368),  foroic  ber  »etrag  ber^  "'"^'' 
jenigen  nad^  aWafegabc  befi  §  1377  Sfbf.  1  aus  bem  ©efammtgute  getilgten 
QcfammtgutSüerbinblid&teiten,  roeld^e  in  bem  83erl)ältniffc  ber  ©fiegatlen  ju 
einanber  nid^t  bem  ©cfommtgute,  fonbern  bemjenigen  ®f|cgatten  jur  Soft  faUen, 
in  befien  ^erfon  fic  entftanben  fxnh,  ber  S^IjeilungömaRe  ^injugcredOnct  tüerben 
mu6  (oergl.  code  civil  Srt.  1468, 1469),  fann  im  ,§inblidfc  auf  bie  Scftimmung 
bed  §  1369  nid^t  in  S^^'f^f  Öfjogen  werben  unb  bcbarf  balier  I|icr  feines  be^^ 
fonberen  9(udbru(feS. 

Snlangenb  bic  im  §  1377  3lbf.  3  enthaltene  Seftimmung,  fo  entfprid^t  «nrec^nuna 
biefelbc  im  praftifc^en  «Refultate  ber  SBorfd&rift  bcö  §  770  unb  beruht  auf  ät)iu:  ,„  ^^^^ 
ti^n  ©rmägungen,  wie  biefc.    Dbroolil  ber  §  1378  Slbf.  2  Saß  1  aud&  bcn    effa«««- 
§  770  auf  bic  2:f)eilung  beö  ©efammtguteö  befonbers  für  anroenbbar  erf (ftrt,  ift 
cd  bo<^  wegen  bc&  S^\avxmer\\)anQc&  bed  britten  Slbfages  beö  §  1377  tnit  bem 
mertcn  Slbfaftc  beö  Ie|teren  alö  rat^fam  erachtet,  jenen  britten  9lbfag  ebenfalls 
bdjubc^ltcn.    änbererfeits  fonnte  bic  SBeglaRung  bes  Slllegatcö  bes  §  770  im 
§  1378  abf.  2  ©afe  1  JU  bem  aWifeoerftanbniffe  füfiren,  bafe  ber  §  770  l)icr 
feine  Slnwcnbung  finbcn  foUc. 

Sic  SBcftimmung  beS  §  1377  3lbf.  4  wenbet  fid^  gegen  bas  ÄoBations^  ißerrdnme 
prin5ip  bei  bem  t)on  einem  ber  ©i^egatten  ju  bem  Ocfammtgutc  ju  bewirfenben  **^"j"^/**' 
6rfa^.    Dicfes  Icfetere  ^rinjip  liegt,  wcnigftens  bem  SBorttaute  nad^,  ben  auf  ppi<^tiflen 
bic  allgemeine  (Sütcrgcmeinfd^aft  fid)  bejie^cnben  Seftimmungen  bes  prcufe.  ®^*fl""*"- 
3L  8.  JR.  II,  1  §§  383—385,  390  ju  Orunbc,  wäf)rcub  bie  im  §  409  II,  1  baf. 
für  bie  partifulärc  ©ütcrgemcinfd^aft  anerfanntc  ^erpflid^tung  eines  (gliegatteu 
jum  Grfaftc  bcr  aus  bem  gemcinfd^aftlid^en  SBcrmögcn  für  bic  befonberen  aSer- 
binblid^citen  besfelbcn  gcmad^ten  9Serwenbungen  als  cigcntlidjc  ßrfaßoerbinblidE)' 
feit  gebaut  ju  fein  fd^eint.    3n  bcn  übrigen  bcutf^en  Siedeten  ift  balb  oon 
einer  ?Jcrpflli^tung  jum  (Srfafcc  aus  bem  Sonbergutc  an  bas  ©cfammtgut, 
balb  nur  oon  bcr  SBcrpflid^tung,  fid&  bei  bcr  Sluftöfung  bcr  ®ütergemeinfd)aft 
ben  betreffenbcn  Setrag  anrechnen  ju  laffcn,  bic  Siebe  (oergl.  ^ejf.  ®nlw.  IV,  2 
*rt.  467;  eljrcnbrcitft.  ßntw.  §  91;   württemb.  ©ntw.  §§  296,  298).     2lus 
biefer  Icfttcren  SluSbnidSwcifc  fatm  inbeffen  nid^t  ol)nc  SBcitcreS  auf  bic  9ln^ 
na^c  einer  ÄoDationspflid&t  gcfc^loffen  werben,  ba  biefelbc  fic^  l)äufig  (tui^ 
büburdj  erflfircn  läfet,  bafe  bei  bcr  allgemeinen  (Sütcrgcmcinfd^aft  ein  anberes 
ScrmSgcn  ato  bas  ©cfammtgut  nid^t  ins  Slugc  gcfa6t  ift.     3laä)  frauj. 


414  Slllöemeiuc  ®ütei"öcmeinfc&aft.    Stuöcinattberfe^ung.    §  1378. 

9icci&te  (oergl.  code  civil  Slrt.  1468,  1473)  ift  eine  eigentUd&e  erfafepfK^t 
onjunelimeit. 

gür  bie  S9e()anb(uug  bei*  l^iev  fraglid&en  ©cfagpflid^t  alö  einer  bloßen 
ÄoIfationöpPid&t  im  ©inne  beß  gemeinen  SRed^teö  läßt  ftd^  anführen,  bafe  es 
bem  ©elfte  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  roiberfprei^e,  wenn  biefelbe  nod^ 
i^rer  9luftöfung  noäf  obtigatorife^e  SBcjie^ungen  unter  ben  ©Regatten  jurii* 
laffe.  ©ol^e  83ejie^ungen  treten  inbeffen  immer  ein,  wenn  mon  SBerbinblid^' 
feiten,  rocld^c  im  ajerl^ältniffc  ber  ©fiegatten  untcreinonber  nid&t  bem  (Sefommt^ 
gute  5ur  Saft  faBen,  unb  ©onberredjte  ber  einzelnen  ©Regatten  anerfennt.  3n 
biefcr  Slnerfennung  (icgt  eine  Slbroeid&ung  t)on  bem  5ßrinjipe  ber  allgemeinen 
®ütergemeinfd)aft.  ©rfennt  man  biefc  Slbroeid^ung  einmol  alö  notljrocnbig  an, 
fo  ift  es  rid^tiger,  aud^  beren  Jlonfequenjcn  anjuerfennen,  als  ben  SBerfuc^  ju 
mad^cn,  fic  in  cinjelnen  Sejie^ungen  burd^  meljr  ober  weniger  minfürlicfte  Sc- 
ftimmungen  abjufd^rofid^cn.  2)ic  Äonfequens  fü^rt  aber  ju  ber  Slnertennung 
einer  gen)5l^nlid[ien  ©rfa^pflid^t,  ba  baö  ©efammtgut  für  biejcnigen  anö  bem 
lefeteren  gemad^ten  gSerroenbungen,  megen  beren  ber  ®rfa|  an  baö  ©cfammlgut 
SU  reiften  ift  (§  1365  3lbf.  1,  §  1367  9lbf.  2,  §  1368),  nid&t  beftimmt  ift,  beiro. 
ber  erfafe  cineö  burdd  pffie^tmibrigc  SSermaltung  beß  ©efammtguteö  ocnirfadJiteii 
©d^abenö  in  grage  ftel^t  (§  1364).  3ubem  f u^rt  bie  »efci^ränfung  ber  Haftung 
auf  ben  bei  9luflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  bem  betreffcnben  Gfiegütten  ju^ 
fallenbcn  Stntfieil  an  bem  ©efammtgutc  ju  einer  offenbaren  UnbiBigfeit,  wenn 
ber  ßfiegattc  bei  3lufI5fung  ber  ©ütergcmeinfd^aft  SSorbe^altös  ober  ©onbergut 
befifet.  2lnbererfeite  ift  eine  berartige  Sefd^ränfung  anä}  nid)t  burd^  bie  SRücfR^t 
auf  bie  ©id^erlieit  ber  ©laubiger  beö  e^cmannes  für  ben  galt,  loenn  nai)  auf- 
löfung  ber  ©ütcrgemeinfd^aft  eine  Uebcrfd^ulbung  beö  ©bemanne«  fid6  ergicbt 
(§  1375),  geboten.  SBcnnglcic^  ber  ©runbfafe  beö  §  1377  Stbf.  4  f^on  aus 
ber  aSorfd^rift  beö  §  1369  abgeleitet  werben  fönnte,  fo  ift  eö  bod^,  um  in 
biefer  §infidiit  feinen  3w)eifel  ju  laffen,  alö  ratl^fam  erad&tet,  [mtn  ©runbfog 
im  ©efegbuctje  befonberö  auöjufpred^en. 

§  1378. 

um|a!j  in  S)ie  »eftimmung  beö  §  1378  3lbf.  1  cntfprid^t  bem  §  656  3lbf.  4  (ocrgL 

g^^Ji^J*  aud&  §  51).    S)a6  bie  Umfegung  ber  ju  bem  ©efammtgute  ge^orenbcn  ®egcn= 

beröefammt-ftänbc  iu  ©elb  au(^  lufoweit  5u  erfolgen  l^at,  alö  bieö  bcl^ufö  Sluögleid&ung 

^«ihuen.**'  wegen  beö  einem   ber  ©Regatten  anjured^ncnben,    oon  i^m  felbft  ju  bem 

©efammtgute  ju  erfeßenben  Setrageö  erforbcrlid^  ift  (§  1377  Slbf.  3),  oerfte^t 

fid^  t)on  felbft.    S)er  nid^terfafepffic^tigc  ©l^egatte  fann  ben  bem  anberen  6^e* 

gatten  anjurec^nenben,  oon  biefem  ju  bem  ©efammtgute  ju  erfeftenben  Setrag 

in  ©elb  beanfprud^en  unb  ju  bem  Qroedt  ani)  bie  SSerfilberung  ber  nacd 

§  769  Sttbf.  1  fonft  in  Sßatur  ju  tl)eilcnben  ©egenftänbe  Derlangen,  fofem 

nid^t  ber  erfagpf[id^tige  ©begatte  ben  Don  i^m  ju  erfegenben  Setrag  baar 

einjaljU. 

«rt  Slnlangenb  bie  SSeftimmung  beö  §  1378  3lbf.  2  ©afe  1,  fo  ergiebt  fuft 

ber  zf^im-  jji^-gu,^  baxan&,  bafe  eö  fxd^  ^ier  um  bie  SC^eilung  einer  ©emeinfd^aft  ^anbett 

®ic  allgemeinen  S^fieilungögrunbfäge  erleiben  iebod&  burd&  baö  im  jroeilcn 


3tll0emeiuc  @üteröemeiufcf?aft.    Slu^cinanbcrfe^mnö.    §  1379.  415 

Softe  bcö  §  1378  Sfbf.  2  icbcm  ©Regatten  beigelegte  SRcd^t,  gctolffe  jti  bcm  ^^^i  ««t 
(Scfammtflute  gc^orenbe  ©egenftänbe  bei  ber  2:i)ei(ung  gegen  (SrfQfe  beß  burd)  "^e,^^er"* 
S^ftung  }u  ermitteinben  gegenmävtigen  SBertl^cö  ju  übernehmen,  b.  1^.  gegen  ®eflenftÄnbe. 
erfaß  beö  SBcrt^eö  ju  ber  3cit  iu  wcld^er  bie  ©egenftfinbe  gegen  3o^IiJ"9 
hc&  Sd^öftungdn^ert^ed  übernommen  ma*ben,  eine  bnrd^  9iüdfid^ten  ber  ^illigteit 
tinb  bie  befonberen  aSerpItniffe  ber  Oütergemeinfd^aft,  bei  loeld^er  bie  ©Ije- 
flfltten  rcgelmöfeig  auf  eine  bauernbe  SSereinigung  beö  beibcrfeitigen  SBcrmögenö 
für  i^re  SebenS5eit  red^nen,  gered^tfertigte  SDtobififation  (ocrgl.  auc^  preufe. 
a.  2. 9L  II,  1  §§  640,  641,  648,  649;  bab.  S.  9t.  Safe  1474  a).  3)a  baö  Ijier 
fragliche  JHec^t  ber  ©Regatten,  mic  aM  ber  gajfung  bcß  §  1378  2lbf.  2  mit 
genügenber  ©eutlici^fcit  erl^eUt,  erft  bei  ber  a:^ei(ung  jur  2luöübung  gelangt, 
fo  perfte^t  eö  fid&  t)on  felbft,  ba&  bie  SBeftimmung  beö  §  1378  Sbf.  2  ©afe  2 
infomeit  feine  9[nn)enbung  finbet,  ate  ber  @egenftanb  nad^  äRaggabe  bed 
§  1378  äbf.  1  etn)a  auf  ©runb  einer  OefammtgutöoerbinbUd^feit  einem  S)ritten 
ju  leiftcn  ift.  Sftcr  aucfi  bann,  wenn  nad^  aJtafegabe  beß  §  1378  2tbf.  1  eine 
Serfilberung  ber  }u  bcm  ©efammtgute  gel^örenbcn  ©egenftänbe  in  S^age 
fmnmt,  mug  baß  im  §  1378  3lbf.  2  ®aft  2  bejei^nete  9ied)t  ber  (Sl^egatten 
jurudfte^cn,  ba  SSerfteigerungen,  namentUd^  bei  gemiffen  Ba^tn,  j.  33.  bei 
fiunftgegenftänben,  oft  einen  pl^eren  @rI5ß,  alß  ben  mel^r  ober  meniger  relatioen 
Sd^ungßmert^  ergeben,  bie  ©d^ulbentilgung  aber  ber  SE:^ei(ung  immer  oor- 
ge^  mug. 

3n  ©rmangelung  einer  entgegenfte^enben  SSeftimmung  ift  eß  übrigens 
ttte  fclbftDerftönblid^  crad&tct,  bafe  baß  im  §  1378  Slbf.  2  ©afe  2  jebem  ber 
Statten  beigelegte  Sted^t  audEi  bcn  etwaigen  9{ed(|tßnad(ifoIgern  berfelben, 
iwrtefonbere  ben  erben,  5uftel)t  (üergl.  §  1382  Slbf.  2,  §  1406  2tbf.  5  ©ag  3). 
©in  gcnügenber  ©runb,  in  biefer  ^infid^t  pofitio  ettoaß  3lnbereß  ju  beftimmen, 
liegt  nid^t  t)or,  ba  namentUd^  bie  @rben  beß  Sl^egatten  ein  3ntereffe  baran 
^oben  fönncn,  bie  betreff enben  ©egenftänbe  ju  übernehmen  unb  il^rcr  gamiCie 
}u  erlialten. 

§  1379. 

Xk  Seftimmung  beß  §  1379,  meldte  ber  ©fiefrau  im  aScrJ^ältniffe  ber  3«itpttnft  f ür 
©Regatten  ju  einanber  baß  Siedet  gicbt,  nad^  i(}rcr  SBal^l  bie  älußeinanber^  anberi^uns. 
fe|unfl  loegen  beß  ©efammtguteß  naä)  bem  3uftanbe  beß  festeren  jur  3cit  ber 
Slet^tßfraft  beß  bie  Sluflofung  ber  ©ütergemeinfdöaft  beftimmcnben  Urtl^cileß 
(§  1371  9]r.  2)  ober  nad)  bem  3iiftöi^i>c  S«^  S^it  ^^^  SRed^tßljängigfeit  beß 
Ked^tßftreileß  verlangen  ju  fönnen,  fd^Iicfet  fid^  bem  §  1329  an  unb  beruljt 
auf  ä^nli4>en  ©rroägungen,  wie  biefer  (Dcrgl.  bie  3Äotiüe  ju  §  1329  oben  S.  302). 


§  1380. 

SEBie  bie  in  ben  allgemeinen  üJlotioen  ju  ben  §§  1373—1380  oben  ©.  401    4>«ftung 
mitgct^eUte  Uebcrftd^t  beß  bcftel^enben  Sle^tcß  ergiebt,  verfolgen  eine  grofee  JerV^ttgur 
3ö^l  x>on  SRcd^ten,  inßbcfonbere  baß  franj.  Siedet  unb  baß  meftfäl.  ©ef.  n.  ^^^^^^^ 
16.  April  1860,  oon  perfd^iebenen  ©tanbpunften  axi^  unb  auf  t)erf^iebenen  ^"it^fcuen, ' 


416  Stilgemeine  ©üteröemeinfc^ait.    Slußciuanberfefunö.    §  1380. 

aScgcn  gleid^mäfeig  bcn  Qtocd,  bic  ©^cfrau  foiool;!  ßcgcnübcr  bcn  ©cfammt* 
nulögläubigcrn  ate  gegenüber  bcm  ©^cmonne  gegen  eine  über  ben  SSeftanb 
nMTet'Xt^^ö  ©efammtgutcö  I;inaußgel;enbe  Haftung  ju  f^üfecn.  3m  Änfcl^luffe  an  bcn 
fiatten  |u  ein*  blcfcn  SRecl&ten  JU  (Srunbc  liegcnben  (Sebanfcn  gcl^t  ber  ©ntrourf  bQoon  auÄ^ 
""***^'  ba^  ber  ©fiemann  biejenigcn  (Sefammtgutöoerbinblid&feitcn,  roeld^e  im  SScr^It* 
niffe  ber  ©Regatten  ju  cinanber  bcm  ©efammtgute  jiir  Saft  faUen  (§  1367 
3l6f.  1),  gegenüber  ber  (g^cfrau  allein  ju  tragen  verpflid^tct  ift.  Gfi  rcci^t? 
fertigt  fid)  biefcö  ^ßrinjip  jum  a;^eil  auö  benfetbcn  ©rmägungen,  auf  meieren 
bic  Seftimmung  beö  §  1359  3lbf.  2  beruht,  bag  ber  ©(jemann  für  bicicnigcn 
SJcrbinblid&Iciten  ber  G^efrau,  lüetd&e  ®efammtgutöoerbinbUd)feiten  finb  (§  185» 
2lbf.  1,  §  1362),  ben  ©löubigern  perfonlid^  haftet,  inöbefonbere  im  ^inblirfc 
auf  baö  bcm  G^emanne  roclf^rcnb  beö  S3eftcl)end  ber  ©ütergcmeinfd&aft  ju* 
fte^enbe  audgebel^nte  uub,  abgefel^cn  uon  ben  ^ciUcn  bcd  §  1364,  an  feine 
re^ttid&c  SBerantroortüd^feit  gegenüber  ber  ß^efrou  gebunbene  SBerroaftungö^ 
red)t  in  3lnfe^ung  beö  ©cfammtguteö  unb  baö  in  allen  boö  gemeinfd^aftlicle 
cfietid^c  Seben  bctreffcnbcn  9lngelcgcnf)eiten  bcm  ©bemanne  burc^  §  1273  bei* 
gelegte  JHed^t  ber  ©ntfd^eibung  (ocrgt.  bie  äRotioe  ju  §  1359  oben  ®.  367  unb 
bic  allgemeinen  aWotioe  ju  §§  1377—1380  oben  ©.  404).  ©inen  angemeRcncn 
3luöbrudC  finbct  baö  beieid)nete  ^Prinjip  beö  ©ntiDurfeö  burd^  bic  in  bn'  gaffunft 
bcm  §  318  fid^  anfc^licgenbe  Seftimmung  beö  §  1*380  Saft  1.  3nbem  bie 
tegtcre  bem  ©bemanne  in  Slnfeljung  fold^er  bei  ber  Stuöeinanberfeftung  nidjt 
beri^tigter  ©efammtgutöoerbinblid^Iciten,  rocld^e  im  SBerJ^ftltniffe  ber  ©Regatten 
JU  einanber  bem  Ocfammtgutc  jur  Saft  fallen  unb  für  meldte  bie  ©^cfrau 
na(^  aKafegabe  ber  allgemeinen  ®runbfä|e  perfonlid^  l^öftet,  nur  eine  i^ftung 
bafür  auferlegt,  bag  bic  ©fiefrau  oon  bem  ©taubiger  nic^t  in  Slnfpruc^ 
genommen  wirb,  roerben  bic  mit  bcm  ^rinjipe  beö  ©ntrourfcö,  wie  fid)  nid^t 
Dcrfcnncn  läfet,  unter  Umftänben  für  ben  ©l^emann  oerbunbenen  gärten  in 
einer  angemcffenen  SBcife  gcmilbert.  S3em  ©bemanne  bic  meitergel^enbc  SBer^^ 
pflid^tung  aufjuerlcgen,  bic  ©^efrau  oon  ifirer  perfonlid)en  Haftung  für  bie 
bcjeid)netcn  Söerbinblid^fciten  fofort  ju  befreien  ober  il;r  wegen  beö  ©rfa|« 
anfprud^cö,  mclc^er  fid^  für  fic  auö  ber  ©rfüUung  berfelben  ergeben  mürbc^ 
Si(^crf)cit  JU  tciftcn  (ocrgl.  §  315  3lbf.  1,  §  595  Slbf.  3),  mürbe,  namentU^ 
im  .^inblidfc  auf  fold)e  93erbinblid)feitcn  ber  ©^efrau,  meldte  auö  ber  3^1 
üor  Eintritt  ber  ©ütcrgcmcinfd^aft  [jcrrü^ren  unb  oicDeid^t  nod^  nic^t  einmal 
fällig  getoorbcn  finb,  Ijnrt  unb  unbillig  gegen  ben  ©Ijcmann  fein.  9(nbererfcit& 
ift  bic  gcbad)tc  3lbfc^n)äd^ung  ber  ^aftpfiid(|t  beö  ©Ijcmanneö  aud&  tom  Stanb^ 
punitc  beö  älntercRcö  ber  Gljcfrau  aM  um  fo  unbcbenf lid)cr ,  alö  nad^  bcm 
§  1377  9lbf.  1  bie  ©ticfrau  ijerlangen  fann,  bafe  bei  ber  Sluöcinanberfeftung. 
junäd)ft  alle  ©efammtgutöocrbinblidjfciten  axi&  bcm  ©efammtgute  berid^tigt 
mcrben,  meldte  im  aScrljöltniffe  ber  ©Regatten  ju  einanber  bem  ©efammtgute 
jur  Saft  fallen.  Ob  auf  ben  l^icr  fraglid^en  gall  ber  §  133  3lbf.  1, 2  anmenbbar 
ift,  fnnn  ber  ©nlfd&cibung  ber  3Biffenfd)aft  unb  5ßrajiö  überladen  merbau 
©in  Sebürfnife,  bicfe  gragc  im  ©cfefte  befonberö  ju  entfd&eiben,  liegt  nid^t  nor. 
S)ie  Seftimmung  beö  §  1380  Saft  2  redjtfertigt  ftd&  im  ^inblidte  auf 
bic  pcrfönlic^c  i&aftung  beö  ©t)emanncö  für  alle  ©efammtgutöoerbinblid&fcitcn, 
n)cld)c  bur^  bic  ^uftöfung  ber  ©ütcrgemeinfdjaft  gegenüber  ben  ©laubigem 


SlHgcrarinc  ©ütcrgcntcinfiaft.    3txj§cmanbcrfc{un0.    §  1380.  417 

feine  äcnberung  ericibct  (§  1359  Slbf.  2),  in  Säerbinbiiug  bamit,  bQfe  mit  Sluf- 
ßfung  bcr  ©cmeinfdjaft  im  aScrl^ältuifyc  ber  ©Regatten  ju  einanber  bev  ©runb 
jenei-  pcrfonlid^cn  Haftung  mcgföUt. 

3)ic  Seftimmimgcn  bcö  §  1380  bringen  juglcid^  g^tn  3luöbrudfc,  ciuei?feitö,   aceenübcr 

bofe  biee^cfrau  au^  mi)  3Cnpfung  ber  ©ütergcmcinfc^aft  bcn  ®efammt^^'"®!|r"*' 

gutfigläubigem  pcrfönlid^  mit  il^rem  SSermbgen,  cinfd^ficfeü^  beß  ifir  bei  ber  9t«wMacm. 

Sudetnanberfe^ung  n)egen  bed  ©efammtguted  juget^eilten  9leinantl^eite3  am 

@efomtntgute,  nur  infomeit  fiaftet,  ote  btc  SSerbinblid^feiten  in  ifircr  ^erfon 

entftanbett  finb,  anbererfeitö,  ba%  bie  perfönlid^c  i&aftung  beö  ©^emanncö  für 

bic  ®efammtgutfiDcrbtnbIid^feiten  ber  ®^efrau  (§  1359  3Cbf.  2)  burd^  bie  9Iuf=^ 

läfung  ber  ©ütergemeinfdiaft  nid^t  bcrül[irt  roirb.    Scttereö  gilt  inöbefonberc 

öu(^  in  Slnfe^nng  ber  naä)  ©intritt  ber  Oütergemcinfd^nft  auö  einer  unerlaubten 

^nblung  ber  G^efrau  entftanbenen  SSerbinblicbleitcn  ber  fö^efrau,  fotoie  ber? 

jenigen  SBerbinbli^feiten,  meiere  axi^  einem  3led&töftrcite  über  jene  SSerbinblid^- 

feiten  entftanbcn  fmb  (§  1367  Slbf.  2  9Jr.  1, 4).    S)a  bic  perfonIid)e  Haftung 

bffi  Seemannes  für  biefc  SJerbinblid^teiten  nid^t  auf  bem  burdö  bie  Oüter- 

gemeinf^oft  unter  ben  ©l^egatten  begrünbeten  SBerl^ältniffe,  fonbcrn  mefentUd^ 

auf  ber  mä^rcnb  beftel^enber  Oütergemeinfd^aft  uniböbaren  33crcinigung  bed 

beiberfcitigen  SSermögenö  bcr  ©Regatten  unb  bem  freien  Sßcrfügungöred^tc  bed 

ß^anneö  in  3lnfe^ung  beß  ©efammtguteö  bcrul)t,  unb  ba  anbcrcrfeitö  bei 

ben  bcjcid^nctcn  aSerbinblid^fcitcn  bic  SlüdEfid^t  nid^t  in  Setrad^t  fommt,  roeld^e 

au(j^  nad^  ätuflofung  ber  ®ütergemeinfd)aft  auf  fold)e  ©(öubiger  genommen 

werben  mu§,  meldte  im  aSertrauen  auf  bie  perfbnlid^e  .^aftung  bcö  G^emanneö 

unter  (SinwiBigung  beß  Ie|teren  mit  bcr  ©^cfrau  in  9icd&tßgefd^äftc  pd)  ein* 

geürjfen  l^oben  (§  1362  9lr.  1,  §  1367  Slbf.  2  9Jr.  2),  fo  fd^eint  cß  na^c  ju 

liegen,  mit  ber  äuflöfung  ber  (Sütergemeinf^aft  in  SKnfe^ung  bcr  oben  gc* 

baditcn  ißcrbinblidbfeiten  bic  perfönlid&c  c^aftung  bcö  ©Ijcmanncß  audb  gegen? 

über  ben  ©laubigem  ber  ß^efrau  aufhören  ju  laffen  unb  auf  biefc  5lBcifc 

jwifc^en  bcnienigcn  Siedeten,  weld^c  bic  unbefd^rcinfte  i&aftung  beß  ©cfammt* 

gute«  für  biefe  SScrbinblid^teitcn  bcr  ßficfrau  anerfennen,  unb  bcnienigcn,  mcld)c 

biefc  Haftung  noUftänbig  außfd&Iicfeen,  eine  SScrmittcIung  ^crjuftcUen  (ücrgl. 

bie  SRotioc  ju  §  1359  oben  ®.  366  unb  ju  §  1367  oben  ©.  385  ff-)-   3"bcffcn 

finb  bod^  bie  gegen  eine  fold(|c  ©urd^bred^ung  beß  ^^rinjipcß  beß  §  1359  2fbf.  2 

fpred^nben  ©rünbe  a(ß  übermiegenb  ju  erad(|ten.   @ic  füf)rt  bal^in,  bag  neben 

bem  Sqfteme  ber  perfonlidbcn  Haftung  beß  ©l^cmanncß  für  bic  3cit  nad&  3luf? 

läfung  bcr  ©ütcrgemeinfc^aft  biß  jur  erfolgten  Slußcinanbcrfcgung  megcn  beß 

(Sefammtguteß  juglcid^  ein  anbercß  Softem,  ndmlid^  baß  Softem  bcr  Haftung 

mit  bcftimmten  SJermogenßgegcnftänbcn,  jur  Slncrfennung  gelangt,  obroofil  bcr 

SntiDurf  biefeö  Softem  megeu  bcr  bamit  Dcrbunbcncn  Unjuträglid^fcitcn  unb 

(äefa^mt  für  bie  ©laubiger  im  Uebrigen  abgclcl^nt  [jat  (ücrgf.  bic  allg.  SWotinc 

itt  ben  §§  1373—1380  oben  S.  402  ff.).    ®aju  fommt,  bag,  mcnn  man  bic 

perfinlüi^e  ^ftung  beß  Gtjemanneß  für  bic  ^icr  fraglid&cn  aScrbinblid^fcitcn 

ber  Q^eftau  mit  SKuftbfung  ber  ©ütergemcinfc^aft  cnbigen  laßt,  ber  (Seemann 

baburd^,  bog  er  bic  9[ußeinanberfc|ung  t^crlangt,  cß  in  bcr  ^anb  (;at,  aud^ 

feineu  9(nt^i(  an  bem  ©cfammtgute  bcr  igaftung  für  icnc  93crbinblid^fciten 

jU  cntjiel^en,  ba  nad>  §  1377  9lbf.  1  bic  ©ficfrau  bic  93crid(|tigung  biefer,  im 

»ttiee  }.  6ftr8ar(.  9efe^<^  IV.  27  . 


418       Stttoemeine  ®utergcmeinfd&aft.  Oüterftanb  na(ö  ber  Stuflöfung.  §  13SL 

a3erl)älttüile  her  ©Regatten  ju  cinanber  allein  t)on  bcr  G^efrau  ju  tragcnben 
aScrbinblici^fcitcn  aus  bem  Ocfammtgute  nid^t  ücriangcn  fann  (ocrgl.  bic  aßotioe 
JU  §  1377  oben  ©.  412).  3n  fold^er  SBcife  baö  9led&t  bcr  ©laubiger  oon 
bem  belieben  ber  ©Regatten  abfiängig  ju  mad^cn,  fanu  afe  angemcffen  nici^t 
erachtet  werben.  3^^^^"^  "^w^i^^  ^^  auffallen  unb  ju  SßerroidEelungen  fiil&ren, 
wenn  in  einem  fold^en  gaUe,  in  roeld^em  bie  (Si)t\xau  burd^  eine  unerlaubte 
^anblung  jugteid^  eine  auf  einem  anberen  '©runbe  berul^enbc  SBerbinblid^feit 
ücrlegt  unb  baburd)  ben  Umfang  ber  legieren  erweitert,  bie  perfönlid&e  Haftung 
bcö  G()emanneß  für  biefe  burct)  bie  unerlaubte  ^anbtung  begrünbete  Grroeiterung 
bcr  Sierbinblie^fcit  ber  G^efrau  f ortbauern,  biefclbc  aber,  romn  ein  anbcrmcitcö 
«bligatorifd&eö  aScrljältnife  nid^t  fonfurrirt,  wegfalten  folltc. 

§  1381. 

©üterfianb  S)ic  Scftimmung  bcö  §  1381  3lbf.  1  berul^t  auf  ber  ©rroSgung,  ba§  mit 

Ärb«  9iü*fi*t  auf  bic  SBerfeliröric^cr^eit  bic  ßntfc^eibung  ber  grage,  ob,  roenn  bic 
«üter.  ©ütergcmeinfd^aft  burd^  G^cücrtrag  aufgelöft  wirb  unb  über  ben  tünftig  eim 
öemetnfc^üft.  j^^j^^^jj^^^  ©ütcrftaub  iu  bcm  aScrtragc  nid&tö  bcftimmt  ift,  ber  eintritt  bcö 
gcfcgliddcu  Oüterftanbcß  ober  2;rennung  bcr  ®ütcr  atö  gewollt  anjufc^en,  nid^t 
oon  ber  oft  iweifcl^aftcn  äluslegung  bc3  einjelnen  galled  abl^ängig  gemad^t 
werben  barf,  in  Grmangelung  einer  entgcgenftcl^enben  33eftimmung  aber  ber  ®im 
tritt  bcr  cl^cliddcn  Siugnicfeung  unb  SBerwaltung  ber  gefcfelid^cn  Siegel  entfpnc^t. 
3n  ben  äRotiücn  ju  §  1372  oben  ©.  399  finb  bie  ®rünbe  bargelcgt,  auft 
weld)cn  ber  Gntwurf  in  bm  gällen  beö  §  1372  ber  ®^efrau  baö  SRed^t  beigelegt  l^at^ 
neben  ber  9luf lof ung  ber©ütergemeinfd&aft  juglcid^^^rennung  bcr  ©üter  pcrlangen 
i^u  fönncn.  3)iefc  ©rünbe  muffen  baliin  fül^rcn,  ba^,  wenn  in  bcm  Urt^ilc^ 
burd)  weld^cö  bic  3luftöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  erfolgt,  nid^t  jugleicfi  beftimmt 
ift,  weld&cr  anbcrc  ©üterftanb  an  bie  ©teile  tritt,  für  bie  S^^f^^ift  "^^^  1>^ 
ßtjcgatten  2^rennung  ber  ©üter  nad^  aÄafegabc  ber  SSorfd^riften  ber  §§  1339^ 
1340  5pia6  greift  (oergl.  code  civil  Slrt.  1449).  2)icfe  Slrt  bcr  ^Regelung  wirb 
ben  Sntentionen  bcr  ©f)cfrau,  aud^  wenn  biefclbc  feinen  auöbrüdlic^en  älntrog 
auf  Trennung  bcr  ©üter  geftellt  l^abcn  foHte,  am  meiftcn  geredet.  Unter  Um? 
ftänbcn  fann  jcbod^  ein  bead^tenöwertlicö  Si^tcreffe  bcr  ß^efrau  oorliegen^  in 
ben  gällcn  bcö  §  1372  nad&  Sluflofung  bcr  ©ütcrgemcinfdöaft  ftatt  bcr  @üta> 
trcnnung  ben  ©intritt  bcö  gcfcglid^en  ©üterftanbeö  aud&  gegen  ben  SBiDcn  bcd 
©t|cmanncö  l)erbcifüt)rcn  ju  fönncn,  unb  empfiehlt  cfi  fid^  ba^er,  i^r  bic 
SBal)l  äwifd^en  bcm  gefcfelid^en  ©üterftanbc  unb  bem  ©ütcrftanbe  ber  ©uter- 
trcnnung  cinjuräumcn.  S5a  aber  bie  gälle,  in  weld&cn  bcr  ©intritt  be«  gcfc|? 
Iid6eu  ©üterftanbcß  bem  Sntcreffc  bcr  G^cfrau  mel^r  entfpri(^t,  bic  ^udna^e 
bilbcn,  fo  foll  bic  Seftimmung  in  bcm  Urtl^eile,  bafe  ber  gefcfelid^e  ©üterftanb 
eintrete,  nur  bann  juläfftg  fein,  wenn  fic  oon  ber  G^efrau  beantragt  nnir, 
3lnbererfeitö  mufe  fie  im  gallc  eines  fold&en  SKntragcs  erfolgen.  S)a6,  wenn 
in  ben  gällcn  bcö  §  1381  3lbf.  2  Trennung  ber  ©üter  ober  ber  gefefilid^e  ©uter^ 
ftanb  nadd  SÖZafegabc  bcö  Urt^cilcö  eintritt,  bie  83eftimmungen  ber  §§  1336^ 
1337  entfprcd&enbc  2lnwcnbung  finbcn  follcn,  rcdjtfcrtigt  fid^  burd^  bic  älnatogic 
bcr  S8cr{)ättnif)c. 


aagemcinc  @ütergemetnf*aft.    erbfoloc.    WmiV-    §  1382.  419 

D6  imb  iuiüicroeit  mit  SÄürffici&t  auf  bic  in  bem  ©cfe^ud^c  über  bic 
?luflBfung  ber  ©ütcrgemcinfcl^aft  getroffenen  83eftimmimgen  jum  Sd^uge  ber 
©laubiger  beß  ©^cmonneö  eine  Slenbenmg  ober  ßrgänjung  beö  §  25  9lr.  2 
ber  Äonf.  D.  nnb  bes  §  3  9]r.  4  beö  31.  ®ef.  d.  21.  3uli  1879  erforberlid^ 
werben  foHte,  ifl  wegen  beö  3"fönimenf)Qngeö  ber  grage  mit  anberen  Se- 
jttmmungen  jener  ©efe|e  ber  Sleoifion  ber  (enteren  iiberlaffen  (oergl.  a\i6)  bic 
«nm.  jn  §§  1327  ff.  nnb  ju  §  1375). 


4.   ©ütergcmeinfd^aftüd^e  ©rbfolge. 

§  1382. 

Sie  Seftimmung  beö  §  1382  Slbf.  1  enthält  baö  leitcnbe  5ßrinjip  fnr  8«9e^örifl«eit 
bic  Se^anblung  aller  gfiUe,  in  roeld^cn  bie  ®ütergcmcinfd)aft  burd)  ben  J'ob ^aT&^u^ 
«incö  ber  ß^egotten  aufgcloft  roirb,  mog  bie  &)t  eine  beerbte  ober  unbeerbte  J^'^j^iar«. 
fein,  saßt  biefcö  ^ßrinjip  fidd  aud^  fd^on  ben  über  bie  9lufI5fung  ber  ©ütcp  " 
gemeinfc^aft  getroffenen  allgemeinen  ^eftimmungen  (§§  1375  ff.)  entnef)men, 
fo  gewinnt  bod^  burd^  bie  ^erüorl^ebung  beöfelben  im  ©ingange  biefeö  Unter* 
cbfd&nittcö  baö  ®efcfe  mcfentltd)  on  S)eutlid&teit  (oergl.  aud&  prcufe.  31.  S.  SR.  11, 1 
§§  637,  638).  3ugleid)  menbet  bie  »eftimmung  beö  §  1382  äbf.  1  fi^  gegen 
biejenigen  Siedete,  TOctd^c  im  galle  ber  3luftöfung  ber  ®f)c  burd^  bm  S^ob  eineö 
€^atlcn  baö  ©efammtgut  in  feine  urfprünglid^en  33eftanbtl^eilc  jerfallen  ober 
bei  imbeerbter  6^c  für  bie  SSergangcnl^cit  entrocber  5BcnDaltungö=  ober 
€rrungenfd^aftögemeinfd(iaft  eintreten  laffen.  ferner  roirb  burc^  bie  SSeftim- 
tnung  beö  §  1382  2fbf.  1,  unbcfc^abet  ber  grage,  ob  unb  inwicmeit  auf 
®runb  ber  ®ütergemeinfd)aft  ein  über  bie  aUgemeinen  ©runbfäßc  fiinauö* 
flc^nbeö  Grbred^t  beö  ubertebenben  ©Regatten  gegenüber  bem  9lad^Iaf|c  beö 
»erftorbcncn  Gl^egatten  anerfannt  merben  foll,  in  einer  ieben  S^^^if^^  ^^ö* 
f^lie|cnben  3Beife  bem  einer  Steige  t)on  ©ütergemeinfd^aftörcd^tcn  ju  ®runbe 
fiegenben  ober  bod^  von  S^eoric  unb  ^rajiö  —  TOcnnglcicfi  nid^t  unbeftritten  — 
JU  ®runbe  gelegten  ÄonfoUbationö-  unb  SKffreöjensprinjipe  entgegengetreten. 
2)ie  ©rünbe,  auö  melden  ber  (Sntmurf  aud^  für  ben  gaU  ber  beerbten  6tic 
biefcö  Icfttcrc  ^rinjip  jum  9luögongöpunfte  ju  ncl^men  3lnftanb  genommen, 
Dielme^r  üorgejogen  ^at,  baö  in)ifc^en  bem  überlebenben  ©Regatten  unb  ben 
flcmeinfd^aftüdbcn  äbfömmlingen  auf  ®runb  ber  ®ütergemeinfd&aft  eintretcnbe 
bcfonbere  33cr]^ä(tnig  auf  ber  ®runblage  beö  @rbre(^teö  beö  überlebenben 
ß^gattcn  unb  beö  beutfd^red^tlid^en  ÜKiteigentl^umeö  a(ö  fog.  fortgefegte 
©ütcrgemcinfd^aft  ju  tonftruiren,  finb  in  ben  äWotitJcn  ju  §  1384  nä^er 
borgclegt. 

3m  «nfc^luffe  an  bie  SBcftimmung  beö  §  1382  Sttbf,  1  empfiel^It  eö  fid&,  ^^^^^J^ 
JDciter  befonberö  l;erDor}u^eben,  bag  auf  bie  ®emeinfd^aft  gmif^en  bem  über^  jiutTc^en  bem 
lebenben  e^gattcn  unb  ben  Grben  beö  oerftorbenen  ©tjcgatten  bie  aSorfd&riften  ^^^^Jj^^ 
ber  §§  1373—1378,  1380  Slnmenbung  finben.  S)iefe  9Sorfd^riften  paffen  fon)of)l  ben  erben. 
für  ben  gall  ber  beerbten  alö  ber  unbeerbten  G^e ;  inroiemeit  biefclben  bei  ber 
«rfieren  gegenftanböloö  finb  begro.  eine  Slcnberung  erleiben,  ergiebt  fid^  auö 
4en  für  biefen  gall  in  ben  §§  1384  ff.  gegebenen  befonberen  öeftimmungen. 

27* 


420         9lllflcmcinc  @üterGcmeinfd&aft.    erBfcIgc  fcei  unbeerbter  (Sic.    §  1383. 


§  1383. 

35cr  §  1383  3lbf.  1  bcjeidjnet  bie  gäUc,  in  lücld&cn  bic  ©rbfotßc  in  bc« 
md)  %  1382  2lbf.  1  aud^  ben  Slntl^cil  bcö  üerftorbcnen  ©Regatten  an  bcm 
©cfammtgutc  umfoffenbcn  9lad^la6  bcö  tjcrftorbencn  ©Regatten  fid^  mä)  ben 
allgemeinen  crbrcci^tlid^en  ©runbfäjcn  rid^tet. 
crbforfl€6cim  CJö  geprt  bal^in  äwnSd^ft  bor  galt,  wenn;  fein  gemcinfd^aftUd^er  att- 

*TÄr  fommling  bcr  ©Regatten,  aber  ein  einfcitigcr  3lbfomm(ing  bes  ocrftorbenen  ©^e^ 
fettiger  «b,  g^ttcn  üor^anben  ift.  35ie  grage,  raeld^e  SRed^te  in  einem  fold^en  galle  bcm 
»mmcmge.  ^jj^^^yj^^j^  SlbfommUnge  jufte^en,  crlcbigt  fid^  für  alle  biejenigen  SRed^tc  von 
felbft,  loeld&e  bei  ßingel^ung  einer  neuen  (S^c  entroeber  bie  ©intinbfd&aftuna 
ber  ajorfinbcr  ober  bic  üoUftänbige  Slbfc^id^tung  berfelbcn  mit  bcr  SBirfunft 
bcr  ^obtl^cihing  oerlangcn  ober  in  Ermangelung  ber  einen  ober  anbercn  bic 
allgemeine  Oütcrgemeinfd&aft  in  bcr  neuen  ei)e  für  unjuläfftg  er!lärcn  (ocrgl. 
bie  anolioe  ju  §  1403).  SBom  ©tanbpunfte  bcö  (gntiDurfcö  auö,  meld^er  baft 
3nftitut  ber  @infinbfd^aft  unb  eine  Slbfd^id&tung  mit  ber  SBirfung  ber  3:ob^ 
t^eilung  nic^t  fennt  (ocrgl.  §§  1403  3lx.  2,  1406),  ift  mebcr  ber  eine  nod^  bcr 
anbere  SBeg  moglid^.  9luf  ber  anbercn  ©cite  ift  eö  bebenMid^,  gegenüber  ben 
einfeitigen  3lbfömmtingcn  bcö  ücrftorbcnen  G^egatten  bic  äufeerfte  Äonfcqucnj 
bcö  ber  allgemeinen  (Sütergcmeinfddaft  ju  ©runbc  liegcnbcn  ©cbantcnö  ju 
jicljcn,  nad^  rod^em  baö  (Sefammtgut  bie  gunftion  \)ai,  afe  SBermögeit 
fomo^t  bed  einen  ald  bed  anbercn  @l^egatten  ju  bienen,  unb  aud  bcm 
©cftdötdpunftc,  bafe  ber  Oütergcmcinfd&aftöocrtrag  jugteid^  bie  3latur  eincÄ 
(STbeinfclungöücrtragcö  l^abc,  ben  übcriebcnben  G^cgatten,  Dorbc§altIid^  bcft 
^ffid^ttl^citeanfprud^cö  ber  einfeitigen  3lbf ömmlinge  unb  ber  auö  bcm  5Borl^anbcn^ 
fein  pon  SBorbc^altö^  ober  ©onbergut  bcö  ocrftorbenen  ©l^egatten  fid^  crgcbenben 
3)lobififationen,  alö  alleinigen  ©rben  bcö  ücrftorbenen  eijcgattcn  ju  berufen.  ®ie 
beftcl^cnbcn  9lcd^te  legen  ber  ©ütcrgcmcinfd^aft  eine  fo  meitgel^cnbc,  bie  allgemcincit 
crbrcd^tlicfien  ®runbfä|c  burd^brcd^cnbc  SBirfung  nid^t  bei;  üiclmclir  wirb  ent^^ 
mcber  auf  einem  bcr  oben  ^croorgc^obenen  aBege  für  bic  einfeitigen  Slbförnmlingc 
gcforgt  ober  i^r  gefeglid^eö  @rbred^t  gegenüber  bcm  ocrftorbenen  ©Regatten  aud^ 
bei  ber  allgemeinen  Oütergcmcinfd&aft  in  ber  Slrt  aufredet  tt^alttn,  ba%  fie 
bei  bcm  S^obe  il^rcö  Slöjcnbcntcn  aud^  in  9lnfef|ung  bcö  5U  bcm  ^aäfia^t  bdU 
fclbcn  geprcnbcn  3lnt]^citcö  an  bem  ©cfammtgute  nac^  bcr  gcfcfelid&en  @r6folge«^ 
orbnung  ju  ßrbcn  berufen  merben  (ocrgl.  inöbcfonbcre  preufe.  31.  S.  91.  n,  1 
§§  637—639,  645;  mcftfäl.  ©efeft  ü.  16.  9lprit  1860  §§7,  8;  code  civü 
3lrt.  1467  ff.;  fjcff.  enttt).  IV,  2  Sfrt.  480,  484;  ctircnbrcitft.  ©ntro.  §§  48, 
66  ff.,  70  ff.;  oönabr.  ©ntm.  §  11).  5Diefer  Sluffaffung  bcö  bcftc^enbcn 
3led)tcö,  bafe  bic  S5urd^füf;rung  bcö  bcr  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft  ja 
©runbc  liegcnbcn  ©ebanfcnö  an  bcm  ©rbrcdötc  bcr  einfeitigen  SEbf ömmlinge 
eine  Sd&ranle  finbet,  mufe  aud^  bei  bcr  ücrtragömäfeigcn  ©ütergemeinfd&aft 
bcö  ©ntmurfeö,  meldte  mefcntUd^  baju  bcftimmt  ift,  in  bcnienigcn  ©ebictcn,  in 
wcld^cn  bic  allgemeine  ©ütcrgemcinfd&aft  gegenmfirtig  ben  gefcglid^cn  ©üter«^ 
flanb  bilbct,  ben  Icgtcrcn  ju  crfcftcn,  Stcd^nung  getragen  werben.  S)ic  Xn* 
na^mc,  bafe  bie  G^egatten  burc^  ben  ©ütergcmeinfd^aftöoertrag  ben  cinfeitigctt 
2(bfömmlingcn  baö  gefefeUd^  ©rbrcc^t  ^aben  cntjiel^cn  moUen,  mürbe  mit 


SCBgemcine  ©ütcröemeinfc^aft.    (Srbfolöc  Bei  unBeerBter  (SB^.    §  1383.       421 

Jen  im  aSoIIc  Icbcnbcn  ainfd&auunflcn  in  SBibcrfprud^  treten.  3luf  ber  nnbereu 
Seite  fe^lt  eö  Qbcr  axiä)  an  einem  genügenben  Orunbe,  nad)  bem  SSorbilbe 
bes  preui  «.  £.  91.  II,  1  §  639  oerb.  mit  §§  623,  624  uub  beä  meftfäl.  Oef. 
V.  16.  Slpril  1860  §§  7,  8  baö  gefefeUd^c  erbrecht  ber  einfeitigcn,  nod)  nid&t 
<ib9efunbenen  Sttfömmlinge  in  ber  3lrt  ju  ermcitem,  bafe  ber  überiebenbe 
(Statte  fici^  mit  ber  il^m  fraft  feines  aWiteigcntl^umcd  jufteljenben  §älftc  bcö 
(äefammtguteö  begnügen  mug,  mithin  bad  fonft  i()m  axiä)  neben  9IbfömmUngen 
jufte^enbc  6rbre(^t  ouf  ein  aSiertel  bcö  SRod^laJfeö  beß  »erftorbencn  (Sl^egatten 
roegfant.  35er  ©cfic^töpunft,  baß  ber  überiebenbe  (Bf)CQaüt  in  ber  §ätfte  beö 
©cfommtgutcö  eine  genügenbe  6ntf(^äbigung  für  fein  Grbred^t  erhalte,  fann 
Ate  richtig  nid^t  erad&tet  roerbcn.  3)ie  ^älfte  beß  ©cfammtguteß  fällt  bem 
iberlebenbcn  6l^egatten  olß  2'^eil^ober  ber  Oemeinfd^oft,  nid^t  alß  @rben  beß 
xwftorbenen  @I)egatten  }u.  ©iefelbe  fonn  iwax  möglid^ermeife  mebr  betragen, 
olß  baß  t)on  i^m  in  bie  ©cmeinfci^aft  cingebrad^te  SSermögen;  fie  fann  aber 
fbenfo  gut  bem  (enteren  gIei(i6fommen  ober  weniger  alß  baßfelbe  betragen. 
S)en  erfteren  gall  alß  ben  regelmäßigen  üoraußiuf e^en ,  erfd^eint  nid^t 
cte  gereci^tfcrtigt.  S)ie  6Jrünbc,  auf  roeld&en  bic  83eftimmung  beß  Gnt- 
©urfeß  beruht,  bafe  bei  3luflöfung  ber  fortgefe|ten  ©ütergemeinfd^aft  äioifd&en 
bem  überlcbenbcn  ©Regatten  unb  ben  gcmeinfddaftUd^cn  Slbfömmlingen  baß 
<Sefömmtgut  ber  fortgefefiten  ©ütergemeinfd^aft  jroifd^en  bem  ubertebenben 
Chatten  cincrfeitß  unb  ben  gemeinfd&aftlid&en  Slbfömmtingen  anbererfeitß  nad^ 
giften  get^eilt  loerbcn  foH  (§  1406  Slbf.  2 ;  üergl.  bic  TOotioe  ju  §  1406),  treffen 
liier  ni(ftt  ju,  ba  bie  3lußeinanberfegung  wegen  beß  ©efammtguteß  jmifd&cn 
bem  Überlebenben  ©Regatten  unb  ben  SSorfinbern  fofort  erfolgt  unb  in  Ueber* 
einfHmmung  mit  ber  großen  SRebrja^l  ber  geltenben  Siedete  (oergl.  inßbefonberc 
inreui  Sf.  2.  SR.  II,  1  §  645 ;  meftfät.  @ef.  t).  16. 9lpnl  1860  §  7)  bem  übcrlebenben 
(Sitten  an  ben  ^nt^eilen  ber  ^orfinber  aud^  nid^t  ein  ^licßbraud^ßred^t 
eingeräumt  ift  unb  im  ^inblidfc  auf  bie  5Ratur  beß  jroifd&en  bem  überlebenben 
©Regatten  unb  ben  ©tiefünbern  beftef)enben  aSerljältniffeß  nid^t  eingeräumt 
»erben  barf . 

3weifel^after  ift  eß  bagegen,  ob  cß  fi^  nid^t  empfiel^lt,  wenn  im  ^Jalle  m^    crbfoigc 
beerbter  G^e  einfeitige  Slbfommlinge  nie^t  uorbanben  finb,  mäf  bem  SBorgangc  ^o^anb«' 
t)erfd^iebener  ©ütergcmeinf d^af tßrei^te ,  meldte  babei  t^eilß  üon  bem  ^rinjipef««  wn  «&. 
ber  ÄonfoUbation,  t^eilß  t)on  bem  ®efid[)tßpunltc  beß  SllleinerbredEiteß  beß  *'^'"'"^*"^^' 
iberlebmben  ©begatten  außgel^en,  bem  lefeteren  aud^  beim  SSorlianbenfein  üon 
©tem,  (Befd^miftern  unb  @ro|eltern  —  in  Slbweii^ung  von  ben  allgemeinen 
^ninbfä^n  beß  Grbred^teß  (oergl.  §  1971)  —  t)orbef)altlid^  ber  an^  bem 
$oi^nbenfein  oon  Sonbcrgut  ober  SSorbelialtßgut  beß  Derftorbenen  G^cgattcn 
fic^  ergebenben  aWobiftfation  (oergl.  §  1895)  unb  oorbe^altlid^  beß  bm  Cltern 
jufte^ben  ?ßfli(^ttl}eilßanfprud&cß  (§  1975),  alß  alleinigen  Grben  beß  t)er= 
ftorbenen  ©tjcgatten  ju  berufen.    9luf  biefem  83oben  ftel^en  namentlid)  bic 
3Mifit   von  33remcn,  Serben,  i^ilbeßl^eim,  Süneburg,  Sentlieim,  bie  tippe- 
bftm.  Serorbn.  oon  1786  §  15,  bic  SRed^te  oon  ^ulba,  Grba^,  (Sigmaringen, 
Samberg^  2'^mau,  ©id^fläbt,  ^appcnl^eim,  SBinbß^eim,  SWörblingen.     Gß 
imi|  jugcgcben  werben,  ba^  bie  Äonfequcnj  beß  Ocbanfenß  ber  allgemeinen 
©ütcrgemeinfd^aft  unb  ber  3^^*^^/  ^^^f  meld&cn  beim  SBorbanbenfein  gemein- 


422       SlUßcnicinc  ©ütcrßemeinfiaft.    (Srbfolgc  Bei  unBecrBtcr  ®5c.    §  1383. 

fd^aftlid^cr  Slbförnmlinge  baö  Snftitut  bcr  fortgefeßtcn  ©ütcrgcmcinfci^aft 
berul)t  (ocrgl.  bic  Tlotivt  ju  §  1384),  bal^in  führen  würbe,  baö  S8crf)ältnife 
jn  ber  bejcid&nctcn  SBcife  ju  geftalten.  Uebcrroiegettbc  ©rünbe  fprcc^cn  inbeffen 
bagegcn,  bte  aUgcmeinen  ®runbfä|e  beö  Qtbxtä)k&  in  bem  Doraudgefe^tcn 
gallc  fo  weit  ju  burd^brcd&cn.  ©ine  berartigc  Siegelung  fegt  fid&  anbcrcrfcito 
mit  bcn  ©rünben,  auf  roeld&en  baö  Snteftatcrbred^t  ber  SBerroanbten  beruht, 
in  SBiberfprud^  unb  fül^rt  ol^ne  3loÜ)  bal&in,  ber  gamilie  beö  oerftorbencn  ef)cs 
gatten  beffcn  SSermogen  gonj  ju  entiiefien.  (Sin  Sebürfnife,  fo  weit  5U  gc^en, 
fann  um  fo  meniger  anerfannt  werben,  alö  burd^  bie  allgemeinen  erbreci^tU^en 
(Srunbfäge  (§  1971)  für  ben  überlebenben  ©Regatten  bereitö  in  auögicbigcr 
SBeife  geforgt  unb  eö  ben  ©Regatten  gubem  unbenommen  ift,  tmd^  SJ^oggabe 
ber  allgemeinen  erbrcd^tlid^en  SBorfd^riften  burci^  ©rbeinfefeungöoertrog  bic  ^icr 
in  ^age  fommenben  aSerroonbten  ganj  auöjufd^liefeen,  bejU).  bie  ©Itern  auf 
ben  ^flid^tti^eilöanfprudö  ju  befd^rfinfen.  5Diit  bem  (Sütergemeinfc^aftöoertroge 
alö  fold^em  baö  SlQeinerbrec^t  beö  überlebenben  ©Regatten  in  ben  ^ier  in  Siebe 
ftel^enbcn  göDen  jh  tjerbinben,  ift  um  fo  bebenflic^er,  alö  nur  ein  oerl^ättnife? 
möfeig  fleiner  2^l)eil  ber  beftcl^enben  (Sütergemeinfd&aftöred^tc  biefe  Äonfcqucnj 
beö  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ju  ©runbe  liegciiben  ©ebanfenö  gie^t, 
mä^renb  bie  meiftcji  Sled&te,  unb  jmar  barunter  auä)  fold)e,  meldte  bei  beerbter 
G^e  Äonfollbation  ober  fortgefefite  (Sütergemeinfd^aft  eintreten  laffen,  im  Jaltc 
unbeerbter  @l^c  im  älllgemeinen  an  ben  gewö^nlid^en  erbred^tlid^en  ©runb^ 
fägen,  wenn  auc^  im  ©injelnen  mit  ücrfd&iebenen  a)iobififationen,  feft^alten. 
3u  biefen  Icfeteren  Sled&ten  gehören  namentlid^  bie  fd^leöw.  I^olft.  9led6tc, 
oerfd^icbene  in  ^annoüer  geltenbe  9led&te,  baö  ^amb.  Siedet,  eingelne  boijr. 
Statuten,  fowie  baö  preufe.  21.  S.  51.  IT,  1  §§  642  ff.,  baö  weftfäl.  ®ef.  o. 
16.  aipril  1860  §  7  unb  ber  code  civil  9lrt.  1467  ff.  (oergl.  femer  l)eif. 
entw.  IV,  2  girt.  480,  484;  eljrenbreitft.  ©ntw.  §§  48,  66  ff.,  70  ff.; 
oönabr.  Gntw.  §  11).  Unter  biefen  Umftönben  fann  aud&  auö  bem  bcfteljenben 
Siedete  nid^t  etwa  gefolgert  werben,  bafe  in  ben  ^ier  in  groge  fommenben 
^S^ällen  baö  Sllleinerbred^t  beö  überlebenben  S^egatten  bem  Dermutl)lid^en  SBiOen 
ber  ©Regatten  entfpred^e.  Gine  anbere  grage  ift,  ob  eö  nid^t  angemeffcn  fein 
würbe,  bem  überlebenben  ®f)egatten  ben  SRiefebraud^  an  ben  ©rbtl^eilen  ber 
ÜWiterben  einjuräumen,  jumal  bieö  in  großen  SRed^tögebieten,  inöbcfonberc  naii 
bem  prcufe.  31.  S.  9t.  II,  1  §  645  unb  bem  weftfäl.  @ef.  t).  16.  «pril  1860  §  7, 
geltenbeö  ditöjt  ift.  SlUein  gegen  eine  foldje  Siegelung  fpred^en,  wcnngleid^ 
baburd^  ein  2^l)eil  bcr  gegen  ba&  OTeinerbred^t  beö  überlebenben  ©Regatten 
licroorgel^obenen  33ebenfen  wegfällt,  im  SBcfentlidjen  alle  bieienigcn  praftif<^en 
Sebenfen,  weld^e  ben  ©ntwurf  beftimmt  l^aben,  aud^  bei  bem  gefeßlid&en  d^ 
lid^en  (Süterftanbe  bem  überlebenben  G^egatten  ein  Sliefebrouc^öred&t  an  bcn 
Grbt^eilen  ber  äßiterben  nid^t  einjuräumen,  inöbcfonberc  ba&  oolföwirtlifd&aft» 
lid^c  Sebenfen,  bafe  baö  Söermögcn  burd^  bie  Selaftung  beöfelbcn  mit  einem 
Slicfebraud^c  fcftgelegt  unb  unprobuftio  gemad&t  wirb,  fowic  bie  Sd&roicrig* 
feiten,  weld)c  bcr  Slicfebraud^  in  bem  SScr^öltniffc  ju  bcn  Grbfd^aftögläubigcm 
bietet.  3wbem  fann  ein  Sebürfnig,  bem  überlebenben  Gbegatten  neben  feinem 
Grbred)te  ein  3Ue6braud)örcd&t  an  bcn  Grbt^eilcn  ber  3Jliterben  ju  gewahren, 
nidbt  anerfannt  werben. 


SHIöemcinc  ®ütcrgcmcinf(]6*ift.    Sibfolöc  Bei  Beerbter  Sßc    §  1383.       423 

SScrfd^icbcnc  Siedete  räumen  bem  übcrlcbenbcn  ©Regatten  baö  SWed^t  ein,  uebenw^mc 
bic  ju  bcm  ©cfammtgutc  gc^orcnben  ©egenftonbc  ober  boc^  geroiffc  boju  (geacnpänbrn 
gc^örcnbc  ©cgcnftönbe,  inöbefonbcrc  ©runbftücfc  iinb  ®cred)tigfcitcn,  foroic  ^"«^^  *>«" 
bic  für  bcn  tägliii^cn  ^auögcbraud^  beftimmten  aJiobiUcn  oud^  bouii,  lücnii   ubenh^n. 
biffclben  üon  bcm  Dcrftorbcncn  ©Regatten  fjcrrül^ren,  bei  bcr  Sluöciuonbers 
fc(ung  gegen  Srfag  bed  Sd^äbungömcrttjcs   ju  überncl)men    (Dcrgl.  preug. 
a.  2.  dt.  II,  1  §§  648  ff.;  rocftföL  ®cf.  o.  16.  3lpril  1860  §§  7, 17).  gCßcnngleid) 
auf  bicfe  SBcifc  bcm  iibcriebcnben  G^cgatten  bic  äWoglid^fcit  gcmäf)rt  wirb, 
fic^  bcn  Scpl  bcö  ©cfammtücrmogcns  ju  crl^altcn,  fo  fommt  bod)  atibcrcrfeitö 
in  SSctrad^t,  bofe  baburc^  bcr  3tt)ccl  bcr  »cftimmuug  bcö  §  1378  9lbf.  2  Safe  2 
©erb.  mit  §  1382  Sttf.  2,  bcr  gamilie  bcö  ücrftorbcncn  ©Regatten,  inöbefonbcrc 
bcn  cinfcitigcn  atbfömmlingcn  bcö  Icfetcrcn,  bic  Don  biefcm  licrrü^rcnbcn  (Scgcn^ 
jünbc  bcö  ©cfammtgutcö  ju  erhalten,  tjcrcitclt  werben  mürbe.    S)er  SRücffic^t 
auf  bcn  übcrlcbenbcn  S^cgatten  mirb  burd^  baö  i^m  nac^  §  1378  9(bf.  2 
Soft  2  unb  §  1382  2lbf.  2  jufte^cnbc  Stecht,  bic  üon  il)m  fclbft  ^crrüf)rcnbcn 
(Scgenftänbe  gegen  @rfafe  bcö  6(i^ägungömcrtl^cö  ju  überncl^mcn,  fomic  burd) 
bcn  i^m  na<i&  bcn  crbrcd^tlidjen  33cftimmungen  gemährten  SSorauö  (§  1971) 
in  gcnügcnbcr  SBcife  Sted^nung  getragen. 

Der  §  1383  SKbf.  1  mad&t  bcn  (Sintritt  bcr  gcmöfinlid^en  erbrcd^tlid^en  ©ütcraeuiein» 
©ninbfäfec  von  bcr  SSorauöfcfeimg  ob^ongig,  bafe  ein  gcmeinfd^aft[id&er  SKb^  clbt^al^^i 
tommling  ni4)t  oor^anben  ift.    ©inb  bagegen  ein  ober  mcf)rcrc  gcmcinfd^af t«  ^«f^*«^  ®^«- 
K(^c  äbfommlinge  oor^anbcn,  fo  finben  bie  aSorfc^riftcn  bcr  §§  1384—1409 
Snwenbung.    3nmicmcit  aud^  bann,  menn  jur  3cit  bcö  ^obeö  bcö  einen  ®f|e^ 
flotten  ein  gcmeinfd&aftlid&er  2lbfommIing  faftifd^  tjor^anben  ift,  glcid^roo^f 
bie  gütergemeinf d&aftlid^c  ®rbf olgc  nid)t  eintritt,  meil  ber  foftifd^  tjor^anbene 
Sttßmmling  rcd^tlid^  olö  oor  bem  ©rbfalle  oerftorben  bcfianbcU  mirb,  ergiebt 
ft4  OU0  bcn  §§  1388,  1392,  1393  ücrb.  mit  §  1972  (oergl.  bie  3Kotioc  ju 

§§  1388,  1392,  1393). 

S58ennglcid^  nad^  bem  Sprad)gebraud&e  bcö  ©ntmurfcö  unter  einem  »eflriff  be« 
gctneinf(4aftlid^cn  Slbtommlinge  ber  ©fjcgatten  äunäd&ft  nur  ein  fold^er  gemein^  fömmiinöe«. 
f(^aft(id^er  Sibfommling  5U  oerfteften  Ift,  mcld^er  mit  bcn  beiben  ®f)cgatten  im 
Sinne  bcö  §  30  oerroanbt  ift  (oergl.  §§  1466,  1562,  1567),  fo  ergiebt  ftd) 
M^  üM  bcn  befonbcrcn  Seftimmungen  iiber  bie  yegitimation  unb  bie  3In* 
tw^mc  an  ftinbeöftatt,  bafe  bie  ^Borfc^riften  beö  §  1383  3lbf.  2  aud&  bann 
Smocnbung  finben,  menn  ber  Dcrftorbcuc  ®f)egatte  fold^e  ^erfoncn  l^interfaffen 
^t,  roeld^c  jroar  nid^t  gcmeinfd&aftlid^e  Slbfommlingc  bcr  ®l)cgatten  im  Sinne 
beö  §  30  ftnb,  aber  no^  ÜRo&gabc  jener  33eftimmungen  gegenüber  beiben  G^e^ 
gottcn  bie  rcd^tlid^e  Stellung  eineö  gemcinfd^aftlid^en  9lbf6mmlingcö  erlangt 
^ben  (ücrgt.  §§  1579,  1582). 

Siegt  bic  SSorauöfcfeung  beö  §  1383  Slbf.  1  oor,  fo  mirb  ber  ocrftorbenc  «erfüflunfleu 
C^gattc  in  bcrfelbcn  SBcifc  beerbt,  mic  er  beerbt  werben  mürbe,  menn  jmifd^cn  "„"gen^im' 
bcn  e^gatten  ©ütcrgcmcinfd^aft  ntd&t  beftanben  Ijättc.   S)aburd|  mirb  juglcid)  »aacunöecrb, 
ium  Xuöbrudc  gcbradfit,  bafe  ieber  G^egattc  für  bcn  gall  unbeerbter  (S()c  über    "'^  ^^' 
bcn  ju  feinem  9Ja4(ajfe  gcljorcnbcn  9fut^eil  an  bem  ©cfammtgutc  nad&  ü)laft* 
flabc  bcr  angemeinen  erbred^tlid[)en  ©runbfägc  einfeitig  oon  2^obcömegcn  ju 
wrfügcn  bcrcd^tigt  ift.    2)ieö  ift,  oorbef;altlic^  ber  nad^  oerfd^icbcnen  iJled^ten 


424       ©ütecöcmcinf (6af tri(]&c§  ßcBred^t  gortöef eftte  ® ütcrgcnichif d&aft,  §  1384. 

auä)  für  btw  gall  unbeerbter  ©f)e  bem  überlebenben  ©Regatten  auf  ©runb  ber 
©ütergcmeinid^aft  juftet)enbcn  bcfonbcren  3led^tc,  übcrraiegenb  aud&  ber  ©tonb^ 
punft  bcö  geltenben  SHedjteö  (üergt.  inöbefonbere  preu§.  31.  2.  91.  II,  1  §§  481, 
497—499,  637  ff.;  weftfät.  ®cf.  t).  16.  Slpril  1860  §§  6,  7;  code  civil  Slrt.  1423; 
l^eR.  ©ntiü.  IV,  2  2Irt.  450;  e^renbrcitft.  entro.  §74,  92;  oönabr.  ©utn).  §  8). 
SSom  Stonbpunfte  beö  ©ntrourfeö  auö,  nad)  lüeld^cm  im  galle  ber  Sluflöfung 
ber  Oiütergemeinfd^oft  burd&  bcn  2:ob  cineö  ber  ©Regatten  baö  ©efammtgut 
olö  fofdöcß,  als  felbftänbigeö  SSermögen  ber  e^elid^en  Ocmeinfd^aft  ni<ä^t  fort* 
bouert,  fonbern  ber  9lnt^eil  beö  i)crftorbencn  ©Regatten  an  betn  ®efammtgute 
ju  bem  9iad;Iaifc  beöfclben  geprt  unb  für  btw  gall  unbeerbter  ©^e  auf  ®runb 
ber  (Siitergemeinfd^aft  ju  ®unftcn  beö  überlebenben  ©^egotten  befonberc  9Iad^* 
jüirfungen  nid^t  eintreten  follen,  fef)It  eö  an  einem  genügenbcn  ©runbc,  für 
btn  goll  unbeerbter  ©^e  nur  gcmeinfd^aftlid&e  aSerfügungen  ber  ©Regatten  von 
S'obcöroegcn  über  baö  öefammtgut  iuäulaffen. 
anorbnunflen  3)er  jweitc  ©ag  beö  §  1383  3lb|.  2  bejroecft,  bie  3te(i)te,  rocld^e  bad 

ftber^lXr"  ®efe6  fflr  ben  gall  beö  ©intritteö  ber  gütergemeinfd^aftlid^en  ©rbfolge  bcn 
nA"e"bu**  gemeinid&aftUd^en  Slbfömmlingen  alö  ©rfa^  bcö  benfelben  entjogcnen  gcfe|* 
'liefen  ©rb.  unb  ^flid)ttf)eilörec^teö  beilegt  (§  1384  3lbf.  1),  gegen  folc^c  3lm 
orbnungcn  ber  ©Regatten,  welche  mit  ben  SBorfdjriftcn  ber  §§  1384—1409  in 
2Biberfprud|  ftel)en,  ju  fd&üfecn,  foroeit  nid^t  bie  Stnorbnungen  nad)  jenen  9Sor* 
f^riften  (uergl.  §  1384  Slbf.  2,  §  1385  9lbf.  1  ©afc  2,  §  1387,  §§  1388-1390, 
§  1395)  juläffig  fxnb.  ^nöbefonbcre  foU  burd&  itmn  äwföfe  ben  ©Regatten  bie 
SDlöglid^feit  cntjogen  luerben,  burd^  ©l^eücrtrag  ober  burd&  SSerfügung  oon 
Sfobeöroegen  ju  beftimmen,  bafe  neben  bem  gütergemeinf(^aftlid^en  ©rben  ein 
©rittcr  5U  einem  33rud^tl)eile  ber  naä)  §  1384  bem  gütergemeinfd&aftlici^n 
©rben  anfallenben  ©rbfd)aft  3Äiterbe  fein  folle  —  rooburd)  fid^  baö  ©efammt* 
gut  ber  fortgefegten  (Sütergemeinfci^aft  Dcrringern  mürbe  — ,  ober  bafe  ber 
gütcrgemcinfd)aftlid^e  ©rbe  alö  fotd^er  mit  SBermäd^tniffen,  meldte  nad&  §  1399 
Slbf.  2  ®efammtgutöoerbinblid)feiten  fein  mürben,  befd^roert  fein  foHe.  S)a6 
berartige  X5erfügungen,  burd^  welche  bie  SRedEitc  ber  antl^cilöbered^tigtcn  Sfc 
fömmlinge  auf  baö  Sd^merfte  beeintrfid)tigt  merben  mürben,  unjuläfjig  fein 
müfien,  fann  einem  3^cif<^l  ^^W  unterliegen.  2)a  jebod^  nad^  §  1385  3lbf.  1 
©ag  1  auf  ba^  gütcrgemeinfdjaftUdje  ©rbred^t  bie  aSorfd^riften  über  boö  burd^ 
©rbcinfcgungöoertrag  begrünbetc  ©rbred^t  entfpred^cnbe  Slnmenbung  fmben, 
biefc  5Jorfd)riften  aber  bie  ©f)egattcn  nid^t  ^inbem  mürben,  berartige  SJcr* 
fügungen  gemeinfam  ju  treffen  (oergl.  §  1953  3lbf.  2,  §§  1955—1957),  fo  ifi 
cö  notfimcnbig  unb  iebenfaUö  ratf^fam,  burd)  eine  befonberc,  alle  giSDc  berfenbc 
a3orfd)rift  jebcö  3)lifjoerftanbniJ5  in  ber  l^ier  fraglid^en  SHid&tung  ju  befeitigcn. 


§  1384. 
jRc(^ts.  2)Q§  ^Qj.  j)f,i  c^jjh  beerbter  ©l)e  eintretenbc  Serijältnife  ift  in  ben  bc* 

^^fff  beefbt«  ftel^enben  Siedeten  fel&r  oerfd^ieben  georbnet.    ©ö  finben  fid^  J^auptföc^Ud^  uier 
^^^-      Derfd)iebene  ©^fteme  Dcrtreten. 

9iad}  bem  einen  ©i)fteme  (Softem  ber  ftonfolibation  bejm.  bcö  Slllein« 
crbrcd^teö  bcö  überlebenben  ©Regatten)  mirb  ber  übcrlcbenbc  ©begatte  baö 


®ütergemcinf4aftfi(Se8  Grbre^t.    JJortöcfc^te  ©ütergcmcinfcfeaft.   §  1384    425 

alleinige  ©ubictt  beö  ©efommtguteö,  unb  cö  fielet  ben  8<imcin[d)aft(id&cu  3(6*      2>ie 
Bmmlingen  i^m  gegenüber  neben  einem  iinentjie()baren  ©rbred^te  nur  unter  ©Jjum^be" 
fleroiffen  SBorauöfeßungen,  inßbefonbcre  im  gallc  ber  SBicberoerl^eiratbuug  bcö   ö^^'*"^*" 
Überlebenben  ©Regatten,  ein  Sfnfpruci^  auf  fofortige  Slbfinbung  wegen  beö  il^ncn 
fonft  erft  auf  ®runb  il^reö  ©rbred^teß  iufallenbcn  aSermögenöantl^eileö  5u. 
Auf  htm  S3oben  biefeö  ©i)ftemeö  [teilen  inöbefonberc  bie  Siedete  von  Dsnabriidf, 
^ilkö^im  unb  gulba,  fowie  piele  bapr.  ©tatuten,  nämlid)  bie  JRed^te  x)on 
Ci^ftobt,  SBüi^burg,  GafteH,  Sdjroeinfurt,  5ßappenf)eim,  3Binböf)eim,  Dettingen, 
SSdBenburg  unb  Staufbeuren.    Db  and)  baö  9ted^t  uon  Süneburg,  baö  9ie^t 
ber  ©roffd^ttft  Singen  unb  bie  münfterfd&c  $oI.  D.  biefem  ©t)fteme  ober  bem 
Sflficmc  ber  fortgefefcten  (Sütergemcinfd^aft  im  engeren  ©inne  angehören,  ift 
beftrittcn.    3laäi  ben  JReci^ten  mn  S3remen  unb  aSerben  unb,  mic  allerbingö 
ni<5l  o^nc  3tt>^ifrf  ift  ^^^  «^^  ^^^  l^omb.  JRed^te  roirb  ber  überlebenbe 
G^onn  Sßleineigcntl)ümcr  bcö  ©efammtguteö,  roäl^renb  beim  Ueberleben  ber 
GM^au  bad  Sßer^filtnig  ber  fortgefegten  ®ätergemeinfd^aft  eintritt. 

3lad^  einem  srociten  ©^fteme  (bem  ©pfteme  ber  fortgefegten' ©üter- 
gerorinf^aft  im  engeren  ©inne)  treten  bie  gemeinfd^aftUc^en  3lbfömmlingc 
fofort  an  ©teile  bed  Derftorbenen  ©Regatten  neben  bem  Überlebenben  GEiegatten 
Qte  a^^il^aber  ber  ©emeinfd^oft  ein,  unb  jmar  in  ber  3lrt,  ba^  bem  über* 
kbenben  ß^egotten  in  JJnfeliung  beö  ©efommtguteö  im  aGBcfentlid^en  biefclbcn 
Sefugniffe  }ufte^en,  meldte  mä^renb  ber  befteEienben  el^elid^en  (Sütergemeinfd^aft 
im  ©bemanne  jufommen,  unb  bafe  bei  ber  bemnäd^ftigen  3rbtl^eilung  ber 
Sermdgenöbeftanb  jur  3^^^  ber  3(bt^eilung  maggebenb  ift.  S)Qd  dicd)i  beö 
überl^nben  ©Regatten  baucrt  regelmäßig  biö  }u  feinem  ä^obe  ober  biö  5ur 
Cinge^ung  einer  neuen  6l)e.  ^lad^  einjelnen  JRcd^ten  mirb  baöfelbe  inbeffen 
ou(^  burd^  bie  SBiebcroerl^eirat^ung  beö  übcriebenben  ©Regatten  nid^t  berührt. 
3a  biffer  Art  ift  baö  aSer^filtnife  namentlid^  geregelt  im  lüb.  9led^te,  in  ben 
Öebieten  ber  pomm.  Sauerorbnungen,  in  ben  fd^leöm.  I^olft.  SRed^ten,  in  ben 
Siechten  oon  fabeln,  SBurften  unb  Sllte  Sanb,  in  ber  lippc^betm.  33erorbn. 
».  1786  §§  16,  20,  in  ^ilbburgl^aufen,  ©igmaringen,  ©rbad^,  Bamberg, 
S^mou  unb  in  bem  weftfäl.  ®cf.  o.  16.  Slpril  1860  §  10  (x)erg(.  and)  roürttemb. 
ent©.  §§  278,  301  ff. ;  e^rcnbreitft.  ©ntro.  §§  50—65 ;  oönabr.  ©ntu).  §  12). 

3?adö  einer  britten  ©ruppe  uon  9ted(|ten  wirb  baö  ©efammtgut  nad& 
feinem  ©tonbe  jur  3^it  ber  2luf lofung  ber  6^e  jwifd^en  bem  überlebcnben  ©I)e* 
fittttai  unb  ben  gemcinfd^aftlid^en  Slbfömmlingen  abgetf)eilt,  bod^  erfolgt  biefe 
SM^eilung  nid^t  fofort  nad^  9luflöfung  ber  ©^e,  Diclmc^r  ftel^t  bem  übcr^ 
lebenben  ©Regatten  an  ben  ©rbtl^eilen  ber  9lb!ömmlinge  ein  Scifxfercd^t  ju. 
Siefeö  ©qftem  beö  SSeifißeö  ift  in  oerfd&iebenen  bai)r.  ©tatuten,  namentlid^ 
in  Sa^reut^,  Nürnberg,  fiinbau,  ^ol^enlo^e,  S)infelöbüljl,  fomic  in  ber  ©tabt 
imb  bem  gurftent^ume  Äempten  anerfannt;  ob  aud^  in  ben  JRed&ten  Don  Sngol* 
ftabt,  SRinbel^eim  unb  ©tauffen,  ift  nid&t  unbeftritten. 

3lad&  einer  vierten  ®ruppe  oon  Siedeten  mirb  \)a&  ©efammtgut  jioifdfien 
bem  Überlebenben  ©Regatten  einerfeitö  unb  ben  gemcinfd&oftlid^en  Slbfömmlingen 
onbererfeitö  ju  gleiten  2^eilen  getfieilt  unb  finbet  meber  eine  fortgefegte  öütcr* 
gemeinfd^aft  jwifd^en  bem  überlebcnben  ©Regatten  unb  ben  gcmeinfd)aftlid^cn 
Sbßmmlingen  ftatt,  nod^  ift  bem  überlebcnben  ©l)cgatten  alö  fold^cm  an  ben 


426    ®üteröcmcinf(j&aftli$e8  SrBred&t.   gortoefc^te  @üteröcmcinf(]6aft.   §  1384, 

©rbtficilcn  bcr  aibfommlingc  ein  Seifige  ober  3l\c%bxau6)^xc6)t  eingeräumt. 
2)ieö  ift  bcr  Stanbpunft  beö  preufe.  31.  S.  9i.  II,  1  §§  637—639,  615,  bed 
franj.  SRed^teö  (code  civil  3lrt.  1467  ff.)/  tinl>/  foolel  bie  oertragömäfeige  ®üter* 
gcmcinfd^oft  betrifft,  anä)  bcr  Stanbpunft  bcs  ffid^f.  ®.  S.  unb  befi  olbenb. 
®ef.  ü.  24.  9lpril  1873  (oergl.  ferner  l)eff.  ©ntiD.  IV,  2  3frt.  480  ff.).  9iad^ 
bem  prcufe.  91.  S.  5H.  II,  1  §§  656,  657  bleibt  inbeffen  ber  überlebenbc  (Sf^e^ 
gatte  biö  5ur  tüirflid^cn  Sluöeinanberfcfeung  im  SSefigc  unb  in  ber  aSermoItung 
beö  ©efommtguted,  bod^  ift  er  bar  über  feinen  SWiterben  9led&nung  ju  legen 
üerpfliditet.  2)ie  roirfUdie  9luöeinonberfe|ung  fönnen  aber  ^auöfinbcr  gegen* 
über  bem  SBater  unb,  menn  fie  nod)  minberjäfirig  finb,  gegenüber  bcr  aJhitter 
erft  bann  tjcrlangcn,  wenn  ber  überlebenbc  ©fjcgatte  ju  einer  anbcrmcitcn 
©f)c  fd^reitet  ober  wenn  bie  SCod^ter  ^cirat^en  ober  bie  So^ne  eine  eigene 
"^  2Birtf;f(^aft  begrünben  ober  wenn  ber  33ater  rocgen  beö  aSermogenö  bcr  Äinber 

naä)  ben  (Srunbfägcn  über  bie  Dätcriidöe  ©emalt  ©id^er^eit  ju  leiftcn  XKVf 
pflid&tet  ift  bejtt).  bie  SKutter  fidf)  ber  Sßerfd^roenbung  ober  fonft  einer  fd^Ied^ten 
aSerroattung  oerbfid)tig  maä)t  (prcufe.  31.  S.  9t.  II,  18  §§  35,  36,  410—414). 
ctanbpunrt  SBic  Mc  üorftcl^cnbe  Ueberfid^t  beö  beftel^enben  SKcd^tcö  ergiebt,  ^aben  bie 

entwürfe«,  "tciftcn  ttuf  bcm  ©oben  ber  gefefeßd^cn  allgemeinen  ©ütcrgcmeinfd^aft  fteftenbcn 
OTflcmemc  Sled^tc,  TOcId^c  auö  bcm  Seben  unb  ber  ©cmotinl&eit  l)eraus  ftd&  entroidfelt  fiaben, 
oefujta«  x^xi  j)er  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  im  galle  ber  Sluflofung  berfcfben  bur^ 
"""**'  bm  SEob  eineö  bcr  ©l^cgattcu  in  ber  einen  ober  anberen  3^^^/  fei  es  in  bcr 
gorm  ber  Ronfolibation  bcjm.  beö  Slllcincrbred^teö  beö  Überlebenben  ©Regatten, 
fei  cö  in  ber  gorm  ber  fortgefefcten  ©ütcrgcmcinfd^aft  im  engeren  ©innc  ober 
beö  33eifi6s  unb  31ic6braud^öredf|tcö  beim  SSorl^anbcnfcin  gcmeinfc^aftlid^cr  Slb^ 
fömmlingc,  befonbere,  über  bie  angemeinen  ®runbfä|e,  namentlich  beö  ©rbred^teö, 
l}inauögef)enbc  SRad&mirfungen  iu  ©unften  beö  Überlebenben  ©Regatten  uerbunben. 
Snöbefonbere  l^at  aud^  baö  roeftfäl.  ®cf.  o.  16. 3lpril  1860  troft  beö  auf  bem  Sobcn 
beö  reinen  6rbred)töf9ftcmeö  fte^enben  preufe.  91.  S.  91.  eine  f old^c  Sßa^mirfung  im 
3lnfd^luife  an  bie  filteren  mcftfäl.  9led^tc,  rocnn  aud^  ni(^t  in  bcr  ben  meiften  bicfer 
fRt6)k  ju  ©runbe  liegenben  gorm  bcr  Äonfolibation,  fo  bod^  in  ber  gorm  bcr 
fortgefeßten  ©ütcrgcmcinfd^aft  im  engeren  ©innc  ancrfannt.  Sd^on  auö  bicfcm 
9ted)töjuftanbe  ift  ju  entnclimcn,  bafe  eine  oollftänbigc  fiofung  beö  burd^  bie  oD« 
gemeine  ©ütergcmcinfd^aft  begrünbeten  33anbeö  im  gallc  bcr  Sluflofung  ber 
©ütergcmcinfd^aft  burd)  ben  Xob  eineö  ©Ijegattcn  *em  SBefen  unb  ^xoedt  ber 
allgemeinen  ©ütergcmcinfd^aft  mcnig  entfpric^t.  ©er  innere  ©runb  für  bie 
6rfd&einung,  bafe  bie  meiften  ®ütergcmcinf(^aftöred&te  befonbere  Sßa^roirfungcn 
bcr  ©ütergemeinf^aft  im  gallc  bcr  9luftöfung  berfelbcn  burd^  ben  Xob  eine« 
©f)cgatten  anerfennen,  liegt  in  bcr  burd^  bie  allgemeine  ©ütcrgcmeinfd&oft 
Ijcrbcigcfütjrtcn  intenfiDcn  aSercinigung  beö  aSermogenö  beiber  ©Regatten  ^u 
einem  cinjigeu  aSermögen,  meldjeö  bie  e^nnftionen  bcö  SBermögenö  beö  einen 
unb  bcö  anberen  Gl)cgatten  l)abcn  foH  unb  biefen  Raratter  erft  mit  bcm  2^obc 
beiber  Gfjcgatten  verliert.  @ö  erfc^cint  alö  eine  Unbllligfcit  gegen  ben  über» 
Icbcnbcn  6t)egattcn  megen  bcr  bamit  ocrbunbencn  tiefen  Grfc^ütterung  feiner 
Stellung,  locnn  er  gcjroungcn  ift,  ben  gcmcinfd^aftlid^n  9lbtömmlingcn  i^ren 
Grbantl^cil  an  bem  ©cfammtgute  md)  3)}a6gabc  bcr  aUgemeinen  ©ninbfö^ 
fofort  bcjm.  nad)  93ecnbigung  bcr  cltcrlid^cn  ^iufeniefeung  (§§  1501,  1502) 


.@ütcröcmcinf^aftli$c3  StBrc^t   JJoctöefc^te  OüterGcmcinf^aft.    §  1384.     427 

^rouÄjugcbcn,  namcntUd^  in  fold^cn  gällcu,  in  xüclä)cn  baä  (jcmeinfd^aftlic^c 
Sennogcn  allein  ober  bo^  tjorjugörocifc  x>o\\  bem  übericbcnbcn  ©Regatten  l;er? 
riilirt.  Unter  biefen  Umftdnben  mufe  eä  and)  ol6  ber  Durdifd^nittäroille  ber 
ßdcgattcn  angefc^en  werben,  bafe  ber  überlebenbc  ©fiegattc  im  ©efigc  unb 
Qcnutfc  beö  Oefammtoermogenö  ucrblcibt  nnb  nid&t  bcn  mit  ber  3luöcinanbcr=^ 
fcfung  wegen  beöfelbcn  für  i^n  üerbunbenen  Sßciterungen  unb  5ßad^t^ei(cn 
Quögefe|t  wirb,  auf  biefen  Dermutl^Iid)cn  aSiUen  ber  ©fjcgatten  mufe  um  fo 
rac§r  ©ewid^t  gelegt  werben,  als  eö  fid^  um  bie  Siegelung  Dertragömöfeiger 
allgemeiner  ©ütergemeinfd&aft  ^anbclt.  ©ö  ift  ju  beforgen,  bafe,  wenn  mon  biefcm 
Demut^Iid&eu  äBiDen  ber  ©liegattcn  unb  bem  gegenwärtigen  Sled^töiuftanbc 
in  bcnjcnigen  ©ebietcn,  in  weld^en  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  ber  gefej? 
lit^e  ober  l^ergebrad^te  ©üterftonb  ift  unb  befonbere  Jlad^wirfungen  ber  burd^ 
bcn  Job  cincÄ  G^egattcn  aufgelöften  ©ütergemeinfd^oft  ju  ©unften  beö  über? 
lebenbcn  (S^egatten  feit  langer  3cit  9lnerfennung  gefunben  |aben,  feine  Sledirtung 
trögt,  bie  ocrtragdmäfeige  ©ütergemeinfd^aft  beö  ©efefebud^eö  in  icnen  großen 
Sebieten  feinen  ©ingang  pnben  unb  bamit  ber  l)en)orragenbe  S^cd  ber 
Äobiftfation  ber  tjertragömäfeigen  allgemeinen  ©ütergemeinfdiaft,  bie  gefefilid^e 
allgemeine  ©ütergemeinfc^aft  in  bem  gegenwärtigen  ©eltungögebiete  ber  Icfetercn 
t^unüt^ft  JU  erfegen,  vereitelt  wirb,  jumal  wenn  man  bcrüdEfid^tigt,  ha^  ol^ne 
befonbere  gcfefclid^e  S^I^ffung  bie  ©Regatten  nid&t  in  ber  Soge  fein  würben, 
im  SSkgc  bcß  SSertrageß  Jlad&wirfungen  ber  ^icr  fragtid^en  9lrt  mit  SBirfung 
gegen  Stritte  beftimmen  ju  fönnen.  Sluf  ber  anberen  ©eitc  wirb  benjenigen 
Scci^tögebieten,  weld^en  berartige  9flad)wirfungen  ber  allgemeinen  ©üter? 
^einf^aft  unbefannt  fxnb,  nid^t  ju  natie  getreten,  ba  cö  fid^  nid^t  um  bie 
Sufftellung  abfoluter,  fonberu  nur  um  bie  9lufftellung  bispofitiüer  9Jormen 
(lonbelt,  beren  2lnwenbung  burd)  ©l^eoertrag  auöjufd^liefecn  bcn  ©l^egattcn  nad^ 
§  1333  unbenommen  bleibt.  2)iefen  ©rwägungen  gegenüber  fann  t)om  ©tanb^^ 
punftc  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft  aus  ber  Ginwanb,  bafe  burd&  3?ad^* 
roirfwngen  ber  ^ier  fragtid&en  3lrt  ju  ©unften  beö  übcrlebenben  ©l^egatten 
anbererfeitö  bie  ©elbftfinbigfeit  ber  Äinber  in  wirt^fd^aftlid^er  ^infid^t  jU  weit 
^nauögefc^oben  werbe,  alö  burd^fc^lagenb  nid^t  anerfannt  werben. 

aSie  bereitö  erwähnt  würbe,  fud^en  bie  beftetjenben  SRed^tc  baö  am  */^^J^""JJJg*J[ 
Suftrcbcnbc  3i«'/  ^^^  Überlebenben  ©Regatten  ben  Sefig  unb  ®enu§  beö^s^^LT" 
©efammtguteö  unb  bie  biötierigc  wirt^fd^aftlit^e  ©runblage  feineö  Sebetiö  ju 
erhalten,  auf  oerfd^iebenen  SBegen  ju  erreid^en.  $8on  ben  üerfd)icbencn 
S^ftemen  entfprid^t  an  fid^  oielleid^t  baö  Softem  ber  Äonfotibation  ber  3bcc 
ber  allgemeinen  ©ütergemeinfdjaft  am  meiften.  Slud^  läfet  fid^  auf  biefem 
(Scbictc  baö  Ste^tönerpltnife  jwifd^en  bem  Überlebenben  ©Regatten  unb  ben 
gemeinfd^aftlid^cn  Slbfömmlingcn  unb  baö  SBerJ^ciltnife  berfelben  ju  Dritten 
oielleic^t  am  fonfequenteftcn  unb  Dcrljättnifemäfeig  am  cinfadiften  geftalten. 
3nbef|en  fte^t  biefem  Si)fteme,  abgcfeljen  baDon,  ba§  baöfelbe  gegenwartig  nur 
in  wenigen  3lec^tögebieten  ©eltung  l^at,  baö  fdjwcrwiegenbe  öebcnfen  cnt? 
gegen,  ba%  cö  ju  tief  in  baö  ©rbred[|t  unb  ba&  ^flid^tt()cildrcd^t  ber  3lb? 
fommlingc  eingreift  unb  bie  le^en  ju  fe^r  bcnadEjtfieiligt.  3^^  bcad)ten  ift, 
bafe  inöbefonbere  aud^  baö  weftfäl.  ©ef.  v.  IG.  Slpril  18(50  baö  Si)ftem  ber  .Uon* 
foUbaiion,  obwohl  baöfelbe  ben  meifttn  älteren  weftfäl.  3ic6)kn  ju  ©runbe 


428     ®ütergcmemfd&aftU$cS  SrBrcd&t.   gortgcjc^tc  ©ütcröemeinfc^aft.  §  1384. 

liegt,  abfidel^nt  tiat.  2lctjnlid&c  Scbenfcn  ergeben  f\ä)  auä)  gegen  beu  3QBeg, 
bcn  übcrlebeuben  Gfiegatten  ote  alleinigen  Grben  5U  berufen  unb  beii  Stb^ 
fömmlingeu,  abgefefjen  üon  bcn  i^nen  beim  SSorl^anbenfeiu  cineö  SSorbc^altö* 
ober  ©onberguteö  beö  Derftorbcnen  ©Regatten  einjurdumenben  Siechten  (üergl. 
§  1395),  in  9lnfcl^nng  beö  jum  9lad&laffc  bcö  üerftorbenen  Gl^egatten  ge^ 
ftörenben  Oefammtgutöantl^eiteö  nur  einen,  regelmäßig  erft  beim  2;obc  be§ 
Icfetlebenbcn  ßl)egatten  ober  ber  8Bieben)er()eiratf|ung  beö  lefetercn  realiftrbaren, 
burdö  boö  Grieben  beö  Sd^id^tungöfalleö  bcbingten  aSermäd&tnifeanfpruc^  ju 
gemäljren. 

SBenn  ouö  bcn  t)orftet)enbcn  (Srünbcn  boö  ©Aftern  ber  ftonfolibation 
bejro.  beö  9llleinerbred^teö  beö  iiberlcbenben  ©l^cgatten  fid^  nid^t  empfiehlt,  fo 
bleibt  nur  baö  ©Dftcm  beö  S3eifx|*  ober  JtieProuci&öred^teö  unb  baö  ©i)ftcm  ber 
fortgefefeten  ®ütergcmein[c^aft  im  engeren  ©inne  übrig.  6ö  läßt  pd^  nici^t 
Dcriennen,  baß  jebeö  biefer  Sgfteme,  menn  man  fie  mit  einanber  oerglcid^t, 
feine  aSorjüge,  aber  aud^  feine  9iad^t^eilc  bat.  ®aö  Softem  beö  93eifi6'  ober 
SliefebraudDöred&teö  greift  weniger  tief  in  bie  allgemeinen  ©runbfäfee  ein ;  audd 
wirb  burd)  baöfelbc  bie  Sage  ber  ftinber  meit  mcniger  gcföl^rbct,  alö  bicö 
nad^  bem  ©tifteme  ber  fortgefe|tcn  ©ütergemeinfd^aft  —  im  ^inblicle  auf  ba^ 
auögcbcl^nte  SSerfügungöred^t  beö  Überlebenben  G^egatten  unb  bie  35efd^räntung 
ber  Slbfömmlinge  in  ber  2)iöpofition  über  i^ren  9lnt^cil  an  bem  ©efammt^ 
flute  ber  fortgefegten  ©ütergcmcinfd^aft  burd^  aSerfügungen  unter  Sebcnbcn 
unb  von  ^obeömegen,  fomic  burd)  bie  Untjererblic^feit  i^reö  2lnt^eilcö  —  ber 
«all  ift  (tjergl.  §§  1397,  1399).  Sie  fortgcfcfcte  ©ütergemeinf^aft  füftrt 
fcntcr  infofern  ju  einer  Ungleid^^eit,  alö  jioar  ber  ncne  ©rmerb  beö  über? 
Icbenben  ©l^egatten,  nid^t  aber  aud^  ber  ber  2lbfömmlingc  in  baö  (Sefammtgut 
fftnt  (§  1396).  2)arauö  fann  fid^  für  ben  überlebenben  G^egattcn  bann  unter 
Umftönben  eine  grofec  ^ärte  ergeben,  menn  er  bei  feinen  Sebjeiten,  s-  99.  i« 
golge  feiner  SBiebcroerl^eiratl^ung ,  bie  Äinbcr  absufd^id&ten  genot^tgt  in 
(§  1403).  9luf  ber  anbcrcn  ©eitc  fprcd^en  gegen  baö  ©i)ftem  beö  Seifi^cö 
alle  bicjenigcn  in  ben  aWotioen  jii  §  1383  oben  ©.  422  ^eroorge^obencn 
5lad^tbeile  unb  ©^roierigfeiten,  roeld&e  bie  S3claftung  eineö  ganjcn  93ermogenö 
mit  einem  9iie&braud^e  immer  mit  fid^  bringt.  ®aju  fommt,  bafe  baö  ©i)ftcm 
beö  83eififeeö,  menngleid^  baöfelbe  bem  SebürfniRe,  bem  überlebenben  G^egattcn 
ben  ^efi^  unb  ©enug  beö  ©efammtoermögenö  }u  erhalten,  in  ber  ^auptfai^e 
genügen  mag,  bod^  infofern  bem  Sntereffe  beö  überlebenben  (S^egatten  nit^t 
in  auöreid&enbcr  SBeifc  SRed^nung  trögt,  alö  baöfelbe  ben  festeren  gegen  bie 
äluöcinanberfe^ung  n)egen  beö  ©efammtguteö  unb  bie  bamit  oerbunbenen 
SBeitcrungen  nid^t  genügenb  fid^crt.  Gö  fann  bal^ingeftellt  bleiben,  ob  ber 
überlcbenbe  G^egattc  bem  3?crlangen  ber  3tbf5mmlinge  auf  Sluöeinanbcrfe^ung 
.auf  Orunb  beö  §  985  entgegentreten  fönnte;  iebenfallö  mürben  bie  ©laubiger 
auf  5luöeinanberfcgung  bringen  fbnncn  (§§  1373, 1382  3lbf.  2).  aille  biefc9locb* 
tfieilc  werben  burd&  baö  3nftitut  ber  f  ortgefeßten  ©ütcrgemeinf  d&af  t  imSBcfcntli^cn 
befeitigt.  SBirb  burd)  baöfelbc  auf  ber  einen  Seite  aud^  bie  Sage  ber  SIbtomm* 
lingc  mcl)r  gcfäl)tbct,  fo  ift  eö  i^nen  auf  ber  anbcrcn  ©eitc  aud^  günftiger. 
3cnc  ©efö^rbung,  meld&c  im  ^^inblidfc  auf  bie  enge  perfönlic^e  SJejicbung 
unter  ben  Setl^eiligtcn  ol)nef)in  von  geringer  Sebeutung  ift,  mirb  baburc^ 


I 
J 


@fiteröcmemf^ftKd&c^  erbrc*t.    gcrtgcfeftte  ®ütergcmeinf$aft.  §  1384.    429 

audgegd^eiv  bag  ber  neue  Srtoerb  bed  überlebenben  S^egatten^  nid^t  axid)  bcr 

bcr  Slbfdmmlinge  in  baö  ©efammtgut  fällt,  unb  bafe  ber  übcricbenbe  S{;cgatte 

(ein  gefelßd^eö  @rbred^t  an  bem  ©efammtgutöanti^eUe  bes  uerftorbenen  (S[)e- 

gQtten  ju  ©unftcti  ber  S^bförnmange  tJcrlicrt  (§§  1396,  140o  Slbf.  2).    3lud> 

infofeni  ift  bcn  Slbfommlingen  baö  ©i)ftcm  ber  fortge[e|teti  (Sütergemeinfd^aft 

günftiger,  als  fte  bei  äRigoermaltung  von  Seiten  beg  überlebenben  ©tiegattea 

Me  S(^id^tiing  ©erlangen  fonnen  (§  1403  3lx.  3,  §  1405),  wal^renb  bei  bcm 

Biffleme  bes  9liegbraud)ed  bie  Slbtömmlinge  in  einem  fold^en  galle  nur  baö 

Sle^t  ^ben  würben,  nod^  SRafegabe  beß  §  1006  bie  ©equeftration  ju  t)cr^ 

langen,  bie  9tu|ungen  aber  bem  überlebenben  ßl^egatten  oerbleiben  mürben. 

Senn  man  aber  aud^  ben  ^croorge^obcnen  ®efi(^töpunften  für  fic^  allein  ent^ 

fd^ibenbcö  ©croid&t  nid&t  beilegen  will  —  5umal  fid^  nid^t  beftreiten  (ä§t,  ba^ 

andf  bie  Siegelung  ber  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  wegen  öer  ÄoUifiott 

ber  Icftteren    mit    ben    erbred&tlidjen   ©nmbfäftcn,    indbefonbere    mit   ben 

©runbfäften    über    bie  Haftung    für    bie   ©rbfd^oftäfd^ulben,    mit    grofeea 

Sijroierigfeiten  ju  fompfen  unb   biefeö  ^nftitut,  wie  bie  ©rfaljrung,  j.  33. 

aud^  in  bem  ®ebiete  bed  weftföl.  ®cf.  v.  16.  2lprit  1860  le^rt,  ju  einer 

groRfu  3o^l  Toow  Qmci^eln  unb  Streitfragen  SSeranloffung  gegeben  l^at  — ^ 

10  fommt  bod^  entfd^eibenb   in  Setrad^t,   bafe  bie  fortgefegte  ©ütergcmciu:^ 

f<i^ft  bem  ©ebanfen  unb   bem  ^roedt  ber   allgemeinen   ®utergemeinfd)aft 

in  ^ö^rcm  SDlafee  alö  baö  Softem  beö  Seififeeö  geredet  wirb,  wie  fd^on  barauö- 

iic^  ergiebt,  bag  bad  Softem  bed  SSeifigeö  in  ben  9led^tögebieten  ber  allgemeinen 

©fitcrgemeinfd&aft  beim  SBorfianbenfein  üon  Slbfommlingen  nur  eine  geringe 

Verbreitung  ^at,  wätjrenb  ber  weitauö  größere  2:^eil  ber  beftel^enben  Sled^te^ 

ftnoeit  biefelbcn  mit  ber  allgemeiuen  ©ütergemeinfd^aft  übcrl^aupt  bcfonberc 

Äoc^wirfungen  im  gallc  ber  3Iuflofung  ber  ©ütergemeinfd^aft  burd^  bcn  Xoh 

eincÄ  ber  G^egatten  t»crbinbcn,  auf  bem  ©oben  ber  fortgefe|tcn  Oütergcmcin- 

f(^ft,  fei  cö  in  ber  gorm  ber  Äonfolibation  ober  beö  9lllcinerbred)teö  bcö^ 

überlebenben  G^egatten,  fei  es  in  bcr  gorm  ber  fortgefefeten  ©ütergemcinfdiaft 

im  engeren  Sinne,  ftel|t.     3)iefe  weite  9Serbreitung  ber  fortgefegten  ©fiter- 

Semeinfc^aft  in  htn  üerfd^iebenften  ST^eilen  Seutfddlanbö  unb  unter  ben  uer- 

ftftiebcnften  aSer^oltnijfen  red^tfertigt  bie  3lnna^me,  baß  eine  fo  intenfioe  SBer:^ 

Mnbung  {wif^en  bem  überlebenben  G^egatten  unb  ben  gemeiufd^aftlid^cn  9lb- 

fommlingen,  wie  fie  baö  Snftitut  bcr  fortgefegten  (Sütcrgemcinfd&aft  mit  fid) 

bringt,  oud)  ben  Sebenöoer^filtniffen  unb  ben  fojialen  3lnfd)auungen  bcr  8c^ 

oolferung  in  bcn  ©ebieten  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfdiaft  me^r  cntfprid&t^ 

olö  boö  S#cm  beö  SSeifigeö.    SBill  man  aber  bcn  ©ewotjnfieitcn  ber  Sc^^ 

ootfening  unb  bem  barauö  ju  entnel^mcnben  mutlimaglid^cn  SBiUcn  ber  Glic- 

gotten  in  ienen  Sled^tögebictcn  burd^  bie  jilobififation   ber  Dcrtragömägigcu 

allgemeinen  @ütergemeinfct|aft  geregt  werben  unb  nid^t  @efat)r  laufen,  ha^ 

in  jenen  Sled^tögebieten  bie  Dcrtragömfifeige  allgemeine  ®ütcrgemeinfd)aft  beö^ 

(M^buc^  ein  tobter  Su^ftabe  bleibt,  fo  fanu  man  uid^t  uml^in,  baö  3»M'titut 

ber  fortgefeften  ©ütcrgemcinfd&aft  im  engeren  Sinne  erfd^öpfcnb  ju  regeln^ 

ba  of|ne  eine  fold^e  Siegelung  bie  G^egatteu  im  3ßege  beö  G^et)ertrageö  ein 

jenem  3nftitute  entfprc(|enbeö  SBcrl^ältnife  mit  3Birfung  gegen  2)rittc  nid(|t 

nmrbcn  ^rfteUen  fonnen.  Sft  aber  eine  erfdEjopfenbc  SHcgelung  jcneö  3nftitute& 


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430    ®ütcröeineinf*aftnd6c§  GrBred&t.   ^ortöefc^te  ®ütcrgcmcinfd&aft.  §  1384. 

niä)t  ju  Dermcibcn,  [o  tjcrbicnt  cö  bcn  SSorjug,  baöfclbe  afe  ein  Slaturale  bcö 
©ütcrgemeinfd^aftöücrtrogeß  ju  bc^onbeln  (§  1383  3lbf.  2)  unb  nid^t  nur  für 
bcn  §an  JU  regeln,  bafe  bie  G^egatten  ben  ßintritt  ber  fortgefefeten  (Sütcr- 
gemeinfd^aft  in  bcm  G^eüertragc  bcfonbcrö  tjereinbart  fjahtn.  Xnxd)  biefe  Strt 
ber  Siegelung  wirb  aud&  benjenigen  9led)tögebieten,  roeld^en  ba^  3nftitut  bcr 
fortgefegten  ©ütcrgcmeinfc^aft  unbefannt  ift,  nid^t  ju  nafie  getreten,  ha  eß  ben 
©fiegatten  freifte^t,  in  bem  G^eoertrage  bie  5Knn)enbung  jenes  Snftituteö  aus- 
äufd^Iiefeen.  Sieben  bem  Snftitutc  ber  fortgefegten  ©ütergcmeinfd^aft  jugleiA 
ba&  3nftitut  bcß  S3eifigeß  ju  regeln,  um  benjcnigen  (Sebieten  SWed^nung  ju 
trogen,  in  roetd&en  biefcö  Snftitut  gegenwärtig  in  ©eltung  ift,  empfiehlt  f«^ 
nidfet.  SGBeungleid^  ein  bem  Seifig  oöllig  entfpred^enbeö  Sled^tdoerpttniB  im 
2Begc  beß  SScrtrogeö  nad)  ben  allgemeinen  Orunbfägen  wegen  beß  entgegen- 
ftel^enben  ^^flid^ttl^eitßrediteß  ber  3lbfömmlinge  unb  wegen  bcr  9lid^tiulafjung 
beß  ajinbifationßlcgatcß  (§  1865)  unmittelbar  nidit  begrünbet  werben  fann, 
fo  ift  bo(i^  baß  SSebürfnife  einer  foldien  Siegelung  um  fo  weniger  onjuerfcnncn, 
alß  baß  öeltungßgebiet  beß  33eifigeß  bei  allgemeiner  (Sütcrgemeinfd^aft  unb 
beim  58orl)anbenfein  tjon  Slbfömmlingcn  nur  ein  fefir  befd^ränfteß  ift  unb  eine 
Siegelung  biefeß  Suftituteß  neben  bcm  3nftitute  bcr  fortgefegten  ©ütergemeins 
fd^aft  jubem  mit  bem  Oruubfage  beß  Gntwurfeß,  nur  eine  9lrt  bcr  oD- 
gemeinen  (Sütergemeinfd)aft  ju  fobifijiren  (Dcrgl.  SRotiDc  oben  ©.  321),  nitftt 
im  Ginflange  ftel^cn  würbe, 
stonfirurtion  Slnlaugcub  bie  juriftifd^e  Äonftruftion  ber  fortgefegten  ©ütergemcinfc^aft 

fe^teJÄr*  ^^  cugcrcn  ©inne,  fo  wirb  baß  mit  Sluflöfung  ber  G^e  fraft  beß  (Sefegeß  ein* 
gemeinfc^ft.  trctcnbc  Slcd^tfiocr^ältnife  nac^  bem  beftel^cnben  Siedete  t)on  S)oftrin  unb  Orariß 
(Stutnhti  üorwiegenb  bal^in  oufgefafet,  ba%  ber  ju  bcm  Slad^lajfc  beß  cerftorbenen  G^c« 
**^**  gatten  gcl^örenbe  2lntl^eil  an  bem  el^elid&en  (Sefammtgute  auf  bie  gemcinfd^aft' 
l\ö)c\x  9lbfömmlinge  alß  Grbcn  beß  oerftorbenen  G^egatten  übergebt  unb  in 
Slnfe^ung  beß  bem  übcrlebcnben  Gl^egatten  unb  bcn  Slbfömmlingen  gemein- 
f^aftlid^  jufte^enben  ®efammtguteß  ein  ä^nlid^eß  Sßer^ältnife  eintritt  wie 
wä^renb  beftel^enber  G^e  in  Slnfe^ung  beß  el^elid^en  ©efammtguteß  gwifd^cn 
ben  Gticgatten,  unb  jwar  in  ber  3lrt,  bafe  ber  überlcbenbe  G^egotte  in  bcr 
fortgefegten  ®ütergcmeinfd;aft  regelmäßig  bieienige  red^tlid^e  Stellung  l^ot, 
weld&e  wäl^renb  ber  befte^enben  el^clid^cn  ©ütergemeinfd^aft  bem  G^emannc  5u- 
fommt.  lieber  bie  iuriftifd)e  Slatur  beß  bem  Überlebenben  ©Regatten  unb  bcn 
3lbf6mmlingen  an  bem  ©efammtgute  ber  fortgefegten  ©ütergcmeinfd^oft  ju- 
ftel&enben  3Jlitcigent^umeß  gel^^n  iebod&,  wie  bei  ber  el)elid^cn  ©ütergemeinfdfKxft, 
fo  aud^  l^ier  bie  Slnfic^ten  außeinanbcr  (oergl.  ©euffert  XIV,  99,  XXX  H', 
310;  Gntfd^.  b.  SR.  D.  ^.  ®.  IX,  77  S.  252  ff.;  entfd&.  b.  JR.  ®.  in  Gioilf. 
IX,  71  ©.  267). 

älnlangenb  bie  C^aftung  für  bie  Sd^ulbeit,  fo  haftet  nad^  ben  befte^enben 
Siedeten  ber  überlcbenbe  G^egatte  für  bieicnigcn  Sd^ulben,  wegen  weld^er  bie 
©laubiger  audE)  wäl)renb  befte^enber  G^e  auß  bem  ©efammtgute  99efrtebigung 
verlangen  fonnten,  nad^  aWafegabc  ber  in  ben  altgemeinen  SRotioen  5U  §§  1373 
biß  1382  oben  ©.  401  ff.  angeführten  Scftimmifugen  je  nad^  ber  Sßerf^ieben^ 
ber  Siedete  nur  mit  bem  ©efammtgute  ober  aud^  perfönlic^.  dagegen  fonncn 
bie  9lbfommlingc,  obwof)l  biefelben  alß  Grben  beß  Dcrftorbenen  G^egatten  für 


(Süteröemrinf ^crf tn^e§  6rBrcd&t.  gortfiefe^te  ©ütcrocmeinf 4af t.  §  1384.     43 1 

bic  auf  bcm  ©efammtgutc  rufjcnbcn  ©d^ulben  prinäipicU  nad&  Sßerl^ältnife  bcö 
i^ncn  }ugefal(enen  3Intt)cUcd  an  bcm  ©efammtgute  tiaften^  bod^  mit  9iüdfid)t 
borouf,  bo§  i^ncn  lüä^vcnb  bcr  fortgefefeten  ©ütcrgcmcinfd^aft  bic  ©ißpofition 
über  i^rcn  3lntl^cil  uub  bic  SBcrraaltung  bcö  Ocfammtgutcö  cntjogcn  ift,  bis 
jur  äuflöfung  ber  fortgcfcfeten  ©ütcrgemcinfc^aft  t)on  ben  Oläubigcrn  nid^t  in 
Slnfprud^  genommen  werben,  unb  ftel)t  cö  ben  Slbfömmlingen  frei,  nod)  bei 
ber  33eenbigung  ber  fortgefefeten  ©ütergemcinfd&aft  fid^  burc^  Sluöfd^tagung  bcr 
Srbfc^aft  Don  ber  Haftung  für  bic  ©d^ulbcn  ju  befreien  bcgm.  naä)  äßaggabe 
bcr  erbred^tlid^en  ®runbfä|e  über  bad  3nt)cntarre(i[)t  il^re  Haftung  auf  bas^ 
jenige,  moö  fic  bei  3lufIofung  ber  fortgcfeßtcn  (Sütergcmeinfd^aft  auö  bcm  (Sc- 
fftmmtgutc  erhalten,  ju  befcfiränfen  (oergl.  Gnlfd^.  b.  SR.  D.  ^.  ®.  IX,  77 
S.  252  ff.).  3n  bicfcr  Slrt  ift  baö  SSer^ältnife  inöbefonbere  aud^  in  bcm  meftfilL 
@ef.  0.  16.  äpril  18G0  §  18  geregelt.  9Jad^  bemfelben  l^aftcn  bic  5lbfömm^ 
lingc  btn  ©cmeinfd^aftögläubigern  inbeffcn  aud)  bann,  wenn  !cin  3nücntar 
gelegt  ift,  nur  mit  bem  betrage  bcö  i^ncn  bei  ber  ©d&id^tung  jugcfallcncn 
ant^eileö.  «c^Iid^e  SBorfc^riften,  mic  baö  roeftffil.  (Sef.  v.  16. 3Ipril  1860,  ent-^ 
^Iten  in  bcr  ^ier  fraglici^cn  SBejicEiung  aud^  ber  oönabr.  @ntn).  §§  14,  20  unb 
bcr  c^renbreitft.  ®ntn).  §§  58,  83.  9iad&  bcnicnigcn  SRcd^ten,  naäf  wtld)tn  bcm 
überlcbenbcn  ©Regatten  baö  ganjc  (Sefammtgut  fraft  ^onfolibation  ober  älUciu^^ 
erbrec^tcö  jufäUt,  l^aftcn  bic  9lb!ömmUngc  für  bic  auf  bcm  Ocfammtgtitc 
ru^enben  Sdiulbcn  überhaupt  nid^t. 

SBic  cö  fic^  mit  bcr  Sd&ulben^aftung  vtx\)&lt,  wenn  ju  bem  Slod^Iaffc 
bcö  i>erftorbenen  @(|egatten  ein  etmaigcö  93orbc()aItögut  ober  Sonbergut  beö^^ 
felbcn  geprt,  mctd^cö  nid^t  33cftanbtf|cil  bcö  ©cfammtgutcö  ber  fortgefc^tcn 
©fitergemeinfd&aft  wirb,  ift  in  ben  beftc^enben  Metten  nid&t  befonberö  oor^^ 
gelegen.  3n  einem  fold^cn  gallc  ift  anjuncfimcn,  bafe  bic  ©laubiger  bcö  ocr* 
florbencn  ©^cgottcn  megen  foId)cr  SScrbinblid^fcitcn,  für  meldte  ber  Icgtcrc 
perfonlic^  haftete,  fc^on  mäl^rcnb  bcr  S)auer  bcr  fortgefefeten  Oütergemcinfd^aft 
auö  bem  35orbcl)aItö«  ober  ©onbergutc  33efricbigung  tjcrlangcn  fönnen.  SBic 
bttö  91.  D.  ^.  ®.  (entfd&.  IX,  77  ©.  260  ff.)  crfannt  t)at,  bcfd^rfinft  fic^  im 
befien  biefc  Haftung,  aud^  mcnn  fein  Sn^cntar  nad^  bcm  2^obc  bcö  ©rbfajtcrö 
oufgenommen  ift,  icbcnfallö  für  bic  Sauer  bcr  fortgefc|ten  Oütcvgemeiu' 
fd^aft  ouf  ben  Setrag  bcö  auf  bic  Slbfömmlingc  tjcrcrbtcn  aSorbcl^altö^  ober 
Sonberguteö. 

2)er  ©nlmurf  I;at,  fooiel  bic  iuriftifc^c  Äonftniftion  ber  fortgefefctcn  ctanbpunrt 
@ütergemeinfd)aft  betrifft,  einen  aWittdmcg  äwifd^cn  ben  auf  bem  33oben  bcr  «ntrourfe«. 
fortgefe|ten  @ütcrgemeinfd^aft  im  engeren  Sinne  unb  ben  auf  bem  S3oben  bcö 
^rinsipeS  ber  AonfoUbation  bejm.  bcö  älUcinerbrccfiteö  bcö  übericbenben  Qf)t'^ 
gotten  fte^cnbcn  Siechten  cingefd^lagcn.  S)ie  oielen  Streitfragen  unb  SBcr= 
»itfelungen,  meldte  fid^,  namentUd^  in  9Infe{|ung  ber  ©d^ulbenl^aftimg,  auö 
beqenigen  @efta(tung  ergeben  l^aben,  meldte  baö  93crl^S(tni§  in  ben  auf  bcm 
Soben  ber  fortgcfefetcn  ©ütergcmeinfd&aft  im  engeren  Sinne  ftel^cnben  JWed^tcn, 
inöbefonberc  au(^  in  bem  meftfäl.  ®ef.  o.  16.  3CpriI  1860,  gefunben  l^at, 
»rifen  borauf  {|in,  bag  ber  oon  biefen  SRed^tcn  cingefd^Iagene  38cg,  menngleid^ 
krfelbe  ben  aDgemcinen  ©runbfägcn  nä^cr  ftc^en  mag,  nid)t  bcr  richtige  unb 
angemeftene  ift.  2>erfc(be  becinträd^tigt  cincrfcitö  bic  ©(äubiger  bcö  oerftorbeneu 


432     ®ütcröcmciitf4aftrid&c«  (Sxlxtiit  gortöcfcfetc  ©ütcröeincinfc&aft.  §  1384. 

e^cflQttcu  unb  roafirt  anbcrerfcitö  troß  bcr  oud^  bei  bicfcm  SBcgc  nid^t  ju 
cntbe^rciibcn  pofttiDen  Scftimmungeii  jum  ©d^ugc  bcr  ^bföntmUnge  bie 
Sntcreffeu  bcr  Icfetcrcn  nid^t  in  ousrei^cnber  SBcifc.  SDic  Sccintrad^tigunji 
bcr  Oläubigcr  bcö  ocrftorbcncn  G^cgattcn  tritt  namcntlid^  bann  {|en)or,  wenn 
bcr  crftücrftorbcne  21^cit  bic  ©ficfrau  unb  bicfc  mit  erl^cblid^cn  SScrbinblid^^ 
feiten  bclaftet  ift,  njcld&e  nid^t  bcn  Äoraftcr  von  ®efammtgutdt)crbinbli4)fcitcn 
fjabett  (§  1362),  ein  jur  SBefriebigimg  wegen  berfclben  auöreici&enbcö  9Sor* 
bc^altd^  ober  @onbergut  aber,  n)c(d^e  bei  ber  allgemeinen  ®ätergemeinf(!^aft 
bic  3luöna()me  bilben,  5um  ^lad^lajfe  ber  (St)cfrau  nic^t  gel^ort.  ^ie  SIb* 
fömmlinge  finb  ferner  baburd^  gefftfirbct,  ba§  bie  i^nen  bem  Grblajfcr  gegen* 
über  jufte^enben  Slnfpriid^e  burd^  Äonfufion  (§  291)  crlöfd&en.  ÜBit  9iütfii(|t 
I)ierouf,  [oroie  mit  9lüdffid^t  auf  bie  fd^on  roäl^renb  ber  SJauer  ber  fortgefc|ten 
(Sfitergcmcinfd^aft  eintretenbe  Haftung  mit  einem  etwaigen  93orbe^a(tö«  ober 
Sonbergute  beö  ücrftorbeneu  G^egatten  müfete  ben  Stbfömmlingen  iebcnfaUd 
f^on  beim  S^obe  bcö  GrblafferiS  bad  SRcd^t,  fi^  auf  baö  Snoentorre^t  ju  be* 
rufen,  eingeräumt  merben.  "^ann  Ijat  man  aber  jmei  Snoentarrcd^tc,  einmal 
baö  foebeu  emjäl^nte,  fobann  baöienige,  roelddcd  i:ad^  ber  üicücicbt  crft  nad& 
einer  langen  SRei^e  üon  Saferen  eintretenben  Sluflöfung  ber  fortgefefeten  ®ütcr« 
gemeinfd^aft  mirffam  loirb.  Safe  baburdfi  oielfad^e  SBcrroidelungen  ft^ 
ergeben  mürben,  liegt  auf  ber  ^anb.  3llle  biefe  unb  anberc  Äomplifationen 
luerbcn  ücrmieben,  meun  ber  überlebenbe  ©i^egattc  —  abgefel^en  t)ier  junäd&ft 
uon  bem  galle,  menn  neben  ben  gemeinfd^aftHd^en  Slbtömmlingen  ein  (erb* 
bered&tigter)  einfcitiger  Slbfömmling  bcö  ocrftorbcncn  6[)cgatten  oor^onben  ift  — 
als  OTeinerbe  bcö  (cfetcren  benifen,  baneben  aber  beftimmt  mirb,  ba§  juglci^ 
bieienigen  gcmeinfdöaftUd^cn  SlbfömmUngc,  roeld&e  bei  bcr  SBorauöfefeung,  bafe 
©ütergcmeinfd^aft  imifd}cn  bcn  ©Regatten  nid^t  beftanben  tjatte,  alö  gcfe6li<^e 
Grben  bcö  t)erftorbenen  ©Regatten  mürben  berufen  merben,  fraft  bcö  ®cfc^ 
nad^  aJlafegabc  ber  in  ben  §§  1396—1409  entl^altencn  Seftimmungen  mit  bem 
überlebenbcn  GEjcgattcn  in  baö  9?ed^tdüer^altni6  bcr  fortgefegten  ®ütergemcin* 
f^aft  eintreten  (§  1384  3lbf.  1).  Srnbercrfcitö  geftaltet  fid^  auf  bicfcm  gSegc 
baö  SBcrliältnife  cbenfo  cinfad)  alö  jioedentfpred^cnb.  2)er  überlebenbe  ©^cgattc 
Oaftet  bcn  ©laubigem,  mögen  biefelben  Ocfammtgutögläubigcr  fein  ober  ni^jt,. 
wad)  ^afegabe  ber  aKgcmcincn  erbrcd^tlid^cn  ©runbföge  a(ö  alleiniger  (hbe 
bcö  ocrftorbcncn  ©Regatten  unbcf darauf t  für  alle  Sd^ulben  beö  Unteren, 
mälirenb  bic  Slbfommlinge  ben  ©Ifiubigcrn  gegenüber  uon  jeber  perfönlic^en 
Haftung  befreit  fmb  (§  1384  3rbf.  1,  §  1399  9Ibf.  2).  S)ie  «btöminlinge 
merben  für  baö  i^ncn  cntjogene  ®rbrcdE)t  burd)  bcn  jugfeid^  mit  bcr  ©rbfolge 
fraft  ©efefecö  i^nen  5ufanenbcn  9lnt^eil  an  bem  ©efammtgute  bcr  fortgefegten 
®ütergcmeinf(^aft  (§§  1396,  1397)  oollig  fd^abloö  gehalten.  Cuantitatto 
erl)alten  fie  burd^  ben  ©intritt  in  bie  fortgefefete  ®ütcrgemeinf(^aft  baö  ®Ieid^, 
maö  ftc  alö  bic  ©rbcu  bcö  t)erftorbencn  ©t)cgatten  (unter  ^[uöfd^liegung  beis 
überlebenbcn  ©fjcgattcn)  erl^alten  (jaben  mürben  (§  1406  Sttif.  2);  quoIitotiD 
ift  aber  bcr  3lntl)cit  berfclben  an  bem  ®cfammtgute  ber  fortgefefttc«  ®üter* 
gcmciufdE)aft  nidE)t  berjenigc  bcö  ©rblaffcrö  an  bem  ©efammtgute  ber  e^tid^cn 
®ütcrgcmcinf d^aft ;  mclmeljr  ift  baö  SRcd&t  ber  SlbfömmUngc,  weld^efi  ber  ©im 
tritt  bcr  fortgcfcfttcn  ®ütcrgcmcinfd^aft  für  fic  begrünbet,  ein  DoDig  neucÄ^ 


®ütergemem[d&aftlid6eö  erBced&t.    ^ortgefetitc  ©ütcroctneinfd^aft.    §1384.    433 

utib  Qti^  bei  äfuflöfung  bcr  fortgcfe^ten  ©ütergemcinfd&aft  erl^alten  fic  nur 
ben  tvQft  bicfcd  neuen  Sled^tcS  if|ueii  jufommenben  9lnt^cil.  Gegen  bie 
ftonftniftion  befi  Gntwurfeö  fonn  üom  ©tanbpunfte  beö  Sntereffeö  ber  9(b:= 
fommlingc  aud  audi  barauö  ein  entfd^eibenbeö  Sebenfcn  nid)t  entnommen 
werben,  ba%  bem  iibcrfebenben  ©Regatten  olö  3tUeinerben  anä)  baö  SBorbeJ^altS-- 
ober  ©onbergut  beö  üerflorbenen  ©Regatten  jufällt  unb  ben  9lblömmlingen 
inforoeit  nur  ein  perfönlid^er  Söermäd^tmlanfprud^  auf  3luöfel^rung  ifjreä 
it^ilcd  eingeräumt  ift  (§  1395).  9Birb  bem  Überlebenben  ©fiegatten  in  9ln- 
fe^ung  beö  ©efammtguteö  ber  fortgefefeten  (Sütergemeinfc^aft  im  ©inflonge 
mit  bem  beftel^enben  SRed^te  ein  fo  auögebel^nted  SJerrooItungö«  unb  9Ser^ 
fügungörcd^t  beigelegt,  mie  mfit)renb  bed  33efte]^enö  ber  efielid^en  ©ütergemein* 
|(^ft  bem  entmanne  jufte^t  (§  1399  3lbf.  1  Derb,  mit  §§  1352,  1353),  fo 
fonn  man  ju  bemfelben  aud^  baö  SSertrauen  ^aben,  bafe  er  bei  ber  2luöfet|rung 
M  ben  SÄtommiingen  jufommenben  SCfieileö  beö  SBorbel)attös  ober  ©onber- 
gutcö  beö  Derftorbenen  6f|egatten  gemiffenfiaft  unb  reblid^  üerfatjren  merbe. 
6benfon)cmfl  mic  baö  3ntereffe  ber  Slbf ömmtinge ,  mirb  baö  beö  übcriebenben 
C^egatten  burd^  ba^  ^rinjip  beö  ÄUeinerbred^teö  gefä^rbet.  9lbgefel)en  baoon, 
bfl§  i^n  bie  l^errfd^cnbe  ©tellung  in  ber  fortgefe^ten  (Sütergemeinfd^aft  ent? 
f<Wbigt  unb  gemiffe  auf  il^n  alö  ®rben  beö  üerftorbenen  @{)egatten  über* 
ge^nbe  SSerbinbftd^feiten  beö  (enteren  im  SSerljältniffe  jiDifd^en  i^m  unb  ben 
SWömmlingcti  biefen  biö  jum  Setrage  i^reö  SÄnt^eiteö  jur  Saft  fallen  (pergl. 
§  1400  Sttf.  2  3lx.  3,  äbf.  3,  4,  §  1399  3Ibf.  1  Derb,  mit  §  1369  5lbf.  l 
Süft  1,  §  1406),  i^at  berfelbe  einmal  baö  Snoentarred^t,  unb  aufeerbem  fann 
er  nad^  §  1386  bie  gütergemeinfd^aftlidje  Erbfolge  mit  ber  SBirtung  auö- 
fcfclagen,  ba|  alöbann  bie|enige  Grbfolge  eintritt,  meldte  eingetreten  fein  mürbe, 
wenn  jroifd^en  ben  ©Regatten  ©ütergemeinfd^aft  nic^t  beftanben  f)ätte. 

Änlangenb  ben  britten  ©afe  beö  §  1384  9lbf.  1,  fo  ergiebt  fidd  bie  barin  ''^"/J*^*^^^^^ 
enthaltene  SejKmmung,  bafe  bie  gemeinfd^aftlid^en  Slbfömmlinge  wegen  ifirer  nc^e/^aftüng 
auö  bem  9led^tfit)erl^ältniffe  ber  fortgefefeten  Oütcrgemeinfd^aft  fid&  ergebenben  ^^fL^^Tlen 
9Ie^te  perfonlid^  —  im  ©egenfafee  ju  ber  3Serpf(id^tung,  bie  S^ilgung  ber  SSer-  aawmmiinae. 
binbli^feiten  beö  üerftorbenen  (Sl^egatten  fomie  beö  Überlebenben  ©liegatten  auö 
bem  (Scfammtgute  ber  fortgefefeten  Oütergemeinfd^aft  ftd^  gefallen  laffen  ju 
TOüffen  (§  1399  5Kbf.  2)  —  meber  für  bie  SBerbinbUd^feitcn  beö  ©rblafferö  nod& 
für  bie  Serbtnblid^Mten  beö  überlebenben  ©l^egatten  l^aften,  in  ßrmangelung 
einer  entgcgenfte^enben  33eftimmung  an  fid&  fd^on  an^  allgemeinen  ©runb^ 
fttöen  unb  bem  5ßrinjipe  beö  SHleincrbred^teö   beö   überlebenben  ©Regatten. 
Siegen  ber  praftifd^n  SBid^tigfeit  ber  l^ier  in  SÄebe  ftel^enben  Seftimmung 
unb,  um  bem  9Ki|üerftänbniffe  entgegenjutreten ,   alö  ob  ber  ©intritt  ber 
fortgefeftten  ©ütergemeinfdiaft   eine  3trt  Unioerfalfufjeffion   mit   Uebergang 
ber  ©d^ulben  begrünbe,  ift  eö  alö  rat^fam  erad^tet,  jene  Seftimmung  im 
©efefee  auöbrüdHid^  ^croorju^eben.    Safe  ber  überlebenbe  ®f)egatte  fraft  beö 
i^  in  Slnfe^ung   beö  ©efammtguteö   juftel^enben   Süerroaltungöred^teö    bie 
^btommlinge  perfonlid)  nid^t  mit  ©d&ulben  belaften  fann,  folgt  aM  §  1399 
abf.  1  in  SBerbinbung  mit  §  1352  Slbf.  3. 

Siö^er  ifi  bei  ber  ©rörterung  ber  gall  unberüdEftd^tigt  gelaffen,  wenn 
neben  ben  gemeinfd^aftlid^en  9lbfommlingen  ein  ober  mel^rere  einfeitige  (erb? 

9UUw  |.  »firgerL  «efc^bu«.  IT.  28 


434    ®ütcrocmcinf(&aftRc6cö  (Srbrcdbt.    gortßefe^tc  ®ütcr9emcinfd6aft.   §  1384. 

Äoufurreni  bci*cd)tigtc)  Slblömmliugc  üovl^onbcn  fmb.  2)em  Oninbfaftc  bcö  §  1383,  bafe 
aMömmiinöe  i"!  gallc  iiubccrbter  S^e  bic  cinfcitigcn  Slbfömmlinflc  bed  ücrftorbenen  e^e* 
bc8«rbianer8.  gattcu  bcu  le|tcrcn  in  bcrfclbcn  SBcifc  beerben,  roic  er  beerbt  werben  würbe, 
mmx  jn)ifd)eu  ben  6f)egatten  ®üteröemein[d^aft  nid^t  bcftanben  l^ätte,  in  aSer^ 
binbung  mit  bcm  ^rinjipe  beö  3lllcinerbrecf|tcö  beö  überlebenben  ©Regatten 
nod^  3)ta6gabc  beö  §  1384,  wenn  nur  gcmeinfd^aftlic^c  9lbf5mmlinge  oorl^anben 
fmb,  entfprid)t  eö,  bafe  beim  gleid&jeitigen  SSorbanbenfein  gemcinf(i^aftUd)er  «nb 
cinfeitiger  3lbfömmUnge  baö  2nicinerbred&t  befi  überlebenben  ©Regatten  bie 
33efd)ränfiing  erföljrt,  ba^  bie  einfettigen  Slbfömmüngc  baöienigc  erben,  roaö 
fie  geerbt  I;aben  würben,  wenn  aud&  bic  gemeinfd^aftlid^en  Slbfommlinßc  ein- 
feitige  2lbfömmlinge  wären,  bafe  aber  neben  i^nen  ber  überfcbenbc  ©begatte 
infoweit  alö  ©rbe  beö  oerftorbenen  ©Regatten  berufen  wirb,  als  er  unb  bic 
gemeinfd^aftlid^cn  älbfömmUnge  bei  ber  93orQuöfe|ung,  bag  ©ütergemeinfc^oft 
}wifd)cn  ben  ©Regatten  nid^t  bcftanben  ^ätte,  a(ö  gefeglid^e  ©rben  würben,  be- 
rufen werben,  unb  ber  überlebenbe  ©^cgatte  iugleid^i  mit  biefen  gcmeinfd^aft« 
liefen  Slbfömmlingen  in  9Infe^ung  beö  nid^t  an  bie  einfeitigcn  Slbfömmlinge 
fanenben  S^l^eilcö  beö  ©efammtguteö  in  baö  Stcd^töoer^filtnig  ber  fortgefe^tcn 
©ütergemeinfd^aft  eintritt  (§  1384  9lbf.  1  ©aft  1,  2,  Slbf.  2,  §§  1395,  1396 
9lbf.  1).  3m  SRefuItate  ftimmt  bamit  inöbefonberc  aud^  baö  weftfäl.  ®ef.  ü. 
16.  9lpril  1860  §  7  Slbf.  1,  §§  8,  10  3Cbf.  1  überein,  nur  bafe  nad^  bemfelbeu 
bei  Seftimmung  beö  ben  einfeitigen  91bt5mmlingen  jutommenben  ©rbt^eikö 
an  bem  ®efammtgute  baö  nad^  bem  gemeinen  ©rbred^te  (preu§.  91.  S.  91.  II,  1 
§§  623,  624)  bem  überlebenben  ©Regatten  neben  SÄbfömmlingen  juftel^enbc 
©rbrcd&t  nad^  SRafegabe  beö  preufe.  91.  £.  91.  II,  1  §  639  nid&t  berärffid^tigt  wirb 
(oergl.  bie  aRotiue  ju  §  1383  oben  @.  421).  2)ie  infoweit  abweid^enbe  Siegelung 
beö  ©ntwurfcö  (§  1384  9lbf.  2  uerb.  mit  §  1971)  gewährt  nidfit  fowo^I  bcm 
überlebenben  ©Regatten  alö  ben  gemeinfd^aftUd^en  9lbfömmUngen  einen  SBor* 
ttieil,  inbem  biefe  bei  ber  9luflöfung  ber  fortgcfefeten  ®ütcrgemeinf(§aft  bic 
^älfte  beö  nad^  9lbiug  beö  an  einfeitige  9[bfömm(inge  faQenben  9Cnt^ei(cö 
t)erb(cibenben  ®efammtgutcö  erhalten,  o{|ne  bag  il^nen  gegenüber  baö  ©rbrc^t 
beö  überlebenben  ©Regatten  auf  ein  SSiertet  (§  1971)  berüdpd^tigt  wirb.  3>ic 
gcmeinfd^aftlidjcn  9lbfömmlinge  crl^alten  mltl^in  materiell  eine  grSfeere  ©rb* 
Portion,  wie  bie  einfeitigcn  9lbfömmlinge.  3)arin  liegt  inbeffen  feine  UnbiUigfcit 
gegen  bie  Ic^tcren,  fonbern  eine  billige  9luög(eid^ung  bafür,  bag  bie  gemcim 
fd^aftlid^en  9lbfömmlingc  ben  alö  ©rfaft  il^reö  ©rbred&teö  iljnen  jufommcnbcn 
9lntl^cil  an  bem  ©cfammtgutc  erft  bei  9luflöfung  ber  fortgefe^ten  ©fiter- 
gcmeinfd^aft  erfialten  (ücrgt.  bic  3Rotioe  ju  §  1406  unter  1),  eine  äuöglei^ung, 
über  weldde  anbcrerfcitö  bie  einfeitigcn  9lbt5mmlinge  fi^  nic^t  bcfd^wcrtn 
fonncn,  weil  biefelbe  nid^t  auf  ibrc  Roften  erfolgt. 
»erfflfluiiflen  3ft  ucbcu  bcu  gcmcinfd^aftlidjcn  9lbf5mmlingen  ein  cinfeitiger  9(btömtm 

»Ten^bJrbie  li"9  i^^^  tjorl^aubcn,  bicfcr  aber  naä)  §  1972  t»erb.  mit  §  1384  9lbf.2  olö 
crbt^ciie  ein*  vox  bcm  ©rbfallc  geftorben  anjufeljen,  fo  erftredft  fid^,  wie  auö  §  1384  9lbf.  l 
*fimmui!l^  ©öfe  1  crbellt,  baö  gütcrgcmeinfd&aftlid&c  ©rbred)t  beö  überlebenben  ©Regatten 
an  fid&  aud^  auf  ben  frei  geworbenen  SBrud^t^eil  eineö  fold^en  einfeitigen  9(b^ 
fömmtingcö;  bo^  fann  in  9lnfel^ung  eineö  folgen  Srud^t^cileö  ber  ©rblaffer  nac^ 
ber  auöbrücflidjen  SBorfd)rift  beö  §  1385  9lbf.  1  ©aft  2  oJ[>nc  Siürfjtc^t.  auf  bofi 


©ütergcuteinfd&aftrid&cö  ßrBre^t.    g?cd?tri*cr  itaraftcr.    §  1385.  435 

©rbre^t  bcö  öberlcbcnbcn  ©^cßattcn  t)on  S^obedroegen  tjerfügcn  (ücrgl.  bic 
JRotioc  ju  §  1385).  Safe,  lücnn  ein  einf eiliger  Slbfommling  üor^anbcn  ift, 
o^nc  bog  bie  JBoraudfefcungen  bcö  §  1972  vorliegen,  ber  (Srbloffer  in  Sin- 
fcj^ung  beß  bcm  cinfeitigen  9lbfömmlingc  nac^  bem  gcfe|Iid)cn  ®rbred^te  ju- 
ffe^enben  Snid^t^eileö  ber  6rbfd)oft  und)  aWafegobe  ber  allgemeinen  erbred^tlid^en 
Sorfc^riften  o^ne  SRüdffid&t  auf  baä  ®rbrcd^t  beö  überlebenben  ©Regatten  üon 
iobeftroegen  verfügen  fann,  ergiebt  fid^  fd&on  auö  §  1384  9(bf.  2  in  SBerbinbung 
mit  bem  §  1384  3lbf.  1  ©a|  1,  inbem  beim  58orl)anbenfein  erbbercd^tigtcr 
einfeitigcr  äbfommUnge  neben  gemeinfd^aftlid&en  9lbfommlingen  baö  güter^ 
geineinfd^aftlid^e  ©rbred^t  beö  überlebenben  (Sb^flötten  umfönglid^  fid^  auf  bcn^ 
jcnigen  Änt^eil  befd^rfinft,  ju  roelddem  er  unb  bic  gemeinfd^aftlidEien  Slbfömm^ 
lingc  bei  ber  33orauöfe|ung,  ba%  Oütergcmeinfd^aft  jroifd^cn  ben  ©fiegatten 
iiii^t  befianben  l^ätte,  als  gefeftlid^e  ©rben  würben  berufen  werben.  9InbererfeitS 
fann  ber  (Srblajfer  nad^  §  1383  Slbf.  2  ©a|  2  üerb.  mit  §  1389  ben  gefefe^ 
lid^  ©rbt^eil  eines  einfeitigen  Slbfömmlingeö  nid&t  jum  3lad^t^eite  ber 
ont^öbere^tigten  Slbfömmlinge  erp^en,  felbft  nid^t  mit  3^^fti"^"^wn9  ^^ö 
ttnbcren  ©l^egatten.  Stur  inbirett  fann  er  eine  ©rfiö^ung  beö  bem  einfeitigen 
Sbfömmtingc  gefefelid^  iufommcnben  ©rbt^cileö  baburd^  l^erbcifübren ,  bafe  er 
mit  3Mftiitttnwng  beö  anberen  ©Regatten  einen  ber  gemeinfd^aftUd^en  9lb^ 
törnmlinge  nad&  SBafegabe  ber  §§  1388,  1390  t)on  ber  a;i^eilnal^me  an.  ber 
fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  üoKftänbig  auöfd^liefet,  inbem  nad^  §  1388  in 
einem  fold^cn  galle  ber  außgcfd&lojfene  gemeinfc^aftlid&e  5lbfömmling  alö  üor 
bem  SrbfaQe  geftorben  an}ufel^en  ift. 

§  1385. 

^\iv6)  bie  »eftimmung  beö  §  1385  Slbf.  1  ©afe  1  roirb  bcm  im  §  1384  mf.  1  t^nos^näiger 
bcjcic^neten,  fraft  ©efegcö  mit  bem  ®ütergcmeinfd(iaftöi)crtrage  üerbunbenen  ^aratuv  b«« 
tinb  ba^er  an  fid^  als  gefeftlid&ed  ©rbred&t  anjufclienben  ®rbred)te  bcö  über::  ^{lianii^t' 
Ifbcnben  ©Regatten  ber  Äarafter  eines  burd^  ©rbeinfegungöüertrag  begrünbeten  erbrec^tc^. 
febred^tcS  beigelegt  (oergt.  §§  1940  ff.).   9luö  biefer  S3eftimmung  in  SBerbinbung 
mit  §  1953  SÄbf.  1  ©ag  1  folgt  inöbefonbere,  bafe  burd^  bie  tjcrtragsmeifc 
ßinfü^rung  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  ältere  leßtunlligc  SSerfügungen 
bes  einen  ober  anberen  ©begatten,  fomeit  biefelbcn  fid)  nid^t  auf  SSorbel^altS^ 
ober  ©onbergut  begießen  (§  1395),  aufgelioben  werben.    ^Dagegen  finbet  bie 
8eflimmung  beS  §  1953  Sttbf.  1  ©aß  2,  nad&  weld^er  eine  früliere  leßtroillige 
Serfüflung  audft  bann  als  aufgelioben  gilt,  wenn  bie  ©rbfc^aft  bem  3Sertrags* 
erben  nid^t  anfällt  ober  von  biefem  auSgefd^lagen  wirb,  feine  Slnmenbung,  ba, 
wie  oud  ben  befonberen  öeftimmungen  bes  §  1383  9lbf.  1,  bes  §  1385  9lbf.  2 
wnb  ber  §§  1386, 1387  erhellt,  es  in  bcw  betreffenben  gäUen  in  9lnfe^ung  ber 
Seerbung  bes  oerftorbenen  ©Regatten  fo  angefcljcn  werben  foll,  a(s  l^abe  ©üter^ 
flcmcinfc^aft  jwifd^en  ben  ©Regatten  überhaupt  nid&t  beftanbeit. 

©ine  weitere  Äonfequenj  ber  83eftimmung  bcs  §  1385  9lbf.  1  in  SBer- 
binbung  mit  §  1953  Slbf.  2  ift,  bafe,  oorbel^altlid^  ber  befonberen  S3eftimmungcn 
bes  §  1385  abf.  1  Safe  2  unb  bes  §  1387,  ber  eine  ©begatte  nid^t  in  ber 
2age  ift,  bos  3llleinerbred)t  bes  anberen  unb  bas  fraft  bes  ®efct;es  bamit 

28* 


436  ®ütergcmeinfd5aftli*cÄ  erBrcd&t.    JRe^tltier  Äaraltcr.    §  1385. 

MuTfÄHeäin  ^^^^"^^^^"^  ^^^^  beöfclbctt  ttuf  Sortfcfeutig  ber  ©ütcrgcwcinfd^oft  burc!^  cim 
burt^'ben  ^ f eitige  Verfügung  x)on  S^obcöroegen  ju  entjie^cn  ober  fonft  5U  bcctnträd^tigcn. 
«rbiaffer.  gifjj^gijj^enb  0011  bett  allgeTncinen  crbred&tlid^en  33orfd&riftcn  über  ben  6rb* 
cinfclungöocrtrag  fönncn  aber  nod^  ben  SBorfd^riften  bcd  §  1383  2lbf.  2  Safe  2 
unb  ber  §§  1388—1390  bie  ©Regatten,  fofem  fic  nid^t  bie  gütergemcinfdftaft* 
l\ä)t  ©rbfolge  gänjltd^  audfd^Uegen^  ottd^  burd^  gemeinfame  Verfügung  in  baft 
gütergemeinfd^aftfid^e  ©rbred^t  unb  bie  bamit  perbunbene  fortgefcfetc  ©ütcr« 
gentcinfd^aft  nur  in  bef darauf tcm  Umfange  eingreifen.  2)er  ®runbfa|,  ba| 
bie  bem  überlebenben  ©fiegatten  ouf  ©runb  ber  Oütergemeinfc^aft  eingeräumten 
ditä)tt  m6)i  buvä)  einfeitige  SScrfügungen  beö  (Srblafferß  entjogen  ober  beein* 
träd^tigt  werben  fönnen,  fielet  aud^  mit  ber  äRel^rja^I  ber  befte^enben  ©üter^ 
gemeinfd^aftdred^te  im  @in!(ange.  ©ine  Sludnal^me  mad^en  in  biefer  Seiiel^ung 
nur  einjelne  Siedete  infofern,  ate  fie  jebem  ber  ©l&egatten  baö  JRed&t  geben, 
aud^  burdö  einfeitige  lefetmiHige  SSerffigung  bie  fofortige  ©d^id^tung  bei  feinem 
2^obe  anjuorbnen,  mitl^in  bie  fortgefefete  Oütergemeinfd^aft  auöjufc^Uefeen.  6ß 
gel^Sren  bal^in  bie  fc^iedro.  ^olft.  9led^te,  bad  l^amb.  Stecht  (jebod^  nid^t  un- 
beftritten)  unb  baö  meftfät.  (Sef.  o.  16.  3lpril  1860  §  6  Slbf.  2,  §  14  9h:.  5 
(üergl.  aud&  oönabr.  ©ntm.  §  16;  el^renbreitft.  ©ntro.  §  50).  9lod^  lüb. 
Siedete  ftel^t  bie  frnglid^e  Sefugnife  nur  bem  ©l^emanne  ju.  ©ine  berartige 
3Iudnof)me  fann  jebod^  afe  gerechtfertigt  nid^t  angefel^en  werben,  ©(^on 
bie  SRatur  unb  ber  ^lütä  ber  ©ütergemeinfd^aft  meift  barauf  ^in,  ba6 
ber  gortbeftonb  berfelben  beim  3^obe  beö  einen  ©l^egatten  nid^t  oon  ber 
SBillfür  biefeö  ©fiegatten  abl^ängig  gemad^t  werben  barf.  3)ie  ©rünbe,  meldbe 
jur  Slnerfennung  ber  fortgcfefeten  ©ütergemeinfcbaft  gefül^rt  ^aben  (oergl. 
bie  ajlotioe  ju  §  1384  oben  ©.  426  ff.),  nötl^igen  aud^  jum  9luöfd^(uife  einer 
einfeitigen  roiUfürlid&en  älenberung.  9Son  befonberem  ©emic^te  ift  ferner,  bog 
bie  ©ütergemeinfc^aft  nad&  bem  ©ntrourfe  nid^t  ben  gefefelid^en  ©üterflanb 
bilbet,  fonbem  nur  fraft  SBertrageö  ber  ©Regatten  eintritt.  3ft  bie  ©üter^ 
gemeinf^aft  ber  gefefelid^e  ©üterftonb,  fo  ftellt  ftd^  baö  Siedet  beö  überlebenben 
©l^egatten  alö  bad  gefe^lid^e  ©rbred^t  bar.  S)a  biefeö  o^ne  ben  SBiOen  beö 
anberen  ©^egotten  jur  ©eltung  gelangt,  fo  fann  eö  el^er  angejeigt  fein,  bem 
anberen  ©l^egatten  baö  SJled&t  ju  einer  Slenberung  jujugeftel^en.  SKnberö  uer* 
l)ä(t  eö  ftd^  bei  ber  Dertragömögigen  ©ütergemeinfd^aft.  ^ier  ifl  baoon 
auöjugel^en,  ba^  bie  ©liegatten  bei  ber  JJbfajfung  beö  auf  bie  ©ütergemeim 
fd&aft  gerid&teten  SScrtrageö  aud&  baö  auö  bem  ©efefee  fid^  ergebenbe,  für  fie  fo 
mid^tige  ^erl^ältnig  nad^  bem  ä^obe  beö  einen  2^l[ieileö  inö  9(uge  gefaxt  unb 
in  ©rmangetung  einer  entgegenftel^enben  33eftimmung  in  ben  ^ereid^  i^r 
aSereinbarung  gcjogen  l^aben.  Unter  Umftfinben  mag  allerbingö  ber  eine 
©begatte  ein  Snterejfe  baran  l^aben  tonnen,  bag  bie  fortgefefete  ©ütergemeim 
fd^aft  nadd  feinem  3;obe  n\(i)t  eintrete.  Slllein,  abgefel^en  von  ben  gäUcn  beö 
§  1387,  !ann  biefem  Sntereffe  nic^t  ein  fold^eö  ©emid&t  beigelegt  werben,  ba% 
ber  betreffenbe  ©begatte  crmäd^tigt  wirb,  baö  bem  anberen  S^l^eile  eingeröumte 
OTeinerbred&t  unb  baö  9ied^t  auf  gortfegung  ber  ©ütergemeinfd^aft  auöju- 
fd^liegen  ober  ju  befd^ränfen.  S)ie  abwcid&enben  Scftimmungen  ber  angeführten 
SRcd^tc  erflären  fid^  wefentlid^  barauö,  bafe  nad^  benfelben  bie  ©ütergemeinfc^aft 
ben  gefe^lidEien  ©üterftanb  bilbet     Slnlangenb  inöbefonbere  baö  weftfäl.  ®cf. 


®ttteröemcinf*aftU(J6c«  örBrecfet.    aftedfetlicfecr  Äaraftcr.    §  1385.  437 

V.  16.  STpril  1860,  fo  tritt  nod^  l^inju,  bafe  bic  bctreffenbc  3Sorfd^rift  bcöfclbcn 
iic^tbar  auf  einem  Äompromii^e  beruht,  burc^  weld^eö  man  ben  SBibcrftreit 
wrfcjicbener  in  ben  bct^eiligten  SCerritoricn  biß^er  in  ©eltung  gcroefcner 
9Ie(i^tdnormen  ju  nermitteln  gefud^t  l^at. 

Au«  ber  Seftimmung  bes  §  1385  aibf.  1  Safe  1  folgt  ferner,  bafe  ber  6<*en«unßen 
überlebenbe  ©begatte  ate  SBertragöerbe  ©(^enlungen  bcö  oerftorbenen  ®l^e*  «rb?afferä. 
gatten  nad^  SRa^gabe  bed  §  1952  anjufed^ten  bered^tigt  ift.  3ft  bie  @^e^ 
frou  ber  überlebenbe  S^^eil,  fo  l^at  für  fic  jeneß  SWe^t  im  ^inblidEe  auf  bie 
SeiHmmungen  bed  §  1353  allerbingg  nur  geringe  praftifd^e  93ebeutung. 
^nbeffen  ift  aud^  in  biefem  ^alle  eine  erl^ebli(|e  93enad^tl^eiligung  bed 
gätergemeinfd^aftlid^en  (Srbred^ted  burd^  ben  Seemann  nid^t  audgef d^toffen ; 
beifpieldmeife  tann  ber  lefetere  t)ermoge  bed  il^m  nac^  §  1352  }uftel)enben 
Setfügungörec^teö  ©efammtgut  in  fein  SBorbe^altß-  ober  Sonbergut  uer- 
loenben,  baß  lefetere  burd^  binglid^en  SBertrag  ol^ne  @inn)illigung  ber  @l^e^ 
frttu  loirlfom  oerfd^enfen  (t)ergl.  bie  aWotioe  gu  §  1353  oben  ©.  357)  unb 
baburc^  bemirfen ,  bag  biefeß  nid^t  außreid^t,  um  barauß  ben  von  bem  @l^e- 
monne  ju  bem  ©efommtgute  ju  leiftenben  ßrfafe  ju  bemirlen  (oergt.  §§  1364, 
1:365  aibf.  1,  §  1367  Slbf.  2,  §§  1368,  1369,  1420  Derb,  mit  §  1351 ,  §  1395 
Sbf.  3,  §  1400  STbf.  2—4).  SBefentlid^  gefä^rbeter  ift  bie  Sage  beß  eijiemanneß, 
ba  bie  S^au  vermöge  i^rer  ©efc^ftftßfä^igleit  ol^ne  Sinmilligung  beß  @l)e' 
manneß  pd^  burd^i  ©d&enlungßrerfpred^en  roirffam  verpflichten  fann,  obmoöl 
jie  oieDeid^t  gar  fein  SSorbe^altßgut  ober  ©onbergut  ^at.  SBäljrenb  ber  6^e 
tonn  {loar  i^r  9(nt^etl  am  ©efammtgute  nid^t  in  Slnfprud^  genommen  merben ; 
ober  im  gaUe  ber  2tuft5fung  ber  ©ütergemeinfd^aft  burd^  ben  Xoh  ber  ß^e- 
frttu  haftet  ber  (Seemann  alß  6rbe  ber  tefeteren  für  beren  ©d^ulben,  unb  wenn 
er  aud^  baß  Slußfd^lagungß^  be}m.  baß  3lnt)entarrec^t  l^at,  fo  fönnen  bod)  burd^ 
ein  fotd^cß  Sorge^en  ber  @^efrau  feine  burd^  baß  gütergemeinfd^aftlid^e  @rb^ 
rec^t  oermittelten  Steckte  an  bem  ©efammtgute  materiell  völlig  iUuforifd^  ge- 
macht merben,  rotnn  baß  SSorbe^altß^  ober  ©onbergut  ber  verftorbenen  S^efrau 
niäfi  ^inreid^t,  um  barauß  bie  ^ier  fragtid^en  SSerbinblid^Ieiten  bejm.  fold^e 
©efommtgutßverbinblid^leiten  ber  ß^efrau,  meldte  im  SBer^öltniffe  ber  ©Ijiegattten 
iu  einanber  ber  ©befrau  allein  jur  2aft  fallen,  ju  berid^tigcn  (vergl.  §  1367 
Sbf.2,  §  1395  Slbf.  3,  §  1400  2lbf.  2—4).  Sluß  biefen  ©rünben  empfiehlt 
cß  jid^,  bem  überlebenben  @l^egatten  baß  älnfed^tungßred^t  nad^  Sftaggabe  beß 
§  1952  nic^t  JU  verfagen.  Sag  baß  lefetere  bann  außgcfdbloffen  ift,  menn  ber 
mftorbene  (S^egatte  burd^  SRed&tßgefd^äfte  ber  im  §  1952  bejeid^neten  2lrt  über 
fein  Sorbe^altß«  ober  ©onbergut  verfügt  ^at,  of)nc  baburd^  baß  ®efammtgut 
mittelbar  fac^licf)  )u  beeinträd^tigen,  bebarf  eincß  befonberen  gefefelid^en  Sluß:" 
bnufeß  ni^t;  eß  ergiebt  ftd^  Meß  barauß  von  felbft,  bag  nad^  §  1395  baß 
gütergemeinfd^aftlid^e  @rbred^t  beß  überlebenben  @l^egatten  in  9lnfel()ung  beß 
{um  9}a4(affe  beß  verftorbenen  S^egatten  gel^örenben  SSorbel^altß^  unb  ©onber^ 
guteß  nur  einen  formalen  5larafter  ^at. 

Die  aSorfd^rift  beß  §  1385  2lbf.  1  ©afe  2  ftellt  ft^  alß  eine  aRobififation  »erfüflungen 
beß  im  crfien  ©afte  aufgefteDten  ^ßrinjipeß  bar.    35a  baß  bem  überlebenben  ^^'weaeiJ**' 
Spotten  nad^  §  1384  Slbf.  1  juftel^enbe  gütergemeinfd^aftlii^e  Srbred^t  nad^ 
§  1385  Slbf.  1  ©afe  1  ben  Staxatttt  eineß  Sertragßred^iteß  ^at,  fo  mürbe  in 


438  ©utcrfleincinf^aftlic^eß  6rtre*t.    JRc^tUcfeer  itarafter.    §  1385. 

©nnangclung  einer  befonbcreii  SBorfc^rift  ber  ©rblaffcr  im  ^inblicte  auf  bic 
a3orfd)riftcn  beö  §  1953  3lbf.  2  nid^t  bered^tißt  fein,  in  Stnfe^ung  beöienigcn 
33ru(I)tlj)eUed ,  um  n)eld)en  ber  (Srbt^cil  beö  iiberlebenben  ©Regatten  in  golge 
beö  SBcgfalleö  cincö  nad)  ben  SSorfc^riften  beö  §  1972  a(ö  geftorben  onju* 
fel)cnben  cinfeitigen  Sttbtommlingcö  fid)  er^ötit,  uon  a:obeön)egen  ju  verfügen. 
®ö  fann  in  3">^i^l  gcjogen  werben,  ob  cö  gerechtfertigt  ift,  in  biefer  ^inftci^t 
jum  3laä)i\)eik  beö  Überlebenben  ©Regatten  unb  ber  gemeinfc^aftlid^en  %b^ 
fömmlinge  eine  2luöna]&me  ju  mod^en.  Ueberroicgenbe  ©rünbe  fprec^en  icbot^ 
bafür,  boö  bcm  iiberlebenben  ©öegotten  juftel^enbe  gütergemeinfd^aftlid&e  6rf^ 
rec^t  m6)  SKofegabe  beö  §  1385  2lbf.  1  ©afe  2  inJ^altlid^  ju  befd^ränfen  unb 
inforoeit  ben  Slntljieil  ber  cinfeitigen  Slbfommlinge  an  bcm  jum  9ladblaf[c  beö 
Dcrftorbenen  ©Regatten  get)örcnbcn  9[ntl)eile  an  bcm  e^eüd^en  ©efammtgutc 
alö  aufeertialb  Der  Oütergemeinfd^aft  ftefjcnb  ju  bcl^anbcln.  Sicfc  Slrt 
ber  $Hege(ung  entfprid&t  nid^t  allein  bem  ^^rinjipe  beö  §  1384  Slbf.  2  in  SScr* 
binbung  mit  §  1984,  fonbern  red^tfertigt  fid^  gegenüber  bem  Äaraftcr  bc« 
gütergemcinfd^aftlid^en  ©rbrec^teö  alö  cineö  aSertragöred^tcö  burd&  bic  ©rmSgung, 
bag  nac^  §  1384  3lbf.  1  baö  gütergcmeinfd^aftlid^e  @rbrec^t  fic^  nid^t  Don 
t)ornt)erein  aud^  auf  bic  9(ntl)ei(c  ber  cinfeitigen  9lbfömmlingc  erftretft.  3n 
bzn  \)kx  I)auptfäd)lid^  in  Setrad&t  tommenbcn  fallen,  in  meldten  ber  einfcitigc 
3lbtömmUng  burdf)  IcfetmiDige  33crfügung  beö  ©rbloffcrö  ober  burc^  ©rboerjic^t 
uon  ber  ©rbfotge  auögefc^Ioffen  ift,  beruht  bie  nac^  9Ka§gabe  beö  §  1972  ein? 
tretcnbe  ©rweitening  beö  ©rbred^teö  beö  überlebcnbcn  ©Regatten  mittelbor  auf 
einer  3)iöpofition  beö  ©rbtafferö.  Df|nc  bicfe  S)iöpofition  mürbe  ber  über* 
lebcnbc  ®f)cgatte  fein  JHed^t  auf  ben  Slnt^eit  beö  cinfeitigen  äbfornmlingcö 
erlangt  l&aben.  3)em  überlebcnbcn  ©Regatten  unb  ben  gemelnfd^aftlic^cn  Slb* 
tömmlingen  mirb  bal;er  nid^t  }u  naljc  getreten,  menn  bem  (SrMaffer  gcftattet 
mirb,  in  ben  gällen  beö  §  1972  über  ben  frei  merbenben  2lnt^eil  beö  cin- 
feitigen 2lbfömmlingeö  anberioeit  ju  uerfügen.  9luf  ber  anberen  ©eitc  ift  eö 
audb  billig,  bem  ®rblaffer  bicfe  Sefugnife  beijulcgen,  namentlich  l^ingcfe^cn  auf 
fold)e  göUe,  in  n)cld)en  ber  ©cbloffer  bem  burc^  ©rbocrjid^t  Don  ber  Erbfolge 
auögcfd^loffenen  cinfeitigen  Slbtömmlingc  eine  9lbftnbting  gemalert  ^at,  ober  in 
roeld^cn  neben  bem  oon  ber  ©rbfotgc  auögefd&toffcnen  cinfeitigen  ^[bfömmlingc 
nod)  ein  anbercr  einfcitiger  9lbt5mmling  oorfianben  ift,  roetd^cm  ber  @rbla{fcr 
ben  frei  gemorbencn  3lnt()cil  beö  meggefallenen  cinfeitigen  91bf5mmlingeö  ganj 
ober  jum  2^[)eil  juiDcnbeu  loill.  SJaju  tommt,  ba§,  wenn  ein  einfcitiger  Slb« 
tömmling  uor^anben  ift,  ofjnc  bafe  einer  ber  im  §  1972  bejcid^ncten  gäUc  t)or* 
liegt,  ber  ©rblaffer  nad^  §  1384  9lbf.  2  oerb.  mit  §  1384  2lbf.  1  ©afe  1  über 
ben  9lnt^ci(  bcä  cinfeitigen  9lbtömmlingeö  nad)  ü)la§gabe  ber  allgemeinen  erb- 
re(^tlic^en  3Sorfd;riften  o^nc  JHüdEfid^t  auf  baö  ©rbred^t  beö  überlebcnbcn  e()c* 
gattcn  Don  2:obeön)egen  mirtfam  uerfügen  tann  (ocrgl.  bie  SHotitje  ju  §  1384 
oben  S.  435).  Sn  fold)en  gciUen,  in  meldten  ber  ©rbtaffer  in  ber  Sage  ift, 
bcm  cinfeitigen  9lbfömmlingc  ben  'i^flid&tt^cil  ju  entjiel^en,  mürbe  ba^er  ber 
©rblaficr  aiid)  o()uc  bie  a[5orfd)rift  beö  §  1385  Slbf.  1  ©a^  2  feinen  Brocrf 
bodj  auf  bem  SBcgc  crreidjcn  tonnen,  bafe  er  bem  cinfeitigen  Slbfömmtingc, 
ol)ne  benfclbcu  oon  ber  Erbfolge  auö juf ^liefecn ,  ben  ^Pi^ttbcil  entjiebt  unb 
ben  le^tevcn  alöbanu  mit  3Sennnd)tniffen  belaftet. 


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©ütcrflCOTcmfc^ftli^eg  StBrcd&t.    Üluöf^Iaeuno.    §  1386.  439 

Xud^  bic  aSorfe^rift  bc«  §  1385  2lbf.  2  entljiolt  eine  9lbn)ei(l)ung  oon  ^fftc^tt^eu«* 
bem  im  §  1385  3ttf.  1  ©afe  1  auögefprod&encn  ^rinjipc.  S)a  mä)  biefem  geldn?d^at?i 
^rinjipe  baö  gütergemeittf^aftli^e  ©rbrcd^t  einen  Dertragömäfeigen  Äarafter  ^i<*«". 
ffüt,  fo  würbe  nad^  ben  aUgemeinen  erbred^tlid^cn  SBorfd^riften  (§  1975)  ii^  *"^'""*^*"öe 
©rmongelung  einer  entgegenftel^enben  SBorfd^rift  boö  SRee^t  bcr  gemeinfd^aftUc^en 
SbtommUnge  auf  ®en)äl^rung  bed  $fli(i^tt^ei(ed  auö  bem  ^lad^laffe  bed  rer- 
Itorbenen  (S^egatten  tinter  aßitberädftd^tigung  bed  jum  Stai^Iaffe  be3  legteren 
na^  §  1382  ^bf.  1  gel^örenben  9(nt^ei(ed  an  bem  ©efammtgute  nid^t  au^^ 
gefc^lofien  fein,  ©egen  bie  Slnerlennung  eineö  fold^en  ?ßf(id[|ttl^eilöred^te§  föHt 
ober  entf^eibenb  ind  ©emic^t  ^^^  bad  dted^t  bed  über(ebenben  ©Regatten  auf 
-bte  fortgefefete  ©ütergcmeinfd^aft  ein  fo  mcfentlid^eö  ßlement  bcr  Oüter* 
gemeinfc^aft  tft^  bag  ol^ne  bie  unt)erfürjte  Slufred^terl^altung  bedfelben  bem 
Seburfniffe^  n)eld^em  bie  Dertragdmägige  ©ütergemeinfd^aft  bed  ©ntmurfed 
9ie(^nung  tragen  foU^  nid^t  me^r  ©enüge  gefd^el^en  unb  man  in  einem  großen 
2^e  bcrienigen  ®d)iete,  in  meldten  bie  Oütergemeinfd^aft  jefet  baö  gefefelid^e 
<8fiterre(i(|t  bilbet^  in  ber  3u^<^ffung  bed  gebadeten  $f[i(^tt^eitered^ted  ber  91b« 
fommlingc  eine  SSertümmerung  bed  3nftituted  erblidEcn  mürbe.  2)ie  gemein* 
f^ftßc^  Sbtommlinge  merben  burd^  bad  i^nen  entjogene  @rbred^t  unb 
^id^tt^eildred^t  an  bem  ®efammtgutdantl^ei(e  bed  perftorbenen  @l^egatten 
burc^  bad  Eintreten  in  bad  9led^tdt)er^ältnig  ber  fortgefegten  ®ütergemetnfd)aft 
ooK  entf^fibigt,  unb  in  älnfel^ung  bed  }um  9tad^(affe  bed  uerftorbenen  ©Regatten 
ge^orenben  Sorbetialtd*  ober  @onberguted  bed  (enteren  ift  ben  älbfömmlingen 
bü«  ^ffid^tt^eildred^t  bur^  bie  »eftimmung  bed  §  1395  Slbf.  2  ©afe  2  gcfid^ert. 
SnmieiDeit  einem  gemeinf^aftlid^en  ^bfömmlinge  bie  ^[nt^eildrec^te  an  bem 
@cfommtgute  ber  fortgefe|ten  ©ütergemeinfd^aft  bur^  SBerfügung  eined  ber 
eficgatlen  entjogen  ober  befd^rönft  merben  tonnen,  ift  in  ben  §§  1388—1391 
beftimmt. 

§  1386. 
2luf  Ocunb  ber  Seftimmung  bed  §  1386  ^at  ber  überlebenbe  ®^egatte  «"«wiaguna 
bie  gSSo^I,  ob  er  bad  i^m  auf  ©runb  bcr  ©ütergemeinfi^aft  juftel^enbe  ober  ßemcÄft. 
bad  i^m  fonft  jufommcnbc  ©rbrec^t  in  Slnfpruc^  nehmen  roiD.  2)ie  beftcljicnben    qI^^^^ 
Siechte  fc^eincn  in  biefer  Sejiel^ung  regelmäßig  einen  anberen  ©tanbpunft  ein- 
{uneben,  inbem  fte  bad  9le^t  ber  9(bfömm(inge  auf  bie  a[d  9lad()(ag  bed 
Dctftorbenen  ©Regatten  ansufel^enbe  ^ftlftc  bed  ®efammtgutcd  al&  ein  üon  bem 
SBiDen  bed  fibcriebenben  ©Regatten  unab^ängiged  be^anbe(n  unb  biefem  nur 
bod  Siecht  einräumen,  iebcrjcit  bie  ©d^id^tung  ju  verfangen  (ocrgl.  mcftfäl.  ®ef. 
u.  16.  «pril  1860  §  7  «bf.  1,  §  10  «bf.  1,  §  13).    3Bo  bic  ®ätcrgemeinfd()aft 
ben  gefeifclid^n  ®üterftanb  bilbet,  ift  bied  aud&  fonfequent,  roeil  I;ier  bie  auf 
®nmb  bed  (enteren  eintretenbc  ©rbfolge  eben  bie  gefe|Ii(^c  ©rbfolge  ift.    83ci 
ber  pcrtragdmäfeigen  ©ütergemeinfd^aft  bed  ©ntmurfed  fel^It  ed  bagegen  an 
einem  genfigenben  ®runbe,  bem  überlebenben  ©Regatten  in  Slbrocic^ung  ron 
ben  allgemeinen  SBorf^riften  über  ben  6rbeinfe6ungdt)crtrag  (§  2038)  unb  bem 
ISrinjipe  bed  §  1385  »bf.  1  bad  SRed^it,  bie  gütergemeinftiaftlid&e  Erbfolge 
mit  ber  SBirtung  audjufc^tagen,  bafe  bie  geroö^nlic^e  Erbfolge  eintritt,  ganj 
JU  cntjie^n,  ober  boc^  in  ber  atrt  ju  bef(^rän!en,  bafe  er  im  gälte  bcr  9lud' 


440  ©uterßemcinfc&aftnd&eg  grtre^t.    (gntitcl&unö.    §  1387. 

fd^Iagung  bad  ii^m,  abgefcljcn  von  bcr  ©ütcrgcmcinfc^aft,  jufommcnbc  ©rbred^t 
oerüert.  Scgtereö  liefee  fic^  nur  bann  rcd^tfertigen,  rocnn  man  untcrftcBtc, 
ba^  bcr  übcrlcbenbe  ®t)egattc  burd^  ©ingel^ung  bcr  ©ütcrgcmcinfd^oft  auf  fein 
gefefelic^cö  Grbrcd^t  ocrji^tct  Ijiabc.  Oegen  eine  fold^c  3luffaffung  fprid^t  aber, 
bafe  baß  Sltteinerbrcd^t  beö  übcriebenben  ©Regatten  bciiD.  bic  fortgefe|te  ®üter* 
gemeinfd^aft  nidit  im  Sntercjfc  bcr  9lbtBmmlinge,  fonbern  im  3ntereffe  beö 
übcriebenben  ®l)egatten  eingefül^rt  ift  (uergl.  aud^  §  1385  Slbf.  1  oerb.  mit 
§  1950).  liefen  ©rmägungen  gegenüber  fann  barauf  befonbered  &tvDxö)t  nici^t 
gelegt  rocrben,  bag  bad  ^ugfc^lagungi^recbt  bem  übcriebenben  @l^egatten  jum 
SZad^tl^cilc  bcr  3lbfömmUnge  bic  aKöglid^fcit  gcmSl^rt,  menn  roä^renb  bcö  fiaufeö 
bcr  3)eIiberationöfrift  ein  crljieblid^er  ©rmerb  il^m  jugefaüen  fein  foDtc,  bcn 
9lbfömmlingen  bcn  il^ncn  nad^  btn  ®runbfä|cn  bcr  fortgefefeten  ©üter- 
gemcinfd^aft  (§  1396  3lbf.  1)  jutommcnbcn  Slnt^cil  an  jenem  ®rrocrbe  burd^ 
äluöübung  beö  Sluöfd^Iagungöred^teö  ju  entjiel^cn.  I)erartigc  gfitte  werben  nur 
feiten  fein.  3n  bcr  Siegel  wirb  baö  gütcrgcmeinfd^aftlid&e  ©rbred^t  bem  übcr= 
tebcnbcn  ©Regatten  rort^eilliaftcr  fein,  alö  baö  gcfeglid^e  ©rbrcd^t,  unb  ber 
lc|tere  bal^er  oljine  jroingcnbe  ©rünbe  t)on  feinem  3lufif(^lagungdrcd&te  feinen 
®ebraud&  mad^cn. 
(jrbfoiae  im  ^nt  gaUc  bcr  3luöfc^lagung  tritt  bieienigc  ©rbfolge  ein,  meldte  eingetreten 

«uWaSung.  fein  TOÜrbc,  TOcnn  jTOifd^en  bcn  (S^egatten  ©ütcrgemeinfd^aft  nid^t  beftanben 
l^ätte,  b.  }),  je  nac^  ben  Umftänben  bic  gefcftlid^c  ßrbfolge  ober  bic  ©rbfolge 
auf  ®runb  einer  93erfügung  uon  2:obeöroegen,  bic  teltcrc  (Erbfolge  inÄbcfonbcre 
bann,  wenn  bcr  oerftorbcne  (Sl)cgatte  unter  ber  SBorauöfelung,  bafe  eß  nic^t 
}u  bcr  9lnnal)me  ber  ©rbfd^aft  burd^  ben  übcriebenben  ©Regatten  ate  guter* 
gcmcinfd^aftlid^cn  ©rben  fommen  foUte,  eine  SBcrfügung  üon  3::obeÄn)C8en 
getroffen  ^at,  unb  biefc  nunmehr  mit  bcr  9luöfc^lagung  ber  gütergemeinf^aft' 
liefen  ©rbfolgc  ifire  Äraft  erlangt  (ocrgl.  bic  2Wot  ju  §  1383  oben  S.  423). 


§  1387. 

entiic^una  S)ic  33eftimmungcn  beö  §  1387  entl^alten  eine  aWobififation  befi   im 

flcmciSll^a^.  §  1385  2lbf.  1  auögcfprod^cncn  ^rinjipcs,  bafe  auf  bad  gütergcmeinfd^aftlid^c 
"fe^^tcf  ^'  ©rbred^t  bic  SSorfd&riftcn  über  baß  burd&  ©rbeinfeftungöoertrag  begrünbete 
©rbred^t  cntfprcd^enbc  Slnrocnbung  finbcn  (oergl.  §  1953).  3luf  ®runb  bcr 
»cftimmung  bcd  §  1387  3lbf.  1  ocrb.  mit  §  2005  ift  ein  ©begatte  bem 
anbcren  baß  gütcrgemeinfd()aftlie^c  ©rbred^t  ju  entjic^en  bere^tigt,  menn  bcr 
Icfeterc  einer  ^anblung  fi^  fd^ulbig  gemad^t  ^at,  burd^  meldte  in  ®cmä§b€it 
bcr  aSorfdiriftcn  ber  §§  1441  biß  1445  baß  SRcd^t  beß  erftcren  auf  ©d&cibung 
ober  auf  2:rcnnung  uon  2;ifd()  unb  33ett  begrünbet  mirb.  SBäre  bic  ©d^eibung 
crroirK,  fo  mürbe  bamit  baß  gütergemcinfd^aftlid^c  ©rbrec^t  roeggefallen  fein 
(§  i37l  3lv.  1,  §§  1383, 1384).  ©ß  erfd^cint  nur  gered()t,  menn  ber  betreffcnbe 
©tjcgattc,  obwohl  berfclbe  im  Sntcreffe  ber  Rinbcr  ober  auß  fonftigen  ®rünbcn 
2lnftanb  nimmt,  bic  ©d)cibung  ju  ermirfcn,  bod^  für  bcred^tigt  erflart  wirb, 
mcnigftenß  in  crbred^tli^cr  93ejicl)ung  baßfelbc  83cr^ältni§  ^eriufteHen,  roie 
menn  bic  Sd)cibuug  ftattgcfunbcn  f)ättc  (ocrgl.  aud^  prcufe.  91.  2.  5R.  II,  1 
§  499).     §Bon  Sebcutung  ift  jcncß  9lcc^t  inßbefonbcrc  audj)    für  bcn  §qU, 


L 


j 


®utergemrinf(^aftltd^e0  @rBre({|t.    Entstellung.    §  1387.  441 

loenii  ber  betreffenbe  Sl^egatte  int  Saufe  bed  von  i^m  erl^obenen  Sd^eibungd- 
projejfcß  fterbcn  foUtc,  ba  atebann  ber  Med^töftreit  in  ber  ^auptfod^c  ate  er- 
IcMgt  aniufe^eti  ift  unb  indbefottbere  ttid^t  etma  }t(m  S^ede  ber  ^erbeifül^rung 
kcr  an  bie  Sd&cibung  jtd^  fnüpfenben  folgen  von  ben  ßrben  bed  ücrftorbeiteit 
(Statten  fortgelegt  roerbett  fattn  (uergl.  ben  in  ber  Sinnt,  ju  bent  Unter= 
oif^nitte  ,,IV.  Ungültigfeit  ber  e^e"  mitget^cilten  neuen  §  584  a  ber  ß.  %  D.). 
2)em  9ted^te  auf  @(^eibung  ift^  n^ie  im  §  2005,  fo  aud^  ^ier  aud  ben  gleid^en 
®rünben  baß  SRei^t  auf  3:rennung  üon  2;ifd&  unb  99ett  gleic^juftellen. 

Se^nlid^  wie  ber  goH,  ro^nn  ein  S^egattc  bie  ©d^cibung  ober  S^rcnnung 
oon  3:if^  unb  SBctt  ©erlangen  fann,  liegen  bie  göUe,  in  roeld^en  bie  ®^efrau 
no^i  ben  93orfc^riften  bes  §  1872  bie  Sluflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  ju 
oerkingen  bere^tigt  ift.  ^ie  (S^efrau  fann  aud  gen^id^tigen  ©rünben^  nantent- 
ü(^  um  beö  e^eliti^en  ^iebend  SßiQen^  ftd^  bemogen  finben,  von  ber  @rl^ebung 
ber  Alage  auf  äluflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  9lbftanb  ju  nel^men^  unb  bod^ 
bringenbe  SSeranlaffung  l^aben,  bad  oermögendred^tUd^ie  ^ntereffe  ber  Hinber 
no(^  i^rem  2^obe  gegenüber  bem  pflid^tmibrig  ^anbelnben  @t)emanne  buri^ 
9uftf(^lug  bed  Snieinerbred^ted  bed  legieren  unb  ber  bamit  Derbunbenen  fort' 
gefeiten  ©ütergemeinfd^aft  ju  maleren  unb  fi^erjuftellen. 

3)a6  ouf  bie  ©ntjie^ung  bcö  gütergemeinfc^aftlid^en  ©rbred^teö  bie  S3or^  «naioflie  ber 
fc^riften  über  bie  entjic^ung  beö  ^fli*tt^eileö  (§§  2000,  2004,  2008)  ent^  Z'^u^mt 
fprcdjenbe  anroenbung  finben  foHcn  (§  1387  Slbf.  8),  rechtfertigt  fid^  burd^  bie 
Änologie.  Sud  ber  entfpred^enben  Slnmenbung  jener  S[$orfrf|riften  folgt  inö^ 
befonberc  aud^,  bafe  im  galle  beö  §  1887  Slbf.  2  bie  baö  SHec^t  ber  e^efrau 
auf  ätuflöfung  ber  ©ütergemeinfc^aft  begrünbenben  Umftänbe  nid^t  blöd  jur 
3ett  ber  Slbfaffung  ber  auf  bie  ©ntjiel^ung  beö  gütergemeinfrfiaftlidjcn  Grb^ 
related  gerid^teten  SBerfügung  t)orl^anben  gemefen  fein,  fonbern  and)  bid  jum 
Eintritte  bc«  erbfalleö  fortbaucrn  muffen  (§§  2000,  2005). 

Slnlongenb  bie  Seftimmung  beö  §  1387  Slbf.  4,  fo  ergiebt  fic^  aus  ber-  «rbfoifle  im 
felben  in  »erbinbung  mit  bem  §  1384  Slbf.  1  mit  genügcnber  S)eut(icl|!eit,  ^"Juji'„f**' 
ba§  bie  Gntsiel^ung  bed  gütergemeinfc^aftli^en  @rbred)ted  immer  jugleic^  ben 
Sudfc^lug  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfc^aft  entt^ölt,  ba  bie  legtere  nad^  ber 
Aonftruttion   bcö   @ntn)urfed   eine  gefeglid)e   §o(ge  unb  ^ef^rönfung   bed 
enteren  ift. 

Db  bie  ©ntjieljung  beft  gütergemeinf^aftti^en  ßrbrcc^tefi  auf  Oninb 
bed  §  1387  %bf.  1  jugleid^  bie  93ebetitung  ber  (Sntjieliung  bcd  gefeglid)en 
??[i4tt^eite«  (§§  2000,  2005)  ^at,  ift  eine  Sluölegungöfragc,  beren  aSeja^ung 
im  cinjelnen  goUe  mit  Slüdfii^t  auf  ben  betrcffcnben  ®runb,  mcld&er  jur 
&ttjie^ung  be«  gütergemeinfdf>aftlid|en  ©rbred)ted  geführt  ^at,  nal^e  liegen  mag. 
Sn  fi(^  folgt  aud  §  1387  Slbf.  1,  4  nur,  bafe  bie  gütergemeinfd^aftlid)e  ©rb= 
folge  nidjit  ^ßlaft  greift  unb  baö  SJcrJ^ältnife  fidf>  ebenfo  geftaltet,  wie  menn 
ber  uberlebenbe  G^egatte  bie  gütergemeinfc^aftlid^e  Erbfolge  audgefd^lagen  ^ätte 
l§  1386).  a)a6  im  golle  bed  §  1387  Slbf.  2  bad  gefegtid)e  ^^jpid)ttl)eildred|t 
bcd  Überlebenben  ß^egotten  unbcrütirt  bleibt,  fann  nic^t  jmcifelfiaft  fein,  ba 
oud  ben  ©rünben,  aud  melden  nad^  §  1387  Slbf.  2  bad  gütergemeinf(^aftlid)e 
Crbre^t  entjogcn  werben  fann,  l^infic^tli(^  ber  gefefclic^en  Crbfolgc  na^ 
JS  2iK>5  eine  ©ntjie^ung  bed  ^fliditt^eifcd  nic^t  ftattfiubct. 


442         gortgcfc^tc  ©utergcmcinfd&aft.    gcfetipilliöc  ajcrfußunflcn.    §  1388. 

3öie  im  goHe  bcr  Sluöfd^Iagung  bcr  gütergemcinfd^aftlid^cn  ©rbfolgc 
(ücrgl.  aWotioe  ju  §  1386  oben  ©.  440),  fi»b  a\x6)  in  bcn  gfitten  bc«  §  1387 
cinfcitigc  SBcrfüguiigcn  bc^  Dcrftorbcncn  ©Regatten  mn  S^obcöroegen  in  9lm 
fc()ung  bed  }u  feinem  ^toc^faffe  ge^örenben  9(nt^ei(e0  am  (Sefammtgute  mä^ 
"ißla^Qabt  ber  allgemeinen  erbrec^tüc^en  (^)runbfäge  mirffam. 


§  1388. 

«uM^ne^uittf  3)ie  Sßorfd^riften  beö  §  1388  berul^cn  ouf  bem  ©efid^töpuntte,  ia^  bie 

wmmiinße«  S^^eünal^me  eineö  gemeinfdiaftUd&en  Slbfommlinged  an  ber  fortgefe|ften  ©üter^ 
Don  bcr  fort*  gcmeittfci^aft  bad  ©urrogat  bcö  gcf efcfii^en  ©rbreci^ted  bc«  gemcinft^aftlicften 
®üto    2lbf6mmlingeö  bilbet.    2)icfer  ©efii^töpunlt  in  SScrbinbung  mit  ber  SBorfcftrift 


gemeinfc^ft  jj^g  §  ^^755  ^^  2  fü^rt  ba^in,  einem  ©Regatten  ju  gcftatten,  burd&  lettroiBii 
aSerfügung  für  ben  gaU  ber  burd^  feinen  3^ob  erfolgten  Sluftofung  ber  c^ic^en 
©ötergcmeinf^aft  einen  gcmeinfd^aftlici^en  Slbfömmüng  üon  ber  ^^cilno^mc 
an  ber  fortgefe|ten  ©ütergemeinfc^aft  audiuftj^liegen.  ^nbererfeitd  mug  ober 
bem  oudgefd^toffenen  2lbfömmUnge  in  berfelben  SBeife,  wie  einem  bur^  lett- 
^n^tt^iis«  willige  93erfägung  von  ber  gefeglic^en  Erbfolge  audgefd^Iofienen  9[bfömm(in(|e, 
""Ä*"'^'^^  Wi^tt^eilöanfprud)  nac^  SKofegabe  ber  aHgemeincn  erbrec^tUc^cti  »od 
fd^riften  jufte^en.  3)em  STbf ommlinge  mirb  burc^  bie  3wläffigfeit  feiner  Slufi-- 
fdiliefeung  von  ber  2:^eilna^me  an  ber  fortgefcftten  ©ütergemcinf^aft  nid^t  }u 
naijie  getreten,  roeil  er  9lUeö  betommt,  maß  er  im  galle  ber  gefeglii^en  6rb« 
folge  nad^  SWafegabe  ber  allgemeinen  erbrcd^tlie^en  SBorf^riften  ju  verlangen 
berei^tigt  ift,  bem  Überlebenben  ©Regatten  nid^t,  rocil  bie  ^ier  in  Siebe  fte^enbc 
aSerfügung  eines  ©Regatten  nad^  §  1390  nur  mit  3wftimmung  bcÄ  anberen 
©Regatten  erfolgen  fann,  ben  übrigen  gemeinfd^aftlid^en  Slbförnmlingen  ni(^t, 
meit  ber  ©rblaffer  bem  auögefd^lojfenen  3lbf6mmlinge  —  abgefe^n  oon  bem 
bem  leftteren  jufommenben  ^flidfitt^eite  —  tefetroiHige  3wmenbungen  au«  bem 
©cfammtgute  nad^  §  1389  nid^t  mad^en  fann. 
sBiriung  ber  S)ie  SSorfc^rift  beö  §  1388  ©aft  2,  bofe  ber  üon  ber  fortgefefeten  ©üter« 

fc^iteSlng.  fl^ntcinfd^aft  auögefd^loffene  9lbfömmting  in  Slnfe^ung  ber  gütergemeinf(^oft* 
lid^en  ©rbfolge  ald  oor  bem  ©rbfalle  geftorben  ansufel^en  ift,  entfpric^t  bem 
§  1972.  Sluö  iener  SBorfd&rift  in  »erbinbung  mit  bem  §  1383  «bf.  1  mib 
bem  §  1384  9lbf.  l  folgt,  ba|,  wenn  ein  anberer  gemeinfd^aftlid^er  9lbf5mmling, 
alö  ber  auögefd^loffene,  nid^t  Dor^anben  ift,  bie  gütergemeinfc^aftlic^e  ©rbfolgc 
überliaupt  nii^t  eintritt,  ^iefed  9{efultat  giebt  aber  )u  SSebenfen  feinen  9(nla6, 
meil  nad^  §  1390  auc^  bie  DoUftönbige  9ludfd^Uegung  eined  gemeinfc^aft(i(^  ^ 
fömmlingeö  von  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  burc^  legtmiUige  äierfügung 
eincö  ©Regatten  nur  mit  3uftimmung  bed  anberen  ©Negotien  erfolgen  tann.  Sink 
neben  bem  andgefd^loffenen  Slbfömmlinge  anbere  ant^eildbered^tigte  gemeinfc^ft' 
lid&e  9lbfömmlinge  oorl^anbcn,  fo  fommt  ber  äBegfaU  bcö  erftercn  ben  tefctettn 
unb,  rotnn  neben  biefen  einfeitige  SÄbtömmlinge  oorl^anben  finb,  bcn  ant^eilft* 
bered^tigten  gemeinfc^aftlid^en  Slbfommlingen  unb  ben  einfeitigen  9(btömmlingen 
jufammen  ju  ©ute  (§§  1384,  1408, 1965);  bod^  ift  ber  ©rbloffer  in  «nfe^ung 
beö  SBrud&ti^eiled,  um  meldien  fxcö  ber  ©rbt^eil  cinefi  einfeitigen  9lbf5mmlinfl«fi 
erf|öl)t,  nac^  aWafegabe  ber  allgemeinen  erbrei^ttid&en  SBorfd^riften  oon  Xohti' 


Jortgcfefete  ©utcrgemeinfc^aft.    ge^huittige  SBcrfugunflen.    §  1389.        443 

loegcn  gu  Dcrfügcn  bered&tigt  (§  1384  3lbf.  2,  §  1984),  roö^rcnb  boö  SWed&t 
bc«  ©rbtaffcrö,  über  bcu  ben  ont^cilöbercc^tigteit  gemcinfdöaftUd^en  9lbfömm* 
lingcii  jufallcnbcii  Xl)eH  ju  ocrfüflcu,  fid^  md)  bcu  SSorfc^riftcn  bcö  §  1389 
beftimmt. 

6in  genügcnbcr  ®runb,  bic  Sted^te  bcr  cinfcitigcn  Slbfömmüngc  in  bem 
goBc  beö  §  1388  JU  ®unftcu  bcv  gcmeinfd^af tilgen  ant^citebcrcd^tigtcn  9lb* 
tommünge  ju  bef^ränfen,  liegt  um  fo  toeniger  üor,  a(d  aubererfeitö  in  bem 
^Ut,  roenn  ein  einfeitiger  Slbfömmting  von  ber  gefejüd^en  ©rbfolge  ouß- 
geic^loffen  mirb,  beft'en  aBcgfaD  m6)  §  1384  2lbf.  1  in  ©rmangclung  einer 
Serfügung  pon  S^obeömegen  (§  1385  Slbf.  1  ©a|  2)  aud^  ben  gemeinfi^oft^ 
(i(^n  älbfommlingen  ju  ®ute  fommt. 

§  1389. 

3)er  §  1389  regelt  bic  ^rage,  inroiemeit  ein  ß^egotte  für  ben  gaU  ber  ae^twiaiae 
mit  feinem  2^obe  eintretenben  gütergemeinfd)aftlid^en  ©rbfolge  burd^  IcgtmiUigc  ü *rben"tL 
Serfügung  in  bie  Siedete  eines  Don  ber  S^^cilnaljme  an  ber  fortgefefeten  Oüter?*^«*^«*««**^* 
gemeinfd&oft  nid^t  auftgefd^toffenen  gcmeinfddoftlid^en  Slblömmlingcö  einiugreifen  "*"*""  *"^**' 
berechtigt  fein  foU. 

2)a  burd^  bad  gütergemeinfd^oftüc^e  @rbred)t  unb  bic  bamit  Dcrbunbenc 
fortgefette  ©ütergemeinfd&oft  ben  von  ber  S^^eilnal^mc  an  ber  letzteren  nidf)t 
audgefc^toffenen  Slbfömmüngen  bad  gefeglid^e  ®rb^  unb  $f[id)tt^ei(gred^t  in 
Xnfe^ung  bcd  jum  ^la^laffe  bed  Dcrftorbencn  (Sfiegatten  gel^orenben  Slnt^cilcd 
brt  [enteren  an  bem  e^eU^en  ©cfammtgute  entjogen  wirb  (§  13a5  9lbf.  2), 
bie  i^nen  a(d  @rfa|  bafür  gemährten  9lcd^te,  formell  betrad^tet,  aud^  einen 
rrbred^tüc^en  Jtarofter  nid^t  I)aben,  fo  fd^eint  cd  naljt  }u  liegen,  jcbe  le^tmilligc 
Serfügung  eine«  ©Regatten,  burd)  meld&c  in  iene  Siechte,  menn  mä)  mit  3^1* 
ftimmung  bed  onberen  @E)egatten,  eingegriffen  mirb,  göniUc^  audjufd^licgen, 
fofem  nid^t  ein  ©runb  Dorliegt,  aus  melc^em  einem  Slbfommlingc  nac^  ben 
Sorf(j^riften  be«  §  2001  ber  5ßflid^ttf|eil  entjogen  werben  fann.  ©ine  berartigc 
Siegelung,  nad^  melc^er  ber  ganje  einem  gcmeinfc^aftlid^en  älbfömmlingc  bei 
Suflöfung  ber  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  gefcfelid^  jufte^cnbe  3lnt^eil  an 
bem  ©efammtgute  ber  fortgefefeten  Oütergcmcinfd^aft  ben  Äaratter  bcö  ?Jflid()ti 
t^fed  annehmen  mürbe,  verträgt  fid^  iebod^  nic^t  mit  ben  ©rünben,  aud 
ne((j^n  nad^  ben  aUgemeinen  erbrcd^tlid^en  SBorfd^riften  bem  (^rblaffcr  aud) 
gegenüber  feinen  SIbKmmlingen  in  SStnfeljung  fcineö  SRcd^teö,  über  fein  9Scr« 
mögen  tefetroiUig  ju  verfügen,  eine  freiere  39erocgung  eingeräumt  ift.  ©ie 
würbe  aufeerbem  tonfequent  bal^in  fül;ren,  ben  gemeinfc^aftlid^en  9lbfömmlingeu, 
um  i^nen  i^r  SRed^t  auf  ben  ganjen  Slnt^eil  ju  fi^ern,  nadj  Slnalogic  ber 
erbred^tlictien  Sorft^riften  über  ben  aufecrorbenttid^en  ^^ftic^ttljicil  (§§  2010  ff.) 
locgen  jeber  von  ben  ©Regatten  aud  bem  ©cfammtgutc  gcmad&ten  ©d^enfung, 
ioel<^e  ni^t  burd)  eine  fxttlid^c  ^flid|t  ober  bie  auf  ben  9lnftonb  ju  ne^menbc 
Äütffi^t  gerechtfertigt  wirb,  ben  Slnfpruc^  auf  ben  au^crorbcntlic^en  5ßpid&t? 
tbeil  }u  gemd^ren;  benn  mirb  ber  gaujc  9lntl)eil  eines  Slbfömmlinged  a(ö 
IJflit^ttbeil  be^anbelt,  fo  fi^liefet  jebc  berartigc  ©d^enfung  jur  .^älfte  ibreö 
Setrogcd  eine  SBerfürjung  beö  ^flic^ttfieilcö  in  fid).   (Sine  fo  meitgclicnbe  33e* 


444        gortgefe^tc  ©uteröemcinWaft.    Sc^ttoiaiöc  Serfugunflcn.    §  1389. 

[d^ränfung  bcr  ©l^cgattcn  in  bcr  SBomal^mc  von  ©ci^cnfungcn  läfet  fid^  aber 
nid^t  rcd^tfcrtigcn. 

Stuf  bcr  anbeten  ©eite  ift  cö  iebodfi  aud^  bebenflid^,  von  bcm  ©eftc^te^ 
punfte  aus,  ba§  ber  Slntljieil  eineö  gemeinfd^aftlid^en  SlMbmmlingeö  an  bem 
©cfammtgute  bcr  fortgefefeten  Oütcrgemeinfd^aft  fxd^  materiell  afe  bcr  ®rbt^eil 
bcö  Slbtömmlingeö  an  bcm  jum  Slad^taffc  beö  Dcrftorbcnen  ©Regatten  ge^orcnbcn 
3lnt^eile  beö  lefetcrcn  an  bcm  e^clid^cn  ©cfammtgute  borftcHt,  iebem  ß^^egatten, 
rotnn  aud&  nur  unter  3tiftimmung  bcö  anbcren  ©Regatten,  bafi  SRcd^t  beijulcgen, 
nacö  SKafegabc  ber  allgemeinen  erbred^tUd^en  SSorfd^riftcn  über  bcn  Slnt^il 
beß  Slbfömmlinged  wie  über  einen  ©rbt^eil  ju  Dcrfügcn.  3BenngIcid&  bicfer 
SBeg  bcm  geltenben  SWed^tc  im  ^rinjipe  om  näd&ftcn  fommen  mag,  fo  fällt 
ho6)  gegen  bcnfelben  —  abgefc^cn  oon  ben  prattifd^en  ©c^roierigfeitcn  unb  SBer* 
widfclungen,  mit  meldten  im  ^inblidEc  auf  bie  3lrt  unb  SBcife,  wie  ber  ©ntrourf 
einerfeitö  bie  fortgefefete  ©ütcrgemcinfd^aft,  anbcrerfeitö  baö  5ßflid^tt^eitered&t 
geregelt  ^at,  bie  entfpred^enbc  9lnroenbung  ber  erbred^tlid^cn  SBorf^riften  über 
baö  ^flid^ttljiciterc^t,  indbefonbere  ber  SBorfd^riften  bcÄ  §  1981,  ücrbunben 
fein  mürbe  - ,  cntfd^eibenb  inö  ©croid^t,  bofe  burd^  eine  berartigc  Siegelung  bem 
Sntereffe  ber  gemeinfd^aftlid^en  ^[blommlingc,  meldte  burd^  bie  ©ntjie^ung  befi 
gefe^li(^cn  ^^id^tt^cildrcd^ted  o^ne^in  fcbon  fc^ted^ter  gefteUt  finb,  ni^t  gcnügenb 
Sled^nung  getrogen  roirb.  Snsbefonberc  mürbe  eö  unbillig  gegen  biefelben  fein, 
mcnn  man  bcn  ©Regatten  bie  aWoglid^feit  eröffnen  mollte,  über  ben  änt^il 
cined  gcmeinfd^aftlic^en  älbfömmlinged  innerhalb  ber  burd^  baö  geroö^nlic^e 
^flid^ttl^eilöred^t  gejogenen  ©renjen  auc^  ju  ©unften  3)ritter  Dcrfügen  }u 
fönnen;  üielmel)r  ift  cö  eine  älnforbcrung  ber  ©crec^tigfeit,  bo§  bie  ben  Sb* 
{ömmlingcn  an  bem  ©cfammtgute  ber  fortgefegten  ©ütcrgemeinfd^aft  juftei^enben 
3lnt^cile  ber  ©cfammt^eit  ber  gemeinfd&afttid^cn  Slbfömmlingc  erl^altcn  bleiben, 
auc^  mcnn  man  bem  ©rblaffcr  baft  Siecht  beilegt,  bie  ©röfee  jener  älnt^eile  im 
93erl^ältniffe  ber  9lbfömmlingc  ju  cinanber  nad^  älnalogic  ber  erbred^tlic^en 
SSorfd^riften  über  bad  ^flid^tt^citered^t  in  einer  t)on  bem  ©efege  abmeid^enben 
9lrt  ju  beftimmen.  auf  bcn  ©tanbpunft  bcö  geltenben  Sled&teö  fann  im 
Einbilde  barauf,  bag  nad^  bem  @ntmurfe  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^ft 
nid^t  bcr  gefetftid^e  ©ütcrftanb  ift,  bei  bcr  Siegelung  bcd  in  Siebe  fte^enben 
SSerl^ättniffcß  entfd^eibenbeä  ©croid^t  nid^t  gelegt  merben. 

älus  biefen  ©rünben  l^at  ber  ©ntmurf  einen  Sßittclmeg  eingefd^lagen. 
Die  Slrt  unb  SBcifc,  wie  ber  §  1389  baö  SBerl^ältnife  regelt,  ^at  cinerfcitd  bcn 
großen  SSorjug  bcr  ©infad^^eit,  inbem  ftc  inöbefonbere  bie  entfpred^enbe  Sln^ 
roenbung  ber  93orfd&riften  über  baö  ^flid^tt^eiferce^t,  abgefeben  von  ben  im 
§  1389  3lbf.  2  unb  im  §  1391  bejcic^netcn  «orfd^riftcn,  entbe^rli^  mad^t; 
benn  nad^  bem  §  1389  9lbf.  1  erl^ält  ber  älbfömmling,  o^nc  bag  cd  jur 
©id^crung  feincd  Sled^ted  meiterer  SSorfd^riften  bebarf,  bei  ber  bemnäd^ft  megen 
bcö  ©cfammtguteö  bcr  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  ftattfinbenbcn  3ltt»« 
einanbcrfegung  unter  allen  Umftfinben  bie  ^ölftc  bcd  ©clbmcrt^cö  htü  Ufm 
gefe|lid^  nad^  Sluflöfung  bcr  fortgefegten  ©ütergcmeinfd^aft  )ufommenben 
Slnt^ciled.  3luf  ber  anbcren  ©eitc  merben  burd^  bie  Siegelung  bed  (Sntmurfeft 
bie  Siedete  bcr  antl^eifebcred&tigtcn  Slbfömmlingc  in  einer  angcmeffencn  85Beife, 
nid^t  blöd  obltgatorifd^,  fonbcrn  btnglid^  gefd^ügt  unb  glcid^mo^l  bie  (S^gatten 


Sortoefe^te  ®ütergemeinf(ibQft.    ge^ttDtQtge  SSerfugungen.    §  1390.         445 

in  intern  ä3erfügungdre(!^te  ben  SlbfömmHngen  gegenüber  nid^t  ju  fetir  be^ 
ft^ränft  3ugleic§  wirb  burc^  bic  3ulaffung  ber  im  §  1389  3lbf.  1  b^- 
jeic^neten  S^^eilungdanorbnung  ein  ^nfd^Iug  an  bie  lanbedgefe^dd^en  %or^ 
f(^riften  über  bie  (Erbfolge  in  bie  lanbroirtJ^fd^oftlid^en  ®üter  gewonnen.  9luß 
ben  Sorfd&riften  be«  §  1389  ergiebt  ftd^  mit  genügenber  3)eutltd^feit,  bafe, 
wenn  ber  ©rbloffer  ben  9tntl^eil  eine«  äbfommtingeß  l^erabgcfegt  f)at,  o^ne 
iugleic^  }u  beftimmen^  meld^em  ober  xotlä^en  anberen  ant^eildbered^tigten  ^b^ 
Rnrniüngen  ber  frcigeroorbene  X^til  ju  Oute  fommen  foU,  ber  festere  allen 
anberen  ont^eitebered^tigten  ätblömmlingen^  unb  nur  biefen^  nid^t  aud^  ben 
juglei(|  etiDa  oor^anbenen  einfeitigen  älbfömmitngen  }ufönt. 

Sieben  bem  §  2001  aud^  ben  §  2002  für  entfpredfjcnb  anroenbbor  ju 
rrflaren,  empftel^It  fid&  nid^t,  ba  ber  §  2002  bie  änwenbbarfeü  ber  SSor« 
fünften  über  bie  9lad&erb[d^aft  porauöfefct,  bie  Ucbertrogung  biefer  Soor- 
f^riften  auf  bie  9[nt]^eUdre(^te  ber  3(bfömmlinge  aber  ju  erl^eblid^en  93er« 
»idelungen  ju  fül^ren  brol^t. 


§  1390. 

Die  33orfd^rift  beö  §  1390  Safe  1,  n)cld()e  bic  SBirffamfeit  ber  in  ben  3"ftimmu«fl 
§§  1388,  1389  bejeid^neten  lefetroiDigen  aSerfügungen  eines  e^cgotten  ganj  ^i^llacn! 
allgemein  pon  ber  S^fti^^iung  bed  anberen  @l^egatten  abl(|ängtg  mad^t,  o[;ne 
}u  unterfd^eiben,  ob  bie  lefetmiDige  SBcrfügung  jugleic^  eine  nad)tl^eilige  JRüdf* 
mirfung  ouf  ia^  gfitergemeinfd^oftlid^e  (grbred^t  beS  überlebenben  ©l^egotten 
Altert  ober  nid^t,  fd^liefet  fid(i  bem  ®runbgebanfen  nod^  ben  jal^Ireid^en  (Süter* 
gemeinfd^aftdred^ten  an,  welche,  menigftenö  bei  beerbter  &)t,  in  3lnfcl^ung  beö 
Sefammtguted  nur  gemeinfc^aftßd^e  lefetmiDige  SSerfügungen  beiber  ©Regatten 
fihr  julüfitg  erfifiren  (pergl.  inöbefonbere  meftfäl.  ®ef.  p.  16.  Slpril  1860  §§  6, 10; 
oenabr.  gntio.  §  8;  e^renbreitft.  gntm.  §  92;  mürttcmb.  ©ntro.  §§  259,  260). 
Gö  fann  bo^ingefteUt  bleiben,  ob  bie  a3orf(^rift  bed  §  1390  Safe  1  in  biefer 
XDgemeinliieit  auö  bem  pertragdmägigen  fiaraftcr  beö  gütergemeinfd^aftlii^en 
erbrec^tefl  (§  1385  äbf.  1)  l^ergeleitet  werben  fann.  ©ntfd&eibenb  ift,  ba^ 
biefelbe  bem  938efen  einer  mit  fortgefefetcr  ©ütergemeinfd^aft  perbunbenen  oll^ 
gemeinen  (Sütergemeinfd&aft  wegen  ber  baburd^  l&erporgerufenen  engen  SScr^ 
btnbung  ber  3ntereffen  beiber  ©l^egatten  entfprid^t.  S)a6  eö  mit  einer  fo 
intenfipen  Sntereffengemeinfd^aft  nid^  pereinbar  ift,  jebem  ei^egatten  baö  SRed^t 
bet}tt(egen,  einfeitig,  pieHeid^t  l^inter  bem  9läden  beö  anberen,  in  bie  SWcd^te 
ber  9bfömm(inge  an  bem  ©efommtgute  ber  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft 
bun^  (efeioinige  SBerfügung  einjugreifcn,  jeigt  fic^  namentlid^  in  fold^en  götten, 
in  loeU^en  baö  gemeinfd^aftUd^e  Vermögen  ^auptföd^tid^  pon  bem  überlebenben 
Chatten  ^erru^rt.  3)ie  3wtöffung  einfeitiger  fefetmilliger  SSerfügungen  bef örbert 
ben  e^Iid^  Unfricben  unb  bietet  baö  SKittel  ju  nid^t  gered^tfertigten  ^t^ 
gunfitgungen  clnjelner  Sftfommlinge  por  ben  anberen.  S)er  überlebenbe  ®^e= 
gotte  ^t,  loenn  aud^  fein  red^tßc^eö,  fo  bod^  lebenfaQö  ein  bead^tenömert^eö 
t^tffi^lid^  3ntereffe  baran,  bag  o^ne  feine  3«ftimmung  baö  SBerJ^ältnife  ber 
eii^nen  Sttförnmlinge  ju  ber  fortgefefeten  (Sütergemeinfd&aft  nid&t  geänbert 
wirb,  unb  biefeö  tJ^tföd^lid^c  Swl^tcffc  rcd^tfertigt  bic  9(nna^me,  baft  bie  ^ier 


446       gortgefe^te  ®ütcröcmeinf(j&aft.    außerorbentlid&er  ^fli^ttj&eir.   §1391. 

fraglid^ic  33ef(l)räntunß  aud&  bctn  ücrmut^U^cn  SBcrtroflöroillcn  ber  ©Regatten 
bei  SSereinbaruug  bcr  allgcmcincu  (Sütergcmeinfc^aft  cntfpric^t.  S)aö  33er? 
fügungäred^t  eines  ©l^egatten  von  ber  3wftimmung  beö  anbeten  abhängig  ju 
mad^en,  ift  anbcrerfeitö  um  fo  weniger  bebcnflii^,  alö,  wenn  bic  ©ntjic^ung 
ober  ©d^mälerung  ber  gefcfettc^en  Siedete  beö  Stbfömmlingeö  in  bcr  S^^at  gc* 
red^tfertigt  ift,  bcr  anbere  ß^egatte  bei  normalen  ®[)en  feine  burd)  eine  fittüc^c 
?ßflid^t  gebotene  3wftimmung  nid)t  rerfagen  mirb. 
«ec^tmcr  Slbrocid^enb  tjon  bem  meftfäl.  ®ef.  o.  16.  Slpril  1860  §  6  empfiel^It  cö 

BifSrnmunfl!  f^^  jcboc^,  nid^t  cinc  gemeinfd^aftlid^e  leßtmillige  aScrfügung  ber  bcibcn  g^e^ 
gatten  in  bem  ©innc  ju  verlangen,  bag  ieber  bcr  ©Regatten  für  bcn  gall 
feineö  S^obcfi  oerfügcn  müfete,  fonbern  nur  bic  SDßirffamteit  ber  von  bem  einen 
(S^cgotten  für  bcn  %aU  feines  ^obeö  getroffenen  SBcrfügung  von  ber  ^uftintmung 
beö  anbercn  ©Regatten  abijiängig  ju  mad^cn.  S)ie  3wftintmung  farofterifirt  jic^ 
als  ein  unter  bic  SSorfd^riften  bcö  §  127  foUenbeö  einfeitigeö  Med^tögefd^äft. 
Bformunbun*2)em  cntfprid^t  cö,  bafe  bic  3wftimmung  gegenüber  bem  anbeten  ©Regatten 
mbe^ufuc^  erffärt  werben  mui  9lbrocid^enb  ron  bcn  SBcftimmungcn  beö  §  127  «bf.  2, 3 
foD  aber  mit  SRüdEfid^t  barauf,  bafe  eö  fid^  l^icr  um  ein  ©rforbernife  ber  SBirf* 
famfeit  einer  lefetroiHigen  aSerfügung  l^anbelt  unb  in  biefer  ^infid^t  jcbc  Un* 
fid^rl^eit  t][iunlid&ft  ju  ücrmcibcn  ift,  bie  S^ftimmung  ber  gerid^tlic^cn  ober 
materiellen  ^orm  bebürfen  unb  unmiberruflid^  fein. 


§  1391. 

au^erorbent.  S)ie  entfprcd^cnbc  9lnmenbung  ber  erbred^tti^cn  SBorfd^riften  über  bcn 

Wiwe«.  öwfeerorbcntttd^cn  ^flid^ttl^eil  ju  ©unften  eincö  antl^eilöbercd^tigten  Slbfornm- 
lingeö  ift  jum  ©d^ugc  bcr  SRed^tc  bcr  ant^citeberet^tigten  Slbfömmlinge  um 
bebingt  geboten,  ba  f onft  bie  ©Ijicgattcn  bic  i^re  aScrfügungöfrcil^eit  befd^ranfcnbcn 
aSorfd&riftcn  bcÄ  §  1389  umgcljien  imb  auf  bem  SBcge  bcr  ©d^enfung  jene 
SHcd^tc  inbireft  auf  baö  ©döroerfte  beeinträchtigen  fönnten.  S)cr  ©cbanfe, 
meld^er  im  Uebrigen  bei  ber  Sluögcftaltung  ber  fortgefc^tcn  Oütcrgcmeinfd^oft 
leitenb  geroefen,  nämlid)  ber  ©cbanfe,  ba^  ber  ©rblaffcr  crft  ate  jur  S^xt  ber 
3Iuf(öfung  ber  fortgefegten  Oütcrgcmcinfd^aft  geftorbcn  anjufc^cn  ift  (§§  1397, 
1408),  mufe  aber  fonfequent  baljin  führen,  bie  erbred^ttid^cn  33orfdjriften  über 
bcn  aufecrorbenttid^cn  5ßflid&ttf)cil  mit  ber  im  §  1391  bcjcid^neten  aWolgobc 
für  cntfpred^cnb  anroenbbar  ju  crtlären.  3nöbefonbere  beftimmt  fid&  aud&  bic 
,§5^c  beö  bem  antt)eifebered^tigten  Slbtömmlingc  suflcl^enben  gefefeUd^cn  SlntJ^eiled 
crft  nad^  bcr  S^it  ber  9luflöfung  ber  fortgefcfeten  ©ütcrgcmeinfd^aft. 

§  1392. 

Qru  2)ie  Seftimmung   beö   9lbf.  1    red^tfertigt   fid^   burc^   bie  ©rnKigung, 

wt^rfiftän  ^^^  ^^^  3lntl)ei{  cinefi  gemcinfd^aftlii^cn  9lbfömmlingcö  an  bem  ©efammtgute 

"?ne«  stT^ber  fortgefegten  ©ütcrgcmcinfd&aft  trog  bed  bem  ©ntmurfe  ju  ®runbe  licgenben 

wmmimue«.  sßnnjipcö  bcö  SlUcincrbrcc^teß  beö  übericbenbcn  ©l^cgattcn  fid^  moteriell  olö 

©rbtl^cil  bcÄ  Stbfömmlingeö  an  bem  jum  5Rad()laffc  beö  oerftortenen  ©tfeßotten 

gcl^örenbcn  3lntl^eile  an  bem  cl^clid^cn  ©cfammtgute  barftellt  (oergl.  §  2015  ff.). 


gortgefcfttc  ©utcrflcmcinfc^aft.    erBuntourbiöfeit.    §  1392.  447 

3weifcl^nft  ift  bagcgcn  bic  ©ntfd^cibung  bcr  %xaQt,  wcld^en  ©uiffufe  bic  in  »irfung. 
^Ige  ber  ©rbuniDÜrbiglcitficrflärung  eingetretene  (Sntjie^ung  beö  bem  für 
frtiinrofirbig  erflärtcn  Slblommfingc  gcfefelid^  juftel^enben  3lnt^eUeö  on  bem 
Scfommtgute  ber  fortgefegten  ©ütcrgemeinfd^Qft  auf  boö  gütergemeinfd^aft(ic^c 
SArcc^t  bcö  Überlebenben  ©Regatten  bejn).  bie  STnt^eile  ber  übrigen  an  ber 
fortgefe|ten  ©fitergemeinfd^aft  X^txl  l^abenben  3lbfömmlinge  äufeent  foH.  2)er 
enhmirf  (§  1392  3lbf.  2)  beruht  in  biefer  ^infid^t  ouf  bem  bem  §  1972  ent* 
iptet^enben  ^rinjipe,  bafe  ber  für  erbunroürbig  erHärte  Sfbfömmling  in  2ln« 
fc^ung  bed  jum  iHaä)la^t  bed  Derftorbenen  Sl^egatten  gel()örenben  älnt^eikö 
om  ©efommtgute  (§  1382  Slbf.  1)  alö  t)or  bem  ©rbfalle  geftorben  gtft.  S)nrauö 
folgt,  ba6  beim  SBorl^onbenfein  einfeitiger  älbfömmlinge  beö  ©rblafferfi  nub 
onberer  on  ber  f ortgefeßten  ©ütergemeinfd^aft  2^^eil  nc^menber  gemeinfd^aftlid)er 
Sbtommlinge  ber  älntl^eil  bed  für  erbiinmürbig  ertlärten  älbfömmlinged  ntc^t 
blofi  ben  teftteren,  fonbem  biefen  unb  ben  einfeitigen  9lbfömmlingen  mä)  9Ma6^ 
gttbe  ber  gefeftlic^en  ©rbfolge  jufäUt  (§  1384  Slbf.  1,  §§  1964,  1965)  nnb  in 
©rmongelung  onberer  gemeinfd^ofttid^er  Slbfömmlinge  ber  Derftorbene  ®l)egatte 
in  Oemöfe^eit  ber  SJorfd^riften  beö  §  1383  äbf.  1  beerbt  mirb.  ©ö  läfet  p* 
nit^t  oerfennen,  bofe  ber  l^ier  in  SRebe  fte^enbe  goD  wefenttid^  onberö  liegt, 
qIö  ber  goU  beö  §  1388,  {umol  nod^  §  1390  bie  äfuöfd^Uegung  eineö  ge^ 
meinf(!^ftti4en  SIbfommlingeö  t)on  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^oft  burd) 
ben  einen  ©Negotien  nur  mit  S^fti^^^^^fl  ^^^  onbercn  ß^egotten  erfolgen 
tonn,  ^ingefel^en  ouf  boö  SDBefen  unb  ben  3^^^  ^^  oHgemeinen  ©üter^^ 
gemeinfc^ft/  bem  fiberlebenben  ©^egotten  ben  SSeftg  unb  ben  ©enug  beö 
Sefammtguteö  möglid^ft  ju  erl^olten,  fomie  im  ^inblide  borauf,  bog  nod^  bem 
§  1392  bem  Überlebenben  ©Regatten  unter  UmftAnben  bie  von  x\)m  auf  ©ntnb 
bcö  gütergemeinfc^oftlid^ien  ©rbred^teö  bereitö  ern)orbenen  Siedete  mieber  ent^^ 
iogen  ober  gefd^mftlert  merben,  loffen  ftd^  gemid^tige  ®rünbe  bofür  anführen, 
boö  Skr^oUnig  l^ier  in  ber  älrt  gu  geftolten,  bog  eö  fo  ongefel^en  mirb,  alö 
fei  ber  für  erbunmürbig  erflärtc  3lbfBmmling  nod^  bem  ©intritte  ber  fort^ 
gefegten  ©ütergemeinfd^oft  geftorben.  3)orouö  mürbe  folgen,  bofe  ber  älntlieil 
bcö  le|teren  unter  S^uöfi^lufe  ber  einfeitigen  Slbfommlinge  nod^  aRoggobe  bcö 
§  1397  STbf.  2  lebiglid^i  ben  gemeinfd&ofttid^en  Slbfömmlingen,  in  ©rmongelung 
fol4ier  ober  bem  Überlebenben  ©^egotten  jufoUen,  boö  gütergemeinfd^aft(id)e 
ßrinrecbt  beö  legteren  olfo  beftel^en  bleiben  mürbe.  Uebermiegenbe  ©rünbe 
fpre(^  inbeffen  gegen  eine  fold^e  Siegelung  unb  für  boö  ^riujip  beö  ©nt^ 
vurfrö.  Gö  ^onbelt  fid^  um  bie  Sroge,  ob  boö  gütcrgemeinfd^oftlid[ie  ©rbred^t 
«on  bem  SSor^onbenfein  erbbered^tigter  gemeinfd^oftlid^er  5lbfömmlinge  jur 
3nt  beö  ä^obeö  beö  ©rblofferö  ober  nur  t)on  ber  S^l^otfoc^e  obl^fingig  ju  mod^eu 
ift/  bo6  ju  iencr  Qtxt  gemeinfc^oftlid^e,  menn  oud^  nid^t  erbbered^ttgte ,  3lb^ 
fommlinge  oor^onben  finb.  ®e^t  man  von  ber  erfteren  äluffojfung  ouö,  fo 
ffi^irt  bic  Äonfequenj  bcr  erbred&tlid^en  Seftimmungen  über  bie  ©rbunroürbig* 
fettflernfining  (§  1972)  bol^in,  ben  für  erbunroürbig  erflärtcn  Slblömmling  alö 
oor  bem  ©rbfoDe  geftorben  ju  bel^onbeln.  3ene  erfte  SÄuffoffung  entfprid)t 
ober  ber  Slrt  unb  SGßeife,  mie  bie  fortgefc^te  ©ütcrgcmcinfd^oft  im  Uebrigcn 
materiell  üon  bem  ©ntrourfe  geftoltet  ift.  SBci  biefer  ©eftottung  ift  boron 
feftgelKiIten,  bog  ber  Slntl^eil  ber  gcmcinfd^aftlid^cn  3lbfommlingc  on  bem  Oe^ 


448       Sörtoefc^tc  ©üteröemctnfd&aft.   aSerjid&t  auf  bie  Steilna^me.  §  1393. 

fammtgute  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  materiell  olft  bereu  Grbt^eil  an 
bem  9Jod^Iaffe  beö  rerftorbenen  ß^egotten  anjufel^cn  unb  bod  STlIcincrbrec^t 
beö  übertebenben  fö^egotten  nid^t  ©elbftjmedf,  fonbern  nur  ein  Äonftruftiong- 
mittel  jum  S^^cfe  ber  SSereinfod^ung  ber  S3eftimmungen  über  bie  ©{j^ulbcm 
l^aftung  gegenüber  ben  ßrbfd^iaftögläubigern  fei.  SBon  biefem  ©tanbpunfte  atid 
bilbet  aber  baö  33or^anbcnfein  erbbcred^tigter  gemeinfd^oftUd^er  SffbfBmmünge 
bie  not^n)enbige  SSoraudfegung  unb  bie  ©runblage  für  ben  (Eintritt  unb  ben 
Umfang  beö  gütergemeinft^aftlid^en  (Srbred&tcö  unb  ift  für  btn  ©intritt  bed 
lefiteren  o^ne  gleid^jeitigen  ©intritt  ber  fortgefegten  Oütergemeinfci^aft  fein 
Slaum.  S)ad  ^rinjip  beö  ©ntmurfeö  rerbient  aud^  um  beöroiUen  ben  ^Jorjug,  weil 
eö  alö  gered^tfertigt  nici^t  erad^tet  werben  fann,  baft  bie  cinfeitigen  SSbfomm^ 
linge  beö  ©rbiafferö  buri^  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  gu  ©unften  ber 
gemeinfd^aftlid^cn  Slbtommlinge  bejn).  beö  überlebenben  ©Regatten  in  i^rcm 
gefefelid^en  ©rbred^te  bccinträd^tigt  werben.  S)a  in  bem  umgefc^rtcn  ^IIc, 
wenn  ein  einfeitiger  Slbfömmling  für  crbunmürbig  erHärt  ift,  beffen  änt^eil 
an  bem  jum  9iac^(af[e  beö  ©rblafferö  ge^örenben  Slntl^eile  an  bem  ©efammt^ 
gute  ben  gemeinfd^aftUc^en  9lbt5mmlingen  Der^ältnifemäfeig  juffiUt,  bie  ein- 
feitigen  unb  bie  gemeinfd^aftUd^en  9lbfommlinge  beö  ©rblafferö  ober  bem  ^lai^^ 
laffe  beö  Unteren  gleid^bered^tigt  gegenüberfte^en,  fo  ift  eö  nur  eine  2lnforberung 
ber  auögleid^enben  (Sere^tigteit,  menn  and)  ber  bem  erbunroürbigen  gemein« 
fd^aftßc^en  ^bfomm(inge  entzogene  9lnt^ei(  im  ^alle  ber  Honfurrenj  einfeitiger 
unb  gemeinfd()aft(id^er  3lbf5mmlinge  ben  einfeitigen  Slbfömmlingen  oerl^filtniB' 
tnäfeig  jufäUt.  ©oute  burd^  bie  Äonfurrenj  ber  (enteren  ber  9lntl^eil  ber  8^ 
meinfd^aftlic^en  9lbfömmlinge  an  bem  ©efammtgute  ju  fefir  geminbert  werben, 
fo  I)at  ber  überlebenbe  ©fjegattc  eö  in  ber  ^ant),  bie  gütergcmeinf^aftli(^ 
©rbfolge  auöjufd^lagen  unb  baburi^  fein  gefe^lid^eo  ©rbrec^t  auf  ein  SSiertel 
an  bem  Slad&Iaffe  beö  oerftorbenen  ©Regatten  ju  Derroirffid^en  (§§  1386, 1971). 
gür  ben  ^all  aber,  baft  in  golgc  ber  ©rbunmürbigfeitöcrflärung  in  ©rmangc^ 
lung  anberer  crbbered^tigter  gemeinfd&aftli^er  Slbfömmlinge  bas  gütergemcin' 
fd^aftlid^e  ßrbred^t  roegfällt,  ift  burd^  bie  allgemeinen  erbrec^tlic^en  Se- 
ftimmungen  (§  1971)  für  ben  übertebenben  ©Regatten  in  auögiebiger  35Beife 
geforgt.  liefen  ©rmägungen  gegenüber  fann  aud)  barauf  bcfonbcreö  Oeroid^t 
nid^t  gelegt  werben,  baft  nad^  bem  ^rinjipe  beö  ©ntwurfeö  bem  SBerfd^ulben 
cineö  Ibfömmlingeö  unb  ben  .^anblungen  britter  au^er^alb  ber  fortgefejten 
©ütergemeinfc^aft  ftcl^enbcr  ^erfonen,  auf  beren  SKntrag  bie  ©rbunwürbig* 
teitöerflörung  erfolgt  (§  2046),  unabhängig  uon  bem  SBillen  beö  überlebenben 
©Regatten,  ein  ©influfe  auf  baö  gütergemeinf^aftlid^e  ©rbre^t  eingeräumt  wirb. 


§  139:5. 

^tm  eilten  S)ic  Seftimmung  beö  §  1393  (oergl.  prcufe.  31.  2.  2t.  II,  2  §§  368  ff.) 

(ömmiuifle«  ^eru^t  auf  äljulid^en  ©rwägungen,  wie  bieienigen,  welche  }u  ben  Seftimmungen 

.«ä^irenb  beö  §  1388  uub  beö  §  1392  geführt  ^aben  (oergl.  bie  ÜJlotiöc  ju  §  1388 
*Äen^'' ol>ctt  S.  442  unb   ju  §  1392)  imb  fte^t   mit  ben  burc^  §  1385  3tbf.  l 

eme?nf4aft  ^^^  ^^^  gütergemeinfd^aftUd^c  ©rbred^t  für  entfpred^enb  anwenbbor  erflärten 
ßemem  af .  ^^y^^j^g^^j^  beö  ©rbeinfeiungöt)ertrageö  im  ©inftange  (pergt.  §§  2024,  1972K 


I 


gcrtflcf.  ®ütcröcmcinf ^af t  9(u^ölei Jjuno  bc3  SSorcmpfanöcncn.  §1394.       449 

SBcI^c  SBirtuiiflcn  cd  i)at,  locnn  naä)  ©intritt  bcr  fovtgcfefetcu  ®ütcr9emcinfd)aft 
ein  ant(}eildberc^ttgter  ^^Kblömmling  auf  feinen  3Int(jci(  an  bcm  ©cfammtgutc 
kcr  fortgcfcfttcn  ©ütergcnteinfd^aft  oeriid^tet,  ift  im  §  1398  bcftimmt.  iJieben 
einem  fo(d)en  93er)idE|te  l^at  ber  Gntiourf  baö  9ied)t  cineö  gemeinfd^aftüd^en  9lb« 
tommßnged,  nad)  Sinologie  bev  erbredjtHdjeu  SSeftimmungen  über  bie  älud- 
fcftlagung  einer  ßrbf^ft  feinen  9lnt^eil  an  bcm  ©efammtgute  bcr  fortgefegten 
©ütcrgemcinfd&aft  ouöjufd&lagen,  nidjt  anerfonnt,  ba  ein  S3ebürfni6  ju  einem 
(old^en  Sltidfc^lagungdrecl^te/  mcld^ed  ju  einer  ä3eeintröd)tigung  bed  gütergemein^ 
fd^Qftlidjcn  ®rbrcd^teö  bcö  übertebenben  (Sl^egatten  fiil)ren  fonnte,  nid^t  oorliegt. 

§  i;J94. 

Sinb  im  galle  beö  ©intrittcö  ber  gütergemeinfdjQftlidjcn  ©rbfolge  neben  «««fliei^una. 

gcmcinf^ftlic^en  91bfömmlingcn  crbbered^tigte  einfeitige  3lbfomm(inge  oor^  empfangenen 

^nbcn,  fo  ift,  ba  bic  {enteren  ben  oerftorbcnen  ©Itcrntljcil  nad)  bcn  geioöl)ns  ^^^^^^^  ^*" 

li^n  ©ntnbffigen  beerben  (§  1884),  l^infid^tlid^  ber  and  bcm  ©cfammtgutd^  »mmnnsen. 

cnt^cile  imb  bcm  SSorbc^altö*  bcjiu.  Sonbergnte  bcö  oerftorbencn  ©Ijcgatten 

Mc^ben,  ben  einfeitigen  Slbfommlingen  gegenüber  eine  einlieitlic^e  a)Iaffe 

bilbenbcn  ©rbf^aft  (§  1382  Slbf.  1,  §  1395  2lbf.  l)  eine  9ludeinanberfe6iing 

pifc^cn  bcn  einfeitigen  3lbfommIingen  cinerfeitö  nnb  bem  übcrlebenben  ©bc- 

gatten  ofö  bcm  2Bitcrben  ber  [enteren  anbercrfeitö  erforbertid&.    aSSenngleid^ 

nac^  §§  1384,  1395  9Ibf.  2  bcr  übcriebenbe  @^egatte  fomoljl  in  Slnfetiung  bed 

(Scfammtgntdant^eiled  bed  oerftorbcnen  @l^egattcn  a(ö  in  9(nfel)ung  bcd  ben 

gcineinf^iaftUc^en  Slbtommlingen  }ufommenben  3{nt{|eilcd  an  bem  SSorbcbaltö« 

ober  Sonbcrgnte  beöfelben  formcU  an  ©teUe  bcr  gcmeinfd^aftttdjcn  Slblömm^^ 

finge  neben  bcn  einfeitigen  9lbfommlingcn  alö  aWiterbc  bcmfen  ift,  fo  fte^en 

bod^,  matcneU  bctrad^tet,  nad)  bcr  gaujen  (Scftaltnng  ber  fortgefegten  ©üter« 

gemcinf^aft  bcn  einfeitigen  Slbfömmlingen  infomeit  bie  gemeinfd)aft(i(i^en  W)^ 

tomralingc  alfi  SRiterben  gegenüber.    aJIatcrieU  mnfe  bcö^alb  bie  9Iußeinanbcr* 

fegung  i^if^cn  bem  ftberlebenben  @()egatten  nnb  ben  einfeitigen  3lb{ömmUngen 

»egcn  bcr  Srbfd^oft  bed  oerftorbcnen  G^egatten  fo  erfolgen,  a(d  roenn  aniS)  bie 

gemeinfd^aftlid^cn  Slbfommlinge  gefegti^e  @rben  beö  oerftorbenen  ©(terntbeilcö 

gciDorbcn  mfircn.    Saraud  folgt,  bag  bei  ber  S^l[^i(ung  ber  Srbfd^aft  imifd^en 

bcm  gütcrgcmeinfd^aftlic^en  @rben  nnb  einem  einfeitigen  Slbfömmlinge  bed  ©rb^^ 

tajferd  in  Slnfel^uug  ber  unter  ben  älblömmlingcn  beö  legtereti    megen  beö 

Sorempfangencn  ju  bemirtenben  9luögteid()tmg  bie  erbred)tlid^en  SSorfd^riften 

über  bie  9luögleid)ung  bcö  SBorempfangenen  (§§  2157  ff.)  9lnroenbung  finben 

müffai.    Um  in  biefer  99cjie^tmg  ieben  3)^^if<^l  auöjufd^liegen,  beftimmt  ber 

§  1304  auöbrücfüd),  ba§  bcr  übcriebenbe  ©fiegattc,  ba  biefer  ben  einfeitigen 

Sbtommlingen  formell  alö  SKiterbe  gegenüberfte^t,  bei  bcr  2:i^eitung  ber  6rb* 

f4aft   i»ifd^en   i^m  nnb  bcn  einfeitigen  9lbt5mmlingcn   in  9Infel()ung  bcr 

btjeid^ncten  äluögleic^ung  bieienigen  9Ied)te  nnb  S3erpflid)tungen  (|at,  loeld^e 

bic  gemeinfd^oftlic^en  9lbfömmlige  l^aben  mürben,  mcnn  fic  (grben  bcö  vtv^ 

fiorbcneu  ©Regatten  geworben  mciren.    2)a  bcn  einfeitigen  2lbfömmlingen  gegen* 

über  bic  Sc^ibung  jmifd&en  bcn  oerfd)iebencn  99eftanbtl)eilen  bcr  (Srbfd^aft, 

nämü<^  iioifd^cn  bem  ®efammtgntöantt)ci(e  nnb  bcm  ^orbcljaltö*  nnb  Sonber« 

Sotisc  |.  UrgerL  <Sefe|tu(9.    IV.  29 


450      Sortßcf.  (äJuteröcmcmfc^aft.  SfuSglei^ung  beS  SJorempfanflcnen.  §  1394. 

flute  bcö  t)crftorbencn  ®^cgaften,  überall  nic^t  in  93etro(i^t  fommt,  fo  ift  bei 
ber  SCIjciluno  ber  ©rbfd^aft  jroifd&en  bem  überlebcnben  (S^egottcn  unb  bcn  ein* 
feitigeu  Slbtömmlinflen  allcö  SJorempfangcttc  ber  Icftteren  beju).  ber  gemein* 
jd^oftUd^en  Slbfömmlinge,  ol^ne  SRüdffid&t  barauf,  ob  ba&fclbe  aus  bem  (Sefammt* 
gute  ober  aud  bem  93orbel^a(td^  bejto.  vSonbergute  l^errütirt^  ju  berücfft^tigen. 
^ie  ^rage^  oud  n)eld)er  SRaffe  bad  SSorempfangene  ^emil^rt  unb  ob  bodfetbe 
8U  ber  einen  ober  anberen  a)laffe  ju  fonferiren  ift,  f)at  Sebeutung  nur  für 
bie  nad)  ÜKafegobe  beö  §  1395  erfolgenbe,  bie  geftftellurig  beß  ben  gemein« 
fc^aftlid&en  3[bf5mmlingen  iufommenbcn  unb  fofort  außjufel^renben  älnt^eilcft 
an  bem  SSorbelialtd*  unb  ®onbergute  bein)e(fenbe  äludeinanberfe^ung  {mifd^en 
bem  übericbenben  ©Regatten  unb  ben  gemeinfd^aftlici^en  Stbfömmlingen,  foroie 
für  bie  2:f|citung  beß  SSorbelialtö«  unb  ©onberguteö  unter  ben  lefeteren,  bcjro. 
für  bie  im  gdlle  ber  2lufIofung  ber  f ortgefefcten  ©ütergemeinfd^aft  ftattfinbenbe 
.a^^eilung  beö  (Sefammtgutßantl^eileö  imter  benfefben  (t)ergl.  §  1395  9lbf-  3, 
§  1408).  2)ie  ©rünbe,  axi^  meldten  ber  ©ntwurf  aud^  inforoeit  befonbere  S9e* 
ftimmungen  barüber,  bei  weld^er  aJlaffe  ju  fonferiren,  nid^t  aufgenommen  fyA, 
ftnb  in  bcn  SJlotioen  ju  §  1395  bargelegt 
«US-  3n  ben  äRotinen  ju  §  1365  oben  ©•  383  fmb  bereits  bie  Orünbe  bar- 

^^ImT'  fl^^^fl*'  ^"^  roeld^en  ber  (Sntmurf  bcn  ©runbfa^  beö  franj.  JRed^tcö  (code  civil 
(teflenubei  3irt.  1438,  1469)  nid^t  aufgenommen  f)at,  bafe  bie  üon  einem  ©Regatten  an 
üBerUföJnbcn  ciufeitigc  Slbfbmmtiuge  gegebene  Sluöftattung  unbebingt  bem  betref^nben  6^ 
e^eflotten.  gattcu  ttlö  ciuc  ttuß  bcm  ©efammtgute  auf  baö  ©onbergut  beöfetben  gemad^te 
ajerraenbung  jur  Saft  fällt,  für  xodd)t  berfelbe  bei  3luffofung  ber  @üter« 
gemeinfdf)aft  iu  bem  ©efammtgute  ©rfa^  iu  leiften  l^at.  'S^  einem  &^nti(^ 
SRefultate  loie  baö  franj.  SHed^t  fü^rt  für  ben  gaU  ber  SÄuflofung  ber  ©üter^ 
gcmeinfd^aft  burd^  ben  S^ob  eineß  ber  G^egatten  ju  Ounften  beö  übericbenben 
eijiegatten  bie  »eftimmung  beß  roeftfai.  ©ef.  v.  16.  STpril  1860  §  8,  baß  bei 
Slußfonberung  ber  ben  ©tieftinbcrn  gebül)renben  ©rbtljieile  bie  ©tieffinbcr  fidb 
auf  i()re  @rbt§ei(e  an  bcm  ©efammtgute  aud^  bem  übericbenben  G^egotten 
gegenüber  StUeß  anred^ncn  laffen  muffen,  maß  fte  nad^  bcn  ©efefeen  ibrcn 
©efd^miftcm  gegenüber  ju  fonferiren  fd^utbig  fmb  (oergl.  aud^  §  15  jencö  @c^ 
fefeeö).  3luf  bem  ©tanbpuntte  beß  roeftfät.  ©ef.  o.  16.  Stprif  1860  fteben  in  biefcr 
93ejief)ung  fenicr  ber  oßnabr.  ßntn).  §§  10,  17  unb  ber  c^renbrcitft.  (Snuo. 
§§  62,  68,  mfilirenb  nad^  bem  mürttemb.  ©ntro.  §  313  bie  ftoUotion  nur  5ur 
älußgleid^ung  unter  ben  5iinbcrn  ftattfinbct.  Ob  unb  inmiemeit  (egtereö  aucb 
nac^  bcm  preufe.  31.  S.  dt.  II,  2  §§  323—326,  374  ff.  ber  gaH,  ift  beftrittcn; 
bod^  mirb  bie  KoUationöp^id^t  gegenüber  bem  übericbenben  G^egatten  in  ber 
S)oftrin  unb  ?ßrariß  beö  prcufe.  Slcd^teß  übermiegenb  verneint. 

^cr  Gntnmrf  gcl^t  baoon  auß,  bag  im  Slnfd^Iuffe  an  bie  allgemeinen 
erbred^tlid^en  ©runbfö^e  über  bie  3lußgleid^ung  megen  beö  SSorempfangenm 
bie  cinfcitigen  Slbfömmünge  nur  gegenüber  bcn  gcmeinfc^aftlid^en  9K)tomm^ 
lingen,  nid^t  aud^  gegenüber  bem  übericbenben  ©Regatten  }U  fonferiren  oer« 
pflid^tet  ftnb.  S)icfe  3Irt  ba*  Stegclung  entfpric^t  bem  ©tanbpunfte  beö  (SnU 
murfcß,  ba^  im  galle  ber  Sluflöfung  ber  ©ütergemeinfd^aft  burd^  ben  STob 
eineß  ber  ©Regatten  baß  ©cfammtgut  nid)t  alß  ein  felbftänbigeö  SBermögen 
belianbclt  mirb,  in  mclc^cß  ber  übcrlebcnbc  ©I)egatte  unb  bie  Slbfommlingc  befl 


©üteräeweinfWir.  SrBfoIoc.  S^DxUlali^  u.  ©öittcrgut  b.  ©rbrafferö.  §  1395.  451 

ocrflorfcencn  ß^cgotten  flcmiffcrmöfecn  alß  Untocrfalfuf jcfforen  fufjcbiren,  fonbcin 
iic  eine  ^otfte  beö  ©efammtgutcö  jum  5lad^taffe  beö  Dcrftorbenen  G^cgattcn 
fle^ort^.bic  anbcre  ^älfte  aber  bem  übertcbenben  (Sljicgatten  ai&X^dlijabcv  bcv 
fWi<|€«  ©cmeinf^aft  iuföllt.  ©ö  löfet  pd)  ollerbingö  nid^t  ücrtennen,  ba^ 
unter  Umftfinben  in  ber  ÄoBationöpflid&t  ber  einf citigen  9lbf ömmlingc  aud^ 
gegenüber  bcm  üjberlcbenben  (Sl^egatten  eine  billige  Sluöglcici^ung  für  ben  ^ox^ 
t^eil  liegen,  hxm,  rocl^ien  berjenigc  6l)egatte,  roeld^er  einseitige  Slbf ömmlingc 
fyd,  wenigftend  mittelbar  burd^  beren  Sludftattung  auö  bem  ©efammtgute  cr^ 
langt  SMIein  bicfer  ©efid^töpunft  müßte  ju  bem  von  bem  ©ntrourfe  nid)t  gc^ 
billigten  Stanbpunfte  bed  frang.  Sted^ted  fül)ren^  nad^  meld^em  ber  betrcffenbe 
€^egatte  pd)  bic  an  einfeitige  Sblömmünge  auß  bem  (Sefammtgute  erfolgten 
Äudftattungeit  ober  Se^enfungen  bei  ber  3lu&einbertc|ung  megen  beö  ©efammt^ 
fluteö  immer,  o^ne  Slüdfic^t  barauf,  ob  er  ber  Ueberlebenbe  ift  ober  nidf)t,  am 
tc^nen  laRen  mufe..  ^n  ber  S3ef^ränhmg  auf  ben  überlebenben  ©l^egatten 
tritt  unijcrfennbar  bie  J^enbcnj  l^eroor,  biefen  ju  begünftigen.  gür  eine  ber* 
artige  Segünftigung  beö  überlebenben  ©Regatten  fel^lt  ed  aber  an  entfd^eibenben 
inneren  ®ränbcn.  Sluö  bem  SBefen  unb  3'^^*^  ^^  Oütergemciufi^aft  lägt 
fie  fi(^  nid^t  ableiten.  Gbenfomenig  fpridbi  bafür  bie  t)ermutl^tid)e  9tbfid)t  beö 
betreffenben  Gfiegatten  bei  ber  S^n^^^i^uJ^B* 

§1895. 

abritt  bie  gfitetgcmcinfc&oftltc^e  ©rbfolge  nidbt  ein,  roie  bics  bei  unbeerbter  »ecufung  »u 
C^  ftetd  )inb  bei  beerbter  Gl^e  bann  ber  gall  ift,  wenn  ber  übcrlebenbe  ®^c*  f^tfam,  ober 
flOtte  bie  gütcrgemeinfd^aftlid&c  ®ri>folge  auöfd^lägt  ober  il^m  baß  gütergemein-  ^onberautc 
fc^aftti^e  (Srbred^t  gültig  entjogen  ober  ber  Dorl^anbene  einzige  gemeinfc^aftlid^c  ^rMafrer». 
Slbfömmling  alö  Dor  bem  ©rbfaDe  geftorben  anjiifel^cn  ift  (§  1383.  3lbf.  1, 
5§  1386,  1387,  1388,  1392  3lbf.  2,  §  1393),  fo  fommt  bie  ©djeibung 
iwifi^n  bcm  jum  Sladfilaffe  beö  Dcrftorbenen  ©fiegatten  gel^brcnben  ©efammt^^ 
^töant^ile  unb  bcm  SSorbcl^altßf  unb  @onbergutc  bcdfelben  nid)t  in  ^etrad^t ; 
^ielmebr  bilbcn  in  ieneu  gälten  bie  beieid^neten  S3eftanbt^eile  bcß  9}ad}laf[es 
<ine  ein^itlic^e  @rbfd^aftßmaffe,  meldte  nad^  ben  gemöl^nlic^en  ©runbfö^cn 
oercrbt  S)adfelbe  gilt  im  gaUe  beß  @intritteö  ber  gütergemeinf d^aftlid^en  @rb^ 
iolgc  beim  SBorl^anbenfein  cinfeitiger  3lbf ömmlingc  biefen  gegenüber  bei  ber 
X^ilung  ber  Srbfd^ft  smifd^en  il;nen  unb  bcm  überlebenben  ®l;egatten  (§  1384 
.Sbf.  2,  §§  1394,  1395  2lbf.  1 ;  Dcrgl.  aWotioc  iu  §  1394  oben  ©.  449). 
Slnbcrft  geftaltet  fid&  bagegeu  beim  (Eintritte  ber  gütergcmeinfe^aftlidjen  ©rb^ 
folge  baß  93cr^dltni6  gegenüber  ben  gcmeinfd^aftlid^en  älbfömmlingen  unb 
irittcn  ^rfonen,  ju  bereu  ©unften  ber  uerftorbene  (Sljcgatte  über  bic  nad) 
ber  gciDo^nli^ett  Erbfolge  ben  gemeinfd^aftlid^en  Slblömmlingen  unb  bcm 
.überlebenben  G^egattcn  julommcnben  3lnt^eilc  an  bem  SJorbcl^altßgute  ober 
-Sonbergute  beß  oerftorbenen  ©Regatten  uon  S^obcßmegen  verfügt  l^at.  S)a  ber 
ubetlebenbe  @^gqttc  beim  SSor^anbenfein  uon  gemcinfd^aftlid^en  älbfömmlingcit 
Jiad^  §  1384  alß  älllcincrbc  bejm.  infomeit  alß  @rbc  beß  uerftorbcncn  Gl)egatten 
.berufen  ift,  alß  er  unb  bie  gemcinfd^aftlid^en  aibfömmlingc  bei  ber  SJorauß* 
fffeung,  bafe  ®ütcrgemeinfd5aft  jwifd^en  ben  ©Regatten  nid)t  bcftanbcn  l;ötte, 

2?* 


452  Oüterflcmriuf d6af tl.  ©iBfoIoc.  ScrBcl&altö*  u.  ©onbcrflut  b.  (ScBlaff erg.  §  1395, 

alö  gcfcfelid^c  ßrbcn  würben  berufen  werben,  iinb  ha  bicfcö  gütergemciu:^ 
f^aftUd^e  Srbred^t  bed  über(ebenben  @^egatten  ate  ä^ertragöerbred^t  nad^  §  1385^ 
9(bf.  1  bc()QnbeIt  toirb,  fo  würbe,  tom  formalen  ©tanbpunfte  ouö  betro<i&tet^ 
bem  übericbenben  G^egatten  aud^  bad  %orbel^a(td«  unb  Sonbergut  bed  Der^ 
ftorbencn  G^egatten,  fomeit  badfelbe  nic^t  ben  einfeitigen  9[bf5mmHngen  be^ 
fclben  mä)  ber  gcfefelid^en  ©rbfolgc  jufommt  (§  1384  3Ibf.  2,  §  1395  Slbf.  1)^ 
ücrblciben  unb  iljm  gegenüber  eine  JBcrfügung  von  S^obcöroegen  von  Seiten 
bcö  Derftorbenen  ©Regatten  über  bic  i^m  als  5Bertrag«erben  iuftel^enben  älntl^ile 
an  bem  93orbel^altö*  unb  ©onbergute  bcdfclben  unroirffam  fein.  S)iefer  formalen 
jtonfequenj  gegenüber  mug  ober  bod  moterieKe  ^rinjip  jur  ®eltung  gebrod^t 
werben,  ba|  bei  bem  (Eintritte  ber  gütergemeinfd^aftlid^cn  ©rbfolge  bic  Be- 
rufung 5u  bem  JBorbel^altös  ober  ©onbergute  beö  wrftorbenen  G^cgottcn  fid^ 
nad)  bcnienigen  SSorfd^riften  beftimmt,  wefd^e  für  blefelbe  mafegcbcnb  fein 
würben,  wenn  }wifc^en  ben  ©Regatten  (Sütergemeinfc^aft  nid^t  beftonben  ^fitte 
(§  1395  3lbf.  1).  ©aö  gßefen  beö  aSorbe^alW  unb  beö  ©onbcrguteö  befielt 
gcrabe  barin,  baß  bie  SBirfung  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  —  abgefc^en 
baoon,  ba^  ha^  <Sonbergut  für  9led)nung  bed  ©efammtguted  uerwaltct  iDirb* 
(§§  1351,  1411  9lbf.  2,  §  1418)  -  fid&  auf  baö  «orbe^alte*  ober  Sonbcrgut 
eines  ßl)egatten  nidjt  erftrerft.  Sie«  mufe,  in  Uebereinftimmung  mit  bem  be* 
fte^enben  Siedete,  an6)  von  ben  befonberen  erbred^tüdjen  SBirfungcn  ber  oH- 
gemeinen  ©ütergemeinf^aft  gelten  (oergl.  preufj.  SÄ.  S.  SR.  II,  1  §§  635, 636)- 
3n  erfter  Sinie  ift  bal)er  für  bie  ©ntfdbeibung  ber  grage,  weld^en  ^erfoneu  bad 
3Sorbel;altd*  ober  Sonbergut  jufommt,  eine  von  bem  oerftorbenen  ©Regatten  in 
biefer  .^infidjt  getroffene  58crfügimg  t)on  2^obeöwegen  mafegebenb.  3»i  6r* 
mangelung  einer  fold&en  SJerfügxmg  treten  bie  ©efefeeöerbcn  ein,  unb  jwar 
crf)alten  bie  einfeitigen  9lbf5mmlinge  wie  ber  überlebenbe  ©begatte  ben  i^ncn 
nac^  ber  gefeblic^en  Erbfolge  jufommenben  9lntl|eil  an  bem  ^orbc^altdgute  in 
i()rer  ©igenfc^aft  olö  gefefelid^e  ßrben  bejw.  als  gütergemeinfd^aftlid^cr  ©rbe^ 
wäljreub  ben  gemeinf^aftlid)en  älblommlingen,  ba  biefelbeu  nid^t  alö  SRiterben 
bcnifen  finb,  ber  auf  fic  nad^  ber  gefefelid^en  Erbfolge  fallenbe  Snt^eit  an  bem 
äJorbeljaltö*  ober  ©onbergute  als  burd^  aSermödjtniß  befcbieben  gilt  (§  1395- 
9lbf.  2  ©ag  1).  ©in  genügenber  (Srunb,  in  ©rmangelung  einer  SBerfügung 
Don  ^obedwegen  ben  Überlebenben  ©fiegatten  oon  bem  il)m  nad^  ber  gefe|(id^eu 
©rbfolgc  julommenben  älntl^eile  ju  einem  93iertel  audjufc^Ucgen,  liegt  nid^t  vor. 
3lubererfeitd  geljt  ber  Gntwurf  baoon  auö,  bafe  ber  ©rblaffer  für  ben  gall  bed 
©intritteö  ber  gütergemeinfdjaftlic^en  Grbfolge  über  [mtn  Slnt^eil  bed  übcr^ 
lebenben  ©Regatten  oon  ^obeöwegen  frei  verfügen  tann,  o^ne  baß  bem  festeren 
ber  Setrag  beö  gefe^lid^en  ^flid^tt^eileö  oon  bem  Jßorbe^altd*  ober  ©onbergutc 
freigelajfen  ju  werben  braudjt.  SBill  ber  überlebenbe  ©begatte  fidb  nic^t  babci 
berut)igeu,  fo  ftel^t  eö  it)m  frei,  bie  gütergemeinfe^aftlid^e  ©rbfolge  audjufd^lagcn 
unb  feinen  '^Pidf)tt^eildanfpnid^  geltenb  ju  mad)en  (§§  1386, 1975).  SDiefe  ben 
allgemeinen  ©runbf^^en  über  baö  $flid^ttt)ei(dred[)t  entfprec^enbe  Se^anblunc) 
ber  Sadfie  ift  im  .^inblirfe  auf  ben  Sluöna^mefarafter,  weld^en  bo«  Sot* 
beljaltö^  unb  bas  Sonbergut  bei  bej:  allgemeinen  ©ütergemeinfc^aft  ^aben,  un^^ 
bebeuflidf)  unb  im  3utereffc  ber  SUereinfadjung  beö  ©efc^cö  auA  üld  on- 
gemeifen  in  eradjten. 


tSüterflcmrinf^aftl.  ertfoloe.  aSorktaltS'  u.  ©onfcergut  b.  örBIaffera.  §  1395.  453 

Änberd  üegt  bagcgcn  bic  Sac^e  in  9lnfc]^ung  bcr  flcmcinf(^QftIid&cn  ^Pi^tt^ti«. 
Sbfömtnlinge.    SBcnttßlcid)  biefclben  in  5!lnfcl^img  beö  SBorbcljoItö'  xinb  bcß  ^m!maH^ 
Sonbcrgutefi  bcfi  ocrftorbencn  ©Regatten  formcD  nid)t  bic  ©tcUung  von  ©rben,  ^}^^^^^^ 
fonbcni  von  33crmäd^tni§nel&mern  l^obcn,  fo  cntfpridjt  cö  bod&  bcm  ©nmbfatjc     """  *"^* 
bcd  §  1395  9(bf.  1,  bag  fic  infon)eit  materieU  ate  gefeglid^e  @rbcn  beljanbclt 
loetbcn  unb  il^nen   beö^olb  ein  nad^  bem  Umfange   beö  S3orbeI)a(tö^  iinb 
@onbergutcd^  unter  ^{id^tberucffid^tigung  \\)xt&  9lnt^ci(cd  am  ©cfammtgute  ju 
tcfüntmcnber^  and  bcm  SSorbcl^altö«  unb  Sonbcrgutc  }u  berid^tigcnbcv  ^^flid)!- 
t^toanfpmc^  eingeräumt  mirb  unb  in  biefer  Seiic()tmg  bic  crbred^tUdEien  S3or« 
{d^riftcn  über  ben  ^flid^ttl^ei^  beffen  Sntjie^ung  imb  über  ben  Slnfpntdg  auf 
bcn  aufecrorbcntlic^en  ^fliddtt^cU  (§§  1975  ff.)   entfprcd^enbc   2lnwenbung 
finben.    gm  3«tercffe  ber  SJerbeutlid&ung  bcö  ©efefecd  ift  bicö  im  §  1395 
^.  2  Sag  2  audbritcilid^  auögefproc^en. 

S)a  bcr  ubcrlcbcnbc  ©begatte  baft  SJorbeljaltö*  bcjU).  Sonbergut,  f oracit  «"^«^«^^^^|;'^ 
badfelbe  nat^  ben  Seftimmungcn  bcö  §  1395  Slbf.  1,  2  nic^t  i^m,  fonbern  ben  ^u^^vT^ 
f|rmcinf<!^ft(id^en  SCbfSmmlingcn  ober  benienigen  anberen  ^crfoncn  ocrbleibt,  ^«^«"^'^""^ 
lochten  bcr  @rb(affcr  badfelbc  burd^  SSerfügung  von  2:obeön)cgcn  jugcmenbct 
^t,  nadSi  SRaggabc  ber  allgemeinen  erbrcd^tUdjcn  93cftimmungen  fofort,  b.  I). 
Dor  Stuflofung  ber  fortgefegten  ©ütergcmcinfcbaft  auöjufc^rcn  ucrpPit^tct  ift, 
TD%enb  er  bifi  iur  3lufIofung  bcr  Icgtercn  im  ©erifee  unb  ©enuffe  bcö  ©c- 
fammtguteö  ocrbleibt^  fo  wirb  {mifd^cn  bcm  fibcrlebcnben  ©Regatten  unb  ben 
gcmeinfd^ftlic^en  9lbf5mm(iugen  beim,  ben  bcicid^netcn  anberen  $erfonen  eine 
Suöeinanberfegung  5um  3n)edc  ber  Ermittelung  bcö  93orbel)altö^  unb  Sonbcr^ 
Ütiteö  crforberlid^.  S)abei  ift  eö  f clbftt)erftänbli(^ ,  bag  @rfaganfprädbe,  meldb^ 
bcm  oerftorbenen  @l^egattcn  }u  ©unften  feincö  Sßorbel^attö«  ober  Sonbergutcö 
«n  baö  ©cfammtßut  juftel^cn  (§  1365  9lbf.  2,  §  1367  2lbf.  2,  §  1368, 
§  1369,  §  1851  9lbf,  2  ucrb.  mit  §  1420),  ju  bem  SSorbc^altö*  bcjm.  ©onber^- 
julc  geboren  unb  biefcm  alö  Slftiüum  f)inäujured)ncn  fmb.  Slnbcrerfcitö 
muffen  ober  bieienigcn  %erbinblid)feiten  beö  @rbla)ferö,  meldte  fibcrl^aupt  nid^t 
^ommtgulöDerbinblid^fciten  pub  (§  1362)  ober  im  SBer^ältniffe  ber  ©Regatten 
jtt  cinanbcr  bcm  erblajfer  allein  jur  Saft  fallen  (§  1367  9lbf.  2,  §  1368),  alö 
^inberungen  beö  SSorbc^altö«  ober  Sonbcrgutcö  auö  biefcm  uorab  berichtigt 
werben.  S)ieö  im  §  1395  5lbf.  3  bcfonbcrö  ju  betonen,  ift  für  not^menbig 
eraii^et,  ba  fonft  in  3w^if^l  ßCiogen  werben  tonnte,  ob  ber  ubcrlcbcnbc  ®()C' 
gotte  biefeö  Siedet  gegenüber  ben  alö  $ermäd)tnignel^mem  auftretenben  SSejugö^ 
bcret^tigten  mürbe  auöüben  f5nnen.  3^  ^^^  ^iemad^  uorab  )u  berid^tigenben 
Seibinblic^feiten  gebort  audb  bcr  einem  gemeinfd^aftlid^en  Slbfommlingc  nac^ 
9ia|gabe  bcö  §  1395  Slbf.  2  auö  bem  ^orbc^altö^  unb  Sonbcrgutc  ju  gc- 
loa^renbc  $f{t(^tt^eil. 

Sßie  in  ben  Slßotiuen  ju  §  1394  ^croorgel^oben  mürbe,  babcu  im  ^allc  äcudgiei^ung 
bcö  (gintritteö  bcr  gülcrgemeinfd^aftlid^en  ©rbfolge  beim  5Borl)anbenfein  ein- g^J*^  *^i'j„ 
feiüger  9(btommlinge  bie  Icgtcren  bejm.  an  ©teile  ber  gcmeinfd^aftlic^cn  Slb^  »»«w««  »><« 
fommlingc  ber  ubcrlcbcnbc  Gfiegattc  bei  bcr  2^l)eilunfl  bcr  Crbfd^aft  iioifdjen  »mmiinj^en. 
i^  unb  ben  einfeitigen  älbfommlingen  ba&  SSorempfangene  nai)  dl^aggabe  bcr 
cHgemeincn  crbrc^tlid^en  93cftimmungen  ol)ne  dlüdfic^t  barauf  ju  lonfcrircn, 
ob  baöfclbc  auö  bcm  ©cfammtgutc  ober  auö  bcm  SSorbc^altö*  ober  ©onbcrgutc 


454  Oüteröemeinf d&aftl.  örBfolflc.  SSorbcJoItö-  ii.  ©onbcrgut  b.  (SrMafferö.  §  1395. 

bcö  @rbla|fcrß  Ijerrülirt.  SBon  Scbcutung  wirb  aber  bic  ^crhinft  bcö  SSor^ 
empfangenen  unb  naä)  ailafegabc  bcö  §  1394  bei  ber  S^^eilung  ber  ®rbfd^aft 
äwifd^en  bem  übcrlebenben  ©Regatten  unb  ben  einfeitigen  Srbfommlingen  von 
ber  einen  ober  anberen  ©cite  Äonferirtcn  bei  ber  ^eftftellung  bcö  bm  gemein* 
fdfiaftlici^en  Slbfommftngen  naö)  §  1395  3lbf.  1,  2  julommenbcn  unb  fofort 
QUöjufefirenbcn  Slnt^cileö  an  bem  S3orbcl^altö=  ober  ©onbcrgute.  3e  no^bcm 
baö  aSorempfangene  unb  Äonferirte  bem  ©efammtgutöant^cite  ober  bem  Sor* 
befialtSs  unb  ©onbergutc  jugcrcdjnet  wirb,  fann  bieö  im  ^inblictc  borouf,  bofe 
ben  gemeinfd&aftlidfien  3lb!ommiingen  il&r  S[ntf)eU  an  bem  erftercu  crft  bei 
Stuflofung  ber  forlgefegten  ©ütcrgemeinfdEiaft,  ber  änt^cll  an  bem  leßtcren 
fofort  fjeraudjugeben  ift  nad^  93erf(i^iebenl)eit  ber  ^fiUe  balb  bem  überleknbni 
®f|cgatten  auf  Äoften  ber  gemeinfd^aftlid^en.Slbfömmlinge,  balb  ben  leßtcrcn 
auf  Äoften  bc«  erfteren  jum  SSort^eile  gereichen.  Um  gegenüber  ber  ©eltenfieit 
ber  gälle  beö  5Borbel^aItös  ober  ©onberguteö  nid^t  in  eine  imnöti^igc  unb  rniö» 
lid^e  Äafuiftif  ju  gerat^en,  ift  eö  dfs  angemeffener  erad)tet,  im  ®efe|e  nur  baö 
allgemeine  im  §  1395  3lbf.  4  bejeid^nete  ^ßrinjip  auöjufpred^en,  bie  ©ntft^cibuiig 
ber  fpejieHen  ^age  aber,  bei  mcld^cr  SKaffe  baö  Jlonferirte  bei  ber  äufi* 
cinanberfegung  bed  ©efammtgutöantfKiI^d  unb  bed  SSorbetjaltd*  unb  @onber« 
gutes  in  Slnfäg  ju  bringen  ift,  ber  SBiffcnfd^aft  unb  5ßrcifiö  ju  überlajfen; 
wcfci^e  tJorauSfid^tUd^  uon  fefbft  bal^in  gelangen  werben,  bafe  in  ®rmangelun(j 
anberweiter  mafegebcnber  Seftimmungen  bed  tjerftorbenen  ©Regatten  barauf 
gefe^en  loerbcn  muffe,  ob  baö  aSorempfangenc  auö  bem  ©efantmtgute  ober  au* 
bem  aSorbel^altö«  bejw.  ©onbergute  gefommen  fei,  unb  bafe  bemcntfpred^cnb 
baö  Äonferirtc  bem  erfteren  ober  bem  Ie|teren  zugerechnet  werben  muffe,  boft 
aber  folc^c  SÄnorbnungen  beö  tjerftorbenen  @f|cgatten  über  bie  Slnretj^nung  bei 
ber  einen  ober  anberen  SWaffe,  burd^  welche  inbireft  in  baö  t)ertragöma6igc 
gütergemeinfd^aftlic^e  ®rbred^t  beö  übcriebenbcn  ®^egatten  eingegriffen  wirb, 
nad^  §  1385  SKbf.  1  gegenüber  bem  flberlebenben  ©begatten  feine  SBcod^tiinj 
fmbcn.  SÄuö  *  fi^nlid^en  Srwögungen  finb  oud^  borüber  feine  befonberen  9Sor* 
fd^riften  gegeben,  inwieweit  baöjenige,  waö  bie  gemeinfd^aftli^en  Slbfommlingfe 
Vorempfängen  l)aben,  unter  benfelben  bei  bet  S^^eifung  beö  SBorbe^altö^  xmb 
Sonberguteö  ober  erft  bei  ber  S^^eilung  i[)reö  3lntf|eileö  an  bem  ©efammtgutc 
ber  fortgefegten  Oütergemeinfc^aft  nad^  3luftöfung  ber  (enteren  (§  1408)  ju 
fonferiren  ift. 

3lud^  bei  ber  33eftimmung  beö  nad)  §  1395  äU)f.  2  ©afe  2  ben  gemein« 
fc^aftlid^en  3lbfommIingen  in  3lnfel|ung  bcö  SBorbel^attö*  unb  ©onbergutcö  ju* 
ftc^cnben  orbentlid^en  unb  aufeerorbentlid^ert  5ßflid^tt^ei[eö  ift  bic  gragc  oon 
Sebcutung,  inwieweit  bie  Slbfömmflngc  bic -in  bicfcr  §infid^t  nacft  ben  ertl^ 
rcd&tUd^en  ©runbfäfeen  über[)aupt  ju  berüdfid^tigenben,  auö  bem  ©cfammtgute 
ober  auö  bem  SBorbeJ^altö^  unb  ©onbergutc  erfolgten  Swi^^J^bungcn  bcö  Crb« 
laRerö  \\6i  auf  il)ren  ^flicbtt^eil  t)on  bem  aSorbefialtö-  ober  ©onbergutc  ober 
crft  auf  i^rcn  Slntficil  an  bem  ©efammtgute  ber  fortgefegten  (Sütcrgcmeinf^oft 
bei  3luflöfung  ber  Icftteren  anredi^nen  laffcn  muffen  luib  inwieweit  bcrartigc 
3uwenbungen  ben  aufecrorbcntli^en  5ßflid^ttl|eiteanfprud)  in  Slnfc^ung  bcö 
93orbcf)aItös  unb  ©onbergutcö  bcgrünbcn.  3luö  ö^nlic^en  (Srünben,  wie  bie* 
icnigcn,  wcld^e  ben  Gntwurf  beftimmt  f)aben,  im  §  1395,  abgefe^n  üon  ber 


Hortßefc^te  ®ütcrflemcin|$aft.    ©cfammtöiit    §  1396.  455 

acfKmmung  bcö  §  1395  9lbf.  4,  bcfonbcre  SBorfdjriftcu  über  btc  Kollation 
nid^t  aufjunc^mcn,  ift  and)  bic  ßntfdjcibung  jener  baö  ^ffid^tt^eilöredjt  bc^ 
trtffcnben  ^ta^cn  ber  SBiffenfd^aft  unb  5ßrariö  übcrlaffeu. 


g 


1396. 


Xic  Scftitnmuno  beö  §  1396  Slbf.  1  eutfprid^t  bem  SBefcn  unb  3«)ecte  ^""^^^^^^ 
bcr  fortgefe|tcn  ©utergemcinfd^aft  unb  ftc^t  mit  ben  auf  betn  ^oben  ber  scmeinfc^aft 
Iftlercn  ftc^cnbcn  SHcc^tcn,  inöbefonberc  mit  bem  lüb.  Siechte  (üergl.  Seuffcrt  u,„fa„ß  be< 
XXXV  39),  bcn  fd&Icfin),  l^olft.  SRcd^ten  unb  bem  SHed&tc  von  aWünftcr,  ferner  ^'^^^^ 
mit  ber  lippc^betm.  93erorbn.  v.  1786  §  19,  bem  SRec^tc  üon  Sigmaringen, 
SJambcrg  unb  Sljurnau,  fomie  mit  bem  roeftfäl.  ®ef.  ü.  16.  äpril  1860.  §  10 
fibcrcin  (oergL  aud^  odnobr.  @ntn).  §  13 ;  mürttemb.  @ntm.  §  301 ; .  eieren:: 
breitft.  entw.  §§  51,  92).     31uä  bem  §  1396  2lbf.  1  ergicbt  fidj,  bafe  auä) 
baft  jum  9la(^(af[e  bed  üerftorbenen  ©Regatten  gef)örenbe  äSorbe^altd^  ober 
6onbergut  bcö  leiteten,  foweit  badfelbe  naä)  §  1384  älbf.  1  bem  überlebenben 
Statten  ate  gütergemeinfd^aftUddem  @rben  iufoUt,  Dorbe^altlid^  ber  $or« 
Wriften  bcö  §  1395,  ©efammtgut  ber  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  wirb, 
nic^t  minber  badjenige,  wod  ber  überlebenbe  ®l^egatte  etn)a  auf  ©runb  emed 
Sermad^tniilci»,  mit  welchem  ber  ©rblaffer  bcn  ®rbtl&eil  eineö  cinfeitigen  älb- 
fornmlingeö  belaftet  l^at  (§  1384  9lbf.  2),  ober  auf  (Srunb  einer  oon  bem 
erbtoffer    nac^   SKafegabc   bed   §   1385   äbf.    1   Saß  2    getroffenen   aSer^ 
fügung  erhält. 

2)o6  baö  biöl^erigc  aSorbc^altö*  ober  ©onbergut  bcö  überlebenben  Gl^cs  *^''^^""*'^ 
gatten  biefe  Sigenfd^aft  auc^  für  bie  .fortgefegte  ©fitcrgemeinfd^aft  bc\)aitlutt>Jl^'0 
(§  1396  attf.  2  Saft  1),  rechtfertigt  p*  bur^  htn  Sroerf  jenes  ®uteö,  meiner  ^^'^^^^^"^ 
gerabe  barin  befielt,  bie  @inn)irfung  ber  allgemeinen  (Sütcrgemeinfd^aft  unb 
mithin  aud^  bic  Stad^wirfungen  ber  (egtercn  im  ^aUe  ber  äluf(5fung  bcrfclbcn 
bur^  ben  Sob  eineö  ber  ©Regatten  in  9(nfe§ung  ieneö  ©uteö  auöiufc^Ucgen. 
Jlk  Seftimmungen  beö  §  1396  älbf.  2  Sag  2,  3  ferner  berul^en  auf  ä^nlid^en 
Cnoagungcn,  roie  bic  »efttmmungcu  ber  §§  1347,  1351  2tbf.  1  SRr.  2,  3. 

Dag,  mcnn  bie  S^efrau  ber  überlebenbe  ^i)cil  ift,  in  9InfcE)ung  beö 
Sonbfrgutcö  ber  (S^efrau  bie  SSorfd^riften  über  baö  Sonbergut  beö  S^emanneö 
gelten  (§  1396  Stbf.  3,  §  1351  aibf.  2,  §  1417),  ftcl)t  im  (ginflange  mit  ber 
fonftigcn  Stellung,  weld^e  bie  ©defrau  bei  bcr  fortgefegten  Oütcrgcmcinfd^aft 
einnimmt  (§  1399). 

2Hc  im  §  1396  Sttf.  4  auögefprod^ene  Slnroenbbarfcit  bcr  §§  1349,  1414  eurroflation. 
auf  baö  93or6c(jaItö^  bejm.  Sonbergut  bcö  überlebenben  ©Regatten  btmf)t  auf 
benfdben  Sntmgungen,  meld&c  ju  bcn  Seftimmungcn  bcr  §§  1349, 1414  (ocrgl. 
§  1351  abf.  1  3lr.  4)  für  bic  e^clid^c  ©ütcrgcmcinfdfiaft  geführt  Ijaben. 

Xnlangenb  bic  Seftimmung  bcö  §  1396  2lbf.  5,  fo  cntfprid^t  cö  bem  ®e?  «»^»«f«»  «*««« 
banfen  bcr  fortgefegten  ©ütergemcinfc^aft,  waö)  welkem  ber  Sefig  unb  ©enufe  ^^^^tb^ 
bcö  c^li(j^n  ©efammtguteö  bem  überlebenben  @l)cgattcn  erhalten  werben,  boö  »mmrinöe«. 
c^lii^e  ©cfammtgut  aiiä)  nod)  im  gallc  bcr  Sluflöfung  bcr  ©ütcrgcmcinf^aft 
buni[)  ben  %ob  eineö  bcr  6l)egatten  bic  gunftion  bcö  SUcrmogenö  beö  über* 
bbenbcn  ©Regatten  ^abcn  foü,  bafe  jroar  bcr  fünftige  ©rmerb  bcö  legteren. 


456  gortflefe^tc  ®üteroemcln[*aft.    OefammtguL    §  1397. 

nid^t  aber  a\i6)  bad  SSermögen,  tueld^cd  ein  gemcinfd^aftUd^er  äfbfömmling  jnr 
Seit  bcö  a;obcö  beö  üerftorbenen  ei^cBattcn  l^at  ober  fpStcr  cnüirbt,  ju  bcm 
©efammtflutc  bei*  forfgefegtcn  ©ütergemeinfddaft  gel)ört.  9luc^  biefefi  (entere 
aScrmögcn  in  baß  ©efammtgut  fallen  ju  loRen,  würbe  iiber  bcn  ^xo^d  ber 
fortgefefeten  Oütcrgemeinfdöaft  Ijinauögel^en  unb  jubcm  eine  nid^t  ju  rcd^t* 
fcrtigcnbe  Sefd^rönfnng  ber  perfönlid^en  Selbftönbigfeit  ber  9lbtömmlingc  burc^ 
bcn  ©ütergcmeinfc^aftöoertrag  ber  @^cgatten  mit  fid^  bringen.  Sßit  bem 
©tanbpunftc  beö  ©ntiourfeö  ftimmt  and)  bie  Sftelirjal^I  ber  auf  bem  Sobcn 
ber  fortgefefiten  Oütergemeinfdjaft  ftc^enben  9led)te  überein,  inöbefonberc  baö 
lüb.  SWec^t,  bie  fc^lcöro.  ^olft.  SÄed^te,  bie  SÄed&tc  von  SRünfter,  fabeln,  aitc 
Sanb,  ©igmaringcn,  Grbad),  »omberg  unb  2:^urnau,  foioie  ba«  meftfdl.  ®cf. 
\).  16.  äpril  1860  §  10.  9luf  bemfelben  ©oben  fte^en  aud^  üielc  berjenigen 
Sted^te^  nad)  loeld^en  bem  Überlebenben  G^egatten  baft  gan^e  el;elid^e  ©efornml' 
gut  auf  ©runb  bed  .ftonfolibationöpriuiiped  ober  beö  älHeinerbred^teö  suföllt. 
3lx\x  Dereinjelt  mad^en  bie  befte^enben  9led^te  eine  9ludnal)me,  t^eild  in  9e« 
jie^ung  auf  ©rbfd^aften,  wetd^e  ben  Slbfommlingen  üon  Slöjenbenten  beß  crfl* 
Derftorbenen  ©Regatten  anfallen  unb,  xotixn  bie  G^e  nod)  fortgebauert  t)ättc, 
in  bas  el;elid^e  @efammtgut  gefallen  fein  würben,  t^eild  aud)  in  Sejie^ung 
auf  anberen  ©riDerb  ber  2lbfömmfinge.  2)a^in  gel^ören  infibefonbere  bie 
Siechte  von  SBürjburg,  ©d^weinfurt  unb  Caftell,  bie  lippe-betm.  JBerorbn.  v. 
1786  §  19  foroie  baö  tüneb.  9led&t.  Slürfric^ten  ber  Silligfeit  vermögen  icbod^ 
bcrartigc  Sluötmljmen  nid&t  ju  rechtfertigen,  ba  bie  gortfegung  ber  ®&ter^ 
gemeinfdjaft  nur  ju  ©unften  beö  Überlebenben  G^egatten  ftattfinbet  unb  ber 
tefetere  nad)  §  1403  9?r.  5  eö  in  ber  $anb  l)at,  Jeberjeit  bie  Äuflftfung  ber 
fortgefetjten  ®ütergemeinfdf)aft  burd^  feine  einfeitigc  Grflärung  Ijerbcifü^ren  ju 
fönnen. 

§  i;J97. 

«ntjie^unrt,  Die  Uebertraguug  ber  SJorfd^riften  ber  §§  1343—1345  auf  baö  ©efammt« 

*  oeSmtntV*  gut  ber  f ortgefegteu  (Sütergemeinfc^aft  red)tfertigt  fid&  burd^  bie  3lnatogie  biefea 

flutevj.     ©cfammtguteö  mit  bem  eljelid^en  ©efammtgute  unb,  fooiel  inöbefonbere  bie 

entfpred^enbe  9lnmenbung  ber  §§  1344,  1345  betrifft,  burd^  bie  befonbere 

9latur  unb  bie  famifienrcd^tlic^e  ©ninblage  ber  burdö  bie  fotlgefeftte  ®üter* 

gemeinfd)aft  jtoifc^en  bem  Überlebenben  ©begatten  unb  ben  gemeinfd^aftlid^en 

9lbfömmlingen  begrünbeten  ©emeinfdbaft  (oergl.  wegen  ber  ©dblufebeftimmung 

beö  §  1343  bie  preufe.  ©runbb.  D.  §  50  »bf.  2).    Smeifel^aft  fann  eö  aller* 

"ubSifSib  ^*"Ö^  ^^"^'  ^^  ""^  inwieweit  aud^  bie  Unoeräu|erlid^feit  beö  einem  9[bfomm^ 

nnoererMt(9«  Uuge  jufteljenben  Slntl^eileö  an  bem  ©efammtgute  nad^  aßaggabe  beö  §  1345 

'"\^Vue*"'  9tbf.  1  anerfannt  unb  in  Sßerbinbung  bamit  awd)  bie  aSererblidjifcit  bicfeö  Sm 

ttjeiteö  auögefc^lofjen  ober  befd)räntt  werben  foU.    ^laä)  benienigen  Sterten, 

weldje  bem  übertebenben  Gfiegatten  boö  ganje  ©efammtgut  fraft  ^onfolibation 

ober  9llleinerbred)teö  jufaHen  laffen,  l;aben  bie  3lbfommlinge  üor  bem  Gintritte 

beö  6d)id)tungöfalleö  ein  3)Mteigentl)umö2  ober  ein  fonftigeö  gegenwSrtigcft 

a3ermögenöred)t  an  bem  ©efammtgute  nod^  nid^t  erworben;  fie  fönnen  ba^ 

ein  fol(^eö  wcber  üeröufeern  nod^  »ererben.    Sie  b^ben  nur  ein  unentjiebbareft 

Grbredjt,  unb  erft  mit  bem  Gintrittc  bcö  Sd^id^tungöfalleö  entftebt  für  fie  ein 


Scrtocfc^tc  ®üteröemeinf*aft.    ©efammtöut.    §  1397.  457- 

fcttftänbigcö,  fcftcö  SRedjt.  S)icfcr  3citpunft  ift  ba^er  aud)  ollcin  cntfd)cibcnb 
für  bic  ^rfon  bcr  Scrc^tifjtcn,  b.  f).  nid)t  bic  juv  Seit  bcö  2'obeß  bcö  erft=^ 
öcrftorbencn  ©l^egatteii,  fonbcni  bic  jur  3eit  bcö  Se^idötungßfalleö  üor^anbcncn 
Äinbcr  finb  an  ber  Sc^id^tung  2:i^ci(  ju  ucl^mcn  bcrcd)tigt;  bod;  treten,  vok 
bei  ber  gefe|Iid^cn  ©rbfolgc  ber  Scöjenbenten,  audj  f)iev  an  bie  ©teile  cincö 
©erftorbcnen  Äinbeö  bcffen  8lbtommlinge.  S)iefc  ©niubföfec  werben  für  bie 
owf  bcm  aSoben  bcr  Äonfolibation  ober  bcö  Snicinerbrcd^tcö  beö  übericbenbcn 
ß^Qtten  ftc^bcn  9lcd)tc  alö  gemeinrc(i^tlid)e  anerfannt,  inöbcfonberc  in 
Sronen  uub  Sßcrbcn  beim  Uebericben  bcö  e^emonneö,  in  Hamburg,  ^ilbcö* 
fftim,  Oöuobrücf,  SKcppen,  SBcnt^cim,  gulba  unb  von  bcn  ba^r.  SRcd^tcu  mit 
SBeinerbrcd&t  beö  übcriebenben  ©(jcgatten  (SBürjburg,  Sdjrocinfurt,  ßoftelt 
6i(6ftäbt,  ^appen^cim,  SBinbö^cim,  Jlörblingcn,  Dcttingen,  SBeifecnburg,  Souf- 
beuren).  ^rinjipieü  einen  anbcrcn  ©tanbpunft  nel^mcn  bicicnigen  Siedete  ein, 
ioel<l^  von  ber  fortgcfcfeteti  ©ütergemcinfddaft  im  engeren  Sinne  onögcl^en  unb 
bemgemäB  ben  beim  2;obc  beö  Dcrftorbenen  ©Regatten  Dor^anbenen  Jtinbem 
fofort  aftioc  Siedete  an  bem  gcmeinfd)oftIid)en  aSermögen  beilegen.  Die  ^icranö 
{t<|  ergebetibe  ftonfectucn),  bog  bie  Jlinber  über  bie  i^nen  bereitö  erroorbcncn 
Siebte  an  bcm  ©cfammtgutc  unter  Sebenben  unb  von  ^obeöroegen  verfügen 
ßnnen  unb  jene  Mcddte  t)crerbcn,  mitliin  beim  3::obe  eincö  Äinbeö  beffen  9lc^tö=^ 
nad^folgcr  beim  Eintritte  bcö  @^id)tuugöfaUcö  fd^ic^ttl^eilöbercd^tigt  finb,  mirb 
inbefjen  nur  t)on  einigen  jener  SRed^te  oljuc  mefcntUdjc  SWobififationen  gejogcn, 
fo  inöbcfonberc  in  Sremen  unb  Serben  beim  Ucbcrleben  bcr  SKuttcr  unb  in 
SJmgcn  (oergl.  anä)  c^rcnbrcitft.  ©ntm.  §§  50  ff.  rüdfic^tU^  ber  2)tobiIiar> 
gcmcinfd^aft).  2)agcgcn  entJ^alten  uiele  anbere  an  fiä)  auf  bem  93oben  bcr 
fotlgefc^tcn  ®ütcrgcmcinf(^aft  im  engeren  ©inne  ftel^enbe  SRcd^tc  bcfonberc  Sc* 
ftimmungcn,  burc^  meldte  bic  aScräufeerlidöIcit  unb  aScrerblid^fcit  bcr  einem 
3Uommlinge  an  bcm  ©cfammtgute  juftet)enbcn  Siedete  mc^r  ober  mcniger  bc* 
)(^nft  n>crbcn  unb  im  praftifd^en  ^cfu(tatc  eine  Slnnäljcrung  an  bicicnigen 
Siebte  ^crbeigcfu^t  wirb,  meiere  baö  Äonf olibationöprin^ip  ober  baö  äniein- 
crbre4it  bcö  übericbenbcn  ©Regatten  anerfennen.  3^  i^^cn  SRcd^tcn  gel)ören 
namcntlid^  baö  lüb.  SRcd^t  (Dcrgl.  entfd&.  b.  SR.  D.  ^.  ©.  IX,  77  ©.  258),  baö 
(Kmib.  Siedet,  baö  JHcd^t  von  SKünfter,  bic  lippe^bctm.  aScrorbn.  v.  1786  §  19 
unb  baö  TOcftfiil.  ®cf.  v.  16.-  Slpril  1860  §^18  (oergl.  aud&  lüürttcmb.  Gntm. 
§§  307,  321,  bcn  bcm  mcftfäl.  ®cf.  v.  16.  aipril  1860  [xd)  anfd^Iic&cnbcn 
oönabr.  Qntm.  §  18  unb  bcn  rfirffid^tlid^  bcr  aUg.  Oütcrgcmcinfd&aft  ebcnfallö 
ienem  ©efe^c  folgenbcn  cl&rcnbrcitft.  ßntto.  §  93).  Unücrfennbar  tritt  in 
biefen  9lcc^teu  bic  2:cnbcnj  I)erüor,  baö  SSerl^&Itnig  fo  ju  bel^anbcln,  mie  rotnn 
crft  mit  bem  Eintritte  bcö  ©c^id^tungöfaücö  bic  (Srbfd^aft  beö  Dcrftorbcncn 
Glatten  bcn  äfbfömmlingen  angefallen  märe,  unb  nur  in  ciniclncn  ^c^ 
jungen  älbmcid^ungcn  von  bicfcm  ©runbfage  }u  geftatten.  Dicfc  SIrt  ber 
@efuiltung,  mcld&c  fxi)  alö  eine  aScrmittcIung  amif^cn  bcnjcnigen  Siedeten 
baifieOt,  meldte  nur  eine  ©ufjeffion  in  baö  ©cfammtgut  alö  ©anjeö  eröffnen, 
unb  jmifd^en  benjcnigcn  9{ed^tcn,  meldte  bcn  älbfömmlingen  fofort  mit  bcm 
Sobc  bcö  crftDcrftorbenen  ©Regatten  ein  ücrfiußcrlid^eö  unb  T)crcrblid)cö  SSer- 
migenörcc^t  an  bcm  ©cfammtgutöantl^eitc  bcö  Ic^tcrcn  beilegen,  ift  in  bcm 
Scfcn  bcr  aDgcmeincn  ®ütcrgcmcinfd)aft  begrünbet;  fic  cutfprid)t  bcm  Oe^ 


458  %citQtU^k  ©ntcrßcineinfd&aft.    ®cfammtflut.    §  1397". 

bonfcn,  bafe  bic  ®Itcrn  bcn  Äinbcrn  gegenüber  afe  eine  Gini&cit  gelten  mxb  bic 
Suf^effion  in  baß  ©cfammtgut  für  bic  legieren  ba^cr  erft  mit  bem  2:obe  beö 
legtlebenben  @(terntf|ci(cd  eröffnet  bejn).  bm  (enteren  ein  entfprec^enber  Srfog 
bafür  gen)äl^rt  iDirb.  ä(ud  biefem  ©ebanfen  folgt  nid^t  not^menbig,  bog  au^ 
bad  SSermögen  bciber  @l^cgatten  gegenüber  ben  Slbfommlingen  a(d  einl^eitltci^^ 
bc^onbelt  werbe;  oielmcl^r  bcl^filt  berfclbe  aud^  bann  feine  SBered^tigung^  wenn 
in  bcn  Stod^Iag  eines  icben  ber  @^egatten  eine  fe(bftönbigc,  abgefonberte 
©ufjeffion  flott^nbet.  SRit  bem  Äarafter  bed  ©cfamnttguteö  ber  fortgefefttcn 
©ütergemeinfd^aft  als  eineö  gcmcinfc^aftlid^en  gamilieneigcnt^umeö,  einer 
©emcinfd^aft  auf  ®cbei^  nnb  SBerberb,  bei  n)eld&er  für  bie  bemnöc^fligc 
2:^eilung  ber  SJeftanb  bcö  ©efammtguteö  jur  3cit  ber  S^^cilung  cinfd&lie6U(l& 
beö  bem  überlebenben  ©Regatten  mö^renb  ber  fortgefefeten  Oütergcmcinfd&aft 
jugcfaDcnen  ©noerbcß  (§  1396  3lbf.  1)  mafegebenb  ift,  würbe  cö  nid^t  oer* 
einbar  fein,  wenn  burd)  bie  SScräufecrlic^fcit  unb  SBercrblid^fcit  ber  älnt^ile 
ber  Slbfömmlingc  an  bem  ©efammtgute  frembartige,  bcn  gamilienintcrcRen 
fernftcl^enbc  ©Icmcntc  in  bic  fortgefefetc  ©ütcrgemcinfd^aft  getragen  werben 
fönnten.  ^ead^tensmert^e  ©efid^tdpunfte  la^tn  fid^  aDerbingd  bafür  anfü^ren^ 
in  3lnlel^nung  an  bic  »cftimmungcn  be«  meftffit.  ®cf.  o.  16.  3lpril  1860  §  16 
eine  älbfc^iDöd^ung  bcd  ©runbfaged  ber  Unuerfiugertic^feit  unb  UnoererbK^ 
feit  ber  ainti^eile  ber  Sttfommlinge  bal^in  eintreten  ju  la^tn,  bafe  ein  W^ 
fommling  fc^on  mö^reub  ber  fortgefeftten  Oütcrgemeinfc^aft  über  feinen 
Stnt^eil  an  bem  ©efammtgute  unter  Sebenben  ober  von  S^obeöroegen  gu 
Ounftcn  feiner  9lbf ommlinge ,  feines  G^egatten  ober  ber  übrigen  ant^ibM 
berechtigten  Slbfömmlingc  verfügen  fann,  in  Ermangelung  einer  fold^ 
aScrfügung  aber  ber  3lntl^eil  bcö  tjcrftorbencn  Sibfömmlingeö  unter  3lwS* 
fd^Iufe  anbercr  gefeglidöcr  ©rbcn  beö  le|teren  nur  auf  bie  bejeidbneten  ^erfonen 
uercrbt  wirb,  ©afe  geroiffe  Sifligfeitö^  unb  Swecfmäfeigfeitörürfftd^ten  für 
eine  fofd^c  SRcgcIung  fid&  geltcnb  mad^cn  laffen,  ift  nid^t  }u  ijcrfennen. 
Scr  cinjelnc  Slbtömmling  fann  unter  Umftänben  ein  crJ^cblid^eö  3ntcreffe 
baran  ()aben,  feinen  älnt^eil  bem  il)n  überlebenben  S^egatten  ober  einjelnen 
feiner  ©efc^mifter  jujuroenbcn  imb  bercn  Dcrmögenörcd^tlid^e  fiage  für  bie 
Sufunft  JU  oerbcffern  beim.  fidficrjufteUen.  ©benfo  mag  cö  i^m,  rocnn  er 
j.  33.  auöiumanbern  beabfid&tigt,  ermünfdbt  fein,  feinen  Slnt^eil  burd&  38er* 
äufeerung  an  bie  bejeid^netenr  5JJerfonen .  öcrfilbem  ^u  f önnen.  gwi^geben  ift 
ferner,  bafe  bie  Stellung  ber  (Gläubiger  beö  Sibfömmlingeö  unter  Umftänben 
eine  günftigere  fein  mürbe,  wenn  ber  ledere  in  ber  ßagc  mfire,  feinen  Slnt^U 
an  bem  ©efammtgute  ju  uercrbcn.  SlHein  biefc  9lücffid^ten  finb,  abgefc^n 
baoon,  baß  \xc  erfieblid^  an  ©cioic^t  verlieren,  wenn  bic  allijemeinc  ®ütcr* 
gcmcinfd^aft  nid^t  bcn  gefeglidöen  ©ütcrftanb  bilbet,  nid^t  geeignet,  eine  S)utd^ 
brcdf)ung  ber  grunbfä|lid{)en  ©eftaltung,  ba^  bie  Seerbung  beö  erftoerftorbencn 
(Sf)cgattcn,  foDicl  bie  aSeröufeerUd&feit  unb  aSererblid^feit  bcö  Slnt^eileö  cineö 
3lbfbmmtingcö  an  bem  Ocfammtgutc  betrifft,  erft  mit  3luflöfung  ber  fort^ 
gefegten  ©ütcrgcmeinfd^aft  als  eingetreten  angefe^cn  wirb,  ju  rechtfertigen; 
2^cr  SJiUigteitörüdffid^t  gegen  ben  überlebenben  ©Regatten  bcö  üerftorbcnen 
3lbfömmlingeö  ftcl()t  gegenüber  bie  9lüdEftdE|t  auf  bie  Statur  beö  @efammtguteö 
ber   fortgefegten   (Sütcrgemeinfd^aft    alö   eincö    gcmcinfd^aftlid^en   Familien? 


I 
j 


§crtßcff^tc  ©ütcröemciuf^ift.    ®cfammtflut.    §  1397.  455) 

ocrmöflcnö  bcö  flbcricbcnbcn  ©ItcnttfjcUcö  unb  bcr  gcmcinfdöaftUd)cn  3lMomm* 
lingc  unb  bic  (SnoSgung,  baß  burd)  bcn  Ucbergang  bcö  3lutl)ci{cö  bcs  vcx^ 
fiortencn  3lbfömmlingc«  auf  beffcu  ©f|cgattcn  unter  Umftänben  bic  9lcd)te  bcr 
übrigen  antf|cifebcrcd^tigten  Slbtömmürtge  unb  bcft  ubcrIcbcnbcn-6Itcrnt^cUcö 
bccintröd^tigt  werben.  Dem  Sntereffc  cincö  äbfömmUngcö,  über  feinen  9lnt^eil 
om  ©efammtgutc  aus  befonberen  (Srünbcn  fd^on  üor  SKuflofung  bcr  fortgefc^tcn 
©ütergcmeinfdjaft  perfügen  ju  fönnen,  roirb  burd^  bic  SBeftimmungen  beö 
§  1398  genügcnJb  SRed^nung  getragen,  inbem  biefc  eö  ermöglichen,  bafe  feber 
Sbßmmling  im  SBBegc  eine«  axiä)  bie  tünftigcn  ^f)eilf|abcr  an  bem  ©efammt? 
gute  binbcnbcn  5Bcrtragcö  iwifd^en  bcm  überlebenbcn  G^egattcn  unb  ben  xUrigcn 
ant^ifebcred^tigteii  S(bfömm(ingen  für  feinen*  Slnt^cil  an  bem  ®efammtgutc 
abgcfunbcn  werben  fann.  S)oiu  fommt^  ha^  bie  2)urd^brcci^ung  bcö  in  SHebe 
fte^enben  ©runbfa|eö,  wie  oud^  bie  Grfalirung  in  bem  ©ebictc  bcö  loeftfdl.  ®c^ 
fc|cd  gejcigt  f)at,  ju  Riuni  (Öfibarcn  aSetwictelungcn  xmb  Sd^roierigfciten  ffi^rt. 
2ieö  gilt  nam^ntlic^,  Wenn'  man  bic  aSercrblid^fcit  bed  3lnt^eitcö,  roennglcid) 
nur  in  benf  bcfc^rönften  Umfange,  anerfennt.  Sägt  man  ben  9lnt^cil  Dcrerben, 
fo  ift  inftbcfonbere  niddt  abjüfeden,  roic  berfelbc  bei  bcr  auöeinanberfelung 
unter  bcn  ©rbcn  bcö  Stbfommlingcd,  bei  bcr  ^cflftellung  beä  ^fli(^ttl^cilcd  unb 
gegenüber  ben  ©Iftubigern  berechnet  merben  foU,  ba  baö  Siedet  feinem  l^n^alte 
nct^  Don  bem  ©eftanbc  beö  ©efammtguteö  jur  3cit  bcr  3luflöfung  bcr  fort* 
gcfeWen  ©ütergemeinfd^oft  abfiängig  ifi.  9lud^  in  anbcren  JRidbtungen  mürben 
aus  bcr  befd^ränften  aSererblic^fcit  Sd^roierigfcitcn  fid^  ergeben,  meldten  nur 
burd^  bic  SttufftcDung  einer  befonberen  Grbfolgcorbnung  für  bic  3Cntt)eilc  bcr 
Sbfommlingc  abgel^olfen  merben  tonnte. 

8DBo^rcnb  bic  UnocrSulcrlid^feit  bcö  Slntl^eiled  cincö  3lbfömmlingcö  an  J^Jj«*>^J«^ 
bem  ®efammtgute  fid)  aus  bcr  für  anmenbbar  erftSrten  SBcftimmung  bcö  »* 
§  1345  aCbf.  1  ergiebt,  ift  bic  Unoci-crblic^fcit  im  §  1397  3lbf.  2  auögefprod^en.  „SÄ 
Suglcid^  fmb  bort  in  golgc  bcö  Sluöfd^luffcö  bcr  35crerblid^fcit  bie  5ßerfonen  x^u^aber. 
bejcid^net,  an  mek^c  bcr  älnt^il  cincö  mäl)rcnb  bcö  ^cftel)enö  bcr  fortgefegten 
©ütcrgcmcinfc^aft  Dcrflorbcnen  SKbfömmlingeö  fällt,  äci  biefer  äcftimmung 
ift  auö  ben  oben  bargelegten  (Srünben  in  SSerbinbung  mit  bem  ©cftdEitöpunftc, 
bofe  megcit  bcr  nad^  §  1399  Slbf.  l,  §  1353  unter  Umftänben  mä^renb  bcö 
SJefte^enö  ber  fortgcfe|ten  ®ütcrgemcinfd)aft  erforbcrlid^en  SWitwirfung  bcr 
Sbfömmlkigc  bei  gcmiffen  Slcd^tögef^äftcn  brö  überlebenbcn  @(|egatteu  bic 
Xnt^eilöbered^tigung  an  Stelle  cincö  ticrftorbencn  ant^cilöbcrci^tigtcn  3lb* 
tommlingeö  fd^on  mit  bcm  3::obc  bcö  Icgtcren  feftgcftcllt  merbcn  mu§,  im  2111* 
gemeinen  ber  ©ebonfc  leitenb  gcmcfcn,  bag  materiell  bic  Slcd^tölagc  in  ber 
dicr  fraglidjcn  ^inftd^t  fid^  fo  geftalten  muß,  mic  mcnn  bie  Scerbung  bcö 
ocrfiorbcncn  ei;cgatten  bur^  bic  gcmcinfd^aftlid^en  Slbfömmlingc  erft  jur  3cit 
beö  Sobcö  bcö  betreff enbcn  Slbfömmlingcö  eingetreten  märe,  unb  5mor  burd^ 
bicicnigcn  gemcinfd^aftlit^cn  Slbfommlinge,  wcld^c  feine  ®rben  gemcfcn  fein 
roürbai,  wenn  er  erft  in  biefem  B^itpunftc  geftorbcn  märe.  3n  biefer  3111:^ 
gemeinst  auögefprodi^en,  würbe  jcbod^  baö  ^rinsip  für  bicjcnigcn  gälle,  in 
weiden  ein  gemeinfd^afttid&er  3lbf(5mmling  für  erbunmürbig  erflärt  (§  1392 
Slbf.  1)  ober  nad)  üWaBgabc  beö  §  1388  üon  bcr  fortgcfefetcn  ©ütcrgcmcinfd^aft 
auögef^loffcn  ift,  ju  einem  unrid^tigen  ©rgcbniffc  fül)ren.   itafe  in  ßrmangclung 


460       gortöcfe^te  ©ütcröcmcinfd&aft.    Scrsid&t  auf  bcn  Slnt^cir.    §  1398. 

von  SlbfömmUngcn  bcö  t)crftorbcncn  ontl^citebcred^tigtcn  StbfommUtifleö  imb 
anbcrcr  antl^cifebcrcc^tigter  Slbfömmlingc  bcr  ä^nt^eil  bcö  Dcrftovbcncn  91b* 
fömmlingcö  an  bcn  gütcrgcmcinfd^aftliddcn  ©rbcn  filDt,  cntiprid^t  bcm  ^xtKdc 
bcr  fortgcfefetcii  Oütcrgcntcinfd^oft  imb  beu  ©rünbcn,  auf  rocld)cu  bic  Un* 
Dcrevblidjtcit  bcä  9lntl)cilcö  bcrul^t.  SBic  in  bcn  gätten  bc«  §  1397  aibf.  2 
bcr  9lnfaU  bcd  9(nt(|ci[cö  bcö  Dcrftorbcncn  S^bfornmlingcd  iuriftifd^  }u  fon« 
ftruircn^  ob  insbcfonbcrc  ein  älffreöicnjrcdbt  onjuncl^mcn  ober  baö  Stecht  eincd 
icbcu  älbfömmlingce  a(ö  ein  oon  bcr  ^ebingung,  bag  er  bcn  3<^itpunft  bcr 
3lufI5fung  bcr  fortgefc^tcn  ©fitcrgcmcinfdjaft  erlebe,  abl^fingigcö  31^6)1  aufju- 
faffen  ift,  fann  bol^ingefteUt  bleiben. 


§  1398. 

*''*  «J/'"'^  •  5Da  burdö  ^^^  §  1397  9lbf.  1  ücrb.  mit  §  1345  8tbf.  1  bcr  9Cntf>cil 
fömmitngej  cincö  9lbfommlingcö  an  bcm  Ocfammtgute  bcr  fortgefegten  ©iitergemcin* 
^fflntfeir  ^^^^^  ^"^'  unoeränfterli^  crttärt  ift,  fo  rourbe  in  ©rmangclung  einer  be« 
fonberen  Seftimmung  ein  Slbförnmling  mcbcr  im  SBege  cinfcitigcr  @r* 
flärung  nod)  im  38cgc  cined  Vertrages  mit  bingUd^er  SBirhing  auf  feinen 
9lttt^ei(  am  ©efammtgute  ücrjid^ten  Knnen,  ein  fo[d)cr  SSerjid^t,  aud^  menn 
man  bcnfelben  für  }ulöffig  galten  moUte,  iebenfaUd  bic  Slblömmlinge  bcö 
SSerjid^tcnbcn,  menn  bcr  Icfeterc  Dor  5ÄufIofung  ber  fortgefeßten  @üter» 
gemeinfd)aft  fterben  foHte  unb  feine  3lbf6mmlinge  nid&t  feine  Grben  geroorbcn 
fmb,  wegen  bcö  bcnfelben  in  einem  foldjen  galle  na^  §  1397  9lbf.  2  suftcl^enben 
eigenen  Sted^tcd  auf  bcn  Slnt^eil  bed  äSerjid^tenben  an  bcm  @cfammtgute  nid^t 
binben.  S)iefed  an  ber  ^anb  ber  allgemeinen  ©runbffigc  ftd^  ergebenbe  Stefultat 
fann  aber  ate  ein  befriebigenbeö  nid)t  angefe^en  merben;  oielmel^r  mirb  bic 
3ulaffung  eines  binglid)  luirtenbcn  unb  bic  Slbfommlinge  bcö  93eriid^tenben 
binglidb  binbenben  aSersid^tcö  burd^  ein  bringenbcö  praftifd^eö  Scbürfnife  ge- 
boten,  um  einem  3lbfömmlinge  bic  SRögli^feit  ju  gerofil^ren,  aud  ber  ©emeim 
fddaft  u5Uig  audjufdjcibcn  unb  auf  ber  ©runblagc  eines  foldjen  33erji(f|ted 
befjufö  ber  aSerljciratl^ung  ober  ber  fonftigen  SBcgrünbung  einer  felbftänbigcn 
SBirtljfc^aft  bie  nötl&igen  aWittet  fic^  ju  öcrfd^affcn.  2)ur(§  einen  SBci^id^t  mit 
blöd  obligatorifd}cr  SBirfung  mirb  bcm  SBebürfniffe  nid^t  genfigt,  ba  ein  fold)er 
'^crjidftt  bie  übrigen  2:i)eilt;aber  ber  Oemeinfd^aft,  meiere  bcm  aSerji^tcnbcn 
bie  crforberlid^en  SRittel  gcroä^rcn  foUen,  nid^t  gegen  bie  ©Iftubigcr  bcö  93cr? 
jid^tenben  unb  beffen  Slbfömmlinge  fd^ügt  S)ag  ber  93erii(^t  aud^  bie  ä(b- 
!ömmlinge  bcö  33crji^tcnben  binbet,  wirb  burd^  bcn  §  1398  9lbf.  3  jum  3Iu«* 
«bfinbunc  bructc  gcbra^t.  Um  bcm  praftifd^en  SBcbürfniffc  }u  genügen,  ift  aber  bie 
meitere  Seftimmung  erforberlid),  ba|,  xotnn  gegen  bcn  SBerjid)t  eine  Sftfinbuug 
gcmölirt  ift,  in)ifd)cn  bcm  Überlebenben  Gljegatten  unb  bcn  übrigen  2^^!' 
Ijabcrn  mit  9Birffamfeit  für  bie  fpätcrc  Sluöcinanbcrfcfeung  vereinbart  werben 
fann,  bafe  unb  mie  bei  biefcr  bie  9lbfinbung  ju  berürfftt^tigcn  ift  (§  139S 
9lbf.  4).  Dlinc  eine  fold^c  33cftimmung  mürben  bie  etroa  fpfitcr  an  bic  Stelle 
ber  Dcrtragfd^licfecnben  2:t)eil^aber  nad)  §  1397  Slbf.  2  fraft  eigenen  9Ic(|ted 
cintrctenben  ^Ijcil^abcr  bcr  (Semcinfdöaft,  namentlid^  bie  9lbfömmlingc  jener, 
mcnn  fie  nid)t  Grben  bcrfclbcn  gcroorbcn  finb,  an  eine  berartige  SBcrcinbanmg 


Sortflcf.  ®ütcr0cmcinfd&aft.    gtcd&töftcaunö  bcr  Srjcilftabcr.    §  1399.       4C1 

ni(^t  gcbunbcu  fein;  bcr  über(ebcnbe  S^ecjotte  mürbe  mithin ^  menn  bic  9lb- 
Rnbung  a\i&  bem  ©efommtßutc  erfoißt  ift,  ber  ®efa^r  auöflelegt,  bafe  bic  bcin* 
mi#ige  Suöeinanberfcgung  o^ne  SRürffid^t  auf  bie  flen)ä()rtc  3lbfinbunfl  erfolgen 
«nb  er  bal^er  bic  i&filfte  ber  legtcren  felbft  trogen  müfete,  obrool^l  ber  Slntljeit 
bcs  oufigef^iebcnen  Slbfommlingcö  nad^  §  1397  9lbf.  2  öcrb.  ntit  §  1398  9lbf.  3 
ben  übrigen  antl^eitebered&tigten  STbfömmlingen  ju  ®iitc  gefommen  ift  unb  bic 
86finbung,  xoenn  mit  berfelben  eine  t)oUftänbige  Stuöeinanberfegung  loegen  bcö 
(Sefammtgutcd  oerbunben  geroefen  roäre^  bem  Überlebenben  ©Regatten  nid)t  jur 
Saft  gefallen  fein  mürbe.  3ft  eine  5Bereinbarung  barüber,  in  meld)er  9Q8eifc  bie 
gegen  ben  SBerjic^t  gemS^rte  S^bfinbnng  bei  ber  bemitäd^ftigen  Sluöeinanbers 
frtung  berüclftc^tigt  mcrbeti  foU,  überhaupt  nid^t  getroffen,  fo  foU  eö  in  biefcr 
^infic^t  bei  ben  allgemeinen  ©runbfögen  t)erbleiben,  ba  ftd)  eine  angemeffenc, 
für  alle  gSBc  paffenbc  gefe|Ii^e  Siegel  für  bie  9lrt  jener  S3erüdffi(i5tigung  nid)t 
auffieUen  lä§t  unb  ben  Set^eiligten  überlaffen  bleiben  fann,  in  biefer  Sejic^ung 
bur^  geeignete  Webenabreben  bei  bem  5ßerjid)tdt)ertragc  SBorforge  ju  treffen. 

SBBenn  neben  bem  Dcrtragömä|igcn  aSerjid^te  eincö  3lbfommlingeö  aud)  ^wwefonbere 
iwd)  ber  einfeitige  »erjidjt  beö  lefeteren  für  juläffig  erflärt  ift  (§  1398  9lbf.  1, 2),  *Ä" 
fo  rechtfertigt  fw^  bicö  burd&  bic  STnalogie  ber  ©runbföle  über  bic  S)c* 
reliftion  (§§  950,  872)  unb  bic  Grmfigung,  baft  eö  an  einem  auöreid)enbcn 
®nmbe  fe^It,  ben  Slbfömmling  ju  jmingen,  in  ber  ®emcinfd)aft  ju  bleiben, 
Simittl  bic  übrigen  an  ber  ®emeinfd)aft  2^(jeil  f;abenben  9lbfömmlinge,  u)eld)cn 
nöc^  §  1398  9lbf.  3  vnh,  mit  §  1397  3tbf.  2  ber  SKntfjcil  beö  SBerjici&tenben  an* 
loäd^ft,  burcft  bic  Sw^^ffw^fl  ^^  cinfeitigen  SBcrjidjteö  nidjt  bena^t^eiligt  merben. 
Sujerbem  fann  and)  ber  einfeitige  Serjidöt  unter  Umftänben  eine  geeignete 
©ninblage  für  einen  Slbfinbungfioertrag  ^mifd^en  bem  33eräid;tenben  unb  einem 
rinjelnen  ber  übrigen  antl^cifeberedjtigten  SlbfommUnge  bilben,  j.  93.  menn 
oufecr  bem  33erji(j^tcnbcn  nur  nod^  ein  anberer  anti^eitebercddtigter  9lbfömmling 
oor^nbcn  ift  ober  ein  einjelner  SlbtBmmling  mit  9flücffi(^t  auf  ben  il)m  in 
Solge  bed  93er}id;tcd  anmac^fenbcn  £f)ei(  bcd  STntljeiled  be3  SScrjid^tcnben  fid^ 
lur  ©emä^rung  einer  Slbfinbung  an  ben  leßteren  bereit  erflftrt.  9luö  praftifdjcu 
©rünbcn  empfieljlt  eö  fid^  iebod^,  ben  cinfeitigen  Serjidjt,  menngleic^  bem 
'Bei^id^tenbcu  ^ier  beftimmte  ^erfonen  als  S3et()eiligte  gcgcnüberfte^en ,  jnm 
3iMrfe  bcr  abfd^neibimg  ber  fonft  leid)t  cntftel^enben  S^J^ifcl  ob  in  ber  ^(jat 
ein  98erjid^t  beabft^tigt  unb  in  meWjcm  3citP"nftc  berfelbc  als  ooUenbet  an- 
iiije^  ift,  nad)  STnalogic  beö  §  1266  9tbf.  2  unb  beö  §  1403  9lr.  5  an  bic  im 
§  1398  3lbf.  1  beftimmte  gorm  ju  binben,  jumal  eö  fid)  Ijicr  glcid^faKö  um 
ben  aSerjid^t  auf  einen  SBermogenöinbcgriff  fianbclt  unb  ber  S8erjid)t  nid)t  bloö 
gegenüber  ben  jur  3cit  ber  9lbgabc  bcr  ©rKörung  uorfianbcncn  anttjcüö- 
bcred^tigten  9lbf5mmUngcn  5!Birfungcn  fiufeert. 


§  1399. 

S^ie  Scjiimmungcn  beö  §  1399  9lbf.  1  bcrutjcn  auf  bem  bem  3mecfc  «erwortunö 
ber  fdrtgefcgten  ©ütcrgemcinfd^aft  entfprcdjenben  ©cbaiifen,  bafe  bcr  übcriebenbc  «cfmmnt* 
G^gattc  in  änfcfjung  beö  ©efammtguteö  ber  fortgefcgten  ©ütergemeinfd^aft,     ä»"'^«- 
nantcntfi^"  fooiel   baö   SScrmaltungö*   unb  9Scrfügungörcd)t   wni    bic  93cr^ 


462       gortgcf.  Oütergcmeinf^aft    »cd^töftcttung  bcr  ateil^aBer.    §  1399. 

antmovtU^fcit  liegen  ber  SBermaltinig  gegenüber  ben  SlbfömmUngeu  betrifft^ 
im  äCQgemeinen  bieienige  ccc^tUd^e  Stellung^  tuel^e  iDöl^renb  ber  eJ^elid^cn 
©ütergcmeinfd^aft  bem  G^emanne,  bie  Slbfömmlinge  bagegen  bieienige  redbt- 
UdEie  Stellung  einnel^men,  n)eld^c  rofil^renb  ber  c^elid)en  ©ütergemcinf^aft  bcr 
6f|cfrau  iufommt.  Sied  ift  Dorn)iegenb  anä)  ber  Stanbpunft  bed  geltenbcn 
dici)tc&.  3lnx  naä)  einigen  Steckten  ift  ber  fiberlebenbe  S^egatte  no6)  freier 
geftellt  ate  ber  G^emann  n)ö^renb  beftel^enber  @^e^  bejn).  in  feinen  Siedeten 
me^r  eingefc^ränft,  olö  ber  lefitere  (üergl.  ©euffert  VII,  63,  XIV,  99, 
XVI,  227,  XXXI  341,  ©ntfc^,  b.  SR.  D.  $.  ®.  XXXUI,  57;  bie  Siedete  von 
Bremen,  Sterben,  Singen,  bie  fd^ledn).  I^olft.  Sted^te,  baö  lüb.  Sted^t,  bie  lippe^ 
betm.  SBerorbn.  r>.  1786  §§  19,  17,  22,  bie  9led(|tc  von  Sigmaringen,  ©rbad^, 
SBamberg,  bad  roeftfäl.  @ef.  v.  16.  Slpril  1860  §  10;  odnabr.  Gntro.  §  13; 
uebertroflÄ-  cJ&reitbreitft.  @ntn).  §  92;  württemb.  ®ntn).  §§  303,  304).  a^nlangenb  inß* 
"^^  ^^  befonbere  baö  roeftfSl.  ®ef.  o.  16.  3lpril  1860  §  10,  fo  ift  na^  bemfelben  ber 
iiberlebcnbe  ß^egatte  neben  ben|enigen  Siedeten,  toeld^e  nifi^renb  ber  (S^e  bem 
@^emanne  )uftel)en,  für  fic^  allein  bered^tigt,  bur^  fog.  Uebertragöoertröge  bie 
@uf}eftion  ber  unabgefunbenen  fiinbern  in  ba^  gemeinfd^aftlid^e  93ermögen  ju 
regeln;  bod)  mug  iebem  jtinbe  minbeftenö  ber  SBertl^  feined  S^id^ttl^eilcö  ^xu 
gen)enbet  merben  (üergl.  aud^  odnabr.  @ntm.  §  13;  e^renbreitft.  @ntm.  §  92 j. 
3n  ben  @ntmurf  ift  eine  entfpred^enbe  ^orfc^rift,  meiere  gegenüber  bem 
§  1399  9lbf.  1  oerb.  mit  §  1353  ftd^  ald  eine  pofttioe  99eftimmung  barfteUen 
mürbe,  abgefel^en  baoon,  bag  bie  fog.  Uebertragöüerträge  in  bem  ©efegbucbe 
überhaupt  nic^t  befonberd  geregelt  tinb  bed^alb  aud^  im  §  1353  nic^t  befonberd 
berüdfi^tigt  ftnb  (oergl.  bie  Sßotioe  ju  §  1353  oben  S.  356),  um  bedmiücn 
nid^t  aufgenommen,  meil  ein  ^ebürfnig  ju  einer  fold^en  befonberen  93eftimmung 
nid;t  anjuerfennen  ift.  S)er  überlebenbe  @^egatte  fann  ben  mit  einer  fold^n 
S3eftimmung  Derbunbenen  Qiozd  im  äBefentli^en  aud^  auf  bem  im  §  1403 
3li\  5  bcjeici^neten  SSBegc  in  93erbinbung  mit  ber  SBeftimmung  beö  §  1406 
9lbf.  5  erreid^en,  Db,  um  bie  fog.  Uebertragdoerträge  ju  erleid^tem,  c6  an- 
gcmeffen  ift,  bje  befonberen  lanbe&gefefelid^en  SBorfd&riften  über  bie  geftfcßung 
bed  äSertljeö  ber  Sanbgüter  aufre^tjuerlialten  (oergl.  bad  preug.  @e|. 
0.  4. 3uni  1856  unb  baß  loeftfäl.  ®ef.  u.  16. 9lpril  1860  §§  10,  17),  ift  i>m 
@tnfül^rungdgefege  t)orbe^atten. 
Unterhalt  unb  Sßielfad^  Wirb  bcfouberö  fierDorge^oben,  bag  ber  überlebenbe  G^egottc 

b»1»r^  bie  Jiinber  aud  bem  ©efammtgute  ju  unterhalten  unb  aufiiuftatten  oerpflid^tet 
ammiinge.  j^j  ^^^qi  gcuffcrt  XXXIV,  310;  Urt^.  b.  SW.  ®.  bei  genncr  unb  ÜRerfe  II, 
129;  el^renbreitft.  @ntm.  §  54).  @ö  ift  inbeffen  nic^t  immer  flar  unb  nic^t 
unbeftritten,  ob  unb  inmiemeit  biefe  93erpflid^tung  ein  ^üuöflug  ber  fartgefefrten 
©ütergemeinfc^aft  ift  unb  ftd^  opn  ber  allgemeinen,  auf  bem  Jlinbedoer^altnifte 
berul^enben  äSerp^id^tung  jum  Unterl^alte  unb  {ur  äluöftattung  unterfc^ibet 
S3eftritten  ift  namcntlid^,  ob  unb  inmiemeit  aud^  ben  Söhnen  auf  @nmb  bcr 
fortgefeftten  ©ütcrgemeinfd^aft  ein  Slnfprud^  auf  eine  SBeiplfe  jum  S^ecfc 
felbftänbiger  »cfefeung  jufte^t  (oergl.  ©eufftrt  XXXIV,  310).  S)aß  meftffil. 
@ef.  ü.  16.  älpril  1860  ermäl^nt  eine  .befonbere  Unter^altungßp^id^t  beß  über« 
Icbenben  &E)egattcn  mäl)rcnb  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  nid^t  unb 
crüört  im  §  20  auf  bie  Slußftqttungßpflid^t  beßfelbeu  allgemein  bie  betreffenbcn 


I 


5ortflef.  ®üter0cmcin]d&aft.    gte^töftcttunö  bcr  SEIjeiribaBcr.    §  1399.       463 

JBorfd^riflcn  bcö  pvcufe.  2l,  S.  31.  für  aiiiocubbar  (ocrjjl.  auc^  ofinabr.  (Sntiu. 
§  13;  luürttcmb.  ©ntiü.  §  807;  obiocid&cnb  cl^rcnbrcitft.  entw.  §  54).  Sdid) 
bcr  Sntnmrf  (ögt  cd  in  bcn  l^ier  fraglid^en  93eitel;ungen  bei  bcu  all^ 
gemeinen  @runbfägen  ben^enben.  3n  älnfe^ung  ber  Untcrl^altöpfCid^t  genügen 
bie  Seftimmungen  über  bic  gefeiltere  UnterEjaltöp^id^t  ber  äSermanbtcn 
(§§  1480  ff.)  in  SBcrbinbung  mit  bcm  bem  übcrlebcnbcn  ©Regatten  nad)  §  1399 
Sbf.  1  oerb.  mit  §  1352  juftcfienben  Serfügungöred^te  über  boö  ©efommtgut. 
anlangenb  bie  9Iiidftattung^  fo  ift  jiuar  in  bem  @ntn)urfc  eine  red^tUd^e  S3cr^ 
pjßd^tung  ber  Gltern  a(d  fo(d^er  {ur  äludftattung  ber  Einber  nid^t  anerfannt; 
aDein  fraft  beö  bem  Überlebenben  ©Regatten  über  baö  ©efammtgut  {uftel^enben 
Serfügungdred^teß  ift  bcrfelbc  o^ne  Sinn)inigtmg  bcr  crbt^eildbcred^tigtcn  9(0^ 
tömntlinge  feinen  Sonnen  unb  S^öd^tern  unb^  fon)cit  ed  burd^  eine  [ütM)c 
%9^W  ober  eine  auf  ben  älnftanb  }u  ttel^mcnbe  Slüdtftd^t  gerechtfertigt  mx\>, 
üu6)  anberen  9[btömmlingen  eine  ben  93erl^ältnif[en  entfpred^enbe  Slndftattung 
aud  bem  @efammtgute  unb  ixoav,  Dorbe^Kritlid^  bcr  SBorf^rift  bcd  §  1401, 
obnc  Crfofepflid^t,  ju  geioä^ren  bered^tigt  (§§  1352,  1353  2lbf.  3  perb.  mit 
§  1500;  attotiüc  JU  §§  1352,  1353  oben  (5.  358  unb  ju  §  1365  oben  S.  383). 
2)aburdi  ift  bem  Scbürfniffe  unb  ben  Sntcreffen  ber  äbfömmlinge  in  ouö* 
rei<l^nber  SBeife  Slcc^nung  getragen.  98eitcr  ju  gcl)en  unb  ben  älbfömmlingcn 
einen  re^tlic^en  Slnfprud)  auf  äludftattung  aus  bcm  ©efammtgute  auf  (Sruttb 
ber  fortgefe^ten  ©utergemeinfd^aft  {u  geben,  ift  mit  ber  red^tlic^en  Stellung  beö 
uberlebcnben  ©Regatten  ju  bem  @efammtgute  unb  ben  ©rünben,  auö  ioeId)cn 
eine  gcfefelid^e  älusttattungdpfüc^t  ber  Gltern  ate  fold^e  gegenüber. i^ren  Stinbcrn 
nii^t  anertannt  ift  (oergl.  bie  Sflotiue  ju  §  1500),  nid)t  vereinbar,  unb  um  fo 
weniger  ate  ein  93ebürfnig  aniuerlenncn,  ate  bie  (Sütergemcinfd^aft  auf  SBcr- 
trog  beni^t  unb  in  biefem  bod  im  einzelnen  ?^alle  3lngemef[ene  uorgefeljcu 
iscrben  fann. 

MvLÖ)  ben  93eftimmungen  bc&  §  1399  9lbf.  2  liegt  ber  im  Eingänge  bcr  »et^t^neoung 
a»otiw  JU  §  1399  oben  ©.  461  ^erporge^obene  ©ebanfe  unb  ber  ©cfidjtö-^  ^oiTuwae^ 
punft  ju  ©runbc,  bag  baö  ©efammtgut  bfr  fortgefegten  @ütergemeinfd^aft 
bie  ^ftimmung  Ijat,  ate  93ermögen  bc&  übcrlebcnbcn  @l^egatten  ju  biencn. 
jDoraud  crgiebt  ftd^  indbefonbere,  bag  aKe  SBerbinbli^Ieiten  bed  übcrlebcnbcn 
<£(|egattcn  ®efammtgutdoerbinblid)feitcn  ftnb,  mä^renb  bie  ^erbinblid^fcttcu 
ber  abfornmlinge,  ba  audb  ber  fpäterc  ©rroerb  bcrfclben  nad^  §  1396  3lbf.  5 
nic^t  in  bad  @efammtgut  fällt,  baö  Ie)}tere  überall  nicbt  berühren,  ^nf^ 
oud^  bieienigen  iBerbinblid)feiten  bed  verftorbencn  G^egatten  ©efammtguts^ 
Dccbinblic^feiten  finb,  meiere  auf  ben  uberlebcnben  Gi^cgatten  ate  gütergemein^ 
fd^ftüclKit  (Srben  bcd  erfteren  übergegangen  finb,  aud^  menn  biefelben  mal;- 
renb  beft  ä3efte^nö  ber  el^eUd^en  ©fitergemeinfd^aft  ®efammtgutöuerbinblid)feitcn 
ni(^t  marcn  (§  1362),  fann  nad&  ber  gaffung  bcö  §  1399  Slbf.  2  in  SBcr^ 
binbung  mit  §  1384  «bf.  1  nid^t  jn)eifelt)aft  fein.  SÄnbererfeitft  ift  e«  felbft^ 
tKiftfinblid^,  bog  bie  SSorfd^riften  bcd  Srbred^ted  über  bie  Stellung  bes  @rben 
Segotfiber  ben.  Stad^lagglfiubigern,  indbefonbere  über  bad  Snoentarrec^t  bcd- 
felben,  burcft  bic  »cftimmung  bed  §  1399  3lbf.  2  nid)t  berüfirt  werben. 

5Da6  bie  SlWbmmlinge  weber  für  bie  aSerbinbliddfeitcn  bcd  ocrftorbcncn 
(Statten  nod^  für  bic  Sßerbinblid^feitcn  bcd  übcrlebcnbcn  G^egatten,  aud()  nid^t 


464       Sortflcf.  ©uteröcm.  ©cmeinfcöaftn^fcit  bcr  SScrWnbIi(6fcitcn.  §1400. 

für  bicicnigcn  aScrbinblidöfcitcn  bcö  Icfttcrcn  perfönlic^  ^aftcn,  iocld)c  bcifclbe 
wci^icnb  bcr  fortgcfcgtcu  (Sütcrgcmeiufd^oft  fraft  feincö  aScriDoltungörcd^tcÄ 
eingegangen  ift,  ergiebt  fid)  aus  §  1384  3lbf.  l  ©a^  3  unb  §  1399  Stbf.  1 
uerb.  mit  §  1352  3tbf.  3. 


§  14(X). 

««neinfc^aft-  3)aö  im  §  14(X)  9(bf.  1  audgcfprod)cnc,  bcm  §  1367  9lbf.  1  fid^  an* 

&t\amtt^  fd^Iicöcnbc  ^ßrinjip  beruf)t  auf  bem  SBcfen  bcv  fortgcfeßtcn  Oütcrgemcinfc^aft, 

^"iSete*^  iueld)c,  mie  bie  c()eUd)c  ®ütergcmeinfd)aft  eine  ®emcinfd}aft  auf  ®cbei^  inib 
a?evberb  ift. 

«««normen.  2)ic  üou  leiiem  ^viujipc  im  §  1400  3lbf.  2  3lx.  1,  3  oevb.  mit  3lbf.  3 

gemad)tcn  Sludnatimen  red^tfertigen  fid^  burd)  bie  Snuäguug,  bag  bie  ant^et(d^ 
bered)tigten  Slblommünge  ate  älnt^eil  an  bem  ©efammtgute  ber  fortgefegten 
©ütergemeinf^aft  baöjenige,  aber  and)  nur  baftienige  erl^alten  foUen,  luod  fte 
a\\&  bem  (Sefammtgute  erljalten  l^abcn  mfivben,  wenn  fie  bcn  ßrblaRev  ate 
©efefecöevben  beerbt  Iiaben  würben  (oergl.  §  1382  3lbf,  2  wrb.  mit  §§  1377, 
1378).  S)ie  im  §  1400  9lbf.  2  3lv.  2  »erb.  mit  3lbf.  3  beftimmte  «uöna^me 
berul)t  auf  ci^nlid^en  Snoägungen,  mie  bie  ^eftimmungen  bed  §  1367  9(bf.  2 
3Jr.  1,  2,  4  (oergl.  aud),  foüiel  bie  35erbinblid^fciten  beö  überlebenben  ®^* 
gattcn  aus  unerlaubten  ^anblungen  betrifft,  el^renbreitft.  Gntm.  §§  91,  59 
unb  in  9Cnfef|ung  von  ®elbftrafen  ha^  bomb.  S.  fH.).  S)ie  Seftimmung  bed 
S  1367  2lbf.  2  5Wr.  3  ift  für  bie  fortgefefete  ©ütergcmeinfc^aft  gegenflanböloi. 

ccf<^ranfunfl  2)0^  bic  uuter  9lr.  3-  bejeid^neten  ^erbinbUdbfeiten  ben  antOeitebercd^tigten 

b^  Ibiömm-  3lbf5mmlingen  nur  in  ber  SBeife  jur  Saft  foHen  f oDen,  bafe  biefc  üerpflid^tet 
Hnflc,  PjiJ)^  ^q[^c  SBerbinbüc^feiten  bei  ber  nac^  Sluflofung  ber  fortgefegten  ©ütcr- 
gemeinfdjaft  oorjunebmenben  3lufleinanberfe6ung  auf  ifjren  Slntbeil  fic^  am 
rennen  ju  (offen,  ift  eine  Jlonfequen}  bed  im  §  1384  9lbf.  1  Sog  3  aufi^ 
gefprod)enen  (Srunbfo^eö,  bofe  pc  für  bie  SBerbinblid^feiten  befi  oerftorbenen 
Ctjegotten  aud)  gegenüber  bem  überlebenben  G^egotten  perfBnlid)  überall  nic^t 
Ijoften  (§  1406  9lbf.  0  nebft  SKotioen  ju  §  1406). 

'"iuf "  wf*  ®^^  '^^^*^^  ^"^  ^  ^^^  ^^^^'  ^  '^^^  ergebenbc  SBefd^ränhing,  bofe,  rocnn 

fceJaitd.Tberbcr  uerftorbeue  ß^egottc  SBorbeljoltögut  ober  ©onbergut  Ijintertaffeu  ^at,  bic 

^°"b«7^"*  unter  3lr.  3  bejeid^neten  SBerbinbIid)feitcn  ben  antl)eitebered^tigten  ätbfSmm« 

erb(affcro.  (iugeu  nur  infomeit,  a(ö  fte  nic^t  aud  bem  %orbeI;a(tdgute  ober  aud  bem 

Sonbergute  in  ®emä|^eit  bed  §  1395  Ijoben  berid^tigt  werben  f5nnen,   im 

Uebrigen  ober  bem  ©efammtgute  ber  fortgefeftten  ©ütergemeinfc^oft  sur  Soft 

fallen,  ftebt  einerfeitd  mit  ber  SJorfdjrift  bed  §  1396  9lbf.  1  im  3ufammen^ugc^ 

nad)  u)eld)er  bod  aJorbeljaltdgut  ober  ©onbergut  bed  oerftorbeneu  ©begatten^ 

uorbeljoltlid)  ber  SJorfc^viften  bed  §  1395  2lbf.  1,  2,  einen  2:beil  bed  ©efammt^ 

guted  ber  fortgefegten  ©ütergemeiufd^oft  bilbet,  onbererfeitd  mit  ber  aSorfdbrift 

bed  §  1395  3lbf.  3,  nod)  ioeId)er  bei  ber  Sludcinonberfegung  wegen  bed  SBor* 

bebaltdguted  ober  bed  Sonbcrguted  bie  im  §  1400  9lbf.  2  5lr.  3  be}ei(i^neten 

33erbinblid)feiten  aud  bem  SBovbeljoftdgute  ober  aud  bem  ©onbergute  oorab  511 

berid^tigen  finb.    3^a  bem  überlebenben  Gfiegottcn  old  bem  güterge'meinf<^aft* 

lidjen  Grben  bie  öiquibotion  bed  SBorbeljoltdguted  ober  Sonberguted    nad^ 


gortgefefttc  ®üteraemeinf(^afi  9luöftattun0.  Äonfufion.  §§  1401, 1402.       465 

äRafeabc  bcö  §  1395  obliegt,  fo  fann  cö  jtocifcl^aft  fein,  ob  nid&t  bie  ^icr 
frajHt^en  SScrbinbtid^fcitcn  infotocit  afe  biefclbcn  auö  bcm  aSorbel^altögute 
ober  aus  bem  ©onbergute  ^aben  berid^tigt  werben  fönnen,  bem  übertebenbcn 
%gQttcn  allein  jur  Soft  ju  legen  finb.  SSon  praftifd&cr  Scbeutung  würbe 
biö  für  fold^c  gäUc  ftin,  in  welchen  bie  33cridE|tigung  jener  9Serbinblidf|feiten 
unterblieben  ift,  ber  Seftanb  beö  aSorbeljüItögnteö  ober  ©onbergutcö  aber 
tnjroifc^en  biö  ju  ber  nad^  Sluflofung  bcr  fortgefefcten  Oütergemeinfd^aft  wegen 
beö  Ocfommtgutes  ftottftnbenben  2luöeinanberfe|ung  burd^  3wfaU  ober  burd^ 
bie  S<|ulb  beö  übericbenben  ©l^egatten  ftd^  »erminbcrt  l^at.  SKUein  baö  33er^ 
^Itnife  geftaltet  ficb  einfad^er  unb  eö  entfprid^t  jubem  ber  33illigfcit,  wenn  jene 
SerbinbUd^feitcn,  foweit  biefelben  aus  bem  SSorbel^altögute  ober  ©onbergute 
^ben  berichtigt  werben  fönnen,  ol^nc  Unterfd)eibung  ber  einjelnen  gäHe  in 
®emd§^cit  ber  SRcgel  beö  §  1400  Slbf.  1  bem  ©cfammtgute  jur  2aft  fallen, 
jumcl  eine  injwifd^en  eingetretene  SSermel^rung  beö  SBorbe^altö«  ober  ©onber* 
pteö  anbererfeitö  bcm  ©efammtgute  nnb  baburd^  au^  ben  ant{)eifebered^tigteu 
Sbßmmlingen  ju  ®ute  !ommt. 

§  1401. 

SBegcn  ber  93egrünbung  beö  §  1401  wirb  auf  bie  äßotioe  ju  §  1368  oben  ««spattunfl 
'S.  390  unb  bie  ORotiüc  ju  §  1399  oben  S.  463  SSejug  genommen.  ©ijc^atte". 


§  1402. 

3)ie  S3eftimmungcn  beö  §  1402  berufen  auf  bem  ©ebanfen,  ba^  trog  bcr  ^^^^^^ 
gutergcmeinfd^aftU^cn.ßrbfoIgc,  ba  baö  3lIIcincrbrcd^t  bcö  übericbenben  ®^c?  behauter* 
gattcn  nad&  bem  ©ntwurfe  nid^t  ©elbftiwedE,  fonbern  ftonftruftionömittcl  jum  ^a^fÄ' 
3roectc  einer  einfad^en  unb  angemeffenen  Siegelung  bcr  fortgefegten  Oüter^  rec^c«. 
gemeinfc^aft  ift,  baö  aScrljältnife  jwifdb^n  bem  übericbenben  (g^cgottcn  unb  ben 
9etneinf(^oftli(^en  9Ibtommlingen  materiell  fo  geftaltet  werben  mug,  wie  wenn 
bie  gefeglid^c  ©rbfolgc  ftattgefunben  .l^ättc  unb  mit  bcm  ©rbfallc  in  3lnfc]^ung 
bcr  ben  gemcinfd&aftlid^cn  aibfommlingcn  unb  bcm  übericbenben  ©Regatten  an 
bem  e^lid^en  ©efammtgute  iuftc^enben  (Srbantficilc  baö  SHcd^töocr^ältnife  bcr 
fortgefejten  ©ütergcmcinfc^aft  eintrete.  2)iefcm  Oebanfen  entfprid^t  cö,  baß 
bie  Sd^uIbDert)ältniffe,  weld^c  jwifd&cn  ben  ®l)cgatten,  fei  cö  in  SKnfel^ung  bcö 
e^üd^en  ®ef ammtguteö ,  fei  cö  in  3lnfcl^ung  bcö  Sonbcr*  ober  aSor^ 
be^altöguteö  berfetben  beftanben  l^abcn,  infoweit,  alö  fic  in  golgc  bcr 
gütcrgemeinfd^aftlid^en  ©rbfolgc  burdCi  33crcinigung  crlöfdficn  (ocrgl.  §  1384 
3tbf.  1,  §  1395  Derb,  mit  §§  290,  1866),  im  SJer^ältniffe  jwifdficn  bcm 
übericbenben  ei^egattcn  unb  ben  antl)eilöberc(^tigtcn  3lbf5mmtingen  in  bcr  im 
§  1402  bejeic^ncten  3lrt  alö  fortbcftel^cnb  be^anbelt  werben,  ©aburd^  wirb 
inöbefonberc  ber  materiellen  ©ad^lagc  cntfpredjenb  bcr  aScftanb  bcö  ©cfammt^ 
pteö  ber  fortgcfefeten  ©ütcrgemeinfd^aft  auf  ben  jur  ^dt  bcö  ©rbfallcö 
»or^nbenen  S3cftanb  beö  el^clid^en  ®cf ammtguteö  jurüdEgcfüfirt ,  bcjm.  bie 
SetT'ngcrung  beö  bem  übericbenben  ®f)cgattcn  geprcnbcn  aSorbclialtö^s  ober 
€onberguteö  wieber  auögeglic^cn,  welche  baö  Icgtcrc  an  fid^  baburd)  crlcibct, 

RotiM  i.  Urftcrr.  (gefet^ud^  IV.  30 


466  gortöefcftte  ®üterGcmctnf(^att.    ^luflofung.    §  1403. 

btt§  in  golgc  ber  gütergcmcinfd^aftUd&cn  ©rbfotgc  eine  ju  feinem  SBorbeJ^altö^ 
ober  ©onbergute  gel^Brenbc  gorberung  gegenüber  bem  SSorbe^oItö^  ober  ©onbcr* 
gute  beö  oerftorbenen  ©i^egattcn  burd^  ^Bereinigung  erüfd^t. 

5Rid&t  berücfftdötigt  ift  im  §  1402  ber  goU,  wenn  ber  üerftorbenc  S^* 
gatte  einen  ju  feinem  ©onber^  ober  SBorbe^altögute  ge^orenben  Slnfprud^  gegen* 
über  bem  el^elid^en  Oefammtgute  ^atte,  ©icfer  Änfprud^  bilbet  einen  Seflanb* 
t^eil  bcö  jum  3la6)la^t  beö  oerftorbenen  ©Regatten  geprenben  ©onbcr^  ober 
SBorbe^altögutcö,  roelc^cö  ber  überlebenbe  ©l^egatte  ben  im  §  1395  bejeid^netcn 
5ßerfonen  auöjufel^ren  f)ai  (oergL  SKotioe  ju  §  1395  oben  6.  453).  ©in  6r* 
löfd^en  ieneä  2lnfprud&eö  burd^  Äonfufion  fonn  l^ier  im  ^inblictc  auf  §  1395 
oerb.  mit  §  1866  nur  inforoeit  in  groge  fommen,  ote  baö  SSorbel^attd' 
ober  ©onbergut  beö  oerftorbenen  6f|egatten  nad^  §  1395  an  ben  gütergemein« 
fd^aftUd^en  ®rbcn  fällt.  3n  Ermangelung  anbermeiter  teftamentarifd^er  SJer^ 
fügung  erl^ält  ber  überlebenbe  ©Ijegatte  ein  SSiertel  jened  95orbel^oltd^  ober 
©onbergutcö,  alfo  an  [lä)  anä)  ein  SBiertel  {eneö  Slnfprud^e«  gegenüber  bem  an 
©teile  beö  e^clid^en  ©efammtguteö  tretenben  Oefammtgute  ber  fortgcfeßtcn 
®ütergemeinfd6aft,  3)a  aber  baö  SSorbel^altö*  ober  ©onbergut,  meines  ber 
überlebenbe  ©begatte  alö  gütergemeinf^aftlic^er  @rbe  erl^ält^  alö  ein  nad^ 
§  1396  Slbf.  1  in  baö  Oefammtgut  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  faQenber 
®noerb  fid^  barfteDt,  fo  gehört  aud^  ber  bem  überlcbenben  6l)egatten  gebül^rcnbe 
Slntfieil  an  bem  bejeid^neten  Slnfprud^c  ju  bem  ©cfammtgute  ber  fortgefegten 
©ütergemeinfd^aft,  unb  mu§  beö^alb  jener  3lnfpru(^  inforoeit  befinitio  erl5fd^en. 
SIBegen  ber  ©d^lufebeftimmung  beö  §  1402  5lbf.  2,  bafe  bie  bort  bejeid^neten 
SScrbinblid^feiten  beö  juerft  oerftorbenen  ©Regatten  alö  aSerbinblid^Fciten  ber 
ant^eilöbered^tigten  Slbfommlinge  nur  nad^  SRafegabe  ber  SJorfd^riften  be« 
§  1400  3lbf.  3,  4  alö  fortbeftel&enb  angefel^en  werben,  mirb  auf  bic  SWotioe 
JU  §  1400  oben  ©.  464  Sejug  genommen. 


§  1403. 

9(ufr»fttnfl«.  3)er  §  1403  bejeid&net  bie  Orünbe,  auö  meieren  bie  fortgefeßte  ®üter* 

''*"*'*     gemeinfd&aft  aufgeloft  mirb.    S)ie  Raffung  beö  ©ingangeö  läfet  mit  genügenber 

©eutlid^feit  erfennen,  bafe  in  allen  gälten  bie  fortgefe|te  ©ütergemeinfc^oft 

für  bie  fämmtlidf)en  SC^eil^aber  erlifd^t  (ocrgl.  ju  3lv.  3  ben  §  1405  «bf.  2 

nebft  aWotioen). 

^«*>;  1.   ©afe  bie  fortgefe|te  Oütergemeinfd&aft   mit  bem  3^obe  beö  vbcv 

lebenbcn  ©Regatten  aufgeloft  mirb  (§  1403  9lr.  1),  folgt  auö  bem  3it'^ 

berfelben. 

«ieberfler.  2.    3)cr  im  §  1403  3lr.  2  beftimmte  Sluflöfungögrunb  entfprid^t  bem 

^über?  SBefen  ber  fortgefegten  ©ütergcmeinf^aft  unb  bem  Jlarafter  bcö  (Sefammt» 

icbenben  «^^  g,jtgg  bcr  legtcrcn  alö  eineö  butd^  bie  frühere  ©l^e  begrünbeten  gemeinft^ft« 

^°"*"'     lid^en  gamilienoermBgenö.    2)ic  fortgcfcgtc  Oütergemeinfc^aft  berul^t  auf  bem 

©ebanfen,  ba§  baö  burd^  bie  ©^e  begrünbete  33anb  aud)  über  ben  2^ob  ctiwö 

©begatten  l^inauö  im  SSer^ältniffe  jmifc^en  bem  Überlebenben  ©l^egatten  unb 

ben  gemeinfd^aftlic^en  älbtömmlingen  unoeränbert  fortbauert  unb  beö^lb  audt 

baö  auf  biefem  93anbe  berul^enbe  gütergemeinfd^aftlid^e  SBerl^ältnife  noä^  ferner 


gortgcfefete  ®üterflcmeinf(5aft.    Stuflöfuttß.    §  1403.  467 

oufred^tcr^altcn  rocrbcn  mu§.  9Kit  bcr  ©d^Ucfeung  einer  neuen  6l)e  t>on 
©eltcn  bc&  übcrtebenbcn  ©f^egattcn  aber  tritt  an  bie  ©teile  beö  burd^  bie 
frühere  6^e  begrünbeten  Sanbeö  ein  anbereö,  ebenfo  innige«  93anb,  unb  fällt 
bomit  bie  SSorauÄfcfeung  weg,  auf  toeld^er  bie  unoeränberte  Slufred^terl^oltung 
ber  burd^  bie  frühere  (S^e  begrünbeten  üermogenßred^tüd^en  Sßerfiältniffe  beruhte. 
SRit  biefer  äuffaffung  fte^t  bie  große  5Ke^rjaf)t  ber  beftel^enben  Siedete  im  ©in? 
Hange,  unb  jroar  foroo^l  berjenigen,  welche  auf  bem  S3oben  bcr  fortgefe^ten  ©üter* 
jemeinfc^aft  im  engeren  ©inne,  ate  aud^  berjenigen,  roeld^e  auf  bem  33oben  ber 
Äonfolibation  bejro.  bcd  StDeinerbred^teö  beö  überlebenben  ©Regatten  ftelien,  inbem 
(xaäf  mä)  btn  festeren  mit  ber  ©c^Hefeung  einer  neuen  6^e  oon  ©eiten  befi 
überlebenben  ©Regatten  biefer  regelmäßig  jur  Slbfd^id^tung  ber  gemeinfd^aft* 
K<^  Rinber  üon  feinem  Sßcrmögen  Dcrpftid^tet  ift.  3Jlit  bem  ©tanbpunftc 
bed  Sntmurfed  fiimmen  in  biefer  ^ejiefjung  namentlid^  überein  ba&  lüb. 
»ec^t,  bie  ft^lefiro.  I^otft.  SRed&te,  bie  Ijannot).  SRed^te  (fabeln,  aRünfter,  3lttc  fianb, 
Setben  rüeffid^tlid^  ber  SBittroe,  ^ilbcölicim,  Dönabrücf,  Süneburg,  Singen, 
SRcppen,  ©entkeim),  baä  ^amb.  SRed^t,  bie  lippe^betm.  95er orbn.  v.  1. 3uli  1786 
§  22,  bad  brcm.  SRed^t  rücfftc^tUd^  ber  aGBittroe,  baß  roeftfäl.  ®ef.  d.  16.  Stprll 
1860  §  14,  bie  SRed^tc  t)on  ^ilbburgl^aufen,  ©igmaringen,  ®rbad^,  foroie  bie 
boqr.  Siedete  (Samberg,  2:^urnau,  ©id^ftäbt,  5ßappen^eim,  Sßinbö^eim,  9i5rbs 
Kngen,  Dettingen,  SBeißenburg,  Raufbeuren,  SBürjburg,  ©aftell,  ©d^roeinfurt; 
wrgl.  aud^  odnabr.  6ntm.  §  16;  e^renbreitft.  ©ntro.  §  60;  roürttemb.  (Sntro. 
§  319).  (Sine  fraft  beö  ©efegefi  eintretenbc  ©infinbfd^aftung  bcr  Slbf ömmünge 
in  bie  neue  6§c,  mie  fic  j.  S5.  in  gulba,  iebod^  unter  ?Regulirung  eines  SSoraufi 
für  bie  aftfommlingc,  ftattfinbct,  fann  oom  ©tanbpunftc  beö  ®ntrourfeö  au«, 
wüi^  bad  3nftitut  bcr  ©infinbfd^aft  überhaupt  nid^t  aufgenommen  liat,  ab* 
gefe^n  oon  ben  gegen  eine  fold^e  gefeglid^e  ©infinbfd^aftung  pd^  er^ebenben 
befonberen  Sebenfen,  nid^t  in  grage  fommcn.  ©benforoenig  t)crbient  t)om 
6tanbpuntte  bcÄ  Sntereifeö  ber  SlbfömmUnge  auö  bie  3Sorfd^rift  einjelner 
Setzte  (Sremen,  95erbcn,  Kempten)  SRac^alimung,  roeld^e  roenigftcnfi  für  ben 
überlebenben  SSater  bie  ©d^Iiegung  einer  neuen  ©l^e  nid^t  ald  ©d^id^tungöfaK 
be^nbeln. 

Die  beftc^enben  Siedete,  indbefonbcrc  aud^  bie  9lu8brudEöroeife  beö  meftfäl. 
®ef.  0.  16.  april  1860  §§  14,  15,  laRcn  eö  oiclfac^  jmeifel^aft  erfd^einen, 
ob  bie  fortgefefitc  ©ütergemcinfd^aft  mit  ©d^Iießung  ber  neuen  ®^e  fraft 
<Befe^  aufhört  ober  mit  ber  (enteren  für  bie  älbfömmlinge  nur  baö  9led^t 
begrfinbet  wirb,  bie  Äuflofung  ber  fortgefefiten  ®ütcrgemeinfd^aft  ju  Dcrfangen, 
^r  biefe  Icfitere  Slrt  bcr  ^Regelung  fann  geltenb  gcmad^t  werben,  baß  bie 
Suflöfung  ber  fortjfefe|ten  ®ütergcmeinfcl>aft,  ba  auc^i  ber  ©noerb  beö  über* 
Menben  ©Regatten  bem  ©efammtgutc  jufäHt  (§  1396  Sttbf.  1),  ben  9lb* 
thnmlingen  nid^t  immer  jum  SJort^cile  gereicht.  Die  prattifd&en  ©d^roicrigfciten, 
mdd^  an  ftd^  bomit  oerbunben  finb,  menn  ieber  9lbf5mm(ing  felbftänbig  für 
fi(i  bie  äuflofung  bcr  fortgefe|tcn  ®ütergcmeinfd^aft  ocriangen  fönntc, 
nmtben  btird^  bie  Scftimmung  beö  §  1405  SÄbf.  2  befeitigt  roerbcn.  ^rinjipieH 
ift  inbeffen  baö  3nfHtut  bcr  fortgcfe||tcn  ®ütergcmcinfd[)oft  im  3ntcreffe  beö 
überlebenben  ©Regatten  anerfannt.  Den  3lbfommUngcn  mirb  ba^er  nid^t  ju 
Halft  getreten,  toenn  bie  SluflBfung  ber  fortgefcftten  ®ütergemcinfd^aft  in  bem 

30* 


468  gortflefe^te  ©ütcrgcmeinfd&aft.    Sluflöfunß.    §  1403. 

^icr  fraglid^cn  gallc  traft  ©cfcficß  eintritt  (t)crgL  aud^  cl&renbrcitft  (gntro, 
§§  60—62).  9lnbercrfcitö  empfic^tt  fid^  bicfe  ©cftaltung  burc^  i^rc  ©infad^^cit, 
foroic  im  Sntercffc  größerer  ©id^crung  bcr  SRcd^tc  ber  ^[bfommlingc  unb 
burd^  bie  @m)ögung^  bag  bie  engen  perfonlid^en  ä3e}ie§ungen  unter  ben  Se$ 
tl[iei(igten,  auf  n)e(d^en  bad  ganje  Snftitut  beruht  ^  burc^  bie  @ingel^ung  einer 
neuen  @l^e  von  Seiten  bed  überlebenben  ©Regatten  nic^t  fetten  er^ebKd^ 
getodEcrt  werben. 

8D8egen  ber  ©rünbe,  auß  welchen  ber  ©ntrourf  eine  Slbmenbung  ber  im 
§  1403  3lx.  2  beftimmten  golge  ber  ©d^liefeung  einer  neuen  ®^e  oon  ©eiten 
bed  überlebenben  ©Regatten  burd^  SinÜnbfdE^aftung  ber  älbfömmUnge  in  bie 
neue  6^e  nid^t  jugelajfen  l^at,  wirb  auf  ben  Sln^ang  ju  ben  §§  1341 — 1409 
SBejug  genommen, 
«ttfidfung  3.  SBegen  beß  äuftöfungögrunbeö  unter  9lr.  3  beß  §  1403  wirb  auf 

bur<«  urt^eii;  jjj^  gRotipc  JU  §  1405  oeHüiefen. 

burc^certrog;  4.  S)er  im  §  1403  3lt.  4  auerfanute  S3eenbigungßgrunb  entfprid^t  bem 

§  1371  9tr.  3  unb  ift  für  fo(d^e  Siedete,  nad^  n)e(d^en  ber  @l^egatte  nid^t  burd^ 
feine  einfeitige  ©rflärung  bie  9lbtl^eilung  ber  Äinber  l^erbeijufü^ren  berechtigt 
ift,    oielfad^   außbrüdFUd^   anerfannt    (fo   für   OßnabrüdE,    ^ulba^    Srbad^, 
Bamberg), 
burd^  5.  ^ie  ^rage,  ob  bem  überlebenben  ©Regatten  ba&  Siedet  juftel^t,  burc^ 

*jjj^^g*  j,^' einfeitige  ©rflärung  bie  JKuflofung  ber  fortgefe^ten  ©ütergemeinfd^aft  bcju). 

flberiebenben  beu  ©d^id^tungßfall  Ijerbeijufü^ren,  wirb  t)on  ben  beftel^enben  SRec^ten  Der? 
«^«(jatten,  |^jgjj^^  beantwortet.  2)ie  äße^rja^I  ber  JWed^te  gewährt  bem  überlebenben 
©Regatten  biefe  Sef ugnife,  inßbef onbere  baß  lüb.  SRed^t,  bie  fc^teßro.  I^olft.  Siedete, 
bie  5Ked[)te  t)on  33remen,  Serben,  3Jlünfter,  äßeppen,  Hamburg,  Sigmaringen, 
bie  lippe^betm.  SBerorbn.  v.  1786  §  20,  baß  roeftfäl,  ®ef.  t).  16.  Slpril  1860  §  13 
unb  bie  bagr.  $Wed&te  mit  Sllleinerbrcd^t  beß  Ueberlebenben,  bie  Siedete  oon  SBui^* 
bürg,  ©d^roeinfurt  unb  ©aftell  jeboc^  nur  mit  geroiffen  3Jlobififationcn  (ijergL 
ferner  ©euffert  Vin,  56;  ipürttemb.  ©ntro.  §  308;  e^renbreitft.  ©ntro.  §  60; 
oßnabr.  ©ntro.  §  16).  gür  bie  3lnerfennung  beß  liier  fraglid^en  SRcc^tcö  beß 
überlebenben  6l)egatten  fällt  entfd^eibenb  ber  ©efid^tßpunft  inß  ©emi^t,  ba^ 
bie  fortgefe|te  ©ütergemeinfd^aft  ju  ©unften  beß  überlebenben  ©Regatten  ein- 
gefül^rt  ift.  ^aß  93er^öltnig  beß  überlebenben  ©Regatten  gegenüber  ben  9b* 
fömmlingcn  ift  ^ier  ein  roefentlid^  anbercö  alß  bei  ber  e^elid^en  ®ütergcmetn? 
fd^aft  baß  93erl)ältnig  beß  ©^emanneß  gegenüber  ber  ©^efrau,  t^eilß  loegen 
ber  unter  ben  ©Regatten  beftel^enben  perfönlic^en  SBejiel^ungen,  tl^eilß  beö^alb, 
meil  ber  ©bemann  auf  ©runb  ber  el^eltd^en  ©ütergemeinfd^aft  nid^t  bloß 
SRed^te,  fonbcrn  auc^  5ßflid&ten  gegen  bie  ©bcfrau  ^at,  inßbefonbere  geioiffe 
SBerbinbUd^feitcn  bcrfelbcn  ju  erfüllen  oerpflid^tet  ift,  unb  meil  oor  Slllcin  baß 
gütergcmeinfdEiaftli^e  ©rbre^t  ber  ©^cfrau  oon  ber  gortbauer  ber  ©üter^ 
gemeinfdEjaft  biß  jum  2^obe  beß  ©^emanneß  abbängt.  ^iefe  @eft(^töpunfte 
treffen  bei  ber  fortgcfefetcn  ©ütergemeinfd^aft  ni^t  ju.  3)ie  S^^eitnaJ^mc  ber 
9lbfömmlingc  an  bem  ©rmerbe  beß  überlebenben  ©fjegatten  aber  (§  1396  3[bf.  l) 
ift  nur  bie  mittelbare  ^olge  beß  bem  legteren  }ufte^enben  Stec^teß  unb  ^at 
nid^t  bie  83ebeutung  eines  felbftänbigen  JWcd^teß  ber  9lbfommlinge.  Sluß  biefem 
©runbc  empfiel;lt  cö  fid^  aud&  nid&t,  bem  Seifpiele  einiger  Siechte,  j.  ©.  bcd 


•gcttflcfe^tc  ©ütcrgetneinf^aft.    Stuflöfung.    §  1403.  469 

fc^rocinfurt.  JHcd^tcö,  ju  folgen,  roctd^c  für  bcn  goll  einer  t)on  bem  übertebenben 
(Ehegatten  einfeitig  vorgenommenen  @^id^tung  ben  älbfommlingen  nod^  einen 
Sitt^eil  an  geroiifen  fpäteren  ©rmerben  beßfelben,  inbefonbere  an  einer  i^m 
den  feinen  ©Item  jufaDenben  ©rbfd^aft,  ju  jtd[iern  fud^en.  Slnberö  liegt 
freili^  bie  Sod^e  naä)  benjcnigen  SRed^tcn,  roel^c,  mie  j.  SB.  baö  JRed^t  oon 
Cdnobrücf,  bie  ©d^i(fttung  olö  2:obtl^eiIung  roirfen  laffen.  §ier  fann  ber 
überlebenbe  ß^egatte  ben  Slbfömmlingen,  ba  fie  burd^  bie  ©d^id^tung  il|r 
?fli(^tt^eitered^t  gegenüber  bem  überlebenben  ©Regatten  verlieren,  aud^  im 
il^iten  fonft  mittelbar  burd^  baö  ^flid^ttl^eitered^t  geftd^erten  Slntlieil  an  einer  bem 
überlebenben  ©Regatten  nad^  ber  ©c^id^tung  jufaDenben  gro6eIterIid[)cn  ©rbfd^aft 
burc^  bie  Sd&id^tung  entjiel^en.  gür  ben  ©ntrourf  fommt  aber  biefeö  S3ebenfen 
nic^t  in  S5etrad[>t,  ba  nad^  bemfelben  baö  ©rb-  unb  ^flid&ttfieitered^t  ber  9lb* 
fommlinge  gegenüber  bem  überlebenben  ©Regatten  burd^  bie  ©d^id&tung  überall 
ntc^t  berührt  mirb. 

3la6)  bem  ©ntmurfe  ift  bem  übertebenben  ©Regatten  aber  nur  geftattet,  ^*^^^^ 
oHen  3tbfommIingen,  nid^t  blod  einjelnen  Slbfömmlingen  gegenüber,  burd^  fömmnnsen, 
rinfeitige  ©rflörung  bie  Sluflofung  ber  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  fjerbci* 
jufü^ren.  3n  ben  befteljenben  Siedeten  ift  bie  grage  nid^t  unbeftritten.  3n 
Hamburg  wirb  auc^  bie  einfeitige  Slbt^eilung  eines  einjelnen  9lbfömmIingeÄ 
für  julafftg  angenommen,  ebenf o  in  öremen ;  bod[)  nef)men  ^ier  bie  abgef d^id&teten 
Äinber  an  ber  fpäter  anfaOenben  ©rbfd^aft  eined  9lfjenbenten  X\)til  2)ie 
ftottfequenj  beä  ©ebanfenö,  bafe  bie  fortgefegte  ©ütergemeinfd^aft  eine  33e^ 
günftigung  befi  überlebenben  ©Regatten  ift,  fü^rt  ba^in,  bem  Ie|teren  aud^  bie 
Sbf^i^tung  eines  einjelnen  9lbfömmtingeS  ju  geftatten.  9luf  ber  anberen 
6eite  fommt  inbeffen  in  Setrac^t,  bafe  baburd^  bem  überlebenben  ©fiegatten 
bie  aWoglic^feit  gen)äl)rt  mirb,  bie  in  ber  (Semeinfd&aft  verbleibenben  Slb* 
fotnmlinge  auf  Stoften  beS  abgefd^id&teten  Slbfömmlinges  im  ^inbtidte  auf 
einen  in  9luSfid^t  ftel^enben  bcbeutenben  ©rrocrb  ju  begünftigen,  ein  anberes 
Sntereffe  beS  übertebenben  ©Regatten  aber,  einen  einjelnen  9lbf5mmling  roiber 
beffen  SBillcn  abjufd^id^ten,  nid^t  crfid^tUd^  ift. 

Um  ben  ©intritt  unb  ben  3^^*?""^  ^^  9luflöfung  ber  fortgefegten  »or  bem 
®ütergemeinf(iaft  im  gaUe  beS  §  1403  SRr.  5  aufeer  3n)cifel  ju  ftellen,  ift  eS  ^^^^,' 
als  angemeffen  eracl>tet,  im  9lnfd^tuffe  an  bie  Seftimmungen  beS  §  1266  2tbf.  2 
unb  bcÄ  §  1398  Slbf.  1  bie  einfeitige  ©rflörung  beS  überlebenben  ©tjegatten,  ba§ 
bie  fortgefe^te  (Sütergcmeinfd^aft  aufgelöft  fein  foH,  an  bie  im  §  1403  3lv.  5 
bejei(|nete  gorm  ju  binben.  ®as  ^lad^lafegerid^t  beS  oerftorbenen  ©Regatten 
für  juftänbig  ju  erflären,  empfiel^lt  fid),  weit  baburd^  für  alte  in  93etrad^t 
fommenben  gäDe,  namentlid^  au^  für  fold^e  ^öUe,  in  meldten  es  an  einem 
SBo^nft|c  beS  übertebenben  ©tiegatten  fel^lt,  in  angemeffener  SBcife  geforgt  wirb. 
IJie  im  jroeiten  ©a|e  beS  §  1403  Sir.  5  gegebene  Orbnungsoorfcl^rift  bient  baju, 
einerfeits  ben  ant^eilsbered&tigten  5Kbfömmtingen  ©etegen^eit  ju  geben,  bie  jur 
SBa^e^mung  t^rer  3ntere5fen  erforbertid^en  aRaferegcln  treffen  ju  fönnen, 
onbererfeits,  wenn  ber  überlebenbe  ©begatte  gcfe6lid[)er  SSertrcter  eines  berfelben 
ift,  bos  SJormunbfd&aftSgeri^t  ju  veranlaffen,  nad^  9)la§gabe  bcS  §  1738  9tbf.  1 
x>erb.  mit  §  1651  3?r.  1,  §  1728,  §  1503  3lbf.  1  bem  betreffenben  3lbfömmtinge 
einen  Pfleger  ju  beftellen. 


470  gortgcfcjte  ©ütcrflcmcinfd^aft.    auflöfung.    §  1404. 

se^tmiaifle  6.  äSegett  ber  ©rünbe,  quo  iDetc^en  ber  @ntn)urf  ein  ^tä)t  bed  }uer{l 

besÄff^  perftcrbcnben  ©Regatten,  bic  g^rtfc^ung  ber  ©ütergcmcinfc^aft  bur^  leftttoilHgc 
äSerfügung  Qu8}uf(^liegen  ober  an  einen  ©nbtermin  ju  fnüpfen^  ni^t  anerfonnt 
l^at,  wirb  auf  bie  aWotit)c  ju  §  1385  oben  ©.  436  Sejug  genommen. 

§  1404. 

6t(^rfieaunfl  ^u  htti  befte^eubeu  9tec^ten  finben  fic^  oerfd^iebene  ^eftimmungen,  meldet 

sbummiinge  ^^^  ^^^^  ocrf olgeu ,  bie  on  bcm  ®ef ammtgute  ber  f ortgefefeten  ©ütcrgemein* 
bei  fd^aft  antl^eitebered^tigtcn  beiio.  bie  fc^id^tt^eiteberec^tigten  älbförnmlinge  gegen 
® j^Tu^g^*^  bie  SRad^t^eile  ju  fd^üfeen,  welche  für  fie  aus  einer  SBieberoer^eirot^ung  be« 
uberlebenben  ©Regatten  entfielen  fonnen  (oergl.  bie  bei  oon  ©id^erer,  bad 
aicid^sgefefe  über  bie  Seurhinbung  beö  ^crfonenftanbeö  unb  bie  ß^cfd^Uefeung 
0.  6.  gcbruar  1875,  ju  §  38  unter  VI  fid^  finbenbe  3«fömmenfteIIung  ber  ein^ 
fd^Iagenben  beftel^enben  Siedete).  ®d  ^anbelt  fid^  babei  einerfeitd  banim,  ber 
©efa^r  oorjubeugen,  roeld^e,  wenn  ber  übertebenbe  ©begatte  ftd^  roieber  oec? 
f)maH)tt,  o|ne  bie  Sd^id^tung  oorgenommen  )u  l^aben,  für  bie  älbförnntiinge 
baburd^  entftel^t  bafe  bas  bei  ber  SBieberoer^ciratl^ung  oorl^anbene,  ber 
@^id^tung  ju  ©runbe  }u  (egenbe  ©efammtgut  fici^  nid^t  mel^r  ermitte(n  (ögt, 
anbererfeitd  barum,  bie  9luöfel^rung  bed  ben  älbfömmlingen  gebü^enben 
©d^id^tt^eileö,  faDs  biefelbe  nid&t  fofort  ju  erfolgen  braud&t,  fidler  ju  fteHen. 
S)en  erftgebad^ten  ^roed  oerfolgen  bie  Seftimmungen,  bofe  bie  Stbfömmlinge 
bei  unterbliebener  ©d^id^tung  traft  beß  ®efe|eä  als  eingefinbfc^aftet  gelten  (fo 
j.  83.  nad^  bem  Siedete  oon  gulba),  ober  bafe  fie  bie  SBSal^t  ^aben,  ob  fte  eim 
gefinbfd^aftct  fein  ober  bie  ©c^i^tung  nad^  bcm  SScrmögenßbeftanbc  jur  3^^ 
ber  ©d^Hegung  ber  neuen  @^c  oerlangen  n)oIIen  (fo  ).  93.  nad^  ber  lippe^betnu 
aSerorbn.  oon  1786  §  22),  ober  bog  bie  oerfäumte  ©d^ic^tung,  ftatt  auf  ber 
©runbfage  beö  SBermögcnöbcftanbeö  jur  3^it  ber  ©c^liefeung  ber  neuen  6^e, 
auf  ber  ©runblage  beö  SBermögenöbeftanbcö  jur  Qtxi  ber  fpäteren  SKbfc^id^tunfl 
erfolgt  (fo  j.  93.  nad^  bem  Ijamb.  Sled&te).  ^mer  gefiören  bai^in  bie  Seftim* 
mung,  bafe  ber  überlebenbc  ©begatte  bie  i^m  fonft  an  bem  SBermögen  ber 
Slbfommlinge  oerbleibenben  SRed^tc  oerüert  (oergl.  prcufe.  91.  2.  9t.  II,  1 
§§  1001—1005),  foroie  bie  SSorf^rift,  bofe  bic  unterbliebene  ©d^id^tung  ein 
auffd^iebenbeö  ß^e^inbernife  bilbet  (oergl.  inöbef.  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §  18 
unb  preufe.  aSorm.  0.  o.  5.  3uU  1875  §  95  3lbf.  3). 

Eine  gefe|Iic^c  ©infinbfd^aftung  fann  für  bcn  ©nlrourf  fd^on  beö^folb 
nid&t  in  S^age  fommen,  weil  berfclbe  eine  ©infinbfd^aft  überl^aupt  nid^t  juläfet; 
ebcnfottjcnig  ift  cö  gcrcd^tfertigt,  btn  aScrIuft  ber  bem  uberlebenben  ©Regatten 
an  bem  aSermögen  ber  älbfömmlinge  juftetienben  3led^te  alö  gotge  ber  unten 
bliebcuen  äluöeinanbcrfc^ung  eintreten  ju  laffen,  ba  eine  folc^e  Seftimmung 
burd^auö  ben  Äarafter  einer,  j^ubem  je  nod^  bcn  Umftänben  beö  einjclncn  gafleö 
oerfc^icben  mirfenbcn,  ©trafbeftimmung  ^at.  9tad&  ber  3luffa{fung  beö  ©ntmurfeö 
TOirb  ber  3^^^*/  ^^n  faftifd^en  ®efal)ven  oorjubeugcn,  meieren  bie  3lbfomm* 
linge  im  galle  ber  SBieberocr^eirat^ung  beö  uberlebenben  ©Regatten  mcgen 
i^reö  3lntl}eileö  on  bem  ©efammtgute  ber  fortgefefeten  ©ütcrgemeinfc^aft  auö» 
gefegt  finb,  in  einer  auörcid}eubcn  unb  jugleid^  angemeffenen  SBeife  burd^  bie 


j 


gortgcfc^te  ©ütcröcmcmfd&aft.    auflöfunß.    §  1404.  471 

kn  S?orf(|riftcn  bcr  §§  1548,  1734  [xä)  anfd^Hcfecnbcn  Scftimmungcn  bcö 
§  1404  oerb.  mit  bcr  SBorfd^rift  bcd  §  1242  crrcid^t.  ®ie  Scftimmungen  per- 
f^icbcncr  JRcd^tc,  rocld^e  ftd^  barauf  bcfc^ränfcn,  bafe  bcr  übcrkbcnbc  ©begatte 
por  Schließung  einer  neuen  ®^e  bem  SBormunbfd^aftögerid^tc  t)on  ber  be^ 
obfid^tigten  ß^efd^Uefeung  9lnjelgc  ju  ntod^cn  unb  ein  SSei^eid^nife  bcö  Oefammt- 
gute«  ber  fortgefeftten  ®ütergemeinf(^aft  einjureid^en  l^abe,  genügen  nid^t.  $Rur 
burd^  eine  vov  ©d^liefeung  ber  neuen  6I|e  roirflic^  erfolgte  9luficinanberfefeung 
werben  in  ber  SRcgel  bie  erfal^rungömäfeig  ntit  einer  nad^träglic^en  5lug' 
einanbcrfefeung  auf  ber  ©runblage  beö  aSermogenöbeftanbeä  jur  3^it  ^^^ 
S^Iiefeung  ber  neuen  6^e  oerbunbenen  großen  proftifd^en  ©d^ioierigleiten  unb 
bie  Streitigfeiten  oermieben,  meldte  ftd^  aM  ber  faftifd^en  93crmifd^ung  ber  ju 
bem  Oefammtgutc  ber  fortgefcfeten  ©ütcrgemcinfdEiaft  gebörenben  Oegenftänbe 
mit  ben  ju  bem  SBermogen  ber  neuen  ©Regatten  gef)örenben  ©egenftänben 
ergeben  f onnen.  %üx  ben  ©tanbpunft  beö  ßntrourfcö  fällt  ferner  inö  ®miä)t, 
bafe  berfelbc  bem,  wenn  nid^t  in  ben  meiften,  fo  bod^  in  großen  Sted^tägebieten, 
indbefonbere  im  ©cbiete  beö  preuß.  31.  S.  $R.  II,  1  §§  18,  1001  ff.,  geltenben 
Redete  unb  iebenfoHö  überroiegenb  ber  ^rajiö  entfprid^t.  3luf  bie  feltenen 
goUe,  in  meldten  nod^  erfolgter  9luflöfung  ber  fortgcfeftten  Oütergemcinfd^oft 
iinb  naä)  erfolgter  Sluöeinanberfefeung  bie  beabfid^tigte  Sd^ticßung  ber  neuen 
6^  oon  Seiten  bes  Überlebenben  ©fiegotten  unterbleibt,  brandet  bcfonbere 
3lü(ffi(|t  nid^t  genommen  ju  werben,  um  fo  locniger,  als  berartige  J^älle  bei 
ber  Oeroo^ntieit,  bie  SluScinanberfe^ung  fd^on  vox  bcr  9Bicbcrt)er^eiratf|ung 
^erbeijufübren,  aud^  ol)ne  bie  Seftimmung  beö  §  1404  üorfommen  fönnten. 
Sin  Sebürfniß,  ben  ant^eilöbcred()tigten  3lbfömmlingcn  einen  befonberen  S^u^ 
gegen  bie  i^nen  in  golge  bcr  SBicbcroerl^eiratliung  beö  Überlebenben  ®t)cgatten 
bro^enben  faftifd^cn  ©cfal^rcn  ju  gemä^ren,  ift  jebod)  im  9lnfd&luffc  an  bie 
meiften  auf  bem  Soben  beö  ©ntrourfcö  ftel^cnbcn  SRed^tc  (oergl.  inöbefonbere 
prtuß.  31.  2.  9i.  II,  1  §  18)  nur  in  3lnfe^ung  minberjätirigcr  ober  bcoor* 
munbeter  abfommlinge  anjuerfenncn.  SBolliäl^rige,  nid&t  beoormunbete  3lb^ 
fömmlingc  finb  burcb  il|r  eigeneö  S^^tereffe  ocranlaßt,  fofort  nad&  ber  aBiebcr- 
wr^rat^ung  beö  Überlebenben  6f)cgatten  bie  il|nen  jur  ©id^enmg  ifirer  Siedete 
§u  ©ebotc  ftel^nben  aRaßregeln  ju  ergreifen,  mäl^renb  bei  SBormünbern  ber 
Sntrieb  bcö  eigenen  3ntercf[eö  fcl^lt  unb  bcö^atb  eine  ^inauöfd^iebung  ber 
äluöeinanberfeßung  jum  3lad^tl|eile  ilirer  3Jlünbel  weit  e^er  ju  beforgen  ift. 

Xa  na^  §  1403  3lr.  5  ber  überlebenbe  (S^egatte  bie  3luflöfung  ber  fort* 
gefetzten  ©ütergcmeinfd^aft  oud^  burd^  einfeitige  ®rflärung  ^erbcijufül^ren  im 
Stonbe  ift,  fo  ftoßt  bie  SJurd^fül^rung  ber  SJeftimmung  beö  §  1404  in 
Snfe^ung  ber  3luöeinanberfe|ung  unter  3luflöfung  bcr  fortgefefeten  ©ütcr*^^ 
gcmeinf^aft  aucb  für  ben  ^all,  rotnn  ber  überlebenbe  ©^cgatte  fic^  mit  ben 
XbfimmUngen  im  SBege  beö  SSertrageö  nid^t  ju  einigen  oermag,  auf  {eine 
Sc^ioierigfeitcn.  3n  einem  fold;en  gaUc  ^ot  ber  überlebenbe  6l)egattc  bie 
SuflSfung  ber  fortgefefeten  ©ütcrgcmcinfd^aft  nacb  3Kaßgabe  bcö  §  1403  3lx,  5 
iu  beimrten. 

^r  bie  feltenen  gälle,  in  meldten  trog  ber  SBorfc^riften  ber  §§  1404, 
1242  bie  neue  &)t  gcfd^loffcn  ift,  beoor  bie  Sluöeinanberfcfeung  erfolgte,  ift 
eine  »eitere  bcfonbere  Seftimmung  jum  Sd^uge  ber  3lbfömmlinge  nic^t  für 


^ 


472  gortgefe^tc  ©ütcrßemeinfd&aft.    Sluflöfunö.    §  1405. 

crforbcrlid^  erachtet.  3nßbcfonbcrc  liegt  ein  Sebürfnife,  in  fotd^en  gällen  ben 
SlMömmlingen  bie  2Baf)l  ju  loffen,  ob  fic  bie  äuöeinanberfefeung  auf  bet 
©runblagc  beß  SSermogcnßbeftanbeä  jur  Qtxt  bcr  ©inge^ung  ber  &)c  ober  bet 
fpätercn  ©(fti^tung  t)erlangen  rooHcn,  nic^t  üor. 

Sbenfotoenig  bcbarf  eö  befonbercr  Seftimmimgcn,  um  bie  ant^cife^ 
bered^tigten  minberiä^rigcn  ober  beoortnunbeten  SIbfömmlinge  wegen  beß  i^nen 
bei  ber  9lußeinanbcrfefeung  jugefaHenen  SBermogenß  gegenüber  bem  überlcbenben 
6f)egatten  ftd^er  ju  [teilen.  3n  biefer  ^inftd^t  reid^en  bie  allgemeinen  ©runb^ 
fäfec  in  33erbinbung  mit  ben  Seftimmungen  beß  Sled^teß  ber  elterlid^en  ©eroalt 
(^ergl.  §§  1547,  1550,  1558)  unb  beß  Sßormunbfd^aftßred^tcß  auß. 

3ft  bie  SÄuflofung  ber  fortgefcfeten  ©ütergemeinfd^aft  auß  anberen 
©rünben,  olß  wegen  Sd()lie6ung  einer  neuen  ©l)c  Don  ©eiten  beß  überlebenbcn 
©Regatten,  erfolgt,  fo  ift  für  ben  gall,  ha^  ber  überlebenbe  G^egatte  ber  gefeft* 
liä)t  SBertrctcr  eineß  ber  3lbfömmlinge  ift,  burd^  bie  Seftimmungcn  beß  §  1403 
3lx.  5  unb  beß  §  1738  3lbf.  2  außrcid^cnb  bafür  geforgt,  bofe  ia^  SJormunb^ 
fd^oftßgerid&t  üon  ber  3luftöfung  bcr  fortgefegten  ©ütergemcinf^aft  unocriügIid& 
Äcnntnife  befommt,  um  im  ^inblicfe  auf  bie  Seftimmungen  beß  §  1651  9lr.  1, 
ber  §§  1728, 1503  9lbf.  1  nad&  2ßa§gabe  beß  §  1738  aibf.  1  für  bie  Slnorbnung 
einer  ^flegfd^oft  forgen  ju  fönnen.  3ft  ber  überlebenbe  6l;egatte  nid^t  ber 
gefe^lid^e  SSertreter  eineß  gefd^äftßunfäl^igen  ober  in  ber  ©efd^äftßfö^igfeit 
bef darauf ten  Slbfommtingeß,  fo  roirb  baß  3ntereffe  beß  Ic^teren  bur^  bejfen 
33ormunb  nadi  9Jla§gabe  ber  allgemeinen  ©runbfäge  beß  55ormunbfd^aftdrec^tcö 
roalirgenommen. 

§  1405. 

'*«**^*»"«*  3)ie  grage,  ob  unb  inroieroeit  ber  überlebenbe  ©begatte,  außer  im  galle 

römm«nfle§,  feiucr  SBicbert)cr^eiratf)ung,  jur  2lbfd)id^tung  ber  Sfbfömmlingc  genöt^igt  roerben 
»i'Sngen^^^^"'  ^^^  ^^^  ^^  auf  bem  33oben  ber  fortgefeßten  ©ütergemeinfd^aft  im 
engeren  ©inne,  wie  üon  ben  auf  bem  83oben  ber  flonfolibation  ober  beß 
9llleinerbred)teö  beß  Überlebenben  ©Regatten  ftelienbcn  SRed^ten  fe^r  tjerfc^icbcn 
«eitcnbcs  beautmortet.  2Bä^renb  einäclne  9Icdf)tc  einen  fold^en  S^^^Q  i^^  ©(^id^tung, 
abgefel^en  uon  bem  §alle  ber  ©d)liegung  einer  neuen  ®f)e  von  Seiten  beß 
Überlebenben  ßf)egatten,  ganj  außfdf)tiegen  (fo  bie  JReddte  t)on  Srcmen  unb 
SBerben,  roenn  ber  ßf)cmann  ber  überlebenbe  3;^eil  ift  —  für  93remen  aller* 
bingß,  fooicl  ben  §all  ber  SJerfdiroenbung  betrifft,  nid[)t  unbcftritten  — ;  femer 
bie  Siedete  üon  SBurften,  ^ulba,  Grbad),  S3amberg,  S^^umau  unb  bie  auf  bem 
23oben  beß  9llleincrbred^teö  ftel^enben  bai)r.  Slcd^te^  mit  Slußna^me  ber  9le(ftte  oon 
SBürjburg,  Sd^roeinfurt  unb  ßaftell),  laffen  anberc  ?Wed^te  einen  fold^cn  Sn)ang 
JU  roegen  ®efät)rbung  ber  Siedete  ber  Üinber  burd^  9Jerfd^roenbung  ober  fc^led^tc 
SBirt^fd^aft  beß  überlebcnben  ©Regatten.  2)a^in  geboren  inßbefonbere  baß  lüb. 
Siedet,  bie  fd{)Ieöro.t)olft.  5Hed^te  (roenigftenß  für  ben  ^all,  ba§  bie  SRuttcr  ber 
überlebenbe  itl^eil  ift),  bie  SRed^te  oon  SBurften,  Sitte  Sanb,  Hamburg,  bie  9te^te 
üon  Bremen  unb  SSerben  (locnn  bie  SWutter  ber  überlebenbe  2^f|eil  ift),  bie 
lippe^betm.  aSerorbn.  v.  1786  §  21,  baß  meftfäl.  ©ef.  v.  16.  3lprit  1860  §  14 
9tr.  4  t)crglid)en  mit  preuf^  21.  2.  9t,  II,  2  §  256,  ferner  bie  Siebte   von 


gortflcfe^te  Oütcrflcmeinf^aft    auflöfung.    §  1405.  473 

güneburg,  Dßuabrürf,  SBürjburg,  ©d^iüeinf urt  unb  ©aftell  (oergl.  aud^  oönabr. 
Cntiö.  §  16  9h:.  2,  §  17 ;  c^rcnbrcitft.  ©ntn).  §  61).  SBon  cinjclnen  jener  Siedete 
(Cfinabrürf,  lippe^bctm.  SBerorbn.  ü.  1786  unb  mcftfäl.  ®ef.  t).  16.  2lpril  1860 
tjert.  mit  bcm  prcufe.  21.  2.  91.;  ebenfo  oönabr.  unb  el^renbreitft.  ©ntro.) 
toirb  iebod^  baö  Siedet  bcr  Slbfömmlinge,  wegen  fd^Ied^ter  SßirtJ^fd^Qft  bie  Slb- 
f(^i(^tung  ju  oerlangen,  t)on  einer  förmlid^en  ©ntmünbigung  rocgcn  SSer^^ 
ft^rocnbung  abhängig  gemocht.  SBicber  onbercn  Siedeten,  inäbefonbcre  i^n 
Setzten  üon  SBürjburg,  ©d^roeinfurt,  ©aftell,  liegt  ber  ©ebanfe  ju  ©runbe, 
bo§  bcn  Rinbcm  in  allen  gäüen  ein  JRed^t  auf  9lbfd^id^tung  juftel)!,  in  roeld^en 
o\)nt  fold^e  il|r  ©d^id^ttfjcit  gefä^rbet  wirb.  3m  ©injclnen  ftnb  aber  bie  SBor- 
auöfe|ungcn,  unter  weisen  eine  fold^e  Oeffil^rbung  anjune^men,  fc^r  oer- 
Wieben  bcftimmt.  ©o  ift  nad^  bcm  meftfäl.  ®ef.  t).  16.  9lpril  1860  §  14  3lr.  4 
ber  fibcrtcbenbe  ©fiegatte  jur  Slbfd^idjtung  üerpflid^tct,  raenn  gegen  if)n  —  er 
fei  ber  SBater  ober  bie  SKuttcr  —  fold)c  ©rünbe  üorlicgcn,  xotl6)t  nad^  bem 
prcufe.  a.  y.  31.  (II,  2  §§  255—258)  ben  «erluft  ber  T)äterlid)en  ©croalt  jur 
^olfle  ^aben.  ^lai)  bem  roeftfäl.  ®ef.  d.  16.  2lpril  1860  §  14  9U\  2,  3  ift  ben 
Äinbem  aufeerbem  baö  SRed^t,  bie  ©d^id^tung  ju  üerlangen,  beigelegt,  menn 
ber  übcricbcnbe  ß^cgatte  megen  9Baf)nfinneö  ober  Slöbfinneö  unter  SBormunb^ 
f(^aft  gefteUt  ober  if)m  wegen  feiner  2fbroefenf)eit  ein  SSormunb  beftellt  mirb 
(üergL  auc^  oönabr.  Gntro.  §  16;  e^rcnbreitft.  ©ntro.  §  61).  ^Jiod)  anbere 
^äfit,  j.  S5.  baö  lüb.  Siedet,  bie  fd^leäm.f)olft.  Siedete,  räumen  einem  ^b^ 
fommlinge  ol&ne  mcitere  SSorauSfe|ungen,  baö  9tedf)t,  bie  ©d()idötung  ju  »er? 
langen,  ein,  menn  er  ootljlä^rig  geworben  ift  ober  ftd^  t)ert)eiratt)ct  ober  fclb- 
ftänbig  beftgt. 

3)cr  6ntn)urf  ift  bei  ber  ©ntfdieibung  ber  ?5^age,  unter  meldten  ^ßorauö^^  ©tanbpunft 
fefungen  ben  Slbfommlingen  baö  Siedet,  bie  Sluftofung  bcr  fortgefegten  ©üter^:  (sntrourfes. 
gemeinfd^aft  ju  oertangcn,  bcijulcgcn  ift,  oon  bcnfclben  ©cfid^tspunften  auö-  smaiofiteber 
gegongen,  roetd&e  für  bie  33eftimmung  bcr  göDc  mafegebenb  gemefcn  finb,  in  ^^^^^^^J^^^^ 
welken  bie  ®f|efrau  bie  Sluflofung  ber  cl)eUd[|en  ®ütergemeinfd()aft  ju  forbern     f^att. 
bered^tigt  ift.    3luf  biefen  ©efid&töpunftcn  berutien  bie  ben  S3eftimmungcn  beö 
§  1372  entfprcd&cnbcn  SBorfd^riftcn  beö  §  1405  3lt.  1—4  (Dcrgl.  im  Uebrigcn 
bie  ajlotioe  ju  §  1372  oben  ©.  394  ff.).  3ene  ®efid[|töpunftc  muffen  anbererfeitö 
bo^in  führen,  ben  3lbfömmlingen  baö  Siedet,  bie  3luflöfung  bcr  fortgefegten 
6ütcrgemeinfcl>aft  ju  ücrlangen,  nid^t  aud^  bann  cinjuräumcn,  wenn  ber  übcr^ 
tebenbc  (Stternt^eil  —  abgefel^cn  t)on  bem  "^aUt  beö  §  1405  9?r.  4  —  unter 
Sormunbfd^aft  gefteUt  ober  eine  9Ibrocfcnl)eitöpflegfd^aft  über  fein  SScrmögcn 
ongeorbnet  ift.  (Sbenforoenig  mürbe  eö  mit  bcm  ^wtdc  bcr  fortgefegten  ®üter* 
gtmeinfd&aft  ücreinbar  fein,  bcr  33olliäl^rigfeit  ober  bcr  95crt)eiratf)ung  cineö 
HbBmmlingeö  einen  6influ§  auf  bie  fortgefeftte  ®ütcrgcmcinfd^aft  ju  gcftattcn. 
SJogegen  ift  neben  ben  im  §  1405  3lx.  1—4  bcftimmten  fällen  im  Snfc^luffc 
an  bie  fi^nli^c  Seftimmung  bcö  meftfät.  ®cf.  v.  16.  3lpril  1860  §  14  31t.  5 
als  fclbftönbiger  ®runb,  auö  n)eld[)em  ein  SÄbfömmting  bie  9luflöfung  bcr  fort* 
gefejten  ©ütergcmcinfd^aft  perlangen  fann,  bcr  ^all  anerfannt,  roenn  bcr 
überlebenbc  ©^cgatte  bie  clterlid^e  ®cmatt  über  ben  9lbfömmling  ücrroirft  tiat  ««lüirfunö 
(§§  1559,  1631  Stbf.  2).    ®ic  f ortgcfcgtc  ®ütergemeinfd&aft  bcruljt  auf  ber  ^'"(»l^a^t**" 
Soroudfeftung  cineö  normalen  Sßerl^ättniffcö  jmifd^cn  bcm  übertebenben  6^e* 


474  gcrtöcfcfete  ®üter0cnirinf(^ft.    auflöfunft.    §  1405. 

gotlen  unb  ben  SlbfommUngen.  ^iefe  SSorauöfegung  ffiUt  vocq,  loenn  bie 
clterlicj^c  ®cwalt  ocnoirft  ift.  3n  einem  folgen  gaDe  ift  bie  ©efa^r  be* 
grünbet,  bog  ber  übertebenbe  @^egatte  bei  ber  SSenoaltung  bed  ©efammtguted 
neben  feinem  eigenen  ^ntereffe  a\x6)  badjenige  ber  9[6f5mm(inge  nic^t  in  folget 
9lrt  berüdfid^tigen  werbe,  wie  bie  ©Iternpflic^t  eö  erforbcrt.  SQBer  in  folc^er 
Slrt,  wie  bieö  bei  3Sern)irfung  ber  elterlichen  ©eroalt  ber  %aU  ift,  bod 
^amilienbanb  jerriffen  ^ai,  fann  and)  bie  Derm5gendred^t(ic||en  Sort^eile  ni^t 
mel^r  in  Slnfprud^  nel^men,  roeld^e  bie  auf  jenem  ^amilienbanbe  berul^nbe 
fortgefegte  Oütergemeinfd^oft  gewährt.  ÜKit  ber  SScrroirfung  ber  elterlichen 
(Seroalt  foU  jebod^  bie  Stuflöfung  ber  fortgefegten  (Sütergemeinfci^aft  nid^t  traft 
bed  Oefegcö  eintreten.  Slbgefe^en  baoon,  ba§  biefer  gaD  ben  übrigen  im 
§  1405  beftimmten  gälten  na^c  perroanbt  ift,  ift  eö  t)om  Stonbpunfte  befi 
3ntereffeä  ber  3lbf ommlinge  auö  bebenf lic^,  fraft  beö  ©efegeö  jene  golge  eintreten 
ju  laffen,  ba  i^nen  oldbann  o§ne  i^ren  SBillen  ber  fünftige  6rroerb  be«  über? 
lebenben  ®l^egatten  entgeht  (§  1396  3lbf.  1).  3nt  "^oUe  ber  aSieberoer^cirat^ung 
beö  überlcbenben  ©Regatten  ift  bie  Sad&lage  infofern  eine  onbere,  ate  baö  (Se^ 
fammtgut  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd&aft  nur  ber  burd^  bie  frül^ere  &)t  bc* 
grünbeten  gamilic,  nid&t  ober  ald  roirtl^fc^oftlic^e  ©runblage  ber  neuen  6^e  5U 
bienen  bcftimmt  ift.  2)em  galle  ber  93crroirfung  ber  etterlid^en  ©croalt  ben  ber 
®ntjie^ung  ber  legteren  mit  3luöna^me  ber  elterlid&cn  Jtugniegung  burc^  bad 
SBormunbfd^aftsgerid^t  (§  1546)  gleid&juftellen,  ^at  ber  6ntrourf  namentlici^  um 
beöroillen  fflebenfen  getragen,  roeil  eine  fo  tiefgreifenbe  oermögcnöred^tlid^e 
golge,  roic  fie  mit  ber  9luflöfung  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  für  ben 
übcrlebcnben  6t)egatten  üerbunben  ift,  nod^  rocnigcr,  roie  ber  SSerluft  ber 
elterlid^en  ^tugniegung,  t)on  ber  @ntfd^eibung  beö  Siormunbfd^aftdgeric^teö  ab^ 
Ijängig  gemalt  rocrben  barf. 
sKirfung  be$  ^wcifelbaft  ift  bic  "Staat,  ob  bie  in  ben  gälten  beö  §  1405  2lbf.  1  ©on 

eines  «b,   einem  Slbfömmlingc  burd^  Urtl^eil  erroirftc  3Iuftöfung  ber  fortgefegten  ©üter* 

^^ni^mtn  fl^^^i'^f^)^f*  ^"^  fö^  ^"^  9^9^^  ^^^  anberen  3;^eil^aber  ber  fortgefegten 
urt^eiies.  ©ütergemcinfd&oft  roirffam  fein  foU.  3)er  ©ntrourf  l^at  fid^  für  bie  Seja^ung 
ber  grage  entfd()ieben  (§  1405  Slbf.  2).  ©egen  ben  ©tanbpunft  beö  ©ntrourfcö 
lägt  fic^  anführen,  bafe  ein  Urt^cil  grunbfäglid^  nur  für  unb  gegen  bie 
5jJarteien  roivft  (§  192),  bag  eine  2luöbelinung  biefer  SBirfung  für  unb 
gegen  bie  übrigen  ont^cilöbered&tigten  9lbfömmtinge  einerfeitö  eine  ^firte  gegen 
ben  überlcbenben  ®l|egatten  mit  fid()  bringen,  anbererfeitö  unter  Umftänben 
mit  bcm  3ntercf[e  ber  übrigen  3lbtömmlinge  in  SBiberftreit  ftclien  fann,  locnn 
bie  Icgteren  itircrfeitö  bie  3luflöfung  ber  fortgefegten  ©ütergemcinfc^aft  nic^t 
roünfd&cn.  gür  bie  Siegelung  beö  ©ntrourfeö  fommt  inbeffcn,  abgefe^n  Don 
ben  großen  prattifd&en  ©d^roierigfeiten  unb  SBerroidEetungcn,  roeld&c  mit  einer 
ftüdfrocifcn  2(ufI5fung  ber  fortgefegten  ©ütergcmcinfc^aft  oerbunbcn  finb,  ent* 
fd^cibenb  in  Setrad^t,  bog  bcm  9tecf)te  bcöjenigen  9lbt5mmlingeö,  roeld^er  bie 
Sluflöfung  ber  fortgefegten  ©ütergcmcinfcf)aft  Dcrlongen  fann,  nur  bann  in 
üottcm  Umfange  SRcdjuung  gelragen  roirb,  rocnn  bie  3luflöfung  ber  fortgefegten 
©ütergemeinfd^aft  anä)  in  3lnfe^ung  ber  übrigen  2lbfommlinge  eintritt.  3nö* 
befonberc  l)at  berfclbe  rocgen  feincö  6rb^  unb  5ßflid^tt|ieitred^tcö  gegenüber  bem 
überlcbenben  S^egotten  unb  roegen  feincö  ©rbre^tcö  gegenüber  ben  anberen 


gortflefefete  ®ütcrflemeinf*aft.   Sluflöfunfl.   Ste(j&t8t?er]6ältm6.  §1406.       475 

Sttfommlingcn  ein  gntercjjc  baran,  ba§  nid^t  bcr  fünfttgc  ©rroerb  bcfi  übcr^^ 
Icbcnben  g^cgatten  in  boö  ©cfammtgut  bcr  mit  ben  übrigen  2lbfömntlingcn 
förlgefeftten  ©ütergcmeinfd^Qft  fällt  (§  1396  3lbf.  1)  unb  ba^  nid^t  bcr  Slnt^cil 
dited  ocrftorbenen  Slbfommlingeö  oUein  ben  2:^cill^abcrn  an  bcr  fortgefegten 
©ütergemcinfd^aft  anroäd&ft  (§  1397  3lbf.  2).  S)ie  gänjUd&e  Sluflöfung  bcr 
fortgefeften  ©ütergemnnfd^aft  liegt  aud&  infofem  im  3ntereffc  bcr  übrigen 
StHömmlingc,  afe  biefelbcn  bei  biefer  ^rt  ber  Siegelung  in  bcr  Soge  fmb, 
nic^t  allein  in  bcm  SRed^töftreite  bcö  einen  9lbfömmlingeö  gegen  ben  über* 
kbenben  ©Regatten  auf  Sluflöfung  ber  fortgefegten  Oütcrgcmeinfd^aft  na6) 
3Ra§gabe  beö  §  66  ber  6.  %  D.  alß  Sntcroenicnlen  in  ber  Stellung  oon 
Streitgenoffen  aufjutreten,  fonbern  aud&  bei  ber  Sluöeinanbcrfegung  roegen  bcö 
©efammtguteö  felbftänbig  il^re  SRcd^tc  ju  pertreten,  roäl^renb  üon  bem  entgegen* 
gefegten  ©tanbpunfte  ouö  bic  (Scltcnbmac^ung  i^rer  Siedete  gegenüber  bem 
avA  ber  ©emeinfc^aft  auöfd&eibenben  Slbfömmtinge  bem  überlebenben  ©Regatten 
in  berfelben  SBcifc,  mie  bei  ber  ätuöeinanbcrfegung  mit  ben  einfeitigen  älb* 
ßmtnlingen  beß  ©rblafferö  (§  1394)  übertaffen  werben  müßte. 


§  140f;. 

S)ic  Sinologie  ber  el)clid^en  (Sütcrgemeinfc^aft,  meldte  für  bic  Ocftaltuug  »tec^töwr. 
bc«  aied^tgüerl&öltniffeö  ber  fortgefegten  ©ütcrgcmcinfd^aft  roäl)renb  Scftcl^enä  beSöS. 
ber  legteren  mafegebenb  geroefen  ift,  fü^rt  ba^in,  aud&  ba^  nad&  9luf(öfung  bcr 
fortgefegten  ©ütcrgemeinfd^aft  cintretenbe  SRcd&töoer^Qltnife  grunbfäglid^  nad& 
jener  Analogie  5u  geftalten  (§  1406  5lbf.  1).  2)arouö  in  SSerbinbung  mit  .^ftunu 
§  1384  abf.  1  Sag  3,  §  1399  3lbf.  1  unb  §  1352  3lbf.  3  ergiebt  ric^Tiamm'r 
indbefonbere,  bofe  bic  9lbf5mmlinge  oud^  nad^  Sluflofung  bcr  fortgefegten  ^^^^^'^^ 
©fitergemeinfd^aft  für  bie  ©efammtgutöücrbinblid^fciten  nid()t  pcrfönlid^  haften 
unb  büß  fie  nad^  erfolgter  Sluöeinanberfcgung  roegen  bcö  Oefammtgutcö  bcr 
fortgefegten  ®ütergemeinfd&aft  oon  ben  ©cfammtgutöglöubigcrn  aud^  nid&t  nad& 
Ser^oltnife  bedienigen,  mos  fie  bei  ber  2^t)citung  aus  bcm  (Sefammtgute  crlialtcn 
^ben,  bis  jum  Seloufe  beö  ®mpfangencn  in  3lnfprud^  genommen  merbcn 
fonnen.  S)ie  Ocfammtgutögläubiger  fönnen  fid&,  foroeit  i^re  SSefriebigung  nid)t 
bei  ber  Suöeinanberfegung  nad^  2Ra§gabe  beß  §  1406  3lbf.  1  ücrb.  mit  §  1377 
Sbf.  1  ouö  bem  ©cfommtgutc  erfolgt  ift,  lebiglidE)  an  ben  überlebenben  ®I)e* 
gatten  bcjm.  beffen  ©rben  galten  unb,  fofern  bie  9lbfömmlingc  ctroa  bei  bcr 
Suöcinanbcrfegung  ju  üiel  erhalten  ^obcn  follten,  fid^  nur  ben  bieferl)alb  bem 
überlebenben  ©Regatten  etma  gegen  bie  9lbf  ömmlingc  juftcl)enbeu  SScrcidbcrungö- 
anfprud^  im  SBege  bcr  3wangßDoUftrcdEung  übenocifen  laffen.  3lnIongenb  ba^ 
befte^enbe  SRec^t,  fo  ftimmen  alle  SRed&tc  barin  übercin,  baß  üor  bcr  SC^eilung 
bie  auf  bem  ©efommtgute  rulienbcn  ©d^utben  junäd^ft  auß  bem  ©efammtgutc 
iu  berid^tigen  pnb.  dagegen  fe^It  cß  mciftcnß  an  außbrüdElid^cn  Scftimmungcn 
borüber,  roie  fid^  baß  55crl|ältni6  gegenüber  ben  ©(äubigem  gcftaltct,  wenn 
unb  foweit  boß  ©efammtgut  ol^ne  Dorgängige  33eridf)tigung  ber  barauf  l)aftenbcn 
S^ulbcn  gct^eilt  ift.  ©injelnc  SRed^tc,  j.  33.  baß  Siecht  üon  Dßnabrücf,  ftcl)cn 
in  biefer  Sejiel^ung  auf  bem  Stanbpunfte  beß  ©ntrourfcß,  naä)  anbercn  SIedjtcn, 
j.  9.  ben  Siedeten  üon  gulba,  Tlcvpcn,  S3rcmcn,  ^Serben,  Hamburg,  wirb. 


476       gortcjefc^tc  ®ütergcmcinf(^aft.   Slufröfunfl.   8*cd&tgücr5altni§.  §1406. 

njcnigftcnä  in  gcroijfcn  gällcn  bciw.  in  Slnfc^ung  gcraiffer  ©d^ulbcn,  eine  »er^ 
j^öltnifemäfeige  Haftung  ber  aibfommlingc  mit  bcmjenigen,  roaä  fie  bei  ber 
Stlieilung  auö  bcm  Oefammtgitte  empfangen  liaben,  angenommen,  nad^  einigen 
jener  SRcd^te  inbeffcn  nur  [ubjibiär.  2)ic  ^ier  einfd^(agenben  SBcftimmungen  beft 
meftfäl.  @ef.  ü.  16.  3lpril  1860  §  18,  meldten  ber  efirenbreitft.  entro.  §  58  unb 
ber  oönabr.  ©ntro.  §  20  fid&  angefcftloffen  \)ahtn,  finb  bereits  in  ben  SHotiDen 
p  §  1384  oben  ©.  431  mitgetf)eilt 

S)ie  ©rünbe,  welche  ju  ber  Scftimmung  beß  §  1384  Slbf.  1  Soft  3 
gefüfjrt  l^aben,  ba^  bic  Slbfömmlinge  megen  i^rer  auö  bem  ©intritte  ber  fort^ 
gefegten  (Sütergemeinfdiaft  fi^  ergebenben  9led&te  perfonlid^  meber  für  bic 
93crbinblicf)feiten  bcö  üerftorbenen  ©Regatten  nod)  für  bie  SBerbinblid&fcitcn  bcö 
Überlebenben  @f)egatten  Mafien,  unb  jmar  für  bie  (enteren  aud^  bann  ni^t, 
mcnn  biefelben  in  SÄuöübung  beö  bem  überlebcnben  ©Regatten  in  Sfnfe^ung 
beö  ®cfammtguteö  juftel)cnben  SSermaltungöred^teä  eingegangen  fxnb  (§  1399 
2lbf.  1  nerb.  mit  §  1352  SIbf.  3),  fomie  bie  ®rünbe,  auö  roeld&en  ber  ©ntrourf 
nac^  Sluflöfung  ber  etielid^en  ©ütcrgemeinfdE)aft  unb  nad&  erfolgter  S^^eilung 
beö  el)elid^en  Ocfammtguteö  eine  Haftung  ber  ©^efrau  gegenüber  ben  ©cfammt? 
gutögläubigcrn,  roeldjen  fie  nic^t  aus  einem  anberen  Orunbe  —  abgcfe^cn  Don 
ber  (Sütergemeinfcbaft  —  perfönlid)  T)erl)aftet  ift,  nid^t  anerfannt  l^at,  treffen 
in  gleid^er  JBeife  aud^  für  baö  nadi  9Iuflöfung  ber  fortgefe^ten  ©ütergemeinft^aft 
eintretenbe  SReditöüerpltniS  iu  (nergl.  bie  äug.  aWotioe  ju  §§  1373—1380 
oben  e.  404  ff.,  bie  SWotioe  ju  §  1384  oben  S.  431  ff.  unb  bie  3Rotit)e  ju 
§  1399  oben  ©.  463  ff.). 

l^^^^iT  ^^^  ^^^  ^^^  el)elid&en  ©ütergemcinfd&aft  ber  Seemann  gegenüber  ber 

ber      Gf)cfrau,  fo  mufe  aus  gleid&en  (Srünben  bei  ber  fortgefefftcn  ©ütergemeim 

**?inanCr"  ^^^^^  ^^^  überfebenbe  Gf)egatte  auc^  gegenüber  ben  5Äbfömmlingen  bic  ©inbuge 
'  allein  tragen  (oergl.  bie  äWotine  ju  §  1380  oben  ®.  416).  ^nforocit  ift 
bic  ©tcDung  ber  9tbfommlinge  gegenüber  bem  überlebcnben  G^egattcn  eine 
nod^  günftigerc,  roie  bie  ber  ©öcfrau  gegenüber  bcm  (gljcmannc,  als  bic  3fb* 
fömmlingc  aud^  in  9lnfet)ung  folcber  SScrbinblid^fcitcn,  meldte  il^ncn  gegenüber 
bcm  ©cfammtgute  ber  fortgefegten  (Sütcrgcmeinfd&aft  obliegen  ober  im  5Bcr» 
fjältniffc  bcs  über(ebenben  ©Regatten  unb  ber  3lbfömmHnge  ju  einanbcr  ben 
Icgtcren  jur  Saft  fallen,  bcm  überlebcnben  Gtjcgattcn  nid[|t  perfönlid^  ^aftcn, 
fonbern  nur  ücrpflid&tct  finb,  fid^  ben  Setrag  bcrfelbcn  auf  ben  i^nen  ge^ 
büf)renbcn  ^()cil  bcs  OcfammtgutcS  anred^ncn  ju  laffcn  (ücrgl.  §  1400  SSbf.  3, 4, 
§§  1402,  1406  3Ibf.  4,  6).  3)icfe  93cfd^ränhing  bcrul)t  borouf,  baft  bie 
fämmtlit^cn  SBcrbinblidifciten  ber  \)\cx  fraglid&cn  3lrt  Icbiglid^  folc^e  ftnb, 
xodä)c  aus  ber  '^^crfon  beS  ücrftorbcncn  ©f)cgattcn  ftammen,  gegen  eine  per* 
fönlid)c  .'paftung  rocgcn  biefer  33crbinblicftfcitcn  aber  bie  31bt5mmlinge  in 
^olgc  bcs  Gintrittes  ber  fortgefegten  @ütcrgemeinfd&aft  aus  ben  in  ben 
SRotiücn  5u  §  1384  oben  S.  431  ff.  bargcicgtcn  ©rünben  unbebingt  gef^fift 
mcrbcn  muffen. 

gBcnnglcid)  im  §  1406  9Ibf.  1  ber  §  1380  nid^t  mit  aDcgirt  ift,  fo  ifk 
bod)  mit  Stüctfid&t  barauf,  bafe  in  bem  für  cntfprcd^cnb  anroenbbar  crHorten 
§  1376  aud)  ber  §  L380  angcjogcn  ift,  jur  SScrmeibung  non  aKifeocrftänb* 
niffen  im  §  1406  9(bf.  6  ber  §  1380  ausbrücffic^  für  nid&t  anroenbbar  erfKrt 


gortgefcfttc  ®ütcröcmcinf(5aft.  «uflofunfl.  3?cd6tgbcrl)altm§.   §1406.       477 

3m  Ucbrigen  ift  jum  §  1406  noäi  golgcnbc«  ju  bcmcrfcn: 

1.  Sfnlangenb  bic  cntfpred^cnbc  3lnu)cnbung  bcö  §  1377  2lbf.  1 ,  fo  ift  »eri<^tiflunfl 
bei  ber  fortgcfcfetcn  ©ütcrgcmcinfd^oft  bic  ©ad^Iogc  aUcrbingö  infofern  eine  fl"tfw?S' 
anbete,  ote  bic  bei  ber  Scftimmung  be«  §  1377  Slbf.  1  in  SBetrod^t  gejqgene   "*'«**f"- 
Küdfi^t  auf  bie  Sid^crung  ber  ß^efrau  gegen  bic  S^anfpruc^no^me  wegen 

fol^er  Ocfammtgutöocrbinblid^feiten,  für  welche  fie  perfönlid^  fiaftet,  bei  ber 
fottgefe^ten  (Sütcrgcmcinfc^aft  roegfäDt,  weil  bei  biefer  bie  3lbfömmlingc  für 
©efammtgutöoerbinblic^fciten  ben  ©laubigem  niemals  perfönlid^  tiaften.  ©ö 
Bnnte  beö^alb  in  grage  fommen,  ob  efi  fid^  nic^t  im  Sntercjfe  größerer 
Sic^ng  bed  fibcriebenben  ©f)egatten  unb  aud  ben  übrigen  in  ben  3Rotiüen  ju 
§  1377  oben  ©.  410  ff.  fjerüorge^obcnen  ©efid^töpunften  empfehlen  mürbe,  bie 
33c|ilimmung  beö  §  1377  3Ibf.  1  burd^  bie  SBorfc^rift  ju  erfegen,  bafe  an  ©teile  ber 
öcrit^tigung  ber  Oefammtgutöoerbinblid^feiten  l)ier  bie  Ueberroeifung  berfelben 
an  ben  übcrlebenben  6l)egatten  tritt.  ®egen  eine  folciie  Siegelung  fpred^en 
inbejfen  bie  übrigen  in  ben  2Rotit)en  ju  §  1377  geltenb  gcmad^ten,  aud^  ^ier 
jutreffcnbcn  ©rünbe,  mcld&c  bem  tl)atfäcl>lic^cn  Sntercfie  ber  ß^efrau  an  ber 
Seriditigung  ber  ©cfammtgutöoerbinblid^feiten  unb  bem  3nterefje  ber  (Se- 
fammtgutdgläubigcr  entnommen  finb.  DI)ne  bie  jroingenbften  (Srünbc  fann  eine 
oerfd^icbene  rcd^tlic^c  Sc^anblung  einanber  fo  nal)eftet)enber  göUe  jubem  im 
3ntereRc  ber  ©infad^^cit  beö  ©efefeeß  ate  angemeffen  nid^t  erad&tet  merben. 

2.  3^  Uebereinftimmung  mit   ber  großen  SKe^rjal)!  ber  beftcl^enbcn  x^eiiunfl«. 
3le(^c,  fomo^t  ber  auf  bem  Soben  ber  fortgefegten  (Sütergemeinfd^aft  im  engeren  '**'^*^*"' ' 
Smnc  ate  ber  auf  bem  33obcn  ber  Jlonfolibation  ober  beö  9lUeinerbrec^tcö  bcö 
überkbcnben  ©Regatten  ftetienben  SRed&tc  (lüb,  9lcd^t,  Sdöleön)ig:j^oIftein,  ^am^ 

bürg,  Sremen,  35erben,  Süneburg,  Sllte  Sanb,  ajlünfter,  fabeln,  ^ilbeä^eim, 
Ofinobrüd,  Singen,  SBent^eim,  lippe-bctm.  SBerorbn.  v.  1786  §  22,  roeftfäl.  ®ef. 
0. 16.  2lprit  1860  §  15,  gulba,  ®rbad),  ©igmaringen,  Samberg,  2:^urnau, 
ftoufbcuren,  SBinbölieim,  6icl>ftäbt,  5ßappenl|eim,  5Bürjburg,  ©aftell,  ©d^roein* 
fürt;  oergl.  au^  odnabr.  ®ntro.  §  17;  e^renbreitft.  ®ntn).  §  62;  toürttcmb. 
ßtttro.  §§  301,  309)  unb  entfpred^enb  bem  SBefen  ber  fortgefegten  (Sütergemein^^ 
fc^aft  ate  einer  ©emeinfd^aft  auf  (Sebci^  unb  SSerberb  get)t  ber  ©utmurf  baoon 
aus,  bafe  bei  ber  2^^citung  beö  ©efammtguteö  ber  ben  3lbfömmlingen  gc^ 
bü^renbc  Slnt^eil  an  bem  Oefammtgute  nadd  bem  33ermögenöjuftanbe  5ur  3cit 
ber  S^eilung  fcftgefegt  mirb.  2lte  9lnt^eil  ber  3lbfömmlinge  an  bem  63cfammt* 
gute  bcftimmt  aber  ber  §  1406  3lbf.  2  bie  §älftc  pon  bemienigen,  maö  üon 
bem  ©efammtgute  nad^  Öerid^tigung  ber  ®efammtgutöt)erbinblid)feiten  übrig 
bleibt,  nm^renb  bie  anbere  $älfte  bem  überlebenben  ©Regatten  jufällt.  2)ie 
SejHmmungen  ber  befte^enben  SRcd^te  über  baö  2:i)eilungöoerf|ältni6  finb  fetir 
Derfd^iebcn.  S^^eilfi  beftimmen  fie,  wie  ber  ßntrourf,  ^albtt)eilung  jmifd^en 
bem  fibcriebenben  (S^egatten  einerfeitö  unb  ben  Slbfömmlingen  anbererfeitö, 
t^eite  Äopft^eilung  unter  ben  fämmttid^en  Snterejfenten  beö  ©efammtguteö, 
t^eilö  finbcn,  je  nac^bem  ber  SSater  ober  bie  3Jlutter  ber  überlebcnbe  Xl)dl  ift, 
ober  \t  nadf  ber  änja^I  ber  Äinber  ücrfd^iebenc  Orunbfäge  ftatt.  3lad)  anberen 
Setzten  erfolgt  feine  SCI^eilung  bcö  ©efammtguteö  nad^  S3rud)t^cilen,  fonbern 
nur  eine  5Kb^nbung  ber  Äinber  unter  SScrüdfid^tigung  bcö  üon  bem  juerft 
i>erftorbcncn  eijegatten  eingcbrad^ten  SBermögenö  ober  beö  oorl^anbencn  ©c- 


478       gortöcfet;te  ®ütcröcmeinf(6aft.   auflöfung.   ?Re(6t5öer6älhii§.   §1406. 

famtntgutc«.  ©injcine  Siedete  ftcUen  ferner  neben  ber  2:^eUun8  nad^  Srud^« 
ti)ei(en  bem  übertebenben  ©Regatten  bie  b(oge  3(bt^ei[ung  ber  Jtinber  üon  bem 
Vermögen  bcs  Derftorbcnen  ©Regatten  (fog.  ^artialt^eilung)  jur  SBa^l.  Uebers 
njiegenb  fte^t  inbeffen  boö  gcitenbe  Siedet  auf  bem  93oben  ber  ^albt^eilung. 
©ö  geboren  ba^in  namentUd^  von  ben  SRed^tcn  mit  fortgcfeftter  Oütcrgemein* 
fd^oft  im  engeren  Sinne  bad  lüb.  Stecht  oerfd^icbene  fci^ledm.^olft.  unb  l)Qnnoo. 
Siedete,  bie  lippe^^betm.  SSerorbn.  v.  1786  §  22,  baä  roeftfäl.  ©efefe  v.  16.  Xpril 
1860  §  15,  bie  9?ed^tc  üon  ®rbad^,  ©igmaringen,  2^^urnau,  femer  Don  ben 
JRed^ten  mit  Konfolibation  unb  2lÜeinerbred^t  beö  überlebenben  ©Regatten  bie 
Siedete  Don  Dönobrücf,  ^ßoppen^eim,  SBinbßl^eim  unb  mit  geroiffen  3Bobififti« 
tionen  bie  Siedete  üon  Jlaufbeuren  unb  ©id^ftfibt  (oergL  aud^  oönabr.  ©ntro. 
§§  9,  17;  e^renbreitft.  ©ntro.  §  50;  TOürttemb.  ©ntro.  §  309).  9lad^  cinjelncn 
bicfer  SRcd&te,  }.  33.  bem  Siedete  Don  SBinböl^eim  (oergl.  auc^  mürttemb.  ©ntro. 
§  309),  erhält  jebod^  ber  überfebenbc  Ehegatte  üon  ber  ben  Äinbern  jufallenben 
»Raffte  Äinbefitl)eil  ober  ben  fonft  i^m  neben  Äinbern  jufommenben  ©rb* 
t^eil.  Sic  ^Qlbtf)eilung  jroifc^en  bem  überlebenbcn  ©Regatten  einerfeits  unb 
ben  Sfbfömmlingcn  onbererfeits  entfpric^t  bem  (Sebanlcn  beö  ©ntrourfcfi,  baft 
ber  Sfnt^cil  ber  festeren  an  bem  (Sefammtgute  ber  fortgefefttcn  ©ütergemcin* 
fc^aft  materiell  ber  ©rfatf  fein  foll  für  i^r  gefefclid&eö  ©rbrecftt  an  bem  jum 
3fod^Iaffc  beö  t)crftorbcnen  ©Regatten  ge^örenben  Oefammtgutöont^eile.  9lur 
infofern  erleibet  biefer  ®ebanfe  eine  5Kobififation,  alö  im  ^[nfd^Iuffe  an  bie 
große  9ßc^rja^I  ber  beftcl^enben  Sled&te  baö  bem  übertebenben  ©fiegatten  neben 
bem  3lbfömmlinge  gefcglid^  juftel^enbc  ©rbrcd^t  ju  ein  SSiertel  ben  gemein* 
fd^aftlid^en  Slbfommlingen  gegenüber  bei  ber  2^^eilung  beö  ©efommtgutcö 
unberüdEfid^tigt  bleiben  foU.  3)aö  preufe.  91.  S.  SR.  II,  1  §  639  giebt  ben  SCb* 
fommlingcn  fogar  —  abroeid^enb  Don  bem  gemeinen  gefeglid^en  ©rbrec^te 
(ir,  1  §§  623,  624)  —  bie  t)oUe  ^ölfte  beö  elieli^en  ®efammtgutcö,  obwohl 
baöfelbe  bem  überlebenben  ©l^egatten  ein  9?ed&t  auf  bie  fortgefe|te  ©üter« 
gemeinfd&aft  nic^t  einräumt.  9Bic  in  ben  SBotioen  ju  §  1384  oben  ®.  434  bereit« 
f^eroorgel^obcn  mürbe,  ftellt  fid^  bie  9lid^tberüctiid^tigung  beö  gefeßli^en  ©rb^ 
rcd^teö  beö  überlebenben  ©Regatten  in  Slnfe^ung  beö  jum  3lai)laf\c  beö  oer* 
ftorbenen  ©Regatten  gefiörenben  ©efammtgutöant^eücö  a(ö  eine  billige  Xuö^ 
gleid^ung  bafür  bar,  bag  bie  gemeinfd^aft(id^en  Stbfömmlinge  i^ren  ©rbt^U 
nid^t  fofort  mit  bem  3:^obe  beö  oerftorbenen  ©Regatten,  fonbern  erft  na(^  Stuf* 
löfung  ber  fortgefefeten  Oütcrgemeinfd&aft  erhalten,  eine  Sluögleid^ung,  meb^fc 
anbererfeitö  ben  überlebenben  ©Regatten  nid^t  befd^roert,  weil  er  cö  nad^  §  1386 
in  ber  ßanb  ^at,  bie  gütergemeinfd^aftlid^e  ©rbfolgc  mit  ber  SBirfung  auö* 
5ufd&Iagen,  bafe  bie  gefe^lid^e  ©rbfolge  eintritt.  8BenngIei(^  bie  Seftimmung 
bcö  §  1406  3lbf.  2  fdion  auö  §  1406  9lbf.  1  in  »erbinbung  mit  §  1377  «bf.  2 
fiergelcitct  merben  fann,  fo  ift  eö  bod^  im  3ntereffe  ber  S)eutlid&feit  beö  ®efc(eö 
ate  ratljfam  erad^tct,  jene  33eftimmung  aufjunel^men,  um  namentlich  bem  SHife^ 
üerftänbniffe  entgcgenjutreten,  ba^  jiDifd^en  bem  überlebenbcn  ©begottcn  unb 
ben  gemcinfd^aftlid^en  Slbfommlingen  nad^  Jlopft^eilen  getl^cilt  werbe. 
«onfurrenj  gjon  bcm  ^riujipc  ber  §al6t^eilung  ^at  ber  ©ntrourf  oud^  für  ben  gall 

9i6ömmHnge  fciuc  Sluöna^mc  gcma^t,  wenn  neben  bem  überlebenben  ©Regatten  einfeitige 
be««rMaff€r».  2[5{5nitnlinge  beö  ©rblaRerö  ben  Unteren  mitbeerbt  ^aben.    ^ie  Äonfequenj 


gortgefe^tc  ®ütec9cmcinfd&aft.   «ufröfung.    ?Re(6t8ücr5drtm§.   §1406.       479 

bc«  ©cbanfcnfi,  bafe  bic  gcmcinfd^aftlic^cn  Slbfömmlingc  materiell  badjenigc 
erhalten  foBcn,  toaö  fie  oon  bcm  e^cHd^cn  ©efammtgute  als  ©efefecficrben 
bed  ©erftorbenen  6f|cgattcn  erl^altcn  fjoben  mürben,  würbe  aUerbingö  ba^in 
fu^,  bofe  in  bem  bcjeid^neten  gälte  bei  ber  2;ijeilung  beö  ©efammtgutcö  bcr 
fortgefefttcn  ©ütergemeinfd^aft  bie  ©roge  bes  ben  gemcinfc^oftlic^en  3n)f5mm^ 
fingen  iufommenben  Slntl^eiles  pd^  burd^  boö  SSer^äftnig  beftimmen  mü§te,  in 
©etd&cm  ber  nad^  äbjug  beö  ben  einseitigen  Slbfommlingcn  jugefoHenen  2:^eiled 
brt  ©efammtguteö  uerbleibcnbe  3;^eil  ber  ^ölfte  beßfclben  ju  ber  anbcren 
^Qlfte  fianb.  ®egen  eine  berartige  Siegelung  fpred^en  inbeffen  überroiegenbe 
©tünbc.  aSie  cö  im  SBefen  ber  allgemeinen  elielid^en  (Sütergemeinf^aft  liegt, 
boB  nac^  äuflofung  ber  lefeteren  ba&  elielid^e  ©efammtgut  iebem  ber  ©Regatten 
jur  §Älfte  iufällt,  aud^  wenn  ber  eine  6l|egatte  weniger  alö  ber  anbere  in 
bic  ©emeinfd^aft  eingebrad^t  I|at,  [o  entfprid^t  eö  aud^  bem  SBefen  ber  fort* 
gefegten  ©ütergemeinfd^aft,  ba§  nad^  9luflofung  ber  lefeteren  baß  ©efammtgut 
ber  fortgefe|ten  ©ütergemeinfcftaft  unter  bem  Überlebenben  ©Regatten  einerfeitö 
tinb  ben  gemcinfd^aftlid^en  Slbfömmlingen  anbererfeitö  nad^  Hälften  getfieilt 
©irb,  wenngleich  in  golge  befi  aKiterbred^teö  einfeitigcr  3lbfömmlinge  beö  wer« 
jlarbenen  ©Regatten  ber  Slnt^eil  ber  gemeinfd^aftlic^en  Slbtommlinge  an  bem 
jur  3rit  beö  S^obeö  beö  6rblafferö  üorl^onbenen  ©cfammtgute  weniger  alö  bie 
^Ifte  beö  te|teren  betrögt,  roäl^renb  bem  Überlebenben  ©Regatten  bie  ^älfte 
beöfelben  Iroft  eigenen  SRed^teö  jufte^t.  9Bie  bie  9iid^tberüctrid^tigung  beö  bem 
ttbertebenben  ©Regatten  neben  ben  gemeinfd^aftlid^en  5lbfömmlingen  nadd  ^^^ 
gefejlid^en  Erbfolge  juftel^enben  ©rbred^teö,  fo  ift  aud&  bie  $Rid&tberüdErid^tigung 
be«  ben  cinfeitigcn  Slbfömmlingen  jugefallenen  2:^eileö  beö  efjelid^en  ©efammt* 
guteö  eine  billige  Suögleid^ung  bafür,  bafe  ben  gemeinfd^aftlid^en  9lbfömm:^ 
lingen  burc^  bie  fortgefefete  ©ütergemeinfc^aft  baö  ©rb*  unb  5ßfl[id^tt^eilöred^t 
gegenüber  bcm  oerftorbenen  ©Regatten  entjogen  ifi  unb  fie  moteriell  il^ren 
Srbt^il  an  bem  jum  SJad&laffc  beöfelben  gel^örenben  ©efammtgutöantl^eile  erft  bei 
Suftofung  bcr  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^aft  erl^alten.  ®iefe  Sluögleid^ung  ift 
um  fo  billiger,  alö  bie  gemeinfd^aftlic^en  Slbfommlinge  in  golgc  ber  fort^ 
gefefftcn  ©ütergemeinfc^aft  ber  ©efa^r  auögefefet  pnb,  bei  eintretenber  35er« 
minbcrung  beö  ©efommtguteö  weniger  ju  erhalten,  alö  bie  einfeitigen  9lbfömm« 
lingc  ®iefe  ©efal^r  wirb  wenigftenö  oerminbcrt,  wenn  bei  ber  bemnäd^ftigen 
iuöcinanbcrfeftung  baö  ©efammtgut  nad^  §älften  get^eilt  wirb.  3)iefe  9lrt 
ber  2^lung  tann  aud^  nid^t  alö  eine  UnbiUigfeit  gegen  ben  Überlebenben 
Chatten  angcfe^  werben,  ba  berfelbc  bic  9Ba^l  jwifc^en  bem  gütergemein« 
f^i^aftlu^en  unb  bcm  gefefelid^en  ©rbred^te  ^at  (§  1386)  unb  jubem  bie  all« 
gemeine  ©ütergcmcinfddaft  nur  auf  ©runb  eineö  Sßcrtrageö  eintritt,  jeber  ber 
^^attcn  mithin  in  ber  Sage  ift,  fic^  gegen  bie  il)m  auö  bem  SBor^anbenfein 
einfeitigcr  Slbfommlinge  beö  anberen  ei)egatten  bro^enben  SRod^ttieile  burcfe 
geeignete  SBcrtragöbeftimmungen,  j.  33.  baburd^,  bafe  ein  Stficil  feineö  SSermögenö 
für  SSorbe^altögut  erllärt  wirb,  ju  fiebern,  wö^renb  bie  Slbfommlinge  fid)  nid^t 
in  bcr  glcid^  Sage  befinben.  gerner  fommt  in  33etrad{)t,  bafe  bie  SBerüct« 
Rc^tigung  bcfi  ben  einfeitigen  Slbfömmlingen  jugefallenen  SC^cileö  beö  etielid&en 
(Befammtgutcö  bei  ber  33eftimmung  beö  9lntt)eileö  ber  gemeinfd^aftlidjen 
Ibfömmlinge  an  bem  ©cfammtgute  ber  fortgefeftten  ©ütergemeinfd^aft  baö 


480       gortöe[c^tc  ®ütcrocmcmf(5aft  Sluflöfunfl.   gte(5t«t>eröältni6.   §1406. 

aScrfiältnife  fompUjirt  unb  namcntUd^  bann  ju  bcn  größten  praftif^cn 
©d^roicrigfcitcn  fü^rt,  wenn  ber  Slntl^eil  bcr  93ortinbcr  in  golgc  bcr  ©runb^ 
föge  über  bie  ÄoHation  ntd^t  bem  SBcr^ältniffe  xfyct^  gefcftUd^cn  ©rbt^cilcö 
cntfprid^t,  fonbcm  burd^  baö  SScrJ^ältnife  auögcbrücft  werben  muß,  in  toeld^em 
bcr  il^nen  jufommenbe  5Bertf|betrag  ju  bcm  aBcrtl^betrage  beö  ©efammtgute« 
ftel)t.  ®q6  bcr  übcricbenbe  ©begatte  wegen  ber  mit  ber  ^albt^eilung  in  bem 
^ier  fragtid^en  gaUc  Dcrbunbcncn  33enac^tl^ei(igung  in  SBerbinbung  mit  ber 
9lid^tberüctfid^tigung  feines  gefefelid&cn  ®rbt^ei(eö  ju  ein  Sßiertcl  unb  mit  bem 
Umftanbe,  baß  fein  9lnt^eil  an  bem  SBorbe^altös  unb  ©onbergute  beö  ücr? 
ftorbcnen  ©l^egatten,  foroic  fein  fpätercr  ©rmerb  in  baß  ©cfammtgut  fällt 
(§  1396  3lbf.  1),  fid^  l^äufig  ceranlafet  fe^en  merbe,  bie  gütergemeinfd^aftUc^ 
©rbfolge  auöjuf(^lagcn,  unb  ba§  auf  biefe  SBeife  ber  ^rocd  befi  3nftituteö  ber 
fortgefeftten  (Sütergcmeinfcftaft  vereitelt  ju  roerben  brol^e,  ift  nid)t  ju  bcforgen, 
um  fo  roeniger,  ate,  foüicl  ju  erfe^en,  aud^  baö  gcltcnbe  Siecht  —  roenigPen« 
t)om)iegcnb  —  auf  bcm  ©tanbpunfte  beö  ©ntrourfeö  ftel^t  Ob  auc^  bofi 
roeftfäl.  ®ef.  d.  16.  9tpril  1860  §§  7, 10,  15  in  biefem  Sinne  ju  t)erftc^cn,  fanii 
allerbingö  }n)eifeU)aft  fein. 
»oricflung  n^^x  bcu  J^^cilungöintereifcntcn  bie  erforbcrlid^e  Äenntnife  ber  2^^cUungö* 

Snwntarcö.  maffc  JU  ocrfd^affcn,  ift  in  perf^iebenen  SRed^tcn  bie  SBerpflid^tung  befi 
überfebenben  ©Regatten  jur  SBorlegung  eineö  ^nücntareö,  nad^  einigen  au^i 
}ur  eiblid&en  Sefräftigung  beö  Icfeteren,  anerlannt  (ücrgl.  j.  33.  bie  lippc^betm, 
aScrorbn.  ü.  1786  §  22).  3n  SBeftfalen  entfddeiben  in  bicfcr  Sejic^ung  bie 
33orfd^riften  beö  preufe.  31.  £.  31.  n,  18  §§  34,  35,  303  ff.,  414,  nat^  melden 
ber  übcricbenbe  6()egatte  jur  5Kufnal|me  eineö  3nt)entareö  unb  jur  33eeibigung 
beöfelben  ücrpflid^tet  ift  (oergl.  aud&  c^rcnbreitft.  ©ntro.  §  62  unb,  foüiel  bie  SSer* 
pflic^tung  jur  SSorlegung  eineö  ©ütcrücrjcid&niifcö  betrifft,  oönabr.  6ntm.  §  19). 
gür  bcn  ßntrourf  finb  im  ^inblicfe  auf  bie  allgemeinen  Seftimmungeu 
beö  §  777  bcfonbcrc  SSorfd^riften  in  biefer  Slid^tung  entbe^rlid^. 
jRcc^tbeö  4,  s)ie  bcfonbcrc  83eftimmung  beö  §  1406  aibf.  5  Safe  1  entf priest  einer 

eSttenTur  grogcu  3^^!  ^^^  ©ütcrgcmeinfddaftörcd&tcn,  rocl^e  bcm  übcrlcbcnbcn  e^cgottep 
be4  ©Sammt*  ^^*  5Rcd^t  bcUcgcn,  bie  3Ibfommtingc  bei  bcr  Sd^id&tung  ganj  ober  t^eilroeife 
guteö.  in  ®elb  abjufinben.  So-  getjoren  ba^in  namentlid^  cinjelne  fd^leöro.fiolft.  Siedete 
bie  SRcdjte  von  ^ilbcö^eim,  DönabrüdE,  üKeppcn,  Singen  unb  alte  Äanb, 
baö  liamb.  SRcc^t  beim  Uebcrleben  beö  SSatcrö,  bie  Siedete  t)on  ®rba(§,  Samberg 
unb  baö  meftfäl.  (Scf.  v.  16.  3lprit  1860  §  17  (ücrgl.  aud^  oönabr.  entw. 
§  19;  cl^rcnbrcitft.  ©ntm.  §  63;  roürttcmb,  ©ntro.  §  311).  gerner  ift  no4 
bem  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §§  648  ff.,  bcffcn  »eftimmungcn  aud^  ba,  wo 
proüinjicHe  ober  ftatutarifd^e  Oütcrgcmeinfdiiaft  gilt,  baö  betreffenbe  3lc(i^t  ober 
feine  befonbercn  SScftimmungen  entljält,  unb  inöbcfonbcre  aud^  bei  ber  fort* 
gcfcfetcn  C9tttergemcinfd^aft  beö  in  ^^Jommern  gcltcnbcn  lüb.  SRec^teö,  jur  Siv 
rocnbung  fommen,  bcr  übcricbenbe  et)cgatte  bercd^tigt,  ©runbftürfe  unb  (3e* 
rcd^tiglcitcn  gegen  eine  oon  bcn  übrigen  ©rben  ju  fcfecnbe  !i:afe  unb  bie  jum 
tägUd{)cn  ^auögcbraud^e  bcftimmtenaKobilicn^  gegen  eine  gehörig  aufgenommene 
^rit)attajrc  ju  übernehmen. 

©ö  läßt  fic^  nid^t  ocrfcnnen,  baß  baö  bem  übcrlcbcnbcn  (S^egattcn  bur^ 
bie  33eftimmung  beö  §  1406  3lbf.  5  Saß  1  beigelegte  Siedet  eine  große  8e* 


gortflcfe^tc  ©ütergemeinf^af t.   2tuflöfunfl.   Stc^töücröältnig.   §1406.      481 

günftigunfl  bcöfclbcn  gegenüber  bm  gemeinfc||aftlic^cn  Slbfömmlingen  enthält, 

ha  bcr  Sd^äftungdrocrt^  unbcftimmt  unb  relatio  ift  unb  berartigc  ©^ä^ungen, 

wie  bic  ©rfa^rung  (e^rt,  nur  gering  außfallen.    3^*^^^  geroöl^rt  jene  Sc^ 

ftunmung  in  SSerbinbung  mit  ber  Seftimmung  beö  §  1403  3lr.  5,  mä)  tt)cld)er 

ber  überlebenbe  @^egatte  bur^  feine  einfeitige  ©rilörung  bie  äluflöfung  ber 

fortgcfefttcn  ©ütcrgemeinfd^aft  l^erbeifü^ren  fann,  bic  2)l5gIidE)feit,  für  bie 

Xuflofung  bcr  fortgcfefetcn  ©ütergemcinfc^aft  ju  feinem  33ortf)eile  unb  auf 

Äoftcn  ber  gemeinfc^aftlid)en  Slbfömmlinge  einen  3^itpwnft  ju  mäf)Icn,   in 

roel^em  bie  ju  bem  ®efammtgute  gcl^örenben  (Segcnftänbe,  namentlid^  bie 

Orunbftücfe  unb  Sßert^papiere,  nur  einen  geringen  8DBert|i  traben.    2luf  biefe 

Sebcnfen  fann  inbejfcn  entfd^eibenbcö®en)ici^t  nid^t  gelegt  merbcn.  SJlad^t  ber  über^ 

lebcnbe  6f|egatte  pon  feinem  9lcd^te,  burd^  einfeitige  ®rllärung  bie  Sluflöfung 

ber  fortgefegten  ©ütcrgemcinfc^aft  ticrbcifül^rcn  unb  aldbann  ba&  ©efammtgut 

ober  ein}cine  £^ei(e  bedfelben  gegen  @rfQg  beö  burc^  S^ägung  ju  ermittelnbcn 

SSert^cö  JU  übernehmen,  ©ebrauc^,  fo  ift  er  anbererfcitä  auc^  jur  fof ortigen 

Sudio^Iung  beö  ben   gemeinfd^aftlid^en  9(bfömmlingen   }ufommenbcn  ©clb^ 

belrageö  oerpflid^tct.    2)abur(j&  mirb  bie  Ocfa^r,  bafe  ber  überlebenbe  Gl^egatte 

fein  SRed^t  auf  koften  ber   3lbfömmUnge  mi§brau(|t,  iebcnfallö  ücrminbcrt. 

6ntf(^eibcnb  fällt  aber  ben  l^erüorgc^obenen  33ebentcn  gegenüber  inö  (SJcroid^t, 

ba§  bie,  jubem  mit  bcr  3Jlc^rjal)I  ber  beftel)enben  SRed^te  im  ®inflange  ftcl^enbe 

Seftimmung  beö  §  1406  SHbf.  5  ©aft  1  cä  bem  übcriebenben  6(}cgatten  er:= 

inögUcöt,  aud^  im  gallc  ber  Sluflöfung  bcr  fortgefcfeten  ©ütcrgcmcinfd^aft, 

namentlich  im  galle  ber  3Bieberoerlöciratl)ung,  entfpred^enb  bem  3^^^^^  ^^ 

oBgemeinen  ©ütcrgemcinfd^aft,  fid^   ben  Sefife  beö  ©cfammtücrmögenö  unb 

bcmit  bie  roirt^fd^aftß^e  ©runblage  feincö  Sebenö  in  ber  biöl)crigcn  aSBeife  ju 

er^Iten,  toä^rcnb  ol^nc  bie  l^ier  fragliche  Seftimmung  cö  regelmäßig  ju  einer 

Serfilberung  beö  ©cfammtgutcö  fommen  mürbe.     3)Ut  bcrfelbcn  ift  ferner 

ber  Sorti^cil  ücrbunbcn,  ba^  fic  bem  übcriebenben  ©Regatten   bie  aJlöglic^* 

feit  gcioä^rt,  ju  beftimmen,  meld^cö  ber  gcmcinfd&afttid)en  Äinbcr  ben  einen 

ober  anberen  ber  ju  bem  ©efammtgute  gel^orcnbcn  ©cgcnftänbe,  namentlich 

ben  ©runbbefiß  ober   ein   geroerblicbcö  ©tabliffcment,   bemnäd^ft   bctommcn 

foD  (oergl.  §  10  3lbf.  4  beö  rocftfäl.  Oef.  v.  16.  2lpril  1860).    SBcnn  burd^ 

bie   ^icr    fragliche   83cftimmung    bie    gemeinfd^aftlic^cn    3lbtömmlinge    un^^ 

günftiger   geftellt   roerben   alö   bie    einfeitigen  Slbfömmlingc,   bcncn   gcgcn^^ 

über  ber  ©ntmurf  ein  fold&eö  Siedet   beö   übcriebenben  (Stiegattcn  nid)t  am 

erfannt   ^at    (t)crgl.  bie  aWotiüc  ju  §  1383  oben  ©.  423),  fo  re^tfcrtigt 

fic^  biefe  ocrfd&icbene  Scfianblung  burc^   bie  ücrfc^icbcnc  ©tcHung,   meldte 

einerfeitö  bic  einfeitigen  aibfömmlingc  beö  t)crftorbencn  eijcgattcn,  anbcrerfeitö 

bie  gemeinfc^aftlid&en  Slblömmlingc  bem  übcriebenben  eijcgattcn  gegenüber 

etnne^en. 

35ie  beDoriugte  ©tcllung,  mclcl^e  bem  übcriebenben  ©Regatten  uac^  ben  ausnahmen. 
angeführten  Med^ten  eingeräumt  ift,  mirb  inbeifcn  ^äufig  nur  für  bic  gäUc 
ancrfannt,  menn  bie  ©^id^tung  freiwillig  ober  rocgcn  ®ingcl;uug  einer  neuen 
e^  erfolgt.  9iad^  bem  meftfäl.  ®cf.  o.  16.  2lpril  1860  §  17  gcl)t,  roenn  bie 
Sc^ic^tung  wegen  S3et)ormunbung  beö  übcriebenben  ef)cgatten  ober  auö  Orünben 
erfolgt,  meiere  ben  aSerluft  bcr  Pätcrlic^cn  ©croalt  jur  golgc  f)aben,  bic  Sc* 


482       Sortöcfe^tc  ®üteröcmemf4aft.    Sluflöfung.   JRed^töberliältmS.   §1406. 

fugnife,  baß  gemeinfd^aftli^c  9Scrmögcn  gegen  2:are  ju  übernehmen,  auf  bie 
Äinber  über  (cbenfo  oSnabr.  ®ntn).  §  19;  eljrenbreitft.  ®ntro.  §  63).  2)cr 
gntrourf  fd&Iiefet  fid^  biefen  Siedeten  infofern  an,  als  er,  unbefd^abet  beö  nat^ 
§  1378  äbf.  2  oerb.  mit  §  1406  äbf.  1  {ebem  ©Regatten  äuftel^enben  Slec^tefl, 
ba«  im  §  1406  3lbf.  5  ©afe  1  bem  übertebenben  ©l^egatten  beigelegte  befonbcrc 
Siedet  bemfelben  Derfagt,  wenn  bie  Sluftofung  ber  fortgefe|ten  ©ütergemein- 
fd^aft  auQ  einem  ber  im  §  1405  bejeid&neten  ©rünbe,  alfo  in  golgc  eines  SSer^ 
fd^ulbens  beö  übericbenben  ©Regatten  erfolgt.  S)agegen  ift  cö  alß  bcbenttid^ 
erad^tet,  baö  3Ba^lred^t  beö  Überlebenben  ©Regatten  in  einem  fold^en  gallc  auf 
bie  3lbfömmlinge  übergeben  ju  laffen,  ba  bieö  ju  einer  großen  ^ärte  gegen 
bcn  Überlebenben  ©Regatten  fül^ren  fann,  wenn  baö  SBermogen  ganj  ober 
tt)eilrocifc  Don  il^m  ^errü^rt.  3lad)  §  1407  Slbf.  2,  3  fte^t  aber  in  folc^cn 
gälten  ben  antfieilsbered^tigten  3lbfömmlingen  baö  SRed^t  ju,  einen  ®egenftanb, 
TOeld^en  ber  Derftorbene  ©l^egattc  nad&  ber  aSorfd^rift  beö  §  1378  Slbf.  2  gegen 
Grfafe  beö  SBert^eö  ju  übernel^men  bered&tigt  gcroefen  roäre,  in  gleid&er  SBcifc 
JU  übernel^men. 
unvtrnbms  j)tj^  jjQg  [xti  %  1406  SÄbf.  5  ©aft  1  bem  überlebcnben  ©Regatten  bei* 

luS^L.  gelegte  Siedet  nid^t  auf  bie  ®rben  bcöfelbcn  überget)en  foU  (§  1406  9lbf.  5  ©afe  3), 
vtdftti.  rechtfertigt  fid^  bur^l  bie  SWüdffid^t  auf  bie  perfonlid^e  Stellung  beö  übericbenben 
©Regatten,  weld^e  für  bie  (Sinräumung  jeneö  SRcd^teö  an  benfetben  mafegebcnb 
geroefen  ift.  6ö  empfiel)lt  fid^  auc^  nid^t,  bem  übcrlebenbcn  6f>egatten  baß 
9ied^t  äu  geben,  burd)  33erfügung  oon  S^obeöroegen  ju  beftimmen,  bafe  ein 
ant^eilöbered^tigter  9lbfömmling  jeneö  Siedet  foH  auöüben  fönnen  (oergl.  meftfäl. 
®ef.  t).  16.  9lpril  1860  §  10  3lbf.  4),  ba  ber  ©ntrourf  im  Uebrigen  bem  übcr^ 
lebenben  ©Regatten  baö  SRcd^t  ju  SSerfügungen  oon  SCobeömegen,  meldte  bie 
ben  gemeinf^aftlid^en  Slbfömmlingen  an  bem  Oefammtgutc  ber  fortgcfef^tcn 
©ütergemcinfd^aft  jufte^enben  SRcc^te,  inßbefonbere  in  3lnfef|ung  ber  Sluß* 
einanberfefeung,  berüf)ren,  gmubfäftlid^  oerfagt  ^at  (§  1409),  eine  Seftimmung 
ber  fraglid^en  2lrt  ba^er  alö  eine  fafuiftifd^e  Slußna^mebeftimmung  fic^  bar- 
ftellen  mürbe,  meldte  burd&  ein  bringenbeö  praftifd^eö  SSebürfnife  um  fo  weniger 
geboten  ift,  alö  ber  überlebenbe  ©begatte  bm  ^voed,  meldten  eine  berartige 
SBeftimmung  verfolgt,  nämlid^  ber  gamilie  ben  ®runbbefi6  ober  ein  geioerb* 
lid^eö  ©tabliffement  ju  erhalten,  aud^  baburd&  erreid^en  fann,  bafe  er  bei  feinen 
Sebjeiten  burd^  einfeitige  ©rflärung  bie  äuftöfung  ber  fortgefe|ten  ©üter^ 
gemeinfd^aft  ^erbeifül^rt  (§  1403  9Jr.  5)  unb  bann  uon  bem  i^m  nac^  §  1406 
9lbf.  5  Safe  1  5uftel^cnben  Siedete  ®ebraud&  mac^t. 
robt^iiung.  5.  3ia(f)  einer  großen  S^\)l  mn  Siedeten,  namentlid^  üon  fol^n,  locld^ 

auf  bem  Soben  ber  ^onfolibation  ober  beö  älDeinerbred^teö  beö  Überlebenben 
©Regatten  fte^en,  ^at  bie  ©d^ic^tung  jugleid^  bie  Sebcutung  einer  fog.  %obf 
t^eilung,  b.  1^.  einer  3lbfinbung  ber  Äinber  t)on  bem  Vermögen  beö  übertebenben 
©Regatten,  unb  jmar  entroeber  in  ber  9lrt,  bafe  bie  abgefc^id^teten  Äinbcr  ba* 
burd^  i^r  ©rb^  unb  5ßflid&ttl^eilöre(^t  nur  ju  ©unften  ber  nld^t  abgefd^id^tetcn 
Äinber,  fomie  beö  übertebenben  ©Regatten  unb  ber  Äinber  einer  oon  bem 
tefcteren  eingegangenen  neuen  gütergemeinfd^aftlid^en  ©^e  t)ertieren,  ober  in  ber 
SÄrt,  bafe  il^r  ^flid^ttJ^eilöred^t  gegenüber  bem  übertebenben  ©ttemttieile  über- 
haupt roegfällt  unb  i\)t  3nteftaterbred&t  mefir  ober  weniger  befd^ränft  wirb. 


gortgctc^tc  @utcrgettiemf(5aft.   STuflöfung.   SRed&tSücrl&altnlg.   §1407.       483 

Somit  ift  bidtPeUen  eine  äßobififation  bed  @rbred^ted  beö  flberlebenben  ®^e« 
gatten  gegen  bie  abgefc^id^teten  5tinber  fon)ie  ber  (egteren  unb  ber  nid^t  ab« 
gefcftit^teten  Äinber  bcjn).  ber  Äinbcr  einer  neuen  (Sbe  t)erbunben,  yiaä)  einer 
onberen  Oruppe  t)on  SRecftten,  namentlid^  t)on  fold&en  mit  fortgefegter  Oüters 
gemeinfd^aft  im  engeren  @inne^  erleibet  bagegen  bad  erbred^tUd^e  93er^ä(tnig 
ber  abgeftlfid^teten  Slbfommlinge  gegenüber  bem  überlebenben  eitemtljetle  unb 
gegenüber  ben  etwa  nid^t  abgefc^id^teten  Oefd&roiftern  leine  3lenbenmg.  3^^ 
biefcr  Oruppe  oon  SRed^ten  gel^ören  inöbcfonbere  bie  Siedete  t)on  fabeln.  Singen, 
Sigmaringen,  bod  roeftfäl.  ®ef.  v.  16.  aipril  1860  §  10  unb  bie  ba^r.  SRecftte 
mit  äudna^me  ber  SRed^tc  üon  SBürjburg,  ©d^roeinfurt,  (SafteD,  Bamberg  unb 
©rbad^  (öcrgL  ferner  odnabr.  ®ntn).  §§  9,  12,  13  2lbf.  4 ;  eljrcnbrcitft.  ®ntn). 
§§  soff.;  roürttemb.  ©ntro.  §§  310—318).  2)er  ©ntrourf  l^at  fxd^  biefen 
leftercn  Siedeten  angefd^Ioffen.  ®er  Sluflofung  ber  fortgefefeten  Oütergemein- 
fc^ft  anal  auf  bad  (Sxb^  unb  $f(id^tt^ei(drcd^t  ber  gemeinfd^aftlic^en  Wd^ 
tommlingc  gegenüber  bem  überlebenben  ©Ijegatten  einen  ©influfe  einjuräumcn, 
nmrbe  mit  bem  ©runbgebanfen  bcö  ©ntrourfeö,  bafe  ber  3lntl)eit  ber  2lb* 
Bmmlinge  an  bem  ©efammtgute  ber  fortgefefetcn  ©ütergemeinfdfeaft  ber  ©rfaft 
für  bad  benfelben  entjogene  6rb*  unb  ^Kid^ttl^eilöred^t  gegenüber  bem  ocr^: 
ftorbenen  (S^egatten  fein  foD,  nid^t  im  @inf(ange  fte^en  unb  überl^aupt  eine 
mit  bem  3nterejfe  ber  9lbtömmUnge  nid^t  vereinbare,  ju  meit  gel^enbe  ©urd)« 
brec^ung  ber  allgemeinen  erbred^tftc^en  ©runbföge  enthalten,  rceld^e  burd^  bie 
Xüäficbt  auf  ba&  ^ntereffe  bed  überlebenben  ©Regatten  unb  bie  (Setrenntl^altung 
beft  Vermögend  ber  t)erfd^iebencn  @^en  im  §aDe  ber  äBieberoerljeirat^ung  bed 
überlebenben  S^egatten  nid^t  gere^tfertigt  merben  tann. 

6.  3lad&  t)erfd^iebenen  SRed&ten  ift  ber  übertebenbe  ®f|egatte  ober  boc^  ber  9iu|unfl«re(ftt 
überlebenbe  SSater  bie  SÄnt^eitc  ber  Äinber  bid  ju  beren  SBerl^eiratl^ung,  Selb«  g^<ga\*tn  an 
ftdnbigfeit  ober  ©rofeiäfirigfeit,  bidroeilen  aud^  lebendWnglid^  5U  behalten  unb  ^««  «nt^icen 
JU  benu|en  bcred&tigt    ©erartige  33eftimmungen  gelten  j.  83.  nad^  lüb.  SRec^te,  ^"^ 
na(|  bem  Siedete  Don  Sßünfter,  in  Sc^ledmig^^^olftein,  nad^  ber  (ippe^betm. 
Serorbn.  oon  1786  §  22  (ocrgl.  auä)  mürttemb.  ©ntm.  §  312;  e^renbreitft. 
Snlm.  §  64).    SRegelmäfeig  l^ängen  biefe  33eftimmungen   aber  mit  btn  all* 
gemeinen  99eftimmungen  über  bad  elterlid^e  ober  oäterlid^e  9liegbraud^drec^t 
}ufammen  unb  enthalten  biefelben  oft  nur  eine  9lnmenbung  biefer  Seftimmungen. 
Z)tr  Sntmurf  (figt  ed  in  biefer  ^infic^t  (ebigtid^  bei  ben  aDgemeinen  ®runb$ 
ffiten  ber  elterlichen  ©emalt  imb  ber  regelmäßig  bamit  Derbunbenen  elterlid^en 
3ltt|niegung  am  SSermögen  ber  5{inber  bemenben  (t)ergl.  §§  1501,  1502, 

1516,  1536). 

§  1407. 

3>ie  S3eftimmung  b^  §  1407  SIbf.  1  entfprid^t  bem  §  1379;  bod^  f oU  seupuntt  für 
bod  bur<^  jene  »eftimmung  ben  anti^elldbered^tigten  Slbfömmlingen  beigelegte  ai^"^«»»- 
fMfl  nad^  §  1407  Stbf.  3  Don  benfelben  }ur  SSermeibung  ber  fonft  eintretenben 
Senoidelungen  nur  gemeinfc^aftlid^  audgeübt  merben  fönnen,  in  ber  9lrt,  bag, 
menn  eine  (Sinigung  unter  i^nen  nid^t  erfolgt,  ed  bei  ber  bem  fonftitutiDen 
jtoratter  bed    l^ier  fraglid[|en  Urt^eiled  entfpred^enben  9{egel  Derbleibt,  mi) 


484       gortöcfefetc  ©ütcrgemcinf d&af t   Slufröfung.   S?c4t0Dcr6aItnt§.   §1408. 

welcher  bei  ber  Sluäcinanbcrfcgung  in  Slnfel^ung  beö  ©efammtgutcö  bcr  3w[tonb, 
in  TOcld^cm  boßfelbc  ftd^  jur  ^txt  bcr  SRed^töfraft  bcö  Urt^cilcö  bcfunben  ^at 
(§  1403  3lx.  3),  ju  ©runbc  gelegt  wirb.  S)er  SluöTOeg,  bemjenigen  Sttfömm* 
linge,  wcld^cr  baö  Urtl^eil  erroirft  f)at,  baö  SBal^tred&t  mit  SBirfung  gegen  bie 
übrigen  9lbfömmlinge  einjuräumen,  ift,  abgcfe^en  baüon,  baS  baburd^  baa 
Snteref^c  ber  legieren  gefSl^rbet  werben  fann,  and)  um  beöwitten  nid^t  ju 
empfehlen,  weil  er  für  fotciie  gfille,  in  roeld^en  mehrere  än)fommünge,  fei  ed 
gemeinfd^aftlid^,  fei  eö  in  üerfd^iebenen  5ßrojejfen,  geflagt  l^aben,  weitere  bc« 
fonbere  Seftimmungen  erforberlic^  mad&t,  baburd^  aber  baö  ©efeg  ju  fe^r  frnn* 
pUjirt  wirb.  Sic  Oefal^r,  bafe  berjenige  aibfömmling,  roeld^er  baß  Urt^eil 
erroirft  l^at,  in  feinem  5le(i)te  becintröd^tigt  werben  fonnte,  wenn  bie  äuö* 
Übung  beö  l^ier  fraglid^en  SRed^teö  an  bie  S^ftimmung  ber  übrigen  äbfömm« 
linge  gebunben  wirb,  ift  nid^t  ju  beforgen,  ba,  wenn  bie  gugrunbelegung  beö 
3uftanbeö,  in  weld^em  baö  (Sefammtgut  fic^  ju  ber  Qtxt  befunben  ^at,  in 
wcld&er  ber  Sted^töftreit  wegen  3luflöfung  ber  fortgefefeten  ©ütergemeinfd^oft 
anhängig  geworben,  ben  STbfömmlingen  günftiger  ift,  bie  übrigen  Slbfömmlinge 
wegen  if)reö  eigenen  Sntereffeö  fid^  ber  3luöübung  beö  ^ier  fraglid^en  Sled^teö 
nid^t  wtberfegen  werben,  ©elbftoerftfinblid^  ift  übrigenö  jeneö  Siedet  nid^t  fd^on 
In  bem  9ted&töftreite  wegen  9lufl5fung  ber  fortgefegten  Oütergemeinfc^aft  geltenb 
JU  mad^en ;  Dielmel^r  f ommt  baöfelbe  erft  bei  ber  Sluöeinanberf egung  wegen  beö 
©efammtguteö  in  33etrad^t. 
9tc4t  ber  «b.  2)a  in  ben  gäHen  beö  §  1405  baö  bem  überlebenben  ©Regatten  im  §  1406 

nSi^SmTSlbf.  5  ©ag  1  beigelegte  befonbere  SRed^t  nad^  bem  jweiten  Sage  beö  §  1406 
ö^Snbe  ^^^'  ^  *^^"^  Slnwcnbung  finben  foU,  fo  tritt  in  biefen  göDen  in  ©emöft^eit 
****"  "  '■  beö  §  1406  Slbf,  1  wieber  bie  SRegel  beö  §  1378  Slbf.  2  ein,  nad^  wcld^er 
leber  ©begatte  unb,  wie  in  ©rmangelung  einer  entgegenftel^enben  95cftimmung 
alö  felbftoerftänbUc^  erad^tet  ift  (üergl.  bie  ajlotioe  }u  §  1378  oben  ©.  415), 
aud&  bcffen  ®rben  bie  im  §  1378  9lbf.  2  bejeid^neten  ©egenftänbe  gegen  ©rfag 
beö  ©d^ögungöwert^eö  ju  übernel^men  bered^tigt  finb.  SBenngleid^  in  golge 
beö  2lUeincrbred^teö  beö  überlebenben  ©l^egatten  bie  gemcinfd^aftlid&en  Slbfömm* 
linge  ®rben  beö  üerftorbenen  ©l^egatten  nid^t  geworben  finb,  fo  cntfpri(^t  eö 
boci)  ber  materiellen  ©ad^Iage,  wenn  in  ber  ^ier  fraglid^en  Sejiel^ung  i^r  3ln* 
tfieil  an  bem  ©efammtgutc  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  atö  il^r  ©rb« 
tl^eit  an  bem  5Wad^Iaffe  beö  t)erftorbenen  ®t)egatten  be^anbelt  wirb  {§  1407 
Slbf.  2).  S)o6  ben  9lbfömmlingen  aud6  bie  Sluöübung  biefeö  JRed&teö  nur  ge* 
meinfc^aftlidö  juftcl^cn  foH,  red^tfertigt  fid&  burd^  bie  9latur  bcöfelben  itVib  bie 
SRüdffid^t  auf  bie  SBereinfad&ung  beö  SSerl^ältniJfeö. 


§  1408. 

x^iuttfl««  S)ie  Seftimmung  bcö  §  1408  ©ag  1  ift  eine  ftonfequenj  beö  ouc^  bcr 

ttiSb^w ».  »cftimmung  bcö  §  1397  3lbf.  2  ju  ®runbe  licgenben  unb  in  ben  aRoti©en 

»rnmiingen.  J^  §  1397  o{,en  ©.  457  ff.  näljcr  gerechtfertigten  ©cbanfcnö,  bafe  baö  SBcr^ältnife 
materiell  fo  ju  geftattcn  ift,  alö  wenn  ber  ücrftorbcne  ®^egattc  erft  jur  ^eit 
ber  Sluftöfung  ber  fortgefegten  ©ütergcmeinfd^aft  geftorben  wäre  unb  bie 
antf)eilöbcredS)tigten   9lbfömmlinge   alö    bcifcn  gefeglid^e  ©rben  berufen  fein 


Sortö^f-  ®ütct0cm.  änorbnungen  beS  üBcrIcbcnben  ßBegattcn.  §  1409.       486 

würben,    ©elbfiücrflfinblid^  toerbcn  burd^  bic  SBorfd^rift  bcö  §  1408  bic  33or* 
fünften  bcö  §  1389  nid^t  berührt. 

Suf  bctnfclben  ©cbantcn  berul^t  aud^  bie  Scftimmung  beö  §  1408  ©aft  2.  »u^flieti^ung 

3)cr  Slnalogic  bcr  erbred^tüd^cn  ©runbfäfee  über  bic  SluÄgtcid^ungöpPid^t  iDegen  "'*sor.^ 

bed  Sorempfangenen  entfprid^t  efi,  ba§  bei  ber  S^^eilung  beö  ©efammtgutcö,  empfönöenen. 

mit  ml6)tv  bod  burd^  ben  (SrbfaH  ^erbcigcfül^rte  SSerl^ältnife  unter  bcn  gemein* 

f(^üftli(^en  Slbförnmlingen  feinen  beRnitiüen  3lbfd^Iu6  pnbet,  alle  SSorempfänge, 

loeld^e  bie  anti^eiteberec^tigten  älbfömmUnge  t)on  bem  @rblaffer  ober  an  bejfen 

Stelle  ouf  ©runb  ber  §§  1352,  1353  Derb,  mit  §  1399  9lbf.  1  auö  bem 

©cfammtgute  ber  fortgefegten  Oütergemeinfd^aft  üon  bem  übcricbcnben  ®()Cs 

gatten  erhalten  ^aben  unb  nad^  ben  erbred^ttic^cn  SBorfd^riften  (§§  2157  ff.,  ind^^ 

bcfonberc  §  2162)  überhaupt  ber  9luöglei(^ung  unterliegen,  nad^  näherer  SSc^ 

ftimmung  biefer  SSorfd^riftcn  inforoeit  jur  Slusgleid^ung  fommen,  alö  biefi 

mäfi  bereite  bei  bcr  S^^eilung  bcd  SSorbe^altö*  ober  Sonberguteö  bcö  t)cr* 

florbencn  e^egatten  (§  1395  Slbf.  4  nebft  Sßotiüon  oben  S.  453  ff.)  gefd^e^cn  tft 

(oergl.  weftfäl.  ®ef.  v.  16.  3lpril  1860  §  15;  oönabr.  (Sntro.  §  17;  e^rcnbrcitft. 

€ntn).  §  63  9lbf.  3).    SBon  bcn  crbrcc^tlid^en  aSorfd^riften  (ücrgl.  §  2157) 

imterfc^cibet  fid^  iebo(ft  biefc  9luögleid^ungöpHidS)t  baburd^,  bafe  fic  aud^  bann 

fiattfinbet,  wenn  ber  ©rblaffer  bic  9lnt^eile  bcr  ontfieildbercd^tigtcn  9lbfömm^ 

finge  nad^  SRaftgabc  bcö  §  1389  burc^  IcfttroiUigc  SSerfügung  beftimmt  l^abcn 

foüte,  ba  ber  ©rbtoffer  burcft  le|tn)iUige  SBcrfügung  in  anberer  9lrt,  als  im 

§  1389  jugcfaffcn  tft,  in  bic  JRc^tc  bcr  ant^cilöbcrcd^tigtcn  Slbfömmtingc  nic^t 

eingreifen  unb  bemgemöfe  an6)  bic  9ludglcicftungöpflic^t  nid&t  bcfcitigcn  fann. 

2)ied  ift  baburd^  jum  3luöbrucfc  gebrad^t,  ba%  bcr  §  1408  ©afe  2  nid^t  auf 

bie  bei  ber  ©rbfolgc,  fonbern  oUgcmcin  auf  bic  bei  ber  gefellid^en  ©rbfolgc 

geltenben  SSorf^riftcn  über  bie   3luöglei^ungöpfli^t   ücrrocift.     2tbn)ci(i)cnb 

vtm  ücrfc^iebcncn  Siedeten,  inöbefonbcrc  aud^  üon  bem  rocftfäl.  ®cf.  o.  16.  9lpril 

1860  unb  ben  angefül^rten  ©ntroürfcn,  aber  in  Ucbereinftimmung  mit  ber  t)on 

ber  ^rajiö  anerfanntcn  Sluffaffung  beö  preufe.  91.  2.  JR.  unb  bem  TOürttcmb. 

feitro.  §  313  finbet  bei  ber  Sluöcinanbcrfeßung  beö  ©cfammtguteö  bic  Kollation 

nur  unter  ben  Slbförnmlingen  beS  ©rblaRcrö,  nid^t  aud&  gegenüber  bem  übcr:= 

lebenben  ©Regatten  ftatt.    2)ie  Orfinbe,  roeld^e  in  bcn  aftotiocn  ju  §  1394 

oben  S.  450  ff.  gegen  bic  Slncrfcnnung  einer  Äollationßpfli^t  ber  cinfeitigen  9lb« 

Bmmlingc  gegenüber  bem  übcricbcnben  ©tjcgattcn  geltenb  gemad^t  fmb,  fprcd&cn 

in  nod^  ^öficrcm  ÜJiafec  gegen   eine  Äollationöpflid^t   ber   gcmeinfd^aftUdjcn 

3B)f6mmlingc  gegenüber  bem   übcricbcnben  ©dcgatten. 

§  1409. 

2Bcnnglcid&  bic  Seftimmung  beö  §  1409  in  ©rmangclung  einer  entgegen*  stnorbnungen 
ftedenben  »cftimmung  na(^  bcr  bem  ©ntrourfe  ju  ©runbc   liegcnben  Äon*  üben^titb« 
ftruftion  ber  fortgefefcten  ©ütcrgcmeinfd^oft  im  .^inblidfc  barauf  als  felbft?  Gi;eflatten 
wrftfinbtid^  angefe^cn  werben  fann,  bafe  bic  ben  gemcinfd^aftlidöen  9lbfömm*  ^^c^J!Zv> 
lingcn  on  bem  ©cfommtgutc  juftc^enben  SRed^tc  fid^  nid^t  als  9lußflu6  eine«    ^^*""9 
Crbre^ted  gegenüber  bem  übcricbcnben  ©tiegattcn,  fonbern  als  afti^c  äHit* 
eigent^umdrec^te  barftcDen,  meldte  ben  ©rfafe  für  baß  i^nen  cntjogenc  ®rb* 


486 


einfinbf*aft    (§§  1341—1409.) 


Stnorbnungeii 

über  ben 

eigenen 

9(nt^ei(. 


unb  5ßflid^tt^eitercd^t  gegenüber  bem  ücrftorbencn  ©Regatten  bitten,  fo  ift  c« 
bod^  im  3ntcrcj|e  ber  3)eutlic^feit  beö  ©efcfeeö  alß  rot^fam  erac&tet  worben, 
jene  ffleftimmung  aufjunel^nten,  jumol  bafi  roeftfäl.  ®ef.  v.  16.  2lpril  1860 
§10,  obwol^I  baöfelbe  auf  bem  SBoben  ber  fortgefegten  ©ütergcmeinfd^aft  im 
engeren  ©inne  fielet,  unb  i^m  folgenb  ber  oönabr.  6ntro.  §  13,  foroie  für  bic 
allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  ber  el^renbreitft.  ©ntm.  §  92  bem  überlebcnben 
©Regatten  bae  Sted^t  einräumen,  burd^  UebertragdDertröge  ober  legtmillige 
SBerfügungen  unter  ben  unabgefunbenen  Slinbern  bie  ©uf jeffion  in  baö  gemein* 
fd^aftlid^e  SBermögen  ju  regeln,  fo  iebod&,  ba§  jebem  ßinbc  roenigftenß  ber 
SBertf)  beö  ©d^id^tt^eileö,  im  galle  einer  tefetroiHigen  SBerfügung  aufeerbem  ber 
SBertl^  beö  5ßf[id^tt^eiled  t)on  bem  SSermögen  beö  überlebcnben  (g^egatten  ju^ 
gemenbet  werben  mufe.  ©in  Scbürfnife  ju  einer  fold^en  pofitiüen  33eftimmung, 
meldte  einen  3ladS)fIang  an  baö  ^rinjip  ber  Äonfotibation  ober  beö  älUein^ 
erbred^teö  beö  überlebenben  ©Regatten  unb  an  Derfc^iebene  auf  bem  33oben  biefeö 
^rinjipeö  ftel^enbe  Siedete  enthält  unb  ben  übrigen  auf  bem  33oben  ber  fort? 
gefegten  ©ütergemeinfd^aft  im  engeren  ©inne  ftel^enben  SRec^ten  fremb  ift, 
fann  um  fo  weniger  anerfannt  werben,  alö,  wie  bereitö  in  ben  SKotioen  na 
§§  1399, 1406  oben  ©.  462, 482  fierDorge^oben  rourbc,  ber  überlebenbe  ®f|cgatte 
ben  3"^^*/  ^vf^^tn  ber  gemeinfd^aftlic^en  3lbfömmlinge  bcftimmte  iu  bem  ®e? 
fammtgute  ber  fortgefegten  Oütergemeinfd^aft  ge^orcnbe  ©egenftänbe  jujuroenben, 
inöbefonbere  auf  biefe  3Beife  ben  ©runbbefig  ober  ein  gemerbüd&eö  ©tabliffement 
ber  gamilie  ju  erhalten,  aud&  auf  bem  2Bege  beö  §  1403  Sir.  5  in  aSerbinbung 
mit  bem  §  1406  9lbf.  5  erreid&en  fann. 

2)aß  ber  überlebenbe  ©begatte  über  ben  xf)m  felbft  jufommenben  Snt^eil 
an  bem  ©efammtgute  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  aud&  roäl^renb  beö 
SSeftcl^enö  ber  legteren  nad^  3Ra|gabe  ber  allgemeinen  erbrecbtlid&en  ?}e» 
ftimmungen  t)on  2:obeön)egen  oerfügen  fann,  t)erfte]^t  fid^  in  ©rmangefung 
einer  entgegenfte^enben  Seftimmung  üon  felbft  unb  ift  au^  von  ber  ÜJle^rja^l 
ber  Siedete  mit  fortgefegter  ©ütergemeinfd^aft  im  engeren  ©inne  anerfannt 
(nergl.  inöbcf.  roeftfäl.  Oef.  v.  16.  aipril  1860  §  10;  oönabr.  ©ntro.  §  13; 
e^renbreitft.  ©ntro.  §§  55,  92;  roürttemb.  ©ntro.  §  306).  S)ie  ©rünbe,  auö 
roeld&en  ber  ©ntrourf  baö  SRed&t  beö  überlebenben  ©tiegatten  ju  legtroilligen 
ajerfügungen  über  ben  i^m  felbft  bei  ber  ©d^id&tung  jufaUenben  3lnt^eil  ni<i^t 
nad^  bem  SSorbilbe  ber  auf  bem  ©oben  beö  ^ßrinjipeö  ber  fog.  S^obt^eilung 
ftcl^enben  SRed^te  ben  abgefdEjid^teten  Äinbern  gegenüber  erroeitert  t)at,  ftnb  in 
ben  ajlotioen  ju  §  1406  S.  482  ff.  bargelegt. 


(Beltenbeo 

3itd)t. 


äu  ben  §§  1341-1409. 
©infinbfd^aft. 

S)aö  3uftitut  ber  ©infinbfd^aft,  ein  urfprünglicb  fränfifc^eö  9le(|td* 
inftitut  unb  mit  ber  e^elid^en  (Sütergemeinfd^aft  in  cngfter  S3ejief)ung  ftc^nb, 
l)at  and)  außerhalb  ber  fränfifc^en  SWed^tögebicte  in  ben  oerfd&iebenften  S^^eilcn 
©üb-,  MxiUU  unb  i^iorbbeutfc^lanbö  tljeilö  auöbrüdflid&  burd^  bie  ©efeggebung. 


einfinbfdfeaft.    (§§1341—1409.)  487 

Üietld  geiDo^eitdred^tlid^  Slnertennung  gcfunben.  ^auptföd^Ud^  \)ai  badfelbe 
feinen  Sig  in  ben  Mcd^tögebieten  bcr  allgemeinen  unb  ber  partifulören  ©üter^ 
gemeinf(||oft;  boc^  ift  eö  anä)  in  t)iclen  ©ebieten,  in  roeld^en  ©ütcrgemeinfd^aft 
ben  gefe^Iid^en  ©uterftanb  bi(bet,  bem  Sled^tdleben  fremb  geblieben  unb  a\i6) 
ha,  mo  ed  l^rgebrad^t  ober  audbrüdtic^  gefeglici^  geregelt  xoax,  namentlid^  in 
Sebieten  ber  partifulären  ® ütergemeinfc^af t ,  Dielfad^  in  älbna^me  gerat^en. 
3n«befcnbcrc  ift  bie  (ginfinbfd^aft  in  ben  bem  SRed^tögebiete  ber  allgemeinen 
®ütergemeinfc^aft  ange^orenben  ^rooinjen  Oft*  unb  SBeftpreufeen,  foroie  in 
SRetflenburg  unb  Jlaffau  bem  SRed^töleben  fremb  geblieben  unb  in  ©d^leöroig* 
^olftein,  Äur^etlen,  grantfurt  a.  3Ä.,  in  bem  Sejirfe  bcß  üormaligen  Suftij* 
fenated  e^renbreitftein,  foroie  in  SBürttemberg  unb  einjelnen  S^^eilen  üon 
9a^m  (Sinbau,  bai)r.  Oberpfalj)  gegenwärtig  nur  noc^  wenig  in  Uebung. 
8u4  in  aSScftfalen,  roo  bic  ©inflnbfd^aft  früher  felir  gebräud[)lid^  mar,  ^at  bie 
Snroenbung  bed  Snftitutcö  in  golge  ber  ben  einfinbfd^aftenben  ©Itcrn  fc^r 
ungfinftigen  Seftimmungcn  beö  preufe.  31.  2.  9i.  über  ben  SSorauö  ber  SSor:^ 
finber  (II,  2  §§  725—727)  abgenommen. 

Seinen  ^auptfiß  l^at  baö  Snftitut  bcr  ©infinbf^aft  aud^  jc^t  nod^  in 
Snmfcn  in  Sai)ern,  mo  baöfelbe  bie  Siegel  bilbct.  Slid^t  minbcr  gebräu^lid^ 
ift  bic  ©infinbfd^aft  im  ©rofe^crjogtl^ume  Reffen  im  ©ebietc  beö  erbad&cr 
8Qnbrc(i^tes,  in  ben  ^oJ^enjoUemfc^en  Sanben  unb  in  ocrfc^iebencn  2^{)eilen  ber 
^oinj  ^annoDcr  (t)ergl.  ferner  lippc*betm.  SBerorbn.  o.  1786  §§  25  ff., 
mtining.  @cf.  v,  27.  Sloocmber  1875  Slrt.  10,  brcm.  SBorm.  D.  ü.  14.  üßai 
1882  §§9,  10,  12,  79,  80,  liamb.  SJorm.  D.  o.  14.  2)ejembcr  1883 
Srt.  32  -34). 

2)ic  neueren  ©efeftgcbungcn  unb  ©ntroürfc  l)abcn  fid^  bem  3nftitute  ber 
Knfinbfd&aft  oorroiegenb  ungünftig  gejeigt.  3m  bax)t.  2.  SR.  I,  5  §  12  unb  im 
öften.  @.  35.  §  1259  ift  bie  einlinbfd^aft  auöbrücfli(i&  oerbotcn.  Xtv  code 
civil  unb  ba&  bob.  2.  di.  cntl^alten  jroar  fein  auöbrücflid^eö  SBerbot,  boc^  wirb 
mitSlürfftd^t  auf  airt.  1389  beö  code  civü  bejm.  2.  SR.  Safe  1389  bie  ©rric^tung 
einer  ©infinbf^aft  in  jenen  SRec^tögebieten  für  unjuläffig  crad^tet,  unb  ift 
Wrt  in  »oben  burcb  aScrorbn.  v.  27.  Januar  1810  anerfannt.  2)aö  fädSif. 
®.  8.  ermähnt  bie  ©infinbfd^aft  überall  nid^t.  2)agegen  l)at  baö  3nftitut  im 
preu§.  3r.  2.  9».  II,  1  §§  717  ff.  9lufna^mc  gefunben,  unb  jmar  ift  baöfelb? 
bort  o^nc  ^[nf^lufe  an  eine  beftimmte  e^elid^e  ©ütcrorbnung  unb  o^ne  Sc- 
^rdnfung  auf  foldjic  ^ßroDinjen,  in  meldten  bic  ©intinbfd^aft  biöfier  juläffig  unb 
üblicft  war,  alö  ein  allgemein  anrocnbbareö  3nftitut  geregelt.  33ci  ber  SReoifion  bcö 
preufe.  31.  2.  SR.  rourbc  ieboc^,  unbefd^abct  bcr  bie  ©intinbfd^af t  auöbrürflic^  ju* 
lojfenben  ^rot)in}ialgefe6c,  bie  fflefeitigung  ber  (Sinfinbfdöaft  t)orgcfdblagcn 
((Scfefereo.  ?ßcnf.  XVI,  II,  2  §  243).  SSon  neueren  entwürfen  l^abcn  ferner 
ber  roürttemb.  ßntw.,  betr.  3Serträge  über  ©rbfc^aftcn  unb  (SfiCDcrträge,  9lrt.  88 
unb  ber  e^renbreitft.  6ntw.  §  97  fid^  gegen  baö  3nftitut  ber  @infinbfd&aft  erflärt. 

S)er  oorliegenbe  ©ntwurf  ^at  fid^   bcnjcnigen  neueren  ©cfcfegebungö^  etonbvunft 
werfen  angcf^loflen,  meldte  baö  Snftitut  bcr  Ginfinbfd^aft  nic^t  anerfannt  tutrourte«. 
Wen.   S)a6  ein  »ebürfnife,  bic  ßintinbfd&aft  ganj  aDgemein,  ol)nc  SRücffi^t  ^^, JJ^*;  ^^^^ 
auf  ben  (Süterftonb  ber  früliercn  ober  bcr  neueren  (?l)c,  äujulaffen,  nid^t  oor-   ^nftttute«. ' 
liegt,  fonn  oom  ©tanbpimfte  bcö  ßntwurfeö  aus  nid^t  jwcifell^aft  fein.    3lad^ 


488  (ginfinbf^aft.    (§§1341—1409.) 

bcm  ©ntrourfc  ift  rocbcr  mit  bcm  gefcgUd^cn  Oütcrftonbc,  noc&  mit  bcm  Der* 
tragömä^igcn  ©ütcrftanbc  bcr  ©rrungcnfd^aftögcmeinfd^aft  (ücrgl.  bic  SKotiuc 
ju  §  1429),  nod^  mit  bcm  pcrtragömäfeigcn  Oütcrftanbc  ber  ©emcinfd^oft  bcÄ 
berocgtid^cn  SJcrmögenö  unb  bcr  ©mmgcnfd^aft  (§  1434)  na6)  bcm  Sobe  eine« 
bcr  ®l)cgattcn,  abgcfc^cn  von  bcm  gcfcglid&cn  ©rbred^tc  bcs  übcrlcbcnben  ®^c* 
gattcn*  (§  1971),  eine  gcfefelid^c  ^lad^TOirfung  bcö  clicttd^cn  ©üterre^tcö  }u 
©unftcn  bcö  übcrlcbcnben  (Sl^egattcn  tcrbunbcn.  6ö  tritt  rocbcr  S3cifi|  nod| 
fortgcfcgtc  Oütcrgemeinfd^aft  ein,  fonbem  mit  bcm  S^obc  eines  bcr  ©fiegottcn 
fann  bic  fofortige  3luöcinanbcrfc|ung  verlangt  mcrbcn  (oergt.  §§  1429,  1431 
9rbf.  1  Dcrb.  mit  §§  1376  ff.,  1382  9lbf.  2).  2)amit  fäUt  aber  bcr  ^auptjroccf  bcr 
©infinbfd^aft,  nftmlid^  bic  im  gaUc  bcr  SBicbcrDcrl^cirat^ung  bcö  übcrlcbcnben 
©Regatten  fonft  not^mcnbig  merbenbe  aiuSeinanberfegung  wegen  bcö  (Scfammt* 
gutcö  mit  ben  33orfinbcrn  }u  t)crmcibcn  (§§  1429,  1431  3lb|.  1  ocrb.  mit 
§  1403  9lr.  2),  weg,  S^^^  ^^^'^  ^^  ^^^  W^  wiitcr  Umftönben  im  Sntcrejfe 
bcr  ©rl^altung  bcö  bisherigen  ^auöftanbcö  unb  im  3ntcrcffc  bcö  Fortganges 
bcö  ©cTOcrbcö,  auf  roeld&cö  bis  bal^in  bcr  Unterhalt  bcr  gamific  gegrünbet 
roar,  liegen,  eine  ©infinbfciiaft  ju  errid^tcn,  inöbcfonberc  bann,  roenn  bic  über* 
tcbcnbe  SKutter  eine  neue  ®^c  fcfiticßt,  meit  fic  mit  bcr  SGBicbcmer^ciratfiung  bie 
clterlid^e  ©croalt  unb  bamit  bie  cltcrlid^c  9luftnicfeung  ocriicrt  (§  1558).  3ludJ 
fmb  bic  ctt)ifd^en  3^^*^/  TOcId&c  burd^  bic  ©infinbfd^aft  erreid^t  mcrben  foflen 
unb  fogar  Diclfad^  als  bas  SBcfentUdöc  bcrfclbcn  angcfel^cn  mcrbcn,  nämlic!^ 
bic  93efc[tigung  ber  f)äuslid^cn  Sanbc  unb  bie  ©rl^öl^ung  bcr  3nnigfcit  unter 
bcn  ©licbcrn  einer  aus  t)crf(i)icbcnen  ©Icmcntcn  jufammcngefcfetcn  gamiKe, 
t)on  bcr  3lrt  bcö  ©ütcrftanbcö  ber  früheren  unb  ber  neuen  ®^c  unabhängig. 
3)ic  ®in!inbfcl^aft  fann  ferner  aucl&  in  bcn  bcjci^nctcn  göUcn  bcm  3"^^^^ 
bienen,  bic  mit  bcm  93orl^anbcnfein  von  Jlinbcrn  aus  ücrfd^icbcncn  6^en  Ici^t 
rcrbunbencn  SSerroidfclungen  bcr  93crmögcnöocrl^ättniffe,  inöbcfonberc  bic  Aus* 
fonberung  ber  bcn  Dcrfd^icbcnen  Slinbcrn  unb  bcn  ©ticfcitcm  ge^örenben 
aSermögcnstl^cilc  unb  bic  barauö  cntftef)cnbcn  ©trcitigtcitcn ,  ju  ücrmciben. 
Um  bicfer  Qmedc  roiDcn  bic  ©infinbfd^aft  als  ein  allgemein  anrocnbbarcö 
Snftitut  jujulaffcn,  fei  es  unter  Sefd^ränfung  auf  bic  ocrmögcnörec^tlic^en 
SBirfungen  bcö  @Itcrn=  unb  RinbeSDcrl^ältniffeö ,  fei  cö  unter  Sfncrtcnnung 
aud^  fold^er  3Birfungen  bcö  le^tcren,  meldte  nid^t  Icbiglid^  t)crmogcnSrcdE)tli^er 
9latur  fxnb,  mürbe  fid^  jcbod^  nur  bann  red^tfertigen,  wenn  ein  bringenbeö 
praftifd&es  Sebürfni^  in  bicfer  Sejieljung  nad^rocisbar  märe.  S)ic  ©rfal^rung 
jcigt  aber  bas  ©egcntl^cil,  inbem  in  bcnicnigen  Sicd^tsgcbictcn,  in  meldten  jc^t 
baö  2)otalred^t  ober  bic  aScrmaltungögcmcinfd^aft  baö  gcfcfiU^c  ©ütcrrcd^t 
bilbct  ober  in  meldten  jroar  bie  allgemeine  ©ütcrgemcinfd^aft,  {cbod^  o^nc  SeijxS 
ober  fortgefegte  ©ütergcmcinfd^aft ,  gilt,  bic  ®intinbfd&aft  gar  feinen  ober 
bod^  nur  in  geringem  ÜKofee  ©ingang  gefunben  l^ot  unb  biefclbc  auc^  in  melen 
aicd^tögebietcn  bcr  partifulären  ©ütcrgcmeinfd^aft  immer  mc^r  in  Abnahme  gc* 
fommen  ift.  2)a6  in  ben  julegt  gebadeten  9ied&tsgcbictcn  bie  einfinbf(^aft, 
troftbem  fie  in  bcnfelbcn  bcf onbers  gefc|Ud()  geregelt  ift,  im  praftifd^cn  Slec^tölcbcn 
nur  nod^  eine  fcttenc  ©rfc^cinung  bilbct,  ift  namcntlid^  ein  f^lagcnbcr  Sc» 
meis  bafür,  baß  bie  et^ifd^en  ^mtdc,  mcldjc  burd^  bie  ©Infinbfd&aft  crrdt^t 
merben  follen,  fomic  bie  Slbmcnbung  ber  mit  bcm  SSor^anbenfcin  üon  Äinbcm 


6tnfinbf*aft.    (§§1341—1409.)  489 

QUO  mfd^icbencn  (Sf)Qn  ücrbunbencn  SSenoirfclungcn  bcr  5BcrmogcnSt)crI)ättniffc 
fein  gcnugenber  antrieb  jum  SKbfd^luffc  üon  (ginfinbfd^aftßt)crträgen  iinb  bcö« 
i^Ib  nidfi  geeignet  ftnb,  bem  anbererfeitö  mit  großen  ©efal^ren  für  bie  SSor- 
finber  oerbunbenen  3nftitute  ber  ®in?inbfd^aft  Seben  ju  geben,  ©benfowenig 
liegt  ein  Scbürfnife  oor,  bie  @infinbf(i)Qft  in  bem  galle  jujulaffen,  roenn  ber 
überlcbenbc  ©fjegatte  mit  bem  t)erftorbenen  (Sfiegatten  in  allgemeiner  (Süter^ 
gemeinfc^aft  unb  na^  beffen  2:obe  mit  ben  Äinbem  biß  jur  ©d^lie^ung  ber 
neuen  g^e  in  fortgefefeter  (Sütergemeinfd^aft  gelebt  f|ot,  für  bie  neue  ©tie  aber 
ber  gefe^id^e  ©ütcrftanb  ober  ber  Oüterftanb  ber  partifulären  Oütergemeinfd^aft 
ma§gebenb  fein  foll.  3^^^  ^^^^  i"  biefem  gaUe  bie  ©infinbfd^aft  alö  SDlittel 
bienen,  bie  fonft  in  golge  ber  SJSieberDerl^eirat^ung  not^roenbig  roerbenbe 
Sufieinanberfeßung  mit  ben  Slinbem  unb  bie  bamit  oerbunbcnen  51aci^tf)eile 
für  ben  SJo^rungöftanb  bcr  gamilic  p  oermeiben.  Stflcin  abgcfcf)cn  baöon, 
bog  bie  aSerbinbung  ber  Ginfinbfd^aft  mit  ber  partifulären  Oütcrgemeinfdjaft 
tinb  bem  gefe^lid^en  ©ütcrftanbe  ber  el^clic^en  9?u|nie6ung  unb  aScrroaltung, 
wenn  ouc^  on  fid^  auf  Derfd^iebenen  SBegcn  moglid^,  bod^  in  9Infef)ung  ber 
Crbnung  ber  93crmogenöoerböltniffe  ju  befriebigenben  SRefultaten  nid^t  fü^rt, 
fäUt  entf(i^eibcnb  ino  ®crold)t,  bafe  bie  ©infinbfd^aft  ba,  mo  fie  überhaupt 
wrfommt,  nur  in  aSerbinbung  mit  ber  allgemeinen  ©ütergcmcinfd^aft  ge^ 
bröuc^Iid)  ift. 

©8  fonn  fid&  ba^er  nur  fragen,  ob  nid^t,  um  bie  2)urd|füf)rung  beö  bcr  fort^ 
gefejten  ©ütergemeinfd^aft  ju  ®runbe  liegenben  ©ebanfcns  trofe  bcr  Sd^tiefeung 
ber  neuen  ©l^e  ju  crmoglid^en,  bie  ©Infinbft^aft,  iebod^  unter  3lußfc^Iu6  ber 
nit^t  oermogensred^tlid&cn  SBirfungen  beö  ©Itern-  unb  Äinbcöoer^ältniffcß,  mit 
Sürfjtdjt  auf  bicjcnigen  SRed^tögebietc,  in  meieren  biefelbe  gcgenroärtig  beliebt  unb 
in  Uebung  ift,  toenigftens  bann  jujulaffen  fei,  menn  bcr  ju  einer  tieuen  et)e 
f(§rritenbe  überlebenbe  (g^egatte  biöl^er  mit  ben  9Ibfömmlingen  in  fortgefegter 
©ulergcmeinfd^aft  gelebt  \)ai  unb  für  bie  neue  ®^e  ber  Oüterftanb  bcr  all* 
gemeinen  ©ütergemeinfd^aft  t)ereinbart  ift.  Uebcrroicgenbe  ®rünbe  fprcd^cn 
inbeffen  bagegcn,  baß  Snftitut  bcr  ®intinbfd|oft  aud&  nur  in  bicfcm  bcfd&ränftcn 
Umfonge  anjuerfennen.  S)aß  Snftitut  ift  cntroeber  alß  ein  l)eitfamcß  ober  alß 
rin  f(l&äbli(fteö  tmjufel^en.  3m  erftercn  %aHt  mufe  man  baßfelbe,  roenn  aud^ 
in  bem  bejeid^ncten  befd^ränften  Umfange,  allgemein,  b.  i),  anä)  in  benicnigcn 
Qebieten  jutaRen,  in  meldten  baßfelbe  gegcnroörtig  unbefannt  ober  bodb  in  9lb? 
no^mc  gcfommcn  ober  gar  burd^  bie  ©efcggcbung  außbrüdElid^  befeitigt  ift,  im 
le^teren  %aUt  allgemein,  b.  1^.  aud^  in  benicnigcn  Oebicten,  in  mctdicn  baßfelbe 
gegemoärtig  noc^  gebrfiu^lid}  ift,  unterbrücfen.  2)er  3lusroeg,  bie  3uläffigfeit 
bcß  Snftituteö  auf  biefe  le|tcren  Oebietc  ju  befd&ränfen  unb  ju  bem  ®nbc  ben 
2anbeßgefc|gcbungen  burd)  einen  aSorbcf)alt  9taum  ju  geben,  ücrträgt  fid^  mcber 
mit  ber  oorfteI)enben  ©rmägung  nod^  mit  bem  Btoetfe  beß  Oefcgbud^cß,  inß:^ 
befonbcre  aud^  auf  bem  ®ebiete  beß  e^elid^cn  ©ütcrrcd^tcß  cin^eitlid&eß  9tcd)t 
JU  f(|affen,  unb  ift  um  fo  meniger  ju  empfcl)ten,  alß  baß  3»ftitut  bcr  ®im 
finbf(^ft  gcgenroörtig  nur  nod^  in  rerl^ältnifemäfeig  fleinen  (Scbictcn  praftifdje 
Sebeutung  ^at.  Sei  unbefongencr  Prüfung  mufe  man  aber  ^u  bcr  Slnfxd^t 
gelangen,  ba§  baß  Snftitut  ber  ©infinbfd^aft  fein  lieitfameö  ift,  fonbcrn  fd|ftb* 
fi^  wirft,  meil  eß  bie  SSorfinber  großen  ©efa^rcn  außfefet  unb  ben  J^ricben 


490  einfinbf^aft    (§§1341-1409.) 

in  ben  ^^^i^iiKcn  nid^l  beförbcrt,  fonbcrn  untergräbt.  Siefc  Uebclftänbe  treten 
bei  ber  SBerbinbung  mit  bem  ©iiterftanbe  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfc^aft 
ni(^t  in  geringerem  Orabe  l^eroor,  ate  bei  ber  SBerbinbung  ber  ©infinbfd&aft  mit 
einem  anberen  e^elid^en  ©iiterftanbe,  nomentlid^  bann,  wenn  ber  [tief  elterliciieä^öeil 
ben  [eibti(i)cn  ©(ternt^eil  ber  33orRnber  überlebt  unb  atebann  jroifd^en  bem  erjiercn 
einerfeitö  unb  ben  SBorfinbern  unb  ben  9lad^tinbern  anbererfeitö  fortgefejte 
®ütergemeinfdöoft  ftattfinbet,  meiere  bem  erfteren  üermoge  feiner  Stellung  gegen-- 
über  bem  Oefammtgute  ber  fortgefe|ten  ©ütergemeinfd&aft  (§  1399)  trog  aller 
Äautelen  bie  SBöglid^feit  gewährt,  bic  Slad^finbcr  üor  ben  33orfinbern  ju  bc^ 
günftigen,  unb  bie  lefeteren  ber  ©efal^r  audfe|t,  oielleid^t  erft  nad^  langen 
Sauren  il^ren  ßrbt^eil  an  bem  SSermögcn  i^reö  leibtid^en  ©Iternti^eiteÄ  }tt  er^ 
langen.  S)iefen  mit  ber  ©infinbfd^aft  für  bie  SBorfinber  oerbunbeiien  ©efa^ren 
fonn  auä)  bxixd)  bie  Sluöbebingung  eineö  33orauö,  welcher,  wenn  bafi  3*iftitut 
ber  ©intinbfd^aft  Seben  gewinnen  foU,  in  mäßigen  ©d^ronfen  ju  l^altcn  fein 
mürbe,  unb  burd^  bad  (Srforbernig  ber  ©enel^migung  bed  SSormunbfc^ftdgerid^tcd 
in  auöreid)enber  SBeife  nid&t  entgegengetreten  werben,  ba  bie  ©infinbfd^aft  i^rcr 
Jlatur  nad^  immer  ein  gewagtes  Oefd&äft  bleibt,  ©rt^eilt  baö  SBormunbfd^afts^ 
gerid^t  bie  ©enel)migung,  xoznn  im  fonfrcten  galle  befonberc  SQac^t^eile  ni^it 
fierüortreten,  fo  fmb  bie  SSorfinber  immer  ben  mit  ber  3latur  ber  ®infinbfd^ft 
üerbunbenen  ©efa^ren  auögefegt.  f0laä)t  aber  baö  S3ormunbfd^aftögeri(||t  bic 
©enel)migung  baoon  abhängig,  bag  bie  @in!inbfd^aft  ben  93or{inbem  im 
fonfreten  golle  befonberc  aSort^eile  bietet,  fo  wirb  baöfetbc  in  ben  meijien 
fallen  ba^in  gelangen  muffen,  feine  ©ene^migung  ju  üerroeigern ,  aUbann 
aber  baö  Snftitut  feine  prattif(^e  33ebeutung  auf  biefc  SBcife  üerlieren.  ÜRan 
tann  aud^  nid^t  barauf  oertrauen,  bag  bie  älnmenbung  beö  ^nftituted  ber  Sin- 
tinbfd^aft,  menngleid^  badfelbe  im  ©efe|bud^e  geregelt  wirb,  bod^  mefentlic^ 
auf  biejenigen  ©ebicte  ftd&  befd^ränfen  werbe,  in  weld^en  baöfelbc  gegenwärtig 
nod^  in  Uebung  ift.  Soll  bad  ^nftitut  überl^aupt  Seben  gewinnen,  fo  muß  man 
baßfelbe  in  einer  ben  neuen  ©Regatten  nic^t  §u  ungünftigen  gorm  julaffen.  ®ann 
ift  aber  nid^t  ju  überfe^en,  in  weld^em  Umfange  baö  auö  bem  Sntereffe  ber 
©Regatten  ^eroorgegangene  unb  biefen  günftige  3nftitut  mit  allen  feinen  @e? 
fal^ren  aud^  in  benjenigen  großen  9{ed^tdgebieten  Eingang  finben  wirb,  in 
weld&en  baöfelbe  jefit  außer  ©ebraud^  gefommen  ober  unjuläf jig  ober  bod^  — 
wie  in  bem  ©ebiete  beö  preuß.  5K.  2.  SR.  —  nur  mit  großen  SBcfc^ränfungen 
ijuläffig  unb  beö^alb  unpraftifd&  ift.  2)ic  SRüdEfid^t  auf  biefe  großen  Siecht«? 
gebiete,  für  welche  bie  ä^IöRwnfl  iinb  Siegelung  ber  (Sintinbfd^aft  neued  Stecht 
fd^afft,  ift  cö  t)or  5Kllem,  weld&c  ju  einer  SÄblel^nung  ieneö  Snftituted  führen 
muß.  I^cnjenigen  Keinen  ©ebieten,  in  weld^en  bie  ©intinbfd^aft  gegenwärtig 
noc^  gcbräud^lid)  ift,  wirb  baburc^  um  fo  weniger  ju  nal(|e  getreten,  ate,  mit 
bie  Grfafirung  le^rt  (j.  33.  in  SBürttemberg,  wo  bie  allgemeine  ©ütergemein- 
fd^aft  mit  fortgefe|ter  ©ütergemeinfd^oft  eine  weite  SBerbreitung  l^ot,  tro^brm 
aber  üon  bem  na^  bem  württemb.  2.  9i.  juläffigen  3nftitutc  ber  ©inKnbfc^ft 
faum  ©ebroud^  gcmad^t  wirb),  bic  ^xocde  ber  allgemeinen  ©ütergemeinf4«ft 
mit  fortgefegter  ©ütergemeinfd^aft  R^  in  auöreid^enbem  3)laße  aud^  o^ne 
Ginfinbf^iaft  crreid|cn  taffen,  jumat  burd&  ben  §  1406  9lbf.  5  bem  übcrlebenben 
@()cgatten  baö  dicä)i  beigelegt  ift,   aud)  im  ^alle  ber  SCBieberocr^eiratijiung 


(5rningenl(&Qft?öemcinf(6aft.    SSercinSarunfl.    §  1410.  491 

bei  ber  äuSeiimnbcrfc^ung  wegen  bcö  ©cfamtntguteö  ber  fortgefegten  Oütev^ 
gemeinfc^aft  boö  ganjc  ©efammtgut  ober  einjelne  2^^eile  bcöfelben  gegen  ©rfag 
bei  3(^ägungdQ)ert^ed  }u  übernehmen. 


I Y.   ^rntttflenf^aft^gemeiitfc^aft  0* 

§  1410. 

SBegen  ber  ©rünbe,  mel^e  ben  (gntrourf  beftimmt  ^aben,  bte  ©rrungen- 
f(^ftdgemeinfdÖQft  ote  t)ertragömä6igen  ©üterftanb  rollftänbtg  ju  regeln,  roirb 
ouf  bie  Einleitung  ju  bent  e^elid^en  ©üterred&te  oben  @.  141  ff.  üerroiefen. 
Sei  ber  Siegelung  ber  errungenfd^aftßgemeinf(^aft  ift  im  9lnfd^Iuffe  an  bie  softem  bcc 
äSf^rjo^l  ber  auf  bem  Soben  biefeö  ©üterftanbeö  [tef)enbcn  SRcc^te  baö  ©t)ftem  e,^"^. 
ber  reinen  ©rrungcnfdöaftögemeinfd^aft,  nidit  aber  ein  smifciien  biefer  unb  ber  ^^JfJlS^,^ 
SRoWlior'  unb  ©rrungenfc^oftögemeinfd^aft  beö  franjöfifd)en  Steckte«  in  ber 
üRitte  fte^enbcö  Si)ftem,  mie  fold&eö  einzelnen  ^artihilarred^ten  in  f feineren 
Secfttögebieten  am  SRtjcine  unb  in  S^a^ern  ju  ©runbe  liegt,  jum  9lußgangß=: 
punfte  genommen  (oergl.  gegen  ein  fold^eö  gemifd|teö  ©i)ftem  bie  ©inicitung 
jum  e^üd^cn  ®üterred)te  oben  ©.  155  ff.),  hieben  bem  ©i)fteme  ber  reinen 
6rrungenfc^aftßgemeinf(!^aft  ein  berartigeß  gemifd^teß  ©i)ftem,  rotnn  auä)  nur 
in  einjefnen  Sejic^ungen,  foüiel  baß  SSer^ättnife  nad^  aufeen  betrifft,  anfangs* 
^^  JU  regeln,  ift  burc^  ein  Sebürfnife  nid&t  geboten,  juntal,  fooicl  befannt, 
in  ben  »ercinjcltcn  flcinen  ©ebieten,  in  roeld^en  ein  fold^eß  gemifdf)teß  ©t)ftem 
gqenroörtig  flcfegli^  no4)  gilt,  auf  bie  ©r^attung  biefeß  Sr)ftemeß  fein 
9m\dfi  gelegt  mirb.  Ucber^aupt  muffen  biejenigen  Orünbe,  meiere  ben 
6ntiDurf  beftimmt  ^abcn,  nur  ein  ©pftem  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft 
}n  regeln  foergl.  bie  SSorbemerfung  ju  §§  1338—1434  oben  ©.  321),  ba^in 
fifiren,  audb  nur  ein  ©i)ftem  ber  Grrungenfd&aftßgemeinfd^aft  im  ®tU^ 
ku<^  ju  orbnen,  troßbem  bie  auf  bem  SJoben  ber  Grrungcnfd&aftßgemeinfd^aft 
iäfcnbtn  JRed^tc  nid^t  minber  mie  bie  S^led^te  ber  allgemeinen  ®iitergemeinfc^aft 
W(^  in  grunblegcnben  '^vdQzn  außeinanbcrge^en. 

pr  ben  ß^eoertrag,  burc^  meldten  ber  Oüterftanb  ber  ßrrungenf^aftß*  öcnc^migun« 
gnneinfd&aft  unter  ben  ©Regatten  vereinbart  roirb,  ift  eine  bem  §  1341  9lbf.  2  *  fc^anl"" ' 
mtfpret^enbe,  bie  allgemeinen  Orunbfäge  ber  elterlicj^cn  (Scroalt  unb  beö  SSor^-   «'''"^*'^- 
munbfc^aftßred^tcß  über  bie  aSertretungflmad^t  beß  gefcftlid&en  95crtreterß  (§§  1649, 
1728,  1737   aibf.  4,   §  1743)  burd&bred&enbe  58orf(^rift  nic^t  für  erforberlid^ 
«nw^tet.  3)ie  Grrungenfd^aftßgemeinfc^oft  fann  in  ber  i)kv  fraglichen  Sejic^img 
^  ollgemcinen  ©ütergemeinfd^aft  nic^t  an  bie  Seite  geftellt  werben,  ba  mit  ber 
Hteren  weit  eingreifcnbere  SBirfungen  oerbunben  finb.    2)ie  Grrungenfc^aftß* 
9«neinf(^aft  ftellt  fid6  geroiffermafeen  nur  alß  eine  aRobififation  beß  gefejlic^eu 
«Wif^en  ®üterred[)teß  bar.    5Diefe  aßobififation  ift  nid&t  fo  erl)cblid^,  um  bie^ 
felbe  anbcrß  wie  fonftige  baß  gefejlic^e  e^elid^e  (Süterrec^t  mobifi}irenbc  ®l)es 

M  fBegen  beö  geltenben  9tedjteö  »ergl.  inöbcf.  ?leu6aiier,  baö  in  3)eutfd6ranb 
jcitenbe  e(eli(^e  ©üterrec^t  unter  Semi^ung  amtlicher  SWateriolicn,  1879. 


492  ®rruuöcnf(6aft§öemeinWaft.    SBcfen.    §  1411. 

Dcrträgc  ju  be^anbctn  (ocrgl.  bie  aWotbc  ju  §  1333).  gür  bic  ©^rau  ijl 
ber  ©ütcrftanb  bcr  (Srrungenfd&oftßgemcinfd^aft  namcntlid^  bei  bcr  9trt  unb 
SBcifc,  lüic  ber  ®ntn)urf  bie  ©d&ulbcnfiaftiing  ber  ß^efrau  gegenüber  ben 
©löubigern  unb  gegenüber  bem  (S^emanne  geregelt  f)at,  regelmäßig  üort^cit 
l)Qfter,  als  ber  gefefilid^e  Oüterftanb,  unb  aud^  für  ben  Seemann  fann  bei  bem 
crfteren,  namentUd^  mit  SRürffid^t  barauf,  baS  l^ier  bie  SSorfd^rift  beö  §  1289 
nid^t  gilt,  bie  2age  eine  günftigere  fein,  als  bei  bem  lefetercn.  ©in  ß^eocrtrag, 
burd&  TOeld^en  bcr  (Süterftanb  ber  ©ütertrennung  vereinbart  wirb,  ift  für  ben 
®(;emann  unter  Umftönben  mit  weit  größeren  Slad^t^eilen  t)erbunben.  2:ro^ 
bem  ift  aud^  für  biefen  ß^eoertrag  baö  ©rforbcrniß  ber  ©enetjmigung  befi 
SSormunbfd^aftßgerid^teö  als  entbefirlid^  angefel^en. 

§  1411. 

iBefen  S)er  bcr  ®rrungenfc^aftsgemeinfd^aft  ju  (Srunbc  licgenbe  ©cbanfe  ift  im 

*^f^«r"'  3lUgemeinen  bereits  in  bcr  ©inleitung  jum  e^elii^en  ©üterred^te  oben  ©.  151  ff. 
«emeinfc^aft.  bargclcgt  löorbcn.  S)Q8  t)on  jebem  ber  ©l^egatten  in  bie  ®^e  eingebra^ite 
SSermögen  unb  bie  mä^renb  berfelben  burd^  Erbfolge  ober  burc^  SScrmäc^tnife 
ober  qIö  5ßf[id6tt^eil  ober  burd^  ©d^enhing  erroorbenen  ober  bemfelben  dd  Suft- 
ftattung  gemährten  ober  mit  SlüdEftd^t  auf  ein  fünftigeö  ©rbrcd&t  übertragenen 
©egenftänbe  (§  1412)  werben  ber  ©ubftanj  nad^  oon  ber  ©emeinf^aft  nicjt 
ergriffen,  fonbcrn  bleiben  ©onbergut  beß  betreff cnbeu  ©Ijegatten.  ©emeinfam 
roerbcn  foD  aber  aller  ©rrocrb,  wcld&cr  Don  ben  ®l)egatten  mä^renb  befte^cnber 
Gl)c  bur^  il^re  2:f)ätigfeit  gemad&t  wirb  ober  in  ben  9iufeungen  beö  ©onber^ 
gutes  befielt  (§§  1411, 1414);  gcmeinfam  foHen  anbercrfeits  aud6  bic  für  biefen 
©rrocrb  erforbcrlid^en  9lusgaben  unb  bie  ctjclidöcn  Saften  fein  (§§  1418, 1419). 
«onftruftion.  2)ie  S)urd^füt)rung  bicfeS  Oebantenö  ift  in  ben  bcfte^enben  Siedeten  in  jmei 
©eitenbcs  .^auptformcu  erfolgt.  9Jad^  bcr  einen  bilbet  bcr  oon  einem  ©Regatten  gemad^tc, 
unter  ben  Segriff  ber  ©rrungenf^aft  faUcnbe  ©rroerb  fd&on  roä^renb  bcftc^enber 
(Semeinfd^aft  einen  bcfonbcren  Sicrmogensinbegriff.  9iad^  ber  anbcren  roirb 
bagcgen  crft  bei  3lufl5fung  ber  ®cmcinfd&aft  burd^  SÄbred^nung  ermittelt,  ob 
mä)  Grfafe  bcs  beiberfeitigen  ©onbcrgutcs  unb  naä)  Seri^tigung  bcr  ber  @^ 
mcinfc^aft  jur  Saft  fatlenbcn  SScrbinblid^feitcn  eine  ©rrungcnfd^aft  tjorl^anben 
ift,  unb  mirb  biefer  Ucbcrfd^uß  bann  unter  ben  ©Regatten  get^cilt.  9lad&  mand^ 
3led;tcn  ift  cS  jn)eifcll)aft,  roel^c  biefer  bciben  9luffaffungen  itinen  ju  Orunbe 
liegt.  2)ie  sroeite  9luffaffung  mirb  na^  bcr  offijiellen  SRittl^eilung  bcr  ba^r. 
Slegicrung  (ücrgl.  Sicubauer,  3^fö"^"^cnftcllung  ©.  108  §  21)  für  bic  ba^r. 
Siedete  mit  ßrrungenfdjaftsgcmeinfd^aft  als  bic  SReget  ^ingcftcBt.  3)icfcr  Sluf- 
faffung  neigt  ftc^  and)  bic  ^rajis  im  Oroß^crjogtbumc  Reffen  ju  (oergL  91eu^ 
baucr  S.  52,  57;  ferner  ©cuffcrt  Vir,  329,  330,  XVI,  55;  anbercrfeits  ©cuffcrt 
XXXIX,  219);  bod^  fielen  Immobilien,  meldte  üur  Grrungcnfd^aftsgcmcinfdiaft 
gel^örcn,  mcil  fie  nad^  gcfefeUcbcr  33orfd&rift  auf  ben  3iamen  bciber  ©Regatten 
eingetragen  merben  follen,  im  9Jliteigentt)umc  bcr  legtercn.  ©ntfd^icbcn  auf 
bem  Stanbpunftc  ber  jroeiten  Sluffoffung  ftc^t  ferner  bas  furl^eff.  di^t  Sie 
ift  ^icr  burc^  bic  ^rajis,  obwohl  biefe  früfjcr  gcfc^roanft  l^at,  unjiocifelbaft 
feftgcftellt  unb  mit  befonberer  Sd|ärfc  unb  Äonfequenj  ausgcbilbet  (t)ergL  gcnncr 


Srrungenfcgaftgdemeinfc^aft.    ä&efen.    §  1411.  493 

unb  SBcrfc,  cioilrcd^tl.  6ntfd&.  bcr  obcrftcn  ©crid^tö^öfc  in  5)Jrcufecn,  VIII,  77 
S.  208).  3Iud&  in  einjclnen  anbcrcn  Heineren  Sflei^tegcbicten  f)at  bicfc  gorm 
ber  ßmingenf^oftögemcinfci^aft,  roeld^e  alö  ©cnteinfd^aft  bcö  S^genjinnfted  be* 
jeui^net  ju  werben  pflegt,  Slnerfennung  gefunbcn.  9liif  bcm  ©tanbpunfte 
ber  oben  bejei(^neten  erften  Sluffaffung,  mä)  roeld&er  bie  ©rrungenfd^aft  von 
oom^cin  eine  felbftänbige  93ermogenömaf?e  barfteüt,  fielen  bagcgcn  baö 
loürttemb.  2.  31.,  femer,  obwohl  bieö  ni^t  üöUig  unbeftritten  ift,  boß  baqr.  S.  SR., 
bod  roürjb.,  fd^roeinfurl.  unb  bamb.  Siedet  (oergl.  9ieubauer  a.  q.  D.  ©.  108). 
SJofifelbe  rairb  für  baö  in  5RaRau  geltenbe  SRed)t  angenommen.  Slud^  baß 
|nDeu§.  ä.  S.  SR.  unb  baß  franj.  SRed^t  legen  für  bie  ©rrungcnfdiaftßgemcinfc^aft 
biefdbe  Äonftruftion  }u  Orunbe,  mie  für  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft 
bep.  bie  aKobiliargemeinfd^aft,  unb  geboren  ba^er  bcr  erftgcbad^ten  9luffaffung 
an.  Sütffic^tUc^  ber  grage,  mie  nad^  ben  ju '  biefcr  Äategoric  gcborenben 
Stetsten  baß  in  Slnfc^ung  ber  (Srrungenfd&aftßmaffe  bcftelieiibe  (Semeinfdjaftß? 
oer^Itni§  re^tlic^  ju  fonftruiren  ift,  jeigt  fid&  aber  biefelbe  SBerfd|iebenf)eit  ber 
Sfati(iiten,  roie  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft  (ücrgl.  bie  SJorbemerfung 
JU  §§  1341  ff.  oben  ©.  330  ff.).  33ei  bcr  ®rrungcnfd&aftßgemcinfd&aft  ^at 
inbcjjen  bie  SSuffaffung,  bafe  unter  ben  ©l^egattcn  ein  @efeUfd)aftßöerf)öltni6 
befte^t  unb  auf  baß  benfelbcn  an  ber  ©rrungcnfdiaft  jufte^cnbe  Sigent^um  bie 
oBgemcincn  ©runbfäfee  über  aßiteigent^um  Slnmcnbung  finben,  größere  SSer^ 
breüung  gefunben,  mie  bei  ber  aÜgemeinen  ©ütergcmeinf d)af t ;  inflbcfonbere 
ift  jene  Suffaffung  im  roürttemb.  SRed^te  jur  unjn)eifcU;aften  ®c(tung  gelangt 
unb  fonfequent  außgebilbet  (oergl.  aud&  für  baß  im  ©rofe^erjogt^umc  J&ejfcn 
fleltenbc  Slcd&t  Seuffert  XXXIX,  219). 

2)ie  Seftimmung  bcß  §  1411  aibf.  1  bringt  junäc^ft  jum  SlußbrudEe,  ^tanbpunu 
ba§  no^  bem  (Sntwurfc  bie  ©rrungenfd^aft  fdf)on  mäljrcnb  beftefienber  Ocmein*  «ntrourfe«. 
f4löft  einen  bcfonberen  aSermögenßinbegriff  bilbet,  unb  roenbet  fic^  bamit  gegen 
boß  Softem  ber  ©emeinfd^aft  beß  3ii9^W)innftcß,  nad&  meld^em  roäl^rcnb  be* 
M^nber  ©emeinfd^aft  bie  jur  ©rrungcnfd^aft  gel^orenben  ©cgenftänbe  im 
Kgentl^ume  beßjenigen  6l|cgatten  fteljcn,  meld^er  bie  @m)erbßl)anblung  Dor^ 
genommen  ^at  unb  baß  jroifd^en  ben  ©begatten  mit  ber  ©emeinfd^aft  ent« 
fte^«  Ste^tßoer^ättnife  fid&  nur  alß  ein  Dbligationßt)erl^äItni6  barftellt, 
wnnoge  beffen  ieber  ber  @{)egatten  Dcrpflid^tet  ift,  ben  SBcrtI)  bcr  in  feinem 
Sgent^ume  ftc^enben,  §ur  ©rrungenfdjaft  ge^örenben  ©cgenftönbe  n)ä[)renb 
ber  ©emeinfc^aft  jur  33eftreitung  ber  e^elid^cn  Saften,  nad^  9luflöfung  berfelben 
iwn  3«)e(fe  ber  2^cilung  beß  (Seroinneß  ju  fonferiren.  @ß  läfet  fid)  nid^t 
oertenncn,  baß  auf  bem  SBege  biefeß  [enteren  ©i)ftemcß  eine  SSereinfad^ung 
beß  SSer^ältniffeß  nac^  aufeen  infofern  erjielt  mirb,  atß  man  nad^  au§cn  nur 
mit  §n>ei  bcfonberen  SSermogenßmajfen  }u  red^nen  ^at.  Sluf  ber  anbcrcn  ©eite 
fifyA  baßfelbe  aber  ju  anberen  fd^mierigen  unb  oerroidfcltcn  fragen,  roeld^c  in 
ben  9le<^tßgebieten  jeneß  ©pftemeß,  j.  S.  in  Äurt)cffcn,  in  ätnfe^ung  bcr  93cr* 
pfß^tung  bcr  ß^efrau,  ben  SBertl^  ber  von  \f)x  erraorbcncn,  unter  bcu  Segriff 
ber  grrungenfd^aft  faDenben  ©egenftänbe  fc^on  roä^renb  bcftcf)cnbcr  ©cmcin^ 
f(^ft  bem  ©bemanne  ju  fonferiren,  foroie  in  3lnfcf)ung  bcß  3lcd&tcß  bcr  ®läu* 
Kger  beß  g^anneß,  jenen  Slnfprud)  beß  (enteren  gcltcnb  ju  machen,  fid^ 
erhoben  ^obcn.    aud&  entfprid^t  eß  ber  gefc^id^tlid^en  entroidEcIung  bcß  cljclid^cn 


494  6rrunocnf(j&afföGcinclnfd?aft.    SBefcn.    §  Uli. 

©ütcrrcd^teö  unb  bcr  Stuffajfung,  roeld&e  boö  legtcrc  in  2)cutfcft(anb  gefunbcn 
\)at,  tncf)r,  wenn  bic  S^tdt,  rocli^c  eö  Dcrfolgt,  unmittelbar  burd^  eine  bcn^ 
fclbcn  cntfprcd&cnbc  ©cftaltung  bcö  Stcd&töocr^ältniffeö,  olö  mittelbar  auf  bem 
Umwege  eines  ben  ©Regatten  jufte^enben  obligatorifc^en  Slnfpruc^cs  errei^t 
werben.  3w>^if<^f^öft^^"  ^^^^^  cö  fein,  ob  eö  fid^  nid^t  im  3ntereffe  ber  SSer? 
einfad&ung  bcö  SBer^ältniffcö  empfehlen  roürbe,  bei  ber  Grrungenfd&aftögemein* 
fd^aft  in  2lnfc^img  ber  ©rrungenfd^aftömaffc  baß  ^ßrinjip  beö  atUeineigcntt^umc« 
beß  ®^emanneö  ju  ©runbe  ju  legen,  jumal  ber  oon  bem  Gfjcmanne  gemad&te 
©rrocrb  regelmäßig  ben  §auptbeftanbtf)eil  ber  ©rrungcnfc&aft  auömad^t  unb 
fid&  nad^  außen  l)in  üon  bem  ©onbergute  bcö  ß^emanneö  ntd^t  unterfc^eiben 
läßt,  bie  SBejie^ungen  bciber  SKaffen  ju  eiimnber  oietmc^r  burd&  bie  UmfaJ* 
gcfd^äfte  unb  bie  aSerroenbungcn  auö  ber  einen  3KaRe  auf  bie  anbete  einem 
beftänbigcn  SBed^fel  unterworfen  fmb.  ^raftifd^  mürbe  babur^  bie  ©cftaltung 
beö  SBer^ältnijfeö  fid)  üon  bcm|enigen  auf  bem  33oben  ber  (Semcinfd^aft  bcö 
3ugeroinnfteö  fte^enben  9led)ten  ni^t  erl)eblid&  unterfd&ciben,  meiere  bem  G^c^ 
manne  in  Slnfc^ung  ber  oon  ber  ©t)cfrau  erworbenen,  ju  ber  ©rrungcnf^aft 
ge^orenben  ©egenftänbe  —  abgefefien  üon  ben  auf  ben  Flamen  beiber  6b^ 
gatten  eingetragenen  Immobilien  —  ein  weitge^enbeö,  bem  Gigent^ume  glcie^ 
fteljcnbeö  SBcrfügungöred^t  beilegen  ober  i^n  gerabeju  alö  ßigent^ümer  bcbanbeln 
(ücrgl.  ©euffert  VIT,  329,  330,  XVI,  55,  XXXIX,  219,  Jenner  unb  aftcdc, 
cioilred^tl.  Gntfd^.  IX,  37  ©.  97).  ©cgen  eine  berartige  ©eftaltung  fällt 
inbeffen  t)om  ©tanbpunfte  bcö  Gntwurfeö  auö  entf^eibenb  inö  ©ewid^t,  ba| 
bcr  Icgtcre  für  bie  allgemeine  ©ütcrgcmeinfd^aft  baö  ^^Jrinsip  bcö  SUein-' 
etgentl^umcö  beö  Gbcmanncö  abgelet)nt  bat,  t)on  biefem  Stanbpunftc  auö  ba^r 
baö  ©efefe  enifd^ieben  an  Ginfad)l)eit  gewinnt,  wenn  bei  ber  Grrungcnfdbaftö« 
gemeinfdbaft  biefelbe  Äonftruftion,  wie  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfd^oft, 
b.  i).  baö  ^rinjip  beö  beutfd^red^tlid^en  3niteigentt)umeö  }u  ©nmbe  gelegt  wirb 
(ücrgl.  bie  SJorbemerfung  ju  §§  1341  ff.  oben  ©.  330  ff.),  ©c^on  auö  biefem 
©runbe  empfiehlt  eö  fid&  aud^  nid^t,  baö  üon  üerfd&iebenen  iRec^tcn  für  bic 
Grrungenfd^aftögemeinfc^aft  anerfannte  ©oiietätöprinjip  }um  Sluögangöpunfte 
JU  nel^men.  ^a}u  !ommt,  baß  biefcö  ^rinjip  5U  Ronfequenjen  fübrt^  welc^ 
bem  SSefen  unb  bem  ^xoedt  ber  Grrungenfc^iaftögemeinf^aft  nicbt  genugenb 
9{ed)nung  tragen, 
»eflriff  bcr  älnlangenb  ben  S3cgriff  bcr  Grrungenfi^aft,  fo  l^errfd^t  in  bicfcr  S^ 

\i!^'  Sterling  unter  ben  befte^cnbcn  Siedeten  fad^lid^  in  ber  ^auptfad^c  Uebcrcin- 
ftimmung.  ©ö  gehören  ba^in  jcber  wälircnb  beftel^enbcr  ©emcinfd^aft  burib 
bie  Slrbeit  ber  ©^egotten  gemad^te  ©rwerb  unb  bie  9{uftungen  il^rer  ©onber* 
guter  (ocrgl.  inöbef.  württemb.  Ö.  SR.  III,  7  §  2;  ba^r.  2.  SR.  I,  6  §  20; 
würjb.  2.  k.  lU,  96  §§  3,  4;  mainj.  2.  JR.  m  §§  2,  3;  folmf,  2.  D.  Sit.  28 
§§  2,  3 ;  ^ef[.  barmft.  SJerorbn.  r>.  2.  aJlärj  1795  §§  5,  6 ;  frantf.  SRefomt 
V,  5  §§  2,  3;  preuß.  91.  2.  SR.  II,  1  §§  396,  402—405;  code  civü  «rt.  1498; 
ferner  ^eff.  ©ntw.  IV,  2  3lrt.  503;  württemb.  ©ntw.  ärt.  2,  3,  17—30; 
el)renbreitft.  ©ntw.  §  95).  Die  Q^xt  beö  ©rwerbeö  entfd^eibct  jnwir  nic^t 
unbebingt  über  bie  3u0^^örig!eit  beöfelben  5um  ©efammtgute  ober  }um 
©onbergute;  alö  Siegel  wirb  man  inbeffen  unbebenfli^  auffteUen  tonnen,  boß 
ber  wö^renb  befte^enber  ©^e  gemalte  ©rwerb  beö  einen  ober  anbcren  ©ftc* 


(ärningcnf$aftfi0cmeinf(J&aft.    ©cnbcröut.    §  141-2.  495 

gotten  Scftonbt^cil  bcß  ©cfammtgutcß  wirb,  bos  einem  ©i^egatten  beim  (Sim 
trifte  ber  ©mmgenfd^aftögemcinfd^Qft  jufte^enbe  aSermogen  bagegen  ©onbergut 
ift.  S)iefer  formellen  S'legcl  gegenilber  finb  bann  bie  aus  bem  materiellen  Se^ 
griffe  ber  ©rrungenfciiaft  fid^  ergebcnben  9luöna^men  ju  beftimmen  (§§  1412, 
1414,  1415).  gür  bog  ©efefebuci)  ift  ein  fold^cs  Serfal^ren  (oergt.  inöbef.  aud) 
preug.  31. 2.  SR.  ii,  i  §§  396,  402,  403;  mürttemb.  ©ntm.  §§  2,  3)  bcm  aUer^ 
bingft  üon  ber  SKetirjal^t  ber  Steckte  eingef(i)lagenen  SBege  ber  2lufäftl^lung  ber 
finjctnen  Seftanbt^cilc  ber  ©rrungenfc^oft  unb  ber  ©onbergütcr  üorjuäie^eii. 
S3ei  biefem  legtcren  SSerfa^ren  ift  eö  faum  ju  ocrmeiben,  bafe  nid^t  einige 
Crroerböarten  übrig  bleiben,  rüdffidötli^  beren  eö  jn)eifetl)aft  bleibt,  ob  fie  ber 
einen  ober  anbcrcn  Äategorie  angcljörcn;  bic  ©trcitfragcn,  meldte  in  biefcr 
^infi(^t  entflanben  Rnb,  rühren,  menigftcnö  jum  3:l)eil,  oon  jenem  SSer^ 
fttftren  ber  ®efc|gebung  ^er. 

S)o  bei  bcm  Oütcrftanbe  ber  Grrungenfd^aftägemeinfd^aft  —  abroeid^enb  0«^^««- 
twm  ber  allgemeinen  ®ütergemeinf(i)aft  —  baö  SSorlianbcnfein  Don  ©onbcr- eonberguteö. 
gutem  neben  bem  ©efommtgute  bie  burd^  baö  SBefen  ber  ©rrungenfd^afts^ 
goncinft^aft  bebingte  SRegel  bilbct  unb  mit  jur  ©runblagc  beß  ganjcn  3nftitutcö 
gebort,  fo  ift  es  angemeRen,  pon  oorn^erein  im  SÄnfdljlujfe  an  bie  39cftimmung 
b«s  §  1411  Stbf.  1  barauf  ^injuroeifen.  3luf  biefem  ©ebanfen  berul^t  bie  Sc- 
ftimmung  bcs  §  1411  3lbf.  2,  meldte  einerfeitß  jum  Sluöbrutfe  bringt,  bafe 
böS  ni(^t  jum  ÖJefommtgute  gc^örenbc  SScrmögcn  beö  einen  ober  onberen 
Blatten,  fomeit  baöfelbe  nid^t  auönalimöroeife  ben  Äarafter  oon  a3orbel)altsgut 
!lot  (§  1416),  ©onbergut  ift,  anbcrerfcitß  ben  juriftifd^en  Äaratter  beö  ©onber- 
fintcö  unb  beffcn  SBer^ältnife  jum  ©efammtgute,  t)orbc^altlidö  ber  auö  ben 
§§  1417  ff.  ftd^  ergebenben  näheren  Seftimmungcn,  im  älllgcmeincn  erfennen 
lö§t  SDurdd  bic  Seftimmung,  bafe  bie  Slufeungen  ber  Sonbergüter  ju  bem 
Sefammtgutc  in  bemfelben  Umfange  gepren,  in  meinem  bei  bcm  gefeglic^en 
e^eli(^  ®üterftanbc  bie  Slußungen  beö  6l)cguteö  bem  ©bemanne  gel|5ren, 
wirb  jugleid^  ber  Umfang  ber  bem  ©cfammtgute  jufallenben  Siufeungen  ber 
conberguter  in  einer  ber  Slnalogie  beö  gefefelid^en  el)elid^en  öütcrred&teö  ent^ 
fpred^en  unb  Haren  SBcife  beftimmt. 


§  1412. 

2)er  von  allen  auf  bcm  ©gfteme  ber  reinen  6rrungenfc^aftögemeinfd^aft^<»«.^e«  ®»n' 
Mienben  ffttöfitn  (tjcrgt.  bie  3Kotit)e  ju  §  1411  oben  ©.  492)  ancrfanntc  wcmLwaft 
©ninbfag,  bag  bas  einem  ©Regatten  bei  bem  ©intritte  ber  errungenfd^aftö-  ^^^^^ 
joneinfd^ft  jufie^cnbe  aSermögen,  üorbel^altlid^  ber  Seftimmung  beö  §  1416,    ^"" 
Sonbergut  beöfclbcn  ift,  ergiebt  ftc^  an  fxä)  fd^on  auö  §  1411.  '  gjlit  Slücffid^t 
ttttf  bie  aStd^iglcit  beö  @nmbfa|cö  unb  rocgen  ber  aSoUftänbigfeit  ber  3luf^ 
Ji^lung  beöienigen,  maö  ©onbergut  ift,  empfiehlt  eö  fic^  jeboc^,  im  §  1412 
WH^  auöbtücfUd^  barauf  J^luiumeifen.   S)ie  5Wegcl  erteibet  au6)  feine  Sluönabmc 
in  Slnfe^ng    ber  beim  (Sintritte   ber  ©rrungenfc^aftögemeinfc^aft   ju  bcm 
Sonbcrgute  beö  einen  ober   anbcrcn  @()cgattcn  gcl^örenben   t)crbraud&barcn 
So^,  indbefonbere  beö  baaren  Oclbcö  (oergl.  mürttemb.  ©ntro.  §  3),  ba  auc^ 
W  bem  gcfc^Ud^cn  ©üterrec^tc  (§  1294)  auf  bic  cl)elid^c  9lufeniefeung  an  ücr* 


496  Srnmöenf^aftööemcinf^aft    Sonbergut.    §  1412. 

braud^barcn  Sad&crx  bic  SBorfd^rif ten  über  ben  3lic6braud[)  an  ocrbraud^baren 
©aciien  feine  3lnn}cnbung  finben.  ®od^  fomtnt  ben  ©Regatten  in  biefer  9e^ 
jiefjung  bie  im  §  1421  9lbf.  2  aufgcftcUte  aSermut^ung  ju  ftatten. 

S)urd^  ben  fraglid^en  ©runbfag  ift  übrigens  nic^t  auögefd^Iojfen,  bafe 
Don  ben  ©Regatten  anä)  fold^e  (Scgenftänbe,  welche  an  fic^  jum  ©onbergutc 
eines  ©degatten  gel)ören  würben,  burd^  ß^erertrag  (§§  1333,  1335)  bem 
©efammtgute  jugeroiefen  werben.  3)er  Uebergang  fol^er  Oegcnftänbe  in  baö 
©efammtgut  erfolgt  inbcffen  niöji  in  Oemafe^eit  ber  §§  1417,  1343  fraft  bcö 
©cfegeö,  fonbern  nur  nad)  SRafegabe  ber  allgemeinen  für  ben  Uebergong  bcfi 
bctreffenben  9led)teö  geltenben  33eftimmungen.  ©in  Sebürfnife,  in  biefer  ^infic^t 
für  ben  bejeid&neten  galt  bie  allgemeinen  ©runbföge  mit  Slücffid^t  auf  bic 
wenigen,  bem  gcmifd^ten  ©^fteme  ber  ©rrungenfdiaftögemeinfc^aft  angeprenben 
Siedete  (oergl.  bie  äjlotioe  ju  §  1410  oben  ©.  491)  ju  burc^bred^en,  tann  nit^t 
anerfannt  werben. 
€n»ert  von  <^a^  ftxixtv  biejeuigen  ©egenftänbc,  weld^e  wö^renb  beö  Sefteöcnö  ber 

obef bl!?r  ©rmngcnfd^aftögemeinfd^aft  oon  einem  ©fiegattcn  burc^  ©rbfolge  ober  bun^ 
ec^cntung.  SBermöd^tuife  ober  afe  ^flid^tt^eil  ober  burc^  ©d^cntung  erworben  wirb,  Dor* 
bcfiattlid^  ber  93cftimmung  beö  §  1416,  ©onbergut  jenes  ©Negotien  finb,  ftc^t 
mit  allen  ©rrungenfd&aftörcd^tcn  im  ©inflange  (oergl.  bie  in  ben  ÜWotioen  }u 
§  1411  oben  S.  492  ff.  angeführten  9led&te).  aSon  fclbft  Derftel)t  es  fid^  jeboi, 
bafe  bei  3wwenbungcn  ber  fraglid^en  Slrt  an  einen  ber  ©fjegattcn  t)on  bem 
3uwenbenben,  foweit  baburd^  nid^t  ein  5ßP[id&tt^eitßredS)t  Derleßt  wirb,  na^ 
3)Za6gabc  ber  allgemeinen  erbred^tlid^en  ®runbfä|e  wirffam  bcftimmt  werben 
fann,  ba^  bas  Sugewenbete  bem  ©efammtgute  juf allen  folle;  bod^  ^at  eine 
fold)e  23eftimmung  nic^t  bie  SBirfung,  ba§  bas  S^gewenbete  bircft  traft  befi 
OefefceS  ©efammtgut  wirb  (oergl.  code  civil  3lrt.  1405).  9lid^t  minbcr  ift  cS 
als  felbftoerftänblid)  era^tet,  bafe  basjenige,  was  beiben  ©Regatten  in  ber  ^ier 
fraglid^cn  9lrt  Don  einem  2)ritteti  jugewenbet  wirb,  fofern  nic^t  eine  entgegen* 
ftef)cnbe  2lbfid^t  bes  Suwenbenben  erl)ellt,  in  ©emäfe^eit  bes  §  1412  ni^t 
©efammtgut,  fonbern  gcmeinf^aftlid^es  ©onbergut  beiber  ©tjegatten  wiri). 
2)as  aSerf)ältni^  ift  Ijier  nid^t  anbers,  als  wenn  bie  ©l)egattcn  üor  Scginn 
ber  ©emeinf^aft  gemeinfd&aftlid^es  SBermögen  gcl^obt  Ijaben.  3)ie  abweid&enbe 
Seftimmung  einsctncr  Siechte,  j.  S.  bes  württcmb.  ß.  SR.  IV,  4  §  5,  ^dngt 
t^eils  mit  ber  ©ojietötsttieorie,  tljeits  bamit  jufammen,  bafe  nad^  bcmfclben  bie 
©rrungenfd^aftögemeinfc^aft  ben  gefeßlid^en  ©üterftanb  bilbet,  unb  unter  biefer 
SBorauSfcgung  bie  3lnna^me,  bafe  bas  beiben  ©Regatten  gemcinfd^aftlicö  3^ 
gewenbete  ©rrungenfd^aft  fein  folle,  nalje  liegt. 
S(^cnfungcn  Sßon  bcm  ©ruubfage  bes  §  1412  i^at  ber  ©ntwurf  aud^  für  ©^enfungcn 

ei5cg«ttc"  ^"*^^  ^^^  ©Regatten  in  Uebereinftimmung  mit  bem  württcmb.  ©ntw.  §  60  unb 
bcm  c^renbreitft.  ©ntw.  §  108  feine  SluSnal^me  gemad^t,  Db  eine  ©d^cnfung 
bes  ©iiemanncö  aus  bem  ©efammtgute  an  bie  ©Ijcfrau  (§§  1417,  1353)  ato 
ein  ben  ©üterftanb  ber  ©rrungenfc^aftsgemeinfd^aft  änbcmber  SBcrtrag  im 
Sinne  beS  §  1333  anjufc^en  unb  bcs^alb  bic  im  §  1335  ätt)f.  1  oot» 
gefct)riebenc  gorm  erforberlid^  ift  (t)ergl.  Ijeff.  ©ntw.  IV,  2  Slrt.  503  9lr.  3), 
Ijcbarf  einer  bcfonberen  gefe^lid^en  ©ntfd^eibung  nid&t;  üielmelöt  fann  bie  6nt? 
fd^eibung  ber  gragc  unbebenfli^  ber  3uriSprubenj  überlaf[en  werben. 


J 


(Srrunöcnfc^aftÄflemeinfdjaft.    Scnbcröiit    §  1412.  497 

iJic  SRcgcI,  ba%  bic  von  einem  ©Regatten  wöfircnb  beftel^enber  (Scnicim  Mcmuncra- 

ftjoft  burc^  Sc^cnfung  erioorbenen  ©cgcnftänbc  ©onbergut  beöfclbcn  werbcn/''"{„^g^^"' 

ericibct  nad^  Derfddiebencu  ?lit6)k\\  eine  3fuönal)mc  föv  fold^e  ©d^enfiingen, 

löcl^e  jur  Selo^nung  für  2)i€nfte  erfolgt  finb,  bie  ber  betreffcnbc  ©l^cgattc 

wü^rcnl)  bcfte^enbcr  Oemcinfd^oft  geleiftet  l^attc  (oergl.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1 

§  m\  ^cjf.barmft.  53crorbn.  v.  2.  ÜKärä  1795  §  6;  caftell.  Sanbeöocrorbn. 

§§  138, 140;  roürttemb.  (Sntro.  §  22;  fjejf.  ©ntro.  IV,  2  Slrt.  504  9tr.  2).   ©ine 

folc^c  äusno^me,  n)cld)e  tonfcquent  awd)  auf  Icgtraillige  3ww^«"gcn  ber .  Slrt 

audjubeljneu  fein  würbe,  ift  jcbod^  oon  bem  (Sefid^töpunftc  bcö  materiellen 

SegviffcS  ber  ©mingenfd^aft  aud  nid^t  nnbebingt  geboten  imb  fann  um  fo 

weniger  alö  ein  Sebürfnife  anerfannt  werben,  olö  in  rielen  gäHen  ber  Ijier 

frogli^cn  9lrt  im  i&inblicfe  auf  bic  SBorfd^riftcn  bcö  §  559  2lbf.  2,  beö 

§  567  3lbf.  2  unb  beö  §  586  ©afe  2  überhaupt  feine  ©c^enfung,  fonbern 

bic  Sciftung  einer  als  ftiUfd^meigenb  rerfprod^en  an^ufel^enben  SBergütung  üor? 

liegen  wirb.    2)0iu  fommt,  bafe  bei  ber  ©c^enhing  befonbere  Scftimmungen 

über  fog.  remuneratorifd^c  ©dienfungen,  namentlid^  über  bie  SBegrifföbeftimmung 

betfelben,  überhaupt  nid^t  aufgenommen  finb  unb  eine  3luönal^mc  ber  bejeidineten 

Srt  roegen  ber  nid^t  ju  rermeibenben  Unbeftimmtlieit  ber  Sßoraufifegungen  grofec 

proftifd^e  ©d^roierigfeiten  mit  jtd^  ju  bringen  bro^t. 

ßbenfotDcnig  liegt  ein  Sebürfnife  üor,  nad&  bem  aSorbilbe  beö  roürttemb.  s<^n«un9en 
fhiiw.  §  30  für  ben  gaU  befonbere  SSorforge  ju  treffen,  wenn  einem  ®I)egatten  ffreS 0*^3 
wn  einem  SJritten  be^ufö  Söeflrcitung  beö  bem  ©efommtgute  jur  Saft  fallenben  ,^*^.^Jj'*J"g 
Sufroüiibeö  eine  ©d^enfung  gemad^t  ift.    Db  unb  inmiemeit  bem  betreffenben     ."'""  * ' 
©Regatten  ober  bem  ©efammtgute  bie  ©ddcnfung  ober  lefetroilligc  3ww)enbung 
^t  imadft  werben  f ollen,  ift  ©ad^e  ber  Sludlegung  beö  einzelnen  ^*alled,  bei 
©dc^r  felbftoerftänbli^  ber  3^^^^  ^^^  3wwjenbung  unb  bic  gragc,  inwieweit 
fonft  bem  ©efammtgute  ber  Slufwanb  jur  Saft  gefallen  fein  würbe,  mit  ju 
beriitfji^tigen  fein  wirb. 

Ginige  JRcd^te  entljalten  in  9(nfel;ung  ber  ©dienfungen  nod^  bic  befonbere  ^ot^seu«* 
Seftimmung,  bafe  ^oc^jeitögefc^cnfe,  fofem  ni^t  eine  anbere  9lbfi(i)t  bcö  öcf<^«»^«c. 
©eberß  er^eUt,  ©efammtgut  werben  (t)ergl.  württemb.  S.  SR.  III,  7  §  2 ;  bai)r. 
1 3».  I,  6  §  19;  tjeft.barmft.  aSerorbn.  v.  1795  §  5;  württemb.  Qniw.  §  21; 
M.  gntw.  IV,  2  ärt.  504  9lr.  2).  aSenn  au^i  —  \m^  f)kv  bal^ingeftellt 
bleiben  fann  (ocrgl.  Jebodj  §  1971)  —  im  3wcifcl  anjune^men  fein  foUte,  ba^ 
^(^5eitögefd^cnfe  alö  an  beibe  ©l^egatten  gemeinfd^aftlid^  gemad^t  anjufeljen 
nnb  (oergt.  preufe.  31.  S.  JR.  II,  1  §  172),  fo  folgt  bod^  barauö  nod;  nid^t, 
bcö  jie  ©efammtgut  werben  muffen;  rielmel^r  gilt  t)on  il^nen  baöfelbe,  waö 
mdi  Cbigcm  S.  496  oon  foldjen  ©d&enfungcn,  weld&c  an  beibe  @f)egatten  ge^ 
mcinfc^aftUd^  Qcmaä)t  pnb,  überljaupt  gilt.  33ei  ber  üertragömäfeigen  ©r^ 
rungenf^aftögemeinfd^aft  ift  bie  3lufftellung  einer  SBermut^ung  ju  ©unften 
be^  ©cfammtgutcö  um  fo  weniger  gered^tfertigt,  alö,  wenn  bie  ©efd^enfe  bem 
<Scfommtgute  juf allen,  bie  Sage  ber  ©^efrau  wegen  bcö  bem  ®I)emanne  in 
änfc^ung  bcö  ©cfammtguteö  iuftcljcnben  auögcbelinten  SSerfügungöred^tcö 
(§§  1417,  1352)  eine  ungünftigerc  ift. 

aiö  Sonbcrgut  eincö  ©begatten  bescid^nct  ber  §  1412  weiter  bieienigen  «usfiotuma. 
©egenftänbc,   wel^c  bemfclben  jur  3(uöftattung  gcwätjrt  werben.     3ft  bie 


498  errunöcnfc^ciftSöemcinfftaft.    ©cubcrout.    §§  1413,  1414. 

Icfetcrc,  n)ic  regdmSfeiß  bcr  gall,  fd;on  vov  ©ingcl^ung  bcr  ß^c  gcroSfirt  ober 

ücrfprod&cn,  fo  gcljört  fic  fc^on  mä)  bcm  im  ©ingange  befi  §  1412  Iieroor^ 

gcl)obcncn  ©runbfo^c  bcjn).  nai^  §  1414  jum  ©onbergute  bcö  bctrcffcnben 

e^cgattcn.    9Jlit  SRüdfid)!  auf  fold&c  gäHc  ober,  in  n)cl(i^cn  fic  cvft  na^ 

Gintritt  bcr  ©mmgcnfdöaftögemcinfd^aft  jugcfid^crt  ober  gcrofi^rt  wirb,  mii6 

ftc  im  §  1412  bcfonbcriS  l^erDorgef)obcu  locrbcn. 

uebertraflung  Sag  aud^  fo(d)e  ©cgenftöiibe,  lueld^e  einem  ©Regatten  n)SIjrenb  bcö  99c« 

mit  mmt  j-^g|^g„g  jjg^  errungcnfdjaftögcmeinfd^aft  mit  JRfidfic^t  auf  ein  fünftigcfi  ©rbrcd^t 

ein  wnftific»  gegeben  werben,  afö  ©onbcrgut  bcfi  betreffcnbeu  ©Regatten  ju  be^anbetn  finb, 

crbre^t.    ^^-gj^j^^  j|^  borauö,  ba%  ein  foI(i^er  Grrocrb  materiell  eine  9lntijipation  befi 

©rbred^teö  entl[|ält  (üergl.  code  civil  9lrt.  1406;  mürttemb.  Gntm.  §  5;  c^ren* 

breitft.  @ntro.  §§  6,  96).    ©icfcn  Äarafter  oerlicrt  ber  ©rroerb  auti^  babun^ 

nid^t,  bag  üon  bem  betreff enben  @l^egatten  ober  t)on  beibcn  G^egatten  gcioiifc 

aSerpflid^tungen  (®en)äl[irung  einer  Seibjud^t,  3lbfinbung  oon  ©efd^miftem) 

übernommen  merbcn.    Db  biefc  SBerpptid^tungcn  Oefammtgutöoerbinbticiötciten 

finb  unb  als  foldje  bem  ©efammtgute  ober  bcm  betreffcnbeu  Gticgattcn  im 

58er^ältnijfe  ber  ©Regatten  ju  einanber  jur  Saft  fallen,  rid^tet  fic^  nac^  bai 

attgemeinen  Orunbfä^cn  (§§  1423,  1426). 

3l\6)t  cxmifnt  finb  im  §  1412  fold^c  ©cgenftänbc,  meiere  ein  G^cgottc 
mäl^renb  befte^enber  ©emeinfd^aft  burd)  ein  cntgcltüd^eß  ©cfd^äft  üoii  rincm 
2)ritten  mit  ber  Seftimmung  befi  legtcren  ermirbt,  bafe  bafi  Crmorbenc 
©onbergut  rocrben  foHc.  Ginc  fotd&e  SBcftimmung  l&at  I)ier  ebenforoenig  SBirf* 
famfeit,  mie  in  ben  analogen  gäUen  ber  §§  1287,  1347  (ucrgl.  bic  SRotiw 
ju  §  1287  oben  ©.  169).  2)afi  0egcntl)eil  mürbe  in  ^ol^cm  ©rabc  bcbenfßcb 
fein,  mcil  alfibann  jebcr  ber  Gf)egatten,  a\\6)  ber  G^emann,  bic  SDloglic^Icit 
^ätte,  ben  Grtrag  feiner  S^Ijötigfeit  unb  Slrbeit  bem  Oefammtgute  5u  cntäicl^m 
unb  baburd^  bafi  ganjc  3nftitut  ber  Gmmgcnfdjaftfigemcinfd&oft  ju  gefä^rben. 


§  1413. 

€onberflut  ©ic  SBcftimmuug  bcö  §  1413  cntf)ält  eine  9lnmeubung  befi  im  g  1333 

G?^o«twSrt.  aufigefprod&enen  ^^rinjipcß  bn:  SBertragfifreiljcit  unb  ift  in  oerf^iebenen  9Ic(6tcn 
aufibrütf ti(^  ancrfannt  (oergl.  infibef onbere  baijr.  2.  91.  I,  6  §  22 ;  mürttcmb. 
SBerorbn.  t).  21.  aifai  1825  §  27  ncbft  murttcmb.  Gntm.  §  10;  ferner  in  3Im 
fel^ung  eines  uor  Gingcl)ung  bcr  Gf)c  gcfd&Iotiencn  G^cücrtragcfi  co<le  civil 
3rrt.  1500). 

§  1414. 

eurrogatton.  Scr  @runbfa^  bcö  §  1414,  ba^  Sonbergut  einefi  G^egatten  bieicnigcn 

Oegcnftänbc  finb,  meldte  bcrfelbe  auf  @runb  einefi  ju  feinem  Sonbergutc 
geprenbcn  Sted^tefi  ober  alfi  Grfafe  für  bic  3c^ft8^w"9/  ©efd^äbigung  ober 
Gntjiel^ung  einefi  ju  feinem  ©onbergute  gcljörcnbcn  ©cgenftanbcfi  ober  bun^ 
fold^c  aJcd^tfigcfd^äfte  erroirbt,  mcldjc  auf  fein  Sonbergut  ftd^  bejic^en,  entfprid^t 
ben  Seftimmungen  bcr  §§  1290, 1349.  2)ic  bcr  partifulfiren  ©utergemeinfcftafl 
angel^orcnbcn  dicd)ic  gc^cn  allerbingfi  in  bcr  Stnerfennung  befi  Surrogotion^ 


(Srrunöenf$aft§Gcmcmf$aft.    ®onbcröut.    §  1414.  499 

VrinjipcÄ  bei  bcn  ©onbcrgütcni  rictfod)  iüd)t  fo  n)cit.   Sie  erfennen  sioor  bic 

Sigenf^aft  beö  ©onbergutcö  alö  eineö  SBennöflenöinbegriffeS  an,  befd^ränfcn 

ober  bic  barauö  fid&  crgcbcnbe  Äonfepuenj,  bafe  baö  Sonbergut  qIö  fold^cö 

o^nc  aiüdfi^t  barouf  erljalten  bleiben  mnfe,  ob  baöfelbe  im  Saufe  bcr  3cit 

tine  anbere  red^tlid^c  unb  roirtl^fd^aftUd^c  gönn  annimmt,  infofern,  alö  fic  bic 

im  Saufe  bcr  Söermogcnöocrroaltung  aus  berfelben  cntftel^enben  neuen  9?ed)tc 

balb  in  größerem,  balb  in  geringcrem  Umfange  bem  ©efammtgute  juwcifen, 

bem  bctreffenben  ©onbergutc  aber  nur  einen  änfprud^  auf  Grfafe  beöienigen 

Sctragcö  jugefte^en,  um  mefd^en  ba^  ©efammtgut  burd^  icnc  S^TOeifung  auf 

Jloften  beö  ©onbergutes  bereid^ert  ift.    3)iefc  9lrt  bcr  Sebanblung  finbet  in- 

icffen  rcgelmfifeig  nidjt  fiatt  bei  foldjcn  aSeränbcrungen  beö  SSermogenö,  roelciic 

oftnc  ßinroirfung  beö  Gigentl^ümerö  t)on  felbft  eintreten.   Slber  au^  bei  foId)cn 

Scränbcrungen,  meldte  fid^  burd^  ^anblungen  beö  @igentl)ümerö,  iitöbefonberc 

bur4  Umfofegefd^fiftc,  DoDjiefien,  tritt  fie  nad)  bcn  rerfd^iebenen  SHed&ten  in 

fe^r  Derf^icbenem  Umfange,  in  feinem  auönal^möloö  ein.   6ö  liegt  biefer  9lrt 

bcr  SJe^nblung  bie  9luffajfung  ju  ©runbe,  bafe  bie  ©onbergüter  mit  ber 

^Jemrinfd^aft  bod^  infofern  in  SSerbinbung  ftel^en,  alö  fie  für  SSed^nung  beö 

©cfammtguteö  oerwaltct  werben,    ©rftrebt  mirb  burc^  biefe  (Seftaltung  eine 

^einfad&ung  beö  Söcrl^ältniffeö,  eine  größere  ©id^erung  ber  ©emcinfdfiaft 

gegen  ©onberintereffen  ber  cinjelncn  ©Regatten  unb  eine  größere  Sid^erung 

ber  ©cfammtgutögläubiger   gegen  aSerfürjung   üon   ©eiten    ber  ©degatten. 

?Jom  ©tanbpunfte  beö  Gntmurfeö  auö  fmb  biefe  (Scjtd^töpunfte  inbcffen  alö 

burt^fd^Iagcnb  nid^t  anjufebcn.    Sßielme^r  fällt,  fooiel  junäd^ft  ba&  ©onbergut 

bcr  g^frau  betrifft,  gegen  bie  oben  bcicid^nete  Sel^anblung  ber  ©ad)c  ent* 

fc^ibenb  inö  Ocroicbt,  baß  biefelbe  mit  ber  ©tcDung,  meldte  nad^  bem  Gntraurfc 

grunbfäftlic^   bem  G^egute    jugewiefcn  ift,   unocreinbar   fein  mürbe.     3)aö 

gefcftüd^c  ©ütcrred^t  beruht  auf  bem  ©ebanfen,  bafe  bcr  (Sficfrau  baö  (S^egut 

tinpcrfüi^t  erhalten  merben  foU  unb  obne  if)vcn  SBiÜen  eine  Ummanblung  beö 

€^egutcö  in  Wofee  Grfa|anfprüd^c  gegen  bcn  Gtjcmann,  fomeit  baö  ©efcg  bicö 

iu  oer^inbern  im  ©tanbe  ift,  nid)t  eintreten  foD.   S)em  (Sfiegutc  entfprid^t  aber 

bei  bcr  Oütergcmeinfd&aft   baö   ©onbergut   ber  S^efrau;    eine  ücrfd^icbcne 

Scbonblung  mürbe  namentlid^  bei   ber  ©rrungcnfd&aftögcmeinfd^aft   um  fo 

TDcnigcr  gcrcd^tfertigt  fein,  alö  bie  lefetcre  fid)  nur  üIö  eine  SWobififation  beö 

{jcfejlic^eti  ebeUd^cn  ©üterred^tcö  barftcUt.   83ei  bem  uertragömöfeigcn  Äarafter 

ber  ©ütcrgemeinfd^aft  fann  in  ber  Slncrfennung  beö  ©urrogationöprinjipeö  in 

bem  Umfange  beö  §  1414  aud6  eine  ©efö^rbung  beö  Sntcrcffeö  beö  G^emanncö 

imb  ber  ©laubiger  nid^t  gefunben  merben.    S)ie  ©efal)r,  bag  unter  bem 

©d&ufte  beö  §  1414  ein  materiell  ber  ©rrungenfd&aft  angcborcnbcr  ©rmerb  bem 

iSefommtgute  entjogen  lüerben  tonnte,  ift  jubem  nad^  bem  Snl^altc  beö  §  1414 

nid^t  cr^cblid^,  ba  ein  ouf  ein  ©onbergut  fid^  bcjiebenbcö  SRed^tögefd^oft  nur 

bann  üorliegt,  menn  baö  lefetcre  fubicitio  mit  Sejiebung  auf  baö  ©onbergut 

flef(^>Iof|en  ift  unb  obieftio  mit  bemfelben  in  S^f^^^^^cnbang  gebracht  merben 

fann.    ©aju  fommt,  bafe  oft  nad^  langer  2^\t  ber  Urfprung  unb  bcr  3"' 

fammen^Qttg  eineö  ©rmerbcö  nid&t  mel;r  nad^gcmiefen  merben  fann,  in  foldien 

goHen  ober  bie  im  §  1421  aufgeftellte  SBermut^ung  bem  ©efammtgute  ju 

^ülfe  fommt.    Sei  bem  ©onbergutc  beö  ©tjcmanneö  foDt  allcrbingö  bie  für 

32  • 


500  6rcunöenfd&afteoeöieinfd;aft.    ©onberout.    §  1414. 

boö  8onbcvgut  bcv  ©f)cfrau  Ijcrüorge^obcnc  SRudEfid^t  auf  bic  ©id^crung  bcd 
Icgtcrcn  gegen  bcn  G^cmann  unb  beffeii  ©laubiger  raeg.  Snbeffen  ift  audi  bei 
betft  ©bemanne  bie  ©efa^r,  bafe  berfelbc  unter  bem  Sd^ußc  bcö  ©urrogotionö» 
prinäipeö  jum  9kd&tf)cilc  bcö  ©efammtguteä  eigennügig  feinem  ©onbergutc 
einen  ©rroerb  juroenbe,  aufi  btn  angefül^rten  ©rünben  nid^t  fo  grofe,  um  in 
ber  \)kx  frag(id)en  SSejie^ung  eine  ungleid^e  ^e^anblung  bed  @{)emanncd  unb 
bcr  ©()efrQU  ju  red^tfertigen. 

3m  ©injelnen  ift  jum  §  1414  nodj  golgenbeä  ju  bcmerfcn: 
erwerbauf  1.  ©afe  biejeuigcn  ©cgenftänbe,  weld^e  ein  @()egatte  auf  Orunb  eincö 

^™u  ^bem"**  äw  feinem  ©onbergutc  gel^örenben  Sted^tcö  eriüirbt,  ©onbergut  finb  (uergl.  ÜJiotxpe 
sonbergute  jn  §  1290  obeu  ©.  177  ff.)/  tüirb  aud&  auf  bem  ©ebiete  bcr  partifuläreu  (Sütcr? 
^««^us!"  gemeinfdjaft  faft  allgemein  anerfannt,  inöbefonbere  aud)  na^  wiirttcmb.  Siedete 
(t)ergl.  femer  mürttemb.  ©ntro.  §  9).  aJiobifijirt  mirb  jeboc^  biefc  Scftimmung 
burc^  ben  ©runbfag^  bag  bie  ^{u^ungen  bed  ©onberguted  nad^  äßaggabe  be& 
§  1411  3lbf.  2  bem  ©efammtgute  jufaUen  (ücrgl.  entfd^.  b.  SR.  ®.  V,  58;  §  1411 
3lbf.  2  oerb.  mit  §§  1292,  989,  1026,  1027).  Ucber  bic  Tragweite  jener 
Seftimmung  l^crrfd^t  freilidd  in  einjelncn  93ejie]^ungen  Streit,  ©o  ift  inß- 
bcfonbere  beftritten,  ob  ber  bem  ©igentl^ümer  eines  ©runbftiidEed  jufommenbe 
3lnt{|eil  eineö  barauf  gcfunbenen  Qcj^aiic^  jum  ©onbergute  gel&ört,  menn  baft 
©runbftüd  ©onbergut  mar.  ®ö  fann  ni^t  jroeifel^aft  fein,  ba|  bic  gragc 
nad^  bem  ©ntmurfe  auf  ®runb  beö  §  1414  in  33erbinbung  mit  §  1411  Slbf.  2 
unb  bcn  §§  1292, 928, 990  ju  beladen  ift.  S)er  biörocilen  aufgefteHtc  ©runbfaj, 
bafe  jcbcr  burd)  ©lüdEöfaU  gemad^tc  @rmerb  jum  ©efammtgute  gel^ore  (caftcU. 
2anbedt)crorbn.  §  138b;  oergl.  preufe.  21.  S.  91.  n,  1  §  404;  l^eff.  ©ntm,  IV,  2 
3lrt.  504  5Rr.  1;  eljrcnbreitft.  ©ntm.  §  95),  ift  in  biefer  SOlgemein^cit  ni^t 
rid^tig;  oielmel^r  fommt  eö  barauf  an,  ob  ber  ©rroerb  lebiglid^  in  einem  ju 
bem  Sonbergute  gel&orenben  Sfled^te,  ober  lebiglid^  in  bcr  5ßerfon  beö  bctreffcnbcn 
®l)cgatten  fid^  grünbet.  ©cmgemöfe  wirb  bie  bem  ginber  beö  ©c^aßcö  ate 
foldjcm  jufommenbc  ^ötfte  bed  Q6)(xit&  (§  928)  aQcrbingd  ^eftanbt^eil  bc^ 
©efammtgutcö.  SRad^  ä^nlid^cn  ©runbfägen  ift  bic  bcftrittenc  grage  (DcrgL 
eiuerfeitö  ©euffert  X,  59,  anbererfeitö  ©euffert  XVII,  252)  ju  entfc^eibcn,  ob 
bcr  Slnfprud^  auf  einen  Sottcriegcminn  jum  ©onbergutc  ober  jum  ©cfommt* 
gute  gel^ort.  S)ie  Sntfd^eibung  ber  gragc  l^ängt  allein  baoon  ab,  ob  baft 
2ooö,  auf  roeld^eö  bcr  ©croinn  fiel,  Scftanbtl^cil  beö  ©onbcrgutcs  ober  be& 
©cfammtguteö  mar  (oergl.  aud)  roürttemb.  6ntm.  §  15).  gcrner  gelten  bic 
Sjlnfid^tcn  barüber  auöeinanber,  ob  bcr  ©rroerb  auf  ©runb  einer  Dor  Eintritt 
bcr  ©ütcrgemeinfd^aft  begonnenen,  aber  erft  mfil^renb  beö  Scftel^cnd  bcr  leiteten 
üoDcnbctcn  ©rfigung  jum  ©onbergute  ober  jum  ©efammtgute  gel^ört  S)q* 
mürttemb.  SRcd^t  nimmt  baö  ©rftcrc  an  (oergf.  aud^  württcmb.  ©ntro.  §  9). 
©in  Sebürfnife,  biefe  mit  bcr  iuriftifd^cn  Statur  bcr  Grfifeung  bejm.  mit  bem 
groecEc  bcr  Icßtcrcn  jufammcnidfingenben  gragc  burd&  baö  ©efeß  befonbcrd  ju 
cntfdjcibcn  (Dcrgl.  §§  881  ff.),  liegt  icbod^  nid^t  vov. 

3u  bcr  Äategoric  berienigcn  ©cgenftänbe,  meld)e  auf  ©runb  eincö  jum 
Sonbergute  gel^orenben  SHcd^tcö  erioorbcn  merben,  gcl;örcn  ferner  bic  aÜ- 
©rfüUung  auf  ©runb  eincfi  t)or  Eintritt  ber  ©rrungenfd^aftögcmeinf^aft  bcreitj^ 
begrünbeten  Slnfprud^cö  gcleifteten  ©egenftfinbe.    S)icd  ift  au^  regelmfifeig  bcr 


(Srrunöenf(6aft§öemeinf$aft.    ©onbergut.    §  Uli.  501 

Stonbpunft  ber  auf  bcm  S3obcn  bcr  partifulorcn  ©utergcmeinfd^aft  ftcficnbcn 
Setzte,  inöbcfonbcrc  bcö  njürttemb.,  naff.,  foroie  beö  franj.  JRed^tcS  (ucrgf. 
ferner  f|cff.  bormft.  SJcrorbn.  d.  1795  §  6b;  tüürtlcmb.  ©ittiü.  §  9;  cfircii- 
breitfl.  ©ntro.  §§  4,  96).  3«^^^  bcbarf  cö  in  bicfen  gSDcn  jur  SBcrmittctuiig 
bcÄ  ©rroerbed  rcßclmöfeig  eines  SRcd&tögefci^äfteß  beö  betreffenben  ©Regatten 
(Jrabition,  Änftoffung,  Scfpow  u.  f.  vo.);  ba  Jebod^  fc^on  vor  ©intritt  bcr 
Öcmcinfd^Qft  ein  Slnfprud)  auf  ©ingel^ung  iencö  SWed^tögefd^Sftcö  begrünbct 
©ar  unb  bic  ©rfüUung  fid)  nur  ate  bie  SSerroirflid^ung  unb  ©ntfaltung  cincö 
bereits  Dörfer  oorl^anbenen  Sied^teö  barftellt,  fo  ntufe  ber  l^icr  fraglid^e  ©rmerb 
}u  bcr  bejei^ncten  Äategorie  gered^net  werben.  3loä)  nöljer  an  bcr  ©rcnjc 
jiDif^cn  bein  ©rmerbe  auf  ©nmb  eincö  beftel^enben  JWcd&teö  unb  bem  ©rrocrbe 
burc^  91ed)tfigef(i^äft  liegen  bie  gällc,  in  n)efd}en  ein  beftrittener  2lnfprud)  burd) 
Urt^eil,  SBerglcicft,  Slnerfcnnungsoertrag  feftgeftellt  ober  eine  gemeinfd^aftlici&c 
Sod^c  ober  ©rbfd^aft  get^eilt  n)irb  (ücrgl.  code  civil  9lrt.  1408;  württemb. 
Gnto.  §  6 ;  e^renbreitft.  Gntvo.  §§  5,  96).  gür  ben  ©ntrourf  ift  iebod)  baö 
Sebürfniß  einer  befonberen  gefeßlid^en  @ntfdfieibung  um  fo  roeniger  üorl^anben, 
ölß  nod^  §  1414  auä)  bieicnigen  ©egenftänbe  ©onbergut  finb,  weld^e  ein  G^c* 
gölte  burd^  SRcd^tögcfd^äfte  erwirbt,  bie  fid^  auf  fein  ©onbergut  bejiel&cn. 

2.  S)cr  jweite  im  §  1414  außgefprod^ene  ©runbfag,  bafe  bieicnigen  ®f^«*  t^f  we 
©egenftänbc  ©onbergut  eines  ©[jegattcn  ftnb,  loeldje  als  ©rfog  für  bic  Gnt^TÄju"bm 
}^i>«ng,  3^*örung  ober  Sefc^äbigung  eines  ju  feinem  ©onbergute  geijörenben  ®°^'J^^[^j^*„* 
©egcnftanbcs  erworben  werben,  ftimmt  mit  ben  meiftcn  auf  bem  S3oben  bcr    stetste«. 
porlihilarcn  (Sütergcmeinfd^aft  ftc^enben  JRed^ten  überein.    ®S  gebort  ()ierf;er 
namentlich  ber  2lnfprud)  wegen  (Enteignung  eines  jum  ©onbergute  gcfiörcnbcn 
©cgenftanbeß  unb  ber  Slnfprud^  auf  ben  bei  bcr  Sn'^i^flö^c^ftcifl^'^ung  eines 

folgen  wegen  Sd^ulben  übrig  bicibenben  ®rI5s.  ®inen  auf  ber  Orenjc 
liegenbcn  3i^ßifcIöfaU  bilbet  ber  Slnfpruc^  auf  bie  83erfidfierungsgelber  wegen 
3o:ftorung  ober  Sefd)äbigung  eines  t)crfid)crten  ©egenftanbeS,  ba  bcr  Sin- 
fpruc^  nic^t  aus  ber  3crftörung  ober  Sefd^äbigung  fclbft,  fonbern  aus  bem  SScr- 
jic^rungsoertrage  cntftcl;!.  9RaterieIl  fann  inbcRcn  bie  ©ntfd^eibung  bcr  gragc 
}ii  fünften  beS  ©onbergutes  nid)t  jweifel^aft  fein,  weil  es  fidE)  wirtfifd^aftUd) 
^icr,  wie  in  ben  anberen  ju  biefer  Satcgorlc  geljorcnbcn  fällen,  Icbiglidf)  um 
eine  Gntfd^äbigung  für  einen  oljne  SBillen  bes  Gigentljümers  eingetretenen 
«crluft  beft  ©onbergutes  l^anbclt  (oergl.  aud^  bie  §§  238, 1002,  §  1067  5«r.  5 ; 
e^renbrcitft.  ©ntw.  §§  95,  8  9lr.  3).  S)ie  formelle  grage,  ob  ber  gall  unter 
bic  Äotcgorie  bcrienigen  ©egcnftänbe  geprt,  wcld^e  burdfi  ein  auf  bas  ©onber« 
gut  fi(^  bejie^enbcs  JRed^tsgcfdfiäft  erworben  werben,  bcbarf  für  ben  Gntwurf 
nac^  bott  3nI}flWe  bcS  §  1414  feiner  befonberen  Gntfd^eibung. 

3.  ®cn  ^auptgcgenftanb  bes  ©treites  auf  bcm  ©cbietc  ber  partifutären  cmerB  burd^ 
©ütcrgemeinf^aft  bilbet  bic  grage,  inwieweit  bieicnigen  ®egenftänbe  jum  ©"on^b^g^lu 
Sonbcrgutc  gel^oren,   weld&e  wät)renb  bcftel^enbcr  ®cmeinfd)aft  burd;  SRc^ts-  r««^  bf^te^en. 
gcfc^öftc  erworben  werben,  bie  auf  ©onbergut  fid^  bcjicl^en.    5JJad^  einigen   \tmt ' 
Seiten  fällt  ber  burd)  Ififtige  9led&tSgefd)äfte  eines  ßfiegatten  gemad&te  ©rwcrb 

o^nc  alle  SRüdfid&t  barauf,  ob  bas  9ted^tsgcfd&äft  fic^  auf  baS  ©onbergut 
begießt  ober  ni^t,  bcm  Oefammtgute  ju  unb  ift  ein  ©rwcrb  für  bas  Sonbcr- 
gut  nur  mit  ©inwiHigung  bes  anberen  G^egatten  sufäffig  (ocrgl.  5.  33.  l)q). 


502  @rrungcnfd6aft§flcmctnfd6aft.    ©onbcrgut.    §  1414. 

barmft.  Sßcrorbn.  von  1795  §  5;  fronff.  JRcf.  HI,  6  §  2;  noR.  SWcd^t;  c^rcn^ 
brcitft.  ®ntn).  §§  7,  96).  S)cn  cntgcgcngcfcfetcn  ©tanbpunft  vertritt  bcr 
TOürttetnb.  ©ntn).  §  10,  naö)  rocld^cm  Icbißlid^  bic  3lbftd^t  bcfiicnigcu  (S^c* 
galten,  n)e((^cr  bod  9tc^t6gcfd^öft  fd^Iiegt,  baniber  cntfc^cibct,  ob  ber  babur^ 
gcmad^lc  ©rrocrb  SScftonbtl^cil  bcö  ©efammtgutcö  ober  beö  ©onbcrgutcd  werben 
foU.  S^ie  9Wcfirjaf|l  ber  SReditc  fielet  in  bcr  äWitte,  inbcm  fic  jroar  qIö  SRcgcl 
fcftI)olten,  bofe  bcr  burd)  läftigc  SRct^tögefd^äftc  gcmodötc  (gnoerb  bem  ©cfamtnt^ 
gute  jufäHt,  t)on  bicfcr  Siegel  aber  außer  bem  gaUc  bcr  ©inroilligung  bcibcr 
©Regatten  nod^  für  einjelne  anberc  gfillc,  j.  93.  für  S^aufd^oerträgc  ober  für 
glcid^artigc  SBieberanfd^affungen  ober  für  reine  Umfaßgefc^äfte,  fofern  bie 
9lbfic^t  ber  Surrogotion  in  beftimmter  SÄrt  erflärt  ift,  ober  übcr^oupt  für  reine 
Umfafegefd^äfte,  eine  2luönal^mc  mad^en  (oergl.  inöbef.  lüürttemb.  S.  di.  IV 
§§  6,  7;  cofteU.  SanbeöDcrorbn.  §138d;  uaRau^foßcnetab.  Sanbeöorbn.  IV,  9 
§  4;  furtrier.  S.  SR.  IV,  32;  code  civil  3lrt.  1406—1408,  1433—1435  unb 
baju  entfd^.  b.  SR.  ®.  X,  79). 

®ic  Seftimmung  bcö  §  1414,  bafe  bieienigen  ©cgenftSnbc,  loetd^c  ein 
©begatte  burd)  SRed^tögcfd^äftc  erroirbt,  welche  auf  fein  ©onbergut  fid^  bcjic^en, 
Sonbergut  werben,  beruht  auf  äl^nlid^en  ©rroSgungen,  roie  bieienigen,  welche 
bei  bem  gefeglid^en  cJ^elid^en  ©üterrec^te  in  9lnfel;ung  bed  93orbc^a(t6gutcft 
ju  ber  gleid^en  S3eftimmung  beö  §  1290  geführt  ^aben  (üergf.  SJlotiuc  ju 
§  1290  oben  S.  177  ff. ;  femer  §  1349).  (Segenüber  biefcn  ®rroägungcn  unb 
bcn  oben  S.  499  ff.  für  ben  ©tanbpunft  beß  ©ntrourfeö  bargelegten  allgemeinen 
(Sefid^töpunften  fönnen  bie  Sebenfen,  bafe  auf  biefc  SBcife  bafi  3ntcreffc  bcö 
anberen  ©Regatten  unb  ber  ©löubiger  bed  @^emanncd  gefä^rbet  toerben  fönne, 
a(d  burc^fd^tagenb  nid)t  erad^tet  werben.  9lud^  barauf  fann  cntfc^etbenbeft 
©ewiclft  nid^t  gelegt  werben,  bag  burc^  SRed^tegefd^äfte  ber  l^icr  fraglid^n 
3lrt  nid^t  immer  ein  einfad^er  Umfa|  uon  SBertl^en  in  anbcrcr  gorm  erfolgt, 
bag  baburd^  t)ielmel)r  in  manchen  ^^ällen  aud)  ein  auf  bcr  wirt^fd^aftUc^en 
l:i)ätigfeit  bcö  betreffenbeu  G^egattcn  bcrul^cnbcr  (Sewinn  bcabfid^tigt  uni> 
crreid^t  wirb;  bcnn  bem  SBefen  bcö  ©onberguteö  als  einefi  felbftänbigen 
3Scrmogenöinbcgriffed  entfprid^t  cd,  bafe  bie  2:^ätigfeit  eine«  ©Regatten  infoweit, 
atd  biefelbe  burd^  bie  ^^erwaltung  bed  ©onberguted  in  Slnfprud^  genommen 
wirb  unb  fid^  auf  baö  leßtere  bejiel&t,  nic^t  in  ben  3)ienft  ber  ©emeinfd^aft 
geftcDt  ift. 
erwcrb  4.  2)ic  am  Sd^luffe  bcö  §  1414  uon  bem  ©urrogationöprinsipe  gemad^te 

»itnet  ciHcä  2luönat|me  in  änfeldung  f old^cr  (Segenftänbe,  wcld^c  ein  ©licgatte  burd^  bcn 
^wäftlV  ^^^^'^'^  ^'"^^  i"  feinem  Sonbergutc  ge^orenbcn  ©rwerbögefd^fiftcö  cnmrbt, 
ftcf)t,  wenigftenä  uonoiegenb,  mit  bem  geltenben  SRcd^tc  im  ©inflangc  unb 
rechtfertigt  fid^  burd^  bie  5Ratur  unb  ben  ®runb  bicfeö  ©rwerbcfi  in  SJerbin^ 
bung  mit  bem  5Befen  ber  ©rrungenfd^aftögemcinfd&aft,  nac^  weld^em  bcr 
ertrag  burd^  bie  2lrbeit  bcr  ©fiegattcn  unb  bie  Jlufeungen  bcr  ©onbetgixtcr 
gcmeinfd^aftlidö  werben  foUen.  3^^^^^  ift  ber  burd^  bcn  93etricb  eincfi  ©rwcrbfi* 
gefd^äfteö  gemachte  Crroerb  nid^t  ibentifc^  mit  bem  ©rtrage  bcr  3lrbcit  unb  bcr 
3hitungeu  bcö  ©onberguteö.  ©ine  2^l;cilung  beö  ©rwcrbcö  in  ber  9lrt,  bafe 
ein  cntfpred^cnbcr  ^Ijcil  bemienigen  jufommt,  weld^em  bcr  Grtrag  bcr  Arbeit 
wnb  bcr  Shigungcu  bcö  Stopitaleö  gcbülirt,  bcr  anberc  I^^cil  aber  bemjcnigcn^ 


5mmöcnfd&aft«öemcinWaft.    ©cnfccrout.    §  1415.  503 

wAiitm  bad  jum  3tt>ccfc  icncd  Gnocrbcö  i)crn)cnbctc  itapital  gehört,  ift  jcbod^ 
webcr  prattif(|  burd^füljrbar  nod^  loirt^fd^aftlid^  gcred^tfertigt.  ©bcnfo  fd^citcrt 
bcr  SBcg,  bcm  ©efommtfltitc  bcn  f d^Ucfelidöcn  Oeroinn  juäinticifen,  an  bcn  bamit 
wrbunbcncn  ©d^ioierigfcitcn.  6ö  bleibt  baljcr  nur  übrig,  bcn  gonscn  ©rrocrb 
bcm  (Scfammtgiitc  jufallcn  ju  laffcn.  2)ie  gegen  bicfc  Siegelung  fid)  er^ebcnben 
Sebenfen  oerlicrcn  jubent  baburd^  an  ®tm6)i,  bafe,  foracit  burd^  ben  Setrieb 
befi  erroerbdßcfd&äfteö  baö  ©efammtgut  auf  Soften  beö  ©onbcrguteß  bereichert 
ifü,  bem  bctreffcnben  ©ficgatten  ein  ©rfaganfprud^  nad)  aJlafegabc  beö  §  1420 
jufte^t.  So6  bie  Ocgcnftänbe,  roeld^e  ein  ®^egatte  burd)  ben  betrieb  eineä  ju 
feinem  Sonbergutc  gcprcnbcn  (Snoerbögefd^äfteö  erwirbt,  bem  ©efammtgute 
jufaUen,  crgiebt  fid^  auö  bcr  SRegcI  beö  §  1411  3lbf.  1  in  SSerbinbung  bamit^ 
i)a§  bad  im  §  1414  anertannte  ©uu'ogationöprinjip  auf  biefen  gaü  feine  3hu 
wcnbung  finbet,  von  felbft.  3»  Slnfel^ung  bcr  oon  bcr  ©fiefrau  burd^  ben 
Setrieb  cincß  errocrbÄgcfdjäfteö  crmorbencn  (Segenftftnbe  gilt  bicö  unbcbingt 
iebod^  nur  bann,  loenn  bie  @^efrau  bad  ©rmcrbdgefd^äft  mit  SiniDilligung  bed 
S^üiincÄ  betreibt.  3ft  Icfetercß  nid^t  ber  galt,  fo  finben  auf  bm  ©rwerb 
ber  ßjjefrau  auö  ben  einjelnen  Stcd^tögcf^äften  in  ®emä§l^eit  beö  §  1416  bie 
Seftimmungcn  beö  §  1348  2lnn)enbung.  äßeitcr  folgt  auö  §  1416  in  SBerbim 
kung  mit  §  1849,  bafe  bcr  ©rroerb  cincö  e(;egattcn  burd^  ben  Setrieb  eines 
|ii  feinem  SSorbefialtögutc  gel)örenbcn  ®rwerbögefd^äfteö  bem  S3orbcf)aItögutc 
iuföUt. 

§  1415. 

3^ic   JBorfdjrift,   bafe  Sonbergut  cincö  ®f|cgattcn  bie  von '  bcmfclbcn,  unübcrtwö. 
wenn  aud)  mälircnb  beö  Sefteljcnö  ber  ©rrungenfd&aftögcmeinfd^aft,  ernjorbencn  ©eawpänbe. 
©egenftänbe  finb,  meldte  burd^  SRed^tögefd)äft  nid^t  übertragen  rocrben  fönncn, 
beruht  auf  bcnfelben  ©rroägungcn,  racld^c  ju  ber  Seftimmung  beö  §  1351 
»f.  1  3lr.  2  geführt  ^abcn  (pcrgL  bie  üKotiDc  ju  §  1351  oben  S.  344  ff.). 

3Uö  3(uöna^mc  von  ber  SRcgel  beö  §  1411  3lbf.  1  beftimmt  ber  §  1415«^^  *>«««'>«« 
»eitcr,  bag  aud^  bicienigen  oon  einem  ©Regatten  erworbenen  SRcd^tc  ©onbcr*  »cie^rtgtot 
gut  bcöfclbcn  fein  foDcn,  metd)e  mit  bcm  S^obe  beö  Sercd^tigten  crlöfc^cn  ober  "^^'^^^ 
burcl  ben  2^ob  cincö  bcr  ©Regatten  bebingt  finb,  aud^  menn  fic  t)on  bem  ©(jc^: 
Bütten-  roä^rcnb  beö  Scftel^enö  bcr  ©rrungenfd^aftögcmcinfdöaft  crmorben 
werben.  Sei  ber  allgemeinen  ©ütcrgcmcinfd^aft  ift  eine  foldjc  Sluönai^mc 
nid^t  beftimmt.  Snbeffen  ift  bie  Sad^Iagc  bei  ber  allgemeinen  Oütergcmein* 
Uaft  unb  bei  ber  ©rrungenfd^aftögcmcinfd^aft  eine  tDcfcntlidd  Dcrfd^icbcnc. 
Sei  ber  crftercn  bilbct  ©onbergut  cincö  ©Regatten  eine  3luöna^me.  S)em 
ffiefen  bcr  allgemeinen  Oütcrgcmeinfd^aft  entfprid)t  cö,  ha^  allcö  Vermögen 
bcr  ©Regatten,  foroeit  baöfelbc  nidjt  auö  iuriftifdl)cn  ©rünbcn  unübertragbar 
ift,  gemcinf^aftlid^  wirb,  dagegen  ift  baö  SSor^anbcnfcin  oon  Sonbcrgütcrn 
bri  ber  Grrungenfc^aftögcmeinfd&aft  ein  mefentlic^cö  ©Icmcnt  bcr  Icfetcrcn. 
Bringt  bie  3iatur  berfclben  cö  mit  fid^,  ha^  bei  berfclbcn  olinc^in  mit 
Sonbergütcrn  gercd^net  werben  muß,  fo  ift  cö  weit  weniger  bcbcnfüdj,  oon 
bcr  allcrbingö  aud^  für  bie  Grrungcnfdjaftögcmcinfd^aft  gcitcnbcn  9tcgel,  bafe 
ber  tünftiflc  Grwerb  beö  einen  ober  anberen  ©tjcgattcn  ©efammtgut  wirb,  eine 


504  ßrrunßcnfd&aftööcmcinfö^aft.    ©onbcrout.    §  1415. 

2Iufinal^mc  ju  mod^cn,  fofern  eine  fold^c  im  Uebrigcn  im  ^inblidfc  Quf  bic 
iDirtl;fd)aftli^c  9Jatur  gcioiRcv  dicä)te  unb  miß  ©rfmbcn  praftifd^cr  3roctf* 
mäfeigfcit  ftd^  rcd^tfcrtigt.  S)icö  ift  aber  in  9tnfc()ung  ber  l^icr  fraglid^en 
ditäjk  ber  gall.  5[nlangcnb  insbefonbere  fold^c  Siedete,  n)eld)c,  roic  boö 
aiicfebraud&äred&t  unb  Scibrcnten  (§  1014  3lbf.  1,  §  660),  mit  bcm  2:obc  brt 
Scred&tigtcn  crlöfd^en,  fo  ftnb  bicfelben  eben  beöl)a[b,  toell  fie  t)on  ber  Scbenö* 
icit  bcs  93ercd&tigtcn  obfiöngcn,  für  hcn  3«^^*  beö  ®cf ammtguteö ,  jur  93c* 
ftrcitnng  beö  cl^clid^en  3lnfn)anbeö  ju  biencn  unb,  foroeit  fid&  ein  Ucberfd^ufe 
crgicbt,  qIö  ein  beibcn  ©Regatten  gemeinfd^aftlid^cö  SBermögen  bei  Sluflofung 
ber  ©emeinfd^oft  unter  ben  G^egatten  bejro.  bercn  ©rbcn  get^eilt  ju  werben, 
wirtl^fd^aftlidö  nid^t  geeignet.  3l)rc  Slb^ängigfeit  von  bcm  Seben  beö  S3cred^ 
tigten  ergiebt,  bafe  fie  für  bcRcn  Sonbcrgut  bered^net  finb.  SJaburdj  red^t* 
fertigt  fid^  nic^t  nur  bie  Slnnafimc,  baß  ber  ©rroerber  fie  für  fein  ©onbergut 
^at  erroerben  wollen,  fonbern  anä)  bic  SSorfd^rift,  bafe  bicfelben  von  bcm  S^e* 
manne  cinfeitig  für  SHcd^nung  beö  ©efammtgutcö  nid^t  erworben  werben 
fonnen.  2)em  ©efammtgutc  unb  bem  Sntcrcjfe  beö  anberen  G^egattcn  wirb 
burdö  bic  fragliche  93cftimmung  nidjt  ju  nal^c  getreten,  ba  eß  fxd^  im 
§inblidfc  auf  htn  §  1412  l^ier  überl^aupt  nur  um  ben  ©rwerb  burd^  täftige 
9ied^tßgefd&äfte  l;anbclt  unb  ber  für  ha&  erworbene  9led)t  bcjal^ftc  5ßrciß  bcm 
Sonbergute  beö  crwerbenben  G^egatten  jur  Saft  ffiUt  (§§  1420,  1426  Slbf.  2 
3lx.  1).  2m  (Segent^eilc  ^at  baö  ©cfammtgut  baburdö  ttur  SJortl^cil,  ba  bic 
Blutungen  beö  erworbenen  SRec^tcß  bem  ©efammtgutc  jufaUcn  (§  1411  äbf.2, 
§§  1292,  1026,  1027).  ®ic  beftc^enbcn  Sted^tc  entl;oIten  mciftenö  eine  auß* 
brüddd&c  ©ntfd)eibung  ber  grage  uidEit  (ücrgl.  iebodj  ^cff.barmft.  SBerorbn. 
ü.  1795  §  5d).  ®er  württemb.  Gntw.  §  10  ftimmt  im  JRcfultate  mit  ber 
l^icr  fraglichen  93cftimmung  bcß  §  1415  überein. 
s)ur(5benarob  (Scf)r    bcftrittcu    unb    beö^alb    bei    ber    praftifd^en    SBic^tigfcit    ber 

«Regatten  bc  S^agc  ciucr  gefeglid)en  ©lüfd^eibung  bebürftig  ift  bic  SBc^anblung  fold^ 
binötc  «cc^tc.  gjg^tc  bei  ber  Grrungenfd^aftögcmeinfc^aft,  weld^e  burc^  ben  2'ob  cincß 
ber  Cfjcgattcn  bebingt  finb,  alfo  namenttidfi  ber  Scbcnöocrfid^crungen.  33ci 
biefen  SRedjten  mad&t  fidf)  in  nod^  ^öt;crem  äftafec  alö  bei  ben  9ted)ten,  welche 
mit  bcm  2'obe  beö  93cred)tigtcn  crlöf d)en,  bie  Grwägung  gcitcnb,  ba^  fie  ben 
äwedEcn  ber  Ocmcinfd^aft  ju  biene»  ni(^t  geeignet  fmb.  Gö  gilt  bieß  nic^t 
nur  uon  bcm  gallc,  wenn  berjenigc  G^cgatte,  bei  bejfcn  a:obc  bie  33erri(§erungß5 
fumme  auögcjal)[t  werben  foU,  ber  übcriebenbc  Xt)tH  ift,  fonbern  andf  von 
bem  galle,  wenn  bie  ©emeinfd^aft  burd^  ben  3:ob  beö  oerftc^crten  G^cgattcn 
aufgclöft  ift,  inbem  aud)  in  biefem  gallc  bie  SJerfic^erungöfummc  nic^t  me^x 
ber  burd)  ben  2^ob  beö  Dcrfid&ertcn  Gfjcgatten  aufgcloften  ©emeinfd^aft, 
fonbern  nur  ben  früfieren  S^Ijeü^abcrn  bejw.  bercn  Grbcn  ju  ®ute  fommen 
fann.  gür  bic  Hinterbliebenen  ber  G{)cgatten  ju  forgen,  liegt  aber,  wenigftenß 
unmittelbar,  uöüig  au6erl)alb  beö  ^wjcdcö  ber  Grrungenfd&aftögcmcinf^aft; 
uiefmcf)r  f^aben  für  ha&  93crf)ältnift  nadj  bcm  2'obc  cincß  Gficgattcn  unmittelbar 
bic  crbred^tlid^eu  Seftimmungen  unb,  fofcm  biefc  nad^  ben  inbimbucDcn  SBcr« 
Ijältniffen  ber  Gficgattcn  nid)t  außrcid^cn,  bic  Icfctwilligcn  SScrfügungen  ber 
Icfetcrcn  5U  forgen.  9luö  bem  3nJcdfe  ber  Grrungenfdjaftögcmcinfc^aft  Ißßt  fidfc 
baf)cr  wcbcr  ableiten,  baf5  bic  l)ier  fraglid)en  iHcdjtc  bem  ©efammtgutc,  nodb 


errunöcnfd&aftS0cmeinfd6aft.    »örBcJaltßout.    §  141G.  505 

baö  fie  bcm  übcricbenbcn  ßl)egattcn  ju  Oute  fommcu  foHcn.  SBill  bcv  bc^ 
treffcnbc  ß^gattc  baö  Scfeterc,  fo  mag  er  burd^  eine  bei  hcm  ©rroevbc  ju 
©unften  beö  überlcbcnben  G(;egatten  getroffene  83eftimmung  ober  burd)  k^U 
willige  SBerfügung  baö  ©rforberlid^e  anorbnen.  3luö  bcr  SJegeliing  beö  QnU 
löurfed,  njeld^cr  in  biefer  S3ejie^ung  mit  bem  roürttcmb.  Gntio.  §  10  im  ©in« 
flQnge  ftc^t,  crgiebt  fic^  t)on  fclbft,  bafe  anbererfeitö  bie  ge5al)tten  Prämien 
bcm  ©onbergute  bcö  betreffenben  Gf)egatten  jur  Saft  fallen. 

§  1416. 

2)ic  Scftimmung  beö  §  1416  bcrufit  auf  öl)nlid)en  (Srraägungen,  mie  »orbc&ait«* 
biricnigen,  tocli^e  bei  bem  gefeftlid^en  el^elid^en  ®üterred)te  jn  bzn  Seftimmungeit  ®"*' 
ber  §§  1286—1288,  1290,  bei  ber  attgemeinen  Oütergemeinfd^aft  ju  ben  S9e^ 
ftimmungen  ber  §§  1346—1349  geführt  Ijaben  (oergl.  bie  aJiotioe  ju  §§  1286 
bis  1288  oben  ©.  167  ff.  iinb  jn  §§  1346—1349  S.  340  ff.).  9Iuc^  in  ben  be^ 
ftc^cnbcn  Ked^ten  ift  namentlich  SSorbel^altögnt  ber  6f)efran  mel^rfad)  anQ-- 
knSüä)  anerfannt,  j.  S3.  im  bai)r.  S.  9t.  I,  6  §  22,  mürttemb.  S.  JR.  1, 18  §  2, 
in  bcr  ^eR.barmft.  SSerorbn.  v.  1795  §  6d. 


§  1417. 

1.  S)a6  ber  von  einem  ber  ®l;egatten  gemad)te,  unter  ben  S3egriff  ber  ®efommtflui. 
(Jrrungcnfc^aft  foDcnbc  ©rmcrb  fraft  beö  @efe|cö  (Sefammtgut  mirb,  oljne  bafe  han  ®So. 
es  einer  Ucbertragung  bebarf  (§  1417  oerb.  mit  §  1343),  ftimmt  mit  allen 

auf  bcm  ©oben  ber  ®rrungenfd^aftögemeinfd^aft  im  engeren  ©innc  ftcl)cnbcn 
Steckten  überein. 

2.  ®urd^  bie  für  entfpred^enb  anmenbbar  crflörten  SSorfd^riftcn  bcr  3urimf<^e 
§§  1344, 1345  wirb  in  Äonfequenj  beö,  mie  ber  allgemeinen  ©ütergcmeinfci&aft,     ^"'"''" 
fo  aud^  ber  6rrungenfd6aftögemeinfd&aft  ju  (Srunbe  gelegten  5ßrinjipeö  beö 
bcutfc^red^tlic^cn  SKiteigentl^umcö  (oergl.  SWotioe  ju  §  1411  oben  ©.  492  ff.) 

bie  iuriftifd^c  9latur  beö  ©efammtguteö  ber  Grrungenfd&aftögemcinfcbaft  näl;er 
bcfümmt. 

3.  änlangenb  bat  SBerroaltungö*  unb  Sßerfügungöred^t  in  9lnfe^ung  beö  »enwituno. 
Qcfommtguteö,  fo  fte^t  auä)  naö)  ben  SRed^tcn  ber  partifulären  (Sütergemeinfd^aft 

bie  SSermaltung  beö  gemeinfd^aftlic^en  SJermögcnö  im  SlUgemeinen  bcm  ®^c* 
mamtc  unter  Stuöfd^lnfe  ber  ß^efrau  ju,  t)orbel)altli(5  beö  Slcd^teö  ber  Sd^Iuf^el* 
geioolt  ber  le|tcren.  SBft^renb  aber  nad^  ben  älteren  Siedeten  bcr  ®^cmann 
in  golgc  beö  ?|Jrinjipcö  ber  gefammtcn  ^anb  bei  SScrfügungcn  über  baö 
(Sefammtgut  regelmäßig  an  bie  Ginmilligung  ber  ©^efrau  gebunben  mar,  Ijat 
bie  neuere  (gntroicfclung  mef)r  unb  mebr  ju  einer  Sluöbelinung  ber  SWed^tc  beö 
G^anneö  gcfül^rt  unb  ift  bcm  @l)emanne  übermicgcnb  bie  freie  Sßerfügung 
über  bie  ganjc  ©rrungenfd&aft,  unb  jmar  au^  über  bie  baju  gel)örenbcn 
Immobilien  eingeräumt.  ®ö  ift  bieö  namentlid^  bcr  Stanbpunft  ocrfd^icbcncr 
fc^lcöm.^olft.  SRcdbtc  (iüt.  Soro,  bitbmarfd).  S.  9?.),  beö  IjoljcnjoU.^cc^ing.  Sted^tcö, 
beö  tricr.  S-  91.  VI  §  31,  beö  l^eff.barmft.  9lcd)tcö  im  Oeltungögcbictc  bcr  SBcrorbn. 
0. 1795  Coergl.  ©euffert  vn,  330,  XVI,  55,  XXXIX,  219),  beö  mürttcmb.  2. 9t. 


506       (SrrunGcnfd&aftööcmcinfc^aft.   ©efammtflut.  9ic(J6t§ücr]6ä[tmi  §1417. 

(lucnigftcnö  als  Siegel),  foioic  bcä  franj.  Sicd^tcö  (code  civil  Slrt.  1421 ;  ücrgl. 
inbeffeii  locgcn  ber  Sd^enfuugcn  and)  9lrt.  1422).  dagegen  ift  bcr  e^emanu 
über  bic  jum  ©efamnitgiitc  gcI;orcnben  3mmobiKcn  nad^  anbeten  S^eci^tcn, 
inöbefonbcrc  md)  bem  naff.  SHed^te  (ocrgl.  gcnncr  u.  aJlecfe,  cit)ilred&tl.  ©ntfc^. 
I,  6,  in,  1),  bem  franff.  SRec^le,  bem  TOÜrjb.  S.  91.,  ben  Siechten  Don  Saftell, 
Ulm  unb  aWemmingen  unb  bem  pvcufe.  31.  S.  SR.  n,  1  §§  411,  377  ff.  o^ne 
Ginroilligung  ber  ß^efrau  uid&t  ju  oerfügen  bered^tigt.  3lad)  bem  bapr.  S.  SR.  1, 6 
§  23  fann  ber  ©l^emann  über  feinen  Slntljeil  an  ber  emingenf(||aft  frei  Der* 
fugen,  lüä^renb  bie  Verfügung  über  bie  anbere  ^älftc  ben  Verfügungen  über 
Sonbergut  ber  ß^efrau  glcid^gcftellt  ift.  9lac^  ben  auf  bem  Sobcn  ber  ©cmein? 
fd&aft  beö  Sugeroinnftcö  ftel^enbcn  SRed^ten  ücrfügt  ber  efjemann  über  feinen 
©ntjerb  frei,  roä^renb  er  in  3lnfel)ung  bcr  von  ber  @^cfrau  cnoorbenen,  jur 
©rrungenfd&aft  ge^orenbcn  ©cgenftänbe  bcnfelbcn  Sefd^ränfungen  untcrroorfen 
ift,  u)ie  in  Slnfcl^ung  beö  Sonbergutes  ber  (gl^cfrau. 

etanbpunft  2)ie  ©rünbe,  roeld^e  in  ben  SDiotioen  ju  §§  1352,  1353  oben  Seite  349  ff. 

öntnmrfefi.  fä^-'^  ba&  bem  ©l^emannc  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfd^aft  iufte^cnbe  auß* 
gcbefjntc  aSerfügungöred^t  in  Slnfel)ung  beö  ©efammtguteö  angefül^rt  fxnb, 
treffen  bei  bcr  ©rningcnfd^aft  nod)  in  ftärferem  ajlafec  ju,  bo  bei  ber  lefttcrcn 
baö  ®efammtgut  nur  burd)  bic  laufenben  ©innal^men  bciber  ©Regatten  imb 
bic  baraufi  gcmad)ten  (grfparniffc  gcbilbet  mirb,  bei  einem  SJermögcn  biefcr 
9lrt  aber  bie  SRüdfftd&t  auf  bie  ©id^erung  ber  S^efrau  von  geringerer  Sc* 
beutung  ift,  wäl^rcnb  anbererfeitö  ba&  93cbürfniB,  bem  (S^emannc  fomo^l  im 
W)irtf)fd^aftlid&en  Sntcreffc  alß  im  Sntereffe  bcr  ©id&erijcit  beö  aSerfel^red  eine 
moglid)ft  freie  Semegung  ju  geben,  ^licr  nod^  fd^örfer  ^eroortritt.  Suf  bcr 
anberen  Seite  cmpfiet|[t  cö  fid^  inbeffcn,  fdjon  im  3ntercRc  bcr  ©infad^^it 
beö  ©efefecö,  nic^t,  bem  Gfjcmannc  bei  ber  ©rrungcnfd^aftögcmeinfd&aft  eine 
nod^  freiere  Stellung  cinjuräumen,  mic  bei  bcr  aDgemeinen  ©ütergemetnfd^aft 
3m  SBcfcntUd^cn  treffen  oiclmc^r  bic  GrioSgungcn,  mcld&c  bei  bcr  allgemeinen 
©ütcrgcmcinfdiiaft  iu  ben  aus  ben  §§  1353—1356,  1358  fic^  crgebenbcn  33c* 
fc^räntungen  beö  SBcrfügungöredötcö  beö  eidcmanncö  bcjro.  ju  einer  älncrfennung 
beö  aSerfügungörcdötcß  bcr  6l)efrau  in  gcroijfcn  gfiDcn  —  abgefc^cn  non  bcr 
allgemeinen  für  iebcn  ©ütcrftanb  gcltcnbcn  S8orfd)rift  beö  §  1278  —  geführt 
^abcu,  aud)  bei  bcr  ©rrungcnfd^aftögcmcinfd&aft  ju.  SBcnnglcid^  bic  SSorfd^rift 
beö  §  1355  bei  ber  (Srrungenfd^aftögcmcinfd^aft  in  bcr  ^auptfad^c  fd^on  burd^ 
bic  «cftimmungen  bcr  §§  1412,  1417  ücrb.  mit  §  1308  SRr.  1  gcberft  ift,  fo 
fann  bicfclbc  bod^  für  fold&e  ^ällc,  in  meldten  bcr  G^efrau  ein  93crtragöantrag 
wegen  cincß  Grroerbcö  gemacht  ift,  bcr  in  baö  ©cfammtgut  fallen  mürbe,  oon 
praftifd^cr  Säcbeutung  fein.  3)agegen  ift  bic  95orfd(|rift  beö  §  1357  jur  Sn* 
menbung  nid&t  geeignet,  weil  ein  bei  Seginn  bcr  ©rnmgcnfddaftögcmcinf^oft 
anhängiger  9tcd)töftreit  ber  ®f)cfrau  nad&  §  1411  9lbf.  1,  §  1412  über^anpt  ni^t 
baö  ©cfammtgut,  fonbern  nur  baö  Sonber*  ober  SSorbcIjoItögut  ber  Gljefrau 
bcrül;rt,  in  biefcr  3i3c5icf|ung  bal^cr  bic  im  §  1417  für  cntfprcd^cnb  anmenbbor 
crflörtcn  Seftimmungen  beö  gcfcglid^cn  c[)clid)cn  ©ütcrrcd^tcö  (§  1309  3lx.  l, 
§  1310)  genügen. 
sciciifunocn.  Slufangcnb  inßbcfonberc  baö  burdj  ben  §  1353  9lbf.  2  bem  Gdcmonnc 

beigelegte  5Rcd)t,  fol^e  Sc^cufungcu  auö  bem  ©cfammtgute  cinfcltig  unb  o^nc 


&mui0cnfd&aft@dC]iianf((aft   ©efammtgut  Sicd&tSt^crl^ältntg.  §1417.       507 

ßrfojpffic^t  ju  madfien,  wcld^c  burd^  eine  f\itl\ä)C  ^flid&t  ober  eine  auf  ben 
änftonb  JU  nel^tnenbc  SRücf|td)t  gcred)tfertiot  werben,  fo  fd^cint  ber  befc^ränftc 
3n)C(f  ber  ©mingcnfci^aftößcmcinfd^aft  boljin  fütjreu  ju  muffen,  bem  ®^cmaunc 
bei  ber  lefeteren  boö  bejeid&nete  9led)t  nur  unter  ber  SJorauöfefeuuß  bcijulegcn, 
bog  bic  Sclienhing  burd^  eine  fo(d)e  ftttlid)c  $^id^t  ober  burd^  eine  fotd^e  auf 
ben  9(nflQnb  ju  nel^menbe  dlüdftd)!  gere^tfertigt  wirb,  meldte  roö^renb  be- 
ftc^enber  ©cmeinfc^aft  entftanben  unb  if)rer  33eran[affung  unb  il;rcm  Umfange 
noc^  oon  fold^er  2lrt  ift,  ba^  ein  orbentli(||er  ^auöuater  bic  Sciftung  auö  ben 
ßinfünften  fcineö  58ermögenö  ju  mad)cn  pflegt.  Snbeffen  tann  ein  Scbürfnife 
JU  einer  berartigen  fafuiftifc^cn  Scftimmung,  meld&e  tonfeQueut  aud&  auf  bafi 
Sec^t  bcfi  ©^emanncö,  nad^  9Wa§gabc  beö  §  1500  eine  nid^t  unter  ben  Segriff  ««ö- 
ber  Sc^cnfung  fallcnbe  äuöftattung  auö  bem  ©efammtgute  ju  gemäljren  ^^**""ö"^ 
(§  1352),  auöiube^nen  fein  mürbe,  um  fo  weniger  ancrfannt  mcrbcn,  alö  bem 
geltenbcn  JRcdjte  eine  fold&c  SBeftimmung  unbefannt  ift  luib  jubem  nid^t  feiten 
im  2aufc  ber  3cit  auö  ben  laufenben  ©innal^men  befl  ©efommtguteö  fid^  ein 
©efornrntgutöfapitafoermögen  bilben  mirb.  3lnlaugenb  aber  bie  grage,  ob  bie 
©rfüllung  einer  bereit»  oor  eintritt  ber  Oemeinfd^aft  begrünbeten  fittlid^en  ober 
änftanböpflid^t  beß  G^emanneö  aus  bem  ©efammtgute  im  SSer^ältniffc  ber 
©Regatten  ju  cinanber  mie  bic  ©rfüDung  einer  uor  (Sintritt  ber  ©emcinfd^aft 
bcflriinbcten,  bem  G^emanne  5ur  Saft  fallenben,  redjtlid&en  33crbinblic^feit  beö 
le^tcrcn  ju  bcurt^cilcn  ift  (§  1426  Slbf.  2  9lr.  2),  fo  fann  biefc  grage  un== 
bcbenfüd^  ber  3wrifiprubenj  überlaffen  werben.  3m  Uebrigen  wirb,  foriel  bic 
Sc^anblung  ber  ©d^enhmgen  unb  einer  aM  bem  ©efammtgute  an  gemein^ 
((^aftlic^c  ober  einfeitigc  Slbfömmlingc  gewälirten  3luöftattung  betrifft,  auf  bic 
Motiüc  JU  §§  1352,  1353  oben  S.  358,  ju  §  1365  oben  ©.  383  unb  ju 
§  1368  oben  S.  390  Sejug  genommen,  wo  inöbefonberc  aud^  bie,  gteidjmöfeig 
für  bic  ßrrungenfd^aftögemeinfd^aft,  wie  für  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft 
bcjTO.  bic  ÜRobiliargcmeinfd&aft  in  biefer  ^infid^t  maßgebenben  SJcftimmungen 
bcd  prcufe.  21.2.9».  II,  1  §§  411,  381—383  unb  beö  code  civil  Slrt.  1422, 
1438,  1439  bcrücffid^tigt  ftnb.  ®ic  meiften  auf  bem  Soben  ber  partifularen 
©ütergemcinfc^aft  fte^enben  SHcd^te  enthalten  in  ben  l^icr  fraglid)en  93ejiet|ungcn 
übcr^oupt  feine  befonbercn  SBeftimmungen  (oergl.  aber  l;eff.  6ntw.  IV,  2 
airt.  512,  448;  württemb.  (Sntw.  §§  132,  99,  103  ff.,  111  -113;  e^renbreitft. 
entw.  §  30). 

4.  Ucber  bic  Haftung  beö  @t;emanncö  gegenüber  ber  (g^efrau  bei  ber  öcrautroort- 
Scrroaltung  beö  ©efammtguteö  fcf)lt  cö  in  ben  auf  bem  SBoben  ber  ©r«  c^tmanJcl 
ningenf^aftögemeinfd^aft  ftcljenben  nuellcn  meiftenö  an  auöbrütflid^en  Sc* 
ftitnmunflcn,  unb  finb  bic  3lnftd^ten  in  biefer  Sejicl;ung  getl^cilt  unb  fc^wanfenb. 
Sei  ber  ©cmeinfd^aft  beö  3iifl^J^i>^"flcö  voxxb  eine  Haftung  beö  ®^emanneö 
wegen  ber  Verwaltung  ber  in  feinem  ©igentljumc  fteljcnbcn,  unter  ben  Segriff 
ber  errungcnfd^aft  fallenben  ©egenftänbe  regelmäßig  uid)t  angenommen,  wöl)renb 
bttö  Ser^ältnife  in  9lnfel)ung  ber  im  ®igentf)umc  ber  (S^efrau  fteljenben  ©egen* 
ftänbc  ber  fraglid&en  Slrt  in  ber  in  9lebc  ftcf)enben  S3e5iel)ung  nac^  benfclben 
(Srunbfä^n,  wie  in  9lnfc^ung  beö  fonftigen  Sonbergutcö  ber  Sl^efrau  ju  bc^ 
urteilen  ift.  2lbgefe^en  uon  ber  ben  ©I)cmann  auö  bem  Icötercn  ©eftc^tö- 
puttftc  etwa  treffenben  S[JerantwortIid^feit,  wirb  alfo  bei  ber  nad)  2luf(ofung 


508       ®mtnflenf(6aftööcmcinf$aft.    ®cfammtgut.  5Rcd)t§üer]&aItmg.  §  1417. 

bcr  (Scmcinfd&aft  ftattjtiibenben  S3ercd)nung  bcr  reinen  ©rrungenfdjaft  nnr 
bcricnigc  93etrag  alö  9(ftioum  ber[elbcn  in  3tnfat  jn  bringen  fein,  um  rocld^en 
baö  ©onbergut  cinefi  G^egattcn  wä^rcnb  bcr  (S^c  aus  bcm  unter  ben  S3cgriff 
ber  Grrungcnfc^aft  foDcnben  Grrocrbe  bereid)ert  i[t.  ©od^  ift  aud^  I/ier  a)2and)eö 
ftreitig.  S3ci  bcr  6rrungenfd)aftögcmcinf(^aft  im  engeren  ©innc  gelten  bie  9Infid^tcn 
auöeinanbcr.  3la6)  bcr  einen  Slnfid^t  follen  in  ber  l^ier  fraglid^en  SBejic^ung  bie« 
fclben  Orunbföfee,  loie  bei  ber  allgemeinen  (Sütergemeinfc^aft  (oergl.  aWotiüc 
ju  §  1364),  iur  9lnroenbung  fommcn.  3luf  biefem  ©tanbpunfte  ftel|t  im  SBcfent« 
lid)en  baö  prcufe.  91.  S.  91.  II,  1  §  411.  3m  §  409  baf.  ift  ba^a-  eine  ©rfa^ 
pflid^t  nur  infomcit  anerfannt,  alö  ber  gemeinfd^aftlid^e  ©riuerb  burc^  bic 
befonberen  ©laubiger  eincö  ©Regatten  gefd^möd^t  wirb,  ©ine  anberc  9lnfx^t 
gel^t  baüon  auö,  bafe  bei  ber  ßrrungenfd^aftögemcinfd^aft  unter  ben  G^egottcn 
eine  auf  beftimmte  9lngelegenf|eitcn  befd^ränftc  Oefellfd^aft  beftcl^e  unb  bal}cr 
bie  allgemeinen  ©runbfä^e  über  bie  S8erpftid)tungcn  eineö  bie  ®efellfd)aftö' 
angelegenl;citen  Dermaltenben  ®efellfd)afterß  auf  bie  ©Regatten  infoweit  3In? 
luenbung  finben  müßten,  alö  nid^t  burd&  bie  bcfonberen  aSer^ältniffc  unb  3n)ecfc 
bcr  el^elid^cn  @cfellfd)aft  eine  9lbnjeid^ung  geboten  fei.  9lm  fd^ftrfflen  auö« 
geprägt  finbet  fid^  bicfe  Stuffaffung  im  loürttemb.  9Ied^te.  Sieben  bem  ©runb* 
fagc,  bafe  icbc  83ercid)crung  beö  ©onberguteö  auf  Soften  beö  ©efammtgutcö 
bcm  te^tcren  ju  crfc^cn  fei,  wirb  l^ier  allgemein  alö  ^ßrinjip  anerfannt,  ba% 
ieber  ©fiegattc  ben  @d)obcn,  mcld)en  er  bem  ©efammtgutc  burd&  SSemoi^« 
Iciffigung  bcrienigcn  Sorgfalt,  bie  er  in  eigenen  9lngeleflcn]^citen  aufjuroenbcn. 
pflegt,  ücrurfad&t,  ju  erfefeen  l^abe  unb  bafe  inöbefonbere  a\iä)  bcr  ©bemann 
bei  ber  ilim  juftel^enben  SBcrroaltung  beö  ©cfammtguteö  in  biefer  9trt  ^aftc. 
SDicfclben  ©runbfä^e  fteüt  ber  mürttcmb.  ©ntro.  §§  67,  75  ff.  (ocrgl.  aucö 
§§  44—46,  64,  72  baf.)  auf  unb  aud^  in  anberen  JWcd^tögebieten,  j.  8.  in  ben 
©cbicten  beö  mainj.  2.  dl.  unb  beö  na^.  Slcd^teö,  fmb  3^^coric  unb  ?}rajiö  ju 
älinlid^en  9?efuttatcn  gelangt.  3)ag«gen  ftcl)cn  baö  franj.  SRed^t,  wie  bcr 
eljrcnbrcitft.  ©ntw.  (ücrgl.  bic  SKotioe  5U  §§  77  —  79  baf.)  fowol^l  in  Sin« 
fel)ung  bcr  gcfc^lid)cn  SDlobiliargemcinfd&aft  alö  ber  ücrtragömäßigen  Grrungcm 
fd)aftögcmeinfd)aft  prinjipiell  auf  bem  Stanbpunfte,  bafe,  abgefel;en  oon  9trfllift 
beö  ©£)cmanneö,  eine  ©rfa^ücrbinblid^fcit  nur  auö  bcm  ©efic^töpunftc  bct 
93ereid)erung  beö  ©onbcrguteö  auf  Soften  beö  ©cfammtguteö  unb  wegen 
Si^enfungen  ftatlfmbet.  ©inen  ä^nlidjcn  Stanbpunft  nimmt  auc^  bcr  bcff. 
©ntw.  IV,  2  9lrt.  445,  452,  459,  510—513  ein. 
etönbpimrt  2)er  ©ntwurf  fdjlicfet  fid^,  inbcm  er  im  §  1417  ben  §  1364  fiir  cnt« 

ontipurfeö.  fprcd^cub  auwcubbar  ertlört,  bcrienigcn  9luffajfung  an,  wcl(||e  in  ber  bicr 
fragtid^en  93ejiel|ung  bei  bcr  6rrungcnfd)aftögemeinfd^aft  biefelbcn  ©runbfä^e 
anwenbet,  wie  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemeinfd^aft.  S)ie  9lntel&nung  on  bic 
römifd&red^tlid&en  ©runbföge  über  bie  Sojictät  ftcFit  mit  bcm  ©runbgcbaiifcn 
beö  Snftitutcö  ber  errungenfd)aftögcmeinfd;aft  im  SBibcrfprud^e.  3}aä)  biefcm 
beruljt  baö  93erwaltungörcd)t  beö  ©dcmanneö  in  9lnfe^ung  beö  ©cfammtgutcö 
uid&t  auf  einem  ©cfcüfd^aftöücrfiättniRe,  fonbcrn  auf  ber  i^m  juftel^cnbcn  c^c* 
t)crrlidöen  unb  Ijauöljcrrlid^cn  ©cwalt.  gür  bie  9luöübung  biefer  ©ewalt  aber, 
inöbefonbere  anä)  für  bic  S3cftimmung  bcr  9lrt  unb  beö  Umfangeö  beö  ehctid^cn 
9lufwanbeö,  ift  er  nod&  bcutfd)red^tlid^er  9Iuffafiung  gegenüber  bcr  ©öcfrau 


Srrunöcn|4aft3acmemfc&aft.   ®cfammtöiit.  5Rc4t^ücr6aItni§.  §1417,       509 

rcc^tlid)  nid^t  PcrantiPortKci^.  93ci  bcm  nod;  bcm  gefe^Iid^eu  c^clid^en  @utcv^ 
rechte  bcm  ©bemanne  in  3lnfef)uug  bcö  ©^cgutcö  jufte^cnbcn,  auf  bcmfclbcn 
@runbc  beru^cnben  JBcrroaltungörcd&tc  ift  bicfcr  (Snmbfafe  jroar  dou  allen 
Setzten  unb  auc^  oon  bcm  ©ntourfc  aufgegeben.  2)aö  Scbürfnife,  ber  Sfic^ 
frou  einen  recfttlid^en  Sdjufe  in  bicfcr  ^infid^t  ju  gcn)äf)ren,  madjte  bieö  notlj^ 
wcnbig,  unb  bicfcm  Sebürfniffc  gegcnübev  mußten  bic  SBcbcnfen,  ba%  burd)  bic 
tt^tlitj^c  aSerantroortlid^fcit  bcft  (Seemannes  gegenüber  ber  ©^efrau  bic  Stellung 
bcö  erfteren  in  ber  ®^c  bccinträd^tigt  merbe,  surüdEtrctcn.  ®aju  lommt,  ha^ 
bicfe  SBeranttDortlid^feit  bei  bem  gefc|lidfien  e^clid^en  ©üterred^tc  fid|  immer 
nur  auf  bic  Subftanj  beö  aSermogenö  ber  ©^efrau  bcjieöt.  SBoDte  man  ba- 
gegen  bei  ber  ©rrungenfd^aftögemcinfc^aft  ben  (Seemann  für  bic  SBermaltung 
beö  ©efammtguteö  allgemein  ocrantmortUd^  mad^en,  fo  mürbe,  ba  bic  SRugung 
ber  Sonbcrgütcr  für  Med^nung  beö  ©efammtguteö  erfolgt,  bic  SSerantmortlid^* 
feit  beö  (S^cmanncfi  fid^  aud^  auf  bic  Sluöübung  bicfcr  ^luftnicfeung,  unb  jroar 
anö)  in  3(nfcl)ung  feincö  eigenen  Sonberguteö,  erftrcdten.  3)urd^  eine  fold^c 
über  bas  gefc|[id^c  e^clid^c  ©üterred^t  meit  ^inauögcl^enbc  äludbef)nung  ber 
^crantmortüc^tcil  bed  (Sl^emanncö  mürbe  aber  bic  bcm  [enteren  gebü[)renbc 
Stellung  in  ber  G^c  in  ber  2:()at  fd&roer  gcfäl^rbct  unb  baö  cift^tnliäjc  9lcd&t 
oon  feiner  urfprünglid^en  ©runblagc  uollftönbig  abgclöft  roerben.  S)ic  Gnningcm 
ft^ftögemcinfd^aft  ^at  bcn  Qwcd,  ber  G^efrau  einen  3tntf|ciI  an  bem  in  ber 
©^e  gemachten  ©nocrbc  ju  fidtiern.  S)iefer  3wc(f  barf  aber  nid^t  auf  Soften 
ber  bem  ©bemanne  gebü^renben  mürbigen  ©tcUung  crrcidjt  merben.  Grnftc 
Sebenfen  gegen  ben  Oninbfag  ber  red^tlid^cn  UnocrantroortUd^feit  beö  ©Ijc* 
manned  für  bie  Sluöübung  bcd  il)m  in  ätnfcl^ung  beö  ©cfammtguteö  {uftelienbcn 
fknDa(tungftre(||teö  im  ^inblidc  auf  bic  barauö  ber  ®I)cfrau  brol^enben  ®c^ 
fahren  ergeben  fid^  alierbingö  Dom  Stanbpuntte  bcrlcnigen  Sfted^te  anü,  meldte 
bie  G^efrati  unbebingt  aiii)  bie  ©inbuge  mittragen  (äffen.  SSom  Stanbpunftc 
bed  ©ntnmrfcö  auö,  nac^  meldjcm  bic  ©inbugc  bem  ©bemanne  aQein  5ur  Saft 
fcDt  (oergl.  aWotioc  ju  §  1429),  fann  inbeffen  auf  jene  Scbcnfcn  entfdöeibenbcß 
©eioid&t  ni(^t  gelegt  werben.  2)er  ©runbfag  ber  rcd^tlid^en  Unücrantmortüd^tcit 
bejie^t  jldb  5ubcm  nur  auf  bic  SSermaltung  beö  ©efammtguteö  cinfd^Ueglid) 
ber  für  SRedbnung  beö  legtcrcn  erfolgenben  3luöübung  ber  bcm  ©Ijcmanne  an 
bem  Sonbergute  ber  ©^efrau  iuftc^cnben  ^tuftniegung,  nid^t  aber  aud^  auf 
fold^  ^anblungcn  beö  ©^emanneö,  burd^  meldte  er  in  äluöübung  ber  91ug^ 
nic^ung  unb  Siermattung  beö  Sonberguteö  ber  ©f)efrau  in  bie  @ubftanj  beö 
Sonbergutcö  eingreift.  3nfon)eit  ift  er  Dielmcl^r  nad^  äRafegabe  beö  §  1279 
unb  ber  burd^  §  1417  auf  baö  ©onbergut  ber  ©^efrau  für  cntfpredjenb  an^ 
iDenbbar  erflärten  SBcftimmungen  beö  gefeglid^en  e^clid^en  @üterrcd^tcö  über 
bic  e^Kc^e  Slufimefeung  unb  aScrroaftung  beö  ßt^cguteö  (uergl.  inöbef.  §  1292 
Dcrb.  mit  §  1004,  ferner  §  1324  unb  §  1426  äbf.  2  3lx.  4)  ber  ©^efrau  tjcr^- 
antvortKc^. 

5.  S)ic  entfprcd^cnbc  Slnrocnbbarfcit  beö  §  1365  rcd)tfertigt  fid^  burd)    «cmjciu 
bic  anologic  ber  gScr^ältniifc  (pcrgl.  bic  aJiotiüc  ju  §  1365  oben  S.  382  ff.). 
3n  bcn  auf  bcm  Soben  ber  ©rrungenfd^aftögemcinfd^aft  ftcljcnben  SHed&ten 
fc^It  cö,  fooiel  bic  aSermenbungen  beö  G^cmanncö  auö  bem  ©efammtgute  in 
fein  'Sorbe^altögut  ober  umgefef)rt   betrifft,   an   befonbcrcn  Söeftimmungcn. 


buiigen. 


510      ®rrunöen[$aftöoemcmf(i&aft    ©onberöut.    Sficd&t8i?crBäItni&.    §  1417. 

Ucber  ben  (Srfaß  üon  Sßcrrocnbungcn  an^  bem  Oefammtgutc  auf  bie  ©onbcr* 
guter  unb  umgefcl^rt  cntl^ält  bcr  §  1420  bic  crforbcrlid&en  SBorfd&riften. 
«broefen^cit  ß,  ggje  Ux  bct  allgemeinen  ®ütergcmciufd5aft,   gc^t  nad^  cinjclneu 

Äranf^Tt  beä  Siedeten  anä)  bei  ber  emmgenfc^oftögcmeinfd&aft  baß  SBerroaltungörcd^t  bcä 
(g^cmamies.  g^emonneö  in  9lnfcl^ung  beö  ©efammtgutcö  in  größerem  ober  geringerem 
Umfange  auf  bic  (S()cfrou  über,  mcnn  bcr  (Seemann  burd^  Stbwefen^cit  ober 
aus  anbcren  Orünben  bauernb  au^cr  ©tanbc  ift,  fein  SBcrmaltungörcd^t  auö^ 
juüben  (oergl.  j.  33.  für  baö  ©eltungögcbiet  bcr  l^ejf.barmft.  SSerorbn.  v.  1795 
unb  beö  cafteH.  SRcc^teö  Jleubauer  ©.  57,  58,  113,  114;  ferner  e^renbreitft. 
@ntn).  §§  36,  37).  S)er  ©ntrourf  i^at,  abgefel^en  von  bem  galle  bcfi  burci^ 
§  1417  für  entfpred^cnb  anmenbbar  crflärten  §  1358  ber  ß^efrdu  auö  ben  in 
ben  a»otioen  ju  §  1358  oben  ©.  363  für  bie  allgemeine  ®ütergemeinf(iiiaft 
bargelcgten  Orünben  aud&  bei  ber  ®rrungenfd&aftögcmeinfd)aft  ein  eigenes 
SRed&t  auf  bie  aSermaltung  in  btn  bcjeid^neten  gäEen  nid^t  beigelegt.  Sic 
entfprec^enbe  3lnmenbung  beö  §  1370  l^at  bei  ber  Grrungenfd^aflögemcinfd^aft 
um  fo  meniger  S3ebcnfen,  als  bic  ß^efrau  nad^  §  1429  Slbf.  3  aud^  in  ben 
im  §  1328  5Rr.  3,  4  bcjeid&neten  gällen  bic  3luflofung  ber  ©rrungcnfd^aftß^ 
gemcinfd^aft  unb  SE:rennung  ber  ©ütcr  »erlangen  fann. 

7.  @ine  bcr  Seftimmung  bcß  §  1366  cntfpred^enbe  Seftimmung  ift  für 
hie  errungenfd^aftögcmcinfd&oft  nid^t  erf orbcrlidö ,  weil  bei  biefer  bem  Sc* 
bürfniife,  auf  roeld^em  bie  SBorfd^rift  beö  §  1366  bcrufit,  bur(5  l)ic  im  §  1417 
für  entfprcd^cnb  anroenbbar  erJlärten  §§  1321,  1322  in  SBerbinbung  mit 
ben  §§  1418,  1423  9lbf.  2  5Rr.  2  unb  §  1426  3lbf.  1,  2  SRr.  1  ©enuge 
gcfd^iei^t. 
j»e($td.  8.  Slnlangenb  bic  rcd&tlid^e  ©tcllung  ber  ©Regatten  ju  im  beibcrfeitigen 

TonblTßiue"  ©onbergütcrn,  f o  ftcl^t  naä)  bcr  üHe^rjal^l  ber  SRcd^tc  bem  ©bemanne  über  fein 
©onbergut,  unb  jroar  aud^  über  bie  ju  feinem  ©onbergutc  gcprcnbcn 
eonbcTflut  Immobilien,  bie  freie  SSerfügung  ju.  ©injeluc  SRed^tc  gcftatten  iebod&  auf 
«bemanne«.  ©Hiub  bcß  5ßrinjipcö  bcr  gcfammtcu  §anb  bem  6l)emannc  auc^  über  feine 
eigenen  ^ntmobilicn  bie  iBerfügung  nur  mit  @inioilligung  ber  @^cfrau.  S)a^in 
gel^ören  baö  franff.  SRcc^t,  baö  najf.  SRed^t,  baö  loln.  S.  91.  XII  §§  2,  3, 
foroie  baö  cafteH.  SRed^t.  S)er  (Sntmurf  fd^licfet  fid^  in  biefer  Sejiei^ung  ber 
neueren  Sled^töentmid elung -^n  unb  mad^t,  oorbc^altlid^  ber  auö  §  1417 
in  SSerbinbung  mit  §  1353  3lbf.  2  fid&  ergebenbcn  Scfd^ränfung  mcgcn 
©d^cnlungöoerfpred^en,  aud)  in  Slnfel^ung  oon  ©c^enfungen  auö  bem  ©onbcr* 
gute  beö  ß^emanncö  teinc  Sttuönal^me.  S3on  ben  neueren  ©efefeen  unb  ©nt^ 
würfen  enthält  in  biefer  Sejic^ung  nur  bcr  roürttemb.  6ntro.  §  116  eine 
befd&ränfenbc  Seftimmung.  SBcnngleid^  bic  ®^efrau  infofern  ein  S^tcreRc  an 
ber  ©rl^attung  beö  ©onberguteö  beö  ®l)emanneö  l^at,  alö  bic  9luftungcn  beö« 
felben  bem  ©cfammtgutc  juf allen  (§  1411  3lbf.  2),  fo  befd^ränft  fi^  i^r  Siecht 
bod^  barauf,  bafe  fold^c  9lufeungen,  wenn  unb  fomeit  fie  gewonnen  tucrben, 
bem  ©cfammtgutc  jufaUcn.  (So  l^at  bicfcö  SRed&t  feinen  anbcren  SSaroftcr, 
alö  ba&  ber  @^efrau  überl^aupt  in  S3etrcff  beö  @nucrbcö  beö  @l^emanned^  inö- 
bcfonberc  aud&  in  SBctreff  beö  ©rtragcö  feiner  Slrbcitöfraft,  juftc^enbc  Stecht. 
SG3o  bie  errungcnfd^aftögcmeinfd^aft  nid^t  traft  ©efetcö,  fonbcrn  nur  auf 
©runb  eineö  9Sertrageö  eintritt,  mürbe  eine  93efd^rSnfung  beö  S^emanncö  in 


6rrunocnfc^aftf*0cmrinf4aft.    Sonbcrgut.    atecbtöDeriältnii.    §1417.       511 

bcr  Scrfüguug  über  fein  eigenes  ©onbcrgut  jubem  eine  Slnomalic  fein,  xotldjt 
nur  burd^  baö  jmingcnbfte  Scbürfnife  gcrcd^tfcrtigt  werben  fönntc. 

3n  änfe^ung  beö  ©onberguteö  ber  ©^efran  ftel)t  nad)  allen  SHedjtcn  eonbergut 
bem  g^emannc  ba^  dicä)t  bcr  aSerroaltung  nnter  Sluöft^tuß  ber  S^efrau  ju;  *^'^  ®^*^'^""' 
bo4  ge^en  bic  einjclnen  Siechte  über  bie  2luöbef)nung  beß  Syerfügungöred^teö  It^t 
bcÄ  ß^cmanncß  Quöcinonber.  9lad&  einigen  SRedjten  fann  bcr  ®f|emann  über 
bic  bcweglid^en  ©ad^cn  frei  verfügen,  wäl^renb  er  jnr  SScrfügung  über  bic 
Smmobiücn  ber  ©inroiHigung  ber  S^efrau  bcbarf.  S)icö  ift  inöbefonberc  ber 
Stanbpunft  beö  SRorbftranber  £.  9?.,  beö  naff.  SRed^tcß,  bcö  Sied^teö  im  ©ebietc 
ber  ^ejf.barmft.  SBerorbn.  d.  1795,  bcö  roürttemb.  £.  di.  (ocrgl.  2.  JH.  H,  7 
§  12),  ber  SRc^te  von  ©aftcU,  Ulm,  SWemmingcn,  foroie,  allerbingö  nldjt  xxw^ 
bcftritten,  bcö  franj.  9led&teö  (ocrgt.  code  civil  Slrt.  1428;  übereinftimmcnb  in 
Snfe^ung  entgeltlicher  SBerfügungcn  über  Sßobilien  el)rcnbreitft.  ßntro.  §  31; 
ferner  württemb.  ©ntm.  §  126,  Icfitercr  jebod^  unter  ^uöfdfiluß  fold^cr  Saijtn, 
welt^c  einen  äffeftionöTOcrtl^  für  bie  ©Ijcfrau  l)aben).  Slnberc  SHcc^te,  j.  ö. 
bie  JJe^tc  oon  93amberg,  ©d&roeinfurt  nnb  Slürnbcrg,  foroie  alö  Flegel  ba^ 
ba^r.  2.  SR.  I,  6  §  26  3lx,  1,  2,  binben  bagegcn  ben  Gfiemann  aucl^  bei  bcr 
Serfüjung  über  bie  bemcglid^en,  jum  ©onbcrgute  gcljörcnbcn  Sad^en  ber 
(S^efrau  an  bic  ©inroilligung  bcrfelbcn  (oergl.  aud^  t)C)f.  (Sntn).  IV,  2  9lrt.  452, 
512),  roä^renb  eine  meitcrc  (Sruppe  oon  Siedeten,  j.  93.  baö  tuürjb.  2.  dt., 
ber  G^efrou  baö  JRed^t  einräumt,  alle  if)r  nad^tl^ciligcn  cinfcitigcn  äJerfügungcn 
bcö  C^cmanncö  über  xi)x  ©onbcrgut  anjufcd&ten.  9iad^  bem  Jüt.  2on)  ftc^t 
bem  S^emanne  bie  freie  äSerfügung  aud^  über  bic  Immobilien  ju. 

3n  ainfcl^ung  ber  grogc,  inmiemeit  imd)  bcn  Siedeten  bcr  partifulSrcn 
©utergemeinfc^aft  bie  (S^efrau  in  ber  ®cfd&äftöfäl)igfeit  ober  bod^  in  bcr  Sßcr- 
fügung  über  i^r  Sonbergut  bef darauf t  ift,  wirb  ouf  bic  allgemeinen  aWotioc 
ju  §§  1300—1310  oben  ©.  220  ff.  Sejug  genommen,  mo  Jene  SHed^tc  bei  bem 
flcfe^Ii^en  c^ctid^en  ©ütcrrccbtc  in  biefer  §infid^t  bereits  bcrüdfid^tigt  finb. 

Sa  bcr  ©ütcrftanb  ber  ©rrungcnfdjoftögcmeinfd^aft  fid^  gemijfcrmafecn  stanbpunrt 
nur  a(ö  eine  SKobififation  beö  gcfefelid^en  cl^elid)en  (Sütcrftanbcö  barfteÜt  unb  cö  g„t^„r|rt. 
auc^  bei  bem  erftercn  barauf  anfommt,  cinerfeitö  bic  9iu|ungen  bcö  ©onberguteö 
ber  ßl^efrau,  mic  bie  beö  ß^egutcö  bei  bem  gefe|lidöen  ©üterftanbe,  ben  3n)C(f cn 
ber  (Sffc  bienftbar  ju  maclfcn  unb  bem  @^cmanne  bic  nöt^ige  ^eitjcit  unb 
©elbftänbigfeit  in  ber  a3enu6ung  bcö  ©onberguteö  für  jene  3tt>ccte  ju  gemöliren, 
anbererfeitö  baö  9led^t  bcr  @^efrau  auf  bic  ©ubftanj  beö  ©onberguteö  in 
gleicher  Slrt,  wie  i^r  SRed^t  auf  bie  ©ubftanj  beö  ßf)cguteö,  ju  fidlem,  fo  ift 
c«  bcr  einfad^fte  unb  iugleid&  angemcffenftc  SBcg,  bei  bcr  Siegelung  bcr  ©tellung 
beö  e^anncö  in  Slnfc^ung  beö  ©onberguteö  bcr  @^efrau  fid^  an  bic  SJor- 
fünften  beö  gefe|lid^en  ebelid^en  ©ütcrre^tcö  über  baö  &^egut  anjufd^liegcu 
ttnb  ouf  bicfelben  infoweit,  alö  fie  jur  entfpred^enben  Slnmenbung  geeignet 
finb,  einjeln  ju  ücrmeifen.  ®abei  ift  iebod),  fooict  bie  bem  ©bemanne  in  2In- 
fc^ng  beö  ©onberguteö  ber  @^efrau  }ufteE)enbcn  JRcd^tc  betrifft,  baö  SScrbölt^ 
nijj  nid^t  fo  aufjufaffcn,  alö  gehöre  bic  bem  Glicmannc  in  SÄnfel|ung  jencö 
©onberguteö  sufte^enbe  9lu|niefeung  unb  SScrmattung  ju  bem  ©onbcrgutc 
beö  G^anneö;  Dielmc^r  t)erl)ält  cö  fid^  mit  ienen  Siedeten  nidjt  anbctö  mic 
mit  bem  in  9tnfc^ung  bcö  ©cfammtgutcö  bem  Gficmannc  juftcljcnbcn  SJcr-' 


512  (5riunacnf4aftk?0emcinfd&aft.    ©efammtflut.    Saften.    §  1418. 

raaltungörccfitc.    3n  bcibcu  gällcn  übt  bcr  e[)cniann  ein  eigenes  3lcd;t  auö, 
aber  für  SRedönung  beö  ©efammtguteö. 

2lnlangenb  bie  einjefnen,  bie  el>eli(I)c  Siugnießung  «nb  3Scm)aIlung  bc? 
treffcnben  Seftimmungen  beö  gefefelid^cn  c^d\ö)tn  ©üterrcd^teö,  fo  finb  bie 
§§  1284,  1286—1290,  1299  unb  1313  im  §  1417  nid^t  mitattcgirt.  ®ic 
§§  1286—1288,  1290,  1313  [\nb  bwxd)  bie  »eftimmungcn  bcr  §§  1416,  1425 
gebecft  bejro.  erfefet,  bie  §§  1284,  1289,  1299  5ur  entfpred&enbcn  Snroenbung 
nid)t  geeignet;  inäbefonbere  ift  bie  SSeftlmmung  beö  §  1299  mit  ben  S^ccfcn 
ber  errungenfd^aftögemeinfdiaft  unb  bem  §  1423  3lbf.  1  nid^t  vereinbar.  Um 
namcntlid^  bem  aWifeoerftänbniffe  ju  begegnen,  ate  ob  auf  (Srunb  bcr  burd^ 
§  1417  für  entfpred^enb  aniDcnbbar  erflfirtcn  Sßorfd&riften  beö  gcfcglic^cn  c^cs^ 
liefen  ©üterred^tcö  bie  3hi|ungen  beS  ©onbergutcö  ber  Gl^cfrau  nid^t  birctt 
SBcftanbt^eil  beö  Ocfommtguleö  xoütbm  (öcrgl.  §  1411  Slbf.  2),  fonbem,  toie 
bie  SJufeungen  beö  6t|egutcö,  junäd^ft  bem  ©bemanne  jufielcn,  finb  im  §  1417 
bie  SBortc  ,,foroeit  nic^t  auö  bem  ©efefee  ein  3lnbcrcö  fid^  ergiebt"  cim 
gefd&altet. 

§  1418. 
ffr^oitung«*  2)ic  Seftimmung  beö  §  1418  Sag  1  entfprid^t  bem  SBcfcn  unb  S^a>edt 

sStenTeJ  ^^^  ©rrungcnfd&aftögemcinfd^aft  unb  bem  ©runbfafee,  ba%  bie  ©onbcrgütcr 
eonberflüter.  tiadE)  SKafegabc  beö  §  1411  2lbf.  2  für  9led&nung  beö  ©cfammtgutcö  Dcrroaltct 
roerben.  3lud)  bie  beftel^enbcn  SRed^te  ftimmen  im  5ßrinjipe  bamit  übercin.  SHife 
bei  ainioenbung  ber  SJeftimmung  beö  §  1418  Sag  1  bie  aSorfd&riftcn  beö  §  1297 
2lbf.  1  entfprcc^enbc  Slnrocnbung  finben  foUen,  redbtfcrtigt  fid^  burd^  bie  ^na^ 
logie  bcr  aScrl^ältnific  unb  burd^  bie  ©rünbe,  auö  rocld^en  bcr  ©ntrourf  im 
§  1417  auf  baö  Sonbergut  bcr  ©Ijcfrau  bie  aSorfc^riftcn  beö  gcfcftlid&en  e^o 
lid^en  ©üterred^teö  anä)  im  Uebrigen  für  cntfpred^icnb  anrocnbbor  crHärt  f)at 
2)em  Sonbergute  ber  ®^cfrau  mufe  aber,  fotjiel  bie  2^ragung  bcr  ^ier  frog^? 
lid^cn  Äioften  unb  Saften  beö  Sonbcrgutcö  burd^  baö  ©efammtgut  betrifft,  baö 
Sonbergut  beö  6t)emanneö  gleid^geftcttt  roerbcn.  9lid&t  für  cntfpred^cnb  an* 
rocnbbar  er!lärt  ift  ber  §  1297  9lbf.  2.  2)a  bem  ©efammtgutc  nac^  §  1411 
nid^t  nur  bie  9lu|ungen  ber  Sonbcrgütcr,  fonbern  aud^  bcr  ©rtrag  ber  9(rbett 
beö  ©fiemanneö,  wie  ber  (S^efrau,  mithin  atte  laufcnbcn  ©innal^mcn  {ufliegen, 
n)cld)c  jur  Seftreitung  bcr  \)kv  fraglid&en  Äoftcn  unb  Saften  bcfiimmt  finb^  fo 
muffen  bie  Icfeteren  bem  ©efammtgutc  ol^nc  bie  im  §  1297  Slbf.  2  bejeid^nete 
Sefd^ränfung  jur  Saft  fallen.  SRit  bem  ©cifte  bcr  ßrrungenfd^aftöflemcinfd^aft 
mürbe  eö  nidE)t  im  ©inf(ange  ftel&cn,  menn  bei  Beantwortung  bcr  gragc,  inmic^ 
weit  jene  Äoftcn  unb  Saften  auö  bem  ©efammtgutc  ju  berid^tigen  finb,  im 
einäclneu  galle  unterfudjt  merbcn  müfetc,  roic  ^od&  fid^  bcr  SBctrag  ber  bem 
©efammtgutc  jugcfallenen  3lufeungcn  beö  bctreffcnbcn  ©onbcrguteö  belauft. 
Um  fo  unbebcnfli(^cr  ift  cö,  bei  bcr  ©rnmgcnfdöaftögcmcinfcöaft  tJon  ber  95c» 
fc^ränfung  beö  §  1297  3lbf.  2  abäufcl^en,  alö  bicfcr  ©üterftanb  auf  fBcrtraft 
bcru(|t  unb  bcö^alb  bie  bei  ber  Beftimmung  beö  §  1297  9(bf.  2  t)or}ugötDctft 
mafegebenb  gcroefenc  SRüdffidit,  bajj  eine  mcitcrgc^enbc  Haftung  beö  G^emannei^ 
gegenüber  ber  Gfjcfrau  eine  unbillige  §ärtc  gegen  ben  Seemann  fein  tDurbe^ 
l;ier  alö  bure^f^lagenb  nid|t  angefc^en  mcrbcn  fann. 


ßminocnyc^ft?gcinrinf(J6aft.    (ScFammtflut.    ?aftcn.    §  1419.  513 

©ine  bcfonberc  SBcflimmung,  bafe  axiä)  bic  bei  einem  ^liefebraud^c  üon  «enuaituno«. 
bem  3lic6brau^er  ju  tragenbcn  Äoften  ber  orbnunflßmaligen  aSerroaltung  beö  ''^*"' 
5lic§6rttU(j&cö  bei  ber  SBcnDaltung  unb  Slufeung  ber  ©onbergüler  bem  Oefammt 
nute  jur  Saft  foUen,  ift  alö  entbc^rlid^  erachtet,  ba  fid^  fc^on  aus  ber  93e^ 
ftimmung  beö  §  1411  äbf.  2  mit  genügenber  ©eutlic^teit  ergiebt,  baß  biefc 
^SenoaÜungdfoften^  j.  93.  bie  jtoften  ber  äinftellung  eiued  igaudt)em)a[terd^  bem 
@efainmtgute  }ur  Saft  fallen.  STnberd  Der^ält  ed  ftc^  bagegen  mit  bcn  nac^ 
3RQ§gobe  ber  Seftimmungcn  beö  gefcftlid^en  e^elid^en  ©üterre^teö  nid^t  bem 
6t|emanne  afe  9luftnie§cr  beö  ß^cgutcö,  fonbcrn  ber  ß^efrau  jur  Saft  fallenbcn 
Xuögaben  }um  3^^^  ^^^  orbnungömögigen  äSermaltung  beö  @^eguteö 
fwrgl.  §§  1320, 1321, 1323, 1324  3lbf.  1).  ®ie  biefen  äuögaben  cntfpredgienben 
Sudgaben  jum  Qmdt  ber  orbnungömägigen  SSenoaltung  ber  Sonbergüter 
fallen  aud^  bei  ber  ©rrungenfc^aftögemeiufd^aft  nic^t  bem  ®cfammtgute,  fonbem 
bem  betreffenben  ©onbergute  jur  Saft. 

SBie  ouö  §  1423  2lbf.  2  3lx.  1  unb  SKbf.  4  R*  ergiebt,  l^aftet  ber  e^e*  ?erf5iuic^ 
mann  für  biejenigen  auf  boö  ©onbcrgut  ber  ®^efrau  fid^  bejiel^enben  SBerbinb^^  e^jlmamt^! 
lic^teiten  ber  (enteren,  meldte  ju  ben  nad^  ben  SSorfd^riften  beö  §  1418  Don 
bem  ©cfammtgute  ju  tragenben  Saften  beö  ©onberguteö  gel^ören,  gegenüber 
ben  ©laubigem  ber  ß^efrau  perfonlid^,  mä^renb  umgefeftrt  eine  perfonlid^e 
^ftung  ber  (enteren  für  bie  l^ier  fraglid^en  SBerbinblid^feiten  beö  @()emanneö 
Rcgenuber  ben  ©laubigem  beöfelben  nad^  §  1423  9lbf.  1,  4  auögefd^Ioffen  ift. 
3m  Ser^fiUniffe  ber  @§egatten  unter  einanber  fallen  aber  bie  ^ier  frag(id^en 
Serbinblid&feiten  nad^  §  1426  2tbf.  1,  2  5«r.  1  bem  ©efammtgute  jur  Saft. 
Süeic^t  boö  Ie|tere  jur  ä^ilgung  biefer  SSerbinblid^feiten  nid^t  auö,  fo  I|at  nad) 
§  1429  9lbf.  1  uerb.  mit  §  1380  ber  Seemann  aQein  bie  @inbuge  }u  tragen. 

§  1419. 

S)aö  im  §  1419  jum  äluöbrucfe  gelangte  ^rinjip,  bag  ber  el^elid^e  9luf^  «^eitc^er  «uf. 
nwnb  —  felbftuerftänblidö  lebod^  nur  inforoeit,  alö  berfelbe  ouf  ber  SSerfügung  ""**"*"• 
beßienigen  beruht,  rocld^er  itn  e^elid^en  Slufmanb  ju  beftimmen  bered^tigt  ift  — 
bem  ©efammtgute  jur  Saft  fällt,  ergiebt  fid^  auö  bem  Qrotdt  ber  ©rrungen* 
f^faftögemeinf^aft  unb  fte^t  mit  bem  geltenben  Siedete  im  @inllange.  äBenn:: 
g[ei(^  bei  ber  aUgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  eö  nid[|t  alö  erforberlid^  erad^tet 
ift,  jeneö  aud^  bei  biefer  geltenbe  ^rinjip  auöbrücFUd^  auöjufpred^en  (t)ergl. 
bie  aRotioe  ju  §  1365  oben  ©.  382),  fo  erfc^cint  eö  bod^  bei  ber  ©rrungen* 
f(^ftögemeinf4aft  alö  ratl^fam,  baöfelbe  neben  bem  ©runbfa^e  beö  §  1426 
Sbf.  1,  bo6  bie  ©efammtgutöDerbinblid^feiten  im  Sßer^öltnifje  ber  ©Regatten 
ju  einanber  bem  ©efammtgute  jur  Saft  fallen,  im  ©efcfee  befonberö  jum  9luös^ 
brude  ju  bringen.  ^Da  nad^  bem  gefe^lid^en  el^elic^en  ©üterrec^te  ber  @l^e^ 
monn  bie  e^eli^en  Saften  allein  ju  tragen  l^at,  bie  ©rrungcnfdiaftögemcin^ 
f^aft  aber  geroiRermafeen  olö  eine  SRobififation  beö  gefefelid^en  el^elid&en  ©üter* 
red^teö  fid^  auffajfen  löfet,  fo  fonnte  in  ©rmangclung  einer  entgegenftel^enben 
SefUmmung  bie  äuffaffung  SRaum  gewinnen,  ba§  in  biefer  ^infid^t  anä)  bei 
ber  ßnrungenfc^aftögemeinfd^aft  baöfelbe  gelte.  S^bcm  ^anbelt  eö  fid)  um  ein 
mi^ftigeö,  bie  ?Ratur  ber  6rrungenfd{)aftögemeinf(^aft  farafterifirenbeö  ^rinjip, 

«•Um  |.  Mr^erL  Oefeita^.  VT  33 


514  6rcun0enf(6aft0Gc«teinfci&aft.    SSerircnbunccn.    §  1420. 

beffen  Sluöfpred^ung  um  fo  angcmeffcncr  ift  als  baöfelbc  für  bic  ©rfo^frogc 
rocgcn  aScrrocnbungcn  (§  1420)  eine  grofee  praftifc^e  SSebeutung  ^ot. 

2Baö  unter  ben  cl||cU^en  Slufroanb  fällt,  brandet  im  ©cfefee  nid^t  no^er 
beftimmt  ju  werben  unb  läfet  fid^,  o^ne  in  eine  fd^äbUd^e  Äafuiftif  ju  gerat^en, 
im  ©injefnen  nic^t  na^er  beftimmen.  3m  SlUgemeinen  umfofet  bcr  e^cUd^c 
Slufroanb  oUe  Slufroenbungcn  für  bie  perfönlid)en  Scbürfniffc  ber  e^egottcn 
unb  ber  gemeinfd()aftlid^en  älbfömmlinge,  alfo  indbefonbere  bie  Slufmenbungen 
für  ben  Unterfialt  berfelbcn. 
«nbere  SHd  ©cfammtgutdlafteu  werben  l^äufig  nod^  bcfonberö  biejenigen  Stuft- 

^iSjSm.  Qob^Ti  l^roorgel^oben,  welche  für  btn  Srmerb,  bie  @r^a(tung  unb  SSermaltung 
bed  ©efammtguted  gemalt  finb,  indbefonbere  bie  Sludgaben,  welche  ber  6^ 
mann  für  bie  Q^tdc  eined  von  it)m  betriebenen  @nDerbdgefd^&fted  ober  cined 
fonftigen  auf  ben  ©rroerb  gerid^tetcn  Serufcö  gemad&t  l^at.  @ine  befonberc 
33eftimmung  ift  in  biefer  SRid^tung  inbeffen  ni^i  erforberlid^,  ba  bad  JRic^itigc 
fxd()  von  felbft  ergiebt  unb  auö  anberen  33eftimmungen  (oergl.  §§  1418,  1426 
Slbf.  1)  abgeleitet  werben  fann. 

§  1420. 

«rfav  JBei  ber  großen  praftifd&en  SBic^tigfcit  bcr  grage,  inwieweit  roegen  Skr- 

ntom^St*  wenbungen  oon  Sonbergut  eines  ©Regatten  auf  bad  ©efammtgut  ober  loegen 
rcid^erung.  Sßerwenbungen  oon  Oefammtgut  auf  bas  ©onbergut  eineö  ©Regatten  ßrfat 
gefeiftet  werben  muß,  unb  im  ^inblicfe  auf  bie  oielen  in  biefer  ^inftc^t  auf 
bem  (Sebiete  ber  partifulären  Oütergemeinfd^aft  beftel^enben  Streitfragen  ifl 
eö  aus  praftifd^en  SRüdiid&ten  unbebingt  erforberlid^,  fene  groge,  unb  jwar 
o^ne  iwifd^en  bem  ©onbergute  ber  ß^efrau  unb  bem  ©onbergute  beö  ß(ie« 
manneö  ju  unterfd^eiben ,  burd&  eine  einfädle  unb  flare  SSeftimmung  ju  cnt- 
fd^eiben.  3Son  biefem  Oefid^töpunfte  auö  empfiel^It  es  ftd^,  an  bie  bIo|e  Xfyii* 
fad^e,  bag  bad  @onbergut  eined  ber  Sl^egatten  auf  Jtoften  bed  ©efammtgutcd 
ober  bas  le^tere  auf  5!often  eines  SonberguteS  jur  3^it  ber  äluflofung  ber 
©rrungenfd^aftsgemeinfd^aft  bereid^ert  ift,  einen  Slnfprud^  auf  ©rfaft  ber  S3e* 
reid^erung  ju  !nüpfen.  2)ie  allgemeinen  (Srunbfäfee,  inSbefonbere  bie  Seflim« 
mungen  bes  ©efeftbud^es  über  bie  ungered^tfertigte  Sereid^erung  (§  748), 
reid^en  in  mand^en  ^fiUen  nic^t  aus,  [um  einen  fold^en  ber  äSiUigfeit  unb  ber 
befonberen  Sa^Iage  bei  ber  Srrungenfc^aftSgemeinfd^aft  entfpre(^enben  ^fa^^ 
anfprud^  ju  begrünben  (oergl.  bie  SKotioe  ju  §  1365  oben  S.  380  ff.)-  3" 
anberen  ^fillen  laffen  ftd^  bie  93orauSfe|ungen  eines  nad^  ben  allgemeinen 
©runbfäfien  begrünbeten  ©rfaftanfprud^es  jur  S^xt  ber  3luflofung  ber  errungen* 
fd^aftsgemeinfd^aft  nid^t  me^r  'nad^weifen.  ®in  fold^er  ä^nfprud^  auf  @cfot 
ber  ä3ereid^erung,  wie  i^n  ber  §  1420  gewöl^rt,  ift  im  äBefentli^en  au<4  oon 
allen  Siedeten  ber  partilularen  Oütergemeinfd^aft  unb  ben  neueren  (Entwürfen, 
fei  es  im  5ßrinaipe,  fei  es  burd^  bie  ©ntfd^eibung  einjelner  göDe,  Im  SCDgemeinen 
anerlannt,  wenngleid^  im  @in}elnen  äßand^es  ftreitig  ift  (oergl.  indbcfonbcce 
württemb.  S.  SR.  IV,  4  §§  6—8;  l^eR.barmft.  »erorbm  v.  1795  §  6»;  baqr. 
S.  SR.  I,  6  §  28;  Code  dvü  »rt.  1403,  1406—1408,  1409  3hr.  1,  2,  «tt  1412, 
1414—1416,  1419,  1424,  1431—1439,  1468—1473,  1478,  1479,  1484^  1486, 


Srrungcnfc^aftööenietnfd^aft.    aSertoenbunocn.    §  1420.  515 

1489,  1490,  1493,  1494;  el^rcnbrcitft.  ©ntn).  §§  9,  13—15,  23,  25—28,  38, 
59,  77,  78,  89;  TOÜrttcmb.  (gntro.  §§  41,  75  ff.;  ^eff.  ©ntn).  Slrt.  459,  460). 
Suf  her  anbcrcn  ©citc  fe^It  cd  aber  an  einem  genügenben  Orunbc,  Dorju* 
^reiben,  bafe  nur  ein  fold^er  S3ereidE)erungöanfprudö  ftattftnben  foU,  mitl^in 
»citerge^enbc  3nfprü(i&c  beß  einen  ober  anbercn  ©Regatten,  roeld^c  auf  einem 
fpcjicüen  SC^atbcftanbe  berufen  unb  aus  onberen  SBeftimmungen  bc9  ©efefe^: 
bu^cö,  infibcfonberc  auö  bcn  burc^  §  1417  auf  ha^  Sonbergut  ber  ©ticfrou 
für  entfpred{)enb  anwenbbar  erflärten  SBorfd^riften  beö  gefeftlii^en  e^elid^en 
@üterred)tc«  (oergl.  §§  1292,  1317,  1324  t)crb.  mit  §§  1004,  1010)  ober  aus 
ben  Sorf(j^riften  über  bie  ®efcI)oftöfü^rung  o^nc  Sluftrag  (§§  753,  758)  ober 
ous  ber  afnalogie  beö  §  1365  (oergt.  aßotioc  ju  §  1365  oben  ©.  380  ff.)  I^er* 
jcicitet  UHrrben  fonnen,  ganj  objufd^neibcn.  ®urd5  eine  fold^c  SSefd^ränfung 
TDürbe  namentlid^  ba^  Sntercffc  ber  G^efrau,  menn  ber  ®{|emonn  ©onbcrgut 
berfclbcn  imbered&tigter  SBeife  ouf  ©efammtgut  Dermenbet,  f^roer  gefä^rbet 
locrben.  Slnbercrfcitö  lonnte  aud^  bas  Snterejfc  beö  Seemannes  barunter 
leiben,  inöbefonbere  in  folc^en  gällen,  in  meldten  er  belaufe  orbnungömäfeiger 
Serroaltung  beö  ©onberguteö  ber  ß^efrau  für  SRed^nung  ber  lefeteren  3luf:: 
loenbungcn  au3  bem  @3fammtgute  gemad^t  l^at. 

aSie  ttud  ber  gaffung  beö  §  1420  fid)  ergiebt,  mu^  beqenigc,  mtläfcv  ^jeweisiafi. 
<mf  biefe  93orf^rift  einen  (Srfaganfprud^  grünbct,  beroeifcn,  ba^  unb  inroieroeit 
Me  Sercid^erung  jur  Qtxi  ber  3luflöfimg  ber  (Sütergemeinfc^aft  beftel^t. 

(ginjelnc  SRcdbte  ber  partifulären  ©ütergemeinfd^aft  ge^en  über  bie  Slm  ^wmn^ 

ertcnnung  einer  ©rfafepftid^t  megen  aSenoenbungen  infofern  nod^  l^inauö,  als  *^""***"«' 

fie  bem  @efammtgute  auc^  ben  Serluft  ober  bie  %erfd[)[ed^terung  ber  )u  ben 

©onbcrgütcm  geliorenben  ©ac^en  entroebcr  unbebingt  ober  bod^  infomeit  jur 

Soft  foUen  laRen,  ate  ber  aSerluft  ober  bie  9Serfd^(ed^terung  nid^t  burd^  einen 

^ufoH  ober  eigenes  aSerfc^ulbcn  bes  betreffenben  ©Regatten,  fonbern  burd^  bie 

Semi^ung  für  bie  S^edfe  ber  ©emeinfc^aft,  insbefonbere  burd^  bie  gemoldnlid&e 

äbnu^ung,  entftonben  ift.    9luf  biefem  le|teren  ©tanbpunfte  ftel^en  namentlid^ 

bas  roürttemb.  unb  baS  franff.  SRed^t  (oergl.  aud^  mürttemb.  Sntro.  §§  74, 

78,  86).    gür  bie  9lnerfennung  biefeS  Orunbfafecs  taf[cn  fid^  jroar  er^eblid^e 

®runbc  onfü^ren.     dagegen  fällt  aber  cntfc^eibenb  ins  ©emid^t,  bafe  ber 

^nmrf   aud^   bei  bem  gefe^lid^en  el^eUd^en  ©üterred^te   aus  bm  in  ben 

Slotiücn  ju   §    1292   oben   ©.   183   näl^cr   bargelegten   ©rroägungen   ben 

®runbfo6,  ba%  ber  ©bemann  ber  ©Iiefrau  für  bie  mit  ber  el[)elid^en  3l\ip 

nieguns  t)erbunbene  9[bnu|ung  ber  @(|egutsfad^en  ®rfa|  ju  leiften  l^abe,  nid^t 

^mertannt  ^at,   obmol^l   aud^   bas   gefe^Ud^e   e^elid^e   ©üterred^t,    mie  bie 

©rrungenfd^afsgemeinfd^aft,  auf  bem  ^rinjipe  beruht,  ba^  bie  @l;efrau  nur 

mit  ben  9{ugungen,  nid^t  mit  ber  ©ubftanj  bes  (S^eguteS  ju  ben  el^elid^en 

Saften  betjutragen  ^at.    S)ag  in  ber  ^ier  fraglid^en  ^ejieliung  bie  ©abläge 

bei  ber  Srrungenfc^aftSgemeinfd^aft  eine  mefentli^  anbere  fei,  fann  nid^t  am 

erfannt  werben.    S)aju  fommt,  ba^  ber  fragliche  @runbfa|  ber  äJlel&rjal^l  ber 

«uf  bem  Soben  ber  partifulären  ©ütergemeinfd^aft  ftel;enben  Siedete,  ins* 

befonbere  oud^  bem  fran}.  Siedete,  unbelannt  ift,  unb  ba^  berfelbe  prattifd^  ftd^ 

nur  in  fo((^en  Oebieten  burd()fü^rcn  läfet,  in  meldten  bie  3lufna^me  eines  mit 

©4d|ung  bes  SBert^eS  ber  ©onbergüter  oerbunbenen  ^^noentareS,  mie  in 

33  • 


516  6rrun0enf(6aftö0emetnf(^aft.    aSermut^unocn.    §  1421. 

SBürttcmbcrg,  gcfcftlid^  geboten  ober  bod)  üblid^  ift.  ®ie  Slblc^nung  jene« 
©ruubfageg  ift  anif  vom  ©tanbpuntte  berientgen  9Icc^tögebiete  aM,  in  melden 
berfelbe  gegenwärtig  ju  9led()t  befte^t^  um  fo  unbebentlic^er^  als  ber  ©fiterftanb 
ber  @rrungenfd^aftdgemeinf(^aft  nad^  bem  ©efe^bud^e  nur  auf  Vertrag  beruht, 
bie  ®^egatten  bo^er  in  bor  Sage  fmb,  roenn  bie  !onheten  SBer^ältniffc  cd  im 
Sntereffe  ber  ©Regatten  erf orber fid^  mod^en,  jenen  ©runbfa^  in  bem  ß^e« 
vertrage  }u  vereinbaren  unb  }ugleid^  bie  ju  beffen  2)urd^fäl|rung  not^igen 
SWa^regefn  bamit  ju  verbinben. 

§  1421. 

sermut^una  ®a  bci  bcr  @rrungenfd)aftdgemeinf(!^aft  bad  @onbergut  nid^t^   mie  bei 

utSt\^mu^^^  aUgemcinen  ©ütergemeinfd^aft^  eine  Ausnahme,  foubcrn  ein  burd^  bie 
gute«,  9latur  bcr  ©rrungenfd^aft  gegebene«  roefentlic^cß  ©Icment  ift,  fo  lägt  fi^  bei 
berfetben  bie  im  §  1421  3lbf.  1  aufgefteUte  SScrmut^ung ,  bag  ba%  oor^anbene 
3Serm6gcn  ©efammlgut  ift,  nid^t  o^ne  SBeiterefi  auö  bem  Segriffe  ber  ©rrungem 
fc^aftögemeinfd^aft  unb  ben  allgemeinen  S3en)eidgrunbfä(cn  (§  194  älbf.  1)  ab* 
leiten.  3lviv  in  3lnfe^ung  bcs  n)fil[irenb  bed  SBefte^end  ber  ©cmeinfd^aft  er« 
morbenen  SSermögend  red|)tfertigt  fld^  bie  SSermut^ung  fd^on  nac^  allgemeinen 
©runbfaften  (§  1411  SKbf.  1  verb.  mit  §  194  3lbf.  1).  @inc  fo  befc^ronfte 
SBcrmutl^ung  mürbe  inbcffen  bem  praftifd^en  Sebürfniffe  nid^t  genügen.  3"^ 
befonbere  ift  bie  im  2lbf.  1  aufgefteUte  SBermut^ung  mit  5Hücffid^t  barauf, 
bag  ber  @l[iemann  regelmäßig  im  Sefi^e  bed  ©efammtguted  ift  unb  i^m  unter 
3[udfd()(ug  ber  @^efrau  bas  SSermaltungdred^t  in  Slnfe^ung  bed  ®efammtgute6 
jufte^t,  im  3nterc<fe  ber  ©l^efrau  bringenb  geboten,  um  i^r  bie  auö  bem  @e» 
meinfd[|aftöoer^äItniffe  für  fie  entfpringenben  9ied|te  ju  fid)ern.  Stuf  bcr  anbercn 
©eite  werben  burd^  bie  SSermut^ung,  wie  in  ben  $IWotiDcn  ju  §  1414  oben 
®.  499  bereits  l^erDorgel^oben  mürbe,  audb  bie  93ebenten  gemilbert,  xoeld^c  ind« 
befonbere  vom  Stanbpunfte  bed  3ntereffed  bcr  ©laubiger  bed  ß^cmanncd  aud 
gegen  bie  audgebel^nte  Slnmenbung  bed  Surrogationdprinjiped  nac^  SRaggabe 
bed  §  1414  erl^oben  merben  lönnen.  ^ag  bie  ^ier  fragliche  SSermut^ung  bur^ 
ein  bringenbcd  praftifd^ed  S3ebürfni6  geboten  ift,  gel)t  aud^  baraud  ^eroor, 
bag  biefelbe  nid^t  nur  gemeinrec^tlid)  anerfannt,  fonbern  aud^  in  vielen  $at« 
titularred&tcn  unb  in  ben  neueren  ©nlroürfen  beftätigt  wirb  (oergt.  indbef. 
mainj.  2.  91.  in  §  4;  ^eff.  bamft.  SBerorbn.  v.  1795  §  7;  cafteU.  SBerorbn.  v. 
1804;  faalfclb.  Statuten  21;  preufe.  31.  S.  di.  II,  1  §  400;  code  dvü  «rt.  1402; 
f)cff.  entro.  2lrt.  505,  roürttemb.  (Sntm.  §  16,  cfjrenbreitft.  ©ntm.  §  10  «bf.  4). 
@ine  mid^tige  praftifd^e  Aonfequenj  ber  l^ier  fraglichen  SSermut^ung  ift  nomentli^ 
bie,  baß  jebe  auf  ein  ©onbergut  gemad^te  SSerroenbung  bid  jum  93en)eife  bed 

'  ©egcntl^eiled  ald  aud  bem  ©efammtgute  gemad&t  gilt. 

SBegen  bed  SBerl^ältniffed  ber  l|ier  fraglichen  SBermut^ung  ju  ber  im 

§  1282  aufgeftellten  oergl.  bie  aJlotioc  ju  §  1282  ©.  133. 

«u  «uniicu  3n  S^^eorie  unb  ^rojid  mirb  in  ben  ©ebieten  bcr  portifularen  ©üter» 

^'^^utefl***"  gcmeinfd&aft  l^äufig  bie  Slnfid^t  vertreten,  bafe  in  Slnfe^ung  ber  bei  Sluflöfung 

bcr  ©cmeinfddaft  ni^t  mef)r  vorf)anbenen  ©onbergutdgegenftänbc  bie  SJer« 

k  mut^ung  begrünbet  fei,  bag  biefelben  ju  ©unften  bed  ©efammtguted  vcnvenbet 


6rruTiöcnfd&aftSflcmeinfd&aft.    Sermut^ungcn.    §  1421.  517 

feien,  obroo^t  bic  ^ßartitularred^tc  felbft  auöbrüdliciöc  SSeftimmungcn  in  biefcr 
Scjic^ung  nic^t  cntl^oltcn.  Sncrfonnt  wirb  eine  berartlgc  S8ermutf)ung  ins* 
befonbere  in  SBßürttcmbcrg,  SRoffau  unb  im  Oeltungögcbiete  ber  ^cff.barmft. 
Serorbn.  v.  1795  (t)ergl.  ©euffert  XXX  ©.  251).  3luöbrüÄli^  bcftimmt  ber 
mürttemb.  Sntio.  §  88^  ha^  alleg  in  bie  el^elid^e  ®efenfd^aftdt)ern)a(tung  ein^ 
gebrockte,  nid^t  mc^r  üorl^anbcnc  aSermogen  afe  für  bie  ©emcinfc^aft  üer- 
wcnbct  Dermutl^ct  roerbc.  ®ine  ä^nlid^e  Seftimmung  cntf)ält  ber  ^eff.  (Sniro. 
8rt.  505,  508;  bod^  gc^en  beibe  ©ntroürfe  baoon  ou«,  bafe  immer  ein  Snocntar 
über  bod  Sonbcrgiit  aufgenommen  mirb.  2)er  cfirenbrcitft.  ©ntro.  §  78  fdireibt 
oor,  ba§  ®clb  unb  tjcrbrauc^bare  ©ad^en,  menn  fte  nid^t  in  9iatur  jurüdE^ 
gegeben  werben  fonnen,  erfcfit  werben  muffen,  fofern  ber  aSerluft  nid^t  auf 
einem  93erf(^ulben  bed  (Sigent^ümerd  berul^t. 

(Srünbe  ber  33iUigfeit  unb  Sw^^tfmSfeigfeit  fpred^cn  aDerbing«  bafür,  in 
änfc^ung  oerbrau^barer  ©ad^en  (§  780),  meldte  }u  bem  ©onbcrgute  eines 
6|egtttten  geboren,  bei  Sluflofung  ber  ©cmeinfd^aft  aber  nid^t  me()r  üor^onbcn 
finb,  ju  ©unften  biefcö  ©Regatten  bic  im  §  1421  3lbf.  2  bejeid^ncte  SBcrmutl^ung 
ttufiuftellen.  3"  tiefer  Sef^ränfung  erfd^cint  bie  SSermut^ung  alö  baö  natur* 
gcmöfec  Äorreftio  ber  im  §  1421  3lbf.  1  ancrfannten  Sßermut^ung.  ®as 
®efammtgut  bilbet  bie  gemeinf^aftlid^e  jtaffe,  aus  meld[)er  regclmögig  alle 
Sebürfnifje  ber  ©Regatten  beftrittcn  rocrbcn.  SBenn  ba^cr  (Selb  ober  üerbraud^* 
bare  ©ad^en,  meiere  ju  bcm  ©onbergute  eines  (S^cgaltcn  gel^ört  l)aben,  nid^t 
mc^r  oor^anben  ftnb,  fo  ift  es  in  ^o^em  ®rabc  ma^rfd^einlid^,  bafe  fie  ber 
gemeinf^aftUd^en  Äaffe  jugcftoffen  unb  in  bas  ©efammtgut  berort  ocrroenbet 
finb,  ba§  bas  Icfetcre  um  bcn  SBertl^  biefcr  ©adf)cn  bereichert  roorbcn  ift  (ocrgl. 
§  1420).  9lnbers  liegt  bagcgen  bas  SBcr^äftnife  in  2lnfe^ung  anbercr  ©onber* 
gntsgegenftönbc.  Sicfelben  finb  rcgefmäfeig  ju  einer  unmittelbaren  SBerroenbung 
jum  ?)cfiten  ber  ©emeinfd^aft  nid^t  geeignet  unb  i^rer  9latur  nad^  aud^  jum 
Scrbrau4)c  ober  jur  SScröufeerung  nid^t  bcftimmt.  Sine  S8ermut()ung ,  bafe, 
um  i^  SScrroenbung  }u  ©emcinfd&aftsjmerfcn  ju  ermöglichen,  bie  boju  erforber- 
(i4Kn  dledbtsgef^öfte  t)orgenommen  feien,  mirb  bal^cr  burd^  bie  tl^atfäc^IidEien 
Ser^Itnijfc  ni^t  unterftüfet  unb  ift  um  fo  weniger  burd&  ein  S3ebürfni§ 
geboten,  als  ber  Semeis  ber  SSorna^me  jener  SRec^tsgcfc^öfte  regetmogig  mcit 
weniger  ©d^mierigfeiten  unterliegen  mirb,  als  ber  SBcmcis,  mas  aus  bcn 
mfnrau^baren  ©ad^cn  geworben  ift. 

SBenngleic^  jum  ©d^ufce  ber  S^efrau  in  bcn  meiften  gällcn  fd^on  bie 
aflgemeincn  Seweisgrunbfäfee  auSreid&en,  nad^  wcld^en  ber  ©tiemann,  um  fi^ 
bejio.  bos  ©efammtgut  oon  ber  3leftitutions  *  ober  ®rfa|pflid)t  ju  befreien, 
ben  beweis  führen  mufe,  ba§  ber  SScrluft  ol^ne  ein  von  x\)m  ju  oertrctenbcs 
Setfd^ulbcn  eingetreten  fei  (oergl.  §  239,  aJlotioe  ju  §  1324  oben  ©.  283  ff.),  fo 
fann  bod^  bie  im  §  1421  2lbf.  2  aufgcftclltc  SBcrmut^ung  unter  Umftänben 
ttU(^  neben  jenen  oDgemeinen  SeweiSgrunbfäßen  für  bie  ß^efrau  von  praftifd^cr 
Sebcutung  fein,  namentlich  in  fold()en  göUen,  in  welchen  feftfte^t,  bafe  bie 
bttteffenben  ©egenftänbe  jur  geit  bes  ©intrittcS  ber  ©rrungenfdbaftsgemein* 
fc^ft  oor^anben  gemefen  finb,  ber  ©l^emann  aber  bie  an  ii)n  erfolgte  Ueber« 
gobe  beftreitet  unb  eine  fc^ulbpoUe  aSerleßung  feiner  Sßermaltungspflid^t  barin, 
bo§  er  fidf  bie  3n^öbung  ber  Sachen  nic^t  Dcrfd^afft  ^at,  bcn  Umftänben  nac^ 


518  Srruitflenfc^aftSoemeinfd^aft.    S3ermö0cuöbcQet4ni§.    §  1422. 

m(^t  gcfunbcn  locrbcn  fann  (ocrgl.  bic  SRotioc  ju  §  1324  oben  ©.  285).  äu& 
bicfcm  ®runbc  unb  um  bcm  aKi^oerftänbriiffc  ju  begegnen,  alö  ob  für  bie 
®{)efrau  fad^Iid^  etroaö  3lnbcrcö  gelte,  ift  bie  l^ier  fraglid^e  SSermut^ung  aud^ 
auf  bie  JU  bem  ©onbergute  ber  ®[;efrau  ge^örenben  oerbraud^baren  ©cd^en 
Quögcbel^nt,  obwohl  jene  SBermut^ung  Dorjugöroeife  für  ben  @l;emann  prattifd^c 
33ebeutung  l^at.  2)a§  burd^  biefc  Sluöbe^nung  bcr  SSermutl^ung  bie  allgemeinen 
aSemeißgrunbfäße  über  bie  9lcftitution  bcö  ©onbergutcs  ber  ®f)cfrau  unb  bc* 
Gfieguteö  ücrbunfelt  werben  fonnten,  ift  nic^t  ju  beforgen. 

®ie  im  §  1421  Slbf.  2  beftimmte  aSermut^ung  gilt  übrigens,  roic  bort 
QUöbrüdlid^  ^erüorgel^oben  ift,  nur  ju  ©unften  beöienigen  ©Regatten,  beffen 
©onbergutsfa^en  nid^t  me^r  uor^anben  finb,  nid^t  audft  ju  (Sunftcn  bc& 
anbcrcn  ©Regatten.  @ö  fann  ba^er  inöbefonberc  ber  ©tiemann  fid^  nid^t  etwa 
ju  bcm  3n>c(f c  auf  bie  SSermutl^ung  berufen,  um  bie  nadd  §  1426  Slbf.  2  9tr.  4 
'  im  ajcrl^ältniffe  ber  ©Regatten  ju  einanber  i^m  jur  Saft  fallcnben  Söerbinblid^ 
feiten  gegenüber  ber  ©ticfrau  üon  fic^  auf  baö  ©cfammtgut  abjumälien. 

§  1422. 

*"lhlrt"*  aSon  t)erfd|iebenen  9lcdE|tcn   bcr   partifulärcn   Oütcrgcmcinf^aft,  ins* 

8cm50end«  bcfoubcrc  bcm  mürttcmb.  S.  dt  IV,  3  §  1,  ben  SHed^tcn  von  Bamberg,  ©aftett, 
"*  M^^if  *  ©^ttJcinfurt,  SRcgenöburg  (oergl.  5Rcubaucr,  3uf.  ©.  108, 109)  unb  bem  preufe. 
swiberflüter.  21.  2.  SR.  11,  1  §§  397—400,  ift  Dorgcfd^riebcn,  bofe  bei  ©inge^ung  bcr  6^e 
ein  genaues  3nocntar  über  bie  ©onbcrgütcr  aufgenommen  bei;u).  auc^  mä^rcnb 
bcr  ©^e  mcgen  ber  cintretcnben  SSeränbcrungcn  fortgefüfirt  mcrbcn  foll.  Um 
bic  praftifc^e  33raud&barfeit  bcö  Snftitutcö  bcr  ©rrungcnfd&aftögcmcinfc^aft  ju 
crl^öticn  unb  ben  fonft  bei  ber  bemnäd^ftigen  2(uöeinanbcrfcftung  pd)  crgcbcnbcn 
©d^roicrigfciten  möglid[)ft  ju  begegnen,  ift  cö  allcrbingö  n)ünfd)cnön)crt^,  wenn 
ber  33eftanb  bcr  bcibcrfcitigcn  ©onbcrgütcr  burd&  bic  Slufnal^mc  cincö  SBcr« 
icic^niffcß  fcftgcftcUt  mirb.  Snbcficn  fann  cö  alö  angcmcffcn  nidbt  crad^tct 
werben,  ha%  bie  Slufnatimc  eines  fold^cn  aSericidönijfeS  von  Sfmtsiocgcn  be* 
trieben  unb  baburd^  eine  ©inmifd^ung  bcr  SBcl^örbcn  in  bas  Snncrc  bcr  gamilic 
oeranfafet  roirb.  2)agegen  empfiehlt  es  fic^  aus  ben  ^croorgctjobcncn  ©efi^ts* 
punftcn,  einem  jcbcn  ber  ©Regatten  nad^  aJiafegabc  ber  Seftimmung  bcö  §  1422 
baö  Siecht  beijulcgen,  bie  gcftftcllung  bcö  83cftanbcö  bcr  ©onbcrgütcr  ju  wr* 
langen,  unb  auf  bicfe  Sßeifc  bie  a)lögüd)feit  }u  gcroä^rcn,  fic^  gegen  bie  S5cr« 
mutf)ung  bes  §  1421  9lbf.  1  ju  fid^crn.  S^afe  jene  Scftimmung  aud^  in  an* 
fcf)ung  bes  mä^renb  bcs  Scftcl^cns  ber  ®cmcinfdE|aft  bcm  einen  ober  anbcrcn 
©onbergutc  iufallenben  ©rrocrbeö  3lnmenbung  finbet,  mirb  burd)  bic  oHgcmcine 
gafjung  bcrfclben  mit  gcnügcnbcr  Scutlid^fcit  auögcbrücft.  S)urc^  bic  im 
§  1417  in  SBcrbinbung  mit  §  1292  auf  bas  ©onbergut  ber  ©^cfrau  für  ent- 
fprcd&enb  anmcnbbar  erflärtc  S3eftimmung  bcs  §  993  wirb  bcm  praftifc^cn 
33ebürfniffe  nid|t  genügt,  ba,  mcnn  bcr  3TOecf  crrcid)t  merben  foU,  einesteils 
audö  bcm  ©^manne  bie  SWöglid^fcit,  fid^  gegenüber  bcr  ©H^au  ben  SJeroeiö 
bcö  SeftanbeS  feines  ©onbergutcS  ju  fid&ern,  gcmö^rt,  anberent^cits  iebcm 
ber  ©ficgattcn  bas  SRcd^t  eingeräumt  werben  mufe,  ju  verlangen,  nid(|t  nur, 
ba^  ba^  über  ben  SBeftanb  feines  ©onbergutcS  aufgenommene  SierjeidjniB  oon 


SrrungenfÄaftÄöcmdnfd^oft.    ©(^ulbcnBaftuno.    §  1423.  519 

bem  onbereu  @^egattcn  a(d  ri^tig^  fonbern  aud^^  bag  bod  über  bcn  ä3eftanb 
bfö  Sonbergutcd  bcd  anbeten  ©Regatten  aufgenommene  äSerjeid^nig  von  biefem 
qI§  ooUftänbig  onerfannt  wirb.  ®ie  S3cftimmung  bed  §  1422  fann  aud)  nic^t 
ctTw  von  bem  ©efid^töpunfte  aus  alö  entbe^rli^  erad^tct  n)crbcn,  bafe  bcr 
§  231  ber  6.  %  D.  icbcm  bcr  Gficgottcn  bie  $IWögUd)fcit  bietet,  gegen  ben 
anbeten  (Sf^egatten  auf  geftfteQung  bed  93eftanbed  bet  @onbetgütet  fomo^l  in 
pojitioet  a(d  in  negatioet  9tt(^tung  ^in  }u  flagen,  ba  einetfeitd  bie  Gf)egatten 
ncc^  biefem  Sid^ctungömittel  nid^t  leidet,  roenigftenö  uid^t  fofort  nac^  eintritt 
bcr  ©rtungenfd^aftögemeinfc^aft  gteifen  roetben,  anbcrerfeitä  cö  angemeffen  ift, 
baö  ^ier  in  Siebe  ftc^enbe  3ied)t  unb  bie  l^ier  in  SRebc  ftel^enbe  ^flid^t  eines  jeben 
ber  gf^flottcn  im  ©efcgbuc&e  felbft  nä^er  ju  beftimmcn  unb  baburd^  bie  ©fiegatten 
bonmf  ^injumeifcn,  bafe  fie  mit  9lücffid[)t  ouf  bie  fünftige  9luöeinanberfet)ung 
Mit  oom^crein  für  ben  Seroeiö  beö  S3eftanbed  ber  Sonbergüter  Sorge  5u 
tragen  ^aben.  Uebrigens  mirb  hmä)  bie  ^eftimmung  beS  §  1422  bad  9ted)t 
ber  ß^gatten,  bcn  S3eftanb  ber  ©onbergüter  bur^  anbcre  93eroeidmittel  nad)* 
^urocifen,  in  feiner  SBcifc  bcfd[)ränft.  3lnbererfeitö  roirb  baburd^  bem  von  bem 
e^cgatten  ancrfanntcn  SSerjeid^niffe  gegenüber  britten  ^erfonen  eine  befonbere 
8croeiöfraft  nid^t  beigelegt.  Db  unb  inmiemeit  ein  fotd^eS  S8crjcid^ni§  aud) 
für  unb  gegen  britte  ^erfonen  bemeift,  ift  na^  bcn  allgemeinen  (Srunbfägeu 
SU  beurt^eilen  unb  ber  freien  rid^tcrlid^en  Semeiöroürbigung  ju  übcrfaffcn. 
SSie  aud  §  1417  uerb.  mit  ben  §§  1292,  992  fidö  ergiebt,  ift  für  bie  ©^efrau 
neben  bcr  Scftimmung  bcfl  §  1422  aud^  bie  SBorfd^rift  bcö  §  992  anmcnbbar. 
Cin  Sebürfnife,  biefc  SBotfc^tift,  meldte  notjugßmeife  für  bie  ß^efrau  93e? 
beutung  fjat,  meil  bie  festere  fid)  nxd)t  in  ber  3nl^abung  ifireS  ©onberguteö 
befinbet,  aud)  jti  ©unften  bcö  6f)cmanncö  auöjube^nen,  (icgt  nid^t  oor. 

§  142a. 

2)er  §  1423  regelt  bafi  SScrfiöItnife  ber  (gfiegatten  nad^  aufeen  in  2(m  »»«^«ftenttii« 
fe^ung  bcr  Sc&ulben^aftung.     Sie  33eftimmungcn  bcr  auf  bem  S3oben  ber  01«««««. 
portifulären  ®ütcrgemeinfdE)aft  fte^enben  JRc^te  finb  in  biefer  S3ejie^img  aufeer* 
orbentlic^  ucrfc^icben. 

3n  ben  meiften  fübbeutfd^en  5Hed()ten  mirb  nid^t  nur  im  58crt)ältniffc  ©ertenbe« 
bcr  C^gatten  unter  einanber,  fonbern  auc^  im  aSer^öltniffe  ju  ben  ©laubigem  **^*' 
5n)if4)cn  ®cmcinf^aftöf^ulbcn  (C()efd^ulbcn,  ©ojialfddulbcn,  Sammtfd)ulben) 
unb  Sonbcrfd^ulben  ber  ©Regatten  unterfd()ieben.  ®cn  3lußgangSpunft  für 
biffe  Unterfd)eibung  bilbet  bie  aus  bem  2Befen  ber  ®rrungcnfd)aftdgemeinfd&aft 
folgenbc  ©emeinfamfeit  bcd  c^clidjen  9lufn)anbcß  unb  ber  für  ben  ©rmerb,  bie 
ßr^oltung  unb  SBerroaltung  bcd  ©efammtgutcö  erforbcriiddcn  3Iudgabcn.  S)iefer 
3roerf  ber  ©emeinfcftaft  ift  au^  für  bie  grage,  rocfd&e  SSerbinblic^feiten  nad) 
innen,  wie  nad&  au§en  ^in  ©emeinfc^aftöoerbinblidöfeiten  finb,  ma^gebcnb.  60 
geböten  bo^in  au|ct  benjenigcn  SBerbinbli(ifeiten  ber  ©Regatten,  meiere  fid) 
ote  Soften  ber  SJu^ung  ber  Sonbergüter  barfteüen  ober  aus  bem  Sefife  ober 
Gigent^ume  bcö  (Sefammtguted  felbft  l^croorge^en,  namcntli^  bie  58erbinblic^' 
feiten  aus  fRcd^tfigef^äften,  meldte  für  bie  3"^^*^  ^«^  ©emeinfd^aft,  inöbefonbere 
bc^fufd  ber  Scrroaltung  bcö  (Scfammtgutcö  ober  jum  ©rrocrbc  für  baöfelbe 


520  Scrunflenfd&aftSgcmcinfc^aft.    ©c^ulbcn^aftuna.    §  14-23. 

obcv  jur  S3cftreilung  bcr  cbelic^cn  Soften,  abgcf(^Iof|cn  fxnb,  ooraudgcfc^t,  bafe 
bic  ^Bonm^me  bed  9icd^idgefci^äftcd  cuttucber  Don  bciben  @t|cgottcn  gemeiiu 
fd^oftüc^  ober  t)on  einem  bcvfelbcn  innerhalb  ber  ©renjen  feineß  SJer^ 
roaftungöred&tcß  erfolgt  ober  ctroa  and  bem  ©efid^töpunftc  ber  ©efc^ofts^ 
füljrung  ober  ber  SBereid^erung  bie  ^erbinblic^feit  begrünbet  ift  (oergl.  naji. 
SBcrorbn.  v.  10.  Sonuar  1825  §§  3—7).  gür  baö  »er^ältnife  ju  ben 
©länbigern  polten  inbeffen  bie  meiftcn  Siedete  ber  ßrrungenfd^aftögcmcim 
f^aft  an  bcm  ©rforbemiffe,  bafe  bic  3Scrbinbti(^feit  für  3«^^^^  ^^  ®^' 
mctnfd^aft  eingegangen  fei,  nid^t  unbcbingt  feft,  fonbern  crtenncn  eine 
©emeinfd^aftßDcrbinbli^feit  nad^  außen  unter  gewiffen  aSorauöfeftungcn  o^nc 
SHüdffid^t  auf  bcu  materiellen  S^edf  beö  SRec^tögefd&äfted  an,  fofern  nur  ber 
©Ijcgatte,  welcher  bic  SSerbinblicfefeit  cingegongen  ift,  unter  ber  3Soraudfc|ung 
iencö  3n)ccfcö  jur  93ornal)me  bcö  Mcd^tögefd^öftcß  Icgitimirt  mar.  2lud  biefcm 
©efic^tßpunfte  gelten  nad&  au§en  l;in  olß  ©emcinfdfiaftßocrbinbttd^teiten  alle 
üon  bcr  g^cfrau  mit  ©inmilligung  bcß  ©^emanneß  ober  innerhalb  cineß  oon 
il^r  mit  einmilUgung  bcß  ®{)cmanneß  fetbftönbig  betriebenen  ©rmcrbßgefd^äfted, 
foroic  bie  oon  beiben  ©Regatten  gemeinfddaftüd^  eingegangenen  SSerbinblic^feitcn, 
foferu  nid()t  bei  ber  ©ingeOung  bcß  Slcd^tßgefc^fiftcß  baß  ©cgentl^cil  Dorbe^altcn 
ift  (pcrgl.  mürttemb.  2.  9*.  IV,  4  §  2).  3n  Stnfcl^ung  ber  oon  bjmi.fö^ 
manne  mä^renb  bcfte^enbcr  ®^c  burd^  Sflcd^tßgcfc^äfte  eingegangenen  SBer* 
binblld)ftiten  rölrb  ferner  regelmäßig  ber  ©runbfa^  aufgefteUt^  bofe  bicfcfben 
biß  jum  23cmeifc  bcß  ©egcnt^cilcß  gegenüber  bcn  ©löubigern  olß  @bcf(^ulben 
gelten  ober  baß  fie  unbcbingt  olß  fotd^c  gelten,  roenn  ben  ©läubigcrn  jur 
3eit  bcr  iUornal;me  bcß  -Jlc^tßgcfd^äfteß  nid^t  boß  ©egent^eil  bcfannt  war, 
ober  boß  fic  mcnigftenß  bann  olß  foldde  gelten,  menn  bcr  G^emonn  fxc  bei  ber 
eingc()img  alö  fold^e  bcjeid^net  l^ot  (oergL  ©euffert  XXX,  155,  251 ;  nojf. 
aSerorbn.  v.  10.  ^amm  1825  §§  3, 4;  mürttemb.  (Sntm.  §  69).  Sjetrcibcn  beibe 
©Regatten  gcmcinfd^aftUd[)  |)anbel  ober  ein  ©eroerbe  ober  bet^ciligt  fi(^  bic 
©^efrau  öffcntlid^  an  einem  fold^en  S)etriebe  bcß  ©^emanneß,  fo  gelten  ^öufig 
olle  aM  folc^em  betriebe  ^errü^rcuben  Sd^ulben  unb  bißmeilen  oUe  Sc^ulben 
olß  gcmeinfd^aftlic^e.  9luf  biefem  ©tanbpunfte  fte^en  namentlich  foft  oDc 
bopr.  ©rrungenfc^aftßrc^te  (oergl.  trier.  £•  SR.  vn  §  28).  —  9lnbcre  SRec^te 
^aben  ben  33cgriff  ber  ©emeinf^oftßDerbinblid^teit  ben  ©laubigem  gegenüber 
noc^  meiter  außgcbc^nt.  S)ieß  ift  inßbcfonbere  ber  galt  nac^  fron}.  Siedete. 
^ad)  biefem  gelten  alle  roftl^renb  ber  ©t)c  oon  bem  ©(lemonnc  ober  mit  bejfen 
©inmilligung  uon  ber  ©^efrou  eingegangencjt  §Berbinblid()feiten  olß  ©emeinfd^aftß^ 
fd^ulbcn  (oergl.  code  civil  3lrt.  1498,  1510  oerb.  mit  5lrt.  1409).  3)em  franj. 
5Rcd)tc  ift  im  gBefentlid[)cn  bcr  l^cff.  ©ntm.  2lrt.  509  oerb.  mit  Slrt.  462  «r.  2 
biß  4,  2lrt.  463  gefolgt.  SSoUig  obgclöft  oon  bem  nod^  5Koßgabe  bcß  3n>erfeß 
ber  ©rrungenfdE|oftßgemeinfd^aft  unter  ben  ©f)egatten  befte^cnben  Sßer^ltmffe 
erfd^cint  bcr  Segriff  bcr  ©emeinfd^oftßfd&ulben  nod()  benienigen  dttöfttn,  ©eld^ 
alß  ©cmeinfd)aftßocrbinblic^feiten  olle  aScrbinblid&feiten  beß  einen  ober  anbcrcn 
©Regatten  mit  Slußnol^me  berjenigen  aSerbinblid^feiten  ber  ©^cfrau  gelten 
loffcn,  megen  bcrcn  bie  ©laubiger  fid&  oud^  an  baß  ©onbcrgut  bcr  ©befrou 
nic^t  l^alten  fönnen.  2luf  biefem  Stonbpunfte  fte^t  ba&  preuß.  91.  S.  dt.  n,  1 
§§  407,  408,  661,  664  (ocrgl.  oudi  ©efcfereo.  5ßenf.  XV  §§  336—338  nebft 


@rrunjenfc6aftdgemeini(6aft.    ©d^ulbcnl^aftuno.    §  1423.  521 

SRoiiocn  ©.  277  unb  5ßenf.  X\%  II,  1  §§  183  ff.  nebft  Slotbcn  6.  274), 
foiDic  im  5ßrinjipc  ber  c^renbrcitft.  @ntn).  §§  97,  16—24,  28,  81—83. 

Sli^t  minber  tjcrf^icbcn,  wie  bic  Scftimmungen  über  bic  SBorauö- 
fefungen,  unter  loeld^en  eine  SBerbinblid^feit  {jegeuüber  ben  Oläubigern  alö 
®emeinf(6aftdDcrbinbU(^!eit  gi(t,  ftnb  bie  S3eftimmungen  über  bie  red^tlic^en 
golgen  einer  fold)en. 

Sei  ber  ©emcinf^aft  bcÄ  3i*9c^i™M  ^^oftet  jeber  (S^cgattc  ben 
©laubigem  für  bie  in  feiner  5ßerfon  entftanbenen  (Semcinfd()aftöfdE)utbcn  mä) 
allgemeinen  ©runbfägen.  Sie  ©laubiger  fonnen  ftd^  an  bie  im  @igentt)ume 
i^cö  Sc^ulbnerd  fte^enben,  unter  ben  S3egriff  ber  Srrungenfd^aft  faUenben 
@cgenftönbe  l^alten.  @d  ift  bied  ieboc^  feine  @igentl^üm(i(^teit  ber  @H^u(ben, 
inbem  badfelbe  Ste^t  and)  bei  Sonberfc^ulben  ben  @(öubigern  iufte^t.  Sine 
befonbere  äSirtung  t)at  bie  @igenfc^aft  einer  @d^ulb  ald  einer  @(;efd^u(b  nur 
in  benicnigen  ©ebiclen,  in  meldten,  mie  in  fturljcffen,  bie  ©laubiger  beö  (Sf)^ 
manneft  bei  ber  3^QnSdooDftrectung  toegen  einer  @^e[d^ulb  fi<^  oud^  ben  9ln« 
fpruc^  befi  @^emanneö  gegen  bie  @(;efrau  auf  5loUation  bed  SBert^ed  ber  oon 
iftr  erworbenen,  unter  ben  33egriff  ber  ®rrungenfd)aft  fattenben  ©egenftänbc 
übenoeifen  lofjen  fonnen. 

Sei  ber  @rruugenf(^oftflgemeinf(^aft  im  engeren  ©iime  laRen  ftc^  brei 
^uptgruppen  unlerfc^ieiben. 

yiad)  ber  erftcn  Oruppe  befielet  bie  SBirfung  einer  Ocmeinfd^aftö* 
oerbinbü^feit  barin,  ia%  bie  ©laubiger  auger  an  benjenigen  ©Regatten,  meld^er 
Urnen  perfönlid^  ^oftet,  fidb  an  baft  ©efammtgut  Italien  fonne.  2luf  bicfem 
Stonbpunfte  fielen  inöbefonbere  bad  preufe.  21.  fi.  91.  II,  1  §§  407,  408,  661, 
664  unb  ber  cl^renbreitft.  6ntro.  §§  11,  81;  ob  auc&  ber  l^eff.  (Sntro.  (ocrgl, 
Sfrt  509,  512,  461  2lb|.  2),  ift  jmcifclöaft.  §ier^er  ju  jS^len  ftnb  aud&  alle 
biejenigen  SJcdbtc,  welche  fid)  jmar  nid)t  allgemein  über  bie  grage  auöfprerf)en, 
ober  bocb  onerfennen,  bag  bie  @^efrau  für  bie  Don  bem  @^emanne  einfeitig 
eingegangenen  6H<^uI^c>i  ^it  '\f)vcvx  Sonbergute  nid^t  liaftet,  fo  namentlid^, 
flbgefe^n  oon  ®:roerbef^ulben,  bad  bapr.  S.  91. 1,  6  §§  33,  36,  bad  nürnb. 
unb  anfiboc^.  Siedet;  ferner  bad  pfälj.  2. 91.  unb  bie  l^eff.  barmft.  93erorbn.  t).  1795 
§  8  (oergl.  9ieubauer  a.  a.  O.  ©.  53,  58),  bad  jüt.  fioro  unb  bad  bit^marfc^. 
2-  31.  3laä)  bem  franj.  Siedete  tritt  ju  ber  Haftung  bed  ©efammtguted  möl^renb 
befie^nber  ©emeinfc^aft  noc^  bie  perfönlic^e  Haftung  bed  @^emanncd  ^inju 
(oode  civil  3lrt.  1419,  1446).  Slud^  nad^  einjelnen  anberen  Siechten  bicfer 
®ruppc  I^aftet  ber  ©bemann  perfönlidb  für  bic  mit  feiner  ©inroilliguiig  oon 
ber  G^rau  eingegangenen  ©cbulben,  fofcrn  nid^t  bie  Uebcrna^me  ber  |)aftung 
bei  (Srt^eilung  ber  ©inroilligung  audgefd^loRcn  ift  (oergt.  preug.  91.  2.  91.  II,  1 
§§  406,  329  ff.;  e^renbreitft.  entu).  §  17;  Ijcff.  entro.  SKrt.  489,  519). 

9ladf  äluflöfung  ber  ©emeinfc^aft  gcftaltet  [\6)  bad  ^er^öltnig  nad^  ben 
Sec^ten  bicfer  erftcn  ©ruppe  entmeber  ba^in,  bafe  ber  Seemann  gegenüber 
ben  ©laubigem  allein  l)aftct  unb  bie  @()cfrau  gegenüber  bem  ß^emanne  ocr« 
Ptli(!btet  ift,  ftc^  bei  ber  ST^ciltmg  hc&  ©efammtguted  ben  älbjug  bed  3)etragcd 
ber  ©emeinfc^aftdocrbinbli^feiten  gefallen  ju  laRcn,  ober  ba^in,  ba&  beibe 
Chatten  ben  ©laubigem  gegenüber  nad^  aSerl^ältnife  bt&  Slnt^eiled,  welcher 
i^cn  oon  bem  ©cfammtgute  j^ufftUt,  pcrfönlic^  l^aften  (ocrgl.  indbef.  code  civil 


522  örruuocnf^aftgflcmcinfd&oft.    ©c&ulbcnMti»nG.    §  1423. 

3lrt.  1482—1485).  3n  bem  leßtcrcn  gaUc  roirb  ober  bcr  @^cfrau  regelmäßig 
baö  Siedet  jugeftanbcn,  fid^  burd^  9liiöfc^Iagiing  ber  Oemeinfc^aft  üon  bcr 
Haftung  511  befreien  ober  burc^  Slnrufung  ber  SHedötörool^It^iat  bcö  Snoentarcö 
iljre  Haftung  auf  ben  Setrag  befi  i^r  jugefallencn  ©efammtgutöont^eifcö  ju 
bcf darauf en  (oergl.  code  civil  3lrt.  1453,  1494;  t^eR.  Gntto.  Wct.  475,  492,  493; 
el^renbreitft.  entro.  §§  81,  82).  3laä)  preufe.  91.  S.  31.  II,  1  §§  661,  664  ^aftet 
jebcr  bcr  Gljegatten  tocgen  ber  auf  bem  gemeinfd)aftli(^en  aScrmögen  ru^enbcn 
©d^ulben  mie  wegen  Grbfd^oftöfd^ulben,  iebod^  nad^  Sinologie  eines  ScncfiiiaU 
erben  nur  mit  bem  if)m  jugefaUcnen  S^fieitc  beö  gcmeinfd^aftlic^en  93erm5gen8. 

®ic  jroeite  ^auptgruppe  bitben  biejcnigen  SRed^te,  rocid&c  beibc  G^egatten 
na^  Sßert)ältniJ3  il)rcö  9lntl)ei(eö  an  bem  Ocfammtgutc  für  bic  ©emeinfcftoft«* 
fdfiulben  pcrfönüc^  Iiaftcn  laffen.  2)at)in  geI)oren,  obmo^l  unter  mannigfoc^cn 
aKobififationcn  im  Ginjelnen,  inöbcfonbcre  baö  mürjb.,  bamb.  unb  mainj. 
9lcdEit,  ferner  baö  naff.  Siedet  (naff.  SSerorbn.  v.  10.  3anuar  1825  §§  3,  4, 
©euffert  XXX,  155),  baS  fotmf.  S.  9t.  n,  28  §§  5—7  nacfi  berjenigen  »u«^ 
legung,  meldte  baöfelbc  in  §effen-'®armftabt  erfaf)ren  l^at  (oergl.  ©euffert  XXX, 
251)  unb  baö  roürttemb.  2.  91.  IV,  4  §§  2,  8;  bo(^  fann  nad^  roürttemb. 
9lcd)te  bic  Gljcfrau  fic^  burd)  Slnrufung  bcr  fog.  roeiblid^cn  grei^citen  oon 
ber  Haftung  oollftönbig  befreien,  fofern  [xt  nic^t  jug(eid&  für  bie  bctrcffcnbe 
ed^ulb  pcrfönlid)  haftet  (Gntfc^.  b.  9t.  ®.  in  Sioilf.  IX,  19;  oergl.  au* 
roürttemb.  Gntro.  §§  68,  70).  ©ine  anbcrc  9tuffaffung  als  in  9taffou  unb 
.'pcjfen=2)armftabt  Ijat  baö  folmf.  9led&t  in  Jlurf^effen  gcfunben,  inbcm  bort  nur 
eine  fubfibiärc  Haftung  ber  G^efrau  für  bic  ^älfte  ber  mit  i^rcr  Ginroittigung 
eingegangenen  Gt|cfd)ulbcn  anerfannt  wirb.  Ginc  ä^nlicfie  fubfibiärc  ^aftimg 
beftctit  in  ben  altl)effifd)en  Xf)t\kn  t)on  Kurf)effen;  bo^  tamx  bie  ®I)efrau  fuft 
bort  üon  biefcr  Haftung  unter  geroiffen  SBorauöfegungcn  burc^  einfeitige  ©r- 
fWrung  befreien.  Sieben  bcr  SSerpftid^tung  beiber  Gt)egatten  nadj)  SBer^ältnift 
i^rcö  9lntl)cilcö  am  Oefammtgutc  löirb  regelmäßig  eine  auö^ülförocife  ^ftung 
bcö  Gl)cmanncö  für  baö  (Sanje,  minbeftenö  für  bic  ocrtragömäfeigcn  Gbc* 
fd)utben,  anerfannt,  fo  namentlid^  in  9iaffau  (naff.  SBcrorbn.  u.  10.  3anuar 
1825  §  8)  unb  in  SBürttcmbcrg. 

''^lad)  einer  britten  ^auptgruppc  oon  9ted)ten  haften  bcibc  G^egatten  für 
bie  @cmcinfd)aftöfc^ulben  fotibarifd^,  fo  nad)  ben  9led)ten  oon  Ulm  unö 
ßaftcU.  gür  hcn  y^all  bcö  )öctriebeö  eincö  ©eroerbcö,  an  roelc^em  bic  GH^^** 
fid)  öffentüd)  betl)eiligt,  bcftimmen  ferner  oielc  9icc^te  bie  folibarifdtjc  Haftung 
beiber  Gticgatten,  balb  für  alle  ©cmcinfc^aftöoerbinbliddfciten ,  balb  nur  für 
bie  ©croerbcfdiulbcn.  Sa^in  gcl)5ren  inöbefonbcrc  baö  bai)r.  S.  9t.  I,  6  §  32, 
bie  9tccfttc  oon  Sßürjburg,  GaftcU,  9lnöbac^,  Slürnberg,  Slugflburg,  boö  pfälj. 
2.  9t.  III,  17  §  4  unb  baö  mainj.  2.  9t.  IV  §  3;  bod)  ift  lia^  lefetcrem 
bic  fülibarifd)c  .sjaftung  nur  eine  fubfibiäre  (oergl.  auc^  in  STnfcfiung  beö  Gbe* 
manncö  tricr.  2.  %  VI  §§  29,  30). 

S)cr  ^crf(^iebenljeit  ber  Seftimmungen  über  bic  ©emeinfc^aftöfc^ulben 
entfprid)t  bic  i}crfd^iebcnf)eit  berfelben  in  9tnfcl)ung  bcr  Sonberfd^ulbcn.  9llö 
fo(cl)c  erfd^cincn  alle  bicjenigcn  ©djulben  bcr  G^egatten,  roeld^e  uic^t  ©e- 
meinfc^aftöfd)ulben  ober  ^Borbe^altögutöfc^ulben  ber  G^efrau  finb.  9?od^  ben* 
jcnigen  9tcd^tcn  unb  Gntroürfen,  roeldje,  roie  baö  preufe.  21.  2.  9t.,  baö  jütifcbe 


Grrunocnf(^afteöcmetnf(j&att.    ©^ulbcnBaftunö.    §  1423.  523 

Soro  uub  bcr  c^rcnbrcitft.  ®ntn).  alle  ©c^ulbcn  bcr  ©Regatten  mit  2[uSnaf)mc  bcr 
Sorbe^ollßgutöfcbulbcn  bcr  ®f|cfvau  bcn  ©(äubigcrn  gegenüber  alö  Oemein? 
Waftäfc^ulbcn  bc^aubeln  (t)erg[.  oben  ©.  520  ff.),  bleibt  für  bcn  93cgriff  bcr 
Sonbcrfd|ulbcn  fein  Slaum.  SInbcrerfcitö  fommt  bei  bcr  ®emein|d)aft  beö 
SugcroinnfteS  ber  Segriff  bcr  6bcfd)nlb  nur  iufofcrn  in  33etrad|t,  atö  mit 
bcm  Segriffe  berfclben  bie  oben  6.  521  bcjcidinete  bcfonberc  SBirfung  ber 
Motionöppi^t  bcr  ß^efrou  Dcrbunben  roirb.  33on  ben  übrigen  9led)tcu  bcr 
Grrungenfc^oftögemeinfci^aft  wirb  geroö^nlid^  ber  ©oß  oufgefteUt,  bafe  für  bie 
Sonbcrfc^ulbcn  ber  ©Regatten,  inöbefonbere  für  bie  oorel^eIici^en©d|ulbcn  berfclben, 
nur  bcrcn  ©onbcrgut  ^aftct  (ocrgl.  nomentlid^  in  9lnfcl)ung  bcr  mciften  bai}r. 
Sfc^te  ainibauer  a.  a.  D.  ©.  115;  ferner  trier.  S.  ?R.  VI  §§  26,  27;  mainj. 
S.  SR.  IV  §  1).  Siocb  anberen  SRed^ten,  j.  33.  naä)  bcm  loürttcmb.  S.  9i. 
IV, 4  §  3  (Dcrgl.  aud)  mürttemb.  ©ntn).  §§  31  ff.;  i)e%  ©ntro.afrt.  467,  510) 
fonnen  bagcgcn  bie  (Stäubiger  eines  ©Regatten  megen  ©onbcrfc^utbcn  bed 
leiteten  fid)  oud^  an  bcn  il;rem  ©d)ulbncr  suftctienben  ibeeUen  3lntl)eil  an  bcm 
®e|Qmmtgutc  galten,  ferner  ^aftet  nad)  franj.  ditä)k  für  ©onberfc^ulben 
beö  6()emanned  bcn  ©laubigem  gegenüber  aud^  baö  ©efammtgut.  9Iud^  bie 
'ßraris  mand)cr  bcutfc^en  ^artif ularreditc,  j.  33.  bie  l^cfj.  barmft.  ^^Jrajiö  (oergl. 
ceuffert  vn,  329,  XVI,  55,  XXXIX,  219),  neigt  fid^  bQt)in,  baö  ©efammt:^ 
gut  roä^rcnb  bcfteljcnbcr  @^e  alö  im  ©igent^ume  beö  ©ticmanncö  bcftebenb  ju 
be^nbcln,  rocnigftenö  fomcit  cd  fic^  nid^t  um  Smmobilicn  bti^^i^^It,  meldte  im 
©runbbud^c  auf  bcn  Flamen  beiber  ©f)egatten  eingetragen  finb. 

2)er  ©ntrourf  tiat  fic^,  fooicl  bie  9icd)töfteUung  bcr  ©laubiger  beö  einen  etanbpunft 
ober  anbcrcu  ©^egotten  gegenüber  bem  ©efammtgute  unb  gegenüber  bcmicnigen  ,j„twurfe«. 
e^gattcn,  roclc^cr  nac^  allgemeinen  ©runbfä^cn  itjncn  nid|t  perfönUd)  fjaftet, 
betrifft,  namcntUd^  aud)  in  9lnfcl)ung  ber  pcrfönlic^en  Haftung  bcö  ©Ijcmanncä 
für  bie  SScrbinblidöfcitcn  bcr  ©befrau,  bcn  in  bicfcr  Scjicljung  für  bie  all^^ 
flemcmc  ©ütcrgemeinfcöaft  getroffenen  33cftimmungcn  (§§  1859,  1362)  im 
^rin^ipc  angefc^oßen,  jebodb  ntit  bcr  SWobififation,  bafe  nur  geioiffc  Äatcgoricen 
oon  SSerKnbfidifeitcn  bcr  ©l)cfrau  als  ©efammtgutöocrbinblid)feitcn  aiierfannt 
werben.  3ndbefonbcrc  finb  —  abrocidjcnb  oon  bcr  allgemeinen'  ©ütergcmein* 
fc5af!  —  bie  oorSintritt  bcr  ©rrungeufd^aftögcmcinfcbaft  bereits  entftanbenen 
3krbinbli4)feitcn  bcr  ©bcfrau  unb  bie  nad)  ©intritt  ber  ©rrungcnfdöaftö* 
floncinfd^aft  cntftonbcncn  SScrbinblidifeiten  ber  ©l)cfrau  auö  einer  t)on  ber* 
felbfu  begangenen  unerlaubten  §anblung  nid)t  0cfammtgutsi)crbinblid)teiten, 
loäbrcnb  in  Stnfel^ung  bcr  gleichen  SBerbinblid^tciten  bcö  ©l)cmanncö  bei  bcr 
Crrungcnfd|aftögcmeinfd)aft,  wie  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemcinfd^aft,  bie? 
felbcn  ©runbfo^c  mafegebenb  fein  follcn. 

2)ic  93eftimmung  bcö  §  1423  9lbf.  1,  ba6  alle  ©laubiger  bcö  ©liemanneö  «ersinbi^. 
o^nc  Untcrfd^icb  bie  a3efriebigtmg  aus  bem  ©efammtgute  oerlangcn  lönmn/^^^^^^^ 
recbtffrtigt  fid^,  mic  bei  bcr  allgemeinen  ©ütcrgcmcinfc^aft,  fo  aud)  l)ier 
einerfeitd  bur^  bie  2luffajfung  beö  ©efammtguteö  alö  eiucö  im  bcutfd)red^t* 
lii^en  ÜÄiteigent^ume  beiber  ©Regatten  fte^enbcn  3Sermögenö,  welches  bie 
Jyunftion  bcö  93erm5gcnß  bcö  einen  nnb  beö  anberen  ©l)cgattcn  f)ai,  anbercr:^ 
fritö  burc^  baö  bem  6l)emanne  in  3tnfe^ung  bcö  ©cfammtgutcö  5uftel)cnbe  auö= 
gcDcftiUe   33erfügungörec^t    (§  1417  ocrb.  mit  §§  1352,  1353),  unb  ift  im 


524  (Sirunöcnfd&aft0(jcmcinf(iaft.    ©(^ulbcn^aftunö.    §  U-23. 

^inbUtfc  barauf^  bog  baö  Sonbcrgiit  bcd  @^cmaniicö  uub  ba&  @cfammtgut  in 
bcr  ^anb  bcs  (S^cmonucö  ungetrennt  ocrcinigt  finb,  foroic  im  ^inWicfc  auf  bic 
im  §  1421  9tbf.  1  aufgeftclltc  SBcrmut^ung,  bafe  alle«  SSermogen  ©cfammtgut 
ift/  im  Sntcrcffc  bor  ©laubiger  bes  (Seemannes  bringcnb  geboten.  S)amit 
ftimmen  aucb  boö  prcufe.  51.  S.  SR.,  bad  franj.  9lcd&t  unb  oDc  biejcnigen 
9lcd)te  übercin,  xotld)t  bad  ©cfammtgut  ald  im  Sigent^umc  bed  (S^emanneö 
ftel)eub  bc^anbeln  ober  bem  (enteren  roenigftenö  ein  unbcfd^ronftc«  aSerfügungß« 
rcd^t  über  baö  ©efammtgut  einräumen.  3^  bemfelben  praftifc^eu  SRefultatc 
fül)rcn  regelmäßig,  menigftend  annä^ernb,  biejenigen  9lc(^tc,  meldte,  roic  baö 
roiirttcmb.  Sie^t,  bcn  ©laubigem  eines  ©Regatten  geftattcn,  ftc^  au^  wegen 
Sonbcrfd)ulbcn  beö  lejteren  on  beffen  Slnt^eil  an  bem  Oefammtgutc  ju 
galten, 
»erbinb.  gcgt  mau  ben  Oläubigern  beö  6l)emanned  ha^  dici)t  bei,  bie  SBefriebigung 

"^sbirrou*."^  ciuö  bem  Oefammtgute  ju  oerlaugen,  fo  fd)cint  allerbingö  bie  Äonfequenj  ber 
9luffaf)ung  bed  ©efammtguted  ald  eined  im  beutfc^rec^tUd^en  SRiteigent^umc 
beiber  ©Regatten  ftet)enben  Vermögens  ba^in  führen  ju  muffen,  na^  bem 
93orbilbe  beö  preu|.  2C.  S.  SR.,  beö  jütifcften  Soio  uub  beö  el^renbreitft.  6ntio. 
unb  im  2(nfc^tujfe  an  bicienigen  SRed^te,  welche,  mie  ba^  roürttemb,  Siedet,  aud^ 
ben  ©laubigem  ber  S^efrau  geftatten,  fic^  wegen  ber  Sonberfc^ulben  berfelbeu 
an  beren  SIntljeil  am  ©efammtgute  ju  galten,  baö  ditä^t,  bie  S3efriebigung 
auö  bem  ©efammtgute  ju  oerlangen,  aucb  ben  ©laubigem  ber  ß^cfrau,  foweit 
biefelben  nad)  ben  SSeftimmungen  beö  gefeftlid^en  e^elid&en  ©üterrec^tcö  (§§  1311, 
1312)  ©begutögläubiger  fmb,  cinjuräumen.  (gö  mufe  aud)  jugegeben  merbeu, 
baf)  bie  ungleiche  93el)anblung  ber  ©laubiger  beö  ®(;emanneö  unb  bcr  ©läu« 
biger  ber  @^efrau  bem  erften  älnfd^eine  nac^  etmaö  äluffaUenbeö  ^at.  Sei 
unbefangener  Prüfung  ftnb  inbeffen  bie  gegen  eine  gleid^e  93e^anb(ung  ber 
©laubiger  beö  6l)cmanneö  unb  ber  ©laubiger  ber  ©tjefrau  in  ber  ^ier  frag« 
lid^cn  ^infid)t  fid^  erl^ebenben  SBebenfen  unb  anbererfeitö  bic  mit  bem  Sijfteme 
beö  ©ntmurfeö  oerbunbenen  SSort^eilc  atö  überroiegenb  ju  erad^tcn.  Gin 
^auptbcbenfen  gegen  baö  Spftem  beö  preuß.  31.  S.  it  unb  beö  e^rcnbreitft. 
^ntxü.  befte^t  barin,  bafe  mit  bemfelben  eine  perfonlic^e  |)aftung  beö  6(|c* 
manneö  für  bie  ©efammtgutöoerbinblid^feiten  ber  (S^efrau,  menigftcnö  für  bie 
üor  ©intritt  ber  Grrungenfd&aftögemeinfd)aft  entftanbenen  93erbinbüd^fciten 
berfelbeu,  unuereinbar  ift,  bie  9lid^tanertennung  ber  perfönli^en  Haftung  beö 
©bcmanneö  für  bie  ©efammtgutöoerbinblic^feiten  ber  (Sbefrau  aber  gu  einer 
^Ibfouberung  beö  ©efammtguteö  uon  bem  Sonbergute  beö  @^emanncö  f((|on 
roäbrenb  befteljenber  ©emeinfdjaft  führen  müfete.  Sine  fold^e  Slbfonbcning 
luürbc  aber  mit  ben  größten  praftifc^en  6cbm\erigfeiten  ücrbunbcn  fein, 
namentlicb  bann,  menn  baö  ©efammtgut  gur  ^efriebigung  aller  ©cfammtgutö« 
glöubiger  nid^t  auöreid^t.  @ie  gefäl)rbet  namentlich  aud^  bie  Sage  beö  (^ 
manneö  megen  feiner  Srfajjanfprüd^e  an  baö  ©efammtgute  meldte  na^  §  1428 
oerb.  mit  §  1369  erft  bei  ber  2iuflöfung  ber  ©emeinfd^aft  geltcnb  gemad^t 
roerben  fönnen.  2)aö  ©qftem  beö  preuß.  31.  S.  SR.  unb  beö  e^rcnbreitft.  @ntio. 
fe^t  femer  ben  (Seemann  ber  ©efal)r  an^,  mcgen  aller  33erbinblid&teiten  bcr 
©^efrau,  mel(^e  nad)  ben  33cftimmungen  ber  allgemeinen  ©ütergemcinfdbaft 
©efammtgutöüerbinblid^feiten  finb,   alfo   inöbefonberc  ani)   rocgcn   bcr  oor 


6rrunornfc&aft^rmetnf(J&aft.    (Sc^ulbenl^aftung.    §  1423.  52Ö 

Gintritt  bcr  ©rrunßcnfc^Qftdgcmcinfd^Qft  entftanbcncn  SBcrbinblid^fcitcu  bcr 
ß^cfrau  inib  berj|entgcn  93crbinbUd)fetten  bcr  (enteren,  loelc^e  m6)  icncm 
3ettpunfte  aud  einer  unerlaubten  ^anblung  berfelbcn  entftanben  ftnb^  inbireft 
pcifSnlid^  haften  }u  muffen^  ba  einei^tl^eild  attc^  ben  ©laubigem  ber  S^efrau 
bic  Sermut^ung  bcd  §  1421  2lb|.  1  ju  ftatten  fommt,  anbererfeitö  ber  galt 
rintretcn  fonnte,  bafe  ba&  von  ben  ®(äubigeru  bcr  ©(jefrau  im  SBegc  bcr 
3roangöooIIftrcc!ung  in  2tnfprucft  genommene  Oefammtgut  nad^  Scfriebigung 
biefer  ©laubiger  jur  Berichtigung  ber  im  93erf)ä[tniffc  ber  ©Regatten  ju  ein« 
cnber  bem  ©efammtgute  jur  Saft  foHcnben  SBerbinblid^fciten  beö  ß^emanneö 
nid^t  oudrei^t.  @d  n)ürbe  bied  nom  @tanbpunfte  bed  ©ntmurfcö  aud^  metc^cr 
ben  &imam\  aDcin  bic  (Sinbufec  tragen  Wfet  (§  1429  3Ibf.  1  ücrb.  mit  §  1380), 
eine  unbillige  ^örte  gegen  ben  (g^emonn  fein,  Sluf  bcr  onberen  ©cite  tritt 
bad  ^rinjip  bed  ßntmurfcd  ben  ©laubigem  ber  (S^efrau  nid^t  }u  nalic  S)ie 
Qeftt^r,  ha%  im  Soufe  ber  3^^*  ^ä*  ©onbergut  bcr  ©^cfrau  fi^  in  ©c^^ 
fammtgut  oermanbclt  unb  baburd^  in  äSerbinbung  mit  ber  93eftimmung,  nad^ 
mlä^  »egcn  SSerroenbungen  oon  ©onbergut  in  ©cfammtgut  regetmäfeig  erft  bei 
Äuflöfung  bcr  ©emeinfd^aft  ©rfaft  geforbert  roerben  tann  (§  1428),  ben 
©laubigem  ber  le|tcren  boö  Objeft  ilircr  Sefriebigung  entjogen  roerben  fonnte, 
ift  im  ^inblicfc  auf  baö  im  §  1414  anerfannte  ©urrogationdprinjip  nic^t  l;od^ 
onjufc^lagcn.  ^utKxn  tann  bic  ß^efrau,  menn  ber  ©bemann  rec^töroibrig  ©onbcr* 
(|ut  berfelbcn  in  ©cfammtgut  ücrrocnbct,  naä)  %  1417  mxh.  mit  §§  1292, 1004, 
1324  fofort  ©rfofe  verlangen,  unb  pnb  bic  ©laubiger  ber  @I)cfrau  in  bcr  Sage, 
fw^  bicfc  änfprüclie  bcr  Icfttcrcn  im  SBcgc  bcr  Sroangöoollftrccfung  übermeifcn 
iu  laffcn.  ©egcn  bic  ©efa^r  bcr  Umroanblung  Don  ©onbcrgut  in  ©cfammtgut 
fonncn  bic  ©laubiger  aud  ber  3cit  t)or  Eintritt  bcr  Srmngcnfd^aftdgcmcinfd^aft 
ii^  ferner  babur^  f4ü|en,  ha^  fic  il^re  9lnfpräc||c  aldbalb  nad^  bcr  @^e^ 
f^licgung  gcltcnb  mad^en.  gorbcrungen  aber,  bcren  ^älligfcit  meit  ^iuaud^ 
gef^oben  ift,  pflegen  regelmäßig  burd^  ?ßfanb  gefid^crt  ju  fein.  3m  SBcrglcid^c 
jum  gcfe|lid^cn  e^elid^en  ©fitcrrcd^te  ift  bic  Sage  ber  ©l&ubiger  ber  @^efrau 
nur  info^m  eine  ungfinftigere,  alÄ  bcr  ©rtrag  ber  2lrbeit  ber  6f)cfrau,  foroeit 
btrfclbe  no^  bem  gcfcftlid^cn  c^elid^cn  ©flterrcd&te  SBorbe^allßgut  bcr  ©l^cfrau 
roiri)  (§  1289),  bem  S^^Ö^iffc  berienigen  ©laubiger  ber  tefttcrcn  entjogcn  ift, 
roel^ic  nad^  §  1423  nid)t  ©cfammtgutögläubigcr  ftnb.  Sluf  biefen  ©rtrag 
^üben  ober  bic  ©laubiger  bcr  ©^cfrau  leinen  rcd^tlidicn  Slnfprudf).  3nö« 
bcfonberc  gilt  bieß  von  ben  erft  mä^renb  beftel^cnber  ©cmcinfd^aft  entftanbcncn 
Serbinblid^Iciten  ber  ß^efrau  aufi  einer  von  bcrfelfcen  erft  nac^  ©intritt  ber 
(Smingenfdöoft  begangenen  unerlaubten  ^anblung,  ba  bcreitö  vor  ©ntftcl^ung 
ber  Serbinblid^feit  baö  9icd|t  icß  ©efammtgutcö  auf  ben  fünftigen  ©rmerb 
ber  6^frau  begrünbet  ift.  5Cem  Sntcreffe  ber  ©löubigcr  ber  ©l^cfrau  mirb 
in  genügenber  SBcife  SRcd&nung  getragen,  mcnn  bicjcnigcn  SBcrbinblid^fcitcn 
bcr  6^efrau  ald  ©cfammtgutdDcrbinblid^fcitcn  anerfannt  mcrben,  meldte  nad^ 
bem  3»c(Jc  bcr  ©rmngenfc^aftögcmcinf^aft  im  SBcrl^ältniffc  ber  ©licgattcn  ju 
cinanber  bem  ©efammigute  jur  Saft  fallen.  3Benn  auf  Seiten  bcd  ©l^cmanncß 
über  bic  9lotur  unb  ben  bcfd^ränftcn  gmcc!  bcr  (Srmngenfd[)aftögemcinfd6aft 
binaufi  alle  SScrbinblid&fcitcn  bcöfelben,  audd  fomcit  bicfclbcn  im  aScr^ältniifc 
ber  ©Regatten  ju  cinanber  nid&t  bem  ©cfammtgutc  jur  Saft  fallen  (§  1426), 


L. 


526  (Srrunoenfd&aft^ocnieinfc^aft.    ©(^ulbenj&aftunfl.    §  1423. 

für  ©cfammtgutäücrbinblic^fcitcii  crflärt  werben  (§  1423  9lbf.  1),  )o  beruht 
bics  auf  bell  oben  ^eroorge^obenen  befonberen,  in  ber  5ßerfon  ber  (g^efrau 
nidit  jutreffenbcn  ©rünben,  inöbcfonberc  auf  bem  freien  SSerfugungöre^te  beö 
ß^emanneö  in  3lnfe^ung  beö  ©efammtguteö.  SRit  bem  ©ijfteme  beö  6nb 
wurfed  ftimmen  in  ber  l^ier  froglid^en  ^infic^t  bos  franj.  Siecht,  foroic  bic* 
jenigen  bcutfdien  Slcd&tc  überein,  rocfd^c  ba&  ©efammtgut  als  im  Gigcntljumc 
beö  ®^emanueä  ftcl^enb  bef)anbcln. 
^erföniic^c  2)q^  ^je  ß^efrau  bcn  ©Idubigern  wegen  ber  (Sefammtgutöoerbinblidj' 

ber  öMwu.  feiten  beö  ©fiemanneö  nid^t  perföntid^  Ijaftet,  fann  im  ^inblicfc  barauf,  baß 
biefe  Ocfammtgutöoerbinbüd^feiten  mit  benjenigen,  meiere  im  SSer^ältnijfe  ber 
©Regatten  5U  einanber  bem  ©cfammtgute  jur  Saft  fallen,  bei  ber  ©rrungen- 
fd^aftdgemcinfd^aft  fid^  mä)  weniger  becfen,  afe  bei  ber  allgemeinen  ©üter* 
gcmeinfc^aft,  bei  ber  erftcren  nod^  weniger  jwcifel^aft  fein,  wie  bei  ber  Ie|teren, 
9lber  aud)  in  Slnfe^ung  berjenigen  ©efammtgutsoerbinbUd^feiten  beö  ®^c* 
mannes,  wel^c  im  3Serl)ft[tniffe  ber  ©f)egatten  ju  einanber  bem  ©efammtgulc 
jur  üaft  fallen,  fpred^en  in  gleid^er  SBcife,  wie  bei  ber  attgemeinen  ©üter* 
gemeinfd^aft,  fo  aud^  ^ier  überwiegenbe  Öriinbe  gegen  bic  3Inertennung  einer 
perfönlic^en  »Haftung  ber  ®t)efrau  (oergl.  bie  aJlotiüe  ju  §  1359  oben  ©.  367), 
jumaf  nad)  bem  ©ntwurfe  (§  1429  3lbf.  1  t)erb.  mit  §  1380)  aud^  bei  ber 
©rrungenfddaftögemetnfdöaft  ber  Seemann  bic  ©inbufee  allein  tragen  foU. 
öemein.  gine   Stuöual^mc   üon   bem   Orunbfa^e,   ba^   bie   ß^efrau    fraft  ber 

^"l^eflatigcne"'  ©rrungeufc^aftögemeinfd^aft  für  bie  @efammtgutöoerbinb(i(^feiten  perfönlid^ 
«crWnbH($.  nicftt  ^aftet,  f)at  ber  Entwurf  audfi  nid&t  für  ben  gall  gemaddt,  wenn  bie  (S^cs 
gatten  gemeinfdöaftlid^  eine  SSerbinblid^feit  eingegangen  finb.  3iadö  allgemcineii 
©runbfägen  Ijaftet  in  einem  fold^en  gallc,  fofern  nid^t  oon  ben  ©Regatten  eine 
Oefammtfdöulb  beabfxdjtigt  ift  (§§  321  ff.),  ein  iebcr  berfelben  bem  ©laubiger 
•  jur  ^älfte.  S)urdö  bie  unter  btn  ©Regatten  beftel^enbc  ©rrungenfc^aftögemcin* 
fdjaft  wirb  bieö  infofern  geönbert,  alö  vermöge  ber  in  ber  gcmeinfd^aftlid^cn 
®ingel;ung  ber  Sßerbinbliddteit  tiegenben  Einwilligung  beö  ß^emonncö  jur  (Sin- 
gc^ung  ber  aSerbinblid^teit  Don  ©eiten  ber  ©tiefrau  bie  perföntid^c  Haftung 
beö  ©fiemanneö  aud&  für  bie  bic  ©^efrau  treffenbe  ^ötftc  ber  SBerbinblic^fcit 
begrünbet  wirb  (§  1423  Slbf.  2  SRr.  1,  Slbf.  4).  ©in  genügcnber  ©runb,  in 
einem  fold)en  §allc  anbererfeitö  aud^  bie  ©^efrau,  troftbem  biefelbc  ftc^  mir 
auf  bic  §älfte  ^at  ücrpflid^ten  wollen,  für  bic  ben  ©gewann  treffenbe  Ser^ 
binblid^feit  l^aften  ju  lajfen,  liegt  nid^t  üor,  jumal  nur  wenige  Siebte  eine 
fold^c  folibarifddc  SBerpflid^tung  ber  ©^efrau  aner!ennen. 
»emerbe^  S'^^if^'^l^ftc^  bagcgcu  ift  bic  ^rage,  ob  nicbt  nac^  bem  SSorgange  einer 

LtJmJnne?  9^ö6^^*^^  3^^'  ^^u  SRcd^tcn  (ocrgl.  oben  S.  522)  eine  perföntic^e  Haftung  ber 
@f)efrau  für  bic  ©ewerbefd^ulben  beö  ©^emanneö  aud&  bann  ancrfannt  werben 
foU,  wenn  baö  ©ewerbe  jwar  nid^t  von  ben  beiben  ©Regatten  gemcinfd^aftüd^ 
auf  beren  Flamen,  fonbern  nur  Don  bem  ©bemanne  allein  unb  auf  bejfen 
?Jamen  betrieben  wirb,  bie  ©^efrau  bemfelben  aber  babci  in  äufeerlic^  ertemi» 
barer  gßeifc  plfc  teiftet.  ®afür  Iftfet  [xd)  geltenb  mad^en,  bofe  in  göDeu 
biefer  9lrt  l^äufig  nad^  äugen  ^in  nid)t  erfennbar  ift,  ob  bie  ©^efrau  bem  &9^ 
manne  nur  in  bem  Don  i^m  betriebenen  ©efc^äfte  bel^ülflid^  ifl  ober  boöfelbe 
alö  ©efeUfc^after  felbftänbig  mit  betreibt,  unb  bag  eben  wegen  biefer  9W(^t« 


(Srrunöenf^aft«0cmcinf4aft.    ©dfeulbcnftaftung.    §  1423.  527 

erfcimbarfeit  im  3ntcrcffc  bcr  ©id^cr^cit  beö  9Scrfcl)rcö  baö  3Scr^ältni6  fo 
bfurt^cift  werben  müfete,  roic  tocnu  ber  jiilegt  bejei(^netc  gaU  uorliege.  ®iefc 
©nöfigung  tnüfete  inbcRen  ba^in  führen,  in  gällen  bicfcr  3lrt  ol)ne  alle  SWürf^ 
\idfi  auf  bie  älct  bcd  tf)tlx6)cn  @üterftanbed  eine  perfonlid^e  Haftung  ber  @^e^ 
frau  für  bie  ©enMrrbcfdbulben  beö  6^emonneS  anjuericnnen.  SDem  SntcreRe 
bcr  ©laubiger  fte^t  aber  f)xtx  cbenfo,  wie  bei  ber  allgemeinen  gragc,  ob  bei 
bem  gefcgüd^en  e^elid^en  ©ütcrredbte  eine  Haftung  ber  @^efrau  für  bie  Sd^ulben 
bcs  g^emanneö  anerfannt  werben  foU  (ucrgl.  bie  SKotiüe  ju  §§  1298, 1299  oben 
£.  207  ff,)/  baö  3ntereRe  bcr  ß^efran  gegenüber.  3luf  bicfcö  festere  ift  um 
io  tne^r  baö  entfd^eibenbc  @mx6)i  5U  legen,  alö  bie  ©laubiger  im  Staube 
jinb,  ^4l  burdb  @rfunbigung  )u  uergen)if(em,  ob  bie  (S^efrau  i^nen  mit^aftet, 
iDd^renb  biefe  uollig  auger  Staube  fein  würbe,  ftd^  gegen  bie  Haftung  ju 
fc^ütfen,  ba  [xc  mi)  SKafegabe  beö  §  1275  9lbf.  2  ucrpftid^tct  ift,  bem  ©^e^ 
manne  in  beffen  (Sefdbäfte  §ülfe  ju  leiften. 

3m  ©injelnen  ift  ju  ben  Seftimmungen  beö  §  U23  9lbf.  2,  3  nod&  «cfammt* 
Jolgenbeö  ju  bemerfen:  S^SS^ 

1.  Sie  SSeftimmung  beö  §  1423  9lbf.  2  3lx.  1  entfprid&t  bem  §  1418    «^ffr«»- 
in  SSerbinbung  mit  bem  ^jSrinjipe  beö  §  1423  Slbf.  2,  bafe  biejcuigen  aSer* 
btnblici^feiten  ber  @f^efrau,  meiere  im  SSerb&Uniffe  ber  S^egatten  ju  eiuanber 

bem  ©efammtgute  jur  Saft  fallen  (§  1426),  aud&  naä)  aufeen  l;in  ©cfammt^ 
gutöocrbinblid^feilen  fein  foBen.  Um  fo  unbebenflid^er  ift  cö,  ben  Olöubigern 
bcr  ß^efrau  baö  JRed^t  bcijulegen,  roegcn  ber  l)ier  in  SRebc  fte^enben  SSer^ 
binblid^feiten  ben  Seemann  unmittelbar  in  älnfprudd  ju  nehmen,  a(ö  bie 
©laubiger  fid^  bie  ^ier  fragli($en  älnfprüd^e  ber  S^efrau  gegenüber  bem  @l)e^ 
wanne  (§§  1418,  1297  Slbf.  1)  im  SBege  ber  3tt>öngöoollftrcdung  Überreifen 
lofjen  tonnen,  ^nö)  nadb  ^^nt  geltenben  dii6)tt  \)abzn  bie  fraglid^en  93er- 
binbli<!^{eiten  ben  jlarafter  uon  @^efd^ulben,  für  melcbe  ben  ©laubigem  bie 
Srrungenfd^aft  haftet. 

2.  Slud^  bie  an  ben  §  1362  SRr.  1  fid&  anlef^nenben  SBeftimmungen  beö 
§  1423  arbf.  2  5Rr.  2, 3  fte^en  ebenfallö  mit  bem  geltenben  SRed^te  im  Cinf lange, 
inöbefonbere  aud^  infofern,  alö,  wenn  ber  @t)emann  feine  ©inmilligung  ober 
©cne^migung  ert^eilt  ^at,  eö  gegenüber  ben  ©laubigem  nidbt  weiter  barauf 
anfommt,  ob  bie  ^ier  fraglid^en  SBerbinblic^feiten  für  ©emeinfd^aftöjwedte  ein* 
gegangen  ftnb  ober  nid^t.  äBegen  ber  ^rage,  ob  ber  @l^emann  in  ben  ^öQen 
ber  3lr.  2,  3  berechtigt  ift,  burd^  einen  SSorbe^alt  bei  ©rt^eilung  feiner  ®in* 
»Uligung  ober  ©ene^migung  feine  perfönlid^e  Haftung  (§  1423  3lbf.  4)  auö^ 
iuf^liegen,  wirb  auf  bie  Sßotioe  }u  §  1362  oben  @.  374  ff.  ^ejug  genommen. 
3m  §  1362  3it.  1  r^nb  neben  bem  §  1358  no(^  bie  §§  1355—1357  aUegirt. 
JHe  aPfcgirung  beö  §  1357  fann  für  ben  §  1423  3lbf.  2  SWr.  1  inbeffen  nid&t 
in  grage  fommen,  weil  ber  §  1357  auf  bie  (Srmngenfd^aftögemcinfc^aft  über* 
ifoupt  nicjt  übertragen  ift  (Dergl.  §  1417  nebft  äWotiüen  oben  ©.  512).  ©a^ 
gegen  finb  bie  §§  1355,  1356  burd^  §  1417  auf  bie  ©rrnngeufd^aftögemeim 
|(^ft  jwat  für  entfpred^enb  anwenbbar  erflärt.  allein  ber  §  1356  bebarf  im 
§  1428  3ftf.  2  9flr.  2  wegen  ber  SBorfd^rift  beö  §  1423  Slbf.  2  SRr.  3  feiner 
befonberen  Serutfftd^iigung.  älnlangenb  aber  ben  §  1355,  fo  fommt  berfelbc, 
obgefe^  oon  bem  galle^  in  weld^em  ber  @^efrau  ein  SSertragöantrag  wegen 


528  Srrungcnfd^aftöofwcinfd&aft.    Swflttgfiuottftrccfunö.    §  1424. 

eines  fold^cn  ßriücrbcö  geinad^t  ift  töcld^cr  in  bog  Oefantmtflut  fallen  würbe, 
für  bie  ©rrungenfdbaftögemcinfd&aft  nid)t  in  Sctrod^t,  ba  boöienigc,  load  bie 
©defrau  burd)  ©rbfolge  ober  aScrmädötniö  erroirbt  nad^  §  1412  ©onbcrgut 
berfelben  ift  unb  beß^alb  and}  bie  mit  einem  folcfecn  ©noerbc  uerbunbencn 
SSerbinbli^fetten  n\ä)i  ©efammtgutdDerbinblic^feiten  fein  tonnen. 

8.  S)ic  9lr.  4  befi  §  1423  abf.  2  cntfprid^t  ber  Sd^Iufebeftimmung  be« 
§  1362  3lx.  3  unb  beruht  auf  ben  gletd^en  Srmägungen,  mit  biefe  (ocrgl.  bie 
SKotioc  ju  §  1362  oben  ©.  373  unb  ju  §  1312  ©.  253). 

4.  SBegen  ber  bem  Sc^Iugfage  bed  §  1362  3lt.  1  ftd^  anfc^Iiegenben, 
im  SBefentlicben  auä)  mit  bem  geftenbcn  Siedete  (ocrgt.  oben  ©.  520)  übet» 
einftimmenben  aSorfd^rift  beö  §  1423  Slbf.  3  wirb  auf  bie  aWotioc  5U  §  1362 
oben  ©.  373  unb  ju  §  1312  6.  252  ff.  oerroiefen. 


§  1424. 

S»anfl8.  1.   2)ie  bem  geltenben  Siedete  entfpret^enbe  Seftimmung  befi  §  1424 

»D0t»rc<6«tfl  5g|.^,|^t  Q^^  benfelben  (Srünben,  mic  bie  SSeftimmung  beö  §  1360  Sbf.  I  (oetB'* 


geflen 

•efammt.  ^jg  gjiotioc  JU  §  1360  obeu  ©.  369).    ®ie  fpeiiellen  SSorfd^riften  be«  §  1360 

^"*      3lbf.  2  !önnen  im  ^inblidfc  barouf,  bofe  baö  beim  ©intritte  ber  ©rrungenft^aftfl* 

gemeinfd^aft  oorl^anbene  SSermögen  ber  ©Regatten   Sonbergut  ift  (§  1411 

9Ibf.  1,  §  1412),  bei  ber  errungenfd&aftögemeinfd^oft  wegen  SRangete  ber 

S3oraufife|ungen  feine  STnmenbung  pnben. 

Äonfur«  2.  5(nlangenb  bie  Seftimmung  beö  §  1424  äbf.  2,  bofe  im  goUe  be« 

9^J[^ne4.  Äonfurfcö  über  baö  SBermögcn  bcö  ß^emanneö  bie  SSorfd^riften  befi  §  1361 
älbf.  1  äinmenbung  finben,  fo  ftellt  biefelbe  angeftd^tft  ber  33eflimmung  befi 
§  1429  aibf.  2,  bafe  mit  ber  JRet^töfraft  beö  SBefd&luffeö,  burd^  mcld&en  ber 
^onfttrd  über  ha&  93ermSgen  befi  @^cmonned  eröffnet  wirb,  bie  Sfuflofung  ber 
©rrungenfd^aftößemeinfdjoft  fraft  befi  ©efeßeö  erfolgt,  in  SScrbinbung  mit 
§  1429  9[bf.  1  unb  §  1375  ftd^  al&  eine  pofttioe  bor  unb  a(fi  eine  älbmeic^ung 
oon  ben  §§  14,  44  ber  Äont.  D.,  inbem  m6)  ben  Unteren  ber  e^efrou  in 
S[nfe{)ung  befi  ©efammtguteö  bad  Sted^t  auf  3[udeinanberfe|ung  unb  9Ri* 
fonberung  jufte^en  mürbe  (üergl.  entfd&.  b.  9?.  ®.  in  ßioilf.  VIII,  26  IX,  19). 
^uö)  naö)  ben  auf  bem  93oben  ber  partifulören  ©ütergemeinfd^oft  fte^nben 
?ßartifu[arrec^ten,  inöbefonbere  nad^  bem  roürttemb.  SRec^te,  bem  naff.  Siedete 
(oergf.  genner  unb  SWecfe,  cit)ilred^tl.  entfd^.  I,  7,  88,  89,  m,  1),  bem 
fur^eff.  SWed^te,  bem  franj.  SRed^tc  (code  civil  Sttrt  1443)  unb  bem  bab.  Siedete 
(§  40  beö  bab.  Äugf.  Oef.  ju  ben  JReid^fiiuftiigefcfeen  o.  3.  3ßäi^  1879), 
tritt  im  gallc  ber  ©röffnung  befi  Äonfurfeö  über  bafi  SBrrmogcn  befi  6^ 
mannefi,  fei  q&  fraft  beö  ©efegeö,  fei  e&  auf  93er(angen  ber  S^efrau,  regelmfi§ig 
eine  ooUftönbige  Siquibation  hz^  ©efammtguteö,  wie  ber  ©onbergilter  ein; 
bod^  föllt  nad^  einet  grogen  3<^^(  ^on  Steckten  baö  ganje  ©efammtgut  bonn 
in  bie  ÄonfurömaRe,  wenn  bie  ®^efrau  oon  bem  il^r  beigelegten  Siedete  (Se* 
braud)  ma4)t,  ftd^  oon  ber  Haftung  für  bie  @^efd^ulben,  fomeit  [it  nid^t  ben 
©laubigem  nad^  allgemeinen  ©runbfäfeen  perfönlidb  l^aftet,  burd^  SSetiid^t  otif 
il)rcn  2Int(;ei(  an  ber  ©rrungenfd^aft  ju  befreien,  ©n  fold^efi  Sle^t  ber  Sie» 
frau  ift  namentlidö  anerfannt  oom  mürttemb.,  anfibad(|.  unb  frantf.  Sterte,  oon 


i 


(grritnGenfd&aftööewieinfcSaft    Äonfurö.    §  1424.  529 

bcm  tricr.  S.  SR.,  bcm  pfälj.  S.  SR.,  bcn  coburg.  Statuten,  foroic  bcm  fronj. 
unb  bob.  SRcd&tc  (code  civil  Slrt.  1453,  1492  ff.). 

Ucbcnoicgcnbc  ©rünbc  fpred^cn  bafür,  roic  bei  bcr  allgctneincn  Oiitcr^  ^*"^"*  ^"^^ 
gcmeinfc^aft,  fo  aud&  bei  ber  ©rrungenfd&Qftögemeinfddaft  ber  e^efrau  in  ain^  ***  ^mT"^  ' 
fe^ung  bed  (Sefammtguted  boö  SRed^t  auf  ^uSeinanbetfegung  unb  älbfonberung 
na^  äRaggabe  ber  §§  14,  44  ber  Jlonf.  O.  gänglic^  ju  Derfagen  unb  ba^ 
©efammtgut  ate  J^^eil  bcr  ßonlurömaffe  ju  bclianbeln.  2)icfe  9lrt  ber  SRcgetung 
ifi  bei  ber  Srrungenfc^aftdgemeinfd^aft  fogar  nod^  in  f)ö^erem  9)lage  a(d  bei 
bcr  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  burd^  bie  SRfldEfid^t  auf  baß  3»itereRe  ber 
©laubiger  geboten,  weil  bicienigen  Ocfammtgutöoerbinblidifeitcn,  raeld^e  im 
Ser^Itniffe  ber  ©Regatten  ju  cinanber  nic^t  bem  ©efammtgute,  fonbcrn  bcm 
ermanne  jur  2aft  fallen  (§  1426  SHbf.  2)  unb  bcrcn  SBefricbigung  auö  bcm 
©efammtgute  bei  ber  äludeinanberfegung  megcn  bed  (enteren  nad^  §  1429 
Sbi  1  in  aScrbinbung  mit  ben  §§  1376,  1377  9lbf.  1  auf  aSerlangcn  ber 
G^frau  auögefd^loffen  ift  (ocrgt.  bie  2)lotiüc  ju  §  1377  oben  ©.  412),  bei 
ber  6rrungenf(^aftögemeinfd&aft  nod)  weit  jal)lreid)cr  finb,  alö  bei  bcr  all^ 
semeinen  ©utergemeinfdiaft.  ^ad  SRc(^t  ber  @^efrau  auf  ^tiSetnanbcrfegung 
unb  3lbfonberung  tonnte  mitt)in  bal^in  füfiren,  bafe  bie  G^cfrau  in  ni^t 
feltenen  §oHen  einen  2^^cil  ber  il|r  äuftc^enbcn  |)ä(fte  bcö  ®cfammtgutcö 
erbalten  würbe,  wä^renb  bie  bejeid^ncten  ©efammtgutöglöubiger  bcd  @^cmanncd 
ttid^t  §ur  Sefriebigung  gelangten,  ©in  fold^cö  3lcfultat  ift  aber  mit  bcr 
Jenbenj  ber  neueren  ®efe|gebung,  inöbefonbcrc  aud^  ber  Äonf.  D.,  bie  (Sf)c^ 
frau  Dor  ben  ©laubigem  beß  C^emanncö  nid^t  ju  beoorjugen,  nid()t  ücreinbar. 
5ür  bie  Siegelung  bcö  ßntrourfcö  !ommt  ferner  in  Sctrad^t,  bafe  bei  ber 
&rrungenfd^aftßgemeinfd^aft  ber  bem  ©cfammtgute  jufallenbc  (Srrocrb  in  ber 
Segel  wn  bem  G^emannc  l|crrüt)rt,  namcntlid^  in  bcn  häufigen  fällen,  in 
»el^  ber  le|tcre  ein  ßnoerbögefd^äft  betreibt,  unb  bafe  fein  ©onbergut  in 
Solge  feiner  SSerroaltung  unb  3;f)ätigfcit  uicl  häufiger  unb  umfaf^cnbcr  in 
@efammtgut  i^ermanbelt  loirb,  alö  bicö  mit  bcm  (Sonbcrgutc  bcr  ($t)efrau  bcr 
gaU  ift.  üRit  bem  SRed^te  auf  Stuöeinanbcrfefeung  unb  9lbfonberung  in  9lm 
fe^ung  beö  (Sefammtguteö  mürbe  mit{)in  bcr  S^cfrau  in  jal^lrcidEicn  gölten 
jum  92ad^t^eile  ber  ©laubiger  bcö  &l)emanncö  ein  bicfen  üorgcl^enbcö  dicdjt 
auf  einen  änt^eil  an  bcm  uon  bcm  ©bemanne  tierrül^renbcn  SBcrmögcn 
gegeben.  Merbingö  mufe  bei  bcr  SRcgclung  bcö  Giitrourfcö  bie  ®^cfrau 
bulben,  bafe  aud^  bie  Dor  ©intritt  bcr  Grrungcnfd^aftögcmcinfdöaft  cntftanbcncn 
Serbinblid^feiten  beö  G^emanncö,  obroot)l  bicfelbcn  im  SBcrl|ältniJ|c  bcr  Gf)c^ 
gatlcn  }u  cinanber  regelmäßig  bcm  ©fjcmanne  jur  Saft  fallen  (§  1426  3lbf.  2 
Sr.  2),  auö  bcm  ©efammtgute  bcfricbigt  merbcn;  inbeffen  ift  baö  ©Icid^c 
nac^  §  1423  «bf.  1  oerb.  mit  §  1424  3Ibf.  1  unb  §  1360  3lbf.  1  aud^  außer* 
batb  bcö  Äonfurfeö  ber  ^all,  mcnn  jene  ©laubiger  im  3Begc  ber  3^cingö:! 
PoDftrectung  bie  Sefriebigung  auö  bcm  ©efammtgute  fud^cn. 

35a  nad^  §  1429  9lbf.  2  mit  bcr  3le(^tßfraft  beö  S3efd;luf[cö,  burc^  C\*'r"ut 
loelc^n  ber  Äonturö  über  baö  SBcrmögcn  eröffnet  mirb,  bie  6rrungcnfd}aftö*  bw^'c^^Träu. 
gemeinfc^aft  fraft  beö  ©cfefteö  aufgcloft  mirb,  fo  ocrftcl^t  eö  fic^  uon  fclbft, 
bo§  mit  jenem  3^itpuJitte  für  bie  G^cfrau  bcr  9lnfprud)  auf  §craußgabc  if)rcß 
conbcrgutcö  nad&  SWaßgabe  ber  Scftimmungcn  bcr  Äonf.  D.  über  bie  Sluö^ 

SXsttM  I.  bfirgcrf.  &efe«bu4  IV.  34 


530  errunöcnfd&aft2flcmeinf(6aft    Unterl&altö^jfK^t.    §  1425. 

fonbcrung  bcgrünbet  ift.  3n  golgc  bcr  Säuflbfung  ber  ©cmeinfd^aft  werben 
aber  a\i6)  btejenigen  ©rfa^anfprüd^e  ber  @^efrau^  toeld^e  i^r  nad^  Sßaggobe 
beö  §  1417  üerb.  mit  ben  §§  1294,  1295,  foroie  beö  §  1420  gegenüber  beut 
©efammtgute  bei  Sfuflöfung  ber  ©emeinfd^aft  juftel^en,  fällig,  unb  fann  fte 
biefe  äfnfprüd^c  foroie  fonftige  il^r  gegen  boö  Oefammtgut  bejro.  ben  (Seemann 
juftcf)enbe  ©rfaßanfprüc^e  ate  Äonfuröglöubigerin  gcitenb  mad^en.  änbercr- 
feite  ift  aud^  bie  e^efrau  jur  ©rfüllung  ber  i^r  auf  ®runb  be«  §  1420  bei 
3lufföfung  ber  Oemcinfcboft  obliegenben  ©rfofeoerbinblid^feiten  Derpflid&tct. 
S)iefe  QUO  anberen  33eftimmungen  [x6)  ergebenben  Äonfequenjen  brauchen 
inbeffen  im  ®efe|e  n\6)t  befonberd  audgefprod^en  )u  merben. 
Äonfuraber  3.  S)ie  Weitere  Seftimmung  beö  §  1424  Slbf.  2,  bafe  im  gaDc  be« 

®^*^""-  Äon!urfeö  über  baö  Vermögen  ber  (g^efrau  bic  SBorfc^rift  bed  §  1361  Sbf.  2 
entfpred^enbe  Slnmenbung  pnbet,  beruht  auf  ben  gleid^en  Orünben,  wie  bic 
lefetgcbad^te  95orfd^rift.  ©ö  wirb  in  biefer  Sejiel^ung  auf  bie  aRotioe  ju  §  1361 
oben  ©.  373  33ejug  genommen. 


§  1425. 

unter^üits»  SOBä^reub  bcr  Unterhalt  ber  gemeinfd^aftlid^en  Slbtommlinge  üon  ben 

ber  Ättcn  Mtc^enben  JRed^ten  allgemein  als  ein  2:i^eil  beö  e^eüd^en  Slufroanbeö  unb 
gegenüber  ben  ^Q^cr  olö  ciuc  Ocmcinfc^aftölaft  bcl|anbelt  mirb,  roeid^en  bie  beftel^enbcn  Siedete  in 
en.  ^^  g3e^anblung  ber  gefefefid^en  Unter^altöpflid^t  ber  ©Regatten  gegenüber  ein- 
feitigen  äSermanbten  ber  Ie|teren  von  einanber  ab,  inbem  fie  biefe  Unter^oltöpflic^t 
tfieilö  alö  eine  ©onberfd&ulb  beö  bctreffenben  ©Regatten  (Dcrgt.  Sleubauer,  3wf. 
©.  116  9lnm.  9),  t^eilö  atö  eine  ®emeinf(^aftölaft  auffafjcn  (üergL  code  dvü 
airt.  1409  3lt.  5  unb  boju  bie  2ßotiDe  ju  §  1363  oben  ©.  376;  ferner  roürttemb. 
®ntm.  §§  103  ff.).  2)ie  ®rünbe,  meldte  bei  ber  allgemeinen  ®ütergemeinfdbaft  in 
ber  ^ier  fraglid^en  Seiiel^ung  ju  ben  SBorfc^riften  beö  §  1363  geführt  ^ben, 
treffen  aud^  bei  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  }u.  @ö  mirb  in  biefer  SSesiei^ung 
auf  bic  aKotiüc  ju  §  1363  oben  ©.  376  ff.  Sejug  genommen.  SSBie  bcr  §  1454 
3lbf.  2  crgicbt,  finben  bie  SBorf^riftcn  ber  §§  1425, 1363  auä)  auf  ben  im  §  1454 
^bf.  1  anerlannten  Untcrl^altöanfprud^  beö  gef(^iebenen  ©Regatten  gegen  ben 
allein  für  ben  fd^ulbigcn  ^^eil  erhärten  anberen  ©Regatten  entfprec^cnbe  Km 
menbung. 


§  1426. 

©emeinfwt*  2)ie  Scftimmungcu  beö  §  1426  berufen  materiell  auf  bem  ®ebantcii, 

©Ifammt^  ^^6  bicjcnigcn  ®efammtgutöi)erbinbli^feiten  im  SSer^ättniffe  ber  ©Regatten  ju 

guttoerbinb*  cinaubcr  bcm  ®efammtgute  jur  Saft  fallen,  meiere  entmeber  non  einem  bcr 

«ritT"    ®^^9^**^  inncrlialb  ber  ®ren5cn  feincö  SBerroaltungöred^teö  für  bie  beftim- 

mungömäfeigcn  B^ede  ber  @rrungenfd^aftögcmeinfd&aft,  alfo  namentlid^  jum 

3mcdEc  bcr  Seftrcitung  beö  c^etidden  Slufmanbeö  (§  1419),  bcr  im  §  1418  bc- 

icid^netcn  Sluögaben,  fomic  berienigen  äluögabcn,  meldte  jur  Sr^altung,  Scp 

maltung  unb  ^ermc^rung  beö  ®efammtguteö  bienen,  eingegangen  finb,  ober 

roeld^c  fraft  beö  ©efefeeö  bctn  ®efommtgutc  jur  Saft  füllen,    3m  ^^nnjipc 


errun0cnf(i6aft&flcmcinfc&aft.    ©cmcinf^aftlid&feit  b.  SScrbinbl.   §1426.       531 

ftimmcn  bomit,  loic  fid^  auö  bcr  in  bcn  5Kotit)cn  ju  §  1423  oben  ©.  519  ff. 
mitget^eiücn  Uebcrfid^t  crgicbt,  auä)  bie  bcftcl^enbcn  3tt6)tt  übcrcin.  3m 
©injefncn  fommcn  bicfclbcn  allcrbiugö  auf  ©ninb  jenes  ^rinjipeö  jum  ^l^eil  jii 
onbercn  SRefultotcn.  @d  ^ongt  bieö  nomentUt^  bomit  jufammen,  bafe  ftc 
in  fonftigm  grunblegenben  S^agen,  inöbefonberc  fouiel  bic  ©renjen  bcö 
bem  gemannt  juftel^enben  SSenDoItungdred^ted  unb  bie  red^tlid^e  93erQntn)ort' 
lui^Icit  bcfi  @^emanncö  bei  Sluöübung  fcineö  SSermoItungörcd^tcö  nnb  bei  bcr 
SJefrimmung  beö  e^etid^en  Slufroonbeö  betrifft,  uon  bcm  ©ntmnrfc  abroeid^en 
(oergl.  bic  fc^r  inö  ®injelne  ge^enben  SSorfd^riften  bcö  mürttcmb.  ©ntro. 
§§  31—114).  Auf  Orunb  bcö  bcjcid^nctcn  ^rinjipeö  in  SBerbinbung  mit  bcn 
@runbffi^cn  bcö  @ntn)urfeö  über  boö  SJcrmaltungörcd^t  bcö  @^cmanneö  unb 
bie  red^tlid^c  9lid^tDcrQntn)ort(id^feit  bcdfc(ben  für  bie  ^iuöübung  jcncö  Sfcd^tcö 
gegenüber  bcr  @^cfrau  (§  1417  T)erb.  mit  §§  1352,  1353,  1364)  finb  üom 
Stanbpunftc  bcö  ©ntrourfcß  auö  aUc  t)on  bcm  6l;cmannc  roäl^rcnb  bcö  Se^^ 
ftc^nö  ber  (Scmcinfd^aft  eingegangenen  SSerbinblid&feiten,  fomeit  bicfclbcn  über« 
^oupt  roirffam  fmb  (oergt.  §§  1417,  1353),  ou^  im  SScrJ^ältniÖc  bcr  (g^e* 
gotlcn  )u  cinanbcr  ©efammtgutöocrbinblid^fcitcn,  cö  fei  bcnn,  bog  fic  nad^ 
SRafegabc  bcö  §  1426  3lbf.  2  SRr.  1  auf  baö  SSorbc^attö^  ober  ©onbcrgut  bcö 
C^anncö  ficl^  bejic^en.  ferner  fallen  int  35er^ältnif[c  bcr  6ljicgatten  ju 
cinanbcr  bcm  ©cfammtgute  jur  Saft  bic  SBcrbinblid^feitcn  ber  6l;cfrau  an^ 
Äc^tögcfc^ftcn,  meldte  bie  lefttcre  mä^rcnb  bcfte^cnbcr  ©cmcinfd^aft  mit  ©in- 
nrilligung  ober  ©enc^migung  bcö  (S^cmanncö  gcfd^loffcn  I|at  ober  mtlä)t  an& 
einem  mit  SinmiOigung  beö  (S^emanncö  von  ber  @^cfrau  fclbftänbig  bc^ 
tricbcnen  ©rmcrbögcfd^äftc  ^crrül^rcn,  fofem  jene  35erbinbtid)fciten  ber  ©ficfrau 
nic^t  unter  bic  im  §  1426  3lbf.  2  3lx,  1  bezeichnete  9luönal|me  fallen,  foroic 
bie  im  §  1423  3lbf.  3  gebadeten  SBcrbinblic^fciten  bcr  ß^efrau  aM  SRcd^tö- 
gefc^äftcn,  meldte  bic  lc|tcrc  o^ne  @inmilligung  ober  ©cnclimigung  bcö  (S^c^ 
raanncö  vorgenommen  ^at,  foroeit  baö  Oefammtgut  baburd^  bcrcid&crt  ift.  S)en 
Serbinblid&fcitcn  bcö  ©^cmanneß  imb  bcr  S^efrau  auö  SRcc^tögefd^öftcn  ftetjcn 
inner^Ib  ber  gebadeten  ©rensen  bic  Scrbinblid^feitcn  gleid^,  meldte  auö  Sfed^tö^ 
jlrritigfcitcn  entftanben  finb.  SBcitcr  gcliörcn  ju  bcn  Ocfammtgutöoerbinblidi' 
feiten,  bie  im  SBcrliSltniRc  ber  ©liegattcn  ju  cinanbcr  bcm  Ocfammtgutc 
jur  Saft  fallen,  bie  SSerbinbli^fcitcn,  meldte  ju  bcn  nadd  bcn  SBorfd^riften  bcö 
§  1418  oon  bcm  ©cfammtgute  ju  tragenbcn  Saften  cineö  ©onbcrgutcö  geboren 
ober  in  golgc  cineö  SRcd^tcö  ober  bcö  SBcfißcö  einer  ©ad^e  entftanben  finb, 
welche  gu  bcm  Ocfammtgutc  ober  ju  einem  ©rmcrbögcfd^äftc  geboren,  boö 
oon  einem  ber  ©Regatten  mit  feinem  ©onbcrgutc  für  9icd^nung  bcö  ©cfammt- 
gutcö  betrieben  wirb,  fomic  bic  nadf)  SRafegabc  bcr  §§  1425, 1363, 1454  9lbf.  2 
bcm  ß^emonnc  oblicgenbc  gcfcglic^e  Unter^altöpflid^t  gegenüber  bcn  eigenen 
Serroanbten,  bcn  SBcrroanbten  bcr  ß^cfrau  unb  einem  gcfd^icbcncn  früficren  (5^e= 
gölten  beö  e^emonncö  ober  bcr  ®^cfrau,  foroeit  ni^t  bicfc  Untcrl^oltöpflic^t 
in  gotge  bcö  8cfi|cö  oon  aSorbc^altö*  ober  ©onbcrgut  bcgrünbct  ober  ocr^ 
grblert  ift  (Dcrgl.  in  biefcr  ^^infid^t  bic  3Rotioc  ju  §  1316  oben  ©.  263  unb 
yd  §  1367  oben  ©.  286).  änftott  bic  Ocfammtgutöoerbinblid^fcitcn,  mctdöc 
im  33er^fi(tni{fe  ber  ß^egatten  ju  cinanbcr  bcm  Ocfammtgutc  jur  Soft  fallen, 
im  @efe|e  einjcln  oufiujäl^lcn,  l^ot  übrigens  bcr  ©ntmurf  bcn  tl)atfäd^ti4icn 

34^ 


532  Srrun0enf4aftiPOctncin|(]&aft.    3luöftattunö.    §  1427. 

$8erl^Qltniffcn  cntfpredöenb  unb  int  3Inf(^lufjc  an  §  1367  3tbf.  1  bcn  SDBcg  cim 
gcfdölagen,  qIö  SRcgcI  ben  ®a^  l)injufteDcn ,  bofe  bic  ©cfammtgutöocrbinbUc^* 
feiten  auä)  im  35crf|ältniffc  bcr  ©Regatten  ju  cinanbcr  bem  ©cfammtgutc  jur 
Saft  fallen,  banebcn  aber  bie  3(iiöna^men  von  biefer  Siegel  fpcjiell  ju  be- 
ftimmcn.  ®ö  beruht  biefc  9lrt  ber  Siegelung  auf  öJ^nlid^cn  ©rmägungen,  loic 
bicjenigen,  roeld^e  bcn  ©nliüurf  Dcraiitafet  ^aben,  bei  ber  Seftimmung  bcd  S3c* 
griff e§  ber  ©rrungenfd&aft  von  ber  Siegel  außjugcl^en,  bofe  bad  35crm5gen, 
roeldieö  ber  (Seemann,  unb  baö  SBcnnögen,  roeldicö  bie  ß^efrau  roä^rcnb 
bcö  Sefte^enß  ber  ©rrungenfd&aftögemeinfd^aft  erwirbt,  ©cfammtgut  wirb, 
unb  bancben  bie  35ermutl|ung  anjucrfennen,  bafe  baö  Dor^anbenc  33cr« 
mögen  ©cfammtgut  ift  (üergl.  §  1411  äbf.  1,  §1421  aibf.  1;  SWotiDe  ju 
§  1411  oben  ©.494  ff.).  3lnlangenb  bie  cinjetuen  im  §  1426  3[bf.  2  bc* 
Ausnahmen,  ftimmteu  Sluönabmeu  t)on  ber  SRegel  beö  §  1426  9lbf.  1,  fo  entfpred&cn  bie 
5lr.  1,  3—5  ben  Sßrn.  1—4  beö  §  1367  9lbf.  2.  aSegen  ber  33egrünbung 
ber[elben  im  ©injelnen  mirb  auf  bie  SWotioe  }u  §  1367  oben  ©.  385  ff.  Sejug 
genommen.  S)ie  im  §  1426  3Ibf.  2  unter  9lr.  2  beftimmte  weitere  STuö* 
na^me  bcrul^t  auf  bem  befd^ränften  3"^^*^  ber  ®rrungenfd^aftägemeinfdbaft. 
2)ie  33efd)ränfung  ber  9Jr.  2,  3  auf  bic  aSerbinblid&feitcn  beö  ß^emanncö  ^at 
barin  il^ren  ©runb,  bafe  bie  gleid^en  aSerbinblid^teitcn  ber  (S^efrau  bei  ber  Sr^ 
rungeufdjaftögemeinfd&aft  —  abmeid^enb  üon  bcr  allgemeinen  Outcrgemeinf^aft 
(§  1362)  —  nad^  §  1423  9lbf.  2  überljaupt  ®efammtgutöoerbinblid)feitcn  nid^t 
fmb.  3»  2lnfcl)ung  ber  folgen,  xotliyt  ficb  barauö  ergeben,  bafe  eine  (Sefammt- 
gutöDerbinblid)Eeit  im  SBer^ältniffe  ber  ©Regatten  ju  einanber  bem  Ocfammt? 
gute  }ur  Saft  fällt  ober  nid^t,  mirb  auf  bie  aSotioe  ju  §  1367  oben  ©.  384  ff. 
Dcrmiefen. 

§  1427. 

ausfiottuna  2Bie  bei  ber  allgemeinen  (Sütergemeinfd^aft  (§  1368),  bc^aubclt  bcr 

bcn  e^cmann.  ®"^'^"^'f  ^"^  ^^^  ^^^  ©rrungeufcbaftsgemcinft^aft  bie  3«fi<i^ning  ober  ®c* 
Währung  einer  bcn  SBer^ältniffen  beö  ©efammtgutcö  entfpred^enben  ^[uöftattung 
nac^  SKaggabe  beö  §  1500,  ot)ne  jmifd^cn  gemeinfd^aftlid^en  unb  einfeitigen 
Äinbern  5U  unterfcbeiben,  alö  eine  ©efammtgutölaft.  Sic  ©rünbe  für  bicfe 
2lrt  bcr  Sc^anblung  finb  biefelbcn,  raelcbc  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeim 
fd^aft  JU  bcr  SSorfd^rift  beö  §  1368  geführt  l^abcn.  33ci  ber  ©rrungenfdböftö* 
gemeinfd}aft  liegt  bie  ©ad^e  allcrbingö  infofern  anberö,  alö  bei  berfclbcn  boö 
Ocfammtgut  regelmäßig  nur  auö  ben  laufenben  ©innal^men  gebilbct  wirb, 
2lusftattungcu  aber  nid^t  auö  bcn  laufenben  ©inna^men,  fonbern  auö  bem 
©tamme  beö  S5erm5genö  gegeben  ju  merben  pflegen.  3nbeffen  fann  auf  bicfcn 
Untcrfd^icb  auö  ben  in  ben  aWotiocn  ju  §  1417  oben  ©.  507  l^ierüorgc^obcncn 
®efid)töpunften  in  9tnfel)ung  bcr  ätuöftattungen  ebcnfomenig  burd^fd^lagenbeö 
©eroic^t  gelegt  merben,  wie  in  9lufel^ung  fold^er  auö  bem  ©cfammtgutc  gcs 
n)äl)rter  ©d)cnfungen,  roc[d)c  burd^  eine  fittlicbe  ober  auf  bcn  Slnftanb  5u 
ncljmcnbe  Slüdffidjt  gered^tfertigt  merben.  3[ud&  von  bcn  auf  bem  Soben  ber 
partifutären  ©ütcrgemcinfd^aft  ftcl^enben  Siedeten  mirb  bie  ©emä^rung  einer 
Sluöftattung  an  gemciufdjafKidjc  Slinbcr  vkl^a^  alö  ©cmeinfd^aftölaft  bejubelt. 


Srrunocnf^afiööcmeinfd&aft.    ©eoenfeitioc  Slnfprücje.    §  1428.  533 

n\ä)i  bogegcn  bic  ®exüSf)X\ir\Q  einer  Sluöftathmg  an  einfeitige  Äinber  (ücrgl. 
inöbef.  nmrttcmb.  S.  dt.  IV,  13  §  1 ;  code  civil  9lrt.  1438, 1439 ;  roürttcmb.  Qnixo, 
§§  99—102,  47,  103  ff.;  l[|eR.  entro.  Slrt.  512,  448,  449).  2Me  (Srünbe, 
Qiid  roetd^en  ber  (Sntrourf  eine  fotd^e  Untcrfd^eibung  l^ier  wie  bei  bcr  allgemeinen 
©ütergemcinfd^aft  afö  angemcffen  nid^t  crad^tet  fiat,  finb  in  hcn  aKotiüen  ju 
§  1365  S.  383  bargcicgt. 


§  1428. 

SSBegcn  bcr  Segrünbung  beß  §  1428  wirb  auf  bie  SRotiDe  ju  §  1369  3eit 

oben  ©.  390  93cjug  genommen,   roo  in  bcr   l^icr  fraglicf)cn  Sejic^ung  aud)  'matjuna ' 

bie  Siedete  bcr  partifulären  ©ütergcmcinfd^aft   bereits  33erttc!fidötigung  ge-  ^Jf„?//a^^^^ 
funbcn  ^aben. 


§§  1429,  1430. 

1.  9HIc  befte^cnben  Siedete  ftimmen  barin  überein,  bag  bie  (Snimgen^  «ufiafuna«* 
fd^aftegemcinfd^aft  burd&  ben  koh  eincö  bcr  ©l^egattcn  unb  burJ;  Sd^cibung     ®''""*'*' 


bcr  e^c  aufgcloft  wirb.  3iaä)  ben  meiftcn  Siedeten  mit  (grrungcnfd^afts^  ®'"'"^'' 
gcnicinfd^Qft  fann  ferner  bic  äluflofung  bcr  ©cmcinfdjaft  burd^  6(;coertrag 
wreinbart  werben.  9lad^  bem  prcu^.  21.  2.  91.  ift  icbod^  bie  t)crtvagsn)eife 
Inf^cbung  bcr  auf  ?Proi)injiaIgefeften  ober  Statuten  fid)  grimbcnbcn  ©rrocrbö^ 
gcmcinft^aft  —  im  Ocgenfage  ju  ber  auf  SScrtrag  berul^cnbcn  — -  regelmäßig 
auögcfd^IoRcn  (preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §§  413,  419),  unb  baö  franj.  9ied^t 
(Code  civil  3trt.  1395)  ücrbictct  nad^  ©ingel^ung  ber  6l^c  übcrl^aupt  bic 
Scnbcrung  cineö  oorlder  gefc^Ioffenen  S^eoertragcö  (ocrgl.  bcö  9Jä^eren  bic 
ORotioe  JU  §  1333  oben  ©.  305  ff.). 

Stif  einfcitigen  Sfntrag  cineö  ©l^cgattcn  finbet  mä^rcnb  bcr  6^c  eine 
Sfufßfung  ber  ®rrungenfd^aftsgemcinfd()aft  regelmäßig  nidjt  ftatt ;  bod^  gcftattcn 
cinjcinc  Siedete  icbcm  bcr  6l)cgatten,  unter  gcroijfcn  SSorauöfcßungcn  bei  SScr- 
mögcndperfaD  bcö  onberen,  inöbcfonbere  im  gallc  bcr  Ronfuröeroffnung,  bie 
Sup^etong  ber  ®emeinfd&aft  ju  ücrtangen  (bamberg.  £.  9t. ;  prcufe.  91.  S.  91.  II,  1 
§§  420,  392,  410,  421).  ©injelnc  anbcre  9lccf)tc  geben  nur  bcr  6l;cfrau  baö 
9lc(^t  bei  98crm6genßoerfaD  bcö  ©l^cmanncö  bic  Shif^ebung  bcr  (Scmcinfd^aft 
JU  oertongen.  6ö  gel[|oren  bafiin  baö  anöbad).  9lc(^t,  baö  mürttemb.  9lcd^t  foroie 
bofi  fronj.  unb  bab.  9led^t  (code  civü  9lrt.  1443;  §  40  bcö  bab.  9luöf.  ®ef. 
iu  ben  91.  3uft.  ©efefeen  t).  3.  aJlärj  1879).  Srnlangcnb  inöbcfonbere  ba^ 
ofirttemb.  9lc(^t,  fo  ift  cö  bcftrittcn,  ob  nid)t  bmd)  bic  ©röffnung  bcö  .fton^^ 
furfcÄ  über  baö  SScrmogen  bcö  ®^emanncß  bic  ©rrungcnfdjaftögcmeinfd&aft 
froft  bed  ©cfegeö  aufgel^obcn  mirb,  nad^  Scenbigung  bcö  Äonfurfcö  jcbod)  in 
@rmQngcIung  einer  anberroeitcn  SScrabrcbung  ftillfd^racigcnb  t)on  fclbft  micbcr 
eintritt.  3n  biefcr  STrt  ift  baö  SBcrljältniß  Don  bcm  miirttcmb.  ©ntn).  §§  165, 
226,  234  geregelt.  Äeinem  S^^^if^^  unterliegt  eö  übrigenö,  baß  axiä)  mä)  bcm 
ffcltenben  tourttemb.  9icd^tc  bie  ©l^cfrau  —  von  gcroif^cn  9luönaf)mcn  ab« 
gcfe^  —  foroo^t  im  gatlc  ber  ©röffnung  bcö  Äonfurfcö  über  baö  ^Bcrmögcn 
bei  (S^etnonneö,  alö  aud^  außcrljalb  bcö  Äonfurfcö,  menn  bcr  (Seemann  ein 


534  errunöcn[4aftööemcmf*aft.    äufföfung.    §§  U29,  1430. 

ocrfdörocnbcrifd^eö  £ebcn  fül^rt  unb  baburd^  bereite  eine  er^cblid^e  ©inbufee 
cntftanben  ift,  burc^  3(nrufunfl  ber  fog.  lociblid^en  grei^eitcn  bie  Stuflöfung 
ber  ®rrunflcnf^aftögemeinf(^aft  mit  ber  SEBirfung  l^crbeifü^ren  fann,  bafe  bie 
gefammte  (Srruiigenfd^aft  bem  ©bemanne  Qudfd^Ueg(i(^  jufäUt^  bie  @^efrau 
aber  t)on  ber  SSerbinbUc^feit  bie  e^e(id^e  ©inbuge  unb  bie  Sojialfd^ulben  )ur 
$ä[ftc  ju  tragen,  foroeit  fte  für  bie  legteren  nid^t  nad^  allgemeinen  ®runb« 
fägen  perfonlidö  l^aftet,  befreit  wirb  (oergt.  6ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  6ioUf.  IX,  19); 
ftreitig  ift  bagcgen,  ob  bie  ©rrungcnfd^aftögemeinfd^aft  nad^  S3eenbigung  be« 
Äonfuröoerfal^rens  üon  fclbft  mieber  eintritt  ober  in  ©rmangelung  einer  anber- 
TOeiten  SSereinbarung  ooUftänbige  ©ütertrcnnung  ftattfinbet. 

3)a6  nad^  T)erf^iebenen  SRed&ten  mit  ©rrungcnfd^aftegemeinfd^aft  im 
^alle  bauernber  93erl^inberung  bes  (Sf^cmanned,  namentßd^  im  §aQe  bauernber 
Slbmefenlieit  beö  (enteren,  baö  93erroaItungöred&t  in  3[nfel^ung  bed  Oefommt? 
gutes  auf  bie  ß^efrau  übergcfit,  rourbc  bereits  in  bcn  SRotiüen  ju  §  1417 
oben  ©.  510  l^erüorge^oben. 
stanbpunft  2)er  ©utTOurf  gebt  junäd^ft  baoon  auö,  ha^  außer  im  gallc  ber  Sluf* 

(sntimufed.  löfuug  ber  ®^e  aud^  in  benjenigen  göHen,  in  meldten  fogar  bie  Sfuflofung 
ber  allgemeinen  ®ütergemeinfd^aft  erfolgt  (§§  1371,  1372),  bie  Sluflöfung  ber 
(Srrungenfc^aftßgemeinfddaft  eintritt  (§  1429  Slbf.  1).  Slufeerbem  foB  aber  im 
Slnfd^luffe  an  bie  Seftimmungen  beö  gefetlic^en  elielid^en  Oüterred&tcö  über 
bie  Secnbigung  ber  e^clid^en  SRufeniefeuug  unb  SBermaltung  (§§  1327,  1328 
biß  1330)  bie  3luflöfung  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  unb  S^rennung  ber 
Oüter  in  benjenigen  nid^t  fd^on  burd^  bie  entfprec^enbe  Slnroenbung  ber 
§§  1371,  1372  gebedften  göUen  eintreten  bejro.  Don  ber  ®^efrau  ueriangt 
roerben  fönnen,  in  meieren  nad^  [cntn  33eftimmungen  bie  Scenbigung  ber 
cljclidöen  Jlugniefeung  unb  SBcrmaltung  unb  2^rennung  ber  ®üter  traft  bc6 
Oefefeeö  ober  auf  3lntrag  ber  e^efrau  erfolgt  (§§  1429  3lbf.  2-4).  X'iefe 
©lei^fteHung  ber  ©rrungenfdöaftögemeinfd^aft  mit  bem  gefeftlid^en  c^eticften 
(Süterred&te  in  9lnfel|ung  ber  9luflöfungögrünbe  red&tfertigt  fid^  burd^  bie  ©r* 
mägung,  bafe  bie  erfterc  geroiffermafeen  nur  als  eine  3)iobififation  bes  leiteten 
fid^  barftellt,  anbererfeitä  bie  9tufeniefeung  unb  SBerroaltung  beö  ©bemanne«  in 
9(nfef|ung  bed  Sonberguted  ber  @^efrau  für  9led^nung  bed  ®efammtguted  ein 
fo  mefentlic^eö  Clement  ber  ©rrungenfd^aftögemeinft^aft  ift,  ba§  bie  Icfttere 
o^ne  jene  9iu|niefeung  unb  SBerroaltung  nid^t  fortbefte^en  fann.  3"^  ^inWirfe 
auf  bcn  burd^  §  1429  3lbf.  1  für  entfpred^enb  anmenbbar  erflärten  §  1372 
9Jr.  3  ift  im  §  1429  3lbf.  3  bie  9lr.  2  be«  §  1328  nid^t  attegirt  ©rfolgt  bie 
aiuflöfung  ber  (Srrungenf^aftögemeinfd^aft  auf  ©runb  beft  §  1429  «bf.  3,  fo 
finbet  nad^  §  1429  3lbf.  1  ber  §  1381  cntfpred)enbe  Slnroenbung.  äu«  biefem 
©runbe  fommt  für  bie  gälle  beö  §  1429  äbf.  3  ber  §  1330  nid^t  in  »ctrac^t. 
iionhird  bes  Slnlangeub  inöbefonbere  bie  Seftimmungen  beö  §  1429  3lbf.  2,  ba|  bie 

ei^emaunc«.  3(^,fi5,-^j„g  jj^^  ©rrungeufc^aftögemeinfc^aft  auc^  mit  ber  SRec^töfraft  bed  »c« 
fc^lujfeö  erfolgt,  burdi  meldten  ber  Konfurd  über  baö  93ermögen  beö  @^emanncö 
eröffnet  mirb,  unb  mit  ber  ßrlajfung  beö  Urt^eileö,  burd^  n)eld^cö  ber  Gftt- 
mann  für  tobt  crFlärt  mirb,  fo  treffen  bie  entfc^eibenben  ©rünbe,  qM  toelc^n 
na6)  bem  Gntrourfe  in  jenen  gälten  bei  ber  allgemeinen  ®ütergemeinfd(iaft  bie 
3luflöfuug  bcv  leßtercn  nic^t  eintreten  foU  (oergl.  bie  SRotioe  ju  §  1371  ©.  393  unb 


grrui!öcnf4aftt0cmrinf*aft    Slufröfung.    §§  1429,  1430.  535 

}u  §  1372  oben  ©.  398),  bei  her  ©rrungcnfd^Qftögcmcinfd&oft  nid^t  ju.  S)aä  burd^ 

bic  allgemeine  Oütergemeinfc^aft  begrünbete,  regelmäßig  baö  ganje  SSermögen 

I        ergreifenbe  aSer^ältnife  ift  ein  Diel  innigcreö,  atä  bieö  bei  ber  ©rrungenfc^aftö^ 

I        jfmeinf(|aft  ber  55^11  ifh    3)ie  3luflöfung   ber  erfteren  ffat  ba^er  weit  ein- 

i        fc^neibcnbere  folgen,  alö  bie  Sluftöfung  ber  legieren.   33on  befonberem  (Semid&te 

!        ift  in  biefer  Sejiel^ung,  baß  mit  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  nid^t,  wie  bei 

I        ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft,  ein  befonbereö  gütergemeinfd^aftlid^eö  ©rb^ 

wd&t  wrbunben  ift.     9lud^  nad^   ber  SRcl^rjal^l  ber  beftefienbcn  Siechte  ift 

namentli^  ber  ©roffnung  beö  Ronlurfed  über  baö  aScrmögen  beö  ©^emanneö 

me^r  ober  weniger  ein  ©influfe  ouf  bie  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  bejm.  auf 

bie  Siebte  beö  ©bemanne«  eingeräumt.    S^^^if^l^öft  ff^nn  eö  aUerbings  fein, 

ob  namentlid^  im  galle  ber  ©röffnung  beß  Äonfurfeö  über  baö  SBermögen  bes 

e^anneö  bie  3luflöfung  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfd&aft  fraft  beö  ©efefeeS 

ober  nur  auf  Verlangen  ber  @^efrau  eintreten  f oU.  ®d  läßt  [x6)  nid^t  ncrfennen, 

baß  ber  lefttere  SBeg  an  fidd  bem  äBefen  ber  ©rrungenfc^aftögemeinf(^aft  me{)r 

cnifpre^n  mürbe  unb  baß  ber  ©^efrau  bie  fraft  Oefefeeö  cintretenbe  3luf? 

löfung  ber  ©rrungenfc^aftdgemeinfd^aft  megen   be3  i^r  baburd^  entgel^enben 

Anteile«  an  bem  fpäteren  ©rmerbe  beö  @f)emanned  unter  Umftänbcn  nad^* 

t^eilig  unb  unermünfd^t  fein  tann,    9luf  ber  anberen  ©eite  fommt  inbeffen  in 

33etro(i^t,  baß,  menn  bie  StuflSfung  ber  ®rrungenf4iaftögemeinfd^aft  im  galle 

ber  ©röffnung  beö  jtonfurfeö  über  baö  Vermögen  beö  ©^emanneö  traft  beö 

@efc|eö  eintritt,  baö  SSer^ältniß  fid^  meit  einfad^er  geftaltet  unb  namentlid^ 

im  3ntereffe  ber  g^efrau  megen  ber  if|r  nad^  ben  §§  1417,  1294,  1295, 1420 

iufte^enben,  aber  erft  bei  Stuflöfung  ber  ®emeinfd[iaft  fällig  roerbcnben  ©rfag* 

anfprüd^e  eine  befonbere  ^eflimmung  entbel^rlid^  mirb,  nad^  meld^er  auf  ha^ 

©onbergut  ber  ©^efrau  in  bem  {)ier  fraglid^en  galle  biefelben  33eftimmungcn 

Sntoenbung  finben,  mel(^e  ^Inmenbung  finben  mürben,  menn  burd^  bie  ©r^ 

Öffnung  beö  ^onfurfeö  über  baö  SSermögen  beö  ©fiemanneö  bie  äluflöfung  ber 

Crrungenfd^oftögemeinfd^aft  erfolgt  märe  (oergl.  bie  SKotiüe  ju  §  1424  oben 

S.  529  ff.).    Um  jebod^  materiell  bem  SBcfen  ber  ©rrungenfd^aftögcmeinfdfiaft    subcr. 

unb  ben  Sntereflen  ber  ©^efrau  geredet  ju  merbcn,  beftlmmt  ber  §  1430  3lbf.  2,  SÄT: 

baß,  menn  bie  9luflofung  in  golge  beö  Äonfurfeö  über  baö  JJermögen  beö  auf  «errangen 

©^anneö  erfolgt  ift,  bie  ©fiefrau  bie  SBieberl^erftcllung  ber  ©rrungenfd^aftö^  **""  «^«f»^««' 

gemeinfc^aft  verlangen  tann.    2)amit  aber   bie  ©^efrau   baö  i^r  beigelegte 

Stecht  nic^t  burd^  Spefulationen  ju  mißbraud^en  in  ber  Sage  ift,  foU  ber  ^n^ 

fprud^  ber  ©^efrau  auf  SBieberl^erftellung  erlöfdicn,  menn  berfelbe  nid^t  Dor 

Seenbigung  beö  ftonfurfeö  red^töt)ängig  gemad^t  ift. 

SBie  ber  ©^efrau  im  galle  ber  SÄuflöfung  ber  @rrungenfd)aftögemeinfd)aft  ««f 
in  golge  beö  Äonfurfeö  beö  ©^emanneö,  fo  muß  anbererfeitö  bem  lefetcrcn  im  ®\^e3ne3!^ 
güBe  ber  Sluflbfung  ber  6rrungenf(^aftögemcinfd^aft  auö  einem  ber  im  §  1328 
Shr.  3,  4  beieid&ncten  ®rünbe  ober  in  golge  ber  S^obeöerftärung  baö  9lcd^t 
beigelegt  merbcn,  unter  ben  im  §  1331  9lbf.  1  unb  im  §  1332  bcjeic^neten 
Sorauöfeftungen  bie  SBieberl^erftellung  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfd&aft  ju  uer* 
langen  (§  1430  abf.  1).  S)ie  ©inräumung  biefeö  SRec^tcö  ift  bei  ber  ©r^ 
rungenfd^ftögemeinfd^aft  in  nod^  l)ö^erem  äßaße,  alö  bei  bem  gefeglid^en  el)c^ 
li<^n  ©üterred^te  burd^  bic  Silligfeit  geboten,  meil  bei  ber  ©rrungenft^aftö- 


536  eirunöcnf(6aftßöemcinfd6nft.    9tuflöfuna.    §§  1429,  1430. 

gemcinfd^aft  —  im  ©cflenfafte  jii  bcm  gcfc6ltd)cn  ctjcUc^en  ©ütcrrcd&tc  (§  1289) 

—  bcm  ß()cmonnc  ein  9lnt^cil  an  bcmienigcn  gcbülirt,  maß  bic  6(>cfrau  burd^ 

ilire  ätrbeit  unb  bcn  fclbftänbigcn  93ctricb  cincö  ©nocrbägcfd^äftcö  crmirbt 

3)ie  Scftimmungen  bcö  §  1430  9lbf.  3  rcd^tfcrtigcn  fxd^  burd^  bic  Slnalogfe 

bcr  SBer^ältniRc. 

««^tt.  2.  9lnlangenb    bie  SBirtungcn    ber   aiuflöfung    bcr  Grrungenfc^aftt« 

°nü*"b"!f  gcmeinfd^aft,  fo  finben  nad)  benjcnigcn  SRcd&ten,  nod^  toelddcn  bie  ©rrungenf^aftt* 

«uftöfunc.  xna^t  im  3)Uteigcnt^ume  bciber  ©l^egattcu  ftel;t,  auf  bic  äufieinanbcrfcguig 

(Beitcnbe«   mcgcn  bcö  Ocfammtgutcö  im  2lllgcmeinen  bie  geroö^nlid&en  ©runbfäfee  über 

^****     bie  Sluöcinanbcrfcfeung  einer  ©emcinfc^aft  bcjm.  über  bie  (Srbauöeinanbcrfetimg 

3lnroenbung  (Dcrgl.  preug.  91. 2.  SR.  II,  1  §§  664, 661 ;  code  civil  9lrt.  1498, 1476). 

S)aß  2^^ci(ungdDerl^äftni§  ift  in  bcn  bcfte^enben  SRed^tf  n,  nomentUd^  je  nacftbcm 

bic  ®l^e  eine  beerbte  ober  unbeerbte  ift,  fel^r  x)erf4liebcn  beftimmt;  bod^  bilbct 

bie  ^albt^eilung  bie  Siegel.    S)icö  gilt  namcntlid^  naäj  bem  preu§.  91.  2.  SR. 

II,  1  §§  664,  637,  638,  bem  fronj.  SRcd&te  (code  civil  9[rt.  1498,  1474),  bem 

württemb.  2.  SR.  III,  7  §  2,  IV,  5  §§  2  ff.,  ber  licff.  barmft.  SSerorbn.  t).  1795 

§  4  unb  m^  üieten  bo^r.  SRed[|tcn  (ücrgl.  SRcubaucr  ©.  53,  54,  120  ff.). 

aSBie  im  gallc  bcr  9luflöfung  bcr  ©cmcinfc^aft  nQ(^  bem  geltenbcn  Siechte 
bie  ©d^ulbcnl^aftung  ber  ©Regatten  gegenüber  bcn  ©laubigem  [xd)  geftottct,  ift 
in  ben  aHotioen  ju  §  1423  oben  ©.  521  ff.  im  9ingemeinen  bereits  borgclcgt. 
5Rid^t  minber  t)erfci^ieben,  mie  bic  SBeftimmungen  über  bie  ©ddutben^aftung 
gegenüber  bcn  ©fäubigern,  finb  bie  Seftimmungen  beö  geltenbcn  SRci^tc«  barübcr, 
mer  bie  ©inbufee  bei  ber  ©rrungenfd&aftögcmcinfc^Qft  ju  trogen  ^at,  wenn  bod 
©efammtgut  jur  Seftreitung  bcr  9lußgaben,  für  rodele  eö  beftimmt  ift^  ni^t 
auöreid^t,  ob  beibe  ©Regatten  gemeinfd^aftlid^  ober  ber  ß^emann  allein.  S)ic  ge* 
fd^id^tlid^e  ©ntroidEcIung  ber  ouf  bcm  33oben  ber  partifuWren  ©ütergemcinf^aft 
fte^enben  SRec^te  neigt  fid^  bal^in,  bic  ©^efrau  von  ber  SScrpflid^tung,  bie  ©m 
büße  mitjutragen,  ju  befreien,  ßä  ift  babei  ju  beachten,  bafe  eine  foldbc 
33efreiung  mittelbor  oud^  nod^  benjenigen  SRcd^tcn  ftottfinbet,  nod^  njeld^en 
bic  ©^efrou,  roenn  fie  ouf  ifiren  9lnt^eil  on  ber  Grrungenfd&oft  ücrjid&tet, 
il|r  ©onbergut  unoerfürjt  jurüdfinforbern.  bered&tigt  ift,  nid^t  minber  nod^  bcn* 
ienigen  SRec^tcn,  no^  meldten  bie  6t;cfrau  roöljrenb  befte^enber  ©cmeinfd^oft 
bcm  ©Ijemonne  ouö  it;rem  ©onbcrgutc  einen  3i*f4ii6  J^  ^^  gemeinf^aft* 
lid^en  2often  }u  geben  nid;t  ocrpftic^tet  ift  unb  für  bie  üon  bem  ©bemanne 
einfeitig  cingegongcnen  ©^efd)ulbcn  nid)t  l^oftet,  noc^  9luflofung  ber  ©cmein- 
fd^oft  bic  lefetercn  jroor  nod)  SSerl^ältnife  i^res  9lnt^eiIcÄ  on  ber  ©mingcnf^aft 
überne(;men  mug,  ftd)  ober  burc^  bie  SRcd^tsrool^lt^ot  bed  Snoentareö  gegen 
bie  ^oftung  iiber  biefen  9lnt^cil  l;inauö  forool^l  gegenüber  bcn  ©laubigem  ate 
gegenüber  bem  ©^emonnc  fd^ügen  fonn.  ^ölt  mon  bicfi  feft,  fo  crgiebt  ficb. 
bog  in  einem  großen  2'^ciic  beö  ^errfd^oftögcbieted  ber  portifulärcn  ©ütcr- 
gemeinfd)oft  eine  SJcrpflid^tung  bcr  ©^efrou,  bie  ©inbufee  mitjutragen,  nic^t 
befte^t.  Cb  bieg  gemeinred()tlid&  bcr  goU,  ift  beftrittcn.  9lnerfannt  ift  jene 
SBcrpftidjtung  oUerbingö  nod^  ber  üRcJ^rjoi^l  ber  boi)r.  SRec^tc;  bod^  ift  bic  t^agc 
in  9lnfe^ung  einjetner  SRed^te,  nomcntlic^  beö  bogr.  2.  SR.,  beß  ondbod^.  unb  bcd 
nürnb.  9led;teö,  nid^t  unbeftritten  (ücrgl.  SReubouer,  Qnl  6.  120  ff.).  (Sbenfo 
beftcfit  ienc  SBerpfli^tung  in  9laffou  (Dcrgt.  noff.  SSerorbn.  ü.  10.  3anuor  1825 


errun0cnf*aftgöemeinf4aft.    auftöfung,    §§  1429,  1430.  537 

§  8;  ©cuffcrt  XXX,  155).  3)a(jcßcn  \)ai  m^  franj.  imb  bab.  SRcdjtc  allein 
ber  Seemann  bic  ©inbufec  jii  tragen  (code  civil  9lrt.  1471,  1472,  1474, 
1483  ff.,  1492  ff.,  1498).  2)em  fron},  SRed&tc  fd)tie6t  fid^,  raenngfeid^  in  bem 
Skge  obroeid^cnb,  bod^  im  SRcfuItatc  übercinftimmcnb,  ber  el^renbreitft.  Gntro. 
§§  79,  82  an.  SRad)  hm  ^eff.  ©ntro.  IV,  2  SIrt.  461,  512  finb  jroar  bic 
©^galten  nad^  bcm  SBerJ^äUntife  il^rcr  3lntl^eile  an  bem  gcmeinfd^aftlid^en 
Scrmogcn  )u  bcn  gcmeinfd^aftlid^cn  Saften  beizutragen  t)erpf(id^tet ;  bod^  fann 
bie  ß^frou  üon  bicfer  93crpPid&tung  fxd&  baburd^,  bafe  fie  auf  bie  ©cmeinfdjaft 
ocrji^tet,  befreien  (ärt.  475, 492,  493,  513 ;  T)ergl.  au^  2trt.  483, 491).  ©benfo 
führen  bie  SScftimmungen  bcö  prcufe.  31.  S.  dl.  II,  1  §§  406—408,  661,  664 
iu  bem  Srgcbniife,  bag  ber  Seemann  bie  @inbugc  aUcin  }u  tragen  ^at.  9luf 
bemfelben  Sobcn  ftel^en  —  allcrbing«  nic^t  unbeftritten  —  ba«  jüt.  Soro  unb 
ia^  bit^marfc^.  £.  91.,  bie  ^ßrafiä  bcö  fur^cff.  SRcddleö,  bie  l^eff.  barmft.  Söerorbn. 
D.  1795  §  8  unb  bofi  franff.  SRec^t  (franff.  ©efefe  ü.  9.  9toDembcr  1850). 
Jia^  bem  murttemb.  Siechte  ^at  bie  @^efrau  jmar  an  fid^  bie  ^älfte  ber  @in- 
buge  iu  trogen;  bo(^  fonn  fie  fid^  burd^  bie  älnrufung  ber  fog.  meiblid^en 
giri^itcn  (ücrgl.  oben  6. 534)  von  blefer  SSerpflid^tung  befreien.  S)er  mürttemb. 
6ntn).  §§  150  ff.  räumt,  um  bem  SBiberftrcite  ber  3ntcreffen  ju  genügen  (ücrgl. 
bie  aWotipc  ju  jenem  @ntm.  ©.  146  ff.),  ber  ß^cfrou  jene«  SRed^t  nur  unter 
ber  Sebingung  ein,  bofe  fie  bie  ^älftc  i^rcß  Sßermögcnö  opfert. 

2)er  §  1429  9[bf.  1  überträgt,  fooiel  boö  3led^töoerI|ältni6  beß  ©efammt*  etanbpunrt 
guteft  unb  bic  afuöeinonberfefcung  megen  bcö  Icfcteren  noc^  Sluflöfung  ber  (j„ti**rfe9. 
Smingenfd^oftdgcmeinfd^aft  betrifft,  bie  in  biefer  äSejic^ung  bei  ber  allgemeinen 
©ütcrgemeinfd^oft  mofegebenben  Sßorfd^riften  ber  §§  1373—1380,  1382  ouc^ 
auf  bie  ©rrungenfc^oftögemeinfd^oft.  S)ie  Orünbc,  auf  meldten  jene  SSor^ 
((Jriften  berufen,  treffen  oud)  bei  ber  ®rrungcnfd^aftögemeinfd^aft  in  üollem 
ÜRoge  JU.  @d  gi(t  bieö  indbefonbcre  auc^  Don  bem  im  §  1380  }um  älußbrude  Prägung  ber 
gelangten  ©runbfo^e,  bofe  ber  ©fiemonn  bie  ©inbufee  allein  ju  trogen  fiot.  ^*"^"^*- 
Gntfc^eibcnb  föllt  in  biefer  ^inftd^t  noment(id)  ins  ©emid^t,  bog  ber  @l;emann 
aDrin  boö  9Rag  bcd  für  boö  e()e(id^e  Sebcn  ju  mod^enben  älufn^onbed  beftimmt, 
bafe  iffm  bie  SSermaltung  ber  bciberfcitigen  Sonbergüter  }uftef|t  unb  bic  9trt 
ber  3lu|ung,  foroic  bic  ©rögc  bcö  }u  jicl^cnbcn  ßrtrogcö  berfelben  in  feiner 
^nb  liegt,  bofe  er  femer  —  obgefel^cn  oon  ben  ouö  bcn  §§  1417,  1353, 
13(>4,  1365  Slbf.  1  fxd&  ergcbcnbcn  öef(^ränfungcn  —  im  SBefentIi(^en  frei, 
unb  o^nc  biefer^olb  ber  @^efrau  Dcrontmortlidd  ju  fein,  über  bad  ©efommtgttt 
oerfugt,  bog  i^m  nad&  ber  Slatur  ber  S3erl)ä(tniffc  Dorjugöroeife  bie  erroerbcnbe 
^'^dtigfcit  obliegt  unb  bic  @^cfrau  eine  fold^e  ol^ne  feine  SinmiUigung  nid^t 
einmal  ouÄüben  barf,  bog  mithin  im  ©rofeen  unb  ©onjcn  fomo^l  bie  ©in- 
no^cn  iDtc  bie  Sludgoben  bcd  ©efommtgutcd  Don  bcm  ©bemanne  obl^ängen 
unb  baö  ©onbcrgut  ber  @^efrau  boljcr,  menn  bie  legtere  bic  ©inbuge  mit:: 
tragen  mugte,  mittelbar  ber  SBcrfügung  bcö  ßljemanneö  unterroorfen  fein 
»ürbe.  Die  9luffa|fung  bcö  ©ntmurfcö,  bog  bie  Grrungenfdjoftögcmcinfdöoft 
bfiiDctft,  ber  ß^frou  burd^  bic  S^f^^^^^w^fl  ^^^^  SlntficUeö  an  ber  ©rrungen^ 
fd^ft  eine  gunfttgcrc  ©tellung  wie  nod)  bcm  Si)fteme  ber  SBermaltungögemein* 
fd^ft  eingurfiumen,  nid^t  aber  bcm  ©bemanne,  n)enn  oudd  nur  mittelbar, 
gröfeere  Reifte  über  boö  ©onbergut  ber  ß^efrou  ju  Derf^affen  unb  boöfclbc 


538  errunocnf(6aft8öcmemf(5aft.    «uflöfung.    §§  1429,  1430. 

baburd^  ber  ©efa^r  bcs  SScrlufteö  auäjufegcn,  wirb  aud^,  loie  bic  obige 
Ucberfid^t  bcö  gcllenbcn  3led^tcö  jcigt,  burd^  bic  gefd^id&tlid^c  entioidEclung  bc^ 
[tätigt  (ücrgl.  bic  (gintcitung  jum  c^cUd^cn  ©ütcrrcd^tc  oben  ©.  151  ff.). 
Gtii6u|c  burd^  aSon  bem  ©runbfage,  bag  bic  ß^efrau  nid()t  Dcrpftid^tet  ift,  bicßinbuftc 

b^Äfl«,  tnitjutragcn,  ^at  ber  ©ntiourf  aud)  für  folc^c  gaUc  feine  ^Mnaffm  gemotzt, 
'  in  roeldjcn  bie  ß^efrau  fclbft  burd&  i^rc  Unorbnung  ober  5Berfd^rocnbung  bie 
entftanbene  ©inbufec  ocrfd^ulbct  ober  in  raeld^cn  fic  Ocgenftänbe,  locld^c  jur 
errungenfc^aft  gcl^oren,  untcrfd)Iagcn  l^at.  3n  göttcn  ber  ärt  oerfagt  aller- 
bingö  baö  TOÜrttcmb.  SRed^t  ber  ß^efrau  boö  9le(^t,  bic  fog.  TOeiblid^en  grci- 
l^citcn  anjunifcn.  @inc  Sluöna^mc  ber  erftcn  Slrt  ift  inbeffcn  rocgen  ber 
Unbcftimnttdcit  il^rcr  ajorauöfe|ungen  bcbenfli^;  aud^  mod^t  fic  Seroeid* 
fül^rungen  erforbcrlid^,  rocli^c  baö  innere  gamiüenicben  in  einer  bem  c^elid^en 
aScrl^ältnifJc  roiberfpred^cnbcn  SSBcifc  aufbcdfen.  3"^^"^  f^öfit  bcn  (Seemann 
bie  33cfd^ränfung  bcö  SBcrfügungörcd^teö  ber  ß^efrau  in  änfcl^ung  beö  ©c- 
fammtgutcö  unb  i^reö  Sonbcrguteö  (§§  1417,  1300  ff„  1352  aibf.  2,  §  1423 
Slbf.  2)  unb  bie  nac^  §  1278  3lbf.  3  i^m  beigelegte  SBcfugnife,  boß  ber  6^^ 
frau  nod^  §  1278  Slbf.  1  juftefienbc  3lcd&t  ber  ©d^lüffclgeroalt  ju  befc^ränfen 
ober  aud^  ooUftänbig  ju  ent}ie^en.  ©ine  ätudnaEime  ber  jroeiten  Srt  von 
bem  f)in  fraglid^en  ®runbfa|c  aber  würbe  bcn  Raraftcr  einer  Straf* 
beftimmung  ^aben. 
burc^  Sw'^if^I^öf*^^  ^^^^  ^ö  f^ii^/  ^^  "i^t  fö>^  i>cn  gall  eine  Sluöna^mc  ge- 

brtr^eTcn?«'  tcd^tfcrtigt  fein  loürbc,  wenn  bic  ©liefrau  mit  ßinroilligung  beft  ß^emonnc« 
erroeibs*  felbftönbig  ein  ©rroerbögcfd&äft  betreibt.  S)cr  Setrieb  eine«  fold^en  ßrroerbd^ 
8^^^*^-  gefc^äfteö  gel^t,  wenn  baö  Icfcterc  nid^t  jnm  SSorbcl^altÄgutc  ber  ß^efrau  9^ 
l)i5rt  (§§  1416,  1349),  bei  ber  ßrrungcnfdiaftdgcmcinfd^aft  für  Sied^nung  bcÄ 
©cfammtgutcö  (§§  1411,  1414,  1423  9lbf.  2  SRr.  3).  Die  ß^efrau  ift  aber  oer* 
möge  bcö  il^r  innerl^alb  eincö  fold^en  ©efd^äftöbetricbeö  juftebenben  SBerfugungö* 
rc^tcö  (§§  1417,  1356,  1423  9lbf.  2  3lx.  3)  in  größerem  ÜRa§e,  als  unter  gc« 
roö^nlic^en  aSerl^ältnijfen,  in  ber  Sage,  SScrlufte  ^erbeijufü^rcn,  \inb  f^eint  cä 
bal^er  unbillig  ju  fein,  menn  ber  ß^cmann  bic  ©efal^r  fold&cr  SBcrluftc,  wenn 
fic  bcn  Setrag  bed  Ocfammtgutc«  übcrfteigen,  allein  tragen  foU.  3)ie  einjelnen 
gällc  fbnncn  l)icr  inbeffen  je  nadd  ber  Slrt  unb  bem  Umfange  beö  ßnoerbd« 
gef4iäfteö,  ber  Scranlaffung  eine«  fotd&eö  Setriebcs  unb  ber  Orünbe,  roelc^ 
bic  ßinbuge  veranlagt  fjaben,  fo  Dcrf (Rieben  liegen,  bag  fic  eine  allgemeine 
Seftimmung,  burd^  meldte  bie  ßliefrau  in  fold&en  '^aUen  jur  a:^eilna^me  an 
ber  ßinbufee  für  ocrpflid^tct  erflärt  mürbe,  nid^t  jutajfcn.  ßine  ß^efrau, 
meldte,  um  bem  burd^i  fd^ted^tc  SDBirt^fd^aft  ober  Unglüdf  bcö  ß^emannefi  ein* 
getretenen  SKangcl  abju^elfcn,  mit  ßinroilligung  bcö  ß^emanneö  ein  felb* 
ftänbigeö  ßrmerbögcfd(|äft  beginnt,  fid^  fd&roercr  Slrbeit  unterjic^t  unb  babun^ 
ber  ßrrungcnfd^aft  nur  ©eminn  unb  feinen  aSerluft  jufü^rt,  barf,  wenn 
fid^  trogbem  eine  ßinbuge  l^erauöftellt,  nid^t  lebiglid^  wegen  beö  üon  ibr 
unternommenen  Setricbeö  beö  ßrwcrbögcfd&äftcö  für  bie  ßinbuge  mit^oftbar 
gcmad^t  werben,  ©egcn  bic  auö  bem  Setricbc  eincö  fetbftänbigen  ßrwerbö* 
gcfcftäfteö  ber  ßl}efrau  für  bcn  ßfiemann  fi(§  crgebenben  ®cfa^ren  fann  ber 
Icfeterc  fid^  baburd^  fd&üfeen,  bafe  er  feine  ßinwilligung  ju  bem  Setriebe  beö 
ßrwcrbögcfdjöftcö  ücrfagt  ober  ber  ßt)cfrau  nur  gegen  bic  SerpfCid^tting  ber^ 


(Srrunöcnf(6afteöemcinf(J6aft.    9{ufI5fanfl.    §§  1429,  1430.  539 

fclbcn,  einen  a:^cil  ber  ©inbuge  ju  übevnel^mcn,  ertfieilt  (oergl.  aud)  bic 
aWottüe  JU  §  1367  oben  ©.  387). 

.     3.    Scfoubcrc  Slat^ioirtungcn  ber  ©rruugenfci^aftdgcmeinfd^aft  ^at  bei     si««^^ 

gntrourf  mit  ber  (efctcren  für  ben  gaU  ber  aiuflöfung  berfelben  burc^  ben  2:ob '"©[^^bel" 

cineö  ber  ©Regatten  nid^t  t)erbunben.   2)ie  ©rünbe,  roeld^e  bei  ber  allgemeinen  ft«>cricbcnbcn 

©ütergemeinfd^iaft  ba^in  geführt  ^aben,  ein  befonbereö  gütergemeinfd^aftlid^eö  ®^'^°"'"- 

©rbrct^t  bes  überlebenben  ©Regatten  mit  fortgefefeter  ©ütergemeinfd^aft  an* 

juerfcnnen,   treffen  für  bie  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  nid^t  ju.     93ei  ber 

fcgterei]  tritt  nid^t,  mic  bei  ber  allgemeinen  ®ütergemcinfd)aft,  eine  Oemeinfd&aft 

aller  oermogenöred^ttid&en  ^ntereffen  beiber  ©Regatten  unb  bementfpret^enb  eine 

ooDftänbigc  SSerfc^meljung  ber  beiberfeitigen  SJermögen  ju  einem  einjigen  aSer- 

mögen  ein,  roeld&eö  in  allen  S9ejiel^ungen,  unb  beö^alb  aud&  für  ben  gall  ber 

äuflofung  ber  ©emeinfd&aft  burc^  ben  Xob  eines  ber  ©Regatten,  bie  gunttion 

{füben  foH,  ote  SBermogen  fomo^l  beö  einen  als  beö  anberen  ©Regatten  ju 

bienen.  33ei  ber  ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft  merben  oietme^r  nur  bie  laufenben 

©inno^men  ju  einem  gcmeinfd&aftlid^en  aSermögen  üereinigt,  unb  f|at  baö  legtere, 

foweit  e§  nid^t  ju  ben  für  feinen  ©rmerb  unb  feine  ©rlialtung  erforberlid&en 

Suögaben  oern)enbet  merben  mufe,  Icbiglid^  ben  3n>^*/  i«^  33eftreitung  beö 

dfcii^n  ^ufroanbes  ju  bienen.    S)iefer  S^cdE  fällt  aber  mit  ber  3(uflö[ung 

ber  6^e  Don  felbft  fort.    9la  fid&  ift  jioar  au^  bei  ber  ©rrungenfd&aftö- 

gcmeinfc^aft  eine  gortfefcung  beö  bufd^  biefelbe  begrünbeten  aSer^ältniffeö  jmifd^en 

bem  überlebenben  ©Regatten  unb  ben  gemeinfd^aftlic^en  3lbtömmlingen  möglid). 

©ine  fold^c  gortfeßung  beö  Oemeinfc^aftöüer^ältniffeö  über  ben  3::ob  beß  einen 

Statten  I|tnauö  liegt  inbef|en  nid[|t  in  bem  äJBefen  ber  ©rruugenfc^aftö- 

gemeinfd^af t ;    Dtelmel^r   bilbet   bei   ber  Unteren   baö  unter    ben  ©Regatten 

befte^nbe  perfonlid^c  aSerliältni^  eine  mefentlid^e  SSorauöfefeung  ber  ©emein- 

f^oft.    SeftStigt  wirb  biefe  9luffaffung  baburt^,  ba§  bie  auf  bem  SBoben  ber 

reinen  ©rrungenfd^aftögcmeinfddaft  ftel^enben  ?Htä)it  eine  gortfeßung  ber  ©emein- 

fc^aft,  felbft  bei  beerbter  ©^e  unb  gegenüber  gemeinfdiaftUd^en  9tbf5mmlingcn, 

regelmäfeig  ni6)i  eintreten  laffen.  2luf  bem  entgegcngefefeten  ©tanbpunite  fte^t 

ollerbingd  ber  e^renbreitft.  ©ntro.,  nad^  roeldjem  bie  jundd^ft  für  bie  gefefelid^e 

SRobiltar«  unb  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  beftimmte  gortfeftung  ber  ©üter* 

8emeinf<!^aft  audd  bei  ber  reinen  ©rrungenfd)aftögemeinfd)aft  ftattfinbeu  foU. 

%\id)    finben    fid^   in   Dielen   SRed&ten   ber  ©rrungenfc^aftögemeinfd^aft   S3e? 

ftimmungeu,  meldte  bem  überlebenben  ©Regatten  mel^r  ober  meniger  auögebe^nte 

Steckte  an  bem  9lad^(af[e  beö  Derftorbenen  ©{)egatten  einräumen;   allein  eö 

^wnbelt  fid^  bobei  nid^t  um  eine  eigentlid^e  gortfefcung  ber  ©ütergemeinf(§aft, 

fonbfm  um  erbred^tlid^e  33eftimmungen,  auf  ©runb  bercn  ber  überlebenbe  ®^e? 

gotte  entioeber  bad  ©efammtgut  ober  ben  92ad^lag  überl^aupt  ober  eine  Quote 

ober  geioiffe  ©eftanbt^eile  beö  lefeteren  (bie  SRobilien)  jum  unbefd^ränften 

©igent^ume  (fog.  ftatutarifd^e  Portion)  ober  jum  5iie6braucf)e  (Seifig)  erhält. 

2)erarttge  Seftimmungen,  »eld^e  meiftenö  mieber  Derfd^ieben  finb,  je  nad^bem 

bie  6^e  beerbt  ober  unbeerbt  ober  ber  ©Ijemann  ober  bie  ©^efrau  ber  über* 

lebenbe  2^^eil  ift,  finben  fid^  namentlid^  in  ben  fd&lcöro.  Siedeten,  im  naff.  9ted)tc, 

im  franff.  Slecbtc,  im  fa^enelnb.  S.  9?.,  im  pfälj.  2.  %,  im  fotmf.  2.  9i.,  in 

ber  ^nneb.  2.  D.,  ben  Coburg.  Statuten,  bem  mürttemb.  2.  dt  unb  ben  meiften 


540  emmocnfd&afteoentcinfd&aft.    gtufTöfuno.    §§  1429,  1430. 

bai)r.  9fJcd)tc!i  OJJciibaucr  ©.  20,  21,  35,  36,  53,  54,  59,  60,  69,  72,  120  ff.). 
aSou  bcn  S3cftimmun9cn  bicfer  Slrt  Rängen  inbcffcn  mit  bcr  ®rrungenfd6aft8« 
gemeinfd}Qft  unmittelbar  mir  bicjcnigcn  jufammcn,  meiere,  wie  5.  S9.  bod 
bni)r.  2.  SR.,  baö  bitl^marfd^.  iiiib  bas  fclimarnfd).  S.  91.,  ha^  ©cfammtgut  onbcrd 
beljanbeln,  mic  boß  übrige  Vermögen  beö  t)erftorbcnen  6(;egatten.  ©old^e 
lebiglid^  baö  Ocfammtgiit  betreffenbe  Seftimmungen  bilben  iebod^  bic  Sluö* 
nafimc.  ^tegctmöfeig  mirb  baö  ©efammtgut  jmif^en  bem  übcrlcbcnbcn  ©^ 
gatten  unb  hcn  ©rbeu  beö  T)erftorbencn  ©Regatten  get^citt,  tinb  crftrecfcn  fx(^  bic 
bem  Überlebenben  ©Regatten  jufommenben  93ort^eite,  mögen  fie  in  einem  6rb- 
redete  ober  in  einem  9lic6braud)c  bcftcficn,  gleichmäßig  ouf  ben  gefammtcn  aus 
bem  Sonbergute  nnb  bem  ©cfammtgutöantl^cilc  beö  Derftorbencn  G^egattcn 
gebilbeten  5Rad&la6  beö  legteren.  derartige  .Seftimmungen  fte^en  mit  bcr 
©rrungenfd^aftögemeinfi^aft  alö  fold^cr  in  feinem  unmittelbaren  inneren  3*^* 
fammen()ange.  3n  3lnfcf|ung  beö  ftatutarifd^en  ©rbred^teö  an  bcr  ©ubftanj 
beö  9Jad)laffcö  ober  eineö  2^^eileö  beö  lefeteren  ift  bieö  o^nc  SBcitcrcö  Har. 
S)er  9]ie^braud&  an  bem  Slac^laRe  lögt  ft^  jroar  in  bcr  3lrt  alö  eine  golge 
bcr  ßrrungenfd^aftögemcinfdÖQft  beulen,  ba^  ber  burd)  bicfelbe  mäftrcnb  bcr 
6l)c  für  beibe  ©l}egatten  gemetufd^aftli^  an  bem  beiberfeitigen  SSermogcn 
begrünbete  9]iefebraud^  in  ber  ^anb  beö  flberlebcnben  Gl)egattcn  fonfolibirt. 
Gr  fann  aber  auä)  alö  eine  lebiglidö  burd)  baö  el^cli^e  ajer^ättnife  alö  fold^cö 
of)ne  SRüdfidjt  auf  baö  mötirenb  ber  ®t)e  befteljcnbe  e^elid^e  ®üterred(|t  begrünbete 
erbrcd^tlid^c  golge  ju  ®unften  beö  übcrlebcnben  ©Regatten  aufgefaßt  werben, 
unb  für  bicfe  3luffanung  fprid^t,  ha^  nad^  oHen  l)icr  in  JRebe  fte^enbcn  Siedeten 
bcr  ©rtrag  beö  9iicßbrauci^cö  nic^t  gemeinfd^aftlid^cö  SBermögen  beö  übcr- 
lebcnben ©fiegatten  unb  ber  gemeinfd^aftlidjen  Slbfömmlinge,  wie  bicö  bei  einer 
gortfegung  ber  ©ütergemeinfd^aft  fonfequent  ber  gall  fein  müßte,  fonbern  frcicö 
©igent^um  beö  übcrlebcnben  ©l}cgattcn  mirb  unb  fiod^ftenö,  aud^  bicö  ober 
feineörocgö  allgemein,  eine  ©rroeiterung  ber  bem  lefeteren  obliegcnben  gefejUd&cn 
Untert)altö?  unb  Sluöftattungöpflid^t  eintritt.  3»n  ber  gcfd&id&tlid^cn  ©ntmirfelung 
aud^  bcr  partihilären  ©ütergemeinfd^aft  tritt  jmar  ein  geroiffcr  3ufömmcn^ang 
beö  roäfircnb  ber  ©f)c  beftet)enbcn  Oüterred^tcö  unb  ber  erbred^tlid&en  StcQung 
beö  übcrlebcnben  ©l)cgatten  ^eroor.  3)lit  bcr  SKobiliar«  unb  ©rrungenf^aftö« 
gcmeinfd^aft  beö  fränf.  SRcd&teö  unb  bem  baöfelbe  bel|errfd(|enben  ^Jrinjipc  ber 
gefammtcn  $anb  l^ängt  baö  5IWobiliarerbred^t  beö  übcrlebcnben  ©Regatten, 
fomic  baö  SJerfangcnfd^aftöre^t  unb  baö  Seibjudötörcd^t  in  Slnfe^ung  beö 
unbcmeglid^en  SScrmögcnö  jufammen.  SRit  bem  Uebergangc  jur  reinen  ©r* 
rungenfc^aftögemcinfd^aft  unb  bem  S^^^öcltrctcn  beö  ^rinjipcö  ber  gefammtcn 
.^anb  auf  ber  einen  ©cite  unb  bem  ©rfafee  beö  aWobiliarerbred^tcö  unb  beö 
33crfangenfd)aftörcd^teö  burd^  ein  ©rbred^t  beö  übcrlebcnben  ©Regatten  an  einer 
Quote  beö  gefammtcn  5Rad)laffcö  unb  burd^  ben  9ließbraud^  an  bem  übrigen 
2:l;eilc  beöfelben  auf  ber  anberen  ©eite  Ijat  jener  S^Jf^mmcnl^ang  fic^  inbeffen 
mefir  unb  mel;r  Dcrflüd)tigt,  unb  fann  man  jefet  bie  Seftimmungen  über  baö 
lüäl^rcnb  ber  ©^e  biird^  bie  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  begrünbete  SJer^ältniß 
unb  bie  bei  bem  2^obe  eineö  ber  ©Regatten  eintretenben  crbrcd^tlic^en  Sort^ile 
beö  übcrlebcnben  ©f)egatten  nid)t  mcljr  alö  im  Jtaufaljufammcn^ange  mit 
cinanber  ftel)cnb  betrad^ten.    Unoerfennbar  tritt  bicö  in  benienigen  SRed^ten 


gRoSitiaröcmcmWaft.    9lrt  bcr  ©eftaltunö.    §  1431.  541 

^croor,  mtf)  iDctcftcn,  roic  bieö  j.  33.  in  SDBürttcmberg  Vit'  l^crrf^cnbe  9liif^ 
faifuiifl  ift  (DcrgL  audd  roürttcmb.  enlro.  §§  168,  175,  161),  baä  erbtest  unb 
ber  ^Jiefebraud^  bcd  überlcbcnbcn  (S^cßatten  nid)t  boburc^  bcbingt  fmb,  bafe  bic 
G^gottcn  in  ber  baß  gcfeftUd^c  cl^clii^c  ©ütcrred^t  bilbenbcn  errungcnfd^aftö* 
gemeinfc^ft  gelebt  ^aben.  Unüerfennbar  }eigt  eß  {td^  ou^  barin,  ha^  bcr 
Icbenölänglid&c  Jlicfebraui^  bcö  übcriebenbcn  ßljegatten  in  großen  unb  ir)id)tigcn 
Set^tfigebieten  bcr  ©rningenfddaftögemeinfd^aft,  j.  33.  in  ben  ©cbictcn  bcr 
WlrtiD.  Mecl^te,  beö  bagr.  2.  3?.,  bcö  aü^cfj.  SRcd^teö  unb  bcr  ^cR.barmft. 
SJcrorbn.  d.  1795,  foroic  in  bem  ganjcn  ©ebiete  bcö  franj.  SRcd^tcö,  nid&t  ftatt- 
finbet.  SBcnn  ^icrnad^  ein  notl^wenbiger  innerer  Swfömmenl^ang  jroifd^en  bcr 
Smingenf^aft^cmeinjc^aft  unb  ben  erbred^tltd^en  SSortl^eilcn  bed  übcriebenbcn 
e^cgattcn,  indbefonbere  bem  (ebendlänglid^en  3lk^bxa\x6)t  bed  (enteren,  nad) 
ben  beftc^nben  Siedeten  nid^t  angenommen  roerben  fann,  fo  barf  aud)  ber 
Gntrourf  icnc  35ort^eiIe,  namentlich  ben  9iie§braud^,  nid^t  als  golge  beö  ter^ 
tragdmo^igen  ©üterftanbeö  bcr  ßrrungenfd^oftögcmeinfd&aft  be^anbetn,  um  fo 
weniger,  ate  in  einem  großen  Zf)c\k  bcö  Sled^tögcbictes  ber  ßrrungenfdjaftö- 
gemeinfc^aft  unb,  mcnn  man  aud^  bad  franj.  91ed^t  in  33ctrac^t  }iel;t,  luic 
bifd  in  bcr  ^ier  fraglichen  33eiie^ung  gef(^e^cn  mug,  in  bem  n)eitaud  größeren 
3:^ile  ein  9lic§braud^  beö  übcriebenbcn  ®l)egattcn  ober  ein  bem  iJlicPraudöc 
Q^nlic^ed  Siedet  nid)t  anerfannt  ift.  @d  {)anbelt  fid^  nielmcljr  um  eine  crb^ 
xt^iüift  beim,  cl^creddtlid^c  ^rage  allgemeiner  ^rt,  meldjc  im  @rbred^te  ba^in 
cntf4iicbcn  ift,  bag  bem  übcriebenbcn  ß^egattcn  an  bem  9{ac^laffe  bed  Dcr^ 
ftorbcncn  ©Regatten  fein  erbrcd^tli^er  SRiefebrau^,  fonbern  neben  einem  in 
gcDtffcn  Sßobilicn  befte^enben  93oraud  nur  ein  je  nad^  ber  3l&l)t  bcd  ©rabcd 
bcr  tonhirrirenben  SSermanbten  ücrfd^icbcn  abgeftufteö  ©rbrcc^t  iuftcfien  foU 
(§  1971).  3)urd^  biefc  allgemeinen  erbred^ttid^en  33eftimmungen  ift  für  ben 
übcriebenbcn  @l^cgattcn  aud^  bei  ber  @rrungenfd^aftdgemeinfd^aft  in  aud- 
rciil^bcm  äRage  geforgt  9BoQen  bie  @l)egatten  ftdd  einanber  augerbem  ben 
%ic§braud^  jumcnbcn,  fo  fönnen  fte  bicd,  fomcit  nic^t  bad  $f(id^tt{)cildred^t  bcr 
ftinbnr  unb  Gltem  cntgegenfte^t,  im  Sffiege  beö  SBcrmäd^tnifeDcrtragcö  (§  1962) 
rcrcinbarcn. 


V.  •emeinfd^aft  hti  ietoeglid^eti  Sermogett«  iinb  ber  Srriittgenfd^aft* 

§  1431. 

3m  ^inblicfe  auf  baö  weite  ©eltungögebict  beö  ©ütcrftanbcö  ber  ©cmcin=  (sinuitunfl. 
f<fiaft  bcö  beweglichen  äSermogenö  unb  ber  Grrungenfdiaft  im  S)eutf(§cn  9lcid}e, 
widmet  —  abgefe^cn  oon  einigen  fleineren  SWed&tögebietcn  (inöbefonbcre  ben  PJc^ 
bieten  beö  iüt.  Soro,  beö  furföln.  2.  dl,  bcö  furtrier.  S.  91.,  bcö  2ampred^tfd)cn 
Statutcö  unb  bcr  Statuten  ber  ©täbte  ©reuten  unb  granfen^aufen)  —  in  bem 
ganjcn  9ic<^tögcbictc  beö  franj.  unb  bcö  bab.  Sled&teö  ben  gefcßlidöen  ©üterftanb 
bUbet,  ift  cö  üM  ben  in  ber  @inleitung  )u  bem  el^elid^en  ©ätcrrcd)te  oben 
2.  141  ff.  bereitö  näl^cr  bargelcgten  ©riinben  burc^  baö  33ebürfni6  geboten, 
au(!^  ben  bejci^nctcn  ©ütcrftanb  alö  t)ertragömä6igen  ©üterftanb  im  ©cfcfec 
fpqiell  ju  regeln.    33ci  biefer  Siegelung  finb  öon  ben  auf  bem  33obcn  ieucö 


542  gnoBiliargcmcinf^aft.    «rt  ber  Oeftaltung.    §  1431. 

©ütcrftonbcfi  fteljenbcn  SHcd^ten  im  SBcfentlid^en  nur  baö  franj.  unb  hob.  Siedet 
bcrücffxdjtigt.  2)qö  ©eftimgögebict  bcr  übrigen  l^ierl^cr  gcl^örenbcn  Sled&tc  ift  nur 
ein  oer^ältnifemofeig  f feines  unb  bie  33eftimmungen  berfelben  roeid^en  Dielfodft  »on 
cinonber  ob.  SKand^e  berfelben  [teilen  bcr  reinen  ©rrungenfd^oflögcmcinfc^ft, 
manche  bcm  franj.  Siechte  nä^r.  SBic  fc^on  in  ben  aRotiocn  ju  §  1410  oben 
©.  491  J^eroorgel^oben  rourbe,  fcf|tt  eö  an  einem  Sebürfniffe,  aud^  ben  befonbercn, 
jubem  oft  fefjr  ücrroorrenen  unb  unflarcn  93eftimmungen  iencr  Siedete  im 
(Sefege  SRcc^nung  ju  tragen.  2luc^  bei  ber  Sluöarbeitung  beö  auf  bem  33oben 
ber  aKobitiar^  unb  Grrungenfd^aftögemeinfc^aft  fte()enbcn  e^renbrcitft.  ©ntro., 
roeld^er  baö  el^clid^e  Oüterred&t  im  Sejirfe  beö  üormatigen  3uftijfcnateö  ©ftren* 
breitftein,  alfo  in  bemjcnigcn  ScjirJe  ju  orbnen  bcftimmt  mar,  welcher 
(abgefe^en  com  jüt.  Soro)  baö  (jauptfäc^tid^e  ©eltungögebiet  ber  ^ier  fragli^en, 
in  ber  SWitte  jroifd^cn  ber  SWobiliar*  unb  ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft  fte^enben 
beutfc^en  SHed^te  bitbet,  rourbe  auf  bie  einjctnen  Seftimmungen  biefer  Siedete 
fein  ©emid^t  gelegt,  fonbern  auf  ber  (Srunblage  beö  ^rinjipeö  ber  üoUen 
SKobiliars  unb  ©rrungenfd^aftögemeinfd^aft  unter  t^unüd^fter  3lnfd6Ue§ung  an 
baö  franj.  3lec^t  ein  felbftänbigeö  Spftem  fonfequent  burd^gefü^rt. 
iiÄnaTie  ^'^  3WobiUar*  unb  ©rrungenfd^aftögemeinfc^aft  beö  franj.  Sled^tcö  fteW 

""berttV**^^^  allgemeinen  Oütergemeinfd^aft  rocit  nä^er  alö  ber  ©rrungeufd^aftögemeim 
eitfeJnfSoft  ^^^f*'  ®^^  Sluöfd^lufe  bcö  unbemeglid&en  SBermogenö  üon  ber  ®emeinfd&oft 
'  bilbet  eine  Sluönal^me,  meldte  jroar  fraft  beö  ©efe^eö  eintritt,  baburdd  ^^ 
ben  Äaratter  ber  3luöna^me  nid^t  üerliert.  93efx6t  feiner  ber  ®^egattcn  un* 
beroegtid^eö  SBermögcn,  fo  fällt  bie  aWobiliargemeinfd^aft  beö  franj.  Sled^teö 
mit  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  üollftänbig  jufammen.  ©em  cntfprec^enb 
bel^anbelt  auc^  ber  ©ntrourf  bie  ©emeinfd^aft  beö  beroeglid^en  SScrmögenö  unb 
ber  (Srrungenfd^aft  alö  eine  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft  mit  ber  SWobififation, 
bafe  baö  beim  beginne  ber  ©emeinfd^aft  einem  ber  G^egatten  jufte^cnbe,  foroie 
baö  roä^renb  beö  33eftel)enö  ber  ©emeinf d^aft  einem  ber  ©Regatten  burd^  ®rbf olgc 
ober  burd)  SSennäd^tnife  ober  burc^  Ucbertragung  mit  JHüdffid^t  auf  ein 
fünftigeö  ©rbrec^t  ober  burd&  ©d^enfung  jufallenbe  unbewegliche  SSermogcn 
Sonbergut  beö  betveffenben  ©Regatten  ift  (§  1431  2lbf.  1,  §  1432).  ®iefe  9rt 
ber  93el^anblung  gemährt  ben  großen  Sßort^eil,  ba§  bie  Siegelung  beö  hier 
fraglid^en  ©üterftanbeö  im  engen  Sllnfc^luffe  an  bie  allgemeine  ©ütergemeinfd^aft 
beö  (Sntmurfeö  erfolgen  faun  unb,  ba  bei  ben  Scftimmungen  über  bie  allgemeine 
©ütergemeinfd^aft  auf  bie  aKBglid)teit  eineö  ©onberguteö  bereitö  SRüctji<ftt 
genommen  ift  (§  1351),  eö  f)ier  nur  nod^  weniger  befonberer  Scftimmungen 
bebarf,  um  bem  ©runbgebanfen  ber  ©emeinfd^aft  beö  bemeglld&en  SSermogenö 
unb  ber  ©rnmgenfd^aft  geredet  ju  werben.  3)aö  auf  biefer  ©runblage  bc» 
ru^enbe  ©^ftcm  beö  ©ntmurfeö  ftimmt  jmar  nid^t  üollftönbig  mit  bcm  franj. 
SRed&te  überein.  ©ine  fold^e  Uebereinftimmung  läßt  fid^  aber  f^on  beö^alb 
nid^t  erreid^en,  weil  bie  SRobiliargemeinfd^aft  beö  franj.  JHed^teö  fraft  bcö  ®e* 
fe|eö  eintritt  unb,  roenn  einmal  begrünbet,  burdii  aSertrog  nid^t  aufgehoben 
werben  fann,  wä^renb  nad^  bem  ©ntwurfe  in  beiben  Sejiel^ungen  baö  Ocgen« 
tl^eil  ber  gall  ift.  9lber  aud)  abgefeljen  baoon  ift  eö  im  Sntercffe  ber  Gin* 
l)eitlid^!eit  unb  ©infac^l^eit  beö  ®efe|eö  geboten,  jxd^  bei  ber  Sluöseflaltung 
beö  ©pftemeö  im  ©injclnen  tfjuntidjft  an  bie  33eftimmungen  beö  ©ntiourfe« 


SWoBinaröemcinfcfiaft    2lrt  ber  ©cftaltung.    §  1431.  543 

über  bic  aDgcmcinc  ©ütergemcinfd^aft  bcjro.,  fooiel  baö  SSerpItnife  ber 
Sonbcrgüter  betrifft,  an  bic  SBeftimmungcn  über  bie  ©rrungenfe^aftögetiteim 
ft^oft  anjufd^Iiefeen,  jumal  bei  biefen  Seftimmungen  auf  baö  fronj.  dlc6)i 
fc^on  bie  gebü^renbe  Slürffici^t  genommen  ift  unb  bie  mirtl^fd^aftlic^en  iinb 
fitlU^n  ^medt  ber  aWobiUargemeinfd^aft  beö  franj.  Sled&teö  fid^  in  einer  baö 
praftifd^e  Scbürfnife  DOÜftänbig  befriebigenben  SBeife  oud^  auf  bem  oon  bem 
Gntrourfe  eröffneten  SBege  erreid^en  (offen.  3n  mand^en  fünften,  in  meldten 
bic  Scftimmungen  beö  ©ntrourfcö  t)om  franj.  Steckte  abroeid^en,  jinb  aufeerbem 
bit  €^gotten  in  ber  Sage,  im  SBege  beö  ©^eoertragcö  burd^  eine  Stenberung 
ober  ©rgänjung  jener  33eftimmungcn  einen  bem  biö^erigen  3lec^tc  üöUig  ent* 
fprcd^enben  9ted^tö}uftanb  l^eriuftcDcn. 

3m  einjelncn  ift,  foüicl  bic  ©eftaltung  beö  l;ier  fraglid^en  ©üterftanbeö  »eröieic^  mit 
im  Sergleic^  jum  franj.  Siedete  betrifft,  nod^  golgenbeö  Ijerüoräul&eben.  ^^J^u?' 

1.  jDie  Scftimmung  beö  §  1431  9lbf.  2,  bafe,  romn  einer  ber  aSertrag:^  ©cuc^miflunfl 
ft^liefeenben  unter  elterlicher  ©emalt  ober  SBormunbfc^aft  fte^t,  bie  SBorfc^riften  ''"^^afröü"^' 
beö  §  1341  Äbf.  2  über  baö  ©rforbernife  ber  ©enel^migung  beö  (g^eoertragcö   fleric^tc«. 
vm  ©eiten  beö  SSormunbfd^aftögerid^teö  entfpred^enbc  Slnmenbung  finben  foHen, 

bringt  aDerbingö  in  benienigen  Oebicten,  in  meldten  ber  ©üterftanb  ber  ©e^ 
mcinfd^aft  beö  bemeglid^en  SSermSgenö  unb  ber  ISrrungenfc^aft  gegenmärtig  baö 
9efe((i(^e  e^elid^e  ©üterred^t  bilbet,  gegenüber  bem  biö^erigen  Slcd^töjuftanbe 
eine  geioiffe  ßrfd^roerung  mit  fid^.  ©iefeö  Söebenfen  fann  inbeffen  l^icr  eben- 
foiDemg  mie  bei  ber  allgemeinen  @ütergemetnfd^aft  alö  auöfd^laggebenb  be^ 
trod^tet  werben.  3Sielme^r  treffen  bie  fad&lid^en  ©rünbe,  meldte  für  bie  9luf' 
na^me  beö  §  1341  Slbf.  2  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  beftimmcnb 
gewefen  ffnb  (oergL  bie  SRotiüe  ju  §  1341  oben  ©.  334),  mcnigftenö  jum 
großen  2:^ile  aud^  l^ier  ju.  äBenngleid^  bei  ber  ©emeinfd^aft  beö  bemeglid^en 
SkrmSgenö  unb  ber  ©rrungenfd^aft  naö)  §  1434  bie  fortgefefete  ©ütergemein^ 
fd^ft  auögefd^loffcn  ift,  fo  übt  bod^  aud^  bie  erftere  auf  bie  Sled^tö^  unb  SSer^^ 
mogenöücr^ältniffe  ber  (gl^cgatten  immer  nod&  einen  tiefgreifenben  (Sinflufe 
ouö,  unb  ^at  in  Dielen  gäKen  burd^auö  ben  Äarafter  einer  allgemdnen 
©ütergemeinfd^aft.  ©d^on  bie  SRüdtfid^t  auf  biefen  Umftanb  nötl^igt  baju,  bic 
Sotfc^rift  beö  §  1341  3lbf.  2  aud^  auf  ben  l^ier  in  SRcbe  ftel^enben  ©üterftanb 
für  antoenbbar  ju  erf Ifiren. 

2.  6inc  STOobififation  ber  pon  bem  (Sntmurfe  bei  ber  allgemeinen  ®ütcr*  ©«fammtaut. 
gemeinfd^aft  über  ben  ©rmerb  beö  ©efammtguteö  unb  beffen  iuriftifd&e  ®t^  *ßu^t*mir 
jbUung  (§§  1343—1345),  über  baö  SRcd^töoerpltnife  beö  aSorbcl^altö  -^  ober  eonbcrgut. 
conberguted  rineö  ©Regatten  (§§  1346—1351),  fomie  über  baö  ^erfügungö- 

red&t  in  »nfel^ung  beö  (Sefammtgutcö  (§§  1352—1358,  1364—1366)  auf-- 
gcfiellten  ©runbffifcc  ift,  porbe^altlidd  ber  93eftimmungcn  beö  §  1432,  burd^  bic 
befonberen  Ser^ältniffe  ber  ©emeinfd^aft  beö  bemeglid^en  SScrmögcnö  unb 
ber  ©rrungcnfd^aft  nid^t  geboten.  9luf  bic  einjelnen  Slbmeid&ungcn  jmifddcn 
ben  ^ier  fraglid^en  Seftimmungen  beö  ©ntrourfeö  unb  benen  beö  franj.  3?ed)tcö, 
fowie  beö  ei^renbreitft.  ©ntm.,  ift  bercitö  in  ben  SWotiücn  ju  ben  betreffcnben 
Sffdmmungen  l^ingemiefen,  ®ö  gilt  bieö  namcntlid^  üon  bem  in  bem  &r\U 
würfe  in  noetterem  Umfange  anerfannten  ©urrogationöprinjipe  in  Slnfcl^ung 
ber  ©onbcrgüter  (§§  1414,  1351  3lx.  4 ;  aWotiüc  ju  §  1414  oben  ©.  498  ff.), 


544  SRobiriargemeinfdjaft.    «rt  ber  ©cftaltunö.    §  1431, 

von  bem  Umfange  bed  SSerfügungdted^ted  beö  S^emanned  in  älnfe^ung  bcft 
©efommtguteö  unb  bcö  ©onbcrgutcä  ber  e^efrau  (§§  1352,  1353,  1417, 1351 
3lbf.  2  ncbft  2»otit)en  ju  §§  1352,  1353  oben  ©.  348  ff.  unb  ju  §  1417 
oben  S.  511),  inßbefonbcrc  pon  bem  im  Ocgcnfafte  jum  fronj.  JRe^tc  (code 
civil  3lrt.  1422,  1469)  anerfannten  JRed^tc  bc«  ©(lemanncö,  oud^  einfeitigcn 
Slbtommlingen  auö  bem  (Scfammtgute  o{;ne  ©rfa^pflid^t  eine  Sluflftattung  ju 
gemäljren  (üergl.  bic  SWotiue  ju  §§  1352,  1353  oben  6.  358  unb  ju  §  1365 
oben  ©.  383),  femer  üon  bem  SRed^te  ber  ß^efrou  ju  ber  einfeitigcn  am 
na^me  ober  äluöfd^lagung  einer  ©rbfd^aft  ober  eincö  SBermäd^tniffeö  ober 
eines  ber  S^cfrou  gemad^ten  SSertragaantraged,  indbefonbere  einer  Sd^enfung 
(§  1355,  §§  1417, 1308  3lx.  1, 2,  nebfl  SRotiDen  ju  §  1355  oben  ©.  361  ff.  unb 
iu  §  1308  oben  ©.  242  ff.).  I)ie  Söebenfcn,  meldte  [\ö)  in  ber  einen  ober  onberen 
9ti(|tung  gegen  bie  betrcffenben  93eftimmungen  beö  Gntmurfed  ergeben  laffen, 
finb  bereits  bei  ber  Segrünbung  ber  festeren  eingcbenb  unter  Serüdffic^tigung 
ber  abroeid^enben  SBorfc^riften  beö  franj.  JRed^teö  be5U).  bcö  cl^renbreitfi.  ©ntro. 
gcmürbigt  roorben.  Gntfd^eibenbe  innere  ©rünbe,  bei  ber  ©cmeinfc^oft  bed 
ben)egUd)en  SBcrmogenö  unb  ber  ßrrungenfd^oft  etmaö  Slnbereö  ju  beftimmen, 
fönnen  aus  ber  befonberen  9latur  biefer  Oemeinfd^aft  nic^t  l^ergeleitet  werben. 
©(^uibcn*  3.  3lud&  in  2lnfe^ung  ber  ©d^ulben^aftung  ber  ©Regatten  gegenüber  bcn 

f,aitunfl.    @ifiyjigg^„  (§§  i359_i363)  beborf  cö  feiner  aRobififationen. 

fliuSnl  ®^^  ©runbfafe  beö  entrourfeö,  baß  alle  SBerbinblid^teitcn  be«  ©bemanne« 

lic^fetten  bes  ©efammtgutSDerbiubUc^Ieiten  ftnb  unb  n)egen  berfetben  bie  93cfriebigung  aud 
ebemanncs,  bem  (Sefümmtgute  verlangt  werben  fann  (§  1359  9lbf.  1),  ftimmt  mit  bem 
franj.  Siedete  unb  bem  e^renbreitft.  Sntm.  überein.  ©benfo  entfpric^t  e«  bem 
franj.  9ted(|te,  ba§  ber  (S^emonn  für  bie  ©efammtgutöüerbinblic^feitcn  ber  G^ 
frau  pcrf önlid^  f)aftet  (§  1359  Slbf.  2).  3luf  ben  abroeic^enben  ©runbfQft  be« 
e^renbreitft.  ®ntm.  §  14,  nad^  welchem  für  biefe  SBerbinblid^fcitcn  fraft  ber 
©ütergemeinfd^aft  nur  baö  Oefammtgut,  nid^t  aber  ber  Seemann  pcrfonlicö 
haftet,  unb  auf  bic  gegen  biefcn  ©runbfaft  fpred^enben  ®rünbc  ift  bereits  in 
ben  2Hotit)en  }u  §  1359  oben  ©.  366  ff.  I^ingemiefen. 
bei  G^cfrau.  älulaugenb  bie  S^age,  meiere  ^[ierbinblid^feiten  ber  @^efrau  ©efommtf 

gutöDerbinblid^feiten  pnb,  fo  geboren  ju  biefer  ftotegorie  foroo^I  nad&  fran}. 
9{ed[)te  ald  nacb  bem  e^rcnbreitft.  Sntmurfe  junäc^ft  alle  Dorel^elid^en  @d^uQ>^' 
fomcit  fie  nid^t  3mmobiliarfd6ulben  finb  (code  civil  9lrt.  1409;  el^renbreü|l. 
6ntm.  §§  13,  14).  3)en  naä}  bem  franj.  Siedete  in  einjelnen  9e)ie||ungen 
beftrittcnen  Segriff  ber  Smmobiliarfd^ulben  befinirt  ber  el^renbreitft.  ©ntw.  §  12 
naiver  bal^in,  bag  baju  Alagen  geregnet  merben,  burd^  meldte  bas  Sigcnt^um 
eincö  Smmobile  in  5ttnfprucb  genommen  mirb,  fomie  bie  auf  einem  Smmobilc 
Ijaftcnbcn  binglic^en  Eaften  (^Riefebraud^,  SRealferoituten,  SHeallaften  unb  bic 
für  bie  pcrfönlid^e  ©c^ulb  eines  ©ritten  beftellten  5ßfanbred&te).  3m  praftifcftcn 
SRefultate  ftimmen  bic  SBorfd^riftcn  bes  ©ntrourfes  in  Sfnfcl^ung  ber  oore^Uc^ 
Sc^ulben  ber  G^efrau  mit  ben  SSorfd^riften  beS  franj.  9led^teS  unb  beS  c^ren» 
brcitft.  Gntm.  überein,  insbcfonbere  aud^  inforoeit,  als  ju  ben  3mmobiUar* 
fdjulben  biejenigen  aSerbinblid^feiten  ber  G^efrau  nid^t  gel^ören,  welc^  bereits 
üor  bem  Gintritte  ber  Oemeinfdfiaft  in  golge  eines  SRed^teS  ober  bes  Seft^eS 
einer  ©ad^c,  meldte  ju  bem  unberoeglid&en  SBermögen  gepren,  entftanbcn  fmb. 


ÜWoMnargemcmfc&aft.    9lrt  bec  ©eftaltung.    §  1431.  545 

bcrcn  gortboucr  in  bcr  ^crfon  bcr  ß^cfrou  ober  von  bcm  gortbcftanbc  bcö 
Äc^tcö  ober  bcö  Scfifeeö  in  i^rcr  ^crfon  ni^t  abhängig  ift,  wie  j.  33.  bic 
Serbinblid^fcit  jur  S3eja^Iung  fälliger  Stcalloften;  t)tclme^r  finb  biefc  SBer« 
;        binbli(^feiten  oore^elic^e  Sttobiliarfd^ulben,  wegen  beren  bie  33efricbigung  auö 
I        bcm  ©cfammtgutc  ©erlangt  werben  fann  (ücrgl.  §  1359  3lbf.  1,  §  1362  92r.  3 
I        nebft  ÜHotiocn  ©.  252,  Derb,  mit  §  1432).   3lud^  in  3lnfel^ung  ber  wä^renb  bcö 
33cfte^enö  ber  ©ütergemeinfd^aft  entftanbenen  SBerbinbli^fcitcn  ber  S^efrou  auö 
Äec^tögefcööftcn,  welche  t)on  ber  (S^efrou  o^ne  bie  erforberlic^e  (ginroiUigung 
I        ober  ©ene^migung  bcö  ß^emanneö  üorgenommen  fmb,  ftcl^t  bcr  föutrourf  mit 
bcm  fronj.  Siedete  unb  bem  el^rcnbreitft.  6ntm.  infofem  im  Gintlangc,  o(ö  für 
biefe  Serbinblid^feiten  roeber  nad^  bcm  franj.  SRed^te  (code  civil  9lrt.  217  ff., 
1419)  nod^  nacft  bem  e^renbreitft.  ©ntro.  (§§  18, 19),  nodd  nad)  bem  t)orliegenbcn 
entiourfc  (§  1362  3lx  1)  baß  ©cfammtgut  bejm.  ber  ©liemann  haftet,    ©ine 
j       Scrfc^ieben^cit  finbet  jebod^  infofern  ftott,  als  nac^  bem  ©ntmurfe  bie  per:s 
föniic^c  Haftung  bcr  @^cfrau  burd^    bcn   lüRangel    ber   Einwilligung   ober 
(Genehmigung  bcö  Gficmonncö  nid&t  berührt  wirb,  wä^renb  nod^  bem  franj. 
Jicc^le  unb  bem  etirenbreitft.  ©ntm.  in  biefen  gällen  mä)  bie  .©^cfrau  felbft 
ni(^t  ocrpflid&tet  wirb.    Gine  Sludgteic^ung  biefer  SSerfd^icbcnl^eit  ift  inbeffen 
nit^t  möglid^,  weil  bicfelbe  i^ren  (Srunb  in  ber  prinjipiell  tJcrfd^iebenen  Sluf^ 
foffung  über  bcn  ©influfe  ber  6^e  bciw.  bcö  e^elid^en  (Süterred^teö  auf  bie 
®cf(^äft6fä^igfcit  ber  ß^efrau  l^at.    ©ine  weitere  SBcrfd^icbenl^eit  bcö  (S^nU 
würfe«  oon  bem  franj.  Siechte  (code  civil  9[rt.  776,  1411—1418)  ergiebt  fid^ 
boraud,  ba§  bic  ß^efrau  nad^  bem  ©ntwurfe  (§  1355)  ju  ber  Slnna^mc  einer 
©rbfci&aft  ober  eines  3Sermäd&tniffcö ,  aud^  wenn  biefclben  nid^t  93eftanbt^eil 
i^tcfi  aSorbe^aUß^  ober  Sonöergutcö  werben  (§§  1417,  1308  3lx.  1),  o^ne  ©im 
loiliigung  beß   @^cmanncß  bcred^tigt  ift  unb  bag  bemgcmög  bie  äRobiliar^ 
f^ulben,  weld^e  bie  Sljcfrau  in  §o(ge  einer  ol^ne  Einwilligung  beß  E^emanneß 
angenommenen  ©rbfd^aft  ober  eineß  folc^en  3Sermäd)tnif[eß  treffen,  fofem  fie 
Mc  ßrbfd^aft  ober  baß  3iermä4)tnig  ni4)t  alß  9[iorbcf)altß^  ober  Sonbergut 
erworben  §at,  ©cfammtgutßocrbinblid^feitcn  fmb,  für  weld^e  nid(|t  nur  baß 
©efammtgut,  fonbem  aud^  ber  (Seemann,  oorbe^altli^  ber  9tedbtßwo^lt^at  beß 
3m)entareß  (§  2162),  perfönlid^  haftet  (§§  1359,  1362  3lx.  2).     SSon  bcm 
c^cnbreitft.  ©ntw.  (§§  25—28,  34)  weid^cn  biefe  33eftimmungcn  nur  infofern 
ab,  alß  bcr  Seemann  nad6  jenem  Entwürfe  für  bie  aJlobiliarfd^ulben  einer 
bcr  Ehefrau  angefallenen  Erbfc^aft  nur  bann  perfönlidd  l^aftet,  wenn  er  bcn 
ßrwerb  ber  ©rbfdöaft  genehmigt  unb  nid^t  bei  Ert^eilung  ber  Oenc^migung 
juglric^  feine  pcrfönlic^c  Haftung  außgcfd()loffcn  l^at.    2lud)  in  bcn  ^ier  frag« 
li^cn  35cjie^ungen  not^igen  bie  befonberen  SSerl^ältniffc  bcr  Oemeinfd^aft  beß 
beweglichen  SScrmögcnß  unb  bcr  Errungenfd^aft  nid[)t,  im  3lnfd()luffe  an  baß 
franj.  SRed^t  ober  bcn  e^renbrcitft.  Entw.  im  ©egenfafie  ju  ber  allgemeinen 
(Sütcrgcmeinf(^aft  etwaß  35efonbcreß  ju  bcftimmen;  t)iclme^r  treffen  bie  Orünbe, 
auf  welchen  bie  Seftimmungen  beß  §  135£  unb  beß  §  1362  3lx.  1  beruljcn 
(octflL  bie  SRotioe  ju  §  1355  oben  ©.  361  ff.),  aud[)  bei  ber  Oemelnfd^aft  beß 
bewegtid^en  SBermögenß  unb  ber  Errungenfdbaft  ju. 

Eine  cr^eblid^e  SBcrfd^ieben^cit  gegenüber  bem  franj.  SRcd^te  finbet  in 
änfc^ung  ber  33e^anblung  ber  wä^renb  ber  E^c  auß  einer  unerlaubten  ^anb* 

«ttSM  I.  UtarscrL  0efe|biu^  IT.  35 


546  SWo6iIiarGeinclnf*aft.    Slrt  bcr  ©eftalhmß.    §  1431. 

lung  bcr  S^cfrau  cntftanbcncn  ajerbinblid^fcitcn  ber  lefttcrcn  ftatt.  SBä^renb 
naci^  franj.  Siechte  (code  civil  2lrt.  1424)  für  bie^c  SBcrbinbtid^fcitcn  nur  ba^ 
©onbcrgut  bcr  ß^cfrau  ^oftct,  unb  oud^  bicfcö  nur  unbcfd^obct  bcr  ber 
®emcinfc^aft  baran  juftc^cnben  Slufcnicfeung,  liaften  nad^  bcm  entwürfe 
(§§  1359,  1362)  wegen  biefer  SBerbinblid^fciteu  bcn  ©laubigem  gegenüber 
neben  bem  Sonbergute  ber  ®^cfrau  (§§  1417,  1351  SÄbf.  2  oerb.  mit  §§  1311, 
1312)  auä)  baö  (Sefammtgut  unb  ber  &)ttnann  perfonlidd,  unb  nur  im  SSe^ 
l)ältniffe  ber  ©Regatten  ju  einanbcr  fallen  biefc  Söerbinblid[|feitcn  ber  (S^efrau 
jur  Saft  (§  1367  2lbf.  2  3lv.  1,  §§  1417,  1351  «bf,  2,  §  1316  Äbf.  2  3lr.  1). 
IKit  biefen  93cftimmungen  fte^t,  abgcfe^en  pon  bcr  perfönlid^en  Haftung  bcs 
e^emanneö,  ber  e^renbreitft.  ©ntm.  §  22  im  ®inMange.  2)ie  ©rünbe,  melt^e 
gegen  bcn  ©tanbpunft  bcö  (Sntmurfeö  unb  bafür  fpred^cn,  bie  Haftung  bed 
(S^emanncö  für  bie  l)ier  fraglichen  SBerbinblic^fciten  ber  ®^cfrau  cinjufd^ränfen, 
finb  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgcmeinfd^aft  ermogen  (ücrgl.  bie  SKotiüc  ju  §  1359 
oben  S.  365  unb  ju  §  1380  oben  S.  417  ff.).  2)ic  Ocgcngrünbc  finb  inbcffen 
ate  überroiegenb  erad^tet.  2)a  bicfelbcn  im  SBcfentlid^cn  auc^  bei  ber  ©cmein^ 
fd^aft  bcö  bemeglidden  SBcrmögcnö  unb  ber  ®rrungenfd^aft  jutreffen,  fo  ift  eine 
älusna^me  bei  bcr  legteren  in  ber  f)kx  fraglid^en  9tid^tung  nid^t  angezeigt. 
ec^uibeii.  4.  3lntangcnb  bie  ^oftung  bcr  ©Regatten  für  bie  ®cfammtgutßt)crbinbli(^ 

»«Äiffe  ^^^^^^  ^^  aSer^ältniffe  bcr  ©Regatten  ju  einanbcr,  fo  führen  bie  Seftimmungen 
ber  c^efltttten  bcö  ©ntwurfcd  (§  1367),  fooicl  iuuäi^ft  bic  oorctielid^en  Sc^ulbcn  betrifft,  im 
aowTeiilc  ^Befenttid^cn  ju  bemfclbcn  SRefultatc,  wie  baö  franj.  SWec^t  (code  civil  9Irt.  1409 
sTuibcn.'  3lx.  1,  3,  Slrt.  1437)  unb  ber  c^rcnbrcitfl.  ©ntro.  (§§  13—15,  21).  3n  Ucber^ 
cinftimmung  mit  bcm  franj.  Siedete  unb  bcm  c^rcnbreilft.  ®ntn).  fallen  nac^ 
§§  1432,  1367  3lx.  2  bie  ^mmobiliarfd^ulbcn  eines  ©Regatten,  b.  f).  bicicnigen 
33erbinblid&fcitcn,  meldte  in  golgc  eincö  }u  bcm  unbcmeglid^en  SBermogen 
gel^örcnbcn  SRcd&teö  ober  bed  33efi|eö  einer  ju  bcm  unbcroeglid^cn  58crmogen 
gcl^örenbcn  ©o^c,  foroie  bicicnigen  9Dlobiliarfd(|ulbcn,  meldte  auÄ  einem  ouf 
bad  unbeiDcgtid^c  9[iermögen  fidEi  bcjicl^enbcn  ^Icd^tdücrl^ältniffc,  menn  auc^  Dor 
bcm  ©intritte  ber  ©ütergcmeinfd^aft,  entftanben  finb,  regelmäßig  bcm  bctreffcnben 
©fjcgattcn,  bic  übrigen  üore^clid^en  S^ulbcn  bem  ©efammtgute  jur  Saft.  3" 
bcn  bcm  bctreffcnben  ©Regatten  jur  Saft  faUenben  ©d^ulben  geboren  namentK(6 
fotd^c  üorctjclid^e  äßobiltarfd^ulbcn,  meldte  in  bcr  perfonlid^en  93crpflic^tung 
jur  Uebertragung  eined  jum  ©onbergutc  cincö  ©Regatten  gc^örcnben  ^ntmobile 
ober  jur  ©inräumung  eineö  bingliddcn  Sled&teS  an  bemfclbcn  ober  in  bcr  Ser* 
pflid&tung  jur  S^^l^^^fl  ^i^^ö  rürfftänbigen  Haufpreifcö  für  bcn  ©rmerb  eine« 
jum  ©onbergute  eine«  ©Regatten  geprenbcn  immobile  ober  jur  3ö^lung  eine« 
barauf  fic^  bcjicl^enbcn  rürfftänbigen  Slblöfungöfapitalcö  fid^  grünben  (oergt. 
code  civü  2lrt.  1437 ;  c^renbrcitft.  ©ntro.  §  15).  Der  cl^rcnbreitft.  ©ntro.  §  15 
red^nct  ba^in  ferner  aud&  fold^e  t)orc^clid(|cn  aWobiliarfd^ulben,  für  meiere  ©or 
©ingel^ung  bcr  ©^c  ein  jum  ©onbergute  gctjörenbcfi  Smmoblle  jur  ^Qpot^f 
beftcUt  ift,  iebod^  nid()t  über  bcn  betrag  bed  98crt^cd  ober  ©rlofed  beft  oer^ 
pfänbcten  immobile  ^inauö.  3)aö  franj.  3led^t  enthält  in  biefer  SUejie^ung 
eine  fpcjlcUe  33eftimmung  nid^t.  5Dlc  neuere  franj.  3uriöprubenj  nimmt  aber  — 
abrocid&enb  üon  bem  c^renbreitft.  ©ntm.  —  an,  bafe,  rocnn  bic  5ßfanbforberung 
jugteic^   eine  pcrfonlic^e  Sd^ulb  eincö  ©Regatten  ift,   bie  aDgemeinen  »c* 


J 


grtoBiriargcmeinfd&aft.    9Irt  ber  ©efialtung.    §  1431.  547 

ftimmungen  cntfd^cibcn,  roeld^c  von  ben  bcroegUd^en  ©d^ulbcu  gelten,  mit()in 
nur  bcr  innere  Sufommcn^ang  ber  ©ntftel^ung  ber  Sd^ulb  mit  bem  unberoeg« 
lid^en  ober  bem  bcrocglid^en  SBermögen  mafegebenb  ift.  S)ieö  ift,  roie  fid^  in  ©r^ 
mongelung  einer  entgegenftel^enbcn  Seftimmung  auö  §  1367  3lbf.  1  unb  9lbf.  2 
9Jr.  2  oon  felbft  ergiebt,  ouc^  ber  ©tanbpunft  bcö  ©ntrourfeö.  I)ie  entgegen- 
flcfe^te  Seftimmung  beö  el^renbreitft.  ©ntro.  ift  icbenfoHs  in  ber  9ingemein£)eit,  roie 
Wefelbc  loutct,  nid^t  ju  billigen.  3)er  ©ebanfe,  auf  roetd^em  jene  93eftimmung 
beruht,  ba6  bie  Sciaftung  eines  immobile  mit  einer  ^^potl^ef,  auä)  wtrm  bie 
perfonlic^c  SSerbinbli^fcit  nod^  t)orf|Qnben  ift,  mirtJ^fd^aftüc^  fid^  als  eine  t^eil* 
iwife  SScriocrt^ung  beö  immobile  felbft,  als  eine  bauernbe,  en.  auö  bem 
SBert^c  beöfelben  ju  tUgcnbc  Saft  barftelle,  trifft  iebenfaDö  bei  ^i)pot^efarifd^en 
Scioftungen  oon  Siedeten,  meldte  naä)  §  1432  ju  bem  unbemeglid^en  93er^ 
mögen  gctjoren,  unb  bei  ©id&erungö]^i)potf|efen  (§§  1125—1134),  f|ingefel)en 
auf  bie  Toirttifd^aftlidde  S3cftimmung  fold^er  §r)pot(}efcu,  nic^t  ju.  3lber  aud) 
in  ber  Sefc^ränfung  auf  bie  33elaftung  eines  ©runbftüdEcS  mit  einer  fog, 
mobernen  ^r)pot^ef  (im  Oegenfafee  ju  ber  ©id^erungö^i)pot^ef  im  ©innc  ber 
§§  1125  ff.)  ift  bie  fraglid^e  Seftimmung  als  gered^tfertigt  nid&t  ju  erad^tcn. 
&  fann  nid^t  iugegeben  werben,  ba§  bie  jener  Seftimmimg  ju  (Srunbe 
liegenbe  3lnfc^auung  über  bie  mirttifd^aftlic^c  35ebeutung  ber  S3e(aftung  mit 
einer  §qpott|et,  felbft  in  ber  beieid^neten  S3efd()ränfung,  für  bie  SWe^rja^l 
bcr  gälle  bered^tigt  unb  im  33erfel^rSleben  eine  fo  allgemeine  ift,  ba§  barauf 
eine  oon  ber  Spiegel  unb  ber  iuriftifd^en  5Watur  ber  af jefforifd^en  §i)potf)ef  ah^ 
löcid^enbc  bispofitioe  Slusna^mebeftimmung  gcgrünbet  werben  fönnte.  @ine 
foI(^  Seftimmung  ift  um  fo  beben!üd[|er,  als  biefclbe  mit  bem  geltenben  Steckte 
in  benjenigen  ©ebieten,  für  meiere  ber  im  ©efefebuc^e  georbnete  oertragSmäfeige 
©üterftanb  ber  ©emeinfd&aft  beS  beroeglid^en  äjermögenö  unb  ber  ®rrungen^ 
fc^ft  oorjugsmcife  bered^net  ift,  nic^t  im  ®intlange  fte^t  unb  bort  baö  Se^^ 
bürfniß  einer  fold^en  35eftimmung  fid^  nic^t  geltcnb  gemad^t  ^at.  I)er  ©tanb* 
punft  beö  ©ntmurfeS  in  ber  l^ier  fragUd()en  S3cjie^ung  entfprid^t  jubem  ber 
Sorfc^rift  beö  §  1433,  nad^  meld^er  in  ben  bort  bcjeid[)neten  gäUen  alle  burd^ 
ben  ßnoerb  ber  ©rbfdöaft  u.  f.  ro.  entftanbenen  SSerbinblidfifeiten  otjne  9lüdEfid^t 
barauf,  ob  noegen  berfelben  ein  immobile  mit  einer  ^ppotl^el  belaftet  ift  ober 
nic^t,  auf  ba^  ©onbergut  unb  baö  Oefammtgut  oerl^ättnifemäfeig  oert[)eiIt 
werben  foHen. 

SIud&  in  5lnfe^ung  ber  mö^renb  beö  Seftef)enö  ber  ©emeinfd^aft  ent^  m^xwb  b«r 
ftonbenen  33erbinblid^fciten  eincö  ©Regatten  finb,  fooiel  baö  SSer^ältni^  bcr  emTtanbenV 
€^gotten  unter  cinanber  betrifft,  abgefefien  oon  bcr  SSorfd&rift  beö  §  1433,  ®*«^^«"- 
SWobififationen  ber  in  biefer  ^infid^t  für  bie  allgemeine  ©ütergemeinfc^aft 
tnalgcbcnben  Seftimmungen  (§  1367)  nid(|t  crforbcrlid^.    S)ie  SÄbmeiddungen 
ber  lejteren  oon  ben  betreffenben  Seftimmungen  bcs  franj.  SWed^teS  (code  civil 
Srt  1409  9lr.  2—5,  »rt.  1437)  unb  beö  e^renbreitft.  ©ntm.  (§§  16—23)  l)ängen  * 
nic^t  mit  ben  befonberen  3Ser^äItniffen  ber  SWobiliargcmeinfd^aft  jufammen, 
fonbem  berufen  auf  einer  oerfc^iebenen  9luffaffung  allgemeiner  fragen.  2)ieö 
gilt  inöbefonbere  oon  ber  Seftimmung,  ba§  bie  aus  einer  unerlaubten  ^anblung 
loS^renb  beö  33efte^enö  ber  (Semeinfc^aft  entftanbenen  SSerbinblid^feiten  eincö 
©^gatten  ftetö  bem  leiteten  jur  Saft  fallen  (§  1367  3lbf.  2  ?«r.  1),  mä^renb 

35* 


548  SWo6iriarGemeinf*aft.    ©onberout.    §  1432. 

bicö,  foDicl  berartigc  SScrbinbfid^feiten  bcö  ß^cmanneö  betrifft,  na^  fronj. 
Siedete  (code  civil  2[rt.  1424)  nur  in  SKnfel^ung  bcr  t)on  bem  ©bemanne  wegen 
einer  ftrafboren,  nic^t  bloß  ^ioilrec^tfid^  unerlaubten  ^onblung  Derroirftcn 
(Selbftrafen  ber  gall  tft.  5Der  e^renbrcitft.  ©ntn).  §  23  Slbf.  4  ftimmt  in  biefcr 
93ejief)ung  mit  bem  üorliegenben  ©ntmurfe  überein. 
atufiöfung  ber  5.  3)ie  bei  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfc^aft  geltenben  SSorfd^riften  bc^ 

@emeinf<^«ft.  Q^^^^^^^^  ßber  bie  Slufiöfung  ber  ©ütergemcinfc^aft  unb  bie  SBirfungen  ber 
3luf(öfung  (§§  1371—1382)  l)ängen  mit  ber  ©runbauffaffung,  von  melier 
ber  ©ntrourf  bei  ber  ®ütergemeinfd&aft  ausgegangen  ift,  unb  mit  ber  bem 
Oefammtgute  ju  (Srunbe  gelegten  juriftifctjen  Äonftruftion  fo  eng  jufammen, 
bafe  fie,  abgefef)en  t)on  ben  33eftimmungen  über  baß  gütergemcinfd^aftlit^c 
©rbredöt  unb  bie  fortgefegte  ©ütergemeinfd^aft  (oergl.  §  1434  nebft  ÜRotioen)^ 
aud^  bei  ber  ©emeinfd^aft  beß  beroeglid^en  SBermogenß  unb  ber  ©rnmgenfc^aft 
jur  9Inn)enbung  fommen  muffen.  !3n  ber  großen  2Re^rjal;l  ber  gällc  ftimmeit 
fie  jubem  mit  ben  betreffenben  SBorfd^riften  beß  fronj.  SRed^teß  (code  civil 
3rrt.  1441—1495)  unb  beß  e^renbreitft.  entm.  (§§  43—48)  im  prattifc^en 
^'°bc'r*  SHcfultate  überein.  ©ine  nid^t  unerlieblid^e  Slbroeid^ung  Don  bem  fronj.  Siedete 
G^cmannc«.  (code  civil  9lrt.  1443)  unb  bem  el^renbreitft.  ®ntro.  (§  47)  jeigt  fic^  aUcrbingß 
namentlid^  barin,  bafe  nad^  bem  ©ntrourfe  bie  ®f)efrttu  im  galle  ber  Eröffnung 
beß  Äonfurfcß  über  baß  Sßermögen  beß  @f|emanneß  bie  3luflöfung  ber  Oüter* 
gemeinfd^aft  auc^  für  bie  3^Iwnft  nid^t  üerlangen  fann.  SBenngleid^  iujugeben 
ift,  ba^  im  ^inblidfe  auf  bie  SJorfdlirift  beß  §  1434,  nadd  melc^er  baß  guter- 
gemeinfd^aftlid^e  ©rbred^t  unb  bie  fortgcfeßte  (Sütergemeinfd^aft  bei  ber  ®e^ 
meinfd^aft  beß  bcmeglid^en  SScrmögcnß  unb  ber  ©rrungenfd&oft  feine  9Inmenbung 
finben  follen,  ein  2^^eil  ber  ©rünbe,  meldte  bal)in  geführt  l^abcn,  ber  fe 
Öffnung  beß  Äonhirfeß  über  baß  33ermögen  beß  ©^emanneß  einen  Cinflufe  auf 
ben  Seftanb  ber  Oütergemeinfd^aft  nid&t  cinjuräumen  (t)ergl.  bie  SRotiüe  su 
§  1372  oben  ©.  398),  bei  ber  ©emeinfc^aft  beß  bemeglid^en  SBcrmögenß  unb 
ber  ©rrungenfc^aft  ni^t  jutrifft,  fo  fommt  bod^  anbererfeitß  in  öetrad^t,  bafe 
biefer  ©üterftanb  im  Uebrigen  in  2lnfe^ung  beß  Umfangeß  unb  bcr  Sutenfität 
feiner  ©inmirfung  auf  bie  SBcrmögenßoerf)ältniffc  ber  ©Regatten  ber  allgemeinen 
@ütergemcinfdl)aft  fef)r  natie  ftel^t  unb  bie  befonberen  (Srünbe,  rocldbe  beftimmenb 
gemcfen  ftnb,  bei  bcr  ©rrungenfd)aftßgcmcinfd()aft  bie  ©roffnung  beß  Äonfurfcß 
über  bad  SBermögen  beß  ©^cmanneß  alß  Sluflöfungßgrunb  onjucrfcnncn 
(§  1429  aibf.  2),  bei  bem  ^ier  fraglid&en  ©üterftanbe  nid^t  in  bem  aWofee  inß 
©eroid^t  fallen,  bafe  fie  in  ber  l^ier  in  9iebe  ftel)enben  SSejieljung  ju  einer  Slb^ 
mcid}ung  oon  ben  SSorfd^riften  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfc^aft  not^igcn. 


§  1432. 

eonbcrgut.  3)ic  Scftimmuug  beß  §  1432  3lbf.  1  bringt  ben  farofteriftifd^en  Unter* 

\\Z^^'   fc^i^i>  jn)ifd[)en  ber  allgemeinen  ©ütergemeinfdtiaft  unb  ber  ©emeinf^aft  beß 


* 


Bennögen.  beioeglid^cn  SBcrmögenß  unb  ber  ©rrungenfd^aft  jum  2lußbrudEe,  bofe  nömli<i. 
mcnn  biefer  legiere  ©üterftanb  vereinbart  ift,  ol^ne  bafe  cß  bieferl^alb  einer 
befonberen  SBereinbarung  bcbarf,  Sonbergut  eineß  ©l^egatten,  aufeer  ben  im 
§  1351  bcjeiddneten  ©egenftänben,  baß  unberoeglid^c  SJermogcn  ift,  roelt^cß 


aJloBiliaröcmeinfc^aft.    ©onbcrgut.    §  1432.  549 

berfelbc  bei  (Sintritt  bicfcö  Oütcrftonbcä  ^at  ober  wä^renb  beö  Seftd^enö  beö 
Icfteren  bnxd)  ©rbfolge  ober  burd^  a3ermäd)tm§  ober  burd^  Uebcrlrogung  mit 
3lücfji(^t  auf  ein  fünftigeö  (grbreti&t  erroirbt  (ocrgl.  code  civil  9lrt.  1401—1406; 
enti4  b.  SR.  ®.  in  6imlf.  XV,  80 ;  e^renbreitft.  ©ntn).  §§  3,  4,  6).  Sie 
Ölcid^ftellung  beä  ©rroerbeß  burci}  Uebertragung  mit  Slücffid^t  auf  ein  fünftlgeö 
Grbrec^t  rc^tfertigt  fic^  burd^  ben  3^^^*  "^^  ^i^  3latur  einer  fold^en  lieber- 
trogung.  3)iefe  Oleidiftellung  mit  bem  el)renbreitft.  ®ntm.  §  6  auf  ben  galt 
einer  fold^en  Uebertragung  von  ©eiten  eines  Slfjenbenten  ju  bcfc^ränfen 
^ocrgf.  auc^  code  civil  1406),  fel|tt  ed  an  genügenben  (Srünben. 

Sluä  ber  93eftimmung  beä  §  1432  9lbf.  1  crgiebt  fid^  inöbefonbere,  bafe,  «"^^^  «"«|^ 
rocnii  in  ben  bort  bejeic^neten  '^Süzn  ber  ©rroerb  t^eilö  auö  unberoegüd^en/unb^bcnlJgi.* 
töcite  au0  beroeglid&en  ©ad&en  beftetit,  bie  erfteren  bem  ©onbergute,  bic  legieren  f^^^^^htn 
km  ©efammtgute  jufallen.  3luf  bem  ©ebietc  beä  franj.  9ledf)teä  befielt  mit  erbfc^aft 
Äucffic^t  ouf  bie  Seftimmung  bcö  code  civil  SÄrt.  883  bie  Streitfrage,  ob,  "'  ^-  '°' 
wenn  mehrere  üßitcrben  Dor^anben  finb,  bie  grage,  ob  ein  ß^egatte  3)lobiIien 
ober  3mmobilicn  geerbt  ^abe,  fid^  nad)  bem  93eftanbe  ber  ungettieilten  ©rb- 
f(^Qft  ober  aber  nad^  bem  ©rgebniffe  ber  a^tieilung  entfc^eibet.  3)as  3leid^ö^ 
gerieft  ((Sntfc^.  in  Gioilf.  XV,  80)  l^at  bie  grage  im  erfteren  Sinne  ent^ 
fc^ieben.  3)er  e^renbreitft.  ©ntn).  §  5  beftimmt  bagegen  in  biefer  33ejie^ung, 
boB  bic  bei  ber  Stuöeinanberfegung  bem  miterbenben  ®t)egatten  auf  fein  Sooö 
juget^eilten  unberoeglid^en  Sachen  jum  Sonbergute,  bie  bemfelben  auf  fein 
Sood  juget^cilten  bemegli^en  Sad^en  jur  ®iitergemeinfd[)aft  gct|5ren  unb  bafe 
ber  legieren  aud&  bie  (Selbabfinbungen  jufallen,  meldte  ber  ©begatte  Don  SDlit^ 
erben  für  bie  von  ben  legieren  übernommenen  unberoeglic^en  ©rbfd^aftöfad^en 
JU  forbern  ^at,  üorbe^altlid^  ber  ©rfagleiftung  nad^  §  9  jenes  ©ntrourfeö. 
Som  Stonbpunfte  beö  oorliegenben  ©ntrourfes  aus  ertebigt  fid^  bie  in  SHebe 
fte^enbe  g^ogc,  o^ne  ba§  es  in  biefer  Sejie^ung  einer  befonberen  33cftimmung 
bebarf,  bur^  bas  nad^  §  1351  Stbf.  1  3lr.  4  unb  §  1431  2lbf.  1  aud^  für 
bie  ©emeinfc^aft  bes  beweglichen  aSermögenS  unb  ber  ®rrungenfd(|aft  ma^^ 
gcbenbe  SurrogationSprinjip  beS  §  1414.  3luS  bicfem  ^rinjipe  folgt,  ba^ 
ber  Xnt^eil,  meld^er  einem  ©Regatten  als  ajiiterben  an  ben  ju  ber  ©rbfd^aft 
ge^örenbcn  unberoeglidden  ©ad^en  jugef allen  ift,  bic  SonbergutSeigenfd)aft, 
meldte  ber  9lnt^eit  an  biefen  ©ad^en  wegen  ber  Unberoeglid^teit  ber  legieren 
crf^oiten  ^at,  aud^  bann  behält,  wenn  berfelbe  auf  Orunb  ber  3luseinanber* 
fegung  mit  ben  SKiterben  in  beroeglid^e  Sad^en  ober  in  einen  ®elbanfprud[) 
umgefegt  ift.  33on  ienem  ^ßrinjipe  in  ber  l)ier  fraglid^en  33ejiel^ung  für  bie 
®emeinf(^aft  beS  beroeglid^en  aSermögenS  unb  ber  ©rrungenfd^aft  im  Oegen? 
foge  jur  allgemeinen  ©ütergemeinfd^aft  eine  2lu8nal)me  ju  machen,  liegt  feine 
Seranlaffung  por,  ba  bie  SScr^ältniffe  bei  jenem  ©üterftanbe  in  biefer  ^infid^t 
nic^t  anbers  liegen,  als  bei  ber  allgemeinen  ®ütergemeinfd[)aft,  unb  jubem  ber 
Gntrourf  nad^  ber  bem  franj.  Siedete  oon  bem  9leid^8gerid)te  ju  3;^eil  ge=f 
morbenen  3ludlegung  in  bem  gebauten  fünfte  mit  bem  franj.  Siedete  im 
©nflonge  fte^t,  eines 

^ad)  bem  »orbilbe  bes  franj.  9tec^tes  (code  civil  3lrt.  1408)  enthält  ^«^^**j9^;^^' 
ber  e^renbreitft.  ©ntro.  §  5  2lbf.  2,  3,  ferner  befonberc  Scftimmungen  für  «Regatten 
bie  gftUe,  in  meldten  ein  etiegatte  mälirenb  beftelienbcr  ©emeinfdjaft  burd^  ^^^""^^ 


550  SWobiliargcmcinftJ&aft.    ©onbergut.    §  1432. 

läftigcd  9ic^tßflcfd&äft  bad  6igcntf|um  einer  unbeweglichen  Sod^c  erwirbt,  ön 
roefdier  ilim  boö  SRiteigcnttium  bereite  juftel^t  ober  in  rocld^em  ber  e^emonn 
in  fold^er  9lrt  eine  im  ^itcigent^ume  ber  S^efrau  fte^enbe  unberoeglid^e  Ba6ft 
ganj  ober  t^eilroeife  allein  unb  auf  feinen  $Jlamen  erroirbt.  3lud^  in  bicfcr 
Sejieljung  bebarf  eö,  wie  bereit«  in  ben  SRotiücn  ju  §  1414  oben  6.  501 
dcroorge^oben  würbe,  für  ben  Gntrourf  befonberer  Scftimmungen  ni^t,  bo  au^ 
infoweit  ber  ©runbfafe  beö  §  1414  genügt  unb  ein  befonberer  ©d^uß  ber  Q^- 
frau  gegen  bic  (Sefa^r  einer  Senad^t^eiligung  burcf}  ben  ©^emann  in  bem 
jule^t  bejcid^neten  goUe  ni(i()t  erforberlid^  ift. 
«ä^crc  »c»  Der  §  1432  SKbf.  2  ent()ält  bic  näheren  35eftimmungen  barüber,  wel(!^c 

SSacJen  ©cgenftänbe  unbewegliches  SBermögen  im  ©inne  beö  §  1432  äbf.  1  ftnb. 
«ermSßcnö  3)ic  Sßorfc^rift  bc«  §  1432  SHbf.  2  5Wr.  1,  bafe  (Srunbftüdfe  nebft  bem 

3ubcl|öre  (§§  789,  791)  unbeweglici[)eö  SBermögen  fmb,  cntfprid&t  bem  fronj. 
JHec^te  (code  civil  5B[rt.  517—525 ;  in  Slnfe^ung  beö  3wbe^5rcö  5um  Xt)ül  ab? 
weid^enb  e^renbreitft.  Entw.  §  10).  I)cn  ©runbftütfen  fte^en  nad&  §  781 
3lbf.  2  bie  bort  bejeid^ncten  felbftänbigen  Sered^tigungen  gleid(|. 

3n  wefentlic^er  Uebereinftimmimg  mit  bem  franj.  SWed^te  (code  civil 
9Irt.  526,  529,  530)  bejci^net  ferner  bic  3lv.  2  beö  §  1432  3(bf.  2  bie  Siebte 
an  ©runbftütfen  mit  9luönal|me  ber  ^^potldefen  unb  Orunbfd^ulbcn  olft 
unbcweglid^eö  SBermögen  im  ©inne  beö  §  1432  Slbf.  1  (ocrgt.  aud^  §  1511 
9lbf.  1  31r.  1,  §  1674  3lx.  1).  Diefe  ausnähme  re^tfertigt  fid^  bur^  bic 
wirtl^fd()aftlid^c  35eftimmung  ber  $i)pot^efen  unb  ®runbfd(|ulben  unb  ift  oud) 
im  e^renbreitft.  ®ntw.  §  10,  weld^er  im  Uebrigen  wegen  ber  gragc,  welche 
Ocgenftänbc  jum  unbeweglidöen  SSermögen  gel^ören,  auf  bie  ®runbfä|e  beö 
gemeinen  9led&teö  oerweift,  auöbrücfüd^  aner!annt  Unter  bic  i&i)pot^efen  fällt 
felbftocrftänblid^  aud^  bic  eigcntf)ümerl^i)pot^ef  (§§  1097  ff.).  a)a  boö  6* 
baured^t  (§  961)  noc^  §  962  3lbf.  2  ju  benienigen  SBcred^tigungen  gehört, 
weld^c  ben  ®runbftüc!en  gleid^geftellt  fmb  (§  781  aibf.  2),  fo  fommen  olö 
binglic^e  Siebte  an  ©runbftüdfcn  nur  no^  baö  binglid^c  S8orfauföred&t  (§§  952  ff.), 
bie  ©runbbicnftbarfcitcn  (§§  966  ff.),  ber  Sliefebraud^  (§§  980  ff.),  bic  be* 
fc^ränften  pcrfönlid^en  SDienftbarIciten  (§§  1044  ff.)  unb  bic  Slcaaaften 
(§§  1051  ff.)  in  Setrad^t.  3lnIongenb  baö  binglic^e  aSorfauförcd^t,  fo  gebort 
baöfclbe  im  ^inblidfe  auf  feinen  ©egenftanb  unb  3n^alt  unjweifel^aft  }u  bem 
unbeweglichen  SScrmogen.  ©oweit  baöfclbe  bem  ieweiligcn  (Sigcnt^ümer  eine« 
©runbftüdfeö  jufte^t  (§  952  9lbf.  2  9flr.  2),  crgiebt  fid^  bieö  fd^on  auö  §  788. 
©oweit  baöfclbe  nid^t  fubicftio-binglid^  ift,  folgt  bic  ©onbergutecigcnfd^aft 
bcöfclbcn  auö  §  1351  2lbf.  1  SRr.  2  in  SSerbinbung  mit  ben  §§  954,  486, 
nad)  wcld^cn  baöfclbe  auf  einen  änbcren  nid^t  übertragen  werben  fonn. 
®bcnfowenig  fann  bic  3mmobiliarcigcnfd^aft  ber  ©runbbicnftbarlcitcn  nod^ 
§  974  9lbf.  1  unb  §  788  einem  3weifcl  unterliegen.  S)er  Stiefebrauc^  unb 
bic  befd^ränften  pcrfönlid^en  2)icnftbarlcitcn  liaben  jwar  wirt^fc^afttid^  bei 
3Bcitem  nic^t  bic  93cbeutung,  wie  ha^  (gigent^um  an  ©runbftüdcn.  Da  fic 
mit  bem  SJ:obe  beö  35ere^tigten  erlöfd^en  (§  1014  9lbf.  1,  §  1049),  fo  fe^lt 
il)nen  jubem  ber  5lara!ter  beö  geften  unb  Dauernben  unb  fann  bcö^alb  niit 
bic  Siebe  baoon  fein,  ba§  eö  fid^  bei  biefcn  SRcd^tcn  um  fold^c  SBermogenfi« 
gcgcnftänbc  l)anbelt,  weldf)c  nadd  ber  ^cnbcnj  ber  ®emcinfd)oft  beö  beweglichen 


ÜRcBinaröcmcinfd&aft.  ©emcinWaftli^fcit  b.  SSerbinblic^fciten.  §  1433.       551 

Sermogcnö  unb  bcr  @rrungcnf(i^aft  bcr  gamiUe  erf)altcn  werben  müßten. 
Jiefe  3)lomcnte  fpred^en  bafür,  bie  bcjeic^neten  Siedete  nid&t  Qlä  unberoeglid^eö 
Sennogen  ju  bc^anbeht.  3lnbcrcrfcitö  fommt  aber  neben  bem  SBorgange  beö 
franj.  Jlcd^tcfi  (code  civil  SKrt.  526)  in  Sctrad^t,  bafe  biefelben  roegcn  ifircv 
Quf  bie  5|Jcrfon  beö  Söcred^tigtcn  befdiränften  Xauer  fid^  nid^t  baju  eignen, 
Seftanbt^cil  be«  ©efammtgutefi  ju  werben  (ücrgl.  §  1415  nebft  aWotioen  oben 
S.  503  ff.),  unb  bie  befdiränften  perfönttd^en  ©ienftbarfeiten  ^ubem  wegen  i^rer, 
roenigftend  ald  Siegel,  anerfanntcn  Unüeroufecrli^feit  (§  1047)  nad^  §  1351 
8bf.  1  9ir.  2  o^nel^in  rcgelmäfeig  ©onbergutöcigenfc^aft  f)Qben.  Sw'cifel^after 
ift  bie  5?ragc,  ob  oud&  bie  SReollaften,  foweit  biefelben  ni(^l  fubicftio-bingli^ 
finb  unb  fcfbftönbig  übertragen  werben  fönnen  (§§  1051, 1059),  bem  unbewegt 
fielen  SScrmogcn  jujuredfinen  fmb.  2)a6  bie  fubieltiü^bingUdden  SRcaltafteu 
3mmobilioreigenf^aft  ^oben,  oerftcl^t  fi^  noc^  §  788  t)on  fetbft,  unb  bie 
Sonbergutßeigenfd^aft  ber  fonfligen  SRcoUoftcn,  foweit  biefelben  nid)t  über* 
trogen  werben  fonnen,  folgt  auö  §  1351  Slbf.  1  9lr.  2.  3lber  aud&  in  SJlm 
fe^ung  ber  übrigen  3leallaftcn  fprct^en  übcrwicgenbc  ©riinbe  bafür,  biefelben 
bem  Sonbcrgute  jujured^nen.  3)ie  9luffaffung  ber  SRealtaften  al8  eineö  Seftanb:: 
t^eileö  bed  unbeweglid^en  Vermögend  entfprid^t  nid^t  allein  bem  alten  beutfd^en 
Äec^te,  fonbern  uorwiegenb  aud^  bcr  l^cutigen  9led|tö*  unb  83erfel)rßauffaffung, 
unb  cö  ift  um  fo  me^r  angcjeigt,  biefelben  im  Sinne  beö  l)ier  fraglichen 
Qüterftanbeö  bem  unbewegltd()en  SSermögen  iujujäl^len,  ald  auc^  lieutjutage 
no(^  ein  93ermögen  audfd^Iieglid^  ober  bod^  grogtent^eild  aud  feinedwegd  immer 
on  ein  ®ut  gefnfipften  Sieallaftberec^tigungen  befielen  fann. 

SBirb  ber  9lie6braud|  an  ®runbflücfen  alö  jum  unbewcglid^en  93cr* 
mögen  ge^orenb  bc^anbelt,  fo  ift  eö  fonfequcnt,  bcmfelben  aud^  ben  Sücfebraud^ 
an  folc^en  JRed^ten  gleid&juftelten,  weld^e  nadt)  bcr  aSorfd^rift  beö  §  1432  Slbf.  2 
9ir.  2  «eftanbt^eile  beö  unbeweglichen  SBermögenö  bilbcn  (§  1432  2lbf.  2  5«r.  3). 

«nlangenb  fobann  bie  «orfclirift  beß  §  1432  Slbf.  2  3lr.  4,  fo  red^t^ 
fertigt  f\d)  bie  SKuöbe^nung  ber  Smmobiliareigenfd^aft  auf  bie  bort  bejeid^neteu 
^orberungen  burdd  ben  3^^^*/  roeld^en  bie  Sorfd^rif ten  beö  §  1432  9lbf.  2 
91r.  1—3  verfolgen,  unb  bie  wirt^fd^aftlic^e  Scbeutung  ber  l)ier  fraglid^cn 
Sorberungen  (uergt.  §  1511  9lbf.  1  9tr.  2,  §  1674  9lr.  2).  ^m  9lcfultate 
Kimmen  auc^  boö  franj.  Stecht  (code  civil  2(rt.  526)  unb  ber  e^renbreitft. 
6ntw.  §  4  9tbf.  2  bamit  überetn. 


§  14;}3. 

35ie  33eftimmung  beö  §  1433,  welche  fidd  als  eine  SWobififation  beö    ®emctn* 
§  1367  atbf.  1  nnb  äbf.  2  3Jr.  2  barfteUt,  entfpric^t  bem  franj.  SRec^te  (codejfb«^, 

Hvii  «rt  1411—1418)  unb  bem  c^renbreitft.  (Sntw.  (§§  24—28).    '^^^^Q^^^^^''l^,^J,^^' 
fic^  nicftt  Dcrfennen  Ififet,  baß  jene  93eftimmung  baö  ä3erl)ältnife  ber  ©Regatten    «erwnb* 
unter  etnanber  in  änfel^ung  ber  im  §  1433  bcjeid^neten  SScrbinblidfifeiten   "*'"*«"* 
tompU}irt,   inbem  banad^  bie  ^ert^eilung  biefer  ^crbinblid^feiten   auf   baö 
Qefammtgut  unb  baö  ©onbergut  mi)  anberen  GJrunbfäfeen  erfolgt,  alö  bicö 
nod^  §  1367  SCbf.  1  unb  äbf.  2  9lr.  2  fonft  ber  gall  ift,  unb  bafe  bie  jum  Swecfc 
ber  3krt^eilung  ber  in  JHebc  fte^enbcn  aScrbinblidfifeiten  auf  baö  Oefammtgut 


552  9Wobiliaröemeinf(J6aft.    Erbfolge.    §  1434. 

unb  baö  Sonbcrgut  not^rocnbig  rocrbenbc  9Bertl&dbcrcd^nung  mit  Sd^micrig- 
feiten  Dcrbunbcn  fein  unb  ju  SGBeitcrungen  Sttnlofe  geben  fonn,  fo  ift  e§  bod^ 
als  bebenflldö  erachtet,  jene  Seftimmung,  roeld^e  jid^  im  franj.  9ied^te  affi  eine 
©igentl^ümlid&feit  ber  5KobiIiargemeinfd^aft  auögebilbet  unb  in  ben  Gebieten 
biefeö  5Red6tcS  ju  befonberen  SÄifeftänben  nid^t  gcfül^rt  \)ai,  of)ne  swingenbc 
©rünbe  ju  befeitigcn.  3)ad  SBeri^ältnife  gegenüber  ben  ©laubigem  roirb  burc^ 
bie  S3eftimmung  beö  §  1433  übrigens  in  feiner  SBeife  berül^rt;  uielmel^r  fmb 
infomcit,  aud)  foüiel  bie  im  §  1433  bejeid^neten  Serbinblic^feiten  betrifft, 
Icbiglid&  bie  aSorfd&riften  ber  §§  1359,  1362  mafegebenb. 


§  1434. 

9iu§fc^iu6  ber  S)ie  Seftimmuug  bc§  §  1434  berul^t  auf  ber  ©rroägung ,  bafe  in  bem 

^^Tami^w*  ^öeltauö  größeren  2:^ci(e  berjenigen  ©ebiete,  in  meldten  bie  2BobiUargemcins 
Grbfoifle.  f^aft  ober  ein  ö^nlid^eö  P3üterred6tsft)ftem  baö  gcfeglid^e  cl^elid)e  ©üterret^t 
bilbct,  inöbefonbere  in  ben  Oebieten  beö  frou/^.  9ledf)teö  unb  beö  bab.  S.  %, 
baö  Snftitut  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  unbefannt  ift.  5Daö  frani^ 
■Hed^t  fciutt  überhaupt  feine  JRad^roirfung  beö  el^elid^en  öüterred^tcö  über  ben 
2;ob  eineö  ber  ©Regatten  l^inauö.  9ia^  bem  bab.  S.  9t.  ©a|745a  ftel^t  jroar 
bem  Überlebenben  ß^egattcn  bie  lebenölänglic^e  S^ugniefeung  an  einer  Öuote 
beö  ©rbtEieitcö  ber  Siinber  ju,  allein  of)ne  9lüdffid6t  auf  bie  3trt  ber  ©ütcr- 
gemeinfd^aft,  roeld^e  in  ber  S^e  gegolten  ^at  (üergl.  auc^  S.  5f.  ©ag  738a). 
9tud)  in  benjcnigen  tJerJ^öItniftmäfeig  f leinen  ©ebieten,  in  welchen  fonft  nocft 
eine  9Kobiliargemeinfd)aft  ober  bodE)  eine  9luöbe^nung  ber  ©rrungenfc^aftö« 
gcmeinfc^aft  auf  einjetne  SE:f)eile  beö  beim  Gintritte  ber  ©emeinfc&aft  Dor* 
l)anbencn  aSermögenö  ancrfannt  ift,  inöbefonbere  im  SSe^irfe  beö  oormaligcn 
^uftijfcnatcö  ju  G^renbreitftein,  finbet  jroar  l^äufig  ein  5lic&braucft  beö  über* 
Icbenben  ßf)egatten  ftatt,  metd^er  bem  legieren  auögebel^nte  Sledbtc  gcroäört, 
nur  wreinjelt  aber,  j.  93.  nad^  htn  Siedeten  üon  Sa^mSlltenfird&en  unb  Sam- 
^ac^enburg,  ein  ber  fortgefegten  ©ütergemeinf^aft  äl^nlid^eö  SSertjältniß  (oergL 
bie  SKotioe  ju  §  50  beö  el^renbreitft.  ©ntro.).  ©tei^rool^l  l^at  ber  e^rcnbreitft. 
(Snttt).  §§  50  ff.,  72,  unb  jmar  unter  3wftimmung  ber  SSertreter  ber  bct^eiligten 
Jiedtjtögebietc  unb  unter  3wftimmung  ber  SKe^rja^t  ber  ®erid&te,  bei  beerbter 
©^e  baö  Snftitut  ber  fortgefegten  (Sütergemeinf^aft  aufgenommen,  bei  um 
beerbter  ®l)e  bagegen  bem  Überlebenben  ©Regatten  ben  lebenölänglidien  91iefi* 
braudb  eingeräumt,  ©o  gcre^tfertigt  biefer  SSorfd^lag  für  ein  ©efeg  fein  mog, 
lueld^eö  baö  e^elid^e  (Süterred^t  lebiglid^  im  Sejirfe  beö  oormaligen  3uftiifenateö 
JU  ©l)renbreitftein  ju  orbnen  beftlmmt  mar,  fo  pafet  er  boc^  nid(|t  für  ben  »or* 
Uegenben  ©ntrourf,  weil  er  mit  ber  l^errfd^enben  Sitte  unb  bem  bcfte^enben 
9led^töjuftanbe  in  bem  größten  S^^eile  berjenigen  ©cbiete,  für  meiere  bie  im 
©cfegbud^c  georbnete  üertragömäBigc  ©emeinfcftaft  beö  bcroeglid^en  SBermögenö 
unb  ber  ©rrungenfd[)aft  üorjugömeife  bered)net  ift,  nid&t  im  ©inf lange  ftebt 
3m  ^inblidfe  auf  biefe  Sad[)lage  unb  ben  immerhin  fingulären  Äaraftcr  beö 
Sfnftituteö  ber  fortgefegten  ©ütergemeinfd^aft  fann  eö  aud6  nid&t  olö  angemcilen 
unb  nid^t  alö  burd^  ein  Sebürfnife  geboten  erad^tet  werben,  ben  ©Regatten  bie 
üKöglidifeit  ju  gemft^ren,  bei  aSereinbarung  beö  ©üterftanbeö  ber  ©emeinfcftaft 


j 


6Bfred&tIi(6e§  SRegiftcr.    Seroffcntli^unö-    §  1^35.  553 

bcö  beweglichen  SSennöflenö  unb  bcr  ©rrungenfci^aft  im  SBege  bcö  ©t)coertrage§ 
Me  SInnjenbbarfcit  bcr  bie  fortgefefetc  ©ütcrgemeinfci^aft  für  bic  allgemeine 
(Sütcrgemcinfd&oft  regelnben  SSorfd^riften  ber  §§  1383—1409  Quöbrürflid^  ju 
beftimmen.  ©in  fold&eö  Sebürfnife  ift  um  fo  weniger  onjuerfennen,  o(9,  rocnn 
bif  ©Regatten  in  benjenigen  (Sebieten,  in  meldten  gegenwärtig  bie  Stßobiüar« 
flfmeinfc^Qft  gilt,  ausnatimdroeife  eine  berartige  3iac^n)irfung  ber  Oütergemein* 
fcbaft  fiber  bcn  2:ob  beö  einen  ©l^egatten  ^inauö  münfd^en  foUten,  [ie  bicö 
boburtö  erreid^en  fonnen,  bofe  fie  ben  ©ütcrftonb  ber  allgemeinen  Pjüter* 
gcmcinfc^aft  rereinbaren,  baneben  aber  im  ©^eDcrtrage  beftimmen,  ba^  bic 
beim  Eintritte  ber  (Sütergemeinfddaft  üor^anbenen,  foroie  biejenigen  Immobilien, 
roel^e  ber  eine  ober  anbere  ©begatte  roälirenb  beö  33eftel^en3  bcr  ©ütergemeim 
ftboft  in  ber  im  §  1432  2lbf.  1  bejeid^neten  3lrt  erroirbt,  Sonbergut  fein  foHcn. 
änlongcnb  ober  ben  in  cinjelnen  (Sebieten  onerfanntcn  tebenölänglic()en  5Ric^* 
brout^  bed  überlcbenben  ©f)cgatten,  fo  ift  biefer  burc^  baö  im  ©ntwurfc 
(§  1971)  anerfannte  3nteftaterbred^t  bcö  überlcbenben  Gfjcgattcn  erfegt. 


iBierter  Xitel. 

§  1435. 

3n  bcm  jroeiten  unb  britten  2^itel  beö  crftcn  2lbfd[)nittcö  beö  Familien- .    ««r* 
mftteö  ift  jum  Sd^uge  beö  guten  ©laubenö  britter  ^erfoncn  eine  5neif)e  von  Siatn^f 
Seftimmungen  getroffen,  nac^  metd)en  bie  red^tUd^e  SBirffamfeit  einer  Xi)aU  ^^^^^{J^^^^^ 
kä^  gegenüber  einem  ©ritten  baüon  obl^ängig  gemadf)t  ift,  ba^  bie  3:f)atfad^e  cDegotten. 
Dorfc^riftömöfeig  oeröffentlid^t  ober  bem  I)ritten  befannt  mar  ober  befannt  fein 
mußte  (oergl.  bie  §§  1278,  1284,  1291,  1307,  1330—1332,  1336,  1337,  1350, 
J3ol,  1381,  1417,  1429,  1430).    2)ie  §§  1435—1439  bciroedEen,  bic  formellen 
Sorfc^riftcn  über  bie  33eröffcnttid&ung  einer  auf  bic  oermogcnörcd[)tlid&en  SSer- 
Wltnijfe  pd)  bejie^enben  2;i}atfac^e  inforoeit  ju  geben,  alö  biefetben  für  bic 
©irffamfeit  bcr  SSeröffentlid^ung  mcfentlic^  bcjro.  jur  SDurd^füörung  beö  3n* 
ftimteö  beö  c^ercc^tlid&en  SRegiftcrö  not^menbig  fmb.    S)er  üon  bem  ©ntmurfe 
^ingefd^Iogenc ,  ben  93eftimmungcn  bcö  ^.  @.  33.  über  baö  ^^anbelörcgiftcr  fidEi 
önfc^liefeenbe  SBeg,  bie  gebad&ten  formellen  aSorfd^riften  in  einem  befonbcren 
Jitel  iufommcnjufaffen,  empficf|lt  fic^  um  beöroiUen,  weit  er  bie  Ueberfid()tlic^:: 
feit  unb  bie  prattifd^e  ^anb^abung  beö  @c[e|bud^eö  erleid^tert. 

Um  ben  3"^^*  ^^^  SSeroffcntlic^ung,  2)ritten  bie  SJlöglid^fcit,  uon  bcr  ©ntranung  m 
betreffenben  Sr^otfadie  Äenntnife  ju  crl^altcn,  in  folc^cr  3trt  ju  gen)ftl)rcn,  bafe  ajt '^egm«. 
in  ber  Slic^tfcnntnife  ein  SKangel  ber  gehörigen  Sorgfalt  gefunben  mcrbcn  mu| 
unb  bcö^alb  feine  $}eranlaffung  me^r  uorlicgt,  fie  gegen  bic  barauö  cntftc^enbcn 
3lac6t^ile  ju  fd^ügen,  genügt  ni^t  eine  blofec  3luöl)ängung  ber  Scfanntmac^ung 
on  bcr  für  fold&e  3rocc!e  bcftimmtcn  Stelle  ober  bic  blo^e  ©inrücfung  in  bic 


554  (S6crec&tnc5e8  3icßiftcr.    SSeröffentliiJ&unö.    §  1435. 

offcntlid^cn  93(ätter  (ocrgt.  prcufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §§  323,  422  ff. ;  preufe.  ®ef. 
D.  20.  3Härj  1837,  betr.  bic  ©rrid^tung  unb  93cfanntmad^ung  bcr  SScrtrögc 
über  bie  ©infüfirung  ober  2fuöfd|üe6ung  bcr  e^eli(^cn  ©ütergemcinfd^oft),  »eil 
boö  (Sine  roie  bafi  Slnbere  baö  Sefanntroerben  in  bcr  bcäeid&nctcn  3lrt  nur  für 
eine  ücrl^ältnifemäfeig  fiirjc  ^dt  gcroäl^rlciftct,  bie  red^tU^c  SBirffomfeit  ber 
fraglid^en  2^f|atfa^c  fid^  aber  möglid^errücifc  auf  bic  ganje  S)auer  ber  @öe  er* 
flrcdfen  foll.  ®ö  muß  üiclme^r  eine  ®inrid)tung  getroffen  werben,  roeld^e  c8 
ben  S3etl)eitigten  bei  9lnn)cnbung  gel^origer  Sorgfalt  ermöglid&t,  fid^  ieberjcit 
ofjne  befonberc  ©d^roierigfeit  t)on  ber  betrcffenben  a::t|atfad&e  Äenntni§  §u 
Dcrfc^affen.  2)icß  wirb  in  jureid^enber  SBcife  nur  errcid^t,  wenn  bie  betreffenbe 
St^atfad^e  in  ein  t)on  iebem  9lmtdgerid^tc  ju  fül^renbeö  öffcntlid^eö  Slegifter  ein- 
getragen  wirb.  SJaß  33orbiIb  bietet  bie  Eintragung  in  bas  ^anbctercgiftcr 
für  f)anbeIöredE|tIid()e  Sefanntmad^nngen.  9Cud)  für  bic  e^crcd^tlid^en  S3eFannt* 
mad^ungen  befielen  bereits  mcl^rfad^  äl^nlidbc  ©inrid^tungen,  fo  in  Sremen  no^ 
ber  ®^cpaftenorbn.t).9.2)ejember  1839  §§  3—5,  7  unb  bem  (Sef .  p.  25. 3uni  1879 
§  32  foroie  in  DIbenburg  nad)  bem  ®ef.  v.  24.  3lpril  1873  3lrt.  31,  53  unb  bcin 
(Scf.  t).  10.  Sanuar  1879  3lrt.  30,  53. 
Deffentiic^c  SBic  auö  §  1435  Slbf.  1  iu  aSerbinbung  mit  §  1439  fxcb  crgiebt,  ift, 

macJunTber  ^^mit  bic  aScröffcntlid^ung  gegenüber  ©ritten  wirft,  nur  bie  Eintragung  bcr 
(sinttagunfl.  bctrcffcnben  S^^atfad^e  in  baß  el^cred)tlid&e  Slcgiftcr,  nid^t  aud^  bie  öffentliche 
33cfauntmad(|ung  ber  Eintragung  wefcntlic^.  35afür,  bcn  3«itpunft  ber  öffentlichen 
93cfanntmad()ung  cntfdEicibcn  ju  laffcn,  alfo  Eintragung  unb  ^ßublitation  als 
wefenttidf)  Ijinjuftellen  (oergl.  olbcnb.  ®ef.  d.  24. 2lprit  1873  3lrt.  31  §  3),  fpric^t 
aßerbingö  bic  Erwägung,  bafe  baburdd  ber  gute  ©taube  dritter  in  ^o^erem 
SRaße  gefd^fl^t  wirb,  fowie  ber  SBorgang  beö  §.  ®.  93.  ärt.  25.  9luf  bcr 
anbcrcn  ©eitc  tommt  ober  in  Sctrad^t,  bafe  im  bürgerlid^en  SScrfe^re  ni(^t 
in  glcidl)cm  SKa^c,  wie  bieö  im  Jeanbelöuerfel^re  ber  %aU  ift,  bie  S3et^eili9ten 
barauf  ju  ad^ten  pflegen,  ob  bie  crforberlid^e  öffcnttidöc  SJefanntmad^ung  aud^ 
wirflid^  erfolgt,  unb  bafe,  wenn  bic  Icgterc  irrt^ümlid^  unterbleibt,  bcr  barauö 
entftcl)cnbe  9Jad[)tf)eit  bic  Eliegatten  trifft,  3)aju  tritt  ber  Ucbelftanb,  bofe, 
wenn  ber  S^itpunft  bcr  ^ublifation  cntfd^cibcnb  ift,  für  3)rittc  bie  Ermittelung, 
ob  eine  ^^atfad&e  tJcröffcntlid^t  ift,  crfdiiwert  unb  überl^aupt  nad^  langen  Sauren 
ber  9lad^weiö,  baß  bic  öffentlid&e  83cfanntmad^ung  unb  ba§  biefclbe  namentlich 
nad^  9)la6gabe  bcr  Eintragung  in  baö  c^crcd^tlicjc  SRegifter  erfolgt  ift^  oft 
fd^wer  ju  führen  fein  wirb.  Segt  man  bcr  offentlid^en  ScFanntma^ung  bcr 
Eintragung  nur  bcn  Earafter  einer  Drbnungßoorfd^rift  bei,  fo  wirb  weiter 
bcr  SSort^cil  erreid^t,  baß  man  bcn  3nl)att  ber  Sefanntmad^ung  nad^  SWafegabe 
bcö  §  1439  bcfd^ränfen  fann  unb  baburd^  bie  Äoften  ber  öffentlichen  ©efannt* 
macf)ung  im  3ntcreffc  ber  Ehegatten  Dcrminbcrt  werben.  3)em  3ntercffe  2)rittcr 
wirb  genügenb  SRedEinung  getragen,  wenn  bicfelben  —  äf)ntid&  wie  beim  ®runb» 
bud^e  —  in  bcr  Sage  finb,  fid^  burdf)  Einfid^t  bcö  e^ered^tlid^cn  JRcgiftcrfi  bie 
nöt^ige  ftcnntnife  ju  ocrfd^affcn. 

2)a6  eine  nac^  SKafegabc  bcö  §  1435  9lbf.  1  erfolgte  SScröffentlic^ung 
einer  X^ai\aä)c  baburd^,  bafe  eine  ben  3nbalt  ber  früheren  Eintragung  su^u(^ 
ncf)menbc  ober  mit  bem  ^nljattc  bcr  Icßtcrcn  in  SBibcrfprud&  tretcnbc  ^^^tfoAe 
in  ba§  ct)cred^tlid^e  Slegiftcr  eingetragen  wirb,  für  bie  B^f^^f*  ^^^  SSirhmg 


(S6crec6tlid&c3  SReoiftcr.    3uftanblofcit.    §  1436.  555 

rerlicrt,  ou^  locnn  bic  nm  eingetragene  S^^otfod&e  in  SBirflid&fcit  ni^t  befteljt, 
oerfte^t  fid^  von  felbft,  ha  mit  bicfer  neuen  ©introgung  bic  früher  eingetragene 
2^(|atfac^c  aufbort,  eine  üer'öffentlici^tc  ju  fein,  unb  bebarf  baljer  feineß  be- 
fonbcren  9(udbru(fed. 

lie  Seftimmungen  beä  §  1435  9lbf.  2  Safe  1,  2,  roet^e  fidj  ben  ^t^  oeftentuc^* 
ftimmungen  bcd  3lrt.  25  Slbf.  2  ©a|  1,  2  beö  §.  ®.  33.  anfd^Iiefecn,  ergeben  gJeaifurl 
fic^  mit  9iot^n)jnbigfeit  aus  bem  grocdEe  beö  eJ^ered^tlid^en  SRegifterö.  3^re  3lufs 
na^mc  in  bas  ©efefcbud^  cmppel^It  fid^,  um  baburd)  bic  DeffentUd^feit  beö 
c^ere^tUcJen  SRegifterö,  auf  meld^er  baö  ganje  3nftitut  berufit,  fid)er  ju  ftellen. 
Die  glcid^e  SJotl^rocnbigfeit  liegt  nid^t  üor  in  3lnfe^ung  bcr  ebcnfalld  bem 
$.  ®.  33,  ärt.  25  Slbf.  2  ©afc  3  fic^  arifd^Ue^enben  meiteren  33eftimmung  beß 
§  1435  2lbf.  2,  bafe  von  ben  ©intragungen  gegen  ©riegung  ber  Äoften  eine 
Slbf^rift  oerlangt  werben  fann,  meldte  auf  SBerlangen  ju  begloubigen  ift. 
3nbeffen  reben  ©rünbc  praftifd[)er  S^^^^^^äfeiof^^t  ^^^  9lufnal^me  iener  33e? 
Öimmung  baß  9Bort,  namentlid^  ^ingefel)cn  auf  fold^e  gälle,  in  meldten  bic 
äbfdbrift  jum  Swede  ber  SBortcgung  im  ^rojeflc  (§  400  ber  ©.  %  D,)  benu^t 
itKrrben  foll.  Safe  bie  33eftimmung  mifebraud^t  werben  fonnte,  ift  nidf)t  ju 
beforgen. 

§  14^6. 

iDic  93eftimmung  bcß  §  1436  Sag  1,  beren  83eobad(|tung,  loie  bie  gaffung  swftänbiafeit 
jur  ®enüge  erfennen  löfet,  für  bie  SBirffamfeit  bcr  Sßeroffentlid^ung  mefentlid^  isiltmn- 
ift,  red^tfcrtigt  fxd^  burd)  ben  ^n>(d  ber  SBeröffentlic^ung  in  SSerbinbung  mit 
ber  grroägung,  bafe  bie  ©Regatten  am  2Bo^nji|e  beß  ®^emanneß  Dorsugßmeifc 
i^rc  58erfel^rßbcjie^ungen  ^aben  (oergl.  aud)  olbcnb.  ®ef.  v,  24.  9tpril  1873 
Srt.  31  §§  2,  3).  §at  ber  ®l)emann  on  melireren  Orten  ben  SBolinriß  (§  34), 
fo  genügt  in  ©rmangetung  einer  entgegcnftel^enben  33eftimmung  bie  SBer-- 
öffentli^ung  bei  bem  9lmtßgerid^tc  beß  einen  ober  anberen  Drtefl.  @in  33e- 
bfirfni§,  nad^  Sinologie  ber  §§  9,  1246  baneben  tJorjufdtireiben,  bafe  in  6r= 
mongelung  cinefi  nad|  §  1436  ©ag  1  juftönbigen  ®erid(|teß  ba9>  5uftänbigc 
@eric^t  t)on  ber  obcrften  ^uftijoerroaltungßbel^Brbe  beß  .^eimat^ftaateß  beftimmt 
locrbc,  liegt  ^ier  nidf)t  t)or.  gür  beutfd^e  ®l)egattcn,  weld^c  im  9lußlanbe  i^ren 
SSo^nfift  l^aben,  ^at  eine  berartige  S^faßbeftimmung,  aud^  mcnn  nad&  bem 
internationalen  5ßriüatrcd^te  baß  el^clid^e  ®üterred(|t  ber  ©Regatten  fid^  nad^  bem 
Setzte  beß  ©taatcß  beftimmt,  rocld^em  ber  6f)emann  jur  ^txi  ber  S^efd^liefeung 
onge^ort,  nur  ein  geringeß  praftifd^cß  3ntereffe,  ba  biefelben  i^re  Sßerfelirß' 
bejic^ungen  Dorjugßroeifc  im  Slußlanbc  l^aben.  ©benfomenig  brandet  in  biefer 
öfjic^ung  für  beutfd)e  ©t^egatten,  wcld&e  im  3nlanbe  fid^  aufhatten,  aber  feineu 
SBo^nfit  ^abcn,  bur^  eine  ©pejialbeftimmung  SSorforge  getroffen  ju  merben. 
Sud^  im  ^inblirfe  auf  bie  33eftimmung  beß  §  1330,  nadd  meld^er  bic  SBor- 
ft^riften  bcr  §§  1336,  1337  aufeer  in  ben  übrigen  bort  bejeidfineten  göUen 
au(ft  bonn  cntfpred&enbc  änroenbung  pnben  f ollen,  menn  bie  c\)diä)z  SRu^- 
nic&ung  unb  SSerroaltung  in  golge  beß  Urt^eileß,  burd^  melc^eß  ber  ©fjemann 
für  tobt  erflärl  ift,  bcenbigt  wirb  (§  1327  9lbf.  1  9flr.  4),  fann  ber  fraglid)c 
Swfafi  nid^t  alß  crforberlidd  txaä)kt  loerben,  um  ber  ©l)efrau  bie  SRoglid^feit 


556  ®]&crc(6tnd6c3  Steglftcr.    3uftanbiöfcit.    §  1436. 

ju  geroäljucu,  bic  öecnbigung  ber  et)clici[)cn  Slugnicfeung  unb  SBcrioaltung  ju 
ücröffentlid^en.    SBon  feltenen  unb  beöl^olb  nid^t  befonbcrö  ju  berücfjtc^tigenbcn 
gällen  abgefc^en,  ^ai  bic  ©^efrau  cincö  für  tobt  crtlärtcn  ®^cmanneö,  um 
fid^  JU  [xd)cxn,  fein  3ntcrcRc  an  einer  fold^cn  SJeröffentlic^ung. 
ffiiebcr^oimtg  ^^  Slufdjlujfe  QU  öJ^nUd^e  S3cftimmungen  anberer  ©efefec,  inöbefonbere 

traamig^tim  bc§  olbcub.  Ocf.  D.  24.  3lpril  1873  Hrt.  31  §§  2,  3,  f^rcibt  ber  §  1436 
ffloTnüker  ^^^  ^'  ^  weiter  t)or,  bafe,  roenn  üon  bem  ß^emonne  ber  SBo^nfig  in  ben 
Scjirf  eines  anbereu  Slmtögerid^teö  »erlegt  roirb,  bic  ©introgung  ber  bctreffenbcn 
;E^atfad^e  biiuien  6  9Bod)en  feit  ber  93egrünbung  beö  anberen  2Bo^nfifced  anä) 
in  baö  ef|ercd^tlid[)e  SRcgifter  iencö  Slmtögerid^teö  erfolgen  mu§,  roibrigenfalld 
bic  früljcre  Eintragung  i()rc  SOBirhing  oerliert.  3ft  ber  Slntrog  rec^tjeitig 
erfolgt,  fo  bleibt  bic  früljcre  ©intragung  loirffam,  aud^  rocnn  bic  neue  Sin« 
traguug  in  ba^  efjcred^ttid^c  SRcgifter  beö  anberen  3lmtögcrid^tcö  nic^t  erfolgt 
fein  foltte.  SBcfentlid)  ift  alfo  nur  ber  rcd^täcitigc  Slntrag;  bic  ©intragung 
felbft  in  bicfcö  Siegiftcr  ^at  bagegen  nur  ben  Raratter  einer  Crbnungd'- 
üorfd)rift.  Sßenngleid)  nid^t  ju  ücrtenncn  ift,  ba&  bic  35cftimmungen  beö 
§  1436  ©ag  2,  3  mit  praftif^cn  Unjuträglid^fcitcn  ücrbunben  finb  unb  infi» 
befonbcre  bic  Unfic^eri^cit  mit  fid^  bringen,  ob  eine  bei  bem  5[mtögerid&te  be« 
früficren  8GBol)nfi6ed  erfolgte,  in  bem  bortigen  el^ercd)tlid^en  SRcgifter  aber  nocft 
nid[)t  gelöfd^te  Eintragung  nod6  wirffam  ift  ober  ni(^t,  fo  ift  bod&  bic  SRüdfubt 
auf  ben  guten  (Slauben  berjenigen,  meldte  mit  ben  ©Regatten  an  bem  neuen 
SBoljnriftc  in  redfitögcfc^äftlic^en  83erfel)r  treten,  alö  überroiegenb  ju  erachten. 
3Dlan  fann  jenen  ©ritten  uic^t  jumut^en,  ba&  Tic  ^Jiad^forfc^ungcn  onfteUen, 
mo  bic  6t)egatten  früher  gemo^nt  Ijaben  unb  ob  fic^  in  bem  e^ercd&tti(^n 
9iegiftcr  beö  frül)eren  SBol^nfi^eS  eine 'Eintragung  befinbet  (oergl.  auc^  prcuB- 
3t.  2.  9t.  II,  1  §  426).  9iücfrtd)tcn  ber  »illigteit  gegen  bic  ©Regatten  er^ 
Öeifd^en  eö  aber,  benfclben  eine  furje  grift  für  bic  ©tcHung  beö  9Introgeö  ouf 
Eintragung  in  baö  et)cred^tlid[)e  JHcgifter  beö  9lmtögerid|teö  i^rcö  neuen  SBo^m 
fißcö  in  ber  9[rt  ju  geftatten,  bafe,  xotwn  ber  SÄntrag  binnen  iener  grift  erfolgt, 
bie  frühere  Eintragung  iljrc  SBirfung  behält,  aud)  menn  bic  neue  Eintragung 
m6)t  erfolgt  fein  foUtc.  gür  bic  ©ritten  liegt  anbcrerfeitö  feine  unbillige 
3^i^wt^ung  barin,  bafe  fic  fid),  menn  fic  mit  El^egatten,  meldte  iliren  SBobufit 
eben  erft  oerönbert  ^aben,  auf  SRed^tögefc^äftc  einladen  unb  ftdier  gc^en 
wollen,  nad^  ben  S8erl)ältnijfcn  berfelben  in  bem  früheren  SBofinfifec  erfunbigen 
(ocrgl.  au^  olbcnb,  ©ef.  v.  24.  9lpril  1873  Slrt.  31  §§  2,  3;  preufe.  ®cf. 
ü.  20.  3)lärs  1837  §  4  2lbf.  2,  bctreffcnb  bie  ©rrid^tung  unb  »efanntmad&ung 
ber  SBcrträgc  über  bie  Einführung  ober  Sluöfdiliefeung  ber  e^cUd^cn  ®ütcr* 
gemeinfd^aft).  S)a§  bie  ®efat)r  ber  unterbleibenben  Eintragung  in  baö  e^e» 
rcditlid^e  9iegifter  beö  9(mtögeri^tcö  beö  neuen  SBo^nfigcö  nid^t  bic  Ebegütten 
treffen  foU,  xomn  biefelbeu  bic  Eintragung  rcd^tjeitig  beantragt  Ratten,  rcd&t? 
fertigt  fi^  bxivä)  bie  Erwägung,  bafe  bie  Ehegatten  felbft  boö  3l)rige  jum 
Sd^uße  beö  guten  ©laubenö  ©ritter  gctlian  fiaben,  bic  auf  bicfen  Sd^uf 
ab}ieleuben  Seftimmungen  aber  ot)net)in  alö  eine  äluöna^me  oon  ben  oD^ 
gemeinen  ©runbfäfeen  fidj  barftellen. 

3)aö  olbcnb.  @ef.  o.  24.  Slpril  1873  3lrt.  31  §§  2,  3  entölt  nod&  bie 
befonbcre  33eftimmung,  baß,  wenn  oon  bem  ©bemanne  ber  SBofjnfift  in  ben 


efecrecfttlidfecö  JRcßiftcr.   ©intrafluno.   Eintrag.  Su^alt.   §§1437,1438.       557 

S3ejirf  eines  anberen  9(mtögerid)teö  Der  legt  ift,  bic  (S^egotten  ober  getrennt 
leben,  ju  ©unften  ber  (S^efrau  bie  frühere  93er5ffent(i(j&ung  roirffam  bleibt, 
fofem  nur  bie  SBieber^olung  ber  ©intragung  binnen  6  SBodden  naä)  ber 
SBieberoereinigung  ber  G^egatten  erfolgt.  ®ine  berartige  ©pejialbeftimmung 
äum  St^u^e  ber  ß^efrau  ift  jebocf)  burd)  ein  Sebürfnife  nid^t  geboten. 


§§  14:57,  1438. 

S:a  bic  aSeröffentlid^ung  ben  ©fiegotten  nur  bie  aJlöglidifeit  gen)äf)ren  «ntrag  out 
foü,  ft(^  in  ben  betreffenben  gällen  gegen  bie  an  ben  guten  ©lauben  2)ritter  ®*"*'^"^""^- 
für  bie  ©Regatten  gefnüpften  3fJadöt^eile  ju  fidlem,  fo  mufe  eö  i^nen  über^ 
lafien  bleiben,  inroieroeit  fie  von  bem  i^nen  gebotenen  ©idierungömittel 
©ebrouc^  mad^en  lüollen  ober  nid|t.  2)em  entfprid&t  eö,  bo§  §  1437  9lbf.  1 
bie  ffiirffomfeit  ber  S3eröffentti(i[iung  unb  bie  bamit  jum  9lQd^t^eile  dritter 
oerbunbene  giftion  von  bem  SBillen  bes  ontrogöbereddtigten  ©Regatten  ob^ 
gängig  mad|t,  eine  oljnc  ben  2lntrag  bcö  6f)emanneß  bejn).  ber  beiben  ©fie^^ 
gotlen  erfolgte  Eintragung  alfo  ni(i[|tig  ift.  Um  fo  mefir  empfief)lt  eö  fid^,  ben 
^Xntrag  als  mefentlid^  }u  bet)onbeln,  alö  bie  Sßirffomfeit  einer  o^ne  ben  älm 
trag  ber  ß^egotten  erfolgten  ä?eröffentlidjung  benfelben  fcineöroegß  in  allen 
Jällen  jum  SSort^eile,  fonbem  bann  jum  9Jad[|t^eite  gereid&en  mürbe,  roenn 
bie  äuffjebung  einer  früher  auf  i^ren  3lntrag  oerbffentli^ten  2:l)atfoc^c  oer* 
6ffentlid)t  ift.  9luf  baö  Sebenten,  bafe,  menn  ber  9lntrag  als  mefentlidd  be- 
^nbelt  wirb,  bemjenigen,  metd[|er  fidi  auf  bie  23eröffentlid[|ung  berufe,  ber 
Seioeid  aufgebürbet  merbe,  bo§  ber  erforberlidie  9tntrag  erfolgt  fei,  fann  ent== 
fcdeibenbeö  ©eroid^t  nicftt  gelegt  werben,  ba  bie  Segalität  beö  amtlid^en  9Uteö 
6id  jum  93emeifc  beö  ©egent^eileö  oorauögefe^t  werben  mufe. 

Safe  in  ben  gäUen  beö  ,§  1278  aibf.  4  |unb  beö  §  1307  2tbf.  3  ber  Äeaitimation. 
Antrag  beö  S^emanneö  genügen  foD,  red&tfertigt  fid&  baburdd,  bofe  in  ben 
betreffenben  gällen  ber  fö^emonn  aud^  bie  §anblung,  um  bepen  SSeröffent* 
Hebung  eö  fi(§  tianbelt,  allein,'  of|nc  ©inmilligung  ber  @f)efrau,  mirffam  t)or^ 
ne^en  fann.  9lnberö  liegt  bagegen  bic  Sadic  in  9lnfef)ung  ber  übrigen  ^ier 
in  grogc  ftc^enben  gäUe,  ba  in  bicfen  baöienige,  roaö  Deröffentlid[|t  rocrben 
foll,  nic^t  üon  bem  einfcitigen  SBiDcn  beö  einen  ober  anberen  ©[)egatten,  fon^ 
bem  non  anberen,  gefefelidd  naiver  beftimmten  SBorauöfefeungen,  inöbcfonbcrc 
bem  aSor^anbenfein  eineö  S^eocrtrageö  ober  eineö  Urt^eileö  (oergt.  }.  33. 
§  1327  atbf.  1 5Rr.  2—4,  §  1330,  oerb.  mit  §  1284),  ab{)ängt.  3n  biefen  götten 
mufi  bat)cr,  um  icben  S^^if^l  barüber,  bafe  jene  Sßorauöfe^ungen  vorliegen 
unb  beö^alb  bic  SBcröffentlidbung  ber  roirflidien  5led&tölage  entfpriddt,  in  fidlerer 
unb  einfod^er  aBeife  abjufddneiben,  ber  9lntrag  beibcr  ©Regatten  erforbert 
©erben.  9ln  fid^  mürbe  ber  Qxocd  auä)  baburdi  erreid^t  rocrben  fönnen,  bafe 
in  biefen  fallen  ber  Slntrag  beö  einen  ©l)egatten  unb  baneben  bic  ©inroilligung 
beö  onbcren  ©erlangt  mürbe;'  allein  eine  folc^c  9lrt  beö  9Serfaf)renö  cntfpridit 
m4|t  bem  praftifd^en  Seben  unb  ift  ber  ^rariö  unbefannt. 

Site  roefentlidö  fd^reibt  ber  §  1437  9lbf.  1  ©a^  2  aufeerbem  üor,  bafe  ber  ^orm  bc« 
9Inlrag  ber  gerid^tlid^en  ober  notariellen  gorm  beborf.    3ft  ber  Slntrag  jur  ^"*^"ö*^- 


558  (56ere(^tlid&eö  Sicoiftcr.    Sefanntmadfeunfl.    §  1439. 

SiBirtfamfcit  bcr  ßintragunß  crforberlidö,  fo  bilbct  bcrfclbe  .gcroiffcrmafecn  einen 

33eftanbt{|eit  ber  ©introgung  unb  mufe  beö^alb,  roic  bie  Gintrogung  fclbft,  an 

eine  öffenttid^e  gorm  gebunben  werben,  um  boburd^  im  Snterefle  ber  SJe- 

t^eiligten  bie  roefentlid^en  SSorauöfeßungen  einer  roirffamen  SBeröffentlid^nng 

aufeer  S^^if^f  i^  [teilen. 

•iüerpfiic^tunfl  Um  in  benjenigen  fallen,  in  roeldien  nod^  §  1437  2tbf.  1  }u  ber  ©in- 

be«  «n\r"  ge? J^ö9^"9  ^^^  Slntrog  bciber  ®^egotten  erforberlic^  ift,  jebem  ber  ©Regatten  ju 

ermöglid^en,  bie  SBeroffentlid&ung  jur  ©id^erung  feiner  Sntereffen  tierbeijufü^rcn, 

beftimmt  ber  §  1438,  bafe  in  jenen  göllen  jeber  ©begatte  gegenüber  bem 

anberen  oerpflic^tet  ift,  mit  biefem  bie  ©intragung  in  ber  ju  biefer  not^igcn 

gorm  ju  beantragen.   SGßcigert  fid&  ber  anbere  ©^egatte,  fo  fann  bcffen  Slntrag 

crfe^ung    nad^  aKafegobe  beö  §  779  ber  6.  %  D.  burdd  Urtfieil  erfegt  werben.    3laä) 

1429,  1430,  um  einen  ämeiten  ^rojcfe  gegen  ben  anberen  ©Regatten  be^ufö 
©rjroingung  beö  jur  ©intragung  in  baä  el^ercd^tlid^e  SRegifter  crforberli4en 
Stntrageö  beöfelben  ju  ücrmeiben,  burc^  boö  red^töfräftige,  in  ber  ^auptfac^ 
crlajycne  Urtljeil  ber  3lntrag  beö  üerurtJieitten  ©Regatten  erfeßt  werben. 
Sn^ait  bcr  3)a  bic  9ScröffentIid[|ung  ben  ©I)cgatten  nur  bie  9KogIic^fcit,  fic^  ju 

<£»ntraguna.  fj^g^„^  geTOöl^ren  fon,  fo  ift  cö  fonfequent,  ben  ©Regatten  ju  iiberlaffen,  ben 
Snfialt  ber  ©intragung  ju  beftimmen.  S)er  §  1437  9Ibf.  2  ©afe  1  fd^reibt 
beö^alb  T)or,  bafe  für  ben  3nt)alt  ber  ©intragung  nur  ber  3n{)alt  bcö  StntragcS 
ma^gebenb  ift.  93on  Sebeutung  ift  bieö  namentUd^  für  bie  ©fieoertröge.  S)ur^ 
bic  33eftimmungen  bcö  §  1437  9lbf.  2  foU  ber  Sluffaffung  entgegengetreten 
werben,  als  ob  es  immer  ber  ©intragung  bcö  ganjen  ©fieoertrageö  ober  aud^ 
nur  einer  SSorlegung  bcö  Ie|tcren  bebürfe.  ©in  fold^cö  SBerfa^ren  würbe  anä) 
ein  unangemeffeneö  fein,  ba  bie  ©fieoerträge  häufig  iugleid^  Seftimmungcn 
cnttialten,  weld^e  für  ben  red^tögcfd&äftlid^en  Sßerfel)r  mit  ©ritten  o^ne  3"terejfe 
finb,  bereu  SSeröffentlid&ung  ober  STufbcdfung  ben  ©Regatten  aber  fe^r  uncrwünfd&t 
fein  unb  baö  ^ntereffe  ber  Icßtcren  empfinblidi  oerleßen  fann.  3"^^  ®rrei(^ung 
beö  ^xocdc^  genügt  eö,  wenn  biejenigcn  ^eftimmungcn  eineö  ©^eocrtrageö 
Deröffentlid&t  werben,  weldie  für  bie  SBirffamfeit  ber  baburd^  berüfirten  yicöfH^ 
fianbiungen  von  39ebeutung  finb.  ®a  bie  SSeröffentlid^ung  nid^t  von  ämtö* 
wegen  erfolgt,  fo  ift  eö  Sad^e  ber  ©Regatten,  in  il)rem  9Intrage  ju  beftimmen, 
inwieweit  ber  3n^alt  bcö  ©^eoertrageö  oeroffentlid&t  werben  foD.  gür  ben 
galt,  ba§  an  ©teile  beö  gefegtid^en  (Süterftanbeö  fc^led^ttiin  ein  in  bem  bürgcr* 
lid^en  ©efegbud^e  geregelter  (Süterftanb  treten  foD,  ift  eö  übrigenö  in  Änfe^ung 
alter  in  SBetrac^t  fommenbcn  9led|tögefd[|äfte  alö  genügenb  ju  erad^ten,  wenn 
bic  ©intragung  bafjin  ge^t,  bafe  allgemeine  Oütergemeinfd^aft,  ©rrungenfd^oftö? 
gemeinfd^aft  u.  f.  w.  ücreinbart  fei. 


§  1439. 

ceffentiic^c  X'it  ©rüubc,  auö  wcldien  ber  ©ntwurf  bie  offcntlid^e  Sefanntmac^ung 

mac^ung"*ber  ^^^  1"  ^^^  ef)ered&ttid&e  SRegifter  erfolgten  ©intragung  nid^t  alö  ein  wefentlid^ 

eintragung.  ©rforbemife  bcr  SBeröffentUd^ung  be^anbelt,  finb  bereitö  in  ben  ÜRotioen  ju 

§  1435  oben  S.  554  bargelegt,  unb  ift  bort  bereitö  barauf  ^ingewiefen,  ba§ 


9lad5t6circ  ber  SBicberuerl&eiratßunö.    (§§  1272—1439.)  559 

bicfe  9trt  bcr  Scl)anbluu0  juglcid^  bcu  aSortfjcit  gcioäfirt,  bcu  Snftalt  ber 
öffentlichen  Selanntmad^ung  in  ber  im  §  1439  Safe  2  beftimmten  SBeife 
befc^ronfen  ju  fSnnen  unb  boburc^  bie  Äoften  ber  öffentlid^en  ^cfanntma^img 
im  3ntereffe  bcr  @f|cgatten  ju  üerminbern. 


Slad^tfieilc  ber  5!Bieberoer^eiratf)uug. 

1.  Sic  im  ®injelnen,  namentlid^  anä)  in  i^rer  ätnroenbbarfeit  auf  9'«*^.^«i^"5  ber 
bcutfc^rec^tlid^e  SScr^öIlniffc,  oielfad^  bcftrittenen  33eftimmiingen  bcö  röm.  o«^eirat6ung 
Setzte«  über  bic  mit  bcr  SBieberDcr^eiratl^ung  ücrbunbenen  ücrmögenßred^t*  "^«^'^«"pt 
lidfm  Stad^t^eüe  finb,  foroeit  nid&t  partifufarreditlid^  etroaö  9Inbereö  beftimmt  ©eitenbej 
ift,  in  ben  ©ebieten  beö  gemeinen  5Red^teö  nod^  in  ©eltung  (oergl.  ©ntfd^.  b.  '^^^^' 
S.  ®.  in  ßioilf.  IV,  7),  inöbefonbere  in  ben  gemeinredjtlic^en  ©ebicten  t)on 
^nnooer  (©cuffert  IX,  300,  XXI,  60,  XXXII,  148),  ferner  mit  einjefnen 
für  geroiffc  Sonbeötl^cile  gcitenben  aJlobififationen  in  Äur^effen,  in  Sllecflenburg 
(Seuffert  XI,  249),  in  ben  gemeinred^tlid^en  2^^eilen  beö  (Srofeljerjogtfjumeö 
^ej|en  (Seuffert  XVII,  254),  foroie  in  benienigen  2:^ei(en  oon  SBeftfalen,  in 
©eli^n  bie  brei  erftcn  S^itel  beö  jmeiten  2^^eiteö  beö  preufe.  91.  £.  SR. 
fitfpenbirt  finb  (genner  unb  aKecte  III,  120),  unb  in  ben  gemeinred&ttidden 
Qebieten  üon  Sorjcrn.  9lber  oud&  in  benienigen  gemeinrecidtUdöen  (Sebieten, 
in  loelti^en  bie  l^icr  froglic^cn  Seftimmungen  nod&  gelten,  ^at  fic^  ba,  loo 
bettt|(5re(^tlid^c  e^elid&e  ©üterücr^ältniffe  befte^en,  ber  £reiö  ber  9lnroenbbarfeit 
jener  Seftimmungcn  üiclfod^  oerengt.  So  roirb  angenommen,  bafe  ber  Slnt^eil 
an  btm  gütcrgcmcinfd^aftli^en  aSermögen  bcr  frütjcrcn  ®{)e,  TOcIdEier  bem  eine 
neue  6(ie  fd^liefecnben  ©Regatten  jugcfaUcn  ift,  n\ä)i  ju  ben  lucra  nuptialia 
gehört,  an  htntn  nad)  rom.  SRcd^tc  ber  (S^egatte,  roeld&er  fid^  roiebcr  oer^ 
^irat^et,  ju  Ounften  feiner  ftinber  auö  früherer  @^e  baö  6igent{)um  ücrliert 
unb  nur  ben  Slicfebrauc^  bef^ält  (Seuffert  vn,  204).  2lud^  auf  bieienigen 
äted^te,  wtl^  in  meierrecl^tUd^en  ^crl^ältniffen  bem  überlebenben  ©Regatten 
froft  ÜReierrcd^tcö  jufte^en,  werben  bic  nad^  röm.  SRed^te  mit  ber  SBieber^ 
oer^irat^ung  Dcrbunbcncn  oermögcnörcd&tli^icn  5Had&t^eile  nic^t  für  an- 
wenbbar  geJ^atten  (Seuffert  IV,  243,  IX,  43,  XX,  46 ;  genner  unb  3Öiecfe 
in,  120).  Seftritten  ift,  ob  bie  ftatutarifd^e  ©rbportion  beö  übcrtcbcnben 
6(^atten  alft  @^egeminn  im  Sinne  bcö  röm.  Sted^teö  antufe^cn  fei  (Seuffert 

vn,  61,  XVI,  120). 

Suf  bem  S3oben  beö  gemeinen  SRcd^tcö  ftel^en  im  SBcfcntlicöcn  baö 
baijr.  2.  SR.  I,  6  §  47  9lr.  1,  2  unb  ücrfd^icbcne  anbere  bapr.  Statuten. 
3n  einet  SReil^e  gcmcinred^tli^er  ©cbietc  finb  bagegen  jene  3la^tf)tik  gc^ 
m^n^itftre^tttd^  ober  burd^  bie  ^artifulargcfeggcbung  gänjlid^  auögefd^Ioffcn, 
fo  in  ben  Ocbleten  beö  gemeinen  fäd^f.  5Red|teö  (Seuffert  XLII,  40) 
nnb  ben  bamit  sufammen^fingenben  Sanbeöred^ten  (t)erg(.  fd^marjb.fonberöt). 
Sufjcffionöorbn.  d.  8.  S)ejember  1829  §§  112,  113;  roeimar.  ®ef.  ü.  6.  3lprit 
1833  §  59 ;  ®ef.  für  SReufe  &.  S.  ü.  22.  3anuar  1841  §  59 ;  altenb.  ®ef.  u. 
6-  «pril  1841  §  65;  ®ef.  für  SRcufe  \.  S.  x>.  10.  ©ejember  1853  §  63;  got^. 


560  5Rac6t6ciIc  ber  SBiebcrpcrJ&ciratfeunö.    (§§  1272—1439.) 

®cf.  ü.  2.  Sanuar  1844  §  52),  in  DIbcnburg  (olbenb.  Ocfeßc  o.  24.  april 
1873  3Iit.  47  unb  10.  3onuar  1879  3lrt.  45)  unb  in  »rcmcn.  3n  onbcren 
gemein rerfitlici^en  Gebieten  ift  bic  SKntücnbbarfeit  bcr  röm.  S3eftimmungen 
rocfcntlid)  eingcfd^ränft,  fo  in  Stonau,  in  Srounfd^roeig  (SBcrorbn.  d.  30.  2)c* 
jember  1754)  unb  in  SBürttemberg.  Snßbefonbcre  jtnb  in  biefen  ©ebicten  bie 
aSorfc^riften  beö  rom.  SlediteS  über  ben  SSerluft  ber  lucra  nuptialia  an  bie 
ftinbcr  erfter  ®l)e,  foroic  bie  SBcfd^ränfung  bcß  ©rbred^tcö  beö  ©Regatten  an  bem 
SRarfilaffe  eineö  biefer  Äinber  auf  ben  3fJie6braud^  befeitigt, 

aSon  ben  neueren  ©cfefegebungen  finb  bem  preufe.  2t.  S.  SR.,  bem  ofterr. 
®.  33.  unb  bem  fäd&f.  ®.  S.  Dermögenöred&tUd^e  3fJad)t^ci(e  ber  ^ier  fraglichen 
9trt  alö  folgen  ber  SBieberoer^eirat^ung  gänjlid^  unbetannt,  unb  baö  fronj. 
giedit  (code  civü  3lrt.  1098),  wie  baö  bab.  2.  di.  Safc  1098  l^abcn  fi^  in  ber 
fraglid^en  Sejiel^ung  im  2lnfcb[uffe  an  1.  0  pr.  Cod.  de  sec  nupt.  5, 9  ouf  bie 
33cftimmung  befc^ränft,  bafe  ber  Gfjegatte,  meld^er  eine  neue  ®^c  fd^Iiefet,  bem 
neuen  G^egatten  nid^t  me^r  afe  bem  am  geringften  bebad^ten  Äinbe  erfter  6^ 
unb  feincßfalld  mc\)x  als  ein  SSiertel  feines  SBennögenö  juroenben  barf. 
etanbpunft  2)et  ©ntwurf  l^at  —  abgefel)en  l^ier  oon  ben  befonberen  Scftimmungcn 

entmuife«.  beö  §  1403  5ßr.  2,  ber  §§  1404, 1548, 1734  oerb.  mit  §  1242,  fomie  ber  §§  1558, 
1560  —  nad^  bem  5öorgange  ber  meiften  neueren  ®cfeggebungen  mit  ber  SBieber* 
üer^eirat^ung  eines  ©fiegotten  oermogenöred^tlid&e  3la(i[|tt)eilc  nid^t  oerbunbcn. 
3)ic  betreffenben  aSorfd^riften  beö  röm.  5lcdf)teö  finb  oorroicgenb  auö  bem 
Streben  ^crüorgegangen,  ben  Äinbern  ber  früliercn  ©^e  baö  von  bem  einen 
©Regatten  auf  ben  anberen  fi^l  micbcr  üerfieirat^enben  ©Regatten  übergegangene 
aSermögen  ju  erlialten  unb  ju  rerfiinbern,  bafe  baßfelbe  burd^  bic  itinber  bcr 
neuen  Gf)e  gefd&mälert,  bejm.  bafe  ber  neue  ©begatte  auf  Koften  bcr  ftinber 
erfter  ©(;c  burd()  freigebige  ännJ^nbungeu  üon  Seiten  beö  anberen  ©^egotten 
begttnftigt  roerbe ;  bodd  ^^g  auc^  bic  9lnf d^auung  mit  bcftimmenb  geioefcn  fein, 
ba^  bie  jroeite  ©{|e,  wenn  aud^  erlaubt,  bocft  ju  mißbilligen  fei  (ocrgl.  Nov. 
2  c.  3),  eine  3lnfd&auung,  bie,  geftügt  auf  einen  9luöfpru^  beö  Slpoftel  fjaulu«, 
fdE)on  frü^  in  ber  d^riftlid^en  Äird^e  oertreten  rourbe  unb  in  ber  fot^olif(Jcn 
jtirdjie  fieute  nod)  feftgefialten  mirb,  roie  bicö  barin  fid^  jeigt,  ba%  bei  ber 
jroeiten  ©l|e  regelmäßig  bie  ©infegnung  oerroeigcrt  wirb,  unb  baß  bieienigcn, 
roeld)c  jum  jroeiten  9WaIe  f)eiratl|en,  oon  ber  Drbination  auögcfd&loffcn  fmb. 
S)ie  (jcrüorge^obencn  ©efid^töpunftc  finb  jebodd  "^^t  geeignet,  iene  römifd^ 
rcdj)tlid&cn  3iodött)eile  ber  aBieberüerf|ciratI)ung  ju  re^tfertigen.  ©d&on  ber 
Umftanb,  baß  bie  le^teren  in  bem  größten  Xf)tik  t)on  2)cutfd^lanb  nid^t  mtfyc 
in  ®e(tung  finb,  bemcift,  boß  fic  bem  bcutfd)en  Slcc^töbemußtfein  nic^t  cnt? 
fpredjcn.  Sie  enthalten  namentlid^  in  fold^cn  gciHcn,  in  meldten  bic  lieber» 
Der{)eiratl)ung  im  3ntereffe  bcr  Äinber  ber  früfieren  ©^e  unb  auö  roirt^fd&oft» 
Ud()cn  ®rünben  roünfdEienöroertf)  unb  t)ienetd()t  gerabeju  ein  Sebürfniß  ift,  eint 
unbillige  ^ärte  gegen  ben  fidE)  mieber  ücr^eiratljienben  ©Regatten  unb  fonnen 
leidet  bol^in  führen,  eine  aJlißftimmung  beö  leftteren  gegen  bie  Äinbcr  bcr 
frü(}cren  ©^e  I)cn)orjurufen,  unb  fo  ben  lefeteren,  ftatt  ju  nü|en,  rielmc^r  ju 
fd()aben.  2)oju  fommt,  baß  bie  ®eltenbmad^ung  jener  SRad^t^eile  eine  DucUc  üon 
Streitigfeiten  unb  foftfpieligen,  mcitläufigen  5projef)cn  werben  fann,  mcIdiK  bofl 
aScrI)ältniß  jmifdjien  bem  ftc^  mieber  Derl)cirat^enbcn  ©Regatten  unb  ben  Äinbem 


SRaÄttcilc  bcr  aBiebcrücr^eirat^uiiß.    (§§  127-2 -1439.)  561 

bcr  frii^crcn  ©^c  boucnib  ju  vergiften  geeignet  finb.  2lud&  bic  fittlid^cu  (Sc? 
fahren  finb  nid&t  aufter  2ld^t  ju  laffen,  racld^c  barauö  entftcl)cn  fönnen,  bofe 
ein  e^egattc  burd^  bic  mit  bcr  8BieberDcrf|eiratf|ung  für  iljn  ücrbunbcncn  3lady 
tftcile  üon  bcr  ©d^Iiefeung  einer  neuen  ©fie  jurütfgeljalten  wirb.  Slnbererfeitö 
reichen  jum  Sdjiufte  gegen  bic  ®cfa^r,  boß  bic  Äinber  frül^ercr  Gfie  burd^ 
freigebige  S^^^^cnbungen  von  Seiten  ifireS  ©tternt^eileö  an  ben  neuen  G^e? 
gatten  benac^t^eiligt  roerben  Knuten,  bic  ottgemcinen  ©runbfäfec  bcß  ^^flic^t- 
tfjeiterec^tefi  aus.  (Sin  bringenbeö  Scbürfniß,  in  biefer  Scjic^ung  baö  ^ftid^t? 
t^eifered&t  ber  ftinber  ju  erweitern,  liegt  nidjt  oor. 

2.  3laä)  rom.  SReci^te  treffen  bie  (g^cfrau,  roeld&e  vox  Slblauf  bcr  Xvancx^^ad^ti^iubn 
}cit  eine  neue  6^e  eingcf)t,  nod^  ücrfd^icbcnc  befonbere  Stadjtljcile.    Db  unb  ^^®|J^tJ'„„g 
inroieioeit  biefe  SSeftimmungen,  nomentlid^   ber  mit  einer  foldien  Dorjcitigen  »or  stbiauf 
Siebcrocrlicirat^ung  ücrbunbcne  SScrluft  beö  ©^egeroihncö,  nod&  gemeinred^tUdjc  ^^"^  ^*JI""* 
©cltung  ^Qbcn,  ift  beftritten  (oergL  ©ntfd).  beö  2;rib.  ju  ßellc  V,  47,  50).    3n 
mand^en  ©cbieten,  j.  S3.  in  SBBürttembcrg,  finb  iene  9?od^tt;ei(e  burd)  ©eroofjnljcitS' 
rc(^t  Ifingft  bcfcitigt,  in  anberen,  j.  33.  in  Dlbcnburg  (üergl.  bie  olbenb.  ©efeße 
V.  24.  aprit  1873  3lrt.  47  unb  Dom  10.  Sanuor  1879  3Irt.  45),  burd^  bie  ©efefe^ 
gebung  oufibrüdlid^   aufgel^oben.    9lud^  bie  meiften  neueren  ©efe^gebungen, 
insbcfonberc  boö  preug.  91.  2.  3?.,  ber  code  civil  unb  baö  föd)f.  ®.  S.,  Ijobcu 
Scftimmungcn  bcr  l&ier  fraglidicn  9Irt  uidEit  oufgenommen. 

Ser  (Sntrourf  ^ot  fid)  iencn  ©cfcfegebimgcn  angcfd&foffcn.  Soweit  bie  in 
Äebc  fte^enben  Sßac^t^cite  ben  Äarafter  einer  Strafe  an  \x(S)  tragen,  entfpred^en 
fic  ni(^t  bcr  SRotur  beö  bürgerlichen  Sted^teö.  3^^  Sidiierung  ber  Befolgung 
ber  im  §  1241  getroffenen  SBeftimmung  bebarf  eö  neben  ber  bem  (Siufü^rungö? 
gcfegc  Dorbcl^altencn  Strafbeftimmung,  bafe  bic  (S^efrau,  roeldje  gegen  bad 
?krbot  bcö  §  1241  eine  6l)c  fd^Ucfet,  foroic  berienigc,  meld^cr  mit  il^r  bic  ©I;e 
f^licfet,  wenn  er  bei  ber  (S^efdölicfeung  oon  bem  c^inberniffc  Äcnntnif;  Ijatte, 
mit  (Selbftrafc  biö  5u  cintoufenb  SKorf  ober  ©cföngnifeftrafe  biö  ju  einem 
3fl^rc  beftraft  wirb  (üergl.  bic  2lnm.  1  unter  I  ju  9lbfd)n.  I  SCit.  1  §§  1250  ff.), 
nic^t  ber  Subro^ung  priDatrcd)t[id^er  oermogenöreddttid^er  SRad&tl^eitc.  3nö* 
befonbere  ISfet  fid)  auc^  eine  Scftimmung,  bafe  bie  ©^efrau,  roeldde  oor  '9lblauf 
bcr  im  §  1241  beftimmten  ^tii  eine  neue  (Sf|e  fcblicfet,  baöienige  oerlieren  foll, 
load  fic  aus  bem  SJermogen  bcö  früheren  G^emanneö  alö  ©degeminn  crl^altcn 
M  (Dcrgl.  ofterr.  ®. ».  §  121 ;  ital.  ®.  SS.  9rrt.  57,  128),  nid^t  von  bem  ®e^ 
fid^töpunftc  auö  red^tfertigcn,  bafe  bic  (S(icfrau  burc^  eine  uorjcitigc  SBieber* 
wr^irat^ng  na6)  bem  2;obe  il^rcö  ©l^cmanneö  bie  5ßietftt  gegen  ben  legtercn 
wnrlcßt  unb  babtirc^  baö  S3anb  icrreifet,  raeld^eö  bic  SSorauöfcftung  ieneö  (Srroerbeö 
bilbctc,  ba  cineötficilö  bic  im  §  1241  bcftimmtc  SBBartejcit  einen  gauj  anberen 
3roerf  oerfofgt,  atö  ben,  einer  äjerle^img  ber  5ßietät  cntgegenjutreten,  anberen? 
t^ö  eine  balb  nad^  bem  2'obc  crfolgenbc  SBicberücrljciratljung  anä)  feincö? 
wcgö  unter  allen  Umftönbcn  alö  eine  SScrlc^ung  bcr  ?|Jietät  angcfel^cn  merben 
tann,  welche  ben  SBcrluft  beö  ©[jegeminncö  ju  reditfcrtigcn  oermSd^tc.  Sic 
gragc,  mann  o^ne  aScrlc^ung  bcö  9lnftanbcö  unb  bcr  ^ietöt  eine  SBicber* 
ocrftcirat^ng  erfolgen  fann,  ift  überhaupt  lebiglidf)  bem  ©ittengcbicte  ju 
überladen. 

EUticr  |.  iärgcrC  (Scfct^u^  IV.  36 


562       ®d)eibung.  Srcnnung  t).  iif*  «•  Seit,  ßinlcitun^.  (§§1440—1463.) 


pnftcr  Txkl 

JVufCöfung  öcv  @^c. 

I*  iS(i^eibttttg  ttttb  Zttnnnni  toit  Zi^^  imb  93ett 

ßinleitung. 

e<^eibuns.  I.  ^cr  4iriftUd)en  ©efammtanfd^auung  beö  beutfd^en  93o(fed  entipred^enb 

gc^t  bcr  ©ntrourf  baoon  aus,  bafe  im  ©^crcditc,  aud^  fooicl  bic  Sluflofuna  bcr 
Gf)e  T)or  bcm  2^obe  cineö  ber  ßficgottcn  betrifft,  nid^t  baö  ^rinjip  bcr  iubbibucllcn 
grcit)cit  ^crrfdicn  barf,  fonbcrn  bic  G^e  olö  eine  üon  bem  SBiUen  ber  ß^c* 
galten  unabhängige  ftttlid^c  unb  red&tlid^e  Drbnung  onjufe^cn  ift.  Sarau« 
läfet  fid^  inbcRcn,  felbft  pom  fittlid^en  ©tanbpuntte  auö,  bic  abfofute  Unjulöfitg* 
feit  bcr  G^efd^eibung  nid^t  ableiten.  SebenfaHö  ift  anjuerfennen,  ba^  cft  gfiDc 
giebt,  in  roeid&en  ber  Staat  mit  JRüdEfid^t  auf  bic  33ebürfniffe  beö  Sebenö,  auf 
bic  realen  SSer^ältniffc  unb  ben  Äaratter  bcr  ß^e  afe  eines  SRec^tßoer^ältniffeÄ 
fein  Sntereffc  unb  feine  33eranlaf[ung  fiat,  bic  5ßflic^t  bcr  ©fiegatten,  fid^  nid^t 
ju  fddeibcn,  als  eine  5led^töpflid(|t  anjuerfennen,  in  roeld^en  er  üielme^r  bic 
3Iuf(öfung  bcr  (Sf;c  geftatten  mu^,  weil  bic  fittlid^cn  ©runblagen  ber  lettcrcn 
jerftört,  bic  SBorauöfefeungen  biefer  innigftcn  Sebenögemeinfd^aft  gänjli^  gc* 
fd&rounben  finb  unb  bcßfialb  bic  G^e  als  fegenbringcnb  unb  ücrcbclnb  nic^t 
mel^r  gebac^t,  aud^  üom  Stanbpunfte  ber  ©cred^tigfeit  auö  bem  bie  aufßfung 
bcr  G^e  uerlangenben  G^egatten  bie  gortfe^ung  bcr  G^e  nid^t  ferner  jugemutl^t 
werben  fann.  ^at  bod^  felbft  bie  fatf)o(ifd^e  ftird&c  bie  äufeerfte  Sonfequcnj  bcr- 
icnigcn  STuffaffung,  nad^  weldEicr  bic  burd^  bie  G^c  begrünbete  ^flic^t,  M 
nid^t  ju  trennen,  nid^t  bloö  eine  5ßffid^t  beö  einen  G^egattcn  gegenüber  bcm 
anberen,  fonbcrn  eine  uon  bem  SBiDen  bcr  Gl^cgatten  unabhängige,  obieftio 
burdö  bic  3nftitution  ber  G§e  fcfbft  gegebene  ift,  nid^t  gejogen,  inbem  fie  im 
gaHc  bcö  Gfjcbrud&cö  ober  eineß  biefem  gleid[iftel^enbcn  gleifdöcöoerbrec^enfi  bem 

»eftanbifle  unfdf)u(bigen  2:^cile  ein  unbebingteö  Slcd&t  ber  2^rennung  t)on  2:ifd^  unb  Sett 
i^STöet"^^^  Sebenfticit  geroäfirt;  benn  mit  einer  fold^en  S^rennimg  wirb  bie  e^clic^ 
'  Scbcnögemeinfd^aft  materiell  üollftänbig  aufgel^oben,  unb  bie  9lnna^me,  bo6  bic 
G^e  bem  Sanbe  nad&  fortbefte^e,  malert  bic  Unauflöölic^feit  ber  G^e  nur  bcr 
gorm  nad).  93on  ber  äluflofung  ber  G^e  bem  93anbe  nac^  unterfc^eibct  fi^ 
biefe  Trennung  üon  S'ifdö  unb  ^ett  praftifd^  nur  baburd^,  bafe,  folangc  bic 
getrennten  Gl^egatten  leben,  feiner  berfelben  eine  anbere  G^c  fc^liefecn  fonn, 
mithin  eine  3Bieben)ercinigung  berfelben  bid  )um  £obe  bed  einen  ober  anberen 
nod^  moglid^  ift.  S)ie  $oi't(|ei(e  biefer  Sßoglid^fcit  merben  ieboc^,  rottin  man 
bie  realen  äJcr^ältniffc  bed  Sebend  ins  9luge  fagt,  meit  ubern)ogen  bur^  bie 
3lad)t^ciit  unb  bie  ®efaf)rcn,  meiere  baö  SSerbot  ber  SBicberoer^eirat^img  für 
ben  ^auöftanb,  bie  9laf)rungöoer^ältnif|c,  bie  Grjiel^ung  ber  Äinbcr  unb  für 
bie  Sittlid)feit  mit  fid^  bringt.  2|nöbefonbere  ift  cd  für  ben  unfddulbigen  3;^ 
eine  groge  ^ärte,  menn  er  burc^  bie  Sd^ulb  bed  anberen  ^t^eileö,  mcld^ 
fcinerfcitö  bie  cfjetid^cn  5|}flid^ten  mit  güfecn  getreten  unb  icnem  bie  gortfe^uiig 


e^cibmiß.  Irenmmö  t^  Sif*  ".  Sctt.  einrcitmiö.   (§§1440—1463.)       5C3 

kr  G§e  unerträgli^  gcmad^t  ^ai,  ben  beseid^neten  Stad^tl^eilen  ousgefegt  tinb 
für  bte  £ebcnd}ett  bed  anberen  £^et(ed  an  ber  @d^lieguno  einer  neuen  S[)e 
uer^inbcrt  fein  foll.  SBom  ©tanbpunfte  eines  bürgcrlid^cn  ©efeßbud&cö  aus 
wxktnt  ba^er  baS  3"Pitut  ber  beftänbigen  Trennung  von  Xx^ä)  unb  83ctt 
feine  Sifligung.  Um  fo  weniger  fann  es  in  groge  fommen,  bic  6t|efd^eibung 
burc^  jenes  3nftitut  ju  erfeften  ober  ouci^  nur  naä)  bem  SSorgongc  bcs  code 
dvü  an,  306, 310  (in  granfreid^  burd^  baS  e^efd^cibungsgcf.  v.  27.  3uli  1884 
nid^t  uner^blic^  mobifijirt)  unb  bes  bab.  S.  91.  bem  fttSger  bie  9Ba(|(  ju  laffen, 
jtQtt  ber  8d^eibung  bie  bcftänbige  S^rennung  t)on  2^ifd^  unb  93ett  ju  ücriangcn, 
<ii&  ber  Stonbpunft  bes  SntrourfeS^  ba^  auf  beftänbige  Trennung  von  Sifd^ 
arnb  Sett  nic^t  erfannt  werben  fann  (§  1440  3lbf.  3),  mit  bem  befte^enben 
3lei(^rf(^tc  (©efefe  über  bie  Seurtunbung  beS  5ßerfonenftanbes  unb  bic  (5I)cs 
fc^Uefeung  v.  6.  gebruar  1875  §  77)  im  ©inftonge  ftef)t. 

IL  2)a  bie  ®^e  i^rem  SBegriffe  unb  SBefen  nad&  unauflöslid^,  bie  sDie  aa* 
Scieibung  bo^cr  ftets  etrooS  2lnomaIeS  ift,  fo  t)erbient  fd^on  oon  biefem  ©efid^ts^«  ^fSJwpunfte' 
Ijunfte  aus  bie  Sd^eibung,  wenngleid^  biefelbe  aus  ben  fieroorge^obenen  ©rünben  bei  Siegelung 
ni(|t  5U  entbehren,  bod^  feine  Segünftigung.  gür  eine  ftrcngere  ©eftaltung  bungsfc^t'c«. 
bes  Sd^eibungSred^teS  fpred^en  aber  aud^  t)om  ftaatlic^en  @tanbpunfte  aus  bie 
^CToi^tigftcn  ©rünbe.  2)er  ©toat  bot  ein  bringenbes  Sntereffe  baran,  barauf 
^injuioirfen,  bo6  bie  ®^e  oIS  bie  ©runblage  ber  ©efittung  imb  ber  93ilbung 
fo  fei,  wie  fie  fein  foII,  unb  besl^olb  baS  Seroufetfein  beS  fittUdfeen  ©mftes 
ber  G^e  unb  bic  Sluffoffung  berfelben  als  einer  von  bem  SBillen  ber  ®f)cgatten 
imabböngigen  fittlid^en  Drbnung  im  SSolfe  ju  forbem.  S)ics  gefcbiclit  burc^ 
€rf(^n)crung  ber  ß^cfd^eibung.  @S  mirb  baburd^  einerfeits  ber  ©ingebung 
lei^tfinniger  Gbcn  entgegengetreten,  anbererfeits  barauf  ^ingeroirft,  bafe  bic 
Sü^ng  in  ber  ©bc  felbft  eine  bem  SBefen  ber  ®bc  cntfpred^enbe  ift,  ba,  rocnn 
bic  ©begatten  miffen,  ba^  bie  Qf)t  nid&t  leidet  mieber  gclöft  werben  fann,  bic 
2eibcnf<boften,  meldte  ben  SBunfd^  nad^  Scbeibung  erregen,  cber  unterbrüdEt, 
ebelidbc  äcrwürfniffc  leidster  micber  befeitigt  werben  unb  an  ©tcHe  ber  SBiBfür 
bic  Sclbftbcbcrrfd^ung  unb  baS  SBcftrcbcn  ber  ©Regatten  treten,  ficb  cin^ 
-anbcr  ju  fügen.  Saju  tommt,  baß  auf  ber  geftigfeit  ber  ®be  im  ©egenfa^c 
jum  Aonlubinate  bic  b^b^^^  fittUd^c  ©teUung  beS  wciblid^en  ©efcblecbtes 
bcrubt,  eine  ju  grofee  ©rlcid^tcrung  ber  ©d&eibung  an6)  ben  offentlidjcn  2BobI=^ 
ftonb  unb  bic  ©rjiebung  ber  Äinber  gefä^rbet.  Sluf  ber  anberen  ©citc  barf 
inbcjfen  bie  ftaatßd^c  ©efeggebung  aud^  bic  ^ebürfniffe  bes  2ebcns  unb  bic 
teolen  aScrbältniffc,  fowie  ben  Äarofter  ber  ©^e  a(S  eines  Slcd^tSuerbältuiffcS 
nicbt  außer  aid&t  laRcn.  ®er  Rarafter  ber  ©^c  als  eines  Slcd&tSDcrbältnificS 
legt  bem  Staate  bic  ^Ppid^t  auf,  ben  einen  ©begatten  gegen  ben  anberen  ju 
f(bä(en,  wenn  biefer  bie  ibm  obHcgenbcn  cbelicbcn  $f(icbten  buri^  fein  fd^ulb^ 
volles  aSer^alten  ucrlegt.  ©in  fold^er  ©d^uft  fann  aber  in  wirffamer  SBeife 
nur  burd^  baS  SRcdbt  ber  ©d^eibung  gewäbrt  werben,  ba  nad^  ber  9latur  ber 
©b(  old  eines  Dorwiegenb  fittlid^en  äScr^öltniffcS  bie  ©rfüUung  ber  cbelicben 
$jli(bten  unb  bie  äßieber^crftcQung  bes  geftorten  9lccbtSiuftanbeS  burd)  äußeren 
3wang  tbeils  fiberbaupt  nid^t,  tbci(S  nur  unDoQfommcn  in  einer  bloS  außer- 
Itd^  SBeife  erreicht  werben  fonnte.  SlnbcrerfeitS  folgt  aus  ber  3latur  ber 
•©be  als  eines  SRed^tSocrl^öltnifJcS,  ba^  feinem  ©Regatten  bic  cinfeitigc  will:' 

36* 


564      Sd&cibuna.  Icamunö  r.  Sif*  «.  Sctt    emlcitung.  (§§1440-1463.) 

tüvlxä)c  Sluflöfung  bcr  ^^  gcftattct  werben  barf  unb  ba^  bemicnigen  ßfjc* 
gatten  baö  9led)t  ber  Sd)cibung  ju  ucrfageu  i%  rocld^cr  jur  Scgrünbung  bcr 
93c^auptung,  ba%  bie  ©(je  eine  jcrrüttete  [ei,  auf  fein  eigenes  fd&ufbooUeö  SScr^ 
f)alten  fic^  berufen  looDte. 
uebcrficöt  S)ie  bcfteljeubeu  3led&te  l^aben,  ie   nad^bem  fie  auf  bzn  einen  ober 

"fc"be  9?c(?t! '  Q^^^^^^cn  ber  in  S3etrad&t  fommenben  Oefici^töpunfte  baö  größere  Oeroid&t 
legen,  5U  ber  grage,  auö  roeld^cn  ©rünben  bie  ©d^eibung  iujulaffcn  fei,  eine 
fe^r  üerfd^iebene  Stellung  eingenommen.  SBäl^renb  baö  fanonifd^c  9le^t,  im 
bem  cö  t)orn)iegenb  bie  burd^  bie  ߣ|c  beroirfte  SBerbinbung  bcr  Gficgatten  jur 
natürlid^en  ©in^eit  unb  bie  2(uöfd)Iiefelid&feit  ber  e^elidjen  ©cmcinfc^aft  inö 
9luge  faßt,  nur  wegen  e^ebrud&cö  unb  ber  bem  Unteren  glci^fte^enbcn 
gteifc^eöoerbred^en  bie  an  ©teile  ber  ©fiefd^eibimg  tretenbc  beftänbigc  SCrennung 
üon  2\\(i)  unb  93ctt  geftattet,  f)at  ba&  gemeine  proteftantifc^c  ©fiered^t  iuqU\ä^ 
auf  bie  etljifd^e  unb  redötlid&c  Seite  ber  ©^c  ein  cntfd)eibenbeö  Ocroid^t  gelegt 
unb  Don  j[e[)er  neben  bem  ©^ebrud^e  aud;  bie  bödlidde  93er(affung  aü 
©d^cibungögrunb  anerfannt.  9luf  (Srunb  ber  3lnologie  biefer  bcibcn 
©d^eibungögriinbc  ^at  bann  bie  gemeinred(}tlid^e  ^rajiö  balb  in  wcUerem, 
balb  in  geringerem  Umfange  auc^  nod^  in  anberen  göUen  fd^roercr  fittfid^cr 
SScrfd^ulbung  ober  eigenmäd^tiger  SSerlegung  efielidöcr  5ßflid&tcn  bie  Sd^cibung 
jugelaffcn.  3inöbefonbere  fmb  na^eju  überall  aud^  bie  Cuafibefcrtion,  bie 
Sßerroeigerung  ber  efielid&en  ?5flid&t,  Snfibien  unb  ©äoitien  afe  ©d&cibungö* 
grünbe   anerfannt   (oergl.  ©cuffert  X,  174,  XII,  37,  XVIII,  126,  XIX, 

154,  XXIII,  178,  XXIV,  121,  XXXUI,  136,  XXXIV,  148,  XXXV,  35; 
genner  unb  aWecfe,  ciDilrcd&tl.  ©ntfd^.  VUI,  39;  ©ntfd&.  b.  %  ®.  bei 
genner  unb  aJIedfe  II,  147,  III,  222;  württemb.  ®cf.  v.  8.  3luguft  1875 
3lrt.  6—8).  3n  Dielen  gemeinred^tlidden  ©cbieten  ift  aufecrbem  tfteilö  bunft 
bie  ^rajiß,  tl)eilö  im  SBege  ber  ©efeßgebung  bie  ©d^eibung  wegen  Scr* 
urtheilung  eineö  ©liegattcn  ju  greil^eitöftrafe  üon  üerfc^icben  beftimmter 
Sauer  ober  bodö  wegen  SSerurtljeitung  ju  lebenölänglid^er  grci^eitöftrafe 
für  5uläfrxg  erflärt  (oergt.  ©euffert  II,  297,  VII,  190,  VIII,  58,  XI, 
49,  XIII,  37,  XXIV,  40,  XLII,  122;  genner  unb  aWecfc,  cioilret^tl. 
©ntfd^.  I,  58;  württemb.  SSerorbn.  u.  14.  SJcjember  1812).  9lamenta<^ 
t)at  baö  9leid^ögerid&t  wicberljolt  außgefproi^en ,  ba^  nadi  bem  gemeinen 
proteftantifc^en  ©^ered^te  aiid)  bie  83erurtE|eiIung  ju  jeitiger  grei^cit&jlrafe 
ba^  Siecht  auf  ©d&eibung  bcgrünben  fönne,  wenn  btirc^  baß  SSerfd^ulbcn 
beß  üerurt^eilten  ©Regatten  bie  aMögIid)fcit  einer  gebei^Iid&cn  gortfcftung 
ber  ifjrem  SBefen  nad^  bie  innigfte  Sebenögemeinfd^aft  bebingenben  &^ 
einfeitig  jerftört  worben  fei  (oergl.  ©ntfd&.  b.  SR.  ©.  in  6it)ilf.  I,  120, 
V,  115,  VIII,  40,  IX,  47,  48;  ©euffert  XXXVII,  35).  gerncr  ^at  boft 
9leid^ßgerid|t  baß  SBerge^en  ber  falfd&en  Slnfd^ulbigung  alß  ©^cf^eibungß* 
grunb  anerfannt,  wenn  baß  legtere  oon  bem  einen  ©Regatten  gegen  bcn 
anberen  unter  foId)en  Umftönben  begangen  ift,  bafe  baburd^  für  bcn  oer^ 
legten  ©Regatten  bie  ftttlid&en  ©runblagen  ber  ©f|e  alß  imwiebcrbringücft 
5crftört  erfi^einen  unb  if)m  eine  fernere  gortfegung  ber  e^elid)en  Scbcnß^ 
gemcinfdjaft  unmögtid)  5ugemutf|et  werben  fann  (Gntfd^.  b.  SR.  ®.  in  Gitnlf. 
IV,  104  ©.  380).    .§icr  unb  ba  f)at  bie  5ßrariß  bcn  Rreiß  ber  Sc^cibungß* 


Sdfecibunß.   IrcnmuiG  o.  OT*  u.  Sctt.   ßinrcitunö.   (§§1440-1463.)       5G5 

(jrüiibc  nod^  weiter  gcjogcn  imb  bie  Sd^cibung  aud^  wegen  gcgenfeitiger  un- 
überroinblid^cr  Slbneiguug,  lüenigftenö  bann,  wenn  eine  üorgclngigc  äeitiDcUige 
Jreunung  t)on  ^i\i)  unb  SBett  eine  5Kuöf5f)nwng  nic^t  l)crbcigefiil)rt  l)ai  (oergL 
geufrcrt  III,  331,  XIII,  260,  261,  XX,  138,  XXV,  32,  XLIII,  26)  ober 
011^  fclbft  wegen  2Baf|nfinneö  unb  wegen  f örpcrlidjer  ®ebrcd)en  unb  Äranf ()eitcn 
jugelojfen,  wenn  biefe  ber  Slrt  jtnb,  bafe  fic  im  galle  ef)elid)er  33eiwot)nung 
bjä  Scben  unb  bie  ©efuubfieit  beä  anberen  ©Regatten  gcfSfirben  (ocrgf.  für 
Äur^effen  genner  unb  SDletfe,  eiDi(red)t[.  Gnt)d}.  VI,  62  ©.  155  ff.).  Giner 
fofc^en  3tuöbet|nung  ber  ©d)eibungögrünbe  über  bie  gälte  einer  93erfd)ulbung 
^inmiö  ift  iebod^  baö  SReicfißgerid^t  in  Uebereinftimmung  mit  ber  üorroiegenb 
fc^on  fru[)er  in  ber  5ßrajiö  befolgten  SÄuffoffung  (uergl.  ©cuffert  V,  295, 
VII,  58,  XXII,  50,  XXIII,  35,  XXXII,  54)  entgegengetreten  (ocrgl.  entfd^. 
b.  SR.  ®.  bei  genner  xinb  9Äecfe  III,  222;  ©ntfd;.  b.  dl.  ©.  in  6iüi(f.  VII,  50, 
XV,  40).  3n  einer  größeren  9lnjal^(  gemeinredjtlid^cr  ©ebietc  ift  übrigens 
ote  Crgonjung  bcö  gefefelid^en  ©d)eibungsrcd)teß ,  balb  mebr  balb  weniger 
bc|(^ränft,  baß  ^nftitut  ber  [anbeßf)errlid)en  G^efd^eibung  nnerfannt  (üergl. 
unten  unta*  9ir.  IV). 

SSon  ben  neueren  ©efefegebungen  ift  baß  preufe.  31.  S.  SR.  in  ber  ^n^ 
lüRung  ber  ©d&eibung  am  weiteften  gegangen,  inbem  baöfelbc  bie  Sc^eibung 
nid^t  nur  in  außgebe^ntem  aSafse  in  gälten  ber  SSerfdjuIbung  eineß  S^f)cilcß 
(ücrgl.  preufe.  31.  S.  SW.  II,  I  §§670—695,  699—714),  fonbern  au^  in  gälten 
eincfi  bcm  anberen  S^^eile  wibcrfal)rcnben  UnglüdEeß,  namenttidi  wegen  geroiffcr 
unheilbarer  förperlid&er  ©cbrcd^en  unb  wegen  SRaferei  unb  SBa^nfmneß  — 
nic^t  aud^  wegen  Stobfinneß;  ücrgf.  ©ntfc^.  b.  3i.  ©.  in  Giüilf.  XVI,  55  — 
(preuß.  3t.  8.  SR.  n,  1  §§  696—698),  femer  unter  gewiffen  93oraußfefeungen 
wegen  aSeranberung  ber  SRetigion  (preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  715),  unb  in  jwei 
göBen  auö  SBillfür  geftattet,  n8mti($  auf  ©runb  gegenseitiger  ©inwiltigung 
bei  finberlofen  G^en,  wenn  weber  2eid)tfinn  nod)  Ucbereitung,  nod^  ^cimtidjer 
3wang  oon  ber  einen  ober  anbereu  Seite  ju  beforgen  ift,  fowie  auf  ©runb 
einfcitiger  Slbneigung,  wenn  nadEi  bem  3n()alte  ber  3lften  ber  SBibcrwilte  fo 
I^eftig  unb  tief  eingewurjeft  ift,  bafj  ju  einer  3lußfö^nung  ober  jur  ®rreidE)ung 
ber  3ioe(fe  beö  Gtieftanbeß  gar  feine  Hoffnung  mefir  übrig  bteibt  (preufe.  31.  S.  SR. 
II,  1  §§  716— 718  b). 

Sie  nürnb.  et)efd[|eibungßorbn.  t)om  25.  $Roüember  1803  ift  eine  "Jlady 
bilbung  beö  Gt)efd^eibungßredötcß  beß  preufe.  31.  S.  dl  5IBenngteid^  im  Ginjetueu 
abweid^enb  unb  in  wandten  39ejief|ungen  bie  Sd^eibung  an  ftrengere  SSorauß- 
fefeungen  fnüpfenb,  berufit  fie  bod^  oollftänbig  auf  ben  ©runbtagen  unb 
3Inf(6ouungen  beß  prcufe.  31.  S.  SR.  unb  fd&tiefet  fid^  aud&  ben  einjetnen 
S(^eibungßgrünben  beß  leßteren  im  SBefentlidden  an. 

ebenfo  fte^t  baß  got^.  G^egef.  d.  15.  3Iuguft  1834  §§75—139,  foülel 
bie  cinjelnen  Sd^eibungßgrünbe  betrifft,  bem  preuj3.  31.  S.  SR.  fet)r  naf)e.  3nßj= 
befonbere  geftottct  jeneß  ©efeg  bie  S^eibung  aud^  wegen  SRafcrei  unb  SBafm- 
finneö  unb  gewiffer  unbeitbarer,  wäl^renb  ber  Gbe  cntftanbencr  törpcrfidjer 
(Sebrcc^cn.  ©agegen  bitbet  gegenfeitige  Ginwilligung,  fowic  unüberwinbtid&c 
3Ibneigung  beß  einen  Gbegatten  gegen  ben  anberen  feinen  gefegtid^en  ©dEieibungß^ 
gtunb;  boc^  fann  in  biefen  unb  anberen  gälten,  inßbefonbcre  wegen  S)teIigionß? 


566       ®*eibuno.  Srennuno  i\  Jif*  u.  S3ett.   ©nlcitunfl.  (§§1440—1463.) 

iüC($fcIß,  bie  Sd^cibung  fraft  lanbcö^crrlid&er  aHQd&tooMommen^cit  auögcfprod^cii 
werben. 

9lud5  bem  fdiroarjb.fonbcröf}.  (g^efcfielbungögcf.  o.  30.  Sluguft  1845 
^at  baö  preug.  31.  S.  SR.  jum  Sßorbilbe  gebleut,  roenngtcidd  baöfelbe  ni^t  fo« 
roeit  gel)t,  lüic  ba&  lefetcre.  Snäbefonberc  pnbet  feine  Sd^eibung  auf  ®nmb 
gcgcufeitiger  (SiuroiUigung  ober  einfeitiger  9lbueiguug,  n)o[;I  aber  unter  nä^cr 
beftimmten  SSorauöfcßungen  wegen  tief  eingewurjelter  gegenfeitiger  Slbncigung 
ftatt.  Unter  geroi^en  SSorauSfefeungcn  ift  ferner  bie  ©^ef^eibung  iDegcit 
unl)eilbarer  lorperlid^er  ©ebred^en,  foroie  wegen  ©eifteöserruttung,  in  weld^cr 
f^orm  fie  fid^  aud^  jeigt,  für  juläffig  crflärt. 

3m  SBergleid^e  ju  bem  got^.  unb  ju  bem  fdEiwaräb.fonberöl).  ®cf. 
nimmt  bie  altenb.  ß^eorbn.  v.  13.  2Rai  1837  gegenüber  bem  preug.  31.  S.  % 
eine  felbftfinbige  Stellung  ein,  menngleid^  aud&  fie  in  uerfd^iebenen  fünften 
über  bad  gemeine  proteftontifd^e  ©{|efd^eibungöredE|t  Ijinauöge^t.  Slomentlid^ 
geftattet  aud^  fie  bie  ©d^eibung  wegen  gänjlid^er  SSerftanbeSjerrüttung  (§  207), 
ferner  wegen  unt)erfd[|ulbeten  Unoermögenä  eineß  ©Regatten  ju  (Sunften  bcß 
Icgteren,  wenn  für  benfelbeu  aus  ber  fortgefefeten  Ausübung  beö  e^cKd^cn 
93eifc^Iafeß  wefentlid^e  9Jad^t^eiIe  für  feine  ©efunbl^eit  ju  beforgen  finb  (§  229), 
fowie  wegen  SReligionöwei^fefe  (§  230).  5Reben  ben  im  ®efe$e  befonbcrö  t)ers 
oorge^obenen  Sd&eibungögrünben  enthält  bie  oltenb.  ß^eorbn.  §  194  noc^  eine 
clausula  generalis,  nad^  weld^er  eine  ©f)e  aud&  auö  anbcren,  bie  S^ecfc  ber 
6^e  wefentlid^  ^inbernben,  ben  befonberö  l&eruorgefjobencn  Sddeibungögrünben 
gleid^  ju  ad^tenben  Umftänben  burd^  rid^terlidEien  SluSfprud^  gefd^ieben  werben 
fann.  Slufeerbem  ift  im  §  228  bie  ©fiefddeibung  fraft  latibeöficrrlid^er  aWa# 
oollfommenfieit  auf  gemeinfd^aftUd^en  3Intrag  beibcr  ©Regatten  für  bringenbc 
gälle  anerfonnt. 

3tuf  einem  entfd^icben  ftrengeren  ©tanbpunfte,  als  bie  bisher  gebadeten 
neueren  ©efefegebungen,  ftel)t  ba%  fäd^f.  @.  f8.,  weld^eö  fid^  im  SBefentlic^cn 
ber  5ßrariö  beö  gemeinen  proteftantifd(ien  ©{)eredS)te9  augefd^Ioffen  ^at  (oergl. 
§§  1711—1745,  1769,  1770  uerb.  mit  §  9  bcö  fäd^f.  ®ef.  u.  5.  3iot)ember  1875). 
Snäbefonbere  ift  bemfelben  eine  3lufIofung  ber  ©fje  auf  ©runb  gegenfeitiger 
©inwiHigung  ober  wegen  einfeitiger  ober  gegenfeitiger  9lbneigung  unbcfannt 
S)od^  läßt  aud^  baß  ffid&f.  @.  33.  uon  bem  ^ßrinjipe  ber  aSerfd^ulbung  cinjelnc 
3luönal^men  ju.  9lamentlid&  geftattet  eö  bie  ©djeibung  wegen  unheilbarer 
©cifteöfranf^eit  (§  1743),  fowie  wegen  9tcIigionßwed^feId  (§  1742).  ©ine 
weitere  Slußnatime  uon  jenem  ^^Jrinjipe  beftefjt  barin,  bafe  bie  ©^efrau  bie 
Sd^eibung  ucriangen  fann,  wenn  wegen  eineß  unl)eilbarcn  ®ebred)end,  an 
wetd&em  fie  leibet,  auß  ber  Slußübung  beß  Seifd^lafeß  für  fie  eine  Sebenßgcfa^r 
cntftef)t  (§  1742). 

2luf  ber  ©runblage  beö  gemeinen  proteftautifd[ien  SRed^teß  beruht  ferner 
baß  et)ef(^cibungöred&t  beß  franff.  ®ef.  u.  9.  Sbocmber  1850  §  15;  bod^  wirb 
neben  ben  auf  23erfd^ulben  eineß  2:[)eilcß  berul^enben  Sd^cibungfigriinbcn  audfe 
unüerföl)nüd&cr  §afe  alö  Sc^eibungßgrunb  anerfannt. 

3m  S3crgleidf)e  mit  ben  bißfier  angeführten  ®efc|gebungen  ^at  ber  code 
civil   (oergl.  @ef.  für  ©Ifafe  -  Sotliringcn  u.  27.  $Rooember  1873)  ben  Äreiß 


©Reibung.  Xrcnnunfl  u.  Sifci&  u.  SBctt  ffiinleUunö.  (§§1440-1463.)       567 

berjenigcn  Sd^cibungsgrünbc,  auö  tücld^cn  auf  ciufcitigcn  SKntroö  cincö  ©(jc- 
gattcn  bie  Sd^cibung  jugelaffen  iDirb^  cr()c6Ud^  enger  gejogen.  ^ie[c(6en 
berufen  fämmtlic^  auf  bcm  ©runbfafee,  bafe  bemienigeii  ©ficgatten,  gegen 
iwl^en  bic  ©(Reibung  erroirtt  werben  foU,  eine  Scrfdjulbung  jur  Saft  fallen 
mufe  (Art.  229—231).  SQ8egcn  eines  bem  anberen  ^^citc  roiberfa^renen  Unglüdeö 
lonn  in  feinem  gälte  bie  SÄuflofung  ber  ß^e  üerlangt  werben,  namentlid)  aud^ 
nu^t  wegen  @cifte8franf{|eit.  dagegen  geftaltet  ber  cocle  civil  neben  ber 
Sc^ibung  auö  beftimmten  Urfa^en  bie  Sd^eibung  auf  (Srunb  gegenfeitiger 
einroiDigung  ber  ©Regatten  (3lrt.  233,  275—294,  297,  305).  Sic  SBebingungen 
für  bic  3wl5fftgfcit  eincö  fold&en  3lntrageö  beiber  ©Regatten,  baö  58erfaf|ren 
unb  bie  SBirfungen  biefer  ©c^eibung  finb  aber  von  ber  3lrt  unb  mit  fofdjcn 
Scififtigungen  unb  92ad^t^ei(en  für  bic  ©Regatten  Dcrbunben,  bag,  mcmx  bic 
lejteren  fid^  bicfcn  äSorfd^riftcn  unterworfen  unb  biefelben  genau  befolgt  ^aben, 
baraud  in  ber  Stege!  ber  Sd^Iug  gebogen  werben  fann,  ba^  in  bem  gegebenen 
gaDe  bic  G^c  in  ber  S^^at  innerli^  gcbrod^en  unb  ein  f)inreid^cnber  (Srunb 
}ur  ©(Reibung  oorl^anben  ift.  2)urd&  baö  neue  franj.  G^efd^eibungögef.  v. 
27.  3uli  1884,  wel^eö  im  Uebrigen  bie  burd^  ba&  ®cf.  x>.  8.  aJIai  1816  auf^ 
gehobenen  33orfd^riften  beö  code  civil  über  bic  ®f)efd&eibung  mit  einigen 
SRobififationen  wieber  l^ergcfteUt  ^at,  finb  ieboc^  bie  SJorfd^riftcn  beö  code 
civil  über  bic  ß^efd^eibung  auf  ®runb  gegenfeitiger  ©inwiDigung  nid)t  wiebcr 
angeführt. 

3tuf  bcm  Soben  bcä  code  civil  ftc^en  im  2öefentlicöen  bie  bab.  ®c\cji^ 
gebunfi  (bab.  8.  91.  ©a|  229—233,  275—294,  297,  299,  305  oerb.  mit  9lrt.  14 
be«  bab.  (Sef.  t).  23.  SJeicmber  1871,  §  1  9lr.  2  beö  @cf.  v.  9.  SJesember  1875 
imb  §  10  beö  ®ef.  d.  9.  gebruar  1879)  unb  ber  tjcR.  ©ittw.  2lrt.  81—83, 116—126 ; 
bo(^  gel;t  bie  erftere  infofern  weiter,  alö  fie  aud^  brciiä^rigc  „Sanbpc^tigfeit 
unb  aSBa^nfinnigfeit"  t)on  glcid^er  Sauer  a(ö  ©dEieibungögrünbe  anerfennt  (2.  dl. 

ea|232aj. 

3n  wefentlid^er  Uebereinftimmung  mit  ber  in  ber  neueren  5ßroriö  oor*  stantpunrt 
niegenb  vertretenen  Sluffaffung  beö  gemeinen  proteftantifd)en  ®{)ercd)tcö,  fowie  (jntrotfrfeai 
im  Snfc^Iujfc  unb  in  gortcntwicEclung  ber  ben  preufe.  Gntwürfcn  über  bie  ^ri„jip  ber 
Äefotm  beö  (anbred(}tfid^en  e^ef^eibungörcd^teö  auö  ben  Sauren  1844,  1854,  «erf^uibung. 
1856,  1859,  1860  ju  ©runbc  Ucgenben  ^rinjipien   beruljt  ber  üorliegenbe 
Cntrourf  auf  bcm  ©niubfa^c,  bag  ein  ©degattc  nur  wegen  f(^weren  SSer^ 
f(^ulbcnö  beö  anberen  Cfiegatten  bie  ©d^cibung  ju  ücrtangen  berei^tigt  fein 
fott.    3ebc  ©d^eibung  auö  SQSittfür,  inöbefonberc  aud)  bic  ©dicibung  auf 
(ärunb  gegenfeitiger  ßinwiHigung  ber  (Sf|cgattcn,  ferner  bic  Sd^eibung  wegeti 
jttfdDigcr  Umftönbe,   namentlid^.  wegen  förperlidier  ©cbred^en   unb   wegen 
@ciftcöfranfl>eit,  fowie  bie  Sd^eibung  wegen  Sicligionöwed&fctö  ift  auögefd^Iojfen. 
gür  bicfcn  ©tanbpunft  beö  Cntwurfeö  fpred^en  bie  oben  ©.  563  ff.  ^eroor^ 
gehobenen,  bem  SBcfen  ber  ©^e  unb  ber  ?latur  bcßfelben  alö  eincö  -Wci^tö' 
oer^fiUniffeö  entnommenen  allgemeinen  Oefid^töpunftc.    3"^  (Sinjelncn  ift  in 
biefer  <§infi^t  nod^  golgenbcö  ju  bemerfcn: 

1.  Gö  läßt  fid&  nid^t  oerfennen,  bofe  für  bic  3i*föffu"9  ber  ©d&eibung  e<^eibunö  auf 
öuf  ®runb  gegenfeitiger  einwiUigung,  inöbefonberc  in  ber  C^eftalt  beö  code '"IcmQtt'it^ 
civfl  unb  beö  bab.  S.  SR.,  erfieblid^e  ©rünbc  angefüfirt  werben  fönncn.  5ßrinjipieII   »wifl«««- 


568       ©dfecibmiö.  Krennunß  i\  Itfd?  u.  S?ctt.  Ginlcitunö-  (§§  1440—1463.) 

f oU  nac^  bcn  bejcid^netcn  SRcdjtcn  bicfcä  3nftitut  nur  als  SDKttcI  bicncn,  eine  roirfs 
lid^  jervüttetc,  bciben  ßfiegatten  uncrträgKdö  geworbene  ©^e  ju  lofen.  Sie  2lb' 
fid^t,  ben  ©Regatten  bie  loilTfürlid^e  3luflöfung  ber  ©f;c  ju  ennöglid^en,  liegt 
bcn  Seftimmungen  jener  9led;te  üöttig  fern.  S)aö  ©efefe  ge^t  üielme^r  baüon 
aus,  bo^,  wenn  bie  ßficgQtten  bie  für  biefe  9lrt  ber  ©d^eibung  befonberö  üor- 
gefd^riebencn  erfd^roercnben  93ebingnngen  erfüUt  Ijaben,  ber  SBewciö  alö  geführt 
anjufeljen  fei,  baß  ein  gefefelid&er  ©cbeibungsgrunb  in  8Birt[i(i[|feit  vorliege  ober 
bodj  axiQ  anberen  anjucrfennenben  Orünben  im  gegebenen  gallc  ben  G^egatten 
bie  gortfefeung  ber  ©l)e  unerträglich  geworben  fei,  S)ic  prQftifd)e  Scbeutung 
biefcö  ©i)ftemeö  bernt)t  einerfeitö  barin,  ba^  bie  Gf;egattcn  in  folgen  gäUcn, 
in  wcfd&en  ein  gefeglidi  anertannter  ©d^eibungsgrunb,  j.  SB.  G^ebrud),  vor- 
liegt, burd^  ba^  Snftitut  ber  ©d^eibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  GinroiDigung 
in  bie  Sage  gefegt  werben,  bie  ©d^eibung  erwirfen  ju  fönnen,  o^ne  genöt^igt 
ju  fein,  ben  eigentlidden  ©d^eibungsgrunb  jur  Äenntnife  beö  9lid)terß  ju  bringen, 
baß  alfo  auf  biefe  $Beifc  baö  mit  bem  ©cfteibungöprojeffc  fonft  für  bie  G^e- 
gattcn  felbft  nnb  bereu  gamilie  üerbunbene  Slergerniß  fd^onenb  abgewenbct  unb 
berjenige  G(;egatte,  weld^er  einfeitig  bie  Sd^eibung  ju  verlangen  bered[|tigt  wärt, 
namentlich  im  galle  eineö  dou  bem  anberen  G^egatten  begangenen,  üon  STmtö' 
wegen  ftrafbaren  SSerbred^cnö  ober  im  gallc  beö  Gf)ebrudE|eö  nid)t  jur  2luf^ 
bedung  jeneö  aScrbred&enö  bcjw.  ju  ber  unter  befonbercn  Umftänben  mogiic^cr- 
weife  bebenflid^en  83e5eid^nung  beß  mitfdöulbigen  Sritten  gebrängt  wirb. 
Slnbererfeitö  gewäl^rt  ba&  \)\cv  in  SRebe  ftel^enbe  Snftitut  ben  GIjcgQttcn  bie 
ajlöglid^feit,  auf  biefem  SBBege  bie  ©d)eibung  aud^  in  fold^en  gäUen  erwirfen 
JU  fönnen,  in  wcld^en  baö  unter  iljuen  beftefienbe  SBerfiältnife  in  SSJirfü^feit 
ü5ttig  jerrüttet  ift,  biefe  ^en-üttung  aber,  weil  bie  G^egatten  biö  baf)in  fui&  ju 
beberrfd^en  ocrftanben  f;aben,  entwcber  äuf3crlid[|  in  redS)töwibrigcn  unb  bcn 
fittüdfien  Slnforberungcn  ber  Gtie  wiberfpredicnben  ^anbtungen  überall  ni^t 
5U  Stage  getreten  ober  nid&t  bcweiöbar  ift.  SBeiter  fönnen  ju  (Sunftcn  ber 
©djeibung  auf  (Sjrunb  gegenfeitiger  Ginwilligung  bie  ©eftd^töpunftc  geltcnb 
gemad;t  werben,  ba^  bie  58erfagung  biefeö  SBegeö  bie  G^egatten,  weld^e  briber* 
feitö  bie  Sd&eibung  wünfcben,  baju  nötl^ige  ober  bod^  ju  Dcrieiteu  bro^e,  in 
©egenwart  t)on  S^^ißcn  einen  fünftlid&en  ©d)eibungögrunb  }u  f^affcn  unb  fo 
baö  ©efeg  ju  umgeben,  ba^  ferner,  wenn  man  bie  ©d^cibung  nur  a\i^  bc^ 
ftimmten  Urfad^en  geftatte,  namentlidj  bei  ben  relativen  ©^eibungögrünben 
beö  §  1444,  ber  flagenbe  G^egatte  nie  fid)cr  fei,  ob  bie  ©dbeibung  oudj  er- 
folgen  werbe,  eine  9lbweifung  ber  ©df)eibungöflage  aber  immer  mit  miBlicdcn 
folgen,  inöbefonbere  für  bie  ©eftaltung  beö  e^elid&en  S8erF)äItniffeö,  vcrbunben 
fei.  3)iefe  Grwägungen  fönnen  iebod^  gegenüber  ben  prinjipiellcn  S3cbcnfcn, 
weld)e  gegen  bie  3wf^Rw"9  ^^^  ©ci&eibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  Gin^ 
willigung  fpred^en,  unb  gegenüber  ben  ©efa^rcn,  welche  barauö  bem  ^nftitutc 
ber  GF)e  ju  erwad)fen  brof)en,  alö  burd^fd)(agenb  nii^t  erad^tet  werben.  ®ci 
ber  ©d)eibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  Ginwilligutig,  auä)  in  ber  ©eftaltung 
beö  franj.  xmb  beö  bab.  5icd()teö,  tritt  nodd  außen  ^in  lebiglid^  bie  SSillfür  ber 
Gljegatten  alö  ©runb  ber  ©d)cibung  Ijeroor.  Gö  liegt  beö^alb  bie  ©efa^r 
nal;c,  baf3  im  SSolfe  biefe  SBillfür  alö  ber  wa^re  ©runb  ber  ©d&eibung  an* 
gcfeljcn  unb  baburd^  baö  Slnfetjcn  unb  bie  SBürbe  ber  G^e,  bie  3Iuffoffung  ber 


(S4cibuno.  Irennuno  ü.  £ifc§  u.  S3ctt.  einrcltunfl.  (§§1440—1463.)       569 

festeren  alß  einer  Qud^  red^tlid)  über  bcm  SBillcn  ber  ©tjegattcn  ftcljcnbcn, 
^o^eren  obieftiücn  S^^öcn  bienenbcn  S^ftitution  im  93cn)ufet)cin  bcö  SSolfcö 
gelotfert  wirb.  SJaju  fommt,  ha^  baö  i^nftitut  bcr  Sd^cibiing  Quf  ©rintb 
gcgcnfcitigcr  ßinroilligung  trog  aller  ftautclcn  baju  mifebraudjt  tücrbcn  fann, 
bic  äuflöfung  ber  6^e  auä)  in  fold^cn  gällen  Ijcrbciiufü^ren,  in  n)eld)en  bie 
6^e  feineöroegö  afc  eine  üBÜig  jerrüttctc  anjufc^en  ift,  bic  ©Regatten  aber  aus 
anbercn  fubicttiocn  (Srünbcn  bic  6^e  ju  löfcn  wünfd)en.  9lid^t  ol^ne  ©runb 
ift  x>on  ben  ©egnern  jenes  ^nftitutcö  ferner  barauf  Ijingeroiefen,  bafe  baö 
Ic^tcrc  nic^t  feiten  baljin  füf)ren  werbe,  ba^  berjenigc  ©Ijegatte,  roeld&er,  piel^ 
leicht  im  ^inblide  auf  eine  i^m  fd^on  in  Sluöfid^t  ftctienbc  anbere  G^e,  bic  be* 
ftcfjcnbe  G^e  5u  lofen  wünfd&t,  auf  btw  anbercn  ©l)egatten  fortgcfefet  einen  nidjt 
fid^tbar  Ijeroortretcnben  moratifdjen  ^xoawQ  ausübt  unb  fo  bcfjcn,  in  2BaI)rt)cit 
nur  fc^cinbare,  ©inroilligung  jur  Sd&eibung  erlangt.  Um  fo  bebenftid)er  ift  es, 
bas  ^ier  in  Siebe  ftebcnbe,  in  bem  größten  2^l)citc  S)cutfdötanbö  unbcfanntc 
imb  burd^  ein  prottifd^eö  93eburfnif3  bort  niddt  gebotene  Snftitut  neu  ein^ 
jufü^rcn,  als  felbft  bas  franj.  @ef.  v.  27.3uti  188-4  9lnftanb  genommen  l)ot, 
basfelbe  in  granircicft  micberfierjuftellcn.  SSon  befonberem  ®en)id)te  ift  audö 
bcr  Umftanb,  bafe  bic  f5mmtlid}en  preufe.  Gntmürfc  über  bic  ©{|cfd)cibung  bie 
Sd^eibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  ßinroilligung,  meil  mit  bem  SBefcn  ber 
G^e  unocrcinbar,  aud&  in  bcr  83efd&ränfung  bcs  preufe.  91.  S.  SW.  auf  f inberlofc 
&^n,  nid^t  aufgenommen  liaben  unb  in  biefem  5ßun!tc  bei  bm  Derfd)icbcnen 
SSer^nblungen  im  Sanbtage  mieberl)olt  unb  gleid^mtifsig  foiüol^l  Dom  ^errcn^ 
^oufe  als  Dom  Slbgeorbnctenbaufc  gebilligt  finb. 

2.  Gbenfomenig  ift  eS  mit  bem  SBefcn  bcr  G^c  als  einer  über  bcm  ©^»Jibuna 
SBiOen  bcr  Gljcgatten  fte^enben  fitttid^en  unb  red)tlidE)en  Drbnung  vereinbar,  «nüSnb. 
bie  einfcitigc  ober  bic  gcgenfeitige  uniibern)inblid)e  2lbneigung  als  fold^e,  alfo  ^^^^^l^ 
üu<Ö  bonn  als  felbftänbigen  S^cibungSgrunb  anjuerfennen,  menn  biefc  Slb* 
neigung  nid^t   burd)  ein    nad^  anbercn  Seftimmimgen   jur  ©d)eibung   bc^ 
rcd^tigcnbes  SBcrfd&ulben  bes  anbercn  J^lieilcS  ^eroorgerufcn  ift.     S)ic  ^}l\p 
crfennung  biefes  ©d^eibungsgrunbes  mürbe,  ba  bcm  9tid)ter  ein  obicftiucr,  bic 
SillKir  auSfd^licBcnber  Semeis  bcr  unübcrroinblid&en  Slbneigung  gar  nidjt  cr^ 

bracht  ©erben  fann,  menn  biefer  ©d&eibungögrunb  praftifi^c  Sebeutung  ge* 
»innen  foB,  nur  bal;in  fül)ren,  bcr  Sc^eibung  aus  2Bill!ür  als  ©cdEmantcl  i^u 
bieneu.  2)er  3wl^fiw"8  ^^^  ©d^eibung  auf  ©runb  cinfeitiger  Slbncigung  ftcl)t 
jubcm  ber  Äaraftcr  ber  Gl|c  als  eines  5lcdötST)erl)ftltnif|cö  entgegen.  9lud)  in 
biefer  .feinfid^t  ftimmt  ber  Gntmurf  mit  ben  preuft.  Gntmürfen  über  bie  Gbc- 
f«^ibung  überein.  SMit  bem  ©tanbpunfte  ber  le^tcrcn  liaben  baS  ^errenl)aus 
unb  baö  aibgcorbneten^aus  infomeit  ftd)  miebert)olt  einoerftanbcn  erflärt. 

3.  S)ie  t)om  preufe.  91.  S.  91.  unb  von  tcrfdöiebenen  auf  bcm  93obcn  bcs   sc^eibuns 
lefttereii  ftctjcnben  neueren  ©efeggebungen  in  cinfeitiger  SBcrüctfid^tigung  ber  "*^"J^Jf ^'"^^ 
flefd^lcc^tlic^en  ©eite  ber  G^e  balb  in  größerer  balb  in  geringerer  9luöbct)nung  ©ebrec^en. 
SugclaRenc  Sd^eibung  megen  unheilbaren,  roä^renb  ber  Gl)e  ol)nc  SSerfd)ulbcn 
cntftanbenen   gefd^led)tlid)en   UnücrmögcnS   ober   unDcrfd^ulbctcr   unt)cilbarer 
förpcrlid^cr  flrant^citcn  bcS  anbercn  Gbegatten  mirb  ebenfalls  bcm  SBcfcn  tinb 

bcr  fittlic^cn  '91atur  bcr  G^c,  rocld)c  cö  mit  fid)  bringen,  baß  bie  G&cgattcn, 
wie  grcube  unb  ©lüdf,  fo  aud^  Seib  unb  Unglüdf  mit  cinanbcr  tragen  müiicn. 


560  3tacf»tl)cile  bcr  2ßiebcrpei-]&cirat6unö.    (§§  1272—1439.) 

®cf.  ü.  2.  Sanuar  1844  §  52),  in  Olbcnburg  (olbenb.  ©efcfec  x>.  24.  äpril 
1873  3lrt.  47  unb  10.  Sanuar  1879  9lrt.  45)  unb  in  Srcmcn.  3n  anbercn 
gcmcinreditlid^en  Ocbietcn  ift  bic  9lnn)cnbbarfcit  bcr  röm.  SBcftimmungen 
rocfcntli^  eingcfd^ronft,  fo  in  ^ßoffau,  in  Sraunfd^rocig  (SBcrorbn.  o.  30.  3)c* 
jcmbcr  1754)  unb  in  SSürttcmberg.  Snöbefonberc  ftnb  in  bicfen  (Scbictcn  bic 
SSorfd^riftcn  beö  röm.  Slcc^tcß  über  ben  93crluft  bcr  lucra  nuptialia  an  bic 
Äinbcr  crfter  ®^c,  foroie  bic  33efd^räntung  beö  ©rbreditcö  bcö  ®I)cgatlcn  an  bcm 
SRad^taffe  cincö  biefcr  Rinbcr  auf  bcn  3fJic6brauci&  bcfcitigt. 

9Son  ben  neueren  ©cfefegebungen  finb  bcm  preufe.  2t.  S.  91.,  bcm  ofterr. 
®.  33.  unb  bcm  fäd&f.  ®.  33.  ücrmbgcnöred&tliddc  3fJa(f)tl^ci[c  bcr  ^icr  fraglid&cn 
9lrt  als  ^ölflcn  bcr  SBicbcroerl^cirat^ung  gänjlic^  unbefannt,  unb  baö  franj. 
gicdit  (code  civü  3lrt.  1098),  wie  baö  bab.  S.  9t.  Sog  1098  l^abcn  fid^  in  bcr 
fraglid^cn  93cjiel^ung  im  3ln|d^lufje  an  1.  0  pr.  Cod.  de  sec  nupt.  5, 9  auf  bic 
33eftimmung  befd^ränft,  bafe  bcr  ©l)cgattc,  mcld^cr  eine  neue  6^c  fd&ticfet,  bcm 
neuen  ©tjcgatten  nid^t  mel)r  als  bem  am  gcringftcn  bebad^tcn  5linbc  crfter  @^c 
unb  fcineöfaUö  mcfir  a(ö  ein  SBicrtet  feines  SJcnnögcnö  juroenbcn  barf. 
etonbpunft  2)er  ©nlrourf  t)at  —  abgcfcl)en  l^icr  von  bcn  bcfonbcrcn  Seftimmungcn 

entwürfe«.  bcS  §  1403  3lx.  2,  bcr  §§  1404, 1548, 1734  ücrb.  mit  §  1242,  fomic  bcr  §§  1558, 
1560  —  naä)  bem  SSorgange  bcr  meiften  neueren  (Scfcggebungcn  mit  bcr  SÖSicbcr* 
oerf)eirat^ung  eines  (Sf)egatten  ücrmögcnSrcd^tüc^e  9iadJ)tf)cUc  nid^t  ücrbunbcn. 
3)ic  betreffcnben  SSorfddriftcn  bes  röm.  9led()tcS  finb  oormicgenb  aus  bcin 
©treben  l)crr)orgcgangen,  bcn  Hinbcm  bcr  früheren  @^c  bas  Don  bem  einen 
©Regatten  auf  ben  anberen  ftdd  roiebcr  ücrlicirat^enben  ©Regatten  übergegangene 
3Sermögen  ju  erl^attcn  unb  ju  ücrl|inbern,  bafe  basfclbc  buid^  bie  Äinbcr  bcr 
neuen  @fie  gcfd^mälert,  besro.  ba^  ber  neue  ©begatte  auf  Soften  bcr  Einher 
crfter  ©^c  burcb  freigebige  3wmenbungcn  von  Seiten  bes  anbercn  ©Regatten 
begünftigtmerbe;  bod^  mag  aud^  bie  Slnfd^auung  mit  beftimmeub  gcmefen  fein, 
ba^  bie  jroeite  ©^e,  roenn  audi  ertaubt,  bod^  ju  mißbilligen  fei  (ocrgf.  Nov. 
2  c.  3),  eine  Stufd^auung,  bic,  geftügt  auf  einen  Slusfprudd  bes  SKpoftcl  ?Jautud, 
fdE)on  frül^  in  ber  d^riftlid^en  Äird^e  oertreten  mürbe  unb  in  ber  fat^olifd^cn 
ÄirdEjc  l^cute  nod^  feftgctjalten  mirb,  mie  bieö  barin  fid^  jcigt,  bafe  bei  ber 
iTOciten  ©^e  regelmäßig  bie  ©infegnung  Dcrrocigcrt  mirb,  unb  baß  bieienigen, 
roefcbe  jum  jrociten  SJJalc  l^eirat^en,  t)on  bcr  Crbination  ausgefd&tof[cn  finb. 
®ie  l^erüorge^obencn  ®cfidE|tspunftc  ftnb  icbod^  nid^t  geeignet,  jene  rbmifd^ 
red)tlid&en  9lad&t^eile  bcr  SBicberücrticiratl^ung  ju  red^tfcrtigen.  ©d^on  bcr 
Umftanb,  baß  bie  legtercn  in  bem  größten  2:^eile  üon  2)eutfd&Ianb  tiid[|t  mc^r 
in  ©eltung  finb,  bemeift,  baß  fic  bcm  beutfcben  9lcd[|tsbcroußtfein  nic^t  cnt^ 
fpred)cn.  Sie  entf)attcn  namentlid^  in  fotd&cn  gälten,  in  mctd&cn  bie  SBicbcr:? 
t)crl|eiratl)ung  im  Sntereffe  bcr  Äinbcr  ber  früheren  ©^c  unb  aus  mirt^fd^affc 
Iid)cn  ©rünben  münfdEicnöroert^  unb  t)ielleid&t  gcrabcju  ein  Sebürfniß  ift,  eine 
unbillige  §ärte  gegen  ben  ftdE)  roieber  t)erl)eiratl)cnben  ©^egotten  unb  fönnen 
leicht  bo^in  fül^ren,  eine  ajiißftimmung  bes  Icjtcren  gegen  bie  Äinbcr  bcr 
früijercn  ©f)e  l^crüorjurufcn,  unb  fo  ben  Icgtercn,  ftatt  ju  nügcn,  üiclme^r  ju 
fd)aben.  S)aju  fommt,  baß  bie  ©eltenbmad&ung  jener  9lad&tlieilc  eine  DucUe  t)on 
Streitigfeiten  unb  foftfpiciigcn,  mcitläupgcn  ^ßrojcffcn  merben  fann,  meldte  baö 
aScrtiältniß  jroifdE)en  bcm  fid^  mieber  ücrl^cirat^cnben  ©tiegatten  unb  ben  Äinbcm 


r 


icituH.  Xrcnnung  J?.  Sil  d&  u.  ffidt.   emlcitunfl.  (§§1440-1463.)      571 


r.;>;uij]c  Rrünbc  für  bic  Swlaffung  bcr  Sd^cibung  lucgcn  ©ciftcöfranf^cit 
ü  lodKn.  ^ni'^ffc"  finb  bicfc  ©rünbc  nid^t  cr^cblid)  genug,  um  eine  SttuSnol^mc 
vo:i  bcm  iU'injipc,  bofe  bic  ©d^eibung  nur  wegen  SSerfd^ulbcnö  eineö  (S^egatten 
;i:lcifng  fein  foU,  ju  red)tfcrtigen.  3luci&  rocnn  man  auf  bic  auö  bem  SBcfen 
^cr  irijc  fid)  crgebcnbcn  ctf)ifd&en  Sebcnfcn  gegen  bic  gutaffung  bcr  Sd^cibung 
irci]ca  ©eiftcöfranf^eit  t)on  bem  ©cfid&tepunftc  auö,  bog  bic  gortfcgung  ber 
ir!]c,  lücnn  bic  9tuäftd)t  ouf  Sefeitigung  bcr  ®eiftcsfranfl;cit  auögcfdjioffen  fei, 
fitr  Den  gcifteßfranfcn  ©Regatten,  abgcfe^en  von  ber  Unterljaltöpflic^t  bcö  anbcren 
(röcgotten,  feinen  5!8ert^  mcl^r  ^abc,  entfd^eibenbcö  ©croid^t  nidjt  legen  xoxU, 
b  muB  bod)  bic  2lnerfennung  bcö  in  SRebe  ftcl^enbcn  6d&cibungsgrunbcä  baran 
1  J)citcrn,  bafe  bic  SBorauöfcgungen  biefeö  ©d^eibungögrunbcß  —  wenn  man  bem* 
ielbcii  nid}t  eine  3lu8bc^nung  geben  will,  roeld^e  mit  ber  auf  ben  gciftcäfranfcn 
thcgattcn  ju  nel^menben  Mcffid^t  unb  mit  bem  öffentUd^cn  3ntercfjc,  ba& 
Änfcljcn  unb  bic  SBürbe  bcr  6§c  nid^t  ju  crfd^öttern,  niddt  vereinbar  fein 
lüfirbc  — ,  fidd  in  einer  ben  t)crfd[|iebenen  SRfidffii^ten  unb  3ntere{fen  gleid^mäßig 
3{c(§nung  tragenbcn  9lrt  nid^t  fcftftellen  tafjcn.  3nöbefonberc  läfet  ftd&  eine 
fiarfc  ©rcnjlinie  jroifd^en  ben  ücrfd&icbcnen  gormen  bcr  ®eiftcöfran!t)cit 
nic^t  5ic^cn,  unb  ift  cö  praftifd^  nid^t  auöfüljrbar,  bieienigen  gäHe,  in  wd^m 
burd)  bic  ©eiftcöfranf^eit  icbc  gciftige  ©emeinfd^aft  aufgcf|obcn  wirb  unb  ber 
gciftcöfranfc  ©begatte  ba^er  alö  geiftig  tobt  ju  betrachten  ift,  von  anbcren  ^ftHen 
JU  fonbern.  3"  W^f^^  ^infid^t  gerofil^rt  au^  bic  S3eftimmung  bcö  fäd&f.  ®.  35. 
S  1743,  nadd  mcld^er  ein  ©begatte  bic  ©d^cibung  wegen  (SeifteSfranf^eit  bc& 
anbcren  ©Regatten  bann  ucrlangcn  fann,  wenn  auf  ©runb  einer  in  einer 
Öanbesanftalt  erfolgten  breiiä^rigen  SSeobad^tung  bcö  er!ranften  ©fiegatten 
Don  ben  änftaltöärjtcn  bejeugt  wirb,  bag  bic  ®eifteäfranf{)eit  eine  unl^eilbare 
fei,  feine  geeignete  ©runbfage.  S)ie  SBorauöfcgungcn,  oon  rocld^en  iene  Seftim- 
mung  bic  Sc^eibung  abhängig  mad^t,  finb  ju  unbeftimmt  unb  crmögtid^en  bic 
Sc^eibung  wegen  ®eiftcöfranff)eit  aud)  in  fold^en  gälten,  in  weldöen  bie 
Sc^cibung  fid^  ate  eine  nid^t  ju  rcd^tfertigcnbc  $örtc  gegen  ben  gcifteöfranfcn 
©Ratten  borftellt  unb  alö  fold^e  von  bemfelbcn  aud&  empfunben  werben  fann. 
2)icfe  Scbcnfen  werben  aud^  bann  nidS)t  befcitigt,  wenn  man  bie  3wläffigfeit 
ber  S^cibung  wegen  ©cifteöfrantl^cit  etwa  bauon  abhängig  ma^t,  bafe  bie 
baucmbc  Unterbringung  beö  gcifteöfranfcn  ©l^egatten  in  einer  für  (Seiftcöfranfe 
beftimmten  SInftalt  notl^wenbig  wirb.  2)er  einer  fold^en  93eftimmutig  ju  ©runbc 
liegcnbc  ©cfic^töpunft,  bafe  unter  iener  SSorauöfcfeung  bie  I;8uölid^e  ©emeinfd^aft 
baucmb  onögcfd^Ioffcn  fei  unb  ber  geifteöfranfc  ©ficgattc  bauernb  bie  ^ftid^ten 
eincö  ©Regatten  nid^t  me^r  erfüllen  fönne,  würbe  fonfequent  ba^in  führen 
TOüffen,  bic  Sd^eibung  au^  wegen  anberer  unficilbarer  Äranf^eiten  eineö  ©^c* 
gattcn  jujufaifcn,  weld^c  bcnfelben  bauernb  an  ber  GrfüUung  feiner  5ßfCid[|ten 
Öinbeni.  Daju  fommt,  bafe  bie  abfohlte  9]otl)wenbigfcit  bcr  bauernben  Unter*^ 
brinpng  eincö  ©ciftcöfranfen  in  einer  für  ©ciftcöfranfc  beftimmten  3Iuftalt 
in  ©rmongehmg  pofitiDcr  SSorfd^riftcn  5U  verneinen  ift,  bie  öffentliddred^tlid&en 
SJorfd^riftcn  über  bie  SwWfpgfcit  bcjw.  bic  9lot{|wenbigfcit  ber  Unterbringung 
fincö  ©ciftcöfranfcn  in  einer  foli^en  3lnftalt  aber  t)erfd)iebcn  fmb  unb  barauö 
rinc  SScrf^icbenficit  beö  JRed^tcö  in  9lnfc{)ung  ber  3wfäfU9fcit  bcr  Sd^cibung 
wegen  ©cifteöfranfi^eit  in  ben  ücrfd^iebcnen  S3unbcöftaaten  fidj  ergeben  fönnte. 


572       ®d&cibuno.  Trennung  t?.  Sifd&  ii.  Sctt.  emleituno.  (§§1440—1463.) 

Sic  Slucrtcnnung  bcö  I;icr  fraglid^cn  Sd&cibungögrunbeö  ift  um  fo  ipciügcr 
cngcjcigt,  alö  in  bcnjcnigcii  SRed&tögcbietcn,  in  lücld^cn  bcrfclbe  gegcnroärtig 
nidfit  jugclaffcu  ift,  alfo  namcntlidf»  in  ben  ©cbictcn  beö  gemeinen  unb  bcß 
fvanj.  SRcd^teö,  ein  praftifdjcö  SBcbürfnife  in  bicfcr^SJcjicfiung,  fooiel  bcfannt, 
nidjt  Ijeroorgetrctcn  ift. 
sc^eibung  5.  58on  üerfd)iebencn  9tcdf|ten  roirb  balb  in  meitcren,  balb  in  engeren 

sRcTi^ionö.  (Srcnjcn  bie  SBeränberung  ber  Sieligion  eines  ©Regatten  für  ben  anberen  Gbe* 
t)cränbcrunfl  galten  olö  Sd)eibungögrunb  anerfannt  (oergl.  preufe.  31.2.9?.  II,  1  §  715; 
fd)roarjb.fonberöI;.  G^efd^eibnngögef.  §  2  9lr.  17;  nürnb.  G^efd^eibungdorbn. 
3lx.  39;  altenb.  G^eorbn.  §  230;  got^.  G()egef.  §§  132—134;  fät^f.  0).  S. 
§  1744).  S)er  bem  preufe.  31.  S.  91.  ju  ©runbc  Uegenbe  ©efic^töpunft,  bafe 
bie  SBcrdnberung  ber  Sleligion  inforocit  alö  ©d^eibungögmnb  anjuerfennen  fei, 
als  bie  SJerfc^icbenfieit  ber  9leligion  ein  trennenbeö  G^c^inbernife  bcgrunbe,  fann 
üom  ©tanbpunfte  bes  Gntrourfeß  auö  nid^t  in  Sctrad^t  fommen.  Slber  au^ 
bie  Grroagung,  bafe  unter  Umftänbcn  ber  SBed^fef  ber  SReligion,  mic  ber  ber 
Äonfcffion,  auf  ©eiten  eines  ber  Gfiegatten  ben  e^elid^en  ^rieben  äu  jcrftoren 
geeignet  ift  (oergl.  (SefegreD.  ^enf.  XV  aRotiüc  ®.  363),  fann  nid^t  ba^in 
fütiren,  jene  2:^atfad)c  a(ö  einen,  menn  aud)  nur  relatioen,  ©d^eibungögrunb 
anjuerfennen,  ba  barin  einerfeitö  eine  Secinträt^tigung  ber  ©croiffcnsfrci^cit 
liegen  würbe,  anberer)citö  ber  Ucbertritt  ju  einer  anberen  Sicligion  ober  Äon^ 
feffion  ebcnfowenig  wie  überljaupt  ein  SSed()fel  in  ben  bisherigen  religiofcn 
3lnfid|ten  fid^  als  eine  ^anblung  barftellt,  meldte  ben  Äaratter  einer  33cr* 
fd)ulbung  an  fid)  trägt.  2)er  preuß.  Gntrourf  Aber  bie  G^efd^eibung  üon  1854 
Oatte  ebenfalls  oorgefd) lagen,  ben  lanbred()tlid^en  ©d&eibungsgrunb  ber  9Scr* 
önbcrung  ber  Sieligion  ganj  }u  befeitigen,  ba  ein  erf|eblid}eS  praftifd[|cS  Sc* 
bürfnife  pd()  n\ä)i  bafiir  anfül^ren  lafje,  bcrfdbc  and)  jum  3"^^*^  ber 
(Simulation  leidet  mifebrauc^t  merben  fönne.  S)ie  erfte  Äammer  bcfd^loB 
icbod)  bie  ^eibel)altung  {cnes  ©d^eibungsgrunbes,  unb  ^aben  [\ä)  bann  bie 
fpStcrcn  Gntroürfe  auf  ben  SBoben  biefes  SBcf^luffeS  gefteUt. 
«öfoiuteimb  HL  Sic  fömmtlid^   auf  bem  ^ßrinjipe  ber  SJcrfd^ulbung  benil)enbcn 

s^*i\bung8.  ©d^eibungsgriinbe  bcö  GntrourfeS  fmb  t^eils  abfolute,  b.  [;.  fold&e,  Toeldf)e  \>q& 
flrcnbc.  g(ied()t  ber  ©c^cibung  unbebingt  bcgrünben  (§§  1441—1443),  t^cils,  unb  jiuor 
in  ber  2)lel^rjal)l,  rclatiüe,  b.  ^.  fold)e,  meiere  nur  bann  jur  ©d^cibung  ju 
führen  vermögen,  wenn  ber  Siid^ter  jugleid)  bie  Ueberjeugung  geroinnt,  ba§ 
baburd[)  im  fonfreten  gaDc  eine  fo  tiefgef)enbe  3crrüttung  bes  e^elid^en  aSct^ 
flältniffes  ^erbeigcfüljrt  ift,  bafe  bem  flagenben  G^egatten  bie  gortfe^ung  ber 
Glie  nid^t  jugemutl)ct  werben  fann  (§§  1444,  1445).  S)ie  relatioen  St^cibungfi' 
griinbe  finb  jebod^  nid^t  einjcln  bejeid()net,  fonbern  im  §  1444  auf  ein  gemein- 
fames  ^rinjip  jurüdfgefü^rt.  S)iefe  3lrt  ber  Siegelung  enthalt  allerbingö 
gegenüber  ber  a)tel)rjal)l  ber  beftel)enben  Siedete  eine  Steuerung.  3Bic  oben 
©.  564  bereits  bcroorge^obcn  mürbe,  t)at  bie  gemeinred^tlid^e  ^rajis  jmar  auf 
©runb  ber  Slnalogie  ber  Sd^cibungSgrünbe  wegen  G^ebrud^eS  unb  bBsUd)cr 
aSerlaifung  bie  ©d^eibung  aud^  in  anberen  fällen  fd^werer  fittlid)er  Ser= 
fd)ulbung  bejw.  cigenmäd^tigcr  SScrle^ung  ber  e^elic^cn  5ßflid&ten  jugelaffen.  3)ie|c 
Slnatogie  l;at  jebod)  nur  jur  3lncrfennung  weiterer  abfoluter  ©d^eibungs^nrnbe, 
nidjt  aber  jur  3lufftcnung  anberer  rclatioer  Sri^eibungSgrünbc  in  bem  obigen 


Scfecibunj.   Srcnminö  i?.  2if4  u.  2?ctt.   Stnidtunö.  (§§1440-1463.)       573 

Sinuc  ocfü^rt,  rocnnglcid^  bei  einjelncu  in  i^rcn  SßorauSfcgungcn  bcm  rid^tcr* 
Ii(^n  ©nncffcn  einen  weiteren  Spielraum  lofienben  Sd^eibungögrünben,  j.  33. 
bei  Säoitien  iinb  SSerurtfjeilung  eines  ©(^egatten  ju  jeitiger  greifieitsftrafc^ 
Quc^  ber  ©cfid^töpunlt,  ob  bie  atö  ©c^cibiingsgrünbe  anertonnten  äl^otfadjeu 
im  gegebenen  gaUc  bie  Scrriittung  ber  ©{|e  I)crbeijufüf|ren  geeignet  roarcn  unb 
roirfüdi  jur  golge  gel^abt  Ijaben,  bei  ber  rid&terlici^en  ©ntfd^eibung  in  SBctrac^t 
fommt  (ücrgL  (Sntfd^.  b.  31.  @.  in  ßipilf.  1,  120,  IV,  104  6.  380,  V,  115, 
VIII,  40,  IX,  47,  48).  ebenfowenig  ^at  gemeinrcdjtlirf)  ber  SRed^töfag  fid> 
ousgcbilbct,  bafe  ber  SHid^ter  in  allen  gällen  bie  ©f|c  ju  fd)eiben  befugt  ift,  in 
weld^cn  feiner  Sfuffaffung  nac^  bie  Slnalogie  befi  ©^ebrud^eö  ober  ber  böölidjcn 
Scrlajfung  jutrifft;  jene  Sinologie  ift  Dielntcl)r  bei  ber  gcn)ol^nbeitörcd)tlid&en 
äudbilbung  cinjelner  beftimmter  Sd^eibungögrünbe  nur  baö  leitenbc  ^rinjip 
gcrocfcn.  S^bcffen  neigt  bie  ^ßrajis  bc0  9leid^dgerid)teö  fid)  ba^in,  an  ber 
$onb  biefeö  ^ßrinjipcs  bie  ©d^eibung  aud)  in  anberen  ^^äUcu  jujulaffcn  (ücrgL 
entf4  b.  9t.  ®.  I,  120,  IV,  104  ®.  380,  V,  115,  IX,  47).  3n  benjenigcn 
3te(^tdflcbicten,  in  roelti^en  baö  Sdfieibungörec^t  fraft  lanbeöl^enrlid^cr  ÜWadfit- 
ooWommcn^cit  in  Ocltung  ift,  vertritt  aber  biefeö  Qnftitut  geroiffermafeen  bie 
Stelle  einer  gefefclid)  anerfannten  clausula  generalis. 

3lvid)  bie  meiften  neueren  Äobififationen  fteHen  auö  beut  ®efid)tßpunttc 
ber  SJcrfc^ulbung  nur  cinjelne  beftimmt  bejeid^nete,  in  ber  JHegel  einen  abfotuten 
Saraftcr  an  fidö  tragcnbe  Sc^eibungögrünbe  auf,  fo  boö  preu§.  21.  2.  SR.,  ha^ 
got^.  G^egcf.,  bas  fd^roarjb.  fonberöf}.  ©Ijefd^eibungögef.,  baö  franff.  @ef.,  ba& 
fö(^f.  @.  35.,  ber  Code  civil  unb  boö  bab.  S.  SR.  3iur  einjelne  ©djeibungö^ 
grünbc  nei^men  nat^  ber  einen  ober  anberen  (Sefefegcbung  baburd^  einen  relativen 
Soraftcr  an,  bafe  fic  bem  ric^terlid^cn  ©rmcffen  einen  weiteren  Spielraum  uni> 
bamit  bie  SBurbigung  ber  gragc  geftatten,  metd&e  SBirfung  baö  SBerljaltcn  bciS 
Sfflafltcn  im  fonfreten  gallc  auf  bad  efielic^c  SSerl^ältnife  geljabt  Ijat,  fo  j.  SB. 
geroiffc  Säoitien  unb  fd^n^ere  ß^renfränfungen  (fäd^f.  ®.  33.  §  1736;  gotlj. 
C^gef.  §§  102,  103;  Code  ci\il  ärt.  231;  loürttcmb.  ®cf.  o.  8.  3luguft  1875. 
Sri.  8)  ober  bie  5Berurtf|eilung  ju  jeitiger  ^'cibcitöftrafe  (ocrgl.  ju  preufe. 
ar.  2.  9t.  II,  1  §  704,  Urt^.  b.  91.  ®.  im  preufe.  3uft.  SRin.  331.  u.  1881  3l\\  (> 
S.  22  unb  bei  (Srud&ot  XXX  S.  985  ff.).  2lbn)eid()enb  oon  bicfen  ©cfeg^ 
gebungen  ftellt  bagegen,  roie  oben  S.  566  bereitö  ermäljut  mürbe,  bie  altenb. 
ß^orbn.  §  194  neben  ben  einjelnen  befonberö  ^eroorgeljobenen  Sd^cibungö^ 
grünben  eine  clausula  generalis  auf  (oergl.  aud^  fd^meij.  33b.  ®ef.  u.  24.  Se* 
äcmber  1874  2lrt.  45—47). 

einen  nod)  anberen  SBcg  ijobtn  bie  prcufe.  ©ntmüufe  über  bie  (S^c- 
f<ibeibung  eingefd^lagen.  ©iefelben  t)aben  jmar  einjelne  lanbred^tlidjc  Scbeibungö- 
grfinbe,  namentlid^  ß^ebrud)  unb  bödlid)e  SBerlaffung,  alö  abfolute  Sd^eibungö? 
griinbc  beibehalten,  ben  übrigen  lanbrcd&tlid^en  Sc^cibungögrünben  aber,  fomcit 
nic^t  beten  gänjlid^c  33efcitigung  uorgefd)lagcn  ift,  einen  retatioen  Slarafter  in 
ber  Srt  beigelegt,  bafe  biefelben  nur  bann  jur  Sd)eibung  fül)rcn,  menn  ber 
Slid^tet  auö  bem  ganjen  S^l^^Ö^iffc  ^^^  SSer^anblungen  unb  Semeife  bie  Uebcv? 
jcugung  geroonnen  ^at,  baß  burc^  bie  Sd^ulb  beö  83eftagten  bie  Gl|c  in  nid)t 
minberem  (Srabc,  mie  burc^  6f)ebrud)  ober  —  mic  bie  ©ntmürfe  uon  1844^ 
1854,  1856,  1859  ^injufugtcn,  in  bem  Gntmurfc  uon  1860  aber  auf  ©run^ 


574       ©^eibuno.  Srcnnuno  u.  Sif*  u.  S3ctt.   ßmlcitung.  (§§1440-1463.) 

eines  bei  ber  SBcrot^ung  beö  ©ntwurfeö  oon  1860  erfolgten  SBefd^IuReö  bcfi  9Ib? 
fleorbnctenl^aufcß  rocflgelaffen  lourbe  —  wie  burd^  böölid^e  Serlaffung  5errüttct 
roorben  fei. 

©ine  fold^c  Gint^cilung  ber  Sd^cibungfigrunbe  in  abfohlte  unb  rclatioc 
benifit  auf  ber  rid^tigen  ©rroagung,  ba^  ber  ®cfc|geber  jroar  in  einjelncn 
gällen  an  ber  §anb  ber  ©rfa^rung  beim  Sorl^anbenfein  geroiffer  t^atfäd^Iid^cr 
SSorauöfefeungcn  of)ne  SBcitcrcö  unb  allgemein  annelimcn  fann,  bafe  bic  gort- 
fcgung  ber  @^e  baburd^  bem  ftagenbcn  ^^cile,  unb  jnjar  oom  ©tanbpunfte  bcö 
bürgerlid)en  9led)teö  auö  entfd^ulbbarer  3Beife^  unertrfigli^  geworben  unb  i^m 
bcdlialb  ald  ^led^tgpßid^t  nid^t  ferner  juiumutfien  ift,  bag  bagegen  in  ber  großen 
SKe^rjal^l  ber  ^äHc  mit  Stüdfid^t  auf  bie  ^erfd()iebenl^eit  ber  Silbung,  bic 
oufeere  Stellung,  foroie  auf  ben  ftarafter  unb  bie  ?ßcrfönlid&fcit  ber  ©Regatten 
ftd^  nid^t  im  SSorauö  beftimmcn  lä^t,  ob  geiolffe  §anbtungen  befi  einen  ©^c^ 
gatten,  meldte  jroar  unter  Umftänben  bie  cl^elidöe  ©efmnung  beö  anbercn  2:^citefi 
ju  jerftörcn  unb  gcrcd^tfcrtigter  SEBcife  i^m  bie  gortfegung  ber  ©l)c  unerträglich 
ju  mad^cn  geeignet  finb,  aud^  im  fonfretcn  gatlc  bicfc  SBirtung  Ijaben  werben, 
ba^  bieö  üielme^r  nur  in  jcbem  cinjelnen  galle  »on  bem  SRid^ter  unter  33c* 
rürffid^tigung  aller  tonfrcten  Umftänbe  richtig  gcmiirbigt  merben  fann.    So 
werben  je  naä)  ber  SBcrfd^ieben^eit  ber  Umftänbe  aßife^anblungen ,  ©^rcm 
frönfungen,  SBerurt^eilung  }u  einer  greitieitöftrafe,  unorbentlid^e  Sebenöart  u.f.ro. 
ganj  ücrfd^ieben  mirfen.   S)iefclbc  SC^atfad^e  fann  in  bem  einen  gaüe  bie  ooUigc 
3errüttung  ber  ®^e  jur  golge  fiaben,  mä^renb  fie  in  einem  anberen  gallc  ben 
e^elid)en  grieben  DieUcid&t  gar  nid^t  ober  bod^  nur  oorüberge^enb  ftort.    9Ran 
gerätl^  ba\)tx  burd()  bie  älusftellung  bloö  einjelner  abfoluter  S^eibungögrünbe 
^rinjip    in  bie  ©efafir,  entmeber  ju  Diel  ober  ju  wenig  ju  t^un,   S)iefe  ©efid^tfipunftc 
e^eibinö«"  müjfcn  aber  tonfequcnt  ba^in  füfiren,  neben  cinjelnen  iwedtmäfeig  bcijubc^altenbcn 
grünbe.    abfolutcu  ©c^eibungögrünbcn  nid^t  in  fafuiftifd()er  SBcife  bloö  eine   bod^  nie 
crfd^öpfenbe  S^njal^l  beftimmtcr  relatioer  ©(^cibungögriinbe,  fonbern  ein  afl- 
gcmcineö,  ben  S3cbürfnij|en  SSed^nung  tragenbeö  ^rinjip  auf jufteHen  unb  Ijod[iftcnfi 
beifpielßmcifc  ben  einen  ober  anberen  rclatioen  Sc^cibungögrunb  befonbcrö 
tieroorju^eben.   SBenn  bic  prcufe.  ©ntmürfe  bicfcn  weiteren  ©d^ritt  nic^t  getban 
l)aben,  fo  wirb  bieö  wefentlid^  barin  feinen  ©runb  \)abtn,  ba^  eö  fid^  bamalö 
nid^t  um  eine  völlige  9leugeftaltung  bcö  ©l^efd^eibungöred^teö,  fonbern  nur  um 
eine  3lef orm  beö  31.  Ö.  SS.  ^anbelte.    ©ö  ift  jwar  nid&t  ju  oerfennen,  bafe  bat 
Spftcm  bcö  ©ntwurfcö  im  ^inblidfe  auf  ben  weiteren  Spielraum,  welcher  ba- 
burdf»  bem  rid^tcrlid^cn  ©rmeffen  gewährt  wirb,  gewijfe  SRad^tl^eile  unb  ©efa^ren 
mit  fid^  bringen  fann.    SnbcRcn  fallen  bicfe  Slad^t^eile  unb  ©efaljren  gegen- 
über ben  mit  bem  ©x)ftemc  bcö  ©ntwurfcö  oerbunbencn  großen  SBortl^eilen  nid^t 
inö  ©cwid)t.     ©ine  anbere  grage  ift,  weld^e  äluöbel^nung  bem  aDgemeinen 
^^Jrinjipe  gegeben  werben  foH.    3n  biefer  Sejicl^ung  wirb  auf  bie  üßotioe  ju 
§  1444  S3ejug  genommen. 
s)ie  abfoiuten  ^ou  bcm  ^rinjtpc  bcr  9{elatit)ität  ber  Sd^eibungögränbe  mad^t  ber 

fÄ"??«  ©ntwurf  aiuönal^men  in  2lnfel;ung  bcö  ©l^ebruc^eö  unb  ber   bem  festeren 
«ntrourfcs.  glcid^juad^tcnbcn    glcif d^eöoerbre^en ,  femer   in  SKnfel^ung  bcr  dtad^ftellung 
nad^  bem  Sebcn  unb  bcr  böölid&en  SSerlaffung  (§§  1441  —  1443).    S^mt 
läßt  fidö  audj  oon  biefen  gSUcn  nld^t  fageu,  bafe  fie  unbebingt  in  icbem 


©4dbunö.  SrcnnunQ  r?.  Sif*  u.  SBctt.  emlcituno.  (§§1440-1463.)       575 

einjelncn  galle  bic  S^^üttung  bcr  &)t  jur  golgc  l^aben,  üiclmcl^r  ift  eö  auc^ 
(ner  möglich,  bog  im  cinjctnen  ^^aUe  bem  perlegten  @^egatten  nici()t  bnvä)  ienc 
ä'^tfod^en  bic  6^e  unerträglich  geworben  ift,  fonbern  ba§  berfelbe  ben 
abfoluten  Sd^eibungögrunb  nur  bcnufet,  um  anf^  anberen  Dom  ©cfeße  nidjt 
gebilligten  Scnjeggrünbcn  bic  SKuflbfung  bcr  6t)e  ju  cxu\ä)m.  Sßlein  in  ben 
bejeid^neten  gäDen  ift  bic  S3er(egung  bcr  el^eUd^en  ^flid^tcn  obieltiD  eine  fo 
fc^iDcre  unb  unmittelbare,  bag  in  biefen  f^äDen  bie  ®cl()eibung  nicl()t  crft  ba^on 
Abhängig  gemacht  mcrben  barf,  ob  bcr  9lici)ter  bie  Ueberjeugung  geminnt,  bog 
im  gegebenen  gaHe  bie  gortfefeung  ber  6^e  bem  uerlefeten  ©Regatten  in  bcr 
tfyii  baburd^  unerträglid^  gemorbcn  ift.  &d  erfennen  aud^  alle  ©efeggebungcn 
unb  6ntn)firf^  ben  ßl^ebruc^  unb  n)enigftend  bie  meiften  anä)  bie  böd(id)e  33er^ 
laffung  unb  bie  Sebenönad^fteüung  ald  abfo(ute  Sd^eibungsgrünbe  an  (oergl. 
bic  aSotioc  ju  §§  1441—1443). 

dagegen  tann  bie  Slufna^me  meiterer  abfohitcr  ©d^cibungögrünbc  meber  «we^nun« 
ate  burd^  ein  ©ebürfnife  geboten,  nod^  olö  jmedEmäfeig  erad^tet  werben.    SlUe  ""oiuter**^ 
anberen  unter  bie  Äategoric  ber  Sßerfd^ulbung  faUcnbcn,  in  btn  beftel^cnben  s*eit>«nB«. 
Siechten  pd^  finbenben  ©t^eibungögrünbe  [\nb  bcr  9lrt,  bofe  cö  fid^  empfiel&It,    ^'^ " 
bic  ^age,  ob  fie  im  einjctnen  galle  bie  3ctrüttung  ber  6^e  Jderbeijufüljrcn 
geeignet  fmb  unb  mirtlid^  I)erbeigefül&rt  Iiabcn,  in  iebem  cinjclnen  gallc  bcr 
ric^terlid&en  ^Prüfung  unb  SBürbigung  uoriubel^altcn. 

Sied  gilt  insbefonberc  uon  2Ri§^anblungen  unb  Seleibigungen.  2)aß  „^*^\„ 
Äriterium  bcö  gemeinen  proteftantifd)en  ©tierct^teö,  ba§  bic  SKigJ^onblungen,  unb"Se!" 
um  jur  Sd^eibung  ju  fül^ren,  Icbenö?  ober  gcfunbl^eitfigcfd^rlid^e  fein  muffen  ^«^*>*fl»"ö«"- 
(Dergl.  Scuffcrt  XXXV,  35),  ein  ftritcrium,  metd^eö,  mcnngtcid^  mit  einjelncn 
€noeiterungen  besro.  SWobififationen,  in  ocrfd&iebene  neuere  ©efcggcbungcn 
übergegangen  ift  (oergl.  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §§  699—702;  nümb.  (S^e* 
ft^ibungöorbn.  9lr.  25;  gotl^.  e^egef.  §§  98,  102,  103;  altcnb.  ®t)eorbm 
§§  219—223;  fd^roarjb.fonberdl^.  ei^efd^eibungsgef.  §  2  SRr.  12,  14;  fäd)f. 
®.  95.  §§  1735,  1736),  ift  JU  eng  unb  ju  meit;  ju  eng,  mcil  fid^  aWigl^anb^ 
lungen  unb  and)  SBeleibigungen  benfcn  laffen,  meldte,  o^ne  unter  iencö 
Kriterium  ju  fallen,  einen  gänjlid^cn  äWangel  bcr  d)ü\ä)cn  ©cfinnung  bemcifcn 
bejw.  entfd^ulbbarer  SBeife  bei  bem  SBerlelten  ju  beroirfen  geeignet  finb,  j.  33. 
9Ri§^anb(ung  burd^  5ßeitfd^en  ober  öffentlid()  begangene  SJerteumbungcn ;  ju 
lofit,  roeil  eine  einiclnc  obieftio  lebenß-  ober  gefunbljeitögcfäl^rlid&c  ^anblung 
fi4  benfcn  Iä§t,  meiere,  im  3uftanbc  äufeerften  Slffeftcö  gefd^el^cn,  burd^auö 
no^  nic^t  einen  gänjlid^cn  äßangcl  an  el^elid^er  ©cfinnung  befunbct  unb 
ünbercrfeitd  nad)  ben  fonfreten  Umftänben  aud^  nid^t  als  geeignet  betrad^tct 
Toerbcn  fonn,  bic  cJ^elid^c  Oefmnung  in  bem  anberen  2^t)eile  bauernb  ju  jer? 
ftörcn.  3)ad  Don  anberen  Oefeftgebungen  aufgeftcUte  Äriterium,  bafe  bie  SDlife* 
^nblung  eine  bebeutenbe  ober  l(iarte  ober  fd^mere  bejm.  bic  ^elcibigung  eine 
\ipoctc  ober  tiefe  ober  grobe  fein  muffe  (oergl.  code  civil  3lrt.  231;  bab. 
2.  91.  eafc  231 ;  franff.  ®ef.  v.  19. 9looember  1850  §  15  9lr.  8 ;  l^cff.  ©ntro. 
Slrt.  82),  flcmfi^rt  bem  9lid^ter  jroar  einen  roeiteren  Spielraum;  aÜcin  baß 
entfc^eibenbe  aJloment,  bafe  bie  ^Wifel^anblung  ober  SBelcibigung  ber  3lrt  fein 
muß,  ba§  bem  JBcrlefctcn  nad6  ^^^  fonfreten  Umftönbcn  bic  gortfefeung  ber 
Qf^  ate  Sled&tspflid^t  nid^t  jugcmuttict  merbcn  fann  (oergl.  ©ntfc^.  b.  91.  ®. 


57G       ©d&cibuitö.  Ircnnunö  i^  Sifd?  u.  S3ctt.   einlcitunö.   (§§1440—1463.) 

in  Giüilf.  IV,  104  ®.  380),  toirb  burd^  icncö  Äriterium  für  fid^  ollem  boif 
uid)t  fo  bircft  unb  bcuttid^  auögcbrücft,  roic  bieS  flcfc^ictit,  wenn  aUc  üRife^ 
^anbdtngeu  unb  SBeteibigungcn  bcm  ^rinjipe  ber  dtetatbttSt  naä)  Snaggabc 
bcö  §  1444  untcrftcttt  werben.  2)amit  ftimmen  anö)  bic  preufe.  ®nttoürfc  über 
bic  ®Ijefd^cibung  überein. 
»erurt^ei-  j)ie  neueren  ©efeßgebungen  beljanbeln  ferner  bic  SSerurt^cilung  eine* 

7^^«"  G^egatten  ju  einer  entefirenben  ober  längeren  grei^eitßftrafe  ate  einen  abfolutcit 
©ttnbiungcn.  Sd&cibungögruub,  inbent  fic  bie  SJorauöfegungen  näf)er  ju  bcftimmen  fud(|cn, 
unter  xodä)tn  of)nc  SBeitereä  angenommen  werben  fönne,  baß  bic  G^e  in  j^olge 
ber  33erurtf|eilung  bcö  einen  G^egattcn  jerrültet  fei  unb  bcm  anbeten  &p 
gatten  bie  gortfefeung  ber  Qt)t  als  SHed^töpflidjt  nid^^t  me^r  jugemutf)et  werben 
fonnc.  S^'^  ^^cil  mad^en  fie  baö  ©d^eibungöred^t  nur  t)on  ber  SBerurt^eilung 
JU  einer  entel)renben  ©träfe  ober  ju  einer  fc^mercn  peinlid^cn  ©träfe  ober  ju 
einer  Äriminalftrafe  ober  oon  ber  SBerurtl^eitung  ju  beftimmt  bejei^netcn 
©trafarten,  namentlid^  ju  geioiffen  3lrten  von  ^rei^eitöftrafen,  fei  cd  o^ne 
SJücIfid^t  auf  bie  2)auer  berfelben,  fei  eö  unter  ber  SSoraufifefeung  einer  bc* 
ftimmten  S)auer,  abl)ängig;  tl}eilö  erfenncn  fie  jebe  SBerurt^eilung  ju  einer 
greiljeitßftrafe,  meld^er  3lrt  fie  aud)  fei,  foferu  bie  grei^eitöftrafe  eine  geroiffe 
®auer  erreidjt,  alö  ©d)eibungßgrunb  an,  ober  bie  93erurt{}eilung  wegen  bc? 
ftimmter  ftraf barer  ^anblungen;  t^eilö  fteDen  fie  atö  SBorauSfeftung  ^in,  baft 
bie  SJerurt^eihmg  wegen  üorfäßlid^er  SJerbred^en  ober  wegen  gemeiner,  nic^t 
poUtifd^er  SBerbred^en  ju  einer  §reil)eitöftrafe  pon  gewiffer  Sauer  ober  oon 
gewif^er  3lrt  erfolgt  fei.  ®en  bejeid^netcn  SJorausfeftungen  wirb  bann  ^dufig 
nod^  bie  ^efd^ränfung  hinzugefügt,  bog  bad  Stecht  bed  anberen  G^egatten  auf 
©d)eibung  aufigefd^loffen  fei,  wenn  berfelbc  felbft  an  ber  ftrafbaren  öanblung 
3:^eil  genommen  ^abc  (oergL  preufe.  Sl.  y.  Ü.  II,  1  §§  704  ff.  —  baju 
Urtt).  b.  dt.  Ö3.  bei  ®ru<^ot  XXXI  ©.  989  ff.  —  unb  §  295  bcfi  anl^.  jur 
91.  (9.  D.  I,  40  §  64 ;  nümb.  G^efd&eibungöorbn.  3lx.  37 ;  württemb.  SBerorbn. 
V.  14.  ©eptember  1812;  got^.  G^egef.  §  122;  altenb.  G^eorbn.  §§  224— 22S; 
fd)warjb.fonberöI).  GI)efd()eibungögef.  §  2  Sir.  15;  frantf.  ®ef.  §  15  9hr.  5; 
Code  civil  9lrt.  232  unb  baju  Gntfd^.  b.  SR.  ®.  in  Gioilf.  XV,  77;  bab.  ©cf.  o. 
23.  ©ejembcr  1871  9(rt.  14;  fädjf.  ®.  33.  §  1740;  ^eff.  Gntw.  Slrt.  83). 

S)cr  Gntwurf  be^anbelt  aud)  ben  f)ier  fraglid^en  ©c^eibungögrunb  nad^ 
bcm  Sßorgange  ber  preufe.  Gntwürfe  über  bie  G^efd)eibung  unb  im  änfc^Iuffe 
an  bie  ^}Jrariö  beö  Sleid&ögcrid^teö  auf  bcm  ®ebiete  bcö  gemeinen  protcftantifc^en 
G^ercc^teö  (oergl.  Gntf^.  b.  9t.  ®.  in  Gioitf.  I,  120,  V,  115,  \1II,  40,  IX, 
47,  48;  ©euffert  XXXVII,  35,  femer  für  baö  preufe.  9ied&t  unter  »eriicf'' 
fic^tigung  ber  ledigen  ©trafgefeßgebung  preug.  Suft.  3)lin.  S3I.  v.  1881  31t.  6 
©.  22  unb  ®rud)Ot  XXX  ©.  985  ff.,  XXXI  ©.  989  ff.)  ald  einen  rcla^ 
tioen  Sd^eibungögrunb  nad^  SDtafegabe  beö  §  1444.  93eftimmungen  ber  oben 
bcjeidjneten  9lrt,  wie  fie  fid^  in  bm  neueren  ®efc6gcbungen  finben,  finb  immer 
me^r  ober  weniger  willfürüd^  unb  führen  ju  bem  Siefultatc,  ba%  in  cinjcinen 
göDen  bie  ©d^eibung  geftattet  ober  uerfagt  werben  muß,  in  welchen  fic  noc^ 
bcn  obwaltenben  Umftänben,  inöbefonbere  mit  Stücffid^t  auf  bic  ^^crfönl»4' 
feit  beö  ftagcnbcn  2^()eileö  unb  bie  wirflicften  Söcweggrünbe  bcö  Sc^eibnngö* 
antragcö,  rid^tiger  nid^t  l)ätte  geftattet  bejw.  uerfagt  werben  follcn. 


J 


©(Seibunß.  Srennunö  d.  fftf*  u.  Sctt    einlettung.  (§§1440—1463.)      577 

Sm  9lnf(ä^lujfc  an  baß  prcu§.  91.  S.  dt.  II,  1  §  707  l^ciben  bic  preug.  «rgvetfunfl 
entwürfe  über  bie  e^efd^eibunci  axiö  ben  Salären  1856,  1859,  1860  bie  ©r^ ''"l^t"'''^' 
grdfung  eines  f^impfüd^en  ©eioerbeö  ote  abfolutcn  ©d)cibungö9runb  bei:^  ®cn>erte«. 
bc^ttltcn  unb  barin  bie  Suftimmung  ber  beiben  §äufcr  bcö  Sanbtageö  gcfunben. 
ncberroiegcnbe  (Srünbe  fprec^cn  inbeffen  gegen   biefe  Slrt  ber  Sel^anbtung, 
eineSt^eife,  um  ber  ©efal^r  einer  ÄoBufion  unter»  ben  ©Regatten  entgegen* 
jutreten,  anberentl^eite  mit  SRücffxd^t  barauf,  ba§  in  nid^t  feüenen  gällen  ber 
g^cgatte,  welcher  auü  biefem  ®runbe  bie  ©d^eibung  beantragt,  ber  ©enoffe  be§ 
|(iimpfli(^en  ©eroerbeß  beö  anberen  ©tiegatten  fein  roirb.    3lud)  bei  biefem 
Sc^eibungsgrunbe  fommt  eö  bal^er  immer  auf  eine  SBürbigung  ber  fonfreten 
Umflfinbe  an. 

SBon    ber  SWel^rjal^l  ber  neueren  Oefeggebungen  wirb  femer  nad^  bem  «enoeiflerung 

Sorgonge  beö  gemeinen  proteftantifd^en  ©^ered^teö  (tJergf.  Urtl^.  b.  SR.  ®.  bei  ^"^*^f<^\**" 

Renner  unb  9Bede  in,  222)  bie  ^artnöctige  SSerroeigerung  ber  el^elid^en  5ßfi[id()t 

ate  Sd^eibungdgrunb ,  unb  jmar  a(d  abfoluter  @d^eibungögrunb ,  anerfannt 

(DergL  preufe.  31.  S.  91.  n,  1  §  694;  nürnb.  ©^efd^eibungöorbn.  9tr.  28;  gotf). 

^i^'  §§  107—111;   altenb.  ©^eorbn.  §  217;  fc^marjb.fonbcrö^auf.  ©^e* 

f<5eibungfigef.  §  2  %:.  8;   franff.  ©ef.  §  15  5Rr.  3;  fäd^f.  ®.  SB.  §  1731; 

nmrttemb.  ®ef.  v.  8.  3lug.  1875  STrt.  7;  anmalt,  aiuöf.  ®cf.  jur  6.  ^.  C. 

t>.  10.  2Rai  1879   §  4;   Sluöf.  ®ef.   jur  ©.  5ß.  D.  P.   3.  aßai   1879   §  11 

für  9leu6  &.  £.).    dagegen  ift  biefer  ©d^eibungsgrunb  bem  code  civil,  bem 

bab.  2.  31.  unb  bem  ^eff.  ©ntro.  fremb.    2lurf)  bie  üerfd^iebenen  preufe.  ©nt* 

«mrfc  über  ©^efc^eibungen  \)abcn  biefen  Sd^eibungögrunb  unter  3iiftinimung 

ber  beiben  Käufer  beö  Äanbtageö  gänjlid^  beseitigt.     25ie  für  bie  gänjUd^e 

Suöf^liegung  biefeß  ©d^eibungögrunbeö  porgebrad^ten  ®rünbe,  namentlid()  ber 

^inroeiö  barauf,  ba^  bie  ®eltenbmad^ung   beöfelben   eine   SBerlegung   beö 

Sittlid^feitögefül^leä  entf)alte  unb  mit  großem  Slergerniffe  oerbunben  ju  fein 

pjfcge,  baJ3  femer  bie  93orauöfcfeungen  biefeö  ©d^eibungögmnbeö  fd^mer  fcft- 

juftellen  feien  unb  burd^  benfelben  ber  Simulation  2^^ür  unb  3r^or  geöffnet 

werbe,  fönnen  inbeffen  als  burd^fc^Iagenb  nid^t  erad^tet  werben,  um  einem  ©tie* 

gattcn,  wenn  ber  anbere  ©begatte  in  ber  l^ier  in  3lebe  fte^enben  2lrt  feine  e^ie^ 

lic^  ^flid^ten  eigenmäd^tig  unb  l^artnädig  beriefet,  baö  SRed^t  ber  ©d()eibung 

imbebingt  ju  oerfagen.    SJagegen  ift  cö  rid^tiger,  biefem  ©d^eibungögrunbe 

feinen  abfoluten  Rarafter  beijulegen,  ba  audf)  bei  biefem  ©d^eibungögmnbe 

änifß  auf  bie  Umftänbe  beö  einjelnen  gaUeö  unb  auf  bie  aWotiüe  anfommt. 

3)ur<ft  bic  SRelatioität  biefeö  ©c^eibungögrunbeö  in  SBerbinbung  mit  ber  freien 

Seioeiöt^corie  werben  aud^  bie  praftifc^en  Sebenfcn  befeitigt,  roeld&e  auö  ber 

Sd^ierigfeit,  bie  SBorauöfelungen  biefeö  ©d^eibungögrunbeö  im  ®efe|c  feft* 

}ufteDen,  unb  auö  ber  ®efat|r  ber  ÄoIIufion  ber  ©Regatten  l^ergeteitet  werben. 

IV.    3"    t)erfd&tebenen   ®ebicten    ®eutfd()Ianbö    l^at    fxä)    neben  bem    ßanbe«. 
S<^un8öred^te  auö  beftimmtm,  gefeglic^  feftftetienben  ®rünben  baö  Snftitut    ©Jel^t!-* 
beö  lanbcöl^errUd^en  ©^d^eibungörec^teö    gen)of|nl^eitöred()tUd^  entroidfelt;    in  »>«"o«rec^t. 
einigen  ©ebieten  ^at  baöfelbe  aud^  im  SBcgc  ber  ®efc|gebung  auöbrüctUd)e 
9nerfennung  gefunben.     SBerm5ge  biefeö  Snftituteö  l^at  ber  Sanbeöl^crr  bie, 
mitunter  an  getoiffe  befd^ränfenbe  SOorauöfefeungen  gefnüpfte  33efugni6,  ®f)en 
aud^  aud   cmberen  alö  ben  gefeglid^  anerfanntcn  beftimmteu  ®rünben  nad) 

•totiM  |.  »fireerL  ^t^d^iu^.  IV.  37 


568       ©d&eibunG.  Srenmuiö  i\  Sifd?  u,  Sctt.  ginrcitunö.  (§§1440-1463.) 

f oU  mä)  bcn  bcscid^itetcn  yicä)tcn  bicfcö  Snftitut  nur  afe  aßittcl  bicncn,  eine  iDirt- 
lid^  jerrüttetc,  bciben  ©f|cgattcn  unerträglid)  ßeroorbcne  G^c  ju  löfen.  S)ic  Wo- 
]\ä}t,  ben  ©Regatten  bie  joillfürlid^e  9luflöfiing  ber  ©Ije  ju  ennögttd^eii,  liegt 
bcn  S3cftimmungcn  jener  5led)te  Döllig  fern.  S)aö  ®efefe  gc^t  üielmc^r  baoon 
auö,  ba%  wenn  bie  ©tjegatten  bie  für  biefe  3lrt  ber  ©Reibung  befonberö  Dor* 
gefd^riebenen  crfd^roercnben  Sebingnngen  erfüllt  Ijaben,  ber  SJeioeiö  alö  geführt 
ansufcljen  fei,  bofe  ein  gefeglid&er  ©d&cibungögrunb  in  SJÖirflid^feit  vorliege  ober 
bodj  anö  anberen  anjuerfennenben  ©rünbcn  im  gegebenen  galle  bcn  Gfiegattcn 
bie  j^övtfegung  ber  ©[)e  uncrträglid)  geworben  fei.  Sie  prottifc^e  Scbcutung 
biefeö  ©i)ftemeö  beruf)t  einerfeitö  barin,  bafe  bie  ©Regatten  in  fold&en  gäüen, 
in  n)cld)en  ein  gefcfelid^  anerfonnter  ©d&cibungögrunb,  j.  ©.  G^ebrud),  üor- 
liegt,  burd^  baö  Snftitut  ber  Sc^eibung  auf  @runb  gegenfeitiger  ©inroiUigung 
in  bie  löage  gefegt  werben,  bie  ©d^eibung  erroirfcn  ju  fönnen,  ol^nc  genot^igt 
ju  fein,  ben  eigentlid)en  Sd^eibungögrunb  jur  Äcnntnife  beö  SHid)terö  ju  bringen, 
baß  alfo  auf  biefe  SBcife  baö  mit  bem  ©c^cibungöprojeffe  fonft  für  bie  ß^e- 
gatten  fclbft  unb  bereu  gamilie  Dcrbunbene  Slergernife  fd^onenb  abgemenbct  unb 
bcrienige  G(jcgatte,  meld&er  einfeitig  bie  Sd^eibung  ju  verlangen  bered&tigt  loare, 
namcntlid()  im  gaDe  cineö  von  bem  anberen  G^cgattcn  begangenen,  dou  Slmtfi- 
mcgcn  ftrafbaren  SSerbrcd^enö  ober  im  gallc  beö  GI)ebru^eö  nidbt  jur  Shif^ 
bcdung  jencä  SSerbrcd&enß  bejiu.  ju  ber  unter  befonberen  Umftänben  möglicher- 
meife  bebenflid^en  S3ejeid^nung  beö  mitfd)ulbigen  ©ritten  gebrangt  wirb. 
SInbercrfeitö  geiuöljrt  bas  l)ier  in  Siebe  fteljenbe  Snftitut  ben  Göegatten  bie 
ajlögtid^feit,  auf  biefem  SBege  bie  ©d^cibung  aud^  in  fold^en  gäUen  erroirfen 
JU  fönnen,  in  meld&en  baö  unter  iljnen  beftel^enbe  SBcrl^ältnife  in  SBirflid^teit 
üöllig  jerrüttct  ift,  biefe  Zerrüttung  aber,  weil  bie  G^egatten  biö  babin  fic^  ju 
beberrfc^en  ücrftanben  l;aben,  entwcbcr  äufeerlid^  in  red^töwibrigen  unb  bcn 
ftttlidficn  Slnforberungcn  ber  Gl)e  wiberfpredjcnben  §anbtiingen  überall  nid^t 
JU  ^age  getreten  ober  nid^t  beweisbar  ift.  SBeiter  fönnen  ju  ©unften  ber 
©djeibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  GinwiDigung  bie  ©eftd^töpunftc  gcltenb 
gemad)t  werben,  baj^  bie  aScrfagung  biefeö  SBegeß  bie  G^egatten,  weldbe  beibcr« 
fcitö  bie  Sd[)eibung  wünfd^en,  baju  nöt^ige  ober  bod^  ju  verleiten  bro^c,  in 
©cgenwart  t)on  'S^UQtn  einen  tünftlid)en  ©d^eibungögrunb  ju  fd^affcn  unb  fo 
baQ  ©efeg  ju  umge{)en,  ba^  ferner,  wenn  man  bie  Sd()eibung  nur  auö  bc* 
ftimmtcn  Urfad^cn  gefiatte,  namcntlid)  bei  ben  relativen  ©d&eibungfigrünbcn 
beö  §  1444,  ber  flagenbe  Gljcgatte  nie  fic^er  fei,  ob  bie  Sdbeibung  audj  cr^ 
folgen  werbe,  eine  9lbweifung  ber  Sd^eibungßflage  aber  immer  mit  miBlid^cn 
golgen,  inöbcfonbere  für  bie  ©cftaltung  beö  cl^cli^cn  SBer^ältnifteö,  ücrbimben 
fei.  Diefe  Grwägungen  fönnen  iebocb  gegenüber  bcn  prinsipicDen  Scbcnfcn, 
mcld)c  gegen  bie  3wlaffung  ber  ©d)eibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  Gim 
willigung  fprcd^cn,  unb  gegenüber  ben  ©efal^rcn,  wcld^c  barauö  bem  :5nftitutc 
ber  Gl&c  JU  crwad^fen  broticn,  alö  burd()fd)tagenb  nid^t  erad^tct  werben.  S9ci 
ber  Sd)eibung  auf  ©runb  gegenfeitiger  Ginwilligung,  aud^  in  ber  ©cftaltung 
beö  franj.  unb  beö  bab.  SRed()tcö,  tritt  nad^  außen  ^in  lebiglid^  bie  SBillfür  ber 
Gl&egattcn  alö  ©runb  ber  ©d^cibung  Iicroor.  @ö  liegt  beöljalb  bie  ©cfo^r 
nal)e,  baß  im  SSolfe  biefe  SBillfür  alö  ber  wal)rc  ©runb  ber  Sd^eibung  an» 
gcfeljcn  unb  baburd)  baö  9lnfcf)en  unb  bie  SBürbe  ber  G^e,  bie  Sluffojfung  ber 


(S^etbung.  Srcnnunö  t).  Sil*  u.  Sctt.   einlcituno.  (§§1440—1463.)       569 

lejtcrcn  qIö  einer  auä)  rcd^tlid)  über  bem  SBillcn  bcr  ©Ijegottcn  ftcljcnben, 

Jio^cren  obieltbcn  3^^^^^"  bicnenben  Snftitution  im  Seroufetfcin  bcö  SBolfcö 

gelodert  wirb.     S5aju  fommt,  ba§  baö  Snftitut  bcr  Sd^cibung  auf  ©riiiib 

flegenfcitiger  ©inroiltiflung  troß  aller  Äautclcn  baju  mißbraucl)!  loerben  fann, 

bic  äiiflofung  bcr  @l)c  a\\6)  in  [oId)cn  gällen  l^crbeljufül^reu,  in  n)eld)cn  bic 

e^c  fcincöroegö  ate  eine  üöttig  jerrüttctc  anju[c^en  ift,  bic  ©Regatten  aber  aus 

cnberen  fubieftiucn  (Srünben  bic  6I)c  ju  lofen  lüünfd&en.    3l\6)t  oljne  ©runb 

ift  Don  bcn  ©egncrn  jencö  3nftitutcö  ferner  barouf  Ijingeroiefen,  baß  bas 

lejterc  nid^t  feiten  bal;in  führen  werbe,  ba&  berienigc  @l)egatte,  roetd^er,  uiel- 

Ici^it  im  Einbilde  auf  eine  i^m  fd)on  in  9luöfid&t  ftel)enbc  anbere  GIjc,  bic  be? 

ftc^aibe  G^e  ju  löfeu  lüünfd^t,  auf  ben  anbercn  ®l;egattcn  fortgefegt  einen  nidjt 

fi^tbor  IierDortrctenben  moraIifd)en  S^ang  ausübt  unb  fo  beffcn,  in  äBa^r[)eit 

nur  fc^einbare,  ©inroilligung  jur  Sd^eibung  erlangt.    Um  fo  bebentlid)er  ift  es, 

boö  ^icr  in  Siebe  fte^enbe,  in  bem  größten  SC^eilc  ©eutfd^lanbö  unbe!annte 

mh  burd^   ein  prattifd^cs  SBcburfnifs  bort  nid^t  gebotene  Snftitut  neu  ein- 

jufü&rcn,  ald  fclbft  baö  frauj.  ®ef.  v.  27. 3uli  1884  3lnftanb  genommen  Ijat, 

bofifelbc  in  granfreic^  wicbcrl^ersuftcllen.    95on  befonbercm  ©emid^tc  ift  aud^ 

bcr  Umftanb,  bafe  bic  f6mmttid)en  preuß.  ©ntioürfc  über  bic  ©f)efd)cibung  bic 

Sdjeibung  ouf  örunb  gegenfeitiger  ©inroilligung,  mcil  mit  bem  3Befen  bcr 

€^e  unoercinbar,  aut^  in  bcr  83cfd&rfin!ung  bcö  preuß.  91.  2.  91.  auf  finberlofe 

%n,  nic^t  aufgenommen  tiabcn  unb  in  biefem  fünfte  bei  bcn  oerfd&icbcnen 

Ser^nblungcn  im  Sanbtagc  n)ieberl)ott  unb  gleid)mä6ig  fowol^l  üom  Ferren* 

ioufc  als  oom  SIbgeorbnctcnfiaufc  gebilligt  finb. 

2.  (Sbenfomenig  ift  es  mit  bem  SBcfen  bcr  ßljc  als  einer  über  bem  ©«^libun^ 
SBiDen  bcr  6l)egatten  ftcl^cnbcn  fittlid^en  unb  red)tlid^en  Drbnung  vereinbar,  una&^nb. 
bie  cinfeitlgc  ober  bic  gegenfeitige  unüberroinblid^e  2lbneigung  als  fold&e,  alfo  ^^^^^"^^ 
öU(^  bonn  als  fetbftänbigen  Si^cibungSgruub  anjucrfenncn,  menn  bicfc  STb^ 
neigung  nic^t    burd)  ein    nad^  anbercn  93eftimmungcn   5ur  Sdjcibung   bc* 
ret^tigenbcö   Sßerfd)ulben  bcs  anbercn  2:()eilcS  t)croorgerufctt  ift.     ®ic  Sin- 
ertennung  biefeö  ©d)cibungSgrunbeS  mürbe,  ba  bem  SHid)ter  ein  objcftiücr,  bic 
SiUfür  auöfd^lic^cnba  Söemeis  bcr  unübcrminblid)en  2lbneigung  gar  nidjt  cr< 

brod^t  merbcn  fann,  mcwn  biefer  ©d^eibungögrunb  praftifc^c  Sebcutung  gc? 
»innen  foH,  nur  bal;in  füt)ren,  bcr  Sd&cibung  aus  SBilltür  als  ©crfmantcl  ju 
bienen.  ®cr  3wlöfl""fl  ^^^  ©d&eibung  auf  ©runb  cinfeitiger  9lbncigung  ftcljt 
jubem  bcr  Äarafter  bcr  ß^c  als  eines  3flcd^tSoerl)ältnifjcö  entgegen.  3lud)  in 
biefer  .$?infid5t  ftimmt  ber  ©ntmurf  mit  bcn  preuf^  Gntraürfen  über  bic  ©Ik- 
fcjeibung  übcrcin.  3Äit  bem  Stanbpunfte  ber  legieren  t)aben  bas  ^errenljaus 
unb  baö  3lbgcorbnetenfiauS  infomeit  fxä)  n)ieberl)olt  cinücrftanbcn  erflärt. 

3.  S)ic  t)om  preufe.  91.  2. 91.  unb  oon  Dcrfd^iebcnen  auf  bem  Soben  bcS   sd&eibunß 
legtcren  ftc^cnben  neueren  ©efcggcbungcn  in  cinfeitiger  S3crüdftd^tigung  bcr '^^®*,"^'gc^''^' 
9cfd^lcdbtH(I)cn  Seite  bcr  6l)c  balb  in  gröfecrer  balb  in  geringerer  §kusbcl)nung  c»«^««^«. 
Siiflclaffcnc  ©d^cibung  megen  unfjcilbaren,  mä^renb  ber  G()e  o^nc  5Jerfd)uIbcu 
cntftanbcncn   gefd^lcd^tUdjen   Unvermögens   ober   uuücrfdiutbeter   unl)cilbarer 
forpcrlid^cr  flrant^citcn  bes  anbercn  G()egatten  mirb  ebenfalls  bem  SBcfcn  unb 

bcr  fitttic^cn  9latur  bcr  Qijc,  mcld)c  cö  mit  fid)  bringen,  bajj  bic  ©Regatten, 
TOic  grciibe  unb  ©lud,  fo  anä)  Seib  unb  Unglüd  mit  cinanber  tragen  muffen. 


570       ©(öcibunß.  2remiungD.2ifc6u.Sctt.  einlcituna.  (§§1440-1463.) 

lüd^t  gcred&t.  SBon  bicfem  ©cfid&töpunftc  quo  l^abeu  aud&  bic  oerf(^icbcjicn 
preufe.  ©ntroürfc  über  bie  ©ficfd^cibung  unter  3#iw"^uwg  bcr  bciben  ^aufcr 
beö  Sanbtagcö  bie  [)icr  fraglid^en  3d)eibungögrünbc  ju  bcfcitigen  Dorgefd^Iagcn. 
2)ic  9Jid|tanerfenuung  biefer  ©d^eibungögrünbe  fd^Iiefet  inbeffcn  nici^t  auö,  bofe 
ein  ©begatte  geeignetenfalls  auf  ©runb  beö  §  1444  bie  Sd^eibung  ju  verlangen 
berechtigt  fein  fann,  n)enn  ber  anbere  ß^egattc  ©ebred^en  bcr  fragtic^cu  9lrt 
fd^ulbooUer  SBcife  burd^  unflttlid&cö  S3erf)altcn  fid^  jugejogcn  ^Qt. 

aiud^  bie  93eftimmung  bes  fäd&f.  ®.  SB.  §  1742,  baß  bic  ©fiefrau  bie 
©cbeibung  t)erlangen  fann,  lücnn  auf  Orunb  ärjtlid^er  Unterfud^ung  fi(^ 
crgiebt,  baß  roegen  eine«  unheilbaren  ©ebred^enö,  an  roeld^em  fic  leibet,  auö 
ber  gortfe^ung  beö  Seifd^tafcö  für  fic  eine  Sebcnögefafir  entfielen  würbe 
(äbnli^  altenb.  ©fjeorbn.  §  229),  ücrbient  feine  SiUigung.  2)ic  blofee  ÜRögli^- 
feit,  bafe  ber  ©fiemann  unter  SBcrtennung  feiner  el^elidöen  ^flid^ten  guniut^ungen 
an  bie  G^efrau  ftellen  fönnte,  wüdjt  baö  Seben  ber  6()efrau  5U  gefä^rben 
geeignet  finb,  ücrmag  t)om  red^tlid^cn  Stanbpunfte  auö  bcr  6§efrau  fein 
SHcd&t  JU  geben,  baö  burd^  bie  G()c  begrünbete  9led&töoerl[|8Itni6  ujibcr  bcn 
SBillcn  beö  (S^cmanneö  einfeitig  ju  lofen.  9iur  bann,  xocnn  bcr  Icfetcre  unter 
93erle|ung  feiner  ebclid^en  ^flidjten  civoa  ben  SBcrfuc^  machen  foHte,  bic  mit 
©ebrcd)en  befjaftetc  ©^efrau  jum  Scifd^lafc  ju  nöt^igen,  würbe  auö  bcm 
®eRd&töpunfte  ber  SJcrfd^uIbung  beö  ©^emanneö  baö  9led^t  ber  (S^efrau,  bic 
©d^cibung  ju  uerlangen,  f)crge(eitet  werben  fSnnen.  gür  gällc  biefer  SKrt 
reid)t  aber  baö  5ßrinjip  beö  §  1444  auö. 
ec^eibung  4.  SBcit  }U)cifcI^after  ift  bie  S^age,  ob  unb  inroieroeit  ©ciftcöfrant^cit 

©eipäronf-  ^^ö  ^iucn  ©(jcgattcn  bcn  anberen  ©fjcgattcn  bered^tigen  foH,  bic  ©d&cibung  ju 
*«*•  oerlangcn.  3Bic  bic  oben  S.  564  ff.  gegebene  Ueberfu^t  beö  beftc^enben  fRc6)tc& 
crgiebt,  ift  biefer  ®rf)eibungögruub,  wenn  aud^  bic  aSorauöfeftungcn  bcöfelbcn 
iunt  Xijtil  ücrfdE)ieben  geregelt  finb,  in  großen  9led()tögebieten,  unb  jwar  auc^ 
ron  foldien  9ted&ten  anertannt,  nad&  weld&en  forperlid&c  ©ebred^cn  feinen 
Scbcibungögrunb  bilbcn.  Slugerbem  finb  in  benienigen  gemcinrcd^tU^en 
Stedötögcbictcn,  in  weld^en  baö  tanbcöberrlid^c  ©^cfc^eibungöred^t  oncrfannt 
ift,  burcö  ben  Sanbeö^errn  wicbcrl^olt  6^en  aud&  wegen  ©eiftcöfranf^cit  cincö 
©Regatten  gefd)icben.  25cr  ©tanbpunft  bcr  preufe.  Gntwürfc  über  ©^cfd^eibung 
bat  in  biefer  grage  gewcd)felt.  SBäfjrcnb  bie  ©ntwürfe  auö  htn  Sabrcu  1854 
unb  1856  bic  Sefeitigung  beö  Ianbred)tUd)en  Sd^eibungögrunbcö  wegen  9{aferei 
unb  SBa^nfinneö  üorgef^Iagen  unb  in  biefer  33eäicf|ung  bie  SJiUigung  beö 
§crren^aufeö  bejw.  beö  3lbgeorbnetenI)aufeö  gcfunbcn  l^attcn,  würbe  in  bie 
bcm  Sanbtage  in  bcn  Satiren  1859  unb  1860  üorgelcgten  ©ntwürfc  eine  bic 
3luff)ebung  biefcö  Sc^eibungögrunbcö  bejietcnbe  Scftimmung  ni^t  wiebcr  auf* 
genommen,  unb  crftörten  im  3af|rc  1859  baö  Slbgcorbnctcn^auö  unb  bic 
Sommiffion  beö  .^errenbaufcö,  im  Saläre  1860  beibe  Käufer  beö  Sanbtage«  jic^ 
mit  bcr  Scibebaltung  beö  in  SRcbe  ftcbenben  ©(^cibungögnmbcö  cinoerftanbcn. 

®ö  löfet  fid)  nid^t  ocrfcnnen,  bafe,  f)ingefcf|en  auf  bic  realen  SBerl^ättnifjc 
beö  Scbcnö,  auf  bie  wirtf|fd)aft[id&cn  9lad)tl)eile  unb  bie  Tittlidöen  ©efa^ren, 
wcld)c  bcm  ©Regatten  unb  ben  Äinbern  broben,  wenn  crfterer  bur^  äJerfagung 
beö  Sdjcibungöred)teö  wegen  ©eifteöfranf^cit  beö  anberen  ©Regatten  ge^tnbcrt 
wirb,  eine  neue  GIjc  einjugeljen,  uom  fojialpolitifdjen  Stanbpunfte  aud  qc- 


®4cibunö.  Srcnniwg  i?.  Xii(j6  u.  Sctt.  ßinlcihmfl.  (§§1440-1463.)      571 

©id^tigc  ©rünbc  für  bic  Bw^offung  bcr  ©d^cibimg  tücgcn  (Sciftcöfranf^eit 
fprct^cn.  Snbcjfcn  finb  bicfc  (Srünbc  nid^t  erficbü^  O^^wfl/  ^^  eine  SÄudnolimc 
öon  bcm  ^rinjipc,  ba%  bic  ©(Reibung  nur  tocgen  a3erfd)ulbcnö  cincö  ©Regatten 
sulofttg  fein  foU,  ju  rcd^tfcrtigen.  9lud&  rocnn  man  auf  bic  aus  bcm  SBcfcn 
bcr  g(jc  fid)  crgebenbcn  etfjifd&en  S3cbcnfcn  gegen  bic  B^löjfung  bcr  ©d^eibung 
iwgcn  ©eiftcßfronf^eit  Don  bcm  ®cfid}töpunftc  auß,  baß  bic  gortfcßung  bcr 
e^c,  wenn  bic  3lußftd^t  auf  Sefcitignng  bcr  ©ciftcßfrant^cit  auögcfd^loffcn  fei, 
für  bcn  geiftcfifranfcn  ß^cgattcn,  abgefel^en  von  bcr  Untcrl)altßpflid^t  bcö  anbcrcn 
Statten,  feinen  SBcrt^  mcfir  l^abc,  entfd&cibcnbcö  ©emid^t  nidjt  legen  mU, 
fo  mufe  boc^  bie  Stnerfennung  bcö  in  Siebe  ftcl^enbcn  ©d)cibungßgrunbc3  baran 
fc^citcm,  bafe  bic  SSoraufifegungen  biefcß  ©d^eibungfigrunbeß  —  wenn  man  bem« 
fclbcn  nid^t  eine  2lußbel^nung  geben  roill,  roeld^e  mit  ber  auf  bcn  geifteßfranten 
ß^otten  JU  nel^menben  SRüdEfi^t  unb  mit  bcm  öffentUt^cn  Sntcreffc,  baß 
Änfe^en  unb  bic  SBürbc  bcr  6^c  nid^t  ju  erfd^üttern,  nid^t  oercinbar  fein 
würbe  — ,  jtd^  in  einer  bcn  ücrfd^icbcncn  Sliictfid^tcn  unb  3lntereffen  glcid^mäßig 
Segnung  tragcnben  Strt  nid^t  feftfieBcn  laffcn.  Snßbcfonbcrc  läfet  jtd&  eine 
Worfe  ©renjlinic  jroifd^cn  bcn  t)erfd[|iebcncn  formen  bcr  ®cifteßh:anfl)eit 
nid^t  jie^en,  unb  ift  eß  praftifd^  nid&t  außfü{)rbar,  bicienigen  %&Ue,  in  rodeten 
burc^  bic  ©eifteßfranf^eit  icbc  geiftige  ®emcinf(^aft  aufgehoben  wirb  unb  ber 
gciftcßfranfe  ©begatte  bal^cr  alß  geiftig  tobt  ju  betrad^ten  ift,  oon  anbcrcn  fällen 
§u  fonbem.  3n  biefer  ^infid^t  gerofilirt  aud^  bie  33eftimmung  beß  fäc^f.  ®.  8. 
§  1743,  nad^  rocld^er  ein  ©^cgatte  bic  ©d^eibung  wegen  ©eifteßfranf^eit  beß 
onbcren  ©Regatten  bann  ücriangen  tann,  wenn  auf  ©runb  einer  in  einer 
Sonbeßanftalt  erfolgten  breiia^rigen  SBcobat^tung  beß  erfranf ten  ©Regatten 
oon  bcn  änftaltßärjten  bejeugt  wirb,  baß  bie  ®eiftcßfranff|cit  eine  unl^eilbarc 
fei,  feine  geeignete  ©runblage,  S)ic  aSoraußfefeungen,  Don  meldten  icnc  SBcftim^ 
mung  bic  ©d^eibung  abhängig  mad^t,  finb  ju  unbeftimmt  unb  crmöglid&en  bic 
Sd^cibung  loegen  ©ciftcßfrant^cit  aud)  in  folc^en  göUcn,  in  meldten  bic 
©(Reibung  fidd  alß  eine  nid^t  ju  rcd()tfertigenbc  §firtc  gegen  bcn  geifteßfranten 
Chatten  barftcHt  unb  alß  fold^c  pon  bemfelben  aucft  empfunben  njcrbcn  tann. 
Siefe  Scbenfcn  werben  aud^  bann  nid^t  befcitigt,  wenn  man  bie  3ulöffigfcit 
ber  Sc^eibung  wegen  ©eifteßfranf^cit  ttma  baoon  abl^ängig  maä)t,  baf]  bic 
bttuembc  Unterbringung  beß  geifteßfranten  ©Regatten  in  einer  für  ©eiftcßfranfc 
beftimmten  Slnftalt  notl^wenbig  wirb.  2)cr  einer  fold^en  SBcftimmung  ju  ©runbe 
licgcnbc  Ocfid^tßpunft,  bafe  imter  iencr  SBoraußfegung  bic  Ijäußlid^c  ©emcinfd^aft 
bauemb  außgefd^loffcn  fei  unb  bcr  gciftcßfranfe  ©begatte  bauernb  bie  ^ffid)tcn 
eincß  ©Regatten  nid^t  me^r  erfüllen  tonne,  würbe  fonfequent  ba^in  füf)ren 
tnufien,  bie  ©d^eibung  auc^  wegen  anberer  unfieilbarer  Äranf^citen  eincß  G^c^ 
gattcn  jujulaifcn,  wet^c  bcnfelben  bauernb  an  bcr  ©rfüUung  feiner  ^ftic^tcn 
^inbem.  Saju  tommt,  baß  bie  abfolutc  9iott)wcnbigfcit  ber  bauernbcn  Untere 
bringung  eincß  ©eifteßfrantcn  in  einer  für  ©ciftcßtranfc  beftimmten  3lnftalt 
in  Grmangetung  pofitiücr  SSorfd^riftcn  ju  uerncincn  ift,  bic  offcntlid^rcd^tlid^cn 
Sorfd^riftcn  über  bie  3"WfP9fcit  bejw.  bie  9lott)wcnbigfeit  ber  Unterbringung 
fineß  ©ciftcßfranfcn  in  einer  fold&en  3lnftalt  aber  ocrfdjicben  finb  unb  barauß 
eine  SBerf^ieben^cit  beß  SRcd^tcß  in  3lnfc^ung  bcr  3ulöfngtcit  bcr  ©d^cibuug 
wegen  ©cifteßfranf^eit  in  bcn  t)erfd)icbcncn  Sunbeßftaaten  fid)  ergeben  fönnte. 


572       ®(6cibitno.  'Ircmmno  t?.  Sil(ä&  u.  Sctt  ßinlcituno.  (§§1440—1463.) 

Sic  9lucrfcnnung  bcö  I;icr  fragtid&cn  Sc^cibungögrunbeß  ift  um  fo  weniger 

cngcjcigt,  als  in  bcnjciiigen  SRed^tsgcbietcn ,  in  welchen  berfclbe  gegcnroftrtig 

nidfit  5ugcla5fcn  ift,  alfo  namentlich  in  bcn  Gebieten  bcö  gemeinen  iinb  bcö 

franj.  SRed^teö,  ein  prafti[d)eö  SBcbürfnife  in  biefer^SSesie^ung,  fooicl  bcfannt, 

nidjt  IjerDorgetrcten  ift. 

S(^cibun3  5.  93on  uerfc^iebenen  9Ierf)tcn  wirb  balb  in  meiteren,  bafb  in  engeren 

jRcTiSonö,  (Srenjen  bic  SBcränbcrung  ber  Sietigion  eines  Gl)egatten  für  ben  anbeten  ©le* 

»cränbcnmfl  gattcn  alö  Sd)cibungögrunb  anerfannt  (ucrgl.  preufe.  31.2.91.  II,  1  §  715; 

f d)roavjb.  fonberöl;.  Gf)cfd)cibungägef.  §  2  SRr.  17;  nurnb.  C^efd^eibungöorbn. 

9h\  39;  altenb.  G^eorbn.  §  230;  got^.  Gf)cgef.  §§  132—13-1:;  fiSd^f.  0.  9. 

§  1744).    S)cr  bem  preufe.  21.  S.  9t.  ju  Orunbe  licgenbe  ©efic^töpunft,  baß 

bic  SBcränberung  ber  Sieligion  infoweit  alö  ©d^cibungßgrunb  anjuerfennen  fei, 

als  bic  33erfc^ieben^eit  ber  Slellgion  ein  trennenbcö  Gfie^inbernife  begrunbe,  faim 

t)om  Stanbpunfte  bed  Gntmurfes  aii&  nid^t  in  Setrac^t  lommen.    älber  auc^ 

bic  Grnjagnng,  boß  unter  Umftänben  ber  SBcd^fel  ber  SRcligion,  wie  ber  ber 

Äonfeffion,  auf  Seiten  eines  ber  Göcgatten  ben  efielid^cn  ^rieben  ju  jcrftoren 

geeignet  ift  (ücrgl.  ©efeßreo.  ^cnf.  XV  ÜJlotiüc  ®.  363),  fann  nic^t  bo^in 

filieren,  jene  S^^atfadjc  als  einen,  rocnn  aud)  nur  relatiocn,  ©d^eibungögrunb 

anjuerfcnncn,  ba  barin  eincrfeitfi  eine  SBecinträt^tigung  ber  Oeroiffenöfrci^eit 

liegen  würbe,  anbererfcitö  ber  Uebertritt  ju  einer  anbercn  Sleligion  ober  Äon* 

feffion  ebenfowenig  wie  überljaupt  ein  2Bed)fel  in  bcn  bifiljcrigcn  rcUgiofcn 

Slnfid^ten  fid^  alö  eine  ^anblung  barftcUt,  weld^c  ben  Äarafter  einer  S8er= 

fd)ulbung  an  fid^  trägt.    ®er  preufe.  ©ntwurf  über  bic  G^cfd^eibung  von  1854 

ijattc  ebenfalls  oorgefdjiagen,  bcn  lanbrcc^tlid^en  ©d^cibungsgrunb  ber  35er* 

änbcnmg  ber  9leligiou  ganj  ju  befeitigen,  ba  ein  erl[ieblid)es  praftifd^cö  9c* 

bürfnife    fic^   uid()t   bafür   anfül^ren   laffc,    bcrfelbc  auc^   jum   3"wrctc  ber 

Simulation   leidet  mi6braud()t  werben  fönne.     Sie  erftc  Äammer   bcfd^Iofe 

icbod)  bic  ^eibcl)altung  jenes  Sd^eibungsgrunbes,  unb  ^aben  fic^  bann  bic 

fp8teren  ©ntwürfe  auf  ben  Soben  biefcs  S3efdölu?fes  gcftcHt. 

«bfoiuteunb  in.  Sic  fömmtüd^   auf  bem  ^rinjipc  ber  SJcrft^ulbung  bcrubenbcn 

sSc'ibung«.  Sd^cibungsgrüubc  bcö  ßntwurfeS  fmb  tf)ei(s  abfolute,  b.  [;.  fold^e,  wcld^c  bas 

flrcnbc.    gicd^t  ber  ©d^cibung  unbebingt  bcgrünben  (§§  1441—1443),  tf)cil6,  unb  swor 

in  ber  Ü)lcl^r5al)l,  rclatiue,  b.  ö.  fold^e,  weld^c  nur  bann  jur  ©d&eibung  ju 

führen  uermögcn,  wenn  ber  Siid^ter  jugleid)  bic  Ucbcrjcugung  gewinnt,  bafe 

baburd[)  im  fonfretcn  gaDe  eine  fo  ticfgel^cnbc  3cn:üttung  bes  c^cli^cn  SJer- 

flöltniffcs  ^erbeigcfüljrt  ift,  bafe  bem  Magenben  Gl^egatten  bic  gortfcftuug  ber 

Göe  nid()t  5ugcmuti)ct  werben  fann  (§§  1444,  1445).    S)ie  relatiücn  Sc^cibungö* 

grünbc  finb  iebod()  nid()t  cinjeln  bejeid^nct,  fonbcm  im  §  1444  auf  ein  gcmcim 

fames  ^Prinjip  5urüdfgcfä^rt.     S)iefc  3(rt    ber  Siegelung  enthält  allcrbings 

flcgenüber  ber  aWc^rjal;!  ber  bcftcl^enbcn  SRed^te  eine  Steuerung.    SBic  oben 

©.  504  bereits  I)crDorgc^obcn  würbe,  f)at  bie  gcmcinred&tlid&c  ^rajis  5war  auf 

Orunb  ber  9lnalogie  ber  ©d^cibungSgrünbe  wegen  ßfjcbrud^es  unb  boöUd)cr 

SBerlajfung  bic   ©d&cibung  aud^  in  anbercn   fällen  fd^werer  fittlicfter  Scr- 

fd^ulbung  bejw.  cigcnmäd^tigcr  SBcrfc^ung  ber  cl^elic^en  5ßf[i(^ten  jugelafien.  2)icfc 

9tnaIogic  Ijat  icbod)  nur  jur  Slnerfennung  weiterer  abfoluter  ©d^cibungsarünbc, 

uid)t  aber  jur  Slufftcllung  anberer  relatiocr  Sri^eibungsgrünbc  in  bem  obigen 


S^cibunj.   Srcnmmö  b.  lif*  u.  33ctt.   ©mlcitunö.  (§§1440-1463.)       573 

Sinuc  geführt,  itjcnnglci^  bei  einsclncn  in  i^rcn  Sßoraußfefeuugcn  bcni  rid&tcr- 
Rc^n  Grmeffcn  einen  locitercn  Spielraum  lajjenben  Sc^eibungögrünben,  j.  S5. 
bei  Säoiticn  iinb  SSerurtfjcilung  eincö  ©Regatten  ju  seitigcr  grcif|citöftrofc^ 
Quc^  bcr  @efid[|tdpunft^  ob  bie  ald  (Sd^cibungsgrünbe  anerfanntcn  2:^t)at|ad)cu 
im  gegebenen  gaHc  bie  Zerrüttung  ber  G{|e  I)erbei5ufü^ren  geeignet  waren  unb 
roirflit^  jur  golge  gel^abt  Ijaben,  bei  ber  richterlichen  ßntfd^eibung  in  Setrad)t 
tommt  (oergl.  entfd&.  b.  dl.  ®.  in  Sioilf.  I,  120,  IV,  104  ©.  380,  V,  115, 
VIII,  40,  IX,  47,  48).  ebenfowenig  i)ai  gemeinred)tlicö  bcr  SRcd&tßfafe  [id> 
auögcbilbet,  bafe  bcr  9tici)tcr  in  allen  ^-öllen  bie  Gfie  ju  f^eiben  befugt  ift,  in 
loclc^cn  feiner  ^uffaf[ung  nac^  bie  älnalogie  bed  Gt)ebrud^cd  ober  ber  bödlid)cn 
Scrlajfung  jutrifft;  iene  9lnalogie  ift  Dielntcl)r  bei  ber  gcrool^n^eitörccbtlid^en 
Sudbilbung  einjelner  beftimmter  Sc^eibungögrünbc  nur  baö  Icitenbc  ^rinjip 
gcrocfen.  3nbcffen  neigt  bie  Orariß  bc0  Sleid^ögericä^teö  pd;  ba^in,  an  bcr 
^onb  biefeö  5ßrinjipcö  bie  ©d^eibung  aud&  in  anberen  gälten  jujulaffcn  (oergL 
entfc^.  b.  dl.  ®.  I,  120,  IV,  lOi  ®.  380,  V,  115,  IX,  47).  3n  benienigcn 
Metjtdgebietcn,  in  welci^en  baß  Sd^cibungöred^t  fraft  lanbeöl^errlid&cr  aWad)t' 
ooKommen^cit  in  (Geltung  ift,  t)ertritt  aber  biefeö  Snftitut  geroiffermafeen  bie 
Stelle  einer  gefeftUd)  anerfanntcn  clausula  generalis. 

äud5  bie  meiften  neueren  Äobififationen  fteUcn  aus  bem  @cfici[|töpun!te 
ber  Serfd^ulbung  nur  cinjelnc  beftimmt  bejeid^nete,  in  ber  Siegel  einen  abfolutcn 
ÄQrafter  an  fid^  tragcnbc  ©cftcibungögrünbc  auf,  fo  baß  preu§.  21.  S.  9?.,  bai^ 
got^.  Cbcgcf.,  baß  fc^roarjb.fonberßli.  ©liefd^eibungßgef.,  baß  f  rauf  f.  ®cf.,  ba& 
fäc^f.  ®.  S3.,  bcr  Code  civil  unb  baß  bab.  ü.  91.  3iur  cinjetne  ©d)eibungß« 
grunbc  nel^men  nad^  ber  einen  ober  anberen  (Sefeggebung  baburd^  einen  rclatii^en 
Änroftcr  an,  bafe  fic  bem  richterlichen  Grmcffen  einen  weiteren  Spielraum  uni> 
bamit  bie  SBürbigung  ber  gragc  geftatten,  meldte  SBirfung  baß  SJerljaltcn  bc^ 
^flagten  im  fonireten  gallc  auf  baß  c^etid^c  SSerl^ältnig  gel)abt  t)at,  fo  j.  S. 
gciDifle  Säoiticn  unb  fd^n?ere  G^renfränfungen  (föc^f.  ®.  S.  §  1736;  gotl). 
^9^.  §§  102,  103;  code  civil  3lrt.  231;  wiirttemb.  ®cf.  d.  8.  Sluguft  1875- 
SrL  8)  ober  bie  SSerurtljeilung  ju  ieitiger  grcibcitßftrafe  (oergl.  ju  preufe. 
3f.  2. 9t.  II,  1  §  704,  Urt^.  b.  91.  ®.  im  prcufe.  3uft.  aJlin.  SBl.  o.  1881  9lr.  G 
c.  22  unb  bei  ®ru^ot  XXX  ©.  985  ff.).  Slbmeid^enb  oon  biefen  ®efcfe^ 
gebungen  fteüt  bagegen,  mic  oben  S.  560  bereitß  ermfiljnt  mürbe,  bie  altenb. 
e^orbn.  §  194  neben  ben  einselncn  befonberß  ^eroorge^obenen  ©d^eibungß* 
grünben  eine  clausula  generalis  auf  (oergl.  aud^  jd^roeij.  83b.  ®ef.  o.  24.  2)cj^ 
Scmber  1874  3lrt.  45—47). 

©inen  nocft  anberen  3Bcg  l^^ben  bie  preufe.  ©ntmürfe  über  bie  G^c^ 
f(^ibtmg  cingefc^lagcn.  Siefelbcn  ^aben  jmar  einsclne  lanbred^tlid)c  ©cbeibungß- 
grfinbe,  namentlid^  S^ebrud)  unb  bößlic^e  93erlaf|uitg,  alß  abfolute  Sc^eibungß- 
griinbe  beibehalten,  ben  übrigen  lanbrcd()tlid)en  Sd()cibungßgrünbcn  aber,  fomcit 
nic^t  bercn  flänjlid^c  Sefeitigung  uorgefd)lagen  ift,  einen  retatiuen  Äaraftcr  in 
bcr  3Irt  beißctcgt,  ba§  bicfelbcn  nur  bann  5ur  Sd)eibung  fül)ren,  mciin  bcr 
Siebter  aus  bem  ganjen  Inbegriffe  ber  SScrbanblungcn  unb  Scmeifc  bie  Uebcv^ 
ä^ugung  gcmonncn  l)at,  baft  burc^  bie  Scl)ulb  bcß  SSeflagtcn  bie  G^c  in  nid}t 
minbcrcm  ®rabc,  wie  bur^  ©^ebrud)  ober  —  mie  bie  ©ntmürfe  oon  1844, 
1854,  1856,  1859  ^injufügtcn,  in  bem  ©ntmurfc  oon  1860  aber  auf  ®runlv 


574       ©(]&eibunö.  Srcnnuno  ü.  Sif*  u.  33ctt  SmlcUung.  (§§1440—1463.) 

ciiicö  bei  bcv  SBcrat^ung  beö  ©ntrourfcö  von  1860  erfolgten  Sefd^Iuffeö  bcö  9Ib* 
flcorbnetenliaufes  toeflgcloffcn  lourbe  —  wk  burc^  böölid^e  SBerlaffung  scrrüttct 
roorben  fei. 

Ginc  fold^e  ©intf)cilung  bcr  Sd^cibungögrünbe  in  abfolute  unb  rclatioc 
benifjt  auf  ber  rid&tigcn  ©rroägung,  bafe  ber  ©efcßgcbcr  jtoar  in  einjcincn 
göUen  an  ber  §anb  ber  Grfaf)rung  beim  SBor^anbenfein  geroiffer  t^atfäd^li^fcr 
SSorauöfegungen  ol)nc  SBcltereö  xinb  allgemein  annel^men  fonn,  ba|  bic  gort- 
fefeung  bcr  Qf)t  baburc^  bem  Magenben  ST^eile,  unb  jroar  üom  iStanbpunfte  bcö 
bürgerlid)en  Sledjteö  auö  enlfd^ulbbarer  SBeife,  uncrtröglid^  geworben  unb  i^m 
bcß^alb  ate  Slcd^ttpPid^t  ni(i^t  ferner  jujumuttien  ift,  bafe  bagcgen  in  bcr  großen 
aJle^rial^l  ber  ^ällc  mit  SRüctfid^t  auf  bie  SBerfc^ieben^eit  ber  Silbung,  bic 
oufecre  Stellung,  foroic  auf  ben  Äarafter  unb  bic  5ßerfönli(i^feit  ber  G^cgattcn 
fid^  nid^t  im  SSoraud  beftimmen  lägt,  ob  gemiffe  ^anbtungen  bed  einen  Gf^- 
gatten,  meldte  }n)ar  unter  Umftfinben  bie  cl^elid^e  @eftnnung  beö  anbercn  S^^eitcö 
}u  jerftörcn  unb  gerechtfertigter  SBeifc  il^m  bie  gortfefeung  ber  G^e  unerträglich 
ju  mad^en  geeignet  finb,  aud^  im  fonfrcten  gaUc  biefe  SBirfung  fiaben  werben, 
baß  bieö  tjielmc^r  nur  in  jebem  cinjelnen  galle  Don  bem  Slic^ter  unter  S5c* 
rürffid^tigung  aller  fonfrcten  Umftanbe  richtig  gcroiirbigt  werben  fanm    So 
werben  je  nad^  bcr  SBcrfd^ieben^eit  bcr  Umftanbe  OWife^anblungen,  G^rcn- 
fränfungen,  SBerurt^eitung  ju  einer  grcifieitöftrafe,  unorbentlid^e  Sebenöart  u.f.ro. 
ganj  oerfd^ieben  wirfen.   ©icfclbe  SC^atfad^c  fann  in  bem  einen  gaüe  bie  uolligc 
3erriittung  bcr  ®^e  jur  golge  ^abcn,  wä^renb  fie  in  einem  anbercn  gaUc  bcn 
c^elidjcn  grieben  uicllcid()t  gar  nid^t  ober  bod&  nur  rorüberge^cnb  ftort.    ajlan 
gerätl^  batjcr  bur^  bie  äludftcllung  blöd  einzelner  abfoluter  6d()eibungdgrünbe 
Vrinjip    in  bie  ©efal^r,  entweber  ju  uiel  ober  ju  wenig  ju  t^un.  S)iefe  ©efi^töpuuftc 
eietbunfl«"  »nüffcn  abcr  fonfcqucnt  ba^in  fül}ren,  neben  einjcincn  jwcdtmäfeig  bcijubc^altenbcn 
grünbe.    abfolutcu  ©c^cibungögrunbcn  nic^t  in  fafuiftifd^cr  SBcife  bloß  eine  boc^  nie 
erfd^öpfenbc  2lnjaf|l  beftimmter  rclatipcr  ©d^cibungögrünbe,  fonbern  ein  afi- 
gemeines,  bcn  S3cbürfnif[cn  JRcd^nung  tragenbes  ^rinjip  aufjuftcUen  nn'b  l}od^ftcnÄ 
beifpielöweife  ben  einen  ober  anbercn  rclatioen  ©c^eibungögrunb  befonbcrö 
l)en)orju^eben.   SBcnn  bic  prcug.  ©ntwürfe  biefen  weiteren  ©c^ritt  nit^t  gctban 
l)aben,  fo  wirb  bieö  we[cntiid^  barin  feinen  ®runb  l)abcn,  baß  eö  fi^  bamate 
nid()t  um  eine  t)oUige  5Reugcftaltung  beö  G^efd^eibungöred^teö,  fonbern  nur  um 
eine  5Rcf orm  beö  31.  S.  91.  Jö^nbelte.    ©ö  ift  jwar  nid^t  ju  uerfennen,  bafe  boö 
Si)ftcm  bcö  ©ntwurfcö  im  ^inblidfe  auf  bcn  weiteren  ©pielraum,  welcher  ba* 
burd)  bem  rid^tcrlid^cn  ©rmeffcn  gcwäl^rt  wirb,  gewiffc  Slad^t^eilc  unb  ©cfa^ren 
mit  \ii)  bringen  fann.    Snbeffen  fallen  biefe  Sladdt^eile  unb  ©efal^ren  gegen* 
über  bcn  mit  bem  Si)ftcmc  beö  ©ntwurfcö  uerbunbcncn  großen  SBort^eilcn  ni<i^t 
inö  ®ewid()t.     ©ine  anbcre  grage  ift,  welche  SKuöbel^nung  bem  aOgcmcinen 
?Prinjipe  gegeben  werben  foH.    3n  biefer  S3ejiel^ung  wirb  auf  bic  äRotioe  ju 
§  1444  SScjug  genommen. 
TDie  abfoiuten  SSou  bcm  ^rinjipe  ber  dlelatiDität  ber  ©d^eibungögränbe  mad^t  bcr 

frfi!!be"be*8  Entwurf  Sluöna^men  in  Slnfc^ung  beö  ©l^ebrud^eö  unb  ber   bcm  legtcrcn 
«ntwurfeö.  glci^juad^tcnbcn   gleifd^eöDcrbrcc^en ,  ferner   in  Slnfe^ung  bcr  Stoc^ficQung 
nad^  bem  Seben  unb  ber  böölid()en  SSertaRung  (§§  1441  —  1443).    3war 
läßt  fi$  aud^  von  biefen  gSHen  nid^t  fagen,  bafe  fie  unbcbingt  in   icbcm 


^ 

sC 


(Öribunfl.  Srcnnunö  iJ.  SiW  u.  »ctt.  ßmlcitung.  (§§1440-1463.)       575 


cinjelncn  goHe  bie  B^^üttung  bcr  ©^c  jur  golgc  ^aben,  t)iclmc^r  ift  cö  auc^ 
Ifier  tnöglid^,  bafe  int  ctnjclncn  gallc  bcm  verlegten  ©Regatten  nid^t  bur^  jene 
J^^tfac^cn  bic  6^c  uncrtröglid^  geworben  ift,  fonbcrn  ba§  bcrfelbc  ben 
abfoluten  Sd^eibungögrunb  nur  bcnu|t,  um  aud  anberen  Dom  @e[ege  nid)t 
gebilligten  ©croeggrünbcn  bic  Sluflofung  ber  6^e  ju  crreid^cn.  SlDein  in  ben 
bejeit^neten  gällen  ift  bie  SBerlefeung  bcr  e^elid^en  5ßf(id^tcn  objeftip  eine  fo 
fcjroere  unb  unmittelbare,  bafe  in  biefen  gfillcn  bic  ©d^eibung  nid^t  erft  baoon 
Abhängig  gemotzt  rocrben  barf,  ob  bcr  Mic^ter  bie  Ueberjeugung  geminnt,  bafe 
im  gegebenen  gaDe  bic  gortfefcung  ber  6^e  bcm  oerlefeten  ©l^egattcn  in  bcr 
2^t  baburd^  unerträglid^  gemorben  ift.  ©ö  erfennen  aud^  aDc  ©efeggebungen 
unb  entwürfe  ben  Sl^ebrud^  unb  menigftend  bic  meiften  auc^  bie  bösliche  %er- 
(offung  unb  bie  Scbcnönad^ftcUung  qIö  abfolutc  €d()eibungsgrünbe  an  (ocrgl. 
bie  ÜBotiPC  ju  §§  1441—1443). 

©ageaen  tann  bie  3lufnal^me  rociterer  abfolutcr  ©d^eibungfigrünbc  meber  ««e^nun« 
ote  burd^  ein  Sebürfnife  geboten,  nod^  ate  jmcdEmäfeig  erad^tet  roerben.    SlUc     foiuter 
onbcren  unter  bie  Äategorie  ber  SSerfd^ulbung  fallcnben,  in  ben  beftcl^cnben  ®*c|^wn8«- 
Siebten  fx(^  finbenben  ©d^cibungögrünbc  fmb  bcr  SIrt,  bafe  eö  fid6  empficl^lt,    ^^ " 
bie  grage,  ob  fte  im  ein5elncn  gaDc  bic  3crrüttuug  ber  6^e  l^erbeiäufülircn 
geeignet  fmb  unb  roirfüd^  I)erbeigcfü^rt  ^aben,  in  iebem  cinjcinen  gallc  bcr 
ric^terlid^cn  Prüfung  unb  SBürbigung  rorjubel^alten. 

®ieö  gilt  inöbefonbere  Don  SWifel^anblungen  unb  Seleibigungen.  2)aö  .  ^„*\„ 
flriterium  bcö  gemeinen  proteftantifd)en  ß^crcd^tcö,  bo^  bic  SKigl^anbtungen,  unb^S!" 
um  }ur  Sd^eibung  ju  fül^ren,  Icbcnö::  ober  gcfunbl&eitfigefäl^rlid^e  fein  muffen  i«^*>iö»"fl«"- 
(oergl.  Seuffcrt  XXXV,  35),  ein  ftritcrium,  rocid&cö,  rocnnglcid^  mit  einjcinen 
Crroeiterungcn  besro.  SKobififationen,  in  Dcrfd^iebcnc  neuere  ®efc|gebungcn 
übergegangen  ift  (oergl.  prctig.  31.  S.  3*.  II,  1  §§  699—702;  nümb.  GI)e^ 
fc^eibungöorbn.  5Rr.  25;  gotl^.  e^egef.  §§  98,  102,  103;  altenb.  ®^corbn. 
§§  219—223;  fd5n)arjb.fonberöI).  e^efd^etbungßgef.  §  2  SRr.  12,  14;  fäd&f. 
®.  33.  §§  1735,  1736),  ift  JU  eng  unb  ju  weit;  ju  eng,  mcil  fit^  Sßifel^anb* 
lungen  unb  auc§  83elcibigungen  benfcn  lajfen,  meld&c,  ^^nt  unter  iencß 
Äriterium  ju  fallen,  einen  gänjlic^en  SDlangel  ber  el^cüd&en  ©cfinnung  bcroeifen 
bejro.  entfd^ulbbarer  SBcife  bei  bem  SBcrlcItcn  ju  beroirfen  geeignet  finb,  j.  93. 
SBife^onbiung  burd^  5ßeitfd^en  ober  öffentUd^  begangene  SSerIcumbungcn ;  ju 
weit,  weil  eine  cinjelnc  obieftio  lebend*  ober  gcfunbl^citögcfä^rlid^c  ^anblung 
ficj  benfen  Ia§t,  meldte,  im  3uftanbc  äufeerften  2[ffeftcd  gefc^el^cn,  burd^auö 
lukd  ntc^t  einen  gänjlid^en  äHangel  aw  c^elid^cr  @eftnnung  befunbet  unb 
anbererfeitd  nad^  ben  fonfreten  Umftänben  aud^  nid^t  ald  geeignet  betrad()tct 
werben  fann,  bie  eJ^elid&e  ©efinnung  in  bem  anberen  S^^eile  bauernb  ju  jcp 
ftörcn.  ®aö  Don  anberen  Oefeftgebungen  aufgeftcUte  Äritcrium,  ba§  bic  SKife* 
^nblung  eine  bebeutenbc  ober  l(iarte  ober  fd^wcre  bejw.  bie  SBclcibigung  eine 
fcftwerc  ober  tiefe  ober  grobe  fein  muffe  (t)crgl.  code  civil  3lrt.  231;  bab. 
«.  SR.  ©06  231 ;  franff.  ®ef.  t).  19.  Jloocmbcr  1850  §  15  5Rr.  8 ;  l^eff.  ©ntw. 
Sri.  82),  gcwäl^  bem  SRid^ter  iwar  einen  weiteren  Spielroum;  allein  ha^ 
cntf^eibenbe  aJloment,  bafe  bie  ^Wifel^anblung  ober  SBelcibigung  ber  3lrt  fein 
muB,  bafe  bem  SScrleßten  nac^  ben  fonfreten  Umftänben  bie  gortfeftung  ber 
G^  ate  Sled&tfipflid^t  nid^t  jugcmutl^ct  werben  fann  (t)ergl.  ®ntfc^.  b.  9?.  ®. 


57G       ©^cibunö.  Ircnmmo  i\  Sifc^  u.  S3ctt.   einleitunö.   (§§1440—1463.) 

in  Giüilf.  IV,  104  S.  380),  wirb  burd^  icncö  Äritcrium  für  fic^  allein  bod^ 
ui^t  fo  bircft  unb  bcutdd^  auägcbrüctt,  roic  bicö  gcfd^icl^t,  wenn  aUc  aJlife* 
Ijanblungcn  unb  93clctbigungcn  bcm  ^rinjipc  bcr  SRclatioitfit  natu)  SKaBßabc 
bcö  §  1444  untcrftcUt  werben.  Somit  ftimmen  a\x6)  bie  prcuj}.  ©ntoürfe  über 
bic  S^efdjeibung  übercin. 
»erurt^ei.  j)ic  ueuercn  ©cfeßgebungcn  bctianbcin  ferner  bic  SSerurt^eilung  eiucÄ 

^^3?  @f)egatten  ju  einer  cntefirenbcn  ober  längeren  greil)eitdftrafc  ate  einen  abfolutcn 
©anMunflcn.  Scfteibungögruub,  inbem  fte  bie  SBoraußfcßungen  nä^er  ju  beftimmcn  fud^cn, 
unter  TOeld&en  ol^nc  SBeitereä  angenommen  werben  fönne,  bafe  bic  Gl^e  in  j§oIge 
ber  SSerurt^eilung  bcö  einen  Gf)egattcn  jcrrüttet  fei  unb  bem  anbercn  ®I)c* 
gatten  bic  gortfeßung  bcr  G^e  alö  5ted)tspflidjt  nic^t  me^r  sugemut^ct  werben 
fonnc.  3""^  ^l)cH  mad^en  fic  ba&  ©d^eibungöred^t  nur  von  bcr  SBcrurt^eilung 
ju  einer  cntcl)renben  Strafe  ober  ju  einer  fd[iwcrcn  pcinlid^en  ©träfe  ober  jU 
einer  Äriminalftrofc  ober  von  bcr  SBcnirt^eilung  ju  bcftimmt  beseid^nctcn 
©trafarten,  namcnttirf)  ju  gewiffcn  arten  oon  ^cü^fcitöftrafen,  fei  cd  o^ne 
atürffidit  auf  bic  2)aucr  bcrfclbcn,  fei  eö  unter  bcr  SBorauöfcfiung  einer  bc* 
ftimmtcn  Stauer,  abl)ängig;  tl)cilö  erfennen  fic  iebc  gSerurtticUung  ju  einer 
greil)citöftrafe,  weld^cr  3lrt  fic  audj  fei,  fofern  bie  grei^eitßftrafc  eine  gcroijje 
S)aucr  crrcidE)t,  alö  ©c^cibungögrunb  an,  ober  bic  83cnirtf)cilung  wegen  bc? 
ftimmtcr  ftraf barer  ^anblungcn;  t^cilö  ftcBen  fie  alö  SSorauöfcftung  ^in,  bai 
bie  aScrurt^cilung  wegen  tjorffifelid^cr  SBcrbredöen  ober  wegen  gemeiner,  nic^it 
politifdE)er  aScrbred^cn  ju  einer  Srcil)eitöftrafc  üon  gewiffer  Sauer  ober  oon 
gcwiilcr  3lrt  erfolgt  fei.  ®en  bciciddnctcn  SBorauöfefeungen  wirb  bann  häufig 
nod)  bie  Scfd^rönlung  ^injugefügt,  bag  baö  Siedet  bcö  anbercn  @^egatteu  auf 
©d)cibung  auögefd^loffen  fei,  wenn  berfclbc  fetbft  an  ber  ftrafbaren  ^anblung 
2:^cil  genommen  ^abc  (ocrgt.  prcufe.  31.  y.  3fi.  II,  1  §§  704  ff.  —  boju 
Urt^.  b.  SR.  &.  bei  ©ru^ot  XXXI  ©.  989  ff.  —  unb  §  295  bcö  anl^.  jur 
91.  @.  D.  I,  40  §  64 ;  nürnb.  ß^efdjcibungöorbn.  9?r.  87 ;  württemb.  SScrorbn. 
0.  14.  September  1812;  got^.  ß^cgef.  §  122;  altenb.  G^eorbn.  §§  224— 22S; 
fd)warsb.fonberöI).  e^cfd&eibungögcf.  §  2  SRr.  15;  frantf.  ®ef.  §  15  9Jr.  5; 
Code  civil  Slrt.  232  unb  baju  Gntfd^.  b.  31.  ®.  in  eioilf.  XV,  77;  bab.  ©ef.  v. 
23.  Scjcmbcr  1871  3trt.  14;  fäd)f.  ®.  ».  §  1740;  l[)cff.  Gntw.  Slrt.  83). 

Scr  Gntwurf  bcl)anbclt  aud)  bcn  J[)ier  fragli^en  ©d^eibungögnmb  na^ 
bcm  Sßorgange  ber  preufe.  Gntwürfe  über  bic  G^cfd)cibung  unb  im  9lnfd5lufie 
an  bic  ^^Jrariö  bcö  JKcid^ögcridjtcö  auf  bem  Ocbictc  bcö  gemeinen  prote|lantifd>en 
Gf)cred)tcö  (ocrgl.  Gntfd).  b.  9t.  (S).  in  Gioilf.  I,  120,  V,  115,  VIII,  40,  IX, 
47,  48;  Seuffert  XXXVII,  35,  ferner  für  baö  preufe.  Siecht  unter  Serürf^ 
fid^tigung  ber  icfcigcn  ©trafgefcggcbung  prcuß.  3uft.  3Rin.  S3L  v.  1881  9lr.  6 
S.  22  unb  P3rud)ot  XXX  ©.  985  ff.,  XXXI  ©.  989  ff.)  alö  einen  rela* 
tiücu  S^cibungögrunb  na^  SDta^gabc  bcö  §  1444.  SBcftimmungcn  bcr  oben 
bejcid)nctcn  2lrt,  wie  fic  fic^  in  bcn  neueren  raefeggebungen  finben,  Rnb  immer 
me^r  ober  weniger  wiUfürlid^  unb  führen  ju  bcm  Slcfultatc,  ba§  in  einjclncn 
göHcn  bic  ©Reibung  geftattet  ober  oerfagt  werben  muß,  in  wel{^cn  fie  nad^ 
bcn  obwaltenbcn  Umftänben,  inöbefonbere  mit  SHücffi^t  auf  bic  ^crfonlid^^ 
feit  bcö  ftagenbeu  ^l;cilcö  unb  bic  wirfUd^cn  Scweggrünbc  bcö  Sc^eibungö* 
antvagcö,  rid^tigcr  nic^t  ijixtic  geftattet  bejw.  ocrfagt  werben  foltcn. 


©(Jeibwnfl.  Krcnmmfl  ü.  SCif*  u.  Seit    einlcitunfl.  (§§1440—1463.)       577 

3m  anfc^Iufle  an  baö  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  707  ^obcn  bic  prcufe.  (srawifune 
«ntnmrfe  über  bie  e^cfd&cibuufl  auö  bcn  3o^rcn  1856,  1859,  1860  bie  ©r^  *'"'!4tf '^' 
greifung  eines  fc^tmpffid^en  ©eroerbeß  ate  abfolutcn  ©d&eibungögrunb  bei^  ©crocrbe«. 
behalten  unb  barin  bie  3uftintmung  ber  bcibcn  Käufer  beö  öanbtageö  gefunben. 
Ueberroiegenbe  ©rünbe  fprec^cn  inbeffen  gegen   biefe  9lrt  ber  33eljanblung, 
fineßl^eite,  um  ber  Oefal^r  einer  ÄoHufton  unter  ^ben  ©Regatten  entgegen* 
jutreten,  anberent^eite  mit  SRüdEftd^t  barauf,  bafe  in  nici^t  feltenen  gäUen  ber 
ß^egatte,  »eld^er  aus  biefem  Orunbe  bie  ©d^eibung  beantragt,  ber  ©enoffe  beö 
|(|impfli(^en  @tmxbe&  bed  anberen  S^egatten  fein  n)irb.    ^\xä)  bei  biefem 
Sdjeibungögrunbe  fommt  eö  ba^er  immer  auf  eine  SBürbigung  ber  fonfreten 
Umfiönbe  an. 

3Son    ber  SKel^rja^I  ber  neueren  ©efeggebungen  wirb  femer  nad^  bem  «enuetaerunfl 

Vorgänge  beö  gemeinen  proteftantifd^en  e^ered^teö  (uergl.  Urtl).  b.  SR.  ®.  bei  *'"^'p^\*'" 

genner  unb  SRecfe  ni,  222)  bie  l^artnädEige  SSerroeigerung  ber  e^elid&en  ^flid^t 

alö  S^eibungögrunb,  unb  iwav  a(d  abfoluter  ©d^eibungögrunb ,  anerfannt 

(wrgl.  prenfe.  91.  S.  SR.  H,  1  §  694;  nürnb.  e^efd^eibungöorbn.  3lr.  28;  gotl). 

SN«f-  §§  107— -111;   altenb.  ©fieorbn.  §  217;  fc^roarjb.fonberöliauf.  ©I^e* 

f(5eibungögef.  §  2  5h:.  8;   franff.  ®ef.  §  15  SRr.  3;  fäci&f.  ®.  ».  §  1731; 

nmrttemb.  @cf.  ü.  8.  2lug.  1875  9lrt.  7;  antialt.  3luöf.  ®ef.  jur  6.  %  C. 

V.  10.  anai   1879  §  4;  äuöf.  ®ef.   jur  6.  ^.  D.  v.  3.  SRai   1879   §  11 

für  SJeufe  ä.  8.).    2)agegen  ift  biefcr  ©d^eibungögrunb  bem  code  civil,  bem 

bttb.  S.  91.  unb  bem  ^eff.  (Sntro.  fremb.    9lud^  bie  tJerfd^iebenen  preu§.  6nt* 

umrfe  über  G^efd^eibungen  l^aben  biefen  ©d^eibungögrunb  unter  S^iftimmung 

ber  beiben  ^aufer  beö  £anbtaged  gänjlid^  befeitigt.     £ie  für  bie  gönjlid^e 

SuÄfd^liegung  biefeö  ©d^eibungögrunbeö  Dorgebrad&ten  ®rünbe,  namentlid^  ber 

öinwetö  barauf,   bafe   bie  ®eltenbmad^ung   beöfetben  eine   Sßerlegung   beö 

Sittli(§feitögefül^leö  enthalte  unb  mit  großem  9lergerniffe  Derbunben  ju  fein 

pflege,  ba%  femer  bie  SBorauöfefcungen  biefeö  Sd^eibungögmnbeö  fd^roer  fcft* 

jufteüen  feien  unb  burc^  benfelben  ber  ©imulation  2^(|ür  unb  2^f)or  geöffnet 

werbe,  fonnen  inbeffen  alö  burd^fd^lagenb  nic^t  erad^tet  werben,  um  einem  ß^c- 

gotten,  wenn  ber  anbere  ©begatte  in  ber  l^ier  in  SRebe  fte^enben  9lrt  feine  e^e* 

lic^n  $f{id^ten  eigenm&c^tig  unb  l^artnäcfig  t)er(e^t,  baö  SRed^t  ber  ©d^eibung 

unbebingt  ju  üerfagen.    dagegen  ift  eö  rid^tiger,  biefem  ©d^eibungögrunbe 

(einen  abfoluten  Slarafter  bei)u(egen,  ba  aud^  bei  biefem  ©d^eibungögmnbe 

SBeö  ouf  bie  Umjiänbe  beö  einjelnen  galleö  unb  auf  bie  3Rotiüe  anfommt. 

Surc^  bie  SRelatioitfit  biefeö  ©d^eibungögrunbeö  in  SSerbinbung  mit  ber  freien 

SeiDeiöt^eorie  werben  au^  bie  praftifd^en  SBebenfen  befeitigt,  weld^e  auö  ber 

S^ierig!eit,  bie  33orauöfe|ungen  biefeö  ©d&eibungögrunbeö  im  ®efe|c  fcft- 

}ufteDen,  unb  auö  ber  ®efa^r  ber  ÄoIIufion  ber  ©liegatten  l^ergeleitet  werben. 

IV.    3n    t)erfd6iebenen   ©ebieten    3)eutfd^Ianbö    l^at    [xä)    neben   bem    ßanbea. 
Sd^eibungöred^te  auö  bcftimmten,  gefeglid^  feftftel^enben  ®rünben  baö  Snftitut    ®Je%1i* 
beö  lonbcö^errlid^en  ß^efc^eibungörec^teö    gewo^nl^eitöred^tlid^  entwitfelt;    in  t>«no«rec^t. 
einigen  ©ebieten  l^at  baöfelbe  aud^  im  3Bege  ber  ©efc^gebung  auöbrüctlid^e 
Snerfennung  gefunben.     SBermoge  biefeö  Snftitutcö  l^at  ber  Sanbcö^crr  bic, 
mitunter  an  gcwiffe  befc^ränfenbe  SDorauöfe^ungen  gcfnüpfte  Sefugnife,  ®f)en 
auc^   QUO  anberen  alö  ben  gefegUd^  anerfannten  beftimmten  ®ränben  nac^ 

Wteüvt  \.  MrgcrL  Ocfe^hid^.  IT.  37 


578       ©d&eibunß.  SErennunö  ü.  Stf*  u.  33ctt.  ginreitunfi.  (§§1440—1463.) 

feinem  ©rmcffen  ju  fd^eiben.  3)aö  Ianbeöl)errlid^c  ©ffefc^eibungdrec^t  ift 
namentlid^  ancrfonnt  in  üerfd^icbencn  gemeinred^ttid^en  Oebieten  ^reufeens 
(9Jeut)orpommcrn,  §annot)er,  Rurl^ef[en,  SRoffau,  ^onffurt  a.  ÜR.,  ©c^leöroig- 
§oIftein),  ferner  im  Orofe^erjogtfiume  Reffen,  in  beiben  SKedHenburg,  in  Dlben- 
bürg,  Sraunfd&meig  (oergl.  braunfd^ro.  ®ef.  d.  23.  3uni  1879),  SBeimor, 
eoburg*®ot^a  (t)ergl.  got^.  ©(legef.  §§  105,  134,  138,  139),  in  ailtcnburg 
(üergl.  altenb.  6f)eorbn.  §  288),  SKeiningcn,  ©d^roarjburg  *  ©onberö^aufen 
(tjergt.  fd^marjb.fonbcrßl).  ©I^efd^eibungßgef.  §§43—46),  in  5Reu6  ä.  unb  i.  S., 
in  9lnl)aItS)effau  unb  Sotten.  Ueber  bie  red^tlid^e  9lotur  beS  lanbeö^rr- 
lid^en  ©^efd^eibungörcd^tcö  gelten  bie  3lnfid)tcn  auöeinanber.  9Kit  bicfer  SScr* 
fd&iebenl)eit  ber  2lnfi(^ten  l^öngt  bie  weitere  ©treitfroge  jufammen,  ob  bafi 
lanbeö^errlid^e  ©d^eibungöred^t  burd^  ben  §  76  bcö  Dteid^ögefegeö  über  bie  Sc? 
urfunbung  beö  5ßerfonenftanbeö  unb  bie  ®§efd^nefeung  t).  6.  gebruar  1875 
ate  befcitigt  anjufel^en  ift.  3)lag  man  in  biefer  Scjiel^ung  ber  einen  ober 
ber  anberen  Slnjtd^t  folgen,  iebenfallö  fel^It  eö  an  einem  Sebürfniffe,  ienefi 
3nftitut  neben  bem  bürgerlid^en  ©efefcbud^e  fortbefte^en  ju  laffen,  ba  ba« 
Ie|terc  bie  2lufgobe  l^at,  baö  ©d^eibungöred^t  in  einer  bem  SBefen  ber  ®b^ 
unb  ben  33ebürfniffen  beö  fiebenö  entfpred^enben  SBeife  erfd)öpfenb  ju  regeln. 
3)orüber  ^inouö  foU  eine  ©d)eibung  überl^aupt  nic^t  äutaffig  fein.  Slucö  T>on 
bem  Oefi^töpunlte  aus  täfet  fid^  bie  Beibehaltung  beö  ^nftituteö  nid^t  red^t* 
fertigen,  bafe  baburd)  bie  äHoglid^feit  gegeben  roirb,  geeignetenfaDö  unter 
fd)onenber  SBerüdEfid^tigung  ber  Sintereffen  ber  ©liegatten  felbft  unb  i^rer 
gamilie  oline  ©d^eibungöprojefe  bie  ©d^eibung  fierbeijufül^ren.  Sollte  na^ 
biefer  SRid&tung  ^in  in  ber  ^^at  ein  33ebürfni&  t)ortiegen  —  maö  ber  ©nt- 
rourf  iebodö  verneint  — ,  fo  mürbe  eö  rid^tiger  fein  unb  bem  3wge  ber  l^eutigen 
©efefegebung  me^r  cntfpred^en,  biefem  SBebürfniffe  im  SEBege  ber  orbentlic^ 
SRed^töpftegc  bur^  S^^^iffw^fl  ^^^  ©d&eibung  auf  Orunb  gegenfeitiger  ©in« 
roiHigung  SRcd^nung  ju  tragen. 
Beitwciiiflc  V.    SRad^  bem  S3orbilbe  beö  fanonifd^en  Sled^tcö  läfet  bie  gemeinrecbüidi)^ 

2iwT»ett  ^^ojiö  neben  ber  ©djeibung  unb  alö  ©rfaß  berfelben  eine  jeitmeilige  Srcnnting 
oon  2:ifd^  unb  33ett  auf  beftimmtc  ober  unbeftimmte  3cit,  regelmöfeig  jebod^  nur 
dit^t  auf  beftimmte  '^dt,  in  fotdben  fällen  ju,  in  meldjien  jroar  fein  auöreid&enDcr 
Orunb  jur  ©d^eibung,  aber  Urfad^en  oorl^anben  finb,  meldte  baö  S^f^*"'"^^' 
leben  beö  einen  ©Regatten  mit  bem  anberen  jur  unerträglidjien  Saft  mad^en 
(pergl.  ©cuffert  XVII,  55,  146,  XXVII,  140,  XXXI,  241).  SRad^  »blouf 
ber  ^rennungöjeit  tritt  ber  Sled^töanfprud^  ber  ©Regatten  auf  ei^elid^cö  3"* 
fammenlebcn  roieber  in  Äraft,  unb  fann  eine  ©rneuerung  ber  Trennung  von 
Xi^ä)  unb  S3ctt  für  einen  weiteren  3citroum  nur  bann  bewilligt  werben,  n)cnn 
nad^  rid&terlid^em  ©rmeffen  erl^eblid&c  neue  Orünbe  für  biefe  3JlaferegeI  oor« 
liegen  (ßntfd^.  b.  SH.  ®.  bei  genner  unb  SWecfe  n,  181,  Seuffcrt  XIJII,  27). 
3n  einjelnen  JRed^tßgebieten  läfet  jebod^  bie  5)Jrayiö,  wenn  bie  S^rcnnung  ben 
©rfotg  ber  S8erföl)nung  nid&t  gcliabt  l^at,  nunmehr  bie  Sd^eibung  ju,  fofem 
baö  ©eric^t  fid)  baoon  überjeugt,  bafe  bie  ®^e  baurnib  jerrüttet  fei  (oergL 
©euffert  VIII,  144,  XIII,  26,  XXXV,  133,  XXXVH,  36).  9tuf  biefem 
33oben  ftetit  aud)  baö  württemb.  ®cf.  o.  8.  9luguft  1875  3lrt.  8.  3n  .Hur^ 
Ijcfi'en  nalim  bagegen  bie  ^^Jrariö  an,  bafe  nad^  2lblauf  ber  S^rennungöäeit  auf 


©Reibung.  SErennung  u.  Sifcfi  u.  Sctt.  (SmleUuno.   (§§1440—1463.)       579 

ähitrog  be«  einen  ober  anbeten  ©Regatten  o^ne  SBeitereö  bie  ©d^eibung  auö* 
gefproc^  werben  muffe  (tJergl.  oud^  altenb.  ß^eorbn,  §§  231—233).  S)iefe 
^tüfiö  ift  itbodf  vom  «Reid^ögerid^te  ((gntfd^.  b.  JH.  ®.  in  ©ioilf.  VI,  112) 
nic^t  gebilligt. 

2)08  gemeinred^tlid^e  Snftitut  ber  jeltTOciligen  S^rennung  von  X\\ä)  unb 
Seit  al&  eine  felbftänbige  neben  ber  ©dieibung  ftel^enbe  SKaferegel  }um  S^edt 
bcr  Sudfol^nung  ber  ©Regatten  unb  afö  ßrfaß  ber  ©dieibung  für  fold^e  gälle, 
in  iDeld^en  biefelbe  ni^t  iuläffig  ift,  l^at  aud^  in  Derfd^iebene  neuere  ©efeg:« 
gebungen  ©ingang  gefunben  (T)ergl.  fädif.  ®.  S3.  §§  1754,  1755;  fd^roarjb. 
fonberd^.  ©^efd&eibungftgef.  §  5  Derb,  mit  bem  9lu9f.  ®ef.  jur  6.  5ß.  D. 
V.  17.  ÜRai  1879  §  4;  franff.  ®ef.  d.  19.  SRo^ember  1850  §  15;  nümb.  (S^\)tf 
fc^ibungöorbn.  9lr.  23). 

(Sine  anberc  ®ruppe  non  9ied|ten  fennt  jmar  aud^  eine  jeitroeilige  2^ren? 
nung  ber  ©Regatten  t)on  SCifd&  unb  S3ett,  aber  nid&t  in  bem  norfte^enb 
bejeid^neten  ©inne  olö  felbftänbige  Sßaferegel,  fonbcm  nur  alö  oorgängige« 
SSerfo^nungömittel  in  fold^en  gällen,  in  roeld^en  ein  roirflid^cr  ©d^cibungö? 
grunb  vorliegt,  fei  t&  in  ber  9lrt,  ba§  auf  jeitroeilige  Trennung  von  Xx^ä} 
unb  Sett  ertannt  werben  fann  (nergl.  gotl^.  ß^cgef.  §§  102,  103,  109), 
fei  ed  in  ber  3lrt,  bafe  menigftenö  für  geroiffe  gäUe  bcr  SRid^ter  ermöd^tigt 
bejtD.  Derpfli^tet  ift,  bie  SBeriünbigung  bed  Urt^eiled  auf  eine  beftimmte 
3rit  auöjufe^en  unb  roäl^renb  biefer  Qtit  ben  ©l^egatten  bie  faltifd^e 
Trennung  ju  geftatten  (nergt.  preui  31.  2.  SR.  II,  1  §§  727—730  nerb. 
mit  ber  SBerorbn.  v.  28.  3uni  1844  §  70;  ®ef.  für  ^annoner  v.  1.  SKärj 
1869  §  26;  code  civil  3lrt.  259,  260).  3n  ^ßreufeen  fmb  bie  betreff enben 
SJorfc^riften  jebodö  mit  JRüdEpc&t  auf  §  580  ber  beutfd^en  G.  ^.  D.  burd^  §  8 
be«  audf.  ®ef.  jur  6. 5ß.  D.  v.  24.  aRärj  1879  aufgel^oben. 

Der  Stanbpunft  ber  preufe.  (Snlroürfe  über  ©l^efd^eibung  l^at  in  ber 
fjün  fraglichen  99e}iel^ung  gen)ed^felt.  Die  legten  ©ntmürfe  aud  ben  ^c^^i^^n 
1859  unb  1860  f)abtn  Seftimmungen  über  jeitroeilige  2^rcnnung  non  2^ifd^  unb 
Sett  nid^t  aufgenommen,  aud^  nic^t  in  bem  ©inne,  bafe  ber  5Rid^ter  bei  ben 
relotiocn  ©c^eibungögrünben  nad^  feinem  ©rmeffen  auf  norgängige  jeitroeilige 
2:tninung  Don  2:ifc^  unb  39ett  erfennen  foHe  ober  lönne. 

Der  entrourf  (§  1440  9lbf.  3)  befd^ränft  bie  Suläfftgfeit  ber  jeitroeiligen  «ta«bpunft 
Trennung  Don  2;ifc^  unb  93ett,  abgefel^en  non  bem  auf  einftroeilige  SSer*  c„t»urfe«. 
fugungen  ftd^  bejiei^enben  Seftimmungen  beö  §  1462,    auf  bie  gälle  be« 
§  1444,  b.  ^.  auf  folc^e  gälle,  in  rocld^en  ein  relatiner  ©d^cibungögrunb  vox^ 
liegt.    Die  jeitroeilige  2^rennung  l^at  l^ier  nur  ben  Äarafter  einer  bie  2l&s 
»enbung    ber    ©c^eibung    bejroedenben    norgängigen    SSerfo^nungdmagregel 
(§  1445).    6ö  läfet  ftd&  allerbingö  nid&t  oerfennen,  ba§  aud^  in  fold^en  gäHen, 
in  roeld^n  fein  jur  ©dieibung  auöreid^enber  ®runb  Dorliegt,  aber  jroifc^en 
ben  ©Regatten  ernfte  3^i^örfniffe  befte^ien,  eine  jeitroeilige  S^rennung  non 
äTtfcl  unb  99ett  afö  äludfö^nungömittel  unter  Umftönben  ()ei(fam  roirfen  fann; 
inbeffen  finb  bie  ®rünbe,  roeld&e  gegen  bie  2(nerfennung  biefeß  3nftituteö  alö 
einer  felbftänbigen,  bie  ©djieibung  erfeftenben  üRaferegel  fprcd)en,  alö  über*    . 
imegenb  ju  erad&ten.    Die  Sluöbe^nung  beö  in  roirtl)fd&afttid^er  unb  fittlid^er 
Sejie^ung  nid^t  feiten  au^  t)on  fc^öblic^en  ^^olgen  begleiteten  Snftituteö  ber 

37* 


580       ©d&eibuna.  Srennunö  ».  Sif*  u.  S3ctt.  Sinleitung.  (§§1440-1463.) 

jcitiDciligcn  SCrennung  von  2^ifdö  unb  93ett  auf  [olc^c  gällc,  in  rodeten  ein 
jur  ©d^eibung  auörcid^cnbcr  ®runb  nid^t  vorliegt,  fte^t  mit  bcm  ©runb^ajc 
bcö  ©nttüurfcö,  bafe  eine  ®l^e  nur  auö  widjtigcn  Orünben  gcfd^icbcn  toerbcn 
lann,  nid^t  im  ©inftangc  unb  ift,  rocnigftcnö  oom  ©tanbpunftc  bcö  ©ntrourfcä 
aus,  wüä)tx  in  üielcn  gäUcn,  in  bencn  nad^  bem  proteftantifd^cn  S^crc^tc 
bic  jeitrociligc  2^rennung  t)on  2^ifdö  unb  SBctt  afe  ©rfaj  ber  ©d^eibung  bient, 
bie  Ie|tcrc  auf  ®runb  ber  clausula  generalis  bcö  §  1444  juläfet,  burd&  ein 
bringenbeß  praftifd^cö  SBebürfnife  nid^t  geboten,  ©benforoenig  fann  bic 
Sulajfung  ber  jcitroeiligen  3:rennung  t)on  X\\ä)  unb  S3ett  als  einer  fett 
ftänbigen  SRoferegel  für  fold^e  %äUz  afe  ein  Sebürfnife  anerfannt  werben,  in 
roeld^en  burd^  baö  S^f^mmenleben  bic  ©efunbl^eit  ober  boö  Seben  bes  einen 
ober  anberen  ©Regatten  ober  ber  Slinber  gefä^rbet  erfdieint  (oergl.  fädif.  ®.  9. 
§  1754),  ba  in  bicfcr  S9ejie§ung  bie  allgemeinen  ©runbfä^e,  insbefonbere  bo8 
äled^t  cineö  ©Regatten,  ol^ne  riditerlid^e  ©eftattung  fid^  ber  eJ^elid^cn  ©emcim 
fd^aft  ju  entjielien,  rotnn  baö  SBcr langen  bcö  anberen  ©Regatten  nad&  $er* 
ftellung  ber  efielid^en  Oemeinfd^aft  mit  ber  redeten  el^elid^en  ©cftnnung  ni^t 
t)ereinbar  ift  (§§  1272,  1273),  unb  baö  $Hed)t  jeneö  ®l^egatten,  au^  roäl^rcnl) 
ber  Dauer  einer  fold^en  2^rennung  von  bem  anberen  ©Regatten  nad^  ÜRa^gobe 
ber  §§  1280,  1281  bic  ©croäl^rung  bcö  Unter^atteö  }u  verlangen,  foroie  bic 
SBorfd^riften  über  baö  Sluffid^töred^t  bcö  SBormunbfc^aftögerid^tcö  gegenüber 
bem  3tti|aber  ber  elterlid^en  ®emalt  (§  1546)  ben  burd&  bie  SBcfiimmung  bcö 
ffid^f.  ®.  S3.  bejnJcdEtcn  ©d^ug  in  auöreid^enber  SBeife  gemäl^rcn. 

5Rad^  bem  Sßorgange  bcö  gemeinen  proteftantifd^en  ©l^ere^teö  (oergL 
©euffert  XVI,  53,  XLII,  305)  beftimmt  baö  fäd^f.  ®.  S9.  §  1752  roeitcr, 
ia^  in  allen  ^äUen,  in  loeld^en  ein  ©begatte  bie  ©d^eibung  ju  »erlangen  bc^ 
red^tigt  ift,  bcrfelbe  norerft  jeitroeilige  2:^rennung  Don  ^ifc^  unb  93ett,  unb 
jroar  unbefd&abet  feineö  SRcd&tcö  auf  ©d^eibung,  t)erlangen  fönnc,  mö^rcnb 
nad&  bem  ©ntrourfe  —  abgefel^cn  von  ben  auf  einftmeilige  aSerfügungen 
TOÄ^rcnb  ber  Dauer  bcö  ©d&eibungöprojeffcö  p^  bcjiel^enbcn  Seftimmungcn 
beö  §  1462  —  nur  beim  aSor^anbenfcin  eincö  relativen  ©d^cibungögrunbeö 
nad^  9Ka6gabe  beö  §  1444  auf  jeitrociligc  S^rcnnung  t)on  ^ifd^  unb  Sett  cr^ 
tannt  roerben  fann.  ®ö  töfet  fid^  jroar  nid^t  beftreiten,  bafe  aud^  beim  Sor* 
Iianbcnfein  cincö  abfolutcn  ©d^cibungögrunbcö  in  ben  göUen  ber  §§  1441 
biö  1443  eine  Sluöföl^nung  ber  ©Regatten  nid^t  unbebingt  auögef^loffen  ifl. 
3nbcf[cn  ift  bic  Sluöbclinung  beö  mit  bem  5ßrinjipe  ber  SRclatiüität  in  engem 
3ufammen^angc  ftc^enben  3nftitutcö  ber  jeitrociligen  S^rennung  von  2:if(^  unb 
93ett  auf  jene  gällc  burd^  ein  SBebürfnife  um  fo  roeniger  geboten,  afe  ber 
§  580  ber  ©.  %  O. ,  rocnigftcnö  xocnn  bie  ©d^eibung  nid^t  auf  ®runb  eineö 
©^ebrud^cö  beantragt  ift,  bem  SRid^ter  bie  SBcfugnife  giebt,  gceignctenfaDö  bie 
Sluöfcftung  beö  SScrfa^rcnö  anjuorbnen.  D§ne  bringenbc  ®rünbe  aber  ieneö 
Snftitut  aud^  auf  bic  abfolutcn  ©d^cibungögrünbc  ouöjubcl^nen,  ift  im  ^iu^ 
blitfc  auf  bic  mit  bcmfelbcn  juglcid^  nerbunbenen  3lad^t^eile  unb  ©efa^rcn  bc» 
bcnttid^,  jumal  baöfclbe  in  bicfcr  9luöbel^nung,  abgcfcl^en  üon  bcm  fä^f.  ®.  9.. 
in  ben  neueren  ®efc6gebungcn  feine  Slufnal^me  gefunben  l^at. 

SBcgen  ber  ®rünbe,  auö  roeldbcn  ber  ©ntrourf  eine  ieitroeiligc  Trennung 
von  Jifd^  unb  S3ctt  im  9Bcge  einftrociliger  SBcrfügung  roäl^rcnb  ber  Dauer 


©^cibunß.    Trennung  öon  3:tfd&  uiib  ©ett.    3«Iaffiofeit.    §  1440.        581 

bcfi  ©d^ibungdprojcffcÄ,  [oroic  in  ben  %&Utn  beß  §  1444  juläfet,  wirb  auf  bic 
aWotbc  §u  bcn  §§  1444,  1462  Scjug  genommen. 

§  1440. 

jDie  ©rünbe,  auö  roeld^en  bcr  (Sntmurf  baö  Snftitut  ber  ©d)cibung  3«iäffigfeit 
julcifet,  bagegen  beftimmt,  ia^  auf  beftänbige  2^rennung  ber  ©Regatten  ^j^j^*^'^'®*^"*»«"«- 
2:if*  unb  »ett  überhaupt  ni^t,  auf  jeitTOeilige  Trennung  aber,  unbcf^abet  ^^^^^^' 
ber  Seftimmungen  beö  §  1462,  nur  in  ben  Sollen  beö  §  1444  erfannt3:rennunÄMn 
werben  fann,  fmb  bereite  in  ber  ©inleitung  ©.  512  ff.,  579  ff.  bargelegt.  ^'^"^  "•  **"• 
SDurd^  bie  gaffung  beö  §  1440  9lbf.  3  („fann  nid^t")  wirb  ber  ber  Söfung 
burd^  bie  3wriäprubeni  ju  übcrlajfcnben  allgemeinen  ^rage,  ob  unb  inroierocit 
ein  Urtl^eil,  bejfen  3n^alt  fid^  mit  abfoluten  ®efe|en  in  3Biberfprud^  feftt, 
überhaupt  ber  SRed^töfraft  fällig  unb  nid&t  üiclmel^r  als  ipso  jure  nid^tig  ju 
erad^ten  ift,  nici^t  präjubijirt.    Snroieroeit  bcr  §  1440  STbf.  3,  roeld&er  junäd^ft 
nur  auf  3nlänber  fi^  bejie^t,  aud&  für  Sluölänber  ©ettung  l;at,  rid^tet  fid& 
ncd^  bcn  Orunbfäfeen  beö  internationalen  ^ßrioatred^teö  (T)ergl.,  fooiet  bcn 
§  77  Sttf.  1  bes  ®ef.  t).  6  gebruar  1875  über  bie  SBeurhinbung  beö  ?}erfonen* 
ftonbeö  unb  bic  e^cf^licfeung  betrifft,  ©ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  6ioilf.  III,  14,  XI,  9). 

2)ic  Seftimmung  beö  §  1440  3lbf.  1,  bafe  bie  9luflöfung  ber  ®^e  üor  ««Mpru<^ 
bem  2:obc  eineö  ber  ®l)cgottcn  nur  burd^  gerid^tlid^eö  Urtlieil  erfolgen  fann,  "^*  "'^*^"^" 
wenbet  fid^  eineötl)cilö  gegen  bie  S^Iöffigfcit  ber  ^rioatf (Reibung ,  anberen^ 
t^ilö  gegen  bie  SSorfd^rift  beö  franj.  3?ed&teö,  nad&  meld&er  bie  ©d^eibung 
bur(|  gcrid^tlid^eö  Urtlieil  nid^t  ouögefprod&en,  fonbern  nur  jugelaffen  wirb, 
bie  Sd^eibung  felbft  aber  auf  ©runb  jeneö  Urt^cileö  unb  eineö  binnen 
einer  beftimmten  ^räflufiofrift  ju  ftcllenben  3lntrageö  beöicnigen  ®l)egatten, 
TDetd^er  bie  S^löffung  ber  ©d^eibung  ern)irft  l^at,  burd^  ben  2luöfprud&  beö 
Stanbcöbeamten  erfolgt  (t)ergl.  code  civil  Slrt.  264—266).  3n  SBaben,  ©Ifafe^ 
Süt^ringen,  foroic  in  bcn  bagr.  unb  l^eff.  ©ebieten  beö  franj.  SRed^teö  ift  fd&on 
gegenwärtig  jene  lebiglid^  auf  formalen  ©efid^töpunften  berul;enbe  unb  unter 
Umftonbcn  im  galle  ber  Stid^tbead^tung  ber  5ßräflufiDfrift  für  benjenigen  ©Ije^ 
gatten,  rocld^er  bic  3wlciffung  ber  ©dficibung  ermirft,  mit  großen  gärten  mv^ 
bunbcne,  jubem  ju  mand^erlei  Sn^^ifclJ^  SBcranlafjung  gebcnbe  SSorfcbrift  beö 
franj.  Med^teö  befeitigt,  unb  erfolgt  bort  ie|t  in  Uebereinftimmung  mit  bem 
gemeinen  Siedete  unb  bcr  SRe^rja^l  ber  neueren  (Sefeggebungen  (preufe.  31.  S.  SR. 
11,1  §  668,  731,  732;  got^.ß^cgcf.  §  151;  altenb.  ©tieorbn.  §  163;  fc^marib. 
fonbcrö^.  ©H^eibungögef.  §§  1,  24;  fädif.  ®.  33.  §§  1712,  1714;  pcrgl.  aud& 
Wf.  &nirv.  9lrt.  78  32r.  2)  bie  ©d^eibung  unmittelbar  burd)  ia^  gerid^tlid^e 
Urt^iL  3)iefcr  ©tanbpunft  entfprid^t  aud^  bcr  Slnfcbauung,  Don  meld^er 
bcr  §  55  beö  SRcic^ögcfcleö  über  bic  Seurfunbung  beö  5|Jerfonenftanbeö  u.  f.  ro. 
D.  6.  gebruar  1875  auögel^t,  rocnnglcidf)  berfclbc  bic  lanbcöred^tlid^en  33or^ 
f<^riftcn,  nad&  meieren  eö  jur  Trennung  ber  @f)c  einer  bcfonbercn  ©rflärung 
unb  Scurfunbung  t)or  bem  ©tanbeöbeamtcn  bebarf,  auöbrücflid^  aufred&t 
er^ltcn  ^at. 

S)urcö  bie  SBorfd^rift  beö  §  1440  3lbf.  2  wirb  fobann  jum  2luöbructe  "^1^"% ^J 
gebrockt,  ba%  eine  ©d^eibung  überhaupt  nur  in  fällen  eineö  bem  pcrflagtcn  bersc^eibJiß, 


582  ©d&cibunfl.    (g^ebru«  2C.    §  1441. 

©i^cgatten  jur  Saft  fottcnben  fci^roercn  SBerfd^ulbcnö  nad^  aWafegabc  bcr  §§  1441 
bis  1445  ftatt^aft,  icbc  ©d&cibung  quo  aBilllür,  tnöbcfonbere  auf  ®runb  gegen? 
fcitiger  (gintoilligung,  foroie  bie  ©d^cibung  tDegen  förpcrlid&cr  ®ebred&en  ober 
©eiftcöfranf^cit  unb  tDegen  Sleligionöroetftfefe  bagcgen  auögcfd^toffen  ift.  äuö 
ben  aSorfd^riftcn  beß  §  1440  3lbf.  1,  2  crl^ellt  ferner  mit  genügenber  3)eutlt(l^ 
teit^  bag  !ünfttg  aud^  iebe  ©d^eibung  aud  lanbedl^errlid^er  äßad^tDoQfomtnem 
l^cttroegfällt.  SBegen  bcr  Orünbe,  auf  roeld^en  bicfc  prinjtpiellcn  SBorfd^riften 
beö  ©ntrourfes  benil^en,  wirb  auf  bie  (Sintcitung  oben  ©.  567  ff.  tjenoiefen. 


§  1441. 
«(Reibung  1,  g[jQ(]^  beux  SBorgouge  beö  fatl^ofifd^en  ftird^enredites  unb  befi  gemeinen 

«^SSi^c«.  proteftantifd^en  ®^ered^teö  xoxtb  ber  ©^ebrud^,  bie  unmittelbarfte  unb  fd^rocrftc 
SSerlefeung  ber  ei^ctid^en  5Pftid&ten,  t)on  allen  neueren  ©efe^gebungen  alö  abfo« 
luter  ®runb  für  bie  beftänbige  2^rennung  oon  Xi^ä)  unb  93ett,  bcjn).  als  abfo* 
luter  ©d^eibungögrunb  anerfannt  (oergl.  ba^r.  ß.  SR.  I,  6,  §  42 ;  preuft.  21.  S.  91. 
II,  1  §§  670  ff.;  nürnb.  ®^efd^eibungöorbn.  Sßr.  8;  goti^.  ©I^egef.  §§  75  ff.; 
altenb.  ®^eorbn.  §§  195  ff.;  fd&raarjb. fonberöfi.  (Sl^efd^eibungdgef.  §  2  9h:.  1; 
franff.  ®ef.  §  15  5Rr.  1;  fäd^f.  ®. ».  §§  1713  ff.;  code  civü  Strt.  229,  230; 
leff.  6ntm.  2lrt.  81).  SBÄ^renb  bie  grofec  Sölc^rjal^I  bcr  9led)te  in  bicfer  Sc* 
jicl^ung  feinen  Untcrfd^ieb  mad^t  jTOifd^en  bem  ®l^ebrud^e  beö  S^emanneö  unb 
bem  ber  ©fiefrau,  gicbt  ber  code  civil  9lrt.  230  ber  (g^efrau  wegen  ®]^ebruc^eö 
Don  ©eiten  beö  ©l^cmanneö  nur  bann  baö  SRed^t,  bie  ©d^eibung  ju  verlangen, 
„lorsqu'il  aura  tenu  sa  concubine  dans  la  maison  commune".  9luf  bemfclben 
Soben  fte^t  in  bicfer  »ejicl^ung  aud^  baö  bab.  2.  SR.  ©aß  230,  230  a,  ®ne 
fold^e  ocrfd^iebenartige  SSe^anblung  beö  (S^ebrud^eö  beö  6§cmanncö  unb  ber 
ß^efrau  oerbient  iebod&  feine  SiHigung  i).  Sie  entfpric^t  nid^t  bem  fittlid^en 
®efammtben)u6tfein  beö  beutfd^cn  SSoIfeö,  nad^  roeld^em  ber  ©l^efrau  in  ber 
&)t  prinjipcB  eine  gfcid^bere^tigte  ©tettung  mit  bem  ©l^cmannc  gebührt 
SBcnngIcidE)  unter  Umftänien  ber  ®f)ebrud^  beö  ©l^emanncö  im  ^inblidfc  auf 
bie  ocrfd^ieben  geartete  9latur  beö  männlid^cn  unb  beö  rociblid^en  ®efc^Ie(^tcö 
nid&t  afe  eine  fo  fd^roere  SBcrfd^ulbung  anjufeben  fein  mag,  wie  ber  ®^cbruc^  bcr 
®l^efrau,  unb  roennglcid^  ber  lefetcre  infofem  für  bie  gamilie  gcfäl^rüd^er  ift, 
alö  baburd^  frembe  Rinber  in  bie  gamilie  fommen  fönnen,  fo  ift  bo(|  auä^ 
ber  ß^ebrucb  beö  ©ficmanneö  unter  allen  Umftfinbcn  eine  fo  fc^roerc  SOerfc^uIbung 
unb  bem  5EBcfen  bcr  6^e  fo  fe^r  juroiber,  bafe  ber  (S^efrau  unbebingt  baö  Siedet 
eingeräumt  roerben  mufe,  rocgen  ©l^cbrud^eö  beö  ß^emanncö  bie  ©d^eibung  $u 
ocriangcn.  S)ieö  ift  aud^  ber  ©tanbpunft  beö  franj.  et)cfd^eibungögefc6cö  v. 
27.  3uli  1884. 
»eflriff  beö  2.  5Da6  im  ©inne  beö  §  1441  3lbf.  1  unter  e^ebrud^  ber  SC^atbeftcnb 

«i)ebr«<^e«.  ^^^  g  ^^^  bcö  ©tv.  ®.  33.  (ocrgL  entfc^.  b.  SR.  ®.  in  ©traff.  XIV,  90)  iu 


^)  Scrgl.  auc6  bie  oben  ©.  143  bereits  enüd^ntc  ?)etttioii  bcö  aHöemcincn 
beutfdf;en  graucnücrcinS  an  ben  Stetc^gtag  (aböcbructt  in  ,9lcue  ^abncn*,  Drgon  M 
aUßcmcincn  beutfc^en  grauenbereinö,  ffib,  XII,  1877  $Rr.  8). 


©d^dbunfi.    e^cbrudö  2c,    §  1441.  583 

wrftc^en  ift,  crgiebt  ftd^  mit  genügcnber  3)cutlid^fcit  ouß  bcm  3ufammcnt)an9c 
it&  §  1441  9R)f.  1.  Unter  ben  SSegrtff  bed  (S^ebrud^ed  fallen  ba^er  namentUd^ 
folc^e  goDe  nid&t,  in  welchen  bie  Pcifd^Iid^e  SBennlfd^ung  in  golge  einer  SiotJ^? 
}U(^t  ober  in  golge  3^rt^umeö  ober  unter  [olc^en  Umftänben,  rocitfte  bic  freie 
Siilenöbeftimmung  auöfc^Iiefeen,  j.  33.  im  3wftanbe  ber  ©cifteäfranf^eit,  ftatt? 
gefunben  ^ot  (oergl.  ©euffert  V,  295 ;  ba^r.  S.  91. 1,  6  §  42 ;  altenb.  e^eorbn. 
§  200  üt.  d;  gotli.  @^cgef.  §  84;  fäd&f.  ®. ».  §  1714). 

3.  9ted^  bem  ©ntrourfe  bilbet  nur  ber  DoBenbete  ®§ebrud&  einen  abfoluten  ^ff^"^2^ 
Sdfeibungögrunb  (t)ergl.  über  bie  grage,  mann  ber  (S^cbrud^  oollenbet  ift, 

entfc^.  b.  SR.  ®.  in  (Sioilf.  IX,  47).  ©emeinred^tlid^  ift  eö  beftritten,  ob  auc^ 
ber  Serfu(i^  beö  ©^ebrud^eö  boß  3led^t  ber  Sd^eibung  begrunbet  (üergl.  bafür 
Seuffert  xn,  38,  XXV,  31,  XXXI,  237,  XXXV,  131, 132;  bagegen  ©euffert 
Xni,  147,  XIV,  142,  XVIII,  145 ;  (Sntfd^.  b.  SR.  ®.  in  6it)ilf.  IX,  47).  SBon 
ben  neueren  ©efeggebungen  ftcUen  baö  fd^TOurjb.fonbers^,  ß^cfd^eibungSgef. 
§  2  9lr.  1  unb  bie  altenb.  ®^eorbn.  §  195  ben  SSerfud^  beö  6t)ebrud^eö  bem 
ooDenbeten  Sl^ebrud^e  in  ber  tjier  froglid^en  ^infid^t  audbrüdElid^  gleid^,  mäl)renb 
kofi  fäd^f.  @.  33.  §  1715  baö  3led^t  ouf  ©d^eibung  wegen  Dcrfuc^ten  ©^ebrud^eö 
ousbrücflid^  oerfagt.  2lud&  baö  preufe.  31.  fi.  91.  II,  1  §  670,  baö  got^.  ©Ijegef. 
§  75,  baö  fran!f.  ®ef.  §  15  9lr.  1,  ber  code  civil  3lrt  229,  230,  ber  ^eff.  ©ntro. 
9xL  81,  fomle  baö  fanon.  Siedet  fegen  üollenbeten  ß^ebrud^  oorauö,  ber  iebod& 
oud^  auf  inbireltem  SBege  burd^  ©dilufefolgerungen  beroiefen  werben  fann.  Db 
bie  SSeftimmung  beö  preufe.  91.  S.  91.  II,  1  §  673,  roeld^e  bem  (S^ebrud^e  einen 
unerlaubten  Umgang  gleid^fteDt,  burd^  meldten  eine  bringenbe  SBermut^ung  ber 
oerle|ten  e^elid&en  Streue  begrunbet  wirb  (oergl.  aud^  nürnb.  ©Ijefd^eibungöorbn. 
Sr.  10;  got^.  e^egef.  §§  75,  76),  alö  ein  felbftänbiger  ©d^eibungögrunb  ober 
mir  alö  eine  bem  adulterium  praesumtum  beö  gemeinen  9led^teö  fid^  aufd^lie^enbe 
Crleic^terung  ber  Semeiöfül^rung  burd^  ©d&lu§folgerungen  aufjufaffen  ift,  meldte 
burc^  ben  ©egenberoeiö  ber  SRi^tnoDenbung  beö  ®^ebrud)eö  enthaftet  werben 
fann,  ift  ftreitig  (oergl.  jebod^  ®ntfd^.  b.  91.  ®.  in  ©traff.  V,  92,  XIV,  90 ; 
Urt^.  b.  91.  ®.  bei  ®rud^ot  XXXI  ©.  983  ff.).  3laä)  bem  prcufe.  31.  8.  91.  II,  1 
§§  674,  676  ift  ferner  wegen  SSerbad^teö  beö  ©^ebruc^eö  bie  ©d^eibung  bann 
iuläffig,  menn  ein  ©begatte  rid^terlid^en  SBcrboteö  ungea^tet  mit  einer  oer* 
bdcfetigen  ^erfon  oertrauten  Umgang  pflegt  (ebenfo  got^.  (S^egef.  §  77). 

jCa  nur  ber  ooUenbete  @^ebrud^  bie  im  SBefen  ber  @^e  begrünbete  3[uö^ 
fd^lie§ü4feit  ber  ®cf(^le(^tögemeinfd^aft  unroieberbringlic^  jerftört,  fo  fann  nur 
biefcr  alö  obfoluter  ©(^eibungögrunb  anerfannt  merben.  3n  ben  gällen  beö 
SJerfw^ö  beö  ß^ebrud^eö  unb  anberer  bie  el^elid^e  Streue  oerlcftenben  ^anb^ 
lungen  foU  jmar  bie  ©d^eibung  nid^t  unbebingt  auögefd^loRen  fein;  allein  in 
gflflen  bicfcr  9lrt  fommt  cö  immer  auf  bie  fonfreten  Umftänbe  an,  ob  ba& 
Ser^alten  beö  einen  ©Regatten  ber  9lrt  mar,  bafe  bem  anbereu  ©l)cgatten  bie 
Sortfegung  ber  ©^e  nid^t  jugemut^et  werben  fann.  2)er  ©ntrourf  oerroeift 
bo^r  biefe  ^&Ut  unter  bie  relatioen  ©d^eibungögrünbe  beö  §  1444. 

4.  S^agegen  fteUt  ber  §  1441  3lbf.  1  bem  ©l)ebrud;e  gleid^  bic  in  ben    «igamie. 
§§  171,  175  beö  Str.  ®.  S.  bejeid^neten  ftrafbaren  ^anblungen.    2)ie  ®leid^^ 
ftettung  ber  »igamie  alö  fold^er  (§  171  ©tr.  ®. ».)  mit  bem  ©l)ebrud&e  ift 
aDerbingö  nur  für  bie  feltenen  gälle  oon  felbftftänbiger  33ebeutung,  in  meldten 


584  ©(Reibung.    Sfiebrud^  JC.    §  1441. 

eine  Äonlummation  bcr  neuen  ®l^e  nid^t  ftattgefunben  ^at  3nbeffen  redjt? 
fertigt  fid^  biefe  ©leid&ftellung  nad&  bem  SSorganfle  befi  fäd^f,  ®.  93.  §  1728 
(t)erfll.  a\x6)  f döroarjb.  fonbers^.  6l^ef dicibungögef.  §  2  9lr.  2)  priniiptell  burcl 
bie  ©rroägung,  bafe,  roie  buri^  ®l^ebrud&,  fo  aud&  burc^  SSigamie  ble  im  SBcfen 
ber  ®l^e  begrünbete  Sluöfd^Iiefelid^feit  bcr  e^elic^en  ©emeinfd^oft  ücrlejt  toirb. 
Soju  fommt  ber  praftifd^e  SBort^eil,  bag,  xotnn  bie  Sigamie  a(d  fold^c  einen 
abfoluten  ©d^eibungögrunb  bilbet,  ber  oerleßte  ©begatte  bie  Ronfummation 
ber  netten  @l)e  nic^t  ju  ben)eifen  brQud)t.  @d  ift  ivoav  }ujugeben/  bag  bie 
SJigamie  in  mand^en  göBen,  namentlich  roenn  nur  ein  dolus  eventualis  Dor« 
gelegen  l)at  (t)ergl.  ent[d).  b.  SR.  ®.  in  ©traft.  IX,  27  ©.  84),  eine  Berrüttung 
ber  erften  (S^e  nic^t  not^roenbig  beroirft.  SJPttein  biefe  SKöglic^feit  ift  aud^  bei 
bem  ß^ebrud^e  nid^t  unbebingt  außgefd^Iof[en.  S^rogbem  fpre^en,  wie  in  bcr 
(Einleitung  oben  ©.  574  bereits  ausgeführt  mürbe,  überroiegenbe  ©runbc 
bafür,  ben  Icgtcren  nid^t  als  einen  nur  relatioen  ©d^eibungsgrunb  ju  be« 
^anbeln.    ©icfelben  (Srünbe  treffen  aud^  im  galle  ber  Bigamie  ju. 

sBiberimtür*  3)a6  bcm  (g^cbrud^c  §anblungen  ber  im   §  175  bcs  ©tr.  @.  35.  be^ 

hc^e  «njud^t.  jgj^^gjg^  5[^j  gleid)juftenen  finb,  mirb  aud^  von  bcr  3)oftrin  beö  fatl^olifcfien 
unb  beö  gemeinen  proteftantifd&en  ©§ered&teö  (©cuffert  XLIII,  25)  unb  üon 
bieten  neueren  ©efcfegcbungcn  anerfannt  (t)crgl.  preufe.  31.  ii.  91.  II,  1  §  672; 
nürnb.  ®^efd^eibungöorbn.  Sir.  12;  gotl(>.  6^cgef.  §  76;  altenb.  ß^corbn. 
§  205;  fd&marjb.fonberß^.  e^cfdöeibungögef.  §  2  5Rr.  2;  fäd^f.  ®.  93.  §  1728). 
eonftigc  3)aö  fä^f.  ®.  93.  §  1728  ftellt  ferner  Unjud^t  mit  Äinbern  unter  jToMf 

^humn.  Sorten  bem  ©i^ebrud^e  unbebingt  gleid^  (Dcrgl.  §  176  ?ir.  3  beö  Str.  ®.  33.). 
S)iefe  ©Icid^ftcBung  ift  jebod^  bcbenflid^,  ba  burd&  bie  ^ier  fraglichen  ^anb? 
lungen  bei  bcr  meiten  Sluöbel^nung,  meldte  ber  33egriff  ber  unjüd^tigen  ^anb^ 
lungcn  juläfet  unb  in  ber  ©trafrcd^töpraj iö  gcfunben  ^at,  bie  Siudf^liefeUd^Ieit 
ber  eliclid^cn  ©emeinfd^aft  nid^t  immer  berührt  unb  nod)  roeniger  unroiebcr* 
bringlidö  5crftört  mirb.  Slufi  öljnlid^en  ®rünben  fonnen  aud&  bie  im  §  176 
3^r.  1  unb  im  §  174  beö  ©tr.  ®.  93.  mit  ©träfe  bcbro^ten  unjüd^tigen  ^nb* 
lungcn  nid&t  als  auörcid^cnb  crad&tet  mcrben,  um  ba&  SRed&t  bcr  ©d^eibung 
unbebingt  ju  bcgrünbcn.  3n  Slnfc^ung  bcr  im  §  174  beö  Str.  ®.  S.  be^ 
jcid&ncten  göDc  fommt  l)inju,  bafe  ber  ®runb  ber  befonbercn  ©trafbarfcit  in 
biefen  fällen  in  ber  a5crlc|ung  bcfonberer  ^Pflid&ten  liegt,  meldte  mit  bem  c^ 
lid^cn  aSerl^ältniffe  an  fid^  in  feinem  3wfammcnl^ange  fielen.  (So  ücrbient 
bcöljalb  ben  SSorjug,  bie  in  ben  §§  174,  176  beö  ©tr.  ®.  93.  bcjeid&netcn  un^ 
pd^tigen  ^anbtungen,  fomcit  bicfclbcn  nid^t  jugleid^  ben  J^^atbeftanb  beö  6(>e* 
brud^cö  bilben,  ber  93eurtl)ei(ung  beö  cinjclnen  gallcö  naä)  SKafegabe  beö  §  1444 
JU  unterftcllcn.  Daäfctbc  gilt  t)on  bem  im  got^.  ®^cgcf.  §  76  unb  im 
fdfimarjb.fonberölj.  ®t)cfd^cibungögcf.  §  2  9lr.  2  alö  ©d^cibungögrunb  auf» 
gcfüljrtcn  gälle  ber  ®ntfüt)rung  einer  grauenöperfon. 
etrof.  5.  3)ic  befonbercn  93cftimmungen  beö  föc^f.  ®.  93.  §§  1716,  1717  (oergl. 

"^rolgcn"   ^ud^  §  1729),  mä)  mclc^cn  ber  ©d^eibung  roegen  e^ebrud^cö  regelmäßig  bo« 

e^cbnic^fö.  ©trafoerfa^ren  megcn  ß^ebrud^cö  üorauögclicn  muß  (ä^nlid^  altenb.  G^corbn. 
§§  197,  198;  fc^roarjb.fonberö^.  e^cfc^eibungögcfct  §  8),  l^aben  burd&  ben 
entgegengefe^tcn  ©runbfag  beö  §  172  beö  Str.  ®.  93.,  nad^  welchem  bie  ^ 
ftrafung  megcn  Gt)ebrud&cö  bur^  bie  Sdjcibung  bebingt  ift  (pcrgl.  auc^  bie 


©d&eibunG.    (B^chtViSi  2C.    §  1441.  585 

f&Jf.  ätuöftt^rungöDcrorbn.  t).  15.  SJcjembcr  1870),  i^rc  ßricbigung  gcfunbcn, 
unb  fc^It  t&  an  einem  genügenben  ®runbc,  üon  biefem  ®runbfa|e  abjuroeii^en. 

6.  9lod&  bem  aSorbilbe  beö  fanonifd^en  9lcd6tcö,  naä)  wcld^em,  wenn  beibe    «owp«« 
S^gotten  bte  @^e  gebrod^en  l^aben^  auf  beftänbtge  3^rennung  Don  Xi^ä)  unb 


Sett  ni(i^t  crfannt  tocrben  tann  (Dcrgl.  femer  bo^r.  S.  SR.  I,  6  §  42),  fd^Uefeen  ®****"*'** 


fotion. 
eltenbe 


Qud^  baft  gemeine  proteftantifc^e  ß^erec^t  unb  t)erfd^icbenc  neuere  ®efe|gebungen 
(Dergl.  ©euffert  n,  194,  XVII,  53,  XX,  41,  XXI,  59,  XXni,  230,  XXXI,  239, 
XU,  191;  genner  unb  SRedEe  V,  35  @.  71;  [äd^f.  ®.  33.  §§  1722—1727; 
aütnb,  S^eorbn.  §  200  lit  c)  aud  bem  ©eftd^tdpunfte  ber  Rompenfation  ba& 
9te^t  eines  ©l^egatten,  n)egen  (Sl^ebrud^eg  beß  anberen  ^^ei[ed  bie  Sd^eibung 
ju  uerlongen,  ouö,  wenn  ber  erftere  felbft  eines  (gj^ebrud^eö  fid)  ftftulbig  gemad^t 
bat  3nn)ien)eit  biefcö  Äompenfationöprinjip  and)  auf  anbere,  namentlid^  un« 
gleid^artige,  ©d&eibungögrünbe  auSj^ubc^nen,  ift  gemcinred^tüd^  nid^t  unbeftritten 
(oergl.  Seuffert  XXX,  151,  XLII,  36;  ®ntfd&.  b.  SR.  ®.  in  ßioitf.  XVin.  46 
S.  228  ff.).  2)as  fäd^f.  ®.  93.  §  1730  ^at  jenes  ^ßrin^ip  nur  ouf  bie  im 
§1728  bof.  bejeid^neten ,  bem  ©l^ebrud^e  gleid^geftcHten  glcifd^esnerbrcd^en  in 
ber  Art  übertragen,  bog  ber  ©l^cbrudö  unb  jene  SSerbred^en  gegen  ©l^ebrud^ 
unb  unter  einanber  fompenfirt  werben  fönnen. 

®as  preufe.  91.  2.  SR.  II,  1  §§  670,  671  unb  biefem  folgenb  bie  nürnb. 
ß^c^ibungsorbn.  SRr.  9  fiaben  bagegen  bas  5Prinjip  ber  Äompenfation  au^ 
beim  ß^ebrud^e  eingcf d&ränit ;  nur  ber  ©l^emann  faun  ber  auf  ®f)ebrud^  ge? 
ftüjten  Sc^eibungöHage  ber  (S^efrau  ben  (ginroanb  entgegenfejen,  ba§  bie  leßtere 
fclbft  bie  e^e  gebrod&en  ^abe  (üergl.  baju  Urt^.  b.  SR.  ®.  bei  ®rud^ot  XXXI 
3. 985  ff.).  S)os  gotl^.  e^egef .  §  83  unb  bas  f d^marjb.  f onbersb.  ef)ef d^eibungsgef. 
§  3  3Ibf.  2  fd^Iiefeen  bie  Hompenfation  ausbrücflid^  übcrl^aupt  aus,  unb  auf 
biefem  ©tanbpunfte  fielen  au^  bie  SBorfd^Iäge  ber  preufe.  ®efegreüifion, 
Uenf.  XV  ©.  296  ff.  2)er  code  civil,  baS  bab.  S.  SR.  unb  ber  l^eff.  entro.  er* 
roä^nen  bie  Äompenfation  nid&t.  Die  franj.  Surisprubenj  nimmt  banad&  oor* 
roiegenb  an,  bofe  bie  ©inrebc  ber  Äompenfation  unjulöffig  fei. 

3)er  ©ntrourf  ^at  fid^  in  biefer  'grage  ber  aWe^rjabl  ber  neueren  ®efe|s  ©tanbpunft 
gebungen  angefc^loffen.  3)aS  Äompenfationöprinjip  lägt  fid^  prinjipiell  nid&t  be*  ©„twurfcö. 
grünben.  SRad^  allgemeinen  ®runbfä6en  t)erliert  berjenige,  welcher  burd&  bas 
fcbuIbDoUe  SSer^oItcn  beS  anberen  2:^eiIcS  ein  SRcd^t  auf  Sluflöfung  eines  gegen* 
fcitigen  SRed^tSoerl^ättniffeS  erlangt  l^at,  biefes  Siedet  baburc^  nid^t,  bafe  er 
fpdter  burc^  fein  eigenes  fd^ulbüoUeS  SBer^alten  aud^  für  ben  anberen  2:i)cit 
ein  gleid^cS  SRed&t  begrünbet;  ebenforoenig  ift  berjenige,  metd^er  burt^  fein 
ft^uIbooDcs  SSer^alten  für  ben  anberen  2:^cil  ein  SRed^t  auf  9luflöfung  bes 
Slcc^tsoer^ältniffes  begrünbet  l^at,  nadi  allgemeinen  ®runbfä6en  üerbinbert, 
ein  gleiches  9?ed^t  gegen  ben  anberen  S^l^eil  auf  ®runb  beS  fd^uIbüoHen  SSer* 
bauend  beS  legieren  ju  erroerbcn.  Der  ®runbfa6  ber  Äompcnfation  fül^rt  bagegen 
ju  b«n  mit  ben  oUgemcincn  ®runbfä|en  nid^t  vereinbaren  unb  fad^Iid^  bebend 
lid^  SRefultate,  bofe  berjenigc  ®^egattc,  rocid&er  burdf)  ben  6f)cbrud)  ober 
eine  bem  leftteren  gleic^gefteUte  §anblung  beS  anberen  SE^ljeileS  ein  SRed^t,  bie 
3<^Umng  ju  t)erlangen,  ermorben  l|at,  einen  greibrief  erl^ält,  feinerfeits  burcb 
bie  Sege^ng  ber  gleid^en  ^anblungen  fortgefeftt  bie  iljm  gegenüber  bem 
anbeten  ©Regatten  obliegenben  el)eUd)cn  5ßf{id^tcn  verlegen  ju  fönnen,  ol^nc 


586  ©d&elbuno.    (SbtlvxSi  2C.    §  1441. 

bafe  her  anbcrc  ©ficflotte  in  bcr  Sage  roärc,  ouf  (Srunb  jener  ^ffid^toerlefeung 
feinerfeits  bie  ©d^cibung  }u  ücrlangen.  liefen  ©rroägungen  gegenüber  fonn 
an6)  ber  ©eftdjitöpunlt  ate  burd^fd^lagenb  nid^t  erad^tet  werben,  bafe  berienige, 
xotl^tx  felbft  eines  Sl^ebrud^ed  ftd^  fd^ulbig  gemad^t  l^abe,  unn)ärbig  fei,  ben 
anberen  Sl^egatten  wegen  bed  Don  biefent  begangenen  @^ebrud^ed  mit  bem 
aScrIufte  beö  $Hed&teö  auf  S^rtfefcung  ber  &)t  ju  [trafen,  ba  baö  ©d&cibungd* 
red^t  nid^t  auf  bem  (Sefid^tßpunfte  einer  ©träfe  für  ben  fd^ulbigen  S^eil  beruht 
a:^eiina^me  7.    ©iue  Dou  ber  gragc  wegen  S^^j^ung  ber  Äompenfationöeinrebe  ganj 

Sufiimmung  ^crfd^iebeue,  burd^  bm  §  1441  aibf.  2  beia^te  grage  ift  eö,  ob  in  btn  gäHen 
be«  anberen  bes  §  1441  Slbf.  1  boö  SRed^t  auf  ©d^eibuug  auögefd^Ioffen  fein  foü,  wenn 
«Regatten.  ^^^  atibttt  ©l^egatte  ber  biefeö  SRed^t  begrünbenben  ^anblung  jugeftimmt  ober 
ber  2^l^eilna^me  an  berfelben  ftd^  fd^ulbig  gemad^t  ^at.    ^  ben  %&lkn  bcr 
Slompenfation  lianbelt  eö  ftd^  um  bie  Sluf^ebung  eineö  bem  Äläger  on  jx(5 
juftel^enben  ©d^eibungöred^tes  burd&  3lufred^nung  mit  einem  aud&  bem  8e* 
f tagten  juftel^enben  ©^cibungörec^te,  in  bm  l^ier  in  SWebe  ftel^enben  göUen 
bagegen  um  eine  red^tö^inbernbc  ©inrebe,  um  fold^e  3;i^atfad^en,  weld^e  bie 
entftel^ung  bcö  ©d^eibungsred^teö  in  bcr  5ßerfon  beö  Älägerö  non  oom^rein 
ausfd^liefecn.    ^wax  fäHt  aui)  in  btn  göDcn  ber  Äompenfation  bem  Älfigct 
ein  SSerfd&ulbcn  jur  Saft;  allein  in  biefen  gällcn  ftüfet  bie  Jltage  }id&  aus* 
fd^Iiefelid^  auf  baö  SSerfd^uIben  beö  SSeflagten,  nic^t  juglci^  auf  ein  eigencö 
S3erf(^ulben  beö  Älägcrö,    3n  ben  ^ier  in  SRebe  ftcFicnbcn  gäüen  grünbet  ba^ 
gegen  ber  Rläger  fein  SRed^t  auf  fot^e  ^anblungen  beö  SeMogten,  weld&e  bem 
Kläger  felbft  jum  SScrfd^ulben  gcrei^en.    SlBgemeinen  Orunbfäfcen  entfprid^t 
eö  aber,  bafe,  wer  an  einer  red^töwibrigen  §anblung  felbft  mitfd^ulbig  ift, 
barauö  niemafe  SRed^te  gegen  ben  anberen  S^^eitne^mer  l^erleiten  fann.    S)a}u 
fommt,  ba6  ber  betreff enbe   ©(legatte  burd&  feine  S^l^eilna^me  an  ben  im 
§  1441   2lbf.  1  bejeid^neten  §anblungen  ju  erfennen  gegeben  l^at,  bafe  bie 
Ie|teren  nid^t  geeignet  finb,  feine  el^eUd&e  ©cfmnung  ju  jcrftören  unb  i^m  bie 
gortfe^ung  ber  6^e  unerträglich  ju  mad^en.   5Der  ©tanbpuntt  beö  ®ntwurfcö, 
baö  baö  SRed^t  ber  ©c^eibung  auögefd)Ioffen  fein  foB,  wenn  ber  anbere  S^egatte 
fidd  ber  2^l^eilnal^me  an  ber  biefcö  SRcd^t  begrünbenben  ^anblung  fd^ulbig  gc* 
mad^t  ^at,  ftcl^t  audi  mit  bem  fanonifd^en  Siedete  unb  bem  gemeinen  pro« 
tcftantifc^en  e^ercd^te  im  eintlange  (nergl.  ©euffert  vn,  192,  XX,  41). 
®bcnfo  finbet  fit^  in  t)crfd^icbenen  neueren  ©efefegcbungen  bie  auöbrüdRid^ 
Seftimmung,  bafe  baö  Siedet  ber  ©d&eibung  wegfäDt,  wenn  bcr  eine  S^egatte 
bie  biefeö  9{ed^t  begrünbenbe  ^anblung  beö  anberen  ©Regatten  oeranlagt  ^e 
(nergt.  preufe.  31.  S.  31.  II,  1  §  719  unb  baju  ©efegret).,  ^enf.  XV  §  45 
nebft  SRotiücn  ©.  387  ff.;  altenb.  (g^eorbn.  §  200  lit  d;*  fäd^f.  ®.  83.  §  1718). 
2)er  Code  civil  enthält  in  ber  l^ier  fraglid&en  Siid^tung  jwar  feine  bcfonbcrc 
SBeftimmung;  bod^  lägt  bie  ^uriöprubenj  gegenüber  ber  ©d^eibungöflage  bie 
©inrebc  ju,  bafe  ber  Kläger  felbft  an  ber  bcr  Älagc  ju  ®runbe  Itegenben 
^anblung  ©d^ulb  gcwefcn  fei.    Db  unb  inwieweit  auc^  bie  uorgängige  3**- 
ftimmung  beö  einen  (Sl^egattcn  ju  bcr  baö  5Rc(^t  ber  ©d^eibung  on  jtd^  be* 
grünbenben  ^anblung  beö  anberen  ©Regatten  baö  9lec^t,  bie  ©d(^eibung  )u 
tjcrlangcn,  auöfd^Iiegt,  ift  gcmeinrcd^tlid^  beftritten  (»ergl.  ©euffert  VIII,  268, 
XX,   41,    XXVII,    139,    XXVIII,  34,    XLI,    191,    XLH,   215).      «u* 


@(^etbun0.    SeBenSnac^ftellung.    §  1442.  587 

Me  neueren  ©efeggebungcn  l^aben  bie  ^rage  ntd^t  audbrücfßd^  entfd^ieben. 
pr  bad  pteufe.  ä.  £.  SR.  l)at  baß  SRetd^ögerid^t  bic  gragc  verneint  (t)crgl. 
(Sru^ot  XXIX  ©.  917  ff.).  31«^  in  bicfem  galle  ntufe  inbcffen  bas  SRcd&t 
auf  Sc^eibung  ocrfogt  werben,  ^roav  fonn  bic  SScrfagung  nid^t  barauf 
geftü^t  werben,  bafe  in  golgc  ber  3wftitnmung  eine  re^töroibrige  SSerlefeung 
ber  el^elic^en  5PfItd^ten  nic^t  üorliegc ;  benn  auf  biefe  5ßPid^tcn  f ann  bei  bem 
jittlic^en  unb  offentlid&red^tlic^en  Äaralter  ber  (Si)z  von  ©citen  beö  anberen 
C^egatten  nid^t  oerjtd^tet  werben  (§  106).  ^Dagegen  red^tfertigt  ftd^  ber  9luö^ 
I41ug  ber  ©d^etbung  auc^  in  biefem  gaDe  burc^  bie  Erwägung,  bag  ber  ju 
ber  bctreffenben  ^anblung  feine  S^^fti^tmung  crt^eilenbe  Ehegatte  biefe 
^blung  fid^  }u  eigen  mac^t  unb  }u  erfennen  giebt,  bag  bie  93cgel^ung 
ber  J5<>nblung  feine  e(|elid^e  ©eftnnung  nid^t  afftjirt  unb  t^m  bie  @t|e 
nid^  unertrogüd^  ntad^t.  2)arauö  ergiebt  ftd^  jugleid^,  bafe  bie  S^iftitnmung 
^er  nid&t  einen  rec^tögcfd^äftlid^en  Äarafter  \)ai,  wie  bie  ©nwiUigung  im 
Sinne  bed  §  706,  fonbcm  bafe  cö  genügt,  wenn  ber  ©^egatte  fein  ©in* 
oerftfinbntg  mit  ber  fragUd^en  iganblung  in  trgenb  weld^er  9lrt  t^atfäd^Iid^ 
iu  erfennen  gegeben  \}ai,  m^  j.  S3.  aud^  bur^  bie  9lnftiftung  beß  Stritten 
Sffd^e^  iann. 

2)ogegen  wirb  —  was  gemeinred&tlid^  (t)ergl.  ©euffcrt  XX,  41,  XXIII, 
230,  XXXI,  239)  unb  im  ^inblicfe  auf  bie  gaffung  bcö  preufe.  31.  S.  91. 
n,  1  §  719  aud^  nad^  preu6.  SRed^te  nid)t  unbeftritten  ift  —  baö  JRec^t  auf 
Sd^ung  baburd^  ni^t  auögefd^Ioffen,  bafe  ber  Älfiger,  ol^nc  ju  ber  baö  SWed^t 
ber  Sc^ctbung  begrünbenben  ^anblung  feine  3i*ftintmung  gegeben  ober  fid& 
ber  2:^eiInol^me  an  berfelben  fd^ulbig  gemalt  ju  l^aben,  burd^  fein  eigenes 
re^tÄwibrigcö  ober  unftttUd^eö  JBerlialten,  j.  S.  burd^  böölid&e  SSerlaffung  ober 
buni^  Serroeigerung  ber  el^elid^en  ^flid&t,  bem  anberen  ©l^egatten  jur  Segel^ung 
bcfl  ©^rudjieö  ober  einer  bem  leftteren  glcid^geftellten  §anblung  ben  Slnfafe 
gegden  f)ai  (oergl.  au^  oltenb.  @I)eorbn.  §  199).  3luf  ein  berartigeö  SBcr* 
Wten  beö  Älögerö  fann  jjebod^  ber  Scflagte  geeignetenfaUß  eine  SBiber^ 
Rage  grünben. 

§  1442. 

3)te  SBeftimmung  beß  §  1442  entfprid^t  bem  gemeinen  proteftantift^en  ©Reibung 
C^e^tc  unb  ber  äRe^rjal^l  ber  neueren  ©efefegebungen  (oergt.  preufe.  21.  S.  SR.  sea^Snac^- 
U,  1  §  699;  nürnb.  ©H^eibungöorbn.  SRr.  25;  gotl^.  ©^egef.  §§  97,  102;    n*«"««- 
ttitenb.  ©I^eorbn.  §218;  fd^war jb.  f onberß^.  eH^cy>ungdgcf.  §  2  5Rr.  12;  franff. 
®ef.  §  15  SRr.  4;  fäd^f.  ®.  33.  §  1735 ;  code  civü  Slrt.  231 ;  bab.  fi.  SR.  ©afe  231 ; 
^.  ©ntw.  9lrt.  82).    2)ie  SSel^anblung  biefeß  ©d^eibungßgrunbeß  als  eincö 
abfotuten  rechtfertigt  fi^  burd^  bie  in  ber  Sebenßnad)fteUung  liegenbe  fc^were 
^letfung  beö  eFielid^cn  SSer^ältniffeö  (oergt.  bie  ©inleitung  oben  ©.  574). 
2)Qmit  ftimmen  aud^  bie  preug.  ©ntwürfe  über  bie  ©l)efd^eibung  überein. 

iJaö  got^.  @f)egef.  §  97  crfennt  audi  bann  ein  unbcbingtes  ©d^eibungö- 
Ttij/l  an,  wenn  ein  ©l^egatte  ben  SBerwanbten  beö  anberen  ©l^egattcn  in  auf^ 
unb  abfteigenber  Sinie  ober  ben  leiblid^en  ober  ^albgefd^wiftern  beö  legieren 
mäf  bem  Seben  trad^tet.    3n  gällen  biefer  3lrt  fommt  eö  inbcffen  immer  auf 


588  ©Reibung.    Sööltd&c  aSerlaffung.    §  1443. 

bic  fonfrctcn  Umftänbc  an,  um  bcurt^eilcn  ju  formen,  ob  bcm  bctrcffcnben 
©j^cgottcn  bic  ^ortfclung  bcr  ßl^c  nid^t  ferner  jugemut^et  werben  fantu 
9lid)tiger  tft  cd  ba^cr,  gällc  biefcr  9lrt  nur  bcm  ^rinjipe  bcß  §  1444  ju 
untcrftcUen. 

§  1443. 

s<^eibunß  SBöl^renb  nad^  fat^olifc^em  ilird|cnrcd&te  mcgen  böfilid^er  SSerlaffung  nur 

bM[u5?r  »er.  öuf  jeitmciltgc  2^rcnnung  oon  S^ifd^  unb  SSctt  erfannt  werben  lonn,  ift  von  bem 

laffung.    gemclncn  protcftantif(^cn  ®^crec^tc  unb  ben  meiften  neueren  ©efeßgcbungen  bie 

«eitenbe«  iö&lx(S)t  Sßcrlaffung  ote  abf olutcr  ©^eibungsgrunb  anerfannt ;  boc^  weichen  bic 

'**'^*'     cinjcinen  SRcd^tc,  namentlid^  f ot)iel  bic  SBoraußfegungen  biefcö  ©dbcibungögrunbcfi 

betrifft.  Dielfad)  t)on  einanbcr  ab,  unb  ift  oon  mand^cn  neueren  ©cfcfigebungcti 

biefc  aWatcric  in  fcljr  fafuiftifd^er  3Bcife  geregelt  (oergt.  prcufe.  21.  Ä.  SR.  II,  1 

§§  679  ff.  nebft  bem  preui  Sluöf.  @cf.  jur  ©.  5ß.  O.  o.  24.  3Rfiri  1879  §  5; 

got^.  et)cgcf.  §§  85  ff.;  altcnb.  (g^corbn.  §§  208  ff.;  f d&roar jb. f onberft^.  (S^e^ 

fd^eibungögef.  §  2  3lv.  b,  6,  §§  5,  9, 11  ocrb.  mit  bem  3ludf.  ©cf.  jur  ß.  %  0. 

0.  17.  aWai  1879  §  4;  franff.  @cf.  §  15  9lr.  2;  fäd^f.  ®. ».  §§  1731,  1732; 

roürttemb.  ®ef.  t).  8.  Sluguft  1875  3lrt.  7).    ®er  code  civil  gebeult  ber  boft^ 

liefen  3ScrIaf[ung  nid^t  als  cincö  felbftänbigcn  ©d&cibungdgrunbcö ;  bod&  wirb 

biefelbe  oon  bcr  Suriöprubenj  inforocit  als  ©d^eibungdgrunb  anerfannt,  ote 

fic  fid&  im  gegebenen  gallc  als  injure  grave  im  ©inne  bcö  code  civil  9lrt  231 

barftcUt  (ocrgl.  aud&  f)cff.  entro.  9lrt.  82  oerb.  mit  3lrt.  66  9Ibf.  2,  3).    Saft 

bab.  £.  SR.  ©a^  232  a  bcjcid&nct  auöbrüdlid^  breiiä^rigc  Sanbflüd^tigfcit  a(d  felfc 

ftänbigcn  ©d^eibungögrunb.    2)ie  prcufe.  (Sntroürfc  über  ß^cfd&cibungen  ^aben 

ebenfalls  ben  lanbrcd^tlid^cn  ©d^eibungsgrunb  n)cgcn  böslicher  93crlaffung  als 

abfolutcn  ©d^eibungsgrunb  beibehalten  unb  in  biefem  fünfte  bic  S^^ftimmung 

bcr  beiben  i^äufer  bes  Sanbtagcs  gcfunbcn. 

S)as  gemeine  proteftantifd^c  ®l)ercd)t  unterfc^eibet  bei  ber  böslichen  9Jer« 
laffung  jmifd^cn  foldfien  fallen,  in  mcld&cn  ber  Slufentf^alt  beS  abtrünnigen 
(Sl)cgattcn  unbefannt  ober  bem  rid^tertid^cn  9lrme  uncrrcid^bar,  unb  folgen 
gällen,  in  TOcld&cn  bcrfclbc  befannt  unb  bem  rid^tcrlic^cn  Sfrmc  crreidbbar  ift. 
3n  ben  ^J^ällen  ber  Ic^tcren  9lrt  (ber  fog.  Quaftbcfcrtion)  ift  bie  ©c^cibung 
rocgen  böslid^er  Sßcrlaffung  nur  bann  julöffig,  wenn  bic  nad^  oorgängiger  SSer« 
urtbcihing  bes  ©Regatten,  rocld&cr  ben  anberen  böölid^  oerlaffen  bat,  jur  ^er« 
ftcUung  bes  cf)clidf|en  ScbenS  angeorbnetcn  3n)angsmittcl  fid^  als  erfolglos  erroiefen 
Öaben  (ocrgl.  ©euffert  III,  67,  XIU,  262,  36,  XXXni,  136,  XXXV,  295). 
9luf  bem  S3obcn  bcs  gemeinen  protcftantifcben  ©l^cred^teS  ftc^en  in  biefcr  ^tnfi(^t 
bie  altcnb.  ©öeorbn.  §§  208  ff.,  bas  föd&f.  ®.  S3.  §  1731  (ocrgl.  baju  Seuffert 
Ul,  67),  bas  gott).  e^cgef.  §§  101, 109  unb  für  bas  3lusf.  ®cf.  jur  6.  %  D.  für 
5Reu6  ä.  2.  o.  3.  SRai  1879  §  13.  3la6)  §  16  Sßr.  6  beS  ©inf.  ®ef.  jur  beutf(^cn 
6.  ^.  D.  finb  bie  SSorfd^riftcn  bcS  bürgerlid&cn  SHcd^tcS  über  bic  als  Sßorbcbingung 
einer  ®f}cfd&cibung  anjuorbnenben  Sw^öngsmafercgcln  burd^  bic  Seftimmungcn 
bcr  ®.  %  D.  unbcrül)rt  geblieben. 

Slnbcrc  neuere  ®cfc6gebungcn  liabcn  bagegen  aud)  in  folgen  ^^äOcn,  in 
meldten  bcr  9(ufent^alt  beS  abtrünnigen  ©Regatten  befannt  unb  bem  ric^terlid^ 
9lrme  errci^bar  ift,  bic  oorgöngige  3lnroenbung  oon  3wangsma6rcgcln  auft* 


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©(Reibung.    Sööli(j6e  Serlafjunö.    §  1443.  589 

gef^toffcn  «nb  ftd^  bamit  begnügt,  ju  bcftimmen,  bafe  gegen  ben  abtrünnigen 
glatten  vov  ©rfiebung  ber  ©d^eibungöftage  gerid^tli^c  9lü(ffe^rbefef)Ic  erroirtt 
imben  müRen.  3^^  "S^iftil  fd^reiben  fte  baneben  außbrürflid)  t)or,  bafe  bie 
böd(ü|e  SSerlafjung  nic^t  \ä)on  bed^olb  als  feftftel^enb  angenommen  n)erben 
Wirfe,  weil  ber  crlaffene  Sefe^I  nid^t  befolgt  [ei  (oergl.  preufe.  91.  S.  91.  II,  1 
§§  679  ff.  unb  preufe.  ®ef.  für  bie  ^ßrooinj  ^annooer  o.  1.  SRörj  1869 
§§  31—35  nebft  bcm  preufe.  9lufif.  ®ef.  jur  (£.  %  D.  o.  24.  aKärj  1879  §  5; 
f^ioorjb.fonberd^.  6^efd|eibungögef.  §  2  5Ur.  5,  6,  §§  5,  9  oerb.  mit  bem 
»ufif.  ®ef.  jur  g.  5ß.  D.  v.  17.  aßai  1879  §  4;  bat)r.  Sluöf.  ®ef.  jur  ©.  ?ß.  D. 
0. 23.  gebruor  1879  Slrt.  89—92  für  bie  Sanbeöttieile  red&ts  beö  $Rt)cinö,  anmalt. 
Stufif.  ®ef.  jur  e.  5ß.  D.  o.  10.  SWai  1879  §  4 ;  üergl.  au(^  ©inf.  ®ef.  jur 
6.  ?.  D.  §  16  5«r.  6,  8). 

einen  aWittetmeg  ^at  baö  mürttemb.  ®ef.  o.  8.  3luguft  1875  9lrt.  7  ein* 
gcfd^Iogen,  inbem  baöfelbe  beftimmt,  bag,  wenn  ein  e^egatte  minbeftend  ein 
3al|r  lang  nac^  eingetretener  SRed^tsfraft  beß  Urt^eileö,  meld^ed  il^n  jur  ^er* 
fteüung  beö  e^elid&en  Sebenö  uenirti^eilt,  bie  eficlic^e  ®emeinfd^aft  oermeigert 
^t,  ber  anbere  ©l^egatte  bie  ©d^eibung  wegen  Quaftbefertion  oerlangcn  fann. 
3n  ä^nlid^er  SBeifc  l^at  ber  fieff.  ©ntro.  ärt.  82,  66  2lbf.  2,  3  bie  Sd^eibung 
wegen  jQuafibefertton  geregelt. 

2)ic  ®rünbe,  roeldbe  ben  ©ntrourf  beftimmt  l^aben,  im  ©inflange  mit  bem  etanbpunft 
geltenben  Siebte  bie  böölic^e  33crlaffung  ate  abfoluten  ©d^cibungögrunb  ju  (j„troutfe«. 
6e§anbcln,  ftnb  bereit»  in  ber  Einleitung  oben  ©.  574  bargelegt.  SBie 
au«  §  1443  3lbf.  2,  3  mit  genügenber  3)eutlid^feit  erl^elU,  foU  jebo^  nid^t 
jebe  oud  böfem  äßiUen  l^eroorgegangene  93er(e|ung  ber  burd)  bie  e^e[id)e  ®e* 
meinfd^ft  begrünbeten  ^flid^ten  ben  abfoluten  ©d^eibungßgrunb  ber  bößU^en 
SJerloffung  begrünben,  fonbern  nur  baö  eigenmöd^tige  unb  böölid^er  3Beifc  er* 
folgte  aiufgeben  ber  ^äußtid^en  ®emeinfd^aft.  (Sine  fonftige  aSerleftung  ber 
au«  ber  e^elid&en  ®emeinfd^aft  fid&  ergebenben  ^flid^ten,  inöbefonbcre  bie 
Senoeigerung  ber  Seiftung  ber  el^elid^cn  ^flid^t  (oergl.  bie  ©inleitung  oben 
S.  577),  foB  ber  Seurt^eilung  nad^  SRaggabe  beö  §  1444  unterftellt  roerben. 

Änlongenb  bie  SSoraußfegungen  ber  ©d^eibung  megen  Quaftbefertion,  c^uafi-- 
fo  fyii  ber  (gntrourf  pd&  infofem  bem  gemeinen  proteftantifd&en  ©^ered^te  unb  ^*^*^*®"* 
öen  auf  bem  33oben  beß  legteren  fte^enben  SHed^ten  angefd^loffen,  alß  er  in 
biefem  gaDe  bie  ©d^eibung  oon  ber  oorgängigen  red^tßfröftigen  Süerurtl^eilung 
beß  renitenten  @l^egatten  jur  ^erfteUung  ber  l^äußlid^en  ®emeinfd^aft  abl^ängig 
mo^L  äbroeid&enb  üon  biefen  Siebten,  aber  in  Uebereinftimmung  mit  bem 
imtrttemb.  ®ef.  o.  8.  Sluguft  1875  SSrt.  7,  ift  iebod;  in  Äonfequcnj  ber  Se* 
ftimmung  beß  §  774  3Ibf.  2  ber  6. 5ß.  D.  (nad^  ber  in  ber  3lnmerfung  ju  §  1276 
mitget^eilten  neuen  tjaffung)  bie  Slnwenbung  von  SToangßmaferegetn  jur  ®r* 
jwingung  ber  ^erftellung  ber  l^äußlid^en  ®emeinfd&aft  alß  SSorbcbingung  ber 
S^ieibung  außgefd^loffen.  S^rofebem  ift  baß  ©rforbernife  ber  oorgängigen  aScr^ 
urti^Uung  jur  ^erfteUung  ber  ^dußUd^en  ®emeinfd^aft  nid^t  ol^ne  praftifd)en 
Sert^.  2)ie  Sebeutung  beß  ber  ©^eibungßflage  ooraußgel^enben  fontra* 
biltorif^en  SBerfaljrenß  unb  ber  SBorjug  beö  Icfeteren  oor  ben  auf  einfcitigen 
Sntrog  ju  erloffenben  SRücffel^rbefe^len  beftelit  barin,  bafe  in  jenem  93crfa{)ren 
feftgefteDt  wirb,  ob  bie  ®rünbe,  auß  roeld^en  ber  anbere  (Sfiegattc  fid^  ber 


590  ©cfccibung.    Sörtid&e  aSerlaffunfl.    §  1443. 

^crftcüung  bei*  ^äuölic^cn  Octncinfdiaft  roibcrfefet,  gcred^tfertigt  finb  ober  nWJt, 
unb  bafe  ber  Scflagtc  im  gallc  feiner  SBerurt^eilung  fid^  bcr  SBiberred^tHd^Wt 
feiner  fortgefegten  SBeigerung  berougt  wirb,  ^[lö  ©rfaft  ber  Swongömofercgeln, 
bercn  njefentlid^cr  3^^^  ^^^in  gel^t,  bie  ^artnödigfeit  beö  red^töroibrigtn 
SCßiBcnö  beö  beflagten  S^lieileö  außer  S^^if^I  i^  f^fe^^/  ^i^«t  bie  weitere  im 
§  1443  Slbf.  2  aufgefteUte  SSorauöfegung,  bafe  bcr  onbcre  (g^egattc  bem  red&te^ 
fräftigcn  Urtl^eile  ein  3a^r  lang  roibcr  ben  SBiUen  beö  bie  ©d^eibung  oer^ 
langenben  ©Regatten  bößlid&er  SBeife  nid^t  golge  geleiftet  })at  (üergl.  fäd^.  @.  9. 
§  1731;  roürttemb.  ®ef.  x>.  8.  Sluguft  1875  Sttrt.  7).  S)urc^  biefe  ärt  ber 
Siegelung  in  SBerbinbung  mit  ben  SJorfd^riften  ber  §§  570—573,  577,  580, 
581,  259,  437  ber  6. 5ß.  D.  mirb  ber  ©efal^r,  ba%  ber  ©^eibungögmnb  wegen 
jQuafibefertion  Don  ben  G^egatten  bcnufet  wirb,  um  auf  biefcm  SGBegc  bie 
©d^eibung  auf  Onmb  gegenfeitiger  ©inmilligung  l^erbeijufül^ren,  in  TOirffomer 
SBeife  entgegengetreten.  3"*^^"^  ^^^  §  1443  9lbf.  2  betont,  bafe  bie  Sd^eibung 
nur  juläffig  ift,  wenn  ber  oerflagte  ©begatte  roiber  ben  SBiUen  beö  flagenben 
G^egatten  bem  Urtl^eile  mä^renb  ber  ganjen  grift  feine  golge  gcleiftct  ^t, 
mirb  ber  SRid^tcr  barauf  t)ingen)iefen,  bafe  er  bie  ©d^eibung  auö  bem  ^ier 
fraglid^en  ©runbe  nur  bann  auöfprcd^en  barf,  wenn  er  bie  Ueberjcugung  ge^ 
roonnen  f)at,  bafe  baö  9lufgeben  bcr  l^äuölid&cn  ©emeinfd&aft  oon  ©citen  beö 
Seftagten  nid^t  auf  einem  ßinocrftänbniffe  ber  ©fiegatten  beruht.  2)ur(^  boö 
roeitere  ©rforbernife,  bafe  ber  S3eHagte  bem  Urtl)eile  roä^renb  ber  ganjen  grift 
boölidjer  SBcife  feine  golge  geleiftet  f|at,  mirb  im  Slnft^luffe  an  bie  in  ber 
SBiffenfd^aft  unb  ^rajiö,  mie  in  btn  ©efeggebungen  hergebrachten  atuöbnwlÄ* 
roeife  baö  SBefen  beö  ^ier  fraglid^en  ©d^eibungögrunbeö,  nömlid^  bie  auö 
böfem  SBiDen  l^eroorgegangene  3cn*^i6w"9  ^^^  f)fiuölid^en  ©cmeinfd^aft,  in 
ft^arfer  SBeife  gefennjeid^net.  3)cn  Segriff  ber  boölidjcn  ^anblungöroeife  im 
©efeftc  naiver  ju  beftimmen,  ift  im  ^inblidfe  barauf,  ba&  biefer  Segriff  feit 
langer  ^txt  in  bcr  2Bif[cnfd^aft  unb  5ßrayiö,  mie  in  ber  ©efefigebung  ein* 
gebürgert  ift,  nid&t  erforberlid^  (oergl.  ©ntfc^.  b.  SR.  ©.  in  ßioilf.  XV,  43; 
Urt^.  b.  dt.  ©.  bei  ©ru^ot  XXX  ©.  851  ff.,  ©euffert  XLH,  35,  303). 
^nöbefonbere  fann  eö  einem  3^^if^I  ^^^^  unterliegen,  bag  oon  einer  bbüidim 
^anblungöroeife  beö  jur  ^erftcBung  beö  e^elid^en  Sebcnö  terurt^citten  6^ 
gatten  nidfit  bie  Siebe  fein  fann,  votnn  naä)  bem  Urt(|cilc  mä^renb  bcr  §rijl 
fold^e  neue  S^l^atfad^en  entfte^en,  meldte  and)  ot)ne  rid^terlic^e  ©eftattung  baö 
fernere  ©etrenntleben  red^tfertigen  (oergl.  §§  1272,  1273)  ober  toenn  bcr 
oerurtticilte  (S^egatte  aud^  nur  in  bem  guten  ©lauben  mar,  bag  nad^  bem 
Urt^eile  roölirenb  ber  grift  ein  neuer  baö  Slufgcbcn  ber  ^äuölic^cn  ©emein* 
fdtiaft  red^tfertigenber  ©runb  eingetreten  fei  (oergl.  ©euffert  XVI,  54,  XXI, 
239,  XXXIII,  137,  XLII,  303;  (gntf^.  b.  SR.  ©.  in  ßioilf.  XV,  40, 
XVII,  50,  97,  XVIII,  46  S.  227  ff.;  Urt^.  b.  SR.  ©.  bei  ©ruc^ot  XXX 
©.  851  ff.). 

3)ic  im  preufe.  31.  2.  SR.  II,  1  §  687  unb  einjelnen  anbcrcn  neueren 
©cfe^gebungen  (gotl).  ©licgef.  §  93;  fd^ioai^b.fonberöl^.  ©^efc^cibungögef.  §  2 
SRr.  6)  fid^  finbenbe,  an  eine  ältere  gemeinred^tlid^e  S^^eorie  (oergl.  Sntfd^.  b. 
SR.  ©.  in  6ioilf.  XVIII,  46  ©.  231)  fid^  anfd^liefeenbe  »eftimmung,  baft,  wenn 
bie  S^efrau  ftd^  eigenmöd^tig  unb  o^ne  red^tmägigen  ©runb  oon  bem  (^ 


©d&cibunß.    Sö0lid&e  »erlajfunö.    §  1443.  591 

mttiine  getrennt  l^at,  bcr  lefetere  bicfclbe  nid^t  e^cr  roicber  aufiuncl^men  braud^t, 
ate  bi«  fte  i^ren  injwif^en  gefül^rtcn  unbefc^oltenen  Sebenöroanbcl  burd^  glaub:^ 
Softe  3^Bwiff^  nad^gcroiefen  ^at,  ift  im  ©inflangc  mit  bcn  von  ben  beiben 
§&ifem  beö  preufe.  Sanbtagcö  in  biefem  fünfte  gebilligten  preufe.  ©ntroürfen 
ni^t  aufgenommen,  ©ie  fül^rt,  wenn  bie  ©l^efrau  Jenen  SRad^meiö  nid^t  ju 
führen  t)ermQg,  entroeber  ju  einer  ©d^eibung  wegen  blofeen  SSerbad^teö  ber 
Untreue  ober  gegen  ben  SBillen  ber  Ehefrau  ju  einer  baucmben  faftifd^en  3luf^ 
Öclrnng  ber  ^äuätid^en  ©emeinfd^aft  unb  fann  für  bie  unfd^ulbige  ß^efrau 
eine  grofte  ^ärte  mit  fid^  bringen.  SSuf  ber  anberen  ©eite  gemährt  fie  ben 
e^egotten  ein  bequemes  5Kittel  ber  ÄoIIufion. 

^aif  bcr  in  ber  gcmeinred^tlid^en  S)oftrin  unb  ^rajiö  tjorroiegenb  vct^  ^eiftenung 
tretenen  Slnfid^t  feftt  bie  ©d^eibung  megen  böslicher  SSerlaffung  nic^t  nur  dop  @cme!l"itt^ 
ouö,  bofe  ber  oerHogtc  ß^egattc  bie  ^öuöUd^e  ©emeinfd^aft  miber  ben  SBiBen  ^«r  ^'em 
bffi  anberen  ©Regatten  böölid^er  Söeife  aufgegeben  l^at,  fonbern  cö  ift  weiter  ^^'^*^**^^' 
erforberlid^,  bafe  berfelbe  nod&  roä^renb  beö  ©d^cibungöoerfaljrenä  bei  feiner 
ffleigerung,  bie  Wußlid^e  ©emeinfd^aft  l)erjufteBcn,  bel^arrt.  S)ie  ©d^eibungß* 
Hogc  roegen  boöUdöcr  SJerlaffung  erlebigt  ftd^  ba^er,  rocnn  ber  oerflagte  (^i)c^ 
gatte  oor  bem  Urtl^eile  bie  l^auölid^c  (Semeinfd^aft  ^crfteDt  ober  —  was  iebodt) 
oon  Kanten  ni^t  ate  auörcid&enb  crod^tet  mirb  —  bie  l^äuölid^e  ©cmcinfd^aft 
^aufteilen  emftlidö  ftc^  erbietet  (oergf.  ©euffert  III,  67,  XIII,  36,  XXXin, 
136).  auf  bemfelben  »oben  fte^t  baö  fäc^f.  ®.  93.  §  1732.  5Dicfe  3lrt  ber 
Siegelung  I)ängt  mit  ber  Sluffaffung  jufammen,  bafe  baö  abfolute  Siedet  ber 
Stjeibung  wegen  böölid^er  SSerlaffung  nid^t,  wie  bieö  bei  ben  anberen  ©d^eibungö- 
grünben  bcr  gall  ift,  lebiglid^  auf  ein  in  ber  SBcrgangcnl^eit  liegenbeö  SSer^ 
fi^lben  beö  anberen  ©l^egatten,  fonbern  auf  bie  gegenwärtig  nod^  fortbauernbe 
eigenmö^tigc  unb  boölid&e  S^^^ifewng  ber  puölid^en  ©emeinfd^aft  fid&  grünbet 
unb  nur  ate  6rfa|  ber  mangeinbcn  ©rjwingbarfeit  ber  ^erftcUung  ber  l^äuÄs= 
ütjen  ©cmcinfd^oft  anjufcl^en  ift.  Dagegen  liegt  bem  preufe.  31.  S.  %  bie  auc^ 
^  franj.  Sutiöprubcnj  (t)crgl.  oben  ©.  588)  nol)eftel|enbe  Sluffaffung  ju 
©tunbc,  bafe,  wenn  ein  ©begatte  ben  anberen  ©Regatten  böölid^  ücrlaffen  unb 
bem  Äucffc^rbefcl^lc  feine  golge  geleiftet  liat,  burd^  baö  in  bcr  58ergangen^eit 
licgenbe  fd^ulbDoDe  SSer^alten  bedfelben  bie  G^e  wie  burd)  @^ebrud^  ald  ge« 
brod^en  ansufcl^cn  unb  ein  wohlerworbenes  Siedet  beö  anberen  ©tiegatten  auf 
Sdjeibung  begrünbet  worben  ift,  welches  jwar  burd^  SBerjeil^ung  beö  legieren, 
nüjt  aber  baburd^  befeitigt  werben  fann,  bafe  ber  uerftagte  ©Ijegatte  nod^  t)or 
kern  Urt^cUe  jurüdEtelirt  unb,  wenn  aud^  in  emftlid^cr  3lbfic^t,  jur  ^ortfeftung 
btr  ^Äuölid^en  ©emeinfd&aft  pd^  bereit  ertlärt  (oergl.  Urt^.  b.  3?.  ®.  bei 
©tud^ot  XXIV  ©.  495).  2)er  Entwurf  l)at  fid^,  wie  bie  gaifung  beö  §  1443 
Sbf.  2  ergiebt,  bcr  Icgteren  3luffaffung  angcfd^loffcn.  gür  bie  erfterc  9luf^ 
föifung  löfet  ftd&  aUerbingö  baö  ^ntercffe  tl)unlid^fter  Slufrcd^terliattung  ber 
G^,  fowic  bcr  ©cfic^töpunft  geltcnb  ma^en,  bafe  nad&  bem  SBegfallc  beö 
3»öngdwrfal)renÄ  bcr  93eweiö  ber  ^artnädEigfeit  beö  böfen  SBiUcnö  beö 
renitenten  ©Regatten  burd&  baö  ber  ©d^eibung  üorbcrgel)enbe  SSerfa^ren  nid^t 
w«|r  in  fo  fidlerer  SGBeife  erbrad^t,  aufecrbem  bem  oerflagten  ©begatten  burd& 
bie  äSöglid^feit,  boö  SRcd^t  beö  flagcnben  ©begatten  burd^  ernftlidb  gemeinte 
8ortfe|ung  bcr  j^äuölld^cn  (Semcinfdbaft  ju  befeitigen,  ein  SRittel  gewäl)rt  werbe. 


592  Scfietbung.    33ö«i$e  SJerlaffung.    §  1443. 

xi)n  bcß  oft  fd^iüicrigcn  33en)cifc9  feiner  ©ntfd&ulbigungögrünbe  ju  überleben,  auf 
ber  anbeten  ©eite  fommt  aber  in  33etrad^t,  ba^  ber  ©tanbpuntt  bcß  gemeinen 
proteftantifd&en  ß^ered^teö  unb  beö  ffi(|f.  ®.  S3.,  nad)  rocld^em  ber  ©d^eibungg^ 
proje§  TOegen  böölid^er  SBerlaffung,  nfil^er  betrachtet,  ftd^  nur  ate  eine  gortfe^ung 
beä  ^rojeffeö  roegen  J^erftettung  ber  l|äuöli(|en  ©emeinfd^aft  barftcllt  unb  bei  bem 
flagenben  ©Regatten  nur  ein  cüentueUer  ©ddeibungöroiDc  t)orauögefc|t  wirb,  mit 
bm  gegenroärtigen  Slnfd^auungen  beä  praftifd&en  Sebenö  unb  ber  gegenroärtigen 
Oeftaltung  beä  in  feften  formen  unb  Slbfc^nitten  pdd  beroegenben  ^rojefe^ 
Derfal^renö  nic^t  im  (Sinflange  fielet  unb  inöbefonbere  beö^alb  ju  praftif^en 
©d^mierigfeiten  unb  Unjuträglid(|feiten,  foroie  ju  einer  33eeinträ(|tigung  bcft 
SRed^teö  beä  Hagenben  ©l^egatten  fül^rt,  meit  ber  9Kd(|ter  mit  ©id^erl^cit  nie  feft- 
juftetten  üermag,  ob  bie  erft  legt  erfolgenben  ©d^ritte  beö  Derflagten  ©Regatten 
jum  3w)edEe  ber  ^erfteUung  ber  l^äuölid^en  ©emeinfd^aft  in  ber  2:f|at  emftlic^ 
gemeint  finb.  S^bem  barf,  menn  bie  SJoraußfefeungen  beö  §  1443  3lbf.  2  erfüüt 
pnb,  mit  Siedet  angenommen  werben,  ba§  baß  SBertrauen  beß  flagenben  6^e* 
gatten  auf  eine  bem  SBefen  ber  ®^e  entfpred(ienbe  gortfefcung  ber  ©^e  mit  bem 
anberen  SCfieile  in  fo  l^ofiem  aWafee  erfd^üttert  ift,  bag  il^m  bie  gortfcgung  ber 
@^e  mit  bemfelben  nid^t  mel^r  jugemutl^et  merben  fann.  ©oHtc  aber  in  golge 
beß  ©rbietenß  beß  oerHagten  ©Regatten  jur  gortfefeung  ber  l^äußlid^en  Oemein- 
fd^aft  ber  SRic^ter  nad^  Sage  ber  ©ad^e  bie  Sttußfö^nung  ber  Parteien  für 
nid(|t  unmal^rfd^einlid^  eradjten,  fo  fann  er  nadfi  §  580  ber  S.  5ß.  O.  von  ämtS- 
megen  junäd^ft  bie  S[ußfe|ung  beß  SBerfal^renß  anorbnen. 
«igentai^e  ©er  §  1443  9fbf.  3  be|anbelt  ben  gall  ber  eigentlid^en  S)cfertion,  b.  ^. 

ben  gatt,  in  meld^em  ber  5lufentl^a(t  beß  entmid^enen  ©l^egatten  unbefannt 
ober  unerreid^bar  ift  unb  beß^atb  ber  (e|tere  nur  burd^  offentlicbe  SwP^Dw^S 
(§  186  ber  6.  ^.  D.)  gelaben  werben  fann.  3^  Uebereinftimmung  mit  bem 
geltenben  SRed^te  ift  in  biefem  gaDe  eine  Dorgängige  SSerurt^etlung  bcß  enl* 
mid^enen  ©l^egatten  jur  J^erfteDung  ber  ^äußlid^en  OemeinfdJiaft  nid^t  crforberli^ 
2)urd^  baß  ©rforbemife  einer  fotd^en  SSerurtl^eilung  mürbe  l^icr  in  Dielen  gfiflen 
bie  ©ad^e  ol^ne  5Rotl)  uerjögert  merben,  ba  bei  ber  Ungeroifel^eit,  ob  bem 
Dcrurtl^eUten  ©Regatten  baß  Urt^eil  mirflid^  befannt  gemorbcn  ift,  ber  3"^^ 
jeneß  ©rforberniffeß,  außer  SwJeifet  ju  fe|en,  ba^  bie  gortbauer  ber  S^rcnnung 
auf  bem  böfen  SBillen  ieneß  ©Regatten  beruht,  nid^t  erreid^t  merben  fann,  3n 
bem  ^ier  in  SRebe  ftel^enben  galle  mufe  eß  Dielme^r  genügen,  rotnn  in  bem 
6l[iefd^eibungßprojeffe  ber  SRac^roeiß  geführt  mirb,  ba§  ber  beflagte  (S^cgattc  in 
ber  9lbfid^t,  ben  anberen  ©Regatten  bößtid^er  SQäeife  ju  t)erf äffen,  mibcr  beffen 
aSillen  bie  f)äußlid)e  ©emeinfd^aft  aufgegeben  ober  l^erjuftellen  unterloffen  ^at 
unb  Don  biefer  ^dt  an  foroie  feit  bem  ©intritte  ber  SSoraußfe^ungen  ber 
öffentlidien  SufteUung  minbeftenß  ein  3al^r  Dcrftrid^en  ift.  ®aß  bem  geltenben 
SRedite  entfpred^enbe  ©rforbemife,  baß  ber  3^*^^^^  ^^^  Stbroefen^cit  beß  ent? 
roid^enen  ©f)egatten  in  unbefannter  ober  unerreid^barer  ^mc  roäl^renb  ber 
gangen  grift  gebauert  ^aben  muß,  ba^  mithin  bie  SSoraußfefeungen  ber  offcnt* 
lidden  3uftettung  nid^t  nur  jur  3cit  ber  ©rl^ebung  ber  ©döeibungßHQgc  be^ 
grünbet,  fonberu  n)äl)renb  ber  ganjen  35auer  ber  grift  uor^anbcn  gemcfen  fein 
muffen  (oergl.  preug.  21.  !2.  SR.  II,  1  §§  688  ff. ;  got§.  ©^egef.  §§  85-^7, 
192,  193;  fd^roarjb.  f onberßf}.  ©fiefd^eibungßgef.  §  2  5iRr.  7,  §  11)  madft  e« 


2)efertion. 


2$cibu«ö.     Sfrennuno  l\  %i\ii  u.  Sctt.   Clausula  generalis.  §  1444.       593' 

fancr  entbehrlich,  l^icr,  wie  in  bcm  goUc  bcö  §  1443  3lbf.  2,  audfi  bcn  9iad^s 

lociö  ju  verlangen,  bafe  bie  Slbftdjt  ber  boöUd^cn  SBerlaffung  roäl^renb  bcr 

gonsengrift  fortgcboucrt  ^abc;  ein  folddcr  3laä)roc\&  fann  l^ict  um  fo  weniger 

oerlongi  werben,  als  bic  naäf  bcr  ©ntroeid&ting  in  ber  ^erfon  bcö  entwid^enen 

%gottcn  eingetretenen  SBerl^ältniffc   fic^    regelmäßig    überhaupt   mi)i    cr^ 

mittein  lojfen.    2)ie  geftfefenng  bcr  grift  auf  bic  2)auer  eines  3al^rcö  ftel^t 

mit  ber  SKe^rja^l  ber  bcftefienbcu  Siedete  im  Sinf lange  (oergl.  preufe.  31. 2.  di.  II,  1 

§§  690,  693;  preufe.  ©ef.  fiir  bic  ^rooinj  ^annoücr  v.  1.  äßärj  1869 

§33;  f<^njarjb.fonberö^.  eM^cibungögcf.  §  11;  fäd^f.  ®.  S3.  §  1731;  anmalt. 

9u§f.@ef.  r>.  10.  aWoi  1879  §4;  uergl.  aud^  baDr.  ®cf.  ü.  23.gebruar  1879 

pr  Sltisffi^rung  ber  ß.  ^.  D.  für  bie  2anbedtl)eilc  redfitö  bcö  9t^cinö  2lrt.  90). 

!Eo  bcr  ®runb,  aus  wcld&em  bcr  @ntn)urf  in  bcm  gaDc  bed  §  1443 

Sbf.  3  oon  bem  ßrforbemiffe  bcr  oorgängigen  SBerurt^eilung  beö  cntroiddcncn 

e^egattcn  jur  ^erfteUung  ber  f)äuöli^en  ©emeinfd^aft  abfielt,  mcfentlid^  in 

ber  Ungeroife^cit  liegt,  ob  baö  Urt^cil  bem  ucrurt^eiltcn  ©Regatten  überhaupt 

befonnt  werben  wirb,  anbererfeitö  aber  bie  uorgängige  SSerurtl^eilung  jur  ^er^^ 

ftcDung  bcr  ^äufllid^en  ®emeinfd}aft  eine  größere  ©arantic  gcmö^rt,  boß  bic 

S^cibung  rocgen  boölid^cr  SBerlaffung  nur  bann  erfolgt,  mcnn  bic  SJorauä* 

fcfungcn  ber  Ic^tcrcn  in  92Btrflid&fcit  oor^anbcn  finb,  fo  empfiehlt  cö  fid),  im 

8nf(^Iujfc  an  eine  öljnlidde  93eftimmung  bcö  prcufe.  ©efefecö  für  bic  ^roüinj 

^nnooer  o.  1.  a»ärj  1869  §  33  (Dcrgl.  aud^  §  69  bcr  burd^  baö  preug, 

*usf.®ef.  jur  6.  ^.  O.  ü.  21. 2»ärj  1879  §  5  aufgehobenen  preuß.  SBcrorbn. 

p.  28.  3um  1844)  bic  ©djcibung  im  gatle  bcö  §  1443  äbf.  3  für  unäulöffig 

äu  erflären,  roenn  in  bcr  crften  Stiftanj  ober  in  ber  Scrufungöinftanj  jur  3cit 

!>nr  münblic^en  SSerlianblung,  auf  weld^c  baö  Urtl^eil  ju  crlaffcn  ift,  bie  SBor* 

fliöfejungen  ber  öffentlid&en  3wftcllung  nid^t  mcl;r  uorliegcn  (§  1443  3lbf.  3 

Söt  2).    Um  iebod^  eine  aSeroielföltigung  bcr  ßl)cprojcffc  ju  ucrmeibcn,  bc? 

nimnit  bcr  §  1443  3lbf.  3  Sag  3,  ba^  ber  ÄWger  in  einem  fold(|cn  gallc, 

odne  bQ%  eö  bcr  ©r^cbung  einer  neuen  ftlagc  bebarf,  bie  SBerurtl^cilung  bcö 

Sctlogtcn  jur  öcrftcUung  ber  ][|äuölid|)en  ®emcinfd^aft  beantragen  fann.    3m 

^inWirfc  ouf  bie  Streitfragen,  weld&c  über  bic  j^ragiocite  bcö  §  574  Slbf.  1 

ber  6.  $.  0.  in  ber  9li4itung  beftcl^en,  ob  unb  inioieioeit  ber  lc|terc  nid^t  nur 

Wc  ©cüenbmad&ung  neuer  Älaggrflnbe,  fonbern  aud^  bic  Slcnbcrung  bcö  ftlag* 

ontrageö  geftQttct  unb  ob  bcrfclbe  auc^  für  bic  Senifungöinftanj  gilt  (oergl. 

borfibcr  entfc^.  b.  %  ®.  in  ßiüilf.  VIII,  98,  XI,  83,  XV,  68;  ©cuffert 

XXXVII,  274,  275,  XXXVIII,  364,  XLI,  152),    ift  cö  alö  not^roenbig  er^ 

fl<6tet,  jene  SSeftimmung  auöbrücflicf)  aufjunel^men. 


§  1444. 

Xk  ®rünbc,  weld^c  bm  ©ntmurf  beftimmt  Ijabcn,  abgefcl^cn  von  bcn    sttmw 
?äncn  bcr  §§  1441—1443,  Jiur  relative  Sd&eibungögrünbc  anjuerfcnncn  xinb  ^^S*' 
We  le^tercn  md(|t  einjeln  ju  bcjcid^ncn,  fonbern  auf  ein  gemeinfamcö  5ßrinjip 
iurnt^ufü^en,  finb  bereitö  in  bcr  ©inleitung  oben  S.  572  ff.  bargclcgt;  ba^ 
gegen  ift  bort  bie  SRcc^tfcrtiguug  bcö  im  §  1444  jum  äluöbrudc  gelangten 
ISrinjipeö  feinem  näheren  S^^alte  nad^  bcn  3)lotiücn  ju  §  1444  uorbelialtcn. 

1.  Mx^erl.  Oefcibud^.  IV.  38 


594       Sicibung.     ^Ireitnung  t).  3:ifd&  u.  Sett.    Clausula,  generalis.  §  1444. 

qjrinstp.  S)a  bcr  ©ficbrud)  alß  abfolutcr  tmb  tüid^tigfter  Oninb  bcr  ©d^eibung 

bcjw.  ber  beftänbigcn  2::renitung  t)on  Xx^ä)  tmb  Sctt  üon  allen  Siedeten  unb 
bic  bodüd^e  ^crlaffung  n)emgftcnd  von  bcr  großen  SRel^rial^l  bcr  Sted^te  ob 
abfolutcr  ©d^cibimgßgrunb  ancrfannt  ift,  fo  liegt  cö  nabe,  nad)  bem  SSorgonge 
bcö  gemeinen  protcftantifd^en  ©bcrcd^tcö  von  biefen  ©d^cibungögrünbcn  bcn 
3luögangöpuntt  ju  nebmcn,  bcn  biefen  Sd^eibungögrünbcn  ju  ©runbc  liegenbcn 
(Scbanfcn  auf  ein  gcmcinfamcö  ^ßrinjip  jurüdfjufübrcn  unb  legtcrcß  im  ®efe|c 
alö  SRcd^tfafe  J^injufteDen.  äluf  biefcm  SEBegc  ift  iebod^  ju  einem  bcm  praftifdbcn 
SSebürfnifje  genügcnbcn  5ßrinäipe  nW^t  ju  gelangen.    2cgt  man  bei  bcm  ©^c« 
brud)c  baß  cnlfd^eibcnbe  Oeroid&t  barauf,  ba§  burd^  bcnfclben  bic  im  Sßefcn 
bcr  &)t  begrünbete  SlußfdiHcfelid^fcit  ber  Oefd^Icd^tögcmeinfd^aft  unn)iebcrbriitgß(ib 
jcrftört  wirb,  fo  fann,  üon  bcn  in  bcn  §§  171,  175  bcö  Str.  ®.  SB.  bcseidbnctcii 
^anblungcn  abgefel^en,  uon  einer  analogen  3Iuöbe^nung  ber  ©d^eibung  megen 
Q^ehxnä)^&  überbaupt  nic^t  bic  SRebc  fein,  ba  baö  b^njorgebobenc  äßomcnt 
auf  anberc  SSerlefeungen  ber  cbe[id)en  ?ßflid&ten,  fo  fd^rocr  fic  aud&  fein  mögen, 
nid^t  pagt.    3n  aQcn  anbercn  ^äUcn  fann  baö  jerftörtc  ebeßcbe  93cr^filtmg 
bo^i  immer  nod^  burd&  SSefferung  unb  SReuc  mieber  in  bcn  vorigen  ©tanb  gc* 
fefet  mcrbcn;  rocnigftcnö  ift  fein  mcfcnttid^cß  ©Icmcnt  bcr  ©b^  jerftort.    Oben? 
fomenig  fül^rt  bie  Slnalogic  ber  boölid^cn  SBcrlaffung  ju  einer  ®rroeiterung 
bcr  ©cbeibungögrünbe,  wenn  man  baö  cntfd^cibcnbe  ©croid^t  barauf  legt,  ba{$ 
ber  eine  ©begatte  bem  anbercn  Xl)dk  burd^  feine  ©igenmad&t  unb  feinen  bofcn 
SBillen  baö  ebelid^e  3ufammenlcben  unmöglid^  mad^t.    9lur  ctma  bie  b^^rt- 
nädfigc  SBcrweigcrung  bcr  cbclid^cn  5ßflid(|t  fönntc  üon  biefcm  ©cfid^töpunfte 
auö  alö  ein  analoger  Sd^eibungögnmb  angefebcn  merben.   Siebt  man  bagegen 
bcn  cntfd&eibcnbcn  ®runb,  auf  meld^cm  bie  3Inerfcnnung  bcö  ©bcbrudbcfi  unb 
ber  böölid^en  83erlafjung  alö  Sd^eibungögrünbc  beruht,   barin,  bafe  biefelbcn 
fid^  alö  auö  böfem  SQäillcn  bcrrorgcgangenc ,  unmittelbare  unb  fdbrocrc  SSer* 
iefcungcn  cbclid^cr  5)Jflid^ten  barftellcn,  fo  Iä§t  fxi)  auö  ber  SKnalogie  jener 
Sd^cibungögrünbc  baö  umfaffenbcrc  ^rinjip  ableiten,  bag  bic  S^eibung  oudb 
in  aDcn  fold^en  göUen  juläffig  ift,  in  meldten  ein  &)tQattc  burd^  fdbn)ere  SSer» 
legung  bcr  ibm  obtiegenben  cbclidicn  ?ßflid^ten  eine  fo  tiefe  3crrüttung  beö  clb^ 
lieben  SJcrboltniffcö  ücrfd^ulbct  bat,  baß  bem  anbercn  ©begatten  bic  gortfcftunfl  bcr 
©be  nid^t  jugcmutliet  merben  fann.  @ö  lägt  fid^  nid(|t  Dcrfennen,  bag  burcb  iriefcft 
^ßrinjip  viele  bcr  in  bcn  beftebcnbcn  SRcd^ten  anerfannten,  auf  einem  iSerf^uIbcn 
bcrubenben  Sd^eibungögrünbc,  fofem  fic  im  fonfreten  gallc  bie  bejeidbnctcn  SSBir- 
fungen  liaben,  gebedEt  merbcn,  namentlid)  aRifebonblungcn  (ocrgl.  oben  ©.  575), 
gcfäbvli^e  ©robungcn  (fd^roarjb.  f onbcröb.  ©befd^eibungögef.  §  2  9ir.  13;  altenb. 
©beorbn.  §§  219,  220),   ©brenfränfungen  (preufe.  31. 2. 91.  II,  1  §§  700— 7(fi^ 
ücrgl.  baju  Urtl^.  b.  SH.  ®.   bei  ®rud(|ot  XXXI  S.  987  ff. ;  nürnb.   e^ 
fd^cibungöorbn.  9}r.  25,  27     gotb-  ©begef.  §§  98,  100;    fd^roarjb.foniicrirt. 
©befd^eibungögef.  §  2  3h:.  14 ;   f ranf f.  ®cf.  §  15  5Rr.  8 ;  code  civü  airt.  231 ; 
beff.  ©ntw.  Slrt.  82),  falfcbc  3lnfd^ulbigung  (©ntfd^.  b.  dl  ®.  IV,  104  S.  380; 
preufe.  31.  2.  SH.  II,  1  §  705;  nürnb.  ©befd&eibungöorbn.  9ir.  25;  gotb-  G^cf. 
§  123;  f d^roarjb.  fonberöb.  ©befd&eibungögef.  §  2  3lv.  14),  Unoerträglid^fcit  iinb 
3anffud^t  bcö  einen  ^l}eilcö,  n)cld^c  fid^  in  t)orfäglid||en,  baö  2eben  ober  Vit 
(Scfunbbcit  beö  anbercn  'iiiciU^  gefäl^rbcnbcn  ^anblungcn   äufeern   (preu|. 


©(6eibun0.   Trennung  ü.  2^i]c&  u.  Sctt.    Clausula  generalis.    §  1444.       595 

%t%  II,  1  §  703;  nürnb.  e^cfd^cibungöorbn.  3lx.  28;  gotl^.  ß^egef.  §  99), 

«bliitlit^e  Gntäicl^iing  beö  Unterfialte«  (prcufe.  31.  S.  SR.  II,  1  §  713),  foiüic 

(jortnädfigc  SBerrocigcrung  bcr  c^clid&en  5ß^id^t  (uergl.  oben  S.  577).    Gö  mag 

femer  jujugcben  fein,  bofe,  roenn  man  Icbiglid)  bie  Statur  bet  Gf|c  als  cincö 

3W^ttDerbfiftmffcö  inö  Slugc  fafet,  bie  rein  iuriftifd&e  ©ctrad&tung  nid^t  über 

icncö  ?ßrinäip  l^inouö  fül^rt.    OTein  gegen  bie  Sefd^ränfung  auf  biefeö  ^ßrinjip 

follt  entf^eibenb  inö  Oeroid^t,  baft  basfetbc  bcm  g'cttenbcn  3led>te  unb  bcm 

Sebürfnijfe  beö  praftif(|en  fiebenö  nid)t  genügenb  9ted(inung  trägt,  jumal  mä) 

bem  ßntrourfe  bie  Qa^l  ber  abfohlten  @(|eibungögrunbe  nur  eine  fel^r  bc* 

f^ronfte  ift.     Snöbefonbere  werben  burd^  jcneö  5ßrinjip  biejenigen  t)on  bcn 

mciftcn  neueren  ®efe|gcbnngen  unb  überroiegenb  aud^  uon  bcr  gemeinrcd^t^ 

{id^en  $ra^id   alö  Sd^eibungögrünbe   anerfannten  %&Ut   nid^t   umfaßt,   in 

welchen  ein   G^egattc  wegen   33erbredf)en   ober  SBerge^en,    roeld^e   er    nad^ 

6(^Iic§ung   ber  @f|c   begangen  t|at,  ju  längerer  greil^eitöftrafe  üerurtt)cilt 

ift  (oergl.  bie  ©inleitung  oben  @.  576).     ©benfomenig  fallen  unter  Jencö 

^rinjip  fold&e  gäKe,  in  meldten  ein  ©tiegatte  fid^  fonft  cineö  el^rlofen  ober 

eineö  unftttlic^en  SBer^altenö  fd^ulbig  mad^t,  j.  S9.  burd&  bie  ©rgreifung  cincö 

fd^impfüd^cn  ©ewerbcö,  burd&  unoerbefferlid^e  S^runffud^t  u.  f.  \o.  (oergl.  preufe. 

%2.3t.n,  1  §§  707—710,  695;  nürnb.  (g^efd^eibungöorbn.  5«r.  29,  36,  38; 

flot^-e^egcf.  §§  105,  112,  124,  128;  f d&marjb.  f onberö^.  e^efd^eibungögef.  §  l 

»r.  4,  §  2  9lr.  8—10,  15,  16;  franff.  @ef.  §  15  5«r.  6;  fäd^f.  ©. ».  §§  1733, 

1734).    ©ö  ift  aber,  wenn  man  biefe  fittlid^e  Seite  ber  (S^e  inö  Sluge  fafet, 

nidfi  ju  oerlennen,  bag  ein  @^egatte  aud^  burd^  unfitt(id()cö  ober  cI)r(ofcö 

Ser^alten,  inöbefonbere  burd^  cnte|renbe  33crbredf)en  ober  33ergel^en,  weld^c  er 

Hoc^  3(^(iegung  ber  @^e  begangen  l^at,  eine  fo  tiefe  3<^i^^üttung  beö  e(;elid^en 

Scr^öltniffcö  ^erbeijufü^rcn  termag,  ba^  bem  anberen  ©Regatten  bie  gort* 

fejimg  einer  fo  innigen  ©emeinfd^aft,  mie  ber  ef)e,  nid&t  jugemutl^et  merben 

fttnn.    93er(e|t  ber  ©begatte  in  fold^en  gäHen  aud&  birett  feine  auö  bcr  G()e 

f[ie§enben  9ied&töpfKd^ten,  fo  legt  er  bod^  burd^  ein  fold^cö  SSer^aften  gegen* 

über  bem  onberen  ©Regatten  eine  mit  bem  SBefen  ber  ©^e  nidfit  t)ereinbarc 

Sieblofigfdt  unb  SRüdEfid^tölofigfeit  an  btn  SCag.    S)aö  ^ßrinjip  beö  §  1444 

fü^  im  SBefentlid^en  ju  bemfelben  SRefuItate,  wie  bie  93eftimmungen  ber 

preufe.  ©ntmürfe  über  (Sljefd^elbung.     3)ie  Icfeteren  unterfd^eiben  fid^  in  ber 

^ouptf ad^  nur  baburd^,  bag  fie  bie  einzelnen  auf  liBerfd[)u(bung  bcrul^enbcn 

tefotioen  ©d^eibungögrünbe   fpciialiftren   unb  bei  biefen  bie  älnalogie  beö 

©^ru(^ed   unb   ber  böötid^en  S3er(affung   in  ber  äBeife  Dcrmertl^en,  bag 

4ie  relatioen  ©d^cibungögrünbc  nur  bann  jur  Sd^eibung  fül^ren  foBen,  roenn 

bun^  bie  S^ulb  beö  93eflagten  bie  ©i^e  in  nid^t  minberem  ©rabe  alö  burd^ 

<S^ebrud^  ober  burd^  böölid^e  SBerlaffung  jerrüttet  morben  ift,    S)ie  herein* 

iie^ng  bicfer  beiben  ©d&eibungögrünbe  jum  3«^^^^  ber  SBcrgfei^ung  ift  aber 

beffer  ju  oermeiben,  ba,  wenn  man  bei  benfelbeu  baö  entfd&eibenbe  ©ewid^t 

barauf  Icßt,  bag  burd^  biefelben  bie  Sluöfd^Uefelid^feit  bcr  ©efd^tcd&tögcmein* 

fd^  untoieberbringüd^  jerftört  be}n).  baö  el^eßc^e  3ufammcn(eben  cigenmäd^tig 

vnb  burd^   bofen  äBiQen  ücr^inbert  wirb,  bie  ä(na(ogie,  wie  bereitö  oben 

€.  594  hervorgehoben  mürbe,  für  bie  anberen  Sd^eibungögrünbe  nid)t  pagt, 

joioett  aber  bie  ^ereiniieljnng  jener  Sd^eibungögrünbe  jum  Qvotäc  bcr  SBer- 

3S* 


596       ©(Seibung.   ^^rcummg  u.  2i|d&  lu  Sctt.    Clausula  generalis.  §  1444. 

glci^ung  auf  bem  ©cbonfcn  beruht,  bafe  bcm  anbcrcn  ^()cUc  mit  SRüdfic^t 
auf  bic  obicttioc  Sdjtucrc  bcä  Sdjeibungöflrunbcö  unb  baö  bei  bemfctbcii  ju 
J^age  trctcnbc  ÜKafe  bcä  fubiettiocn  SBcrfd^uIbcnö  bie  gortfefiung  bcr  6^c  enU 
fdjiulbbavcrrocifc  uncrträgUdd  geworben  fein  mufe,  biefer  (Sebanfe  burd^  bic  im 
§  1444  erfolgte  ^räsifirung  beö  ^ßrinjipeö  flarer  unb  bireftcr  jum  Sluöbrurfe 
gelangt. 

Stus  bem  ^rinjipc  bcr  3leIatioität,  roie  baöfclbe  im  §  1444  3Ibf.  1  nd^er 
pröjifirt  ift,  ergiebt  fid^  oon  felbft,  ba^  bcr  di\(i)kv  bei  ber  ©ntfd&eibung  ber  grage^ 
ob  bie  @^e  aud^  vom  fubieftioen  Stanbpunfte  bed  flagcnben  ©Regatten  aud  ob 
eine  jerrüttcte  anjufeljcn  ift  unb  bem  legtercn  bie  gortfc|ung  berfelben  nx6^i  ju- 
gcmut^et  merben  famv  namentlid[)  aud^  fofd^c  ^l)atfac{)en  ju  beräcfftd^tigen  f)at, 
au3  welchen  Ijeroorgeljt^  bag  bcr  {(agenbe  (Sl^cgatte  ber  baS  Siedet  ber  Sd^cibung 
an  fxd)  begrünbenben  ^anbhmg  jugeftimmt  ober  fic^  ber  ^^eiina^mc  an 
bcrfetben  fd)ulbig  gemad|)t  ^at.  S)as  ^ßrinjip  bcr  SRcIatioität  mad^t  in  Änfe^ung 
bcr  unter  bie  Seftimmung  beö  §  1444  Slbf.  1  faUcnben  Sd^eibungögrünbe 
eine  bcfonbere  83eftimmung,  wie  fie  im  §  1441  3lbf.  2  im  ^inbtirfe  auf  bie 
im  §  1441  3lbf.  1  bescic^netcn  abfofuten  ©c^cibungögrünbe  getroffen  roerben 
uiufetc,  entbeJ^rlid^.  Slnbererfeitö  bcbarf  cö  aber  aud)  nid(|t  ber  befonbercn  ^cr- 
Dortiebung,  baß  baö  9lcd)t  eines  ©Regatten,  megen  eines  unter  §  1444  3Cbf.  1 
fallenben  Sd^eibungsgrunbes  bic  @d|)eibung  ju  uerlangen,  baburd^  nid^t  aus« 
gefc^toffen  mirb^  bag  bem  anberen  ©Regatten  ein  gleiches  Siedet  jufte^t; 
benn  bie  3u^äff^9'^^i  ^^^  jtompenfationSeinrebe  fegt  wegen  i^res  pofitiDcn 
ÄarafterS  eine  bcfonbere  Scftimmung  voraus,  in  ©rmangelung  einer  fotd^en 
ift  ba^er  biefe  @inrebe  unjuläfftg.  S)ie  ©rünbe^  meldte  ben  Entwurf  beftimmt 
Ijaben^  biefe  (Sinrebe  auc^  bei  bcn  abfoluten  Sd^eibungsgrünben  nid^t  }u  ge» 
ftatten,  jtnb  bereits  in  ben  SMotiDcn  ju  §  1441  oben  S.  585  ff.  bargelegt.  3n* 
bcRen  fann  ber  Umftanb,  bafe  and)  ber  Älögcr  feinerfeits  fid&  einer  unter 
bcn  §  1444  fallenben  ^anblung  fd^ulbig  gemad^t  ^at  auf  bie  ^urt^eilun^t 
ber  3i*l*ffiflf<^it  ^^^  ©djcibung  infofem  pon  Ginflufe  fein,  als  bas  eigene 
fc^uIbDoUe  äScrl^aUen  bcs  Klägers  unter  Umftönben  bm  Sd^lug  red^tferttgea 
toirb,  bag  bie  ber  £(age  ju  ©runbe  liegenben  S^^atfac^en,  oom  fubietttoen 
Stanbpunfte  bcS  5llägerS  aus  betrachtet,  nid^t  geeignet  ftnb,  feine  e^eßc^e  @e^ 
finnung  ju  jerftoren  unb  il^m  bie  ^ortfcgung  bcr  &)c  unertröglic^  ju  mad^. 
»efonbei^  33on  bcu  uutcr  bas  ^rin}ip  bes  §  1444]  faUenben  Sd^eibungSgrünben 

flelXne  ^^^^^  ^^^  ©utwurf  mit  SRüdric&t  auf  baS  befte^enbe  9led^t  unb  auf  bie  praftifd^ 
m^'  SBid^tigfeit  a(S  befonbers  bc5cid^nenbc  gälle  einerfeits  fd^mere  3ßigl^anb(ungen^ 
anbererfeits  bie  SBegel^ung  eines  cntel^renben  SBerbred^enS  ober  SScrge^end 
l^eroor.  @elbftt)erftänblid)  ift  baburd^  nidjt  auSgefd^Ioffen,  bag  unter  Um» 
ftänbcn  bic  Sd^eibung  nad^  SJlaggabe  bcs  §  1444  aud^  wegen  einer  ni^t 
fd^wcren  9)Hgl^anbIung  ober  wegen  eines  nid^t  ente^renben  SSerbred^enS  ober 
33crge^enS  julöfftg  fein  fann. 

älbwcic^enb  mn  ben  neueren  ©efeggebungen  legt  übrigens  bcr  §  1444^ 
fooicl  bie  Sc^eibung  wegen  eines  nad^  @ingel^ung  ber  @l^e  pon  einem  S^ 
gatten  begangenen  SBcrbrcc^cns  ober  9}ergcl[|cns  betrifft,  bas  entfcfteibcnb« 
®cwid)t  nid()t  auf  bic  93crurtl^eihtng  ju  einer  beftimmten  ^i^eitsftrafc  ober 
jum  33crlufte  bcr  bürgerlid)en  ©^renred^tc,  fonbern,  entfprc^enb  ber  ratio- 


@i6«bunG.   Srcnmiug  v.  Xifd&  «.  S3ctt.   Clausula  generalis.   §  1444.       597 

bicfcft  Sd^cibunflögnmbcö ,  aaf  bcn  tl^atffld^fid)  cntel^rcnbcn  Äarafter  bcr 
$onbfuug  irnb  bic  biivdj  bic  [entere  on  bcn  2;ag  trctcnbc  eljrlofc  Oefinnung,  iia 
üorjugsrocifc  biefc  aKomentc  cö  ftnb,  votläje  bcm  anbcrcn  ©Regatten  bie  %oxU 
fe^ung  bcr  6f|c  uucrtrclglid^  mad^cn  fonncn  (ocrgl.  rocgcn  beö  Sluöbrucfcß 
;,cntc]^rciibc  S8crbrcd&cn  ober  SSergclien"  ©cf.,  betr.  bic  Grrid^tung  eines  oberftcn 
©erlc^tö^ofcd  für  ^anbctefacf^en,  v.  12.  3uH  1869  §  23;  ®.  9}.  ®»  §  128). 

iJiegcn  bic  SSorauöfclungen  cineö  rclatiDcn  ©d)eibungögrunbcö  nad)  SJiafe*  «oröängige 

jQbc  bcö  §  1444  Sttbf.  1  uor,  fo  foll  bennod)  bcr  anbere  ©ficgattc  rcgelmSfeig  ^"25*^»^" 

ima^)i  nur  bic  S^rennung  von  2;if(|  unb  S3ctt  ju  ücrlangcn  bcrcd^tigl  fein. 

€d  ftc^t  biefc  SScftimnmng  mit  bcr  9lctatiüitöt  bcr  ©d^cibnngögrünbc  in  engem 

3ufQmmcn(;angc.    S3ci  ben  rclatiocn  ©d^eibungögrünbcn  ift  bie  ©od^tagc  Ijäufig 

eine  folc^e,  bQ&  bem  Magcnbcn  3::^ei(c  naä)  bcn  SSerJ^äftniffcn,  wie  fic  gegen- 

loörtig  liegen,  bic  gortfeftung  bcr  Gf)c  nid^t  jugcmutfjet  werben  fann,  bic  :&offnnng 

«uf  öcrfteHung  beö  cficUd^cn  aSer^ältnitlcd  jcbod)  niä^t  anögefd^Ioffcn  ift.    giir 

bicfe  ^öUc  bietet  baö  Snftitut  bcr  jcitmeiügen  Trennung  üon  ^ifc^  unb  SJctt 

ein  paficnbcö  2luöfunftßmittcf,  tl^cilö  tim  bcm  unfd^ulbigen  2^^eile  injwifdjen 

Sd)u6  gegen  ben  anbcrcn  ©Regatten  ju  gcn)Sl;rcn,  t^cilö  um  ju  ücrfiinbcrn, 

büß  in  fold^cn  gällcn,  in  rocldjcn  bie  Sluöpci&t  ciuf  ^erfteUung  beö  c^clidjcn 

Ser^dltnijfcö  nid^t  auögcfd^foffcn  ift,  bic  fofortige  ©d^cibung  erfolgt.    Sencö 

Snftitut  fonn  and^  feineßmegö  im  .^inblidc  auf  bcn  §  580  bcr  6. 5ß.  D.  alö 

cntbcörlic^  crad^tet  mcrben.    9Bal)renb  bcr  §  580  bcr  6.  %  C.  bem  3tic^ter  nur 

bie  Sefugnig  giebt,  bie  Slußfcfeung  beö  aScrfaljrcnö  anjuorbnen,  mcnu  er  bie 

3[usfa^nung  bcr  Parteien  für  nic^t  unroaJ^rfdjeinnd^  eradE)tct,  gemährt  bcr 

§  1444  bcm  Älögcr  baö  Steigt,  ju  ocriangen,  baf^  nid^t  fofort  auf  ©d^eibung, 

fonbcm  junäd&ft  auf  jcitwciligc  Trennung  oon  S^ifd^  unb  39ett  er!annt  werbe. 

S>iefe&  3lcd^t  bem  Äläger  einzuräumen,  entfprid&t  cincrfeitö  bcm  eigenen  3ntcrcjfc 

befl  ftfagcrß,  menn  bcm  Icfetcren  jur  S^xt  baö  3u^ninienlcben  mit  bcm  anbcrcn 

G^egotten  unerträglid)  ift,  er  aber  nod)  bic  «Hoffnung  bcr  3luöföf)nung  I)egt, 

anbercrfeitß  bem  offcntlid^en  Sntcrcffc  an  tl)unlid)fter  3lufred^terl^altung  bcr 

<S6en.    9Iud^   infofern  bcftcfjt  ein  Untcrfd^ieb  jroifd^cn  bem  Stanbpunfte  beö 

€ntrourfcß  unb  bcm  §  580  bcr  S.  ^.  D.,  alö  bcr  erftcre  baoon  auögcöt,  baß 

regetmöfeig  in  bcn  gäUcn  beß  §  1444  junäd&ft  auf  jcittociligc  S^rennung  oon 

J'ifc^  unb  Sett  crtannt  mcrben  folf,  mäfircnb  bcr  §  580  bcr  6.  %  0.  in  biefer 

^infi^t  auf  einer  anbcrcn  Slufd^auung  beruht.    SBcnngtcid)  fid)  nid)t  bcftrcitcn 

lößt,  ba|  mit  bem  Snftitutc  bcr  scitmciligcn  I^rcnnung  üon  3:if(f)  nnb  93ett 

aviii  gtofec  ÜJliBftänbc  uerbunben  fein  tönneu,  unb  mcfentlid^    ouö  bicfcm 

Örunbc  bcr  Gntrourf  9lnftanb  genommen  l^at,  bic  jeitmciligc  Trennung  uon 

Jifc^  unb  93ett  neben  bcr  ©Reibung  alß  eine  fclbftänbige  äftafercgcl  anjuerfenncn 

unb  auf   bie  abfolutcn  ©dicibirngsgrünbc  auösubcl^ncn  (ocrgl.  bic  Cinicitung 

oben  3.  579  ff.),  fo  finb  bod)  bei  bcn  rclatiocn  ©df)eibungögrünbcn  bic  öeroor- 

gehobenen  mit  jenem  Snftitutc  uerbunbenen  3[}ort()eiIc  alß  übcriuicgcnb  anju^ 

fcften.    S)05U  fommt,  baft  bic  f)icr  fraglidjcn  Seftimmungen  aud^  feincöiocgö 

bem  gcltenbcn  9lcd)te  gegenüber  burd^wcg  eine  5Rcucrung  ent()altcn,  fonbern,  mie 

bic  oben  S.  578  ff.  gegebene  Itcbcrfid^t  beö  beftct)cnbcn  9tcd)tcö  ^eigt,  an  gfeid^e 

ober  bod^  S^nlid^e  benfclben  3"^^^^  uerfolgcnbc  SSorfd)riftcn  t)crf(f)icbencr  neuerer 

®efc|c  (ücrgl.  anä)  fc^rocij.  53b.  (Scf.  u.  24.  S)c5cmber  1874  3Irt.  47)  anfnüpfen. 


598       S(6cibunö.    3^rnmunfl  i\  Sifd^  ".  ffictt.   Clausula  generalis.   §  1444. 

©oforiifle  Sliif  bcr  onbercn  Seite  würbe  cö  mbcffeti  ju  tocit  gc^eu,  wenn  man  naä^ 

©«^ibung.  ^^^^  gsorbllbc  bcr  prcufe.  eutroürfc  über  (S^efi^eibungcn  oon  1844  unb  18o& 
beftimmcti  luoQte,  bag  in  ben  ^fillcn  bed  §  1444  unbebingt  }unöd^ft  auf  idU 
roeiügc  ^^rcnnung  uon  2:ifd)  unb  S3ctt  ju  crfcnncu  fei.  S)ad  ^rinsip  bcr 
9lclQtii)ität  f üljrt  uid^t  ju  einer  f old&cn  Scftimmung ;  üielmel^r  ift  cft  prin jipiett 
gerechtfertigt,  bie  fofortige  Sd^eibung  bann  jujulaffcn,  wenn  bcr  Slid^tcr  bic 
Ucberjeugung  gewinnt,  ba^  naä)  ben  Umftänben  bcd  ^alleö  bie  äludfic^t  auf 
^erftcQung  bcd  e()elid^cn  SBer^ältniffeö  audgefd^lojfeu  ift.  2)ag  folc^e  ^De  oot^ 
liegen  fönnen,  ift  nid^t  ju  beftreiten.  3n  fold)cn  gciDen  würbe  aber  bic  jeit^ 
weilige  2^rennung  uon  2^ifd)  unb  83ett,  von  ben  i)ermogendrcc^tU(i^cn  33cr^ält? 
niffeu  ber  ©Regatten  abgefc^en,  nur  bie  Sebcutung  cinefi  33crbotcö  bcr  8Bid)cr? 
ücrf)eiratf|ung  auf  gewiffc  3cit  ^aben.  S)aju  tommt,  bafe  nac^  bem  ©ntwurfc 
bic  Qaffl  ber  abfolutcn  Sd^eibungdgrünbc  gegenüber  bcm  gc(tcnben  Siedete 
crf)cb(id^  befc^rfinft  ift  unb  cö  aud^  aud  biefcm  @runbc  ald  bebentlidb  erad^tet 
werben  mufe,  bei  ben  relatiocn  ©d^eibungögrünbcn  bic  aÄöglid&!cit  fofortigcr 
Sc{)eibung  o^ne  }wingcnbc  praftifd^e  ©rünbc  gänjUc^  aud}ufd^Iicgcn.  9lud^  bie 
bejei^neten  preug.  Entwürfe  ()aben  infoweit  nid^t  bic  Billigung  bc0  älbgeorb« 
ueten^aufcÄ  gefunben,  unb  in  ben  fpätcren  ©ntwürfcn  t)on  1859  unb  1860  ftnb 
bic  Seftimmungen  ber  früfjcrcn  ©ntwürfc  über  bic  oorgängigc  5citn>ci(igc 
Trennung  uon  Sifdd  unb  93ctt  übertiaupt  wcggc(a$fcn. 

!Eie,  namenttidö  auf  bem  Oebiete  bcö  gemeinen  Sicd^tcd,  ftreitig  geworbene 

gragc,  ob,  wenn  ber  Äläger  nur  bic  ©d^eibung  beantragt  bat,  bcr  SKd^ter  ftatt 

bcrfclbcn  aud^  von  älmtdwegen  junäd^ft  auf  icitweiUge  2^rcnnung  oon  Stf(^ 

unb  Sett  crfcnnen  fann  (ucrgl.  barfibcr  Seuffcrt  VII,  325,  XIX,  98,  XXII, 

244,  XXIV,  244;  ©ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  SiDiff.  XI,  110),  bebarf  einer  bef onbercn 

gcfcfilid^cn  ©ntfd^cibung  nid&t.    9luö  bcr  gaffung  bcö  §  1444  2lbf.  1  ocrb.  mit 

§  1440  3lbf.  3  ergiebt  ftc^  mit  genügenber  ^cutUd^teit,  bag  auf  zeitweilige 

S^rennung  oon  2^ifc^  unb  93ctt  nur  bann  crfannt  werben  fonn,  wenn  ber 

5l(äger  bied   verlangt   I)at.     @3    entfpric{)t   bied  bem  @eftd^tdpuntte ,   ba§ 

bie  icitweiligc  S^rennung  von  Xi\6)  unb  S3ett,  Ijingcfe^cn  auf  bic  mit  bcrfclbcn 

ücrbunbenen  bcfonbercn  SBirfungen  (§§  1459—1461),  in  bcr  S^^at  nic^t  ein 

3)Unuö  bcr  @d()eibung,  fonbcrn  etwaö  baoon  fad^lid^  gau}  93crfd^iebcncd  ift. 

»emmmuii0  ^lüd)  §  1444  3lbf.  2  ift  bie  3^1*  i>cr  2:rennung  oon  2:ifd^  unb  89ctt  in 

irenwuHÄ«.  ^^^  Urt^citc  }u  bcftimmcu.  S8on  einer  rid^terlid&cn  Seftimmung  bcr  ä^rcnuungd» 

5«it      jcit  ganj  abjufcl^cn,  nad)  Slbtauf  einer  gcfcftlid^  beftimmtcn  grift  aber  bcm 

im  Urteile,  ^j^^^  ^^^^  ^^^  aubcrcu  (S^cgattcn  bie  Sefugnife  ju  gewäbren,  bic  gortbaucr 

bcr  Trennung  üon  3:^ifd^  unb  Sctt  burd^  ben  Eintrag  auf  Sd^eibung  ober  auf 
c^erftellung  bcö  el[|clid(ien  Scben«  ju  bcfeitigen  (ocrgl.  code  civil  SSrt  306,  310; 
franj.  e^efd^eibungögef.  u.  27.  3uli  1884),  empfiel&tt  fid^  nid^t.  Sem  ^rinjipc 
ber  SWcIatipität  entfprid^t  eö  mel;r,  bem  SRid&tcr  bie  äRoglic^fcit  ju  geben,  bic 
Trennung  t)on  3::ifd^  unb  93ctt  je  nadj  Sage  bcr  Sad^c  innerhalb  cincö  gcfe^lic^ 
beftimmtcn  SRa^imum  auf  eine  längere  ober  {ür}crc  3<^H  audjufprcd^en.  9lu^ 
im  Sntcreffe  ber  5ßarteicn  ift  eö  gelegen,  wenn  bic  S^rcnnungöjcit  im  Urt^cilc 
bcftimmt  wirb  unb  fic  barauf  Ijingewicfcn  werben,  bag  fie  fid^  banac^  cin^ 
Juristen  Ijabcn.  gcrner  fommt  in  Setrad^t,  bafe  t>tn  meiften  neueren  ©efefts 
gcbuugcu,  foweit  bicfclbcn  baö  Ijier  in  9lcbc  ftcljcnbc  S^ftitut  überhaupt  auf* 


S^ribuiiö.   Xrcnnunö  ^'.  ^fifd^  u.  Sctt.    Clausula  generalis.  §  1445.       599 

genommen  Ijobcn,  eine  S^renuuug  von  ^ifd)  unb  93ctt  auf  unbcfttmmtc  3cit 
uübcfannt  ift  unb  axiä)  in  ben  ©ebicten  bcö  gemeinen  pvotcftantifd&en  ®^crcd)tcö 
bte  2:rennung  nur  auf  beftimmte  3^^*  auögefprod^cn  äu  werben  pff^O*  (J^ergl. 
f(^iwirjb.fonberöl^.  G^efd&cibungögef.  §5;  nürnb.  (S^cfcbeibungöorbn.  3lx\  51; 
fä#  ®.  35.  §  1755;  fd&mcij.  S3b.  ®cf.  v.  24.  ©cjember  1874  2lrt.  47;  femer 
bie  prcu§.  ©ntroürfe  über  ß^efd&eibung  üon  1844  unb  1857).  Sehern  würbe 
cd  mit  ben  ©rünben,  aus  welchen  baö  Snftitut  ber  beftänbigen  S^rennung  uon 
2rif(^  unb  33ett  leine  Slufnal^me  gefunben  bot,  nicbt  im  einflonge  fteben,  eine 
Trennung  uon  Xx^ä)  unb  Seit  auf  unbeftimmtc  3cit  in  ber  3lrt  ju  geftatten, 
büB  bie  mdf  ben  §§  1459—1461  mit  ber  burd^  Urtbeil  außgefprocbenen 
ä^rennung  von  Jifd^  unb  33ett  uerbunbenen  gefefetid^cti  SBirfungeu  fo  lange 
fortbauern,  bis  bie  Q^t  bemnäd^ft  gefd^ieben  ober  bie  I)öudUd(ie  ©emcinfd^aft 
loicbcröergeflettt  ift  (uergl.  in  biefer  ^infid^t  bie  aJlotiüe  ju  §  1459). 

3n  33crüdfjid)tigung  ber  mit  ber  jcitrociUgen  2:rcnnung  ton  X'\\ä)  nnb  SuWffVie  sett 
Sett  nid&t  feiten  uorbunbenen  mirt^fd^aftlic^en  9lad^tbeilc  barf  bie  a^rennungö**^^^"""""®" 
jeit  ni^t  ju  weit  auögebcbnt  merbcn.  3m  §  1444  5Kbf.  2  ift  beöb^ilb  im  Sln^ 
Wluffe  an  bie  in  ücrfc^iebenen  gemeinred[)tUd)en  ©ebietcn  befolgte  5ßrariß,  an 
ben  preufe.  ©ntro.  v.  1844  unb  an  baö  fd^rocij.  83b.  ©ef.  u.  24.  ©ejcmber 
1874  3lrt.  47  bcftimmt  ba§  bie  S^rcnnung  üon  2:ifd)  unb  Sett  nid&t  über  jmei 
3tt^re  crftrcrft  werben  fann.  9lid^t  aufigefd^toffen  ift  iebod^,  ba§  ber  Stid^ter 
geeignctenfaDö  fd^on  Dor  bem  ^rennungdurtbei(e^  ebe  auf  bie  ^ai)c  näbcr 
eingegangen  wirb,  oon  ber  i^m  burd^  §  580  ber  S.  5ß.  D.  gewährten  ^e^ 
fugnift,  bod  33erfal^ren  aufijufefeen,  ©cbraud^  mad^t.  3ft  bie  im  Urtbeilc 
beftimmte  J^rennungfiieit  abgelaufen,  fo  fann  nid(|t  —  wie  bieö  von  ber  gemein* 
rcd^tli^en  5ßrarid  t)ielfad6  für  juläfftg  eradbtet  wirb  (oergl.  barüber  Urtb.  b. 
31  @.  bei  Renner  unb  aWetfe  II,  181)  —  t)on  Sleuan  auf  J^rennung  oon  Xx\d) 
unb  Sett  erfannt  werben,  anä)  bann  nid^t,  wenn  bie  in  bem  Urtl)eile  beftimmte 
Srcnnungöjcit  auf  eine  fürjere  3^^*  ^^ö  jwci  Safere  feftgefefit  war  unb  fid& 
nac^  ber  je^igen  Sage  ber  (Sacbe  als  5U  furj  bemeffen  bcrauöftellen  foDte;  vkU 
mebr  fommen  nac^  Stblauf  ber  im  Urt^eile  beftimmten  SE:rennungdäeit  Icbiglid^ 
bie  Seftimmungen  beö  §  1445  jur  SInwenbung.  6iu  Sebürfnife,  nad^  9lb(auf 
iener  3^it  eine  (Erneuerung  ber  S^rennung  ate  bloged  3(udföbnungdmitte(  nod^ 
inforoeit  jujulaRen,  atö  bie  erftere  fid^  auf  baö  SJlarimum  ber  jwei  3al^re 
niibt  erftrcdt  ^ai,  ift  im  ^inblide  auf  ben  §  580  ber  6.  ^.  D.  nic^t  an* 
juerfennen.  9Iudb  würbe  eine  neue  S^rcnnung  i)on  Xx\i)  unb  33ett  nad&  aSafe* 
gäbe  beö  §  1444  mit  ber  im  Uebrigen  von  bem  (Sntwurfc  fcftgcbaltenen  9tuf* 
Mung  bcö  2;rennungöurtbeifeö  a(ö  eines  bebingten  Scbcibungöurtbcilcö  (oergl. 
bie  ajlotioc  ju  §  1445)  nid^t  im  ©inflangc  ftcljen. 


§  1445. 

Sic  Seftimmung  beö  §  1445  9lb|.  1  bcvubt  auf  ber  9tuffafjung,  bafe  ä*'*''**^  ^** 
baö  auf  ©runb  beö  §  1444  erlaffcnc  ^rcnnungöurtbeil  materiell  bie  Scbeutung   ^7««"«*' 
cineö  bebingten  Sd|)eibungöurtbeitcö  t)at.    S)urd)  boö  J^rennungöurtbeil  wirb 
ha&  Sorbonbenfein  eineö  xxaö)  SDiafegabe  beö  §  1444  bie  Sd^eibung  bcgrünbcnben 
telatioen  Sd^eibungögrunbcö  rcd^töträftig  feftgeftcllt.    Sßenn  trofebem  junöd^ft 


'  600       ©dftcibunö.    Srcnnunö  t^  £tf4  u.  Sctt.    Clausula  generalis.   §  1445. 

ouf  S^rcnnung  Don  S^ifd)  unb  93ctt  crfannt  wirb,  fo  gcfd^ic^t  blcö  nur  in 
©rroartung  bcr  9liiöföl)nung  ber  Parteien.  6rfüIIt  fid&  bicfc  ©rroartung  iti^t 
fo  fann  bcr  ©begatte,  rocld^cr  baö  2;rennungöurt^cil  crioirtt  ^attc,  nunmehr 
im  SBcge  einer  neuen  Älage  auf  ©runb  beß  ^rcnnungöurtl^eilcö  unb  bcfi 
Slbtaufcß  bcr  Si^rennungöjeit  fofern  nid&t  etroa  ba&  9lcd}t  ber  ©dficibung  no^ 
SKafegabe  beö  §  1446  burd)  aSerjeil^ung  ober  ouf  ©runb  bcß  §  576  ber  e.  ^.  D. 
burd)  ^Präflufion  auögcfd&Ioffen  fein  foUte,  bie  Sd^eibung  bcr  6l^c  üerlangen. 
6ine  onbcre  9luffaf|ung  bcö  auf  Onnxb  eines  relatiüen  Sd^cibungögrunbcfi 
ergangenen  S^rennungöurtljeUcö  liegt  ben  preufe.  (Sntroürfen  iiber  bie  S^cfd^cibung 
t)on  1844  unb  1856  ju  ©runbe.  3^^^  ^^^  ^^^  ^^^  ^i^fcn  ©ntioürfen  ber 
G^egatte,  weld^cr  baö  a:rennungßurtl^ei[  erroirtt  l^atte,  nad&  9lb{auf  bcr 
2^rennungöjeit  auf  Sd^eibung  anh'agen.  Snbeffen  fann  er  bie  ©d^eibung 
auf  ®runb  iencs  Urt^eilcö  nid|t  unbebingt  nerlangeu,  Dielme^r  foD  bcr  Slid^ter 
nadö  beut  gcfommten  Snbegrlffe  ber  früheren  unb  ber  ießigen  SBerl^anblungcn 
unb  33croei|'e  unter  ScrüdEfid^tigung  aDer  neu  Dorgebrad^ten,  für  bie  grage, 
ob  bie  ©Ijc  ju  fd&eibeu,  cr^eWid&en  S^^atfad^cn  uon  91eucm  barüber  crtcnnen, 
ob  nunmefir  bem  Slntrage  auf  ©i^efd^cibung  ftattjugebcn  fei.  S)aö  ^^rcnnungö- 
urtl)ei(  l^at  mitfiin  uadE)  ben  gebadeten  entwürfen  in  3(nfc^ung  ber  in  bcr 
Älagc  geltenb  gemad)tcn,  alö  erl^ebUd&  bcfunbcnen  relatiocn  ©d)eibungögrünbe 
jroar  nid)t  formcB,  aber  materiell  ben  Äarafter  einer  projefetcitenbcn  9Scr* 
fügung,  bem  93cfd(|Iuffe  Dcrgleid^bar,  burd)  roeldöen  baß  ©eric^t  auf  Orunb  beö 
§  580  bcr  ß.  ^.  C  bie  Slußfefeung  beß  SBcrfal^renß  anorbnct,  unb  erfd[>cint 
bcr  nad^  3rblauf  bcr  2^rcnnungß|icit  oon  9Jcuem  anljängig  gemad&tc  ©d^eibungfi«? 
projcfe  infomeit  nur  alß  eine  gortfefeung  bcß  frü[;ercn  ^^Jrojcffeß,  in  roelc^cm 
baß  Urtljcil  ergangen  ift.  9luf  bcr  anbcren  ©citc  bel;anbcln  inbeRcn  jene 
©utmürfc  baß  in  bem  früljcrcn  5ßroje?)c  ergangene  Urt^eil  infofern  au4 
materiell  roic  ein  Urtljeil,  alß  fic  baneben  beftimmcn,  ba§  bie  t^atfoc^lid^n 
geftftcUungcn  bcß  S^rennungßurtl^eifcß  aud^  für  baß  neue  SSerfai^ren  als  rcd^tß* 
fräftig  fcftftcljenb  angefcljcu  werben  foBcn.  6inc  S3eftimmung  ber  le^tcrcn  Srt 
fann  für  baß  bürgcrtid)c  ©cfcgbud),  abgefeljen  baoon,  ba^  burdj  biefelbc  baß 
a:rcnnungßurt^cil  eine  eigcnt^ümlid)c  ©oppclnatur  gcminnt,  fd^on  bcß^alb 
nidfit  in  gragc  fommcn,  loeit  nad)  ben  SBcftimmungen  ber  6.  %  C  nic^t 
2;ijatfad^en,  fonbern  nur  3(nfpriid(|c  bcr  9lcd)tßfraft  fä^ig  fmb.  9l6er  a\i^  im 
Ucbrigen  uerbient  bie  bem  §  1445  3lbf.  1  ju  ®runbe  liegcnbe  9luffaffung  beö 
2^rennungßurtf)cilcß,  meiere  an  bie  in  bcr  Einleitung  oben  ©.  578  ff.  crroölintc 
unb  in  bcr  altenb.  S^corbn.  §  242  jur  3lncrfcnnung  gelangte  ^ra|iß  in  wr« 
fc^iebencn  ©cbicten  beß  proteftantifc^cn  eijcred^teß  anfnüpft,  unb  einen  SSor* 
gang  in  äl)ulidöcn  Seftimmungen  bcß  franj.  9ted[)teß  ^at  (code  civil  9lrt,  310; 
franj.  e^cfd&eibungßgcf.  o.  27.  3uli  1884;  ocrgl.  auc^  ^efj.  entio.  airt  115), 
üor  bem  oon  ben  prcufe.  ©ntroürfen  in  bcr  l^ier  fraglid^cu  Scjie^ung  eim 
gcfd)Iagenen  SBegc  entfdbicben  ben  SBorjug.  ©ß  ift  jmar  jujugebcn,  baß  biefa 
9Bcg  bem  Sntereffe  bcr  9lufred^terl}altung  bcr  ©fic  infofern  in  größerem 
Umfange  Slcd^nung  trägt,  alß  nad^  bemfclben  ber  9ii^ter  in  ber  üagc  ift,  in 
bem  neuen  ^ßrojcRc  foId)c  in  bcr  Sn^ifd^enjeit  jmifc^cn  bem  itrennungöurt^cUc 
unb  bem  neuen  ^roscffc  in  ben  Sßcrljältnificn  bcß  flagcnben  ober  bcß 
bcflagtcn  6(;cgattcn  eingetretene  9tenberungen  ju  berüdfftd)tigen,  welche  für 


©(Jdbunfl.   Jrcummö  l\  itifct  u.  Seit    Clausula  generalis.    §  1445.      '601 

bte  Seiirt^eihmg  ber  grage  oon  SBcbeutunc)  fein  fonncn^  ob  bie  Qf)t  von  bcnt 
fubjeftioen  Stanbpunftc  ber  @^cgatteii  awt  noä)  gegentofirtig  ate  eine  jerrüttctc 
erf^int  3nbcRen  fann  borauf  crj^cblid^eö  ©emid^t  nid)t  gctcgt  werben,  3n 
ber  großen  SOte^rjatif  ber  gfiQe  l^anbelt  eö  ftd^  bei  ber  t)on  ben  preug.  ©ntmürfen 
Dorgef^Iogenen  @efta(tung  bed  SSerfal^rend  nur  um  bie  nod^malige  Prüfung 
unb  (Snifd^eibung  berfelben  ^S^agen,  welche  bereitd  in  bem  ^rennungöurt()ei[e 
entfd&iebcn  roorben  ftnb.  S)ieö  fü^rt  aber  ju  einer  unongemcRenen  SJeroiet 
föltigung  unb  SSerlöngerung  ber  6Hd)cibungöprojeffe  unb  ftc^t  mit  ber  9latur 
bcd  Xrennungdurt^eileö  ate  eined  loirflid^eu  Urtl^eiled  nid^t  im  (Sinflange.  2)er 
Stanbpunft  ber  preug.  @ntn)iirfc  ift  axiä)  um  beßiuillen  bebenflicE),  n)ei(  berfelbc, 
fooicl  bie  9(nträgc  auf  2^rennung  üon  S^ifd^  unb  Sett  betrifft,  ju  einer  (arercn 
^rofiö  ber  ®erid)tc  SSeranlaffuug  geben  fann. 

SGBenngleidjl  boö  a:rennungöurt^eil  materiell  bie  83ebeutung  cineß  be* 
bingten  ©ci^eibungßurtbeilee  ^at,  fo  ftcHt  ber  Slntrag  auf  Sd^eibiing  naä)  ÜKafe- 
gobc  befi  §  1445  2lbf.  1  fid^  boä)  atö  eine  neue,  auf  baö  S^rennungßurtljcil 
unb  ben  SKblauf  ber  S^rennungöjeit  fid)  ftüfeenbe  ©d)cibungöMage  bar.  S)arauö 
folgt  inöbefonberc,  bafe  ber  festeren  nad^  5Diafegabc  ber  Scftimmungen  ber 
§§  570  ff.  ber  6.  ^.  D.  ein  ©üljueocrfud^  üortjergeljen  mufe. 

S5a  nur  bcmjlcnigen  G^egatten,  roefd^er  ba&  S^rennungfiurti^eil  ermirft  Ijat,  e*«i»>ung«» 
ein  materieller  ©d^eibungögrunb  jur  Seite  fielet,  fo  legt  ber  §  1445  audfi  nur  o^nb^b!« 
jenem  ©Regatten  baö  Siedet  bei,  auf  (Srunb  beö  SCrennungfiurtl^cifeö  nad^  Stblauf  *JJ"""j"f ' 
ber  Jrennungöjcit  bie  Sd^eibung  ju  tJerlangen.  ©em  anberen  ©Regatten, 
bem  ScKagten,  in  9lnlel)nung  an  ä^nlid^e  S3cftimmungen  beö  franj.  Stcd^tcö 
(code  civü  3lrt.  310;  franj.  e^efd^eibungögef.  v.  27,  3uti  1884;  cergl.  aud) 
bcff.  Gntro.  9lrt.  115;  altenb.  Gf)corbn.  §  242  unb  über  bie  frül^ere  furbeR. 
^rariö  oben  ©.  578  ff.)  ein  gleid^eö  9(ed&t  cinjuräumcn,  mürbe  über  ben 
Svocd  ^inauögeben  unb  baö  Äed&t  beö  Äfßgerö,  einfeitig  aud6  gegen  ben 
Sillcn  beö  93et(agten  bie  äBirhtngen  beö  ^rennungöurtbeilcö  alö  eineö  be^ 
bingten  Sd^eibungöurtbeilcö  burd^  SBerieibung  ju  befeitigen  (§  1446),  am-^ 
f^Iiefeen.  äud^  uon  bem  ©efid^töpunfte  auö,  bafe  bie  ä^rennung  non  Sifc^ 
unb  Sett  im  praftifd^en  9iefultatc  nid^t  ju  einer  beftönbigen  SCrennung  von 
Xifd^  unb  93ett  fübren  bürfe,  fann  ein  SBebürfnife,  bem  SeHagten  nad)  Slb- 
lauf  ber  a:rennungöjeit  ein  SRcd&t  auf  ©c^eibung  beijulegen,  nid^t.  ancrfannt 
werben,  ba  bemfclben  nad^  Slbtouf  jener  3^^*  baö  3ledöt  juftebt,  bie  ,^er* 
flellung  beö  ebelid^en  Scbenö  jit  oerfangen  (§§  1459,  1272,  1273).  S)cr  Äfagc 
auf  ^erfteDung  beö  ebelid^en  2cbenö  gegenüber  fann  aber  ber  anbere  ;j'()ei( 
ben  ©d^cibungögrunb,  meld^er  ju  bem  S'rcnnungöurtljeile  gefiltert  t}ai,  im 
®egc  ber  ©inrebe  nid^t  geltenb  mad^en,  eö  fei  benn,  bafe  jener  Sdjcibungö^ 
grunb  auf  einem  foId)en  nod^  gegenroörtig  fortbaucrnben  fdE)utbDoUen  5Ber^ 
böltcn  beö  flagenben  ©Regatten  beruht,  roeld^eö  nad^  ben  allgemeinen  ©runb^ 
fäfccn  (§§  1272,  1273)  bie  ©inrebc  ber  Sicblofigfeit  bcgrünbct  (ücrgl.  ©ntfd). 
b.  31.  ®.  in  GiDitf.  VI,  37,  XVII,  50,  97,  XVIII,  46  3.  228 ;  (Srud^ot  XXX 
S.  851  ff.).  S3eru^t  jener  ©d[|cibungögrunb  Icbiglid^  auf  einer  in  ber  SSer- 
flangenl)cit  liegenben  ^flid^tmibrigfeit  beö  flagenben  ©begatten,  fo  fann  ber 
anbere  2^^eit  gegenüber  ber  Älage  auf  ^^erftellung  beö  ebelid^cn  Sebenö  nur  im 
Sege  ber  SBiberflagc  bie  Sd^eibung  auf  ©runb  beö  Srennungöurt^cilcö  ncr- 


602        S^eibunö.    SErennung  i\  Jifc^  u.  Sctt.    2lii3fc6I{c§uno.    §  1446. 

(srwf^en  M  iQiigcii.  Unterläßt  er  bieö  unb  ift  er  auf  ©runb  ber  uon  bcm  anbercn  QffCf 
* IX«^*'  gattcu  er()obenen  Älage  jur  |)erftenung  beö  c^clid^cn  Scbcnö  rcd^töfräftig  ucr- 
urt^eilt,  fo  ift  fein  Mcd^t,  auf  ®runb  befi  Sllrennungöurt^eilcfi  bic  Sd^cibung 
^\i  verlangen,  crlof^en.  S)a  ^xd)  in  3rocifcl  jic^cn  läßt,  ob  bicfer  ©aß  f^on 
aud  allgemeinen  ©runbfägen  abgeleitet  toerben  fann^  unb  ba  a\x6)  bie  bc« 
fonberc  aSorfd&rift  bcfi  §  576  bcr  6. 5ß.  D.  bcn  Dorticgenbcn  gall  uic^t  umfofet 
(oergl.  Seuffert  XLI,  152),  fo  ift  cö  alö  ratl^fam  crad^tct,  jenen  Saft  auft« 
brücfUdf)  aufiäufpred^en. 

2)ur(j&  bie  öeftimmung  bcö  §  1445  Slbf.  1  ift  übrigens  felbftoerftönblit^ 
nid)t  auägefd^toffcn,  bafe  berienigc  G^cgatte,  roeldder  bad  S^rennungöurt^cil  er* 
wirft  t)at,  aud)  fd^on  vox  Slblauf  bcr  S^rcnnungfijeit  auf  ®runb  eines  onberen 
in  bcm  frül)eren  ^rojeffe  nod)  nid^t  gcltenb  gcmad^tcn  Sd&cibungögrunbcö  bic 
Sd^cibung  verlangen  fann,  fofern  ber  lefttcrc  uidjt  nad)  9Ka§gabc  befi  §  576 
bcr  6.  %  D.  prätlubirt  fein  foUtc. 


§  144«. 

9u4f<«ü€iun0  ^ic  93eftimmung,  ba^  baö  9led^t  auf  Sd^eibung  unb  auf  2;rcnnung  oon 

foJmvm'  ^if^  ^^^^^  ^^^^  audgcfd^Ioffen  ift,  luenn  bcr  bercd()tigte  @^egatte  bie  bod  dted^t 
begrünbenbe  ^anblung  Der5ie^cn  Ijat,  fte^t  mit  bem  fat^otifd^en  unb  bem 
gemeinen  proteftantifc^cn  ©Ijercd^tc  unb  bcn  neueren  ©efcftgebungen  im  ®n* 
f lange  (ucrgl.  ©euffcrt  XLI,  113,  192,  XLIII,  25;  prcufe.  31.  S.  91.  II,  1 
§  720;  nümb.  e^ddcibungdorbn.  3h.  48;  gotl).  e^egef.  §§  79,  80,  101; 
altcnb.  (S^eorbn.  §  200  lit.  a,  §  262;  f d)n)arib. f onberöt).  @t)efd&eibungdgef.  §3; 
fäd^f.  ®.  93.  §§  1720,  1728,  1737,  1741,  1744;  code  civil  »rt.  272—274; 
bab.  S.  SR.  ©afe  272,  272  a,  273;  Ijcff.  (gntm.  Slrt.  84,  85).  S5urd&  ben  Sft  bcr 
aScrjci^ung  gicbt  bcr  ücrlcfttc  ®l)cgatte  ju  erfenncn,  bafe  oon  feinem  fubjeftiuen 
©tanbpunfte  aud  bie  @^e  burd^  baö  SSerfc^ulben  befi  anbercn  3^ei(efi  ni^t 
5crriittct  lüorbcn  ober  bod&  ieftt  nid^t  me^r  eine  icrrüttete  ift.  ^amit  ifl  ber 
©runb  ber  ©djeibung  l^inrocggcfallen.  S5en  SSertuft  beö  Sd^eibungfircd&tcfi  nid^t 
an  bcn  cinjelnen  2ßt  bcr  SBcrjcil;ung  alö  fold^en  ju  fnüpfen,  fonbem  crft  bann 
eintreten  ju  lajfcn,  mcnn  bie  SBerföljnung  fid&  baburd^  alö  eine  bauer^aftc  er« 
wiefcn  ^at,  ba^  oon  bcm  bercd)tigten  ©Regatten  bie  Sd^eibungdflagc  nid^t 
binnen  einer  bcftimmtcn  ^ift  nad)  erlangter  Slenntni^  befi  ©d^eibungfigrunbcfi 
cr()obcu  ift,  cmpfict|lt  fid^  nid^t,  t^eilö  im  ^inbtidc  auf  bad  geltenbc  dled^t, 
t^eils  im  Sntercfjc  ber  9(ufred)tcrl)altung  ber  Qf)c.  3n  Slnfe^ung  bcr  unter 
bcn  §  1444  fallenbcn  ©d^eibungdgrünbc  fann  bie  ^icr  fraglid^e  9Birhing  bcr 
'>Bcrjeit)ung  o^ne  äScitcrefi  fc^on  auö  bem  ^rinjipe  bcr  diclatioitöt  abgeleitet 
werben  l§  1444  9lbf.  1).  ®a  icbod)  jener  Saß  für  bic  abfohlten  Sdn^ibungfi« 
grünbc  audbrüdüd)  beftimmt  lucrbcn  mug,  fo  ift  cd  bei  bcr  äBid^tigfcit  ber 
grage  im  ^»tercffe  bcr  2)cutlid^fcit  bcö  ©cfcfecö,  um  aJlifegriffcn  ju  begegnen, 
rat^fam,  benfelben  gauj  allgemein  auöjufpred^en.  9lud^  in  bcm  ^Uc  beö 
§  1445  mufe  bic  SScräciljung  bcö  bcm  Jrcnnungöurt^cilc  ju  ©runbc  liegcnbcn 
Sd^cibungögrunbcö  noc^  gegenüber  bcr  ^lagc  auf  Sc^eibung  gcltenb  gemacht 
lucrben  fönncn,  mit  Slüdfid&t  barauf  icbod^,  ba^  icneö  Urtljcil  materiell  ben 


@4cibun9.    Srcmmng  ü.  2iW  «•  83ctt.    Slugf^ficfeuno    §  1446.         G03 

Äoraltcr  cincö  bcbingtcn  ©d^cibungöurtl^cUcö  ^at,  mä)  3lnalogic  bcö  §  68G 
ättf.  2  bcr  6. 5ß.  D.  nur  infofern,  als  bic  SBcrjciljung  fo  fpät  erfolgt  ift,  baij 
jic  in  bctn  früheren  SRed^töftrcite  nic^t  me^r  gcitcnb  gcmad^t  werben  tonnte. 
3ft  bogegen  bic  e^c  rcddtöfräftig  gefc^iebcn,  fo  fann  eine  oor  bem  Urt^eitc 
erfolgte  aScrjei^ung,  au^  wenn  bic  lefctere  fo  fpät  erfolgte,  bafe  fie  in  bem 
St^cibungöproicffc  nid^t  me^r  gcltenb  gcmad&t  werben  fonnte,  bem  ©d^eibungö« 
urteile  gegenüber  ebenfowenig  in  Sctrad^t  fommen,  wie  eine  erft  nac^  bem 
UrtJ^eile  erfolgte  SBerjei^ung.  aSBegen  ber  (Srünbe,  auö  weld^en  baß  (Segentl^eil 
inftbefonbere  quo  bem  §  686  SKbf.  2  ber  6.  %  D.  nic^t  l;ergeleitet  werben  tann, 
wirb  auf  bic  Sttotioe  ju  §§  1250,  1251  oben  ©.  51  ücrwiefen. 

Äuö  bcr  ratio,  joeld^e  ber  SBeftimmung,  bafe  bic  aSerjei^ung  ben  SBegfaD  ^^^^^^ 
bcs  Sd^eibungörcci&teö  bewirft,  ju  ©runbc  liegt,  folgt,  bafe  eö  für  btn  ©intritt 
bicfcr  SBirhing  gleid&gültig  ift,  ob  bem  Derjei^enben  (gfiegatten  bie  ®igenfd(iaft  ber 
oon  i^m  pcrjie^enen  ^anblung  ate  eines  Sd^eibungögrunbeö  befannt  war  unb  er 
burc^  bie  SBerjci^ung  ben  aSBegfall  beö  SRed^teö  auf  Sd^eibung  f)erbeifüf)ren 
wollte.  33ic  SBerici^ung  ift  ha^tx  im  ©inne  bcö  ©ntwurfcö  iebenfallfi  fein 
Scd^tfigefd^äft.  Ob  im  Uebrigen  bic  SJerjeil^ung  einen  tcbiglid^  tl^atfäd)Iid^en 
Äaraftcr  ^at  ober  aber  afe  eine  SRed^tdfianblung  aufjufaffen  ift,  auf  wcld^c  bie 
8orf4iriftcn  über  9leci&tögef(|afte,  foweit  biefelben  paffen,  analoge  3lnwcnbung 
finbcn  fonncn,  bcbarf  einer  befonbcren  gefefelidjcn  ©ntf^cibung  nid^t,  fonbern 
fann  unbebenfli^  ber  aBiffenfd^aft  unb  ^ßrajiö  übcrlajfen  werben  (oergl.  @ntfd^. 
b.  5».  ®.  in  ßioilf.  XV,  34  ©.  167).  SDieö  gilt  inöbcfonberc  aud&  oon  ber 
groge,  inwieweit  bie  allgemeinen  (Srunbfäjc  über  bie  SBcbingungen  auf  bie 
Scrjei^ung  anwenbbar  finb  unb  eine  SScrici^ung  unter  einem  3Sorbef)aIte 
erfolgen  fann  (oergl.  fäd^f.  ®.  93.  §  1721;  altenb.  e^eorbn.  §§  201,  202; 
fc^ioar}b.fonbcrd^.  @f)^i)tib\xnsßQt^.  §  3). 

Db  bic  SScrjcil^ung  t)or  ober  nac^  erijcbung  ber  Ätage  auf  SdSieibung  '^JJf jj/^^ 
ober  auf  2^rcnnung  uon  Xifd^  unb  Sett  erfolgt,  mad)t  feinen  UnterfdSiicb  f^^weigenbe 
(oergf.  code  civü  3lrt  272;  Ijcff.  ©ntw.  2lrt.  84),  cbenf owenig,  ob  bie  SSer*  »«ict^uits. 
jci^ung   außbrüdlid^    ober   ftiUfd^weigcnb    erflärt  ift  (Dcrgl.  ©euffert  XLI, 
113,  192;  fäd^f.  ®.  S3.  §§  1720,  1728,  1737,  1741;  code  civil  2lrt.  272—274; 
Wf.  (Sntw.  art  84),    3)ic  abweiddcnbc  SBeftimmung  beö  preufe.  21.  S.  9?.  II,  1 
§  720,   nad^  wcld^er  bie  SBerictl^ung  eine  auöbrüdlid^e  fein  mug  (oergl. 
entf(^.  b.  m.  ®.  in  Sioilf.  XV,  68;  Urt^.  b.  3?.  ®.  bei  ®rud(|ot  XXX 
S.  131),  eine  Seftimmung,  weld^e  aud^  in  anbere  neuere  ®efe6gebungcn  über- 
gegangen  ift  (oergl.  nürnb.  ®^cfd)eibungöorbn.   91r.  48;   f d^warjb.  f onberöl). 
eiW^eibungögef.  §  3;  altenb.  Sl^corbn.  §  200  lit  a;  got^.  ß^egcf.  §§  80—82, 
101,  tefttereö  icbod&  jum  3;f)eil  anberö),  fü^rt  jii  einer  nid^t  ju  biDigenben  unb 
inöbcfonberc  auc^  burd^  praftifd)e  9lüdfidiiten  nid^t  gebotenen  @r(eid(|terung  bcr 
Sc^eibung.  älnlangcnb  bic  Don  hm  neueren  ®efe|gebungcn  jum  ^i)dl  t)erfd)ieben 
beantwortete  grage,  ob  unb  inwieweit  bie  fieiftung  bcr  ef)e(id(|en  ^^Jfti^t  nadfi  er*  in*&efonbcrc 
longtcr  Slenntnife  beö  ©c^eibuugögrunbcö,  namentlich  im  gallc  beö  S^ebrudfieö  ^'bTA ^clS'en^ 
unb  einer  bem  festeren  glcii^gcftcDtcn  ^anblung,  alö  ftillfd&weigenbe  SSerjei^ung     VP»^'- 
oniufe^en  ift  (oergl.  cinerfeitö  föd)f.  ®.  83.  §§  1720, 1728;  bab.  S.  31.  ©aß  272  a; 
onbercrfcitö  preufe.  31.  2.  SR.  II,  1  §  722;  nürnb.  ef)efd(|eibungöorbn.  91r.  48; 
ferner  über  bie  gemeinred^tad^e  ^rariö  Seuffert  XVIII,  144,  XXVII,  227, 


•G04         Sd6cibuno.    iTrennimö  i\  £if*  u.  SSctt.    3{u§f$lic6unö.    §  1447. 

XXX,  37,  XLI,  113,  XLII  123),  fo  [öfet  \iä)  in  biefcr  SJcjic^ung  bei  bcr 
aScffddiebcnljeit  bev  in  SJctrad^t  fommenbcn  gättc  eine  allgemeine  gcfefelid&c 
Siegel  nid^t  oufftetten;  Dielmeljr  fommt  es  auf  bie  Umftänbe  befi  einjetnen 
galleö  an.  ©in  Sebürfnife,  burc^  eine  pofitiüc  S3orfd)rift  naci&  bcr  einen  ober 
bcr  anbcren  9lid)tung  einjugrcifen,  liegt  nid^t  cor. 

"SBerj^t.  ©ie  bcftelienbcn  9led>te  erroööncn  faft  burd^meg  nur  bie  Söersei^ung, 

nid^t  aud)  bancben  ben  Sßerjid^t  auf  bad  ©d&eibungörcd&t  (uergl.  iebocft 
fd)iüarjb.fonberß]&.  ®f)efd&eibungögef.  §  3).  ®aß  preu^.  31.  S.  SR.  II,  1  §§  720, 
722  gebrandet  bie  9luöbrüdfe  „JBcrjtd^t"  unb  „SSerjci^ung"  als  gleidjbcbeutenb. 
Db  in  ©rmangclung  einer  befonberen  Seftimmung  auf  baä  Med^t  ber  Sdjeibung 
rcd^tögefd^öftlid^,  fei  cS  burd)  cinfeitige  SBittcnöcrWärung  ober  burd&  SSertrog, 
wirffam  t)eriidE)tet  werben  fann,  ift  mit  Slüdffid^t  auf  bie  befonberc  Statur  bcö 
©djcibungöred^teö,  meld^cß  aus  fittlid&en  ©rünben  geiofi^rt  wirb  unb  bei 
meld^em  aud)  baö  öffenllid^e  3ntereffe  fon!urrirt,  nid&t  jroeifelloö,  jumat  eine 
allgemeine  SSorfd)rift  über  bie  S5erjid(|tbarfeit  ber  Siedete  wegen  ber  ucrfdöieicnen 
Siatur  ber  einjelnen  Siedete  in  baö  ©cfefebud)  nicftt  aufgenommen  ift  (oergl. 
©euffert  XXXV,  134).  Slnüpft  man  Jebod^  an  bie  SSerjeil^ung  ben  SBegfaÜ 
beö  Sd^cibungöred^teö,  fo  ift  eine  befonberc  93eftimmung  über  bie  SScrjit^t- 
barfeit  biefcs  dtc6)\z^  entbel^rlid),  ba  i^egelmäßig  in  bem  S3crjid&te  aud^  eine 
SJcrjeiljung  liegen  mirb,  ©ö  fann  baffer  bie  Söfung  iener  gragc  iinbebcnflitj 
ber  3urißpruben3  überlaffen  werben. 


§  1447. 

*b*  Ä^ft^-r  '^'^  ^^^  äl)nlid)e  SSorfd&riften  ucrfd^iebcner  neuerer  O^fc^gebungcn  fwh 

"abia«r''  anf^liefeenbe  Seftimmung  beö  §  1447  9lbf.  1  (ocrgl.  preufe.  21.  2.  fR.  II,  1 
§  721  unb  baju  ©ntfd^.  b.  91.  ©.  in  ©ioilf.  XV,  68;  nürnb.  GHd)eibungSorbn. 
Sir.  48;  fd&warjb.fonberßl).  eH^eibungögef.  §  3;  got^.  (S^egef,  §§81,  101; 
altenb.  e^eorbn.  §  200  lit.a;  fät^f.  ®.  33.  §§  1720,  1728,  1739,  1744)  beruW 
auf  ät)nlid)en  Grroögungeu,  wie  bie  aud^  ber  Raffung  nad)  cntfprec^enbc  38or? 
fd^rift  beö  §  1264  Slbf.  1  (oergl.  bie  aftotioe  ju  §  1264  oben  ©.  93  ff.).  9Cuf  ben 
S3eginn  unb  ben  Sauf  ber  ^röfluftofrift  ift  eö  ol^ne  @influ§,  ob  bie  G^egatten 
faftifc^  getrennt  leben.  S)ic  anfd^einenb  auf  einer  abmeid^enben  Sluffafiung 
bcruljcnben  a3orfd)riften  beö  preufe.  31.  y.  Sl.  II,  1  §§  720,  721  (ücrgt.  [eboc^ 
Gntf4  b.  %  ö).  in  ßiuilf.  XV,  68)  Dcrbienen  feine  Billigung,  weil  baburc^ 
bie  faftifd^e  2:rennung  ber  Gfjegatten  begiinftigt  wirb  unb  jubem  bie  gcft* 
ftellung  beö  Slnfangeö  unb  beö  9luf^orenö  beö  faftifd^en  Oetrenntlcbcnö  ber 
Gl)egatlen  ju  praftifd^en  ©d^ioicrigfeiten  ful;rt.  Slufterbem  bro^t  bie  SJ^ 
ftimmung,  bag  bie  ^röfluftofrift  nid)t  beginnt  unb  läuft,  fo  lange  bie  GlK* 
gatten  getrennt  leben,  ben  ^wcd  ber  ^^iröflufinfrift  ju  ücreiteln,  ba  bcr  ®nmb 
ber  5?orfd^rift,  bafe  baö  Siedet  auf  ©d^eibung  unb  auf  S^rennung  Don  S'ifdi 
unb  93ett  burd^  ben  9tbtauf  ber  5ßrfif(ufit)frift  auögefd)loffen  werben  folf,  nidbt 
lebiglid)  auf  ber  Dcrmutf)etcn  SScrjciljung,  fonbern  juglcid)  auf  bem  ©cfidblö^ 
punfte  berul)t,  baf5  bcr  33cftanb  bcr  Gf)c  nid)t  auf  längere  3<^it  ein  iinndjcrcr 
fein  foU. 


©(ficibunfl.    Srcnnunfl  t>.  Sif(6  u..  Scth    atiiS-fd&ne&imö.    §  1447.        605 

£er  §  1447  2lbf.  1  allcgirt  nic^t  Qiid)  bcn  §  1443.  SBcnngIcid)  von  »usna^mc  int 
bcm  biefcr  SBorfd^rift  ju  (Sninbc  ficgcnbeu  ©cfidötepiinftc  auö,  baß  bic  ©djcibung  ^crfa^ifn*^^ 
wegen  bofilid^er  Serloffunfl  [id^  auf  ein  in  bcr  SBcrgongcnl^eit  Ucgcnbcö  aScr« 
fc^ulbcn  grünbct  (uergl.  aWotioc  ju  §  1443  oben  ©.  591  ff.)/  ^^i^  Ucbcrtragung 
Der  Scftimmungcn  bcs  §  1447  3lbf.  1  auf  bic  gällc  bcä  §  1443  an  ftd^  nid)t 
ausgcfd^loffen  fein  würbe,  fo  ift  biefclbe  boä)  im  ^inblirfc  auf  foId)c  bie  Siegel 
Mlbcnbc  %SSit,  in  rotld}cn  bic  9lenitenj  bcö  ©Regatten  nodd  ^^^  ^^^ 
Antritte  ber  SBorouöfefcungen  ber  ©d^cibung  tocgen  bödlic^er  SBerlaRung  fort- 
bauert  ni^t  angcieigt 

I)ie  Seftimmung  bcö  §  1447  äbf.  2  bcjwedt,  bei  bem  SReddte  auf  «uierorbent^ 
S<^cibung  unb  auf  SCrennung  t)on  X'x^äf  unb  33ctt  bic  orbcntliddc  aSeriäfivung  ^***  *''^'* 
(§  155)  }u  erfeftcn  (ücrgf.  auc^  föd^f.  ®. ».  §§  1719,  1728,  1739).  ®a  jeneö 
Ae(^t  ft^  nidbt  atd  ein  älnfprud^  barfteUt  fo  fönnen  bie  ©ruubfäge  über 
bic  Snfprud&Äocriäl^rung,  weld^e  allerbingö  gemeinredötüd^  (oergl.  ©euffert 
XXX,  188)  unb  übenoiegcnb  anä)  naä)  franj.  3led&te  (code  civil  2lrt.  2262) 
für  anioenbbar  gehalten  werben,  nac^  §  154  feine  Slnroenbung  finben. 
Sftcr  aud^  abgefe^cn  bat)ou  rofirben  jene  (Srunbfäfie  im  .^inblidfe  barauf, 
bofe  no^  §  182  3lbf.  1  bie  SSeriäfirung  nur  eine  ©inrebe  begrünbet,  auf 
wA^c  oerii(Jötct  werben  fann,  ju  einem  bem  Söcfen  ber  ©bc  unb 
bcö  S(|eibungöred^ted  imangemeffencn  SRefuftate  fül;ren.  Snbeffen  fpredjcn 
bic  ©runbe,  ouf  meieren  baß  ^nftilut  bcr  ^Knfpruc^öoeriätirung  beruf)t,  bafür, 
eine  an  bie  orbentlidde  9Seriät|ningsfrift  fxä)  anfd^Iiefeenbc  ^ßräflufiofrift  uon 
brcifeig  Sö^ren  fcftjufeften,  bamit  riidEftddtlid^  fo  weit  jurüdfUegenber  S:f)at* 
kdj^  ber  Streit  barüber  abgefd&nitten  wirb,  ob  unb  wann  ber  Sercd^tigte 
oon  bem  Sd^eibungßgrunbe  Äenntnife  erlangt  ^atte. 

Sie  jur  SRilberung  ber  mit  einer  5ßröf luftufrift  Dcrbunbenen  fc^arfen  ^emmuno  jc. 
Sirfungen  bicncnbe  SBorfd^rift  bcö  §  1447  9lbf.  3  entfpriddt  bem  §  1264  3lbf.  2 
(oergL  bie  aÄotiüc  ju  §  1264  oben  S.  93  ff.). 

25urc§  bic  S5eftimmung  beö  §  1447  2Ibf.  4  Safe  1  wirb,  fooiel  bie  Älage  fiakuno 
öuf  Sc^ibung  unb  ouf  ä^rennung  uon  Sifd^  unb  83ett  betrifft,  bie  SBorfd&rift  '"^rmufe"^* 
te  §  571  3ttf.  2  ber  6.  ^.  D.  erfefct.  3)er  3ufa|  im  §  1447  3lbf.  4  Soft  2, 
b«&  bie  Sobung  jum  ©ül^nctcrminc  i^rc  SEBirfung  verliert,  wenn  nid^t  binnen 
bm  aWonaten  feit  bcr  S5eenbigung  beö  ®ü|netermineö  bie  Älage  erhoben  ift, 
beruht  auf  ber  ©rwägung,  bafe  ol^ne  bicfe  Seftimmung  ber  bered&tigte  ®f)egatte, 
wenn  er  burd)  bie  Sabung  jum  Sül^nctcrmine  bie  im  §  1447  2lbf.  1,  2  be^ 
ari^neten  griften  gewal^rt  $at,  eö  in  bcr  $anb  l^aben  würbe,  bic  ftlage,  fofern 
biefelbe  nid^t  nad^  §  1446  burd^  93er)ei^ung  auögcfd^loffen  fein  foUte,  nod^ 
no^  beliebig  langer  QAt  ju  crl^ebcn,  ein  Siefultat,  wel(^eö  mit  bem  SBefen  ber 
%  unvereinbar  ift.  gür  ben  gaU  bagegen,  mcnn  bie  griften  bcö  §  1447 
3ttf.  1,  2  burd&  Sr^ebung  ber  ftlage  gcwalirt  fmb,  bebarf  eö  einer  weiteren 
^'timntung  nid&t,  um  }u  ücr^inbern,  ba^  ber  3n)erf  ber  ^räf lufiwfrift  oereitelt 
werbe.  9Hmmt  ber  ftWger  bie  ftlage  iurüct,  fo  gilt  biefelbe  nad&  §  243  3lbf.  3 
ber  6.  %  D.  alö  nid^t  erhoben  unb  ift  beöbalb  bie  «ßräflufiofrift  n\i)t  burd^ 
bie  iurürfgenommene  ftlage  gewal^rt.  2ä§t  ber  ftlöger  bie  ftlage  liegen,  fo  ift 
ber  Seflogte  in  ber  Sage,  btn  ^ßrojcfe  weiter  ju  betreiben.  SEBirb  bie  ftlage 
wegen  SRangelö  einer  ^Projefeoorauöfcgung  abgewiefen,  fo  fehlte  eö  übcrt)aupt 


C06        ©c&cibunß.    Srennung  ü.  %i]i}  u.  Sctt.    2tu§f(6Ite6unö.    §  1448. 

an  einer  jur  S)urci(|füt>vunfl  bcS  ©(^cibungörcd^ted  unb  jur  SDäaljrung  bcr  grift 
geeigneten  Älage  (oergl.  §  171  3lbf.  1).  ©rfolgte  bie  Sftroeifung  ber  Äfoge 
wegen  ungenügenber  ©ubftantiirung  —  fofem  eine  fofd^e  Slbroeifung  nad^  ben 
a3orf(5riften  ber  6.  5ß.  D.  überl^aupt  nod^  uortommcn  fann  (oergl.  ®ntfd^.  b. 
5R.  ®.  in  eit)tlf.  VI,  107,  IX,  120  ©.  418)  —  fo  fd^üfct  gegen  eine  SBieber* 
^olung  bcr  Ä(age  bie  Sßorfd^rift  beö  §  576  ber  6. 5ß.  D. 
(stnfiuf  ber  2)er  ben  SBorfd^riften  ber  §§  574,  576  ber  6.  %  D.  jn  ©runbe  licgenbc 

TuT^wc^  grift  ®ebanfe,  bafe  bur(|  bie  (Srficbung  einer  auf  einen  bcftimmten  Sd^eibungö-  ober 
SE:rennung3grunb  geftüftten  Älage  (§  592  ber  6.  %  D.)  gfcidjroo^I  baö  eJ^elidj^c 
aSer^äÜnife  in  feiner  S^otalität  jum  ©egenftanbe  beö  ^rojeffeö  gemad^t  wirb, 
fül^rt  fonfequent  ju  ber  33eftimmung  beö  §  1447  9lbf.  5  (üergt.  entfd^.  b. 
S».  ®.  in  ©iuilf.  XV,  68).  ©iefclbe  ift  namentlid)  im  ^inblidfe  auf  fold^c 
g&Ue  q(ö  angemeffen  }u  erad^ten,  in  n)eld^en  ein  (Sl^egatte  ein  bead^tenön)ertl^eö 
Sntereffc  boran  l^at,  geraiffe  ©cf^eibungögriinbc  in  bem  ^rojeffe  uorlänfig  ju 
t)erfd)n)cigen. 

§  1448. 

»emitjunfl  SBenngleid^  bie  Seftimmung  beö  §  1448  olö  felbftüerftänbUd^  betrachtet 

fle^foffenen  ^^^^^^  fönnte,  Weil  in  bem  ooraiiögefefeten  galle  ber  auögefd^Ioffene  ©c^eibungö- 

e<^ctbunflfl.  ober  2^rennungögrunb  nid^t  alö  felbftänbige  red^töerjeugenbe  2:^atfod^e,  fonbern 

grunbe«.    ^^^  ^^^  Äarofterifirung  unb  jum  SSeiDcife  eineö  neuen  Sd^elbungö^  ober 

2:rennungögrunbeß  in  S3etrad^t  fommt  (uergl.  ©euffert  VIII,  267,  XII,  37), 

fo  ift  es  bod&  wegen  ber  praftifd^en  SBid^tigfeit  ber  grage  unb  jum  Qro^dc  bcr 

Sefeitigung  oon  gweifeln,  meldte  a\i&  bem  ©d^weigen  beö  ©efefeeö  fid^  ergeben 

fönnten,  nad)  bem  SBorgangc  anberer  ®efe|gcbungen  (code  civil  9Irt.  273; 

bab.  S.  9t.  Saß  273 ;  l)eff.  @ntro.  9lrt.  85)  alö  ratl^fam  erad^tet,  jene  SBeftimmung 

aufjunel^mcn.    3)urd^  bie  allgemeine  Raffung  beö  §  1448  werben  fowobl  bie 

gäUe,  in  weld&cn  baS^  Sted^t,  bie  Sd^eibung  ju  verlangen,  burd^  SSerjeü^ung 

ober  3citabtouf  (§§  1446,  1447),  alö  aud)  ber  gall,  in  wefd^em  jeneö  Stecht 

in  ®emä6^eit  beö  §  576  bcr  6.  %  D.  anögefd^loffen  ift  (oergl.  bie  neue  gaffung 

beö  §  576  ber  ß.  ^.  SD.  in  ber  2lnm.  ju  bem  Unterabf^nittc  „IV.  Ungültigfeit 

ber  6l;e"  unter  II,  5),  gcbcdft. 

§  1449. 

antj(^eibung  S)ie  mit    bcu  mciftcu    geltenben  9lcd^ten  im  (Sinftangc  ftel^enbc  83c- 

et^uJbfroge.  ftin^w^ung  beö  §  1449  Saß  1,  ba^  bcr  3lid&ter  in  bem  Urtl^elle,  burd^  weld&cö 
auf  Sd^eibung  erfannt  wirb,  üon  3lmtöwcgen  fid&  barübcr  auöfprcd&en  mufe, 
wer  ber  fd^ulbige  3::^eil  fei  (oergt.  Scuffcrt  XLI,  1 ;  prcufe.  31.  S.  91.  II,  1 
§§  745  ff.;  preufe.  ®ef.  für  bie  5|Jromnj  ^annoDer  t).  1.  SWärj  1869  §  27; 
nürnb.  ß^ef^eibungöorbn.  9lr.  56;  gotl^.  ®§egef.  §  154;  fd^warjb.fonbcröö. 
®^efd(ieibungögef.  §  15),  ift  mit  SRüdffidf)t  barauf  geboten,  ba^  bie  jiuilred&t* 
lid^en  SSirfungen  ber  Sd&eibung,  ie  nad^bem  nur  bcr  eine  ®^egattc  ober  jebet 
ber  ©l^egattcn  ber  fd^ulbige  SE:i^eil  ift,  in  mel^rfad^er  SBcjiel^ung  fid^  oerfd^ieben 
geftatten  (ocrgl.  §§  1453,  1454,  1456).  ©a  aber  mä)  %  1461  in  SBerbinbung 
mit  §  1456  bie  Sd^ulbfrage  au^  in  bem  gaHe  uon  Sebcutung  ift,  wenn  nur 


SicibuiiQ.    2:rcnnun0  t?.  3:ifc&  u.  a3ctt.    (Sd&ulbfrvige.    §  1449.  GOT 

auf  S^rennuitg  Don  Xx^ä)  iinb  83elt  crlannt  wirb,  fo  ift  cö  crf orbcrKd^ ,  ba§ 
auä)  bcrcttfi  in  bem  2;rcnnungöurtl)cile  (§  1444)  iibcr  bic  ©d^ulbfrogc  ent^ 
fc^icbm  Toirb.  SSom  Stanbpunftc  bcö  (Sntrourfcö  aus,  ipcld^cr  baß  S^rcnnungö^ 
urt^eil  materiell  als  bebingted  Sd^eibungdurt^eil  bel^anbelt  (t)crg(.  §  1445 
nebft  3KotiDen  oben  ©.  599  ff.)/  fann  bieö  einem  Sebenfen  nid)t  unterliegen. 
Snßbefonbere  ift  nid^t  ju  beforgen,  ba^  baburd)  ber  3«^^*  ^^^  S^rennnng  von 
Xi^ä)  nnb  Sett,  eine  Sluöfo^nung  unter  ben  Gljegatten  ^erbeijufü^ren,  ge* 
fäfirbct  werben  fann,  ba  eö  fid^  nur  barum  Ijanbelt,  in  bem  S^rennungös 
urt^cile  baöjenige  formell  außjufpred^en,  maß  materiell  in  bemfclben  a(ö 
einem  bebingten  @d^eibungdurt^ei(e  not^menbig  enthalten  ift.  @ine  nod^malige 
materielle  5ßrüfung  unb  ßntfd&eibung  berfelben  grage  wirb  baburd^  nid^t  oer- 
anlaßt.  9hir  in  3[nfel)ung  beö  Älägerä  fann  in  bem  ^ßrojeffc  über  bie  auf 
@runb  bcö  §  1445  crl^obcne  ©d^eibungötlage  eine  felbftänbige  5ßrüfung  unb 
Gntf (Reibung  ber  ©d&ulbfrage  erforberlid^  werben,  wenn  in  bem  S^rennungö- 
urt^eile  allein  ber  SSeflagte  für  ben  fd^ulbigen  SC^eil  erffört  worben  ift, 
berfclbe  aber  von  bem  il;m  nad^  §  1449  Sofc  2  juftel^enben  SHed^te  ©c^ 
bxauä)  mac^t. 

5Da  ber  ©ntwurf  nur  foId)c  ©d^eibungö^  imb  3:rennungögrünbe  fennt,  abie^nuna 
wcld^c  auf  einem  aSerfd^uIben  berufen,  fo  ergiebt  fid^  oon  felbft,  bafe,  wenn  Abwägung«. 
auf  Sd^eibung  ober  Trennung  oon  3;:ifd^  unb  S3ett  crfannt  wirb,  ber  ©begatte,  fpf^eme«. 
gegen  meieren  bie  Älagc  erf)oben  ift,  für  ben  fd^ulbigcn  SC^eil,  unb  wenn  ein 
jeber  ber  ©Regatten  auf  Sd^eibung  ober  S^rennung  t)on  2^ifd^  unb  S3ett  ge- 
sagt ^at  unb  beibc  ftlagen  für  bcgrünbet  erad^tet  werben,  jeber  (S^egatte  für 
ben  fd^ulbigen  Xf)dl  erflärt  werben  mufe.  2)aö  bem  preufe.  31.  S.  SR.  II,  1 
§§  746—750,  ber  nürnb.  6f)efd)eibungöorbn.  3lx.  56  ff.  unb  bem  gotl^.  ß^egcf. 
§§  155—157  ju  ©runbe  liegenbe  5ttbwägungöfi)ftem,  nad&  weld^em,  wenn 
beibc  2^^eile  fic^  gegenfeitiger  Vergebungen  fd^ulbig  gemad^t  l^aben,  in  bem 
Urtl^eile  ju  beftimmcn  ift,  ob  unb  bei  weld^cm  S^^eile  baö  Uebergewid^t  ber 
S^ulb  obwaltet  unb  nad)  wcld^em  nur  bcrjenige  3:^^cil,  weld^em  ein  Uebcr- 
gewidjt  ber  ©d^ulb  jur  Saft  fällt,  bie  ben  fc^ulbigen  2:^eil  treffenben  bc- 
fonberen  9iad^t^eilc  erleibet,  ift  weber  prinjipicU  }u  red^tfertigen,  ba,  wenn  bic 
6^c  auf  ®runb  ber  beiberfeitigen  SBerfd^uIbungen  gefd^ieben  wirb,  bie  lefetercn  in 
i^rer  SBirfung  auf  bic  @f)t  ate  gteid^  fd^wer  erfd^eincn,  nod^  auö  praftifd^cn 
©riinben  ju  empfel^Ien,  weil  bie  Slbwfigung  ber  Derfc^iebenen  Orabe  ber  SScr- 
f(iulbung  mit  ©d^wierigfeiten  üerbunben  ift  unb  leidet  ju  einer  aSerweit^: 
iäufigung  ber  ©d^eibungöprojcffe  fül^ren  fann.  3luö  biefen  ©rünben  f)aUn 
ani)  ber  preufe.  ©efeferepifor,  5ßenf.  XV  §§  69,  70,  unb  bic  fpätcren  preufe. 
Entwürfe  über  ©^ef^eibungen  fid^  gegen  jened  lanbred^tlid^e  ©pftem  erflärt. 

Um  ben  a3dlagten,  weld^er  feinerfcits  bie  ©d^eibung  ober  bie  SCrennung    e<*uiM9' 
uon  2:ifd^  unb  S3ett  cbenfaDö  ju  verlangen  berediitigt  ift,  aber  melletd&t  aus  ^äwöT«  au  * 
Oewiff enfibcbenfen  ober  überhaupt  im  Sntereffe  ber  Slufrcc^tcrl^altung  ber  ßl>c  ^^  ^^Jjj"^*^ 
eine  aOBiberflagc  nid^t  ju  erfieben  wünfd^t,  nid^t  in  bie  S^angölage  ju  Derfe|en,  * 
entwebcr  eine  SBiberflage  erl^ebcn  ober  bie  SHad^tfieile  auf  fid^  ncl^men  ju 
muffen,  weld^c  bm  aBein  für  ben  fd^ulbigen  2^^eil  erflärten  ©Regatten  treffen, 
beftimmt  ber  §  1447  Safe  2  im  STnfd^Iuffc  an  bie  gleid^e  aud^  in  ber  gemein- 
rcd^tlid^en,  ber  preuß.  unb  ber  franj.  3uriöprubcnj  vertretene  2luffaffung  (ocrgt. 


608  ©(ficibunö.    3:rcnnun0  t).  lifc^  ii.  33ctt.    ©dBuIbfraQc.    §  1449. 

a\x6)  ()cff.  ©ntra.  3lrt.  86  ncbft  aJlotiocn  ©.  96  ff.)/  bog  bic  83eftimmung  in  bcm 
Urt^cilc,  bofe  icbcr  6f|cgattc  bcr  fd&ulbifjc  Xf)cH  fei,  oiif  älnlrag  bc«  ©cttagtcn 
auc!^  bann  erfolgen  mu6,  rocnn  ber  Settogtc  bie  Sd^eibung  obci*  bic  2:rcnnunft 
von  3:^ifd&  imb  SSctt  ju  ocriangcn  bcrcd^tigt  ift,  eine  SBibcrMogc  aber  nic^t 
erhoben  f)at.  Sadfelbe  foU  nad^  §  1447  @ag  2  bann  gelten,  n^cnn  bai^ 
9lcd)t  bcö  S3ef(agten  auf  Sd^cibung  ober  auf  S^rcnnung  oon  X\\ä)  unb  S3ctt 
burd)  S8erjcit)ung  (§  1446)  ober  burd^  S^üöblauf  auögefd^Iof[cn,  bcr  SJerluft 
beö  SRcd^tcö  aber  erft  mö)  ®ntftc()ung  beö  oon  bcm  Äläger  gcitcnb  gcmad^tcu 
SdEieibungögrunbcö  eingetreten  ift.  S)icfc  lefitere  83eftimmung  fnüpft  an  bie 
in  bcr  prcufe.  ©oftrin  unb  5ßrafiö  ucrtrctenc  2luffaffung  an,  bag  ein  t)cr* 
ikf)c\\tx  S^cibungsgrunb  (31.  S.  3«.  II,  1  §§  720,  721)  für  bic  entfd&cibung 
bcr  Sdjulbfragc  nod^  gcitcnb  gcntad^t  werben  tonne  (ocrgt.5ßrfii.b.Db.^rib.  1776, 
6amml.  I,  156;  ©triet()orft  VII  ©.  113;  ©efcferet).,  ^enf.  XV  S.  427,  388; 
anbercrfeitö  ®ntf^.  b.  M.  ®.  in  Siüilf.  XV,  68).  5Der  (gntrourf  gc^t  fcbod)  baoon 
aus,  bag  fein  audrei(4enbcr  (Srtmb  vorliegt,  biefen  @a^  aud^  auf  bcn  gaQ  aus« 
3ubel)ncn,  in  loeld^em  bcr  %cf (agte,  nad^bem  er  einen  ii)m  }uftet)enben  Sä)c\buncfi^ 
grunb  ocrjiel)en  fiattc,  bie  baö  ©d)eibungöred^t  beö  Älägcrö  bcgrünbenbc  ^anb^ 
hing  begangen  l)at.  3m  ©cgent^cil  mürbe  cd  für  bcn  Äläger  unter  Umftänbcu 
l;art  unb  unbillig  fein,  menn  aud)  er  für  bcn  fd^ulbigcn  S^^cil  erMört  mcrbcn 
fonntc,  obrooljl  bcr  Sd&cibungös  ober  S^rcnnungftgrunb,  ju  meld&cm  er  SScr- 
anta^fung  gegeben  liattc,  t)ielteid)t  mcit  in  bcr  aSergangen^eit  jurürfliegt  uni> 
bic  fd^äblid^en  folgen  feiner  ^anblung  längft  Dcrfd^rounben  finb.  9lnbercrfcitö 
fann  in  ber  9lid^tbcrüdEfid&tigung  beö  burd&  SSerjeifiung  ober  3citablauf  aus* 
gcfd^loffencn  Sd^eibungö?  ober  S^reitnungögrunbcö  in  icnem  gallc  eine  Un« 
billigfeit  gegen  bcn  SBeftagten  nid^t  gefunben  mcrbcn.  Slnbcrö  liegt  bagegcn  bie 
Sad^e  in  bcm  im  §  1447  ©aß  2  am  Sd^luffc  oorauögefcfeten  gallc.  3u 
biefem  ^^alle  rül)rt  bie  ^anblung  beS  SSeflagten,  auf  ©runb  bercn  bic  ©d^eibung 
ober  bic  2'rennung  pon  2:ifd&  unb  93ett  er!annt  mirb,  aus  einer  3^^  fl^r,  in 
tocld^er  bie  @^c  eine  aui)  hnxö)  bie  ©d^ulb  bed  jllägcrö  zerrüttete  mar  unb 
anä)  bcr  33ctlagte  bic  Sd^cibung  ober  bie  2^rennung  von  Xi^tS)  unb  Sett  ocr* 
langen  fonntc.  ^n  einem  fold^en  ^allc  liegt  bie  Slnna^mc  nal^e,  bag  bcr  35c^ 
f lagte  bcn  ©dgcibungdgrunb  ober  S^rcnnungdgrunb  in  ber  Srmartung  Dcrjicl^en 
bcjm.  binnen  ber  ^räfluftofrift  nid)t  gcitcnb  gemadgt  l)at,  bag  auc^  bcr  Stläger 
bcn  i()m  iuftel^cnbcn  ©d^cibungS:«  ober  !£rennungögrunb  nid^t  geltenb  mad^eii 
roerbc.  ®ö  mürbe  bc8l)alb  unbillig  fein,  .menn  ber  SScftagtc  in  biefem  gallc 
auf  ©rutib  beö  burd^  93crieil^ung  ober  3cttablauf  audgefdf^loffenen  ©d^eibungö^ 
grunbcö  ober  Srcnnungögrunbcö  nid^t  einmal  bcn  Slntrag  fotttc  ftellen  fönucn, 
bafe  ani)  bcr  Kläger  für  bcn  fd&ulbigen  2:t)cil  erflärt  merbe.  Die  l^ier  fraglid^e 
Scftimmung  bejieljt  ftd^  übrigens  nur  auf  folc^e  ^älle,  in  meldten  bad  Siedet 
beö  Seftagten  burd^  aScrjeil)ung  ober  3«itablauf  auögefd^loffcn  ift.  S)agcgcn 
fann  bcr  im  §  1449  ©ag  2  gebadete  Eintrag  bcd  Seftagtcn  gegenüber  bcv 
.Hlage,  burd^  meldte  na^  9)taggabe  bed  §  1445  älbf.  1  auf  ©rtinb  bcd  früheren 
i^rcnnungdurt^cilcd  bie  ©d^cibuttg  oerlangt  mirb,  auf  fold^e  ^^atfac^en  nid)t 
gcftufct  mcrbcn,  mcld&c  nad^  §  576  ber  6.  ^.  D.  (ucrgl.  bic  9lnm.  1  ju  33udj)  IV 
aibfd)n.  1  ^it.  1  §§  1250  ff.  unter  11,5)  bcöl)alb  außgcfdjloffcn  fmb,  meil  bic* 
fctbcn  in  bcm  friiljcrcn  9lcd^töftreitc  l)8ttcn  gcitcnb  gcmad)t  mcrbcn  fonncn» 


Sd)eibuno  2c.   Urt^eilgformel.    ^roiegfo^iöfeit  2C.   §§  1450,  1451.         609 

35aö  Urt^eil,  burd^  roeld^cö  ber  eine  ober  anberc  S^egattc  ober  beibe 
ß^egatten  für  bcn  fd^ufbigcn  X'^txl  ertlärt  werben,  f)ai  in  9lnfef)ung  ber  baran 
fid^  fnüpfcnben  red)tlid^en  SGßirfungcn  einen  fonftitutiüen  Äarafter. 


§  1450. 

2^ic  SSeftimmung  beö  §  1450,  welche  lebiglic^  ben  Äorafter  einer  Drb^   S(^cibu«ö 
nungöüorfd)iift  ^ot,  bejwecft,  bie  S)urd^fü^rung  beö  im  §  1237  beftimmten  n^^b^^. 
ß^eoerboteö  ju  fid^ern.    SBenngleid^ ,  um  ba^  ®l|et)erbot  beö  §  1237  ju  be-  ^^^^^^  ^^^ 
grünbcn,  bie  Sejeicbnung  besjenigen,  mit  n)el(ibem  ber  ©Iiegatte  beö  ®^ebrud^eö    urtwi«- 
[x6)  fc^ulbig  gemad^t  1)at,  in  ber  Urt[;eiIöfonnet  nid&t  erfolgt  ju  fein  brQud^t,     ^°""*^ 
fo  ift  es  bo^  im  Sntereffe  ber  ©rieid&terung  beö  3)ienfteö  ber  Stanbeöbeamten 
angemejfen,  bcn  SRid^ter  anjumeifen,  bie  ^crfon  beö  mitfdE)uIbigen  Sritlcn  in 
ber  Urt^eilöformel  ju  bejeid&nen.    S)a6  bie  Sejeid^nung  nur  inforoeit  ju  er- 
folgen  f)at,  qIö  bie  SSerbanblungen  bie  ^^ierfon  beö  ©ritten  ergeben,  entfprid&t 
bem  bie  6.  3J.  D.  beEjerrfd^enben  ©runbfafee  ber  aJlünblid^feit.    3n  ber  SRe* 
oifionöinftan}  fann  ^iernad)  bie  33ejeid)nung,  obrool)!  bie  3Sorfd)rift  beö  §  1450 
bem  öffentU^en  Siedelte  angefiort,  nid^t  mel)r  erfolgen,  ba  l;icr  bie  münblicbe 
SBerlianbtung  pd^  auf  jene  2;f)Qtfrage  nid^t  erftredEen  fann  unb  bie  geftftellimg 
ber  legieren  überl^oupt  nicftt  jur  Suftänbigfcit  beö  JHeüifionöric^terö  gehört  (»ergl. 
iebod^  Urtl).  b.  SR.  ®.  bei  @rud)ot  XXIV  ©.  496).    3n  ®rmangelung  einer 
entgegenftefienbcn  Seftimmung  oerftel)t  cö  jtd^  ferner  oon  felbft,  ba6  ber  dritte 
Dorl^cr   nid^t  gehört  ju  ujerben  brandet;  benn,  menngteid)  berfelbe  butd)  bie 
geftftellung  inbireft  mitbetroffen  mirb,  fo  ift  bocb  bie  6ntfdE)cibung  nidE)t  gegen 
if)n,  fonbeni  gegen  ben  33eflagten  gerid^tel. 


§  1451. 

S)ie  ben  §§  1267,  1276  fid&  anfd^liegenbe  Seftimmung  beö  §  1451  be*  ^ro^cMä^iQ. 
rul)t  auf  äl)nlid&en  Grroägungen,  mie  biejenigen,  meldte  ju  ben  Seftimmungen  Vertretung. 
ber  §§  1267,  1276  gefül)rt  l^aben  (oergl.  bie  SRotioe  ju  §§  1267,  1276  oben 
S.  97,  110).  Safe  inöbefonbere  ein  SSormunb  mä)i  legitimirt  ift,  für  feinen 
SWünbct  eine  Sd^eibungöflagc  ju  ergeben,  mirb  au^  t)on  ber  ^rajiö  unb  über* 
TOiegenb  oon  ber  S)ottrin  angenommen  (t)ergl.  ©euffert  IX,  78,  XLII,  304; 
Gntfd^.  b.  «R.  ®.  in  Simtf.  VI,  41  ©.  157,  IX,  58  ©.  221). 

®urd&  bie  in  ber  STnm.  1  ju  bem  Unlerabfd&nitte  „rv.  Ungüttigfctt  ber  «erfahren. 
e^c"  unter  II  mitgetbeilten,  jur  STufnal^me  in  baö  (Sinfü^rungögefcg  beftimmten 
Sfenberungen  unb  ©rgäniungen  ber  SJorfd^riften  ber  6.  %  D.  über  baö  58er* 
fahren  in  (S^efad^cn  mirb  in  Derfd&iebenen  SRid^tungen  aud^  baö  SBerfabren  in 
bem  SRecbtöftreite,  meld^er  bie  ©d&eibung  ober  bie  2;rennung  t)on  ^ifd^  unb 
S9ett  jum  Oegenftanbc  f)at,  berührt  (t)ergl.  inßbef.  bie  neuen  §§  578  a,  576, 
577,  584  a,  592  ber  6.  %  D.).  ®ie  Segrünbung  bicfer  Slenberungen  unb  ®r* 
gonjungen  ift  ber  »egrünbung  beö  ©infü^rungögefefecö  t)orbe^alten  (oergl. 
icbodö,  foDicI  bie  §§  576,  584a  betrifft,  bie  3Rotiioe  ju  §§  1256,  1268  oben 
©.  68,  98  ff.). 

SRotioe  |.  Mlreert.  Oefe||6u^.  IV.  39 


610  <S*cibunö.    3eit  ter  ?luf(öfunfl  bec  Sljc.    §  1452. 


§  1452. 

Settpunftber  2)cm  Scgtlffe  ber  Sd^cibung  (§  1440  9lbf.  1)  unb  bcm  fonftitutben 

Äufibginfl  ber  ^^^^j^^^  beö  ©c^cibuitgöurt^cileö  cntfpric^t  cö,  bafe  bic  Sluflofung  ber  ©Ijc 
mit  ber  Stcdötö^öf*  ^^^  ^i^  ©c^cibung  beftimmenben  Urt^eilcö  eintritt.  ®icö 
ift  Qudö  i^^i^  Stanbpunft  beö  gemeinen  9led)tes  unb  ber  meiften  neueren  ©efej- 
gebungen  (üergl.  preufe.  21.  S.  SR.  II,  1  §§  731,  732;  nürnb.  ß^efc^eibungöorbn. 
3lx.  81;  gotf).  S^egef.  §  151;  f diroarib.  f onberj5l^.  ®^efc^cibungögef.  §§  24, 
27—29 ;  fäc^f.  ©.  33.  §  1746).  Surc^  bie  ga^fung  beö  §  1452  mirb  mit  gc* 
nügenber  ©eutfid^feit  jum  3luöbruc!e  gebrad&t,  bafe  burc^  bie  ©d^eibung  —  im 
©egenfage  jur  Slnfed^tung  (§  1260)  —  bafi  SRed^tßoerfiältnife  ber  ®^e  nur  für 
bie  3wfunft  beenbigt  wirb,  bofe  bagegcn  mit  ber  ©Reibung  feineömegö  oUe 
burd^  bie  ®^c  einmal  begrünbeten  SBirfungen  roegfaUen  (üergl.  §  33). 

erbrecht  jßou  felbft  üerftel)t  eö  fid&,  ba%  mit  ber  Sd^eibung  aud^  baö  gegenfeitigc 

®rbred&t  ber  ©Regatten  mcgfällt,  ba  ein  gefd^iebener  ©fiegatte  fein  ©begatte 
mct)r  ift  unb  baf)er  ate  fold^er  aud^  nid&t  mel)r  erben  fann.  9lnbererfeitfi 
ergiebt  fidE)  aus  §  1452,  bafe  ba&  (Srbred&t  crft  mit  ber  9lcdE)tßfraft  bes 
©c^eibungöurt^eileö  mcgföUt.  SBegen  ber  Orünbe,  a\x^  meieren  ber  Gntrourf 
bcn  Sßerluft  beö  ®rbrec^te8  nid^t  fc^on  an  einen  früheren  3^i*PW"f^/  i"ö* 
befonbere  an  bie  Ätageerl^cbung,  gefnüpft  Ijat,  mirb  auf  bie  ÜKotioe  beö  6rb* 
red^teö  S3e}ug  genommen. 
«erm»flen8.  sjjyg  ^^  Seftimmuug  beö  §  1452  folgt  ferner,  ba^  anö)  bie  oermogenörec^t* 

""^feiunfl "'  üdEien  SBirfungen  ber  Sf)e  erft  mit  ber  9lec^tßfraft  beö  ©d^eibungöurt^eileö  für 
bie  S^funft  aufhören,  bafe  mitljin  biefer  S^itpunft  für  bie  SSermogenöauö^ 
einonberfeßung  unter  bcn  gefd^iebenen  S^egatten  mafegebenb  ift.  ®in  33e5 
bürfni§,  ben  ftagenben  ®E)egattcn  in  ber  {)ier  fraglid^en  Sejiel^ung  noc^  bem 
SBorbitbe  beö  preufe.  31.  2.  SW.  II,  1  §§  769—771  gegen  ben  böfen  SBiDen  beö 
anbercn  Sfiegatten  burcb  befonbere  Sßorfd^riftcn  ju  fd^iüfcen,  fann  nid&t  anerfannt 
werben.  Snöbefonbere  trifft  aud^  bie  SHnalogie  ber  §§  1329,  1379  nid^t  ju, 
ba  bie  Sod^fage  nid^t  bie  gleiche  ift. 

S)ic  aSermögenöauöcinanberfeJung  felbft  erfolgt  nac^  ÜRafegabe  ber  all* 

gemeinen  für  bie  Sluf^ebung  beö  betreffenben  ©üterftanbeö  gcltcnben  SSor- 

fc^riften.    S)ieö  ift,  oorbel^altlid^  ber  Scftimmungen  über  bic  ß^efd^eibungö« 

ftrafen,  and)  ber  ©tanbpunft  ber  auf  bem  S3oben  ber  aSerroaltungögcmcinfdfiaft 

fte^enben  9tcct|te  (oergt.  preufe.  21.  S.  91.  II,  1  §§  766  ff;  fäcftf.  ®.  33.  §§  1746, 

1687,  1688;   olbcnb.  Oef.  t).  24.  2lpril  1873  2lrt  12).    Sie  cinjclnen  im 

preufe.  21.  S.  dt.  II,  1  §§  767,  768  fid&  pnbenben  befonbcren  33cftimmungen 

fommen  für  ben  ©ntmurf  ni^t  in  gragc,  ba  biefelben  mit  anberen  in  bcn 

leßtercn  nic^t  aufgenommenen  Sßorfd^riften  über  bie  2luöeittanberfefeung  im 

gaUe  ber  2luflöfung  ber  6^c  burd^  ben  S^ob  jufammcnl)ängen  (oergl.  ÜÄotioe 

tnstefonbore  JU  §  1327  obcu  S.  298  ff.).    SJagcgcn  enthalten  bie  auf  bem  83oben  ber  ©ütcr- 

^geSIift*  gcmeinfd^aft  ftel)enben  9ied^tc  für  ben  gall  ber  ®I|efdfieibung  üielfad^  befonbere, 

©eitcnbc«   i^^  ^^^^^  ^^*  ^^^'^  ©t)efd)eibungöftrafcn  im  S^f^^^i^^^önge  fteljcnbc  S3e* 

siecht,     ftimmungen  über  bie  2lrt  ber  aSermögenöauöeinanberfcfeung  bei  ber  Oüter« 

gemeinfd^aft.    2lnlangenb  inßbefonbere  bie   allgemeine  ©ütergemcinfc^aft,  fo 


©(Reibung,    ^üt  ber  Stuflöfung  bcr  S6e.    §  1452.  611 

ftnb  gemeinrc^tUd^  bic  Slnfic^ten  barüber  gctficilt,  ob  aud^  im  gaKc  bcr  ®f|cs 
ft^eibung,  roic  im  galle  bcr  9luf (öfung  bcr  ®^c  burd^  bcn  Xoh,  Quotcntficilung 
ftattfinbct  ober  ob  bofi  gcmcinfame  SBcrmögcn  in  feine  urfprüngUd^en  33cftanb« 
t^cile  jcrtegt  roirb  (Dcrgl.  ©euffcrt  VIT,  193).  3n  ben  ^^Jörlitulorrcd^tcn  fcl^lt 
CS  in  bicfer  ^injid^t  junx  3:^ei(  an  außbrücfUc^cn  Scftimmungen.  Quoten* 
tl^cilung  finbct  namentlid^  ftatt  in  ©d^lcfiroig-^olfiein,  Dönabrüd  (ocrgt.  Qucft 
oönabr.  (Sntrourf  §  23),  ^ilbcö^cim,  SScrbcn  unb  fabeln,  ferner  nac^  ben 
JRcc^tcn  üon  SBürjburg,  ©c^roeinfurt  ßaftell,  Dettingcn  unb  (Srbad^,  foroie 
nad&  bem  fäc^f.  ®.  33.  §  1702  (ocrgl.  5Wcubauer,  3uf.  6.  162).  SÄuf  bem* 
felbcn  33oben  ftc^en  baö  bomb.  2.  5R.  unb  bie  tippc^bctm.  SScrorbn.  o.  1786 
§  32  fiir  bcn  gatt,  i>a%  bcibe  ©Regatten  fc^ulbig  fmb.  gür  bcn  gall  bogegen, 
ba6  nur  bcr  eine  ®t)egQtte  bcr  fd^ulbigc  3;:^eil  ift,  laffen  jene  SRed^te  bem  uns 
fc^ulbigcn  ©liegatten  bic  SBalil  jroifd&cn  bcr  SÄuöcinonberfcgung  bc8  ©cfammt^ 
gutes  nad^  feinen  urfprüng(idt)cn  S3cftanbtf)cilcn  unb  jTOifc^cn  Quotent^cilung. 
Seßteres  gilt  audd  naä)  preug.  21.  2.  SR.  II,  1  §§  761,  755,  811,  812;  roenn 
aber  fein  Uebergcmic^t  bcr  Sc^ufb  cineö  ©Regatten  außgcmittclt  ift,  fo  erfolgt 
bie  2ludcinanbcrfe|ung  in  bcr  3lrt,  bafe  iebcr  3::^ci{  fein  in  bie  ®l^e  gebrautes 
ober  roälirenb  bcrfclben  burc^  ©rbfc^aftcn,  SSermäd^tniffc,  ©efd&cnfc  ober  blofec 
Olüdföfälle  erlangtes  33crmogcn  jurücfnimmt  unb  baS  Uebrige  unter  beibcn 
©Regatten  glcid^  gctt}eilt  mirb.  9lac^  bem  roürttemb.  ©ntro.  §  285  ftef|t  bem 
unfc^ulbigen  ©ficgattcn  bie  SBai^t  jmifd&en  2:[)cilung  beS  ©efammtgutes  nad^ 
Quoten  ober  nac^  ben  ®runbfä|cn  bcr  ©rrungcnfd^aftsgcmcinfdtiaft  ju.  ©inäclnc 
9lcd)te  fd)lie6en  ben  fd^ulbigcn  ©i^cgattcn  tjon  oUen  SRcd^tcn  an  bem  ©efammt* 
gute  poUftänbig  aus,  fo  bie  9lcd&te  tjon  gutba,  S3remcn  unb  bei  beerbter  Sl)c 
bos  linbau.  Stabtr.  unb  baS  fjo^cnlot).  2.  dt,  3m  gallc  unbeerbter  6f)e  laffen 
bie  bciben  Icfetcren  SHcd^tc  bagegen  baS  ©cfammtgut  in  feine  urfprünglidjcn 
33cftanbtl)ei(c  jcrfallcn  (oergl.  SReubauer  a.  a.  O.  S.  162). 

3lai)  ben  SRcd^tcn  bcr  6rrungenfd)aftSgcmeinfc^aft  pnben  im  gaUc  bcr 
6f|cfd[)cibung,  üorbctialtlic^  bcr  S3cftimmungen  über  bic  ©^cfd&eibungsftrafcn, 
rcgclmäfeig  in  Slnfcl^ung  ber  33crmögcnSauSeinanbcrfe6ung  biefelben  ©runbföfee 
ftatt,  wie  im  galle  ber  3luflöfung  ber  ®^e  burd^i  bcn  Xob  eines  ber  ©tic* 
gatten ;  bod^  cntlialten  ein jelnc  Siechte,  j.  S3.  bas  bat)r.  2.  91.  I,  6  §  43,  für 
jenen  galt  pngulöre  aSorfd^rlftcn  (ocrgl.  5Reubauer  a.  a.  D.  ©.  129,  130). 

S)as  franj.  5Rcd^t  (code  civil  3lrt.  1441,  1474)  löfet  aud&  im  galle  ber 
6^cf(Scibung  ^albtfjcilung  eintreten.  3laä)  bem  bab.  SRcd^te  (®ef.  t).  6.  SRärj 
1845  §  20)  gilt  bics  jcbod^  nur  mit  bcr  SRobififation,  bafe  ber  unfd^ulbigc 
3::^eil  bei  Ungleid&^eit  bes  ©inbringenS  jur  3lusglcid^ung  einen  9lnfpruc^  auf 
einen  SBoraus  f)ai. 

2)a  burd^  bic  Sd^eibung  bas  Slcd^tsocrl^ältnife  ber  ©fie  nur  für  bic  3u^  suiibpuntt 
fünft  aufgehoben  wirb,  bie  bis  ba^xn  burd^  bie  ©^e  einmal  begrünbeten  entwürfe«. 
3Birfungcn  nic^t  befeitigt  mcrbcn,  fo  folgt  aus  allgemeinen  ©runbfägcn,  ba§ 
bas  b\xxä)  bie  @ütcrgcmcinfd)aft  ju  einem  beibcn  ©Regatten  gemeinfc^aftlid) 
get)örcnbcn  SBcrmögen  oercinigte  SJermögen  bes  einen  unb  bes  anbercn  ©^c- 
gatten  (§§  1342,  1411,  1431  2lbf.  1)  in  golge  bcr  ©(Reibung  nic^t  mieber  in 
feine  urfprünglid^en  83cftanbt()cilc  5crfaUen  fann,  fonbem  als  gcmcinfdtiaftlid^cs 
aSermögen  nac^  Quoten  unter  btn  ©Regatten  get^eitt  mcrbcn  mufe.    ®ieS  gilt 

39* 


612  ®(!&cibunö.    SBibcrruf  bon  ©d&enfundeit    §  1453. 

mi)  üon  ber  ocrtragömäfeigcn  ©ütergcmcinfd&aft.  S)ic  SSorauöfcftung  für  bie 
SBirffamfeit  bcö  ©ütcrgcmcinfc^aftöücrtragcs  ift  eine  gültige  @l)c.  S)iefe  SSor* 
auöfcftung  ift  in  bem  \)\tv  in  Siebe  fte^enben  galle  eingetreten.  ®inc  SSer- 
änberung  ber  Umftänbe  ift  auf  bie  SBirffamfeit  beö  33ertrageö  nad^  aUgemeinen 
©runbfäßen  o^ne  ©influfe.  6ä  läfet  fiel)  oUerbingö  nid^t  üerfennen,  bafe  au* 
ber  Quotenll^eUung  für  ben  unfc^ulbigen  2^^eil  unter  Umftänbcn  gärten  ent* 
ftet)en  fönnen.  Snbeffen  fann  bicfe  5Rüc!fid)t  ber  Silligfeit  nid^t  alö  burd^ 
fd^Iagenb  cxaä)kt  werben,  um  im  galle  ber  ©d^eibung  in  Slbroeid^ung  von  ben 
allgemeinen  ©runbfäßen  bie  Sßermögenöauöeinanbcrfe^ung  nid&t  nai)  Quoten^, 
fonbern  nad^  ben  urfprüngli^en  33eftanbt^ei(en  beö  Oefommtguteö  eintreten  ju 
laffcn,  jumal  einer  fold^en  ©eftaltung  aud^  geroid&tige  praftifdEie  Sebenfcn  ent* 
gegenfte^en.  $at  bie  6^c  längere  S^xt  gebauert,  fo  ift,  nomentüc^  in  ®r* 
mangelung  eineä  Snoentareö,  eine  Sluömittelung  ber  urfprünglid^en  93eftanb* 
t^cile  beö  Oefammtguteö  unb  iE)reä  3Bertl}eö  f)äufig  mit  großen  ©d^roierigteiten 
üerbunben,  unb  brol^t  biefelbe,  ba  bie  ©tjegotten  in  golgc  ber  Sc^eibung  fid^ 
in  ber  5RegeI  feinbüdfi  einanber  gegenüberfte^en,  eine  Duelle  Don  ©treitigfeitcn 
unb  5ßrojef^en  ju  werben. 

©ine  anbere  %taQt  ift,  ob  nid()t  jur  Slusgleid^ung  ber  für  ben  un^ 
fd^ulbigen  2^^eil  burd^  bie  ©d^eibung  nid^t  feiten  entfte^enben  gärten  mit  ber 
©d^eibung  überl^aupt  getoiffe  oermögenßred^tlid&e  9lad^t^eile  über  bie  33eftim=^ 
mungen  ber  §§  1453,  1454  f)inauö  oerbunben  werben  foBen.  SBegen  ber 
©rünbe,  weld^e  ben  ®ntrourf  beftimmt  f)aben,  aud^  biefc  grage  ju  üemeinen^ 
wirb  auf  bie  ÜKotiüe  ju  §  1454  üerwiefcn. 


§  1453. 

©iberruf  oon  S)ic  ©eftimmungeu  beö  §  1453  fd^tiefecn  ftd&  im  SBefentlid^en  bem  preufe* 

6<^enfurtöen.  gj  g  gj^  II,  1  §§  773—775  üw  (ücrgl.  ouc^  alteub.  (SJjeorbn.  §  281).  3u 
einem  älinlid^en,  wenn  aud&  in  einjelnen  Sejicf)ungen  abwei(ibenben  3lefu(tate 
führen  bie  SBorfdEiriften  beö  franj.  9lec^teö  (code  civil  2lrt.  299,  300),  ber 
nürnb.  ei;efd^eibungöorbn.  5Wr.  60,  62,  63,  65  unb  beö  l;eff.  ©ntw.  9[rt.  94, 95- 
3Iuö  allgemeinen  ©runbfäfeen,  inöbefonbere  auö  bem  ©efid^töpunfte  ber  58or* 
auöfeßung  (§§  742  ff.),  läfet  fid)  bie  9lüc!forberung  ber  ^ier  fraglicben  ©c^en* 
fungen  nid&t  begrünben.  ©benfowenig  liegt  in  3BirfIid&feit  ein  gall  beö  Un« 
banfeö  üor  (§  449).  3nbeffen  fprec^en  überwiegenbe  $HüdEfi(^ten  ber  öilligfeit 
gegen  ben  unfd&ulbigen  ©liegattcn  bafür,  bem  leßtcren  baö  Siedet  beö  SQBiber^ 
rufeö  ber  ^ier  fraglid^en  ©c^enfungen  einsuräumen.  3)iefer  ©efic^töpunft 
mufe  aber  anbercrfcitö  in  Uebereinftimmung  mit  bem  preufe.  31.  S.  51.  ba^in 
fül)ren,  baö  Sied&t  beö  Sßiberrufcö  nic^t  aucfi  auf  bcngatt  auöjube^nen,  wenn 
beibe  ©Regatten  für  fc^ulbig  erflärt  finb.  3lad)  bem  franj.  Siechte  verliert 
bagegen  in  bem  legteren  galle  feber  X^txl  bie  x\)m  oon  bem  anberen  gemad^ten 
©d^enfungen.  gür  biefe  9lrt  ber  Siegelung  fann  gettenb  gemad^t  werben,  ba^ 
ein  ©Ijegatte  fic^  ju  ©dEienfungen  an  ben  anberen  ©Regatten  gerabc  im  ^in» 
blic!e  auf  bie  gortbauer  ber  ©^e  unb  auf  feine  2:l)eilnal)me  an  ben  93ortl^eilen 
ber  gemad^ten  ©c^en!ungen  leidster  oerfte^c  unb  bafe,  wenngteid^  beibe  ®^e* 
gatten  für  fd^ulbig  erttärt  feien,  bo^  nxä)t  feiten  ber  eine  oon  i^nen  ber  über^ 


©Reibung.    UnterßaltÄpfltc^t  be8  fd^utbiocn  3:6eitc8.    §  1454.  613 

lüicgcnb  fd^utbtgc  S^^cil  fei  unb  cö  in  fold&cn  gälten  eine  UnbiHigfeit  gegen 
bcn  anbeten  (gJjegatten  fein  fbnne,  mtnn  bie  SRüdEforberung  ber  ©efc^enfe  aus- 
gcfc^loffen  fein  foHe,  namentlid^  tjom  ©tanbpunfte  eines  ©efefebud^eö  auö, 
roeld^eö  ba^  SSerbot  ber  ©d^enfungen  unter  (Sfiegatten  auögefc^lofjen  l^abe. 
Snbeffcn  fonn  auf  biefc  ©egengrünbe  um  fo  weniger  ®mi6)t  gelegt  werben, 
alö  ber  jenen  ©rroägungen  ju  ©runbe  (iegenbc  Oefid^täpunft  ber  SSorauö* 
fegung  m^  %  743  9lr.  2  gerabe  umgetel^rt  ba^in  fül^rt,  bem  fd^ulbigen  S^fjeile 
bie  aiücfforberung  ber  ©efc^enfe  ju  terfagen. 

3:a  ha^  l)kx  in  ditbt  fte^enbe  SBiberruförec^t  ebenfo  raie  ba&  SRed^t  beö 
SBiberrufeö  einer  Sd^cnfung  wegen  Unbanfeö  (§  450)  einen  l)öd&ft  pcrfönlic^en 
i^arofter  ^ot,  fo  empfielilt  cö  fic^,  baö  aSerlicillnife  im  ©injelnen  in  Slnlcl^nung 
an  bie  aSorfd^riftcn  über  btn  SBiberruf  einer  ©c^enfung  wegen  Unbanfeö 
<§§  450—452)  5U  gcftaltcn.  Unter  bem  3lusbrudEe  „©d^enfungen"  finb  l^ier, 
wie  übertiaupt  im  ©inne  beö  ©efegbuc^eö,  nur  ©d^cnfungen  unter  Sebenben 
unb  fold^e  ©d&enfungen  auf  ben  2^obeöfaU  ju  oerftetien,  wtdjt  nad^  §  1963 
alö  ©df)en!ungcn  unter  Sebenbcn  bel)anbelt  werben.     * 

Uebcr  bcn  ©influfe,  we(dE|en  bie  ©d^eibung  auf  bie  SBirtfamfeit  einer  8"»«ni>"n8en 
tefetwilligen  SSerfügung  äufeert,  burc^  wetd^e  ein  Ehegatte  ben  anberen  bebad^t  arobeäweflcn. 
^at,  ober  auf  bie  aSirtfamfeit  eincö  jwifd&en  ben  ©Regatten  gefd^toffenen  ®rb=j 
cinfegungö*  ober  Säermäd^tnifeüertrageö,  wirb  auf  bie  SBorfd^riften  ber  §§  1783  ff., 
1948,  1949,  1962  tJerwicfen. 

§  1454. 
I.  S^aö  rom.  Siedet  Derbinbet  im  galle  ber  ©d)eibung  wegen  ®(jebrud^eö      ?^«* 
oinb  geiüiffer  anberer,  bem  legteren  gleid^geftcHter  ©dieibungögrünbe  ju  ©unften  ^^^rraten.*' 
beö  unfct)u(bigen  2:^eileö  mit  ber  ©d^eibung  ücrfdiicbene,  bzn  fd^ulbigen  ^^eil   ©ettenb« 
trcffcnbe  üermögenöred^tlid^e  9lad)t^eile  auö  bem  ©efic^töpunfte  einer  billigen     3*e<^t- 
®ntfc^äbigung  für  bie  bem  erfteren  burcf)  bie  3luf(ofung  ber  ®^e  entjogenen 
33ort^eile.    S)ie  6f)efrau  Derliert,  wenn  fte  ber  fd^ulbige  3::^eil  ift,  bie  dos 
unb    donatio   propter  nuptias,    in  ©rmangelung   einer   dos   ober   rvtnn   bie 
Slücfforberung  ber  legteren  einem  9lnberen   jufte^t,  ben  oierten  5ti)e\l  if)reö 
93ermogenö,   jebod^  nic^t  über  100  ^funb  ©olbeö.    3ft  ber  @f)cmann  ber 
fd^ulbigc  2^^cil,  fo  erl^ält  bie  Ehefrau  bie  dos  unb  bie  donatio  propter  nuptias, 
in  Ermangelung  ber  lefetercn  bcn  nierten  2:^eil  beö  SSermogenö  beö  El^emanneö, 
ieboc^  cbenfallö  mit  ber  junor  bejeidöneten  Ginfd^rönfung.    Sie  aScrpftidbtung 
beö  fdbutbigen  S^l^eileö,  htn  nierten  2^^cit  beö  Sßermogenö  l^erauöäugeben,  cr^öl;t 
ftd^  in  gewiffen  gällen  um  ein  ©rittet.    2Baö  in  biefer  SBeife  an  ben  um 
fc^ulbigen  2^l^cil  fällt,  erhält  ber  tegtere,  wenn  gemeinfd&aftfidöe  Äinber  t)or« 
l)anben  finb,  nur  5um  SRiefebraud&e,  wäl)renb  baö  Eigent^um  auf  bie  Kinbcr 
überge^it.    3n  ber  heutigen  gemeinred&tlid^en  ^rajiö  unb  3)ottrin  wirb  bie 
Stnwcnbbarfeit  ber  rbmifd^en  E^efd^eibungöftrafen  nid^t  met)r  in  S^cifel  ge* 
jogen,  wennglcid^  in  einjetnen  S3e}icl)ungen  über  ben  Umfang  ber  3lnwenbbarteit 
bie  Slnftc^tcn  aud&  iegt  nodt)  auöeinanbergel^en   (nergt.  ©euffert  VI,  212, 

XVn,  263,  XVin,  259,  XIX,  158,  XXIV,  44,  XXV,  135,  XXVII,  143,  XXIX, 
35,246,  XXXm,  311;  genner  unb  aRccfe,  cioitr.  Entfd^.  III,  12,  VI,  12; 
Entfd^.  b.  m.  ®.  in  Eioitf.  Vni,  48,  XI,  41,  XIV,  42,  XV,  44). 


614  ©Reibung.    Unter^altöpfHd&t  bcg  fcSulbigcn  SWIcS.    §  1454. 

3n  ©Hnongetung  befonbercr  Seftitnmungen  bcr  ^ßartifularrcd^tc  (DcrgL 
aWolioe  ju  §  1452  oben  ©.  610  ff.)  werben  bie  röm.  ß^efcbeibungßftrafcn  in  bcn 
(Sebieten  bcö  gemeinen  Sled^tcö  auci^  bei  ber  ©ütcrgemeinfd&aft  in  bcr  ärt 
angeroenbct,  bafe  ber  fc^ulbige  ©licgottc  ben  vierten  S^^eil  feines  auf  Orunb 
ber  SBermögenöauöeinanberfegung  f\d)  ergebenben  33ermogen&  an  ben  un^ 
fd)ulbigen  ©Regatten  üerliert  (üergl.  ©euffert  XIX^  246). 

Stbroeid^enb  t)om  rom.  Siedete  giebt  eine  weit  uerbreitete  gcmeinre(6t(i(]^c 
^ßrofiö  bem  unfc^utbigen  ©f^egatten  ober  bod&  ber  unfd^ulbigen  ß^efrau  im 
SBebürfnifefalle  aud^  einen  SInfprud)  auf  Unterlialt  gegen  ben  fd)ulbigen  S^tjeil 
(üerg(.  Seuffert  XU,  40,  XIV,  42,  XXY,  135,  XXXV,  218).  ®egen  bicfc 
^rajiö  \)at  fid^  iebod&  baß  SReic^ögerid&t  (©ntf^.  in  dioUf.  VIII,  48)  crflärt 
(oergl.  aud)  ©euffert  XIII,  146;  Urtf).  b.  31.  0.  ju  SeUe  d.  1871  in  ber 
3eitfc^r.  für  l^ann.  9led&t  V  S.  44  —  gegen  bie  frut)ere  ^rajriö  oon  Seile). 

3im  9lnfc^Iuffe  an  bcn  ben  röm.  6f)cfcbeibuugsftrafen  iu  ©runbe  licgcnben 
(Sebanfen  liabcn  anö)  bie  meiften  ^artifularred&te  mit  ber  Sc^eibung  für  ben 
fd^ulbigen  S^fieil  gcmiffc  ücrmögensrcc^tlidöe  5Wad^tbeilc  tjcrbunbcn,  rocld^c 
roefenttic^  eine  billige  ©ntfd^äbigung  bcö  unfd&ulbigen  2^l)eileö  für  bie  i^m 
burd^  bie  Sd^eibung  entjogenen  9Sortf|eite  bcjmedEen,  fo  inöbefonbcre  boö  mürttemb. 
2. 5R.  II,  32  §  1,  bas  bai)r.  S.  5W.  I,  6  §  43,  baß  preufe.  21.  S.  91.  II,  1  §§  783  ff., 
boß  goti  e^egef.  §§  154  ff.,  bie  altcnb.  e^corbn.  §§  273  ff.  unb  baß  fc^roarjb. 
fonberßl).  ®l^efd^eibungßgef.  §§  30  ff.  3n  ber  2lrt  ber  SSermirflid&ung  jeneß 
(Sebonfenß  meid^en  bie  bejeid^neten  Siechte  inbeffen,  jum  Xi)t\l  in  Ronfcqucnj 
i^rer  Dcrfd^iebcnen  güterred^ttid&en  unb  erbrcd^tUd&en  ©^fteme,  im  ©injelnen 
üielfod^  oon  einanber  ab.  SBö^renb  baß  röm.  SJcc^it,  rocld^eß  nur  ein  fe^r  be* 
fd^röntteß  gefefelid^eß  ©rbred^t  ber  ©^efrau  fcnnt,  J^auptfäd^lid^  bie  roä^renb  bcr 
©^e  burdö  bicfc  für  bie  ©Regatten  begrünbeten  a3ortl)cile  inß  äuge  fofet,  legen 
baß  preufe.  21.  S.  5R.,  baß  gotl^.  ß^egef.  unb  ücrf^icbcnc  ba^r.  Statuten  boß 
^auptgemid^t  auf  bie  bem  unfcbulbigen  S^^cite  bur^  bie  Sd^eibung  entge^enben 
erbrcc^tlid^cn  58ortl)cile.  2lm  beutlid^ften  tritt  bieß  im  prcufe.  21.  S.  91.  11,  1 
§  784  unb  in  ücrfd^icbcnen  bar)r.  Statuten  ^erüor,  wcldfie  gerabeju  bcn  Safe 
l^inftcllen,  bafe  ber  fd^ulbigc  2:^eil  alß  im  2lugenblic!e  ber  ©d&eibung  perftorbcn 
anjufel^cn  fei,  rocnnglcid^  fie  bie  Äonfequenjen  biefeß  ©afecß  nid&t  immer  im 
üoÜen  Umfange  gießen.  5Die  altcnb.  S^corbn.  farafterifirt  bie  ©ficfd^cibungß* 
[trafen  außbrüdlic^  alß  eine  ©ntfd&äbigung  für  bie  fämmtlid^en  burd^  bie  6^c 
fomobl  roä^renb  berfelben  alß  nadd  2luflöfung  berfclbcn  burcb  ben  2;ob  ent* 
ftcljcnbcn  ^ortl^cile.  2luf  bcmfclben  ©cbanten  berufen  bie  SBorfd^riften  beß 
fd^roarjb.  fonberßl).  Ocfcfecß. 

2lud(i  in  ber  2lrt  ber  geftfegung  bcr  ©ntfd^äbigung  unb  beß  Umfangeß 
ber  legieren  meid^en  bie  ^ßartifulan-cd^tc  mcl^rfai^  üon  einanber  ab.  aSäl^renb 
bie  altcnb.  ©^corbn.  burd^  5ef*^fe^"Ö  ci"cß  SWinimum  unb  SWajimum  bem 
rid^tcrlid^en  ©rmcffcn  einen  gemiffen  ©pielraum  läfet  (tjcrgl.  aud^  öfterr.  ®.  39. 
§  1266),  liabcn  baß  roürttemb.  S.  9i.,  ba^  baqr.  S.  31.,  baß  prcufe.  5K.  S.  3i., 
baß  gotl).  ©licgcf.  unb  baß  fd^marjb.  fonberßl^.  ©I^cfd^eibungßgcf.,  je  nac^  ber 
SScrfd^ieben^eit  ber  gälle,  bie  2lrt  unb  bie  ^öl^c  bcr  ©ntfd^äbigung  gcfeftlidb 
genau  beftimmt.  33ei  biefer  Seftimmung  fmb  inbeffen  jugleid()  ftrafredjt« 
lid&e  (Sefic^tßpunftc  mef)r  ober  meniger  maggebenb  gemefen.    S)ies  jcigt  ftd^ 


e^cibuno.    Untcrr)alt?pfli(6t  bc§  fd^ulbiöen  ^})nU^.    §  1454.  615 

namentü^  in  bcnjenigcn  Ocfe^gebungen,  njcld^e,  roic  baö  prcu6.  91.  S.  91., 
baö  gott).  6^egcf .  unb  baö  fd^roarsb.  f onbcröt).  ®^efd)eibungögef.,  je  noclibcm  bie 
Sd^cibung  burd^  fc^rocrc  ober  ntinbcr  fd^rocrc  SScrgc^ungcn  tjcranlafet  roorben 
ift,  eine  l)o^erc  ober  geringere  Slbfinbung  feftfe^en.  3lnd^  nocf)  ber  altenb. 
6t)eorbn.  foU  bei  geftfeßung  ber  Oröfee  ber  ©ntf^äbigung  auf  bie  perfönlid^e 
Sc^ulb  beö  aScrppid&teten  SRücffid^t  genommen  werben.  3laä)  preufe.  31.  2.  SR. 
unb  bem  f^marjb.  f onberö^.  Oefcfee  fann  bie  ®f)efrau  ftatt  ber  9Ibfinbung  ben 
9lnfpruc^  auf  Unterf)alt  gegen  ben  @t)emann  wählen.  2)aö  preu^.  91.  2.  91. 
gcroäl)rt  unter  Umftänben  aud&  bem  G^emanne  ein  fold^eö  2Ba^lred)t.  3laä) 
ber  altcnb.  6l)eorbn.  unb  in  gemiffen  fällen  axiä)  nad)  bem  gotl).  S^egef.  ftet)t 
bem  unfcöulbigen  ®{)egatten  neben  ber  9Ibfinbung  ein  9[nfprud&  auf  Unter* 
^a(t  5u. 

3m  ©cgenfage  ju  ben  biöl)er  angeführten  Siedeten  geroölirt  baß  franj. 
Siecht  bem  unfd&ulbigen  ©l)egatten  gegenüber  bem  fc^ulbigen  ©f)egatten  feinen 
9(nfpruc!^  auf  ©ntfd^äbigung  ober  auf  9lbfinbung,  fonbern  nur  einen  auf  ben 
^all  beö  Sebürfniffeö  fid^  befd&ränfenben  Unterljaltöanfprud^  (code  civil 
9lrt.  301).  ©aneben  ift  aber  beftimmt,  baß  im  ^alle  ber  Sd&eibung  an^  einer 
beftimmten  Urfad^e  berjenige  (gf)cgatte,  mclc^er  bie  Sd^eibung  auögeroirft  \)at, 
alle  i^m  üon  bem  anberen  (5f)egatten  im  ©^eoertrage  ober  möl^renb  ber  ®^e 
i^ugeroenbeten  3Sortf)eiIe  felbft  bann,  menn  biefelben  med^felfeitig  bebuugen  fein 
foUten,  beWIt,  mäl^renb  ber  anbere  ©begatte,  gegen  roeldEien  bie  ©d()cibung  ju* 
geladen  ift,  bie  il^m  oon  bem  anberen  ©fiegatten  5ugemenbeten  Sßort^eile  ücr* 
liert  (code  civil  9[rt.  299,  300).  9luf  bem  53oben  beö  code  civil  ftel)en  aud^ 
baö  bab.  2.  9i.  unb  ber  Ijeff.  ©ntro.  TI  9lrt.  94  u.  96,  III,  9lrt.  39,  IV  9Irt.  469, 
484,  baö  erftere  feboc^  mit  ber  in  ben  SKotiüen  5U  §  1452  oben  S.  611  bc? 
5eid)neten  Sßobififation. 

anit  bem  franj.  9led^te  ftimmt  ferner  baö  fäd^f.  ®.  33.  §  1750  barin 
uberein,  bafe  bie  ©d&eibung  für  ben  unfd&ulbigen  ^^eil  feinen  9rnfprud^  auf 
Gntfd^äbigung  ober  ^bfinbung,  fonbern  nur  einen  Untert)altöanfprud)  begrünbet, 
meld^er  jebodb  mit  bem  9luft)5ren  beö  Scbürfniffeö  roegfällt.  9lbn)eid&enb  Dom 
code  civil  oerbleibcn  aber  nac^  bem  fäd^f.  ®.  93.  §§  1746,  1706,  2055,  2557 
bem  unfrf^ulbigen  ©Regatten  nid)t  bie  if)m  üon  bem  anberen  ©fiegatten  burdl) 
Glje-  ober  ©rbüertrag  jugeircnbeten  55ortf)cile. 

2)er  ©ntrourf  l;at  fid),  fooiel  bie  S^age  betrifft,  ob  bem  unfd^ulbigen  stanbinmu 
J^cile  gegenüber  bem  fd^ulbigen  I^lieile  ein  9Infprud^  auf  ©ntfd&äbigung  ober  «„tiöutte«. 
auf  9lbfinbung  wegen  ber  bem  lefeteren  burd^  bie  Sdieibung  entgel^enben  SSor- 
tl)ei(e  eingeräumt  werben  foH,  bem  Stanbpunfte  beö  franj.  9led&teö  unb  beö 
fäd)f.  ®.  S3.  angefd^loffen.  9luö  ben  allgemeinen  ©runbföfecn  läfet  fid&  ein 
fold&er  9Infprud^  nid&t  begrünben  (oergl.  ©ntfd^.  b.  91.  ®.  in  Giüilf.  VIII,  48 
3.  188).  3wbem  roiberftrebt  eö  bem  SBefen  ber  ©^c,  biefelbe  einem  oer^ 
mögenöredötlid()en,  auf  bie  ©riangung  oermögenöred&tlid&er  SSort^eile  gerid^teten 
9led)tögef4cifte  gleid^juftcllen  unb  alö  eine  Cuelle  fold^er  3Sortf)eile  rcd^tlid^ 
i^u  befjanbeln.  Demgegenüber  fonnen  Siüdffxd&ten  ber  S3inigfeit  nid^t  ent- 
fc^cibenb  inö  ©eroid&t  fallen,  jumal,  wie  in  ben  3Rotit)en  beö  l&eff.  ©ntm.  II 
2. 103  nid^t  o{)ne  Orunb  I)ert)orge{)oben  wirb,  bie  ©tjefc^eibungöftrafen  unter 
Umftänben  aud^  gegen  ben  fd^ulbigen  ^f)eil  in  große  gärten  auöarten  fonnen. 


C06        ©d&eibimg.    irennunö  ü.  Zi\i!  u.  Sett.    Stugf^Iießunj.    §  1448. 

an  einer  jur  Surd^fu^runfi  beö  ©d^eibungöred^tcö  unb  jur  SBoIirung  ber  grift 
geeigneten  Älage  (üergl.  §  171  STbf.  1).  ©rfolgte  bic  Äbroeifung  ber  ftlage 
roegen  ungenügenber  ©ubftantürung  —  fofem  eine  fold^e  9lbn)elfung  nad^  ben 
aSorfd&riftcn  ber  (5.  5ß.  D.  überhaupt  noi)  üortotnmen  fann  (ocrgl.  ®ntf(^.  b. 
5R.  ©.  in  6ioilf.  VI,  107,  IX,  120  ©.  418)  — ,  fo  fd^üfct  gegen  eine  ©ieber* 
f)oIung  ber  Silage  bie  SBorfd^rift  beö  §  576  ber  S.  5ß.  D. 
cinpuft  b«  Der  ben  SBorfd^riften  ber  §§  574,  576  ber  6.  %  SD.  ju  ®runbc  liegenbc 

üu^^xt^^l ©ebanfe,  ba§  burd^  bie  ©rl^cbung  einer  auf  einen  beftimmten  S^cibungö*  ober 
^rennungögrunb  geftüfeten  Älage  (§  592  ber  Q.  ?ß.  D.)  gleid^roolil  ha^  e^elit^ 
SBerfiältnife  in  feiner  S^otalität  jum  ©egcnftanbe  beö  ^rojeffe«  gemacht  wirD, 
fu^rt  fonfequent  ju  ber  Seftimmung  beö  §  1447  3lbf.  5  (Dcrgl.  ®ntfd&.  b. 
SR.  ®.  in  aiuilf.  XV,  68).  ©iefelbe  ift  namentlid)  im  "ginblicfe  auf  folc^e 
^äQe  alö  angemeffen  ju  erad^ten,  in  n)eld^en  ein  (S^egatte  ein  bea^tenön^ertbeö 
Snterefle  baran  ^at,  geroiffe  ©^eibungögrünbc  in  bcm  ^ßrojejfe  vorläufig  }u 
t)erfd&n)cigen. 

§  1448. 

s9enu4uno  SBeungkid^  bie  S3cftimmung  beö  §  1448  alö  felbftoerftSnbUd^  betrtt(^tet 

flVf^fofTen«!  "werben  fonnte,  weil  in  bem  üorauögefefeten  gallc  ber  auögefd^Ioifene  Sd^eibungö- 

(Sc^ibunft«.  ober  2^rennungögninb  nid^t  alö  felbftänbige  red&töerjeugenbe  STljatfad^e,  fonbem 

flrunbefl.    ^^^  ^^^  Äarafterifirung  unb  jum  SBemeife  eineö  neuen  ©d^eibungö*  ober 

S^rcnnungögrunbeö  in  Setradfit  tommt  (üergl.  ©euffert  VIII,  267,  XII,  37), 

fo  ift  eö  boc^  wegen  ber  praftifd^en  SBid&tigfcit  ber  grage  unb  jum  Q^cdt  bct 

Sefeitigung  oon  3w)eifeln,  roetd^e  a\\&  bem  ©d^roeigen  beö  ©cfefteö  fid^  ergeben 

fönntcn,  nad)  bcm  SBorgange  anberer  ©efe^gebungen  (code  civil  9Irt.  273; 

bab.  2.  91.  ©afc  273 ;  l)ef|.  ©ntro.  3Irt.  85)  alö  rott;f am  erad&tet,  jene  Scftimmung 

aufjunel)men.    ©urd^  bie  allgemeine  S^ffung  beö  §  1448  toerben  fomobl  bic 

gäÖe,  in  meldten  baö  Siedet,  bie  Sd^cibung  ju  üerlangen,  burd^  SSerj^ribung 

ober  3<^itablouf  (§§  1446,  1447),  alö  aud&  ber  gall,  in  meld^em  fcneö  SHedbt 

in  ®emä§t)eit  beö  §  576  ber  6. 5ß.  D.  auögefd^loffcn  ift  (oergt.  bie  neue  Raffung 

beö  §  576  ber  6. 5p.  C.  in  ber  Stnm.  ju  bem  Unterabfd^nitte  „rv^  UngüUigfeil 

ber  6l)e"  unter  II,  5),  gebccft. 

§  1449. 

<sntf(^eibun0  Sie  mit    beu  meiften    geltenben  Siedeten  im  Sinflange  fte^enbc  ^' 

Qi^mmt,  fti^w^wng  beö  §  1449  ©ag  1,  ba^  ber  SHidS^ter  in  bcm  Urtl^eilc,  burd^  n)dd&cö 
auf  ©d^eibung  erfannt  mirb,  oon  älmtömegen  ft^  baritber  auöfpret^cn  mu% 
wer  ber  fd^ulbigc  3:^eil  fei  (t)ergt.  ©euffert  XLI,  1 ;  prcufe.  91.  S.  9t.  II,  1 
§§  745  ff.;  preufe.  Ocf.  für  bie  ^rooinj  ^annooer  u.  1.  ÜRärj  1869  §  27; 
nürnb.  @l^efd^eibungöorbn.  9lr.  56;  got^.  @^cgef.  §  154;  fd^marib.foitberöb. 
@^efd^eibungögef.  §  15),  ift  mit  9tüdFftd^t  barauf  geboten,  bag  bie  jiotirctbt« 
li(^en  äSirfungen  ber  ©d^eibung,  ie  na^bem  nur  ber  eine  S^egattc  ober  ]eber 
ber  ©Regatten  ber  fd^ulbige  ^l^cil  ift,  in  mel^rfad^er  9e}iel^ung  fid^  Dcrfdbiebcn 
geftalten  (oergl.  §§  1453,  1454,  1456).  ©a  aber  nac^  §  1461  in  äkrbinbung 
mit  §  1456  bie  ©d^ulbfrage  aud^  in  bem  ^aUe  pon  Sebeutung  ift,  lucnn  nur 


S4cibuno.    Srcnnung  t?.  Sifct  u.  S3ctt.    ©^ulbfrage.    §  1449.  G07 

auf  Trennung  von  2;ifd^  unb  93ett  crlannt  lüirb,  fo  ift  cß  erf orbcrlid^ ,  bafe 
Qii(^  bereite  in  bem  Srcnnungöurt^cile  (§  1444)  über  bie  ©d^ulbfrage  cnU 
((Rieben  wirb.  SBom  ©tanbpunfte  bcö  ©nttüurfcö  aus,  roeld^cr  baö  S^rcnnungö^ 
urt^eK  tnoterieQ  ald  bebingteß  Sd^eibtingdttrt^eil  bel^anbelt  (t)erg[.  §  1445 
netft  ÜRotiücn  oben  ©.  599  ff.),  fctnn  bieö  einem  Scbenfen  md)t  unterliegen. 
3nßbcfonbere  ift  nid^t  ju  beforgen,  bafe  boburd)  ber  3^^*  ^^  Trennung  von 
2ri|^  unb  S3clt,  eine  9luöfo^nung  unter  ben  6t)egatten  ^erbeijufü^ren,  ge* 
fä^rbct  werben  fann,  ha  eö  fid^  nur  barum  Iianbelt,  in  bem  S^rennungö? 
url^cUe  bad|enige  formell  aud^ufpred^en^  roa&  materieQ  in  bemfclben  a(ö 
einem  bebingten  @d^eibungdurt^ei(e  not^menbig  entl^a(ten  ift.  @ine  nod^maligc 
moterieHc  Prüfung  unb  ©ntfd^eibung  berfelbcn  grage  wirb  baburd^  nid)t  Der- 
onlaöl  3lur  in  äfnfel^ung  beö  Ätägerö  fann  in  bem  ^ßrojcRe  über  bie  auf 
©runb  beö  §  1445  erI)obene  Sd&eibungöHage  eine  fefbftönbige  5ßrüfung  unb 
Gnt|(^eibung  ber  Sd&ulbfrage  erforbcrlid^  werben,  rotnn  in  bem  S^rennungö- 
urteile  allein  ber  83eWagtc  für  ben  fd^ulbigen  SC^cil  crllärt  loorben  ift, 
berfelbe  ober  t)on  bem  iljm  nad^  §  1449  Safe  2  iuftefienben  Siedete  (Sc* 
braud^  mad^t. 

SJa  ber  ©ntrourf  nur  foId)c  ©d^eibungö*  unb  2:rennungögrünbe  fennt,  «bie^nun« 
rocl^c  auf  einem  SSerfd^uIben  berufen,  fo  ergiebt  fid|  Don  felbft,  bafe,  wenn  «^JE^ung«, 
ouf  £(|eibung  ober  2^rennung  oon  3;:ifd)  unb  93ctt  erfannt  wirb,  ber  ©begatte,  w^mt^ 
gegen  joel^ien  bie  fliagc  erl^obcn  ift,  für  ben  fd^ulbigen  2:^eil,  unb  wenn  ein 
jeber  ber  ©l^egatten  ouf  Sc^cibung  ober  SE:rennung  t)on  iifd^  unb  S3ctt  gc- 
flogt  ^at  unb  beibc  Älagen  für  bcgrünbet  erad^tet  werben,  jeber  ®^egatte  für 
ben  f(^ulbigen  SCI^eil  erflärt  werben  mufe.  2)aö  bem  preufe.  31.  S.  9t.  II,  1 
§§  746—750,  ber  nümb.  6löefd)eibungöorbn.  3lx.  56  ff.  unb  bem  gotl^.  ß^egef. 
§§  155—157  SU  ©runbe  liegenbe  3lbroägungöfi)ftcm,  nad^  weld^em,  wenn 
beibe  ST^eile  fic^  gegenfcitiger  Sßerge^ungen  f^ulbig  gcmod^t  l^aben,  in  bem 
Urt^eile  ju  beftimmen  ift,  ob  unb  bei  weld^cm  2^t|eile  boö  Uebergewid^t  ber 
Scjiilb  obwaltet  unb  nad&  wcld^em  nur  berjcnige  2^^eil,  weld^em  ein  Ucbcr- 
flewi^t  ber  ©d^ulb  jur  Saft  fällt,  bie  ben  fc^utbigen  3:i)cit  treffenben  bc- 
fonberen  9Iad^tf>eifc  erleibet,  ift  wcbcr  prinjipiell  ju  red^tfertigen,  ba,  wenn  bie 
6^  auf  Orunb  ber  beibcrfeitigcn  Sßerfd^ulbungen  gcfd^ieben  wirb,  bie  Icfeteren  in 
i^er  SBirfung  auf  bie  @^e  afe  gleid^  fd^wer  erfd^einen,  nod^  aus  praftifd&en 
®tünben  ju  empfel^Ien,  weil  bie  SJbwfigung  ber  terfd^icbcnen  ®rabe  ber  SSer* 
ft^ulbung  mit  ©d^wierigfeiten  uerbunben  ift  unb  leidet  ju  einer  Söerweit- 
läufigung  ber  ©d^eibungdprojeffe  fül^ren  fann.  älud  biefen  ©rünben  ^aben 
öti(^  ber  preu§.  ©cfefereoifor,  ^enf.  XV  §§  69,  70,  unb  bie  fpäteren  prcufe. 
entwürfe  über  ®^cfd^bungen  fid^  gegen  jcneö  tanbrec^ttid^c  ©pftem  erflärt. 

Um  ben  SBeflagten,  weld^er  feinerfeitö  bie  ©d^eibung  ober  bie  S^rennung   e<*uibi0- 
wn  «ifd^  unb  S3ctt  ebenfaDö  ju  verlangen  berediitigt  ift,  aber  meflcid^t  axi&'m^^^ 
(Sewiffenöbebenfen  ober  überl^aupt  im  Sntercffc  ber  3lufred&terl)altung  ber  6^c  ®S'!"^*^ 
eine  9Siberftage  nid^t  ju  erl^eben  wünf d^t,  nid^t  in  bie  3toangölagc  ju  perf efeen,  *    *  "^    * 
entroebcr  eine  SBiberflage  erl^eben  ober  bie  9iad&tl)cilc  auf  fid^  ncl^men  ju 
inüifen,  weld^  ben  allein  für  ben  fd^ulbigen  2^^eit  erftärten  ©Regatten  treffen, 
beftimmt  ber  §  1447  ©afe  2  im  SKnfd^luffe  an  bie  gteid^e  aud^  in  ber  gemein- 
rei^tli^en,  ber  preuß.  unb  ber  franj.  Suriöprubenj  t)ertrctene  Sluffaffung  (ocrgt. 


608:  ®$cibunö.    Svcnnuns  t>.  2:if$  ii.  Sctt.    ©dßulbfraoc.    §  1449. 

anä)  fjeR.  ®ntn).  Slrt.  86  ncbft  aHotiocn  S.  96  ff.)/  l»o6  i>ic  SBcftimmung  in  bcm 
Urtl^cilc,  bQ§  icbcr  ©fiegattc  bcr  fd^utbigc  Xl)txl  fei,  auf  3lntrag  bc«  Scllagtcn 
anö)  bann  erfolgen  mu6,  wenn  bcr  33etlagtc  bic  ©d)cxbung  ober  bic  2:rcnnun9 
oou  ^i\ö)  unb  S3ctt  ju  »erlangen  bcrcd^tigt  ift,  eine  SBiberflagc  aber  nid^t 
erf)oben  f)a\.     ®aöfelbc  foU  nad^  §  1447  ©ag  2  bann  gelten,  roenn  baft 
9ted)t  beö  Seflaglen  auf  Sd^eibung  ober  auf  S^rcnnung  üon  2:ifd)  unb  9rit 
burd)  SBerjei^ung  (§  1446)  ober  burdd  S^ito^^I^^f  auögefc^loffen,  bcr  SSerlufl 
beä  SRcd^tcö  aber  erft  nad^  6ntftel)ung  beö  t)on  bcm  Älöger  geltenb  gemalten 
Sd^eibungögrunbcö  eingetreten  ift.    S)iefc  lefitere  Seftimmung  fnüpft  an  bic 
in  ber  preufe.  ©oftrin  unb  ^rajiö  uertretenc  Sluffaffung  an,  ba^  ein  wr* 
Sic^cner  ©d&eibungögrunb  (91. 2.  M.  II,  1  §§  720,  721)  für  bic  entfd^eibung 
ber  Sdjulbfrage  nod^  geltenb  gcmad&t  werben  fonne  (i)crgl.5ßrfii.b.Cb.3:rib.l776, 
Samml.  I,  156;  ©triettjorft  VII  ©.  113;  ©cfcfereo.,  ^cnf.  XV  S.  427,  388; 
anbercrfeitö  ®ntfd&.  b.  SR.  0.  in  Sioilf.  XV,  68).  5Der  ®ntrourf  gel^t  icbodd  baoon 
aus,  bafe  fein  außrci(i&enber  (Srunb  vorliegt,  biefen  Saß  aud^  auf  ben  galt  auö« 
äubel^ncn,  in  meld^em  bcr  Sctlagte,  nad^bem  er  einen  il)m  juftelienben  ©d&eibungö* 
grunb  ücrjicljen  ^atte,  bic  ba^  ©c^eibungöredjt  beö  Älägcrö  begrünbenbc  $anb* 
hing  begangen  f^at.  3m  ®egentl)eir  würbe  eö  für  ben  Älägcr  unter  Umftönbcii 
l)art  unb  unbillig  fein,  wenn  aud)  er  für  bcn  fd^ulbigen  2^^cil  erflfirt  werben 
fönnte,  obwol^l  bcr  Sdjcibungö^  ober  3;:rennungftgrunb,  ju  weld&em  er  S3cr* 
anlaffung  gegeben  liatte,  üieUeic^t  weit  in  bcr  aSergangcnlicit  jurücfliegt  unb 
bic  fd^äblid^en  gotgen  feiner  §anblung  längft  tjcrfd^wunben  finb.   SlnbcrcrfcitiJ 
fann  in  ber  9lid^tberüdEfid&ligung  beö  burd&  SScrjeifiung  ober  3citoblauf  aus- 
gefd^loffencn  Sd^eibungä^  ober  S^retinungögrunbcö  in  ienem  gaDe  eine  Um 
billigfeit  gegen  ben  SBeftaglen  nid^t  gefunbcn  werben.   Slnbcrs  liegt  bagcgen  bie 
Sad&e  in  bcm  im  §  1447  ©aß  2  am  Sd^luffc  uoraudgcfeßten  gallc.    3»i 
biefem  galle  rü^rt  bic  ^anblung  beö  SJeflagteu,  auf  Orunb  bcren  bic  ©d^eibung 
ober  bic  Strennung  t)on  Sifd^  unb  Sett  erfannt  wirb,  aus  einer  ^üt  ^er,  in 
wcld^er  bie  @^c  eine  aud^  burc^  bie  ©d^ulb  beö  ^lögerd  jerrüttctc  war  unb 
aud^  bcr  S3eflagte  bic  ©d^eibung  ober  bie  3:^rcnnung  oon  ä^ifd^  unb  S3ctt  oer^ 
langen  fonnte.    3n  einem  fold^cn  gallc  liegt  bie  Slnna^mc  na^c,  ba%  ber  Sc* 
flagtc  ben  ©d^eibungdgrunb  ober  2^rennungdgrunb  in  ber  Erwartung  Dcrjic^en 
bcjw.  binnen  ber  ^ßräflufinfrift  nid^t  geltenb  gemad&t  l|at,  bafe  auc^  bcr  ÄWget 
bcn  H)m  juftelienben  ©d^eibungö*  ober  I^rennungögrunb  nid^t  geltenb  mad^en 
werbe.    @d  würbe  bcd^alb  unbillig  fein,  .wenn  ber  99cftagte  in  biefem  gaOc 
auf  ©runb  beö  burd^  93crieil^ung  ober  3citablauf  auögefd^loffenen  ©d^eibungfi^ 
grunbcd  ober  S^rennungdgrunbed  nid^t  einmal  bm  älntrag  foQte  fteDen  fönncn, 
bag  aud)  ber  Stlägcr  ffir  ben  fd^ulbigen  2:^cil  erfl&rt  werbe,   ^ie  ^ier  fragü^e 
Scftimmung  bejic^t  fid^  übrigend  nur  auf  fold^e  göllc,  in  wcld^cn  bad  älcdtit 
beö  Scflagtcn  burd^  SScrjcifiung  ober  S^itoMcuf  auögefd^loffen  ift.    ©agcgcn 
fann  bcr  im  §  1449  ©aß  2  gebadete  Eintrag  beö  Seflagtcn  gcgcnubor  bcr 
Hlage,  burd^  weld^c  nad)  a)fa§gabc  beö  §  1445  Slbf.  1  auf  ©ninb  beö  frü^u 
!J^rcnnungöurtl^eitcö  bie  ©d^eibung  »erlangt  wirb,  auf  fold)C  3:^atfa(^en  nidtit 
geftüßt  werben,  welche  nad&  §  576  bcr  6.  ^.  D.  (uergl.  bic  9lnm.  1  ju  ^uäf  IV 
Slbfd)n.  1  ^it.  1  §§  1250  ff.  unter  II,  5)  bcöbalb  auögcfc^loffcn  fmb,  weil  bic* 
fclbcn  in  bcm  früfjcrcn  Skd^töftreite  bitten  geltenb  gemad^t  werben  fornicn. 


Sd&dbuno  2C.    Urt^cilgforniel.    ^^rojc^fofeiöfeit  2C.   §§  1450,  1451.         609 

2as  Urt^eil,  burd^  rocid&cß  ber  eine  ober  onbcrc  ®f)cgQttc  ober  beibe 
(Statten  für  ben  fd^ulbigen  3:^eil  erflärt  werben,  fiat  in  3Infel^ung  ber  baran 
fxä)  fnfipfenben  rec^tlid()en  SBirfungen  einen  fonftitutit)en  Äarafter. 


§  1450. 

£ie  33eftimmung  beö  §  1450 ,  welche  lebiglic^  ben  Äorofter  einer  Crb*   sc^efbuirg 
mmgfioorfc^rift  ^at,  bejroecft,  bic  2)ur^füf)rung   beß  im  §  1237  beftimmten  a^^S^^, 
%Derbotcö  ju  ftd^ern.    SBenngleid^ ,  um  baö  (St^etjerbot  bcs  §  1237  ju  be-  ^„toit  ber 
grünbcn,  bie  Sejeid^nung  besjenigen,  mit  roeld^em  ber  ©l^egattc  beß  6l)ebru(j^cö    urt^cu«. 
fiä)  fc^ulbig  gcmad^t  f)ai,  in  ber  UrtI}eiteforme[  nid^t  erfolgt  ju  fein  brQud^t,     ^°"""' 
fo  ift  cß  boc^  im  Sntereffe  ber  ©rleid^terung  beß  Sienfteß  ber  Stanbeßbeamten 
öngemcffen,  ben  9iid&ter  anjumeifen,  bic  5ßerfon  beß  mitfd^ulbigen  ©ritten  in 
ber  Urt^eilöformet  ju  bejeic^nen.    5Dq6  bie  Sejeid^nung  nur  infomeit  ju  er? 
folgen  t^at,  qIö  bie  SSerfianbtungen  bie  ^^erfon  beß  ©ritten  ergeben,  entfprid^t 
bcm  bie  G.  %  C.  be^errfd^enben  ©rnubfa^e  ber  aWünblid^feit.    3n  ber  9ie* 
cifionsinftan}  fann  ^iernod)  bie  Sejeic^nung,  obmofit  bie  3Sorfd[)rift  beß  §  1450 
bem  öffcntlici^cn  SRed^tc  angehört,  nid^t  mel^r  erfolgen,  ba  ^ier  bie  münbUt^e 
Ser^anblung  ftd&  auf  jene  2:f)atfrage  nid^t  erftredfen  fann  unb  bie  geftfteHung 
ber  Icgtcren  überi^aupt  nicftt  jur  S^ftänbigfeit  beß  SReüifionßrid^terß  gehört  (oergl. 
jeboc^  Urtli.  b.  31.  ®.  bei  ©rud^ot  XXIV  ©.  496).    3n  ©rmangelung  einer 
cntgegenfte^cnben  Seftimmung  oerftefit  eß  fid^  ferner  von  felbft,  bafe  ber  ©ritte 
oorfter  nid^t  Qtf)bvt  ju  werben  braucfjt;  benn,  roenngleid)  berfelbe  burd^  bie 
SeftftcIIung  inbircft  mitbetroffen  mirb,  fo  ift  boc^  bie  ©ntfd^cibung  nid^t  gegen 
i^n,  fonbcni  gegen  ben  SBeflagtcn  gerid^tet. 


§  1451. 

©ic  ben  §§  1267,  1276  jtd&  anfd&lie§enbe  S3eftimmung  beß  §  1451  bc:^  ^xo\imm^ 
ni^t  auf  ä^nlid^en  ©rroägungen,  mie  biejenigen,  roeldfie  ju  ben  S3eftimmungen  Vertretung. 
ber  §§  1267,  1276  geführt  ^aben  (üergl.  bie  SWotioe  ju  §§  1267 ,  1276  oben 
S.  97,  110).  ©afe  inßbefonberc  ein  SSormunb  nid^t  legitimirt  ift,  für  feinen 
3RünbeI  eine  ©c^cibungßflagc  ju  crl^eben,  mirb  aud|  tjon  ber  5ßrajiß  unb  über^ 
roiegenb  von  ber  ©oftrin  angenommen  (uergl.  ©euffcrt  IX,  78,  XLII,  304; 
entfd^.  b.  S».  ®.  in  ©imlf.  VI,  41  ©.  157,  IX,  58  ©.  221). 

©urci^  bic  in  ber  Slnm.  1  ju  bem  Unterabf^nittc  „IV.  Ungültigfett  ber  sBerfa^ren. 
I^e"  unter  n  mitgct^eitten,  jur  SKufnal^mc  in  baß  ©infüJ^rungßgefefi  beftimmten 
SfenbcTungcn  unb  ©rgänjungcn  ber  SBorfd^riften  ber  6. 5)3.  D.  über  baß  S8er* 
tQfiren  in  (S^efad^en  wirb  in  ücrfd^iebenen  Slid^tungen  aud^  baß  33erfaf)ren  in 
bem  Sec^tsftreitc,  mefd^er  bie  Sd&eibung  ober  bie  2;rennung  von  2:ifd^  unb 
9ett  jum  ©egenftanbc  ^ot,  betül^rt  (t)crgl.  inßbef.  bie  neuen  §§  578  a,  576, 
577,  584  a,  592  bct  S.  %  D.).  ©ic  Segrünbung  biefer  Slenbcrungen  unb  ®r? 
gäujungcn  ift  ber  JBegrünbung  beß  ©infüJ^rungßgefefeeß  t)orbe^aIten  (oergl. 
iebod^,  fomcl  bie  §§  576,  584a  betrifft,  bie  2»otit)e  }u  §§  1256,  1268  oben 
S.  63,  98  ff.). 

Stotise  i.  bÜTBcrf.  Oefe(&u(!^.  IT.  39 


610  <S*eibunö.    Seit  ter  ?luf(öfunfl  bec  S^c.    §  1452. 


§  1452. 

Seitpunft  ber  S)cm  33egriffc  ber  ©d&eibung  (§  1440  2lbf.  1)  unb  bem  tonftitutiDen 

*"^^^ij"^  ^  Äoraf Icr  bc§  ©c^eibungöurt^cilcö  cntfpric^t  cfi,  bafe  bic  3luf[6fung  ber  e^c 
mit  ber  SHcd^töfraft  bcö  bie  ©(Reibung  beftimmenben  Urt^cileö  eintritt  ®ic6 
ift  aucft  ber  Stanbpunft  beö  gemeinen  SRed^teß  unb  ber  mciften  neueren  ®cfe|^ 
gebungen  (ücrgl.  preufe.  31.  2.  SR.  II,  1  §§  731,  732;  nürnb.  @^ef^eibung«orbn. 
9ir.  81;  gotf).  ef)egef.  §  151;  f c^roar jb.  f onbcrö^.  e^efc^cibungßgef.  §§  24, 
27—29 ;  fäd^f.  ©.  8.  §  1746).  Surd^  bie  gaflung  beö  §  1452  mirb  mit  ge* 
nügenber  3)eut(id^!cit  jum  2ludbruc!e  gebracht,  bafe  burc^  bie  ©d^eibung  —  im 
©egenfage  jur  3lnfe^tung  (§  1260)  —  baö  9?ec^tdt)er^ältni6  ber  6^e  nur  für 
bie  3i*fwnft  beenbigt  roirb,  bafe  bagegen  mit  ber  ©Reibung  feineömegfi  oUc 
burd^  bic  ®^e  einmal  begrünbeten  SBirtungen  roegfaUen  (üergf.  §  33). 

erbrecht  gjon  felbft  oerftel^t  cö  ftd&,  bafe  mit  ber  Sd^eibung  aud^  boö  gegenfeitigc 

(Srbrcd^t  ber  ©Regatten  megfällt,  ba  ein  gefc^iebener  (Sl^egattc  fein  ©begatte 
mel^r  ift  unb  balier  afe  fold^cr  auc^  nid^t  mel^r  erben  fann.  Slnbcrcrfcitö 
ergiebt  fid^  auö  §  1452,  ba§  baö  ©rbred&t  erft  mit  ber  SReditöfroft  bed 
©c^eibungöurt^cileö  wegfällt.  SBegcn  ber  Orünbe,  aus  meieren  ber  ©ntrourf 
bcn  Sßerluft  beö  ©rbred^tcö  nid^t  fd)on  an  einen  frül^eren  S^i^pu^f^  ^"^ 
befonbere  an  bie  Älagccr^ebung,  gcfnüpft  liat,  mirb  auf  bie  SWotioc  bcö  6rb« 
red&teö  Sejug  genommen. 

«ermöflens.  sjjuö  bcr  Scftimmuug  beö  §  1452  folgt  ferner,  bafe  aud^  bie  ocrmogcnörctöt« 

""  feiun"fl "'  lid^cn  SBirhingen  ber  ®l^e  erft  mit  ber  Slec^töfraft  beö  ©d^eibungöurt^cileö  px 
bie  3ufunft  auff)örcn,  bafe  mittiin  biefer  3^i*pwnft  für  bic  93ermogenöaud* 
einanbcrfefeung  unter  bcn  gcfd^iebenen  ©Regatten  mafegebenb  ift.  ®in  Ses 
bärfni§,  ben  ftagenben  ©Regatten  in  ber  ^ier  fraglid&en  Scjie^ung  naeft  bcm 
aSorbilbe  beö  preufe.  31.  £.  5R.  II,  1  §§  769—771  gegen  bcn  böfen  SBitten  bcö 
anberen  ©Regatten  burcb  befonbere  SSorfd&riften  ju  f^üfccn,  fann  nid^t  anerfannt 
merben.  Snöbefonbere  trifft  aud^  bie  Sfnalogic  bcr  §§  1329,  1379  nid^t  ju, 
ba  bic  ©adE)Iage  nid^t  bic  glcid^c  ift. 

S)ie  SScrmögcnöauöcinanberfcgung  felbft  erfolgt  na^  3Raggabe  bcr  all« 

gemeinen  für  bic  2lufl)cbung  beö  betreffenben  ©ütcrftanbeö  geltenben  Sod 

fc^riften.    S)ieö  ift,  oorbc^altlic^  bcr  S3eftimmungcn  über  bie  G^efc^eibungö« 

ftrafen,  aud^  bcr  ©tanbpunft  bcr  auf  bem  S3obcn  ber  SBcrmaltungögemeinfd^aft 

ftc^enbcn  ditd)k  (oergt.  preufe,  91.  S.  %  H,  1  §§  766  ff;  fäc^f.  ©•  33.  §§  1746, 

1687,  1688;   otbcnb.  Ocf.  D.  24.  3lpril  1873  Slrt.  12).    Sic  cinjelncn  im 

preufe.  21.  S.  di.  II,  1  §§  767,  768  ftdE)  fmbenben  befonbercn  33cftimmungcu 

fommen  für  ben  ©ntrourf  ni(^t  in  grage,  ba  biefelbcn  mit  anberen  in  bcn 

Icttcrcn  nid(|t  aufgenommenen  SBorfd^riften  über  bic  Sluöcinanbcrfcftung  im 

gaUc  ber  Sluflöfung  ber  ©l^e  burd&  bcn  2;ob  jufammenf)ängcn  (ücrgt.  üHotioe 

insfcfonbcre  ju  §  1327  obcu  ©.  298  ff.).    SJagcgcu  entl^altcn  bie  auf  bem  Soben  bcr  ®ütcr» 

^gemeinJlbQft  gcmciufd^aft  ftc^cnbcn  SHed^tc  für  ben  gaU  bcr  ©l^cfd^cibung  t)ielfad&  befonbere, 

©ertcnbc«   i^^  ^^^^^  ^i*  k^^"  Cl)efd)eibungöftrafen  im  3^fö^^^^^«n9^  ftc^cnbc  Äe^ 

»t«<^t.     ftimmungen  über  bic  3lrt  ber  aScrmögcnöauöcinanbcrfe^ung  bei  bcr  Oütcr» 

gemeinfd^aft.     3lnlangcnb  inöbefonbere  bic   allgemeine  ©ütergcmeinf^ft,  fo 


©(Reibung.    3eit  ber  SluflöfunG  ber  ®6e.    §  1452.  611 

jtnb  gemeinred^tlid^  bic  Stnfid&ten  barübcr  gct^ciU,  ob  auc^  im  gaKc  ber  (S^i)c^ 

((Reibung,  wie  im  goUe  ber  3luf(öfung  ber  @^e  burc^  ben  Stob,  Quotcnt^eihmg 

ftatifinbct  ober  ob  boö  gemeinfamc  SBermogcn  in  feine  urfprünglid^ien  33cftanb* 

t^ilc  jerlegt  wirb  (oergl.  ©cuffert  VII,  193).    3n  ben  ^ßortifularred^ten  fefilt 

ed  in  biefer  ^infid^t  jum  S^ljeil  an  außbrücflidö^"  S3cftimmungen.    Quoten« 

l^ilung  finbet  namentlich  ftatt  in  ©d^lesroig^^olflein,  Dönabrüd  (oergt.  aucb 

oönabr.  ©ntmurf  §  23),  ^ilbcö^cim,  33erben  unb  fabeln,  ferner  nad^  ben 

Siechten  oon  SBürjburg,  ©d^roeinfurt,  ©aftell,  Dettingcn  unb  6rbad(i,  foroie 

nod^  bem  fäd)f.  0.  33.  §  1702  (ocrgl.  gieubauer,  3uf.  ©.  162).    3luf  bem^^ 

fclben  33oben  fielen  ba^  bamb.  S.  5R.  unb  bie  lippe^bctm.  SSerorbn.  d.  1786 

§  32  fiir  ben  gaU,  bafe  beibc  ©Regatten  fcbulbig  fmb.    gür  ben  gaU  bagegen, 

bQ§  nur  ber  eine  6t)egatte  ber  fd)ulbige  ST^eil  ift,  laffen  jene  Mec^te  bem  un« 

Hulbigcn  Gfjcgatten  bic  3Sai)l  smifd^cn  ber  STuöeinanberfefeung  beö  ©efammt^ 

gutes  na^  feinen  urfprünglidien  93eftanbt^eilen  unb  jmifd^en  Quotent^eilung. 

Sejtcreö  gilt  axiä)  m6)  preufe.  21.  S.  $R.  II,  1  §§  761,  755,  811,  812;  menn 

ober  fein  Uebergeroid^t  ber  Sc^ulb  eineö  ©Regatten  auögemittett  ift,  fo  erfolgt 

bic  äuöeinanberfegung  in  ber  3lrt,  bafe  ieber  3:^^eil  fein  in  bie  ®l^e  gebradbteö 

obCT  roö^renb  berfelben  burd^  Grbfd^aften,  Sßermäd^tniffe,  ©efd^enfe  ober  blofee 

©ludsfölle  erlangtes  95erm5gen  jurürfnimmt  unb  baö  Uebrige  unter  beiben 

©Regatten  gteid^  getl)eilt  roirb.    3la6)  bem  roürttemb.  ®ntrü.  %  285  ftel^t  bem 

unfc^ulbigen  ©Regatten  bie  3&a\)l  jmifd&en  2:l)eilung  beß  ©efammtguteS  nacb 

Cuoten  ober  noc^  btn  Orunbfägen  ber  6rrungenf(^aftßgcmeinfd)aft  }u.   ©injelne 

Äccbte  fdilicfeen  ben  fd&ulbigen  6f|egattcn  t)on  ollen  Siechten  an  bem  Oefammt* 

gute  ooUftänbig  aus,  fo  bie  Siedete  Don  gulba,  33remen  unb  bei  beerbter  ßl)e 

boö  linbau.  Stabtr.  unb  baö  l)olienlo^.  S.  SH.   3"^  galle  unbeerbter  (S\)t  laffen 

bic  beiben  legtcren  9iecbtc  bogegen  baö  ©efammtgut  in  feine  urfprünglidien 

^ftttnbtljeile  jerfallen  (oergl.  Sieubauer  a.  a.  D.  S.  162). 

9lad)  ben  3led|ten  ber  ©rrungeufd^aftögemeinfc^aft  pnben  im  galle  ber 
©M^ffibung,  Dorbet)oltlid^  ber  33eftimmungen  über  bic  ©t)efd&eibungöftrafen, 
regelmäßig  in  Slnfc^ung  ber  aSermbgenßauöeinanberfegung  biefelben  ©runbfäge 
ftott,  roie  im  galle  ber  3luflöfung  ber  ®l)e  burdE)  ben  2;ob  eineö  ber  ©l)e? 
gatten;  bod^  enthalten  cinselnc  3ied()te,  }.  S3.  baö  bagr.  S.  3J.  I,  6  §  43,  für 
jenen  gall  flngulfirc  aSorfc^riftcn  (tJcrgl.  5Reubauer  a.  a.  D.  S.  129,  130). 

2)aö  franj.  5Red&t  (code  civü  3lrt.  1441,  1474)  läßt  aud^  im  galle  ber 
CW^fteibung  ^albttieilung  eintreten.  9Jad&  bem  bab.  Siedete  (®ef.  t).  6.  9Wärj 
1S45  §  20)  gilt  bieö  jebod^  nur  mit  ber  SKobififation,  ba^  ber  unfdtjulbige 
2^il  bei  Unglcic^ldeit  beö  ©inbringenö  jur  Sluögleid^ung  einen  Slnfprud^  auf 
einen  äiorauö  ^at. 

Xa  btird^  bie  ©c^eibung  baö  SRed&töocrl^ältnife  ber  ©f)e  nur  für  bie  3«*  ^ton^punit 
fünft  ouf gehoben  wirb,  bie  biö  ba^in  burd&  bie  ®f)c  einmal  begrünbeten  cntourte«. 
'Äirfungcn  nx6)t  befeitigt  rocrben,  fo  folgt  auö  allgemeinen  ©runbfäften,  baß 
boö  burd^  bie  ©ütergemcinfc^aft  ju  einem  beiben  ®f)egatten  gemeinfd()aftlid) 
ge^örenbcn  SBermogen  Dcreinigte  SBermögen  beö  einen  unb  beß  anberen  S^e^ 
gatten  (§§  1342,  1411,  1431  2lbf.  1)  in  golge  ber  ©(Reibung  nid&t  mieber  in 
feine  urfprünglic^en  SBeftanbtf^eilc  jerfallen  fann,  fonbem  alö  gemeinfdöaftlid^eö 
Srrmogen  nad^  Quoten  unter  ben  ©Regatten  getl)eilt  merben  muß.    Xieö  gilt 

39* 


612  ©Reibung.    SBiberruf  bon  ©d^enfungeiu    §  1453. 

aud^  von  bcr  tjcrtragömäfeigcn  ©ütergemeinfd^aft.  55ie  SBorauöfcgung  für  bie 
SBirffamteit  bcß  ©ütergcmcinfd&aftöocrtragcö  ift  eine  gültige  ®^c.  S)iefc  35ot^ 
ausfefeung  ift  in  bcm  ^icr  in  Siebe  fteljcnben  galle  eingetreten.  6ine  3Ser* 
önberung  ber  Umftänbe  ift  auf  bie  SBirffamfeit  beö  5ßertrageß  nod^  allgemeinen 
©runbfägen  ol^ne  ®influ§.  ®ö  lägt  fid^  ollerbingö  nid()t  t)erfcnnen,  baß  auft 
ber  Quotentl^eilung  für  ben  unfcliulbigen  SE:^eil  unter  Umftänben  gärten  cnt* 
fteljen  fönnen.  Snbeffen  fann  biefe  9lüdffid)t  ber  93iUigfcit  nid()t  alö  burd^^ 
fd^lagenb  erod^tet  werben,  um  im  gallc  bcr  ©d{)eibung  in  2lbn)eid{)ung  von  ben 
allgemeinen  Orunbfägen  bie  33ermogenöouSeinanberfegung  n\ä)i  nac^  Quoten, 
fonbern  nad^  ben  urfprünglidben  33eftanbtl|eilcn  beß  ©efammtguteö  eintreten  ju 
laffcn,  jumal  einer  fold^en  Oeftoltung  aud^  geroid&tige  prattif(^e  Sebenfen  ent« 
gegenfteljen.  §ot  bie  6f)e  längere  ^c\i  gebauert,  fo  ift,  namentlid)  in  ßr^ 
mongelung  eines  3t^Dentareö,  eine  Sluömittelung  ber  urfprünglidben  Seftonb* 
tfieile  beö  ©efammtguteö  unb  i^reö  5BJertI)eS  l)äufig  mit  großen  Sd)n)icrig!eiten 
Derbunben,  unb  broljt  biefelbe,  ba  bie  ©Regatten  in  golgc  ber  Sc^eibung  fid^ 
in  ber  JRegel  feinblid^  einonber  gegenübcrfte^en,  eine  Quelle  non  ©treitigfeitcn 
unb  ^rojeffen  ju  merbcn. 

©ine  anbere  grage  ift,  ob  n\6)i  jur  Sluögleid^ung  ber  für  ben  un* 
fd^ulbigen  2;^eit  burd&  bie  ©d^eibung  nid^t  feiten  entfte^enben  gärten  mit  ber 
©d^eibung  überl^aupt  getüiffe  Dermögenöred^tlid&e  Slad^ttieile  über  bie  Seftim* 
mungen  ber  §§  1453,  1454  l)inauö  tjerbunben  werben  follen.  SBegen  ber 
®rünbe,  lüeld&e  ben  ©ntmurf  beftimmt  l^oben,  auc^  biefe  ^jragc  ju  üerncinen, 
wirb  ouf  bie  SKotioe  ju  §  1454  oerraiefen. 

§  1453. 

sBiberruf  oon  2)ie  Seftimmungeu  beö  §  1453  fd^tiefeen  fid&  im  3Befentlic^en  bem  prcu§. 

6<^enfu«flen.  2(  g  jj{^  II,  1  §§  773—775  ou  (ücrgt.  ouc^  alteub.  etieorbn.  §  281).  3« 
einem  ätinlid^en,  menn  aud^  in  einjelnen  Sejieliungen  abmeid&enben  Siefultate 
fül^ren  bie  aSorfc^riften  beö  franj.  9lccl)teö  (code  civil  3Irt.  299,  300),  bcr 
nürnb.  ©^efd^eibungöorbn.  5Rr.  60,  62,  63,  65  unb  beß  ^eff.  ©ntro.  2Irt.  94, 95. 
9(uö  allgemeinen  ©runbfäfecn,  inöbefonbere  a\i&  bem  ©efid^töpunftc  ber  3?or* 
auöfefeung  (§§  742  ff.),  läfet  fid&  bie  Slüdfforbcrung  ber  ^ier  fraglii^en  ©c^en* 
fungen  nid^t  begrünben.  ©benfomenig  liegt  in  SBirflid^feit  ein  gall  beß  Un* 
banfeö  üor  (§  449).  Snbeffen  fprec^en  überroiegenbc  Stüdfid&ten  bcr  öilligfeit 
gegen  ben  unf(^ulbigen  ©Regatten  bafür,  bem  lefetcrcn  baö  SRcd^it  beß  SBiber* 
rufcö  ber  liier  fraglid^en  ©c^enfungen  einjuräumen.  ©iefer  ©efid^töpunft 
mufe  aber  anbererfeitö  in  Uebereinftimmung  mit  bem  preufe.  31.  S.  9i.  bo^in 
fütiren,  baö  9Jedf)t  beö  SBiberrufeö  nid^t  auc^  auf  ben  gaU  auöjube^nen,  wenn 
beibe  ©Regatten  für  fd{|ulbig  erflärt  finb.  3laä)  bem  frans.  9Je^tc  verliert 
bagcgen  in  bem  le^tcren  galle  jeber  2:1) eil  bie  il)m  Don  bem  anberen  gemachten 
Sd)enfungen.  gür  biefe  9lrt  ber  Siegelung  fann  geltenb  gemad&t  werben,  bafe 
ein  ©f)egatte  fid&  ju  ©d^cnfungen  an  ben  anberen  ©Regatten  gerabe  im  §im 
blidfc  auf  bie  gortbauer  ber  ©f)e  unb  auf  feine  S^eitna^me  an  ben  aSort^^ilen 
ber  gemachten  ©df)enfungen  lei^ter  ücrftc^e  unb  baft,  rocnnglcid^  beibc  ©bc* 
gatten  für  fdf)ulbig  erllärt  feien,  bod^  m6)i  feiten  ber  eine  pon  i^nen  ber  über* 


©(Scibung.    UnterBalt^pfll^t  bcS  fcfeulbioen  Xf^zM.    §  1454.  613 

TOicgcnb  fcftulbtgc  S^^cit  fei  unb  cß  in  fold^cn  göUen  eine  Unbiltigfcit  gegen 
bell  anbercn  ©Regatten  fein  fönne,  wenn  bie  JRüdEforberung  ber  ©efd^enfe  auö- 
gefdiloffen  fein  folle,  namentlid^  oom  ©tanbpunfte  eines  ©efegbud^eö  au§, 
roel^cö  boö  SScrbot  ber  ©c^enfungen  unter  ©fiegatten  au§gefci)loffen  l^abc. 
3nbcifen  fann  auf  biefe  (Segengrünbe  um  fo  weniger  ©eroid^t  gelegt  werben, 
als  ber  jenen  ©rroögungen  ju  (Srunbe  liegenbe  ®efid)tepunft  ber  SBorauö^ 
fc^ung  m6)  %  743  3lv.  2  gerabe  umgefe^rt  bafjin  fü^rt,  bem  fd^ulbigen  2:^eile 
Wc  Slädforbenmg  ber  ®cfci)enfe  ju  üerfagen. 

Xa  baö  ^icr  in  SRebe  fte^enbe  SBiberruföred^t  ebenfo  wie  baö  SRed^t  beö 
S8ibcrrufcd  einer  Sc^enfung  wegen  Unbanfeö  (§  450)  einen  l^öd&ft  pcrfonlic^en 
Äaraftcr  ^at,  fo  empfiel^It  es  ftd&,  baS  5Berl)äItni§  im  ©inieinen  in  3lnlef)nung 
an  bic  9Sorfd()riften  über  ben  SBiberruf  einer  @d)enfung  wegen  Unbanfes 
(§§  450—452)  5u  geftalten.  Unter  bem  Slusbrudfe  „Sc^enfungen"  finb  l^ier, 
wie  überhaupt  im  ©inne  bes  Oefe^bud^eS,  nur  ©d&enfungen  unter  Sebenben 
unb  fol^c  ©d&enfungen  auf  ben  S^obeöfall  ju  oerfte^en,  wec^e  nad&  §  1963 
ofe  Sc^enfungen  unter  Sebenben  bef)anbelt  werben.     * 

Ueber  ben  (Sinflufe,  weld^en  bie  ©d^eibung  auf  bie  9Bir!famfeit  einer  Buwenbunaen 
(c|tioiUigen  Verfügung  äußert,  burd^  weld^e  ein  (g^egatte  ben  anberen  bebad^t  zobtim^^tn. 
\)ai,  ober  auf  bic  SBirffamfeit  eines  jwifd^en  ben  ©Regatten  gefd^Ioffenen  ®vh 
€infe|ungS'  ober  Sermäd^tnifeoertrages,  wirb  auf  bie  SSorfd^riften  ber  §§  1783  ff., 
1948,  1949,  1962  üerwiefen. 

§  1454. 

I.  Xa^  röm.  9led^t  uerbinbet  im  galle  ber  ©djeibung  wegen  ß^ebrud^eS      ö^«- 
unb  gcwijfer  anberer,  bem  lefeteren  gleid^geftcllter  ©d&eibungsgrünbe  ju  ®unften     firofcn.^' 
bes  unfc^ulbigen  a:^et(es  mit  ber  ©d()eibung  oerfc^iebene,  ben  fdjulbigen  2:^ei(  ©eitenbea 
treffenbc  üermogenSrec^tIid()c  Slad^t^eilc  aus  bem  ®efid{|tspunfte  einer  billigen     J««<^t- 
©ntfc^obigung  für  bie  bem  erfteren  burd&  bie  9lufIBfung  ber  6^e  entjogenen 
SSorl^cile.    S)ie  ß^cfrau  üerliert,  wenn  fie  ber  fd()ulbigc  2:{)eil  ift,  bie  dos 
unb   donatio   propter  nuptias,    in  ©rmangelung   einer   dos    ober   wenn   bie 
9lüdforberung  ber  lefttcren  einem  Slnberen   juftel^t,  ben  oierten  X\)e\l  if)res 
38crm5gens,  icbod^  nid^t  über  100  ^Bfunb  Oolbes.    3ft  ber  Seemann  ber 
f(tiulbige  2^l)cil,  fo  erhält  bie  ®^efrau  bie  dos  unb  bic  donatio  propter  nuptias, 
in  ©rmongelung  ber  Icgteren  ben  Dierten  2^l^ei[  bcs  SSermögenö  bes  ©fiemannes, 
jcboc^  cbcnfafls  mit  ber  juoor  bejeid&neten  (Sinfd^ränfung.    2)ie  SSerpftidbtung 
bcs  fdfjulbigen  2:i^eiIeS,  ben  vierten  X\)t\l  bes  Sßermögens  t)erauSjugebcn,  er^ö^t 
fic^  in  gcwijfen  gftflen  um  ein  ©rittel.    3Bas  in  biefer  SBeife  an  ben  un^ 
f<|rulbiflen  3::^eil  fällt,  erhält  ber  legtere,  wenn  gemeinfd^aftlidöe  Äinber  üor« 
^nbcn  fitib,  nur  jum  Jlicfebraud^e,  wäl^renb  bas  ©igent^um  auf  bie  Äinbcr 
übergebt.     3n  ber  heutigen  gemeinred^tlic^en  ^ßrajis  unb  2)ottrin  wirb  bie 
Snwcnbbarteit  ber  rBmifd^en  ©^efd^eibungsftrafcn  nic^t  mel^r  in  S^^^if^  9^- 
jogen,  wcnnglcidf)  in  einjelnen  33eiiel)ungen  über  ben  Umfang  ber  9lnwenbbarteit 
bic  Slnft^tcn  aud^  ießt  nod)  auscinanbergel;en   (ocrgl.  ©euffert  VI,  212, 

XVn,  263,  XVm,  259,  XIX,  158,  XXrV' ,  44,  XXV,  135,  XXVII,  143,  XXIX, 
35,246,  XXXin,  311;  genner  unb  aWerfe,  cinilr.  Gntfc^.  III,  12,  VI,  12; 
feitfc^.  b.  !R.  ®.  in  ©ioUf.  Vni,  48,  XI,  41,  XIV,  42,  XV,  44). 


614  ©(fieibunfl.    llnter^altöppid&t  bc8  [(^ulbigcn  S^eilcg.    §  1454. 

3!n  ©rtnangclung  befonbercr  Seftitntnungcn  ber  ^ßartifularrcd^tc  (DcrgL 
2)lotit)c  ju  §  1452  oben  ©.  610  ff.)  tocrben  bic  rom.  ßficfc^eibungöftrafcn  in  bcn 
©ebicten  bcö  gemeinen  SRed^teS  anä)  bei  ber  ©ütergemcinfc^aft  in  ber  Art 
angcrocnbet,  baß  ber  fd^ulbige  Ehegatte  ben  oicrten  S^^eil  feines  auf  (Srunb 
ber  SSermögenßauöeinanberfegung  pd^  crgebenben  SBennögenö  an  ben  un- 
fc^ulbigen  ®f)egatten  oerliert  (oergl.  ©euffert  XIX^  246). 

Slbroeid^enb  t)om  röm.  Siedete  giebt  eine  weit  verbreitete  gcmcinredbtlid^ 
^rajis  bem  unfd^ulbigen  ©Regatten  ober  bod&  ber  unfd^ulbigen  ß^efrau  im 
SBebürfnifefalle  anä)  einen  Slnfprud^  auf  Untertialt  gegen  ben  f^ulbigen  Sbeil 
(oergl.  ©euffert  Xn,  40,  XIV,  42,  XXY,  135,  XXXV,  218).  ®egen  biefc 
^rajiö  ^at  fii^  iebod&  baö  »leid&dgerid&t  (®ntf(^.  in  Sioilf.  VIII,  48)  erflärt 
(oergl.  au^  ©euffert  Xin,  146;  Urt^.  b.  31.  @.  ju  6cUc  o.  1871  in  ber 
3eitfd&r.  für  I)ann.  Siedet  V  ©.  44  —  gegen  bie  frül^ere  $ra)riö  oon  6eIIe). 

3m  älnfd^lufje  an  ben  ben  röm.  ©^efd^eibuugöftrofen  ju  (Srunbe  licgenben 
(Sebanfen  l^aben  aud&  bic  meiften  ^^Jartifularred^te  mit  ber  Sd^eibung  für  bcn 
fd^ulbigen  2^^ei(  geroiffc  t)ermögenöred()tlidöe  5Rad^t^cile  oerbunben,  mlä^t 
roefentUd^  eine  billige  ©ntfc^äbigung  bcä  unf^ulbigen  2:^eileö  für  bie  i^m 
bur^  bie  ©d^eibung  entjogenen  SSorttieile  bejTOecfen,  fo  inöbefonbcre  ba^  roürttcmb, 
S.  %  II,  32  §  1,  baö  bapr.  S.  3t.  1, 6  §  43,  baö  preufe.  31.  S.  9i.  H,  1  §§  783  ff., 
baö  gott).  e^egef.  §§  154  ff.,  bie  altenb.  e^eorbn.  §§  273  ff.  unb  baö  fc^tDorjb. 
fonbersf).  ß^efd^eibungögef.  §§  30  ff.  3n  ber  Slrt  ber  JJcrroirtlid&ung  jcneö 
©cbanfenö  roeidjien  bic  bejeid^neten  9ledf)te  inbeffen,  jum  3:^^ci[  in  Äonfequenj 
i^rer  oerfd^iebenen  güterred^tlidöen  unb  erbrcdjitn^en  ©^fteme,  im  (ginjelnen 
oiclfad^  oon  einanber  ab.  SBä^renb  baö  rom.  Siedet,  roeld^eiS  nur  ein  fe^r  be* 
fd^rönftes  gefefelid^eß  ©rbrec^t  ber  ®f)efrau  fennt,  ^auptfäcftlic^  bie  roä^rcnb  ber 
6^c  burc^  biefc  für  bie  ©Regatten  begrünbeten  SBort^cile  ins  Slugc  fafet,  legen 
baö  preu|.  31.  2.  91.,  baß  gotl^,  ®^egef.  unb  ocrfd&iebcne  bai)r.  ©tatuten  bas 
§auptgen)id()t  auf  bie  bem  unfd^ulbigen  SJ^^cile  burdfi  bic  ©d&eibung  cntgcl^enben 
erbrcd&tlid^en  aSort^eile.  3lm  beutUd^ften  tritt  bieö  im  prcufe.  31.  2.  91.  11, 1 
§  784  unb  in  oerfc^iebenen  ba^r.  ©tatuten  ^en)or,  welche  gerabcju  bcn  Saft 
^inftellen,  bafe  ber  fd^ulbigc  S^^eil  alö  im  3lugcnbli(fe  ber  ©d^cibung  oerflorten 
anjufeljen  fei,  rocnngleid^  fie  bie  Ronfequenjen  biefcö  ©ageö  nid&t  immer  im 
üoUen  Umfange  jic^en.  2)ic  altenb.  @I)eorbn.  farafterifxrt  bic  6^efd^cibung«* 
ftrafen  auöbrüdflid^  als  eine  ®ntfd&äbigung  für  bie  fämmttid()en  burd^  bie  6bf 
fomobl  roäl^renb  bcrfelben  als  nad^  3luflofung  berfelben  burcb  ben  2^ob  cnt- 
ftel^cnben  93ortl^eile.  3luf  bemfclben  Oebanfcn  berul^en  bie  SSorfd^riftcn  bcfi 
fd^roarjb.fonberö^.  ©cfefieö. 

3lud^  in  ber  3lrt  ber  Scftfegung  ber  ©ntfd^Sbigung  unb  be«  Umfangeß 
ber  legieren  meid^cn  bie  5partihilan-ed()te  mcl^rfad^  t)on  einanber  ab.  a3Bä^rcnb 
bie  altenb.  ®l)eorbn.  burdf)  S^ftfefeung  cincö  SWinimum  unb  SRojimum  bem 
rid&tcrlid^en  ©rmeffen  einen  geroiffen  ©pielraum  läfet  (t)ergL  aud^  ofterr.  ®.  3J. 
§  1266),  f)aUn  baö  roürttemb.  2.  91.,  baß  ba^r.  2.  91.,  baö  preufe.  SL  2.  9t,, 
ba&  Qoti).  @f)egef.  unb  baß  fcftmarjb.  f onbcrß^.  ©^efd&eibungögcf.,  je  nad&  ber 
aSerfd^iebenfieit  ber  gälle,  bic  Slrt  unb  bie  ^o^e  ber  ©ntfd^äbigung  gefeglicb 
genau  beftimmt.  S3ei  biefer  83eftimmung  pnb  inbeffen  juglcid^  ftrafrccftt* 
lid^e  ©cfid^ißpunfte  mef)r  ober  meniger  mafegebenb  gemefen.    2)ieß  jeigt  ficfe 


3(6eibunG.    nntcrljaltgpflicSt  bc«  fc^ulbiöen  ^i)nk9.    §  1454.  615 

namentli^  in  bcnicnigcn  (Sefcggcbungcit,  welche,  wie  baö  prcufe.  91.  2.  SR., 
baö  got^.  6^egcf.  unb  baö  f d^roarsb.  f onberö^.  (Sl^cf ci)cibung§gcf.,  je  nad^bcm  bic 
Sc^cümng  burd^  fd^roerc  ober  minbcr  fd&rocre  3Sergef|ungcn  ücranlafet  roorbcn 
ift,  eine  l)6^crc  ober  geringere  SIbfinbung  fcftfejcn.  5Äiid^  md)  ber  altenb. 
Göcorbn.  foU  bei  Mtf^fi^^O  ^^^  ©rofec  ber  ©ntfd)äbigung  auf  bie  pcrfönlid^e 
Sc^ulb  beö  aSerpfüd^teten  SRüdffid&t  genommen  werben.  Slac^  prcu§.  91.  S.  '31. 
unb  bem  f^roar jb.  f onberö^.  ©efefee  fann  bie  ß^efrau  ftatt  ber  SIbfinbung  ben 
änfpiiK^  auf  Untertialt  gegen  ben  (Seemann  mähten.  Saß  preufe.  91.  2.  31. 
geroo^rt  unter  Umftänben  oud^  bem  ßfiemanne  ein  fold^eö  SBa^lred^t.  9iad^ 
ber  altenb.  ß^eorbn.  unb  in  gemiffen  fällen  aud^  naä)  bem  gotlj.  ®f)egef.  fte^t 
bem  unfc^ulbigen  ©Ijegatten  neben  ber  9lbfinbung  ein  9lnfprud^  auf  Unter- 
^(t  ju. 

3m  ©egenfafee  ju  ben  bißtjer  angefüf)rten  SWed^ten  gewälirt  baß  frans. 
Siecht  bem  unfd^ulbigen  Gf)egatten  gegenüber  bem  fd^ulbigen  ©Regatten  feinen 
änfprud^  ouf  ®ntfd)äbigung  ober  auf  9lbfinbung,  fonbern  nur  einen  auf  ben 
gaü  beö  SBcbürfniffeß  fid&  befd()ränfenben  Unterfialtßanfprudf)  (code  civil 
3rt.  301).  daneben  ift  aber  beftimmt,  bafe  im  galle  ber  ©df)eibung  auß  einet 
bcftimmten  Urfad()C  berjenige  @f)egatte,  roeld^er  bie  Sd&eibung  auögeiüirtt  liat, 
qUc  i^m  üon  bem  anberen  Gfiegatten  im  ß^eoertrage  ober  mäl^renb  ber  ©l^c 
sugeroenbeten  33ortf)eiIe  felbft  bann,  roenn  biefelben  med&felfeitig  bebungen  fein 
foUten,  bcf)ält,  mö^renb  ber  anbere  6t)egatte,  gegen  weld&en  bie  ©d{)eibung  ju- 
geloRen  ift,  bie  if)m  t)on  bem  anberen  ®f)egatten  sugeroenbeten  SSort^eile  ücr^ 
liert  (code  civil  9rrt.  299,  300).  9luf  bem  93oben  beß  code  civil  ftel^en  aud) 
baö  bab.  2.  31.  unb  ber  l)eff.  ©ntro.  II  9lrt.  94  u.  96,  III,  9Irt.  39,  IV  9lrt.  469, 
484,  baö  erftere  iebod^  mit  ber  in  ben  SKotioen  5U  §  1452  oben  S.  611  be^ 
icic^neten  SKobiftfation. 

3Rit  bem  franj.  3ic6)k  ftimmt  ferner  baö  födf)f.  ©.  93.  §  1750  barin 
überein,  bafe  bie  ©d()eibung  für  ben  unfd{)utbigen  S^^eil  feinen  Slnfprud^  auf 
ßntfc^öbigung  ober  Slbfinbung,  fonbern  nur  einen  Unterfialtöanfpruc^  begrünbet, 
welcher  jebod)  mit  bem  9luföören  beö  33cbürfniffeö  wegfällt.  9lbn)eid^enb  vom 
«•Ode  civil  oerbleiben  aber  na(ft  bem  fäd^f.  ®.  33.  §§  1740,  1706,  2055,  2557 
bem  unf(^ulbigen  ©Regatten  nid^t  bie  i^m  t)on  bem  anberen  ©Regatten  burdb 
Gfje^  ober  ©rboertrag  jugeroenbeten  5Bort()ci[c. 

2)er  ©ntrourf  l)at  fi^,  fooiel  bie  gragc  betrifft,  ob  bem  unfc^ulbigen  stanbrunft 
i^cUc  gegenüber  bem  fd^ulbigeu  X\)c\k  ein  9lnfprudö  auf  ©ntfdf)äbigung  ober  ©„trourfe«. 
auf  2lbfinbung  wegen  ber  bem  lefeteren  burd^  bie  Sd^cibung  entgel)enben  35ors 
töfife  eingeröumt  werben  foll,  bem  ©tanbpunfte  beö  franj.  5led&teß  unb  beö 
fäc^f.  ®.  93.  angefd)Ioffen.  9luö  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  läfet  fid^  ein 
fol^er  «nfprud^  nid&t  begrünben  (oergl.  ©ntfd&.  b.  3i.  ©.  in  ©iüilf.  VIII,  48 
3.  188).  ^ubtm  wiberftrebt  eö  bem  SEBefen  ber  ©f)c,  biefelbc  einem  oer- 
mögenßrrd&tli^en,  auf  bie  ©riangung  t)ermögenöred()tli(^er  33ort^eile  gerid^teten 
aiec^tögefcftcifte  gleid^juftellen  unb  alö  eine  Cuelle  fotc^er  SSort^eile  red^tlid^ 
^u  be^anbetn.  2)emgegenüber  fonnen  SRüdfficfiten  ber  93inigfeit  nid^t  cnt^ 
l(^eibenb  inö  ©ewid^t  fallen,  jumal,  wie  in  ben  9Kotit)en  beö  l^^ff.  ©ntw.  II 
2. 103  nit^t  of)nc  ©runb  {)ert)orge^oben  wirb,  bie  ©(jefc^eibungöftrafen  unter 
llmfianben  aud^  gegen  ben  fd^ulbigen  2'^eit  in  große  ßörten  ouöarten  fonnen. 


616  ©cfeeibunfl.    UntccSaltSpflicfet  bc8  ft^ulbigen  3;i6eiteÖ.    §  1454. 

rocit  bei  ©ficftrcitigfcitcn  bcr  pftic^tücrgeffcnc  G^cgattc  fi(ft  gegenüber  bem  org^- 
[ofen  ®()egatten  I)äufig  im  SSort^cilc  befinbct  unb  feine  roa^re  ©^ulb  un^ 
ermittelt  bleibt.  3lud^  t)om  Stanbpunfte  beä  öffcntUd^en  3ntereffeö  aus  bebarf 
c§  ber  ß^efd&eibungöftrafen  nid^t,  um  alö  Slbfc^redEungömittcI  unb  als  inbireftcö 
3n)Qngömittcl  jur  ©rfüllung  ber  el^elid^en  ^flid^ten  ju  bienen.  Siefer  Oefi^tö* 
punft  mürbe  fonfequent  bal^in  fül^ren  müRen,  bie  fd^ulbootte  SSeranlaifung 
jur  Sd^eibung  mit  öffentlid^cr  ©träfe  ju  bebro^en;  bagegen  vermag  berfefbe 
bie  9tnerfennung  eines  prioatrcciötlid)en  ßntfd^äbigungsanfprud^es  nic^t  ju 
rechtfertigen,  ©oju  fommt,  bafe  anbercrfeits  bie  9lusfid^t  auf  eine  Gntfc^äbi? 
gung  für  bie  entgel^enben  Sßort^eile  ber  6^e  —  eine  Gntfdjäbigung,  bercn 
§cftfefeung  immer  mc^r  ober  weniger  roinfürUd^  ift  unb  bes^alb  in  SBirfüc^- 
feit  fidö  nid^t  feiten  als  eine  93ereid^erung  beS  unfd&ulbigen  3:^f)cifcs  barfteHen 
roirb  —  für  ben  [enteren  ein  älnreij  fein  fann,  aus  niebrigen  33emeggrünbcn 
ben  Sd^eibungsgrunb  jum  3^^*^  ^^^  eigenen  33creid&erung  auSiunußen. 
^S«  *  II.  S)as  preufe.  91.  £.  9t.  II,  1  §  823  entfjäft  neben  ben  bie  Seftrafung 

bcs  Gf;cbrud&es  betreffcnben,  burd^  ben  §  172  beS  Str.  ®.  33.  erfaßten  Se? 
ftimmungcn  (II,  20  §§  1062  bis  1064)  bie  weitere  SBorfd&rift,  bafe,  mm  ber 
fc^ulbige  (Stjegatte  bem  unfd&ulbigen  Xi)cxk  meber  3lbfinbung  nod^  Unterljaltungö* 
gelber  gemäfiren  fann,  ber  erftere  für  bie  35erge^ungen,  burd^  meiere  er  ju  bcr 
Sdjeibung  SÄnlafe  gegeben  l^at,  nad)  S3erl)ältni§  ber  ©röfee  unb  Sd()n>ere  ber^ 
felben  unb  nad^  Semanbtnife  ber  übrigen  obmaltcnbcn  Umftänbc  mit  (ScföngniB 
ober  Strafarbeit  oon  14  Sagen  bis  }u  3  aSonaten  foUe  belegt  merbcn  fonnen. 
2)er  ©efeßreoifor,  ^cnf.  XV  SKotioe  S.  446  ff.,  l^atte  bie  SBefeitigung  biefcr 
33cftimmung  t)orgefcI)Iagen.  33ei  (S)e[cgcnf)eit  ber  fpätcren,  bie  9lcform  beö 
@^cfdjcibungsrcd)tes  in  ^reufeen  bejielcnben  Sd&ritte  bcr  ©efeggebung  rourbe 
bie  "^vaQt  von  9leuem  erroogen,  ob  es  fid;  jur  SSerbefferung  bcr  3Scr^öltnijic 
auf  bem  Oebicte  beS  ©f)efd^eibungsred&tes  empfel^te,  ben  (Srunbfaß  anjucrfenncn, 
bafe  in  allen  gällen,  in  roefd^ien  roegen  SSerfd&uIbung  eines  ß^cgattcn  ouf 
Scb^i^wnfl  erfannt  merbe,  ber  fd^ulbige  2^^eil  pon  9lmtSmegen  mit  grei^eitß* 
ftrafe  ju  belegen  fei.  S)as  (Srgcbnife  mar,  bafe  eine  biefem  ©runbfafee  cnt* 
fpred)cnbe  93cftimmung  in  ben  preuß.  ©ntmurf  t)on  1854  aufgenommen  würbe. 
2)iefelbe  fanb  inbeffcn  nid^t  bie  guftimmung  ber  bamaligen  erften  Kammer  unb 
iDurbc  besljalb  in  ben  fpäteren  ©ntroürfcn  meggelaffen.  2luc^  ber  podiegenbc 
©ntrourf  gef)t  baoon  aus,  ba§  Dom  prioatrc(^tIid&en  Stanbpunfte  aus  ein 
Sebürfnift,  5um  Sd)u^c  beS  einen  ©Regatten  gegen  bie  (Sigenmad^t  unb  bie 
Verlegung  bcr  efjelid^en  ^ftid^ten  oon  Seiten  beS  anberen  ©Regatten,  foroie 
5um  Sd&uge  gegen  ÄoIIufioncn  als  Srfafe  für  ben  auf  bem  ©ebiete  beS  perfön* 
lid&cn  ©(jercdjtes  nai)  ber  5Ratur  beS  SSerl^ältniffeS  nur  unooHfommenen 
Slcc^tsfd&uß  eine  Strafbeftimmung  bcr  oben  bejcid^neten  9lrt  ju  geben,  nic^t 
anjucrfenncn  ift,  jumal  burd^  bas  bem  ©ntmurfe  ju  ©runbe  liegcnbe  ^rinjip 
ber  Siclatioität  ber  mciftcn  S^eibungsgrünbe  (§  1444:)  bie  Sd)eibung  gegen* 
über  bcr  9)Jc^rjaf)l  ber  bcftel)cnben  Steckte  crfd^rocrt  ift  unb  baS  ^rinjip  bcr 
9lclatit)ität  in  SBcrbinbung  mit  bem  5ßrinjipe  bcr  freien  ©eroeiSroürbigung  nnb 
bem  bas  3Serfafjrcn  in  @f)cfad&en  bel^errfd&enben  Dffijiatprinjipe  bem  3lidjter 
-ausreic^enbe  SWittcI  an  bie  §anb  geben,  um  2)U§bräu^en  entgegentreten  ju 
fönnen.   2)cr  ^auptmcrtl)  bcr  öffcntlid&cn  Strafe  beftefit  nur  barin,  ba§  baburdd 


©dicibunö.    Uiitertaltßpflid&t  bc3  fc^ulbigen  Ifieiteö.    §  1454.  617 

bcr  offcntlid^cn  aJHSbiUigung  foId)cr  Säerlegungcn  cljclid^cr  ^^iftid)ten,  welche 
bie  Sc^eibung  nad^  ftc^  iiel^en^  äludbrud  gegeben  unb  bad  Semugtfein  bed 
Sotteö  oon  bcr  SBürbc  ber  6f)e  gcl^oben  wirb;  allein  bcm  burd)  bie  Steid^ö' 
gcfcfgebung  gefdiaffenen  ein^eitU^en  Sled^töjuftanbe  gegenüber  fann  oI)nc  ein 
bringenbcö  prafti|d)e§  33ebürfni§  eine  6rn)eiterung  ber  ©trafbcftimmungcn  in 
ber  bier  fraglichen  9iid)tung  über  ben  gall  beö  6l)ebrud)eö  ^inauö  (§  172 
Str.  ®.  33.)  ate  angemeffen  nid^t  erachtet  werben. 

TU.  5IBcnngIeic^  bcr  ©ntrourf  gegen  bie  SInerfennung  einer  6ntfd()äbi9ungö'  unterbau«. 
püic^l  beö  fd()ulbigcn  (Sljcgattcn  gegenüber  bcm  anbcrcn  unfd}ulbigen  3:()ci(c  beÄ'n 
Rc^  crflärt  l^at,  fo  \)at  berfelbe  boc^  nod)  bcm  aSorbilbe  beö  fäd)f.  ©.  93.  ^^^^^' 
§  1750  unb  beö  Code  civil  3lrt.  301  unb  mit  9lüdE|lci&t  auf  äönli^c  Se^ 
ftimmungen  beö  prcufe.  21.  S.  91.  II,  1  §§  798  ff.  unb  anbercr  neuerer  (Scfe^^ 
gebungen  (oergl.  altenb.  G()corbn.  §§  274—279;  gotl;.  ß^cgef.  §§  166—168; 
f^roorjb.fonberöl).  ©^cfd^cibungögef.  §§  31—33)  bcm  uufd^uibigcn  ©Regatten 
gegenüber  bcm  fd()ulbigen  ©Regatten  einen  Unter^altöanfprud^  nod&  SKafegabe 
bcr  33eftimmungen  beö  §  1454  eingeräumt,  ©in  foId}er  Untcrf)altöanfprud) 
Iflfet  ficj  aUerbingö  auö  ollgemcincn  ©runbfäfeen  ebenforoenig  l^crfcitcn,  mic 
ein  änfprud)  auf  ©ntfd^äbigung  roegen  bcr  fonft  burd&  bie  ©d^eibung  bcm  un^ 
f^ulbigen  ©Regatten  cntjogenen  5BortI)ciIe  ber  ®^e  (ocrgl.  ©ntfd&.  b,  31.  ®.  in 
ßioilf.  VIII,  48  £.  188).  ®egen  bie  Slncrfcnnung  eineö  foldjcn  9lnfprud()eö 
fann  —  abgelesen  oon  bcm  pofitiocn  Äarafter  bcöfelben  —  ferner  geltcnb 
gemad^t  werben,  bafe  eö  miji  münfc^enömertb  fei,  wenn  bie  mcd^fclfcitigen  93e* 
jicbungen  ber  ©Regatten  burc^  bie  Sd^eibung  n\6)t  befinitio  unb  nad^  allen 
9ii(^tungen  bin  geloft  werben,  fomic  baß  einer  angemeffencn  Siegelung  bicfeö 
Unterbaltöanfprud^eö  roegcn  feineö  pofttioen  Äaraftcrö  befonberc  ©dimierigfcitcn 
fi(^  entgcgcnftellcn.  3nbeffeu  finb  bie  SRüdEfid^t  auf  baö  in  bcm  größeren 
^bcile  Seutfc^Ianbö  geltenbc  9le(^t,  bie  JlüdEfidöten  ber  Silligfeit  gegen  ben 
unfc^ulbigcn  ©t^egatteu,  wddjcx  fonft  in  bie  Sage  oerfc^t  werben  würbe,  cnt^ 
Weber  bie  i^m  unerträglid)  geworbene  ©tjc  fortfegen  ober  fortan  bie  ajlittcl  5U 
feinem  Unterhalte  entbehren  ju  muffen,  unb  bie  9iüdEfidf)t  auf  baö  öffent[id)c 
Snterefie,  welche  eö  cr^eifd^t,  ben  Sd&eibungen  tl^unlid)ft  entgcgcuäutrcten  unb 
im  gööc  ber  Sc^eibung  eine  SBermc^rung  bcr  öffcntlid^en  SÄrmenlaft  t^unlid)ft 
}u  oer^üten,  alö  überwiegenb  anjufelien. 

3m  Uebrigen  ift  jur  Segrünbung  ber  einiclnen  Scftimmungcn  beö 
§  1454  golgenbeö  ju  bemerfen: 

1.  SBätirenb  ber  oom  preufe.  91.  S.  %,  bcm  gotl^.  ©ficgef.,  bcr  altenb.  ««a«**^  *►« 
©^orbn.  unb  bem  fc^warjb.  fonberöl).  ®ef.  bcm  unfd^ulbigcn  ®f)cgattcn  ge*  "^^^"t!** 
roal^rte  Unter^aItöanf)Jnid&  ben  Earafter  einer  ©ntfd&öbigung  an  fidb  trägt 
unb  roef entließ  von  biefem  ©cfid^töpunftc  auö  geregelt  ift,  tritt  bei  ben  Sc^ 
ftimmungen  beö  code  civil  unb  beö  fäd&f.  ®.  33.,  weld&e  bem  unfd^ulbigen  ©^e* 
galten  nur  einen  fubfibiären  Untertjaltdanfprud^  gewäfjrcn,  bcr  ©ntfd^äbigungö? 
geft^töpunft  mc^r  in  ben  .^intergrunb  unb  ber  ®eridötöpunft  einer  auf  Silligfeit 
benil^enben  ^JJad^wirfung  bcr  ®f)c  oorwicgcnb  in  ben  SBorbergrunb.  9ludö  ber 
ßntrourf  f^at  Slnftanb  genommen,  ben  ()ier  fraglichen  Unter^altöanfprud^  oon 
bem  ©cfid^töpunfte  ber  ©ntfd^äbigung  a\i^  im  ©injclncn  ju  regeln  unb  baburc^ 
eine  ganj  neue  2lrt  oon  Unter^altöanfprud^  ju  f^affen.    3m  3ntereife  ber 


618  (S^eibuiiß.    Ilntcr6artß^)flid6t  beö  fd^ulbiöen  Xßcileö.    §  1454. 

®infad|I)cit  bc§  (Sefe^bud&cö  ift  cd  t)ielmct|r  angetttcj^encr,  bcn  [)icr  fraglichen 

Untcrl^altöanfprudö  mög[id)ft  im  9rnfd&Iuffe  an  bic  gcfcglid^c  Unter^altöpfli^t 

»«bürfttflfeit  i)cr  gSerroanbten  (§§  1481  ff.)  im  ©injelncn  ju  geftaftcn.    ®iefc  ©nuägung 

unfc^urbtgen  füf)rt  bal|in,  mä]  bem  SSorbilbc  bcö  code  civil  3lrt.  301,  bcö  ffid^f.  (8. 8. 

eöcflattcn.  g  175Q  m^5  ^^g  {j^j^  g„t^^  ^^i  9ß  jj^,„  Untcrf)a[tsanfpni(^  bcö  unfc^ulbigcn 

©Regatten  oon  bcr  33cbürftigfcit  bcö  leiteten  ab^öngig  ju  machen,  unb  äroor 
im  gtnfdjluffe  aw  §  1481  9lbf.  1  in  bcr  3lrt,  bafe  bie  Untcr^altöpflicfit  nic^t 
fd^on  bann  eintritt,  mcnn  bcr  unfd^utbige  ®^cgattc  crrocrböunfö^ig  ift  unb  bic 
®infünfte  feines  SScmiogens  ju  feinem  Unterf)altc  nid^t  ausreißen,  fonbcm 
nur  bann,  wenn  er  roegcn  33crmogenöIofigfeit  unb  Grn)crbßunfäl)igfcit  ^ä^ 
fclbft  JU  unterhalten  ni^t  im  ©tanbe  ift.  ®er  Stiitffid&t  auf  bic  Silligfeit 
gegen  bcn  unfdiulbigen  ©{jcgatten  unb  auf  boö  öffentlidic  3ntcrcffc  wirb  in 
gcnügenbcr  SBeife  JRccftnung  getragen,  wenn  bem  unfc^ulbigen  ©ficgattcn  im 
^alle  bcr  5tot^  ein  Unter^altäanfpnic^  gemährt  wirb.  Slbmeid^enb  üon  bcn 
Scftimmungen  ber  bcjcid&neten  Oefeggebungöroerfe  mad)t  ober  bcr  §  1454 
9lbf.  1  ©ag  1  ben  UntcrJ^altsanfprud^  nid^t  bauon  abfiöngig,  bafe  ber  unfc^ulbige 
C^egatte  fd[)on  jur  3^^^  ^^^  ©d&eibung  bebürftig  ift;  mclmel^r  foll  bic  Unter- 
^altöpftidjt  bcö  allein  für  ben  fd^ulbigcn  2:f)eil  crflärten  ©Regatten  auc^  bann 
eintreten,  mcnn  ber  anbere  ©begatte  erft  fpäter  ober  nad^  bem  3luf^6rcn  bcr 
äur  3cit  bcr  ocöcibung  üorf)anbencn  S3ebürftigfcit  Don  ?lcuem  bebürftig  wirb. 
2)cr  entgegengefegte  ©tanbpunft  ber  angefüfirten  ®efe|gcbungön)crfc  gcroä^rt 
bem  unfd)ulbigen  ef)egatten  feinen  auörcidt)enben  ©d&ug  gegen  bie  Oefabr,  ba6 
er  in  golgc  ber  ©d^eibung  5ßotl^  leibet,  unb  fann  unter  Umftönben  }u 
großen  gärten  für  benfelben  füt)ren,  ®iefen  ©rroägungen  gegenüber  tann 
ber  Oefic^töpunft,  bafe  eö  TOünfd&cnöroertl^  fei,  bie  roed^felfeitigen  S3ejiet)ungcn 
ber  ©Regatten  mit  bcr  ©d&eibung  befinitiü  ju  regeln,  als  burd&fd^Iagenb  nic^t 
crad{)tct  roerben. 
«naiogie  ber  2.  S)ie  im  §  1454  STbf.  1  ©aß  2  allegirten,  junöd^ft  für  bic  gefcjUic 

pfStberö«»  Untcr^altöpflic^t  bcr  SSermanbten  gegebenen  SBorfd^riften  paffen  and)  für  bic 

wanbten.    f^ier  iu  SHcbc  ftc^cubc  llntcrl)altdpftic^t.     6ö  gilt  bieö   namentlid)  pon  bcr 
33orfd&rift  bcö  §  1482  2Ibf.  1,  nad&  meld^cr  bie  Untcr^alt6pffid(|t  burc^  bie 

seiftung«*  «ciftungöföliigfcit  in  bcr  bort  nöl)er  bc|\eid&nctcn  3Bcife  bebingt  ift.  2)ic  potitinc 
^  "^  Söorfdbrift  bcö  code  civil  3lrt.  301,  bafe  bic  Unter ^attöfumme  ben  Dritten  Jbcil 
bcr  ©intünftc  bcö  fc^ulbigen  ©Regatten  uid^t  überfteigen  bürfc  (oergf.  au^ 
altcnb.  ©t)corbn.  §  274),  ücrbient  feine  Billigung,  meil  fie  bie  SBürbigung  bc« 
einjicincn  ^allcö  burd^  bcn  3lid)ter  auöfd^liefet.  9Iucö  ber  ^cff.  ©ntro.  ift  in 
biefcm  ^^Junfte  bem  code  civil  nid()t  gefolgt,  unb  boö  fäd^f.  ®.  SB.  übcrWfet 
auöbrücflid)  bie  ^eftfegung  bcö  Unter^alteö  bem  rid&tcriidfien  ©rmcffcn. 

©eibrente.  9lbmcid)cnb  öou  bcm  §  1491  2lbf.  2  foII  aber  bcr  Unterhalt  ftctö  burdj 

©ntrid^tung  einer  Oclbrente  gcn)äl)rt  merben.  ®ö  empfiehlt  ^id}  bieö  mit  Slücf- 
fid()t  auf  bic  in  golge  bcr  ©dbeibung  regelmäßig  unter  ben  ©Regatten  cnt- 
fte^cnbe  33crfcinbung  imb  ©ntfrcmbung. 

aenberung  2Bäf|renb  baö  preufe.  91.  £.  di.  II,  1  §§  803,  806,  rocid&cö  in  ber  bier 

«er^äuniffe.  fragüd^cu  ^infic^t  auf  bcm  ©ntfc^äbigungöprinjipe  beruht,  in  golgc  einer 
9tcnberung  bcr  tF)Otfäc^Iid&cn  ©runblagen  bcö  Unter f)altöanfpru(^cft  eine 
©rf)5[)ung  unb  rcgclmcifeig  au^  eine  üKinberung  bcö  ju  geroäljrenbcn  Unte^ 


®(6cibun0.    Untertaltgpflic&t  bcg  f^ulblßcn  SlfeeiteS.    §  1454.  619 

fioltcö  nirfit  eintreten  läfet  (Dergf.  Urtf).  b.  91.  ®.  bei  ®rud)ot  XXXI  S.  993), 
roirb  oon  ber  franj.  3uriäprubcnj  eine  fold^e  ©r^o^ung  ober  Sßinbcrung  für 
julöffig  erachtet  (Dergl.  qu^  altcnb.  g^eorbn.  §  279  unb,  fooiel  bie  3uläffigfeit 
einer  Cr^ötjung  betrifft,  fd^n)arjb.fonberöl^.  ©^efd&eibungögef.  §  33  9(bf.  2). 
Sie  SSorfd&rift  beö  prciife.  91. 2. 9t.  geroäfirt  allerbingö  ben  SJortl^eil,  ba§  babiird^ 
bie  roe^felfcitigcn  Scjie^ungen  jiDifd^en  ben  gefd)iebenen  6l)cgatten  bcfinitit) 
geregelt  werben.  Stuf  ber  onbcren  Seite  fann  biefelbe  aber  fowo^I  für  ben 
unfc^ulbigcn  als  für  ben  fd&ulbigen  ©Regatten  grofec  gärten  mit  fid&  bringen. 
9lud  biefent  Orunbc  uerbient  es  ben  SSorjug,  bie  3Sorfcib^ift  beö  §  1493  and) 
auf  ben  i^icx  in  Siebe  fte^enben  Untcrfiaftöanfpruci)  für  entfpred)enb  anroenbbar 
äu  erflören. 

2)ie  Seftimmung  beö  §  1495  über  bie  Unjuläfftgfeit  beö  SSeri^id^teö  auf  «e^a^t 
ben  einem  SScrmanbten  jufte^enben  gefefelid^en  Unterfialtöanfprud)  unb  über  bie 
Sefc^ränfung  einer  roirffamen  SSorauölciftung  ift  auf  ben  im  §  1454  anerfannten 
Unter^altäanfprud^  nid^t  übertragen,  ba  ber  legtere  feinen  familienrecbtlid)^^ 
Äarafter  ^at  unb  fid^  nid^t  alö  bie  Äetirfeite  einer  fittli^en  ^ftid&t  beö  anbcren 
STbeileö  borftellt.  9lud()  praftifdic  ©rünbe  fpred^en  bafür,  eö  ben  gefd^iebeuen 
©begotten  ju  ermoglid^en,  baö  5ßerl|ältni§  unter  einanber  burd^  SJertrag  in 
bffinitioer  SBcife,  inöbcfonbere  im  SBege  ber  Sapitalabfinbung,  ju  orbnen. 

Xa  ber  liier  fraglid^e  Unterfialtöanfprud)  bie  33efriebigung  cineö  perfön-  uiwembiic^* 
li^cn  Sebfirfnijfeö  beö  unfd^ufbigen  ©Regatten  bejroedEt,  fo  mufe  mit  bem  S^obe 
beö  le^teren  bie  Untcr^aItöDerpf[icE)tung  für  bie  3"fii"ft  crlofdjen  (§  1454 
Sbf.  1  §  1496).  S^cifeibaft  fann  eö  bagegen  fein,  ob  nid^t  ber  Unter^aftöanfprud^, 
Töenigftenö  in  befd&rönftem  Umfange,  gegen  bie  Srben  beö  35crpflidöteten 
jugeloRen  werben  foU.  3luf  biefem  ©tanbpunfte  ftel&en  baö  preu§.  91.  2.  3?. 
(oergL  II,  1  §  806)  unb  baö  f c^roarjb.  f onberöt).  ®ef.  §  31,  foroic  bie  franj. 
Suriöprubcnj.  ©afür  fann  man  anfül^ren,  bafe,  menngleid)  aud^  o^nc  bie 
S^eibung  mit  bem  S^obe  beö  üerpflid(|teten  ©Ijegatten  ber  Unterl;altöanfprud) 
beö  anbeten  ©Regatten  weggefallen  märe,  bod&  an  Stelle  beö  Unterl^altö- 
anfpnidbeö  baö  ©rbrecbt  beö  übertebenben  ©Regatten  getreten  fein  mürbe,  ^n^ 
beffcn  tatin  biefer  ®efid)töpunft  oom  Stanbpunftc  beö  ©ntmurfeö  auö,  meld)er 
böö  ©ntfc^äbigungöprinjip  im  Uebrigen  nid)t  anerfannt  bat,  alö  burd^fd^lagenb 
ni(bt  eradfjtet  merben.  S)aju  fommt,  bafe  einer  angemeffenen  Siegelung  beö 
rinter^aItöttnfprudE)eö  gegen  bie  ©rben  beö  fd^ulbigen  ©fiegatten  grofec  prattifcbe 
ScfniJierigfeiten  jxc^  entgegenftellen.  9Jad&  ben  SJlotiocn  ju  bem  fäd()f.  ®.  93. 
ge^t  and)  baö  le^tere  baoon  auö,  bafe  ber  Unterljaltöanfprud^  mit  bem  ^obe 
beö  33erpflid^teten  erlifd^t. 

Sic  bcfonberc  S3eftimmung  beö  §  1454  9lbf.  1  Saß  2,  bafe  bie  Unter-  s^mn 
^Qllöpftidbt  beö  fd)ulbigen  ©Regatten  aud&  bann  erlifd^t,  wenn  ber  bcredf)tigte  „eutr^^e. 
©^cgottc  eine  anbere  ©^c  fd)lie6t,  red^tfertigt  fid^  burdf)  bie  ©rmögung,  bafe 
bie  Scblicfeung  ber  neuen  ©f)e,  meldte  ol)ne  bie  Scbcibung  nicbt  möglid^  geroefen 
wäre,  bem  berechtigten  ©l^egatten  eine  neue  Ouelle  ber  fiebenöoerforgung  er- 
öffnet unb  unter  biefen  Umftänben  bie  gortbauer  ber  Untertialtöoerpflic^tung  ^ 
beö  fd^ulbigen  ©Regatten  burdb  Stürfftd^ten  ber  Silligfeit  unb  beö  öffentlid^eu 
3nterettcd  ni^t  geboten  ift.    5Der  ©ntmurf  folgt  in  biefer  ^infid)t  ber  üon  ber                          • 
frcnj.  Swriöprubenj  oertretenen  9luffaffung,  meldte  aud&  in  ber  a)Jet|räal)l  ber 


620  ©Reibung.    9lamcn  bcr  flcfc&iebcncn  Sßcfrau.    §  1455. 

neueren  ÖJefe^gebunflcn  jur  auöbrüctlid)en  Slncrfcnnung  gelangt  ift  (ücrgl. 
gotf).  e^cgef.  §  167;  attcnb.  e^eorbn.  §§  273,  279;  fd)marjb.[onberö^.  ®cf. 
§  31).  5Dic  cntgegengefegte  2}orfc§rift  beö  preufe.  21.  ii.  9t.  II,  1  §  805  beruht 
auf  bcr  2luffaf|ung  bcö  Unter^altöanfpruc^cä  als  eines  geioö^ndc^en  an  bic 
©teile  ber  9lbfinbung  tretenben  Slnfprud^eS  auf  ©ntfd^äbigung  für  baö  cnt- 
jogcne  ©rbred^t. 
ötnwirfunfl  55ic  Seftiuimung  beö  §  1454  3lbf.  2  berut|t  auf  ä{)nUd&en  ©rmägungcn 

muv^lftl  "Jic  bie  a5orfd)riften  ber  §§  1313,  1363,  1425  uerb.  mit  §  1431  9lbl.  1  (ocrgl. 
bie  OBotioc  ju  §  1313  oben  S.  255  ff.  unb  ju  §  1363  oben  ©.  376  ff.). 

2)aö  aSer^ältni^  bes  im  §  1454  bejeic^netcn  Unterl)altsanfprud&cö  ju  ben 

fonfurrircnbcn  Unter^altsanfpriid)en  bes  fpätcren  ©Regatten  unb  ber  SJerioanbtcn 

beS  für  ben  fd)ulbigen  S^Ijeil  crflärten  @f)emannes  ift  im  §  1483  9lbf.  3  gcorbnct 

«etbinbunfl  3.    3hif    bie    gerid)tHdbe    (Settcnbrnad^ung    bcs    Untcr^altsanfpruc^cfi 

SlJÄt  m"l  n^i^c»^   bie   allgemeinen   «orfd^riftcn   ber  ß.  5ß'.  D.    Slnroenbung.     SarauS 

ber  ©*ei.  crgiebt    fidj    insbefonbere,   bafe   für  bie  6ntfd)cibung    über  jenen  3[n|pru(ft 

bungafiage.  ^.^^^  ^^^  g^egcric^t  als  foId^cS  juftänbig  ift  unb  baß  bie  ftlage  auf  Unter- 

l)attögen)äl)rung   —   abroeid^enb    oom    gemeinen   JRe^te    unb    oerfc^iebencn 

neueren  ©cfe^gebungen  (oergl.  preug.  31.  ®.  D.  I,  40  §  51,  3ln^.  §  293; 

Code  civil  9trt.  301;    fd^roarjb.fonbcrsl).   6(;efc^cibungögef.   §  35)    —    ni^t 

mit  bcr  ©d^eibungsflage  t)crbunbcn  roerbcn  fann  (ücrgl.  §  575  3lbf.  2  bcr 

6.  %  D.  unb  baju  Cntfd^.  b.  dl  ®.  in  ßioilf.  V,  119,  Urt^.  b.  9t.  ®.  bei 

Oruc^ot  XXVII  ©.  1117  ff.,  ücrgl.  icbod)  aud)  (Sruc^ot  XXVI  ©.  704  ff.). 

S)ie  3uföffung  einer  foId)cn  Sßcrbinbung  ift  mcber  burd)  ein  Sebürfnife  geboten, 

nod)  mit  Jiürffid^t  auf  bic  baburd^  unter  Umftänbcn  ücranlafetc  SSerjögcrung 

bcs  Sd^cibungsprojcffcs  unb  bas  für  bie  Sd)eibungsftage  gettcnbc  befonbcrc 

SJerfa^ren  jiücdEmäfeig.     ®s  genügt,  toenn  boö  S^eibungsurt^cil  naä)  SWaß^ 

gäbe  bes  §  1449  fid)  über  bic  Sd)utbfragc  ausfprici)t. 


§  1455. 

giamen«.  ©icljt  man  ben  Orunb,  aus  welchem  bie  (S^cfrau  ben  Familiennamen 

gcfi*i"benM  bcS  ®()emanncS  erhält  (§  1274),  barin,  bafe  bie  (S^efrau  burd)  bic  ©^c  in  bic 
e^frau.  gQiniiie  bcs  Seemannes  unb  in  ein  fo  nal)cS  3Scrl)ältni6  ju  bcm  Unteren 
©ettenbe«  tritt,  bafe  ftc  mit  bcmfclben  eine  ©in^eit  ausmacht,  fo  mufe,  ba  mit  ber  auf- 
lofung  ber  ®l)c  burd^  ©(Reibung  bcr  Orunb  bicfer  9tamcnSänberung  wegfällt, 
bic  ©d^cibung  aud)  bas  9tec^t  ber  6t)efrau,  ben  9lamen  beö  ß^cmanncs  ferner 
JU  fütjrcn,  befcitigcn,  unb  jmar  o^nc  9iüdEfici&t  barauf,  ob  fic  für  ben  fc^ulbigcn 
2:(;cil  crflört  roorben  ift  ober  nid&t.  S)ies  ift  bcr  ©tanbpunft  bcr  franj. 
Surisprubcnj.  6inc  anbere  9luffaffung  ge^t  babin,  bafe  baS  oon  ber  et)cfrau 
bur^  bie  ©bcfdbli^fewng  einmal  erroorbene  dieä)t,  ben  9lamen  bcö  G^emanncs 
JU  führen,  nac^  allgemeinen  Orunbfäftcn  cbenforoenig  befcitigt  merbe,  roic  bun^ 
bie  9luf(öfung  bcr  @f)e  burd^  ben  2^ob  bcs  Seemannes.  3)icfe  SluffaRung 
fü^rt  umgcfcbrt  ju  bcr  Seftimmung,  bafe  bic  gcfd^icbcnc  (g^cfrau  ben  9tamen 
beS  ©bemanncs  bet)ält,  ol)ne  Unterfc^icb,  ob  fie  für  ben  f^ulbigen  S^eit  crflört 
morben  ift  ober  nic^t.  9Iuf  bcm  Soben  bicfer  2Cuffaffung,  meiere  au(^  in  bcr 
gcmeinrcd&tlid^en  ©ottrin  33ertrctung  gcfunbcn  ^at,  fte^t  bos  fä^f.  ®.  S. 


Sctcibunfl.    9lamcn  bcr  gefcfjicbenen  Sl^efrau.    §  1455.  621 

§  1748,  foroie  bic  altenb.  (Sficorbn.  §  282,  bic  Icgtcrc  icbo(ft  mit  her  SRobis 
fifotion,  bafe  ftc  bcr  ®f>cfrau  frcifteüt,  ben  Flamen  bcö  g^cmanneö  aufjugebcn. 
6inc  brittc  Oruppc  von  Siedeten  untcrf^cibct,  je  naci)bcm  bic  ®^cfrau  für  bcn 
fc^ulbigcn  2^f|cil  crtfört  roorbcn  ift  ober  nid^t.  3m  lefeteren  galle  l)at  bic[clbe 
ein  Jte^t  Quf  gortfiil)runö  bes  9lamenö  bcö  (g^emanncö,  ol^nc  iebod)  ju  ber 
^ortfüdrung  biefcs  Siamenö  DcrpjKc^tct  ju  fein.  3;m  erftcren  galle  barf  fie  ben 
'ihmtn  bcö  ßöcmanneö  loibcr  beffen  SBillcn  nid&t  iDciterfü^rcn.  Ob  bicö 
and)  bann  gilt,  mcnn  bcibe  2^^eUc  an  bcr  Srf)cibung  ©d&ulb  finb,  ift  nid&t  immer 
auöbrüdlid^  bcftimmt.  3^i  ^^^f^^*  britten  ©ruppc  Don  SRcd^ten  gcfioren  baö 
prcu§.  ä.  S.  SH.  II,  1  §§  741,  742,  bic  nürnb.  ef)cfd^eibungöorbn.  3lv.  82,  ba^^ 
got^.  ßlKJgef.  §§  153—155,  baö  f d^mar jb.  fonberöl;.  ®l)cfd&eibungögcf.  §26  unb 
bos  bab.  S.  JR.  Safe  299  a.  3lu(f)  in  bcr  gcmcinredE)tlidöcn  ^rajiß  (ücrgl. 
Seuffcrt  III,  70,  XVII,  58)  finbct  biefc  9lnfid)t  fiel)  ücrtretcn. 

6ö  fann  ^ier  baf)ingeftcnt  bleiben,  meldte  ber  DcrfdE)iebencn  9luffaffungen  etönbpunft 
oom  juriftifd^en  ©tanbpunfte  aus  als  bic  rid^tigcrc  anjufel^en  ift.  3cbcnfallö  cntwurfes. 
oerbient  bic  im  fäd^f.  ®.  93.  jur  9lncrfennung  gelangte  jnjeite  Sluffaffung  üor 
ber  erftcren,  btm  franj.  5Rcd)tc  ju  ©runbe  liegcnben  Sluffaffung  um  bcömillcn 
\^n  35or}ug,  mcil  fie  n\6)i  allein  ber  ©itte  beö  Scbenö,  fonbern  infofern  aud) 
bem  öffentlichen  Sntcrcffc  9led&nung  trägt,  als  fie  bic  mit  einer  Slenberung 
bcöSlamenö  bcr  gef^iebenen  @t)efrau  für  ben  amtlid)en  unb  aufeeramtllid)en 
Serfe^r  ocrbunbencn  9iad{)tl^eilc  unb  SSermirrungen  Dcrfiütet.  Sßit  biefen 
(Scfic^tspunften  ift  cä  aber  au^  nid^t  Dcreinbar,  nac^  bem  ä?orbilbe  beö  prcufe. 
3.  2.  9J.  II,  1  §  742  unb  onberer  (Sefefegebungcn  bem  ®()emannc  für  ben 
JaD,  wenn  bie  (S^efrau  für  bm  fd{)ulbigen  SC^eil  crflärt  morben  ift,  baö  Stecht 
beijutcgcn,  pon  berfclbcn  ju  t)erlangen,  bafe  fie  feinen  Sßamen  nid^t  loeiter' 
fü^re,  ganj  abgcfcljcn  boüon,  bafe  eine  fold}c  93eftimmung  ju  3n)eifeln  barüber 
Seronlaffung  gicbt,  mit  meinem  S^i^P^^ft^  i>i^  ©t)efrau  baö  9ie(^t,  ben  9iamen 
bcö  ©öcmcnncö  rocitcrüufüfircn,  verliert.  2)icfcn  ©rroögungcn  gegenüber 
fonn  borouf  cnlfc^cibcnbeö  ©emid^t  nid&t  gelegt  werben,  bafe  bcr  gefdöiebene 
G^cmonn  unb  bejfen  gamilie  ein  Snlereffc  baran  ^aben  fönnen,  bafe  bic  für 
ben  f4itilbigcn  S^ficil  erftörte  ©l^efrau  ben  9lomen  beö  S^emanneö  nic^t  behalte. 
9Inbererfcitö  muffen  jene  ©rroägungcn  aber  audf)  bal^in  füfiren,  ber  ®l)efrau 
bflö  9icä)t  JU  ücrfagen,  ben  Flamen,  rocld^en  fie  Dor  ber  ©ficfd^liefeung  gefütjrt 
M,  micber  anjunet)men.  ®in  Sebürfnife,  berfclbcn  ein  fold()eö  Jlcd^t  ein? 
juraumen,  fann  um  fo  meniger  anerfannt  roerbcn,  alö  eö  il^r  fclbft« 
Derftänbli^  unbenommen  ift,  fid^  olö  gefd^iebenc  ®l|efrau  ju  bejei^nen,  ba  ein 
fofd^  Sufofe  ju  bem  Don  if)r  fortjufütircnbcn  9lamcn  beö  ®t)emanneö  nid^t 
eine  9Jamcnöänbcrung ,  fonbern  nur  einen  ^inmeiö  auf  bie  S^fiatfac^e  bcr 
Sc^ibung  enthält.  3^^^"^  ^^nn  fie  gccignctcnfallö  im  SBcrroaltungömcgc  bie 
Senbcrung  t^reö  Slamenö  erroirfcn. 

3He  bcftc^enbcn  SRcd^tc  enthalten  jum  SE^eilc  aud)  barüber  33eftimmungen,  ©tanb  b« 
wUi)tn  ginPufe  bic  ©d^cibung  auf  ben  ©tanb  unb  bcn  3lang  bcr  ß^efrau  ®  e*^cfJSI!" 
^ot  (pteuß-  2r.  S.  9?.  II,  1  §§  738—740;  got^.  ei)egcf.  §  153;  altenb.  (Sficorbn. 
§  282;  fd&tcorib.fonbcrö^.  ®t|efcE)cibungögef.  §  26;  föd&f.  ®.  93.  §  1748).  ©ic^- 
feften  ©rünbe,    meiere    ben  ©nttourf   bcftimmt  l^aben,    feine  SBorfd^riften 
boribcr  aufeunc^men,  inmicmcit  bic  ©fjcfrau  burdj)  bie  ©d^liefeung  bcr  ®^c 


622  ®(6eibun0.    mci)UmUiM%  ju  ben  Äinbern.    (§§  1456—1458.) 

ben  Stanb  unb  bcn  Mang  bcö  ©f)emanneö  erroirbt  (ocrgl.  aßotioc  ju  §  1274 
oben  ©.  106  ff.)/  fprcd^en  bafür,  aud^  über  ben  (Sinflufe  ber  Sd^cibung  in 
ben  bejeid)neten  SRic^lungcn  5U  fd&rocigcn. 

§§  1456-1458. 

sfiec^«.  S)a  burd)  bie  ©Reibung  nur  bie  recIitUd^en  SBirtungen  bcr  ©be  als 

iZlTL  fölclier  auft)ören,  fo  ergiebt  fidi  Don  felbft,  bafe,  fomeit  baö  ©efcft  feine  afu 
ßcfc^icbenen  weid^cnben  33eftimmungen  entl;ält,  bie  rcd)tlid^en  Sejiel^ungen  jioifc^en  ben 
unt^^en  «"it*  ®Itern  unb  Äinbern,  foroie  jroifd^en  ben  Gltern  unter  einanber  in  3lnfebung 
^'^^'  ber  Äinber  burc^  bie  ©d)eibung  nic^t  berührt  werben;  benn  jene  Sejic^ungen 
ftnb  m6)t  2Bir!ungen  ber  befte{)enben  6be,  fonbern  ber  in  bcr  (g^e  erfolgten 
3eugung  ober  bcr  oor^er  erfolgten  S^^fli^J^fl  ^"  SSerbinbung  mit  bcr  nac^ 
folgenben  6l)e.  ®incr  befonberen  SBeftimmung,  bofe  trog  ber  ©(Reibung  bie 
Äinbcr  gegenüber  il)ren  ©Itern  itire  9lcd)te  alö  c(jclid^e  ftinber  behalten  (oergf. 
Code  civil  2lrt.  304 ;  f)eR.  ®ntn).  9lrt.  104),  bebarf  eö  bal)cr  nid^t,  cbcnforoenig 
ber  93eftimmung,  bafe  bie  Sdjeibung  auf  bie  in  ber  ®^e  crjcugten  ober  gc* 
borenen  Äinber  foroo^t  rüdffid^tUd)  itirer  (Scburt  alß  rüctfiditlic^  i^reß  Sied^td^ 
Dcrfjöftniffeö  ju  it)ren  ®Itern  feinen  ©influfe  tiabc  (fädif.  ®.  8.  §  1749).  3m 
roieroeit  bcn  Äinbern  bie  i[;nen  Don  ben  ®[tern  in  SScrfügungen  oon  J'obcSiocgcn 
ausgefegten  S5ortl)ei(e  oerbleiben,  trogbem  biefc  aSerfügungcn  im  SJer^ältniffe 
ber  S^cgatten  su  einanber  bur^  bie  ©d^eibung  hinfällig  roerben  (oergl.  code 
civil  a[rt.  304 ;  f)eff.  (Sntm.  Strt.  104),  rietet  fid)  nac^  ben  93eftimmungen  beö 
®rbredf)teö  (t)ergL  §§  1783,  1787,  1876,  1946,  1948,  1962).  Sie  Siegel,  baß 
bie  vcä)tl\ä)tn  SSejie^ungen  ber  ®Itern  5U  btn  Äinbern  burc^  bie  Sdbeibung 
ni(^t  berül)rt  roerben,  erlcibet  gewiffe  9luönal)men  nur  in  3lnfe^ung  bcr  t^at? 
fä^Ud^en  Sorge  für  bie  5ßerfon  ber  Äinber  unb  bcr  Unter^altöpflic^t  ber 
©Item.  5Bon  ben  erftcren  Ijanbeln  bie  §§  1456,  1457,  üon  bcn  (cßteren  ber 
§  1458. 

§  1456. 

«nfiui  ber  3laä)  gcmcincm  SRcd^te  l^at  bie  ©dieibung  ©influft  nur  auf  bie  ©rjie^ungd* 

tf  SSrJ  Ö^^^^f*/  "i**  ö«*  öi^f  ^i^  fonftigcn  mit  ber  väterlichen  ©eroolt  üerbunbcncn 

ocroait.    Siedelte,  inöbefonbere  nid|t  auf  baö  Dätcrlic^c  aSerroaltungs^  unb  Sflugnicfeungd^ 

©eitenbc«  rcd^t  am  SBcrmögcn  bcr  äinber  (oergl.  1.  un.  Cod.  div.  fact.  5,  a* ;  Nov.  1 1 7  c.  7). 

^'*'-     9Iuf  bemfelben  Soben  ftcl^cn  im  ^rinjipc  ha&  preufe.  31.  S.  SR.  n,  2  §§  92—104, 

bie  nürnb.  ©tiefclieibungsorbn.  3lx.  80,  baö  got^,  ©^egef.  §§  170—173,  bie 

altenb.  ©l)eorbn,  §  284,  baö  fc^roarjb.fonberö^.  ©^cfd^eibungögef.  §§  36—40 

unb  baö  fäd&f.  ®.  33.  §  1749.  SDaö  franj.  SWed^t  enthält  neben  ben  bie  Slegetung 

ber  ©rjic^ungögcroalt  betreffenben  SSorfd&riftcn  (code  civil  9lrt.  302, 303)  feine 

auöbrüdEUd&en  Seftimmungen  barüber,  ob  unb  inroieroeit  bie  ©dieibung  auf  bafi 

mit  ber  oäterlid^en  Oematt  tjcrbunbene  9le^t,  baö  aSermogen  ber  Äinber  ju 

t)ern)alten,  oon  ©inffu^  ift.    Scr  3lrt.  389  beö  code  civil  befcftr^nft  feinem 

SBorttaute  nad)  biefeö  Slcd&t  auf  bie  2)auer  bcr  ©^e.    Slnbercrfeitö  tritt  na* 

3lrt.  390  bie  gefelli^e  a}ormunbfd&aft  bcr  ©Uern  nur  im  gaUe  ber  äuflöfung 

ber  ß^c  burd)  ben  2;ob  eincö  ber  ©Regatten  ein.    2luf  Orunb  ber  3lnaIogie 


Sc^eibuno.    (Suiflu§  auf  bic  eltcrlidfee  ©emalt.    §  1456.  623 

bcr  Quf  bic  ßrjie^ungögcroalt  fic^  bcjicl;cnbeix  33cftimmungcn  bcö  SKrt.  302  wirb 
in  5er  franj.  ^wriöprubcnj  bic,  Don  anbeten  ©eiten  icbod^  bcftrittcne,  3lnfid&t 
ocrtretcn,  bofe  im  galle  ber  ©d)eibung  bem  unfc^ulbigen  ®f)egattcn  bie  äSor- 
munbfe^aft  über  bic  gcmeinfri^aftlid^en  Äinbcr  juftcbe,  wie  rocnn  bcr  anbcre 
ß^egatte  gcftorben  fei,  fo  icbod&,  ba%  ber  Stid^ter  auf  2lntrag  ber  gamilic  ober 
beö  Slaatöaniüolteö,  wenn  ber  93ortl)ciI  beö  Äinbeö  cä  crlieifd^e,  audi  ben 
anbeten  ßl)egatten  ober  felbft  eine  britte  5ßetfon  jmn  SSotntunbc  etnenncn 
ßnnc.  3)ie  eltetlid)e  SRu^nicfeung  f)ott  nad&  auöbtüdEfid)et  SSotfd^tift  beö 
Sri.  386  mit  bct  ©d^cibung  füt  benicnigeu  ©l;egatten  auf,  gegen  n)cld)cn  bie 
St^cibung  etfannt  ift.  2)et  ^eff.  ®ntro.  2ttt.  97—103  hat  fid)  im  SBcfentlic^en 
bem  franj.  SRc^tc,  unb  jroar  ber  oben  bejeid^ncten  9tuffaffung  beö  Icttercn  om 
flcfc^toffen.  3rt't  jeber  bcr  ©Regatten  für  ben  fd^ulbigcn  ^f)c\[  erflärt,  fo  foU 
feinem  bcrfclben,  aud)  wenn  bem  einen  ober  anbcrcn  bie  eltcrlid^e  (Scmalt  im 
Ucbtigen  übcriaifen  fein  foUte,  baö  SSetroaltungS:?  unb  9tu6nieBungöte(]^t  am 
'Bctmogcn  ber  Jlinbct  iuftet)en,  fonbetn  jum  ^rotdt  bct  3}ctn)attung  bes 
Icjtcren  ftetö  eine  SSormunbfd)aft  bcjro.  ^^flegfd&aft  angeorbnet  werben. 

S)er  §  1456  beruht  naä)  bem  33otgangc  beö  gemeinen  Slcd^tcö  unb  bct  ®tanbpuntt 

bem  leiteten  folgenbcn,    oben  angefü^tten  neueten  ®cfe|gcbungen  auf  bem  cntnmrfeä. 

^Stinjipe,  bafe  bie  c[tetlid)c  ©emalt,  abgefcl^en  üon  bct  tt)atfä(i^lic^en  Sotge 

für  bie  5ßcrfon  (§§  1504—1506),  alfo  insbefonbetc  baö  mit  bet  eltetUd^en 

©cioalt  Dctbunbenc  JRcd^t  bet  Sotge  füt  baö  SSetmogcn  bet  Äinbet,  baö  3icd)t, 

biefclbcn  in  i^ren  pctfonlid^cn  SKngelcgcnticiten  ju  ücttteten,  unb  baö  SRed^t  bct 

elterlichen  Jlugnicfeung  (§§  1502,  1503  3lbf.  1  nerb.  mit  §  1649)  burd^  bie 

S^Kibung  überall  nid)t  bctül^tt  metben  foll.    3Jlit  bet  ©c^eibung  füt  ben 

)(|iulbigen  ©Regatten  in  3lnfel^ung  bet  eltetlici)en  Oematt  fo  meit  gel^enbc  folgen 

JU  oetfnüpfen,  mic  bicö  nad^  ftanj.  Sleci^tc  unb  bem  licR.  ©ntroutfe  bet  gall  ift, 

fü^tt  nic^t  allein  }u  gtofeen  faxten  gegen  ben  fd{)utbigen  ©Regatten,  jumal  nic^t 

fetten  bie  gällc  fo  liegen,  ba§  betienige  ©l)cgatte,  meldet  Dot  bem  @efe|e  alö 

ber  f^ulbigc  S^^eil  erfd^eint,  bo(^  moralifdj)  alö  ber  menigcr  fd()ulbige  Stljcil 

anjufe^en  ift,  f onbern  fann  inöbefonbere  aud)  com  ©tanbpunfte  beö  Sntcrcffeö 

ber  Äinbcr  ouö,  rocl^eö  für  bie  in  SKebe  fteficnbe  S^agc  üon  cntfd)cibenbcr 

Sebcutung  ift,  alö  angemejfen  nid^t  erachtet  merben.  2)em  3ntereRe  ber  Äinbcr 

entfprid^t  cd  rcgelmäfeig  am  mciften,  menn  bie  ©orge  für  bie  5ßerfon  unb  baß 

Sermögen  ber  Äinbcr  ben  ©Item  anoertraut  wirb,  unb  unter  btn  ©Itern  ift 

in  ber  großen  aWcbrja^l  ber  gällc  ber  SSater  üoräugöroeifc  baju  geeignet,  baö 

JJermSgen  ber  Äinbcr  ju  oerroalten  unb  biefclbcn  im  rcd^tögefd|äftlid()cn  SSer^^ 

tcfyct  JU  ocrtrcten,    SHit  ben  fonftigcn  ®runbfä|en  beö  ©ntmurfcö  über  bie 

©ntjie^ung  ober  bie  SBermirfung  ber  eltcrlid()en  ©eroalt  (§§  1546, 1559)  mürbe  eö 

nidft  oercinbar  fein,  fc^on  an  bie  SC^atfac^c,  bafe  ein  (S^egatte  bei  bcr  ©c^ei* 

bung  für  ben  fd^ulbigen  SC^eil  erflärt  roorben  ift,  ben  3Serluft  ber  cltcrlidtjcn 

(Sewalt  ju  tnüpfen,    3luö  jener  S^liatfad^e  tann  ber  ©d^lu§  nid^t  gejogen 

löerben,  bafe  bcr  betreff enbe  ©fiegattc  auc^  feine  ^flid&ten  gegenüber  ben  Äinbcr n 

ni^i  erfüllen  merbe  imb  nid^t  mcljr  geeignet  fei,  bic  eltcrlid^e  (Scroalt  auö- 

iuübcn.  Um  fo  bebenllid^er  ift  eö,  bcr  ©d&eibung  einen  f o  meitgrcifcnbcn  ©influfe 

auf  bie  elterlid^c  ©emalt  beiiulegcn,  alö  bieö,  roenn  man  oon  bem,  in  ber  liier 

fragli^ien  Sejiel^ung  jubem  nid;t  unbeftrittenen,  franj.  9tcd^te  abfielet,  gegenüber 


624  e^eibmiG.    (Siiiflu§  auf  bie  clterltc^c  ®ciralt.    §  1456. 

bem  in  2)eutfcf)Ianb  gcltenbcn  Sted^tc  eine  grofee  Steuerung  cntf)alten  würbe, 
unb  sroar  auf  einem  (Scbicte,  auf  n)cld)em  baö  gcftfialten  an  ben  ^ergebrod^ten 
Slnfd^auungcn  bcfonberö  angcjeigt  ift,  weil  jebc  SJlenberung  bie  pcrfönli^en 
Sntcreffcn  tief  berüf)rt.  2)iefen  ©riüägungen  gegenüber  fann  aud^  barauf  er^cb* 
(i^cö  ©eroiciöt  nid|t  gelegt  werben,  bafe  es  unter  Umftänbcn  ju  Äonfliften 
än)ifd)en  ben  gefd^iebenen  ©Regatten  fül^ren  fann,  wenn  man  ber  S^eibung 
nur  einen  Ginffufe  auf  bie  t^atfäc^licfte  ©orge  für  bie  ?ßerfon  beilegt  unb  bie 
Ie|tere  oon  ben  übrigen  93eftanbtl)ei[en  ber  elterlichen  (Seroalt  trennt i). 
3:^aifcicfia<^  g[n  3lnfel)ung  ber  Grjietiungögemalt  über  bie  gemeinfdöaftUd^cn  Rinber 

^i^e?fon 'ber *  ^öumen  alle  9ted{)te,  menn  audf)  in  öerfdf)iebencr  9lrt,  ber  ©d)cibung  einen 
Äinber,  ©influfe  eiu.  3m  9lnfd^luffe  an  baö  gemeine  Siedet  (oergl.  1.  un.  Cod.  div. 
fact.  5,  24;  Nov.  117  c.  7;  ©euffert  VI,  213,  VHI,  269,  XX,  42,  XXHI, 
36,  XXVI,  246,  XXX,  39,  XXXIII,  312,  313;  ©ntf^.  b.  SR.  ®.  in  6iDilf.  IX, 
111)  get)t  bie  SKefirjalit  ber  neueren  ©efefegebungen  Don  bem  Onmbfage  auö, 
bafe  bie  (£rjiel)ung  ber  gemcinfc^aftlid&en  Äinber  nadf)  3luflo|ung  ber  (S^e  bur(§ 
@d)eibung,  folange  beibe  ©Itern  leben,  rocnn  nur  ber  eine  ®^egattc  für  ben 
fd^ulbigcn  2^l)eil  erflärt  ift,  bem  anberen  ®^egotten  jufte^cn  foH,  bafe  icboc^ 
von  biefem  ©runbfage  nad^  bem  ©rmeffen  beß  ^rojeferid&terä  bejro.  beö  Sor- 
munbfd&aftögerid^teö  mit  SHüdffid^t  auf  baö  2Bo^l  unb  ^ntereffe  ber  fiinber 
abgeroid&en  unb  bie  ©rjiefiung  bem  fd^ulbigen  2^l)eile  ober  aud^  —  roaö  m- 
seine  Siedete  auSbrüdElid^  gcftatten  —  einem  ©ritten  übertragen  werben  fann 
(üergt.  preufe.  21.  2.  SR.  11,  2  §§  92—94,  97  —  100;  fd&warjb.fonberö^.  e^e* 
f df)eibungsgef.  §§  36  ff. ;  code  civil  9lrt.  302  lieff.  entm.  3lrt.  97  ff.).  ^Dagegen 
fef)cn  anbere  SRed^te  überfiaupt  Don  9lufftellung  ber  SRegel,  ba§  ber  unft^ulbige 
2;i)eil  bie  Äinber  behalten  folt,  ab  unb  überlaffen  bie  ©ntfd^eibung  ber  gragc, 
welchem  (Sltcrnt^eile  bie  ®riief)ung  ju  überlaffen  ift,  ganj  bem  Gnneifen  beS 
?5ro5e6geridf)tcö  bejro.  beö  a3ormunbfd&aftsgeridf)teö  (üergl.  altenb.  ß^eorbn. 
§  284;  fäd)f.  (S.  33.  §  1749).  5DaS  gott).  ef)egef.  §§  170—173  fieflt  jroar, 
abgefel^en  üon  bem  §alle,  wenn  nur  ein  gcmcinfd^aftlic^eö  Äinb  ober  mcl)rere, 
aber  beöfelben  ©efd^led&teö,  T)orf)anben  fmb,  ebenfalls  üon  jener  SRcgel  ab,  fieHt 
aber  bie  anbere  SRegel  auf,  ha%  bem  ®l)emanne  bie  ©öline,  ber  ®^efrau  bie 
2^öd&ter  jum  ^xücdz  ber  Grjie^ung  im  ©d^eibungdurt^eile  jugefprod^en  nnrrben 
follen,  fofern  nxä)i  ba§  Sntereffe  ber  Rinber  eine  anbere  ^Regelung  er^eifd^t 
2luf  biefem  ©tanbpunfte  ftel^en  auc^  bie  Sßorf^läge  bes  preufe.  ©cfefercoiforö, 
5ßenf.  XV  §§  55—64  nebft  SRot.  ©.  48  ff. 
»ennnurrin  2Benngteid&  einer  9Serttjeilung  ber  Rinber  nad^  bem  (Sefd^le^te  unter 

*^°"*'  bie  gefd^iebenen  ©Regatten  jum  Q^edc  ber  tl^atfäd&lic^en  ©orge  für  bie  ^Scrfon, 
inöbefonbere  ber  ©rjie^ung,  f|ingefef|en  auf  baö  ^ntereffe  ber  Äinber  unb  bcö 
natürlirfie  SBerfiältnife,  erfieblid^e  Orünbe  jur  ©eite  fteften,  fo  fällt  gegen  eine 


^)  3!)le  oben  ©.  143  erttaftnte  Petition  be8  allgemeinen  beutfd&en  graucnDcttind 
an  ben  9tei(]^gtag  wxU.  über  bie  ^roge,  ivelc^em  (Sltemtbetle  mä}  ber  ©d^eibung  bce 
^nber  ju  überlaffen  feien,  baö  richterliche  ©rmeffen  entf(]&eiben  laffen,  toünf(6t  icbo4, 
ba§  meßr  ,ber  natürti^e  ©tanbpunft*  betüd[|l<5tigt  toerbe,  nad6  i»cI4em  bie  Äinber  hd 
ber  SDlutter,  bie  Tufi  i^ncn  in  jeber  Se^lebung  toibmen  fßnne,  bejfer  aufgebobcn  feia, 
irabrenb  ber  SSatcr  feiner  ganjen  gebenßftellung  nacft  baju  meifl  toenigcr  im  ©tanbe  fei 


J 


®(ßclbuno.    JRedjtSüec^altniB  s«  ben  ftinbern.    §  1456.  625 

bcrortigc  Siegelung,  abgefallen  baoon,  bafe  biefclbe  mit  ber  SDle{|rjaI)(  ber  be^ 
filc^cnben  dlcä)k  ntd|t  im  ©inflange  ftef)t,  entfci)eibenb  inö  ®tmä)t,  bafe  eö  ftd^ 
^ier  junöc^ft  um  ia^  SSerfjältnife  ber  ©IjegQtten  unter  einanber  in  3lnfe{|ung 
ber  Sorge  für  bie  5ßerfon  ber  gemeinfd^aftlid^en  Äinber  l^anbelt,  jene  Siegelung 
ober  baß  JRed^t  beß  unfd^ulbtgcn  ©Regatten,  roeld^cr  roä^renb  beö  S3eftc^ens  ber 
e^c  einen  Hntl^cil  an  ber  ©orge  für  bie  ^erfon  in  3lnfe^ung  oUer  Sinber 
^Qtle  (§§  1502,  1504,  1506),  ju  fe^r  beeinträd^tigen  roürbe.  Ueberbieö  ift  es 
bebcnfli^,  in  erfter  Sinie  für  bie  9luöübung  ber  ©rjiel^ungßgeroolt  ol^ne 
bringenbc  ©rünbe  eine  9iorm  aufjuftellen,  roeld^e  aud&  ju  einer  ©ntfrembung 
ber  Rinber  unter  einanber  fül^ren  fann  unb  ben  mit  ber  ©d)eibung  Derbunbenen 
3K§  in  bie  gamilienbanbe  ju  erroeitern  bro^t. 

Snberö  liegt  bagegen  bie  ©ad^e,  wenn  beibe  ©fiegatten  für  ben  fd)ulbigen  »«««  beibe 
mi  erflärt  nnb.    3n  einem  fofc^en  gaHe  bleibt,  wenn  man  für  bie  (^nUt^^Tt^n 
fc^eibung  einen   feften  9ln^alt§punft   im  ®efe|e  geben  roill,  nid^tö  SKnbcreö  ^^^^'j^^«^*'^* 
Hbrig,  ofe  eine  SSert^eilung  ber  Slinber  nad^i  bem  ©efc^Ied^te  oorjufc^reiben 
(oergl.  fcftroarjb.  fonberö^.  ®f)efd)eibungögef.  §§  36  ff. ;  auä)  preufe.  31.  S.  91.  n,  2 
§§  93,  95,  96).    ®em  SSater  in  einem  foIdf)en  gafle  bie  ©orge  für  bie  ^erfon 
oBer  Äinber  ollcin  ju  überlaufen,  mürbe  eine  unbillige  ^ärte  gegen  bie  3Jlutter 
fein  unb  bem  3nterejfe  ber  S^Sd^ter,    menigftens    in   ben    meiften  gäUen, 
roiberftreiten. 

SBon  ber  SWegel,  bag,  menn  beibe  ©Regatten  für  ben  fd^ulbigen  SC^eil 
erflart  finb,  eine  93ert^ei(ung  ber  Äinber  nad^  bem  ©efd^Ied^te  ftattfinben  foll, 
madft  ber  §  1456  Slbf.  1  Sa^  1  iebod^  im  Slnfd^Iuffc  an  älmfid^e  SBeftim^ 
mungen  neuerer  Ocfefee  (oergl.  preufe.  91.  2.  9i.  II,  2  §§  94,  95;  gotEj.  ®f)egef. 
§§  170 ff.;  fd&roarsb.fonberö^.  ©M^eibungögef.  §§  36  ff.;  fö^f.  0.  33.  §  1749) 
infofcm  eine  STuSna^me,  alö  er  auc^  bie  ©öl^ne  biß  jum  jurüdEgelegten  fed^ften 
Sebenöja^re  ber  9Kutter  juroeift,  ba  bicfetbcn  biß  ju  biefem  Scbenßatter  oop 
5ugßn)eife  nodb  ber  ^Pflege  unb  3luffid&t  ber  SHutter  im  §au[c  bebürftig  fmb 
unb  regelmäßig  erft  mit  biefem  S^tP^^fl^  i>ic  ©d^ulpflidit  beginnt,  dagegen 
ift  eß  olß  bcbenHidf)  erad^tet,  nad^  bem  SBorgange  ber  angefül^rten  ©efege  bie 
gleiche  Ausnahme  auc^  für  ben  gall  ju  beftimmen,  wenn  attein  bie  SWutter 
für  ben  fc^ulbigen  S^l^eil  erflärt  ift  (Sine  bcrartige  33eeinträd^tigung  ber  dit6)tc 
beß  unfc^ulbigen  SSaterß  ift  o^ne  bie  bringenbften  Orünbc  nid^t  gered^tfertigt. 
Solc^  ©rünbc  liegen  aber  nid)t  Dor.  2)er  Slüefftdlit  auf  baß  3ntereffe  ber 
ftinber  roirb  burd^  bie  im  §  1456  3lbf.  1  ©aß  2  bem  33ormunbfd^aftßgeric^te 
beigelegte  Sefugnife  in  außreid^enbem  SKafee  Slec^nung  getragen. 

S)a§  für  ben  gaU,  mm  beibe  ©Regatten  für  ben  f c^ulbigen  S^i^eil  erflärt  j,®,^^^"*"! 
finb,  bie  33cfugniife  beß  95ormunbfdöaftßgeridf)tcß  nad^  2Ha§gabe  beß  §  1456  be«»ormunb. 
attf.  I  ©ü§  2  über  bie  allgemeinen  ©runbfäfee  beß  §  1546  ^inauß  erweitert    J*f^/^; 
iDcrben,  fann  einem  33ebenfen  nid^t  unterliegen.    S^^if^^^oft  fann  eß  bagegen 
fein,  ob  eine  fold^e  ©rmeiterung  ber  SBcfugniffe  beß  SBormunbfd^aftßgeric^tcß 
Qu^  gegenüber  bem  unfd)ulbigen  6I)egatten  geredf)tfertigt  ift,  ober  ob  eß  \\d) 
nid&t  otelmel^r  empfiel^tt,  in  biefem  ^alle  baß  Eingreifen  beß  SBormunbfd^aftß* 
geric^ted   in   baß  elterlid^e  ©rjiel^ungßrc^t  an   ftrengere  SBoraußfegungen  ju 
fnüpfen  (ncrgl.  preufe.  2t.  S.  31.  n,  2  §§  97—100).    3m  ^inblirfe  barauf, 
ba§  in  ^o(ge  ber  ©d^eibung  bie  in  bem  Sufammenroirfen  beiber  ©Item  unb 


626  ©Reibung.    9{cci6t^ücrl)ä(tni§  ju  bcn  Äinbern.    §  1456 

in  ber  gcgcnfcitigen  Rontrotc  bcrfelben  Uegcnbc  (Sarantic  Tocggcfallcn  ift  unb 
bafe  bic  (Sntfd^cibung  über  bic  Sd^ulbfrage  im  ®^cfd)eibungöproäcifc  im  3Jet* 
^ältniftc  JU  bcn  Äinbcrn  nid^t  unbcbingt  mafegcbcnb  fein  fann,  ift  eß  jeboc^ 
angemeffener,  bem  93ormunbfd^aftögerid)te  in  einem  weiteren  Umfange,  als 
bieg  nad)  ben  allgemeinen  Orunbfägen  ber  gall  ift,  bie  SKöglid^fcit  jum  6im 
fd^reiten  ju  geben,  jumal  bieö  bem  gettenben  Siechte  in  großen  Stec^tögcbicten, 
namentlid)  in  ben  (Sebietcn  beö  gemeinen  SHcd^teö  (uergl.  oben  S.  624),  bcß 
franj.  5Ked)tcö  (code  civil  %ci.  302)  unb  beß  fäi^f.  ®.  33.  (§  1749)  entfprid^t. 
S)er  9iiicffid&t  auf  baö  Siecht  beö  unfd)ulbigen  ©Ijegatten  gefd&icl^t  baburd^ 
©enüge,  baß  ber  §  1456  3tbf.  1  ©afe  2  baö  einfd^reiten  beß  SBormunbfd^aftö* 
gerid^teß  baüon  abhängig  mad&t,  bafe  bieß  burd^  befonberc  Umftönbe  im  Sntcrefje 
beß  Sinbeß  geboten  erfd()cint.  Sie  befonbere,  burd^  §  1456  3lbf.  1  SoJ  2 
bem  58ormunbfc^aftßgerid^te  beigelegte  aWad&termeiterung  ge^t  aber  im  3lnf(i&Iuffc 
an  baß  gemeine  Siedet  unb  baß  fäd&f.  ®.  33.  nur  ba^in,  eine  anberroeite 
Siegelung  ber  ©orge  für  bie  ^erfon  unter  ben  ©Item  felbft  üorjunc^men; 
bagcgen  ift  baß  Sormunbfd^aftßgerid^t  auf  ®runb  ber  l^ier  frogIid()en  bcfonbercn 
33eftimmung  nid^t  befugt,  bie  ©orge  für  bie  5)5erfon  bciben  ©Item  ju  cntjie^cn 
unb  einem  ©ritten  ju  übertragen  (öergl.  preufe.  31.  S.  9t.  n,  2  §  98;  code 
civü  3lrt.  302;  fd^marjb.  fonberßl^.  ©^efd&cibungßgcf.  §§36  ff.).  aSielmc^r  ocr- 
bleibt  eß  in  biefer  ^inftc^t  bei  im  allgemeinen  ©runbfö^en  ber  elterlichen 
©emalt  unb  beß  SSormunbfd^aftßred^teß  (oergl.  §§  1546,  1554,  1555, 
1633,  1738). 

3laä)  gemeinem  $Hedf)te  (üergl.  ®ntfd&.  b.  SH.  ®.  in  eiüilf.  IX,  111)  unb 
oerfd^iebenen  neueren  ©efe^gebungen  (Dcrgl.  code  civil  3Irt.  302;  got^.  ©^cgef. 
§§  170  ff.;  altenb.  S^eorbn.  §  284)  erfotgt  bie  ©ntfd&eibung  barübcr,  bei 
mcld^em  ber  gcfd&iebenen  ®f)egatten  bie  gemeinfd^aftlid&en  Äinber  %u  erjie^en 
finb,  im  SBege  beß  S^^ilP^^jeffeß  unter  ben  ®l^egatten.  Gbenfo  fte^t  nac^ 
preu§.  9led()te  bei  einem  ©treite  unter  ben  (SItern  über  bie  Grjie^ung  ber 
Äinber  bie  ®ntfd^eibung  barüber,  welchem  3:f)eile  mit  5lücffid&t  auf  bie  ©^ulb* 
frage  nad)  SWafeabe  beß  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  92  ff.  bie  ©rjic^ung  ber 
Äinber  ju  übertajfen  ift,  bem  ^rojeferid^ter  ju;  bod^  ift  baburd^  eine  anber* 
weite  burd^  baß  3ntereffe  ber  Äinber  erforberlid^  roerbenbe  SInorbnung  beß 
aSormunbf^aftßrid^terß  nid^t  außgefd&Ioffen  (oergl.  preufe.  3r.  2.  3?.  n,  2  §§  90, 
97—100;  preuS.  31.  ®.  D.  I,  40  §  51;  Urt^.  b.  5H.  ®.  bei  ©ruc^ot  XXV 
©.  465  ff. ;  3a^rb.  b.  ©nlfd^.  b.  Äammerger.  in,  32  ©.  65,  III,  38  ©.  74), 
SDaß  fd^marjb.  fonberßf).  ©fiefdtieibungßgef.  §§  36  ff.  unb  baß  fäd&f.  ®.  9. 
§  1749  roeifen  bie  ©ntfd^eibung  ber  Grjiel)ungßfrage  ganj  aDgemein  bem  35or» 
munbfd)aftßgerid^te  ju.  SBenngleid^  bie  S^ftönbigfeit  beß  ^projefegerid^teß  fid^ 
Don  bem  ®eric^tßpunftc  auß  red^tfertigen  lö^t,  ba^  eß  fid^  ^ier  junö^ft  um 
eine  SBert^eilung  beß  ben  ©Item  bißf)er  gemeinfd^aftlii  juftelienben  SRcd^tcö 
unter  bie  ©Itern  unb  um  einen  prit)atred&tlid^en  ©treit  über  bie  SRcd^te  ber« 
felben  unter  einanber  Iianbelt  unb  ein  ^ßrojegoerfal^ren  größere  ®arantieen  für 
bie  Ermittelung  unb  geftftellung  ber  für  bie  ©ntfd&eibung  mafegebenbcn  35er» 
l^filtniffe  geroäl)rt,  fo  fällt  bodf)  gegen  eine  berartige  Siegelung  entfc^dbcnb  inß 
®tmi)t,  ba§  bei  ber  93eurt^eihing  ber  ^rage,  ob  eine  oon  bcn  Siegeln  beß 
§  1456  Slbf.  1  ©afe  2  abmeic^enbe  SInorbnung  geboten  ift,  allein  ber  ©cfid^tß« 


©(Reibung.    Stc4t§ücr]6aftni§  ju  bcn  Äinbcrn.    §  1456.  627' 

punft  bcs  3ntcreffeö  her  Äinber  ben  Sluöfciilag  ju  geben  f)ai  unb  ba^  bic  3u* 
ftanbigfcit  bcö  9Sormiinbf(^aftöflcrid&tcö  in  bcm  l)tcr  fragliciien  galle  bcm 
©runbfttgc  bed  ®ntrourfcö  entfprid^t,  bafe  bic  ®ntfd^cibung  über  bie  Sc- 
ft^räntung  ober  bie  ®ntjiel)ung  ber  clterlid^en  ©eroalt  überl)aupt  bem  3Sor=j 
munbfci^QftSgeriti^te  jufteben  foU  (§§  1546—1551).  3^^^^  roürbc  bie  Sulajjung 
einer  ßntfc^eibung  über  bie  ©rsiefiungöftage  in  SSerbinbung  mit  bcm  ©d^eibungs* 
projcffe  mit  ben  SSorfd^riften  ber  6.  ^^.  D.  §  575  Slbf.  2  in  SBiberfprud^  treten 
(ocrgl.  gntfd&.  b.  91.  ®.  in  (Sioilf.  IX,  111). 

Sicfelbcn  ©rroögungen,  roclä)t  bafür  fpreciicn,  bcm  3Sormunbfd|aftö« 
gerügte  bic  33efugni6  beijulegcn,  mä)  SKafegabe  beö  §  1456  Slbf.  1  ©o^  2 
eine  Don  bcn  33eftimmungen  beß  §  1456  SHb\.  1  ©ag  1  obroeid^enbe  9lm 
orbnung  ju  treffen,  muffen  baljin  füf;ren,  'bcm  SSormunbfd^aftSgerid^te  a\x6) 
bic  Aufhebung  ober  eine  3Icnbcrung  ber  getroffenen  STnorbnung  ju  ge* 
ftatten  (oergt.  §  1551).  (Sine  fofd^c  9luf^ebung  ober  Slenbening  mu§  aber  nid^t 
Mod  bann,  xocnn  es  im  3ntcrcf[c  beö  ÄinbeS  nötl)ig  roirb,  fonbern  aud^  fc^on 
bonn  juläffig  fein,  rocnn  bie  Umftänbe,  roeld^e  bie  9lnorbnung  ücranla^t  I)aben, 
löeggefaHen  flrtb.  3ft  eine  Slbroeid^ung  Don  ber  SRegel  beö  §  1456  9lbf.  1  im 
Sntcrcjfc  ber  Äinbcr  nid^t  mc^r  geboten,  fo  erfd^eint  bie  gortbauer  ber  baö 
e[terli(!^e  Siedet  befc^ränlenbcn  ober  baö  legterc  auf^cbenben  SKa^regel  nidEit 
me^r  geredjtfertigt,  aud&  roenn  bie  2luff)ebung  ober  9lenbcrung  ber  SWaferegcI 
im  ^ittcrejfe  bcö  St\iö:^%  mi)i  nötf)ig  fein  follte. 

2Ble  auö  bem  (gingange  beö  §  1456  9lbf.  1  fxä)  ergiebt,  finb  bie  bc*  öeftaitun« 
fonberen  Seftimmungcn  beö  §  1456  über  bie  ©orgc  für  bie^erfon  ber  Slinbercrnt^^STrsU 
überhaupt  nur,  fotan3e  beibc  ©Itcrrt  leben,   ma^gebenb.    3)a  nad^  bem  S^obe     fl^"^"- 
bcö  einen  ©fternt^eilcö  baö  SHed^t  beö  lefeteren  bem  übericbenben  ®Iterntf)ei[e 
ni(^t  mt\)x  cntgegenftef)t,  fo  liegt  fein  (Srunb  mc()r  üor,  von  ben  allgemeinen 
Seftimmungen  über  bie  elterlid&e  (Seroalt  abjnroeidEien.     S)em  3ntcref[e  ber 
Sinöer  roirb  in  biefcm  galle  burd^  bie  allgemeinen  Scftimmungcn  ber  §§  1546 
b\&  1551  in  gcnügenber  SBeife  SHed^nung  getragen. 

3tad)  bem  aSorgange  beö  öfterr.  ®.  33.  §  142  lägt  bie  altenb.  ®^eorbn.  uebereinfunft 
§  284  junod^ft  bie  Uebereinfunft  ber  ®ltern  barüber  entf treiben,  rocm  oon  ^^  ®"*"' 
ibnen  bie  Sorge  für  bie  ^erfon  ber  gemeinfd^aftlid^cn  Äinber  jufte^en  foH. 
auf  bemfelben  33oben  ftcl^en  bie  SSorfd^lftge  beö  preufe.  ©efcfercüiforö  (^cnf.  XV 
§  55  nebft  ÜRotioen  ©.  48  ff.),  ^aä)  franj.  SRcd^te  (code '  civü  2lrt.  280)  ift 
im  gallc  ber  ©d^eibung  auf  ®runb  gegenfeitiger  ©inroilligung  bic  Don  bcn 
©Kern  Dor  ber  ©d^eibung  getroffene  Scftimmung  maßgcbcnb.  3)er  (Sntrourf 
ge^t  baüon  auö,  bafe  bie  3ulöflwng  einer  fold^en  bie  ©Itern  binbcnben  Ueber« 
cinfunft,  auc§  xomn  man  bie  SBirffamfeit  ber  Icgtercn  an  bie  Oenel^migung 
bt%  9Jormimbfd^aftögerid^teö  binbet  unb  bem  lefetercn  bie  Scfugni^  üorbeptt, 
bie  üon  i^m  crt^cilte  ©enc^mlgurtg,  fofern  baö  3ntercffe  ber  Äinber  eö  crforbcrt, 
toieber  jururfjune^men,  nid&t  ju  billigen  ift.  ©ie  ift  mit  bem  ©cfid^töpunfte, 
büß  baö  SRe^t  ber  ©orge  für  bie  ^crfon  ber  Sinbcr  nur  bie  Äe^rfeite  einer 
bcn  6ltcm  gegenüber  ben  Äinbern  obliegcnben  5ßftid^t  ift,  auf  roeld)e  nid^t 
ocrjic^tet  roerben  fann  (§  1561),  nidEjt  vereinbar  unb  aud^  burd^  ein  Sebürfnife 
nic^t  geboten,  ba  eö  b:m  einen  ©(tcriitfjeilc  unbenommen  bleibt,  bie  Sorge  für 
bie  ^erfon  bcö  Äinbcö,  xoznn  er  bicö  im  3ntcreffe  bcö  Ic^tercn  für  angemcfifen 

40* 


628  ©d&eibunfl.    SRccfttööcrJaltniß  ju  ben  Äinbcrn.    §§  1457,  1458. 

erachtet,  betn  onbcrcn  ©Itcrntl^eile  in  bcrfclben  SBcifc  ju  überladen,  roic  er 
fie  einem  ©ritten  bcr  2luöiibung  nod^  überlaijcn  fann.  2)oju  fommt,  ba§ 
bie  Swtonung  einer  fold^en  bie  ©Itern  binbenben  Ucbercinhinft  geeignet  ift,  bie 
©d^eibungcn  iu  beförbern,  unb  mit  ber  SKel^rjal^l  ber  beftel^enbcn  SWec^tc  ni^t 
im  ®inf[ange  ftel^t. 

§  1457. 

¥erfönn<*ec  SBenngkid^  ber  (Sa|,  bafe  berjenige  ©Itemt^cil,  meld^em  noc^  üJlafegQbe 

ber  cxSn  mit  i>^ö  §  1456  bie  ©orge  für  bie  ^JJerjfon  ber  gemeinfd^oftlid^en  Äinber  jufte^t^ 
bcn  jHnbem.  j^etn  onberen  gltemt^eile  ben  perfönlid^en  SJerfcl^r  mit  ben  Äinbcrn  nidft 
gänjlid^  tjerfagen  barf  unb  erforberlid^enfoUö  boö  aSormimbfd^aftfigericiÖt  ein* 
juf (freiten  befugt  ift^  fi(^  DieDeid^t  fd^on  aud  ben  aDgemeinen  ©ninbfö^cn 
(§  1546)  ableiten  läfet  (üergl.  ©euffert  XXXm,  312,  XXXV,  296),  fo  ift  e^ 
bo(5  naö)  bem  SBorgange  oerfd^iebener  neuerer  ©efeggebungen  (nergl.  preu§. 
21.  S.  91.  n,  2  §§  101,  102;  fd&morjb.  fonberöl^.  ß^efd^cibungögef.  §§  36  ff.) 
bei  bcr  praftifd^en  SBid^tigfeit  ber  grage  als  rotl^fam  erad^tct,  in  bcr  ^icr 
fraglid^en  SRic^tung  eine  Quöbrürflid^e  SBefttmmung  aufjunel^men. 


§  1458. 
Unterhalt  2)a  bic  Unterf|altspf[id^t  ber  ©Item  gegenüber  ben  fiinbcm  ni^t  auf 

^Bei^rr  ^^^  ®^^^'  fonbcrn  auf  ber  äScrroonbtfdiaft  beruljt  (§§  1480—1482),  fo  crfcibct 
vmt  biefelbe  burd^  bic  ©d^eibung  feine  3lenbcrung,  2)ied  gift  in  ©rmangclung 
bfr«(iefrttu.  ^j^^^^  cntgcgcnftcl^enbcn  SBcftimmung  aud^  Don  ber  Drbnung,  in  TOcId^er  ben 
SBatcr  unb  bic  SWutter  bic  Untcrfialtöpcrpflid^tung  gegenüber  bcn  ftinbem 
trifft  (§  1485),  unb  jroar  o^nc  5lüc!fid^t  barauf,  roeld^cm  ©Iteml^cilc  nad^ 
aWafegabc  bcö  §  1456  bic  ©rjicl^ung  beö  untcr^altöbered^tigtcn  ÄinbcS  juftc^t. 
Scmgcmäfe  l^oftct  aud^  nad^  bcr  Sd&cibung  ben  Äinbcrn  rcgclmöfeig  ber  35atcr 
cor  ber  SWuttcr.  ®icß  ift  aud)  ber  ©tanbpunft  bcö  gemeinen  JRcd^tcfi  fNov. 
117  c.  7;  pcrgL  entfd^.  b.  5R.  ®.  in  ßiuilf.  Till,  48,  ©cuffert  XLn,  300), 
bcö  fäd^f.  ®.  ».  §  1749  unb  bcö  fd^njarjb.  f onberö^.  eijcfd^ctbungögcf.  §  4L 
35agegen  finb  nad)  onberen  SRcd^tcn,  rocid&e  bic  Untcrl^altöpflid&t  bcr  ßltem 
gegenüber  ben  Äinbcrn  njöl^renb  bcftcl^cnbcr  6^c  alö  eine  beibcn  6Item  gemein^ 
fd^aftlid^  obliegenbe  Soft  betrod^ten,  inöbcfonbcre  nod^  bcm  rourttemb.  unb  bem 
noR.  Siedete,  foroic  nod^  bcm  code  civil  9lrt.  303  unb  ber  oltcnb.  ©I^corbn.  §  285 
(oergl.  femer  l^eff.  ®ntn).  3lrt.  99,  100),  bic  eitern  im  goDc  bcr  ©d^eibung 
bic  Äoften  bcö  Unterl^oltcö  bcr  Äinber  gcmcinfd^aftlid&  ju  trogen  ocrpffi4|tet. 
®oö  preufe.  21.  S.  SR.  U,  2  §§  103—107  fc^Iicfet  fi^  por  grunbfäftli^  bem 
gemeinen  SRcd^te  on,  orbnct  jcbod^  bic  Unterl^altöpflid&t  für  bcn  goD  ber 
©d^eibung  infofem  obmcic^cnb  pon  bcn  roäl^rcnb  beftel^cnbcr  @l^e  mofegebcnbcn 
Orunbfäftcn,  alö  in  icncm  goDe  ber  SSoter  oon  bcr  für  ben  fd^ulbigen 
a:^cil  crflärten  SKutter  einen  Seitrag  nod^  bem  SBcr^ältniRc  i^rcö  Sermogenö 
ober  @m)crbeö  biö  ^Sd^ftcnö  auf  bie  ^ölfte  beö  crforberlid^cn  boorcn  SIufiDonbcft 
Dcrlongcn  fann,  unb  olö  bie  für  bcn  fd^ulbigen  2;l^cil  crflörtc  aRutter,  roenn 
i^r  bic  ©rjicl^ung  ber  Äinber  biö  jum  vierten  ficbcnöial^re  bcr  Icjtercn  über* 


©d^cibung.    8ftcd6tßuer]&5Itnl§  ju  bcn  JKnbcrn.    §  1458.  629 

toRcn  ober  bic  ^^t^t  bcr  Äinbcr  biß  ju  icncm  3^itpunltc  einem  2)ritten  an^ 
uertrout  ift,  bic  Sloftcn  bicfer  ©rjic^ung  unb  ^ßflcgc  allein  überncl^men  mufe 
{oergL  oud&  ©efefereo.,  ^cnf.  XV  §§  65—69  nebft  SWotiocn  ©.  53).  S)icfcn 
Seftimmungen  bcö  preuß.  21.  S.  SR.  liegt  ein  rid^tiger  ©ebanfe  ju  ©runbc. 
ffienngleic^  bic  Unterfjaltöpflid^t  bcr  ®Itern  gegenüber  ben  Äinbern  in  bcr 
Scrroaiibtfd&aft  fic^  grünbet,  fo  beruht  bod^  bic  Seftimmung  bcö  §  1485,  nad^ 
welcher  in  bcr  Siegel  bcr  SBater  oor  bcr  aWuttcr  pcrpflid^tet  ift,  auf  bcr  bc* 
oorjugtcn  Stellung,  roeld^e  bcr  crftere  in  ber  @^e  einnimmt.  Sßit  bcr  2luf^ 
töfung  bcr  @^c  burc^  Sd^eibung  fallen  bic  93oraudfegungcn  bicfer  Siegelung 
weg,  mib  ift  eö  bo^cr  billig,  menn  nac^'ber  ©d^eibung,  menigftcnö  im  33er:^ 
f)a(tni|fc  bcr  ©Regatten  unter  cinanber,  au6)  bic  @^cfrau  juglcic^  mit  bcm 
%mannc  bic  gcmcinfd^aftlic^cn  ^inbcr  ju  unterhalten  Dcrpflid^tct  ift,  unb 
jroar  muffen  bicfc  ©nofigungen  bal^in  führen,  eine  fold^e  SBcrpflid^tung  bcr 
€^efrau  o^nc  SRüdEfic^t  borauf  anjucrlenncn,  ob  fic  für  bcn  fd^utbigen  2^^cil 
crtlärt  roorben  ift  ober  nid^t. 

2)a  bcr  ®^cmann  in  golgc  bcr  Sdt)cibung  bic  cl^clid&c  Jiugnicßung  imb 
IJcrnjcltung  am  aSermogen  bcr  ®(|cfrau  ocrlicrt,  fo  bietet  in  bcr  l)icr  frag^ 
liä^n  33cjie^ung  bic  für  bcn  gaÖ  ber  Trennung  ber  Oüter  gegebene  3Sor* 
fc^rift  beö  §  1339  Slbf.  1  eine  paffenbc  9lnatogic.  Sßon  bcm  ©efiditöpunftc 
ou$,  bag  in  SBirflid^fcit  eine  &f)t  nid^t  mc^r  bcftct|t  unb  bag  bei  ber  Untcrl)altd^ 
pf(id|t  bcr  93crn)anbtcn,  \mnn  mcl^rcrc  glcid^jcitig  jum  Unterhalte  Dcrpflid^tetc 
^oncn  üor^onbcn  fmb,  bcr  9lntl)cil  bcö  cinjclnen  33crpflid&tetcn  nid&t  rclatio 
no^  bcm  33cr&ältnijfc  feincö  aSermögenö  unb  ©rrocrbcö  bemeffen  wirb  (§  1486), 
würbe  c«  frcilid^  am  fonfequcntcftcn  fein,  bcr  ®^cfrau  nad&  bcr  ©d^cibung  bic 
^Qlftc  bcr  Untcrl;altdfoften  jur  £aft  ju  legen.  Slud^  mürbe  eine  berartige 
©cftaltung  bie  Sd&roicrigfeiten  pcrmcibcn,  meldte  immer  mit  einer  rclatiocn 
Sbmcffung  bcd  83citragcö  oerbunben  finb.  ©icfelbc  gc^t  inbcffcn  ju  Ungunften 
ber  ß^cfrau  ju  weit  imb  ift  namcntlid^  bann  unbillig  gegen  bic  Icgtcre,  menn 
ber  ß^cmann  altein  für  ben  fd^ulbigcn  2^^cil  erflärt  morben  ift.  3Kit  SHüdffid^t 
borauf,  baB  bic  elterliche  Jtufenicfeung  an  bcm  SSermögen  befl  Äinbcö  i)orjugös 
ipcife  bcm  ^rotdt  beö  Untcr^altcö  bcö  Sinbeö  bient,  ift  es  ferner  gcred)tfcrtigt, 
bic  öcitragöpflid&t  bcr  (Sdefrau  jum  Unterhalte  bcö  Rinbeö  gegenüber  bcm 
Cbcmannc  nur  bann  anjuertenncn,  wenn  bcm  Icfttcrcn  bic  cltcrlid^c  3l\\p 
niegung  an  bcm  SScrmogen  bcö  Rinbeö  nid^t  juftel)t.  ©tel)t  bcm  ©bemanne 
bic  elterliche  ^luftnicfeung  ju,  fo  cntfprid&t  es  bcm  im  §  1485  Sa^  2  jum 
?tuftbru(fc  gelangten  ^ßrinjipc,  bcm  ßfiemanne  baö  Siecht,  einen  Beitrag  jum 
Unterhalte  beS  ÄinbeS  oon  bcr  ®^cfrau  ju  verlangen,  aud^  inforoeit  ju  ücr* 
fogen,  ald  bcr  ^Reinertrag  bcr  elterlichen  ^Rugniefeung  am  Vermögen  bcö  Äinbcö 
jur  Scftrcitung  ber  Soften  bcö  Untcrl^altcö  bcrfclben  nic^t  liinrcid^t.  S)icfe 
3Irt  ber  Siegelung  gemährt  jubem  bcn  praftifd^en  58ortt|ciI,  bag  fic  bic  mit  bcr 
Serc^nung  bcö  Slcincrtragcö  bcr  eltcrlid&cn  Slufenicfeung  ocrbunbencn  ©d&roicrig:^ 
feiten  oermeibet,  ©d^micrigfeiten,  mcld[ic,  namcntlid^  unter  gcfd^icbencn  ©^c^ 
flotten,  JU  piclen  ©treitigfeiten  9Seranlajfung  geben  fönnten.  2luf  bcr  anbercn 
Seite  wirb  auc^  bem  ©bemanne  nic^t  ju  naf|c  getreten,  ba  cd  bcmfclbcn  nad& 
§  1537  ieberjeit  frciftcl^t,  auf  bie  eltcrlid^c  $Rufenicgung  ju  oersid^ten.  ©bcnfo* 
wenig  fann  baraud,  bafe  bem  ©(^emanne,  wenn  i^m  bic  cltertid^c  SJu^niefeung 


630       3ciln\  Srcnnunö  ton  aifd&  linb  23ctt.   SBirfiingen.   (§§1459—1461.) 

juftc^t,  ein  9lnfpruc§  auf  einen  ^Beitrag  ju  ben  Äoften  beö  Unterhaltes  bcö 
ÄinbcS  flegcn  bie  ©l^efrau  nid)t  eingeräumt  roirb,  eine  (Sefal^rbung  beß  S^^tcv* 
effeö  bes  Kinbeö  fid^  ergeben;  benn,  foraeit  ber  6f)emann  jur  (Scroä^rung  bcs 
Untertialteö  m6)i  im  ©tanbc  ift,  fonn  baö  Äinb  md)  §  1485  ben  Unterhalt 
von  ber  SButter  forbern.  2ludö  ber  ©erid^töpunft,  bofe  bie  ^Regelung  bcö  &iU 
murfeg  ben  ©l^emann  in  nid^t  jcltenen  gällen  ju  einem  Sßerjic^te  auf  bie  eltcr? 
lidie  ?Ju|nie§ung  brängen  werbe,  fonn,  l^ingefel)en  auf  baß  Snterefie  beß 
Äinbeö,  Sebcnfen  nid)t  erregen,  ba  ein  fold^er  SBerjid^t  ben  6(}emann  oon  ber 
aSerpfliditung  ber  clterli^en  93ermögenßt)ern)oItung  nid^t  befreit,  überhaupt 
bem  Äinbc  nidjt  jum  3laä)if)cxk  gereid^t. 

2)a§,  aud)  menn  bem  ©bemanne  bie  elterü^e  Skjniefeung  nic^t  juftc^t, 
ber  9lnfprudö  beßfelben  auf  einen  Sieitrag  ber  ©^efrau  inforoeit  wegfällt,  q1& 
bie  @in!ünfte  beö  ber  elterlid^en  Jlugniefeung  nid^t  unterlicgenben  Scr* 
mögenö  bcö  Äinbcö  ju  bcffcn  Unterhalt  auöreid)en,  cerftc^t  fic§  oon  felbft,  ba 
inforaeit  ein  Slnfpruc^  beö  Kinbeö  auf  Oemälirung  beö  Unterl^altes  \\ci6)  §  1481 
übcrtjaupt  ni^t  bcgrünbet  ift. 

t  "bart'eit  ^^  ^^^  6rreid)ung  bcö  3roccfcö,  roeld^em  bie  im  §  1458  Slbf.  1  anerfanntc 

«uf.  '  93eitragöpfti(iöt  ber  Ehefrau  ju  bienen  bcftimmt  ift',  tl^unlic^ft  ftc^criuftcllen, 

r«<^n«nfl.    ^^^j  ^^^  g  j^^^g  ^^^  ^  bie  3Sorfd&riften  beö  §  1339  'sibf.  3  auc^  auf  ben  ^ier 

in  Siebe  fte^cnben  2lnfprud)  beö  ®^emanneö  übertragen.  ®cgen  bie  an- 
menbung  biefer  SBorfd^riften  (oergl.  baju  §  296  5lbf.  2)  lä§t  fid^  ixoax  gcltcnb 
mad)en,  Da^  bicfelbc  für  fold^e  gälle  nic^t  paffe,  in  roetddcn  ber  Beitrag  ate 
ßrfag  für  bereitö  geroätirten  Unterl^alt  geforbcrt  werbe.  fflÖein  biefcö  Scbenfen 
fann  alö  Durdbfc^lagenb  nic^t  erad^tet  werben,  ba  aud^  bei  bem  §  1339  auö 
praftifd^en  (Srünben  auf  foldbc  Ställe  feine  befonbere  Slüdp^t  genommen  ift. 
3m  Uebrigcn  finb  für  bie  Sc^eibung  in  2rnfef)ung  ber  Untcr^ottöpflid^t 
ber  Gttern  gegenüber  ben  Äinbern  SÄbmeid^ungen  von  ben  allgemeinen  ©ninb« 
fä^en  burd^  ein  Sebürfnife  nid)t  geboten.  Snöbefonbcre  bcbarf  eö  im  ^inblide 
auf  bie  SRegel  beö  §  1491  9lbf.  1  feiner  befonberen  Söcrfd^rift,  bafe  bcricnigc 
©begatte,  roetdbem  nac§  bem  §  1456  bie  ©orge  für  bie  ^erfon  eines  Äinbcö 
nidjt  iuftel^t,  feine  SSerpflid^tung  jur  (Seroäl^rung  bcö  Untcr^alteö  an  baö  Äinb 
burd)  bie  Seiftung  einer  ©elbrcnte  ju  erfüllen  l^abe,  5umal  bie  befonberen 
SSorfd^riften  beö  §  1491  2lbf.  4,  5  in  bem  ^icr  üorauögcfefetcn  goUe  nid^t 
antreffen. 


1459-1461. 

©irfungcn  ©ie  §§  1459—1461  regeln  bie  befonberen  rcd^tlid^en  SBirfungcn  cimr 

seitroeuigen  nacl)  3JJa6gabe  bcö  §  1444  crfanntcn  icilweiligcn  2:rcnnung  vcn  S:if4  unb 

xrennuitfiDon  33ett.   2)a6,  fowcit  baö  ©efefe  ein  Slnbcrcö  nic^t  bcftimmt,  bie  rccfctUd^cn  SBir* 

jiW  u.  »eit.  j^^^^^^^  ^^^  ^^^  fortbauem  (oergl.  fäd&f.  ®.  33.  §  1756),  braucht,  locil  fcltft* 

oerftänblidö,  im  ©cjege  nidE|t  befonberö  l)crt)orgel^obcn  ju  werben. 

§a!tif(^e  ®ie  Seftimmungen  ber  §§  1459—1461  pnbcn  nur  bann  Slnwcnbung, 

Trennung.  ^^^^  ^^^^^  aWafegabe  bcö  §  1444  auf  jeiiweiligc  STrennung  Don  Sif*  unb  »ctt 

crfannt  ift.    J)urd^  SBereinbarung  unter  ben  ©Regatten  fann  in  einer  biefelbcu 

binbcnben  SBeife  eine  Trennung  oon  X\\ä)  unb  Seit  \\\6)t  ^crgcftcBt  werben. 


Seite.  Srennung  Don  2ii(j&  unb  Sctt.    25\itfunocn.   (§§1459—1461.)       631 

ba  ein  3Scräic^t  auf  bic  burd^  bie  ©()e  begrürxbete  5)Sf[ic^t  beö  cfielic^cn  ^n^ 
iammenlebcnö  mit  bem  2Befcn  ber  S^c  unb  bev  öffentUd^cn  Drbnung  nid^t 
vereinbar  ift  (§  106).  Sutoieroeit  bic  mit  iRücffid^t  auf  baö  ocreinbartc  Oe^ 
trcnntlcben  unb  im  3ii|ommenliangc  bamit  t)on  bcn  ©Regatten  getroffenen 
äbrebcn  roirffam  Tinb,  ift  nac^  allgemeinen  Orunbfä^en  äu  bcurtf)ei[en  (oergl. 
Sfuffcrt  Vri,  274,  XVIII,  126,  Xm,  126,  XIV,  143,  XXIV,  122,  245, 
XXXII,  325,  XXXV,  36,  XXXVIII,  317;  (gntfd^.  b.  SR.  ©.  in  gioilf. 
XVII,  31;  Urtl;.  b.  3^.©.  bei  ©rud^ot  XXVI  S.  1001  ff.,  XXX  S.  1155; 
got^.  e^egcf.  §  72;  altcnb.  ©Ijcorbn.  §  164). 

3m  3lnfd)Iuf|c  an  bic  gemcinred^tlid^c  ^rayiö  (oergl.  ßntfc^.  b.  31.  ®.  s)auer  bcr 
bei  genncr  unb  SKecfe  II,  181)  unb  an  baö  fä#  ®.  35.  §  1765  gef)t  ber  QnU  ®^'**"ö*"- 
niurf  baDon  an&,  baß  mit  bcm  3lblaufc  ber  in  bem  Urtf^eile  beftimmten 
Xrennungöjeit  bie  an  bic  rcd^töfräftig  crfannte  2;rcnnung  pon  X\]^  unb  Sett 
noc^  bcn  §§  1459—1461  fid^  fnüpfcnbcn  SBirfungcn  roegfallen,  aud^  menn  bic 
^üuqKc^c  ©emcinfc^aft  nid&t  roicbcrticrgcftcUt  mirb  unb  ber  Seflagte  bic  SBieber* 
fecrftellung  bcr  legtcren  nicbt  ücrlangt  (ücrgl.  §  1445  2lbf.  2).  Äann  bcr  Staat 
bie  6I|egattcn  and)  n\d)t  *t)inbcm,  nad^  9lblauf  ber  2^rennungöäcit  fernerhin 
(letrcnnt  ju  tcben,  fo  barf  er  bod^  bic  2)urd^fül;rung  einer  foId)en  faftifd^en 
Jrcnnung  bcr  ®f)cgatten  nic^t  baburd^  erleichtern,  bafe  er  bicfelbc  aud^  nad^ 
9lblQuf  bcr  2^rennungö5cit  mit  rcd^tfidien  SBirfungcn  auöftattct,  rocld^c  burd& 
llebcreinfunft  bcr  Sf)cgattcn  nid^t  I)crgeftcUt  merben  fönnen.  Cofet  man  bic 
nad}  bcn  §§  1460,  1461  mit  ber  Trennung  Don  Xi]6)  unb  S3ett  ücrbuubcnen 
SBirfungen  aud()  über  bic  Jrcnnungöjeit  ^inauö  fortbaucrn,  folauge  bic  ficiuö- 
lic^c  ©cmcinfc^aft  uid)t  miebcrficrgcftcllt  ift  ober  bcr  33etlagtc  bic  SSieber- 
bcrftcllung  nid}t  ücrlangt,  fo  fann  bicä,  wenn  beibe  ®f)cgatten  cinocrftanbcn 
nnb,  nad)  9lnalogic  be§  franj.  iRed)tcö  (code  civil  2lrt.  306,  309,  310;  franj. 
(^f.  t).  27.  3uli  1884)  JU  einer  red^tlid^)  gcfdiiißten  bcftänbigcn  2::rcnnung  oon 
Jifc^  unb  33ett  fül)ren.  @d  mürbe  baburcb  neben  ber  Sd^eibung  geroiffermafecn 
als  ßrfaft  bcrfclbcn  ein  neues  Snftitut  gefc^affen,  mcld^cö  mit  bcr  Söcftimmung 
bcö  §  1440  9fbf.  3  Sag  1,  mcnn  aud^  nid^t  formell,  fo  bodt)  materiett  bem 
^ninbgebantcn  nad)  in  2Bibcrfpru(^  treten  mürbe. 

3m  Slnfcftfuffc  an  baö  gemeine  3?e^t  fd)rcibcn  ücrfd^icbenc  neue  ©cfcg:^    «eseiunfl 
gebungen  uor,  ha^  in  bcm  Urt^ci(e,  mcld)cö   bic   äcitmciügc  S^rennung  üon  xrelinurfla- 
2:ifc^  unb  S3ett  au6fprid)t,  ^uglcid)   bie  re^tlid^en  SBcj^ictiungen  ber  eijegattcn    «"^^"f*- 
unter  cinanbcr  unb  ju  bcn  .Kinbcrn  in  2lnfet)ung  bcr  Unterf)altäpf(id&t  unb  bcr 
Srsiel^ung  bcr  Äinber  geregelt  mcrben  follen  (ocrgl.  altenb.  ®l;eorbn.  §§  237, 
240;  fäc^f.  ©.  33.  §  1762).     ©erartige  Seftimmungcn  finb  burd)  bic  SBor* 
ft^riften  bcr  G.  %  D.  §§  575,  592  befeitigt  (pcrgl.  ©ntfd).  b.  di.  ©.  in  Eiüilf. 
VI,  112,  IX,  111,  XVIII,  39  S.  189;  Urt^.  b.  5W.  ©.  bei  ©ruc^ot  XXVIII 
S.  1162  ff.;  Scuffcrt  XXXVIII,  285).    D^nc  bringenbc  ©rünbc  barf  in  bcn 
noc^  cingc^cnben  ©rortcrungen   befd^loffcncn  unb   burd^  bie  Slücffic^t  auf  bic 
Äbfürjung  bcr  6[}cprojcffc  gercd)tfertigten  ©runbfag  ber  6.  %  C,  bafe  über 
bic  f)ier  in  SRcbc  ftc^cnben  fragen  im  @t)eproäcffc  nid)t  entfd)icben  rocrbcn  foll, 
nic^t  eingegriffen  merbcn.     Sold)C  bringenbc  ©rünbc  liegen  aber  nid)t  üor. 
3n§bcfonbcrc  fann  bic  SlüdEpc^t  auf  Äoftem  unb  3^iterfparui6,  mel^c  fid^  für 
eine  abrocic^cnbc  Siegelung  geltcnb  mad)cn  laffcn,  fomic  bcr  ©cfidjtöpuntt,  bafe 


632  3«tn).  Trennung  üon  lifdfe  unb  93ctt.    5Birfungen.    §  1459. 

bic  Trennung  von  Xi^ä)  unb  93ett  materiell  nur  ben  Äarofter  eincö  ^ro^ 
riforiumö  \)ai,  im  Slöegc  einftroeitiger  SScrfügung  aber  bo§  S^egcrid^t  nac& 
§  584  ber  ß.  ^.  D.  bie  l^icr  in  iJlebc  fte^cnben  58er^ältmffe  ju  regeln  befugt 
ift  (oergl.  oud^  §  1462),  als  burc^fd^lagenb  nid^t  erad^tet  werben.  3"^^?^^" 
bem  angeführten  Orunbfafee  beß  gemeinen  JKeciiteö  unb  ber  biefem  fotgenbcn 
^artifularredite  unb  ber  S3eftimmung  beö  §  584  ber  6.  5ß.  D.  befielt  immer 
nod^  ber  mefentUdde  Unterfdjieb,  bafe  nad^  jenem  Orunbfafec  ba§  ©^egcric^t  im 
gemö^nliciien  ^roje§oerfa^ren,  nic^t  in  bem  fd&Ieunigen  SSerfal^ren  ber  einft- 
roeiligen  93erfügungen  über  bie  betreffenben  gragen  ju  entfd^eiben  l^at. 


§  1459. 

9iuf^4*unfl  2)te  93eftimmung  beß  §  1459  entfprid)t  bem  3^^*^^  ^^^  Si^rennung  oon 

sjerDfi^tunfl  ^^\^  ^"^  S3ett.    2)ie  ^erDor^ebung,  bafe  roä^renb  ber  2;rennunflöjcit  aud&  bic 

*"  ©md^^"  ^^^P^^^^^^Ö  i^^  Seiftung  ber  el^elid^en  $flid)t  aufgel^oben  mirb,  empfiehlt  [xif 

fc^aft  IC.    mit  JRüdEfid^t  barauf,  bafe  bie  SSerroeigerung  ber  lefetcren  unter  Umftönben  noc^ 

SWafegabe  beö  §  1444  bie  ©d^cibung  begrünben  fann  (oergL  aucft  fäd^f.  ®.  S. 

§  1756).    2)ie  in  §  1459  bejeid)netc  SBirfung  tritt  nid)t  nur  ju  (Sunftcn  beö 

Äfägerö,  f onbern  auc^  beS  93ef tagten  ein ;  bod^  fäUt  biefelbe  —  maß  alß  felbft- 

oerftönblid^  ju  betrad)ten  ift  (üergl.  fäd^f.  ®.  S.  §  1765)  —  roeg,  rocnn  ber  Älöger 

ben  bem  S^rennungßurtfieite  ju  ®runbe   liegenben  ©c^eibungßgrunb   persci^t 

(§  1445).    3n  Ermangelung  einer  entgegenftefienben  Seftimmung  crgiebt  fu^ 

auß  ben  allgemeinen  ©runbfägen,  bo6  baß  Siedet  jum  ©etrenntleben  crft  mit 

ber  5Wed)tßfraft  beß  2^rennungßurtl)eileß  beginnt.    3)ie  befonbere  Seftimmung 

beö  fä^f.  ®.  33.  §  1763,  bafe  jeneß  SRed^t  mit  ber  Sefanntmac^ung   beß  bie 

SCrennung   auöfpred^enben,  roenngleid^    nod)   nid&t  red&töfräftigen ,   Urt^eilcö 

beginnt,  ift  im  ^inblicfe  auf  bic  Seftimmungen  beß  §  1462  entbel^rfic^. 

w*t  ©injelne  neuere  ©efe^gebungen  entl)alten  nod^  befonbere  S3eftimmungen 

berffiojnunfl- ^^niber,  metd^er  von  ben  ©Regatten  im  galle  ber  J^rcnnung  von  Xi\d)  unb 
93ett  bie  gemcinfd)aftüc^e  5lBo^nung  ju  oerlaffen  oerpffiditet  ift  (altenb.  C^eorbn. 
§  235;  fäd}f.  ®.  33.  §  1757;  oergl.  aud^  code  civü  9lrt.  268;  got^.  ß^egef. 
§§  144—147).  5Der  ©ntrourf  ge^t  baoon  auß,  bafe  nad^  allgemeinen  ®ninb* 
fä^en  berjenige  ®t)egattc  bie  gemeinfd^aftlid^e  SBoljnung  ju  oerlaffen  rerpfKc^tet 
ift,  meldber  nur  auf  ®runb  ber  burd&  bie  ®^e  begrünbeten  ^äußlid^cn  ©emeim 
fd&aft  ein  5Wed&t  ^at,  biefelbe  ju  t^eilen  (oergl.  ©euffert  XLII,  124).  2)iefe 
3?egel  allein  giebt  allerbingß  nid^t  für  alle  gälle  eine  Sntfd^eibung  an  bie  ^«nb. 
®ß  fann  fein,  ba6,  aud&  abgefel)en  oon  ber  burd^  bie  ®^  begrünbeten  \)SM^ 
lid^en  ®emcinfd^afi,  jcber  ber  6()egatten  ein  9ledE|t  auf  bic  SWitbcnuftung  ber 
2Bol)nung  l)at,  j.  S.  menn  bei  bem  ®üterftanbe  ber  ®ütortrennung  bic  6^* 
gatten  9)HteigentI;ümer  beß  §aufeß  finb  ober  baß  (entere  gemeinf^aftlü^  gcmiet^ct 
fjaben.  (Sine  burd)greifcnbc  bieget  läfjt  fxä)  inbeffcn  megen  Sicrfc^iebcnficit  ber 
gäHe  nid^t  auffteüen.  ©ine  befonbere  gefe^Uc^e  Gntfd^cibung  ift  jubcm  burd^ 
'Cin  93ebürfni6  nid)t  geboten,  mie  fd^on  barauß  fxc^  ergiebt,  bofe  bie  3)k^rjabl 
ber  befteljenben  5Wcc^te  befonbere  Seftimmungen  in  ber  f|ier  froglidbcn  Slid&tuns 
'.jtid^t  entfialten.    Gß  fann  barauf  oertraut  roerbcn,  i>a^  ber  SRic^ter  an  ber 


j 


3citY».  Srennunö  bon  Sifc^  unb  S3ett.    aBirfungen.    §  1460.  633 

^nb  bcr  oor^cr  bejcid&nctcn  SRcfjcf  in  SSerbinbung  mit  bcn  ®runb[ätcu  beä 
§  1272  im  cinjclnen  goUc  bic  x'id^tXQt  (Sntfd)cibuug  fiiibcn  wirb. 

S)aö  fä^f.  @.  93.  §  1757  gicbt  für  bcn  gall,  ba^  bic  (g{)efrau  bic  gemein-  «nweifung 
fc^aftlic^e  SBol^nung  räumen  mu§,  bcm  ©bemanne  bic  8BaI)I,  ob  er  bcr  6^e^  befSten 
frau  ein  angemejfcncö  Unterfommen  oerfd^affen  ober  bic  SKittcl  baju  geben  ®«>önuna  ber 
wiH.  S)er  ©ntrourf  ^ot  ein  fold^cö  SBaf)Ircd)t  nid^t  ancrfannt.  ©omcit  bcr 
Seemann  ber  ß^cfrau  mä^renb  ber  2:rennungöäcit  bcn  Unterljalt  ju  gcn)äl)ren 
oerpflid&tet  ift  (§  1460),  mufe  er  berfclbcn  md)  §  1460  9t6f.  2  ciwä)  bic  für 
eine  gefonberte  SBol^nung  crforbcrlidicn  ®elbmitte(  gcmftl)rcn.  S)em  ©bemanne 
kic  SefugniB  einjuräumen,  für  bic  ®I)efrau  eine  gefonberte  3Bof)nung  fclbft 
üusjuroä^Icn,  ift  nid^t  angcmcffcn,  mcil  baburd^  Icid&t  SBcranlaffung  ju  Streitig* 
!ritcn  unter  bcn  Gficgotten  gegeben  wirb,  meiere  bcn  Qwcd  bcr  2:rcnnung  ju 
gefä^rbcn  brofien,  unb  Qufjcrbcm  ein  fold)cS  Siedet  bcö  @()cmanneö  bic  C^efrau 
in  ber  28q^I  iljrcö  3lufentf)aItöorteö  ju  fcf)r  befd^ränft.  9lodj  weniger  an* 
gcmcjfcn  fmb  bic  auf  einem  SJlifetraucn  gegen  bic  e^elic^e  ^reue  bcr  ®t|efrau 
beni^cnbcn  93orf(f)riftcn  beö  franj.  3?cd)teS  (code  civil  3lrt.  268,  269;  ücrgl. 
aud^  ^cff.  (Sntm.  9rrt.  90,  92)  über  bic  gcrid^tlid^c  Scftimmung  beä  §Qufcö, 
in  meld&cm  bic  ©I)cfrau  mäfircnb  bcr  Sauer  bcö  ©döcibungsprojcffcö  ficö  auf- 
5u6altcn  ^at,  mibrigcnfallö  bcr  G^emann  i{)r  bcn  Untcr(}alt  ju  Dcrfagen  unb, 
follö  fie  ber  ftagcnbc  Xi^til  ift,  bic  ®infteUung  bcö  ^rojcffcö  ju  ocrlangcn 
berechtigt  ift. 

§  1460. 

Ter  im  §  1460  2Ibf.  1  auögcfprod^ene  ©runbfag  folgt  barauö,  ba^  burd[)  ©egenfeitiae 
bic  Trennung  oon  2^ifc^  unb  93ett  boö  93anb  bcr  S^c,  ouf  mcld)cm  bic  gegen*    "ppujt^*' 
feitigc  Untcr^ottöpftid^t  bcr  (Sl)egatten  beruJ)t,  nid^t  gclöft  mirb,  unb  ftc^t  mit»^"®^«^«"*«- 
bcm  gcitcnbcn  SRec^te,  foiocit  bemfclbeu  baö  3nftitut  bcr  jcitwciügen  2;rennung 
wn  Sifd^  unb  SBett  überljaupt  betannt  ift,  im  @inf lange  (oergt.  Scuffert 
XXVI,  38, 244,  XXXV,  36,  XXXV III,  133;  fäd)f.  ©.  33.  §§  1758, 1759 ;  altenb. 
C^corbn.  §§  235—237).    Sic  bcftel)enben  SHcd^tc  fc^iucigcn  jcboc^  barüber,  ob 
unb  inroicmcit  unter  Umftänbcn  aud)  bic  ©öefrau  t)crpf[id)tet  ift,  bcm  ®l)c* 
manne  roäf)rcnb  bcr  3^rennung§äcit  bcn  Unterhalt  ju  gen)äl)rcn.    S)a  nac^ 
§  1281  eine  fubfibiärc  Untcrl^altöpflid^t  ber  ß^efrau  gegenüber  bcm  6f|cmanne 
anerfannt   ift,  fo  mufe  fonfequcnt  biefe  Untcrfialtöpftidöt  anä)  roäfirenb  bcr 
Jrennungöjcit  beftcl^cn  bleiben. 

93on  bcm  ©runbfage  bcö  §  1460  9lbf.  1  mad^t  ber  (gntrourf  im  §  1460  ©«ibrente. 
äbf.  2  gegenüber  bcn  Scftimmungen  ber  §§  1280,  1281  junöc^ft  bic  2luö* 
no^mc,  bafe  bcr  jum  Untcrtialtc  oerpf[id)tctc  (Sf)cgattc  feine  3SerpftidE)tung  burc^ 
©elbja^Iung  ju  erfüllen  Ijat  (oergl.  fädE)f.  ®.  93.  §  1759 ;  altenb.  ß^corbn. 
§§  235—237).  9lud&  bic  gemcinred&tlid)c  ^rajis  geljt,  mcnigftcnö  alö  3legel, 
baoon  auö,  bafe  bcr  Untert|a(t  mäl^J^cnb  bcr  SErcnnungöjcit  in  (Selb  ju  gc* 
roä^ren  ift  (DcrgL  Scuffert  XXVI,  38,  XXXV,  78,  XXXVIII,  133).  Sicfc 
3»Dbififation  bcr  allgemeinen  (Srunbfößc  empfief)lt  ficb  mit  SWütffid^t  auf  bcn 
geftorten  cf)cüd^en  grieben  jur  SScrmcibung  neuer  S^^iftigfeiten  ber  ©t)cgattcn 
unb  im  3»^tcteffe  bcr  ©rrcid^ung  beö  3">ccfeö  ber  icitiuciligcn  S^rennung  üon 
a:if<^  unb  S3ctt. 


634  Scittt).  SErennuno  tJon  £ifd6  unb  SBett.    SBirfungen.    §  1460. 

3ur  süijrunfl  3)ic  im  §  1460  3lbf.  3  cntf)altenc  weitere  33eftimmung  fci^Ucfet  pd^  Qn 

ßlfonbertcn  ^'^^  gemciure^tUd^e  ^roriö  unb  äljttlic^e  Seftimmungcn    beö  föd^f.  ©.  8. 
^**"*^  fr'au  ^  ^^^®  "^^^  ^^^  altenb.  (g^corbn.  §§  235  ff.  an.  Sefinben  fxc^  fold^c  Socken, 
e^orberii^"  Toxc  fic  jut  gü^tung  ciiteö  abgefoubetten  §außl)alteö  crforberlic^  finb,  in  bem 
Sachen,    jj^j.  gjerfügung  ber  6t)cfrau  untcriicgenben  Sßermogen,  toqö  inöbefonbcre  bei 
SCrennung  ber  ©ütcr   ober,  roenn  bie  ß^efrau   SBorbct|oltögut  befißt,   ber 
gall  fein  fann,  fo  ift  eö  baö  9?atürlid^ere  unb  9lngcmcffenerc,  wenn  in  einem 
foId)cn  gallc  bic  ®f)efrQU  bicfe  ©ac^en  jum  ^mtde,  ber  gü^rung  beö  ab- 
gefonbertcn  ^aus^alteö  benußt.    2)qö  fäd^f.  ®.  33.  §  1758  ermäl^nt  unter  bcn 
ber  ©fjefrau  oon  bem  ©fiemoime  ^crauöjugcbenbcn  Sod^en  aud^  bie  flieibcr. 
Sie  Ic^teren  gel;ören  jnjor  aud&  nod)  bem  ©ntrourfe  (§  1285)  uid&t  jum  33or« 
bef)altögute  ber  (S^efrau.  S)q  fie  jebod^  ber  ef)clid^en  $Rufenic6ung  nid^t  unter« 
liegen,  fo  verfielt  eö  fic^  von  felbft,  bog  bie  ®I)efrau  bicfclbcn  aud&  roo^renb 
ber  J^rennungäjeit  ju  benu^en  bercdjtigt  ift. 
sBefcftränfunfl  2)q  ^{q  e\)tlx6)t  ^Ju^uiefeung  unb  SSernjQltung  beö  ®^emanneö  roä^rcnb 

liammt  ber  ^rennungöieit  fortbauert  unb  nod)  §  1339,  aud^  wenn  bie  ©Ijegatten  in 
cbemminea  9^^^*^""*^"  (Sütem  febeu,  bie  (Sfjefrau  bem  6[)emanne  5ur  33eftreitung  ber 
Unter^altöfoftcu  einen  ongemeffenen  Beitrag  ju  leiften  ^at,  fo  ift  cö  nid^t  gc^ 
red^tfertigt,  im  9lnfc^luffe  an  eine  in  ber  gcmeinred^tUdf)en  Suriöprubcn,^  oer^ 
tretene  ainfi^t  (oergl.  iebod&  Seuffert  XXVI,  244,  XXXV,  36),  eine  Untere 
l)altßüerpflid)tung  beö  6f)emanneß  gegenüber  ber  ®t|efrQU  roä^renb  ber 
S^rennungöjeit  nur  infomeit  anjuerfcnnen,  als  bie  ber  ß^efrau  juftc^enben  Sin- 
fünfte  aus  iljrem  eigenen  Vermögen  ober  auä  einem  üon  i^r  betriebenen 
®rn)erbögefd&äftc  ju  if)rcm  ftonbeömäfeigen  Unterl^alte  nidf)t  auöreid)cn.  Sine 
berartige  Seftimmung  fü^rt  namentlid)  bann  ju  einer  unbilligen  ^orte  gegen 
bie  Gf)efrQu,  menn  biefelbc  ber  unfd^ulbige  Xijdl  ift.  2luf  ber  anberen  Seite 
ift  inbcReu  |\u  berüdfid^tigen,  bafe  n)Ql)renb  ber  S^rennungöjeit  ber  6f|emann 
ber  Untcrftflfung  üon  Seiten  ber  G^efrau  im  ^auö^atte  unb  feinem  (Sefcftäftc 
entbehren  nniö  (§  1275),  bofe  bie  ®cn)ä()nmg  beö  Unterljolteö  an  bic  (S^cfrau 
aufeerljalb  ber  ef)elid)en  Ocmcinfd^aft  regctmäf^ig  mit  größeren  Soften  uer- 
bunben  ift,  ba^  ferner  baö  ber  ef)elid)en  ^iußniefeung  unb  Sßerroaltung  unter- 
(iegcnbe  Vermögen  ber  Gfiefrou  nur  unbebeutenb,  baö  3Sorbc^aItögut  ber 
(enteren  ober  unb  ber  ©rroerb  ouö  i^rer  Sürbeit  fc{)r  er^cblic^  fein  farni. 
2)iefc  STiücffic^tcn  fpred^eu  bofür,  bem  ©erid^te  bic  Sefugnife  ju  geben,  nocb 
üKof^gabe  beö  §  1460  3[bf.  4  bie  S3erpflid()tung  beö  ©fjemanneö  jum  Unterbaue 
ber  (£'f)cfrau  auf  bic  S^OIi^^^fl  ^^^^  SBeitrageö  ju  bcfd^ronfen  ober  and)  ben 
Gf)cmann  t)on  ber  Unterfjaltöpflic^t  Dollftdnbig  ju  befreien.  3n  äl)nlic^cr 
Jöeife  taficn  oudb  bic  Scftimmungen  oerfdöicbcner  neuerer  ©cfeggcbungen,  infi* 
befonbcrc  beö  fädtif.  ©.  S.  unb  ber  a(tenb.  ®l)eorbn.,  bem  billigen  ©rmetfcn 
beö  9iid)terö  balb  mel^r,  balb  weniger  9laum.  3luf  bcmfclbcn  Stanbpunfte 
ftel)cn  bic  prcnfe.  Gntroürfe  über  ®f)cfdjeibung  o.  1844  unb  1856. 

9lbrocid)cnb  üou  ber  ^Prajiö  beö  gemeinen  SRed^tcö  (©euffert  XXVI,  38: 
nergl.  aud)  für  baö  preuß,  SHe^t  Urtt;.  b.  9t.  ®.  bei  ©rud^ot  XX^7I  S.  863), 
foniie  üon  bem  fäd^f.  (S.  ^.  unb  ber  altenb.  ©^eorbn.  ift  nad^  roürttemb.  Siedete 
ber  Gljcmann  bie  @f)efrau  mäfirenb  ber  2'rennungöjeit  nur  bann  5u  unter- 
baltcn  ocrpflid)tet,  votnn  er  ber  fc^ulbigc  J'fjeil  ift.    SBennglcid)  (Srunbc  ber 


Seit»?.  Srennunö  i?on  Sifdfe  unb  S3ctt.    aDBirfunflcn.    §1461.  635 

Silligfcit  \iä)  bafür  anführen  (offen,  fo  ift  eö  bod)  alö  bcbcnfUd)  cradjtet,  eine 
fo  rocit(jef)enbe  9lbn)eicl&ung  pou  bem  ^^Jrinjipc  bcö  §  U60  9lb).  1  au^uerfcnnen 
ober  and)  nur  bem  ®cric()te  bic  Sefugniffe  cinjnränmen,  mit  9iücffid)t  auf  bic 
SJexicJulbung  ber  @()efrau  bic  Untert)altöpflic^t  bcö  G()emanneö  jn  minbern 
ober  benfclben  üon  biefer  S}erpflid)tun9  ganj  ^u  befreien. 

Sic  aufeerbcm  im  fäc^f.  ®.  'li  §§  1760,  17G1,  1764  fid)  finbenben 
befonberen  SBcftimmungcn  flnb  im  ^inblicfc  auf  bic  altgemeinen  SSorfdiriftcn 
über  bic  gegenfeitigc  Untert)Q(töpfIicl&t  ber  (S()egatten  (nergl.  §§  1280,  1281 
wrb.  mit  §§  1492,  1493,  ferner  §  1488  9[bf.  1)  entbel)rli4 


§  1461. 

TiCtö)  gemeinem  Siechte  ift  ffir  bic  6ntfd)eibung  ber  ^rage,  roeld)em  ©orse  für  we 
61tant(ieilc  njäl)renb  ber  irennungöjcit  bic  Sorge  für  bic  ^^Jerfon  ber  gc-  Jinber.** 
meinfe^aftlid^en  Äinber  ju  iibcrloffen  ift,  bic  Sc^ulb  ober  Unfd)ulb  beS  einen 
ober  anberen  ®{)egatten  alö  foId)c  nidjt  unmittelbar  mafegebenb.  3n  Sr^ 
mongelung  auöbrücfU^er  SBeftimmungen  mirb  angenommen,  bafe  jene  S^'agc 
mit  3?ic!ficöt  auf  baö  SBofit  ber  Äinber  unter  Serüdpd)tigung  ber  fonfrcten 
t^otfoc^Iic^en  33erl)ältnifjc  nac^  ric^terlid)cm  ©rmcffen  ju  entfd)eiben  fei  (üergt. 
Scuffcrt  XIV,  43;  entfd).  b.  9?.  ®.  in  6it)ilf.  XVIII,  39).  Sieö  ift  aud) 
ber  Slanbpunft  ber  oltcnb.  GI;eorbn.  §  240.  9Jad}  bem  fäc^f.  ®.  ».  §§  1759, 
1749  finb  Äinber  unter  6  ^abren  ber  ?Dlutter,  Äinber  über  6  3öf)ven  bem 
93atcr  jur  ©rjicfiung  ju  übcrioffen,  fofcrn  nicl)t  md)  bem  ©rmeffen  beö  35or* 
munbft^aflßgeriel)tcd  bei  bem  anberen  Cfiegatten  für  baö  2Bof)l  ber  Äinber 
tfifcr  geforgt  ift. 

3^a  nad^  bem  Gntmurfc  (§  1445  9lbf.  1)  baö  2'rennungöurtf)eil  materiell 
bic  öebeutung  eincö  bebingten  Sd}eibungöurtf)eileö  (}at  unb  beöl)alb  üorauö^ 
fi(^tli(5  in  ber  SKcl^rjal}!  ber  gällc  bic  £d)cibung  ber  jcitrociligen  J^rennung 
oon  X\\d)  unb  S3ett  folgen  mirb,  fo  liegt  eö  am  nä(^ften  unb  ift  eö  im  ^utereffc 
ber  Äontinuitöt  ber  ®räiel)ung  ber  Äinbcr  am  jroecfmäöigften,  roenn  in  Sln^ 
fe^ung  ber  Sorge  für  bic  ^^Jerfon  ber  Äinber  mäfireub  ber  2^rennungöjeit  bie^ 
felben  aSorfd^riftcn  mafegebenb  finb,  roie  nad^  ber  Sd)ciöung.  Sic  OTöglid^fcit 
ober,  in  biefer  SÄrt  baö  aSer^ältnife  ju  regeln,  ift  baburd)  gegeben,  ba6  nad) 
§  1449  fc^on  in  bem  Strennungöurt^cilc  ju  beftimmen  ift,  melc^er  Gf)egatte 
bejro.  ba&  iebcr  ber  GI;cgaltcn  ber  fc^ulbigc  2^I)eil  fei^). 

3n  ©rmangelung  entgegenftcl)cnbcr  33eftimmungcn  Dcrftet)t  eö  fi^  üon  untcr^oi». 
felbfr,  bafe  eö  in  3lnfc{)ung  ber  Untcrf)altöpflid)t  ber  Gltern  gegenüber  ben     ^'^^"^^ 
Äinbcni   bei  bcn  allgemeinen  ©nuibfäßcn  (§§  1481,   1482,  1485)  ocrbleibt 
(oergl.  aud)  oltenb.  GI;ecrbn.  §§  236,  240;  fäef)f.  ©.  ö.  §§  1759,  1749).    Sie 
änologie  ber  für  ben  galt  ber  Sdjcibung  gegebenen  bcfonberen  5?orfcf)riften 
bfo  §  1458  trifft  bei  ber  äcitmciligcn  2:'rcnnung  üon  2^if^  unb  S9ett  nid)t  5U, 

0  5)Jc  (S.  143  öcbad:te  Petition  beß  anßemcineu  biutfcfjcn  graucnvcrcinö  an 
tcn  Steid^^tag  Bdit  eö  für  büß  9ialürli(fftc,  bie  Äinbcr  im  galle  tcr  Trennung  über* 
taiq?t  ber  SJiuttcr  ju  übcrioffen  unb  bcn  Sßatcr  jur  Satluno  von  Untcrfaltföclbcrn  su 
wn3fli(i6ten. 


636  ©Reibung  2C.    ^Jroüiforif^c  gWagrcgcIn.    §  1462. 

ba  roä^rcnb  bcr  S^rennungöjcit  bic  c^eliciic  Slußnicfeung  uiib  SJcrroaltung  bcd 
©ticmanneö  fortbaucrt. 

3n  ber  gcmcinrcd^tlic^cn  ^^^rajiö  pflegen,  wenn  ber  g^cfrou  für  bic 
S^rennungöjcit  bie  Sorge  für  bic  ^^Jerfon  bcr  Minber  übcrlojicn  wirb,  ber  ©^c« 
mann  aber  bic  Icßtcren  ju  untcrfialtcn  tjcrpflid^tet  ift,  bcr  ß^efrau  nic^t  nur 
für  fic  fclbft,  fonbern  aud)  für  bic  i^r  überroiefencn  ftinber  Sllimente  ju* 
gcfprod&cn  ju  werben  (oergl.  aud&  altcnb.  ©^corbn.  §  240;  fäc^f.  ®.  35. 
§§  1759,  1762).  gür  eine  bcrartige  Kcgchmg  laffcn  fic§  allcrbingß  ©rüubc 
praftifd^cr  ^njcdfmäfeigfeit  gcitcnb  mad^en.  Snbeffcn  fönnen  biefelben  nic^t  olö 
burd&fd^Iagenb  crad^tet  werben,  um  in  bicfcr  3tid&tung  fpejicUc,  oon  ben  all- 
gemeinen  ®runbfä|cn  obroeid^enbc  unb  in  bic  Siebte  ber  Äinber  cingrcifcnbc 
33eftimmungen  ju  rcd^tfertigcn.  S)cm  praftifd^en  Sebürfniffe  wirb  burcft  bic 
allgemeinen  93cftimmungen  beß  3Sormunbfd^aftörc(^tcd  über  bic  Stnorbnung 
einer  ^flegfd&aft  (§  1738)  in  SScrbinbung  mit  ben  aSorfd&riftcn  beß  §  190 
9lbf.  2  unb  ben  33eftimmungen  über  bic  ©cfc^äftöfü^ning  o^nc  ^Auftrag 
(§§  753  ff.)  in  auöreic^euDcr  SBcifc  Slcd^nung  getragen. 

§  1462. 

iprouiforifc^e  ^m  9lnfc^fu)lc  a\\  baö  gemeine  Siedet  (ocrgl.  ©euffert  XIV,  143,  XVIII, 

ÄnSte«  126,  XXXII,  146)  gcl)t  bic  OTcljrjal)!  bcr  neueren  ©cfcftgcbungcn  baoon  aufl, 
ec^eibuttfl«.  bafe  aud&  n)äl}renb  bcö  Sdbcibungöprojejfeö  feiner  bcr  (Sl}cgatten  befugt  ift, 
'*''****■  cinfeitig  bic  f)äuölid^c  (Semeinfd^aft  aufjugebcn,  fonbern  ba^  bie  B^i^ff^S^^^^ 
»orwupfle  {)eö  Octrcnntlcbenö  t)on  einer  rid)tcrlid)cn  SSerfügung  abf|ängt,  bei  bcren  ©r- 
tl)cilung  bcm  ridf)tcrlid)en  ©rmcjfen  balb  me^r  balb  rocniger  Staum  gelajfen 
ift  (ocrgl.  prcufe.  91.  S.  SR.  II,  1  §§  723,  724,  727,  728  pcrb,  mit  bcr  prcufe. 
91.  ®.  D.  I,  40  §§  46,  53,  bcm  §  580  bcr  ß.  %  0.  unb  ben  §§  5,  7,  8  bed 
prcufe.  9lußf.  ®cf.  jur  6.  %  0.  ü.  24.  ajlärj  1879;  got^.  (gficgcf.  §§  140  bi« 
143;  altcnb.  e^corbn.  §§234  ff.;  fd^roarjb.fonbcröi  e^efc^eibungögef.  §§  18, 
23).  9lu(^  baö  fäc^f.  ®.  33.  §  1753  pcriangt  eine  bie  2:rennung  julajtcnbc 
rid)tcr(icöc  33crfügung;  bie  S^rennung  mu6  aber,  ol^nc  baß  bcm  ©rmcffcn  bc« 
®erid)tcd  in  biefer  Scjic^ung  Slaum  gclaf)en  ift,  geftattet  werben.  S)agcgen 
ift  nad)  franj.  Sted^tc  (code  civil  9lrt.  268,  269)  bic  ß^efrau,  fic  mag  Rlägerin 
ober  SScflagtc  fein,  fdjon  fraft  bcö  ©cfcgeö  befugt,  bic  3Bo^nung  bcö  6^c* 
manncö  it)äl)rcnb  bcö  Sd&eibungöprojcf[eö  ju  oerlaffcn;  bod&  ift  oon  bem 
©eric^tc  baö  §auö  ju  beftimmen,  in  rocld^cm  bic  (S^efrau  verpflichtet  ift  jic^i 
aufäuljaltcn  (ocrgl.  oud)  Ijcjf.  Gntm.  9lrt.  89,  90,  92).  2)icfe  bcm  bürgerlichen 
Siebte  angcl)örcnbcn  Scftimmungcn  ftnb  burd^  bic  SSorfd^riften  ber  G.  %  D., 
inöbcfonbcrc  ben  §  584,  nic^t  bcrüt;rt  (ocrgl.  §  16  3lx.  4  bcö  @inf.  ®ef,  jur 
e.  5ß.  D.).  S)cr  §  584  bcr  6.  %  D.  regelt  nur  baö  Sßerfa^ren,  wenn  x>oi> 
läufige  3:rennung  beantragt  ift,  nac^  iJiafegabe  ber  für  einftwciligc  Scr- 
fügungcu  gcltcnbcn  Siorfd^riften  (ücrgl.  ©ntfd^.  b.  91.  ®.  in  ©ioilf.  VIII,  81 ; 
Urtl),  b.  9{.  ®.  bei  ®rud&ot  XXVII  ©.  961). 

S)er  Gutrourf  ^at  fid&  bem  oon  bcr  SRc^rja^l  ber  beftel^cnbcn  Siedete 
ancrfannten  ^^ringipe  angefc^lofjcn,  bafe  bic  9lufE)cbung  bcr  ^äuölid^cn  ©emein» 
fd^aft  loäbrcnb  ber  2)aucr  bcö  Sflcdötöftrcitcö  nur  auf  @runb  einer  bicfclbe 


j 


Sd^cibuno  2Q.    5)rctnforlf(5c  SWaSrcöcfn.    §  1462.  637 

gcftottenbcn  einftiüeiltgcn  SScrfügung  jutüffig  fein  foH. .  ®cn  ©l^cgatten  in  Sin- 

le^ung  an  bas  franj.  SRcd^t  nnb  bcn  S3orfd)Iag  bcä  ®efc|rcDiforö,  ^enf.  XV 

§§  49,  50  ncbft  2Rotit)en  ©.  395  ff.,  fraft  bcö  Oefc^cS  bic  Sefugnife  ju  geben, 

loü^renb  beß  ©d^eibungöprajcfleö  bie  ^öuölidic  Ocmcinfd^Qft  aufjugeben,  rocil 

unter  biefen  Umftanbcn  feinem  ber  Gt)egattcn  jugernnt^et  werben  fönne,  ba^ 

geftortc  e^cUd&e  Scben  fortjufegen,  haQ  fernere  3i^fQinmenIeben  ber  6f|egatten 

roäbrenb  beö  9ied^töftreiteö  aud)  leiciit  5u  neuen  Streitigfeiten  SSeranlaffung 

gebe  unb  bic  2[uöfo{)nung  erfdiroere,   ift   com  Stanbpunfte  beö  ^ntereffeö 

tdunlic^fter  Slufred^ter^altung  ber  (Sfie  aus  gefä^rlid^  unb  brof)t  ju  einer  SBer- 

me^rung   ber  Sd^eibungen  ju  füfiren.    ©inb  bie  (Sfiegotteu  ni^t  bered^tigt, 

ofjne  rid^terlid^c  ©eftattung  bie  Ijäuölid^c  ©emeinfc^aft  aufjugeben,  fo  roirb 

berjenige  ß^^gattc,  roeld^cr  eigenmächtig  fid^  getrennt  l^at,  e^er  geneigt  fein, 

jurüd juf e^ren ,  jumal  i^m  im   öoDc  eigenmäd)tiger,  nid^t  fd^on  nad)  ben 

allgemeinen  (Srunbfä|en  gerechtfertigter  S^rennung  ein  Slnfprud^  auf  Oemftljrung 

beö  Untertjalteö  außerhalb  ber  l^äuöKd^en  ©emcinfd^aft  gegen  ben  anberen  G^e- 

gatten  nid&t  jufte^t.    2)ic  9iücffel)r  in  bie  f)äuö[id)c  ®cmeinfdf)aft  l^at  aber, 

roie  bic  Grfaljrung  (e^rt,  in  Dielen  gäUcn  bie  9lusföf)nung  ber  ®i)egattcn  jur 

Solge.    S)em  prattifd^en  S3ebürfmffe  wirb  anbercrfeitö  genügt,  menn  im  SBcgc 

cinfhoeiligcr  33crfügung  ben  ©Ijegatten  bie  9luf{)ebung  ber  l)äuötid)en  ©emein^^ 

fd^Qft,  unb  jmor  über  bie  ju  eng  gcjogenen  ©rengen  bcö  prcufe.  31.  S.  dt.  II,  1 

§  724  ^inauö,  nadb  freiem  rid^terli^en  ©rmefjcn  geftattet  merben  fann.    5Iuf 

biefem  Stanbpunfte  fteljcn  audf)  bie  prcufe.  ©ntroürfe  übet  S()cfd)eibungen  Don 

1859  unb  1860.    Selbftoerftänblidö  bleiben  banebcn  bie  allgemeinen  ©runb- 

!%  über  baö  9ledf|t  eines  ©Iiegatten,  ftdö  ber  ^öuölidien  ©emeinfdt)aft  ju  ent^ 

jie^en,  wenn  baö  aSerlangcn  beö  anberen  ßljcgatten  nad)  ^erftcHung  ber  ^äuö* 

U^en  ©emeinfd^aft  mit  ber  redf)ten  e^elid^en  ©cfinnung  nid^t  ücreinbar  ift 

(wrgl.  §§  1272,  1273,  Sßotioc  ju  §  1443  oben  S.  590;  ©nifd^.  b.  SR.  ©.  in 

eiüilf.  XVn,  50,  97,  XVIII,  39  ®.  189),  unberüfirt. 

Um  mit  bem  §  1459  in  Uebereinftimmung  ju  bleiben,  ermöfint  ber 
§  1462  neben  ber  ©ntbinbung  pon  ber  SSerpflid^tung  ber  ©l^egatten  jur  Ijäuö* 
fielen  ©cmeinfdbaft  aud^  bie  ®ntbinbung  oon  ber  SBcrpfliditung  jur  Seiftung 
ber  e^clid^en  5ßpid^t  afö  ©egenftanb  ber  einftmciligcn  SSerfügung. 

Site  weitere  ©egcnftänbe  einftmeiliger  93erfügung  beieid)net  ber  §  1462  «nter^ort«* 
abf.  1  im  9lnfd^Iuffc  an  baö  befte^enbe  SHcd^t  bie  »tegelung  ber  gegenfeitigen  j£*bi%®?jon 
Unterl&aftöpfKd^t  ber  ©Regatten,  bie  Sorge  für  bic  ^JJcrfon  ber  gemeinfd^aft^ *>« Ä^n*»«»^ «• 
R^en  Äinber  inncrl^alb  ber  im  §  1456  Slbf.  2  bcäcidönctcn  ©renken,  fomie 
bic  aScrpfiid&tung  ber  ©l^egattcn    jur  ©emäbrung  bcö  Untcr^attcö    an  bie 
Äinbcr  im  93erl^oItniffc  ber  ©Regatten  ju  cinanber  (oergf.  Seuffert  XXXI, 
245,    XXXV,   78,  XLH,    172;   ©ntfc^.  b.  5W.  ©.   in   Giüilf.   XVIII,  39 
S.  189;    preufe.  21.  S.  9t.  II,  1  §§  724,  725,  727,  729   oerb.  mit  preufe. 
a.  ®.  D.  I,  40   §§  46,  43,   §  580  ber  6.  %  0.  unb  §§  5,  7,  8  bcö  preui 
«uöf.  ®ef.  iur  e.  ^.  D.  v.  24.  aJlärj  1879;   gotl).  ®^cgef.   §§  141,  144  ff.; 
f^^toorsb.  f onbcrö^.  ©^c^eibungögef.  §§  19—22;  altcnb.  ei)corbn.  §§  234—237, 
240;  fäddf.  ®.  a.  §§  1753, 1758,  1759, 1749, 1763). 

3m  Snfilluffe  an  baö  gemeine  SHed^t,  baö  preufe.  SHcdit  unb  bic  altenb.     ?rre!e« 
e^eürbti.  ift  eö  ntd^t  für  notl^ig  erad^tet,  bem  SHtc^ter  in  3lnfc^ung  ber  SRcgelung  ^(?r!S^ffJ!r 


638  (3*cibuno  Jc.    ^>robifonfc&e  SKa^rcöcIn.    §  1462. 

bcr  l;icr  fraglid^en  93crl)ältniifc  im  SBcgc  cinftiüciligcr  SBcrfügung  nö^erc 
©ireftiücn  ju  geben.  9lnlangenb  inöbefonbere  bic  Siegelung  bcr  gcgcnfcitigen 
Unterl)altöpf[id)t  ber  ©Regatten,  fo  wirb  ber  SHid)ter  bei  feiner  cinftrociligcn 
SBerfügung  awd)  o^nc  befonbere  2)ireftit)e  fd^on  von  felbft  benfelbcn  aus  ber 
Sage  ber  Umftänbe  fid)  ergebcnben  ®efid)t§punften  folgen,  roeldie  ^n  ben  für 
ben  %aü  ber  jeitrociligen  SE^rennung  von  Xi^ä)  unb  93ctt  gegebenen  SSorfd^riftcn 
beö  §  1460  geführt  fiabcn.  3lnberß  liegt  bie  ©ad^c  in  Slnfel^ung  bcr  auf  bie 
Sorge  fiir  bie  ^erfon  ber  gcmeinfd)aft[id^en  Äinber  fid^  bcjicl^enbcn  SJor- 
fd)riften  beö  §  1461,  ba  biefelbcn  auf  ber  55orauöfe^ung  berufen,  bo§  bcrcitfi 
feftftel)t,  roeldier  üon  ben  ®f|egatten  ober  ob  bclbc  ber  fd^ulbige  Xf)dl  fxnb. 
SBill  man,  foDiel  bie  S^fP^^^wng  ber  Sorge  für  bic  ^crfon  ber  Äinber 
roä^tcnb  beö  Sd^eibungSprojeffcö  betrifft,  überhaupt  eine  9lorm  im  ®efe|e 
auffteUen,  fo  mürbe  faum  ctroaö  2lnbercß  übrig  bleiben,  alö  bic  SSorfd^riften  ber 
§§  1456, 1461  mit  UnterftcHung  bcibcrfeitiger  Sd^ulb  ma^gebenb  fein  5u  laffcn 
(oergf.  fdimarjb.fonbcrö^.  @f|efdöcibungögcf.  §§  21, 22).  Siefc  Untcrftellung  roirb 
inbcffcn  in  üicleit  gällcn  ber  SBirflid^feit  nid^t  cntfprcd)cn  unb  beßfialb  ju  einer 
unbilligen  unb  ben  realen  95er^ä(tniffcn  nid^t  entfpred&cnben  Siegelung  führen. 
Säfet  man  9laum  für  bas  freie  ©rmeffen  beö  Slid^tcrS,  fo  wirb  meit  fx^mx 
baö  5Rid;tigc  getroffen  merben,  ba  bic  tl)atfäd^lid)cn  33cr^ältnif[e,  mctd)c  5U  bem 
^^rojefie  gefül^rt  tjaben,  oft  flar  unb  unbcftritten  fmb,  aud&  bcoor  noc^  über 
biefelbcn  crfannt  ift.  ®in  Scbürfniß,  mät;renb  ber  Sauer  be§  Scftclbung«« 
projeffes  in  9lnfe^ung  ber  Sorge  für  bie  5ßerfon  ber  Äinbcr  bie  regelmöfeigen 
3lcd)tc  beä  SJormunbfd^aftägcrid^tcS  (§  1546)  ju  erroeitern,  liegt  ni(^t  üor. 
2)a6  biefc  Siedete  bcm  SSormunbfd^aftögcric^tc  auc^  gegenüber  bcmjenigcn 
®lterntt)cilc  aufteilen,  roetd^cm  im  5fflcgc  cinftmcitiger  SBerfügung  bic  Sorge  für 
bie  ^erfon  ber  Rinber  überroiefen  morben  ift,  Dcrftc^t  fid^  t)on  felbft. 
»auer  Saß  bic  Slcgclung  bcr  im  §  14G2  9lbf.  1  beseid^neten  SScrIialtniffc  im  SBegc 

^'^^  ^'«'^""«' cinftrocUiger  3Serf'ügung  nur  für  bic  Seit  biö  jur  ©rtebigung  beö  SHec^töftreiteS 
erfolgen  fann,  entfprid^t  bem  3^oedEe  unb  ber  SJatur  bcr  einftmciligen  58crfügung. 

Kntra9sre(^t.  Slbmcid^cub  oom  prcuß.  91.  S.  9i.  IT,  1  §  724,  aber  in  Ucbereinftimmung 

mit  bcm  fäc^f.  ®.  33.  §  1753  (oergt.  aud^  code  civil  9Irt.  268)  fann  nai) 
§  1462  9lbf.  1  ieber  bcr  Sliegattcn,  ol)nc  9lüdEfid)t  barauf,  ob  er  ber  Kläger 
ober  bcr  33ef  (agte  ift,  beantragen,  bafe  baö  ©etrcnntlebcn  im  SBege  einftroeitiger 
SScrfügung  geftattct  rocrbe  unb  bie  Siegelung  ber  übrigen  im  §  1462  ^bf.  1 
beäcid}neten  SSer^ältniffc  auf  bicfem  SBege  erfolge.  SBirb  bic  9luff|cbung  bcr 
l)äuölid^en  (Semeinfd^aft  auf  9rntrag  beö  flagenben  ©Regatten  angcorbnet,  fo 
ergiebt  fid^  bamit  ein  3ntcre?fc  aud^  beö  anbercn  2;^eilcö,  bafe  bie  Siegelung 
beö  Snterimiftitumö  eine  ooUftänbigc  fei  unb  auf  bie  anbercn  im  g  1462 
9lbf.  1  bcäcid^netcn  fünfte  fid^  crftrecfe.  9lber  aud&  ber  9lntrag  auf  Sluf^cbung 
ber  2Serpftidf)tung  jur  ^äuölid^en  ®cmeinfd)aft  unb  jur  Seiftung  ber  cl^clic^cn 
^flid^t  muß  bem  bc!lagten  S^^cilc  felbftänbig  geftattct  merben.  ©in  ^^ftbolten 
beö  Icgteren  in  bcr  fiäuölid^cn  ©cmcinfd^aft  roäfircnb  beö  5ßrojef|eö  ift  mit  bcr 
perfönlic^cn  Spannung,  ro^Id^e  burd)  ben  ^rojegbcginn  eintritt,  nic^t  roobl 
ücrträgli^  unb  fann  unter  Umftänbeii  ju  großen  garten  füljrcn,  j.  33.  mcnn 
bie  ©^)cfrau  falfd^  bcfd^ulbigt  ift  ober  auö  ®cn)itfcnöbcb:nfcn  ni^t  felbft  in 
gleid^er  SBcifc  t)orgel)cn  roill 


©c^etbunö  2C.    ^rDbifcrif(fie  9[)?a§reoeIn.    §  1462.  639 

S)ic  gSorfd^rift  bcö  §  1462  Slbf.  2,  racld^c  bcn  S^itpunft  beftimmt,  oon    3eit  ber 

njcfc^ctn  an  bcr  ©rlafe  einer  einftraciligen  SSerfügung  jum  3^^*^  ber  Siegelung  bi^Sa'gc«. 

ber  im  §  1462  9lbf.  1  bejeici^neten  33erf)Qltniffe  beantragt  werben  fann,  fd^Iiefet 

Rd^  an  ä^nlid^e   in   oetfd&icbcnen  Sttuöfü^rungögefefeen   jur  6.  5ß.  0.  ftd) 

finbenbe,  ouf  ©runb  bcS  §  16  3lv.  4  beß  ©nf.  ®ef.  jur  ©.  %  D.  erlaffene 

Sorfc^riftcn  an  (oergt.  preufe.  3liißf.  ®ef.  n.  24.  aKörj  1879  §  7 ;  anljalt.  3luöf. 

®cf.  p.  10.  2ßai  1879  §  10;  SÄuöf.  ®ef.  für  Sippe'^2)etmoIb  o.  26.  3uni  1879 

§  7,  für  SBalbed  p.    1.  ©ept.  1879   3lrt.  4).     ©ie  empfiel)lt  ficfe  in  ber 

forodgung,  ba%  mit  bem  3lntrage  auf  Sttnberaumung  beä  ©ü^nctermineö  ober 

bc«  2:ermincö  jur  tnünblid^en  33erl)anblung  auf  bie  Klage  ber  erfte  Sd^ritt 

§ur  ßintcitung  beö  Sd^eibungSperfa^renö  gefd^ie^t  unb  eö  im  Sntereffe  beß 

ffagcnbcn  (S^egatten  liegt,  wenn  baQ  ©erid^t  jugleid^  mit  ber  ^crminsbcftim^ 

mung  bem  3lntragc  auf  ©rlafe    ber  Ijier  frag[id)en  einftroeiligen  SJerfügung 

entfpred^en  fann,  bamit  gleidf)  pon  bem  beginne  beß  ^ßrojeffcß  an  bie  im  §  1462 

Sbf.  1  bcjeici&ncten  SBer^ältnifle  geregelt  finb.    3luf  ber  anberen  ©eite  mirb 

bie  porgäugige  SuftcOi^ng  bcr  Sabung  jum  Termine  alß  SSoraußfe^ung  für 

We  3uläffigfcit  einer  einftroeiligen  SSerfügung  burc^  ein  Serüdffic^tigung  per« 

bienenbeß  3ntereffc  beß   anberen  S^^eileß  nid^t  geforbert  (pergl.  aud^  §  584 

oerb.  mit  §§  820,  815,  806  ber  6. 5ß.  D.;  entf4  b.  SR.  ®.  in  ßipilf.  TV, 

114  6. 405).     dagegen  fe{)It  cß  an  einem  93ebürfniffc  unb  ift  eß  nid^t  ange* 

meSfen,  fd)on  por  bem  im  §  1462  9lbf.  2  bejeid^neten  3eitpunfte  eine  einftipeilige 

3Serfüguug  }u  geftattcn,  jumal  burd^  ben  §  1462  baß  Siedet  eincß  ©Regatten, 

auß  jureic^enben  ®rünben  nad^  äßa^gabe  ber  allgemeinen  ®runbfä6e  fid)  ber 

^öußlic^en  ©cmeinfd^aft  aud^  o^ne  ri^terlid^e  ®eftattung  ju  entäie^en  (§§  1272, 

1273),  nic^t  berüfjrt  wirb. 

Sie  oben  angeführten  Slußfü^rungßgefefee  jur  6.  %  D.  enthalten  nod^  srmbieiben 
bie  bcfonbere  Scftimmung,  bafe,  wenn  ber  Kläger  in  bem  ©ül)netcrminc  ober  *^*^5^J*^,^JJ^*"^ 
in  bem  Sermine  jur  münblic^en  SScrl^anblung  auf  bie  Klage  nid^t  erfd^eint, 
bie  beantrogtc  cinftroeilige  SSerfügung  nic^t  ju  erlaffen  unb  auf  9lntrag  bie 
Aufhebung  bcr  erlaffenen  SSerfügung  burd^  ©nburtl^eil  außjufprec^cn  ift. 
6ine  bcrartige  83cftimmung  ift  in  Ermangelung  cineß  Sebürfniffeß,  für  ben 
^ier  fraglichen  gall  etroaß  Sefonbercß  ju  beftimmen  (oergl.  §§  815,  806  ber 
6.  %  D.)/  ^^  ^^"  ®ntn)urf  nid^t  aufgenommen. 

3)ie  3i*ftfi^^iflfßit  beß  ®erid{|teß  unb  in  bringenben  gäüen  beß  Slmtß* 
gcrit^tefi  bcftimmt  \xä)  naö)  ben  SSorfd^riften  ber  ©.  %  D.  §§  584,  816, 

820,  822. 

Scfonbere,  bie  ©id^erftellung  beß  S3ermögenß  ber  @I)efrau  mälirenb  beß  ©it^erneaung 
S<^eilmngöprojcRcß  bejroedEenbc  SSorfd^riftcn,  roic   fie    fid^   in  perfd^iebenen  «jermöliens 
©efe^gebungen  finben  (pcrgL  preufe.  21.  £.  SR.  11,  1  §  729  unb  preufe.  31.  ®.  D.  »>«  «^«twu, 
I,  40   §§  46,  53;  code  civü  Sürt.  270,  271;   Slußf.  ®ef.  jur  6. 5ß.  D.  für 
?reu§en  v.  24.  ma^  1879  §  7,  für  Reffen  p.  4.  3uni  1879  3lrt.  94,  für 
93a^crn  v.  23.  gebruar  1879  9Irt.  186,  187,  für  ©Ifafe^Sotfiringen  p.  8.  Suli 
1879  §  12),  jinb  im  §inblidfe  auf  bie  allgemeinen  SQorfd&riften  beß  el^elid&en 
(Sütcrrcd^teß  (§  1292  perb.  mit  §§  1005,  1006;   §  1328  5lr.  1)  unb  bie  all^^ 
gemeinen  SBorfd^riften  ber  ß.  ^.  0.  §§  814  ff.  über  bie  3uläfrtg!eit  einftmeillgcr 
Verfügungen  alß  entbel^rlid^  eradEitet. 


640       ©(Reibung  :c.    3)litt]6cilung  an  baS  Sormunbi(J6aft?0cti(6t.    §  1463. 

^roje^fofien.  SSctfc^icbcne  SKcd^tc  bcftimmcn  ferner,  bafe  ber  ®[}cmann  feiner  G^efrau 

oorfc^ul.  ^^^^  ^^^  äeftreitung  ber  Äoften  beö  Sd^eibungöprojefleS  erforbcrlic^en  ®c\b- 
betrog  üorjufdjiefeen  rerpflid^tet  fei  (oergf.  ©euffert  YUl,  308,  XIX,  193, 
XXm,  267,  XXIV,  180  5Wr.  2,  XXXH,  147,  XXXHI,  41 ;  (Sntfc^.  b.  91.  ®. 
in  6it)ilf.  V,  119  ©.  415  ff.;  Hxti).  b.  3J.  ®.  bei  genner  unb  SWerfe  III,  128; 
preufe.  ar.  S.  9t.  n,  1  §  726;  gotfj.  (Sfiegef.  §  144;  f c^roarib. f onberö^.  e^c^ 
fd^eibungögef.  §  20).  2)iefe  grage  ftef)t  im  3ufQnimen^angc  mit  ber  allgemeinen 
^age,  ob  bie  Unterl^attöpflic^t  auä)  bie  ^ßpic^t  jur  3;ragung  ber  Soften  eine« 
t)on  bem  Unter()altöbered)tigten  gefüfirten  9lec()töftreiteö  mitumfaßt  ober  ob  bie 
leßterc  5ßfli^t  pd^  md|t  für  ben  ©^emonn  gegenüber  ber  ©l^efrou  u)cnigftenö  afö 
eine  golge  beö  ef)elid)en  93er^ältniffeß  ergiebt.  S)er  ©ntmurf  ^at  haQ  6ine 
wie  baö  Slnbere  oerneint  (üergf.  bie  SWotioe  ju  §  1280  oben  ©.  125  unb  ju 
§  1488).  @in  Sebürfnife,  für  ben  ^ier  in  9lebe  ftefienben  fpejiellen  goU  ctrooö 
Slnbcres  ju  beftimmen,  liegt  nid)t  oor.  S)a§  ber  (Seemann  ber  ®l^efrau  aus  bem 
®I)egute  ober  bem  Sonbergute  berfctben  bejn).  bei  ber  allgemeinen  ©ütcrgemcin* 
f(f)aft  unb  ber  ©emeinfciiaft  beö  beroeglid^cn  SBermögenö  unb  ber  ©rrungenfd^aft 
auö  bem  ©efammtgute  bie  jur  güljrung  beö  ^ßrojeffeö  erforberlid^en  SÄittcI  ge« 
TOä^ren  mu§,  ergiebt  fid^  auö  ben  93orf(^riften  beö  e^elid^en  Oüterred^tcö  (ocrgl. 
§§  1321,  1322,  1351  9Ibf.  2,  §§  1366,  1417,  1431  Slbf.  1).  ^Dagegen  ift  ber 
©fiemann  bie  Soften  cineö  oon  ber  (S^efrau  geführten  Sc^eibungöprojejfeö  nid&t 
auf  Orunb  ber  e^elidien  9lugnie§ung  unb  SBerroaltung  gegenüber  ber  ®l^cfrau 
perfonlid)  ju  tragen  üerpflid^tet  (üergl.  §  1297  9lbf.  1  9ir.  5,  §  1316  abf.  1 
9lr.  4,  §§  1418,  1351  9lbf.  2,  §  1431  9Ibf.  1). 

§  1463. 
switt^eiiuitfl  S)ie  93eftimmung  beö  §  1463  bejroectt,  bie  proftifc^e  3)urd&fü^rung  ber 

«(^etJunfl«-  ^^^  33ormunbfdfiaftögeridöte  nad^  ben  §§  1456,  1457,  1461,  1546  beigeregten 
urt^e«  IC  Sefugniffe  in  ben  im  §  1463  bejeid)neten  göüen,  in  roeld&en  9ied&t  unb  ^flicl^t 
«oTnSTnb-   ^^^  gürforge  unb  3luffid^t  beö  SBormunbfd^aftögerid^teö  in  Slnfe^ung  ber  bem 
W«tt9fleri(^t  einen   ober   anberen  ©Iterntl^eile   jugemiefenen  ©orge   für   bie  ^erfon   ber 

gemeinfd^aftUd&en  Äinber  mit  9lürfft(^t  auf  baö  geftorte  el^elicfte  SSer^ältnife 

von  befonberer  SBid^tigfeit  ift,  fid^erjufteüen. 


II.   Sliiflöfiittfi  ber  6l^e  in  %olit  Zohtitttlamni. 

33orbemerfung. 

aufibfungber  S)cn  iu  oerfdjiebenen  ©efe^gebungen  auöbrüdlid^  auögefprod&enen  Saft, 

2obe?nrtb«^^^  bie  (S:\)t  burd)  ben  SCob  eineö  ber  ©Regatten  aufgcloft  wirb  (oergL  preu|. 
(s^egatten.  31.  S.  91.  H,  1  §  434;  got^.  ©I^egef.  §  70;  attenb.  e^eorbn.  §  163;  fä^f. 
0.95.  §  1707;  code  civil  9lrt.  227),  l^at  ber  ®ntn)urf  nid&t  aufgenommen, 
meil  jener  ©a|  im  §lnblic!e  auf  bie  jroeifelfoö  Ijöc^ft  perfönlic^c  9?atur  ber 
6^e  fiä)  Don  fefbft  Derftel^t  unb  jubem  auö  anberen  93efttmmungen  fid^  ergiebt, 
in  TOetd^en  bie  äuflöfung  ber  ®l^e  burd)  ben  SCob  erroälint  mirb  (DergL 
§§  1382,  1383,  1440  Slbf.  1).  ; 


Sluflofuno  bcr  SJe  in  ^olßc  2:obe§erf(drunfl.    §  1464.  641 

9ßiU  ein  @l^egatte  md)  bem  ^obe  bed  anberen  ©Regatten  eine  neue 
ß§e  fd^UcIcn,  fo  mu^  er  ben  erfolgten  2;ob  bem  ©tanbeöbeamtcn  nad^roeifen 
(§  1234;  SR.  ®ef.  über  bie  S3eiirhinbung  bcß  ^erfonenftonbeö  u.  f.  ro. 
V.  6.  gebruar  1875  §  45).  ©teilt  fid^  fpätcr  ^erauä,  boj^  ber  frühere  (g^e^ 
gattc  jur  ^txi  ber  ©d^Ue&ung  ber  neuen  ©l^e  nod^  am  Seben  war,  fo  ift  bic 
Icfitcre  nid&tig,  aud)  xocnn  bie  ©Regatten  ber  neuen  ®^e  im  SJertrauen  auf 
bie  9li(^tigfeit  ber  über  ben  2;ob  beö  frül^eren  ©Regatten  ausgeftellten  ©terbe* 
urfunbe  bie  neue  6^e  gefd^Ioffen  f)aitn  (§  1250  3lv.  3).  9la(^  ben  Seftim« 
mungen  bed  ©nttourfed  n)irb  bie  neue  @t)e  aud^  nid^t  gültig^  menn  bie  frühere 
ß^  initoifd^en  burd^  ben  2;ob  bed  anberen  (S^egatten  aufgelöft  mxb  (oergl. 
SKotiDC  ju  §  1250  oben  ©.  52  ff.). 

§  14«4. 

äuö  §  1235  crgiebt  fid^,  bofe,  wenn  einer  ber  ©Regatten  für  tobt  erflärt  «ufiBfung 
ift,  ber  anbere  (S^egatte  auf  ©runb  beö  bie  SEobeöerflärung  auöfpred^enben  ^a^bcif 
Urt^eileö,  Dorbe^altlid^  ber  im  §  1235  Slbf.  2  bcftimmten  SRobififotion,  eine  erfiäning, 
neue  6^e  fd&tiefeen  barf.  S)er  §  1464  entfc^cibet  bie  grage,  roeldien  ©influfe 
ed  auf  bie  frühere  @(|e  l^at,  wenn  nad^  ber  2:obederMärung  beö  einen  ®^c* 
gatten  ber  anbere  ©t^egatte  eine  neue  (Sf|e  fd^liefet,  jur  3eit  biefer  ©(jefd^Hefeung 
aber  ber  für  tobt  erflärte  ©begatte  nod^  am  Seben  ift.  2)a  nad^  ben  allgemeinen 
Orunbföfeen  baö  bie  S^obeöerflärung  auöfpred^enbe  Urtl^eil  nur  bie  SBermut^ung 
begrünbet,  ba^  ber  für  tobt  erflärte  ©t)egotte  bie  ©rlajfung  ber  J^obeserftärung 
ni^t  überlebt  ^abe  (§§  21,  1235  3lbf.  1),  fo  mürbe  in  ©rmangelung  einer 
pofitiDen  Seftimmung  in  bem  l^ier  Dorauögefefeten  galle  bie  neue  ©^e  nid^tig 
fein  unb  audb  felbft  bann  nid^tig  bleiben,  menn  injroifc^en  bie  frül^ere  ©fie 
burt^  ben  Xob  beö  für  tobt  erflärten  ©l^egatten  aufgelöft  fein  foUte  (oergl. 
§  1250  3lv.  3  nebft  aJlotiDen  ©.  52  ff.).  2)ieö  ift  ber  ©tanbpunft  beö  fat^otif^en 
unb  beö  gemeinen  proteftantifd&en  ©^ered&teö,  inöbefonbere  auä)  ber  mürttemb. 
^rajiö,  fomie  beö  ba^r.  Sluöf.  ©ef.  jur  ©.  5ß.  D.  d.  23.  gebruar  1879 
Art.  118,  119;  bod^  tritt  nad^  einer  für  ba^  gemeine  proteftantifdEie  ©^e* 
red^t  üielfad^  vertretenen  Slnfic^t  Äonoaleöjenj  ber  nichtigen  neuen  ©^e  ein, 
xotnn  ber  für  tobt  erflärte  ©begatte  ftirbt,  bevor  bie  9Uc^tigfeit  ber  neuen 
6^e  geltenb  gemad&t  ift.  9Benngleid&  fid^  nid)t  verfennen  läfet,  ba6  bcr 
bejrid^nete  2Beg  ben  äSorjug  ber  ©infac^l^eit  unb  ber  Uebereinftimmung  mit 
ben  allgemeinen  Orunbfäften  ^at,  fo  fällt  gegen  benfelben  bod&  entfc^eibenb 
ins  ®en)i(^t,  bafe  er  btti  Sebürfniffen  beö  Sebenö  m6)t  in  auöreidbenbem 
üRafee  SRed^nung  trägt.  S)ie  gärten,  meldte  fic^  für  bie  ©fiegatten  ber  neuen 
61^  unb  bie  Äinber  auö  biefer  ©f|e  ergeben,  menn  man  eö  bei  ben  allgemeinen 
®runbfä|en  bemenben  läfet,  werben  burd&  bie  33orfdE)riftcn  beö  ©ntrourfeö  über 
fog.  5Putatit)el^en,  namentli^  foviel  bie  red^tlid^e  ©tcllung  bcr  ©Regatten  bc* 
trifft,  Toenngteid^  gemilbert,  bod^  feineöroegö  befeitigt  (ücrgl.  §§  1258,1562—1566). 
©iefelben  gärten  treten  allerbingö  audt)  bann  ein,  menn  ein  ©begatte  im  93cr^ 
trauen  auf  eine  über  ben  2;ob  beö  anberen  ©Regatten  auögcftclltc,  in  SBirf- 
lid^feit  unrichtige  ©terbeurfunbe  eine  neue  ©t)e  fd^liefet.  Snbeffen  biefer  gall  fanu 
bem  l^ier  in  SRebe  fte^enben  galle  nid^t  gleid^gcftellt  merben,  ba  bic  ©ad^lagc 

«otioc  |.  Uh-flcrl.  9e\tffiu^.  IV.  41 


642  auflöfung  bcr  S6e  in  golgc  SEobeeerfldrung.    §  1464. 

in  bcn  beibcn  göücn  eine  oerfd^iebene  ift.  3«  ienent  gaUe  ift  bie  neue  ®^e 
jugelaifen  unb  gefd^loffcn  in  bein  ©tauben,  bafe  ber  %oh  beö  anbeten  ®l^e* 
gatten  geroife  fei,  in  bcm  l;ier  in  9lebe  ftel^enben  gaUe  bagegen,  obn)ol^l 
über  £eben  unb  2^ob-  bes  anbeten  ©l^egattcn  Ungeroifel^eit  beftanb  unb  nut  bic 
aSetntutl^ung  beö  a;obeß  bcgtünbct  roat.  SJicfelben  ptaftifd^en  ®troägungen, 
roeld^e  ba^in  gefügt!  tiaben,  tto^  jenet  Ungeroife^eit  bem  ei^egatten  bes  für 
tobt  etflätten  ©Regatten  bie  ©d^tiefeung  einet  neuen  ß^e  ju  gcftatten  (Detgl. 
§  1235  ncbft  aWotiDen  ©.  19  ff.),  brängen  aud^  baf)in,  bie  jugelaffene  neue  e^e 
aufted&t  iu  et^alten,  felbft  wenn  bet  füt  tobt  etflätte  (g^egatte  fpätet  jurüdEfel^ten 
foHte.  ®em  Sebütfniffe,  bem  (S^egatten  beö  leiteten  bie  SBiebetoctl^eirotlöung 
ju  etmöglid^en,  roitb  nur  bann  genügt,  wenn  bctfelbe  in  bie  Sage  wtfefet  roitb, 
ttofe  bet  Ungeroifel^eit  übet  ßebcn  unb  2;ob  beö  anbeten  ©Regatten  eine  gültige 
neue  e^e  fd^Iiefeen  ju  fönnen.  SlnbetenfaHö  njütbe  bic  SRöglid^feit,  bafe  bet 
füt  tobt  etftätte  6f)egatte  nod^  am  Sebcn  unb  beöl^alb  bic  neue  6^c  nid&tig 
ift,  in  mand^en  gäüen  nid^t  nut  ben  anbeten  ©l^egatten  jutüdE^alten,  eine  neue 
ei^e  einjugel^en,  obmol^l  bie  fefetete  ju  feinem  unb  ju  feinet  gamilie  gcbei^Ud&cm 
gottfommen  t)ietteid&t  in  l^ol^em  (Stabe  roünfd^enöroettl^  ift,  fonbetn  aud&  btitte 
5ßetfonen  t)on  bet  ©ingel^ung  einet  6^e  mit  bem  jutürfgebliebenen  ©Regatten 
abjul^alten  geeignet  fein,  ©inen  weiteten  Untetfd&ieb  iwifd^en  bem  l^iet  in  5Rebe 
fte^enben  unb  bem  anbeten  ^aUt,  menn  ein  (S^egatte  im  SBctttauen  auf  eine 
in  SBitflid&feit  untid&tige  Stetbeutfunbe  eine  neue  ©^e  fc^Iiefet,  beftel^t  batin, 
bafe  in  bem  fegteten  gaUe  ben  füt  tobt  gel^altenen  ©Regatten  in  bet  Siegel  ein 
SBetfd^ulben  nid^t  ttifft.  3n  bcn  gallen  bet  S^obeöctflätung  bagegen  liegen  bie 
SSetl^ältniffe  tegclmäfeig  fo,  ba%  entroebet  bie  SBotauöfefeungen  bet  ©d^eibung 
wegen  böötid&et  SBettaffung  (§  1443)  bcgtünbct,  abet  nid^t  etrociölidl^  finb, 
obet  bod&  ben  füt  tobt  etflätten  ©l^cgattcn,  namentlid^  im  i^inblidEc  auf  bie 
Seid^tigfeit  beö  l^eutigcn  aSctfcl^tcö  felbft  Don  cntfctntcn  2Bcttt^eilcn  auö,  um 
bcöwiHen  ein  gtobcö  Sßetfdöutben  ttifft,  weil  et  feine  9lad^tid^t  oon  fic^  gegeben 
l^at.  Sluönal^mcn  fmb  aüctbingö  möglid^ ;  allein  baö  Oefc^  l^at  bie  SBctl^ältniffe 
nid^t  mit  9lüdEjtd&t  auf  feltene  gäUe,  fonbetn  nad^  hct  9lcgct  beö  Sebenö  ju 
geftaltcn.  Slbct  felbft  in  folc^en  Sluönal^mefäUen  ift  eö  mifelid&ct,  eine  ©l^e, 
roctcöe  feit  ^oi)xtn  oiclleid&t  beftanben  l^at  unb  bie  (Stunblage  neuen  gebeil^* 
lid&en  gottfommenö  unb  efielid^cn  (Slücfcö  gemotben  ift,  }u  ttennen,  olö  eine 
©$e,  meldte  feit  langen  Saluten  faftifd^  ol^ncl^in  nid^t  mcl^t  beftanben  l^at,  ate 
aufgel^oben  ju  bel^anbeln,  jumat  bic  ätnnal^me  geted^tfettigt  ift,  ba§  bet  ©l^e* 
gatte  beö  füt  tobt  etflätten  ©l^cgattcn,  meldtet  ttofe  bet  Ungemife^eit  beö  2:obeÄ 
beö  leiteten  fid&  jut  ©ingcl^ung  einet  neuen  ©l^c  cntfd&liefet,  bemfetben  geiftig  nid^t 
mcl^t  fo  nal^c  tjctbunben  ift,  um  bei  bcffen  JRüdfe^t  in  fittlidfec  Ronflifte  ju 
getatl^en,  wenn  bie  neue  ©i)c  alö  gültig  bel^anbclt  mitb.  S)ic  ootftel^enb  an* 
gcfül^tten  ©tünbc  fpted^cn  aud^  gegen  bcn  Don  bcm  code  civil  3ltt.  139  ein* 
gefc^lagcnen  SGBeg,  nad^  roelc^cm  bic  5Uid^tigfeit  bet  neuen  ©l^c  nut  oon  bem 
alö  tJctfd&oUcn  angefe^enen  anbeten  ©Regatten  gcltcnb  gemacht  roctben  fann, 
bie  neue  ©l^e  mitl^in  nad&  bem  ©^fteme  beö  ©ntmutfeö  nut  anfed&tbat  fein 
roütbc.  S^av  bleibt  bei  biefem  2Bcge  bie  neue  ©^c  in  Ätaft,  wenn  bcr  für 
tobt  erflärte  ©l^egatte  t)or  etfolgtet  Stnfed^tung  betfelben  ftitbt,  unb  mitb  bie 
©tötung  bet  Mul^c  bet  neubegtünbeten  gamilie  butd^  bie  ©inmifd^ung  ©rittet 


auflofung  bet  SJc  in  ^olgc  ^robeSerttdrung.    §  1464.  643 

©crl^inbcrt.  2lllein  aud^  bicfer  SBeg  geroäl^rt  bcr  neuen  ®^e  nid^t  bieicnige 
©ic^erJ^eit,  beten  fic  bebarf.  S)aju  fommt,  bo&  eö  bem  SBefen  ber  ®l^c  roibcr? 
ftreitet  unb  mit  Stud jtd^t  auf  möglid^e  StoQufionen  )n)ifd^en  bem  onfed^tungd^ 
berechtigten  ©Regatten  ber  frül^eren  @l^e  unb  bem  einen  ober  anberen  @l^e^ 
gatten  ber  neuen  @^e  nid^t  unbebenfUd^  ift^  ben  ^eftonb  ber  le^teren  r>on  ber 
SBiUfür  eines  ©ritten  abl^ängig  ju  mad&en.  Uebenütegenbc  Orünbe  fül^ren 
ba^er  ju  ber  9tegel  bed  §  1464^  bag  mit  ber  Sd^Kegung  ber  neuen  (Si)t  bie 
jrolfd&en  bem  für  tobt  erfförten  unb  bem  anberen  ©l^egatten  beftel^enbc  ®l^e 
aufgclöft  mirb.  3)amit  ftimmt  im  5ßrinjipe  aud^  bie  ajlel^rjal^l  ber  neueren 
©efcfegebungen  überein  (oergl.  preu§.  91.  fi.  SR.  II,  1  §  666;  l^amb.  33erorbn. 
V.  14.  Oftober  1819  airt.  14;  brem.  SBerorbn.  o.  28.  3uni  1826  §§  21,  29; 
lübci.  SSerorbn.  t).  30.  2)e}ember  1829  §  16;  olbenb.  Söerorbn.  o.  16.  gebruar 
1844  §§  14,  18;  l^annot).  ®ef.  t).  23.  2ßai  1848  §  16;  fäd&f.  ®.  SB.  §  1710). 
3u  bemfelben  praftifd^en  SRefuttate,  nur  auf  einem  Umwege,  gelangen  bie* 
ienigen  @efeggebungen,  meldte,  mie  bad  bab.  2.  91.  @ag  232  a  unb  bie  übrigen 
in  ben  Sllotioen  ju  §  1235  oben  ©.  19  ff.  angefül^rten  Oefe^e,  bie  länger 
bauembe  älbmefen^eit  ober  bie  SSerfc^oUenl^eit  bed  einen  ©Regatten  ate 
Sd^eibungdgrunb  für  ben  anberen  ©Regatten  bel^anbeln. 

2)ie  SBegef  bed  §  1464  2lbf.  1  erleibct  nad^  bem  britten  Slbfage  jroei  «u«na%men. 
ausnahmen.  S)ie  erfte  2lufinal^me,  meiere  ben  gaU  betrifft,  roenn  ber  ©l^egatte  penntni^  oon 
beft  für  tobt  erflärten  ©Regatten  bei  St^Iiefeung  ber  neuen  &)t  roeife,  ba§  iu^STlSr^toSt 
biefer  QAt  ber  für  tobt  erMfirte  ©begatte  noc^  lebt,  fd&Kefet  ftd&  ber  lübedf.  «rtw^en. 
SBerorbn.  t).  30.  ffiejcmber  1829  §  16  an.  3)iefelbe  rechtfertigt  fid&  burd^  ben 
Smerf,  meld&cn  bie  pofitit)e  S3eftimmung  beö  §  1464  oerfolgt.  S)iefer  3medt 
gel^t  nur  bal^in,  bem  ©Regatten  bed  für  tobt  erlförten  ©l^egatten,  meld^er 
barauf  ocrtraut,  ba§  ber  lefetcre  tobt  fei,  bie  aßöglid&feit  ju  gemäl^ren,  eine 
neue  güUige  @^e  auf  (Srunb  ber  2:obeöernärung  einjugel^en.  2)ie  jtonfequenj 
biefeft  ©ebantenft  mürbe  oieUeid^t  ba^in  führen,  fd^on  bie  jtenntnig  genügen 
ju  tajfen,  ba^  ber  für  tobt  erflärte  ©l^egatte  bie  a^obeßerflärung  überlebt  l^obe, 
bo  biefe  Äenntnife  auf  ©eiten  beö  anberen  ©Regatten  ber  2;obederfIärung  il^re 
Sebeutung  für  bieSd^Uegung  ber  neuen  ©l^e  entitel^t.  3nbef[en  ift  eine  fold^e 
Steigerung  ber  mit  ber  l^ier  fraglid^en  Sludnal^me  für  ben  anberen  ©Regatten 
ber  neuen  ©^e  o^ne^in  l^ftufig  Derbunbenen  ^firte  ald  bebenKid^  erad^tet, 
)uma(  nur  in  bem  ^aDe,  menn  bie  jlenntnig  bed  fortlebend  bed  für  tobt 
ertWrten  ©l^egatten  jur  Qtxt  ber  ©d^llefeung  ber  neuen  ©^e  pori^anben  ift, 
eine  gegen  bie  33orfd^rift  bed  §  171  bed  ©tr.  ®.  S5.  oerftofeenbe  ©erbred^erifd^e 
©^d^liegung  vorliegt.  9[uf  ber  anberen  ©eite  empfiei^It  ed  fid^  aber  aud^ 
nid^t,  aud  SRücfjid&t  auf  ben  ©ritten  nad^  bem  SBorbitbe  bed  tiannot).  ®ef.  p.  . 
23.  3Kai  1848  §  16  bie  neue  ©^e  nur  bann  ate  nid^tig  ju  belianbcln,  xotnn 
ben  beiben  neuen  ©Regatten  bad  fortleben  bed  für  tobt  erflärten  ©l^egatten 
befannt  mar.  2)a  ber  Sxotd  ber  SRegel  bed  §  1464  3lbf.  1  bal^in  gc^t,  bem 
©Regatten  bed  für  tobt  erflörten  ©l^egatten  bie  SRöglid^feit  }u  Derfd^affen,  trog 
ber  Ungeroill^clt  über  Seben  unb  SCob  bed  legteren  eine  neue  gültige  ©^e  ein* 
juge^en,  fo  fann  ed  nur  barauf  anfommen,  ob  jener  tjon  bem  fortleben 
Äenntnife  ^atte,  3lud^  bie  3lüdfid^t  auf  bie  SBorfd^rlften  bed  ©tr.  ®.  33.  über 
S3igamie  fpred^en  bafür,  bafe  bie  Renntnife  auf  ©eiten  bed  ©Regatten  bed  für 

41* 


644  Sluflcfimfl  ber  Sl&c  tu  golgc  Sobcöerflarunfl.    §  1464. 

tobt  erftärtcn  ©Regatten  genügen  muß.  Slnbercrfeitö  fann  nad^  bent  Swerfc 
bcr  9legel  beö  §  1464  auf  bie  Äenntnife  beiS  ©ritten,  wenn  ber  anberc  g^e^ 
gotte  in  Unfenntnife  n)ar,  fein  ©croid^t  gelegt  werben.  Unter  Umftänben  wirb 
in  einem  fold^en  ^aUe  ber  anbere  S^egotte  allerbingd  bie  neue  @^e  aud  bem 
©cftd^töpunftc  beö  Sctrugeft  (§  1259  3lv.  1)  an^ufed^ten  bered^tigt  fein. 
gadjtiflfeit  3)ie  jroeitc  im  §  1464  5Kbf.  3  für  ben  gaU  beftimmte  STuÄno^me,  xomn 

er  neuen  (j^c.j^.^  ueue  6^e  üuö  eiuem  anberen  (Srunbe  nid^tig  ift,  folgt  auß  bem  Segriffe 

ber  Sßic^tigfcit  (§§  108,  1252). 

abieijniing  3)ic  Äoufequeuj  mürbe  eö  an  fid^  mit  fid^  bringen,  eine  3luöna^me  oon 

'''^najmen"^' l^^t:  9legel  beö  2lbf.  1  aud&  für  ben  galt  anjucrienncn,  menn  bie  neue  6l)e 

anfei^tbüirfeit  anf ed^tbar  ift  unb  ongef ödsten  mirb,  ba  bie  legtere  in  einem  fo(d^en  ^Ue  ald 

ber  neuen  eiK.^^i^j   gcfc^Ioffeu   aujufe^en   ift   (§    1260   3lbf.  2).     Snbeffen   fü^rt  e&   ju 

Unjutr&glid^feiten,  menn  uon  bem  SBiQen  bed  älnfed^tungöbered^tigten,  fei  ed 

beß  miebcr  fieiratl^enben  ©i^egatten  ober  beö  anberen  S^^eileö  ber  neuen  ®^e, 

nid&t  nur  ber  33cftanb  biefer  @l^e,  fonbcrn  aud^  ber  gortbeftanb  ber  frul^eren 

@l^e  beg  für  tobt  erflärten  ©Regatten  abfängt  unb  burd^  bie  erfolgreid^e  äln- 

fed^tung  eine  DicUeid^t  t)on  bem  festeren  im  SBertraucn  auf  feine  greil^cit  ein« 

gegangene  @^e  Dernid^tet  merben  mürbe.    3)er  §  1464  3Cbf.  2  beftimmt  beöl^alb 

auöbrüdßd^,  bag  bie  9luf(öfung  ber  früheren  @l^e  in  Jtroft  bleibt,  menn  bie 

neue  @^e  anfed^tbar  ift  unb  angefod^ten  mirb. 

anfe^tuna^  äle^ulid^e  @rmägungen,  mie  biej[enigen,  auf  meldten  bie  93eftimmung  bed 

"urorf**    §  1464  Slbf.  2  beruht,  bafe  bie  Slnfed^tbarfeit  unb  3lnfed&tung  ber  neuen  e^e 

gebliebenen  auf  bie  mä)  üKafegobe  befi  §  1464  Slbf.  1  erfolgte  äufßfung  ber  frül^cren 

(g^egatten.  ^^^  ^^^^  ©Influfe  feiu  foü,  fpred^eu  aud^  bagcgcn,  im  änfd^luffe  an  ben  bem 

fäd^f.  ®.  33.  §  1710  ju  ©runbe  liegcnben  ©ebanfen  im  gaUe  ber  SlücMel^r 

beö  aSerfd^oücnen  bem  jurüdgeblicbcnen  ©Regatten  baö  SRed^t  beijulegen,  binnen 

einer  furjen  grift  bie  neue  e^e  anjufed^ten.    gür  bie  3lncrfennung  eines  fold^en 

älnfed^tungöred^teß  (ögt  fid^  jmar  geltenb  mad^en,  bag  im  ^alle  ber  Stücffe^r 

bed  für  tobt  erflärtcn  ©t^egatten  für  ben  anberen  ©Regatten,  menn  ber  festere 

injmifd^en  eine  neue  @t)e  gefdiloffcn  ^at,  fittlid^e  unb  religiofc  Äonflifte  cnt* 

fte^en  fönnen,  mcld)e  nur  burd^  SScmid^tung  ber  neuen  unb  9Bieber^crfteIIung 

ber  erften  ®^e  ju  löfen  fmb.    35iefe  Slüdffid^ten  fönnen  inbeffen  gegenüber  ben 

mit  einem  fold^en  ätnfed^tungdred^te  Derbunbenen  Un}utr&glid^teiten  unb  ben 

barauö  anbererfeitö  für  ben  anberen  2^^cil  ber  neuen  6l^e  unb  für  bie  Äinber 

aud  ber  (enteren  fid^  ergebenben  ^örten  um  fo  meniger  alö  burd^fd^tagenb 

erad^tet  merben,  als  ber  ®^egattc  beö  für  tobt  erftärten  ©Regatten,  menn  er 

eine  neue  ©^c  fd^Iicfet,  ftd^  bie  ÜWöglid&feit  ber  SRüdffe^r  beiS  SBcrfd^oUenen  unb 

bie  in  einem  fold^en  %aUt  baraud  für  il^n  entftel^enben  jlonf(ifte  ftd^  pergegen« 

märtigen  fonnte  unb  mufetc. 

«ufbcbuni  3n  9Ibroeid^ung  oon  ben  allgemeinen  ©runbföfeen  beftimmt  ber  §  1464 

IxtiäT^'  ^^l  2,  bafe  bie  9Iuflöfung  ber  früheren  ©^e  in  Kraft  bleiben  foü,    ou* 

menn  bie  2:obederf(ärung  nad^  ©d^liefeung  bcr  neuen  ®^e  aufgehoben  mirb. 

2)a  nad)  §  22  bem  Urtl^eile,  burd^  xotlä)e&  in  ^olge  ber  Slnfed^tungöflage 

ba^  bie  2^obeöcrf(ärung  auöfpred^enbe  Urtl)etl  aufgehoben  mirb,  äSirfung  gegen 

3)ritte  beigelegt  ifl,  fo  mürbe  burd^  ein  berartigeö  Urt^eil  in  ©rmongelung 

einer  bcfonbercn  SScftimmung  bie  SBorauöfe^ung  für  bie  Oültigfeit  ber  neuen 


9lufIofunfl  ber  Sl^c  in  golgc  $£obe8crfIarung.    §  1465.  645 

unb  bie  Sluflöfung  bcr  früheren  ®l^c  jerftört  werben.  (Sin  fold^eö  SJefuItat  ift 
iebo(]^  in  ^ol^ent  ®rabe  bebenfUc^.  3)cr  Seftanb  ber  einen  ober  anberen  ®^c 
borf  nid^t  x>on  ber  SBillfür  eines  S^ben,  roeld^er  an  ber  Slufl^ebung  ber  Xob^^ 
crfffirung  ein  red^tlid^eö  13nterejfe  ^at  unb  oon  bem  Sluögange  eines  anberen 
äroifd^en  brüten  5ßerfonen  gefül^rten,  iunäc^ft  Dietteic^t  nur  Dermögenöred^tlid^c 
3roedEe  ©erfolgcnben  SRcd^teftreiteö  abtiöngig  gemad^t  werben  (§§  23, 24  2lbf.  1), 
jumal  baö  58erfol^ren  in  einem  fofd^en  Sled^töftreite  trog  ber  SSorfd^rift  beö 
§  24  2lbf.  2  nid^t  biefetben  Oarantieen  bietet,  roie  bas  SScrfal^ren  in  einem 
Sicd^töftreite,  meld^er  bie  9lnfed&tung  einer  ®^c  jum  (Segenftanbe  Ijat. 

SSon  bem  im  §  1464  2(bf.  1  anerfannten  ^rinjipe  mad^t  bie  tjamb.  »««bie  unb 
SJerorbn.  o.  14.  Dftober  1819  Slrt.  14  ju  ©unfteu  ber  frül^eren  ®^e  für  ben  "'Vi^^/* 
goü  eine  SluSnol^me,  wenn  bie  erftc  @t)e  eine  beerbte,  bie  jroeite  eine  unbeerbte 
ift.  ®cr  biefer  3lufinal^me  ju  ©runbe  (iegenbe  ©efidjtöpunft,  bafe  in  einem 
fold^en  gälte  bie  9lüdfpd&t  auf  ba&  3ntereffe  ber  Äinber  ber  frül^eren  (S^t 
überwiege,  vermag  jebod^  bie  ©rünbe,  auf  roeld^en  baß  ^rinjip  beö  §  1464 
9lbf.  1  berul^t,  nid^t  ju  erfdt)üttern.  ©aju  fommt,  bafe  jene  Sluönatime  unter 
Umftfinben,  wenn  eö  ungewiß  bleibt,  ob  bie  eine  ober  anbere  6{)e  eine  beerbte 
ober  unbeerbte  ift,  ju  einer  5ted^tdunfid^erl[|eit  in  Slnfel^ung  beS  Seftanbeö  ber 
crften  ober  ber  neuen  6l^e  füf)ren  fann. 

©injclne  Oefefee  (l^annoü.  ®ef.  0.23.  WHai  1848  §  16;  otbenb.  SBerorbn.  sttimm^ 
V.  16.  gebruar  1844  §§  14,  18)  tragen  in  ber  l^ier  in  SHebe  fte^enben  aJlaterie  ®^'' 
ben  JReligionögrunbfögen  tat^olifd^er  ©Regatten  burd^  bie  93orfd&rift  JRed^nung, 
bo§  bei  fotJ^oUfd^en  ©l^en  bie  (Sültigfeit  ber  neuen  ©Ije  nad^  bem  fanonifd^en 
SRed&te  beurtl^eilt  werben  fott.  93om  ©tanbpunfte  einer  ftaatlic^en  (S^cgefeg* 
gebung  aus  fann  inbeffen  ber  SSerfc^iebenfieit  beö  Olaubcnöbefenntnijfeö.  ein 
berartiger  ©influfe  nid^t  beigelegt  werben. 

ajon  felbft  rerftel^t  eö  ftd^,  bafe,  wenn  bie  ei)e  in  Oemäfe^eit  beö  §  1464  erbrec^tiic^e 
oufgeloft  ift,  baö  gegenfeitige  ®rbrec^t  ber  frülieren  ©Regatten  (§  1971)  weg-  **'**^""^^"" 
fäUt.    gBel(^en  einflufe  bie  auf  fSJrunb  beö  §  1464  erfolgte  Sluflöfung  ber 
@^e  auf  bie  SBirIfamfeit  einer  lefetwiUigen  SSerfügung  äußert,  burd^  weld^e  ber 
eine  (g^egattc  ben  onberen  bebad&t  liat,  fowie  auf  einen  jwifd^en  benfelben  ge^^ 
fc^toRencn  ©rbeinfegungö-   ober   SSermäd^tnif^Dertrag ,    ergiebt   fi^   an^   ben 

1783  ff.,  §§  1948,  1949,  1962. 


§  1465. 

S)ie  SBorfd^riften  beö  §  1465  red&tfertigen  ftd^  burd^  bie  3lnalogie  ber  eor^c 
»er^ättniffe.  SBie  ber  ©ingang  beö  §  1465  in  SBerbinbung  mit  §  1456  äbf .  1 1« 'il^er^K- 
©og  1  unb  §  1458  ftar  ftettt,  pnben  biefelben  nur  bann  9lnwenbung,  wenn 
fi^  fpäter  l^erauöfteüt,  bafe  ber  für  tobt  erflärte  ©fiegatte  nod^  am  Üeben  ift. 
Solange  über  Seben  unb  kob  beö  legteren  nod^  Ungewifel^eit  beftel^t,  ift  für 
bie  im  §  1465  bejeid^neten  SSerljättniffe  lebiglid^  bie  burd^  bie  2:obeöerflärung 
na^  §§  21,  1235  3lbf.  1  begrünbete  aSermutljung  maggebenb,  bafe  ber  für 
tobt  erflärte  ©l^egotte  bie  ^obeöerflärung  nid^t  überlebt  Ijabe. 


646  Q^diäit  2lbftammung.    SSorouSfcfeunöcn.    §  1466. 


Bweiter  m^^mtt. 

erflct  SCitcI. 

§  1466. 

«orau«.  3laä)  bcr  in  bcr  3)oftrin  imb  5ßrayiö  bes  gemeinen  SRed^tefi  »orroiegenb 

lÄen  «r,  t)ertretcnen  Sluff affung  ift  nur  basjcnige  Äinb  ein  eJ^elid^eiS,  n)cld&cö  bie  ©j^e* 

nommung.  frau  roäl^renb  ber  61^e  von  bem  ©bemanne  cmpfongen  l^at,  roäl^rcnb  boöienigc, 

o^eitenbefi  xotlö)^  bie  (S^eftau  vor  @d^Iie§ung  ber  @^e  von  bem  @l^emanne  empfangen 

****      unb  nad&  ©c^liefeung  ber  6l^e  geboren  l^at,  afö  ein  bur^  nati^folgenbe  ©l^e 

legitimirteö  Äinb  angefel^en  mirb  (oergr.  Seuffert  Vin,  344,  XXI,  200, 

XXn,  287,  XXXI,  39 ;  ©ntfc^.  b.  SR.  ®.  in  6it)ilf .  XH,  40).    ©ine  onberc, 

namentlid^  aud^  in  neuerer  Qüt  mel^rfad^  rertl^eibigtc  Slnftd^t  gel^t  iebod^  bal^in, 

bafe  nati)  bem  fpäteren  röm.  Med^tc  (1. 11  Cod.  de  natur.  lib.  5, 27;  Nov.  89  c.  8 

§  1)  aud^  basienige  Äinb  ein  el^clic^eö,  nid^t  bloß  legitimirteö  fei,  roeld^eß  bie 

©l^efrau  vot  @d^(iegung  ber  @l^e  ton  bem  (S^emonne  empfangen  unb  nad^ 

©d^Iiefeung  bcr  (Sl^e  geboren  l^abe.    Die  erftere  9luffaf[ung  l^at  in  ben  ©rbfolge* 

gefegen  oerfd^icbener  tl^üringifd^er  ©taaten  auöbrücHid^e  3lnerfennung  gefunben 

(gotV  ®cf .  D.  2.  Sanuar  1844  §§  19,  22 ;  @ef.  für  Meufe  i.  2.  r.  10.  Dejember 

1853  §§  17, 18;  altenb.  ®ef.  v.  6.  SIpril  1841  §§  17, 18;  DcrgL  iebodi  anbercr* 

feitö  bie  altenb.  e^eorbn.  v.  13.  aWoi  1837  §§  149, 151).    Dagegen  fte^en  bie 

neueren  ®efe|büd^er  auf  bem  ©oben  ber  jmeiten  Sluffaffung  (t)ergl.  preug. 

31.  2.  SR.  II,  2  §  1;  ofterr.  ®.  93.  §§  138,  155,  156,  161;  code  civü  ärt.  312, 

314,  331—333;  fäd^f.  ®.  SB.  §§  1771,  1776,  1780,  1808,  2016,  2018;  femer 

meimar.  (grbfolgegef.  v.  6.  SIpril  1833  §  16;  I|eff.  ©ntm.  III  3lrt.  1—3, 7,  60  biß 

62;  Dergl.  jebod^  bie  3Rotioe  ju  bem  Icfeteren  ©.  178).    Slnlangenb  bie  SBc^ 

ftimmung  beä  prcufe.  91.  2.  SR.,  fo  l^at  biefclbc  aUcrbingö  in  ber  Doftrin  aud^ 

bie  Sluölegung  crfaljren,    ha^   borin  bie  ©rjeugung   in   ber  ®I|e  oorauß^ 

gefegt  werbe,  eine  SÄuöIegung,  roeld&er  bie  neuere  baqr.  5ßrajiö  folgt.    Dagegen 

gei|t  bie  tjorroiegenb  in  ber  Doftrin  vertretene  unb  t)on  ber  prcufe.  5ßroEiö  (DergL 

«Plenarbefd^l.  b.  Ob.  SCrib.  v.  5.  ©cptembcr  1842,  (Sntfd&.  vm  ©.  73)  von 

j[el)er  feftgcF)aItenc  2lnfid^t  bal)in,  bafe  nad^  preufe.  SRedfite  aud^  baö  Don  bem 

g^emanne  vox  Sdf)Iiefeung   ber  ®f)e  erjeugte   unb  oon  ber  ©l^efrou   nad^ 


(Sbdxiit  SBftamtnung.    SSoraudfe^unoen.    §  1466.  647 

(Sd^Iiegung  ber  @^e  geborene  jtinb  ein  el^eßd^ed  fei.  3lud^  noc^  franj.  Siedete 
tinb  bem  fä^f.  @.  33.  ift  cö  übrigenö  nid^t  unbeftritten,  ob  ein  fold^eö  Slinb 
ein  el^elid^ed  fei  ober  nur  bie  SteUung  eined  (egitimirten  Jtinbes  l^abe. 

2)er  ©ntrourf  |at  pd^  benfenigcn  (Sefefegebungen  angefd^Ioffen,  roeld^e  bei  «^ntpuntt 
ber  33eftimmung  ber  ß^elid^feit  nid^t  unterfd^eiben,  ob  baö  Don  ber  ©l^cfrau  «ntwurte«. 
naä)  Sd^Uegung  ber  @^e  geborene  j^inb  ton  bem  @^emanne  n)äl^renb  ber  ©^e 
ober  oor  ©d&Iiefeung  ber  festeren  erjengt  ift.  SSom  natürlid&en  unb  fittlid^en 
@tanbpuntte  oud  mag  ein  fold^er  Untetfd^ieb  gered^tfertigt  fein;  oom  gefe^ 
flebcrifd^en  ©tanbpunfte  ouö  bogegen  empfiefilt  berfelbe  ftd^  nid&t.  3)ie  im 
§  1466  beftimmte  (Sleid^fteüung  trägt  baju  bei,  bie  6^efd^fte§ungen,  unb  jroar 
bolb  nad^  bem  gel^Itritte  ber  ©Item,  ju  beforbern  unb  fo  bie  Qaiil  ber  unel^e^ 
liefen  Äinber  ju  oerminbem ;  fie  Dereinfad^t  ha&  Siedet  unb  f d^üfet  iugleid^  ben 
Shif  ber  ©Item,  wie  beö  Äinbeö,  bie  9lu{|e  unb  ben  grieben  ber  gamilie,  in* 
bem  fie  iebe  Unterfud^ung  barüber,  ob  bo«  Äinb  x)or  ober  nadt)  ©d(|lie§ung  ber 
@]^e  erzeugt  ift,  entbe^rlidt)  mod^t.  2)er  Sted^ti^fag,  bag  auc^  badjienige  jlinb 
ein  el^elid^eö,  nid^t  bfoö  legitimirteö  ift,  n)eld[)eö  bie  ©^efrau  oon  bem  ©bemanne 
©or  ©d^lie§ung  ber  ©^e  empfangen  unb  nad^  ©c^ftefeung  ber  lejtercn  geboren 
i^at,  ftel^t  au§erbem  mit  bem  5ßrinjipe  beö  ©ntrourfcö  im  ©Inflange,  ba§  ber 
nasciturus  nid^t  Sled^töfubieft  ift  (§  3),  mitl^in  aud^  nid^t  burd&  nad^folgenbe 
®^e  legitimirt  werben  fann.  3)ie  praftifd^e  SBebeutung  ieneö  SRec^töfafeeä  aber 
jcigt  fid&  auf  bem  ©ebiete  beö  9led|teö  in  fold^en  gäHen,  in  meldten  burd^ 
©pejialgefeße  ober  burd^  9led^tögef(^äfte,  inöbefonbere  auf  bem  ®ebiete  beö 
£e|en^,  gibeifommife*  unb  ©tammgutöred&teö,  bie  burd^  nad&folgenbe  ©f)e  legi=« 
timirten  Äinber  oon  einem  Sled^töerroerbe  auögefd^IoRen  jinb  unb  auö  bem 
©pejialgefege,  bejm.  bem  Sled^tögefd^öftc  fid^  nic^t  im  SGBege  ber  9luölegung 
ergiebt,  bafe  ber  Sluöfd^lufe  fid&  au^  auf  bie  von  ber  ©fiefrau  oor  ber  ©^e 
empfangenen  unb  nad^  Sd^Iiefeung  ber  ©f|e  geborenen  Kinber  erftrerfen  foB. 

S)a  baö  Oefefe  bie  im  §  1466  bejei(^neten  Äinber  in  red^tlid^er  Sejiefiung 
einanber  üoUftänbig  gleid^ftellt,  fo  fann  eö  aud^  nid^t  afö  angemef[en  erad^tet 
»erben,  nod^  bem  SBorgange  beö  fäc^f.  0. 35.  §  1776  bie  t)or  ber  ©l;c  empfangenen 
unb  nad&  ©d^Uefeung  ber  ©^e  geborenen  Rinber  alö  fold^e  ju  bejeid^nen,  roetd^e 
ate  el^elid&e  gelten.  33ielmef)r  rerbient  eö,  namentlid^  auc^  im  Sntereffe  ber 
©infad&^eit  beö  ©efefteö,  ben  SBorjug,  baoon  auöjugefien,  bafe  aud^  jene  Äinber 
im  ©inne  beö  ©efegeö  roirflid^e  cl^elid&e  ftinber  ftnb. 

3m  rom.  SRed^te  befielen  auf  @mnb  beö  S.  C.  Plancianum  unb  im  ^n^  »er^ütunö 
f^Iuffc  an  baöfelbe  für  bm  gall,  wenn  bie  ©f)efrau  bei  Sluflöfung  ber  ©f)c  i^"b«SrjC 
burd^  ©d[)eibung  fid^  fd^mangcr  gloubt,  bejn).  wenn  ber  ©fjemann  nad&  ber  «'"**  ^"*'«* 
©d^eibung  bie  ©d^roangerfd^aft  ber  ©fjefrau  beliauptet,  bie  lefetere  aber  bie 
©d^ioangerfd^aft  leugnet,  bcfonbere  aSorfd^riften,   n)el(^e  tf)eilö  baju  bienen 
foUen,  baö  Sntereffe  ber  3Wutter  wegen  ber  Slnerfennung  beö  Äinbeö  unb  ber 
SlUmentation  beöfclben  oon  ©eitcn  beö  ©Ijemanncö  ju  fidlem,  ttieilö  bie  Untere 
fd^iebung  eineö  frembcn  Äinbeö  beim,  bie  ©ntsietjung  eineö  auö  ber  gcfd^iebcncn 
©l^e  ^crrüf)renben  Äinbeö  ju  ücrliinbern.   Ob  biefc  äJorfdjriften  gemeinred^tlic^ 
nod^  ate  in  ©eltung  befinblic^  anjufelien  finb,  ift  beftritten.   93on  ben  neueren 
©efefcgebungen  l)ai  nur  baö  preufe.  31.  S.  dl  11,  2  §§  41—48  ä^nlid^e,  bie 
©ic^emng  beö  ©tjemanneö  gegen  Unterf(^iebung  bejro.  ©ntjiefiung  eineö  Äinbeö 


648  ei?elid6e  afiftamniunö.    empfänönifoclt.    §  1467. 

bestüccfcnbc  Scftimmungen  aufgenommen,  S3cftimmungcn,  beten  33efeitigung  von 
bcm  ®cfe|reoif or,  5ßenf.  XV  S.  26—29,  bereits  in  SSorfd^Iog  gebrod^t  roorben  ift. 
9lud^  ber  ©ntrourf  \)ai  Don  ber  Slnfna^me  berartigcr  SBorfd&riften  Slbftanb 
genommen,  ba  biefelben  ben  gegenwärtigen  ©itten  unb  bem  praftifd^en  Scben 
üoHig  fremb  fxnb,  anbcrerfeits  bic  33orfd^rtften  bcö  ©trafrcd^teö  (§  169  befi 
©tr.  @.  33.)  ouöreid^enbcn  ©d^u|  geroä^ren. 

®ad  röm.  died)i  enthält  femer  bie  SSorfd^rift,  bafe  auf  33eriangen  ber 
ßrben  beö  ©liemanneö  bic  SBittroe,  meldte  fd^roanger  ju  fein  behauptet,  pd^ 
unterfud^en  laffen  unb  bei  ber  ®eburt  fidt)  einer  genau  Dorgefd&riebenen  85c* 
auffid^tigung  unterrocrfcn  mu§,  roibrigcnfaHö  fic  unb  baö  Äinb  geroiffe  3laä)^ 
t^eile  treffen,  aic^nlid^c  SJefugnif^c  ^at  baö  preufe.  31.  S.  91.  II,  2  §§  26  ff. 
}um  3rocdEe  ber  93erl|ütung  ber  Untcrfd^icbung  eineö  fremben  Äinbeö  ben  ®rbcn 
bcö  ß^cmanneö  ber  ®I)cfrau  gegenüber  eingeräumt.  3n  Uebereinftimmung  mit 
ben  übrigen  neueren  ®efcfegebungen  unb  bem  ®cfc6rcoifor,  5ßcnf.  XV  ©.  26  ff., 
f)ai  ber  ©ntrourf  aud^  bicfe  bur^  ein  33ebürfni6  nid^t  gebotenen  unb  nie  in 
bafi  Äebcn  eingebrungcnen  SSorfd^riften  bcfeitigt. 

§  1467. 

empfänflnt^  Db  bcr  S3en)ciö  ber  S^^fl^^fl  ~"  ^^^  i"  ^^^  gemeinred^tlidöen  3)oftrin 

*"^  beftrittcn  —  fd&fcd^t^in  unmöglid^,  unbenfbar  ift,  fann  l^ier  bal^ingeftcUt 
bleiben.  9lud^  mcnn  man  baoon  auögcfit,  bafe  biefcr  Scmciö  in  mand^cn 
gällen  ouf  fünftlid^em  SBcge  erbrad^t  merben  fann,  fo  ift  bod&  biefc  3lrt  bcr 
SBemeiöfülirung,  nad^  meld&er  ber  Slid^ter  unter  SBerücffic^tigung  aller  fonfreten 
Umftänbe  unb  geftüfet  auf  baö  ®utad(|ten  ©ad&Dcrftänbiger  ju  beftimmen  ^obcn 
mürbe,  ju  roeld^cr  3cit  bie  Seimol^nung  ftattgefunben  l^aben  muffe,  um  ate 
Urfad^e  ber  ©eburt  beö  betreffenben  Äinbeö  gelten  ju  fönnen,  mit  fold^en 
Unäuträgtid^feitcn  unb  ©d^mierigfeiten  Dcrbunben,  baß  bat)on  bic  ©^cUd&fcit 
ober  Unel[)clid^feit  bcö  Rinbcö,  ein  aScrl^ältnife,  meld^eö  für  bie  mid&tigften 
5led^tdoer^ättnif[e  bebingcnb  unb  normirenb  wirft,  unb  in  bic  gamitien* 
intcrefien  fo  tief  eingreift,  o^ne  ©efäl^rbung  beS  öffentlid^en  3titerejfcö  unb  ber 
dlnf)c  bcr  gamilic  nid^t  obl)ängig  gcmad^t  werben  fann.  6inc  fold[)e  83erociö« 
fül^rung  jujulajfcn,  ift  um  fo  bebcnfli^er,  als  bie  Stnfid^ten  bcr  ^^J^^ffologcn 
über  bie  grage,  ju  meld^cr  3^^*  ^^^  lebenb  geborenes  M;inb  frü^eftenö  ober 
fpätcftcnö  empfongen  ift,  fd^manfenb  unb  mibcrfprcd^cnb,  au6)  [t  naä)  ben 
gemad&ten  ©rfal^ningcn  unb  bem  iemeiligen  ©tanbc  ber  SBijfcnfd&aft  bcm 
SBcd^fel  untcrroorfen  finb.  2)aju  fommt,  bafe  in  ben  meiften  ^Uen  baö  ®ut« 
ad^ten  bcr  ©adöücrftänbigcn  fid^  roicber  auf  bie  9lngaben  SDritter,  inöbefonbere 
Don  .^cbammen,  mürbe  ftüfeen  muffen,  mitf)in  einer  juoertäfftgcn  unb  fidleren 
t^atfäd^li(^en  ©runbtage  entbebren  mürbe.  3m  3lnf^luffc  an  bas  gemeine 
SRcd^t  imb  bie  neueren  ©efeggebungen  (oergl.  ©euffert  II,  254,  XXIV,  217; 
preufe.  2t.  2.  SR.  II,  2  §§  1,  2,  19,  21,  40;  fädbf.  ®.  33.  §§  1771,  1772;  code 
civü  3lrt.  314,  315;  altenb.  ®]^eorbn.  v.  13.  a»ai  1837  §  151  t)crb.  mit  §  5 
beö  altenb.  03ef.  o.  29.  aWai  1876,  betr.  bic  SRe^töDcr^ältniffc  au§cre^lid^ 
©cfd^roä^tcr  u.f.m.;  l)eff  ©ntm.  III  Strt.  2)  ift  balier  im  §  1467  bic  fürjcftc 
unb  bic  längfte  S)auer  ber  ©d^roongcrfdjaft  bei  einem  lebenb  geborenen  Äinbe 


(BWä)t  «Bftauimuno.    (gmpfdnömfocit.    §  1467.  649 

unb  jroor  in  ber  3lrt  gefcglid^  pEirt,  ba^  biefc  gcfefeHd^e  ®mpfängni§jeit  einen 
abfoluten  Äarafter  f)ai,  mxt^'xn  ber  Ocgenbemcifi,  ba§  im  fonfreten  ^oUe  mit  ai>^oiuter 
9Iä(tftc^t  auf  ben  SReifcgrab  beö  Äinbeö  bic  ©dimangerfd^oft  fürjere  ober 
längere  3^^*  gcbauert  l^aben  muffe,  auögefd^loffen  fein  foll.  gür  baö  röm. 
unb  gemeine  dltöft  ift  oHerbingS  biefe  abfolute  Sebeutung  ber  gefe^Iid^en 
Äon}eptiond5eit  für  einjelne  gälle  beftritten  morben;  bie  ^errfd^enbe  SKeinung 
legt  il^r  inbeffen  jenen  abfoluten  ftarafter  bei.  Slud^  bie  franj.  3urisprubenj 
^ot  bic  auf  bem  ®ebiete  beß  fronj.  Sled^teö  ftreitige  ^roge,  ob  bei  einem  nad^ 
bem  300.  2:age  feit  3luflöfung  ber  ®^e  geborenen  Äinbe  unter  Umftänben  ber 
Semeid  ber  e^elid^en  3lbftammung  iuläffig  fei,  überroiegenb  verneint.  Das 
gegen  bie  ^ftfegung  einer  gefeftlid^en  ©mpfängnifejeit  in  jenem  abfoluten,  ben 
Oegenberoeiö  auö  bem  ©rabe  ber  Steife  beö  Äinbcö  auäfd^fiefecnbcn  ©inne  er- 
()obene  Sebenfen,  bafe  baburd^  bic  3ntereffen  ber  93et^eiligtcn  unter  Umftänben 
ferner  gefä^rbet  merben  fönnten  (Dergf.  ofterr.  ®.  33.  §  157),  fann  ben  obigen 
(Srroägungen  gegenüber  als  burd&fd^Iagenb  nid&t  erad&tet  merben,  fofern  nur 
ber  gefeglid^en  ©mpfängnifejeit  eine  angcmeffene,  aud)  feltcnere  gäUc,  menm 
glcid^  nid^t  alle  möglid&er  SBeife  Dorfommenben  gäüe,  umfafjenbe  3luöbcl^nung 
gegeben  wirb.  SBon  ber  SRegef,  bog  ein  lebenb  geborenes  Äinb  auö  einem 
nid^t  in  bie  gefegüc^e  ©mpfängnifeäeit  fallenben  Seifd^fafe  nid^t  erjeugt  fein  fann, 
mad^en  ber  code  civil  Wci.  314  unb  baö  altenb.  ®ef.  d.  29.  SKai  1876  §  5 
(t)ergf.  aud^  f|cf|.  ©ntm.  III  3lrt.  2)  für  ben  ^all  eine  Sluönal^me,  wenn  baö  vov 
bem  frul^eften  gefc^üd^en  2'erminc  geborene  Äinb  für  nid^t  febcn0fäl)ig  erflärt 
morbcn  ift,  eine  siuönal^me,  meldte  gegen  bie  fierrfd^enbe  5Rcinung  aud&  für 
baö  röm.  unb  gemeine  SWed&t  Dertl^eibigt  mirb.  ®egen  bie  3lnerfennung  biefer 
auöna^mc  fällt  jcbod^  entfd^eibenb  ins  ©emid^t,  bafe  eö  für  bie  Scantroortung  ber 
^age,  ob  unb  unter  roeli^en  SBorauöfegungen  ein  lebenb  geborene«  Minb  ate 
lebendfäfiig  anjufel^cn  ift  ober  nid)t,  an  auöreid^enben  objettioen  unb  fidleren 
3ln^altdpun!ten  feljlt.  ^aiu  fommt,  bag  ber  ©ntrourf  aud^  im  Ucbrigen  bie 
yebenöfä^igfeit  eines  febenb  geborenen  .Hinbeö  auf  bem  ©ebiete  beö  ^rioat* 
re^tefi  für  unerl^ebüd^  erflärt. 

S)er  Umfang  ber  gefeftUd^en  ©mpfängni^jeit  ift  in  ben  befte^cnben  umfang. 
Siedeten  oerfd&icben  beftimmt,  unb  beftel^t  über  bie  Sered^nung  ber  grift  Diclfad^ 
Streit,  ©cmeinred^tlid^  umfaßt  bie  ©mpfängnifejeit  nad^  ber  I)errf($cnben 
Se^rc  bie  S^xt  oom  182.  biö  300.  Jage  einf^IießJid^  oor  ber  ©cburt  beö 
Äinbeö  (oergl.  ©euffert  1, 161,  II,  254,  V,  175,  X,  170,  XII,  36,  XXXIX,  5); 
nacö  bem  ba^r.  2.  JR.  I,  3  §  2  $ßr.  9,  bem  fäd^f.  ©.  33.  §§  1771,  1772,  1776, 
bem  oltenb.  @ef.  x>.  29.  a»ai  1876  §  5  umfafet  fie  bie  3eit  Dom  182.  bis 
302.  Sage,  naä)  bem  code  civil  3lrt.  312  (t)ergl.  aud^  l^eft.  ©ntn).  III  Slrt.  4) 
bie  3eit  üom  180.  bis  300.  Jage,  na^  bem  preufe.  91.  S.  31.  II,  2  §  2  unb  bem 
roeimar.  ®ef.  t).  6.  3uni  1853  §  3  bie  Seit  iroifd^en  bem  210.  unb  302.  Jage 
t)or  ber  ©eburt  bes  Äinbeö.  SBcnngfeid^  bei  einem  lebenb  geborenen  Äinbe  nad^ 
bem  jeftlgen  ©tanbe  ber  SBiffenfd^aft  als  regelmäßige  ©mpfängnißäeit  bie  3^'* 
imif^en  bem  210.  unb  280.  Jage  t)or  ber  ©eburt  beö  Äinbes  angenommen 
mirb,  fo  ^at  bod&  ber  gntrourf  im  Slnfd^luffe  an  bie  aßel)rsafir  ber  beftefienben 
SRe^tc  mit  SRüdfftd&t  auf  baö  3ntercffe  beö  Jlinbeö  unb  jum  ©d^ufec  ber  e^re 
ber  e^iefrau  unb  ber  JRu^e  ber  Familie  ber  Gmpfängnißjeit  eine  fo  roeite 


650  (56eli4c  abftammuno.    JJcftfteHunö  bcr  Saterf(6oft    §  1468. 

äludbe^nung  gegeben,  bag  biefe(be  au($  fotd^e^  aDerbingd  nur  feiten  oorlommenbe 
%&Ut  mitumfafet,  in  rocid&en  ein  ftinb  f^on  im  Slnfange  beö  fiebenten  bejio. 
erft  am  ®nbe  beö  jel^nten  SRonateß  geboren  wirb.  S)ie  gaftung  beö  §  1467 
Wol  1  läfet  feinen  Steifet  barüber,  bafe  jroifd^en  bem  2;age  ber  (Schürt  unb 
beö  33eifd^lafeö  —  abgefcl^en  x)on  htn  ©tüdftagen  —  minbeftenfi  180  S^age 
liegen  muffen,  bamit  baö  jtinb  ald  ein  e^elid^eö,  unb  minbeftenö  300  gonje 
Sage  liegen  muffen,  bamit  bad  Jtinb  ald  ein  unel^elid^ed  anjufei^en  ift. 
sHobifiiation  2)lc  im  §  1467  3lbf.  2  enthaltene  Sßobififation  ber  ©mpfängni&jeit 

«mpfänflnif.  ted^tfertigt  fic^  baburdö,  ba§  in  bem  bort  rorausgefeftten  %aUt  baö  Äinb  aus 
»«'•  «inem  Seifd^lafe,  melier  in  ben  oor  ber  ©eburt  eine«  frül^er  geborenen 
anberen  Äinbeö  liegenben  2;i^eit  ber  im  §  1467  Slbf.  1  beftimmten  ©mpffingnife* 
jeit  fällt,  nid^t  ^errül^ren  fann.  SBenngleid^  bie  beftel^enben  ©efefegebungen 
biefen  gaU  nid&t  befonberö  berüdEfid^tigen,  fo  ift  es  bod^  im  ^inblidte  auf  bcn 
abfotuten  Äarafter  ber  in  ben  §§  1468—1470  über  ben  ju  fü^renben  Seroeid 
enthaltenen  SSorfd&riften  nid^t  allein  lorrefter,  fonbem  aud&  jur  äbfc^neibung 
fonft  leidet  möglii^er  S^eifel  angemef[ener,  bie  SBeftimmung  auöbrüdElic^  auf* 
}unel^men. 

§  1468. 
ssermut^unfl  3)ic  im  §  1468  beftimmtc,  bem  ^ro^dt  ber  @^e  unb  ben  normalen  e^e^ 

««t?Ä  lid^en  33er^ältniifen  entfpred^enbe  SBermutliung  ift  nad&  bem  aSorgange  beö 
gemeinen  SRed^teö  (1.  5  D.  de  in  jus  voc  2,  *)  t)on  allen  neueren  Oefeggebungen 
anerfannt  (oergl.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  1—4;  öfterr.  ®.  33.  §§  138, 
155,  158;  Code  civil  ärt.  312,  314;  altcnb.  e^eorbn.  §  149;  fäc^f.  ®.  33. 
§§  1771,  1772;  l^eff.  ©ntro.  III,  2lrt.  1,  4).  abroeid^enb  oon  ber  in  neuerer 
3eit  ollerbingfi  befämpften,  mit  ber  fierrfd^enben  3)oftrin  aber  übereinftimmcnben 
gemeinred^tlid^en  5ßrajiö  (oergl.  ©euffert  I,  163,  XXXI,  39),  foroie  oon  ben 
übrigen  angcfülirten  ©efeftgebungen  l^at  baö  preufe.  21.  2.  SR.  U,  2  §§  1,  2 
nad^  berjenigen  Sluffaffung,  meiere  baöfelbe  —  im  ©egenfafte  ju  ber  baijr. 
5ßrajiö  —  fonftant  in  ber  preufe.  5ßraf iö  gefunben  l^at,  bie  SSermut^ung,  bofe 
baö  Don  ber  e^efrau  geborene  Äinb  oon  bem  ®l)emanne  erjeugt  fei,  aud^  auf 
fold^c  gälle  auögebel^nt,  in  meldten  bie  gange  ©mpföngnifejeit  beö  ftinbeö  in 
bie  3^1*  ^or  ©^licfeung  ber  ©^e  fällt  (oergl.  bagegen  ©cfeftreo.,  5ßenf.  XV 
JU  31.  2.  SR.  II,  2  §§  1,  2  nebft  aJlotioen  ©.  5  ff.).  SBenngleid^  jugegcben 
werben  mufe,  ba&  erfo^rungömäfeig  in  ber  großen  3Kel^rjaf|l  ber  gällc,  in 
meldten  ein  oor  ber  ©t)e  empfangeneö  Äinb  nad^  ©d^liefeung  ber  6^e  geboren 
mlrb,  ber  Sfiemann  feine  33aterfd^aft  nid^t  beftreitet  unb  bieö  btn  ©d^lufe 
red^tfertigt,  bafe  in  berartigen  gällen  regelmäßig  ber  ©l^emann  ber  ©rjeuger 
beö  ÄUnbcö  ift,  fo  mufe  eö  bod^  alö  bebenftid^  erad^tet  werben,  in  ben  in  Siebe 
ftel^enben  gäUen  bicSSermutfiung  ber  el^elic^en  SBaterf  d^af  t  aud^  bann  anjuerfennen, 
roenn  ber  (Sl)emann  feine  SSaterfd^aft  beftreitet.  3)aburd&,  bafe  ber  (Seemann 
bie  ß^elidjfeit  beö  Äinbcö  red^tjeitig  anfid^t,  mirb  bie  cuö  ber  oben  gebad&ten 
6rfaf|rungötI)atfod!)e  an  imb  für  ft^  l^erjuleitenbe  2Bal)rfd^einlid^feit,  ba^ 
er  ber  ©rjeuger  beö  Äinbeö  ift,  in  bem  SRafec  erfd^üttert,  bafe  unter  biefen 
Umftänben  bie  2Iufftellung  ber  aScrmutljung,  er  fei  ber  ©rjeuger  beö  flinbcö, 
nid^t  alö  gered^tfertigt  angefelien  werben  fann.    3)ie  ©rünbe,  auf  meieren  bie 


(Sktliiit  StBfiammung.    geftftcttunö  ber  SSaterfci&aft.    §  1468.  651 

im  §  1468  beftimtntc  SBcnnutl^ung  Umf)t,  treffen  in  Slnfefiung  ber  t)or  ber 
©l^c  empfangenen  Äinber  nid&t  ju.  Snöbcfonbere  fel&lt  eö  ber  SSermut^ung  in 
ber  Sluöbcl^nung  beö  preufe.  SRed^teö  in  fofd^en  gäüen  an  ber  nöt^igen  (Srunb? 
läge,  in  welchen  TOöl^renb  ber  Dor  ber  ß^efd^Ue^ung  Hegenben  ©mpfängnifejeit 
beö  Jlinbed  ein  nöl^creö  pcrfonlid^eö  SSerl^ältnig,  inöbefonbere  ein  SSerlobnife/ 
jmifd^en  ben  lünftigen  ©Regatten  überall  nod^  nic^t  beftanben  l^at.  3^^^"^  ift 
bie  SS[u8be^nung  ber  S3ermutf)ung,  abgefel^en  Don  bem  im  §  1470  ©afe  2 
üorgefel^cnen  befonberen  gallc  (nergl.  bie  3Kotit)c  ju  §  1470)  burd)  ein  brin^ 
genbe«  praftifd^eö  Sebürfnife  nid^t  geboten.  S)em  Sntereffe  beö  Äinbeö  mirb  in 
audreid^enbem  SRage  fdbon  baburd^  Stec^nung  getragen,  bag  aud^  in  ben  \)wc  in 
Webe  ftel^enben  gälten  bie  ß^elid^feit  beö  Äinbeß  von  bem  ©bemanne  am 
gefoc^ten  werben  mu§  nnb  bas  3lnfec^tungßred^t  burd^  SInerfennung  beö 
Äinbes  bean).  burd&  Seitabtauf  rocgfäUt  (§§  1471—1473).  ©er  ©tanbpnnft  beö 
©ntmurfeß  fül^rt  anä)  fcineöwegö  ju  praftif d^en  ©d^mierigfeiten  gegenüber  ben  bie 
Seurhinbung  ber  ©eburtcn  betreffenben  Scftimmungen  beö  5ßerfonenftanbögef. 
0.  6.  gebruar  1875  §  22,  ba  nad&  bem  (Sntmurfe  (§  1471)  aud^  baß  vor  ber 
(Sf)t  empfangene,  nad^  Sd^liefeung  ber  ©l^e  geborene  Rinb  bis  bafiin,  bafe  bie 
anfed^tnng  ber  ß^elid^feit  beöfelben  erfolgt  iinb  ber  SRed&töftreit  über  bie  2ln* 
fcd^tungöflage  erlebigt  ift,  alß  ein  eljelid^eö  bebanbelt  wirb.  2)ie  2lnomatic, 
rotlöit  anfd^einenb  barin  liegt,  ba§,  obwohl  aud^  in  ben  l^ier  fraglid^en  gälten 
bie  Slnfed^tung  burd^  ©r^ebung  ber  Slnfcd^tungöflagc  erfolgen  mufe  (§§  1471, 
1475  aibf.  1),  bem  flagcnben  ©tiemanne  bie  SSemeiölaft  nid^t  obliegt,  tjer^^ 
fd^roinbet,  wmn  man  berüdEfid^tigt,  einerfeitö,  ba§  bie  9lnfed^tungöflage  nad^ 
bem  entwürfe  bie  gorm  ift,  in  meld&er  bie  Slnfed^tung  erfolgt,  anbcrerfeitö, 
bo§  jene  Älage  hcn  Äarafter  einer  ncgatioen  geftftetlungöflage  ^at. 

S)ie  im  §  1468  beftimmte  83ermutl)ung  greift  in  ©rmangetung  einer  einput  einer 
entgegcnftel^enben  93cftimmung  in  fofd^en  gälten,  in  meldten  auf  ©runb  ber  ^^^^^l^^ 
%%  1444,  1462  jcitroeilige  2:rennung  üon  X\\ä)  unb  S3ett  angeorbnet  ift,  aud^  ^if<^  u.  ©ett. 
möl^renb  ber  2:rennungöjeit  ^ßlafe.  3^  bemfefben  Siefultate  füfirt,  wenigftenö 
bem  SQBorttaute  nad^,  aud^  bie  gemeinred^tlid^e  5Hegel  „pater  est,  quem 
nuptiae  demonstrant«  (oergl.  (gntfd^.  b.  5R.  ®.  in  ßioitf.  XII,  39 ;  anbererfeitö 
©euffert  X,  267).  SKit  bem  ©ntrourfe  ftimmen  in  ber  liier  fraglid^cn  ^infid)t 
femer  überein  baö  preu§.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  1—4,  19,  40,  ber  code  civü 
Strt.  312,  315,  baö  öfterr.  ®.  S.  §  138  nnb  ia^  fä^f.  ®.  S.  §  1756.  ©a^ 
gegen  nel)men  ia&  in  ©Ifafe^Soti^ringen  gettenbe  franj.  ®ef.  n.  6.  ©e^embcr 
1850  (oergl.  ba^  franj.  ©H^eibungögef.  o.  27.  3uli  1884  2lrt.  2),  fomie  üer* 
fd^iebene  neuere  auötänbifd^e  ®efe|gebungen  ben  entgegengefefeten  ©tanbpunft 
ein  (t)ergl.  öfterr.  ^ofbefret  o.  15.  3uni  1835;  niebcrlänb.  ®.  S3.  3lrt.  309; 
ital.  ®. ».  Slrt.  163).  aiud^  ber  ^eff.  entro.  III  3lrt.  6  unb  bie  preufe.  ©nt^ 
würfe  über  @^efd&cibung  oon  1842,  1844,  1856  fcfiränfen  bie  2lnroenbimg  ber 
l^ier  froglid^en  Sßcrmutl)ung  für  ben  galt,  menn  Trennung  oon  S^ifd^  unb 
S3ett  angeorbnet  ift,  ein.  Snöbefonbere  foll  nad)  bem  preufe.  ©ntro.  n.  1856 
§  16,  mcnn  bie  ©l^elid^feit  beö  oon  ber  @l)efrau  geborenen,  mäljrenb  ber 
S^rennungöjcit  empfangenen  5linbeö  oon  bem  ©Ijemanne  angcfod^tcn  wirb,  bie 
93ermutl^ung  für  ben  galt  feine  Slnroenbung  finbcn,  bafe  bie  jcitmeilige 
2^rennung  oon  2^ifd;  unb  S3ett  burd^  ©liefd^eibung  ober  burd)  ben  Xob  eincö 


652  (Sfclic^c  «Bftammunö.    Seftficttunö  bcr  Sßaterf^aft.    §  1469. 

bcv  ©Regatten  bcenbigt  wirb.  Durd^  ha&  3lbgeorbnctenl)auö  würbe  bicfc  Sc- 
ftimmung  inbeftcn  obgelel^nt,  uub  anä)  bcr  S3crid^t  ber  Slommiffion  bcr  crften 
Äommcr  t).  2.  aWärj  1855  über  bcn  bcr  erftcn  Kammer  im  ^af)U  1854  oor- 
gelegten  ©ittrourf  ^ot  fid^  gegen  bie  in  ber  gebadeten  Äommiffton  beantragte 
3lufnal^me  einer  berartigen  SSeftimmung  ouögcfprod^en. 

gür  bie  5ßid^tonn)enbung  bcr  im  §  1468  beftimmten  SBcrmut^ung 
mä^renb  einer  gerid^tlic^  angcorbncten  jcitrociligcn  S^rennung  oon  SCifdd  unb 
Sctt  lägt  fid^  allcrbingö  gcitenb  machen,  bofe  mä^renb  ber  3:rcnnung8jeit  bie 
t{)atfäd&Iid&e  SBoraudfeJung  Jener  aScrmutl^ung,  bie  el^elidöe  Scbcnögemcinfd^oft, 
crmangelt;  ba  inbejfen  in  göUen  ber  ^ier  fraglid&en  9lrt  eine  2Bicberauöföbnung 
ober  eine,  menn  aud^  nur  Dorübergel^enbe,  faftifd&e  ^Bereinigung  ber  ©Regatten 
nid)t  feiten  ift,  fo  muß  cö  t)om  ©tanbpun!tc  beö  Sntcrcffeö  beß  Äinbeö  unb 
ber  ß^efrau  aus  ate  bebcnflid^  cra^tet  roerben,  bie  SSermutl^ung  für  bie  ^ier 
fragli(^en  gälle  ausjufd^liefecn.  ©cm  G^cmannc  bleibt  cö  felbftocrftänbUd^ 
unbenommen,  bie  angeorbnete  2^rennung  bei  3ül)rung  beö  im  §  1469  bc* 
jcid&neten  OcgcnberocifcS  als  ^nbijium  jti  oernjcrtljcn. 

§  1469. 

®cgenb«wci«  ^n  bcr  gemeinrccötlid)cn  2)oftrin  unb  5ßrariö  ift  cd  ftrcitig,  welcher 

^^mut^ung!^' 9lcid^roeiö  erforberlid^  ift,  um  bie  58ermutf|ung :  pater  est,  quem  nuptiae 
(Seitenbefi  demonstrant  ju  entfräften  (ocrgl.  1.  6  D.  de  his,  qui  sui  1,6).  gfjad^  einer 
w««t.  3lnfid^t  fann  jene  SScrmutfiung  nur  bur^  bcn  Siadiroeiö  oon  Umftänben  cnt^ 
fräftet  werben,  meldte  bie  93cin)of|nung  unmögli^  gemad^t  ^aben.  9lad&  biefer 
SKnfid&t  ift  ber  bireftc  Oegenberociö,  bafe  bcr  ©bemann  bcr  G^efrau  in  ber 
fritifd^en  3<^it  ^^^^  beigemo^nt  öabe,  unjuläffig  (ocrgl.  ©cuffert  I,  162, 
XXIV,  207,  XXXIII,  280,  XLI,  5;  ebenfo  afe  JRegcl  (gntfd^.  b.  SR.  ®. 
in  Gioilf.  XII,  39).  dagegen  bält  eine  anbere  SÄnfid^t  bcn  ^lad^mciö  bcr 
Unmöglid^fcit  bcr  Grjeugung,  inöbefonbere  bcn  5Rac^roeiö,  bafe  eine  33ein)ol^nung 
unter  bcn  Gfiegattcn  in  ber  ©mpfängnifejcit  ni^t  ftattgcfunben  l^abe,  für  aus- 
reid&cnb  (ocrgl.  Seuffert  I,  162,  II,  186,  VIII,  229,  XXXVHI,  205;  Urtl^. 
b.  31.  0.  bei  Orud^ot  XXV  S.  1024  ff.,  1027  ff).  ®inc  aWittetmeinung 
ocrlangt  jroar  nid^t  bcn  9lad^n)ciö  fotd)er  2^l)atfad^cn,  roetd^c  bie  SKöglid^tcit 
bed  cf|elid()cn  93cifd^lafcö  auögcfd^loffcn  t)abcn,  ^ält  aber  anbererfeitö  bie  ein* 
fad&e  S3el)auptung  nid^t  für  genügenb,  bafe  ber  Seifd^laf  innerl^olb  ber 
!ritifd^en  ^cxt  nid^t  erfolgt  fei,  fonbern  erachtet  bie  3)arlcgung  fold&cr  SJcr* 
l)ältniffe  für  erf orber lid^,  nad&  meldten  baö  Unterbleiben  beö  Scifd^lafcö  ab^ 
Toeid^enb  oon  bem  normalen  3uftanbe  alö  bered^tigte  Folgerung  oon  fclbft  ftd^ 
ergiebt  (ocrgl.  Seuffert  XIX,  9,  XX,  198,  XXIX,  4;  ocrgl.  aud^  X,  267). 
58on  bcn  neueren  ®efe|gebungcn  laffen  baö  preufe.  31.  S.  91.  II,  2  §  2 
(ocrgl.  Seuffert  I,  lf)2),  bie  altcnb.  G^eorbn.  §  149  unb  baö  fäd^f.  ®.  a. 
§  1772  bcn  bireften  ©egenberoeiö  ju,  bafe  ber  Cl^cmann  innerl^alb  ber 
Cmpfängnigjcit  ber  Gt)efrau  nid&t  bcigcmoljnt  l^abe  (ocrgl.  aud^  öfterr.  ®.  ©. 
§  158  unb  baju'lSeuffcrt  XXI,  8  Slnm.  1).  dagegen  fann  nad^  bem  code 
civü  9lrt.  312,  313  (ocrgl.  au^  l^eff.  Gntm.  Ili  3Irt.  4)  bie  aSermut^ung 
ber  e^clid^cn  Grjeugung  -  -  abgefe^cn  oon  bem  gaUe  cincö  GI)cbrud)eö  ber 


eöelid&c  aBPammung,    geftftcduuo  bcr  SSatcrfd&aft.    §  1469.  653 

e^efrau  (oergl.  barüber  unten  ©.  654)  —  nur  burd5  bcn  Jlad^rociß  cntfräftct 
werben,  bafe  eö  bcm  ©bemanne  wegen  ©ntfernung  ober  irgcnb  eines  3wfoHeö 
p^^fifd&  unmögttd^  mar,  in  ber  fritifd^en  3^it  ^^^  (S^efrau  beijuroo^nen. 

SJa  bie  SSermut^ung  beö  §  1468  ifire  (Srunblagc  in  ber  an  fid&  burd^  6tanbpun«t 
bie  e^Iid&e  ©emcinfc^aft  begrünbeten  SBa^rfd^einlid^feit  l^ot,  bafe  ber  ®E|emann  cntwurteö. 
tnncr^ott  ber  ©mpfängnigjeit  beö  Äinbeö,  foroeit  bie  legtere  in  bie  'S^ii 
roälirenb  ber  ®^e  fällt,  feiner  Ehefrau  beigeroolint  l^at,  fo  entfprid&t  eö  ben 
ungemeinen  Orunbfägen  (§  198),  bafe  jene  93ermut^ung  burd^  ben  Seroeiö 
cntMftet  werben  fann,  ba§  ber  ® bemann  innerl^alb  ber  ©mpfängni&jeit,  fo^^ 
weit  biefe  in  bie  3cit  wül^renb  ber  ®^e  fällt,  mit  ber  ©l^efrau  bcn  Seifd^iaf 
nic^t  ooUjogen  l^abe.  @in  bringcnbed  praftifd^eö  Sebürfnife,  ben  ©cgcnbeweiö 
im  3ntercffe  cineö  größeren  ©d^ufteö  beö  Äinbeö  unb  ber  ©l^efrau  unb  jum 
3wcdEe  ber  SÄbfd^neibung  ooger,  unter  Umftänben  mit  er^cblid^en  Jloften  oer* 
bunbencr  Seweiöfül^rungen  im  Slufd^Iuffe  an  ha&  franj.  Siedet  unb  eine 
in  ber  gemeinred(|tlid^en  Suriöprubeni  vertretene  Sluffajfung  weiter  einju* 
fd^ränfen,  fann  nid&t  anerfannt  werben.  Snöbefonbere  ift  bem  gegen  ben 
Stanbpunft  bcö  ©ntwurfeö  geltenb  gemachten  ©eftd^töpunfte,  bafe  ber  3Ift  beö 
e^elid&en  93eifd^Iafeö  um  beöwiUen  nid^t  unmittelbar  in  grage  geftellt  werben 
bürfe,  weil  eö  fid^  nid^t  jieme,  bie  ®el)eimniffe  beö  el>elid^en  Sebenö  vox 
®crid^t  ju  [teilen,  entfd^eibenbeö  (Sewid^t  nid^t  beijumeffen.  Slud^  auf  anberen 
Oebietcn  beö  SRed^teö  läfet  eö  ftd^  nic^t  immer  üermeiben,  bafe  bie  ©e^eimniffe 
beö  el^clid&en  Sebenö  ben  Oegcnftanb  gerid)tlid^er  Säerl^anblungcn  bilben. 
9lu§erbem  wirb  biefer  Uebclftanb  aud&  bann  ni^t  DoUftänbig  befeitigt,  wenn 
man  ben  ©egenbeweiö  auf  ben  5Rad^weiö  folc^er  S^^atfad&en  bcfd^ränft,  wcld^c 
bie  SWöglid^feit  beö  SBeifd^Iafeö  auöfd^liefeen,  bo  bem  Äinbe  jur  (Sntfräftung 
biefeö  SRad&weifeö  boc^  ber  83eweiö  nid)t  abgefd^nitten  werben  fann,  bafe  trog 
jener  S^l^atfad^en,  auf  weld^e  bie  Unmögfid^feit  beö  Seif^fafeö  gegrünbet  wirb, 
bcr  festere  in  5Eßirflid^feit  ftattgefunben  fiabc.  ©cgen  einen  SRifebraud^  ber 
@ibeö)ufd^ie6ung  aber  fd^ü^t  in  genügenber  SBeife  bie  93orfd^rift  beö  §  410 
ber  6.  5ß.  C  Slnbererfeitö  fprid&t  gegen  ben  ©tanbpunft  beö  franj.  SRec^teö, 
ba%  berfelbe  unter  Umftänben  ju  einer  großen  ^ärte  gegen  b^n  ©bemann 
ful^rcn  fann,  wenn  ber  (entere  —  waö  feineöwegö  auögcfd^lofjen  —  in  ber 
Soge  ift,  auf  anbere  9lrt  in  übcrjeugenber  8S8eife  ober  bod^  biö  ju  einem  foldf^en 
©rabc  ber  SBa^rfc^einli^feit,  ba§  auf  einen  rid^terlic^en  @ib  erfannt  werben 
fann,  ben  83eweiö  ju  fül^ren,  bafe  er  innerhalb  ber  fraglid^en  Qdt  mit  ber 
ßl^efrau  ben  Seifd^Iaf  nid^t  ooUiogen  ^abe.  gerner  fommt  in  33etrad^t,  bafe 
ber  Segriff  ber  äbwefen^eit,  burd^  beren  SJad^weiö  aud^  nad^  franj.  5led)te 
bie  SBermutl^ung  entfräftet  werben  fann,  unbeftimmt  ift  unb  SBeranlaRung  ju 
Streitfragen  unb  ^rojejfen  ju  geben  brol)t. 

Sefonbere  Seftimmungen  über  bie  ©rJ^eblid^feit  beö  3^u9i^if?^ö  oberSeugnit  "«*> 
®eftänbnif[eö  ber  ÜJlutter  beö  Äinbeö,  bafe  Ie|tereö  nid^t  üon  bem  ©Eiemanne  tt^^"«^^^ 
erjeugt  fei  (Dergl.  1.  29  D.  de  prob.  22,  s ;  preufe.  31.  S.  5R.  II,  2  §  6 ;  ofterr. 
®.  ».  §  158;  f)^.  entw.  III  3trt.  1  3lbf.  2;  baneben  aber  §  14  9lbf.  2  3lr.2 
bcö  ©nf.  ®ef.  jur  6.  ^.  D.  unb  Urt^.  b.  91.  ©.  bei  ©rud^ot  XXV  S.  1027  ff.), 
finb  jum  ©d^ufee  beö  Sntereffeö  beö  Äinbeö  nid^t  für  erforberlidö  erad^tet.  ßö 
reichen  in  biefer  i&infid^t  bie  allgemeinen  ©runbfäge  ber  6. 5p.  D.  über  bie 


654  (EW^t  9t6ftammunö.    ScftfteHunfl  bcc  »aterf^aft.    §  1469. 

freie  93en)ci8roürbigung  nnb  bod  S^wanife  von  SScrroanbten  bcr  ^Parteien  (§§  259, 
348  3lx.  3,  §  349  3lx.  2,  §  358  a.  6.  bcr  6.  Sß.  D.)  auö. 
üf^arudf  ber  gßie  bcr  §  1469  crgicbt,  fann  bic  im  §  1468  beftlmmte  93crmut^ung  nur 

^"***''  burd^  bcn  im  §  1469  bejcid^neten  Scrociö  cntfräftet  merben.  SJaburd^  crl^ält 
bicfe  33ermut^ung  für  bcn  gall,  xomn  bcr  ®^emann  innerl)alb  bcr  im  §  1469 
bcäcid)nctcn  3^it  mit  bcr  ß^cfrau  bcn  Scifc^taf  poUjogcn  \)ai,  jugtcid^  ben 
Äaraftcr  einer  giftion,  nämli^  ber  giftion,  bafe  biefer  Scifd^laf  bes  ©^cmanncö 
bic  ©rjeugung  bcö  Äinbes  bcroirft  ^abe.  ®d  foH  mitl^in  bcr  mogfid^c  el^clid^e 
aSatcr  alö  mirHid^cr  el^elid)er  aSatcr  gelten.  2)emgcmä6  ift  in  Uebercinftimmung 
mit  bcr  ficrrfd^cnben  SÄnfid^t  bcö  gemeinen  9lcd&tcö  (L  11  §  9  D.  ad  leg.  Jul. 
de  adult.  48, 6 ;  1.  29  §  1  D.  de  prob,  22, 3)  unb  bcn  meiftcn  neueren  ©cfeft« 
gebungen  (preufe.  31.  S.  S».  II,  2  §  5;  öfterr.  ®.  S.  §  158;  föd^f.  @.  ».  §  1772; 
f)ef[.  ©ntro.  in  3lrt.  1)  nomcntlid^  bcr  ^iad&rociö  uncr^cblid^,  bafe  bie  ®^cfrau 
inncrl^alb  ber  ©mpfängnifejeit  eines  e^cbrud^cö  fid^  fd&ulbig  gemacht  ^abe,  felbft 
in  aSerbinbung  mit  anberen  3nbijien,  meldte  auf  bic  93aterfd^aft  eines  3)ritten 
^inbeuten.  dagegen  nimmt  ber  code  civil  3lrt.  313  (ocrgl.  aud&  altenb. 
(S^eorbn.  §  149)  infofern  einen  abrocid^cnbcn  ©tanbpunft  ein,  als  ber  @§es 
brud&  ber  ®^efrau  in  33erbinbung  mit  ber  SJcrl^cimlid^ung  bcr  Oeburt  beS 
Rinbcß  bcm  ©bemanne  bas  SWec^t  giebt,  bic  ®^cUc^!eit  bcö  Slinbcö  onjufcd&tcn, 
aSom  ©tanbpuntte  bcö  franj.  5lcd&tcä  aus,  nad^  meld^cm  bic  SJorauSfefeung, 
bafe  ber  @]^cmann  ber  58ater  bes  Rinbcs  ift,  fonft  nur  burd^  bcn  9lad^mcis 
bcr  pj^qfifd&cn  Unmoglid^fcit  bes  Seifd&Iafes  mit  ber  iß^efrau  innerhalb  ber 
tritifd^cn  Qtxt  cntfräftet  roerbcn  fann,  i)ai  jenes  Slnfcd^tungsrcc^t  baburc^  eine 
befonbere  Sebeutung,  bai  ber  (Seemann  in  bcm  ^kv  fragli^cn  galle  feine 
SBel^auptung,  bafe  er  nid^t  ber  SJater  bes  ÄinbeS  fei,  auf  fünfttic^em  SBcgc  burd^ 
alle  fd^lüffigen  2:^atfadöen  barjut^un  bered^tigt  ift.  2)iefe  Scbeutung  bcr  ab« 
mcic^enben  aSorfd^rift  bes  franj.  3lcc^teS  fommt  für  bm  ©ntrourf  im  ^inblidte 
auf  bie  im  §  1469  beftimmtc  Slrt  bes  ©egcnbcmeifes  gegenüber  ber  aSer* 
mut^ung  bes  §  1468  nid^t  in  Sctrad&t.  6ä  fann  fid^  bal^er  nur  fragen,  ob 
bcr  ©l^cmann  aud^  in  bcm  S^^e,  in  meld&em  er  inncrfialb  ber  fritifd&en 
3eit  bcr  (g^efrau  mirflid^  beigemo^nt  l^at,  auf  ®runb  beS  ß^ebrud^cs  ber 
ß^cfrau  in  aSerbinbung  mit  anberen  3nbi}ien  ju  bcm  ©cgenbemeife,  bafe  baö 
£inb  nic^t  von  if)m  erjeugt  fei,  jugclaffcn  werben  foH.  Uebcrroiegcnbe  (Srünbc 
fpred^en  inbeffen  gegen  bie  3wföff^i^9  ^i^f^ö  Scroeifcs.  i^at  ber  Seemann  in 
bcr  fritifd^cn  S^it  feiner  ®^efrau  beigcroo^nt,  fo  ift,  mcnn  man  von  gan§ 
fcltencn  unb  bcsl^alb  feine  befonbere  Serüdiid^tigung  oerbienenbcn  gätten  ab« 
fielet,  bic  3RogIic^fcit,  bafe  ber  Seemann  bcr  aSater  bes  Äinbes  ift,  aud^  bann 
nid^t  ausgcfc^Ioffcn,  rocnn  bic  ©^cfrau  beS  ©^cbrud&cs  fid^  fc^ulbig  gemad^t  l^at 
unb  juglcid^  anbere  Snbijien  me^r  ober  mcnigcr  auf  bie  aSaterf^aft  eine« 
dritten  l)inbeutcn.  ©s  ift  aber  als  ein  geringeres  Uebcl  unb  als  ein  geringeres 
Unrcd&t  anjufe^en,  roenn  ausnal^msrocife  ein  roirfßd^  unc^clid^cs  Äinb  als 
Äinb  bes  e^cmanncs,  als  xotnn  ein  in  aiBirftid^feit  el^elid^cs  Äinb  als  ein  um 
e^elid^es  Äinb  bclianbelt  wirb. 
orabberReife  3)urdö  bic  Scftimmuug  bes  §  1469  roirb  ferner  bie  gemcinred^tlic^  fe^r 

be«  iwnbe«.  (^^1-4^.^41^^^  gj.jjgg^  jj{,  jj^j.  g^emauu,  mcnnglcic^  er  mit  ber  SMutter  beS  ÄinbeS 

inncrl^alb  bcr  Äonjcptionsjcit  bcn  Seifc^laf  ooUjogcn  ^at,  bennod^  aus  bcm 


gjcltdfte  aBfiammung.    geftftettung  ber  Satcrfcfcaft.    §  1469.  655 

©rabe  ber  Steife  bed  jtinbed  ben  ©egenbetoeid  entnel^men  barf^  bag  bad  jlinb 
Qud  ienem  Seifd^Iafe  nid^t  erjeugt  fein  fönne  (oergf.  bafür  ©cuffert  VI,  210, 
XXI,  9,  XI,  11,  XX,  9,  XXI,  8,  xn,  161 ;  bogcgen  ©euffcrt  I,  161,  xm, 
123,  XV,  98,  XVn,  115,  XVIII,  109,  XXI,  199),  in  Uebereinftimmung  mit 
ben  weiften  neueren  ©efefegebungen  in  ©emeinenbem  ©inne  entfd^ieben  (t)ergl. 
preug.  3(.  S.  SR.  n,  2  §2;  code  civü  Slrt,  312,  313;  altenb.  ©^eorbn.  §  149 
Dcrb.  mit  §  5  beö  altenb.  ®ef.  v.  29.  aWai  1876;  fäd^f.  ®. ».  §  1772).  ©ine 
aiudnal^me  mod^t  boö  preufe.  ä.  S.  91.  11,  2  §  21  iebod^  unter  geroiffcn  33ors 
auÄfefeungen  für  ben  gaU  einer  nad^  bcm  Xobe  beö  ®f)emanneö  erfolgenben 
(Seburt  beö  ftinbed.  gür  ben  ©tanbpunft  beö  ©ntourfeö  fprcd^en  biefcEben 
erroägungen,  mie  biejenigcn,  weld^e  ba ju  gefül^rt  l^oben,  ber  im  §  1467  be* 
ftimmten  ©mpfängnifejeit  einen  abfofuten  Rorafter  beizulegen  (üergl.  bie  äßo* 
ivot  gu  §  1467  oben  ©.  649)  unb  ben  Sßad^roeiö  für  unerfieblid^  ju  erflärcn, 
bafe  bie  S^efrau  innerhalb  ber  ©mpfängnifejeit  aud^  mit  einem  Dritten  ben 
Seifc^Iaf  toBjogen  f)abe  (t)ergl.  oben  @.  654). 

3m  3iif<i^^wienl^ange  mit  ber  S^age,  ob  ein  ©egenberoeiö  gegen  bie  im  sc^wanfler* 
§  1468  beftimmtc  SBermutl^ung  auö  bem  ®rabe  ber  SReife  beö  Äinbcö  julöfftg  selttla^Sei* 
fein  foU,  fielet  aud^  bie  grage,  ob  jene  SBermutl^ung  burd^  bzn  ^Rad^roeiö  ent*  '^^*- 
fräftet  werben  fann,  bafe  bie  ß^efrau  jur  3^it  beö  Seif^Iafeö  bereitö  fd^roanger 
gemefen  fei  (t)ergl.  ©euffcrt  II,  254,  Xin,  123).  3m  3lnfd(|Iuf[e  an  bie  neueren 
©efefegebungcn  ift  aud^  biefer  Sßad^meiö  burd&  bie  Seftimmung  beö  §  1469  für 
uner^eblid^  erflärt.  SBenngleid^  bie  3:i^atfad&e,  bafe  bie  ß^efrau  jur  3^^*  beö 
Seifc^Iafeö  fd^monger  mar,  bie  aWöglid^feit  einer  auö  bcm  lefeteren  erfolgten 
3^gung  notl^menbig  auöfd^liegt,  fo  fann  man  biefen  @inn)anb  bennod^  auö 
benfelben  ©rünben  nid^t  julaffen,  meiere  gegen  bie  3üföffii'^9  beö  ©egen* 
bemeifeö  auö  bem  SReifegrabe  beö  Äinbcö  fpred^en,  inbem  bei  gü^rung  beö 
Semeifeö  ber  ©d^mangerfd^aft  roefcntUd^  aud^  ber  ©rab  ber  Steife  beö  nad^l^er 
geborenen  Rinbeö  mit  in  SBetrad^t  fommen  mürbe.  3^bem  ftnb  gerabc  in  ben 
erjien  SRonaten  ber  ©d^roangetfd^aft  bie  ©qmptome  ber  Icfcteren  trügerifd^,  unb 
nmrbe  bal^er  ber  l^ier  fraglid^c  Seroeiö  übertiaupt  nur  in  ben  feltenften  gäüen 
crbrad^t  merben  lönnen.  3lnberö  liegt  bie  Baä)t  in  bem  galle  beö  §  1467 
Slbf,  2.  ©ort  fällt  ber  mit  ber  ©l^efrau  roä^renb  ber  ©d^roangerfd&aft  oolt 
jogene  Seifd^laf  überhaupt  nid^t  in  bie  gcfegtid^e  ©mpfängnifeeit. 

S)aö  preufe.  91.  S.  SR.  n,  2  §§  2,  3  l)ebt  alö  ©runb  ber  unterbliebenen  3e»t«unfls. 
e^elid^en  Seimol^nung  befonbcrö  baö  3^^9W"9öw"^^i^B9^i^  beö  ß^emanneö  ""'*J^^*" 
voS^vtnb  ber  gefe^lidöen  ßmpfängnifejeit  l^eruor  (t)ergl.  aud^  1.  6  D.  de  his,  «^manne«. 
qui  sui  1,  e).    Umgefe^rt  beftimmt  ber  code  civil  airt.  313,  bafe  ber  (Sl^emann 
bie  Slnfe^tung  ber  ©l^elid^fcit  beö  Jtinbeö  auf  fein   natürlid^eö  Unvermögen 
nic^t  grunben  fonne  (Dcrgt.  aud^  altenb.  ©I^corbn.  §  150).   3)ie  9luölegung  beö 
Slrt  313  beö  code  civil  ift  febod^  ftreitig.  2Bä^rcnb  bie  eine  Slnfid^t  benfelben  bal^in 
auölegt,  bafe  feine  Slrt  ber  3ntpotenj  in  Setrad^t  fommc,  betrad^tet  eine  anbere 
bie  3^9iiti9ö«nfäl^igfeit  mit  9lüdEfid^t  auf  2lrt.  312  bann  alö  er^eblid^,  rotnn 
biefelbe  auf  einem  leidet  erfennbaren  UnglüdEöfaHe  beruht,  alfo  mä)i  oon  $Ratur 
üor^anben  ober  burd^  ©d^roäd^e  ber  Organe  l^crbeigcfü^rt  ift.    3la6)  bem  ^eff. 
&ntxo.  m  Slrt.  4  fann  bie  Slnfcc^tung  auf  ein  äufeerlid^  erfcnnbarcö  Um 
»ermögen  geftüßt  werben.    S)aö  fäd^f.  ©.  93.  §  1772  erroäl^nt  ben  gall  ber 


656  eWi^c  a6ftommunö.    geRfteDung  ber  Saterfc^aft.    §  1470. 

Sciigungöunfäl^igfeit  übcrijaupt  nid^t  bcfonberS.  3[ud&  ber  ©ntiourf  l)Qt  es 
tjorgejogcn,  in  bicfer  ^infic^t  ju  fd^rocigen.  ©ntfd^cibcnb  ift  allein,  ob  ber 
Seemann  innerhalb  ber  im  §  1469  bejei^neten  3^it  mit  ber  @^efrau  ben 
Scifd^laf  DoUjogen  l^at.  ©in  Sebürfnife,  baneben  bie  ?5^age,  ob  SKongel  ber 
3eugungöunfä^igfeit  mag  biefelbc  öufeerlid^  crf cnnbar  fein  ober  nid^t,  begrifflid^ 
bie  SSoUjie^ung  beö  SBeifd^lafeö  im  Sinne  beö  §  1469  auöfd^liefet  ober  nid^t, 
im  (Sefefte  auöbrüdlid^  ju  entfd^eiben,  liegt  nid&t  oor,  Dielmel^r  tann  bie  93eonts 
mortung  bicfer  gragc  unbebenflic^  ber  3uriöprubenj  übertaffcn  rocrben. 


§  1470. 

empfttMonift  S)ie  S3cftimmung  beö  §  1470  ©oft  1  roenbet  bad  ben  SSorf^riften  ber 

sj^ueftung  §§  ^^^^'  ^^^^  J"  Orunbc  Ucgcnbe  ^rinjip  ,,ber  mögliche  e^elidfee  SSater  gilt 

bercbe.    olfi  loirflid^cr  SBatcr"  aud^  auf  bie  nad&  Sd^liefeung  ber  6^e  geborenen,  aber 

Dor  Sd^liefeung  ber  lefttcren  oon  ber  ®l)efrau  empfangenen  Stinber  on.    6nt* 

fd^eibenb  für  bie  ©^elid&feit  bicfer  5iinber  ift  bal^er  cbcnfallö  allein  bie  S^^at* 

fad&c,  bafe  ber  ©^emann  innerhalb  ber  empfängniöjeit  mit  ber  ©^efrau  ben 

Seifd^laf  oolljogen  f|at.    3nöbefonbcre  ift  aud^  in  bem  ^ier  in  SRebc  ftel^enben 

Exceptio    gaiie  bie  exceptio  plurium  constupratoram  audgcfd^loflen.    3)ie  Orünbe,  meldte 

«tap«Tora^m' batiin  geführt  l^aben,  jeneö  ^rinjip  für  bie  wö^renb  ber  ®^e  empfangenen 

Äinber  anjuerfennen  (oergL  3Rotioc  }u  §  1469  oben  S.  654),  treffen  audb 

l^ier  JU.    3)ie  ^lid^tonroenbung  jcneö  5ßrinjiped  in  bem  l^ier  fraglid^en  gallc 

würbe  um  fo  meniger  gered&tfertigt  fein,  als  mä)  bem  §  1466  aucö  bie  x)or 

ber  ®^c  empfangenen  unb  nad^  ©d^liefeung  ber  S^c  geborenen  Äinber  nid^t 

bloß  legitimirte,  fonbern  e^elid^e  Äinber  finb.    ajlit  bem  ©ntrourfe  ftimmen  im 

5ßrinjipe  aud&  baö  preufe.  SRed^t  (ücrgl.  3t.  2.  9t.  n,  2  §§  1,  2;  Urt^.  beö 

Db.  3:rib.  bei  ©ruc^ot  XVII  ©.  822  ff.),  baö  franj.  Siedet  (code  civil  ärt  312, 

316—318)  unb  baö  fäd^f.  ®.  83.  §§  1776,  1777,  1859,  1872  (oergl.  Urt^.  beö 

C  S.  ®.  ju  3)reöben  bei  Orud&ot  a.  a.  D.  S.'822)   übercin;  bod^  ift  nad^ 

franj.  3?cd&te  in  bem  l)ier  in  JRebe  fte^cnbcn  galle  in  ©cmäfel^cit  beö  ©runJh^ 

fafteö  „la  recherche  de  la  paternite  est  interdite"  (code  civil  9lrt.  340)  bie  ©l^e* 

lid^!eit  beö  Äinbeö  regelmäßig  burd^  bie  frcimillige  Slncrfennung  oon  ©eiten 
beö  ©l^emanncö  bcbingt.  5Äud&  gemcinred^tlid^  mirb  menigftenö  in  bem  gaHe, 
menn  ber  ©^emann  baö  Äinb  alö  baö  feinige  anerfannt  l^at,  bie  ^räfumtion 
„pat>er  est,  quem  nuptiae  demonstrant"  in  bem  ©inne  angemenbet,  bafe  biefc 
burd^  bie  Slncrfennung  begrünbete  5ßräfumtion  nur  buxä)  ben  öcroeiö  ent* 
Mftct  merben  fann,  ba^  ber  ©ficmann  nid^t  ber  ©rjeuger  beö  Jlinbeö  fein 
fönnc  (oergl.  Seuffert  I,  163,  XI,  10,  XIII,  232,  XXI,  200,  XXII,  287, 
XXIV,  242).  Cb  in  ©rmangelung  eincö  3lnerfenntniffcö  beö  Äinbeö  oon 
Seiten  beö  G^emanncö  bie  aSaterfc^aft  beö  festeren  überfiaupt  auf  anbcre 
SBcifc  auögcmittclt  roerbcn  fann,  ob  namcntlid^  baju  ber  S^ad^rociö  genügt, 
bafe  ber  ©bemann  inncrfialb  ber  ©mpföngnißseit  ben  93eifd&laf  mit  ber  ©^e? 
frau  oolljogcn  f)ot,  unb  ob  in  biefcm  galle  bie  exceptio  plurium  constupra- 
torum  auögefdötoRcn  ift  ober  nic^t,  ift  nad^  gemeinem  Sted^te  beftritten. 
»eTPeiöiaft.  3lbn)ci(^enb  x)on  bem  galle  beö  §  1468  l^at  aber  ber  ©ntwurf  ouö  ben 

in  ben  Diotiüen  ju  §  1468  oben  ©.  650  ff.  bereits  bargelegtcn  Orünben  für  ben 


SWi^c  3lbftamniun0.    ©eltcnbmaifeung  ber  UncWWeit.    §  1471.        657 

I|icr  in  9?ebc  fte^enbcn  goU  niäjt  aud^  bic  SScrmut^ung  oncrfonnt,  bag  ber 
ß^ctnann  inncrl^alb  ber  ßmpfängnifejeit  mit  ber  ß^cfrau  bcn  S3eifcf|laf  voU= 
jogen  ^abe;  anbcrccfeitö  ift  er  nid)t  foiocit  gegangen,  in  bcm  I)ier  fraglid^cn 
gttttc  nad)  bem  SBorgange  bed  franj.  3lcd^tcö  unb  einer  in  ber  gcmeinredt|ti= 
lid^en  3uridprubenj  rielfad^  vertretenen  Slnftd^t  bie  ß^elici^feit  beö  Äinbeö  von 
ber  freiwilligen  Slnerfennung  burd^  ben  ©fiemann  abhängig  ju  mad^en,  ba  ber 
©ntrourf  im  3ntereffe  beS  Rinbeö  aud^  im  Uebrigen  ben  Orunbfog  „la 
recherche  de  la  patemitö  est  interdite"   abgelel&nt  i)ai  (t)ergl.  §§  1572,  1580). 

3m  gaDe  beö  §  1470  mu§  ba^er,  xomn  r\a6)  ÜRofegabc  be«  §  1471  bie  Un^^ 
e^elid^feit  bcö  Äinbeö  geltenb  gemacht  toirb,  berjenige,  roeld&er  fic§  auf  bie 
(S^elid^feit  bes  Äinbeö  beruft,  htn  Seroeiß  fül^ren,  bafe  ber  ©bemann  inner^^ 
^alb  ber  (Smpfängnigjeit  beö  Äinbeö  mit  ber  ©l^efrau  ben  Seifc^laf  DoUiogen 
^abe.  (Sine  äußnal^me  mad^t  in  biefer  83ejiet)ung  jebod^  ber  §  1470  ©ag  2 
für  ben  gafl,  menn  ber  ©bemann  ftirbt,  o^ne  bie  S^elid^feit  bes  Äinbeö  an^ 
gefönten  ju  \)Qben,  3)iefe  Stuönal^me  fteUt  pdi  gegenüber  bem  ju  ©unften 
ber  Rinber  nodf)  weiter  gel^enben  preufe.  SRed^tc  (oergl.  SRotioe  ju  §  1468  oben 
©.  650  ff.)  afe  eine  angemeffene  SBermittelung  bar  unb  enthält  eine  billige  Sluö- 
glcid^ung  ber  nad&t^eiligen  Sage,  in  mcld&e  baö  Äinb  in  bem  üorauögefegtcn 
^Be  burd^  ben  Xob  beö  ß^emanneö  gerät^.  O^ne  jene  5!luöna^mebeftimmung 
würbe  man  in  üiefen  gäUen  ju  einem  materiell  unrid^tigen,  baö  Siedet  beö 
ftinbeö  franfenben  9lefultate  gelangen,  ba  bei  einem  vor  ber  6l)e  empfangenen, 
aber  nad^  ©d^tiegung  ber  ©l^e  geborenen  ftinbe  erfal)rungömä§ig  in  ber 
Siegel  ber  Seemann  ber  SSater  beö  Äinbeö  ift.  2)iefc  ©rfa^rungötl^atfad^e  üer:^ 
mag  allerbingö  für  fold^e  gfille,  in  meldten  ber  ®l)emann  von  feinem  3ln* 
fed&tungöred^te  ©ebraud^  gemalt  ^at,  auö  ben  in  ben  Sflotiuen  ju  §  1468 
oben  ©.  650  ff.  bargelegten  ©rünbcn  bie  SBermutl^ung,  ha^  ber  ©l^cmann  ber 
38ater  beö  vox  ber  ®^e  empfangenen,  aber  nac^  ©c^liefeung  ber  6^e  geborenen 
ftinbcö  fei,  nid^t  ju  begrünben.  3n  bem  l^ier  in  JRebe  ftel^enbcn  gälte  liegt 
bagegen  bie  ©ad^e  anberö,  ba  Dorauögefegt  wirb,  ha^  ber  @l^emann  bie  (Sif)tf 
lid&feit  beö  ilinbeö  nid&t  angefod&ten  l&at,  alfo  feine  ^anblung  beö  g^emanneö 
oorliegt,  meldte  bie  auö  jener  ©rfal^rungöt^atfa^e  l^crjuleitenbe  SBalirf^cinlid^* 
feit  cntfräftet.  SBon  biefem  ©efid^töpunfte  auö  fann  barauf,  bafe  ber  ®l^e* 
mann  ror  feinem  SCobc  oon  ber  ©eburt  beö  Äinbeö  ober  von  ber  ©^manger^ 
fd^aft  feiner  (S^efrau  üietteid^t  überall  feine  Äenntnife  erlangt  l^abe,  erl^eblid^eö 
©ewid^t  nid^t  gelegt  werben. 

S)a6  bie  Seftimmungen  beö  §  1470  aud^  bann  Slnwenbung  finbcn, 
wenn  nur  ein  2^^eil  ber  ©mpfängnifejeit  in  bie  ^üt  vox  ©d^liefeung  ber  ®lje 
fSBt  unb  für  ben  in  bie  (g^e  faUenben  SC^eil  ber  ©mpfängnifejeit  ber  im 
§  1469  bejeid^nete  Seweiö  geführt  wirb,  ift  alö  felbftoerftönblid^  nid^t  be* 
fonberö  jum  äluöbrudte  gebrad^t. 


§  1471. 

®er  §  1471  in  SBerbinbung  mit  ben  §§  1472,  1473,  1475  beruht  auf    ©eitenb- 
bem  ^rinjipe,  ba^  bie  Une^elld&feit  eineö  uon  ber  ©i^efrau  wS^renb  ber  ®^e  SS?^"ea!ftfSt 
ober  innerl^alb  breil^unbert  ^agen  nad^  3lufl6fung  ber  ®f|e  geborenen  Äinbeö  *>««  **"*>««• 

SRotioe  |.  UtegerL  9t\tifin»^.  IT.  42 


stecht 


658         Siclid&c  9tSftammunö.    ©cltcnbmac^uiio  ber  Unc^eltc^fcit.    §  1471. 

nad^  3)k§gabc  bcr  §§  1466—1470  t)on  5Wiemanbcm,  tocber  Don  bem  ©bemanne 
mä)  von  bcr  ®f|cfrau  ober  bem  Äinbe  ober  einem  ©ritten,  gcitenb  gcmad^t 
werben  fonn,  folange  nid^t  ber  ©l^emonn  bic  ß^clid&feit  beö  Äinbeö  burd^ 
einen  formeDen,  als  ein  emfeitigeö  SÄe^tögefd^äft  fxä)  barfteUenben  SHt  (§  1475) 
angefod^ten  \)at  9?ur  in  bem  galle,  wenn  bcr  Seemann,  o^nc  bic  ®^elid&feit 
beö  Äinbeö  angefod^ten,  ober  aud^  ofinc  baö  SRcd^t  ber  9lnfed&tung  Dcrforcn  ju 
l)aben,  geftorben  ift,  ift  bic  ©eltenbmac^ung  ber  Unc^elid^fcit  bes  ftinbeö  einem 
3cben  nod&  9)ia§gabe  ber  allgemeinen  ©runbfäße  geftattet.  Das  Siedet  bcö 
G^emonncö,  bic  ®f>eli^feit  beß  Äinbeö  anjufcd&ten,  wirb  burd^  STnerfennung 
beg  lefeteren  oon  Seiten  beö  ©l^emanneö  (§  1472),  foroie  burd^  ^^it^l^f^^wf 
(§  1473)  audgefd^Ioffcn.  ^at  ber  Seemann  in  ber  einen  ober  anberen  9lrt 
ba&  3itä)t  ber  5Knfed^tung  verloren,  fo  pröjubijirt  bieö  aud^  bem  ftinbe,  ber 
Ehefrau  unb  brittcn  ^erfonen  in  ber  Slrt,  bafe  bie  Unel^elid^feit  beö  Äinbeö 
t)on  Sßiemanbem  me^r  geltenb  gemalt  werben  fann  (§  1471  3lbf.  1). 
•eiuttbe«  2)te  beftel^enben  Siechte  gelten  in  ben  ^ier  fraglid&cn  Sejie^ungen  üon 

tJerfc^iebencn  ©runbfäfeen  auö.  3n  ber  gemeinred^tlid^en  2)oftrin  unb  ?|Jrafiö 
ift  ftreitig,  ob  nur  bem  ®{)emanne  baö  Stecht  juftel^t,  bie  SSermutl^ung  „pater 
est,  quem  nuptiae  demonstrant"  aniufedE)ten,  ober  ob  —  wie  bie  ^errfd^enbc 
Sßeinung  annimmt  —  aud^  o^ne  ba|  eine  fold^e  ^[nfed^tung  uon  Seiten  beö 
ß^emanneö  erfolgt  bejro.  bie  Unel^elid^feit  beö  Äinbeö  in  einem  jTOifd^en  biefem 
unb  bem  ©bemanne  gefül^rten  Sled^töftreite  feftgeftettt  ift,  bie  Une^elid^feit  beö 
Äinbeö  von  einem  Sebcn  nad^  SKafegabe  ber  allgemeinen  ©runbfäfte  alö 
^^Jräjubijialpunft  irgenb  eineö  anberen  Slec^töoerl^ältniffeö  burd^  SBiberlegung 
bcr  SScrmutl^ung  ber  ß^cUd^feit  geltenb  gemad^t  werben  fann  (tjcrgl.  eincrfeitö 
©euffcrt  II,  296,  V,  292,  VI,  46,  vni,  263,  XXXI,  39 ;  anbererfeitö  ©cuffert 
II,  186,  XI,  10,  XXn,  287,  XXXIH,  280,  XLII,  275,  ©ntfc^.  b.  SH.  ®.  in 
eiüilf.  XATII,  38).  Slud^  barüber  gelten  gemeinred^tlid&  bie  SKnfid^ten  auö« 
einanber,  ob  bic  STnerfennung  beö  Äinbeö  ron  Seiten  beö  ß^emanncö  nur 
bie  S3ebeutung  eineö  SBcmeiömittelö  ober  eineö  bie  ©eltenbmad^ung  ber  Une^e« 
lid^feit  beö  Äinbeö,  inöbefonbcrc  aud^  Don  Seiten  dritter,  auöfc^Uefeenben 
Slec^tögcfd^öftcö  ^at.  3n  ©oftrin  unb  ^ßrajiö  mlrb  inbeffen  Dorgugöweife  bie 
crfte  Slnftd&t  ücrtrctcn  (oergl.  Seuffcrt  1, 163,  XI,  10,  xm,  232,  XXI,  200, 
XXn,  287,  XXW,  242).  SBon  ben  neueren  ©efefegebungen  ftimmt  bie  aße^r« 
jal^l  in  ben  oben  l^erporge^obenen  fünften  mit  bem  ©ntrourfe,  menn  aud^  im 
©injelnen  abroeid&enb,  bod^  grunbfäglid^  überein  (pergl.  inöbef.  preug.  91.  fi.  91. 
n,  2  §§  7—20,  40,  41;  öfterr.  ®.  S3.  §§  156, 158, 159;  code  civil  «rt.  312—318; 
altenb.  S^eorbn.  §§  149—153;  M-  ^^trv.  III  3lrt.  2,  4,  7,  8).  Streitig  ift,  ob 
nac^  preu6.9I.S.9l.  aud^  ba^  Äinb  anfed^tungöbered^tigt  ift;  boc^  wirb  biefc  gragc 
oon  bcr  preufe.  3uriöprubenj  übermiegcnb  uerncint  (ücrgf.  ®ntfd^.  b.  Db.  2^rib. 
93b.  n  S.  294, 298  ff.),  ©inen  ÜRittelmeg  jroifd^en  ben  angefül^rten  neueren 
Oefeggebungen  unb  ber  l^errfd^enben  3luffaffung  beö  gemeinen  SRed^tcö  l^at  baö 
fäd^f.  ®.  33.  §§  1774—1778  cingefd^Iagen,  inbem  nad>  bcmfelben  Scber,  welcher 
ein  3ntereRe  baran  ^at,  bie  Unel)elid[)feit  beö  Äinbeö  nad^  ÜWafegabc  ber  alt 
gemeinen  ®runbfäge  burc^  SBiberlcgung  ber  SBermutl^ung  ber  @^elid&feit  geltenb 
mad^en  fann  unb  bie  auöbrücflid^c  ober  ftillfd&roeigenbe  Slncrfennung  beö  Äinbeö 
t)on  Seiten  beö  ®^emanneö  nur  gegenüber  bem  tefeteren  unb  bejfen  ®rben  für 


@]&cU$e  3(Bftammung.    ©eltenbntaii^ung  ber  Unelgeltcj^tett.    §  1471.        659 

l>ad  ftinb  bic  9?cd^tc  eines  e^elid^cn  Äinbcö  begrünbct,  bcn  Siedeten  ©rittet  unb 
l)eö  jtinbed  aber  feinen  Eintrag  tl^ut. 

SBenngleld^  jugegcbcn  werben  mufe,  bafe  gegen  bie  Sef^ränfung,  roeld^cr  ©tanbpuntt 
naä)  ben  ©eftimmungcn  beö  ©ntrourfe«  baö  9le^t,  bic  Unel^elid^feit  eineß  oon  (g„t^urfe«. 
ber  (S^efrau  wäljrenb  ber  ®^e  ober  inncrl^alb  brei^unbert  2^agen  nad)  Sluf* 
lofung  ber  6^c  geborenen  fiinbeö  geltenb  ju  mad^en,  unterliegt,  unb  gegen  bie  «orgÄnflige 
TOcittragenbe  SBirhing,  welche  ber  (Sntnjurf  an  ben  Säerluft  beß  bem  ©bemanne  be^eJfÄt 
juftc^enben  Slnfed^tungöredötcö  burd&  Slnerfennung  ober  S^itablauf  fnüpft,  er^^^uf**»««^«* 
^eblid&c  Sebenfen,  l^ingcfel^en  auf  bie  aügenieinen  ©runbföge  unb  baö  Snterefje     ^^^ 
dritter,  inöbefonbere  beö  Äinbeö  unb  ber  ®^efrau,  erl^oben  werben  fbnnen,  fo 
fällt  bod^  onbererfcits  neben  ber  9lücffid[)t  auf  baö  in  großen  ©cbietcn  beö 
bcutfd^en  SHeid^eß,  namentlid^  in  ben  Oebieten  beö  preufe.  unb  beö  franj.  JRed&teö 
fleltenbe  Siedet  nor  2lIIem  ber  ©efic^töpunft  entfd^eibenb  inö  Oeroid^t,  ba§  auf 
bem  oon  bem  ©ntrourfe  eingef(^Iagenen  SBege,  roenigftenö  in  großem  Umfange, 
<ine  cin^eitUd^e  ©eftaltung  ber  oielfad^cn  burd&  bic  el^cUd^e  ©eburt  bebingten 
IRed^töoer^ältniffe  errcid^t  (§  1477)  unb  bic  Qa\)l  fc^roierigcr,  baö  gamilicnglücf 
flefä^rbenbcr  ^rojcffe  Dcrminbert  wirb,  roäl^renb  mit  bem  S^ftcmc  beö  fäd&f. 
•@.  93.  ber  große,  mit  bem  öffcntlid^cn  Sntereffe  nid^t  oereinbarc  Uebelftanb  ber 
iHelatioität  oerbunben  ift.    2)a  ber  ©l^cmann  alö  ^aupt  ber  gamille  junäc^ft 
unb  oorjugöTOcife  burd^  bie  grage  berül^rt  mirb,  ob  baö  fiinb  ein  cl^clid&eö 
ober  une^cüt^eö  ift,  fo  liegt  eö  jubem  nal^e,  il^m  alö  bem  junädjft  Setl^eiligten, 
<jlß  justus  contradictor,  gemiffcrmaßen  alö  bem  natürlid^cn  Vertreter  ber  übrigen 
gamiHcnglieber,  bie  ©ntfd^cibung  ju  übertaRcn,  ob  baö  Äinb  alö  e^elid)eö 
gelten  foU  ober  nid&t.    S^^^^^  ^öt  banad^  ber  ©bemann  cö  in  ber  ^anb,  baö 
itinb,  obwohl  baöfelbe  nic^t  üon  if)m  erjcugt  fein  fann,  trogbem  burd^  feine 
cinfcitige  ^anbtung  ju  bem  feinigen  ju  madE)cn;  allein  eö  fragt  pd^,  ob  nid^t 
ia^  Jled^t  beö  ©l^emanncö,  baö  in  feiner  ®^c  geborene  Äinb,  aud^  wenn  baö* 
felbe  oon  il^m  nid&t  erjeugt  ift,  alö  baö  feinige  gelten  ju  laffen,  alö  eine  auö 
bem  SBcfcn  ber  6^e  fidf)  ergebcnbc  SBirfung  ber  Icgtcrcn  aufgefaßt  roerben 
fann.    93on  bicfem  ©efit^töpunftc  auö  mürbe  in  ber  Slnerfennung  beö  Äinbeö 
Don  Seiten  beö  ©liemanneö  mit  ber  biefer  Slnerfennung  uon  bem  ©ntmurfe 
beigelegten  SBirfung  eine  SBerlcßung  ber  Siedete  beö  Äinbeö,  ber  ©^cfrau  unb 
britter  ^ßerfonen  überall  nid^t  gefunbcn  merben  fönnen,  ba  t)on  bicfem  2luö* 
flangöpunfte  auö  baö  Äinb,  wenn  ber  ©bemann  oon  feinem  Slnfed^tungörcc^tc 
feinen  ©cbraud^  madE)t,  fofort  mit  ber  ©eburt  bie  Siedete  eineö  cl^elid^en 
Äinbcö  erlangt  l^at.     @ö  fann  inbeffen  bal)ingeftellt  bleiben,  ob  in  biefer 
'ärt  ber  ©tanbpunft   beö   ©ntrourfeö   fid^   begrünben   läßt.     S^benfallö  ift 
bic  ©efa^r,  baß  ber  ©licmann  ein  in  SBatirl^eit  unc^clid^eö  Äinb,  trogbem 
er  oom  ©egcnt^eile  überjeugt  ift,  alö  baö  feinige  ancrfcnnt  unb  baburd^  bic 
<iuf  ©runb  beö  roaliren  ?|Jerfoncnftanbeö  bem  Äinbc  unb  dritten  jufte^cnben 
Siedete  becinträd^tigt,  nur  eine  fernliegenbe  unb  alö  ein  gcringereö  Uebel  ju 
betroc^ten,  alö  bic  ©cfal^ren,  meldten  baö  £inb,  bic  ®^re  ber  ©l^efrau  unb 
baö  ©lücf  ber  gamilic  auögcfcfet  ift,  mcnn  eö,  uiellcic^t  nad^  langen  Sauren, 
3)ritten  geftattet  ift,  ben  ©d()leicr  ju  lüften  unb  bie  Uncl^clid^fcit  beö  Äinbeö 
nod)  geltenb  ju  mad^en.    3lud&  wirb  burd^  bic  Scftimmung  beö  ©ntiourfcö 
nidjt  ctma  ein  Äonflift  mit  ben  SJorf^riftcn  beö  Str.  ©.  93.  über  bie  93er* 

42* 


660        ei)eli(6e  ^Ibftammung.    ©eltcnbmad&unfl  ber  Une^clic^feit.    §  1471. 

änbcrung  bcö  5ßerfoncnftatibcd  Iicroorgcrufcn,  ha  bcr  §  169  bcö  Str.  @.  33.  tor- 
auöfcfet,  bafe  bic  SScränbcrung  bcö  ^crfoncnftanbcö  red^töroibrig  erfolgt,  mitl^iti 
ein  bem  beftel^cnben  3lec^te  roiberftrcitcnbcr  3i*f*önb  l^erbeigcfütirt  wirb,  bicfe 
aSorauöfe^ung  aber  ermangelt,  wenn  man  bem  (Sl^emanne  baö  SRed^t  beilegt,. 
ha^,  wenn  au6)  frembe,  Rinb  burd^  Slnerfcnnung  ju  bem  feinigen  ju  mad^en. 
Slnbererfeitö  fonn  nid^t  anerfannt  werben,  ba|  ber  ©tanbpunft  be«  ©ntrourfcft 
bie  Snterejfen  beö  Äinbeö  in  er^eblid^er  SBeife  ju  gefä^rben  brol^t.  3n  ben 
weitaus  meiften  gölten  wirb  eö  ben  3ntereffen  eineö  in  SBirtlid^feit  unel^e* 
lid^en  Äinbeö  met)r  entfpred^en,  wenn  es  als  cl^elid^eß  Äinb  bel^anbett  wirb^ 
jumal  nac^  bem  Entwürfe  baö  une^clid^e  Äinb  gegenüber  bem  une^elid^en 
SBater,  abgefetien  von  bem  UnterI)altöanfprudE)e  (§§  1571  ff.),  feinerlei  SRed^te 
l^at.  Sin  ©teile  bicfeö  Unterl^altsanfprud&eö  aber  erlangt  es  ben  gefeglid^en 
Unterfialtsanfprud)  eineö  e^elid^en  ÄinbeS  gegen  ben  ®l^emann  unb  beRen 
SSerwanbte,  fowie  alle  fonftigen  9ied^te  eines  efielid^en  ÄinbeS.  3^^^^  werben 
auf  ber  anberen  ©eite  für  baö  Äinb,  wenn  ber  ©l^cmann  t)on  feinem  3ln* 
fcd;tungsred^te  feinen  ©ebraud^  mad^t,  bie  mit  ber  ctielid^en  Äinbfd^aft  Der^^ 
bunbencn  SBerpflid^tungen  gegenüber  bem  ©i^emanne  unb  beffen  Säerwanbten 
begrünbet,  unb  erwirbt  ber  ©gewann  mit  ber  elterltd^cn  ©ewalt  über  baft 
Äinb  aud^  bie  elterlid^e  Sflufcniefeung  am  SBermögen  bes  legteren;  allein  biefe 
SSort^eile  beö  ©Ehemannes  unb  jene  uerwanbtfd^aftlid^en  ^ßflid&ten  beö  ÄinbcÄ 
treten  ^ier,  wo  es  ftdf)  regelmäßig  um  bie  Slnerfennung  eines  Hinbeö  fur5e 
3eit  nad^  ber  Oeburt  beS  legteren  Iianbelt,  in  ben  meiften  gollen  uollig  in 
ben  §intergrunb  gegenüber  ben  SSort^eilen,  weld&e  bem  Sinbe  burc^  feine 
©l^elid^feit  ju  S^^eil  werben,  unb  gegenüber  ben  ^Pflic^ten,  weld^e  ber  ®^c* 
mann  burd^  bie  Sluerfennung  beö  Äinbeö  übernimmt.  9luö  ben  angeführten 
©rünben  fann  aud^  bem  ©efid^tspunfte  entfd^cibenbes  ®ewidE)t  nid&t  beigelegt 
werben,  baß  burd^  bie  9lnerfennung  beS  ÄinbeS  üon  ©eiten  bes  ©bemanne«, 
bie  aß5gtid&feit  einer  Legitimation  bes  RinbeS  burd^  nad&folgenbe  ©^e  ober 
burd^  ©lielid^feitserflärung  abgefd^nitten  wirb  (§§  1591,  1583),  um  fo  weniger,, 
als  eine  fold^e  Legitimation  nur  in  feltenen  gäUen  in  grage  fommen  würbe. 
2lud^  bic  mit  bem  ©tanbpunfte  beS  ©ntwurfes  tcrbunbene  Oefö^rbung  ber 
Snterejf en  ber  ©Iiefrau  ift  nid^t  l^od^  anjufd^lagen.  3n  bcr  großen  ÜÄel^rja^l 
ber  gälle  finb  bie  SBortl^eile,  wetd^c  ber  ©^efrau  aus  ber  Unel^elid^feit  bes. 
Äinbeö  erwad^fen,  gegenüber  ben  Sßort^eilen,  weld^e  für  fic,  insbefonbere  l^in^ 
gefelicn  auf  i^re  ©f|re,  mit  ber  ©^elid^feit  beS  ÄinbeS  tjerbunben  ftnb,  Don 
ücrfd^winbenber  93ebeutung.  3^^^"^  braud^t  gerabe  ouf  bie  ©Iiefrau  am 
wenigften  SiüdEfid&t  genommen  ju  werben,  wenn  es  fid^  barum  ^anbclt,  baö- 
aSerl^öltnife  in  einer  SBcife  ju  geftalten,  wie  eö  bem  öffentlichen  Sntereffe  om 
meiften  entfprid^t. 

33on  bem  5ßrinjipe,  bafe  bas  Slnfec^tungSred^t  nur  bem  ©bemanne  jufle^t 
unb  ber  Serluft  feines  SHed^teS  ©ritten  präjubigirt,  l^at  bcr  ©ntwurf  — 
abweid&enb  Dom  prcufe.  31.  S.  9?.  II,  2  §§  17,  18  —  aud^  ju  ©unftcn  bcr 
Segens*  unb  gibeitommifeanwärter  feine  Slusna^me  gemad^t.  ©in  genügenber 
®runb,  biefelben  mit  Slüdfid^t  barauf,  bafe  es  fid)  bei  i^nen  um  ein  ex  pacta 
et  Providentia  majorum  abgcleitctcö  SSermögcnörec^t  ^anbelt,  gfinftiger  ju 
fteüen,  wie  anberc  Srittc,  liegt  nid&t  t)or. 


(Siclid&c  Slbfiammung.    ©eltenbmac^ung  ber  Uneßclid^feit.    §  1471.        661 

3n)cifcl^aft  tft  cd,  loic  boß  SRcd^t,  bic  Uncl^eU^fcit  eines  t)on  ber  ®^c«*»«nfl^wefflf 
frau  roö^renb  ber  6^e  ober  innerl^alb  brei^unbert  a^ogen  nad^  9luflöfung  htx^zo^^r^^ 
iSf)t  geborenen  Äinbeö  geltenb  ju  machen,  in  bem  gofle,  in  loelc^cm  ber  Sfie«  «^emonne«. 
mann,  ol^ne  bie  ©^elid^Icit  beS  Äinbeö  ongefod^ten,  aber  and)  ol^ne  boö  SRed^t 
ber  ainfec^tung  oerloren  ju  f)aben,  ftirbt,  am  jroedmäfeigften  in  einer  allen 
Sntereffen  tl^unlid^ft  SRcdinung  tragenben  3lrt  ju  regeln  ift.  S)em  pcrfönlid^en 
Äarafter  be«  bem  ®^emanne  juftel^enben  3lnfe(^tungöred&teö  unb  bcm  offent* 
Ud^en  Sntereffe  an  einer  einf)eitlid&en  ©eftaltung  ber  burc^  bie  ©^elidjfeit  beö 
Äinbcö  bebingten  SRe^töoerl^ältniffe  würbe  eö  oietteid^t  am  meiften  entfpred^cn, 
iDcnn  in  bem  be}eid^neten  ^aUe  baö  Siedet,  bie  Unel^elid^feit  bcd  5tinbed  geltenb 
JU  mod^en,  gänjlid^  auögefd&Iojfen  mürbe,  ein  9Beg,  meldten  ber  lieff.  ©ntm.  III 
Slrt.  8  9lbf.  2  in  Slnfe^ung  beö  mä^renb  ber  ®^e  geborenen,  aber  oor  ber* 
fclben  empfangenen  Äinbeö  cingefd^lagcn  f)at  3lngefid&tö  beö  bcftcl^enbcn 
9ted^ted  jcbod^,  melc^cö  tl^eilö  in  größerem,  t^eilö  in  geringcrem  Umfange  bie 
®eltenbmac^ung  ber  Une^eßd^feit  beö  Slinbeö  aud^  nod^  naä)  bem  2^obe  beö 
@^emanneö  in  bem  bejcic^ncten  ^allc  julägt,  unb  mit  Stüdfid^t  auf  fold^e 
%äUc,  in  mefd^en  ber  Seemann  oor  ber  Oeburt  beö  Äinbeö  ober  beoor  er  oon 
ber  ©eburt  beöfetben  Äenntnife  erhalten  l^at,  ftirbt,  ober  in  mcfd^en  er  nad& 
erlangter  Äenntnife  burd^  einen  plö^tid&cn  2lob  überrafd^t  mirb,  bcoor  er,  fei 
cd  megen  Slbroefenl^eit  ober  am  anberen  ©rünben,  bic  beabfid^tigte  Slnfcd^tung 
inö  ffierl  fc^cn  fonnte,  ift  eö  jebod^  bcbenfUd^,  jenen  SBeg  ju  betreten.  S)ic 
mit  biefem  SBegc  t>erbunbene  (Scfa^r  einer  unbilligen,  bem  Sted^tögefülife 
miberftreitenben  Seein träd&ttgung  ber  Sntcreffen  britter  5ßerfonen  wirb  aller* 
bingö  in  erheblichem  aWafee  oerringert,  wenn  man  nad^  bem  SBorgange  ber 
meiften  neueren  ©efeftgebungen  (oergl.  preufe.  91.  S.  SR.  II,  2  §§  15, 16, 40,  41 ; 
oftcrr.  ®.  SB.  §  159;  code  civil  3lrt.  317;  altenb.  (S^corbn.  §§  149—153)  bcn 
erben  beö  (g^emanncö  baö  SRed^t  beilegt,  bie  ©fieüd&fcit  beö  Äinbeö  ju  beftreiten, 
ba  biefe  bei  ber  ^^rage,  ob  ha&  5tinb  ein  c^elid^eö  ober  ein  unc^elid^eö  ift,  in 
ber  Siegel  oorjugömeifc  bet^eiligt  finb.  S)iefer  9Beg  gemährt  aufeerbcm  bcn 
aSort^cil,  ba§  nad^  bemfefben  roegen  ber  bcn  6rben  für  bie  Sluöübung  beö 
änfed^tungöred&teö  ju  fefeenben  ^^Jröflufiofrift  bie  grage,  ob  baö  Äinb  ein  e^e* 
lid^eö  ift  ober  nid&t,  in  nid^t  ferner  3cit  jur  befinitioen  (Sntfc^eibung  gefangt 
unb  baburdö  eine  ein^citlid&e  ©eftaltung  ber  SRed^töoerl^ättniffe  erjielt  wirb. 
Sroßbem  mufe  man  Sebenfcn  tragen,  bic  6ntfcf)cibung  ber  grage,  ob  bic 
S^elid^feit  beö  Jtinbeö  angef ödsten  mcrben  foU,  in  bie  ^anb  ber  @rben  beö 
©^emanncö,  gemlffermafeen  alö  ber  SScrtrcter  aller  bet^eitigten  ^crfonen,  ju 
legen,  ba  aud^  auf  biefem  9Bege  baö  SntcreJJc  anberer  ?ßerfonen  in  auö* 
rci(^cnbem  3Wa§c  nid^t  gefd^üfet  mirb,  namentlid^  bann  nid^t,  menn  —  roaö 
nad^  ben  erbred^ttic^en  Seftimmungen  beö  @ntmurfeö  leidet  ber  ^alt  fein 
fann  —  bie  SRutter  beö  Einbcö  bei  ber  SSorauöfcfeung  ber  Une^eüd^feit  beö 
lefetcren  alö  alleinige  ©rbin  jum  ?Rad^la|fe  beö  G^emanneö  berufen  ift  (§  1971 ; 
Dcrgl.  aud^  §  1384)  ober  ber  fonftige  ®rbe  nad^  Sage  ber  ©ac^e  fein  Sntcreife 
boran  l^at,  bem  Rinbe  bie  (grbfdEiaft  ju  entreißen.  Unter  biefen  Umftänben 
ocrbicnt  eö  beim  ÜJlangel  überroiegenber  ©egengrünbc  ben  SSorjug,  in  bem 
^icr  fraglid^en  gaDc  im  Slnfd^luffe  an  bie  ^errfd^enbe  Seigre  beö  gemeinen 
Sle^teö  unb  in  mefentlid^er  Uebereinftimmung  mit  ben  ©runbföfeen  beö  fä^f. 


662        (SbcWijt  2lBfiammuno.    OcItcnbmaiunG  ber  Unc^cliii&fcit.   §  1471. 

©efegbud^ed  cd  in  9Infel^ung  beö  dtccj^te»,  bie  UiteJ^elid^feit  bed  ilinbed  gelteni^ 
ju  niad&cn,  bei  bcn  allgemeinen  Orunbfäfien  ju  belaRcn.  S^^cif^I^tift  fann  ^ 
fein,  ob  es  fxä)  nid^t  empfehlen  würbe,  nad^  bem  SSorgongc  beö  föd&f.  ®.  83- 
§  1755  ben  ßrben  befi  ©^emonnefi  beliufö  ©eltcnbmad&ung  bcr  Une^cUd^felt 
bed  Äinbeö  eine  ^ränuftofrift  ju  fefeen.  gür  biefe  ätrt  bcr  Siegelung  läfet 
fid^  anfül^ren,  bafe  bie  Scerbung  bcö  ©^cmannes  ber  ^auptfaU  ift,  bei  roeld^cm 
nad^  bem  2^obe  beö  Gl^emonneß  bie  grage,  ob  baö  Äinb  ein  e^elid^efi  ift  ober 
nid^t,  in  Setrad^t  fommt  unb  bofe  eß  aus  praftifd^cn  (Srünbcn  an  fxd^  münfd&engs^ 
mcrt^  ift,  wenn  in  SKnfefiung  biefcö  ^auptfaUeö  jene  grage  möglid^ft  balb  jur 
©ntfd^cibung  gelangt,  bamit  bem  Slinbe  nic^t  nod^  nad&  langer  Qüi  bie  @rb* 
fd^aft  cntriffen  rocrben  !ann.  3nbeffen  fann  ein  bringenbed  praftifd^cö  Sebürfniß,. 
in  biefer  einen  33ejiel^ung  baö  ^Jrinjip  befi  ©ntrourfeö  burd^  eine  SpejiaU 
bcftimmung  ju  burd^bred^en,  nid&t  anerfannt  werben.  2)aö  eigene  Sntereffe 
ber  (Srbcn  entl^ält  einen  genügenben  Stntrieb  für  biefclben,  bie  grage  moglic^ft 
balb  }um  Sluötrage  ju  bringen.  ®aö  Äinb  mirb  burd^  bie  bcmfclben  5ur 
©cite  ftc^enbe  SBcrmut^ung  ber  ®^elid^feit  gegen  fpätere  angriffe  auörcid^enb 
gefd^ügt.  3[uf  ber  anberen  @eitc  ift  cd  aud^  unbillig  unb  ungerecht,  bie  @rbcn 
fd^led&ter  ju  ftcHen,  alä  anbcre  bet^eiligte  2)ritte.  ®icfc  Unbilligfeit  tritt 
namentlid^  bann  \)tvvox,  wenn  bie  ßrben  beö  ß^emanncö  fpäter  mit  bem 
Rinbe  unb  anberen  ^ßerfoncn  ju  ber  ©rbfc^aft  eincö  ^Dritten,  j.  83.  ju  ber 
©rbfd&aft  beö  Orofecatcrö,  berufen  werben  unb  ju  biefer  ^tit  bie  ^ift  5ur 
®eltenbmad^ung  bcr  Unefieli^fcit  beö  Äinbeö  für  bie  @rben  beö  6^cmanne& 
abgelaufen  ift.  3n  fold^en  gällen  fann  bie  t|ier  fraglid&c  SSeftimmung  aud) 
JU  großen  aScrmirfelungcn  führen, 
«er^ättni^  Sluö  bcm  §  1471  9lbf.  1  iu  58crbinbung  mit  §  1475  Slbf.  l,  nad^ 

^^^^Mheiu! "'^'^^"^  bie  ©rf^ebung  ber  Slnfedjtungöflage  bie  gorm  ift,  in  roelcber  bie  3ln* 
über  bie  an.  f cd^tungöcrf lärung  erfolgt  unb  ha&  auf  bie  3lnfed^tungöftage  crgc^enbc,  bie 
^llagT  Unc^etid&feit  beö  Äinbcö  feftftenenbe  Urt^cil  lebiglic^  bcflaratorifc^er  Statur  ift, 
mürbe  in  ©rmangelung  einer  bcfonberen  Seftimmung  folgen,  bafe,  roie  in  bem 
galle  beö  §  1475  Slbf.  2  auf  (Srunb  bcr  gegenüber  bem  Stad&Iafegcrid^te  ab^^ 
gegebenen  Slnfed^tungöerflörung,  fo  in  bem  galle,  in  roeld^cm  bie  Slnfcdfitung 
burd^  ®r^ebung  ber  Slnfcd^tungöflage  erfolgt  ift,  auf  ®runb  ber  in  bcr  ®r* 
Hebung  biefer  ftlage  liegenben  SKnfed^tung  fd^on  t)or  ber  ©riebigung  beft 
Sled^töftreiteö  ein  3eber  bie  Une^elid^feit  beö  Sinbeö  nad^  ÜRafegabe  ber 
allgemeinen  ©runbfäfec  geltenb  mad&en  fönnte.  SJiefem  SRefultate  tritt  bie 
bcfonbere  Seftimmung  beö  §  1471  SKbf.  2  entgegen.  Sladö  Slnalogie  ber  im 
gaDe  ber  3lnfed&tung  einer  ®^e  burd^  ©rl^ebung  ber  Slnfcc^tungöftagc  mafe* 
gcbenben  Seftimmung  beö  §  1260  9lbf.  1  foU  troft  ber  in  ber  ®r^ebung  ber 
Slnfed^tungöffagc  liegenben  9lnfed^tung  ber  ©^elid^feit  beö  Äinbeö  baö  leßtcre 
nadö  allen  ©eiten  l|in,  forool^I  gegenüber  bem  ©bemanne  a(ö  gegenüber  Stritten, 
fo  lange  alö  ein  el^clid^eö  Rinb  gelten,  biö  ber  Stec^töftreit  über  bie  Slnfed^tungö* 
flage,  fei  cö  burdfi  ben  2:ob  beö  ©l^emanneö  ober  beö  Rinbcö  (ücrgt.  ben  in 
ber  3lnm.  su  §  1476  mitgctl)eilten  neuen  §  627  a  Slbf.  1  ©a6  2  bere.^.O.) 
ober  burd^  bie  red^töfräftige  geftftellung  bcr  Unel^clid^fcit  beö  Rinbcö  (§  1477) 
ertcbtgt  ift.  2)er  ^ro^d  bcr  33eftimmung  ift,  auf  biefe  SBeife  cincrfeltö  eine 
cinf)eitlid^c  geftftellung  ber  burd&  bie  ©^elid^feit  bejm.  Unel^clid^feit  beö  Äinbeö 


e^elid&e  ^ISftamniung.    @eltcnbma(6unfl  ber  UneSefid&feit.    §  1471.        663 

bcbingtcn  SHcd^töDcrl&filtniffc  ju  erteilen  (§  1477),  Qubcrerfeitö  eine  3urücf^ 
nal^mc  bcr  burd^  bie  ®r^ebung  bcr  ainfed^tungöftagc  bereits  erfolgten  9lns 
fcc^tung  ber  (g^eHd&fcit  beö  Sltnbeö,  foioie  eine  Slnertcnnung  ber  ©tieUd&feit 
bcä  Äinbeö  md)  im  Saufe  bcö  Slc^töftreiteö  über  bie  3lnfed)tungöf(oge  mit 
28irfung  gegen  2)ritte  ju  ermöglid)en  (oergl.  §  1476  ©aß  2,  3). 

3ft  ber  3led&tdftreit  über  bie  3tnfec^tungöflage  in  it)rer  ©igenfd^aft  alö      nac^ 
^ftftellungdflage  burd)  ben  2;ob  beö  (g^emanneö   ober  beö  Äinbeö  erlebigt  ®'^*^*;*f "^ 
(oergl.  ben  in  ber  2tnm.  ju  §  1476  mitget^ciltcn  neuen  §  627  a  3lbf.  1  Saß  2  »»e^taftreite«. 
ber  6.  ^^}.  O.) ,  f 0  tritt  nunmehr  bie  bis  bal^in  fuöpenbirt  geroefene  SBirf ung 
bcr  in  ber  ®r^ebung  bcr  änfed^tungßflagc  liegenbcn  2lnfed|tung  l^eroor.    ßö 
fann  alfo  ießt  auf  ©runb  bcr  erfolgten  Sttnfed^tung  nad^  SWaggabe  beö  §  1471 
9lbf.  1  bie  Une^elid^feit  beö  Äinbeö  oon  einem  3cben  geltenb  gemalt  werben. 
Sag   bie   Une{)e(id^feit  beö   5linbeö   aud^   bann  t)on   einem   lieben   geltenb 
gemad^t  merben  fann,  menn  burdi  bad  auf  bie  3[nfedE)tungöf[age  erge^enbe 
Urt^cil  bie  Unef)eti^feit  bcö  Äinbeö  rec^töfräftig  feftgeftcUt  ift,  ergicbt  fic^ 
auö  §  1477. 

3n  allen  gällen,  in  meldten  auf  Orunb  beö  §  1471  bie  Une^elic^feit  beö    ©eitcnb« 
Äinbeö  nad^  SWafegabc  bcr  §§  1469, 1470  geltenb  gemalt  roerben  fann,  erfolgt  SAU" 
bicfe  ©cltcnbmad^ung  —  im  ©egenfaße  ju  ber  alö  ein  einfeitigeö  SRcd^tö«  *»«  ^m\m 
gcfd^äft  fid^  barftcUcnbcn  Slnfed^tung  (§  1475)  unb  ju  bem  5Red^töftreite  über  smfedltunfl 
bie  Slnfc^tungöflage  (§  627  a  ber  6.^.0.)  —  lebigti(^  nad)  aJiafegabc  ber  »»««^«^i*'««*- 
aDgemcinen  (Srunbfä|e  burd&  projcftualifdöcn  3lft,  fei  eö  im  SBege  einer  gcft^ 
ftellungöflagc  nad^  ^Kaßgabe  beö  §  231  ber  6.  ^.  D.,  fei  eö  incidenter  alö 
^räjubijialpunft  bei  ®clegenl&eit  ber  (Seltenbmac^ung  eineö  von  ber  Une{)etid()« 
feit  beö  Äinbeö  abhängigen  9lnfprud)eö  ober  bcr  Seftreitung  einer  burc^  bie 
®^eli^feit  beö  Äinbeö  bcbingtcn  33erpf[id[)tung. 

9Birb  bie  6t)elid[)feit  beö  Äinbeö  mit  ©rfolg  angefod^ten,  fo  gilt,  wie  aBirfuna  ber 
fi6)  auö  bcr  gaffung  beö  §  1471  3lbf.  1  ergicbt,  baö  Äinb  auc^  für  bie  93er^  »«te**«««- 
gangenficit,  fott)ol)l  im  93er^ciltniffc  ju  bem  ©bemanne,  alö  im  SBcr^ältniffc  ju 
dritten,  alö  ein  une^clid()eö  (oergl.  preu§.  31.  £.  51.  II,  2  §  11).  33ieö  l)at 
jur  3olß^/  ba§  aicd^tögcf^äftc  dritter  mit  bem  5iinbe,  bereu  SBirffamfeit 
burc^  bie  ®^eli(^tcit  bcö  Äinbeö  bebingt  finb,  inöbefonbere  9ted)tögefc^äftc, 
njcld^e  S)ritte  mit  bem  ©bemanne  alö  bem  gcfcllid&en  SScrtrctcr  beö  Äinbeö 
(§  1503  3lbf.  1,  §  1649)  gefd&loffen  ^aben,  rücfroärtö^in  l^infällig  merbeu. 
3nbeffen  fann  ein  Scbürfnife,  in  biefer  33ejicl)ung  —  in  Slbmcid^ung  oon  ben 
allgemeinen  ©tuubfäßcn  —  nac§  3lnalogie  ber  §§  1270,  1257  burd^  eine 
pofitiüc  SJorfd^rift  jum  Sc^ußc  beö  guten  ©laubcnö  dritter  cinjugreifen,  nidE)t 
anerfannt  roerben.  Safe  ein  fold^cö  Sebürfnife  nidi)t  oorliegt,  gctit  fd&on 
barauö  lieroor,  ba§  ben  bcftelicnbcn  iRcd&tcn  eine  bcrartige  Seftimmung 
unbefannt  ift.  2)ic  ^icr  in  Sctrad^t  fommenben  gälle  finb  feiten  unb  reget 
mäfeig  üon  geringer  praftifd^cr  3Bicf)tigfeit.  gür  bcrartige  gällc  gemäl^rcn 
bie  ©runbfäfee  über  bie  Äonbiftionen  (§§  742,  745,  748)  unb  über  ben  ©rb* 
ftftein  (§§  2068  ff.)  auörcid^enbcn  3cf)u6.  Qnbcm  merben  alle  bicjcnigcn 
9lcd&tögef^äfte,  bei  rodeten  bie  ©^clid&fcit  bcö  Äinbeö  nur  baö  ißlotiv  jur 
SBornal^mc  berfclben  gemefen  ift  (§  102),  burc^  bie  Slnfcc^tung  in  il)rcr  SBirf? 
famfeit  nid^t  bcrülirt.    Unter  Umftänben  mirb  aufeerbem  barin,  bafe  ber  ®^c* 


664  (S6elid6e  9tbftammung.    ^Iu§[*lie6unfl  ber  anfe^twng.    §  1472. 

mann  afe  gefeglid^cr  SBcrtrcter  bcs  Äinbcö  auftritt,  eine  bie  3lnfed^tung  nac^ 
§  1472  auöfd^Ucfeenbe  ouöbrücfüciöc  Slnerfennung  gefunben  werben  lönnen. 

antocnbung  3)ic  bcfonberen  93e[timmungen  bcä  §  1471  bcjie^en  fid&,  roie  ber  ©im 

oosemcineii  QctnQ  beö  §  1471  SÄbf.  1  ergiebt,  nur  auf  folc^e  ftinber,  roeld^e  oon  ber  (g^c^ 
örunMÄ^e.  ^^^  xüäljxtnb  ber  6^e  ober  innerl^alb  brei^unbert  3:agen  nad^  Slufföfung  ber 
®£)e  geboren  fmb.  2)arauö  folgt  inöbefonbere,  ba%  bie  Une^elid^feit  eineö 
(päter  atd  brei^unbert  2;age  nad^  Sluflöfung  ber  @^e  unb  aufeer^alb  einer 
anberen  ßfie  geborenen  Äinbeö  ol^ne  SBeitcreä  üon  Sebem  nad)  SKafegabe  ber 
allgemeinen  ©runbfäße  geltenb  gemad&t  merben,  ein  fold^eö  Äinb  auc^  nic^t 
burd^  Sttnerfennung  üon  ©eiten  beö  frül^eren  (gl^emanneö  ben  ©tanb  eineö 
efielid^en  Äinbeö  beö  Ie|tcren  erlangen  fann.  2)amit  ftimmen  ba^  gemeine 
5Red[)t  (oergL  ©euffert  VI,  201,  XXIV,  117),  foroie  baö  preufe.  91.  S.  31.  n,  2 
§§  19,  40  unb  baö  fä^f.  0.  93.  §  1771  übercin  (oergl.  aud^  i)t%  gntro.  III 
9lrt.  5).  dagegen  ift  eö  auf  bem  ©ebiete  beö  franj.  SRed^teö  ftreitig,  ob  nad^ 
9lrt.  315  beö  code  civil  aud&  in  biefem  gafle  eine  förmli(^e  9lnfec^tung  ber 
ß^elid^teit  beö  Äinbeö  erforbcrlid^  ift  (oergl.  audf)  altcnb.  ®^corbn.  §  152; 
öfterr.  ®.  93.  §§  155,  157).  S5cr  ©tanbpunft  beö  ©ntmurfeö  ift  eine  Äon^- 
fequenj  ber  im  §  1467  beftimmten  gefeßlidEien  ©mpfängnifejeit  unb  beö  ber 
leßteren  nad^  bem  ©ntrourfe  beigelegten  obfoluten  Äarafterö.  3)cmnad^  mufe 
ein  fpäter  afö  300  S:age  nad^  SÄuflöfung  ber  6^e  unb  aufecrlialb  einer  anberen 
®^e  gcboreneö.  Slinb  unbcbingt  ein  une^elid^eö  fein. 

2)ie  §§  1471  ff.  regeln  ferner  nur  baö  9iedE|t,  bie  Unetielid^feit  eineö 
oon  ber  6t)cfrau  geborenen  Äinbeö  geltenb  ju  mad&en.  ©urd^  bicfelben  roirb 
baö  auö  §  1466  in  SSerbinbung  mit  ben  allgemeinen  ©runbfägcn  fic^  ergebenbe 
Siedet  eineö  3eben,  bie  ®^elid^feit  eineö  Äinbeö  wegen  Ungültigteit  ber  @be 
(oergl.  iebodt)  §§  1562,  1567)  ober  beö^alb  ju  beftreiten,  roeil  baö  Äinb  nidit 
oon  ber  ©^cfrau  geboren,  fonbern  untergefd^oben  fei,  nid^t  berülirt. 


§  1472. 
Griöwcn  be«  9luö  ber  Seftimmuug  beö  §  1472  in  aSerbinbung  mit  §  1471  ergiebt 

?5t?«S  ^^^'  ^^^'  ^^""  ^^^  Seemann  baö  oon  ber  ®^efrau  roä^renb  ber  &)t  ober 
9inerfennung  innerhalb  breil^uubert  S^agen  nad^  9Iuf[öfung  ber  @l^e  geborene  jtinb  nac^ 
be«  Äinbe».  gjjoggobc  beö  §  1472  otö  baö  feinige  anerfannt  ^at,  ha»  9ledf|t,  bie  Une^eüd&feit 
beö  Äinbeö  geltenb  ju  mad&en,  fd^led^t^in  für  3eben  auögefc^toffen  ift.  S)ie 
(Srünbe,  auö  meieren  ber  3lnerfennung  biefe  SBirfung  beigelegt  ift,  finb  bereitö 
in  ben  3Botioen  ju  §  1471  oben  ©.  659  ff.  bargetegt.  2)ie  Slnerfennung  fteHt 
fi(^  it;rer  juriftifd^en  Siatur  nad)  alö  ein  einfeitigeö  3lec^tögefc^äft  bar,  bei 
lüclc^em  ber  red&tögefd^äftlidöe  SBille  barouf  gerid^tet  fein  mufe,  ba§  baö  ftinb 
unter  allen  Umftänben,  aud^  xotnn  baöfelbe  in  SBirKid^feit  nid^t  t>on  bem 
(Sl)emanne  erjcugt  fein  foUte,  bod^  alö  ein  e^elid^eö  gelten  foll.  £)a6  ber  (S^e* 
mann  megen  ber  ß^etid^feit  beö  Äinbeö  roirHid^  S^^^if^I  ¥s^r  ift  i^bod^  nic^t 
erforberlid^.  So  genügt,  menn  er  bie  Slbfid^t  ^at,  bie  (g^elid^feit  beö  kinbeö 
auf  alle  gälle  ^in,  felbft  auf  ben  gall  ^in  feftjuftellen,  hai  baöfelbe  roiber  ©r^ 
märten  in  SBirflic^!eit  ein  une^elid^eö  ftinb  fein  foUte. 


e^cKcfic  Slbftammunfl,    SluSfiriegunö  ber  Slnfed^tunö.    §  1472.  665 

Slbioeidicnb  oom  prcufe.  31.  S.  9t.  II,  2  §  16  (t)crgl.  a\i6)  l^cff.  ©rttro.  m  «u«brüdiid&e 
Slrt.  2)  fann  nod^  bcm  §  1472  ©q^  1  bic  9lner!cnnung  nur  burd^  auöbrüd*  e^wmnj. 
lid^e  SBillenöcrftärung  crfofgcn.  Somit  ftimmt  im  5ßrinjipe  —  abgcfefien  oon 
bcm  als  ftillf^Jücigcnbeö  Slncrtenntnife  bc^anbeltcn  gaKe  beö  SScrluftcö  beß 
änfcd^tungörcd^tcö  burd^  S^i^oblauf  unb  einer  unten  nocS)  ju  crroä^nenben 
3ludna^me  —  baö  fäd^f.  ®.  83.  §§  1774—1777  überein.  S)er  code  civil  ent* 
^ölt  —  T)orbcl(|Qltli^  ber  befonberen  Seftimmungcn  beö  9lrt.  314  —  in  bcr 
^icr  froglic^en  Scjtc^ung  feine  auöbrücfüd^e  33cftimmting.  3)ic  Surißprubenj 
^ält  aud&  bie  ftiUfd&roeigenbe  9lnerfennung  für  genügenb;  bod&  ift  ftreitig, 
ob,  wenn  ein  Äinb  in  ber  6^e  geboren,  ober  oor  bcr  ®^e  empfangen 
ift  (Slrt.  314),  bie  SBerleugnungöKoge  aud)  in  anberen  gällen,  als  btn  im 
Srt.  314  fpejiell  bejeic^ncten,  burd^  ftillfd^rocigenben  SScrsid^t  befeitigt  rocrbcn 
fann.  3n  bcr  gcmeinred&tlidöcn  3tiriöprubenj  roirb  jmifd^en  auöbrücElid^er 
unb  ftillfdömeigcnber  3lnerfcnnung,  fomeit  ber  3lner!cnnung  nad^  gemeinem 
JRcd^te  überhaupt  eine  anbere  Sebeutung,  alö  bie  cineö  Seroeißmittelö  ju* 
fommt,  ni^t  untcrfd^ieben.  3)ie  Seftimmung  beö  ©ntrourfeö,  bafe  bie  5Kn^ 
erfcnnung  huvä)  außbrüdElid^e  SBiUenöcrflärung  erfolgt  fein  mufe,  cntEiält  aller* 
bingö  eine  9luöna^me  oon  bcr  Siegel  beö  §  72.  Ucbermiegenbc  Orünbe 
fprcd^cn  aber  bafür,  in  bem  ^ier  fraglid^cn  galle  nur  bie  auöbrücfli(^c  SBillenß* 
erflärung  ju  berüdffid&tigen.  S)a  nad^  bem  §  1471  ber  ©bemann  biß  jur  er* 
folgten  äCnfed^tung,  bejm.  biö  bal^in,  bag  bie  Unel^eUd^feit  beö  Stinbeö  burdE) 
Urt^ell  feftgefteUt  ift,  baß  Äinb  alö  ein  el^elid^eö  be^anbcln  mufe,  fo  bleibt  für 
eine  Änerfennung  burd^  fonflubente  ^anblungen  nur  in  feltenen  gälten  9laum. 
©in  Scbürfnife,  aud^  bie  3lnerfcnnung  burd^  ftiUfd^iocigenbe  SBillenöerHörung 
für  genügenb  ju  crflären,  liegt  um  fo  loeniger  oor,  alö  baö  Slnfed^tungöred^t 
nac^  §  1473  burd^  Slblauf  einer  furjen  grift  ocrlorcn  gc^t  unb  für  fotd^c 
gällc,  in  roeld&en  ber  (Seemann,  oline  bie  ®l)elid^fcit  beö  Äinbeö  angefod&tcn, 
aber  aud^  o^ne  baö  legtere  auöbrüdtlid^  anertannt  ju  bc^ben,  t)or  älblauf  ber 
grift  ftirbt,  burd^  bic  im  §  1469  unb  im  §  1470  ©ag  2  beftimmtc  85ermutl)ung 
bem  3ntereffe  beö  Äinbeö  in  auöreid^enber  SBeife  Dled^nung  getragen  ift. 
ainbererfeitö  gemalert  bie  9lid&tberürffidE)tigung  ber  ftillfd^toeigenbcn  9lnerfennung 
ben  großen  praftifd^en  SBortl^eil,  ba§  fle  ©treitigfeitcn  barüber,  ob  unb  inroie* 
rotii  eine  ^anblung  beö  S^emanneö  alö  fonflubente  ^anblung  an^ufel^en  ift, 
abfd^neibet,  ©treitigfeitcn,  rocld^e  ^ier  um  fo  tcid&tcr  entfte^en  fönnen,  alö  nad& 
§  1472  ©afe  2  bie  SCßirtfamfeit  ber  9lnerfcnnung  nicbt  baoon  abliängen  foU, 
ba§  bic  leöterc  gegenüber  bcm  Äinbc  erfolgt.  9lu^  um  beßroiUen  ift  eö  rat^* 
fam,  eine  9tnerfennung  burc^  auöbrücflid^e  aBiUenöerflärung  ju  crforbcrn,  weil 
nad^  §  1471  Slbf.  1  bie  9lnerfennung  aud^  ©ritten  pröiubijirt. 

SSerfd^iebene  neuere  ©efejgebungcn  entl^alten  bie  befonbere  Seftimmung,  Äennmii  ber 
bafe  baö  Slnfed^tungörcc^t  beö  ®l)emanneö  in  9lnfcl)ung  eineö  nadb  ©d^tiefeung  ^^^%l\, 
ber  &)t  geborenen,  aber  oor  ber  &)t  empfangenen  Äinbeö  bann  auögefd^loffen  f*««  »•  S-  ^« 
fein  foB,  wenn  bcr  (Seemann  bei  ®ingel^ung  ber  ®l)e  oon  bcr  ©d^mangerfd^aft  ®^'^"•^""«• 
feiner  ß^efrau  Äcnntnife  ^attc,  bejro.  menn  er  baoon  Äenntnife  l^attc  unb  fid^ 
bei  ©d(|liegung  bcr  @l^c  gegen  bie  9lnna^me  feiner  93atcrfd^aft  nid^t  ocrmalirtc 
(Dcrgl.  Code  civü  9lrt.  314;  öftcrr.  ®.  83.  §  156;  fäd^f.  ®.  93.  §  1777;  ^cR. 
©ntro.  III  9lrt.  2).    ©ine  berartige  93eftimmung  ift  fcbod^,  abgcfel^en  oon  bem 


666  e6eri(J6c  5l6ftammung.    augfd&Iicgunfl  ber  2lnfe*tuno.    §  1472. 

fafuiftif d^en  Äarafter  bcrfelben  unb  obgcfclicn  baoon,  bafe  nad^  bcm  ©ntiüurfe 

im  Ucbrigen  baö  3lnfcd^tungörcc&t  nur  burd^  ausbrüdEIid&e  Slnerfcnnung  ücr* 

loren  gelten  foU,  im  ^inbtidEc  auf  folc^c  gällc  ate  bcbenHid&  crad^tct,  in  rodeten 

fid^  naä)  ber  ©cburt  bcö  Äinbeö  jcigt,  bafe  ber  Seemann  ber  (Srseuger  beö 

Einbeö  ni(^t  fein  fann,  weil  er  in  ber  fritifd&en  ^cxt  mit  ber  5Dlutter  be« 

Einbeö  ben  Scifd^Iaf  nid^t  tJoUjogen  ^at. 

«njctge  ber  ©benfoTOeuig  empfiehlt  fid^  ton  bem  prinjipiellen  Stanbpunftc  bcö  (BnU 

beö  Äinbe«.  TOurfcö  QUO  bie  Slufno^mc  ber  im  code  civil  ärt.  314  3lx.  2  fic^  finbenben 

©pejialbeftimmung.    ^nroicroeit  in  ber  Slnjeige  ber  ©eburt  beö  Äinbeö  beim 

©tanbeßamte  burd&  ben  Seemann  etwa  eine  auftbrücflid^c  ^[nerfennung  liegt, 

{längt  üon  ber  Seurt^eilung  beö  einjelnen  gaUeö  ob. 

«ncrfennung  j)ic  Seftimmung  beö  §  1472   ©aß  2  bejroedft,  f lar juftetten ,  bafe  bie 

b?m*Ä?nbe.  Slnerfennuug,  um  roirffam  ju  fein,  nid^t  gegenüber  bem  ßinbe  ju  erfolgen 

bvctwä^t,  mitl^in  bie  3Sorfd^rift  beö  §  74  ^ier  feine  3lnn)enbung  finbet.    3n  ben 

roeitauö  meiften  gäUen  erfolgen  Slnerfennungen  ber  l^ier  fraglid&en  9lrt  ju 

einer  S^it,  in  meld&er  boö  bet^eiligtc  Äinb  nod^  im  Äinbeöalter  fte^t,  atfo  ge* 

fcbäftöunfäljig  ift  (§  64  5lbf.  1).  aßüfete  bie  änerfennung  gegenüber  bem  Äinbe 

erfolgen,  fo  mürbe  nad&  §  66  bie  bem  lefeteren  gegenüber  erfolgte  9lnerfennung 

in  ben  bejcid^neten  gällen  unroirtfam  fein.    @ö  müfetc  bal^er  in  fold^en  gällen 

bem  Äinbe  jum  !^XDcdc  ber  (Entgegennahme  ber  bie  2Inerfennung  ent^altenben 

SBillenöerftärung  beö  ß^emanneö  ein  Pfleger  beftellt  merbcn  (§  1738).    ©in 

fold&eö  aiefuttat  mürbe  aber  unpraftifdi)  fein  unb  mit  bcm  Seben  nid^t  im 

©inflange  ftel^en.   2luf  ber  anbercn  Seite  gemalert  bie  Seftimmung  beö  §  1472 

Sag  2  bem  ©bemanne  im  ^inblicfe  auf  bie  83orfd)rift  beö  §  103  9lbf.  2  in 

folcbcn  göllen  einen  größeren  Schüfe,  in  meldten  ber  ©bemann  burc^  33etrug 

eineö  S)rittcn  ju  ber  älnerfennung  beftimmt  ift.   Selbftperftänblid^  mufe  übrigenö 

bie  Slnerfennung,  roenngleid^  fie  nid^t  bem  Äinbe  gegenüber  ju  erfolgen  braud&t, 

bod^,  um  mirffam  ju  fein,  nac^  außen  l^in  l^eroortreten. 

»etfüflunB  2)ic  Weitere  S3eftimmung  beö  §  1472  Sa|  3  entfpridE)t  bem  SBefen  bcö 

»cbingu«ö  ac.  ^^^  ©cgcuftanb   ber  3lnerfennung   bilbenbcn   perfonlid^en  aSerbättniffcö  unb 

fte^t  mit  anbercn  analogen  SBcftimmungen  beö  ©ntrourfcö  im  ©inflange  (ücrgf. 

§  1248  äbf.  2,  §§  1594,  1606).    SBegen  ber  ©rünbe,  auö  melden  ber  Q;nU 

murf  ber  SSorauöfeßung  nid&t  gebenft,  wirb  auf  bie  üWotiDC  ju  §  1248  oben 

S.  43  Sejug  genommen.     2)ie  bort  gegebenen  2Iuöfü^rungcn  treffen  anä^ 

\)kx  ju. 

atnerfcnnung  2)0  bcr  §  1472  uic^t  bcfoubcrö  bcftimmt,  bafe  bie  Slnerlennung  axid^ 

raioiöe  «\*r.  ^"^4  legtroillige  SSerfügung  erfolgen  fönne,  unb  baö  ©rbrec^t  feine  SJeftimmung 

^üßung.    cntl^ält,  nadfi  meld^er  bie  l^ier  fraglid&e  9lnerfennung  ©egenftanb  einer  legt- 

miliigen  93erfügung  fein  fönnte,  fo  ift  bie  guläffxgfcit  ber  ^[nertcnnung  auf 

biefem  SBege  auögefd)loffen.    6ö  folgt  bieö  uon  fclbft  barauö,  bafe  baö  Siedet 

legtmiQigcr  Sßerfügung  pofitit)  ift  unb  nid^t  weiter  reid^t,  alö  eö  bur(^  baö 

®efeg  auöbriicflid^  jugelaffen  ift.    ©in  Sebürfnife,  bie  Slnerfcnnung  aud&  auf 

bem  aajege  legtroilliger  aSerfügung  jujulaffen,  liegt  aber  nid&t  oor.  2)ic  SBiber« 

ruflidl)feit  einer  auf  legtmilligcr  SBerfügung  beru^enben  Slncrfcnnung  mürbe 

aud)   mit  ben  ©rünben  roenig  im  ©inflange  ftelien,  auf  meldten  bie  Un« 

juläffigfeit  ber  Seifügung  einer  33ebingung  bcrulit. 


eWt<^c  abftammimg.    ?Iußf*lic6uno  bec  Slnfec^tung.    §  1473.  667 

§  1473. 

3n  Ucbcreinftimmung  mit  fammtttd&cn  neueren  ©cfefegebungen  f)at  ber  «««wne^ung 
©ntwurf  bie  SKuöübung  bcö  bem  ©bemanne  juftc^enben  Sünfed^tungörediteö  an  2(„fe^*unfl». 
eine  furje  grift  gebunben,  ba  eö  im  allfeitigen  SntereRe  liegt,  wenn  bie  grage,     "**^* 
ob  baö  5linb  ein  el^cUd^ed  ift  ober  ntd)t,  balb  jur  bcfinitiocn  (Sntfd^eibung  ge-  seitawauf. 
lanflt  (oergl.  prcufe.  ST.  S.  SR.  n,  2  §§  7,  8;  ofterr.  ®.  SB.  §§  156,  158;  code 
civil  arrt.  316,  318;  fä#  ®.  93.  §§  1775,  1777;   \)t%  entm.  III  3lrt.  7). 
aSic  in  bcn  göüen  ber  §§  1264,  1447,  tiat  aud^  ^ier  bie  grift  bcn  Äarafter 
einer  ^ßröflufiofrift  (oergl.  für  baö  prenfe.  SWed&t  entfd^.  b.  dt.  ®.  in  ßiüilf.  XVIII, 
62  ©.  290).    6ö  berul&t  bieö  auf  äl[inlid&cn  ©rmögungen,  wie  biejcnigen,  meldje 
ba\)\n  geführt  l^aben,  in  jenen  gatten  bie  grift  nid&t  alö  Sßeriä^rungß*,  fonbern 
ate  ?ßräfluftofrift  ju  be^anbcln  (oergl.  bie  Sßotioc  gu  §  1264  oben  ©.  93). 

2)ie  I)Quer  ber  §rift  ift  in  ben  neueren  ©efeggebungen  oerfd^ieben  bc^  ^aj!<|  ^^^ 
ftimmt,  t^eilö  auf  ein  3a^r,  tl)eite  auf  1,  2  ober  3  aWonate  bejm.  auf  90  a:afle.  ^'^'' 
3)cr  Code  civil  i)ai,  je  nac^bem  ber  Seemann  am  Drte  ber  ©eburt  jur  geit 
ber  legieren  anroefenb  ober  abrocfenb  ift,  eine  üerfd&iebenc  grift  fcftgcfegt,  unb 
[fißt  im  [enteren  galle  bie  grift  erft  nad^  ber  9liicffebr  beginnen.  35er  6nt^ 
murf  \)at  fx6^  in  biefer  S3ejiel^ung  bem  preu§.  91.  S.  SR.  angefd^lojfen,  roelcbeö 
nur  eine  grift,  unb  jroar  bie  grift  eine«  Sal^reö,  beftimmt.  S)iefe  Siegelung 
Ijat  ben  33orjug  ber  6infad)l^eit  unb  ocrmeibet  bie  Äomplifationen,  roefd^c  ftd) 
ergeben,  wenn  man  unterfd)eibet,  je  nad^bcm  ber  ®l^emann  ju  ber  Qtit,  in 
welcher  er  oon  ber  ©eburt  bcö  fiiubeö  Äenntnife  erlangt,  am  Drte  ber  ©eburt 
onroefenb  ober  oon  bcmfelben  abroefcnb  ift,  etioa  im  S^il^i^be  ober  im  Sluö^^ 
lanbe  fid&  bepnbct.  2)ie  Äomplifationen  oerme^ren  fid)  nod),  wenn  man  baö 
internationale  ^^rioatred&t  berücffid&tigt.  ^at  ber  ©Ijemann  im  3luötanbe  feinen 
SBo^nfil  unb  ift  bort  für  bie  Slnfec^tungöflage  (§  1475  3lbf.  1)  ein  ©erid)td.' 
ftanb  begrünbet,  fo  fe^tt  eö  an  einem  audrcid^enben  ©runbc,  für  fold&e  göHc 
bie  grift  erft  mit  ber  9lü(ffet)r  in  baß  Snlanb  beginnen  ju  laffen.  3^^^^ 
fann  bie  ©ntfc^eibung  ber  grage,  loann  bie  5Rücffel)r  in  baö  3ntanb  als  erfolgt 
anjufel^en  ift,  unter  Umftänben  mit  Sd^mierigfeiten  üerbunben  fein,  gcmcr 
fommt  in  Seirad^t,  bafe  es  fid^  für  hm  ©Ijemann  um  bie  ©ntfdfieibung  einer 
roid^tigen  ^oge  ^anbelt.  Die  grift  für  eine  folc^e  ®ntfd)eibung  barf  nid)t 
JU  furj  bemejfen  fein,  jumal  bei  einer  ^räftufiofrift  —  abgefe^en  oon  ben 
im  §  1473  3lbf.  2  berücrrtd&tigten  gftücn  beö  Stillftanbeö  ber  SRcd&töpfCege  unb 
ber  ®efdf)äftöunfä^igfeit  beö  (S^emanneö  —  ^emmungö^  unb  Unterbred^ungö- 
grünbe  nid^t  in  99etradbt  fommen  unb  nac§  §  1475  3lbf.  1  bie  3lnfec^tuug 
regelmäßig  in  ber  gorm  ber  ©r^ebung  ber  9(nfed^tungöflagc  erfolgen  muß. 
3Juf  ber  anberen  Seite  ift  eine  einjälirigc  grift  aud^  für  ben  etma  im  3luö5 
lonbe  fid^  ouf^altenben  (Seemann  mit  9lücffid)t  auf  bie  gegenroärtigen  SBer- 
binbungen  weit  genug  bemeffen,  um  innerhalb  biefer  grift  für  bie  ©r^ebung 
ber  9lnfed&tungöftage  ©orge  tragen  ju  fönncn. 

2)ie  aSorfdfirift  beö  §  1473  9lbf.  2  fd)lieBt  fidf)  ben  33eftimmungcn  beö  Hemmung  »c. 
§  1264  9tbf.  2  unb  beö  §  1447  9lbf.  3  an  unb  beruht  auf  ä^nli(^en  Gv^^ 
roägungen,  mie  biefc  lefeteren  Seftimmungen  (oergl.  bie  SRotioc  ju  §  1264 
oben  ®.  93  ff.). 


668  efecli^e  abftammung.    anfe^tuitö  2C.    aSciirctunö.    §  1474. 

3lad)  bcm  ©ntmurfe  ift  eö  auf  baß  Med^t  bcö  ®f)cmQnneö,  bie  ®^cli(i&^ 
feit  eines  von  einem  ©ritten  im  S^ebrud^c  mit  bcr  ß^efrau  erjcugtcn  Äinbeö 
anjufed^ten,  otinc  ©influfe,  ob  er  jugleid^  von  feinem  JRed^te,  wegen  biefcö  6^e* 
brud^eö  bie  ©d^eibung  ju  verlangen,  ©cbrauc^  mad^t  ober  nid^t.  3)cr  in 
neuerer  gcit  angeregte  ©cbonfe,  in  einem  fold^en  gaUc  baö  Slnfcc^tungörcd^t 
bed  Seemannes  baDon  abhängig  ju  mad^en,  bag  bie  @l^e  megen  bed  @^ebrud^ed 
gefd^ieben  werbe,  oerbient  feine  33iBigung.  2)a6  es  mit  ben  allgemeinen  9ln* 
fd^auungcn  über  Sttnftanb  unb  mit  ben  guten  Sitten  in  SBiberfprud^  ftc^t, 
mcnn  bcr  (Seemann  bie  ß^elic^feit  beö  im  ß^cbruc^c  crjeugtcn  Äinbcö  an* 
fed^ten,  bie  6^c  ober  trofe  beö  ©^ebruc^eß  befte^cn  laffcn  roill,  fann  — 
mcnigftcnd  in  biefer  SlUgemeinl^eit  —  olö  rid^tig  nid^t  anerfannt  werben.  2)er 
6t)emann  fann  bead^tungßroertlje  ©rünbe  ^aben,  t)on  ber  ©d^eibung  abjufe^en, 
}.  33.  meil  er  in  biefer  ^infid()t  religiöfe  33cbenfen  f)at.  3^n  in  foldf)en  göUcn 
ju  iwingen,  au^  baß  Äinb  alß  ein  efielid^eß  in  bie  gamilie  aufjunelimen,  Der* 
lefet  o^ne  3loÜ)  bie  Steckte  beß  ®^emanneß.  3)aju  fommt,  \>a%  eine  berartige 
^Regelung  gegenüber  bem  geltenben  3led)te  eine  Steuerung  enthalten  unb 
grofee  Romplifationen  mit  fidf)  bringen  mürbe. 


§  1474. 

jperf5nii*€  S)ic  33eftimmungen  beö  §  1474  entfpred^en  ben  SSorfd^riften  beö  §  1263 

f "(JlSnTu""' ^-^I&M   u>^^  ^^  §  1265  unb  berul^en  auf  ätinlid^en  ©rtoägungen,  mic  tiefe 

«fterfcnnung  (oergl.  bie  aWotioe  }u  §  1263  oben  ©.  91  unb  ju  §  1265  oben  S.  94). 

c^eiicjfeit.  Sie  befte^cnbcn  Siedete  enthalten  in  ben  ^ier  fragti^en  Sejieliungen  feine  bc* 

fonberen  93orfd)riften,  unb  gel)en  in  ber  Suriöprubenj,  inöbefonbere  aud&  in 

ben  ©cbieten  beö  preufe.  unb  beö  franj.  Sied^tcö,  bie  Sfnfid^ten  borüber  auß* 

cinanbcr,  ob  unb  inmieroeit  ber  gefegUd^c  aSertreter  beö  6f|emanneö  baö  3In* 

fed^tungöred&t  beö  lefeteren  auöüben  fann.  3n  ber  preufe.  Suriöprubenj  roirb  bie 

^ragc  für  ben  gall  ber  ®eifteöfranfl)eit  beö  6t|cmanncö  oorroiegenb  bejaht  (uergl. 

aud&  (Sntfdf).  b.  Ob.  S^rib.  ^b.  57  ©.  179),  mä^renb  für  ben  gaU  einer  für  bcu 

6l)emann  angeorbneten  3lbn)efent|eitöDormunbfd)aft  aud^  in  ber  neueren  S)oftrin 

bie  Slnfid^tcn  getl^eilt  finb.    S)aö  Dbertribunal  tiat  für  ben  Icfeteren  ^aU  bie 

^rage  fomol^t  uom  Stanbpunfte  beö  gemeinen,  wie  beö  preufe.  9?ed()teß  auö 

uenieint  (oergl.  ©euffert  I,  164,  anbererfeitö  XLII,  275). 

3)a6  bie  9lnerfennung  ber  ß^elid^fcit  beö  Äinbeö,  fomie  bie  Stußübung 
beß  älnfec^tungßre^teß  ntd^t  bnvä)  ben  älbmefenl^eitöpfleger  beß  @^emanned 
erfolgen  fann,  ergiebt  fic^  für  ben  ©ntmurf  fd&on  auß  ben  allgemeinen  Sc* 
ftimmungen  beß  SSormunbfd^aftßred^teß,  ba  nad^  §  1740  bie  SSertretungßmad^t 
beß  Slbmefenl^eitßpftegerß  fi^  auf  baß  SSermögcn  beß  Stbmefenben  befd^ränft. 
Dagegen  mürben  in  ©rmangelung  einer  befonbcren  Seftimmung  anbere  gefefi* 
lid^e  äJcrtreter  beß  ®t)emanneö,  fomeit  benfelben  bie  ©orge  für  bie  5ßcrfon  ju* 
fte^t,  ben  Seemann  aud^  in  ben  l^ier  fragtid^en  Sejieljungen  ju  vertreten 
bered^tigt  fein  (§  1503  Slbf.  1,  §§  1649,  1728,  1737  3lbf.  4,  §  1743).  ©ö 
läfet  fid)  ni^t  Derfenncn,  bafe  er^cblid^e  praftifd&e  ©eftd&töpunfte  bafür  geltenb 
gcmad&t  werben  fönnen,  bem  gefe|üd^en  SBertrctcr  beß  geifteßfranfen  G^emanneö 
ha§f  5Red[)t,  bie  ©^elid^feit  beö  Äinbeß  anjufedfjten,  nid^t  ju  oerfagen,  namentUd^i, 


SJeli^e  aSftamniunö.    Slnfec&tuug.    JJo"".    §  1475.  669 

TOcnu  man  in  Setrad^t  jic^t,  bofe  ©ciftedfranf^cit  in  bcm  (Sntrourfc  als  Sc^ci^ 
bungsgrunb  nid^t  oncrfonnt  ift  nnb  naä)  §  1471  ba^  5linb  bis  jiir  erfolgten 
STnfed^tung  bcjro.  biö  jur  ©rlebigung  beö  SÄed^töftrciteS  über  bic  9lnfcci^tungö* 
ffage  old  ein  eJ^elid^eö  Äinb  betianbelt  werben  mufe.  9lUein  jenen  ©efid^tö^ 
punften  fonn  im  ^inblicte  auf  ben  ^öd^ft  perfönlid&en  Äarafter  beö  Slnfed^tungö- 
rcd^tcß  entfd^eibenbeö  ®m\ä)t  nid^t  beigelegt  werben.  2)ajn  fommt,  bafe,  wenn 
man  bem  gefe^lid^en  SScrtreter  beö  geifteöfronfcn  6f)emanneö  bas  ditä)i  eim 
räumt  baö  9lnfe^tungöred^t  auöjuüben,  berfelbe  cö  in  ber  ^anb  ^ot,  bie 
©^elid^feit  beö  Rinbeö  inbireft  baburd^  onjuerfennen,  bafe  er  bie  5ßrä!tufiüfrift 
beö  §  1473  ablaufen  löfet  ober  bie  erhobene  Slnfec^tungöflage  jurücfnimmt 
(§  1476  ©a^  2)  ober  burdf}  fein  SBcrl^alten  im  5ßrojeffe  bie  Slbroeifung  bcr 
Snfed^tungöHage  bewirft.  2)ie  barauö  für  ben  ©l^emann  fid^  ergebcnbe  ©efa^r 
ift  l|6^er  anjufd^Iogen,  als  bie  termogenöred^tlid^en  ?Rad&t^eiIe,  roeld^en  er  auö^ 
gcfcfct  ift,  mtnn  roftlircnb  ber  ©eifteöhranf^eit,  alfo  tJieUeid^t  biö  ju  feinem  2;obe, 
bie  3lnfed&tung  ber  ®{|elid^feit  beö  Jtinbeö  auögefdE)Ioffen  ift. 


§  1475. 

3)ie  93eftimmungen  beö  §  1475  lehnen  fid^  on  bie  analogen  Seftim?  gform  bcr  stn. 
muuflcn  beö  §  1266  an.  Sie  ©rünbe,  roeldE)e  für  bie  legieren  ma^gebenb  ^^TÄt^ 
gewefen  ftnb,  treffen  im  SBefentlid^en  aud&  {|ier  ju.  3laä)  bem  SSorgange  beö 
Code  civil  Slrt.  316  eine  aufeergerid^tlid^e  Slnfed^tungöerflärung  für  genügcnb 
ju  erftärcn,  empfiehlt  ftd^  nid^t,  ba  auf  biefem  SBege  leidet  ©treitigfeiten 
barübcr  entftel^cn  fönnen,  ob  bie  Slnfed^tung  red^tjeitig  erfolgt  ift.  Stber  aud^ 
bie  Slbgabe  einer  gerid^tlid^en  (Srflärung  (oergl.  preu§.  91.  S.  9t.  II,  2  §  7 
unb  basu  ©nifd^.  b.  91.  ®.  in  ßioilf.  xvm,  62  ©.  290  ff. ;  fäd^f.  ®.  S3. 
§  1775)  fann,  t)on  ber  Sluönal^me  beö  §  1475  9lbf.  2  abgefel^en,  alö  auö:« 
reid^enb  nid^t  erad^tet  werben,  ba  bei  biefer  9legelung  bie  ©ntfd^eibung  ber 
grage,  ob  \>a&  ftinb  ein  el^elid^eö  ift  ober  nid^t,  in  ber  ©d^webe  bleibt.  S)ie 
Unel^elid^feit  beö  Äinbeö  fönnte  alöbann  auf  ©runb  ber  erfolgten  Slnfec^tung 
nad^  §  1471  9lbf.  1  von  3ebem  nad^  aWafegabc  ber  allgemeinen  ©runbfäfee 
geltenb  gemalt  werben.  Die  im  öffentlid^en  ^ntereffe  in  l^o^em  2»a6e 
wünfd&enöwertl^e  cinl^eitlid^e  geftfteflung  beö  ©tatuöoer^ältniffeö  beö  Äinbeö 
in  einem  ^ßrojeffe  jwifd^en  ben  näc^ftbetl^eitigten  ^erfonen,  nämtid^  jwifd^en 
bem  ©bemanne  unb  bem  Äinbe,  würbe  auf  biefem  SBege  nid&t  erreid^t  werben, 
wftl^renb  ber  ©tanbpunft  beö  ©ntwurfcö,  bafe  bie  5lnfed^tung  ber  (S^elid^feit 
beö  Jtinbeö  burdli  ben  @l^emann,  folange  boöfelbe  am  Seben  ift^  burd^  (Srl^ebung 
ber  Stnfed^tungöftage  gegen  baö  Äinb  erfolgt  (oergl.  aud&  l^eff.  6ntw.  III  «nfet^tunß«. 
«rt.  7;  ital.  ®.33.  Slrt.  166),  wenigftenö  für  eine  grofee  3a^l  tjon  gäUen,  ben  "°^'' 
Uebelftanb  ber  9lelatit)ität  Dermeibet  (§  1475  3lbf.  1  oerb.  mit  §  1471  9lbf.  2 
unb  §  1477).  2)iefen  SBort^eilen  gegenüber  fann  barauf  er^eblid^eö  ©ewid^t 
nid^t  gelegt  werben,  bag  bie  (Srl^ebung  ber  älnfed^tungöflage  unter  Umftönben 
mit  unnöt^igen  Äoften  unb  aSeitläufigfeiten  üerbunbcn  fein  fann  unb  biefe  Slrt 
ber  9legelung  bem  3ntereffe  ber  gamilie,  baö  SBefanntwerben  ber  5Knfed^tung 
t^unüd^ft  JU  Derl^üten,  t)ielleid&t  in  geringerem  SWafee  9ledönung  trögt,  alö 
wenn  man  fxd&  mit  ber  einfad^en  Slbgabe  einer  gerid^tlid^en  (Srflärung  begnügt. 


670  (J6eli*c  abftammunö.    3lnfc^timö.    Sonn.    §  1475. 

«nfw^tunfl».  3)o6  bic  SÄnfcc^tunflöMagc  gegen  baö  Äiiib  ju  rid&ten  ift,  liegt  in  bcr 

geflncr.  gj^^^,  jj^^  Singe,  ba  es  fid^  barum  Ijanbeft,  ben  ©tatud  beß  Äinbcs  fcftsufteUen. 
SlUcrbingö  ift  anä)  bie  @f)efrQu  an  bem  aiuögange  beö  ^^Jrojejfeö  unmittelbar 
intereffirt,  jumal  baö  in  bem  leßtcren  erge^enbe  Urt^eil  nad^  §  1477  au(§ 
gegen  fte  n)irtt.  älUein  biefer  ©efid^tdpunft  tann  nid^t  a(d  burc^fd^Iagenb 
cxa6)M  werben,  um  etwa  im  2(nfci^luRe  an  ben  bem  2lrt.  318  beö  code  civil 
ju  ©runbe  liegenben  ©cbanfen  ju  beftimmen,  bafe  bie  Stufed^tungöflage  gegen 
baö  Rinb  unb  bic  ß^efrau  erhoben  werben  muffe.  6inc  fold^e,  an  fid^  anomale 
S3eftimmung  ift  um  fo  bebenfUc^er,  ate  biefelbe  ju  einer  not^menbigen  Streit* 
genofjenfd^aft  unb  bicfe  mieber  ju  ber  $Rot^iücnbigfcit  einer  cin^eitüd^cn  ®nt* 
fd^eibung  gegenüber  bem  Äinbe  unb  ber  ß^cfrau  fül^rt.  3)a  baö  3ntereffe  beö 
Äinbeö  unb  ber  ®f)efrau  an  bem  Sluögangc  beö  ^rojeffeö  unter  Umftänben 
ein  ücrfd^iebencö  fein,  bie  ß^efrau  aber  burd^  i^r  Sßerl^alten  im  ^ßrojcffe  bem 
Äinbe  tt)atfäd()IidE)  präjubijiren  fann,  fo  ift  cö  üom  ©tanbpunfte  beö  3ntcreffcö 
beö  Sinbeö  auö  gefäl^rlid^,  üorsuf^reiben,  bofe  bic  2fnfed^tungöf(agc  gegen  baö 
Äinb  unb  bie  3Jlutter  erhoben  werben  müRe.  ®aju  fommt,  bafe  auf  biefem 
Sßcge  bem  S:inbc  baö  S^^gnife  ber  SJluttcr  entjogen  werben  würbe  (§  348 
9Jr.  3,  §  349  3lx.  2,  §  358  a.  Q,  ber  ß.  %  D.).  9luf  bic  fcitenen  gälle,  in 
wetd^en  bic  ®^efrau  von  bem  ^rojeffc  überl^aupt  feine  Äenntnife  erlangt  unb 
bcö^alb  nid^t  in  ber  Sage  ift,  bem  ^ro jeffe  alö  Skbcnintcrocnicnt  in  bcr  Stellung 
cincö  Streitgcnoffen  beijutreten  (§  66  ber  6.  %  D.  Derb,  mit  §  1474  b.  ®ntw.), 
braucht  um  fo  weniger  Slürffic^t  genommen  ju  werben,  alö  nad^  bem  iit  ber 
9lnm.  JU  §  1476  mitgetl^eilten  neuen  §  627  a  ber  S.  %  O.  auf  hm  l^ier 
fraglid^en  9led|töftreit  baö  Dffiiiafprinjip  Slnwenbung  finbet  unb  jubem  baö 
Äinb  in  bem  ^rojeffc  regetmäfeig  burd^  einen  ^f[eger  vertreten  wirb. 
»«beutunfl  SBie  im  galle  beö  §  1266  9lbf.  1,  l^at  anä)  l^ier  bie  ©r^ebung  ber  SKm 

anfe^tung«*  fcd&tuugöf (agc  eine  boppelte  Sebeutung.    ©incrfeitö  ent{)ält  fic  bie  Slnfed^tungö* 
«afle.     erfförung  unb  ift  infoweit  ein  red^tögefd^äftUd^cr  9ßt.    älnbercrfcitö  ift  fie 
ber  projcffuale  3lft,  burd^  weld^en  ber  Sled^töftrcit  anl^ängig  wirb,  welcher 
bie  geftftcBung  ber  ß^clid^feit  ober  Uncl^elic^fcit  beö  ftinbeö  jum  ©egen- 
ftanbe  ^at. 
^"«7^  35crfd^icbene  neuere  ©efcfegcbungen  enthalten  bie  befonbere  Seftimmung, 

bafe  bem  Äinbe,  wenn  ber  ®t)emann  bie  ®^eUdE)teit  beö  (egteren  angefod^ten 
^at,  in  allen  gällcn  oon  9lmtöwegcn  ein  5lurator  ju  befteUen  fei,  foweit  baö* 
fclbe  jxdf)  felbft  nid&t  oertreten  fönne  (Dcrgl.  preufe.  91.  S.  St.  II,  2  §  9 ;  öfterr. 
®.  93.  §  158;  code  civü  Slrt.  318;  I)eff.  @ntw.  III  9lrt.  9).  3>er  Entwurf 
{|at  eine  berartige  Seftimmung  für  cntbe^rtid^  crad^tet.  3)a  uad^  §  1471  9[bf.2 
baö  Äinb  trog  ber  erfolgten  9lnfed&tung  biö  jur  ©rlebigung  beö  Sled^töftrciteö 
über  bic  9[nfe(^tungöftagc  alö  ein  c^clid^eö  Äinb  gilt,  fo  ftel^t  baöfelbe  biö 
bat)in  allerbingö  unter  ber  ctterlid)cn  ©cwalt  beö  ®^emanneö.  Sluö  ben  all* 
gemeinen  93eftimmungen  ber  elterlid^en  Oewatt  unb  beö  SBormunbfd^aftö* 
red^teö  ergiebt  fid^  inbeffen,  bafe  in  biefem  gaUe  bem  Äinbc  bel^ufö  ber  ^rojefe« 
fül^rung  ein  5ßfteger  bcftcÜt  werben  mufe  unb  baö  aSormunbf^aftögcrid^t  aud^ 
im  Uebrigen  aM  bem  Ocfid^töpunftc,  bafe  baö  3nteref|e  beö  e^emanneö  ju 
bem  Sntereffe  beö  Siinbeö  in  erl^eblid^em  Oegenfagc  fte^t,  gecignetenfaUö  bie 
SJcrtrctung  beö  Ätinbeö  bem  ©fjemannc  entiie^cn  unb  einem  ^ßflegcr  fibertragen 


S6eli(fee  Slbftammung.    Slnfecfetung.    ^^roicgfä^igfett  2C.    §1476.  671 

fonn  (ocrgt.  §  1503  aibf.  1  t)erb.  mit  §  1651  9lr.  h  4  unb  §  1738).  Slud)  im 
^inbUcfe  auf  fold^c  göDc,  in  melden  bic  eltcrli^e  Ocmolt  bcö  6l)emanncö 
ru^t  unb  bcö^olb  ber  äRuttcr  bic  elterfid^c  ©emalt  unb  bic  bamit  oerbunbcnc 
ajcrtrctungfimad^t  juftc^t  (§  1555),  ift  ein  Scbürfnife  ju  einer  befonberen 
SSorfd&rift  ni^t  Dor^anben,  ia,  wenn  ben  Umftönbcn  nad^  ju  beforgen  ift  bafe 
bic  ©f^efrou  ein  bem  3ntcreffe  beö  Sinbcö  entgegengefcgtcß  3ntcrcf[c  am  9luö* 
göngc  be«  ?ProjeRefi  i)ahc  unb  beö^alb  baö  Sntereffe  beö  Äinbeö  in  bem 
^rojcffe  nid^t  mit  ber  erforbcrlid^en  Unbefangenheit  roal^mel^men  merbe,  boö 
SBormunbfd^aftßgcric^t  auf  ®runb  ber  angefül^rten  allgemeinen  Seftimmungcn 
in  ber  üage  ift  ii^r  bic  SScrtretung  }u  cntjie^en  unb  jum  Qmtdt  ber  ^rojefe* 
fü^rung  bem  Äinbc  einen  ^Pfleger  ju  befteUen. 

2>ic  Seftimmung  beö  §  1475  Slbf.  2  regelt  bie  gorm  ber  3lnfeci^tung  «nfed^tung 
nad^  bem  2;obe  beö  Äinbeö.  SBennglcid^  nad^  bem  2:obe  beö  Äinbefi  ba»  crSn^ 
3ntereRe  beö  ß^emonneö,  bie  ©^clid&feit  beö  ÄinbeS  anjufed&ten,  regetmä§ig  u«««"«^«  ^ 
nur  ein  geringe«  fein  wirb,  fo  fann  man  bod^  bie  gwläfpgfeit  ber  Slnfcc^tung  ^^genäw" ' 
in  bicfem  "^aUc  nid^t  überl^aupt  auöfd^lic^en.  9lbgefel|en  von  bem  ibealen 
Sntereffc  fann  ber  ©bemann  unter  Umftönbcn  aud^  ein  Dcrmögcnöred^tUdöeö 
Sntcreffe  baran  ^aben,  bafe  baö  nerftorbenc  Äinb  rüdroärtö^in  atö  ein  un^ 
e^eUd^eö  Ainb  bc^anbelt  merbe.  3^^^^  if^  ^^^  S^K  benfbar,  bag  baö  Einb 
mit  ^interfaffung  Don  3lbfömmlingen  geftorben  ift,  ber  (gl^emann  aber  baö 
3lnfcd^tungöred&t  nodb  nid^t  verloren  \)at  unb  nad^  bem  3::obe  beö  Äinbeö 
baoon  ®ebraud^  mad^en  roiD,  um  ben  9lbt5mmtingen  beö  lefiteren  bie  Gigen« 
fd^aft  c^elic^cr  Slbfommlingc  ju  beftrciten.  ®in  fold^er  galt  fann  nadd  btn 
33eftimmungen  beö  ©ntrourfcö  (§  1473  Slbf.  2  t>erb.  mit  §  1474)  namcntlid^ 
bann  oorfommcn,  menn  ber  (S^emonn  lange  3al^re  megen  (Scifteöfranfl^eit 
gefd^äftöunfäl^ig  mar  unb  erft  nad^  bem  2:obe  beö  ftinbeö  mieber  genefen  ift. 
3m  Uebrigen  mirb  megen  ber  ©rünbc,  auf  meldten  bie  SBorfd^riftcn  beö 
§  1475  Slbf.  2  bcrul^cn,  inöbefonbere  bie  SBorfd^rift,  bafe  in  bem  ^ier  fraglichen 
gallc  bie  Slnfed&tung  nid^t  burd&  ®rl^ebung  ber  Slnfed^tungöflage  erfolgen 
foU,  auf  bie  SKotiDc  ju  bem  analogen  gallc  beö  §  1266  Slbf.  2  (oben  ©.  96) 
Sejug  genommen,  ^an  fönnte  havan  benfen,  in  bem  ^ier  fraglichen  galle, 
fofem  bie  SKutter  beö  Äinbeö  noc^  am  fieben  ift,  biefc  alö  justus  contradictor 
gegenüber  ber  Slnfed^tung  von  Seiten  beö  ®l)cmanneö  anjufe^en  unb  bcölialb 
ju  beftimmen,  bafe  in  biefem  galle  bie  Slnfed^tung  burd^  (Srl^ebung  ber  Sin? 
fcd^tungöflage  gegen  bie  äßutter  ju  erfolgen  l^abc.  SRit  9tüd(fid^t  auf  fold^e 
gälte  jebod^,  in  meldten  Icfttcrc  üielleid^t  gerabe  ein  3ntercf[e  an  ber  geft^ 
fteUung  ber  Unc^clid^Ieit  beö  Äinbeö  l^at,  ift  eö  alö  bcbenflic^  erachtet,  bem  in 
einem  ^rojeffe  jroifd^cn  ber  SWutter  unb  bem  ®^emanne  erge^enbcn  Urt^cile  in 
gleicher  SBcifc,  wie  bem  in  bem  5ßrojeJfe  jmifd^en  bem  ©bemanne  unb  bem 
Äinbe  erlajfencn  Urt^eitc  (§  1477),  SRed^töfraft  für  unb  gegen  SlUe  beljulcgen. 

§  1476. 

1.  Sic  »orf^rift  beö  §  1476  Sag  1  red[)tfertigt  fid^  burd^  bie  Sinologie    *"J*6' 
mit  bem  im  §  1254  bc^anbetten  galle  (t)ergl.  aud^  §§  1267,  1276,  1451)  unb  Ä!!!ij. 
cntfpri^t  ber  aSorfd^rift  beö  §  1474  Saß  1. 


672  @Wi4c  SlBftQmmung.    9liife(j6timg.    $>rojc§fä5igfett  k.    §  1476. 

3«rüdna^me  2.   3)ic  pofttbcu  SSorfd^tiftcTi  bcö  1476  ©afe  2,  3  fd^licfeen  fid^  on  btc^ 

tu«8«nafll!  ienigcn  aSorfd^riftcn  an,  n)eld)c  für  bcn  analogen  gall  gelten,  wenn  bie  2lm 
fcd^tung  einer  anfed^tboren  ®^e  burd&  ®rl^ebung  ber  ^Infed^tungötlage  erfolgt 
ift  (ocrgt.  §  1268  Derb.  mit.  bem  in  ber  Slnm.  1  ju  §§  1250  ff.  unter  II,  5 
ntitgetl^eilten  neuen  §  576  ber  6.  ^.  D.  unb  bie  Sßotioe  ju  §  1268  oben 
©.  97  ff.).  S)a  nad^  §  1471  3lbf.  2  ba«  ftinb  trofe  ber  in  ber  ©r^cbung 
ber  9lnfed^tungöftagc  liegenben  Slnfed^tung  bis  jur  ©rlebigung  beö  SRed^tös 
ftreiteö  über  bie  9lnfed^tungöflage  ate  el)elid&eö  Äinb  gilt  unb  ber  (Seemann 
nad)  bem  ©ntrourfe  über  ben  ©tatud  beö  Äinbeö  ju  ©unften  bcö  legteren  in 
ber  ^icr  fraglid^en  Sejic^ung  ju  biöponiren  befugt  ift,  fo  ift  eö,  l[|ingefc^en 
auf  bie  Siedete  S)ritter,  unbebenflid^,  mit  ber  S^rüdEnal^me  ber  2lnfed^tungö« 

wÄ6rwb"brt  '^^Ö^/  fo^ic  ^i^  ^^1^  ^^ft  i^  ßöufe  beö  SWed^töftreitcö  erfolgten  Stnerfennung 
»ed^»'    ber  @l^elid^feit  beö  5linbeö  bie  im  §  1476  <3ag  2,  3  bejeid^neten  äBirtungen 
ftreite».    j^  ücrbiubeu.    Slnbererfeitö  liegt  biefe  9lrt  ber  Siegelung  im  Sntereffe  ber 
^Parteien  felbft.    3m  ^^fommenl^ange  mit  ber  SBorfd^rift  beö  §  1476  ©afe  2 
ftel^t  bie  S8orfd)rift  beö  in  ber  3lnm.  ju  §  1476  mitget^eilten,  jur  Slufnol^me 
in  baö  ®infü^rungögefe|  beftimmten  neuen  §  627  a  ber  ß.  ^.  D.  üerb.  mit 
bem  neuen  §  575  a  ber  tefetercn  (oergl.  bie  Slnm.  1  ju  §§  1250  ff.  unter  II,  4), 
bo§  bie  9lnfed^tungöflage  von  bem  ©bemanne  ju  jeber  S^it  ol^ne  ©inmiHigung 
beö  Setlagten  jurürfgenommen  merben  fann. 
sBerftt^ren.  3.  3)urd^  beu  iu  ber  9lnm.  ju  §  1476  mitgetl^eilten  neuen  §  627  a  ber 

pÄ'  ®-  ^-  ^-  ^^^  "ö*  2lnalogic  beö  burc^  bie  ß.  %  D.  geregelten  «erfa^rcnö  in 
®^efad^cn  auf  ben  SWed^töftreit ,  roeld^er  bie  9lnfed)tung  ber  6^elid[|teit  bcö 
Jtinbcö  jum  ©egcnftanbc  l^at,  rotnn  aud^  in  bcfd^ränflem  Umfange,  ha^ 
Dffijialprinjip  übertragen  merben.  SBenngteid^  biefe  Sluöbel^nung  bcö  DffijiaU 
prinjipcö  gegenüber  bem  geltenben  SÜed^te,  inöbefonbere  gegenüber  ber  6.  ^.  D., 
eine  Steuerung  cntliattcn  mag,  unb  mcnngleic^  jugegeben  roerben  mufe,  bafe  baö 
öffentlidöe  ^ntcrefle  bei  ber  grage,  ob  baö  Äinb  ein  el^cUdJicö  ober  ein  une^etid^eö 
ift,  nid^t  in  fo  ^ol^em  SHafee  bet^eiligt  erfd^eint,  roie  bei  ben  ®l[|efod^en,  fo  trifft 
bod^  ber  prinjipicHc  Orunb,  auf  meld^em  bie  ©urd^bred^ung  beö  5ßrinjipeö 
ber  SScrJ^anblungömajimc  bei  bem  SSerfa^ren  in  ß^efad^en,  inöbefonbere  bei  ben 
ftlagen  auf  2:rennung  ber  @fie  ober  auf  UngültigfeitöerKärung  einer  anfed^t^ 
baren  ®^e,  beruht,  nämlid^  ber  (Srunb,  bafe  ber  Ocgcnftanb  beö  9flcd[|töftrcitcö 
nid^t  ober  boc^  nid^t  in  allen  Sejiel^ungen  ber  freien  2)iöpofttion  ber  ^Parteien 
unterliegt,  roeil  eö  fid^  um  jroingenbeö  SRed^t  l^anbelt  unb  baö  öffcntlid&e 
Sntereffc  fonfurrirt,  aud&  l;ier  ju.  SJafe  ber  Staat  an  einer  ber  majoren 
Sad^lage  entfpred)enben  geftfteDung  beö  Slatuö  beö  Äinbeö  ein  3ntereffe  l^at, 
crgiebt  fid^  fd^on  auö  ben  Strafbeftimmungen  über  bie  SSeränbcrung  beö 
^crfonenftanbeö  (§  169  ©tr.  ®.  S3,).  3"  heaä)itn  ift  ferner,  bag  eö  roegcn 
ber  t)ielfad^en  burd&  ben  ©tatuö  beö  Äinbeö  bebingten  SRed^töocrl^ältniffc  jur 
aScrmcibung  ber  fonft  cintretenben  SSermidfetungen  unb  Ucbelftönbc  im  offcnt* 
lid^cn  Sntereffe  liegt,  bafe  burd^  baö  auf  bie  Slnfed^tungöflagc  crge^enbc 
Urtl^cil  aud^  bann,  menn  baöfclbe  ber  Jttage  ftattgiebt,  ber  ©tatuö  bcö  Äinbc« 
einl)eitlidb  für  unb  gegen  9lllc  fcftgeftcEt  mirb.  S)ic  gegen  eine  fold^e  STuö^ 
bcl^nung  ber  fubjcftiücn  SRed^töfraft  bcö  Urtl^cilcö  pd^  crl^ebcnben  »ebenfen 
verlieren  aber  erljeblid^  an  ©croid^t,  menn  auf  ben  Sfted^töflrcit,  rocld^cr  bie 


e6en<6c  «Bliammung.    9lnfc*tuno8Haöc.    Urt^eil.    §  1477.  67^ 

Änfed^tung  ber  g^clid^fcit  bcß  Äinbcö  jum  ©cgcnftanbc  l^at,  baö  Dffijiat 
prinjip  älnwcnbung  finbct.  3)er  Umftanb,  bafe  regelmäßig  baö  Äinb  in  bcm 
Slc^töflrcitc  burd[|  einen  gefefelid^en  SBertretcr  vertreten  fein  wirb,  Dennag  für 
fic^  allein  icnc  Sebenfen  nid^t  ju  bcfcitigen,  ba  nod^  bm  Seftimmungen  ber 
6. 5ß.  O.  §  52  bem  aSormunbfd^aftögerid^te  eine  felbftänbige  ©inroirhing  auf 
ben  Oang  beß  ^ßrojeffeö  nid^t  jufte^t. 

2)ie  Scgrünbung  ber  SBorfd^riftcn  beö  neuen  §  627  a  ber  6.  %  D.  im 
©injelnen  ift  ben  aJlotioen  beö  (ginfü^rungögefefccö  oorbe^alten. 


§  1477. 

®a  ber  ©bemann  bie  ©^elid^feit  beö  Äinbeö  mit  SBirfung  gegen  2)ritte  »«'h»««  ^ 
anerfennen  (§§  1472,  1471  3lbf.  1,  §  1476  ©afc  3),  aud^  burd^  3urüdEna^me  aeg^eJl^dtu. 
ber  Slnfed^tungöMagc  ©ritten  präjubijiren  fann  (§  1476  ©aß  2  tJerb.  mit 
§  1471  2lbf,  1),  fo  ift  CS  iebenfallö  unbebenftid^,  bcm  bie  3[nfed^tungöftage  jurücf* 
loeifenben,  nod^  mö^rcnb  ber  Sebend^eit  bed  @l^emanned  unb  beö  ^inbcd  red^ti^ 
fräftig  gcioorbenen  Urt^eile  Sled^töfroft  für  unb  gegen  9lUe  beijulegen.  iCagegen 
läfet  ficö  md()t  tJerfcnnen,  bafe  gegen  bie  93eftimmung  beö  §  1477,  fomcit  nad^ 
bcrfelbcn  —  in  weiterer  3lbmeid)ung  t)on  bem  5|Jrinjipe  beö  §  192  —  aud^ 
baö  bie  Une^elic()!eit  beö  $tinbeö  feftftellenbe  Urtl^ei(  9lcc^töfraft  für  unb  gegen 
Sfilc  erlangen  foU,  namentlid)^  [oom  ©tanbpunfte  beö  Sntercifeö  ber  ®^efrau 
auö,  crl|eblid&e  JBebenfcn  crljiobcn  werben  fönnen.  Slllein  biefe  Sebcnten  fönncn,  wie 
in  bcu  RöBcn  ber  §§  1256, 1269, 1271,  fo  auc^  ^ier  im  ^inblirfc  auf  baö  öffent* 
lic^e  3ntereffe  an  einer  ein^eitlidben  ^ftftellung  ber  ©tatuöüerl^ältniffe  unb  im 
Einbilde  auf  bie  innere  SWatur  biefer  SBcr^altniflc,  mit  rocld^er  eine  ^Relativität 
nic^t  oereinbar  ift,  a(ö  burd^fd^lagcnb  nidE)t  erad^tct  werben,  jumat  nad^  bem 
in  ber  Slnm.  ju  §  1476  mitget^eilten  neuen  §  627  a  ber  ©.  %  D.  auf  ben 
Slcd^töftreit,  welcher  bie  9lnfed^timg  ber  (S^elic^feit  beö  Rinbeö  jum  ©egen* 
ftanbe  ^at,  infomeit,  alö  eö  fid^  um  bie  ^eftfteUung  ber  Une^elid^teit  beö 
ftinbeö  ^anbett,  baö  Dfpjialprinjip  Slnrocnbung  pnbet.  Unter  biefcn  Um* 
ftönben  ift  inöbefonberc  eine  ©efö^rbung  ber  S^^i^^ffcn  ber  unmittelbar  be* 
ttieiligten  6f)cfrau  nidi)i  ju  beforgcn  (ocrgl.  bie  äßoliüe  ju  §  1475  oben  S,  670). 
Siringcnbe  praftifd)e  ®rünbe,  weld^e  bie  Stnomalie,  bafe  baö  Urtf)cil  nur  für 
ben  gall  ber  3wrüctroeifung  ber  Älage  3lcd^töfraft  für  unb  gegen  küt  erlangt, 
}u  rechtfertigen  oermöd^ten,  liegen  ba^er  nic^t  oor.  SBeiter  fommt  in  83etradf)t, 
bafe  bie  3luöbe^nung  ber  SRec^töfraft  auf  ben  gall,  wenn  baö  Urtl^eil  ber 
Älage  ftattgiebt,  ber  in  ber  ^rajiö  beö  gemeinen  unb  beö  preufe,  SWed^teö 
fiberwiegenb  vertretenen  Stuffaffung  (tJergl.  Seuffert  III,  388,  XXXVI,  82; 
entfc^.  beö  Db.  SCrib.  83b.  37  ©.  345,  33b.  46  S.  219;  ©triet^.  S3b.  48  S.  260), 
foroie  bem  fäc^f.  ®.  83.  §  1857  entfprid&t. 

25ie  im  §  1477  aufgeftellte  aSorauöfefeung,  bag  baö  Urt^eil  mäfirenb  ber 
fiebenöjeit  beö  ß^emanneö  unb  beö  Äinbcö  red^töfräftig  geworben  ift,  l^ängt 
mit  ber  SBorfd^rift  beö  neuen  §  627  a  5lbf .  1  ©afe  2  ber  ß.  ^^.  D.  (oergl.  3lnm. 
}u  §  1476)  jufammcn. 

SelbftPerftänblic^  erftredEt  Rd^  übrigcnö  bie  SRec^töfraft  beö  Urt^eileö 
nur  auf  bie  grage,  ob  baö  Äinb  nacö  SWafegabe  ber  §§  1467  ff.  alö  ein  e^e« 

flotise  I.  bfirocrt.  «cfelbud^.  lY.  43 


674  (gl6cn(öe  9tbftammun0.    Slnfc^tung  bec  Slnerfennung.    §  1478. 

lid^cö  ober  une^eUd&cß  an^^ufc^cn  ift,  ba  nur  biefc  ?5ragc  bcn  ©cgcnftanb  bcr 
Slnfcd^tungöHagc  bilbct  unb  bei  bcr  le^teren  bic  ©ültigfcit  ber  (g^e  unb  bie 
®eburt  beö  Rinbeö  burd[|  bie  ®^efrau  üorauögefefet  wirb.  9lu3  biefen  teftteren 
©ertd^töpunftcn  faiin  beö^alb  bas  Rinbeßoer^ältnife  trofe  ber  Seftimmung  bcs 
§  1477  gceignetenfattö  von  jebem  ©ritten  beftritten  unb  inöbefonbere  von  bem 
©bemanne  ober  bem  Äinbe  eine  Älage  auf  geftftcUung  bcö  9lic^tbeftc^enö  bcs 
(Sltern^  unb  Äinbeöücrl^aftnifjcö  uad)  ÜRafegabc  beö  in  ber  3lnm.  ju  §  1476 
mitgct^eilten  neuen  §  627  c  ber  ß.  5ß.  D.  crl^oben  werben. 

§  1478. 

«nfe<^tuttfl  S)ic  aSorfc^rift  bcö  §  1478  (oergl,  baneben  bcn  in  ber  2lnm.  ju  §  1476 

«nerfcnnun«  mitgetJ^ciltcn,  jur  Stufnal^me  in  baö  ®inf ü^rungögefcfe  beftimmtcn  neuen  §  627  b 

be9  Äinbe«.  j)er  6. 5ß.  D.)  bcrufit  auf  ber  ©rroägung,  ba|  eö  fic^  im  galle  ber  änfed^tung 

einer  burd^  ben  @f|emann  nad^  äßafegabc  beö  §  1472  erfolgten  Slncrfennung 

beö  ftinbeö  im  ©runbe  um  bie  3lnfed)tung  ber  ®^clic^feit  beö  ftinbeö  öanbcit. 

Soweit  auö  §  1478  ein  2lnbereö  fic^  nid^t  ergiebt,  bleiben  auf  bie  3ln* 

fed^tung  beö  in  bcr  ^nerfcnnung  beö  Äinbeö  liegcnbcn  einfeitigcn  SRec^tögefc^äftcö 

bie  SSorfc^riften  beö  aUgemeincn  SCfjeifeö  (§§  103, 104, 112,  §  113  SJtbf.  3)  am 

roenbbar.    Sluö  §  104  9tbf.  3  ergiebt  fid^  inöbefonbere,  bag,  wie  in  bem  ana- 

logen  gaUc  beö  §  1473  9lbf.  2,  fo  aud^  im  galle  beö  §  1478  bic  93orfd^riftcn 

beö  §  166  entfpred)enbe  SInmenbung  finbcu.    S)ic  3lnatogic  beö  §  1473  2Ibf.  2 

mug  aber  meiter  bal^in  fül^ren,  mie  im  §  1473  3lbf.  2,  fo  aud^  im  §  1478 

jugteid^  ben  §  164  für  cntfpredicnb  anrocnbtar  ju  erflören. 

Sft  ber  (Seemann,  ol^ne  baö  SRcd^t,  bic  Slnerfennung  beö  Äinbeö  anju* 
fechten,  ocrioren  ju  l^aben,  oor  3lblauf  ber  grift,  innerhalb  roefd^cr  er  bic 
(S^etid^feit  bcö  Äinbeö  anjufed&tcn  bercd&tigt  ift  (§  1473),  geftorben,  fo  crl^cbt 
ftd^  im  ^inblidfc  auf  bie  aSorfdgirift  beö  §  1471 5Kbf.  1  bic  grage,  ob  ba^  SRc^t, 
bic  älncrCennung  beö  5tinbcö  anjufed^tcn,  nac^  bem  S^obe  bcö  @^cmanneö  nod^ 
oon  beffen  ©rben  innerhalb  [ber  im  §  104  bejeid&neten  grift  gcttenb  gemalt 
werben  tann.  ®ine  befonbere  gcfefctid^c  ©ntfd^eibung  bicfer  ^rage  ift  ieboc^ 
nid^t  alö  crforbcrlid^  crad^tet.  3m  ^inblicfc  auf  bie  ^öd^ft  perfönlid&c  Statur 
beö  l)ier  in  9iebe  ftc^enben  SScrl^ättniffcö  unb  nad^  SÄnalogic  bcr  aSorfd[|rift  beö 
§  1262  wirb  bic  grage  ju  oerncincn  fein, 
si^ttöfeit  bcr  3ft  bic  Slncrfcnnung  beö  Äinbcö  nid^tig,  fo  fommcn  bic  Söorfd&riftcn  bcr 

«ncrfennun«.  gg  i^-j^_i^^^  fjjj^,.  ^[^  Slufcd^tung  bcr  @f|cUd^feit  bcö  Äinbcö  unmittelbar 

jur  STnwcnbung. 

inwiefern  bic  9lncrfcrinuitg  in  fold^en  göHcn  nid^tig  ift,  in  meldten  bcr 
roirflid^c  aSillc  mit  bem  erflärten  SBiUen  nid^t  übercinftimmt,  ift  nac^  ben 
aSorfd^riften  beö  allgemeinen  2;^eiteö  (§§  95—99)  ju  beurtficilcn. 

§  1479. 
«orjeitige  3)a  gäUc  bcr  im  §  1479  üorauögcfcgtcn  3lrt  nid^t  fo  feiten  fmb  unb 

mÄ'unfl  ^^^'^^^^  1^^"^^^  Oefefebü^er,  wie  baö  preug.  3t.  S.  SR.  II,  2  §§  22-~25  unb 
ber  (x^rou.  baö  föd^f.  @.  33.  §  1779  (ocrgl.  aud^  ;i)eff.  entro.  III  3lrt.  11—13),  fid[|  üer* 


S^cli^c  abftammuno.    SSorjcttioc  2BtcbcruerBeirat5uno.    §  1479.         675 

anlafet  gcfcticn  ^abcn,  pofitb  cinjugrcifcn,  fo  ift  cö  als  bcbenflid^  crad^tct,  im 
©efcßc  über  jene  gallc  ganj  ju  fd^raeigcn,  jumal  in  ©rmangclung  einer  be- 
fonberen  93eftimmung,  mit  jtd^  namenttid^  auf  bem  ©ebiete  beö  franj.  SRcd^teö 
gejeigt  l^at,  S^^^if^f  barüber,  in  roeld^cr  Slrt  ber  Äonflift  mä)  aEgcmeinen 
Orunbfäfeen  ju  entfd^ciben  ift,  nid)!  ausbleiben  roürben.  ®ine  anbere  grage 
ift  efi,  ob  es  nid^t  Den  5ßorjug  perbicnen  n)ürbc,  ftatt  ben  Äonflitt  burd^  eine 
pofttiüe  SSorfd^rift  jU  löfcn,  auöbrüdffid^  }u  beftimmen,  ha^  in  ben  ^ier  frag* 
iid&en  gällcn  bic  58ermut^ung  ber  (Sl^eti^feit  beö  ilinbeö  nad^  9Ka§gabe  ber 
§§  1468  ff,  feine  Slnroenbung  finbcn,  fonbem  bie  grage,  ob  baö  Äinb  oon  bem 
einen  ob'cr  anbercn  6l)emanne  crjeugt  ift,  nod^  ben  aHgemeinen  Semeiögrunbfäfeen 
f ntf^ieben  werben  follc.  (Segen  bie  ®infd^Iagung  biefeä  SBegeö  fpric^t  inbeffen 
—  abgefel^en  ron  ber  unftc^eren  Orunbloge  einer  fold^en  ©ntfd&eibung  unb 
ben  mit  einer  foId)en  Seroeiöfü^rung  ocrbunbenen  Sd^ioierigfciten  —  namentlid^ 
bic  SRürffid^t  auf  oerfd&iebenc  anbere  5Red^tdinftitute,  }.  93.  bic  Sluöftellung  von 
©rbfc^einen  unb  bie  gül^rung  beö  ©tanbcöregifterö,  bereu  Qrotd  beeinträd^tigt 
wirb,  rocnn  man  für  gällc  ber  l^ier  in  5Rebe  ftc^enben  3lrt  oon  ieber  5ßrä* 
fumtion  abfegen  roollte.  (Sntfd^eibet  man  fid)  bafür,  burc^  eine  pofitioc  9}or* 
fcftrift  5Borforge  ju  treffen,  fo  erfd^cint  bie  im  SBcfentlid^en  bem  Stanbpunfte 
beö  fäd^f.  0.  93.  unb  beö  fieff,  ©ntio.  fid^  anfd^Iiefeenbe  93eftimmung  beö 
§  1479  als  bic  angemcffenfte  Sofung,  ba  fie  einerfeitö  btn  SSorjug  ber  ©in« 
fad^^eit  für  fid)  l^at,  anbererfeits  an  bie  allgemeinen  93eftimmungen  ber 
§§  1468  ff.  fid^  tf)untid&ft  anlefint  unb  bem  praftifd&en  93ebürfniffe  ©cnüge 
leiftet.  9lud^  baö  preufe.  21.  S.  91.  fte^t  mit  bem  ©ntrourfc  infofern  im  6in* 
Wange,  aJö  es  in  ben  I;ier  fraglid^en  gfillen  bie  geraöl^nlid^e  Dauer  ber 
©d&TOongerfd^aft  oon  270  S^agen  feiner  ©ntfd^cibung  ju  ©runbc  legt;  bod^ 
meidet  c«  jum  9lad^t^ei(c  beö  Äinbeö  infofem  ab,  ald  bie  58ermutbung  ber 
6^elid^feit  bei  einer  (Seburt  biö  jum  270.  Silage  nur  gegenüber  bem  ©b^tnanne 
ber  früheren  6l)e,  bei  einer  ©eburt  nad&  bem  270.  ^age  nur  gegenüber  bem 
©l^emanne  ber  fpSteren  ®^c  gilt.  3n  bem  erfteren  gallc  foH  aber,  wenn  bie 
SSittme  toiber  bic  SSorfd&rift  ber  ©efefec  ju  frü^  gc^eirat^ct  bot  (§  1241),  audb 
ber  ©b^^tt^öun  ber  fpätcren  ®^e  bem  Äinbc  gegenüber,  oon  bem  gefefelid^cn 
ÄinbeSerbred^te  abgegeben,  alle  ?ßfli(^tcn  eine«  teiblid^en  aSaterö  o^ne  bie  Siedete 
eines  fold^en  Iiaben.  SRad^  bem  ©ntmurfc  ift  bagegen  bie  im  §  1479  beftimmtc 
©mpfängnifejeit  nur  bann  mafegebenb,  menn  nad^  ben  allgemeinen  (Srunbfäfeen 
fid^  ein  Ronflift  crgiebt,  b,  f).  mcnn  bad  Äinb  nad^  aJlafegabe  ber  93eftimmungcn 
ber  §§  1466—1475  ats  e^clid&eö  Jtinb  foroo^l  beö  Seemannes  ber  frül^ercn 
6^c  als  beö  ©fiemanncö  ber  fpfiteren  ®t)c  anjufcben  märe.  ®in  fold&er 
Äonflift  liegt  ni(^t  nur  bann  oor,  wenn  bie  im  §  1467  beftimmtc  ^mpfängnife- 
jeit  beö  nad^  Sc^licfeung  ber  fpätcren  ®^e  oon  ber  ß^efrau  geborenen  Äinbeö 
}um  S^cil  in  bic  3^it  ber  früfiercn  ®^e,  -jum  Xl)t\l  in  bie  !^dt  ber  neuen 
ß^e  fäUt,  fonbem  aud^  bann,  mmn  iene  ©mpfängnifejcit  nur  in  bie  3^^*  ^^^ 
frjil^cren  ®^c  fällt,  fofern  unb  folangc  bie  ®bclid^feit  beö  Rinbeö  mcber  oon 
bem  ©bemanne  ber  früfjcren  ®f|c,  nod^  oon  bem  ®f)emannc  ber  fpätcren  6^c 
mit  9led^t  angef ödsten  ift,  fei  cö,  ba^  loebcr  bem  einen  noc^  bem  anbercn  ein 
9lnfed&tungöred^t  juftebt,  weil  foroo^l  ber  eine  alö  ber  anbere  inncrt)alb  ber  im 
§  1467ibeftimmten  ©mpfängniöäcit  mit  ber  SKutter  beö  Äinbcö  ben  93eifd^laf 

43' 


676  Untcrtaltfipflic^t.    SScrbcmerfuno.   (§§  1480—1496.) 

tjolljoflcn  fjat  (§§  1469,  1470),  fei  cö,  bafe  fic  von  bem  ainfed^tungörcd^tc  ntäf 
feinen  (Sebraud;  gemacht  ober  baöfelbe  burdb  äCncrfcnnung  ober  burd^  3^^^ 
obtauf  oerlorcn  ^aben  (§  1471  Sttbf.  1,  §§  1472,  1473).  dagegen  tritt  ein 
folc^er  Äonftift  unb  bcö^afb  bic  bcfonbcre  Scftimmung  beö  §  1479  nic^t  ein, 
wenn  ber  eine  ober  bcr  anberc  ®^emann  bie  Uneljelid^feit  beö  ÄinbcS  mit 
SRed^t  angcfod^ten  l)at.  3n  einem  fold&en  goUe  oerblcibt  cd  üielmelir  bei  ben 
allgemeinen  S3eftimmungen  ber  §§  1466  ff.,  o^nc  SRürffid^t  barauf,  ob  ba^ 
Jlinb  innerl^atb  270  S^ogen  nad^  Stuflöfung  ber  früljcren  (S^e  [ober  fpöter  ge* 
boren  ift.  Slßcnn  ba^er  baö  Äinb  innerlialb  270  2:agcn  nad^  9(uflofung  bcr 
früheren  @^c  geboren,  bie  ®f|clid^feit  beöfelben  aber  oon  bem  G^emannc  bcr 
frül^cren  6^e  mit  SJed^t  angef ödsten  ift,  fo  ift  baö  ftinb  nid^t  etwa  alfi  ein 
unet)elic^eö,  fonbern  als  ein  Jlinb  bc§  (S^emanncd  bcr  fpätcren  6^e  anjufe^cn, 
fofcrn  nid^t  aud^  ber  ®^emann  bcr  fpätcren  Qf)t  bie  ß^clid^feit  beö  Äinbefi  mit 
SRcd^t  angcfod^tcn  l^at.  ©benfo  rerfiält  cä  ftd^  umgefcl^rt  in  bem  ^alle,  wenn 
baö  Äinb  fpäter  als  270  2^age  nad)  3luflofung  ber  früfjcren  (Bf)t  geboren,  aber 
bie  (S^clid^fcit  beöfelben  t)on  bem  6f)cmannc  ber  fpätcren  ®^c  mit  5led[|t  an^ 
gcfod)tcn  ift. 


3tt>eiter  Site!. 

Sorbetnerlung 

ju  ben  §§  1480-1496.  • 

?ri?atr«^t*  1.  SBcnnglcid^  bei  ber  SRegefung  ber  Untcrfjaltöpflic^t  bcr  SBcrmanbtcn, 

"J^'^^J^**^  namentlid^  roegen  ber  fubfibiärcn  offentlid&cn  SlrmenpPcgc,  tJiclfad^  boö  öffcnt^ 

^ttitÄpfii^t  lid^e  Sntcrcffc  ju  berüdfid^tigcn  ift,  fo  Ijat  jene  Untcrljaltöpflid^t  boc^  ücrmöge 

i^rcö  SRcd^lögrunbeö  einen  priDatrcd^tlidfien  ftaraftcr  unb  ift  beöl^alb  im  bürgere 

fidlen  (Scfcfcbud&e  ju  regeln.    3)agcgcn  bleiben  bic  baö  S3erl|ältni6  bcr  2lrmcm 

Dcrbänbc  ju  ben  untcrl;aItöpPid^tigen  SSerroanbten  bctreffenben  SSorfd^riften  ber 

9trmengcfc|gcbung,  inöbcfonbere  beö  91.  ©cf.  über  ben  Untcrftüfcungörool^nriß- 

0.  6.  3uni  1870  unb  bcr  baju  ergangenen  Sluöfülirungögefc^e  ber  einjcinen 

93unbeöftaaten  (ücrgl.  j.  33.  §  62  jcncö  $R.  ®ef. ;  preufe.  58[uöf.  ®ef.  o.  8.  aWarj 

1871  §§  65—67),  unberüfirt. 

»tätüiott  2.   Ueber  bie  rec^tlid^c  SJatur  unb  bic  fi)ftcmatifd^e  Stellung  bcr  Unter- 

«tttur.     j^öitöpflid^t  bcr  aSerwanbten  ge^cn  in  bcr  gcmcinrcdjtlid^cn  2)oftrin  bie  Sn^ 

pd^tcn  auöcinanbcr.    Sßä^rcnb  bie  ©inen  bic  SRatur  beö  Untcrl^altöanfpruc^cd- 

alö  eineö  gorbcrungörcc^tcö  betonen  unb  beöljalb  biefe  aj?atcrie  bem  Cbligationcn* 

redete  jumcifcn,  legen  anberc  baö  ^auptgcroic^t  auf  bic  familienrce^tlid^c  Orunb^ 

läge  beö  9lnfprud^cö  unb  red^nen  bcö^alb  ben  tcgtercn  ju  ben  gamilicnrcc^tcn. 

3m  ©injclncn  ^errfd^t  inbeffen  aud)  unter  ben  9lnt)ängern  biefer  9lnfid^t  über 

bic  juriftifdje  Konftruftion  beö  33erl)ättniffcö   feine  Uebercinftimmung.    3)ie 


UnterMtöDflid&t.    SorBcmccfung.    (§§  1480-1496.)  677 

üWcfirja^I  ber  neueren  ©efefebüd^cr,  inßbefonbere  baö  preufe.  31.  2.  SR.,  baö  bftcrr. 
<S. ».,  ber  Code  civil  unb  bad  fäd&f.  ®.  S.,  befjänbetu  bie  Unter^attöpflic^t  ber 
^erroanbten  als  einen  Xf)til  be«  gamilienred^tcö. 

®er  ©ntrourf  ift  in  blefer  Sejie^ung  ben  neueren  (Sefelgebungen  gefolgt, 
^cnngteid^  ber  Unterljaltöanfprud^  ber  SScrroanbten  infofern  einen  obtigatorifd^cn 
Äaraftcr  l^^t,  als  er  auf  eine  Seiftung  gerid^tct  ift,  unb  auf  benfclben, 
forocit  nid^t  aM  feiner  bcfonbercn  3latur  unb  ben  befonberen  Seftimmungen 
bicfeÄ  2:itete  ein  Slnbcreö  fid&  ergiebt,  bie  allgemeinen  (Srunbföfee  beö  Dbli^ 
flotioncnred^teö  9lnmenbung  finbcn,  fo  ^ängt  bcrfelbc  bod^  infofern  mit  bem 
gamilienrcc^tc  auf  ba^  ®ngftc  jufammen,  alö  er  auf  bem  burd^  bie  (gin^eit 
t>c&  S3lutcö  unb  bie  SBanbe  ber  gamilie  lieroorgerufcnen  natürlid^en  unb  ritt== 
ticken  SBer^öItniifc  beruht  unb  auf  biefer  ©runblagc  oom  SRed^te  ju  geftalten 
ift.  SJBic  bie  auf  Orunb  eine«  bingtid^en  SRed^töoerl^ältniffeö  entfte^enben  9ln* 
fprud[|c  bem  Sachenrechte,  fo  gel)ören  bie  auf  familicnred^tliddcr  (Srunblage 
bcrufjenbcn  3lnfpriid^e  bem  gamilienred^te  an  unb  empfangen  bei  biefer 
fi)ftematifd&en  Stellung  baö  rid^tige  Sic^t.  S)abei  gef|t  iebod^  ber  ®ntrourf  nic^t 
baoon  aud,  ba^  ber  Untcrl^altöanfprud^  fd^on  burd^  bad  ^erroanbtfc^aftd^ 
Der^ältnife  alö  ein  cin^citlid^er,  nur  in  feinen  cinjetnen  Seiftungen  bebingter 
^nfprud^  erjeugt  fei,  rielmclir  betrad^tet  er  ben  gamilienoerbanb  nur  alfi  bie 
®runbtage,  auf  welcher,  roie  baö  ©rbrec^t,  fo  auc^  ber  Untcr^attdanfprud^  beim 
Eintritte  geroiifcr  aSorauöfefeungen  jur  ®ntftcl;ung  gelangt.  Solange  bicfe 
SSorauöfefcungen,  nämtid^  auf  ber  einen  Seite  bie  Scbürftigfeit  (§  1481),  auf 
ber  anbeten  Seite  bie  Seiftungöfätjigfeit  (§  1482),  nid^t  .oortiegen,  befte^t  nur 
eine  Sluöjid&t,  eine  rcd&tlid&e  SRögtid&feit.  Stbcr  aixä)  vDznn  jene  SSorauö* 
feßungen  eingetreten  Tmb,  bel^anbelt  ber  (Sntrourf  ben  Unterfialteanfprud^  nid&t 
Qld  eine  clnf|citlid^e  Obligation,  meldte,  einmal  cntftanben,  folange  fortbaucvt, 
biö  bie  eine  ober  anbere  aSorauöfcfcung  rocggefallen  ift,  fonbern  alö  einen  9lm 
fprud^,  melc^cr,  mic  bie  pttlic^c  ^ffid^t,  auf  rocld^cr  er  beruht,  fort  unb  fort 
fid^  erneuert,  folange  jene  SSorauöfeßungen  begrunbct  fmb  (oergf.  aud&  Seuffert 
XXXVIir,  86;  entfc^.  b.  SR.  ®.  in  ©ioilf.  IV,  60  S.  210).  SJiefe  bem  ©nt^ 
würfe  ju  ©runbe  liegenben  ^ßrinjipien  f)aben  in  einer  SRei^e  einjelner  93e^ 
ftimmungcn  StuöbrudE  gefunben  (oergl.  inöbef.  §  154  3lbf.  2,  §§  1481,  1482, 
1487,  1494, 1496).  SBegen  ber  näheren  SBegrünbung  mirb  auf  bie  befonberen 
aRotiüe  oerroicfcn. 

3.  (Scmcinred&tUc^  ift  beftritten,  ob  unb  inroieroeit  neben  ber  auf  ber  unter&ai«. 
SScrroanbtfd^aft  iiberl)aupt  beruljenben  Unterljaltöpflic^t  ber  ®ltern  gegenüber  ^^JSJ^g,^^, 
ben  Äinbern  eine  bcfonbcrc  Unterbaltöpflid^t  beö  ^auöoaterö  gegenüber  bem    «*«'  >►« 
^auöfinbe  beftelit,  meld&e  in  ber  uÄterlid)en  Oematt  i^ren  (Srunb  t)at,  unb  ob 
namentlid^  bie  gefe^tid^e  Unterhaltspflicht  beö  93aterö  gegenüber  bem  ^aM-^ 
finbe  ate  eine  mit  bem  oäterlid&eji  9lie6braud{)e  am  3Sermogen  beö  Äinbeö  oer- 
bunbenc  Saft  auf^ufaffen  fei  (ücrgl.  eincrfeitö  Seuffert  XXII,  153,  anbcrerfeitö 
Seuffert  V,  296,  XXXV,  222).     3im  ben  neueren  Oefefebüd^ern  fte^t  auf 
biefem  Icfetercn  Stanbpunfte  ber  code  civil,  inbem  er  bie  Untcrfialtöpflid^t  ber 
©Itcrn  gegenüber  ben  Rinbern  junäd&ft  mit  ber  elterlichen  SRu^niefeung,  unb 
jroar  alö  eine  Saft  ber  Ic^teren,  oerbinbet  (oergl.  code  civil  3lrt.  203,  384, 
385).    dagegen  be^anbeln  baö  preu6.  31.  S.  5R.  11,  2  §§  63—65,  161,  204, 


678  Untcr^altSpflid&t    UnMaltgpfKctttöe  9)crfoncn.    §  1480. 

251—254  (ücrgL  baju  entf^.  b.  SR.  ®.  in  ebilf.  IX,  76  S.  283)  unb  ba& 
fäd^f.  @.  S3.  §§  1802,  1837  ff.  bic  Unterl)a(töppid^t  beö  SBatcrd  gcflenübcr  bcn 
Äinbcm  nid^t  alö  ein  ftorrclat  bcö  ufttcrlid^cn  9flic6brauc^cd,  fonbern  a(d  einen 
Sluspufe  beö  jroifcften  bem  SSater  unb  bcn  Äinbcrn  beftcljcnben  aBcrroanbtfd^aftö* 
rcr^ältniffeö.  S)icö  ift  aud^  ber  Stanbpunft  beö  ©ntrourfeö.  SBenngleid)  bie 
elterlid^e  Slufenicfeung  aud&  jum  ^roidt  beö  Unterfjalteö  ber  Äinber  bcftimmt 
unb  bicfer  (Sefid^töpunft  in  t)erfd;iebcnen  Sejic^ungcn  auf  bic  ©eflaltung  ber 
Unterdaltöpflid^t  ber  ©Hern,  wie  ber  clterlid^en  Slugniefeung  oon  ©influfe  ge^ 
wefen  ift  (tJcrgl.  bie  §§  1458,  1485,  1535  t)crb.  mit  §  1299),  fo  fommt  boc^ 
anbererfeitö  in  Setrad^t,  bafe,  wie  in  beu  aRotiocn  ju  §§  1501,  1502  nöljcr 
bargelegt  ift,  bic  etterlid{)e  SRufeniefeung  aud^  anbete  3"^^^^/  inöbcfonbcrc  bie 
©törfung  ber  2lutorität  ber  ©Item  gegenüber  ben  Slinbern,  üerfotgt  unb  bafe 
cö  ba^er  bem  3nf)aber  ber  elterlid&en  ©ewalt  überladen  ift,  über  bie  in  fein 
SSermogen  faüenben  ®infünfte  auö  bem  ber  ellerlid^en  Slufeniefeung  unter« 
roorfenen  SKermögen  beö  Jlinbeö  nad^  feinem  Outbcfinben,  nid^t  nur  im 
Sntereffe  beö  bctreffenben  Äinbeö,  roeld^cm  baö  aSermogen  gef|6rt,  fonbern  im 
äntereffe  ber  ganjcn  gamilie  ju  oerfügen.  ^lufeerbem  trägt  eö  toefentUdö  jur 
SSereinfad^ung  beö  Oefefebud^eö  bei,  wenn  anä)  bie  Unter^altöpflid^t  ber  ©Itcrn 
gegenüber  il)ren  unter  elterlid^er  ©croatt  fte^enben  Jtinbern  lebiglid)  oon  ber 
©nmbloge  beö  SBermanbtfc^aftöüer^öltniffeö  auö  geftaltct  mirb.  5Daburd^  finb 
geiüiffc  mit  ber  Untcrfialtöpflid^t  ber  ©Item  gegenüber  ben  Äinbcrn  üerbunbcne, 
auö  ber  befonberen  Stellung  ber  erfteren  gegenüber  bcn  leßteren  pc^  ergebcnbe 
SDtobififationen  (ücrgl.  §  1481  2lbf.  3,  §  1482  3lbf.  2,  §  1483  3tbf.  2,  §  1491 
9lbf.  4,  5)  nid}t  auögefd^Ioffen.  2)em  3ntercffe  beö  Äinbeö  aber,  bafe  bic  aScr* 
menbung  ber  ©in!ünfte  auö  bem  ber  elterlid^en  ^Rufeniefeung  unterroorfenen 
SSermögen  jum  Qvocdc  beö  Unter^alteö  ber  ^amilie  gegenüber  ben  ©laubigem 
beö  Sn^aberö  ber  elterlid^en  ©emalt  fic^ergeftellt  roerbe,  ift  burc^  bic  Se^ 
ftimmung  beö  §  1535  tJcrb.  mit  §  1299  in  auöreid^enbem  SRafee  SRed^nung 
getragen, 
««flriff  ber  4.   Untcr  SScnoaubten  im  ©inne  biefeö  S^itelö,  roic  beö  ©efefebud^eö 

*SSft  überhaupt,  finb  sunäc^ft  nur  fold&e  5ßerfoncn  ju  ocrfte^cn,  meldte  nad^  üWafe- 
gäbe  beö  §  30  ücrmanbt  finb  (t)erg(.  §§  1466,  1562,  1567).  ©oroeit  inbeffen 
burd^  fiegitimation  ober  SCnnalimc  an  Äinbeöftatt  ein  bürgcrlid^eö  aSerroonbt* 
f^aftöoer^öftnife  begrünbet  wirb  (§§  1579,  1583,  1596,  1601,  1620),  finbcn 
bic  SSorfd^riften  über  bie  Unter^altöpflid^t  ber  aSermanbten,  in  ©rmangelung 
bcfonberer  Seftimmungen  (§§  1598,  1627),  aud^  auf  bieienigen  ?ßerfonen 
3(nmenbung,  auf  welche  bie  SBirfungen  jeneö  SRcd^töüerl^ältniffeö  pdS)  erftrerfen. 

§  1480. 

Äret«berjum  SÄbrocid^cnb  tJou  ber  fjcrrfc^enben  Stnfid^t  auf  bem  ©ebiete  beö  gemeinen 

De"Ä^  ^^^^^^  (^«^^flf-  ©euffert  XXIX,  31,  242,  Urt^.  b.  SR.  ©.  bei  ©ru^ot  XXXI 

»emanbten.  ©.  875),  oou  bcm  code  civil  3lrt.  205  ff.,  bem  f(id^f.  ©,  ».  §§  1802,  1837 

biö  1839,  bem  ofterr,  ©.  93.  §§  139, 143,  154  unb  ücrfd^icbcnen  anberen  ©efefe^ 

gebungen  (oergl.  fd^leöm.l^olft.  Slrmenorbn.  o.  29.  ©ejember  1841  §  14  ocrb» 

mit  §  75  beö  preufe.  3luöf.  ©ef.  t).  8.  ajläri  1871  ju  bcm  SR.  ©ef.  über  ben 


Unter^altSpflt^t.    Unter ^am^flid&tloe  ?)crfoncn.    §  1480.  679 

Untcrftü^unflötool^njtfe  o,  6.  S^ni  1870;  STmienorbti.  für  bcibe  üKcdElcus 
bürg  uub  Slaftcburg  d.  21.  3uli  1821  §  2  t)ctb.  mit  mccf(enb.  Sluäf.  ®cf.  r. 
20.  gcbtuar  1871  §  7  5U  bem  SR.  ®cf.  o.  6.  3uni  1870;  tocimar.  ^eimatljögcf. 
D.  23.  gebruar  1850  §  38 ;  altcnb.  Strmenorbn.  o.  9.  2fuguft  1833  §  70),  aber 
in  Ucbcreinftimtnung  mit  bem  prcufe.  3(.  S.  91.  II,  2  §§  63—65,  II,  3  §§  15 
bis  16  (t)ergl.  ferner  naff.  airmenorbn.  v.  18.  S)ejcmber  1848  §  9  ocrb.  mit 
§  75  beö  prenfe.  3lugf.  ®ef.  v.  8.  ajlärj  1871  ju  bem  9t.  ®ef.  über  ben  Untere 
ftüfeungömo^nfig  v.  6.  Snni  1870)  f)ai  ber  ©ntroiirf  bie  gegenfeitigc  UnterJ^oItö« 
pftid[|t  md)t  ouf  aSerroanbte  in  geraber  fiinie  befdfiräntt,  fonbern  aud)  für 
©cfe^miftcr  anerfonnt.  2)oö  bic  ©runblage  ber  Unterljoltöpftid^t  ber  SBer^  ®ewn«ner. 
roonbtcn  bilbenbc  gamilienbanb  ift  jroar  bei  ©efd^miftern  ^äufig  nidi)i  ein  fo 
engeö,  bafe  lebiglid)  t)on  bicfer  ©runblagc  auö  bie  9liidbe^nung  ber  Unter^altös^ 
Pflicht  auf  bic  ©efd^mifter  gered^tfcrtigt  mcrben  fönnte,  jumal  na6)  bem  &nU 
würfe  ben  ©efd^miftcrn  untercinanber  aud^  ein  ^^flid^tt^eilsred^t  nid)t  juftel^t. 
(S»  ift  ferner  jujugeben,  bafe  bie  gcfcftlid^e  Untert)altöpflid)t  ber  ©efd^roifter  in 
bcnjcnigen  Oebieten,  in  meld&en  bicfelbe  fd)on  gegenmärtig  anerfannt  ift,  er^ 
fa^rungömafeig  ju  Dielen  ^rojcffen  SScranloffung  gicbt  unb  bafe  bicfelbe  unter 
Umftonben,  aud)  wenn  man  fie  auf  bie  SJerpflic^tung  jnr  (Semä^rung  beö 
not^bürftigen  Untcr^alteö  befd^rönft  (§  1489),  ju  großen  gärten  führen  fann. 
Siefen  ©rroögungen  gegenüber  mufe  iebod^  bic  SHücffidfit  auf  bic  offentlid^c 
SKmienpflcge  alß  burd)fc^lagenb  erad^tct  merben.  S3erücEfid^tigt  man,  in  roetd^cm 
3Wa§e  bic  öffentliche  9lrmcnlaft  jugcnommen  l^at,  fo  mufe  man  SScbcnfeu 
tragen,  bic  gcfcfclidic  Untcrl^altöpflid^t  ber  ©ef^mifter  in  bcnjcnigcn  grofjeu 
©ebietcn,  in  meldten  bicfelbe  gegenwärtig  ju  9lcd^t  beftc^t,  ju  befeitigcn  unb 
baburd()  bic  öffentliche  2lrmcnlaft  nod^  ju  cr^ö^en.  Um  fo  bcbcnttidjcr  ift  ein 
fotddcd  33orgei)en,  als,  mcnn  bafi  Slnerbcnred^t  in  roetterem  Umfange  jur  Sin- 
crfennung  gelangen  foUte,  bamit  aud^  bie  3^^l  ber  gällc,  in  meieren  ©e:^ 
fd^wiftcr  ^ülföbcbürftig  finb,  oorauöfic^llicft  ficft  ücrmcl)ren  mirb.  SBom  ©tanb^ 
punftc  bcö  öffentlid^en  3n*c^cffcö  aus,  meld^eö  namcntlicl)  in  biefcr  SWatcrie  in 
crfter  Sinic  maBgcbcnb  fein  mufe,  ift  cö  weit  weniger  bebenflid),  bic  gefcftlid^c 
Unterhaltspflicht  ber  ©efd^mifter  ba,  mo  f\c  gegenmärtig  nid()t  bcftef)t,  ein* 
jufü^ren,  atö  bicfelbe  umgcfel^rt  ba,  roo  [\z  gegenmärtig  befte^t,  5U  befeitigcn. 

3tn  Slnfd^luffe  an  eine  öl^nlicfte  SBorfc^irift  beö  rom.  9lcd^teö  (Kov.  115  c.  3 
§  12,  c.  4  §  6)  l)ai  baö  prcufe.  31.  S.  91.  II,  3  §§  22  ff.  eine  gegenfeitigc 
Unterhaltspflicht  bo:  SScrmanbtcn  in  nod^  meitcrer  SKuöbclinung  anerfannt, 
jroar  nid)t  in  bem  ©inne,  ia^  bicfelbe  bireft  crjroungen  werben  fonnte,  aber 
in  ber  Slrt,  bafe  ein  SBerwanbter,  welcher  fid&  ber  Unterftüfcung  cincd  anberen 
SScrwanbtcn  trofe  auöbrücf lieber  2lufforberung  cntjic^t,  ofine  burc^  unt)cr* 
fcbulbetefi  eigenes  Unocrmogen  baran  ocrljinbcrt  ju  fein,  fein  gefcfclid&eß  Erb« 
rec^t  gegenüber  bem  Sebürftigen  ju  ©unften  beöienigcn  verliert,  welcher  fic& 
beö  ^ülflofcn  angenommen  l^at.  ©ine  bcrartige,  bem  ©cbiete  bcö  ©rbrcd^tcS 
angcliorcnbc  Seftimmung  ift  jcbod)  —  abgcfe^en  oon  ben  93orfd^riften  über 
bie  gntjic^ung  bcö  ^Pflic^tt^eilcö  (§§  2001, 2003)  —  im  ^inblirfc  auf  bieSeftir^ 
frci^eit  nid^t  als  crforberlid^  crad)tet. 

9lac^  gemeinem  91cc^tc  unb  ben  meiften  neueren  ©efe^gebungen  befte^t      «er. 
eine  Untcrl^altSpflid^t  nur  unter  SScrwanbtcn,  nid^t  awä)  unter  SSerfd^wägerten.  ^*'^«*'^*- 


680  Untcrtaltßppi^t.    Sorauöfe^unöen.    §  1481. 

©cmcinreci^tUd^  ift  aDcrbinaö  mitunter  aus  bcr  1.  20  §  2  D.  fam.  herc  10,  a 
oud^  eine  gefegtic^c  Unterl^altdpPid^t  bcd  ©d&roiegcrratcrö  gegenüber  bcr 
©d^toiegertod^ter  l^crgeleitet  lüorbcn;  hoä)  l)Qt  bic  Iierrfd^enbc  SDietnung  ftd^ 
gegen  eine  fold^e  UnterJ^altöpftid^t  erHärt  (ücrgL  ©ntfd^.  b.  91.  0.  in  ©ioilf. 
IX,  44  ©.  152, 153).  ^Dagegen  f)at  baö  franj.  JRed^t  (code  civil  3lrt.  206, 207) 
mit  gemiffen  Sefd^räntungen  eine  gegenseitige  Untcr]^altdpflid)t  ber  ©d^roieger* 
eitern  unb  ©c^miegerfinber  onerfannt.  gcrner  befteljt  md)  ber  fc^teöro.  ^olft. 
airmenorbn.  o.  29.  SJejember  1841  §  17  ücrglid&en  mit  §  75  bcd  prciife.  3luöf. 
®cf.  t).  8.  aßärj  1871  ju  bem  3J.  ®ef.  über  ben  Unterftüfeungöroo^nftg  o. 
6.  Sdini  1870  unter  gemiffen  SSorauäfefeungen  eine  gegenfeitige  UnterJ^altöppic^t 
ber  ©tiefeltcrn  unb  ©ticffinber  unb  naä)  ber  fjamb.  SBorm.  D.  o.  14.  ©cjember 
1883  3lrt.  31  eine  UnterJ^altöpflid^t  ber  ©tiefeltcrn  gegenüber  ben  ©ticffinbcrn. 
?fla(i)  ber  Sluffaffung  beö  (Sntmurfeö  liegt,  abgefe^en  t)on  ben  befonbcrcn,  mit 
bcr  Oütcrgemcinfd^aft  jufammenl^ängcnbcn  S3cftimmungcn  bcr  §§  1363,  1425, 
1431  SKbf.  1,  fein  Sebürfnife  oor,  in  Slbroeid^ung  t)on  bem  ^ßrinjipc,  bafe  bic 
Unterlialtspflid^t  auf  bem  burd&  bic  93Iut8ocm)anbtfd[|aft  gefnüpften  gomilien« 
bonbc  berul^t,  bic  gefefeUd^c  Untcr^alt§pf(id^t  aud^  auf  SBcrfd&mägcrtc  ju  er? 
ftredEcn,  ba  biefen  gegenüber  bic  UnterljaltÄpflic^t  ber  eigenen  SScrmonbten 
ttusreid^t  unb  bic  äßei^rjal^l  bcr  beftef)enbcn  Siedete  ber  Untcrl^altöpflid^t  eine 
fo  rocite  Sluöbcl&nung  ni^t  giebt. 

§  1481. 

"^^beJ^bä!*'*  ®'"^  ^^"'^*^  ^^^^^  *"^  ®cn)äl)ruhg  beö  Unterf)arteö  ift  nur  bann  bc* 

«nfpn4    grünbct,  toenn  unb  foroeit  bcrjcnigc,  töetd^er  ben  Slnfprud^  auf  ®ciuä()ruug 

ör^ebenben.  ^^^  Untcr^ottcö  gcltcub  mad^t,  wegen  SSermögcnölofigfcit  unb  ©rtDcrb&uufä^ig^ 
feit  ftd^  felbft  ju  unterl^altcn  nid^t  im  ©tonbc  ift.  9lur  unter  biefcr  SBorauö* 
fegung  fann  ba^er  ein  9lnfprud^  auf  ©croö^rung  beö  Unterl)alteö  oom  SRed^tc 
anerfannt  roerbcn  (ücrgf.  l.  5  §§  7,  13  D.  de  agnosc  et  alend.  lib.  vel 
parent.  25,8;  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  63,  251,  IT,  3  §§  14,  15;  oftcrr. 
®.  33.  §§  141,  154;  Code  civil  3lrt.  205,  208,  209;  fät^f.  ®.  a.  §§  1842, 
1844;  altenb.  3lrmengcf.  t).  9.  Sluguft  1833  §  87;  fc^lcdro.l^olft.  9lrmenorbn. 
i).  29.  S)cjcmber  1841  §  14).  Db  bic  Sebürftigteit  bcöienigen,  mclc^cr  ben 
2lnfpru^  auf  ®eroöf)rung  bcö  Untcrljaltcö  gcltenb  mad^t,  auf  bem  eigenen 
S3crfd)ulbcn  bcd  legtercn  berul)t,  ift,  t)orbe^aItU(^  bcr  Scftimmung  beö  §  1490, 
uncr^cblid^.  9luc^  in  einem  foJi^cn  gallc  ift  bie  gcgcnfeitigc  Unterftüfeung 
ber  3}ern)anl)ten  fittlid^e  ^%\6)i  bejm.  burd^  bic  Stücffid^t  auf  bic  offcntlid^c 
3lrmcnlaft  geboten.  35amit  ftimmcn  —  abgefet)en  ^ier  von  ber  in  ben  SRotioen 
hn  §  1490  erörterten  S^age,  ob  unter  Umftänben  bic  Untcr^altfipfli^t  megcn 
Uiiroürbigfeit  beö  SScbürftigcn  rocgfaDcn  ober  bef darauf t  roerben  foH  —  ba« 
gemeine  Siedet  (ücrgl.  Seuffcrt  XXIV,  41)  unb  bie  neueren  ®efc6büd^cr  über* 
ein  (oergl.  preufe.  91.  S.  $W.  Il,  2  §§  252,  253).  Sfuf  einem  abrocid^enben 
Stanbpunfte  ftcl^t  bagcgen  baö  württemb.  S.  5R.  lY,  14  §  1  infofern,  atö  nad^ 
bicfent  Äinber  gegenüber  ben  ßltern  unb  ®ro6cltcrn  nur  bann  unterf)altö* 
pflid^tig  pnb,  wenn  bie  ^ülföbebürftigfeit  ber  lefeteren  nid^t  auf  eigenem  3Scr* 
fd^ulben  berul^t.    2)a  nad&  bem  (Sntiourfc  baß  eigene  SBerfc^ulbcn  beö  Sc« 


Unterialtöppi^t.    Sorauöfe^ungcn.    §  1481.  681 

bürftigcn,  oorbefialtlid^  bcr  Scftimmung  beä  §  1490;  auf  bie  Unter^altöpflid^t 
o^ne  ©infCufe  ift,  fo  roirb  bie  Icfetcrc  inöbefonbere  aiid)  burd&  Untcrfud^ungö^ 
unb  Strafl;aft  niäji  audgcfd^JoRcn  (oergl.  ©cuffcrt  VII,  49;  prcufe.  DcMaro- 
tion  0,  20.  Df tober  1822;  preufe.  ®efv  betr.  bie  Unterbringung  ücrroa^rlofter 
Äinber,  v.  13.  a»örj  1878  §  12  Slbf.  2;  fäd^f.  @.?d.  §  1826). 

Sluö  §  1481  Slbf.  1  ücrb.  mit  3(bf.  3  ergiebt  [\6),  bafe  aSermogenölojig^  ©eÄrfff  ber 
feit  im  Sinne  bed  3lbf.  1  nur  bann  vorliegt,  wenn  berjenige,  roetd^er  ben  ^S^tS!'* 
9(nfprud^  auf  ©emä^rung  bed  Unterl)a(teö  geltenb  mad^t,  ben  Stamm  feined 
SSermögenö  aufgejel)rt  ^lat.  S)er  Sßatür  unb  bem  3"^^*^  ^^^  Unterf)altö? 
önfprud^eö  entfpred^enb  ift  ed  jebod^  burd^  bie  33eftimmung  beö  §  1481  9lbf.  2 
ber  SScrmogenölofigfeit  gleid&geftcUt,  menn  ber  Unter^altöbebürftige  nur  fold^es 
SBermogen  ^at,  meiere«  jur  Seftreitung  beö  Unterl^alteö  nid^t  t)ermertl)et  werben 
fann  (Dcrgl.  ©euffert  XXVIII,  228).  SBenngleid^  biefc  Ie|terc  Seftimmung 
ald  entbehrlich  angefe^en  werben  fann,  fo  ift  bod^  bie  Slufna^me  berfelben 
mit  SRüdEpc^t  barauf,  bajs  2lbf.  1  beö  §  1481  3Sermögenölorigteit  üorauöfcfet, 
afe  forrefter  unb  im  3ntereffe  ber  5Deutlid&fcit  beö  ©efe^eö  als  ratf)fam 
erad[|tet.  ©egen  ben  Stanbpunft  bed  @ntmurfeö,  bag,  fo  lange  ber  Stamm 
beö  93ermögend  jur  ä3eftrcitung  bed  Unterl^alteö  audreid^t,  eine  Unterl^altd« 
Pflicht  bcr  SSermanbten  nid^t  beftel^t,  laffen  ^6)  öom  mirtl^fc^aftlic^en  Stanb^ 
punfte  aud  allerbingd  ^ebenf en  ergeben ;  allein  eine  ftttlid^e  ^flid^t  jur  Unter- 
ftüftung  fann  in  einem  fold&en  galle  ni^t  unbebingt  anerfonnt  werben.  6inem 
aSerroanbten,  roeld^cr  felbft  SSermögen  nid^t  befiftt,  aus  ben  ©infünften  feiner 
©nocrböt^ätigfeit  aber  einen  anberen  SBermanbten  ju  unterhalten  im  ©tanbe 
möre,  ift  nid^t  juiurntttl^en,  ben  Ueberfd^ug  feined  93cbarfe0,  ftatt  benfelben  für 
fid&  jurücfjulegen,  jum  Unterl&alte  jened  SSerroanbten  ju  t)erroenben,  fo  lange 
ber  legtere  ben  Stamm  feined  SSermogeng  nic^t  aufgeje^rt  i)at  £ad  ©egern 
tl^cil  fönnte  bal^in  fül^ren,  ba^  biefcr  ben  Stamm  feinefi  SSermogenö  ju 
anberen  3w><^*^  tJergeubet,  ober  bafe  er  fein  SBermögen  behält,  roäl^renb  jener 
in  golge  feiner  Unter^altdpflid^t  [lä)  felbft  ein  Kapital  )u  fammeln  t^er^inbert 
fein  würbe. 

(Sine  Stuönal^me  von  ben  (Srunbfäßen  beö  §  1481  9lbf.  1,  bafe  bie  Unter«  ««ter^ai». 
i^altftpfli^t  erft  eintritt,  wenn  auf  Seiten  beö  ben  Unterhalt  Seanfprud^enben  ^JJJJ*^g^'. 
bie  Subftanj  bcö  SSermögenö  erf(^öpft  ift,  mad^t  ber  §  1481  2lbf.  3  ju  ©unften   «*«f  ^ 
eine«  minberja^rigen  unx)erl)eiratl)etcn  Äinbeö  gegenüber  feinen  ®lteni.    S)er      ***™' 
natürlid^en  Stellung  unb  Slufgabe  ber  ©Item  entfpricbt  bie  ^ßflic^t  ber  Icgteren, 
t^c   ftinber  bur(^   i^re   eigenen  Äräfte  unb  SWittel  jur  Selbftänbigfelt  ju 
bringen,  unb  jwar  otine  SRüdffic^t  barauf,  ob  bie  Rinber  unter  i^rcr  clterlid^en 
©cwalt  ftc^en  ober  nic^t.    ®er  burc^  jene  Stellung  l;erüorgerufeneu  fittlid&en 
$flid^t  imb  ben  9lnforberungen  wal)rer  elterlid^er  ©efinnung  würbe  nid^t 
©enügc  gefc^e^en,  wenn  bie  SWed^töpflid^t  ber  ©Item,  if|re  Äinbcr  ju  unterl^alten. 
erft  bann  eintreten  folltc,  wenn  bie  legteren  burd^  ©rfc^öpfung  beö  Stammes 
i^red  aSermogend  in  völlige  ^ürftigfeit  verfemt  ftnb.  9lud^  wirtt)f(^aftlid^  würbe 
eine  fol(^e  Siegelung  nic^t  ju  billigen  fein,  ba  bie  Selbftänbigfeit  unb  bad 
fpätere  gortfommen  ber  ftinber  gcfid^crter  ift,  wenn  fie  bei  SBollcnbung  i^rer 
Sluöbilbung  nid^t  t)on  allen  äßittcin  entblößt  ftnb.    3luf  ber  anberen  Seite 
entfprid^t  e«  aber  bcr  9?atur  ber  Sad^e  unb  bcr  33illigfeit,  bafe,  wenn  bie 


682  Untfr6alt&j)fli*t    SSorau&fctiunoen.    §  1481. 

Äinber  eigenes  SSermögen  befigcn,  bic  ©iufflnftc  beS  Icfeteren  junäd}ft  ju  t^rcrti 
Unterl;altc  Derrocnbet  raerbcn,  eö  mithin  itiforoeit  bei  ber  SWegcI  beö  §  1481 
9lbf.  1  bleibt,  ©benfo  tritt  biefcr  Sieget  gcmäfe  bie  Unter^altöpflit^t  bcr 
©Item  nic^t  ein,  wenn  unb  forocit  bic  Jtinber  burcft  eigene  ©rroerbötJ^ötigteit 
biefer  ober  jener  3lrt,  roeld^c  ben  Untftänben  nad)  i^nen  jugemutl^et  werben 
fonn,  fid)  felbft  ben  Unterhalt  ju  ocrfd^affen  in  ber  Sage  ftnb.  3«  Ä^nlid^er 
SBeife,  toic  ber  @ntn)urf,  er!cnncn  awä)  bic  beftcfjcnben  SRed)te  eine  geftcigcrtc 
Unterhaltspflicht  bcr  ©Item  gegenüber  ben  Äinbcrn  an;  hoä)  bcgrenjen  fie 
bie  S)auer  biefer  gefteigertcn  Unter^altdppidjt  jum  2^^eil  in  anbcrcr  2lrt;  vox^ 
roicgenb  [teilen  bicfelben  nicftt  auf  bie  3)tinberiö^rigfeit  bcö  ftinbeö,  fonbern 
borauf  ab,  ob  baö  leßtcre  unter  Däterlid^er  (Seroalt  ftel)t  (öcrgt.  ©euffert  XII, 
45,  169;  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  65,  161—164,  204,  287;  oftcrr.  ®.  S. 
§§  139,  141,  220,  221;  code  civil  3lrt.  203,  384,  385;  fäd)f.  ®.  33.  §§  1845, 
1826;  I;cff.  ©ntro.III  3rrt.  20,  42).  aBenngleid^  bic  ©rünbc,  auf  roeld)en  bic 
SInerfennung  einer  intenfiücren  Untert)altöpf(id)t  ber  ©Item  gegenüber  ben 
Äinbern  benii^en,  bafjin  ju  führen  fd^einen,  jene  intenftoerc  Unterhaltspflicht 
auc^  JU  Ounften  tjolliä^rigcr,  aber  nod&  nid)t  jur  ©elbftönbigfeit  gelangter 
ftinbcr  an juerfcnnen ,  fo  fann  eine  fold&e  9luöbcl)nung  bod^  ©om  Staube 
punfte  einer  (Sefeggebung  au^,  TOeId)e,  roie  ber  ©ntrourf  (§  1501  9lbf.  1, 
§  1557  3lbf.  1),  mit  ber  SSoIIiälirigfeit  beö  Äinbeö  bie  clterlid)e  (Seroalt  ol^nc 
JRüdjid^t  barauf  auff|örcn  löfet,  ob  baöfelbe  im  fonfreten  gälte  nod^  nie^t  in 
in  ber  Sage  ift,  einen  fetbftänbigen  ^auölialt  ju  begrünben,  nid^t  als  gcred)t* 
fertigt  erachtet  roerben.  SWit  ber  SSoUiäl)rigfeit  bed  Äinbcö  crleibct  bic  ©teltung 
bcr  ©Itern  gegenüber  bem  Jlinbe  eine  tiefge^enbc  3lcnberung.  3)ad  DoUiö^rige 
Äinb  ift  nid^t  me^r  abl^ängig  t)on  ben  ©Itern  unb  fann  inöbefonbere  über  fein 
33cmtögen  beliebig  ocrfügen.  SJiefcr  Slenbcnmg  in  bem  SSer^ältniffc  jroifd^en 
ben  ©Itcrn  unb  bem  Äinbe  entfprid^t  cö,  mit  ber  5ßolIiäl;rigfeit  beö  tefttcren 
bic  intcnfiücre  Unterl^altöpflid)t  aufpren  ju  laffen.  (Segen  bic  Slusbe^nung 
bcr  Ic^tcren  gegenüber  üolliftljrigen,  nod)  nid)t  jur  Scibftänbigfeit  gelangten 
Äinbern  fprid)t  jubem,  ba§  baburd^  bcr  fd^roierigc  Segriff  ber  separata  oeco- 
nomia  roieber  eingeführt  roerben  roürbc,  roeldjcr  in  ben  Ocbicten  beö  gemeinen 
unb  beö  preufe.  Slcd&tcö  ju  fo  jal^treid)eu  Streitfragen  unb  ^rojcffen  aScr^ 
anlaffung  giebt.  Um  fo  unbcbenflidjcr  ift  es,  mit  ber  S3oUiä(;rigfcH  bic  SRcgel 
beö  §  1481  3lbf.  1  oI)nc  bic  SRobififation  beö  3lbf.  3  eintreten  ju  taffen,  alö 
in  ber  großen  3)tcl)rial)t  ber  gäHc  bic  ©Itern  i^ren  üoDiö^rigen,  noc^  nic^t 
5ur  ©clbftänbigfcit  gelangten  Äinbern,  inöbefonbcre  DoUjä^rigen,  unücr^eirat^cten 
2^öd)tern,  t^atfddjlid)  ben  Unterhalt  gerool)ren  roerben,  bie  (Settenbmac^ung 
eineö  ©rfa6an)prud)eö  aber  in  ber  SRegcl  an  ber  93eftimmung  beö  §  754  3tbf.  2 
fd^eitcrn  roirb.  Sollten  aber  in  cinjelnen  gAUen  bic  ©Itern  barauf  bcftcfjcn, 
bafe  iene  Äinber  junöd}ft  bie  Snbftanj  beö  SUermögenö  jur  Seftrcitung  bcr 
Äoften  il)reö  Unterf)alteö  uerroenbcn,  [fo  fann  barin  awä)  ni^t  fd&lecftt^in  eine 
Unbilligfeit  gcfunbcn  roerben,  namentlid)  bann  nid^t,  roenn  baö  bctreffenbc 
Äinb  einen  93eruf  erroä^lt  l)at,  roeld^cr  baöfelbc  fpftter,  alö  bicö  bei  ben  übrigen 
Äinbcrn  ber  ©Itern  bcr  gall  ift,  in  ben  ©tanb  fejt,  pd&  felbft  ben  Unterl^alt 
JU  erroerben.  Safe  aud^  minberiftljrigen  ftinbern  gegenüber  bie  3tuöna^mc  beö 
§  1481  3lbf.  3  bann  rocgföllt,  roenn  bicfelben  ücr^ciratl)ct  finb,  red^tfcrtigt  fi(^ 


Unlerjnltöpflid&t.    Soraugfc^ungcn.    §  1481.  683 

baburd^,  bafe  ftc  mit  bcr  3Scr^cirat^ung  aus  bcm  engeren  gomilicnüerbanbe 
oudfc^ciben. 

gSBic  auö  bcm  §  1481  3lbf.  3  in  SJerbinbung  mit  9lbf.  1  fid)  ^^^fl^^^t  *^"  ^/^^^ 
fmb  oud^  in  einem  fold^en  galle,  in  roeld^em  ein  2:f|eil  beö  ftinbeöoermogenö  cemöuen«. 
ber  elterlid^en  ^Rufcnieguug  unterliegt,  ein  anberer  3::i^eil  bagegcn  ber  elterlidjen 
Slu^nieftung  entjogen  ift  (§§  1517—1519),  bie  ©infünfte  biefeö  legteren  SSer^ 
mögend  junöd^ft  jum  Untertjaltc  befi  Jlinbeö  ju  üermenben,  unb  jmar  axiä) 
bann,  menn  ber  SRcinertrag  beö  ber  eltcrlid^en  Slufeniefeung  unterworfenen  3}er? 
mögen«  jur  SBeftreitung  ber  Roften  bed  Unterfialted  Iiinreid^t.  9luf  einem 
onbercn  ©tanbpunftc  fte^t  in  biefer  ^inftt^t  boö  franj,  3ic6)t,  roett^eÄ  bie 
Untcr^allöpPid&t  gegenüber  ben  ftinbern  junod^ft  alö  eine  Saft  ber  cltertid^en 
^luftniefeung  betrod^tet  (rergl.  code  civil  2lrt.  384,  385),  3lud^  nad^  roürttemb. 
SRed^te  toirb  angenommen,  bafe  bie  ©ttern  bie  ©infünfte  bed  freien  Ätnbeö* 
t)enn5gend  nur  infomeit  jum  Unterhalte  ber  ftinbcr  in  2tnfprud^  nehmen  fonnen, 
als  bie  ©infünftc  beö  ber  elterlid^en  ^Rufeniefeung  unterworfenen  SBermögenö 
baju  nid^t  auörcid^en.  dagegen  ftefjt  mit  bem  ©ntrourfe  baö  fäd^f.  0.  33. 
§  1845  unb,  toenigftenö  nad&  ber  äuffaffung  beö  SRcid^ögerid&teö  (oergl.  ®ntfd^. 
in  eiüilf.  IX,  76),  aud&  baö  preufe.  21.  S.  S«.  II,  2  §  161  im  @inf(ange.  S)er 
©tanbpunft  beö  ©ntiourfeö  wirb  ferner  in  ber  ^fJrafiö  beö  gemeinen  SRed^teö 
vertreten  (oergf.  Seuffert  XII,  45).  S5a  ber  ©ntrourf  auö  ben  in  ber  SBor* 
bemerfung  oben  S.  677  ff.  bargelegten  ©rünben  alö  bie  Orunbfage  ber  bem 
3n^aber  ber  elterlid^en  ©eroatt  obliegenben  Unterl)altöpflid()t  gegenüber  bem 
ftinbe  nic^t  bie  clterlidje  9Jufeniefeung,  fonbern  baö  jwifd&en  ben  ©Itern  unb 
bem  Rinbc  beftef)enbe  85enoanbtfd)aftöüerI)ättni6  bctrad&tet,  fo  cntfprid^t  eö  bem 
(Srunbfagc  beö  §  1481  9lbf.  1,  bafe  bie  ©infünfte  beö  freien  ftinbeöoermogenö 
junäd^ft  jum  Unterhalte  beö  betreffenbcn  ftinbeö  oermenbet  werben  muffen. 
©in  SBebürfnife,  jenen  (Srunbfafe  im  Sntereffe  beö  Kinbeö  auö  9lüdffid&ten  ber 
SJiUigfeit  in  ber  3lrt  ju  mobifijiren,  bafe  bie  Ginfünfte  beö  freien  Äinbeö- 
Dermögenö  erft  bann  jum  Unterhalte  beö  ftinbeö  üermenbet  ju  werben  6raud)en, 
wenn  ber  SReinertrag  beö  ber  eltcrlid^en  SRufeniefeung  unterliegenben  58erm5genö 
baju  ni^t  auöreid)t,  fann  nid&t  anerfannt  werben.  6inc  berartige  (Seftaltung 
fü^rt  aud)  ju  ptaftifd)  unbefriebigenben  JRefuttaten.  Sic  füfirt  bafjin,  bafe 
na6)  93eenbigung  ber  elterlid^en  Oewalt,  alfo  nad^  langen  Sauren,  wenn  bei 
ber  Sdf)lu6red&nung  beö  3n^aberö  ber  eltertid&en  ©ewalt  über  bie  Sßerwaltung 
beö  freien  ftinbeöücrmogenö  ©treit  barübcr  entfielt,  ob  ber  leftterc  bie  Gin* 
fünfte  biefeö  SScrmogenö  jum  Unterhalte  beö  ftinbeö  ^abe  ücrwenben  bflrfcn, 
eine  Unterfuc^ung  erforberlid^  wirb,  ob  unb  inwieweit  ber  SRcinertrag  beö  ber 
elterlid^en  Slttfeniefeung  unterworfenen  SBermogcnö  beö  ftinbeö  jur  Seftreitung 
ber  ftoftcn  beö  Unterfialteö  beöfelben  ^ingereid^t  f)at  STudö  fann  eine  folcfte 
Siegelung  unter  Umftänben  bie  einer  oernünftigcn  ©rjieljung  unb  ber  natfir« 
li^en  ©eftaltung  beö  ^amilienoerpltniffeö  wiberfpred^enbe  golge  ^aben,  ba%  bie 
Art,  in  welker  bie  in  berfelben  gamiliengemeinfd&aft  [\6)  befinbenben  ftinber 
unterhalten  werben,  eine  ungleid^e  ift. 

3n  ber  a:^eorie  ift  eö  bcftritten,  ob  in  5lnfe^ung  ber  93ebürftigfeit  beö*  »e»tui«ii  in 
jenigen,  weld^cr  ben  Slnfprudj)  auf  Oewä^rung  beö  Untcrl^alteö  geltenb  mad&t,  SeKSielt 
biefer  ober  ber  93eflagte  beweiöpfli^tig  ift.    2)ie  5ßraf iö  neigt  fidf)  ber  9lnfid)t 


684  Unter5artepflt(36t.    aSoraugfc^unflcn.    §  1481. 

iu,  bafe  bcr  Älägcr  feine  Sebürftigfeit  alö  X\)di  bed  Älagegrunbeö  ju  bemeifen 
i^abc  (oergL  ©euffert  X,  179,  XXVIII,  228).  S)icfer  iuöbefonberc  auä)  bem 
fäd)f.  0.  83.  §  1844  JU  ®runbe  liegenben  Slnfid^t  fd^liefet,  mie  bie  gaffung  beö 
§  1481  3lbf.  1  flar  crfenncn  lafet,  ber  ©ntrourf  fid&  an.  ®a  bie  fittüd^e  ^flic^t 
bie  ©runblage  bcö  älnfprud^es  bilbet,  ooh  einer  fittlic^en  ?ßflici)t  jur  Unter« 
ftüfeung  aber  crft  mit  ©ntfte^unö  ber  95ebürftigfeit  bie  9lebc  fein  fann,  fo  muß 
bie  le|tere  aud^  alö  SSoraudfefeung  ber  red^tlid^cn  Verpflichtung  jur  ®:n)ä^rung 
bcö  Untcr^alteö  be^anbclt  werben.  S)ie  Sebürftigfcit  erfd^eint  fomit  ate  eine 
rcd^töerjeugenbc  a:^atfad&e  für  ben  Unterljaltöanfprucft,  3)iefe  Siegelung  ber 
33en)eiölaft  rcd^tfcrtigt  fid^  aber  aud^  burc^  bie  praftifd)c  ©rroägung,  bafe  ber 
Äläger  e^er  in  ber  Sage  ift,  feine  bie  33ebürftigfcit  begrünbcnben  SScr^ältniffe 
barjulegen,  alö  ber  33e!lagtc  in  ber  Sage  ift,  feine  Se^auptung,  bafe  ber  Äläger 
fid^  felbft  JU  unterl^alten  im  ©tanbc  fei,  ju  fubftantiiren,  ba  bem  S3e!lagten 
bie  aSer^dltniffc  beö  Rlägerö  nid^t  immer  genügenb  befannt  finb.  Safe  für 
ben  Äläger  eine  SJegatioe  ben  Ocgenfianb  beö  Serocifeö  bilbet,  fann  alö  burc^- 
fd^lagenb  nid^t  erad^tet  merben.  SBie  in  anberen  gällen  ber  9lrt  fann  ber 
Semeiö  gefül^rt  merben  burd^  ben  S3eroeiö  pofttioer  Sl^^atfad^wi,  meiere  ben 
©d^lujg  auf  bie  SRegatioe  geftatten;  ©ad^e  bcö  93cf lagtcn  ift  cö  bann,  imSBcgc 
beö  Oegenbcroeifeö  fold^e  2:^atfad^en  barjutl^un,  meld)e  iencn  ©c^lufe  mieber  auf* 
Sul^eben  geeignet  finb.  3n  ben  meiften  gäHen  mirb  bcr  Älägcr  mit  ^ülfe  von 
3ltteften  öffentlid^er  Se^örben  feine  S3ebürftigfeit  infomeit  nad^juroeifen  im 
©lanbc  fein,  bafe  il)m  not^igcnfallö  über  bie  feine  Sebürftigfeit  begrünbcnben 
2^l;atfad^en  ein  rid^terlid^er  ®ib  auferlegt  werben  fann. 
md^  SJBä^renb  bie  9lrmengefefegebungen  ben  uon  ben  2lrmenocrbänbcn  ju 

ert^ottung  «e.  gcroätirenben  Unterfialt  faft  burd^gängig  nur  alö  aSorfd^ufe  bel^anbeln  unb 
süiSe.  beöl^alb  beim  ©intrittc  gcmiffer  aSorauöfcfeungen  balb  in  meiterem,  balb  in 
befd^ränftcrem  Umfange  bie  ©rftattung  ber  gelcifteten  3llimente  anorbnen  (ücrgl. 
Urt^.  b.  SR.  ®.  bei  ©ruc^ot  XXIV  ©.  513;  anbercrfcttö  ©euffert  XXXIU, 
305,  XU,  269),  fd&liefeen,  fooiel  ben  auf  ®runb  ber  Unter^altöpfli^t  ber 
Scrroanbten  geroäfirtcn  Unterhalt  betrifft,  bie  beftel^cnben  Siedete  ieben  Slnfpruc^ 
auf  Jlüdferftattung  aud&  für  ben  gall  auö,  bafe  ber  S3cbürftigc  fpäter  mieber 
JU  beffcren  SSermögenöoer^ältniffen  gelangen  foUte.  ®ieö  ift  inöbefonberc  ber 
©tanbpunft  beö  gemeinen,  beö  preug.  unb  beö  fran).  9led^tcö,  mie  aud^  beö 
fä^f.  ®.  33.  §  1849.  eine  3luöna^me  mad[|t  ieboc^  baö  prcufe.  91.  S,  SR.  II,  2 
§  21  in  änfcl^ung  bcr  ®efc^mifter. 

®a  berienigc,  mcld^cr  feiner  Untcrl^altöpflid&t  ®enüge  leiftet,  eine  i^m 
obliegcnbe  SScrbinblid&fcit  erfüllt,  fo  crgiebt  fid|  in  Ermangelung  einer  be^ 
fanbercn  33cftimmung,  meld&c  alö  ©egcnftanb  bcr  58erhinblid&feit  nur  bie 
Seiftung  eiueö  33orfcftufjeö  bcjeic^nct,  an  ber  §anb  ber  allgemeinen  ©runbfä^c 
Don  felbft,  baß  ein  SRed^t  auf  SRüdEcrftattuug  auögcfd)loffen  ift*  ßö  fann  aDer* 
bingö  }meifelf)aft  fein,  ob  bie  auö  bem  gamilicnocr^Uniff^  fic^  ergebcnbc 
fittlic^e  ?ßflid&t  bie  9lnerfcnnung  einer  SRed)töpflid^t  j\ur  üorbe^attölofcn  ®e? 
mä^rung  beö  Unterl)a(teö  forbert,  ober  ob  nid^t  ieiicr  ftttlid^i  ^flic^t  auc!^ 
bann  genügt  wirb,  rocnn  bie  Sllimente  unter  bem  SSorbc^altc  ber  SRücf^ 
erftattung  für  ben  gall  gcleiftet  ober  alö  geleiftet  angefe^cn  merben,  bag  ber 
SBebürftige  fpäter  ju  einem  fold^en  aSermogcn  gelangt,  meld[|cö  ii|m  bie  SRürf- 


Unter^altSppici&t.    Soraugfegunöcn.    §  1482.  685 

erftottuno  oljne  (Scfäl)rbung  fcincö  eigenen  Unterliattcö  unb  bcr  \\)m  oblicgenben 
95erpPid)tungcu  ermoglid^en  roiirbe.  Snbeflen  ücrbicnt  bcr  gänjlid}c  9luö- 
fcftluß  bcö  3lnfprud^cd  auf  SKücfcrftottung  iint  bcötoiUcn  bcn  SSorjug,  weil 
ein  fold^cr  Stnfprud^  (eid^t  ju  jroeifeUjaften  unb  t)erit)icfelten  ?ßrojeffen  unb 
jur  Störung  bcö  gamtltcnfriebcnö  SBeranlaffung  geben  unb  baju  mifebrauc^t 
werben  fonn,  einen  faunt  ju  Äräften  ge!ommcnen  Sebürftigcn  in  einer  bie 
^ietät  Deriejenben  unb  gegen  bie  loirtlifc^aftlid^en  Snterejten  ücrftofecnben 
SBeife  fortroö^renb  mit  Älogen  ju  beunruhigen,  ©ine  2luöna^me  ift  auc|  nid^t 
für  bcn  goll  gemad&t  roorben,  in  roeld^em  ein  SScrmaubter  um  bcöroiBcn  Unter* 
f)alt  JU  gcroo^rcn  t)crpflid&tet  mar,  weil  ber  SBebürftige  nur  folc^eö  SScrmögen 
^attc,  meld&cö  jur  S3cftrcitung  bcö  Untcrl;alteö  nid^t  üerrocrtljet  werben  fonnte 
(§  1481  9lbf.  2);  ed  feljlt  an  einem  Sebürfnijfe,  für  bie  l)ter  in  S3etrad&t 
fommenbcu  feltencn  gällc  burd^  eine  befonbere  fafuiftifd{)e  Seftimmung  SSorforge 
JU  treffen,  ©benforoenig  empfiehlt  eö  fid^,  in  SKnfcljung  ber  Unter^altöpflid^t 
ber  ©cfd^roiftcr  eine  9luSnaf)me  ju  mod&en,  ba  gcrabe  l^icr  bie  gegen  bie  Sin- 
erfcnnung  eines  SRüdfforberungöred^teö  ()erüorgef|obcnen  93ebenfen  befonberö 
^eroortretcn. 

§  1482. 

2)aö  Siecht  unb  bie  5{5f(id[|t  bcr  ©elbfterl^altung  ge^t  ber  5ßflid^t,  Slnberc  seifuinfl*. 
ju  untcrftü|en,  Dor.    2)ie  lefctere  5PfIic§t  tritt  bcfi^alb  nur  ein,  wenn  unb  KnfpJliS 
fomcit  berjcnige,  gegen  roeld^en  ber  Unterl^altöanfprud^  gettenb  gemad)t  wirb,  ®«"<»«««««"- 
fö^ig  ift,  ben  Unterhalt  ju  geroäfiren.    aJJit  biefem  ©runbfafee  ftimmt  auc^ 
bad  gettenbe  9lcd)t  überein  (oergl.  1.  5  §  13  D.  de  agnosc.  et  alend.  üb.  25,  s; 
1.  2  Cod.  de  alend.  üb.  5, 25;  preufe.  21.  £.  SR.  U,  2  §§  19,  29;  öfterr.  ®.  33. 
§  143;  Code  civü  3trt.  208,  209;  fäc^f.  ®.  93.  §  1848;  I;cff.  entm.  III,  Slrt.  45; 
gnlfcft.  b.  %  ©.  in  (Siüilf.  XVII,  53). 

SBei  SSemeffung  bcr  Seiftungdfä^igfcit  ift  nid^t  nur  baö  aSermogen, 
fonbcrn  oudf)  bie  ©rroerböfraft  bcö  in  Slnfprud^  ©enommenen  in  S3ctrad^t  ju 
jieficn,  unb  jroar  fommt  eö  babei  nid^t  barauf  an,  voa&  bcr  Icfetere  tl)atfäc$Iid& 
enoirbt,  fonbcrn  maö  er  errocrben  fann.  Äann  er  fo  oiel  burdf)  feine  Slrbcitö* 
fraft  ermerben,  bafe  er  aud)  ben  Unterl^alt  befl  93ebürftigen  baoon  ju  beftreiten 
im  ©tanbc  ift,  fo  ift  er  auc^  oerpflic^tet,  feine  Äräfte  bcmentfprec^enb 
anjufpannen  (oergl.  ©cuffert  XIV,  43,  XXIX,  144 ;  ©ntf d().  b.  SR.  ®.  in 
eioilf.  IV,  44  ©.  155). 

3[uf  bcr  anbcrcn  ©eitc  fann  e&  aber,  oorbeljaltlid^  ber  befonberen  93e* 
ftimmung  bcö  §  1482  2lbf.  2,  als  eine  Slnforberung  fittlic^er  5ßpid)t  nid^t  an^ 
gefe^en  roerben,  bafe  ein  SSermanbter,  um*  einen  anbcrcn  aScnoanbten  unter» 
ftü^cn  JU  tonnen,  fid)  fo  einfcftränft,  bafe  er  felbft  feinem  ©tanbc  cntfpred^cnb 
(rergl.  §  1488  3lbf.  1,  2)  nid&t  me^r  leben  fann.  3nnerf|alb  ber  burd^  feine 
flebenßfteDung  gegebenen  ©renje  mufe  er  bagegcn  nöt^igenfallö  auf  baöienige 
fid^  befdE)ränfen,  mad  bad  ftanbesmögige  fieben  not^n7enbig  mit  fid^  bringt. 
Slufeerbcm  ift  bei  83eme{fung  ber  Seiftungöfäbigfeit  bcö  in  3lnfprud^  ®e:^ 
nommenen  auf  beffen  anberraeite  SSerpflid^tungen  fomeit  SRücffic^t  ju  nehmen, 
bog  buvö)  bie  ©emäbrung  beö  UnterljaUed  bie  orbnungömöfeigc  ©rfüUung  iener 


686  Unter^altßpflid&t.    aSorauöfefeunocn.    §  1482. 

93erpf(i(^timgeu  ntd^t  gcfäf)rbct  tuirb.  @d  ift  bied  fomol^I  burd^  bie  ätücfitc^t 
auf  bic  ©laubiger  bcöicnigen,  gegen  welchen  bcr  Unter^attöanfprud[|  geltcnb 
gemad^t  loirb,  als  burd^  bie  9liitffid)t  auf  bcn  in  9lnfprud^  Oenommcnen 
fclbft  geboten,  weil,  xocnn  bie  Oeroäljrung  beö  Untcrl^alteö  bic  golgc  l^abcn 
würbe,  bafe  jener  feine  anberroeiten  Söerpfüd^tungeu  üorauöficfttlid^  nic^t 
ober  bod)  nid^t  mit  ©id^ert)cit  loürbc  becfen  tonnen,  barin  juglcid^  eine  ©c^^ 
fä^rbung  beö  eigenen  ftanbcömdfeigen  Unterljalteö  liegen  toürbe.  SBon  biefem 
ieftteren  Ocfid^töpunfte  auö  fönnte  ber  im  §  1482  9lbf.  1  enthaltene  S^faß/ 
bafe  bei  SBemeffung  ber  Seiftungöfät)igfeit  bic  anbermeiten  SScrpflid^tungen  beö 
in  9lnfprud^  Oenommcnen  ju  bcrücffid^tigcn  feien,  iibcrl^Äupt  olö  entbehrlich 
angefc^en  roerben.  3m  Sntcreffe  bcr  S)cutlid^feit  beö  ©efefecö  ift  cfi  icbod^  jur 
SScrmeibung  fonft  leidet  entftc^enber  3w)eifel  ratl^famer,  auöbrüdElic^  im  ©efcfec 
barauf  l^injuroeifen,  bafe  in  bcm  oben  bejeid^neten  ©inne  aud^  auf  bie  anber* 
locitcn  SSerpflid^tungen  SRüdffic^t  ju  nehmen  fei.  ©afe  biefer  ^inrociö  ju 
bcm  aJlifeocrftänbniffc  fiiliren  fönnte,  alö  ob  bei  Ermittelung  ber  Sciftungö* 
fäl)igfeit  aEe  ©d^ulben  ol[|ne  SBcitereö  in  2lbjug  ju  bringen  feien,  ift  nid()t  ju 
beforgen. 
«rwdterung  ggou  bcr  SRcgcl,  bafe  bic  Untcrl^altöpflid^t  nur  eintritt,  menn  unb  fomeit 

Jaitfipw  ^^^  i"  Slnfprud^  ©enommenc  ben  Unterhalt  oljne  ®cfäl;rbung  beö  eigenen 
ber  eitern,  ftanbcömöfeigcn  Unterlialteö  ju  geroä^ren  im  Staube  ift,  ma^t  bcr  §  1482 
3lbf.  2  ieboc^  im  Slnfc^tuffe  an  eine  ä^nlic^e  in  ber  S)oftrin  unb  ^ra^iö  beö 
gemeinen,  mic  beö  preu§.  9lcd[}teö,  inöbefonbere  aud)  üom  Meid^ögerid^tc,  ücr* 
tretene  3luffaffung  (oergl.  ©nlfd^.  b.  9fl.  ®.  in  ßioilf.  IV,  44  ©.  154;  Urtf).  b. 
SR.  ®.  bei  ©rud^ot  XXV  S.  113  ff.  unb  im  preug.  3ufl.  aJlin.  S3l.  oon  1880  ©.  327 ; 
ferner  ©euffert  XLII,  275)  ju  ©unftcn  minberiä^riger  unoerl^eirat^etcr  Äinbcr 
gegenüber  ben  ©Itcrn  eine  2luöna^mc.  3n  ben  im  §  1482  3lbf.  2  bcjcicftnetcn 
göHcn  foH  baö  33erm5gen  unb  bcr  (Srmcrb  ber  ©Itcrn  in  einer  bcm  fittlid^en 
33er^ältnif|e  jroifd&cn  bcn  ®ttern  unb  Äinbern  unb  ber  ©tellung  ber  erftcren 
gegenüber  ben  Icfetcrcn  entfpred^enbcn  SBcifc  jum  gcmeinfd[iaftlid^cn  Untcrl^allc 
ücriücnbet  roerben.  S)icfe  tntenfiüere  Unterl^altöpflid^t  bcr  ©Itcrn  wirb  bur^ 
\>a^  natürlid^c  ©efüf)l,  bic  engere  gamiliengcmeinfddaft  unb  bic  3lufgabc  ber 
©llcrn,  i^rc  Äinbcr  jur  ©clbftänbigfeit  ju  bringen,  geforbcrt.  Sluf  bcr  anberen 
Seite  cnlfpric^t  eö  aber  ber  natürlid&cn  ©ac^lage  unb  bcr  Sittigfcit,  bafe  auf 
biefc  befonbcrc  Untcr^altöpflid^t  bcr  (Sltern  bic  Seftimmung  beö  §  1481  9lbf.  3 
feine  9lnmenbung  pnbet.  ©olangc  bic  Äinber  eigeneö  SScrmögen  f)aUn,  fann 
ben  ©Itcrn  bic  im  §  1482  9lbf.  2  beftimmtc  83efd)ränfung  ibreö  eigenen  Unter» 
l)altcö  nid^t  jugemut^et  merben.  2lu(ö  ift  bie  ^ier  fraglid{)c  ©rrociterung  bcr 
Untcrl&altöpPid^t  ber  ®ttern  roegen  ber  für  bie  Icfetcrcn  bamit  ücrbunbencn 
^örte  nid^t  gered^tfertigt,  folange  ein  anberer  5ur  ©eroölirung  beö  Unterhalte« 
ücrpflid^tetcr  93erroanbtcr  oor^anben  ift.  S)ie  ®efal)r,  bofe  in  golgc  bicfcr 
©ubfibiarität  ber  befonberen  Unter^altöpflid^t  bcr  ©Itern  bie  Icfetercn,  ftatt 
jid^  felbft  cinjufd^ränfen,  möglid^ft  beftrebt  fein  mcrbcn,  bie  Unter^altöpflid^t 
oon  fid&  auf  anbcrc  SSerroanbte,  inöbefonbere  bie  ©rofecltcrn,  abjuujüiläen, 
liegt  fern.  SSon  fclbft  Dcrfte^t  eö  fic^,  bafe  bic  ©Itcrn  fid^  junäd^ft  fo* 
lücit  ein juf darauf en  i&abcn,  alö  bicö  mit  il)rer  ScbcnöfteUung  vereinbar  ift. 
2)aB  biefc  gefteigerte  Unter^attöpflid&t  mit  bcr  aSolljälirigfcit  ober  ber  SBer* 


Untcrtaltöpfli^t.    SSorauöfcftunoen.    §  1482.  687 

l^etrat^ung  bed  jtinbed  aufbort  entfpnd^t  bem  §  1481  älbf.  3  unb  ben  ©vunben, 
ouf  weisen  bic  Icfctcrc  Scftimmung  beruht. 

3u  ber  gcmcinrec^tli^en  X^tom  unb  5ßrayiö  gelten  bie  Slnfid^ten  bar*  ««»««laii  in 
über  ouöcinanber,  ob  berjcnigc,  tüel^er  ben  Untcr^Qltßonfprudd  gcitcnb  mad^t,  ^^aeXnV**'^ 
bic  ficiftungfifä^igfeit  bcfi  S3cflagtcn  ober  ber  Icfetcrc  [eine  Sciftungöunfäfiigleit  f*^»8Wt. 
ju  bciueifcn  ^obe.  2)aö  Dbcrtribunat  ju  Scriin  \)at  ^iä)  in  bem  te^tcren  ©inne 
(oergl.  Scuffcrt  I,  233),  baö  SReid^iögeric^t  in  bem  crftcren  ©innc  Quögefprod^cn 
(entfd^.  b.  9t.  ®.  in  (Sioitf.  IV,  44  S.  154*,  155).  3m  ©cbictc  beö  preufe.  91.  2.  SR. 
liiot  burc^  bic  preufe.  ©cfloration  v.  21. 3uH  1841  (oergf.  boju  VLxii).  b.  SR.  ®. 
bei  ®ru(^ot  XXIX  ®.  926  unb  XXXII  ©.  132)  bic  Slnfic^t,  bafe  ber  »e^ 
flagte  beroeiöpffic^tig  fei,  gefeßU^e  9lnerfennung  gefunbcn.  SBic  aus  ber 
gaffung  bcÄ  §  1482  mit  geniigenbcr  ®cutUd)fcit  erl^cUt,  fa§t  bagcgen  ber 
<Sntn)urf  bic  Sciftungöfö^ig{eit  bed  3e{(agten  ald  eine  SSoraudfegung  für  bic 
@ntftel^ung  beö  Unter[)Q[tdanfpruc^ed,  a(ö  eine  rcd^töcrjcugenbe  2:()Qtfac^e  auf. 
gür  bic  33c^Qnblung  ber  Seiftungöunfäl^igfeit  olö  einer  re^töl^inbernben  unb 
bcd^alb  Dom  ^eflogten  }u  bemeifenben  S^atfac^e  (ä§t  fti^  allerbingd  ber  prQ{* 
tifd^e  ©efi^^punft  gcitcnb  mad^en,  bag  cd  für  ben  j^löger  unter  Umftönben 
mit  ©d&ioicrigfcitcn  oerbunben  fein  fann,  bic  Seiftungöfäl^igfeit  beö  Seflagtcn 
ju  f ubftantiiren ,  nienn  i^m  bic  SBermögenfi^  unb  (Snüerböocrl^ältniffc  beö 
lefcteren  nic^t  nä^cr  befannt  finb.  S)iefcr  93ortl^ciI  n)irb  inbeffen  huxä)  ben 
onbercrfeitö  mit  biefcr  ftonftruftion  ücrbunbcnen  praKifc^en  Slad^t^cil  Quf- 
gewogen,  ba%  auf  biefem  SBege  bem  Scflogtcn  ber  Seroeiö  ber  SRcgotiüc  auf* 
erlegt  wirb,  bafe  er  anbercö  S3erm5gen  unb  weiteren  ©rmerb,  alö  t)on  if|m  an^ 
gegeben,  nid^t  l^abe.  Unter  biefen  Umftfinbcn  oerbient  cö  ben  SSorjug,  bie 
Seiftungöfä^igfeit  beö  Seflagten  alö  re^töerjeugenbc  S^J^atfad^e  iu  be^anbeln, 
ba  biefe  9luffaffung  ber  fitttid^cn  ®runblage  ber  Unter^a[töpfiid[)t  am  mciften 
cntfprit^t;  benn  von  einer  fittli^en  ^flid()t  jur  ®en)äl)rung  beö  Unter^alteö  fann 
nur  bie  SRebe  fein,  menn  unb  fomeit  ber  in  Stnfpruc^  ®enommenc  nad&  SRafegabc 
ber  33cftimmungen  beö  §  1482  ben  Unterhalt  ju  geroä^ren  im  ©tanbc  ift. 
9luö  allgemeinen  ®runbfä&cn  ergiebt  fid^  übrigenö  üon  felbft,  bafe  ber  Äläger 
feiner  Scmeiöpflid^t  burd&  ben  $Rad()n)eiö  genügt,  bafe  ber  Seflagte  na^  feinen 
aftioen  SBcrmögenöoerl^ättniffen  unb  feinen  (Srroerböoer^ältniffen  ol^ne  ®cfal^r* 
bung  beö  eigenen  ftanbeömägigen  Untcr^alteö  ben  Unterf)a(t  ju  gemä^ren  im 
©tanbe  fei.  SBill  ber  SSctIagte  feine  Unter^altöpflic^t  mit  SlüdEfid^t  auf  anbcr* 
weite  i^m  obliegcnbc  SBerpflid^tungcn  abtcl^nen,  fo  ift  cö  feine  ©ad^c,  bie 
ejiftenj  fold^cr  aSerpflid^tungcn  ju  beioeifen.  ©benfo  liegt  i^m  ber  Semeiö 
anbcrcr  befonbercr,  für  bic  93emcffung  ber  Sciftungöfä^igfeit  er^ebli^er  Um* 
ftänbe  ob,  j.  9.  ber  99en)ciö  ber  Se^auptung,  bag  er  loegen  feiner  5lrännid^feit 
}u  feinem  eigenen  Unterhatte  me^r  mic  gemö^nlid^  bebürfe.  2)a  bie  Seiftungö* 
ffi^igteit  beö  ^ettagten  ^^orauöfegung  für  bic  Sntfte^ung  beö  Unterl^altö* 
anfprud^eö  ift,  fo  ücrfte^t  eö  f\d)  von  felbft,  ba6  bic  grage  nid()t  in  bie  gnwngö* 
üoUftredungöinftanj  Deriülefcn  rocrbcn  fann  (oergt.  Scuffcrt  VI,  204;  (Sntfc^. 
b.  JR.  ®.  in  6iDitf.  IV,  44  ©.  154). 

2)aö  fäd^f.  ®.  S.  §  1848  ©ag  2  cntfjält  noi)  bie  auöbrürfU^e  S8e* 
ftimmung,  ba^  im  gallc  ber  Sciftungöunfäf)igfeit  eincö  33criüanbten  ber  lefetcrc, 
rocnn  er  fpäter  ju  9Jermögen  fommt,  für  bic  )ßergangcn(;eit  nad^jujal^Ien  n\ä)t 


688       Unter6altgpfli(6t.    Sufammentrcffcn  meuteret  Scrcd^tigtcr.    §  1483. 

üerpflic^tct  ift.  S)cr  ©ntrourf  fjot  eine  bcrortigc  Scftimmung  alö  cntbe^rtid^ 
nid^t  aufgenommen.  3)iefelbe  folgt  üon  fetbft  borouö,  bofe  nodd  §  1482  für 
bic  Sauer  bcr  Seiftungöunfäi^igfcit  eine  SBerpflic^tung  jur  Ocmä^rung  bed  Unter« 
l^alteö  überf)aupt  nic^t  jur  @ntftcf)ung  gelangt. 


§  1483. 

3ufammen*  2)ic  befte^eubeu  siebte  entl^alten  feine  befonberen  S3eftimmungcn  für  ben 

me^m«"«e*  S^H/  wenu  ber  SBerpftid^tete  bei  bem  3ufammentreffen  bed  Untcröaltöanfpru^c« 

ret^ttflter,  tuel^rerer  S3ercd()tigter  nid^t  im  ©tanbe  ift,  allen  9lnfprü^en  ©enügc  ju  feiftcn. 

3n  (grmangetung  einer  befonberen  Seftimmung  würbe  feiner  biefcr  Slnfprüd^e 

bem  anbcrcn  oorgef^en,  ba,  foüiel  ben  Slnfprud^  für  bie  3wfunft  betrifft,  feiner 

ber  Derfd^iebenen  STnfprüd&e  ald  t)or  bem  anberen  cntftanben  angefe^en,  gegenüber 

feinem  bcr  STnfprüd&e  mithin  geltenb  gemad^t  werben  fann,  ba&  burd^  bie  Se* 

friebigung  beöfetbcn  anbere  bem  SScrpftid^tetcn  bereits  obliegenbe  Untcr^altö* 

üerbinbUc^feiten  gefä^rbet  werben  würben  (§  1482  9lbf.  1).    ®ie  oerfc^iebenen 

3tnfprüd&e  würben  ^lä)  ba^er  gcgenfeitig  befd^rönfen.    Um  ben  barauö  fid^  er* 

gebenben  ©d^wierigfeiten  mogIid()ft  ju  begegnen,  anbererfeitö  ber  mit  bcr  ©runb« 

tage  bcr  Unter^attöpPid()t  im  (Sinflange  ftebenbcn  änforbcrung  gerecht  ju 

werben,  bafe  bie  naä)  bem  gamilienbanbc  bem  SBerpflicötctcn  nä&er  fte^enbcn 

SBerwanbten  ben  entfernteren  oorge^cn,  beftimmt  ber  §  1483  9l6f.  1  Saß  1, 

entfprec^enb  bem  §  1485,  bafe  bcr  Slnfpruc^  bedienigen  üorgeljcn  foH,  welcher 

nad)  bcr  gcfegtid&cn  ®rbfo(ge  juncid^ft  als  6rbe  bcö  SSerpflic^tctcn  berufen  fein 

würbe  (§§  1965  ff.).    SBon  biefem  ^^rinjipc  mad^t  \cboä)  ber  §  1483  Slbf.  1 

©ag  2  bie  burc^  9lücffid()ten  bcr  5|8ietät  unb  ber  SiUigfeit  gebotene  SKuönal^me, 

ha^  ber  Unter^attöanfprud^  ber  ©efddwifter  bem  Unter()altöanfpruc^e  bcr  33er* 

wanbtcn  in  gerabcr  Sinie  nad)ftel;t.    3)ie  ©rünbe,  auö  welchen  auf  bem  ®e* 

biete  beö  (Srbred&tcS  bas  (Srbrec^t  ber  ®cfd)wifter  im  SSerf^ältniffe  ju  ben  Sßer* 

wanbtcn  in  gerabcr  Sinie  jum  k^exl  anberö  georbuet  ift  (§§  1966  ff.),  treffen 

^ier  nid^t  ju. 

eine«  35ie  Scftimmung   bcö  §  1483  2tbf.  2  regelt  baß  SSerfiältnife  beö  bem 

a^^^JJlJ^tJJl*  ©fiegatten  bes  SJcrpflid^tcten  gegen   bicfcn  juftcfjcnbcn  Unter^attöanfprut^e« 

'  (§§  1280, 1281)  JU  bem  Untcrfialtöanfprud&e  bcr  SBcrwanbten  beö  aSerpflic^teten. 

35icfe  Slrt  bcr  SRegcIung  red^tfertigt  fic^  einerfeitß  mit  Slüdfuc^t  barauf,  ba6 

cö  einem  normalen  gamilienoer^ältniffe  entfpridjt,  wenn  baö  93ermögcn  unb 

bcr  ©rwcrb  bcs  einen  ®t|cgattcn,  foweit  nötbig,  jum  gemcinf^aftlic^cn  Unter* 

t)alte  bcö  anberen  ®()cgatten  unb  feiner  nod)  minberjäfirigcn,  unücr^eirat^etcn 

kinber  ocrwcnbet  wirb,  anbererfeitö  mit  ^iüctfic^t  barauf,  bafe  bad  bie  6^e* 

c^aikw  ücrfnüpfenbe  ^anh  nä()cr  unb  enger  ift,  alö  baö  bcr  fonftigen  SBer* 

wanbtcn. 

eine«  Dq  bcr  im  §  1454  beftimmtc  Untcrl^altöanfprud^  beö  gefd()iebenen  6^e* 

i^^aumZt  flotten  nacö  bem  ©ntwurfc  nid^t  ben  Äarafter  eincö  gewöhnlichen  (Sntfd&äbigungö* 

onberen    anfprud)cö  \)at  (ocrgt.  bie  ÜJlotioc  ju  §  1454  oben  ©.  617  ff.),  fo  mufe  aud^  baö 

»eret^tiöten.  55^^,^^^^^}^  j^j^j^^g  Untcr^altöaufprud^cö  JU  bem  Unterl;altöanfprud&c  beö  fpäteren 

©Regatten  unb  bem  bcr  SBcrwanbtcn  beö  58erpflid)tcten   befonberö  gcorbnet 
werben.    S)ie  Scftimmung  beö  §  1483  3lbf.  3  läfet  fid^  gegenüber  bem  gc* 


UntcrSaltßpfli^t.    SSertältnig  ju  bcn  Sl&cöatten.    §  1484.  689 

fd&icbencu  6t)cgatten  ol^ne  grofec  praftifd^e  ©döroierigfeitcn  nid^t  burd^fü^rcn. 
S)ie  aSorfc^rift  bed  §  1483  3lbf.  3  trägt  ben  oerfc^icbcncn  SBüdEfic^tcn  in  cincc 
ber  Sifligfcit  unb  bcn  natürlid^cn  SScr^ältniffen  cntfpred^cnben  SBeife  9{ed()nung. 


§  1484. 

®cr  §  1484  regelt  bos  33crl^ättni6  ber  gegenfcitigcn  Unterf)altöpf[id)t  ^^mm 
ber  @f)egatten  ju  ber  ber  SSerroanbten  beö  unterfialtöbebürftigen  ®f)egatten  i^ammt 
(t)crgl.  anä)  §  1454  2l6f.  1).    ®a  ber  Unterfiattöonfprud^  ber  ©fiefrau  gegen^  g^^^^J^^t^^ 
über  betn  ©bemanne  bur^  bie  S3ebürftigfeit  ber  erfteren  nid^t  bebingt  ift     su  b« 
(§  1280),  fo  ergiebt  [id&  aus  §  1481  fd&on  Don  felbft,  ba^  ber  G^emann  dov**'^^^«^""^- 
bcn  Sßerroonbten  ber  S^efrou  tjoftet ;  benn  ber  Unter^altöanfprudd  ber  ®f)efraii 
gegenüber  bem  (Sl^emonne  bttbet   einen  ^^eil   i^reö  SSermögenö.     Solange 
biefcö  aber  jum  Unterhatte  ber  (S^cfrau  auöreid)!,  tritt  bie  Unterl^altöpffic^t 
ber  aSerroanbten  nid&t  ein  (ocrgl.  ©euffert  XXVIII,  228).    3lnberä  liegt  bn- 
gegen  bie  ©ad&e  in  3lnfe^ving  ber  Unterf)oItöpfIidöt  ber  ©fiefrau  gegenüber 
bcm  ©bemanne,  ba  biefe  Unterl^altäpffid()t  ebenfalls  nur  eine  fubfibiäre  ift 
(§  1281).    a»it  SRücffi^t  auf  bas  na^e  aSer^öItnife  jroifd^en  bm  e()cgatteii 
fann  es  nid()t  jroeifelfiaft  fein,  bafe  ber  (Sfjegatte  bes  Sebürftigen  üor  ben 
SöerTOanbten  bes  Unteren  ^aften  mu§.    S)ies  ift  insbefonbere  aucft  ber  Stanb^ 
punft  ber  franj.  ^urisprubenj  unb  in  üerfd^iebenen  ^ßartifufargefe^en  auD-- 
brücftid)  anerfannt  (najf.  SKrmenorbn.  d.  18.  ©ejember  1848  §  9;  attenb. 
9trmengef.  v.  9.  Sluguft  1833  §  83 ;  meimar.  $eimatf|Sgef .  ü.  23.  gebruar  1850 
§  39;  oergl.  mö)  preufe.  2lusf.  ®ef.  v.  S.Tl&xi  1871  §  65  ju  bem  3f.  ®ef. 
über  bcn  UnterftügungSroo^nfife  v.  6.  3uni  1870).    Sie  im  §  1484  ©a^  2 
beftimmte  Slusnal^mc  üon  ber  Siegel  entfprid&t  ber  ©d^IuPeftimmung  beö  §  1482 
Äbf.  2  unb  berul^t  auf  äfinlid^en  ©rroägungen,  mie  bie  lefetere.    2)a6  ferner 
nad|  §  1484  ©afe  3  bie  3}orfd()riften  bes  §  1487  entfpred^enbe  Slnroenbung 
finben  foUen,  rcd^tfertigt  [\ä)  b\\v6)  bie  9lnatogie  ber  SSerfiältniffe. 


§  1485. 

3in  Ucbcreinftimmung  mit  bem  preufe.  91.  2.  9i.  II,  3  §§  17,  18,  ber  stei^enfoiae 
f^Iesm.  I^otft.  3lrmenorbn.  v.  29.  ©ejember  1841   §  14,   ber   franj.  Suris^  unÄts* 
prubenj  unb  bcm  ^ejf.  6ntm.  III  9lrt.  43  ge^t  ber  §  1485  oon  bem  ^rinjipc  pmtiQcn. 
ouS,  bafe  bie  UnterJ^attSDcrpftid^tung  bie  aSermanbten  beS  Sebürftigen  nad) 
aWafegabc  bcrienigen  Drbnung  trifft,  in  melc^er  bicfelben  als  gefe|;lid)c  ®rben 
bes  Sebürftigcn  berufen  fein  mürben.    ®ies  ?5rinjip  red^tfertigt  fid)  burdd  bie 
©rmägung,  bafe  berienigc,  metc^cr  bcm  93ebürftigen  auf  ®runb  bes  gamilien- 
oerfiältnlifcs  fo  nal^c  fielet,    bafe  er   beffen  präfumtioer  näd&fter  gefefelid^cr 
erbe  ift,  auä)  junäc^ft  jur  ©rfüUung  ber  auf  bem  gamilienbanbe  unb  ber 
baraus  fid&  crgebenben  fittlid^en  5ßflid&t  beru^enben  Unterljaltspflid^t  berufen 
erfd^eint. 

aus  ienem  ^rinjipe  in  SSerbinbung  mit  bem  §  1965  folgt,  bafe  bie  9lb^  Ämlinae. 
fömmlingc  bes  93ebürftigen.  ftets  t)or  bcn  älfjenbenten  beS  legtcren  (}aften.   3^^ 

Stotioe  |.  Mrserf.  Ocfetfbuc^.  IV.  44 


690  Unter^altöpPi^t.    Drbnung  unter  ben  Serwanbtcit.    §  1485. 

bcmfclben  SRcfuttatc  führen  au^  bie  oben  angeführten  JRet^te.  dagegen  finb 
nod^  bem  baqr.  S.  SR.  I,  4  §  7  3lt.  2  unb  bcm  noff.  2lnncngef.  o.  18.  ©ejcmber 
1848  §  9  bie  2lficnbenten  üor  ben  ®ef jenbenten  ücrpfßd^tct.  Db  bieö  aud^  ge« 
meinrec^ta*  bcr  goU,  ift  bcftritten.  5Daö  fä^f.  ®.  33.  §§  1837—1839,  1842 
cntfd^cibct  bie  grage  nid^t  ouöbrücHic^.  gür  bie  Haftung  ber  STfjenbenten  vot 
ben  ©efjenbcnten  läfet  jid^  anführen,  bem  SBcfen  ber  3lbftammung  cntfprct^e 
cö,  bofe  iunäd()ft  bieienigen  für  ben  UntcrJ^olt  elneß  ÜJlenfc^en  ju  forgcn  Wtten, 
oon  roctd^cn  ber  tegtere  abftammc,  wie  benn  ouc^  baö  SSermögcn  bcr  Slfjcnbenten 
naturgemäß  baju  bcftimmt  fei,  auf  bie  ®ef jenbenten  ju  üererben.  SBie  eö  bem 
normalen  Saufe  ber  S)inge  nid^t  entfpred^e,  menn  ha^  93ermogen  ber  SJefjen* 
beuten  auf  bie  Slfjenbcnten  jurüdEfalle,  fo  fei  eö  anomal,  bafe  bie  erfteren  bie 
tcfeteren  unterl^altcn  müßten.  Slufeerbem  fomme  ber  mirt^fd^afttid^c  ©efid^tö* 
punft  in  S3etrad()t,  ba&  bie  jungen  Sräfte  nid^t  ju  fel^r  betaftet  unb  in  il^rer 
freien  33emegung  gehemmt  werben  bürften,  bamit  fie  befto  beffer  für  fid^  unb 
bie  eigene  S)efjenbenj  ju  forgen  in  ber  Sage  feien.  Ueberroiegenbe  Orünbe 
fprec^en  iebod^  für  ben  entgegengcfefetcn  Staubpunft  beö  ©ntmurfeö.  9lbgefcl^en 
baoon,  bafe  berfetbe  ben  meiften  neueren  3led^ten  entfprid^t,  erfd^eint  eö  alö 
eine  SKnforberung  ber  5ßietät  unb  bcö  iiinbeöoerf|äItni{feö,  ba§  junäd^ft  bie 
Äinber  i^re  bebürftigen  ®Itern  unterfialten.  S)ie  ©aftung  ber  3lfjenbcnten  beö 
93ebürftigen  üor  ben  2)efjenbenten  füfirt  jubem  in  t)ielen  gälten  ju  großen 
.gärten  für  bie  erfteren.  ®ö  miberftreitet  bem  ©efü^te,  baß  bie  Slfjenbenten 
gejmungen  werben  foUen,  fic^  in  i^rem  9llter  nod^  einjufd^ränfen,  obgleich 
mo^l^abenbe  Slbfömmlinge  beö  bebürftigen  iur  ©emä^rung  beß  Unterl^atteö 
an  biefen  im  ©tanbe  finb. 
4^aftun8  ber  @ine  Weitere  ^onfequenj  beö  im  §  1485  @ag  1  auögefprod^enen  ^rinjipeö 

»»mmanfle  j^^  ^^^  j^.^  Uuter^altöpflic^t  ber  ®ef jcnbenten  ficft  m(I)t  nac^  ber  SRä^e  beö 
etammen.  ©rabeö  nä)ttt,  fonbcrn  baß  an  bie  ©teile  eineö  oerftorbenen  9lbfommlingeö 
nad^  3Kaßgabe  bcö  §  1965  beffcn  Äinber  treten  (ücrgl.  aud^  fäd^f.  ®.  S3. 
§§  1842,  2035).  ®emeinred()tlid^  ift  bcftritten,  ob  für  bie  Untcrl^altöpflic^t  ber 
2)efjenbcnten  bie  9läf|e  beö  ©rabcö  ober  bie  ©rbfotgeorbnung  entfd^eibct.  3)aö 
^rinjip  beö  ©ntmurfcö  fü^rt  aud^  in  ber  ^ier  fraglid^en  ^infi^t  ju  einem 
bem  natürlichen  ©cfül^le  unb  bcr  S3illigfeit  cntfprcd&enbcn  SRefultate. 
^aftunfl  bcr  Qu  ©rmaugclung  oon  Slbfömmlingen  beö  Sebürftigen  fmb,  wie  auö 

*Kr  §  1485  t)erb.  mit  bzn  §§  1966  ff.  fidö  ergiebt,  felbftt)erftänblid&  unbefd^abet 
«efo^miftern.  bcr  ©d^lußbcftimmung  beö  §  1482  2lbf.  2,  junäd^ft  bie  ©Item  beö  93ebüriftigcn, 
unb  jmar  abgefcl^en  oon  bem  3luönal^mefallc  beö  §  1485  ©afc  2,  ber  SSatcr 
oor  ber  ÜJluttcr  jur  ©cmäl^rung  beö  Unterl^attcö  ocrpflid^tet,  fobann  bie  95or^ 
eitern  nad^  ber  3l&\)t  bcö  ©rabcö  unb  in  Icfttcr  Steil^e  bie  Ocfc^miftcr.  SJaß 
bie  ©efd^mifter  erft  nad^  ben  Slfjenbcnten  haften,  obwohl  fie  nad^  ber  gcfcfes 
lid^en  ©rbfolgcorbnung,  wenn  nur  ein  Slternt^eil  nod^  am  Seben  ift,  mit  bem 
Icßteren  fonfurriren  unb  bie  Sßoreltcrn  auöfd^ließen,  cntfpri^t  bcm  preuß. 
3lcd^tc  unb  ber  Scftimmung  beö  §  1489,  nad^  meld^er  fie  —  im  ©egenfafee 
JU  ben  Slfjenbcnten  —  nur  jur  ©cmä^rung  beö  notl&bürftigen  Unter^attcö 
Dcrpflid^tct  fmb.  2)ie  Haftung  bcr  ©Itcrn  t)or  ben  33oreltem  ifl  oon  allen 
neueren  Siebten  anertannt  (ocrgl.  mürttcmb.  S.  SR.  IV,  11  §  1,  IV,  12  §  1; 
bapr.  S.  9t.  I,  4  §  7  5Rr.  1;  preuß.  31.  S.  9t.  II,  2  §§  64,  65,  107,  II,  3 


Untcr6altg^)flid&t.    Dcbuunö  unter  bcn  9Sertt)anbten.    §  1485.  691 

§§  17,  18;  Code  civil  2lrt.  203;  öftcrr.  (S.  93.  §§  141,  143;  fädif.  0.  93. 
§§  1837—1839;  fii^icön).  ^otft.  3lrmcnorbn.  ü.  29.  ©cjcmbcr  1841  §  14; 
naff.  SCrmcngcf.  o.  18.  35cjembcr  1848  §  9;  rocimar.  ^cimotl^ögcf.  o. 
23.  gebruar  1850  §  40;  attcnb.  airmengcf.  v.  9.  Sluguft  1833  §  83).  2)a^ 
gegen  Ift  getneinrecbtlid^  beftrittcn,  ob  unb  inroieioeit  bie  üäterlid^en  9lfjen* 
beuten  t)or  ber  SJluttcr  bejro.,  wenn  nid^t  bem  SSoter,  fonbern  bem  TOciteren 
SKfjenbenten  bie  mttxliä)t  Oeroatt  jufte^t,  andj  üor  bem  Sßatcr  oerpflid^tet 
ftnb  (t)crgl.  ©euffert  XI,  154). 

SÄnfongenb  bie  Unterl^altßpflid^t  ber  ©Item,  fo  l^aftet  ixaä)  gemeinem  *«?*«««  kea 
SRed^te,  bem  ba^r.  S.  31.,  bem  preufe.  31.  2.  SR.,  bem  öfterr.  (S.  93.,  bem  fät^f.  fe?*TOumJ. 
®.  93.,  bem  naff.  3lrmengef.  unb  bem  meimar.  öeitnot^ögef.  ber  33aler  vox 
ber  3Mutter;  bagegeu  liegt  mä)  bem  roürttemb.  S.  31.  IV,  4  §§  6—8,  bem 
oltenb.  airmengef.  unb  bem  code  civil  9lrt.  203  (oergf.  aud^  f)t%  ©ntm.  III 
Slrt  43,  20)  bie  Unter^altöpflid^t  beiben  ®ltern  gemeinsam  ob,  nac^  bem 
Code  civil  febod^  nur  infomcit,  alö  bie  elterü^c  Sluftniefeung  am  SBermögen 
beg  Ainbed  jur  93eftreitung  ber  Soften  bei^  Unterhaltes  nid^t  auöreic^t 
(Slrt.  384,  385).  2)er  ®ntn)urf  ^at  fid^  ber  erftcn  ©ruppe  oon  9lcd()ten  an^ 
gefd&Ioffen.  3)iefe  Slbmeid^ung  oon  bem  ^rinjipe  bcö  §  1485  (oergl.  §  1966)  • 
entfprid^t  ber  natürli^en  Stellung  bed  93aterö  ald  bed  ^aupted  ber  ^amitie, 
feiner  beoorjugten  ©tellung  gegenüber  ben  Äinbem,  insbefonberc  ber  i^m  am 
Vermögen  ber  festeren  jufte^cnben  elterlid^en  ^Juftniefeung,  femer  ber  e^eli^en 
Slujniefeung  unb  aSermattung  am  Säermögen  ber  ß^efrau  unb  ber  ^^Sflid^t  beö 
©i^emanneö,  bie  el^elid^en  Saften  ju  tragen;  bicfe  ©tellung  bcö  SOaterö  red^t^ 
fertigt  eö  aud^,  il^m  felbft  nacb  93eenbigung  ber  eltertid^en  Oemalt,  fomle  für 
ben  gall,  wenn  bie  ©Itern  in  getrennten  ®ütern  leben  (oergl.  §  1339),  iunä^ft 
bie  aSerpflid^tung  jum  Unterl^alte  ber  gemelnfamen  Äinber  aufjuertegen  (oergl. 
aber  §§  1458,  1465).  ®a  iebod^  bie  elterlid^e  SRufeniefeung,  wenn  au^  nid^t  «usna^me. 
allein,  bo^  jugleid^  jum  Unterhalte  bed  5tinbed  beftimmt  ift,  fo  erf^eint  ed 
billig,  rotnn  in  ben  9ludnal^meffillen,  in  meldten  ber  ajlutter  fd^on  bei  Äebjeiten 
beö  aSaterö  bie  elterlid()e  SRufeniefeung  jufte^t  (§  1559  Slbf.  2  oerb.  mit 
§§  1440,  1464,  §  1564),  bie  aJlutter  t)or  bem  93ater  l^aftet,  jumal  biefelbe  eö 
in  ber  $anb  ^at,  auf  bie  elterlicbe  SRuftniefeung  ju  oerjid^ten  (§  1537)  unb 
baburd^  JU  bemirfen,  bafe  ber  SSater  ber  3legel  beö  §  1485  ©a|  1  gemäfe  oor 
i^r  )um  Unter^lte  bes  jlinbed  oerpflid^tet  ift. 

Safe  in  ©rmangelung  oon  ©Item  bcö  93ebürftigen  bie  Unterhaltspflicht  M*«»«  ^ 
bie  aSoreltem  nad^  ber  Sftä^e  beö  ©rabeö  trifft  (§  1485  üerb.  mit  §§  1968,  „^"'J^*^^. 
1969),  ol^ne  Unterf^ieb  jmifd^en  ben  pfiterli^en  unb  ben  mütterlid^cn  9Sor*  ^<«  •^«»^«s. 
eitern,  ftebt  mit  ber  ^errfd^enben  Slnjxd^t  beö  gemeinen  5le^teö  (oergl.  ©euffert 
Xm.  265,  XXXI,  242;  (gntf^.  b.  31.  @.  in  6it)ilf.  IV,  44  ©.  154,  155), 
mit  bem  franj.  Siebte,  bem  preufe.  21.  S.  31.  II,  3  §§  17,  18  unb  bem  fäd^f. 
®.  93.  §  1839  im  einftange.    ©agegen  folgen  baö  baqr.  S.  31.  I,  4  §  7 
3flr,  1,  baö  öfierr.  ®.  93.  §  143  unb  baö  meimar.  ^eimati^ögef.  v.  23.  gebruar 
1850  §  A(r  ber  älteren  gemeinrec^tlid^en  Slnfid^t,  nad^  melier  bie  väterlichen 
2(fienbenten  vox  ben  mütterlid^en  ^aften.    @in  genügenber  ®runb,  in  biefer 
SEBeife  bie  mütterlid^en  ®ro6eltem  ju  begünftigen,  liegt  nid^t  t)or. 

44* 


692  nntcr]&altövfü(^t.    Haftung  nicl&rcrec  SSctpPid&tcter.    §  1486. 

§  1486. 

'^r^wr^eT*!'  3n  bcr  flemcinrcd&tli^en  Suriöprubcnj  ift  beftrittcn,  ob,  wenn  SRc^rerc 

7euig  ßer/  jut  ©croä^tUng  beö  Unterhalte«  gtcld^icitig  t)crpfli^tet  fmb,  biefelbcn  [olibarifc^ 

vfii(^teter.  ^^^^  ^^  glcid^eit  2^f|eilen  ober  gcmeinfd^aftlid^  in  bcr  2lrt  Ijaftcn,  bofe  ber  ©injcinc  ' 

®5"^*>«*  na6)  aSer^ältnife  fcincö  SScrmögcnd  unb  feiner  Sciftungsfäl^igfeit  beijutragen 

f)ai.   5Dcr  oberfte  ®eri(^töf|of  für  »apern  (©euffert  XXXI,  242),  bafi  Sleidbö* 

obcr^Qnbefegerid&t  (entfd&.  XXIII,  98  ©.  301  ff.)  unb  baö  9leid^ögcrid&t  (entfd^. 

in  eit)ilf.  IV,  44  ©.  150  ff.)  I^aben  fidö,  wenn  aud^  in  ber  Segrünbung  jum 

S^l^eit  unter  einanbcr  abrocid^enb,  für  bic  Solibar^aft  auögcfprodjen,  ber  erft? 

gebadete  ®erid^tsf|of  jebod^  in  ber  Strt,  bofe'  bem  ©injelnen  bic  ®inrebe  ber 

mel^reren  ©trcitgenoffen   jum  ^rotdt  ant^cilömäfeiger  SSertfjeihmg  ber  SBer* 

pftid&tung  auf  bic  mehreren  93erpflid^tetcn  nat^  TOofegabe  ifirer  SBermogenös 

Dcr^ättniffe  juftel^e,  TOö^renb  baö  SRcid^ögerid^t  bic  3uläffi9fcit  ber  ®inrebe  ber 

2^f|cilung  uncntfd&iebcn  gelaffen  \)at.    ©icfctben  Streitfragen   ^aben  fid^   im 

aBcfentlid^en  in  ©rmangctung  einer  auöbrücftid^en  S9cftimntung  beö  code  civil 

aud&  auf  bem  ®ebietc  bed  franj.  SRedötcö  erhoben.    ®ie  f|errfd()enbe  SKcinung 

gel^t  iebod^  bal^in,  bafe  ber  ©injetne  nur  ant^cilömäfeig  I^aflc.    3)as  preufe. 

31.  £.  -W.  II,  3  §  20  beftimmt,  bafe  mel^rere  gteid^  na^e  SSenpanbte  gemein* 

fd^aftlid^,  jcbod^  nad^  SRafegabc  ifircs  SBermögenö,  ben  Unterhalt  ju  beftreiteu 

^aben.    Ueber  bic  9luölegung  biefer  Seftimmung,  inöbefonbcrc  über  ben  bem 

31.  S.  31.  cigent^ümlid()cn  83egriff  ber  ©emeinfc^afttid^feit,  gefien  inbeffen  bie 

Slnfid^ten  auöeinanbcr.    3)aö  preufe.  Dbertribunot  l^at  bie  Scftimmung  ftet& 

bal^in  ausgelegt,  bafe  beim  SSorl^anbcnfein  mehrerer  glcid^  na()er  SBerroaubten 

ber  Unterl)altganfprud&   gegen  Slllc   in   einem   gemcinfc^afttid^en   aSerfa^ren 

geltenb  gemad^t  rocrben  muffe   unb   bafe  eine   auf  folibarifd&c  SBerl^aftung 

geftüfete  illagc  unftattfiaft  fei  (^räj.  3Jr.  1202).    5Dicfer  Stuölegung  ^at  aud^ 

baö  SReid^ögerid^t  fxc^  angefd^toffen  (®rud&ot  XXIV  ©.  1036  ff.).    3lad)  bem 

fäd&f.  @.  33.  §§  1839,  1842  Ijaften  mel^rcre  glcid^  na^e  aSorettern  ju  gleid^en 

2^^cilen,  bie  Slbfömmlinge  nad^  äRa^gabc  il^reö  ©rbant^cileö  (ocrgl.  aud^  ^cff. 

entro.  III  9lrt.  43,  44),  nad&  bem  altenb.  ®cf.  o.  9.  Sluguft  1833  §§  73,  75 

getrennt  lebenbc  ©Item  ju  gleid^cn  2'f|cilen,  bic  ®ro6e[tern  Don  Däterlid^er 

unb  von  mütterliddcr  ©eite  je  jur  ^ätfte. 

etanbpunft  ^[yg   ^em  ©efid^töpunftc   bcr  Untl[)cilbarleit   bcr  Seiftung   fann   eine 

entwürfe«,  ^aftuug  beß  ©injelncn  auf  ba«  ®anje  beim  SSorl^anbenfcin  mel^rerer  glei^* 

jeitig  SBcrpftid^teter  nid^t  fd&led^t^in  l^ergeteitet  roerbcn  (§  340);  benn  ald 

©egenftanb  ber  Unterfialtdpfliddt  ift  nid^t  bic  Herbeiführung  bcö  SRcfultatc^ 

anjufcl^en,  ia^  ber  93cbürftigc  mirflid^  unterfialten  roerbe,  ba  bieß  nid)t  in 

ber  SRad&t  bcö  SSerpftid^tetcn  liegt,  fonbern  bie  SBcfricbigung  ber  Sebürfniffc 

bcö  Sered^tigtcn  burcft  ®en)äl^rung    ber   baju   erforbcrlid^cn   SWittcl.     S)ic 

Unterfialtöpflidtit   ift   ba^er  inforoeit  t^eilbar,    als  bie  cinjclnen  Seiftungen 

tl^eitbar    fmb,   roeldfie    bic   Sefriebigung    ber  Scbürfniffe   bcö   33ere^tigten 

-     Iierbeifül^rcn  foUen.    2)a  ber  Unterl^alt  nad^  bem  ©ntrourfe  (§  1491)  reget* 

mäfeig  burd&  bie  ®ntrid^tung  einer  ®ctbrente  ju  gcmäl^ren  ift,  fo 'mürbe  t)ou 

bem  ®efi^täpunftc  ber  Untficilbarfcit  an^  eine  »Haftung  beö  Sinjetnen  auf 

baö  ®anse  no^  Sllafegabc  bcö  §  340  ft^  nur  für  bie  Stuöna^mefälle  einer 

9?aturalolimentatiou  unb  aud^  für  biefc  gälte  nur  infomeit  ergeben,  als  bic 


1 


Unter^altejjfüd&t.    |)aftunfl  mcFjrcrcr  aScrpfli^tetcr.    §  1486.  693 

cinjcinc  Sciftung  eine  untJ^cilbore  ift  unb  nid^t  an  bie  ©teile  ber  uut^eilbaren 
Seiftung  eine  t^eilbare  tritt  (oergl.  §  341).  3fm  Uebrigcn  löfet  fid^  auö  ben 
ungemeinen  Orunbfäfeen  beö  ®ntrourfeö  eine  [oUbarifd^e  Haftung  beö  ©injetnen 
nid^t  ableiten,  ^m  (Segent^cit  roürbe  bie  3lnerfennung  einer  fofdden  ©olibar» 
baft  fid^  Q(d  eine  9lu8naf|me  x>on  bem  ^rinjipe  beö  §  320  borftellen,  eine 
Stuöna^me,  n)cfd&e  nur  burc^  bringenbe  praftif^e  (Srünbe  gered&tfertigt  werben 
fönnte,  jumal  ber  ©ntrourf  oudfi  im  Uebrigen  an  bem  ©runbfage  feftgcl^alten 
^at,  bafe  eine  folibarifd^e  33erbaftung  im  9lff gemeinen  nur  im  galle  eineö 
®elifteö  (§§  713,  714)  einjutreten  l)abc.  6ö  Idfet  ftd^  allerbingö  nid&t  Der« 
fennen,  bafe  für  bie  ©olibar^aft  beß  ®injelnen  beim  SSorl^anbenfein  mel)rerer 
gfeid^jeitig  aSerpflid&teter ,  l)ingefe^en  auf  bie  ©runblagc  ber  Unter^attöpftid^t 
unb  ^ingefel^en  auf  baö  Sntereffe  beö  33ered^tigten  unb  ber  Keincren  9lrmen* 
oerbänbc,  meieren  bie  oorläufige  Aufbringung  ber  Untcrl)aItdfoften  oft  fel^r 
fc^roer  fällt,  er^eblid()e  (Srünbe  geltenb  gemad^t  werben  fönnen.  2luf  ber 
onberen  ©eite  bringt  aber  bie  ©olibarbaft,  tro|  beö  im  §  337  anerfannten 
Slegrefered&teö  ber  ©efammtfd^ulbner  unter  einanber,  bie  ©efafir  mit  fid^,  bafe 
ben  einjelnen  SSermanbten  eine  ju  grofee  Saft  aufgebürbet  mirb,  namentU^  in 
fold^en  göUen,  in  meldten  eö  fid^  um  bie  Untcrl^attöpfiid&t  ber  ©efd^mifter 
^anbett.  2)er  (Srunblage  ber  Unter l)attdpPid&t  unb  ber  Silligteit  mürbe  eö 
DicUei^t  am  meiftcn  entfpred()en,  eine  gemeinfc^aftlid^c  Haftung  ber  ®injelnen 
nad^  SMafegabe  i^rer  IBeiftungöfä^igfeit  anjuorbnen.  ®egen  bicfen  SSBeg  fprc^n 
jebo^  bie  bamit  perbunbenen  praftifd^en  Sc^mierigfeiten.  Sine  SScrtl^eitung  ber 
Unterbaltdpflidöt  unter  bie  mehreren  gleid^jcitig  SJerpftid^tetcn  naä)  SBerfiältniß 
il)rer  SSermogend*  unb  ©rmcrböoerböltniffe  ift  nur  in  einem  gegen  alle  3Rit* 
üerpflid^teten  gleid^jeitig  eingeleiteten,  gemeinfc^afttid()en  93erfaf|ren  burc^füfjrbar, 
fefet  alfo  üorauö,  bafe  ber  93ebärftige  feinen  2lnfprud)  ftctö  gegen  alle  SSer* 
pflidfjteten  jugleic^  ergebt.  Daburd^  mirb  aber  bie  SBerfoIgbarfeit  beö  SKnfpruc^eö 
unter  Umftönben  fe^r  erfd&mert.  3)ajiu  fommt,  ha%  eine  fold&e  gemeinfd&aftUd^e 
•Haftung  not^menbig  eine  SBerlängcrung  unb  aSermefjrung  ber  ^Projefte  mit  fid^ 
bringt.  6ö  mufe  bei  biefem  SBcge  eine  Darlegung  ber  SSermögenö*  unb 
©rroerböoer^ältniffe  ber  einjelnen  aJlitoerpflid^teten  jum  ^xmdc  ber  SJergteid^ung 
unb  ber  banad^  fid^  rid^tertben  33eftimmung  ber  9lntt)eitc  ber  ®injclnen  in 
ollen  göUen  erfolgen,  aud^  in  folc^en,  in  meieren  bie  2eiftungöfä^igfcit  beö 
Ginjelnen,  für  ftd^  betrad^tet,  einem  ä^^cifet  überall  nid^t  unterliegt,  gerner 
mürbe,  f obalb  baö  aSerbältuife  ber  fieiftungöföbigfeit  imter  ben  SWituerpflid^teten 
fid&  fpäter  roefcntlid)  änbert,  ftetö  aud&  eine  3lenberung  in'  ben  Slnt^eilen  ber 
©njelnen  eintreten  muffen  (§  1493),  roenngteid^  burd^  fene  9lenberung  bie 
Üeiftungöfäbigtcit  beö  ©injclnen  überhaupt  gar  nid&t  berührt  werben  mürbe.  Unter 
biefen  Umftänben  oerbient  eö  ben  3Sorjug,  im  9lnfc^luffe  an  baö  im  §  1485 
für  bie  ^Reihenfolge  ber  «Haftung  ber  einjelnen  93erroanbten  beftimmte  ^rinjip 
ben  ©njelnen  für  benjenigcn  9lntbeil  ^aften  ju  laffen,  ju  metd^cm  er  alö 
gefeftlid^er  (Srbe  beö  Sebürftigen  berufen  fein  mürbe.  2)ie  üom  Stanbpunfte 
beö  Sntereffeö  ber  33erecbtigten  unb  ber  Heineren  Slrmenücrbänbe  gegen  eine 
bloö  ant^cilöroeifc  Haftung  fid^  er^ebenben  Sebenfcn  werben  tbeilö  burd^  bie 
SSorfd&riften  ber  ß.  5p.  D.,  weld()e  bem  ?}ered()tigtcn  bie  2Woglid^feit  gewähren, 
atte  jugteid^  SSerpflid^teten  bei  bemfelben  Oerid^te  alö  ©treitgenoffen  ju  ocr* 


694         Unterl^altöt^flic^t.    SetftungdunfSl&igfett  eines  SSertDattbten.    §  1487. 

llm^  (§§  57,  36  3lx.  3  ber  ©.  5ß.  D.),  t^citö  burt^  bic  »eftimmungcu  bcd 
§  819  bcr  6. 5ß.  D.  über  bie  cinftrocilißen  SBerfügunßen,  t^cife  burd^  bie  in 
einer  flrofeen  3o^I  ^^on  Sludfü^rungdacfcfeen  ju  bcm  SR.  @ef.  über  ben 
Untcrftülungörool^nfife  v.  6.  3uni  1870  (oergt.  inöbefonberc  prcufe.  Sluöf.  ®ef. 
t).  8.  aWärj  1871  §§  65—67)  fic^  finbenbe  SBorfd^rift  roefentUd^  gcminbert,  bafe 
auf  Slntrag  cineö  Slrmcnoerbanbeö  bie  SBeriDonbten  im  SSeriüoltungöroegc  burt^ 
fofort  üoflftredEbare  ©ntfd^eibung  jur  ©rfüBung  ber  Unter^altöpflid^t  angcl^alten 
werben  fönnen.  3"^^^"^  ^Qt  ber  §  1487  Slbf.  2  für  ben  galt,  wenn  bie  Siedete« 
t)erfoIgung  gegen  einen  jur  ®en)ä^rung  bcd  Unter^oltcd  oerpflid&teten  93cr^ 
TOQnbtcn  im  Snianbe  auögefc^Ioffcn  ober  erl^cblid^  erfd^mert  ift,  befonbere  S3or* 
forge  getroffen,  gerner  ergiebt  ber  §  1487  2lbf.  1,  bafe  inforoeit,  alö  beim 
SSor^anbenfcin  melfirerer  SBerioonbten,  roeld^e,  i^re  Seiftungöfä^igfeit  Doroud? 
gefegt,  nad^  §  1485  )ugleid^  }ur  ©etoö^rung  bed  Unterl^alteö  Derpf[id|tet  fein 
mürben,  bcr  eine  ober  onbcre  nid^t  im  ©tanbc  fein  foUte,  bcm  S3cbürftigcn 
ben  auf  i^n  faüenben  2;i^eil  bcß  Untcrl^altcß  ju  gcroäl^ren,  bie  anberen  SBer* 
manbtcn  für  bic  2)aucr  ber  Sciftungßunfä^igfcit  jcncö  SSermanbtcn  btn  Unter« 
l^alt  allein  ju  gemä^ren  »erpflid^tct  finb. 

S)cr  3ufa6  im  §  1486  ©a|  2  ift  im  Sntcrcffc  bcr  2)cuttid[)fcit  bed 
©cfcgcö  namcntlid^  mit  9lüd^id^t  barauf  ald  angemcffcn  erachtet,  bag  nad^ 
§  1966  neben  ben  (Scfd^miftcrn  mä)i  untcrl^attöpflid[)tigc  Ocfd&roiftcrfinbcr  jur 
®rbfd()aft  berufen  fein  fönnen  unb  bie  ©cfd^roiftcr  beä  Scbürftigcn  oor  ben  93ör« 
eitern  als  ®rbcn  berufen  fxnb,  nad&  §  1485  aber  bie  SBcrmanbtcn  in  geraber 
Sinie  oor  ben  Oefd^iuiftern  in  Slnfc^ung  bcr  (Scmäl^nmg  bcd  Unterl)altcd  haften. 


§  1487. 

seifiung«-  SBcnngtcic^  bie  S3eftimmung  bcß  §  1487  2lbf.  1  nur  alß  eine  Äonfequenj 

«nmreit  ^^^  g  ^^gg  gjj^j  j  ^^jj  j^^g  ^^^  entrourfe  ju  Orunbc  licgenben  5ßrinjipcö 

»«nottnbten.  fid^  barftcDt,  bafe  bic  Untcrl|altöpflid)t  eine  fort  unb  fort  fid^  crncucrnbc  93cr* 
binblid^feit  ift  (ocrgl.  bic  SBorbcmcrtung  oben  6.  677),  fo  ift  bod&  bie  Auf« 
na^me  ber  Seftimmung  im  Sntcrcffe  bcr  Scutlid^feit  bcß  ©cfcfecß  alß  ratl^fam 
crad^tet  (oergl.  aud&  fä*f.  ®.  33.  §§  1839,  1842;  ^eff.  ©ntn).  III  ärt.  44). 
aiuß  ber  Scftimmung  bcß  §  1487  3lbf.  1  in  SBcrbinbung  mit  §§  1485,  1486 
ergiebt  fxä)  übrigcnß  mit  genügenber  Älarl^eit,  bafe  burd^  bicfelbe  ni^t  ctma 
eine  Haftung  für  frembe  ®d()ulb  bcgrünbct  mirb.  SBcnn  bal^cr  einer  ber  ju« 
gleid^  SBcrpffid^tctcn  ober  ber  }unäd()ft  aScrpflic^tctc  mä)  eintritt  beß  33c^ 
bürfnifefalleß  bcmnäd()ft  Iciftungßunfä^ig  wirb  unb  bie  oon  bcmfelbcn  für  bie 
3cit  oor  bcm  eintrittc  bcr  Sciftungßunfäl^igfeit  ju  'ja^tcnbcn  SlUmcnte  im 
SBcgc  bcr  3wöngßi)oUftrcdEung  nid^t  bcigctricbcn  mcrbcn  fönnen,  fo  fann  ber 
33cbürftigc  mcgcn  bicfcß  SKußfallcß  nid^t  ctma  bie  übrigen  aKitocrpffi^tctcn 
bcjm.  ben  Dlad^ocrpflid&tctcn  mic  Bürgen  für  bic  SBcrgangenl^cit  in  Stnfpruc^ 
nehmen,  fonbern  bic  errocitcrte  aScrbinbli^fcit  ber  übrigen  üRitocrpftid^tctcn 
bejm.  bic  SBcrbinblid^feit  bcß  ^Rad^ocrpflidötctcn  tritt  nad^  ÜMafegabc  beß  §  1487 
Slbf.  1  nur  für  bic  3ufunft,  t)on  bcr  3cit  bcß  (gintritteß  bcr  Seiftungß« 
unfä^igfeit  bcß  anberen  aScrroanbtcn  an,  ein.    ®inc  außplfßmcifc  Haftung  für 


.  Untcrialtßpflidfet.    8cifhm08unfäbiflfeit  eine«  SBertwatibten.    §  1487.         695 

bic  aSerganflen^cit  würbe  mit  bcm  ^^Jrinjipc  bcö  §  1486,  bofe  beim  SBorJ^anben^ 
fein  mel^rerer  glci^jeitig  SBerpPid^teter  bie  ©c^ulb  eine  getl^cilte  ift,  nid^t  im 
©nf lange  fte^en  unb  ift  burt^  ein  Scbürfnife  nid^t  geboten. 

®ie  an  ä^nlic^e  SBorf Triften  beö  fäddf.  ®.  33.  §§  1839,  1842  unb  «e^inbcrunfl 
befi  ^ejf.  ®ntn).  III  9lrt.  44,  fomie  an  bie  ^ßrajis  bed  gemeinen  Sled&teö  €rf,^»^un8 
(Seuffert  III,  266,  XXVm,  228)  unb  bed  preufe.  Sfled&teö  (©triet^orft  XIX  ^^'jf *^Jf^"^' 
©.  141)  ftc^  anfd^Uefeenbe  Seftimmung  bed  §  1487  2lbf.  2,  meldte  im  ©egen^ 
fafte  ju  ber  Söeftimmung  beö  §  1487  3lbf.  1  fot(^e  gölle  im  äuge  ^at,  in- 
toetd^en  bie  Seiftungäfäfjigfeit  in  ber  5ßcrfon  beö  betreffenbcn  aSerroanbten  fort:= 
bauert,   ift   burd^   ben  eine   rafd^e  2)urd&fül^rung   er^eifd^enben  3w>^*   ^^^ 
Unter^altöanfprud^eö  geboten.    2lud^  in  ben  l^icr  fraglid^en  gällen  tritt  aber 
bie  Unter^altöpflid^t  beö  STOitDerpflid^teten  bejro.  beö  3flad^oerpflid^teten  nad) 
aRafegabe  beö  §  1487  äbf.  1  nur  für  bie  3ufunft  ein. 

5Daö  fäc^f.  ®.  S3.  §  1339  bcftimmt  auöbrüdEIic^,  bafe  in  einem  gaUe  ber  »«a«^ 
im  §  1487  9lbf.  2  bejeid^neten  2lrt  ben  übrigen  SBermanbten  ber  giüdEanfprud^  m^^iu> 
gegen  ben  aJlitocrpPi^teten  oorbel^alten  bleibe  (oergl.  auc^  l^eff.  ©ntm.  III  "***!^®*^' 
Art.  44).  Der  ®ntn)urf  l^at  bie  ©ntfc^eibung  ber  t?rage,  ob  unb  inroiemeit 
in  bem  ^ier  fraglidien  gaUe  nad^  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  ein  ©rfa^- 
anfpru^  ber  übrigen  in  golge  ber  SBeftimmung  beö  §  1487  3lbf.  2  in  Slnfprud) 
genommenen  SSenoanbten  gegen  ben  an  fx6)  juncid&ft  SSerpftic^teten  begrünbet 
ift,  ber  SBijfenfd^aft  unb  ^rariö  überladen.  SBenngteid)  ber  im  galle  beö 
§  1487  äbf.  2  erfafttoeife  ^crangejogene  93erroanbte  im  SSerl^ältniffe  ju  bem 
junöd^ft  SSerpflic^teten  eine  SSerbinbliddfeit  beö  [enteren  erfüllt,  fo  ift  eö  bod^ 
bebenfli^,  barauf  eine  unbebingte  ©rfafepflidfit  beöfelben  ju  grünben.  35ic 
gälle  fönnen  fo  liegen,  bafe  ber  junäd^ft  5JerpfIid)tete  üon  bcm  (Eintritte  feiner 
Unter^altöpflid^t  überall  feine  Eenntnig  erlangt  l^atte  unb  beö^alb  nad)  %  1492 
ein  Unter^altöanfprud^  gegen  bcnfetben  für  bie  SSergangcnl^eit  überall  nid^t 
begrünbet,  aud^  nad^  ben  allgemeinen  ©runbfäften  über  bie  Oefd^äftöfül^rung 
ol^ne  Sluftrag  in  ©rmangelung  eineö  utiliter  gestum  ein  ©rfaftanfprud^ 
gegen  benfelben  nic^t  gered&tfertigt  fein  mürbe.  2)ie  unbebingte  6rfa|* 
pPic^t  beö  junäd^ft  jur  (Seroäl^rung  beö  Unter^alteö  SBerpflid^tcten  pofitiD 
JU  beftimmen,  ift  burd^i  ein  SSebürfnife  md)i  geboten  unb  um  fo  bebenllid^er, 
alö  bie  ©rfalpPid^t  ju  großen  gärten  führen  fann,  menn  bie  JJcrmögenö^ 
oer^ättniffe  beö  5unäd()ft  33erpPid()teten  ft(^  injmifc^en  in  ber  airt  geänbert 
l^aben  foBten,  bafe  er  jefet  nad&  äWafegabe  beö  §  1482  jur  ©emö^rung  beö 
Unterl^alteö  ni^t  me^r  im  ©tanbe  fein  mürbe.  Daju  fommt  ber  fafuiftifd^c 
Äarafter  einer  fold^en  93eftimmung  unb  bie  ®efa()r,  bafe  barauö  bei  ber  S3c=^ 
urt^eilung  öJ^ntid^  liegender,  im  ©efefee  nid^t  befonberö  berüdfftd&tigter  gälle 
ein  argumentum  e  contrario  entnommen  roerben  fönnte.  9luö  biefcn  ©rünben 
empfiel^It  eö  fid^  inöbefonbere  aud^,  im  ©efe^c  barüber  ju  fd^meigen,  ob  unb 
inmiemeit  in  bem  ö^nlic^  liegenbcn  gallc,  in  mcld^cm  ein  aSermanbter  burd> 
einftmeiligc  rid)ter{id&c  Verfügung  ober  im  aScrroaltungömcge  jur  ©emä()rung 
beö  Unter^alteö  angel^alten,  jene  SBcrfügung  bejro.  bie  ®ntfd&eibung  bec 
SSermaltungöbel^örbe  aber  bemnäddft  roieber  aufgehoben  ift,  meil  bie  aSer- 
binbU^feit  beö  in  Slnfprud^  ©enommenen  ftd&  alö  unbegrünbet  ermiefen  ^at, 
bem  le|teren  ein  6rfafeanfprud&  gegen  ben  miriflid^  93erpfi[id()teten  juftel^t. 


696  Untcr6altepf(i*t.    UmfaiiO;  SKaß.    §  1488, 


§  1488. 

Srtatti^  ®cmcinred)tlidö  ift  cd  ftreitifl,  ob  bcr  Unterhalt  aud^  bie  jur  (Sittroicfc^ 

pmt.  Iimg  unb  Sluöbilbung  beß  Oeiftcö  crforberlic^cn  Soften  umfafet.  ^laä)  bem 
prcufe.  ar.  y.  dl.  II,  2  §§  63—65,  107,  204,  251—254,  II,  3  §  14  bcflrcift 
ber  Unterhalt  ben  ficbcnöbeborf  einfd()Uc&U^  bcr  Rranf ^eitöf oftcn ;  jcbod^  finb 
©Item  gegenüber  ben  Äinbcrn  and)  bic  Äoften  ber  ©rjie^ung  ju  tragen  Der^ 
pflicbtet.  SKuf  bemfelben  SBoben  fielen  baö  franj.  Siedet  (code  civil  ^[rt.  203, 
205,  384,  385)  unb  ber  l^cff.  (gntto.  III  airt.  20,  42,  45.  ©agegen  erftrcrfcn 
haQ  öfterr.  ®.  33.  §§  139,  143  unb  boö  fäd&[.  @.  33.  §  1846  nid^t  nur  bie 
Unterbaltöpflid^t  ber  ®(tern,  fonbcrn  aud^  bie  UntcrboltöpPidöt  anberer  SScr? 

GrMetjjiitflft*  löonbten  bei  Kinbern  auf  bie  Soften  ber  ©rjiebung.  ©er  (Sntrourf  [d^tiefet 
fic^  ben  jule^t  bejcid^neten  ©efegbüd^crn  an.  S)ie  burd&  bic  SSerroanbtj^aft 
begrünbete  natürlidde  unb  fittüd^c  ^pid^it  bringt  cö  mit  [xd),  bafe  in  ©rmange* 
lung  ber  ©Uern  bie  übrigen  unterl^altöpflid()tigen  SBermanbten  bei  einer  nod& 
bcr  ©rjiebung  bebürftigen  '^erfon  für  bie  gciftigc  ©ntroirfelung  unb  bie  2luÄ* 
bitoung  bcrfelben  ju  einem  befonbcren  Sebenöbcrufc  ©orge  tragen  müRen. 
2)iefc  ©rroeitcrung  bcr  Unterbaltöpflic^t  entfprid)t  aud^  ben  Sntereffcn  beö 
Staates  unb  bcr  ©efcllfd^aft.  Um  fo  mel^r  cmpfiel)lt  eö  fid^,  bie  Unterbaltd* 
pfüd^t  il}rcm  Sn^atte  nad&  in  bcr  gebad()ten  3lrt  ju  beftimmen,  ald  nad&  oer* 
fd)icbcnen  3lrmengefe6gebungen  fetbft  ber  t)on  ben  STrmenoerbänben  ben  Äinbcrn 
5u  gcroälircnbc  Untcrbalt  audd  bic  Äoftcn  ber  6rjicf|ung,  einfddliefeli^  bcß 
Unterrid^tcö  unb  ber  Sluöbitbung  ju  einem  33crufe,  umfaßt  (ücrgl.  j.  SB. 
bat)r.  9lrmengef.  t).  29.*  Slprit  1869  3lrt.  10;  bab.  3[rmcnpflegegef.  t).  5.  aWai 
1870  §  18;  an\)ait  3luöf.  ®cf.  ü.  29.  Suni  1871  §§  1,  2  }u  bem  91.  ®ef. 
über  ben  Unterftüfeungörool^nfib;  fäd&f.  2lrmcnorbn.  §§  23,  24).  SBaö  im 
©inäcincn  jum  Sebenöbebarfe  ober  ju  ben  Äoften  ber  Grjiebung,  fomie  ber 
33orbiIbung  ju  einem  befonbcren  Sebenäberufc  gebort,  läfet  fid&  im  ©efege 
nid^t  nfil)cr  beftimmen.  3nöbefonbcrc  läfet  audj  bie  gragc,  ob  bie  Äoften  für 
ein  Uniocrfitätöftubium  ju  ben  3f{imenten  ju  red^neu'  finb  (oergl.  preufe. 
31.  S.  9t.  II,  2  §  117),  eine  allgemeine  ©ntfd^cibung  nid^t  ju,  oiclmebr  ift 
biefc  grage  in  icbcm  einjcincn  gallc  unter  S)eräcfficbtigung  ber  fonfreten  S8er« 
bältniffe  ju  entfd^ciben  (oergt.  Seuffert  IX,  190  9lr.  3;  loegen  ber  ÄoUationd^ 
pftid^t  §  2158).  I)agegcn  ift  eö  alö  angemeffen  crad^tet,  bie  5loften  ber  Jaufc 
befonberä  beroorjubebcn,  ba  fonft,  namentlid^  im  Jßinblicfe  auf  bie  Scfeitigung 
bc§  2^aufjioangcö,  3'^ci^l  barüber  cntfteben  fonntcn,  ob  bie  Unterbaltöpflidöt 
aud^  auf  biefc  .Hoftcn  fidf)  erftrecfe. 

i^roje^foften.  sj^^jg  ^er  SScftimmuug  bcö  §  1488  äbf.  1  ergiebt  ficb  anbererfeitö ,  bofe 

bie  Unterbaltöpflidtit  nid)t  aud&  bic  SBcrpflid^tung  umf afet , .  Sd^utben  bcö  93e« 
bürftigen  ju  bcjabicn  (1.  5  §  16  D.  de  agnosc.  et  alend.  lib.  25,  s),  unb 
ha^  namentlid)  ^rojefefoften  nidjt  ju  ben  9Uimcnten  geboren.  3)ie  Äoftcn 
oon  '^^rojcftcn,  mcld)c  baö  aSermögen  betreffen,  Ijabm  mirt^fd^cftüd^  ben 
Marafter  i)on  Slufmcnbungcn  jum  ©d()u6c  unb  jur  ©rbaltung  bcö  aSermögcuö 
unb  fönncn  baber,  mag  bcr  ^rojCR  gemonncn  ober  ücrtorcn  unb  bemgemäfe 
bie  Slufmenbung  eine  crfolgreid)C  gcmcfen  fein  ober  nid^t,  niemals  ju  ben  Äoften 
bcö  Unterbalteö  gered)uet  mcrbcn.    3"J^if^^ÖQft<^i'  erf(^eint  bie  grage  in  9lm 


Unter6artöpf(id&t.    Umfang,  TOafe,    §  1488.  697 

fc^unfl  bcr  Soften  fold^cr  ^rojeffe,  rocld^c  bic  pcrfönlid^en  aSerfjöttniffc  bcö 
UntcrIjQltöbcrcdbtigtcn,  j.  93.  bcn  ©tatuä,  bie  Sc^cibung  ober  Ungüttigteitö- 
crftfirung  einer  (S^e^  jum  ©egenftanbc  öaben.  S)en  Sdiuft  fold^ier  perfönlidden 
SRcd&te  fann  mon  tnöglidierroeife  olß  ein  cbcnfo  bercd&tigtcö  93ebürfni6  be* 
trachten,  wie  ben  jur  ©rboltung  beö  Sebcnö  unb  ber  förpcrUdjen  unb  geiftigen 
©cfunb^eit  erforberüd^cn  Unterhalt,  ^mmer^in  würbe  barin  aber  eine  über 
baö  bcftebenbe  JHed^t,  rocnigftenö  nod^  ber  öerrfd^enben  Slnfid^t,  binoudge^cnbe 
3lußbeWng  beö  33egriffed  beö  Unterhaltes  liegen  (oergt.  Seuffert  XXX,  84). 
"X^diu  fommt,  bafe  nad)  htn  SBeftimmungen  bcr  6.  %  D.  §§  106  ff.  über  baö 
Slrmenrecftt  bic  proseffualifc^e  SSerfoIgung  unb  SSertbcibigung  von  SJed&ten, 
fofern  biefelbe  nic^t  üon  üornl)erein  alö  auöfid^töloö  crfd&eint,  bei  Unoermogen 
beö  33cred^tiglen  audfi  oftnc  Sltifroenbung  von  Jioften  möglid)  ift.  ®ie  Sluö- 
be^nung  ber  Unterl^altöpflici^t  auf  bic  ^rojefefoften  würbe  baber  unmittelbar 
nid)t  bem  Unterbaltöbcrcd)tigten,  fonbern  bem  giöfuö  bchxo.  bem  Slnroafte  unb 
bem  (Seric^tdDoUjieber  ju  (Sute  fommen.  3^^  ^^^^"  (Sunficn  aber  bcn  jur 
©eioälfirung  beö  Untcrbalteo  SBerpflid^tetcn  ju  betafien,  fehlt  cd  an  einem  ge^  ' 
nügcnbcn  (Srimbc.  9ln(angenb  ferner  bie.Äoftcn  eineö  ftrafgcri^ttidfien  SSer« 
fd5renS~gcgcn  htn  Unter^altöbcrcc^tigten,  fo  fallen  biefe  bem  le^tcrcn  nur 
bann  jur  iioft,  menn  er  oerurtbcitt  wirb.  Sic  ftellen  fid^  bann  alö  eine  ^otge 
ber  von  bem  Untcrl)altdberccl)tigtcn  begangenen  unerlaubten  ^onblung  bar 
unb  fonnen  bcöbalb  bem  Unterbaltöpflic^tigcn  nidfit  jur  Saft  gelegt  merben. 
3lur  in  9lnfebung  ber  Äoftcn  ber  SBcrt^cibigung  f önnen  äfinlid^e  S^^^^i^I  öuf* 
geworfen  m'cfbcu,  wie  in  9(nfcT)ung  ber  Üoften  fold^er  i^rojeffc,  mcldjc  bie 
pcrfönlic^cn  SSerbältniffe  betreffen.  Gntfc^eibenb  ift  jcbod^  aü$  in  biefcr  Sc« 
jiebung,  bafe  bic  Str.  ^.  C.  §S  140,  141,  150,  497,  fomcit  biefelbe  eine  SSer* 
tl^cibigung  ,^um  S(^u|e  beö  SKngcflagten  für  not^roenbig  erachtet,  bur^  bie 
3Jorf (Triften  über  bic  üon  3lmtöroegen  crfolgenbe  Seftellung  cincö  SBcrtbcibigerö 
genügenbc  JJorforgc  getroffen  bat,  baf^  aud^  bcr  Unbemittelte  biefeö  Sd)u|cß 
nic^t  entbehrt,  unb  ba§  eine  SSerpflid^tung  bcöfclbcn  jur  S^ejablung  ber  Äoftcn 
ber  SScrtbcibigung  nur  bann  eintritt,  wenn  er  in  bic  Äoftcn  beö  SSerfa^renß 
ücrurt^cilt  wirb.  (Sine  anbere  J^rage  ift,  inmieroeit  bem  ^n^aber  ber  cltcr- 
lic^cu  ©eroalt  fraft  ber  cltcrlid^cn  ^JJulnicfeung  gegenüber  bem  Äinbc  bic 
Äoftcn  eines  -üon  bem  Ic^tercn  gefübrtcn  9tcd)täftrcitcö,  foroie  bic  Äoftcn  ber 
3Jert^eibigung  beö  Äinbc©  in  einem  gegen  baöfelbe  gerid^tcten  ftrafrcc^tlid^cn 
aScrfa^ren  auferlegt  werben  f ollen  (ücrgl.  fädfif.  ®.  93.  §  1820).  ,^n  biefcr 
öinfi^t  fmb  bie  «orfd&riftcn  beö  §  1531  9[bf.  1  3lx\  5,  fJ  unb  9lbf.  2  ücrb. 
mit  §  1530  9lbf.  2  SRr.  3,  .4 '  mafegcbenb. 

2)ie  SRcgcI  bes  S  1488  9Ibf.  2,  baß  bcr  Untcrfialt  in  bem  aWafee  ju  gc^  a»o^  be« 
währen  ift,  wcld&cö  ber  gefammten  ficbcnöftcUung  beö  95credf|tigten  cntfpricfit,  ""**^^*"**'- 
fte^t  mit  bem  gcltenben  SHcc^tc  im  (SinFlangc  (ücrgl.  prcug.  91.  ^,  ^M.  II,  2 
§§  64,  204,  252,  253,  II,  3  §§  14,  15;  öfterr.  ®.  93.  §§  139,  154;  fäd^f. 
®.  93.  §§  1846,  1847).  S)ct  burd)  bie  ajerwanbtfc^aft  begrünbeten  fittlid()en 
5PPi(^t  würbe  bei  3}erwanbten  in  geraber  !^inic  bnxä)  bie  ©cwä^rung  beö  notl^^ 
bürftigcn  Unterhaltes  n\6)t  genügt  werben.  9Uis  ber  Scftimmung  bes  §  1488 
9lbf.  2  crgicbt  fid^  oon  felbft,  bafe  bei  bcr  93eftimmung  bcs  ^JWafecs  bes  Untere 
kaltes  aud^  bic  33crmögcnsoerl)ältniffe  bcs  einjclnen  Serpflid^tetcn  infoweit  in 


698  llnter6aItßi)fH*t.    Umfanö,  5»a§.    §  1488. 

Sctrad^t  iu  jiel)en  finb,  alö  biefelben  rocßen  her  jioif^cn  bcm  SBcrp^iii^tctctt 
unb  bcm  berechtigten  beftc^enben  befonbercn  93eiicl^ungen  auf  bic  Scbcnö- 
ftellung  bcö  lc|teren  t)on  ©inpufe  fmb. 
eef(9raneung  ©eweinred^ttic^  unb  aud^   auf  bem  ©cbiete  beö  preufe.  Slc^teö  ift  eö 

bMniffe  ber  nic^t  unbcftritten,  ob,  wenngleidEi  ber  ©ci^roicgeroatcr  gegenüber  bcr  ©d^roieger* 
»Ski  un  *^^*^^  J""^  Unterl^atte  ber  festeren  bircft  nid^t  üerpflici^tet  ift,  bod&  ber  ©o^n 
bei  33emcffung  beö  il^m  oon  bem  SBater  ju  geroäl^renben  Unterl^atteö  verlangen 
fann,  bafe  i^m  t)on  bem  33ater  aud&  bic  SKittel  jum  Unterifiatte  feiner  ©^efrau 
gemalert  merben,  menigftenö  bann,  menn  ber  ©o^n  bie  ®^e  mit  ©inroilligung 
bcö  SBaterö  eingegangen  ift  (oergl.  entfd^.  b.  31.  ®.  in  ßioilf.  IV,  44  ©.  152; 
Urt^.  b.  9t.  0.  bei  ©rud&ot  XXV  ©.  1032).  5Der  ©ntmurf  ge^t  bat)on  aus, 
ba^  bei  ber  93cftimmung  beö  ÜJlafecö  bcö  ju  gemäl^renbcn  Unterl^alteö  nur  bic 
perfönlid&en  93ebürfniffe  bed  Sered^tigten,  ni(^t  aud&  bie  feiner  gamilie,  inö* 
befonbere  aucb  nid^t  bie  feine«  ©Regatten,  ju  berürfitc^tigcn  finb.  2)ie  Orünbc, 
auf  TOcld^en  bie  befonbere  Seftimmung  bcö  röm.  SRed&tefi  (1.  20  §  2  D.  fam. 
herc.  10, 2)  bcrul^t,  ba^  ber  ^ausoater  aut^  bie  Ehefrau  bcö  in  oäterlid^er 
®emalt  fte^enben  ©ol^ncö  ju  unterhalten  ücrpflid^tet  ift,  treffen  t)om  ©tanb« 
punfte  beö  ©ntmurfeö  auö  nid(|t  p,  ba  nad^  bem  [enteren  —  abmeid&enb  oom 
röm.  Siedete  —  bcr  Sn^abcr  ber  eltcrtid&en  ©emalt  in  einem  fold^en  gaUe 
ni^t  bic  cf)diä)tn  Saften  )u  tragen  bot.  ^m  Ucbrigcn  feblt  cd  aber  an  einem 
Scbürfniffe,  unb  ift  cd  burd&  SRiidEfid^ten  ber  Silligfeit  nid^t  geboten,  t)on  bem 
auö  bem  ^Begriffe  bcö  Unterl^alteö  fid^  crgebenben  ©afee  abjun)ei(^cn,  bafe  bic 
Unterbaltöpfli^t  fid()  nur  auf  bie  ^erfon  bcö  Scred^tigten  bcjicl^t  2)ic  ©be* 
frau  bcö  Ie|tcren  fann,  foroeit  nötbig,  oon  il^ren  eigenen  SBerroanbten  bie  ®c? 
mäfirung  bcö  Unterbalteö  bcanfprud&cn ;  ebenfo  ftc^t  bcn  Äinbem  bcö  Se« 
bürftigen  fraft  eigenen  SRcd^tcö  ber  Unterl^altöanfprud^  gegenüber  ben  SSoreltcrn 
JU.  ®ie  9luöbebnung  ber  Unterl^altöpPid^t  ber  ©ttcrn  gegenüber  bcm  ftinbc 
auf  bie  }um  Unterbaltc  bcö  ©begatten  bcö  Ie|tcren  erforberlidben  aWittcI,  fo* 
fern  bie  ©Uern  bie  ©inmiUigung  jur  ©^cfd&licfeung  ertbeilt  ^aben,  f onntc  jubem 
ieid()t  babin  fübren,  bafe  engberjige  ©Itern  auö  gurd&t  t)or  ber  ©rroeitenmg 
il^rer  Untcrf)altöpflicbt  ibrc  ©inmiHigung  jur  ©befd^Iiefeung  ücrfagcn  unb  ba^ 
burd^  SBeranlaffung  ju  ©treit  unb  Unfriebcn  im  ftreife  ber  gamilie  geben. 
«ot^bttrftißcr  S)ie  Sluönabmefällc,  in  rocld^en  bic  UnterbaltöoerpPid()tung  auf  bic  ®c* 

Unterhalt,  ^jj^^j.^^^  ^cö  notbbürftigcn  Untcrbaltcö  bcfcbränft  ift,  fmb  in  ben  §§  1489, 
1490  bcftimmt.  ©ine  Definition  bcö  notbbürftigcn  Unterbalteö  ift  nid^t  alö 
angemeffcn  erad&tct.  SBaö  baju  gebort,  ift  im  cinjetnen  ^allc  nad&  ben  fon* 
fretcn  Umftänben  ju  beurtbeiten.  9ln  fid^  mürbe  eö  nal^c  liegen  unb  baö 
Slid^tige  fein,  auf  baöienige  üRafe  abjuftellcn,  mcld^eö  bic  öffcntlid^c  SÄrmen- 
pflege  gemäbrt;  allein  biefcr  3luön)eg  ift  mit  9?üdEfi^t  auf  fold^e  ©cbiete  bcö 
2)cutfd^en  9ieid^cö,  in  meldten  eine  auf  ®cfe^  berubenbc  öffcntlid&c  3lrmcns 
pflege  in  oollem  Umfange  nad^  Sßafegabc  bcö  ®efe|cö  über  bcn  Unterftüfeungö- 
roobnfife  D.  6. 3"ni  1870  ntd()t  beftebt  (©Ifafe^Sotfiringen),  untbunlid^.  Uebrigenö 
bcftimmt  fid^  audfi  in  bcn  gällen,  in  mclcben  bcr  3lnfprud^  auf  bcn  notb- 
bürftigcn Unterbalt  bef^ränlt  ift,  bcr  3inbalt  bcö  ju  geroäb^cnben  Unterbalteö 
nadö  §  1488  3lbf.  1 ;  nur  in  Slnfcbung  beö  iülafeeö  biefeö  Unterbalteö  tritt  ber 
Unterfd^ieb  jmifd^en  ftanbeömäftigem  unb  notbbürftigcm  Unterbaltc  berpor. 


llntcr6aIt8pfK(6t.    SRotfibürftiöcr  Unterhalt.    §§  1489,  1490.  699 

S)er  an  eine  jiemtid^  verbreitete  gemeinred^tlid^ie  ^^Jrajid  fi^  anfd^liefeenbe,  »eerbigimfl«. 
aud^  für  ba^  preufe.  Stecht  (üergl.  preu&.  2t.  S.  SÄ.  II,  1  §§  434,  435)  ücrtretene  ''*^*" 
unb  im  föt^f.  ®.  ».  §  1846  auöbrüdli^  anerfanntc  @runbfa|  be«  §  1488 
äbf.  4  (oergl.  code  civil  3lrt.  385  9lr.  4)  red^tfertigt  [id&  burd^  bie  %it)ägung, 
bofe,  tüie  bie  Unterljattöppid^t,  anä)  bie  SeerbigungöpPic^t  ate  eine  aus  bem 
gamilienbanbe  refultirenbe  fittlid&e  ^ffid^t  jtd&  barftellt,  foroeit  niddt  bcr  ®rbe 
md)  §  2055  bie  Soften  ber  )9eerbigung  beö  @rb[a{ferd  ju  tragen  t)erpf[id()tet 
ift.  6fi  würbe  gegen  bie  5ßietät  oerftofeen,  roenn  bem  äJerftorbenen,  roeldicr 
bid  an  feinen  3;ob  ftanbedmögigen  Unterhalt  genoffen  f)at,  naä)  feinem  3;obe 
nur  ein  notl^bürftigeö  Segräbnife  auf  Soften  ber  öffentlid^cn  Armenpflege  ju 
2:^eil  werben  foBte.  2)ie  Seftimmung  beö  §  1488  3lbf.  4  empftcl^It  fid^  femer 
um  bcdmiüen,  weil  bie  9lrmcngcfe|gebungen  faft  burd^gängig  bie  Soften  beö 
Segräbniffed  ju  ben  Untcr()a{tßfoften  red^nen,  meldlje  eo.  von  ben  Slrmen? 
oerbonben  ju  trogen  finb  (oergt.  j.  33.  fäd^f.  3lrmcnorbn.  o.  22.  DKober  1840 
§  23;  bai)r.  2lrmengef.  v.  29.  Slpril  1869  Slrt.  10;  bob.  9lrmenpflegegef.  n. 
5.  aWai  1870  §  18 ;  preufe.  äuöf.  ®ef.  v.  8.  SWärj  1871  §  1  ju  bem  9t.  ®ef . 
über  ben  Unterftüßungönjo^nfil  o.  6.  3uni  1870;  mürttemb.  Sluöf.  ®ef.  ü. 
17.  april  1873  Slrt.  1). 

®ur(^  §  1488  Slbf.  4  foU  jcbod^,  mie  bie  gajfung  ergiebt,  nur  bie  priüQt:j 
red&tlid^e  SBerp^id^tung ,  bie  Äoften  ber  93eerbigung  ju  beftreiten>  nid^t  eine 
prioatred^tli^e  SBerpffid^tung,  für  bie  Scerbigung  ju  forgen,  beftimmt  merben. 
auf  bie  geuerbcftattung  befonbere  Stüdffid^it  ju  nehmen  unb  beö^alb  ftatt  non 
^^eerbigung"  oon  ,,93eftattung"  ju  reben,  ift  niddt  alß  erf orberlidd ,  überbieö 
ate  ni^t  unbebenftid^  erod^tet,  ba  biefelbe  einerfeitß,  menigftens  jur  3cit,  etmaß 
Slufeergemö^nlid^ed ,  anbererfeitö  mit  befonberen  Soften  üerbunbcn  ift,  beren 
2^ragung  ben  unter^altdpflid^tigen  SSermanbten  nic^t  o{)ne  SBeitered  angefonnen 
werben  fann. 

§  1489. 

2)ie  in  ben  SRotiücn  ju  §  1480  oben  ©.  679  ^en)orgef)obenen  Se^  ^Ä^ 
benfen,  meldte  gegen  bie  9lusbe^nung  ber  Unter^a(tspf(id()t  auf  bie  ©efd^miftcr  «ef^mifur. 
fpred^en,  müjfen  jebenfallö  bafiin  fül^ren,  biefe  S8erpflid()tung  auf  bie  ©c- 
roo^rung  beö  nottibürftigen  Untcrl^oltcö  ju  befddränfen.    2)amit  ftimmt  aud^ 
bafi  preufe.  21.  Ü.  dl.  II,  3  §  15,  roeld^cö  für  jene  2luöbe^nung  ber  Unter^altö^ 
pPid&t  ate  SSorbilb  gebient  ^at,  überein. 

§  1490. 
Sßä^renb  nac^  ber,  menigftenö  in  neuerer  Qdt,  in  ber  S^^eorie  imb  uwoürbigfeit 
5Projiö    oorjugöroeife   vertretenen    2luffaffung   bcß   gemeinen   SRcd^teä   (1.  5  ©ebürftiflen. 

§§  11,  23  D.  de  agnosc.  et  alend.  lib.  25,  s;    1.  4  Cod.  de  alend.  IIb.  5,  so) 

ber  Unter^altöanfpruc^  beö  SBebürftigen  im  galle  ber  Unroürbigfeit  beö  legieren 
gänilic^  perroirft  wirb  (ocrgl.  bafür  ®ntf(^.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  V,  40;  bagegeu 
©euffert  XXXVII,  39),  ge^en  baö  prcui  21.  S.  9i.  II,  2  §§  252,  253,  boö 
Sfterr.  ®.  93.  §  795  unb  baö  fod^f.  ®.  S3.  §  1854  baoon  auö,  bag  bem  23c* 
bürftigen  wegen  Unwürbigfeit  beö   (enteren  ber  not^bürftige  Unterhalt  in 


700  Unter6artöpfli(f)t.    ?Rot6bürftiger  UutcrM^    §  1490. 

feinem  galle  entjogcn  roerben  fann.    2)er  oode  civil  entJ^öIt  in  ber  ^ier  frag^ 
ticken  ipinfidfit  feine  bcjonberc  Seftimmung;  boä)  wirb  für  baö  franj.  SRcd&t 
bie  9lnfxd^t  üertreten,  bofe  ©rbunroürbigfeit  bcö  ^ebürftigen  bie  gönjlid&e  33er* 
lüirfung  beö  Unter^altöanfprud^eö  jur  golgc  ^abe. 
»eft^räntunö  ®a  bie  bei  normalen  Syer^ältniffen  burd)  boö  gamitienbanb  unter  no^en 

""bü^tifl"en^'  SerwQnbten  begrünbete  Su^^iflunfl  «nb  Siebe  bie  Orunbfage  ber  jur  SRe^td* 
unterhalt,  pftid^t  erijobenen  fittlid^en  5ßflid^t  ber  gegenseitigen  Unterftüfcung  im  galle  ber 
23cbürftigfeit  bilbet,  fo  laffen  [id^  Dom  prinjipienen  ©tanbpunfte  quo  er^eb« 
Üc^e  ©rünbe  bafür  anführen,  bie  Unterl^altöppid^t  ber  SBenüanbten  in  fold&en 
gällen^  in  roefd^en  ber  Sebürftige  burd^  unwürbigeö  93erl^alten  baö  gamilien* 
bonb  jerriffen  l^ot,  gönälid^  lüegfallen  ju  laRen.  3n  fold^en  gäßen,  in  roeld&en 
ber  Sercd^tigte  ftd)  gegen  ben  aSerpflic^teten  fo  betrogen  fiat,  bafe  biefer  i^m 
ben  5ßflid)tt^eil  f^xi  entjiefjen  berechtigt  fein  roürbe,  fprid^t  für  ben  ganjlid&en 
SBegfall  ber  Unterljaltöpflid^t  aud^  bie  3lnaIogie  ber  SBorfd^riften  über  bie  6nt« 
jicf)ung  beö  ^fliri^tt^eileö.  Stann  ber  aSerpflid&tete  für  bie  Qdt  nad)  feinem 
Sobe  bem  S3cred)tigten  Sllleo  entjie^en,  fo  fd^eint  eö  um  fo  meljr  i^m  geftattet 
iDcrbcn  ju  müfjen,  bei  feinen  Sebjeiten  bie  Oemä^rung  beö  Unterljatteö  ju 
ocrroeigern.  gür  bie  SSermaubten  ift  eö  ol;ne  3w)eifel  Don  großem  SGBert^e^ 
wenn  biefetben  in  fällen  ber  f)icr  froglid^en  9Irt  nid)t  mefir  genöt^igt  ftnb, 
mit  bem  93ebürftigen  jum  3nJecfc  ber  ®en)ät)rung  beö  Unterf)alte^  an  benfelben 
in  93e5ief)ungen  ju  treten,  unb  wenn  für  biefelben  bie  ®efa^r  befeitigt  wirb, 
mit  bem  Sebürftigen  über  boß  aUofe  ber  ju  geroä^renben  Sllimente  in  xotiU 
läufige  unb  foftfpielige  ^rojeffe  tjermicfeft  ju  merben.  9luf  ber  onberen  ©cite 
ift  bie  Slußfid^t,  im  goUe  unmürbigen  S3erl)altenö  auf  bie  offenttid^e  9lrmen* 
pflege  ongemiefen  ju  merben,  für  ben  S3ebflrftigen  ein  9lntrieb,  nid^t  bur^  bie 
9trt  feines  5}ert)altenö  baß  gomilienbanb  ju  jerreißen,  ha  bie  mit  ber  ®e* 
lüä^rung  üon  Unterftü^ungcn  uon  Seiten  ber  öffentlichen  SIrmenpflege  oer* 
bunbenen  S8efd)ränfungen  unb  ^JiQd&tl)eile  meit  mel^r  empfunben  werben,  otö 
bicfcnigen,  n)eld)e  bie  33efd)ränfung  ber  Unterbaltöpflid)t  ber  SSermanbten  ouf 
bie  ©croäfirung  beß  not^bflrftigen  Unterl)Qlteß  mit  fid)  bringt.  ®egcn  ben 
gänjlicfien  9lußfdölufe  ber  Untcrtialtßpflid^t  in  fällen  ber  l^ier  froglid^en  SÄrt 
fällt  inbeffen  bie  Slüdfi^t  auf  ben  abrocic^enben  Stanbpunft  beß  preufe.  91.  S.  9i. 
unb  beß  fäc^f.  ®.  SB.  unb  bie  SiüdEfidjt  auf  bie  öffentlidfie  9lrmenlaft  entfc^eibenb 
inß  ®tvox(f)i. 
eioene«  9lnlangenb  bie  einjetnen  im  §  1490  beftimmten  gäHe,  in.meldjen  megeu 

Uilib^it  brt  Unmürbigfcit  beß  33eredf|tigten  ber  9lnfprud&  beß  lefeteren  fic^  auf  ben  not^« 
»cbürftiQ«,.  dürftigen  Untcrl)Qlt  befd)ränfen  foU,  fo  entfprid)t  eß  ber  rtttlid&en  ®runblage 
ber  Unterl^altßpflid)t,  bafe  biefc  93efc^ränfung  ganj  allgemein  eintritt,  roenn  bie 
33ebürftigfeit  beß  33ered)tigten  auf  eigenem  fitilid^en  3?erfd^ulben  beß  SBered&tigten 
berul^t.  3n  fold^en  'gälten  ift  bie  auf  ber  Serroanbtfc^aft  berul^enbe  fittlid^e 
^IJflid^t,  lücnn  audfi  n\(f)i  aufget)oben,  fo  boc^  eine  weniger  intenfioe.  3)icß  mufe 
aud^  auf  ben  Snl^alt  ber  Unterf)altßpflid&t  jurücfroirfen.  3^19^^^^  erroeift  bie 
Sefdtiräntung  auf  bie  ®en)ät)rung  beß  Unterljalteß  in  gällen  ber  liier  fragli^en 
9lrt  fid6  alß  eine  l)eilfame,  im  altgemeinen  3nteref)e  liegenbe  SKa^nung  gegen 
2:rägl)eit  unb  9lußfcf)n)eifungen.  3^  weit  ge^t  bagegen  bie  SSorfd^rift  be« 
preufe.  91.  iJ.  ?H.  II,  2  §  253,  nad)  meld^er  ber  Sebürftige  in  allen  gäflen,  in 


llntcr^alt^pflic&t    9lot^bürfHßer  Untcrbalt.    §  1490.  701 

loeld&en  er  burd()  eigene  Sc^iitb  verarmt  ift,  ftd^  mit  bcm  not^bürftigen  Unter* 
^Qlte  begnügen  mufe.  ?lur  fittlic^eö  33crfd()ulbeti  beö  Scbürftigen  oermog  eine 
fold^c  öcfd^ränfung  ju  re(^tfertigen.  9luf  ber  onbcren  ©cite  ift  eö  jebod^  alö 
bebenflid)  erachtet,  bic  33efc^ränfung  von  einem  fdjroeren  [ilttid^en  95erfd()ulben 
abhängig  ju  mad&cn,  ba  biefc  Quatififation  beö  3Jerfd()uIbenö  ju  iinbeftimmt  ift 
imb  bic  Slnroenbbarfeit  ber  l^ier  fraglidfien  Seftimmung  ju  fel^r  ju  beengen  brof|t. 

Die  weitere  Seftimmung  beö  §  1490  3(bf.  2  fd^Iiefet  fid^  bem  preuf^.  »erbauen, 
31.  S.  SR.  II,  2  §  253  unb  bem  fficbf.  ®.  93.  §  1854  an.  2lucb  in  ber  gemein*  Äung 
red^tlid^en  Suriöprubenj  finbet  [xi)  bie  Slnfid&t  üertrcten,  bafe  eine  SBcrroirfung  -^^^^i^^ 
beö  Unterl^altöonfprucbed  nur  in  fold^en  göDicn  ftattfinbe,  in  mefcben  ber  S3c*  beWSt.* 
rec^tigte  fi^  gegen  ben  33erpfli(i^teten  fo  betragen  l}ai,  Dofe  biefer  iljn  ju  enl* 
erben  bcreti^tigt  fein  mürbe  (oergl.  Seuffert  V,  285,  XXVIII,  229).  Dagegen 
feitet  eine  anbere,  in  ber  neueren  2^^eorie  unb  ^rariö  beö  gemeinen  SRed^teö 
Dormiegenb  Dertretene  ^Infidöt  auö  ber  1.  5  §  11  D.  de  agnosc.  et  alend. 
lib.  25, 8  in  SBerbinbung  mit  ber  1.  4  Cod.  de  alend.  IIb,  5,  «s  baö  meiterge^enbe 
5ßrin}ip  ab,  ba^  bie  Unterbattöpflid^t  megfäUt,  wenn  ber  Sebürftige  bie  ibm 
gegen  ben  in  2lnfpru(^  genommenen  Sßermanbten  obüegcnbcn  üenoanbtfcbaft* 
lid^en  ^fli^ten  fo  fd^imer  üerleftt  bot,  bafe  nad)  rid&terlid}em  ©rmeffen  bic  ®c* 
roobrung  beö  Untcrbaltcö  burcb  biefen  SBermanbten  atö  eine  auö  bem  gamilicn* 
banbc  bcroorgcbcnbe  fittUd^e  ^flid^t  bcöfelbcn  mä)t  mebr  angefebcn  mcrbcn 
fann  (oergl.  ©ntfci^.  b.  91.  ®.  in  Gioilf.  V,  40).  aSenngteicb  biefeö  ^rinjip 
ber  ©runblagc  ber  Unterbaltöpflicbt  an  fid)  am  meiften  cntfpred()cn  mag,  fo 
eignet  eö  ftd5  bodö  nic^t  baju,  in  biefer  9lrt  alö  9tcd()tönorm  bi«gcftcIU 
ju  mcrben.  ®a  baöfetbc  ju  menig  greifbar  ift  unb  ben  9li(i^ter,  ftatt  iljm  für 
feine  ©ntfd^cibung  auöreid^cnbc  objeftioe  21nbaltöpunfte  an  bie  ^anb  ju  geben, 
in  weitem  Umfange  auf  bie  ©ittlicbteitönormcn  pcrroeift,  fo  ift  eö  in  feiner 
praftif(^en  Slnmcnbung  mit  großen  Sd^micrigfeiten  unb  ©efa^ren  ücrbunbcu 
unb  bro^t  eine  Duelle  Don  5ßroje|len  }u  merben.  Diefelben  ©rünbe,  roeldjc 
bic  ©cfelgebungen  beftimmt  b^bcn,  bie  ©nterbungögrünbc  fpcjieU  feftjufteücn, 
fprc^en  im  SDßefentlicben  bafür,  aucb  W^  benfelben  2Beg  }u  betreten,  jumat 
bieö  mit  ben  neueren  Oefcßbücbern ,  inöbefonbere  mit  bem  preufe.  31.  2.  9t. 
unb  bcm  fädfif.  @.  93.,  im  (Sinflangc  fte^t. 

®er  jrneitc  ©afe  beö  §  1490  3lbf.  2  bejmecrt,  mit  diMfid)i  auf  bie  93c* 
ftimmungen  beö  ©ntmurfeö  über  baö  ^^ffid()tt^eilörcd&t  unb  beffen  ©nt^icbung 
(§§  1975,  2001  ff.)  für  bleienigcn  bier  in  93ctrad|t  fommenbcn  göUe  SBor* 
forge  ju  treffen,  in  meldten  im  SBcrbältniffc  beö  Unter{)altöpflid()tigen  ju  bem 
Untcrbaltöbered^tigten  ein  ^fli^ttbeilörcd^t  nicbt  beftebt. 

3)ic  93orf(i^rift  beö  §  1490  3lbf.  2  gcmäbrt  nur  bemjcnigcn  SBcrpflid^teten,  «nwiriuna 
melier  bem  93erecötigten  ben  5ßflid^ttbeil  ju  entjic^cn  befugt  fein  mürbe,  baö  »cfÄrung 
Mc^t,  ben  Unterbalt  auf  ba&  notbbürftige  aJlafe  ju  befd^ränfen.  Sßenn  ^ö^^^^^^j^J^tj'^l^^^^ 
beim  SBorbanbenfein  mel^rcrer  jur  Ocroöbrung  beö  Unterbalteö  juglcid^  33er*    anbewr' 
pflid^teter  ber  93ercd)tigtc  fid^  gegen  einen  berfelben  fo  betragen  bot,  bafe  biefer  ««"«»""«"• 
ibm  ben  5ßflid&ttbcit  ju  cntjic^cn  bered^tigt  fein  mürbe,  fo  mirb  baburd^  bie 
SBerbinblic^feit  ber  übrigen  aRitücrpffi^tctcn,  bem  93ercdötigten  ju  ben  ouf  fie 
faDcnben  Slnt^eifen  nad^  §§  1486,  1488  3lbf.  2  ftanbcömäfeigen  Unterhalt  ju 
geroäl^ren,   ni^t  berütirt.    ©benfo  tritt,  mcnn  berjenigc  aSermanbte,  gegen 


702  Untcrl&altöpfli^t.    5trt  bcr  Srfünung.    §  1491. 

roeld^eii  ber  Sered^tigte  in  ber  angegebenen  airt  f\ä)  üerfel^It  |at,  ftirbt  ober 
leiftungöunföl^ig  roirb,  bie  SBerbinblid&feit  beö  SßitDerpflidöteten  bcjro.  bcö  3la6)^ 
oerpftid^teten  m6)  SKofegabe  ber  §§  1485— 1487' unb  bed  §  1488  2lbf.  2  ein, 
o{|ne  bafe  biefelben  jxd^  gegenüber  bem  SBered^tigten  auf  ienc  SSerfelfilung  berufen 
fönnen,  bo  i^re  Unterl^altöpflid^t  nid^t  eine  von  jenem  aSerroanbten  auf  fxe 
übergegangene,  fonberjt  in  ilirer  5perfon  neu  jur  (gntftel^ung  gefommene  SBer* 
binblid^teit  ift.  3lu(i^  berjenige  S3cm)anbte,  rocld^er  Dor  einem  Sßerroanbten 
haftet,  ber  bem  »ered^tigten  bcn  ^fTidött^eil  ju  cntjie^en  bered&tigt  fein  würbe, 
fann  ftd^  auf  eine  r>on  bem  legieren  gegen  ben  SRad^oerpfficftteten  begangene  SSer* 
felilung  nid^t  berufen.  SBie  bie  SSerfe^Iung  beö  Sered^tigten  gegen  einen  SSer* 
lüanbten  ben  anberen  aSenoanbten  nid^t  jum  SSort^eile  gcreidfit,  fo  bürfen  bie 
(egtercn  auf  ber  anberen  ©eite  burd)  bie  im  §  1488  2lbf.  2  beftimmte  S3efd^ränfung 
aud^  nid&t  leiben.  Dieß  ffarjuftellcn  unb  ber  fonft  leidet  mogfid^cn  9luffaffung 
entgegenjutreten,  alö  ob  biefelben  für  ben  in  j^olge  ber  l^ier  fraglichen  S3c* 
fd^rönfung  eintretcnbcn  Sluöfall  an  bem  ftanbeßmäfeigen  Unterhalte  bed 
Sered^tigtcn  tiafteten,  ift  ber  3^^*  ^^^  93eftimmung  beö  §  1488  2lbf.  3. 
^mntunq  ©urd^  bie  93cftimmungen  beö  §  1490  wirb  felbftoerftänbli^  baö  SRed^t 

cxiiefung«.  beö  Unterfjaltöpflid^tigen,  roeld^em  bie  (Srjiel^ungögemalt  über  ben  ^ered^tigten 
rw^e«.     jufte^t,  jum  3^^^^    ^^^  (Srjie^ung  geeignetenfallö   eine  Sefd^rähhmg   bcö 
Unter|altcö  auf  baö  not^bürftige  SWafe  eintreten  ju  la^tn  (oergt.  STrt.  222 
beö  itat.  (S.  S3.),  nid^t  berührt. 


fbct  bcr  Oe« 
wft^ng  beS 


§  1491. 

2lbn)eid^enb  Dom  gemeinen  Siechte,  bem  preu§.  91.  S.  91.  unb  bem. 
unteri^iteT  5ftcrr.  ®.  ^.,  naä)  meldten  in  @rmange(ung  befonberer  93eftimmungen  baö 
©erid^t  nad^  feinem  ©rmeffcn  barüber  ju  entfd^eiben  f)at,  in  roeld^er  Slrt  ber 
Unterhalt  ju  geroäl^ren  ift,  ob  namentlid^  in  (Selb  ober  in  9iatur  (üergl. 
©euffert  X,  264,  XXIV,  41,  XLII,  213;  Urt^.  b.  31.  ®.  bei  ©rud^ot 
XXV  ©.  468,  XXXI  ©.  414),  fteUt  ber  §  1491  Slbf.  1  im  «nfd^luffc  on 
bcn  Code  civü  3lrt.  209—211  unb  an  ben  J^eff.  @ntn).  III  Slrt.  47  bie  Siegel 
auf,  bafe  ber  Unterhalt  burd^  ©ntrid^tung  einer  Oelbrentc  ju  gewähren 
ift.  3^^  3^^*^  ^^  aSermeibung  oon  ©treitigfeiten  unb  5ßrojeifen  ift  eö 
iebcnfallö  angemeffcner,  bie  Slrt  ber  ®cn)äl|rung  beö  Unterfialteö  gefeglid^ 
JU  regeln.  3laäf  bem  SSorgange  beö  fäc^f.  ®.  33.  §  1850  bem  SSerpflid^teten 
bie  SBalEil  jroift^en  ®etb*  unb  9laturatleiftung  ju  überladen,  empfiel[|lt 
fid^  nid^t.  ®ic  9Jaturalleiftung  entfprid^t  ollerbingö  oft  bem  Sntercffc  bcö 
aSerpflid^itcten  am  meiften,  bagegen  ben  inbioibuellen  aSerl[|ältniffen  unb 
ben  Slnforbcrungen  ber  5ßietät  am  menigften,  namentlich  in  folc^en  gfillcn, 
in  meieren  Slfjenbcntcn  ber  Untcrl^alt  t)on  ©citen  ber  ©efjcnbenten  ju  ge* 
malfl^en  ift,  ober  in  meldten  ein  fd^led^tcö  SSer^ättnig  smifd^en  bcn  Sctl^ciligten 
beftelit.  gSä^lt  in  fold^en  göüen  ber  SScrpflid^tctc  bie  9laturalleiftung,  fo  fann 
baburd^  bem  Sered&tigten  ber  Unterl^altöanfprud^  unter  Umftänbcn  fattifdö 
Döllig  illuforifc^  gemad^t  werben  ober  eö  mirb  biefe  Slrt  bcr  Oeroä^rung  bcö 
Untcrlialtcö  eine  ftcte  Quelle  üon  ©treitigfeiten  unb  5ßrojeffen,  namentlich  au^ 
über  bie  grage,  ob  bie  cinjclncn  9Jatura(lciftungen  bem  ^Knfpru^c  auf  ftanbcö* 


Untcr6aItSpfIi*t    2lrt  bcr  erfüttunQ.    §  1491.  703 

mäfeigen  Unterhalt  enffprcd^cn.  3)icfc  Ucbelftänbc  rocrbcn  bcfcitigt,  wenn  man  seibrente  an 
bic  ©eroäl^rung  bed  Untcrl^altcd  burdfi  ©ntrid^tung  einer  ©elbrcnte  alö  bie  *^*^" 
SRegel  ^inftellt,  baneben  aber  bem  ©erid^te  bie  SBefugnife  giebt,  auf  5lntrag  beö 
35erpPi^tcten  bcmfclben  ju  gcftatten,  bcn  Unterhalt  in  anberer  Slrt  ju  ge- 
roö^ren,  fofem  befonbere  Umftänbc  eine  fold^e  (Seflattung  red^tfertigen  (Dcrgl. 
ou^  ^ef[.  6ntn).  in  Slrt.  47).  3)ic  33orf(^rift  beö  code  civD,  weld^e  bem 
^flid^tigcn,  abgefcl^en  von  bem  aSer^ältnii^e  jmifd^en  @(tern  unb  Äinbern,  mit 
©ene^migung  beö  ©erid^teö  bie  JlaturatoerpPegting  ganj  ober  jum  ^{|ei(  nur 
bonn  geftattet,  menn  berfclbe  baares  ®elb  ju  geben  nid^t  in  ber  Sage,  mofit 
ober  noci^  im  ©tanbe  ift,  in  feinem  ^aufe  Dbbad^  unb  an  feinem  ^ifd^e  ben 
Unterwelt  ju  gewähren,  jie|t  ber  Sluäna^me  ju  enge  (Srenjen.  3lud^  in  onberen 
gfillen  fann  nod^  ben  inbioibueüen  SBerl^ältniffen  bie  Slaturalocrpffegung  uollig 
angemeffen  unb  unter  Umftänben,  nomentUd[|  xomn  ber  Scbürftigc  ein  bem 
S^runte,  bem  ÜBüfeiggange  ober  überl^aupt  ber  Sieberlid^feit  ergebener  ober  ein 
leid^tfmniger,  üerfd&menberifd^er  3ßenfd^  ift,  im  ^inblide  auf  bie  mit  ber 
SloturatoerpPegung  oerbunbene  Ginfd^ränfung  ber  grei^eit  unb  t^atfäd^Iid^e 
S3ex)ormunbung  beö  ^Berechtigten  unentbe^rlid^  fein. 

2)ie  aSorfdfirift  beö  §  1491  3lbf.  3  entfprid^t  bem  §  663.  Sie  befte^enben  «otwi»- 
SRed^te  gelten  jmar  ebenfalls  baDon  auö,  bafe  bie  Slfimente  im  SSorauß  ju  ^«iJJImtr 
leiften  finb  (oergl.  ©euffcrt  III,  56);  bagegen  ^aben  fie,  abgefel^en  tjon  bem 
öfterr.  ®.  S3.  §  1418,  bie  grift,  für  meldte  bie  3SoraufiIeiftung  erfolgen  mufe, 
gcfefelid^  nid^t  nä^er  beftimmt  unb  bie  grage  nid^t  auöbrüdClid^  entfd&icben,  ob, 
wenn  innerl^alb  ber  Qtit  oon  bem  einen  S^ermine  jum  onberen  bie  Unterlialtö* 
Pflicht  erlifd^t,  boö  im  93oroud  (Seteiftete  Derl^ältnigmögig  jurüdFgeforbert 
roerben  fann.  3)ie  praftifc^en  Orünbe,  ouf  meldten  bie  93eftimmung  beö  §  661 
beruht,  muffen  bal^in  fül^rcn,  bie  SSorfc^riften  beö  §  661  oud^  auf  ben  ju 
gewä^renben  Unter^olt  für  entfpret^enb  anmenbbor  ju  erflären  (üergl.  aud& 
§  724  aibf.  7). 

3)ie  im  §  1491  9lbf.  4  beftimmte  Sluönal^me  t)on   btn  SSorfd^riften  «oneutreni 
beö  §   1491  abf.  1—3  ift  burd^  bie  Stellung  unb  bie  Aufgabe  beö  SSer*  vlJXum- 
pflid&teten,  meld&em  jugleid^  baö  ©i^ie^ungöred^t  gegen  ben  Sered^tigten  ju*  pff^^tw^km 
fielet,  geboten  unb  namentlid^  um  beöroitten  nid|)t  ju  entbel^ren,  meil  nad^  ben  ^^^^ 
Seftimmungen  beö  §  1491  Slbf.  1,  2  ber  Sered^tigte  biö  bobin,  ba§  burd) 
gerid&tlic^eö  Urt^eif  eine  onbere  93eftimmung  getroffen  ift,  bie  Oemäbrung  beö 
Unter^olteö  in  einer  ©elbrente  verlangen  fann.    3)ie  älnroenbung  biefer  SRegel 
mürbe  in  ben  ^ier  froglid&en  %&Ucn  ju  einem  unangemeffenen  SRefultate  füliren. 
3tuf  bemfelben  ©tanbpunfte  ftefien  im  SBefentlid^en  ber  code  civil  2lrt.  211 
unb  bcr  ^cff.  ©ntro.  ni  ärt.  42,  47,  wergtid&en  mit  airt.  20.    3)ic  5ßorfd&rift 
beö  §  1491  Slbf.  4  ge|t  iebodfi  nomentlid^  infofem  toeiter,    alö  fie  einem 
jjeben  jur  ©emäl^rung  beö  Unter^olteö  SSerpflid^teten,  me(d^em  boö  Sr^ie^ungö^ 
re^t  gegen  ben  S3ered&tigten  jufte^t,  nid&t  bloö  ben  (SItem,  baö  im  §  1491 
SIbf.  4  beftimmte  SRed^t  beilegt,  alfo  inöbefonbere  au^  bem  SBormunbe,  meld^er 
jugleid^  unter^altöpflid^tig  ift.    S^x  SSermeibung  von  3rorifeln  fügt  ber  iweitc 
©oft  beö  §  1491  SCbf.  4  tiinju,  bafe  bie  Sefugnife  beö  5Bormunbfd&aftögerid&teö, 
loegen  aRifebraud^eö  beö  ©rjie^ungöred^teö  einjufd^reiten  (§§   1546,  1684), 
unberührt  bleibt. 


704  nntcr6alt«Pfli4t.    Srt  ber  grfüUunfl.    §  1491. 


sudito^meit  2)a  nodö  bcm  Gntrourfc  (§§  1501, 1557)  bic  eltcrlid^c  ©croaft  mit  bcr 

Sttra^flTflw!  SSoUiä^rigfeit  beß  ftinbeö  becnbißt  wirb,  baö  leitete  ober  in  t)iclcn  gfillcn 
"^'j^^^"'mit  biefctn  S^itpunftc  bic  p^iflfcit,  fid^  fclbft  ju  untcr^oltcn,  noä)  nlc^t  er* 
longt  t)ot  unb  bcd^a(b  aud^  nad^  ä3eenbigung  ber  eüerlid^en  ©emolt  t)on  ben 
eitern  unterhatten  werben  mufe,  fo  ift  eö  erforberli^,  ben  [enteren  ou^ 
für  biefe  ^z\t  einen  angemeRenen  ©influfe  auf  bie  ^anbtungö^  unb  fiebcnö* 
weife  beö  Äinbed  ju  fidlem,  bamit  baöfelbe  nid^t»  feine  ©elbftänbigteit  unb  bie 
Unter^altöpflit^t  bcr  ©(tern  mifebraud&cnb,  auf  beren  ftoften  bie  ^At  ber 
eigenen  erroerböfäliigteit  roiUfürlic^  ^inauöfd^icbt  nni  bie  ben  ©(tern  oblicgenbe 
fiaft  beö  Unterhaltes  burd)  bic  9lrt  feiner  §anblungö*  unb  Scbenöroeifc  un* 
gebü^rlid^  erfc^rocrt.  Slud)  bie  befte^enbcn  SRed^te  geroäl^ren  ben  6(tern  in  ber 
einen  ober  anberen  2lrt  bie  aßöglld^fcit,  aud^  nac^  Scenbigung  ber  elterlid^en 
©eroalt  tl^atfäc^lid^  auf  bie  ^anblungd^  unb  Sebendroeife  i^rer  nod)  unter^altd« 
bebürftigen  Äinber  bur^  bic  ä[rt  ber  Ocroä^rung  beö  Unter^alteö  einjuroirten 
(Dcrgl.  preufe.  31.  ü.  5R.  II,  2  §  254;  code  civil  2(rt.  211;  ofterr.  ®.  ».  §  173; 
fäd&f.  ®.  93.  §§  1850,  1805;  |cif.  ©ntro.  III  2lrt.  42).  9fadSi  bem  aSorbilbc  bcfi 
öfterr.  ®.  SB.  unb  befi  lieff.  (Sniro.  in  ben  l)ier  fraglichen  gällen  bie  elterlid&e 
©croalt  ober  bo^  bie  ©rjic^ungögeroalt  über  bie  ^tit  ber  3)Unberiät)rigfcit 
^inaud  JU  crftredcn,  würbe  mit  bem  ^^Jrinjipe  beö  entrourfeö,  bafe  baö  Äinb 
mit  ber  SSoUjöl^irigfcit  alö  felbftönbig  anjufe^en  ift,  nic^t  im  (Sinitangc 
ftel^en.  ®el()t  man  einmal  bauon  auö,  bag  mit  jenem  3^itpunfte  bic  nötbige 
Steife  für  bic  ©elbftbeftimmung  erreicht  ift,  fo  mürbe  cö  unbillig  unb  nid^t 
gercd^tfcrtigt  fein,  in  feieren  gällen,  in  meldten  baö  Äinb  uermöge  bcr  bc* 
fonbercn  2lrt  fcineö  93erufeö  ober  roegen  Oebred^en  in  jenem  S^itP^nftc  bic 
gäfiigtcit,  fidö  fclbft  ju  unterhalten,  nod^  ni^t  erlangt  ^at,  ober  bemfelben, 
wie  bicö  j.  93.  bei  2:öc^tern  oft  ber  gall  ift,  nad&  ben  SScr^ältniffcn  beö  ©tanbcö 
bie  Grgreifung  eincö  eigenen  @rmerbö)n)eigcö  nid^t  jugemut^ct  werben  fann, 
bie  elterlidie  ©cwalt  ober  bic  (Sriieliungögewalt  wegen  bcr  SJlogli^fcit,  bag 
baö  Äinb  feine  ©elbftänbigtcit  auf  Soften  bcr  ©Item  mißbrauchen  fonnte,  all* 
gemein  ju  Dcrlängcrn.  3?ad^  ber  Sluffaffung  beö  ©ntwurfcö  wirb  bem  Sntcrcffe 
beö  Äinbcö,  wie  bem  3ntcreffc  ber  ©ttern  in  einer  angcmeffcncn  Slrt  burd^  bic 
an  bic  ä^nlid^c  SBorfd&rift  beö  code  civil  2trt.  211  fid^  anlcl^ncnbc  unb  aud^ 
bem  ©tanbpunfte  beö  preufe.  91.  2.  91.  unb  beö  fäd^f.  &.  ^.  fic^  näliernbc 
93eftimmung  beö  §  1491  Slbf.  5  Slcd^nung  getragen.  3)ic  eitern  erlangen 
baburd^  bic  äßöglidöfcit,  an  Stelle  ber  ©cwä^rung  beö  Untcrlfialteö  burd^  eine 
Oclbrcntc  fofort  bie  JlaturalDcrpPcgung  im  ^aufe  eintreten  ju  laffcn  unb  auf 
biefe  SBcifc  fid^  eine  t^atfäc^lid^c  Scoormunbung  über  baö  Dielleid^t  auf  9lb* 
Wege  geratljcne  Äinb  ju  fid&crn.  9luf  ber  anberen  ©eitc  finb  bie  Äinbcr  gegen 
SBillfür  unb  mifebräudöUd^c  Sluöübung  beö  elterlid^en  93eftimmungörcd&tcö 
burc^  bic  aSorfd&rift  gefd^üfet,  bafe  baö  Oerid^t  eine  bic  93cftimmung  ber  ©Item 
abänbernbe  Gntfd^eibung  treffen  fann,  fofern  befonberc  Umftänbe  eine  fold&e 
©ntfd^cibung  red^tfertigen.  Um  fo  mc^r  ift  biefe  2lrt  bcr  9legelnng  auörcid^cnb, 
um  ben  ©Item  ben  not^igen  ©influfe  ouf  bic  J&anblungö*  unb  Scbenöwcifc 
ber  unterlialtöbebürftigcn  kinber  ju  fid&ern,  alö  bic  Icfttercn,  folangc  fic  in 
bem  ^auöftanbc  ber  ©Itern  untcri&alten  werben,  ben  ©Itern  finbUd^en  ©c^orfam 
fd^ulbig  unb  benfelbcn  in  beren  ^auöwefcn   unb  ©cwcrbe  in  einer  i^ren 


nntcr^altepfli^t.    Unterhalt  für  bic  SScroangen^cit.    §  1492.  705 

Äröftcn  iinb  il&rcr  ScbenfiftcUung  cntfprcd^cnbcn  5Bcifc  uncntflcItUd^  Äicnftc 
ju  Iciften  Dcrpffid^tet  fmb  (§§  1498,  1499)  unb  aufecrbcm  nai)  §  1490  Stbf.  1 
bcr  änfpnid^  befi  Scbürftigcn  fid^  auf  bic  ©eroäl^rung  bcö  notdürftigen 
Unterhaltes  befd&rfinft,  wenn  bcffcn  Sebürftigleit  auf  eigenem  fittlid&en  SSer^ 
fd^ulben  beruht.  S)aö  im  §  1491  3lbf.  5  ben  ©Itcrn  beigelegte  SRcd&t  tritt 
übrigcnö  nur  gegenüber  ben  nid^t  unter  ©riiel^ungdgcroalt  ftel^enben  Äinbem 
ein.  ©te](|t  baö  Äinb  unter  bcr  ©rjicl^ungfigeipalt  eines  ^[nbcren,  als  bcs 
untcr^altspflid^tigen  ©Itcrnt^ciles,  fo  gerodl^rt  bas  bicfem  9lnbercn  juftel^enbc  &:^ 
jie^ungsred^t  ein  auSreid^enbeS  äßittel,  auf  bic  ^anblungs^  unb  SebenSroeife 
bes  unterl^altsbcrcd^tigten  ftinbcS  einjuioirten. 


§  1492. 

3n  Uebcreinftimmung  mit  bcr  in  bcr  3::§coric  unb  ^ßrajis  beö  gemeinen  «sewa^nma 
JRcc^tcS  Dorroiegenb  ocrtrctenen,  uom  SWcid^ögcric^te  aud^  für  baS  prcufe,  SRcd^t  am  unter^ue« 
crf anntcn  3luffaffung  (uergt.  ©euffcrt  1, 83,  IV,  255,  XII,  164, 278,  XVII,  250 ;  ^^^  we  »er- 
Urt^.  b.  51.  ®.  bei  Oruc^ot  XXXI  ©.  414  ff.;  a.  a».  ©euffcrt  XXXIX,  109;  ^""^*"^  * 
Dcrgl.  aud^  XXXIV,  123),  fomic  in  Uebcreinftimmung  mit  bem  föc^f.  ®.  83. 
8  1849  —  bic  übrigen  Ocfefebüd^cr  entfd^eiben  bic  grage  nid&t  auöbrüctlic^  — 
fd^üefet  bcr  ©ntrourf  bic  9ia^forbcrung  Don  Sllimcnten  für  bic  S8crgangcn](|cit  ««WKe^un» 
gmubfäfelic^  aus.  ©S  cntfprid&t  bicS  bcr  Sluffaffung  beö  entrourfes,  bafe  ^^x^nl 
©cgenftanb  bcr  Untcrl^altdpflidöt  nid^t  bic  cinjelncn  Seiftungen  als  fold&c  pnb, 
fonbcrn  bic  Sefriebigung  ber  93cbürfniife  beS  Sered^tigten  burd&  Darrcid&ung 
bcr  baju  crforbcrlid^cn  ÜBittcI,  ba§  mitl^in  bic  3llimcntation  nid^t  bcr  aufeer* 
I;alb  bes  3W^aItcs  bcr  Obligation  liegcnbc  3^^*  bcr  Seiftung  ift,  fonbcrn  jum 
Sn^alt  ber  fieiftung  fclbft  mit  gebort  (uergl.  auc^  bic  3Hotit)e  ju  §  1486  obctt 
S.  692).  Ginc  Sefriebigung  t)on  S3cbürfnif[cn  für  bic  SBcrgangenl^cit  ift  bcr 
Statur  bcr  Sac^c  nad^  nid^t  moglid^,  Unmoglidfifeit  ber  Seiftung  aber  l^at  S3c? 
frciung  bcs  ®d&ulbncrs  jur  golgc,  foroeit  bicfclbc  nid^t  auf  einem  uon  bcm 
Sc^ulbncr  ju  ucrtrctenbcn  Umftanbc  bcrul^t  (§  237).  SSon  bcm  ^Prinjipc,  bafe 
bcr  Untcrfialt  für  bic  SScrgangcnl^cit  nid^t  geforbert  werben  fann,  mad^cn  bas 
fäd^f.  ®.  SB.  §  1849  unb  jum  a;^cil  au^  ^mk  unb  ^ßrafis  anbcrcr  SRcd&tc 
(pcrgl.  ©euffcrt  XXXin,  306,  XXXIV,  123)  für  ben  gall  eine  3luSnal^me, 
roenn  bcr  Scrcd^tigtc,  um  pd^  ju  erhalten,  ©d^ulbcn  mad&cn  mußte.  SluS 
oügemcincn  ©nmbfäßcn  läfet  [xö)  inbcffcn  biefe  3lusnal|mc  —  abgefc^cn  üon 
bcm  gallc  eines  aSerjugeS  (§§  247,  251)  unb  abgcfcl^en  von  bcr  eine  allgemeine 
Scantmortung  nid^t  julaffcnbcn  grage,  inroiemeit  in  bcm  l[|ier  fraglid^cn  galle 
ous  bcm  ©efid^tspunftc  bcr  ©cfc^äftsfü^rung  ol^ne  3luftrag  ober  bcr  ungered^t^ 
fertigten  Sereid^crung  ein  ©rfaftanfprud)  bcs  Scrcd^tigten  gegen  ben  SBer* 
pflid^tctcn  \\ä)  Iierlcitcn  löfet  —  nid^t  begrünbcn.  6inc  fold^c  äuSnal^me 
pofitio  5u  bcftimmen,  ift  aber  namcntlid)  mit  JRüdffid^t  auf  fold&c  gällc  be- 
bcnllid^,  in  meldten  bcr  SSerpPid^tetc  von  feiner  Unter^altSpjlid^t  überall  feine 
^tcnntnig  gcl^abt  Ijat  unb  in  meldten  bcrfclbc  nad^  3)laggabe  feiner  gegenmfirtigen 
3Scrm6gcns=j  unb  ©rmatsucr^ältniffc  jur  ©croä^rung  beS  Unterhaltes  nic^t 
mc^r  im  ©tanbc  ift.  9Iuf  bcr  anbcrcn  ©cite  wirb  burd^  eine  fold^c  SluS^* 
na^mc  allein  bcm  SBebürfniffe  anä)  nid)t  genügt,  ba  fic  ben  SBcrcc^tigtcn,  um 

SRotioc  h.  bfirgerl.  Gefetbut^.  IV.  45 


706  llntcr^altöpfK^t.    Unterhalt  für  bic  SScröanoenJeit.    §  1492. 

ftd^  bcn  Sltifprud^  für  bic  SBergangenl^cit  ju  ertiolten,  nöt^igt,  ©d^ulben  $u 
mad^cn,  unb  if>ni  bcn  fd^tüierigcn  Scn)ciö  aufbürbet,  bofe  er;  um  [\ä)  ju  unter« 
«uftna^mc  Ijaltcn,  ©d&ulbcu  I|obc  mad^en  muffen.  Sluö  bicfcm  ©runbc  rcid&cn  auc^  bic 
^löe^ugeör  ^%"^^^"^"  Onmbfäfec  über  bic  gofgcn  bcö  SBcrjugcö  ni^t  aufi.  SDcr  (Snttourf 
beftimmt  bcö^alb,  bafe  ber  S3crcd)tigtc,  mcnn  it}m  bcr  Untcrl^aU  nic^t  geroäl[irt 
ift  für  bic  SJcrgangcn^cit  Slad^jal^Iung  bcr  ©dbrentc  bcjro.  in  fold^cn  goBcn, 
in  mclci^en  bcr  Untcrliolt  in  onbcrcr  3lrt,  ate  burd^  (Entrichtung  einer  ©clb* 
rentc,  ju  gewähren  ift,  Gntfd^äbigung  unbcbingt  t)on  ber  3cit  an  forbem  fann, 
in  mcld^cr  ber  SBcrpflid&tctc  in  SBcrjug  gclommcn  ift,  ol^nc  bofe  eö  bcd  weiteren 
SBcmcifcö  beborf,  bnfe  er  in  golge  bcö  SSerjugcd,  um  fi<j^  ju  untcrl^alten,  ^[uf« 
wcnbungcn  fcincrfcitö  lüirflidj  gcmad^t  I)Qt.  3^^^  ^W  ^^^f^  öcftimmung 
ba^in,  bafe  bcr  Scred^tigtc,  nad^bem  er  bcn  SBcrpflid^tctcn  in  SBerjug  gefcßt  ^ot, 
oud^  bann  für  bie  SBcrgongcn^cit  bcn  Untcrl;alt  ju  forbcrn  bered^tigt  ift,  toenn 
er  in  SBirfli^fcit,  um  fid^  ju  unterl^alten ,  9lufn)cnbungen  überall  nic^t 
gcmad&t,  j.  93.  mcim  er  fid^  cingefd^rönft  l^ttc  ober  oon  einem  ©ritten  auö 
9Bol^ltf|ätigfcit  unterl^altcn  ift.  SlUein,  abgcfcl^en  baoon,  bafe  eö  bcr  Silligfeit 
mel)r  entfprid^t,  rocnn  bieß  nid^t  bem  in  SSerjug  gcfommcncn  SBcrpflic^tctcn, 
fönbern  bem  Scred^tigten  )u  @utc  tommt,  fprcd()en  übcrroicgenbe  praftifd^e 
©rünbc  bafür,  in  bcr  I|ier  fraglid^en  Scjicijung  eine  einfädle,  burd&greifcnbe, 
bcr  ÜBcl^rjal^l  ber  gälle  cntfpred^cnbc  9iorm  aufjuftcllcn.  3n  bcn  meiftcn 
gällcn  mirb  aber  bie  ©ad^c  fo  liegen,  bafe  ber  33ered^tigtc  oon  ber  3^*  ^ 
ä^crjugcö  bed  SSerpfli^tcten  an  fid^  für  9{ed)nung  bcd  lc|teren  unterhalt  unb 
eine  ctmaige  8Bo](|Itl|ätigfcit  dritter  nid&t  im  Sntcreffe  bed .  SScrpflid^tctcn  er* 
folgt.  2lud^  aus  bem  Oefid&tspunfte  empficljlt  fid^  bicfe  ärt  ber  SHegelung, 
meil,  roenn  ber  Sebürftigc  mn  bcr  3^it  bcö  SSerjugcö  beö  35erpf(id^tcten  an 
o^nc  SBcitereö  SfJad^jal&Iung  ober  Gntfd^öbigung  für  bie  35crgangenl^eit  Der* 
longcn  fann,  ©ritte  fid)  leidster  baju  Dcrftcljcn  rocrbcn,  bem  öcbürftigcn 
gegen  Slbtrctung  feines  Slnfprud^cö  auf  bie  rüdfftänbigen  Sllimente  bic 
not^ige  ^ülfe  iu  gcroäfiren,  ba  bie  ©cfd^äftöfül^rung  o^ne  3luftrag  immer  nur 
eine  imfid^erc  ®runblagc  für  einen  Grfa^anfprud^  gegen  bcn  SScrpflid^tetcn 
barbietet, 
im  ?faae  ber  5ßraftifd&c  SHüdfid^tcu  muffen  aber  weiter  ju  ber  Seftimmung  fül^ren, 

«ec^M^nai«.  jj^^  bcr  berechtigte  für  bic  aSergangen^eit  9lad&}aI|Iung  ober  ©ntfd&äbigunR 
aud^  t)on  ber  S^it  an  forbern  fann,  in  wcld^a*  ber  Unterl&altdanfpruc^  rcd^tfi* 
Ilängig  geworben  ift,  unb  jwar  tlficilö  im  ^inblicfc  auf  fold^c  gätte,  in  welchen 
ber  öebürftigc  nid^t  in  bcr  Sage  ift,  bcn  SSerpffid^teten  burc^  Slufforbcning 
jur  ©rfüHung  bcr  Unterl)altöpflid)t  in  SSerjug  ju  ocrfcfeen,  unb  in  weld^cn  bcr 
SScrpflid^tcte  nad^  Sage  bcr  Sad^c  aud^  burd^  bic  5t(agerl^ebtmg  nid^t  in  äkrjug 
fommt  (§§  245,  246),  tl^cilö  um  bie  Sebenfen  unb  3wcifcl  ju  befeitigen, 
wcld^c  barauö  entnommen  werben  fönnen,  bafe  nat^  ben  attgemeinen  (Srunb* 
fägen  bcö  @ntwurfeö  bcr  ©egenftanb  unb  bie  siatur  einer  $}erbinb(id^teit  bun^ 
baö  ben  93ef(agtcn  oentrt{)ei(cnbe  Urt^eit,  abgefcl^en  baoon,  bag  baö  (entere 
bie  aSerbinblid^fcit  in  unanfcddtbarer  SBeife  fcftftellt  (§  191),  nid^t  gc* 
änbert  wirb, 
»efonbere  SSou  fclbft  ocrftc^t  cß  fid&,  bo^  burd^  bie  S3eftimmungcn  bcö  §  1492 

Tratb^.    ctmaige  ©rfa^anfprüd^c  bcß   93cbürftigcn  gegen  bcn  aScrpflid^tcten  aud  bem 


Untecl&alWad&t.    äcnbcrung  bcr  aSecJaltniiTe.    §  1493.  707 

Oefld^töpuntte  ber  Ocfd^äftöfül^rung  ol^ne  Sluftrag  ober  ber  ungcrcdjtfertigtcn 
Scrcid^erung  unberührt  bleiben.  Slud^  bleibt  für  bm  %aU  beö  SBerjngeo  bcm 
"Sercij^tigten  unbenommen,  auf  Onmb  beö  §  247  9lbf.  1  ben  il|m  buvdj  beu 
SBerjug  t>crurf ödsten  toeitcrgel^enben  Sd^aben  geltcnb  ju  mad^cn,  menn  er  nad)- 
iuroeifen  vermag,  bofe  i^m  in  golgc  beö  58erjugcö  ein  fol^er  meitergefienber 
Sd^obcn  errood^fen  ift. 

Snroieroeit  ein  dritter/  welcher  bem  SBebürftigcn  ben  Unterfiält  in  ber  erf«ii«nfpru<5 
^fid^t  gemährt  ^ot,  bie  ©cfd^äfte  befi  SBerpflid^tcten  ju  beforgen,  von  bcm  ^ 
Unteren  @rfa|  forbern  fann,  rid^tet  fid^  ncid)  ben  allgemeinen  ©runbfagcn 
<DergL  inöbefonbere  §§  753,  754,  755  äbf.  2,  §  758).  3n  einem  folgen 
gallc  fann  felbftoerflÄnblidd  ber  SSebürftige,  bo  bemfclben  ber  il^m  ron  bem 
aSerpjlid&tcten  gefd^ulbcte  Unterl^alt  burd^  ben  ©ritten  gemalert  ift,  auf  ®nmb 
i)eÄ  §  1492  für  bie  SSergangehl^eit  feine  2lnfprüd&e  gegen  ben  SScrpflic^tetch 
«rieben. 


§  1493. 

3Iuö  §  190  2lbf.  2  ergiebt  fid^,  bafe  eine  S3erurtl[ieilimg  beö  SJcrs  «wnberung 
;)fli^teten  aud^  ju  erft  fünftig  fällig  merbenben  9Uimenten  erfolgen  fann.       btiaSJ^r^S 

Sie  Scftimmung  bcd  §  1493  gewahrt  nad^  Slnalogie  befi  §  724  3lbf .  fi  ^^^.^^[„.„^ 
©afe  1,  2  bem  JBcred^tigten  mie  bem  SBerpflid^teten  bie  SÖloglid^feit,  für  ben 
gall,  bafe  nad^  bem  im  §  686  äbf.  2  ber  ©.  5ß.  D.  bejeid^neten  3eitpunftc 
eine  mefentlic^c  Slcnberuttg  ber  SSer^ältniffe  eintritt,  meld&e  für  bie  SBerurt^cii? 
lung  jur  ©ewä^rung  beö  Unterl^alteö  ober  fiir  bie  Seftimmung  ber^ö^c  ber 
'äfimentc  ober  ber  3)auer  i^rcr  ©ntrid^tung  mafegebenb  nrarcn,  eine  ber  Süer^ 
änbcrimg  entfpred^enbc  9lbönbenmg  bed  früheren  Urtl^eileß  ju  enoirfen.  ®iefc 
ÜDlöglid^feit  ift  eine  Stonfequenj  beö  ^rinsiped,  bag  ber  Unter^altöanfpruc^ 
fort  unb  fort  fid&  erneuert  (uergl.  bie  SBorbcmerfung  oben  ©.  677).  Sic 
red^ttid^e  Slatur  beö  Untcr^altöanfprud&eö  wirb  babur^,  bafe  berfelbe  feiner 
(gpiftenj  unb  feinem  3nl^alte  nad^  burdd  Urt^eil  feftgeftellt  ift,  nidjt  berül^rt, 
ba  bicfe  gcftftellung  eine  9lorm  für  bie  S^ifi^^ft  ^»^'*  ^^^i^^  ^^  aSoraußfefeung 
bitbct,  bag  eine  mefentßd^e  Slenbening  ber  für  bie  SBerurtl^eilung  niaggebenb 
geroefenen  aSer^ältniffe  nid^t  einlritt  Snöbefonbere  fann  eine  9lenberung  biefer 
Ser^oltniffc  aud^  eine  anbere  3lrt  ber  Unter^altögewäl^rung,  alö  bie  bififier 
•gcwäljrte,  bebingen  (§  1491  Slbf.  1,  2).  fflic  aM  ber  gaffwng  ber  3Sorfc^riften 
beö  §  724  aftf,  6  Soft  1,  2  cr^eDt,  ift  bie  erfolgte  äSerurtl^eitung  jebod^ 
infofem  auf  bie  Semeiölaft  Don  6influ§,  alö  bie  Icfetere  bemjenigen  obliegt, 
H)eld[|er  bie  Slbänbcrung  beö  Urt^eileß  beantragt-  2)iefc  9lrt  ber  Siegelung  bei* 
Seweiölaft,  meldte  oon  im  Seftimmungen  ber  §§  1481,  1482  (ocrgl.  oben 
©.  683, 687)  abweidet  unb  gegenüber  bcm  ^rinjlpe,  bafe  ber  Unter^altöanfprucft 
fort  unb  fort  ftd^  erneuert,  jum  9Iad^t^cilc  beö  93erpflid^tcten  allerbingö 
einen  pofitiDcn  Aarafter  an  fid^  trägt,  ift  burd^  praftifd^e  Stücfftd^ten  unbebingt 
geboten,  SÄit  ber  aSorfd^rift  beö  §  1493  ftel^t  aud^  baö  gcttcnbe  SRed^t  im 
(ginf lange  (mgl.  Seuffert  X,  262,  145,  XXIX,  144;  ©ntfd^.  b.  91.  W. 
in  eioilf.  IV,  44  6.  155,  V,  25  ©.  98  ff,;  code  civü  Slrt.  208,  209;  ^ejf. 
4Sntro.  III  airt.  46). 

45* 


708  Unter]6alt«»?fli(i&t.    ÄonfurS  bcS  SSci*fIi(i&tctcn.    §  1491 


§  1494. 

ÄoKfura  S)cr  §  149tl  fprid^t  eine  Jtonfcqucnj  quo,  roeld^c  auö  bcr  bcm  ©nttourfe 

pp^tet«:  ju  ©runbc  licßenbcu  Sluffaffunfl  über  bic  juriftifd^e  Slotur  bcd  Untcr^oltfi^ 

öettenb*    onfpnid(ieö  als  eineö  in  j[ebcm  Slugenblicfe  beim  3wt^cffcn  ber  erforbcriid&en 

ina(^uns  *>«»  t^atfäd()li(i^en  SBoroudfefeungen  neu  entftclienbcn  JRed^tcö  pd^  ergiebt  (ocrgL  bic 

S"i«  aSorbemerfung  oben  S.  677).    ®a  nacft  bicfcr  Sluffoffung  ber  »ebürftige  für 

bie  ^Sfuitft  ^^^  3iifw"ft  ff^i"  erroorbcncö  SRed^t    auf  (Serofildrung  bcö  Unterliatteö ,  infi* 

u  un  t,  jg^^j^jj^^^  ^^^  j^^j^  bebingtcfi  gorberungöred^t,  l^at,  fo  folgt  aud  §  2  ber 

Äonf.  D.,  bo6  in  bem  Äonfurfe  über  baö  aSermbgcn  bcö  SBerpflid^tetcn  ber 
Unterl^altdanfprud^  für  bie  3wfunft  nid^t  gcltenb  gcmad&t  TOcrbcn  fann,  anberer^ 
feitö,  bofe  bcr  ©emeinfd^ufbner  trofe  bcö  Äonfurfcö  aus  ben  il[im  nad^  ben 
§§  118,  120  bcr  Äon!.  D.  jum  Untcrljaltc  angcmicfcncn  äßitteln  imb  (m^ 
feinem  nid&t  in  ben  Äonfurö  foUenben  Sßermogen  unb  ©rmcrbc  bcm  JBebürf* 
tigcu  nad^  SRofegabe  bcö  §  1482  ben  Untcrl^alt  ju  gcroäl^ren  DcrpfCid^tct  ift 
imb  er  ftd&  ber  ©cltcnbmad^ung  bcö  Untcrf;altöanfprud^eö  gegenüber  nid^t  auf 
bic  SBorfd^rift  bcö  §  11  bcr  Äont.  D.  berufen  fann,  ein  SRcfuItat,  mcld^eö  bcm 
uatürlidöcn  ©cfü^Ic  unb  bcr  auö  bcm  ^amilicnbanbc  pdf)  crgcbenben  pttfid&eit 
5ßflid^t,  namcntUd),  wenn  man  bic  UntcrJ^altöpffid)!  bcr  ®ltcrn  gegenüber  ben 
fiinbcrn  inö  Slugc  faßt,  burc^auö  entfprid^t  (t)crgl.  aud&  ©cuffert  XXXVIII, 
86 ;  naff.  SBcrorbn.  v.  28.  ©eptember  1859  §  88).  SÖßcnnglcic^  ber  §  1494  nur 
alö  eine  Äonfequcnj  bcr  bcm  ©ntrourfc  ju  ®nmbe  licgcnbcn  STuffaffung  über 
bic  iuriftifd^c  SRatur  bcö  Unterl^altöanfprud^cö  fid^  barftcUt,  fo  ift  cö  bod&,  ba 
ein  bireftcr  3luöfprud^  über  biefe  5Ratur  im  ©efcgc  nid&t  gegeben  ift  unb  nid&t 
ioof)I  gegeben  mcrbcn  fann,  alö  angcmcffcn  crad^tct,  jene  ftonfcqucnj,  meiere 
ganj  befonbcrö  geeignet  ift,  bic  prinjipiclle  9luffaffung  bcö  ©ntmurfcö  flar^^ 
iuftellcn,  auöbrütflic^  im  Ocfcfec  l^croorju^ebcn. 
für  bie  «er.  S)ic  ©cftimmung  bcö  §^  1494  bejic^t  ftd^  aber  nur  auf  bic  Ocitcnb* 

gcngcn^eu.  ^^^^^^  ^^^  Untcr^altöanfpruc^cö  für  bic  3ufunft.  ©omeit  bcrfclbc  f(^oit 
Dor  bcr  @röffnung  bcö  Aonfurfcö  jur  @ntftcl^ung  gclommcn  ift  unb  nad^ 
§  1492  für  bic  aScrgangcnl^cit  geforbert  mcrbcn  fann,  ift  bic  ®cltenbmad&ung 
bcr  bctrcffcnbcn  gorberung  im  Äonfurfc  nid^t  auögcfd^loffcn  (§  2  bcr 
Äonf.  D.).  ein  S^tx^^l  fann  fid)  in  bicfer  ScjicI&ung  jebod^  für  ben  galt 
crl^cbcn,  menn  bic  nad&  ÜRafegabc  bcö  §  1491  Slbf.  3  in  SScrbinbung  mit  §  661 
im  aSorauö  ju  bcroirfenben  Seiftungen  bei  bcr  Eröffnung  bcö  Äonfurfcö  bereitö- 
fällig  finb.  5Da  nad&  §  661  Slbf.  3  bcr  SKnfprud^  auf  baö  im  SBorauö  jui 
Sciftcnbc  mit  S3cginn  berienigen  grift  alö  ermorbcn  gilt,  für  toctd&c  im 
aSorauö  JU  Iciftcn  ift,  fo  fönntc  barauö  gcfd^loffcn  werben,  bafe,  menn  bie  grift 
bei  eroffnung  bcö  Äonfurfeö  bcrcitö  begonnen  l^attc,  aud^  bic  für  biefe  grifi 
üorjulciftcnbcn  Sllimcntc,  fomeit  biefelben  auf  bie  S^xt  m6)  ber  (Sroffnung  bcö- 
ilonfurfcö  falten,  in  bem  Icfetercn  gcltcnb  gemadjt  werben  fönntcn,  anbcrcrfcitö  bic- 
©cltcnbmad^ung  berfelben  aufecrl^atb  bcö  Honfurfeö  für  bic  S)aucr  bcö  Ie|tcrctv 
nadj  §  11  bcr  Äonf.  D.  auögefd^loffen  fei.  2)iefcm  unjmcrfmäSigcn  unb  mit 
bcr  9latur  ber  Untcrl^altöpflid^t  nid^t  im  einftangc  ftcl^cnbcn  Slcfultatc  tritt 
bcr  Sd^lußfafe  bcö  §  1494  entgegen.    2luf  bie  formale  Äonfcqueni  ber  SBc^- 


Untcr]&aIt«pfK(5t.    SScfceiung  burd6  Sctjic^t,  Soraugrciftung.    §  1495.       709 

ftimmung  bcfi  §  661  9lbf.  3  fann  um  fo  rocnxgcr  baö  cntfd^eibcnbc  ©etoic^t 
gelegt  tucrben^  ate  bur^  jene  93cftimmung  Dornel^mlic^  eine  bem  Untcrl)a(td« 
jiocde  cntfpred^enbe  9lrt  bcr  Ocroä^rung  ^at  feftgcfejt  rocrbcn  follcn. 


§  1495. 

S)ie  »eftimmung  beö  §  1495  Stbf.  1  rcd^tfertigt  fic^  burd^  bie  fittlid^e    «erü^t 
Orunbfoge  ber  Unter^altöpflic^t  unb  bie  giücffic^t  auf  baö  wegen  ber  offenfe  j;||«a"K 
lid^en  Slrmenpflcge  fonfurrirenbc  öffcnttid^e  jfntercife  (oergl.  ouc^  ©euffcrt 
X,  263;  entfd^.  b.  %  ®.  in  Siüilf.  IV.  60;  fäd^f.  @.  ».  §  1852). 

Üb  na^  gemeinem  Siedete  über  noc^  nid&t  föKige  SUimente  ber  ^ier  «eraWi^  über 
fraglid^eii  Wct  ein  SBergleid^  mirtfam  gefd^toRen  werben  fann  unb  ob  berfelbc  ju  "^*"'"'*- 
feiner  ©ültigfeit  ber  rid^terlid^cn  5ßrüfung  unb  Seftfitigung  beborf,  ift  ftrcitig 
(DergL  L  8  §  2  D.  de  transact.  2,  is,  1.  8  Cod.  de  transact  2,  u;  Seuffert  V,  285, 
X,  263,  X\ail,  244;  ©nifd^.  b.  dt.  ®.  IV,  60).  3)aft  preufe.  5K.  S.  91. 1,  16, 
§§  412--414  »erlangt  jur  ©ültigteit  gerid^tti^e  »eftätigung.  gür  ^ßreufeen 
ifi  biefc  aeftimmung  iebod^  burd^  ®ef.  ü.  11.  3uU  1845  oufgel^oben.  S)ie 
übrigen  ®efc|büd^er  entfd^eiben  bie  grage  nid^t  [pejicH.  Slud^  ber  (Sntwurf 
liat  in  biefer  ©ejie^ung  eine  befonbere  SBorfc^rift  nid^t  aufgenommen,  baoon 
auftge^enb,  bag  bie  Unwirtfamfeit  eined  berartigen  ^ergleid^ed  aud  ber  93c« 
ftimmung  bed  §  1495  W)l  1  ftd^  gcnügenb  für  alle  bieienigen  ^Ile  ergiebt, 
in  meldten  ber  gefeglid^e  Unter^altdanfpruc^  geminbert  mtrb. 

^er  §  1495  älbf.  2  enlfc^eibet  bie  ^age,  inwieweit  eine  93orauö(eiftung  Befreiung 
bcn  8ur  ©ewfi^rung  bcö  Unterhalte«  öerpffid^teten  in  älnfe^ung  ber  auf  bie  ^"^*  ®'„'^'"'' 
3ufunft  entfaDenben  ältimente  befreit.  S)ie  abfolute  Statur  ber  Unterl^altd« 
Pflicht,  auf  weld^er  bie  Seftimmung  bcö  §  1495  älbf.  1  beruht,  bringt  es  mit 
fic&,  ba§  eine  jum  3w)cdfe  ber  OewSl^rung  bcö  Unterl^altefi  für  bie  3wfunft 
erfotgcnbe  SSorauöleiftung  afe  fotd^c  ben  SBerpflid^teten  von  ben  fpöter  jur 
®ntfte^ung  fommenben  Unterl^altdoerbinblid^feitcn  nid;t  befreien  fann.  SBcnn 
ba^er  bcr  Sebürftigc  bie  i^m  jum  S^ecfe  ber  Sefriebigung  fünftiger  Sc^ 
bürfniffe  üon  bem  93crpßid^teten  gewfil^rten  äßittel  fd^on  t)or  bem  @intrittc 
biefer  fünftigen  Sebürfnijfc  anberweit  oerwenbet  ober  ücrliert,  fo  mufe  ber 
SSerpßid^tcte  nochmals  Iciften.  älnbcrd  liegt  bie  8ad^e  j[ebod^  bann,  wenn  bie 
93oraudleiftung  nur  infoweit  erfolgte,  ald  ber  äSerp^id^tete  gefeglid^  baju 
oerpflid^tet  war.  3n  einem  fold^en  gallc  ^at  bcr  93eburftige  ein  gegenwärtig 
fd^on  beftel^nbed  gorberungdred^t  auf  93oraudleiftung  ber  ällimente  für  einen 
gewiffen  ^ufünftigen  3<^itraum  unb  ift  ba^er  bcr  Sc^ulbner  nad^  §  231  be? 
red^tigt,  biefcd  {jorberungöred^t  burd^  93ewirfung  ber  Seiftung  aufju^eben. 
^ierburd^  wirb  bie  9leuentfte^ung  oon  ällimentationdanfprüd^en  in  bem  S^iU 
räume,  auf  wcld^cn  bie  geleifteten  ällimente  ftdd  be}iel[icn  unb  weld)er  uon  bem 
©efege  ald  ein  ein^eitlidder  äßoment  angefe^en  wirb,  auögefd^loffen. 

inwieweit  eine  gefeglid^e  SSerpftid^tung  jur  93oraudleiftung  befielt, 
ergiebt  ber  §  1491  «bf.  3  (oergl.  aud^  §  1454  Äbf.  1).  3luf  bie  gegenfeitige 
Unter^altfipflid^t  bcr  e^egatten  (§§  1280,  1281,  1460,  1462)  ift  allerbingö  bie 
aSorfd&rift  bcö  §  1491  ä[bf,  3  ni^t  für  cntfprcd^enb  anwenbbar  crftärt, 
wä^renb  bcr  §  1495  9Tbf.  2  aud&  für  jene  Untcrl^altöpflid&t  gilt.    3nbeffen 


710  llnterMtmli^t    ericfi^en.    §1496. 

fann  aud^  in  bcn  §äDen  ber  Untcr^altdpflU^t  ber  S^egatten^  namcntüd^  iDctm 
äritnjciligc  SCrcnnung  dou  STifd^  unb  »ctt  Dcrffigt  ift  (§§  1460,  1462)  fclbft:^ 
verftänbUd^  eine  bem  Qxüedt  bed  Unter^olted  cntfpred^enbc  9[rt  ber  ©etoo^rung 
bes  (enteren,  mitl^in  naä)  Sage  bed  einzelnen  'Sa\it&  aud^  S3oraud(etftung 
für  eine  bcn  Umftänben  nad^  angcmeffene  ^ft  Derlongt  werben.  9Cud^  in 
bicfen  gäUen  fel)lt  eö  bo{|er  nid^t  an  einer  gefeßlid^en  SBerpflid^tung  jur  98or* 
auöleiftung,  unb  bebarf  efi  für  biefc  gällc  feiner  befonberen  S3orfd^rift,  Änberft 
liegt  bogegen  bic  Sod^e  in  ben  gfiHen  beö  §  1491  5Kbf.  4,  5,  in  roctd^en  ber 
aSerpflid^tete  felbft  bie  grift,  für  welche  bie  SBorauöIeiftung  erfolgen  foU,  ,ju 
beftimmen  ^ot.  ©omit  in  gäDen  biefer  Slrt  ber  aSerp^idjtete  bad  i^m  ju- 
fteljenbc  ä3eftimmung8red()t  nid^t  baju  migbroud^t,  unt  fid^  von  ber  Unterfioltd^ 
pflid)t  für  bie  3wfunft  auf  einen  fotd&en  S^i^i'^um  ^inauö  ju  befreien,  auf 
n)eld^en,  angenief[ener  SBeife  bie  SBoraudleiftung  nid^t  audgebe^nt  werben  barf, 
bcftimmt  ber  §  1495  Slbf.  2  audbrüdlid^,  bafe  in  bicfen  gääen  bie  SBoraud* 
leiftung  bcn  SSerpffid^teten  nur  inforoeit  befreit,  alö  bicfelbc  für  eine  am 
gcmejfcne  grift  beroirft  ift. 
ucbcr.  Slnlangenb  bie  Uebertragbarleit  beö  Unter^altöanfpruc^eö  (t)ergt.  ©ntfd^i- 

Änun9.  i>-  3t-  ®-  i"  eioWf-  IV,  42)  uub  bic  Sulfifftgfeit  ber  Slufre^nung  gegenüber 
einem  fotd&en,  fo  fmb  in  biefer  SRid^tung  befonberc,  ben  3roedE  biefefi  2lnfprud^cft 
fid^ernbe  Seftimmungen  nid^t  crforberlid^.  9lud  §  749  9h:.  2  ber  6. 5p.  D.  Derb, 
mit  §§  296, 1022, 1207,  288  beß  (gntrourfeö  (oergl.  audö  §  295)  crgicbt  fid^,  ba^ 
infomeit,  alö  nad^.  §  749  9lr.  2  ber  6. 5ß.  D.  bie  ^^Jfänbung  ber  auf  gefe|tic&er 
aSorfd^rift  beru^enbcn  Sllimentenforberungen  auögefd^loffen  ift,  auc^  ber  ^ier 
fragltd)e  Unter^altdanfprud^  ntc^t  übertragen,  burd)  9{cd^tdgefd^fift  nid^t  einem 
^liefebrau^e  untermorjfcn  ober  werpfänbet  unb  auc^  nid^t  im  SBegc  ber  Sluf* 
rcd^nung  von  Seiten  bed  93erpflid^teten  aufgel[|oben  werben  fann. 


§  1496. 

2ob  bed  3(uö  ber  9latur  unb  bem  ^nl^alte  ber  Unterl^altduerpflid^tung  folgt,  bag 

*Är  iJicfelbe  für  bie  3ufunft  mit  bem  2:obe  beö  »ercdjtigten  erlof(^en  mufe.  SHc^t 
pfuc^teten.  ntinbcr  entfprid)t  eö  ber  perfonlid^en  (Srunblagc  ber  Unterljialtöpflid^t,  ba^  bic 
legtere  mit  bem  i^obe  bed  SSerpflid^teten  wegfällt  unb  auf  bie  @rben  ald  folc^c 
nid^t  übergebt,  ^ied  ift  auc^  ber  Stanbpunft  bed  gemeinen  Stec^ted  (oergL 
Seuffcrt  VI,  205,  XXX,  2;  @ntfd&.  b.  9t.  ®.  in  ©ioilf.  IV,  60  ©.  211)  unb 
ber  meiften  neueren  ©efc^gcbungcn  (altcnb.  Strmengef.  t).  9.  9lugufi  1833 
§  84;  Weimar,  ^eimati^ögef.  v.  23.  gebruar  1850  §  43;  fäd&f.  ®.  93.  §  1853)» 
2)aß  rom.  9le^t  mad&t  icbod^  eine,  in  ber  gemeinred^tlid^en  3uridpruben}  im 
Siniclncn  fel^r  beftrittene,  3Tußna^me  ju  ©unften  beö  l^od^ft  bebürftigen 
aSaterß  gegenüber  ben  ©rben  beö  Äinbeö  (ocrgl.  1.  5  §  17  D.  de  agnosc.  et 
alend.  IIb.  25,3;  @ntfd^.  beö  9t.  ®.  in  ©iüilf.  IV,  60  @.  211).  S)aö  prcufe. 
31.  2.  91.  enthält  jwar  feine  auöbrüdElid^e  Sntfc^eibung  ber  grage,  ob  bie 
UntcrJ^altöDcrpflid^tung  für  bic  3i*fi*"ft  «lit  bem  3:obc  beö  SBcrpflid^tctcn 
crlifd^t;  boc^  wirb  bicfelbc  non  ber  Suriöprubenj  bejaht.  9luf  bem  ©ebietc 
beö  frauj.  9icd)teö  ift  bagegen  bie  SScrerblid^fcit  ber  Unter^altöpflic^t  in  @r* 
mangctung  einer  befonberen  gefefelid^en  ®ntf (Reibung  feljr  beftritten. 


Untcr^altepffiÄt.    erlcf^cn.    §1496.  711 

6in  Scbürfnife,  im  Stttcrcffe  bcö  93crc(^tigteu  ober  bcr  nad)  bem  unoererbuc^* 
©rblaRcr  jur  Ocwaljrung  beä  Unterhaltes  üerpffid^teten  aSerwanbteu  ober  im  ^^pfif^J«^"^' 
3ntercf)c  ber  SlrmcuDerbfinbc  burd^  pofitioe  SBeftimmung  bic  Unterljaltöpflid)t 
für  oererblid^  ju  erftären,  fann  nid^t  anerfonnt  rocrben,  jumol  im  §inblicfc 
auf  bic  33orf(^riften  bes  §  1485  bcm  33cred)tigten  felbft  reflelm&6ig  ein  gefeft:: 
li^eö  ©rbred^t  bejn).  ^ßpid^ttlieifercd^t  gegenüber  bem  jur  ©cibä^rnng  beö 
Unterfjalteö  SJerpflid^teten  jufte^t  unb  baburd)  ein  ©rfafe  für  ben  SBegfolI  beö 
Untcr^altöanfprud&ed  gerofiljrt  wirb.  S)ic  Siegel,  bafe  bic  Untcr^oltöoerpffid^s 
tung  für  bic  S^if^nft  mit  bem  SJobe  beft  Sered^tigtcu  ober  beö  33erpPid^teten 
crlifc^t,  erleibet  iebod^  nac^  §  1496  ©afe  2  infofern  eine  SWobififation,  als 
jene  Siegel  auf  bie  im  SBoraud  5u  bcmirfenben,  jur  3cit  beö  SCobeö  beö  93es 
red^tigten  ober  SSerpflic^tcten  bereits  fälligen  Seiftungen  feine  Slnroenbung  . 
finben  foU,  meil  biefe  Seiftimgen  nad)  Sßaggabe  ber  ^orfd^riften  bed  §  1491 
3lbf.  2  unb  bes  §  661  2[bf.  3  als  bereits  jur  Seit  bes  2:obcs  bes  »ercd^tigten 
ober  äSerpflid^teten  ermorben  gelten.  @ine  S)isl^armonie  mit  ber  93orfd^rift  beS 
§  1494,  nad^  mcfd^er  ber  Sebürftige  in  3[nfel)ung  ber  im  SSorauS  ju  bes 
mirfenben,  bei  (Sroffnung  beS  ÄonfurfeS  bereits  fälligen  Seiftungen  ni(i^t  als 
Äonfursgläubiger  be^anbelt  werben  foU,  ergiebt  fid&  aus  ber  Seftimmung  beS 
§  1496  Safe  2  nid^t,  ba  iencS&orfd&rift  nur  bie  3lrt  ber  ®cltenbmad)ung  bes 
äfnfpntd^eS  auf  bie  ermorbenen  Seiftungen  in  einer  jmedmägigen  SBeife  }u 
orbnen  beimectt.  93on  fetbft  Dcrftel^t  es  ftd^  ferner,  bag  ber  nad^  §  1492  bem 
SBered^tigten  iuftel)enbe  Slnfprud^  auf  Slad&jal^lung  ober  ©ntfd^äbigung  für  bic 
SSergangen^eit  aftio  unb  pafftu  Dcrerblic^  ift. 

Ueber  bie  SBeriäldrung  bes  Unterl^altsanfprud^es  fmb  befonbere  S3e*  «eriä^nmfl. 
ftimmungen  nid^t  aufgenommen.  9luS  ber  juriftifd^en  Statur  bes  Unterlfl^ItSs 
onfprud&es  unb  bcr  SBorfd^rift  beS  §  154  3ttf.  2  ergiebt  ftd^  mit  genügenber  • 
Älar^eit,  baß  bie  SBorfd^riften  bes  §  160  unb  bes  §  184  äbf.  2  auf 
jenen  SJnfpnid)  feine  änroenbung  finben,  ba§  Diclme^r  bic  fünftige  Stlimen* 
totion  burd^  SSerJä^rung  nid&t  auSgefd^Ioffen  werben  fann.  Slnbererfeits 
fann  es  einem  3wJcifeI  nid^t  unterliegen,  baß  ber  bem  SBered&tigtett  auf 
®runb  bes  §  1492  juftel^enbe  9lnfpru(j^  auf  9ta4i}al)lung  ober  @ntfd^äbigung 
für  bie  SBcrgangenlfieit  ber  furjen  SBeriäl^rung  nad)  äHafegabe  bes  §  157 
unterliegt.  9lad&  §  168  ift  iebod[i  bie  aSerjälEirung  bes  ^nfprud^es  unter  ben 
bort  bejcid^neten  SBorauSfefeungen  gehemmt.  Gincr  9luSnai|meoorfd^rift  bebarf 
CS  in  biefer  SBcjicliung  Ijicr  nid^t. 


7 1 2      9{e*tß»crl)artni6  ateiffien  ©Item  unb  Jtinbcm.  gamilicnname.  §  1497. 


dritter  ffitef. 

'^ec^fjg>Der^äCfni|  gwifc^cn  gttern  und  e^eCic^cn 

L  StOflemeiite  aSorfd^riftem 

§§  1497-1500. 

«eficnfionb  3)ie  §§  1497—1500  regeln  bie  au«  bem  SRed^töüerJ^ältniffe  jioifd^en 

aaBweimn  ®ft^^>i  ^^"^  e^eüd^cn  Äinberit  fid^  ergcl)cnben,  von  ber  elteritd^en  (Seroalt  un* 
öorfc^riften.  abfionglgen  Sejie^ungen,  foroeit  bie  lefeteren  nid^t  im  3wf^"^«^c^^^ön9c  "^it 
anberen  befonberen  3Haterien  georbnct  fmb  (ücrgl.  in  biefer  ^infid^t  §  40 
3l6f.  1,  §  168  ©afe  2,  §§  1238,  1481  9lbf.  3,  §  1482  2lbf.  2,  §  1491  Slbf.  5, 
§§  1610,  1632).  Unter  e^elid&en  Rinbem  ftnb  junäd^ft  bie  im  §  1466  be:= 
jeid^neten  Äinber  ju  t)erftel;en.  3nroieroeit  bie  l^ier  fraglichen  Seftimmungen 
auf  Äinber  aus  ungültigen  @^en,  auf  unel^elid^e,  legitimirtc  unb  an  Äinbeö* 
fiatt  angenommene  ftinber  ^nrocnbung  finben,  ergiebt  fid&  a\\&  ben  befonberen, 
biefe  SBer^ältni^fe  betreffenben  SBorfd^riften  (ocrgt.  §§  1562—1569,  1579,  1583, 
1601,  1621,  1622). 

§  1497. 

Mamillen-  Sie  JBeftimmuug  beö  §  1497  fte^t  mit  bem  geltenben  SRed^te  im  6im 

ber«T«Je».  'föuge  (t)crgl.  preufe.  21.  2.  31.  II,  2  §  58;  öfterr.  ®. ».  §  146;  fot^f.  ®. ». 
§  1801).  SRed^t  unb  5|Jflid^t  beft  e^clid^en  Äinbeö,  ben  gamiliennamen  be« 
aSaterß  ju  fflfiren,  ftellt  fid&  alö  SluöfCufe  ber  S^G^^örigfeit  bcö  Rinbeö  ju  ber 
t)äterlid&en  gamilie  bar  unb  bilbct  inforocit  einen  SBcftanbtl^eil  bcö  5ßrioat^ 
red^teß  unb  fpejieK  bcö  gamilienred^tcö  (oergl.  bie  SBorbemerfung  ju  Äit  8). 
3)ie  offentlid^rcd^tlid^e  ©eite  bcö  9lamenrcd^teö,  inöbefonbere  bie  Seftimmungen 
über  bie  Sulfiffigfcit  einer  älenbcrung  bcö  gamiliennamenö,  gepren  bem  SBer^ 
roaltungöred^te  an  unb  fommen  btH)alb  l^ier  nic^t  in  grage. 
»omamcn.  9lad&  §  22  bc^  91.  ©cf.  übcr  bie  Scurfunbung  bcö  ^erfonenftanbeö  unb 

bie  ß^efdöliefeung  d.  6.  gebruar  1875  foH  in  baö  ftanbeöamtlid^c  ©eburtö» 
rcgifter  aud^  ber  Sßorname  bcö  Rinbcö  eingetragen  roerben.  Seftimmungen 
über  SRcc^t  unb  5ßtlid(|t,  bem  Äinbe  ben  SSornamen  beijulcgcn,  finben  fid) 
roeber  in  jenem  ©efefee,  nod^  aud^  in  ben  neueren  ©cfefebüd^ern  (t)crgL  iebod^ 
Iicff.  3nftr.  für  bie  ©tanbeöbeamten  v,  9.  Sloocmber  1875).  Slud&  ber  ©nt* 
rourf  l^at  in  biefer  Scjicl^ung  ^bie  9lufnal)me  einer  befonberen  SSorfd^rift  ate 
entbcljrlid^  erachtet,  bat)on  auögel^enb,  bag  bie  S3eUegung  beö  Sßornamenö  a(ö 
3luöftu6  ber  5ßflicl)t  unb  beö  SRcd^tcö  ber  ©orge  für  bie  5ßerfon  beö  Äinbeö 
crfd^eint  (§  1502  9Jr.  1).  ®agegen  gel^orcn  bie  S^agen,  meldte  Strtcn  von 
SSornamen  eingetragen  roerben  bürfen  (uergl.  baö.  in  ben  ©cbictcn  beö  fronj, 
Slcdjtcö  gcitcnbe  franj.  ®cf.  ü.  II.  Gerniinal  XI)  unb  unter  roefd^cn  SBorauö^ 


Stcd^teöcrjaltnig  Steiften  eitern  uub  5*mbcrn.    Oc^crfam.    §1498.       713 

fegungen    eine   Slenberung    beö   SSornamend   iuföfftg   ift,    bem   öffentdd^cn 
Siechte  an. 

aSegen  ber  ©rünbe,  aM  weld^en  ber  ©ntmurf  iiber  ben  ©taub  bcö     etanb. 
Äinbeö  fd^weigt  (pergl.  prcufe.  21.  2.  31. 11,  2  §  59;  öftcrr.  ®.  S.  §  146)  wirb 
auf  bie  SWotioe  ju  §  1274  ©.  106  ff.  üermiefcn. 

§  1498. 

SBenngleid^  ber  ©ag,  bag  bad  eljeUc^e  Jliub  feinen  Sltern,  folange  eö  Aintut^er 
unteu  beten  ©rjiel^ungögeroalt  ftel^t,  finblid^en  ®el|orfam  fd^ulbig  ift,  fidj  nur  ^^^^^ 
ate  ein  SfuöfCug  ber  ben  @(tern  jufteljenben  @riie^ungdgeroa(t  barftellt  unb 
beft^alb  a(d  entbe^rlid^  ober  nid^t  aÜ  l^ier^er  geprenb  betrachtet  rotvhm  tann 
(oergL  §§  1504,  1506),  fo  ift  ed  bo(6  im  Slnfd^luife  an  bie  aWe&rjal^l  ber 
neueren  ©efefebüd^cr  (preufe.  31.  S.  91.  II,  2  §  61;  ba^r.  S.  91.  1, 4  §  3  SWr.  2; 
öfterr.  ®. ».  §  144;  fäd^f.  ®.  S3.  §  1805)  atö  angemeffen  erad&tet,  imm  ©ag 
im  ©efegbud^e  im  3ufammenl[iange  mit  ber  iebenfaUö  ]()ierl;er  gel^orenben,  md)t 
ald  felbftDerftänb(i(^  ansufe^enben  meiteren  ^eftimmung  auöbrücfHd^  aM^ 
jufpred^en,  ba^  bad  jtinb,  aud^  xotnn  cd  nid)t  unter  ber  ©rjiel^ungdgemalt  ber 
6(tern  fte^t,  ben  (enteren  finbUd^en  ®et)orfam  fd^utbig  ift,  folange  eö  mw 
benfelben  in  bereu  J&auöftanbe  unterl^alten  wirb.  S)ic  neueren  ®cfe6büd^cr 
bcfd^ränten  jum  S^^eil  bie  ®el^orfamgpf{id^t  aüerbingö  nur  auf  bie  2)auer  ber 
D&terßd^en  ®en)alt  bejn).  ber  elterlid^en  @rjie]^ungdgen)a(t.  Sagegen  erftredt 
bafi  fäd^f.  ®.  33.  §  1805  in  Uebereinftimmung  mit  einer  aud^  für  baö  gemeine 
Sle^t  ücrtrctenen  Sluffojfung  bie  ®c^orfamöpflid^t  aud)  auf  bie .  nod^  in  ber 
^fiudlid^en  ®emeinfd^aft  ftel^enben  Jtinber  ol^ne  9tücfrid)t  barauf,  ob  ben  6(tern 
bie  ®r}ie^ungdgemalt  nod)  }ufte]^t.  3luf  bie  ä^^atfad^e  ber  ^äudlid^en  ©emein^ 
fd^aft  fann  jebod^  bad  entfd^eibenbe  ®emid^t  ni^t  gelegt  merben.  Slud  ber 
f)fiudlid^en  ®emeinfd^aft  ergiebt  fid^  iioar,  bag  bad  in  biefer  ftel^enbe,  mcrnv^ 
gleich  uoHiÄl^rige,  Äinb,  mie  jeber  Slnbere,  meld^er  einem  fremben  J&audftanbe 
onge^ort,  fid)  ber  pudlid^en  Drbnung  fügen  muß,  wenn  cd  nid^t  ber  ®efaljr 
audgefegt  fein  miU,  bag  bie  @ltern  i§m  bie  J^äudlid^c  ®emeinfd^aft  lünbigen; 
allein  eine  rctfttlid^e  5ßflid^t  bed  Äinbed  jum  finbtid^en  ®el^orfam  wirb  burcft 
bie  blofee  3wO^P>^iflf^it  jum  ^audftanbe  ber  ©Itcrn  nod)  nid^t  begrünbct. 
(Sine  fofd^e  —  oon  ber  fittlic^en  ^flid^t  jur  ß^rerbietung  gegenüber  ben 
Gltern  oerfd^iebene  —  ?ßPid^t  fann  oielme^r  nur  bann  anerfannt  werben, 
menn  ein  meitered  äßoment,  nSmlid^  eine  fami(ienred^tlid^e  Slbl^ängigfeit,  I;in« 
jutritt.  S)ied  ift  aber  ber  gall,  menn  bad  Äinb  oon  ben  ®Itern  in  bereu 
^audftanbe  unterl^alteu  mirb.  3n  biefem  galle  entfprid^t  cd  ber  natürlid^cn 
©abläge,  bag  bad  ^aupt  ber  Mudlid^en  ®emeinfd^aft  dou  bem  n)irt{)fd)aftlid) 
ttod^  unfelbftänbigcn  ftinbe  finblid^en  ®eI;orfam  oerlangen  fann.  ©in  fold^ed 
Siedet  ber  6Iteru  ift  uamentlid^  mit  9lfldEfid^t  barauf,  bafe  bie  elterliche  ®eroalt 
nad&  bem  (gntiourfe  mit  ber  SBoIIiÄ^rigfeit  bed  ftinbed  enbigt  (§§  1501, 1557), 
bad  (entere  aber  mit  biefem  3^itPui^'Ft<^  ^^^  mltn  fällen  bie  n)irt^fd)aft(id^e 
©elbftönbigfeit  nod^  nic^t  erlangt  l)at  unb  bed^alb  von  ben  S(tern  unterl^altcn 
werben  muß,  aud  ben  in  ben  SRotiuen  ju  §  1491  oben  S.  704  ff.  bereitd  Ijeroor« 
gehobenen  ®runben  nid^t  }u  entbel^rcn.     Sm  ^inblide   auf  bie  praftifc^c 


714      9{cd6tgöerl6a(tni6  sirifcficn  ßltcrn  unb  Äinbcrn.  fCicnftlcifhmöcn.  §  1499. 

Sd^wicrigfeit,  im  cinjctncn  gallc  ju  crmittctn,  ob  bcm  DoIIiäljrigeu  Äinbc  bcr 
Untcrfialt  t)on  bcu  ©Itcrn  auf  ©runb  bcv  gefe|Iid^cn  Untcrl^altdoerpflid&tunfl 
geroätirt  wirb  ober  nic^t,  ift  cd  jcbod)  old  rat^fam  crad^tct,  in  bicfcr  ^injid^t 
nid^t  5U  uuterfd)eibcn,  jumal  barauö  eine  ©cfäfirbung  ber  Äinbcr  fid)  nid^t 
crgicbt,  rocil  bicfe  eö  in  bcr  §anb  f;abcn,  bcu  §aiiöftanb  bcr  ®ltcrn  icber^ 
j^cit  511  ücrioffcn,  locnn  pc  fid)  fclbft  ju  unterhalten  im  Staube  fmb.  Um 
übrigens  anjubeuten,  bafe  bic  5ßftidjt  beö  ftinbcfi  jum  ©c^orfam  feine  abfolutc 
ift,  foubern  nur  infomeit  bcftebt,  alö  ba^  fittlid^e  SBcrl^ältniß  jwifd^cn  ben 
©Kern  unb  Äinbern  unb  biejenige  5Äbf|ängigfcit  ber  lefeteren  t)on  bcu  erftercn 
cö  mit  fitft  bringt,  ate  bereu  3luöflufe  bie  5ßflid^t  jum  ©c^orfam  fxd^  bor« 
ftellt,  beäeid)nct  ber  §  1498  ben  oon  bem  Äinbc  ben  ©Itcrn  gefd&ulbctcn  ©eljorfam 
alö  finblid)en  ©eljorfam.  ®ä  oerftcfit  pd^  von  fclbft,  bafe  namcntlid^  bie  ?ßflid&t 
cincö  üoUiä^rigen  Äinbeö  jum  ®et)orfam  auf  fold^e  Slngelegenl^eitcn  ^6)  nid^t 
crftrcrft,  in  locld^en  baö  SRed^t  bcm  Hinbc  in  golge  bcr  SBccnbigung  ber  eltcr« 
Ud^cn  ©eroalt  eine  eigene  entfd&licfeung  gcftattet  bcjro.,  roic  j.  83.  bei  bcr  StuÄ« 
Übung  potitifd^er  Siedete  unb  ^^flidjten,  verlangt. 

cbdflfeit-  2^aß  fftd^f.  ©.  93.  §  1805  bcftimmt,  o^nc  in  bicfcr  S3cjiel|ung  jroifd^cn 

^^t^ittT  fold^en  Äinbcrn,  meldte  nod^  bcr  ©rjiel^ung  bebürfcn,  unb  anberen  erroad^fencn, 
aber  nod&  in  ber  l)äMlxi)tn  ©emeinfd^aft  mit  ben  ©Itern  ftclfienben  Äinbern 
511  unterfd^eibcn,  bafe  bie  ©Itern,  wenn  fic  baö  Äinb  burd^  angemeifene  aWittel 
Ijäuölid^er  ^ndjt  nid&t  jum  ©c^orfam  ju  bringen  vermögen,  obrigfcitlidöeö 
Ginfd)reitcn  ücraulaffen  fönnen.  !3n  ben  Gntrourf  ift  eine  berartige  bcfonbcre 
93cftimmung  nid)t  aufgenommen.  3n  2lnfeöung  bcr  noc^  unter  ber  etterlitften 
©räicliungdgctüalt  ftc^cnbcn  Äinbcr  ift  eine  fotd&c  93eftimmung  im  ^inblictc 
auf  bic  aSorfd^riften  beö  §  1504  9lbf.  1  Sag  2  unb  Slbf.  2  cntbcJ^rlidö.  ®ic 
9ludbct}nung  bicfcr  SBorfd^riftcn  ober  aud^  nur  bcr  aSorfd^rift  befi  §  1504 
9lbf.  2  auf  üoUiäl^rige  Äinbcr  tann  aber  Dom  Stanbpunfte  beö  ©ntrourfcö 
am,  mä)  rocld&cm  bic  elterliche  ©eroalt  mit  ber  SSoÜiäl^rigfcit  bed  Äinbeö 
cnbigt,  nic^t  als  angcmcffcn  erachtet  rocrbcn.  3^^^^^  roürbe  icne  9luöbel^nung 
gegenüber  bcm  überroiegenb  gcltenbcn  SRcd^tc  eine  nid^t  unbcbcnflid^c  9lcuerung 
cntljaltcn,  rocld)c  burd)  ben  ©cfid^töpunft,  bafe  ba&  gcroöl^nlidt)e  ^^Jrojcfeocrfal^ren 
jur  ©rjroingung  beö  Slnfpruc^cö  auf  ©eljorfam  roenigcr  geeignet  fei,  nic^t 
gcrc(^tfcrtigt  roirb. 
a^cerbietunfl.  aScrfdjicbcnc  ©efcßbüd^cr  Ijcbcn  bic  5ßflid)t  beö  Äinbeö  jur  ©^rerbictung 

gegenüber  ben  ©Itcrn  befönberö  Ijcroor  focrgl.  baijr.  S,  iH.  I,  4  §  3  9tr.  2; 
preufe.  21.  S.  $H.  II,  2  §§  61,  249;  öftcrr.  ©. ».  §  144;  code  civil  3lrt.  371). 
Xcr  ßutrourf  fd^rocigt  oon  bicfcr  aScrpflic^tung,  ba  bie  änerfennung '  bicfcr 
fittUc^cn  i^flid&t  alö  einer  SRcdjtöpftic^t  neben  ben  auf  bicfcr  fittlid^cn  ^flid^t 
bcruf)cnbcn  bcfonbercn  Seftimmungen  (oergl.  §§  1238,  1610)  eine  fetbftänbige 
rc^tli,d5c  Sebcutung  nidjt  f)at. 

§  1499. 

«ienf»'  Xa|3  baö  Äinb,  folangc  cö  bcm  c^auöftanbc  ber  ©Itcrn  angcl^ort  unb 

'^''Ärt:*^** unter  bereu  ©rjicfjungögcroalt  ftcl^t,  ijcrpffid^tct  ift,  in  einer  feinen  Kräften 

unb  feiner  Scbcnßftcllung  cutfprcdjcnbcn  9Bcifc  ben  ©Itcrn  in  bereu  §auörocfen 


3?cd&tebcr]&ältni6  jn?ifd&cn  (altern  unb  Äinbcrn.  Dicnftlciftunocn.  §  1499.       715 

unb  Ociocrbc  uncntgcltlid)  3)icnftc  ju  Iciftcn,  cntf priest  nid^t  aBein  bcr  abittttför"«*>ker 
Ijängigcn  Stellung  eines  fold^en  Äinbeö  gegenüber  bcn  ©ftern,  fonbcrn  and)  «rlu^Lt^ 
bem  @riie(;ungSimecfe  unb  bcxx  naturiid^i  SBert)ö(tniffen  bcS^Seben&>  nament(id)     ^^^^^' 
in  ben  Ärcifcn  tteinerer  Oeroerbebetriebc  unb  9l(fcrn)irtf)fd6aften.    3luö  biefcr 
©runblage  erglebt  fi^  aud)  wn  felbft,  ba§  bic  SBerpflidjtung  cineö  foldjcn 
iftinbeft  ju  unentgeltlid^en  ^teuften  bcr  9(rt  nid)t  bauen  abhängig  gemad^t  werben 
tann,  ob  boöfelbe  x)on  bcn  ®Itern  ober  auö  bcn  ©infunftcn  beä  eigenen  SBer« 
mögenö  unterhalten  wirb  (oergL  ©eufferti,  354,  VII,  196,  VIII,  59;  preufe. 
91.  S.  9l.IL  2  §§121—123).    3)a6  unter  bcr  §eran5ie{)ung  beö  Äinbergu 
ben  Ijier  fraglid^cn  2)tenftcn  bcr  Unterrid^t  unb  bie  Sludbilbung  bedfefben  nid^t 
leiben  barf  (preufe.  91.  S.  9*.  II,  2  §  122),  braud)t  nid^t  befonbcrö  vorbehalten 
3U  loerben.    @d  folgt  bied  aud  ber  6riiel)ungdpflid^t.   ©egen  einen  3)ligbraud^ 
beö  f)\cx  in  3?cbe  ftebenben  SWed&tcö  ber  Gttern  fd&ügen  bie  S3cftimmungen  beö 
§  1546. 

Ob  unb  inn^iemeit  aud^  ein  nic^t  unter  ber  @r5iel^ungdgen)alt  ber  Altern  auf  omnb 
ftel^enbefl  Äinb,  inöbefonbere,  wenn  baöfelbe  fonieit  Ijcrangeioadjfen  ift,  baß  uiJS^^StL 
es  fid^  felbft  ju  unterijalten  im  ©tanbe  niöre,  ben  ©Itern  unentgeltUd^  ®ienfte  fleiufi^rung. 
ber  l)ier  fraglid^ien  9lrt  §u  leiften  Dcrpflic^tet  ift,  folange-tö  bem  ^auöftanbe 
ber  @ltern  angeprt  unb  oon  benfelbcn  unterhalten  wirb,  ift  in  ber  gemein^ 
red^tlid&en  3:^eorie  unb  5ßrarift  beftritten;  boc^  neigt  namentUdb  bic  5ßrariÄ  fid^ 
ba^in,  jene  grage  ju .  bejahen  unb  in  bem  bejeid^neten .  galle  bem  Äinbc  einen 
9tnfprudb  auf  aSergfitung  für  bie  üon  il;m  ben  ßltern  geleifteten  ©ienfte  in 
©rmangclung  einer  barauf  gerid&tetcn  33creinbarung  ju  uerfagen  (oergl. 
Seuffert  IX,  174,  XVII,  256,  XXI,  47,  XXIV,  116).  Sicö  ift  aud&  ber 
Stanbpuntt  befl  baijr.  S.  91.  I,  4  §  3  5Rr.  2.  2)a9  fäd)f.  ®.  S3.  §  1806  oer^ 
pfli^tet  bie  $tinber,  folange  [xc  in  ber  ^Sudlid^en  ©emeinfdbaft  ber  @(tem  . 
fte^n,  bad  preu§.  §K.  2.  SR.  II,  2  §  254,  folange  fie,  loenngleid^  nad&  auf*  • 
gcl^obcner  oatcrlid^er  Oeioalt,  uon  ben  ©Item  noä)  ernäljrt  werben  muffen,  ju 
unentgeltlidben  3)ienften  ber  l)ier  fraglidben  9lrt.  ©aß  einem  Äinbc,  folange 
cd  bem  ^audftanbe  ber  Sltan  angebbrt  unb  uon  ben  le^teren  unterl^alten 
merben  muß,  weil  cd  felbft  ftd^  ju  unterl^alten  nid)t*  im  Staube  ift,  bie  SBer^ 
pflid^tung  auferlegt  wirb,  ben  @(tern  in  ber  im  §  1499  beftimmten  9lrt  uiu 
entgettlid^e  S)ienfte  5u  leiften,  entfprid^t  bcr  familienrcd^tli(^en  9[b^dngigleit, 
in  u)cld)cr  ein  fold^cö  Äinb  gegenüber  bcn  @ltern  pd^  befinbet,  unb  fte^t  mit 
ben  9lnfd^auungen  im  SSolIc  burd^aud  im  (Sinflange.  3^^^f^i^ofi^^  ^'^9^  bie 
Sad^c  in  9(nfeljung  fold^r  Äinber,  n)el<f)c  felbft  fi^  bcit  Unterhalt  ju  oer* 
fd)affcn  in  ber  Sage  finb  unb  meieren  gegenüber  bcöl)alb  eine  Unter^altöpflid^t 
bcr  ©ttern  nid^t  mcl^r  bcftcdt,  bie  aber  gleidj)n)obl  im  ^aufiftanbe  ber  ßltern 
uon  bcn  legteren  nod)  untci*l^alten  merben.  Sicfclben  prattifd^en  ©rroägungcn 
ieboc^,  tocld&e  bcn  ©ntmurf  bcftimmt  l)aben,  im  §  1498  nid^t  ju  unterfd^eiben, 
ob  bic  @ltem  }ur  ®eioäl|rung  bed  Unterhaltet  an  bad  Ainb  gefe|lid^  uerpflic^tct 
fmb  ober  nid^t,  muffen  bal)in  füljren,  au^  ^ier  von  einer  fold&en  Unter- 
fc^eibung  abjufel^cn.  3"^^^^  t^äflt  bie  baburd)  l;croorgcrufenc  Grrocitcrung 
bcr  gefefelid^cn  SBcrpflid^tung  bn:  Äinber,  it)ren  ®ltcrn  uncntgcltlid^  3^icnfte 
5U  leiften,  ba ju  bei,  bic  oiclen  Slrcitigfciten,  wenn  and)  nid;t  oöUig  ah 
iufd)neiben,  fo  bo^  ortjcblid)  j"  verringern,  mctdjc,  wie  bic  Orariß  Ic^rt, 


716       gfecfitgücrjartnig  atoifcfien  Sltent  unb  Äinbcrn.    Stuöpathing.  §1500. 

namcntüd^  in  bcn  ©ebieten  beö  gemeinen  9led^ted  wtQtn  ber  ^rage  entftcl^en^ 
ob  unb  inroieroeit  Äinber,  iDctd^e  p^  felbft  ju  tinterf>alten  im  ©tonbc  finb, 
'  ober  von  bcn  @ltern  in  beren  ^oufiftanbc  unterhalten  merbcn,  für  bie  mä^renb 
biefcr  3cit  t)on  ifjnen  ben  6Itern  in  beren  .gaudwefen  ober  ©erocrbe  geteiftcten 
^ienfte  eine  Vergütung  beanfprud^en  fönnen.  S)urd^  bie  93eftimmung  bed 
§  1499  n)irb  ein  fold^er  älnfprud^  QUdgefd^loffen^  fofern  nic^t  eine  anbermeite 
oudbrücflid^e  ober  ftiQfci^n)eigenbe  SSereinbarung  crgiebt^  ba%  bie  ©em&^rung 
bcfi  Unterl^alteö  wie  bie  Seiftung  bcr  ©ienfte  in  ©rfüUung  einer  befonbercn 
Dertrogömäßigen  SSerpflid^tung  erfolgt  ift,  ein  SRefuItat,  meld^eö  and)  mit  ben 
allgemeinen  S3eftimmungen  bcö  Dbligationenrec^ted  (ocrgl.  §  559  5Kbf.  2,  §  567 
9ttf.  2,  §§  586,  748  3lbf.  1 ;  @ntfd&.  b.  dl.  ®.  in  ßioilf.  IV,  33)  im  @in«ange 
fte^t  unb  bie  Äinber  nid&t  gefäl[irbet,  ba  biefclben,  wenn  pe  tjolliä^rig  unb 
fefbft  fid^  5u  unterl^alten  im  ©tanbe  finb,  cö  in  ber  ^anb  l^aben,  iebcr  Qni 
bcn  ^auöftonb  bcr  ©ttcrn  ju  oerlafjen  bejn).  burd^  5Bertrag  fid^  eine  SJer^ 
flütung  für  i|re  S)ienfte  ju  fiebern. 

3)a(j  bie  Äinber  badjenige,  maö  fie  in  ©rfüUung  ber  il[incn  nad^  §  1499 
obliegenbcn  SSerpffitfttung  crmerben,  ben  ®ltem  ermerben  (preufe.  21. 2.  SR.  II,  2 
§  123),  bcbarf  feines  befonberen  SluöbrudEcö  (wrgl.  §  1518).  ©oroeit  ia^  ©r* 
morbene  nad^  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  iiber  ©teüoertretung  (§  116)  bcn 
©ttcrn  nid^t  bireK  erworben  wirb,  finb  bie  Äinber  baöfclbe  btn  Tefeteren  ju 
übertragen  unb  ^craußsugcben  x)erpflid^tet. 


§  1500. 
«uftiiattung  SBennglcid^  im  Slnfd^IuRe  an  bie  SBeftimmungen  beö  rom.  unb  gemeinen 

bic**Stern.  SWccftteß,  mä)  meldjcn  ber  (g^efrau,  il^re  eigene  SBermogcnöfoftgfeit  Dorauö* 
oeitenbef  gcfcftt,  cüi  Slufprud^  auf  ©cwäiirung  einer  dos  gegen  if)ren  SBater  unb  i^re 
****•  üäterUd^en  Slfjenbcnten,  ouö  befonberen  ©rünben  aud^  gegen  i^re  SWutter  5Us 
fielet,  bie  meiften  neueren  Oefefegebungen  grunbfäfclid^  eine  SBerpffi^tung  ber 
eitern,  ilirer  Xod)tcx  bei  beren  SBerl^eiratl^ung  eine  3ludftattung  mitjugeben, 
anerfonnt  unb  jum  S^^eil  biefc  SSerpPid^tung  —  im  ©egenfafee  jum  rom.  unb 
gemeinen  9ted&te  (oergt.  ©euffert  XII,  275,  XXXIV,  310)  —  aud&  ju  ©unften 
ber  ©öl^ne  für  ben  gaU  i^rer  SSerljeirati^ung  ober  ber  (ginrid^tung  einer  ab« 
flcfonbcrtcn  3Birt^fd^aft  auögebcl^nt  l^aben  (oergL  rofirttemb.  S.  JR,  IV,  13 
§  1;  bai)r.  2.  SR,  I,  6  §  13  SRr.  4—7,  §  14  5Rr.  2;  preufe.  31.  2.  SR.  II,  2 
§§  232  ff.  —  ©efefereoif.,  «ßenf.  XV  §§  176  ff,  nebft  3»otioen  ©.  136  ff.  — ; 
öften-.  ©.83.  §§  1220—1224,  1231;  fad^f.  ©.83.  §§  1661—1666),  fo  ift  bod^ 
onbererfeitö  in  bzn  mid^tigeren  neueren  9tcd&ten,  namentlich  im  preug.  31. 2.  JR, 
imb  im  fäd^f.  @.  83.,  ber  Umfang  ber  SBerpflid^tung  auf  bie  ©emäl^rung  einer 
Sluöfteuer,  b.  l).  cined  inbegriffen  Ijauptfad^lid)  ber  Ginrid^tung  bed  ^aud« 
tuefens  unb  pcrfönlid^en  83ebürfniffen  bienenber  beroeglid^er  ©egenftänbe,  be* 
fd&ränft.  3m  prcufe.  31.  2.  %  ift  iubcm  bie  3luögeftaltung  ber  SJerpflid^tung 
alö  einer  Slcd^töpflid^t  nic^t  burd)gefül)rt,  inbem  baö  legtcre  ben  Äinbern  bie 
©eltenbmad^ung  bcd  Sludftattungdanfprud^eö  im  SBege  bed  ^rojeffed  oerfagt 
unb  bei  bcm  unjureid^enben  SRittel  einer  moralifd&cn  33ceinfluf|ung  bcr  wiber« 
ftrcbcnben  ©Itcrn  burc^  ein  33erfal)rcn  t)or  bem  SBormunbfd^aftögerid&te  fte^en 


Slcd&tgverlfealtmg  itoifc^en  eitern  unb  Äinbcm.    Sluöftattuno.   §1500.       717 

geblieben  tft.  Das  franj.  SRcd^t  Ijot  jbogegen  unter  3l6Iel^nung  ber  in  bcn  ^ro^: 
Dinjcn  beö  gefd^riebcncn  ated^tcö  gettenbcn  ©runbfäfce  beö  röm.  Slcd^tcs  [i6) 
bem  in  bcn  5ßroDinjen  beß  (Scrool^nl^citÄred^teS  gettcnben  ©afec  „ne  dote  qui  ne 
veut"  angefd^foffen  unb  bcr  STuöftattungdpPid&t  bcn  Äarofter  einer  9led&tdpPid)t 
überl^aupt  t)erfagt  (code  civil  Slrt.  204).  S)cm  franj.  SRcd^tc  finb  baö  bab. 
S.  fR.  ©afe  204  unb  ber  ^ejf.  ®ntit).  III,  aWotiüc  ©.  164  ff.,  gefolgt. 

%ux  bie  äludgeftaltung  ber  9ludftattungdpf(id^t  ald  einer  ^led^tdpflid^t  etanbvuntt 
laffen  fid^  crl^cbUc^e  ©rünbe  gcitenb  mad^en.  @ö  wirb  baburd^  bic  ©ittc  ber  «„twurfc«. 
©croä^rung  t)on  ÄUÄftattungen,  namentlich  gegenüber  egoiftifd^  benfenben  unb  gii<^t. 
Ijortl^erjigen  ©Item,  geftärK  unb  auf  bicfe  SBeife  bie  Söegrünbung  neuer  ^aM-^  onerfennun« 
locfen  begünftigt.  Sie  Slnerfennung  bcr  Srufiftattungöpflid^t  alö  einer  Sied^tö*  ^"'JpIS?**' 
ppid^t  fid^crt  ferner  eine  glcid^mä^e  unb  geredete  S3cl^anblung  ber  »er« 
fcbiebencn  Äinber,  ein  ©efid^töpunft,  weld^er  namentlich  für  fold^e  gälle  x>on 
Sebeutung  ift,  in  meldten  bic  Jlinber  aus  Dcrfc^icbcnen  ß^cu  flammen  ober 
bafi  eine  ober  baß  anbere  Jlinb  bcn  SBerfül^rungcn  fd^ted^tgefinntcr  6ttcrn 
feine  $anb  nic^t  ^at  bieten  roollen.  Ucbcrmiegenbc  Orünbc  fpreci^en  inbeffcn 
für  ben  ©tanbpunft  beß  franj.  9led^teß,  lücld&cm  baß  prcuß.  91.  2.  k., 
^ingcfe^en  auf  baß  prattifd^e  SRcfultat,  fe^r  nal^c  fommt.  SBiH  man  fidf; 
audj  über  bic  ©d)roierig(cit  l^inmcgfcgen ,  wcld^c  in  ber  gcfcfeUd^cn  Sc^ 
ftimmung  ber  5Ärt  bcr  atß  Slußflattung  5u  gcn)äl;renben  ©egenftönbc  liegt, 
in  änfe^ung  bcrcn  bie  (ofale  ©ittc  unb  bie  ©tanbcßfitte  mannigfad^c  JBer* 
f^icbenl^eiten  aufmeifen,  fo  bleibt  bodj  bie  größere  ©d^roierigfeit  bcr  35c^ 
ftimmung  beß  SRaßcß  bcr  Slußftattung  bcftcl^en.  S3ci  9lußgcftaltung  ber 
9lußftattimgßpPid&t  alß  einer  9lcd)tßpflid)t  muffen  bie  gltcrn  für  ücrpftid&tet 
crftärt  werben,  fd^on  bei  Scbjcitcn  einen  SC^eil  ifireß  Äapitalücrmögcnß  bem 
Äinbe  Ijcraußjugcben,  unb,  felbft  romn  man  bem  Äinbc  ben  ©cmeiß  bcr  ©rofec 
biefeß  3Sermogcnß  auferlegt  unb  mit  bem  preufe.  91.  S.  91.  unb  bem  ofterr. 
©.  S.  von  einer  ÜRanifcftationßpPid)t  bcr  6ltcrn  abfielet,  aud^  bie  Scftimmuug 
beß  äRagcß,  porbe^altlid^  einer  anborrociten  @ntfd^eibung  beß  @eri^tcß  bei 
offenbarem  aWi^braud^c  beß  Scftimmungßrcd&teß,  ben  ßttern  überläßt,  fo  werben 
bod^  bic  nid^t  gfinilid^  außjufd^Iiegenbcn  ^crtianbtuugen  über  bic  $ö()c  be& 
aSermögenß  ju  großen  Unjuträglid^feiten  fül^rcn.  3nßbefonbcre  fann  baburd^ 
bcr  Ärebit  bcr  ©Kern  gefä^rbet  werben.  SBiK  man  allen  biefen  Unjutröglid)- 
feiten  abl^elfcn,  fo  gelangt  man  jur  9Inna^me  einer  nnooBtommenen  unb 
praftifd^  wcrtljiofen  Obligation.  3Slaä)t  man  aber  mit  ber  9rußgeftaltung  bcr 
9[ußftattungßpf{id^t  a(ß  einer  9Ied^tßpf{id^t  ©mft,  fo  werben  bie  @(tcrn  ju 
cmpfinblid^  getroRcn.  Qnbcm  l^at  pdö  in  benienigen  9lcd)tßgebieten,  inweldjcn 
gegenwärtig  bie  9i[ußftattungßpf(id)t  a(ß  9{ed)tßpf(id)t  überhaupt  nid)t  ober  bod) 
in  nur  unoollfommener  9lrt  befte^t,  baß  Sebürfniß  einer  9(enberung  beß  SRed&tcß- 
nid)t  fühlbar  gemad^t.  @ß  fann  barauf  oertraut  werben,  baß  in  bcr  großen 
äßc^rja^I  bcr  gällc  bie  ©Itcrn  i^ren  gut  gearteten  unb  bie  tinbUd)e  ^^etät 
nic^t  außer  9ld^t  (affcnbcn  Rinbern  a\\&  freiem  9rntricbe  unb  nad^  i^ven 
Äräften  baßicnigc  gewähren  werben,  waß  bic  ftinber  ju  i^rem  gorttommen 
bebürfen.  iCieß  wirb  aud^  boburd)  beftätigt,  baß  in  benienigen  ©cbicten,  in 
wcld()cn  gegenwärtig  eine  gefe|Ud)e  9lußftattimgßpfli^t  befte^t,  ^ßrojeffe,  weld^c 
bie  CrfüHung  bicfcr  SScrpflid^tung  jum  (Segenftanbc  l^abcn,  nur  feiten  finL 


718       Ste^tßüerWtnig  i^lfien  (SItcrn  imb  Äinbern.    Suöftcittunfl.   §1500. 

aWit  SRcd^t  lüirb  fcrncu  in  bcn  SDlotiücn  beö  l^cff.  ©nttöurfeö  l^eröorge^obcn, 
böfe  baß  ©cfcfe  ^ro5eRc  iroifd^cn  ®Itcrn  unb  ftinbern  ol^nc  briiigcubc  (Srünbc 
nid^t  julaffcn  foH  unb  bafe  boö  ©cfül^I  bcr  aibl^ängigfcit  ber  ßinbcr  von 
&texn,  rodä)t&  b\\x6)  bie  iRid^tanerfcnnung  ber  3[uöftattung8pf[id^t  ate  einer 
JHed&tepflid&t  geftärft  wirb,  iubircft  olö  Seförberungömittet  l&8uölid&er  3"^* 
xinb  Drbnung  loofilti^ätig  wirft. 
Ke(^tii($er  SBcnngleid^  ber  ©ntrourf  bic  SRed^tepflid^t  ber  3(ufiftottung  Derneint,  fo 

luJftQUunT  i^^  ^^  ^^^  ^^  ^inblicfe  auf  baö  befte^enbe  SRec^t,  auf  bic  beftel^enbe  ©itte  unb 
bcn  Äarafter  ber  9luSftattungögen)äI;rung  ate  einer  fittlid^en  ^ffic^t  für  an^ 
gemcRen  erad^tet,  bie  SBirffamfeit  folc^er  Sied^tögefd^äfte,  burd^  TOcId^e  Don  bcm 
ajatcr  ober  ber  SDluttcr  einem  Jlinbe  wegen  beflen  SBerJ^cirati^ung  ober  ©rrid&tung 
eines  eigenen  ^außftanbed  eine  ^udftattung  vertragömägig  iugefi^ert  ober 
gewölirt  wirb,  gegenüber  bcn  SBorfd^riften  über  bie  Seiftung  einer  ^lic^tfd^ulb 
(§§  737  ff.).  Über  ©d^enfungcn  (§§  440,  449)  unb  über  baö  abftrafte  ©d^ulb^ 
oerfpred^en  (§  683)  ju  begünftigen  bejro.  S^f^U  weld&e  in  biefen  9lid&tungcn 
fic^  erl^cben  fönnten,  abjufd^neiben.  Sluf  biefen  ©rroägungett  bcrul^en  bie 
S3eftimmungen  beö  §  1500,  ba^  ein  SRec^tögefd&öft  ber  bejeid^neten  3lrt  nic^t 
atö  ©d&entung  gilt,  ba%  baö  SBerfpred^cn  einer  fötd^cn  Sluöftattung  an  feine 
befonbere  gorm  gebunben  ift  unb  baö  )ur  3(uöftattung  ©eleiftete  nid^t  beö^alb 
jurüdEgeforbert  werben  fann,  weil  eine  SSerbinblid&feit  jur  Stiftung  nidjt 
beftanben  ^at  (oergl.  §  182  3lbf.  2,  §  664  ©aft  2).  2tud&  üon  ber  franj. 
3uriöpnibeni  wirb  tjorwiegenb  angenommen,  ba^  bie  3iiR^<^^^9  ^^^^  ®^ 
Währung  einer  Sluöftattung  üon  ©eitcn  ber  ©Item  an  baö  Äinb  nid^t  bcn 
Äarafter  einer  Sd^enfung,  fonbem  bcr  Erfüllung  einer  natürlic^n  SJerbinb« 
lid^fcit  l^abe  (t)crgl.  ferner  für  baö  gemeine  3it6)i  in  ^nfel^ung  ber  ©ewäl^rung 
einer  3luöftattung  an  ©öf;ne  Seuffert  XII,  275  SRr.  2).  S)arauö,  hai  bic 
bejeid^netcn  Sled^tögefd^öfte  nid&t  ©d&enfungen  fmb,  folgt  namentlid^,  baß  bicfelben 
nid^t  bcn  für  Sd^enfungen  gettenben  befd^ränfenben  Sorfd&riften  beö  §  449, 
bcö  §  1353  9lbf.  2,  beö  §  1399  5lbf.  1,  bcr  §§  1661,  1728  (tJcrgl.  iebod^ 
!     §  1731)  unb  ber  §§  1839,  1952  unterliegen. 

3m  ©injelfien  ift  5U  ben  Seftimmungen  beö  §  1500  nod;  golgenbcö  ju 

bemcrten : 

<8iei(^penung  1.  2)ic  bic  äwric^^i'ung  ober  ©ewä^nmg  einer  9luöftattung  begünftigcnbcn 

unb  eötne.  SSorfd&riftcn  bcö  §  1500  bejie^en  fidfj  nid^t  nur  auf  bie  a:öd^ter,  fonbcrn  aud^ 

auf  bic  Sö^ne.    ®er  red&tlid^e  Seweggrunb  ber  Sluöftattungögewäl^rung  üer- 

bient  in  beiben  9lid^tungen  bie  gfeid^^  ^erüdfid^tigung  ())erg(.  wfirttemb.  2.  91. 

IV,  13  §  1;  preufe.  ä.  S.  9i.  II,  2  §§  232, 233;  öfterr.  ®.».  §  1231;  ©cuffert 

XII,  275  5Rr.  2).    2)ie  Orünbe,  wetd&e  bafür  angefübrt  werben  fönnen,  mit 

bem  röm.  Siedete  unb  bem  fäd&f.  ®.  33.  §  1661  bie  SRcd&tfipflid^t  ber  3luöftattung 

nur  in  3lnfel^ung  bcr  2^öd^ter  anjuerfennen,  fommen  fiir  ben  ©ntwurf  nicftt 

in  S3etrad^t. 

«uftfiattung  2.  3lnv  bie  Don  bem  SBater  ober  t)on  ber  Sßutter,  nid^t  aud^  bie  Don 

"^anSm"  cmbcrcu  Slf jenbenten ,  gewährte    ober  jugefid^erte  SKuöftattung  foU  bie  öe- 

«fjenbeiuen.  güuftigungcu  bcö  §  1500  gcnicgcn  (tJcrgl.  württemb.  2*  91.  IV,  13  §  1 ;  preufe. 

31.  S.  91.  II,  2  §§  235,  236 ;  fäd[|f.  ®.  83.  §§  1661,  1662).    (Sin  genugenber 

©runb,  bie  9Sorfd^riften  bcö  §  1500  aud&  auf  bie  t)on  anberen  Slfscnbenten 


gic(]&tea^cr6attm§  iwlfdjcu  eitern  imb  Äinbern.    Stuöftathmö.   §1500.       719 

jugeft^crte  ober  getuä^rtc  äluöftattitng  au&2ubcl)ncn.  Hegt  nid^t  x>ox,  ba  für 
bie  »eiteren  3lficnbcntcn  eine  fittlid^c  ?ßf[id)t  jur  Slufiftattungögcwöljrung, 
roeld^c  bie  ©runblage  ber  befonberen  93eftimmungen  beß  §  1500  bilbet,  reget- 
tnagig  nid^t  begrünbet  ift. 

3.  S)ic  befonberen  SBcftimmungen  bcö  §  1500  finben  nur  3lnn)enbung  umfang  unb 
ouf  eine  3luöftattnng,  welche  bem  ftinbc  wegen  beffen  5Jerl&ciratF)ung  ober  ^"ffattung"*' 
Gnrid^tung  eineö  eigenen  |)audftanbed  burd^  SSertrag  }ugeftd^ert  ober  gen)ä[)rt 

n>irb.  S)cr  SlufibrudE  ,,9Iuöftattung"  begreift  fol^e  beweglid^e  ©egenftfinbe, 
wclcj^c  l)auptfäd5(i(i^  ber  (Sinrid^tung  beö  ^auömefenö  unb  perföntid^en  ^ebürf^ 
niffen  ju  bienen  beftimmt  finb.  SWid&t  ift  unter  ,,3luöftQttung"  bie  röm.  dos 
ju  oerftel^en,  b.  ^.  ein  ^eirat^ögut,  beffen  ßrträgniffe  baju  beftimmt  fmb,  bie 
Saften  ber  e^e  tragen  ju  Reifen  (oergl.  preufe.  21.  2.  SH.  11,2  §§  233,  243; 
fäd^f.  ®.  83.  §  1661).  S)ic  befonberen  SBeftimmungen  beß  §  1500  3lbf.  1  finben 
ferner  infoweit  feine  älnioenbung,  a(ß  bie  älußftattung  baß  ben  Umftfinben  beß 
galleß,  inßbefonberc  ben  SBermögenßoer^ältniffen  beß  SBaterß  ober  ber  ü)2utter, 
entfpred^enbe  SWafe  überfteigt.  S)er  ©runb,  roeß^Ib  in  ben  göBcn  beß  §  1500 
9lbf.  1  bie  älußftattung  nid^t  alß  Sc^enfung  gilt,  beruht  barauf,  bag  in  biefen  \ 

'^  ^7^^^  SPcn  einc(ünooIlfommene  3lußftattungßpfCid^t  angenommen  mirb.  SBon  biefem 
^    7  ©tanbpunfte  auß  ift  in  icbcm  einjelnen  gallc  ju  prüfen,  roicroeit  nad^  ben 

^^*^  fonh*etcn  SBerl^ättniffen  bie  ^ßflic^t  beß  SBaterß  ober  ber  9Kutter  fid^  erftretft. 
@rgtcbt  biefe  Prüfung,  bag  bie  jugeftd^erte  ober  geroötirte  Slußftattung  baß  ben 
Umftänben  beß  einjelnen  galleß,  inßbefonbere  ben  SSermogenßoerl^ättniffen  beß 
aSaterß  ober  ber  SKutter,  entfpred&enbe  Sliafe  überfteigt,  fo  fällt  infomeit  bie 
causa,  meldte  ber  Seiftung  ben  Äarafter  ber  Sd&enfung  nimmt,  meg.  S)iefc 
<Sinf(^ränfung  ber  iBorf^riften  beß  SIbf.  1  ift  für  bie  9(nn)enbung  unb  bie 
Sragroeitc  oerfd^iebener  anberer  SBeftimmungen  (oergf.  inßbefonberc  bie  §§  1352, 
1353,  1399  äbf.  1,  §§  ,1661,  1728,  1731,  1839,  1952)  von  großer  praftifd(ier 
S3cbeutung  unb  beßl^olb  im  §  1500  Slbf.  3  befonberß  jum  SlußbrudEc  gebracht. 

4.  9luf  bem  ©ebicte  beß  gemeinen  9led()teß  ift  eß  beftritten,  inmieroeit  ®ero«^r. 
berjenige,  rocld^er,  ol^ne  gefefelid^  baju  uerpflid^tet  ju  fein,  eine  dos  beftellt  l()at,  ^"p",JJ** 
für  baß  alß  dos  ©eteiftete  megen  eineß  9)lange(ß  in  feinem  Siedete  l^aftet.  S^ic 
^errfd^cnbe  SDlcinung  nimmt,  geftügt  auf  bie  1.  1  Cod.  de  jure  dot.  5,  la,  an,  bafj 
ber  SSefteDer  nur  im  galle  eineß  torl^ergegangenen  ©otaloerfpred^enß,  anberen- 
fallß  aber  nur  bann  megen  eineß  äßangeiß  in  feinem  Siedete  l^afte,  menn  er 
bie  Haftung  burd)  ein  befonbereß  SSerfpreci^en  übernommen  ober  ftdj  eineß 
dolus  fd^ulbig  gcmad^t  fiabc.  änbere  ftellen  bagegen  bem  gaUe  beß  üorfier- 
gegangenen  S)otaloerfpred)enß  ben  galt  gleid^,  in  welkem  obne  t)orl^erge()enbe 
iBerppid^tung  eine  Sad)c  fofort  jur  dos  gegeben  morbcn  ift.  3lud^  über  bie 
ißorauAfe^ungen  beß  Gintritteß  unb  ben  ^ni^alt  ber  ^aftpfli^t  gelten  bie  Sln^ 
fk^tcn  außeinanber.  @inc  Haftung  beß  93eftelterß  ber  dos  megen  eineß  3Rangeto 
ber  alß  dos  Eingegebenen  Zaä^cn  ift  gemeinrec^tKd^  nid^t  begrünbet.  3lai)  bem 
prcufe.  5K.  S,  fR.  I,  5  §§  518  ff.  Derb,  mit  I,  11  §§  1047,  1048,  foroie  nac^ 
iem  Code  civil  2trt.  §  1440,  1547  finben  bie  oUgemeinen  ©runbfäfte  über  bie 
^mäl^rleiftungßpflid^t  bei  luftigen  SBertrögen  älnmenbung.  2)agegen  ftnbet  nac^ 
bem  fflc^f.  ©.  83.  §  949  eine  Haftung  wegen  eineß  SDlangcIß  im  SRed^te  ober 
luegen  eineß  SWangelß  ber  gad)e  nur  bann  ftatt,  wenn  berjenige,  welcher  bie 


720      -SRc^tööcrJ^ärtnii  s^if^cn  SItern  unb  Wintern.    3lu£*ftattung.   §  1500. 

ShißftQtlimg  gewährt,  eine  fofd^c  Haftung  befonberö  tibernommcn  ober  einer 
abfid^tlid)en  ^enac^t^eiligung  bed  Snüerberd  [\ä)  fd^ulbig  gemad^t  l()Qt. 

S)er  ©ntwnrf  gel^t  bavon  auö,  ba%,  wenngleid^  bic  3ufid&crung  nnb 
(SeiDöljrnng  einer  9lnöftottung  in  ben  göUen  beö  §  1500  nid&t  alö  ©c^enhmg 
gilt  boä)  bie  Slnwenbung  bcr  aDgenteinen  ©nmbfagc  Aber  bie  ®cn)äl^rleiftungö* 
pPid&t  bei  SSertrögen  (§§  370  ff.,  §§  381  ff.)  mit  bem  ©efid&tßpunfte,  ba§  bic 
3lnöftQtlungögcn)äF)rung  eine  grcigebigfeit  entl^ölt  unb  als  bic  ®rfüllung  einer 
rittlid^cn  5ßftidf)t  fid^  barftellt,  nid&t  im  ©inflangc  [teilen  unb  ben  SBater  bcjm. 
bie  SWutter  ju  I)Qrt  treffen  mürbe.  2)er  ben  SBeftimmungett  beö  §  1500  ju 
Orunbe  liegenbc  ©ebanfc  einer  unüollfommenen  Slußftattungöpflid&t  red^tfertigt 
eö  nur,  bic  gcfd^eljenen  ©rfüDungsaftc  aufredjt  5u  er{)alten  unb  in  3lnfel^ung 
ber  ®erofi^rlciftungöpflid)t  bie  SBorfdJtiften  über  bie  ®cmfil^rlciftung3pPid[it  beö 
©d^enferö  (§§  443,  444,  448  9lbf.  2)  für  entfpred^enb  anmenbbor  ju  erflären 
(ucrgl.  aud^  §  58  Safe  4),  nidjt  aber  bem  ®eber  eine  SBerüoUftänbigung  bcr 
©rfüUung  in  bemfclben  Umfange  aufjucrlegen,  alö  menn  aus  einer  üerlragö* 
mäßigen  Obligation  gcleiftct  märe. 
Bermui^ung  5.  SBcuu  bcrfenigc  ®Iterntf;ci[,  roeld^er  bem  Äinbc  eine  9luöftattung  gc= 

Äli«ibeS  ^ö^^'t'  aScrmögen  beö  Jlinbeö  in  ^änbcn  l^at  unb  baö  alö  Sluöftattung  ®c* 
citcrnt^diefi.  Iciftctc  oljuc  näJ^crc  Seftimmung  erfolgt  ift,  fo  fann  bcr  S'^^cifet  fid)  erl^eben, 
ob  bie  Sluöftattung  alö  auö  bem  eigenen  SBermogen  beö  auöftattcnben  ©(teni* 
ttieileö  ober  alö  auö  bem  SSermögen  beö  Jtinbeö  gemalert  anjufel^cn,  ob  mitljin 
ber  ©Iterntlieil  bcmnöd^ft  ba^  ©eleiflctc  bem  Rinbc  auf  beffcn  SOermogcn  anju^ 
red^nen  bere^tigt  ift  ober  nid^t.  9Jad^  röm.  unb  gemeinem  5Red)te  gilt  in  einem 
fold^cn  gallc  bie  SBermut^ung,  bafe  baö  bem  Äinbc  alö  dos  ®clciftcte  oon  bem 
etterntl^eilc  auö  bem  eigenen  SBermögen  alö  Sibcvalität  gcleiftct  fei  (oergl. 

I.  7  Cod.  de  dot.  prom.  5,  u;  Scuffcrt  XX,  45);  bod^  ift  bic  3lnmenbbarfcit 
bicfer  S3cftimmung  auf  fold)c  göllc,  in  weld&cn  bem  iibcrlebcnbcn  ©Regatten 
an  bem  SBcnnögen  beö  jlinbcö  ber  bcutfd^rcd^tlid^c  SBeifife  juftcl)t,  nic^t  un* 
beftritten.  9luf  bem  ^oben  beö  vom.  9led^tcö  ftel^t  aud^  baö  franj.  Siedet 
(code  civil  Slrt.  1546).  S3on  berfelben  Sluffaffung  geljen  bic  aRotioc  ium 
§  1661  beö  fäd^f.  ®.  83.  auö,  loelddcö  bie  9lufnal}mc  einer  entfpred&cnben  SBc* 
ftimmung  megen  ©elbftüerftftnblid)feit  alö  entbel^rlidj  erad)tct  Ijat.  ©agegen 
ftellt  baö  mürttemb.  S.  SR.  IV,  13  §  5  unb  —  mit  9luöna^mc  beö  gaUcö^ 
luenn  bie  ®ltein  ba&  ^eirat^ögut  iljrer  minberiäl)rigen  J^od^lcr  ol^nc  oberoor* 
munbfd)aftlid&c  ®encl)miciung  auögejaljlt  l)obcn  —  aud)  baö  öfterr.  ®.  33. 
§  1224  bic  entgcgengefcfete  JBcrmutl^ung  auf.    ©aöfclbc  gilt  na^  preufe.  91.  S.  9L 

II,  2  §§  243,  245—247,  wenn  ein  ©Itcrntl;cil  bem  Äinbc  über  feine  gcfefelid^c 
9luöftattungöpftid)t  l)inauö  bem  Äinbc  eine  3uit)cnbung  (üKitgabc,  33rautfd)a6) 
mad)t.  Ob  bic  JBcrmutljung,  ba§  bic  Surocnbung  an&  bem  SJcrmögcn  beö- 
Äinbeö  gemad^t  fei,  and)  bann  eintritt,  toenn  bem  Äinbc  oon  bem  6ltcrntl|cilc 
nur  bic  bem  erftcren  nad^  91.  S.  dl  II,  2  §§  232—234  gcbii^renbe  Sluöftattung. 
o^nc  aSorbc^alt  gemalert  ift  ober  ob  in  einem  foldjen  %aUe  umgcfcl^rt  eine 
Sdjenlung  Dcrmut^ct  morbcn  foU,  ift  beftritten.  S)aö  ^icid^ögcrid^t  ^at  fi^» 
in  lefetcrem  ©innc  auögcfprod&en  (oergl.  ©rud^ot  XXIV  S.  1029  ff.). 

2)cr  Gntrourf  Ijat  bic  gvagc  für  ben  ^all,  menn  baö  SBcrmögcn  beö- 
Äinbeö  üon  bem  ß(terntl)eile,  tocldjer  bic  9luöftattung  gcmä(}rt  l&at,  alö  bem* 


Sttecli^c  (ättoalt    3uftanbiöfeit.    Snl&alt.    §§  1501,  1502.  721 

flcfc^lid&eti  SScrtrctcr  beö  Jlinbeö  ücrioaftet  worbcn  ift,  5u  Ounftcn  beö  ©Itcrn^ 
tl^eilcfi  eittfd&iebcn.  @ö  foU  in  bicfcm  galle  ücrmut^ct  werben,  ba^  bic  3luö^ 
[tottung,  forocit  ba&  SScrmögcn  beö  ,ftinbeö  l)inrei(i^t,  auö  biefcm  SBcrmogen 
gcroö^rt  fei  (§  1500  9lbf.  2).  gür  biefc  SBcrmut^ung  fprid^t  neben  bem  Um* 
ftanbe,  ba^  für  ben  6Itcrnlf|eiI  eine  SRed&tdpffid&t  jur  ©croft^rung  einer  Sluö^ 
ftattung  nid^t  befielet  bie  ©rroagung,  bog  berfetbe  als  gefe^Iic^er  Vertreter  bed 
Äinbeö  nic^t  nur  bered^tigt,  fonbem  ücrmogc  ber  il^m  obliegcnben  ^flid^t,  für 
baö  9BoI)I  beö  Äinbeö  ju  forgen  unb  bemcnlfprcd^enb  mit  bem  t)on  i^m  per* 
roolteten  SBermogen  beö  Äinbeö  ju  üerfa^ren,  oerpfli^tet  ift,  bem  Äinbe  auö 
beffen  33ermögen  ju  ben  ^icr  fraglid&cn  S^ecfen  eine  ben  aSerJ^ättniffen  ent 
fpred^cnbe  Sluöftattimg  ju  geroäl)ren,  unb  ba§  er  in  feiner  ©igenfd^aft  afe 
gefeßlid^er  SSertreter  beö  Äinbeö  auc^  feine  SSeranlaffung  l^atte,  bei  ber  ®e* 
mäl^rung  ber  äluöftattung  einen  SSorbe^alt  )u  mad^en  ober  bie  Sinroilligung 
beö  Äinbeö  einäul^olen,  menn  er  baö  SSermogen  beö  (enteren  baju  oerroenben 
wollte.  S)aö  S3ebürfni6,  für  ben  in  SRebe  ftcl^enben  gall  burd^  bie  SluffteHung 
einer  gefe^licften  3Jermutl)ung  einjugreifen,  ift  um  fo  me^r  angejcigt,  alö  baburd^, 
bafe  bie  9lcd)töpfli4|t  jur  ©eroä^rung  einer  9luöftottung  verneint  ift,  ber  burd& 
bie  Sermut^ung  ju  befeitigenbe  3"^^if^l  f^^  Derftärft.  dagegen  fel^It  eö  an 
einem  genügenbcn  (Srunbe,  für  anbere  %äUt,  in  roeld&en  baö  SBcrmogen  beö 
Äinbeö  üon  bem  6lterntl;eile,  roetd^er  bie  Sluöftattung  gemälirt  Ijat,  üermaltet 
morben  ift  ober  für  ben  gall,  in  meld^em  berfelbe  ©d^ulbner  beö  Äinbeö  ift 
unb  fiel)  ber  S^^ifel  crliebt,  ob  er  bie  3luöftattung  an  3al)Iungöftatt  geleiftet 
^abe,  nodö  ber  einen  ober  onberen  SRid^tung  l;in  eine  SBermutfiung  aufjuftenen. 
S)ie  S3erfdE)iebenl^eit  ber  §öUe  lögt  eine  allgemeine  gefegU^e  @ntfc^eibung  nid^t 
)u.  ^nfomeit  mug  eö  ba^er  bei  ber  auö  ben  allgemeinen  ®runbfä|en  fid^ 
ergcbenbcn  Seroeiölaft  Dcrbleibcn,  b.  \).  ber  ©Iternt^eil,  melier  bem  Äinbe  bie 
gen)äl)rtc  Sluöftattung  anrechnen  will,  mufe  ben  3lc(f)tögrunb  barlegen,  metd&er 
ein  fold&eö  Siecht  für  i^n  begrünbet,  fei  eö  eine  mit  bem  Äinbe  getroffene 
3Sereinborung  ober  eine  gered^tfertigte  ©efd^äftöfü^rung  o^ne  Sluftrag. 


IL  eitetlidie  »ttoalU 

1.  SKllgemeine  SSorfd^riften. 

§§  1501,  1502. 

1.   1.  2lud&  noc^  im  neueften  röm.  SHed&te  ^at  bie  Dötertid^e  (Seroalt,    crterii<^ 
roenngleid^  nid&t  in  bem  SKa&e,  roie  bieö  nad^  älterem  rom'.  SReddtc  ber  gall  mar,    ®*"^'* 
bodji  üormiegenb  ben  Äarafter  eineö  ben  3»itereffen  beö  ^auöoaterö  bienenben   staraitn, 
^crrfd^aftöredöteö  über  baö  ^auöfinb,  eineö  ©genred^teö  beö  ^auöoatcrö,    3"^". 
niJit  ben  Äarafter  einer  avA  bem  naturtidien  ScJiiupcbürfnt^c  beö  ^auö*   Mtenbe« 
'  ftn^g^  ^eroorgeflangenen^,  ber  ?^ür)orge  beö  lefeteren  bienenben  ©döußgcroalt.     '***^*- 
5)aö  bem  ^auöuater  fraft"Ter  üälerlic^cn  ©eroalt  juTßlienbc  ^gungs*  unb 
aSerroottungöred^t  am  JBcrmogen  beö  ^auölinbeö  roirb  —  abgefel^en  oon  ben 
fallen,  in  rocld)en  ber  ^auöoatcr  auöna^möroeife  über  bie  Subftanj  beö  aSer* 
mogenö  ju  verfügen  befugt  ift  unb  in  rocld&en  er,  roenigflcnö  nad^  ber  lierr* 

notioe  |.  barfierl.  Oefe^bud^.  IV.  46 


722  eiterlid&c  ®tm\t    Suftänbiöfett.    Snßalt.    §§  1501,  1502. 

f^cnbcn,  in  ncueftcr  3cit  iebod^  roicbcr  bcfätnpften  Slnfid^t,  im  Flamen  bcö 
flinbcö  ju  J^Qitbeln  f)at  (tjcrgl.  1.  8  §§  4,  5  Cod.  de  bon.  quae  üb.  6,  ci ;  entf<l&. 
b.  SR.  ®.  in  SitJilf.  X,  42  ©.  150,  XV,  41  ©.  194,  XVI,  24)  — ,  afe  ein 
ciflcnnüfeigcö  SRed^t  von  bcm  ^ouöoatcr  nid^t  im  5Ramcn  bcö  Äinbcd,  fonbern 
im  eigenen  9iamcn  ausgeübt.  S)ie  ^ßflid^t  unb  bad  SRcd&t  bcr  SBertretung  beß 
f(f)ufebebürftigcn  Äinbcö  ift  mit  ber  üäterlid&en  ©eroalt  nid^t  oerbunben.  S)ie 
legiere  bauert,  unabliängtg  von  bcr  ©djuftbebürftigfeit  beö  Äinbeö,  fort,  fo^ 
lange  ber  ^aufitater  lebt  ober  bis  er  baö  Rinb  auö  feiner  Oeroalt  entläßt.  3m 
©egenfafee  5um  röm.  SRed^te  l^at  bafi  beutfd&e  3ted^t  beß  SRittelalterö  —  ob 
aud&  ha&  ältere  beutfd&e  Stecht,  ift  beftrittcn  —  ber  üäterlid^en  ©emalt  infofem 
einen  oormunbfc^aftlid^en  Äaratter  im  mobernen  ©inne  beigelegt,  als  ber 
^auöoater  WW  unb  SRed^t  bcr  gürforge  für  baö  ^auöfinb  aud&  in  »er* 
mögenöred&tltc^er  S3ejie^ung  ^at  unb.  ote  gefcfelid&er  aSertreter  beö  minber* 
jährigen  Äinbcö  im  Flamen  beö  leftteren  ju  iianbeln  bcred&tigt  ift.  ©oneben 
ftel^t  il^m  aber,  älinlid^  mie  nad&  bem  neueften  röm.  SRed^te,  fraft  eigenen 
SRed^teö  bic  9iu|ung  unb  aSerroaltung  in  älnfel^ung  bcö  SSermögenö  beö  ^auö^^ 
finbeö  ju.  2luc^  enbtgt  biefeö  ?Rcdf)t  beö  ^auöoaterö  nadf)  ber  ^errfc^enben 
Srnfid^t  nid^t  mit  bcr  aSolljä^rigfeit  bcö  Äinbcö,  fonbern  erft  mit  ber  3tb^ 
fonbcrung  bcö  lc|tercn  auö  bem  eltcrlid^en  ^aufe  ober  mit  ber  ^eirat^  bcr 
S:od^ter. 

S)iefe  ©runbfäfee  bcö  beutfd&cn  9led)tcö  finb  auf  bie  Ocftaltung  ber 
oäterlid&cn  ©eroalt  im  gemeinen  SRcd^te  nid^t  o^nc  (Sinflufe  geblieben.  Sic 
gcmeinred^tltd^e  ^rajiö  ftellt  übcrroiegenb  baö  minberiäl^rigc  ^auöRnb  in  ^n^ 
feliung  ber  ©cfd&äftöfäi^igfcit  bem  geroaltfrcien  SRinberiä^rigcn  glcid&  unb 
giebt  bem  ^auöoater  alö  Sluöflufe  feiner  oätcrlid^cn  ©eroalt  neben  bem  alö 
einem  eigenen  Siebte  il|m  juftel^enben  Jlufeungö-  unb  SSerroaltungörcc^tc  am 
aScrmögen  bcö  Äinbeö  bie  rcd^tlic^e  ©teUung  eineö  gefcglid&cn  SSertreterö  bcö 
minberiäf)rigen  Äinbeö  nad^  SÄnalogie  ber  3icö)tt  unb  ^ßflid^tcn  eincö  3Sor* 
munbcö,  jcbodö  ol^ne  bie  bcfonbcren  33cfd&ränfungen,  roeld^en  ber  tefttere  bei 
ber  oormunbfd)aftlid&en  SSerroaltung  unb  JBcrtretung  unterliegt  (oergl.  ©euffert 
VII,  197,  XV,  113,  XXXV,  297,  XXXVII,  40;  ©ntf^.  b.  St.  ®.  in  ßioilf. 
X,  42,  XV,  41,  42,  baneben  iebod^  XVI,  24).  Sluc^  barin  ift  ba&  ge^ 
meine  SRed^t  beutfd^en  JRcd^töanfc^auungen  gefolgt,  bafe  bie  oäterlid^e  ©croalt 
aud^  nadf)  il^rcr  oermögenöred[|tlid^cn  ©eitc  ^in  burd^  bie  3lbfonberung  beö 
Äinbeö  oon  bcm  §auöf)alte  bcö  SSatcrö.  ober  bufJ  lBcrI)ciratIiu uq  Scr  S^ocfttcr 
-aufgeboten  roirb. 

Iffuf  bem  Soben  bcö  gemeinen  SRcd^teö,  roie  baöfelbe  in  ber  ^ßrajiö  jtd^ 
geftaltct  I|at,  fte^en  in  ber  l)icr  fraglichen  Scjieljung  im  SBcfentlid^cn  baö  prcu§. 
31.  S.  SR.  (II,  2  §§  125,  165,  166,  168,  210,  228 ;  »ergl.  bancbcn  preufe.  @ef., 
betreffenb  bie  ®efd^äftöfä^ig!eit  a»inbcriä^riger  u.  f.  ro.,  o.  12. 3uli  1875  §2; 
preui  ©ef.,  baö  Staatöfdöulbbuc^  betreffenb,  o.  20.  3uli  1883  §§  7,  9,  24) 
unb  baii  fä#  ©.  33.  (§§  1811,  1821,  1822,  1829—1833);  bod^  ^at  baö 
crftere  bie  beiben  Scftanbt^cile  ber  mobernen  gemeinred^ttidöen  üätertid^en 
©eroalt,  bie  oöterlid^e  S8ormunbfd&aft  über  baö  minberiä^rige  ^auöfinb  unb 
baö  bem  röm.  Siechte  entftammenbe,  mit  ber  SSoUiö^rigfeit  beö  Äinbeö 
nid^t  enbigcnbc  eigene  JRufeungös  unb  SScrroaltungörcd^t  bcö  aSaterö  am  SJcr* 


eitcrli^e  &maÜ.    3urtanbig!ctt.    Sn^alt.    §§1501,  1502.  723 

mögen  bcÄ  Äinbcö  nid&t  in  bcr  fd^arfen  unb  Maren  SEßcife  gcfonbert,  wie  bieö 
no*  bem  fod&f.  ®.  ».  bcr  gaU  ift.  9luf  bcnt  ©cbietc  bcö  preu§.  21.  S.  di. 
flehen  bal^cr  au6)  bie  Slnftd^ten  über  bcn  Umfang  ber  bem  JBatcr  fraft  feiner 
t)öterüd^en  ©eroalt  jufte^enben  SSertretungdmad^t  auöcinanber  (oergl.  VLxtf).  b. 
91.  ©.  bei  ®rud&ot  XXIV  ©.  1042  ff.,  XXIX  ©.  927  ff.).  3lud^  barin  rocid&t 
bafi  prcu§.  21.  S.  SR.  von  bem  fäd&f.  ®.  93.  ab,  bafe  nad^  bem  erfteren  aud& 
T)oBiä^rigc  ^anßtinfccr  nid^t  nur  in  ber  ajerfügungöfreil^eit,  fonbern  aud^  in 
bcr  ©efd^äftöfä^igfcit  bcf^ränft  fmb. 

3m  ©cgcnfafec  jum  gemeinen  SRcd^tc  unb  bcn  auf  gemeinrcd&tlid&er 
©runblage  berulicnbcn  ©cfeggebungen  \)ai  bie  üäterlid^e  ©eroalt  in  SübedE 
(aSorm.  D.  x>.  1820  §§  1,  2),  in  Hamburg  (33orm.  D.  r>.  14.  2)ejembcr  1883 
^rt.  6  ücrb.  mit  bem  Iiamb.  Stabtr.  III,  6  9Irt.  7,  17),  foroie  nad^  bem 
öftcrr.  ©.  S3.  §§  147,  149,  150,  152,  172,  173  bur(^auä  bcn  Äarafter 
einer  Däterlid&en  aSormunbfd&aft,  roeld^e  —  abgefc^en  von  geroiffen  im  ofterr. 
<S.  83.  oorgcfcl^encn  2ludna^men  — ,  roie  jcbc  anberc  SSormunbfd^aft,  mit  bcr 
aSoüiäl^rigfcit  bcö  Äinbcö  cnbigt,  bem  Sßater  aud&  fein  eigencö  Sßufeungd' 
re^t  am  SBcrmogen  bcö  Äinbcö  geroöljrt;  bod^  ift  nad&  bem  öftcrr.  ®.  83. 
bie  ©tcllung  bcö  SSatcrö  ate  3nl&aberö  ber  üätcrlidficn  ©eroalt  roefenttid^ 
freier  geftaltet. 

2luf  bcr  ©runWage  bcö  33ormunbfd^aftöprinjipcö  ift  bie  Däterlid&c  ©eroatt 
ferner  geregelt  oon  bem  frarij.  SRcd&te  unb  bcffcn  SRad^foIgern  (oergl.  code  civil 
mrt.  372—382,  384,  389,  390;  bab.  2.  31.  Safe  372—382,  384,  389,  390;  ital. 
®.  83.  2Crt.  220—228;  l^cff.  (Sntro.  III  2lrt.  18, 21—25,  31—33, 38,  IV  2lrt.  45), 
T)on  ocrfd^icbenen  fd^roeij.  ©efefeen,  inöbefonbcrc  bem  jür.  ®.  83.  §§  251,  259, 
261,  263,  268,  275  unb  bem  bünbner.  ©.  83.  §§  59,  60,  62,  63, 67, 100,  ferner 
von  bem  rocimar.  ©cf.  v.  27.  SWärj  1872  §§  1,  4,  17.  3laä)  allen  bicfen  Siedeten 
l^at  bcr  33atcr  fraft  bcr  Dciterlidden  ©eroalt  ^ßjtid^t  unb  SRed^t  bcr  ©orgc  für 
bie  ^crfon  unb  baö  SSermögen  bcö  Äinbcö,  einf(^He6lid^  ber  5ßpid^t  unb  bcö 
3lcdbtcö  bcr  SSertrctung  bcö  Icfetcren,  unb  cnbigt  bie  t)äterlid&c  ©eroatt  mit  bcr 
8SoUiä^rigfcit  bcö  Äinbcö.  5Die  ©tcllung  bcö  SSatcrö  ift  icbod^  mel^r  ober 
weniger  freier  geftaltet,  a(ö  bie  eincö  SSormunbcö.  2lud&  ftc^t  in  Uebcrein« 
ftimmung  mit  bem  gemeinen  SRcd^te  unb  bcn  auf  gemeinred&tlid^er  ©runblage 
bcru^cnbcn  ©cfcfegebungcn  bem  3nl^aber  ber  oäterlid^en  ©eroalt  alö  eigencö 
5lcd)t  bie  ^lufenicfeung  am  aSermögen  bcö  Äinbcö  ju;  bod^  cnbigt  bie  lefetere 
mit  bcr  aiJoUiäl&rigfcit  bcö  Äinbcö,  nad^  franj.  SRcd^tc  unb  bem  bab.  S.  SR. 
(oergl.  aber  ®inf.  @b.  jum  bab.  £.  91,  VIII  9lr.  3)  f(f)on  mit  bem  ad&tjel)ntcn 
ficbcnöja^rc  bcöfelben.  3lad)  franj.  SRcd&te  befielt  aufeerbem  bie  @igentl|ümli(^feit, 
ba^  mit  bem  S^obe  bcr  aJluttcr  bie  bem  SSater  roä^rcnb  beftc^cnbcr  6^e  fraft 
bcr  oöterfid^en  ©eroalt  juftcl^enbe  SScrroaltung  bcö  SScrmögcnö  bcö  Äinbcö  fid^ 
für  bcn  überlebcnbcn  33atcr  in  eine  gcfefelid&c  SSormunbfc^aft  umroanbelt  unb 
bcr  SBoter  alöbann,  roenn  aud^  in  etroaö  befd^ränftcr  3Beife,  bcn  allgemeinen 
©runbföfecn  bcö  SBormunbfd^aftöred&tcö  unterliegt  (code  civil  2lrt.  389,  390; 
Dcrgl.  entfd^.  b.  SR.  ©.  in  Straff.  XI,  55,  XVI,  96).  3n  ber  preufe.  SR^eim 
prooinj  l^at  nad&  ber  preufe.  SSorm.  D.  o.  5.  Si^ü  1875  §  95  bcr  SSater  nad^ 
bem  a:obc  bcr  SKutter  bie  ^fli^ten  unb  SRcd&tc  eincö  gefcfelid^en  SSormunbeö 
im  ©inne  ber  prcu^.  93orm.  Ö.  (oergl.  baju  ®ntfd^.  b.  SR.  ©.  in  ©traff.  XVI,  96). 

46* 


722  eitcriid&c  ®emlt    Suftanbiöfeit.    Snßaft.    §§  1501,  1502. 

fd^cnbcn,  in  neucfter  ^ext  {cbod^  roiebcr  bcfämpftcn  Slnfid^t,  im  SJorncn  bcö 
Äinbcö  iu  \)anbdn  f)at  (tjcrgl.  1.  8  §§  4,  5  Cod.  de  bon.  quae  lib.  6,  ei ;  (gntfd^. 
b.  %  ®.  in  eioilf.  X,  42  ©.  150,  XV,  41  S.  194,  XVI,  24)  — ,  ofe  ein 
cigcnnüfeigcö  SRed^t  üon  bcm  ^auöüQtcr  nic^t  im  3lamtn  bcö  Äinbcfi,  fonbern 
im  eigenen  Flomen  ausgeübt.  S)ic  5ßfH(f)t  unb  baö  SHed^t  bcr  JBertretung  bcö 
fd^ufebebürftigen  Äinbeö  ift  mit  bcr  »äterlid^en  ©eroalt  nid^t  oerbunben.  Sic 
tefetcre  baucrt,  unob^ängig  üon  ber  ©döugbcbürftigfcit  bcö  Äinbeö,  fort,  fo* 
fange  bcr  ^auötater  lebt  ober  biß  er  baö  ftinb  auö  feiner  ©eroalt  entläßt.  3"^ 
©egenfatfc  jum  röm.  3le(f)te  §at  baß  beutfd^e  3ted^t  bcö  ÜKittelalterö  —  ob 
and)  baö  ältere  beutfd^e  Siedet,  ift  bcftritten  —  ber  Däterlid^en  ©eroalt  infofeni 
einen  t)ormunbfd^aftlid[ien  Äaratter  im  moberncn  ©inne  beigelegt,  alö  ber 
^auöoater  $flic^t  unb  9ted^t  bcr  ^^rforge  für  baö  ^auöfinb  aud^  in  oer^ 
mögcnöred^tltd^er  S3ejiel^ung  ^at  unb  alö  gefcfelid^er  aScrtrcter  bcö  minber^ 
jährigen  äinbeö  im  Flamen  bcö  legteren  }u  ^anbeln  bcrc^tigt  ift.  daneben 
ftcl^t  il^m  aber,  ä^nlid^  roic  nad^  bcm  neueften  röm.  SRcd^te,  fraft  eigenen 
9led^tcö  bie  9lu|ung  unb  SSerroaltung  in  ^nfci^ung  bcö  äScrmögcnö  bcö  ^auö^ 
finbcö  }u.  äluc^  enbigt  biefeö  ^tc^t  bcö  ^auöoatcrö  nad^  ber  l)errfd^cnbcn 
9lnfid&t  nid^t  mit  ber  aSolliä^rigfcit  bcö  Äinbeö,  fonbern  crft  mit  ber  9lb* 
fonbcrung  bcö  Icfetercn  aM  bcm  eltcrlid^en  ^aufe  ober  mit  ber  ^ciratl^  bcr 
S^od^tcr. 

S)icfc  ©nmbfäfee  bcö  beutfd^cn  JHcd&tcö  finb  auf  bie.  ©cftaltung  bcr 
oöterlid^cn  ©croalt  im  gemeinen  Siedete  ni^t  o^nc  @inf(ug  geblieben.  S)ic 
gcmeinred^tUd&c  ^rajiö  ftcllt  übcrroicgenb  baö  minbcrjäl^rigc  ^auöfinb  in  Sin- 
fc^ung  bcr  ©cfd^äftöfä^igfcit  bcm  geroattfrcien  aWinbcriäl;rigcn  glcid&  unb 
giebt  bcm  ^auöoatcr  alö  äluöflug  feiner  oätcrlid^cn  ©eroalt  neben  bcm  alö 
einem  eigenen  SHcc^te  i^m  juftel^cnbcn  Jlufeungö:^  unb  JBcrroaltungörcc^tc  am 
aScrmögcn  bcö  Äinbeö  bie  red&tli^c  Stellung  cincö  gefcfelid(|cn  93ertreterö  bcö 
minberjälirigcn  Äinbeö  na^  a:nalogie  bcr  SRcd^tc  unb  ^füd^tcn  cincö  SSor- 
munbeö,  icbocf)  o^nc  bie  befonbcrcn  Sefd^ränfungcn,  roeld^cn  bcr  lefetcre  bei 
bcr  oormunbfd^aftlid^en  SScrroaltung  unb  aScrtrctung  unterliegt  (ocrgl.  ©cuffert 
VII,  197,  XV,  113,  XXXV,  297,  XXXVII,  40;  (gntfd^.  b.  SR.  ©.  in  (Sioilf. 
X,  42,  XV,  41,  42,  bancbcn  jcbod^  XVI,  24).  3lud&  barin  ift  ba^  gc* 
meine  3lcdf)t  beutfd^cn  3lcd^töanfd^auungen  gefolgt,  bafe  bie  oäterlid^c  ©croalt 
aud^  nad^  i^rer  ocrm5gcnörcd[|tlid^cn  Seite  ^in  burd^  bie  Slbfonberung  bcö 
Äinbeö  oon  bcm  §auöl|altc  beö  SBatcrö  ober  bufJi  l[?crT)eiratBunp  5cr  STot^tcr 
-mtfrjc^ötcn  roirb. 

*3ruf  bcm  Soben  bcö  gemeinen  SRcd^tcö,  roic  baöfelbc  in  bcr  ^ßrajiö  ftd^ 
geftaltet  ^at,  fielen  in  bcr  ^icr  fraglid^cn  Sejic^ung  im  aBcfcntlid^cn  baö  prcufe. 
at.  S.  SR.  (II,  2  §§  125,  165,  166,  168,  210,  228;  oergl.  bancbcn  preufe.  ©cf., 
betreffcnb  bie  ©cfd&äftöfä^igfcit  aWinbcriä^rigcr  u.  f.  ro.,  t).  12.3uli  1875  §2; 
prcufe.  ©cf,,  baö  Staatöfd^ulbbud^  betreffcnb,  o.  20.  3uli  1883  §§  7,  9,  24) 
unb  ba&  fäd&f.  ©.  ö.  (§§  1811,  1821,  1822,  1829-1833);  bo^  ^ai  baö 
crftcre  bie  beiben  Scftanbt^cile  ber  moberncn  gcmeinrcd^tlid^cn  Dätcrlid&cn 
©croalt,  bie  oäterlid&e  Söormunbfd^aft  über  baö  minberiä^rige  ^auöfinb  unb 
baö  bcm  röm.  SRcd)tc  cntftammenbc,  mit  bcr  aSolliä^rigfcit  bcö  Äinbeö 
nid)t  cnbigenbc  eigene  ^Rufcungö*  unb  S3crroaltungörcd)t  beö  SSaterö  am  SScr^s 


eiternde  ®malt.    Suftänbiöfctt.    Sn^alt.    §§  1501,  1502.  723 

mögen  bcö  Äinbcö  nid^t  in  bcr  fd()orfen  unb  Maren  SBeife  gefonbert,  wie  bieö 
nod)  bcm  fäd^f.  0.  93.  ber  gaH  ift.  3luf  beut  ©cbietc  bcö  preu§.  21.  S.  91. 
flehen  bal|cr  auä)  bie  Slnfid^ten  über  ben  Umfang  ber  bent  SSater  traft  feiner 
»äterlid^en  ©eroalt  juftc^enbcn  SBcrtretungömad^t  auöcinanbcr  (oergl.  Urt^.  b. 
91.  ®.  bei  ©rud^ot  XXIV  S.  1042  ff.,  XXIX  ©.  927  ff.).  3lud&  barin  rocid&t 
baö  preufe.  31.  S.  %  üon  bcm  fö^f.  ®.  93.  ab,  bafe  nad^  bem  erftercn  aud& 
üottiäl^rigc  ^auöfinber  nid&t  nur  in  ber  Söerfügungßfrcil^eit,  fonbem  aud^  in 
ber  ©cfd^äftöfä^igfeit  befd^ränft  finb. 

3m  ©egenfafec  jum  gemeinen  SRed^te  unb  ben  auf  gemcinred^ttid^er 
©runblagc  berul^cnben  ©efeßgebungen  l)at  bie  oätcrtid^e  ©ematt  in  SilbedE 
{SBorm.  D.  r>.  1820  §§  1,  2),  in  Hamburg  (5ßorm.  D.  t).  14.  Sejembcr  1883 
^xt.  6  Derb,  mit  bem  l^amb.  Stabtr.  III,  6  2frt.  7,  17),  fou)ie  nad^  bem 
ofterr.  ©.  33.  §§  147,  149,  150,  152,  172,  173  burc^auö  ben  Äorafter 
einer  Dätcrlid^en  33ormunbfd^aft,  meld&e  —  abgcfe^en  x>on  geu)iffen  im  ofterr. 
@.  93.  Dorgefcl;enen  3lußna^men  — ,  wie  jcbe  anberc  SSormunbfd&aft,  mit  bcr 
SBoIljäl^rigfcit  bcö  ftinbeö  cnbigt,  bem  Sßater  aud&  fein  eigenes  SHufeungö* 
re^t  am  SScrmogen  bcö  Äinbeö  gemährt;  bod^  ift  nod^  bem  ofterr.  ©.  93. 
bie  ©tellung  bcö  SBatcrö  alö  3n]&aberö  bcr  üöterlid^en  ©ematt  mefenttid^ 
freier  gcftaltet. 

Sluf  bcr  ©runbtage  bcö  aSormunbfd^aftöprinjipcö  ift  bie  Däterlid^e  ©emalt 
ferner  geregelt  tjon  bcm  franj.  SRcd^te  unb  bcffen  SRad^fofgem  (ücrgf.  code  civil 
an  372— 382,  384,  389,  390;  bab.  S.  91,  Sag  372—382,  384,  389,  390;  ital. 
©.  93.  2Crt.  220—228;  l)eff.  ©ntn).  III  3lrt.  18,  21—25,  31—33,  38,  IV  3lrt.  45), 
Don  ocrfd^icbcnen  fd^meij.  ©efegen,  inöbefonbere  bem  jür.  ©.  93.  §§  251,  259, 
261,  263,  268,  275  unb  bem  bünbner.  ©.  93.  §§  59,  60,  62,  63, 67, 100,  ferner 
von  bem  mcimar.  ©ef.  r>.  27.  äHärj  1872  §§  1,  4,  17.  5Rad&  allen  bicfen  9lcd&ten 
^at  bcr  SSater  fraft  ber  üätcrUd&en  ©emalt  ^fixä^t  unb  9led&t  ber  ©orgc  für 
bie  ^a-fon  unb  baö  SSermogen  bcö  Äinbcö,  cinf^Iicfelid^  ber  ^flid[|t  unb  bcö 
3lcdf)tcö  ber  33ertrctung  bcö  Icfeteren,  unb  cnbigt  bie  t)ötertid&c  ©ematt  mit  ber 
^oüiä^rigfcit  bcö  flinbcö.  2)ie  ©tcUung  bcö  SSatcrö  ift  jcbod^  me^r  ober 
rocnigcr  freier  geftattct,  afö  bie  eineö  SSormunbeö.  Slud^  fte^t  in  Uebcrcim 
ftimmung  mit  bem  gemeinen  9lcd)tc  unb  ben  auf  gcmeinred&ttid^er  ©runbtage 
bcru^enben  ©efcftgebungen  bem  Snl^aber  bcr  üätcrlid^en  ©ematt  alö  eigcneö 
5lcd)t  bie  ^lufcnicfeung  am  aSermögen  bcö  ftinbeö  ju;  bo6)  cnbigt  bie  tefitcre 
mit  ba-  9SolIiä]&rigfeit  bcö  ftinbeö,  mä)  franj.  9led&te  unb  bcm  bab.  S.  9i. 
(Dcrgt.  aber  6inf.  ®b.  jum  bab.  S.  91.  VIII  9lr.  3)  fd&on  mit  bem  ad^tje^nten 
Scbcnöia^rc  bcöfelbcn.  9iad^  franj.  9led^tc  bcftel^t  aufeerbem  bie  ®igentl)ümtid^fcit, 
bafe  mit  bcm  S^obe  bcr  üRutter  bie  bcm  33ater  möl&renb  befte^enbcr  6l^e  froft 
bcr  Dätcrtid^cn  ©eroatt  juftel^enbe  SSerroattung  bcö  93ermögenö  bcö  ftinbeö  fxä) 
für  ben  übcrtebenbcn  93ater  in  eine  gcfcBlic^c  SSormunbfc^aft  ummanbelt  unb 
bcr  38ater  atöbann,  rocnn  aud^  in  ctroaö  bcfdöränftcr  SBcifc,  ben  atlgemcinen 
©runbfägen  bcö  SSormunbfd^aftörcd^tcö  unterliegt  (code  civil  3lrt.  389,  390; 
Dcrgl.  entfd^.  b.  91.  ©.  in  ©traff.  XI,  55,  XVI,  96).  3n  bcr  preufe.  9l^ein^ 
proüinj  l^at  nad&  bcr  preufe.  58orm.  D.  t).  5.  3wli  1875  §  95  ber  93atcr  naä) 
bcm  a^obe  bcr  9Kuttcr  bie  ^ftid^ten  unb  9Jcd^te  eineö  gcfctlid^en  93ormunbeö 
im  ©inne  ber  preufe.  SSorm.  D.  (ocrgl.  baju  ßntfd^.  b.  91.  ©.  in  ©traff.  XVI,  96). 

46* 


724  erterlic^c  ®cwM.    Suftonbiofcit.    Snftart.    §§  1501,  1502. 

stanbpunft  2)em  ©itttüitfcluiigößangc  bcö  SRcditcö  folgenb  i)(\i  bcr  ©ntrourf  bie  citcr* 

«ntnmrfe*.  Iiö)<^  ©eiOQlt  DOH  einet  einl)citlid^en  ©runblagc  aus  geftoltct  unb  babci  bQ& 
natürli^c  Sdiu^bebürfnife  beß  Äinbcö  jum  9(uögangöpunfte  genommen.   3)cm:^ 

w  fti"(b^'  gemöfe  befjonbelt  er  bie  eltetlidöc  ©croalt  if)rer  mcfentlidjen  ®runb(agc  noc^ 
Äatafter  ber  olö    einc  tjotmunbfdöaftlidöc  im  mobemen  ©innc  ber  3[}ormiinbfci^aft,  b.  f). 

^STmott"  ^"^  ^^^  ^^"^  Snterejle  bc§  Äinbcö  bienenbcö  Sc^n^inftitut,  welijeö  für  ben 
3nl)Qber  ber  elterüd^en  Oeroalt  bie  ?5f[id)t  unb  baö  diciit,  für  bie  ^erfon  mie 
baö  33crm5gen  beö  Äinbeö  [ju  forgen,  begrünbet  (üergl.  §  1502  9}r.  1  ocrb, 
mit  §  1648).  SQBie  bei  bcr  SBormunbfd&nft,  umfafet  ciud)  bei  ber  elterlidjcn 
©croatt  jene  5pflid)t  unb  jenes  9lcd)t  bie  gefe^Ii^c  aSertretung  beö  Rinbe& 
(Dergl.  §  1503  3Ibf.  1  ocrb.  mit  §§  1648—1651).  9luf  ber  anberen  Seite 
mu6  aber  im  9lnfd)Iunc  an  boö  befte^enbe  3i^d;)i  ber  Umftanb,  bojj  bie  elter^ 
li^e  (Seroalt  fid^  alö  ber  red^tlidjc  STuöbrucf  eincö  natürlid)en,  [ittlidjen  SSer^ 
flältnifjcö  barftcüt  unb  biefelbc  auf  gegenfeitigeö  33ertrauen  unb  auf  gegen« 
fettige  2iebe  gegriinbet  ift,  bafjin  fü^iren,  ben  3nf)aber  ber  elterlid^en  (Seroatt 
bei  feiner  üormunbfc^aftli^en  aScrroaltung  crl)eb[id^  freier  ju  ftellen.  S)iefc 
freiere  ©tellung  jeigt  fid)  namentlid^  barin,  bafe  bie  SSertrctungömad^t 
bcö  Snfiabcrö  ber  clterlid^en  (Seroalt  crficbtid)  roenigcr  befd&ränft  ift  alö  bie 
beö  gScrmunbcö  (oergf.  §§  1507,  1511  —  1515  mit  §§  1657,  1663,  1666^ 
1669—1671,  1674—1682),  bafe  ein  (Segenüormunb  nic^t  beftettt  roirb  (§  1647) 
unb  bcr  3n{)aber  ber  clterlid)cn  ©eroatt  nid)t  ber  ftänbigen  9luffid)t  bcö  SBor- 
munbfc^aftögcrid^tcö  unb  ben  bcr  SJurd^fiUjrung  bicfer  Sluffic^t  bienenben,  btn 
95ormunb  befd&ränfenben  Seftimmungen  unterliegt  (oergl.  §§  1544—1552 
mit  §§  1659,  1683  —  1689,  1705  9ir,  1,  2).  SDiefc  freiere  Stellung  befjölt 
ber  aSater  nad&  bem  ©ntrourfe  auc^  bann,  roenn  bie  ®E|e  burd)  ben  S^ob  ber 
aKutter  aufgeloft  ift.  5Daö  Softem  beö  code  civil,  nad^  roe(d)em  mit  bcm  2:^obe 
ber  ajlutter  bie  üfttcrlid^c  (Seroalt  fid)  in  eine  gefeglid&c  93ormunbf(f)aft  oer? 
roanbelt  unb  ber  aSater  oon  ba  an  im  3BefcntIid)en  roic  ein  anberer  SBormunl> 
ber  Äontrole  eincö  (Scgenüormunbeö  unb  beö  gamittenratl^eö  untenoorfen 
roirb,  geroäfirt  jroar  ben  Äinbern  einen  größeren  Sd)u|  gegen  aßi^braud^  von 
Seiten  beö  burd^  bie  ajluttcr  nid^t  mcl)r  fontrolirtcn  SJaterö,  crreid^t  aber 
biefen  ©rfolg  nur  auf  Äoftcn  ber  natürlid^cn  Stellung  unb  ber  9lutorität  bc& 
95atcrö  unb  entfprid()t  nid^t  ben  3lnfd^auungen  beö  bcutfd^en  SBotfcö.  ©urcfy 
bie  freiere  Stellung  bcö  3n^aberö  ber  elterlichen  ®croalt,  foroic  burcö  bie 
weitere  Seftimmung  bcö  ®ntrourfcö,  bafe  bie  eltcrlid^e  ©croalt  für  ben  3n^aber 
ber  tegtcren  jugleic^  baö  di^6)\  bcr  9lu|fnie6ung  am  SSermögcn  bcö  Äinbcö  alö 
ein  binglid)eö  $Hcd)t  begrünbet  (§  1502  5Rr.  2,  §§  1516—1537),  crlcbigcn  fic^ 
bie  Sebenten,  bafe  eine  auf  ber  (Srunblagc  beö  SSormunbfd^aftöprinjipcö  auö* 
geftaltcte  elterlicf)c  ©eroalt  bcm  3n{)abcr  bcr  Icgteren  nid)t  bie  nött)ige  ©ncrgie 
unb  9lutoritdt  gegenüber  bcm  Äinbc  ju  gcrocil;ren  ucrmögc. 

eiterige  ^lulaugcnb  bie  cttcrlidjc  ^Jufnicfeung,  fo  Icifet  fid)  allerbingö  nid^t  ucr? 

9iu|nie^unfl.  ^^^^^^^^^  ^^^  j,„^^  j^jg  SScrbinbung  bcr  elterlidjcn  Shignicfeung  mit  ber  elterlidjcn 

©croalt  alö  eines  S3eftanbtf)eilcö  bcr  Icßtcrcn  uom  Stanbpunfte  bcö  ©ntrourfcö  auö- 
ein  frembartigcö,  bcm  pormunbfdjaftlid)en  Äaraftcr  bcr  elterlid)en  ©croalt  nid^t 
entfprcd)enbcö  (Slcment  in  bicfc  £)ineingctragen  roirb  unb  bafe  barauö  geroiRc 
Sdiroicrigfcitcn  imb   ^{crroicfetungcn  fi^  ergeben.    2luf  bcr  anberen  Seite 


(51tcrlid6c  Octoalt.    Suftaiiblgfeit.    Sn^aft.    §§  1501,  1502.  725 

tpric^t  abcv  gegen  bie  reine  S)uv(^füf|rung  beö  üormunbfd)aftUc^en  Äarofterä 
in  biefer  SRid&tuug  junftd^ft  fd)on  bic  Xi)ai)aii):,  ba^  mi)  bem  in  bem  roeitauö 
flrofeten  2:()eilc  2)eut|d^Ianbö  geltcnbcn  SRec^te  bie  Dätcvlid^e  ©eroalt  für  ben 
SBoter  baö  91ed)t  ber  ^lu^nieüung  an  bem  SSermögen  beö  Äinbes  begrünbet. 
2)ic  Scibeljaftung  biefcö  9Ied&teö  ift  aud)  fcincöroegö  afö  ein  SReft  altrömifc^er 
tttnfdiauungen  über  ha^  SBefen  ber  üäterlid)cn  Oeroalt  anjufeljen,  fonbern 
cntfprid^t  bem  ©ntioicfelungögange  beö  beutfd)en  dtedjk^,  njcldjeö,  von  feftenen 
tttuönabmcn  abgegeben,  mit  bem  Döterlidjen  OJlunbium  üon  je^er  bie  SRug« 
niefjung  an  bem  SSermögen  beö  Äinbeö  Derbunben  f)at.  gür  bie  SBeibeJ^ottnng 
ber  eltcrlid^en  9iuftnie6ung  fpred^en  aber  aud&  überioicgenbe  innere  ©rünbe. 
'©er  3nbaber  ber  clterüd^en  (Seroalt  ift  bcrecbtigt,  bie  ©inliinfte  beö  bem  Äinbc 
geijörenben  Sßermögenö  für  ben  Unterljalt  beö  Äinbeö  jn  oerroenben  (§  1481 
^b).  1,  3).  er  ift  ferner  bercd)tigt,  bie  9Irt  ber  Ocrociljrung  beö  Unter^alteö, 
foiüic  bic  9lrt  ber  ßrjiel;ung  unb  baö  SKafe  ber  bafür  aufjurocnbenben  koften 
ju  beftimmen.  9luögaben  biefer  3trt  geftatten  ifirer  SJatur  nad^  bem  (Srmeffen 
«inen  roeiten  Spielraum.  ®ö  fönnen  ju  biefen  9luögabcn  and)  9luögaben  für 
ben  3nfjaber  ber  elterlid)en  ©eroalt  felbft  unb  für  bie  übrigen  ÜKitglieber  feiner 
gamilic  gepren.  3m  elterlid^en  ^aufe,  im  ©d^oofee  ber  gamilie,  fott  baö 
Äinb  erjogen  werben  unb,  roenn  bieö  in  einer  feinen  SScrfjältnifjen  entfpred)en* 
ben  9lrt  nur  baburd^  gefdiebcn  faun,  bafe  bic  eintünfte  beö  bcmfclbcn  ge* 
l^orenbcn  SJcrmögenö  jum  ftanbeömcifeigen  Unterijalte  ber  eitern  unb  ber 
fonftigen  äRitglicbcr  ber  gamilic  mitoerroenbet  ro:rben,  fo  roürbe  nmn  bem 
3nl)ober  ber  elterlid)en  ©croalt  aud)  bei  einer  rein  üormunbfd^aftlid^en  Stellung 
eine  fofd)c  93erroenbung  acftatten  müfjen ;  benn  eö  roürbe,  roenn  ba^  Äinb  reid& 
ift,  bic  eitern  aber  arm  finb,  mit  einer  vernünftigen  erjieljung  nid)t  vereinbar 
fein,  bafe  in  berfetben  gamitiengemeinfd)aft  baö  Äinb  feinem  9{cid)t(;ume,  bic 
eitern  i^rcr  Slrmutb  cntfpredjenb  lebten.  W\i  ber  Stellung  beö  Sn^obcrö  ber 
cltcrlid^en  ©croatt  gegenüber  bem  Äinbe  roürbe  eö  ferner  nid^t  im  einflangc 
fte^cn,  roenn  er  bcmfclbcn  in  irgenb  roeldjcr  gorm  für  baö  aJlafe  ber  jum 
3rocrfe  beö  Untcrl)alteö  auö  ben  einfünften  beö  ÄinbcöDcrmBgcnö  gemachten 
2Iufrocnbungcn  oerantroortlid^  fein  folllc.  er  roürbe  bal)er,  aud^  roenn  man 
ben  Dormunbfd)aftlid)cn  Jlarafter  ber  eltcrlid^en  ©croalt  fd^le^tbin  feftbalten 
looUte,  bod)  in  ber  SScrroenbung  ber  einfünfte  beö  bem  Äinbe  gebörenbcn 
5Bermogenö  tt)atfäd}lid)  faft  unbcfd^ränft  fein,  eine  foldje  Stellung  beö  3i^ 
^obcrö  ber  elterlichen  ©eroalt  unterliegt  aber  nad&  außen  Ijin,  inöbcfonberc 
gegenüber  feinen  ©laubigem,  ernflcn  Scbcnfcn.  er  fann  über  bie  einfünftc 
beö  bem  ftinbe  gcl;örcnbcn  93crmogenö,  roic  über  feine  eigenen,  frei  verfügen; 
er  vcrroenbct  fic,  oljnc  bafür  verantroortlidj  ju  fein,  nad)  ^Belieben  in  feinen 
3lugen,  aber  feinen  ©laubigem  finb  fic  entjogen,  ba  fie  bem  Slinbe  gel)ören. 
Stile  bicfc  93cbenfcn  rocrben  bcfeitigt,  roenn  man  bem  3"^ciber  ber  eltcrlid^en 
©croalt  bic  SRufenicfeung  am  aScrmögen  beö  Äinbeö  alö  ein  cigcneö  dlcd)i 
einräumt.  ®em  3»tcreife  beö  ttinbcö,  bafe  bie  einfünftc  beö  bcmfclbcn  gc* 
^örenben  SBcnnögenö  in  ^olgc  ber  clterlicbcn  ^Jugniefeung  iljrcm  ^mcdc,  vor* 
jugörocife  jum  Unterhalte  beö  Äinbeö  unb  ber  gamilie  5u  bienen,  nid^t  entjogen 
rocrben,  roirb  burd)  bic  Seftimmungen  ber  §§  1532, 1534, 1535  in  auöreid^enber 
3Bcifc  Slcd^nung  getragen.    Ser  Unterl;alt  beö  Äinbeö  unb  bie  SSermeibung 


726  erterli*e  ®ctx>alt.    Suftanbtofcit.    ^nWt.    §§  1501, 1502. 

Don  SKbred^nimgcn  5n)tfd)cn  bcm  3nl)abcr  bcr  clterlid^en  ©eroolt  unb  bcm  Jlinbe 
über  bic  Sßcrroenbung  bcr  ©infünftc,  foroic  bic  ^crbeifül^nmg  einer  angcmeffcncti 
Stellung  beö  3n^aberö  ber  elterlid^en  Ocroalt  nod^  aufeen  finb  nid^t  bcr  einjige 
3n)ccf  bcr  cltcrlid^en  Slufeniefeung.  2lud)  nod^  anbere,  nid^t  minber  fd^toer  in^ 
Oeroicöt  faUenbe  Stad^t^cilc  entftcljen,  roenn  man  ben  üormunbfd^aftlid&cn 
Äarofter  ber  clterlid&en  ©eroalt  aud^  in  3lnfc^ung  ber  ®infünfte  beö  bcm  Rinbe 
ge^örenben  SBcrmögenö  fcftfioltcn  wollte.  2)ic  ©tellung  beö  3nl)obcrd  ber 
elterlichen  ©croalt  gegenüber  bem  Äinbe  mufe  eine  felbftänbige  fein;  baft 
natürlid^e  SBer^ältnife  ift,  ba^  bic  (SItern  bcm  Rinbc  ben  Unterhalt  geben; 
biefcß  SBer^ältnife  wirb  Dcrfd^oben,  wenn  ber  Unterhalt  beö  Äinbcö  unb  mtU 
leid&t  auä)  ber  ®(tem  nidjt  aus  bcren  SKitteln,  fonbern  quo  bcnen  beö  ÄinbcÄ 
beftritten  wirb,  menn  ber  3nf)aber  ber  eltcrlid^en  ©eroalt  über  biefc  SKittel 
nid&t  fraft  eigenen  SRcd^tcö,  fonbern  nur  afe  SSertreter  beö  Äinbeö  ücrfügt  unb 
biefem  bafür,  roenn  aud^  nid&t  rcd^Iid^,  fo  bod[|  fittUd^  Dcrantroortfid^  ift.  2)Qft 
natürliche  ©cfü^I  ber  Slbl^ängigfeit  beö  Äinbeö  t)on  bem  3nl)aber  ber  elteriid^ca 
©eroalt  !ann  baburcö  unter  Umftänben  fd^roer  gefd^ftbigt  roerben.  2)er  ©afe 
beö  attröm.  SRedjteö,  ba^  Slttcö,  roaö  baö  Äinb  erroirbt,  bem  Snl^abcr  ber 
Däterlid^cn  ©eroolt  gel^ort,  ift  l^cute  nid&t  mefir  möglich.  9lber  ber  bemfelben 
}u  ©nmbe  liegenbc  ©ebonfe,  bafe  baö  fRcä^i  bic  natürliddc  9lbl)fingigfeit  beft 
Äinbcö  Don  bcm  3nf)abcr  ber  eltcrlid^cn  ©eroatt  ancrfeimcn  unb  in  ber  ©e* 
ftaltung  ber  beiberfeitigen  95ermögenöüerl)ältniffe,  forocit  tl^unlid^,  ium  SiTuö* 
brudfe  bringen  muffe,  ift,  folange  ba^  Äinb  minberiä^rig  ift  unb  bcr  (Sriiel^ung 
ber  ®Itcrn  bcbarf,  aud^  l^eutc  nod^  richtig  imb  finbet  in  bem  eigenen  SRcdfite 
beö  Snl^abcrö  ber  elterlid^en  ©eroalt  an  bcu  ©intünften  beö  bem  Äinbc  ge* 
^örenben  SBcrmögenö  feinen  ben  je^igen  58erl;öltniffen  cntfprcd^enbcn  3liiöbrucf. 
üRit  SlüdEfidit  auf  ben  3ufammenf)ang,  in  rocld)em  bem  5Borftcl)enbcn  nac^  bie 
elterliche  ^lufeniefeung  mit  ber  im  Uebrigen  bcm  3nljaber  ber  elterlid&cn  ©eroalt 
jugcroicfencn  Stellung  gegenüber  bem  Äinbe  ftel)t,  foroie  im  SntcrcRe  bcr  95er* 
einfad)ung  unb  lcid()teren  §anb^abung  beö  ©efcgbu^eö  bel;anbett  ber  ©ntrourf 
bie  clterlid^e  SRu^niefeung  nid&t  alö  ein  Don  ber  cltcrlid^cn  ©eroatt  oollig  unab* 
^ängigeö,  neben  berfelben  beftel)cnbeö  SRed^t,  fonbern  alö  einen,  allerbingö  mcl)r 
afjibentatcn,  93eftanbtl|eit  ber  etterüd^en  ©eroatt. 
»üucr  2.  3luö  bem  ^rinjipe  beö  ©ntrourfcö,  bafe  bic  eltcrtid^c  ©eroatt,  analog 

^^^  ber  ©d^ufel^errfd&aft  beö  aSormunbeö,  eine  ©d)u6geroatt  ift,  ergiebt  ^4  i<t% 
biefelbe  fo  lange  ju  bauern  f)at,  alö  bic  ©d^ufebcbürftigfcit  baucrt.  a)Jan 
fönntc  baran  benfcn,  baö  ®nbc  ber  ©d^ufebebürftigfeit  nad^  bcr  ttiatfäd^lic^en 
SJorauöfc^ung  ju  beftimmen,  bafe  im  ein5clncn  gälte  bic  ^erfon  bcöÄinbeö 
eine  felbftänbige  Sebcnöftellung  erlangt  licib'e.  ®icö  roürbV  "bann  ober  allgemein 
gelten  muffen  forooI}l  für  ^auöfinber  alö  für  fotd^e  Äinber,  roel^c  nid&t  unter 
cttertid^ier  ©eroalt  ftctjcn.  SBcnnglci(^  bie  SBeftimmung  einer  fold^en  ©nbigungöart 
ber  ©d^u^geroatt  tl^corctifd^ic  ©rünbc  für  ftd^  Ijaben  mag,  fo  fto^t  biefelbe  bod^ 
auf  bic  f^roerften  praftifd^cn  Sebenfen,  rocil  bic  ©rfüüung  ber  bejeic^neten 
gefe^Iiddcn  SSorauöfcftung  beftrcitbar  unb  britten  ^crfoncn  nic^t  mit  ©eroifeljcit 
crfidjttid^  ift.  ©d}on  im  Sntcrcffc  bcr  aScrfcbröfidierl^cit  mufe  mau  beöl)alb 
bie  ttjatfäd)Iid()c  SSorauöfe^ung  ber  ©d^u^gcroalt  fo  beftimmen,  bafe  biefelbe  an 
icncn  aJlftngctn  nid^t  leibet  unb  babei  bod^  im  3)urd)fd()nittc  baö  SRid&tige 


©Iterlicfic  ©ctoalt.    Suftdnbißfcit.    Snßalt.    §§  1501, 1502. 


727 


Cti/ 


trifft.  S)icö  fül^rt  aber  ba5U,  wie  bei  nid^t  unter  ctterlid^er  Ocroalt  ftc^enben  «oaia^riyfeit 
Äinbcrn  (§§  1633,  1703),  fo  aud^  bei  ^auöfinberit  bie  ©d^uftgeroalt  mit  bem 
3luatrittc  aud  bem  3lltcr  ber  SWinberiäfirigfeit  cnbigen  ju  laffen  (§§  1501, 
iSST^f.  1).  ©arauß,  )S(i^  bie  (ydporfamöpfrid^t  (§  1498)  unb  bie  ^flid&t, 
bie  elterlid^e  (SinroiDigung  jur  (Singel^ung  einer  @^e  einju^olen  (§  1238; 
üergl.  aud&  §  1610),  nid)t  auf  bad  9Uter  ber  SDlinbcriälirigfcit  bcfd^ränft  ift, 
fann  ein  (Segcngrunb  nid&t  entnommen  werben,  ba  burd^  biefe  ^flic^ten  bie 
red&tüd&c  Stellung  beö  Äinbeö  britten  ^^Jerfonen  gegenüber  nid^t  berührt  luirb. 
SWit  bem  ©tanbpunfte  beö  ©ntrourfefi,  ba§  bie  eltcrlid&e  ©cmatt  mit  ber  SSoII* 
jö^rigfeit  beö  Äinbeö  enbigt,  ftimmen  au§cr  ben  oben  ©.  723  angeführten 
9te(f)ten  aud&  baß  in  3iaRau,  foroie  baö  in  SBraunfdfimcig  geltenbe  SRed&t 
(braunfc^ro.  ®ef*  o.  19.  SKoi  1876)  überein.  ®benfo  \<xi  ber  12.  beutfd^e 
3uriftcntag  in  feiner  erften  unb  iweiten  Slbt^eilung  1875  bie  S^agc,  ob  bie 
t)äterfid^e  ©eroalt,  inöbefonbere  alö  ®runb  ber  33efc^rfinfung  ber  ®efd^äft3=* 
fäl^igfeit,  fraft  beß  ©efefeeß  mit  ber  aSoUiäfirigfeit  beß  Äinbeß  crlöfdjen  foU, 
einftimmig  bejaht  (S3b.  III  ©.  82  ff.).  6inc  anbere  grage  ift  cß,  ob  cß  uid^t  an* 
gemeffen  fein  mürbe,  nad^  bem  Vorgänge  beß  gemeinen  Slcd^teß  unb  beß  fäd^f.  ®.  S. 
unb  in  Slnnä^erung  (nw,  baß  preufe.  31.  S.  SR.  mit  ber  aSoBiäi^rigfeit  beß  Kinbeß 
jtoar  jebc  Sefd^rönfung  ber  ®efd^äftßfä^igfeit  beßfelben  unb  bie  SSertretungß* 
ma^t  beß  3n^aberß  ber  e(terlid(ien  ®en)a(t  megfallen,  im  Uebrigen  aber  bie 
elterlid&c  ®en)alt  biß  bat|in  fortbauern  ju  laRen,  ba^  baß  Äinb  im  SBer^^ 
Ööltniffe  ju  ben  ©ttern  eine  felbftänbige  Scbenßftellung  erwirbt  ober  eine  ®^c 
fd^Ilefet.  2)a  eine  gortbauer  ber  ©rjie^ungßgeroalt  regelmäßig  t^atfäd&Iid) 
außgcf(f)foffcn  ift,  fo  mürbe  baß  gortbauernbe  im  SBefentüd^en  bie  efterlid&c 
Slu^mefeung  feilt.  §ur  eine  fold&e  ©eftaftung  fann  man  anfüfpren,  bafe  baburd^ 
baß  gamtlienbanb  geftörft  werbe  unb  eß  billig  fei,  ben  (Sttern,  folange  bie* 
felben  bem  Äinbe  ben  Unterhalt  gewähren  müjfen,  oermoge  beß  aied^teß  ber 
cltcrlid)en  Slu^nießung  am  SBcrmögen  beß  Äinbeß  einen  6inf[u§  auf  bie  35er* 
waltung  biefeß  33erm5gcnß  unb  bie  grud&tjiefiung  einjurftumen,  bafe  eß  aud^ 
unnatürtid^  crfd^eine  unb  ju  Streitigfeiten  unb  ^rojeRcn  jwifd^en  ben  ®Itcrn 
unb  Äinbcrn  SScranlaffung  geben  fönne,  wenn  oon  bem  Eintritte  ber  SSoU* 
iöbtigfeit  an  \^(i&  Äinb,  weld^eß  im  (^(tern^aufe  tjerbtcibc,  ben  ©Item  auf 
aie^nung  unb  ®cgenred^nung  gegenflbergeftellt  werbe,  ftatt  in  fold&en  gällen 
Unterbalt  unb  SRuJung  gegen  einanber  aufjured^nen.  2)ie  ®rünbe  jebod^, 
weld)e  ben  Entwurf  beftimmt  l^aben,  bem  Snl^aber  ber  elterlid^en  ®ewatt  alß 
fol(f)cm  baß  SRedfet  ber  elterlid^en  ^lußniefeung  bcijulegen,  fowic  bie  ®rünbe,  auß 
welchen  ber  (gntwurf  bie  im  §  1481  9lbf.  3  beftimmte  intenfiüere  Unter^altß* 
pflid&t  ber  6ltem  gegenüber  ben  Einbern  nid^t  über  baß  ällter  ber  SKinber* 
jä^rigfeit  beß  Äinbeß  l)inauß  erftrccft  l)at  (t)crgl.  bie  SRotiDc  ju  §  1481  oben 
©.  682),  fpre^en  überwiegenb  bagegen,  bie  eltcrlid^e  Jlugniefeung  über  jenen 
3citpunft  f^inauß  fortbauern  ju  laffen.  (Sine  fold^e  ßrftrecfung  ber  elterlid&en 
9lugnie6ung  fü^rt,  entgegen  bem  ^rinjipe  beß  ©ntwurfeß,  bafe  mit  bem  Seit* 
punftc  ber  aSolljä^rigfeit  beß  Äinbeß  bie  ©elbftänbigfeit  beö  (enteren  eintritt, 
JU  bem  3lefultate,  bafe  fold&e  Äinber,  namentlid^  ü:öd(|ter,  weld^e  fid^  nid^t  »er* 
t)eirat^cn  unb  nad&  ben  obwaltenben  SSer^ältniffen  nid^t  in  ber  Sage  finb, 
einen  fctbftänbigen  ©rwcrbsäweig  ergreifen  ju  fönnen,  in  üermögenßred^tUddev 


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728  etteclid&e  ©etoalt.    Suftänbigfcit.    Snl&att.    §§  1501, 1502. 

©cjtcfiung  biß  jum  2^obc  ber  ©Itcrn  unfclbftänbig  unb  Don  ben  ©Itern  abljängig 
bleiben  würben  unb  balß  man  roiebcr  mit  bem  fdirocr  ju  foffcnben  unb  ju 
^rojeffen  aSeranlaJfung  gcbcnbcn  S3cgriffc  ber  separata  oeconomia  würbe 
red^nen  muffen.  I)ancben  fommt  in  SBetrad^t,  ba^  bie  ganje  Äonftruftion  ber 
clterlidien  ^Ku^nicgung  in  bem  ©ntrourfe  ouf  bie  mit  ber  SÖlinberjö^rigfeit  bes 
Äinbeß  üerbunbene  Scfd^ränfung  ber  (Sefd^äftsfäl^igfcit  beö  Äinbed  unb  bcRen 
regelmäßige  Vertretung  burd^  ben  Sn^ober  ber  elterli^en  Oemalt  gegrünbet 
ift.  2)ic  clterlid&e  5Ru|nie§ung  am  SSermögen  beß  üolliätirigen  Äinbcß  mürbe 
ba^er  alß  ein  bcfonbereö  3nftitut,  ä^nli^  ber  e^elid&en  SRufenicfeung,  außgeftattct 
werben  muffen  unb  inßbefonbcre  93eftimmungen  über  3)ißpofitionßbefd^ränfungcn 
beß  an  fid^  gefd^äftßfäl^igen  Äinbeß,  ft^ntid^  ben  ®ißpofitionßbe|d()ränfungen 
ber  (S^efrau  in  3lnfcl(|ung  beß  ©^cguteß  (§§  1300  ff.)/  not^ig  mad&en.  6inc 
foldie  ©eftattung  ift  aber,  foroeit  fic  oermeiblid^  ift,  megen  ber  auß  bcrfelben 
folgenben  mefir  ober  weniger  Dermidfelten  9led5tßoerl^äItniffe  alß  angemeffen 
nic^t  JU  erad^ten. 

©fier  fönntc  eß  in  ^xa^t  fommcn,  ob  eß  nid^t,  um  bie  mit  bem 
SBcgfalle  ber  elterlid^en  ^lu^nie^ung  nadE)  ©intritt  ber  SBolljä^rigfeit  beß  Äinbeß 
unter  Umftänben  tjerbunbenen  Unjuträglid^fciten  unb  ©trcitigfeiten  ju  Der« 
meiben,  fid^  empfcl^Ien  mürbe,  eine  bem  ©ebanfen  beß  §  1340  entfpred&enbe 
Söorfd^rift  aufjuncl^men  (oergl.  ital.  ®.  93.  Strt.  234).  S^beffen  ift  aud^  eine 
berartige,  bem  in  2)eutfd&Ianb  geltenben  Siedete  jubem  unbefannte  a3orf(^rift 
alß  entbe^rlid^  erad^tet. 

SBic  gegen  bie  gortbauer  ber  cltertid^en  SRufeniefeung  über  bie  Orenjc 
ber  äHinbcriä^rigfcit  ^inauß,  menbct  ber  ©ntrourf  fid^  anbercrfeitß  gegen  baß 
franj.  SRed^t,  nad^  meld&em  bie  clterlid^e  ^luftnießung  fc^on  üor  ber  33olIiäf)rig* 
!eit  beß  Sinbeß  mit  bem  uollcnbeten  ad^tjef)nten  Sebenßjalire  cnbigt.  3)iefe 
Seftimmung  beß  franj.  Sled^teß  ^at  roefentUd^  ben  3"^^*/  i^  oerliinbcrn,  ba§ 
bie  (SItern  auß  ©igennug  bie  ©manjipation  beß  Äinbcß  ober  i^re  ©inmilligung 
JU  einer  ©f^efd^tiefeung  beß  tegteren  Derroeigcrn,  ba  nad&  bem  code  civil  bie 
citerlid&e  SZuJnicfeung  mit  ber  ©manjipation  ober  ber  SSerl^eirat^ung  beß 
Äinbcß  wegfällt.  SDaß  franj.  3nftitut  ber  ©manjipation  ^at  ber  ©ntwurf  nid^t 
aufgenommen  (oergl.  bie  WHotivc  ju  §§  1557—1561  unter  1);  bagegen 
wirb  aud^  nad^  bem  ©ntwurfc  burdf)  bie  ©d^liefeung  einer  ©fje  üon  ©eitcn  beß 
Äinbeß  bie  elterliche  SRu^nießung  beenbigt,  fofcrn  bie  ©^e  üon  bem  Äinbc  mit 
ber  naä}  ben  §§  1238,  1239  crforberüd^en  ©inwilligung  beßienigen  ©Itcrnt^eilcß 
gefd^Ioffen  ift,  weld^em  bie  clterlid^e  Slujniefeung  jufte^t  (§  1536).  S^rogbem 
empfiehlt  cß  ftc^  nit^t,  bie  eltcrlid^c  Jlußnicfeung  nad)  bem  Sßorbilbe  beß  franj, 
SRcd^tcß  fd^on  oor  ber  SSolIiä^rigfeit  beß  Äinbeß  enbigen  ju  [äffen.  3)ic  Orünbe, 
auß  weld^cn  ber  ©ntwurf  bie  clterlid^e  9lu^nie6ung  ate  einen  93cftanbt{)eit  ber 
e(terIidE)cn  ®ewalt  beljanbelt,  finb  gegenüber  bem  auß  einem  ajlifetrauen  gegen 
bie  Uncigcnnüßigfeit  ber  ©Itern  entnommenen  S3ebenfcn  entfd^icben  alß  über* 
wiegenb  ju  betrad^ten. 

SBegen  ber  grage,  ob  eß  fid)  empfiel^It,  bie  clterlidEjc  ©ewalt  cinfc^licfelid^ 
ber  elterlichen  Slugniefeung  unter  Umftänben  über  bie  3)tinberiä^rigfeit  beß 
Äinbeß  fiinauß  ju  t)erlängern,  wirb  auf  bie  SKotioe  ju  §  1557  Scjiig  gc^ 
uommen. 


eiterliÄc  ®öMlt.    Suftanbigfelt.    Snßalt.    §§1501,1502.  729 

3.  3n  Äonfequcnj  bcö  Dormimbfc^aftlid^cn  Äaraftcrö  ber  elterlichen  «ermögen«. 
©ctüalt  finb  bem  ©ntiourfc  bieienigen,  bcm  ueueftcn  röm.  SRcd^tc  nod)  an*  ^^^Äinbe«.*^* 
getjorenbcn  unb  rocnigftenö  jum  ^l^eil  in  baö  gemeine  Siedet  übergegangenen 
33cftimmungen,  weld^c  ftd)  alö  3lußflu6  bcö  a[tr5mifcf)cn  Söegriffeö  ber  Däter* 
Ii(Öen  ©eroalt  unb  bcö  bamit  im  engen  S^fammen^ange  fte[;enben  romifd^en 
gamilicngüterred)teö  barfteUen,  fremb.  3n  Uebcrcinftimmung  mit  hcn  neueren 
©efe^bü^ern  ge^t  ber  ©ntrourf  inöbcfonbere  baoon  aus,  ha^  baö  ^auötinb 
nid&t  minbcr  ücrmögetjöfä^ig  ift,  roie  baö  geroaltfreie  Xlinb.  Sftit  bcm  ©a^e 
beö  oItr5m.  ätec^tcö^  bag  baö  ^auöfinb,  roaö  eö  erroirbt,  bem  ^auöDatcr  er? 
wirbt,  ift  DoUftänbig  gebrod^cn  (ocrgl.  prenfe.  21,  S.  dl  II,  2  §  124;  öften\  ®.  ». 
§  149;  fäd)f.  ®.  33.  §  1810).  SDafe  bicienigcn  ©cgcnftänbe,  meldte  baö  Äinb  burd^ 
feine  unter  bic  SSorfd^rift  bcö  §  1499  fallenbe  9lrbcit  erroirbt,  bem  betrcffenbcn 
(Sltemtl^cile  crroorben  werben  (ücrgl.  §  1518),  ift  fein  9luöp[u6  ber  clterlid^en 
©eroalt  unb  befd)rftntter  aScrmögenöfä^igfeit,  fonbern  ergiebt  fid^  auö  ben 
allgemeinen  ©runbfäften.  üRit  ben  neueren  ©cfe{}gebungcn  ift  bem  ®ntrourfe 
femer  bie  33eftimmung  beö  röm,  unb  gemeinen  9led)teö  unbefannt,  baft  ber 
^auöt)ater  einen  bem  ^auöünbe  angebotenen,  ton  biefem  auögefd^lagenen  @rroerb 
für  fid&  mad^en  fann,  eine  33eftimmung,  rocld^e  ebcnfallö  mit  bem  ^rinjipe 
beö  altröm.  Sled^teö  jufammen^öngt,  bafe  baö  ^auötinb  not^roenbigeö  ©rroerbö« 
organ  beö  ^auöüaterö  ift.  5Dlit  ber  änerfennung  ber  üoUen  93ermogenöfäl)ig*  ©o«.  ^er- 
teit  bcö  ^auötinbeö  ift  aud^  bem  ^rinjipe  ber  fog.  5ßcrfoneneinf)eit,  b.  1^.  bem  ^'^"*"""^' 
Safte  beö  röm.  SRed&tcö,  bafe  roeber  burd^  9lcd^tögefd5äfte  noc^  burd^  anbcre 
iuriftifd&e  S^^atfa^cn  jroif^en  bem  ^auöoater  unb  bcm  ^auöfinbe  eigcntlid&e 
SRcc^töDcr^ältniffe  begrünbet  roerben  fönncn,  aud^  ein  SRcd^töftreit  iroifd^cn  ben* 
fclben  nid&t  mbglidf)  ift,  icber  SBoben  entjogen.  3iad^  bem  ®ntrourfc  fmb  beö* 
l^alb  inöbcfonbere  aud^  @d)enfungen  beö  ^auöoaterö  an  baö  ^auöfinb  guläfftg. 
®amit  ftimmen  bie  neueren  ©cfeftgebungen  (oergt.  ferner  für  baö  gemeine 
SRe^t  entf^.  b.  SR.  ®.  in  Sioilf.  XVI,  21;  Sciiffcrt  XLII,  307)  ebcnfallö 
übcrcin.  3»roicrocit  ber  3nl^aber  ber  elterlichen  ©eroalt  bei  SRedötögcfd^äften 
unb  Sled^töftreitigfciten  groifd^cn  i^m  fclbft  unb  bem  Stmbt  von  ber  gefeftlid^cn 
Vertretung  auögcf^loffen  ift,  ergiebt  §  1651  oerb.  mit  §  1503  3lbf.  1. 

3la^  bcm  SSorgange  ber  neueren  ©efcggcbungen  ^at  ber  Sntrourf  aud^  vefuiienrei^t. 
bic  mit  bcm  ©croaltbcgriffe  beö  altröm.  9led)tcö  jufammen^ängenbc,  auf  ber 
Safiö  ber  äScrmögcnöunfä^igfcit  bcö  ^auöfinbeö  erroad)fcne  unb  auf  l)iftorifd^er 
©runbloge  bcniljcnbc  ©intbeilung  bcö  Äinbeöoermögcnö  in  peculium  castrense 
unb  quasi  castren.se,  ])eculiuin  adventicium  reguläre  unb  irreguläre  nid^t  Über* 
nommcn;  Diclmc^r  unterfcl)cibet  ber  (Sntrouxf  im  Stnf^luffc  an  bie  neueren  ©cfeft* 
gebungen  (oergl.  preufe.  91.  2.  9i.  II,  2  §§  147— 157 ;  öftcrr.  ®.  Ö.  §§  149—151; 
Code  civü  2[rt.  384—387;  fäc^f.  0.  33.  §  1811;  roeimar.  ©ef.  o.  27.  aWärj  1872 
§§  4, 7 ;  ^eff.  ®ntro.  III  9lrt.  25)  nur  jroifd^cn  fold^cm  SBcrmögcn  bcö  ftinbeö, 
rocl^eö  ber  elterlid)en  ^}{uftniegung,  unb  fold^em,  roeld^cö  ber  Icfttercn  nid^t 
unterliegt  (freieö  33ermögcn),  be^ro.  jroifd^cn  fold)em  SJermögen,  in  3lnfel)ung 
bcffen  bem  3n^aber  ber  clterlid^en  ©eroalt  bic  cltcrlid&e  SBermögcnöuerroaltung 
juftc^t,  unb  fold&em,  in  9lnfel|ung  befjcn  bie  eltcrli^e  Söcrmögenöocrroaltung 
auönol^möroeifc  auögefcI)loffen  ift  (§§  1510,  1516—1519).  3lud^  baö  röm. 
Snftitut  bcö  peculium  profecticium,  rocld^eö^  rocnnglcidö  cö  mit  ber  9lnerfcnnung 


730  ertcrlid&c  ©ciralt.    3uftänbiöfett.    Snltalt.    §§  1501, 1502. 

bcr  aScrmögcnöf/ü^igfeit  bcß.  ^auöfinbeß  fcincörocgö  uiwcrcinbar  ift,  bo6)  mit  bcr 
im  ttitröm.  Siechte  anerfnnntcn  SBermogcn^nfä^igfcit  De«  ^auöfinbcö  unb  bcr 
Icbenölänglic^cn  Dauer  ber  Däterlid^cn  ©erooft  in  engem  3*if«»«'wc'^^önge  ftcl&t 
unb  ber  baburd^  bebingten  cigcntpmiid&cn  Drganifation  bcr  romifd^en  gamilic 
feine  Sntftel)ung  unb  Sluöbilbung  üerbanft,  l^dt  feine  Slufna^me  in  bcn  ®nt^ 
murf  gefunben.  35er  Umftanb,  bofe  icncö  3nftitut  in  ben  ©ebictcn  bcd 
gemeinen  5Red)teä  foft  gfinjlid^  unprnftifc^  unb,  abgefe^en  t)on  bcm  baijr. 
2.  51. 1,  5  §  3,  in  feine  ber  neueren  ©efeggebungen  übergegangen  ift,  jeigt,  bafe 
boßfelbe  ben  bcutfd^en  ©itten  unb  Slnfd^auungcn  niddt  entfprid^t  unb  ate  ein 
Sebürfnife  nid)t  empfunben  wirb.  Daß  Snftitut  ift  um  fo  entbcbriiddcr,  ate 
einerfeitö  bie  eltcrlid^c  Oewalt  mit  bcr  SBoIIiö^rigfcit  beö  Äinbefi  cnbigt,  anbcrcr* 
feitö  baß  9lufgebcn  beö  rom.  5ßrinjipeö  ber  5ßerf oneneinbcit,  fowle  bie  3lncrfennung 
bcö  ^rinjipeß  ber  freien  ©teKücrtretimg  unb  bie  ®runbfä|e  oon  ber  93iirg? 
fddaft  unb  bcm  Ärebitauftrage  bie  S3egrimbung  äbnlid&er  9icd^töüerl|ältniffc 
crmoglid&cn,  \m  flc  baß  peculium  profecticium  mit  fid)  bringt,  rocnnglcid^  am 
5uerfennen  ift,  ba%  bie  mit  $ülfc  iener  SRcd^tßfögc  ju  bcgriinbcnbcn  SRcd&tß^ 
ücrl&ftftniffe  mit  ben  red^tlid^en  ©eftaltungcn  beö  peculium  profecticium  imb 
bcr  mit  biefem  in  SSerbinbung  ftcfienbcn  actio  de  peculio  fic^  nid^t  ooll*. 
ftänbig  bedfen. 

Haftung  für  4.  2Jiit  bcm  ^ßcfuftcnrcd^tc  beö  rom.  JReddtcß  unb  bcr  ganjcn  familicm 

be««tabSL"  red^tlid^en  Stellung  beß  römifd&en  ipaußoatcrß  gegenüber  bcm  ©außfinbc, 
inßbefonberc  eincrfcitß  mit  ber  SSermogcnßunföi^igfeit  beß  lefttcrcn  unb  ber 
Äonjentration  alleß  ©rmerbeß  beßfelben  in  ber  §anb  beß  §außoaterß,  am 
bcrcrfcitß  mit  ber  SBcrpfli^tungßfä^igfcit  beß  ^außfinbeß,  fiöngen  ferner  bie 

^^sif^mT  ^°9-  ö^i^ftiäif^C"  Älagen  beß  röm.  JÄcddtcß  (actio  de  peculio,  tributoria,  de  in 
rem  verso  imb  quodjussu)  auf  baß  ©ngftc  jufammcn.  ©ic  bcjroecfcn,  gcgcm 
über  ber  Sonäcntration  beß  ©rmcrbcß  beß  ^außfinbcß  in  bcr  $anb  beß  ^auß^ 
üotcrß  bcn  9lnforberungcn  bcr  SiUigfeit  unter  gemiffen  SBoraußfc^ungcn  in 
ber  SBcife  Slcd^nung  ju  tragen,  bafe  ber  ^außoater  auß  bcn  9icd)tßgcfc^äftcn 
beß  J^außfinbcß  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  I)aftt)ar  loirb.  9Som 
©tanbpunftc  beß  ©ntrourfcß  auß  pnb  mit  JRüdffid^t  auf  bie  Orunblagcn,  auf 
meldten  bie  cftcrlid^c  (Scroatt  aufgebaut  ift,  unb  im  ^inblidPc  auf  bie  all^ 
gemeinen  ©runbföfee  über  bcn  Sluftrag,  bie  SSoDmadjt,  bcn  itrcbitouftrag>  bie 
®efd)Sftßfüf|ruug  o\)\k  9luftrag  unb  bie  ungercd^tfcrtigtc  S3ercid^erung  bcfonbcre 
Scftimmungcn  über  bie  §aftpfHd()t  beß  3nt|aberß  ber  elterlichen  ©cmalt  ate 
foId)cn  für  bie  @cfd&(Sftßfd)u(ben  beß  ^außfinbcß  cntbc^rlid^.  Damit  ftimmcn 
im  5ßrinjipc  aud)  bie  neueren  ©cfcfegcbimgcn  übcrcin  (ucrgl.  preufe.  91. 2,91. 11,2 
§§  126—130;  fädjf.  ©.33.  §  1825);  bod^  ift  in  einigen  bcrfclbcn  bie  oHcr^ 
in«H     bingö  praftif^  mistige  grage,  unter  melden  aSoraußfe^ungen  ber  aSater  bcm 

Tnfl®S?n^  Dritten,  mcld^er  bcm  Äinbc  Unterhalt  gemährt  ober  jum  3roecfc  beß  Untere 

*^"Äinb""  ^^^*^^  ^^^  ^^"^  ^^"^^  SWcd^tßgcf^äftc  gcf^Ioj^en  bot,  jum  ©rfafcc  ocrpflid)tet 
ift,  in  9lnfnüpfung  an  bie  actio  de  in  rem  verso  beß  rom.  SRcd^teß  bcfonberß 
geregelt  (oergf.  preufe.  9f.  S.  SH.  II,  2  §§  129,  130;  feid^f.  ®.  33.  §  1825). 
9[ud)  in  bicfer  ^infi^t  reid)cn  inbeffen  bie  allgemeinen  ©runbföfee,  inßbefonberc 
bie  Söcftimmungcn  über  bie  ®cfd)äftßfüf|rung  obnc  9luftrag  unb  bie  ungcrcd^fc? 
fertigte  S3ercid)crung  (oergl.  namcntli^  §§  753,  755  ©a|  2,  §  758),  fomic 


eitcrlid&c  ©clralt.    Suftänbiofcit.    Snl&alt.    §§  1501, 1502.  731 

bic  SBorfd^rift  bcö  §  1492  auö,.  um  bcm  praftifd^en  SBcbürfniffe  ju  genügen. 
Um  fo  menigcr  cmpfiel^lt  eö  pd^,  für  bcn  ^all,  ba§  ein  Dritter  einem  ^auö* 
finbc  Unterwelt  gemährt  \)ai,  bcfonbcre  S3eftimmiingcn  ju  geben,  al«  blefetben 
fragen  {td&  oud^  bann  ergeben,  n)cnn  einem  anberen  Untcr^altöbered)tigten 
ber  Unterhalt  nid^t  ron  bem  rerpflid&teten  SBermanbtcn,  fonbcrn  von  einem 
©ritten  gemölirt  ift.  3ln  ber  ^onb  ber  allgemeinen  Orunbfäje  in  SBerbinbung 
mit  bcm  §  1495  3lbf.  2  crlebigt  [\ä)  aud&  ot)nc  ©d^mierigfcit  bic  in  ben  ©e- 
bieten  bcfi  gemeinen  9lcd()teö  unb  bcö  prcnjj.  91.  S.  SR.  ftrcitig  geroorbene  grage, 
ob  ber  SJoter  gegen  ben  ©ritten,  wcldder  bcm  Äinbc  ben  not^igen  Unterhalt 
öcrfd^afft  f)at,  eine  mirffamc  ®inrebe  barond  entnel^men  fann,  bofe  er  baö 
Äinb  mit  bem  erforberlidben  ®elbe  u.  f.  m.  t)erfe^en,  baö  Äinb  aber  bie  i^m 
gemöl^rtcn  2)HttcI  onberroeit  Dcrmcnbet  fiobc  (ocrgl.  ©euffert  IX,  306,  X,  61, 
XVII,  64 ;  VLxÜ).  b.  9?.  ®.  bei  ®rud&ot  XXV  ©.  1029  ff.,  1033  ff.).  Soweit 
na^  §  1495  Slbf.  2  eine  aSorauöIciftung  (oergl.  §  1491  5ttbf.  3—5)  jum 
3n)erfc  beö  Unterhaltes  für  bic  3wf"iift  ^^^  3Serj)flic^teten  befreit,  ift  bic  ©in* 
rebe  begrünbet,  ba  inforoeit  ber  ©ritte  bem  SSerpfHddteten  eine  Sluftgabe  nid&t 
erfpart,  benfclbcn  t)on  einer  SBerbinblid^tcit  nid^t  befreit,  mitfiin  ein  ©efd^äft 
bes  SBcrpflid^tetcn  überfiaupt  nid^t  gcfül^rt  f)at.  ®incr  befonberen  Seftimmung 
bebarf  cö  inßbcfonbere  aud&  für  bcn  ^all  nid^t,  in  mcld^em  ber  SSatcr  oorauö* 
fe^cn  fonntc,  bQ§  fein  Äinb  bic  bcmfctbcn  jum  ^xocdc  beö  Unter^alteß  ge- 
gebencn  ÜJlittcI  ocrfd^Iciibern  ober  flbcr{)anpt  anbcrmcit  ücrrocnbcn  merbc 
(ocrgf.  1.  16,  1.  10  §  G  D.  de  in  rem  verso  15,  s),  bo,  fomeit  ber  SSatcr  nad) 
§  1491  9lbf.  4,  5  bic  grift  für  bic  93orauöIciftimg  }u  beftimmcn  ^atte,  bic 
SSorauötciftung  i^n  von  ber  Untcr^altftpflid^t  nur  inforoeit  befreit,  ald  bic 
SBorauäleift'ung  für  eine  angemcffene  grift  bcroirft  ift  (§  1495  9lbf.  2). 

©bcnforoenig  mic  für  bic  ®cf^äftöfd)ulbcn  bcö  ^ouöfinbcö  l;aftet  nad)    ©ewt«* 
bem  entwürfe   ber   3nt)aber   ber   elterlichen   &maü    afö    fold&er  für  bic  ^^t^^j!^ 
©diftöfd^ulbcn  bcö  ^auöfinbeö.     ©amit  ftimmt  and)  baö  bcftcficnbe  SRcd^t 
überein.    Ginc  anbere  gragc  ift,  inmicrocit  ©Itcm  wegen  SScmadjIäffigung  ber    ' 
i^nen  obriegcnbcn  9lufftd^t  über  baö  Äinb  (§§  1504,  1506)  auö  bcm  ©cficbtö--    , 
punftc  einer  iljncn  fclbft  jur  Saft  fallenbcn  unerfaubtcn  ^anblung  für  bic 
©cliftc  ber  Äinbcr  ocrantwortlic^  pnb  (oergl.  prcufe.  91.  S.  5H.  11,  2  §§  139    i 
biö  146;  Code  civü  9lrt.  1384;  föd^f.  ®.  S3.  §§  779,  1824,  1825).    3n  biefer 
^infid^t  bebarf  eö  inbeffen  im  gamilicnrcc^tc  feiner  befonberen  S3eftimmungen, 
ba  bic  allgemeinen  ©runbfäfcc  über  unerlaubte  ^anbtungen  (§§  710,  713)  in 
auöreid&enbcr  SBcifc  SSorforgc  getroffen  ^aben. 

SEBcgen  ber  befonberen  aSorfd^rift  beö  fft^f.  ®.  33.  §  1826,  bafe,  wenn 
ein  Äinb  ©d^trben  jugefügt  ober  ein  SSerbrcdjcn  oerübt  l;at,  für  ©d^abcnö^ 
erfafc,  ®elbftrafe  unb  ftoften  beö  Strafoerfaljrcnö  ober  beö  Slc^töftreiteö  ber 
©tamm  bcö  SJermögenö  bcö  Äinbeö  ^aftet,  bafe  aber  ber  burd^  bcn  Unterhalt 
im  ©efängniffc  unb  burd^  bic  93ertl[ieibigung  bcö  ftinbeö  Derurfad)tc  9lufwanb 
in  ©rmangclnng  eigenen  aSermogenö  bcö  Äinbcö  auö  bcm  bcö  SSatcrö  ju  be* 
jaulen  ift,  wirb  auf  bie  2«otioc  ju  §  1488  oben  S.  697  unb  ju  §§  1528, 
1530,  1531  9lr.  5,  6  ocrwicfen. 

5.  SBom  ©tanbpunftc  beö  ©ntwurfeö  auö,  nad&  welchem  bie  efterlid&e   ©«Wäft«' 
©emalt  mit  ber  SSoUiä^rigfeit  beö  Äinbeö  enbigt,  fommen  neben  ben  aU*  ^*Ä^* 


732  ertcrli^c  ©ctoalt.    3«ftanbiofeit.    Sn^alt.    §§  1501,  1502. 

flcmcinen  SSorfd^riftcu  über  bic  bcfd^ränftc  (Scfd^äftöfäliiflfcit  aKinbcriä^riflcr 
(§§  65,  66)  bcfonbcre  Seftimmunöen  über  bie  S3ef^ränfung  bcr  (Sefc^äftö- 
fdt)igfcit  bejiD.  bic  ©ißporttionöfäljigfcit  eiucä  ^auöfiubcä  alö  foId)cn,  wie  f\t 
im  preu§.  91.  2. 5H.  II,  2  §§  125,  105,  166,  im  fäd)f.  ®.  33.  §  1821  unb  im 
gemeinen  9?cd)te  fid^  fiiibcn,  nid&t  in  grage.  ®a  bic  aBir!fam!cit  beö  oon 
einem  minbcrjätjvigcn  ^anßfinbe  vorgenommenen  9lcd)tögefd^äfteß  Don  bcr 
©inroilligung  ober  (Genehmigung  beö  3nf|Qbers  bcr  elterlichen  ©cmalt  als  beö 
gefefclid^cn  Sßertreterö  beö  Äinbeö  abhängig  ift  (§§  65,  1649,  1503  9lbf.  1), 
bQö  minberjä^rige  ^auötinb  oI;nc  bie  ©inroiUigung  beö  3nf)abcrö  ber  cltcrlid)en 
Oeroatt  alö  beö  gcfcftlid^cn  SSertreterö  beö  Äinbeö  and&  bie  im  §  67  bc* 
ftimmte  crroeitertc  ©cfdjäftöfätjigfeit  nid^t  erlangen  fann,  fo  ift  ha&  mit  ber 
elterlichen  ®emalt  Dcrbunbenc  SRcd^t  ber  SRugniefeung  am  SBermogen  beö  Äinbeö 
gegen  ^eeinträd^tigung  burd)  SHed^tögefdjäfte  ober  Sicc^töftreitigfeiten  beö  Äinbeö 
irofi  bcr  Seftimmungen  ber  §§  1521,  1528  auöreid^enb  gefd^üfet,  unb  aud)  in 
ben  gällen,  in  meldten  bem  3nf)aber  ber  elterli^en  ©eroatt  auöna^möroeife  bic 
aSertretungömad^t  nic^t  jufte^t  (Dcrgl.  §§  1510, 1546,  1550,  1553, 1554,  1556, 
1650,  1651,  1503  äbf.  1,  §  1738  Slbf.  1),  ift  burd^  bie  bef^ränfte  Oefd^äftö* 
fät)igfcit  beö  minberiä^rigen  ^auöünbcö  unb  bie  Sßot^roenbigfcit  bcr  SScrtrctung 
beöfelben  burd)  einen  anberen  gcfcjfid^en  SBertrcter  ber  ©efa^r  einer  Se^^ 
cinträd^tigung  ber  elterlid^cn  ^lufeniefeung  burd&  boö  ^auöfinb  in  genügcnber 
2Beife  uorgebeugt  (t)crgl.  §  1532).  3luö  ben  Seftimmungen  über  bie 
befd^ränfte  ®efd)dftöfä^ig!eit  5minbcriat)riger  in  Säcrbinbung  mit  ber  SSor* 
fddrift,  bafe  bic  ettcrlid^e  Ocioolt  einfdjlicfelid^  ber  clterlid)en  9lufenic§ung 
mit  ber  SSoUici^rigfeit  beö  Äinbeö  cnbigt,  crgiebt  ftdj)  ferner  oon  felbft,  bafe 
ben   ?Sorf^riften    beö   röm.   unb    beö   gemeinen   SJed^teö   über   ha^   S.  C. 

s.  c.  Mace«  Macedonianum,  meldte  auf  bem  (SiHinbfabc  ber  aScrpflid^tungöföI)igfeit  beö  ^a\i^ 
finbeö  in  aSerbinbung  mit  ber  aScrmögenöunfäljigtcit  beju).  bcr  ©iöpofitionös 
bcfc^rän!ung  beö  ^außfinbcö  in  3lnfc^ung  ber  Stboentiäien  unb  mit  bcr  lebcnö* 
(äugtid)en  ®auer  bcr  oätcrlic^cn  (Semalt  berul^cn  (oergl.  aud^  mürttemb.  2. 91. 
II,  28  §§  2,  3;  ba^r.  2.  91.  IV,  2  §  4)  fcber  Sobcn  entjogcn  ift. 

Beneficiam  jj^j^  i)ic  93iUigfeitögrünbc,  u)eld)c  baö  röm.  9lec^t  einerfeitö  im  ^inblicfe 

petoiltiae.  ouf  bic  aScrpf(id)tungöfä^igfeit,  onbcrerfcitö  im  ^inblidc.  auf  bic  SSermogenö^ 
unf&^igfeit  beö  ^auötinbeö  unb  auf  bie  Suläffigteit  ber  ^ßerfonalcfcfution 
Dcrantafet  l^aben,  bem  Äinbe,  nad^bem  baöfelbc  aM  ber  päterlic^cn  Ocroalt 
auögetreten  ift,  ol;nc  babei  einen  betrad^tlid)cn  a;]^eil  beö  rätfrlid&en  9Ser^ 
mögenö  erl)alten  ju  l&aben,  gegen  bie  auö  ber  3cit  ber  uäterlidjen  ©ewalt 
t)en'ülÖrenbcn  ©d&ulbcn,  mit  9Iuöna^mc  ber  S)eliftöfd^ulben,  eine  ä^^t  I^«8  i^^ö 
beneficium  competentiae  ju  2^^eil  mcrben  ju  laffcn,  treffen  nad)  bem  ©i)ftemc 
beö  ©ntiüurfeö  nid^t  ju.  3"^^"^  M*  ^i^f^  (Sinrcbe  ber  Äompetenj  aud^  ben 
neueren  ©efefcgebungen  fremb. 

«eiiament«.  2)0^  bic  cltcrlid^c  ©cioalt  qIö  fofdjc  —  abwciddenb  uom  röm.  unb  ge* 

^*^Äu!be«.^**  nxcinen  9led^te,  aber  in  Uebereinftimmung  mit  ben  neueren  ©cfe^gcbungen  — 
auf  bie  a:eftamentöföl)igfeit  beö  öauötinbeö  o^nc  ©influö  ift,  crgiebt  ber  §  1912 
(uergl.  bic  aJJotiDC  jum  6rbredE)te). 

^rojewa^ifl.  2)ie  ^4Jrose6fäl)igteit  beö  ^ouöfinbeö  rid[)tet  fic^  nad)  .§.  51  9lbf.  1  bcr 

^"'"      6.  ^.  D.   in  aSerbinbung   mit   ben  aSorfdJiriften   beö  (Sntmurfeö  über  bie 


ertcrlt^c  ©ctralt.    Suftänbiofcit.    Snlfealt.    §§  1501,  1502.  733 

©cfc^ftftöfö^ifltcit  ÜKinbcriä^rigcr  (§§  65,  67).  S)cr  9lbf.  2  bcö  §  51  bcr 
€.  ^^  D.  ift  nad^  bcm  (Sntrourfc  ßegcnftanböloö,  ha  bie  clterlid^c  (Seroalt  ftctö 
mit  bcr  gSoUifi^rißfcit  beö  Äinbcö  cnbigt. 

9Iud}  in  9rnfef|inig  bcr  Dcliftöfö^igfcit  mod^t  bcr  ©ntiuurf  feinen  Unter-  ^jeiiftafd^tö- 
fd)ieb  äwifd^en  ^auöfinbcrn  unb  gcnjaltfreicn  Äinbcm  (ücrgl.  prcug.  31.  S.  dl  '**^" 
II,  2  §§  134,  135  t)erb.  mit  I,  5  §§  33—36  unb  bem  preufe.  ®cf.  über  bic 
®ef^äftöföf)ig!eit  aWinberiä^riger  v.  12.  3uli  1875 ;  öfterr.  ®.  SB.  §§  152, 
248,  866;  fäd&f.  ®.  S3.  §§  1823,  1912).  (gö  finb  in  bicfer  Sejieliung  bic 
allgcnicinen  ©runbfäfec  mafegebenb.  Snroicrocit  bie  ©laubiger  beö  Äinbeö 
awi)  wegen  2)eIiftöforbcrungen  if|re  Sefriebigung  aus  bem  bcr  elterlid^en 
9iugnie§ung  untemjorfcncn  SSermögen  nertangen  fonnen,  barübcr  oergf.  §  1528 
nebft  aWotioen. 

II.  Das  gcgenroftrtig  in  bcm  größten  S^l^cile  ©eutfri^Ionbö  [)errf^enbe  3«f»anbiflfett 
Stecht  !ennt  ein  doUcö  burciigcbitbcteö  clterliti^cö  SSet^t  nur  für  ben  SSater,  '*'S*^*" 
nid^t  für  bie  SKutter.   2)ie  t)äterlic^e  ©eroalt,  ni^t  bie  clterlid()e  ©eroalt,  bilbet   ^itera^e 
bie  ©runblage  beö  citerlidben  9led&teö.    ©ine  ber  Dclterlid^cn  ©eroalt  grunb-  ©«»«it  ber 
fäfeli^  gfci^fte^cnbe  mütterliche  ©eroalt  ift  bem  gemeinen  SRec^tc  unb  ben  auf 
gemeinrec^ttid^er  ©runbfagc  berul^enben  neueren  ©cfcggebungcn,  inöbefonbere   ®^f^t^** 
bem  preufe.  91.  S.  SR.,  bem  oftcrr.  ®.  33.  unb  bem  fäd^f.  ®.  33.,  unbetannt.  3m 
SBergleic^e  ju  bem  umfaRcnben  Siechte,  roelc^eö  iene  SRec^tc  bcm  SSater  olö  3n* 
l^aber  ber  Dfitcrlid^cn  ®croalt  einräumen,   legen  bicfelbcn   nad^   bem  2^obc 
bcö  SBatcrö  bcr  ÜJlutter  nur  fe^r  bef(^ränfte  clterlid^e  SSefugniffc  bei.  9ln  bem 
(grjicliungörcd^te  Ijat  ftc  einen  gcroiffen  9Int^eiI,  aber  aud^  inforoeit  ift  fie  mcljr 
ober  rocniger  unfclbftönbig  gefteUt.    ®er  ®d(|roerpunft  beö  ©rjie^ungöred&tcö, 
roie  bie  ganje  Sorge  für  baö  83ermogen  beö  Rinbcö,  cinfc^lie§(id&  bcr  93er* 
tretung  beö  Icgtcrcn,  gel)t  uielmctir  auf 'bic  ftaatlid^cn  Organe  bcr  SSormunb* 
fddoft,  ben  58ormuub  unb  bie  Dbert)ormunbfd^aft,  über  unb  nur  in  bcr  ©tellung 
eincö  burd^  obrigfeitlic^cn  S3eftcllungöaft  berufenen  SSormuubcö  fann  bie  SWutter 
bicienigcn  Sefugniffe  ganj  ober  t^eifrocife  mittelbar  erlangen,  roelc^c  bcm  SSater 
fraft  eitcrnre^tcö  juftc^cn.    (Sin  Siedet  ber  ^lufenießung  am  SScrmogen  beö 
Äinbcö  ftefit  bcr  aWuttcr  alö  folc^er  nur  auönal)mörocife  partifularrcd)ttid(|  ju. 

3m  ©injclncn  gcftallct  fid^  nad^  biefer  ®ruppc  t)on  SRed^ten  bie  ©tellung 
ber  ÜJhitter  nad^  bem  2^obc  beö  SSaterö  f olgenbermafecn : 

9[nlangenb  }unäd^ft  baö  Srjie^ungörcd^t,  fo  liegt  baöfclbc  gcmeinred^tlid^ 
nai)  bcm  2:obc  bcö  SSaterö  in  bcr  §anb  bcr  Dberoormunbfd^aft  (1.  1  Cod.  ubi 
pup.  5, 49;  1.  1  D.  eod.  27, 2).  S)ic  lefctcre  ift  aber  infofem  gebunben,  alö  bie 
fähige  SWutter  einen  Slnfprud^  barauf  f|at,  bafe  il;r  bic  9luöübung  bcr  ©r« 
jicl^ung  junäd^ft  übertragen  roerbe.  ©oroeit  bie  SRutter  nic^t  juglcic^  93ormunb 
ift,  roirb  bcm  SSormunbe  beö  Äinbcö  ein  gcroiffcr  ©influfe  auf  bic  ®rjief)ung, 
aud^  rocnn  biefc  ber  SRuttcr  überladen  ift,  inöbefonbere  ein  2lufftd^törcd()t,  ein« 
geräumt  (t)crgl.  ©cuffert  XXXI,  247).  9lel^nlid&  ift  bie  ©tellung  bcr  aJlutter 
in  9lnfcl^ung  beö  ©rjie^ungörcd^teö  nad)  bcm  roürttemb.  Slcd&tc  (uergt.  roürttemb. 
2.  31.  IV,  11  §  1,  IV,  12  §  1),  bcm  ba^r.  S.  31. 1,  7  §  11  SRr.  3,  bem  preufe. 

a.  S.  91.  II,  18  §§  315,  320,  322,  326  (ücrgl.  §§  241—246,  237,  308—314), 
ber  preufe.  SSorm.  D.  v.  5.  3uli  1875  §  28,  bcm  fäd^f.  ®.  33.  §§  1875,  1886, 
1923, 1924;  bcm  oftcrr.  ®.  33.  §§  216—218,  ber  lübccf.  93orm.  D.  0. 1820  §  26, 


734  ertcrlid&e  ©cwalt.    Suftonbißfeit.    3n6alt.    §§  1501, 1502. 

ber  l^atnb.  SSorm.  D.  o.  14.  2)cjcmbcr  1883  3lrt.  22  unb  bem  entm.  bcr  bapr. 
aSorm.  D.  v.  1874  §  60.  9lad^  cinjelnen  biefcv  Ocfefegcbungcn,  inöbefonbcre 
nad&  bcr  praife.  aSorm.  D.  unb  bcm  ©ntro.  bcr  bat)r.  aSorm.  D.,  ift  icbod^  baö 
©rjiclöwiigörcdjt  bcr  ÜKuttcr  infofern  unabl^ängicjcr  unb  fcftcr  gcftaltct,  alö  i^r 
baö  Grjic^ungörcd^t,  wenn  aud^  unter  3luffid)t  bcö  aSormunbcö,  unmittelbar 
fraft  bcä  ©efefeeö  juftc^t  unb  nur  auö  er^cblid^cn  Orünben  ron  ber  Ober- 
t)onnunbf^oft  entjogen  werben  borf.  3n  t)erfd^iebencn  fleineren  SRec^tögebietcn 
beö  gemeinen  Slec^teß,  namcntlid^  in  cinjelnen  baririfd^cn  Sanbeöt^cilcn  (oergl. 
and)  Hppc^bctm.  aScrorbn.  v.  1786  §§  17,  21,  22),  Tmb  bic  aSBirfungen  bet 
aSormunbfd&aft  auf  baö  ®riiel^ungörcci[|t  ber  3Rutter  überhaupt  nid^t  auö^ 
gebel^nt.  @d  gilt  bied  namcntlid^  ba,  mo  ber  übericbenben  äßutter,  menn  auc^ 
feine  mütterüd^e  ®croatt,  boc^  bcr  Seifig  an  bem  Äinbcöücrmogen  eingeräumt 
ift  ober  fortgcfcftte  Oütergcmeinfc^aft  ftattfinbet.  3n  ^ßreufecn  fmb  berartigc 
partifularrcd[)tti(i)e  Scfoubcrljcltcn  in  Slnfc^ung  beö  (Srjie^ungörcc^ted  ber 
äßuttcr  burd^  bic  prcufe.  aSorm.  D.  v.  5.  3uU  1875  §  28  ocrbrängt. 

Sic  aSertretung  bcö  Äinbcö  unb  bic  gcfammte  aScrmögcnöocrnjaltung 
legen  bic  ju  biefcr  ©ruppe  gcljörenbcn  JRcc^tc  nac^  bem  2^obe  beö  aSaterö, 
üorbe^altUd^  bcd  ber  SWutter  fraft  beö  cl}elid^en  (Süterrec^tcö ,  inöbefonbcre 
eincö  S3ei[tgrcc^teö  ober  bcr  fortgefcfetcn  ©iitergemeinf^aft,  juftc^enbcn  aScr* 
TOattungö*  unb  aSertrctungörcd^tcö  (ocrgl.  preufe.  aSorm.  D.  o.  5.  3uli  1875 
§  95),  in  bic  iganb  eincö  bcm  Sinbe  beftcUten  aSormunbeö;  bod^  i)ai  nad) 
gemeinem  SRed^tc  unb  bcr  SRcIjrjaljt  ber  auf  gcmeinrcd^tlid^cr  ©runblagc  bc* 
ruijcnben  (Sefcßgcbungcn  bic  äftuttcr  ein  oorjugörocifcö,  mt\)t  ober  roenigcr 
fcftcö  Slnrcd^t,  alö  aSormunb  i^rer  Äinbcr  bcftcUt  ju  merben  (uergl.  preufe. 
2t.  2.  JA.  II,  18  §  186;  preufe.  aSorm.  D.  t).  5.  3uU  1875  §  17  SRr.  3,  §  18; 
ofterr.  ®.  SB.  §  198;  fäd^f.  ®.  SB.  §  1890;  Ijamb.  aSorm.  D.  t).  14. 3)ejcmbcr  1883 
9W.  7,  13;  entm.  b.  bapr.  aSorm.  D.  t).  1874  §  30  SRr.  3,  §  34).  3nd* 
bcfonbcrc  fann  nad&  ber  preu^.  aSorm.  D.  a.  a.  D.  in  Ermangelung  eincö  uon 
bcm  aSater  nad^  SUafegobe  bcö  §  17  Sßr.  2  benannten  aSormunbcö  bic  aWutter 
nur  bann  übergangen  mcrbcn,  wenn  UmftÖnbc  eingetreten  finb,  roeld&e  i^rc 
33cftcllung  alö  nad)t^cilig  für  bcn  3Künbcl  erfd^einen  laffen.  3n  einer  3lnja^l 
f  Icincrcr  SRcd^tögcbictc  ift  bic  SWutter  nac^  bem  S^obe  bcö  aSatcrö  olfine  rocitcre 
SefteUung  gcfcglidjier  aSormunb  i^rcö  Slinbeö  (ocrgl.  j.  33.  lippcsbctm.  SScrorbn. 
t).  1786  §§  17—22).  3n  anberen  fleineren  SHcd^tögcbictcn,  j.  33.  in  Sübccf 
(aSorm.  D.  t).  1820  §  23  9ir.  3),  ift  bagegen  bic  aWutter  uon  bcr  aSormunb* 
f^aft  gänjlid^  auögefd^loffen. 

(Sin  SRcd^t  bcr  SRufenicfeung  am  aScrmögen  bcö  Äinbcö  ftc^t  gemcinred^tlid& 
unb  nad^  bcn  auf  gemeinred^tlic^er  ©runblagc  bcrul^cnbcn  ©cfeggebungen 
bcr  aßutter  nid^t  ju.  ©icfcr  ©runbfag  mirb  icbod^,  jroar  nid^t  formell,  ober 
praftifdö  nid^t  uncr^cblii^  burd^broc^cn  burd^  bic  S3eftimmungcn  bcö  c^cUd&cn 
©ütcrrcc^tcö,  meldte  ^äufig  audjj  bcr  übericbenben  SKuttcr  geroijfc  SRugnicfeungö* 
rc^tc  an  bem  uon  bcm  aSatcr  bcn  Äinbern  jugcfaUcncn  aSermögen  gewähren,  unb 
burd^  5a^lreid^c  aSertröge,  bnxä)  meiere  bcr  SRutter  gegen  Ueberna^mc  ber  aSer* 
pflcgung  bcr  Äinber  bcr  93cjug  ber  ©infünftc  bcö  ÄinbcöocrmBgcnö  überroicfen 
mirb.  yiad)  cinjelnen  SRcd^ten  ]it\)t  bcr  übericbenben  SKutter  aber  aud&  unab* 
ijcingig  von   bem  ftatutarifd^en,  b.  f|.  güterred^tlid&cn,  JUefebrauc^e  bcö  über« 


erteriicfee  Octoalt.    3«ftänbiofeit.    Snfcalt.    §§  1501, 1502.  735 

lebenben  ©Regatten  ber  gefeglid^c  ^iegbrauc^  an  bcm  SSermögcn  bed  ftinbefi 
ju  (üerfll.  roürttcmb.  2.  91.  IV,  9  §  2,  IV,  11  §  1,  IV,  12  §  1;  otteub.  (Srb^ 
folflcgcf.  0.  6.  aprit  1841  §  66;  erbfolgcgcf.  für  ditxi^  \.  S.  t).  10.  S)c^ 
jcmber  1853  §  61;  fc^njarjb.  f onberö^.  ©ufjeffionöorbn.  o.  8.  3)ejember  1829 
§§  139—143 ;  olbcnb.  ®cf.  v.  24.  3lpril  1873  ärt.  44  unb  v.  10.  Sonuar  1879 
Sil.  42).  3n  benicnigcn  preufe.  fianbeßt^cilcn,  in  n)el(^cn,  loic  j.  S.  in  9Joffau, 
bcn  (Sltern  bic  gcfefeUc^e  ^lufenicfeung  am  SBemtögen  ber  Äinbcr  bid^cr  juftanb, 
pnb  biefc  Scfugniffc  burcft  bic  prcufe.  SSonn.  D.  (oergL  §  95  baf.)  nid^t  bcriil^rt. 
3m  ©cgcnfafec  jum  gemeinen  Sled&tc  unb  ben  ouf  bicfem  bcru^cnbcn 
©efcfegebungen  ^at  pd^  in  einer  gröfecrcn  9lnjal&l  von  ?ßartifutan:ed^ten  oer* 
fc^iebener  SC^eilc  SJeutfcblonbö,  nomenttid^  in  folc^en  Ocbieten,  in  meldten  baö 
el^elid^e  ©üterred^t  bem  über(ebcnben  ©Regatten  meitgel^enbe  SBermaltungö^  unb 
Slufcniefeungörcd^tc  an  bem  gcfommtengamilienoermögen  gemöl^rte,  eine  ber  üäter- 
lid^en  ©ematt  mefendgteid^e,  nadf)  bem  2:iobc  bed  ^aterd  eintretenbe  mütterliche 
©croalt  entroidcU,  welche  baß  ^tcd^t  ber  @rjief|ung,  fomie  ba&  ditä)t  ber  SBer* 
toaltung  imb  9{u^ung  beö  ftinbeßoermögend  einfd^UegUd^  ber  gefeglid^en 
SBertretung  bcö  Äinbeö  in  bcmfelben  Umfange,  in  welchem  blefe  Sefugniffe 
bem  SBater  jufte^cn,  umfaßt  unb  ba^er  bic  3lnorbnung  einer  SSormunbf^aft 
über  bie  jtinber  nac^  bem  2;obe  beß  äSaterß  außfd^Uegt.  @ine  folc^e  müttcr^ 
lid^e  ©eroalt  ift  namentlid)  in  einer  SRci^e  bapr.  Statuten  anerfannt  (oergl. 
gntro.  ber  ba^r.  83orm.  D.  u.  1874  §  2),  fentcr  für  9leu§  L  2.  burd^  bie  33erorbn. 
t).  2.  3uli  1864  §  2,  foroie  burc^  baß  rocimor.  ©cf.  o.  27.  aWörj  1872  über 
bie  elterliche  ©eroalt,  roeld^cß  bm  ©ebanfcn  einer  ber  cltcrlid^en  ©eroalt  bcß 
SBaterß  gteid^fte^enbcn  mütterlid^cn  ©croalt  felbftänbig  burcbgebilbet  ^at.  93on 
ben  neueren  ©efcfebüd^ern  ift  es  ferner  Dor  9niem  baß  franj.  SRcd&t,  roeld^eß 
bic  red^tlid&e  ©Icid^ftellung  ber  übcrlebenben  SWuttcr  mit  bem  übcrlebenben 
SBater  für  ein  groftcß  5Hcd^tßgebiet  in  ber  $auptfad()e  burc^gefcfet  ^at.  9Jad^ 
bcm  Code  civil  ftef|t  baß  Äinb,  folange  beibe  @ltern  leben,  unter  ber  clterlid&cn 
©eroalt  bc«  SBatcrß  (ärt.  372  ff.,  384,  385,  389).  SBirb  bie  e^e  burd^  ben 
Zob  ber  aRutter  aufgelöft,  fo  roirb  ber  übcrlebenbc  SBater  üon  SRed^tßroegen 
SBormunb  ber  Äinbcr  unb  ^at  baß  SRcd^t  ber  SBcrmögcnßoerroaltung  unb 
ber  SBcrtretung  ber  Äinbcr  nur  in  ber  ©tcHung  eincß  gcfeftlid&cn  SBormunbcß 
(SCrt.  390).  ©aneben  oerbleibt  if|m  alö  Slußflufe  ber  clterlid^en  ©eroalt  baß 
@riiei|ungßred()t  unb  ber  eltertii^e  ?2iegbraud^  am  Vermögen  beß  jlinbeß.  2)ie 
gleid^e  Stellung  bcß  gefeglid^en  SSormunbeß  unb  aud^  bie  übrigen  bcieid^neten 
eltertid&cn  Siedete  ^at,  roenn  bie  6^e  huvä)  ben  3:ob  beß  Sßaterß  aufgelöft  roirb, 
bic  übcrlebenbc  SWutter ;  bod^  ftc^t  i^r  baß  Siedet . ju,  bic  aSormunbf i^aft  ab« 
julc^nen,  unb  fann  ber  SSatcr  i^r  einen  SRat^geber  beiorbnen  (Slrt.  372  ff., 
SCrt.  384,  385,  390—394).  Sluf  ber  ©runblagc  beß  code  civU  ^aben  fobann 
ber  ^eff.  (Sntro.  III  Slrt.  18—40  unb  bad  itat.  @.  ».  ärt.  220—239  bie 
cttcrlid^c  ©croalt  unb  bie  ©teidöftcBung  ber  SWutter  mit  bcm  SSatcr  in  ber 
Sri  burd^gcfü^rt,  bafe  fic  einerfeitß  bie  elterliche  ©eroalt  bcß  SBaterß  beim 
a^obe  ber  SKutter  nid)t  ju  einer  fontrotirten  SBormunbfc^aft  abfd^roäd^en, 
anbererfeitß  ber  SRutter  nac^  bem  2^obc  bcß  SJaterß  bic  üoUe  elterlid&e  ©croalt 
einräumen.  9lac^  bcm  ital.  0. 33.  9lrt.  235  fann  jeboc^  ber  3Sater  aSorfd^riften 
über  bic  6r}icl|ung  unb  SScrroallung  geben,  von  roeld^cn  bic  a)}utter  of)ne 


736  ®rtcrli(öc  ©emalt.    Suftanbiöfcit.    3n6alt.    §§  1501,  1502. 

©enelimigung  bcr  oormunbfdöaftlid&cn  Sluffid^töorgane  nid)t  obrocid^cn  barf. 
Ein  33erjici^t  auf  bie  cltcrlidjc  ©eroaft  ift  ber  SWuttcr  fo  wenig  naä)  bcm  f)e?f. 
©ntiD.  ate  mä)  bem  xial  ®.  33.  gcftattet;  a\xä)  ftcl)t  bem  SSatcr  baö  9lcd)t, 
einen  SWatfigcber  ju  ernennen,  nid)t  ju. 

®er  bax)v.  &nivo.  einer  SSorm.  D.  t).  1874  §  2  trägt  bem  Dorjugöroeifc 
in  bai)r.  Statuten  Wufig  üorfommenben  SSer^öItnifJc  einer  mütterlid^en  Oeroatt 
baburd)  auöbrüefUd^  SRedfinung,  bafe  er  biefelbe,  wo  jie  beftefit,  aufrecht  erlfiält. 
dagegen  ift  burd^  bie  prcufe.  SSorm.  D,  §§  11,  95  in  beren  ®ettungögebietc 
bie  mütteriid)c  Oemaft,  roo  fie  biöfier  beftanb,  alö  fotd^c  befeitigt  unb  bie 
5Wutter  uorbcl;aItIid^  ber  Sefugnijfe,  meldte  (Sttern  ober  ®l[iegatten  fraft  gefc^ 
lieber  5Ru|nie6ung  am  SSermögen  ber  Äinber  ober  fraft  e^elid^en  ©ütcrred^tcö 
juftefien,  auf  ia^  JHec^t  ber  (Srjie^ung  unb  baö  oorjugßroeifc  Slnred&t  auf 
Uebertragung  ber  33ormunbfd^aft  (oergt.  oben  ©.  734)  befd&räntt.  3nSbefonbere 
f)at  aud^  in  ber  prcufe.  9lf|einprot)inj  bie  SWutter  bie  Stellung  cincö  gefcfelic^en 
SSormunbeö  oertoren. 
©tanbpunft  2)er  (Sutmurf  ift  bei  ber  (Sntfd^eibung  ber  ^^ragc,  meldte  Stellung  bcr 

cittwurfe».  SKutter  gegenüber  x\)xzn  fiinbern  nad^  bem  J^obe  beö  SSaterö  einjuröumen  ift, 
baDon  ausgegangen,  ha^  mit  ber  grunbfäjlid^  anerfannten  ooUen  ^anbtungö« 
tw  <w\«n"^  f^'^^Ö^^^*  ber  grauen  auf  bem  ©ebiete  beS  ^rioatrcd&teä  junäd^ft  jebe  91ötl[|igung 
wegfällt,  btn  grauen  ba,  roo  fie  nad^  ben  natürtidjcn  JJer^ältmffen  jum 
§anbe(n  berufen  finb,  biefcö  ^anbetn  ju  oerfagcn.  S)ie9  fü^rt  bal^in,  bie 
SWuttcr,  roenn  nac^  Sage  ber  SSerfjättniffe  bie  natürliche  clterlid^e  Sd^u^pflic^t 
in  Slnfel^ung  il^rer  Äinber  an  fie  Ijerantritt,  aud^  red^ttid^  bem  95atcr  grunfes 
fäfelid)  gleid^juftellcn.  Solange  beibe  ©Item  leben,  tritt  boö  clterlid^e  SRed^t 
ber  3Jlutter  jurüdf.  S3ei  bcfte^enber  ®^e  ift  baä  Uebergemid^t  beö  35atcrö  in 
bcr  5Ratur  ber  2)inge  bcgrfinbet,  unb  mu^  i^m,  t)orbcl)altlid^  bcö  9lnt^eilcS 
bcr  3)hittcr  an  ber  Sorge  für  bie  ^erfon  ber  Äinber  nad)  SRafegabc  bcö 
^^»aifbe?**  §  1506,  bie  elterlid)e  Ocroalt  beigelegt  werben,  ^zwn  aber  ber  SSater  geftorben 
TOutter  iia($  ift ,  fo  ift  Co  bic  SWuttcr,  roeld)er  nad)  ber  9latur  ber  S)inge  bie  elterliche 
^'^ttUrV^'*  S^ufepftic^t,  wie  biefelbe  bisher  Don  bem  58ater  ausgeübt  würbe,  jufäUt,  unb 
entfprid()t  eö  biefer  natürlichen  ^^flic^t,  wenn  i^r  audd  red^tlid)  eine  biefer  5ßfli(^t 
entfpred^enbe,  ber  Stellung  bcö  SSatcrö  grunbfö^lidb  gleidj)fommenbe  elterlid^e 
Stellung  eingeröumt  wirb,  ©ö  liegt  ätoar  bcr  ©inwaub  na^e,  bafe  eö  etwas 
älnbercö  fei,  bic  grauen  für  befähigt  ju  crtlären,  i^ren  eigenen  Oefd^äftcn 
üorjuftcljen,  unb  ftc  für  geeignet  ju  Ijalten,  frembc  (Sefcl)äftc  mit  ©rfolg  ju 
füljrcn,  bafe  uielfad),  bcfonbcrs  in  ben  l)ö^cren  Stönben,  ben  grauen  bie 
n5t{)ige  ©inftd^t  unb  Erfahrung  fel)lc  jur  Uebernal)me  bcr  oft  fd)wierigen 
®efcf)äftc  bcr  SSermögcnöocrwaltung,  bafe  itjncn  bie  männlidjc  Äraft  unb 
9lutorität  mangele,  'weldje  bic  ©rjieljung  ber  Äinber  erforbcrc,  mit  anbercn 
SBortcn,  bag  cö  praftifcf)  93ebcnfcn  unterliege,  nadb  bem  2'obc  beö  'JBaterö  bcr 
aJlutter  bie  ooUe  eltcrlid^c  Stellung  einjuräumen,  weld^e  if)r  im  ^rinjipe  oor? 
äuent^alten  fein  Orunb  oorlicgt.  S)icfcm  ©inwanbc  gegenüber  ift  aber  barauf 
Ijinju weifen,  ba^  eö  nid)t  cigentlicf)  frembc  (Scfd^äftc  finb,  beren  93cf orgung 
ber  ajJuttcr  l)icr  übertragen  werben  foH,  bafe  cö  fid^  t)iclmel)r  um  bie  Sin* 
gclcgcnl)eiten  iljrer  nä^ften  3lngel)örigen,  ilirer  Äinber,  f)anbelt.  ®d  ift  nid^t 
ein  öffentltd}eö  9Imt,  burd^  welches  ber  aWutter  frembc  (Scf^äftc  Don  aufecu 


eiterli^c  @cm\t    Suftanbiöfeit.    Sn^alt.    §§  1501, 1502.  737 

überroicfcu  werben;  t)iclmef)r  l^anbelt  ed  fid^  roefeutUd^  bod^  nur  um  eine  ©r- 
lüciterung  i^rer  familienrc^tUc^cn  Stellung,  um  eine  voUzxt  (Seftaltung  il^reö 
j^auöfroulid^en  unb  mütterlld^en  Serufcä.  2)ie  aWutter  foU  nid^t  aus  iljrem 
natürlid&en  Serufc  ^erouögel^oben,  fonbern  im  ©cgent^eil  nur  ron  ©d^ranfen 
befreit  werben,  weld^e  fie  bisher  in  ber  ©rfüBung  bed  H)v  eigenen  SBerufeß 
beengten.  3)em  ©ntrourfe  liegt  nid^tö  ferner,  als  ber  Oebantc  ber  fog. 
©manjipation  ber  grauen.  @r  qt\)t  t)ielmel^r  t)on  ber  ©rroägung  auö,  bafe 
boö  aWifetrauen,  meld&eö  frühere  3al[irl[iunbertc  in  bie  göl^igteit  ber  grau  ju 
einer  Dolten  ©rfüDung  ii^reö  clterlid^en  Serufeö  festen  unb  bei  ber  Unfic^er^eit 
ber  3«ftSnbe,  ber  ©d^roierigfeit  ber  9Jed()tdücrfolgung  u.  f.  m.  Dielfad^  fegen 
mußten,  nad^  ben  SSerl^ältniffen  ber  ©cgenroort  nid^t  me^r  bered^tigt  ift.  Sen 
t)om  praftifi^en  ©tanbpunfte  au0  fi^  erfiebcnben  Sebenfen  ift  ein  entf^eibcnbcö 
©eroid^t  nid^t  beijumeffen;  in  btn  weitaus  meiften  gälten  fann  bie  g&^ig- 
feit  ber  äHutter  jur  Uebernol^me  biefer  Dolleren  ©Itcrnpflid^t  nid^t  mo^l 
in  3n>^ifcl  gcjogen  werben.  Die  große  aWelirjalil  ber  gälle  aber  ift  es, 
welchen  boö  SRed&t  feine  SRegel  ju  entnehmen  ^at,  wäl^renb  für  bie  geringere 
3af|t  ber  SlnönaJ^mefälte  in  auöreic^enber  aSBeife  bur^  befonbcre  Seftimmungen 
SSorforge  getroffen  werben  fann.  ©erabe  oom  praftifci^en  ©tanbpunfte  auö 
ift  eö  weniger  ju  cmpfel^len,  wegen  ber  t)erl^altni6mäßig  feltenen  gälle  bie 
großen  SSorjüge  ju  opfern,  weld^e  bie  3lnerfennung  ber  elterlichen  ©ewalt  ber 
aWutter  für  bie  große  SDlel^rial^il  ber  gälle  bietet  (t)ergl.  aRotioc  b.  preuß.  SSorm.  0. 
V.  1875  ©.  63).  Snöbefonbere  ^xnb  ed  audj)  praftifd^e  SSort^eile,  wcld^e  bie 
Slnerfennung  ber  elterlid^en  ©ewalt  ber  SKutter  mit  fid^  bringt,  ©ie  füljrt 
ju  einer  großen  SBereinfad^ung  ber  5Berl)ältniffe.  SBie  fie  cinerfeitö  bas  innere 
gamilienleben  vox  ber  fid&  einbrängcnben  (Sinmifd&ung  üormunbfd^aftlid^er 
Sfufftd^töorgane  bewahrt,  fo  Derminbcrt  fie  anbererfeilß  in  er^eblid^er  SBeife 
bie  ©cfd&äfte  ber  aSormunbfd^aftßgerid^te,  cntlaftet  bie  burd^  bie  neuere  ©efcj* 
gebung  auf  anberen  ©ebieten  mel^r  afe  frül^er  in  9lnfprud^  genommene  2:^ätig« 
feit  ber  ©taatöbürger  auf  bem  ©ebiete  ber  SSormunbfd^aftöoerwaltung  unb  er? 
fpart  fo  nid&t  allein  bem  ©taatc,  fonbern  aud^  ben  ftinbern  unb  ben  ©taatö- 
bürgern  nid&t  uner^eblid^e  Sloften  unb  Sludgabcn.  9lid&t  ju  rerfennen  ift,  baß  bie 
Slnerfennung  ber  elterlid}en  ©ewalt  ber  SHutter  für  umfafjenbc  SRed^tögebiete 
eine  große  Steuerung  enthält.  3ndbefonbere  fällt  gegen  ben  ©tanbpunft  beö 
Entwurfes  fd[)wer  ins  ©ewid^t,  baß  bie  preuß.  33orm.  D.  t).  5.  3uli  1875  Se? 
benfen  getragen  l^at,  biefcn  ©d^ritt  ju  tl)un,  unb  bie  bei  ber  S3eratl[iung  jcncö 
©cfefceö  in  biefer  SRid^tung  geftellten  2lnträge  nid^t  burd&gebrungen  finb  (ocrgt. 
93erid&t  ber  ^erren^außfommiffton  o.  1875  3lx.  39  ©.  24,  38;  S3eri(^t  ber 
Äommiffion  beö  3lbgeorbnetenl(iaufeS  §  12  v.  1875  9lr.  311  ©.  1846;  SBer^^ 
l^anbl.  beß  ^errenl^aufeö  o.  16.  SWörj  1875,  10.  ©iftung  ©.  124,  125). 
Slllein  nad^  ber  ©rflärung  ber  Slegierung  im  J^errenliaufe  finb  eö  in  ber 
^auptfad^e,  wie  eö  fd^eint,  9lüdEfid^ten  auf  bie  SSerljältniffe  ber  öftlid^en  Sanbcö« 
t^eile  gewefen,  wel^e  bie  preuß.  ©efeggebung  abgel^alten  liaben,  fid^  in  biefer 
grage  bem  3^8^  anjufd^ließen,  weld^em  anbere  neuere  ©efeggebungen  oorjugö' 
weife  gefolgt  fmb.  gür  bie  ©efefegebung  beß  SReid&eß  fallen  inbcffen  biefe  auß 
ben  3wftänben  einjelner  Sanbeßtlieile  beß  preuß.  ©taateß  entnommenen  ^c^ 
benfen,  felbft  wenn  biefelben  für  biefe  Sanbeßttieile  in  bem  Doraußgefcfeten  Um* 

SRotiM  |.  bflrgerl.  «efefbuc^.  IV.  47 


738  eiterltd&c  ©eiralt.    Büftänbiöicit.    Sn^alt.    §§  1501,  1502. 

fange  begrünbct  fein  foDten,  ocrl^äItm6mä|ig  roenigcr  inö  ©eroic^t,  als  für  bic 
Oefeggebung  beö  prcufe.  ©taateä.  2)aä  5Heid&  fann  nid^t  barauf  Dcrjid^tcn, 
feine  (Sefe^gcbung  naä^  bemjenigen  3uf^nittc  ju  geftalten,  weld^en  ber  SSilbungö- 
juftanb  feines  SBoItcS  im  (Svofeen  unb  ©anjen  oerträgt  unb  erforbert;  es  barf 
es  roagen,  bic  etwa  in  ber  ©ntroidelung  jurücffte^enben  58olfStf)eile  mit  fic^) 
fortjujieljen.  9lber  jene  33ebenfen  fönnen  in  fo  l|ol[iem  aWafec  als  begrünbct 
überhaupt  nid&t  anerfannt  werben.  6rfaF)rungsmäfeig  pflegt  in  einer  weniger 
fortgefd)rittenen  Scüölfcnmg  bic  grau  l^intcr  bcm  2)lanne  an  inteDeltucllcr 
Begabung  !eincsroegs  jurüdEjuftelien.  3tn  Durd^fd^nittc  ift  ber  SilbimgS- 
juftanb  in  ©eutfd^lanb  jubcm  geroi^  fein  geringerer  als  berienigc  ber 
romanifd^en  Sänber.  .^at  in  biefen  Säubern  bie  aWutter  fic^  ber  i^r  burd^ 
bie  bortigc  ®efc|gebung  geftelltcn  Slufgabc  geroad^fen  gejeigt,  fo  ift  cö  aud& 
für  bie  (SJcfcfegebung  beö  3Deutfdj)en  üHeid&eö  praftifd^  unbcbenflid^,  bie  elterlid^c 
©eroalt  ber  SKutter  anjuerfennen,  üoUenbs,  wenn  man  mit  bem  ©ntmurfc 
(§§  1538—1543)  geroiffe  fafultatioe  6inf(^ranfuugen  ber  cltcrlid^cn  (Seroalt 
ber  SWutter  jutägt,  ©infd&ränfungeu,  für  welche  ein  Sebürfnife  roeit  me^r  in 
bm  aSerl^ältniffen  ber  Isolieren  ©täube,  als  in  bencu  ber  niebereu  ©täube 
liegt.  3n  granfreic^  erl)oben  ftd&  bei  ber  S3cratl^uug  bes  code  civil  in  ber 
^ier  fraglid^en  9iid&tung  ä^nlic^e  33ebenfcu.  2Ils  ein  Si^fl^ftönbuife  an  bic 
legtcrcn  würbe  in  bas  ©efe^  bic  33eftimmung  aufgenommen,  bafe  ber  aSater 
bered^tigt  ift,  ber  SKutter  einen  SSat^geber  beijuorbnen.  3wi  Oebietc  ber 
preufe.  9J^cinprot)inj  \)ai  jcbod^  bas  praftifd^c  Sebürfuife  faft  niemals  baju 
gcfüfirt,  uon  biefem  3lusfunftsmittcl  ©ebraud)  ju  mad)eu  (rergl.  aWotioe  ber 
preufe.  33orm.  D.  ©.  63),  ein  3^^^^^"/  ^^6  in  biefem  ©ebietc  bie  SÄuttcr  fid^ 
ber  if)r  geftellten  3lufgabe  gcroad&feu  gezeigt  l|at.  3)iefclbc  ©rfal^rung  ^at 
man,  fouiel  befannt,  aud^  in  benicnigcn  bcutfd^eu  Sled^tsgcbicteu,  in  meldten 
eine  mütterlid^e  ©eroalt  anerfannt  ift,  in  Dollem  SHafec  gemad^t. 
(giteriid^e  3lod)  ciu  ©inmaub,  roeld^er  gegen  bie  3lnerfeunung  ber  elterlid^cu  ©eroalt 

ÄutS  ^^  3)lutter  erlioben  roerben  tonnte,  bebarf  ber  SBerüdEfid^tigung.  9tad^  §  1502 
ift  mit  ber  elterlichen  ©eroalt  aud^  bie  elterlid^c  Slufeniefeung  am  SSennögen 
bes  ÄinbeS  oerbunben.  ©egen  bic  elterlid^c  Siufeniefeung  ber  überlebenben 
SRutter  loffcn  fid^,  roennglcid^  in  geringerem  SWafee,  äl)nlic^c  Sebcufen  gcltcnb 
mad^en,  roie  biejenigcu,  roeld^c  gegen  bic  Slnerfcnnung  eines  burd^  @rbrcd[|t 
ober  boö  eliclid^c  ©ütcrrcd^t  bcgrünbctcn  SJicfebraud^eS  bes  überlebenben  (S^c- 
gatten  an  bem  SJermogen  ber  Äinber  fpred&en,  roeld&cs  bic  lefeteren  oon  bem 
uerftorbcuen  (S^egattcn  geerbt  \)abtn.  9Kon  fann  namentlid^  auf  bie  Un? 
Suträglid^feiten  ^inroeifen,  rocld^c  fid^  ergeben  fönnen,  roznn  von  mel^rcren 
Äinbern  bas  eine  ooUiäl^rig  gcroorben  ift,  bicfes  jur  Uebernal^mc  ber  üäter- 
lid^en  SBirtl^fd^aft  geeignet  fein  roürbe,  eine  fold^e  Ucberna^mc  aber  in  golgc 
ber  9hifenic§ung  ber  SKutter  an  beu  SSermögcnSont^eilen  ber  übrigen  uod() 
minberiäl^rigen  Äinber  auf  ©d&roierigfcitcn  ftöfet.  Snbcffen,  roenn  man  einmal 
ber  ÜKutter  aus  überroiegenben  ©rünben  im  Ucbrigen  grunbfäfelid^  bie  gleid^c 
Stellung  einräumt,  roie  bem  aSater,  fo  fann  man  aus  bcnfelben  ©rünben,  ous 
roeldjen  ber  ©ntrourf  mit  ber  elterlid^cn  ©eroalt  beS  SSaters  bie  clterlid^c  9lnp 
niefeung  oerbinbet,  aud^  ber  aWutter  bic  elterlid^e  SWufenicfeung  nid)t  ocrfagcn. 
2)aju  fommt,  ba%  bei  normalen  SBerl^ältnlffen,  rocld^e  eine  ©olibarltät  ber 


61terli*c  @malt    3uftanbiöfeit.    Snßalt.    §§  1501, 1502.  739 

3ntcrcffeu  bev  ®ltcrn  unb  bcv  Jtinbcr  mit  fic^  bringen,  bic  angcbcutcten 
©ddroicrigfcitcn  im  aSBcgc  bcr  SScreinigung  ber  S3ctf)ciUgten  ifirc  Söfung 
finbcn  werben. 

aSon  ber  grunbfäfelic^cn  ©leid^fteDung  bcr  c{tcrUcf)cn  SHedjte  bcr  SDlutter  naä)      »«* 
bcm  2;obc  bcö  aSaterö  mit  bcn  elterlichen  SRec^ten  bcö  SSatcrö  ma^t  bcr  ©ntmurf  blTeilS^^ 
-  abgefe^cn  von  ben  in  ben  §§  1538—1543  für  bie  etterlid^e  ©croalt  bcr  ®^'»«"  |>"' 
^iDJnttcr  beftimmten  SJcfonbcrliciten  —  nod^  infofern  eine  9(uönal)mc,  qIö  im 
©cgenfofee  jn  ber  clterlid^en  ©ewalt  bcö  SBoterö  (§§  1548—1551)  bic  cltcrlid^c 
Oeroatt  ber  SKutter  baburd^  beenbigt  mirb,  bafe  bie  aWutter  eine  neue  6^c 
fd&Iiefet  (§  1558).    SBegcn  ber  Orünbe,  auf  meieren  biefe  Slbroeid^ungcn  in 
bcr  ©cftaltung  bcr  elterlid^eu  ©cwalt  bcr  3)tutter  bcruficn,  mirb  auf  bic 
aWotioc  ju  bcn  §§  1538,  1558  oermiefen.    3n  ben  anotit)cn  ju  §  1538  finb 
a\xä)  bic  ©rünbe  bargctegt,  auö  meldten  bcr  ©ntmurf  ber  aJlutter  baö  SRcti^t, 
auf  bic  eltcrlid}e  ®croalt  ju  ücrjid^tcn,  nid^t  beigelegt  l^at  (Dcrgl.  §  1561). 

®ie  3tegel  bcö  §  1501  2lbf .  2 ,  bafe  bie  cltcrlid^e  ©ematt  erft  nad^  bem    etcuun« 
S^obe  bes  »aters  ber  aJlutter  juftel)t,  erlcibet  gewijfe  3lußna^men.  3n  einjelnen  „orbeTxTbc 
rocnigcn  gällen  l^at  bcr  ©ntrourf  ber  3Wutter  bic  elterliche  ©croalt  einfC^liegtid^  ^^  «a*«s- 
bcr  cl|clid)cn  Jhiftniefeung  fd^on  üor  bem  Silobc  bcö  SSatcrö  eingeräumt  (uergl. 
§  1557  2lbf.  2,  3,  §  1559  2lbf.  2  t)crb.  mit  §§  1440,  1464,  1558,  1560,  ferner 
§  1564).    Slufecrbcm  ftcl^t  in  bcn  roi^tigften  gällen  bcö  SHu^enö  bcr  elterlid^cn 
ökioalt  beö  SSaterö  bie  eltcrlid&e  Ocroalt  mit  äluöna^me  ber  bcm  SSater  ücr* 
bteibenbcn  clterlid^en  Jlufeniefeung  ber  aJhittter  ju  (§§  1554,  1555).     3m 
Uebrigen  tl^eilt  bie  3Hutter  bei  Scbicitcn  beö  SSatcrö  nur  in  einem  gcroiffcn 
Umfange  bic  Sorge   für   bie  5ßerfon  bcö  Kinbcö  (§  1506).     3)ic  cltcrlid)c 
©eroalt  ift,  folangc  bcibc  ®ltem  om  Sebcn  finb,  uicftt  alö  bcrgcftalt  bcibcn 
6ltern  gcmcinfam  juftel^enb  gebadet,  ba§  bic  3)hittcr  in  eine  iebe  entftcl^enbc 
iJüdEc  eintritt. 

IIT.  SBie  bie  S^ffung  beö  §  1501  crglcbt,  fcnnt  ber  ©ntmurf  nur  eine  crteru^e 
elterlid&e  ©croalt,  eine  ©cmalt  beö  SSaterö  ober  ber  SRuttcr  über  baö  minbcr:^  Ster" 
iät)rigc  Stinb,  nic^t,  mic  ba&  röm.  SRed^t  (1.  4, 6  D.  de  his  qui  sui  1,  e ;  uergl. 
aud&  mürttcmb.  2.  dl.  IV,  22  §  6;  bapr.  2.  JR.  I,  5  §  1,  §  7  5Rr.  6,  7)  eine 
üätcrtid^c  ©eroalt  beö  uäterlid^en  ©rofeüatcrö  über  feinen  ©nfel.  3)ie  Sin- 
crfenuung  einer  fold^cn  bcn  neueren  ©cfefegebungen  (uergl.  preufe.  33orm.  D.  u. 
5.  3iili  1875  §§  11,  17  3lv.  5;  föd^f.  ®.  ».  §  1808;  ofterr.  ®.  ».  §  147;  code 
civil  3lrt.  372,  373;  roeimar.  @cf.  u.  27.  aKärj  1872  §  17)  unbe!annten  grofe* 
elterlichen  ©eroalt  im  röm.  SWed^te  l)ängt  mit  ber  röm.  gamilienorganifation, 
ber  Icbenölänglid&en  Dauer  bcr  uäterlii^en  ©eroalt  unb  bcm  uorroiegenb  t)cr== 
mögenöred^tlid^en  Starotter  bcr  Icfetercn  jufammen.  3ft  ber  3ttl|aber  ber  cltcr* 
lid^en  ©croalt  nod^  minberjä^rig  (§  1233)  unb  bcölialb  felbft  nod^  unter  bcr 
clterlid&cn  ©eroalt  feineö  aSaterö  ober  feiner  3Kuttcr  (uergl.  §§  1557—1559, 
1509, 1536),  fo  rulit  bie  clterlid&e  ©eroalt  roä^renb  ber  aKinbcriä^rigfcit  (§  1554) 
unb  roirb,  foroeit  nid^t  nad^  §  1555  an  ©teUic  bcr  ru^cnben  elterlid^en  ©eroalt 
bcö  minberjäl^rigcn  SBaterö  bie  elterlid^e  ©eroalt  ber  uoHia^rigen  SRuttcr  tritt, 
eine  SJormunbfc^aft  über  bie  Äinber  beö  minberjälirigcn  3nl^abcrö  ber  elter^ 
lid^en  ©croalt  eingeleitet  (§  1633).  2)ie  ©rofecltcrn  ^aben  nad^  §§  1635, 
1637  icbo^  ein  oorjugöroeifcö  9lnred^t,  alö  SSormünber  beftellt  ju  roerben. 

47* 


740       erterli^e  @cn>alt.   ©oröc  für  bic  3>erfon  uub  ba§  SBermöocn.  §  1503. 

2.  ©orgc  für  bic  ?ßcrfon  unb  baö  SScrmögcn  bcö  Äinbeö. 

§  1503. 

Knioenbunfl  2)ie  Seftitttmung  bc8  §  1503,  toeld^e  bic  bort  bcjcid^nctcn  SBorfd&riftcn 

«orSdftcn  bcö  SBormunbfd^aflörcd^tcö  auf  bic  cltcrlid^c  Ocroalt  für  cntfprcc^cnb  anrocnb* 

Id^ftSer  ^^^  erf tärt,  ift  eine  Äonfequcnj  bcä  Dormunbf(i5oftüd^en  Äaraiftcrö  ber  Icfeteren 

unb  burd^  bic  Slnalogic  bcr  SJer^ältnijfc  gered^tfertigt.    SBcgcn  ber  naiveren 

S3egrünbung  wirb  im  SlUgcmcinen  auf  bic  aJlotioe  ju  ben  bctrcffcnbcn,  im 

§  1503  attegirten  SSorfd^riftcn  33cjug  genommen,  unb  ift  ^ier  nur  nod^  gofgcnbeö 

l^eroorju^eben: 

«crtretunfl«.  1.  ^nroicTOcit  waö)  ben  beftc^enben  Siedeten  ber  Snl^obcr  ber  elterlichen 

^^^^'     Ocroalt  gcfejtid^er  SBcrtreter  beö  minberiölirigen  Äinbeä  ift,  würbe  bereits  in 

ben  aWotioen  ju  §§  1501,  1502  oben  S.  722  ff.  bargelcgt  (ücrgl.  inöbef.  für  boö 

gemeine  SRed^t  entfci^.  b.  91.  ®.  in  Sioilf.  XV,  41,  42).    9lad&  bem  ©ntrourfc 

ift,  mic  bic  gefeßlid^e  S8ertretungömad(|t  beö  SSormunbcö,  fo  aud^  bic  bed  3n* 

{)abetö  ber  clterlid^en  Oeroalt  nad^  aufeen  l^in  prinjipieE  eine  unbcfc^rfinfte, 

\oxüo\)l  auf  bem  ©ebietc  ber  Sorge  für  bic  ^^Jerfon,  afe  auf  bcm  ©ebietc  bcr 

©orgc  für  baö  Sßermögcn,  unb  nur  inforoeit  auögefd()Ioffen  ober  bcfd&rfinft,  alö 

bic«  im  ©efc^c  bcfonberö  beftimmt  ift  (oergf.  §  1503  rerb.  mit  §§  1649—1651, 

1653,  1661;  §§  1507,  1511—1515;  §  67;  §  1232  Slbf.  2  oerb.  mit  §  1238 

9(bf.  4;  §  1248  Slbf.  1,  §§  1254,  1263,  1265;  §§  1267,  1271,  1276  oerb.  mit 

§  1254;  §  1277  3lbf.  5,  §  1341  9lbf.  2,  §  1431  3lbf.  2;  §§  1451,  1476  ©afe  1 

Dcrb.  mit  §  1254;  §§  1474,  1588,  1589,  1600,  1612—1614,  §  1629  äbf.  5, 

§§  1630,  1911,  1912,  §  1933  3lbf.  1,  §§  1941,  1942,  §  1948  3Ibf.  4,  §§  1957, 

1958,  1960,  2020, 2043,  2044, 2094  3lbf.  6).    gSBegcn  bcr  Orünbc,  auö  roeld^cn 

ber  ©ntrourf,  namentlid^  aud^  auf  bcm  Ocbiete  ber  ©orgc  für  baö  SBcrmögcn 

beö  Üinbeö,  üon  bcr  Unbcfd^ränftf)cit  ber  SBcrtretungömad^t  auögct)t  unb  bic 

lefeterc  nur  burd^  bic  3lufftcIIung  cinjefner  beftimmter,  greifbarer  Sategoricen 

befc^ränft,  wirb  auf  bic  3Kotit)e  ju  §  1649  ocrroicfcn. 

Kuefc^iieBung  Slntangcub  indbefonbere  bic  Sluöfd^Iicfeung  bc«  3nl[iaberß  ber  eltcrlid^cn 

*^lflen"    ®emalt  von  bcr  gefefelid^en  SScrtrctung  beö  Minbcö  im  gatte  einer  ÄoEipon 

Äonifion  b«  bcr  3ntcreffen  (§  1503  t)erb.  mit  §  1651),  fo  entfprid^t  eine  folddc  3[uö* 

gntercffen.  j^j^jj^^yj^g  jj^  Slllgcmcinen  bcm  beftcljcnbcn  9lcd)te  (oergf.  bai)r.  S.  91.  I,  7 

§  38  9lr.  1;  prcufe.  31.  S.  9t.  II,  18  §§  28-34;  öfterr.  ®.  ».  §§  271,  272; 
Code  civil  3lrt.  420;  fäddf.  ®.  SB.  §  1827;  meimar.  ©ef.  t).  27.  üRärj  1872  §  9). 
®ic  Scftimmungcn  beö  ©ntrourfeö  gc^en  icbod^  jum  Soweit  TOciter.  ^9lamcntlid& 
ift  nod^  preufe.  9led^tc  bcr  SSatcr  bei  ©ef^äften,  meld&c  feine  ^auöfinbcr  unter 
einanber  abfd^licgcn,  an  bcr  ®rtf|cilung  bcr  ©inmilligung  nid^t  be^inbcrt, 
mälirenb  nac^  bem  ©ntrourfc  (§  1503  t)crb.  mit  §  1651  9Jr.  1)  ber  3nl)aber 
bcr  elterlid^cn  ®cmalt  bei  fold^cn  9led^tsgefd^öften  feine  Rinber  nic^t  vertreten 
unb  baf)er  ju  folgen  9led^tögcfd^äftcn  aud^  feine  ©inroiBigung  ober  Qit- 
nel[imigung  (§  65)  mirffam  nic^t  crtf)cilen  fann. 

@in  genügenbcr  ©runb,  in  bicfcr  Sejicl^ung  baö  ^rinjip  ber  ©leid^? 
ftcBung  beö  3nl[iaberö  ber  eltcriid^en  ©ematt  mit  bem  33ormunbc  ju  burd^* 
bred^en  unb  burd^  fafuiftifd^c  aSorfd^riften  für  ben  3nl[iaber  ber  cttcrlid^cn 


erterli^c  ®en)alt.   ©oroc  für  btc  ?Vrfcn  unb  baß  SBcrmogcn.   §1503.       741 

Ocroalt  cliüaö  Scfonbcreö  ju  bcftimmcix,  liegt  icboc^  nidjt  üor.  33ic  ©r^ 
toägungcn,  auf  wcld&cn  bic  Scftimmungcn  beö  §  1651  berufen,  treffen  oud^ 
für  bcn  Snl^aber  ber  eltcrüd^en  Oeroalt  ju  (ücrgl.  bie  aJlotioe  ju  §  1651). 
©afe  burd&  bie  Uebertrogung  jener  Seftimmungen  ouf  bie  elterlid^e  Oeroalt, 
nomentlid^  foroeit  biefelben  ben  ^nl^aber  ber  elterlid^en  (Seroatt  t)on  ber  gefegt 
lid&en  3Sertretung  bei  5He(i^tögefcl^äften  jroifd^cn  bem  Kinbe  unb  einem  anberen 
Slbfömmlinge  beß  3nl^aberfi  ber  ellerlid^en  ©eroalt  auöfd^liegen,  ju  tief  in  bie 
©elbftänbigfeit  unb  bie  natürlid^e  Stellung  beö  Snl^aberö  ber  elterlichen 
©ewolt  gegenüber  feinen  Jlinbern  eingegriffen  unb  eine  ju  weit  gel^enbe  ®in^ 
mifd^ung  S)ritter  in  bie  gamilienoerliältnijfe  Dcranlafet  werbe,  ift  ni^t  ju 
beforgen. 

2.  S)ie  Slnroenbbarfeit  ber  SBorfd^rift  beö  §  1653  auf  bie  clterlid&e  ^sntf^eibutt« 
©eroalt  ift  für  folc^e  götte  t)on  SBebeutung,  in  welchen  bem  Sn^aber  ber  ^'^i^'^T^i:''^* 
etterlid^cn  ©eroalt  auönal^mdroeife  bic  ©orge  für  bie  ^erfon  ober  bic  ©orge   ««««^tc«. 
für  baö  SSermögen  bes  Äinbeö  nid^t  jufte^t  unb  bedl;al6  bie  eine  ober  anbere 

einem  Pfleger  übertragen  ift  (r>ergl.  §§  1510,  1546,  1550,  1553,  1738).  2)ie 
beftcfienben  Siedete  cntljalten  in  biefer  Sejic^ung  befonbere  Scftimmungen  nid^t. 

3.  ®le  entfpred^enbe  Slnroenbung  bes  §  1660  fü^rt  bal&in,  bafe  über  bie  «norbnwnflcn 
aSerroaltung  ber  Jßermögenögegenftänbe,  roeli^e  baö  Äinb  burc^  ©rbfolge  ober  fV^^inoe"' 
burd^  SBermäd()tni6  ober  als  ^flic^tt^eil  ober  burd^  S^w^^i^^^ng  unter  fiebcnbcn  «^"»«i*»««- 
crroirbt,   Don   bem  ®rblaffer  burd^    Icfctroillige  SSerfügung  begro.  von  bem 
3uroenbenben  burd^  SBeftimmung  bei   ber  3ww)cnbung   nad^   aJlafegabc   beö 

§  1660  aud^  für  ben  3nt)aber  ber  elterlid^cn  ©eroalt,  fei  bieö  ber  ^ater  ober 
bic  SWuttcr,  binbcnbe  9lnorbnungen  getroffen  rocrbcn  fönnen.  33ie  befte^enben 
SRed^te  befc^rönfen  fic^  auf  33orfd^riften  barübcr,  inroieroeit  berartige  für  ben 
SSormunb  getroffene  Slnorbnungen  üon  biefem  ju  befolgen  finb  (oergl.  bie 
üHotioe  ju  §  1660).  S)er  rormunbfd^aftlid^en  ©runblagc,  auf  roeld&er  ber 
©ntrourf  bie  elterlid^e  ©eroalt  aufgebaut  l^at,  entfprid^t  cß  inbeffen,  bie  SSor* 
fd)riften  beö  §  1660  aud^  auf  bie  leßtcrc  ju  übertragen.  35ßegcn  ber  ©rünbe, 
TOcld^e  ben  ©ntrourf  bcftimmt  l;aben,  bem  93ater  nid^t  bie  Sefugnife  ein* 
juräumen,  traft  feiner  clterlid^en  ©eroalt  unb  als  9JadS)roirfung  ber  leßteren 
für  bie  SWuttcr  als  S^^aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  berartige  binbenbe  2ln^ 
orbnungen  ju  treffen,  roirb  auf  bic  SRotioe  ju  §§  1538,  1655  oerroiefen. 

4.  3n  ben  befte^enben  SHed^tcn   finbcn   ficb   befonbere  33eftimmungen  sc^enfmtßcn. 
barübcr,  inroieroeit  eine  Sddcntung  t)on  bem  Sn^aber  ber  elterlichen  ©eroolt 

für  bod  Äinb  ober  Don  bem  lefeteren  mit  ©inroilligung  ober  ©enel^migung  beö 
3nl)abcrd  ber  eltcrlid^cn  ©eroalt  oorgenommcn  rocrbcn  fann,  in  ber  SRcgel 
nid&t  (oergl.  1.  2  Cod.  de  bonis  quae  IIb.  6,6o;  roeimar.  ©cf.  u.  27.  SDJärj  1872 
§  6).  3)em  oormunbfd&aftlid&cn  Äarafter  ber  cltcrlid^cn  ©croalt  entfpridjt  eö, 
in  bicfcr  83ciicf|ung  biefelben  Scftimmungcn  ju  treffen,  roie  für  bcn  SSormunb 
(§  1661).  3(nlangcnb  bie  im  §  1661  Safe  2  beftimmte  2lufinal^mc,  fo  t)cr* 
fte^t  eö  fic^  oon  felbft,  bafe  bei  Scantroortung  ber  grage,  ob  nad^  ben  S8er^ält=^ 
nijfcn  beö  Äinbcö  eine  ©d)cnfung  burd^  eine  fittlidjc  ^^jpidjt  ober  bic  auf  ben 
Slnftanb  ju  ncl^mcnbc  9lü(ffid^t  gcrcd^tfcrtigt  roirb,  aud)  bic  aScrmögenöoer^ält? 
nif[c  beö  Äinbcö  in  Setrad^t  ju  jic^cn  finb  unb  bag  insbcfonbcre  ber  Snliabcr 
ber  clterlid^en  ©croalt,  foroeit  bemfclben  an  bem  Vermögen  beö  Äinbeö  bic 


742      eiterlid&e  ©civalt.   ©orgc  für  Me  3)crfon  uub  ba8  aSermögen.   §  1503. 

clterli(j&c  9lufenie§ung  juftc^t,  auö  biefem  SScnnögcn  fold^e  ©d^cnhingcn  nid^t 

madden  fonn,  roeld^c  ein  orbentlid^cr  ^ouöoater  nidjt  oud  bcm  ©tommc  fcineö 

SScrmogcnö,  fonbem  auö  bcn  laufcnbcu  ®innal)men  }u  mad^en  pflegt.   Donad) 

werben  bie  göDe,  in  roeld^cn  eine  ©d^enfung  anö  bcm  ©tarnnie  befi  ftinbcß* 

tjermögenö  burdS)  ^ine  fittlid&c  ^ßflid^t  ober  bic  anf  ben  Slnftanb  ju  neljmenbe 

SKüdfid^t  gcred^tfertigt  roirb,  önfeerft  feiten  fein,    ©in  Sebürfnife,  in  ^Slkn 

biefer  SÄrt  bie  SBirtfomfeit  ber  ©d^enfnng  von  ber  ®enel|mignng  beö  58or* 

munbfd^aftögerid&teö   abl^ängig   ju   mad^en,    liegt   für  bic  eltcrlid()e  Oeroalt 

ebenforoenig  t)or,  roie  für  bie  SBormunbfd^aft  (oergf.  in  biefer  SBcjiel^nng  bie 

aRotioe  JU  §  1661). 

^vmnhmQ  5.  <^\^  cntfpred^cnbe  Slnroenbung  beß  §  1662  ift  cbcnfallö  eine  Äonfequenj 

««im^öfien  be«  bcö  oormunbfd^afttid^en  ÄQrafterö  ber  elterlid^en  ®en)att  unb  burc^  bie  SRüdfrid^t 

Äinbc«  in  auf  bie  ©id^erlfieit  bcö  Äinbeö  geboten,    ©ine  üKobififation  crleibet  bic  Siegel, 

SS^en"    bog   ber  3n^abcr  ber  eltcrlid&cn  ©eroalt  SBcrmögendgcgenftSnbe  bcö  Äinbcö 

ni(^t  in  eigenen  Siufecn  oenücnben  borf,  icbod^  burd^  bie  S3cftiinmungcn  bcö 

§  1523  3lbf.  2,  3  in  3lnfc^ung  fold^cr  ücrbraud^borcn  ©ad^en,  roclc^e  }u  bcm 

ber   eltcrlid^en  ^Jujnicfeung   unterliegcnbcn   95crmogen   bcö   Äinbcö   gcl^oren 

(ncrgl.  äKotiüc  ju  §  1523).    @in  praftifd&eö  Scbürfnig,  bic  S3eftimmungen 

beö  §  1523  3lbf.  2,  3  oud^  auf  baö  nic^t  ber  clterlid^en  9?ufenie§ung,  ober 

ber  SSerroaltung    bcö   Snl^abcrö    ber    cltcrlid^cn   aScnraltung    unterTOorfene 

äJcrmögcn    beö    Äinbcö    auöjubc^nen   (§§    1516—1519),    liegt    nid^t    oor. 

3)urdd  baö  jnjifd^cn  bcm  3"f)öbcr  ber  eltcrlid^cn  ©croalt  unb  bcm  Äinbc 

befte^enbe  nal|c  33erl[|ältni6  loirb  eine  fold^e,  bcm  bcftcl^enbcn  Steckte  jubem 

unbetanntc  Segünftigung  bcö  erftcren  nid^t  gered^tfertigt. 

«nieguHö  ber  ß,  2)ie  Untcrmcrfung  beö  3nf|aberö  ber  elterlid&cn  ©croalt  unter  bie 

flcböretlbe«  SSorfd^riftcu  bcf  §§  1664,  1665,  1667  über  bic  ^Anlegung  von  aRünbclgclbcrn 

Weiber,    j-^^j^f  j{|g{jg  j^jj  ^^j^  Dormunbfd^aftlid^cn  Äarafter  ber  cltcrlii^en  ©emott,  t^cilö 

mit  ber  a3eftimmung  beö  ©ntmurfeö,  ha%  auf  bic  cltcrlid^e  Slufenicfeung  an 

oerbraud^baren  ©ac^en  bic  SBorfc^riften  ber  §§  1018—1020  über  ben  Slicft- 

braud^  an  uerbraud^baren  ©a^en  feine  Slnmcnbung  finben  foDcn  (§  1523),  im 

3ufammenl^angc  unb  ift  burd^  bic  SRüdffid&t  auf  bic  ©id^erlicit  beö  Äinbcö  um 

fo  met)r  geboten,  alö  ber  Slnl^aber  ber  elterlid&cn  ®croalt,  oon  Slnönal^mcfänen 

abgefcf)en,  mcber  in  feiner  (gigenfd^aft  alö  SSerroaltcr  nod^  in  feiner  ©igcufd^aft 

alö  9lu^nic6cr  beö  Äinbcöocrmbgcnö  jur  ©ic^crl)eitöleiftung  ocrpflii^tct   ift 

(§  1524). 

«ufHaümc  7,  gine  bcm  §  1659  entfprcd^enbe  SBorfd^rift  l^at  ber  ©ntrourf  für  bcn 

«ermb^eue.  :3nl|öber  bcr  elterlichen  Oeroalt  nid^t  gegeben.    2)cr  Icfetcrc  foD,  t)orbe^altlid) 

iHT^cic^niife«.  geroifier  9luönal)men  (§§  1547—1551),  roeber  in  Slnfebung  bcö  bcr  clterlidden 

^lujnicfeung  unterliegcnbcn  SBermögenö  bcö  Äinbcö  (§  1522),  nod^  in  Sin- 

fcl)ung  bcö  freien,  aber  feiner  SScrroaltung  unterliegcnbcn  SSermögenö  bcö 

.Stinbcö  jur  9lufnal)me  eincö  SBcrjctd^niffcö  unb  jur  ©inreid^ung  cincö  fold^cn 

öeiteube«   an  ba^  SBormunbfd^aftögerid^t  Dcrpflid^tct  fein.    2)amit  ftimmen  baö  gemeine 

^'**      SHed^t  (©cuffcrt  XIT,  44,  X\'II,  258)   in  ainfcl^ung   foroof)l  bcö  adventicium 

reguläre    alö    beö  adventicium  irreguläre,    baö    bai)r.  2.  %  IT,  9  §  6  3lx.  7 

unb  baö  preu§.  91.  S.  91.  roenigftcnö  in  9lnfel;ung  bcö   ni^tfrcien  Äinbcö- 
uermögenö  übevein.    3n  9lnfcl)ung  bcö  freien  3Sermögenö  ift  bcr  33ater  nad) 


eiterli^c  ©ctoalt.   ©orge  für  bic  g>erfon  imb  ba«  SSermogcn.   §  1503.       743 

prcu§.  a.  S.  31.  II,  2  §  159  t)crb.  mit  II,  18  §§  984,  990  inuentorifationö^^ 
pPid&tig.  Uebrigcnö  ift  cö  ftrcitig,  ob  unb  iniDicroeit  bic  lanbrcd^tlid^en  33e? 
ftimmimgcn  über  ba^  dttd)t  bcö  SSotcrö  auf  bie  üonnunbfd^aftlid^c  aSeriüaltung 
bcö  freien  Sßertnögcnö  bnxä^  bie  preufe.  $?ortn.  D.  t).  5.  3;uli  1875  überf)aupt 
ald  befeitigt  ausuferen  finb.  3lad)  ber  preu^.  5Borm.  D.  §§  12,  35  ift  ber 
SSater  ate  gcfefclid^er  Jßormunb  feines  burd^  SSerl&eiratl^ung,  getrennte  §quö^ 
^oltung  ober  ©ntlajfung  auß  ber  Dätertid^en  ©eroalt  getretenen  minberjäl^rigen 
ftinbeö  oon  ber  5ßfCid^t  jur  Slufna^mc  eines  aSermögenöDerjeid^nijfcö  befreit. 
3)agegen  liaben  anbere  neuere  Oefeßgebungen  bem  3nl)aber  ber  eltertid^en  ©e- 
TOalt  eine  fold&e  ^^i(i)i  ganj  aflgemein  auferlegt  (t)ergt.  code  civil  9lrt.  600, 
601,  384,  385,  451;  fäd&f.  ®. ».  §  1813;  roeimar.  ®ef.  v.  27.  Tl&^  1872  §  12; 
Ifibetf.  aSorm.  D.  t).  1820  §  43 ;  l[iamb.  aSorni.  D.  v.  14.  ©ejember  1883  ärt.  6,  24; 
brounfd^ro.  »erorbn.  v.  6.  a»ai  1828  §  1).  Der  l^eff.  ©ntro.  III  3lrt.  30  oerpflid[|tet 
baö  aSormunbfd^aftögerid^t,  bafür  ju  forgen,  ba§  baß  ben  Äinbern  bei  fiebjeiten 
beiber  @Itern  ober  eineö  ©Itemtl^eileö  anfallenbe  58ennögen  von  Gelang  ur^ 
funbtid^  feftgefteDt  werbe.  §ier  unb  ba,  fo  in  einjelncn  S^fieilen  t)on  ^olftein, 
Don  Äurl^effen  (t)crgt.  anä)  bapr.  S.  SR.  I,  5  §  5  3lx.  4),  finbet  ficb  ferner  bie 
Seftimmung,  bafe  roenigftenö  beim  2:obe  ber  SRutter  ein  5Berjeid(ini&  auf* 
genommen  werben  foll. 

SBenngleiti^  für  bie  Snüentarifationöpfliciöt  beö  3nf)aberö  beu  elterlichen  etanbpunfi 
©croalt  fi^  anführen  läfet,  bafe  baburd^  bie  ©idjier^cit  beß  Äinbeö  ex\)ö\)t  wirb  e„troi*rff8. 
unb  ein  oielleid^t  gebotenes  ©infd^rciten  beö  SSormunbfd^aftsgeridited  nid^t 
bapon  abböngig  bleibt,  ob  baß  le|tere  oon  einem  93ermögenßanfaQe  an  baß 
Äinb  jufälliger  SBeife  Äunbe  erlangt  l|at,  bafe  ferner  ein  S^^ücntar  bie 
©runblage  für  bie  bem  3nf)aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  bei  Seenbigung 
ber  leftteren  obliegenbe  SRec^nungßlegung  (§  1503  t)erb.  mit  §  1700  3lbf.  1) 
bilbet,  fo  fpred^en  boc^,  ljingefcl[ien  auf  baß  auf  Siebe  unb  33ertrauen 
gegrünbete  JBerl^ältnife  jroifd^en  ©Item  unb  Äinbern,  fomie  auf  bie  grofeen 
Seläftigungen  unb  bie  ©inmifd&ung  beß  93ormunbfc^aftßgerid^teß  in  baß  Snnere 
beß  ^amilientebenß ,  meldte  mit  ber  3nt)entarlfationßpflid^t  üerbuuben  finb, 
übermiegenbe  ©rünbe  bafür,  bei  normalen  SSerljältniffen  üon  einer  folc^cn 
^liflid^t  abiufe^en.  3)ie  Seftimmung  einer  fo  tief  eingreifenben  Äontrolmaferegel 
paftt  nid^t  ju  bem  allgemeinen  ©runbfafte  beß  ©ntmurfeß,  bafe  ber  Sn^aber 
ber  elterlid^en  ©cmalt  oon  ber  Dberauffid^t  beß  SJormunbfd^aftßgerid&teß  in  ber 
Siegel  befreit  fein  foll.  gür  ben  gall  ber  Seerbung  eineß  in  ©ütergemein- 
fd[|aft  lebenben  ©Iternt^eileß  burd^  bie  Einber  (oergl.  §§  1382,  1384,  1386, 
1387,  1434)  mürbe  jubcm  ber  befonbere  Uebelftanb  fid&  ergeben,  bafe  ber  über^^ 
lebenbe  ®lterntl^eil  ben  33eftanb  beß  ©efammtguteß,  mithin  aud^  fein  eigenes 
SJermogen  offen  ju  legen  l^ätte,  ein  ©rgebnig,  welches  für  ben  gall  ber  3lm 
ertcnnung  ber  Snoentarifationßpflid&t  beß  3nl[iaberß  ber  elterlichen  ©emalt  alß 
Siegel  Slußiml^imeoorfc^riften  nötl)ig  ma^en  mürbe.  3)afür,  bafe  in  folc^en 
fällen,  in  meld&en  baß  Äinb  SBcrmögen  ermirbt,  roeldbeß  nid^t  ber  aSermaltung 
beß  Sn^berß  ber  elterlid&en  ©emalt  unterliegt  (§§  1510,  1738  9lbf.  1),  baß 
i^ormunbfd^aftßgerid^t  unoerjüglic^  Don  bem  aSermögenßanfalle  Äunbe  betommt 
unb  in  ber  Sage  ift,  fofort  eine  5ßftegfcbaft  anorbnen  ju  fönnen,  ift  burd^  bie 
i^orfc^rift  beß  §  1738  9lbf.  2  geforgt. 


744       ©rterlid^e  ©ehjalt.   (Soi'öc  für  bte  5)erfon  unb  fcaß  ffiermoflen.  §  1503. 

©i(^er^eit9-  8.  ©benfoTOeiug,  wie  bie  Sitoenlarifationdpflid^t,  liegt  bem  ^nl^abcr  bcv 

leifiung.    ^^^^i^^^j^  ®mali  waä)  bem  (gntrourfe  als  SRegcl  bie  aSerpflid^tung  ob,  tDegen 

öeiicnbc«  beö  feiner  elterüd^cn  9lujnie6ung  unterliegenbcu  aSermögcnS  bcö  Sinbcö  (§  1524) 
ober  Toegen  beä  freien,  aber  feiner  aSerroaftung  untcrlicgenben  93crmögenö  beö? 
felben  bem  festeren  ©id^erfieit  ju  leiften.  ®ieö  ift  aud^  ber  ©tanbpunft  beö 
gemeinen  SRed^teö  (oergt.  1.  8  §  4  Cod.  de  bon.  quae  IIb.  G,  si ;  ©euffcrt  XIX, 
238,  XX,  48,  XXIX,  147 ;  entfd^.  b.  dl  0.  in  ßioilf.  X,  42  ©.  150)  unb 
ber  neueren  ©efefcgcbungen,  roenigftcnß  in  9lnfe^ung  bcö  nid^tfreien  Äinbeö« 
Vermögens  (oergl.  preufe.  31.  2.  9i.  II,  2  §  178,  II,  18  §§  992,  993;  ba^r. 
2.  91.  II,  9  §  6  3lx.  2;  code  civil  STri.  601 ;  fäd&f.  @.  33.  §  1814;  meimar.  ®ef. 
0.  27.  3Wärj  1872  §§  13—15).  dagegen  beftimmt  ber  ^ef|.  (Sntn).  III  2trt.  30, 
bofe  naä)  bem  S^obe  eineö  ©tterntl^eiles  ber  überlebcnbe  6ttemtl)eil  regelmäßig 
für  boß  in  feiner  SßerroaÜung  befinblid^e  Äinbcöoermögen  ©id^erl^eit  befteUen 
miiffe.  ^m  2lnfd^luife  an  baä  gemeine  SHed^t,  meld^eö  ben  Äinbern  ein  gefcg- 
lid^cö  ^ßfonbred^t  an  bem  93ermögen  bcö  SSaterö  gemalert,  räumen  inbeffen 
oerfd^iebene  neuere  ©efe^gebungen  ben  Äinbern  allgemein  einen  gcfefelid^cn 
2:itel  }ur  SBefteUung  einer  §i)potl[ief  an  ben  Immobilien  beß  SSaterß  ein  (ocrgl. 
baDr.  ^ppot^efengef.  v.  1.  3uni  1822  §  12  9lr.  7 ;  roürttemb.  5ßfanbgef.  v. 
1-5.  Slpril  1825  3lrt.  33;  meining.  5ßfanbgef.  d.15.  3uli  1862  Slrt.  14;  l^ieff .  barmft. 
^fanbgef.  o.  15.  September  1858  §  15,  lefttereö  jebod^  nur  nod&  J^rennung  ber 
6^e  burd^  2^ob,  ©d^eibung  ober  tliatfäd^Iid^e  S^rennung),  roöl^renD  onbere 
(Sefefegebungcn  ben  Äinbern  einen  fold^en  2;itel  nur  unter  befonberen  58orauö= 
fegungen,  im  galle  ber  (Sefä^rbung  beö  Äinbeßoermögenö,  geben  (ocrgl.  prcufe. 
21.  Ä.  SR.  II,  2  §§  178,  187,  463;  fäd^f.  0.  33.  §§  1814,  1815,  391;  mcimor. 
®ef.  ü.  27.  mävi  1872  §§  13—15;  ^eff.  ©ntro.  III  9lrt.  31,  32  t)ergUd)en  mit 
ben  3Kotiocn  ju  IV  3lrt.  40—41)  ober  jroifd^en  bem  freien  unb  unfreien 
JünbcSoermögen  in  ber  9lrt  unterfd^eiben,  baß  ben  Äinbern  ein  Siedet  auf  SSe:= 
ftellung  einer  ^^potl^ef  in  9Infel)ung  beö  crfteren  unbebingt,  in  älnfe^ung  beö 
ieftteren  nur  unter  ©infd&ränfungen  eingeräumt  ift  (altenb.  §r)pot^.  D.  t). 
13.  Dftober  1852  §  37 ;  .^^pot^.  D.  für  SReufe  \.  S.  v.  20.  9iooember  1858  §  37 ; 
^Xjpotf).  D.  für  3leu6  ä.  2.  t).  27.  gebruar  1873  §  39;  Dergl.  aud^  fd&marjb. 
rubolft.  ^^potld.  D.  D.  6.  Suni  1856  §§  17—19).  S)ie  beutfd&c  Äonf.  D.  ge^ 
mäl^rt  nad^  näf)erer  93eftimmung  bcö  §  54  5lr.  5  (oergl.  baju  ®ntfd^.  b.  9t.  ®. 
in  ßioilf.  XVII,  10)  ben  Äinbern  nur  ein  SBorjugöred^t  roegen  i^rcr  gorbc* 
rungen  an  ben  ©emeinfd&ulbner  in  Slnfel^ung  if)reö  gefeglidj)  ber  Sßerroaltung 
beöfelben  unterworfenen  33ermögenö. 

etanbDunft  Siefelbcu  ®rünbe,  xodijt  ben  ©ntmurf  beftimmt  ^aben,  ben  SSormunb 

cntiDurfefl.  regelmäßig  Don  Jeber  ©id^erl^eitöleiftung  ju  befreien  unb  bem  5Dtünbel  einen 
gefegtid^cn  2:itel  jur  Seftellung  einer  ^ijpotljef  an  ben  Immobilien  nid^t  ein* 
äuräumen  (oergl.  bie  SKotioe  ju  §  1689),  treffen  aud)  bei  ber  elterlid^cn  (Seroalt 
JU.  ©iefelben  roerbcn  l)ier  nod)  erl^eblic^  oerftärft  burd^  bie  9tüdftd^t  auf  baö 
natürlid^e  unb  nal^c  9Ser{)ältniß  jroifd^en  ®ltern  unb  Jlinbern.  ®aju  fommt, 
baß  ber  ©ntrourf  in  anberer  9lrt,  nameutlid^  burc^  bie  Scftimmungen  über 
bie  eltcrlid^e  9lugnießung  an  rerbraudjbarcn  ©ad^en,  an  gorberungen,  Slfticn 
auf  Sn^aber,  ®runbfd)ulben  unb  ©igentljümerl^^pot^eten  (§§  1523,  1526)  unb 
über  bie  entfpred)enbe  9lnroenbbarfeit  ber-  aSorfd)riften  über  bie  Slnlegung  von 


eitcritdjc  ©ctoalh   (£ovöc  für  bic  ^Vcfon  unb  baf^  Scnnöoen.   §  1503.       745 

aKüiibcIflctbcrn  (ocrgl.  §  1503  STbf.  1  t)crb.  mit  §§  1664,  1665,  1667),  bcu 
Jlinbcrn  eine  größere  ©id^crl^eit  im  SScrglcid^e  ju  bem  bcfte{)cnben  9led)tc 
geitJöl^rt  ^ot  Unter  bcfonbcrcn  a5orauöfc|uugcn  tarn  inbeffcn  and)  naä)  bem 
©ntrourfe  bcr  Su^abeu  bcr  cltcrlid^en  (Scmolt  jur  ©id^erlieitölciftung  an* 
gegolten  werben  (oergf.  §§  1524,  1547,  1549—1551).  S^i  blefen  3ruänaf)me^ 
fäDen  rcd^net  ober  ber  ©ntrourf  nid^t  aud^  ben  %aU,  menn  nur  nod^  ein 
ßlterntl^eil  am  2eben  ift.  @ine  befonbere  ©efä^rbung  beö  Sinbeö  fann  in 
biefem  galle  unter  fonft  normalen  SBcrl^ältnifjen  n\ä)t  o^ne  SBeitcreö  ancrFannt 
werben,  S5a§  üRifetrauen  gegen  ben  überlebenben  ®Iternt^ei(,  mcldjeö  barin 
fid^  funbgeben  würbe,  Xöcnn  man  benfelben  allgemein  für  üerpflid^tet  erFlörcn 
wollte,  Sid^erlieit  ju  leiften,  ift  nid^t  geredjtfertigt  unb  wiberftreitet  bem  natür;: 
lidjen  ©efü^le. 

9.  2)a6  auf  bie  auö  ber  ©orge  für  bie  ?ßerfon  unb  baö  SBermögen  bcö    «erbinb. 
Äinbeö  jwifdien  bem  ^nl^aber  bcr  elterlid^en  ©ewalt  unb  bem  Äinbe  ent^^fewöe^ür 
ftel^enbcn  gSerblnblid^feiten  bie  SBorfd^riften  ber  §§  1696—1698  unb  beö  §  1700  ^»«  ^«'1''"^ 
3l6f.  1  entfpredjenbe  9lnwenbung  finben  follen,  entfpridjt  bem  rormunbfd&aft^ ""  mögen. "' 
lid&cn  Äarafter  ber  elterlidjen  (Sewalt.    SBie  bei  ber  SSormunbfd^aft  (oergl. 
§  1688  3lbf.  2),  fönnen  bic  l)icr  fraglid^cn  Slnfprüd^e  beS  3n^aberö  bcr  elter== 
liefen  ®ewatt  ober   bes  Äinbeö,  fofcrn  beren  Erfüllung  an  ftd^  fd^on  üor 
SBeenbigung  ber  elterlidben  Oewalt  oertangt  werben  fann,  aud^  wälirenb  beö 
Scftel^cnö  ber  le^tercn  geridjtlid^  verfolgt  werben ;  bod^  ift  nad^  §  168  bie  Sßer= 
iä^rung  wä^renb  biefer  3^^*/  überl^aupt  wälirenb  ber  3Äinberiä^rigfeit  beö 
Rinbcö,  gel^cmmt. 

3m  ©injclncn  ift  nod^  ^otgenbeö  ju  bemerfen: 

a)  S)a6  ber  3nl)aber  bcr  eltcrlidden  ©cwalt  in  9Infcl^ung  ber  (Erfüllung  ^a^tunß  für 
bcr  i^m  oblicgenbcn  SScrbinblid^fciten  für  bie  3lnwenbung  ber  Sorgfalt  eines  ctnefoÄ- 
orbcntlidjen  ^ausoatcrö  haftet  (§  1503  3lbf.  1  t)crb.  mit  §  1696  9lbf.  1),  fte^t  "*^"  *«"«- 
jwar  nic^t  mit  ben  Söeftimmungcn  bcs  gemeinen  Jled^tcß  über  bie  ipaftpflid^t 
beö  SBormunbeö,  aber  mit  ben  SBeftimmungen  biefcö  9ted^teö  über  bie  $aft^ 
pfli^t  beö  aSatcrö  wegen  beö  feiner  SSerwaltung  unb  Jlugung  unterliegenben 
Rinbcöoermögcnö  unb  im  SBcfentlid^en  aud)  mit  ben  SBorfd^riften  beö  preufe. 
91.  S.  SR.  im  (Sinflangc;  bod)  foH  nad^  ben  Icgtercn,  foüiel  bie  Haftung  ber 
}u  bem  nic^tfreien  SSermögen  beö  Äinbcö  gcl)orenbcn  Kapitalien  betrifft,  bei 
ber  S3eftimmung  beö  Orabcö  bcr  aScrfd)ulbung  auf  bic  perfönlid^e  ^öliigfeit 
unb  ®infid|t  beö  SBatcrö  9lücfftd|t  genommen  werben  (ocrgl.  preufe.  91.  £.  91.  II,  2 
§§  276,  281  ücrb.  mit  II,  1  §  595,  I,  21  §  132,  11,  1  §§  554,  555,  ferner 
II,  18  §  275,  preufe.  SSorm.  D.  §§  11,  32).  S)aö  franj.  SRcc^t  ent||ält  in  bcr 
^icr  fraglid^en  S3cjiel)ung  feine  auöbrücflid^c  SSorfdirift.  S)arauö  folgt,  bafe 
ber  3nl)aber  ber  elterlid{)cn  Ocwatt,  foweit  er  bie  Stellung  eincö  ^Jlicftbraud&crö 
^at,  wie  biefer,  foweit  er  bic  Stellung  eincö  gcfe6lid)en  93ormunbeö  l|at,  wie 
ein  Söormunb,  bie  Sorgfalt  eincö  orbcntlid^cn  ^auöoatcrö  anjuwenben  I)at 
(Dcrgl.  Code  civil  9lrt.  601,  450,  389,  390).  S)iefelbe  Haftpflicht  trifft  ben 
ajotcr  troft  feiner  üftterlidden  SBormunbfd^aft  nad)  bem  l^amb.  dic6)ic  (ocrgl. 
Ijamb.  SSorm.  D.  v.  14.  ©ejember  1883  9lrt.  6,  19).  S)aöfelbe  ift  für  baö 
ofterr.  ®.  93.  anjunclimcn  (oergl.  §  228  baf.).  Sagegen  ^aftet  nad^  bem 
fä#  ®.  93.  §§  1817,  1949  unb  bem  wcimar.  ®ef.   v.  27.  m&xi  1872 


746       Slterli^e  ©etoalt.   ©orgc  für  bie  ^erfon  unb  baS  Sermoocit.   §  1503. 

§§  11,  42  bcr  SBatcr,  rote  bcr  SBormunb,  nur  für  bie  Slnroenbung  ber  Sorg- 
folt,  Tücl^e  er  in  bcn  eigenen  Slngelegen^eiten  anjtiroenben  pflegt. 

S)er  @nttDiirf  gc^t  baoon  aM,  ba^  a\i^  ber  nati'irlid^en  ©runblage  ber 
elterlid&en  ©eroalt  ein  auöreid^enber  ®riinb,  in  ber  ^ier  fraglid&en  Sejiel^ung 
bod  ^rinjip  ber  ©leid^fteUung  beö  3n^öberd  ber  elterlid^en  ©eroalt  unb  beö 
SBormunbeö  ju  ©unften  beö  erfteren  ju  burc^bred^en ,  nici^t  entnommen 
roerben  fann. 

«entnfuiifl^}.  b)  9lnlangcnb  bie  cntfprcd^enbc  Slnroenbung  beö  §  1G97,  fo  Derfteljt  eö 

vmt'     p^j^  ^jjjjj  j^(5j^^^  jjQ^^  foroeit  bcm  3n^Ql>er  ber  elterlid&en  ©eroalt  bie  elterlid&e 

^lufeniefeung  jufte^t,  t)on  einer  Si^f^J^Jö^li^ng  feine  !){ebc  fein  fann,  ba  er  bie 
3infen  ju  jaulen  unb  ju  empfangen  l(iaben  roürbe. 

örfo«  »on  c)  3ti  2lnfe^ung  beö  3lnfpru^eö  beö  Snl^aberö  ber  elterlichen  ©eroalt 

iDeJblmflen.  ^uf  ©rfafe  t)on  Slufwenbungen  enthalten  bie  befte^enben  3lec^te  meiftenö 
feine  befonberen  Söeftimmungen  ober  bcfcfiränfcn  \\6)  auf  bie  ©ntfc^eibung 
ber  Srage,  inwiefern  ber  SSater  SBerroenbungen,  roeld^e  er  auf  ©runb  feineö 
^liegbraud^ö:'  unb  SSerroaltungörec^teö  auf  baö  Vermögen  beö  .<linbeö  gemacht 
I;at,  erfefet  verlangen  fann  (oergl.  preufe.  21.  i?.  91.  II,  2  §§  168,  276  Derb, 
mit  I,  21  §  124,  II,  1  §§  586  ff.;  fäc^f.  ©.  93.  §§  1835,  1690).  3laä)  bem 
(Sntrourfe  foüen  auä)  in  biefer  ^inftd^t  rocgen  Slnalogie  ber  33erl|ältniffe  5Us 
näd&ft  bie  betreffenben  SBorfd^riften  beö  SBormunbfd^aftöred^teö  (§  1698)  jur 
Stnroenbung  fommen.  2)anebcn  pnben  in  9lnfcl&ung  beö  ber  elterlichen  3lu$' 
niegung  unterliegenben  SJermögenö  beö  Äinbeö  nad^  §  1520  aud&  bie  aSor^ 
fc^riften  über  ben  SWiefebraud^  (§  1010)  entfprcd&enbe  3lnroenbung,  roaö  für 
fotd^e  gfiHe  t)on  SBebeutung  ift,  in  rodeten  ein  9lnfpruc^  auf  ©rfafe  von  33er= 
roenbungen  nad^  SRafegabe  beö  §  1698  rerb.  mit  §  1696  3lbf.  1  nid&t  be* 
grünbet  ift. 

d)  Sie  SSorfdiriftcn  ber  §§  1696,  1698  finben  aud)  in  Slnfe^ung  ber 
3Rutter  inforoeit  entfpred^enbe  2lnroenbung,  alö  berfetbcn  roä^renb  beftel^enber 
®l^e  nadö  äßafegabe  beö  §  1506  neben  bem  SSater  alö  bem  Snl^aber  ber  ©croalt 
bie  ©orge  für  bie  ^erfon  beö  ftinbeö  obliegt.  6ö  ergiebt  [xä)  bieö,  oline 
bafe  eö  in  biefer  93ejiel^ung  einer  befonberen  SBeftimmung  bebarf,  auö  ber 
3lnalogie,  ba  bie  äftutter  inforoeit  eine  ber  Stellung  beö  Snl^aberö  ber  elterlid^eu 
©eroalt  gleid^fommenbe  Stellung  einnimmt 

jCvrau«flo6e  o)  Daß  ber  Sn^aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  baö  t)on  i^m  Derroaltetc 

«evmftflen«.  33ermögen  nad&  SBeenbigung  ber  elterlid^en  ©eroalt  l^erauöjugeben  ^at,  roirb 

«eAnun «   ^^^  ^^^^  SWed&ten  anerfannt  (oergl.  Scuffert  III,  337,  ©ntfc^.  b.  SR.  ©.  in 

UßTfl/  eioilf.  X,  42  ©.  150;   preuß.  91.  2.  5H.  II,  2   §§  231,  275  ff.;   coile  civil 

9lrt.  389,  390,  469,  470;   fäd^f.  ©.  S.  §§  1835,  1688,  614,  615,  623,  030; 

^*»X*  l}eff.  entro.  III  9rrt.  36).  Dagegen  geljen  bie  beftel^enben  Siechte  barin  auö* 
einanber,  ob  ber  3nl^aber  ber  elterlichen  ©eroalt  über  feine  SSerroaltung  nad^ 
93eenbigung  ber  elterlid^cn  ©eroalt  SRcc^nuug  ju  legen  t)erpf(id^tet  ift.  ©emein= 
rec^tlid&  beftcl^t,  roenigftenö  nac^  ber  lierrfd^enbcn  aWeinung,  eine  folc^e  Sßer* 
pf(id)tung  beö  SSaterö  nic^t;  t)ielmel)r  ift  eö  Sac^e  beö  ftinbeö,  roewn  baöfelbe 
burc^  pf(id)troibrige  9.^erroaltung  beö  93aterö  fic^  beeinträchtigt  glaubt,  feine 
9lnfprüc^e  ju  begrünben  (oergl.  1.  8  §  4  Tod.  dt»  bon.  quae  IIb.  6,  si;  Seuffert 


(glterri*e  ©eiralt.   (Som  für  bic  ^erfon  unb  ba8  aSermögen.   §  1503.       747 

TU,  337,  XIII,  44,  XX,  48,  ©ntfd).  b.  31.  ®.  in  Sioilf.  X,  42  ©.  150). 
Dies  ift  Qiid^  ber  ©tonbpunft  beö  fäd^f.  ®.  S.  Q.  a.  D.  unb  bcö  wcimnr. 
®ef.  T).  27.  aJIärj  1872.  S)Qö  prcufe.  21.  S.  5R.  fd^roeigt  in  bicjcv  S3eäicl)un(|. 
3n  bcr  prcufe.  SDoftrin  wirb  aber  bie  9lnfid^t  vertreten,  bafe  ber  SBater  in 
ermnngelung  einer  entgegenfte^enben  S3eftimmung  md)  allgemeinen  ©runbfägen 
über  feine  aSerroaltung  mä)  Seenbigung  ber  väterlichen  ©eroatt  JHed^nung  ju 
legen  ^abe  (t)ergl.  au^  preufe.  31.  ®.  O.  I,  22  §§  28,  29  5Rr.  1).  pr  ben 
SBater  als  gefefelid^cn  aSormunb  ift  bie  SBerpflid&tung  beöfelben,  nad^  SBcenbi^ 
gnng  ber  gefefetid&en  SSormunbfc^aft  feiner  Äinber  Sicc^nung  ju  legen,  bnrd^ 
bie  preufe.  SBorm.  D.  §§  12,  67,  83  auöbrüdElid^  anerfannt.  3lud^  mä)  franj. 
Siedete  ift  ber  SBater  foroo^l  in  feiner  ®igenfc^aft  als  3nt|aber  ber  elterlichen 
Oeroalt,  roie  in  feiner  ©genfd^aft  alö  gefefelid^er  SBormunb  feineö  Äinbcö  ju 
ber  l)ier  fraglichen  JRed^nungölegung  öerpflid)tet  (oergl.  code  civil  3lrt.  389, 
390,  469,  470).  2luf  bemfelben  Söoben  ftel^en  in  biefer  ^infid^t  ba&  öfterr. 
®.  95.  §  150  unb  bie  fiamb.  aSorm.  0.  v.  14.  ©ejember  1883  SÄrt.  6, 54—57, 
70;  bo^  ge^en  biefc  SHec^te  (t)ergl.  aud&  in  5lnfel)ung  beö  bem  näterlic^en 
gtiefebraud&c  nid^t  nnterliegenben  ÄinbeßDermögcnö  fd^TOorjb.  rubolft.  J&i)pot^.  O. 
t).  6.  3uni  1856  §  19)  infofern  weiter,  als  nad&  benfelben  aud;  roäl&renb  ber 
Sauer  ber  oäterlid^en  SBormunbfd^aft  eine  9led()nungölegung  an  bie  Ober- 
üormunbfc^aft  ftottfinbet  bejro.  angeorbnet  werben  tann. 

SBenngteic^  aus  bem  ©efid^töpunfte  ber  ben  ©Itern  fc^ulbigen  ©(jr-  ©tanbpunrt 
erbietung  unb  ber  t^unlid^ften  SSermeibung  t)on  ^rojejfen  jioifd^en  ®ltern  unb  «ntwtfrfe«. 
ftinbem  gegen  bie  SBerpflic^tung  beö  Snl^aberö  ber  elterlidden  ©eroalt,  nad) 
Seenbigung  ber  legteren  über  feine  SSerroaltung  SRed^nung  ju  legen,  93ebenfen 
hergeleitet  werben  fonnen,  fo  fprid^t  bod)  für  bie  3lncrfennung  einer  fold^en 
33erpftic^tung,  abgefel^en  oon  bem  rormunbfc^aftlid^en  Äaratter,  roetd&en  bie 
elterlid&e  ©eroatt  nad^  bem  ©ntrourfe  l^at,  entfd^eibenb  bie  ©rroägung,  bafe  oljuc 
bie  3lnerfennung  jener  5ßflid^t  in  vielen  gällen  bie  9tnfprfic^e  beö  Äinbeö  gegen 
ben  3n^aber  ber  elterlid^en  ©eroatt  roegcn  äJerlegung  ber  bem  festeren  ob^ 
liegenben  5Pflid^ten  ber  SSerroaltung  praftifd^  illuforifd^  unb  bie  ©rfüllung  ber* 
felben  lebiglid^  von  bem  guten  Jffiillen  beö  Snljaberö  bcr  elterlid^en  ©eroalt 
abl^ängig  fein  würben,  jumal  ber  le^tere  nad^  bem  (Entwürfe  jur  ©inreic^ung 
eineö  SScrjeic^niffeö  über  baö  33ermögen  beö  ftinbcö  regelmäßig  nid^t  üerpflid^tet 
ift.  6ö  fann  auc^  nid^t  allgemein  jugegebcn  werben,  bafe  iad  33erlangcn  beö 
Minbeö,  bafe  ber  3nl^aber  ber  etterlid^en  ©ewalt  nad^  93eenbigung  ber  lejfteren 
über  feine  33erwaltung  9lec^nung  lege,  mit  ber  i^m  t)on  bem  Äinbe  gefd&ul* 
beten  ©l^rerbietung  in  SBiberfprud^  ftelie;  im  ©egent^eil  fonn  bie  SBerweige* 
rung  ber  3luötunftöert^eilung  alö  9lrglift  ftd^  barftellcn  unb  gewiffenlofcn 
©Itern  alö  SKittel  bienen,  fid^  ben  geredeten  9lnfprüc^en  ber  Äinber  ju  ent* 
cntjiel^en.  S)ie  ^eroorgcljobenen  praftifd)en  SlüdEftd^ten  finb  für  ben  ©ntwurf 
aud&  beftimmenb  gewcfen,  bie  auö  ber  SBorfd^rift  beö  §  1700  9lbf.  1  in  SBerbinbung 
mit  bem  §  1503  3lbf.  1  unb  bem  §  777  weiter  pd^  ergebenbe  SBerpflid^tung 
bcö  Snl^abcrö  ber  cltcrlid^cn  ©cwalt,  auf  35ertangcn  beö  Äinbcö  bm  Offen*  off«»« 
barungöeib  ju  leiften,  ni^t  burcb  eine  pofitioc  SBorfd)rift  auöjufd&ließcn  ober  ^"*"«*"**- 
ju  bcfd&ränfen.  ßrft  burd)  ben  i)ini\utritt  biefer  Sl?crpf(id^tung  gewinnt  bie 
^^erpflid&tung  jur  9lcd)nungölcgung  alö  9Jccf)töpflid)t  praftifd^c  $<ebcutung. 


748       Sltcrlid&e  ©etvalt.   ©orgc  für  bic  ^erfon  unb  baß  Scrniöflcn.   §  1503. 

SScrfd^icbcnc  neuere  Oefefee  I)aben  oUerbinflö  ganj  allgemein  ben  Äinbern  baö 
SRedjt  verfagt,  dou  iliren  eitern  ble  Seiftung  beß  Dffenbaningöeibcö  ju  oer- 
langen  (uergl.  baxjx.  ®ef.  jur  Slußf.  ber  6. 5ß.  O.  o.  23.  gebruar  1879  3Irt.  85; 
bab.  ®ef.,  betr.  bie  (Sinf.  ber  91.  3xift.  ©efe^c,  o.  3.  aWfirj  1879  §  36).  S)a^ 
gegen  ^at  ba^  roürttcmb.  ®ef.  jur  Sluöf.  ber  6. 5ß.  O.  ü.  18.  äugiift  1879 
9Irt.  18  von  einer  fold&en  2ludnal;me  3lbftanb  genommen.  3"  ^^^  öuf  biefeö 
®efefe  fid^  bejieljenbcn  Sommiffionsberid^tc  ber  jmciten  roürttcmb.  Äammcr 
S.346  wirb  mitSRed^t  bcmcrft,  bafe  eine  fotd)e  Scfd^ränfung  ber  3Äanif eftationö* 
pftid&t  eine  nic^t  immer  geeignete  ^ereinjie^nng  Don  Sifirfrid&^^'i  ^^^  5|Jictät 
nnb  SKoral  in  baö  Sled^tögebiet  enthalte  unb  in  einjelnen  göUcn  ungered)t 
unb  l^art  mirfen  fönne,  iubem  in!onfequcnt  fei,  ba  ^rojeffe  ber  Äinber  gegen 
i^re  eitern  unb  bamit  eibeßjufc^iebungen  jener  gegen  biefe  nid^t  burd^  baö 
®efe6  t)erf)inbert  werben  fonnten.  3lud^  bie  6.  %  D.  l)at  in  ben  beiben 
gällen,  in  meieren  fic  ben  Dffenbarungöcib  fennt  (§§  711,  769),  feine  9tuö^ 
na^me  ju  ®unftcn  ber  eitern  gegenüber  ben  Äinbern  gemadjt.  33efonbere 
©rünbe,  in  biefcr  ^infid^t  gerabc  htn  Su^aber  ber  elterlichen  ©ematt  ju 
begünftigcn,  liegen  nic^t  üor. 
»eroeiMa^  ^in^  in  9lnfel)ung  ber  33cn)eiölaft  bei  entfd)äbigungöanfprüd&cn  beö  Äinbeö 

wegen  SSerlufteö  ober  SSerfd^Ied^terung  üon  58erm5gendgegenftänben  löfet  ber  ent? 
wurf  eö  l;ier,  wie  im  SSormunbfd^aftörcd^te,  bei  ben  allgemeinen  ©runbfägen 
bewenben,  b.  1^.  ben  Snl^aber  ber  elterlichen  ©ewalt  trifft  bie  SBewciölaft,  bafe 
er  in  3lnfef)ung  ber  fraglid)en  ©egenftänbe  bie  iljm  obliegcnbe  ©orgfalt  angewenbet 
fiat  (oergl.  bic  3Äotit)e  ju  §  1324  oben  ®.  283  ff.).  2)iefe  ©ninbfftge  fommcn 
aud^  bann  jur  Slnwenbung,  wenn  eö  fic^  um  fold^e  Seftanbtl^eile  beö  Äinbefi* 
oermögenö  ^anbelt,  weld^e  jur  3cit  beö  33eginncö  ber  SBermogenöocrwaltung  ober 
im  Saufe  beßfelben  oorlianben  gewcfen,  faftifcb  ober  niemals  in  bie  Verwaltung 
bcö  Sn^aberö  ber  etterlid^en  ©ewalt  gel ommen  finb ;  benn  bie  bem  legteren  ob* 
liegenbe  Sorge  für  baö  SSermögen  ift  oon  einer  Uebergabe  bes  93erm5genö  an 
ibn  nid&t  abl)öngig,  üielmel^r  liegt  eö  il^m  fraft  bcö  ©efefecö  ob,  ben  SBeftanb  bcd 
SJermögcnö  feftjufteUen,  bie  in  biefer  ^infi^t  nötl^igen  erlunbigungen  ein* 
jujiel^en  unb  bie  geeigneten  Sd^ritte  ju  tl)un,  um  fid)  bic  3nl)abung  ju  oer« 
fd^affen.  Sic  ©tellung  beö  S^^öbcrö  ber  elterlichen  ©ewalt  gegenüber  bem 
ilinbe  ift  infoweit  ä^nlid^  ber  Stellung  beö  eiiemanneö  gegenüber  ber  eiief^^au 
nad^  iDlafegabe  beö  gefefelid^en  el^elid^en  ©üterrcd)tcö  (oergl.  bie  SDJotiüc  ju 
§  1324  oben  S.  284  ff.);  nur  infofem  beftel)t  ein  Unterfdjieb,  atö  eö  mit  ber 
Sorge  für  ba^  Sßermögen  beö  Äinbcö  regelmäßig  nid^t  Dcreinbar  ift,  wenn 
ber  3n^aber  ber  elterlichen  ©ewalt  bem  Äinbe  bie  Snl^obung  überladen  ^at, 
bie  Berufung  auf  eine  fold^e  Snl^abung  beö  iUnbeö  i^n  batier  von  feiner  SScr« 
antwortlid^feit  nid^t  unbebingt  ju  befreien  vermag. 

S)er  §  1700  2lbf.  1  bejielit  fid^i  nur  auf  ben  gall  ber  Secnbigung  beö 
9lmteö  beö  SJormunbeö.  Die  bort  beftimmte  aSerpflid&tung  muß  ben  3n^abcr 
ber  elterlid^en  ©ewalt  inbeffen  anä)  fd^on  Dor  ber  Seenbigung  ber  lefetercu 
treffen,  wenn  er  bic  cltcrlid)e  Sßcrmögenöocrwaltung  ocrtoren  l^at  (§§  1546, 
1550,  1553)  ober  baö  SRuIicn  ber  ettcrlid^en  ©ewalt  bcöfelben  eingetreten  ift 
(§§  1554,  1556).  ©cmgemäfe  erftrecft  ber  §  1503  3lbf.  2  bic  SBorfdjrift  beö 
§  1700  9Ibf.  1  aud^  auf  biefe  gdlle. 


©Iterltd^c  ©civalt.   ©orgc  für  bie  ^erfon  imb  baö  SSecmöoen.   §1503.       749 

3m  Uebrigcn  ift  bcr  3n^abcr  bcr  eltcrtid^cn  Ocmalt  tuäfircub  bcr  SDauer 
bcr  Ic|tcren  —  im  ©egcnfafec  jum  SSormuubc  (§  1687)  —  jur  SHcd^nungSlegung 
nid^t  Dcrpflid^tct.  35ic  SBerpflid^timg,  bcm  SBormunbf^Qftögcrid^tc  über  bie  SBcr* 
mögcnöoerroalhmg  pcriobifd^  SRcd^nung  ju  (cgcn,  würbe  mit  bem  ©runbfafee  beö 
©ntmiirfeö,  bafe  bcr  Sn^ober  ber  eltcrtid^en  ©eiualt  einer  ftönbigen  Sluffid^t 
bcß  SBormunbfd^Qftßgerid^teö  nid^t  unteriuorfen  unb  inöbefonbere  aud^  von  ber 
3noentorifatlonßpPid^t  befreit  fein  foU,  nid^t  im  ©inflange  [teilen.  Slud^  bcm 
gettcnbcn  SRec^tc  (oben  ©.  746  ff.)  ift  ganj  überroiegenb  eine  fold^c  SScr* 
pflid^tung  unbcfannt. 

SBegen  ber  ©rünbc,  meldte  ben  ©ntrourf  beftimmt  f)abcx\,  über  bie  SBcr^ 
pflid^tung  ber  @rben  bcd  Snl^c^berd  bcr  elterücfien  ©eroalt  jur  9led^nungd^ 
icgung,  über  bie  31nerlennung  ber  Sled&nung  t)on  ©eitcn  beö  Jlinbcö  unb  bie 
SBerpflid^tung  beö  lefeteren  jur  ®rtl^eitiing  einer  Quittung  über  bie  J&erouögabe 
bcö  SBermögenö  befonbcre  S3eftimmungen  nid^t  oufjunel^men,  wirb  auf  bie 
aWotioe  ju  §  1700  SSejug  genommen. 

3m  3iifommenbange  mit  ber  SBerpflic^tung  beß  3n^aberö  bcr  elterüd^en  ««f»««* 
Ocrooft,  nad^  SBeenbigung  bcr  Icfeteren  bcm  Jlinbc  baö  oermaltete  SBermögen  berunur^au 
Ijcrauöäugcbcn ,  beftimmt  baö  fäd^f.  ®.  S3.  §  1836  nod&,  bafe  ber  SBater  megen  ^**  **"^^*- 
bcö  Slufmanbcö  für  ben  Unter^olt  bcö  Äinbeö  einen  Slbjug  mod^en  barf,  mcnn 
er  jur  SBeftrcitung  biefeö  Untcr^altcö  mcgen  eigener  SBcrmögenölojigfeit  ©diutbcn 
mad^cn  mußte  ober  menn  bcr  Slufroanb  mit  ©inmilligung  beö  Äinbeö  ober, 
fofcrn  biefeö  minberjäbrig  war,  mit  ©inroilligung  beö  il^m  bicrju  bcftettten 
33ormunbeö  t)on  bem  ©tamme  beö  SBcrmögenö  beftritten  mürbe.  ®ine  berartigc 
befonbcre  SSeftimmung  ift  iebod^  cntbcJ^rlid^.  5J)ie  allgemeinen  ©runbfäftc 
rcid^cn  in  biefer  ^infid&t  auö.  25a  nad^  §  1481  Slbf.  3  bem  minberjäl^rigcn 
unocrI)cirat{|ctcn  ftinbe  feinen  ©Itcrn  gegenüber  ber  Untcr^attöanfprud^  ol^ne 
9lücf|xd&t  auf  ben  Stamm  beö  il^m  gel^örenben  SBcrmögcnö  jufte^t,  fo  ücr^ 
fte^t  eö  [i6)  von  felbft,  bafe,  folange  bie  ®(tern  nad^  üBafegabe  beö  §  1482 
Stbf.  1  im  ©tanbe  finb,  bem  Äinbc  ben  Unterhalt  ju  gcmäl^ircn,  ber  3»^^ciber  bcr 
dtcrlic^cn  ©ematt  ben  oon  i^m  ju  bicfcm  S^ccfe  gemad^tcn  Slufroanb  t)on  bcm 
Stamme  bcö  Einbcöücrmögcnö  nid^t  in  Slbjug  bringen  fann.  JBcnn  bagegen 
bie  eitern  nad^  aRafegabc  bcö  §  1482  äbf.  1  nid^t  im  Staube  finb,  ben  Untcrfialt 
auö  eigenen  aJlittcln  ju  beftreiten,  fo  fann  bcr  3tti&öbcr  ber  cUcrlid^en  ©cmalt 
ju  bicfcm  3wcdEc  aud^  ben  Stamm  beö  Äinbcöuermogenö  ücrroenben  (§  1482 
9lbf.  2  Safe  2)  bcjro.,  menn  er  ju  bicfcm  3n>^tfe  Sc^ulbcn  gemacht  })at,  nad) 
aWofegabe  bcö  §  1698  ücrb.  mit  §  1503  Slbf.  1  ©rfafe  feiner  2lufrocnbungen  au^ 
bem  Stamme  bcö  Äinbeöocrmögenö  t)criangcn.  ©aöfclbc  gilt,  wenn  ber  3n^ 
l^abcr  bcr  cttcrlid^cn  ©ematt  im  Sntcreffe  bcö  Äinbeö  auf  bcffcn  ®rjie^ung  unb 
Äuöbilbung  einen  größeren  STufroanb  gemad^t  l^at,  alö  er  nad^  feinen  fojialcn 
unb  fonftigcn  aScrl)ältniffen  vermöge  feiner  gcfc|Iid&cn  Untcr^altöpflid^t  (§  1488) 
ouö  eigenen  SRitteln  ju  beftreiten  oerpflid&tet  mar  (oergl.  jcbod^  §  754  9Ibf.  2). 

f)  S)ie  SBeftimmung  bcö  §  1503  Slbf.  1,  baß  auf  bie  Haftung  bcöMt"nfli>e« 
SBormunbfd^aftörid^tcrö  gegenüber  bem  Äinbe  bie  58orfd[)rift  bcö  §  1702  ent?  munbSüft«. 
fprcd^cnbe  STnmcnbung  pnben  foll,  red^tfertigt  fid&  auö  benfelben  ©rünben,  auf    '^**"»' 
meldten  bie  aSorfd^rift  bcö  §  1702  beruf)t,  unb  mirb  bcöl^alb  auf  bie  aJlotiüc 
ju  §  1702  Dcrmicfcn. 


750  (Rlkxliijz  ©etoalt.    ©orflc  für  btc  ^Vr[on  be5  Äinbeß.    §  1504. 

§  1504. 

«rsie^uitfl«.  @inc  bcr  wid^tigften  ©citen  bcr  ©orflc  für  bic  ^crfon  bcö  Äinbeö  in 

äS.  t^atfäcftlic^er  ^infic^t  tft  bic  Sorge  für  bic  ©riicfiung  bcöfclbcn.  SB&^rcnb 
flcmcinrcc^tlid^  bicfe  Sorge  oielfoc^  nid^t  alß  Slußflufe  bcr  oätcrlid&en  ©croolt, 
fonbcru  alö  ein  baneben  befteljenbcö  fclbftäubigcö  citerlid&eö  SRed^t  oufgefafet 
wirb  (ücrgl.  eutfd^.  b.  9t.  ®.  in  ßiüilf.  XVLl,  31),  eine  äluffaifung,  weld^c 
auä)  in  bem  fäd^f.  ®.  33.  §§  1802—1805  jur  3tncrlcnnung  gelangt  ift,  bc^ 
Ijanbelt  ber  ©ntrourf  bic  Sorge  fiir  bie  ®rjicf)ung  bcö  Äinbeö  olö  einen  SBc^ 
ftanbtlieil  bcr  eltcrli^cn  ©croalt  (oergl.  aud^  prenfe.  91.  S.  91.  II,  2  §§  74  ff. ; 
öftcrr.  ®.  95.  §§  147,  148;  codo  civil  3lrt.  372—379;  meimar.  @ef.  o.  27.  aJMrj 
1872  §  4).  ©icfe  3lrt  bcr  Scl)anblung  cntfpric^t  nid^t  allein  bem  t)ormunbs 
fd^oftlid^cn  .Haraftcr  bcr  clterlid^cn  ©croalt  (§§  1648,  1655),  fonbern  oerein* 
fad&t  aud^  baö  ©cfcfe.  ^nsbefonbcrc  ergicbt  fid)  barauö  üon  fclbft,  ba^,  forocit 
bcr  ÜJluttcr,  aud^  roenn  fic  nid^t  ^nl^abcr  ber  ettertid^en  ©emalt  ift,  bic  Sorge 
für  bie  (Srjicl^ung  bcr  Äinbcr  juftc^t,  auf  bicfe  Sorge  bie  Seftimmungen  über 
bie  eltcrlid)e  ©croalt,  namcntlid^  bic  93eftinimungcn  über  baö  9lcd^t  bcö  95or- 
munbfd^aftögcrid^tcö,  rocgen  SWifebrandicö  bc«  6rjiel)ung8rcd&tcd  unb  5Ber* 
nad&läffignng  bcö  Hinbcö  cinjufd&rcitcn  (§  1546),  cntfpred^enbc  2lnroenbung 
finben  (ocrgl.  §§  1506,  1558  Safe  2,  §§  1456,  1461,  1462,  1465,  1570,  1565 
Sag  2).  ®inc  weitere  .Honfcqucnj  bcr  5)e^anblung  bcö  6r}iel)ungöred&ted  ate 
eines  SScftanbtOcilcö  bcr  cltcrlid)cn  ©croalt  ift  es,  bafe  baßfelbe  formell  fo  lange 
bauert,  als  bie  eltcrlid^e  ©croalt,  regelmäßig  alfo  biö  jur  SBoUiäl^rigfcit  bcö 
Äinbed  (ücrgl.  jcbod^  §  1509).  9lnbererfcitö  folgt  aber  aus  bem  93cgriffc  unb 
3roedEc  bcö  (gräic^ungörcc^tcö,  baß  baöfclbc  nur  fotange  unb  inforoeit  auö^^ 
geübt  rocrben  barf,  alö  im  ^ntcrcffc  bcö  Äinbcö  ein  93ebürfni6  baju  Dorl)anbc!i 
ift  (ocrgl.  fäd^f.  ®.  93.  §  1805).  Sine  barübcr  l&iimuögel)cnbc  2luöübung  beö 
®rjiel^ungörcc^teö  roürbc  fid&  als  ein  SRißbraud^  bcö  ©rjic^ungorcd&teö  bor* 
fteÜcn,  rocld&er  unter  Umftftnben  ju  einem  ©infd&rciten  bcö  SSormunbfd^aftö* 
gerid^tcö  auf  ©runb  bcö  §  1546  SBcranlaffung  geben  fötmtc. 
;)ini)ttit.  ®en  ^nljalt  bcr  ©rjicl^ungögcroalt  im  ©efefec  naiver  ju  bcftimmen,  ift 

nid^t  für  crforbcrlidi  crad^tet,  ba  bcrfclbc  a\i%  bem  93cgriffc  bcr  ®rjicl)ung  unb 
ber  Statur  ber  Sad^c  fid)  oon  fclbft  ergicbt.  S)ic  ®rjiel)ungögeroalt  umfaßt 
banad^  bic  5ßflid^t  unb  baö  9ied^t,  in  einer  bem  ^^ntereffe,  ben  gä^igfeitcn  unb 
Einlagen,  foroie  ben  fonftigen  SBerl)ältniffen  beö  Äinbcö  cntfprcc^cnben  SBeife 
für  bic  förperlic^e,  geiftige  unb  inöbefonbere  auc^  pttlid^e  9luöbilbung  beö 
,viinbeö  iu  forgen  (ocrgl.  preuß.  91.  Ü.  SW.  II,  2  §§  108,  122;  öftcrr.  ©.  93. 
§  139),  baöfclbc  ju  einem  beftimmten  Scbcnöbcnifc  fällig  ju  mad&en  (»crgl. 
Seuffert  I,  81,  XII,  169;  preuß.  91.  ü.  9t.  II,  2  §§  108—117;  öftcrr.  ®.  93. 
§  148 ;  fäd^f.  @.  93.  §  1804)  unb  jur  ©rreid^ung  biefer  Siele  überl^aupt  bic 
.^anblungcn  bcö  Äinbcö  ju  leiten  (ocrgl.  öftcrr.  ®.  93.  §  144;  l^eff.  6ntro.  III 
9lrt.  21),  nid^t  bagegen  bie  JBcrpflic^tung,  bic  Äoften  ber  (grjie^ung  ju  be- 
ftreiten;  oiclmc^r  ift  bicfe  SiJerpflid^tung  alö  9luöftuß  bcö  SBerroanbtfc^aftö- 
ücrljoltniffcö  nad)  fclbftänbigen  ®runbfä|en  geregelt  (§  1488).  S)ie  nähere 
S^eftimmung  barübcr,  ob  baö  Äinb  in  geroijfcn  Äcnntniffcn  unb  in  rocld^en, 
nid^t  allein  im  3ntereffe  bcö  Äinbcö,  fonbern  auc^  Dpm  Stanbpunfte  bcö 


eiterlid&c  Oeiralt.    ©crßc  für  bie  ^^crfon  beö  Äinbc?.    §  1504.  751 

•Staatörooljleö  aus  unterrichtet  werben  mufe,  bleibt  bou  Unterric^tögefefecu  ber 
einjelnen  S3iinbcöftaoten  überloffen.  ©oroeit  bic  leiteten  in  biefer  Seiieljung 
bcfonberc  Scftimmungcn  uid&t  getroffen  ^obcn,  entfd&cibet  ber  ©rjiei^ungö' 
berechtigte  üom  ©tanbpunitc  beö  ^ntereffeö  beö  Äinbeö  ouö,  in  weld^er 
Ülrt  bie  6rjicl)ung  beö  leßtercn  bcljufs  förperlid&cr,  geiftiger  unb  fitt^ 
lid^er  21udbilbung  erfolgen  foU.  2Birb  burd^  -öUfebraud^  beö  ©rjie^ungö' 
re^teß  ober  burd^  ^^Jcrna^löffigung  beö  ftinbcö  bcffcn  geiftigeö  ober  leib* 
tid^eö  SBol^I  gefäl^rbet,  fo  i)ai  boö  aSormunbfc^oftögerici^t  naä)  aWafegabe  beö 
§  1546  bie  jur  9lbn)enbung  ber  ©efal^r  erforberlid&en  aWaferegeln  ju  treffen. 
®ie  Seftimmungen  beö  §  1546  reid^en  auc^  auö,  um  bem  Äinbe  gegen  einen  »«ftimmunö 
SRifebrauc^  beö  in  ber  ©rjiel&ungögeroalt  entfialtenen  JRed^teö,  ben  SBeruf  beö*  «erufes, 
felben  ju  beftimmen,  ben  erforberlid^en  Sd^ufe  ju  geroäl^rcn.  Darüber  l)inauö 
burc^  bcfonberc  5ßorfc^riften,  wie  fic  fid^  in  oerfd&iebenen  neueren  ©efc^gebungen 
finben  (Dergl.  preufe.  31.  Ü.  91.  II,  2  §§  110—117;  öften\  ®.  33.  §  144; 
föd^f.  ®.  83.  §  1804),  ein  Eingreifen  beö  aSormunbfd&Qftögeric^teö  in  boö  ben 
ßltcrn  iuftel)enbe  Siedet  ber  33eruföbcftimmung  ju  cnnöglid^cn,  ift  burd^  ein 
93ebürfnig  nid^t  geboten  unb  fowo^l  mit  Stüdftd^t  auf  bie  regelmäßig  ben 
©Item  gegenüber  ben  Äinbern  obliegenbe  Unter^altöpflid^t  afö  im  Sntereffc 
ber  Slutorität  ber  ©Itern  nid^t  alö  angemeffen  erod^tct. 

®benf owenig  ^at  ber  ©ntwurf  eö  für  nöt^ig  gel^olten,  uqc^  bem  SJor-  gj^c^JJjL^^g 
gange  beö  code  civil  3lrt.  374  (oergt.  a\\6)  t;eff.  ®ntw.  III,  21)  im  Oefefee  be«  Äinbes. 
bcfonberö  jum  9luöbrudfe  5U  bringen,  bafe  ber  ßrjiel^ungöbered^tigte  ben  Slufent* 
l)alt  beö  .^inbeö  beftimmen  !ann.  S)ag  berfelbe  infoweit  baju  bered^tigt  ift, 
alö  ber  ^rocd  ber  ©rjiel^ung  eö  crforbert,  folgt  dou  felbft  auö  ber  6rjiel(>ungö:: 
gewalt.  9luf  ber  anberen  ©eite  ift  aber  jene  93efugni6  nid^t  bloö  ein  Sluö- 
fluß  ber  ©rjiel^ungögewalt,  fonbern  ber  ©orgc  für  bie  ^^Jerfon  beö  Äinbeö 
überhaupt.  So  fann  berjenige,  wetd^em  biefc  ©orge  juftel^t,  j.  S3.  wenn  baö 
Äinb  blbbfinnig  ift  unb  beölialb  üon  einer  ®rjiel(>ung  überall  nid^t  bic  Siebe 
fein  fann,  bie  im  Snterejfe  eineö  fold^en  Äinbeö  not^wenbige  33cftimmung 
über  ben  Slufentl^att  beöfelben  treffen. 

®ie  ^flid^t  unb  baö  Siedet  ber  ®rjiel)ung  cnüjält  nalurgemöfe  aud^  bic  citeriit^c« 
93efugni6,  bic  jum  ^xo^dc  ber  @rjiel)ung  gefaßten  Jöefc^lüffe  gegenüber  bem  ^^"'^*"*^*' 
Äinbe  burd^jufüf)ren.  ®aö  Hinb  ift  bem  ^nbaber  ber  ©rjiel^ungögewalt  in^^ 
foweit  ©e^orfam  fc^ulbig  (§  1498)  unb  ber  Sni^aber  ber  ©räiel^ungögewalt 
befugt,  bie  2)urd^fül^rung  ber  getroffenen  üBaßregeln  burd^  Slnwenbung  am 
gemeffener  Suchtmittel  (oergl.  §  127  ber  @ew.  D.)  ju  erjwingen  (1.  3  Cod. 
de  patr.  potest  8,  47;  baijr.  iJ.  31.  I,  4  §  3  5Rr.  1;  preuß.  21.  S.  dt,  TI,  2 
§  86;  ofterr.  ®.  S3.  §  145;  cod(^  civil  9lrt.  375—383;  fäd^f.  @.  33.  §  1805). 
Gine  naivere  33eftimmung  über  bie  Slrt  unb  bie  SWittel  ber  l^äuölid&en  S^d^t 
ift  webcr  erforberlid^  nod^  angemeffen.  S)er  erjie^ungöbercd&tigtc  \)at  in 
biefer  ^inftc^t  bie  ben  fonfreten  Umftänben  entfpred^enbe  S3eftimmung  ju 
treffen,  ©egen  ajlißbrau^  f^üfcen  bie  93orfd)riften  ber  §§  1546,  1559  unb 
baö  ©tr.  ®.  SB. 

3m  3lnfd^luffe  an  äljnlid&c  SBorfcf)riften  beö  befteljenben  SHed^tcö  (oergl.  untcrpu^unfl 

1.  3  CJod.  de  patr.  potest.  8,  «7 ;  1.  9  §  3  D.  de  offic  procons.  1,  le ;  1.  un.  Cod.  de  "^JJ'y^Jfl^^^^ 
eroend.  propinquorum  9,«;   preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  87—89;   fäc^f.  ®.  33.    7w<^t. 


752  eiterlici&c  ®cmlt    ©orge  für  bic  3)erfon  bcö  Äinbeß.    §  1504. 

§  1805)  bcftimmt  ferner  bcr  §  1504  2tb).  2,  bafe  bas  aSormunbfc^aftöfleridjt 
bcn  erjie^ungöbered^tigten  auf  beffen  9lntrag  burd^  geeignete  Sroangömaferegcln 
in  ber  9luöübiing  beö  ettertid^cn  ^\xä)txz(f)U^  na6)  üerftanbigem  ©rmeffcn  ju 
unterftüfecn  f)at  Die  naivere  SBeftimmung  ber  bcm  aSormunbfd^aftögerid^te  ju 
®ebote  fte^enben  3wQngft*  iinb  Äorrcftionömittet  ift  ben,  fei  eö  reic^ögcfeftti^, 
fei  eö  lonbcögefeglid^  ju  treffenbcn  SSorfd^riften  über  baö  SBerfal^ren  ber  ^Jßoxf 
munbfd^aftögeridjte  ju  überladen.  2)ic  33orfd&riftcn  beö  §  1504  gewähren  bem 
(grjieliungöbered^ttgten  insbefonbcre  aud&  bie  SWöglid^feit,  baö  Derroa^rlofte 
Äinb  mit  J^ülfe  beö  SBormunbfd^aftsgerid^teö  in  einer  6rjicl^ungö=»  ober  SBcjfcrung«^ 
onftolt  unterjubringen.  Da  eö  fic^  liier  ober  tcbigli^  um  eine  Unterftüfeung 
beö  clterlid^en  Qud)txe6)k&  l^anbclt,  fo  fann  boö  Sßormunbfd^aftögerid^t,  fofem 
nic^t  bie  SBotauöfcgungen  beö  §  1546  vorliegen,  nur  auf  Slntrag  beö  S3c* 
red^tigtcn  einfd^reiten  unb  gegen  bcn  SBiUen  beö  legteren  bie  auf  Slntrag  ge^ 
troffenen  SKa^regeln  nic^t  aufredet  crl^alten.  Uebrigcnö  gc^t  ber  ©ntmurf  bat)on 
auö,  bafe  baö  SBormunbfd^aftögcrid^t,  mcnn  bejfen  Unterftü|ung  in  Slnfprud^ 
genommen  wirb,  meber  Derpfliddtet  nod^  bered^tigt  ift,  bem  9lntrage  unbcbingt 
ftattjugebcn;  oielmeljr  ^at  baöfclbe  felbftänbig  ju  prüfen,  ob  bie  ®emäl(irung 
einer  Unterftügung  burd^  bie  fonfreten  Umftänbe  gcred^tfertigt  ift.  Die  jum 
2:i)eil  auf  einer  anberen  Sluffaffung  berul)cnben,  formalen  SBorfd^riften  beö 
Code  civil  9lrt.  375  ff.  Über  baö  SRed^t  beö  Snl^aberö  bcr  elterlidden  Oemalt, 
bie  Ginfperrung  beö  Äinbcö  ju  verlangen,  Derbicnen  feine  Billigung.  Die- 
felbcn  finb  aud^  in  folc^en  neueren  ©efeggebungen,  meldten  im  Ucbrigen  ber 
Code  civil  alö  SBorbilb  gcbicnt  fiat  (oergl.  ital.  ®.  93.  3lrt.  222 ;  l^ejf.  ©ntro.  III 
Slrt.  22—24),  il^reö  rein  formalen  Sarafterö  entHeibct;  in  93aben  finb  burc^ 
baö  ®cf.  ü.  23.  Dejember  1871,  betr.  bie  (ginf.  beö  ©tr.  ®.  93.,  3lrt.  2  bie 
entfpred^enben  SJorfd^riften  beö  bab.  S.  91.  ©afe  375—383  gänjlidö  bcfeitigt. 
Vfcii^tfeite  Die  bem  elterlid^en  ©rjie[)ungörcd)te  entfpre^cnbe  5ßflid^tfeite  fällt  jumeift 

crjtejutifl«.  ^^^  ftttlid^cn  ©ebiete  anfieim,    SRed^tlid^  äufeert  fie  il^re  SBirffamfeit  einerfcitö 

aeipcit  in  bcr  2RogIid^feit  ftaatlid[)en  ©dE|u|eö  gegen  ^ßflid^troibrigfcit  beö  ©rjie^ungös 
berc^tigten  (§  1546),  anbererfeitö  in  ber  Unroirffamfcit  eincö  SBcrjid^teö  auf 

»crjic^t  baö  eraiel^uugöred&t  (§  1561  t)crb.  mit  §  1502  9lr.  1,  §  1504).  Dicfer  ®runb^ 
fag  bef|errfd)t  aud^  baö  geltcnbe  SRedjt,  roenngleid^  man  eö  regclmäfeig  nic^t 
für  not^ig  erad)tct  l^at,  bcnfclbcn  auöbrüctlid^  außjufprcd)cn  (ücrgl.  ©euffert 
I,  82,  XXVIII,  140,  XXXI,  23;  ©ntfd).  b.  SR.  ©.  in  ßioilf.  X,  32,  XVII,  31; 
Code  civil  airt.  1388).  9luö  ber  UnmirJfamfeit  beö  33erjid;tcö  auf  baö  ©r* 
iicl}ungörcd|t  folgt  jebod^  nid^t,  bafe  ein  33crtrag,  burc^  meldten  einem  3lnbcrcn 
bic  ©räie^ung,  iuöbcfonbcre  bie  93eruföauöbilDung,  beö  ftinbeö  übertragen 
mirb,  übcrfjaupt  ungültig  ift;  ungültig  mürbe  nur  bie  SBcftimmung  fein,  bafe 
bic  Scfugnife  beö  ßräicl)ungöbcred^tigten,  baö  Äinb  icberseit  jurüdEiunel)men, 
auögcfd[)loffcn  fein  foüte.  3KadE}t  berfclbe  t)on  biefcr  93efugni6  ©ebraud^  (ücrgl. 
§  1505),  fo  fann  bcr  Dritte,  üorbeljaltUd^  befonberer  93eftimmungen  (t)crgl, 
§§  130—132  bcr  ©em.  D.),  bie  Durd^fül;rung  bcö  5Bertrageö  nld&t  erjmingcn 
(ücrgl.  ©euffert  XXVIII,  140;  (Sntfd).  b.  %  ©.  in  SiDilf.  X,  32).  ©ö 
gilt  bieö  namentUd^  auc^  für  fold^e  göHe,  in  meldten  baö  ftinb  auf  3ln* 
trag  bcö  Gräie^ungöbercd&tigten  in  eine  Grjiel^ungö^  ober  93efferungöanftalt 
oufgenommcn  ift,  felbft  menn  burd^  tWcglcmcntö  foldjcr  SÄnftalten  ober  bur^ 


eUerli^c  ®tXoM.    Sorge  für  bic  9)crfon  bc8  Äinbeß.    §  1505.  753 

befoubcre  SBcftimmung  bic  Sefugnife  bes  ©rjie^ungöbcred^tigtcn,  baö  ftiub 
jcbcrjcit  jurüdEjunel^men,  auögcfc^IoRcn  fein  foUte  (üergl.  braunfdjm.  ®ef.  d. 
22.  ©ejcmbcr  1870  §§  2—4,  betr.  bic  ®rrid^turtg  einer  (Srjic^ungSanftalt  in 
Scocrn);  boä)  fann  bic9lnftatt,  rocnn  nad^  Sage  bcr  ©ad)c  biirdd  bic  3^^"cf^ 
na^me  bcfi  ftinbcö  aus  bcr  2lnfta(t  boö  2Bol)I  bcö  Äiubcö  gefäfirbet  werben 
würbe,  bas  ©infd&rciten  bed  SJormunbfc^aftögeriditeS  nad^  aWafegabc  beö  §  1546 
Dcranloffen.  5Daburd&  roirb  gegen  launenhaften,  baö  Sntereffc  beö  Äinbeö  gc^^ 
fä^rbenbcn  SBiberruf  bcr  ©ttern  auöreid^cnber  ©d^uß  geroftl^rt,  n)äf)renb  bic 
3utaifung  binbcnber  SBcrträgc  bcr  f  raglid^en  9trt  mit  ©rjiel^ungös  ober  Seffcrungs- 
onftaltcn,  abgcfclien  t)on  bcn  bagegen  fpred^cnbcn  prinjipiellen  Scbcnfen,  leidet 
}u  aßiSbräud&en  auf  Äoftcn  bcr  elterlichen  Siedete  führen  fönntc.  ^nroieiDcit 
bic  befonbercn  lanbcögefcfelid&cn  SScftimmungen  über  bic  3wangderjie^ung  ücr:^ 
roa^rloftcr  Äinber  (oergl.  SKotiüc  ju  §  1546)  unberührt  bleiben,  wirb  baö 
©infül^rungdgcfel  ergeben. 

Sllö  äuöflufe  bcr  ©orge  für  bic  5ßcrfon  beö  Äinbeö  ^cbt  bcr  §  1504   «"tP*i»- 
Slbf.  1  neben  bcr  Sorge  für  bic  ©rjic^ung  noc^  bic  3luffid[|t  über  baö  Äinb     ''^**^*' 
bcfonberö  l^croor,  um  barauf  ^injurocifen,  ba^  bic  5ßflid^t  bcr  ©orge  für  bic 
^crfon  aud^  im  Sutcreffe  2)rittcr  burd)  Seauffic^tigung  ju  erfüllen  ift  unb 
im  gatte  bcr  ^lid^tcrfüHung  biefcr  ^ßftic^t  bic  SBorauöfcftung  für  bic  im  §  710 
beftimmtc  aScrantroortlic^fcit  beö  fraft  ®cfe|eö  Sluffic^töpflid^tigcn  vorliegt. 


§  1505. 

S)cm  Siedete,  für  bic  5ßcrfon  beö  Äinbeö  ju  forgen,  mufe  ba^  Siedet  jur«nfpru(^  auf 
©cite  ftc^cn,  bic  ^crauögabe  beö  Äinbeö  üon  3ebcm  ju  verlangen,  iDcld&er  ^«VÄe«* 
boöfclbc  mibcrrcd^ttid)  Dorcntl^ätt,  bamit  bcm  S3ercc^tigtcn  bic  aWöglid^fcit  ge- 
fiebert  roirb,  ben  jur  2luöübung  feincö  SRcd^tcö  unb  feiner  biefem  Sterte  cnt* 
fpred^enben  5ßf(id^t  crforbertid^cn  faftifd^en  3wftanb  l)crbeijufül(ircn.  2)cr 
SSlnfprudö  auf  ^crauögabc  beö  Äinbeö  ift  nid^t  Sluöflufe  beö  SRc^teö  ber  gcfefe- 
lid^en  SSertretung  beö  Äinbeö,  fonbern  ftcl^t  bemienigen  6ltcrntt)cilc,  metd&cr 
baö  SRed&t  ber  ©orge  für  bic  5ßcrfon  beö  Äinbeö  ^at,  aud^  bann  ju,  menn  er 
t)on  ber  gcfefclid&cn  SSertretung  auögefc^loffen  ift,  alfo  namentlid^  aud&  bcr 
aJluttcr,  forocit  bcr  te^teren,  aud^  wenn  fic  nid^t  3nl)abcr  bcr  clterlid^en  (Scroalt 
ift,  baö  JHcc^t  ber  ©orge  für  bic  "ißcrfon  beö  Äinbeö  beigelegt  ift  (üergl. 
§§  1506, 1456, 1461, 1462, 1465, 1558, 1565, 1570).  SRit  bcm  Gntrourfc  ftimmcn 
in  biefcr  Sejic^ung  baö  gemeine  JRed^t  (ocrgt.  ©euffcrt  XXV,  33;  ©ntfd^.  b. 
SR-  ®.  in  eioilf.  X,  32,  XVIII,  39)  unb  ba^  fäd[)f.  ®.  ».  §  1807  überein. 
®aö  preufe.  31.  S.  SR.,  ba^  öfterr.  ®.  93.  unb  ber  code  civil  cntl^altcn  auö* 
brüctlid^e  Seftimmungcn  in  biefcr  SRid&tung  nic^t;  bod&  mirb  aud^  Don  bcr 
preufe.  gwriöprubenj  ein  3lnfprud^  beö  ®rjic^ungöberec^tigten  auf  ^erauögabe 
beö  Äinbeö  ancrfannt. 

3)cr  3lnfpruc^  auf  ^crauögabc  beö  Äinbeö  ift  aber  nur  gegen  benienigcn 
begrünbet,  rocld^cr  baöfelbc  mibcrrec^tlid^  oorcnt^ält.  9luö  btn  allgemeinen 
S3eroelögrunbfo6cn  (§  194)  ergiebt  fx6)  übrigcnö  t)on  felbft,  bafe  eö  ©ac^c  beö 
ScHagten  ift,  im  Sßcge  bcr  ©inrebc  bic  befonbercn  Umftänbe  barjulcgcn  unb 
JU  bemelfen,  meldte  i^m  baf^  SRcd&t  geben,  bcm  Älägcr,  trofcbcm  bcrfelbc  a\\  fid; 

nott9€  I.  Mrgcrl.  «efe|»u4.  IV.  48 


754  (grtcrli(^e  &tmlt    ©orflc  für  bic  ?>crfon  bcö  JMnbe«.    §  1506. 

boö  9Jed)t  f)at,  für  bic  ^crfon  beö  Äinbcö  ju  forgen,  baö  Äinb  oorjuent^oltcn 
(ocrfll.  §§  1456,  1461,  1462,  1465,  1546).  Safe  eine  fold^c  ©inrcbc  auö  bcr 
ücvtraflömäfeigen  Uebertaffung  bcr  ©orgc  für  bic  ^rfon  nicfit  entnommen 
werben  fann,  folgt  aud  ber  UnmirCfamleit  beö  SScriic^ted  auf  bad  9lec^t  bicfcr 
©orgc  (§  1561;  üRotioc  ju  §  1504  oben  ©.  752).  (Sbenforoenig  Dcrmag  bcr 
Umftanb  eine  roirffame  @inrcbc  ju  bcgrünbcn,  bafe  bem  ScWogtcn  mcgcn  bcr 
2tlimcntation  beö  Äinbcß  ein  ©rfafeanfprud^  gegen  ben  Jtläger  juftc^t  {t)crgl. 
§  233),  ba  icbcnfallö  ber  obfolutc  Eoralter  ber  bem  Äläger  bem  Äinbc  gegen- 
über obliegcnben  ^flic^t  einer  fofd^en  ©inrebe  cntgcgenftcf)t  (©cuffert  I,  82). 
Burürf*  Ocgcnübcr  bem  mibcrftrcbenben  Äinbc  fclbft  ift  ber  ®Itcmt^eiI,  mcld^em 

^Xmm* ^'^^  ®ö^9<^  f"^  ^^^  ^^^^  ^^*  ^"^^^  i^P^^*'  ^^Ö"f®  Dur(^fü^rung  feine« 
Äinbe«.  jRcd&tcö  unb  feiner  ^flid^t  bic  erforberüc^cn  aRaferegcln  burd^  eigene  üRac^t 
burd&jnfefeen  befugt.  3nöbefonbcrc  fann  er  baß  flüd^tigc,  bic  Slücffe^r  Der* 
mcigcrnbe  ftinb  mittete  S^^öngeö  jurücffü^rcn,  ju  bicfcm  3^^*^  ^t)er  a\x6) 
mä)  nuöbrücflid^cr  Seftimmung  beö  §  1505  5Äbf.  2  poHjcilid^e  ^ülfc  in 
9lnfprud&  ncl^men.  S)ic  Slufnaljmc  bicfcr  lefetcrcn,  bic  ftompctenj  unb  ^ßflidjt 
ber  ^^Joliäcibc^orbc  jur  §ülfelciftung  feftftettenbcn  93eftimmung  ift  ate  angcmejfen 
croddtct,  um  ben  S^^^if^  i«  bcfcitigen,  bafe  nic&t  baö  5Bormunbfd^aftögcri^t, 
fonbcrn  unmittelbar  bic  baju  beffer  befäfiigtc  ^^Solijcibel^örbc  in  bem  Dorauö- 
gefegten  galle  ,§ülfe  iu  Iciftcn  unb  bic  ^^Jolijcibcl^örbe  aud&  nic^t  ein  ©rfut^cn 
bcß  aSormunbfc^aftßgcrid&tcö  abjumarten  f)at  (ocrgl.  öfterr.  ©.  35.  §  145;  ^eff. 
eutio.  III  9lrt.  21).  Sluä  ber  ^flid&t  bcr  ^oUjeibeprbc  jur  .^ülfelciftung 
crgicbt  f\ä)  genügenb  au(j^  boß  cntfpred)cnbe  $Wcd[|t,  SBorauöfcgung  ber  3luö* 
Übung  cincö  3rocingcd  gegen  bas  Äinb  ift  iebod^  felbftocrftänblic^,  bofe  bem^ 
jcnigcn,  mcld^er  ben  ^roanci  ausübt  ober  bic  polijeilid^e  ,^ülfc  jum  Qxocdt  bcr 
3urücffüf)rung  beö  flüchtigen  Äinbcö  in  Slnfpruc^  nimmt,  baö  Siedet  bcr  ©orgc 
für  bic  ^crfon  beö  Äinbcö  roirflic^  juftef|t. 


§  1506. 
Änt^cii  ber  ^u  Ucbcrcinftimmung  mit  bem  gemeinen  SHcd^tc  (©cuffert  XXV,  33; 

6"rflTfürMe®"tf*-  ^-  ^'  ®-  '"  ®i»iff-  ^VII,  31)  uub  bcr  3We^rja^I  ber  neueren  ©cfcfe* 
?trfon  bes  gcbuugcn  (ücrgl.  prcufe.  31.  S.  91.  II,  2  §§  64,  74;  öfterr.  ®.  S3.  §§  144, 147, 148; 
*'"*''*•  ba^r.  £.  m.  I,  4  §  3  9h\  5 ;  fäd^f.  ®.  SB.  §  1802 ;  anbcrcrfcitö  code  civil  9lrt.  203 ; 
373—379, 384, 385;  meimar.  ®cf.  v.  27. 5Kärj  1872  §  4)  gemährt  ber  §  1506 
mä^rcnb  beö  S3cftel|cnö  bcr  ®^c  neben  bem  SBater  aud&  bcr  SKutter  fraft  eigenen 
Slcd^tcö  einen  Slntficil  an  bcr  ©orgc  für  bic  5Perfon  beö  Rinbcö,  iebot^  mit 
bcr  33cf(^ränfung,  bafe  i^r  bic  nad&  §  1502  5»r.  1  in  SBcrbinbung  mit  §  1503 
9lbf.  1  unb  §  1649  in  ber  ©orgc  für  bic  ^erfon  an  fic^  mit  enthaltene  gefc^^ 
liddc  83crtrctung  beö  Äinbeö  nid^t  juftcljcn  unb  im  ^dik  einer  SSerfc^ieben^cit 
bcr  SUcinungen  jwifdjcn  SBatcr  unb  9Kuttcr  ber  Sater  entfd^cibcn  foU.  35iefc 
9lrt  ber  ©cftaltung,  meldte  bie  ©orgc  für  bic  5ßerfon  beö  Kinbcö,  fowcit  bic* 
felbe  t()atfäc^(id^er  Statur  ift,  mfil^renb  befte()cnbcr  @^c  rcd^tlid^  nic^t  nur  bem 
33ater,  fonbcrn  bem  SBatcr  unb  ber  SKutter  gemcinfam,  icbod^  tmter  Serürf* 
fid^tigung  beö  natürlid^en  Uebergemic^tcö  beö  93aterö  ate  beö  ^aupteö  bcr 
^omilie,  juroeift,  entfprid^t  ber  natürlid^cn  Stellung  ber  SIÄuttcr,  roie  ben 


erterlid&e  ©cwalt.    (Sorge  für  bic  |)crfon  bcö  ffinbc§.    §  1506.  755 

foftifdK"  SScr^ältniffen,  unb  trägt  baju  bei,  bic  Stellung  bev  3)Jutter  bcn  mnbcxn 
unb  Dritten  gegenüber  ju  einet  felbftänbigeren  ju  ntad^en  unb  bie  9Iutorität 
ber  aSutter  ju  ftärfen.  ^nöbefonbere  ftef^en  il^r  bie  in  ben  §§  1504,  1505 
beftimmten,  mit  ber  ©orge  für  bie  3}erfon  Dcrbunbenen  SHcd^te  fraft  eigenen 
üHc^teö  ju;  nur  infofern  ift  fie  befd&ränft,  ote  fie  biefelben  ni^t  im  gßiber^ 
fpru^e  mit  ber  ©ntfc^eibung  bes  aSaterö  auöjuüben  bered^tigt  ift.  Slnbererfeitö 
ift  fic  aber  t)on  ber  gefeglid&en  SBertretung  beö  Äinbeö  aud^  in  bcn  pcrfön^^ 
nd}en  Stngefcgenl^eiten  beß  lefctcren  auögef^Ioffcn.  ©old^e  Sttfte,  rocld&e  bcn 
^cc^tdjuftanb  beö  Äinbeß  beftimmen  unb  betreffen,  fonn  fie  roirffam  überl^nupt 
nic^t  Dornel^men,  inöbefonbere  fte^t  il^r  nic^t  baö  mit  ber  gefe^Iid^en  Sßer:* 
tretung  Dcrbunbene  Slcd&t  ju,  ju  SHed^tögefd^äften  beö  ÄinbeS  bie  ©inmilligung 
ober  ®cnel)migung  ju  ertl^eilen  (§  65).  Oemö^nfid^  mirb  ba&  ber  3Huttcr 
mäl)renb  93eftel^en8  ber  6^c  neben  bem  Sater  iuftel^enbe  SRed^t  alö  „©rjicl^ungd^ 
rc(f|t"  bejci^net.  S)iefe  33ejeid)nung  ift  {ebod^  ju  eng.  Sie  trifft  nur  eine 
Seite  ber  t^atfdd^Ud^en  ©orge  für  bic  ^erfon  beö  Rinbeö;  fie  umfaßt  nid^t 
aud^  bie  5ßflege  beö  Äinbeö  in  Ärantf)citöfäUcn  ober  in  fold^en  fällen,  in 
mclcbcn  von  einer  (grjie^ung  beö  Äinbcö,  j.  83.  ro^nn  baöfelbe  blöbfmnig  ift, 
übcrljaupt  nid^t  bie  SRebe  fein  fann.  Um  au^  biefc  gäUe  ju  bedEcn,  beftimmt 
ber  §  1506  «bf.  1  ganj  allgemein,  bafe  bie  ORuttcr  bic  5ßflid^t  unb  baö  SHcd^t 
[jat,  für  bie  5ßcrfon  beö  Äinbeö  ju  forgen,  jebod^  mit  ber  33ef^räntung,  bafe 
iljr  bie  gefe|Hd^c  35ertrctung  beö  Äinbeö  nid^t  juftcl^t. 

aSä^renb  beö  SJefte^enö  ber  ©l^e  l^ot  aber  bie  3Äutter,  roic  bic  gaffung 
beö  §  1506  mit  genügenber  2)euttid[|feit  erfennen  lägt,  bie  ^flic^t  unb  bnö 
iHcdjt,  für  bic  5ßcrfon  beö  Äinbcö  ju  forgen,  auf  @runb  beö  §  1506  nur  neben 
bcm  a^atcr.  gällt  roä^renb  beö  Söeftc^euö  ber  ©be  bic  ^ftid^t  unb  baö  9icd)t 
beö  aSatcrö,  für  bie  ^^crfon  beö  Slinbeö  5u  forgen,  mcg,  fo  l^ört  bamit  aud) 
^pid^t  unb  SHccbt  ber  SRutter,  für  bic  ^erfon  beö  Kinbeö  ju  forgen,  auf, 
forocit  i^r  biefc  ©orge  nit^t  auf  Orunb  anberer  gefc6lid^er  Seftimmungen, 
inöbefonbere  in  bcn  gällen  beö  9iubenö  ber  cfterUdf)en  Ocroalt  beö  SBatcrö, 
unabhängig  üon  bem  93ater  juftcfit  (oergt.  §§  1461,  1462  t)crb.  mit  §  1456, 
ferner  §  1555).  58[ud)  bie  aßutter  ^at  ba^er  bic  5ßflid^t  unb  baö  SRe^t  ber 
©orge  für  bic  ^4icrfon  beö  Äinbeö  in  fold^cn  gällen  nid^t,  in  roeld&cn  ber 
aSatcr  bic  elterlid&c  (Seroalt  oerroirft  l^at  (§  1559),  ober  i^m  bicfelbe  in  5ln== 
fcf)ung  ber  ©orge  für  bic  ^^Jerfon  burd^  baö  a^ormunbfd&aftögcric^t  entjogen 
ift  (§  1546)  ober  bie  eltertid&e  ©croalt  beö  58atcrö  in  golgc  ber  ®ntmünbigung 
beöfelbcn  roegen  aSerfd^roenbung  ru^t  (§  1555  3lbf.  2).  ffiegen  beö  (ginfluffcö, 
mclcbcn  ber  SBater  feiner  ganjen  ©teltung  nad^  auf  bie  3Kutter  auöübt,  ift  eö 
bcbcnflid),  ber  SWuttcr  in  icnen  gälten  bic  ?ßPid^t  unb  baö  SRed^t  ber  ©orge 
für  bic  ^^Jcrfon  beö  Äinbeö,  rocnn  aud^  nur  in  bem  im  §  1558  ©afe  2  be* 
seid)nctcn  Umfange,  bcijulcgcn.  gin  »ebürfnife  in  biefer  Slid^tung  ift  um  fo 
roeniger  anjuerfennen,  alö  geeignctenfallö  baö  ajormunbfd&aftögerid^t  feinen 
änftanb  nehmen  roirb,  bic  3Äuttcr  in  ben  in  SRcbc  ftcljcnben  gällcn  jum  Sor* 
munbc  }u  bcftellen.  9lud^  ift  eö  nid&t  auögcfd^loffen,  bafe  ber  SBormunb,  fomeit 
nadf)  Sage  ber  ©ad&e  ein  »ebenfen  nicftt  obwaltet,  ber  SRutter  unter  feiner 
9fuffid^t  bie  Sorge  für  bie  ^Mon  beö  Äinbeö  übcrtäfet.  3roar  Ift  bie  aJhittcr 
jur  Ucbcrna^mc  ber  SBormunbfd&aft  bcjro,  ber  ©orge  für  bic  ?ßerfon  beö 

48* 


75C  erteclid&c  ©cttjalt.    ©orßc  für  bic  ?)cr[on  be3  Ämbrt.    §  1507. 

Äinbcö  in  ben  in  SRebc  ftc()cnbcn  gällcn  nic^t  ocrpflid^tet,  inbcjfcn  wirb  bic 
aRutter,  wenn  fic  überl^aupt  3ntercjfc  an  bcm  Äinbc  l^ot,  eine  foId)e  lieber« 
na^me  nid^t  Qb(et)nen.  ^aju  fommt  bag  ed  ftd^  ^ier  um  feltene  $&Ue  l^anbclt. 
3n  allen  anbeten  gälten,  in  roclc^en  ber  58ater  bic  cfterli^c  Oeroalt  ausjuüben 
oerl^inbert  ift,  tritt  naö)  ben  §§  1554,  1555  TOä^rcnb  beftel^enbcr  6^e  an 
©teile  ber  ru^cnben  elterlid^cn  ©eroaft  bed  SBaterö  bic  cltcrlid^c  ©croalt 
ber  STOutter,  mit  Sluönol^me  ber  bcm  95atcr  Dcrbleibenben  elterlid&en  9lu6« 
niegunfl. 

2)a6  auf  bic  nad&  §  1506  ber  SRutter  juftcl^cnbc  ©orgc  für  bic  ^crfon 
bt&  Rinbeö  bic  SSorfd^riftcn  über  bic  ettcrlid^c  ©cmatt  cntfpred^cnbe  änrocnbung 
finben,  crgiebt  ftd^  Don  fclbft  baraud,  ba^  jene  @orgc  ftc^  ald  ein  Slnt^cil 
an  ber  cltcrßd^en  @eu)alt  beö  SSaterd  barftcDt  (Dcrgl.  bic  9)lotit)c  }u  §  15(H 
oben  ©.  750). 

§  1507. 

(sntiaffung  SBcrfd^icbcttc   ncucrc  ©efelgebungcn   (ocrgl.   bic  ÜRotit)c   ju  §   1657) 

VmetaawV^^^tt  bic  3luön)anberung  eines  aÄünbetö  ober  bic  entlaffung  bcöfclbcn  auö 
©erbanbe.  bctti  ©taatöücrbanbc  von  ber  Oencl^migung  bcö  aSormunbfd^aftögcridötcS  ab* 
l^ängig.  S)agegcn  cntl|a(ten  bic  bcftcljcnben  Steckte  eine  bcrartigc  Scftimmung 
in  2tnfcl^ung  ber  ^auslinbcr  regelmäßig  nid^t.  S)ad  württcmb.  ®cf.  v. 
15.  3luguft  1817  §  3  bcftimmt  jcboc^,  bafe  minbcrjä^rigc  ^auölinbcr  jur  Sluö* 
roauberung  neben  ber  3wftimmung  bed  ^audoaters  auc§  ber  3wftitnmung  ber 
SBormunbfd^aftSbcprbc  bcbürfcn,  fofcrn  nic^t  ber  SSatcr  jugleid^  mit  oud« 
manbert.  S)iefer  33cftimmung  fd^tießt  bic  35orfd^rift  bcö  §  1507  fid^  im 
SBefcntlid^cn  an.  Der  tiefgreifenbc  ©influß,  TOctd^cn  bic  ®nttajfung  auö  bcm 
©taatßücrbanbe,  mag  biefelbc  jum  Si^edEc  ber  9luömanbcrung  auö  bem  SRcld^fi^ 
gebiete  ober  jum  S^JcdEc  ber  (grroerbung  ber  ©taatöangclförigfeit  in  einem 
anbercn  Sunbcöftaatc  beantragt  merbcn,  in  priüatred^tlic^cr  unb  namcntlid^ 
in  pofitifd^cr  SBcjie^ung  auf  ben  9led6tösuftanb  bcö  Äinbcö  äufecrt,  unb  bic 
©rroägung,  ba§  ber  33em)altungöbcl)örbc,  meldte  über  ben  SIntrag  auf  @nt* 
lajfung  iu  entfd^eibcn  f|at,  ein  9?cd^t,  bic  Slngcmcffcn^eit  bcö  Slntrogcö  oom 
©tanbpunfte  beö  Sntcreffcö  bcö  Äinbcö  auö  ju  prüfen,  nic^t  juftc^t  (ücrgl. 
§§  13  —  18  bcö  SR.  @ef.  über  bic  ©rroerbung  unb  ben  SBcrluft  ber 
Sunbcö^  unb  ©taatöangcl^örigfcit  v.  1.  3unl  1870),  red^tfertigt  eö,  Dorju* 
fd^reibcn,  baß  —  cntfpred&enb  bem  §  1657  —  ju  bcm  Slntragc  bcö  3n^abcrö 
ber  cltcrlid^cn  ©eroalt  auf  Sntiaffung  bcö  Äinbcö  auö  bem  ©taatöDcrbanbc, 
b.  1^.  ju  bemicnigcn  9lftc,  auf  ®runb  beffen  bic  ©ntlajfung  nad^  ben  an^ 
gcfülirtcn  33eftimmungcn  bcö  5R.  ®ef.  t).  1.  3uni  1870  regelmäßig  crt^citt 
werben  muß,  bic  ©cncl^migung  beö  35ormunbfd^aftögcrid&tcö  erforbcrtid^  ift. 
9lur  bann  foll  cö  bicfer  ©cnel^migung  nid^t  bcbürfcn,  mcnn  ber  3n^abcr  ber 
cltcrlid^cn  ©eroalt  glcid^jeitig  beantragt,  il^n  fclbft  an&  bcm  ©taatöocrbanbc 
JU  cntlaffen,  ba  nad^  §  19  beö  gebadeten  SRcid^ögcfcfecö  bic  ©ntlaffung,  infofern 
nid)t  babei  eine  Sluönafimc  gemad^t  roirb,  fraft  bcö  ©cfcfecö  fid^  iuglcid^  auf 
bic  nod^  unter  oätcrlid^cr  ©eroalt  ftcf^cnbcn  minberiäfirigcn  Äinbcr  crftrcdft. 
©in  93cbenfcn  gegen  bic  Sltifnal^mc  ber  SBorfd^rift  bcö  §  1507  in  boö  bürgere 


(5Iternd6e  @ett>alt.    ©orge  für  bie  f  erfon  bcS  J«nbee.    §  1508.  757 

lid^c  Ocfcftbud^  fann  a\x6)  barauö  mä)t  entnommen  werben,  bafe  eö  fid^  l^ier 
um  ein  publliiftifc^eö  aSertiättniß  l^anbelt  unb  eö  beßfialb  an  ftd^  ©ad^e  beö 
öffcntUd^en  SRccfited  fein  mürbe,  bie  SSorauöfefeungen  bes  3lntroged  auf  ®nU 
laffung  im  ©injelnen  nä^cr  ju  refletn.  2)a  baö  9t.  ®ef.  o.  1.  3uni  1870 
bariiber  fc^meigt,  wie  bie  in  bem  Slntrage  auf  ©ntlaffung  enthaltene  SGBiUenö^ 
crHärung,  um  red^töroirffam  ju  fein,  befd^affen  fein  mufe  unb  inroiemeit  bie* 
fclbe  inöbcfonbere  t)on  einem  gefefclid^en  JBertreter  beö  ju  ©ntlaffenben  mirffam 
abgegeben  werben  fann,  fo  tritt  infomeit  baö  bürgerli^e  ditäji  ergfinjenb  ein. 
eine  anbere  grage  ift,  ob  eine  ©ntlaffung,  meldte  ertfiei(t  morben  ift,  obmol&l 
ju  bem  2lntrage  beö  ^nl^abtrö  ber  elterlid^en  Oemalt  bie  ©enel^mtgung  beö 
SBormunbfd^aftögeric^tcö  nid^t  ert^eilt,  ber  2lntrag  ba^er  nid^tig  mor  (t)ergl. 
§§  1514,  1681  3lbf.  2),  bennod^  ben  SScrluft  ber  ©taatßangel^örigfcit  bemirft. 
S)icfc  gragc  ift  inbeffen  ^ier  nid&t  ju  cntf(^eiben,  fonbem  auf  ®runb  ber 
»eftimmungen  beö  5H.  ®ef.  x>.  1.  3uni  1870  (oergl.  §  13  5«r.  1,  §§  14, 18  baf.) 
ju  beantworten. 

SÄnbere  SäHe,  in  meldten  ju  einem  bie  5ßerfon  beö  Äinbeö  betreffenben 
SHcd^töaftc  bie  ©enel^migung  beö  SBormunbfd^aftögcrid^teö  erforberlid^  ift,  fmb 
in  ben  §§  67,  1589,  1600,  1613,  1629  9lbf.  5,  §  1630  beftimmt. 

SBcgen  ber  ®rünbe,  auö  meldten  ber  ©ntmurf  baoon  9Ibftanb  gc* 
nommen  ^at,  in  ben  gaüen,  in  meldten  bie  ©ene^migung  beö  SBormunbfd^aftö* 
gcric^teö  ju  einem  9led&töafte  erforberüd^  ift,  bem  SBormunbf^aftögerid^tc 
wegen  ©rt^eitung  ber  ®cnef|migung  gewijfe  Direftioen  an  bie  ^anb  ju  geben, 
Dergl.  bie  SBotioe  ju  §  1674. 

§  1508. 

S)er  Sled^töjuftanb  in  ©eutfc^Ianb  in  betreff  ber  retigiofen  erjiel^ung  ÄeiifliUie 
ber  Rinber  ift  ein  aufeerorbentlid^  bunter.  Die  Sanbcögefefce  befolgen  in  biefer  ^'^*^""8- 
Sejic^ung  bie  abwei^enbftcn  ©runbfäfee.  2^^eifö  ftellen  pc  fcfte,  fowo^l  ben 
SBater  alö  bie  SKutter  abfolut  binbenbc  S^lormen  auf,  tl^eifö  geben  fie  bem 
SBater  ein  meljr  ober  weniger  auögebe^nteö  33eftimmungöred)t,  t^eilö  erflären 
fie  SBerträge  ber  Eltern  über  bie  religiöfe  ®rjie{)ung  für  juläffig  unb  gcftatten 
eine  9lbweid^ung  oon  ber  gefefelid^cn  Siegel  nur  burd^  einen  fold^en  Sßertrag. 
3lad)  bem  2^obe  beö  SBaterö  ift  regelmäßig  bie  SWutter  audj  nad)  fold)en 
Steinten,  weld^e  prinjipiell  junäd^ft  bem  (Srjieliungöbered&tigten  bie  ®ntfd&eibung 
überlaffen,  nid^t  bered^tigt,  traft  beö  il(|r  juftelienben  ©rjiebungörcd^tcö  eine 
2lenberung  in  ber  religiofen  ©rjiei^ung  eintreten  ju  laffen.  SBielfad^  leiben  aber 
bie  tanbeögefe|tid^en  S3eftimmungen  an  Unflar^eit  unb  Unoollftänbigfeit,  an 
UnDoDftänbigteit  infofern,  alö  fxe  gröfetentlieilö  nur  bie  religiöfe  ®rjiel)ung  ber 
Äinber  au^  !onfeffionell  gemifd^ten  ®^en  regeln  unb  felbft  innerljalb  biefer 
SBegrenjung  jum  j^tieil  nur  ben  gall  inö  9tuge  faf)en,  wenn  bie  G^cgatten 
beftimmten,  in  bem  ©cfeße  nät)cr  bejeid^netcn  Äonfcffionen  angefioren^).    §in* 

1)  Scrfll.  preug.  2L  ?.  8?.  H,  2  §§  76—83  in  SSerbinbunfl  mit  bct  Seffaration 
ü.  21.  aiotjembcr  1803  unb  ber  5tab.  D.  ü.  17.  9Iuouft  1825;  franff.  ®cf.  t).  5.  Sep- 
tember 1811,  beftattgt  burd6  ®cf.  \>,  30.  ©csemfcr  1819;  banncu.  SSerorbn.  U.  31.  SuU 


758  eiterii^e  ®emlt.    Sorge  für  bic  3>erfoit  beS  Äinbc§.    §  1509. 

gefefien  auf  biefc  93crfc^iebcnl^cit  unb  Sürfcnl^Qftigfcit  beö  bcftcl}cnbcn  Sied^teö 
unb  l^ingefelden  auf  bic  Ucbclftänbe,  rocld^c  fid^  in  bcnjcnigen  Sled^tßgebietcn, 
in  weld^en  cö,  wie  in  einem  S^^cilc  beö  gemeinred^tlid^cn  unb  beö  franjöfifd^^ 
vcd^tlid^en  ©cbicteö,  an  befonberen  33eftimmungen  über  bie  rcligiöfc  ©riiel^ung 
bcr  ftinbcr  überhaupt  fcf|lt,  barauö  ergeben  fönncn,  bafe  beim  ©cbweigen  beö 
©cfcfeeö  ber  SBille  beö  icitigcn  ©rjie^ungöbcrec^tigten  über  bie  grage  bcr 
religiöfcn  ©rjic^ung  ber  Äinbcr  cntf^cibct,  bic  ©ntfc^eibung  baljcr  möglid^er^ 
weife  toecbfclt,  laffen  fid^  erbcblicfie  Orünbc  bafür  geltcnb  mad^en,  bie  religiofc 
ßrjicbung  bcr  Äinbcr  als  einen  Sluöflufe  beö  clterlid^cn  ©rjicbungdrcd&ted, 
mit{)in,  üon  biefem  Ocfid^tepunftc  aus  bctrad^tct,  alö  einen  S3eftanbtf)eil  beö 
bürgerlid&en  9led^teö  im  bürgcrlid^cn  Oefefcbuc^e  burcb  befonberc  Seftimmungen 
cinbeitüd^  iu  regeln,  um  ben  angebeutetcn  Ucbelftänben  t^unüd^ft  entgegen* 
jutreten.  ®cgen  eine  fold^c  Siegelung  fällt  inbeffen  cntfc^cibenb  inö  ©croid^t, 
bafe  bic  lanbeögefcfelici^cn  S3eftimmungen  norroiegenb  bem  öffentUd^cn  SRec^te, 
nämlid^  bem  interfonfcffionellen  Äirc^cnftaatörcd^te,  angcl)örcn  unb  bafe  bie* 
felben  norroiegcnb  t)on  biefem  Stanbpunfte  auö  bie  religiofc  @r)iel)ung  ber 
Äinbcr  geregelt,  namentlid^  baö  Siecht  beö  erjie^ungöberec^tigten  @ltcrnt^eilcö, 
bic  religiofc  (Srjicbung  beö  Äinbcö  ju  beftimmen,  in  Dcrfd^iebcncr  SBeife  balb 
mel)r  balb  roeniger  befd^ränft  l^abcn.  3luf  ber  anbercn  Seite  ift  eö  aber  auc^ 
bcbcnflid^,  bie  in  SHebc  ftel^enbe  grage  im  ©efefcc  ganj  mit  ©tillfcbmcigcn  ju 
übcrgel^en,  weil  alöbann  S^^^if^l  barüber  b^troorgerufen  merben  fönnten,  in* 
miemcit  eine  Scfd&rönfung  beö  ©rjicbungöbcred&tigten  in  3lnfebung  ber  religiofen 
®rjiel)ung  bcr  Jtinber  burd^  bic  fianbcögefcge  juläfftg  bleibt.  S)iefcr  S^cifcl 
wirb  burd)  bic  33eftimmung  beö  §  1508  befeitigt.  3)a  biefelbc  fid)  alö  eine 
Skfd^rönfung  beö  md)  §  1504  bem  3nt|abcr  ber  eltcrlid^en  ©eroalt  iuftc^enbcu 
®rjict)ungörcd)tcö  barftellt,  fo  cmpficl^lt  eö  fid^,  biefelbc  nid^t  in  ba%  ©in^ 
f übrungögefe^  ju  ücrrocifcn,  fonbem  in  baö  bürgerliche  ©efe^bud^  aufjunel^men. 


§  1509. 
sorflc  für  bie  jijc  SBcftimmung  beö  §  1509  cntl)alt  eine  3)lobififation  beö  bem  ©ntrourfe 

''"xoljtfr'  JU  ©runbc  liegenbcn,  in  bcn  üKotiücn  ju  §  1557  näl)er  begrünbeten  ^Unnjipeö, 
bafe  bic  Sliefd)lie6ung  beö  Äinbcö  bic  Seenbigung  bcr  elterlid)cn  ©croalt  nid)t 
5ur  golgc  \)(it  (t)ergt.  aud^  §  1655).  2)icfc  TOobififation,  roclcbe  fid^  üon  bcr 
prinäipielleu  ©runblage  beö  ©ntrourfcö,  bafe  bie  ^ciratl^  beö  Äinbcö  auf  bcfjen 
®efcbäftöfäl)igfeit  o^nc  ©influfe  ift,  nidEjt  entfernt,  rechtfertigt  ftdb  burd&  bic 

1826;  furbcff.  @cf.  to.  13.  «pril  1848  §§  3,  4  Derb,  mit  ber  Scrorbn.  u.  13.  9lpril 
1853  §  4;  bolft.  ®ef.  ü.  4.  Suli  1863  §§  6-11;  fcfelcßm.  SScrf.  u.  23.  ^pril  1864 
9flr.  3;  uaff.  ßbift  ü.  29/26.  SWari  1808;  bapr.  Sbift  u.  26.  Wlai  1818  §§  12-18, 
II.  Serfaffunoöbcilaflc;  ivürttemb.  gbift  v.  5.  Dftotcr  1806  §  6;  fa4f.  @ef. 
ü.  1.  9locemBcr  1836  §§  6—20  unb  u.  20.  Suni  1870  §  20;  orofeb.  M-  ®ef. 
u.  27.  JJebriiar  1826;  ^üeimar.  ®ef.  ü.  7.  DftoSer  1823  §§  51  ff.;  inctflenb.fd)n?cr. 
aSiTorbn.  u.  25.  Sanuar  1811  9lr.  III  unb  30.  TOära  1821;  olbenb,  Scrfaffunflö- 
urfunbe  d.  22.  9flocembcr  1852  9lrt.  34;  6ab.  @ef.  D.  9.  DftoBcr  1860;  braunfd&n). 
®ef.  u.  10.  gWai  1867  §§  5-11 ;  tvalbedP.  ®c[.  u.  28.  Wari  1827;  lippe^betm.  SSercrbn. 
ü.  9.  SKäri  1854  unb  7.  Dftobcr  1857. 


e«crK*c  @tm\t    ©orße  für  ba§  SScrmögcn  be«  ÄinbeS    §  1510.       759 

grroöflunft,  ba&  in  golgc  her  SBerl^cirat^ung  ber  a;oc§tcr  in  tJ^atfäd^Iid^cr  ^m 
fxä)t  an  ©tcDc  ber  gürforge  bcr  ©Itcm  für  bic  5ßcrfon  bcr  a;od^ter  bic  bcm 
©bemanne  fraft  bed  el^clic^cn  SScrl^ältniffcö  oblicgenbe  gürforge  für  bic  5ßerfon 
bcr  ß^cfrau  tritt  imb  eine  ©inmifd^ung  dritter  in  bie  el^elic^cn  aSer^ältniffe, 
fon)eit  fol^c  nid^t  wegen  bcr  befd^räntten  ©cfd&äftöfäl^igfcit  ber  ©(jefrou  ju 
beren  ©d^ufee  notl&roenbig  erfc^cint,  tl^unlic^ft  ju  oermeiben  ift.  Sie  ©orgc  für 
bie  5ßerfon  ber  DcrJ^eirot^cteti  2^od^ter  auf  ©eiten  beö  3n^aberö  bcr  elterlichen 
Ocroalt  ouc^  inforoeit  roegfoUcn  ju  lajfcn,  ate  biefelbc  bie  gefefelic^e  SBertretung 
in  pcrfönlid^cn  Slngclegcnl^eitcn  ber  2:od^ter  umfafet  (oergl.  öfterr.  ®.  83.  §  175), 
würbe  mit  bcm  ©runbfafee,  bafe  bie  mlnberiä^rige  (g^efrou  in  bcr  (Scfd^äftö- 
fä^igfeit  befd^rftnft  bleibt,  nid^t  im  ©inflange  ftel;en  unb  cmpfiefilt  fic^ 
oud^  nid^t  mit  9iücffid&t  auf  bie  ©c^roierigfeit  einer  fc^arfen  Slbgrcnjung 
jmifd^en  ben  perfönlid^n  unb  btn  Dermögcnöred^tlidf^en  Slngelegenticitcn.  ©in 
Söebürfnife,  bie  minbcrifil^rigc  (gl^efrau  in  i^ren  pcrfönlic^cn  3lngelegenl^eitcn 
allgemein  für  gefd^äftdfä^ig  ju  ertlären,  ift  um  fo  meniger  anjuerfennen,  als 
berfelben  in  ben  roic^tigftcn  l^icr  in  SBctrad^t  fommenben  pcrfönlic^en  JBcr* 
^filtniffen  burc^  befonbere  SBeftimmungen  (§§  1254,  1263,  1265,  1267,  1271, 
1276,  1451)  bie  t)oUe  ©efd^äftöfä^igfcit  beigelegt  ift. 

SBon  felbft  ücrftcl^t  cd  fid^  übrigens,  bafe  baö  SRcd^t  unb  bie  ^^flic^t  beö    «*««jj;«r 
Sn^oberö  ber  elterlichen  ©eroalt,  bafi  SSermögen  bcr  minberiä^rigen  ß^efrau  ^*Vem 
}u  Dcrroalten,  nid^t  weiter  reid^cn  fann,  als  bie  ®^efrou  felbft,  wenn  fie  gef^äftö^  ©bemanne. 
fä^ig  märe,  jur  äJerfügung  über  i^r  SJermogen  befugt  fein  roürbe.    S)oö  bcm 
©bemanne  fraft  beö  cl^elid&en  ©üterrcd^tcö  juftc^cnbc  ditä)t,  baö  aScrmögcn  bcr 
g^efrau  ju  oerroalten  (§§  1317  ff.),  untcrfd^eibet  fid^  rocfcntlid^  von  ber  bcm 
3n^abcr  bcr  elterlid^en  ©eroalt  obliegenben  Sorge  für  baö  SBcrmögcn  ber  ücr^ 
^cirat^cten  minberiä^rigen  S^od^tcr;  benn  bcm  ©bemanne  ift  bad  33crroaltungä* 
rec^t  non  bcm  ©efefce  alö  ein  eigeneö,  norjugöroeife  ben  3ntercffen  bcr  &)t 
bienenbeö  SHeddt  ücrlicl^en,  roä^rcnb  bcm  Sn^ober  ber  eltcrlid^en  ©eroalt  boö 
SUcrroaltungöred^t  Icbigtid^  im  Sntcrcfie  beö  ftinbeö  beigelegt  ift.   ^icrauö  ergiebt 
fid^  baö  gegenfeitige  33erl^ältni6  ber  Sted^te  beö  Sn^abcrö  ber  clterlidjcn  ©eroalt 
unb  ber  Siechte  bed  ®^emanncd  mit  genügenber  Klarheit,  fo  bag  cd  einer 
befonberen  biefed  SJcrljältnife  rcgclnbcn  SSeftimmung  (ücrgl.  fäd^f.  ®.  33.  §§  1646, 
1928,  1929)  nld^t  bebarf. 

®inc  9luöbel^nung  bcr  a3orfd)rift  beö  §  1509  auf  ben  mtnbcrjäljrigcn    suenit^c 
unter  elterli^er  ©eroalt  ftcl}enbcn  (Seemann  (§  1233)  ift  nid^t  als  angcmcffen  %^^^,l' 
erad()tet,  ba  bie  SBerliältniffe  bc^üglic^  beöfclben  rocfentli^  anberö  liegen.    2)ie  ^etrat^cten 
t^atfäd^lid^e  gürforgc  für  bie  ^^Jerfon  ber  minberiäl)rigcn  ®l)cfrau  ift  natura     ®*^^"' 
gcmäfe  ©ad^c  bcs  (glicmanncö  unb  bcö^alb  erftrccft  bie  eltcrlid&c  ©croalt  fid& 
nic^t  auf  bicfe  gürforgc.    3Ran  fann  ober  nicbt  umgcfc^rt  bie  tljatfdd^lid^c 
^rforge  für  ben  minbcriätjrigcn  ©Ijcmann  bcr  ®licfrau  juroeifcn.    6ö  mufe 
boljer  ouc^  inforoeit  bei  ber  clterlidjcn  ©eroalt  bcroenben. 


§  1510. 

3)ie  bcm  §  1287  fic^  anfdilicfecnbe  »cftimmung  beö  §  1510  Safe  1  ^^^'f^^^^ 
bcrubt  auf  äl)ulid)cu  ©rrofigungen,  roie  bic  Seftimmung  beö  §  1287,  unb  »erwaituna. 


760       Slterltdöc  ®eu>alt.    (Sorge  füc  baö  Sermögen  bc«  Äinbcö.     §  1510. 

«usfd^nc^ung  fann  bcsl^alb  im  Slllgcmcincn  auf  bic  aKotioc  ju  §  128  7  oben  ©.  168  ff.  Sejug 
nun%*r"tter  Ö^^ommcn  rocrbcii.  3w>if^<^»^  ^cn  bcibcn  Seftimmungcn  bcftcl)t  allcrbingö  in* 
foTOeit  ein  Unterfd)ieb,  olö  bic  im  §  1287  jugelaRcnc  Slnorbnung  in  bie  üer* 
mögenörcd^tlid^e  ©teüung  beö  Seemannes  gegenüber  ber  ©l&cfrau  eingreift  unb 
beöl)Qlb  einen  rein  t)ermogenöred)t[id)cn  Äorafter  f)at,  lüä^renb  bie  33cftimmung 
bcö  §  1510  einem  Stritten  geftattet,  in  bic  bcm  offentlid^en  JRed^tc  angc^orenben 
SBcftimmungcn  über  bic  t)ormunbfd)aftfici^c  SBerroottung  bcö  3ni^öbcr8  ber 
elterlichen  Oeroalt  befd^rän!enb  cinjugreifcn.  ®ic  SRürffic^t  auf  boö  Sntereffc 
bcö  Jlinbcö  forbert  icbod(|,  hm  l^ier  froglid^cn  Slnorbnungen  eincö  3)ritten 
reci^tUd^c  aBirffam!cit  bcijulcgen,  jumol  aud)  baö  bcftcl^cnbc  SRcci^t  bie  SBirtfam* 
feit  bcrfclben  anerfcnnt  (pcrgl.  Nov.  117  c.  1;  ©euffert  III,  343,  XII,  43; 
preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §  160,  II,  18  §  37  uerb.  mit  ber  preufe.  SSorm.  D.  o. 
5.  3uli  1875  §  87  unb  ba ju  Urt^.  b.  9t.  ®.  bei  ©ruc^ot  XXIX  ©.  929  ff. ; 
öftcrr.  0.  93.  §  149 ;  code  civü  arg.  3lrt.  387  —  bic  Sutäffigfcit  ber  ©nt* 
jic^ung  ber  aScrmögcnöoerrooItung  ift  bcftrittcn  — ;  föd^f.  ®.  93.  §  1811 ;  mcimar. 
®ef.  V.  27.  anärj  1827  §  7 ;  \)c%  (Sntn).  III  Slrt.  25).  Srocifel^aft  fann  cö 
freiließ  fein,  ob  nid^t  bic  93cftimmung  beö  §  1738  Dcrb.  mit  §  1503  3lbf.  1  unb 
§  1650  bcm  93ebürfniffe  genügen  mürbe.  3»  baö  Süormunbfc^aftöred(|t  (tjcrgt. 
SWotioc  ju  §  1738)  ^at  ber  ©ntmurf  eine  bcm  §  1510  entfprcd^enbc  SJorfd^rift 
im  §inblidfe  auf  bic  SBorfdjriften  ber  §§  1738,  1650  nici^t  aufgenommen, 
baoon  auögcl^enb,  bafe  cö  in  ben  gällcn  ber  ^icr  fraglld^en  2trt  regelmäßig 
mcl^r  im  3ntereffe  bcö  SHünbclö  liegt  unb  aud^  ber  Sntention  bcö  ©ritten  mebr 
entfpredf)c,  menn  bic  gürforgepflid^t  bcö  SSormunbcö  in  Slnfc^ung  ber  ju- 
gcmenbcten  ©egcnftänbc  erft  mit  ber  93eftcUung  beö  ^flcgcrö  megfaUe,  ba  ber 
2luöfd^lu6  beö  aSormunbeö  t)on  ber  SBcrmögcnöücrmaltung  fc^on  cor  biefem 
geitpunfte  unter  Umftänben  mit  großen  Sßad^t^cilen  ocrbunbcn  fein  fonne. 
Snbeffen  ift  bic  ©ad^lagc  bei  ber  cltcrlid^cn  ©eroalt  unb  ber  JBormunbfc^oft 
in  ber  ^icr  fraglid^cn  93ejiel^ung  nid^t  burd^roeg  bic  glcid^e.  ®ie  gäHc,  in 
roeld^en  ein  ^Dritter  bcm  Sn^aber  ber  cltcrlid^en  ©eroalt  mißtrout  unb  bcö^alb 
ein  Sntcrcffc  baran  l^at,  ben  Icgtcren  t)on  oornl^erein  in  9lnfcl^ung  bcö  ju- 
geroenbeten  93ermögcnö  oon  ber  aScrroattung  gänjlid^  auöjufd)lie6en,  fmb 
häufiger.  Slnbcrcrfeitö  fommt  in  93ctrad)t,  baß  ber,  rocnnglcid^  oon  ber  93er* 
roaltung  auögef^lof[ene,  ©Iterntl^cil,  t)on  bcm  3ntercffe  feineö  Sinbeö  geleitet, 
fid)  roeit  c^cr  baju  oerftcl^cn  roirb,  rocnn  ®cfal;r  im  93eriugc  ift,  alö  ©cf^äftö- 
fü^rer  o^ne  Sluftrag  ber  93crroaltung  beö  bctreffenben  aSermögenö  fid^  Ju 
untcriiel^cn,  alö  ber  bcm  SHünbel  ferner  fte^cnbc  93ormunb.  S)icfe  ©rroägungcn 
rechtfertigen  bic  3Iufna^mc  bcö  §  1510,  tro^bem  in  baö  93ormunbfd^aftöred)t  eine 
glcid^c  93eftimmung  nid^t  aufgenommen  ift.  ®urc^  bic  95orfd^rift  beö  §  1738 
9lbf.  2  ift  jubem  93orforgc  getroffen,  baß,  rocnn  ber  ^all  beö  §  1510  eintritt, 
baö  SSormunbfd^aftögcrid^t  unocrjüglid^  Äenntniß  baoon  erlangt,  um  bic  nadd 
§  1738  3lbf.  1  notljrocnbig  roerbenbe  5ßfIegfdE)aft  in  3tnfc^ung  bcö  nad&  §  1510 
jugeroenbcten  SSermögenö  fofort  einleiten  ju  fönnen. 

3m  ©egcnfaßc  ju  ben  im  §  1660  (ocrgl.  §  1503  3lbf.  1)  bejcid^nctcn 
Slnorbnungen  eineö  ©ritten  über  bic  9Scrroaltung  ber  jugeroenbcten  SBcrmögenös 
gcgenftänbe  geftattet  ber  ©ntrourf  bcm  Sßormunbfc^aftögerid^tc  von  einer  Sin* 
orbnung  ber  im  §  1510  beftimmten  9lrt  feine  Slbrocid^ung.    3)a  bie  in  gotgc 


eitcrlid&e  @etü(dt    ©orgc  für  ba8  aScrmöflcn  beö  JHnbeö.    §  1510.       761 

einer  fotd^cn  Sttnorbnung  notJ^toenbig  rocrbenbe  ^ßffegfc^oft  bic  Sßatur  einer, 
roennglcid^  befonberen,  SBormunbf^aft  l^at  unb  im  SBefentlici^en  ben  für  bie 
SBormnnbfd^oft  gegebenen  Seftimmungen  nnterliegt,  fo  oermag  eine  3lnorbnung 
ber  ^icr  froglid^en  9lrt  baö  Sntereffe  beö  Rinbed  nid^t  jn  gcfäfirben.  Um- 
geklärt  mufe  c«  oielmel^r  oom  ©tanbpun!te  bcö  Sntcreffed  beö  Äinbcö  ouö  be* 
bcnflid^  erfd^einen,  bie  SBirfung  ber  l^ier  fraglid^en  Slnorbnung  eineö  ©ritten 
biird&  bie  cntfprec^enbc  3lnroenbbQrfeit  beö  §  1660  9lbf.  1  ©q|  2  abjufd^roäd&en, 
jumal  bieö  gegenüber  bem  geltenben  SRed^te  ate  eine  SfJcuemng  fidf)  barfteüen 
würbe.  3luö  biefen  (Srünben  ^at  ber  ©ntrourf  axi6)  für  boö  SSormunbfd^aftö* 
rcc^t  boüon  9lbflanb  genommen,  auf  bie  im  §  1738  2Ibf.  1  ©ag  2  bejeid^neten 
SInorbnungen  bic  SBorfdf)rift  beö  §  1660  Slbf.  1  ©afe  2  für  entfpred^enb  on* 
menbbar  }U  erf(ären. 

Sßerfddiebenc  Siedete  erflären  bie  Seftimmung  beö  ©ritten,  bafe  bem  ««rtttter  ber 
SBoter  bie  SJcrroaltung  unb  ber  SRiefebrauc^  ber  bem  Äinbe  jugeroenbeten  ©egen^  ^gegJJ'üblS*" 
ftänbc  nic^t  juftelien  foUe,  inforoeit  für  unmirffam,  alö  baö  Äinb  jene  (Segen«  fJSi*J**I^ 
ftänbe  ofö  5ßPi(^ttl|eil  ermirbt.  6ö  ift  bieö  nomentlidd  ber  ©tanbpunft  beö 
foci^f.  ®.  83.  §  1812,  foroie  bef  lierrfd^enben  Sluffaffung  beö  gemeinen  SRed^teö 
(Seuffert  m,  71;  entfd^.  b.  %  @.  in  eioilf.  IX,  76;  a.  2R.  ©euffert 
III,  343)  unb  beö  franj.  Slec^teö.  ©agegen  fann  na6)  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2 
§  155,  II,  18  §  38  in  STnfe^ung  ber  bem  ftinbe  qIö  5ßflid(|tt^eil  J^interlQJienen 
Oegenftönbe  bem  SSoter  burd^  bie  Slnorbnung  beö  ©ritten  jroar  bie  Söerroaltung, 
nic^t  aber  ber  oätcrlid^e  S^iefebraud^  entjogen  werben  (oergl.  ©ntfd).  b.  SR.  ®. 
in  Cioilf.  IX,  76).  SRac^  ber  Sluffa^unja  beö  ßntmurfeö  finb  meber  bie  im 
§  1510  bejeidiineten  SInorbnungen  nodd  bie  3lnorbnung,  bafe  bem  Sn^aber  ber 
elterlid^en  ©emalt  in  Slnfel&ung  ber  jugeroenbeten  ©egenftönbe  bie  elterlid^e 
5Ru|nie§ung  nid^t  jufte^en  foUe,  alö  S^norbnungen  anjufel^en,  roeld^e  ben  S3e* 
badeten,  baö  Rinb,  belaften  ober  bef  darauf  en;  uielmel^r  l[ianbe(t  eö  fid^  um  9ln* 
orbnungen,  roeld^e  im  Sntereffe  beö  ftinbeö  eine  oon  ben  gefeglid^en  S3e* 
ftimmungcn  abroeid^enbe  Siegelung  ber  efterlid^en  ©eroalt  in  geroiffen  SRid^tungen 
bejielen.  3Inberö  liegt  bie  ©ad^e  allerbingö  bann,  romn  ber  ©ritte  bie  9tn? 
orbnung  in  ber  gorm  einer  roirMid^en  Sebingung  ober  Stuftagc  getroffen  liaben 
foUte  (oergl.  §§  1981,  1982). 

SBegen  ber  ©rünbe,  auö  roeld^en  ber  ßntrourf  für  tejtroiüige  SBerfügungen     5*^""- 
ber  f)icr  fraglirfien  Slrt  eine  bcfonbere  erleirfiterte  gorm  ber  ©rrid^tung  nid^t 
jugetaffen  \)ai,  roirb  auf  bie  ÜHotioe  jum  ©rbred^te  oerroiefen. 

SBie  bie  elterlidje  SRuJniefeung  fid^  geftaltet,  roenn  ber  3nl)aber  ber  elter^ 
lid^en  ©eroalt  nur  t)on  ber  clterüdden  SBermogenöocrroattung,  nic^t  aud^  t)on 
ber  elterlichen  SRufeniefeung  auögefd^loffcn  ift  (§  1517),  ift  in  ben  §§  1532, 
1533  n&i)tx  beftimmt. 

©ic  Seftimmung  beö  §  1510  ©afe  2,  bafe  bie  5Borfd(iriften  beö  §  1290  surrooation. 
entfprcd&enbe  9lnroenbung  finben  foUen,  berul^t,  roie  biefe,  auf  bem  ©ebanfen, 
ba§  baö  l^ier  fraglid^c  93ermögen  ben  Aarafter  eineö  SSermögenöganjen  liaben 
unb  o§ne  SRüdfic^t  auf  bie  roirt^fd^aftlid^e  gorm  beöfelben  ber  elterlid^en  SSer- 
mogenöoerroaltung  bauemb  entjogen  fein  foU. 

SSerfd^iebene  neuere  ©efefegebungen  enthalten  nod)  bie  Seftimmung,  bafe  «"«^'^"«^»«fl 
bem  3n^aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  bie  elterlid^e  SBermogenöoerroaltung  foroie   VÄUen"" 


762        Srtcrnd6c  Qktoalt    Sorge  für  baS  »crmoflen  beö  Äinbtf.    §  1511. 

bie  elterlid^e  SRufeniefeuitg  in  Slnfcl^ung  bcö  ©rbt^eUcö,  tocldjicr  bcn  ftinbem 
iufäUt,  Tocil  bcr  3n^abcr  ber  elterlid^cn  ©cmalt  für  erbunroürbig  crtlärt  \% 
nid^t  aufteilen  foUc  (ocrgl.  code  civil  STrt.  730;  fäd^f.  ®.  ».  §  1811;  tociman 
®cf.  V.  27.  aftäri  1827  §  8;  ^eff.  entro.  III  9lrt.  356).  9lad6  bcm  fäd^f. 
®.  ^.  §  1811  gilt  bod  ©leid^e  qu^  bann,  nienn  ber  SSater  rec^tmagig  enterbt 
ift.  ®a  bie  elterlid^e  SBermaltung  unb  Sßußniefeung  an  bcm  ben  Äinbern  in 
golgc  ber  @rbunn)ürbig!eitöerflärung  ober  ©uterbung  jufattenben  aScrmogcn 
nici^t  ein  SlußPufe  beö  ©rbredjteö,  fonbern  beö  elterli^en  SSer^ältnijfcö  ift,  fo 
fann  eine  Scftimmung  ber  fraglid^en  3lrt  auß  crbred^tUd^en  Orünben  nic^t 
gered)tfertigt  werben.  3lber  aud&  t)om  familienred^tli^en  ©tanbpunfte  ouö 
liegt  boß  S3ebürfni§  einer  foldf)en  Seftimmung  nid^t  vor,  bo,  foroeit  mit  SRüct 
fid^t  auf  bie  5ßerfönlic^feit  beö  Sn^aberö  ber  eltcrlid^en  ©eroalt  im  Sntcreffe 
beö  Äinbeö  ein  ©infd^reiten  beö  SBormunbfd^aftögeric^teö  erforbcrlic^  wirb,  bie 
SBorfd^riften  ber  §§  1546  ff.  auöreiddcn. 
»etrieb  eine«  ©öfe  infoTOcit,  alö  baö  Äinb  nad&  SÖtafegabe  bcö  §  67  ein  ©rroerbögefc^äft 

Qtmu%   felbftanbig  betreibt,  in  SKitfctiung  bcö  jn  biefem  Setriebe  freigegebenen  S8er* 
^"ä?  b***  wögenö  bem  3nl^aber  bcr  elterlid^en  ©cmalt  bie  SScrroaltung  nid^t  iufte^t,  braucht 
nid^t  befonberö  beftimmt  ju  roerben.    ®ö  ergiebt  fid(i  blcö  Don  felbft  barauö, 
bag  baö  5linb  inforoeit  einem  SoUiä^rigen  glcic^ftei^t. 


§  1511. 

öene^miBung  sßadj}  röm.  SRc^tc  Übt  bcr  ^auöoatcr  bie  SBcrroaltung  bcö  oibentlidjcn 

*N<^ttn«"" ' älboentijiengutcö  felbftanbig  unb  in  eigenem  3iamen  aM\  bod^  ift  er  über  bie 

fler^te«.   (gubftanj  bcö  Slbocntijicngutcö  ju  Dcrf ügcn  nid&t  bercd{)tigt ;  bie  33erfügung  ift 

öeitcnbeö   nid^tig.    9iur  bie  SSeräufeerung  leicht  Dcrbcrblid^cr  unb  unnü^cr  Sadf)en  unb 

^'**'     eine  fog.  not^iücnbige  aSeräufecrung  ift  i^m  gcftattet.    3n  biefen  Sluöna^mc^ 

fällen  ift  ju  bcr  aSeräufecrung  bie  obcroormunbfd^aftlidje  ®enel)migung  nid&t 

crforberlic^.    3u  Slnfe^ung  ber  ju  ben  9lboentijicn  gc^5renben  gorberungen 

TOirb  bem  SSatcr  nac^  äKafegabc  ber  ©runbfäße  über  ben  uneigcntlid^en  SRiefe- 

braud^  oiclfad^  baö  3led)t  ber  ©iniicl^ung  unb  ber  aSeräufecrung  beigelegt.  ®in 

3icc^t,  baö  minbcrjäl^rigc  ^auötinb  ju  oertretcn  unb  burd^  9ied(|tögcfd^äftc  ju 

ucrpflidjtcn,  ftcl^t  bcm  SSatcr  traft  feincö  aScrroaltungö^  unb  ©enufered^teö 

nic^t  JU.  Db  er  in  bcn  oben  bcicid^ncten  9luöna^mcfäUcn  einer  geftatteten  SScr? 

au^crung  im  5Ramcn  bcö  ^auöfinbeö  l^anbcln  mufe,  ift  bcftrittcn  (ocrgl. 

(Sntfdf).  b.  SR.  ®.  in  6iüilf.  X,  42,  XV,  41,  42,  XVI,  24;  Seuffert  X,  181, 

XIV,  100,  XVU,  65).    3n  9Infcl^ung  beö  bem  oätcrlid^cn  SBcrroaltungö^  unb 

®euuftrcc^tc  nid^t  untcrliegcnben  ÄinbcöoermBgenö  f)at  ber  SSater  bagegeu, 

loenu  von  \\)m  bie  oormunbfd^aftli^c  SSerroaltung  biefcö  aScrmögcnö  gcfül^rt 

mirb,  bie  ©tcüung  cineö  aSormuubcö  (ocrgl.  ßntfdfj.  b.  31.  ®.  in  ©ioilf.  XV,  41 

S.  195). 

SBic  in  ben  3notipen  ju  §§  1501,  1502  oben  ©.  722  bereitö  ^eruor* 
gcl)obcn  mürbe,  giebt  bie  l^cutige  gemeinrec^tli^e  5ßrajriö  bem  SBater  neben 
bcn  Siechten  ber  t)äterlid)cn  ®cn)alt  allgemein  aud)  bie  Siedete  cineö  natür- 
lid)en  ^ormunbeö  beö  minbcriälirigcn  $)auöfinbcö.    Sluf  bicfe  uäterlid^e  ^or* 


®Iterri(6c  ©ctoalt    ©oroe  für  baß  Scrrnößcn  bc§  Äinbcö.    §  1511.       7G3 

munbfci^Qft  pnben  jebod)  na($  einer  ©ntfd^eibung  beö  SRei^ögerici^tes  (ocrgl.  ®ritfd). 
in  ßioilf.  XV,  42)  ni(^t  bie  pofitioen  S3efd)ränfungen  ber  33ertretungstnQ(i^t  9In^ 
locnbung,  lüeld^en  nad)  bem  betreffenbcn  aSormunbfd^Qftöredjtc  ber  SSormunb 
unterliegt;  tjielmel^r  ftel^t  naä)  jener  @ntfc!^eibung  bcm  33ater  als  bem  natura 
U^cn  SBormunbc  beö  minberjä^rigen  Äinbeö  baä  9ied)t  üoUftänbiger  üermögenö- 
redS)tIic^er  Vertretung  }u,  foioeit  nid^t  aus  bem  SBefen  unb  ber  9Jatur  ber 
üormunbfd^aftlici^en  SBermaltung  unb  55ertretung,  alö  einer  SSertretung  frember 
^^Jerfonen,  in  t>ermögenörec^tlid^er  Sejie^ung  alfi  einer  SSermaltung  fremben 
SBermögcnö  in  frembem  SntereRe,  Sefc^räntungen  fic^  ergeben.  $arti!ulav== 
rec^tUd^  ift  jeboc^  ber  SSatcr  in  oerfd^iebenen  gcmeinred^tüd&en  Oebieten  bei 
33eräu§erung  ,t)on  3mmobilien  minberjäfiriger  Äinber,  in  ä^nlid^er  SBeife,  mie 
ber  5ßormunb,  an  gerid^tlid^e  ober  oberüormunbfd^aftlid^e  ®cnel;migung  ge^ 
bunben,  fo  inöbefonbere  in  ,§annoücr  (SSerorbn.  ü.  4.  September  1867  t)erb. 
mit  bem  preu§.  Sluöf.  ®ef.  jum  ®.  3i.  ®.  o.  24.  Slpril  1878  §  26  9?r.  2), 
in  Äur^effen  unb  SRaflau  (oergl.  ©euffert  III,  334,  XIII,  241,  XVII,  258  a.  ©.) 
unb  in  SBürttemberg. 

^ad)  bcm  preufe.  91.  S.  5R.  II,  2  §§  168—174  ift  bie  bem  aSater  in  9lm 
fe()ung  beö  nid^t  freien  ftinbedoermogens  äuftet)cnbc  SBerroaltung  auöbrüdUd) 
nur  in  2[nfcl)ung  fold^cr  Kapitalien,  meldte  ben  Äinbern  jur  befonberen 
©id^crl^eit  üerfd)rieben  pub,  unb  in  ^Betreff  ber  a^eräufeerung,  SSerpfänbung 
imb  bauembcn  93eloftung  von  ®runbftüden  unb  ®ered&tig!eiten  befc^ränft. 
Sie  ^eftimmung  beö  §  170,  bafe  ber  Sßater,  folange  bie  Äinber  minbcrjä^rig 
ftnb,  audji  bei  anbercn  SSermögenöftüdfcn  iu  ©ubftanjücränberungen,  meiere 
ein  SJiefebr andrer  nid^t  o^ne  bie  ©inroiüigung  bes  @igentl)ümerg  tjornel^men 
fonn,  ber  ©inroittigung  beö  SBormunbfd^aftögerid&teö  beborf,  ift  auf  baö  SSer? 
trctungöred^t  beö  SSaterö  gegenüber  Stritten  nidf|t  ju  bejiefien  (oergl.  Urtt).  b. 
SR.  ®.  bei  ®ru^ot  XXIX  ©.  927  ff.).  3n  ^Infel^ung  beö  freien  Äinbcö* 
Dermbgcnö  l^at  ber  SSater,  folange  ba^  Äinb  minberjä^rig  ift,  bie  Stellung  eineö 
ajormunbeö  (II,  2  §  159,  II,  18  §§  984  ff.);  eö  ift  jebod)  beftritten,  ob  nid)t 
biefeö  bem  SBater  jufte^enbe  SHedit  ber  üormunbfd^aftlid^en  SBerraaltung  in  ^rcufeen 
burc^  bie  preufe.  33orm.  D.  t).  5.  3uli  1875  §  102  alö  befeitigt  anjufel^en  unb 
beö^alb  bem  Äinbc  in  9lnfet)ung  beö  freien  SBermögenö  immer  ein  5ßftegcr 
iu  beftcllen  ift  (oergl.  bagegcn  3al^rb.  ber  Gntfd).  b.  Äommerger.  VI,  29). 
3la^  ber  preufe.  SJorm.  D.  ift  ber  3?ater  alö  gefefelic^er  SSormunb  feineö  burd) 
85erl)eirat^ung,  burd;  getrennte  §auöl^altung  ober  burd^  ®ntlaffung  auö  ber 
oäterlid^cn  ©eroalt  getretenen  minberjäl^rigcn  ilinbeö  in  ben  gällen  beö  §  42 
ber  SJorm.  D.,  inöbefonbere  bei  ber  Sßeräu^erung  ober  SSelaftung  unbemegtid&er 
©ad^en,  bei  geroiRen  SRiett)-  unb  ^45ad)tt)erträgen  über  unbeioeglid^c  Sad^en, 
bei  ber  aSeränbcrung  ober  Sluflöfung,  foroie  ber  3Jeubegrünbung  ober  Ueber? 
nol^me  eineö  ©rmerbögefd&äftcö,  bei  ber  ®ingel^ung  med^felmägiger  SBerbinblid^^ 
feiten,  ber  ©rt^eilung  einer  ^rofura,  ber  3lufna^mc  oon  S)arlet)en  unb  ber 
Uebcrnafime  frember  a3crbinblid^feiten,  wie  jeber  anbere  SBormunb  an  bie  ®e* 
nelimigung  beö  Sßormunbfd)aftögeri4lteö  gebunben;  bagegcn  ift  in  benjenigen 
gälten,  in  mel($en  cö  fonft  ber  @enel)migung  beö  ®egenüormunbeö  bebarf 
(§  41),  bie  SBertretungömad)t  beö  SSaterö  alö  gefefelidjcn  SSormunbeö  nid)t 
befd)ränft  (§  20  9lbf.  4).    Scrfclbc  ift  baljcr  uamentlidj  über  äBertf)papiere, 


764       ertcrri(i&e  ®tmlt    Sorge  für  ba0  SBcrmSgen  beö  Äinbe«.    §  1511. 

Kapitalien  unb  bie  für  eine  gorbcrung  beftetttc  Sici^cri^cit  frei  ju  Derfügcn 
bcrcd^tigt. 

3nroicrocit  nad)  franj.  SRc^te  n)ä()renb  bcö  SBeftc^enö  bcr  6l^e  auf  bie 
bem  aSatcr  fraft  feiner  eltcrlid^cn  (Seroalt  juftel^cnbc  33erroaltung  bcö  Äinbcö- 
oermögenö  (code  civil  3lvt.  389)  biejenigen  SBcfd^ränfungcn  änroenbung  finbcn, 
roeldicn  ein  SBormiinb  unb  nad^  Sluflöfung  bcr  e^e  burd^  bcn  S^ob  bcr  ß^c* 
frau  auci^  ber  SJater  als  gefefelici^cr  SBormunb  fcincö  ftinbcö  unterliegt  (code 
civü  9trt.  390),  inöbefonberc  bie  SSorfc^riftcn  bcö  code  civil  3(rt.  457  (tjcrgt. 
baju  (Sntfc!^.  b.  91.  ®.  in  6ioiIf.  XI,  81),  rocld^e  bcn  aSormunb  bei  ber  Stuf* 
nal)me  eineö  S)arfel|enö,  bcm  üBerfaufc  oon  ©runbftürfcn  unb  ber  33claftung 
von  ©runbftücfen  mit  ^Qpot^eten  an  obcroormunbfd^aftlici^e  (Genehmigung 
binben,  ift  beftritten. 

9?ad(l  bem  fäd)f.  ®.  33.  §  1818  ift  ber  Sßater  bercd)tigt,  bcroeglidje  ©ad&en 
ber  minberjä^rigen  Äinber  ju  pcräufeern.  ©agcgen  fann  er  unberoeglid^c 
©ad^en,  rocnn  bie  Äinber  minberifil^rig  finb,  nur  mit  ©enc^migung  beö  SSor* 
munbfd&aftögerid^teö  t)erau§ern.  S)aöfclbe  gilt  oon  Äoftbar!citen,  ®oIb*  unb 
©ilbergeröt^cn,  ©efammtfad^cn,  öffentUd^en  Ärebitpapicren  unb  9lfticn.  3m 
Uebrigen  f^at  er  baö  SRcd&t,  feine  minbcrjä^rigcn  Äinber  auc^  in  9lnfel^ung 
i^rcö  SBcrmogcnö  ju  vertreten  (§  1821).  3)aö  roeimar.  ©ef.  o.  27.  SRära  1872 
§§  4,  5  mad^t  von  ber  Siegel,  bafe  bcr  3n^aber  ber  ctterüd^en  ©eroalt  baö 
Rinb  }u  tjcrtreten  unb  inöbefonbere  bie  ju  bem  38crmogen  beö  fiinbcö 
gel)orenben  ©egcnftänbe  frei  ju  ocraufeern  befugt  ift,  eine  2luönal^mc  in  21^ 
fel^ung  ber  SSeräufeerung  unbcroeglid^er  ©ac^en  unb  bcr  biefen  gleid^ftc^cnbcn 
®ered)tfame,  foroie  in  9lnfe^ung  ber  3lufna^me  von  2)arle^en.  3^  biefen 
9led^tögefd&äften  ift  bie  ©ene^migung  beö  SBormunbfd^aftögeridjiteö  erforberlid^. 
stttnbpunft  5Dcr  ©ntrourf  l[iat  burd^  bie  im  8Befentli(^cn  ben  SBorfd^riften  beö  SBor« 

^'**"f;;j"'^*^  munbfdjaftörcc^tcö  (§§  1674,  1676)  fid(|  anfc^Uefecnbcn  »cftimmungen  bcö 
«agemeinen;  §  1511  bic  ^a\)l  bcricuigcn  ^äDc,  iu  vDclä)cn  bie  SBertrctungömad&t  beö  3n* 
fiaberö  ber  elterlid^cn  ©eroalt  in  2Infe^ung  foli^cr  9le^tögcfd(|äfte,  roelc^e  auf 
baö  ber  eltcrüd^en  SScrroaltung  untcriiegenbe  SBermögen  beö  Äinbeö  fid^i  bejie^cn, 
baburdö  eingcfd&ränft  wirb,  bafe  ju  ben  fonftigen  allgemeinen  ©rforbcrniffen 
ber  SBirffamfeit  bcö  betreffenben  9led(|tögefd^äftcö  afö  rocitercö  ©rforbernife  bic 
©encfimigung  bcö  aSormunbfd^aftögerid^teö  l^injutrcten  foU,  gegenüber  bem 
geltenbcn  SRcd^te  nid^t  unerljcblid^  uerme^rt  (ücrgl.  aufecrbcm  §  1341  3lbf.  2, 
§  1431    3lbf.  2,    §§  1957,    1960,   2020,   2024,   2043,   2044,   2094).     2){efe 

rocitcrge^enbe  Scfc^ränfung  ber  SBertretungömadjt  beö  3n^aberö  bcr  clterlid^en 
©eroalt  rcd&tfertigt  fid^  t^eilö  burd^  ben  oormunbfd^aftlid^en  Äarafter,  rocld^cn 
bie  eltertid^e  ©croalt  nac^  bcm  ©ntrourfe  ^at,  tl)cilö  burd^  bie  SHüctild^t  auf  bie 
Si^cr^eit  bcö  Äinbcö,  ba  nad;  bcm  ©ntrourfc  bcr  3nl)abcr  bcr  clterlid^en  ©croalt 
JU  einer  ©id^cr^eitöleiftung  regelmäßig  nid^t  oerpPid&tet  ift  unb  bem  fiinbe 
aud^  ein  gcfcfelic^cr  ;i:itcl  auf  ScftcUung  einer  ^i)potl)c!  nic^t  juftc^t  (ocrgl. 
S.  744  ff.).  Sluf  ber  anbercn  ©eite  ift  aber  ber  ©ntrourf  in  bcr  Scfc^ränfung  bcr 
5ßertrctungöma^t  bcö  3nl)abcrö  bcr  cltcrlid^cn  ©croalt  nid&t  fo  rocit  gegangen, 
bafe  er  bcn  le^tcren  in  bicfcr  93cjiel^ung  bem  SSormunbc  ganj  glcid^ftellt.  ä^roft 
bcr  93cftimmimgcn  beö  §  1511  ift  bie  ©tcHung  bcö  3tt^ttbcrö  bcr  elterlichen 
©croalt,   fooicl  feine   SBcrtrctungömad^t  betrifft,   nad^   bem   ©ntrourfe   eine 


eitcrll^c  Oetuatt.    ©ürßc  für  baö  SSermö0cn  beö  Ätnbcö.    §  1511.        765 

crl^eblid^  freiere  ald  bie  beö  SSormunbeö.  Slbgefel^eu  baüou,  bofe  bic  93c* 
ftimmungen  beß  §  1674  3Ir.  4,  5,  7,  8,  13  auf  bie  clterli^e  ©eroalt  nid^t 
übertragen  fmb  (oergf.  auci^  §  2044),  finben  aud^  bie  bzn  SBormunb  bc- 
f^ränfenbcn  SSorfd^riften  ber  §§  1669—1671,  Dorbe^altlic^  ber  im  §  1547 
beftimmten  3tuönal;me,  auf  bcn  Snl^aber  ber  ettcrlid^en  ©eroolt  feine  2ln=^ 
wenbung.  3)ur(i^  biefe  3lrt  ber  Siegelung  wirb  einerfcitö  bem  3ntereffe  beö 
Äinbeö,  anbcrcrfcitö  bem  geltenben  Siedete  unb  bem  natürlid^en  SBer^ältniffe 
jioifd^en  ben  ©Hern  unb  Äinbern  in  angemeffener  SBeife  SRed^nung  getragen. 
33a  ber  ®runb  ber  bem  3nl)aber  ber  cltcrlid^en  (Seroalt  eingeräumten  freieren 
Stellung  nid^t  in  ber  mit  ber  elterUc^en  (Bemalt  regelmögig  Derbunbenen 
elterlichen  Jlufeniefeung,  fonbern  in  bem  natürlidf)en  SSer^filtniffe  jroifd&en  ben 
eitern  unb  Rinbcrn  liegt,  fo  ift  eö  au^  nid(|t  gercdjtfertigt,  jroifd^en  bem  ber 
elterlid&en  Siufeniefeung  unterliegenben  Kinbeöpermogen  unb  bem  freien  33er* 
mögen  ju  unterfc^eiben  unb  in  älnfel^ung  beö  le^teren  bie  SSertretungömad^t 
beö  Sn^aberö  ber  elterlid&en  ©croalt  in  gleid^er  SBeife  ju  befd^ränfen,  roic  bie 
eineö  SSormunbeö.  ®inc  fold^e  ®leid)ftellung  ift  um  fo  weniger  gered^tfertigt, 
alö  in  bem  i&auptfaHe  beö  freien  Rinbeöoermogenö,  mcnn  nämlid)  ein  dritter 
bem  Äinbe  SBermogen  mit  ber  33eftimmung  jugerocnbct  l)at,  bafe  bem  SnI&aber 
ber  elterlid^en  ©eroalt  jroar  bie  SSermögenöuerroaltung  verbleiben,  aber  bie 
elterliche  ^{u^nicgung  an  bem  jugeroenbeten  äSermögen  nic^t  juftelien  foQe 
(§  1517),  ber  ©ritte  gerabe  baburc^,  bafe  er  bem  3nl|aber  ber  elterlid^en  ©e* 
roalt  bie  SBermögenöoerroaltung  nid^t  entjie^t,  ju  erfennen  giebt,  ba§  er  bem* 
felben  in  biefer  ^infid^t  üoUeö  JBertrauen  fd^enfe.  Qvibtm  finb  bie  gäHe,  in 
meieren  baö  Rinb  freieö  Sßermögen  biefer  2lrt  ^at,  feiten.  3ft  bem  3nl)aber 
ber  elterlid^en  ©eroalt  aber  jugleid&  bie  SBcrmögenöperroaltung  entjogen  unb 
beöl^alb  eine  ^ßflegfd^aft  angeorbnet  (§  1738),  fo  finben,  roie  auc^  ber  ©in* 
gang  beö  §  1511  erfennen  läfet,  in  3lnfel^ung  beö  ber  SBcrroaltung  beö  ^flegerö 
unterliegenben  SBcrmögenö  nid^t  bie  JBorfd&riften  beö  §  1511,  fonbern  beö 
§  1674  unb  bie  fonftigcn  bie  SSertretungömad^t  beö  SSormunbeö  befd^rfinfenben 
Seftimmungen  nad^  SWafegabe  ber  §§  1743  ff.  STnroenbung. 

3)ie  naivere  SBegrünbung  ber  einjelnen  Seftimmungen  beö  §  1511  ift  ^^)« 
roegcn  il;reö  Sufammen^angeö  mit  ben  beftel^enben  SBormunbfd^aftöred{)tcn  ben 
3Hoti»en  ju  bcn  entfpred&enben  Seftimmungen  ber  §§  1674, 1676  oorbel^altcn. 
$ier  ift  wegen  ber  bem  3nf|aber  ber  clterli^en  ©eroalt  im  93crgleid^e  mit  bem 
SSormunbe  eingeräumten  freieren  ©teHung  im  ßinjelnen  noc^  golgenbcö 
^eroorjul^cben. 

1.  aSie  auö  §  1503  3lbf.  1  in  SBerbinbung  mit  ben  §§  1649,  1511  ft^  ^„^^IHn- 
ergiebt,  fann  nad^  bem  ©ntrourfe  ber  3ni^aber  ber  elter lid^en  ©croalt,  Don  fe^unaber' 
S^enfungen  (§  1503  9lbf.  1  tjerb.  mit  §  1661)  abgefel^en,  über  bie  gorbcrungen,  S«*»«"*"«««- 
roeld^e  ju  bem  feiner  eltcrlid^en  SSerroaltung  unterliegenben  SBermogen  beö 
Äinbeö  gehören,  mit  Sluönal^me  ber  im  §  1511  3lbf.  1  3lx.  2  unb  im  §  1651 
9lr.  3  (oergl.  §  1503  SIbf.  1;  preufe.  91.  S.  SR.  11,  2  §  169)  bejeidjneten ,  frei 
verfügen.   @ö  gilt  bieö  inöbefonbere  auc^  Don  ben  Slnfprüd^en  auö  ig^pot^efen 
unb  ©runbfd^ulben,  foroie  üon  SBertl&papieren.    ®ine  Uebertragung  ber  aSor* 
fd[iriften  beö  §  1669  auf  bie  eltcrlid^e  ©eroalt  ift  baburd^  auögefd^loffen ,  bag 
eö  bei  ber  le^teren  an  einem  ©egenoormunbe  fe^lt.    @tatt  beffen  bie  93er* 


Ginjelnen. 


766        (älterlid&e  ®e\mlt    ©croc  für  baö  gSermoflcn  bc8  Äinbc«.    §  1511. 

öufecrung  uub  SciQftuug  oou  c^i)poll^cfen,  ©runbfc^ulbcu  unb  SBcrt^papiercn 
in  allen  gäücn  an  bic  (Scncfimigung  bcö  SBormiinbfci^aftögcric^tcö  ju  binbcn, 
lüürbc  —  ganj  Qbgcfcljcn  von  ber  baburd)  bcn  93ormunbfd&aftsgcrid)tcn 
errood^fcnbcn  großen  ©cfd^ftftölaft  bcrcn  ©rleic^terung  burd^  bic  SSorfc^rift  bcö 
§  1669  lücf entließ  mit  bejroccft  wirb  —  mit  ber  burci^  bic  natürlid^en  ajerj^ölt- 
niffc  angcjcigten  freieren  ©tcUung  bcö  3nf)abcrä  ber  elterlici^en  (Seroalt  nic^t 
Dcreinbar  nnb  aud^  üom  ©tanbpunftc  bcö  Sntcreffcö  bcö  Äinbcö  auö  bcbenflid^ 
fein,  ba  in  manchen  gällen,  um  9tad)tlicilc  oon  bcm  Jlinbc  abjurocnben,  eine 
fd)Ieunige  SBerfügung  über  ^^potlicfen,  ©runbfc^ulben  unb  aSertlipopierc 
crforberlic^  wirb,  ber  mit  ber  €inl^otung  ber  ©cncl^migung  beö  SBormunbfd&aftö* 
gcrid^teö  immer  ücrbunbenc  3<^it^^riwft  bcm  Äinbe  bal^er  unter  Umftänbcn 
jum  erheblichen  3?ad)tljcile  gercid)cn  fann.  Ste^nlid^c  ©rroägungen  fpredjcn 
auc^  bagegcn,  bic  aSorfd^riften  ber  §§  1670,  1671  auf  bic  efterfid)e  ©eroolt  ju 
übertragen.  3)aö  natflrli(i^c  Sßerl^ältnife  jroifd^en  ®(tern  unb  Äinbern  bürgt 
bafür,  bafe  ber  3n^aber  ber  eltcrlid^en  ©emalt  feine  SScrtretungömaci^t  in 
3lnfe^ung  ber  liier  fraglid}cn,  an  fid)  über  bic  (Srenjen  einer  geroöl^ntid^en 
SSermögenöDcrroaltung  nid^t  l^inauögel)enben  ®efd)äfte  nid)t  auf  Jloften  bcö 
Äinbeö  mifebraud^en  roerbe.  ^ür  bic  9luönaf)mefäne,  in  meldten  ber  3nl^aber 
ber  eltcriid&en  (Semalt  bic  in  9tnfel^ung  ber  SBermögenöoerroaltung  ober  ber 
cltcrlid^en  Sfiufeniefeung  iljm  oblicgenbcn  aSerpflid&tungen  ücrlc^t  ober  in  SBer^ 
mögcnötJcrfaU  gerätf)  unb  in  beiben  gällen  juglcid)  eine  crl)eblid^e  ®efä{|rbung 
ber  9led(|te  bcö  Sinbeö  für  bic  3wfunft  ju  beforgen  ift,  gemalert  ber  §  1547 
bic  aKögIid)!eit,  bic  SBertrctungömad&t  bcö  Sn^aberö  ber  cltcrlid^en  (Scroalt  in 
9lnfcl)ung  ber  ^x)poÜ)ttcn,  @runbfdf)ulben  unb  3Bert^papierc,  mie  ber  ju  bcm 
93ermögen  beö  Äinbeö  gc^örcnben  Hoftbarfeiten  nad&  SRafegabc  ber  §§  1670, 
1671  JU  befddränfen.  Um  fo  bebcnflid^er  ift  eö,  bcn  3n^aber  ber  eltcrfic^cu 
(Semalt  in  bcn  l)ier  fragtid)cn  SBcjic^ungen  bcm  SSormunbc  glcid^äuftellen,  atö, 
mie  bie  obige  Ueberfic^t  (®.  762  ff.)  jcigt,  au^  baö  beftc^enbc  3lcd^t  überroiegenb 
bic  3Sertretungömad^t  beö  3n^abcrö  ber  elterlid^en  ®emalt  in  9lnfe^ung  ber  ju 
bcm  aSermögen  beö  Äinbeö  geljorcnben  gorberungen,  inöbcfonberc  aud^  ber 
,^i)pot^cfen,  ©runbfd^ulben  unb  9BcrtI)papierc,  nid^t  befdirönft  unb  namentlid^ 
awd)  bie  preufe.  SSorm.  D.  v.  5.  3uli  1875  eö  nid)t  für  erforberlic^  crad)tct 
I)at,  bcn  aSater  alö  gefefelid^cn  SSormunb  feineö  Äinbeö  in  bcn  l^icr  fraglid&cn 
S3ejieljungcn  93cfd^ränfungcn  ju  untcrroerfen. 

(Sine  9luönal^mc  Don  bcm  ^rinjipe,  bafe  ber  Sn^aber  ber  eltcrlid&en  ©ematt 
in  ber  SBcrfügung  über  bic  jum  Sicrmogen  beö  ftinbeö  gctjörenbcn  gorberungen, 
cinfd^Iic^Iid)  ber  §i)potl)cfen,  ®runbfd)ulben  unb  SSBertfipapierc,  nid)t  befd^ränft 
merben  barf,  empficlilt  fid^  aud)  nid)t  für  fold(|c  gällc,  in  meieren  bcm  Rinbc 
eine  gorberung,  .§r)pot^ef  ober  CSrunbfd^ulb  auf  CSninb  eineö  Sfled&tögcfd^äftcö 
ermorben  ift,  ju  mcldicm  eö  na^  §  1511  ber  ©enc^migung  beö  aSormunb^ 
fd^aftögcrid&teö  beburfte.  3"^^^^  ^^^^^h  wenn  ba&  Icgterc  bie  ©cnefimigung  ju 
bem  SRcd^tögefd^äftc  in  ber  3Jorauöfefeung  ert^eilt  l)ai,  bafe  bie  auf  ©runb  bcö 
91cdE)tögefdf)äfteö  bem  Minbe  alö  3lequioatcnt  erroorbcnc  gorbcrung,  i&qpotl^et 
ober  ©runbfd^utb  bcm  Hinbe  crl)alten  bleibe,  in  ^olgc  ber  bcm  3nf)aber  ber 
eltcrlid^en  ©emalt  Dufte^enben  unbefd^ränften  33crtretungömac^t  icne  ©rmartung 
beö  aSormunbfd^aftögeric^tcö  getftufd^t  merben,  inbem  ber  3ni^aber  ber  elter^ 


ettcrli^e  ©ciwalt.    ©orgc  für  ba8  Sermööen  beö  Äinbcß.    §  1512.        767 

lid^en  (Scroalt  über  baö  bcm  Jlinbc  crroorbene  3(cQuit)oIcnt  jum  Jlad&t^cilc  bcö 
Rinbc«  fofort  ju  Dcrfiigcn  in  bcr  Soge  i[t.  3nbcf{cn  ift  baa  93cbürfni§  einer 
folc^en,  bcm  geltenbcn  9led)te  unbefannten  3ludna^mebeftimmung  um  fo  lücnigcr 
anjuertenncn,  ate  baö  SSormunbfd^aftögerid^t,  n)eun  cä  bem  Snljaber  ber  elter^^ 
Ud^cn  @cn)oIt  ju  mißtrauen  äScranlaHung  l^at^  bie  ®enel)migung  ju  bem 
9led^tÄflefd)äftc  nid&t  ertljeileu  wirb.  Ueberbicß  mürbe  eine  berartige  Sluß^ 
na^mcbeftimmung  im  Sntercffe  ber  ©idjierl&eit  bed  3Serfel)rcö  bebenflid)  fein, 
ba  3)rittc  nid^t  miffen  fönnen,  ob  bie  betrcffenbe  ^orbcrung,  ©runbfci^ulb  ober 
^ijpot^ct  bem  Rinbe  auf  ®runb  eines  9led^tögef(^äftcö  erworben  ift,  roeld^eö 
ber  ©ette^migung  beö  SSormunbfd^aftdgerid^tes  beburfte,  unb  bie  ©rmittelung 
biefed  Sod^oer^olteö  oft  mit  SBeittauftgleiten  Derbunben  ift. 

2.  Slbmeid^enb  uon  bem  33ormunbfd(iaftärec^te  ift  jn  ben  im  §  1674  conftige 
5lr.  4,  5,  1,  8,  13  bejcid&neten  3?eci^tögefci^äften  bei  ber  elterüdden  ©eiualt  bie  ^In^'bcrJBor" 
Oene^migung  bcö  aSormunbfd^aftdgericöteö  mi^i  üorgef^rieben.  SBenngleid^  *"""g?tf"' 
jujugeben  ifi,  ba§  namentlid^  für  bie  Uebertragung  ber  33eftimmnngen  beö 
§  1674  9lr.  4  nnb  5  fil^nlid&c  ®rünbe  geltenb  gemad^t  werben  fonnen,  roic  bie* 
icnigen,  ouf  mcld)en  jene  93eftimmungen  berufen  (ocrgf.  bie  SWotioe  ju  §  1674), 
fo  fäHt  bod^  gegen  bie  Uebertragung  bcr  l^ier  fraglid{)en  Seftimmungen  auf  bie 
clterlid^e  ©emolt  entfd^cibenb  inß  Oeroic^t,  bafe  biefelbe  bem  in  ben  meitauö 
meiftcn  Sled^tögebieten  geltenbcn  Siedete  gegenüber  ate  eine  Steuerung  ^\i^  bar* 
fteHt  unb  baö  Sebürfnife  einer  9lenberung  beö  geltenbcn  Sied^teö  in  ben  Ijicr 
fraglidden  93cjic^ungen  nid&t  l&eroorgetreten  ift,  in  ©rmangelung  eineö  bringeuben 
praltifd^cn  Sebürfniffeö  aber  man  Slnftanb  nel^mcn  mufe,  in  bie  auf  einer 
natürUd^en  ©runblagc  berul^cnbe  unb  beöl[ialb  mit  ber  äSormunbfd^aft  nid^t 
o^ne  SBcitereö  glcid^jufteUenbe  elterlid^e  ©eroalt  befd&ränfenb  cinjugrcifen.  Sin* 
(angenb  inöbefonbere  ben  93ertrag  über  bie  äluöeinanberfe^ung  in  Slnfel^ung 
einer  6rbfd(iaft,  fo  fommt  weiter  in  93etrad[|t,  bafe  in  ber  großen  2Rel|rja{)I  ber 
gällc  nur  foId(|e  ©cgenftänbc  ju  ber  6rbfd&aft  gel)oren  werben,  über  wetd^e  ber 
3nl^ober  bcr  elterlid^en  ©ewatt  aud^  fonft  frei  ücrfügen  fann,  wäl^renb  eö  in 
3[nfel^uttg  onbcrer  ©egenftänbe  bei  ben  93eftimmungen  beö  §  1511  oerbleibt. 
gür  fold^c  i^älle,  in  meldten  ber  3nl(iaber  ber  elterlid^en  ©ewalt  felbft  SWit- 
erbe  ift,  gewährt  bcr  §  1651  9lr.  l  oerb.  mit  §  1503  Slbf.  1  beut  Äinbe  ben 
nöt^igcn  ©c^u^ 

§  1512. 

©ur^  bie  bem  ^wedfe  ber  Sßorfc^riften  beö  §  1511  unb  ber  ©adjlage  ucuriaffunÄ 
entfpred^enbe  SJorfd^rift  bcö  §  1512  foDcn  bie  fonft  leidet  möglid^en  3">cife(  ajermaSen«. 
über  ben  ©inn  unb  bie  SE^ragwcite  beö  §  69  befeitigt  werben,  wcfd^cr  bie  bort  flegenftÄitben 
bcicid^nctc  SBirfung  baoon  abi^ängig  mad^t,  bafe  bem  Äinbe  bie  oon  bcm*""  "'    "' 
fclben  jum  Snjcdfe  ber  ®rfüUung  eineö  oon  i^m  gefd^Ioffenen  SBertrageö  T)er5 
roenbeten  aScrmögenögcgcnftänbc  oon  bem   gefcfelid^cn  SBertreter  ju  fold^em 
3wedEe  ober  ju  freier  SScrfügung  redf)tögü(tig  übcrlaffcn  ftnb.    3luö  §  1512  in 
SBerbinbung  mit  §  69  ergiebt  fid^  juglcic^  inbireft  oon  felbft,  bafe  ber  3nl|abcr 
ber  eltcrlid^en  ©ewalt  fotd^e  ©egcnftänbc,  ju  beren  SJeräufeerung  bie  We* 
nel^migung  beö  SSormunbfd^aftögerid^teö  nid^t  crforberlic^  ift,  bem  jlinbe  jur 


768       Srtcrltc&c  ©ctoalt.  ©orQc  für  boö  SSermöflcn  bcö  Äinbc«.  §§  1513—1515. 

©rfüHung  bcr  ^Bcrpftid^tungen  auö  einem  Don  bcmfelbcii  gcfc^Ioffeiicn  SBcrtrogc 
ober  }u  freier  SBerfügung  überlaffen  fanu.  ®a  eine  fold^e  Ueberlajfung  fidji 
als  eine  gcnercDe  (Sinroittigung  bcö  gefefeUdden  SBcrtreter«  ju  einem  größeren 
ober  geringeren  Äreife  tünftig  von  bem  Kinbe  oorjunel^menber  SRed^tftgefd^äfte 
fara!terifirt,  fo  tonnte  bic  allgemeine  3wläfiigfeit  einer  fofc^en  UebcrfaRung 
t)on  bem  ®efid)töpun!te  aus,  bafe  bie  ©rt^eilung  einer  generellen  ©inroiUigung 
}u  9led^t3gefd)äftcn  bed  Ainbed  Don  Seiten  bed  gefe^Ud^en  Vertreters  mit  bem 
Smedfe  ber  von  bem  Oefefee  ju  SRedjitdgefci^äftcn  eines  SRinberiä^rigen  oor^ 
gefd^riebenen  ©inmilligung  (§  65  Slbf.  3)  regelmäßig  nid^t  ocrcinbar  unb  bcö- 
Ijalb  ate  unmirffom  anjufe^ien  fei^  beim  gönjlic^en  @d^roeigen  bed  @efe|ed 
in  3w)eife(  gejogen  werben.  9lud&  ouö  biefem  ©runbe  empfiehlt  fic^  bie  Sluf- 
na^me  beö  §  1512,  obrool^I  ber  birefte  3ni^ölt  beöfelbcn  oieUeid^t  fd^on  aus 
bem  Q^tdt  ber  Seftimmungen  beö  §  1511  hergeleitet  merben  fönnte. 
e'm*"  •  ®'*^^  Seftimmung,  ha%  ber  Snl^aber  ber  etterlid^cn  ®emaft  audji  in 
»ermö^rt  folc^en  gfillen,  in  meldten  er  bem  ftinbc  SBermogenSgegenftänbe  ju  freier  83er* 
bes  Ätnbe«.  ^ügnng  übertaten  fann,  bem  Äinbe  quo  beffen  ©tammoermogen  ©egenftänbc 
}u  biefem  S^edEe  o^ne  (Senel^migung  beö  93ormunbfd^aftögerid^teö  nid(|t  über« 
laffen  fofl,  ift  im  ^inblidEe  auf  bie  allgemeinen  ©runbfäfee  über  bie  SScr* 
antwortlid^feit  beö  Sn^aberö  ber  elterfid^cn  Ocroalt  (§  1503  9lbf.  1  ocrb.  mit 
§  1696)  alö  entbel^rlid^,  ani^  im  ^inblidfe  ouf  fold^e  Sötte,  in  meld&en  baö 
äSermögen  beö  Äinbeö  nur  geringfügig  ift,  alö  ni^t  angemejfen  erad&tct 

§  1513. 

«ag.  ermfit^-'  5IBegen  ber  33egrünbung  beö  §  1513  mirb  auf  bic  3Kotit)e  ju  ben  analogen 

%"  aSorfdjiriften  beö  §  1675  »ejug  genommen. 

gef<l^äften. 

§  1514. 

Q^MMun  ®^^  Seftimmung  beö  §  1514,  weld^c  ein  attgemeineö  5ßrinjip  für  aDc 

be«  sorm.  dled^tögefd^öfte  entljölt,  ju  loel^en  bie  (Genehmigung  beö  SSormunbfc^aftögeric^teö 

®cri<5te«.   crforbertid^  ift  (oergl.  §§  1507,  1511,  1341  3lbf.  2,  §  1431  3lbf.  2,  §  1547 

üerb.  mit  §  1671,   §§  1589,  1600,  1613,  1629  Slbf.  5,  §§  1630,  1957,  1960, 

2020,  2043,  2044,  2094),  red^tfertigt  [\6)  burd^  bie  3lnalogie  ber  SBorfd&riften 
bcö  §  1681.    ©ö  mirb  beöl^alb  auf  bie  aRotioe  ju  §  1681  üerroiefen. 


§  1515. 

ein?«^lril  n  ®^^  bcftci^enben  SRedöte  enthalten  eine  bem  §  1515  entfpred&enbe  SSorfd&rift 

"eTOcrw!"  jroar  oietfac^  für  bcn  aSormunb  (tjcrgl.  bie  SKotioe  }u  §  1663).  dagegen  ift 
9ef<5Äfte«.  ^^^  geltenben  SRed^te  auf  bem  ©ebiete  ber  clterlid&en  ©ematt  eine  berartigc 
aSorfrfirift  unbcfannt.  S)ie  Uebertragung  berfelbcn  auf  bie  elterliche  ©ematt 
empfiel^lt  fid^  aber  im  ^inblirfe  auf  ben  t)ormunbfd^aftlid(|cn  Äaraftcr  ber 
legteren  unb  in  ber  @rn)ägung,  ba%  bie  92eubegrünbung  eineö  @rmerbögefd(|äfteö 
gan j  außerhalb  ber  gcn)ol)nltd^en  SSermögenöoermaltung  liegt,  burd^  baö  Sntcreffe 
beö  ^inbeö  nur  in  feltenen  Ratten  geboten  fein  mirb  unb  für  baö  fiinb 


Sltcrticftc  ©ctualt.    ©orge  für  baö  SSermoflcn.    §  1515.  769 

immer  mit  einer  größeren  ©efa^r  t)erbunben  ift.   9Inberö  oer^ält  fic^  bagegcn  öortfü^runft 

bie  ©aci^e  in  5lnfe^ung  ber  Fortführung  eines  befte^enben  ©rroerbögefd^äftcö,    gnierb«. 

mag  baöfelbe  bereits  beim  93eginne  ber  elterlichen  ©eroalt  jum  SBermögcn  bcö  fl*f<^«tte8. 

Äinbeö  gehören  ober  bem  Slinbe  fpäter  buri^  ©rbfolge,  9SermädE)tniJ3   ober 

©d^enfung  jugefaUen  fein.     2)ie  gortfül^rung    eines   befte^cnben  ©rroerbö- 

gef^äftes  Hegt  ni^t  außerhalb  ber  geroöbnlid&en  SBerroattung,  t)ielmel)r  befielt 

bie  ©orge  für  bie  (grfiattung  bes  SSermögenS  l^ier  gerabe  in  ber  Fortführung 

beß  ®rroerbsgefd&äftes.     Um  fo  me^r  ^at  ber  ®ntrourf  Slnftanb  genommen, 

bie  SSorfd^rift  beä  §  1515  auf  bie  .Fortführung  eines  ju  bem  SJermögen  beö 

Äinbes  ge^örenben  ©rrocrbsgef^äfteS  ausjube^nen,  als  bie  in  bem  StegicrungS- 

entwürfe  ber  preufe.  SBorm.  D.  enthaltene  S3eftimmung,  bafe  aud^  ju  ber  "^oxU 

fefeung  eines  bem  äWünbct  ge^orenben  ©rroerbsgefd&äftes  burc^  ben  SSormunb 

bie  Oene^migung  beS  SBormunbfd&aftSgeric^teS  erforberlid)  fein  foHe,  auf  SBer^ 

anlaffung  ber  ilommiffion  bes  |)erren^aufeS  oon  bem  Sanbtage  im  Sntereffe 

bes  SSerfe^reS  unb  ber  3nbuftrie  unb  weil  bas  Oefd^äft  nic^t  bis  jur  ©nt- 

fd&eibung  bes  Sßormunbfd^aftsgerid^tes  ftillc  fteljen   fönnc,  geftrid^en   morben 

ift  (ocrgt.  preufe.  SSorm.  D.  §  42  9Jr.  9).    S)a6  aud^  bie  3lenberung  eincö 

©noerbsgcfd^äfteS  infomeit,  als  biefelbe  --  roas  eine  a;^atfrage  ift  —  alö 

Sßeubegrünbung  eines  (Srroerbsgefd^äfteS  fid^  barftcHt,  ber  (Sene^migung  beß 

SBormunbfcftaftsgerid^teS  bebarf,  tjerfte^t  fid[)  üon  fclbft.    ©arüber  fiinaus  ju 

einer  2(enberung  im  S3etriebe  beS  @rrocrbsgefd[|äftes  bie  (Genehmigung  beS  33or* 

munbfdf)aftsgerid^tes  ju  verlangen  (oergt.  preufe.  SBorm.  D.  §  42  3lx.  9),  ift 

praftifd^  nidbt  burd^fül^rbar  unb  im  ^inblicfe  auf  bie  allgemeinen  ®runbfä|c 

über  bie  S3erantroortlidf)feit  bes  Snl&aberß  ber  elterlichen  ®emalt  bei  Führung 

ber  ajermögensoerroaltung  (§  1503  3lbf.  1,  §  1696)  entbet)rlid&.     ^nforoeit 

ftimmt  ber  §  1515  mit  bem  §  1663  übercin.    3lbroeid&enb  pon  ber  SJorfc^rift  ^"JJ^[']"ö 

bes  §  1663  foH   aber  ber  3nbaber  ber  elterlid^en  ©eroalt,  t)orbcf)altlid[|  ber   eni^bs. 

33eftimmung  beS  §  1511  3lx.  9,  nad^  roelc^er  ju  einem  93ertrage  über  bieSSer?  Q«^«^«?'«^.  | 

öufeerung  eines  ju  bem  SBermogen  beß  ÄinbeS  ge^örenben  ®rroerbsgefd)äfteß 

bie  ©enei^migung  bes  SSormunbfd&aftSgerid^teS  erforbcrlid^  ift,  nic^t,  roie  ber 

SSormunb,  in  3lnfefiung  ber  9luflöfung  eines  ju  bem  SSermögcn  beS  Äinbeö 

gcliörenben  ©rroerbsgefd^äftes  an  bie  ©encl)migung  bes  SßormunbfdjiaftSgerid^tcs 

gebunben  fein.    S^av  greift  in  vielen  FöDen  bie  Sluflöfung  eines  befte^enben 

erroerbsgcff^äftes,  namentlicl),  roenn  basfelbc  ein  ererbtes  ift,  in  bie  SJer^ält^ 

niffc  bcs  ÄinbeS  tiefer  ein,  als  ber  beginn  eines  ©rroerbsgef^äftes,  jumal  bie 

Siquibation  eines  ©rroerbsgefd^öfteS  erfa^rungsmäfeig  oft  mit  großen  aSerluften 

uerbunbcn  ift.    ^nbeffen  ift  bie  Sachlage  bei  ber  elterlid&en  ©eroalt  unb  ber 

33ormunbfdöaft  in  biefer  ^infid^t  nid&t  bie  gleid^e.  5Der  3nl)aber  ber  elterlid^en 

©eroalt  bot  roegen  ber  mit  berfelben  regelmäßig  ocrbunbenen  elterlid^en  3lu%'^ 

nießung  ein  eigenes  Sntereffe  baran,  ben  tjort^eilljaftcn  betrieb  eines  ©rroerbs^ 

gefd(|äftes  für  bas  Äinb  fortiufeßen  (oergl.  §  1527).    dagegen  roirb  ein  aSor^ 

munb,  welcher  bem  3Rünbcl  jubem  meift  ferner  fte^t,  leicf)ter  geneigt  fein,  ben 

»etrieb  eines  ®rroerbsgefd{)äftes  aufjugebcn,  um  ber  mit  ber  Ueberroad^ung 

beßfelbcn  Derbunbenen  größeren  SJiü^e  unb  aSerantroortlid^feit  überl)oben  ju 

fein.   S)aju  tommt,  baß  ber  3n^abcr  ber  elterlid^en  ©eroalt  einer  regelmäßigen 

äufpd&t  beß  aSormunbfd&aftSgerid^tes  nic^t  unterliegt  unb  baljer  otinebin  e^er 


770  ertcrli^c  Sluftniefeunfl.    SorBcmcrfung.    (§§  1516—1519.) 

in  ber  Soge  ift,  baß  ©nocrbögcfc^äft  tl[|Qtfäd)ttci&  clngcl^cn  ju  [äffen.  3)ic  äuö* 
bc^inung  bcr  SSorfd^rift  bcß  §  1515  auf  bic  Sluflofung  beö  ©rrocrbögcfc^äftcö 
ift  mithin  für  bic  cltcrlid&c  ©croalt  t)on  üicl  geringerer  proftifd^er  Sebeutung, 
als  für  bie  SBomtunbfd^aft.  3n  ©rmangelung  eine«  bringenben  praftifc^en 
33ebürfniffeö  ift  ober  bie  ©inmifd^ung  beö  SSormunbfd^aftfigeric^teö  in  bie  SBer^ 
TOaltung  beö  3n^abcrö  ber  eltcrlid^en  ©eroalt  überl^aupt  unb  inöbefonberc  bei 
ber  gü^^uufl  ßitieö  ©rroerbögefd^öftcÄ  ju  üermeiben. 
Äcrafter  ber  gßie  bie  gaffung  beß  §  1515  Mar  ergiebt,  l^at  bie  SBorfcftrift  bcöfelben 

^^^^^^v  ^^^  lebiglid^  ben  Äaraftcr  einer  DrbnungöDorfd^tift.  ®er  SHangel  ber  Oene^migung 
»or?*dft'  ^^^  SSormunbfci^aftägerid^ted  ift  mithin  auf  bie  SBirffamfeit  ber  in  bem  S3e* 
triebe  beß  nid^t  gcncl^niigten  ©rrocrbögcfd^äftcft  oon  bem  Sn^aber  ber  elterlid^en 
Oeroalt  gefd^Ioffenen  SRed^tögefd^äfte  ol^ne  ®influfe.  Db  bicö  aud&  ber  ©tanb* 
punft  ber  prcufe.  SBorm.  D.  ift,  crfd&eint  jroeifet^aft  (oergl.  §  42  Sir.  9  mit  §  44 
baf.).  33er  gegent^eiligc  ©tanbpunft  bro^t  aber  nid&t  nur  bie  ©id^er^cit  beß 
SBerfel^reß  in  l^o^em  ©rabe  ju  gefäl^rben,  fonbem  ift  aud^  ^ingefc^en  auf  baß 
Sntereffe  beß  Äinbeß  bebenftid^,  namentlid^  rocnn  man  bie  von  bem  Sn^abcr 
ber  elterlid^en  ©croalt  im  Setriebe  eineß  fold&en  ©rroerbßgefd^äfteß  oors 
genommenen  SSeräufeerungßgefd^äfte  inß  9luge  faßt  unb  berüdffid^tigt,  ba§  bie 
^ier  fragUdf)cn  SRed^tßgefd^äfte  aud^  t)ortl|eill^aft  für  baß  Äinb  fein  fonnen. 
3)iefe  33ebenfen  treten  namentlid^  bann  l&crt)or,  roenn  baß  ©rroerbßgefd^äft 
üielleid^t  fdf)on  längere  3cit  l^inburd^  betrieben  ift  unb  erft  je^t  ber  ÜJlangel  ber 
©ene^migung  beß  SBormunbfd^aftßgerid^teß  jur  ©pradiie  fommt.  S^rofe  beß 
Äara!terß  ber  SBorfd^rift  beß  §  1515  alß  einer  Drbnungßoorfdjirift  l^at  biefelbe 
infofern  immer  nod^  pra!tifd(ien  SBert^,  alß  bie  Uebertretung  berfelben  bie 
S8erantroortlid^!eit  beß  Sn^aberß  ber  elterlid^en  ©eroalt  gegenüber  bem  Äinbe 
begrünbet  (§  1503  Slbf.  1,  §  1696)  unb  bem  5Bormunbfd(iaftßgeri(^tc  bic 
S3efugni§  jum  ©infc^rciten  nad^  SWafegabc  ber  §§  1547  ff.  geroä^rt.  gemer 
l^at  bcr  aKongcl  ber  ©cncl^mlgung  beß  SBormunbfd^aftßgeri^tcß  nadji  §  1527 
2[bf.  2  bie  roeitere  golge,  bafe  in  einem  fold(|en  galle  bie  bcfonberen  Seftim^ 
mungen  beß  §  1527  3lbf.  1  über  bie  elterlid^e  SRufeniefeung  an  einem  ju  bem 
SSennögen  beß  Äinbcß  gel)örcnben  ®rroerbßgef(^äfte  feine  3lnroenbung  finben. 
älß  eine  angemeffene  ©rgänjung  bcr  Drbnungßoorfc^rift  bcß  §  1515  erfd^eint 
aufeerbem  bie  Scftimmung  beß  §  1511  SRr.  9,  meldte  bie  rec^tlid^e  SSBirffamfeit 
ber  bort  bcjeif^nctcn,  auf  bie  Segrünbung  eineß  ©rroerbßgefd&öfteß  abiielenben 
5led&tßgcf(^äfte  von  ber  ©enel^migung  beß  9Sormunbfd^aftßgerid(|tcß  ah 
gängig  mad^t. 


3.   ßltcrlic^c  Jlugniclung. 

§§  1516-1519. 
x)er  elter.  ^n  bcu  ÜKotiocu  JU  §§  1501,  1502  ftub  bcrcitß  bic  ©rünbc  bargelcgt, 

^'mlT  ^"^  melden  ber  ©ntrourf  bie  Unterfd^eibungen  bcß  vorn.  SRcc^tcß  jroifd&cn 
unteriiegeiu  pecullum  castrense  unb  quasi  castrense,  adventicium  reguläre  unb  irreguläre 
»ermbgen!  aufgcgcbcn  l^ut  uub  im  3lnfc^luffe  an  bic  neueren  ©efefegebungen  nur  jroifd^cn 
fold&em  aScrmogen  beß  Älnbeß,  rocld^eß  ber  elterlid^en  SRufeniefeung  unterliegt. 


erterlid&c  9tu^nic§un0.    Sorbemccfuitö.    (§§1516—1519.)  771 

unb  STOifc^cn  freiem  SSermögcn  bcö  Rinbeö,  b.  1^.  folci^em  SBermögcn  besfelben 
unterfd^eibet,  toeld^efi,  aud^  menn  bcm  S^l^aber  ber  elterlid^en  Oeroalt  bie 
elterliche  aScrroaltung  juftc^t,  von  bcr  elterlid^en  ^lufeniefeung  auögefd^f offen 
ifl  (oergl.  oben  ©.  729). 

3laä)  §  1502  3lv.  2  ftnb  regelmäßig  qUc  ju  bem  aSermogcn  bes  £inbe«  §«o«  ^«« 
ge^örenben  Oegenftänbe  ber  elterlichen  Slugnießung  unterworfen  (Dcrgl.  preufe.  «crmTJln«. 
ä.  Ä.  91.  II,  2  §§  156,  157  unb  baju  entfd&.  b.  SR.  ©.  bei  ©rud^ot  XXIX 
©.  927  ff.).  S)aö  freie  Sßermögen  beö  Äinbeö  bilbet  bie  3ludna^mc,  unb  ^ot 
bed^alb  berjienige,  meld^er  ftd^  auf  eine  fold^e  äludnal^me  beruft,  biefelbe  nad^ 
oUgemeinen  ©runbfäften  (§  194)  ju  beroeifen  (uergt.  ßntfc^.  b.  SR.  D.  §.  ®. 
vn,  3  ©.  26).  S)ie  9luöna()men  pnb  in  ben  §§  1516—1519  auöfd^liefelidji 
beftimmt.  3>idbefonbere  gel^t  ber  @ntmurf  baoon  a\i^,  bog  oud^  folc^e  SRed^te, 
an  meldten,  meil  biefelben  fraft  pofitiüer  Seftimmung  nidjit  übertragbar  finb, 
burdji  Sted^tögef^äft  ein  Sliefebraud^  nid^t  begrünbet  werben  fann  (§  1022), 

I  wie  ber  e^clid^en  9iu|niegung,  fo  auc^  ber  elterlid^en  9lugniegung  unterliegen. 

i  5Rur  inforoeit  als  bie  JRed^te  ifirem  Sn^alte  nad^  burc^  einen  3lnberen  als  ben 

Sered^tigten  nid^t  genügt  werben  f'önnen,  finb  biefelben  fetbftoerftänblic^  aud& 
üon  ber  etterlid^en  5Ru6nie§ung  audgcfd^loffen  (oergl.  bie  aWotioe  ju  §  1285). 

I  SBerfc^iebene  Mcd&te  ^aben  üon  ber  Siegel,  ia^  baö  SSermogen  bed  Rinbeö  «we^nun« 

j  ber  elterlid^en  5Ru|nie6ung  unterliegt,  nod^  in  anberen  gäUcn,  als  ben  in  ben    "^aS^ 

§§  1516— -1519  be}cid{)neten,  Slußna^mcn  beftimmt. 

3)ie  ©rünbe,  ouö  weld&en  ber  ®ntwurf  bie  in  üerfc^iebenen  Sted^ten  fid^ 
finbenbc  SSorfd^rift  nid^t  oufgenommen  ^at,  ba§  ber  ®rbtl)eil  oon  ber  elter^» 

'  Hd^en  33erwaltung  unb  Slufeniefeung  auögefd^loffen  ift,  wetd&cr  ben  Äinbem 

jufäDt,  weil  bcr  3nl^aber  ber  elterlid{)en  ©ewalt  red^tmäfeig  enterbt  ober  für 
erbunwürbig  crflärt  ift,  finb  bereits  in  ben  SKotitjen  ju  §  1510  oben  @.  762 
bargelegt. 

9lad&  röm.  unb  gemeinem  Siedete  fällt  ferner  baö  ©enufered^t  beö  93aterö      ««* 
weg  unb  tritt  baö  33erl)ättni6  beö  adventicium  irreguläre  ein,  wenn  ber  SBater  ?«?  3^? 
JU  einem  von  bem  Äinbe  ju  mad^enben  ©rwerbe  feine  S^f^nimung  Der«  ^^"'JJ,"^^'" 
weigert  (1.  8  pr.  Cod.  de  bon.  quae  lib.  6,  «1 ;  oergt.  aud&  ital.  ®.  S3.  3lrt.  229),    «rwerbe. 
®ne  berartige  Seftimmung  (oergl.  §  1288)  ift  iebod^  weber  oom  ©tanbpunfte 
beö  Sntereffeö  bes  Äinbeö,  nod&  t)om  ©tanbpunfte  beö  S^itereffed  beß  3nl^aberö 
ber  elterlid^en  ®ewalt  aus  burd^  ein  Sebürfnig  geboten.     Snöbefonbere  ift 
biefelbe  nid^t  erf orberlid^ ,  um  baö  ber  elterli^en  Slufcniefeung  unterliegcnbe 
Sermögen  bcö  Äinbeß  gegen  bie  mit  einem  ©rwerbc  bed  festeren  Derbunbenen 
Serbinblid^feiten  im  SBer^ältniffe  beß  3ii^öberd  ber  elterlid[ien  ®ewalt  unb  beö 
iUnbeß  iu  einanber  (§§  1528,  1530  3ttf.  2  5Rr.  2)  ju  fd^üfeen,  bo  baß  «inb 
ein  9led&tßgefd^äft,  iuxä)  weld^eß  eß  nid^t  lebiglic^  ^Ic^te  erwirbt  ober  lebiglic^ 
t)on  aSerbinblid^feiten  befreit  wirb,  ol)ne  ©inwilligung  ober  ®enel^migung  beß 
3n^aber«  ber  elterlid^en  ©ewalt  regelmäßig  überl^aupt  nid&t  tornel^men  fann 
(§  65),  gegen   bie  mit  bem  (Srwerbe  einer  ©rbfd^oft  ober  eineß  SBermäd^t* 
nlffeß  Dcrbunbenen  33erbinblid^feiten  aber  bie  erbred^tlid^en  95orf(^riftcn  über  baß 
3noentarred&t  (§§  2092  ff.,  §  1881)  außreid&enben  ©^ufe  gewähren. 

Saß  ®enugred^t  beß  SSaterß  ift  nad^  röm.  unb  gemeinem  SRed^te  aud^ 
bann  außgef d^loffen ,  wenn  baß   Äinb  jufammen  mit  bem  SSater  gefefelid^er 

49  • 


772  eiterlid&c  ?lutnic§un0.    aSorbcmerfung.    (§§  1516—1519.) 

©rbc  eineß  anberen  Äinbeö  bcß  SBaterö  roivb.  Dicfc  33cftimmung  ber  Nov.  118 
c.  2  ^ängt  mit  ber  l^iftorifd^en  ©ntiüirfclung  bcfi  röm.  ©rbrcd^teß  jufammcn. 
9Som  ©ianbpunftc  bcö  ©ntrourfcö  auö  fet)It  es  an  jcbem  (Srunbc,  biefclbc  nu 
überncl^men. 

6in  loeitcrer  gall  beö  adventicium  irreguläre  ift  nad(|  röm.  unb  gemeinem 
Mcdite  bann  bcgrünbet,  roenn  bcm  ©rrocrbc  beö  oäterlici^en  ©cmigred^ted  ein 
gefe^Iidieö  J&inbernife  cntgegcnfte^t,  maß  namentlid^  ber  gall  ift  bei  Sd^cn* 
fungen  ber  @^efrau  an  ba&  ^auöfinb  unb  bei  folc^en  SScrfügungen,  meldte 
im  2;eftamente  ju  ®unften  einer  bem  ©d^reibcr  bcß  3^cftamenteß  unterworfenen 
^erfon  getroffen  finb.  3)a  ber  ®ntmurf  baß  Sd^enfungßoerbot  unter  ©Regatten 
unb  bic  Seftimmungen  beß  S.  C.  Libonianum  nid^t  aufgenommen  ^at,  in  ben 
gälten  bcß  §  1916  aber  bie  3wmenbung  an  ben  9tbfommling  einer  bei  ber 
SCeftamentßerrid^tung  mitroirfenben  ^erfon  nid&tig  ift,  fo  ift  bamit  jener  SBor? 
fd^rift  beß  röm.  SHedfiteß  ber  Soben  entjogen. 

sc^n.  5Die  aSorfd&rift  beß  preufe.  91.  S.  9t.  11,  2  §  150,  bafe  Se^en,  meldie  ben 

Äinbern  vcxlkljcn  ober  in  3lnfef)ung  beren  fie  in  bic  ©efammte^anb  mit  auf* 
genommen  roorben  ftnb,  fobalb  bie  5linbcr  jum  Scfiße  gelangen,  in  SScjicI^ung 
auf  ben  SBater  bcm  freien  SSermögcn  jugerec^net  werben  foücn,  entfd^eibct  bie 
gcmeinrec^tlid&e  Äontrooerfe,  ob  ein  Selben  jum  peculiam  castrense  gehört  ober 
nid^t;  fie  fiängt  mit  ben  an  ben  Scl(icnßbefig  urfprünglid^  fid^  fnüpfenben  mili* 
tärifd^en  5DienftIeiftungen  jufammen  unb  ^at  gegenroärtig  i^re  ©runblage  tJöHig 
t)er(orcn. 

sRemunera.  gfjac^  bcm  prcufe.  91.  2.  91.  II,  2  §§  151,  152  foUcu  fcmcr  äum  freien 

eJ^nhSiltix.  3Sennögen  gel^ören  bie  33eIo[)nungen  bcß  glcigeß  unb  ber  ®efd&icf[id)fcit,  meiere 
ben  Äinbern  oon  i^ren  ©Item  ober  aud^  dou  9lnberen  ju  2;()eil  merben,  foroie 
alle  ®efd^en!c  unb  SBcrmä^tniffc,  met^e  btn  Äinbern  an^  ®rfcnntlidf)feit  für 
geiciftete  2)ienfte  ober  für  erroiefene  (Sefälligfeitcn  5uflie6en.  3m  §inblidfe 
auf  bic  aSorfd^rift  bcß  §  1517  feljlt  eß  an  einem  33ebürfninc,  in  ben  bcicid^netcn 
9lid^tungen  befonberc  Scftimmuugen  ju  geben.  3laä)  §  1517  ^at  ber  ©ritte, 
meld)cr  bem  Äinbc  eine  berartige  S^menbung  macf)t,  eß  in  ber  §anb,  burc^ 
feine  S3eftimmung  bic  cltcrlid^c  ^hifenie^uug  außjufd^licfeen.  2)aju  fommt, 
bafe  ber  ©ntrourf  aud^  fonft  für  fog.  remuncratorifd^e  S^cnfungen  be- 
fonbere  3Jorfd^riftcn  nid^t  aufgenommen  l^ot  (ocrgl.  aßotiüc  ^u  §  1412 
oben  S.  497). 

Grfpavniffe.  3um  frcicu  33crmögen  red^net  baß  preufe.  91.  S.  91.  II,  2  §  153  aufeer* 

bem  ailieß,  maß  bie  Äinber  üon  bemienigen  crfparen,  maß  il^nen  oon  ben 
©Item  JU  if)rem  Untcrl^alte  aufecr  bem  oäterlic^cn  §aufe  ober  fonft  ju  i^ren 
9Iußgaben  angeroicfeu  ift.  gür  biefc  Seftimmung  läfet  fid&  jmar  gcltcnb 
mad^en,  bafe  fic  ein  ©porn  jur  Sparfamfcit  ift.  ^n  Uebereinftimmung  mit  ben 
meiftcn  übrigen  9icd&ten  \)ai  inbeffen  ber  ©ntrourf  eine  berartige  33eftimmung 
alß  entbebrlic^  erad^tet. 

iJatfK»«  ©emeinred^tUd^  ift  beftritten,  meldten  Äarattcr  bie  ^ßatfiengcfd^ente  l^aben, 

flcfc^cnfc.    ^^  bicfclben  im  3Jt)cifeI  ben  ®Itern  ober  ben  Äinbern  jufommen  unb  ob  fie 

im   (enteren   galle   bcm   peculium   castrense   ober   quasi  castrense    ober  ben 

9(bücnti3icn  jujureddncn  finb.    Sßad^  bem  prcufe.  91.  2.  91.  II,  2  §  157  gel^ören 


ertcrlid^c  9lujjme§uno.    greicg  aSermöflen.    §  1516.  773 

^Satl^cngcfd^cnfe  ju  bem  nid^tfrcicn  SBermögcn  beö  Äinbeö.  33cr  ©utiDUvf  I)at 
eine  93eftimmunfl  über  ben  ÄaraKcr  ber  5ßat^engefdbenfe  nid&t  aufgenommen, 
ba  ber  Icfetcre  l^äufig  in  ben  ocrfd^iebcnen  (Segenben  unb  bei  bcn  pcrfd&ie* 
benen  ©tcinbcn  J^erfömmlid^  ein  ücrfc^iebener  ift.  3n  ©rmangelung  einer 
auöbrüdflic^en  Scftimmung  beö  ©eberö  ift  mit  SlücffK^t  auf  bie  Sitte  unb 
ben  Oegenftanb  beö  ^ßatl^engefd^enfcö  ju  entf^eiben,  ob  baöfelbe  für  bie  (SItern 
ober  für  baö  Rinb  beftimmt  ift.  3ft  leßtereö  ber  %aU,  fo  unterliegt  baö 
5ßat^engefcl^enf  nad^  ber  5Regel  beö  §  1502  ber  elterlid^en  9lugniefeung,  fofern 
nid^t  ber  ®eber  ein  3lnbered  beftimmt  ^at  (§  1517)  ober  bie  gefd&enfte  ©ad^c 
JU  ben  im  §  1516  bejeirfineten  ©ad^en  gef)ört. 

3n  3lnfe^ung  ber  nacft  ben  §§  1516—1519  ber  elterlid^cn  ^Rwfeiii^fewnfl  ®^^'J^^^^^^ 
entjogencn  ©egenftänbe  verbleibt  bem  3nl)aber  ber  eltertid^en  ©eroalt  5ßflid^teiterii<^en®e- 
unb  SRcd^t  ber  SSermögenßoerroaltung  in  berfefben  SBeife,  wie  in  STnfeliung  bcö  "^H,^'^^* 
ber  eftcrlidjen  S'Ju^niefeung  unterliegcnben  SBermögenö  (pergl.  bie  aWotiüe  ju  frei«t  «er. 
§  1511  oben  ©.  765).  9lur  in  3(nfel)ung  bcrjenigen  ©egenftönbe,  rocid&e  baß  "'^^'"• 
Äinb  burd^  ben  i^m  nad^  aJlafegabc  beö  §  67  geftattetcn  felbftönbigen  Setrieb 
eines  ©rroerbögef^öfteö  erroirbt  (§  1518),  ift  nad&  SRafegabe  beö  §  67  aud^ 
bie  eltcrlid^e  SBerroaltung  auögefd)toncn  (tjergl.  aJlotiüe  ju  §  1510  oben  ©.  762). 
ein  SScbürfnig,  in  ben  gäÜen  ber  §§  1516—1519  im  Uebrigen  audfi  bie 
elterlid^c  SBerroaltung  auöjuf^tiegen,  liegt  nid^t  oor.  3lud^  nad&  bem  geltcnben 
SRed^te  fielet  bem  SBatcr  in  9lnfel)ung  beö  bem  tjäterlid^en  9tie§braud&c  ent- 
jogenen  SSermogenö  beö  Äinbeö  roftfircnb  ber  üHinberjä^rigfeit  beö  teßtercn 
regelmäßig  baö  SRcd&t  ber  oormunbf^aftlid^en  SSerroaltung  ju  (oergl.  ©ntfd^. 
b.  m.  ®.  in  (Siüilf.  XV,  41  ©.  195 ;  preufe.  91.  2.  9ff.  11,  2  §  159,  II,  18 
§§  984  ff.;  fäd&f.  @.  SB.  §§  1811,  1816;  code  civil  2lrt.  387,  389,  390;  Ijeff. 
(gntm.  III  Slrt.  25).  2Bie  in  ben  a«otioen  ju  §  1511  oben  S.  763  bereitö 
ermähnt  rourbe,  beftel^t  jebod^  in  5ßreu§en  bie  Streitfrage,  ob  nid^t  baö  bem 
SBater  nad^  bem  preui  21.  S.  SR.  II,  2  §  159  jufte^enbe  3led(|t  ber  üormunb^ 
f(^aftlid&en  58crn)altung  burd^  ben  §  102  ber  prcu§.  SBorm.  D.  befeitigt  ift  unb 
TOegen  ber  SBerroattung  beö  freien  Sßermögcnö  in  allen  %&Uzn  eine  ^^Jflegfd^aft 
onjuorbnen  ift  (oergl.  bagegen  3a^rb.  ber  6ntfd&.  b.  Äammerger.  VI,  29).  ®aö 
fö^f.  ®.  33.  §  1816  enthält  ferner  bie  befonbere  Seftimmung,  bafe,  roenn  ber 
aSater  bie  Sßerroaltung  ol^ne  bcn  9iiefebraud^  l|at,  ben  Äinbern,  folange  bie* 
felben  minberjä^rig  fmb,  ein  SJormunb  ju  beftcHen  ift.  5Diefe  aKaferegcf,  meldte 
eine  Äontrofc  in  ber  SRiditung  bejroecft,  bafe  ber  SBater  bie  ©infünfte  beö 
JBermogenö  nid&t  in  feinen  ''Jlni^cn  oerrocnbet,  entfprid^t  jebod^  nid^t  ber  natür- 
Ud^en  ©teUung  beö  93aterö  gegenüber  ben  Äinbern  unb  füt)rt  ofine  9lot^  eine 
®inmifd^ung  dritter  in  baö  innere  gamilienteben  unter  ©d&äbigung  ber 
Autorität  beö  Sn^aberö  ber  e(terlid)en  ©eroatt  ^crbci. 


§  löK). 

3)ie  öcftimmung  beö  §  1516  cntfprid^t  bem  §  1285  unb  finbet  i^re  3um  perföui. 
We^tfertigung  in  ber  Sßatur  unb  bem  Sn^edfe  ber  betreffenben  ©ad&en.    SBegen  ?efS! 
ber  Mengefd^enfe  Dergt.  ©.  772.  ^«'^*» 


774  eitcrti^c  Sfluftnicfeung.    greicö  Sctm50cn.    §§  1517—1519. 

§  1517. 

öuipenbunflcn  3)ie  JBorfd&rift  bcö  §  1517  bcrul^t  auf  äJ^nli^cn  ©rroägungcn,  toic  bic 

^'***'''    aSorfd^riftcn  bcr  §§  1287,  1510.    ©ö  loirb  beö^alb  auf  bic  SKotltje  ju  bicfcn 

^Paragraphen,  ©.  168 ff.,  759 ff.,  Scjug  genommen.    3n  ben  ÜRotioen  ju 

§  1510  ift  audö  baö  mit  bem  §  1517  im  SBcfcntlidden  übereinftimmenbe  gcftcnbc 

Siedet  bereite  mitget^eilt. 

§  1518. 

ftrwcrb  2)er  ©ebanfe,  bafe  ber  ©rroerb  beö  Äinbeß  burd^  felbftänbige  3;i^fitigfeit  — 

bur(^  «r  1 1,  .^  @egenfafee  ju  ber  unter  bie  SBorfd^rlft  beö  §  1499  fallenben  arbeit  —  bem 

v&ttxlxä)tn  Sliefebraud^rcd^tc  entjogen  ift,  f|at  fd&on  im  röm.  unb  gemeinen 

Siedete  in  ben  S3eftimmungen  über  ha^  peculium  castrense  unb  quasi  castrenae 

eine  geroiffe,  roenngteid^  befd^ränfte,  Slnerfennung  gefunben  (oergl.  @ntfd[|.  b, 

91.  ®.  in  ßiuilf.  XVI,  24).    3n  ben  neueren  SRerfiten  ift  bicfer  ©ebanfe  meifl 

grunbfäftli^  anerfannt  (oergl.  preufe.  31.  S.  SR.  n,  2  §§  148,  149 ;  code  dvü 

Slrt.  387 ;  ital.  ®.  93.  ärt.  229  3lv.  4 ;  ^cff.  ®ntro.  HI  3lrt.  25).    5Rur  baö 

fa#  ®.  93.  §§  1806,  1810,  1811  lä§t  eö  in  »nfe^ung  beö  fetbftänbigen  ©r^ 

TOerbeß  ber  Äinber  burd^  il^re  Slrbeit  bei  ber  SRegel  bemenben,  bafe  baft  SBer» 

mögen  beö  Äinbeö  bem  9lie§brau^e  beö  Sßaterö  unterliegt.    Ueberroiegenbc 

©rünbe  fpred^en  bafür,  ben  l^ier  fraglid^cn  ®rmerb  beö  Äinbeö  alö  freies 

SJermögen  ju  bebanbeln.    ©erfelbe  l^at  feiner  9latur  nad^  nid&t  ben  JlaraKer 

beö  Äapitaleö,  fonbern  laufenber  einnahmen  unb  eignet  fic^  fd^on  bcöbalb 

n)irtl^frf)aftlid&  nid&t  baju,  ©cgenftanb  ber  Slufenicfeung  ju  fein  (uergl.  bie 

SWotipe  JU  §  1289  oben  ©.  175).    ©aju  fommt,  bafe  eö  ein  angemeffener 

Sporn  jum  ^leifee  ift,  roenn  bem  Äinbe  bic  %x\xd)tt  feiner  felbftänbigen  S^b^^fl^ 

feit  t)oU  unb  ganj  Dcrbleiben.    3m  2lnfd(|luffe  an  ben  §  1289  erflärt  ber 

^Tü%  etac«  ^  ^^^^  ^^^^  allgemein  aber  aud&  bieienigen  ©egenftänbe  für  freieö  3Serm5gen, 

'erwerM/  mcld^c  baö  Äinb  burd^  ben  il^m  nad&  aWafegabc  beö  §  67  gcftatteten  felb* 

flef<^äfte«.  [tfinbigcn  betrieb  eineö  ©rmerbögefd^äfteö,  inöbcfonberc  burc^  Umfafegcfcbäfte 

im  93etriebe   eineö   fold&en   ©rrocrbögcfd^äftcö,   ermirbt.     S)iefelben  ©rünbe, 

meldöe  ju  ber  entfprcd^cnben  SSorfdE)rift  beö  §  1289  geführt  l^aben  (ocrgl. 

ÜHotioc  JU  §  1289  oben  S.  176  ff.),  muffen  auc^  ^tx  ba^in  führen,  ienen  ®rmerb, 

o^ne  9läctfid&t  barauf,  ob  unb  inmierocit  berfclbe  im  einjelnen  goUe  nur  afö 

Äapitalcrioö  fid)  barfteUt,  t)on  ber  Siu^niefeung  ju  befreien.    3)em  3nl^aber 

ber  elterlid^en  ©emalt  mirb  baburdf)  ni(^t  ju  nalie  getreten,  ba  er  eö  in  feiner 

§anb  i)ai,  ob  unb  roieoiel  von  bem  feiner  elterlichen  SRufeniefeung  unter* 

liegcnben  ^Bermögen  er  bem  Rinbe  jum  Setriebe  beö  ©rmerbögcfd^öfteö  über« 

laffen  roiH. 

§  1519. 

eurrogation.  2)ic  SSorfd^rift  bcö  §  1519  ©afe  1  beruht  auf  ä^nlid^en  ©rroägungen, 

mie  bie  bcö  §  1290  (oergl.  aucb  §  1510  ©afe  2).  ©ö  mirb  ba^er  auf  bie 
SJlotioc  iu  §  1290  oben  S.  177  ff.  oermiefcn.  3n  3lnfel()ung  bcr  ©egenftänbe, 
n)cld)c  auf  ©runb  beö  §  1516  ju  bem  freien  aSermögen  geboren,  foD  bie 


eitetIi(J6e  9lu^nlc§un0.    Sorf^riften  üBcr  bcn  9He&braud&.    §  1520.       775 

SSorfd^rift  bcö  §  1519  Sag  1  jcbod^  feine  ainroenbung  finben,  toeil  bie  Sßor^ 
fd&rift  bcfi  §  1516  lebiflfid^  in  ber  befonbcren  ©igenfd&aft  unb  Sn^^dEbeftimmung 
bcr  im  §  1516  bejeid^neten  ©egenftönbe  fid&  grünbet  unb  beöl^otb  feine  SBcr:^ 
antaffung  t)orIiegt,  bie  Surrogate  jener  Oegcnftänbe,  foroeit  bicfelbcn  nid&t 
roieber  unter  bie  Scftimmung  beö  §  1516  fallen,  bem  freien  SSermogen  juju^^ 
red^nen.  3lud^  bie  SBorfd^rift  beö  §  1285  erftredtt  fid^  nid^t  auf  bie  Surrogate 
ber  bort  bejeid^neten  ©ac^en  alö  fold^e. 


§  1520. 

2)ie  Seftimmung  beö  §  1520,  roeld&e  im  5ßrinjipe  mit  bem  gemeinen  «mocnbuna 
Siedete  unb  ben  neueren  ©efefegebungen  (preufe.  31.  2.  SR.  II,  2  §  168;  code  ©orfc^riften 
dvü  3lrt.  384,  601;  ffid^f.  ®.  33.  §§  660,  1811;  roeimar.  ®ef.  v.  27.  ^^^^^l^^^"^' 
1872  §  4)  im  ©inflange  ftel^t,  fd^Iiefet  fxd^  bem  §  1292  an  unb  berulit  auf 
ä^nlid^en  ©rroägungen,  wie  biefer.    ®ö  wirb  bal^er  rocgcn  ber  näheren  SRed^t- 
fertigung  beö  im  §  1520  auägefprod^enen  ©runbfafteß  auf  bie  SJlotioe  ju  §  1292 
©.  180  ff.  Sejug  genommen. 

Sieben  ben  befonberen  33eftimmungen  ber  §§  1521—1537  finb  weitere  «fbip* 
bcfonbere  33eftimmungen,  burd^  metd&e  einjetne  SJorfd^rlften  über  ben  Sliefe- 
broudö  t)on  ber  Slnroenbung  auöbrüdflid^  auögcfd^IoRen,  mobifijirt  ober  ergönjt 
werben,  nid&t  für  erforberlid^  erad&tet.  3^^^  f^^^  ^^Ber  ben  in  ben  §§  1522 
bis  1524,  1526  fpeiieU  bejeid^neten  SSorfd^riften  über  ben  ?lie6braud&  nod&  t)er^ 
fd^iebene  anbere  SSorfd^riften  über  ben  SJliefebrauc^  jur  Slnroenbung  auf  bie 
cIterUd)e  SRufcniefeung  nid^t  geeignet.  S^beffen  bebarf  eö  inforoeit  feiner 
befonberen  93eftimmung,  ba  bie  Unanroenbbarfeit  biefer  anberen  nid^t  fpejiell 
bejeid^neten  SSorfd^riften  fid&  mit  genfigenber  Ätar^eit  aus  ben  übrigen  93c- 
ftimmungen  beö  ®efe|cö  ergiebt.  3iiöbcfonbere  fommt  in  biefer  33eiiel^ung 
neben  ben  33eftimmungen  ber  §§  1521—1537  in  SSetrad&t,  ba^  bie  eltcrtid&c 
Sflufenielung  fraft  beö  ®efe|eö  entfielt  (§  1502  5Rr.  2).  ©emiffe  5mobififationcn 
ergeben  fid^  ferner  Don  felbft  barauö,  bafe  baö  Äinb  in  ber  ®cf^äftöfäf)igfeit 
befd^ronft  ift  unb  bem  3n^abcr  ber  elterlid^en  ®en)alt  neben  ber  elterlid^en 
SRugniefeung  regelmäßig  iugleicf}  bie  elterlid&e  aSermogenöoerroaltung  jufte^t, 
fomeit  bieö  ober  nidfit  ber  goB,  ber  gn^aber  ber  elterlid^en  ®en)alt  nad) 
§  1532  t)on  ber  eigenen  Stuöübung  ber  elterlid^en  SJufenießung  auögefd^loffeu 
ift  unb  bie  legtere  für  SRed^nung  beö  ^n^aberö  ber  elterlid&en  ©ewalt  von  bem 
Äinbe  burd^  ben  für  bie  SSermögenöoerroaltung  berufenen  gefe|Iid^en  Vertreter 
beöfelben  ouögeübt  wirb.  3m  ©injelnen  laRen  fic^  biefe  SKobififationen  burd) 
baö  ®efe6  nid^t  entfc^eiben;  vielmehr  muß  biefe  ©ntfd^eibung  ber  SBiffenfd^aft 
unb  ^ßrafiö  überlaffen  werben. 

Xa  bie  elterlid^e  5Ru|nic6ung  fraft  beö  ®efe6cö  entfte^t,  fo  ergiebt  fx(^  eimraflUTu^ 
ouö  §  837  oon  felbft,  bafe  biefelbe  ben  Sd^u^  ber  bona  fidea  beö  ®runbbud^eö  ciJunbbudj. 
nid^t  geniefet.  ©in  fold^er  Sd&ug  ift  burc^  ein  S3ebürfni6  nid^t  geboten  unb 
würbe  audb  mit  bem  ®runbgebanfen  beö  §  1521  nid&t  oereinbar  fein. 
Slnbererfeitö  ift  eö  aud^  nid^t  erf orber li^,  ium  ©c^uge  dritter  bie 
Eintragung  ber  eltcrlid^en  Slufeniefeung  üorjufd^reiben  (ocrgt.  aud^  fäd^f. 
®.  33.  §§  1670,  1819;  abweid&enb  preufe.  ®cf.  über  bcn  (Sigent^umöerwerb 


776       eiterrid?c  9flu6nic§uno.    Sorfd&riftcn  u6ct  bcn  Sfliefebrau*.    §  1520. 

ü.  5.  aWai  1872  §  12),  ba  nad^  §  1521  bie  cltcrlid^c  giufenicßung  ol&nc^in 
infotocit  tücgfäUt,  ate  bcr  ©ritte  ein  jum  SBcrmögen  beß  Rinbcß  ge^öretibcd 
cingetrogeneö  -Jlcd^t  roirffam  erworben  f)at.  S)a6  bie  ©intragung  bcr  elterlid^en 
^lufeniefeung  in  boö  ©runbbud^  ou^  ni^t  äuläffig  tft,  wirb  fid^  auß  ben  SBor- 
fd^riften  bcr  ©runbbud^orbmmg  ergeben. 

a»ict^»  unb  gin  S3ebürfni6,  bem  Sn^aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  in  weiterem  Um* 

vTXe.  föuge,  alö  bieö  naä)  §  1008  ber  gall  ift,  bie  aHoglid^feit  ju  gcroä^ren,  hroft 
ber  eltcrlidjen  9?u|nie6ung  über  bie  Sauer  ber  leßtcrcn  ^inauö  mit  SBir!fam* 
feit  gegenüber  bem  Äinbe  Sßiet^*  unb  5ßad^toerträge  in  3lnfel^ung  ber  ber 
clterlid)en  ^lußniefeung  unterliegcnben  ©egcnftänbc  abjufd^lie6en,  um  ibm  auf 
biefc  SBcife  einen  angemcRcnen  Ertrag  bcr  cltcrlid^cn  ^lufenicfeung  ju  fid&ern, 
liegt  nid^t  oor,  jumal  bcr  3nf)abcr  ber  clterlid^cn  ©croalt  Dcrmögc  bcr  i^m 
i^ufte^cnben  cltcrUd^en  Scrmögensocrroaltung  aRietl^'  unb  5ßa^tocrträgc  auc^ 
über  bie  ber  eltcrlid^cn  ^fugniefeung  unterliegcnben  ©egcnftänbc,  Dorbc^altUd^ 
bcr  S3cftimmung  bcö  §  1511  9Ir.  4,  auf  ben  9tamcn  bcö  Äinbcö  abfd^Ucfecn 
fann  unb,  ofinc  fid6  ocrantroortlid)  ju  madjcn,  obfd^licgcn  barf,  roenn  bied  bem 
3nterene  bcö  Jlinbcö  entfpri^t. 

Grfa^  ber  »e.  SBfil)renb  ber  ©igent^ümcr  bem  Slicfebraud^cr  bie  Äoften,  meldte  bcrfelbe 

fofteT  auf  bie  ^eroorbringung  ber  bei  93eenbigung  bcö  SlicPraud&cö  nod^  nid^t 
getrennten  J^^ücfite  inncrl^alb  ber  ©renjen  mirtlifd^aftlid&cn  Sßcrfal^rcnö  ocr* 
roenbct  l)at,  nad^  SKafegabe  bcö  §  1009  ju  erfefeen  t)crpPid)tct  ift,  l;at  nod& 
ben  aSorfd^riften  über  bcn  ißicfebraucb  umgelel^rt  bcr  Slicfebraud^er  in  ©r- 
mangclung  einer  anbcrioeiten  SScreinbarung  bem  ©igent^ümer  bie  Moften, 
iDcl^c  oon  bem  Icgtcren  auf  bie  ^croorbringung  bcr  bei  bem  beginne  beö 
9lic6braud^eö  nod^  nid^t  getrennten,  bem  Slicfebraud^cr  jufaUcnbcn  grud^tc 
ücrroenbct  finb,  nid^t  ju  erfc^en.  ©3  tä^t  fid^  nid^t  uerfcnncn,  baß  bie 
ainmcnbung  ber  allgemeinen  ©runbfägc  über  bcn  Slicfebraudb  in  ber  ^icr  frag* 
lid^cn  S3cjicl}ung  in  einjelnen  göDcn  ju  einer  Unbilligfeit  gegen  baö  Äinb 
führen  fann,  ba  bicfcö  nid^t  in  ber  Sage  ift,  fic^  bcn  ©rfa^  ber  ^ier  frag- 
lid^cn  Soften  cor  bem  ©intrittc  ber  eltcrlid^cn  Sflußnicfeung  auöbcbingcn  ju 
fönncn.  3nfofcrn  ift  bie  Sad^lage  bei  bcr  clterlid^en  5ßutnicgung  eine  anberc, 
löic  bei  bem  ^tiefebraud^c.  ©ö  fd^eint  bal^er  nal^c  ju  liegen,  bem  Äinbc  bei 
bem  ^Beginne  ber  elterlid^cn  "Jin^nicfeung  einen  bem  §  1009  fid^  anfd&lie§enben 
©rfaganfprudb  ju  geben.  3nbcffcn  bie  ©rünbc,  roeld&e  bcftimmcnb  gcrocfcn  finb, 
für  bie  cJ^clid^c  Slujnic^ung  cö  in  biefer  §infid)t  bei  ben  SSorfd^riftcu  über 
bcn  Siiefebraud)  bcrocnbcn  ju  laffcn  (oergl.  bie  SKotioe  ju  §  1292  oben  3. 187  ff.), 
treffen  für  bie  roiditigften  ?^älle,  nämlic^  für  bicicnigen  gälle,  in  meldten 
löä^renb  bcftcl^cnbcr  cltcrlid^er  ©cmalt  bem  Äinbe  burd&  Verfügung  cincö 
Stritten,  inöbefonbere  burc^  le|tn)illigc  SSerfügung,  SScrmögen  jugerocnbct 
mirb,  aud^  bei  bcr  cltcrlid^cn  Slufenicgung  ju.  ©^cr  fonnte  bie  a^nrocnbung 
ber  allgemeinen  ©runbfägc  in  fold^en  gäUcn  Sebenfen  erregen,  in  meldten 
bcr  Snl^abcr  bcr  cltcrlid^en  ©eroalt  t)or  bcr  ©rnte  ein  ©runbftüd  für  baft 
Äinb  fauft  unb  bcr  Äaufprciö  aud&  mit  SRüdErid^t  auf  bcn  äßcrt^  ber  bem 
^nl^abcr  bcr  eltcrlid^cn  ©croalt  fraft  bcr  elterlid^en  5Ru|nic|ung  jufallenbcn 
ßrnte  bemeffen  ift.  3lllcin  in  folc^cn  göDcn  ift  baö  £inb  burd&  bie  aDgemcincn 
©runbfägc  über  bie  SScrantroortlid^feit  bcö  S^b^bcrö  ber  ctterlid^cn  ©eroatt 


©tcrli^c  «utiiucgimö.    ©eßenftanb.    Snöentar.    §§  1521—1523,         777 

bei  ber  3lufiübung  bcr  aSermögcndücrrooItung  (§  1503  3Ibf.  1,  §  1696)  gcnügcnb 
(jcfi^üfit.  3lud^  im  ^inblicEc  auf  bcii  %a\l,  rocnn  bic  cttcrlidic  ^lufenicfeung 
beö  93atcrö  burdi  bic  eltcrlid^c  Slufenic^ung  ber  3Hutter  abgclöft  wirb  (§  1501 
abf.  2,  §  1559  9lbf.  2),  bcbarf  cö  im  Sntereffc  bcö  Äinbcft  eines  befoubcrcn 
Sc^ufeeö  nid&t.  3)a  ber  §  1009  »orauöfefet,  bafe  bie  grüd^te  bem  ©igen* 
t^ümcr  jufaDcn,  in  bem  l^icr  in  SRebe  fte^enben  gallc  aber  nid^t  baö  Äinb, 
fonbern  bie  an  Stelle  beö  SSoterö  eintretenbc  SKutter  vermöge  ber  elterlici^en 
Slugnie^ung  ©igent^iimer  ber  grüd&te  wirb,  fo  wirb  in  biefcm  §aDe  ouß  bem 
§  1009  ein  6rfa6Qnfpnid&  gegen  baö  fiinb  nid&t  Ijergcleitet  werben  fönnen. 


§  1521. 
S)ic  3Jeftimmnng  bcö  §   1521   beruht  im  2Bc)entIid^en  auf  benfelben  öeßcnftanb 
®rünben,  meldte  für  bie  entfprec^enbe  Se^anblung  ber  e^elid)cn  ^tu^nicfeung  jm^nieftung: 
mofegebenb  geroefen  finb  (oergL  §  1293  nebft  SKotioen  oben  S.  103  ff.),    ©ie  baMemciuge 
fte^t  anäi  int  ©Inf lange  mit  benjenigen  ©rroägungen,  roeld)e  ben  ©ntmurf  ^''^^^^^^J^*"*^ 
überhaupt  oerantafet   l^aben,   bie  elterlid^c  5Wuftnie6ung  mit   bcr   eltcrlid&en 
©cioalt  ju  ücrbinben  (oergl.  bie  aßotioe  p  §§  1501,  1502  oben  S.  724  ff.).  3ft 
bem  3n^aber  ber  eltcriid&en  ©eroalt  bie  clterlid^e  3iu|nic6ung  nid^t  ju  bem 
3roedEe  eingcränmt,  um  il^m  einen  Don  feiner  Dormunbfd^aftlid&en  ©tellung 
lodgelöften  93crmögenßoortl^eil  jujuroenben,  fonbern  um  i^m  bie  üJlöglid^fcit  jn 
geben,  in  einer  feiner  Stellung  gegenüber  ben  Äinbern  angemeffenen  Sffieife 
über   bic   ©infünfte  bcß   Äinbeöoermögenö  im  gemeinfamen  ^utereffe   nac^ 
eigenem  ©rmeffen  oerfügen  üu  fönnen,  fo  ergiebt  fid&  barauö  t)on  felbft,  bafe 
alö  ©egenftonb  ber  elterlid^cn  Jluftnicfeung  bod  SBermogen  beö  Äinbeö  nur  in 
bcrfclben  SBeife  angcfel^en  rocrben  fann,  roie  roenn  bie  elterliche  Slufenicfeung 
ate  binglic^eß  9lcd&t  überl^aupt  nid&t  bcftänbe.    S)ic  Sebcnfen,  meldte  an  fid^ 
gegen  biefe   Oeftoltung   ber  clterlid^en    -Kufeniefeung  oom  Stonbpunfte   beö 
berechtigten  auö   fic^   ergeben   laffen,  erlcbigen   fid^   burd)   bie   befdbränttc 
Ocfd^äftöfä^igtcit  beö  Äinbeö,  rocldjc  ben  3n^abcr  ber  elterlid&en  Oeroalt  gegen 
roillfürlid^e  ©inroirfungen  beö  Äinbeö  auf  baö  ber  elterlidiien  ?lu|nie|ung 
unterliegenbc  SBermogen  in  auöreid^enbem  SMafee  aud^  bann  fd^üfet,  wenn  bem 
3nl^aber   ber   eltertid^en   Oeroalt  bie   Sßermögenöoerrooltung  auönal^möroeife 
nic^t  iufteW. 

§  1522. 
Sie  SSorfc^rift  beö  §  1522  l^at  bereitö  in  einem  anbercn  S^f^mmem  ^^n^ntw^ 
^ange  in  ben  aWotiocn  ju  §  1503  oben  S.  742  ff.  ilire  Segrünbung  gefunben.  ""^  ''"^^ 
Äuöno^men  oon  bem  Orunbfaftc,  bafe  bcr  Snl^abcr  ber  cltcrlid&cn  (Seroalt  nid^t 
inoentarifotionöpflic^tig  ift,  finb  in  ben  §§  1547,  1548,  1599,  1623  beftimmt. 

§  1523. 
9iod^  bem  geltenben  iHcd&tc  finben  auf  bie  jum  nid^tfreien  ^^^"^^gen  ^JJ«J^n^*j»j'ß 
beö  Äinbeö  gei^brenben  perbraud^baren  Sad^en  im  Slllgemeinen  bie  ©runbfäfec  boren  s^n* 
über  ben  uncigentlid^cn  Sliefebraud^  an  ocrbraud^baren  Sad^en  Slnrocnbung. 


776       eiternde  SRu^cgung.    Sorfd&riftcn  üBer  bcn  Sfllegbrau*.    §  1520. 

ü.  5.  aWai  1872  §  12),  bo  nod^  §  1521  bic  elterlid^c  Slu^nicßung  ol^ncl^in 
inforocit  tocgfällt,  als  bcr  2)ritte  ein  jum  SBcrmögcn  bcö  Einbeö  gcl^örcnbcö 
eingetragenes  Siedet  roirffam  erworben  l^at.  2)a6  bie  ©intragung  ber  cfterli^en 
^iufeniefeung  in  boß  Orunbbud^  oud^  nid^t  juläfftg  ift,  wirb  Tid^  ciuß  bcn  SSor- 
fd^riften  bcr  ©runbbud^orbmmg  ergeben. 
mm>  unb  ©in  Sebürfnife,  bem  ^nl^iaber  ber  clterlid^en  Oeroalt  in  lüciterem  Um^ 

Jmäne.  fange,  als  bieö  nad^  §  1008  ber  gall  ift,  bic  aÄogli^feit  ju  gewähren,  fraft 
ber  elterlid^en  9lufenie6ung  über  bic  3)aucr  bcr  leßtcrcn  Ijinaud  mit  SBirtfam^^ 
feit  gegenüber  bem  Äinbc  2)Hett)*  unb  ^ßad^tocrträgc  in  3lnfef|ung  ber  bcr 
cltcrlidjen  ^lugnieftung  iinterliegcnben  ©cgcnftänbc  abiufd^Ue6en,  um  i^m  auf 
biefc  SBeife  einen  angemeffenen  ©rtrag  ber  cltcrUd)en  Slufenicfeung  ju  fidlem. 
Hegt  nid^t  cor,  jumal  bcr  3nf)abcr  ber  elterlichen  (Scmalt  vermöge  ber  i^m 
pftcl^cnbcn  cltcrlid)en  SScrmögcnöDcrroaltung  SÄictti'  unb  5ßod^tücrträgc  aud^ 
über  bic  bcr  clterlid^en  ^lufcniefeung  untcriicgenbcn  (Segcnftänbe,  Dorbct^altlid^ 
bcr  S3eftimmung  beö  §  1511  3lv.  4,  auf  bcn  5lamen  bcö  Äinbcö  abfd^Iicfecn 
fann  unb,  of)ne  fid6  Dcrantroortlid)  ju  mad^cn,  abfd^licfecn  barf,  rotnn  bied  bem 
3ntcrenc  beö  Hinbcö  entfpri^t. 
erfot  bcv  »e-  äßäljrcnb  bcr  ®igcntl)ümcr  bem  9lic§braud^cr  bic  Äoften,  rocld^e  berfclbc 

^^ofteT'  t^wf  bie  ^croorbringung  bcr  bei  Seenbigung  bcß  ^liefebraud&cö  nod&  nid^t 
getrennten  J^rüd^tc  innerhalb  bcr  (Srcnjcn  tt)irtf)fdiaftlid^cn  Serfa^renö  oer* 
roenbct  l)ai,  mäf  SKafegabc  beö  §  1009  ju  crfefeen  DcrpPid^tet  ift,  ^at  nad& 
bcn  aSorfd^riftcn  über  bcn  SfJiefebraud^  umgclc^rt  bcr  Slicfebraud^er  in  ®r* 
mangclung  einer  anberrocitcn  33creinbarung  bem  ©igent^ümer  bic  Äoftcn, 
racldic  von  bem  Icfetcrcn  auf  bic  .§crüorbringung  bcr  bei  bem  33cginnc  beö 
Slicfebraud^cö  nod6  nid^t  getrennten,  bem  SJlicfebraud^er  ^ufallcnbcn  grüc^tc 
üeriocnbct  finb,  nid^t  ju  erfc^cn.  ©3  (äfet  fid^  nid^t  »erfcnncn,  bafe  bic 
3lnn)enbung  ber  allgemeinen  ©runbfäfec  über  bcn  ?Ricfebrau(^  in  ber  Ijier  frag* 
lid^en  Scjieöung  in  cinsclncn  göDcn  ju  einer  Unbilligfcit  gegen  bad  ftinb 
führen  fann,  ba  biefcö  uid^t  in  ber  Sage  ift,  ftc^  bcn  ©cfaj  ber  {)ier  frag* 
Ud^en  Soften  üor  bem  Eintritte  ber  elterlid^cn  SRufenieöung  auöbcbingcn  ju 
fönnen.  Snfofcrn  ift  bic  ©ad&Iagc  bei  bcr  cltcrlid^cn  9lu|nie6ung  eine  anberc, 
loie  bei  bem  SRiefebraud^e.  ©ö  fd^eint  bal^er  nal)c  ju  liegen,  bem  Äinbc  bei 
bem  ^Beginne  ber  cltcrlid^cn  'Jiuftnicfeung  einen  bem  §  1009  fid^  anfd&Iie6enbcn 
©rfafeanfprudö  ju  geben.  3nbcffcn  bic  (Srünbc,  rodele  beftimmenb  geroefcn  finb, 
für  bic  eficlid^c  siu^niegung  cö  in  biefer  ^infidjt  bei  bcn  Sorfd&riften  über 
bcn  Siicfjbraud^  bcroenben  ju  laffen  (ocrgl.  bic  SKotioc  ju  §  1292  oben  3. 187  ff.), 
treffen  für  bic  roid^tigften  ?5öUe,  nämlic^  für  bicienigen  gälle,  in  meldten 
loäl^rcnb  beftcl^enbcr  elterlicher  ©croalt  bem  Kinbc  burd^  SSerfügung  eine« 
dritten,  inöbcfonbcrc  burd^  legtroillige  Verfügung,  SSermögen  jugeroenbet 
wirb,  oud^  bei  ber  eltcriid&en  Slu^nicfeung  ju.  ©I^cr  fönntc  bic  Sinrocnbung 
ber  allgemeinen  ßrunbfäftc  in  fold&en  gäUcn  SSebenfen  erregen,  in  meldten 
ber  Snl^abcr  ber  citertidien  ©cmalt  t)or  bcr  ©rntc  ein  ®runbftüdt  für  bafl 
Äinb  fauft  unb  ber  Äaufpreiö  aud&  mit  SRürfftd^t  auf  ben  Sßcrt^  bcr  bem 
^n^abcr  bcr  eltcrlid^en  ©cmalt  fraft  bcr  elterlidien  SRu^niefeung  jufaDenben 
©rntc  bemeffen  ift.  Slllein  in  folc^en  göDcn  ift  baö  ftinb  burd&  bic  allgemeinen 
(Mrunbfä^c  über  bie  SBcrantmortUc^feit  beß  3n^obcrö  bcr  clteriid^cn  Oemalt 


efterlid&c  5flutmic§uno.    ©eöenftanb.    Snüentar.    §§  1521—1523.         777 

bei  bcr  Studübung  bcr  SBcrmögcnöticrtüQttung  (§  1503  W)l  1,  §  1696)  gcnügenb 
gcfd^üfit.  3liici^  im  ^inbfidfe  auf  bcn  gall,  wenn  bie  ctterlid^e  ^lugnicfeung 
beö  SBatcrö  burd&  bic  cttcrlid^c  Siufenicfeung  bcr  3Kutter  abgclöft  roirb  (§  1501 
9lbf.  2,  §  1559  3lbf.  2),  bebarf  es  im  SntcrcRc  beö  Äinbeö  eines  befouberen 
©c^ufeed  nid^t.  2)a  ber  §  1009  oorauöfefet,  bafe  bie  grüd^te  bem  ©igeiu 
t^ümcr  jufaUcn,  in  bem  l;ier  in  Mebe  fte^enben  ^alle  aber  nid^t  baö  Äinb, 
fonbern  bie  an  ©teile  beö  Sßaterd  cintretenbc  ÜRuttcr  uermöge  bcr  elterlid^en 
^lußnicfeung  ©igent^ümer  bcr  grüd^tc  wirb,  fo  wirb  in  biefcm  galle  aus  bem 
§  1009  ein  ®rfa^anfprud&  gegen  baö  Sinb  nid^t  l^ergcleitet  werben  fönnen. 


§  1521. 
S)ie  Sieftimmung  beö  §   1521  beruf)t  im  SBcfcntlid&en  auf  benfelben  «eocnfianb 
©rünben,  meldte  für  bie  entfprcc^cnbe  Se^anblung  ber  e^cli^en  ^jufenicfeung  3ju^„*^uii«: 
mafegebenb  geroefen  finb  (pergl.  §  1293  ncbft  ÜWotiücn  oben  S.  103  ff.),    ©ic  badiemeiitge 
fielet  aud^  im  Ginflaugc  mit  benienigcn  ©rroägungen,  meldte  ben  ©ntrourf  ^^^jJ^^^J^JJ  ^^^ 
überhaupt  oeranla^t   f)aben,   bic  elterlid^c  Jiufenicfeung   mit   ber   clterlid^en 
©croalt  ju  ücrbinbcn  (oergf.  bie  aWotioc  ju  §§  1501,  1502  oben  S.  724  ff.).  3ft 
bem  Sn^öber  ber  elterlid&en  ©croolt  bie  eltcrlid^c  9lufenie§ung  nid^t  ju  bem 
3medEc  eingeräumt,  um  il^m  einen  oon  feiner  oormunbfd^aftlic^en  ©tellung 
[oögclöftcn  SSermögcnßoort^eit  jujuroenben,  fonbern  um  i^m  bic  3HögIid^feit  ju 
geben,  in  einer  feiner  Stellung  gegenüber  bcn  Äinbem  angcmeffcncn  Sffieife 
über   bic   ©infünftc  beö   Äinbcöocrmögenö   im  gcmcinfamcn  3ntcref|c   nad^ 
eigenem  ©rmeffen  verfügen  ju  fönnen,  fo  crgiebt  fic^  barauö  oon  felbft,  ba§ 
aU  ©egcnftanb  ber  ettcrtid&cn  SJluftniejjung  baß  Sßermogen  beö  Äinbeö  nur  in 
bcrfclben  SBcifc  angefc^cn  werben  fann,  wie  wenn  bic  elterlid&e  Jlufenicfeung 
alö  binglic^eö  9lcc^t  übcr^oupt  nid&t  beftänbe.    S)ic  Scbcnfcn,  welche  on  fxd^ 
gegen  biefe   (Scftaltung   ber  eltcrlid^cn   ^lufenicfeung  oom  ©tanbpunfte   beö 
33ered^tigtcn  auö   fic^   erf)cben   laffen,  crlcbigen   fid^   burdi   bic   bcfcbrfintte 
©ef^öftöfä^igfeit  beö  Äinbeö,  meldte  ben  Sn^öber  bcr  clterlid&en  ©cmalt  gegen 
loiDüürlid^c  ©inroirfungen  beö  ftinbeö  auf  baö  ber  elterlid^cn  ?lufenic|ung 
unterlicgenbe  SBcrmögen  in  auörcid^enbcm  SMa^e  aud^  bann  f^ü|t,  wtnn  bem 
3nl^obcr   ber   eltcrlid^en   Oewalt  bie   ajcrmögenöocrmaltung  auöna^mörocifc 
nid&t  juftef)t. 

§  1522. 

S)ic  aSorfd^rift  beö  §  1522  l^at  bereitö  in  einem  anbcren  3»fömmem  ^>»«jt«^ 
^ange  in  ben  9Hotioen  ju  §  1503  oben  ©.  742  ff.  ibre  Segrünbung  gcfunbcn.  ''^''"  '^ 
Sluöna^men  oon  bem  ©runbfofee,  bafe  bcr  3nl^abcr  ber  clterlid^en  Ocroalt  nid^t 
inoentarifationöpflic^tig  ift,  finb  in  ben  §§  1547,  1548,  1599,  1623  bcftimmt. 

§  1523. 

3l(id)  bem  gcttcnbcn  9ied&tc  finben  auf  bic  jum  nid^tfreien  ®^^"^ögen  ^««^^^^^^^^^^ 
beö  ftinbeö  gc^örcnben  oerbrau^baren  ©adycn  im  3lllgcmcincn  bic  Orunbfägc  SareTsa^^en! 
über  ben  uneigcnttid^cn  Slicfebrauc^  an  oerbraud^barcn  ©ad^cn  Slnrocnbung. 


778  ertcrlid6c  9flu$nie§un0.    SScrbrauibarc  ©ad&en.    §  1523. 

©eitcnbe«  ©g  ctflicbt  fid^  blcö  tii  ©onangclung  entgcgenftc^cnbcr  Scftimmungcn  au« 
'*'*''  bctn  aud^  bcm  gcltcnbcn  Steckte  ju  ©runbc  licgcnbcn  5ßrinjipc,  bofe  auf  bic 
eücrlid^c  Jlufinicfeung  bic  SBorf^riftcn  über  bcti  SRicfebraud^  Slnrocnbung  pnbcn 
(pcrgl.  1.  8  pr.  Cod.  de  bon.  quae  lib.  6,  ei;  gntfc^.  b.  SR.  ©.  in  6iüUf.  X,  42 
©.  151 ;  prcufe.  31.  2.  SR.  H,  2  §§  168, 169,  I,  21  §  173 ;  code  civil  3Irt.  384, 
587,  601  —  baju  entfd^.  b.  SR.  ®.  in  Straff.  XV,  65  — ;  födif.  ®.  ». 
§§  1811,  660,  623,  1819,  1670).  Slad^  röm.  unb  gemeinem  Med&te  foH  icbo^ 
in  ben  fällen,  in  roeld^cn  bem  Sßater  auöna^möroeife  eine  SSeräufeerung  bcr 
jum  unfreien  SSermögen  beß  Rinbeö  gel^orenben  (Segenfionbe  geftattct  ift,  im 
galle  ber  SSerou^crung  ber  ©rlöö  roieber  jum  ©tamme  bcö  Äinbefioermögcnd 
^gefd^lagen  werben  (1.  8  §  5  Cod.  de  bon.  quae  lib.  6,  ei ;  ©euffert  XVII,  65), 
unb  baö  preufe.  91.  S.  SR.  IT,  2  §  174  beftimmt,  ba^/  wenn  ber  SBater  (Srunb* 
ftücfe  ober  ©ered&tigfeiten,  roeld^e  ju  bem  unfreien  SSermogen  beö  Äinbeö  ge« 
^ören,  mit  (Genehmigung  befi  SBormunbfd^aftögerid&teß  btoö  beö  ^lufienö  wegen 
oeräufeert,  ber  ßrlbö  entroeber  anberroeitig  ju  (SrunbftüdEen  auf  ben  SRamen 
beö  Rinbcö  Dermenbet  ober  auf  $i)pot^ef  angelegt  ober  oon  bem  SSater  bc* 
fonbere  ©ic^er^eit  bafür  befteDt  merben  mufe.  5Kud^  nac^  bem  fäd&f.  ®.  89. 
§  1818  unb  bem  franj.  SRed^tc  (code  civil  9lrt.  457)  ift  anjunel^men,  ba§, 
xomn  JU  einer  83eräu|erung  bie  Oene^migung  ber  oberoormunbfd^aftlid&en 
S5el)5rbc  erforberlic^  ift,  bic  le|terc  i^re  ©enc^migung  von  Sebingungen  ab* 
gängig  machen  fann,  meldte  ben  &r(öö  für  baö  Kinb  fid^erfteUen  (pcrgL 
entfc^.  b.  91.  0.  in  ©ioilf.  XI,  81). 
eianbpunft  ^^^  ^iubUdEc  auf  bie  freie  ©tcUung,  meldte  ber  Sni^aber  ber  clterlid^en 

«ntwurfcö.  Oeroalt  in  älnfe^ung  ber  SBcrmogenöocrroaltung  einnimmt,  ift  bic  Slnmenbung 
gii^tanmen.  bcr  SSorfd^riftcu  über  ben  Jüe^raudb  ant)erbraud^baren©ad^en(§§1018— 1020) 
?^riftai'übevöwf  ^i^  elterliche  Slufeniefeung  an  Dcrbraud^baren  ©ad^en  Dom  ©tanbpunftc  beö 
.  *>««  3ntcref[cö  beö  Äinbeö  auö  afe  bebenflid^  erad^tet,  jumal  bem  3nl|aber  ber 
«ic^brau«^.  ^{jg^jj^^j^  ©eroalt  grunbfäglid^  eine  SSerpflid^tung  jur  ©ic^er^eitöleiftung  nid&t 
obliegt  (§  1524)  unb  bem  Äinbe  auc^  ein  gefeglid^er  SCitel  jur  33cftenung 
einer  ^ppotl^ef  nid^t  eingeräumt  ift.  Slbgefe^en  oon  ben  wenigen  gäOien,  in 
weld&en  bie  Oene^migung  beö  SBormunbfd^aftögerid&teö  ju  einer  SJcräußerung 
oorgefc^rieben  ift  (§  1511  5Rr.  1,  2),  ^at  ber  3nl)aber  ber  elterlid^en  Oeroalt 
cö  in  ber  $anb,  ha&  5Bermögen  beö  Äinbeö  in  ®clb  umjufegen,  inöbefonberc 
aud^  bie  gorberungen  beö  Äinbeö  einjujie^en  unb  bic  SBertljpapierc  ju  ucr* 
äußern.  ®a  bie  eltcrticfte  Jlufiniegung  an  bem  ieweiligen  33ermögen  bcö 
.Vlinbcö  beftet|t,  f o  würbe  bei  Slnwenbung  ber  SBorfd^riften  über  ben  Jiicfebraud^ 
an  oerbrauc^baren  ©ac^en  auf  bic  elterlid&e  ^iußniefeung  ber  3nl(iabcr  ber 
elterlid^en  ®cwalt  in  ber  fiagc  fein,  fid^  in  3lnfef|ung  bcö  ganjen  Äinbeö* 
oermögenö  ober  boc^  cineö  großen  2:()ei(eö  beöfelben  jum  gewö^nli^en  ©c^ulbner 
JU  mad&en,  o^ne  ba^  baö  5linb  gegenüber  ben  ©laubigem  bcö  3nl^aberö  bcr 
clterlid^cn  ©eroalt  in  anberer  9lrt,  alö  burd^  baö  im  §  54  5Rr.  5  bcr  Äont.  D. 
beftimmtc  aSorjugörcdjit  gcfd^üßt  wäre.  29cfonbcrö  gefä^rbet  würbe  baö  Sntcreffc 
bcö  Äinbeö  bann  fein,  wenn  ber  Sn^aber  ber  clterlid^en  ©cwalt  beim  Seginnc 
ber  elterlid^en  ^Rufiniefeung  bercitö  überfdiulbct  fein  follte.  9luc^  bcr  ^wtd 
ber  §§  1535,  1299,  bem  Hinbe  ben  Unterhalt  auö  ben  ©infünftcn  feincö  SBer* 
mögenö  gegenüber  ben  ©laubigem  beö  Sn^aberö  ber  eltcrlid^en  ©ewalt  ju 


eiterlid&e  gRu^mefeutiö.    Serbrau(J6bare  Sachen.    §  1523.  779 

fidlem,  roürbc  inforocit,  ate  bic  SSorfd^riften  über  ben  Jlicfebraud^  an  t)er* 
btttud^borcn  ©ad^cn  Slnroenbung  finbcn  toürben,  oercitclt  werben.  2tuf  ber 
anbcren  ©cite  ift  aber  aud)  Dom  ©tanbpunfte  beä  Snterefjcd  beß  Snl^abcrg 
ber  clterlid^en  Oemalt  aus  fein  33ebürfni6  t)or{)anben,  jene  SSorfd^riften  auf 
bie  elterlid^e  Slugniejjung  ju  übertragen.  5Die  befonberen  SSorfd^riften  über 
ben  SRie^braud^  an  uerbraud^baren  ©ad^en  fxnb  in  fold^en  fallen  allerbingö 
nid^t  ju  entbel^ren,  in  roeld^en  mit  bem  ^Riefebraud^e  nid^t  aud)  baö  SRed^t  ber 
SBermogenöDenooItung  ^anb  in  §anb  ge^t.  ©oU  in  biefen  gällen  bem  3lki^ 
braud^er  in  2lnfef)ung  ber  Derbraud^baren  ©ad&en  bie  SKöglic^feit  gemälirt 
»erben,  ben  ofonomifd^en  ©rtrag  ju  jic^en,  fo  ift  ber  fog.  uneigentlid^e  9lie6== 
braud^  bie  einjige  möglid^e  furiftifd^e  gorm.  STnberö  oer^fitt  es  ftd^  aber  bei 
ber  elterlid^en  Slufeniefeung,  ba  ber  3n^aber  ber  elterlid&en  ©emalt  Iraft  ber 
il&m  regelmäßig  jugleic^  pfte^enben  elterlid^en  SBermögenöDerroaltung  bie  jum 
SBermögen  beö  Äinbeö  ge()8renben  oerbraud^baren  ©ad^en,  inöbefonbere  aud^ 
baft  baare  ®etb,  in  anbere  Oüter  umfefeen  fann,  roetd^e  if)rer  9ktur  ober 
il^rem  juriftifd^en  Sn^alte  nad^  o^ne  SBcrbraud^  einen  ®rtrag  ju  gewähren  ge* 
eignet  finb.  ©omcit  aber  bem  Snl^oter  ber  elterlid^en  ©eroalt  bie  aSermögenö- 
oerroaltung  nic^t  jufte^t,  ift  er  nad^  §  1532  überhaupt  t)on  ber  eigenen  Shiß- 
Übung  ber  elterü^en  Jlufeniefeung  auögefd^loffen,  unb  l^at  ber  für  bie  SBer* 
mogenöDerroaltung  berufene  gefe|Iid&e  SSertreter  beö  Äinbeö,  roeld^er  im  Slamen 
beö  festeren  für  Sied^nung  beö  Snl^ctberö  ber  efterlid^en  ©eroalt  bie  eltcrlid^c 
Slufeniefeung  auöübt,  bafür  ju  forgen,  ba§  aud^  von  ben  oerbraud^baren  Qaä)cn 
ein  angemeffener  ©rtrag  crjielt  roerbe.  3)er  3luöf^Iu6  ber  Slnroenbbar!eit  ber 
SSorfd^riften  über  ben  S^iefebraud^  an  Derbraud^baren  ©ad^en  entfprid^t  außer* 
bem  bem  ©runbgebanfen  ber  elterlid^en  Jlufinießung,  baß  ber  Snljaber  ber 
elterli^en  ©eroalt  biejenigen  ©infünfte  beö  ÄinbeötJermögenö  erl^alten  foU, 
roeld^e  o^ne  bie  elterli(^e  SJußnießung  bem  Äinbe  jufommen  roürben.  3le^nlid^e 
©efid^töpunfte  finb  eö,  roelc^e  ju  ber  Seftimmung  beö  §  1294  gefüi^rt  ^aben, 
baß  auc^  auf  bie  e^elid&e  Jlugnießung  an  üerbraud^barcn  ©ad^en .  bie  38or* 
fd^riften  ber  §§  1018—1020  feine  Slnroenbung  finben  füllen. 

Um  iebod^  ben  3Inforberungen  beö  Sebenö  geredet  ju  roerben  bejro.  bem   ^^^^*^^ 
3nf|aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  nid^t  nur  im  eigenen  3ntereffe,  fonbern  aud&  in  «nfe^un« 
im  S^tereffe  beö  Äinbeö  felbft   unb  ber  ganjen  gamitie,  foroeit  nöt^ig,  bie  ^*"^jj^'^ J^' 
ÜRoglic^feit  5u  geroä^ren,  mit  J&ülfe  ber  ju  bem  unfreien  Säermogen  bcö    sa^^en, 
Äinbeö  geprenben  uerbraud^baren  ©ac^en  ben  biöl^erigen  §auöl)alt  unb  feine 
roirt^fdiaftlid^e  ejiftenj  ju  erl^alten,  geftattet  ber  §  1523  3lbf.  2,  3  bem  3n^ 
lieber  ber  elterlid^en  ©eroalt,  biejenigen  ju  bem  unfreien  33crmögen  beö  Jlinbeö 
geprcnben  ©ad^en,  roetd^e  burc^  SSerbraud)  genügt  ju  roerben  pflegen  (§  780 
Slbf.  1),  j.  33.  33orrätf)e  oon  Sebenömitteln,  Brennmaterial  u.  bergl.,  nad) 
feinem  freien  ©rmeffen  (oergl.  aud^  §  1294  ©afe  2),  anbere  oerbraudt)bare 
©ad^en    aber,    inöbcfonbere    ©elb    (§  780),    bann    ju    t)erbraud)en    unb    '"»*.««* 
in    eigenem   Flamen    ju    üeräußern,    roenn   baö   $8ormunbfd)aftögerid(|t   cö  brs^swmunV 
genehmigt    l;at,    baß    er    biefelben    oerbrauc^e    ober    in    eigenem    Slamen     ^^j^*^ 
Deräußcre.    3m  galle  einer  fold&en  tfiatfäd^lic^en  ober  red^tlid^en  SJerfügung 
ift  ber  Sn^aber  ber  elterlid^en  ©qroalt  aber  t)erpflid)tet,  nadi  Seenbigung  feiner 
elterlid^en  Jlufenießung  bem  Äinbe  ben  SBert^  ju  erfefeen,  roeldien  bie  ©ac^en 


780  ertcrIW;c  9lutnie6unfl.    ©id&erJ&citßleiftunö  2C.    §§  1524,  1525. 

jur  3^it  ^^^  SScrfügung  l&atten.  S)a  baß  SBormunbfd&aftögcrid^t  bic  im 
§  1523  9lbf.  3  beftimmtc  (Scnel^migung  aud^  generell  ertljeilen  fann,  fo  bieten 
bic  Scftimmungen  bcö  §  1523  Slbf.  2,  3  ein  angcmeffeneö  aRittel,  um,  no* 
mcntfid^  in  Heineren  SScrfiältniffen,  bem  prnftifd^en  33ebürfniffc  bcö  Sebens  ju 
genügen.  SSon  felbft  oerftel^t  eö  ftd),  bofe  boö  aSormunbfd&aftegerid&t  geeignetens^ 
fallä  bic  ®rtt|eilung  ber  Genehmigung  Don  einer  Sid&er^eitdleiftung  obl^öngig 
mod^en  fann  (ocrgl.  §  1524  ©o^  1).  SlBgcmein  oorjufdireibcn,  bafe  baö  SSor* 
munbfd&aftögerid&t  bic  ®enef)migung,  roenn  ber  Sn^aber  ber  clterUc^cn  (Seroolt 
Sid^er^eit  n\ä)t  leifte,  nur  unter  befonberen  Umftänben  ertl^eitcn  foKe,  ift 
cinerfcitö  mit  Slücffidit  auf  baö  geltenbc  iMed^t,  oon  roeldiem  ber  ®ntmurf 
burd^  bie  3lufnaf)mc  einer  berartigcn  SSorfd^rift  nod^  roeiter  fid^  entfernen 
mürbe,  alö  bicö  nad^  ben  Seftimmungen  beö  §  1523  o^ncl^in  ber  ^aU  ift, 
onbercrfcitö  um  beämiUen  als  bebenfUd^  erod)tet,  roeil  bie  SluffteUung  einer 
foldien  Siegel  bie  (Sefa^r  mit  fid&  bringt,  bog  baö  93ormunbfd^aftdgerid&t  oud& 
in  fold&cn  gälten,  in  meldten  bic  UeberlaRung  bcß  ju  bem  unfreien  5Bcrmögen 
beß  Minbeö  gctjorenben  ®elbcß  an  ben  Sn^aber  ber  elterlichen  (Seroolt  im 
3ntercf[c  nid^t  nur  beö  ftinbes,  fonberu  aud^  ber  ganjen  gamilie  in  ^ol^em 
®rabe  münfdicnßmert^  ift,  in  ©rmangclung  ber  ©id&erleiftung  aus  Seforgnife 
einer  ®efäl)rbung  beö  .Hinbcö  unb  ber  eigenen  SBerantroortlid^feit  bie  ®c* 
nel)migung  ju  crtf)eilcn  Slnftanb  nehmen  unb  auf  bicfe  SBeife  ber  3w>^/ 
meldten  bie  S3cftimmung  bcö  §  1523  Slbf.  3  ücrfolgt,  gerabe  in  foldien  göDcn, 
auf  meldte  biefelbe  oorjugßroeife  bered^net  ift,  oercitelt  merbcn  wirb.  9iat^famer 
ift  eö  beßt)alb,  oon  ber  2luffteUung  einer  gefegtid^en  Siegel  in  ber  ^ier  frag« 
lid^cn  ^infid^t  überljaupt  abjufebcn  unb  bie  ®ntfd&eibung  bem  oerftänbigen 
ermeffcn  beö  33ormunbfd)aftögerid^teö  unter  ScrüdEfid^tigung  ber  Umftänbe  beß 
cinjelnen  galleo  ju  übcrlaffen.  2)a§  baß  SBormunbfd^aftßgerid^t  ftc^  bei  feiner 
(Sntfd&eibung  von  bem  :3"tcrcffe  beß  Hinbeß  leiten  laffen  mufe,  oerfte^t  fic^ 
üon  felbft. 

SBcgen  ber  ©rünbe,  auo  meldten  ber  ©ntrourf  bie  Seftimmungen  beß 
§  1523  Slbf.  2,  3  nid^t  aud^  auf  bie  ju  bem  freien  SBermögen  beß  .Hinbeß  ge* 
I)örenben  Dcrbraud^baren  Sad^en  außgebe^nt  l^at,  finb  bie  aJtotioe  ju  §  1503 
oben  3.  742  ju  ücrgleid^en. 

§  1524. 

6i(^i-^eiM*  j)ie  ©rünbc,  axi^  meldten  ber  ^n^aber  ber  elterlid^en  ©emalt  grunb« 

*  *""^     fSglid^  t)on  ber  SSerpflid^tung  ber  ©idierl^eitßleiftung  befreit  fein  foU,  finb  bc« 

reitß  in  ben  3Motioen  ju  §  1503  unter  9lr.  8  oben  S.  744  ff.  bargelcgt.    Die 

SJorfd^riftcn  ber  §§  1005,   1006  T^nb  burd^  bie  befonberen  Sorfd^riften  ber 

§§  1547,  1550,  1532  erfefet. 

§  1525. 

crfüDung  por  3)ie  entfpred^cnbc  Slnroenbung  beß  §  1296  auf  bie  eltcrlid^e  Slu^nieSung 

»eenbtflung  ^^^t^^^^jg^  ^^  ^^^^  j,jg  Slualogie  bcr  a8ert)ättmffe.    ®ß  wirb  in  biefer  »e» 
^ttini€|utifl.  jici^ung  auf  bie  SWotioe  ju  §  1296  oben  S.  198  ff.  Sejug  genommen. 


SIterU(!&e  ^lu^nicfeuno.    S^rfewunöen  ?c.    §  1526.  781 


§  152«. 

®cmcinred)tlid&  finbcii  auf  bie  bem  üätcrüd^cu  SJerroaltiings*  unb  3lk^^  ^  eiterige 
braucfißrcd^tc  untcrroorfcnen  gorbcrungen  bic  SSorf^riften  über  ben  9lic6braud)  '  T*^r"^ 
an  gorbcrungcn  im  Slllgemcincn  9lnmenbunn.  3)ic  l^crrfd^enbe  SWciuung  giebt  ^«^"nfl«"  he- 
bern ^licfebraud^er  einer  ^orberung  nic^t  nur  ein  3lcd[|t  auf  Sesiebung  bcr  ©cuenbe« 
^üd^te,  fonbcrn  ouc^  baö  Siedet  ber  ©iujiebung  unb  an  bem  Seiftungögcgcn- 
ftanbe,  je  na6)  ber  Statur  beß  (enteren,  ben  eigcntlicben  ober  uncigentlic^cn 
5lie6braud&.  Slnbere  geben  noä)  lüeitcr  unb  bcbanbeln  iiax  SUelbroud)  an  einer 
^orberung  ganj  naä)  ben  ®runbfä|en  über  bzn  -Jüeöbraudi  an  cerbraud)^ 
boren  ©ad^en.  9lnlangenb  inöbefonbere  bie  ju  ben  Slboentijien  gel^örenben 
Oelbforberungen,  fo  nimmt  bic  ^rariö  überroiegenb  an,  bafe  bcr  Süater  fraft 
feined  Däterlid^cn  ?lie§braud^ä*  unb  93ern)altungöred)te§  befugt  fei,  biefelbeu 
einjujie^en  unb  ju  Dcröufeern;  bod&  mirb  uielfad^  bie  ©infcbrönfung  binju^ 
gefügt,  ba^  ber  SSater  baö  erbobene  (Selb  ni^t  in  ben  eigenen  Jlu^en  oer- 
rocnben  bürfe  unb  überhaupt  über  bie  Oelbforbcrung  ni^t  ju  feinen  eigenen 
inbioibuellen  JJermögenöjroecfen  ücrfügen  fönnc  (ücrgf.  Seuffert  IT,  307,  X, 
181,  XVII,  65,  XXIX,  230,  XXXIIT,  236;  ®ntf^.  b.  SR.  ®.  in  ßinitf.  X, 
42  S.  151,  152).  2)aö  preufe.  21.  2.  91.  II,  2  §  169  geroäbrt  bem  SSatcr 
auöbrürfli^  baö  3ied&t,  fraft  feineö  üäterlid&en  iicrroaltungö*  unb  3iic6braud|ö^ 
red^teö  auöftel^enbc  ftapitalien  nad)  (Sutbcfinben  einjujieben,  anbenücit  ju  be^ 
legen  ober  aud^  fid^  felbft  jum  ©dfiulbner  bcr  Äinber  bafür  ju  beftcUen.  ®ine 
wegen  ifirer  S3ebeutung  unb  2^ragracite  uiel  beftrittene  9Iuönabme  mad)t  baö^^ 
fclbc  aber  für  fold^c  ^äUe,  in  rodijcn  baö  Äapital  ben  Äinbern  jur  Sid)erbeit 
befonberö  t)erfd)rieben  ober  bie  Sermaltung  bcö  Sßaterö  barüber  burcb  befonbcre 
©efe^e  ober  burcb  auöbrüdflid&e  SBiBenöerflärung  eingefd)ränft  ift. 

9lad^  franj.  Siebte  finben  auf  bic  elterlidje  JJu^niefeung  an  ^orberungcn 
bic  aSorfd^riften  über  ben  Sliefebraud^  an  gorberungcn  Slnmenbung  (ocrgl.  code 
civil  airt.  579,  601).  Der  ^Ueßbraud^  an  Älapitalien  gemäl)rt  bem  S3ercd;tigten 
nid^t  nur  ein  SHcd^t  auf  SSejic^ung  ber  S^n^cn  (code  civil  3lrt.  582,  584), 
fonbcrn,  roie  bic  Suriöprubcnj  annimmt,  audi  baö  SRed^t  ber  ©injicbung  (ocrgl. 
entfd^.  b.  9i.  ®.  in  ßioilf.  IX,  87;  Gntfd),  b.  9i.  0.  in  Straff.  XV,  65). 

5Daö  fäd&f.  ®.  ».  §§  1811,  660  unterftellt  ben  Dftterlidjcn  SUcfebraud) 
an  gorbcrungen  of)ne  SMobifitation  ben  ®runbfä6en  über  ben  3iiePrau(^  an 
gorbcrungen  (§§  625—628).  3)er  5Bater  ^at  ba^er  baö  Siecht  bcr  einjicliung 
unb  an  bem  cingejogcnen  ®egcnftanbc,  je  nad^bem  ber  Icgtere  ju  ben  oer^^ 
braud^baren  gebort  ober  nid&t,  ben  uncigcntlid^en  (§  623)  ober  ben  cigcntlid^en 
Slicgbraud^. 

5Dcr  (gntmurf  gef)t  baoon  auö,  ba§  fein  Sebürfnife  oorliegt,  bem  Snbaber  stanbpimft 
bcr  dtcrlid^cn  ®croa(t  fraft  ber  eltcrlid^cn  Jlngnicfeung  in  3lnfef)ung  bcr  ju  (jntrou'te«. 
bem  nid&tfrcien  SSermögen  bcö  Slinbcö  gcbörenbcn  gorbcrungen,  Slfticn  auf 
3nl^Qber,  ®runbfd^ulben  unb  (Sigentbümerl^tipotfiefen  meitergcl)cnbc  Slcd&tc  bei^ 
julcgcn,  alö  baö  Siedet  auf  Sejicl^ung  ber  grüdbte,  ba  er  Dcrmögc  bcr  iljm 
regelmäßig  juglei^  juftcbenbcn  elterlichen  SBermögcnöücrwaltung  in  ber  2agc 
ift,  foroeit  cö  im  3ntereffc  bcö  Äinbeö  angemcffcn  erfc^eint,  bie  gorbcrungen 


782  elterliche  ?lu^nte§uno.    emcrtööefd&äft.    §  1527. 

beö  legtercn  ju  fünbigcn,  einjuiie^en  unb  baö  erhobene  ®etb  anberroeit  ju 
belegen ,  unb  bic  eltcrlid^e  3iu|nic6ung  ftd^  f raft  ®efc|ed  aud^  ouf  bcn  ein- 
gejogenen  ©cgenftanb  ber  gorberung  crftrecft.  Slud^  für  fotd^e  gälle,  in 
roctd^en  bcm  3nl&aber  ber  elterdd^en  ©eroalt  auöna^möroeife  bie  aScrmogend- 
ücrroaltung  nid^t  iuftel)t,  ift  im  .^inbUdEe  auf  bic  33orfd^riften  bc§  §  1532 
fein  33cbürfni6  oor^anbcn,  bemfctben  roeiterge^enbe  Siedete  bcijulegen. 

Unter  ben  im  §  1526  für  nid&t  anroenbbar  erflärten  Sßorfd^riften  über 
bcn  ^liefebraud^  {)at  ber  ©ntrourf  nid^t  aud^  ben  §  1002  allegirt,  ba  ber  lefitere 
nid()t  überl^aupt  unanroenbbar  ift,  fonbern  bie  3lnroenbung  bcöfelben  fid^  burd^ 
bie  befonbere  SSorfc^rift  beä  §  1526  unb  burd^  bie  bcm  3nl^aber  ber  elterlid^cn 
©croott  juftc^enbc  SSermögcnöoerroaltung  nur  in  anbercr  Slrt  geftaltct.  S)ie 
9lUegation  bcß  §  1002  im  §  1526  fönnte  baf)er  ju  3Ki6i)erftänbnif[cn  SScr^ 
anlaffung  geben. 

§  1527. 

(sueriu^e  SBcungtcid^  befonbere  SSorfd^riften  über  hm  Siicfebraud^  unb  über  bic 

ün"dnemT.  et)eUd^c  Jlufenicgung  an  einem  ©rroerbdgcfd^äftc  in  ben  ©ntrourf  nid^t  auf* 
SSähe  genommen  pni^  nnb  in  bcn  beftcf)cnben  Siedeten  aud^  über  bie  ctterlid^e  9tu^ 
nic^ung  an  einem  ju  bem  SBermögen  beö  Äinbeö  gef)orenbcn  Grroerbdgcfc^äfte 
befonbere  SSorfd^riften  fic^  nid^t  finben,  fo  ift  cd  bod^,  namcntlid^  mit  SRürf* 
fic^t  barauf,  bofe  nad^  bem  S^obc  beö  Sßaterö  ber  3Kuttcr  bic  etterü^c  3ln^ 
niefeung  suftel^t,  nad^  bem  (Sntrourfe  ba^er  fünftig  oiel  I)äufigcr  gälte  ein* 
treten  werben,  in  roeld^cn  ju  bem  SBermögcn  bed  Äinbcö  ein  ber  elterlid&en 
Slufenicfeung  untcrliegcnbcö  ©rrocrbögefd^äft  gcl)5rt,  als  angcmcjfen  cra^tet, 
bie  cttertid^e  5lu|nie6ung  an  einem  fold^cn  ©rrocrbftgcfd^äftc  burd^  befonbere 
Seftimmungen  ju  regeln,  um  bic  ©rl^altung  beöfetben,  roeld^es  oft  einen  rocrt^- 
DolIen  33cftanbtf)eil  beö  iKinbcöDcrmogcnö  auömad^t,  für  baö  Äinb  ju  er« 
möglid^en  ober  bod^  ju  crleid^tern.  Um  fo  unbcbcnflid^cr  ift  eö,  l)icr  burd^ 
befonbere  33orfd^riften  cinjsugrcifcn,  als  ber  Umftanb,  bag  ber  3n^obcr  ber 
cltcrlid^en  ©croalt  juglcid^  ber  gcfcftlid^c  SBcrtretcr  beö  fiinbcö  ift,  eine  einfädle 
unb  iroccfmäfeigc  Siegelung  beö  $8erl^ältniffeö  juläfet.  S)er  3luffaffung  bcß 
aSerfe^reö  entfprid)t  eö,  baö  ©rroerbögefd^äft  roirt^fcfiaftlid^  alö  ein  ®anjeö  ju 
betrad^ten  unb  bemgcmä|  baoon  auöjugeljcn,  ba§  bic  cltcrtid^e  5Ruftnie6ung 
nid^t  bic  cinjclnen  ju  bem  ©rrocrbögcfd^äftc  ge^örenbcn  ©egcnftftnbe  alö  fotd&c 
ergreift,  wie  bicö  na^  §  1038  bei  bem  Slicfebraud^c  an  einem  ganjen  Sßcr* 
mögen  allerbingö  ber  gall  ift,  fonbern  ba^  bic  cltcrlid^e  Slugnicfeung  an  bem 
®rroerbögcfd&äfte  alö  fold^cm  bcfte^t.  2)aö  ©egentl^cil  roürbc  aud^,  folangc 
baö  ©rroerbögefd^äft  betrieben  roirb,  praftifd^  ju  bcn  größten  SBcrroidfelungen 
führen  unb  baö  Sntereffe  beö  Rinbeö  gcfä^rbcn.  SBon  jenem  Sluögongöpunftc 
auö  fann  man  aber  baö  5Ber^ältni|  roieber  in  oerfd^icbcncr  Slrt  geftaltcn. 
3Jlan  tann  bie  9lu|nicgung  an  bem  ©rroerbögefd^äfte  alö  ©anjcm  nac^  bcn 
©runbfäftcn  beö  SJlicfebraud^cö  an  pcrbraud&barcn  ©ad^en  regeln.  ®egcn 
eine  berartige  ^Regelung  fpred^cn  aber  im  SBcfcntlid^cn  biefelbcn  ®rünbc, 
rocld^c  bcn  ©ntrourf  bcftimmt  l^aben,  von  einer  fold^cn  Siegelung  bei  bcm 
Sließbrau^e  unb  bei  ber  c^clid^cn  Slufeniefeung  abjufc^en.     3)icfel6c  roürbc 


(Slterlid&e  Jlu^nieBunö.    ®rrrcrb8flcfd6äft.    §  1527.  783 

au^  mit  ben  ©rünbcn  nid^t  ocrcitibar  fein,  roeld&e  ba^in  gcfül^rt  ^oben,  bic 
SBorfd^riftcn  über  ben  SJlie^braucft  an  oerbroud^baren  ©ac^en  üon  ber  3ir\^ 
roenbung  auf  bie  cttcrUd^e  Jlnfeniefeung  auöbrüdlid^  audjufd&Iießen  (oergl. 
§1523  3lbf.l  ncbft  a»otit)en  oben  ©.  778  ff.).  2)a  bem3n^aber  ber  elterlid&en 
Oeroatt  jngtcid^  bie  eltertidie  SBermögcndoerroaltuug  iuftel^t  unb  nad^  §  1532 
aud^  in  benjenigen  gällen,  in  roeld^cn  bieö  audua{)mön)eife  nid^t  ber  %aU  ift, 
bic  SScrrooItung  befi  Äinbefioermögenö  unb  bic  Slußübung  ber  elterlid^en  SRufe- 
nie^ung  in  bcrfelben  $anb  Dcrcinigt  finb,  fo  liegt  eö  am  näd^ften  unb  entfpric^t 
cfi  auc^  bem  (Srunbgebanfcn  unb  bem  '^rotdt  ber  an  bem  jeroeiligen  Äinbeö- 
vermögen  befte^enben  etterlid^en  SRufiniefeung  am  meiften,  roenn  baö  ©rroerbö- 
gefd&äft  üon  bem  Sn^abcr  ber  elterlid^en  (Seroalt  im  Jlamen  beö  Äinbeö  be^^ 
trieben,  bem  3nl(iaber  ber  elterlid^en  (Seroalt  aber  fraft  ber  elterlid&cn  Jiut- 
niefeung  ber  auf  (Srunb  beö  33etriebeö  beö  ©rroerbögefd^äftefi  fid^  ergcbenbc 
SReingeroinn  überlaffen  roirb.  S^eifel^aft  fann  es  fein,  roie  biefcr  ©eroinn  »eie^^nung 
berechnet  roerben,  ob  als  befinitioer  ©croinn  nur  baß  nad^  Seenbigung  beö  oewhlne«. 
©rrocrbögefd^äfteö  enbgültig  fi(^  ergebcnbe  ©efammtrefultat  in  Setrac^t 
fommen  ober  ob  bem  Sn^abcr  ber  etterlid^en  ©eroatt  ber  jä^rtid^  feftgeftellte 
©efd&äftögeroinn  o^ne  SRücffid^t  barauf,  ob  ber  Stamm  beö  urfprüngtic^en 
©efd^äftöoermögenö  burd&  früf)er  eingetretene  SSerlufte  nod^  oerringert  ift  ober 
burd^  fpätere  33erlufte  oerringert  roirb,  alö  Jlu^ung  befinitio  jufallen  foU. 
gür  biefe  lefeterc  9lrt  ber  Sc^anblung  fprid&t  bie  9lnalogic  ber  aflgcmeinen 
©runbfäfee  über  ben  9lie6braud&  in  Sßcrbinbung  mit  ber  ©rroägung,  ba§  cß 
im  ©efd^äftöteben  üblid&  ift,  bcl^ufö  ber  ©croinnbercd^nung  beftimmtc  STb- 

I  fd^nitte  ju  mad^en  (ocrgt.  SKrt.  108  beö  §.  ®.  S3.),  ferner  bie  SRüdfpd^t  ouf 

ben  Slufeniefeungöbered^tigtcn,  roeld^er,  roenn  ber  iä^rtid^e  ©eroinn  junöd^ft  jur 
Sluögleid^ung  ber  SBerlufte  anberer  3a^rc  ücrroenbet  roerben  mufe,  ^Rufeungen 
auö  bem  93etriebe  beö  ©rroerbögcfc^äfteö  tJielleid^t  niemalö  bcjie^en  roirb,  ob* 
rool^I  baö  JU  bem  ®rroerbögefdE|äfte  gel^örenbe  älltiooermogen  ein  bebeutenbeö 

I  fein  fonn,    6ö  tonnte  bieö  für  ben  Sn^aber  ber  eltertid^en  ©eroalt  ein  9lntrieb 

fein,  baö  ®rroerbögefd^äft,  oielleid^t  jum  großen  Slad^tl^eile  beö  Äinbeö,  gän5lid) 
aufjugeben,  um  fid^  auf  biefe  SBeife  bie  9lufeungen  an  ben  einjelnen  ju  bem 
erroerbögefd^äftc  qt^ioxtnbtn  ©egenftänben  ju  »erfd&affen.  9luf  ber  anberen 
Seite  fommt  inbcRen  in  93etrad^t,  bafe,  roenn  ber  ©croinn  cineö  Sa^reö  ju* 
näd^fi  jur  Sluögleic^ung  ber  aSertufte  anberer  3al)re  Dcrroenbet  roerben  mufe, 
bieö  baju  beitragen  roirb,  baß  ber  3nl^aber  ber  elterüd&en  ©eroalt  fid^  «id^t 
auf  Roften  beö  Äinbeö  in  eigenem  Sntereffe  auf  teidytfinnige  ©pefutationen 
einläßt,  fonbcm  bei  bem  Setriebe  beö  (Srroerbögefd&äfteö  oorftd^tiger  ju  SBcrfc 
flcl^t.  i)iefer  bem  3ntereffe  beö  Äinbeö  unb  ber  (Srl^altung  beö  Äinbeö* 
pcrmögenö  entnommene  ©efid^töpunft  ift  alö  ber  cntfd^eibenbe  ju  betrad^ten. 
85ei  ber  ©eftaltung  ber  eltertid&en  SJlufenießung,  roeld^e  ju  ber  clterlid^en  ©e* 
roolt  on  ftd&  nur  alö  ein  unroefentlid&er  Säeftanbt^cil  l(|injutritt,  fann  in  erfter 
fiinic  nur  baö  3ntereffe  beö  Äinbeö  maßgcbenb  fein,  ©egen  bic  ©cfal^r,  baß 
ber  3nl^<^ber  ber  elterlid^en  ©eroalt  baö  @rroerbögefd^äft  jum  3laä)if)e\U  beö 
Äinbeö  aufgeben  fönnte,  ift  baö  lefitere  burd&  bie  ben  Snliabcr  ber  elterlid&en 
(Seroalt  bei  ^ü^rung  ber  Serroaltung  treffenbe  93erantroortlid^teit  genügenb 
gefd^ä|t.    @ö  roürbe  |ebod^  ju  roeit  gelten  unb  unbillig  gegen  ben  Sn^aber  ber 


784  mexUiit  «Rufenieguitö.    9SerbinbIi(j&!citcn  m  Äinbcö.    §  15-28. 

elterlichen  ©emalt  fein,  toenn  berfetbe  and)  ben  bereits  belogenen  ©eminn 
eines  Sal^rcö  in  golßc  fpäter  cintretenbcr  SSerlufte,  fei  es  oud^  nur  bis  jum 
SelQufe  ber  nod^  Dor^anbenen  Sereid^erung,  roieber  ^erauSjugeben  üerpflid^itet 
fein  follte.  3m  Uebrigen  laffen  fid&  allgemeine  Orunbföfte  über  bic  (Scminn- 
unb  aSerluftbered^nung  im  ^inblidfe  auf  bie  oerfd^iebcnen  ^ier  in  Setrad^t 
fommenben  33ert;ältniffe  im  ©efe^e  nid^t  oufftellen.  ^anbelt  es  fic^  um  bic 
9leubegrünbung  eines  ermerbsgefd^äftes,  fo  roirb  bas  SSormunbfd^aftSgeric^t  bei 
©rtljeilung  ber  ©enel^migung  (§  1515)  bafür  ©orge  ju  trogen  ^aben,  ba| 
biefe  ©runbfäfte  fcftgeftellt  werben. 

SBie  bie  allgemeine  gaffung  bes  §  1527  Slbf.  1  ergiebt,  be^ie^t  berfelbc 
fid)  foroo^l  auf  ben  gall  ber  Fortführung  eines  beftelienben,  als  ben  ber  ^c^ 
grünbung  eines  neuen  (SrmerbSgefd^ciftcS.  ^lad)  §  1527  2lbf.  2  foHen  jebo^ 
bic  Seftimmungen  bcS  §  1527  2lbf.  1  feine  Slnroenbung  finben,  roenn  bas 
©cfd^öft  o^ne  bic  nad^  §  1515  erforberlid^c  ©enel^migung  bes  ^ormunbfd^afts- 
gcridites  begonnen  roorben  ift.  Diefe  SSorfd^rift  ift  eine  angemcffcne  ©rgänjung 
ber  nur  ben  Äarafter  einer  Drbnungsoorfd^rift  an  fid)  tragenben  SSorfd^rift 
bes  §  1515. 

3)as  im  §  1527  9lbf.  1  geregelte  aSertjältnife  bauert  fo  lange  fort,  als 
ber  3nl^aber  ber  ctterlidöen  ©emalt  bas  ©rmerbsgefdiäft  im  Flamen  bcS  Äinbes 
t^atfäditid^  betreibt.  SESann  ber  Setrieb  bes  ©rmcrbsgefd^äftcs  t^atfäd^lid^  auf- 
gefiort  f|at,  ift  unter  S3crüdffid^tigung  ber  Umftänbe  bes  cinjelnen  galles  feft- 
aufteilen. 

m^ftfcuJöcr.  ®"^^  ^^^  öeftimmungen  bes  §  1527  9tbf.   1   ift  es  übrigens  felbft- 

na^me  bc5 '  ücrftönbUdö  uid^t  ausgcfd&loffen,  bafe  ber  Sn^abcr  ber  elterlid^en  ©emalt  burc^ 
SäfteV.  SSertrag  mit  bem  ftinbe  ein  ju  bcm  Vermögen  beS  Ic^teren  ge^örenbes 
©nocrbsgefd^öft  uadj  ben  ©runbfögen  über  ben  3Ue6braud6  an  pcrbraud&baren 
©adien  übernimmt  unb  baS  ©rroerbsgefd^äft  aisbann  für  eigene  SRed^nung  unb 
auf  eigenen  5Jlamen  betreibt.  3^"^  9lbfc^tuffc  eines  foldjen  SSertrageS  mufe 
aber  bem  Äinbe  ein  Pfleger  beftellt  werben  (§  1651  3lx.  1,  §  1738),  unb  au&er* 
bem  ift  baju  bie  ®cnef)migung  bes  Sßormunbfd&aftSgerid^teS  erforberlid^  (§  1674 
31t.  14).  )Dlit  ®cncl)migung  beS  a3ormunbf(^aftSgcrid^teS  tann  ferner  ber  Sn- 
liaber  ber  clterlidjen  ©croalt  bie  ju  bem  ©rroerbsgefd^äfte  gel)örenben  oerbraudd- 
baren  ©ad&en,  inöbefonbere  ein  üorl)anbcnes  SBaarenlagcr  (§  780  3tbf.  2),  nad) 
aJlaögabe  beS  §  1523  3lbf.  2,  3  in  eigenent  5Ramcn  tjcräufecrn  unb  es  baburd^ 
ermöglid^en,  bas  ©cfd^äft  für  eigene  SRed&nung  unb  in  eigenem  Jlamen  fortju- 
füfiren.  2)aburd^  wirb,  namentlid^  in  tleineren  SScrl^ältniffen,  ben  93ebürfnijfen 
bes  praftifdjcn  Sebens  in  angemeffener  Sßeife  Sied^nung  getragen. 


§  1528. 

eteuung  ber  gj^^^  gemcincm  Steckte  fonnen  bie  ©laubiger  bes  ÄinbeS  mcgen  ber  Don 

^'  irinbl«  '  biefem  oljne  ©inroilligung  bes  SBaters  roftl^renb  ber  iiDauer  ber  uäterlid&en  ©e* 

©cueubc«  watt  gemad^ten  ©c^ulben  aus  bem  bem  Döterli^en  9tie&braud^e  unterliegenben 

^*«^*      aScrmögen  Scfriebigung  nid^t  pertangen,  insbefonbere  aucft  nidjt  megen  ber 

2)cliftsfc^ulbcn  ober  ber  gefejlid^en  SScrbinblic^feiten  bes  fiinbes.     3)asfelbe 


6acra*e  SRu^nicgimö.    Serbinbli(J6fciten  bcß  Äinbeg.    §  1528.  785 

(jilt  iiadi  prcufe.  21.  2.  31.  II,  2  §§  201, 202  in  »nfe^ung  ber  aScvbinbli^fcitcn 
awQ  9lcd&tßflefd^öftcti  bcö  Äinbcd,  foroeit  burd^  Icgtcre  o^nc  ©inmiDigimg  beö 
aSatcrö  überhaupt  eine  SBcrbinblid^feit  beft  Äinbcä  begrünbct  mcrben  fann  (tjcrgl. 
11,  2  §§  125—133,  165,  166).  dagegen  Ijoftct  wegen  ber  auö  unerlaubten 
^anblungcn  beö  Äinbes  entftanbencn  SSerbinblid^feiten  beöfetben  anä)  baö 
nid^tfreie  SBermögen,  iebod^  nur  in  Ermangelung  t)on  freiem  SBermSgen 
(11,  2  §§  134,  135,  167,  203).  Db  unb  inmieroeit  aud&  wegen  gefefeli^er 
aSerbinblidifeiten  bed  Äinbeö  boö  nid^tfreie  SScrmögen  bcö  festeren  pon  ben 
©läubigcrn  in  9lnfpruc^  genommen  werben  fann,  ift  im  preug.  91.  S.  SR.  nidbt 
befonberö  beftimmt.  S)aö  ffld^f.  ®.  S3.  §§  1821—1824,  1826  beruht  auf  bcm 
^^rinjipc,  baß  bic  ©laubiger  beö  Rinbeö  wegen  red&tögefd^äftlid^er,  ol^ne  ©in* 
milligung  bcö  SSatcrö  gemad&ter  neuer  ©c^ulben  beö  Äinbeß  an  baö  bem  oater* 
liefen  Sßicfebraud^e  unterworfene  SBermögen  fid^  nid^t  fialten  fönnen,  ba|  ba* 
gegen  bad  lefetere  wegen  ber  Deliftöfc^ulben  unb  ber  gefeftlid&cn  Sßerbinblid^^^ 
feiten  beö  Äinbeö  ^aftct.  2)aö  franj.  SRed^t  entl)ält  in  ben  l^ier  fraglid&en 
Sejiel^ungcn  überhaupt  feine  befonberen  S3cftimmungen. 

®a  bie  elterlid^e  ^Rufiniefeung  nad^  bem  ©ntwurfe  nid^t  beswcctt,  bem  ©taubpunit 
3nt)aber  ber  eltcrlid^en  ©ewalt  einen  Don  feiner  Dormunbfd^aftlidjen  Stellung  ©„twurfcö. 
loögelöftcn  Sßermbgcnöport^eil  jujuwenben,  fonbern  ftd^  nur  alö  bie  ber  Stellung 
beö  Snl^aberö  ber  elterlid^en  ©ewalt  entfpred^enbe  gorm  barfteUt,  in  weld)er 
i^m  bie  ©infünfte  beö  jeweiligen  Äinbeöüermögenö  jur  freien  SBerwenbung  im 
3ntcreRe  einer  normalen  ©eftaltung  ber  SSer^ältniffe  innerhalb  ber  gamilic 
überwiefen  werben  (§  1521),  fo  ift  eö  eine  Ronfequcnj  beö  ©runbgebanfenö 
ber  elterlid&en  ^lujniefeung,  bafe  bie  ©laubiger  beö  Äinbeö  wegen  aller  aSerbinb^^ 
lid^feitcn  beö  festeren  bie  S3efriebigung  auö)  auö  bem  ber  elterlid^en  ^fufeniefeung 
unterliegenben  SBermftgen  beöfelben  ol^ne  iWiidEfidöt  auf  bie  elterlid^c  ^lu^niefeung 
uerlangcn  fönnen.  35aö  ©egentfieil  würbe  a\xö)  mit  bcm  QntercRe  ber  ©lau* 
biger  nid^t  oereinbar  fein.  2)aö  3ntereffe  ber  le|teren  verbietet  eö  inöbefonberc 
ouc^,  bicfelben  wegen  ilirer  Slnfprüd^e  auö  unerlaubten  §anblungen  beö  Äinbeö 
ober  wegen  folcfier  3lnfprüd&e,  weld^e  auö  einem  auf  baö  freie  SSermögen  beö 
Hinbcö  ftd^  bejiel)enben  SRed^töuerl^ältniffe  entftanben  pnb  (§  1530  9lbf.  2  3lx.  2), 
junäd&ft  an  baö  freie  SSermögen  beö  Äinbeö  ju  oerweifen,  ba  burd&  eine  fold^e  nur 
fubribiärc  .^aftung  beö  nid^tfreien  SBermögenö  nad^  außen  für  bie  ©eltenbmad^ung 
ber  SNcd^te  ber  ©laubiger  bie  größten  Sd&wierigf eitcn  unb  SBeiterungen  fid&  ergeben 
würben.  Slel^ntid&e  Erwägungen  finb  eö,  welche  für  baö  ebelii^c  ©üterre^t 
ju  ber  entfpred^enbcn  SSorfd^rift  beö  §  1311  geführt  ^aben.  2)ie  Sad&tagc  ift 
bier  nur  infofern  eine  anbere,  alö  eö  mit  SRüdEfid^t  auf  bic  bcfd&ränftc  ©e« 
fcfjäftöföfjigfeit  beö  Äinbeö  unb  ben  barauö  fidi  ergebenben  SKangcl  ber  ^^Jrojcß« 
fäl)igfcit  beöfelben,  fowie  mit  SlüdEfid^t  auf  bie  mit  ber  elterlid&en  Jlnjuießung 
regelmäßig  c^janb  in  §anb  gel^enbe  elterlid&e  SBcrmögenöücrwaltung  beö  Sn- 
l;aberö  ber  cltcrlid^en  ©cwatt  im  Sntereffe  beö  Icfetercn  ber  im  §  1312  beftimmten 
9luönat|men  oon  ber  $Hcgel  beö  §  1311  l)ier  nic^t  bebarf.  9lud&  in  ben  fallen, 
in  wcld^en  bem  Sn^aber  ber  elterlid^cn  ©ewalt  bie  SBermbgenöoerwaltung  auö^ 
nabmöwcife  überl)aupt  nic^t  ober  in  9lnfct)ung  eineö  3^l)eileö  beö  Äinbeö* 
pcrmögenö  nic^t  jufte^t,  ift  berfelbe  baburd^  genügenb  gcfd^ügt,  baß  rec^tö* 
gefdt)äftlid)e  aScrbinblid^feiten  beö  ftinbeö  wirffam  nur  burc^  ben  gefeilteren 

VloÜvt  ^  biitqttl.  Ocfe^bu«^.  IV.  50 


786  erterlidfec  Snu^nicguno.    ScrbinbliiSfciten  bc3  Äinbc«.    §  1528. 

SBertrcter  bcö  (enteren,  bcjro.  nur  mit  ©inioiDigung  ober  ©enel^migung  befi 
gcfcßUd^cn  Sßertrctcrö  bcgrünbet  rocrbcn  fönncn.  9luf  blc  Sludno^mcfäDc,  in 
roeld^en  baö  Äinb  in  gcioiffem  Umfange  gefd^äftöffil^ig  unb  projcfefä^ig  ift 
(ocrgl.  inöbcf.  §  67,  ferner  §§  1254, 1267, 1271, 1276, 1451  »erb.  mit  §  1536), 
braud|t  um  fo  weniger  9lücffid^t  genommen  ju  werben,  als  in  bem  Jßouptfane, 
nämlid^  in  bem  %aUt  bcft  §  67,  bie  erweiterte  Oefd^äftöfä^igfcit  beö  Sinbefi 
nur  auf  Orunb  einer  oon  bem  gefeftlid^en  SBertreter  beöfelben  unter  Ocne^migung 
beö  SSormunbfd^aftögeric^teö  crtl^eilten  ©rmäd&tigung  eintreten  fann.  3m  Uebrigen 
wirb  wegen  ber  S^ragweitc  beö  im  §  1528  audgefprod^enen  ?ßriniipeö,  namentlid^ 
fooiel  baö  SRed^t  ber  ©laubiger  betrifft,  bet|ufd  itircr  93efriebigung  oon  bem 
Sn^aber  ber  eltertid^en  ®ewalt  bie  fofortige  ©rfüUung  einer  bemfefben  gcgcm 
über  bem  Äinbc  obliegenben  SSerbinblid^feit  ju  ©erlangen,  ju  beren  ©rfüUung 
er  wegen  ber  elterlid^en  SHu^niefeung  erft  nad^  Seenbigung  ber  lefeteren  oer* 
pflid^tet  ift  (üergt.  §  1523  SIbf.  2,  3),  auf  bie  aWotioe  ju  §  1311  ©.  254 
S5cjug  genommen. 
Swangs*  3m  ©egenfoße  ju  ben  §§  1314,  1315  beftimmt  ber  §  1528  weiter,  bafe 

Doaftrecfunfl.  ^^^  ^^^  3njangöooUftrcc!ung  gegen  baö  ber  elterlid^en  Stugniefeung  unterüegenbe 
aSermogcn  beö  Äinbeö  ein  gegen  baö  (entere  DoIIftredfbarer  SCitel  genügcnb  ift. 
S)ie  3lna(ogie  ber  für  bie  efielic^e  Jlufiniegung  gegebenen  SBorfd^riften  ber 
§§  1314,  1315  trifft  bei  ber  elterlid^en  Sflufiniefeung  nid&t  ju.  Diefe  aSor^ 
fc^riften  berufen  einerfeitö  barauf,  bofe  bie  ©laubiger  ber  (g^efrau  nic^t  wegen 
aUer  SSerbinblid^feiten  ber  tefetercn,  fonbern  nur  wegen  ©^egutöoerbinblid^* 
feiten  (§§  1311, 1312)  bie  SBefriebigung  aud^  auö  bem  e^egute  o^ne  SlüdErid&t 
ouf  bie  el^elic^e  9lu|nie6ung  verlangen  fonncn,  anbererfeitö  barouf,  bafe  bie 
(Sfiefrau  als  fold^e  proje^fä^ig  ift.  3^^  beiben  93ejiel^ungen  ift,  wie  oben  ouö* 
geführt  würbe,  bei  ber  elterlid^en  9lu|nie6ung  bie  Sachlage  eine  onbcre.  ^ier 
fe^tt  cß  an  einem  Sebürfniffc,  jum  Sd^ufce  ber  elterlid^en  ^tufenieftung  be^ufö 
ber  SnJöngSooUftredEung  gegen  bafi  ber  elterlichen  SRufeniefeung  untcrlicgenbe 
SSermögen  neben  bem  DoUftredbaren  2^itel  gegen  baö  Äinb  nod^  einen  poB- 
ftredfbaren  2^itel  gegen  ben  3nl(iaber  ber  etterlid&en  ©ewalt  ju  ©erlangen.  ®inc 
fold^e  SBorfc^rift  würbe,  ba  ber  lefetere  na^  §  1528  wegen  ber  elterlid^en  Sßufe- 
niefeung  in  feinem  galle,  felbft  bann  nic^t  ber  Sn'^^S^'^öllftrecfung  wiber* 
fpred^en  fann,  wenn  baö  gegen  baö  Äinb  ergangene  Urtl^eil  materiell  unrichtig 
ober  baö  Äinb  in  bem  ^rojeffe  nid&t  oon  bem  3ii5(iaber  ber  etterlid^en  ©ewolt 
©ertreten  gewefen  fein  foUte,  auf  eine  überflüfrige  Formalität  ^inauölaufen. 
Slngefid^tö  ber  im  erften  ©afee  bcö  §  1528  enthaltenen  Scftimmung  fann  cö 
jweifell^aft  fein,  ob  ber  auf  bie  ^orauöfegung  ber  3^AnSd©onftretfung  fid^ 
bejiel^cnbe  S^fofe  überhaupt  nöt^ig  ift.  Slatl^famer  ift  eö  jebod^,  benfelben  in 
baö  ©efefe  aufjunefimen,  ba  auö  ben  neben  ber  matericDred^tlid&en  Seftimmung 
beö  §  1528  ©aft  1  in  ©eltung  blcibenben  projeffuolifd^en  SBorfd^riften  ber 
6.  ^.  D.  (oergl.  §§  712,  713,  745  baf.),  fowie  l^ingefe^en  auf  bie  SBcftimmung 
beö  §  1904  9lbf.  1  in  SBerbinbung  mit  ber  Grwägung,  bofe  ber  3nl&aber  ber 
elterlid)en  ©ewalt  bie  3nl|Qbung  ber  ju  bem  nid^tfreien  SSermogen  bcö  Äinbcö 
gel^örenben  ©ad^en  nid^t  alö  5Bertreter  beö  Äinbeö,  fonbern  fraft  ber  cltertiddcn 
5Ru6nie6ung  in  eigenem  9kmen  liat  (ocrgl.  §§  1520,  984),  ber  3w)eifel  fid^ 
ergeben  fönnte,  ob  lebiglid^  auf  ©runb  eineö  ©oDftredfbaren  SCitclö  gegen  boö 


erterli(5c  9fltt$nic§iin0.    aSerbmbft^feiten  bcg  Kinbeg.    §  1529.  787 

jtinb  bie  B^ctngdDoDftredung  gegen  bad  nid^tfreie  SSermögen  bed  Slinbed  aud) 
bann  juläffig  fei,  wenn  ber  3n^abcr  bcr  citerlid&cn  @malt  fi6)  jur  ^erauö- 
gäbe  ber  ju  pfänbenbcn  ©ad^en  nid^t  bereit  erflärt. 

Sttu«  §  1528  in  SSerbinbnng  mit  §  1521  ergiebt  fid^  üon  fclbft,  bQ§  im  ^f^'^^l^ 
Äonfurfe  über  boS  Sßermögen  beö  Äinbcö  bie  citerlid&e  Stufen  icfeung  bem  Siedete 
bcr  ©laubiger,  bie  fonfurömä|ige  S3cfriebigung  aud^  auö  bem  bcr  elterlid^cn 
Slufenicjjung  unterlicgcnben  SJermögen  beö  Äinbeß  ju  Dcriangen,  meidet  unb 
bofe,  rotnn  ber  Ronturß  por  ber  völligen  93ert^eilung  ber  äWaffe  becnbigt  ift, 
bie  nod^  oorl^anbene  ÜRoffe,  foroeit  bicfelbe  nid^t  jur  3^it  ^^^  (Sröffnung  beö 
Äonfurfeö  ju  bem  freien  SBermögen  bes  Äinbcö  gel;ört  tjat  —  maö  nöt^igcn- 
fttUö  oon  bem  ßinbc  bcroiefen  rocrben  mufe  — ,  ber  burd^  ben  Äonfurö  über 
boö  SSermögen  beö  5linbeö  nid^t  aufgel^obencn  efterlid^en  Slulnicfeung  unter* 
liegt.  9lnbererfeitö  ergiebt  fi^  auö  §  1530  9lbf.  3,  bafe,  foroeit  auö  bem  üor 
ber  Eröffnung  beö  Äonfurfeö  üorl^onbenen  freien  SBermögen  beö  Äinbcö  Sd^ulbeu 
berid^tigt  finb,  meldte  im  SBcrpItniffe  jmif^en  bem  Snl^aber  ber  elterlid^cn 
©cwalt  unb  bem  Äinbe  ju  einanbcr  bem  bamalö  bcr  elterlid)cn  Jlufeuicfeung 
unterliegenben  33ermögen  jur  Soft  fielen,  ober  aud^  umgefe^rt,  nad^  üKofegabc 
beö  §  1530  9lbf.  3  bem  einen  SBcrmogcn  auö  bem  anberen,  unb  jiüor  nid^t 
nur  auö  bem  Seftonbe  beö  tefetcren  jur  Qtxt  ber  (Sröffnung  beö  Äonfurfeö, 
fonbcrn  aud^  auö  bem  fünftigen  Säeftanbc  bcöfclbcn,  ©rfafe  ju  leiften  ift. 


§  1529. 

Xxt  Seftimmung  beö  §  1529  beruht  auf  o^nlid^en  ®rmägungen,  mic  bie  ""«'[' 
entfpred^enbc  33eftimmung  beö  §  1313  unb  fte^t  mit  bem  Orunbgcbanfcn  bcr  brt*Äinbt« 
cltcrlid^cn  Slufenicfeung,  bafe  bcr  SJnl^abcr  ber  elterlid^cn  ©emalt  bie  griid^tc  ß*^*"  ^""^• 
beö  ÄinbcöPcrmogcnö  nur  infomeit  bejic^en  foll,  alö  biefclbcn  ol^ne  bie  citcr* 
lid&e  SRufeniefeung  bem  Äinbe  jugefaDen  fein  mürben,  im  (Sinf lange.  5Dcr 
§  1529  unterfc^cibet  fid^  üon  bem  §  1313  jcboc^  infofem,  alö  er  nid^t  bloö  von 
ber  gefefelid^cn  Unter^altöpftid&t  gegenüber  SJcrmanbtcn  beö  Äinbcö  (§§  1480  ff.), 
fonbcrn  allgemein  oon  ber  gefefetid^en  Untcrt)altöpf(ic^t  gegenüber  einem 
©ritten  rebet,  um  aud&  fold^e  gälle  ju  bcdfcn,  in  meldten  baö  Äinb  nad^  aWafe^ 
gäbe  ber  §§  1280,  1281,  1454  feinem  ©Regatten,  bcjro.  einem  gefd^iebencn 
©Regatten  Unterhalt  ju  gemäl^ren  oerpfIi(^tct  ift.  ©old^c  göllc  fönnen  mit 
Stüdffid&t  barauf  Dorfommcn,  bafe  na6)  §  1536  bie  eltcrüd&c  Slufenicfeung 
bur^  ©d^ücfeung  einer  ®^c  von  ©citen  beö  Äinbcö  nid&t  becnbigt  mirb, 
njcnn  bie  &)t  oon  bem  Icfetcrcn  ofinc  bie  nad^  ben  §§  1238,  1239  er* 
forberlid^e  ®inmilligung  beöicnigcn  ©Iternt^cifcö  gcfd&loffcn  ift,  rocld^cm  bie 
eltcrlid&c  Slufeniefeung  jufte^t.  Dagegen  fällt  nid&t  unter  bie  93eftimmung  beö 
§  1529  bie  Unterl^altöpPid^t  beö  unc^elid^en  SSatcrö  gegenüber  bem  unef)c* 
Ud^cn  Äittbc,  ba  biefelbe  burdb  bie  fieiftungöfä^igfeit  beö  SSatcrö  nid^t  bebingt 
ift  (§§  1573,  1574).  2)aöfetbe  gilt  oon  bcr  im  §  1577  beftimmten  SSer* 
binblic^feit  beö  SBaterö  eineö  uncl&elid&en  Äinbcö  gegenüber  ber  9Jlutter  beö 
lefetcren,  5umal  biefe  SSerbinblid^feit  noc^  bem  ©ntrourfe  überhaupt  nid^t  ben 
Äarofter  einer  gcfefelid^en  Unterl^altöpflid^t,  fonbcrn  einer  ©ntfd^öbigungö* 
oec6inbUd(|feit  ^at    SBcgcn  ber  julcfet  bcjcid^netcn  33erbinblid&teitcn  fönnen 

50* 


788  elterliche  9Jufeme§unö.    au^ölciiimg.    Saften.    §§1530,1531. 

bic  (Sjldubiflcv,  luic  wegen  iebcr  anberen  äJerbiubüd^fcit,  fd^on  naä)  SRofegabc 
bes  §  1528  bic  Sefricbigiing  aud)  auö  bcm  bor  cltevUc^cu  ^lugnicfeung  unter- 
licgcnbcn  SScrmögcn  üevlongcn. 

3m  Uebrigeu  wirb  auf  bie  ilfottoe  ju  §  1313  oben  ©.  256  ff.  ocnüiefcn. 

§  1530. 

3iu««iei(^unfl  ®ie  bcui  §  131H  eutfpred)cnben  S3eftimmungcn  bcö  §  1530  (ocrgl.  prni^. 

*'Äkr9^-  2.  9{.  II,  2  §§  107,  203;  fäcf|f.  ®.  Ö.  §  1826)  rechtfertigen  fid)  burc^  bic 
unbbcmfrcien5[uQiogie  bcß  §  1316.    ®ö  Wirb  bcsl^alb  auf  bie  Stuöfü^rungen  in  ben  3)totiüen 
i^crmöaeu.  ^^^  g  ^^^^  ^^^^  ^^  ^ßo  ff.  «cjug  gcnommcu. 

3m  ©iujcinen  ift  jcbod)  nod)  ^^olgcnbeö  ju  bemcrfcn: 

1.  2)cn  33crbinbUd^teitcn  aus  unerlaubten  .^anblungen  f)at  ba*  ©ntwurf 
l)icr  fo  wenig,  wie  im  §  1367  9lr.  1,  bie  in  ben  §§  1571,  1577  beftimmtcn 
9[}crbinblid)feiten  beö  unel^eUd)cn  33atcrö  gegenüber  bcm  unc^clicbcn  .Hinbe  unb 
beffen  tWuttcr  g(eid)gefteUt.  ®inc  fold^c  ©Icidfiftcllung  würbe  üom  ©tanb« 
punftc  beß  (Sntwurfeö  aus,  weld)er  biefc  SScrbinblid^teiten,  wcnnglcid^  bicfelbcn 
materiell  auä  einer  unfittlid^en  \^anblung  cntfpringen,  nid^t  als  2)eüftö* 
Obligationen  beljanbctt,  einen  burd^auö  pofitiocn  Äaraftcr  Iiabcn.  2)urd)  ein 
praftifdtieö  Skbürfnife  ift  fie  aber  nid)t  geboten. 

2.  Da  nad)  §  1518  baß  oon  bcm  Äiubc  auf  ©runb  ber  33orfdt|riftcn  bcß 
§  67  fclbftcinbig  betriebene  ®rwerbßgefd&äft  ju  bcm  freien  33crmogcn  bcß 
SEinbeö  gehört,  fo  fann  cö,  o^nc  bafe  cß  in  biefer  .^inftd^t  einer  befonbercn 
Seftimmung  bebarf,  nid^t  iweifcn)aft  fein,  bafe  bic  auß  bem  ©ctriebe  cineo 
fold)cn  ©rwcrbßgefd^ftftcß  cntftanbcncn  SSerbinblid^fcitcn  bcß  .Hinbcß  unter  bic 
5Jr.  2  bc6  §  1530  9rbf.  2  fallen.  3)aßfelbc  gilt  im  ^inblidfe  auf  ben  §  1518 
auij  oon  ben  93crbinblid)teiten  bcß  Äinbcß  auß  2)icnft'  unb  Slrbcitßücrljftlt* 
niffen  (ocrgl.  aud&  §  1316  9lr.  2  ocrb.  mit  §  1289). 

§  1531. 

Saften  Dic  bcftcljcnbcn  9tcdE)tc  cntljaltcn  in  Sttnfeljung  bcr  mit  ber  elterlichen 

*9^iLÄ?mfl^^  oerbunbcnen  Mafien  t^cilß  über(;aupt  feine,  t^cilß  nur  wenige  bc- 

'  f onberc  Scftimmungen  (oergl.  code  civil  SKrt.  385 ;  fäc^f.  ®.  S.  §§  1826,  1828). 
9ladE)  prcu^.  Siedete  ift  inßbcfonbcre  bcftrittcn,  ob  bcr  93atcr  bie  ftoften  cincß 
in  älnfc^ung  ber  Subftanj  bcß  nidE)tfreicn  SBermögenß  gefüljrten  ?|Jrojef[eß  auß 
feinem  eigenen  SScrmögcn  ju  tragen  I)abe.  2)ie  Seftimmungcn  bcß  §  1531, 
wold)c  bie  93orfdE)riften  bcr  §§  1003,  1041  crfe|en,  fd^licfecn  fid)  ben  Seftim* 
mungen  bcß  §  1297  an  unb  bcrul)cn  auf  ben  gleid^en  ©rwägungen,  wie  bicfc. 
3)ic  9h*n.  5  unb  6  bcß  §  1531  weid)en  oon  ben  cntfprcd^cnbcn  33cftimmungcn 
bcß  §  1316  3Jr.  5,  6  nur  infofern  ab,  alß  bic  9Jr.  5  beß  §  1531  bic  Moftcn 
cineö  oon  bem  Minbc  gefüljrten  Sted^tßftreiteß,  fofcrn  bic  iBcrbinblid^fcit  bcfi 
Äinbcß  im  SSerljättniffc  beßfclbcn  unb  beß  3nf)aberß  ber  clterlid^cn  ©cwalt  ju 
cinanber  nic^t  bcm  freien  33crmögen  beß  Minbeß  jur  Saft  fällt  (§  1530),  bcm 
Sn^abcr  ber  elterlid&cn  ®ewatt,  oorbeljattlid^  bcr  auß  §  1531  9Ibf.  2  p* 
crgebcnbcn  33efd^ränfung,  ganj  allgemein  jur  Saft  legt  unb  aud^  bic  9Jr.  6  bcß 


eiterii^e  9Jutniefeunö.  3lu3fd6Iu§  b.  eltcrl.  aJcmaltung.  §§  1532, 1533.       789 

§  1531  bie  aSerpflici^hmg  beö  Snl^abcrö  bcr  cltcrlid^cii  (Scraalt  jur  2^raflung 
bcr  bort  bcjeid^nctcn  Äofteu  bcr  SSert^cibigung  beö  .Hinbcö  nid^t  baüon  ah 
Ijänflig  mad^t,  bafe  ber  3n^abcr  ber  cltcrlid^en  (Seroatt  ju  ber  SJcrtdcibigung 
feine  SinwiUigung  ober  (Senef)migung  crt^eilt  \)ai.  S)icfc  Slbraeic^ungen  be- 
rulieu  t^eilö  barauf,  bafe  bei  ber  elterlichen  SRufenicfeung  eine  Unterfdjcibung, 
rocld^e  ber  Unterfd^cibung  jroifd^cn  (S^cgutöoerbinblirfifeiten  unb  anberen  33er* 
binblic^feiten  (§§  1311,  1312)  cntfpricf|t,  nid&t  ftattfinbet  (§  1528),  t^cils 
barauf,  bafe  baö  Äinb  regelmäßig  nid^t  gefd^äftöfä^ig  unb  projcfefäljig  ift  unb 
bcß^alb  bic  ^ier  fraglid(|en  Sled^tö^anblungen  regelmöfeig  pon  bem  3nl)aber  ber 
eltcrlid&en  Ocroalt  als  bem  gcfeglic^en  33crtreter  beö  Rinbeö  üorgenommcn 
werben  muffen  bejn).  ju  il)rer  äBirffamteit  ber  (Sinroilligung  ober  ®enel)migung 
bcd  3n^aberß  ber  elterlid&en  ©eroalt  bcbürfcn.  Unter  biefen  Umftänben  tonnen 
bie  bejcid^neten  Slbrocic^ungen  einem  33ebenfen  nid^t  unterliegen,  um  fo  weniger, 
alö  ber  §  1531  2lbf.  2  ben  Umfang  ber  bem  Sn^aber  ber  elterlid)cn  ©croalt 
gegenüber  bem  Äinbe  obliegenben  33erbinblidE|feiten  ber  bier  fraglid)en  9lrt  in 
angemeffener  SBeife  begrenjt,  3m  Uebrigen  roirb  rocgen  ber  33egrünbung  ber 
einjclnen  S3eftimmungen  beö  §  1531  auf  bie  Sluöfü^rungen  in  ben  ÜRotioen 
ju  §  1297  oben  ©.  199  ff.  perroiefcn. 

2)ie  ®rünbe,  auö  rocldden  bcr  ©ntrourf  bie  Unterfialtöpflid^t  ber  ®ltern 
gegenüber  bem  Äinbe  nid^t  alö  eine  iJaft  ber  elterlid^en  ^Jujniefeung,  fonbevn 
alö  3luöflu6  ber  SBerroanbtfd^aft  bel;anbelt,  fmb  in  ber  äJorbcmerfung  5U  ben 
§§  1480—1496  oben  S.  677  ff.  bargelegt. 

§§  1532,  1533. 

3)ie  §§  1532,  1533  regeln  baö  aSerljältuife  ber  elterlid)en  Jiufeniefjung  «»crii^e 
in  benieuigen  gällen,  in  welken  bem  3nl)aber  ber  elterlid)en  ©eroalt  in  b^riu^Ä 
9lnfc^ung  bcö  bcr.  cltcrlid()en  Jlufeniefeung  untcrliegenben  äJennögcnö  bcö  ^^«'^  «^*«'^"^^" 
Äinbeö  bic  clterlidjc  SScrmögenöoerroaltung  nic^t  juftcl^t.  Soldf)e  gällc  fönncn  *'^^""'*""^* 
nac^  bem  (Sntrourfe  eintreten,  roenn  ein  Sritter  na(^  äWafegabc  bcö  §  1510  in 
3lnfel)ung  ber  bort  bejeid^neten  ©cgenftänbe  bie  93ermögenöoerroaltung  bcö 
v^>nl)abcrö  ber  clterli^en  ©eroalt,  nid^t  aber  jugteid^  bic  elterlidjc  ^Wu^niefeung 
auögefd()loffen  l)at,  rocnn  bem  3n^aber  bcr  clterlid)en  ©croalt  burd)  baö  ^^or* 
munbfc^aftögcrid^t  bic  elterliche  ©eroalt  mit  3luönal}mc  ber  cltcrlid()cn  3h\p 
nicfeung  (§  1546)  ober  bic  SSermögenöocrroaltung  cntjogcn  ift  (§§  1547,  1548, 
1550,  1623),  roenn  bie  cltcrlidjc  ©eroalt  rut)t  (§§  1554—1556)  ober  roenn  ber 
3u^abcr  ber  cltcrlidjen  ©eroalt  in  golgc  bcr  ©röffnung  beö  Monfurfeö  über 
fein  äScrmögen  bic  elterliche  il^crmögcnöocrroaltung  Dcrlorcn  l)at  (§  1553). 
"ilad)  bem  in  großen  SRcd^tögebicten  geltenben  iMed)tc,  inöbefonbere  naä)  bem 
preuß.  diente,  uerlicrt  in  ben  meiftcn  unb  roiddtigften  ber  l)ier  in  9{cbc  ftcfjcnbcn 
J5äUc  ber  3»I)abcr  bcr  uätcrlid)en  ©eroalt  mit  bcr  93crroaltimg  bcö  Äinbeö- 
ocrmögenö  aud^  ben  3licßbraudö,  namcntlid^  in  ben  gäUen  beö  Monfurfcö, 
bcr  ©ntmünbigung  roegen  SBcrfc^roenbung,  bcö  SBerluftcö  ber  väterlichen 
©eroalt  roegen  aSißbrauddeö  foroie  beö  !}tul)enö  bcr  Döterlic^en  ©croalt  (ucrgl. 
preuß.  21.  y.  m.  II,  2  §§  206,  268,  256  —  265).  9iur  in  bem  galle, 
rocnn  ein  dritter  bei  einer  ^^i^cnbung  an  baö  Minb  bem  ÜJater  lebiglid)  bie 


790       erterlt^c  «ftu^nicgung.  «uef^Iug  b.  eltcrl.  Serttjaltung.  §§  1532, 1533. 

SUermögcnöDeriüaltung,  nid^t  jufllcic^  bcii  Slicfebraud^  cntjogcn  l^at,  tritt  and) 
naä)  prcufe.  SHec^te  im  ^rinjipc  ein  äl^nlid^cö  SSer^öItnife  ein,  wie  naä)  bcm  ©nt^ 
raurfc  in  ben  gäUen  beß  §  1532  (ocrgf.  preufe.  ST.  S.  SH.  II,  18  §§  977  ff.).  3la^ 
anbercn  5led)tcn  bagegen,  inöbefonberc  naä)  gemeinem  Siedete  (oergl.  ©enffcrt 
VII,  198,  XXIV,  201)  mb  bem  fäcftf.  ®.  83.  §§  1815, 1816, 1834,  jic^t  aüc^ 
in  fonftigen  gällcn  ber  ^ier  fraglif^en  3lrt  ber  5Berluft  bcr  mit  ber  oäterlid&en 
Oeroalt  üerbunbenen  aSerioaltung  nidjt  ben  SBerluft  bcö  Sliefebrouc^eö  nad& 
ftc^;  bod^  entl^alten  biefe  Steckte  feine  befonberen  Seftimmungen  barüber,  wie 
in  fo(dE)en  gölten  baö  93erl^ä(tnig  red^tlid^  fic^  geftaltet,  ob  unb  inn)ien)eit  bem 
93ater  ber  9liegbraud^  ate  ein  binglid^eö  9ied^t  oerbleibt  ober  ob  ber  Stiegbraud^ 
fic^  in  einen  pcrfönlid^en  Slnfprud^  auf  bie  ©infünfte  umroanbelt  (pergl.  code 
civü  Slrt.  618). 

(sntiie^ung  ^er  @ntn)urf  Qd)t  junäc^ft  bavon  aus,  bag  in  fold^en  göllen,  in  xotlä^cn 

l'Xm^^^^  Sn^aber  ber  elterli^en  ©eraatt  in  3lnfel(|ung  beö  ber  elterlichen  3lup 

jiuftnic^ung.  niefeung  unterliegenbcn  Söermogenö  bie  elterlid^e  Söermögenöoerroaltting  nic^t 
juftefit,  bemfelben  icbenfaUö  nid^t  bie  eigene  3luöübung  ber  etterlid&en  3lup 
niefeung  mit  bcr  baju  erforbcrlic^en  niefebrftud&lic^en  ^Serroattung  gelaffen 
rocrben  barf,  weil  ein  fold^cö  SBer^ältnife  jmifd^en  bem  Sn^aber  ber  elterlichen 
©eroolt  als  Siu^niefeer  unb  bem  jur  ^ermögenöoerroaltung  berufenen  gefcfc« 
lid&en  Sßertreter  beö  Äinbcö  ju  Äonfliftcn  fül^rt  unb  auf  bie  SBermogenös 
üerroaltung  jum  9]ad^tl^eile  beö  Hinbeö  l^emmenb  unb  ftorenb  cinjuwirfen 
brol^t.  Snäbcfonbcre  muffen  in  ben  göUen,  in  welchen  bem  Snl^aber  bcr 
elterlidjcn  ©emalt  wegen  ©efäl^rbung  beö  Äinbeö  burd&  ba&  JBormunbfd&aftö^ 
gerieft  bie  Sßermögenßoermaltung  entjogen  ift  (§§  1546,  1547, 1550),  biefelben 
®rünbe,  meldte  eine  bcrartige  Sßaferegel  ücranlaffen,  im  Sntereffe  beö  Äinbeö 
notl^roenbig  ba^in  führen,  bem  Snl^aber  bcr  elterlid^en  ©emalt  aud&  bie  mit 
bcr  eigenen  3lußübung  bcr  Jlugniefeung  pcrbunbene  nicfebräud^lid^e  3Sermaltung 
JU  nefimen,  wenn  nic^t  bie  ©ntjie^ung  bcr  elterlichen  Söermögcnöoermaltung, 
menigftenö  jum  Xf)t\i,  illuforifc^  gemalt  werben  foH.  3lbcr  aud^  in  ben 
gälten,  in  welchen  an  bie  Stelle  ber  rul(ienben  cltcrlidEien  ©emalt  beö  SSaterö 
mit  Sluönal^me  ber  bem  lefeteren  ücrblcibenben  elterlichen  Jiufenicfeung  bie 
clterlid^e  ©ematt  bcr  aWutter  tritt,  entfprid^t  cö  ben  natürlid^en  83er|oltniffen 
am  meiften,  roenn  bie  mit  bcr  elterlid^en  SRufenicfeung  t)erbunbenen  Meinen 
äSerwaltungöl^anblungcn  beö  täglichen  ^öuölic^en  fiebenö  ber  äßuttcr  über^ 
wiefcn  merben  unb  bie  ftbrcnbe  ©inmifd^ung  beö  5Baterö  bejro.  beö  bemfelben 
bcftelltcn  SSormunbcö  ferngcl(ialten  wirb. 

^rinsipiette  ©inc  ttubcrc  gragc  ift,  mie,  um  jencö  ^id  ju  crreid^en,  baö  JBer^ältnife 

0cpoitun9  ^^  jmcdtmftfeigftcn  unb  in  einer  ben  pcrfd^iebencn  Sntereffen  gleid^mäfeig 
»er^Äitniffes.  gicdf)nung  tragenben  SBeife  redtitUc^  ju  geftalten  ift.  (So  bieten  fi^  in  biefcr 
§infidS)t  t)crfdS)icbenc  SBcge  bar.  9Kan  fann  in  ben  l^ier  fraglichen  gällcn  bcr 
eltcrlid^cn  ^u|nicgung  ben  £araftcr  eineö  binglid^cn  9led^teö  gönjlid^  nehmen 
unb  ben  3»^ßber  ber  elterlid&cn  ©cmalt  fraft  ber  elterlichen  Slufeniefeung  auf 
einen  pcrföntid^cn  Slnfprudj)  gegen  baö  Äinb  auf  ben  jä^rlic^cn  Ueberfd^ufe 
ber  ©infünfte  beö  5tinbcöt)erm5genö  befc^ränfcn.  Dber  man  bcl^ölt  audd  in 
bicf cn  gälten  bie  elterliche  Sßufeniefeung  alö  ein  binglid^cö  Siedet  bei,  fd^lic^t 
aber  ben  3n^aber  ber  cltcrlidf)en  ©eroalt  t)on  bcr  eigenen  9luöübung  ber  elter« 


ertctltd&c  gfluftnießung.  Sfugf^Iug  b.  elterl.  SScrttaltuuö.  §§  1532, 1533.      791 

liefen  9lu^nieguitg  auö  unb  lögt  bie  legiere  für  Sled^ttung  bed  ^t^^^^t^^td  ber 
elterlid^en  ©cttjalt  von  bcm  Äinbc  burc^  btn  für  bic  aSermogetiöoertüaltung 
berufenen  gcfelUd^en  SBertretcr  bcöfelbcn  ausüben.  ®er  erftere  SBeg  tft  bem 
Äinbe  infofern  (jünftiger,  ate  er  boö  Sted^t  ber  eltcrlidöen  SRufeniefeung  ju  einem 
nur  perfönlid^en  Slnfpruc^e  abfd^njöd^t.  Sluc^  geroöl^rt  er  bem  jur  SBermögenö^ 
pcrwaltung  berufenen  gefeglic^en  Söertreter  beö  Äinbeö  gegenüber  bem  3nf)aber 
ber  ettcrlid^en  (Seraalt  eine  freiere  unb  felbftänbigere  ©teUung.  Snßbcfonbcre 
ift  nadö  bem  erften  SBege,  nad)  roeld^em  bie  gefammte  SBermogenöoerroaltung, 
einfd^liefeltd^  ber  gruc^tjiel^ung,  für  SHed^nung  beö  Einbeä  erfolgt  unb  bem 
Sn^aber  ber  elterlichen  ©eioalt  nur  ein  perföntid^er  Slnfprud^  auf  ben  Ueber^ 
fd^ufe  beö  SReinertrageö  juftel^t,  ber  gefefilid&e  SBertreter  beö  Äinbeö  ber  ^ßflid^t 
einer  fein  Slmt  erfd^merenben  boppelten  5led&nungdfübrung  überl(|oben,  inbem 
er  alö  fold^er  nur  bem  SSormunbfd^aftdgcrid^te^  nic^t  aud^  in  Slnfel^ung  ber 
3luöübung  ber  Slufeniegung  bem  3nl)aber  ber  elterlichen  ©emalt  9ledE)nung  jU 
legen  üerpflic^tet  ift.  Ueberroiegenbe  ®rünbe  fpred&en  inbeffen  für  ben  jrociten, 
oon  bem  ©ntmurfe  eingefdtilagenen  9Beg.  ©erfelbe  ^at,  wenn  man  einmal 
baoon  ausgebt,  bafe  in  ben  ^ier  fraglichen  gällcn  bie  elterliche  SRufcniefeung 
überhaupt  befielen  bleiben  foll,  bie  9ledS)tötonfcquenj  für  fid^  unb  bie  ^Analogie 
bcÄ  §  1006,  meld^er  für  ben  Sliefebraud^  eine  äl^nlid^e  9Sorfd^rift,  mie  bie  beö 
§  1532,  trifft  unb  burc^  ben  §  1292  aud^  auf  bie  eJ^clid^e  ^lufcniefeung  für 
anmenbbar  crflärt  ift.  2)ie  Siegelung  beö  ©ntrourfcö  ^at  ferner  ben  SSorjug, 
bafe  fie  baö  l^ier  in  JRebc  ftelienbe  33erl^äftni§  unb  baö  Oefeg  er^eblidE)  oer* 
einfad^t  unb  baö  befonbere  3nftitut  einer  ben  Üaralter  eineö  binglid&en  SRed^teö 
entbel^renben  elterlid^en  Slufiniefeung  üermeibet.  2)ie  3luögcftaltung  biefeö  bc^ 
fonberen  Snftituteö  im  ©injelnen  ift  jubem  mit  perfd^iebenen  ©d^roierigfeiten 
üerbunben  unb  mad^t  eine  Steige  fafuiftifc^er,  perioirfelter  93eftimmungen  notb- 
menbig,  namentlid^  über  bie  3^^*  ^^^  gäUigfeit  beö  Slnfprud^eö  auf  ben 
Ueberfd^ufe  beö  SRcinertrageö,  foroie  über  ben  3citpunlt,  in  welchem  ber  ©rfafe 
ber  SefteDungöfoften  unb  ber  SBerroenbungen  nac^  SRafegabe  ber  §§  1009, 
1010  pon  bem  Sn^aber  ber  elterlid&en  ©eroalt  in  ben  f)ier  fraglichen  gällen 
oerlangt  werben  fann.  alle  biefe  Sd^roierigfeiten  unb  biefe  befonberen  Se^ 
ftimmungen  werben  permicben,  wenn  bem  3nl)aber  ber  elterlid^en  ©emalt  bie 
elterlid^e  9lugniegung  alö  binglid^eö  9ted^t  Derbleibt.  £a}u  fommt,  bag  baö 
3lu|ungörec^t  beö  3nl(iaberö  ber  elterlid^en  ©cmalt  vermöge  beö  biefem  Siedete 
ocrbleibenben  binglid^en  ftaraftcrö  in  \)oi)^vtm  2Ra§e  gefdöüfct  ift.  ©r  mirb 
inöbefonbere  ßigent^ümer  ber  getrennten  grüc^te,  unb  finb  bie  legieren  ba^er 
bem  S^griffe  ber  ©laubiger  beö  Äinbeö  entjogen.  3lamentlic^  für  ben  praftifcb 
mid^tigften  unb  am  tiöufigften  Dorfommenben  gall  ber  mbenben  elterlid^en 
©emalt  (§  1554)  mürbe  bie  Ummanblung  beö  binglic^en  SFled^teö  ber  ^Jug* 
niegung  in  einen  perfonlid^en  Slnfprud^  auf  ben  Ueberfd^ufe  beö  Steinertrageö 
eine  bebenflic^e  ^firte  gegen  ben  3nbaber  ber  elterlid^en  (Semalt  enthalten, 
wenn  man  pc^  üergegenroärtigt,  bafe  baö  9iuben  ber  elterlid^en  ©cmalt  ber 
Siegel  nad^  ol[|ne  iebeö  33erfd^ulbcn  beö  ^n^aberö  ber  elterlid^en  ®emalt  eintritt. 
2)ic  S3illigfeit  erforbert,  ba§  berfelbe  l)infid)Mici&  ^^^  JJugniefeung  nicbt  weiter 
befcjirönft  wirb,  alö  unbebingt  notbmenbig  ift  unb  baö  3ntcreffe  beö  Äinbeö  cö 
er^eifcjit.    S)em  3ntei^cf[c  beö  Äinbeö  aber  wirb  oöllig  baburd^  genügt,  bafe 


792       eiterlict^e  5Ruf niegimg.  Sluöf (j^hife  b.  efterl.  »cm^artmia.  §§  1 532, 1533. 

bcr  3rif|Qbcr  bcr  ctterlid^cn  Ocwatt  oon  ber  eigenen  3luöübiing  ber  eltcrlid)cu 
^tufeniefeung  außgefd^loffen  ift,  foroie  burd^  bie  weitere  33eftimmung,  bafe  er 
bic  Verausgabe  ber  5tufeungen  nur  inforoeit  verfangen  fann,  alö  biefelben  ju 
ber  gortfül^rung  einer  orbnungfimäfeigen  33ern)altung  unb  ju  ber  Scftreitung 
ber  Saften  ber  5iufenie§ung  nic^t  erforbcrlic^  finb,  unb  bafe,  rocnn  bie  elter- 
lid^e  ©eiüalt  ru^t  ober  mit  3ludnaf)mc  ber  efterlidfien  5Ru6nie§ung  burc^  ia^ 
33ormunbfd)aftßgerid^t  entjogen  ift,  bem  3n^aber  ber  eftcrlid^en  ©eroalt  mithin 
aud)  bie  ©orge  für  bie  5ßerfon  beö  Rinbeö  nid^t  juftcl^t,  auö  ben  bemfelben 
l)erauöjugcbenben  ^Jufcungen  auc^  bic  Äoften  beö  Unter^alteö  beö  ilinbeö  iu^ 
foroeit  üorroeg  entnommen  werben  fönnen,  alö  fie  bem  3nl&aber  ber  elterlid^en 
©eroatt  jur  Saft  fallen.  2)ur(^  biefe  SMöpofxtionöbcfd&rönfungcn  in  Slnfe^ung 
ber  elterlid^cn  Slufeniefeung  ift  inöbefonbere  einer  ©inroirfung  beö  3n^aberö 
ber  elterlid^en  ©eroalt  auf  bie  SSerroaltung  ber  ^lugniefeung  unb  ber  ©efabr 
üorgebeugt,  bafe  berfelbe  bejro.  beffen  ©laubiger  beliebig  auf  bie  erjielteii 
Blutungen  üermöge  beö  bem  crfteren  juftel^enben  Sigent^umdred^teö  greifen 
unb  baburd^  eine  orbnungömäfeige  unb  gebeil^lidfie  SBerroaltung  l^inbern  unb  bie 
(grfüUung  ber  bem  3nl}öber  ber  elterlichen  ©eroalt  fraft  feiner  elterlichen  3lu%' 
niefeung  unb  feiner  Unter^altöpffid^t  gegenüber  bem  Üinbe  obliegenben  33er^ 
pflid^tungen  gefäl^rben  fönnen  (üergl.  aud^  §§  1584,  1535).  3luf  ber  anberen 
Seite  pcrftef)t  eö  fid^  aber  oon  felbft,  ba^  ber  jur  SSermogenßoerroaltung  be^ 
rufene  gefefclid^e  3Sertretcr  beö  Äinbeö  bei  ber  Slrt  ber  SBerroaltung  beö  Äinbeö* 
t)ermögenö,  foroeit  bieö  mit  bem  Sntereffe  beö  itinbeö  oereinbar  ift,  aud^  baö 
Sntereffe  beö  Sn^aberö  ber  elterlid^cn  ©eroalt  ju  berüdtfid^tigen  unb  baö  SSer^ 
mögen  beö  Äinbeö,  namentlid^  aud)  inforoeit,  alö  baöfelbe  in  oerbraud^baren 
Sad;en  unb  ^^tberungen  befielet  (§§  1523,  152G),  orbnungomÄfeig  jum  ^roccfe 
bcr  grud^tjiel^ung  ju  oerroalten  t)at. 
(SimeU)eitfn.  3m  (Sinäclnen  ift  noc^  golgenbeö  J^eroorju^eben : 

5Durd&  bie  »eftimmung  beö  §  1532  9lbf.  1  ©afc  1,  bafe  bie  eltcrlicije 
9lufeniefeung  für  SRed^nung  beö  3nl&aberö  ber  etterlidfieu  ©eroalt  oon  bem  Minbe 
burdfi  ben  für  bie  SSermbgenöoerroaltung  berufenen  gefefelidfecn  SSertreter  beö 
Äinbeö  auöjuüben  ift,  roirb  ffargeftellt,  bafe  bered^tigt  unb  oerpflic^tet  ju  biefcr 
3luöübung  nidtit  etroa  bie  ^^icrfon  beö  gefeglid&en  SSertrcterö,  fonbcrn  baö  Hinb 
felbft  ift  unb  biefeö  l^ier  roie  in  anberen  Sejiel^ungen  nur  burc^  feinen  gefelj^ 
tidjcn  SBertreter  oertreten  roirb. 
eofortine  SSon  bem  5ßrinjipe,  bafe  in  ben  gällen,  in  roeld^cn  bem  3nl)aber  ber 

*iS"«er  ^'^^^'^^^^^  ©croalt  in  9lnfe^ung  beö  ber  elterlid^en  :1iu^niefeung  unterliegcnben 
binbiic^tctteii.  SJermögenö  beö  Jtinbeö  bie  Söerroaltung  nid^t  juftel^t,  ber  .Harafter  ber  elter= 
lid^en  iDIugniefeung,  t)orbe^altlic§  ber  aM  bem  §  1532  fid^  ergebenben  Slk* 
fd&räntungen,  nid^t  geänbert  roirb,  mad^t  ber  §  1533  bic  rocitere  9luöna^me, 
bafe  bcr  3w^öber  ber  ©eroalt,  roenn  er  ju  ber  ©rfüllung  einer  gegenüber  bem 
.Stinbe  idm  obliegenben  Sßerbinblid^feit  roegen  ber  etterlici)en  Slu^niefeung  erft  nad^ 
bereu  öeenbiguug  ücrpflic^tct  ift  (§  1523  2lbf.  2,  3,  §  1521  pcrb.  mit  §  988 
9tbf.  2),  in  ben  gällen  beö  §  1532  bie  Seiftung  fofort  ju  beroirfen  bat.  S)ie 
l^rpflid^tung  ju  ber  fofortigeu  Öeroirfung  ber  Seiftung  tritt  ^ier  an  bie  ©teile 
ber  äluöfc^tiefeung  uon  ber  eigenen  9luöübung  ber  elterlid^en  'Jtugniefeung  imb 
red^tfertigt  \\d)  burd)  bie  $Hürffid)t  auf  bie  Sic^er^eit  beö  Minbeö,  weld}e  in 


Sltcrliic  ?ftuJime§uno.    Un\)crau6erli4feit.    §§  1534,  15:]5.  793 

bcn  l^ier  in  Sctrad&t  fommcnben  göUcn  rcflclmüfeig  gefäl^rbet  ift.  5Wur  in  btn 
gäUen  beö  gtuf^cnö  ber  eltcrlid^cn  ©croalt  foU  bic  »eftimmung  bcö  §  1533 
3lbf.  1  feine  älnmcnbnng  finbcn,  ba  bie  3lnrocnbung  berfelben  auf  biefe  gäUc 
ju  einer  unbilligen  ^artc  gegen  ben  ^nljaber  ber  elterlichen  ©ciuatt  füfiren 
würbe  unb  burc^  baö  Sntereffe  bes  Äinbeö  in  bicfen  gällcn  nidt|t  geboten  ift. 

Unter  bie  Seftimmung  beö  §  1533  3lbf.  1  fällt  aud^  ber  galt,  in  raelc^eni 
ber  Sn^ober  ber  elterlid^en  (Seroatt  nac^  ajlafegabe  ber  §§  1292,  988  9lbf.  2 
jur  ©rfüllung  ber  im  §  988  3lbf.  2  bejeid^neten  SBerbinblic^feit  wegen  ber 
elterlid^en  9lu|nie§ung  an  fxd)  erft  na6)  Seenbigung  ber  legieren  üerpflid)tet 
ift.  SBenngleic^  bie  ratio  beö  §  988  3lbf.  2  bafür  geltenb  gemad^t  werben 
fann,  für  ben  bort  bejcid^neten  gall  von  ber  Seftimmung  bcö  §  1533  9lbf.  1 
eine  Sluönal)me  ju  madien,  fo  ift  eine  fold(|e  9luönaf)mebeftimmung  bod)  im 
^inblirfe  ouf  bie  Seltenheit  eines  fold&en  galleö  unb  bcn  fafuiftifc^en  Äarafter 
einer  bcrartigen  Söorfdirift  atö  ongemeffen  nid^t  erad^tet,  jumal  ouö  ber  9In* 
wenbung  beö  §  1533  2lbf.  1  auf  biefen  galt  eine  erfieblid^e  Unbilligfeit  fidb 
nid^t  ergeben  wirb,  ba  ber  Snljaber  ber  elterlid^en  ®ewolt  bie  Siiif^*^  ^^^ 
geja^lten  ©umme  bejie^t  unb  bic  gortbauer  ber  elterlichen  ^iugnie^ung  in 
bengSllen,  auf  welche  bie  Seftimmung  beö  §  1533  9lbf.  1  3lnwenbung  finbet, 
für  ben  3nl)aber  ber  elterlid^cn  ©ewalt  o^nel)in  alö  eine  Segünftigung  ^xä) 
barftellt. 

§§  1534,  1535. 

©emeinred&tlid^  ift  beftritten,  ob  ber  oöterlidSie  9lie6braudj  ber  9luöübung  immauBer. 
nad^  übertragbar  ift  (ocrgl.  bafür  Seuffert  ^^  296;  bagegen  Seuffert  XX,  222).  ^'^^mT 
9ludt|  bie  neueren  Oefe^büdjer  entfd()eiben  bie  gragc  nid^t  ouöbrüdlid&.    Sa-  ^«f*«**  *>«^' 
gegen  erfennen  bie  meiften  9led)te  an,  bafe  bie  ©laubiger  bcö  SBaterö  fid&  giu^nir^uim. 
bet)ufö  i^rer  93efriebigung  infoweit  an  bie  ©infünfte  beö  Hinbeöücrmögenö  v^^a„buna  ber 
Ijalten  fönnen,  alö  baburd^  bie  Untcrl)altöpPid)t  beö  Sßaterö  gegenüber  bem    S»^*^^*«- 
Äinbe  nidEit  beeinträd^tigt  wirb.     9tod^  weiter  ge^t  baö  fäd)f.  &.  33.,  nad^    «eitenbe« 
welchem  bie  ©laubiger  bcö  SSaterö  ju  ifirer  Sefriebigung  bie  grüd^te  beö  bem     '*^*^" 
Päterlid^en  9Ue6braud}e  unterliegcnben  Sßermögenö  nur  infoweit  in  9lnfprud) 
netimcu  fonnen,  alö  nid(|t  bie  Äoften  ber  ©r^altung  beö  ©egenftanbeö  beö  ^tiefe- 
braud^eö  fowie  ber  Unter()alt  bcö  93aterö  unb  ber  gamilienglieber,  ju  bereu 
Untcrljalte  er  gefefelic^  verpflichtet  ift,  barauö  ju  beftreiten  finb  (t)ergl.  preufe. 
91.  \i.  i«.  II,  2  §§  205,  206;  öfterr.  ©.  93.  §  105;  fäd^f.  ©.  93.  §  1820).   S)aö 
olbenb.  ®ef.  t).  24.  9lpril  1873  9lrt.  44  §  4  fdjliefet  bic  ^^ifänbung  ganj  nuö. 
2)ie  gemeinrec^tlidje  ^]5rajL'iö   läfet  bie  Stt^^^fl^^ollftredEung  in  baö  ofttcrlic^e 
5iie6braud)örecl|t  tl^cilö  unbcfc^ränft  ju  (Seuffert  Y,  296,  XXXV,  222),  ttjeilö 
mit  ber  SDiafegabe,  bafe  ben  Äinbern  auf  ©runb  ilirer  Unterl)altöbcrec^tigung 
ein  einfprud&öredS)t  eingeräumt  wirb  (Seuffert  III,  338,  XXII,  153,  281). 
3)iefe  le^tere  9fuffaffung  wirb  aud^  pon  ber  frauj.  Suriöpnibenj  (uergl.  code 
olvil  9lrt.  385)  vertreten. 

gür  ben  gall  beö  Monturfeö  über  baö  äSermögen  beö  nu^nie^ungö^ 
bcred)tigten  ®lterntl)eileö  geljört  nad^  §  1  9lbf.  2  ber  Honf.  D.  ber  '9iiefebraud) 
jur  .ttouf urömaff e ,  foweit  er  nid)t,  wie  bicö  nad)  bem  preufe.  91.  ü.  5H.  U,  2 


794  eiterlid&e  gflutme§unß.    Unueraugerri(i6fcit.    §§  1534,  1535. 

§  206  unb  m(i)  bcn  olbciib.  ©efcfecn  o.  10.  3lpril  1879  Slrt.  52  uub  2.  äpril 
1879  3lrt.  35  ber  gall  ift,  mit  bcr  (groffnung  bcö  Äonfurfcö  erlifd&t.  9luö 
bcn  5Ru6ungcn  fann  aber  bcr  Oemcinfd^ulbncr  bic  aWittcI  bcanfprud&cn,  rocld^c 
ju  feinem  angemcffcnen  Unterfialte  unb  baju  erforberlid^  finb,  um  eine 
gefcfilid&e  SBcrpffid^tung  beöfclben  jum  Unterhalte  feiner  e^efrau  ober  jum 
Untcrlialte  unb  jur  ©riiel^ung  feiner  Äinbcr  ju  erfüllen. 
©tonbpunft  Sleljnlid^e  Erwägungen,  wie  biejcnigen,  auf  welchen  bie  SJorfd^riften  bcr 

«ntimfrf««  §§  ^^^®'  ^'^^^  bcruf)cn,  muffen  bal^in  führen,  bafe  —  abroeid^enb  pon  bcn 
für  ben  gjiefebrauc^  gettenben  Söorfc^riften  ber  §§  1011  biß  1013  —  bie  Siedete, 
meiere  burd^  bie  elterlid^e  Sßufeniefeung  on  bcn  ju  bem  SBcrmögen  beö  Äinbeö 
gel^örenben  ©egenftänben  begrünbet  finb,  wegen  il^rcr  familienrcd^tlid^en  ®runb^ 
läge  nid^t  Dcräugert  unb  belaftet  merben  lönnen  unb  ber  ^fänbung  nic^t 
unterliegen,  foroie  bafe  in  3lnfcl^ung  bcr  5ßfänbung  bcr  auf  Orunb  ber  eltcr- 
lid^en  STtulniefeung  oon  bem  3n^aber  bcr  elterlid^cn  ©eroalt  erroorbenen  grüd^te 
bie  aSorfd^riftcn  beö  §  1299  entfpred^cnbe  2(nroenbung  finbcn.  Um  aber  im 
Sntcreffe  bcö  ÄinbeS  bie  ©inmifd^ung  brittcr,  bem  Äinbe  fremb  gegenübcr- 
fte^enbcr  ^erfonen  in  bic  33erroaltung  beö  Äinbcöücrmögenö  t^unlid&ft  ju 
pcrmcibcn  unb  ju  t)crl(|inbern,  ba§  bcr  S^edE  ber  im  §  1535  bcftimmtcn 
^45fänbungöbefd^rfinfungcn  ücreitett  werbe,  fqH  bie  S3cftimmung  bcö  §  1534 
Sog  1  für  bcn  gall,  bafe  bcr  Snl^abcr  ber  elterlichen  ®croalt  nad&  TOafegabe 
bcö  §  1532  von  bcr  eigenen  2(uöübung  auögcfd^loffcn  ift,  aud^  auf  bcn  nad^  bcn 
S3cftimmungcn  beö  §  1532  bem  3>n]^abcr  bcr  ctterlid^cn  ©croalt  juftelienbcu 
Slnfprud^  auf  Verausgabe  bcr  3lufeungcn,  folange  biefcr  nod^  nid^t  fällig  gc^^ 
roorbcn  ift,  Slnroenbung  finben.  ferner  foU  ieucr  Slnfprud^  aud^  nad&  ©intritt 
ber  gäUigfeit  bcöfelbcn  nur  mit  ben  im  §  1299  bcftimmtcn  Scfc^ränfungcn 
ber  ^fänbung  unterliegen,  bamit  nid^t  bie  auf  Orunb  bcö  3lnfprud&cd  bem 
Snl^abcr  bcr  elterlichen  ©croalt  l^erauöjugebcnben  Slufeungcn  itirer  93cftimmung, 
junäd^ft  jur  ©rfüUung  ber  im  §  1299  2lbf.  1  bcjeic^nctcn  Unterl|altdt)erpflid&' 
tungen  bcö  Snbabcrö  ber  elterlichen  ©eroalt  ju  bienen,  burd^  bie  ©laubiger 
bcö  lefetcrcn  entjogen  roerben  fönncn.  S)em  ©rroerbe  ber  grüd^te  auf  ©runb 
bcr  elterlichen  ^iulniefeung,  roenn  bie  Icfetcre  von  bem  3nl^aber  bcr  eltcrlid^cn 
©eroalt  felbft  auögcübt  roirb,  ftel^t  im  galle  bcö  §  1532  materiell  bic  gättigfeit 
bcö  Slnfprud^cö  auf  ^erauögabc  bcr  9lu|ungen  glcid^. 

aSie  im  gallc  beö  §  1298,  braucht  neben  bcr  UnDcräufecrlic^fcit  im 

VinblidEe  auf  bie  §§  1022,  1207  bie  Siid^tbclaftbarfcit  ni^t  bcfonberö  ^croor* 

gehoben  ju  roerben;  bagegen  ift  cö,  roie  im  §  1298,  fo  auc^  Ijier  mit  SRüdEficbt 

auf  bie  aSorfc^rift  bcö  §  312  crforbcrlid^,  bie  Suläffigfcit  bcr  ^fänbung  ber 

bier  fraglid^cn  SRcd^te  auöbrürflid^  auöjufd^licfecn,  ba  bcr  Sßatcr  bie  Sluö- 

Übung  berfclbcn,  inöbefonbere  burd^  SBcrmictl^ung  ober  SBcrpat^tung,  einem 

Slnbcrcn  übcrlaffen  fann. 

Äonfurfl  9luö  bcn  §§  1534,  1535  in  SScrbinbung  mit  §  1  3lbf.  1  ber  Äonf.  D. 

S^SÄen  ^^Öiebt  fic^  t)on  felbft,  bafe  aucb  im  gatte  ber  ©röffnung  beö  Äonfurfcö  über 

©eroou.    baö  aSermögen  bcö  3n{|abcrö  bcr  cltcrlid^cn  ©croalt  bie  SRec^te,  roeld^ic  bur^ 

bie  elterliche  Jlugnicfeung  an  ben  jum  aSermögen  beö  Äinbcö  gebörenbcn 

©egenftänben  begrünbet  fmb,  foroic  ber  nad^  ben  Seftimmungcn  bcö  §  1532 

bem  3n^abcr  bcr  cltcrlid^cn  ©croalt  juftclicnbc  3lnfprud^  auf  ^erauögabe  bcr 


eitcrlid{>e  9lii^iuc6unö.    |)etrat]&  be8  Äinbcö.    §  1536.  795 

?lu6ungcn,  forocit  bicfcr  jur  3^'*  ^^^  ©röffnung  bcö  Sonfurfed  iiod^  nid^t 
fällig  ift,  ni^t  jur  Äonturßmaffc  gcl^ört,  (otoic  bofe  bic  ju  bicfcr  ^tit  auf 
©runb  bcr  cltcrlid^cn  Slu^nicfeuufl  Don  bcm  Sni^abcr  bcr  cltcrlidticn  ©croalt 
bereits  ermorbcnen  grüc^te  unb  bcr  im  §  1532  bcicid&nctc,  ju  jener  ^di 
bercilö  fäUigc  Sttnfpruc^  auf  ^craußflabc  bcr  Slugungcn  nur  mit  ben  aus 
§§  1535,  1299  fid^  crgebcnben  Scfd)ränfungen  jur  Äonfurömaffe  gcjogcu 
werben  tonnen. 

3m  Ucbrigen  wirb  jur  Scgrünbung  bcr  §§  1534,  1535  auf  bieäRotiue 
JU  §§  1298,  1299  ücrroicfen. 

§  1536. 

2)ie  SRcgel  beö  §  1536,  bafe  bic  cltcrUci^c  'äRugniefeung  burd^  bic  Sd^liefeung  ^f^^^^^ 
einer  &)t  von  Seiten  bed  5linbcd  bccnbigt  wirb  bejm.  nid^t  eintritt,  wenn  bic  siui^nietung 
clterlid^e  ©ewalt  crft  nac^  Schließung  bcr  ®^e  beö  Äinbeö  erlangt  roorben  ift  ö^ew\f^„g 
(ücrgl.  §  1501  Slbf.  2,  §  1559  SIbf.  2),  cntl&ält  eine  aWobififation  bcö  bcm  be«  «inbe«. 
©ntwurfe  ju  ©runbc  Ucgcnben  ^^rinjipcö, .  bafe  bie  clterlid^c  ©croalt  burc^  bic 
«fecirat^  bcö  Äinbcö  nid^t  bccnbigt  wirb  (oergL  §  1509).  ®icfc  SRobifitation 
red^tfertigt  fid^  t^cilö,  unb  jwar  porjugöweife,  burd&  ben  ©cjtd^töpunft,  bafe 
bic  ©infünfte  bcö  JUnbcöocrmögcnd  jur  93eftrcitung  bcr  Äoftcn  bcö  eljcUd&cn 
^auöl^altcö  bcr  Siegel  nad^  nic^t  ju  entbehren  fxnb,  tl^cilö  burd^  bic  ©rmägung, 
bofe,  wcnigftcnö  im  gallc  bcr  SBcr^ciratljung  bcr  J^od^tcr,  bic  ^auptgrünbc, 
auö  welchen  bcr  Entwurf  bic  elterliche  SRufeniefeung  mit  bcr  cltcrlid&cn  ©cwalt 
ocrbunben  l^at,  wegfallen.  ®a  bic  2:od&tcr  nac^  il^rcr  SBcrJ^ciratl^ung  ben 
Unterhalt  in  crfter  Sinic  nid^t  mcl^r  üon  ben  ©Itcrn,  fonbern  pon  bcm  6l^c* 
manne  empfängt  (§  1484),  fo  bient  bic  cltcrlid^c  Slufcnicfeung  regelmäßig  nid^t 
mel^r  alö  9luöglcid^img  für  ben  pon  im  (Sltcrn  ben  Äinbcrn  ju  gcwäl^rcnbcn 
Untcrl^alt.  3lud&  tritt  bcr  ^rotd  bcr  cltcrlid^cn  SRufcnicßung,  baö  ftinb  be^ufö 
Stärfung  bcr  eltcrliddcn  2(utorität  auc^  in  pcrmogcnörcdötlid^er  SBcjic^ung  oon 
ben  @ltem  abl^ängig  ju  mad^cn,  im  gallc  bcr  SBcrl^eirat^ung  bcö  Äinbcö, 
namentlich  bcr  aScrl^eiratl^ung  bcr  2^oc^tcr  (pcrgl.  §  1509),  in  ben  hinter? 
grunb.  S)aju  fommt,  baß  aud&  nad^  bcm  geltenbcn  Siedete  bic  elterliche  9lu6* 
nießung  burd^  bic  ^clrat^  bcr  ä^od&ter  ganj  allgemein,  burd^  bie  SBcrl^cirat^ung 
beö  ©ol^ncö  wcnigftcnö  bann  bccnbigt  wirb,  wenn  mit  bicfcr  SBcr^cirat^ung, 
waö  t^atfäd^lid^  mciftenö  bcr  gall  fein  wirb,  eine  Slbfonbcrung  Don  bcm  cltcr* 
liefen  ^auö^altc  ücrbunben  ift.  3laä)  ocrfc^iebencn  SRcd^tcn  l^at  aber  aud^  bic 
aScrlJlcirat^ung  bcö  ©oljncö  alö  fold^c  bcrcitö  bic  S3ccnbigung  bcr  elterlid&en 
9tu6nicßung  jur  golgc  (ocrgl.  Scuffcrt  XI,  52,  XXIX,  148,  XXVII,  144; 
prcuß.  31.  8.  3*.  II,  2  §§  168,  210  ff.,  228,  229;  fäd&f.  ®.  ö.  §§  1811,  1832, 
1833;  Code  civil  9lrt.  476,  384;  Weimar.  ®ef.  d.  27.  aWärj  1872  §  17; 
braunfd^w.  ®cf.  o.  19.  aWai  1876 ;  ^eff.  ©ntw.  III  3lrt.  25,  38). 

Sßon  bcr  Siegel  beö  §  1536  ift  icbod^  für  ben  Sali  eine  3luöna^mc  bc*  «u^na^me. 
ftimmt,  baß  bie  ©^e  oon  bcm  Jlinbc  o^ne  bie  nac^  ben  §§  1238,  1239  er* 
forberlic^c  ©inwiUigung  bcöicnigcn  ©Itcrnt^cilcö  gcfd^loffen  ift,  wcld^cm  bic 
clterlidbc  aiußnießung  juftel^t.    S)icfc  bcm  prcuß.  31.  8.  3t.  II,  2  §  228  unb 
bcm  württcmb.  2.  91.  IV,  13  §  6  fiel)  anfdjlicßenbc  9luönal^me  bcrulit  auf  bcr 


796  ßlterli«c  SRuftnieguiiö.    Seraid&t.    §  1537. 

©rtüäguug,  bafe  bcm  Sn^abcr  bcv  clterlid^cn  Ocioalt  burd^  bic  rcd^tgmibrigc 
^anblung  bcö  Äinbeö  baö  SRed^t  bcr  eltcrlid^en  "Jluftnic^ung  nid^t  eutjogcn 
roevbcn  borf.  ©icfclbc  greift  aud)  bann  ^^ita|,  wenn  bcr  betreff cnbe  6IterntI}eil 
feine  ©inroiUigung  jur  ©J^efc^lie^ung  auö  einem  nidfet  gcred^tfertigten  (Srunbe 
Dermeigert,  baö  Äinb  aber  bie  ®l)c  gefd()loffen  {)at,  oljne  baf^  juüor  bie  citer- 
tid)e  Einwilligung  b\xv6)  ric^tertid^cö  Urtl)eil  nad)  SKafegabc  beö  §  1238 
9ttf.  3,  4  erfe(}t  roorben  roav,  ha,  folange  ber  6(tcrnt^ei(  jur  6rtl|eilung  ber 
©inroiUigung  Ted^tßtrfiftig  nid)t  Derurt^eitt  ift,  bic  6inn)iUigung  nac^  ben 
§§  1238,  1239  erforberli^  bleibt.  2Bcld)en  einfluß  eö  auf  bie  gortbauer  ber 
elterlid^en  Jlu^nicfjung  bot,  wenn  ber  betreff enbe  6ltcrntl)eil  bie  crforberlicbe 
©cnelimigung  nad^tröglic^  nad^  Sc^tiefeung  ber  ®^e  ertbeilt,  ift  in  (Sr= 
mangetung  eineö  )8ebürfniffe8  unb  jur  SSermeibung  pon  .Hafuiftif  im  Öefefec 
niddt  befonberß  entfd()ieben.  3m  SKUgcmeinen  wirb  baoon  ouöjuge^en  fein, 
baft  in  einem  fold^en  galle  bcr  SBerftofe  gegen  bie  bem  betreffenben  (Sltern^ 
t^eile  fddulbige  ^ictät  unb  bamit  auc^  bie  an  biefen  SBcrftoft  gefnüpfte  golge 
wegfällt,  bic  elterliche  Jiufeniefeung  mitl)in  nad^träglic^  beenbigt  wirb. 

§  1537. 
«ersieht  auf  ^lad)  xöm.  JRcd^tc  t)at  ber  SJeri^icöt  beö  SSaterö  auf  bad  oäterlid^e  Süefe» 

51u%n\*Ä*  ^^o"^ß^^i)t  ^^^^  ^ic  SBirfung  einer  bem  §auötinbe  t)on  bcm  ^auöoater 
gemad[)ten  gcwöl;nlic§?n  Sdjcntung  (1.  0  §  2  Cod.  de  bon.  quae  Hb.  0,  ei) ;  bie 
gemeinred&tlidöe  ^IJrajiö  fielet  iebod^  einen  fold^en  aSerjid^t  alö  redE)tögültig  an 
(ocrgl.  Scuffert  xn ,  44  S.  63).  3luf  bcmfelbcn  33obcn  ftel^t  bad  bai)r. 
y.  dL  1/  5  §  6  9lr.  5).  3m  Uebrigen  enthalten  bie  befte^enbcn  Siechte  feine 
befonberen  33eftimmungen  barüber,  ob  unb  unter  welchen  SSorauöfeftungcn  auf 
bic  Däterlidde  ober  elterliche  3lu|nie6ung  Dcrjid^tet  werben  fann;  bod&  ^at  bie 
äJorfc^rift  beö  fäd)f.  ®. ».  §  1811,  ba^  bie  t)ätcrlid&e  ©ewalt  crlif^t,  wenn 
ber  ^^ater  beren  3luf Hebung  uor  ®eridE|t  erf lärt,  für  ben  gall  bcr  äJoUiä^rigfeit 
beö  Hinbeö  mit  9iücffid&t  auf  ben  3nl)alt  bcr  oätcrlid^cn  ©ewalt  gegenüber 
üolljäbrigeu  Äinbern  im  proftifd(|en  Stefultatc  bie  Sebeutung  eiueö  ciufeitigcn 
ä5eräici)ted  auf  ba&  ufttcrlid^c  9lie§braud^ß*  unb  Sßerwaltungörcc^t.  Sic  franj. 
Surißprubcuj  Ijält  einen  ^erjid^t  auf  bie  elterlidbc  ShißuicBung  für  iuläffig. 
3ui<MPflreit.  9lac^  §  1561  uerb.  mit  §  1502  würbe  in  ®rmangclung  einer  befonberen 

Öeftimmung  ein  sycrjic^t  beö  3nl;aberö  bcr  ettcrtid&cn  ®ewalt  auf  bie  eltcp 
lid^c  'Jingnicfeung  im  ©anjcn  alö  ©cfammtrec^töocrl^ältnife  unjuläffig  fein, 
inöbefonbere  aud^  im  äßege  eincö  3Scrtrageö  mit  bem  .Slinbc  nid^t  bewirft 
werben  fönnen.  6ö  ift  febodö  bic  elterliche  9Ju6nie6ung  an  fidb  fein  wefent^ 
lid^er  33eftanbtl)eil  ber  elterlichen  ©ewalt,  unb  wirb  burc^  ben  SBcgfall  bcr* 
felben  bic  mit  bcr  clterlid^en  ©ewalt  ucrbunbenc  Sorge  für  baß  äJcrmögcn 
beö  Hinbeö  nic^t  berüljrt.  gerner  fommt  in  öctrac^t,  bafe  ber  o^Oöbcr  ber 
elterlichen  ©ewalt  oermöge  bcr  elterlichen  SRufeniefeung  bic  im  §  1531  unter 
9Jt.  4— 6  bcjeic^ncten  3"if^Ji/  Stiftungen  unb  ttoftcu  nad^  §  1531  Slbf.  2  nur 
infoweit  5u  tragen  Ijat,  als  biefelben  ben  Setrag  ber  5ßu6imgen  nid^t  über- 
fteigcn,  bafe  bie  unter  9Jr.  1  -  3  bafelbft  bcjeid)nctcn,  ol)nc  3lücffidf|t  auf  ben 
betrag  ber  ^tufeungen  oon  bcm  Snljabcr  bcr  cltcrlid)cn  ©ewalt  ücrmöge  ber 


ertcrlidK  ©ctralt  bcr  aWutter.    ©eiftanb.    §1538.  797 

cltcrüc^cu  Slufenicfeung  ju  traflenbcn  Saften  unb  Äoftcii  ober  bcu  33etra9  bor 
9lu|imgcn  beö  gonjcn  Äinbcdoermögend  faum  jcmate  erreid^cn  tücrbeii. 
.^iernad^  brol)t  bic  SwIöR^J^S  ^^^  SJcrjid^tcö  auf  bie  elterlid^c  ^lu^nicßuug  baö 
Äinb  anä)  in  t)crm59cnörcd)tUd^er  ^infid^t  nid^t  ju  gcföl^rbcn;  uielmc^r  wirb 
bicfelbc  bem  ftinbc  rcgcImäStÖ  "^^^  i^^^  33ortI|ciIc  gcreid^cn.  6ö  ift  baf)cv  blc 
Scftimmung  bcö  §  1537,  l^ingcfe^en  auf  bad  Sntcrcffe  bcö  Äinbcd,  a(ö  un- 
bcbcnfUd^  unb  als  angcmeffcn  ju  erachten.  ®ic  ©rünbc,  auö  rocld^en  bcr 
©ntnjurf  einen  einfeitigen  Sßerjid^t  bes  @l}emanned  auf  bic  etjetid^c  9Jug« 
nicfeung  unb  SBcrroaltung  nic^t  jugelaffen  ^at  (oergl.  bic  3)2otipe  ju  §  1327  oben 
©.  295),  inöbefonbcrc  ber  ®efidS)töpunft,  bafe  bcr  S^eniann  fxd^  einfcitig  feinet 
aSerroaltungöpflidtit  in  Slnfel^ung  beö  ©^egutcö  nid^t  cntjie^en  fann,  treffen 
^ier  nidfit  ju,  ba  bic  elterlidje  Slufenicfeung  mit  ber  ^^Jffid&t  beö  3nl|aberß  ber 
elterlid^en  Ocroalt,  für  baö  33ermögcn  bcö  ftinbeö  ju  forgcn,  nidjit,  wie  bieö 
bei  bcr  c^eltc^cn  ^tuftniefeung  unb  aScrroaltung  ber  §all  ift,  in  einem  inneren 
3ufammenl)ange  ftel^t,  fonbern  iene  5JifIidf)t  trofc  bcö  SScrjid^tcö  in  voUzm  Um- 
fange unb  mit  ©rmciterung  bcöfclben  ouf  bie  ^rudS)tjtel)ung  beftel&en  bleibt. 
3ft  bie  Swiöffung  bcö  SScrjic^tcö  einerfeitö  oom  Stanbpunftc  bcö  ftinbcö  aM 
unbcbcnflid^,  fo  ift  biefclbc  anbcrcrfeitö  in  benienigen  fällen,  in  meldten  auö* 
nal^möiocife  bie  elterlid()c  9iutjnie6ung  fd^on  bei  öcbseitcn  bcö  SBatcrö  bcr 
Onutter  juftclit  (§  1559  2lbf.  2,  §§  1564,  1567)  unb  beöl)alb  bie  lefeterc  Dor 
bcm  SBater  jur  ©cmälirung  bcö  Untcrl^altcö  an  baö  Äinb  ocrpflid^tct  ift 
(§  1485),  burd^  SRücffidSiten  bcr  »iUigteit  gegen  bie  Sltuttcr  geboten. 

®ic  3wIol!"Hfl  ix^ö  SSerjic^teö  burd^  cinfeitigc  (grfförung  bcö  3n^aberö  ?^orm, 
bcr  eltcrlid^cn  ©emalt  entfprid^t  bcn  S3eftimmungcn  bcr  §§  1015,  1016.  9Wit 
SHücffic^t  barauf  aber,  bafe  cö  fid^  ()ier  um  einen  33crjid^t  auf  bic  cltcrlid^e 
"Jlu^nicfeung  im  ®anjcn  l)anbclt  unb  bicfer  SSersidfit  aud^  im  Sßer^ältniffc  ju 
«dritten,  inöbefonbcrc  aud^  gegenüber  bcn  (Gläubigern  bcö  3nl)aberö  bcr  elter* 
liefen  Ocmalt,  pon  93ebcutung  ift,  bcftimmt  bcr  §  1537  ©afe  2,  bafe  ju  bcr 
aSirJfamfeit  bcö  SJcriid&tcö  eine  por  bcm  SSormunbfd&aftögerid^tc  abjiugcbenbc 
©rffärung  crforbcrIidE)  fein  foH. 

^nmicrocit  ein  93cr5id)t  auf  bic  cltcrlid&c  Stu^niefeung  in  9lnfel)ung  ein- 
jelncr  bcrfclbcn  untcrliegcnbcr  ©cgcnftänbe  mögüd^  unb  juläffig  ift,  rid^tet 
)id)  nad&  §  1520  in  :öcrbinbung  mit  bcn  §§  1015,  1016,  1025. 


4.   eitcriid&c  ©cwalt  bcr  SWuttcr. 

§  1538. 

SBcnnglcic^  ber  ©ntmurf  bcr  SWuttcr  eine  bcr  eltcrlid^en  ©cwalt  bcö  3uorbimnfl 
33atcrö  grunbfäjlid^  glcid)ftcl)cnbe  eltcriid&c  ©croalt  einräumt,  fo  l)at  er  bodE)  «ct'ftttntc«, 
3lnftanb  genommen,  bicfen  SdEjritt  fo  unbebingt  unb  porbcljaltöloö  ju  tf)un, 
mie  bcr  ^cff.  ©ntrourf,  baö  itaL  ®.  83.  unb  baö  ipcimar.  ®cf.  p.  27.  SWärj  1872 
(oergl.  bie  ajlotipc  ju  §§  1501,  1502  oben  ©.  735  ff.).  5EBenn  cö  für  unbcbcnflic^ 
crad&tct  ift,  bcr  iDiuttcr  bic  cltcrlid^c  Ocroalt  ju  geben,  fo  ift  bicö  in  ber 
©rroägung  gcfd^cf)cn,  bafe  cö  au(^  in  etma  porlommenben  fd^micrigeren  ^^er^ 
^ältniRcn  bcr  SKutter  regelmäßig  an  bem  einen  ober  anbcren  itir  na^c  ftcl^enbcn 


798  ®rtcrli(6c  ©ctoalt  ber  TOutter.    Setftanb.    §  1538. 

Sßcrtüanbtcu  ober  grcunbc  nic^t  fel^Icn  wirb,  rocld&cr  il^r  crforberlic^cufoUd  ate 
if)r  Sßcrtraucnömann  mit  diatf)  unb  2^^at  beiftcl(|cn  fann  unb  roiD.  @ö  ifl 
ieboc^  anjuerfcnncn,  bafe  cö  immer  einjelne  gälte,  namentlid^  in  l^o^eren 
©tänbcn,  geben  wirb,  in  rocidicn  bie  3Rutter  einer  fotd^en  ©tüße  bebarf,  gleid^« 
n)ol(|l  aber  nad&  il^rer  ^ßerfönlidfifeit  ober  ben  fonftigen  SJerJ^öItniffen  ju  beforgen 
ift,  bafe  fie  entoeber  nid^t  im  ©tanbe  ift,  felbftänblg  ben  SBeiftanb  eine«  fofd^en 
aijertrauenömanneö  ftd^  ju  oerfd^affen,  ober  bafe  pe  bem  Statte  begfelben  nic^t 
benjenigen  ©influfe  einräumt,  meieren  baß  ®efeg,  inbem  baöfelbe  il^r  bie  elter* 
fid^e  ©emalt  unbefc^rönft  anoertraut,  oorousfe^t.  9Kit  SlüdETid^t  auf  folc^e 
SlusnaJ^mefälle  allgemein  ju  beftimmen,  bafe  in  allen  göDen  ber  Sßermogenö* 
Derroaltung  ber  SRutter  in  berfelben  9Beife,  mic  bieö  nad^  franj.  3ted&tc  bei 
ber  gefefelid^en  SBormunbfd^dft  ber  STOutter  ber  gaU  ift  (oergl.  code  civil 
Slrt.  390,  420),  unb  aud&  pon  anberen  Siedeten  für  ben  gaU  ber  gül^rung  ber 
33ormunbfdE)aft  burd^  bie  SDtutter  in  ä^ntid^er  3lrt  oorgefd&rieben  wirb  (tergl. 
oftcrr.  ®.  93.  §§  211—215;  mürttemb.  S.  SR.  I,  16  §  6;  ba\)x.  2.  91.  I,  7  §  6 
3lx.  7 ;  tiamb.  SSorm.  D.  d.  14.  3)e jember  1883  2lrt.  7,  21,  48  9lbf .  3),  ein 
ftönbiger  ©egenüormunb  ju  beftellen  fei,  würbe  ein  SBicberaufgeben  beö  5ßrinjipefi 
fein,  bafe  ber  SWutter  eine  ber  Stellung  beö  SBaterö  grunbfäfelid^  gleid^e 
©teHung  eingeräumt  werben  foU.  ®d  würbe  burd^  eine  fotd^e  Seftimmung 
üormunbfd^aftUd^en  Organen  in  weitem  Umfange  wieber  ©ingang  in  baö 
innere  gamifienleben  geftattet  unb  bie  fonft  mit  ber  elterlid&en  ®ewalt 
Derbtmbene  freie  unb  fetbftänbige  (Stellung  wieber  ju  einer  fontrolirteu 
SSormunbfd^aft  l^erabgebrüdEt.  3)em  Sebürfniffe  wirb  Dollftänbig  genügt, 
wenn  93orforge  getroffen  wirb,  bafe  für  9luöna^mefälle  ber  gebadeten  Slrt  ber 
aWuttcr  ein  Seiftanb  beftellt  werben  fann,  wetd^er  innerl^alb  beö  i^m  i\u 
gewiefenen  größeren  ober  geringeren  SBirfungöfreifeö  im  allgemeinen  eine  bor 
Stellung  eines  ©egenuormunbeö  gleid^fommenbe  Stellung  einnimmt.  3)er 
§  1538  beftimmt  bie  einjelnen  gäHc,  in  wetd^en  baß  SBormunbfd^aftögerid^t 
ber  äftutter,  weld^er  bie  elterlid^e  ©ewalt  juftel^t,  einen  fold&en  S3eiftanb  ju 
beftellen  l^at. 
tt«f  S)a  ber  SBater  regelmäßig  am  bcften  ju  beurtfieilen  im  Stanbe  fein 

be«*^«otirt,  wirb,  ob  ein  Sebürfnife  porlicgt,  ber  9Kutter  nad^  feinem  S^obe  einen  SSer* 
trauendmann  beijuorbnen,  fo  giebt  ber  ®ntwurf  bem  SBater  nac^  bem  SSorbilbe 
beö  code  civil  3lrt.  391,  392  alö  Sluöflufe  feiner  elterlid^en  ©ewalt  bie  Sefugnife, 
burd^  Ic^twilUge  SBerfügung  nad^  SRafegabe  ber  im  §  1538  3lbf.  2  in  biefer 
^infid&t  für  entfpred^enb  anwenbbar  erflärten  58orfd^riften  beö  §  1636  bie 
S3eftellung  eine«  fold^en  Seiftanbeö  ber  SWutter  mit  ber  SBirfung  aniuorbncn, 
bafe  baö  33ormunbf(^aftögeri(^t  auf  ®runb  biefer  Slnorbnung  einen  »eiftanb 
ju  beftellen  ^at.  3m  9lnfdS)lufJe  an  biejenigcn  SRed^te,  nac^  weld^en  ber  SBatcr 
befugt  ift,  bie  aWutter  oon  ber  nad^  feinem  2^obe  cinjuleitenben  SBormunbfc^aft 
übcrl(iaupt  ober  wenigftenö  bann  gänjUc^  außjufc^liefeen,  wenn  er  fefbft  glcid^* 
jeitig  einen  anberen  5Bormunb  ernennt  (oergt.  1.  1  D.  de  lest.  tut.  26,«;  1.  21 
§  2  D.  de  tut  dat.  20, 5;  Nov.  118  c  5;  preufe.  Stt.  S.  SR.  n,  18  §§  141, 186; 
Bfterr.  ®.  ».  §§  193,  198;  fä^f.  ®.  83.  §§  1886, 1887, 1890;  preufe.  5Borm.  D. 
t).  5.  3uli  1875  §  17  5Rr.  2,  §  21  9lr.  6;  ®ntw.  ber  bapr.  SBorm.  D.  §  30 
9Jr.  2,  §  32),  bem  JBater  baö  not^  weitergel^enbe  Siedet  einjuräumen,  bie  2)lutter 


eitecli^c  ©ctpalt  ber  SKuttcr.    »eiftanb.    §  1538.  799 

üon  bcr  cltcriic^cn  ©cwalt  auöjufd^ticfecn,  ift  mit  SRüdll^ä&t  auf  bic  3lat\xx  ber 
elterlichen  Oeroalt  afe  eines  auf  bcr  natürtid^en  unb  fittUd^en  ©teUung  ber 
@(tern  gegenüber  bem  Äinbc  berulienben  5Bcrl^ältniffcö  rocber  prinjipiell  gercd^t^ 
fertigt,  noä)  burc^  ein  prattifc^eö  Sebürfnife  geboten. 

Sic  grage,  ob,  wenn  ber  Sßatcr  bie  SBefteBung  eines  von  i^m  benannten 
33etftanbed  angcorbnet  bat,  biefcr  aber  baß  9lmt  nid^t  übernehmen  fann  ober 
aus  bered^tigten  (Srünben  nid^t  übernel^men  rolU  ober  fpötcr  wegfällt,  ftatt  beä 
pon  bem  SSater  benannten  Seiftanbeö  ein  anberer  Seiftanb  oon  bem  SBor* , 
munbfd&aftfigeric^te  ju  ernennen  ift,  ^at  ber  ®ntmurf  ebenforoenig  roie  ber  code 
civil  burd&  eine  befonbere  Seftimmung  entfc^ieben,  ba  bie  Scantroortung  ber 
gragc  t)on  ber  9luötegung  ber  betreffenben  9lnorbnung  bcö  SBaterö  abl^ängt. 

9lld  einen  weiteren  gaU,  in  rocld^em  baö  SBormunbfc^aftögerid^t  ber  auf  ««tiag 
anutter  einen  SBciftanb  befteUen  mufe,  bejcid&net  ber  §  1538  Slbf.  1  3lx.  2  ben  ^"  ^""•'' 
gall,  wenn  bic  STOutter  bic  93cftellung  beantragt.  Saß  franj.  SRed^t  (code  civil 
SIrt.  394)  geftattet  ber  aWuttcr  fogar  baö  JRed^t,  bie  gcfefetid&c  SSormunbfd&aft 
abjuleldnen.  Slud^  t)erfd&iebene  anbere  JRed^te,  inöbefonbere  baö  gemeine  SRed^t, 
bic  preufe.  9Sorm.  D.  §  23  9lr.  1  unb  bie  ^amb.  SBorm.  D.  o.  14.  Sejember  1883 
Slrt.  7  (ücrgt.  ferner  bar)r.  ©ntm.  einer  SBorm.  D.  §  39),  oerpflic^ten  bie  aWutter 
nid&t,  bie  SBormunbfd^aft  ju  übernehmen,  mä^renb  baö  fäc^f.  ®.  8.  §§  1890 
biö  1892,  1897  unb  bie  brem.  aSorm.  D.  o.  14.  SWai  1882  §  23  3lv.  1,  §  24 
in  biefer  ^infid^t  auf  bem  entgegengefefeten  ©tanbpunftc  ftel&en.  3n  Ucber^ 
cinftimmung  mit  bem  l^cff.  ©ntm.  III  9lrt.  19,  bem  itat.  ®.  S3.  9lrt.  221,  231 
unb  bem  roeimat.  ®ef.  d.  27.  SWorj  1872  §  1  ge^t  ber  ©ntrourf  bauon  auö, 
bafe  eö  mit  ber  9latur  bcr  eltcrtid^cn  ©ematt,  meldje  für  ben  Snliaber  ber* 
felben  in  erfter  Sinic  einen  Äreiö  oon  5ßfli(^ten  begrünbet  (§  1502  3lx.  1, 
§  1561),  nic^t  Dcreinbar  fein  mürbe,  ber  ÜWutter  baö  SRcd^t  einjuräumen,  bic 
eltcrlid&c  ®malt  abjutclinen.  Um  fo  meniger  fann  il^r  aber,  menn  fic  iljrcr 
Slufgabe  allein  fid^  nid^t  gcmad^fen  fül(|lt,  baö  Siedet  Dcrfagt  merben,  Don  bem 
aäormunbfd^aftögerid^tc  bic  93cftellung  cincö  Seiftanbeö  mit  bcr  SBirfung  5U 
erbitten,  bafe  baöfelbc  biefem  9lntrage  ftattgeben  mug. 

3n  ben  im  §  1538  9lbf.  1  5Wr.  3  bcjcid&ncten  gällen  foU  ferner  baö  «"f  ««»rb- 
aSormunbfd^aftögcric^t  im  3ntcreffc  bcö  Äinbcö  bered^tigt,  mie  t)erpPidötct  fein,  „SSbfSa?«/ 
bcr  STOutter  aud^  oon.3lmtön)egen  einen  33ciftanb  ju  bcftcUcn.    Diefe  SBorfd^rift    q^^^m. 
bient  namentUd^  baju,  bieienigen  Scbenfen  ju  befcitigen,  meldte  gegen  bic  9ln* 
erfcnnung  bcr  eltcrlid^cn  ®emalt  bcr  SRutter  auö  ber  mangelnbcn  gä^igfcit 
ber  lefeteren  entnommen  merben  tonnen.    Da  bic  ©rünbe,  meldte  eö  im  3nter* 
cjfe  bcr  Äinbcr  not^ig  erfd^einen  taffen,  bcr  SWutter  rocgen  bcö  Umfangcö  unb 
ber  befonberen  ©d^roierigfeitcn  bcr  3Scrmögcnöoerroaltung  einen  Sciftanb  ju 
bcftellen,  oicHcid^t  erft  nad^  bem  3;obc  bcö  SBatcrö  l^erDortrcten,  fo  ift  bem 
%ater  baö  Siedet,  bie  ^cftcDung  eineö  ^eiftanbeö  burdd  baö  SSormunbfd^aftö^ 
gerid^t  in  ben  gebadeten  gällen  ju  oerbicten,  nid^t  beigelegt.    Sem  3ntcrcffc 
bcö  Äinbeö  mufe  eine  folc^c  Dätcrlid^c  Slnorbnung  meid^cn. 

•      gSic  auö  §  1503  abf.  1  in  SBcrbinbung  mit  §  1660  l(|cn)orge^t,  ift  3t®JJJ^J\„ 
übrigenö  ber  Söatcr  in  ber  Sage,  auf  bic  cltcrlid^c  SBcrmögcnöoerroaltung  bcr  hl^v^t^t 
STOuttcr  infofem  cinmirten  ju  fönnen,  atö  er  in  2lnfcl(|ung  ber  bem  J^inbc 
l^interlaffcnen  33erm5gcnögcgenftänbc  über  bercn  fBcrmaltung  nac^  SKafegabc 


800  (5[terII(J6c  ®cn?alt  ber  SMutkr.    ©ciftanb.    §§  1539—1542. 

bcö  §  1660  9lnorbmingcu  für  bic  aRuttcr  a(ß  Su^abcr  ber  cltcrlid^cn  ®c\mli 
treffen  tarn,  lüeld^c  von  ber  9)Juttcr  ju  befofocn  finb  (§§  1545,  1547,  1550). 
2)em  aSatcr  mä)  bcm  äJorgange  beö  ital.  ®.  93.  3lrt.  235  a(ö  Sluöffufe  feiner 
elterlichen  Öeiualt  noci^  SKaögabe  ber  ^l^orfd^riftcn  beö  §  1636  bie  weitere 
Sefugnift  ju  geben,  über  bie  ©rj^iel^ung  ber  Äinber  unb  allgemein  über  bic 
äJerraaltnng  beö  Ikrmögenö  beö  Aiinbeö  o^ne  SRüdfid^t  barauf,  ob  baö  Ükr* 
mögen  üon  i^m  bem  Hinbe  ^interlaffen  roorben,  binbenbe  9lnorbnungen  für 
bie  aKutter  5u  treffen,  ift  auö  benfelben  ©rünben  für  bebcnflid^  eradjtet,  am 
u)e(d)en  bem  äJater,  roie  ber  SRutter,  baö  Siecht  perfagt  ift,  fraft  ber  elterlichen 
©eroalt  berartigc  binbenbe  9lnorbnungen  für  bcn  SSormunb  ju  treffen.  ®ö 
wirb  in  biefer  S3eiief|nng  auf  bie  üßotioe  ju  §  1655  unb  ju  §  1660  Sejug 
genommen. 

sBirhuiöä.  ®ie  Seftimmung  beö  §  1539   9lbf.  1  Qm&ljxi  bie  a)lögacf)feit ,   ben 

llmnm.  Wmfang  beö  gBirfungöfreifeö  beö  »eiftanbeö  je  nac^  bem  SBcbürfniffe  beö  ein^^ 
seinen  ^-alleö  in  jroedEentfpred^enber  SBeife  ju  beftimmen  (uergl.  au^  code  civil 
9lrt.  391).  S)emgemäfe  nui6  über  ben  Umfang  beö  SBirfungöfreifcö  beö  Sei« 
ftanbeö  bie  SefteUung  entf^eiben  (§  1539  9lbf.  2  Safe  1).  ©afe,  wenn  bie  S9e^ 
ftellung  auf  (Srunb  einer  3lnorbnung  beö  i^aterö  erfolgt,  beffcn  Slnorbnung 
aud)  für  bic  Seftimmung  beö  Untfangeö  beö  2Birfungöfreifeö  beö  S3eiftanbcö 
mafegebenb  fein  foU  (§  1539  9lbf.  2  ©afe  2),  ift  eine  Äonfequenj  beö  bcm 
Später  mä)  §  1538  3lx.  1  beigelegten  SHe^teö  unb  cntfprid^t  bcm  code  civil 
9lrt.  391.  3)er  britte  Saft  beö  §  1539  9lbf.  2  bejmcdft,  bie  äroeifel  abjufi^neibcn, 
lueld^e  fxc^  im  ^inblidc  auf  bie  Seftimmung  beö  §  1539  9tbf.  1  in  2lnfcl;ung 
ber  Oültigfeit  ber  JkftcUung  crt;eben  fönnten,  wenn  bei  ber  93cftcUung  ber 
SBirfungöfreiö  nid^t  beftimtnt  ift. 


§§  1540-1542. 
^fii<^tcn  unb  33ei  bcr  9luögcftaltung    ber  ©tellung   bcö  öeiftanbeö   gegenüber   ber 

»eittanbel  ^""^^  "^^  ßinjelncu  ^at  bcr  ©ntiourf  an  bie  öeftimmungen  beö  öfterr.  ®.  33. 
§§  212—215,  ber  I;amb.  SSorm.  D.  o.  14.  2)cicmber  1883  9lrt.  21,  48  9Ibf.  2 
unb  in  gemiffer  3Bcife  aud^  an  bie  93eftimmungen  bcö  bai)r.  2.  91.  I,  7  §  6 
9lr.  7  über  bie  3lffiftenten  unb  83ciftänbc  ber  bie  33ormunbfd)aft  fü^renben 
2)hitter,  fomic  an  bie  a3orfd)riften  beö  franj.  Sted^tcö  über  ben  Sciftanb  unb 
über  ben  ©egenoormunb  (code  civil  9lrt.  391,  420  ff.)  angcfnüpft  ®ie 
SHutter,  aud)  mcnn  iljr  ein  Seiftanb  beftellt  ift,  bleibt  allein  biejenige,  loeld^c 
fraft  ber  mit  ber  cltcrlidticn  ©ematt  oerbunbenen  Sorge  für  bic  ^erfon  unb 
baö  'Vermögen  beö  J^inbeö  f)anbelt;  fie  ift  ber  gefefelid^c  iöcrtretcr  beö  Äinbeö 
unb  fül)rt  inöbefonbere  aud)  bie  SJermögcnöocrmaltung.  2)er  33eiftaub  foll 
aber  innerhalb  feincö  SBirfungöfrcifcö  bic  iDhitter  bei  5luöübung  ber  elterlid&en 
©emalt  unterftüfeen,  mie  ein  ©egenoormunb  (§  1654)  bic  SRutter  bei  9luö* 
Übung  bcr  elterlichen  Oeroalt  überwad^en  unb  ieben  gaU,  in  n)cldE)em  baö 
33ormunbfd^aftögerid)t  ju  einem  ©infc^rcitcn  berufen  ift  (§§  1544  ff.),  bei 


(Srterlid&c  Oetralt  bec  SKutter.    »ciftanb.    §  1543.  801 

bcmfclbcn  jur  Slnjcigc  bringen,  aufecrbcm  in  bcn  im  §  1541  bcjeid^nctcn  gäUcn 
bei  3luöübung  bcr  elterlichen  ©eroalt  mitroirfcn. 

Slnlangenb  bie  SWitroirfung  beö  SSeiftanbeö  bei  SWed^tßgefd^äften,  fo  ift  3Ritn»irfunfl 
ber  Umfang  feiner  SUitroirfung  infofern  ein  weiterer,  roic  ber  Umfang  ber  ^^mn^ 
aWitroirfung  eines  ©egenoormunbeö,  als  bie  ©ene^migung  beö  Söeiftanbeö 
innerhalb  feineö  SBirfungöfreifcß  nid&t  nur  ju  iebcm  SRed^tßgefdtiäftc  erforberlid^ 
ift,  jn  roeldbem,  roenn  eö  von  einem  SSormunbe  vorgenommen  roürbc,  bie  ©e^ 
nel^migung  beö  @egcnr)ormunbcö(§1669)erforberIid^  märe,  fonbern  aud)  ju  jebem 
SRed^tögcfc^äfte,  ju  rocfc^em,  roenn  eö  t)on  einem  SBormunbe  vorgenommen 
mürbe,  bie  ©enc^migung  beö  SSormunbfc^aftögerid^teö  erforbertidb  fein  mürbe 
(oergl.  inöbcf.  §  1674).  Sie  ©ene^migung  beö  93eiftanbeö,  metd^e  iebod^  nad^ 
§  1541  SKbf.  1  6a6  2  burd^  bie  ©ene^migung  beö  aSormunbfd^aftögerid^teö 
erfegt  mirb,  tritt  l)ier  an  bie  ©teile  ber  ©enel^migung  beö  Söormunbfc^aftös 
gcrid^tcö.  3nbeffen  erlcibet  biefer  ©a|  bie  3Kobifi!ation,  bafe  eö  inforoeit  bei 
bem  (Srforbemijfe  ber  ©cne^migung  beö  93ormunbfdt|aftögerid^teö  öerbleibt, 
alö  JU  bem  SRed^tögef d^fifte ,  menn  ber  SSater  ber  Sn^aber  ber  eltcrlid^en 
©croalt  märe,  bie  ©ene^migung  beö  SSormunbfd^aftögerid^teö  erforberli^ 
fein  mürbe  (Dergl.  §  1341  3lbf.  2,  §  1431  abf.  2,  §§  1507,  1511;  §  1547 
Slbf.  1  oerb.  mit  §§  1670,  1671;  femer  §§  1589,  1600,  1613,  1629 
äbf.  5,  §§  1630,  1957,  1960,  2020,  2043,  2044,  2094).  STud^  bebarf  cö  in 
biefen  gäUen  neben  ber  ©cnel^migung  beö  93ormunbf^aftögerid^teö  ber  ©e:^ 
nel^migung  beö  SBeiftanbeö  ebcnforoenig,  mie  nac^  bem  Sormunbfd^aftöred^te 
ber  ©ene^migung  beö  ©egcnoormunbeä  in  fold^en  fällen,  in  meldten  bcr 
SBormunb  fd^(ec^t^in  an  bie  ©ene^migung  beö  SBormunbfc^aftögerid^teö  gebunben 
ift.  3nbeRen  ift  eö  angemefjen,  roenn,  roie  nad^  §  1680  ber  ©egenvormunb, 
fo  f|ier  in  atten  gällen  t)or  ber  ©ntfdieibung  beö  SSormunbfcfiaftögerid^teö  über 
bie  ©encl^migung  eineö  in  ben  SBirtungöfreiö  beö  Seiftanbeö  faüenben  SRec^tö- 
gefc^äfteö  ber  SBeiftanb  geprt  roirb,  ber  lefetere  mithin  namentUd^  audb  in  ben 
Rotten,  in  meldten  feine  ©enc^migung  burd^  baö  93ormunbfd&aftögerid^t  erfeftt 
rocrbcn  foU,  ni^t  üöüig  übergangen  roerben  barf. 

Die  93cftimmung  beö  §  1541  Slbf.  3,  bafe,  roenn  ein  S3eiftanb  beftellt^ct  smifflung 
roorben  ift,  bie  SBorfcbriften  ber  §§  1666,  1668  für  ben  SBirfungöfreiö  beö  °'"  ®*'''"'' 
JBeifianbeö  cntfpred^enbc  9lnroenbung  finben  foUen,  empfief)lt  fid&  im  ^inbticfe 
barauf,  bafe  bie  SRutter  gerabc  in  2lnfel^ung  ber  3lnlegung  ber  ju  bem  93ers 
mögen  beö  Äinbeö  gel^örenben  ©eiber  porjugöroeife  ber  Unterftüfeung  eineö 
Seiftanbeö  bebürftig  fein  roirb. 

3)ic  93eftimmung  beö  §  1542  red^tfertigt  fid^  burdb  bie  3lnaIogie  beö 
§  1682. 

§  1543. 

2)ic  Seftimmung  beö  §  1543  9lbf.  1  entfprid^t  bcr  3lnatogie  ber  Stellung  »crutung, 
beö  »eiftanbeö  mit  ber  eineö  ©egenüormunbeö  (vergl.  §  1647  9tbf.  4,  §§  1684,  »'^^^J^^a  *'• 
1686,  1696,  1698,  1710,  1711).    35er  ^ufafe  im  §  1543  3lbf.  2  folgt  an^  ber  »etfionbffe. 
ofjefforifd&en  SRatur  ber  Seiftanbfd&aft  im  Sßer^ältnif^e  jur  eltcrlicben  ©eroalt 
ber  aWuttcr. 

.IRotive  |.  bfirgcrl.  Oefe|}6u<9.  IV.  ol 


802       (grterli*c  ©etualt.  gürf orge  b.  SBormunbf (]&aft^geri(6tcö  2C.  §§  1544;  1545. 


5.   gürforgc  unb  Sluffid^t  bcö  SBormunbfd&aftögcrid&teö. 
Scfdiränfung  bcr  elterlid&cn  Ocroalt. 

§§  1544-1553. 

Bfürforflc  unb  SBcnttßtcid^  blc  ©tcHung  bcö  Snl^aberö  ber  eltcrlid^cn  ©cioalt  gegenüber 

«"wmiiib?  l>^  Äinbe  nac^  bem  ©ntrourfc  begrifflid^  bie  eine«  SBonnunbcd  ift,  fo  mufe 
f(^ft«.  biefetbe  bod),  wie  bereits  in  anberem  Swfömmenl^onge  mel&rfad^  l^eroorge^oben 
sS?mdncn,  ift,  HiU  SRürfftd^t  ttuf  bttö  notürfid^e  unb  nal^e  aSer^ältnife  jroifc^en  bem  3n^ 
Ijaber  ber  elterlid^en  ©eroalt  unb  bem  Äinbe  notl^rocnbig  freier  geftaltet  unb 
jur  SSermeibung  bed  (Einbringend  oormunbfd^aftUc^er  Drgane  in  bad  innere 
Familienleben  unb  jur  Äufred^terl^altung  ber  Slutorität  befi  Snl^aberö  ber 
ctterUd^en  ®malt  bie  gürforge  unb  2luffid^t  beß  SBormunbfd^aftögcrit^teö  auf 
ein  möglid^ft  geringes  SRafe,  b.  ^.  foroeit  befd^ränft  werben,  als  bies  anberer* 
feits  mit  bem  S^tereffe  beS  Äinbes,  mit  ber  ©id^erung  besfelben  gegen 
aWifebraud^  ber  elterüd^en  ©eroalt  unb  gegen  ©efäl^rbung  burd^  ben  3n^aber 
ber  elterlid^en  Oematt  Dercinbar  ift.  SBon  biefem  ©ebanfen  ausgei^eitb  unb  an 
normale  aSerl^ÄÜniffe  an!nüpfenb,  l^at  ber  ©ntrourf  im  älnfc^luffe  an  bas  über^ 
roiegenb  geltenbe  SRec^t  (oergl.  bie  SRotipe  ju  §§  1501,  1502  oben  ©.  722  ff.) 
bie  ^ürforge  unb  SKuffid^t  beS  SBormunbfd^aftsgerid^tcS  bei  ber  elterlid^en  ®e^ 
roalt  nid^t  als  eine  regetmäfeige,  organifirte  unb  präoentioe,  fonbern  als  eine 
nur  in  SBeranlaffung  befonberer  Umftönbe  roirffam  roerbenbe  geftaltet.  aus 
biefen  ©riinben  finb  namentlich  bie  SBorfd^riften  ber  §§  1684,  1686,  foroie  bie 
ber  ftänbigen  Jlontrole  burd^  bas  SBormunbfc^aftSgeric^t  bienenben  ^orfd^riften 
ber  §§  1687,  1688  über  bie  aSerpftid^tung  beS  SSormunbes,  bem  SBormunb* 
fd^aftsgerid^te  über  bie  SJerroaltung  beS  Vermögens  beS  3RünbelS  periobifd^ 
3?cc^nung  ju  legen,  auf  bie  elterliche  ©eroalt  nic^t  übertragen  (oergl.  in  biefer 
^inpd^t  aud^  bie  SRotioc  ju  §  1503  oben  ©.  719). 


§  1544. 

bei  3wr  Segrünbung  beS  bem  §  1683  entfprec^enben  §  1544  roirb  roegen 

ÄÄ  ^^^  Swfömmen^anges  biefer  »eftimmung  mit  bem  SBormunbfd&aftSred^te  auf 

ber  eiterigen  bie  STOotioe  }u  §  1683  Sejug  genommen.    SBennglcid^  bie  Seftimmung  im  ^im 

öemait,    j^j. ^^  ^^^  g  ^^^^  .^  SBerbittbung  mit  bem  §  1788  2lbf.  1  Saft  1  unb  bem 

§  1743  als  entbel)rlic^  angcfe^en  rocrben  fann,  fo  ift  biefelbe  bod^  im  3ntereffe 
ber  ©eutlid^fcit  beS  ©efefeeä  unb  als  eine  angcmejfene  ©inleitung  beS  mit  bem 
§  1544  beginnenben  Unterabfd&nitteS  aufgenommen. 


§  1545. 

wegen  SBerbeu  oon  bem  3nt|aber  ber  elterlichen  ©eroalt  bie  für  il^n  bei  9lus* 

Don^'Ä  "^""9  berfelben  oerbinbli^en  Slnorbnungen  eines  Sritten  (§  1503  3lbf.  1  oerb. 

nungen  mit  §  1660)  uic^t  befolgt,  fo  madt|t  bcrfclbc  fidE)  jroar  einer  Säerlefeung  ber  xf)m 

s?nttcr.  .^  3(nfef|ung  ber  aSermögensoerroaltung  obliegenben  93erpflid^tungen  im  ©Inne 


erterlidEc  ©ctoalt.    Sef^ranfuns  bcrfelben.    §  1546.  803 

l)c«  §  1547  fd^utbig;  allein  bic  locitcr  im  §  1547  für  boß  ©infc^rcitcn  beö 
SBormunbfd^aftögcrid^tcö  im  gallc  einer  fold^en  SBerleJung  beftimmtc  SBorauö* 
fegung,  bafe  in  gofgc  biefer  SSerlegung  eine  erl^ebli^e  ©efä^rbung  beö  ÄinbeS 
für  bie  Swfunft  ju  beforgen  ift,  wirb  in  ben  t)ier  in  Siebe  fte^cnben  gällen, 
in  mcfd^en  ber  Sn^aber  ber  clterlid^en  Oeroalt  bie  für  il^n  üerbinbtici^en  2lns 
orbnungen  eines  ©ritten  nid^t  befolgt,  häufig  nid^t  vorliegen.  Um  bie  SBe^^ 
f ofgung  jener  3lnorbnungcn,  foroeit  nid^t  bas  SBormunbfd^aftögerid^t  nad^  aWafe* 
flabe  beö  §  1660  eine  Sffbroeid^ung  oon  benfelben  bem  3n^ober  ber  elterlid^en 
■©emalt  gemattet  fjat,  pd^erjuftetten,  mufe  ba^er  baß  83ormunbfd^aftßgerid^t  für 
befugt  erflärt  werben,  bie  jur  ©id^erung  ber  Sefofgung  not^menbigen  SKafe^ 
regeln  o^ne  JRüdffid^t  barouf  ju  treffen,  ob  bie  TOd^tbefotgung  eine  ©efäl^rbung 
icß  Äinbeß  für  bie  3w^"ft  l^erbeijufül^ren  brol)t. 

§  1546. 
3m  Sffnfd^fuffe  an  bie  grofee  3Jle^rial^f  ber  befte^enben  Äed^te  (oergl.  «efä^rbuufl 

1.   1  §  3,   1.  3  §  5   D.  de  IIb.  exhib.  43,  so;   1.  5  D.  si  a  parente  37,  ia;*'*'SSie«.*** 

©euffert  XXXVI,  203;  ©nifd^.  b.  %  (S.  bei  genner  unb  STOedEe  III,  251; 
entf4  b.  %  ®.  in  6imlf.  XVII,  31;  mürttemb.  S.  91.  IV,  11  §  2;  ba^r. 
S.  91.  I,  5  §  7  5«r.  2;  preufe.  31.  2.  91.  H,  2  §§  90,  91,  266  unb  baju 
3a^rb.  b.  ©ntfd^.  beß  Äammerger.  I  ©.  53  ff.,  56  ff.;  öfterr.  ®.  35. 
^§  177,  178;  fäc^f.  ®.  93.  §  1803;  meimar.  ®ef.  o.  27.  gjlarj  1872  §§  16, 
112;  f)amb.  aSorm.  D.  o.  14.  3)ej.  1883  3lrt.  62)  bejroedEt  ber  §  1546,  bem 
ilinbe  in  fotd&en  gcillen  gegenüber  bem  S^^aber  ber  elterlid&en  ®eroalt  rid^ter^ 
li^en  ©d^ug  ju  geroöl^ren,  in  meldten  ber  Icjtere  burd&  fein  83erl^alten 
baß  geiftigc  ober  feiblid^e  SBo^l  beß  Äinbeß  gefäl^rbet.  3m  franj.  dlt^tc 
fe^ft  cß  an  außbrfldtfid^en  Seftimmungen ,  metd^e  in  fold^en  gällen 
ein  rid^terlid&eß  ©infd^reiten  jum  Sd^ufee  beß  Äinbeß  ermoglid^en.  2)aß 
©d^meigen  beß  code  civil  in  biefer  ^infid^t  l^at  aber  im  ®eltungßgebiete  beß 
franj.  9led^teß  ben  9Bunfd&  nod^  fofd^en  33eftimmungen  l^eroorgerufen  (oergl. 
bie  aWotioe  beß  ^eff.  @ntro.  ju  III  2lrt.  40),  unb  fpötere  9lod&folger  beß  code 
<;ivil  (f)t^.  entro.  III  Silrt.  40;  itaL  ®.  33.  Slrt.  223)  l^aben  biefe  SüdEe  beß 
franj.  9led^teß  außgefüUt. 

9ln[angenb  bie  83oraußfefeungen,  unter  meldten  ein  ©infd^reiten  gegen  m^btaudt 
ben  3n^ober  ber  elterlid^en  ®emalt  auß  ben  ^eroorgel^obenen  ®efid^tßpunften  ju*  ^.^^^^^^ 
lafftg  fein  foll,  fo  red^net  ber  ®ntrourf  \>af)\n  in  mcfentlid^er  Uebereinftimmung  re^t««,  «er- 
mit  ben  oben  ongefül^rten  Siedeten  junäd^ft  bie  gälle,  menn  ber  S^Wber  ber  ""*"^^""«- 
'Clterlid^en  ®emoft  burd^  SDlifebraud^  beß  9led&teß,  für  bie  ?ßerfon  beß  Äinbeß 
}u  forgen,  inßbefonbere  burd^  SKifebraud^  beß  ©rjiel^ungßred^teß,  ober  burd& 
aSemod&Iöffigung  beß  Äinbeß  beffen  geiftigeß  ober  leiblid^cß  5lBol|f  gefö^rbet. 
^injelne  ®efe6gebungen  oerlongcn  alß  5Boraußfe|ung  beß  (Sinfd^reitenß  eine 
,,erf|ebtid&e"  ®efdl)rbung  (oergl.  fäd^f.  ®.  33.  §  1803;  meimar.  ®ef.  §  16) 
ober   „grobe"  aSernad^Iäffigung   (meimar.  @ef.  §  16)  ober  einen  „fd^rocren" 
tmi6braud&  ber  elterlid&en  ®ematt  (bagr.  2.  91.  I,  5  §  7  5Rr.  2).    2)er  @nU 
murf  ^at  berartige  3^^fäfe^  "^^t  aufgenommen,  baoon  außge^enb,  bafe  eß  im 
3nteref|e  beß  Äinbeß  ratl^famer  ift,  bem  SSormunbfd&aftßgerid^te  in  ben  in  Mebc 

51  • 


804  ertcrlidfee  ©ciralt.    S3cf4ranfunö  bcrfcIBen.    §  1546. 

ftcl^cnbcn  fällen  möglid^ft  freie  $anb  ju  laufen,  anbercrfeitö  bie  9flicl&tQufna]&me 
fold^er  S^fäfee  and)  oöm  Stonbpunftc  beö  Sntcrcffcö  bcö  3n^aberd  bcr  citerftd&crt 
(Setüolt  aus  um  beöroillen  unbebcnffid^  erfd^cint,  vocil  n\6)t  jeber  aRifebraud^  bc& 
SRcd^tcö,  für  bie  5ßcrfon  beö  Äinbcö  i\x  forgen,  ober  jcbe  aSemad^läffigung  bcft^ 
Äinbcö  o^nc  SJBeitcreö  bie  ®ntjiet)img  bcr  elterlid^en  Oeroalt  jur  golgc  J^aben^. 
fonbcrn  baö  SBormunbfd^oftegcrici^t  nur  crmä^tigt  fein  foll,  je  nad^  ber  Sage 
beö  ^allcö  bie  jur  2lbmenbung  ber  ®cfäl^rbung  bes  Äinbeö  nad&  feinem  ®rmcffea 
crforbcrlid^en  SKogregeln  ju  treffen.  3)a6  bie  ©rroeitcrung  bcr  Sefugnife  bed« 
SBormunbfd^aftögcrici^tes  nad^  SKafegabc  bcö  §  1546  ju  einer  unangemeffencn 
unb  mofefofen  ©inmifd&ung  beöfelben  in  bie  inneren  gamilicnoerl^ältniffe  au^ 
nur  bei  geringfügigen  9lnläffen  führen  fönnte,  ift  um  fo  roeniger  ju  beforgen^ 
alö  ber  Sn^aber  ber  elterlichen  Oeroaft  nid^t  unter  ber  ftänbigen  9luffid&t  beö- 
aSormunbfd^aftögerid^tcö  fte^t.  2lud^  baö  preufe.  31.  S.  31.  II,  2  §  266  ge^ 
ftottet  eine  ©infd^ränfung  bcr  oäterlid^en  ©eroatt  in  2lnfef|ung  ber  ©rjie^ung 
fd^on  bann,  wenn  ber  SBatcr  bie  legtere  pemad^täfjtgt. 
Kiwanbiutifl.  3u  bcr  crftcu  Äategorie  oon  göUcn  gepren  inöbcfonberc  aud^  3Hi§^ 

l()anblung  beö  Äinbeö  (preufe.  31.  S.  3t.  II,  2  §§  90,  266 ;  ba^r.  S.  31.  I,  5  §  7 
3lx.  2),  aSerleitung  beöfelben  jum  Sofen  (preufe.  31.  S.  51.  unb  ba^r.  S.  SR. 
a.  a.  0.),  Seftimmung  bcö  ftinbeß  ju  einem  ben  Steigungen,  ^^igfeiten  ober 
ben  fonftigen  SBer^ältniffen  beöfelbcn  nid&t  cntfprcc^enbcn  Söerufc,  33emad&=^ 
Iciffigung  ber  ©orge  für  bie  ©rnäi^rung  unb  Pflege  beö  Äinbeö  (preufe.  31.  fi.  3t. 
a.  a.  D.;  öfterr.  ©.  93.  §  177). 
e^riofe«  ober  gcmcr  foB   Tiaä)   bem   §  1546  ein  (Sinfd^reiten  bcö  S3ormunbfd&aftö^ 

Ä"tmb*e«  gcrid^tcö  ftattl^aft  fein,  menn  eine  ©efäl^rbung  beö  geiftigen   ober  leiblidlicn 
3nfto6er«.   ggo^Icö  bcö  Äiubcö  iu  golge  el^rlofen  ober  unfittfid^en  aSer^altenö  beö  3«* 
l^aberö  bcr  efterlid^en  ©emalt  für  bie  3wfw"ft  jw  beforgcn  ift  (oergl.  1.  3  §  5 

D.  de  IIb.  exhib.  43,  so:    „ob   nequiüam    patris«;    ©cuffcrt  XXXVI,   203; 

mürttemb.  2.  SR.  IV,  11  §  2).  (So  mufe  bcr  ©cfa^r  oorgebeugt  werben 
fönnen,  bofe  baö  fd^Ied^te  Seifpid  ber  ©ftern  einen  ücrberblid^en  ©influfe  auf 
bie  Äinber  äußert,  felbft  menn  jur  3cit  eine  fittlid^e  SBcrma^rlofung  ber  Äinber 
nod^  nid^t  eingetreten  fein  follte.  3^1  ^^i*  würbe  cö  aber  gelten,  nad^  3lnalogie 
beö  §  1640  SRr.  3  unb  bcö  §  1705  3lx.  2,  bem  SBormunbfd^aftögerid^te  lebiglid^ 
auf  ®runb  ber  2^^atfad()c,  bafe  bem  Sn^aber  bcr  elterlid^cn  ©croalt  bie 
bürgcrlid^cn  e^renrcd&te  abcrf annt  ftnb,  bie  Sefugnife  ju  geben,  gegen, 
ben  Icgtcren  einjufd^reitcn.  3luö  icner  S^atfad^c  für  fi^  allein  fana 
nid^t  ol)ne  SBcitereö  ber  Sd&lufe  auf  eine  ©cfäljrbung  bcö  Äinbeö  gejogcn 
rocrben.  3lud^  bie  Slnalogie  ber  angeführten  SBeftimmungen  beö  SJormunb^ 
fd^aftörcd()tcö  über  bie  Unfdl^igfcit  bcö  SBormunbcö  (Dcrgt.  §  34  9lr.  6  bcö^ 
Str.  0.  93.)  fann  alö  jutreffenb  nid^t  erad^tet  merben,  ba,  roenngteid^  bie 
elterliche  ©emalt  einen  pormunbfdöaftlid^cn  Äaraftcr  ^at,  bod^  jmifc^en  bem 
Sn^aber  ber  etterlid&en  (Seroalt  unb  einem  33ormunbe  ber  bei  ber  ©eftaltung 
ber  cltcrlid&en  ®eroa(t  im  ©injelncn  aud^  in  anberen  93ejiet)ungen  nid^t  um 
berüdEfid^tigt  gelaffene  roef entließe  Unterfd^ieb  bcftel^t,  bafe  ber  SSormunb  ein 
i^m  übcrtragcneö  3lmt  bef  leibet,  roa^renb  bie  eltcrlid^e  (Seroalt  auf  einer  natür* 
lid^en  ©runblagc  berul)t.  ferner  fommt  in  a3etrad&t,  bafe  bie  mit  bcr  3lb* 
crfennung  ber  bürgcrlid)cn  S^renrcd^tc  t)crbunbene  SBirfung  ber  Unfä^igteit,. 


erterltie  ®cmll    fflc[d&ranfunö  bcrfclBcn.    §  1546.  805 

"SSonnunb  ju  fein,  fraft  bcö  ©cfc^cö  nur  roöl^renb  bcr  im  Urtl)cile  bcftimmtcn 
3eit  baucrt. 

Siegen  bie  SSorauöfegungcn  bcö  §  1546  üor,  fo  ^ai  baö  33ormunbfd)oftö:jaft  ^«^3»*^' 
flcrid^t  bic  jur  2(brocnbung  bcr  ©efa^r  erforberlid^cn  SKafercgetn  ju  treffen.     ^^^^^^' 
^ic  3lrt  biefcr  ÜJlafercgeln  mu^  bei  bcr  SBielgeftaltung  beö  fiebenö  bem  ocr? 
ftänbigen  6rmcf[cn  bcö  SJormunbfd^aftögerid^tcö  überladen  roerbcn  (ocrgl.  ouc^ 
prcufe.  91. 2.  S».  II,  2  §  90;  fät^f.  0.  S.  §  1803;  TOcimar.  ®ef.  ü.  27.  a»ärj  1872 
§  16).   2lte  eine  bcfonbcrö  mic^tige  aWaferegcI,  roeld&e  in  oie(en  gällcn  fi^  ^^^  brin"ur\e« 
baö  einjige  wirffame  ÜRittel  crroeifcn  roirb,  um  bod  Äinb  i)or  bem  fd^Icd^ten  iHnb^in 
©inftuffe  ber  ©Itern  unb  vov  weiterer  fittlicf)cr  SBcrroalirlofung  in  gofgc  S8cr^  ^^Q^tm 
nac^Iäfftgung  ber  6rjiel)ung  5u  bemafiren,  f)ebt  ber  §  1546  bie  Unterbringung  Bramuietc. 
beö  Äinbeß  jum  ^xocdc  ber  ©rsie^ung  in  einer  geeigneten  gamilie  ober  in 
tincr  ©rjicfiungös  ober  Sefferungöanftalt  ^eroor  (oergl.  preufe.  2t.  £.  5H.  II,  2  «ntjie^nß 
§  91;  braunfd)«).  ®ef.  über  polijeilid&e  aRagregeln  gegen  Äinber  v.  22.  ®e:=  ^'SeroSt'mu" 
jember  1870  §  1;  roürttcmb.  ®ef.,  betr.  2(cnberungen  beö  5}Jolijeiftrafred^teS  «"»««^««*^« 
V.  27.  S5ejember  1871  3lrt.  12;  fäc^f.  ®ef.,  ba§  SSolföfc^ulroefen  betr.,  v.  26.  SKpril   "*""^""^' 
1873  §  5 ;  anf)alt.  ®ef.  v.  29.  Scsember  1873  2lrt.  1).    ©ofern  baö  ^ntcreffe 
beö  Äinbeö  eö  erforbert,  fanu  boö  S3ormunbfc^aftögericI)t  oud^  bie  eftcrlid^c 
®en)ott  mit  Sludnaljme  ber  eltcrlid^en  9lu^niefeung  ganj  ober  t^eilroeife  ent* 
iiefien  (oergl.  1. 1  §  3,  1.  3  §  5  D.  de  lib.  exhib.  43,  »o;  ©euffert  XXXVI,  203; 
preufe.  3(.  S.  5R.  II,  2  §§  91, 266 ;  fäc^f.  ®.  93.  §  1803 ;  roeimar.  ®ef.  t).  27.  SRärj 
1872  §  16).    Sßirb  bie  mit  ber  eftertidjcn  ®croQlt  oerbunbene  Sorge  für  bic 
^erfon  unb  baö  SBermögen  beö  Äinbeö  bem  Sn^aber  ber  elterlid^en  ®en)att 
ganj  entjogen,  fo  mürbe  eö  an  fid^  fonfequent  fein,  oud)  bie  elterlid^e  yiup 
nicßung  roegfaüen  ju    laffen,   ha  biefelbc    nad)  bem  ©ntmurfe  einen  b(oö 
ofjefforifd^en  S3cftanbtt)cif  ber  cltcriid^en  ®en)olt  bilbet  unb  bem  Snl^aber  ber 
eltcrlid^en  ®cmQlt  feinen  von  feiner  oormunbfd^oftlidjen  Stellung  abgelöftcn 
aJcrmogcnöoortl^ei(  ju  ocrfd^affen  bejmedt  (oergl.  bcff.  Qnttü.  III  9lrt.  38, 40, 
ital.  ®.  83.  3lrt.  233).   2lUein  auf  bcr  anbcrcn  Seite  ift  ju  crmägen,  bajj  uom 
familienred^tlid^en  Stanbpunfte  auö  eine  ©ntjicljung   ber  c(tcriid^en  ®eroa[t 
nur  infoioeit  gerechtfertigt  ift,  alö  bie  ®rrcid)ung  bcö  äi^cdcö  im  3ntcref[e 
beö  Äinbeö  cö  crf)eifd^t,  baö  3ntercf)e  beö  Äinbeö  aber,  namcntlid)  im  ^inblicfc 
auf  bie  9[5orfdjriften  ber  §§  1532, 1533,  aud)  in  ben  I)icr  oorauögcfefeten  gällen 
eine  gdnjlic^e  Sntjictiung  bcr  cltcrlici^en  Jluftniefeung  nid^t  erforbert,  ha%  ferner 
bie  ©ntjietiung  bcr  leßteren  unter  Umftftnbcn   für  bie  oielleic^t   unfd^ulbigc 
SKutter   eine  gro§c  §ftrte   fein  fann  unb  burd^    bie  gortbauer  ber  eltcr^ 
lid^cn  Sftujniefeung  eine  2(bred^nung    jroifdjen  bem  Snbaber  ber  clterlid^en 
©cmalt  unb  bem  Äinbc  mcgcn  bcr   für  ben  Unterhalt  bcö  Icßteren   auf- 
gcroenbeten  Äoften  oermiebcn  roirb.   gerner  fdllt  inö  ®eroidöt,  bafe  eö  bebenflid^ 
ift,  an  eine  SBerfügung  bcö  93ormunbfc^aftögeri^teö  ben  SBerfuft  bcr  mit  bcr 
elterlichen  Slu^nicfeung   ücrbunbcnen  SJcrmögenöoortbeile  ju  fnüpfen.     Sie 
natürlid)e  ®rcnje  bcr  3wftänbigfcit  bcö  Sßormunbfd^aftögeridöteö  ift  burc^  bie 
Sorge  für  baö  3ntereffc  beö  Äinbeö  gegeben.    3^^^  mürbe  bie  ®ntjicf|ung 
ber  cltcrlid^cn  ®emalt,  menn  fid^  baran  alö  notljrocnbigc  golgc  ber  SSerluft 
bcr  etterlid^en  SRußniefeung  fnüpftc,  leidet  ben  Sd^cin  unnötf)iger  ®e^äffigfeit 
erhalten.    Sie  Unbefangcnl^cit  bcö  93ormunbfd)aftögcrid^teö  mürbe  barunter 


806  eiterlid&c  @c»alt.    »cf^ränfung  bcrfclbcn.    §  1546. 

leihen,  uub  baß  legiere  her  SBerfud^ung  außflefegt  fein,  ftd^  oon  bcn  int  3ntercjfe 
beö  Äinbeß  erforberlid^cn  üKaferegeln  burd^  bic  Küdftd^t  auf  ben  babur^  für 
bcn  gn^aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  eintretenben  SJermogcnöocrluft  abl^alten 
ju  laffen.  SBoUte  man  bal;er  aud^  bie  clterfid^e  Slufenicfeung  unter  geroiffen 
aSoraußfcgungen  üoUftönbig  roegfallcn  laffen,  fo  würbe  bic  ©ntfd^eibung  barübcr 
im  SBege  beö  orbcntUd^en  ^ßrojeffcö  jroifd^cn  bem  3n^aber  ber  cltcrUd^en  Oeroalt 
unb  bcm  ßinbc  erfolgen  muffen,  gär  bie  S^toffung  eineß  fo  ge^äffigen  SSer^' 
fat)renß  liegt  aber  fein  Scbürfaife  cor.  aWit  bem  ©ntrourfc  ftimmen  in  biefcr 
^infid^t  aud^  baß  gemeine  Mec^t  unb  bie  neueren  ©cfcggcbungen  übercin  (prcu§. 
a.  2.  %  II,  2  §§  90,  91,  266  Dcrb.  mit  II,  2  §  268;  fäc^f.  ®.  95.  §§  1803, 1815; 
meimar.  ©ef.  §§  14—19). 

Suftänbigfeit  9lbn)eic^enb  uom  gemeinen  Med^te,  naä)  roeld^cm  ben  ©Itcrn  bie  ©rjie^ungß* 

^*f^Hiu"*"  gemalt  nur  burd&  Kic^tcrfprud^  cntjogen  merbcn  fann  (Dcrgl.  aud&  ital.  ©.  93. 
9eri<^te«.  3irt.  233),  aber  im  ®inflange  mit  bcm  prcufe.  21.  2.  91.  II,  2  §  91  unb  bem 
fäc^f.  ®.  93.  §  1803  (oergl.  aud^  ^cff.  entro.  III  ärt.  40)  meift  ber  ©ntmurf 
^flid^t  unb  Siedet,  in  bcn  gällcn  beß  §  1546  gegen  bcn  3nl&aber  ber  cltcrlid^en 
©eroalt  einjufd^reiten,  bem  SSormunbfd^aftßgerid&te  ju.  ®ß  cntfpridöt  bicß  bcm 
Dormunbfd^aftlid&en  ßarafter  ber  elterlid()cn  ©croalt  unb  cmpftel^It  fid^  jur 
aSermeibung  fangbauember  unb  ge(|öfjtger,  bcn  gamilienfricbcn  jcrftorenbcr 
'ißroicffc. 
«ormunb-  5JBirb  auf  ©runb  beß  §  1546  bcm  Sn^aber  ber  clterlid^en  ©croalt  bic 

^Äejiinfl*  Icfeterc  ganj  ober  tl^eitrocife  cntjogen,  fo  ift  bem  Äinbe  in  ©cmä^^eit  ber 
ber  elter.  §§  1533^  1733  ciu  SSormunb  bcjm.  ein  ?ßflcger  ju  beftcUeh.  ®ieß  ift  namcntUd^ 
****** aud^  bann  ber  gall,  romn  bcm  SSatcr  bic  eltertid&e  ©croalt  juftd^t.  6ß  tritt 
alfo  in  bcn  l^ier  in  SRcbc  ftel^enben  gällen  nid^t  bie  elterliche  ©croalt  ber 
3Jluttcr  an  Stelle  ber  bem  SBater  cntjogcncn  eltcrlid^cn  ©croalt  (ücrgl.  aud^ 
^cjf.  entro.  III  Slrt.  40;  ital.  ©.  93.  Slrt.  233;  rocimar.  ©cf.  §§  14— 16). 
©ine  gegcntlieiligc  93eftimmung  roürbe  bei  ber  9lbl^ängigfeit  ber  SKuttcr  oon 
bcm  5Batcr  unb  bcm  ©inftuffe  beß  Icfttcrcn  auf  bie  ÜIKutter  ben  ©rfolg  ber  gc* 
troffencn  aWa^regcl  in  üielen  gäUcn  oereiteln  ober  eine  Störung  beß  e^elid^en 
griebenß  l^eroorrufcn  unb  eine  bcn  natürlid^cn  SScr^ältniffcn  nid)t  entfpred^cnbe 
Stellung  ber  SKutter  gegenüber  bem  aSater  in  3lnfe^ung  ber  Äinber  mit  fic^ 
bringen.  9luö  bcn  gleid&en  ©rünben  l^at  ber  ©ntrourf  Slnftanb  genommen,  in  bem 
l^cr  in  Kebe  ftcl^cnben  gallc  ber  ÜJiutter  bic  Sorge  für  bic  ^erfon  beß  ftinbcß, 
roenn  aud^  nur  in  bcm  im  §  1558  Safe  2  bcjeid^netcn  Umfange,  ju  über* 
laffen  (ocrgl.  bie  aWotioe  ju  §  1506  oben  S.  755  ff.)  SBirb  bcn  ©Itcrn  baß  Slcd&t, 
für  bic  ?ßerfon  beß  Äinbeß  ju  forgen,  in  bcm  Ijicr  fraglid^en  gallc  Dcrfagt,  fo 
mufe  aud^  bic  entfpred)cnbe  ^fUd^t  roegfallcn,  ba  in  familienrcd[|tlid^en  33cr* 
pltniffen  ^ftid&t  unb  SRcd^t  ^d&  nid^t  trennen  laffen. 
Swana«*  jQj)  uni)  iumicrocit  bic  auf  fojialpolitifd^en  ©rünben  beru^enben  unb 

^ToÄermit  bem  öffentlichen  SRcd&tc  im  engftcn  S^^f^mmcnl^angc  fte^enben,  auf  ein 
Ätnber.  cugcrcß  ©cMct  [\^  bcfd&ränfcnben  SBorfc^riften  beß  §  55  3lbf.  2  beß  Str.  ©.  93. 
(oergl.  aud^  §  56  2lbf.  2  baf.)  unb  bic  auf  ©runb  biefcr  SSorfd^riftcn  er* 
laffcncn  lanbeßgcfcfelid&cn  93cftimmungcn  über  bic  Sw^ö^S^erjicI^ung  oer* 
roal^rloftcr  Äinber  (oergl.  inßbcfonbere  preufe.  ©ef.  o.  13.  SDlärj  1878  unb  o* 
23.  3unil884;  altenb.  ©cf.  o.  20.  SKöri  1879;  mecflenb.fd^roer.  äJerorbn.  v. 


eitcrlid&c  ©etoalt.    33efd6ränfung  betfclben.    §  1547.  807 

10.  Dftober  1882;  ferner  quo  bcr  3eit  vox  bem  §  55  Slbf.  2  bc«  ©tr.  ®.  93.: 
braunfd^ro.  ®ef.  t).  22.  ©cjember  1870;  itjürttcmb.  ®ef.  t).  27.  Scjcmbcr  1871 
Slrt.  12;  fäc^f.  ®.  33.  t).  26.  9lpri(  1873  §  5;  ar\\)alt  ®ef.  d.  29.  SJejcmbcr  1878) 
neben  bem  bürgerlidfien  ®efe6bud&e  aufred&t  ju  cxi)alitn  fein  werben,  ift  bem 
©infü^rungöflcfege  üorbe^alten.  3m  9lnfd^IuRc  an  bcn  jenen  SSorfd^riften  ju 
®mnbe  Uegenben  ®ebQnfen  auö  ®rünbcn  beö  öffentlid^en  Snterejfcö  unb  beö 
3ntere{fcö  beö  Äinbeö  bem  SBormunbfc^aftögerid^te  burc^  baö  bürgerlid^  ®efet;^ 
bud^  gan)  allgemein  bad  Siecht  beijtilcgen,  nad^  äßaggabe  bed  §  1546  aiid) 
bann  gegen  ben  Sn^aber  ber  elterlichen  ®eiualt  einjufd^reiten,  wenn  baß  ftinb 
eine  ftrafbarc  ^anblung  begangen  f)at  unb  mit  SRüdEfid^t  auf  bic  Sefd^affenfjeit 
ber  Unteren,  auf  bic  'ipcrfönüd^feit  beö  3nf|aberö  ber  eltcrlid^en  ®emalt  unb 
bie  fonftigen  2ebenöt)cr^ältniffe  beö  Äinbeö  bic  ©efa^r  roeiterer  fittlid^er  JBer- 
mofirlofung  beö  ftinbeö  begrünbet  ift  —  unb  jmar  ol^nc  Untcrfd^icb,  ob  bie  SSer* 
ma^rlofung  beö  Hinbeö  auf  ein  SSerfd^ulbcn  beö  3ii^ctberö  ber  elterlid^en 
®en)aU  }urücf geführt  merben  fann  ober  ob  berfelbe  feinerfeitö  äßleö  get^an 
I>at,  um  ber  SScrma^rlofung  beö  Äinbeö,  fomeit  bicö  in  feinen  Kräften  fteljt, 
Dorjubeugen  — ,  ift  Dom  priDatred&tli^en  Stonbpuntte  auö  ate  bebenflid^  erad)tet; 
aud^  ift  eine  foldjc  Stegclung  burd^  ein  praftifc^eö  93ebürfnig  nid^t  geboten, 
jumat  bie  Seftimmung  beö  §  1504  bem  3nf|aber  ber  elterüd^en  ®eroalt  bic 
SWöglic^fcit  geroäfjrt,  baö  ocrmafirloftc  Äinb  mit  ^ülfe  beö  ?Jormunbfd^aftö« 
geri^teö  in  einer  ©rjiel^ingö?  unb  93efferungöanftalt  unterjubringen.  SBeigert 
fic^  ber  3nl)aber  ber  elterlid&en  ®eroalt  ol^nc  genügenben  ®runb,  biefe  SDioferegcl 
JU  ergreifen,  obwohl  biefelbe  im  Sntereffe  beö  Äinbcö  jum  S^ecfc  ber  ®rjiel)ung 
beö  (enteren  fid^  a(ö  not^n)enbig  ermcift,  fo  !ann  in  einem  fold^en  %a\lz  ba^ 
3Sormunbf(^aftögerid&t  auö  bem  ®efi^töpun{te  ber  33ernad^Iäffigung  ber  (Sr^ 
jic^ung  beö  Äinbeö  unter  Umftänben  nunme{)r  oon  älmtömegen  na^  aJlafe« 
gäbe  beö  §  1546  eingreifen. 

§  1547. 
@ö  entfprid)t  bem  uormunbfd)aftic^en  Äarafter  ber  elterlichen  ®en)alt,  ©efä^rbung 
bafe,  mie  im  galle  ber  ®efäl)rbung  ber  ^erfon  beö  Äinbeö  (§  1546),  fo  aud)  »emö^en« 
im  gallc  ber  ©efä^rbung  ber  SBermögenöred^te  beöfetben  bem  SBormunbfcöaftö-  ^««  ä*"^««- 
geriete  unter  geroiffen  näf)er  ju  beftimmenben  SBorauöfefeungen  bie  SKöglic^feit 
eröffnet  wirb,  jum  SdE)ufte  ber  Sied&te  beö  Äinbeö  in  bie  elterlid^c  ®eroalt 
einjugrcifen;  bod()  empfielilt  eö  fid^  l)icr,  wo  eö  fid^  nid^t  um  boö  geiftigc 
ober  leiblidje  äßo^l,  fonbern  um  ben  @cbu^  ber  SBermögenöred^te  beö  $tinbeö 
^anbelt,  baö  einfd)reitcn  beö  SBormunbfd^aftögerid^teö  allgemein  an  bie  ftrengerc 
SJorauöfegung  ju  fnüpfen,  bafe  eine  erl^eblid&e  ®cfä^rbung  ber  Steckte  beö 
ftinbeö  für  bie  3wfunft  ju  beforgen  ift.    S)em  3Sormunbfd[iaftögerid^te  fd^on 
beim  SBorl^anbenfein  irgcnb  einer,   menn  auc^  nid&t  er^eblid^en,  ®efät|rbung 
boö  SRec^t  beö  ßinfd^reitenö  beijulegcn,  mürbe  ju  toeit  ge^en  unb  mit  ber 
grunbfäfelid^  anerfannten  freieren  unb  felbftänbigercn  Stellung  beö  3n^aberö 
ber  elterlichen  ®malt  bei  2luöübung    ber  elterlid^en  SBermögenöoerroaltung 
ni^t  üereinbar  fein.     9lucö  ift   eine  folc^c  3luöbe^nung  ber  33efugniffe  beö 
aSormunbfc^aftögerid^tcö  burd)  bie  SRüdftdbt    auf  baö  Sntereffe  beö  ftinbeö 
ni^t  geboten. 


808  (Sftcrltcfie  ©eiralt.    Öef^ränfung  bcrfcIBcn.    §  1547. 

83erie|uu8  ^n  Ucbcrcinftimmung  mit  bcr  in  Softrin  unb  ?ßrajid  bcd  ßcmcinen 

p^5t*flw.  9led&tcö  oorroicgenb  ücrtrctcnc  3lnfid)t  (Dcrgf.  ©cuffcrt  III,  336,  VII,  198, 

XXIX,  147 ;   0.  m.  Scuffcrt  II,  306)  unb  im  SÄnfd^Iujfc  an  ä^nlid^c  S8or* 

fd&riften  ücrfd^iebcncr  neuerer  ©cfcßgebungcn  (oergf.  öfterr.  ®.  93.  §§  149, 176 

biß  178;  lübed.  SJorm.  D.  o.  11.  Oftober  1820  §§  1,  2,  24;  braunf^ro.  SScrorbn. 

ü.  6.  aßai  1828;    fäcbf.  ®.  93.  §  1815;    roeimar.  ®ef.  r>.  27.  Oßärj  1872 

§§  14,  16 ;  ^amb.  SSorm.  0.  d.  14.  ©ejember  1883  Slrt.  62 ;  code  civil  arg. 

arrt.  444,  618;  ^eff.  ©ntro.  m  3lrt.  31 ;  itat.  ®.  93.  Strt.  233)  erKört  ber  §  1547 

ein  ©infd&reiten  beö  SSormunbfd^aftögerid^tes  junäd^ft  bann  für  iuläffig,  wenn 

ber  Snl^aber  ber  eltcrlid^en  ®eroalt  bie  in  Slnfel^ung  ber  aSermögendoerroaltung 

ober  ber  elterlichen  Slußniefeung  i^m  obliegenben  JBerpfTid^tungen  perlegt  unb 

jugleid^  eine  ert)eblic^e  ®effi^rbung  ber  SRed^te  beö  Äinbefi  für  bie  3wfw"ft 

ju  beforgen  ift  (ücrgl.  anä)  §§  1005,  1006,  §  1328  9lr.  1,  §  1705  5Rr.  1). 

SBciter  foll  aber  baß  SSormunbfd^aftögerid^t  aud^  einzugreifen  befugt  fein,  vomn 

bie  erbeblid^e  ®efä^rbung  ber  SBcrmögenöred^te  beö  Äinbeö  barauf  beruht,  bafe 

öennbgen»'  bcr  SuJ^ttber  bcr  elterlid^en  ®emalt,  gleid^oiel  aus  roeld^er  Urfad^e,  feinerfeitö 

^iTabert*  ^^  93ermögenöDerfan  gerätt).     S)a  es  fid^  l^ier  immer  junädbft  nur  um  bie 

©rgreifung  von  ©id^er^eitsmafercgeln  lianbelt,  fo  fonn  es  auf  bie  Urfad^e  beö 

aSermögenöocrfalles,  inöbcfonbere  barauf,  ob  ber  legtere  burd^  ein  SSerfd^utben 

bes  3n^abers  ber  elterli^en  ®croalt  l)crbeigefül^rt  ift,  nid^t  anfommen.    S)er 

3Sermögenst)erfaU  bes  lefeteren  fann  namcntli^  bie  ©efa^r  für  bas  Äinb  mit 

fid^  bringen,  bafe  bie  bem  Äinbe  ge^örenben,  in  ber  3n^abung  bes  3n^aberö 

ber  elterlicben  ©eroalt  befinblid^en  ©ad^en  oon  ben  ®räubigern  bes  legtereu 

gepfänbet  unb,  wenn  biefer  bie  ®r^ebung  ber  Snteroentionsffage  unterlagt, 

jur  93efri0bigung  Jener  ®(äubigcr  perroenbet  merben,  ober  bod^,  ba§  bas  Äinb 

in  foftfpielige  Snteroentionßprojejfe  rerroidelt  wirb.  2)er  Stanbpunft  beö  (SnU 

murfes  fd^liefet  ftd^  jubcm  in  biefer  ^injtd&t  bem  in  großen  SRed^tsgebicten 

geltenben  SRed^tc  an  (oergl.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  179,  182,  267 ;  föc^f. 

®.  93.  §  1815;   meimar.  ®ef.  §  14)   unb   ftefit  mit  ber  93eftimmung  beö 

§  1553  im  ©inttange,  bafe  bie  bem  ^In^aber  ber  eftcrlicben  ®eroaft  juftc^enbc 

'^ermogensoerroaltung  bccnbigt  wirb  mit  ber  SRed^tsfraft  bes  93efd^lujfes,  burd^ 

loeld^en  bcr  5ionfurs  über  bas  aSermogen  besfelben  eröffnet  mirb. 

läfft^^^^be«  ®^"  Sebürfnife,  außerbem  nod^  ben  gatt  ^icr  befonberö  }u  berüdEfi^tigen, 

unte"S2ite«  loeun  ber  Sn^aber  ber  eiterlid^en  ®eroalt  bie  i^m  obliegenbe  ?ßfli(^t  jum 

be«  Äinbc«.  Unterhalte  bes  Äinbcs  oerna^töfftgt  (oergl.  §  1328  5Rr.  2;  preug.  31.  S.  SR. 

II,  2  §§  206—209),  liegt  nidE|t  oor,  ba  in  einem  folc^en  galle  bie  SSor* 

fc^riftcn  beö  §  1546  (ocrgl.  bie  SRotiue  ju  §  1546  oben  S.  803  ff.)  auöreid&enben 

Sd()ug  gcroäbrcn. 

"V^etf  "*'  2)ic  3lrt  ber  jur  3lbroenbung  ber  ®efabr  erforberlitfeen  SJlaferegeln  übei> 

'*^'"'     lägt  ber  entrourf,  mie  im  ^alle  beö  §  1546,  fo  a\i6i  f)kx  bem  oerftönbigen 

©rmejfcn  beö  SJormunbf d&af tögcrid^tcö ;  boc^  ^ebt  bcr  §  1547  3lbf.  1  Sag  2  alö 

angcmcffeuc,  julöffige  SRaferegeln  befonberö  beroor  bie  3Inorbnung  ber  ©inrcid^ung 

TBermöflen«,  eiues  aSermögenSocrjeid^niffeö  (ocrgl.  bie  aKotioe  ju  §  1503  oben  ®.  742  ff.), 

mie^nif.  ^^^.^  ^^.^  Sluorbnung,  bafe  ber  ^n^aber  bcr  elterlid)cn  @zmlt  na^  SWafegabc 

ber  aSorfd^riften  beö  §  1670  bie  ju  bem  feiner  aScrroaltung  untcrliegenben 

äJermögcn  beö  ftinbcö  gcbörcnben  ftoftbarfeiten  unb  aSertbpapiere,  mit  ©m 


®rtcrrid&c  @tmlt    ScWränfung  bcrfelben.    §  1&47.  809 


fd^Iufe  bcr  ^^pot^cfenbriefc  unb  (Srunbfc^ulbbricfc,  ju  l)mtcrlegcn  ober  bic  auf  €inierie«ung 

DonSBert^ 
papieren  ic. 


bcn  3nf|abcr  lautcnbcn  ©d)utbt)crfd^rcibunßen  unb  2lfticn  beß  Äinbeö  auf  bcn  '**"  ®*^*' 


5?atnen  bcö  ßinbcö  utnfd^reibcn  ju  laffen  ^obc  (ocrgL  roeimar.  ®cf.  o.  27.  aWörj 
1872  §  14).  3ft  eine  ford^e  Hinterlegung  ober  Umfd^reibung  erfolgt  fo  foUen 
na^  §  1547  3[bf.  1  ©afe  3  bie  SBorfd^riften  bcö  §  1671  entfpre^enbe  3ln^ 
TOcnbung  finben.  2)ic  Ucbertragung  biefcr  JBorfd^riften  auf  bie  elterlid^e  ®e? 
roalt  unter  ber  bcieic^neten  SSorauöfeßung  ift  —  I)ingefe^cn  auf  bie  bem  3nt)abcr 
ber  elterlichen  ©ewalt  in  3lnfe^ung  ber  ju  bem  SSermögen  beö  Äinbcö  ge« 
l^örenben  Jtoftbarfeitcn  unb  SBertl^papiere,  mit  6infd)Iufe  ber  Hr)potf|efen6ricfe 
unb  (Srunbf^ulbbriefe,  grunbfällid^  eingeräumte  unbefc^ränfte  SSertretungö^ 
mad^t  (oergl.  SHotioe  ju  §  1511  oben  ©.  765  ff.)  —  tjon  befonberem  praftifd^en 
SBert^e.  ©iefft  baö  Sormunbfc^aftögeri^t  in  ben  gaDen  beö  §  1547  fic^  üer^^ 
anlaßt,  anjuorbnen,  bafe  ber  Snl^abcr  ber  elterUd^en  ©eroalt  bie  bort  bejeid^s 
netcn  ©egenftänbc  ju  fiintcrlegen  bejn).  bie  Snl^aberpapiere  bcS  Äinbefi  auf 
bcn  Flamen  beö  (enteren  umfd^reiben  ju  laffen  f)abe,  um  bie  bem  Äinbe 
broI)enbe  Oefa^r  abjuroenben,  bafe  ber  Sn^aber  ber  elterlid&en  ©eroalt  biefclben 
in  feinen  9lufeen  oerrocnbe,  fo  ift  eö,  um  bie  ©rreic^ung  beö  3^^*^^  i^ 
fidlem,  angejeigt,  ben  3nl^aber  ber  elterlid^en  ©eroalt  aud&  in  ber  obligatorifdöen 
unb  binglid^en  SSerfügung  über  bie  l^interlegtcn  ©egenftänbc  bejro.  über  bie 
auf  ben  9lamen  beö  Äinbeö  umgef^riebenen  Rapiere  ju  befd^ränfen.  ©afe  baö 
a3ormunbfd^aftögcri4|t,  roeit  nad^  bcn  §§  1670,  1671  ju  ber  ©rl^ebung  ber 
l^interlcgten  ©egenftänbc  bcjro.  jur  ©rfefeung  ber  umgefd^ricbcnen  ?ßapiere  burd^ 
Sn^aberpapierc  unb  ju  bcr  ©ri^cbung  bcr  Icttercn  bic  ©enc^migung  bcö  SSor« 
munbf^aftögerid^tcö  erforbcrlid^  ift,  üon  bcr  SBcrfugung  bcö  Sn^aberö  bcr 
cltcrlid^cn  ©croalt  Äcnntni§  erlangt,  nügt  in  fold^cn  gäUcn  nid^t  mc^r,  in 
rocld&en  bcr  Sn^aber  bcr  cltcrHd^cn  ©eroalt  bic  auf  ©runb  beö  SRcd^tögcf^äftcö 
erlangte  ©egenteiftung  bereits  in  feinen  Saugen  tjcrrocnbct  I|at.  2)ie  burd^ 
§  1547  abf.  1  Safe  3  in  SScrbinbung  mit  §  1671  beftimmte  SBcfc^ränfung  bcr 
SScrtrctungömad^t  ift  auc^  ni^t  ctroa  oon  bem  ©efid^töpunttc  auö  alö  cntbcIirUd^ 
anjufelien,  bag  baö  SSormunbfd^aftögcrid^t  in  ben  t)orauögcfe|tcn  fällen  von 
bem  Sn^abcr  ber  elterlichen  ©croalt  nad^  SWafegabc  beö  §  1547  9lbf.  2 
©id^crl^citötciftung  verlangen  unb  bcmfclbcn  cücntucll  nad^  §  1550  bie  SBcr« 
mogcnöocrroaltung  gänjlid^  cntjiciöen  fann,  ba  eö  foroo^l  im  Sntcrcffc  beö 
ftinbcö  alö  bcö  Snijaberö  bcr  cltcrlid^en  ©croalt  liegt,  bic  ©ntjic^ung  ber  SSer« 
mogcnöocrroaltung  möglid^ft  einjufc^ränfen  unb  bic  bem  Äinbe  broljcnben  ©e* 
faljrcn  t^unlic^ft  auf  anbercn  SBegen  abjuroenben.  93crmag  bie  SBorfd&rift  bcö 
§  1547  2tbf.  1  Safe  3  auc^  nic^t  ju  pcr^inbern,  bafe  bcr  3nf)abcr  ber  clter* 
lid)cn  ©eroalt  baö  Äinb  in  anberer  3lrt  f^äbigt,  fo  roirb  bod^  bur^  biefelbc 
bie  Sicherung  beö  SSermögenö  beö  Äinbcö  crl)cblid&  geförbert,  namcntlid^  in 
ben  iat)lrcid^en  gälten,  in  rodeten  bcr  §auptbcftanbtl^cil  beö  ttinbeöDcrmogcnö 
gerabc  in  SBcrt^papicrcn  bcfte^t.  9loc^  rocitcr  ju  ge^cn  unb  bem  SSormunb* 
f(^aftögn:id&tc  bic  SBcfugnife  beijulegcn,  unter  ben  im  §  1547  bcjcic^ncten  5Bor* 
auöfcfeungcn  anjuorbncn,  bafe  bcr  3inl)abcr  ber  elterlichen  ©croalt  bic  im  §  1669 
bcjeic^netcn,  an  bic  ®enet)migung  beö  ©egenoormunbeö  gebunbenen  Sicdbtö* 
gefc{)äftc  nid(|t  olinc  ©ene^migung  bcö  SSormunbfAaftögerid^teö  oorne^men 
tonne,    ift    icbod^i  angcfid()tö  beö   geltenbcn   Slcdbteö  unb  rocgen  bcr  Äom* 


810  Sfterlic^c  ©ctoalt.    SSefc^ränfunfl  bcrfelBen.    §  1547. 

plifotioucn  uub  ©d&tüicriflf citcn ,  rocl^c  eine  fold&c  Seftimmung  im  ^InWicfc 
auf  baß  Sntcreffe  bcr  Sid^cr^cit  bcö  5Bcrfc^reä  not^rocnbig  mit  fid&  bringen 
mürbe,  alö  bcbenflid^  cra^tet.  ©omeit  nad&  ben  fonfreten  Umftänben  blc  be» 
fonbercn,  im  §  1547  3lbf.  1  ©a|  2,  3  bejeid&ncten  SKaferegeln  nid^t  ouöreid^en 
ober  nid)t  anroenbbar  ftnb,  bleibt  nur  bie  änorbnung  ber  ©id^er^eitöleiftung 
bejro.  bie  ©ntjie^ung  bcr  aSermögenöoerroaltung  nad^  äRofegabe  bcö  §  1547 
äbf.  2  unb  bcö  §  1550  übrig. 
^m^^  9lac^  ber  bem  §  1689  äbf.  1,  2  entfpred^cnben  33eftimmung  bcö  §  1547 

ei  ung.  ^^^  ^^  ^^jj  ^^^  aSormunbfd^aftögerid&t  ferner  ju  ber  3lnorbnung  befugt  fein, 
bo§  ber  2n\)abtx  ber  elterli^cn  Oemalt  ©ic^crfieit  ju  Iciftcn  l^obe  (oergl. 
auc^  Seuffert  XXIX,  147;  lübcd.  »orm.  D.  ü.  11.  Dftober  1820  §  24; 
prcu6.  31.  S.  31.  II,  2  §  179 ;  fcici^f.  ®. ».  §  1815 ;  meimar.  Oef.  §  14).  35ie 
3utäfftgfcit  biefer  Slnorbnung  ift  jebod^  baoon  abhängig  gemad^t,  bofe  bie  im 
§  1547  9lbf.  1  bejcic^nctcn  SKaferegeln  jur  9lbroenbung  ber  bcm  Äinbe 
brol^cnbcn  Oefafir  nid&t  auSreid^enb  crfd^eincn.  Slufeerbem  ergiebt  fid^  auä 
§  1550  ©ag  2,  bafe  bie  angeorbnete  Sid^cr^eitßleiftung  nid^t  erjroungen 
merben,  fonbern  bafe,  wtnn  bie  Befolgung  bcr  Slnorbnung  unterbleibt,  baft 
aSormunbfc^aftßgeric^t  bem  Sn^o^er  ber  elterlichen  ©eroalt  nur  bie  SBermogcnö* 
Dcrroaltung  entjie^en  fann.  3)iefc  3lrt  ber  Siegelung  entfprid^t  nid^t  allein  bem 
preufe.  21.  S.  91.  II,  2  §§  182,  267  unb  bem  fäd^f.  ®.  93.  §  1815  (uergl.  aud^ 
^cff.  ®ntro.  III  Slrt.  34  Slbf.  2),  fonbern  empfiehlt  fid^  aud^  beö^alb,  roeil  bie 
bireftc  ©rjroingbarteit  ber  ©id^er^eitdleiftung  unter  Umftänben  für  ben  Snl^aber 
ber  elterlichen  ©eroalt  rocgen  ber  bamit  für  it)n  uerbunbenen  Erebitgefa^rbung 
grogc  .gärten  mit  fid^  bringen  unb  gegen  baß  eigene  ^ntereffe  beß  Jtinbcß 
ben  SSermögenßoerfall  unb  bie  Untergrabung  bcr  roirt^fd^aftlid^cn  ©siftenj 
bcß  3nf)aberß  ber  clterlid^en  ©eroalt  unb  feiner  ganjen  gamilie  ^erbei? 
führen  fann. 
«ntiietjung  Unterbleibt  bie  Befolgung   ber  Sttnorbnungen,  rodele  üon  bcm  SBor^ 

«ermJSeti«*  munbfd)aftßgcric^tc  in  ©emöfelieit  ber  Scftimmungen  beß  §  1547  getroffen 
perwttitunfl.  ^^jj^  j^  f^^^  ^Qg  S3ormunbfd[)aftßgerid&t  nad&  §  1550  ju  bem  äufeerften  aWittcl, 
ber  ©ntjicliung  ber  aSermögenßücrroaltung,  greifen.  6ß  genügt  baju  fd^on  bie 
obieftioe  3tic^tbefolgung  ber  Slnorbnungcn,  SBie  in  ben  gälten  beß  §  1546, 
Dcrbleibt  iebod&  bem  Sn^aber  ber  cltcrlid^cn  ©eroalt,  oorbe^altlid^  ber  auß  ben 
§§  1532,  1533  fid^  crgebenben  3Jlobififationen,  bie  elterlid^e  9lufenie§ung 
(oergl.  in  biefer  Sejie^ung  bie  SKotioe  ju  §  1546  oben  ©.  805).  S)amit 
ftimmt  aud^  bie  aßc^rja^l  ber  beftcl^cnben  Mtditt  überein  (oergl.  Seuffert  VII, 
198;  preufe.  91. 2.  di.  II,  2  §§  182,  267  oerb.  mit  §  268;  lübedt.  SSorm.  0.  §  24; 
fäc^f.  ®.  93.  §  1815;  rocimar.  ©cf.  §§  14, 16;  ^eff.  ©ntro.  III  9lrt.  34  aibf.  2). 
3lacl^  franj.  Siedete  (code  civil  arg.  5lrt.  601,  618)  tann  bagegen  bie  elterliche 
Slufenicfeung,  roie  jeber  anberc  Sliefebraud^,  roegen  3)U6brauc^eß  entjogen  roerben, 
roenn  ber  Jiu^niefeer  bie  ifim  oblicgenben  SBerpflid^tungen  gröblid^  Dcrlefct 
(ücrgl.  aud^  bai)r.  S.  31.  II,  9  §  8  9ir.  6).  (gbenfo  ift  nac^  roürttemb.  Siedete 
(oergl.  roürttemb.  S.  9t.  IV,  11  §  2)  bie  (Sntjiel^ung  bcr  elterlid[|en  Siulniefeung 
neben  ber  ©ntjietjung  bcr  aScrroaltung  juläffig. 
Supänbiflfeit  äßegen  ber  ©rünbe,  auß  roeld^cn  ber  ©ntrourf  bie  5ßflid^t  unb  baß  Siedet, 

(Berichte«.'  unter  ben  SBoraußfefeungen  beß  §  1547   gegen  ben  ^nl^aber  ber  elterlichen 


eacrli^c  ©etoalt.    Scfd^ranfuno  bcrfdbcn.    §1548.  811 

©Ctoalt  ciniufd^rcitcn,  abrocid^cnb  vom  gemeinen  SRcd^tc  unb  bem  ital.  ®.  33. 
Slrt.  233,  bem  SBormunbfd^aftdgcrici^te  übertragen  l)at,  wirb  auf  bie  ÜJiotioe 
ju  §  1546  oben  ©.  806  Sejug  genommen. 

3ft  bem  Sn^aber  ber  cltetUd^cn  Oeioalt  nad^  äßafegabc  ber  §§  1547,  ^fiefl^d^ft 
1550  bie  aSermögenöocrroaltung  cntjogcn,  fo  tritt  inforoeit  ntd&t  an  ©teile  ber  ^^^^T^^j. 
cltcrlid^en  (Semalt  beö  SSaterö  bie  elterlid^e  Oeroalt  ber  3Äuttcr,  fonbcrn  eö  ift,  ««rtnbgcni* 
mie  in  ben  gäUen  beö  §  1546,  auf  (Srunb  beö  §  1738  eine  ^flcgfc^aft  an^  '*'^«^*««8- 
juorbnen  (üergl.  aud^  Ijeff.  @ntro.  III  9lrt.  31;  ital.  ®.  S.  3lrt.  233;  roeimar. 
©ef.  D.  27.  anärj  1872  §§  14,  16). 

§  1548. 

2Bät)renb  nad&  gemeinem  Siedete,  bem  öftcrr.  @.  )ö.,  bem  franj.  Siedete  ffiteb«. 
unb  bem  fäc^f.  ©.  83.  bie  SBieberoer^eiratfiung  beö  SBaterö  auf  bcffen  SteUung  JeJ^^JÄ 
bcn  Äinbcrn  gegenüber,  inöbefonberc  aud^  in  Slnfe^ung  ber  SJermögcngs  bereiteri. 
pcnoaltung,  ofinc  ©influfe  ift,  legt  eine  gro^e  Qa\)l  anberer  Siedete  bem  3[}ater  ^^^^' 
ober  überhaupt  bem  Überlebenben  ®lterntf)elle,  menn  er  eine  neue  @^e  fd^liefeen  ®S{^t*' 
will,  bie  SSerpflic^tung  auf,  t)or  ©d^liefeung  ber  neuen  @^c  bem  SSormunbfd^aftö- 
gerid^te  ein  ?Jerjeidbni§  beö  feiner  SSerroaltung  unterliegenben  Äinbeöoermbgenß 
cinjurcid^en  unb  ftc^  mit  ben  Äinbern  ber  früheren  ®t)e  megen  beö  SBermögenö 
bcrfelben,  inöbefonbcre  megen  beö  von  bem  üerftorbenen  ®ltemtl|eilc  ererbten 
SSermögenö,  auöeinanberjufejen.  3^"^  ^^Kit  bcftimmen  bicfe  Siechte  aufeerbem, 
ba^  ber  bctrcffeubc  ©Iterntljeil  ben  Äinbern  wegen  beö  SBermögenö  berfelben, 
iDeld^eö  feiner  äJerroaltung  unterliegt,  ©id^er^eit  ju  leifku  l)Qbt  (oergL  bie 
3ufammenftellung  bicfcr  Siechte  bei  ö.  ©ic^ercr,  baö  3leic^ögcfc|  über  btc 
SSeurfunbung  bcö-^erfonenftanbeö  u.  f.  w.  ju  §  38  unter  9lr.  VI).  3"  ^^^\^^ 
©ruppe  oon  Siedeten  geprt  inöbefonbere  aud^  baö  preufe.  91.  S.  di.  II,  1  §  18, 
II,  2  §§  187,  188,  191,  II,  18  §§  970  ff.  Saöfelbc  üerpflic^tct  ben  SBater, 
rocnn  er  fid^  roieber  t)er^eiratl)en  will,  jur  äluöeinanberfeßung  mit  feinen 
Jtinbem  unb  jur  geftftellung  iljreö  SBermögenö  unter  3iiiicl)W"8  ^i"^^  Äuratorö. 
SKu^erbem  mufe  ber  SBater  baö  SBermögen  ber  Äinber  auö  poriger  ®l)c  (ob 
baruntcr  nur  baö  mütterlid^e  SSermögen  ober  aud)  anbercö  Vermögen  ju  oer* 
fte^en,  ift  beftritten)  auf  feine  ©runbftüdEe  unb  ©ered^tigfeiten  eintragen  laffen; 
bo^  l^at  biefe  ©intragung  nur  ben  Äarafter  einer  oormunbfd&aftlid^en  Kaution 
nac^  aWaggabc  ber  §§  427,  428  II,  18  3(.  S.  SR.  ^ann  ober  roill  ber  SSater 
bie  Sid^ertieit  nid^t  leiftcn,  fo  mirb  il)m  bie  aSerroaltung  beö  SSermögenö  ent* 
jogen.  ©obalb  bie  SBerpflid^tung  ju  biefer  ©i^erlieitöleiftung  eingetreten  ift 
(oergl.  21.  2.  SR.  II,  2  §  187;  än^.  §  89),  ift  ber  SBater  oerpflid)tet,  bem 
aSormunbfc^aftögericbte  baoon  2lnjeige  ju  mad^en.  Jöerfdumt  er  bicfe  ^ftic^t 
corföfelid^,  fo  oerlicrt  er  ben  Siiefebrauc^  (II,  2  §§  199,  200). 

gür  bcn  Sejirf  beö  Dberlanbeögerid&teö  6öln  fc^reibt  ferner  bie  preufe. 
aSorm.  D.  v.  5.  3uli  1875  §  95  3lbf.  2  t)or,  bci%  ber  SBater,  roelc^er  ju  einer 
neuen  ©^e  fd^reitet,  baö  SBermogen  ber  ftinber  unter  SRitroirfung  eineö  t^ffcgerö 
bur^  ein  oon  bem  SSatcr  bem  aSormunbfc^aftögcrid^te  cinjureic^enbeö  aSer? 
jei(^ni&  feftjuftellcn  ^at.  5Rad^  franj.  SHed^tc  t)at  ber  SSater  nac^  bem  2^obc 
ber  ÜRuttcr  alö  gefefelid^er  SJormunb  bie  5ßflidl)t  jur  ©inrcic^ung  eineö  aSer* 


8 1 2  eitccU^e  ©ettjalt.    Sefd&ränfuno  bcrfclbcn.    §  1548. 

mögcnöocrjcit^niffcö  fc^on  beim  Segtnnc  ber  SBormunbfd^aft  (code  civü  Slrt.  390, 
451,  tjcrgl.  au6)  Ml  entro.  III  STrt.  32).  5Dicfc  ^flid&t  ift  burd)  bic  prcufe. 
SBorm.  D.  §  95  2lb|.  2  ücrgli^cn  mit  §  35  9lbf.  2  bcfcitigt  unb  bur(^  bic 
angeführte  Seftimmung  crfcftt.  SBie  mä)  franj.  SWe^tc,  bcburftc  eä  aud^  iiad^ 
bem  fQd)f.  ©.  S3.  für  bcn  gall  ber  SKicbcrocrl^ciratliung  beö  aSatcrö  feiner 
befonbercn  Scftimmung,  um  ben  Seftanb  bed  ÄinbeöDcrmögenö  burc^  ©in^ 
rcic^ung  eines  SBeräcid^niffcö  fcftjuftellen,  ba  ber  SBatcr  naä)  bem  fäd^f.  ®.  33. 
§  1813  allgemein  iuoentarifationöpflid^tig  ift.  2)aö  rocimar.  ®ef.  o.  27.  SKärj 
1872,  nac^  mefd^em  ber  Sniiaber  ber  elterlichen  Oeioalt  ebenfalls  unbebingt 
jur  einreid)ung  eincö  SBermogcnöücrjcid&nijfeö  üerpflic^tet  ift  (§  12),  legt  bem 
93atcr  für  bcn  galt  ber  2Biebcrücrl)ciratl)ung  aufeerbem  bic  a3erpflid)tuug  jur 
©id^erl^eitöleiftung  ober  ^ur  Hinterlegung  ber  Sn^aberpapicre  auf.  Somcit 
^ierburd^  ^inreid^enbe  Si^er^eit  nici&t  ju  erlangen  ift,  foU  bem  SJatcr  bic  SBcr* 
mögendoerrooftung,  unbefc^obet  beö  bemfelben  t)crb(eibenben  ^ticfebraud^eö,  cnt^^ 
sogen  werben  (§§  14,  15). 
®*^J^""**  3n  Ucbereinftimmung  mit  ben  befte^enben  SRed^ten  gel)t  ber  ©ntiourf 

cntwurfcö.  iunäd^ft  baoou  aus,  bafe  bic  SBicberocrlicirat^ung  beö  SBotcrö  auf  bcn  gort- 
beftanb  ber  clterlid)cn  ©croalt,  einfd^lie6lid&  ber  clterlid^cn  Slufeniefeung,  oI)ne 
bfr^tuÄ«  ©influfe  ift,  yiad)  §  1558  wirb  aUcrblngö  bic  elterliche  ©eroalt  ber  aKutter, 
©ewait  ber  Dorbcl^atttid^  bcr  5ßfticf|t  unb  beö  9tedE)teö  ber  tljatfäcfilidöen  gürforgc  für  bic 
««"«•    vjierfon  beö  Äinbcö,  baburd^  becnbigt,  bafe  bic  5öluttcr  eine  neue  ei)e  fd^tiefet. 
S)iefe  ücrfd^iebeuc  SSc^anblung  beö  SSatcrö  unb  ber  3Äuttcr  red^tfcrtigt  fic^ 
aber  nid^t  allein  bur(^  bie  SRüdEjtc^t  auf  baö  gcttenbe  Siedet,  fonbern  aud& 
burd^  bie  ©rroägung,  bafe  bie  ©efaf^r  einer  ©ntfrembung  beö  roieber  lieirat^enben 
©Itemtfieileö  gegenüber  ben  Äinbern  ber  frülieren  G^e  erfa^rungömöfeig  im 
galle  ber  SBiebcrocrljcirat^ung  beö  SSaterö  roeit  geringer  ift,  atö  im  galle  ber 
8Biebert)er^eiratf|ung  ber  SDlutter.     3mmerl)in  ift  jcboc^   aud^   im   erftcrcn 
galle  mel^r  ober  roeuigcr  bie  ®efal)r  einer  SSerbunfelung  bcr  SBcrmögcnö? 
ücr^ältniffc    ber   Äinber    auö    ber    früheren    ©^c    begrünbct   unb    cö    beö* 
l^alb   jur   Sßermeibung  einer   foldben   33crbunfctung   unb   jur  3lbfc^neibung 
fünftigcr   ©treitigfciten    atigejeigt,    bem   3nl)aber    ber    elterlidöen   ©croalt, 
o^ne  Unterfcfiieb  jroifd)cn  SSatcr  unb  2Wuttcr,  nid^t  nur  bic  SJerpflid^tuug 
»erm»0cn«.  aufjucrlcgcu,  üor  Sd^liefeung  ber  neuen  6lje    bem    SSormunbfd^aftögcrid^tc 
peraeic^nifr  ^^^  SBcrjcid^nife  beö  feiner  SSerroattung  untcrliegenbcn  3Scrmogcnö  ber  Äinber 
einjureid^en,   fonbern  aud^,   wenn  er  unb    baö  Äinb   ben    anberen   S^^eit 
8(u«€inanber«  beerbt    l)aben ,   bie   Sluöeinanberfegung    in    9lnfe^ung    ber   ©rbfd^aft,   unb 
f«»unfl.    ^^^^^  ^jg  3icQd  t)or  Sd^licfeung  bcr  neuen  ®f)c,  l)crbcijufüfircn  (oergl.  aud^ 
§§  1404,  1734).    S)a  jcbodö  unter  befonberen  Umftcinbcn  bie  gortbauer  ber 
©cmcinfdbaft  im  3;i^terefie  ber  9lufrcd^tcrf)altung  ber  biöl^erigen  SBirtlifd^aft 
unb  ber  Subfiftenj  bcr  gamilie  liegen  unb  inöbefonbere  oon  biefem  ©cfidlitö« 
puntte  a\i&  and)  bem  Äinbc  oortljcilbaftcr  fein,  ba  ferner  unter  Umftänben 
bie  Dollftänbige  Sewirfung  ber  Sluöcinanbcrfegung  fid^  länger  |)injieljen  fann, 
fo  ift  eö  angemcffcn,  bem  9Jormunbfd5aftögcric^tc  bic  33efugnife  beijutcgen, 
auönaljmöweife  au^  befonberen  ©rünbcn  t)on  bcr   Sluöeinanbcrfeßung  oor 
©d^licfeung  bcr  6^e  abjufel)cn,  unb  auf  bief«  SBcifc  bem  SBatcr  ober  bcr 
aWutter  oI)ne  por^erige  Stuöcinanberfctuug  bic  SGßieberoerl^eirat^ung  ju  crmög« 


eitcrlt*e  ©Ctoalt    Scfd6ran!ung  bcrfclbcn.    §1548.  813 

lid^en  (ocrgl.  §  1242).  ©clbftoerftänblid^  ift  axiö)  nic^t  auögcfc^Ioffen,  bafe  in 
änfc^ung  cinjelncr  ©cgenftänbc,  j.  35.  cinjelner  (Srunbftüdfe,  bic  Oemcinfd^aft 
auö  bcfonbcrcn  ©riinbcn  fortgcfc^t  roirb.  ©ofe  jum  Sw^^rfe  bcr  3lußemanber5 
fcfeung  bem  Äinbc  ein  ^Pfleger  beftcUt  werben  mufe,  ergiebt  fid^  quo  §  1738 
rerb.  mit  §  1503  5ttbf.  1  unb  §  1651  3lx.  1.  ©in  »ebürfnife,  bie  Sluöeinanbcr* 
fcfeungdpflid^t  auä)  auf  anbcrc  bem  Äinbc  unb  3nl)abcr  ber  elterlichen  (Seroalt 
gcmeinf^aftlid^  jufte^enbc  ©rbfd^aften  auSjubc^nen,  liegt  ni^t  t)or.  2)er 
mid^tigfte  unb  ^auptfall  mirb  burd^  bie  SBorfd^rift  beö  §  1548  getroffen. 

Sßon  ber  SJerpftid^tung  beö  3n^aberö  bcr  eltcrlid&cn  ©eroalt  jur  ©in* 
rcid^ung  eineö  SSermögenöocrjeicibniffeS  geftattet  ber  ©ntrourf  ju  ©unften  beö 
Sn^aberö  ber  elterlichen  ©eroalt  in  feinem  galle  eine  9luöna^me,  aud^  bann 
nid^t,  roenn  nadd  ^^"  fonfreten  SScrJ^ältniffen  jebe  ©efälirbung  beö  Äinbcß  afe 
auögefd&loffen  anjufel^en  fein  foUte.  S)ie  Slufnal^mc  eineö  foId)cn  SBerjeid^niReö 
ift  roegen  ber  fonft  leidet  nad&  bem  S^obe  beö  SSaterS  entftel^enben  ©treitig« 
feiten  unter  allen  Umftänben  jroedEmäfeig  unb  fann  bem  Sn^aber  bcr  elterüd^en 
©eroalt,  o^nc  bafe  bemfelben  baraud  eine  er^eblid^e  Seläftigung  erroäc^ft,  im 
3nteref|c  beö  Äinbcö  unbebingt  auferlegt  roerben.  S)ic  ÜKutter  ift  o^nel)in 
nac^  erfolgter  SBieberoerl^eirat^ung  auf  ©runb  ber  §§  1558,  1503  9lbf.  1  Dcrb. 
mit  §  1700  9lbf.  1  jum  Qmtdt  ber  SRedfinungölegung  ein  aSerjei^nife  ouf* 
junelimen  ocrpftid^tet. 

3?a  eine  regelmäßige  9luffi(^t  beö  SSormunbfd^aftögeri^tcö  bei  bcr  ctter«    «njeifle 
lid&cn  ©eroalt  nid^t  ftattfinbet,  fo  ift  bem  Sn^aber  ber  cltcrlid&en  ©eroalt  „^„t^^^aftl 
oufecrbem  bic  93crpflid^tung  auferlegt,  oor  ©d&liefeung  ber  S^e  bem  aSor*    itvid^tt. 
munbfd^aftögerid^tc  Don  ber  beabpd^tigten  (S^efc^liefeung  Slnjeige  ju  machen, 
bamit  baöfclbc  bie  erforbcrlid&cn  Slnorbnungen  ju  treffen  in  ber  Sage  ift. 

3Bcitcrc  93erpflid()tungen,  inöbcfonbcrc  bic  SBerpftic^tung  jur  Sid()cr^citös  ©ii^crwt«» 
Iciftung,  foUcn  mit  ber  SBicberoerl^ciratlöung  beö  SSatcrö  nid^t  oerbunben  fein.  ^**^*""^ 
©urdd  bie  9Bicben)crl)eirat^ung  beö  33atcrö  alö  fofd)e  roirb  baö  Sntereffc  beö 
Äinbcö  in  ocrmögcnörcd&tlid^er  33ejie^ung  rcgclmafeig  nidbt  in  ber  9lrt  gc« 
fä^rbet,  baß  jum  Sd^u^c  beö  ftinbeö  bem  SBater  bie  ^flidöt  jur  ©id^erl^eitö* 
Iciftung  aufjucrlegcn  unb  für  ben  gall,  bafe  er  bicfer  ^-ßflid^t  nidöt  na^« 
fommt,  bem  aSormunbfd&aftögcric^te  bie  Sefugnife  einzuräumen  ift,  bem 
SSater  bie  aScrmögcnöucrroaltung  ju  entjic^en  (§  1550).  2)ie  allgemeinen  Sc* 
ftimmungcn  beö  §  1547  reid^cn  auö,  um  baö  Äinb  im  gaDc  ber  SBieber? 
t)er()eirat()ung  beö  SSaterö  gegen  bie  bem  5iinbe  barauö  ctroa  erroad^fenben 
©efatjren  ju  fd&ügcn.  aWit  ber  aBieberoerl^eirat^ung  alö  fold^er  bic  33er« 
pflic^tung  jur  Sic^er^eitöleiftung  ju  rerbinben,  fann  für  ben  93atcr  große 
gärten  mit  jtc^  bringen  unb  jur  S^trüttung  feiner  SScrmögenöücr^ältniffe 
führen,  roenn  er  eö  nid^t  tjorjie^t,  ftatt  Si^er^eit  ju  leiften,  bic  elterliche 
SöcrmogenöDcrroaltung  ju  ocrlieren.  @inc  bcrartige  ©rfd^roerung  empfieljlt 
fic^  mä)  nidEit  t)om  Stanbpunftc  beö  3ntcrcffeö  beö  Äinbcö  auö,  ba  in  oiclen 
gällcn  bic  SBiebcroertieirat^ung  gerabc  mit  SRücffid^t  auf  baö  3ntcreffe  beö 
Äinbeö  erfolgt  unb  auc^  im  Sntereffe  beö  Icfetcren  liegt.  S)iefc  33ebenfen 
roerben  auc^  bann  nicbt  befeitigt,  roenn  man  bem  93ormunbfd^aftögerid^tc  bic 
SBcfugniß  beilegen  rooUte,  unter  33crüdftd^tigung  ber  fonfreten  33cr^ältnif[e 
bem  SBater  bic  SSerpflid^tung  jur  Sid&crlicitöleiftung  ju  crlaRen.     3n  üielcn 


814  (5rtcrrid6c  ®malt    Sßcfc^ranfunfl  berfclben.    §  1549. 

gällcn  Toirb  cd  bem  SBonnunbfcl^aftögcrici^tc  an  objcftbcn  Slnl^atepunftcn  für 
eine  Diöpcnfotion  fcblen.  Slufeerbcm  tft  ju  beforgcn,  bafe  eine  berartige  Sc- 
ftimmung  in  bcn  Dcrfd^icbencn  Xl)txkn  bcö  Slci^eö  ju  einer  oerfd^iebencn 
^^JrQfiß  fül)ren  unb  fo  bem  3w)e(fc  beö  ®efeftbud|cö,  au6)  in  ber  fiicr  frag- 
lid^cn  ÜJlatcrie  einljeitlic^eö  9?ed|t  jU  fd^offen,  gefäfirben  fonnte.  ®egcn  bic 
33erpflici^tung  jur  (5id|cr^eitö(eiftung  fpri^t  ferner  baö,  nantentlid^  in  einer  bie 
perfönlid^en  JJntereffen  fo  tief  berü&renben  SKaterie  wie  biefer,  fd^rocrroiegcnbe 
Sebenfen,  bafe  bie  Slnerfennung  einer  foldöen  33erpf(id&tung  gegenüber  bem  in 
grofecn  SRed^tögcbieten  geltenben  5Weci^te  alö  eine  erl^eblid^e  9leucrung  fid^  bar* 
ftellcn  mürbe.  2lud&  bie  93orf(^riften  beä  preufe.  31.  S.  SR.  über  bie  Art  unb 
bcn  Umfang  ber  ©i(^erl^eitdleiftung  finb  ber  3lrt,  bog  biefelben  in  bcr  grofeen 
aWel^rial^l  ber  %Süt  gegenftanbdloö  finb. 
«ntaie^ung  Um  bic  (SrfüHung  ber  bem  3nl|aber  ber  elterlichen  ®emalt  in  ©emaß? 

»ermögen«,  ^txt   btx  Scftimmungcn  beö   §  1548   oblicgenben  SJerpflid^tungen   pd&crju* 
«ejtoaitung.  ^i^ji^n  bejTO.  bic  für  bcn  %aü  bcr  ^lid^terfüttung  bem  ftinbe  bro^enben  ©e^ 
fafircn  abjuroenben,  legt  bcr  §  1550  bem  SSormunbfd^aftögcrid^te  bie  Sefugnife 
bei,  bem  3nf)abcr  ber  elterlid^en  ©cmaft  bie  SBermögenöocrmaltung  üu  ent* 
jicl^cn,  menn  bie  ©rfüUung  jener  3Serpf[id^tungen  unterbleibt  (ocrgl.  aud^  preug. 
31.  S.  91.  n,  2  §§  182,  267;  meimar.  ®cf.  ü.  27.  3Rärj  1872  §§  14,  15). 
Db  Don  biefer  Sefugnife  erft  nad^  oorgängiga*  Slufforbcnmg  ®ebrauc^  ju 
mad^en,  ift  bem  oernünftigen   ®rmeffen  bed  SSormunbfc^aftägerid^teö  unter 
33erüdfpc^tigung  ber  Umftänbe  bcö  fonfreten  galleö  ju  überlaffen.    3lu6erbcm 
«Hmbemi^.  i^^Qjl^t  bcr  §  1242  bic  B^l^ffung  jur  6f|efd^lie6ung  von  ber  ©rtl^cilung  eines 
3eugniffeß  beö  SBormunbfd^aftögerid^teö  obi^ängig,  bafe  ber  Sn^aber  ber  cltcr* 
lid^en  ©eroalt  bie  im  §  1548  bejcid^neten  SBerpflid^tungen  erfüllt  ^at  (t)ergl. 
preufe.  31.  S.  %  II,  1  §  18  unb  bie  SWotioc  ju  §  1242  oben  ©.  33). 
b^'SSiiS^n  ^^^^  ^^^  Sni^aber  ber  etterlid^en  ®eroalt  bic  SBermogcnöDcrroattung 

shume^ung.  cutjogcn,  fo  ücrbtcibt  i^m  bie  eltcrtid^e  Sflugniefeung  nad^  SKafegabe  ber 
§§  1532,  1533  (oergt.  aud&  preufe.  31.  S.  3t.  II,  2  §§  182,  267  ücrglic^cn  mit 
§  268).  ®ie  lebiglid^  bcn  Äarafter  einer  ©trafbeftimmung  an  ft^  tragenbe 
aSorfd&rift  beö  preufe.  31.  2.  S».  II,  2  §  200,  bafe  bcr  SBatcr  bcn  9lic6braud& 
oerliert,  roenn  er  bie  i^m  obtiegenbe  3lnjcigc  an  bad  SBormunbfd^aftögerid^t 
Dorfäglid^  Dcrfäumt,  empfiel^lt  ftd^  nid^t  unb  ift  burd^  ein  praftifd&cfi  Scbürfnife 
nid^t  geboten.  S)ie  aSorfdiriften  ber  §§  1550,  1242  reld^cn  auö,  um  bie  ®r« 
füBung  ber  im  §  1548  bcjcid^neten  aSerpftid^tungcn  ju  fidlem. 
^aftung^be«  ©bcnforocnig  ift  eö  burd^  überroiegenbc  praftifd^e  ®rünbe  gered^tfertigt, 

«Regatten,  im  3tnfd^tuffc  ttu  ät)nlid^e  SBorfd^riften  bcö  franj,  SRec^tcö  (code  civil  3lrt.  395 ; 
Dcrgt.  aud^  ^cff.  ©ntro.  III  3[rt.  27)  pofitio  ju  beftimmen,  bafe  roegen  9Hd^t? 
crfüHung  bcr  bem  3nl^aber  bcr  eltcrlid^cn  ©croatt  nad^  §  1548  oblicgenben 
aScrpflid^tungen  ber  neue  ©begatte  beöfelbcn  atö  Sürge  haftet. 


§  1549. 
Äofteiiber  3lnlangenb  bic  öeftimmung  bcö  §  1549  3lbf.  1,  fo  roürbe  cö,  rein 

?ijrS  iuriftifc^  betrachtet,  ba&  SRiditigc  fein,  bic  im  §  1549  Slbf.  1  bezeichneten  Äoften, 
^itsieiftung.  joiDcit  bicfclbcu  in  3lnfc^ung  be«  bcr  elterlid&en  Slugnicfeung  unterliegenben 


ertcritcftc  ®ctt?alt.    IBcfiränfuiiö.    SBaifenratJ.    §§  1550-1552.         815 

SBcrmogcnö  cntftanbcn  finb  unb  bic  9lii6wnflcti  jenes  SBermögcnö  nW^t  über* 
fteigen,  bem  ^n^aber  ber  efterlid^cn  ©etoalt  (t)ergl.  §  1531),  im  Uebrigen  bo^ 
gegen,  inSbefonbere  inforoeit,  ate  bicfclben  in  3lnfe^ung  beö  freien  SOermögenö 
beö  Äinbeö  entftanben  ftnb,  bem  leiteten  jur  Saft  ju  legen  (uergl.  §  1530 
aibf.  1  9lr.  2,  §  1689  Slbf.  5).  3m  Sntereffe  ber  einfad&^eit  bcß  ®efe|eö  unb 
mit  SRüdtfid^t  barauf,  bafe  bie  l^ier  fraglid^en  Äoften  burd^  baö  SBerl^alten  bed 
3n^aberö  ber  clterlid^en  ©eroalt  ober  bod^  burd^  Umftänbe,  roeld^e  in  ben  SSer- 
l^ältnijfen  befi  legtcren  liegen,  tjerantafet  fmb,  ift  eö  jebod^  alö  unbebenfUd^ 
crad^tet,  jene  Äoften  ofine  Unterfd^ieb  nnbebingt  bem  Sn^aber  ber  elterlid^en 
©eroalt  }ur  Saft  }u  legen. 

aOBegen  ber  Segrünbung  beö  §  1549  2lbf.  2  wirb  auf  bie  auc^  l^ier 
roegen  Analogie  bcö  aSer^altniffeö  jutreffenben  Sluöfül^rungen  in  ben  ÜJlotiüen 
ju  §  1689  Sejug  genommen. 

§  1550. 

S)ie  SBcftimmungen  beö  §  1550  ^aben  bereits  in  ben  Sßotioen  ju  §§  1547,  «ntaie^una 
1548  oben  ©.  810,  814  itjre  Segrünbung  gefunben.  «er^en«. 

oenoaltiing. 

§  1551. 

^ie  Seftimmung  beö  §  1551  @a|  1  folgt  baraug,  bag  bie  bort  be$  «uf^ebung  ic 
jei(^netcn  Slnorbnungen  Sluöffufe  beö  bem  aSormunbfd^aftßgcric^te  jufte^enben  ^^^l 
Sluffid^töred^teö  finb.    SBegen  ber  SBeftimmung  beö  §  1551  Sag  2  roirb  auf     »»nn- 
bie  3KotiDe  ju  §  1689  Dcrroiefen.    Sluö  ber  entfpre^enben  3lnroenbung  beö  ••^*****- 
§  1689  9lbf.  3  ergiebt  fid^  namentlid^,  bag  baö  SSormunbfd^aftögeric^t  bie  ^v^ 
^ö^ung,  SSerminberung  ober  äluf^ebung  ber  befteUten  Sid^er^eit  nur  anorbnen 
fann,  fotange  bie  elterliche  ©eroalt  beö  3n^aberö,  roelt^er  bie  ©ic^erl^eit  ju 
leiften  ober  geleiftet  I>at,  nid^t  beenbigt  ift. 


§  1552. 

S)ie  an  ä^nlid^e  58orf^riften  beö  roeimar.  ©ef.  v.  27.  STOärj  1872  §  112  sRitwirtung 
unb  ber  bab.  3Baifcnrid(|ter*3nftru!tion  ü.  17.  3uU  1879  §  16  (oergl.  aviä)^^^^^^^ 
preufe.  ©cf.,  betr.  bie  Unterbringung  rerroal^rlofter  Äinber,  t).  13.  STOärj  1878 
§  9)  ftd^  anfd^liefeenbe  Seftimmung  beö  §  1552  bejroedEt,  baö  in  baö  SBormunb* 
fd^aftöred^t  (§  1725)  aufgenommene  Stiftitut  beö  ©emeinberoaifenrat^eö  aud& 
in  SKnfe^ung  ber  unter  efterüd^er  ©eroalt  fte^enben  Äinber  in  ber  im  §  1552 
be}eid^neten  äßeife  nupar  ju  mad^en.  @ö  roerben  baburd^  namentlid^  bie 
aSorf^riften  ber  §§  1546, 1547  im  3ntereffe  oerroa^rlofter  ober  in  il^ren  SRed^ten 
gefä^rbeter  ^auöKnber  eine  größere  praftifd^e  Sebeutung  geroinnen  fönnen. 
2)em  ©emeinberoaifenrat^c,  entfpred^enb  bem  §  1725,  ein  roirflid^eö  Sfufftd^tö* 
recbt  über  bie  unter  elterlid^er  ©eroalt  ftel^enben  Äinber  beijutegen,  roürbe 
bagegen  mit  ber  ©teöung  beö  33ormunbfd^aftögcrid&teö  gegenüber  bem  3n^aber 
ber  elterlichen  ©eroattlnid&t  tjereinbar  fein.  Stellt  bem  aSormunbfd^aftögerid^te 
gegenüber  bem  Snl^aber  ber  clterlid^cn  ©eroatt  ein  regelmäfeigeö,  jur  ®im 


816  etcrlid&c  ©ctoalt.    Äonfurö  beö  Snbaberß.    §1553. 

mifd&ung  in  bic  gamilicnoer^altniffc  bcrcd^tigcnbcö  Slufftc^törcd^t  nid^t  ju,  fo 
!ann  ein  fold^eö  au^  bem  ®emcinben)aifcnrat(|e  ald  einem  untetftügenben 
Organe  bed  SJormunbfd^aftggerid^ted  nid^t  eingeräumt  n)erben. 

3m  Uebrigen  wirb  wegen  beö  Snftituteö  beö  ©emeinbemoifenrat^eö,  ins* 
befonbere  roegen  ber  ©rünbe,  auö  meld&en  baöfelbe  überhaupt  in  boö  Oefe^ 
bud^  aufgenommen  ift  fomie  wegen  ber  ben  Sanbeögcfeggebungen  in  9tnfel^ung 
biefeö  3nftituted  tjorjube^aftenben  SSeftimmungen  unb  wegen  ber  S'^ogc,  in* 
mierocit  bie  ©emeinbcmaifenrät^c  wegen  SSerCe^ung  ber  i^nen  oblicgcnben 
^PPid^tcn  prioatreditlic^  oerantwortlid^  fxnb,  auf  bie  SMotioe  ju  §  1725  oer* 
wiefen. 

§  1553. 

BeenDiguns  S)a  nad&  §  1534  iu  »erbinl/ung  mit  §  1  3rbf.  1  ber  Stonl  D.  bie  Sichte, 

«ermsj^enf'  weld^e  burd^  bie  elterlid^e  9iuftnie§ung  an  ben  ju  bem  SBermögen  beö  ßinbed 
'''T*^""  gel^örenben  ©egenftönben  begrünbct  finb,  im  galle  ber  ©röffnung  beö  ßonfurfeö 
ironfur«.  über  baö  SJermögen  beö  3n^aberö  ber  elterlid^en  ©ewalt  nic^t  jur  Ronhirömaffe 
gel^orcn,  fo  fel^It  eö  an  einem  auöreid&enben  ©runbc,  nad^  bem  SSorgange  beö  prcufe, 
21.  S.  %  II,  2  §§  206,  268  m\>  ber  olbenb.  ©efefee  jur  aiuöfü^rung  ber  Äonf.  D. 
0. 10.  Slpril  1879  SKrt.  52  unb  ü.  2.  Slprif  1879  Silrt.  35  mit  ber  Eröffnung  beö 
Äonfurfeö  über  baö  SBermögen  beö  3^fia6crö  ber  elterlid^en  ©ewalt  bie  elterlid^c 
5Rugnie6ung  überhaupt  beenbigen  ju  {offen,  um  baburdö  itn  3ntereffe  beö  Rinbeö 
ben  Ucbergang  ber  niefebräud^Ud^en  SBerwaltung  beö  Äinbeöoermögenö  ouf  ben 
Äonfuröoerwalter  ju  tjer^inbem  (oergL  §  1  3lbf.  2  ber  Äonf.  D.).  S)agegen 
empfietjlt  eö  ftd^  im  3nteref[e  beö  Äinbcö,  an  bie  SWed^tötraft  beö  Scf^Iuffeö,  burd^ 
welchen  ber  Äonfurö  über  baö  SBermögen  beö  3nf|abetö  ber  elterlid&en  ©ewalt 
eröffnet  wirb,  ben  SSertuft  ber  elterlid^cn  SBermögenöoerwaltung  }u  fnüpfen, 
eineötl^eitö  um  baburd^  bie  eltcrlid&e  9?ugnie§ung  ben  aM  ben  §§  1532,  1533 
fid^  ergebenben,  eine  jwedentfpred&enbe  ^erwenbung  ber  Slufeungcn  fid^emben 
Scfd^ränfungen  ju  unterwerfen,  anbererfeitö  um  bie  bem  SBermögen  beö  Rinbeö 
bro^enben  ©efal^ren  abjuwenbcn,  weld^e  mit  ber  ©röffnung  beö  Äon!urfeö  über 
baö  93ermögen  beö  3n^aberö  ber  elterlid^en  ©ewalt  wegen  ber  ÄoBifion  ber 
3ntereffen  beö  legieren  unb  beö  Äinbeö,  fowie  wegen  beö  SBermogenöoerfaUeö 
beö  3n^öbcJ^s  ^^  elterlid^en  ©ewalt  me^r  ober  weniger  immer  Derbunben  finb 
(oergl.  ani)  §§  1547,  1550).  Sttuf  ä^nlid^en  ©rwägungen  beruht  bic  93e« 
ftimmung  beö  §  1705  3lx.  2  in  SBerbinbung  mit  §  1640  9ir.  2,  bafe  ein  5Bor* 
munb  an^  bem  ©eftd^töpunfte  ber  Unfä^igfeit  entlaffen  werben  mufe,  wenn 
über  baö  SBermögen  beöfelben  ber  Äonfurö  eröffnet  wirb,  ferner  bie  SBeftimmung 
beö  §  1327  5ftr.  3,  bafe  bie  e^elid&e  ^lugniefeung  unb  SScrwaltung  mit  ber 
SRec^töfraft  beö  Sefd^luffeö  enbigt,  burd&  weld&en  ber  Slonfurö  über  baö  SBer^ 
mögen  beö  ß^emanneö  eröffnet  wirb.  Safe  in  biefem  galle  nid^t  nur  bic  el^e* 
lic^e  SBerwaltung,  fonbem  aud&  bic  el^elid&e  SRu^niefeung  beenbigt  wirb,  ^at 
feinen  ©runb  in  bem  engen  inneren  Swfßtnmen^ange,  in  weld^cm  jene  SBcftanb* 
tfieite  beö  el)emännlid&en  Sled^teö  mit  einanber  fte^cn.  SBie  ber  ©ntwurf,  läfet 
awä)  baö  preufe.  21.  2.  SR.  II,  2  §§  206,  268  in  bem  ^ier  fraglichen  galle  bic 
Scenbigung  ber  SBerwaltung  beö  SBaterö  in  Slnfe^ung  beö  nid^tfreien  SBer* 
mögenö  beö  Ainbeö  fraft  ©efegeö  eintreten ;  bagegen  wirb  baö  nac^  bem  preufe. 


elterliche  ©etoalt.    Äonlurß  beö  3nr)a6ere.    §1553.  817 

3t.  S.  SR.  II,  2  §  159  bcm  aSater  jiiftel)cnbc  d{ed)t  bcr  üormunbfd&oftlid&cn  Sßer^ 
loaltung  bcö  freien  Äinbcdüerraögcnö  bnxö)  bic  ©röffnung  bcö  Ronfurfeö  über 
baö  aScrmögen  beö  SSaterö  nid^t  berührt,  ba  md)  bem  prcug.  31.  S.  9i.  bcr 
©cmcinfc^ulbncr  als  fold^cr  nid^t  unfähig  ift,  SBormunb  ju  fein,  ^nbeffen  ift 
es  bcftritten,  ob  unb  inroieroeit  in  biefer  ^infid^t  bie  lanbrcd^tlid^en  aSorfd^riftcn 
in  5preu§cn  burd&  bie  prcug.  SBorm.  D.  v.  5.  3uli  1875  §  102,  besu).  §  21 
3lv.  4  t)erb.  mit  §  63  3tbf.  2  als  befcitigt  anjufel^en  pnb.  3^  ^i^^^n  ä^n^ 
ü(^en  SRefuItate,  wie  ber  ®ntrourf,  füt)ren  audb  bic  S3eftimmungcn  bcö  föd^f. 
®.  33.  §  1815  unb  bcö  rocimar.  ®ef.  t).  27.  SKörj  1872  §  14;  bod)  tritt  md) 
biefcn  Oefeggcbungcn  bcr  SBerluft  ber  SSerroaltung  nid^t  froft  bcö  Oefefeeö  ein. 
Sfnbcrerfeitö  ftimmcn  biefelben  barin  mit  bem  ©ntmurfe  übercin,  bafe  bem  SSater 
troft  ber  ©ntjie^ung  ber  SSermaltung  burtfe  baö  SBormunbfc^aftögerid^t  bic  elter- 
Ud^e  ^lufcniefeung  tjcrbleibt.  3lud^  nad^  franj.  Siedete  ift  bic  ©röffnung  bco 
Äonfurfcö  über  baö  SScrmögen  bcö  S^l^öbcrö  bcr  eIterUdE)cn  ©croalt  auf  bic 
cltcrlid^c  Jlufenicfeung  ol^ne  ©influfe  (t)erg(.  code  civil  SKrt.  384).  3)agcgcn 
nimmt  bie  franj.  S^riöprubenj  on,  bag  bem  33ater  unter  Umftönben  auf 
®runb  bcr  SKnalogie  bcö  3lrt.  444  beö  code  civil  im  ^alle  beö  Äonfurfeö  bic 
aSermögcnöüerroaltung  cntjogen  roerbcn  fann.  3lefinlidö  ift  ber  ©tanbpunft 
ber  gemeinred|tlid&en  ^jjrayiö  (ücrgl.  ©euffert  IIl,  342,  XXIX,  147).  ©ebt 
man  auö  bcn  oben  angefül^rtcn  ©rünben  baoon  auö,  ba§  cö  im  Sntereffe  beö 
Äinbeö  angemeffen  ift,  bcm  ^nl^abcr  ber  elterlichen  ©emalt  im  gallc  beö  Slon- 
hirfeö  bie  eltertid^e  SSermögcnöücrmoItung  ftctö  ju  entjicl^en,  fo  bicnt  eö  jur 
SBereinfad^ung  beö  9Seröältnif[eö,  bcn  SBcrIuft  ber  eltcrlid&cn  SSermögenöocrroaftung 
mit  bem  im  §  1553  5Kbf.  1  bejeid^nctcn  g^itpunttc  fraft  beö  ©efefeeö  eintreten 
ju  laf[en.  3)ie  ©rünbe,  auö  meldten  baö  3lmt  bcö  aSormunbcö  in  einem 
fold^cn  gatte  nid&t  fraft  bcö  ©efefecö  bcenbigt  mirb,  fonbcrn  eine  ©ntlafjung  er* 
forberlid^  ift,  treffen  bei  bem  3n^aber  ber  elterüdöen  ©cwalt  nid^t  ju,  ba  beffen 
SRed^t  nid^t  auf  ber  Seftellung  burd^  baö  a3ormunbfdE)aftögeridbt,  fonbcrn  un^ 
mittelbar  auf  ©cfe|  berul^t,  ber  Snl^aber  ber  cltcrlidEien  ©cmalt  jubcm  einer 
regelmäßigen  Auffielt  bcö  aSormunbfd&aftögcrid&tcö  nic^t  unterliegt. 

SBäfircnb  nad^  bcm  prcufe.  31.  S.  SR.  ber  SBatcr  bur^  bie  ©roffnung  bcö  5Bieb«rcin. 
ftonfurfcö  bie  gSerroaltung  bauemb  mliert,  beftimmt  bcr  §  1553  3lbf.  2,  bafe  'cSns'/ 
baö  SBormunbfd^aftögerid^t  bem  Sn^aber  bcr  cftcrlid^cn  ©cmalt  nad^  Scenbigung  «^»«»««0. 
beö  Äonfurfcö,  mag  bie  legtere  burd^  Sluf^cbung  ober  ©inftcUung  beö  Äonfurc* 
Derfa^renö  f)erbeigefüfirt  fein,  bie  SSermögenöocrmaltung  mieber  einräumen 
fann.    (So  mürbe  ungercd^tfertlgt  fein,  bicfelbe  bem  3n^abcr  bcr  eltcrli^en 
©emaft  länger  t)orjuent]^aIten,  alö  bieö  burd&  bie  Umftänbc  im  Sntcreffe  bcö 
ftinbeö  geboten  ift.    gür  biefe  aSeftimmung  fprid^t  aud^  bie  Slnalogic  bcö 
§  1551  ©ag  1. 

S)ie  58orfc^rift  bcö  §  1553  Stbf.  3  red&tfertigt  ftc^  burc^  biefelben  ©r^ 
roägungen,  auf  meldten  bie  SSorfc^riften  bcö  §  1553  3lbf.  1,  2  berul)cn.  S)cr 
^auptfall,  in  roeld&em  bic  Seftimmung  beö  §  1553  Slbf.  3  t)on  Sebeutung  ift, 
ift  ber,  wenn  bie  üRutter  roä^renb  ber  S)auer  beö  Äonfurfcö  über  iljr  SBcr^ 
mögen  bie  elterlid^c  ©emalt  erlangt  (§  1501  aibf.  2,  §  1559  3lbf.  2).  3lbcr 
and)  im  gaUe  ber  Segttimation  (§§  1579, 1583)  ober  ber  Slnna^mc  an  ftinbeö* 
ftatt  (§§  1601,  1621)  fann  jene  Seftimmung  praftifd^  mcrben. 

SRotioc  |.  bflroerl.  Oefe^bui^.  lY.  52 


818  eitcclid&c  ©ettjalt.    SRulfeeii.    §  1554. 

6.  SWul^cn  unb  Sccnbigung  bcr  ettcrüd^en  (Scroalt. 

§  1554. 

wu^en  2)cr  §  1554  regelt,  abgefel^en  von  bem  im  §  1556  bcjeid^ncten  fpejiellen 

^''S"^*"  gaUe,  bieienigen  %mt,  in  rodeten  bie  elterliche  ©emolt,  roeit  ber  3n^aber  ber^ 
felben  an  il^rer  3ludübung  red&tlid^  ober  t^atfäd^lidö  oerl^inbcrt  ift,  biö  jur 
SBefeitigung  beö  ^inbemiffeö  rul^t.  3n  biefen  gäHen  mu6,  foroeit  nid&t  nad^ 
§  1555  an  ©tette  ber  rul^cnben  eltcrtid^cn  ©croalt  bcö  ^atcrö  bie  ettcrlid^c 
©eroalt  ber  aWutter  tritt,  roäl^renb  beö  9lul)enö  ber  elterlichen  ©eroalt  naci^ 
§§  1633,  1703  9lr.  3  eine  SBormunbfd^aft  über  baö  Äinb  eingeleitet  werben, 
dagegen  foll  bie  elterliche  Siufeniefeung  bem  Sn^aber  ber  elterlichen  ©eroalt, 
trogbem  bie  le|tere  im  Uebrigen  ruljit,  nad^  SBafegabe  ber  §§  1532,  1533 
verbleiben.  ®em  3n^aber  ber  eltcrlid&en  ©eroalt  in  ben  Ijier  fraglid^en 
gätten  roä^renb  bcö  SRul^end  ber  elterlichen  ©eroalt  bie  mit  bcr  elterlichen 
^Jlufenie^ung  oerbunbenen  SBermögcnßüort^eile  ju  entäicl^en,  ift  im  ^inblidfe 
auf  bie  in  biefen  gäHen  eintretenben,  im  §  1632  bcftimmten  93cfd^ränfungcn 
ber  elterlichen  ^lufeniefeung  im  3ntercffe  bcö  Äinbeö  nid^t  geboten  unb 
roürbe  anbererfeitö  in  ben  meiften  l^icr  in  grage  tommcnbcn  gäUen  eine 
unbiKige  §ärte  gegen  ben  Snljiober  ber  elterlichen  ©eroalt  mit  fid)  bringen. 
3luC6  in  bem  gaKe,  in  roeld^em  bie  elterliche  ©eroalt  in  golge  ber  ©nt- 
münbigung  beö  Snl^aberß  bcr  elterlichen  ©eroalt  roegen  SBcrft^rocnbung  rul^t 
(§  1554  Sabf.  1  ©ag  1  Dcrgl.  mit  §  70),  ift  cd  nic^t  gerechtfertigt,  baö 
Sinken  ber  elterliC&en  ©eroalt  auC^  auf  bie  elterliche  Siulnicfeung  auöjubel^nen, 
jumal  felbft  in  ben  fallen,  in  roelC^cn  bem  Snl^aber  ber  elterlichen  ©eroalt 
auf  ©runb  beö  §  1546  bie  elterliche  ©eroalt  entjogen  ift,  bemfelbcn  bie  elter^ 
liC^e  5Uu6nie6ung  verbleibt,  ajlit  bem  ®ntrourfe  ftimmen  in  biefer  93ejie^ung 
baö  gemeine  SleC^t  (oergl.  L  8  pr.  D.  de  Ms  qui  suil,  e ;  ©euffert  XXIV,  147), 
foroie  bie  meiften  neueren  ©efcggebungcn  überein  (oergl.  ba^r.  S.  9t.  I,  7  §  37 
iflv.  1;  Code  civil  SKrt.  141,  384;  fäd^f.  ©.  ».  §  1834;  roeimar.  ©ef.  x>.  27.  3Rftrj 
1872  §  19).  dagegen  roirb  nac§  preufe.  91.  S.  91.  n,  2  §§  260—265  in  itn 
gälten  beö  9lu^enö  ber  üäterlid^en  ©eroalt  ber  Däterlid^e  9lie§braud&  an  bem 
SSermögen  beö  Rinbeö,  forocit  berfelbe  nid^t  jur  SBerpflegung  ober  ©riiei^ung 
beö  Äinbcö  ober  jur  Unterftüfeung  beö  SBatcrö  crforberlid^  ift,  biö  jur  S3e* 
feitigung  beö  ^inbcrniffeö  jur  ©ubftanj  gefd)lagen.  3m  galle  ber  @nt^ 
münbigung  beö  aSaterö  roegen  SSerfd^roenbung  aber  tritt  überhaupt  nid^t  nur 
baö  9lul^en,  fonbern  ber  bauernbe  aSerluft  ber  Däterlid^en  ©eroalt,  einfd^liefelid^ 
beö  oätcrlid^en  3liePraud^cö,  ein  (31.  S.  91.  II,  2  §§  255,  256).  9lad^  bem 
Öeff.  ®ntro.  III  9lrt.  18,  25  (oergl.  aud&  ital.  ©. ».  2lrt.  228,  231)  umfaßt 
baö  9lu^en  bcr  elterlid^en  ©eroalt  auC&  bie  elterlid&e  9lu6nic6ung. 
öefc^äft«*  Slnlangcnb  bie  einjelnen  gäHe,  in  roeld^en  nad^  bem  ©ntrourfe  bie  clter* 

beÄbtV  ^^^^  ®^^^ft  ^^^"  ^^^'  fö  f^^^*  ^^^  SBcftimmung  bcö  §  1554  Slbf.  1  ©oft  1, 
bafe  bie  elterlid^e  ©eroalt  nil^t,  roenn  ber  Sni^öber  ber  elterlid^en  ©eroalt 
gefd^äftöunfäldig  ift,  mit  bem  geltenbcn  Siedete  im  ©inllange  (oergl.  inöbcfonbere 

1.  8  pr.  D.  de  his  qui  sui  1,  e;  1.  20  D.  de  statu  hom.  1,  6;  1.  25  Cod.  de 

nupt.  5, 4;  ©euffert  XXIV,  201 ;  ba^r.  S.  9i.  1, 7  §  37  9lr.  1 ;  preufe.  9t.  S.  91.  II,  2 


ertcrli^c  Oeiralt.    3?u5en.    §  1554.  819 

260—263;  oftcrr.  @.  S3.  §  176;  fftc^f.  ®.  ».  §§  1834,  1927;  wcimar.  ®cf. 
D.  27.  3Rörj  1872  §  19;  Ijieff.  ©ntro.  m  ärt.  18;  code  civü  arg.  2lrt.  141). 
äte  Säue  bcr  ©cfd^äftöunfft^igfcit  fommcn  l^icr  nur  bie  gällc  in  Setrad&t,  in 
TOcId^cn  bcr  3nl(iabcr  bcr  citcrtid&cn  Oeroalt  bcö  Söcmunftgcbraud^cd  beraubt 
ober  wegen  ®eiftcÄtranfI)eit  entmünbigt  ift  (§  64  Slbf.  2).  ©otange  bie  ©nt* 
münbigung  nid&t  erfolgt  ift,  fann  aDcrbings  ber  S^itP^^nft/  i«  roeld&cm  bie 
©efd^äftöunfä^igfeit  unb  bamit  baft  Slul^cn  ber  etterlid&en  ©cnjalt  eintritt, 
ungewife  fein;  allein  oon  ber  ©ntmünbigung  barf  I)ier  baö  SRu^en  ber  elter- 
Ud^en  ®malt  nid^t  abl^ängig  gemad^t  werben,  ba  bad  3ntere{fc  unb  bcr  Sd^ug 
bcö  Äinbeö  baburd^  gefä^rbet  werben  würbe  (ocrgl.  aud^  für  baö  preufe.  SRed^t 
®ntfd6.  b.  Äammerger.  II,  21).  3luf  benfelben  Erwägungen  berul^t  bie  SBor^ 
fd^rift  bcö  §  1704  5»r.  2,  bofe  baö  3lmt  beö  aSormunbeö  traft  beö  ©efefceö  mit 
bem  ©intritte  bcr  ®ef(^äftdunfä^iglcit  beöfclbcn  beenbigt  wirb. 

a)cr  3latur  ber  ©ad&c  unb  bem  oormunbfd^aftlic^en  Äarafter  bcr  elter?  »ef^ränrte 
U(^en  ®ewalt  (oergl.  §  1640  3lx.  1,  §  1705  3lv.  2)  entfprid^t  es  ferner,  bafe  ®;Jf/j|;[' 
bie  eltertidöe  ®ewalt  aud^  bann  ru^t,  wenn  unb  folange  ber  3n^abcr  bcr  elter* 
liefen  ®ewalt  in  ber  ©cfcböftöfö^igfcit  befd^ränft  ift  (ocrgl.  §§  65,  70,  71).  SÄuf 
bemfelbcn  SBoben  fielen  baö  öfterr.  ®.  83.  §  176,  baö  fä(^f.  ®.  93.  §  1834,  baö 
Weimar.  ®ef.  o.  27.  üßärj  1872  §  19  unb  ber  ^eff.  ©ntw.  III  airt.  18,  wä^renb 
gcmcinrcdEitlid^  beftritten  ift,  ob  bie  ©ntmünbigung  wegen  SSerfd^wenbung  bie 
Äußübung  ber  oäterlic^en  ®ewalt  ^inbert  (ocrgl.  ©euffert  XXIV,  201).  9lad& 
franj.  3led&tc  ift  bie  3uorbnung  eineö  Seiftanbcö  wegen  SBerfd^wenbung,  oon 
bcr  SJorfd^rift  beö  Slrt.  513  beö  code  civil  abgefel^cn,  auf  bie  ®efd^äftöfä^igfeit 
unb  bcö^alb  aud^  auf  bie  elterlid^e  ®ewalt  o^ne  ©influg  (oergl.  aber  bab. 
S.  dl  Sag  513  a).  5nad&  bem  preufe.  91.  fi.  SR.  II,  2  §§  255,  256  ^at  bagegen 
bie  ©ntmünbigung  wegen  ^erfd^wenbung,  wie  erwähnt,  fogar  ben  bauernben 
aScrluft  ber  oftterlid^en  ®ewalt  jur  ^olfl^-  ®i^^  33eftimmung  gcl(|t  inbef[en 
über  ba&  ä3ebürfnig  unb  ben  ^rotd  l^inauö.  älbweid^cnb  oon  bem  fä^f.  ®.  93. 
unb  bem  weimar.  ®ef.  fnüpft  übrigenö  ber  ©ntwurf  baö  Stufen  ber  etterlid^cn 
©cwalt  nid^t  an  bie  93eoormunbung,  fonbern  an  ben  Eintritt  ber  befd^ränften 
©cfd^äftöfö^igfcit,  ba  bie  legterc  bcr  wirllid^e  ®runb  beö  SRu^enö  ber  ®ewalt, 
bie  SBcoormunbung  nur  bie  golgc  ift. 

9llö  Solle  t^atföd^Ud^er  33crl(|inberung  bcr  äluöübung  bcr  eltcrlid^en  ®e$  zffat\(i<^ii^ 
walt,  wetd^e  baö  91ul)cn  ber  Icfetcrcn  jur  golge  ^aben,  werben  gemeinrcd^tlid^  f//^*"]^^JJ^ 
unb  in  ben  neueren  ®cfc6gcbungen  namcntlid^  anerfannt  längere  3lbwcfenl(ieit,  *>er  (Bcwoit. 
Ärant^cit  ober  §aft  (oergl.  preufe.  21.  S.  9t.  II,  2  §  260;  öfterr.  ®.  93.  §  176; 
code  civü  Slrt.  141;   fäd&f.  ®.  93.   §§  1834,  1982,   1990;  weimar.   ®cf.  o. 
27.  3Rärj  1872  §§  19,  86,  91 ;   l^cff.  Entw.  III  3lrt.  18).     Eö  empfiel^lt  fi(§ 
icbo(^  nid^t,  im  ®efc6c  nur  einjclnc  beftimmte  gäHe  t^atfä(^li(^cr  SBcr^inbcrung 
iu  bcjieid^ncn,  ba  alle  ^icr  in  SBctrad^t  fommcnbcn  ^ällc,  in  weld^cn  ba&  93e? 
bürfnife  einer  allgemeinen  oormunbfd^aftlid^en  gürforge  für  baö  ftinb  wegen 
t^atfäd^lid^cr  SSer^inberung  bcö  3ni^obcrö  bcr  cltcrlid^cn  ®cwalt  oorlicgcn  fann 
unb  beöl^alb  nad^  bem  oon  bem  Gntwurfe  fcftgcfialtenen  prinjipicllcn  Unter? 
fd^iebe  jwift^en  SBormunbfd^aft  unb  5ßflcgfd^aft  bem  Äinbe  ber  crforberlit^e 
©d^ufe  ouf  bem  SBege  bcr  eltcrlid^en  ©cwalt  bejw.  ber  Slnorbnung  einer  SBor* 

munbfd^aft,  nid^t  auf  bem  SBege  einer  immer  nur  auf  einjclnc  beftimmte  SKn* 

52* 


820  ertcrlid&c  ©eiualt.    dtuicn.    §  1554. 

gelegen^eiten  ober  einen  beftimmten  Kreis  oon  älngelegenl^eiten  ftd^  beiiel^enben 
5ßflegfd^aft,  geroöidrt  werben  mufe,  im  SBorauö  fid^  nic^t  überfc^en  laffen.  Sluf 
ber  anberen  Seite  würbe  cö  inbejfen,  J^ingcfe^en  auf  bic  mit  bem  9lu^cn  ber 
elterlid&en  Ocroolt,  namcntUdö  anä)  für  bic  ©cftaltung  ber  ctterlid^en  9lu^ 
niefeung  (§  1532),  Derbunbenen  cinfdö^^ibenben  golgcn  unb  bie  an  ieben  ber:^ 
artigen  SBed^fel  ftd^  fniipfenben  Unjuträglid^feitcn,  ju  meit  gelten,  wenn  man 
baß  Stufen  ber  elterlichen  ©eroalt,  f ofcrn  nur  baö  Sebürfnife  einer  allgemeinen 
oormunbfd^aftfid^en  Sü'lo^ÖC  Dorliegt,  ol^ne  9lücffi(^t  barauf  eintreten  laffen 
moHte,  ob  bie  t^atfäd^Iid^e  aSerl^inberung  beö  3n^aberö  ber  elterlid^en  ©croalt 
nur  eine  uorüberge^enbc  ift  ober  nid^t.  3ft  bic  S3e^inberung  eine  oorauö? 
fi(^tUd^  nur  Dorüberge^enbe,  fo  lann  bem  ©d^ufebebürfnif^e  beö  Äinbeö  burd^  bie 
Slnorbnung  einer  5ßffegfd^aft  für  einjclne  bcftimmtc  2lngelegen]^eiten  ober  einen 
beftimmten  Äreiö  oon  3lngetegen^eiten  nad^  aOlafegabe  beö  §  1738  in  auö^ 
reid^cnber  SBBeife  genügt  roerben.  2)er  §  1554  5!l6f.  1  ©ag  2  mad^t  bcö^atb 
baö  9luf|cn  ber  eltertid^cn  Oeroalt  wegen  tl^atfäd^Ud^er  SBcrl^inbcrung  beö  Sn? 
I(iaberö,  bie  ©eroalt  auöäuüben,  baoon  abl^öngig,  ba§  in  gotge  jener  SBcr^^ 
l^inberung  bie  9tot^roenbigfeit  einer  allgemeinen  gürforge  für  bic  ^erfon  unb 
baö  aSermögen  beö  Äinbeö  roä^renb  einer  oorauöfid^tlid^  längeren  3^it  fid^  er? 
giebt.  3la6)  §  1554  2lbf.  1  ©ag  2  foll  jeboc^  aud&  bei  bem  SSor^anbenfein 
biefer  aSorauöfefeung  baö  SRu^en  ber  elterlichen  ©croatt  erft  bann  eintreten, 
roenn  biefe  93orauöfe|ung  oon  bem  aSormunbfd^aftögerici^tc  feftgcftcUt  ift.  3n 
ben  l^ier  fraglid^en  gällen  baö  SRu^en  ber  elterlid^en  ©eroalt  unb  ben  Eintritt 
ber  bamit  oerbunbenen,  aud^  im  93erl(|ättni5fe  ju  ©ritten  Tiefe  äufecrnbcn  5Bir^ 
fungen  an  baö  rein  tl^atfäd^lid^e,  l^infid^tlid^  feiner  äSorauöfegungcn  leidet 
jroeifel^afte  33orfeanbenfein  ber  ^erl^inberung  ju  fnüpfen,  roürbc,  namentlich 
Dom  ©tanbpunfte  ber  ©id^erl^eit  beö  SBcrlel^reö  auö,  in  ^ol^em  ©rabc  bebenflicfe 
fein.  ^}lu^  bemfelbeu  ©runbe  mu§  baö  Stufen  ber  elterlid^en  ©eroalt  in  biefen 
gällen  biö  ju  bem  S^itpwnfte  fortbauern,  in  roeld^em  ba&  SSormunbfd^aftö^ 
gerid^t  bie  Scfeitigung  ber  SSer^inberung  feftgeftellt  ^at.  33iefen  ®rroägungcn 
gegenüber  fann  auf  baö  S3ebenfen,  ba^  burd^  biefe  2lrt  ber  Siegelung  bem 
SSormunbfd^aftögcrid^te  ein  }u  roeitgefeenber  @influ§  auf  bie  elterlid^e  ©eroalt 
unb  bie  bamit  oerbunbene  elterlid^e  ^Jugnicfeung  eingeräumt  unb  bic  ©ettcnb^ 
mad^ung  biefer  an  ftd^  projefefä^igen  SRcd^te  in  5u  roeitcm  Umfange  bem  SRcd^tö- 
roege  entjogen  rocrbc,  erfeeblid^eö  ©eroid&t  nid^t  gelegt  roerben,  um  fo  roenigcr, 
atö  aud^  bie  SSerfügungen  beö  SSormunbfd^aftögcrid^tcö  nacfe  SRaggabc  ber  }tt 
treffenben  rcidöögefcglid^cn  bejro.  ber  lanbeögefcglid^en  SSorfd^riftcn  burd^  SRcd^tö- 
mittel  angegriffen  roerben  fönnen. 
Borge  für  bic  2)ie  SRcgcl  bcö  §  1554  3lbf.  1,  bafe,  roenn  unb  f olangc  ber  Snfeaber  ber 

Ä  M  elterlichen  ©eroalt  in  ber  ©efcfeäftöfäfeigfeit  befcferänft  ift,  bie  clterlid&c  ©croalt 
awnber*  bcöfclbcn  mit  aiuönal^mc  ber  elterlid^en  SWulnicfeung  rufet,  erlcibct  iebocfe  burcfe 
bei^Ä'^er«,  bic  Scftimmuug  beö  §  1554  3lbf.  2  für  ben  gaU  eine  SRobififation,  roenn  bic 
clterlid^e  ©eroalt  roegen  SBinberiäferigfeit  beö  ^nfeabcrö  bcrfclben  rufet.  S)ic  in 
biefem  galle  bem  Snfeaber  ber  elterlid^cn  ©eroalt  eingeräumte  größere  ©clb* 
ftänbigfeit  in  2lnfefeung  ber  5ßflid6t  unb  beö  SRcd^teö,  für  bic  ^erfon  bcö  Äinbeö 
JU  forgen,  entfpricfet  ben  natürlid^cn  SBerfeättniffcn  unb  ift  anbererfeitö  un^ 
bebenflid^,  ba  jene  ©elbftänbigfeit  fid^  nid^t  auf  bie  SScrtretung  bcö  Äinbcö  in 


ßltcrli^c  Ortüalt.    Stufen.    §  1555.  821 

bcffcn  pcrfonlid^cn  ängclegenl^citcn  crftrcdEt,  fonbcrn  nur  bic  t^atfäd^ßc^c  ©orgc 
für  bic  5ßcrfon  bcft  Äinbcö  betrifft  Qu§crbcm  in  9lnfc^ung  bicfcr  ©orge  bcr 
gcfcfeli^e  SBertrctcr  bcö  Äinbcö  bic  im  §  1540  bcjcid^netc  ©tellung  cineö  93ei* 
ftonbcö  f)abcn  foH  (oergt.  aud^  preufe.  58orm.  0.  v.  5.  3iuli  1875  §  28). 

S)a  na6)  gemeinem  SWed^te  bie  SSormunbfd^aft  über  35erf(]^roenbcr  nur »»« &*"<  *>« 
eine  SBcrmBgcndDormunbfd^aft  ift,  fo  ^at  gemeinred^tlici^  bic  ©ntmünbigung  mimbigung 
beö  3n^abcrfi  bcr  Daterlid^en  ©cmalt  mcgen  SSerfd^menbung  auf  bic  bem  3Sater  Jl^JJJ"^^®*'^' 
juftc^nbc  @riiel(|ungögcn)Qlt  über  fein  Äinb  feinen  ®inffu§.  33ad  Olcid^e  gilt  '^" " 
nad^  franj.  JRed^te,  roenn  bem  3n^aber  ber  clterlid^en  ©croolt  ein  93ciftanb 
wegen  aSerfd^roenbung  jugeorbnet  ift.  3laä)  bem  fäd&f.  ®.  S3.  §§  1987,  1988, 
1998  bejic^t  fid&  bic  SBormunbfd^aft  über  einen  SBcrfd^menbcr  jmar  nid^t  nur 
ouf  bcffcn  SBermögen,  fonbcrn  audji  auf  bic  5ßcrfon  beöfelbcn.  ®a  jcbod^  nac^ 
bem  fäd^f.  ®.  83.  §§  1802—1805  baö  erjicl&ungöret^t  nid^t  Sluöflufe  ber  üäter* 
Ü6^m  ©eroalt,  fonbcrn  bcö  ©Itcmrcd^teß  überl^aupt  ift,  fo  roirb  anjuncl^men 
fein,  ba&  burd^  bic  Seftimmung  beß  §  1834,  nad^  rocld^er  ber  SBater,  folangc 
berfelbe  unter  SBormunbfddaft  ftc^t,  bie  üäterlid)c  ©croolt  über  bie  5ßerfon  bcr 
^inbcr  nid^t  audüben  fann,  baö  ©rjiel^ungörcd^t  bcö  9!}atcrö  im  ^allc  bcr 
33ct)ormunbung  beö  legtcrcn  roegen  SBcrfd^roenbung,  t)orbel;altUd^  ber  ©eftim« 
mung  beö  §  1803,  nid&t  berührt  roirb.  Sagegen  l^at  nad^  preufe.  3lcd^tc, 
fofern  man  nad^  biefem  bic  oätcrlit^c  6räict)ungögeroalt  alö  9luöf[u§  bcr 
»öterlid^cn  ©croalt  5U  betrad^ten  l^at  (oergl.  bic  Ueberfd^rift  ju  91.  S.  SR.  II,  2 
nnb  bie  §§  74  ff.  baf.),  bie  ®ntmünbigung  beö  93atcrö  roegen  SSerfd^roenbung 
mit  bem  SBerlufte  ber  Döterlic^cn  Oeroatt  (91.  S.  dt.  II,  2  §  256)  aud&  ben 
Scriuft  bcr  (Sräic^ungögcroalt  jur  golgc,  jumat  bic  33ormunbfd^aft  roegen 
aScrfd^rocnbung  naä^  bem  31.  2.  3t.  II,  18  §§  349, 350  unb  bcr  preufe,  SBorm.  0. 
t).  5.  3uli  1875  §§  81,  83,  27  n\ä)i  eine  Mofee  »ermogenöüormunbfc^aft  ift. 
3lud&  nad^  bem  roeimar.  ®cf.  o.  27.  ajlärj  1872  §§  4,  19,  89  ru^t  im  gaUc 
bcr  Scoormunbung  beö  3nf)aberö  ber  eltcrtid^en  Oeroalt  roegen  SBerfd&roenbung 
bic  erjic^ungögeroatt,  ebenfo  nad^  bem  l^cff.  ©ntro.  III  2lrt.  18,  20—24.  Die 
Scftimmungcn  beö  §  1554  fd^Uefeen  fidö  in  biefer  ^infic^t  ben  julcfet  gebadeten 
©efcfegcbungöroerlcn  an,  ba  cinerfeitö  nad^  bem  ©ntrourfe  bie  aSormunbfc^aft 
über  SBcrfd^rocnber  feine  blofec  aSermBgenöüormunbfd6aft  ift  (§§  1726,  1728, 
1648,  1730),  anbererfeitö  bic  5Bcrfd^rocnbung  fi(^  alö  ein  Softer  barfteUt  unb 
häufig  in  anbercn  fittlid^cn  geilem,  j.  39.  bem  ^ange  jur  2;runffud)t,  ifiren 
Orunb  ^at  unb  bcö^atb  ju  beforgen  ift,  bag  cö  auf  bic  ©rjicl^ung  bcr  Äinber 
einen  nat^tJ^ciligcn  ©inftufe  äufeern  roerbc,  rocnn  bem  roegen  93erfd^rocnbung 
cntmünbigten  ßltcrntbeUc  bic  felbftänbige  ©rjic^ung  ber  ftinber  übcriaffen 
bleiben  foDte.  SBirb  bem  roegen  aScrfd&roenbung  cntmünbigten  (Stternt^eilc  baö 
3lcd&t,  für  bie  ^^Jerfon  beö  .Hinbeö  ju  forgcn,  oerfagt,  fo  mu§  auc^  bic  ^flic^t 
biefer  Sorge  rocgfallcn,  ba  ^flid^t  unb  SWed^t  fid^  f)icr  ni^t  trennen  laffcn. 


§  1555. 

5iad&  gemeinem  Siedete  unb  ben  auf  bem  89obcn  bcö  Icljtcren  ftcl^enben  cjteiu«^  ee« 
©efefegebungen,  roeld^en  eine  eltertid^e  ©eroatt  bcr  ^Kutter  unbctannt  ift,  roirb  «umMm 
im  gaüc  beö  Slu^cnö  ber  Dftterlid^en  ©croalt  eine  aSormunbfc^aft  über  baö   ^°«  ^*« 


822  erterlid&e  ©ctoalt.    JRul&eit    §  1555. 

wu^en«    Jiinb  angcorbnct  (ocrgl.  preu§.  Sl.  S.  91.  II,  2  §  263  unb  preu§.  SBorm.  O. 
«UÄt).  5.  3uli  1875  §  11;  fäd^f.  ®.  33.  §§  1834,  1875).    S)Qd  franj.  Siedet  läßt 

®"**'**  jtoar  naä)  bem  S^obc  beö  SBatcrß  bic  cttcrlid^c  ©eroalt  bejro.  bic  gcfcfeüd^c 
aSonnunbfd&aft  ber  aWutter  eintreten  (code  civü  ärt.  372,  373,  384,  390);  bo^ 
gegen  ^ot  baöfelbe  in  3lnfel(iung  ber  grage,  ob  an  ©teile  bes  bel(|inberten 
aSaterö  fd^on  roä^renb  ber  &)t  bie  Sßutter  jur  2lußübung  ber  ©eroalt  gelangt, 
ein  fcfteö,  aUgemeineö  5ßrinjip  nid^t  aufgeftettt.  3lur  für  ben  gall,  in  roeld^em 
ber  aSater  roegen  2lbroefen^eit  oermifet  roirb,  beftimmt  eö  auöbrüdfUd^,  ba§  bie 
aKutter  bie  Stuffid^t  über  bie  Äinbcr  l^at  unb  in  SRüdfftd^t  auf  beren  ®rjiel(|ung 
unb  auf  bie  SlJerroaltung  beß  SBermögenö  berfelben  aUe  SRed^te  beö  35aterd 
ausübt  (code  civü  2lrt.  141,  149).  5!luf  ©runb  ber  änatogie  ber  Slrt.  141, 
149  beß  code  civil  nimmt  jebodb  bie  3uridprubenj  an,  bafe  au^  in  bem  §alle, 
in  roetd^em  ber  SSater  roegen  ©eifteöfranf^eit  nid^t  im  ©tanbc  ift,  bic  elterlid^e 
©eroalt,  b.  f).  bie  SRet^te  in  3tnfel(iung  ber  ^erfon  beö  fiinbeö,  auöjuüben,  bie 
SWutter  inforoeit  fd^on  roä^renb  beftel^enber  6^e  an  bie  ©teile  beö  SBaterd  tritt; 
bagegen  roirb  x\)x  in  biefem  gallc  bie  SSerroaltung  beß  Äinbeßoermögenß  nid^t 
überlaffen.  93on  ben  neueren  ©efeggebungen,  roetd^e  bie  elterlidde  ©eroalt  ber 
aWutter  aner!annt  ^aben,  roirb  grunbfä|Iid6  in  ben  göDen,  in  roelci^en  ber 
SSatcr  roä^renb  ber  @^e  an  ber  STußübung  ber  elterlichen  ©croalt  oer^inbert 
ift,  bie  Slußübung  ber  letzteren  ber  aKutter  jugeroiefen,  mitl^in  eine  SBormunb« 
f d^aft  über  baß  Äinb  nid&t  angeorbnet  (uergl.  ital.  ©.  35.  ^xi.  220 ;  roeimar. 
©ef.  V.  27.aKärj  1872  §  19;  ^eff.  ®ntro.  III  Slrt.  18). 

Dem  ^ßrinaipe  biefer  festeren  ©efefegebungen  f)ai  ani)  ber  ©ntrourf  in 
Ronfequenj  ber  ©rünbe,  an&  roeldden  berfelbe  nad6  bem  S^obe  beß  SSaterß  bie 
eltertid^e  ©eroalt  auf  bie  aßutter  übergeben  läßt  (oergL  §  1501  3lbf.  2  nebft 
aRotioen  oben  ©.  736  ff.),  fid^  angefddloffen.  33ie  ©rünbe,  meiere  btn  ©ntrourf 
beftimmt  l^aben,  in  ben  l|ier  fragtid^en  fällen  nid&t  aud^  bie  elterlid&e  Sluft* 
niefeung  auf  bie  aWutter  übergel^en  ju  laffen,  fonbem  biefelbe  nad&  aRa§gabe 
beß  §  1532  bem  SBater  Dorjubel^alten,  fmb  bereitß  in  ben  aJlotioen  ju  §  1554 
©.  818  bargelegt. 

33a  nad^  §  1555  3lbf.  1  bie  elterliche  ©eroalt  ber  aKutter  nur  eintritt, 
folange  bie  elterlid^e  ©eroalt  beß  SBaterö  nad^  aKafegabe  beß  §  1554  ru^t,  fo 
folgt  barauß,  bafe  im  galle  tl^atfftd^lid^er  aSer^inberung  beß  aSaterß  ber  aKutter 
bie  elterlid&e  ©eroalt  nur  bann  iuftel^t,  rocnn  bie  31otl|roenbigfeit  einer  au* 
gemeinen  ©orge  für  bie  ^erfon  unb  baß  aSermögen  beß  flinbeß  roa^renb 
einer  Doraußfiddtlid^  längeren  S^ii  [xäf  ergicbt  unb  biefe  88oraußfe|ung  burd^ 
baß  aSormunbft^aftßgerid^t  feftgcftcHt  ift.  ©in  bringenbeß  praltift^eß  SSebürfnife, 
in  fold&en  gölten,  in  roeld^en  ber  SBater  an  ber  2lußübung  ber  elterlid^en 
©eroalt  burd&  Slbroefenl^cit  ober  Äranf^eit  ocrl^inbert  unb  ©efal^r  im  SBerjugc 
ift,  bie  elterlid^c  ©croalt  ber  aKutter  o^nc  SRücirtd^t  barauf  eintreten  ju  laffcn, 
ob  nad^  §  1554  bie  SBoraußfeßungen  beß  SRu^enß  ber  elterlid^cn  ©eroalt  beß 
SSaterß  begrünbet  fmb,  liegt  ni^t  oor,  ba  inforoeit  bie  5Borfd&riftcn  über  bie 
Slnorbnung  einer  ^flegft^aft  (§  1738)  unb  über  bie  ©cfd6äftßfü^rung 
oline  aiuftrag  atß  außreid^enb  ju  erad^ten  fmb.  S)aju  fommt,  baß  eine  ber* 
artige  Seftimmung  roegen  ber  Unbcftimmtl^eit  ber  SBoraußfefeungen,  von  roeld^en 
banad^  bie  SBertretungßmad^t  ber  aJlutter  abpngig  fein  roürbe,  bic  ©id&er^eit 


eitcr(i*c  ©etoalt.    SRu^cn.    §  1555.  823 

beß  aSertc^rcß  ju  gcfäl^rbcn  bro^t.  Qroav  cntljiattcn  bic  §§  1306,  1358  für  ba^ 
cl^clid&e  ©ütcrrcd^t  ä^nlid^c  SBorf d&rif tcn ;  aUcln  bic  Sat)l  fold^cr  g^Hc  o\)nc 
ein  bringcnbeö  praftifci^cs  ©cbürfnife  ju  t)crmcl)ren,  ift  bcbenflid^  unb  fompti^ 
jirt  bod  @efe|. 

58on  betn  5ßrinjipc  bcö  crftcn  SIbfaßeö  mad^t  ber  jrocitc  Slbfafe  beß  §  1555  ^JJJ^^JJj' 
junöd^ft  für  ben  ^aH  eine  ä(udnQl()me,  roenn  bie  elterlid^e  ®troali  beß  SSaterß  sjater«  loeeen 
in  golge  ber  ©ntmünbigung  beßfclben  wegen  SSerfd^rocnbung  rul)t.  SBit  gtüdffid^t  ^^^j^^S^j,«^ 
auf  bic  3lbl(|ängig!cit  ber  ß^cfrau  von  bem  ©bemanne  ift  eß  bebenflit^,  in 
bicfem  galle  an  ©teile  ber  ru^enben  ettcrlici^cn  (Scraalt  beß  JBaterß  bie  clterlidfic 
©croatt  ber  SRuttcr  treten  ju  laffen.  3Bie  in  bem  %aUt,  wenn  bem  35atcr 
auf  ®runb  beß  §  1546  bie  etterlid^e  Oeroalt  burd^  baß  SBormunbfd^oftßgeridjt 
entjogen  ift  (oergl.  äRotioe  ju  §  1546  oben  ©.  806),  foU  ba^er  auä)  in  bem 
l^icr  in  Siebe  ftcl(ienbcn  gaUe  eine  58ormunbfd)aft  über  baß  Äinb  angeorbnet 
werben  (§  1633).  S)a  im  gatte  ber  @ntmünbigung  beß  SBaterß  wegen  SBer* 
fd^menbung  nad^  §  1554  bie  elteriic^e  ©emolt  beß  iBoterß  oud^  in  3lnfel(iung 
ber  Sorge  für  bie  5ßerfon  beß  Äinbeß  DoIIftänbig  ru^t,  fo  fann  in  biefem 
gallc  oud^  bie  SRuttcr  bie  if|r  fonft  nad^  aWafegabe  beß  §  1506  jufte^enbe 
©orge  für  bie  5ßerfon  beß  Äinbcß,  meldte  ftd^  tcbiglid^  olß  ein  SÄnt^eit  an  ber 
bem  aSater  jufte^enben  etterüd&en  Oeroalt  barfteHt,  nid^t  außüben.  3Begen  ber 
©rünbe,  an&  meieren  ber  ©ntrourf  S3ebenfen  getragen  ^at,  ber  SButter  in 
biefcm  galle  bie  ©orge  für  bie  5ßerfon  beß  Äinbeß,  wenn  aud6  nur  in  bem 
im  §  1558  ©aft  2  bejeid^neten  Umfange,  ju  übcrlaffen,  wirb  auf  bie  ajlotioc 
JU  §  1506  oben  ©.  755  ff.  SSejug  genommen. 

2)cm  golle  ber  (gntmünbigung  beß  SBaterß  wegen  Sßerfd^wenbung  btn  .J?*J}*^^ 
gaU  gleid^jufteUen,  wenn  bie  elterlid^e  (Sewalt  beß  SBaterß  wegen  SWinber*  iesfdben. 
iäl^rigfeit  beßfelben  ru^t  (t)ergl.  §  1233),  bie  SWutter  aber  DoUiä^rig  ift,  erfd^cint 
nld^t  alß  geboten.  S)ie  2lnatogie  ieneß  gaUeß  trifft  ^ier  nid&t  ju.  33a§  bic 
aWinberjäl^rigfcit  beß  aSaterß  auf  bie  aJlutter  einen  bem  Äinbe  ft^ftblid^cn 
6inffu§  außüben  werbe,  ift  nid^t  ju  beforgen.  Slnbercrfcitß  fann  eß  aud6  nid^t 
alß  unpaffcnb  unb  alß  mit  ber  natürlid^en  ©teUung  ber  ©Regatten  ju  einanbcr 
unoereinbar  erad^tet  werben,  wenn  in  biefcm  galle  bie  ajlutter  bic  clterlid^e 
©ewalt  außübt.  S^bcm  ^anbelt  cß  fid&  um  fcltene  göHe,  für  wetd^c  burd) 
eine  befonbere  fafuiftifd^e  Seftimmung  im  Ocfegc  SBorforge  nic^t  getroffen  ju 
werben  brandet.  Släumt  man  in  bem  ^icr  fragtid&en  gallc  ber  ÜKutter  bic 
elterlid^e  ©cwalt  ein,  fo  ift  eß  baß  9iatürlid^ftc  unb  9iä(^ftliegcnbc,  i^r  audö 
in  2lnfel(iung  ber  tl^atfäd&lid6en  ©orge  für  bic  5ßcrfon  beß  Äinbeß  im  SSer* 
^ältniffe  ju  bem  minberiä^rigen  SBater  (ocrgl.  §  1554  3lbf.  2)  biefelbe  ©teHung 
cinjuräumen,  wie  fte  nad^  §  1506  bic  5Kutter  ^at,  wenn  bem  SBater  bie  eltcr* 
lid^e  ©cwalt  juftel(|t.  Sie  3lnwenbung  beß  §  1554  9lbf.  2  oline  bie  im  §  1555 
3[bf.  1  ©ag  2  beftimmte  9Jlobififation  würbe  ju  einem  unangemcffencn  9lc* 
fultatc  führen. 

eine  weitere  SÄußna^me  üon  bem  5ßrinjipc  beß  §  1555  3lbf.  1  mad^t  «"t^^J"»«  *>^>^ 
ber  §  1555  3lbf.  2  für  ben  gaU,  wenn  bie  ©l^e  ber  eitern  beß  Äinbeß  (bur^ 
©d^eibung  ober  in  golgc  2:obcßerflärung,  §  1464)  aufgclöft  ift.    3«  biefcm 
galle  treffen  bie  aSoraußfcfeungcn,  auf  welchen  bic  Siegel  beß  §  1555  3lbf.  1 
berul^t,  nid&t  ju.    eß  fc^It  bic  ©olibaritöt  ber  Sintereffcn  unb  baß  na^e  per* 


824  eiterli*e  ©ehjalt.    S?u]ben.    §  1556. 

föntid^c  SSerl^ältnife  bcr  @ltcm,  toctd^cö  baö  SBcrtraucn  rcd^tfertigt,  ba^  bic 
5Kuttcr  roäl^renb  bcö  9lulJ|cnö  bcr  cltcrlid^eu  Ocroalt  bcö  SBatcrö  bic  cttcrlid^e 
(^ctoalt  im  ©innc  bcö  leiteten  auöübcn  unb  inöbcfonbcrc  and)  bcffcn  3nterc{fc 
in  Silnfc^ung  bcr  i^m  ocrblcibcnbcn  cltcrlid^cn  SWulnicßung  gcbü^rcnb  toal^r* 
Ildamen  werbe  (ücrgl.  §  1532).  6ö  ift  ju  bcforgcn,  bafe  bcr  ®intritt  bcr 
cltcrlid^cn  ©croatt  bcr  ÜJluttcr  in  biefcm  ^alle  ju  Äonfliftcn  führen  unb  unter 
bcm  9Bc(^fct  bcr  clterUt^cn  ©croalt  bcö  SBaterö  unb  bcr  bcr  3Kuttcr  baö 
Sntcreffc  bcr  Äinbcr  fcibcn  würbe. 

®a§,  TOcnn  unb  forocit  anä)  bic  cltcrlid^e  ®croott  bcr  üKutter  ru^t  ober 
bcr  eintritt  bcrfclbcn  traft  bcö  ®cfc|cö  auögcfd&loffcn  ift  (§  1553  3l6f.  3, 
§§  1554, 1560),  bic  Sßorfd&rift  bcö  §  1555  Slbf.  1,  üorbet)alta(i&  bcr  SBcftimmung 
bcö  §  1554  3lbf.  2,  feine  3lnn)enbung  finbet,  crgicbt  fxä)  quo  bcn  §§  1554, 1633 
bejn).  bcm  §  1553  9lbf.  3  unb  bcm  §  1560  t)on  fctbft  unb  brandet  bcö^alb 
uid^t  bcfonbcrö  auögcfprod^cn  ju  werben.  3"  bcn  bejcid^netcn  gäHen  muß 
ba^cr  mä)  bcn  §§  1633,  1738  eine  SBormunbfd^aft  bejm.,  foroeit  nur  bic 
clterlid^e  SBcrmögenöücnüaltung  für  bic  SDlutter  auögefd^loffcn  ift  (§  1553 
2lbf.  3),  eine  ^^ftcgfd^aft  angeorbnet  werben. 


§  155(;. 

unbetannt-  2)ic  $8cftimmung  bcö  §  1556  bcjwcdt  üorncl^mlic^,  in  fold&cn  fällen, 

^miiien!  iu  wcldjcu  bcr  gamilienftanb  eincö  3)linbcriäl^rigcn  nid^t  ju  ermitteln,  fei  eö, 
fionbe«  beä  jj^^  ^^  ^[^^  ginbcltiub  obcr  bcm  3nf)abcr  bcr  citcriid&en  ©ewatt  weggenommen 
ober  fonft  abtianbcn  gcfommcn  ift,  bic  Slnorbnung  einer  SSormunbfd^oft  über 
baö  Äinb  ju  ermöglichen,  ba  nadd  §  1633  ein  SWinbcrjä^rigcr  nur  bann  einen 
aSormunb  erfjatt,  wenn  er  nid^t  unter  cltcrlid^er  ©cwolt  ftel(|t  ober  bic  cltcrlid^c 
©cwalt  auf  bic  elterliche  SRufinicfeung  bcfd^ränft  ift,  bicfc  SSorauöfcgungen  aber 
in  bcm  ^icr  in  SWebc  ftel)enben  gälte  in  ©rmangclung  bcr  befonbcrcn  S5e? 
ftimmung  bcö  §  1556  nid&t  feftjuftcBcn  fein  würben.  Um  {cboc^  einen  feften 
3citpuntt  für  bcn  eintritt  bcö  Slu^cnö  bcr  cltcrlid^en  ®cwalt  ju  gewinnen, 
fnüpft  bcr  §  1556  baö  SRu^cn  bcr  cttcrtid^en  ©cwalt  an  bic  weitere  33orauö:^ 
fegung,  ba§  bic  9lid^tcrmittclung  bcö  gamilicnftanbcö  oon  bcm  3Sormunbfd^aftd^ 
gcrid&tc  feftgcftcUt  ift.  dagegen  ift  eö  alö  bcbcnflid^  crad^tct,  aud^  baö  Sluf^ 
I)örcn  bcö  5fiul)enö  bcr  cltcrlid&cn  ©ewatt  in  biefcm  gallc  üon  einem  Sluöfprud^c 
bcö  SSormunbfd^aftögcrid^teö  abpngig  ju  mad^cn,  ba  eö  burd&  ein  bringcnbcö 
praftifd^cö  Sebürfnife  nid^t  geboten  crf(^eint,  in  biefer  ^inficbt  bcm  Snl^ober 
bcr  eltcrlid^cn  ©cwatt  bcn  9Bcg  beö  5ßrojcffeö  abjufd&ncibcn.  S)cr  §  1556  be« 
ftimmt  beöl)alb,  bafe  in  bcm  l^icr  fraglichen  gaüc  bic  clterlid)c  ©ewalt  auf 
©runb  bcr  befonbcrcn  5Borfd^rift  bcö  §  1556  biö  5U  bcm  3citpunfte  ru^cn  foD, 
in  wcld^cm  bcr  gamilicnftanb  bcö  Atinbcö  befannt  geworben  ift.  ebensowenig 
liegt  ein  33cbürfni6  üor,  in  biefcm  "gallc,  abwcid^enb  oon  bcm  ^|$rinjipe  bcö 
§  1554  Slbf.  1,  auä)  bic  cltcrlid^c  ^iufeniefeung  ru^en  ju  lajfcn.  eine  bcrartige 
9lbwcid|ung  würbe  im  ^inblidc  auf  fold&e  gälte,  in  wcld&cn  baö  Äinb  bcm 
3nl^abcr  ber  eltcrtid&cn  ©ewalt  weggenommen  ober  fonft  ab^anben  gcfommcn 
ift,  audö  nidE)t  angcmcifen  fein. 


gltctiid&c  ®ctt>alt.    Secnbißung.    (§§  1557— 15G1.)  825 


§§  1557-1561. 

23ie  §§  1557—1561  betreffen  bie  Sccnbigung  bcr  elterfid^en  ©^"^olt- J,*^"^S"^?„ 
2tte  Seenbigungögrünbe  finb  in  bcn  §§  1557—1560  ancrfannt:  I'ob  unb  ©eroait 
SBoDiäldrlgfeit  bcs  ftlnbeö,  2:^ob  bed  3n^öbcrö  ber  elterlid^en  (Scroalt  unb 
S^obefierllärung  ber  Icgtercn,  Slnnal^mc  bcÄ  Äinbcö  an  Äinbeöftatt,  SBicber* 
ocr^eiratl^ung  ber  aKutter  unb  SBerroirfung  ber  elterlid^en  ©eroalt  burd^  bie 
SBerurt^eilung  beft  3nl|aberö  bcrfelben  ju  geroiffen  grei^eitdftrafcn  rocgen  eincfl 
gegen  baö  .Uinb  ober  on  bem  ftlnbe  begangenen  Sßerbred^end  ober  SBer* 
gel^enö.  SBBeitere  SBeenbigungfigrünbe  finb  bem  ©ntrourfe  unbefannt.  Safe  auf 
bie  elterlid&e  ©eroalt  nid&t  Derjid^tet  roerben  fann,  ift  im  §  1561  auöbrüdlid^ 
beftimmt.  Safe  ferner  eine  Seenbigung  ber  elterlid^en  (Seroatt  burdö  ©manji* 
pation^  9(n[egung  eined  gefonberten  ^aud^alteg  unb  burd^  äier^eirattiung  bed 
Äinbeft  auögefd^loffen  ift,  crgiebt  fxä)  auö  bem  ©d^roeigen  bcö  ®efe|ed  (oergt. 
in  festerer  ipinfi^t  auä)  bie  §§  1509,  1536).  SBäl^renb  jur  Scgriinbung  ber 
in  ben  §§  1557-1561  enthaltenen  ?)eftimmungen  auf  bie  befonberen  SWotioc 
JU  bcn  einjelnen  ^aragrapl^cn  Derroiefen  roirb,  ift  ^ier  nod^  golgenbeö  ^eroor^ 
5U^eben : 

1.  33ic  im  röm.  SRed^te  anerfannte  Secnbigung  ber  oätcrlid&en  (Seroalt  «»»«««**• 
burdö  ©manjipation  i)at  fid&  auc^  im  l^eutigen  gemeinen  Sled&te  behauptet,  ob^ 
roo^l  i^r  praftifd&e  93ebeutung  faum  nodji  jugeftanben  roerben  fann,  feitbem  ^tOft. 
bie  Seenbigung  ber  oäterlid^en  ©croalt  burd&  9lnlegung  eines  gefonberten 
^auälialteö  beö  Äinbcs  unb  burd^  a3erl)eiratl^ung  ber  Xüd)kv  ancrfannt  ift. 
3nbeffen  ift  baö  ^nftitut  ber  @manjipation,  roenngleid^  jum  3:^t)eit  in  anbercr  . 
®eftatt,  anä)  in  oerfd^iebene  neuere  Oefeftgebungen  übergegangen  (ocrgl. 
preufe.  Sr.  2.  SR.  II,  2  §§  214  —  230;  ofterr.  ®.  ».  §  174;  fäd^f.  ®.  33. 
§  1831;  Code  civil  Slrt  372,  384,  477-487).  3^rer  SBirtung  na^  beenbigt 
bie  @man}ipation  gemeinred^tlid^  bie  Dermogendrcc^tlid^en  SBirfungcn  ber 
üäterlic^en  ®croalt,  md)  bem  preufe.  21.  2.  91.  unb  bem  fäd^f.  ®.  33.  bie 
Däterlid^c  ®croalt,  nad^  bem  code  civil  bie  elterlid^e  ®eroalt  bcjro.  bie  gefefe- 
lid^c  93ormunbf(^aft  bed  SSaterö  ober  ber  äßutter.  äßä^renb  aber  nad) 
gemeinem  JRed&te  unb  bem  fäd^f.  ®.  33.  bie  ©manjipation  auf  bie  ®efd^äftö* 
fäl^igfeit  bcß  entladenen  minberjä^rigen  Üinbeö  ol^ne  ©influfe  ift,  erlangt  baß 
Icfetere  nad^  franj.  9fledj)te,  roelc^eö  eine  emanjipation  erft  nad&  jurücfgelegtem 
15.  2ebenÄia^re  be«  Äinbeö  sulöfet,  eine  erroeiterte  ®efd&äftöfä^igfeit,  fo  baft 
badfelbe  nur  nod&  in  befd^ränftem  Umfange  eine«  Dormunbfc^aftlid^en  Sd^u|eö 
bebarf,  roeld^er  Icfetere  burd^  eine  blofee  Äuratel  geroäl>rt  roirb.  Slud^  nad) 
bem  preug.  21.  2.  91.  bat  bie  erft  nad^  5urütfgelegtem  20.  2ebenöial)re  juläffige 
Smanjipation  eineö  minberiö^rigen  ©ol^neö  jugleid^  bie  SBirfung  einer  SBoll* 
iä^igfeitöerflärung.  S)iefe  lefetere  SBirfung  ift  jebod^  burd^  §  97  bcr  preufe, 
SSorm.  0.  o.  5.  3uli  1875  befeitigt.  dagegen  roirb  oon  ber  l^crrfd&enben 
aWeinung  im  ^inblide  auf  §  12  ber  preufe.  SBorm.  0.  bie  ©ntlaffung  eineö 
minberiä^rigen  So^neß  in  bcr  2lrt,  bafe  ber  ©ntlaffene  minberjä^rig  bleibt, 
nod^  als  iulöffig  eraddtet. 

2)er  ©ntrourf  ge^t  baoon  auö,  ba§  ber  oormunbfd^aftlid^e  Schüfe,  roeld^er  ®taiibpunft 
bem  Äinbe  biß  5ur  ^olliäldrigfeit  roegen  ber  befd^ränften  ®efd^äftßfä^igfeit  entwürfe«. 


826  ertcriid&e  ®malt    »ecnbißunö.    (§§  1557-15610 

bcöfelbcn  (§  65)  gcioäl^rt  werben  mufe,  bem  Äinbe,  fofonge  blc  6ltem  leben, 
mittels  ber  elterlid^en  ©eroalt  gewährt  werben  foB.  gür  bie  gälte,  in  roelci^en 
boö  Äinb  auönal^möroeife  vox  erreid^ter  SBoUiäldrigfeit  eineß  fold^en  ©d^ufeefi 
nid^t  bcbarf,  ift  burd&  baö  3nftitut  ber  SBoUiä^rigfeiteerHärung  (§§  26,  27) 
bie  SJtoglid^feit  geroä^rt,  bad  jlinb  felbftönbig  gu  [teilen  unb  bie  ^eenbigung 
ber  elterlid^en  (Seroalt  Ijerbeijufüi^iren  (§  1557  oergl.  mit  §  26).  2)ie  SSorauö^ 
fefeungen  ber  SBolliöl^rigfeitderflärung  (§  27)  würben  jebcn  ©inn  verlieren, 
wenn  man  bem  3«^ober  ber  elterlichen  ©eioalt  baneben  gcftatten  roottte,  burd^ 
©manjipation  bie  ©clbftänbigfeit  bes  Äinbeö  ju  beroirfen.  SJaöjenige  SBer* 
^ältnil  ermeitertcr  ©efd^äftßfä^igfeit  beö  Äinbeö  aber,  melddeö  baö  franj.  Siedet 
mit  ber  ©mangipation  eintreten  lägt,  ift  bem  @ntn)urfe  unbefannt,  unb  ffillt 
bamit  t)on  felbft  bie  ^lot^roenbigfeit  weg,  S3eftimmungen  über  ben  ©influfe 
einer  fold^en  Smanjipation  auf  bie  gortbauer  ber  elterlid^en  (Semalt  }u 
treffen  (uergl.  übrigens  §§  67).  ©iejenigen  ®rünbe  ferner,  meldte  baö 
gemeine  9Jed&t  unb  baö  fädj)f.  ®.  93.  mefentlid^  beftimmt  ^aben,  ntbtn  ber 
fog.  emancipatio  Saxonica  bie  auöbrüdflid^e  ©manjipation  beizubehalten,  fönnen 
Dom  ©tanbpunfte  bed  @ntmurfed  aud  nid^t  in  ^^age  fommen;  benn  nad^ 
biefen  Siechten  ift  bie  uäterlid^e  (Seroalt  neben  ber  Dormunbfd^aftlid&en  Sd^uft* 
geroalt  jugleid^  ein  felbftänbiged  SBermogenöred^t  beö  93aterd,  beffen  Seenbigung 
im  3nteref[e  beö  Äinbeö,  inöbefonbere  beö  Dolliä^rigen  Äinbeö,  man  ju 
erleid^tem  ftrebte,  roä^renb  nad6  bem  ©ntrourfe  bie  elterlid^e  9lu|nie6ung  nur 
einen  afjejforif^en,  von  ber  oormunbfd^aftlic^en  Stellung  beö  Sn^aberö  ber 
elterlid^en  Oeroalt  nid^t  loögetöften  Äaralter  ^at.  33ie  SRöglidEiIeit  beö  SBer- 
jid^tcö  auf  bie  eltcrlid^e  SRufeniefeung  ift  ber  lefcte  9left  beö  gemeinrecbttidben 
(Srunbgcbanfenö  ber  (Smanjipation.  S)iefe  ORoglid^fcit  geroä^rt  aber  ber 
§  1537.  aCßie  ber  ©ntrourf,  l^aben  aud&  baö  roeimar.  (Sef.  t).  27.  aMärj  1872 
§  17,  baö  braunfdEiro.  Oef.  t).  19.  SKai  1876,  ber  ^eff.  ©ntro.  III  3lrt.  28  unb 
für  bie  preufe.  Sllieinprooinj  bie  preufe.  SBorm.  D.  o.  5.  3uli  1875  §  97  baö 
3nftitut  ber  ©manjipation  befeitigt. 
»gefoiiberter  2.  ®emeinred^tlid(|  roirb  bie  Däterlid^e  Oeroalt  burd&  Slnlegung   eineö 

*""*  "  abgefonbcrten  ^auö^alteö  beö  Äinbeö  beenbigt.  3m  ©injelnen  fmb  bie  SBorauö^ 
fe|ungen  biefer  93eenbigungöart  ber  üäterlid^en  Oeroalt  fel^r  beftrittcn.  Slucft 
barüber  gelten  bie  SBeinungen  auöeinanber,  ob  bie  Slbfonberung  beö  Äinbeö 
üon  bem  üäterlid^en  i&auöl(ialte  nur  bie  üermogenöred&tlid^en  folgen  ber  Däter* 
lid^en  ©eroalt  auftebt  ober  bem  Äinbe  jugleit^  bie  6igenfd&aft  ber  SSoDiä^rig* 
feit  beilegt,  ^m  Slnfd^luffe  an  baö  gemeine  Stecht  ^aben  aud^  bie  meiften 
Sanbeögefe^gebungen  biefe  93eenbigungöart  ber  oälcrlid^cn  Oeroalt,  roenngleicft 
im  ©injelnen  abrocid^enb,  bod^  im  5ßrinäipe  anerfannt  (ocrgl.  preufe.  21.  2.  91. 
II,  2  §§  210—227;  bat)r.  2.  9f.  I,  5  §  7  3Jr.  4;  roürttemb.  2.  91.  II,  18  §  7; 
fäc^f.  ®.  93.  §  1832).  gCßä^renb  na^  bem  fäd^f.  O.  93.  biefe  93eenbigung 
ber  t)ätcrli(^en  Oeroalt  auf  bie  ©ef^äftöfä^igfeit  beö  Äinbeö  ol^ne  ©influfe  ift, 
^at  mä)  prcufe.  91.  2.  91.,  roeld^eö  ben  Ijier  fraglid&en  93eenbigungögrunb  nur 
für  ©öl^ne  anerfennt,  bie  auöbrücflidjc  ober  ftillfc^roeigenbe  ©inroilligung  beö 
SBaterö,  ba§  ber  nod)  minbcrjälirige  ©ol^n,  roeldder  baö  20. 2ebenöial^r  jurücf« 
gelegt  l)at,  ein  befonbereö  Oeroerbe  für  eigene  9led^nung  anfängt,  jugleid^  bie 
SBirfung  einer  33olliäl(irigfeitöerFtärung,  eine  SBirfung,   roelc^c  icbod^  burc^ 


eiterli*c  ©etöalt.    Seenbigung.    (§§1557-1561.)  827 

§  97  bcr  prcufe.  SBorm.  C  v.  b.  3utt  1875  bcfcitigt  ift.  9lud^  naäi  bcm  öftcrr. 
®.  83.  §  174  treten  So^ne,  obtüol^l  bie  Dätcrlidie  ©etoalt  mit  ber  SBolIiäi^rlgfeit 
aufl^ört  (§  172),  vox  erreid&ter  83oUiäl(iriflfeit,  b.  i.  bem  DoUcnbeten  24.  Scbenä- 
ial^re,  bann  auö  ber  Däterlid^cn  ©eroalt,  roenn  ber  SBater  il^nen  nad&  iurücf- 
gelegtem  20.  fiebendja^re  bie  gü^rung  einer  eigenen  ^auft^oltung  geftattet. 
2)0  nad^  bem  ofterr.  ®.  83.  DermBgenßred^tlid^e  SBBirfungen  mit  ber  Dätcr* 
liefen  ©eroalt  nid^t  üerbunben  jinb,  fo  f)ai  \)kx  bie  ©eftattung  ber  gü^rung 
eines  eigenen  ^oufll^altcö  offenbar  nur  bie  S3ebeutung  einer  aSoUiä^rigteitö- 
erftärung,  einer  Sluf Hebung  ber  nad^  §  154  mit  ber  Däterlid&cn  ©eroalt  Der* 
bunbenen  befd^räntten  ©efc^äftöfä^igfeit.  S)en  übrigen  ©efcggebungen,  roeld&c 
mit  ber  93olliä^rigIeit  bed  Äinbed  bie  Döterlic^e  begro.  bie  elterlid^e  ©eroalt 
auf  Igoren  laffen,  ift  bie  83eenbigung  berfelben  bur^i  Sin  legung  eines  abgefonberten 
$auöl(ialted  unbefannt,  fo  inflbefonbere  bem  franj.  SRed&tc  (code  civil  2lrt.  372, 
384;  Dergl.  iebod^  bab.  S.  SR.  Sag  476a),  bem  ^ejf.  ©ntro.  ni  3lrt.  38, 25,  bem 
roeimar.  ©ef.  v.  27.  aWärj  1872  §  17  unb  bem  braunfd&ro.  ©ef.  d.  19.  SBai  1876. 

S)er  ©ntrourf  ^at  fid^  biefen  legtercn  ©cfeggebungen  angefd^loffen.  25a  etonbpunit 
nad^  bem  (Sntrourfe  mit  ber  SSoUiäl^rigfeit  bed  EinbeS  aud^  bie  Dermögend*  sntwurfei. 
red^tlid^e  Seite  ber  elterlid&en  ©eroalt  beenbigt  roirb  (§  1502  3h.  2  Derb,  mit 
§  1557  3lbf.  1),  fo  fann  ber  Dorroiegenb  bem  gemeinen  SRed^te,  bem  preufe. 
21.  S.  SR.  unb  bem  fäd^f.  ©.  33.  ju  ©runbe  liegenbe  ©eftd^töpunft,  einem  doU=^ 
jährigen  Äinbc  bie  3Möglid^feit  ju  geben,  burd^  2lnlegung  eines  abgefonberten 
$ausl(ialtes  bie  üermögensred^tlid^en  SBirfungen  ber  näterlid^en  ©eroalt  ju 
befeitigen,  nid^t  in  grage  fommen.  Solange  aber  bas  Äinb  minberjälirig  ift, 
liegt  fein  93ebürfni§  Dor,  neben  ber  aßöglid&feit  ber  SBolliäl^rigfcitscrflärung 
(§§  26,  27)  unb  ber  ©rroeiterung  ber  ©efd^äfisfä^igteit  naä)  ÜRafegabe  bes 
§  67  bie  SBecnbigung  ber  elterli^en  ©eroalt  überhaupt  ober  boc^  nad^  ber 
DermögenöredSitlid^en  Seite  l)in  burd&  separata  oeconomia  anjuerfennen  unb 
bamit  bcm  fd|)roicrigen  Segriffe  ber  lefftcren  in  baS  bfirgerlid^c  ©efegbud^ 
©ingang  ju  oerfddaffen.  2)ie  33eenbigung  ber  oormunbft^aftlid^en  Seite  ber 
elterlid&en  ©eroalt  burd^  bie  Slnlegung  eines  eigenen  ^aus^altes  roürbe  jubem 
DorauSfefeen,  ba^  ber  leftteren  im  allgemeinen  2:^eile  beS  ©efe^budbes  bie 
SBirtungen  ber  SBoHjäi^irigfeitSerllärung  beigelegt  roürben,  ba  fonft  bie  %oxU 
bauer  bes  normunbf^aftlid&en  Sd^u|es  für  baS  Äinb  nid&t  ju  entbel^ren  roäre. 

3.    2)ie   befte^enben  SRed^tc,   aud^  fold^e,   roel^e,    roic   bas   gemeine  ««««t^  be« 
JRec^t,  bas  preufe.  31.  S.  SR.  unb  bos  föc^f.  ©.  S3.,  bcn  Safe  „^eiratlj  mad)t    **"^'- 
münbig"  nid^t  anerfannt  ^aben,  lajfen  burd^roeg  bie  uäterli^e  bejro.  elterlid&e  ®*i*^t** 
©eroalt  mit  ber  SBerl^eiratl^ung  ber  SCod^ter  aufhören.    9iad^  Dcrfd&iebenen 
SRed&ten  roirb  aud^  burd(>  bie  aSerbcirat^ung  bes  Sol^nes  bie  näterlid^e  ober 
elterlid^e  ©eroalt  über  benfelben  beenbigt.    Db  bies  insbefonbere  aud^  nad^ 
gemeinem  SRed^te  ber  gall,  ift  beftritten  (Dergl.  Seuffert  XI,  52,  XXIX,  148; 
preufe.  31.  2.  SR.  II,  2  §§  228,  229;  öfterr.  ©.  93.  §  175;  fäd&f.  ©.  93.  §  1833; 
code  civü  2lrt.  476,  384 ;   ^ejf.  (gntro.  III  3lrt.  38,  25 ;  lübedE.  SBorm.  0.  v. 
11.  Dftober  1820  §§  2,  81;  roeimar.  ©ef.  v.  27.  SKärj  1872  §  17;  braunfd^ro. 
©ef.  D.  19.  aJlai  1876;  l&amb.  SBorm.  D.  d.  14.  2)ejember  1883  Slrt.  6,  63). 
Soroeit  bie  angefül(irten  SRed^te  ben  Safe  „§eirat^    mad^t   münbig"  ni^t 
anerfenncn,  roirb  bem  nod&  minberjäl^rigen,  in  golge  ber  SJer^eirat^ung  aus 


828  (Srtcrri(J6e  ©eivalt.    SSccnbigunfl.    (§§  1557—1561.) 

bcr  üäterfid&cn  (^Jcmalt  getreteneu  Äinbe  auf  bem  SBege  ber  SSormunbfd^aft 
bcr  erforberüd^e  ©d^ug  geroäl^rt.  3nöbefonbere  tritt  im  ganjen  Umfonge  be« 
preufe.  ©tootes,  forooljt  in  ben  ©ebietcn  beö  preufe.  91.  S.  91.,  ate  in  ben 
Oebieten  beö  gemeinen  unb  beä  franj.  JRed&teö  an  bie  ©tcUe  ber  oäterlid^cn 
(Semalt  bie  gcfefelid^e  SBormunbfd^aft  bed  SBaterö  nad^  SWafegabe  ber  Seftim* 
mungen  ber  preufe.  S8orm.  D.  ü.  5.  Suti  1875  (oergf.  preufe.  S[.  2.  31.  n,  2 
§  229;  preufe,  SBorm.  D.  §§  12,  99),  roä^renb  na^  bem  föd^f.  ®.  S.  §§  1833, 
1876  ber  minberjä^rigen  Dcr^cirat^cten  S^oc^ter  ein  SBormunb  beftellt  wirb. 
«tai^unrt  2)^  5^^  gjjj  „©eirat^  mad^t  münbig"  feine  aufnähme  in  bem  ®nt* 

entrourfc«.  iDurfe  gefuubeu  f)at,  baä  minberjä^rige  Äinb  mitl)in  trog  ber  S5ert)eirat^ung 
uod&  beö  üormunbfd^aftlic^en  ©d^u|es  bebarf,  fo  ift  eö  oom  ©tanbpunfte  beö 
©ntmurfcö  auö  fonfequent,  bem  Sinbe  jenen  ©d&ug  aud&  fenxer  mittels  ber 
elterlid&en  ©croalt  ju  2;i^eil  merben  ju  tajlen.  3)ie  abmeid^enben  Seftimmungen 
beö  gemeinen  SRed^teö,  beö  preufe.  31.  2.  %  unb  beö  fäd^f.  @.  S3.  \inb  im 
2Befentlidöen  barauf  jurücf juf ül^ren ,  bafe  nad^  biefen  ^Hed^ten  baö  oäterlid^e 
9lie6braud)dredbt  mit  ber  bamit  üerbunbenen  Serroaltung  beö  Äinbeöocrmögeuö 
einen  roefentlid^en  Scftanbtl^eil  ber  üSterlid&en  ©eroalt  auömad&t  unb  beöl^atb 
bie  gortbaucr  ber  Unteren  nad^  SGBegfall  beö  oäterlid&en  ^liefebrauddöred^teö, 
roeld^eö  man  mit  ber  ^eiratl;  beö  Äinbeö  roegfaHen  laffen  rooUtc,  bem  33egriffe 
ber  üäterlid&en  ©eroalt  nid^t  mc^r  entfprad).  S)iefe  ®rroägungen  treffen  aber 
für  ben  ©ntrourf  nid^t  ju,  ba  nad^  bemfelben  bie  oormunbfd^aftlid^e  ©eite  ber 
etterlid^en  ©eroalt  baö  aÖSefentlid^e  ift  unb  bie  eltcrlicbe  ^lufeniefeung  nur  einen 
af jefforifdjen  95eftanbtl^eil  bilbet.  2:rogbem  aud&  naö)  bem  ®ntrourfe  bie  elter* 
lid)e  ^lugniefeung  regelmäßig  burd^  bie  33erl|eiratl^ung  beö  Rinbeö  beenbigt  roirb 
(§  1536),  fe^lt  cö  bafier  an  einem  auötcidienben  ©nmbe,  anä)  im  Uebrigen 
bie  elterlid^c  ©croalt,  üorbefialtlic^  ber  im  §  1509  beftimmten  äRobififation, 
mit  bcr  ^ciratl^  beö  ftinbeö  enbigen  ju  laffen.  Snöbef onbere  fe^lt  eö  aud&  an 
einem  ©cbürfniffc,  bie  clterli^c  ©eroalt  in  biefcm  galle  in  eine  gefcglid^e  93or* 
uumbfc^aft  beö  biö^erigen  ^nl^aberö  ber  elterlid^en  ©croalt  umjuroanbeln.  6ö 
ift  nic^t  abjufctien,  roarum  ber  legtere  nad^  ber  33erl|eiratl^ung  beö  Äinbeö  bie 
roeniger  freie  ©tcllung  eineö  SSormunbeö  gegenüber  bem  .siinbe  liaben  foll, 
jumal  ber  3nl|aber  ber  elterlichen  ©eroalt  nac^  bem  ©ntrourfe  in  Slnfe^ung 
beö  freien  Äinbcöüermogenö  bicfclbe  freie  ©tellung  einnimmt,  roie  in  älnfe^ung 
beö  ber  elterlichen  Sßugniefeung  unterliegenben  3Sermogenö  (oergl.  bie  SRotioe 
JU  §  1511  oben  ©.  765).  6iu  burdEifc^lagenber  ©runb  für  bie  Umroanblung 
ber  elterlid^en  ©eroalt  in  eine  gefeglid^e  aSonnunbfd^aft  fann  aud6  barauö  nid^t 
l)crgeleitet  roerben,  ha^  eö  mit  bem  begriffe  einer  gefefelic^en  SBormunbfd&aft 
ücreinbar  fein  roürbe,  an  ©teile  beö  betreffenben  ®lternt£|eileö  geeignetenfollö 
aud&  bem  ©l^emanne  bie  SBormunbfc^aft  über  bie  minberjäl^rige  ®l^efrau  ju 
übertragen  unb  bamit  bie  auö  ber  ©tellung  beö  ®^emanneö  gegenüber  ber 
@l)efrau  etroa  ju  entnelimcnben  Sebenlen  gegen  bie  Slblc^nung  beö  ©afeeö 
„.^eiratl^  mat^t  münbig"  abjufd^roäd^en ;  benn  roollte  man  bem  SSormunbfd^aftö«^ 
gcrid^te  bie  Scfugnife  einräumen,  an  ©teile  beö  gefeftlit^cn  SSormunbeö 
geeignetenfallö  ben  ©bemann  alö  SSormunb  feiner  minberiäl^rigen  ©l^efrau  ju 
beftellen,  fo  roürbe  baburd^  bie  gefeglid^e  SSormunbfd^aft  ber  ©Itern  bie  im 
Sntereffe  ber  93erfe^röfidtierl)eit  erforberlid^e  fidlere  ©runblage  entbel^ren.  S)aju 


elterliche  ©cttjalt.    SSccnbigunfl.    (§§  1557-1561.)  829 

fommt,  baß  bcr  ©ntrourf  im  Ucbrigcn  eine  gefe|Iid^c  SBormunbfd&aft  überhaupt 
nid^t  Icnnt,  burd&  bic  Slnerfennung  einer  fold^en  in  bem  Ijier  in  iHcbe  ftel^enben 
einjelnen  ^alle  ba^er  bie  Sinfod^^eit  bed  ©efegbud^ed  ot)ne  3loti)  geftört 
n)erben  n)ürbe. 

4.  S)er  »cftimmung  bcö  preufe.  91.  S.  91.  II,  2  §  256,  bafe  bie  Döter^  rnnthtun 
l\6)t  ©croalt  in  golgc  ©ntmünbigung  beö  93aterö  wegen  SSerfd^roenbung  auf^  roeflenlß«- 
Idört,  ift  bereite  in  ben  SWotioen  ju  §  1554  oben  S.  819,  821  gcbad)t.    3lad)  ^^wenbunß. 
bem  ©ntrourfe  rul^t  in  bicfem  gallc  bie  clterli^c  ®tmali  mit  2luöna^me  bcr 
elterlichen  ^Wulniefeung  (§  1554  2lbf.  1). 

5.  S)aö  preufe.  91.  S.  di.  II,  2  §§  257,  258  löfet  bic  üäterlid&e  ©eroalt  aufeer^-  ««ri«ff<«  ^ 
bem  bauernb  ouff)ören,  rocnn  ber  SBotcr,  um  \i6)  feinen  Untert^onenpflid^teu 

JU  entjiefien,  quo  ^ßrcufeen  fi^  entfernt  ober  bic  Äinber  oorfä^lid^  l^ülfloö  o^nc 
aiuffid^t  t)crlä§t.  5Bom  ©tanbpunftc  beö  ©ntrourfeö  an^  bcbarf  cd  in  biefcr 
9lid[|tung  befonberer  83cftimmungen  nid^t ;  oielmefir  rcid&cn  bic  SBorfd&rif ten  ber 
§§  1546  ff.  über  bie  Sefugnife  bcö  SBormunbfd^aftSgcrid^tcö,  gegen  ben  Snl^abcr 
bcr  elterlid^cn  (Seroalt  cinjufc^reiten,  bejro.  bic  SSorfc^riften  bcö  §  1554  2lbf.  1 
über  baö  9lu^cn  bcr  cltcrlid^cn  ®croalt  auö.  Unter  Umftönben  fann  in  bem 
gaDc,  rocnn  bcr  Sn^abcr  ber  elterlichen  ©eroalt  fein  Äinb  norfäglid^  ^ülfloö 
t)crtaffcn  \)at,  auf  ©runb  beö  §  221  bcö  Str.  ®.  33.  in  SBcrbinbung  mit  §  1559 
bie  eltcrlid^e  ©croatt  aud^  fraft  bcö  ©cfcfecö  oerroirft  rocrben. 

6.  ®a  nod^  preufe.  91.  ü.  91.  IT,  11  §  1199  ÜJlond&e  unb  'JJonnen  nad)    *|^«' 
abgelegtem  Äloftergclübbe  in  9lnfcf|ung  aller  rocltlit^cn  ©efd^öfte  alö  nerftorbcn    ^* 
angcfeljien  rocrben,  fo  beenbigt  baö  üfoftcrgclübbe  bcö  Sßötcrö  aud)  bic  oätcrlid)c 
©croatt.    aWit  ber  oon  bem  ©ntrourfe  anerfannten  SRcd^töffl^igfcit  iener  ^ßcr- 

fönen  fällt  aud^  biefe  Äonfcquenj  oon  felbft  roeg.  Uebrigenö  fann  bcr  ©intritt 
bcö  Sni^öberö  ber  elter lidöcn  ©croatt  in  ein  Äloftcr  baju  führen,  bafe  baö  33or- 
munbfd^aftögerid&t  bemfctben  geeignctcnfallö  mä)  3Jla§gabe  beö  §  1546  roegcn 
SBemadlitäffigung  ber  x\)m  gegenüber  bem  Äinbc  oblicgenbcn  5ßflid^ten  bcr 
©orge  für  bie  5ßerfon  bcö  Icfeteren  bie  cltcrlid^e  ©eroalt  cntjicf)t. 

7.  ®ine  bem  §  1709  cntfprcdj)cnbe  Söorfd^rift  f)at  bcr  ©ntrourf  bei  ber 
clterti(^en  ©croatt  nid^t  für  crforbcrlid^  crad^tet.  3)ie  Uebertragung  bcr  auf 
Sinigfeitörüdffid&tcn  berulienben  S3cftimmung  beö  §  603  auf  ben  SSormunb 
rechtfertigt  fi^i  im  J^inblidEc  barauf,  bafe  ber  SBormunb  Dcrmögc  bcr  angemeinen 
83ürgerpflid&t  gejroungen  roirb,  eine  fo  fd^roerroiegenbc  SBcrpflid^tung,  roie  fic 
bie  SSormunbfc^aft  mit  fid^  bringt,  ju  übernehmen.  S)aö  ©Icid^e  gilt  aber 
nid^t  oon  bem  Snl^aber  ber  elterlid&en  ©croatt.  S)cr  Siegel  nad^  roürbe  jubcm 
für  bie  entfprec^cnbc  9lnroenbung  bcö  §  603  nur  in  bem  gaüc  3laum  fein, 
roenn  ia&  unter  elterlicher  ©croatt  ftel^cnbe  flinb  Dcrftorben  ift.  S3cim  fRnf)^\\, 
ber  ©ntjiel^ung  ober  ber  SBcrroirfung  ber  etterlid&cn  ©croatt  unb  in  anbercn 
göUen,  in  roeld^cn  bie  Icfttcrc  beenbigt  roirb,  roirb  bcr  Snl^abcr  bcr  eltertid^cn 
©croatt  faft  immer  Renntnife  baoon  l^aben  ober  bod^  ^aben  muffen,  baß  feine 
^nftion  alö  gefcfttid&er  SBertrctcr  erlofd^en  ift.  3«  bem  galle  aber,  in  roetd^cm 
baö  ftinb  Dcrftorbcn  ift,  roirb  er  regclmä§ig  aud^  bcr  6rbe  bcö  Äinbeö  fein; 
aufeerbem  ftefien  il^m  bic  S3orfdj)riften  über  bie  ©efd^äftöfü^rung  obne  Sluftrag 
unb  über  ben  S3ereid^erungöanfprud&  jur  Seite.  Sollte  aber  aud^  in  cinjclncn 
göDen  ber  3nl|aber  ber  cttcrtidSien  ©croatt  ol^nc  bie  Uebertragung  bcö  §  603 


830  ®Itcrlid&c  ©ettjalt.    Sccnbiflung.    §  1557. 

tDirflid^  in  Slac^ti^cil  fommen,  fo  fann  bicö  für  'x\)x\  gegenüber  ben  auö  bcr 
elterlichen  ©croalt  unb  ber  bamit  ucrbunbenen  cltcrlid^en  SWu^nicfeung  i^m 
ern)ad[lfenben  Sßort^eilen  nicftt  inö  ©eroid^t  fallen. 

©ewcifiiafi.  8^  Sefonbere  S3cftimmungen  barüber,  roen  bie  Scroeiötaft  trifft,  wenn 

bie  gortbaucr  ber  elterlichen  (Seroalt  beftritten  ift,  finb  alß  entbc^rlld^  erad^tet. 
3)ie  ®ntf(^cibung  bicfer  j^^age  an  ber  $anb  ber  attgemeinen  ©runbfäge 
(§§  193,  194)  bleibt  beRer  ber  Suriöprubenj  überlaffen  (Dcrgl.  ©euffert 
Xn,  339,  XV,  36;  (Snifd).  b.  dl.  ®.  III,  74  ®.  355,  XIIT,  63  ©.  178, 
VII,  3  ®.  26,  XIV,  71  ®.  213  ff.,  XVII  25  S.  103). 


§  1557. 

tob  bc4  1.  5)(j^  i)urc^  ben  Zob  beö  Jtinbeß  bie  üormunb)ci)aftlid)e  Seite  ber 

clterlid^en  ©eroalt  crlif^t,  ift  fclbftt)erftänblid&.  ^Dagegen  fann  eö  an  fxäf  nid^t 
ot)ne  SBeiterefi  für  felbftüerftänbtic^  erachtet  rocrben,  ba§  bie  elterlid^c  ©eroalt 
mit  betn  2^obe  beö  Kinbeö  aud^  nad^  ber  ocrmögcnöred^tlit^cn  ©citc  ^in  vo\U 
ftänbig  erlifd&t,  rote  fd&on  barauä  ^eroorgelit,  bafe  nac^  einjclnen  Siedeten  bie 
"Jiulnicönng  unter  geroiffen  SJorauöfcfeungen  fortbcftel^t  (uergl.  Nov.  118  c.  1,  2; 
©rläuterung  o.  9.  aKärj  1819  jum  bab.  2.  5R.  ©aß  384).  SGBenngleid^  na^ 
ber  9lrt,  roie  bcr  ©ntrourf  bie  elterlid&e  Slugnicfeung  geftaltet  ^at,  bie  3urid* 
prubenj  t)orauörid&tlid()  au^  beim  Sd&roeigen  beö  ©efeßcö  bal^in  gelangen 
roürbe,  bafe  audö  bie  eltcrlidjc  SHußnicßung  mit  bem  2^obe  beö  Kinbcö  erlifd^t, 
fo  ift  eö  bod)  alö  ratljfam  unb  ber  SBollftänbigfeit  roegen  alö  angcmeRen  er* 
a^tet,  im  §  1557  9lbf.  1  auf  ben  ^ier  fraglid&en  SBeenbigungögrunb  ^in? 
äuroeifen  (üergl.  audE)  fädif.  ©.33.  §  1829;  ital.  ©.33.  9lrt.  232). 

fßomitxxQs  2.  S)ie  ©rünbc,  aus  roeld&en  burd&  bie  SSoUjäl^rigfcit  beö  Hinbeö  bie 

elterlid&e  ©eroalt  beenbigt  roerbcn  foU,  finb  in  ben  SKotioen  ju  §§  1501, 1502 
oben  ©.  726  ff.  bereitö  bargelegt.  Dbrool^l  biefer  35cenbigungögrunb  fi^  fd^on 
au^  ber  »eftimmung  beö  §  1501  Slbf.  1  ableiten  läfet,  fo  ift  bod^  beffen 
^eroorl)cbung  an  biefer  ©teUe  bei  ber  großen  praftifc^en  Scbeutung  beöfelben 
unb  ber  erheblichen  Steuerung,  rocld^e  mit  beffen  Slnerfennung  für  einen  großen 
3:^eil  beö  beutfc^en  SRed&tögebicteö  eintritt,  ebenfo  angemeffen  alö  geboten. 
BouiÄ^rifl*  s)Q^  ber  aSoHiä^rigfcit  beö  Äinbeö  bie  aSoHjä^rigleitöerflärung  beöfelben 

ei-fwrunfl.  aud)  iu  ber  ^ier  fraglid^cn  c^inftdtit  gleid^fte^t  (oergl.  öfterr.  ©.  S3.  §  174; 
^eff.  @ntro.  III  3lrt.  38;  roeimar.  ©ef.  t).  27.  ä»ärj  1872  §  17;  braunft^ro. 
©ef.  D.  19.  aRai  1876;  ^amb.  SSorm.  0.  v.  14.  ©ejcmber  1883  2lrt.  6,  63, 
68),  brandet  im  i^inblicte  auf  bie  35orfd6rift  beö  §  26  nid^t  befonberö  ^eroor* 
gehoben  ju  rocrben.  Slud^  im  Ucbrigen  ift  in  bem  ©ntrourfe,  abgefel^cn  von 
bem  anberö  liegenbcn  gattc  beö  §  1233,  mit  SRücffid^t  auf  bie  SBorfd^rift  beö 
§  26  ber  aSoUiä^rigfcitöcrflärung  neben  ber  SBoUjä^rigleit  nid^t  befonberö  gc* 
bad^t.  3)aö  aKifeoerftänbnife,  bafe  bie  SBoHiäl^rigfeitöcrflärung  in  ber  ^ier 
fraglid^en  §infid^t  ber  SBoHjä^rigfeit  nid^t  gleid^fte^e,  roeil  eö  fid^  nid&t  bloö 
um  bie  ©tellung  beö  aWinberjä^rigcn,  oon  rocld^cr  bcr  §  26  junäd^ft  fprid^t, 
fonbern  iugleid^  um  Siedete  Sritter  ^anbele,  nämlid^  um  bie  Sled&te  beö  3n* 
l^aberö  ber  clterlid^en  ©eroalt^  ift  nid^t  ju  beforgen. 


ßrtcrfid&e  @ctt>aU.    »ecnbigung.    §  1557.  831 

SSon  benieiügcn  ©cfcggcbungcn,  nad^  rotlä)tn  bic  eltcrlldic  ©cwalt  burd^  ^^^^^^^^^ 
bic  SBoniä^rigtcit  bcö  Äinbcd  bccnbigt  wirb,  loffcn  baö  öftcrr.  0.  93.  §§  172,  "'Ät 
173  unb  baö  roclmar.  ®c[.  v.  27.  $Körj  1872  §  18  unter  geroiffen  SBoraus* 
fcfeungcn  eine  SBcrlängenmg  ber  oäterIi(!bcu  bejro.  ber  ettcriid&en  ©eroalt  über  ^**siX^** 
bie  aSoHiäl^rigleit  bcö  Äinbeö  ^inoiiö  eintreten.  9lm  toeiteften  gel^t  in  bicfer 
^infid^t  baö  öfterr.  ®.  93.  2luö  geredtiten  Urfad^en  fann  bie  §ortbaucr  ber 
Däterlid&en  Oemalt  über  bie  SBoIIiöi^rigfeit  beö  ftinbeö  l)inauö  auf  3lnfuc^en 
befi  aSaterö  t)on  bem  ©eric^tc  bcroiUigt  werben.  Site  geredete  Urfad&en  toerben 
folgenbe  gätte  bejeid&net:  wenn  baö  Hinb  ungeadEitet  ber  SSoUjä^rigfeit  wegen 
fieibeö«  ober  Oemüt^ögebred^en  fid^  felbft  ju  oerpftegcn  ober  feine  angelegen- 
f)eiten  ju  beforgen  niddt  oermag,  ober  wenn  eö  fid^  roä^renb  ber  SWinberjäörigs 
feit  in  beträd&ttid&e  Sd^ulben  üerroicfelt  ober  fold^er  93ergel(|ungen  fid^  fdEiulbig 
gcntod&t  ^at,  wegen  roetd^er  eö  nod^  ferner  unter  genauer  Sluffxd^t  gehalten 
werben  muß  (üergl.  aud^  §  251  beö  ofterr.  0.  93.).  3tad^  bem  rocimar.  (Sefefte 
baucrt  über  unoerl^eiratl^ete  Äinber,  roclt^e  wegen  ®eifteöfranf^cit,  Oebred^lic^^ 
feit,  SBerfd^roenbung  ober  Slbtoefen^eit  fonft  ju  beoormunben  fein  würben,  bic 
eltertid^e  ©eroalt  einfd(|lic§Iid)  ber  clterlld^en  5Wufenie6ung  fort,  foroeit  baö 
SBormunbfddaftögerid^t  na^  oorgenommcncr  ©ad^untcrfuc^ung  bie  gortbauer 
beftätigt.  S)ic  etterli(^e  ©croatt  enbigt  bann  in  gleid^er  SBcife,  roic  eine  in 
berartigen  gäUen  angeorbnete  SBormunbfd^aft. 

3luö  bem  Dormunbfd&aftlid^en  Äarafter  ber  elterlid^en  ©eroalt  folgt,  bafe  «»««^p»«'« 
eine  SBerlängerung  ber  etterlid^en  ©croatt  über  bie  SSoDiä^rigfeit  beö  Rinbeö  cntwwrfes. 
llinauö  iebenfattö  nur  für  fold&e  göBe  in  grage  fommen  fann,  in  roetd^en  baö 
aSormunbfd&aftögcrid^t  einen  ©runb  jur  93eoormunbung  ooUiä^riger  ^crfonen 
anertennt,  alfo  für  fold&e  gölle,  in  roeld&en  baö  Äinb  roegen  ©eifteöfranfi^ieit 
ober  a3erf(^roenbung  entmünbigt  (§  1726)  ober  bcö  Dormunbfd^aftlid^en  ©d^ufeeö 
nad^  aRo§gabe  bcö  §  1727  für  bebürftig  erflärt  ift.  gür  eine  SBcrlängerung 
ber  eltertid^en  ©eroalt  in  berartigen  gälten  lä§t  fi^  anführen,  bafe  f)ier  bic 
©d^ufebebürftigfeit  beö  Äinbeö  unb  bamit  bie  fitttid^e  5ßflidöt  ber  ©Itern,  für 
baöfelbe  ju  forgen,  fortbauere,  baö  bicfcm  natürtici^cn  aSerliättniffe  entfpred&enbc 
red&ttid&e  S3erf)ältni6  aber  bie  ettcrlidöe  ©eroalt  fei,  ba§  ferner  in  gotge  ber 
gortbauer  ber  mit  ber  clterlid&cn  ©eroalt  Dcrbunbencn  ctterlid^en  Jlußniefeung 
bie  Slotl^rocnbigfeit  einer  Sttbret^nung  oermieben  roerbe,  roenn,  roic  in  ben  ^ier 
fraglid^en  gälten  aUerbingö  meiftenö  ber  galt  fein  roirb,  bie  ©Item  baö  Äinb 
aud^  über  beffen  SBoDiä^rigfcit  l^inauö  5u  unterf)altcn  oerpftit^tet  feien.  3n* 
bejfen  biefen  ©rroägungcn  gegenüber  falten  cntfd^eibcnb  inö  ©eroid^t  bie- 
icnigen  in  ben  aHotiücn  bcö  S8ormunbfd6aftöred^tcö  ju  §  1729  bargelegten 
©rünbe,  roeld^e  ben  ©ntrourf  beftimmt  liaben,  im  3ntereffe  ber  33erfe^rö* 
fid^cri^eit  aud^  eine  gcfcfetid^c  üßormunbfd^aft  ber  ®ltcrn  über  Doltiä^rigc 
Rinbcr  nid^t  anjucrfennen.  3^^^^"^  fi^9t  fein  genügcnber  ©runb  oor, 
jroif dden  fold&en  gälten,  in  roeld&en  baö  Äinb  bereitö  beim  (Eintritte  ber 
SBoltiä^rigtcit  bcö  Dormunbfd&aftlid^cn  ©d^ufeeö  nad^  aWafegabc  ber  §§  1726, 
1727  bebarf,  unb  jroifd^cn  fold^en  gälten  in  roeld^cn  biefcö  93ebürfni6  crft 
fpäter  nad^  93eenbigung  ber  eltcrlidE)en  ©croatt  eintritt,  }u  unterfd^eiben  unb 
in  ben  erftcren  gälten  bic  cltcrlid^e  ©eroalt  ju  Dcrlängcm,  in  ben  Icgtcren 
gälten  aber  nid&t  rolcbcr  bic  cltcrlid^e  ©croatt,  fonbcrn  eine  ftrengeren  ©runb^^ 

.    x 

\ 


832  eitcrli^c  ©etralt.    S^ccnbigunfl.    §  1557. 

[ä|cn  unterlicgenbc  9Sormunbfd^aft  eintreten  ju  laRen.  ©ine  [o(d^c  Siegelung 
gefö^rbet  aufeerbcm  bie  SSerfe^röfid^er^eit,  bo  bcfiufö  geftftellung  ber  Scgiti- 
mation  ber  ©Itern  ate  SBertreter  bed  Dottjä^rigcn  Jtinbeä  immer  unterfud^t 
werben  müßte,  ob  ber  ©runb  jur  Seoormunbung  beö  Äinbeö  fd^on  jur  Qüi 
ber  SSoUjä^rigfeit  bes  lefeteren  oorl^anben  mar  ober  erft  fpöter  eingetreten  Ift. 
33ad  ©i)ftem  wirb  erfieblid)  oereinfad&t,  roenn  uolliä^rige  5ßerfonen  in  attcn 
gällcn  unter  ber  'Bormunbfd^aft  beftellter  SSormünber  ftelien.  2)em  natürlid^cn 
aSerl^ältniffc  jroifd^en  bcn  ®ltern  unb  i^rcn  üolliä^rigen,  beö  oormunbfd^aftlid^en 
©d^ugeö  ober  nod^  bcbürfenben  Äinbern  ift  baburd&  in  ausreid[|cnber  3Beife 
SWed^nung  getragen,  bafe  bcn  ©Item  burd^  bie  Seftimmungen  ber  §§  1729, 1733 
ein  oorjugöroeifeö  Slnre^t  auf  Uebertragung  ber  SBormunbfd&aft  unb  eine  freiere 
Stellung  alß  SSormünber  il^rer  DoDiäf^rigen  Äinber  eingeräumt  ift. 
lob  befi  ?n.  3.  2)cr  §  1557  3lbf.  2  roeift  junäd^ft  ber  aSoIlftänbigfeit  megcn  barauf 

ciuxm^&t»  i^in,  ba6  bie  elterliche  (Semolt  beö  ^nbaberö  burc^  ben  2^ob  beö  legteren  (oergl. 
waitK.  preufe  31.  S.  3?.  II,  2  §  270;  fädif.  ®.  93.  §  1829)  unb  burd^  bie  Slnna^mc 
beö  Äinbes  an  .Slinbeöftatt  beenbigt  wirb  (uergl.  aud&  §  1520  üerb.  mit 
§  1014  3lbf.  1,  ferner  §  1626).  5Die  ®rünbe,  auö  meldten  mit  ber  Slnnabmc 
an  Äinbeöftatt  für  bie  leiblid&en  ©ttcrn  bie  93eenbigung  ber  clterlid^en  ©eroalt 
oerbunben  ift,  ftnb  in  ben  SKotiüen  ju  §  1626  bargelegt. 

erKämnß  *'  ^^"^  ^^^'^  ^^^  ^u^aberö  ber  elterlichen  ©eroalt  ftellt  ber  §  1557 

9lbf.  2  ferner  bie  ©rlaffung  beä  Urtfjeileö  gleid),  burt^  roeld^cö  ber  3inf|aber  für 
tobt  erflört  roirb  (oergl.  §  1327  5»r.  4,  §  1704  3lx.  1).  @ntfpred&enb  bem 
§  1501  aibf.  2  tritt  baf|er  in  einem  fold&cn  gaUe  an  ©teile  ber  clterlid&en 
©eroalt  bes  für  tobt  erflärtcn  aSaterö  bie  elterlid&e  ©eroalt  ber  SKutter.  Diefe 
9lrt  ber  Slegefung  fd^afft  einfädle  unb  Ware  SScrJ^ältniffe.  Ueber  ben  ©influfe 
ber  SCobeöerflörung  auf  bie  ettertid^e  ©eroalt  beö  für  tobt  ©rllärten  ganj  ju 
fdbroeigen  unb  eö  in  bief er  S3ejiel^ung  lebiglid^  bei  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen 
na6)  aWafegabe  beö  §  21  beroenben  ju  laffen,  ift  bebcnflid^,  ba  fonft  im  galle 
ber  giüdffelir  beö  für  tobt  erflärten  Snl^aberö  ber  elterlid^en  ©eroalt  ober  beö 
Slad^roeifeö  feines  in  SBirftid^feit  erft  fpätcr  erfolgten  a;bbeö  bie  ©üttigteit 
ber  SRed^tögefdbäfte,  roeld^e  von  bem  auf  ©runb  ber  2:obeöerflärung  an  Stelle 
beö  für  tobt  erflärten  ^ni^aberö  ber  elterlid^en  ©croalt  getretenen  gefefilid^en 
aSertreter  beö  Slinbeö  für  baö  legtere  gefd&loifen  finb,  in  grage  geftcüt  werben 
unb  aud)  bie  gortbauer  ber  elterlid^en  5Rutfnie6ung  ju  aSerroidelungen  SKnlafe 
geben  fönnte.  9luf  ber  anberen  Seite  fel^lt  eö  aber  an  einem  genügcnben 
©runbe  unb  roürbe  eö  unbillig  fein,  bem  für  tobt  erflärten  ^nl^aber  ber  elter* 
lid^en  ©eroalt  bie  lefetere  aud^  im  galle  ber  Mdhl)t  nocS)  länger  Dorjuent^ 
ISialten.  35eö^alb  geroäl^rt  ber  §  1557  2lbf.  3  nad^  Analogie  beö  §  1332  bcm^- 
felben  bie  aKögiid^feit,  bie  elterlid^e  ©eroalt  burd^  eine  l^ierauf  gerid&tcte, 
gegenüber  bem  SBormunbfd&aftögerid^te  abjugebenbe  SBiUenöerflärung  jurfi*^ 
juerlangen.  2)a6  in  einem  fold^en  galle  baöienige  SSermogen  beö  ftinbeö, 
roeld)eö  o^ne  bie  S3ecnbigung  ber  elterlid&en  ©eroalt  freieö  a3erm5gen  beö 
ftinbeö  geroefen  fein  roürbe,  aud^  nad^  ber  SBieberJ^erftcHung  ber  elterlid^cn 
©eroalt  freieö  SSermogen  beö  ^nbeö  ift  (üergl.  §  1332  oerb.  mit  §  1331 
2lbf.  1  Saß  2),  fann  nid&t  jroeifel^aft  fein  unb  bebarf  beö^alb  feineö  bc^ 
fonberen  äluöbrudeö. 


eitcrlid&c  ©ctoalt.    »cenbiöuno.    §  1558.  833 

®in  Scbürfiiig,  in  gteid^er  SBcife  oud^  an  bic  S:obedcrt(ärung  beö  «obe«- 
ftinbcö  bic  »eenbigung  bcr  elterlid&en  ©eroalt  p  fnüpfen,  ließt  nid&t  üor,  ba  "'"«&** 
i^icr  bie  9lfirffid&t  auf  bic  älufred&ter^altung  bcr  von  bcm  3in^aber  bcr  cltcr* 
liefen  Oeroalt  qIö  SScrtrctcr  beö  Äinbeö  gefd^Ioffcnen  Sied^tögefd&äfte  lüd&t  in 
gragc  fommeu  fann.  Slnbcrcrfcitd  roürbc  eö  in  bicfcm  gallc  unbillig  fein,  wenn 
ber  Sn^aber  ber  cltcrlid^cn  Oemalt  im  galle  bcr  SRüdffel^r  beö  für  tobt  er* 
Härten  Äinbeö  für  bie  3njWcnjeit  bie  SSortl^cilc  bcr  elterlid^en  Sßuftniefeung 
unbebingt  einbüßen  foUtc.  Slud^  bic  Orünbc,  auf  rocld^en  bie  SSorfd&rift  beö 
§  1703  3lbf.  1  S«r.  1  beruht,  treffen  ^ier  nid&t  ju ,  ba  im  galle  ber  Slü* 
tc^r  beö  Äinbcö  bod&  immer  mieber  ber  biö^erigc  Sn^abcr  bcr  elterlid^en  Oe« 
walt  alö  fold&cr  eintreten  mürbe,  fofcrn  nid^t  injmifdEien  axi^  einem  anberen 
Orunbc  bie  cltcrlid&c  ®emalt  beenbigt  fein  foUtc. 


9tti9t 


§  1558. 

I)ic  ©inmirfungen,  meld)c  bic  Sd^licfeung  einer  neuen  G()c  auf  bie  »ieberwr* 
Stellung  bcr  ©Itcrn  gegenüber  ben  Äinbem  auö  einer  frül^eren  6^e  mit  [xä)  ber^wS. 
bringen,  mad^cn  fid^  bei  ber  SButter  naturgemäß  in  pl^crcm  Orabc  füljlbar, 
mie  bei  bcm  93ater.  S)ementfpred^cnb  uutermirft  anä)  baö  geltenbc  JRcd&t  auö 
bcm  Ocftdötöpunftc  ber  ©cfäljrbung  ber  3ntcreffen  ber  Äinbcr  auö  früherer 
6l)e  bie  bcr  SJlutter  fonft  gegenüber  ben  Äinbern  juftel^enbcn  Sted^tc  im  galle 
bcr  SBicbcrücrlicirat^ung  ber  3Äutter  regelmäßig  meit  cingreifenbercn  Sc- 
fdöränhmgen,  alö  bie  bcm  93ater  gegenüber  ben  Äinbcrn  juftclicnbcn  SRcd^tc  im 
gallc  ber  SBieberücrl^ciratliung  beö  SSaterö. 

9lnlangcnb  inöbefonberc  baö  ber  3Buttcr  5uftcl^enbe  6rjicl^ungörcd[)t,  fo  ®ä*2?** 
ücrlicrt  bie  3Buttcr  nad^  rom.  SHed&tc  burdb  i^re  SBicberöerl)ciratl)ung  iebeö 
SRcd^t  auf  bie  Ucberlajfung  ber  ©rjic^ung  bcr  Äinber  (Nov.  22  c.  88).  ©d^on 
baö  gemeine  SWed^t  ficljt  bagegen  in  ber  aBicbcröcrlöcirattiung  ber  aSutter  feine 
unbebingte  SWötfiigung  für  bie  Dberüormunbfddaft,  bcr  3Äuttcr  bie  ©riiel^ung 
iu  ncl^mcn,  fonbern  nur  einen  Slnlaß,  ju  ermägen,  ob  ftc  ber  SWutter  bie  Gr* 
jic^ung  ber  Jlinber  ferner  ju  bclaffen  i^abc.  S)cnfelben  6tanbpunft  nel^mcn 
bic  meiften  neueren  ©efefegebungen  ein  (ocrgl.  preuß.  31.  S.  9i.  II,  18  §  317; 
preuß.  SBorm.  D.  v.  5.  3uU  1875  §  28  unb  baju  Stcgicrungömotiüc  ©.  70; 
fäd^f.  0.  SB.  §§  1892,  1977,  1923;  öfterr.  @.  33.  §  218;  entro.  b.  bai)r. 
33orm.  D.  t).  1874  §  60  nebft  ÜKotiuen  ©.  71).  3lad)  franj.  SHcd^tc  (oergt. 
Code  civü  ärt.  372,  373,  390,  395,  396),  bcm  ^cff.  (Sntm.  III  3lrt.  19  biö  26, 

bcm  ital.  0. 93.  3lrt.  237  unb  bcm  meimar.  ®ef.  ü.  27.  SWärj  1872  §§  1, 3, 15 
fann  ber  3Äuttcr  baö  il^r  alö  Sluöffuß  bcr  cltcrlid&cn  ©eroalt  juftclienbe 
Grjic^ungöred^t  auf  ©runb  bcr  SBiebcröcr^cirat^ung  übcrl^aupt  nidbt  entjogen 
werben;  bod^  ift  nad&  bcm  ital.  ©.  33.  bcr  gamilienratl;  9lnorbnungen  bcjüglid^ 
bcr  6rjiel)ung  ber  Äinber  mit  gcrid&tlid(icr  ©enc^migung  ju  treffen  befugt. 

3ft  bic  aKutter,  roenn  ftc  eine  ncxic  G^c  fd^licßt,  SSormünbcrln  i^rcr 
Äinber,  fo  verliert  fic  gcmcinred^tlid^  bic  33ormunbfd^aft.  2)iefer  ©runbfafe 
ift  aud^  in  oielcn  ^partifularrcd^tcn  feftgclöaltcn,  inöbefonberc  in  Dcrfdöicbenen 
bai)r.  Statuten  (ocrgl.  aud)  ba^r.  ©ntro.  einer  33orm.  D.  §  30  9lr.  3,  §§  37, 87), 

anottoe  i.  Mrqttl  Gffe^bud^.  IV.  53 


834  ertcrlidbc  ©eiralt.    SBccnbigung.    §  1558. 

foiüie  im  prcufe.  3(.  C.  9J.  II,  18  §  188.  dagegen  IjaUn  bie  mciften 
«eueren  ©efcfegebungeu  biefc  imbebingte  Unfäl)igfeit  bcr  roieber  l^ciratl^enben 
aßuttcr  iur  gortfütining  bcr  SSormunbfd^aft  aufgegeben  unb  eö  in  ba§  me^r 
ober  weniger  freie  ©rmeffen  ber  Dberöormunbf^aft  gcftellt,  barüber  5u  cnt- 
fd^eiben,  ob  e§  im  befonberen  goflc  jroedfmofeig  fei,  bcr  SDluttcr  bie  SSormunb* 
fd^aft  ju  belaifcn  (oergl.  fä#  0.  93.  §§  1892,  1977;  prcufe.  «orm.  D.  §  17 
gjr.  3,  §§  21,  64).  Sluf  bicfem  »oben  fteljen  aud)  ha^  franj.  SRcd^t  in  SSm 
fel;ung  ber  gefe|Iid)en  SSormunbfdjoft  bcr  aJlutter  (code  civil  2lrt.  390,  395, 
396),  foTOie  in  Slnfcl^ung  ber  mit  ber  clterlid^en  ©croalt  bcr  aWutter  ocrbunbcnen 
SScrmögcnöoerroaltung  ber  deff.  ©ntm.  III  9lrt.  26—28  «nb  baö  itol.  ®.  95. 
2lrt.  237—239.  Sogegen  oerliert  uad&  bem  loeimar.  ®ef.  o.  27.  aJlärj  1872 
§  15  bie  aWutter  atö  3nf|aber  ber  elterlid^cn  ©croalt,  xümn  fic  eine  neue  G^c 
fd^Iiefit,  otjue  Unterfd^icb  bie  aSermogenöocrmattung  (oergl.  ferner  brcm. 
tBorm.  D.  o.  14.  9Woi  1882  §  9,  80).  3lud&  nod^  ben  bagr.  Statuten,  meldte 
ier  3Butter  bie  cltcrüdbe  Oeroalt  geben,  mirb  bie  lefetere  burd)  bie  SBieber- 
Dcr^cirat^ung  ber  2)lutter  beenbigt. 

9Jad6  bem  code  civü  3lrt.  386  unb  bem  ital.  0.  93.  2trt.  232  ^at  ferner  bie 
SBiebcrocrliieiratijung  ber  3Äuttcr  ftctö  ben  Sierluft  ber  elterlid^en  ^lu^nicfeung 
jur  golge.    9lad^  bem  roeimar.  ®cf.  §  15  bagegcn  uerbtcibt  bie  le^tcrc  bcr 
äßuttcr.    2)adfe(be  fd^eint  aud)  nad^  bem  Ijcff.  ßntm.  ber  goD  5U  fein, 
©tonbpunft  3n  TOcfentliddcr  Uebereinftimmung  mit  bem  geltenben  9?ed&te  gel^t  bcr 

entiwfrfes.  ©iitmurf  juiiäd^ft  baoon  aus,  bafe  ber  SWutter,  rocldjc  eine  neue  G^e  fd^Iicfet 
unb  baburd)  in  ein  Slbpngigfcitdoer^öltnig  ju  einem  ben  Slinbcrn  aud  bcr 
frül^crcn  G^e  frembcn  SJlannc  tritt,  üon  bem  ©efid^töpunftc  ber  ®efäf)rbung 
bcö  Sntereffcö  bcr  Äinber  aus  iebenfallö  ein  3led)t  auf  bie  Sorge  für  ba& 
95ermögen  unb  auf  bie  gcfejjlic^e  SSertrctung  berfelben  in  pcrfönüd^cn  Sin« 
gclcgenf)eitcn  alö  Sluöffufe  ber  eltcrlid)en  ®eiüalt  nid^t  ferner  gemährt  mcrben 
fann  (ocrgl.  anä)  §  1707,  1733  Slbf.  3).  3m  ^inblicfe  auf  bie  freiere 
Stellung  beö  3nI|aberS  bcr  citerlid&en  ©cmalt  ift  cö  aber  aud&  afö  bcbcnflid) 
erad^tct,  bem  Grmcffen  beö  SSormunbfd&aftögcrid^tcß  ju  übcrlaffen,  ob  bcr 
äßuttcr  iene  9tcd^tc  in  bcr  gorm  ber  cltcrlid&cn  ®en)alt  belaffcn  merben  foUcn, 
S)er  Gntmurf  läfet  bcßl^alb  jene  SRcd^te  ber  SWutter  burd)  bie  SBiebcrocrlieiratfiung 
bcr  Ic^tercn  fraft  beö  ®efefeeö  cnbigen,  geftattet  aber  bem  SBormunbfd^aftö* 
gerid^tc,  bie  aRutter  mit  3"ftimmung  il)reö  Gl)cmanneö  jum  SSormunbe  U)vtt 
Äinber  ju  beftcHcn,  in  mcld)em  galle  biefclbc,  wie  icber  anbcre  SBormunb,  ben 
allgemeinen  @runbfä|cn  beö  SBormunbfdöaftörcd^tcö,  inöbefonbere  ber  regel- 
mäßigen Sluffid^t  beö  a}ormunbfd)aftögerid^tcö,  untenoorfen  ift  (ocrgl.  §§  1635, 
1638, 1040  3lx.  4,  §  1641).  3n)cifel^aft  fann  eö  fein,  ob  man  mit  ber  SBieber? 
ücrf)ciratl)ung  ber  3Äuttcr  aud^  ben  Sßcriuft  bcr  elterlidjcn  Slugnießung  i^cr- 
binben  ober  bicfe  ber  2Ruttcr  nad&  SÄa^gabc  bcr  §§  1532,  1533  be* 
laffen  foU.  gür  bicfe  Icgtcre  Slltcrnatioe  fann  man  neben  bcr  Slnalogic 
beö  §  1546  geltcnb  mad^cn,  bafe  bie  clterlid)e  ^Jufenicfjung  infofern,  atö  bie* 
fclbe  aSermogenöoortfieile  gemäl^rc,  ein  fclbftänbigcö  SRcd&t  fei  unb  ber  Sertuft 
biefeö  9Jed()tcö  in  golgc  bcr  2BiebcroerI)cirat^ung  fic^  bal^cr  materiell  atö 
eine  Strafe  barftelle,  bafe  fein  geniigenber  ®ninb  vorliege,  bie  Siedete  ber 
micbcr  l;ciratl^cnben  a)htttcr  loeiter  ju  bcfd)rfinfcn,  alö  burd^  baö  Sntcreffc 


elterliche  ©eiwalt.    ^ccnbigiuid.    §1558.  835 

ier  Äinbcr  aus  bem  ©erirfjtöpunftc  bcr  ®efäf;rbung  ber  Icfeteren  geboten  fei,  ba^ 
ferner  bic  elterli^e  5Wu|nie6ung  bic  Äinber  in  eine  bem  notürlid^en  33erl)ä(tniv|c 
jroifd^en  ßltern  unb  Äinbern  entfpred^cnbe  Slb^ängigfeit  bringe  unb,  fomeit  bcr 
"Sßutter  bie  Unterljaltöpflic^t  obliege,  aud^  jur  aSermeibung  Don  3lbred)nungen 
fid^  empfel^le.  Ueberroiegenbc  Orünbe  fpred^cn  jebod^  baffir,  im  Slnfd^lnffe  an 
baö  fronj.  Sted&t  mit  bcr  SBieben)er^ciratl)ung  ber  SÄnttcr  and)  ben  SSerluft 
ter  citerlid&en  5Rn|nie6nng  eintreten  ju  (offen.  Sic  gortboncr  ber  cltcrtidjen 
Dtugniefeung  fül;rt  baljin,  boß,  wenn  baß  SSermogcn  ber  Sinber  auö  ber  früficren 
<Sl)t  ein  crl^cbUd&cö  ift,  bie  ©infünftc  biefeö  a3ermögcnö.änm  2:f)eil  in  eine  frembc 
gamilie  übergel^cn.  Sic  Unjutroglid&fciten,  mcld&e  überl;anpt  mit  bcr  elterlid^cn 
9lu|snie§ung  ber  Sßultcr  in  geroiffem  03rabc  Dcrbunben  fein  fönncn,  wenn  ein 
'2^^eil  ber  Äinbcr  bie  aSoIIiäl^rigfcit  crreid&t  \)at  (oergl.  oben  ©.  738  ff.),  treten 
im  gallc  ber  3Bicben)crI|eiratt)ung  bcr  aWuttcr  mcl^r  l^crüor  unb  werben  weniger 
Icid)t  auögegtid)cn.  3lu(i&  fann  bie  gortbauer  ber  cltcrlid^en  Siufeniefeung  baju 
beitragen,  in  mand^cn,  üiellcid^t  im  3ntereffc  ber  Äinbcr  nid^t  münft^cnöroertlj 
crfd^einenben  gällcn  bie  9Bicben)erI|cirat{)ung  bcr  SJluttcr  ju  beförbern. 

©agcgcn  ift  es  nad)  bem  SSorgangc  bcö  franj.  9led(|tcö  unb  bcö  meimar.  ^^atf«««*« 
Ocf.  unb  in  ^[nle^nung  an  ben  äi^nndjen  ©tanbpunft  ber  preufe.  SSorm.  D.  ^^^^erfw.**** 
<jtö  unbcbcntlid&  erad&tet,  bcr  SJlutter,  and)  roenn  fic  eine  neue  (Sf)c  fd^Iicfet, 
bic  tljatfäd^tid^c  ©orge  für  bic  5Pcrfon  ber  Äinbcr  ate  ein  residuum  ber  eltcr? 
üd)cn  ©eroalt,  unabfjängig  üon  bem  Grmeffen  ber  Dbcroormunbf d^af t ,  jcbod) 
-mit  bcr  ajlobifitation  ju  bclaffen,  bafe  in  9lnfcl^ung  ber  2luöflbung  bicfcr  Sorge 
t)cr  SBormunb  bcr  Äinbcr  bie  im  §  1540  bejeid^netc  ©tellung  eines  Seiftanbcö 
•l^ot.  S)urd^  biefc  SKobififation  roirb  ben  Äinbern  auörcid^cnber  ©d^ufe  gegen  ©c- 
fälirbung  gewährt  (oergl.  aud&  §  1554  äbf.  2).  Saö  3lcd5t  bcr  SKutter  in 
9lnfcl)nng  bcr  tljatfäd^lidjcn  ©orgc  für  bic  ?ßcrfon  bcr  Äinbcr  nod&  weiter  ein- 
jufd&räntcn  unb  bem  SBormunbc  ber  legtcrcn  bei  Sluöübung  bicfcr  ©orgc  eine 
*3Bitwirfung  in  bem  ©innc  einjuröumcn,  ba§,  wie  im  gallc  beö  §  1506  bcr 
aSater,  fo  l^ier  ber  SSormunb  bei  3)tcinungöt)crf^iebenl^citen  ju  entfd^eiben  I;abe, 
würbe  über  baö  Scbürfnifj  l^inauögc^en  unb  bem  Einbringen  Dormunbf^aft- 
lid&cr  Organe  in  baö  innere  Familienleben  oljnc  9lotl)  in  ju  weitem  Um- 
fange SHaum  geben.  Saö  9tatürlid6c  ift,  ber  ÜRutter  junäd^ft  bic  ©nt- 
fd^cibung  ju  überlaffen.  ©laubt  ber  33ormunb,  baft  burd^  bic  ©ntfdöeibung 
bcr  aRuttcr  baö  2Bof|l  beö  Äinbcö  gcfäljrbct  werbe,  fo  ^at  er  bem  Sßormunb* 
fd^aftögerid^tc  Slnjcigc  5u  mad^en  unb  baö  ©infd&reitcn  beö  (efeteren  nac^ 
IKafegab^  beö  §  1546  ju  üeranlaffen.  S)cr  ©tanbpunft  beö  ©ntwurfeö  in 
ber  bicr  fraglid^cn  Sejic^ung  ftimmt  im  SBcfenttid^cn  mit  ber  preufj.  Sorm.  C 
§  28  überein. 

S)a  bie  bcr  3Äutter  naä)  *9)la6gabe  beö  §  1558  ©aß  2  ücrblcibenbc  tljat^ 
fäd^lid^e  ©orgc  für  bic  5ßcrfon  beö  Äinbcö  fid)  alö  ein  residuum  ber  hnxd)  bic 
SBiebcrocrl^ciratl^ung  beenbigten  eltcrlid&en  ©ewatt  barftcUt,  fo  Dcrftel^t  eö  fid) 
von  fclbft,  bafe  infoweit  bic  Süorfddriften  über  bic  eltcrlid^c  ©ewalt,  inöbefonberc 
bie  ^orfd^riftcn  beö  §  1546  über  baö  ©infd^rciten  beö  93ormunbfd^aftögcrid)tcö 
<t)ergl.  §  1685  Saft  2),  fowic  bie  »orfdjriftcn  ber  §§  1554,  1556,  1557, 
1559—1561  über  ba&  9?ul)en  unb  bie  Secnbigung  bcr  elterli^en  Okwalt  cnt* 
fprcc^enbe  STnwcnbung  finben  muffen. 

53  • 


SR«!^t. 


836  eitcrii^c  @ctt?art    Secubiguno.    Sßcrnjirfuno.    §  1559. 

§  1559. 

Berwirfunö  ©afe  fold^c  Seftimmuiigcu,  wctd^c  an  bic  Scgel^ung  geroiRcr  ftrafborcr 

^'"slmaa  ^"  ^öi^Wungcn  ober  an  bic  SBcrurt^eilung  bcö  3nf|aberö  bcr  cltcrtid^en  ©cwatt 
Tücgen  getüiRer  ftrafbarcr  ^anblungcn  bcn  SBcrtuft  bcr  cltcrlid&cn  (Seroalt  an^ 
bem  ©efid^töpunfte  bcr  ©efäljrbung  bcr  Si^tcrcffcn  bcö  Äinbcö  fnüpfen,  bcni 
^JJrbatrcd^tc  angcprcn  unb  nid^t  in  ba&  ®ebict  bcö  Strafred^tcö  Ijinübcrgreifcii^ 
fann  nid^t  jiücifcl^aft  fein.  ®ine  anberc  ^ragc  ift,  ob  cä  fold^er  Seftimmungcii 
neben  bcn  SSorfd^riftcn  bcö  §  1546  über  bic  ©ntjic^ung  bcr  cltcrti^cn  Ocroott 
burd^  baö  33ormunbfd^aftögerid^t  überhaupt  noc^  bebarf. 
oeitmbes  Slntangcnb  baö  geltcnbc  SRcd^t,  fo  laffen  baö  rom.  unb  baö  gemeine  SHedjt 

bcn  SBcrluft  bcr  Däteriid^en  Ocroalt  fraft  Oefefecö  eintreten  wegen  (Singe^ung 
einer  blutfd&änberifd&cn  SSerbinbung,  ferner  —  obrool^I  bieö  nid^t  unbeftritten 
ift  —  wegen  Sluöfcftung  bcö  Äinbcö  unb  roegen  SSerfuppcIung  ber  2:od^ter- 
9lud^  naä)  bem  ba^r.  S.  SH.  I,  5  §  7  3lx.  2  l^at  bic  3luöfciung,  SScrfuppelung 
ober  SBerfü^rung  ber  Äinber,  foroic  überhaupt  fd&mcrer  2Rifebrau(I)  bcr  pätcr^ 
lid^cn  ©croatt  bcn  SScrluft  ber  lefeteren  jur  golgc.  2)agegen  ift  bem  fSd&f.  ®.  93.^ 
bem  ofterr.  ®.  S3.  unb  bem  l^eff.  ©ntu).  eine  SBcrmirfung  bcr  elterUd&en  ©eroalt 
in  golge  ber  Segcl^ung  geroiffer  ftrafbarcr  §anbtungen  ober  in  golge  ber 
93erurtl)cilung  rocgen  fold^er  unbefannt.  9lu^  bcr  code  civil  enthält  eine  bcr* 
artige  Seftimmung  für  bic  elterlid^c  ©eroalt  nid&t;  bic  gäl^igfcit  jur  gü^rung 
einer  SBormunbfd&aft  unb  bcmgcmofe  aud^  bic  gcfcglid^c  SBormunbfd^aft  bcr 
©Itcrn  l^ört  jcbod^  von  SRcd&törocgcn  auf,  roenn  bcr  SBormunb  ju  einer  peim 
lid^cn  ober  cnte^rcnbcn  ©träfe  tjcrurt^cilt  roorben  ift  (code  civil  a[rt.  390,  443). 
gemer  tritt  nad^  bem  code  penal  9lrt.  334,  335  ber  SScrluft  bcr  elterli^en 
©eroalt  bircft  ein,  wenn  bic  ©Item  fid&  ber  gerool^nj^citömäfeigcn  SScrfuppclung 
ilircr  minberiäl^rigcn  Jlinber  fd^ulbig  mad&en.  ©in  franj.  ©ef.  o.  7.  S)ejembcr  1874 
9lrt.  3  beftimmt  aufeerbcm,  bafe  bic  ®ltern  bic  eltcrtidjc  ©eroalt  ücrlicrcn^ 
wenn  pe  i^re  Äinber  jum  gcrool^n^citömäfeigen  Scttcln  anl^alten.  3n  93aben 
f)at  na6)  bem  bab.  6inf.  ©ef.  jum  bcutfdöen  Str.  ©.  93.  v.  23.  S)ejembcr  1871 
3lrt.  14  3k.  II  bic  aScrurtl^eilung  cineö  ©Itcrnt^cilcö  wegen  SBcrübung  bcr  ia 
§§  173—183  bcö  ©tr.  ©.  S.  bcjeid^netcn  ^anblungcn  in  93cjug  auf  ein  eigeneö. 
Äinb  baö  ®rlöfd^en  ber  bem  Dcrurtlöeilten  (Stterntl^cilc  bur^  baö  bab.  2.  JR. 
Saß  148—153,  371—374,  384  eingeräumten  Siedete  unb  S3efugniffe  über  bie 
5JJerfon  unb  baö  SSermogen  bcö  Äinbcö,  mitl^in  inöbefonbere  aud^  beö  SRed&teö. 
bcr  cltcrlid&cn  ©eroalt  unb  ber  eltcrlidjcn  SRugnießung,  fraft  ©cfcgcö  jur  golge.- 
3n  3lnfebung  bcr  gcfcfeliddcn  SSormunbfd&aft  bcr  (Sltcrn  (2.  91.  Saft  390)  ift  an 
Stelle  bcö  burd&  baö  angeführte  ©ef.  Slrt.  2  3lx.  I  aufgehobenen  2.  91.  Saft  443. 
ieftt  ber  §  34  9lr.  6  bcö  Str.  ©.  93.  mafegebenb.  3lud&  baö  roürttemb.  9le^t  be* 
ftimmt,  bafe  bicienigen  2lf jenbcnten,  rocld^c  wegen  geroiffer  an  bem  betrcffcnbcu 
iJefäcnbenten  begangener  ftrafbarcr  ^anblimgen  (93lutfd)anbe,  Sluöfeftung,  SBer« 
fuppelung,  oorbebad&tcr  Äorpcrperleftung,  roibcrrcdjtlid^cr  ©efangenl&altung,. 
2:öbtung,  beroaffneten  Sluflaucrnö  in  mörberifdder  äbftddt)  ober  rocgen  Unter- 
brüdCung  beö  gamilicnftanbcö  rcd^töfräftig  ju  Sw^t^auöftrafc,  Slrbeitö^auö^^ 
ftrafc  ober  geftungöftrafc  ocrurtl^eilt  roorben  fxnb,  aller  ©Itcrnrcd^tc  oertuftig. 
fein  foUen  (oergl.  roürttemb.  ©ef.  t).  5.  September  1839  3lrt.  19,  27).    genier 


ertcrild&c  Ociralt.    Sccnbigung.    SScnrirfuno.    §  1559.  837 

i)crliercn  naä)  bcm  bai)r.  Str.  ®.  S3.  v.  10.  SRooembcr  1861  3U1.  226 
atfjenbentcu,  roeld^c  wegen  ber  bort  bejcid^neten,  an  i^ren  Slbfömmlingcn 
begangenen  SSerbrcd^en  unb  SSerge^en  gegen  bie  ©ittüd^feit  ju  einer  Strafe 
Derurt^eilt  fmb,  baburd^  gegenüber  bem  migbraucbten  Äinbc  aDc  ans  ber  elter* 
lid^en  ©eroalt  jKefeenben  Siedete.  9luf  einem  anbercn  ©tanbpnnfte  fte^t  baö 
preuß.  JRed^t.  ©aöfelbe  fennt  jroar  anö)  ben  SSerluft  ber  tJäterlid^en  ©croalt 
wegen  SBcrurt^eilung  im  ©trafüerfa^ren.  ©ntfd^eibenb  ift  aber  roebcr  bie 
befonbere  9latur  ber  ftrafbaren  ^anblung,  nodj  ber  Umftanb,  bafe  bie  lefeterc 
gegen  baß  Äinb  ober  an  bem  Äinbe  rerübt  ift,  fonbern  nur  bie  Slrt  bejro.  bie 
^oI;c  ber  Strafe.  2)ie  t)8terfi(i^c  ©eroaft  l^ort  auf,  wenn  ber  SBater  wegen 
grober  SBerbredjcn  ju  bot^ter  unb  fd&mal^Hd^er  3w^tl^auö*  ober  geftungßarbeit 
ober  ju  jebniäfiriger  ober  lebenölönglicber  ©efängnifeftrafe  ober  jur  Sanbeö- 
verweifung  oerurtl^cift  ift  (tJergl.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  255,  259). 

Cb  unb  inwieweit  bie  angefübrtcn  lanbeögefeglidjen  Seftimmungen, 
weld^e  an  bie  Segel^ung  gewiffcr  ftrafbarer  $anblungen  ober  an  bie  SSer^ 
urtl^cihmg  wegen  fot^er  ober  an  bie  SBerurtbcilung  ju  gewiffen  Strafen  ben 
SSerluft  ber  elterlid^en  ©ewalt  fnüpfen,  burti^  baö  Str.  ©.  S3.  (ücrgl.  Ginf. 
©cf.  jum  Str.  ©.  S.  §§  3,  6)  afe  aufgel^obcn  ansufel^en,  ift  beftritten;  bod^ 
wirb  iiberwiegenb  angenommen,  bafe  biefelben  infoweit  nod^  in  ©eltung  fmb, 
afö  fie  —  waö  wenigftenö  bei  ben  meifteu  ber  %aU  ift  —  nid^t  eine  SBcftrafung 
befl  S^l^äterö,  fonbern  nur  bie  Äonfequenjen  aufl  ber  Statur  unb  ber  begriffe 
lid&en  ©egenfeitigfeit  ber  redbtlid^  ancrfannten  gamilieuDerl^ättniffe  ju  jieljen 
bejwedfeii. 

©er  ©ntwurf  ^at  ftc^  im  ^Prinjipc  bcnienigen  SRcdjten  angefd^Ioffen,  etonbpunft 
weld^c  in  gewiffen  gaDen  eine  gefeftlid^e  SBcrwirfung  ber  elterlid^en  ©ewalt  ent^uVe«. 
wegen  ftrafbarer  ^anblungen  beß  3nf|aberß  ber  elterlichen  ©ewalt  anerlennen. 
SBenn  ber  tefttere  burd)  fd^ere  ftrafbare  ^anblungen  bie  natürlid^c  ©runblage 
ber  elterlid&en  ©ewalt  serftört  unb  fid&  beß  SBertrauenß  imwürbig  jeigt,  wetd^eß 
baß  ©efe^  burd^  Uebertragung  ber  clterlid^en  ©ewalt  in  i^n  gefegt  bot,  fo  ift 
cß  prinjipieU  gered&tfcrtigt,  bafe  ba&  ©efeg  felbft  bie  bemfelbcn  ert^eilte  SSoU* 
mad&t  juriictnimmt.  3n  fofd&en  gälten  bie  ©ntjiebung  ber  elterlid^en  ©ewalt 
crft  von  bem  Ginfd^reiten  beß  93ormunbfd^aftßgerid^teß  abl^angig  ju  machen, 
ift  audö  ^^  beßwiHen  bebenflid^,  weil  ber  Snl^aber  ber  elterlid&en  ©ewalt  einer 
ftänbigcn  Slufftd^t  beß  93ormunbfd()aftßgerid^teß  nid^t  unterworfen  ift  unb  beß- 
balb  ba^  lefeterc  Dielleid^t  gar  nid^t  ober  erft  fpöt  t)on  ben  betreffenben  S^b^t- 
fad^en  Äenntniß  erlangt.  S^bcm  fel^lt  eß  an  einem  genügenben  ©runbe,  in 
ben  f)\cv  in  Siebe  ftel^enben  gäflen  bcm  3nl^aber  ber  elterlid^en  ©ewalt  bie 
clterli^c  Slugniefeung  ju  belafjen.  Snßbefonberc  tritt  ber  ©eft^tßpunft,  jum 
3wede  ber  Stärfung  ber  clterlid^en  2Iutorität  baß  Äinb  audd  in  Dermögenß* 
rec^tlid^er  SBejiebung  t)on  ben  Sltern  abl^ängig  }u  mad^en,  \)xn  ganj  in  ben 
^intergrunb.  3)er  JBegfall  ber  elterlid^en  Sßufenießung  ift  feine  Strafe,  fonbcni 
bie  golge  beß  SBegfaHeß  feiner  SBoraußfefeungen.  SBei  ber  SBcftimmung  ber 
gälte,  in  weld^en  bie  elterlid^e  ©ewalt  fraft  ©efefteß  verwirft  fein  foll,  fann 
iebod^  nid)t  cntfd()eibenb  fein,  baß  ber  Snl^aber  ber  elterlid^en  ©ewalt  überl^aupt 
wegen  eineß  SBerbred^enß  ober  33erget)enß  ju  bicfer  ober  jener  Strafe  »er? 
urt^cilt  worben  ift  —  ein  Stanbpunft,  auf  weldjem  baß  preug.  31.  2.  % 


838  eiterlid&c  ©cttjalt.    Sccnbifluno.    SScrnjirfung.    §  1559. 

ftel;t  — ,  fonbcru  eö  fönncn  nur  fold^e  ftrafbarc  öanbluugcn  in  gragc  fommciv 
vDdä)e,  tücil  fic  gegen  baö  Äinb  ober  an  bcm  Äinbe  begangen  finb  unb  nad^ 
ben  f onfretcn  Umftänben  fid^  qIö  ein  fd&rocrcr  SBerftog  gegen  bic  Ked&töorbnung. 
nnb  boä  Sittengefcg  barftellen,  ben  ftd&eren  Sd^diß  red^tfcrtigen,  bafe  bie 
natfirlid^c  (Srunbtagc  ber  etterlid^cn  ®croaU,  ein  bcr  9iotur  nnb  bem  ©itten^ 
gefefee  entfpved)enbe§  SBerJ^oltnife  iroif^cn  bem  Sn^aber  ber  elterüd^en  Oemalt 
nnb  bem  Äinbe,  serftört  ift  nnb  bic  gortbaucr  bcr  cUerlid^en  ©eroalt  in  ^olge 
ber  burdö  bie  ftrafbarc  ^anblnng  an  ben  2^ag  gelegten  ©efinmmg  beö  3«- 
l)aberä  bcr  etterlid&cn  ©eroatt  gegenüber  bcm  Äinbc  mit  bcm  3ntercffc  bc& 
Ic^tercn  unucrtraglid^  fein  roürbc.  '3Jlan  fann  von  biefcm  Sludgangdpnnttc  au& 
roiebcr  ücrf djicbcnc  2Bcgc  einfd^lagen ;  man  fann  faf niftifd)  Dcrf alircn  nnb  nad^ 
bem  33organgc  beö  roürttemb.  nnb  beö  bab.  3lcd^tcö  and  bcm  ©ebictc  be& 
Strafred^teä  beftimmtc,  ben  bcicidbnctcn  Jlarafter  in  bcfonbcrem  ®rabe  an  ftc^ 
Iragenbc  ftrafbarc  ^anblungcn,  roie  bic  SScrbred^cn  ober  SBcrgcl^en  gegen  bic 
Sittlid^fcit,  f|cranögrcifen  ober  baö  ^^Jrinjip  im  ®cfc|c  felbft  jnm  5lnöbrnde 
bringen.  S)iefcr  lefetcre  Sffieg  i)crbicnt  ben  Sßorjug.  ©ine  Scfdbränfnng  anf 
SSerbred^cn  nnb  aSergcl^cn  gegen  bic  Sittlid^fcit  nad^  bcm  SBorgange  bcö  bab. 
©efegcß  ift  nid^t  gcred&tfertigt,  ba  aiid^  anbcrc  gegen  ha^  Äinb  ober  an  bcm 
Äinbc  begangene  ftrafbarc  ^anbhingcn,  j.  SB.  SBcrbrcd^cn  nnb  SBergel^en  gegen 
baö  Seben  nnb  bic  ©cfunb^cit  ober  gegen  bic  5JJcrfon  beö  Äinbcö  ober  in 
93esic^ung  auf  ben  5JJcrfoncnftanb,  geeignet  ftnb,  ben  8d&lu6  ju  rcd^tfcrtigcn^ 
ba^  bic  natürlid&c  ©rnnblagc  ber  elterlichen  ®eroa(t  gcfd^rounbcn  ift.  2luf 
biefen  ©rünben,  foroie  auf  bcr  ©rroägung,  ba^  bcr  ©intritt  ber  aSerroirfung 
rocgcn  ber  mit  berfclbcn  i)crbunbcnen,  aud&  im  SScrl^ältniffe  ju  dritten  fid^ 
änfeernben  tiefgreifenben  golgcn  an  einen  fcftcn  unb  fixeren  S^i^pw^ft  nnb 
eine  Icid&t  fcftjufteUenbc  Xl)ai\a6)t  gefnüpft  werben  mufe,  bcrul^t  bic  SSorfd&rift 
beö  §  1559  aibf.  1  ©ag  1. 

»cflrünbiinfl  ^m  ©injclncu  ift  nod)  golgcnbeö  ju  bcmcrten: 

im  etnjeinen.  ^j^g  S8crbrcd&cn  ober  aSergclicn  mufe  gegen  baö  Äinb  ober  an  bcm  Äinbe 

gjyj      begangen  fein.    ®egcn  ba^  ftinb  ift  bic  ftrafbarc  ^anblung  begangen,  rocnn 

b€t  ftrafbüren  baö  Äiub  burd&  bicfclbc  tJcrlcfet  ift.  3n  biefcm  Sinne  roirb  baö  3Bort 
4>onWttnfl,  ^^ gegen"  aud)  in  oerfddiebencn  ©teilen  beö  Str.  ®.  S.  gebrandet  (oergL 
§  221  9lbf.  2,  §  247  baf.).  5Ber  aber  alö  burd)  eine  ftrafbarc  .^anblung 
oerlefet  anjufe^en  ift,  rid&tct  fic^  nad^  ben  ®runbfö|en  beö  Str.  ®.  83.  (ocrgL 
§  65  baf.;  ©ntf^.  b.  5t.  D.  ^.  ®.  IX,  44  S.  150  ff.).  Sllö  fold^e  ftrafbarc 
§anblungen,  rocld^c  an  bem  Äinbc  begangen  fmb,  fommen  bicicnigen,  üieltei^t 
mit  ©inroilligung  beö  lefetcren  begangenen,  ftrafbaren  ^anblungcn  in  Sctracbt, 
bei  melden  ba&  Äinb  alö  fog.  not^roenbiger  J^eilncljmcr  betl&ciligt  gcrocfcn 
ift.  2^al)in  gehören  j.  93.  Snceft,  roibernatürlid^c  Unjuddt,  SBornal^mc  un- 
jüdjtiger  ^anblungen  an  Üinbcrn  (ocrgl.  §  176  9?r.  1,  3,  §  174  9ir.  1  beö 
Str.  ®.  33.). 
bcr  Giu  rocitercö  Grforbcruife  ift  bie  red^töfräftigc  SScrurt^cilung  beö  3n^ 

»eftrafuttfl.  j^^jj^^-g  ^^^  cltcrlid^cu  ©cwalt  rocgcn  cincö  ber  bcjcidjnctcn  SScrbrcd&cn  ober 
aSerge^en  ju  einer  3wd)t^auöftrafc  ober  ju  einer  ©efängnifeftrafe  üon  fe($ö* 
monatiger  ober  längerer  3?auer.  3luv  ein  erl)eblid;cr  aSerfto^  gegen  bie  ®efc6c 
ber  5}atur,  baö  Sittengefcg  unb  bie  9ted()töorbnung  ocrmag  bie  aSerroirtnng 


eiterlid&c  ®cu*alt    S?ccabiöuno.    SScnvirfunö.    §  1559.  839 

bcr  cltcrlid^cu  @c\mlt  traft  (Scfcfccs  ju  rcdötfcrtigcu.  Xic  SScrurtl^ciluug  einer 
bic  Sauer  Don  fcci^ö  9)tonatcn  überftcigcnben  Oefängnifeftrofe  alö  33orauö- 
feftung  {)iujufteHcn,  ift  jebod^  als  bebcntlid^  erachtet,  ba  bei  mand^cu  bcr 
gcrabc  l^ier  in  SBctrad)t  fommenbeit  ftrafbarcu  ^anbhmgen,  j.  ^.  bei  bcm 
SScrge^cii  bcr  Sluöfcfeung,  lucrm  baftfclbe  oon  leibUd^eit  ßttern  gegen  \^v  Äinb 
bcg'angcn  ift  ober  bei  ber  SBorna^mc  unjüd^tiger  öanblungen  mit  Minbern 
(oergl.  §  221  3lbf.  2,  §  176  beö  ©tr.  ®.  33.)/  beim  SSor^anbenfein  milbernber 
Umftänbc  bis  auf  eine  fe^ömonatige  Strafe  I)eruntergegangcn  roerben  fann. 

Sic  SBeftimmung  beö  §  1559  3lbf.  1  Safe  2  bcjioedEt,  bic  3w)eifc(  obju*  3wfammen. 
fc^neibcn,  lueld&c  fi^  in  bem  gallc  ergeben  fonncn,  menn  wegen  beö  Biif^mmcn^  mdjwrcr 
trcffcnö  beö  gegen  baö  Minb  ober  an  bcm  Äinbc  ücrubtcn  SBcrbred&cnö  ober  ftrat&arer 
SScrgc^cnö  mit  einer  ober  mehreren  anbercn  ftrafbaren  fianblungcn  nad)  aßajjs  ""^*"' 
gäbe  beö  §  74  beö  Str.  ©.  S.  ouf  eine  ©cfammtftrafc  erfannt  ift.  Sa  bic 
gcfcfetid^c  ^ermirtung  ber  ctterU^cn  (Sen)alt  burd^  bic  Sd^mcre  ber  gegen  baö 
Äinb  ober  an  bem  Älinbc  begangenen  ftrafbaren  §anbtungcn  bcbingt  ift,  fo 
muß  bic  wegen  ber  Icfttcrcn  Dcrmirftc  ®injelftrafc  cntfdöeibcn  (ocrgl.  axiij  §  76 
beö  Str.  0.  S.).  ^raftifd^e  Sdjroicrigtcitcn  fönnen  fid)  barauö  nid^t  ergeben, 
ba  bei  Slnmcnbung  beö  §  74  baö  Str.  ©.  S3.  bic  Dcrmirften  ©injclftrafcn  bei 
SBcrmeibung  ber  9Ud(|tigfeit  in  bcm  Strafurt^eilc  immer  erfennbar  gcmad&t 
mcrben  muffen  (ocrgl.  ©ntfd^.  b.  91.  ®.  in  Straff.  II,  96  S.  235).  gür 
bcn  %aü,  aber,  bag  bieö  trofebem  unterblieben  imb  aud^  nad^träglid^  nid^t  er^^ 
folgt  fein  foUtc,  braud&t  etmaö  Scfonbcreö  n\6}i  oorgcfclöcn  ju  merben,  meil 
bctrcffenbcn  galleö  baö  SBormunbf^aftögcridjt  naä)  §  1546  immer  nod)  in  bcr 
Sage  ift,  bic  eltcrlid^c  ©emalt  nad^  feinem  ©rmeffen  ganj  ober  tficitmeifc,  mit 
Sluöna^mc  bcr  clterliddcn  Jhifenicgung,  ju  cntjicl)cn.  .§at  ber  3n^aber  ber 
cltcrliddcn  Ocmalt  mcfirerc  ücrfd^iebcnc  SBcrbrcdöcn  ober  33crgcf|cn  an  bcm 
l^inbc  ober  gegen  baö  Äinb  ober  baöfelbc  93crbrc<^cn  ober  93ergct)en  me^rmalö 
burd^  mehrere  felbftänbigc  .^anblungen  oerübt,  fo  foll  in  biefcn  gäUcn  nid^t 
bic  oerwirftc  ßinjclftrafc,  fonbern  bic  erfannte  ©efammtftrafc  cntfd^cibcn. 
Surd)  baö  mcl)rfad^c  Scge^cn  ftrafbarer  ^anblungen  an  bcm  Äinbc  ober 
gegen  baö  Äinb,  mcld&c  iufammengenommen  ju  cina'  Strafe  bcr  im  §  1559 
9(bf.  1  Saft  1  Doraudgcfcfttcn  3lrt  ober  ^ö^c  führen,  mirb  bic  geringere  Strafe 
mürbig!eit  ber  einjclncn  ftrafbaren  ^anblung  aufgewogen. 

illaä)  §  1559  3lbf.  1  Safe  1  tritt  bic  gcfcfelic^c  aSerroirhmg  bcr  elter^  ^eitpunrt 
li^cn  ©emalt  nur  ein  mit  bcr  9icc^töfraft  beö  Strafurt^eileö.  Ser  ©ntmurf  »irtuno  k. 
lägt  mitfiin  fot^c  gälle,  in  meldten  auö  bcfonbcren  ©riinbcn,  namcntlid) 
nnrgcn  2lbioefen^cit  ober  ©eiftcölrant^eit  beö  SScfd^ulbigtcn,  baö  Strafocrfal)rcn 
nic^t  burd^gcfüljrt  werben  fann  (ocrgl.  inöbef.  §§  168,  170,  203,  208,  319, 
327  ber  Str.  ^4$.  C),  unberü(frtd)tigt.  aBcnnglcic^  für  fold^c  gällc  ber  3luöweg 
moglid)  wäre,  bic  aScrwirfung  ber  elterlichen  ©ewalt  an  ein  biefclbc  auö« 
fpred^cnbcö  Sioilurt^cit  ju  fnüpfen,  fo  ^at  ber  ©ntwurf  bennod^  9lnftanb  gc^ 
nommen,  in  biefen  i^-öHcn  bic  ©eltenbmad^ung  ber  aSerwirfung  im  3Begc  beö 
3ioilpvo5cffeö  ju  geftattcn.  Sa  in  bcn  Ijicr  in  grage  fommenben  ^vollen  bic 
cltcrli^c  ©cwalt  mit  Sluönabmc  ber  clterlid^cn  3hifenic§ung  rut)t  ober  bod) 
burd)  baö  5iormunbfd&aftögerid()t  entjogcn  werben  fann  (§§  1546,  1554),  fo 
fe^lt  eö  an  einem  praftifc^en  Sebürfniffe,  ha^  ©efefe  burd)  befonbere,  ienc 


840  (Slterlicfie  ©cu^alt.    Sccnbigung.    aSernjirfung.    §  1559. 

%äUt  berüdEfid^tigcnbc  SSorfc^riftcn  ju  fompüäircn.  ®ö  würbe  aud^  bcm 
©efü^Ie  tüibcrfprcd^cn,  lebiglid^  jum  3^^^^^  ^^^  Sefeitigung  bcr  cItcrUd&cu 
SRugniefeung  bcm  Äinbc  eine  Si^Ufiöge  auf  bcit  SKuöfprud^  ber  SBerroirhmg 
bcr  eltcrlid^cn  Ocroalt  ju  geben. 

3laä)  bcm  §  1559  9lbf.  1  Safe  1  foH,  mc  au©  bcm  bcftlmmten  9trtifcl 
„gegen  baö  Äinb"  fid^  crgiebt,  in  Uebcreinftimmung  mit  bem  roiirttcmb.  unb 
bcm  bab.  Siedete  bie  93ern)irtung  ber  efterlid&en  ©eroatt  nur  eintreten  in  3In* 
fel)ung  beöienigen  Äinbcö,  gegen  roeld^eö  ober  an  roeld^cm  baö  58erbred&en  ober 
aSergefien  ücrübt  ift.  ©in  unbebingtcr  ©d)Iu6  von  bem  SSerl^alten  beß  3ji^ 
l^abcrs  bcr  elterlidjcn  ©eroalt  gegenüber  bem  einen  Äinbe  auf  baö  fimftige 
3Serl^alten  beöfetben  gegen  anbere  ftinber  ift  nic^t  juläffig,  namenttid^  nid)t, 
roenn  cß  fid^  um  fofd^e  SBergel&en  Ijanbett,  roie  Sluöfefeung  unb  ÄorperDcrfefeung. 
aWan  btntt  j.  S.  an  ben  ^aU,  roenn  Äinber  aus  rerfd^iebenen  ®^en  üorl^anben 
fmb.  ©öcntucll  ift  baß  ajormunbfd&aftsgcrid^t  in  ber  Sage,  geeignetenfallö 
bem  3nl^abcr  bcr  eltcrtidöcn  ©eroalt  aud^  in  9lnfel)ung  ber  anberen  Äinber 
bie  elterlid)c  ©eroalt  nadft  SWafegabe  beß  §  1546  entjic^en  ju  fönnen. 
etettuns  ber  3ft  bic  cltcrlid^c  ©eroalt  beß  SSatcrß  tcrroirft,  fo  tritt  aM  äbnlid^en 

^n",*j;j^",©rünben,  roie  in  bem  gaUe,  roenn  bem  SBater  bie  elterlid&e  ©eroalt  na^ 
TOirfuiifl  aJlafegabe  beß  §  1546  burd^  baß  SBormunbfdiaftßgeridöt  cntjogcn  ift,  roäbrenb 
'^ssaters/*  bcftc^cnber  e^e  nie  bie  eltcrtid^e  ©eroalt  ber  aWutter  ein;  t)ielmcl|r  mufe  auf 
©runb  beß  §  1633  bem  Äinbc  ein  SBormunb  befteUt  roerben  (t)ergl.  Sliotiüc 
ju  §  15-16  oben  ©.  806).  3rud&  bie  tf^atfäd&lidic  ©orge  für  bie  ^erfon  beß 
ftinbeß  fte^t  in  einem  fold^en  galle  ber  SHuttcr  nic^t  ju.  Sßegen  ber  ©rünbe, 
auß  roeld)en  ber  ©ntrourf  Sebenfen  getragen  l^at,  ber  3Äuttcr  in  biefem  galle 
bie  Sorge  für  bie  5ßerfon  beß  Äinbeß,  roenn  aud^  nur  in  bem  im  §  1558 
Safe  2  bejeid^neten  Umfange,  ju  überlaffen,  roirb  auf  bic  SWotioe  ju  §  1506 
oben  S.  755  ff.  Sejug  genommen.  S)ie  gegen  ben  ©intritt  ber  elterli^en  ©eroalt 
ber  SRutter  fpred^enben  ©rünbc  fallen  aber  fort,  rt)mn  bie  @f)e  burd^  Sd&eibung 
aufgelöft  ift.  9Kit  Slüdftdfit  auf  bie  ber  9lnertennung  ber  elterlid&en  ©eroatt  ber 
äßuttcr  JU  ©runbc  liegenbe  gefefegeberifd^c  ratio  crfdicint  eß  bal^cr  angemeffen, 
ben  gall  bcr  Sd)eibung  bem  galle  beß  ^obeß  beß  aSaterß  gleid^jufteHcn  unb, 
unbefd^abet  ber  befonberen  Seftimmungen  beß  §  1456  2Ibf.  1  Safe  2,  ber  ge^ 
fd)iebeucn  SDluttcr  bie  ctterlid^e  ©eroalt  ju  übertragen,  fei  cß,  bafe  bic  SBer^ 
roirfung  bcr  elterlid^en  ©eroalt  beß  SBatcrß  fd&on  roölircnb  befte^enber  (Sf)c 
erfolgt  ift  ober  erft  nad)  ber  Sd^eibung  eintritt.  S)er  Umftanb,  bag  nac^ 
§  1555  3lbf.  2  im  gaDe  beß  SHuljcnß  bcr  elterlid&en  ©eroalt  beß  SBatcrß  bic 
clterlid)c  ©eroalt  auf  bic  3Jluttcr  bann  nid)t  übergcljcn  foll,  roenn  bie  G^e 
gefd)iebcn  ift,  unb  bafe  aud^  in  bcm  galle,  roenn  bem  33ater  bie  eltcrlidbc 
©eroalt  burd()  baß  SBormunbft^aftßgeric^t  entjogen  ift,  nad^  erfolgter  Sd&cibung 
nid^t  bic  clterlid^c  ©croalt  bcr  SKuttcr  eintritt,  fann  ^icr  nid&t  mafegebenb  fein. 
3lbgefel)cn  ba^on,  bafe  in  ienen  grillen  ber  aSerluft  ber  elterlid^en  ©eroalt  nid^t 
unbebingt  ein  bauernber  ift  (oergl.  §§  1551,  1554  2Ibf.  1),  bel^ält  in  ienen 
gällen  ber  SSater  bic  elterlid)c  Slufeniefeung  nad&  SKafegabc  bcr  §§  1532,  1533. 
SDicfc  gortbauer  bcr  cltcrlid)cn  Stufeniefeung  fönnte  aber  leidet  eine  Quelle  von 
Streitigfeiten  roerben,  roenn  in  jenen  gftUcn  bic  3)hitter  bic  elterliche  ©eroalt 
im  Uebrigcn  erlangen  roürbe.    Söei  ber  SJcrroirfung  ift  bagegen  bcr  SBcrluft 


ertcrlidpe  ©ctwalt.    SSccubiöimg.    Sßcnrirfunö.    §  1559.  841 

ber  ctterlid^cn  ©croalt  ein  bauerubcv,  unb  tjcrliert  ber  SBatcr  ani)  bie  9iu^* 
lücgung;  eine  ©effi^rbung  beß  Äinbes  burd^  einen  JBed^fel  ber  e(tcrlid)en 
©eroalt  jroifd^n  btn  Qc\(i)kitntn  ®(tcrn  unb  ein  Slnlafe  ju  Äollifionen  äiuifd^cn 
bcn  legieren  ift  bo^er  in  biefem  %aUe  nic^t  ju  beforgcn,  wenn  ber  SWutter  bie 
etterlid^e  ©en)a(t  axid)  fd^on  vor  bem  S^obe  bed  SSaterd  itberlaffen  luirb.  ^urd^ 
bie  allgemeine  Raffung  beß  §  1559  9lbf.  2  wirb  jugleid^  aud^  ber  ö^nlid^  licgenbc 
galt  gebedft,  in  toeld^er  bie  6I|e  auf  ©runb  beß  §  1464  in  golge  2^obeßcrfIärung 
oufgelöft  ift.  3n  biefem  gaUe  fann  bie  Seftimmung  beß  §  1559  3lbf.'2  bann 
praftifcft  werben,  menn  bie  für  tobt  erflärte  SWutter  nac^  ©ingeljung  einer 
neuen  Gf|e  von  ©eiten  beß  33aterß  fpäter  jurüdfe^rt  unb  ber  legtere  bie  etter* 
li^e  ©emalt  über  bie  Äinbcr  auß  ber  früheren  ©^e  injroifd^en  obn:  fpäter 
oermirft  ^at.  3n  einem  fold^en  galle  gel^t  auf  ©runb  beß  §  1559  3lbf.  2  in 
Sßerbinbung  mit  §  1560  bie  clterlid()e  ©emolt,  oorbel^altlid^  ber  auß  ben  bc^ 
fonberen  Seftimmungcn  ber  §§  1465,  1456  ftc^  ergebenben  SKobififationcn, 
mit  bem  im  §  1557  Slbf.  3  bejeid^neten  S^Wpw'^ftc  fd^on  üor  bem  Sobe  beß 
SSaterß  auf  bie  aWutter  über.  Gbenfo  bel^ält  bie  aWutter,  roenn  ber  für  tobt 
erflärte  SBater  jurüdffel)rt,  nad&bem  biefclbe  eine  neue  (Sl^e  gefd^loffen  \)at,  bie 
?JfIid^t  unb  baß  JRed&t  ber  Sorge  für  bie  ^JJcrfon  ber  Äinber  auß  frül)erer 
@i)c  nad&  SWaögabe  ber  §§  1558,  1465,  1456,  mcnn  ber  aSater  bie  elterlid)c 
©eroalt  über  bie  Äinber  ocrroirft  l^atte.  SSerroirtt  er  biefelbc  nad&  feiner  SRüdf^ 
fel^r,  fo  gef|t  bie  ?ßflid^t  unb  baß  SWed&t,  für  bie  5ßcrfon  ber  Äinber  ju  forgen, 
alß  residuum  ber  elterlid^en  ©eroalt  nad&  SJlafegabe  ber  §§  1558,  1560,  1565, 
1456  nunmehr  auf  bie  SDlutter  über. 

2)ic  Seftimmungen  beß  §  1559  bejieben  fid^  nur  auf  bie  elterlid^e  «<r»irfung 
©eroalt;  boc^  fmb  biefelben  aud^  auf  fold^e  gäÜe  analog  anjuroenben,  in  («leUm^'e. 
welchen  ber  TOutter,  obroofil  i^r  im  Uebrigen  bie  elterlid^c  ©eroalt  nid&t  juftel)!, 
bie  tliatfäd&lid^e  ©orge  für  bie  ^erfon  ber  Äinber  übertragen  ift,  ba  bicfe 
©orgc  fid)  alß  ein  SBeftanbtl^eil  ber  elterlid^en  ©croatt  barftellt  (oergl.  §§  1506, 
1558,  1565,  1570).  dagegen  finben  bie  SSeftimmungen  beß  §  1559  feine 
2lnroenbung  auf  bie  fonftigen,  ben  Gltern  beigelegten  SRec^te,  ba  biefelben  nad^ 
bem  Gntrourfe  nic^t  Slußflufe  ber  elterlid&en  ©eroalt  finb.  Gß  gilt  bicß  inß^ 
befonbere  ton  bem  Siedete  ber  ©inroilligung  jur  ©^cfd&ließung  beß  Äinbeß 
(§§  1238, 1239),  üon  bem  Unter^altßanfpru^e  ber  eitern  (§§  1480  ff.),  von  bem 
JRed^te  auf  tinbli^en  ©e^orfam  unb  bem  SRed&te  auf  Ijäußlid^e  S)ienfte,  foroeit  biefe 
festeren  Siedete  nid^t  mit  ber  ©rjie^ungßgeroalt  Derbunben  fmb  (§§  1498, 1499), 
unb  tjon  bem  elterlid^en  Ginroilligungßre^te  ju  ber  9tnnaf)me  beß  Äinbeß  an 
Äinbeßftatt  (§  1610).  2)ie  ©rünbe,  auß  roeld^en  ber  ©ntrourf  eine  SBerroirtung 
beß  elterlid^en  ©inroilligungßred^teß  jur  ©l^efd^ließung  beß  Äinbeß  nid&t  m^ 
erfannt  ^at,  finb  bcreitß  in  ben  äßotioen  ju  §  1238  oben  ©.  27  angefülirt. 
Änlangenb  baß  JRed&t  auf  finblid^en  ©el^orfam  unb  ha»  Siedet  auf  l|äußlid)c 
3)ienftc,  fo  muffen  biefe  SRed^te,  foroeit  fie  mit  ber  Unter^altßpPid^t  im  3"* 
fammen^ange  fte^en,  eben  biefeß  S^f^i^n^ci^^^^^S^ö  roegen  fortbauern.  Sm 
roieroeit  bie  ©Itern  ben  Unterl|altflanfprud&  gegenüber  ben  Äinbcrn  ücrroirfen 
fönnen,  ift  im  §  1490  befonberß  geregelt.  S)aß  JRed^t  ber  GinroiUigung  5ur 
Slnnalime  beß  Äinbeß  an  Äinbeßftatt  aber  barf  ben  Gltern,  aud^  roenn  fie  nad) 
aßafegabe  beß  §  1559  roegen  eineß  gegen  baß  Äinb  ober  an  bem  Äinbe  ter* 


842  ßltcriid&c  ®cmlt    Hnfä^iöfcit.    SScrii^t    §§  1560,  1561. 

übten  SScrbrc^enö  ober  9Scr(jeI)enö  üemrt^cilt  finb,  um  bcöiüillen  uid^t  gc« 
nommcu  werben,  weil  bas  Äinb  burd^  bic  2lnna^mc  an  Äinbeöftatt  feiner 
natiirlid&cn  gamilie  [)äufig  üollftänbio  cntfrembet  wirb.  S)a6  bic  in  ben 
§§  1636,  1690—1692,  1712,  1713,  1715,  1716  ben  GUcrn  beigelegten  35c^ 
fugnifje  mit  ber  SSerroirtung  ber  elterli^en  (Seroalt  wegfallen,  ergiebt  ^lä)  von 
fclbft  bavan&,  bafe  biefe  »efugniffe  nad)  §§  1636,  1693,  1718  ein  Sttuöflufe 
ber  mit  ber  eltcrtid^en  ©ewQlt  Dcrbunbenen  ©orge  für  bie  5ßerfon  unb  ba^ 
3Scrmögcn  beö  Äinbeö  finb. 

§  1560. 
unfa&iflfett,  ®ie  ©rünbe,  an^  weld^en  in  ben  gölten  beö  §  1557  9(bf.  2  unb  ber 

üU"uut?.  §§  15'^8'  15^9  ^^^  beftc^enbc  ctterad)e  ©eroalt  eineö  ©Iternt^ileö  beenbigt 
lanflen.  wirb,  müffcu  bal^lu  führen,  bafe  ber  ©Iternt^eil,  roeld^er  bie  elterliche  ©eroalt, 
roenn  biefe  i^m  jugeftanbcn  tjotte,  nad^  ben  SSorfd^riften  beö  §  1557  SKbf.  2 
unb  ber  §§  1558,  1559  verloren  Ijaben  roürbe,  biefelbe  au^  nid^t  erlangen 
tann.  SBie  iebod&  im  gallc  ber  2^obeöerflärung  ber  für  tobt  ertlärte  Sn^aber 
ber  cltcrlid&en  ©croalt  bie  lefetere  burd^  bic  im  §  1557  2lbi.  3  bejcid;netc  ©r^ 
flärung  iurüdferlangen  fann,  fo  mufe  aud)  bemienigen  (Slternt^cile,  roeld&er, 
bcüor  il;m  bie  elterlid&e  ©eroalt  juftanb,  für  tobt  crflärt  ift,  aber  fpöter  jurürf^^ 
feljrt,  bie  2)toglid^feit  gegeben  roerben,  nad)  SKafegabc  beö  §  1557  9lbf.  3  bic 
cltcrlidde  ©eroalt  ju  erlangen,  rocnn  bic  le^terc  ol^ne  bie  2:obeöerflärung  i^m 
iuftc^cn  roürbe.  2)ie  58orfd^riftcn  beö  §  1560  fönnen,  abgefel^en  oon  bem 
galle,  roenn  bie  für  tobt  erflörtc  SRutter  nacb  bcm  2^obe  beö  SBaterö  jurüdf^ 
kl)vt,  namentlid^  bann  praftifd^  roerben,  wenn  bie  SWutter  nad^  9lufl5fung  ber 
©Ijc  burd()  Sd&eibung  cor  bem  ^obe  beö  '^aterö  eine  neue  (S^c  gefc^loffen  l|at 
ober  roenn  bic  3Kutter,  bcoor  baö  Sluljcn  ber  elterlid&cn  ©eroalt  beö  SSaterö 
eingetreten  ober  beoor  bcrfelbe  gcftorbcn  roar,  nac^  SRaßgabc  beö  §  1559  oer* 
urt^eilt  ift. 


s 


15(51. 


«erii<^t  auf  2)ic  Scftimmuug  beö  §  1561,  rocld)c  foroo^l  ben  einfeitigen  alö  ben  uer? 

^'"öwaa!**  tragömöfeigen  äJerjid^t  umfafet,  rcd^tfertigt  ftd&  baburc^,  bafe  bie  ©runblagc  beö 
in  ber  clterlid^en  ©eroalt  liegenben  JWcd^teö  bie  biefem  3ied&te  cntfpredbenbe 
^flidit  ber  eitern  bilbet  (ücrgl.  aud)  bie  2)lotir)c  ju  §  1504  oben  3.  752), 
ßine  9)lobififation  crleibct  bie  Seftimmung  beö  §  1561  burd)  bie  '15orfd)rift 
beö  §  1537,  nad&  roeld^cr  auf  bie  eltcrlidie  Stugniefeung,  obroo^l  biefelbe  nad} 
§  1502  ein  S3eftanbtf)eil  ber  elterlid)en  ©croalt  ift,  oon  bem  3n^aber  ber  clter* 
lid)cn  ©eroalt  oerjid^tet  roerben  fann. 


Sinbcr  auö  mijÜQcw  ei^cn.    SRc^te-ftcIIitnö.    §  1562.  843 


mtxkx  Txttl 

6er  ^itiöex  au^  ungüCfigen  ^^cn. 

§  15f)2. 

Saö  gemeine  SWed^t  uub  bie  a)lcl^rjQf)l  ber  neueren  ©efefegebunßen  bc*  «e<^täneaun0 
fianbeln  Äinbev  q«S  einer  nid^tigen  Gf)e  grunbfä^Iic^  als  uncl^cUdje  Äinber.  airt\üSti8eit 
9hir  bann,  wenn  luenigftenö  einer  ber  ©Regatten  bei  Sd^tiefeung  ber  G^e  in  ®^- 
gutem  ©lauben  war,  gelten  bie  Äinber,  unb  jroar  in  allen  Sejiel^ungen,  alö  ©cuenbe^ 
eljelid^e,  iebodd  mit  ber  aWobififation,  ba^  bem  md)t  in  gutem  ©tauben  be-  *^**' 
finblidöen  @lterntl;eitc  unb  beffen  SSerroanbtcn  bie  JRe^te  ber  eljeli^eu  SBer^ 
manbtfd^af t  gegenüber  ben  Äinbcrn  oerfagt  merben  (oergl.  bagr.  S.  9J.  I,  6  §  44 ; 
ofterr.  ®.  SB.  §§  160,  752,  756  Derglid&en  mit  bm  SBerorbn.  d.  8.  Dftober 
1856  unb  3.  3uni  1858;  code  civil  SHrt.  201,  202;  fäd^f.  ©.  S.  §§  1771,  1809, 
1843,  2039 ;  got(|.  S^egef.  o.  15.  Sluguft  1834  §  23  unb  got^.  ©rbfolgegef.  v. 
2.  Sanuar  1844  §§  19,  33;  altenb;  S^eorbn.  v.  13.  SWoi  1837  §§  7,  283  unb 
attenb.  erbfotgegef.  ü.  6.  Slpril  1841  §§17,  28;  ©rbfolgcgef.  für  Sleufe  i.  £. 
ü.  10.  SJejember  1853  §§  17,  27,  28,  3lx.  3;  loeimar.  ©rbfolgegef.  o.  2.  Januar 
1844  §§  16,  26,  27  3lv.  3  unb  toeimar.  ®ef.  über  bie  elterlid^e  ®malt  v. 
27.2Rarj  1872  §§  1,  2;  l)cR.  ©ntro.  II  3lrt.  59-  62).  Sagegen  ^aben  mdy 
preufe.  91. 2. 91.  II,  2  §§  50—55  (oergt.  Urt^.  b.  51.  ®.  im  preufe.  3uft.  3Kin.  331. 
1882  9lr.  33  ©.  283  ff.;  ©ntfdj.  b.  9t.  ®.  in  Gioilf.  XVIII,  62;  ©efefereo. 
^cnl  XV  ©.  30),  bie  auö  einer  nid^tigen  ®^e  erjeugten  Äinber  o^ne  SlüdEfid^t 
barauf,  ob  bie  @(tern  bei  ber  @()efd^(iegung  in  gutem  ©tauben  maren  ober 
nid^t,  in  3lnfet|ung  il^rer  unmittetbaren  ®ttern  alle9lec^te  ber  e^etic^euÄinber; 
fie  treten  aber  nid^t  in  bie  gamitie  befi  SSatcrö  ober  ber  aWutter  unb  ftet)en 
beö^atb  ju  beren  Stfjcnbenten  ober  Seitenüerroanbtcn  in  feinem  Sßermonbtfdöaftö* 
oer^öttniffe,  aud^  fül^ren  fie  in  ber  9legel  ben  ®efd^tedbtönamen  ber  äßutter. 
Unter  fidl^  fetbft  aber  ^aben  fie  alte  9led)te  ef)etidjer  Äinber.  S)er  gute  ober 
böfe  ©taube  ber  ©ttcrn  ift  nur  infofern  üon  ©inftuß,  atö,  rotnn  beibe  Cltern 
ober  aud&  nur  einer  berfetben  miffentlid^  eine  ni^tige  ©^e  gefd)toffen  I;aben, 
fie  über  bie  auö  ber  nidjtigen  ©^e  erjeugten  Hinber  tetne  ©Iternred&te  erlangen. 
Soweit  fie  jcbod^  ben  Slinbern  ©rjiebung  unb  SiJcrpflegung  geroäbren,  t)aben  fie 
benfelbcn  gegenüber  bie  Stellung  Don  ^Pflegeeltern. 

3n  ©rmangetung  einer  befonberen  Seftimmung  würben  nidjt  nur  bie  ®tan»>p«nft 
Äinber  auö  einer  formungültigen  ©l;e,  fonbcrn,  üorbeljalttidd  ber  SSoi-fd^rift  entwürfe«, 
beö  §  1252  SKbf.  1,  au^  bie  Äinber  ouö  einer  nid&tigen  ©^e,  beren  9lid^tigteit  ©e^nMung 
nid^t  auf  einem  gormmangel  bei  ber  ©t|efd)lie6ung  beruht,  nad&  §  1202  9lbf.  2  *^*'?^y^*//^* 
unel^elid&e  Älinber  fein.    SSon  biefem  ©runbfage  mad^t  ber  §  1562  Jcbodb  für 
ben  galt  eine  9fuönat)me,  roenn  bie  9lid()tigfeit  ber  ©^e  auf  einem  anberen 
©runbc  alö  einem  gormmangel  bei  ber  ©l^efdjtiefeung  beruht.    3n  biefem 
gälte  folt  baö  .Uinb,  rocld^cö  bie  ©t)cfrau  nad^  ber  Sdjliefjung  ber  ©l)c  unb. 


844  Äinber  auö  mutigen  ß^ca    SRcc^tSficHunö.    §  1562. 

beüor  bic  tcßtcrc  oiifgctoft  ober  für  ungüttig  erllärt  roorbcn  ift,  empfangen 
ober  Dor  bcr  ©c^ücgung  ber  (Sf)t  empfangen  unb  nad&  ber  ©d^Iie§ung  ber 
le^tercn  geboren  f)at  (oergl.  §  1252  Slbf.  2,  §  1466),  ol^ne  Slüdfri^t  barauf, 
ob  bie  Gltern  bei  ber  Sddliegung  ber  Glje  in  gutem  ©tauben  waren  ober 
nid&t,  öorbeljaltUd;  bcr  ouß  ben  §§  1563—1566  fid^  ergebenben  näheren  Sc- 
ftimmungen  unb  aWobififationen,  grunbfäfeUci^  alö  ein  c^elid^eö  angefe^cn 
werben,  fofern  es  bei  aSorauöfefeung  ber  ©ültigfeit  ber  ©^e  nad^  ben  alU 
flcmcinen  SBorfc^riften  über  bie  eljcli^c  3lbftammung  (§§  1446—1479)  alö  ein 
eljelid^cö  Äinb  anjufefien  wäre.  2)er  ©tanbpunft  beß  gemeinen  Slcc^teö  unb 
bcr  bem  lefeteren  fotgenben  ©cfefegebungcn,  bafe  bei  ber  ©eftaltung  beö  dtcdfi^^ 
Tjerl^öltniffeä  bcr  Äinber  aM  nid^tigen  6^en  bie  JRüctfi^t  auf  bie  ©Regatten 
ber  allein  entfd^eibenbe  ©efid^töpunft  fei  unb  beö^afb  eine  9lbweic^ung  oon 
ben  aus  ber  ^lid^tigfeit  ber  ©^e  fid^  ergebenben  Äonfequcnjen  au^  in  9In* 
feljuug  ber  ©teflung  bcr  Xlinber  aus  einer  fotdien  ©l^e  fid^  nur  bann  red^t^ 
red^tferligc,  wenn  wenigftenö  einer  ber  6f|cgattcn  bei  ber  ©^efd&liefeung  in 
gutem  ©tauben  gewefen  fei,  fann  als  angemeffen  nid)t  anertannt  werben. 
Slud)  ben  Slüdffid^ten  ber  Silligfeit  gegen  bie  Äinber  muß  in  gebü^renber 
SBeife  9led^nung  getragen  werben.  Siefe  SRiidffid^ten  fül^ren  aber  ju  bem 
©tanbpunfle  beö  ©ntwurfeö,  ia^  bie  ©igenfd^aft  bcr  l^ier  fraglid&en  ftinbcr 
otö  el^elid&er  Äinber  grunbfä|Ud)  nid^t  t)on  bem  guten  ©tauben  ber  Gltcrn 
ober  audd  nur  eineö  ©Itemtl^eilcö  abl^angig  gemad^t  werben  barf.  ©ö  würbe 
für  bie  Äinber  auö  einer  formgültig  gefc^toffenen  ©{)e  eine  große  ^ärte  fein, 
wenn  biefelben,  nad^bem  bie  ©^e  aufgetoft  ober  für  ungültig  erflärt  ift,  fd)le^t' 
Ijin  in  bie  Stellung  unel^elid&er  Äinber  jurüdgebrängt  werben  foltten  (§  1252 
3lbf.  2),  obwohl  fie  biö  bal^in  jufotge  bcr  »eftimmung  beö  §  1252  STbf.  1 
nid^t  allein  tl|atfödölid&,  fonbem  aud&  im  3?ed^tölebcn  bie  ©tellung  el^elid^cr 
Äinber  eingenommen  unb  fid^  für  cljclid^e  Äinber  gel^altcn  l^aben  unb  von 
3lnbcren  bafür  gel)alten  worben  finb.  3luf  einer  äl^nlid&en  ©rwägung  berul)t 
aud^  bie  Seftimmung  beö  fanonifd&cn  SRed^tcö,  baß,  wenn  bie  ®^e  in  facie 
ecclesiae  gefd^loffcn  worben  ift  unb  bie  ©Regatten  lebcnölönglid^  in  83ejiel|ung 
auf  bie  ©ültigfeit  ber  ©^e  luiangef ödsten  geblieben  finb,  bie  9lid^tigfeit  ber 
©^c  jur  3lnfcd)tung  ber  Segitimität  ber  Äinber  nad^  bem  2^obe  ber  ©Itcrn 
nid^t  mel^r  foH  gelienb  gemad&t  werben  fönnen  (c  11  X.  qui  filii  sint  leg.;  pcrgl. 
©ntfd).  b.  SR.  ©.  in  ©ioilf.  IX,  57  ©.  257  g.  ©.).  gür  ben  ©tanbpunft 
beö  ©ntwurfcö  fällt  ferner  inö  ©ewid&t,  baß  er  im  ^ßrinjipe  mit  bem  in  ben 
großen  ©ebieten  beö  preuß.  21.  2.  91.  geltenben  Siedete  im  ©inftange  fte^t  unb 
aud)  anbere  neuere  ©efe|gebungen  fid)  bem  ©runbfafee  beö  preuß.  Slec^teö  in 
biefer  Sejiel^ung  angefd^loffen  fiaben  (oergl.  fd(iweis.  Sb.  ©ef.,  betreffenb  bie  geft- 
ftellung  unb  Seurfunbung  beö  ©ioilftanbeö  unb  bie  ©(le,  v.  24.  ©^riftmonat 
1874  3lrt.  55).  ©ö  ift  weit  weniger  bebenflid^,  ben  ©runbfag  beö  preuß. 
SRed&teö  auf  bie  übrigen  9Jed^tögebiete  beö  SReid&eö  auöjubefinen,  alö  umgefel^rt 
jenen  ©runbfaft  ba,  wo  berfelbe  biöl^er  bcftanben  unb  ju  äRißftänben  nid^t 
gefül)rt  l^at,  ju  befeitigen  unb  baburc^  in  biefen  9led^tögebieten  bie  tcd)Ü\ä)t 
Sage  ber  ^ier  fraglid^cu  Äinber  ju  ücrfd^led^tcrn. 
^ormgftitifl.  2)er  ©utwurf  läßt  bic  ©fjclid^fcit  ber  Äinber  auö  nid^tigcr  ©^e  inbcffen 

feit  berede.  ^^^^^  ^^^j^  cintrctcu,  wenn  bic  9iid&tigfeit  bcr  ®{)c  nic^t  auf  einem  gormmangel 


Jtinbcr  auö  niijtiöcn  S^en.    g?c(6tfa^er5äftni6  su  bcn  Sltcnt.    §  1563.       845 

bei  bcr  @öcfd^Uc§ung  bcrul)t.  2)ic  Sluöbcbnung  Quf  formungültioc  (Sf)cn 
fc^citcrt,  abgcfc^cn  bavon,  ba^  bicfelbc  in  bicfcr  SlUflcmcinl^cit  ju  locit  flcl)en 
würbe,  baran,  bafe  bie  aSorauöfegungen,  unter  wetd^en  bei  einer  form« 
ungültigen  (g^e  bie  ß^clidöfeit  ber  aus  einer  fold^en  erjeugten  Äinber  anerifannt 
werben  foU,  in  einer  fidleren  unb  praHifd^  unbebenMicben  SBei[c  fi^  nid^t  feft* 
[teilen  unb  begrenjen  (offen,  juntot  nod^  bem  ©ntrourfc  eine  fomtungüttigc  ®(je 
in  aDen  gälten  ol^ne  SBeitereö  nid^tig  ift,  eine  UngüItigfeitöcrflSrung  ber* 
felben  nid&t  ftattfinbet  (§§  1252,  1253),  »uö  ä^nlid&en  ©rünben  wirb  im 
§  1258  eine  fomtgültigc  ©bc  ooraußgefe^t  (t)erg(.  bie  SKotioe  ju  §  1258 
oben  S.  68).  9lud&  ba&  geltenbc  SRed^t,  wcnngleid^  boöfelbc  in  biefer  ^inftd^t 
jum  2:^eil  beftritten  ift  (üergl.  ebenbafelbft),  bebanbelt  bie  Äinber  auö  einer 
nidbtigen  @l^e,  beren  Slid^igleit  auf  einem  gormmangel  bei  ber  @befd^liegung 
beruht,  Dorwiegenb  ol^ne  Siädfid^t  barauf,  ob  bie  Altern  ftd^  im  guten 
(Stauben  befonben,  alö  unel^elid^^.  2)ieö  ift  inöbefonberc,  wie  fid^  quo  bem 
preu§.  31.  2.  SR.  II,  2  §  50  crgiebt,  aud^  als  ber  Stanbpunft  beö  preufe.  9lcdöteö 
anjufeben. 

§  1563. 

3m  galle  bcö  §  1563  gelangt  ba§  ^rinjip  bed  §  1562  jur  reinen  25urd&*  ««*«  ®J«"- 
fül^rung.  2)aö  ftinb  gilt  in  alten  Sejiebungen,  inöbefonbere  aud^  in  erbred^t-  cWttet^ 
lid^er  Sejie^ung,  fomobl  im  SSerbältniffc  ju  bcr  SWutter  unb  ben  müttcrlid)cn 
SBermanbten  als  audl)  im  SBerl^ältniffe  ju  bem  SSater  unb  ben  näterlid^en  SBer- 
wanbten  alö  ein  cl^elid6eö  Äinb.  3)iefc  2Irt  ber  Regelung,  meli^e  bem  gc* 
meinen  Med^te  unb  ben  in  ben  SWotioen  ju  §  1562  oben  ©.  843  angefübrtcn, 
bem  5ßrinjipc  beö  gemeinen  9led^teö  folgenben  ©efeggebungen,  inöbefonbere  bem 
fäd(if.  ©.  S.,  bem  ofterr.  ©.  33.  unb  bem  franj.  SRed^te,  entfprid&t  (oergl.  aud) 
fcbweij.  Sb.  ®ef.  o.  24.  ßbnftmonat  1874  Slrt.  55  äbf.  1),  red^tfertigt  pd^  burd^ 
Müdffi^ten  ber  SBilligfeit  unb  ber  ©c^onuug  bcr  ©Itcrn.  Um  i^reö  guten 
©taubenö  willen  f ollen  fie  ntd^t  ben  S^ad^tl^eiten  auögefegt  werben,  weldje  für 
fic  in  fojiater  unb  anberer  $infid&t  ficb  ergeben  würben,  wenn  man  baö  Äinb 
nid^t  in  allen  Sejicbungen  alö  ein  ebeli^eö  be^anbeln  wollte.  2)er  Stanb* 
punft  beö  preug.  91.  fi.  91.,  nad^  weldf)cm  baö  Jlinb  aud)  in  biefem  galle  nid^t 
in  bie  gamilic  ber  äRutter  unb  beö  aSaterö  eintritt  (Dcrgl.  aWotioe  ju  §  1562 
oben  ©.  843;  äbnli^  in  2lnfel^ung  beö  ®rbred(|tcö  nad&  bo:  üäterlid^en  Seite 
f|in  aWommfen,  erbred&töentw.  §  23  nebft  aJlotiüen  S.  149),  wirb  ienen  SRücf- 
Rd^ten  nid&t  in  auöreid&enbem  ÜJlafee  geredet.  Sl^erfelbe  fann,  fooiel  baö  SSer* 
^ättni§  beö  JUinbeö  gegenüber  ben  müttertid^cn  33erwanbten  betrifft,  für  bcn 
Entwurf  aud^  um  beöwiOen  nid^t  maggebenb  fein,  weil  nad^  bem  ^^rin}ipe 
beö  §  1568  —  abweid&enb  vom  prcufe.  SRed(|te  —  baö  unel^flid^e  Äinb  in  bie 
gamilic  bcr  äRutter  tritt. 

5)ie  SRid^tigteit  bcr  ©bc  fommt  in  bem  galle  beö  §  1563  nur  infofern  «erwitni^ 
in  »etracbt,  alö,  torbe^altlic^  ber  Sßorfd^rift  beö  §  1252  (vcrgl.  baju  iebod) *"*'*" ^"""* 
bcn  in  ber  Slnm.  1  ju  Su^  IV  Slbfd^n.  1  Sit.  1  §§  1250  ff.  unter  III  mit* 
getbeilten  neuen  2lbf.  2  beö  §  139  ber  ß.  %  D.)  in  3lnfebung  beö  Äinbeö  bie* 
ienigcn  SBorfddriftcn  cntfprecbcnbc  9lnwentung  finbeu  foDcn,  wcl($c  für  bcn 


846       Äiuber  au8  ni^tigen  ßßen.    9ieä)U\)ciWtm  5u  ben  Gltern.    §  1564. 

gQlI  ßelten,  wenn  bie  6^e  gcfd^iebcn  ift  unb  bcibc  G^cgattcn  für  bcn  fd)ulbigctt 
St^cil  crHärt  fiub  (ücrgl.  §§  1456—1458,  1555  Slbf.  2,  §  1559  9lbf.  2).  ©ö 
rcd^tfertigt  fid^  bieß  biird^  bic  Slnalogie  ber  SBcr^ältniitc 

Slntangcnb  bcn  ©iigang  bcö  §  1563,  fo  fd^Iicfet  berfelbc  fic^  ber  gajjung 

bcs  §  1258  QU  (ocrgl.  bie  SKotbe  5U  §  1258  oben  6.  69).    SBic  in  bem 

Halft  fides  goiie  bc9  §  1258,  ift  Qud)  f)ier  mala  fides  superveniens  ol^ne  ©influö.    S)amit 

«upenrenien».  ^jj^^^  jj^^g  gcltenbc  9Jed^t  Donülcgenb  überein  (oergl.  im  Uebrigen  bie  SRotiue 

ju  §  1258  oben  ©.  70  ff.). 


§  1504. 

Ottteröiaube  2)ie  Seftimmungen  beö  §  1564  ftel^en,  abgefe[;en  baoon,  bafe  fic  nid)t 

^'onetn.'^*"  ttur  bem  Äinbe  ben  SBerroanbten  beö  äSoterö  gegenüber,  fonbern  aud;  bicfen 
bem  Äinbe  gegenüber  bie  burdj  bie  (S^eli^feit  beö  legieren  bebingten  9led)te 
beilegen,  mit  bem  gemeinen  JRed^te  nnb  ben  bem  tefeteren  im  ^Prinjipe  folgenbcn, 
in  bcn  SKotioen  ju  §  1562  oben  S.  843  mitgetl^eilten  9ied)ten  im  ©inflangc 
(oergl.  aud^  fd^roeij.  33b.  ©ef.  v.  24.  ß^riftmonat  1874  5lrt.  55  2lbf.  2).  SBon 
bem  preufe.  31.  S.  31.  II,  2  §§  50—54  (oergl.  ferner  ©efegreo.,  5|Jcnf.  XV  S.  30  ff.) 
roeid)en  biefelben  barin  ab,  ba6  nad)  jenem  baä  Äinb  loeber  in  bie  gamilic 
ber  aJIutter  nod&  in  bie  beö  SSaterö  tritt;  bagegen  ftimmt  baö  preug.  9?ec^t 
barin  überein,  bafe  in  bem  l^icr  oorauögefe|ten  golle  ber  SSater  elterlid)e  SKcd^tc 
über  baö  Sinb  nid)t  erlangt.  S)er  ©ntrourf  ge^t  baoon  anö,  bafe  bie  3lüctrid)t 
auf  bie  gutgläubige  ajlutler  bai^in  füf^ren  mufe,  bem  Äinbe  aud^  gegenüber 
ber  üäterUd^en  gamilie  atte  auö  ber  el^elidden  SSerroanbtf^aft  fi^  crgebenben 
Siebte  einjuräumen.  SBoDte  man  baö  ©egentljeil  beftimmcn,  fo  mürbe  bic 
3)lutter  nid)t  allein  in  moralifd&er  §inftd&t  eine  3urüdEfefeung  erfal^ren,  fonbern 
anä)  iti  materielter  ^infic^t  bann  erJ^eblid)  bceinträd&tigt  merben  fonnen,  wenn 
ber  SSater  oor  feinen  Slfsenbenten  oerfterben  foHte.  9luf  ber  anberen  6eite 
mürbe  eö  aber  eine  nid)t  ju  red^tfertigenbe  ^ärte  gegen  bie  SSerroanbten  beö 
SBaterö  fein,  menn  man  jmar  bem  Äinbe  gegenüber  biefen  aSermanbtcn, 
niä)t  aber  ben  lefeteren  gegenüber  bem  5linbe  bie  burdd  bie  (g^eüc^feit  bebingten 
Siechte  beilegen  moUte.  ©afe  auö  biefer  Siegelung,  meld)e  nur  bem  SSater  bic 
an&  ber  SSaterfc^aft  fidj  crgebenben  STted^te  (oergl.  §§  1238,  1480,  1498,  1499, 
1501   3tbf.  1,   §§  1610,  1636,  1690—1693,  1712,  1713,  1715,  1716,  1718, 

1729,  1966,  1975)  ocrfagt,  er^cbli^e  Äomplifationen  fid^  ergeben  fonnten,  ift 
nic^t  }u  beforgen  unb  bei  ber  ©ctten^eit  ber  I;ier  in  SSctrdd^t  fommenben 
gälle  icbenfallö  nid^t  oon  entfd^eibenber  Sebeutung.  3n  erbred^tlid&er  93e^ 
jie^ung  ergicbt  fid^  ouö  bem  @afee,  bafe  ber  SSater  bie  auö  ber  SSaterf^aft  fid^ 
crgebenben  Siechte  nld)t  ^at,  bie  Äonfequenj,  ba^  er  in  9Infel^ung  ber  Seerbung 
beö  Äinbeö  unb  ber  9lbfömmlinge  beö  le|tercn  alö  oor  bem  ©rblaffcr  per* 
ftorben  anjufeljen  ift. 
ciurU(*e  Safe  in  bem  galle  beö  §  1564  bie  elterlid^e  ©ematt  nic^t  bem  SBater, 

®*^"^^-  fonbern  ber  3Jlutter  iuftel&t,  ift  ebenfallö  eine  Äonfccjucnj  beö  ©ageö,  ba&  ber 
SSater  in  biefem  galle  bie  auö  ber  Sßaterfc^aft  fid^  crgebenben  Siedete  nid&t  l^at, 
in  Söerbinbung  mit  ber  oon  bem  Entwürfe  grunbfäfeKd^  anerfannten  elterlid^en 
©cmalt  ber  el^elid)en  aJlutter  über  ifire  Jlinbcr  (oergl.  anbererfeitö  §  1570). 


Äinber  au3  uic^tiöcn  ßl&en.    9ie4t§ücrr>altni§  su  bcn  Grtcrn.    §  1565.       847 

Sroar  tritt  bie  ettcrlid&c  (Scroaft  bcr  Sßuttcr  regelmäßig  erft  nod^  bem  2^obc  bcö 
S$atcrö  ein ;  bie  Sinologie  beö  §  1559  3lbf.  2  f priest  inbcifcn  bafiir,  ber  aJluttcr 
in  biefem  galle  bie  clterlid^e  ©croaft  fd^on  Dor  bem  ^obe  beö  SSaterö  ein= 
jurournen. 

aSon  fclbft  rcrfteljt  cö  fid&  übrigens,  bafe  burd^  bie  Sßorfdjriften  bcß 
§  1564  bie  Scftimmnngen  bcö  §  1252  (oergl.  bajn  iebod&  ben  in  bcr  SJTnm.  1 
ju  83ud)  IV  aibfd^n.  1  2:it.  1  §§  1250  ff.  nntcr  III  mitgell)eilten  neuen  2lbf.  2 
beö  §  139  bcr  6. 5p.  D.)  nid^t  berührt  werben. 


§  1565. 

3m  goDe  bcö  §  1565  ift  im  JBcrgleicf^c  3U  bem  gallc  beö  §  1563  bie     ««ter 
fiage  ber  2>hitter  mcgen  i^rcr  im  §  1565  Dorauögefefeten  mala  fides  junödjft  G^mara« 
infofern  eine  ungünftigcre,  ate  in  3lnfel)ung  beö  Äinbeö  bieienigen  aSorfd&riften     ""«*" 
cntfpred&enbe  änmenbwng  finben  foUen,  meldte  für  ben  %a\l  gelten,  menn  bie  6l)c 
gefd^icben  unb  bie  ß^efrau  oHein  für  bcn  fd&ulbigen  2:()cil  erflart  ift  (§§  1456, 
1457).   ©ö  red^tfcrtigt  fid^  bie  entfpred^enbe  Slnrocnbung  biefer  SBorfd^riftcn  biird) 
bie  3lnaIogic  bcr  SBcrfiattnifie.    Slufecrbem  aber  ericibct  im  goUe  beö  §  1565  baö 
^rinjip  beö  §  1562  jum  9lad^t{)eUe  ber  2Wuttcr  bie  meitere  SWobififation,  baft 
i()r  in  SÄnfcl^ung  beö  Äinbcö  übcrl;aupt  mcitcrgeljcnbc  SRed^te  nid&t  juftel;en 
follen,  olö  ber  «ncl^eUd&cn  SDhitter  in  Stnfel^ung  irjreö  unel^elid^en  ftinbcö 
juftcl^en.    ®a  inbeffcn  nadd  §  1568  nw)ifd()cn  einem  unel)elid()cn  Äinbe  unb  bcr 
3Kutter  beöfetben  grunbfäfetid)  biefelben  Siedete  unb  SBerbinbli^feitcn  bcfteljen, 
wie  wenn  baö  Äinb  ein  ef)clid)eö  märe,  fo  tommcn  Ijicr  nur  bie  Sluöna^mcn 
jcncö  (Srunbfafeeö  in  99ctrad)t. 

©ine  foId)c  3luöna[jme  beftci^t  nad^  §  1570  in  9lnfel;ung  ber  cltcrlid&en  «uM^ueBung 
©eroalt.    2Rit  Slüdfidjt  barauf  beftimmt  §  1565  Safe  2,  bafe  nad&  bem  Sobe  ^^SJSJlIfbt" 
beö  aSaterö  (§  1501  3lbf.  2)  unb  nad^  SBcrroirtung  bcr  clterlidjcn  ©eroalt  beö^    ««**«• 
fclbcn  (§  1559  3Ibf.  2)  bie  TOutter,  roie  nad^  §  1570  bie  une^elid&c  aJtutter, 
nur  bie  5|Jflid&t  unb  baö  SRed^t,  für  bie  ^crfon  beö  Äinbcö  ju  forgen,  nad^ 
3JIaBgabe  bcö  §  1558  Sa|  2  l^at.    ®afe  an  Stelle  bcr  ruljcnben  eltcrlid^en 
©eroalt  beö  SBaterö  nid^t  bie  clterlid^e  ©eroalt  ber  aWutter  tritt  (§  1555  9lbf.  1), 
crgicbt  fid^  fd)on  auö  §  1565  Safe  1  ocrb.  mit  §  1555  3lbf.  2.    ©ine  rocitcrc, 
bie  äTiutter  im  galle  beö  §  1565  trcffcnbe,  auf  bem  obigen  ©efic^töpunftc  bc^ 
tulienbe  SBcfd^ränfung  bcr  SRcd^te  ber  3Mutter  ift  in  einem  anbcren  3«fömmens 
I)angc  beftimmt  (§  1729  9lbf.  3, 5;  ncrgl.  aud^  §  1734  SIbf.  3  Dcrb.  mit  §  1565 
Saft  2).    Sonftige  aM  ber  cliclid^cn  aKutterfd^aft  ftdd  ergebenbe  SRcd^tc,  roeld)e 
nid|t  au^  bcr  uncl)elid)cn  Sßutter  juftcl^cn,  fommen  nad)  bem  ©ntrourfc  nidjt 
in  grage. 

9Wit  ber  ^Regelung  beö  §  1565  ftimmen  im  ^rinjipc  baö  gemeine  SRcd^t 
unb  bie  übrigen  bem  gemeinen  SWed^tc  folgcnbcn,  in  bcn  ä)totiücn  ju  §  1562 
oben  S.  843  angeführten  ©efeftgebungen  überein,  foroeit  fid^  nid^t  aM  bcr 
obrocid^cnbcn  ©cftaltung  bcö  9lc(fttör)cr]^öltnif|cö  jroifd)cn  bem  uncl^clid^cn  ftinbe 
cincrfcitö  unb  bcr  3)hittcr  bcöfclben  unb  ben  müttcrlid)cn  9Jerroanbtcn  anbercr^ 
feitö  aud^  In  ber  Ijicr  fraglid^en  99cjie^ung  2lbroeid^ungen  ergeben.  9(uf  einem 
ünbcrcn  99obcn  fte^t  nur  baö  prcufe.  9f.  S.  91.  infofern,  alö  nad^  bemfetbcn  baö 


848      Äinber  au8  ni^tioen  GJen.   Stcdfetöwrl^altni^  5«  bcn  dlUux  2c.   §  1566. 

ftinb,  wie  in  bcm  gallc  bed  §  1563  (oergl.  ÜBotioc  su  §  1563  oben  S.  845), 
fo  audd  ^ier  ni($t  in  ein  ^erroanbtfd^aftdoerliaHnig  ju  bcn  SSenoanbten  bed 
aSatcrö  unb  ber  ÜJlutter  tritt. 

Sludd  im  SaDe  beS  §  1565  bleiben  bie  SBorfd^riften  bed  §  1252  mit  ber 
auö  bem  neuen  äbf.  2  beö  §  139  ber  6.  %  C.  (üergl.  änm.  1  ju  Suc^  IV 
Sttbfddn.  1  STit.  1  §§  1250  ff.  unter  in)  fxd^  ergebenben  aWobififation  iener  SBor^ 
f^riften  felbftperftänblid)  unberührt. 


§  1566. 
ifiiafides  2)ad  ^rinjip  beö  §  1562,  nad^  weld^em  bie  Äinber  aus  einer  nichtigen 

tf^^Mten.  ®^^  Qw4  ^^^  ^^^^  ^^^^  '^ci^^^^  ©fiegatten  afe  efielic^  gelten  foBen,  mufe  not^ 
wenbig  bal^in  füfiren,  ben  Äinbern  in  bem  ^alle  beö  §  1566  gegenüber  ben 
Gltern  alle  burd^  bie  ©l^eli^feit  bebingten  Siebte  beijulegen.  ätnbererfeitft 
muß  bie  Stellung  beö  SSaterö  unb  ber  SRutter  gegenüber  ben  ftinbern  in 
biefcm  gaUe  fonfequent  fidd  nad^  bcnjenigen  35orfd^riften  rid^ten,  roel^e  in 
ben  §§  1564,  1565  in  9lnfcl^ung  beö  in  mala  tide  fxd)  befinbenben  SBaterö  bejn). 

»er^äitni^  j)er  in  mala  fide  fid^  befinbenben  SKutter  gegeben  finb.  ©emgemfife  fann  in 
mnn,  bem  l|ier  in  Siebe  ftel)enben  galle  bie  clterlid^e  ©eroalt  roeber  bem  SBater  no^ 
ber  aWutter  unb  bie  Sorge  für  bie  ^erfon  beö  Äinbeö  ber  ÜRutter  nur  mi) 
SWaggabe  beö  §  1558  Safe  2  überlaffen  werben.  3)em  9Sater  muffen  femer 
aud^  bie  fonftigen  aus  ber  SSaterfd^aft  fid^  ergebenben  Siechte  oerfagt  werben. 
3n  9lnfe^ung  ber  SRutter  ift  eine  gleid^e  Seftimmung  nid^t  erf orberlid^ ,  ba 
nadö  ^^^  §  1568  bie  $Kutter  aud^  gegenüber  bem  unel|elid&en  Kinbe  —  ab* 
gefefien  von  ber  elterlid^cn  Oeroalt  (§  1570)  unb  bem  im  §  1729  SKbf.  3,  5 
befonberö  geregelten  SRed^te  auf  Uebertragung  ber  SJormunbfd^aft  über  i^r 
t)oUiäf)rigeö  Äinb  —  biefelben  SRcd&te  l^at,  wie  gegenüber  bem  e^elidden  Äinbe. 

SU  ben  ebenforoenig  bebarf  baö  SBerJ^filtnife  jroifcöen  bem  Äinbe  unb  ben  SBer^^ 

*iMert«*"  roanbten  ber  2Butter  im  ipinblide  auf  baö  ^rinjip  beö  §  1568,  na^  roeld^em 
aud^  imifd^eu  ben  SSerroanbten  ber  äßutter  unb  bem  unehelichen  ßinbe  biefelben 
SRec^te  unb  SBerbinblid^feiten  beftel^en,  roie  wenn  baö  Äinb  ein  e^elid^eö  wöre, 
für  ben  ^ier  in  Siebe  ftel^enben  gall  einer  bcfonberen  Siegelung.  3weifel^aft 
fann  eö  bagegen  fein,  ob  in  biefem  galle,  wie  in  bem  galle  beö  §  1564,  trofe 
ber  mala  fides  beö  SSaterö  ^mifd^en  bem  ilinbe  unb  ben  ^ermanbten  beö  SSaterö 
ein  SSerroanbtfd^aftöüer^ältnig  begrünbet  ober  ^ier  baö  ^rinjip  beö  §  1562 
weiter  ba^in  mobifijirt  werben  foU,  bafe  bie  aSerwanbten  beö  SSaterö,  unbe*^ 
fd)abet  ber  SSorfc^riften  beö  §  1236,  nid^t  alö  SSerwanbte  beö  Äinbeö  gelten. 
3ör  bie  erftc,  in  bem  fd^wcij.  33b.  ®cf.  t).  24.  ß^riftmonat  1874  2lrt.  55 
älbf.  3  anerfannte  äHtcrnatioe  lägt  fid)  bie  Äonfequen}  beö  im  §  1562  am 
genommenen  ^rinjipcö  unb  bie  für  bie  3lnnal)me  beö  legieren  mafegebenb  go* 
wefene  Slüdfid^it  ber  Silligfeit  gegen  baö  Äinb  fowie  ber  Oefic^töpunft  geltenl> 
mad^cn,  bafe  burd^  eine  ber  jweiten  3llteruatiüc  cntfprcd^cnbc  SBeftimmung  eine 
aWittclftufe  ber  ß^etic^fcit  gcf^affen  wirb.  3»i>cffcn  Tinb  bie  für  bie  jweite 
3llternatit)e  fprec^enben  ©rünbc  alö  überwiegenb  ju  erad^ten.  9lad^  §  1252 
fiub  bicHinber  an  fid)  unc^elid)c  Äinber.   Sen  Slürffid^ten  ber  Silligfeit  gegen 


Rinfccc  auö  m^tiöcn  G^cn.    SRcc^tSucrl).  su  bcn  SItcrn  2c.    §  1566.       849 

bic  Jiinber  wirb  in  audrcid)cnbcr  9Bcife  iWcdönuiig  getragen,  xocnw  biefelben 
überf)Qupt  alö  c\)cl\d)c  Äinber  ancrfannt  unb  il)nen  ben  Eltern  gegenüber  bie 
'Siedete  eI|cUdöcr  Äinbcr  beigelegt  werben.  SGßcnn  in  bem  galle  beö  §  156J^, 
b.  f).  in  bem  golle,  in  wcld^em  nur  bcr  ß^emann  bei  bcr  ®^cfd^lie§ung  fid) 
in  mala  fides  bcfunben  t|at,  beftimmt  worben  ift,  bafe  bie  Äinbcr  aud^  im 
5Jerl)altniffe  ju  ben  SBenoanbten  beö  SJaterö  als  elictid^c  gelten  f ollen,  fo  ift 
bied  ^Quptffi^Ud^  aud  9lädtfi($ten  ber  SSiQigfeit  gegen  bie  in  gutem  ©lauben 
befinblidö  gerocfene  Sfluttcr  ber  ttinber  gcfd^efien.  S^iefc  SRüdfic^ten  fallen  aber 
in  bem  l^ier  in  9lebe  fte^enben  ^allc,  in  roeld^em  aud^  mala  fides  bcr  ajtuttet 
uoraudgefe^t  wirb,  weg.  @d  fann  barin,  bag  baö  £inb  burd^  bie  Ungßltigfeitd^ 
erflärung  ober  3luflofung  ber  nid^tigen  6^e  (§  1252)  auö  ber  Stellung  eineö" 
c^eli^en  5linbed  gegenüber  bcn  SSerwanbten  bed  SSaterd  gebrdngt  wirb,  aud^ 
ni^t  eine  unbillige  ^firte  gegen  baö  ilinb  gefunben  werben,  ba  baöfelbe  bod^ 
immer  gegenüber  ben  Eltern  biefelbe  Stellung  be()filt  unb  bie  nid^tige  @^e  i(|m 
an  fidd  gegen  bie  SSerwanbten  beö  Sßaterö,  wcldde  bei  ber  Siid^tigfeit  ber  6f|e 
feine  Sd^ulb  trifft,  Siechte  5U  Derlei^en  nid^t  geeignet  ift.  3n  einem  fold^en 
^alle,  in  weld^em  beibe  Ehegatten  bie  S^orm  ber  Ei^efd^lie^ung  migbraud^t 
tiabeu,  um  gegen  ein  SBerbotögcfeß  nad&  außen  bic  red^tlidde  Stellung  wirflidder 
G^egatten  ju  erlangen,  in  9lnfel)ung  beö  Äinbeö  aud^  in  bem  a3erl)ältniffe  ju 
ben  SSerwanbten  beö  SBaterö  bie  auf  ber  ©i^elid^feit  berutienben  üerwanbtf^aft^ 
lidden  93ejie(>ungen  eintreten  ju  lajfen,  ift  um  fo  mifelid^er,  alö  bieö  gegenüber 
bem  geltenbcn  iHec^te,  inöbefonberc  aud)  gegenüber  bem  auf  bem  S3oben  beö 
im  §  1562  anerfannten  ^rinjipeö  ftcfienben  preufe.  21.  £.  SR.  (oergl.  bie  a)totioe 
ju  §  1562  oben  S.  843),  eine  erf|eblid)e  3ieuerung  fein  würbe.  2luö  ber  aU^ 
gemein  gefaßten  Seftimmung  beö  §  1566  SÄbf.  2  ergiebt  fidd  namentli^,  baß 
jwif^en  bem  Äinbc  unb  ben  SBerwanbtcn  beö  93aterö  weber  ber  gefefelid^c  Unter* 
baltöanfprud)  nod)  baö  gefeglid^e  @rb^  unb  ^flid^tt^eilöred^t,  nod^  bie  burd^ 
ba&  93ormunbfd^aftöred&t  mit  ber  SBerwanbtfd&aft  üerbunbenen  Sled&te  (§§  1635, 
1729),  nod^  bie  auf  Spejialgefetjen  ober  auf  ^rioatbiöpofitionen  beru^enben, 
t)on  ber  ©^elid^feit  abi|ängig  gemad&ten  SRed&te  entftefien.  3lnbererfeitö  fann 
eö  nad^^ber  Raffung  beö  §  1566  9lbf.  2  nid^t  jweifeltiaft  fein,  ba%  baö  Hinb, 
fouiel  baö  äSerIjältniß  beöfelben  ju  bem  93ater  betrifft,  auc^  gegenüber  ben 
aSerwanbtcn  beö  93aterö  alö  el(ielid(|eö  Hinb  beö  lefeteren  in  83etrad&t  fommt, 
baß  alfo  namentlid^  bei  ber  93eerbung  beö  iBaterö  baö  @rbred)t  ber  $$erwanbten 
beöfelben  burd^  baö  Erbred^t  beö  Slinbcö  auögefd^loffen  bejw.  befd^rönft  wirb. 
Xa  baö  Ainb  nac^  §  1562  audd  in  bem  ^alle  beö  §  1566  alö  ein  eljelid^eö 
Äinb  anjufelicn  ift  unb  beöl^alb  nid^t  unter  bie  aSorfd&rift  beö  §  1236  3Ibf.  2 
fällt,  burd^  ben  §  1566  9lbf.  2  aber  eine  red^tlid&c  SBerwanbtfd^aft  im  Sinne 
beö  §  1236  äbf.  1  jwifd^en  bem  ttinbc  unb  ben  83erwanbtcn  beö  SBoterö  Der* 
neint  wirb,  fo  ift  eö  im  Sntercffc  ber  2?eutlid&feit  beö  ©efcfeeö  alö  angemeffen 
erad()tct,  im  §  1566  äbf.  2  bie  äBorte  ,,unbefdöabet  ber  aSorfd&riften  beö 
§  1236"  einiufd^alten. 

aSon  fclbft  Derfte^t  eö  p^  boß  aud^  in  bem  gallc  beö  §  1566  bie  SBor* 
fd^riften  beö  §  1252  mit  ter  aM  bem  neuen  9lbf.  2  beö  §  139  ber  6.  ^.  D.  pd^ 
crgebenben  SWobififation  jener  SBorfd&riften  (oergl.  bie  Slnmerfung  ju  Sudd  IV 
Slbfd^n.  1  STit.  1  §§  1250  ff.  unter  III)  unberüfirt  bleiben. 

SRottvc  |.  bttracrl.  Ocfefbu^.  IV.  .  54 


850    Slinter  au§  anfcd&tbwircii  u.  anoefod&tcncn  Ghm.    Sied&tSfteHunö.   §  1567. 


§  15G7. 

«inber  quo  £\y  \^xc  fttubct  Qw^  ciitcr  anfecl)tbaren,  für  ungültig  erflärten  Gf|c  bcn 

b«en  Snb^o^*  Äinbcrn  aus  einer  nid&tigen  6^c  gleid^fteljcn  ober,  fofcrn  fie  nur  t)or  bcr 

gefo^tenen  Ungüttigfeitöerflänmg  erjeugt  finb,  unbcbingt  alö  el^elid^e  gelten,  ift  gemein* 

red^tlid^  bcftrittcn  unb  ^ängt  mit  ber  grage  jufammen,  ob  bie  Ungültigfeitö- 

V^t     erfförung  einer  anfed^tbaren  6^e  bic  Icfetere  rürfroärtöl^in  ücrnicötet  ober  nur 

bie  aSirfung  einefi  Sd^eibungßurtfieileö  ^ot.     Stuf  bem  Sobcn  ber  jroeitcn 

Sluffaffung  fte^en  baß  gotl).  e^egcf.  v.  15.  »ugnft  1834  §§  135,  136,  104 

üerb.  mit  bem  got^.  ©rbfolgegef.  o.  2.  Sanuar  1844  §  18,  bie  altenb.  eijcorbn. 

t).  13.  Tlai  1837  §  283  Derb,  mit  bem  oltenb.  ®rbfolgegef.  ü.  6.  3lpril  1841 

§  7,  baö  Weimar.  (Srbfolgegef.  v.  6.  3Ipril  1833  §  16  unb  baö  Grbfolgegef. 

für  3leu6  i.  S.  v.  10.  SDegember  1853  §  17.     ©agegen   f)at   baö   preu&. 

21.  S.  %  II,  2  §  57  bic  anfed&tbaren  unb  für  imgüUig    erflärten  e^cn 

ben  nid^tigcn  ®^en  in   ber   l^ier   fraglid^en  Sejiel&ung  ouöbrücflid&   glei^* 

geftcBt.    3lud)  im  öfterr.  @.  83.  §  100  oerb.  mit  ben  SSerorbn.  v.  8.  Dftober 

1856  unb  u.  3.  3uni  1858,  im  franj.  JRed^te  (code  civü  Sjlrt.  201  rerglid^cn  mit 

3lrt.  180  ff.),  in  bem  l)ejf.  ©ntm.  II  SKrt.  59  üerglid^en  mit  3lrt.  48  ff.  unb  im 

fc^weij.  S3b.  ®ef.  v.  24.  G^riftmonat  1874  9lrt.  55  t)erglid)cn  mit  3frt.  50  ff. 

roirb  in  ber  ^ier  fraglichen  JRid^tung  ein  Untcrfd^ieb  jroifd^en  nichtigen  unb 

anfed^tbaren  e^en  nid&t  gemad^t.     ©benfo  ftellt  baö  fäd^f.  @.  SB.  §§  1809, 

1843,  2039,  menngleid^  nad^  bem  §  1771  baf.  bie  in  einer  nur  anfechtbaren 

@f)e  geborenen  ilinber  im  3SerI)ältniRc  jum  SSater,  loic  jur  2Kutter  ftctö  ate 

c^elid^e  anjufe^en  finb,  bem  praftif d^en  9lefultatc  nad^  bie  nidf)tige  unb  bic 

anfecf)tbare  ®^e  infofem  ganj  gleid^,  ate  ber  SBater,  menn  er  bcr  fd^ulbige 

2^l;eil  ift,  roeber  bie  t)äterlicf)c  ©emalt  über  bie  ftinber,  nod^  einen  3llimentationö* 

anfprudö  gegen  biefclben  Ijat,  aufeerbem  in  einem  fold^en  gaUe  forooljl  ber  SJatcr 

als  bcffen  SBoreltern  t)on  Döterlid^cr  ©eite  t)on  bcr  ©rbfolge  in  baö  SBermogcn 

ber  in  einer  foldE)cn  6t;e  erjeugten  Äinbcr  unb  bereu  Slbfommlinge  auö* 

gefd^loffcn  fmb. 

etanbpunft  Xct  tiai)  §  1260  T)erglid[)cn  mit  §  1252  eine  anfed[|tbare  6l|e,  wenn  fie 

entwürfe«,  augcfoc^tcu  ift,  il)rer  SBirfung  nad^  einer  nid^tigen  e^e  gleid^fte^t,  fo  müjfen  bic 

»e^anbiuns  ©^inbe,  auf  mclddcu  bie  SBorfd^riften  ber  §§  1562—1566  bcrubcn,  ba^in 

ber  ftinber  fü^rcu,  icuc  Sßorfd^riftcu  auf  ben  ^all,  menn  eine  anfcd&tbare  &)t  angefod&tcn 

ai.3e^eu4cr..^^^  im  aiufc^luffc  au  bcu  §  1270  mit  ber  im  §  1567  bcjeid^netcn  aJlafegabc 

für  cntfpred^enb  anroenbbar  in  erflörcn  (oergt.  bie  SWotiDc  ju  §  1270  oben 

®.  102).    3;n  ben  gällen  beö  §  1567  mit  SRüdfi^t  barauf,  ba^  ber  bie  ß^c  an* 

fec^tenbe  et)egatte  burd^  feine  eigene  entfddlicfeung  baö  jroifd^cn  bem  Äinbc  unb 

bcr  üäterli^cn  gamilic  auf  ©runb  ber  (S^c  befteljenbc  Sanb  befcitigt,  ein 

9Sem)anbtfd)aftöDerl^8ltnife    jioifd^en   bem   ftinbe    unb   ben   SBcrioanbten  bcft 

aSaterö  aud&  bann  außäufd)lie6cn,  romn  ber  anfed&tcnbe  ©begatte  bei  bcr  ©fte* 

fd^liefeung  in  gutem  ©lauben,  ber  anberc  2:()eil  nid&t  in  gutem  ©lauben  war 

(ücrgl.  aJiommfen,  erbred&tßcntiD.  §  24  S.  150),  fann  alö  angemejfen  nid^t 

crad)tct  merben,  ba  cincrfcitö  bem  gutgläubigen  ©fiegattcn,  melc^em  ein  Slm 

fed&tungßgnmb  jur  Seite  ftellt,  nid)t  jujumut^cn  ift,  bie  G^c  fortjufefeen, 

anbcrerfeitö  SRudffid^ten  ber  SiHigfcit  unb  bcr  Sd&onung  bafür  fprcd&cn,  troß 


Une6eli(6c  Ähibcr.    JRcd&tSücrJ.  ^ur  SWuttcr  u.  bereit  JJamiric.    §  1568.       851 

ber  erfolgten  Slnfed^tung  ber  6^e  in  einem  fold^en  göUc  bie  Äinber  anä)  im 
SSerl^ältniffe  ju  ben  SBcrroanbtcn  beö  SBaterd  alö  el^elidde  ftinber  ju  be^anbeln. 
3Bürbe  man  baö  ©egent^cil  beftimmen,  fo  fönnte  baburd^  ein  nid^t  geredet- 
fertigtet  inbircfter  S^ariQ  gegen  ben  anfed^tungöbered^tigten  ®f)egatten  aM^ 
fleübt  werben,  oon  feinem  9lnfed^tungöred&te  feinen  ©ebraud^  jii  mad^en. 

S)a  aud^  bei  einer  anfed^tbaren  ®l^e  ber  goll  ijorfommen  fann,  ba% 
ieibe  ©Regatten  bei  ber  ßfiefd&liefeung  bie  Slnfed^tbarfeit  ber  6I;e  gefannt  f)abtn, 
nSmlid^  bann,  wenn  btc  &)c  wegen  @{|eunmänbigfeit  eines  @^egatten  ober 
wegen  aWangelö  ber  Einwilligung  befi  gefe§lid&en  SSertreterö  eines  ©Regatten 
iinfed^tbar  ift  (§  1259  5Rr.  3, 4),  fo  mufe  im  §  1567  aud&  ber  §  15G6  für 
cntfpred^enb  anwenbbar  crHärt  werben. 


t^uttfter  5£itel. 

^ec^t^vexR&tttxx^  6er  utxe^etxc^en  ^xnbex. 

I.  9(((0eitteine  SSiirfd^riftem 

§  1568. 

%ei  ber  9legehnig  bed  9led^tdDer^ältniffed  ber  unel^elid^en  Hinber  ift  ber  aagcmeme 
Entwurf  baoon  auögegongcn,  bafe  regelmäßig  nur  bie  burd^  elielid&e  aibftam-  ^Jjj**' 
tnung  oermittelte  33erbinbung  biejenige  fittlid^e  @runblage  gewäl^rt,  weld^e  bie 
^orausfe^ung  familienreddtlid^cr  ^flid^ten  unb  Siebte  bilbet,  bag  indbefonberc 
nur  baö  fefte  S3anb  ber  ®(ie  unb  bad  baburd^  begrünbete  Familienleben  eine 
«uflreiddenbe  (Sarantie  für  bie  ©rfüllung  jener  ^fttd^ten  unb  bie  iwerf* 
«ntfpred^enbc  3Iudübung  jener  SRed^te  bietet. 

1.  33em  üorftcl^enb  bejeid^ncten  Stuögangftpunftc  eutfpred^enb  unb  in  eteuung  ju 
Äonfcquenj  beö  im  §  30  2lbf.  3  bereits  ausgefprod&enen  ^rinjipes  l^at  ber ''^"fl^^Se""^ 
•(gntwurf  jwifd^en  bem  unel^elic^en  Äinbc  unb  beffen  2lbfömmlingen  einerfeits    »önwe«. 
unb  bem  unel^elid^en  Sßater  unb  beffen  SBerwanbten  anbererfeits  familienred&t^ 
lic^e  SBejie^ungcn,  insbcfonbere  bie  aus  bem  e^elid&en  ©ttern^  unb  Äinbcs* 
4)erl^ältniffc  [xä)  ergebenben  ^flidjten  unb  SRed^te,  grunbfäglic^  nid^t  anerfannt. 
5£)ie  burdö  bie  9latur  jwifd&en  bem  unel^clid&cn  Äinbe  unb  feinem  ©rjeuger 
ijcfnüpften  S3anbe  führen  in  ben  wenigften  gäHen  ju  einer  innigeren  aSer* 
binbung  jwifd^en  beiben.    üHeiftenö  fte^t  ber  9Sater  bem  une^elid^en  Äinbe 
-gleid^gültig  unb  fremb  gegenüber,    ©r  betrad^tet  basfelbe  als  eine  Saft -unb 
i)at  fein  Snlereffe  an  bem  2BoI|lergel^en,  ber  forperlid^en  unb  geiftigen  9luS* 
iilbung   besfelben.     2ln   bem   Familienleben   unb  an  bem  SJermögen  beö 
SBaters  nimmt  bas  une^elid^c  Äinb  in  ben  feltenften  gällen  unmittelbaren 
iHntl^eil,  unb   wenn   ber   SBater  bie  Süerpflegung   unb  ®r}iel|ung   bcSfelben 
übernimmt,   fo   gefd&iel^t  bies   nur   }u   oft   in   feinem  eigenen  finonjiellen 

54* 


856       Uncl)cli$e  Äinbcr.    9tc$tcUccB.  jur  SWuttcr  u.  bcrcn  gainilic.    §  1568. 

fd^icbencn  9lcd)tcn  fid&  finbeii,  nit^t  Qlß  onocmeffcrt  erod^tct  ftnb,  lüirb  auf  bic 
3Äotiüc  }um  ©rbrcd&te  ücrwicfcn. 

gfefineffunfl  3lbiücid)cnb  üon  bem  franj.  SRed^tc  (oode  civil  airt  334— 339, 341, 342 ; 

TOutterWaft  ücrgL  bab.  ©ef.  ü.  9.  5Dejcmbcr  1875  §  12  unb  p.  3.  SWäri  1879  §  145), 
aber  in  Ucbcrcinftimmung  mit  bcm  gemeinen  3icä^ie  unb  btn  übrigen  auf 
flemeinred^tUd^er  ©runblage  beru^enben  ©efefegebungen,  inftbefonbcrc  bcm 
preufe.  31.  £.  91.  unb  bcm  fäd^f.  ®.  S3.,  ift  mä)  bcm  ©ntrourfc  bic  ©ntftel&ung 
bcr  vtä)tlii)tn  83cjiel^ungcn  bcä  uncfielid^cn  Äinbefi  ju  ber  aKuttcr  unb  bcr 
mütlcrlid&en  gamtlic  nid^t  von  bcr  (frciroiUigen  ober  criroungencn)  3lnerfcnnung 
bcö  Äinbcö  oon  ©citen  ber  Sßuttcr  abfjängig  gemad^t,  fonbcm  lebiglid^  burd^ 
bie  SC^atfad^c  bcr  ÜButtcrfd^aft  bcbingt,  eine  2:£)atfac^c,  bcrcn  gcftftellung  im 
^roicfeDcrfa^rcn  mit  fcinerlci  Unjuträglic^fcitcn  ücrbunbcn  ift.  ©c^on  iefet 
i^at  bog  $rinjip  bcö  franj.  JScc^teß  burd^  bic  SSorfc^riftcn  bcr  §§  15,  22  bcö 
31.  03ef.  über  bic  83eurfunbung  bcö  ^^Scrfoncnftanbcö  u.  f.  xo.  x>.  6.  gcbruar 
1875  in  ®cutfd)lanb  feine  materielle  SJcbeutung  im  SBefcntlid^cn  oerloren. 
3cncö  ^rinjip  fann  übcrbicö  um  fo  mcnigcr  alö  angcmeffcn  crad^tet  werben, 
alö  baburd)  bie  Sage  une^ctid^cr  ^inbcr  gegenüber  fold^cn  SRüttcrn  cr^cblid) 
ungünftiger  gcftaltet  mirb,  wcld^cn  baran  liegt,  i^rcn  gc^ltritt  ju  ocrfieimlid^en 
unb  bcö  ^inbeö  fid^  ju  cntlebigcn. 

c^ewibrifle  jßon  bcm  ^rinjipc,  bafe  unc^clid^c  Äinber  im  SBcr^ältniffc  jur  a)Iuttcr 

oeitenbifl  ^"^  ^^^^"  SBcrmaubtcn  ben  c^cliddcn  Hinbern  glcid&ftel&cn,  mad^t  baö  röm. 
«e(^t.  JHcd^t  in  Slnfcl^ung  bcr  ex  damnato  coitu  procreati  eine  Sluönal^mc.  S)ic  auö 
einer  bcrartigcn  SScrbinbung  erjeugten  Hinber  werben  aud&  im  aScr^ältniffc 
jur  aWutter  ignorirt;  inöbcfonbcrc  roirb  il^ncn  aud^  gegenüber  bcr  lc|tcrcn  ein 
@rbrcc{)t  t)crfagt.  Db  unb  inwicmcit  biefe  Sluönal^mc  gcmcinrcd^tlid^  nod^ 
(Seltung  l|at,  ift  bcftritten.  3"^  Slnfd^luffc  an  baö  röm.  Siedet  l^abcn  icbo(^ 
Diele  ältere  beutfd^c  Siedete,  inöbcfonbcrc  aud^  ba&  mürttemb.  S.  9t.  unb  baö 
bai)r.  S.  91.,  bic  l}ier  fraglid&cn  Äinbcr,  namcntlid^  in  crbre^tlid^cr  Sejic^ung, 
imgünftiger  geftcUt,  alö  anbcrc  imcl|clid&c  Äinber.  3laä)  roürttcmb.  SRcd^tc 
bcftcl)t  jroifdjcn  iencn  Äinbern  unb  bcr  SHutter,  abgefc^cn  oon  bcm  Slnfprucfte 
bcr  crftcren  auf  nott)bürftigc  Sllimcntc  gegen  bic  aJluttcr  unb  bie  müttcrlid^cn 
©rofecltcrn,  lein  Gltcrn^:  unb  Äinbcöocrt|ältni6 ,  inöbcfonbcrc  aud^  fein  gegen* 
fcitigcö  ©rbred^t.  3luf  bemfelbcn  ©tanbpunfte  fte^t  baö  franj.  9icd&t.  3^ 
C^ebrud)  ober  SBlutfd^anbe  erjeugte  Äinber  merben  in  rcd^tlid^cr  ^inrid^t 
fd)lcd^t^in  fo  betrad^tet,  alö  ob  fic  toeber  SSatcr  nod^  Butter  ^aben.  S)tefe 
9lcgel  crleibct  nur  infofern  eine  Sluönal^mc,  alö  fene  Äinber  oon  i^rcn  ©Item 
Sllimcntc  ju  forbcm  bered^tigt  fmb.  2)ic  3lncrfennung  c^emibriger  Äinbcr  ift 
auöbrürfli^  oerboten  unb  bie  Süaterfd^aftöflagc  mic  bic  aWuttcrfd^aftöflagc  in 
allen  göBcn  auögcfd^loffcn  (code  civil  Slrt.  335,  342,  762—764,  908,  911; 
ocrgl.  bab.  @cf.  o.  21.  gebruar  1851  §  1).  Sagegen  ^aben  bie  meiftcn 
neueren  ©cfcftgcbimgcn,  inöbcfonbcrc  baö  preufe.  31.  £.  91.,  baö  öftcrr.  ®.  S5. 
nnb  baö  fäd&f.  ®.  83.,  bic  Untci-fc^cibung  jmifc^en  cl)cn)ibrigen  ftinbcrn  unb 
anbercn  uncf|clicf)cn  ftinbcrn  aufgegeben  (oergl.  auc^  meining.  ®ef.  u.  9.  ©cp* 
tember  1844;  coburg.  ®cf.  v.  28.  3uli  1858  3lrt.  28,  35  ff.;  flot^.  ®ef.  o. 
1.  3uli  1869  3lrt.  12  t)erb.  mit  bcm  gotb.  Öcf.  o.  7.  3uli  1844  §  20;  altcnb. 
©cf.  ü.  29.  aJlai  1870  §§  4  ff.  oerb.  mit  bcm  altcnb.  ®ef.  o.  6.  3Ipril  1841 


Unejelid&e  ftinbcr.    Sicc^töuer^.  jur  SKutter  u,  bcren  gauülic.    §  156S.       857 

%  20;  ferner  in  erbrcd^tlidöcr  ^infid&t  ^olft.  SBcrorbn.  o.  4.  Suli  1863  §  4; 
franff.  ®cf.  v.  22.  Sluguft  1865  §  1;  Weimar.  @cf.  o.  6.  STpril  1833  §  19; 
<Sef.  für  SReufe  i.  S.  ü.  10.  5Dejembcr  1853  §  20 ;  fonbcrß^.  Suf jeffionöorbn. 
V.  8.  Scjember  1829  §§  15,  16),  ©treitig  ift,  ob  unb  inwieweit  bic  l)ier  in 
!Rcbc  ftel)cnben  SBcftimmungen  iiber  bie  ©ouberftcUunfl  ber  etieroibrigen  Äinber 
iurd^  baö  Str.  ®.  93.  in  SBcrbinbung  mit  §  2  beö  ®inf.  ®ef.  ju  bemfeifccn  alö 
befeitigt  an^ufel^en  fmb. 

S)er  ©ntmurf  ^at,  abgcfcl)en  von  ber  33cftimmung  beö  §  1586,  feinen  ®t»j^«n«k 
Unterf^ieb  iwifd^en  efietoibrigen  unb  anberen  ime^eUd^en  ßinbern  gcmad^t.  entmurfe«. 
SBon  bem  ©efic^töpunfte  ber  ä[bfd)re(fung  ober  ber  Strafe  aus  lägt  fid^  bie 
'ä(udfd[)liegung  el^emibriger  ftinber  oon  ben  familienred^tlid^en  unb  erbredjtlid^en 
Sejiel^ungen  ju  ber  SRutter  unb  ben  SSerroanbten  ber  (enteren  nid[)t  red^t^ 
fertigen.  S)ad  ©egent^eil  l^iege  bie  Ainber  megen  bed  SSerbred^end  ober  S3er^ 
flel^enö  ber  üHutter  beftraf en.  ©benf oroenig  oerbient  baö  SKotio  beö  code  civil : 
^la  manifestation  d'un  desordre  cache  n'est  Jamals,  pour  Tinteret  social,  coni- 
pensee  par  la  reparation  d'un  dommage  indi\iduel"  (Slöber,  fritifd^e  93eiträge 
S.  94)  93eifaU,  ba  \>a&  93elanntn)erben  beg  (Sl^ebruc^ed  ober  ber  93Iutfd^anbe 
burd^  ben  äluöfc^Iug  ber  auö  einer  fold^en  SSerbinbung  (jeroorgegangenen  Jlinber 
Don  ber  mätter(id^en  ^miüe  in  ber  9lege(  bo^  nid^t  oer^inbert  mirb.  STud^  baö 
3nteref[e  ber  @r^altung  bed  gamilienfriebend,  ber  Sc^ug  bed  (enteren  gegen 
Störung  burd^  bie  ^lage  auf  älnerfennung  eineö  im  ©^ebrud^e  erzeugten 
jlinbed  gegen  bie  @^efrau  tann  aid  burd^fc^lagenber  ©runb,  ben  \)\cx  in  Sftebe 
fte^enben  ftinbern  bic  ftlage  auf  Slnerfennung  gegen  i^re  ajhitter  ju  üerfagcn, 
uic^t  angefel^en  werben.  9lur  baö  fönnte  in  3toeifel  gejogen  werben,  ob  bei 
fold^en  aud  einer  ftrafbaren  93erbinbung  ^eroorgegangenen  unb  oieUeid^t  ben 
©egenftanb  befi  ^affeß  auf  Seiten  ber  aWutter  unb  ber  mütterlid^en  SSer* 
wanbten  bilbenben  ^inbern  biejenigen  fittlic^en  SSorauöfegungen  unb  na^en 
Weiterungen  pori^anben  finb,  weld^ie  bie  ©runblage  beö  t^miliem  unb  @rb« 
te^teö  bilben.  ^ie  Slüdfic^t  auf  baö  ^ntereffe  iener  o^ne^in  unglüdtlid^en 
ilinber  unb  auf  bie  9Dk(}ria^(  ber  befte^enben  Siedete  ift  iebod^  alö  überwiegenb 
ju  erachten.  Xaju  fommt,  bafe  ftinber  auö  einer  formgültigen,  aber  injeftuofcn 
<S^e  nad&  üWafegabe  ber  §§  1562—1566  fogar  alö  eljelid^e  Äinber  gelten, 
^egen  ber  ©rünbe,  auö  welchen  ber  ©ntwurf  t)on  bem  ©runbfage,  bag  e^e^ 
wibrige  ftinber  n\(S)t  ungünftiger  alö  anbere  une^elid^e  ftinber  be^anbelt  werben 
foUen,  aud^  für  ben  ^^all  feine  äluöna^me  gemad^t  ^at,  wenn  im  (S^ebrud^e 
«rjeugte  ftinber  bei  ber  S3eerbung  ber  Sfluttcr  mit  bem  ©bemanne  fonfurriren 
<oergl.  fäd&f.  ®.  S.  §  2051;  weimar.  ®cf.  t).  6.  Slpril  1833  §  58;  altenb.  ®ef. 
D.  6.  3lprit  1841  §  64;  ®ef.  f.  JReufe  {.  S.  o.  10.  S)ejcmber  1853  §  59),  wirb 
ouf  bie  Sßotioe  beö  ©rbred^teö  oerwiefen. 

3m  3lnf^luffe  an  eine  weitoerbreitete,  {ebod^  feineöwegö  altgemein  an*  »wutfinber. 
«rfannte,  inöbefonbere  aud^  oom  JReid^ögcrid^te  jurüdEgewiefene  gemeinrcd[)tlid&c  ®tiSt** 
^rajiö  (oergl.  bafür  Seuffert  VIII,  65,  IX,  189,  XI,  245,  XV,  143,  XIX, 
166,  XXVI,  46;  bagegen  Seuffert  V,  200,  XII,  344,  XXV,  40,  XXXII,  252; 
(Sntfdd.  b.  SR.  ®.  in  Gioilf.  V,  44)  werben  aud&  oon  Dielen  neueren  @cfe^^ 
flebungen  fog.  SBrautfinber  ben  el)elid&en  ftinbern  gleidEigeftellt.  3m  Ginjelncn 
fjerrfc^t  aber  in  58[nfct)ung  ber  SBorauöfegungen  unb  beö  Umfangeö  biefer 


858       Unefieficfc  Äinbcr.    SiccfetcücrJ.  sur  SKuttcc  u.  bcrcn  gamilic.    §  1568. 

©kid^fteUung,  inöbcfonbcrc  anä)  gegenüber  ben  aSenoanblcn  bcü  SSaterö,  feine 
Ucbcieinftimmung  (üergt.  fäd&f.  @.  ».  §§  1578, 1661. 1809, 1837,  2018, 2025, 
2039,  2565;  oltcnb.  (Sef.  v.  13.  Sann  ar  1869;  wcimar.  ®ef.  v.  6.  älpril 
1833  §§  16,  26  unb  t).  27.  üRärä  1872  §§  1,  2;  ®ef.  für  SReug  j.  S.  o.  10.  3)c^ 
jcnibcr  1853  g§  17,  28;  anmalt.  ®cf.  v.  lO.üKoi  1879  §8  5ttbf.  5).  Wogegen 
ift  bcm  prcufj.  fftcd^te  noc^  2luf^ebung  ber  Seftinimungen  beä  prenfe.  91. 2. 91. 
II,  2  §§  592—595,  597  burd)  boö  prcufe.  (Sef.  ü.  24.  SKprit  1854,  foroie  bem 
öfterr.  0.  93.  unb  bem  franj.  Siedete  ber  Unterfti^ieb  jnjifd^en  Sroutfinbcru 
unb  anbercn  une^elid&cn  ftinbern  unbcfonnt.  SÄudd  bic  qoÜ).  ©efefec  d.  7.  3uni 
1844  (Dcrgl.  §  19)  unb  t).  1.  Suli  1869,  baö  coburg.  ®ef.  ü.  28.  Suti  1858  unb 
bas  tneining.  ®ef.  t).  9.  September  1844  (arg.  2lrt.  42)  enthalten  feine  be^ 
fonberen  S3eftimmungen  über  83rautfinber. 

ctttnbvunft  2)cr  ©ntrourf  l(iat  [\^  biefer  lefeteren  ®ruppe  oon  SHecftten  angefd&loffen. 

entwürfe«.  2)ie  Sebeufeu,  welche  gegen  bic  Slnerfennung  famiUenred^tUd^er  93ejiel)ungen 
jroifd^en  bem  unelieüd^en  Äinbe  unb  beffen  SBater  fpred^en,  treffen  bei  33raut* 
finbern  in)ar  nid^t  in  bem[elben  3ßage  ju.  3lxdi)t  feiten,  namentKd^  in  fold[)en 
gallcn,  in  welken  bie  Sd^Iicfeung  ber  beabfid^tigten  6^e  unter  ben  SSer^ 
lobten,  j.  93.  burd^  ben  Xob  ber  93raut,  unmoglid^  getoorben  ift,  mirb  baft 
9}er(|ft(tnig  jmifc^en  bem  ^rautfinbe  unb  bem  SSater  ein  fo  nal^eö  unb 
inniged  fein,  bog  eö  an  ftd^  unbebenfüd^  fein  mürbe,  baö  jtinb  einem  e^e:: 
liefen  jlinbe  in  famiUem  unb  erbred)t(i(^er  93ejie^ung  ganj  gleid^jufteDen. 
3"beffen  bie  gälle  liegen  feineöroegö  immer  fo.  "SJlan  benfe  nur  an  folcbc 
gälle,  in  meldjen  baö  SBerlobnife  burd^  ben  SSräutigam  aufgetjoben  ift  ober 
berfelbe  bie  2lnerfennung  beö  Äinbeö  üerroeigert  unb  feine  SSaterfddaft  im 
Sßege  beö  ^rojeffeö  auögemittelt  merben  mug.  ^aju  fommt,  bag  eö  ftd^ 
mit  ber  ^eiligfcit  unb  SBürbe  ber  6^e  nid^t  verträgt,  mit  einer  immerhin 
unfitttid^en  ®efd()(ed^tögemeinfd^aft  g(eid[)e  SSirfungen  mie  mit  ber  &^e  ju 
Derbinben.  6ö  mürbe  bieö  bie  ®efaljr  einer  Seförberung  ber  Unfxttlid^feit 
unb  beö  Konfubinateö  mit  fid^  bringen.  Um  fo  weniger  fann  ein  Sebürfnife 
anerfannt  werben,  ju  ®unften  ber  Srautfinber  von  bem  5ßrinjipe,  baß  nur 
bie  burdd  bie  6f|e  «ermittelte  ®rjeugung  bie  ®runblage  beö  gamilicm  unb 
©rbredöteö  bitbet,  auö  SRüdEfid^ten  ber  SBiUigfeit  eine  2luönal^me  5U  mad^en, 
alö  bie  öfonomifd^en  unb  polijeilid^en  @rfd)merungen  ber  S^efd^Ueßung,  meiere 
früljer  uielfad^  bie  SBeranlaffung  gegeben  ^abcn,  bafe  bie  5Berlobten  ben  93ei^ 
fd)Iaf  antijipirten,  burd^  bie  neuere  ®efe6gebung  befeitigt  finb.  SBill  ber 
Bräutigam,  mcnn  bie  @f|e  unmöglid^  geworben  ift,  bem  im  93rautftanbc  er^ 
jeugten  Äinbe  bie  Stellung  cineö  cbelid^en  Äinbeö  uerfd^affen,  fo  bieten  ifjm 
baö  3nftitut  ber  9lnnaf|me  an  Hinbeöftatt  unb  baö  Snftitut  ber  Legitimation 
burd)  ®i)elid&fcitöerflärung  bie  geeigneten  aWittel.  ©egenübcr  benienigen  9?ed)ten, 
weldie  bie  93rautfinber  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  ben  e^etid&en 
Äinbevn  gleid^ftellen,  ift  überbieö  nad^  bem  ©ntiourfe  bie  Sad^lage  infofern 
eine  mefcntlid)  anbere,  alö  nad)  bem  entwürfe  burc^  baö  33erlöbni6  eine  SJer« 
binblid&feit  ber  SSerlobten  5ur  ©ingeliung  ber  ß(;e  nid^t  begriinbet  wirb,  aud^ 
irgenb  wcld&e  gomioorfdöriften  für  ©ingel)ung  beö  33erlöbniffeö  nid^t  aufgeftellt 
finb.  2)amit  ift  bem  Snftitute  ber  SBrautfinber  bie  ®runblage,  auf  weld^er  baö^ 
fclbe  [jiftorifdb  fid)  entwicfelt  l)at  unb  praftifd)  allein  burd^fü^rbar  ift,  entsogen. 


Unelicnd&cÄiiiber.  gamilicnnaincn.  grtcrIi(J6e  ©ciralt.  §§1569,1570.       859 

§  1569. 

2)ic  SBcftimmung  bcö  §  1569  cntfprid^t  bcm  ^^Jvinsipc,  bafe  bad  uueljc-  jamiueiu 
lidöc  Äinb  nur  511  bcr  SRuttcr,  lüd&t  and)  iu  bcm  SBatcr  in  einem  gomilien^  uw4u<j!rt 
ücröältniffc  ftc^t,  unb  ftimmt  mit  bcm  gemeinen  9ted)tc.(üei(jl.  (gntfd&,  b.9i.  ®.  仫*»««- 
in  6iDitf.  V,  45)  unb  ber  3ÄeF)rsaI|t  ber  neueren  Oefefegcbunflcn  übercin 
(preufe.  ar.  S.  9t.  II,  2  §  640  unb  3lnl;.  §  94;  öfterr.  ®.  33.  §  165;  fäd^f. 
®.  93.  §  1801;  mecHcnb.  fircl.  Sßerorbn.  t).  19.  Sonuar  1844;  fonbcrö^. 
93crorbn.  0.  6.  2)eäembcr  1843 ;  meining.  @ef .  n.  9.  September  1844  airt.  10 ; 
Coburg.  @cf.  v.  28.  3uU  1858  2lrt.  36;  SBerorbn.  fiir  JReuß  f.  il.  v.  29.  3lprir 
1864;  lübcd.  SBerorbn.  t).  22.  SuU  1865;  gott).  ©ef.  ü.  1.  3uU  1869  Slrt.  13; 
oltenb.  ©cf.  0.  29.  SWai  1876;  t)ergl.  aud^  §§  22,  25,  26  bcfi  M.  ®ef.  über 
bic  93curfunbung  bcö  ^erfonenftanbeö  u.  f.  ro.  t).  6.  gebruar  1875).  S)a6, 
mcnn  bic  ÜKuttcr  burc^  Sd&licfeung  einer  &)c  bcn  Familiennamen  bcö  ®f)c- 
manncö  erhalten  i)ai,  baö  unel)clid)e  Äinb  bcn  Familiennamen  erfjält,  meld&cn 
bic  OJIuttcr  Dor  ©d^licfeung  bcr  6^c  geführt  l)at,  berufit  auf  bcr  (Srmägung, 
bag  baö  fRe6)t  ber  3Äuttcr,  bcn  Familiennamen  bcö  G^emanncö  ju  führen, 
ein  ^öd^ftperfonlid^eö  ift ,  baö  und^elid^e  iSinb  aud^  nid^t  bcr  Familie  bcö  @^e^ 
manncö,  fonbern  ber  Familie  ber  SWutter  angeprt. 

SSerfc^icbcnc  Siedete  gcftatten,  bafe  baö.  une^clidde  Äinb  mit  ®in«)iUigung  §ß^r«no  u^ 
bcö  gSatcrö  bcRcn  «Tlamcn  fü^rt  (ücrgl.  mürttemb.  ®cf.  ü.  5.  September  1839  „S,S«'bi« 
airt.  28  5Kr.  5;'  öfterr.  ®.  ».  §  164;  meining.  ®ef.  t).  9.  September  1844    ««*««• 
Slrt.  10;  Coburg.  ®ef.  ü.  28.  3uli  1858  Slrt.  36;  gotl^.  ®cf.  ry.  1.  3uli  1869 
Slrt.  13;  t)eff.  @ntn).  II  Slrt.  54).     Sine  bcrartigc,  bcr  familicnrec^tlid&en 
Stellung  bcö  und^clic^cn  Einbeö  miberfprcdöenbc  unb  bic  leßtcrc  Dcrbunfelnbc 
prioatrcd^tlid^c  Scftimmung  ift  icbod^  nid&t  ju  cmpfel^lcn.    SJafe  nadd  franj. 
Siedete  baö  t)om  33ater  ancrfanntc  .Hinb  bcn  Flamen  bcö  SBatcrö  erfiält,  l)öngt 
mit  bcm  Don  bem  ©ntmurfc  nic^t  aufgenommenen  3nftitutc  ber  Slnerfcnnung 
iufammen. 

2)ie  Fi'^aC/  ob  unb  inioieioeit  baö  unc^elidjc  ^inb  bcn  Staub  bcr  3Äutter     «tanb. 
t^cile  (üergl.  prcufe.  Sl.  S.  9i.  II,  2  §§  640,  642;  often:.  ®.  93.  §  165; 
meining.  ®ef.  v.  9.  Sept.  1844  Slrt.  10;  f|cff.  ßntu).  II  Slrt.  54),  l^at  ber 
©ntiourf  l)ier,  wie  in  anberen  äfinlid)  liegenben  Föö^n  (ocrgl.  §§  1274,  1497 
ncbft  bcn  üJlotiDcn  ju  §  1274  oben  S.  106  ff.),  unbcrfltjrt  getaffen. 


§  1570. 
®cmeinred)tlidö  unb  nadd  bcn  mciften  neueren  ©efeßgebungen  ftc^cn    eiternde 
uuctjclic^e  Äinber  unter  aSormunbfd^aft;  bod^  mirb,  wie  ber  c^elid^en  2Buttcr  ®*j^tJ[{eJ!' 
nac^  bcm  2^obc  bcö  SBatcrö,  fo  aud^  ber  uncljicli^cn  aWuttcr  ein  balb  mcl^r  ^^^^^^^^^ 
balb  weniger  Don  bem  ßrmeffen  bcr  Dbcrrjormuubfd^aft  abljöngcnbcö  Siecht     «wi^t. 
auf  bic  ©rjie^ung  bcö  uncl^elid^cn  Äinbcö  cingcrömnt.    3nöbcfonbere  beftimmt 
bic  prcufe.  SBorm.  D.  v.  5.  3uli  1875,  o^nc  in  bicfcr  SBciic^ung  jmifcficn  bcr 
ct)clid^cn  unb  bcr  uncljclidjcn  üJJuttcr  ju  unterfd^ciben,  bafe  ber  SRuttcr  bcö 
ÜJhinbctö  bcfien  erjic^ung  unter  Sluffid^t  beö  Sßormunbcö  suftc^t,  il)r  bicfcö 
Gr5icf}ungörcdöt  aber  aM  crt)cbli(^en  ®rünbcn  mi)  Slnljörung  bcö  Sßormunbcö, 
fomic   bcö  SGBaifcnrat^cö,  burdj  baö  aSormunbfd^aftögcridjt   entjogcn  loerbcn 


860  Uncjeli*c  Rtnber.    eiterli*c  ©ctrart.    §  1570. 

fann  (DcrcjL  31.  £.  SR.  II,  2  §  614  ncbft  Stn^.  §  95,  II,  2  §§  621—625,  II,  18 
§§  315,  320,  321;  prcufe.  äJorm.  D.  §§  11,  12  2ll)f.  2,  §  28;  öftcrv.  ©.». 
§§  160—170;  fäd)f.  ®.  33.  §§  1874,  1875,  1922,  1923). 

Slud^  bieicniöcn  Siedete,  rocld^e  bcr  cl)clid&cu  aWuttcr  itQd)  bem  ^obc  bcö 
aSatcrö  bic  cUcriid^e  (Seroalt  übertragen  (üergl.  bic  üHotioe  ju  §§  1501,  1502 
oben  ©.  723  ff.),  ernennen  eine  elterliche  (Seroalt  ber  2Butter  über  xl)x  une^elid^cö 
^inb  nid^t  an;  nur  nacf)  bem  roeimar.  ®ef.  u,  27.  SKärj  1872  §§  2,  4,  15,  16 
ftcl)t  aud^  bcr  unefielic^cn  ÜWuttcr  bie  oollc  cltcrlicbc  ©eroalt  elufd^Hefelid^  bcr 
tBcrroaltunfl  bcö  SBermögenö,  ber  aSertretunß  unb  ber  eltcrüd&en  SlufcnieSung 
ju.  ©aöfelbe  ift  nad^  bem  ^eff.  ßntro.  III  ärt.  55  ber  gall,  icbod^  mit  ber 
"^a^^abt,  bafe  baö  SSormunbfdöaftflgerid^t,  je  nac^bcm  roegen  bcr  5ßerfonlid^feit 
ber  a)2utter  für  bic  ©räic^iing  beö  Äinbeö  ober  für  bie  SScrroaltung  bcß 
bem  lefitcrcn  gcljorenben  SBcrmögcnö  bcfonbcrc  SJorforgc  notl^g  crfd&eint,  einen 
tBormunb  ober  Kurator  für  ba^  Äinb  beftellen  fann. 

3n  eittigen  Heineren  SRed^tögebicten,  fo  in  iiDtedElenburg*6d&rocrin,  in 
SBalbccf  (Söorm.  D.  v.  21.  Dftober  1844),  in  JReufe  ä.  2.  (SSerorbn,  o.  2.  3uli 
1864  §  2),  l^at  bie  SKutter  jroar  nid^t  bie  elterüd^e  ©croalt  über  i^r  uncfic^ 
lid^cö  Äinb,  aber  bie  ©tellung  eines  gcfcßUd^cn  SBormunbcö  (ocrgl.  aud^  t;amb. 
aSorm.  D.  o.  14.  Sejember  1883  3lrt,  1  3lbf.  2).  Db  nad&  franj.  9]ccötc  bcr 
3ßuttcr  neben  ber  auf  bic  ^erfon  beö  oon  if)r  anerfannten  unebelid^en  ftinbcö 
fid^  bcjicl^enbcn  clterlid^cn  (Scroalt  aud^  bic  gcfcfetid^c  aSormunbfd^aft  über  baö 
Äinb,  alfo  bie  93crmogcnöocrroaltung  unb  bic  SBcrtretung  jufte^t,  ift  beftrittcn. 
3laä)  bah.  S.  91.  ©afe  393  a  ift  bie  3)lutter,  roenn  fie  befannt  ift,  SBormunb  beö 
uncl^clid&cn  Äinbcö  (oergl.  febod^  §  4  bcö  bab.  ®ef.  o.  21.  gebruar  1851). 
9lu(^  baö  ital.  ®.  SB.  Slrt.  184  gicbt  bcr  ajluttcr  in  Stnfcl^ung  beö  oon  i^ir 
anerfannten  une^clid^en  Äinbeö  bie  gcfefelid)c  SBormunbfd^aft,  roeld^e  mit  2luö^ 
nal^mc  ber  eltcrlid^cn  Slufinicfeung  bcr  eltcrlid^en  ®croalt  ooÜftänbig  glcid^ftcbt 
unb  inöbefonberc  aud)  nur  tiad)  aRafegabc  bcr  Scftimmungen  lUcr  bic  cltcrlid^c 
®croalt  entjogen  toerbcn  fann. 
tgtanbpuiift  2)cm  ^rinjipc  beö  §  1568  in  SSerbinbung  mit  bem  §  1501  2lbf.  2  roürbe 

«ntSSfrfe«.  Co  cntfprcdbcn,  roenn,  mic  ber  cl^cli^cn  SKutter  nad^  bem  S^obc  beö  SBatcrö, 
fo  ber  uncl^clidjcn  SDluttcr  mit  bcr  (Seburt  beö  Äinbeö  bie  eltcrti^c  ®eroalt 
über  baöfelbc  übertragen  roürbe.  3n  biefcr  Söcjic^ung  ift  ieboc^  bic  im 
§  1570  bcftimmte  äliobififation  mit  Slüdfid^t  auf  bic  Söerfd&icbcnl&eit  bcr  Sa(^' 
läge  für  uot^rocnbig  crad)tet.  2)ie  in  bcn  SÖlotiocn  beö  ^cff.  (Sntro.  III 
©.  173  für  bic  Ucbertragung  ber  elterlichen  ®croalt  auf  bie  uncl^elid&c  aJhittcr 
gcltcnb  gemad^tcn  ®rünbc,  cö  fei  oon  ber  natürlidjcn  aJIuttcrlicbc  ju  erroarten, 
bafe  fic  für  ibr  Äinb  nadd  Äräften  forgen  roerbe,  unb  eö  roerbc  burd^  bicfc 
3lrt  ber  Siegelung  bic  ©taatöaufildöt  einer  aßcngc  läftigcr  aSormunbfd^aftö« 
Äuftwricfiunß  bcftcHungcn  überf|oben,  werben  burd^  bie  mit  bcr  9lncrfcnnung  bcr  cltcrlidiicn 
^' ©ÜSül?'"  ©croalt  bcr  unehelichen  aWutter  für  baö  Äinb,  inöbefonberc  für  bcffen  förper* 
lid^cö  unb  geiftigeö  2Bof|l,  oerbunbencn  ®cfa{)rcn  überroogen.  Sie  SSorauö* 
fegungen,  oon  roeld^cn  bcr  ©ntrourf  auögcgangen  ift,  roenn  er  bic  Ucbertragung 
bcr  clterlid^cn  ®croatt  auf  bic  ct)elid)e  3Kutter  alö  unbebenftid^  erad^tet  ^at, 
treffen  bei  ber  unetjclid^cu  3)luttcr  tficilö  überl&aupt  nid^t,  t^cilö  roenigftenö  in 
einer  großen  3öl)l  üon  gftUcn  nid^t  5U.    S)ic  (Srfaljrung  Icl^rt,  bafe  uncbclid^c 


Unc5eIi(J6c  Äinbcr.    elterliche  ©ctralt.    §  1570.  8G1 

Äinber  in  forpcrlic^er  roie  in  gciftißcr  ^infid^t  nur  ju  oft  ücnr)al)rIoft  werben. 
S)aö  Sntcreffe  biefcr  joldlrcid^cn  Äinbcr  unb  mittelbar  ber  Ocfellfd^oft  crlicifd^t 
cö  brinflenb,  möfllid^ft  fixere  ©aranticen  ju  fd^affcn,  bafe  bicfclbcn  in  förpcrlid&er 
unb  flciftiflcv  93cjici|un0  eine  gute  Sluöbilbung  erfioltcn  unb  ju  nüglid)en 
©liebern  ber  menfd^tid^cn  ©cfellfd^aft  erjogen  werben*  SJiefe  Oaranticcn 
würben  ober  regelmäßig  fel^len,  wenn  man  ber  une^elid^en  üKutter  bic  elter- 
lid^e  ©ewalt  über  i^r  une^cliddeö  Äinb  einräumen  wollte.  §at  bie  unel)elid)e 
SRutter  an  fxi)  Qud&  bic  gfi||igfeit,  bie  mit  ber  eltcrlid^en  ©ewolt  oerbunbcnen 
^fii^ten  unb  Siedete  ju  erfüllen  be^w.  ouöjuüben^  fo  mangelt  ed  il^r  bodd  ju 
oft  on  bem  guten  SBillen  unb  bem  genügenben  ®rnfte.  3n  t)ielen  fällen  l^at 
bie  unel^eli^e  SRutter  für  ba&  unel^elid^e  Ainb  nid^t  bad  gleiche  ^ntereffe  unb 
bie  gleite  l^ingebenbe^  baö  3}efte  beö  9i\nbt&  im  Sluge  ^abenbe  Siebe^  wie  bie 
cftelid^e  aWutter  für  il^r  e^elid^eö  ftinb;  üielmel^r  üertjält  fie  fid^  gleid&güttig 
gegen  bad  unel^elid^e  kinb  unb  betrad^tet  badfelbe  wol)l  gar  als  eine  brüdfenbe 
Saft.  SDaju  fommt,  bafe  bie  unel^elid^e  SRuttcr  feiten  einen  feften  i^auöftanb- 
t)at,  bafe  fie,  um  il(irem  Grwerbe  nad^juge^en,  l&fiufig  von  bem  Äinbe  getrennt 
ift  unb  badfelbe  gegen  eine  billige  93ergütung  fremben  ^erfonen  überläßt^ 
weld^e  babei  weniger  bad  Sntereffe  beö  JJinbeö  ald  il^r  eigenes  Sn^^^cffe  berfldf^ 
fid^tigen.  3i\\ä)  tnfofeni  ift  bic  Sad^lage  bei  ber  une^elidden  unb  ber  d)dxä)cn. 
SRutter  eine  rerfd^iebene,  als  bie  leßtere  in  ber  SHcgel  erft  nad^  bem  2^obe  bcö- 
SSoterd,  alfo  meiftenö  erft  in  gereifteren  Salären,  bic  elterlid^e  ©ewalt  erlangt* 

9llle  biefc  Sebenfen  werben  aud^  baburd)  nid[)t  befcitigt,  bafe  man  bie 
33efugniffe  bcö  SBormunbfd^aftögerid&teö,  ber  aWutter  bic  elterlidöe  ©ewalt  ganj 
ober  t^eilweife  ju  cntjie^en,  gegenüber  ben  Seftimmungen  beö  §  1546  erweitert; 
benn  wenn  ber  ättutter  bic  eltertidöe  ©ewalt  übertragen  unb  eine  SBormunb* 
fd^aft  ba^er  nid^t  angeorbnet  wirb,  fo  fel^lt  ed  an  einem  Organe,  weld^cd- 
pfiid^tmögig  bie  äludübung  ber  ber  SRutter  übertragenen  ^jli^ten  unb  Steckte 
überwad^t  unb  fraft  feiner  Slmtdpflid^  ia&  äSormunbfd^aftdgeric^t  t)on  einem 
^JlUgbraud^e  ber  elterlid)en  ©ewalt  in  ^enntnig  fe^t,  um  basfelbe  ju  einem 
®infd^reiten  ju  oeranloffen.  S)arauf,  bafe  britte  ^erfonen,  inöbefonbere  anbcrc 
SSerwanbte  bed  ^Unbed,  bem  aSormunbfd^aftdgerid^te  red^tjeitig  älnicige  mad)en 
werben,  ift  bei  une^elid^en  Äinbern  mit  einiger  ©id^er^eit  nid^t  }u  red^nen. 
@benfowenig  reid^t  cd  an&,  wenn  etwa  bad  älufft^tdre^t  bed  SBaifenrat^cd 
bei  ben  unter  ber  elterlid^en  ©ewalt  ber  aßutter  ftelienben  une^elid)en  Hinbern 
nad)  Sßaggabc  bed  §  1725  audgebc^nt  würbe,  ba  ed  regelmögig  an  einer 
äufeercn  Slnrcgung  jur  3ludübung  biefer  Sluffid^t  unb  an  bem  nötl^igcn  3«* 
fammenl^ange  mit  bem  93ormunbfd()aftdgcrid[|tc  fc^lt,  wenn  nid()t  jugleid^  eine 
93ormunbfd^aft  gefül^rt  wirb.  SBirb  bagegen  in  allen  gälten  eine  SBonnunb^ 
fd^aft  angeorbnet,  fo  fann  ber  SBaifenratt)  audd  in  SÄnfel^ung  ber  uncl^elid)en 
Hinber  eine  gebeil(|lid^e  SBirffamfeit  entwirfein. 

Gin  wcitcrcd  83ebenfen  gegen  bie  Uebertragung  ber  clterlid^en  ©ewalt  auf 
bic  unc^elid^c  SRutter  ergicbt  fid^  baraud,  bag  mit  ber  eltcrlid^en  ©ewalt  bic 
Sorge  für  bad  SBermBgen  cinfd^licfelid^  ber  gcfefelid^cn  SJertretung  rcrbunben 
ift.  6d  liegt  bic  ©efa^r  na^e,  bafe  in  t)ielen  gällen  Icid&tfinnigc  SKütter  bad 
etwa  üor^anbene  SSermögen  bed  Hinbed,  namentlidj  bie  von  bem  äSater  ge^ 
Iciftctcn  Unterl)altdgelber  ober  eine  t)on  bcmfclben  gcjal^lte  9lbfinbungdfumme^ 


862  Unefcli* c  Äinber.    QXUüiiic  ©oralt.    §  1570. 

nid&t  im  äntcreffe  beö  Äinbcs,  fonbcrn  im  eigenen  Suterefie  oeriocnben  würben 
unb  auf  biefe  SBeife  bcr  S^td  beö  nad^  ben  §§  1571  ff.  bem  Äinbe  gegen  bcn 
une^elid^en  93ater  jufte^enbcn  Unter^attdanfprud^es  vereitelt  toerben  tonnte. 
2ßit  9tM[xä)i  auf  biefe  ®efa^r  ift  j.  S.  in  aWerflenburgsScöroerin,  loo  bic 
SRutter  bie  Stellung  eines  gefeilteren  93ormunbed  fyit,  burd^  SJerorbn.  ü. 
26.  3uni  1847  §  2  bie  SRutter  in  bem  93em)Q(tung3«  unb  SJerfügungdred^te 
über  bie  Don  bem  une^elid^en  93ater  }u  ^a^tenben  9Dimente  pielfad^  befd^ränft 
unb  für  Derfd^iebene  ^cille  bie  Aonturren)  eined  SSormunbeö  bejm.  ber  Ober- 
Dormunbfd^oft  oorgefdyrieben.  ferner  beftimmt  bad  bab.  @e[.  o.  21.  ^ebniar 
1851  §  4,  ha^,  mennglei^  bie  SAutter  SSormunb  bed  une^eü^en  Stinbes  ift 
(bab.  2.  dl.  @ag  393  a)/  boc^  bie  Atage  auf  Unterl^att  gegen  ben  unel^etid^en 
93ater  nur  oon  einem  befonberö  ju  emennenben  ^ormunbe  geltenb  gemalt 
merben  fann.  ^urd^  bie  äludfc^liegung  bed  äSertretungdred^ted  mirb  indbefonberc 
aud^  ber  @efal^r  üorgebeugt^  bag  (ieberßd^e  ober  lei^tfinnige  SRütter  ba^  9Ied)t 
ber  gefeglid^en  iBertretung  bed  ftinbeö  baju  migbrauc^en^  pon  oerfc^iebenen 
^^erfoncn,  meldte  mit  \\)x  innerl^alb  ber  ©mpfängnifeeit  beö  ftinbcö  ben  33eis 
fd^Iaf  DoUjogen  l^aben^  betrügli^erroeife  auf  ben  Flamen  bed  ftinbeö  9(Umente 
ju  forbern.  Sic  l^eroorgel^obenen  Sebenfen  fprcd^en  im  2Befentlid&en  aud) 
bagcgen,  bcr  aWutter  bic  Stellung  einefi  gefe|Hd&en  SJormunbcfi  ju  geben. 

^^niesun  ^^^^  ^^  une^clid&cn  ÜRutter  im  Ucbrigen  bic  elterlid^e  ©cmalt  pcrfagt, 

u«n  e  ung.  ^^  ^^^^^  ^^  ^^^  ^^  ^.^^^  auörcid^cnben  (Srunbe,  i^r  bie  mit  ber  leßtercn  »er* 

bunbcne  elterlidde  Slu^niefeung  einjuräumcn.  Sollten  bie  ®infünftc  auö  bem 
Sßermögcn  bed  ftinbcö  Ueberfc^üffe  ergeben,  fo  ift  eö  für  ba^  fpStere  gort^ 
fommen  beö  ftinbcö  oon  grofeem  SBcrt^e,  menn  biefe  Ueberfddüjfe  für  baö  ftinb 
angelegt  mcrben.  2)icfelben  bcr  une^elid^cn  ÜKuttcr  ju  fiberlaffen,  ift  um  fo 
bcbenflid^cr,  als  in  oicicn  gSUcn  bie  ime^elid^cn  ÜRütter  leid^tfinnige  unb  ocr- 
fddrocnberifd^c  5ßcrfonen  ftnb.  3wbcm  liegt  eö  im  Sntcrcffc  ber  Sittlic^fcit, 
mcnn  bcr  uncl^elid^cn  SKutter  {eber  auö  il^rer  Unfittlid^feit  l&croorge^enbc,  aud) 
nur  inbircite,  SUermögcnöoortl^cil  cntjogen  wirb. 
x^otfÄd^iii^c  SGßcnngleid^  bcr  ©ntrourf  auö  ben  angeführten  ©rünben  2lnftanb  gc^ 

^fpSon"b€«*  nommen  l^öt,  ber  uncI)eUd&en  3Äutter  bie  elterlid^e  ©emalt  über  baö  unc^elid^c 
Äinbc«.  jiijij,  J^  übertragen,  fo  ift  eö  bod&  im  Slnfd&luRc  an  baö  iiberroiegenb  gelteubc 
JHcd^t  alö  unbebenfHc^  crad)tct,  ber  üJlutter  nad^  SÄa^gabe  beö  §  1558  Sag  2 
(ocrgl.  a\x6)  %%  1565, 1566)  bic  tf|atfäd[)lid)e  Sorge  für  bic  5ßcrfon  beö  ftinbcö 
afe  ein  felbftänbigcö,  i^r  fraft  beö  ®ejc6cö  jufte^enbeö  SRed^t  unter  STufud^t 
beö  beftcUten  Söormunbcö  ju  übertaffen,  jumat  bcr  §  1546,  roeld&cr  nebft  ben 
übrigen  Sßorfd^riften  über  bic  efterlid^e  (Scroalt  aud^  auf  bic  nad^  §  1570  bcr 
unel)elidöen  3)lutter  5uftel)cnbe  Sorge  für  bic  5ßcrfon  beö  ftinbcö  analoge  5ttm 
TOcnbung  pnbct  (oergl.  §  1685  Sag  2 ;  aWotioe  ju  §  1558  oben  S.  835),  bic 
Wrcnjcn  für  bic  Sulöffigfcit  beö  einfd&reitenö  beö  SSormunbfd^oftögcrid^teö 
weit  genug  gcjogcn  \)at,  um  icbcr  ©cfal^r  eineö  aJHfebraud&cö  jum  9lad^tf>cilc 
beö  SBo^leö  beö  ftinbcö  roirffam  entgegentreten  ju  fonnen.  5Ra^  bem  3ßor« 
gange  beö  gcltcnbcn  9led^tcö  unterfd^eibet  bcr  ©ntrourf  aud^  nid&t,  ob  bic 
unet)clidöe  SOJuttcr  felbft  noä)  unter  clterlid^cr  ©cmalt  ober  wegen  3)tinber* 
iö^rigfeit  imter  aSormunbfd^aft  ftcf)t.  2lud)  roenn  bie  uncl^elid^e  a)lutter  notö 
minberiä^rig  fein  foUte,  würbe  eö  bcn  natürlid^cn  ajcr^oltniffen  nid^t  ent- 


nnel&cli*c  Äinbcr.    (göcrli^c  ©eiralt.    §  1570.  863 

fprcd^cn,  fic  üon  bcr  5ßfftd^t,  in  bcm  im  §  1570  bcjcid^nctcn  Umfange  für  il)r 
Äinb  ju  forgcn,  ju  entbinben  (ücrgl.  aucl^  §  1554  Slbf.  2,  §§  1565,  1560 
ncbft  bcn  fDlotmn  ju  §  1554  oben  S.  820). 

3n  3tnlel)nun9  an  eine  and)  für  ba^  gemeine  Siedet  Dertretcnc,  t)on  bcr  efsio&ung»* 
l^errf^enben  üReinung  icbod^  nid^t  get^cilte  atnfiti&t  (üergL  ©euffert  lY,  230,  b« ««»«. 
XII,  163,  XXVII,  32)  erleibet  nad^  üerfd^iebcnen  neueren  ©efcfcgebungcn  baö 
®riiebungöred)t  ber  une^elid^en  ajlutter  infofern  eine  üRobififation,  alö  bic« 
felbcn  nadd  9lblauf  ber  erften  Sebenöja^re  beß  Äinbeß  bcm  uncl^eUd^cn  SBatcr, 
wenn  biefcr  wegen  ©rfüüung  feiner  Unterl)aUdpflid&t  in  3lnfpnic^  genommen 
mirb,  ba&  Siedet  geben,  baö  Äinb  fetbft  in  ^Pflege  5u  nel^men  unb  ju  erjie^en, 
öorbe^alttid^  ber  SBcfugnife  beö  SBormunbfd&aftßgerid^teö,  bcr  aWutter  bie  SBer- 
pflegung  unb  Srjic^ung  beß  ftinbcö  auf  Äoften  beß  Söaterß  femer  ju  be* 
laffen,  fofcrn  bicß  burdd  baß  Sntcreffe  beß  Äinbcß  crforbert  mirb  (ücrgl. 
prcug.  Sl.  S.  SR.  II,  2  §§  622—625;  malbecf.  aScrorbn.  o.  3.  3anuar  1780 
§7;  anl^altbcff.  SScrorbn.  o.  30.  Sßai  1815;  fä^f.  ©.SB.  §  1870;  gotf).  ©ef. 
V.  1.  Suli  1869  Slrt.  9 ;  altenb.  ©ef.  t).  29.  3)lai  1876  §  16).  ©agcgcn  l^aben 
qnberc  ©efeftgebungen  jeneß  9led&t  beß  SBatcrß  außbrürftid^  außgcfc^loffcn  (üergl. 
mccttenb.  aScrorbn.  v.  23.  3uni  1847  §  i  lit.  d;  fonberßl).  ©ef.  n.  12.  3luguft 
1844  §§  13—15;  rubolft.  ©ef.  t).  31,  Sßai  1850  §§  10—12;  meining.  ©ef. 
V.  9.  September  1844  3lrt.  20;  Coburg,  ©ef.  n.  28.  3uli  1858  SUt  5,  8). 
Sa  nadö  bem  ©ntmurfe  (§  1574  t)crb.  mit  §  1491  9lbf.  1)  bcr  uneljelid)c 
SBater  bcm  Äinbe  bcn  Unterhalt  immer  in  einer  ©clbrente  ju  gemäfircn  ^at, 
fo  fällt  bamit  bic  ©runbtagc  beß  t)on  bcn  angefül)rten  ©efc|cn  ancrfannten 
^}icl^ungßrcd^teß  beß  a3aterß  meg.  3(ber  aud^  abgefcl^en  baoon  fann  t)om 
Stanbpunftc  beß  3ntcreffeß  beß  Äinbcß  auß  ein  fold^cß  ©rjic^ungßred^t  beß 
SSatcrß  auß  bcn  in  bcn  2)iotioen  ju  §  1568  oben  £.  852  ff.  bargcfteUtcn  03rünbcn 
olß  angemeffen  nic^t  crad^tet  merbcn. 

3n  Sttnfcl^ung  ber  rcligiofcn  ©rjicl^ung  beß  unefielid&cn  Äinbcß  bleiben,  «eitgtöfe 
wie  an^  §  1658  fid^  ergiebt,  bic  Sanbeßgefefce  unberührt  (oergl.  preufe.  31.  S.  SR.  ®'^^"*""*' 
II,  2  §  642  Dcrb.  mit  bcm  preufe.  ©ef.  v.  14.  SWärj  1871  unb  ber  preufe, 
aSorm,  D.  o.  5.  3uli  1875  §  28;  nojf.  aSerorbn.  v.  22./26.  SDiärj  1808;  meimar. 
ebift  0.  7.  Dftober  1823  §  54;  ^annoo.  aScrorbn.  t).  31.  3uli  1826  §  6;  malbecf. 
aSerorbn.  v.  28.  SDJärj  1827  §  3;  fäd&f.  ©ef.  t).  1,  Sioocmbcr  1836  §  10; 
hatjt.  SJcligionßcbiK  t).  26.  SKärj  1818  §  21 ;  franff.  ©ef.  v.  5.  September 
1811  Slrt.  5  ücrb.  mit  bem  franff.  ©ef.  d.  30.  S)ej.  1819;  furljeff.  ©ef.  i\ 
29.  Cftober  1848  §  3  oerb.  mit  ber  aScrorbn.  d.  13.  3lprit  1853  §  4  9Jr.  3; 
inclning.  ©ef.  v.  9.  September  1844  3lrt.  12  3lbf.  4 ;  Coburg,  ©ef.  t).  28.  3uli 
1858  Slrt.  37;  bab,  ©ef.  o.  9.  Dftober  1860  §  1).  S^iefcr  aSorbc^alt  entfpric^t 
bcm  §  1508  unb  bcn  ©rünben,  auf  meldten  biefe  Icfetcrc  SBcftimmung  bcrut)t. 

aScgcn  bcr  göl^igfcit  bcr  une^elid^en  SKutter,  jum  SBormunbc  i^rcß  ©ormunb> 
unehelichen  Äinbcß  beftcllt  ju  merbcn,  ücrgl.  §  1640  3lx.  4  ücrb.  mit  §  1637  ^^"^*' 
?lbf.  3.  ®ic  ©rünbc,  auß  loelddcn  bcr  (gntmurf  —  abmei^cnb  üon  bcm  preufe. 
ajccftte  (ocrgl.  prcufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §  614,  3ln^.  §  95  unb  prcufe.  aSorm.  D. 
t).  5.  3uli  1875  §  12)  —  eine  gcfcfelid&e  aSormunbfc^aft  beß  müttcrlid&en  ©rofe* 
t)atcrß  über  bcn  unef|clid[)en  ©nfcl  nid[)t  ancrfannt  \)at,  finb  in  bcn  aJlotioen 
JU  §  1635  bargclcgt. 


864  llntcr6anepfli(6t  bc8  unehelichen  Satcrß,    ©eftaltuno.    §  1571. 


II.  Uttter|aIM)ifl^t  be«  nttel^el^eti  Sätet«. 

§  1571. 

«rfotf<$un9  SBä^rciib  boö  rötn.  Siedet  eine  Unterl^altöpflic^t  bcö  unc^clicftcu  iBateri^ 

uite^it($en  uur  fcincu  im  Äonfubinate  erjeugten  Äinbern  gegenüber  anerfennt,  fte^t  nod^ 

«aterf<^aft  gemeinem  Siedete  auf  ®runb  eines  unbcftrittcnen  ©emol^n^citdred^teö  unb  nod^ 

&eumbe9  ben  meiften  neueren  beutfd^en  ®efe|gcbungen  jebem  nne^cRd^en  ftinbc  ein 

****     Unterfialtdonfprud^  gegen  ben  natürüd^cn  SBatcr  ju,  imb  jmar  wirb  berjenige 

q[ö  93ater  bed  une^elid^en  Rinbed  in  ber  ^ter  frQg(id)en  SSejie^ung  angefel^en^ 

n)eld)er  mit  ber  ÜÄutter  beö  Hinbeö  innerhalb  ber  gefefiUc^  nfi^cr  beftimmtcn 

Smpfängnigjeit  beö  (egtereu  ben  93eifä^laf  t)oU}ogen  ^at.    Ob  unb  inmiemeit 

biefc  33ermut^ung  ber  SJaterfc^aft  burd^  ©cgenbemeiö,  inöbefonbere  burdf>  ben 

(Segenbemeiö  entfrfiftet  werben  tonn,  bofe  inneri^otb  jener  3cit  aud^  oon  einem 

SÄnberen  ber  Seifd^Iof  mit  ber  SKutter  bed  Äinbeö  ooUjogen  fei,  ift,  wie  bie 

aWotioc  JU  §  1572  beö  9läf|ercn  ergeben,  gemeinred^tlid^  fel)r  beftritten  unb 

audd  t)on  ben  neueren  ©efefegcbungen  üerfdjieben  beontroortet  (oergl.  bagn 

2.  SR.  I,  4  §  7  3lx.  5,  §  9  3lv.  4;  preufe.  SK.  S.  dt.  II,  2  §§  612 ff.;  preufe.  ®ef. 

V.  24.  3lpril  1854,  burd&  ®cf.  t).  1.  aWärj  1869  auf  bie  lanbrec^tli^en  ©ebietc 
ber  ^rooinj  §annoocr  unb  burd&  ®ef.  v.  23.  3Kärj  1873  auf  baö  preuß. 
3ttbegebiet  audgebef)nt;  öfterr.  ®.  ».  §§  163 ff;  fä^f.  ®.  93.  §§  1858 ff.; 
württcmb.  ®cf.  x>.  5.  September  1839  §  28  3lv.  4;  najf.  ©bift  d.  21.  ©eptember 
1816;  anf^alt^beff.  SJerorbn.  ü.  30.  Wiai  1815,  ®rläuterungen  jur  anl^att.  2.  D.  V, 

VI,  VIII  §20,  beffau^öt^.  dec.  II  p.  1850,  anl&alt.  ®ef.  t).  I.3uai864,  betr- 
bie  ^ßublifation  üerfddiebener  anl^ott*beff.  33erorbn.  für  bie  bernburg.  2anbedtl[|eile ; 
medftenb.  SSerorbn.  v.  23.  3uni  1847;  olbenb.  3)effaration  d.  7.  3uni  1845; 
fonbcröl).  ®ef.  t).  12.  SÄuguft  1844;  rubolft.  ®ef.  t).  31.ÜRal  1850;  meining.  ®ef. 
t).  9.  ©eptember  1844 ;  weimar.  ®efc6e  ü.  13.  2lpri(  1829  unb  6.  3uni  1853 ; 
®ef.  für  SRcufe  ft.  2.  d.  4.  3anuar  1854;  coburg.  ®ef.  o.  28.  3uli  1858;  got^, 
®ef.  t).  1.  3uli  1869;  altenb.  ®cf.  d.  29.  a»ai  1876). 

Ueber  ben  9led^tdgrunb  beö  bem  une^elid^en  Rinhc  gegen  ben  unel^elidjeit 
SSater  jufteljenben  Unter^aftöanfprud^eö  ge^en  in  2)oftrin  unb  ^rayiö  bie  ^Uu 
fid)ten  auöeinanber.  3lad^  ber  einen,  namentlidd  in  ber  bapr.  5ßrariÄ  jur 
3lnerfcnnung  gelangten  3lnfid^t  l^at  ber  Slnfprud^  ben  Marafter  eineö  Seliftö:? 
anfpruc^cö  (Seuffert  XXX,  222).  Siefer  3lnrid)t  tommt  am  n&ä)^ttn  biejenige 
9lnfid)t,  wefdde  ben  Slnfpnid)  auf  bie  burd)  ben  Seifd^Iaf  mit  ber  SWutter  be^^ 
grünbete  3WögIid&feit  ber  SBaterfd^aft  ftfigt  unb  biefc  ®[eid(|ftellung  ber  mog=^ 
lid^en  93aterfd[)aft  mit  ber  mirflidöcn  SSaterfd^aft  bamit  red^tfertigt,  ba§  ber 
ilonfumbent,  •  mcnn  audj  fein  S)elift,  bod^  eine  unfittlid)e  ^anblung  begangen 
f)abe  (üergt.  bagegen  Seuffert  XXXV,  27).  ®ine  britte,  in  ber  2:öeorie  unb 
^JJraEiö  üormiegenb  Dertretenc,  inöbefonbere  audd  ^^^^  ^^^  preufe.  imb  ffid^f- 
^^Jrariö  befolgte,  3lnfid)t  füfirt  bie  Unterl|aUöpf(i^t  beö  uucl;eüd(|en  SBaterö  auf 
baö  burd)  bie  natürlidde  SBermanbtfc^aft  jroifdöen  bem  une^elid^en  Äinbe  unb 
feinem  aSater  ^eroorgerufenc  S?cr^filtni6  juriidE,  betrad^tet  ben  Slnfprud^  ba^er 
alö  einen  familicnredötlid)cn  Slnfprud^  (ocrgf.  Seuffert  III,  254,  IV,  255,  XII, 
333,  XVI,  117,  XX,  99,  XXXI,  196,  XXXV,  27,  XXXVII,  314;    ©nifd). 


Untcrßalt&Dfli^t  beß  unelfteli^cn  SSatcrg.    ©cffartiing.    §  1571.  865 

b.  SR.  C.  §,  ®.  XXin,  68  ©.  197 ;  (Sntfd).  b.  %  ®.  in  ßbilf.  VII,  102 
S.  340;  entfdd.  b.  SR.  ®.  in  ©traff.  XIII,  41).  ©ine  üicrtc  2lnfi^t  grünbct 
bic  Untcrl)altöpflidöt  jroar  an6)  auf  bic  S^wsung,  icbod^  nid^t  auf  eine  baburd^ 
üermittcite  baucmbe  Sebcnöbejictjung  jroifd^cn  SBater  unb  Rinb,  fonbcrn  auf 
bic  eine  in  fid^  abgcfd&Ioffcne  2:i|atfad(|c  bcr  3^^9wng  (©cuffcrt  XI,  42). 
@nbli(i&  wirb  anä)  bie  SReinung  Dert^cibigt,  ba§  bic  Unterl^altepffid^t  beö  un? 
cl^eKd^en  93otcrö  überf)aupt  icbeö  materiellen  SRed^tögrunbeö  entbel^re  unb  als 
eine  auf  SRücffid^ten  bcr  SiÜigfcit  berul^enbc  gefefelidic  SBerbinblid^feit  fid^  bar- 
fteHe,  beren  gunbamcnt  bie  2:i^atfad^e   bes  93eif(i&Iafeö  fei   (ücrgl.  Seuffert 

XII,  162,  XIX,  47,  XXVn,  261). 

3m  Oegcnfafee  jum  gemeinen  SRed^te  unb  ben  angefütirten,  auf  gemein« 
red^tüd^er  (Srunblage  beru^enben  ©efeßgebungen  ücrfagl  baS  franj.  SRed^t  bem 
unehelichen  Äinbe,  fofcrn  baö  lefttcrc  oon  bem  unefielid&cn  SSater  nid^t  freU 
roillig  anerfannt  ift,  leben  Unterl)alt3anfprud&  gegen  ben  unel^elid^en  SBater, 
inbem  cd  ben  (Srunbfa|  aufftcHt:  „la  recherche  de  la  paternite  est  interdite". 
SRur  im  galle  ber  ©ntfü^rung,  mcld&cm  bie  ^ßrajiö  ben  gall  bcr  SRotl^jud^t 
glcid&fteüt,  ift  eine  aJaterfd^aftöflage  julöfftg  (code  civü  9lrt.  340,  342). 

S)cm  franj.  Siedete  ift  baö  bab.  S.  SR.  gefolgt;  bod&  l^at  ba^  leßterc  bic 
STußna^mcn,  in  roeld&en  bic  ©rforfd&ung  ber  SJaterfd^aft  im  ^rojeffe  juföffig 
ift,  errocitert  (bab.  S.  SR.  ©aß  340,  340a;  ©ntfdE).  b.  SR.  ®.  in  eiüilf.  XV,  73). 
5[u6erbcm  ift  in  Saben  burd^  ®ef.  ü.  21.  ^cbruar  1851  aud^  ben  nid^t  am 
erfannten  unc^elid^en  Äinbem  ein  Unterl^altöanfprud&  gegen  ben  uncfielid^en 
SBater,  b.  1^.  gegen  benienigen,  meld^er  innerhalb  ber  gefefeUd^  beftimmten 
©mpfängnifejeit  mit  ber  ajlutter  bcö  Äinbeö  ben  Seifd^taf  üolljogen  \)at,  unb 
iroar  unter  SKuöfd&Iufe  ber  exceptio  plurium  constupratorum,  eingeräumt. 

3^m  ^ßrinjipc  bcö  franj.  SRedE)teö  ^at  fic^  aud^  ia&  grofefi.  f)eff.  ®cf.  t). 
30.  2Rai  1821  angefd^toffen.  S^aöfelbc  ücrbietet  bic  unmittelbare  ©rforfd^ung 
bcr  unef|clid^cn  Sßatcrfd^aft  im  ^rojcffc  unb  föfet  bie  3)urd^füf)rung  eineö  STm 
fprud&cö  auö  ber  unc^clid^en  SSaterfd^aft  nur  auf  ®runb  eincö  auöbrürflidden 
ober  ftiUfd^TOcigcnbcn  Slnerfenntniffcö  ober  ®eftänbnifycö  ju;  boc^  ift  ber 
Scrociö  eineö  fold^cn  9lnerfenntniffeö  ober  ®eftänbmffeö  burd&  icbeö  ^troei^ 
mittel  geftattet  (oergt.  Scuffcrt  XI,  199;  ©ntfd^.  b.  SR.  ®.  in  (Siüilf.  V,  99). 
9luf  ät)nlid^er  ®runblagc  berul^cn  aud^  bie  93eftimmungen  bcö  lief},  ©ntm.  III 
3lrt.  48—50.  —  33ergl.  über  bic  auf  bie  Suläfjtgfcit  bcr  «ßaternitätö!lage  fi^ 
bcjieficnben  auölänbifd^en  ®efeggcbungen  SReubauer  in  ber  3citf^^-  fü^  ^^^^9^« 
SR,  gS.  m  ©.  321  ff.,  IV  S.  362  ff. 

aSic  in  bcr  ®efe6gcbung,  wirb  aud^  in  ber  juriftifd^en  unb  oolfömirtf)*  »iffen^aft^ 
fd^aftlid^cn  fiitcratur  bic  ?5^age  nac6  S^IäffiS^f^it  ^^^  ®rforfcf)ung  ber  un?  ^IJngfnT» 
cficlidöen  a3aterfd|aft  im  ^ßrojcffc  jum  ^rotdc  bcö  Unter^altcö  bcö  unc[;clid^eu     ^»"«ö«- 
Äinbcö  burdö  ben  uncl^clid^en  SSater  uerfd&ieben  beantmortet^).   9lud^  ber  bcutfd^e 


*)  Son  benienißen  ©dSriftfiefferit,  toeld^e  fulfe  auSfübrlidfecr  gegen  baö  ^^rinaiü 
bed  gemeinen  Ste^ted  oudgefprod^en  l^aBen,  mögen  l^ier  (eci^orgel^oBen  werben: 

3ad5aria,  fritif^e  3eitfd&r.  für  ?Re4t§tt>iffenfc^aft  unb  ©cfc^gebung  im  «uö- 
lanbe  X  ©.  1  ff.  (1838);  araolb,  über  bic  Sefd&rdnfimg  ber  IDefloratiünß-  unb 
Stlimentationöfragen  (1851);  SBeber,  baö  Siedet  ber  unebelid&en  ^nber  in  bcr  ©d&n?ela, 

STotfve  |.  »flrgerl.  Oefc|6u<l^.  IV  55 


866  Unterl^altöpflid^t  beS  unel^elid^en  SSaterS.    ©eftaltung.    §  1571. 

3uriftcntafl  |at  in  bcn  3al^rcn  1862,  1863  jxd^  mit  jener  grage  befc^fiftißt. 
2luf  bem  britten  beutfci^en  Suriftentage  würbe  uon  bcr  betreffenbcn  äbtl^eilung 
ber  Eintrag  angenommen,  aud)ufpred^en,  bag  bie  9lUmentationdf(age  mit  an« 
gemeffenen  Scfd^rfinhingen,  inöbefonbere  burc^  bie  exceptio  plurium  con- 
cumbentium,  jujuloffen  fei.  3n  ber  jmeiten  ^Icnaroerfammlung  ieneö  3turiften« 
taged  mürbe  jeboci^  befd^Ioffen,  bie  93erl^anb(ung  ber  Baä^t  auf  bie  ^oged« 
orbnung  bed  nfid^ften  ^uriftentageö  }u  fegen  (Dergl.  SSer^anbL  bed  britten 
3uriftentageö  S.  220  ff.,  131  ff.).  3n  ber  jmeiten  ^lenarperfammlung  bed 
oiertcn  beutfd&en  3uriftentaged  !am  bie  Sac^e  oon  9leuem  jur  S3erl)anblung. 
2)er  3lntrag,  bafe  im  beutfd^en  3i^if9^^6f>wc&c  bie  5ßaternitätÄHage  nic^t  an;^ 
ertannter  uneI)eUd^er  Ainber  nid^t  injulaffen  fei,  mürbe  abgelel^nt,  bagegen 
folgenber  Slntrag  Don  ber  ajlel&rl&eit  angenommen: 

„2)ie  ^aternitätßflage  ift  in  jenen  S^l^eilen  3)eutfci^Ianbö,  mo  fie  jur 
3eit  noä)  im  ^rinjipe  befielet,  in  bie  engften  ©renjcn  einjufcöränfen;  in  einem 
gemeinfamen  beutfd^en  ©efegbud^e  ift  biefelbe  jebo^  nur  in  äludnal^mefäUen 
jujulaffen"  (oergl.  aSerl^anbl.  beä  vierten  beutfc^en  3uriftentogeö  ©.  132  ff.). 
9vü^m^  2)ie  Orünbe,  meldte  gegen  bejm.  für  bie  S^I^^Rw^fl  ^^^  ©rforfd^ung  ber 

b«  ©atef"^  aSaterfd^aft  im  5ßrojeffe  jum  S^cdEe  ber  S)urd&fü^rung  befi  Unter^altöanfprud^efi 
f(^ft«Haße.  jjgg  une^eüd^en  Äinbeö  gegen  ben  unel^eliti^en  SJater  gcltenb  gcmad^t  werben, 
Tmb  t^eilfi  redjtUci^er,  tlieilö  pttUd&er,  t^eife  oolteroirtl^fc^aftlic^er  3iatur. 
®egen  bie  3^Iöffung  ber  SSaterfd^aftöflage  beruft  man  fid^  Dor  Slttem  auf  bie 
Ungemife^eit  ber  SSaterfc^aft.  3)ie  ©rjeugung  fei  eine  in  ein  9laturgel^eimni§ 
gefüllte  ^^atfad^e,  beren  ä3emeid  unmöglid^  fei  unb  aud^  auf  inbireftem  SSege 
nid^t  mit  l^inreid^enber  ©id^er^cit  erbrad^t  werben  foune.  2)en  une^elid^en 
jlinbern  gefd^el^e  beö^alb  burd^  SSerfagung  ber  älUmentationönage,  beren 
®runb,  bie  SBaterfd^aft,  fie  nid^t  beroeifcn  tonnten,  lein  Unred^t,  ebenfomcnig 
wie  bemjenigen,  meld^em  ein  fonftigeö  SRed^t,  meld^eö  er  nid^t  bemeifcn  fonne, 
verloren  gel^e,  ba  eö  bem  ©taate  nur  obliege,  bemeiöbare  Siechte  ju  fc^üfeen. 
©teUe  man  aber,  um  ben  Semeid  ber  aSaterfd^aft  ju  ermbglid^en,  SSermut^ungen 
auf,  fo  ffil^rc  bieö  ju  f^reienben  Ungered^tigf  eiten ;  eö  fül^re  ba^in,  einem  ÜÄenfd^en, 


@.  36  ff.  (1860);  ©raun,  baö  Snftitut  ber  Saterf^aftöflage,  furturBiftorif(i6  unb  öolf«- 
wictl^fti^aftK^  beleud^tet,  in  ber  äSierteliairSfd^rift  für  SSoItetüirtbfdbaft  t>on  ^aucj^er  unb 
5DK*aeli§,  H.  Salftrg.,  H  ©b.  ©.  Uff.  (1864);  toon  grc^borff  in  ben  «nnalcn  ber 
grofe^eraofll.  Bab.  Ocrid&te  S3b.  44  5ftr.  6,  7  (1878); 

bon  benientgen  ©d^riftftellem  anbererfeitg,  n^eld^e,  menn  aud^  im  Sinjelnen  ab' 
ivet^enb,  im  3BefentIt(i^en  an  bem  ^rtnaipe  bed  gemeinen  diti^M  feftbalten: 

Sföber,  fritif^e  »citragc  (1837);  @ett,  tBcoretif^^praftifcSe  9lu«fü5rungcn  m 
?cl6re  über  bie  rc^tlicfien  SerBältniffe  bcjügfi^  bcr  au§ereBeIid&en  Äinber,  inöbefonbere 
©.  150  ff.  (1850);  »uf*,  ^xi},  für  ciöil.  9>ra;riÖ  Sb.  46  ©.  215  ff.  (1863);  Don  Ärawel, 
Sir*,  für  ciöil.  ?)ra;rig  Sb.  50  ©.  341  ff.  (1867);  Suengncr,  m  E^eorie  unb  ^varx& 
ber  ^limentationdDflid^t  (1879);  Fockema  Andreae,  hoogleeraar  te  Leiden,  de 
defloratie  en  het  onderzoek  naar  het  yaderscbap,  uit  het  rechtsgeleerd  magaz^n 
(1886);  uergl.  femer  Ed.  Fuzier-Uerman,  de  la  protection  legale  des  enfants  contre 
les  abus  de  rautorite  patemellü  (memoire  couroxme  par  Tacademie  de  l^gislation 
de  Toulouse),  Paris  1878  ®.  29  ff.,  inöbefonbere  ©.  42  ff.;  Alexandre  Dumas  fils, 
la  recherche  de  la  paternite,  1883. 


Untcrtaltgpfüid&t  be^  unebcli^cn  Saterö.    ©cftaltung.    §  1571.  867 

Toeld^cr  in  aBirtüd^fcit  DicUcid^t  gor  nid^t  bcr  SBater  fei,  oor  feinen  SRit^ 
mcnfc^en  bie  SBoterfd^aft  jujufd^rciben  unb  bie  SllimentQtion  eines  i^m  fremben 
Äinbeö  aufjubürben.  SDaju  fomme,  ba^  burd^  bie  3uIaRung  ber  SBaterfc^oftö-- 
Kaße  bie  UnfittUd^teit  beforbert  werbe.  Die  Sw^üwng  jener  Äloge  untergrabe 
bie  ©ittlid^feit  beö  roeiblid^en  Oefd&Ied&teö.  S)ie  SBiberftanböfeaft  beö  Unteren 
gegen  bcn  S^nreij  jur  Unjud&t  roerbe  gefd^roäd^t  burd&  bie  2lußfi(j^t,  ber  ©r^ 
nftl^rungdpflic^t  bed  aud  bem  unfittUd^en  Umgange  etma  l^eroorgel^enben  Jtinbeg 
überhoben  ju  fein,  ©d&omlofen  grauenßperfonen  lege  bie  Sllimentotionöttage 
bie  ^erfud^ung  na^e,  fid^  mehreren  ^Rännern  ^injugeben^  um  atebann  nad^ 
S3efinben  ben  SDBol^Il^obenbften  unter  benfclben  megen  ber  9llimcnte  in  Slnfprudii 
ju  nehmen.  SKid&t  minber  mürben  unter  Berufung  auf  bie  Unterl^altöpflid&t 
eine  äßenge  oon  ©rpreffungen  unb  ^Betrügereien  oerübt.  2)urdö  bie  l^ier  fraglid^en 
^rojeffe  roerbe  ferner  bcr  grieben  unb  boß  ®IüdE  oieler  gamilicn  untergroben, 
unb  feien  tabetlofe  ÜRänner  ben  Singriffen  fd^amfofer  grauenöperfonen  unb 
frember  Slinber  auögefefet.  Slucb  oerftofec  eS  gegen  bie  guten  ©itten,  ben 
©fanbal  ju  geftotten,  roeld&er  mit  ber  SSer^anblung  fold^er  ^rojeffe  oerbunben 
fei,  jumal  bie  legteren  fid&  afe  eine  Quelle  Don  aWeineiben  erroiefen.  S)ie  ®r^ 
bitterung,  meldte  burd^  bie  @r^ebung  ber  ällimenten{(age  jmifd&en*  ber  äßutter 
bed  ftinbeö  unb  bem  33eflogten  l&erporgerufen  roerbe,  bringe  ferner  ben  3lad)^ 
if)t\l  mit  ftcb/  bag  baburd^  bie  @ingel^ung  ber  &)t  jmifd^en  ben  @(tem  bed 
jlinbed  Dielfad^  ge^inbert  merbe.  Serüdfid^tige  man  jubem  bie  groge  Qaf)l 
Don  ^rojeffen,  roeld^e  burd^  bie  S^I^^ff^ng  ber  ällimentationdflage  l^eroor« 
gerufen  roerbe,  foroie  btn  bamit  oerbunbenen  S^iU  unb  Äoftenaufroanb  unb 
Dergleid^e  man  bamit  bad  meift  nur  geringfügige  ?lefu(tat  fold^er  ^(imentem 
tlagen,  fo  fei  auö  allen  biefen  Orünbcn  bem  5ßrinjipe  beö  franj.  3led&ted, 
roeld^ed  bie  fämmtüd^en  J^eroorgel^obcnen  3la6)tf)zik  Dermeibe,  ber  ^JSorjug 
}u  geben.  ^tnt&  ^rinjip  ^abe  {td^  aber  aud^  infofern  ald  nü^Iid^  erroiefen, 
ate  in  ben  Sänbem  beg  franj.  9led^ted,  indbefonbere  auc^  in  ber  preug.  W)t\nf 
propinj  unb  in  SR^einba^ern,  im  3SergIeid&e  iu  ben  Säubern,  in  roeld^en  ber 
une^elicbe  93ater  a(d  fo(d^er  roegen  Sllimente  in  älnfprud^  genommen  roerben 
fönne,  bie  3^^!  ber  une^elidfecn  Äinber  eine  er^eblid^  geringere  fei.  2)ic  @r« 
fa^rung  l^abe  ferner  ge}eigt,  bag  bie  ^inbedmorbe  unb  Slbtreibungen  burd^ 
bcn  ©runbfaß  beö  franj.  SHed^teö  feineöroegö  oerme^rt  feien,  roä^renb  anberer* 
feitö  bie  ben  une^elid^en  Äinbcrn  fo  günftigen  SBorf^riftcn  beö  preufe.  3t.  2.  dt. 
bcn  Äinbeömorb  nid^t  ju  ücrl^üten  ober  ju  oerminbem  oermod&t  l^ätten.  Sbenfo« 
roenig  ^abe  baö  ^rinjip  beö  franj.  Sted^teö  eine  größere  %erroa^r(ofung  ber 
unehelichen  Einber  jur  golge;  bcr  ©influfe  ber  SHeligion  unb  ber  ©itte  fü^re 
bal)in,  bafe  auc^  o^nc  3w>ang  ber  une^elid&e  SBater  feine  5ßflid^ten  ooUftÄnbiger 
erfülle,  alö  roenn  er  erft  burd^  bie  3llimentenflage  baju  angebalten  roerbe;  im 
lefitcrcn  galle  gelje  bcr  uneticlid^e  33ater  bapon  auö,  ba^  mit  ber  S3ejal)lung 
einer  geroiftcn  ©umme  Sllleö  abgcmad&t  fei.  ©afe  geroiffen^afte  unb  (|riftllci^ 
gefinntc  SRänncr  aud^  olinc  Klage  i^rer  une^jclid^cn  Jiinber  fid&  annti)mm 
würben,  rocnn  fie  bie  3Kittel  baju  bcfäfeen,  gc^e  auö  ber  großen  'S^\)l  frci^ 
williger  Stnerfennungen  in  ben  Sänbern  beö  franj.  SRe^teö  ^eroor. 

S)iefc  ®rünbe  fxnb  eö  im  äBcfcntlid^cn,  roeld^e  üon  ben  ©egnern  bcr 
^atcrfddaftöflage  gcltcnb  gemacht  roerben,  rodele  auc^  bei  ber  ^erattiung  bcö 

55* 


870  Uttter5artöpflt(6t  beö  une6cfid6cn  SSaterg.    ©cftalhwö.    §  1571. 

einem  fett  Sol^rl^unbertcn  anerfonntcn  ©erool^nl^eitsreci&te  berul^t.  SBenngtcid^ 
baö  leitete  im  Sttnfd&tune  an  eine  mifeoerftanbene  ©teile  beö  fanonifd&en  ditä)it^ 
ftd^  gebilbet  \)at,  fo  mürbe  badfetbe  ftd^  boc^  nid^t  erhalten  ^aben  unb  burd^ 
fo  ja^Ireid&e  ©efeje  älterer  unb  neuerer  3rit  anerfonnt  roorben  fein,  wenn  ber 
i^m  ju  (Srunbe  liegenbe  ©ebanfe  nid^t  roirflid^  aus  bem  SRed&töbeTOufetfein 
unb  bem  fittUd&en  ©efü^Ie  beö  aSoIfeS  gefd&öpft  roärc.  2)iefeö  aWoment  ift  eft 
vox  SttHem  gemefen,  roeld^eö  ben  beutfd^en  3uriftentag  obgefialten  f)ai,  fld()  für 
ba§  franj.  5ßrinjip  ju  entfd^eiben,  obrool^I  bie  83er^anblungen  im  Uebrigen 
eine  gro^e  Hinneigung  ber  ÜJicI^rl^eit  ju  jenem  ^ßrinjipe  erfennen  laffen. 

3u  berüdEjtd^tigen  ift  ferner,  ba§  burd&  Sefcitigung  ber  SHimentenfloge 
bic  Sage  ber  unelielid^en  Rinber  t)oroufifid6tlid^  fid()  nod^  fd&ted&ter  geftaltcn 
mürbe,  qIö  biefelbe  ol^nel^in  fd^on  ift,  bafe  baburd^  ber  forperli^en  unb  geiftigen 
SSermol^rlofung,  roeld&cr  gerobe  biefe  Äinbct  befonbcrd  audgefeftt  Ttnb,  93orfd()ub 
geleiftet  ju  werben  brol^t.  3)a  unel^elid&e  £inber  nur  ju  oft  fd&lcd&t  crjogen 
merben  unb  eine  ?ßffan}fd^ule  beö  Safterfi  unb  ber  SSerbred^en  pnb,  ba  bei 
unel^elid&en  Jttnbern  S^obtgeburten,  wie  aud^  frül^jeitige  ©terbefflUe  üicl 
l^äufiger  t)orfommen,  otö  bei  el^elid^en  ftinbem,  fo  muß  eö  aud^  im  3ntcr^ 
effe  ber  ©efellfd&aft  als  in  ^o^em  ®rabe  bebenttid^  crad^tet  werben,  bem 
unel^elid^en  Äinbe  ben  Unter^oltöanfprud^  gegen  ben  uncl^elidöen  SJater 
ganjlid^  ju  entjie^eni).  S)er  ©inmanb,  bog  bie  Sllimentenf tagen  in  ben  mciften 
gälten  einen  irgenbmie  cr^eblid^en  ®rfolg  bod^  nid&t  \)ätim  unb  ba§  gemiffen- 
^afte  ajfänner  olinel^in  i^reö  unebelid&en  Äinbeö  fxd[)  annehmen  mürben,  fann 
alfi  begrünbet  nid^t  anerfonnt  merben.  Um  bie  SBirfungen  ber  SKimentem 
flagen  in  biefer  JRid&tung  ju  erfennen,  mufe  man  weniger  auf  biejenigen  ^Ut 
fe^en,  in  roeld&en  eö  jur  Älage  fommt,  alö  auf  biejenigen,  in  meldten  ber  uns: 
el^elid&e  SSater  feiner  SBerbinblid^feit  ol^ne  Klage  nad^fommt.  S)a6  aber  in 
biefen  legteren  gölten  ber  unebelid&e  35ater,  aud&  menn  bic  bro^enbc  Klage 
nid&t  im  ^intergrunbe  ftänbe,  aus  freien  ©tüdfen  feine  fittlid^e  ?ßflid&t  erfüllen 
mürbe,  fann,  mie  bei  ben  SSer^anblungen  bc§  britten  beutf^en  3uriftentageft 
mit  gied^t  geltenb  gemad^t  ift  (üergl.  SSer^anbl.  m  ©.  266),  für  bie  3Re^rja^l 
ber  gäHe  fd^merlid^  als  jutreffenb  angefefien  merben,  am  menigften  in  ben 
unteren  SBolföflaffen.  3^^  93emeife  befi  ©egentl^cileö  pflegt  man  fid^  auf  bie 
in  ben  ©ebieten  beö  franj.  9lcd&teö  angeblid^  i^öufig  Dorfommenben  freiwilligen 
9tnerfennungen  ber  une^elid&en  Äinber  t)on  ©eiten  ber  unel^elid^en  SJäter  ju 
berufen.  2Bie  jebo^  bie  ÜJiotiüe  beö  oben  ©.  868  SÄnm.  1  gebadeten  franj. 
©efefeentwurfeö  ergeben,  erreid&t  in  granfreid&  bie  Qaf)i  ber  anetfannten  um 
ef|elid&en  Äinber  faum  ben  14.  S^l^^if  ^^  ©efammtja^l  ber  unel^elid^en  Kinber. 
S)ancben  ift  ju  berüdfid^tigen,  ba^  nad^  bem  franj.  Siebte  bie  änerfennung 
beö  unet)elid&en  Rinbeö  burd&  ben  unel^elid&en  SSater  für  ben  legteren  nid^t  bloft 


*)  Uebcr  bic  traurige  Sage  ber  une^elid^en,  nid^t  ancrfamitcn  Äinbec  in  Sranf- 
rcid^  unb  bic  barauß  für  bic  Bürgcrlici&c  ©cfcDfc^aft  entfte^cnben  ©efa^rcn  ticrgl.  bie 
?WotiDc  bcß  oBen  ©.  868  9lnm.  1  crtoä^ntcn  franj.  ©cfc^entttjutfcö,  ferner  bic  oben 
©.  866  9lnm.  1  angeführte  abBanblung  Don  g«jicr'4)crman  ®.  31  ff.  3n  ber  le^tcrcn 
toirb  inßbefonberc  au(b  auf  bic  ücrbältniBmagig  febr  gro§e  S^^l  uncbclt^er  ffinbcr 
unter  ben  9Serbrc(6em  unb  ben  3>roftituirten  bingetoiefen. 


Untcr5artßpfltd6t  bc8  unc6eltd6cn  SSaterö.    ©cftaltung.    §1571.  871 

^flid^tcn,  fonbcrn  aud^  Sflcd^tc  begtünbet,  ixt^  ätoifd^cn  bem  anerfanntcn  nn^ 
c^clic^cn  Rinbc  unb  bcffcn  Satcr  in  gctoiffen  Slid^tungcn  ein  bcm  SScrJ^ältniffe 
e^ctid^cr  Äinbcr  anatoßcö  aSerl^ättnife  befielet.  9lber  auä)  abgcfcl^en  baoon  f önncn 
bic  in  granfrcid^  in  biefcr  SBcjicl^ung  gcmad^ten  ©rfa^rungen  im  §inblicfe  auf  baö 
bort  fc^r  verbreitete  Äonfubinat  für  bic  SBcrbältniffe  in  3)eutfc^Ianb  nid&t  otine 
SBeitereö  mafegebenb  fein.  STud^  ber  ©inroanb,  bafe  baö  jum  ^niede  ber 
SlUmcntation  beö  Jlinbed  t)on  bem  unel^elid^en  95ater  geja^Ite  (Selb  bem  Äinbe 
bod&  nur  feiten  ju  ®ute  fomme,  fann  roenigftenö  bann  als  begrünbet  nid^t 
erad^tet  werben,  wenn  ber  Unter^attöanfprud^  nid^t  ber  5Wutter  beä  Rinbeß, 
fonbern  bem  Icfetercn  eingeräumt  wirb  unb  bie  SSormunbfd&aft  bie  orbnungö^ 
mfifeigc  9Sem)cnbung  ber  ©eiber  im  3ntereffe  beö  Jlinbeö  übermad^t. 

SBciter  fommt  in  S9etrad&t,  bafe  bie  Sefeitigung  beö  Unter^altöanfprud[)eö 
beö  unelielicben  Rinbcö  gegen  ben  unel^elid&en  SSater  bem  ©rfotge  nacb  auf  eine 
SBegünftigung  unb  ©ntlaftung  ber  SBo^Itiabenben  binauöläuft,  mäbrenb  biefelbe 
anbererfeitö  bic  öffentlid^e  SIrmenlaft  nid^t  unerl^ebtid^  ju  ücrmclircn  brobt,  ba 
bie  aJlutter  unb  bcren  9lfjenbenten  i)&n^Q  bie  aWittel  jum  Unter^olte  beö  Jlinbeö 
nid^t  ober  bod^  nid&t  in  ouöreid^enbem  ÜRa^e  befiten. 

3)ie  oiclfad^  aufgeftellte  Sel^auptung,  ba^  bie  S^^^ffung  ber  SBaterfd^aftö^ 
flagc  infofern  nad^t^eilig  mirfe,  alö  fic  bie  Unfittlid^feit  beförbere  unb  baju 
beitrage,  bie  ^a\)l  ber  unebelid^en  Äinbcr  ju  uermebren,  entbcfirt  feber  fid&eren 
(Srunblage.  9lud^  menn  bic  Qaf)l  ber  unebelid^en  Äinber  in  ben  SRed^tögcbieten 
beö  franj.  JRcd&teö  eine  geringere  fein  foBte,  alö  in  benienigen  ©ebieten,  in 
meldten  bie  ©rforfd^ung  ber  SBaterf^aft  im  5ßrojeffe  jutäffig  ift,  fo  red^tfertigt 
biefe  2^bötfad&e  für  fid^  allein  nod^  feineömegö  ben  ©d^Iu§,  ba§  bie  geringere 
3abl  ber  unebelid^en  ©cburten  in  jenen  ©ebieten  auf  baö  ^Prinjip  beö  franj. 
SRed^teö  in  9lnfe^ung  ber  SSaterfd&aftöflage  iurüdEjufübren  ift.  3)ie  größere 
ober  geringere  3^^^  ber  unebelid^en  ©eburten  fann  auf  ben  ücrfd^iebenften 
Urfad^en  beruben.  93or  2lUem  ift  bobei  bie  polijeilid&e  ober  öfonomifd&e  ®r* 
fd^merung  ber  red^tmäfeigcn  Segrünbung  cineö  §auöftanbeö  oon  ber  größten 
S3ebeutung.  Äuö  biefem  ©runbe  fönnen  namentlid^  bieienigen  ftatiftifd^en 
9lad&n)eifungen  nid^t  mebr  alö  maßgebenb  angefeben  werben,  meldte  auö  einer 
3eit  bcrrübren,  in  roeld^er  bie  poUjeitid&en  93efd^ränfungen  ber  ©b^fci^K^u^Ör 
bie  93efd^ränfungen  beö  ©emerbebetriebeö  unb  ber  freien  9iieberlajfung,  foroie 
bic  ©ebunbenbeit  beö  ©runbeigcntbumcö  nod&  nid^t  befeitigt  marcu.  SBie 
unjuoerläffig  eö  ift,  auö  ber  Qa\)l  ber  unebelid^en  ©eburten  auf  ben  ©influß 
ber  ©cfefegebung  in  Slnfebung  ber  SSaterfd^aftöflagc  ju  fd&Iießcn,  crgiebt  fi^ 
barauö,  baß  fclbft  in  Sänbern,  in  meldten  in  biefcr  Scjiebung  eine  einbcitlid^c 
©cfeggebung  beftebt,  bod^  bic  ^af)l  ber  uncbelid^en  Äinber  in  ben  einjelnen 
^^Jrooinjcn  eine  febr  oerfd&icbene  ift.  Ueberfiaupt  aber  ift  eö  nid&t  juläffig, 
auö  ber  ücrbättnißmäßigcn  ^a\)l  ber  unebelid^en  ©eburten  obne  SBeitereö  auf 
bie  ©ittlid^feit  in  einem  3SoIfe  ju  fd^Iicßen  (ücrgl.  JRofd^er,  ©ijftem  ber  SBoIfös 
mirtbfd^aft  I  §  249  9lnm.  1).  Um  fo  meniger  fann  auf  ben  ©inmanb,  baß 
bie  3ulaffung  ber  ©rforfd^ung  ber  SSaterfd^aft  bic  Unfittlid^feit  ju  beförbern 
brobe,  ©emid^t  gelegt  roerben,  alö  nad^  bem  ©ntmurfe  ber  Untcrbaltöanfprud^ 
nid^t  ber  SDluttcr,  fonbern  bcm  Äinbc  juftebt  unb  ber  erfteren,  abgefefien  oon 
bem  im  §  1577  jugctaffcncn  3lnfprud^e  auf  ©ntfd^äbigung   roegen  ber  @nU 


872  Untcr5alt§pfli(6t  bc§  uncWÜen  Satcrg.    ©cftaltung.    §  1571. 

binbungö*  unb  SBod^cnbettöfoftcn,  jcbcr  3[nfprucö  gegen  ben  unehelichen  aSater 
Dcrfagt  ift.  3)er  ©rroogung  aber,  bafe  burd^  bie  Unjuläffxgfeit  bcr  ©rforf^ung 
ber  SSttterfd^aft  bie  Sffiiberftanböfraft  beö  weiblichen  (Sefd^led^teö  gegen  ben 
9lnreii  jur  Unjud^t  geftarft  werbe,  fte^t  bie  anbere  ©rroagung  gegenüber,  bafe 
baburd^  anbcrerfeitä  bie  Sttngrifföluft  bcö  männlid^cn  ©efd^led^teö  gefteigert  unb 
bie  ®efa]^r  oermel^rt  roirb,  bafe  SDBoUüftlinge  o^ne  ©d^eu  aud^  unbefcboltenc 
SWäbd^en  ju  oerfüfiren  fud&en.  3n  ben  SMotioen  bcs  me^rfodd  ermähnten 
franj.  ©efcgentu).  o.  16.  gebruar  1878  wirb  borgelegt,  roie  fe^r  bie  Sitten^ 
lofigfeit  in  grttnhreid^  feit  bem  Slnfange  biefeö  S^^^^i^nbertö  jugenommen 
l^abe  unb  roie  biefe  S^^o^^^  roefentlid^  gerabe  auf  bafi  ^rinjip  befi  2lrt.  340 
beö  Code  civil  jurüdEjufü^ren  fei.  ©ine  Seftätigung  finbet  bieS  in  ber  Strenge, 
mit  roeld&er  bie  neuere  franj.  ?ßrafiö  jebe  auf  2^äufd^ung,  unjuläffigen  SRoni* 
putationen  ober  auf  SRifebraud^  ber  Autorität  beru^enbe  SSerfü^rung  unb 
©d^roängerung  als  eine  unter  ben  3lrt.  1382  beö  code  civil  fatlenbe,  jum 
©d^abenserfafe  oerpflid^tenbe  ^anblung  anfielt  unb  bei  Seftfegung  ber  ^nU 
fd^äbigung  trog  beö  2lrt.  340  beö  code  civil  au^  auf  bas  oon  ber  SSerfü^rten 
geborene  flinb  SRürffid&t  nimmt  (oergl.  bie  ÜRotioe  bcö  gebadeten  franj.  (Sefeg^ 
entrourfeö  ©.  10  ff.  unb  ^ßud^elt,  3eitfc^rift  für  franj.  ßioilre^t  II  ©.  336  ff., 
XVII,  653;  fto^ler,  Sa^rbuc^  für  bie  Dogmatil  XXV  ©.  279  ff.). 

Slntangenb  femer  baö  gegen  bie  B^loffung  ber  ©rforfd^ung  ber  93ater* 
fd^aft  erhobene  Sebenfen,  ba|  biefelbe  ju  ffanbalöfen  ^rojeffen  SBeranlaffung 
gebe,  bafe  fie  ©rprefjungen  unb  Betrügereien  aller  3lrt  jur  golge  l^abe  unb 
baö  T^ömilienglüdE  unb  ben  e^elid^en  ^rieben  untergrabe,  fo  tjcrmögen  biefe 
©efid^töpunfte  eö  nid^t  ju  red^tfcrtigen,  einen  bem  Sied^tögefü^le  unb  bem  fitt? 
lid^en  ©efü^lc  entfpred^enben  älnfpruc^  beö  une^etid^en  jtinbeö  ganj  ju  be^ 
feitigen.  Sä§t  boc^,  mie  ermähnt,  bie  franj.  5ßrajiö  troft  beö  2lrt.  340  beö 
code  civil,  rotlä^tx  gerabe  bie  SBermeibutig  oon  ärgernifegebenben  ^ßrojeffen  unb 
©tönmgen  beö  ^äuölid^en  ©tüdfeö  bejroecft,  auf  (Srunb  beö  Slrt.  1382  beö 
code  civil  (Sntfd^dbigungöftagen  roegen  93erfül^rung  aud^  gegen  oerl^eirat^ete 
äHänner  ju,  Klagen,  meldte  geroife  nid^t  minber  geeignet  ftnb,  3lergerni6  ju 
geben  unb  ben  Iiäuöli^en  ^rieben  ju  ftören,  meiere  nid^t  minber,  roie  bie 
SBaterfd^aftöflage,  geeignet  finb,  ju  (Srpreffungen  unb  Betrügereien  mifebraud^t 
JU  roerben.  Daju  tommt,  bog  auö  l^öl^eren  9tüdfld(|ten  aud^  auf  anberen 
Oebieten  bie  SwI^Ü^^Ö  ^o^  Ätagen,  meiere  ju  einer  ©torung  beö  gamiliem 
friebcnö  füfiren  unb  ju  ®rpreffungen  unb  SBerleumbungen  mifebraud&t  roerben 
ifonnen,  fid&  nid^t  gönjUd^  oermeiben  läfet.  S)a6  mit  ber  SuWffiflfcit  ber  ®r* 
forfd&ung  ber  SSaterfc^aft  3Ri6ftänbe  tjerbunben  fmb,  fann  nid^t  beftritten  roerben. 
SSollftänbig  taffcn  fie  fid^  burd^  bie  Oefefegebung  aud^  nid^t  befeitigen.  3n* 
"beffen  roerben  biefelben  reid^lic^  aufgeroogen  burd^  bie  für  bie  Slnerfennung 
beö  ^ier  fraglichen  Unter()altöanfprud^eö  angefül^rteu  Orünbe.  3i*i^"^  roerben 
fie  baburd^  geminbert,  bafe  nad^  bem  ©ntrourfc  jener  9lnfprud^  nid^t  ber 
SKutter,  fonbern  bem  Jiinbe  jufte^t  unb  nur  oon  bem  SSormunbe  beö  legteren 
gettenb  gemad^t  roerben  fann  (§  1571  oergt.  mit  §§  1570,  1633,  1649), 
bafe  ber  Slnfprud^  auögefd^loffen  ift,  roenn  bie  3Jlutter  beö  Rinbeö  inner* 
dalb  ber  fritifc^en  3^it  mit  SKe^reren  ben  S3eifd^laf  oolljogen  ^at  (§  1572), 
unb  bafe  nad&  §  1576  ein  SSertrag,  inöbefonbere  ein  SBergleid^,  jroifd^en 


Untcrßaltöpflidfet  bcS  uiic5elid6en  SSatcrg.    ©eftaltung.    §  1571.  873 

bem  93alcr  unb  bcm  uncficlid^cn  ftinbc  über  bie  Untcrfiattöücrpfficj^tung  bcä 
Icfetcren  für  bic  S^f^^^ft  ^^^  ©encl^migung  bcö  aSormunbfd&aftögericötcö  ju- 
läffifl  fein  foU.  aScgcn  bcr  gragc,  ob  cd  fxc^,  um  bcm  93ebcnfcn  entgegen- 
jutretcn,  ba§  burd^  bic  S^tl^ffung  ber  aSaterfd^aftdftage  bie  'S^\)l  bcr  SRcineibe 
erJÖcblidö  ücrmc^rt  werbe,  cmpfie^If,  bic  3wläffigfeit  bcö  ©ibcö  in  ben  ^ier  in 
Siebe  fteficnben  5ßro jcjfen  iu  befd^ränfen,  roirb  Quf  bie  3Wotiüe  ju  §  1572  ücrroiefen. 
3ur  Untcrftügung  bed  von  bem  (Sntrourfe  eingenommenen  ©tanbpunfteö 
Dcrbicnt  enblid^  nod^  bie  SC^atfad^e  Ijcnjorgelöoben  ju  werben,  ha^  in  neuerer 
3eit  ttudö  i^  ^^^  Säubern  bcö  franj.  ^rinjipcö,  inöbefonbere  in  granhrcic^  unb 
^ollanb,  eine  SRcaftion  gegen  ieneö  5ßrinjip  fic^  geltenb  gemacht  l)at  unb  oon 
ttugcfel^cncn  ©eiten  uielfod^  Stimmen  für  bie  3lbfd^affung  beöfclben  ober  bod^ 
für  eine  SÄbänberung  beö  3lrt.  340  bcö  code  civil  im  ©innc  einer  (Srroeitcrung 
bcr  S^ilöffigfcit  ber  (grforfc^ung  ber  SBaterfd^aft  fid^  crl^obcn  ^aben  (üergl.  bie 
SBcr^anbl.  bcö  brittcn  beutfd^cn  3uriftcntageö  (1862)  III  6.236;  SRioicr  in 
ü.  ^olfeenborffö  SRcd&tötcEifon  (1876)  II  S.  294  unter  „^aternitätöflage"; 
gujicrs^erman  in  bcr  oben  ©.  866  3lnm.  1  crnjöljnten  3lb^anbl.  S.  42  ff.; 
91.  Dumas  (fils),  la  recherche  de  la  paternite,  1883 ;  3lnbreQe,  ^rof.  in  Seiben, 
in  ber  oben  ©.  866  3lnm.  1  bcjcidöneten  3lb{|anblung).  SBon  befonberem  3ntercffe 
in  biefcr  Sejie^ung  ift  bcr  bereits  me^rfad^  angeführte,  am  16.  ^cbruar  1878 
Don  me{|reren  äKitglicbcrn  bcö  franj.  ©cnatcö  bei  bem  festeren  eingcbrad^tc 
©efegcntrourf,  betr.  SKbänbcrung  bcö  3lrt.  340  beö  code  civil.  2)iefer  ©cfcfe« 
entrourf  fd^lie|t  [id^  jroar  formell  bem  Spfteme  beö  code  civil  an,  ift  aber 
materiell  gegen  baö  ^IJrinjip  bcö  9lrt.  340  gcrid^tet,  inbem  er  oorfd^lägt,  bie 
ftlagc  auf  9lncrfennung  ber  SBaterfd^aft  nid^t  nur  im  gallc  bcr  ©ntfü^rung 
unb  Jiot^jud^t,  fonbern  aud^  im  galle  bcr  93erfül)rung,  foroie  im  galle  beö 
für  baö  unei)etid^e  ßinb  begrünbeten  Seftgftanbeö  iujutaffen.  ferner  fc^Iägt 
ein  im  3Rai  1883  t)on  bcm  2)cputirtcn  SHioct  bei  ber  franj.  2)cputirtcnfammcr 
eingebrad&tcr  ©efeftcntiourf  oor,  bie  ©rforfd^ung  ber  SSaterfd^aft  allgemein  ju 

geftatten,  „pourvu  qu*il  y  ait  preuves  ecrites  ou  faits  constants  ou  temoignages 
suffisants",  aufeerbem  bcr  ÜRutter,  romn  ber  SBater  fie  ju  l)eirat^en  fid^  rocigert, 
einen  3lnfprud&  auf  ©d&abenöcrfa^  gegen  benfetben  ju  geben  (ocrgt.  21.  2)umaö 
a.  a.  D.  6.  7  ff.).  SBcitcr  ^at  im  3uni  1883  ber  internationale  Äongrefe  de  la 
protection  de  l'enfance  fid()  ba^in  auögefprod^en,  bafe  eine  Klage  beö  uncbclid^cn 
Ainbeö  auf  Unterhalt  gegen  ben  unel^elidben  SSater  iu}ulaffen  fei,  fofern  nid^t  bic 
üßuttcr  notorifd^  Icid^tfertig  fei  ober  fofern  nid^t  ber  Tlann  beroeifc,  bafe  bic 
üWutter  in  berfelben  3^it  aud^  mit  anbcren  SKänncrn  33ejiel|ungen  gehabt  ^abe 
(ücrgl.  21.  2)umaö  a.  a.  D.  ©.  46  2lnm.).  Safe  in  S3abcn  baö  ^rinjip  beö  franj. 
SRed^teö  burd&  bie  üon  bcm  bab.  ®cf.  v.  21.  gebruar  1851  jugelaffene  ©rnäfirungö* 
tlagc  beö  une^elid^cn  jtinbeö  gegen  ben  une^elid^en  SSater  aufgegeben  ift,  würbe 
bereitö  oben  ©.  865  ^crDorge^oben.  3n  neuerer  3^^*  ^oben  ficb  allerbingö 
Stimmen  für  bie  2lufbebung  biefeö  ©efefeeö  erl^oben,  namcntlidd,  nad^bem  bic 
93eftimmung  beö  §  6  ieneö  ©efegeö,  nad^  mclcber  bcr  SSemeiö  ber  ^^atfad^e 
beö  93eifdölafeö  mit  bcr  ajlutter  innerhalb  ber  fritifd^cn  3^^^  burcb  6ibcös 
jufd&iebung  unjulöffig  mar,  bnvä)  §  14  bcö  (Sinf.  ®cf.  jur  beutfd&en  6. 5ß.  D. 
befeitigt  morben  ift  (ocrgl.  33raun  unb  v.  gre^borff  in  ben  S.  866  2tnm.  1 
angefül^rten  2lblöanblungen). 


874  Untcr5art8t)fli(5t  bcS  unc^clid^en  ^aitx^.    ©cftaltunö.    §  1571. 

3m  ©injelncn  ift  ju  §  1571  nod^  gotgcnbeö  ju  bemcrfcn: 
s«et^t«flrunb  1.  ^ttbcm  bct  §  1571  bcftimmt,  bofe  bcr  SBatcr  bcd  une^clid^en  5ltnbc« 

mmi^t  bcm  Icfttcren  md)  SWofegabe  bcr  §§  1572—1576  bcn  Untcrl^olt  ju  gewähren 
üerpfli^tct  ift,  bringt  er  jum  flarcn  Sluöbruclc,  ba§  ber  ©ntrourf  in  ©cmäfe^cit 
bcr  obigen  9Inöfü^rungen  (ocrgt.  oben  S.  868)  bie  ^icr  fragtid&c  UnterJ^ottö^ 
pftid^t  auf  bie  roirflid^c  aSatcrfd^aft  ftü|t  unb  bal^er  atö  eine  famitien^ 
red^tUd^e,  aud  bem  <5tatud  beft  Slinbcd  ftd^  crgebenbe  Stcrbinblid^feit  be^ 
t)onbelt,  n)cf(I)e  icbod^,  ba  fie  nid^tdbeftorocniger  eine  gefc|lid&e  Obligation 
ift,  wie  bie  gefefeUd^e  Untcrl^attftpflid^t  bcr  SBcnoanbten,  ben  allgemeinen 
©nmbfäfecn  bcd  Dbligationenred&tcö  unterftc^t.  SBenngteid^  es  nid&t  bie  3[uf* 
gäbe  beä  ©efcfieö  ift,  ju  fonftruiren,  fo  mu§  bod^  bie  ree^ttid^e  Slatur 
ber  Untcr^attöpflid^t  flargeftcllt  werben,  um  einen  feften  anmalt  für  bie 
93cantn)ortung  aller  berienigen  gragen  ju  geben,  TOcld&e  ber  gcfeßUd^en  6nt* 
fd^eibung  fid^  entjie^cn  ober  auö  fonftigen  ©rünbcn  eine  audbrüdlid&e  @nt« 
fd^eibung  im  ®cfege  nid^t  finben.  35ic  neueren  @efc|gebungen  bcbienen  ftd^ 
)iaii  bed  SKudbrucfeö  „aSater"  oietfad^  beö  SKudbrudtes  „©d^roängercr"  ober 
„©rscugcr",  ofine  icbod&  ben  erftcren  SÄudbrudE  gänjlid^  ju  ücrmeiben  (ocrgt. 
preufe.  ®cf.  D.  24.  Sttpril  1854  §§  15—20;  fäd&f.  ®.  33.  §§  1858,  1859,  1862, 
1864,  1870).  3)er  ©ntrourf  ^at  bem  Sluöbrucfe  ,,S3ater"  ben  aSorjug  gegeben, 
weil  er  bcr  gcroä^lten  Konftruttion  unb  bem  ©ebanfen  am  meiften  entfprid&t, 
baß  es  ficfi  l^ier,  fooicl  bcn  Unterl^alt§anfprud&  beö  une^clid&en  Äinbeft  betrifft, 
um  eine  2lu§naf)me  oon  bem  im  §  30  3lbf.  3  ausgefprod^enen  ©runbfa^e 
lianbclt,  nad^  mcld&cm  burd^  bie  unc^elid&e  9lbftammung  ein  ajernjanbtfd^aftft* 
ücrWItnife  jroifd^cn  bem  unefielid^en  Jlinbe  unb  beffcn  SBater  nid^t  begrünbet 
mirb.  2)er  SluöbrucI  ,,®rjeuger"  fönnte  inöbefonbere  ju  bem  SDlifeoerftänbniffe 
führen,  als  ob  bcr  ©ntrourf  berienigen,  in  i^ren  JtonfcQucnjen  jum  S^^eit  ju 
onbercn  SRcfuItaten  füfircnben  S^^coric  fid^  angefd[)Iof[en  i)aie,  meldte  bie  Unter« 
^altspflid^t  nid^t  auf  ein  ©tatudt)crl^ä(tnig,  fonbcrn  auf  bie  eine  in  fid^  ab^^ 
gcfd^loffenc  2:^atfadöe  ber  ©rjcugung  grünbet. 
Unterhaus.  2.  SGßcnngleid^  bcr  ®ntmurf  bie  Unter^altfipflid^t  bc«  une^elid^cn  3Satcrd 

oätwiiij^  gegenüber  bcm  Äinbe  auf  bie  SSatcrfd^aft  jurüdEfü^rt,  fo  erfcnnt  er  bod^ 
«faenbcnten.  infoiocit  uur  ciu  93ern)anbtfd()aftöoerl^äItni6  jmifd&en  bem  unc^elid^en  Äinbe 
unb  bejfen  SBater,  nid^t  aud&  jmifd^en  bem  erftcren  unb  ben  93crmanbten  befi 
*M  A*^*  SSatcrö  an.  ®cmcinrce^tlid&  mirb  bie  Untcr^attfipf[id&t  bcr  tjäterlid^en  STfjcn* 
beuten  gegenüber  bcm  ftinbc  nid^t  nur  oon  ben  Sn^ängem  ber  2)cIiftdtl^corie 
unb  ber  @rjeugungöt^corie,  foroie  von  bcnicnigen,  xotlci)C  bie  Unter^attöpflid&t 
beö  unedeli^cn  93atcrö  afe  eine  an  ben  Scifd^Iaf  mit  bcr  SRuttcr  beö  Äinbeft 
gefnüpftc  gefcgiid&e  Obligation  auffaifcn,  fonbcrn  Dormiegcnb  in  S^^eoric  unb 
iixanQ  aui)  von  ben  55crtl^cibigern  ber  SScrmanbtfd^aftöt^eorie  verneint,  inbcm 
bie  Icgtcren  baoon  auftgel^cn,  ba§  bie  burd^  bie  une^clid&c  äbftammung  bc? 
grünbete  93ermanbtfd&aft  gen)o^nI)citörcdf|tlid^  nid^t  über  bie  5ßcrfon  befi  une^c- 
lidbcn  SSatcrö  I)inauö  anerfannt  roorbcn  fei  (ücrgl.  ©euffert  III,  175,  IV,  50, 
unb  üßotioe  XXII,  241).  3lu^  nac^  bcn  meiften  neueren  ®efeggcbungen 
finbct  eine  fubfibiarc  Haftung  ber  oätcrlid^en  Slfjenbcnten  nid&t  ftatt  (t)crgl. 
preufe.  ®cf.  V.  24.  9lpril  1854  §  20;  öfterr.  ®.  93.  §§  165,  166;  fäd&f.  ®.  ». 
§§  1858,  1873,  1874;  mürttemb.  ®cf.  v.  5.  September  1839  9lrt.  28  9lr.  3; 


Untcr6art8pflt(6t  bc8  imcjelt^cn  SSatcr«.    ©cftaltung.    §  1571.  8.75 

tncining.  ®ef.  o.  9.  ©cptcmber  1844  9lrt.  22;  fonbctö^.  ®ef.  o.  12.  Sluguft  1844 
§  4;  rutbolft.  ®cf.  t).  31.  SWoi  1850  §  2;  rocimor.  ®cf.  t).  6.  Suni  1853  §  2; 
®cf.  für  gicufe  ä.  S.  ü.  4.  3uni  1854  §  13  «bf.  2 ;  Coburg.  ®cf.  ü.  28.  3uU  1858 
Slrt.  13,  14;  got^.  ®cf.  v.  1.  3uU  1869  3lrt.  1,  11, 12;  altcnb.  ®cf.  v.  20.  aßai 
1876  §  20  arbf.  2).  auf  bcmfclbcn  »oben  ftcl^t  in  SHnfc^ung  bcr  ancrfonntcn 
unc^clid^en  ftinber  bod  fronj.  JRe^t.  2)agcgen  ift  im  boijr.  S.  91. 1,  4  §  7 
5lr.  1,  im  preufe.  ä.  S.  91.  II,  2  §  628  unb  in  ciitjetncn  ficincrcn  Sted^tß^ 
gebieten  (oergt.  für  Äur^cffcn  bie  l^anau.  SSerorbn.  t).  5.  3lovtmbtx  1750; 
anmalt.  SSerorbn.  d.  30.  aWai  1815  §  18  ncbft  dec.  II  v.  1850  §  6)  eine  ^af^ 
hing  bcr  t)äterlid)cn  3lfjcnbenten  onerfannt.  3n  5Preufeen  ift  biefelbc  jebocf) 
im  ®eltungögebietc  beß  ®ef.  o.  24.  Slpril  1854  (oergl.  §  20  baf.)  bcfcitigt. 

Obwohl  baö  unel^clid^e  Äinb  burd)  bie  natürlid^en  Sanbe  beö  SBluteö  etanhpunft 
anä)  mit  ben  üäteriid&en  Slfjenbenten  ücrbunben  ift,  fo  würbe  ed  boc^  ju  meit  «„t^tf««. 
ge^en,  in  2)urc^brec^ung  beö  5ßrinjipeö  beö  §  30  W)l  3  in  Slnfe^ung  ber 
Unterdaltöpflid^t  ein  SSermanbtfd&ttftöocr^ältniS  jmifd&en  bem  unc^elid^en  Äinbc 
unb  ben  Däterlid^en  9lfjenbenten  onjucrfennen.  3)od  burd^  bie  3<^^9i*^fl  ^^' 
grünbctc  natürlid&e  aSer^ältnife  smifd^en  bem  unel^elicben  Äinbe  unb  beffen 
SSater  läßt  es  jmar  atö  eine  notürlid^e  unb  fittlid[)c  5ßf[id[)t  beö  lefcteren  er- 
fd&einen,  bem  kinbe  ben  Unterhalt  ju  gemäl^ren.  dagegen  fonn  für  bie 
aifjenbcnten  beö  SSaterö,  meldte  bem  une^elid&en  flinbc  im  Seben  regelmäßig 
DöÜig  frcmb  gegenüberftel^en,  eine  folc^e  ftttlid^c  ^fli^t  lebiglid^  auf  ®runb 
ber  natürfid&en  SSermonbtfd^aft  nid^t  anerfannt  werben.  2)er  3^^*/  meldten 
bie  9lebttftorcn  beö  preufe.  21.  S.  JR.  tjcrfolgten,  menn  fie  bie  oäterlid&en  Slfjcn« 
beuten,  unb  jmttr  fd&on  t)or  ber  üffuttcr  für  unter^oltöpflicbtig  erflörten, 
nämlid^  bie  SSer^ütung  beö  jlinbeömorbeö  burd^  SBefeitigung  ba*  ®eIbDer(egen^eit 
bcr  aJiuttcr,  ücrmag  bie  |>aftung  bcr  üätcrlid^en  Slfjenbenten  ni^t  ju  red&t« 
fertigen,  jumat  bie  ®rfa^rung  gejeigt  l^at,  ba§  oHc  SScgünftigungen,  meldte 
baö  21.  S.  JR.  ben  uneJ^elid&en  Jlinbern  f)at  ju  X^til  roerben  laRen,  bm  Jlinbeö* 
morb  nid^t  verringert  ^aben.  ©benfomenig  fann  bie  Slücffid^t  auf  bie  ®rs 
leid&terung  bcr  2lrmenlaft  für  fic^  allein  burc^fd^Iagenb  fein,  namcnttid^,  rocnn 
man  berüdffid&tigt,  bafe  naä)  ben  früf)er  in  ^Preußen  gemad^tcn  ©rfa^rungcn 
bie  Haftung  ber  t)ätcrlid&en  2lficnbenten  in  üielcn  gällcn  jur  S^trüttung  beö 
SBo^Iftanbeö  unb  beö  gamilicnfriebenö  geführt  ^at  (t)ergt.  ben  SHcuterf^en 
2lntrag  in  ber  2.  preufe.  ftammcr  t).  16.  ©cicmber  1851  —  2)rudffad^en 
3lx.  22  —  unb  ben  SBeric^t  ber  ftommiffion  ber  2.  Mammer  über  biefen  2lntrag 
t).  17.  aWoi  1852  —  2)rurffad&en  S«r.  318  — ,  foroie  bie  aWotiüc  beö  ©ntm.  beö 
preufe.  ®ef.  t).  24.  2fprU  1854  ©.  17  —  Drucffad&cn,  1.  Äammer,  III.  Segiö^^ 
latur^  II.  ©igungöperiobe  1853  9?r.  8  — ;  ferner  ®efe^ret).,  ^nf.  X^' 
©.  185  ff.). 

3.   3lad)  §  1571   ftel)t  bcr  Untcrlialtöanfprucb  gegen  ben  unefjelidden    «eitenb. 
SBatcr  nid&t  ber  ÜRutter  beö  unc^elid^en  Äinbeö,  fonbern  bem  le^tercn  ju.  un?e"iSit*^ 
atudb  crgiebt  fid&  auö  §  1570  in  SSerbinbung  mit  §§  1633,  1649,  Daß  bcr  ««fp«^«» 
bem  Äinbe  juftel^enbc  2Infprud)  nur  von  bem  SSormunbe  beö  5linbcö,  mithin  h\t  mute. 
Don  ber  SDlutter  alö  SScrtrcter  beö  Minbeö  nur  bann  geltcnb  gemad)t  werben   «eitenbe* 
fann,  wenn  fie  5um  3Sormunbe  beö  le^teren  befteUt  ift.    3m  ®egenfa|e  ju     5*«**- 
bicfer  Siegelung  räumt  eine  rocitocrbreitete  gcmeinred&tlid&e  ^^rariö,  obn)ol)l 


876  Uiitcr&art§pfli<i&t  fceS  uncbclifrn  SktcM    ©cftaltunfl.    §  1571. 

bcr  ^ier  fragliche  3(n)pru(^  feiner  3laiux  nai)  ein  Snfpruc^  beö  HinbeS  ift 
iinb  Deshalb  an  ftd^  oon  bcm  'Sormunbe  bed  (enteren  geltenb  ju  mac^n  ift, 
ber  ^JAutter  bas  dted^t  ein^  gegen  ben  unehelichen  93ater  auf  Seiftung  ber 
miimcntc  ju  Hagen  (oergl.  Seuffert  V,  292,  XI,  43,  XVn,  50,  XXXU,  49, 
XXX  UI,  280,  XXXV,  28).  Ueber  bie  rec^tüd^  9latur  öicfed  Älagerec^tcö 
ber  ^lütter  ge^en  jeboc^  Die  älnftd^ten  in  Softrin  unb  ^ro^id  auseinanber. 
iHad)  ber  einen  3(nftcf)t  ftc^t  Der  3Rutter  ba^felbe  nur  als  äSertreter  bcs  ftinbed 
i^u,  na6}  einer  anDeren  9(nftd^t  {lagt  bagegen  bie  3Rutter  aus  eigenem  9Ie(^tc. 
^iefe  (entere  älnfici^t  i^ai  in  92a{fau  unD  in  Sc^IeSroig  gefeglic^e  9(nerfennung 
gefunben  (oergl.  naff.  ©bift  v,  21.  September  1816  §  4;  fc^ledw.  ^tent  o. 
9.  September  1863  §  2;  genner  unb  äRecfe,  cioilred^tl.  ©ntfc^.  b.  oberfteu 
©ericftts^.  ^:^reu&end,  II  S.  131,  V,  51  S.  99,  IX,  78  S.  204  ff.).  Rubere 
@e)e^gcbuugen  röumen  ber  3Kutter  jmar  nic^t  ein  eigenes  Stecht  auf  Unterhalt 
bes  ftinbeS  gegen  ben  unehelichen  SSater  ein,  geben  i^r  aber  balb  in  weiterem, 
balb  in  geringerem  Umfange  bad  Siecht,  alö  3$ertretcr  bed  Slinbed  ftatt  Ded 
^ormunbed  gegen  ben  unehelichen  äJater  auf  Seiftung  ber  Slümente  }u  flagen 
(oergl.  mccflenb.  SSerorbn.  o.  23.  3uni  1847  §  2;  coburg.  ®ef.  ü.  28.  3uU 
1858  2trt.  18,  22, 27;  fäd^f.  ®.  93.  §§  1865, 1866;  altenb.  ®ef.  t).  29.5mai  1876 
§§  13,  14).  ßinjelne  ©cfefee  fd^reiben  oor,  ba§  bie  5[Umentenflage  üon  ber 
•äWutter  in  ©emeinfd&aft  mit  bem  3Sormunbe  erhoben  werben  muffe  (oergl. 
fonbcröf).  ©ef.  u.  12.  2luguft  1844  §§  3,  9,  27 ;  rubolft.  Oef.  t).  31.  ü»ai  1850 
§§  1,  7,  25).  9iadf)  Dem  roürttcmb.  ®ef.  o.  5.  September  1839  art.  28  3h.  1 
9lbf.  2,  3  fann  bie  3)lutter  in  SBerbinbung  mit  i^rcm  35ater  ober  einem  für 
baö  .Hinb  befteUteu  Pfleger  bie  Miage  auf  Slnertennung  ber  SSaterfd^aft  unb 
Untcrl)aa  ergeben.  Sagegen  fte^t  md)  preufe.  5Recf|te  (21.  S.  91.  II,  2  §§  612, 
614—617,  2ln^.  §  95,  II,.  18  §§  967,  968;  preufe.  SBorm.  D.  o.  5.  3uli  1875 
§§  11, 12,  27),  mö)  bem  öfterr.  ®.  99.  §  166,  bem  bab.  ®ef.  ü.  21.  gebruar  1851 
§§  4,  6,  ber  an^olt.  9Scrorbn.  o.  30.  aJIai  1815  §§  2— 9,  bem  meining.  ®ef. 
ü.  9.  September  1844  3lrt.  8,  12,  36  unb  bem  got^.  ®ef.  o.  l.  3uli  1869 
2lrt.  1,  7,  8  baö  9(ed^t,  ben  Unter^attöanfprud^  bed  5iinbeö  geltenb  ju  machen, 
nur  bem  SSormunbe  be3  Kinbed  ju;  boc^  nimmt  bie  preug.  ^rapd  an,  ba§ 
bie  äßutter  mit  Stücffid^t  auf  i^re  fubfibiäre  Unter^altdpflid^t  nac^  allgemeinen 
®runbfögen  aus  eigenem  ?lec^te  befugt  fei,  gegen  ben  une^elid^en  SSater  auf 
©rfüUung  ber  3llimeutationdpfIid^t  gegenüber  bem  5linbc  ju  Magen  (oergt. 
©ntfc^.  b.  Db.  SCrib.  »b.  76  S.  213;  Striet^orft  93b.  94  S.  220,  99b.  62 
S.  134). 
etatibpunft  @in  93ebürfni6,  in  2Ibroeic^ung  üon  ben  allgemeinen  ©runbfäften  ber 

«ntJurfe«.  2Wutter  beß  Kinbeö,  aud^  wenn  fie  nid&t  SSormunb  ift,  fei  eö  aUgcmeiu  ober 
unter  gemiffen  93oraudfe|ungen  unb  @infd^rän!ungen  in  Slnfe^ung  ber  ®eltenb:s 
mad^ung  beö  Unterl^altsanfprud^ed  bie  gefeglid^e  93ertretungdmad^t  beijulegen, 
fann  nic^t  auertannt  merben,  indbefonbere  aud^  nic^t  üon  bem  ®efid^tdpuntte 
auÄ,  auf  biefe  SBeife  ben  93en)eiö  ju  erleid()tern  unb  miberfpred^enbe  Urtl^cilc 
über  ben  3tnfprud^  bed  Rinbed  unb  über  bie  älnfprüd^e  ber  SRutter  auf  @nt$ 
binbungd^  unb  SBod^enbettdfoften  }u  üermeiben  (oergl.  in  btefer  93e}iel^ung 
meining.  ®ef.  ü.  9.  September  1844  9lrt.  36;  fäc^f.  ®.  93.  §§  1865,  1866; 
altenb.  ®cf.  d.  29.  aotai  1876  §§  13,  14).     Solange  nad^  ben  früheren 


Unter6altet)flid&t  bcß  imc^cItÄen  SJatcrß.    (Seftaltunfl.    §  1571.  877 

?ßrojc§(jcfcgcn  in  einem  jTOifd&en  bcm  SBormunbc  be§  iinef)cUdöen  Äinbeö  imb 
bem  unel^elid^en  93atcr  anhängigen  SRed^töftreite  roegen  beö  Untcr^altöanfprud^eö 
bc«  Äinbeö  bie  3Jlutter  beö  le^tcrcn  beim  SBiberfprud&c  beö  Setlagten  nid^t 
als  3ß"8c  jugelaffen  bejm.  nid^t  beeibigt  werben  fonnte,  tag  eö  allerbingö  im 
Sntereffe  ber  Durd^fü^rung  beö  Unter^oltöanfprud^eö,  rotnn  bie  Äfage  von  bcr 
SWutter,  fei  eft  aus  eigenem  SRed^te,  fei  eö  aU  SSertreter  beö  Äinbeö,  crl^oben 
werben  tonnte,  bamit  i^r  bie  SKöglid^feit  ber  ®ibeölciftung  gegeben  rourbe. 
S)icfer  Oefic^töpnnft  fann  ober  jeftt  nid)t  me^r  alö  mafegebenb  angefe^en 
roexbtn,  bo  nad&  ben  SSorfd^riften  ber  6. 5ß.  D.  (oergL  inöbcf.  §  358)  bie  SSer* 
ne^mung  ber  SUntter  qIö  QtuQt  unb  eventuell  audö  beren  nod^träglid^e  Se* 
cibigung  o^ne  StüdEfic^t  auf  ben  2Biberfprud&  beö  Seflagten  jutöffig  ift.  2)urd& 
befonbere  S3eftimmungen  aber  in  bie  allgemeinen  ©runbfä^c  über  bie  JRec^tö* 
traft  ber  Urt^eile  (§  192)  einjugreifen,  fann  alö  angemeffen  nid^t  erad&tct 
werben,  jumat  ber  Entwurf  (oergl.  §  1577)  bie  ©ntfd&äbigungöanfprüd^e  ber 
ÜJluttcr  in  ber  ^auptfac^e  befeitigt  ^at.  0\)nz  bringenbe  praftifd^e  ©rünbe 
empfiehlt  eö  fid[)  um  fo  weniger,  ein  a5ertretungörcd)t  ber  ajluttcr  in  ber  \)kx 
fraglicfien  SSejie^ung  anjuertennen,  alö  baburd^,  ba|  nur  ber  SSormunb  ben 
Unter^altöanfprud^  gcltenb  ju  mad^en  befugt  ift,  bie  öcbenten  gegen  bie  9lm 
crtennung  biefeö  3lnfprud^eö  wefenttid^  geminbert  werben  unb  nur  auf  biefe 
SBeifc  bie  ©arantie  üor^anben  ift,  bafe  bie  3llimentengelbcr  aud&  wirtlid^  i^rer 
SBeftimmung  gemäß  üerwenbet  werben. 

Db  nad^  allgemeinen  ©runbfägen  auö  ber  fubfibiären  Unterl^a(töpf{id(|t 
ber  aKutter  ein  felbftänbiger  3lnfprud^  ber  festeren  gegen  ben  une^elid&en  SSatcr 
I)ergeleitct  werben  fann,  bafe  bicfer  feine  Unterl^altöpflid^t  gegenüber  bcm  Rinbe 
erfüllte  (üergt.  ©cuffcrt  XIV,  145,  XVn,  49 ;  entfd().  b.  3t.  ®.  in  Sioilf.  V, 
101  unb  in  9lnfef|ung  ber  preuß.  ^|$raf iö  oben  ©.  876),  bebarf  in  (Srmangelung 
eineö  93ebürfniffeö  einer  befonberen  gefe^tid^en  ®ntfd()eibung  nid^t. 

©ine  anbere  grage  ift,  inwieweit  bie  SRutter  rücfftänbige  9llimente  ju 
f orbern  bered^tigt  fein  foU.  3)iefe  grage  ift  in  ben  SKotiüen  ju  §  1574  im 
3ufammen^ange  mit  ber  grage  erörtert,  ob  unb  inwieweit  baö  Jtinb  tjon  bem 
une^clid^en  SBater  für  bie  Söergangenl^eit  3ltimente  beanfprud^en  bejw.  ein 
2)ritter  (Srfa^  ber  üon  if)m  bem  Äinbe  geleifteten  9Uimente  üon  bem  une^elidf)en 
93ater  verlangen  fann. 

4.  Der  §  1571  gewal^rt  Jebem  une^elid^en  Äinbe  o^ne  tlntcrfd^ieb  ben  unter^u«- 
Untcr^attöanfprudö.    2)ie  33eftimmung  beö  riJm.  JRed^teö,  weld&e  ben  in  ®^e*  eÄriger 
hvuä)  ober  SStutfd^anbe  erjeugten  Rontubinenfinbern  ben  Unterfialtöanfprud^     «tnbw. 
gegenüber  bem  SSater  oerfagt,  ift  in  baö  gemeine  SRed^t  unb  bie  neueren  ©efej^ 
gebungen  nidf)t  übergegangen.    9lud&  nad^  franj.  Slecbte  finb  bie  e()ewibrigen   «eitenb«» 
Äinber  t)on  bem  33ater  Unterhalt  ju  forbern  bered^tigt  (code  civil  9Irt.  672),     *'*^** 
obwol^[  bie  3lnertennung  berfelben  unjuläffig  ift  (9trt.  342).    ®inc  9luönat)me 
mad^t  iebod^  baö  preufe.  ®ef.  ü.  24.  Slpril  1854  §§  9,  13  9Jr.  1  infofern,  alö 
eö  ben  9lnfpruc^  eineö  von  einer  oer^cirat^eten  grau  im  ®f)ebrud^e  erjeugten 
Äinbeö  unbebingt  auöfd^Iiefet.    Dagegen  ift  gemeinred)tlid&  nad^  ber  i)errf(I)cnben 
Slnfid^t  in  einem  fotd^en  gallc  ber  9lnfprudf|  nur  infoweit  unjutöffig,  alö  ber 
©aft  npater  est  quem  nuptiae  demonstrant"  entgegenftel^t  (oergl.  ©euffert  IT, 
186,  296,  V,  176,  292,  VI,  46,  XXII,  287,  XXXIII,  280,  XXXIV,  87, 


878  Untcrl6altöpflt(j&t  bc§  une^clicfieii  Saterß.    ©cftaltung.    §  1571. 

XXXV,  267),  roä^renb  nac^  einer  anbeten  Slnfid^t  ber  9tnfprud6  anä^  in 
bem  f)icr  in  SRcbe  ftcf)enbcn  gallc  von  bem  Äinbe  unbebingt  geltcnb  gemad^t 
werben  fann  (oergl.  ©euffert  IV,  234).  3la6)  preufe.  «.  S.  91.  II,  2  §§  1  ff., 
§§  615  ff.  unb  mi)  bem  öfterr.  @.  93.  §§  138,  158  ift  ber  Untcr^altöanfpmd^ 
bed  ^inbefi  in  bem  bejeid^neten  ^alle  havon  abijöngig,  bog  ber  Seemann  bte 
@^cUd)feit  bed  Sinbeö  mit  ®rfoIg  angefod)ten  l^at..  Dagegen  fc|t  naö^  bem 
fäd&f.  ®.  33.  §§  1860,  1778,  bem  roeimar.  ®cf.  ü.  6.  3uni  1853  §  3  mf.  4 
unb  bem  altenb.  Oef.  r>.  29.  aWal  1876  §  6  bie  ©urd^fü^rung  ieneö  Slnfpruc^eö 
nur  ben  anä^  in  bem  ^rogeffe  jmifc^en  bem  une^elid^en  Später  unb  bem  ftlnbe 
}u(öffigen  3la6)ro^i&  Doraud,  bag  ber  (Sl^emann  mit  ber  SRutter  bed  Jlinbed  in 
ber  frilifd&eu  3^it  t>cn  Seifd&taf  nid^t  üoUjogcn  1)abt.  ®aö  coburg.  ®ef. 
t).  28.  3uU  1858  3lrt.  29,  31  mac^t  bie  ©eftenbmad^ung  beö  Untcr^altö^ 
anfpruc^ed  beß  Äinbeö  gegen  ben  unel^elic^cn  Sßater  üon  ber  3wftitnmung  beö 
®l^emanneö  ob^ängig,  eö  fei  benn,  bo^  ber  (entere  bie  S3eftrofung  wegen  6^ 
brud^ed  beantragt  ober  auf  ©d^eibung  geffagt  ^abe. 
etanbpuntt  35om  ©tonbpunfte  öeö  ®ntrourfeö  au0  bebarf  cö  in  ber  ^ier  fraglichen 

üntnmrfc«.  .^iufid&t  einer  befonberen  Seftimmung  nid^t.  3)a  nad&  bem  §  1571  ber  Untere 
t)altsanfprud^  nur  einem  une^efid^en  Äinbe  jufte^t,  fo  ergiebt  fic^  baraus  von 
felbft,  bafe,  menn  unb  folange  bie  Unelielid^feit  eincö  üon  einer  ß^efrau  geborenen 
Äinbeä  nac^  äRofegabe  ber  SSorfd^riften  ber  §§  1471  ff.  nid^t  gcüenb  gemad^t 
werben  fann,  aud^  bie  ©eltenbmac^ung  beö  im  §  1571  beftimmten  Unterhalts* 
anfprud^eö  auögefd^toffen  ift.  Äann  bagegen  nad^  [tmn  a3orfd[)riften  bie  Um 
e^elic^feit  eines  fofd&en  Äinbeö  geltenb  gemad^t  werben,  fei  cö,  baß  ber  ©bemann 
bie  6f)elic^!eit  beöfelben  mit  ©rfotg  angefo^ten  f)at  ober,  o^ne  baö  SRedfit  ber 
Slufec^tung  oerloren  p  ^aben,  geftorben  ift  (§  1471),  fo  fe^ft  eö  an  einem 
auörcid^enben  (Srunbe,  bem  oon  ber  (S^efrau  geborenen,  wenngteid^  im  6^e* 
bru(I)e  mit  bcrfelben  erjeugten,  unet)e[id&en  £inbe  ben  ^ier  fraglid^en  Unter^altö* 
anfprud^  gegen  ben  unel^elid^en  SBatcr  burc^  eine  pofitiüe  SBcftimmung  ju 
üerfagen.  ©elbftoerftänblid^  mufe  aber  in  einem  fold^en  galle,  fofern  niddt  bie 
Unefielid^feit  beö  Äinbeö  nad^  Sßafegabe  beö  §  1477  burd^  Urt^eil  mit  SBirtung 
für  unb  gegen  ©ritte  feftgefteßt  ift,  bie  nai)  §§  1468, 1470  ©afe  2  begrünbete 
SBermutl^ung  ber  ©l^elid^feit  t)on  bem  Äinbe,  weld&eö  gegen  einen  ©ritten  olö 
ben  une^elid^en  9Sater  ben  Unter^altöanfprud&  ergebt,  burd^  ben  im  §  1469 
beftimmten  (Segenbeweiö  entfräftet  werben. 

gSerfd&iebene  fd^weij.  Med^te,  j.  S3.  baö  jür.  ®.  93.  §  291  lit.  b, 
fd^Iiefeen  im  3ntereffe  ber  ®{|c  unb  beö  el^elid&cn  griebenö  ben  ätnfpruc^  eineö 
im  (gt)ebrud^c  erjeugten  Äinbeö  bann  auö,  wenn  ber  unel^elid^e  3Sater  jur  ^tii 
ber  ©d^wängerung  üerl^eiratliet  unb  bieö  ber  aWutter  beö  Äinbeö  betannt  war. 
@ine  berortige  Seftimmung  ift  jebod^  um  beöwiUen  in  l^o^cm  Orabe  bebenfüd^^ 
weif  baburd^  ben  ®^emännern  in  3lnfel^ung  ber  Unterl^altöpflid^t  gegenüber 
ben  oon  ifinen  wäfirenb  beftefjenber  (g^e  erjeugten  une^elid^cn  Einbern  ein 
Freibrief  auögeftellt  wirb  (oergl.  bie  SSertianbf.  beö  britten  beutfd^cn  3uriften* 
tageö  ©.  238). 

Slntangenb  bie  in  93[utfd&anbe  erjeugten  Äinber,  fo  fönnen  aud^  biefe  ben 
im  §  1571  beftimmten  Unter^attöanfprud^  felbftoerftänbUd^  nur  infofem  geltcnb 
machen,  alö  biefelben  nid^t  nac^  §  1562  a(ö  cl^elid^e  ftinber  anjufc^cn  finb. 


Unter^altöpfliÄt  be«  une6eli(6cn  »atevö.    ©cftaltunö.    §  1571.  879 

5.  SBeld^cn  ©inftufe  cö  auf  ben  im  §  1571  bcftimmtcn  Unterlialtö^  «inP«fe  »>« 
anfprud^  \)at,  wenn  baö  unel^clid^c  Rxnb  burd)  nad^folgcnbc  6^c  ober  burd^  ^'^^oJJr^'*" 
©l^eUcl^fcitöerflärung  Icgitimirt  wirb  unb  baburd^  gegenüber  einem  anberen  «*>option. 
SKanne  old  bemjenigen,  welcher  als  une^elid&er  SBatcr  wegen  Sciftung  oon 
Sllimcntcn  in  2Infpruci^  genommen  mar,  bie  rec^tUc^e  (Stellung  eines  e^etic^en 
Äinbeö  erlangt,  ift  mit  9lüdEftd&t  auf  bie  ©etten^elt  bcr  ^ier  in  9lebe  ftetien^ 

ben  gälle  im  ®efe|e  nid^t  befonberö  entfd&icben.  Sluc^  bie  befte^enben  $Red&te 
entfd^eiben  bie  §rage  ni^t. 

©benfomenig  bebarf  eö  einer  befonberen  gefegtic^en  (gntfd^eibung  ber 
grage,  inroicfem  ber  dier  fraglid^e  Unterl^altßanfprud^  baburd^  berül^rt  wirb, 
ba§  baö  Äinb  fpäter  oon  einem  2)ritten  an  Sinbeöftatt  angenommen  wirb. 
2)ie  (gntfd&eibung  ergiebt  fid^  auö  ben  SSorfd^riftcn  ber  §§  1625,  1627 
Slbf.  2  in  SSerbinbung  bamit,  bafe  ber  une^elid&c  SSater,  foüiel  feine  Untere 
^attöpflid^t  gegenüber  bem  une^elid^en  Äinbe  betrifft,  nad^  §  1571  atö  teib* 
lid^er  SScrmanbter  beö  angenommenen  Äinbeö  ansufcl^en  ift. 

6.  3)er  §  1571  gemährt  nur  bem  unc{|clid&en  Rinbe,  nic^t  aud&  beffen  Unterhaus. 
3lbfommlingen  einen  Unter^attöanfprud^  gegen  ben  unel^elid^en  93ater.   S)amit  "aMömtiinge 
ftimmt  baö  gcitenbe  JRed&t  überein ;  nur  nad^  f ranj.  SRed&t  ift  eö  ftreitig,  ob  »>««  «tno««- 
ber  une^cli^e  SBatcr  gegenüber  ben  e^elid^en  Slbfömmlingcn  feines  anerfannten 
natürlid^en  Rinbes  unter^altspflid^tig  ift.     ©ine  berartige  9luSbe^nung  ber 
Unter^altspf{id[)t  bes  unel^elid^en  SSaters  mürbe  ju  meit  füEiren. 

7.  5lad&  bem  ©ntrourfe  bcfte^t  eine  Unter^altspf[id()t  nur  beS  une^elid^en  unter^u«* 
aSaterS  gegenüber  feinem  unel^etid^en  Äinbe,  nid^t  aber  aud&  beS  lefeteren  gegen^^iii^^^gegeti* 
über  bem  erftercn.    3)ies  ift  aud[i  ber  ©tanbpunft  beS  gemeinen  SRec^tes  unb   ^^^l^^^ 
ber  aKetirjal^I  ber  neueren  (Sefefegcbungen.    dagegen  ftnb  nad^  bem  prcufe, 

2t.  S.  91.  n,  2  §  638  une^elid^e  Äinber  i{|re  notlileibenben  ©ttern  unb  ®ro|* 
eitern  in  ©rmangetung  anberer  baju  nä^er  Derpflid^teter  ^erfonen  ju  unter* 
ftüften  üerpffid^tct.  9lud^  nad&  franj.  SRed^te  liegt  bem  üon  feinem  SBater  an« 
ertannten  unc^elid^en  Äinbe  eine  fubfibiäre  Unterl^altspflidöt  gegenüber  bem 
une^elid^en  SSater  ob.  3)er  ©tanbpunft  bes  franj.  SRed&teS  in  bicfcr  Sejielöung 
fann  inbeffen  für  ben  ©ntrourf  nic^t  in  S3etrad&t  fommen,  ba  bcrfelbe  mit  bem 
oon  bem  ©ntmurfe  nid^t  aufgenommenen  Snftitute  ber  Stnerfennung  im  3^** 
fammenl^ange  ftel^t.  S)ie  burd&  bie  S^^tfl^^Ö  oermitteltc  natürlid^e  SBcrbinbung 
oermag  für  {td^  aDein  eine  Unterl^aUspfliddt  beS  une()eUd^en  5tinbes  gegem 
über  bem  unefielid^en  aSater  nid^t  ju  rcd^tf crtigen ,  ba  es  an  ber  fittlid^en 
Orunblage  für  eine  fold^c  ^ßflid^t  fe^It. 

8.  3Intangenb  bas  SSerpttnife  ber  Unterpltspflid&t  beS  unefielid^en  »er^ärtiüfc 
aSaterS  ju  ber  Unterlialtspffid^t  bcr  SRutter  unb  bcr  fonftigen  SBcrmanbten  bcs  unterJJu«* 
ÄinbcS,  fo  ift  gemeinrcc^tlid^  nad^  ber  Ijcrrfd^cnben  Slnfid^t  ber  SSatcr  oor  ber  vmt  ber 
üßuttcr  unb  ben  mütterlid^en  33erroanbten  bes  Äinbes  ocrpflid^tct,  bem  Icgtcrcn  J^^^""^ 
ben  Untcrplt  ju  geroäl^ren  (oergl.  ©euffert  XII,  35);  bo^  mirb  au^  bie  kcX' 
Slnfid^t  ocrtlieibigt,  bafe  ber  Söatcr  unb  bie  SHutter  folibarifd^  oerpflid^tet  feien, 

einem  j[eben  berfelben  aber  baS  beneficium  divisionis  jur  ©eite  ftefie.  Uebrigens 
ift  aud^  ba,  roo  bie  primäre  UntcrpItSpftic^t  bcS  SSaterS  anerfannt  mirb,  ber 
Setrog  bcr  oon  bemfefben  ju  leiftcnben  2llimente  burc^  ben  ©crid&tsgcbraud^ 


880  Unterr)alt8pflid6t  bc8  unejclid&cn  SSaterg.    ©cftaTtung.    §  1571. 

in  bcr  Mcgct  fo  gcrintj  feftgeftcDt,  bafe  t^atfäd^tid^  bie  primäre  Untcrl^altspftid^t 
bcö  SSatcrs  ouf  bie  ©eroä^rung  bcö  not^bürftigcn  Unter^oUcö  jid^  befd^rättft, 
bejio.  fidfi  nur  als  eine  SSeitragöpffid^t  jum  Unterhalte  befi  Äinbeö  geftaltet 
(üergf.  ©euffert  VI,  203,  XII,  163,  XXV,  132).  3m  Slnfd^Iuffe  an  bie  ^err^ 
fc^enbe  Sluffaffung  beß  gemeinen  ^Reä^ic^  ertennen  anä)  bie  meiften  neueren 
Oefeggebungcn  im  ^ßrinjipe  eine  primäre  Unter^oltöpflid^t  beö  93aterß  an; 
boc^  ift  bie  festere  regelmäßig  ouf  bie  Oeroäl^rung  bcö  not^bürftigen  Unter^^ 
l^alteä  befd^ränft  ober  ha&  3Ka6  beö  ju  geroä^renben  Unterhalte«  unter  Sejug^ 
na()me  ouf  bie  Sebürfniffe  eineö  bem  Souern*  ober  gemeinen  ©ürgerftonbe 
ange^örenben  äinbeö  ober  nad^  einem  SWinimum  unb  3Rafimum  in  ber  ärt 
feftgefefet,  bo§  bie  ju  leiftenben  3ltimcnte  jum  üöUigen  ftonbeßmäfeigen  Unter* 
^olte  beö  Äinbeö  tJ^atfäd^Ud^  nid&t  ouöreid^en  (tjergl.  mürttemb.  S.  SR.  IV,  18 
§§  2—5  unb  mürttemb.  ®ef.  o.  5.  ©eptember  1839  9lrt.  28  2lbf.  1,  2;  bogr. 
S.  SR.  I,  4  §  7  3lx.  1,  5,  8;  preufe.  91.  2.  SR.  II,  2  §§  612,  621,  622,  626, 
627,  629,  630,  635—637  unb  preufe.  Oef .  t).  24. 2IpriI  1854  §  12 ;  öfterr.  ®.  ». 
§§  166—168;  anmalt.  SSerorbn.  t).  30.  SRoi  1815  §§  10,  11,  16—18,  22; 
f(I)Ieön).^olft.  ?Jatent  v.  14.  9Wai  1839  §  3;  fc^feöro.  5ßotent  r>.  9.  ©eptember 
1863  §  1;  fonberöt).  ®ef.  ü.  12.  Sluguft  1844  §§  3,  8,  10;  rubolft.  ®ef.  d. 
31.  a»ai  1850  §§  1,  6;  SReufe  ä.  S.  ®ef.  t).  4.  Januar  1854  §§  7—9,  13). 
9lnbere  SRed^te  üerpffid^ten  ben  unelielid^en  93oter  überliaupt  nur  jur  Sciftung 
eineö  Seitragcö  für  ben  Unterl^olt  beö  Äinbeö.  S)er  Seitrog  bcftef)t  ober  nid^t 
in  einer  Quote  ber  Unterl)oltöfoften,  fonbern  mirb  innerfjolb  eineö  in  ben  meiften 
biefer  SRed^tc  beftimmten  SRinimum  unb  aRofimum  unter  Serücffid^tigung 
gemiffer  9lnt)altöpunfte,  inöbefonbere  beö  Stanbeö  ber  äRutter  unb  bcr  aSer* 
mögenöDerfjältniRe  beö  SSoterö,  t)om  SRid^ter  in  ®elb  feftgefegt  (tjcrgl.  noff. 
©bift  t).  21.  ©eptember  1816  §§  3,  4;  roeimor.  ®ef.  o.  13.  STpril  1829  §§  1, 
2,  4,  5,  8  unb  t).  23.  gebruor  1850  §§  38  ff. ;  meining.  ®ef.  o.  9.  ©eptember 
1844  9lrt.  13—17;  Coburg.  ®ef.  t).  28.  3uli  1858  2lrt.  1,  5,  6;  gotl^.  ®ef. 
t).  1.  3uli  1869  Slrt.  1,  4-6;  fäd^f.  ®.  93.  §§  1858, 1862—1864;  oltenb.  ®cf. 
t).  29.  aRoi  1876  §§  4,  8—10).  5Rad&  einer  britten  ®ruppe  oon  SRed&tcn  liegt 
bie  Unterfioltöoerpffid^tung  bem  SBoter  unb  ber  SRutter  gemcinfd^aftlid&  ob, 
bod^  in  bcr  Slrt,  bog  ber  SSotcr  fubfibiär  allein  ^oftet.  Dieö  ift  bcr  ©tonb= 
punft  bcö  fronj.  9lcd)tcö  in  9lnfel)ung  bcö  dou  beiben  ©ttern  onerfonntcn 
notürlid^cu  Äinbeö.  (So  roirb  angenommen,  bofe  iebem  ©Iterntlieile  in  biefem 
goUe  bie  Unterl^ottöpffidit  junäd^ft  jur  ^älfte  obliegt  (ücrgl.  oud^  ^cff.  ©ntro. 
m  3Irt.  57).  5Rad^  bcr  mcdflcnb.  3lrmenorbn.  ü.  21.  3uli  1821  unb  ber 
mcrficnb.  aScrorbn.  r>,  23.  3uni  1847  §  la  ftnb  ber  SBoter  unb  bie  aRutter 
foUborifc^  jum  Unterliolte  ücrpflid^tet ;  bod^  giebt  bie  5ßrafiö  bem  SSoter  bie 
exceptio  divisionis,  fo  bo&  bei  Sebjeiten  bcr  ÜRutter,  fofcrn  bicfelbe  i^ren 
3lnt^eil  }u  Iciftcn  im  ©tonbe  ift,  ber  SSoter  nur  pro  rata  j^oftet. 

@incn  t)on  ben  biö^er  ongefüfirtcn  SRed^ten  tjöllig  obrocid^cnben  ©tonb* 
punft  nimmt  boö  bob.  ®ef.  o.  21.  gebruor  1851  §§  2,  3  ein,  inbcm  boöfelbe 
bem  une^elid^cn  Äinbe  nur  bann  einen  Unter^oltöonfprud^  gegen  ben  aSoter, 
unb  jmor  ouf  ®en)äf)rung  beö  notl^bürftigen  Unter^otteö,  giebt,  menn  bie 
SRuttcr  boö  Äinb  ju  unterhatten  untjcrmögenb  ift  Sluönal^möroeife  legt 
oud)  bie  onliott.  aScrorbn.  t).  30.  üRoi  1815  §  18  ber  ÜRuttcr  bie  primäre 


UntcrWtgpfIi(]&t  bc§  unc^elid&cn  SatcrS.    ©cftaltung.    §  1571.  881 

Unterhaltspflicht  auf,  wenn  bicfetbc  bereits  früher  ein  unel^clic^cs  Äinb 
geboren  l^at  ober  wenn  fte  ol^ne  genügenben  ©riinb  bas  ©rbieten  bes  5Baterö, 
ftc  ju  eJ^elid&en,  ablehnt  (»ergl.  ©rläut.  jur  anl^alt.  2.  D.  Xxi.  V,  VI,  VIII 
§  20  9lbf.  2). 

3)le  Slrt  unb  SBeifc,  wie  bas  bab.  (Sefefe  bas  SJcrljäUnig  ber  Unterl^altö:^  etaubpuntt 
pfli^t  bes  SSaterS  ju  ber  Untcr^altspflid&t  ber  ÜHutter  geregelt  l^ol,  empfiel^lt  cnt^urfes. 
fxd^  nid^t.  S)iefelbe  würbe  für  ben  weitaus  größten  ^l^eil  ber  beutfd^en  9ied&tS:= 
gebiete  eine  roefentlid^e  Steuerung  entl^atten.  ©ie  entfprid^t  aud^  nid)t  ber 
©runblage,  auf  welcher  bie  Unter^altSpflid^t  bes  aSaters  beruht.  2)ie  notür^ 
lid^e  unb  fittlid^e  5ßflid^t  beS  SSaterS  als  bes  (SrjeugerS  bes  Äinbes  bringt  cö 
mit  fic^,  bafe  berfelbe  ebenfalls  ju  bem  Unterhalte  bes  Äinbes  beiträgt  unb  bic 
Saft  biefeS  UntertialteS  nic^t  ber  SKuttcr  junäd^ft  allein  auferlegt  wirb.  S)a6 
bie  ÜJiutter  bem  uncl^elid&en  Äinbe  ungleid^  nä^er  fte^e,  reid^t  nid^t  aus,  ben 
©tanbpunft  bcs  bab.  (Sefeges  ju  redjtfertigcn,  ebenfowenig  ber  (Seftd^tspunft, 
ba|  baburd^  ber  Unfittlicbfeit  beS  weiblid^en  ©efd^lec^tes  energifd^er  entgegen^ 
getreten  werbe.  S)icfer  SSort^eil  wirb  baburd^  aufgewogen,  bafe  anbererfeits 
burd&  eine  fold^e  Siegelung  bie  Slngriffsluft  beS  männlid^en  Oefd^led^tes  gegen 
wo^l^abenbe  grauenspcrfonen  oerftärft  wirb.  2)ie  UnterlialtSoerpflid^tung  beS 
SSaters  üon  bem  Unoermögen  ber  3Rutter,  baS  Äinb  ju  unterfialten,  abl)ängig 
JU  mad^en,  liegt  aud^  nid^t  im  3ittereffe  beS  Äinbes.  Oerabe  in  fold^en 
fällen,  in  weld^en  bic  2Kutter  im  ©tanbe  ift,  bas  Rinb  allein  ju  unterhalten, 
ift  am  erften  bie  aRöglid^feit  gegeben,  bie  von  bem  SSatcr  gejalilten  SKlimenten- 
beitrage  ju  einem  Kapitale  für  baS  Einb  ganj  ober  jum  2^^eil  anjufammetn, 
wenn  bic  SKuttcr  bem  Kinbe  gegenüber  fic^  bereit  erflärt,  bie  Soften  bes 
Unterhaltes  allein  ju  tragen.  9lnbererfeitS  läuft  bie  ©eftaltung  ber  Unterf)atts* 
Pflicht  bes  SSaterS  nad^  bem  SBorbilbe  bcS  bab.  ©efefees  t^atfäd^lidö  barauf 
l^inaus,  bafe  biefelbe  fd^on  bann  nid^t  eintritt,  rotnn  bas  Äinb  ben  not^bürftigen 
Unterhalt  ^at,  ol)ne  bem  öffentlichen  Slrmenwefen  jur  Saft  ju  fallen.  3n 
gewiffcr  ^infid^t  fann  aDerbingS  jene  Oeftaltung  baju  beitragen,  bie  'S^\)l  ber 
9llimentationsprojeffe  ju  üerminbern,  aber  bo^  nur  jum  B^abtn  ber  Äinber, 
inbem  bie  ÜJiutter  bei  ber  oorausfxc^tlid&en  aSergeblid^fcit  einer  ^ßrojegfü^rung 
nid^t  feiten  in  i^ren  SluSgaben  für  bas  ftinb  über  bie  SJla^en  fid^  einf(^ränfen 
wirb.  S3on  befonberem  ©ewid^te  ift  ferner,  bafe  ber  33cweis,  bic  ajluttcr  fei 
niäjt  ücrmögenb  unb  erwerbsfähig,  in  ber  SHcgel  erljebliclien  ©d&wicrigfeiteu 
begegnet  unb  bamit  bem  Äinbe  bie  SRed^tSoerfolgung  erfc^wert  wirb,  ein  Um« 
ftanb,  weld&cr  anbererfeits  infofern  ju  einer  3Sermel)rung  ber  ^rojejfc  fül(|ren 
fann,  als  ber  SSater  nid^t  feiten  barauf  bauen  wirb,  bafe  ber  betreffenbc  Seweis 
nic^t  erbrad&t  werben  !5nne. 

©daließt  man  fid&  bem  t)on  bem  bab.  ©cfe^e  betretenen  SEßege  nid^t  an, 
fo  bieten  fic^  wieber  oerfd^iebene  9lrten  ber  Siegelung  bar.  (Sntweber  läfet 
man  ben  SBater  in  erfter  Sinie  haften,  bcfd&rönft  aber  feine  SSerpflic^tung  auf 
bie  ©ewä^rung  bcS  notl|bürftigen  Untertjaltes,  b.  l).  auf  bic  ©ewäl^^ung  bes- 
ienigen,  was  bas  ftinb,  je  nad^  bem  9llter,  in  wcld^em  basfelbe  ftet)t,  ol^ne 
9lüdEfid(|t  auf  eine  bcftimmte  SebenSftellung  braud[)t,  ober  man  ftellt  auf  bic 
SBerpflidf)tung  jur  ©cwäl^rung  bes  ftanbcsmögigcn  Untcrt)alteS  (§  1488  9lbf.  2) 
ab  unb  ocrpflid)tet  ben  33ater  nur,  gcmeinfd^aftlic^  mit  ber  TOutter  bcjw.  ben 

VtoHw  |.  bttrgerL  9t\t!^bü^  lY.  56 


882  Untcr^altgpPiid&t  bcö  unehelichen  SSaicrß.    Oeffaltung.    §  1571. 

müttcrlid^cn  SBcnüanbtcti  tiefen  Unterhalt  bem  ftinbe  ju  gcipa^rcn.  ©in 
britter  SBeg  ift  ber,  es  bei  ber  Unter^oltöpfKd&t  ber  2Rutter  unb  ber  fonftigen 
^^erroanbten  beö  Äinbeö  ju  belaffen,  ben  33ttter  aber,  unter  geftfeftung  eines 
"JRinimum  unb  ü)lajimum  unb  unter  SScrüdfici^tigung  feiner  33erm5genßüer^älts 
niffe,  foroie  beö  Stanbcö  ber  aMutter,  jur  ©eroä^rung  eines  Unterhaltsbeitrages 
anju^alten.  3)iefer  festere  SBeg  empfiehlt  fid^  nic^t  Slbgefe^en  baoon,  bafe 
er  weniger  einfad^  ift  unb  fid^  oon  ben  @runbfö|en  über  bie  Unterhältst 
Pflicht  ber  aSenoanbten  me^r  entfernt,  fällt  gegen  benfelben  entfd^eibenb  ins 
©eroid&t,  bafe  bie  geftfegung  eines  aWinimum  unb  üJJarimum  für  ein  fo  großes 
einfieitlic^eö  SRed^tSgebiet,  wie  eS  fünftig  bas  beutfd^e  fein  wirb,  bei  bcrSSerfc^ieben« 
^cit  ber  l^ier  einf^lagenben  SBerl^öItniffe,  insbefonbere  ber  5ßreife  unb  ber  Sebcns^ 
bebürfniifc  in  ben  oerfc^iebenen  S^^eilen  Seutfc^Ianbs,  niä)i  am  ^ßlage  ift.  Ueber« 
roicgenbe  (Srünbe  fpred^en  für  bie  ßinfij^lagung  bes  erftcn  SSJeges.  S)ie  primäre 
UnterbaHspüid^t  bes  une^elid^cn  Katers  entfprid^t  nid^t  nur  bem  befte^enben 
3leci^te  in  weitem  Umfange,  fonbem  ift  aud^  innerlid^  begrünbet.  Der  aSater 
eines  unetieli^en  Einbes  mufe  infomeit  bem  SSater  eines  el^elid)cn  MinbeS  gteid^^^ 
geftellt  werben,  ^roav  ift  bie  ©ad^Iage  infofern  nic^t  bie  gleidje,  als  bie  Se* 
ftreitung  beS  Unterhaltes  für  bie  el^elic^en  jlinber  ju  ben  e^elic^en  fiaften 
gehört  (oergl.  §  1339)  unb  als  ber  c^elid^c  SSoter  ben  ®enu§  bes  grauen- 
unb  ÄinbeSoermögenS  unb  ber  l^äuslid^cn  ©icnfte  ber  ß^efrau,  wie  bes  ÄinbeS, 
bejm.  gegen  bie  6l)efrau  einen  SKnfprud^  auf  einen  angemeifenen  Seitrag  jur 
Prägung  ber  e^elid^en  Soften  ^ot  (üergl.  §§  1275,  1283,  1339,  1499,  1501, 
1502  3lr.  2).  2lllein  bei  bem  el)elid&en,  wie  bei  bem  unel^elid^en  93ater  ift 
cntfd^eibenb,  ba^  im  fojialen,  wie  im  SRed^tSlcben  ber  3)Jann  üor  bem  3Bcibe 
ftel^t  unb  berfelbe  junäc^ft  berufen  ift,  basjenige  ju  Derbienen  unb  ju  befd^affen, 
was  notl)  tl^ut,  unb  jwar  gilt  bies  ^ier  um  fo  mel^r,  als  bie  a)2utter  burd& 
bie  für  baS  ftinb  unentbeJ^rlid^e  5ßPege  üielfad^  an  ber  ©ntfaltung  i^rer 
(SrwcrbSfroft  gel^inbert  wirb.  S)aS  Sebenfen,  bafe  es  im  ^inblidfe  auf  bie 
l)eroorge^obene  SBerfd^iebenl^eil  ber  ©ad^lage  unbillig  fei,  wenn  ber  une^elid^e 
aSaler  bie  Äoften  bes  Unterhaltes  bes  unel^elic^en  Äinbes  allein  ju  tragen  ^abe, 
unb  bafe  es  auc^  im  3ntcreffe  ber  SJerminberung  ber  Unfittlid^feit  nid^t  rat^fam 
fei,  ber  2Kulter  bie  Saft  beS  Unterhaltes  bes  Äinbes  ganj  abjunc^men,  erlebigt 
fid^  baburd^,  bafe  bie  Unterl&altspflid&t  bes  unc^elid&en  SSatcrS  auf  bie  ®e* 
Währung  bes  notbbürftigen  Unterhaltes  bef^räntt  fein  foll  (§  1573).  Slud^ 
bieS  cntfprid^t,  wcnigftens  im  praftif^cn  SWcfultate,  überwiegenb  bem  in  Deutfd^- 
lanb  geltenben  Siechte.  3)er  familienred^tlic^e  Karafter  bes  l^ier  in  9iebe 
ftel^enben  UnterlialtSanfprud^es  fte^t  einer  fold^eu  Scfd^ränfung  nid^t  entgegen, 
jumal  es  feineswcgs  geboten  ift,  alle  Slonfequenjen  besfelben  l^ier  ju  jie^en. 
2)ie  Scbenfen,  wcld^e  oom  Stanbpunftc  beS  ^ntereffes  ber  une^elid^en  ftinber 
unb  ber  3Serbcfferung  i^rer  Sage  aus  gegen  jene  S3efd&ränfung  an  fid^  erl^oben 
werben  fönnten,  ücrlieren  im  SCBcfentlid^cn  il)r  ©ewid^t,  wenn  ber  SBater  cor 
ber  aWutter  jum  Unterhalte  beö  Äinbes  Dcrpflid^tet  ift.  Die  SWutter  ift  als^ 
bann  in  ber  Sage,  bas,  was  fie  befigt  ober  erwirbt,  für  fonftigc  weitere  S3e* 
bürfniffe  beS  Äinbes,  insbefonbere  für  eine  angcmcffene  ©rsiel^ung  besfelben, 
tjerwcnben  ju  fönncn. 


Unter6altg|)f(id6t  beö  uncjeltd&cn  Saterö.  ©cujf i§  bcr  SSatcrf (^aft.  §  1 572.       883 


§  1572. 

3)a  bcr  ©ntrourf  ben  im  §  1571  bcftimmtcn  Untcrl^altdanfpruiäö  beö  un^  »*»««  '>er 
c^etid&cn  flinbcd  auf  bic  SSatcrfd^oft  grünbet,  fo  toürbc  nat^  allgemeinen  ©runbs  «"tcrfS^. 
föjen  bem  Jlinbe  bcr  Seroeiö  obliegen,  bafe  bcr  t)on  i^m  auf  (Sewä^rung 
bed  Untcrl^alteö  in  Slnfprud^  ©enommene  bcr  une^elid&e  93otcr  fei,  unb  rourbc 
ber  SRid^ter  noc^  §  259  ber  6.  5JJ.  D.  unter  33erüdfxd)tigung  beö  gefammten 
3n^altcd  ber  aSerl^anblungcn  unb  beö  ©rgebniffcö  einer  etwaigen  Seroeiöauf* 
na^me,  ol^ne  an  befonbere  }iüi(rcd^tßd[ie  ^röfumtionen  gebunben  )u  fein,  nad^ 
freier  Uebcrjcugung  ju  entfd^eiben  l^aben,  ob  bie  bel^auptete  SSoterf^aft  erroicfen 
fei  ober  ni^t  (oergl.  SRotioe  ju  §  1571  oben  ®.  868  ff.).  ®iefcr  2Beg  ber 
(Srmittelung  bcr  SBaterfddaft,  roeld&cr  im  ©trafoerfatiren  mafegebenb  ift,  wenn 
eö  fid^  bei  biefem,  j.  33.  im  goUe  beö  Snjefteö,  um  bcn  Scrociö  ber  aSatcrfc^oft 
l^anbclt,  unb  meieren  aud&  ber  ©ntmurf  für  fofcftc  gälle  eingefd^lagen  f|at,  in 
benen  auf  bie  burd^  unc^clid^e  ®eburt  oermittelte  notürlid^e  SBerroanbtfdiaft 
boö  im  §  123(3  beftimmte  ß^e^inbemife  gcgrünbet  roirb  (oergt.  bie  SRotiüc  ju 
§  1236  oben  S.  21),  rourbe  bei  ber  S3eratl^ung  beö  preufe.  ®ef.  o.  24.  3lpril 
1854  in  ber  Hommiffion  ber  jrociten  Jlammer  oon  üerfd^iebenen  Seiten  befür« 
roortet,  jebod)  mit  6  gegen  5  Stimmen  abgelehnt  (2)rudff.  Sir.  181,  jroeite 
Äammcr,  IIT.  Segiölaturperiobc,  IT.  Seffion  ©.  8,  9).  2)iefcö  Softem  ift 
benn  aud^  in  feiner  Slcinlieit  von  feinem  ber  beftefienben  5Hec^te  bei  bem  ^ier 
fraglid^cn  Unterl^altöanfprud^e  burd^gefül^rt.  2)aöfelbe  ift  aud^  auö  praftifd^en 
®rünben  nid&t  ju  empfefiten.  2)ie  3^^'  ^^^  äUmentenprojeffe  ift  eine  fel^r 
grofee,  unb  erfd^eint  eö  fomo^l  auö  biefem  ©runbc  a(ö  oud^  im  ^inblidfc  auf 
bcn  S^cd  beö  Unterf)altöanfprud^eö  angemeffen,  benfelben,  inöbcfonbere  aud^ 
in  feinen  93orauöfc|ungcn,  fo  ju  geftalten,  baß  berfclbe  in  möglid^ft  einfad^cr 
SBcifc  burd&gefü^rt  roerben  fann,  o^ne  anbererfeitö  bic  ©nmbfage  beö  ^n^ 
fprud^eö  aufjugeben  unb  bem  Sntcreffe  beö  auf  Oeroä^rung  beö  Untcrl^attcö 
in  Slnfprud)  ©enommenen  ju  na^c  ju  treten.  SBoHte  man,  fooicl  ben  Seroeiö 
ber  83aterfd^aft  betrifft,  t)on  ieber  befonbcren  93eftimmung  abfeilen,  fo  mürbe 
nic^t  nur  eine  grofee  Unglcid^mäfeigfeit  ber  S3eurtf)eitung  in  ber  ^|$rariö  ber 
©erid&te  in  ben  ocrfd&icbenen  ;?f)eilen  2)eutfdölanbö,  fonbern  aud()  eine  crliebKd^c 
S8ermel|rung  ber  Sllimentcnprojeffe  ju  beforgen  fein. 

3luö  bicfcn  ©rauben  gel)t  ber  ©ntmurf  im  9lnfd^tuf)e  an  baö  gemeine 
SRed&t  unb  bic  neueren  auf  bem  Soben  beö  gemeinred^tlid^en  ?ßrinjipeö  fteljcnbcn 
©efeftgebungen  junäd&ft  baoon  auö,  bafe  jur  SSegrünbung  beö  {)ier  fragtid&en 
UnterJ^altöanfpruc^eö  bie  Se^auptung  unb  ber  Sla^roeiö  genügen  foll,  bafe  ber 
in  Änfprud^  ©enommene  mit  bcr  aWutter  beö  ftinbeö  innerlialb  ber  ©mpfängnife* 
jeit  ben  93eifd&Iaf  oolliogen  ^at  (ücrgt.  Seuffert  IV,  148,  XVII,  115,  XX,  9, 
10,  XXIV,  117;  preufe.  ST.  S.  51.  II,  2  §  618,  II,  1  §  1077;  preui  ©ef.  o. 
24.  Slprit  1854  §  15;  öfterr.  ©.  93.  §  163;  fäd^f.  ©.  93.  §  1859;  bab.  ©ef.  v. 
21.  gebruar  1851  §  2;  meimar.  ©ef.  t).  6.  3iuni  1853  §  2;  meining.  ©ef.  v. 
9.  September  1844  2lrt.  11;  coburg.  ©ef.  o.  28.  3uli  1858  2lrt.  2;  got^. 
®ef.  V.  1.  3uli  1869  Slrt.  2;  altenb.  ©ef,  o.  29.  aWai  1876  §  5;  fonberöl^. 
©ef.  0.  12.  aiuguft  1844  §  5;  rubolft.  ©ef.  o.  31.  9)iai  1850  §  3;  ©ef.  für 

56* 


884      Unterfcaltßpfli^t  bcS  uiic6cli*cn  »aterö.  35ctt)ri8  bcr  Saterf *aft  §  1572. 

gteufe  &.  S.  t).  4.  3anuar  1854  §  11).  Db  in  ber  9IufftcIIung  bicfcr  58er* 
tnutl^ung  bcr  SBaterfd^aft  eine  Slbrocid&ung  t)on  ben  allgemcincu  93cn)ciögrunb* 
fäfeen  liegt  ober  ob  nid^t  fd^on  bie  Icgteren  t)on  felbft  bal^in  führen  mürben, 
auf  ®runb  jener  2:i^atfac]&e  ben  Seroeid  ber  aSaterfd^aft  junäd^ft  afe  erbracht 
anjufe^en,  üorbel^altlid^  beö  ©egenberoeifcö  anbercr  Xf)ai]a6)cn,  meldte  ben  auf 
jene  S^l^atfad^c  gegrünbeten  ©d^Iufe  bcr  SSaterfd&aft  ju  entfräften  geeignet  finb, 
fann  Ijier  ba^ingefteUt  bleiben.  ^ebenfaUö  cmpfiel^lt  fid&  bie  Slnerfennung 
biefer  SSennut^ung  aus  praftifd^cn  ©rünbcn,  um  bie  3)urd^fü^rung  bcö  Unter* 
^altöanfprud^eö  ju  erleid^tcm.  Snbererfeitö  mirb  burd^  biefe  ben  natürlid^cn 
83crl|ältniffcn  fid^  anfd&Iicfecnbc  SBermutEiung  bcm  afe  unel^elid&en  SBater  iit 
SlnfprudE)  ©enoninicnen  nid&t  ju  nal^c  getreten,  fofem  bem  festeren  nur  ber 
©egenberoeiö  nid^t  üöBig  abgefd&nitten  wirb. 

©eflendewci«.  Ob  uub  inwieTOeit  bie  S3ermutf)ung,  ba^  berjenige  ber  une^elidEie  SSater 

ift,  roeldier  mit  bcr  SWutter  beä  5linbeö  innerl^alb  ber  6mpfängni§jeit  ben 
Seifd^Iaf  DoUjogen  ^at,  burd^  ©egcnbemeis  cntfröftet  merben  fann,  ift  in  ben 
befte^enbcn  9led)ten  fel^r  oerfd)ieben  beantroortet.  SBon  bcfonberer  SBid^tigfeit 
ift  in  biefer  S3ejief)ung  bie  gragc  nad&  ber  3wläfftgfeit  ber  fog.  exceptio  plurium 
concumbentium. 

Exceptio  ©emeinre^tlid)  ift  biefe  mit  bcr  Streitfrage  über  bie  red^tlid&e  Statur 

^^'^nti'um  '^^^  ^^^^  fraglid^en  Untcrf)oItöanfprud)eö  in  engem  3^fötnmenl^angc  fte^enbe 

'grage  fe^r  beftritten.     2)ie  eine,  in  bcr  ^ßrajiö  oormiegenb  vertretene,  ins* 

*S^t**  befonbere  aud^  für  bie  gemeinred^tlid^en  Oebiete  33ar)ernö  burd^  5ßlenarbcf(^lu& 
beß  l^öd)ftcn  ®erid)teö  t).  23.  3uni  1841  afe  mafegebcnb  ancrfannte  9lnfid^t  er* 
Hart  bie  (Sinrcbe  für  unjulöffig  unb  läfet  bie  me{)reren  Äonfumbenten  folibarifd^ 
l^aften  (ücrgl.  ©euffert  IX,  167,  X,  171,  XVI,  117;  genner  unb  SRedEc  III, 
115,  V,  117).  9tad^  einer  anberen  3lnfic^t  I;at  bie  ©inrebe  bie  SBirfung,  bafe 
baburd)  bie  93crmut^ung  ber  9Saterfd^aft  icrftört  wirb  unb  beßl^alb  feiner 
bcr  ftonfumbentcn  Iiaftct  (oergl.  genncr  unb  aßcde  I,  9;  ©euffert  XXXVII, 
314).  (Sine  SWittcImcinung  l^ätt  bie  (Sinrebe  jmar  an  fidd  für  unjuläffig, 
nimmt  aber  an,  bafe,  rotnn  bie  93crpf(id)tung  eines  bcr  Äonfumbcnten  in 
redE)töt)erbinblid)er  SBeife  fcftgcftcllt  fei,  bie  anberen  Äonfumbcnten  nic^t 
me^r  in  9lnfprud^  genommen  roerben  fönnen,  ba  nad^  bcr  Slatur  ber  ©ad&c 
nur  einer  bcr  (Srjcugcr  beö  Äinbcö  fein  fönne  (©euffert  XXXV,  27). 
3[ud&  ift  bie  3lnftd^t  ücrt^cibigt,  bafe  jcbcr  ber  mehreren  Äonfumbcnten 
pro  rata  [)afte. 

2)ie  ®efc|gebungen  nel^men  in  bicfcr  gragc  ebenfallß  einen  fe^r  ocr* 
fd&iebenen  ©tanbpunft  ein.  ®in  2^^eil  bcrfclben  fd&Ucfet  bie  ®inrcbc  au0 
(ücrgl.  preufe.  21.  S.  31.  II,  2  §§  619,  620  —  aufgcl^oben  im  ©citungsgebiete 
bes  prcufe.  ®ef.  d.  24.  3tpril  1854  — ;  fäd&f.  ©.  S3.  §  1872;  bab.  ®ef.  o. 
21.  Februar  1851  §§  2,  5;  meimar.  ®ef.  v.  6.  3uni  1853  §  3;  meining.  ®cf. 
t).  9.  September  1844  3lrt.  19;  fonbersr;.  ®ef.  o.  12.  Sluguft  1844  §  7; 
rubolft.  ®cf.  V.  31.  anai  1850  §  7;  ®ef.  für  gicufe  &.  S.  x>.  4.  3onuar  1854 
§  11;  altenb.  ®ef.  v,  29.  3Äai  1876  §  18;  anijalt  aSerorbn.  o.  30.  ÜBai  1815 
§§8,  9;  gotl;.  ®ef.  ü.  1.  3uli  1869  Slrt.  1,  2,  8;  medftenb.  SBcrorbn.  v. 
23.  3uni  1847  §  Ib).    SSon  ben  angefül;rten  ®efe5gebungen  beftimmt  iebod^ 


Unterjaltö^jflid&t  be«  une^clid^cn  Saterö.  SctreiS  ber  Satcrf d&af t.  §  1 572.       885 

ba^  bob.  ®ef.  t).  21.  gcbruar  1851  §  5  SIbf.  2,  bafe  nad)  ©r^cbung  bcr  Älagc 
flcgcn  eine  beftintmte  SKannöpcrfon  unb  naä)  ©inlaffung  ber  lefetercn  auf  bie 
Älage  baö  Älagerec^t  gegen  jeben  ber  übrigen  Äontumbenten  erlifd^t.  Slud^ 
bttö  meimar.  ®ef.  t).  6.  Sunt  1853  §  3  fd)reibt  t)or,  baß,  rocnn  bie  Älage 
gegen  einen  ber  fionfumbenten  angefteHt  ift,  auö  bemfelben  Älagegrunbe  gegen 
einen  anberen  Äonhimbenten  eine  Älage  nic^t  nte^r  erl^oben  werben  lönne. 
3laä)  bcnt  fonberöE).  ®ef.  v.  12.  3luguft  1844  §  7  unb  bem  rubolft,  ®ef.  t). 
31.  3Hai  1850  §  5  ift  bagegen  bie  Älage  gegen  bie  übrigen  Äontumbenten 
noc^  jutöffig,  wenn  ber  juerft  Gelangte  von  ber  Älage  red^töfröftig  entbunben 
ift,  naci&  bent  preufe.  21.  S.  SR.  II,  2  §§  619,  620,  ber  anmalt.  SSerorbn.  ü. 
30.  aßal  1815  §§  8,  9  unb  bem  meining.  ®^.  v.  9.  ©eptember  1844  9lrt.  19 
aufeerbem  aud^  bann,  wenn  ber  juerft  in  Slnfprudd  genommene  Äonfumbent 
feine  ^ßflid^ten  ju  erfüllen  unüermögenb  ift. 

6ine  anbere  ®ruppe  von  ®efe6en  fnüpft  an  bie  2^l^atfac^e,  bafe  bie 
aWutter  beö  Äinbefi  innerl^alb  bcr  ßmpfängnifejeit  mit  aWel^reren  ben  Seifd^laf 
DoUjogen  ^at,  bie  golge,  bafe  bie  mehreren  Äonfumbenten  junäd^ft  nur  pro 
rata  unb  nur  fubfibiär  aud^  für  ben  3lnt^eil  ber  3lnberen  Ijaften.  .  3)al^in  ge^ 
^oren  baö  Coburg.  ®cf.  v.  28.  3uU  1858  3lrt.  10,  25,  30  unb,  mie  me^rfad^ 
angenommen  mirb,  aud^  baö  havjx.  2.  91.  I,  4  §  9  9lr.  4,  mä^rcnb  9lnbere 
bie  aSorfd&riften  bcö  legtercn  bal^in  auslegen,  bafe  gegenüber  bem  Äinbe  eine 
folibarifc^e  Haftung  bcgrünbet  ift. 

©ine  britte  ®ruppe  oon  ®efc^en  Iä§t  bagegen  bie  exceptio  plurium 
concumbentium  mit  bcr  2Bir!ung  ju,  ba§  baburd^  ber  Unterl^altöanfprudE)  beö 
Äinbeö  üoüftänbig  auögefcbloffcn  mirb  (oergl.  preufe.  ®cf.  t).  24.  3lpril  1854 
§  9  gir.  1;  furl^eff.  SSerorbn.  d.  23.  gebruar  1798  §  2;  f^aumb.Iipp. 
aSerorbn.  o.  2.  SWai  1828;  olbcnb.  aut^ent.  Seffaration  d.  7.  3uni  1845; 
roürttemb.  ®ef.  t).  5.  ©eptember  1839  3lrt.  28  5Rr.  4). 

3)a  ber  innere  ®runb  bcr  Unter^altöpflid^t  beß  uncbeIidE)cu  SBaterö  nur  ©tanbpunft 
in  bem  burd^  bie  S^i^gwng  }n)ifd&en  bem  Äinbe  unb  bem  ©rseuger  gcfnüpften  ent»?rfe«. 
Sanbe  ber  Slutöoermanbtfd^aft  gefunben  raerben  fann  unb  anä)  -ber  ©ntrourf 
jene  Unterl)altdpf(id)t  auf  bie  SSatcrfd^aft  als  Sflcd^tsgrunb  jurüdffü^rt  (§  1571), 
fo   fann  es  nid()t  jroeifelbaft  fein,   bafe  Dom  Stanbpunfte   bcr   iuriftifd[)en 
Äonfequenj  aus  bie  3;i^atfadöe,  bafe  innerbalb  bcr  ©mpfängniöjcit  bie  ÜJiutter 
mit  mehreren  ben  33eifd&Iaf  uolljogcn  l;at,  als  erl^cblid^  eradE)tet  merben  muß,  ßuiaffung  ber 
5DaS  bie  ©runblage  ber  Unterbaltspflidtit  bilbenbe  natürlid)e  »cr^äftnife  jroifc^en    "~*"'' 
bem  Äinbe  unb  bem  Äonfumbenten  ift  in  einem  foldien  galle  nid^t  fcftftcUbar  unb 
besl^alb  für  bas  9led)t  nid&t  oorfianben.    3^^^  ^^t  ^^^  ©ntrourf  bei  ber  e^e* 
liefen  Slbftammung  an  ber  roirflidticn  aSaterfdtiaft  nicbt  ftreng  feftgc^alten, 
fonbem  jur  Segrünbung  bcr  ©fielidöfcit  eines  von  ber  6^efrau  geborenen 
Äinbes  bie  mögliche  SSaterfd&aft  bes  ®t)emanneS  für  genügcnb  crttärt  unb  inS^ 
bcfonbere  ben  ®inroanb,  bafe  inncrfialb  ber  ®mpfängni§jcit  aud^  t)on  einem 
Slnberen    mit    bcr   ©l^cfrau   bcr   öcifd^Iaf    üoBjogen    fei,    nid^t  jugelaffcn 
(§§  1468—1470).    Snbeffen  bie  ®erid)tspun!te,  melcbe  ju  biefer  SHcgelung 
geführt  ^aben,  nämlid^  bas  S^tcreffe  ber  SBürbe  ber  6^e  unb  ber  ©rbaftung 
befi  ^amilienftanbcs  (uergl.  bieSWotioe  ju  §  1469  oben  S,  654),  festen  l^ier 
gänjlid^.   ©benfomenig  treffen  bier  bie  ©rünbc  ju,  auf  meldten  bie  Seftimmung 


886      Untcrbaltn^fli^t  befi  une^eli^en  S5aterö.  »ctociß  ber  Satctf *aft.  §  1 572. 

bed  §  1580  berul^t^  bQ§  jur  Legitimation  eined  fiinbed  burd^  nad^folgenbe  &ft 
bic  tnöglid^c  SBatcrfd&aft  bcö  (g^emanneö  genügen  foD  (»ergl.  bie  ÜHotioe  ju 
§  1580),  bo  ^ier  bie  9lü(f fixten  auf  bcn  ©c^ufi  ber  gamilienintereRen  nid^t 
in  Setrad^t  fommen.  ®ö  fann  ftd^  bal^cr  nur  fragen,  ob  übcnüiegenbe  ©rünbe 
praftifd^er  Qmtdmä^xQtüt  bafür  fpred^en,  aud^  ben  l^ier  fraglid^en  Unter^altd^ 
anfpruc^  an  bie  möglid^e  SSaterfc^aft  ju  fnüpfen,  bie  Ie|tere  ber  roirflid^en 
aSaterfd^aft  inforoeit  gleid^ufteHen.  Safe  ^xoedm&^xQUit&vn^dfttn  für  eine 
fold&e  ©eftaltung  fid^  geltenb  mad^en  laffen,  ift  nid^t  ju  ocrfennen.  5Ramenttid^ 
fommen  fojialpolitifc^e  Orünbe  in  33etrad&t.  ^ält  man  an  bem  ©rforbemiffe 
ber  tt)irfU(^en  SBaterfd^aft  feft  unb  läfet  bemgcmäfe  bie  exceptio  plurium  con- 
cumbentium  ju,  fo  ift  nid^t  ju  öermeiben,  bafe  eö  eine  änjo^I  unel^elid^er 
Äinber  geben  wirb,  für  welche  eö  an  einem  ©magrer  fel^It  unb  meldte,  bei 
aSermogenfilofigfeit  unb  ©rroerböunfäbigfeit  ber  ÜRutter  bejro.  ber  mütterlid^en 
SBerroanbten,  ber  öffentlid&en  Slrmenpflege  jur  Saft  fallen  unb  jur  33ermel^rung 
befi  ^Proletariates  beitragen  !5nnen.  35iefe  Sebenlen  bürfen  inbeRen  nid^t  über^ 
fc^äfet  werben;  bie  ©efa^r  liegt  oorroiegenb  in  bem  Ueberl^anbnel^mcn  ber  um 
ebelid^en  Äinber  überl^aupt,  nic^t  barin,  bafe  einjelne  Äinber  an  ben  ©rjeugcr 
fid^  nid^t  l^alten  fönnen.  gemer  mag  bie  Seforgnife  nid^t  ol^ne  jeben  ©runb 
fein,  bafe  bie  3wtof[ung  ber  exceptio  plurium  concumbentium  ju  einer  SSer^ 
mebrung  ober  bod&  SSerroeitläufigung  ber  Sfiimcntenprojejfe  fü^re,  ba  SKand^er 
mit  §ülfe  biefer  ©inrebe  feiner  SBerbinblid^feit  fid^  ju  entfd^lagcn  üerfud^en 
werbe,  fomie  bafe  in  golge  ber  3^Iöffung  jener  ©inrebe  bie  l^ier  fraglid^cn 
5ßrojef[e  ju  miberroärtigen  SSer^anblungen  unb  ju  einer  unbegrünbeten  Rom* 
promittirung  unbet^eiligter  britter  5ßerfonen  Slnlafe  geben  fönnten  megen  ber 
aWittel,  toeld^e  ber  Settagte  antoenbe,  um  bie  ©inrebe  ju  befräftigen,  unb  bafe 
bie  3Jlutter  aus  9lotl^  ober  ©d^am  ftd^  leid&t  oerleiten  laffen  lonne,  ben  ftatt^ 
gel^abten  Umgang  mit  anberen  3Rännern  eiblid^  abjulefinen.  SlUe  biefe  S3e* 
benfcn  muffen  inbeffen  jurücftreten  oor  ben  Unjuträglid^feiten,  roetd^e  mit  bem 
Sludfd^Iujfe  ber  in  JRebe  ftefienben  ©inrebe  oerbunben  finb.  5Bor  Sniem  liegt 
eine  fd&roere  Ungered&tigfeit  barin,  Semanben,  meld&er  ber  ©rjeuger  beö  um 
e^elid^en  Äinbeö  in  SBirMid&feit  nid^t  ift  ober  beffen  SBaterfc^aft  menigftenö 
üoBig  ungewiß  ift,  loeil  fcftfte^t,  bafe  innerhalb  ber  ©mpfänguifeieit  anä)  von 
einem  9lnberen  mit  ber  SWuttcr  beö  Äinbcö  ber  99eifd&laf  ooBjogen  ift,  ate 
©rjeuger  ju  bel^anbeln  unb  jur  ©rnä^rung  eines  üicHeid&t  fremben  Äinbeö  ju 
nöt^igen.  3)eö  3Beiteren  erfd&cint  eö  in  l^ofiem  ®rabe  anftofeig  unb  baö  JRed&t&s 
gefügt  oerle^enb,  bafe  baö  ftinb,  ober  t^atfäd^Iid^  bie  äßutter,  in  ber  Sage  fein 
mürbe,  unter  ben  mehreren  S^l^äH^^^  benjenigen  auöäuroä^Ien,  welcher  i^r 
wegen  feines  93ermogenö  ober  auö  fonftigen  ©rünbeu  als  ber  angcmejfenfte 
erfd)eint,  bejm.  bie  mehreren  S^^ölter  fämmtlid^  nad&  einanber  in  änfprud^ 
JU  nel)mcn,  jumat  ber  3)lutter  bamit  jugleid^  bie  oerfül^rerifd&e  ©elegen^eit  ju 
©rpreffungsoerfud^cn  geboten  mirb.  9Ud^t  minber  ift  ber  SttuSfc^lufe  ber  ©inrebe 
besljatb  oermerf lid) ,  roeil  er  einen  Slnlafe  jur  Unfittlid^fcit  unb  Sieberlic^feit 
in  fid^  birgt,  ba  eine  grauensperf on ,  mel^e  einem  gefjltritte  jum  Opfer  ge* 
falten  ift,  fid^  fold^enfallö  leidster  oeranlafet  finben  fann,  auc^  anberen  SWännern 
fid&  f)injugeben,  um  i^re  unb  bes  ju  erroartenben  ÄinbeS  Sage  ju  Derbef[crn. 
S)as  3)irnenwefen  unb  bie  ^roftitution  werben  auf  biefem  2Bege,  ftatt  gc* 


Unterlfealtöpfüc^t  bcö  unehelichen  Satcrö.  S3ett)ciö  bcr  aSatcrfiJ&aft.  §  157:2.       887 

minbcrt,  gcförbcrt.  3n  ber  S^^öffung  ber  exceptio  plurium  concumbentium 
liegt  gerabc  a\x6)  naä)  biefcr  JRid^tung  ^in  eine  angcmcffene  SBermittehmg 
äroifd^en  bcm  5ßrinjipc  bcö  gemeinen  SRed^teö  unb  bcm  ftrengcn  5ßrinäipe  beö 
franj.  SRec^teö.  ^r  bie  S^^Iöffiing  ber  ©inrcbe  fäljt  ferner  ins  ®en)id)t  ber 
®ang,  roctd^cn  bie  preufe.  ©efefegcbung  genommen  f)at.  2)aö  preufe.  21.  S.  % 
fd^Uefet  bie  ©inrebe  aud ;  bagegen  \)ai  man  fie  burd^  boö  ®ef.  d.  24.  9lpril  1854 
jugelaffcn,  unb  jmar  nod^  ben  einge^enbften  ©rroägungen,  unb  an  ber  §anb 
ber  in  ber  langen  Sw'if^^njcit  gemad^ten  6rfaE)rungen.  2)ic  ^ier  unb  ba 
^croorgetrctene  SKcinung,  eö  l^abe  jid^  babei  um  einen  nid^t  geglücften  SBerfud) 
ge^anbclt,  bie  (Srunbfäfte  beö  3t.  2.  dt.  unb  bcö  franj.  SRed^teö  ju  üermittefn, 
entbehrt,  fooiel  roenigftcnö  bie  3wlöffung  bcr  l^ier  fraglid^en  ®inrcbe  betrifft, 
ber  Segrünbung.  SBenn  im  3lnfange  ber  (Geltung  beö  ©efe^cö  com  3a^re  1854 
bie  Urtl^eilc  über  bie  Sicuerung  jum  2^^eil  ungünftig  gelautet  ^aben,  fo  Hegt 
bie  ©rflärung  l^ierfür  nal^e.  3ebc  Soölöfung  oon  bem  beftcl^enben  SRed^te  in 
einer  roid^tigen  grage  ftöfet  im  SÄnfange  auf  SBiberfprudj).  3!n  ber  fpätcren 
3cit  l^abcn  fid^,  foDiel  befannt,  Älagen  nid^t  erl^oben. 

©emeinrcd^tlidt)  Ift  beftritten,  ob  bie  auö  bem  99eifd&Iafc  innerhalb  ber  oegeribttDei« 
©mpfängnifejeit  l&ergeleitete  SBermut^ung  burd^  einen  auö  bem  ®rabeber9teifcj"r  «Sterbe« 
bcö  neugeborenen  ftinbeö  entnommenen  SBcmeiö  befcitigt  merben  fann  (ocrgt.  ^^"^^* 
bafür  ©euffert  XII,  161,  XX,  9,  XXV,  250;  bagegen  ©cuffert  XIII,  123, 
XV,  98,  XVII,  115,  XVIII,  109,  XX,  10,  XXXIV,  86).  2)ic  meiften 
neueren  ©cfegc  laffen  biefen  Semciö  nid^t  ju,  inbem  fie  t^ieife  überl^aupt  icben 
©cgenbcroeiö  auöfc^Iiefeen,  t^eilö  auöbrütflid^  bie  Unjuläffigfeit  icncö  ®in^ 
toanbcö  l^eroorfieben,  tl^cife  ben  (enteren  nic^t  befonbcrö  gegenüber  ber  5ßrä* 
fumtion  üorbcl^alten,  bafe  berienige  alö  bcr  ©rjeugcr  gelte,  mcld^er  innerhalb 
bcr  Iritifd^cn  Qäi  mit  ber  SRutter  beö  Äinbeö  ben  SBeifd^Iaf  ooUjogen  ^abc 
(ocrgl.  fa^f .  ®.  SB.  §  1859 ;  f onberö^.  ®ef.  v.  12.  Stuguft  1844  §  6 ;  rubolft. 
®ef.  0.  31.  2»ai  1850  §  4;  meimar.  ®cf.  o.  6.  3uni  1853  §  2;  mcining. 
®ef.  0.  9.  September  1844  Sttrt.  11;  ®ef.  für  »ieufe  ö.  S.  d.  4.  3anuar  1854 
§  11;  Coburg.  ®cf.  o.  28.  3uli  1858  2lrt.  2;  got^.  ®cf.  t).  1.  3uU  1869 
Slrt.  2;  altenb.  ®ef.  t).  29.  ÜKai  1876  §  5;  bab.  ®ef.  t).  21.  gcbruar  1851 
§§  2,  5).  dagegen  mirb  in  SBürttemberg  jener  ©inroanb  burd&  eine  fonftante 
5ßrafiö  jugcfaffen  (oergl.  ©cuffert  XX,  9).  S)aö  prcufe.  ®ef.  o.  24.  Slpril 
1854  §§  15,  9  ermähnt  jenen  ©inmanb  jmar  ni^t  befonbcrö ;  ba  baöfclbc  aber 
bie  exceptio  plurium  concumbentium  für  juläfftg  erflärt,  fo  fann  in  6r* 
mangelung  einer  entgegenftel)cnben  Scftimmung  ber  SSerociö  bcr  Swi^attung 
bcr  SKuttcr  mit  einem  Stnbcren  inncrl^alb  ber  ©mpfängnifejcit  aud&  burd^  bie 
Sefd^affenl^cit  beö  Äinbeö  jur  S^it  bcr  ®eburt  bcöfelben  geführt  werben.  2)icö 
ift  aud&  bcr  Stanbpunft  bcö  ©ntmurfcö.  3)urd&  eine  befonbere  Seftimmung 
barauf  ^injumcifen,  ift  alö  cntbcfirlid^  erachtet.  3lnbcrerfeitö  fc{)It  eö  an  einem 
auörei^enben  ®runbc,  burd^  eine  pofitiDC  SBorfdE^rift  biefe  2lrt  bcr  Scroeiö- 
fü^rung  auöjuf^Iicfecn  unb  baburd^  bie  Siedete  bcö  Seffagten  ju  bcfd)ränfcn. 
dagegen  fann  nad&  bcm  ©nlmurfc  —  abmeid&cnb  t)on  bcr  mürttemb.  ^rariö 
(ocrgl.  ©cuffert  XX,  9),  aber  in  Uebercinftimmung  mit  bcm  preu§.  ®ef. 
ö.  24.  9lpril  1854  —  baö  ftinb  bie  exceptio  plurium  concumbentium  feiner* 
fcitö  nid^t  burd^  ben  SJa^rociö  cntfräftcn,  bafe  bcr  gicifegrab  jur  ^txt  bcr 


888       UntcrBaltö^flid&t  beö  unc^cKd&cn  SSaterS.  ffletteiö  bcr  Satcrf 4aft.  §  1572. 

©eburt  in  SBerbinbung  mit  bcr  Qtxi  bcö  mit  bcm  3)rittcn  g^pffogcncn  Sei- 
fd^Iafcs  bic  Slnnalimc  ber  ßrjcugung  beö  Jlinbcö  burd^  bicfen  3)rittcn  aus- 
fd^Ucfee.  aWit  SRüdffic^t  Quf  bic  unfxd&crc  ©runblagc  eines  fold^en  S^ad^roeifc« 
unb  bic  praftifdE)cn  ®cftci[)töpunfte,  auf  rocld^en  bic  S^laffung  jener  exceptio 
juglcid^  beruht,  empfiel)(t  eö  jtc^  nid^t,  jenen  Slad&rocis  ju  ®unften  beö  Jtinbeö 
unb  ju  Ungunftcn  beö  33e!(agten  ju  gcftatten.  ^ot  bie  SKutter  beö  Äinbeö 
innerhalb  bcr  6mpfängni6jeit  mit  äUcl^rcren  bcn  Seifd^laf  ooUjogcn,  fo  lofet 
fid&  bie  SBatcrfdiaft  mit  gcnügenbcr  ©emife^eit  nid^t  feftftellen. 

sinmanb  bcr  06  bcr  ©inwanb  beö  99cflagten,  bafe  bie  SKutter  beö  Rinbeö  bereits  jur 

^WairbeT  3^it  beß  mit  berfelben  »olläogenen  Seifd[)lQfcö  fd^manger  gcmefen  fei,  Scad^tung 
TOutter.  t)erbicnt,  ift  nod^  gemeinem  Sled&te  ftreitig  (oergl.  einerfeits  ©euffert  XIII, 
123;  anbererfeitö  genner  unb  aKede  I  ©.  17,  III  ©.  234).  ?Jad^  beraWe^r* 
iaf)l  ber  neueren  ©efeggebungen  ift  jener  ©inmanb  als  unerl)eblid&  ju  erad^ten 
(ocrgl.  fäc^f.  ®.  93.  §  1859;  bab.  ©ef.  v.  21.  gebruar  1851  §§  2,  5;  fonbcröl^. 
©ef.  ü.  12.  Sluguft  1844  §§  5,  6;  rubolft.  ©ef.  v.  31.  3Jlai  1850  §§  3,  4; 
meimar.  ©cf.  o,  6.  3uni  1853  §  2;  meining.  ©ef.  v.  9.  September  1844 
9lrt.  11;  Coburg,  ©ef.  v.  28.  3uli  1858  2lrt.  2;  gotl^.  ©cf.  v.  1.  3uU  1869 
3lrt.  2;  ©ef.  für  SWeufe  ä.  S.  t).  4.  Januar  1854  §  11;  altcnb.  ©ef.  ü.  29."  aWoi 
1876  §§  4,  5).  2)QS  preufe.  ©ef.  o.  24.  5IpriI  1854  §  15  fd^meigt  aud^  in 
biefer  SBcjictjung.  ©arauö  ergiebt  fid),  ba  §  9  9lr.  1  jenes  ©efefecS  bie 
exceptio  plurium  concumbentium  juläfet,  ^ci^  bie  2^f;atfa^e  bcr  ©d^roangerfc^aft 
bcr  ajfuttcr  jur  3eit  beö  93eifd|Iafcs  inbireft  jum  5fladE)n)cife  jener  ©inrebc  oer« 
iDcrt^ct  werben  fann.  9tud^  nadf)  bcm  ©ntrourfe  ift  bics  nid&t  ausgefd^loffen. 
9lufecrbem  ergiebt  fid&  aus  §  1572  9lbf.  2  ©afe  2,  ba^,  mcnn  bie  SRutter 
mäl^rcnb  ber  im  §  1572  9lbf.  2  ©afe  1  beftimmten  ©mpfängnifejcit  üon  einem 
anbercn  Äinbc  entbunben  mar,  ein  in  biefc  ©mpfängnifejcit,  aber  Dor  bie  S^it 
jener  ©ntbinbung  fallcnber  Scifd&Iaf  mit  ber  3Ruttcr  für  bie  SSatcrfd&aft  in 
9lnfc^ung  beö  fpäter  na^  jener  ©ntbinbung  geborenen  Äinbeß  nid^t  in  Setrac^t 
fommt,  ba  in  einem  fold^cn  galle  bie  Dor  jene  ©ntbinbung  fallcnbe  3cit  nid^t 
5u  ber  (Smpfängnifejcit  beö  nad&^cr  geborenen  Äinbes  gcl)ört. 

cfeinwonb  b«r  Slnlongcnb  bcn  ©inmanb  bcr  3cugungöunfät)igfcit,  fo  ift  berfetbe  in  bem 

imTaÄ  loni'^^ö^-  ®^l  ^-  12.  9luguft  1844  §  6,  bcm  rubolft.  ©cf.  v.  31.  aKai  1850 
§  4  unb  bcm  bab.  ©cf.  o.  21.  gebruar  1851  §  5  auöbrücftid)  für  juläfrig 
crHärt,  mäfircnb  bic  übrigen  neueren  ©cfcggcbungcn  in  biefer  Scjicl^ung  bc- 
fonbere  93cftimmungcn  nidt)t  enthalten.  9lud^  ber  ©ntmurf  ^at  eö,  unb  jroar 
tf)cilö  auö  bcn  gteid^cn  ©rünbcn,  mic  bei  bcn  SSorfd^riften  über  bic  c^eUd^e 
9tbftammung  (oergl.  bic  aJiotioe  ju  §  1469  oben  ©.  655  ff.),  t^eilö  mit  9lüct= 
fidt)t  auf  bie  3wIoffung  bcr  exceptio  plurium  constupratorum  üorgcjogcn,  in 
biefer  ,^infid^t  ju  fd&rocigen. 

3lcf)nlidt|  liegt  bic  Sad)t  in  9lnfcf|ung  beö  ©inmanbcö  bcr  nid^t  erfolgten 
iramissio  seminis  (ocrgt.  Scuffcrt  XVIII,  253). 

äBcgcn  beö  Ginroanbes,  baß  bie  ajlutter  beö  iiinbes  eine  S^cfrau  fei, 
loirb  auf  bie  SDlotioc  ju  §  1571  oben  3.  878  99c jug  genommen. 

bcruujurec^.  S)a&  bcr  ©inmanb  bcr  Unjurcc^nungsfäl^igfeit  jur  ^cii  beS  Söeifd^Iafeö 

""Tit^'^'  (oergl.  Scuffcrt  VI,  47,  XTI,  162)  oom  Stanbpunfte  beö  ©ntmurfcs  aus. 


Untcr5altgpflid&t  be«  uncjea^en  SSatcrö.  SeiDciö  ber  SSatcrfd&aft.  §  1572.       889 

njcld^cr  bcn  ^icr  fraglidicn  Untcr^altöanfprud^  auf  bic  roirflid^c  33aterfd&aft 
grünbct,  unerl^ebltdö  ift,  !ann  einem  S^cifel  nid^t  unterliegen, 

5Dad  preufe.  ®cf.  v,  24.  3lpri[  1854  §§  9,  13  fd^Iiefet  ben  Ui^t^^^öltö:^' «»«^^^^^^^^ 
onfprud)  bcö  une^elid^en  Äinbeö  nid^t  nur  bann  an&,  roenn  bie  äftutter  bcö  bersiut"«. 
Ie|teren  roäl^rcnb  ber  Äonjeptionöjeit  mit  mehreren  aJJannöperfonen  ben  Sei- 
fd&Iaf  üoDjogcn  \)at,  fonbern  aud)  bann,  wenn  biefelbe  eine  in  gcfd^Ied^tlid^er 
SBcjie^ung  befd^oltene  ^erfon  ift.  2)iefe  33eftimmung  berul^t  auf  bem  ©ebanfen, 
bafl  in  einem  fold^en  galle  ber  an  fid)  aud  ber  J^l^atfa^e  ber  33oUjiel^ung  bes 
Seifd&lafe«  mit  ber  3Butter  beö  fiinbcö  innerhalb  ber  ©mpfängnifejeit  auf  bie 
33aterfd)aft  ju  jie^enbe  ©d^lufe  erfd^üttert  merbc  unb  eö  beöl^alb  nid)t  gered^t^ 
fertigt  fei,  aud^  unter  foId[ien  Umftänben  bcnjenigen,  lueld^er  mit  ber  äftutter 
beö  Kinbeö  innerEialb  ber  ©mpfängnifeäeit  ben  99eifd&laf  ooUjogcn  ^abe,  auf 
®runb  biefer  ^tiatfad&e  als  S3ater  beö  Äinbeö  ju  be^anbeln,  rocnnglei^  ber 
t)oDe  Seroeiö,  bafe  innerhalb  jener  S^it  ^^^  t)on  einem  3lnberen  ber  33eifd^Iaf 
mit  ber  SMutter  üoUjogen  fei,  nid&t  foUtc  erbracht  werben  fönnen.  2)iefe  9lrt 
ber  Siegelung,  meldte  eine  9lnnä^erung  an  baö  ^rinjip  beö  franj.  JRed^tcö 
bejmedft  unb  aud^  üerfc^iebenen  fd&meij.  Ocfefegebungen  ju  ©runbc  liegt, 
empfiehlt  fid&  iebod^  nid&t.  3)ie  S3efd^oIten^eit  ber  aßutter  beö  Äinbeö  ift 
feincdroegö  unbebingt  geeignet,  bic  SSaterfd^aft  ungemife  ju  mad^en,  unb  gel^t 
ed  beöi^alb  iebenfalld  ju  meit,  ben  äluöfc^Iug  beö  Unter^altöanfprud^eö  beö 
Äinbeö  fd^Ied&tl^in  baran  ju  fnüpfen.  3Han  benfe  j.  S.  an  fold^e  ^-älle,  in 
meieren  bie  SDlutter  jmar  frül^er  fd^on  einmal  aufeere^elid^  geboren  ^at,  aber 
unter  Umftänben,  n)eld[)e  i^ren  gel^Itritt  in  einem  milberen  unb  entfd^ulbbareren 
Öid^te  crfd)eincn  laffen,  ober  in  meld&en  biefelbe  trofe  il^reö  früheren,  oielleid&t 
fd^on  Sa^re  lang  jurüdfliegenben  ge^Itritteö,  i^rer  ganjen  5ßcrfönlidt)feit  unb 
i^rem  ganjen  SSerfialten  nadE)  unter  Serüdffid^tigung  ber  übrigen  Umftänbc 
fid^  alö  glaubroürbig  barfteHt,  ober  in  meldten  bie  aJJuttcr  ben  neuen  ge^Itritt 
im  Srautftanbe  begangen  ober  mit  bem  Seflagten  im  Konkubinate  ober  in 
einem  Sßaitreffenocr^ältniffe  gelebt  f)at.  3n  bcrartigen  fällen  ift  jroar  bie 
SKutter  alö  eine  fd&on  Dor  ber  betreffenben  ©d&mängcrung  in  gefd&led^tlid[)er 
^infi^t  befd[)oItcne  ^^erfon  ju  bejeid&nen,  unb  bod)  wirb  gerabe  in  gällen 
biefer  Slrt  bie  SSaterfd^aft  oft  am  mcnigften  ungewiß  fein.  2)a§  in  folc^en 
gällen  bem  unef)elid^en  Äinbe  ber  Untcr^altöanfpruc^  abgefd^nitten  mirb,  mürbe 
fd&on  bei  ber  Serat^ung  beö  prcufe.  ©ef.  o.  24.  Slpril  1854  in  ber  jmeiten 
Mammer  Don  Derfdfiiebenen  Seiten  ate  eine  ^örte  unb  ein  aßangel  jeneö 
®efe|eö  bejeidinet  (ucrgl.  ftetiograpf).  Serid^te  über  bie  aSerl^anbl.  ber  jroeiten 
.«ammer  1853/54,  S3b.  2  ©.  632,  636,  640).  2)aju  lommt,  bafe  ber  »egriff 
ber  Sefd^olten^eit  roegen  feiner  Unbcftimmtl^eit  unb  3)e^nbarfeit  pra!tifd&  in 
^ol^cm  ®rabe  bebenflid&  ift.  gür  einen  95eflagten,  roeldicr  nid^t  jagten  mill, 
bietet  bie  ©inrebe  ber  SSefd^oIten^eit  ein  ermünfd^teö  aßittcl,  bcn  SSerfud^  ju 
mad^en,  fi^  feiner  5ßf[id^t  ju  entjic^en.  B^wgen,  meldte  bereit  fmb,  über  ben 
JHuf  einer  grauenöperfon  in  gefd^Ieditlid^cr  Sejic^ung  9lad^tl^ei(igeö  auöjufagen, 
meldte  an  fid^  üicDeidE)t  unoerfänglid^e  S)inge  in  auögefd&müdtcr  unb  gefärbter 
SBcifc  öortragen,  finben  pd^,  namentlid^  unter  ben  greunben  beö  Sef tagten 
ober  unter  ben  geinben  ber  SRutter,  nur  ju  leid&t.  Sluf  biefc  SBcife  bicnt 
jene  ©inrebe  nid^t  nur  baju,  bic  ?Projef[e  ju  Dcrme^ren  unb  bie  ©urd^füi^rung 


890       Untcr5artöpfli*t  beö  uneßcli^en  fBaktt^.  ©ciüeiö  ber  Satcrf^aft.  §  1572. 

bcgrünbctcr  Slnfprüd^e  ju  crfd^roctcn  ober  gar  ju  ücrciteln,  fonbcrn  fic  gicbt 
aud^  JU  aJlctnciben  unb  Toibcrroärtigen  SScri^anblungcn  ätniafe  (t)cr9l.  otidj 
SBeri^anbl.  bcs  brüten  bcutfd&en  Suriftcntageö  ©.  229, 238). 

©ieienigen  göHe,  in  meldten  bie  SBcfd^otten^eit  ber  üRutter  ben  Seroeid 
ber  SSaterfd^aft  audjufd^Iiegen  ober  bie  legtere  DöDig  ungeiDig  }u  mod^en  ge^ 
eignet  ift,  laffen  fxd&  aud^  nid^t  einjeln  im  ©efefee  beftimmen.  3)afi  preufe. 
®ef.  D.  24.  Slpril  1854  §  9  3lx.  2  l^at  eS  allerbingö  unternommen,  eine  Steige 
oon  gäUen  bcfonberd  ^eroorjul^eben,  in  roeld&cn  megen  ber  93ef(^ottenl^eit  ber 
SÄutter  aud&  ber  UnterEialtöanfprud^  beö  ftinbeö  audgefdöIoHen  fein  foll  (oergL 
§  13  baf.).  Sniein  eine  berortige  fafuiftifc^e  Siegelung  bringt,  abgefelien  baoon, 
baft  bie  im  ©efefie  bejeic^neten  gäUe  pufig  in  concreto  nid^t  jutreffen  unb 
afebonn  ju  garten  unb  Ungered^tigleiten  führen,  bie  ©efal^r  mit  fid^,  ju 
3meifeln  unb  ©treitigfeiten  alter  Slrt  aSeranlaffung  ju  geben,  roie  bieö  bie  in 
bem  preufe.  (Sef.  v.  24.  äpril  1854  §  9  9lr.  2  aufgefüfirten  fpeiiellen  gäUe 
in  rei^Iici^em  SKafee  getl^an  l^abcn.  SBie  menig  jutreffenb  bie  legieren  jum 
großen  SCfieil  finb,  ift  fd^on  bei  ber  93erat{;ung  ieneö  ©cfefeeö  oon  Dcr« 
fd^icbenen  ©eiten  ^eroorge^obcn  roorben. 

älud^  ber  äluömeg  empfiehlt  ftd^  nid^t,  btn  Unterl^altdanfprud^  fd^on 
bann  auöjufd^Uegen,  xotnn  Umftänbe  nad^gemiefcn  werben,  auö  meldten  fid^ 
bie  SBal^rfd)einlid|)fcit  ergiebt,  bafe  mäfircnb  ber  6mpfängni§jeit  aud^  üon  einem 
Slnberen  mit  ber  9Kutter  beß  Einbeö  ber  S3eifd&Iaf  üoBjogen  ift.  ©egen  biefen 
SBeg  crl^eben  fid^  äf|nlid&e  Sebenfen,  wie  gegen  bie  S^^^ff^^fl  ^^^  ®inrebc  ber 
33ef(^oIten^eit.  2lud^  ftellt  berfelbe  fid^  afe  ein  S3rud&  mit  ben  allgemeinen 
9led^tdgrunbfä|en  bar,  nad^  meieren  eine  red^tUd^  bebeutfame  2:^atfad^e  nur 
bann  SBirfung  äußert,  rotnn  fie  roirMid^,  nid^t  bloß  mal^rfd&cinlid^  t)orl^anben  ift. 

9luft  ben  Dorfte^enben  Srmägungen  gelangt  ber  6ntmurf  ju  bem  SRefut 
tote,  ba§  bie  a3oterfd[)aft  eincrfeitö  immer,  anbercrfeitö  ober  aud&  nur  bann 
gegeben  ift,  menn  baö  Seiroo^nen  in  bie  ©mpfängnifeieit  fällt,  eö  fei  benn, 
bofe  innerhalb  biefer  ^tii  aud^  t)on  einem  Slnberen  ber  33cifd^laf  mit  ber 
aKutter  ooUjogcn  ift. 
cmpfänflnift.  3)ie  SJeftimmung  beö  §  1572  9lbf.  2,  meldte  bie  ©mpföngnifejeit  gefefeUd^ 

begrenjt,  fc^Iiefet  fid^  bem  §  1467  an  unb  beruht  auf  äl&nlid&en  ©eftd&tö* 
punften,  roie  bicfe  festere  33eftimmung  (oergl.  bie  ÜRotioe  ju  §  1467  oben 
©.  648  ff.).  Sffiic  im  gaUe  beö  §  1467,  bat  aud&  f|ter  bie  im  §  1572  3tbf.  2 
beftimmte  ©mpfängni^jeit  einen  abfoluten  Äarofter.  6ö  roirb  ba^er  roeber  ju 
©unften  beö  Äinbeö  nod^  ju  ©unften  beö  Seflagten  ber  Seroeiö  jugelaffen, 
bafe  baö  Äinb  nermöge  feiner  Sefd^affen^eit  jur  ^eit  ber  ©eburt  alö  auö  einem 
nidE)t  in  bie  empfängnifejeit  fallenben  SBcifd^Iafc  ^errüfircnb  anjufcfien  fei.  2)ied 
ift  anä)  ber  ©tanbpunft  beö  gemeinen  3led&tcö  (Seuffert  XXIV,  117)  unb  ber 
SKci^räabl  ber  neueren  ©cfeggebungcn.  9iur  nad)  bem  meining.  ©ef.  o.  9.  ©ep* 
tember  1844  3lrt.  11  3lbf.  3  foU  auönafimöroeife  bei  einer  grül^geburt  unb 
nad^  bem  ©ef.  für  SHeufe  ä.  ö.  o.  4.  Januar  1854  §  11  forool^l  bei  einer 
grül^geburt  alö  bei  einer  Spätgeburt  ein  nic^t  in  bie  gefeglid^  beftimmte 
®mpfängni§jeit  fallenber  S3cifd)laf  im  Sntereffe  beö  Äinbeö  bann  berüdfid^tigt 
roerbcn,  roenn  ba^  3lltcr  ber  S^ud^t  nad^  bem  llrt^eile  ©od^oerftönbiger 
mit  ber  3<^it  beö  Seifd)Iafcö  übereinftimmt.   (Sine  berartige  9luöna^me  tjerträgt 


seit. 


Unter5alt^i)flid&t  be8  uncfteli^cn  SSater«.  Setveiß  ber  aSaterfdfeaf t  §  1572.       89 1 

fid^  inbeRcn  nid^t  mit  bcn  Orünben,  roeld^c  übcrl^aupt  jur  Slufftcllung  einer 
gefcllic^en  ©tnpfQitgnifejcit  fül^ren.  3)le  im  §  15  9lbf.  2  bcö  preufe.  ®ef.  v. 
24.  3fpril  1854  in  biefer  ^infid&t  bcftimmte  äuönaf)me  bejic^t  fid&  nur  auf 
ben  goQ  einer  gc^Igeburt  unb  fommt  beöl^olb  nur  für  bie  ©ntfdiäbigungö* 
forberung  ber  SKutter,  nid^t  aud^  für  ben  Unterlialtdanfprud^  beö  Äinbeö  in 
Setroc^t. 

Slnlangcnb  ben  Umfang  ber  gefefelid^en  6mpfängni§äeit,  fo  f)ai  bie  gemein*  "«"fanfl  »>« 
red^tUd^c  5ßraji8  bie  bei  el^elid^en  Äinbern  mafegebenbe  ©mpfängnifejeit  au^  «mp^^ngni^ 
auf  bie  unel^eli(^en  ftinber  angemenbet  (uergl.  ©cuffert  XV,  98,  XVII,  115, 
XVIII,  108,  XXIV,  117,  XXXV,  27).  3)em  gemeinen  9ted&te  fmb  in  biefer  "^^^^^ 
»cjie^ung  im  «ßriniipe  gefolgt  baö  ofterr.  ®.  S3.  §§  138, 163,  ba%  fäd^f.  ®.  ». 
§§  1771, 1859,  baö  bab.  ®ef.  v.  21.  gebruar  1851  §  2  tjerglid^en  mit  bem  bab. 
S.  fR.  Safe  312,  baö  gotf).  ®ef.  t).  1.  3uli  1869  airt.  2  unb  baö  altenb.  ®ef. 
v.  29.  aKai  1876  §  5.  dagegen  l^at  baö  preufe.  31.  2.  9t.  n,  1  §  1077,  II,  2 
§  618  ben  für  bie  e^elid&e  ®eburt  mafegebenben  S^i^^^um  t)om  210.  biö 
302.  3:oge  (II,  2  §  2)  bei  unetjelid^en  ilinbern  auf  ben  3«t^öW"^  ^^^  210.  biö 
285.  SCage  eingefd()rän!t  unb  auc^  baö  preufe.  ®ef.  d.  24.  3lprU  1854  §  15  l^at, 
abmeid^enb  üon  bem  93orfd^lage  beö  ®efefereDiforö,  ^enf.  XV  S.  551,  biefe 
2:ennine  beibehalten.  3)em  preufe.  SRed^te  l^aben  fid^  angefc^Ioffen  baö  fonberöl). 
®ef.  ü.  12.  Slug.  1844  §  5,  baö  rubolft.  ®ef.  ».  31.  SÄai  1850  §  3,  baö  meining. 
®ef.  ü.  9.  September  1844  3lrt.  11,  baö  roeimar.  ®ef.  o.  6.  3uni  1853  §  2 
unb  baö  ®ef.  für  SReufe  &.  S.  v.  4.  Januar  1854  §  11.  ©inen  ü)UtteImeg  ^at 
baö  Coburg.  ®ef.  t).  28.  3uU  1858  3lrt.  2  eingefd^Iagen.  ©aöfelbe  bejei(^net 
alö  bie  regelmäßige  ßmpfängnifejeit  ben  3^i*^öum  oom  210.  biö  280.  2;age, 
beftimmt  aber  baneben,  bafe,  menn  nad^  ärjtlid^cm  ®utad^ten  eine  grü^*  ober 
Spätgeburt  anjunel^men,  bcrjenige  alö  aSater  bcö  ftinbeö  ju  betrad^ten  fei, 
meld^er  ben  Seifd^Iaf  mit  ber  SKutter  bei  einer  grü^geburt  innerhalb  bcö 
3eitraumeö  t)om  180.  biö  210.,  bei  einer  Spätgeburt  innerhalb  beö  3eitraumcö 
t)om  280.  biö  300.  2:age  t)or  bem  2:age  ber  ©ntbinbung  üolljogen  l^abe. 

SBenngleid^  bie  ®rünbe,  meldte  bafür  maßgebenb  gemefen  finb,  bei  el)c*  stanbpunet 
Ud^en  ftinbem  ber  ©mpfängnifeeit  bie  im  §  1467  beftimmte  3luöbc{)nung  ju  entwerfe«. 
geben,  bei  bem  l^ier  in  Siebe  fte^enben  Unter^altöanfprud&e  beö  unel^eHd^en 
Äinbeö  nid^t  in  glcid^em  SKafee  inö  ®eroidE)t  fallen,  fo  ift  eö  bod^  an  unb 
für  ftd^  baö  9läl^ertiegenbe,  bie  ©mpfängni^ieit  bei  e^elid^en  unb  unel)elidE)cn 
Äinbern  gleid^  ju  bemeffen,  ba,  xoznn  überfiaupt  bie  9Dlöglid[)feit  anerfannt 
wirb,  bafe  baö  Rinb  auö  irgenb  einem  Seifc^tafe  in  ber  im  §  1467  beftimmten 
3eit  ^en)orgeE)en  lann,  bicö  aud^  ^inftd^tlid^  eineö  unel^elid^cn  Jlinbeö  gelten 
muß.  Um  fo  unbebenflid^er  ift  eö,  oon  einer  33efd()ränfung  ber  ©mpfängnifejcit 
bei  une^eli(^en  Äinbern  9lbftanb  ju  nehmen,  alö  ber  (Sntrourf  bie  exceptio 
plurium  concumbentium  juläfet  unb  }um  ScTOcife  bcrfelbeu  aud^  bie  SBefd)affcn* 
^eit  beö  Äinbeö  jur  3^it  ber  ®eburt  oerroert^et  werben  fann.  gür  bie  ®leid)* 
bel^anblung  fpri(^t  ferner,  bafe  man  bei  ber  Scgitimation  burd^  nad^fotgenbe 
@^e  boä)  n\d)t  umf)in  fann,  bie  für  bie  el^elidtien  Minber  mafegcbenbc  (Smpfängniß? 
jeit  für  anmenbbar  ju  erklären  (§  1580),  ba,  roenn  man  bort  t)on  anberen 
®runbfä|en  auögel)cn  mollte,  cigent^ümlid&e  JBcrroicfctungen  ni^t  auöbleiben 
mürben. 


892       Untertaltgpfliit  bcS  unc^cHien  aSatcrt.  S3ett>cig  bcr  SSatetf^aft.  §  1572. 

«ibe«*  9lnlangcnb  bcn  Setüeis  4cr  im  §  1572  3Ibf.  1  bcjcid^ixetcn  S^^atfad^cn, 

lufc^w&ung.  ^^  j„^^  ^^^  ©ntTOutf  Cd  iix  bicfcT  ^inftcl^t,  nomcntUc^  auä),  fooicl  bic  3"* 
läffigfcit  ber  Sibcöbclation  jum  ^roedt  bes  Seroeifcö  ber  SßoBjic^ung  bcö  Sei* 
fdblafcö  betrifft,  bei  ben  allgemeinen  ©runbfägcn  beö  ^ßrojeferec^teS  beroenben. 
®ö  loffcn  fi^  aUerbingö  geroid^tige  ®rünbe  bafür  anführen,  naö)  bem  SBor* 
gange  beö  bab.  ©cf.  o.  21.  gebruar  1851  §  6  unb  beö  preu§.  ®ef.  v.  24.  aiprit 
1854  §§  16,  17  bie  ©ibeöbclotion  ganj  audjufd&Iiefeen  bc^m.  ju  befd^ränfcn 
(oergl.  anö)  fd&Ieöro.l)olft.  5ßatcnt  t).  8.  Sluguft  1826  §  1;  Coburg.  ®ef.  o. 
28.  3u(i  1858  9lrt.  24),  um  ju  üer^üten,  bafe  bie  S^täffisfcit  ber  ©rforfd^ung 
ber  3Saterf(l^aft  burd^  bic  ©ro^ung  mit  ber  ©ibeöbclation  ju  ©rprcffungen 
mifebraud&t  werbe,  unb  um  bcr  mit  ber  ^wlaffung  ber  ©ibeöbelotion  oer* 
bunbenen,  in  ^rojeffen  ber  l^ier  fraglid^en  2lrt,  mie  bie  ®rfal^rung  le^rt,  befonbcrs 
naEielicgenben  ®efa^r  beö  aKeineibcö  cntgegensutreten.  Sla^bem  jebod^  bic 
^ragc,  ob  bie  ©ibesbclation  in  ber  bcjeid^netcn  SRid^tung  auöjuf erliegen  ober 
ju  befd^ränten  fei,  bereits  burd^  bie  ®.  ^.  D.,  meIdE)e  beroufet  bic  einengenben 
SSorfd^iriften  beö  beftefienben  Slcd^tcö  in  bicfer  Sejie^ung  befeitigt  l^at,  in  ocp 
neinenbem  ©inne  entfd^ieben  roorben  ift  (6inf.  ®ef.  jur  ®.  %  D.  §  14  9lr.  2 ; 
ücrgl.  aud&  bab.  ®ef.  v.  3.  aßärj  1879  §  145),  ift  eö  alö  bebenflid^  erad^tct, 
biefen  befte^enben  9ledötö|\uftanb  ol^nc  bie  jroingenbftcn  ©rünbc  miebcr  ju 
änbem.  SBenn  bie  6.  ^.  D.  auf  anberen  ®ebieten  fctbft  bie  ©ibeßbclation 
auöfdilicfet  bcjn).  bef darauf t,  fo  gcfd^ic^t  bieö  bod)  nur  ba,  roo  bic  Dffijiat 
majimc  im  öffcntlid^cn  3ntereffe  jum  ^roedt  ber  ©rmittelung  ber  materiellen 
SBa{)rl)cit  $Iag  greifen  mufe.  Sielet  man  aber  aud^  Don  ber  burd&  bic 
6.  %  D.  gefdtiaffenen  SWed^tölagc  ab,  fo  mu§  boc^  9lnftanb  genommen  roerben, 
bem  SSorgange  beö  bab.  unb  beö  preufe.  ©cfegcö  ju  folgen.  2)ic  ßibcö* 
äufd)iebung  bilbct  in  ben  meitauö  meiften  gälten  baö  cinjige  ober  boc^  baö 
allein  auöreidE)cnbe  33emeiömittel  für  ben  üoltjogenen  33eifdt)laf.  3)ic  SSerfagung 
bcrfelben  ift  im  ©rgcbniffc  in  ja^lreid^en  gäHen  gleid^bcbeutcnb  mit  bem  SSer* 
böte  bcr  ©rforfd&ung  bcr  SSaterfdjaft  überhaupt.  S)aö  prcug.  ®efe|  ift  auc^ 
nid^t  fo  mcit  gegangen,  fonbern  ^at  nur  bic  älufcrlcgung  beö  6ibeö  bcjm.  bie 
^umeifung  bcöfclben  an  ben  einen  ober  anberen  2^^eil  in  baö  ©rmcffcn  beö 
®erid^teö  gcftellt.  3n  bcr  ^rayiö  geftattet  eö  fid)  aber  bod^  fo,  bafe  eö  meiftcnö 
auf  eine  ©ibcölciftung  t)inauöfommt.  2)aju  fommt,  bafe  bie  ®cfa^r  bcr  3Rcin= 
eibe  burd&  9luöfd^Uc§ung  ber  ©ibcöbclation  faum  eine  geringere  mirb.  5llö 
cinjige  B^^gin  wirb  bcr  Siegel  nad)  bic  SÄutter  in  33etrad)t  fommcn,  unb  eö 
läfet  fid^  bcämcifctn,  ob  bie  Seforgnife,  eö  fönnc  ein  SWcineib  gefd^morcn 
merbcn,  in  äinfcl^ung  ber  SDiutter  meniger  bcgrünbct  ift,  alö  in  3lnfe^ung  beö 
alö  aSater  in  2lnfprud^  ®cnommcnen. 
9(Kerfc«ntmft  ^laä)  bcm  prcufe.  ®ef.  t).  24.  aipril  1854  §  13  9tr.  2  fott  bie  SBatcrfc^aft 

uneJeiWn  ^'^  Stcd^tögrunb  beö  bem  une^clid^en  Kinbc  eingeräumten  Untcrl^altöanfpru^cö 
«aterwaft.  Qud^  bauu  alö  fcftftcl^cnb  angenommen  roerben,  menn  baö  Äinb  jur  Scgrünbung 
feineö  9lnfprud)eö  ein  auöbrüdlidE)eö  in  einer  öffentlid^cn  Urfunbc  abgcgebencfi 
9lner!cnntni6  ber  SSaterfd^aft  t)on  ©citcn  beö  ©c^mängercrö  beijubringen 
ücrmag.  Eine  älönlid[)e  Sebcutung  l^at  bie  Slncrfcnnung  ber  SSaterfd^aft  nad^ 
franj.  SRcd&tc  utib  bem  grofelicrjogl.  ^eff.  ®cf.  o.  30.  SRai  1821  (oergl.  6ntfd&. 
b.  31.  ®.  in  eioilf .  V,  99 ;  ^ejf .  ®ntn).  III  9lrt.  50).    2)ic  übrigen  neueren 


Unterlfeampfli^t  beg  unc^clidöen  9?atcrö.    Wla%    ©aucr.    §  1573.         893 

Ocfefegcbungcn  enthalten  über  bic  Scbeutung  ber  9lncrtennung  ber  unehelichen 
SSoterfd^aft  befonbere  S3eftintmungen  nid^t.  (Semeinreti^tlid^  ift  beftritten,  ob 
biefelbe  lebigtid^  ben  Äarafter  eines  Semeiömittefö  ober  einen  red^tögefd)öfts 
lid^en  Raratter  ^at  ober  bod^  ben  (enteren  ^aben  fonn. 

2)er  ©ntwurf  fd&rocigt  in  bicfer  SBejie^ung.  ^Daraus  ergiebt  fid^,  baß 
bie  Slnerfennung  ber  SBaterfd&aft  alä  fold^e  nid^t  einen  fonftitutiüen  Äarafter, 
fonbcm  nur  bie  SRatur  eineö  Seroeiömittelö  l^at,  ba  bic  SJerroanbtfd^aft,  foroeit 
nid^t  boö  (Sefeft  auöbrüdflid^  ein  3lnbereö  beftimntt,  ber  ^rioatbispofition  ent* 
jogen  ift.  ®in  Sebürfnife,  in  ber  f|ier  fraglid^en  Sejie^ung  bic  allgemeinen 
©runbfäfee  burd)  eine  pofitioe  Seftimmung  ju  burd&bred)en,  ift  nid^t  üor^anben. 
3nn)icrocit  im  einjelnen  %aUt  baä  3lnertenntni6  ber  unehelichen  38aterfcl)aft 
jum  Qxotdt  ber  Oemä^rung  beö  Unterl^alteö  an  boö  unc^elidde  Äinb  otö  ein 
güttigeö  obftrafteö  Sd^ulboerfpredien  in  3lnfel)ung  ber  Sßerpftid^tung  jur 
Seiftung  Don  3llimenten  aufgefaßt  merben  fann,  ift  nadt)  ben  SSorfd^riften  ber 
§§  683,  684  JU  beurtfieilen. 

§  1573. 

3)ie  ©rünbe,  rt)zld)c  ben  (Sntmurf  beftimmt  ^aben,  bie  Unter^oltös  ^Jioti^* 
üerpflidE)tung  beö  unehelichen  SSoterö  auf  bie  ©eroä^rung  beö  notl)bürftigen  uÄ't 
Unterljalteö  ju  befdfiränfen  unb  Don  ber  S^ftfefeung  eines  3Jlinimum  unb 
aßajimum  für  ben  oon  bem  une^elidben  SSater  ju  leiftenben  Untcrfialtßbeitrag 
abjufel^en,  fxnb  bereits  in  ben  aWotioen  ju  §  1571  oben  ©,  881  ff.  im  3ufammen* 
l^angc  mit  ber  Segrünbung  ber  im  §  1571  beftimmten  primären  Unterhältst 
pflid^t  bes  SBaterS  bargelegt. 

9Bas  bic  (Semälirung  bes  not^bürftigen  UnterfialteS  umf afet,  ift  im 
§  1574  burd^  bie  entfpred^enbc  Slnmenbung  bes  §  1488  beftimmt.  3n  biefer 
33e}icl^ung  wirb  bal)er  auf  bie  SRotiDc  ju  §  1574  Dcrroiefen. 

9lnlangenb  bie  gcit,  mä^renb  roeldber  ber  aSater  bes  unel)elid)en  Äinbes  «eamn  bw 
bem  lefeteren  Unterhalt  ju  gewähren  öerpf(icl)tet  ift,  fo  ergiebt  fxdj)  aus  §  1571  ^"p^?^"*' 
ocrb.  mit  §  3  in  ©rmangelung  einer  entgegenfte^enben  Seftimmung  t)on  felbft, 
bafe  jene  aSerpflic^tung  mit  ber  (Seburt  bes  Äinbes,  aber  aud^  erft  mit  biefer 
jur  ©ntfte^ung  !ommt.  ®ö  fann  batier  üor  ber  ©eburt  bes  ÄinbcS  auf  Seiftung 
Don  Sllimenten  nid^t  geflagt,  berjenige,  meld&er  mit  ber  SWutter  bes  Äinbes 
ben  S3elfd&laf  DoUjogen  l^at,  aud^  nid^t  etma  im  SBege  einftroeiliger  33erfügung 
fd^on  t)or  ber  Oeburt  beS  Äinbeö  jur  3öf|tung  von  Sllimenten  angeljaltcn 
roerben,  um  bic  bem  Äinbe  t)on  bem  aiugenblicfe  ber  (Seburt  an  gebü^renbcn 
Sltimentc  im  SSoraus  ju  fidlem.  S)ie  l^ier  unb  ba  in  ber  gemeinred[|tlid)cn 
5ßrajis  vertretene  entgegengefefetc  3luffaffung  (oergl.  ©euffert  V,  290,  IX,  165) 
ocrblent  feine  ^Billigung  unb  ift  um  fo  meniger  geredf)tfertigt,  als  erft  nad^ 
ber  erfolgten  Oeburt  beS  SlinbeS  bie  SBaterfd^aft  als  ®runb  ber  Unterlialts* 
pflid^t  nad^  Sttafegabe  bes  §  1572  fid^  feftftellen  Idfet.  3)amit  ftimmt  bie  preufe. 
5ßrajtS  tjormiegenb  überein  (oergl.  and)  fonbersl).  ©ef.  o.  12.  3luguft  1844 
§§  31,  36;  rubolft.  ®ef.  x>.  31.  SRai  1850  §§  28,  31;  ®ef.  für  JReufe  ä.  S. 
ü.  4.  Sonuar  1854  §  11). 

3)ie  jeitlid^e  (Srenje,  bis  ju  meld^er  bie  Untcrl)altSpflid^t  bes  unefielid^en     ^wr. 
SOaterS  ftd&  erftredEt,  ift  in  ben  beftefienben  Siedeten  fel)r  t)erfd[|icben  beftimmt. 


894         Unter6artöpf!i(6t  bcß  unej&cli^cn  Satcr§.    9Dla6.    Stauer.    §  1573. 

(»euenbed  ®cmcinrcd[|tH(f)  baucrt  bic  Untcr^altöpflid^t  folangc,  bis  baö  Äinb  fid&  fclbft 
^^^'  crI)Qltcn  tann;  fic  lebt  aber  toieber  auf,  fobolb  baö  Kinb  burd^  Äronf^eit  ober 
aus  onberen  ©rünbcn  roieber  unfäl^ig  wirb,  fic^  felbft  ju  unterhalten  (oergt. 
©euffert  XXI,  238  unter  I,  ferner  XLl,  107).  ®ine  roeitoerbreitete  5ßrajiö 
läfet  iebodö  mit  bem  S^itpunfte,  in  TOcId^cm  baö  Äinb  fid^  felbft  ju  unterhalten 
im  ©tanbe  ift,  b.  l|.  im  Sw'^ifcf  "^i*  ^^^  oollenbeten  tJierje^nten  Sebenfiial^re 
bcöfelbcn,  bie  Unter^a(töpflid)t  bauernb  cnbigen  unb  nur  bann  über  biefeö 
Lebensalter  l)inauö  fortbauern,  wenn  beim  Eintritte  befi  Ie|teren  baö  Äinb 
noä)  in  einem  ^ülföbebürftigen  3uftönbe  ft^  befinbet  (oergl.  ©euffert  VI,  203, 
VII,  49,  XI,  41,  245,  XXI,  238,  XXIV,  243).  3n  anberen  gemeinred^tU^en 
(Sebieten  crfennt  bic  ^rariö  eine  aScrpflid)tung  beö  SBaterö  überhaupt  nur  bis 
jum  Dicr je^nten,  I)öc]&ftend  a(^t}e()ntcn  iJcbenöiafire  bed  Äinbeö  an  (Seuffert  1, 228). 

93on  bcn  neueren  OJefe^gebungen  läfet  ein  S^eil  bie  Unter^altöpftici^t 
beä  unel^elid)en  33aterö  regelmäßig  mit  bem  üoücnbcntcn  Dierje^nten  Sebenö^ 
jaljre  bcö  iiinbeö  auffiörcn,  jcbodö  bann  auc^  über  biefen  3^itpunft  l^inauö  fort* 
baucrn,  lücnu  baö  Hinb  auö  befonberen  (Srünben  fi^  felbft  nid^t  unterhalten 
fann  (ücrgL  preufe.  31.  2.  91.  II,  2  §§  633,  634,  637  —  baju  Urtl).  b.  91.  ®. 
bei  ©ruc^ot  XXXIl  ©.  131  ff.  —  unb  preufe.  ®cf.  d.  24.  9(prit  1854  §  12; 
rubolft.  ®ef,t).  31.  SOlai  1850  §§  13—15).  3n  biefcm  Sinne  mirb  Don  ber 
^^Jrariö  aud^  bie  93eftimmung  beö  mürttemb.  SSed^teö,  ba§  bie  Unterl^altö« 
pffi(^t  beö  3Saterö  folange  fortbauert,  biö  baö  Äinb  fid^  felbft  ernähren  fann 
(iDürttcmb.  2.  5H.  IX,  18  §  2;  mürttemb.  ®ef.  ü.  5.  September  1839  ärt.  28 
3lr.  1),  gc^anbliabt.  9luf  bemfelben  SSoben  ftel;en  bie  anmalt.  SSerorbn. 
0.  30.  3na\  1815  §§  21,  23  unb  baö  fonberöf).  ®ef.  v.  12.  Sluguft  1844  §§  16 
biö  18,  jeboc^  mit  bcr  9)lobifitation,  bafe  biefc  ®cfefte  baö  üoUenbete  fünfjel)nte 
2cbenöia^r  bcjm.  bie  Konfirmation  alö  regelmäßigen  ©nbpunft  ber  Untertjaltö- 
pflid&t  bejcidincn. 

3lad)  einer  anberen  ®ruppc  oon  Siedeten  enbigt  bie  Unterl^altöpflid^t 
unbebingt,  wmn  baö  ilinb  ein  bcftimmteö  2ebenöalter  erreid&t  iiat,  unb  jroar 
ift  tf)eilö  baö  ooUenbete  oierje^nte  Lebcnöja^r  (ocrgl.  Ijannoo.  ß^eocrlobungö- 
fonftitut.  ü.  5.  Suni  1733  §  5;  fäd)f.  ®.  33.  §  1862;  bab.  ®ef.  t).  21.  gebruar 
1851  §  3;  meining.  ®ef.  v.  9.  September  1844  3lrt.  13;  ®ef.  für  Sleufe.  ölt.  2. 
D.  4. 3anuar  1854  §  7 ;  Coburg.  ®ef.  i).  28. 3uU  1858  3lrt.  5 ;  got^.  ®cf.  o.  1. 3uli 
1869  3lrt.  4;  altenb.  ®ef.  t).  29,  Ü)lai  1876),  tEjcilö  baö  jurüdgelcgte  breiael)ntc 
(0ef.  für  SHeufe.  j.  2.  o.  26.  Df tober  1822  §  13),  t^eifö  baö  ooUenbete  fünfje^ntc 
2cbenöiaf)r  beö  Rinbeö  alö  jeittid&e  ®ren5c  feftgefefet  (rocimar.  ®ef.  t).  13.  aipril 
1829  §  4).  3laä)  bem  naff.  (Sbifte  o.  21.  September  1816  §  4  bauert  bie  Unter* 
^altöpflid^t  bei  OTäbd&en  biö  jum  ©intritte  in  b«aö  fünfäc^nte,  bei  Knaben 
biö  5um  (Eintritte  in  baö  ac^tjef)nte  2ebenöia^r  unb  nad^  bem  fd^Icöm. 
I^olft.  Siedete  ift  ber  SSater  fo  lange  bem  Kinbc  Unterfialt  }u  gemä^ren  oer* 
pflid^tet,  biö  baöfclbe  einen  eigenen  Staub  ergreift  ober  baö  ad^tje^ntc 
2ebenö|al)r  jurüdfgelcgt  l)at  (oergl.  fdileöro.  ^olft.  patent  o.  14.  9)lai  1839  §  3; 
prooifor.  ^^Jatent  für  Sd&leömig  u.  9.  September  1863  §  1). 

^aö  franj.  9led)t  \)at  bie  Unter^altöpflid&t  beö  une^elid^en  SBaterö 
gegenüber  bem  anerfannten  natürlid^en  Rinbe  an  eine  ^citfli^c^ä^  ^i^t  ge* 
bunben  (uergl.  aud^  l^eff.  ©ntm.  III  Slrt.  59). 


Untcr5art8i)fli(j&t  b.  uneBcI.  SSaterö.  Analogie  ber  bec  aSertranbtcn.  §  1574.       895 

SBennglcid^  ber  ©nttourf  bic  l^icr  fraglidje  Unterf|altspfttd)t  auf  bie  ©tanbpunrt 
aSotcrfc^aft  unb  bic  baburd^  jroifc^cn  bem  uncl^clic^en  Jlinbc  unb  beffen  (Srjeugcr  ©„t^urfc«. 
I^crüorgcrufcnc  bauernbc  Seknöbcjic^ung  grünbct  unb  biefer  ®cjtd[|töpunft  an 
fid^  ba^in  fül)rcn  ntüfetc,  jene  Unlerl^altöpPid&t,  roic  bie  gcfefelid^e  Unter* 
^aitöpfftd^t  ber  aScnoonbtcn,  auf  bie  ganjc  Scbcnöjcit  bcö  Äinbeö  ju  er* 
ftrcden,  fo  fommt  boä)  anbercrfeitfi  in  33etrad)t,  bofe  bic  fittlid^en  Sejic^ungcn 
jrolfd^en  bcm  uncfielic^cn  Äinbe  unb  bcjfcn  SBatcr  rocnigcr  intcnfiü  finb,  wie 
bei  e^cli(^en  Sinbcrn,  unb  bafe  eine  auf  bic  gonje  SebcnSjeit  bcö  Äinbcö  fid^ 
crftredcnbe  UntcrtiaItftpflidE)t  bcö  SBatcrö  auf  bic  freie  Scrocgung  beöfclbcn 
in  n)irt^fd^aftlid[)er  unb  fojialer  Scjicl^ung  ju  ftörenb  cinroirfcn  unb  für  if|n 
eine  ju  brüdfenbc  öaft  fein  mürbe.  3)afür,  bofe  eine  fofd^c  9luöbel^nung  ber 
Untcr^altöpflid^t  aud^  burd^  ein  prattifc^eö  SSebürfnife  nid^t  geboten  ift, 
fprid[)t,  bafe  bic  abrocid&cnbc  SBorfc^rift  bcö  prcufe.  91.  S.  91.,  nad^  TOcId&cr  ber 
unc^cUc^c  SBatcr  o^ne  9lüdEfidE)t  auf  bic  an  fid^  aufgcftcUtc  3lltcrögrcnjc  baö 
,*tinb  auc^  barübcr  ^inauö  ju  untertialtcn  Dcrpftid^tet  ift,  rocnn  cö  auö  bc* 
fonberen  Orünben  ju  jener  3^^  ober  5U  einer  fpätcren  3^^*  (ücrgl.  Urtf)eil 
b.  SR.  ®.  bei  ®tnä)ot  XXXIT  ©.  131  ff.)  ficfi  fclbft  ju  untcrJjaltcn  ni(^t 
tjcrmag,  in  ber  5pra)ciö  wenig  jur  ®cltung  gelangt  ift.  9lte  angemeffenc  Stltcrö* 
grenjc  crfd^eint  baö  jurüdfgclegte  üierjcl^ntc  Scbcnöia^r.  darüber  ^inauö* 
jugc^cn,  würbe  für  große  SRcd&tögebietc  eine  SScrfd^ärfung  ber  Untcrf)altös 
pflid^t  bcö  uncl)cUd^cn  SBatcrö  mit  fid^  bringen.  3)cr  Umftanb,  baft  bic  SÄei^r* 
iotfl  ber  SRcd^tc  auf  baö  jurücfgclegtc  üicrjcljnte  2cbcnöiaf)r  abfteUt,  xmh  bafe 
fclbft  in  fol(^cn  ©cbicten,  in  rocld&cn  baö  ©efeg,  ofinc  nähere  ^räjijtrung  ber 
2)aucr,  ben  uncl^clid[)cn  SBatcr  für  untcrfialtöpflid&tig  crflärt,  biö  baö  Äinb  fid^ 
fclbft  erhalten  fann,  bic  ?Prajiö  mclirfad^  unb  namcntlid^  in  SBürttemberg  baju 
gelangt  ift,  bic  Untcrljaltöpflid^t  mit  bcm  iurücfgclcgtcn  üicrjc^ntcn  Scbcnöia^rc 
cnbigen  ju  laffen,  bcroeift,  bafe  ben  3lnforbcrungcn  bcö  Sebcnö  burd^  biefc 
aiuöbc^nung  ber  Untcrfialtöpflidöt  ®cnügc  gcfd)ict|t.  ©ine  5ßcrfon  in  jenem 
Slltcr  ift  aud^,  oon  befonbcren,  ni^t  cntfdE)cibcnbcn  göBcn  abgefc^en,  im 
©tanbc,  ben  crforbcrlid^cn  Scbcnöuntcr^alt  nac^  bcm  äflafeftabc  notf)bärftigcr 
Sllimcntc  fid^  fclbft  ju  ücrbicncn.  ®icfc  3lrt  ber  Siegelung  bietet  ferner  ben 
3Jortl)cil,  bafe  fic  cö  crmoglid&t,  bic  Untcrf)altöpflid&t  bcö  unef)clld^cn  33atcrö 
alö  eine  oon  ber  fonfreten  öebürftigfcit  ber  flEinbcö  unabl^ängigc  ju  geftattcn 
unb  baburc^  bic  praltif(^c  3)urd^fü^rung  bcö  ^ier  fraglid^en  Untcrl)altöanfprud^cö 
cr^eblid^  ju  oercinfad&cn  (ücrgl.  in  biefer  ^infid^t  bic  fßloim  ju  §  1574 
unter  9ir.  1). 

§  1574. 

S)cm  familicnrcd^tlid^cn  Marattcr  bcö  auf  ber  aSatcrfd^aft  bcru^cnbcn  Mnaiogic  ber 
Untcrl)altöanfpru(^cö  bcö  unc^clidicn  Äinbcö  entfpric^t  cö,  bic  aSorfc^riften  ^"^^^0«^^^^^^ 
über  bic  gcfc6lid()c  Untcrlialtöpflid^t  ber  Säcrroanbtcn  (§§  1481—1496)  auc6  ö«f    "^"*^«"- 
jenen  Untcr^altöanfpruc^  inforocit  ju  übertragen,  alö  nid^t  burd^  bic  SBer* 
fd^icbcn^cit    ber  ©od^tage   unb    JHürffid&tcn   praftifd^er   grocdEntöfeigfcit   3lb* 
meid^ungen  geboten  fmb.    3n  biefer  c^infidEjt  ift  golgcnbcö  ju  bemerfcn: 

1.  S)cr  §  1481  mad^t  ben  ainfpnid^  cineö  aScrmanbtcn  mit  ber  auö     wobtft. 
Sbf.  3  für  ein  minberjä^rigcö  unücrl)ciratf|cteö  Äinb  fid&  crgcbenben  SKobififation    '""**"*"• 


896       Unter]6aTt§i)Bi4t  b.  uncßel.  SSatcrö.  analogie  ber  bcr  SJerttjanbten,  §  1 574. 

»ebfttftiflieit  t)on  ber  Scbürftigfcit  bcö  Sercd^tigtcn   abhängig.    ®icfe  SBorfd^rift  ift  auf 
ben  Untcrl)a(tsanfpnid&  bc§  uncljelid^cn  fiinbcö  nid^t  übertragen. 

älnlangcnb  ba^  beftel^cnbe  SRe^t,  fo  fc^t  gemcinred&tlid^  bcr  Untcrl^altö^ 
anfprud^  bcö  unef)clid)en  Äinbeö  an  fid)  bie  Söebürf tigfeit  beö  le^tcrcn  oorauö ; 
inbeffen  nimmt  ein  allgemeiner  ©erid^tfigebraud^  biefe  33ebärftigfcit  bis  jum 
t)oUenbetcn  14.  Sebcnöia^re  bcö  Äinbcö  ol^ne  allen  Scroeid  an  (üergl.  ©euffert 
XXI,  238  unter  I).  5ßad^  bem  prcufe.  SRcd&tc  (preu§.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  633, 
634,  637 ;  preufe.  ©ef.  o.  24.  Slpril  1854  §  12)  ift  bic  Unter^altöpfCid^t  bcö 
unel^clid)cn  93aterä  iebenfaUö  bis  jum  üoBcnbetcn  14.  Scbcnsjafirc  eine  un* 
bebingtc;  ob  [ie  in  ben  3luönal)mef allen,  in  mefdE)en  fie  barüber  ^inauö  fort- 
bauert,  nur  einen  fubfibiären  Rarafter  ^at,  ift  beftrittcn  (ocrgl.  jcbodd  Urt^. 
b.  5R.  ®.  bei  ®rud[)ot  XXXII  ©.  132).  lud)  nad^  ben  in  bzn  aWotiocn  ju 
§  1573  oben  ©.  894  angcfüfirten  SRed&ten,  meldte  bie  Untcr^altöpflid^t  beö 
unet)elid^en  33aterä  äcit(idE)  befd^ränlen,  ift  bic  Icfeterc  nid^t  uon  ber  Scbürftigfeit 
bcö  Äinbcö  abhängig.  S)agegcn  beftimmen  baö  fonberölj,  ®ef.  v.  12.  Sluguft 
1844  §§  16  ff.  unb  baö  rubolft.  ®ef.  v.  31.  3Kai  1850  §§  13  ff.,  bafe  bie 
Untcrl)altöpflic^t  aufhört,  wenn  baö  Äinb  ju  eigenem  SBermögen  gelangt,  Dor* 
auögcfegt,  bafe  bie  biöponiblen  (Sinfünfte  bcö  Icgtcren  fo  Diel  betragen,  alö  bic 
iöl^rlid&cn  3l(imentengelber.  9lud&  nadi^  franj.  SRcd&te  ift  bie  Unter^altöpflid^t 
bcö  3Saterö  gegenüber  bem  anerfannten  natürlid^en  Äinbc  eine  fubfxbiörc  (ocrgl. 
aud^  ^cff.  entm.  111  9lrt.  59). 

®em  ber  Untcrbaltöpflidit  beö  uncfjcli^cn  SBaterö  ju  ©runbc  liegenbcn 
©cbanfen  mag  cö  an  fid^  cntfprcd&en,  biefelbc  nid)t  eintreten  ju  laffcn,  mcnn 
baö  Äinb  gcnügcnbcö  3Sermögcn  befißt  ober  burd^  eigene  Äroft  feinen  Untere 
f)alt  fid)  ju  ücrfd&affcn  im  ©tonbc  ift.  5ßraftifd^  cmpfiel^lt  eine  folc^c  ©c* 
ftaltung  fid)  inbejfcn  nid^t.  Unel^clid^e  Äinber  bcrifecn  in  feltcncn  gällen 
eigenes  aSermögen;  eine  3luönal)me  tritt  in  bcr  Siegel  nur  ein,  xotnn  bie 
aKutter  frü^jeitig  ftirbt,  unb  aud)  ^ier  fällt  i^nen  alö  ©rben  gcmö^ntid^  nur 
mcnig  ju.  S)ie  ©rmcrböfäl^igfcit  bcrfelbcn  ift  cbcnfallö  faum  t)on  Sebeutung, 
ba  nad&  bem  (Sntmurfe  bie  Untcrl^altöpflid&t  mit  bem  äurüdEgelcgtcn  14.  Sebenö* 
ja^rc  bcö  Äinbcö  crlifd)t  (§  1573).  Snfofcrn  trifft  man  bcr  Siegel  nac^  fc^on 
an  \iä)  baö  Slid^tigc,  xomn  von  ber  aSermögcnölofxgfeit  bcjro.  errocrböunfä^igfcit 
beö  unct)clid()cn  Äinbcö  alö  aSorauöfcfeung  bcö  Untcrfialtöanfprud^cö  abgefc^en 
mirb.  5Daö  Achtere  ift  aber  namentlid^  beöl^alb  geboten,  weil  anbcrenfoHö  bem 
unc^elid^cn  Äinbc  bie  Älagbcgrünbung  unb  bamit  bic  Slcd&töocrfolgung  erl^eblic^ 
crfd)n)crt,  aud^  bie  Sage  bcöfclbcn  immer  eine  fdfiroanfcnbe  bleiben  mürbe,  ba 
bcr  unel^elid^e  SSatcr  felbft  nad&  feiner  33erurt^cilung  unter  Berufung  auf  eine 
in  btn  l^icr  fraglid^cn  SBcrl^ältniffcn  beö  Äinbcö  eingetretene  9lcnberung  feine 
aScrpflid^tung  ju  bcftrciten  im  ©tanbe  fein  mürbe  (§§  1493, 1574).  Slufeerbcm 
mürbe  bie  aScrmcl^rung  ober  bod^  aScrrocitläufigung  bcr  Sllimcntcnprojcjfe  bic 
unauöblciblidf)e  golgc  fein, 
aeifluitö«'  2.    Slud^  bie  Seftimmung  bcö  §  1482,  nad^  mcld&cr  bcr  Unter^altö* 

^^Ä*''*  anfprud)  bcö  el)elid)cn  Äinbcö,  menn  aud^  mit  einer  gciüiffcn  gjlobififation, 
üon  bcr  Sciftungöfä^igfcit  bcö  aSatcrö  abhängig  ift,  eignet  [\6)  nid^t  jur 
Uebertragung  auf  ben  Unterl)altöanfprud)  beö  une^clid^cn  Äinbcö.  S)aö 
Sfntcrcffc  bcö  Unteren  crforbert  bringenb,  ben  Untcr^altöanfprud^  von  bcr  im 


Untcr6art5pPi(i6t  b.  uncjef.  SSatcrc.  9fnaIogieberberS5crn)anbten.  §1574.       897 

§  1482  bcftimmtcn  Seiftungöfä^igfcit  nxä)i  abEjängig  ju  machen,  gür  eine 
große  ^q\)1  t)on  5ßcrfonen,  inäbefonbere  für  fold^e,  roeld)e  bem  bicncnbcu 
©tanbc  angehören,  foroie  für  einen  erl^ebUdien  Xf)dl  ber  gabrifbcüölferung, 
würbe  bann  boö  ®efcfe  fo  gut  wie  nid&t  gef4lrieben  fein.  S)ic  Uebcrtragung  bcö 
§  1482  auf  ben  Unterl^aftöanfprud^  bcö  uncl^elici&en  Einbeö  würbe  aurf)  mit 
bem  in  einem  großen  Jl^eile  3)eutfd^Ianbd  geltenben  9ledE)te,  inöbefonbcre  mit 
bem  preuß.  31.  2.  di.,  foüiel  bie  bid  jum  iurüdEgelegten  14.  Sebenäial)re  bcö 
fiinbeö  begrünbetc  UntcrEjaltöpfli^t  betrifft  (üergl.  Urtf).  b.  dl.  ®.  bei  ©rud&ot 
XXXII  ©.  132)  unb  mit  ben  in  ben  3Äotiöcn  ju  §  1571  oben  S.  880  an^ 
geführten  SRed^ten,  meldte  für  bie  Semeffung  beö  Unterhaltsbeitrages  ein 
Sttinimum  unb  äßafimum  feftfegen,  in  SBiberfprud^  fte^en,  inbem  jene  SHe^te 
bie  geftftcllung  ber  Seiftungöfäf)igfeit  bem  ©jetutionöftobium  überlaffen.  (Se* 
meinred)tlici^  ift  allerbingö  beftritten,  ob  bie  l^ier  fraglid^e  Untcrl^altßpflidöt 
oon  ber  Seiftungsfä(;igfeit  beö  unelielid^en  SSaterö  abl^ängig  ift.  S)er  ©inmanb, 
ia^  unelielic^e  Äinb  fönne  nic^t  beffer  geftellt  fein,  als  baö  eliefic^e  Äinb, 
wiegt  nid^t  fd&roer  gegenüber  ber  3;f)atfac]&e,  baß  bei  e^elid^en  Äinbern  ber 
SSater  auö  eigenem  STntriebe  felbft  baö  SCBenige,  maß  er  ^at,  mit  ifincn  tl^eift, 
bei  uneI;etidE)en  Äinbern  bagegen  ber  SBatcr  fid^  meift  nur  gejmungen  jur  Oe- 
Währung  beö  Unterhaltes  an  biefelben  t)erftet)t. 

S5ie  befonberen  Säorfc^riften  über  bie  Seilreibung  oon  9lUmentengcIbcrn 
gegen  5ßerfoncn  bcs  ©olbatenftanbeö  (t)crg(.  preuß.  ®ef.  v.  24.  SHpril  1854 
§  21)  tommen  angefid)tft  ber  SBorf^riften  ber  ©.  5ß.  D.  §  749  Sir.  5,  6,  8 
ntd^t  weiter  in  SSetrad&t. 

3.  35a  ber  Unterfiaftöanfprud^  beö  unehelichen  Äinbeö  von  ber  fieiftungö^  «nbere  m\>u 
fätiigfcit  beö  aSaterö  nic^t  abl)ängig  ift,  tjielme^r  ber  Sfnfpruc^  infoweit  ben  ^'""'"'"• 
Äarafter  einer  gewöJ^nlid^en  gorberung  ^at,  fo  finb  bie  33eftimmungen  beö 

§  1483  nic^t  anwenbbar. 

4.  S)ic  SBeftimmung  beö  §  1484  fommt  im  ^inbürfc  barauf  nid^t  in 
S3etrad)t,  baß  nad&  §  1573  ber  une^elid^e  SSoter  nur  biö  jum  üoUenbeten 
14.  Sebenöja^re  baö  Äinb  ju  unterhalten  t)erpflid[)tet  ift. 

5.  2)ie  §§  1485,  1486  fxnh  jur  Uebertragung  nid^t  geeignet  (oergt. 
§  1571, 

6.  2)ic  Uebertragung  bcö  §  1487  ift  ni(^t  geboten,  ba  ber  in  feinen 
SBorauöfegungcn  von  ber  2eiftungöfäf)igfcit  beö  une^eüc^en  SSatcrö  nid&t  ab* 
gängige  sänfprudf)  auf  Untcr{)att  wie  iebe  anbere  g^orberung  einen  Seftanbtfieil 
beö  aSermögenö  beö  une^elid^en  Äinbeö  bilbct  unb  bie  UnterJ^altöpftid^t  bor 
mütterlichen  aSerwanbten  beö  Äinbeö  nad&  ben  aUgemeincn  ©runbföfeen  (oergl. 
§  1568  oerb.  mit  §  1481)  von  felbft  ^(afe  greift,  wenn  baö  SBermögen  bcö 
Äinbeö  jur  ©r^altung  beöfelben  nid)t  auörci^t  bejw.  nid)t  t)erwert{)bar  ift. 

7.  3nbem  ber  §  1574  ben  §  1488  für  entfpred^enb  anwenbbar  erflärt,  ««ä»*«  »>«« 
beftimmt  er  ben  Segriff  beö  not^bürftigen  Unterl^alteö,  auf  weld^en  nac^"uit^Uter 
§  1573  ber  9lnfpruc^  beö  unel^elidEien  Äinbeö  gerid&tet  ift,  unb  ftellt  burc^  bie 
83ejugna^me  auf  §  1488  Kar,  baß  bie  SBerpffid&tung  beö  une^elid^en  SBaterö  ben 
gefammten  Sebenöbebarf,  bie  Äoften  ber  Staufe,  ber  ©rjiel^ung  beö  Äinbeö  unb 

ber  SBorbilbung  beöfetben  ju  einem  befonberen  Sebenöberufe,  fowic  bie  Segräbniß* 

SRotivc  t.  bflrgerl.  dele^buc^  IV.  57 


L 


898       HntcrJ^alttpflid&t  b.  unelSel.  SSatcr«.  ^Inaloßtc  ber  bcr  9Sertt>anbtcn.  §  1574. 

foften  untfofet.  SBenn  anä)  3lbf.  1  unb  4  bcö  §  1488  tjorncl&mlid)  in  Sctra^t 
f ommen,  fo  fmb  bod^  aud&  khl  2  unb  3  nid^t  auöjufd^UcBen,  bo  fic  jur  görbcrung 
bcö  SScrftänbnincß  jener  bciben  Slbfäfee  biencn,  inöbefonberc  ber  Segriff  beö  notl^ 
bürftigcn  Unterfialteö  erft  burd^  ben  bie  SSefonberljeit  beö  ftanbeömäfeigen 
Unterl^alteö  ^erüor^ebenben  SIbf.  2  in  baö  redete  Sid&t  gefefet  TOtrb.  2Bit  bem 
Gntrourfe  ftimmen,  ^ingefc^en  auf  baö  praftifd^c  SRcfultat,  int  SBefentlid^en  bic 
gemeinred)tlid()e  ^rajiö  unb  bie  mciften  neueren  ®efe|gebungen  übcrcin;  bod^ 
be^anbeln  bicfelben  jum  2^^cil  ben  Slnfpruc^  auf  ©rfafe  ber  SCauffoften  alö 
einen  nidE)t  bem  Äinbe,  fonbcrn  ber  SKutter  beö  (enteren  juftel^enben  2lnfprud& 
(oergl,  ©euffert  VI,  203,  xn,  163;  preug.  31.2.  SR.  II,  2  §§  612,  635,  636 
ncbft  3lnl&.  §  84,  II,  1  §  1016  unb  preufe.  ®ef.  v.  24.  Slpril  1854  §§  7, 12; 
onl^alt.  SBerorbn.  t).  30.  a«ai  1815  §§  10,  11,  16,  17,  22;  fäd&f.  ®.  S3. 
§§  1358,  1861—1864,  1371;  fonberöl^.  ®ef.  t).  12.  Sluguft  1844  §§  3,  10; 
njboIft.®ef,  t)om  31.  aWai  1850  §§1,  6;  meining.  ®ef.  v.  9.  September  1844 
5Irt.  2,  14—18;  ®ef.  für  3leu&  ä.  S.  t).  4.  Sonuar  1854  §§  7—9;  meimar. 
®ef.  t).  13.  aipril  1829  §§  1,  2,  5,  6;  Coburg.  ®ef.  o.  28.  SuU  1858  SKrt.  3, 
5,  6,  9;  gotl^.  ®ef.  t).  1.  3uli  1869  2[rt.  1,  3—6,  10,  14;  altenb.  ®ef.  t). 
29.  3Äai  1876  §§  4,  7—10,  17). 

8.  S)ie  §§  1489,  1490  fc^eiben  t)on  felbft  auö,  ber  §  1490,  abgefc^en 
baoon,  bafe  bic  ®runbe,  ouf  meldten  biefe  Seftimmung  berul^t,  ^ier  nid^t  ju« 
treffen,  fd^on  beöl^alb,  meil  ber  3lnfprud&  beö  unehelichen  Jlinbeö  fid^  ftctö  ouf 
ben  not^bürftigen  Unterl^alt  befd^ränft. 
«rt  ber  «e.  9.  Slnlangcub  bie  3lrt  ber  ®en)äf|rung  ber  3lUmente,  fo  follen  in  biefcr 

'untSSSite*«*  ^^iic^^^O  ^w^  Slbf.  1,  3  beö  §  1491  entfpred^enbe  Slnroenbung  finben.  2)ie 
3Sorfd^rift,  bafe  ber  Unterl^alt  ftetö  bur(^  ©ntrid^tung  einer  ®e[brente  ju  ge» 
währen  ift,  bient  jur  SSermeibung  von  ©treitigfeiten  über  bie  gel)örige  ©r? 
füllung  ber  Unter^attöpffid^t.  3)em  uneJ^elic^en  ^ater,  obtoo^I  bemfelbcn  auö 
ben  in  ben  SRotiDcn  ju  §  1568  oben  ©.  851  ff.  unb  in  ben  aWotioen  ju  §  1570 
oben  ©.  863  bargelegten  ®rünben  baö  SRed^t  ber  ®rjiel|ung  beö  Äinbeö  nic^t 
eingeräumt  ift,  im  Slnfd^Iuffc  an  eine  größere  3ö^(  t)on  SRed^ten,  inöbefonbere 
an  baQ  preufe.  unb  fäd^f.  Siecht,  bic  Sefugnife  ju  geben,  baö  Rinb,  nad^bem 
baöfclbe  bie  erften  Sebenöialire  jurüdEgefegt  l^at,  felbft  in  Pflege  ju  nehmen 
(Dcrgl.  in  biefcr  ^infi^t  bie  SRotioe  }u  §  1570  oben  ©.  863),  ift  im  3ntereife 
bcr  6rjief)ung  bcö  Äinbeö  nid^t  alö  angemeffen  ju  crad^ten.  ©5  ift  ani)  eine 
unbillige  ^ärtc  gegen  bic  SRutter,  bic  Icfetcre  t)or  bic  Slltcrnatioc  ju  ftellen, 
cntroeber  bic  Äoften  beö  Unterl^altcö  für  bie  3^^^"!*  ^^^^^  tragen,  ober  baö 
Äinb,  obmo^l  baöfclbe  bcr  3flatur  nad&  bcr  ÜJhitter  oiel  nfil^cr  ftel^t  alö  bem 
5Bater,  bem  Icfetcrcn  allein  übcrlajfcn  ju  müjfen.  3)aiu  fommt,  bafe  auf 
©citen  beö  unel)clid&cn  SSatcrö  l^äufig  ©igennug  bic  SCriebfeber  ift,  menn  er 
felbft  baö  Rinb  in  Pflege  ju  nehmen  beantragt.  9lbgefe^cn  Don  ben  gSHcn, 
in  meldten  bem  aSater  baö  SRe^t  eingeräumt  ift,  baö  Äinb  felbft  in  5ßflege  ju 
ncl^men  unb  ju  crjiel)cn,  gcl^t  aud^  baö  geltcnbc  Stecht  überroiegenb  baoon 
auö,  bafe  bcr  Untcrfialt  von  ©eiten  bcö  unel^cli^cn  SBaterö  burd^  ©ntrid^tung 
einer  ®elbrcntc  ju  gemä^ren  ift.  ®ö  entfprid^t  bieö  inöbefonbere  ber  gemein* 
rcd&tlid&en  ^Prajiö,  bem  prcufe.  Siedete  (oergl.  preufe.  55.fi.  SR.  n,  2  §§  621 
biö  627  unb  preuB.  ®cf.  ü-  24.  SÄpril  1854  §  12),  bem  fäd&f.  ®. ».  §§  1862 


Untcr5alt8pfli<6t  b.  uncljcl.  ffiater?,  Slnaloflie  ber  bcr  SScriüanbtcn.  §  1574.       899 

6iö  1864,  1870  unb  bcm  bab.  ®cf.  v.  21.  gcbruar  1851  §  3,  fotoic  bcn  übrigen 
oben  6.  898  angefül^rtcn  ©cfeften. 

3)aburcb,  bafe  ber  Unterhalt  ftctß  burd&  ©ntrid^tung  einer  Oelbrcntc  ju 
fleroä^rcn  ift,  ergiebt  fic^  von  felbft  bie  Unanmcnbbarfeit  ber  SSorfd&riften  bed 
§  1491  Slbf.  4,  5.  dagegen  ift  3Ibf.  3  bcfi  §  1491  jur  entfprecj^enben  21m 
loenbung  geeignet  (oergl.  anä),  fouiel  bie  JJorfd&rift  beä  §  661  SIbf.  3  betrifft, 
fäc^f.  ®.  a.  §  1863;  fonberö^.  ®ef.  v.  12.  3luguft  1844  §  19;  got^.  ®ef.  u. 
1.  3uli  1869  3lrt.  5). 

10.  ®ie  ®rünbe,  auf  welchen  bie  SBeftimmung  beö  §  1492  beruht,  "«J«[^J**'f 
treffen  aucb  bei  bem  Unterljaltdanfprud^e  bed  unehelichen  Rinbed  }u;  benn  gangen^it. 
iDenngleicJ^  biefer  Slnfprud^  ni^t  biird&  bie  Sebürftlgfeit  beö  Äinbeö  bebingt  unb 
ber  Unterhalt  ftetd  burcb  ©ntrid^tung  einer  ©elbrente  ju  gewähren  ift,  fo  f)at 
ber  2lnfprud^  bocj^  in  ber  l^ier  fraglid^en  Sejic^ung  nid&t  ben  Äarafter  einer 
gcroöl^nUcben  ®eIbforberung,  fonbern  ®egenftanb  beöfelben  ift  anä)  in  biefem 
gatte  bie  Scfriebigung  ber  Sebürfniffe  beö  Äinbeö  burcb  S)arrei(j^ung  ber  baju 
crforbcriicben  ©elbmittel.  S)iefe  SluffaRung  mu§,  mie  bei  ber  Unter^altdpfli(^t 
ber  JJerroanbten  unb  inöbefonbere  bei  ber  unbebingten  UnterJ^altöpftid&t  beö 
G^emanneö  gegenüber  ber  ©^efrau  (ocrgl.  §  1492  mit  §  1280  2lbf.  2),  fo 
aucb  ^i^  JU  ber  Siegel  füt)ren,  bag  für  bie  93ergangen^eit  SlUmente  nid^t 
gcforbert  werben  fönnen.  ®ie  im  §  1492  t)on  biefer  SHegel  beftimmtcn  Sluö^ 
nabmen  aber  finb  f)itv  ald  angemeffen  ju  erad^ten.  Ser  ®runbfQg,  bag 
Sllimente  aud^  von  bem  unebelid^en  5{inbe  für  bie  Vergangenheit  nidbt  ge^ 
forbert  werben  fönnen,  mirb,  obroobi  in  ber  gemeinrec^tlid&en  ^uriöprubenj 
bie  älnfid^ten  barüber  au&einanbergeben,  boc^  üorroiegenb  auc^  von  ber  gemein^ 
red&tUd^en  ^ßrayiö  anerfannt  (üergl.  Seuffert  I,  83,  IV,  255,  xn,  164,  273, 
XVII,  250;  bagegen  xn,  35  9}r.  2),  mäljrenb  umgefebrt  bie  prcufe.  3und^ 
prubenj  ben  Slnfpruc^  beö  Äinbeö  auf  2l(imentenrüdEftänbe  Dorroiegenb  für 
jutäfrig  erflärt.  Seßtereß  ift  anä)  ber  ©tanbpunft  ber  medlenb.  SSerorbn. 
V.  23.  3uU  1847  §  1  c.  ©agegen  liegt  bem  fäd^f .  ®.  S3.  §§  1868,  1869  unb 
Derfcbiebenen  anberen  neueren  ®efeggebungen  (oergt.  attenb.  ®ef.  v.  29.  aJlai 
1876  §§  11,  12;  Coburg.  ®ef.  v.  28.  3uli  1858  SJlrt.  14;  gotb.  ®ef.  v.  1.  3uti 
1869  2lrt.  8;  mcining.  ®ef.  v.  9.  September  1844  2lrt.  22;  fonbcrftb-  ®ef.  v. 
12.  3Iufluft  1844  §§  37—40;  rubolft.  ®ef.  v.  31.  aWai  1850  §§  32—35)  bie 
crftere  3luffajfung  ju  ®runbe,  inbem  biefelben  bapon  ausgeben,  ba|  ben  S3ei^ 
trag  ju  bem  Unterbalte  beö  Jtinbeö  für  bie  JJergangenbcit  bcricnigc,  meld^er 
baö  Äinb  unterbauen  l)a\,  bcjro.  bie  3Jluttcr  bed  Äinbeö  ju  forbern  bered)tigt 
ift.  Das  fädbf.  ®.  93.,  baö  gotb.  ®ef.  unb  bafi  altenb.  ®cf.  ftellen  in  biefer 
^inftcbt  JU  (Sunften  ber  SJlutter,  rvcnn  biefe  bcn  rüdfftänbigen  Setrog  forbert, 
bie  SBermutbung  auf,  ba|  ftc  bcn  Unterbalt  gcroäbtt  b^be,  roäbrenb  baft 
fonberöb.  unb  baö  rubolft.  ®ef.  ber  ÜButtcr  ben  Slnfprud)  auf  bie  rütf* 
ftänbigen  9ltimentengclber  obne  SRücffid^t  barauf  geben,  ob  ber  aiufmanb 
für  bie  Sllimentation  mirflid^  t)on  ibr  beftritten  morben  ift.  3ft  bie 
QHuttcr  beö  Äinbcö  oerbciratbct,  fo  foll  na^  bcm  föd^f.  ®.  33.  unb  bcm 
altenb.  ®ef.  uermutbet  mcrbcn,  ba|  ber  ©b^^^nn  berfctben  roäbrenb  ber 
3)auer  ber  ®be  bie  Jtoftcn  beö  Unterbaltcö  beö  Äinbcö  für  bie  aScrgangcn^cit 

teftritten  ^abc. 

57  • 


\ 


900       Unter5alt§pfli(6t  b,  unedel.  SSaterg.  Stnaloöic  bec  ber  SSertoanbten.  §  1574. 

2)a§  ber  3lnfprud^  bcö  Äinbeö  für  bic  aScrgongen^eit  anä)  in  btn  3luS^ 
nal^mcfällcn  bcö  §  1492  bann  auSgefd()loifcn  ift,  racnn  unb  forocit  ein  3lnberer 
bem  Äinbc  für  ben  unetielid^en  33aler  ben  Unterlialt  geroälirt  f)at,  üerfte^t  fic^ 
t)on  felbft,  ba  inforoeit  bic  aSerbinbIid)feit  bem  Äinbe  gegenüber  erfüllt  ift. 
Snraieroeit  aber  berjenige,  weld^er  für  ben  unc^eli^en  SSater  bie  Äoften  beft 
Unterl^atteß  bcö  Äinbe§  beftritten  l^at,  bicferfjalb  üon  bem  SBater  ®rfaft  feiner 
Slufroenbungen  üerlangen  fann,  ift  nad^  ben  Seftimmungcn  beö  Obligationen^ 
red^tcö,  inöbefonbere  ben  S3eftimmungen  über  ben  Sttuftrag  unb  bic  ©efd^äftö* 
füf)rung  ol^nc  9luftrag,  ju  beurtf)cilen.  3n  biefer  53ejief|ung  f)ier  befonbere 
Seftimmungen  ju  geben,  ift  burd&  ein  93ebürfni§  niä^t  geboten,  inöbefonbere 
liegt  ein  SJcbürfnife  nic^t  üor,  bie  Sßermut^ung  aufsuftellcn,  ba^  bic  SRutter^ 
toeldöc  bie  rüdfftänbigcn  9llimente  forbert,  ben  Unterl^alt  für  bic  SSergangen^ 
l^eit  gen)äf)rt  ^abc  ober  bafe  bieö,  roenn  fie  ücr^eiratljet  ift,  n)ä(|renb  ber  S)aucr 
ber  S^c  üon  bem  (gfjemannc  berfelben  gefd^cficn  fei.  3m  ^inblictc  auf  ben  ©runb« 
faß  ber  freien  Semeiöroürbigung  bcbarf  eö  axi^  praftifd^en  ©rünben  bcrartigcr 
93ermutf)ungen  nid^t.  ®ic  Slufftellung  berfelben  ift  au^  üom  ©tanbpunfte 
beö  Sntercjfeö  bcö  uncl^clic^en  SSaterö  aus  gcfäfjrlid^,  ba  fic  bal^in  führen 
!önnte,  ba^  ber  Icgterc  boppclt  ocrurttjcUt  roirb,  baö  eine  OJlal  ju  ©unften  ber 
ÜRutter  bejro.  beö  ©^emanneö  berfelben  auf  ®runb  ber  nid^t  mibcrtegten  35crs 
mutl)ung,  baö  anbcrc  SBlal  ju  Ounften  eineö  ©ritten,  roeli^er  in  $Birfli(^feit 
ben  Unterhalt  beftritten  unb  bie  ©efd^äftc  bcö  unel^elid^en  Sßaterö  geführt  ^at. 
xenbening  n.  2)ic  Ucbcrtragung  bcö  §  1493  auf  ben  Unterfjaltöanfprud)  ift  burd^ 

«er^iffe.  ^^^  Slualogic  gered^tfertigt.  9lud^  gemeinred^tlid^  mirb  eine  älbönbcrung  bea 
jur  Ocmälirung  beö  Unterl)alteö  t)crurtl)cilcnben  ®rfenntniffeö  beim  SBed&fcI 
ber  aScrfiältniffe  für  iuläffig  crad^tct  (©cuffert  X,  53).  9luf  bemfclbcn  ©oben 
ftel)t  baö  prooif.  ?ßatent  ü.  9.  ©cptember  1863  §  2  für  ©c^Ieömig.  33aö 
preufe.  91.  S.  9i.  f|at  in  ber  l)icr  fraglid^en  93cjiel)ung  nur  bic  in  §  627  II,  2 
fidö  finbenbc  33orfd^rift,  ba§  bei  ber  Scftimmung  ber  SScrpflegungö^^  unb  @r^ 
jicf)ungöfoftcn  nad^  ®clbe  auf  bic  mit  junel^mcnbcn  Saljrcn  ma^fenben  S3c* 
bürfniffc  beö  Äinbeö  JRüdfftdöt  genommen  merben  foU  (ocrgl.  gegen  bicfc  Sßor* 
f^rift  Ocfeßrct).  ^ßcnf.  XV  6.  183).  25aö  Dormatige  preufe.  Dbcrtribunat 
^at  angenommen,  ba%  ber  burd^  Urt^eil  einmal  feftgcftelltc  SlUmcntcnfag  un* 
abcinberli^  fei  (ücrgl.  Striet^orft  8b.  LXXXVI  ©.  153).  5Daö  fä^f.  @.  33.  §  1864 
unb  ücrfd^icbenc  anbere  neuere  ©cfefigebungen  geftatten  eine  9lbänbcrung  bcö 
©rfcnntnijfeö  nur  bei  einer  9lcnbcrung  ber  93crmögenöocrl)ättniffc  beö  SSatcrö 
(ücrgl.  roeimar.  @ef.  ü.  13.  9lprit  1829  §  3;  meining.  Oef.  ü.  9.  ©cptember 
1844  9lrt.  15;  Coburg.  Oef.  ü.  28.  ^uli  1858  3lrt.  6;  altenb.  ®cf.  v.  29.  a»ai 
1876  §  10  9lbf.  2),  baö  Oef.  für  3teu6  ä.  S.  ü.  4.  3uni  1854  §  9  jubcm 
nur  auf  Slntrag  beö  Äinbeö.  S)aö  fonberö^.  ®ef.  ü.  12.  Sttuguft  1844  §  10 
giebt  bem  Äinbc  für  ben  galt  ein  SRcd^t  auf  @rl)öl)ung  beö  Sllimcntcnfaßcö, 
roenn  baöfelbc  in  eine  langmierigc  Äranf^eit  ücrfallen  foUte. 

S)urd^fd^Iagcnbe  Orünbc,  bic  SBorfd^riften  bcö  §  1493  l^icr  in  ber  einen 
ober  anberen  SRid^tung  ju  mobifijiren,  finb  nid^t  Dor^anben.  Snöbefonberc 
fann  auf  baö  Scbcnfen,  ba§  bic  3ulajfung  einer  SIbänberung  bcö  nur  ®c* 
mo^rung  beö  Untcrljalteö  ücrurtficilcnbcn  ©rfcnntniffeö  nad&  SKafegabc  bcö  §  149S 
in  aSerbinbung  mit  §  724  9lbf.  6  Saß  1,  2  bic  o^ncl^in  fd^on  grofee  S^f)l  ber 


Unter]5aItöDfIic&t  beS  uncßelid^cn  Satcrö.    fficrerBIiifeit.    §  1575.  901 

SÄUmcntationäprojeffc  cr^eblid^  ju  pcmtcl^rcn  bro^c,  gegenüber  ben  ©rroägungen, 
auf  lüeld&cn  bie  SSorfc^rift  beö  §  1493  beruht,  entfd^cibenbeö  ©eroid^t  n\6)t 
gelegt  roerbcn,  jumal  nad&  bem  ©ntmurfe  bei  S3emeffung  ber  ällimentc  auf  bie 
SJcrmögenöüer^ältniffe  beß  uncl^elic^cn  aSaterö  feine  9lütffid)t  ju  nel()men  ift, 
fonbern  nur  bie  jeroeiligen  S3cbürfnifye  beß  Äinbeß  in  Sctrad^t  fommen. 

12.  SKetd^cn  6inftu§  ber  Äonfurß  über  boß  aSemiögen  beö  uncl)eUd^en  Äonrur«  bes 
SBaterß  auf  ben  Unter^altßanfpruc^  beö  Rinbeö  t)at,  ift  in  ben  beftel^enben  ^^'^^ 
9le(j^ten  nic^t  befonberö  entfd^ieben  unb  in  ber  Softrin  beftritten.  3lad)  ber 
einen  3lnridöt  erlifd^t  ber  Unterfialtöanfprud^  mit  ber  ©röffnung  beö  Äonfurfeö. 
6in  anbere  Slnfid^t  gebt  babin,  ba§  aucb  bie  in  ber  3^f^^ft  fäDiS  loerbenben 
SlUmcnte  im  Äonfurfe  atö  ftonfuröforberungen  ju  liquibiren  feien.  6ine  brittc 
9lnfi^t  fd^Iiefet  bie  ©eltenbmoc^ung  beö  Unter^altöanfprud^cö  für  bie  3wfi*nft 
im  Äonf urfe  auö.  3)iefer  2lnfici&t  folgt  ber  ©ntrourf,  inbem  er  ben  §  1494  für  cnt^ 
fprcc^enb  anroenbbar  erflcirt.  S)ie  entfpred^enbe  STnroenbbarfeit  ergiebt  [\6) 
t)on  felbft,  menn  man  baüon  auögel^t,  bofe  ber  Unterbaltöanfprud^  beö  un* 
c^elid^en  Stinbcö,  meil  auf  bem  burc^  bie  SBaterfd&aft  begrünbeten  natürlid)en 
SSerbältniffe  berufjenb,  alö  familienred^tUd^er  Slnfprud^  fortbauernb  fic^  erneuert 
(§  2  ber  Äonf.  D.).  2lber  aud&  metm  man  in  ber  Unterl^altöpflidöt  eine  eins^ 
l)eitlici&e  Obligation  mit  bebingten  mieberfebrenbcn  fieiftungen  feben  moUte, 
crfd^eint  eö  iebcnfallö  jmecfmäfeig,  ben  §  1494  für  entfpred^enb  anrocnbbar  ju 
erflären,  33erfä^rt  man  anberö,  fo  fonnen  namentli^  im  gaUe  beö  3uftanbe* 
fommcnö  eineö  Qrüani&mxQUxä)e&  Unsutröglic^feiten  fid^  ergeben.  Der  9ln^ 
fprucö  auf  bie  nac^  ber  J!onfuröeröffnung  entfallenben  fieiftungen  mürbe  alö 
ein  }ur  3^it  ^^^  i?onfuröeroffnung  begrünbeter,  wenngleich  bebingter,  SSer* 
mögenöanfpruc^  an  ben  Oemeinfcbulbncr,  mitbin  alö  ftonfuröforberung  er* 
fc^einen  (§§  2,  60  ber  Äonf.  C).  ®r  mürbe  bal^er,  mag  er  Uquibirt  fein  ober 
nid&t,  üon  bem  ^xoanQ^r)txcikiö)c  getroffen  merben  (§  178  Äonf.  D.),  unb  fo 
!önnte  eö  fommen,  bafe  baö  unel^elic^e  Äinb  mit  ben  roenigen  ^rojenten, 
meiere  üielleid^t  für  baöfelbe  entfallen,  fid^  für  bie  ganje  übrige  ^tit 
alö  abgefunben  anfe^en  müßte,  roä^renb  ber  une^elid^e  SSater  fpäter 
JU  neuem  SSermögen  gelangt  ober  bod^  fo  piel  oerbient,  ba§  er  o^ne 
Sefd^roer  baö  Jtinb  ernähren  fönntc.  S)ie  golge  ber  Uebertrogung  beö 
§  1494  tft  bie,  bag  baö  une^etic^e  £inb  nid^t  bloö  nac^  ^eenbigung,  fonbern 
aud^  mä^renb  beö  Äonfuröoerfa^renö  [x6)  an  ben  SSater  l^alten  fann  (§11 
Äonf.D.);  nur  ift  felbftüerftänbtid^  baöienigc,  roaöbieferauö  ber  Äonfurömaffe 
jum  S^tdt  feiner  Sltimentation  erbält,  bem  3w9riff^  ^^^  Äinbeö  entjogen. 


§  1575. 

1.  ©cmeinred&tlid^  ift  beftritten,  ob  bie  SBerpflid^tung  beö  SSaterö  beö «emBiic^feit 
unebelid^en  Slinbeö,  biefem  ben  Unterbalt  }u  gem&liren,  auf  bie  @rben  beö  serpiii^tunfi. 
SBaterö  übergebt.    S)ie  Streitfrage  ftebt  in  engem  3itfömmen^onge  mit  ber  rnttnui 
groge,  meldten  red&tlid^en  Äarafter  bie  ^ier  froglid^e  SJerpflid^tung  ^at.    3)ie     **"**• 
gemeinred&tlic^e  ^rajiö  l^at  überroicgenb  fic^  für  bie  SBererblid^feit  jener  SBer* 
pfli^tung  cntfd^ieben  (pergl.  ©euffert  XI,  42,  XIX,  47).   Damit  ftimmen  im 
^rinjipe  aud&  bie  meiften  neueren  ©efefegebungen  überein  (oergt.  preufe.  9t.  S.  SR. 


902         nnter5oItßpflid5t  beö  unc^eliicn  »atcrö.    SßcrcrBIi^fcit.    §  1575. 

n,  2  §§  647—652,  2ln^.  §  97  unb  prcufe.  ®cf.  t).  24.  STpril  1854  §  19; 
loürttetnb.  S.  9i.  IV,  18  §§  2,  3  unb  roürttcmb.  ®cf.  o.  5.  September  1839 
Slrt.  28  S«r.  3;  hax)x.  S.  9*.  IV,  12  §  2  3lx.  11;  fäd)f.  @.  ».  §  1873;  fonberö^. 
®cf.  ü.  12.  STuguft  1844  §  4;  rubolft.  ®ef.  o.  31.  2Rai  1850  §  2;  ®cf.  für 
SReufe  ä.  2.  t).  4.  3anuar  1854  §  13 ;  Weimar.  ®ef.  d.  13.  2tprir  1829  §  8 ; 
an^Qlt.  SBerorbn.  p.  30.  aWai  1815  §§  24—27  nebft  dec.  II  t).  1850;  mcining. 
®ef.  ü.  9.  September  1844  SKrt.  26,  29;  Coburg.  ®ef.  o.  28.  3uU  1858  Slrt.  11, 
41;  gotf).  ®ef.  t).  1.  3uU  1869  Slrt.  11;  altenb.  ®ef.  ü.  29.  aWai  1876  §  19). 
SBon  bcn  angefüfirten  ®cfe6gebungcn  erfenncn  jobod^  einige  bie  SSerpflid&tung 
ber  6rben  nur  unter  befonbcren  Scfd^ränfungen  jum  Sd^u^c  beö  ©rbred^teö 
ber  cf|cli(^en  Rinber  beö  (Srblofferö  an.  So  bcftimmt  bas  prcufe.  Ä.  2.  31., 
roeld^eö  inbeffen  im  ®eltungögebiete  beö  preu§.  ®ef.  ü.  24.  9lpril  1854  im 
foroeit  aufgel^oben  ift,  bafe,  menn  ber  SSater  üor  DoBcnbeter  ©rjic^ung  beö  un* 
cl)elid^en  Äinbeö  ftirbt,  baö  lefetere  bie  3luöfefeung  beö  ba5U  nod^  gc^Ienbcn 
auö  bem  SRad&Iajfe  foU  forbern  fönnen,  iebocj^  mit  ber  OBobififotion,  bafe  baös 
felbe  nur  auf  bie  ^lußungen  beö  SRad^lajfeö  angeroiefen  werben  unb  bicfc  nic^t 
überfteigen  barf.  Sinb  alle  üor^anbencn  Einber  ober  einige  bcrfelben  nod^ 
unerjogen  unb  finb  bie  SRußungen  beö  3flad^Iojfeö  ju  il^rer  aller  @rjicf)ung  nid)t 
l^inreid^enb,  fo  fott  ben  e^elid^en  Rinbcrn  nod^  einmal  fo  üiel  alö  bem  um 
eJ^elid^en  auögefefet  werben.  S)em  preufe.  21.  2.  SR.  finb  in  biefer  SSejie^ung 
bie  anmalt.  SBerorbn.,  baö  meining.  unb  ba^  Coburg.  ®efe^  im  SBefcntlid^en 
gefolgt.  2)aö  fäd^f.  ®.  83.,  ba&  got^.  unb  altenb.  ®efeg  befd&ränfcn  ben  9ln^ 
fprud^  beö  une^elid^cn  Äinbeö  gegen  bie  ©rben  beö  33aterö,  wenn  biefer  e^elic^c 
Rinber  l^interläfet,  in  ber  SBeife,  bafe  bie  auf  bie  ©rben  überge^cnbe  93cr* 
pflid^tung  ju  bem  Unterlialtöbeitragc  für  baö  une^elid^e  Ätnb  aufbort,  rotnn 
baöfelbe  oon  ber  ^cxt  beö  SE;obeö  beö  ®rblafferö  on  auö  beffen  ^Rad^Iaffe  fo  t)iel 
erhalten  l)at,  ate  ber  gefefelid^c  ®rbtf|eil  eineö  el^elid^en  Rinbeö  betrögt. 

3m  5Knf(j^luffc  an  bie  Scfttmmungen  beö  rBm.  9led&tcö  über  ben  Unter« 
^altöanfprud)  ber  ftontubinenfinber  gegenüber  ben  @rben  il^reö  SSaterö  (Nov.  89 
c.  12  §  6)  bcftimmt  baö  franj.  Sled&t,  bafe  bie  ben  cf)cwibrigen  Rinbem  ton 
i^ren  ®[tern  gefdjulbeten  Sllimentc  audb  auö  bem  9lad^Iaffe  geforbert  werben 
fönnen,  bie  ©röfee  biefer  9llimente  aber  nac^  ber  3^^!  unb  ber  93efd&affenl^eit 
ber  ©rben  beftimmt  werben  foU  (code  civil  9lrt.  762).  Db  unb  eoentuett  unter 
weld^en  58orauöfe|ungen  .nad^  franj.  9led)te  bie  Unterfjaltöpflid^t  ber  ©Item 
gegenüber  anerfanntcn  natürlichen  Äinbem  auf  bie  ßrben  ber  erftcren  über* 
gef)t,  ift  beftritten. 
etanbpunft  S)ie  rec^tlid&e  SRatur  beö  t|ier  fraglid&en  Slnfprud&eö  a(ö  eineö  auf  ber 

entwürfe«.  ^Satcrfd^aft  berufjcnben  familienred^tli(i^en  Slnfprud^eö  weift  an  \\ä)  barauf  ^in, 
ben  (enteren,  wie  im  gaUe  beö  §  1496,  mit  bem  S^obe  beö  unel^elic^en  SSaterö 
erlofd^en  ju  lajfen.  9lUein  bei  einer  fold&en  ®eftaltung  fann  baö  uucJ^eü^c 
Äinb  erf)eblid^  leiben,  unb  [jwar  namcntlid)  bann,  wenn  ber  tjcrmögenbe  SPater 
frül^jeitig  ftirbt.  2)aö  ftinb  foId&enfaHö  leer  auöge^en  ju  laflcn,  miberftreitet 
bem  3le(^tögefül)Ie  unb  bem  3tttereffe  ber  offenttid^en  Slrmenpflege.  9Wan 
würbe  baju  gebrängt  werben,  bem  unetietid^en  Äinbe  jur  Sluögleid^ung  ein 
©rbred^t  gegenüber  bem  unef)elid)en  SBater  einjuräumen,  ein  Sluöweg,  gegen 
welchen  inbef|en  cbenfaHö  cr^eblid^c  93ebenfen  fpred^en.    3lnbererfcitö  ift  aDer« 


Untcr^altöpfltcfit  bc8  unehelichen  SSater«.    aScrerbli^feit.    §  1575.         903 

binjjfi  Qudö  bic  3lnerfennung  beö  Ucbergangeö  bcr  l^ier  fraglid^cn  Uuterl^altö* 
pflid&t  auf  bie  ©rbcn  bcd  unc^clid^cn  SSaterd  ni^t  cintoanböfrei.  3roar  taim 
borauf  fein  Oeroicj^t  gelegt  werben,  bafe  eö  anftöfeig  unb  für  bic  ®rben  tni|lid& 
fei,  rocnn  naö)  bem  2::obe  beö  ©rblafferö  eine  t)icneid&t  geheim  gefialtenc  SScr^ 
pflid^tung  ber  fraglid)cn  Slrt  jum  äSorfd&einc  fomtne.  3)od  ©Icid^e  tft  aud| 
bcjüglid^  perfd&iebcncr  anbercr  Sd&ulbcn  möglid^.  9lud^  ber  ©efid^töpunft  fann 
afe  cntfc^cibcnb  nic^t  in  93ctrac^t  fommcn,  bofe  bic  |)aftung  ber  ßrben  unter 
Umftänbcn  oon  Uebcrlid^cn  grouenöpcrfoncn  ju  Betrügereien  unb  ©rpreffungen 
benugt  roerbcn  fann.  ^Dagegen  ift  nid^t  ju  ücrfennen,  bafe  bie  Sage  ber  e^e^^ 
lid^cn  ftinber  bed  unehelichen  SSatcrd  bei  ^e^anblung  ber  Unter^altdpflici^t  ald 
einer  gcroö^nlid^cn  9lad^Io&t)crbinbIid)feit  infofern  eine  ungünftige  roerben  fann, 
a(d  biefelben  unter  Umftänbcn  n)eniger  ald  bad  uneldelici^c  jlinb  ober  DicUcid^t 
gar  nid^tö  ouä  bem  3Ja^Iaffe  i^rc«  SSaterö  crlialten.  ®egen  eine  fold^c  Sc^ 
na(j^tt)ei(igung  ber  c^elid^en  Sinber  fd^ügen  aud^  bic  Befd^rönfungen  bed 
preufe.  31.  2.  SR.  ober  beö  fäd&f.  ®.  S3.  nid^t  uoUftänbig.  S)ie  9iu^ungen 
bed  92ad^Iaffed,  aus  meldten  nad^  bem  preug.  91.  S.  %  bic  unehelichen 
Sinber  bie  STlimente  be^ictien  follen,  fönnen  leid&t  me^r  betragen,  alö  ber 
2lntf)eil  beö  einjelnen  e^elid^en  Äinbeö  an  ber  Subftanj  beö  Jla^taffeö. 
3ubem  fprid^t  gegen  bicfe  3lrt  ber  ^Regelung,  bafe  baburd^  bic  c^elic^en 
Äinbcr  auf  lange  S^it  i"  ^^^  ©iöpofition  unb  Sßcrroert^ung  beö  ganjcn  3Jad^* 
lafjeö  befci^ränft  fmb;  benn,  foD  ber  Slnfprud^  beö  une^elid^en  Äinbeö  nic^t 
illuforifd^  gcmad^t  merben,  fo  mufe  bie  ©ubftonj  beö  9iad)[affcö  rid^ergcfteUt 
merben.  Slufeerbem  mü§te  man  bem  unel)cUd&cn  Äinbe  ein  Siedet  auf  Sted^nungö^ 
legung  einräumen.  SBie  bcr  ©efeftreoifor,  5ßenf.  XV  3Sloixvz  ©.  334,  ^erpor^ 
^ebt,  ^abcn  jene  Seftimmungcn  beö  prcufe.  21.  2. 5R.  aud^  }u  uielen  Qtozi^dn 
SSeranlajfung  gegeben,  unb  burd&  baö  ®ef.  p.  24.  2lpril  1854  ftnb  biefelben 
in  5ßreufecn  befeitigt.  Slnlangenb  aber  ben  t)on  bem  fäc^f.  ®.  83.  eingcfd&Iagencn 
SBeg,  fo  erreicht  aud^  biefer  ben  beabfic^tigten  Qioed  bod^  nid^t  ooOiftänbig, 
meil  beim  SSor^anbenfcin  oieler  une^elid^er  unb  meniger  e^elid&er  ftinber  ber 
ben  Icjteren  nad&  93efriebigung  bcr  ^Infprüd^c  ber  erftercn  ücrblcibenbc  6rbt^eil 
weniger  betragen  fann,  alö  ber  5ßflid^ttl^eil.  ®egcn  bie  pon  bem  preufe.  31.  S.  SR. 
unb  bem  fäd^f.  ®.  93.  eingefd^lagenen  Söege  fprid^t  aufeerbem,  bafe  fie  infofern 
eine  ^albc  SKaferegel  fmb,  alö  fie  anbere  pPid^tt^eilöbercd^tigtc  ©rben,  inö* 
bcfonbere  ben  ©Regatten  beö  ©rblaffcrö,  nic^t  fc^ü&en.  Um  biefem  Sebentcn 
JU  begegnen,  fönnte  man  bcftimmen,  bafe  bie  pjlid&tt^eilöbered&tigtcn  ©rbcn  beö 
une^eUd^cn  äSaterö  iebenfaQö  ba^  erhalten  foUen,  maö  i^nen  alö  ^f[id^tt^cil 
jutommen  würbe,  wenn  ber  3lnfprud&  beö  une{)cUdt|cn  Äinbeö  nic^t  beftänbe, 
Snbeffen  aud&  biefer  2Beg  fomplijirt  in  bebenfli^er  Süeife  baö  ®efe6.  S)icö 
tritt  inöbcfonbcre  bann  ^erüor,  wenn  aufeer  bem  ^flid&ttl^eilöbered{)tigten  nod^ 
anbere  ©rben  fonfurriren,  meieren  jene  SBcftimmung  nid^t  ju  ®ute  fommcn 
würbe,  ^ub^m  fc^Iiefet  biefer  9Beg  feineöroegö  auö,  bafe  baö  uncl)clic^c  Äinb 
fi6)  bcffer  fte^en  fann,  alö  eincö  bcr  el^elid&cn  Slinber.  ©benfowenig  empfiehlt 
cö  fic^,  um  ben  mit  bem  Uebcrgange  ber  Unter^altöpflidöt  üerbunbenen  93c* 
beuten  iu  begegnen,  ben  Unter^altöanfprud^  beö  Rinbeö  —  fofern  ber  ©rbe 
fic^  barauf  beruft,  bafe  ber  3lnfprud^  benienigen  93etrag  übcrfteige,  mctdfjec 
bem  Äinbe  alö  ^f[id}ttl)cil  jwfommen  würbe,  wenn  baöfelbe,  bejw.  beint 


bei  itinbeft. 


904  Untec6aIt3pfa(St  bc8  unc6cli*en  Saterö.    a}ererbri(^rcit.    §  1575. 

S3orl)anbcufciit  tncl^rcrcr  unc^clid^cr  Slinbcr  bic  fämmtlid&cn  unc^clid^cn 
Äinber  cljctid^c  Äinbcr  roärcn  — ,  auf  bcn  33ctrag  iencö  ^füdött^eileö  ju 
bcfd^ränfcn.  (Sine  berartigc  Scftimmung  fomplijirt  nxä)t  minbcr  bas 
©cfeß  unb  nötl^igt  baju,  bem  uncfielid^cn  Äinbc  rocitgc^cnbc  SRed^tc 
in  9lnfef)ung  bcr  Slcgulirung  bcö  5ftad^Iaffe8  bcö  ücrftorbcncn  93atcrö  ein* 
5uräumcn;  [ic  geljt  autf)  infofern  über  boö  Sebürfnife  ^inauö,  atß  fic  jebem 
®rben  bie  33cfugni§  giebt,  bcn  STnfprud^  beß  unehelichen  Äinbeö  auf  ba&  be* 
jeid^nete  SKafe  iu  befd^rönfen.  SBcrgegenroärtigt  man  fid^,  bafe  eine  Scnad^^ 
tt)eiligung  ber  pflid&ttl^eilöbcred&tigten  Srben,  inöbefonbere  bcr  cfieli^cn  Äinber, 
burd^  bie  Serüdffid&tigung  bcö  Untcr^altäanfpruc^eö  beö  unc^elid&en  Äinbeö  t^at« 
föd^Iid^  ftc^  nur  feiten  ergeben  wirb  unb  bafe  ber  SRa^Iofe  iebenfalld  in  atten 
bcn  gälten  üoH  l^aften  mufe,  in  roeld)en  bcr  uncl^elt^c  SSater  Dcrtragömäfeig 
jiir  ©croä^rung  einer  Slbfinbungöfummc  fid^  ücrpflid^tet  ober  fonft  bie  gefefe^ 
lic^e  Obligation  in  eine  oertragfimöfeige  ücrroanbelt  ^at,  fo  oerbicnt  eß  im 
9lnfd^Iuffe  an  baß  in  roeitcm  Umfange  geltenbe  Siedet  ben  SBorjug,  für  bcn 
unbefd^rönften  Uebergang  bcr  Unter^a(tßpflid&t  auf  bie  ßrben  beß  une^clid^cn 
SBatcrö  5u  entfd^eiben. 

2ob^  ^  2.  5Dic  aSorfd^rift  beß  §  1575  2lbf.  2  ergiebt  fid&  auß  bem  3rocdfe  ber 

"""**'*  Unterl)altßpf[i^t. 

»crjä^riütg.  3,   lieber  bic  aSerjötirbarfeit  beß  ^icr  fraglid&en  Untcr^altßanfprud&eß  im 

©anjcn  fd^rocigen  bic  meiften  neueren  ©efcfegcbungcn.  3n  ber  Softrin  ge^en 
bie  ^[nfid^tcn  barüber  außeinanbcr.  5ftur  baß  bab.  ®ef.  ü.  21.  gebruar  1851 
§  5  2lbf.  3  cntl)ält  in  bicfer  .^infid^t  eine  bcfonbere  SBorfd^rift,  inbcm  baßfclbe 
beftimmt,  bafe  baß  Älagercd^t  beß  une^elid^cn  ftinbcß  auf  ^Alimentation  in  allen 
göHcn  mit  Slblauf  eincß  Sa^reß,  t)on  ber  3cit  ber  Oeburt  beß  Äinbeß  an  ge* 
red^net,  crlifd^t.  Diefc  grift  wirb  jcbod^  nid&t  alß  SScqälörungß*,  fonbern  alß 
^räflufiofrift  aufgefaßt.  9lud^  in  ücrfd^icbencn  fd^rocij.  Oefclen  ift  eine  furjc 
grift  }ur  STnftcllung  bcr  Älage  beftimmt. 

2)a  nad^  bem  ©ntrourfe  bcr  UnterJ^altßanfprud^  beß  une^elid&en  ftinbeö 
alß  ein  familicnred)tlidöer  9lnfprud&  gcftaltct  ift,  fo  unterliegt  berfelbc  in  ®r* 
mangelung  einer  befonbercn  entgegenfte^cnben  SBorfd^rift,  ebenforoenig  wie  ber 
gefe^tid^e  Unter^altßanfprud^  bcr  SSerroaubten,  nac^  §  154  9lbf.  2  ber  93cr^ 
jälirung  (oergt.  bie  2ßotit)c  ju  §  1496  oben  S.  711).  3)ie  praftifc^en  ®rünbe, 
meldte  bafür  geltcnb  gemad^t  merben  fonncn,  ^ier  eine  bcfonbere  Seftimmung 
über  bic  SScriö^rung  ober  prätlufiüc  Scfriftung  beß  Unter^altßanfprud^eß  im 
Oanjcn  aufjunclimcn,  inßbefonbcre  ber  Ocfid^tßpunft,  bafe  baburd^  bic  S3e^ 
bcnfcn  gegen  bie  SuWffifl'rit  ^^  ©rmittelung  bcr  SSatcrfc^aft  im  SBege  beß 
^rojeffeß  unb  gegen  bic  aScrerbUd^feit  bcr  Untcr^altßpflic^t  abgef^mäc^t  mürben, 
oerlicren  burd)  bie  3wlciffung  bcr  exceptio  plurium  concumbentium  {§  1572) 
crlieblid^  an  ©emid^t,  mäl^renb  auf  bcr  onberen  ©eite  burd^  ßinfü^rung  einer 
furjcn  aScrjälirung  ober  präfluriocn  Sefriftung  für  ben  Slnfprud^  im  Oanjen 
bie  SSllimentationßprojeflc  üermelirt  ju  mcrbcn  brol^en.  2)aju  fommt,  bafe  eine 
fold^c  Seftimmung  für  bcn  größten  2:^eit  ber  beutfd^en  SRec^tßgebietc  eine 
mefcntlic^e  9icucrung  fein  mürbe,  ein  Sebürfnife  für  bicfelbc  aber  in  ben  bc« 
treffenben  SRcd^tßgcbictcn  nic^t  ^croorgetreten  ift. 


Untcc6artöpflid6t  bcß  une6cli(6cn  SSaterö.    SSertrag.    §  1576.  905 

2)ic  33eriäl^rung  bcr  cinjclnen  Sllimcntcntciftungen  rid&tct  fid;  imc^  §  157. 
©in  S3cbürfnife,  auf  bic  SScriäl^rung  beö  3[nfpruc^es,  toelc^er  bemjcnigcn,  bcr 
bcm  Äinbc  Unterhalt  gcroäl^rt  \)at,  nad)  SKafegabe  ber  SSorfd^riftcn  über  bic 
(Scfd&äftöfül^mng  o^nc  Sluftrag  suftc^t,  bic  SSorfd&riften  ber  §§  157,  159  für 
anrocnbbar  ju  erflären,  bamit  bcr  3"^^^  bcr  furjen  SSeriöl^rung  nid^t  ocreitelt 
werbe  (pcrgt.  gcnitcr  unb  SKecfc  II,  51  ©.  131),  liegt  n\6)t  t)or.  SlUcrbingö 
mag  eine  bcrartige  Seftimmung  geeignet  fein,  einen  geroijfen  Sd^ug  in  ben 
^üen  JU  bieten,  in  roü6)tn  aSerioaubte  baö  ftinb  junöd^ft  of)ne  ben  SBillen, 
bic  ®cfd)äfte  beö  SSatcrö  ju  füfiren,  atimentirt  l^aben,  fpäter  aber  unter  3^^* 
l^ütfenafime  beö  §  755  mit  ©rfaganfprüd^cn  gegen  ben  SSater  J^croortrctcn. 
Slnbercrfcitö  !ann  aber  eine  foi^c  SBorfd&rift  btn  Oefd^äftöfü^rer  ouc^  fc^r 
^ort  treffen,    ©aju  fommt,  ba§  bicfelbc  bcm  bcftcl^cnbcn  5Rc^tc  frentb  ift. 


§  1576. 

©emcinrec^tUcö  ift  eö  ftreitig,  ob  ein  33crg(eid&  äroifd&cn  bem  SSater  unb    «ertrag, 
bcm  uncj[|eli(^cn  Äinbc  über  bic  Unterfioltöpflic^t  beö  erftcren  für  bic  3ufunft  *  »erS* 
juläffig  ift  unb  ob  eocntuell  bic  SBorfd^riften  beß  röm.  SHe^teft,  roeld^c  ju  einem  «eitenbes 
SBcrglcid&c  über  leßtmillig  jugcroenbetc  Sllimcnte  obrigfcitlid^c  Scftätigung  er*     ***^^ 
forbern,   auc^   auf  jene  Untertjaltöpflic^t  ainroenbung   finben  (oergl.   ciner:^ 
fcitö  8euffert  V,  285,  XVIII,  244;   anbererfeitö  ©euffert  X,   263).    ®ie 
mciften  neueren  ©efeggebungen    crflären  einen  berartigcn   SBerglcid^   unter 
(Sene^migung  beß  SBormunbfdiaftßgeric^tcß  für  iuläffig  (ocrgl.  roürttcmb.  S.  9i. 
IV,  18  §  4  unb  TOürttemb.  ®ef.  t).  5.  ecptembcr  1839  2lrt.  28  3lx.  1 ;  preufe. 
Oef.  t).  11.  3ua  1845  §  Ib  unb  preufe.  aSorm.  D.  p.  5.  3uli  1875  §  42 
3lx.  8;  öfterr.  0.  SB.  §§  170,  223;  fäd^f.  ®.  93.  §  1867;  fonbcrßf).  ®ef. 
t).  12.  auguft  1844  §§  21-25;  rubolft.  @ef.  t).  31.  a»ai  1850  §§  18—22; 
meining.  0cf.  p.  9.  ©eptember  1844  Slrt.  21  —  toelcöeß  Icfttere  iebodö  aufecr* 
bem  33eftätigung  beß  fompetcntcn  ©crid^teß  oorfd^reibt  — ;  mccflenb.  SSerorbn. 
0.  23.  äuli  1847  §  3c;  ®ef.  für  SReufe  ä.  S.  t).  4.  Januar  1854  §  10;  Coburg. 
®ef.  V.  28.  Suli  1858  3lrt.  7,  20;  roeimar.  ®ef.  t).  27.  üffärj  1872  §  10; 
onl^alt.  aSerorbn.  t).  30.  SBai  1815  §  28;  altenb.  ®ef.  ü.  29.  ÜJlai  1876  §  15). 

S)cr  familicnred&tlid^e  ftarafter  beß  l^ier  fraglid^cn  Slnfprud&cß  unb  bie  stanbp^n't 
barauß  fic^  ergebenbe  abfolute  9iatur  bcßfelben  mug  an  fid^  ba^in  führen,  ba^  «ntwurfe«. 
auf  bcnfelbcn  für  bic  3wfunft  ebenforoenig  t)crjid^tet  werben  fann,  wie  nad& 
§  1495  9lbf.  1  auf  ben  gcfcftlid^cn  Unter^altßanfpruc^  ber  aSerwanbten.  Ueber« 
micgenbe  ®rünbe  fpred^en  inbcjfen  bafür,  im  2lnfd&luf[e  an  bic  aßctirjo^I  bcr 
9Jed|tc  einen  SBertrag,  inßbefonbcrc  einen  SBcrglcid^,  jmifd^en  bem  5ßater  unb 
bem  une^eUd)cn  Rinbe  über  bic  Unter^altßperpflic^tung  für  bie  3i('^u^f^  füi^ 
juläffig  JU  erflärcn,  bic  SBirffamfcit  cineß  folgen  SSertrogeß  icbod&  t)on  ber 
©ene^migung  beß  aSormunbfc^aftßgeric^teß  ab^öngig  ju  machen  (t)crg(.  §  1681). 
2)ic  3uIaRung  berartiger  33erträge  liegt  foroo^l  im  Sntcreffe  beß  une^clid&en 
Äinbeß  alß  beßicnigen,  welcher  alß  SSater  in  9lnfprud)  genommen  ift,  unb 
fü^rt  ju  einer  SBerminbcrung  ber  Saf)l  ber  Sllimcntcnprojeffe.  S)em  alß  3Sater 
in  Snfprud^  ®cnommenen  liegt  oft  oiel  baran,  burd^  3o^I^^9  ^^^^^  Slfr» 
finbungßfummc  t)on  ber  fonft  lange  Sö^rc  fid^  ^injie^enben,  feine  freie  SBc^ 


906       Unter6altöpfli4t  bcö  une5clid&en  SSaterö.  gntbrabungelofien  2C.  §  1577. 

iDcgung  ^inbcrnbcn  unb  üietteid^t  mit  ©törung  feiner  gamUicnDcrpltniife  t)er^ 
bunbencn  Untert)ttltöpflt(j^t  fid^  befreien  ju  fönncn ;  anbererfeitö  ift  aber  aud^  für 
ba^  fiinb  ber  ©mpfang  einer  Slb^nbungöfuntme  oft  in  l^o^em  ®rabe  erioünfc^t, 
namcntlid^  roenn  ber  3luögang  eineö  5ßrojejfeß  ungeroi^  ift  ober  bie  SBer^ 
mögcnöüerpitniffe  beö  ?ßf[id&tigen  unfid^er  finb  ober  ber  Sludmittelung  be« 
fünftigen  5ttufent^altes  bcöfelben  melleiciöt  ©c^roierigfelten  ftd^  entgegenftellen. 
33er  Umftanb,  baß  bie  Oenel^migung  beö  SSormunbfcJ^aftögcrtci^ted  crforbertid^ 
ift  unb  bie  SBcnoaltung  ber  2lbfinbungöfummc  nidjt  ber  aJlutter,  fonbern  bem 
SBormunbc  bcö  Äinbeö  juftel^t,  bürgt  bafür,  bafe  baö  Sntcrejfe  beö  Slinbed  unb 
ber  fubfibiär  üerpffid^teten  mütterlicj^en  SBenoanbten,  foroie  baß  Sntereffe  ber 
öffentlichen  3lrmenpflcge  gewahrt  roirb.  2)ie  SBorfd^rift  beß  §  1576  bejie^t  ft^ 
inbcffen  nid&t  bloß  auf  fofd^e  SSerträge,  burd^  roeld^e  auf  ben  Unter^altß* 
anfprud^  für  bie  3"f^ttft  Ö^^^i  ober  t^eitioeife  überhaupt  oerjid&tet  roirb, 
fonbern  au^  auf  fotd^e,  welche  nur  bie  2lrt  ber  Oeroä^rung  beß  Unter^alteß 
in  einer  t)on  ben  gefe^Ud^en  23orfd^riften  abnjeid&enben  SBeife  regeln.  ®ß  fann 
ba^ingcftellt  bleiben,  ob  nid^t  fold[ie  SSerträge  f^on  nad^  allgemeinen  ®runb^ 
fö^en  juloffig  fein  würben  oon  bem  (Seftd^tßpunfte  auß,  ba§  bie  abfolute 
SRatur  ber  gefefelid&en  Unter^altßpflid^t  fid^  nur  auf  bie  älUmentation  über* 
liaupt,  nid^t  ouf  bie  2lrt  unb  Sßeife,  roie  fie  gewährt  werbe,  bejicl^e.  S^bem 
fallß  empfic[)(t  eß  fid&,  aud)  berortige  SBerträge  wegen  beß  ©influffeß,  n)clcf)cn 
biefelben  inbireft  auf  baß  2Bol^I  unb  bie  ©rsiel^ung  beß  Einbeß  äufeem,  fowic 
jur  SSermeibung  oon  ©treitigfeiten  unb  ^rojcffen  an  bie  (Genehmigung  beß 
3Sormunbfd^aftßgeri(^teß  ju  binben. 
»efrciung  3)0^,  abgefc^eu  üon  ber  befonberen  33eftimmung  beß  §  1576  9lbf.  1,  im 

^""mmT^  Uebrigen  bie  33orfc[)riften  beß  §  1495  entfprec^cnbc  Slnwenbung  finben  foUen, 
rechtfertigt  fid^  auQ  ben  ©rünben,  auf  weld^en  bicfc  Icftteren  berufen,  unb 
burd^  bie  rcd^tlid^c  5ftatur  beß  Unterl)altßanfprud&eß. 


§  1577. 

(Sntöinbunfl«.  I.   ^m  3lnfd^[ujfe  an  bie  gemcinred^tlid^e  ^^Jrajiß  (oergl.  Seuffert  IV, 

©oc^enJett«-  ^55,  V,  290,  XIV,  40  3lnm.  2,  XXVII,  233,  261 ;   gcnner  unb  aßecfe  IX, 

toftcn.     78  ©.  205)  geioäfircn  bie  meiften  neueren  Oefeggebungen  ber  SKutter  beß  un* 

eljclid^en  Äiinbcß  gegen  ben  ©d&roängercr  einen  3lnfprud&  auf  ©ntbinbungß*  unb 

©eitcnbe«  gBoc^cnbettßtoftcn  (oergt.  preufe.  91.  S.  9i.  II,  1  §§  1016—1028,  1077,  1078, 

^''^^      1083—1087,  prcufe.  ©ef.  ü.  24.  Sttpril  1854  §§  7—11,  15—20;  ofterr.  ®.  33. 

§  1328;  fäc^f.  ®.  33.  §§  1858,  1861;  naff.  (Sbitt  t).  4.  ©eptember  1816  §§  3,  4; 

roürttemb.  ®ef.  v.  5.  ©eptember  1839  SKrt.  28;  fonberß^.  ®ef.  ü.  12.  SJluguft 

1844  §§  3,  7,  11,  12,  20,  28,  36—39;  rubolft.  ®ef.  o.  31.  9Kai  1850  §§  1,  5, 

6,  17,  25,  28,  31,  32,  35;  Weimar.  ®ef.  t).  13.  äpril  1829  §  6;  meining.  ®ef. 

V.  9.  September  1844   3lrt.  1,  2,  4,  10,  25,  28,  30;  ®ef.  für  Sleufe  ä.  S.  o. 

4.  Sanuar  1854  §§7,  8;  Coburg.  @ef.  ü.  28.  3u(i  1858  Slrt.  1,  3,  4,  10,  25, 

28,  30;  gott).  ®ef.  o.  l.Suli  1869  9lrt.  1,  3,  14,  15;  altenb.  @ef.  t).  29.  Tlai 

1876  §§  4,  7,  18). 

Uebcr  bie  redöttid()e  Sßatur  beß  ^ier  fragüd^en  Slnfprud^eß  finb  in  ber 
üDottrin  bie  Slnfid^ten  getfjcilt.    3Jad^  ber  einen  3lnrid)t  gehören  bie  Äoften  ber 


Unter^altßvfK^t  fccö  uncl&elicfeen  Saterö.  entBinbunoßfofien  2C.  §  1577.       907 

©ntbinbung  unb  bcö  SBod^cnbcttcö  5u  bcn  3(Iimentcn  beö  Äinbcö.  2:ic 
l^errfdicnbc  5Änri^t  bcl^anbclt  bogcgen  jenen  9lnfpru(^  q[ö  einen  bor 
aWutter  jufte^enben  3lnfprud^.  S)iefe  leitete  2lnfid)t  ift  and)  in  ben  neueren 
©cfefegcbungcn  burc^gängig  jur  Stnerfennung  gelangt.  Ueber  ben  9ledötßgrunb 
biefeö  ber  SRutter  eingeräumten  Slnfprud^eö  beftcl^t  iebod^  ebenfalls  eine  93er^ 
fd^iebentieit  ber  OJleinungen.  SBä^rcnb  berfetbe  nac^  ber  einen  9tnfid)t  ben 
Äarafter  eine«  Selittöanfprud&eö  l)ai  (üergl.  Seuffert  IV,  255,  XXVII,  261), 
faffen  3lnbere  benfelben  alö  einen  auf  93iUigteit  berul^enben  älnfprud^  ex 
lege  ouf. 

Slufi  allgemeinen  ©runbfägen  fann  ein  2(nfprud)  ber  SDlutter  auf  (Srfag  «»«"bpuntt 
ber  ©ntbinbungö*  unb  SBod^enbettöfoften  nid^t  abgeleitet  werben.  Snöbefonbcre  a„t»urfe«. 
läfet  fid|  berfelbe,  felbft  im  galle  ber  SBerfii^rung  ber  SRutter,  auö  bcm  ©eftd^tö* 
punftc  eines  gegen  bic  Icftterc  oerübten  S)elifteö  nid^t  red&tfertigen,  ba  ber  Seifdjlaf 
mit  iljrcr  ©inroilligung  oolljogen  ift,  bie  2:l)eilnat)me  on  einer  unfittlirfien 
^anbtung  aber  nid^t  eine  Ouelle  t)on  SRed^ten  für  ben  S^l^eitne^mer  ju  fein 
uermag  (üergl.  1.  12  §  1  D.  de  fürt.  47, 2).  SBennglcid^  ber  älnfprud^  ^iernad) 
einen  pofitipen  Äarafter  l^at,  fo  ift  eä  bod),  ^ingefe^en  auf  baö  in  bcn 
roeitauö  meiften  (Gebieten  beö  ^eid^eö  geltenbe  $Re^t,  fomic  auö  9iücfftd|ten 
ber  S3illigfeit  unb  ber  ©efeggebungöpolitif  alö  bebentlid^  erad&tet,  benfelben 
}u  perfagcn.  3nsbefonbere  ift  ju  beforgen,  ba§  bie  SScrfagung  beö  äln- 
fprud^eö  baju  beitragen  mürbe,  baö  ol)nc^in  mcl)r  gcfäf)rbete  2eben  ber 
unc^clid^en  Äinbcr  nod&  in  l)5f)crem  älJafee  ju  gefä^rben,  ben  Äinbeömorb 
JU  beforbern  unb  überhaupt  bic  j^affl  ber  J^obeßfälle  in  ben  Steigen  ber 
neugeborenen  uneljclid^en  Äinber  ju  üerme^ren.  SBeiter  fommt  in  S8etrad)t, 
bafe  burdi  bie  STnerfennung  beö  Stnfprud^eö  bic  ben  Unterftü^ungöfaffen  ob* 
licgenbc  2aft  (ücrgl.  §§  20,  57  beö  SH.  ®ef.,  betr.  bic  ftranfenücrfidierung  ber 
Arbeiter,  ü.  15.  3uni  1883)  crlci^tcrt  mirb. 

3m  ©inäclncn  ift  jur  Segrünbung  ber  SBorfdiriftcn  beö  §  1577  noc^ 
golgenbeö  ju  bemerfen: 

1.  ÜJJan  fann  bcn  ^ier  fragtid^cn  Slnfprud^  ber  SKulter  Dcrfd^iebcn  Äarafter 
gcftalten,  entroebcr  alö  einen  Unterfialtöanfprud^  ober  alö  einen  unmittelbar  9(„|pnf^e8. 
ouf  ©efefe  berufienben  geroöl)nlid&cn  ©rfaffanfprud^.  gür  bcn  erftcren  3Beg 
Iä§t  fid^  gcltenb  mod&cn,  ba§  bcrfclbc  bcm  gcfcggcbcrifd^cn  SWotiüc,  auf  mcld)cm 
in  nid^t  geringem  ÜJJafec  bic  Slncrfcnnung  beö  in  Siebe  fte^enben  Slnfpruc^cö  bc^^ 
rul)t,  nämlidö  bcm  ©cfld^töpunftc  ber  ®rl)altung  beö  5linbcö,  fid^  nä^cr  an* 
fd^tiefet  unb  bcn  3ufammenl)ang  biefeö  Stnfprud^cö  mit  bcm  Unterl)altöanfpruc^c 
beö  Rinbeö  jum  Sluöbrucfe  bringt,  foroie,  bafe  cö  ber  Sad^lagc  unb  bcm  S^erfe 
beö  2lnfprud^eö  met)r  ju  entfpred^cn  fd)cint,  menn  ber  93ater  beö  unc^elid^en 
Äinbeö  ben  jur  Dcdung  ber  Ijier  fraglid)en  Äoften  crforbcrlid^cn  Setrag  fofort 
noc^  ber  ©cburt  beö  JUnbeö  im  SSorauö  j\u  entrid^ten  t)erpflid)tct  ift.  2)iefen 
Grroägungen  gegenüber  fällt  inbcffen  entfd&cibcnb  inö  ®zm6)i,  ba^  bic  (Sc* 
ftaltung  beö  3Infprud)eö  alö  cineö  ®rfa6anfprud)eö  nic^t  allein  üormiegcnb  bcm 
geltenben  SHcc^tc  entfpridit,  fonbern  oud)  baö  ©efeß  er^cblidö  pcreinfad^t,  inbem 
biefc  9lrt  ber  Siegelung  eine  SRcilic  anbcrcr  33eftimmungen,  namentlidö  barüber 
entbe^rtid^  mad|t,  ob  ber  Slnfprud^  aud^  für  bic  SBcrgangen^cit,  ob  er  auc^ 
gegen  bie  ßrben  beö  SBerpflidjtcten  unb  im  Monfurfe  gcltenb  gemacht  unb  ob 


908       llntcrjartt^pflid&t  bcg  uiieMi^en  ffiatcrß.  entHabmiöSfoften  2C.  §1577. 

ci*  burd)  35crtrQg  jiüifd&cn  bcr  SWuttcr  unb  bcm  SBcrpflid&tetcn  anberracit  bc* 
ftimmt  roerbcn  tann.  Saju  tommt,  ba^  bcr  (Scrid^töpunft  beö  Unterhalts* 
anfprud^icä  in  9Infe^ung  ber  ©ntbinbungöfoftcn  nid^t  jutreffcnb  ift,  wenn  bcr 
9lnfprudö,  roic  bicö  nad^  bcm  (Sntrourfc  ber  ^att  ift,  erft  mit  bcr  Ocburt  bcö 
Äinbcö  entftctit,  unb  bafe  a\i6)  in  2lnfc^ung  bcr  SBod^cnbcttöfoftcn  ba^  SScr- 
Ijältnife  ^iö)  praHifd^  bo^  ba^in  gcftaltcn  würbe,  bafe  in  ©rmangclung  einer 
freiwilligen  SSorauöfciftung  t)on  ©eiten  bcö  aScrpftid^tctcn  bic  SKuttcr  jene  Soften 
erft  nad^  3Ib[auf  bcr  fcd^ö  SBod&cn  erbolt. 
»eroei«  ber  2.  ©cr  §  1577  gcTOäl^rt  bcn  bort  bcjcid&netcn  9lnfprud&  gegen  bcn  S3ater 

ÄIÄ  ^^ö  unc^elid&cn  ^nbcö,  b,  1^.  gegen  benienigen,  rocld&er  nad&  §§  1571,  1572 
bcm  unet)clid&cn  Äinbe  Unterhalt  ju  geroäl^ren  ücrpflidötet  ift.  Damit  ftimmcn 
im  ^rinjipc  ba^  gemeine  Siedet  unb  bic  mciftcn  neueren  ®cfe|gebungen  überein 
(oergl.  preufe.  ®cf.  o.  24.  9lpril  1854  §§  7—9,  13;  fäd&f.  0.  ».  §§  1858, 
1859,  1872;  roürttcmb.  ®cf.  t).  5.  September  1839  3lrt.  28;  naff.  ©bitt  t). 
21.  September  1816;  ®cf.  für  SHeufe  ä.  S.  ü.  4.  3anuar  1854  §§  7,  11; 
meimar.  ®ef.  o.  13.  2lpril  1829  §§  6,  7  unb  rocimar.  ®ef.  t).  6.  3uni  1853 
§  3;  altcnb.  ®cf.  v.  29.  SKai  1876  §§  4,  5,  18).  2lbgefe^en  üon  bcm  preug. 
®cf.  t).  24.  Slpril  1854  unb  bcm  roürttemb.  ®ef.  t).  5.  September  1839  führen 
bic  angeführten  ®efe6e  {cbod^  infofern  ju  einem  anberen  Sicfultate,  alö  fic  bie 
exceptio  plurium  concumbentiura,  mie  gegenüber  bcm  Untcr^altöonfprud^c  bcö 
unrf)eüd&en  ftinbcö,  fo  aud^  gegenüber  bcm  l)icr  fraglid^cn  9lnfprud&c  ber 
aJluttcr  auöfdöUcfecn.  Dagegen  laffen  baö  fonberöt).  ®ef.  o.  12.  Sluguft  1844 
§  7,  bas  rubolft.  ®ef.  ü.  31.  Tlai  1850  §  5  unb  baö  got^.  ®ef.  ü.  1.  3uli  1869 
9lrt.  14,  obrool)[  biefe  ®cfe|gcbungcn  gegenüber  bcm  Untcrl^altdanfprud^e  bcö 
unel)cli(i^en  Äinbcö  jene  exceptio  ücrfagen,  bie  Icgterc  gegenüber  bem  l^ier 
fraglichen  9Infprud)c  ber  SKutter  }u.  3lu(^  gemcinred^tlic^  wirb  bie  Sln^d^t 
vertreten,  bafe  jene  ©inrcbe,  aud^  mcnn  bicfclbe  gegenüber  bcm  Unterhalts* 
anfprud)e  bcö  Äinbcö  auögcfd^loffcn  fei,  bodb  bcn  l^icr  in  Siebe  ftebcnben  9ln* 
fprud)  ber  SKutter  auöfd)liefee.  ®injclne  ®cfe6gebungcn  bel^onbeln  biefen 
3lnfprud)  infofern  nod^  ungünftiger,  alö  fic  gegenüber  bemfelbcn  gemiffe  aM 
ber  S3efcboltenl)eit  bcr  SKutter  entnommene  ®inmenbungcn  iutaffen,  metd&e  gegen* 
über  bcm  Untcrlialtöanfprud^c  bcö  une^elicbcn  Äinbeö  unerl)cblic^  finb  (preu§. 
91.  S.  9i.  II,  1  §§  1025—1028;  got^.  ®ef.  t).  1.  3uli  1869  9lrt.  14).  äu(^ 
nad^  bcn  oben  angeführten  öeftimmungen  beö  preufe.  ®cf.  p.  24.  9lprit  1854 
wirb  bcr  l)icr  fraglid^c  9Infprud&  ber  SRuttcr  baburc^,  ba^  pe  eine  in  gefd&tcd^t* 
lid^cr  93cjicbung  befc^oltcnc  ^erfon  ift,  auögefd^loffcn;  bod^  ift  bicö  feine  33c* 
fonbcrl)cit  für  biefen  9lnfprud6,  ba  baö  ®teid&e  auä)  in  9lnfe^ung  beö 
Untcr^altöanfprud^cö  bcö  uncl^elic^cn  Äinbcö  gilt,  äftit  3lüdE|1d&t  barauf, 
bafe  bcr  im  §  1577  beftimmtc  9lnfprud&  bcr  OJlulter  bcö  Äinbeö  jugteid^  im 
SutcreOe  bcr  ©rfjaltung  bcö  Äinbcö  gegeben  ift,  empfiehlt  cö  fid^  nic^t,  ob* 
gefeben  üon  bcr  exceptio  plurium  concumbentium  (§  1577  9lbf.  2  ücrb.  mit 
§  1572  9Ibf.  1),  fonftige  ©inrocnbungcn  auö  ber  Sefd^oltenbeit  ber  9Kutter 
jenem  9lnfprud&e  gegenüber  jujulaffcn. 
Umfang  unb  3.  9lnlangcnb  bcn  Umfang  unb  ba&  SWafe  bcr  von  bem  33ater  beö  um 

''^"feten^w*'^'  ebctid&en  Jlinbeö  ber  aJluttcr  ju  erfefeenben  floften,  fo  umfafet  ber  \)kx  fragliche 
Äoften.     9lnfprud^  nad)  bem  ®erid^tögebraud&e  in  bcn  meiften  gcmcinrcc^tlid^en  ®ebietcn 


UntcrJ&altöpfltcfet  bcS  uncljcliicn  SSater.^  (äntbinbunööfoften  2C.  §  1577.       909 

bic  Soften  bcr  ©ntbinbuitg  unb  bie  Äoftcn  bcr  33crpffcgung  auf  bic  2)aucr  eeitenbes 
t)on  fe(^ä  SBo^en  (üergf.  iebod)  ©euffert  XIV,  40  9lnm.  2).  2)a§  2)la§  icncr  ''^^'^^' 
Äoften  wirb  narf)  rid^tcrlid^cm  ®rmcj|cn  unter  Scrücffid^tigung  beö  ©taubes, 
ber  Sebenörocife  unb  ber  gcrootinten  Sebürfniffc  ber  BJluttcr  beftimmt,  jebod) 
auf  baö  5ßotf)njenbigc  befd&rönft.  S5ie  oben  ©.  906  angefüfirten  neueren  ©efe^c 
bcjeidinen  als  ©egenftanb  beö  3[nfprurf)e8  tl)cite  bic  ©ntbinbungö*  ober  ^^ieber^ 
hmftöfoften  unb  bic  9Bod)enbettötoften,  t^eilö  nur  bic  ©ntbinbungöfoftcn,  it)c\l& 
bie  8Bo(^enbettS:j  ober  Äinbbettö^  ober  ©eburtöfoften.  ^a§  preufe.  91.  S.  9t,  II,  1 
§§  1016—1018  gel^t  infofern  barüber  ^inauö,  alö  cö  ber  ©efrfiroftngcrten  nidjt 
nur  einen  Slnfprud^  auf  bie  9Ueberfunftöfoften  unb  auf  fed)öroöci^ent(id)e,  iljrem 
©taube  gemäße  93crpPegung  gicbt,  fonbern  ben  Sd)iDängerer  aufeerbcm  tjer- 
pPiditet,  auc^  anbere  loäljrenb  ber  ©d^roangerfd^aft  ober  nad^  ber  9iiebcrfunft 
aufgelaufene,  unoermeiblid)  geroefene  Soften  ju  übernefimen.  gerncr  i)ai  bcr 
©d^roöngerer,  roenn  bic  (Seft^roängerte  roä^renb  ber  9Bod()en  ftirbt,  bic 
Segräbnifefoften  ju  tragen,  fofern  biefclbcn  an^  bem  5RadE)laffc  nid)t  beftritten 
toerben  tonnen.  ®iefc  le^terc  33erpflidötung  ift  burd^  baö  preufe.  ©ef.  o. 
24.  9lpril  1854  befeitigt;  im  Uebrigen  beftimmt  basfefbe  roefentli^  im  3lm 
fdiluRc  an  baö  prcufe.  ST.  S.  5H.,  ba^  bic  ©efd^roängerte  ^Riebcrhmftö^  unb 
ä^auffoftcn,  ferner  fecböroöcbentlidje,  bem  ©tanbc  ber  ©cfd^ttJöngertcn  a\v^ 
gemcRene  33erpf(egung,  foroic  aud)  anbere  burd^  bie  Sdjwangerfd^aft  ober  burd^ 
baö  2Bod)cnbctt  f^erbeigcfü^rtc  unocrmciblidöc  Äoften  t)on  bem  ©d^roängerer 
t)crtangen  fann.  33erfd()iebenc  ©efeße  fegen  für  ben  Setrag  ber  l)ier  fraglichen 
Äoften  ein  SKinimum  unb  ein  aJkjimum  feft  unb  fd^reiben  üor,  bafe  innerfjatb 
blcfer  ©rcnjcn  ber  JRidöter  ben  SSctrag  bcr  511  erfegenben  Äoftcn  unter  Se^ 
rüdfftdbtigung  beö  ©tanbeö  ber  SWuttcr  unb  ber  fonftigen  SScrfjättniffe  beftimmen 
foll  (ücrgl.  fonberö^.  ©ef.  v.  12.  9luguft  1844  §§  10,  11;  rubolft.  ©ef.  t). 
31. 9Wai  1850;  meining.  ©ef.  ü.  9.  September  1844  Slrt.  2;  ©ef.  für  SReu^  ix.  2. 
j).  4. 3anuar  1854  §§  7,  8;  Coburg,  ©ef.  ü.  28.  3uli  1858  9lrt.  2).  2)aö  fäc^f. 
®.  83.  §  1861  unb  baö  gotf).  ©ef.  0.  1.  3uli  1869  STrt.  3  beftimmen,  bafe, 
menn  bic  ©efd[imängertc  an  ©eburtö^^  unb  2:auffoften  nid^t  mcl)r  alö  7  2:f)aler 
verlangt,  cö  feineö  SJa^mcifcö  bebarf,  ha^  biefer  Slufroanb  not^rocubig  geroefcn 
fei.  2)iefctbc  Scftimmuug  enthält  ba§>  alknb.  ©ef.  ü.  29.  SRai  1876  mit  bcr 
Slbmcid&ung,  bafe  30  9Karf  olinc  meiteren  $Rad^n)eiö  »erlangt  rocrben  fönnen. 

S)cr  ©ntrourf  fiat,  foüicl  ben  Umfang  ber  ju  erfeftenben  Äoften  betrifft,  ©tanbpunu 
ben  Stnfprud^  bcr  SWutter  in  Ucbereinftimmung  mit  ben  meiften  neueren  ©cfcfe^  «ntwurfei 
gebungen  auf  ben  ©rfog  ber  ©ntbinbungöfoftcn  unb  ber  Äoften  beö  Untcrl^altcö 
auf  bie  3cit  ber  erften  fed^ö  SBodicn  nad)  ber  ©eburt  beö  Kinbeö  bef^räntt.  umfana  b«r 
3)ie  Äoften  bcr  2'aufe  unb  beö  S3egröbniffeö  beö  Äinbeö,  meldte  ücrfd^icbcne  neuere     ^^^*^' 
©efcggebungen  bei  bem  in  Siebe  ftcljcnbcn  Slnfprud&c  ber  aJluttcr  ebenfallö  bc* 
rürfftd&tigen,  fommen  t)om  ©tanbpunfte  beö  ©ntmurfeö  an%  \)kx  r\\6)t  in  93etra(^t, 
ba  bcr  legtcre  biefc  Äoften  ju  [bem  bem  Äinbc  ju  gemcitircnben  Unterhatte 
rechnet  (t)crgl.  §§  1574,  1488  9lbf.  1,  4).    33ie  aiuöbc^nung,  rodele  baö  preug. 
31.  2.  SR.  unb  baö  preufe.  ©ef.  t).^24.  9lpril  1854  bem  f|icr  fragtid()en  9lnfprud)c 
geben,  läfet  p^  jmar  vom  ©tanbpunfte  beö  Sntcrejfeö  beö  Alinbeö  auö  rc^t^ 
fertigen,  ift  iebod^  megcn  il^rer  Unbcftimmt^eit  unb  im  ^inblidEe  auf  bic 
Srocifcl,  meiere  in  bcr  ^prajiö  über  bie  3:ragn)eite  einer  berartigen  Scftimmung 


910       UntcrBart«^flic61  beö  uneßclid&en  SBatcrß.   (äntbinbunoSfoftcn  2C.  §  1577. 

fid)  ergeben  fönnen,  afe  bebenHid^  eracbtct.  ^ubttn  i)at  bie  SBorfd^rift  be« 
prcufe.  9lcd)ted,  bafe  bie  ©cfd^toängerle  oufeer  ben  Soften  ber  ®ntbinbung  unb 
fec^öwöd)entli^cn  SBerpflegung  oud^  anbete  burd^  bie  ©diroangerfd^aft  ober 
burdö  ^öö  SBod)enbett  herbeigeführte  unüermeiblid^e  Äoften  oon  bem  ©c^roängerer 
verlangen  fann,  eine  erl^ebli^e  praftifc^e  93ebeutung  nid&t  gewonnen.  Um  fo 
me^r  fann  man  Don  jener  aiußbel^nung  abfegen,  ald  ber  §  1577  ber  SJlutter 
einen  unbebingten  Slnfprud^  auf  ©rfa^  fec^öroöd^entlid^er  Unter^altötoften  ein? 
räumt,  obwohl  nid^t  feiten,  namentlid^  in  ben  unteren  ©täuben,  baö  SBod^en* 
bett  nur  auf  eine  fürjere  3cit/  ^te  auf  bie  3^it  ^^^  f^*^^  2Bod&en,  befonberc 
Untcr^altöfoften  erforberftc^  mad&t  (oergl.  §  20  9ir.  2  beö  di.  ©ef.,  betr. 
bie  Äranfenoerftcfierung  ber  3lrbeiter,  t).  15.  3uni  1883).  ©in  auörei^enber 
©runb,  bem  aSater  beä  unc^etid)en  Äinbeö  anä)  bie  Soften  ber  Seerbigung  ber 
im  SBod^cnbette  üerftorbenen  SWuttcr  jur  Saft  ju  leg^n,  tft  nic^t  anjuerfennen. 
2lud&  baö  gcltenbe  5lecbt,  abgefel)en  von  bem  preufe.  91.  S.  91.,  ge^t  nid|t  fo 
tücit  unb  aud^  in  ^reufeen  ift,  mie  ermähnt,  jene  SSorfd^rift  beö  prcug.  91.  S.  91. 
burc^  bas  (Sefe|  t).  24.  9lpril  1854  befeitigt. 
wa8  S)ie  im  §  1577  9lbf.  1  bejeid^neten  Soften  foU  ber  aSater  beö  unel^clic^en 

ber  Äofteti.  jjjj^jj^g  j^jjQjj^  „j,^  innertialb  ber  Orensen  ber  9iot^burft  }u  erfefeen  üerpftid^tet 

fein,  baö  SJJafe  berfelben  fott  fid^  mithin  nid^t  na^  ber  gefammten  Scbenö* 

fteUung  ber  äßuttcr  rid)ten.    S)a  aud)  bem  une^elid^en  ftinbe  nur  ein  9[nfprud& 

auf  ©eroä^rung  bcö  notl^bürftigen  Unterl^alteö  beigelegt  ift  (§  1573),  fo  mu^ 

ber  ®efid[|töpunft,  baß  ber  t)ier  fragtid^^e  9lnfprud)  loefentlid)  aud&  bem  3ntereffe 

bcö  Sinbeö  ju  bienen  beftimmt  ift,  fonfequcnt  ba^in  fül)ren,  bei  SBeftimmung 

bcö  9JJa&eö  ber  ber  SKutter  ju  erfe^cnben  Soften  auf  bie  Sebenöfteüung  ber 

SDJutter  feine  9lüdEfid&t  ju  nehmen,  fonbcrn  aud^  l^ier  in  allen  Sejie^ungen, 

inöbefonbere  aud^  in  9lnfel)ung  ber  ©ntbinbungöfoften,  auf  baö  ?lot^bürftige 

abjuftellen.    2)urd^  bie  S3erüdEfid)tigung  bcö  ©tanbeö  ber  SKutter  mürbe  jubcm 

unter  Umftänben  bem  SSater  beö  une^elid^en  fiinbeö  eine  ju  große  Saft  auf* 

gebürbet  roerben,  namenttid^  ba  ber  ©ntmurf  bie  S3erpflid|tung  bcöfelben  von 

feiner  2eiftungöfäl)igfeit  nid)t  abf)ängig  mad^t.    2)aö  geltenbe  SHed^t  fte^t  aller* 

bingö  jum  2^f|eil  auf  einem  anberen  S3oben.    Snbeffen  fann  barauf  bei  ber 

Gntfd^eibung  ber  l^ier  in  9lebe  fte^enben  grage  um  beöroillen  erJ^ebli^eö  ®e* 

mid^t  nid^t  gelegt  werben,  meil  baö  geltenbe  Ked^t,  roenigftenö  jum  2^^eil,  von 

bem  ©eFtc^töpunftc  beö  2)elifteö  ober  Quafibelitteö  bei  ber  ©eftaltung  beö 

9lnfprud^eö  im  ©injelnen  fic^  ^at  leiten  laffen.    3m  praftifd^en  9lefultate  be* 

fdöränfen  aud^  uerfd^iebene  beqenigen  ©efefee,  meiere  ben  Staub  ber  ajlutter 

berüdffi^tigen,  ben  ^nfpruc^  ber  legteren  auf  baö  9lott)bürftigc,  inbem  fie  alö 

äJJafimum  ber  ju  erfegenben  Soften  einen  Setrag  feftfeften,  roeld^er  in  Dielen 

gällcn  nid^t  über  baö  9lot^bürftige  l^inauögelit. 

»eioeift  ber  4.  S)a  bcr  9lnfprud&  ber  SRutter  im  §  1577  alö  ein  ©rfafeanfprud^  ge* 

«ufiuenbunfl.  ^^^jj^j  j^^^  t^^  ^^^^^  ^^  ^^  j^.^  ^ß^j^^^  j^.^  bcici^ncten  Soften  nur  bann  oer* 

langen  fönnen,  menn  unb  foroeit  fie  bie  le|teren  aud&  roirHid^  aufgeroenbet 
f)ai.  2)a  jebod^  bcr  9lnfpruc^  ber  SRutter  auf  baö  5Rot^bürftige  befd^ränft  ift 
unb  in  ben  meiften  gällen  bie  SRutter  faftifd^  ben  SKufroanb  auö  eigenen 
ajJitteln  beftritten  l)abcn  wirb,  fo  empfiehlt  eö  fic^  auö  praftifd&en  ©rünben 
im  Siitereffe  ber  SSereinfad^img  unb  ber  3Serminberung  ber  5ßrojef[e  über  bie 


Untcr5alt§pfa<6t  bc3  uncöcUt^cn  »atcr3.   (SntBmbunößfoftcn  ic.   §  1577.       911 

^icr  in  SRcbc  ftcl^cnbcn  ainfprüd^c,  unb  ift  eö  anbcrerfeitö  unbcbenflii^,  mä) 
bcm  SSorbilbc  bcs  fä^f.  ®.  33.  unb  anbcrcr  neuerer  ©efcfee  (üergt.  oben 
©.  909)  bem  SSater  beft  unehelichen  Äinbcö  bie  SSerpftid^tung  jum  ©rfage 
bcr  ^ier  fraglid^en  Äoften  o^nc  SWüdfid^t  barauf  auf juerlegen ,  ob  unb 
rücl6)z  Äoftcn  pon  ber  SRutter  aufgerocnbet  finb.  Um  aber  bem  3Äi6^ 
pcrftänbniRe  ju  begegnen,  als  ob  in  golgc  beffen  bcr  SBater  beö  une^elid^en 
Äinbeö  aud&  in  bem  ^aUc,  wenn  bie  SWutter  oor  5HbIauf  üon  fec^ö  SBod^en 
na4)  ber  ©eburt  bcö  Äinbeft  gcftorben  ift,  wegen  ber  Äoften  ber  fed&ö:' 
mo^cntlid^en  SBerpflegung  über  bie  3^i*  ^^^  S^obeö  ber  ajlutter  f)inauö 
erfofe  ju  leiften  oerpflid&tet  fei,  ift  im  §  1577  STbf.  1  ©aß  3  auöbriicflic^ 
beftimmt,  bafe  in  biefem  gatte  bie  ©rfaßüerpfliditung  be«  SBaterd  beö  un* 
e^elid)en  Äinbeö  megen  jener  Äoften  auf  bie  ^tit  bis  jum  SE^obe  ber  SKutter 
befc^ränft  ift. 

5.  2)ie  im  §  1577  3lbf.  1  beftimmte  SOerbinblid^feit  beö  SBaterö  beö  un*  «ofetgebart 
e^edc^en  Äinbeö,  megen  ber  Äoften  beö  Unterfjalteö  roa^renb  ber  crften  fed^ 
SBod^en  nad^  ber  ©eburt  beö  Äinbeö  ber  aKutter  Srfa|  ju  leiften,  foU  aud^ 

bann  eintreten,  wenn  ia^  Äinb  tobt  geboren  ift.  SBenngleid^  ber  Slnfprud^ 
auf  ©rfaß  jener  Äoften  fi^  in  biefem  galle  auö  bem  ®eftcf)töpunfte  beö 
Sntereffcö  beö  Äinbeö  nid^t  rechtfertigen  lafet,  fo  fpred&en  bod^  anbere  ©rünbe, 
inöbefonbere  SRüdEfid^ten  ber  S3iIIigfeit  gegen  bie  aWuttcr  beö  Äinbeö  imb  bie 
SRücffid^t  auf  ©rieid&terung  ber  ben  9lrmen:=  unb  Unterftü|ungöfaifen  obliegenben 
Saft,  bafür,  feinen  Unterfd^ieb  ju  mad^en,  ob  baö  Äinb  tobt  geboren  ift  ober 
nid^t,  jumal  ber  SKnfprud^  auf  6rfa6  ber  Unterl^altöfoften  für  bie  erften  fed^ö 
SBod^en  nad)  ber  ©eburt  beö  Äinbeö  jugleid^  eine  geroiffe  5ttuögleid^ung  bafür 
ift,  bafe  ber  3Jlutter  ber  3lnfpruc^  auf  6rfa|  anberer  burd^  bie  ©d&ioanger^ 
fcbaft  ober  baö  SBo^enbett  i^r  ermad^fener  Äoften  nid&t  juftelden  foU.  ©agu 
fommt,  bafe  oud^  baö  geltenbe  Siecht  jenen  Untcrfd&ieb  nid^t  ma6)l  hieben 
bem  gaUc  ber  ©eburt  cineö  tobten  Äinbeö  nocli  ben  gaU  befonberö  ^eroor« 
jul^eben,  in  roeld&cm  baö  Äinb  in  ber  ©eburt  ftirbt  (pergl.  §  23  beö  91.  ©ef. 
über  bie  Seurfunbung  beö  ^erfonenftanbcö  v.  6.  gebruar  1875),  ift  nid&t  für 
erforberlicli  erad^tet,  ba  ber  lefetere  gall  burd&  ben  gaU  ber  ©eburt  eineö 
tobten  Äinbeö  gebedtt  wirb.  2lud^  ber  galt  bebarf  feiner  befonberen  93erücf* 
fid&tigung,  wenn  baö  Äinb  üor  Slbtauf  ber  fed^ö  SBod^en  ftirbt. 

6.  33erf^iebcne  ©efefegebungcn  räumen  ber  ©efd&roängerten  einen  Sin*  wi«eburt 
fprud&  auf  ßrfafe  ber  ©ntbinbungö*  unb  SBod&enbettöfoftcn  aucf)  im  galle  ber 
gel^lgeburt  ein  unb  beftimmcn,  bafe  alö  (grjeuger  berjenige  angefe^en  werben 

foU,  roctc^er  mit  bcr  ©cfd&roängertcn  ben  Seifc^laf  ooBjogcn  ^at,  menn  bie 
Scfd^affen^eit  bcr  grud&t  nac^  bcm  Urt^cilc  ©ad^oerftänbiger  mit  bcr  3cit  bcö 
S3eifd^lafcö  übercinftimmt  (ocrgl.  preui  21.  S.  31.  II,  1  §  1078;  prcug.  ©cf. 
V.  24.3lpril  1854  §§  7—9,  15  2lbf.  2;  mcining.  ©ef.  o.  9.  ©cptcmbcr  1844 
Slrt.  1,  3  abf.  2,  «rt.  11  Slbf.  3;  ©cf.  für  9ficu|  ä.  S.  t).  4.  3anuar  1854  §  8 
abf.  2).  ®cr  gntrourf  f)ai  bicfen  gatt  nid&t  befonberö  bcrücfri^tigt,  t^cilö 
TOcgcn  ber  ©^micrigfcit,  in  biefem  gaDe  bie  (Smpfängnifejeit  unb  bie  5ßcrfon 
bcö  ©d^rodngcrcrö  feftinftcUen,  ol^ne  bie  excjeptlo  plurium  concumbentium 
inuforif(^  JU  mad^en^  tbcilö  in  ber  ©rroögung,  bafe  bie  gällc  einer  gcl^Igcburt 
feine  Segünftigung  ücrbicncn. 


912  2tnfprüd?e  aug  bcm  augcre^eliicn  Seif*Iafc.    (§  1577.) 

^tl^utul  '^^  Snroicfern  ber  im  §  1577  anerfonnte  Slnfprud^  and)  oon  einer  (S^efrau 

als  t^froi.  geltenb  gemad^t  roerbeix  tonn  (ocrgl.  preufe.  91.  S.  9t.  11, 1  §  1027;  preufe.  ®ef.  v. 
24.  aprir  1854  §  8;  Coburg.  @ef.  o.  28.  ^uU  1858  3lrt.  28),  rid&tct  fid&,  ba 
ber  §  1577  bie  Une^clid^teit  bc§  Äinbcö  ooroußfegt,  nad)  benfelben  SBcftimmungen, 
toeld^e  für  bie  (gntfd^eibuug  ber  grage  ma^gebenb  finb,  ob  ein  üon  einer  @^e? 
frau  geborenes  Rinb  ben  im  §  1571  beftimmten  Unter^altöanfprud^  gettcnb  ma^en 
fann  (oergl.  bie  SRotioe  ju  §  1571  oben  ©.  877  ff),  ©in  Scbürfnife,  in  biefer 
Stiftung  Ijicr  bcfonbere  Seftimmungen  ju  geben,  liegt  nid^t  por.  3nöbcfonberc 
ift  cö  bei  ber  ©ellenlieit  ber  in  Setrad)t  fommenben  gäUc  nid^t  für  erforberlic^ 
crod^tct,  ber  SJlultcr  beö  Jlinbes  ben  Stnfprud^  auf  ßrfag  ber  ©ntbinbungö* 
unb  SBod^enbettöfoften  überhaupt  ju  üerfagcn,  wenn  unb  foroeit  biefelbe  für 
bie  im  §  1577  3lbf.  1  bejeici^netc  ^dt  einen  9lnfprud&  auf  Unterhalt  gegen 
i^ren  ®^emann  f)at. 
örfüuung«*  8.  9luS  bem  Äarafter  beö  f)ier  fraglid^en  Slnfprud&eö  alö  eineö  ©rfo^« 

*"*  anfprud^eä  crgiebt  fid^  üon  felbft,  ba^  bie  SJlutter  beö  unclielic^en  Äinbeä  bie 
83ejaf)Iung  ber  im  §  1577  bejeid^neten  Roftcn  nid^t  im  SSorauö  verlangen  fann 
(üergl.  aud^  §  1577  2lbf.  1  ©afe  3).  ©in  »ebürfnife,  ber  aJlutter  fd^on  üor 
ber  ?lieberfunft  ein  9ie^t  ju  geben,  t)on  bem  ücrmutblic^en  Schwangerer 
Hinterlegung  ber  iloften  ju  oerlangen  (t)ergl.  Seuffert  V,  290;  preufe.  21.  S.  9i. 
II,  1  §§  1019—1023,  II,  18  §§  966,  967),  ift  nic^t  üor^anbcn  (üergf.  aud&  bie 
aWotiüe  ju  §  1573  oben  ©.  893).  SKit  bem  ©ntrourfe  ftimmen  in  biefer 
^infid^t  bie  meiften  neueren  ©efefee  überein.  Slud^  bie  angeführten  abmeid^enbcn 
SBorfc^riften  beß  preufe.  91.  S.  dt.  fmb  burc^  bas  ®cf.  t).  24.  3lpril  1854  §  22 
für  ^ßreufeen  befeitigt. 
sDercraiic^feit  9.  <^a  bie  tm  §  1577  beftimmte  SSerpflid^tung  beö  uncl&end^cn  SBatcrö 

feine  famitienred^tlid^e,  fonbern  eine  gemötinUdde  ©rfagoerbinblid^feit  ift,  fo 
beborf  eö  einer  befonberen  SSeftimmung,  baß  biefelbe  auc^  gegen  bie  ®rbcn 
beö  3Serpffid&teten  geltenb  gemad)t  werben  fann,  nid^t.  2)ie  pafftüe  aSererblid^feit 
cntfprid^t  aud)  bem  gemeinen  9lerf)te  unb  ben  neueren  (Sefeßgcbungen  (üergL 
preufe.  ®ef.  o.  24.  aipril  1854  §  19;  fonbcröl^.  @ef.  ü.  12.  3luguft  1844  §  4; 
rubolft.  ©ef.  t).  31.  3Kai  1850  §  2;  meining.  @ef.  t).  9.  September  1844 
ärt.  29;  Coburg,  ©ef.  t).  28.  3uU  1858  Slrt.  11;  got^.  ®ef.  t).  1.  3uli  1869 
9lrt.  11 ;  fä^f.  ©.  93.  §  1873;  altenb.  ©cf.  r>.  29.  SKai  1876  §  19). 
srnfprud^  H.   ©cmeinredjtüd)  ftc^t  ber  ocrfü^rten  unbefd^oltencn  Jungfrau  ober 

2:epo?oHon.  SBittme  auf  ©runb  eineö  ©crool)nt)eitöred^teö  gegen  ben  SBerfü^rer  ber  2ln* 
©ettenbe«  fp^id^  JU,  bo^  bcrfclbc  entiücber  fte  eljclic^e  ober  ilir  burd^  ©croä^rung  einer 
«ec^t  dos  bie  ©inge^ung  einer  anberen  ©l&c  ermöglid^e.  Ueber  bie  rcd&tlid^e  9latur 
biefeö  3lnfprud^eö  l^errfd&t  iebocft  in  SJottrin  unb  ^rayiö  feine  Ueberelnftimmung. 
SSorroiegenb  wirb  berfelbe  alö  ein  auf  einem  SDelifte  beru^enber  SKnfprud^  auf 
©^abenöerfafe  aufgefaßt  (tjergf.  ©euffert  I,  230,  IV,  255,  VH,  48,  IX,  294, 
XXVn,  261,  XXXI,  196).  Slnbere  farafteriftrcn  benfelben  alö  eine  actio 
vindictam  spirans,  alö  einen  9lnfpni^  auf  ©enugtl^uung  für  eine  perfönlid^ 
jugefügte  Äronfung,  mieber  9tnbere  alö  einen  ©ntfdicibigungöanfpru^,  roetd&cr 
in  geroijfer  93cjicl)ung  unter  ben  Segriff  ber  ?ßrit)atftrafe  falle,  ©ine  Dtertc 
STnfidEit  ücrmirft  überljaupt  ben  Setif töftanbpunft  unb  fü^rt  ben  2lnfprud&  alö 
obligatio  ex  lege  auf  bie  SiHigfeit  (uergl.  ©euffert  XIX,  212)  bejn).  auf  baö 


anfpruc^e  au8  bcm  an^m^tliijcn  Seifd&rafc.    (§  1577.)  913 

burd&  bcn  Seifd^lof  jioifc^cn  bcr  ©cfci^iüäc^ten  imb  bcm  ©d^roängcrer  angcblid^ 
begrünbete  perfönlid^e  aScrJ^öItnife  jurüd. 

ÜKit  bem  gemeinen  SRed&te  ftimmen  in  bcn  ®runb(agcn,  wenn  aud^  im 
einjclnen  abroeic^cnb,  inöbefonbere  baö  prcufe.  31.  S.  5R.  ll,  1  §§  1061, 1064  ff., 
1025—1084,  baö  fäd^f.  ®.  33.  §§  1551—1553,  baö  roürttcmb.  ®ef.  v.  5.  ©ep^- 
tember  1839  unb  boö  altenb.  ®ef.  o.  29.  SKai  1876  §§  1—3  ubcrein. 

6inc  jTOcite  ®nippe  üon  Siedeten  l)Qt  jroar  bcn  9lnfprud)  bcr  ®cfd)mädötcn 
ober  ©cfd^mängertcn  auf  ©^clid^ung  ober  9luSftattung  in  ber  3nigemcinl)cit, 
mie  i^n  bie  Kcd^te  ber  erften  ©ruppe  juloffen,  befeitigt,  jcbod^  für  geroiffe 
quttüfiiirte  SKuönalimefälle  ber  ©cfd^roäd^tcn  ober  ©efdömängertcn  einen  Sln^ 
fprud&  auf  SKuöftattung  ober  ouf  3lbfinbung  gegeben  (ücrgl.  preu§.  ®cf.  v. 
24.  Slpril  1854  §§  1—6 ;  meining.  ®cf.  t).  9.  ©eptember  1844  9lrt.  1,  4—7, 
29—31;  ®cf.  ffir  5Reu6  ö.  2.  d.  4.  Januar  1854  §  12  unb  o.  3.  Tlai  1879  §  51; 
Coburg.  ®ef.,  bie  ®ntfd^äbigungsanfprüd)e  bcr  grauenöperfoncn  aus  einem  Sei* 
fd^Iafc  u.  f.  n).  bctrcffcnb,  v.  28.  3uU  1858  9lrt.  1—4,  7,  8).  Die  ju  bicfcr 
®ruppc  gcl^örcnbcn  ®cfc6e  geben  bcr  ®cfd^n)äd^ten  besn).  ber  ®efd^n)ängerten 
einen  9Infprud^  auf  Sluöftattung  ober  auf  3lbfinbung  nur  in  einjcinen  beftimmt 
bejeid^neten  göllcn,  in  rocldöen  bcr  SScifd^laf  unter  Umftänben  erfolgt  ift,  roetd^c 
bcn  3:^atbcftonb  eineö  im  ©trafgcfcgbud^e  oorgcfe^enen  SScrbred^enä  ober  3Ser== 
geficnö  auömad^en,  ba^  prcufe.  ®cf.  ü.  24.  Slpril  1854  §§  2—4  unb  baö  ®efc6 
für  SRcufe  ä.  S.  p.  3.  9)}ai  1879  §  51  aufeerbem,  rocnn  bie  ©d^mängcrung 
TOäl^renb  beö  Srautftonbeö  unter  bcn  3Serlobten  ftattgefunben  i)ai. 

©ine  britte  ®ruppc  üon  SRcd^ten  ^at  icben  auf  bcn  aufecrcfielidöen  93ci? 
fd^taf  als  fold^cn  ober  auf  bie  SBerfütjrung  jum  aufeere^elid&cn  Seifd^tafe  gc^^ 
ftü^ten  9lnfpntc^  bcr  ®efd&n)äc^ten  ober  ©cfd[iroängcrten  auf  (Sf)elid)ung  ober 
Sluöftattung  bciro.  auf  Slusftattung  ober  9lbfinbung  (bie  fog.  S^eporationd* 
finge)  gänjtid^  befeitigt  (ücrgl.  öfterr.  ®.  93.  §  1328;  m^.  ©bift  üom 
21.  September  1816  §§  3,  4;  grofe^crjogl.  ficff.  ®cf.  ü.  30.  9Kai  1821  Slrt.  2  — 
baju  ©cuffcrt  XXVII,  233  — ;  fonbcrö^.  ®cf.  t).  12.  Slug.  1844  §  41;  rubolft. 
®ef.  0.  31.  a)Jai  1850  §  36;  loeimar.  ®cf.  ü.  6.  3uni  1853  §  1;  gotl).  ®cf. 
ü.  1.  3ua  1869  2lrt.  18  ücrb.  mit  ber  gotf).  ilonftitution  o.  29.  3uni  1804 
§§  52,  56). 

3lu(^  bem  fronj.  SHcd^tc  ift  bie  fog.  2)ef[orationöKagc  fremb ;  eine  f efte 
franj.  ^rajiö  gerodf^rt  jcbod^  auf  ©runb  beö  code  civil  9lrt.  1382  nid^t  nur 
im  gaUc  einer  ©ntfüf^rung  ober  9'iotl)jud)t,  fonbern  audi  im  galle  ieber  auf 
2:äufd)ung,  unjuläffigen  SJlanipuIationcn  ober  auf  SHiöbraud^  ber  3Iutorität 
bcru^enben  SSerfü^rung  unb  Sc^mängcrung  ber  betreffenbcn  5{5crfon  einen  3ln^ 
fprud^  auf  ©ntfc^öbigung  (ocrgl.  S^itfc^^^-  f-  f^^^nj-  ©iöilr.  II  S.  336 ff.;  ferner 
Urt^eil  b.  S».  ®.  o.  5. 5Rooember  1886  ebenbaf.  XVII  S.  653).  2)ad  bab.  ®cf. 
0.  6.  aWärj  1845  §§  14  ff.  über  bie  priDatrcd^tlid^en  golgen  ber  Sßerbrec^cn 
giebt  im  galle  bcr  Siotl^jud^t,  ber  ®ntfüljrung,  ber  me^rfac^cn  ©I)c,  ber  im 
©trafgefege  mit  ©träfe  bebrol^tcn  SScrfüfjrung  unb  ber  betrüglid^en  SJcrlcitung 
jur  ®f|c  ber  SBerlc^ten  einen  9lnfprud^  auf  ©d^abcnöerfa^,  wenn  burd^  bafi 
aScrbred&cn,  baöfelbe  mag  Slrbeitö^  ober  ©rrocrböunfö^igfcit  jur  golge  Ijabcn 
ober  ni(^t,  baö  fünftige  ^ortfommen  ber  baoon  betroffenen  ^crfon  erfd^roert 


914  Snfpcu^e  aud  bem  augerel^elt^en  Setfd^Iafe.    (§  1577.) 

roorbcn  ift.    Slud^  bas  njürttcmb.  ®cf.  x>.  5.  ©cptcmbcr  1839  9lrt.  18  räumt  im 

^allc  bcr  9lotl&jud^t  ober  bcr  SBerfül^rung  eine«  unmannbaren  SÄäbci^cnö  jur 

Unjud^t    ber   SBerleftten    (neben    bem   Slnfprud^c    auf    Sluöftattunfl    wcflcu 

Dekoration)  einen  Slnfprud^  auf  ©d^abenöcrfafe  megcn  ber  burd^  jene  ^anb* 

lung  etroa  l&erbeigefü^rten  Seeintrdd^tigung  beö  gortfommenö  ein. 

«tttnbpunu  25er  ©ntrourf  übergel^t  bie  fog.  ©eflorationdKagc  mit  Sd^meigen.   S)arauö 

cntiourfei.  ergiebt  ftd^^  bag  burd^  ben  auger  bcr  @^e  üoDiogenen  93eifd^(af  ald  fold^en 

»uftfc^ue^ung  ^'^  bie  ©cfd^mäd^te  ober  ®cfd6n)ängerte,  aud^  mcnn  fic  Derfül^rt  roorbcn  ober 

t>er      bie  ©d^mäd^ung  ober  ©d^mängerung  mä^renb  beö  93rautftanbed  von  Seiten 

^^naT'^  l>e8  SBerlobtcn  erfolgt  ift,  fcincrici  STnfpruc^,  fei  eö  auf  eine  Sluöftattung  ober 

auf  eine  @ntfd^äbigung,  begrfinbet  roirb. 

älud  allgemeinen  ©runbfögen  lögt  ftd^  ein  fold^er  älnfprud^  nid(|t  red^t^ 
fertigen,  felbft  nid^t  für  ben  gaÜ  bcr  SBcrfü^rung,  ba  bie  äSerfül^rtc,  xoznn 
überl^aupt  jured^nungöf ä^ig ,  trog  ber  SSerfäl^rung  bcr  SBiDendfreil^eit  nid^t 
beraubt  ift,  bemienigen  aber,  wcld^er  in  eine  i^n  bcfd^abigcnbc  ^anblung  ein* 
roilligt,  ein  Slnfprud^  auf  ©d^abenöerfafc  nid^t  juftel^t  (§  706).  3ludf|  rocnn 
bcr  SBerffi^rer,  um  bie  grauenöperfon  jur  ©eftattung  befi  Scifd^Iafcö  ju  bc«^ 
megcn,  feine  3lutorität  mifebraud^t,  auf  S^äufd^ung  berul^enbc  SSerfprcd^ungen 
gemad^t  unb  fonftige  arglifiige  9Ritte(  nid^t  gefd^eut  I|at,  fann  man  {u  einem 
anbercn  SRcfultatc  nid^t  gelangen,  ba,  fomeit  nid^t  in  ienen  göllcn  mirtUdfier 
3n)ang  ober  fold^e  2^äuf (jungen  ftattgefunben  l^aben,  in  golge  beren  bie  ®c* 
fd^roöd^te  fid^  für  bered^tigt  l^alten  burfte,  ben  Seifc^Iaf  ju  geftattcn,  mithin 
mirllid&e  SBerbred^en  vorliegen,  trofe  ber  SÄnroenbung  jener  ÜJlittel  bie  ^eil^cit 
bcr  ©inmilligung  ber  ©cfd^roäd^ten  nid^t  aufgehoben  ift.  3^^^^  empört  fid^ 
baö  ©efü^t,  menn  ein  unbefd^oltcneö  ajläbd^cn  auf  argKftige  SBcifc  jum  Sei* 
fd^lafc  verleitet  ifi;  allein  bieö  ift  nid^t  minbcr  ber  gall,  wenn  3cmanb  einen 
9lnbercn  burd^  fein  gciftigcö  Ucbcrgcmid^t  ober  feine  9[utorität  ober  burd^ 
täufd^enbe  SSerfprec^ungen  ju  anbercn  unfittlid^cn  ^anblungen,  mögen  bicfclbcn 
iugteid^  ftrafbar  fein  ober  nid^t,  t)erfü^rt  l^at.  ßbenf omenig  wie  in  biefcn 
göDcn,  ücrmag  in  bem  l&ier  in  SWcbe  ftel^cnbcn  galle  bie  SBerfü^rung  einen 
Slnfprud^  auf  ©d^abenfterfat  ju  begrünben ;  bcnn  bie  fd^abcnbringcnbc  SC^atfad^c 
ift  nid^t  bie  93crfü^nmg,  fonbern  bcr  93eifd^laf,  unb  ju  bicfcm  ^at  bie  SBcr? 
fül^rtc  i^rc  ©inroilligung  crt^eilt.  SBcnn  trofebem  bie  DcjIorationöKagc  im 
gemeinen  9?cd&tc  burd^  ©cmo^ni^eitdrcd^t  anerfannt  roorben  ift,  fo  ift  bicö 
^auptfäd^Ud^  bem  @inf{u{fe  beö  fanonifd^cn  Sltd^tcd  jujuf d^rciben ,  iDcld^c«  im 
^inblidfe  auf  einige  SKuöfprüd^e  bcö  alten  S^eftamentcd  mcfcntlidfi  ben  3^^ 
verfolgte,  bie  gcftortc  ©itte  unb  Drbnung  baburd^  micber^crjuftcllcn,  bafe  bcr 
33erfüörer  bie  ©cfd^roäd^te  c^clidöcn  folltc.  3)a^er  bie  SBorfd^rift  bcfi  tanonifd^cn 
SRed^tcö  „duc  et  dota«,  eine  SSorfd^rift,  roetd^e  erft  burd^  bie  ^rajiö  in  bie 
anbcrc  „duc  aut  dota"  umgcroanbelt  morbcn  ift.  3enc  Slüdffid^t  auf  SBicbcr* 
IjcrftcIIung  ber  geftörten  Drbnung  unb  ©itte  unter  S3cad^tung  bcr  natürtld^cn 
SBilligfcit  liefe  ben  2lnfprud&  ju  einer  3^^  gercd^tfertigt  erfd^cincn,  in 
roeld^cr  mit  bem  stuprum  fonftige  erl^cblid^e,  burd^  baö  ganjc  fiebcn  fidfi  ^in* 
jic^enbc  SJad^t^eilc  »crbunbcn  marcn,  bie  ein  ©cgcngcroic^t  gegen  iencn  Sin* 
fpruc^;  bilbctcn.  Dicfc  a3orauÄfc|ungen  Hegen  legt  nidfit  mcl^r  t)or.  2)er  Slnfprud^, 
mcld^cr  in  Dieten  ^Jällcn  ftd^'nur  ate  ein  reiner  ©ewinn  für  bie  Ocfd^rofid^tc 


9lnfj)ril4c  auö  bcm  auficreßdid&cn  SelWIafc    (§  1577.)  915 

^crauöfteHt,  btent.  jefet  nur  baju,  bie  UnfittUd^fcit  ju  beförbcrn.  SlUc  33cbenfc», 
rütl(S)t  gegen  bie  3wlöfP9'^it  ^^^  ®rforfd^ung  ber  SBaterfd^aft  im  ^ßrojcjfc 
geltcnb  gemad^t  werben,  feieren  l^ler,  wo  eö  fid^  um  einen  3ln[prud^  ber  ®^^ 
[c^mäci^ten  lebiglid^  in  beren  3nteref[e  l^onbelt,  in  oerftärftem  ÜJlafee  roieber, 
ol^ne  baS  ben[elbcn  ^ier  ein  SWed^tegrunb  unb  bie  fonftigen  für  bie  Slncrfennung 
bcÄ  Unter^altöanfprud^eö  bes  unehelichen  ftinbeö  fpred^cnben  ©rünbe  entgegen^ 
gel^altcn  werben  fönntcn. 

S)aju  fommt,  bo^  ber  Segriff  ber  SBerfü^rung  fid^  jeber  fd^arfen  8e^ 
gtcnjung  entjiel^t  unb  ber  Seroeid  ber  ju  ©runbe  licgenben  S^^atfad^en  mit 
ben  größten  ©^roierigleiten  tjerbunben  ift.  ©iefenigen  gälle,  in  meldten  eine 
roirftid^e  SSerfül^rung  ber  ©efd^mäd^ien  ftattgefunben  l^at,  finb  t)on  benjenigen, 
in  loetd^en  fein  2;^cil  bem  anberen  in  bicfer  Sesiel^ung  etroaö  Dorjuioerfen  l&at, 
in  meldten  mithin  ber  Slnfprud^  iebenfallö  unbegrünbct  ift  unb  gegen  bie 
guten  ©ittcn  ftreitet,  oft  fd^mer  ju  unterfd&ciben,  fo  bafe,  menn  bie  aSerfül^rung 
von  ©citcn  beö  ÜJlanneö  ju  ©unften  ber  Klägerin  Dermutl^et  wirb  —  mic 
bie«  gemeinred^tUdö  nod^  ber  l^crrfd^enben  ÜJleinung  ber  gall  ift  (t)ergt.  ©euffert 
XXVI,  133,  XXX,  33)  — ,  man  ©efal^r  läuft,  baburd^  unbegrünbeten  SKn^^ 
fprüd^cn  SSorfc^ub  }u  teiftcn.  häufig  üerfül^rt  aud^  baö  SBeib  ben  SJlann. 
®iefe  ©d^roierigfeiten  fiat  baö  ffid^f.  ®. ».  §§  1551—1553  aDerbingö  baburd^ 
bcfeitigt,  ba^  baöfelbe  ben  9lnfpruc^  ol^ne  SRüdPfid^t  barauf  giebt,  ob  eine  aSer* 
f ül^rung  ftattgefunben  ^at  ober  nid^t ;  allein  baburd^  ift  bem  Slnfprud^e  gerabe 
bicjenige  ©runbtage  entjogen,  von  roetd^er  auß  berfelbe  fonft  gered^tfertigt  ju 
werben  pflegt.  Dl^ne  biefe  ©runblage  cntbelirt  berfelbe  aud^  beö  ©d^eineö  eines 
9{ed^tdgrunbed. 

2luf  öfintid^c  ©d^mierigteiten  ftöfet  man  bei  SBcantmortung  ber  gragc, 
wann  eine  ^auendperfon  alö  unbefd^olten  ober  ate  befd^olten  anjufel^en  ift. 
©teilt  man  bie  gfille  ber  Sefd^ottenl^eit  im  ©efcfec  feft,  fo  ift  ju  befürd^ten, 
bafe  in  Dielen  gälten,  in  meldten  ber  im  ©cfefee  feftgeftclltc  j^^atbeftanb  non 
bcm  Seflagten  nid^t  fubftantiirt  unb  bemiefen  werben  fann  ober  in  weld^en 
jener  3ri)atbeftanb  nid^t  jutrifft,  bie  Klägerin  aber  wegen  il^red  aScr^altenö 
einer  ©ntfd^bigung  nid^t  würbig  ift,  ber  SWid^ter  bod^  in  bie  Sage  fommt, 
materiell  unbegrünbcte  unb  mit  ben  guten  ©itten  im  SBibcrftreite  ftel^enbc 
Slnfprüd^e  jucrfennen  5u  muffen.  Slbgcfe^en  baoon  fommt  l^ier  alleö  basjenigc 
in  Setra^t,  was  ben  Entwurf  beftimmt  l^at,  gegenüber  bcm  Unterhältst 
anfprud^c  beö  unelielid^en  ÄinbeS  bie  ßinrebe  ber  S3efd^olten^eit  ber  SJlutter 
ausaufd^liefeen  (tjcrgl.  ÜJlotiüc  ju  §  1572  oben  ©.  889  ff.). 

Um  fo  unbebenflid^er  ift  es,  bie  3)efIorationSflage  im  ©efefce  ju  über* 
ge^cn,  als  aud^  bie  SDle^rjal^l  ber  neueren  ©cfefcgebungen  einen  Slnfpnid^  ber 
©efd^wäd^ten  ober  ©efc^wängerten  in  ber  Slllgcmeinl^eit,  wie  il^n  bas  gemeine 
Siedet  unb  bas  fäd^f.  ®.  39.  julaffen,  nid^t  anerfannt  l^aben,  unb  au^  in  bcn^^ 
ienigen  ©cbieten,  in  weld^cn  ber  9lnfpruc^  nod^  ic|t  in  feiner  urfprünglid^cn 
2lusbc^nung  beftel^t,  in  ber  5ßrajis  mciftens  nur  geringe  betrage  jucrfannt 
ju  werben  pflegen. 

Sweifcll^after  fann  es  fein,  ob  nid^t  nad^  bem  Vorgänge  beS  preufe.  ®ef.  ^m&nqo 
V.  24.  äpril  1854  wenigftenö  für  ben  gaU  ein  Slnfprud^  auf  SluSftattung  »Änbe. 
anjuerfennen  ift,  in  wcld^em  bie  ©d^wängerung  wöl^rcnb  bes  SBrautftanbes 

58  • 


916  9lnfprü(i6e  awö  b^n^  au§ci-cl)elid6cn  Scifd^Fafc.    (§  1577.) 

von  ©eitcit  beö  SScrlobtcn  cvfolgt  ift.  35a  bie  Sci^wängerung  in  biefem  gallc 
unter  Umftänbcn  ftattgcfunbcn  \)at,  töctd^c  bic  9lnnttl)mc  rcd^tfcrtigtcn,  bafe  cd 
äur  ®l^e  mit  bcm  Sd^roängercr  lommcn  roerbc,  [o  crfd^cint  l^ier  bcr  gcJ^Itritt 
bcr  ©efc^roäd^tcn  allerbingö  ent[ci(|ulbbarer  unb  in  einem  milberen  Sid^te ;  allein 
bcr  antijipirtc  Seifd^laf  bleibt  bod^  immer  eine  unfittlid&c  ^anbtung,  in  n)cld)c 
bie  ®t^ä)xoää)ic  fctbft  cingcmilligt  Ijat.  3llö  2;^eitnc^mcrin  an  bcr  unfittlid^en 
^anblung  fann  fie  aus  bcr  Icfetcrcn  feine  Siebte  ableiten.  @d  müfeten  ba^cr 
fonftige  bringenbe  ©rünbc  vorliegen,  um  eß  ju  red^tfertigen,  in  bcm  l^icr  in 
SRebe  fte^enben  galle  auönal^möweifc  einen  Slnfprud^  an^  9lusftattung  ober  auf 
eine  3lbfinbung  anjuerfeunen.  ©old^e  Orünbc  fmb  aber,  namentlid^  feitbem 
bie  Ocfcftgebung  bie  roirtlifd^aftlid^cn  unb  polijeilid^en  aSorfd^riften,  meldte  bic 
S^cfd^licfeung  befd^ränften  ober  erfdjmcrtcn,  beseitigt  ^at,  nid^t  oor^anben.  3m 
Ocgent^eil  fprid^t  gegen  eine  fold)e  Sluönal^mebcftimmung,  ba§  biefelbc  geeignet 
ift,  bie  Unjud^t  mäl^rcnb  beö  Srautftanbeä  ju  bcförbern.  2)aiu  fommen  bic 
Sd^roierigfeiten,  meldte  nad^  Obigem  mit  ben  Segriffen  ber  SBerfülirung  unb 
ber  Unbefdjoltenl^eit  bcjn).  mit  ber  Scroeiäfü^rung  in  biefer  i^infid^t  Dcrbunbcn 
finb.  Siefcn  Sd&mierigfeitcn  mürbe  man  jmar  entgelten,  menn  man  in 
biefem  gallc  ben  2lnfprud^  nid^t  an  bie  aSorauöfefeung  bcr  SSerfü^rung  unb 
ber  Unbefd^oltcnljcit  fnüpfte;  allein  bieö  lägt  fid^  bei  einem  Slnfpru^c,  mclc^er 
eine  ©ntfd^äbigung  für  ben  58crluft  ber  mciblid^en  @l)rc  unb  bie  baburd^  ^crbei* 
gefül)rte  ®rfd^merung  ber  aSer^eiratljung  ju  gcmäliren  bcjmcdt,  nid^t  rcd^t^ 
fertigen.  S)aju  tommt,  ba§  nad^  bcm  ©ntmurfe  baö  58crl5bni6,  abgefe^en 
üon  ben  aSorfcfiriftcn  beö  §  1228,  einen  2lnfprud^  auf  ©ntfdiäbigung  im 
galle  ber'  SBcigcrung  ber  eijcfd^tiefeung  nid^t  begrünbet.  S)er  3^^*  tiefer 
aSorfd^rift,  ieben  S^anQ  jur  (SJ^cfd^licgung  t^untid&ft  jU  t)ermeibcn,  mürbe 
gefälirbct  rocrbcn,  menn  aus  bcm  aScrlöbniffc  unter  liinjufommcnbcm  93ci* 
fd^lafc  im  galle  bcr  aSermcigerung  bcr  ©^cfd^licfeung  ein  Slnfprud^  auf  3Iuös 
ftattung  crmadjfen  folltc. 
©<^abcn8*  ®ö  fommen  l;icrnad^  nur  nod)  bicicnigcn  gälle  in  grage,  in  meldten 

litliÄburd^  aSottjic^ung  beö  SBeifdjlafcö  eine  im  ©trafgefefebud^c  üorgcfc^cne  ftrafbarc 
^anblung  begangen  ift.  3n  fold^cn  gällcn  ift  aud&  jegt  nod^  üon  ben  mciftcn 
neueren  Siedeten  ein  3lnfprud^  bcr  ®cfd;n)ädbtcn  ober  ©cfd^roängcrtcn  auf  ©c- 
mä^rung  einer  3luöftattung  ober  9lbfinbung  anerfannt.  Snfomcit  bcbarf  cd 
aber  oom  Stanbpunfte  beö  ©ntmurfcö  auö  einer  befonberen  Seflimmung  nid^t. 
2)cm  a3ebürfniffc,  in  fold)en  gällcn  ber  SScrlcfeten  eine  angemeffcne  Gut* 
fd^äbigung  nid^t  allein  rocgen  Seeinträd^tigung  i^reö  gortfommcnö,  fonbern 
aud^  wegen  bcr  i^r  perföntid)  mibcrfal)rcncn  Äränfung  ju  S^^eil  rocrbcn  ju 
laffcn,  ift  burd^  bic  58orfdjriftcn  beö  ©ntrourfcö  über  ©djabenöerfafe  auö  un- 
erlaubten ^anblungcn  (§§  704,  218,  219,  221,  728)  in  üollem  aWafee  genügt. 
Snöbefonbere  wirb  burd^  iene  aSorfd^riften  ax\6)  bcr  in  Dcrfd^iebcncn  neueren 
©efefeen,  namcntlid^  in  bcm  preug.  ®ef.  u.  24.  Slpril  1854  §  6,  bcm  roürttemb. 
®cf.  D.  5.  September  1839  2lrt.  18  unb  bcm  bab.  ®cf.  t).  6.  aßärj  1845  §  14, 
t)orgefct)ene  gall  gebedft,  roenn  ein  unbcfd^oltencö  aSabd^cn,  rocld^cö  baö  fcd^ö- 
jcl^nte  öcbcnöia^r  nod^  nid)t  DoHcnbct  l)at,  jum  Scifd^lafe  Dcrfü^rt  rocrbcn  ift 
(pcrgl.  §  182  Str.  ®.  33.  mit  §  728  9lbf.  2  b.  Gntro.;  SSorbemerfung  ju  ben 

§§  722—736  33b.  n  S.  753), 


Itnter5art3t>fli$t  beö  uncMi^eu  aSatcre».    aSerJal&runo.    §1578.  917 

III.  3m  3In[d^Iujfe  an  eine,  übrigens  fcineöroegö  aHöemcin  ancrfanntc,  »eiiegung  her 
gcmeinreci^tlid^e  5ßrariÄ  geben  einjelnc  neuere  ®efe|e  ber  üon  il^rem  SBertobten  gcWeb^en 
gcfd^roängerten  93raut  für  ben  goU,  ba^  ber  aSerlobte  bie  ®l)cfd^He6ung  weigert,  «^fr««- 
bejro.  aud^  für  ben  gall,  bafe  bie  ®^e  ol)ne  bie  ©c^ulb  ber  Sraut  auö  einem 
fonftigen  ©runbe  uid^t  ju  ©tanbc  fommt,  baö  SRed^t,  ju  üerlangcn,  bafe  il^r 
burd&  rid^terlid^ed  Urtl^ei(  bie  SWed^te  einer  gefd^icbenen,  für  ben  unfd^ulbigen 
2;^eil  erf lärtcn  ©l&efrau  beigelegt  werben ;  boä)  gelien  biefe  ©efefee  im  ©injclnen, 
fouiel  nomentlid^  bie  SSorauöfefeungen  jenes  Sled^teö  betrifft,  mel^rfad^  auös 
einanbcr  (üergl.  prcufe.  31.S.5R.TI,  1  §§1032  ff.;  fonberöt).  ®ef.  t).  12.  Sluguft  1844 
§§  1,  2;  Weimar.  ®ef.  o.  2. 5RoDember  1848  §  11).  dagegen  ftnb  bem  öfterr. 
0.  S.,  bem  franj.  5Red)te  unb  bem  fäd^f.  ®.  33.  berortige  93eftimmungen  un* 
befannt.  Slud6  in  ^ßreufeen  fmb  bie  betreffenben  SBorfd^riften  beS  preufe.  91.  S.  SW. 
burd&  bas  ®ef.  r>.  24.  2lprit  1854  §  22  aufgehoben,  ©benfo  ift  in  5ffiiirttem^ 
berg  bie  ältere  auf  bem  93oben  ber  be}eid)neten  gemeinreditlid^en  5ßrajiö 
ftclicnbe  ©efefegebung  neuerbings  burd^  baö  ®ef.  r>.  8.  9luguft  1875  Slrt.  4  afö 
befeitigt  anjufel^en. 

3)er  ©ntmurf  l^at  fic^  ben  julefct  angefüfirten  ®efeggebungen  angefd)Iojfen. 
Stud^  in  Slnfel^ung  beö  liier  fraglid^en  Sffnfprud^eö  fommt  por  Slüem  in  SSe^^ 
trad^t,  ba^  eö  an  einem  JWed^tögrunbe  für  benfclben  fel^It.  3lud^  mürbe  bie 
Slnerfennung  eines  fold^en  Snfprud^eS  mit  bem  5ßrinjipe  bes  Entwurfes  nid^t 
im  ßinftange  fte^en,  ba§  burd^  bas  Sßerlobnife  eine  SSerbinblid^fcit  ber  93er== 
lobten  nid^t  begrünbet  wirb  (§  1227).  2)ie  S3raut  barf  burd^  bie  ^injutretenbe 
©d)Wängerung  nid^t  bcjfer  geftellt  werben,  wie  bied  o^ne  ben  ^injutritt  ber 
©d^wöngerung  ber  ^all  ift.  ®d  würbe  fonft  ber  Slntijipirung  bcS  8eifd^(afcö 
unter  aSerlobten  unb  bamit  ber  Unfittlid^feit  9Sorfd)ub  geleiftet.  3^^^"^  ift 
bas  SSerlobnife  nad&  bem  Entwürfe  an  irgenb  eine  ^orm  nid^t  gebunben,  weld^e 
ertennbar  mad^t,  ob  in  SBirflid^feit  ein  SSerlobnife  Dorliegt.  9lbcr  aud^  ab- 
gefe^en  baoon,  ift  im  S^tcreffe  ber  öeiligfeit  unb  SBürbc  ber  (Sf|c  baran  feft- 
iulialten,  bafe  bie  Siedete  einer  ©fiefrau  nur  burd^  bie  @^c  entfielen  unb  nid^t 
a(S  3»itte(  jur  ©ntfd&äbigung  biencn.  2lus  biefem  ®runbe  ift  es  aud^  nid^t 
gered[)tfertigt,  ber  ©efd^wöd^tcn  etwa  für  ben  gall,  bafe  bie  Sd^wängerung 
burd^  ein  gegen  \it  begangenes  SScrbred^en,  j.  33.  burd^  9lot^iud^t,  erfolgt  ift 
(üergt.  preufe.  31  2.  SH.  II,  1  §§  1115,  1116;  baneben  aber  preug.  ®cf.  u. 
24.  3lpril  1854  §  22),  auS  bem  ®eftd&tspunfte  ber  (Sntfd^äbigung  bie  SHed&te 
einer  gefd^iebenen,  für  ben  unfd^ulbigen  Sf^eif  ertlärten  ©^efrau  beijulegen. 


§  1578. 

®ie  an  ä^nlid^e  SBorfd^riften  t)erfd^iebener  neuerer  ®efe|c  (ocrgl.  preufe.  »eria^rung 
91.  ß.  %  II,  1  §  1083—1087;  preufe.  ®ef.  u.  24.  3lpril  1854  §  10;'  mcining.  «„fp^c^e« 
®ef.  t).  9.  September  1844  9lrt.  31 ;  gotl).  ®ef.  o.  1.  3uli  1869  3lrt.  15)  [xä)  ^  ^"tt«- 
anfd^Uefeenbe  Seftimmung  bes  §  1578  bejwecft,  lf)unlic^ft  ju  rerfjinbern,  ba§ 
bie  SKutter  bie  if^r  burd^  ben  §  1577  beigelegten  JHed^te  mifebraud^t  unb  noc^ 
nad^  längerer  ^dt  mit  unbegrünbcten  9lnfprüdöen  fieroorlritt.   2)ie  jweijä^rigc 
aSeriäfirungSfrift  entfpridjt  bem  preufe.  ®ef.  ü.  24.  9lpril  1854  §  10.    S)ie 
SBerjäl^rungSfrift  im  9lnf^tune  an  bie  im  §  157  für  rüctflänbige  9llimente  be« 


918  gcgitimatton  uncßeltd^er  Äinbcr.    (§§  1579-1600.) 

ftimmtc  SBcriäl^rungöfrift  auf  mtx  Saläre  auöjubel^nen,  cmpftcl^lt  fic^  nid^t,  ba 
cineötl^cite  her  ^icr  in  Siebe  ftel^enbe  9lnfprud^  nid^t  bie  SRatur  eincö  SÄlimentationfi^ 
an[prud^eö  l^at,  anberentl^cilä  bie  bef onbercn  ©rünbe,  auf  toel^ien  bie  fui^e  SSer* 
iäl^runfl  rüdfftänbigcr  3llimcttie  beruht,  bei  jenem  3lnfpru4ie  nid&i  jutreffen, 
fonbcrn  bie  für  je  SSeriä^nmg  bcö  lefeteren  anbercn  ^xoedm  bicnt,  welche  ed 
ratl&fam  erfd^cinen  laffen,  bie  SBcriäJ^rungöfrift  auf  jroei  3a^re  abjufürjen. 

Um  bie  Slnomatic  ju  Dermeiben ,  bafe  eine  SBerjäl^runfl  beginnt,  bcoor 
ber  Slnfprud^  entftanben  ift,  anbererfeitö  um  für  ben  93eginn  ber  SScr* 
iäl^runfl  in  Slnfel^ung  aller  ^icr  in  Siebe  ftel^enbcn  Soften  einen  einl^eitluj^en 
3eitpunft  ju  gewinnen,  beftimmt  ber  jroeite  ©afe  bed  §  1578,  ba§  bie  jmei* 
iäl^rige  äJcrjä^rung  mit  9[b(auf  t)on  fed^ö  äBoc^en  nad^  ber  ©eburt  bed  Jtinbed 
beginnen  foU.  S)ie  ©cfid^töpunfte,  meldte  ju  ber  SBorfd^rift  befi  §  159  geführt 
l^aben,  fommen  l^ier  ni^t  in  93etrad^t. 

SDaö  preui  ®ef.  x>.  24.  3lpril  1854  §  11  äbf.  1  enthält  nad^  bcm  SBor* 
gange  bes  preufe.  31.  S.  91.  II,  1  §  1085  nod^  bie  befonbcre  Scftimmung,  bafe, 
wenn  ber  ©d^mängerer  innerl^alb  ber  jmeiiä^rigen  9Seriä^rungfifrift  feinen  biß« 
l^erigen  2luf enthalt  ücrlaffen  ^at,  bie  3^W/  rofil^renb  meld^cr  fein  neuer  Stuf* 
ent^altöort  unbefannt  geroefen  ift,  von  ber  SSeriä^rungöjeit  abgerechnet  wirb. 
®in  Sebürfnife,  bur^i  eine  berartige  befonberc  SJorfd^rift  ben  ^ier  fragtid&cn 
älnfpruc^  ber  äßutter  bed  unel^elid^en  ^inbed  }U  begünftigen,  liegt  iebod^  nid^t 
vor.  ^ud)  ftel&t  eine  fold^c  S3egünftigung  mit  ben  gwerfcn,  welchen  bie  furje 
aSeriälirung  ju  bienen  beftimmt  ift,  nic^t  im  ©inftange, 
®eri($t«fianb.  S)ic  aufeerbem  im  §  11  Slbf.  2  beö  preuft.  ®ef.  ».  24.  Slpril  1854  ftd^ 

finbenbe  befonberc  SBorfd^rift,  bafe,  menn  ber  ©d^mfingerer  feinen  SBo^nfifc  an 
einen  anbcren  Drt  beö  Snianbefi  verlegt,  bie  ©efd^mängerte  i^re  Jtlage  in 
bem  Dorigen  ©erid^tdftanbe  bedfelben  anfteUen  tann  (t)ergl.  aud^  preug. 
31.  2.  SR.  II,  1  §  1087),  ift  burd&  §  14  beö  @inf.  ®ef.  jur  S.  ^.  D.  befeitigt 


®ed^8ter  Sattel. 

fiefliii.  S)cr  ©ntrourf  fennt  nur  jroei  Slrten  ber  Segitimation  une^elld^cr  Äinber, 

mation«arten.  j^j^  gegitimatiou  burd^  nac^folgcnbe  e^e  unb  bie  Segitimation  burc^  e^eUd^feitö- 
crflörung  (burd^  Sleffript).  35ie  fog.  legitimatio  per  testamentum  (Nov.  74  c.  2, 
Nov.  89  c  10)  ift  bem  ©ntrourfe  fremb  (t)erg(.  bie  aWotiüe  ju  §  1585),  ebenfo 
eine  fog.  legitimatio  per  nuncupationem,  meldte  man  auf  bie  Nov.  117  c.  2  l^at 
grünbcn  moUen,  b.  1^.  eine  Segitimation  unehelicher  Äinber  burdfi  bie  btofec 
3lnerfennung  berfclben  als  el^elid^er  Äinber  t)on  ©eiten  bed  une^eHdficn  SBaterö 
(oergl.  bagegen  ©euffert  V,  189).  ®ie  S^I^ffung  einer  fotd^en  Segitimation 
mürbe  mit  ben  ©rünbcn  im  SBiberfprud&e  ftel^en,  meldte  ben  ©ntmurf  beftimmt 
Ijabcn,  bie  Segitimation  burd^  @I)cIid^feitderKärung,  mie  bie  3lnnal)mc  an 
cHinbcöftatt,  an  beftimmte  einf^irönfenbc  aSorauSfefeungen  ju  fnüpfen. 


gegltimatton  bur$  nad^folgenbe  (S(e.    SSoraudf.;  9Btrfung.    §1579.       919 

^ie  bem  fpöteren  beutfd^en  Siedete  betannte  [og.  legitimatio  minus  plena 
ober  ad  honores  ift  fein  3«ftitut  bed  gamidenreci^teö  jur  SSegrünbung  eincÄ 
eitern«  unb  RinbefioerJ^oItnine«,  fonbern  bicnte  baju,  bie  m6)  beutfd^em  Siedete 
mit  ber  unel^elid^en  (Seburt  oietfad^  Derbunbenen  Sfled^töna^it^eUe  ju  befeitigen, 
in  pcrfonlidöer  SSeiiel^ung  bic  unel^elid^  ©eborenen  ben  elielid^  Oeborencn  gleld^* 
iuftellen.  ^a  biefe  ©(eid^fteUung  auf  bem  @ebiete  bed  bürgerlichen  ?led^ted 
überall  fd^on  burd^  bie  ©efefegebung  herbeigeführt  ift,  fo  ^at  biefe  9lrt  ber 
Segitimation,  meld^er  baö  preufe.  21.  2.  SR.  II,  2  §§  662—665  (üergl.  aud^  Sln^. 
§  94  JU  II,  2  §  592,  II,  8  §  279)  nod^  gebenft,  i^re  Sebeutung  verloren. 
S)em  entwürfe  ift  eine  S3efd6ränfung  ber  Sled^tfifd^igfeit  ber  une^elid^en  Äinber 
fremb,  unb  lann  beöl^alb  biefe  Segitimationßart  nid^t  me^r  in  grage  fommen. 

Slnlangenb  enbtid^  bie  JBorf^riften  beö  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  592, 597 
über  bie  Legitimation  unel^elid^er  Äinber  burd^  rid^terlid^en  äludfprud^  unb 
über  bie  Segitimation  ber  Srauttinber  burd^  geric^tUd^e  ertlärung  bed  SSaterö, 
fo  l^ängen  biefe,  in  ^ßreufeen  übrigens  burd^  ®ef.  o.  24.  3lpril  1854  §  22  auf* 
gel^obenen  SBorfc^riften  mit  ber  9lrt  unb  SBeife  jufammen,  wie  bie  Siechte  ber 
augerel^elid^  ©efc^mfingerten  bejn).  bie  9{ed^tdfteUung  ber  fog.  ^rauttinber 
geregelt  ift  (tjergl.  in  biefer  ^infic^t  bie  aWotiüe  ju  §  1568  oben  ©.  858  unb 
}u  §  1577  oben  ©.  917).  SBom  ©tanbpunfte  beö  entwürfe«  aus  (ommen 
jene  93orfc^riften  nic^t  in  Setrad^t. 


T.  SegiÜniaHiiti  t^ut^  itaii^folgetibe  Sl^e* 

§  1579. 

S)ad  3!nftitut  ber  Segitimation  unel^elid^er  jtinber  burd^  nad^folgenbe  «nerfcnnung 
e^e,  roeld^eö  burd^  bie  fpätere  röm.  ©efefegebung  eingefül^rt  würbe,  um  bem  3„nu*te«. 
Äonfubinate  entgegenjutreten,  l^at  in  Deutfd^fanb,  infibefonbere  burdd  SBermitte* 
(ung  ber  ftird^e,  ald  gemeine«  Siedet  eingang  gefunben.  ^ad  tanonifd^e  Siedet 
(c.  6  X.  qui  fllii  sint  legitimi  4,  n)  ^at  biefc  Segitimationöart  auöbrüdtlic^ 
anerfannt,  unb  ift  biefelbe  aud^  Seftanbtl^ei(  ber  neueren  ®efe|büd^er  geworben 
(üergl.  preufe.  51.  ß.  91.  II,  2  §§  596,  598,  600 ;  öfterr.  ®.  33.  §  161 ;  code  civil 
3(rt.  331—333;  fädfif.  ®.  ».  §§  1780  ff.;  l^eff.  entw.  III  Strt.  60—62).  2)er 
entwurf  ift  biefen  SBorgängen  gefolgt.  Daö  Snftitut  ber  Segitimation  burd^ 
nad^folgenbe  e^e  empfiel^It  ftd^  nid^t  allein  im  ^inblide  barauf,  bag  burd^  bie 
nadiifotgenbe  ei^e  ber  eitern  bed  unel^elid^en  Kinbeö  baö  oerlegte  ^rinjip  ber  e^e 
anerifannt,  ber  SSiberfprud^  mit  ber  fittUc^en  Orbnung  befeitigt  unb  bad  begangene 
Unred^t  geseilt  wirb,  fonbern  auc^  um  bedwtDen,  weil  ed  im  5ffentlid^en 
^ntereffe  baju  beiträgt,  bie  3<^^l  ber  e^efd^liegungen  ju  oerme^ren,  bie  'Sa\)l 
ber  unel^elid^en  ftinber  }u  oerminbern.  es  würbe  }ubem  ein  unnatürlid^ed 
SSerljältnife  fein,  wenn  jwifd^en  ben  Hinbern  berfelben  eitern,  je  nad^bem  bie* 
felben  t)or  ober  nad^  ber  e^efd^liegung  geboren  finb,  eine  t)5llige  ©(Reibung 
ftattfinben  foUte.  ^^^^^ 

3m  einjelnen  ift  jur  Segrünbung  beö  §  1579  golgenbeö  ju  bemerfen:    \^^w, 
1.  S)ie  Segitimation  burd)   nad^folgenbe  ei)e  be}iet)t  fid^  nad^  röm.     sefliti« 
3«e*te  nur   auf  Konfubinenfinber.     ©emeinreditlid)   ift  biefe  »efc^ränf ung  ""**",;*!***«' 


920        ?cöitimati(?n  burd^  Tta^folöenbe  gje.    SorauSf. ;  SBIrfimfl.    §  1579. 

jeboc^  burd^  bic  Scfcitigung  beß  Konfubinateö  Qlß  einefi  SRcd^töinftitutcß  unb 
burc^  baö  fanoniid^c  SRcc^t  in  SBcgfall  gefommcn.  S)agcgen  ift  cö  bcftritten, 
ob  mä)  gemeinem  Siedete  bic  in  ©^ebrud^  ober  in  33(ut[(^anbe  erjeugten  une^c* 
lid^en  Äinbcr  legitimationöfäf)ig  finb.  2^^eorie  unb  ^ßrajis  nel^men  inbej^cn 
übenoiegenb  an,  ba§  awd)  foId)e  unef)eUd^e  fiinber  burc^  nod^folgenbe  6l^e 
legitimirt  werben  fönnen,  fomeit  bie  ®^efd^lie§ung  jroifd^en  ben  ©Item  red^tlidb 
möglid^  ift  (üergl.  Seuffert  I,  352,  V,  188,  XlII,  43,  XV,  227,  XVIII,  261, 
XXII,  245,  XXV,  137,  XLII,  275).  S)ieö  ift  aud^  ber  ©tanbpunit  beö 
imirttemb.  SRed^teö  (t)ergl.  ©euffert  XXII,  245),  beö  preufe.  31.  S.  SR.  II,  2 
§  596,  beö  öfterr.  ®.  33.  §  161,  beö  fäd^f.  (S.  33.  §  1780  unb  beö  ^ejf.  ©ntro.  III 
2trt.  60  (üergl.  ferner  fonberö^.  ©ufjeffionöorbnung  ü.  8.  ©ejember  1829 
§§  24,  25).  dagegen  befc^rönft  baö  bai)r.  S.  5».  I,  5  §  8  9ir.  3  bie  Segiti^ 
motion  burd^  naddfolgenbe  @^e  im  9lnfd^lujfe  an  baö  romifd^e  Siedet  auf  Uberi 
naturales,  roetd^e  nic^t  ex  damnato  coitu  Ijcroorgcgangen  finb.  31q^  franj.  SRed^tc 
(code  civil  2lrt.  331)  tonnen  in  ftonfequenj  beö  ©runbfageö  M  recherche 
de  la  paternite  est  interdite"  (9lrt.  340)  unb  im  (Sinflange  mit  ben  Se^s 
ftimmungen  über  bie  9lnerfennung  natürlid^er  Äinbcr  (3lrt.  334,  342)  nur 
anerlannte  natürlid^e  ftinber  burd)  bie  nad[)fo(genbe  6^e  i^rer  ®ttern  legitimirt 
roerben;  bod^  ift  ben  in  ß^ebrud^  ober  33Iutfd)anbe  erjeugten  Äinbern  bie 
iJcgitimationöfäf)igfeit  unbebingt  uerfagt. 

S)er  ©ntrourf  mad^t  in  9lnfe^ung  bcr  £cgitimationöfäI)igfeit  jmifd[)cn  ben 
Dcrfd^iebenen  3lrten  uneljcUd^cr  ilinber  feinen  Unterfd^ieb,  inöbefonbere  mad^t 
berfetbe  aud)  in  3lnfef|ung  ber  in  6^cbrud&  ober  SBlutfd^anbe  erjeugten  Äinbcr 
in  Uebereinftimmung  mit  ber  ajlel^rjal^l  ber  SWed^te  feine  9luönaf)mc.  S)ic 
©rünbe,  auf  roeld^en  na6)  Obigem  baö  3nftitut  ber  Segitimation  burd^  nac^^ 
folgeube  ©Ijc  berul^t,  treffen  aud^  in  ^[nfe^ung  biefer  Äinbcr  ju.  S)icfen 
©rünben  gegenüber  fann  auf  ben  ©inmanb,  bafe  bie  Scgitimationöfä^igfeit 
fold^er  Äinber  gegen  ben  ®cift  beö  3lcd&teö  oerftofee  unb  mit  bem  Sffentlid^cn 
Sttnftanbe  fid^  nid^t  vertrage  (oergl.  5ßud6ta,  SBorl.  II  §  440),  aud^  mit  ber 
auf  bie  gamilic  beö  SSatcrö,  inöbefonbere  auf  bic  rc(|tmö^igen  Äinbcr  beö 
Ic|teren  ju  nefjmenbcn  ätürfftd^t  nic^t  Dcreinbar  fei  (uergt.  o.  ©d)eurl,  baö 
gemeine  beutfd^e  ®f)cred^t  ©.  264  ff.),  entfd^eibenbcö  Oeroid^t  nid[)t  gelegt  merbcn. 
Ucbrigcnö  fann  eine  Segitimation  bcr  in  S3lutfc^anbe  erjeugten  Äinber  burd^ 
nad^folgcnbe  ®^c  im  i&inblidfe  auf  baö  ©l^cücrbot  beö  §  1236  oerglid^cn  mit  §  178 
beö  ©tr.  ®.  33.  nad^  bem  ©ntrourfe  regelmäßig  überhaupt  nid^t  in  S^agc 
fommen.  Sollte  ieboc^  entgegen  jenem  ®l)et)erbote  bie  ß^cfc^ücfeung  erfolgt 
fein,  fo  tritt  bic  Segitimation  burc^  nad^fotgenbe  @f|c  trog  ber  SRid^tigfeit  bcr 
lefeteren  (§  1250  3lv.  3)  nad^  üRafegabc  beö  §  1581  ein.  5Dic  Segitimation 
im  6l)cbrud^c  erjeugter  Äinber  burd^  nad^folgenbc  6t>e  finbet  infoweit  eine 
©d)rante,  alö  baö  im  §  1237  beftimmte  ®^et)erbot  wegen  ©^ebrud^eö  rei^t; 
bod^  ^at  baö  le^tcrc  nur  auffd)iebenbe  SSBirfung,  unb  fonn  »on  bemfetbcn 
biöpenfirt  roerben.  3ft  bie  (S^cfd^licfeung  erfolgt,  fo  äußert  bie  Segitimation 
burdd  nad^folgenbc  S^c,  fofern  biefe  fonft  gültig  ift,  i^re  üoHen  SBirfungen 
naö)  iülaßgabe  beö  §  1579. 
ttne^eii^feit  2.   2)ie  Scgitimatiou  eineö  unel^clid&en  Äinbeö  burdö  nad^folgenbc  6l)e 

^e«  iiinbe«.  ^^-^^^^  gjtg^  j^^j^^^^  ^^^  ^m-  ^„j  ^^[^^  Äiubcr,  TOcld^c  jur  3^i*  ^^  ®^^' 


Scoitimation  bur$  na^foFoenbc  65f-    SSorau^f.;  SBirfung.    §1579.       921 

fdiliefeung  bcr  @{tcrn  bereits  geboren  fmb.  Gin  Jlinb,  roetdies  bie  ß^efrau 
Dor  @ci[)Iiegung  ber  @^e  t)on  bem  ©b^ntanne  empfangen  unb  na6)  Sd^Iiegung 
ber  @bc  geboren  I;at,  tft  nadb  §§  1466,  1577  fein  legitimlrteß ,  fonbcrn  ein 
cfjelid^eö  Äinb  (©ergl.  bie  aRotioe  ju  §  1466  oben  ©.  647). 

9lnd  bem  im  §  1579  aufgeftelltcn  ©rforberniffe  ber  Unebelicbfeit  bes 
Äinbeö  ergiebt  ftd^  ferner,  bafe  fold^c  ftinbcr,  roeld^e  jroar  in  SBirflid^feit  «m 
elielid^e  Äinber  ber  beibcn  ©Regatten  finb,  nad^  SWafegabe  ber  §§  1471  ff. 
aber  atä  eljetid^e  Äinbcr  eineö  3lnberen  gelten,  burd^  bie  nod^folgenbc  ©fie 
i{)rer  ©Itern  nid^t  berührt  werben,  ©in  fold^er  goU  fann  namenttid)  bann 
eintreten,  wenn  baö  Äinb  mit  einer  ©fjefrau  im  @f)ebrud[)c  erjcugt  ift,  ber 
frübere  ©liemann  aber  bie  ©f^elid^feit  beö  Äinbeö  mit  ©rfolg  nid^t  angefochten 
ober  fein  5lnfed&tung&red(|t  oerlorcn  bat  (§§  1471—1473,  1477). 

dagegen  mirb  bie  Segitimation  burd^  naddfolgenbe  ©b^  baburd^  nid)t 
auftgefd^loffen,  bafe  baö  Äinb  t)or  ber  ©bef^Iicfeung  jroifd^en  feinen  ©ftern  für 
ein  ebelid[)e&  Äinb  feincö  JBaterö  erflärt  (§  1583)  ober  oon  bem  JBater  ober 
ber  SRutter  an  ftinbefiftatt  angenommen  ift  (§§  1601,  1602);  benn  burdb  bie 
©belic^feitderKärung  unb  bie  älnnal^me  an  Äinbeöftatt  l^ört  bad  unebetid^e 
Äinb  an  fidb  nid^t  auf,  ein  unebelid^eö  Äinb  ju  fein;  üicimetir  erlongt  baöfelbc 
in  bem  gefefelid^  nä^er  bcftimmten  Umfange  (§§  1596  ff.,  §§  1620  ff.)  nur 
bie  redbtlidbc  Stellung  eine«  elielidben  Äinbeö.  2)ie  Slnmenbung  ber  für  um 
tl)cl\ä)t  Äinber  gegebenen  93orfcbriften  auf  ein  fold^eö  Äinb  ift  baffer  infomeit 
nid^t  auögefdbloffen ,  alö  biefelbe  mit  ber  red^tli^en  Stellung  eines  foldben 
Äinbeö  alö  eineö  ebelid^en  Äinbeö  innerl^alb  ber  »on  bem  Oefefee  beftimmten 
©renjen  nid^t  unoereinbar  ift.  Sei  biefer  9luffaffung  ftebt  bie  oor  ber  ©l^e* 
fdbliefeung  erfolgte  ©betidbfcitöerflärung  ober  3lnnabme  an  Äinbeöftatt  ber 
Segitimation  beö  Äinbeö  burdb  nad^folgenbe  ©be  nicbt  entgegen,  ba  bie  mit 
biefer  Segitimation  üerbunbenen  meitergreifenben  SBirfungen  mit  bcn  burd^ 
bie  ©beli^teitöerflärung  ober  bie  2lnna^me  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  SBi^ 
fungen  ni^t  unoereinbar  finb  (§§  1596,  1620)  unb  inöbefonbere  bie  ©l^elicbfcitö* 
erftärung  gemiffermafeen  nur  alö  ein  Surrogat  ber  Segitimation  burd^  nadb- 
folgenbe  ©Ije  fidj  barftellt.  2lu4l  bann  ift  bie  Segitimotion  burd^  nad^folgenbe 
©bc  nid^t  auögefdbloffen,  menn  baö  Äinb  cor  ber  ©l^efdblie^ung  feiner  ©Item 
t)on  einem  35rittcn  an  Äinbeöftatt  angenommen  fein  follte;  Dielmebr  treten 
auä)  in  biefem  ^aDe  bie  SBirfungen  ber  Segitimation  infomeit  ein,  alö  bie* 
felben  mit  bem  (Srunbfafce  vereinbar  ftnb,  bafe  baö  Äinb  bie  red^tlidbe  Stellung 
eineö  ebclid^en  Äinbeö  beö  3lnne^menben  nad^  SWafegabe  ber  §§  1601  ff. 
erlangt  bot.  2)aö  SSerbältnife  ift  in  biefem  galle  baöfelbe,  mie  in  bem  galle, 
menn  ein  dritter  baö  Äinb  nad^  bcr  ©befcbliefeung  jn)ifd^en  ben  ©(tern  beö 
le^teren  an  Äinbeöftatt  angenommen  ^at.  dagegen  ift  bie  Segitimation  burdb 
nad^folgenbc  ©be  bann  auögefdbloffen,  wenn  baö  Äinb  t)or  ber  ©befcbliegung 
jmifd^en  feinen  ©Itern  (üergl.  §  1580)  für  ein  ebeli^eö  Äinb  eineö  ©ritten 
erflärt  morben  ift,  jebod^  nidbt  bcöl^alb,  weil  boöfelbe  in  ^olge  ber  ©belid^- 
feitöerflärung  bie  recbtlid^e  Stellung  eineö  ebelidben  Äinbeö  beö  ©ritten  erlangt 
bat  unb  mit  9{ütffidf)t  barauf  aufgel^ört  ^ätte,  ein  unel^elid^eö  Äinb  }U 
fein,  fonbern  beöbalb,  meil  burdd  bie  ©belid^feitöerflärung  bie  5ßaterfcbaft 
beö  ©ritten  in  3lnfebung  biefeö  Äinbeö  in  unanfedE(tbarer  SBeife  fcftgefteUt 


922      ?c0ittmation  hutij  natöfolgenbe  (Stjt.    SSorauöf. ;  SBirlung.    §  1579. 

(§§  1585,  1593)  unb  bamit  bic  SBatcrfd^aft  bcö  ei^cmanneö  ber  äFhittcr  bcö 
Äinbcö,  tocld^c  bic  aSorauöfcfeting  bcr  Äeflitimation  burd^  nad^folgenbc  (Sf)e 
bilbct  (§  1579),  unvereinbar  ift.  Sluö  ä^nlid^en  Orünben  ift  bic  Segitimation 
burd^  nad^folflcnbc  ®l^e  auögcfc^loffen,  wenn  baö  Äinb  nad^  aJlafegabe  bcr 
§§  1579,  1580  bereits  burc§  nac^folgenbc  e^e  bcr  aKutter  mit  einem  ©ritten, 
melc^er  nad^  §  1580  olö  SBatcr  bc«  Äinbcö  gilt,  Icgitimirt  morben  ift  unb 
nod^  Sluflöfung  biefer  (Sf)c  bic  3»utter  eine  neue  @^e  mit  einem  Slnbcren 
fdfilicfet,  metd^er  ebenfallö  mit  il^r  innerl^alb  bcr  im  §  1580  bcjcic^nctcn 
empfängnifejeit  ben  33ei[^(af  DoUjogcn  ^atte.  S)agcgcn  fielet  cd  bcr  ScgitU 
mQtion  bur^  nad[ifolgcnbe  6^c  nid^t  entgegen,  wenn  ein  SÄnbcrcr  ate  ber  &)t^ 
mann  t)or  ber  @^efc^(iegung  ate  uncl^cUd^er  93atcr  bcö  ^inbed  bem  legtcren 
Untcrl^alt  ju  gewähren  ücrurt^cilt  ift,  obmol^I  aud^  ber  ®l^cmann  innerhalb 
bcr  ®mpfängnifeeit  mit  ber  SWutter  bcd  fiinbe«  ben  Seifd^Iaf  üolljogen  ^attc 
(§§  1572,  1580),  unb  imor  bcö^alb  nic^t,  meil  bcr  jur  Sciftung  ber  SKimentc 
aScrurtl^cilte  nur  in  biefer  einen  Sejic^ung  atfi  aSater  bcö  fiinbeö  gilt,  jubcm 
baö  bctrcffenbe  Urtl^eil  nidf)t  für  unb  gegen  S)ritte  mirft  (ücrgl.  §  1632).  ©ine 
anbere,  im  ©efefee  nid^t  befonberö  entfd^iebene  grage  ift  bic,  ob  in  einem 
fold^en  gallc  bic  Untcrl^altöpflid&t  bcö  ©ritten  trofe  bcr  Segitimation  fortbauert 
ober  üon  bcr  3^^*  ber  Segitimation  an  rocgfällt  (ücrgL  aSotiDc  ju  §  1571 
oben  ©.  879).  SJlit  SRüdEfid^t  barauf,  bafe  eö  ftd^  iw  ben  l^croorgcl^obcncn 
a3cäiel^ungcn  um  fettene  gällc  unb  um  fold^e  ^agen  l^anbclt,  njctd&c  an  ber 
^anb  bcr  aUgemeinen  ©runbfägc  ju  bcantmprten  finb,  ift  eö  alö  angemeffener 
erad^tct,  iene  fragen  nid^t  bur^i  baö  (Scfcg  befonberö  ju  entfc^eiben. 

eaterf(^aft.  3.   SBauu  baö  @rforbcrnig  bcr  SSaterfc^aft,  um  bic  Legitimation  ju 

bcmirfcn,  atö  oor^anben  anjufet)cn  ift,  bcftimmt  ber  §  1580  (oergl.  bic  SKotioe 
JU  §  1580). 

«saitigfeit  ber  4.    3nn)ien)eit  bic  Legitimation  aud^  bann  eintritt,  menn  bic  &)t  un^ 

^^'     giiltig  ift,  ergiebt  fid)  auö  §  1581  (oergr.  Slotioc  ju  §  1581). 

3unimmund  5.  ©ic  Legitimation  erfolgt  burd^  bie  @^efd^Hegung  gmifd^cn  ben  @(tcrn 

^'^'unbTr"  ^^  Äinbcö  fraft  bcö  Oefefeeö,  ber  eintritt  ber  Segitimation  ift  mithin  nid^t 
Äinbe«.  t)on  ber  3iiftinimung  ber  ®l^cgattcn  unb  bcö  Sinbeö  abl^ängig.  S)amit  ftimmt 
bic  a»e^rjal^l  bcr  Siedete  überein  (ocrgl.  preufe.  21.  S.  SR.  II,  2  §  596;  öfterr. 
®.  SB.  §  161;  fäd^f.  ®.  33.  §  1780;  code  civil  3lrt.  331,  333;  ^cjf.  @ntn).  III 
3lrt.  60).  S)aö  franj.  SHcd^t  fefet  inbeffcn  Slncrfcnnung  bcö  Äinbeö,  fei  eö  oor 
ber  ©l^cf^licfeung,  fei  cö  in  bcr  ^cirat^öurtunbe,  oorauö  unb,  fomcit  biefe  3ln- 
erfennung  oon  bem  Äinbc  angefod^ten  werben  fann  (code  civil  Slrt.  339), 
rid^tet  ftd^  bic  Slnfcd^tung  inbireft  aud^  gegen  bie  Legitimation,  ©emeim 
rcd^tUd^  ift  eö  bagegen  ftreitig,  ob  bie  Legitimation  S^ftintmung  ober  bod^ 
gii^tmibcrfprudi  bcö  Hinbeö  oorauöfefet  (oergt.  ©cuffert  XI,  50,  XXTV,  124) 
ober  ob  bicfelbc  aud^  gegen  ben  SBJiUen  bcö  Äinbcö  eintritt  (©cuffert  XXV, 
137).  Sine  brittc  SÄnfic^t  gcl^t  baoon  auö,  bafe  gegen  ben  SBiberfprud^  bcö 
Hinbeö  burd^  bie  Legitimation  bic  oäterlid^c  (bemalt  über  baöfclbc  nid^t  bc^ 
grünbct  roerbe.  ©aö  bapr.  L.  SR.  1,  5  §  8  3lx.  2  ^at  fid^  bcr  erften  ainfid^t 
angefddloffen ;  bod^  foU  bic  ©inmiDigung  beö  Äinbcö  biö  ju  eingelegtem  SBibcr* 
fprud^c  bcöfclben  oermut^et  mcrben. 


gfOitimation  intä)  na^folgcnbc  (S^e.    SSorauöf. ;  SBirluno.    §  1579.       923 

93on  bcr  ©runblagc  auö,  auf  welcher  nad^  bcr  oben  ©.  919  borgctegtcn 
3luffaffung  bic  Scgitimotlon  hntä)  nac^folgcnbc  6^e  bcrul^t  tnu6  bcrfclben 
lonfcqucnt  ein  abfolutcr  Äaraftcr  beigelegt  werben,  ©ine  anbete,  in  ben 
ajlotiüen  ju  §  1580  erörterte  grage  ifl  eö,  ob  bie  33aterfd|aft  be§  ©J^emanneö 
o(ö  äJoraudfegung  ber  Segitimation  nur  im  äBege  ber  älnerfennung  beiS  Itinbed 
t)on  Seiten  bed  @^emanneö  foU  feftgefteUt  n)erben  tonnen. 

£)ad  rom.  äted^t  verlangte  be^ufd  ber  Legitimation  bie  @rrid^tung  von 
instrumenta  dotalia.  S)iefe  SSorfd^rift  ^ing  mit  bem  ©treben  jufammen,  für 
bie  SJcrroanblung  beö  Äonfubinateö  in  eine  ®l^e  ein  ieben  3tt>^i^I  ^^  ^^^\^^ 
Slid^tung  audfd^Uegenbed  93en}eiömitte(  }u  gewinnen,  ^a  bie  @^e  iegt  an  eine 
beftimmte  gorm  gebunben  ift,  fo  bebarf  es  einer  berortigen  Sßorfc^rift  nid^t 
me^r  (oergl.  aud&  ©euffert  XXVIII,  36). 

6.  3m  (ginflange  mit  bcr  ©runblagc,  auf  roeld^cr  na^i  bcr  oben  ©.  919  »irfunö  bcr 
bargelegicn  Sluffaffung  baö  Snftitut  ber  fiegitimation  burd^  nac^forgenbc  @^e  2*«*«'""**'"- 
berul^t,  unb  cntfpre^enb  bem  S^ectc  biefeö  3nftitutcö  nerbinbet  ber  ©ntmurf 
nad^  bem  SBorgange  be«  gemeinen  SRed^tcö  unb  bcr  neueren  ©cfcfegcbungömerfc 
(ncrgl.  prcufe.  31.2,31.  II,  2  §  596;  ofterr.  ®.  33.  §§  Ißl,  752,  756;  \ää)l 
®.  83.  §§  1780,  2018,  2025;  code  civü  Slrt.  333;  ^eff.  ©ntm.  III  Slrt.  60; 
ferner  in  erbred^iUc^er  ^inpd^t  fonberöl^.  ©ufjcffionöorbn.  t).  8.  S)eiember 
1829  §§  24—27;  Weimar,  ©ef.  o.  6.  3lpril  1833  §  17;  altcnb.  ®ef. 
r>.  6.  3lprU  1841  §  18 ;  got^.  ©ef.  n.  2.  Januar  1844  §  22 ;  ©ef.  für  Sflcufe 
i.  S.  t).  10.  2)eiember  1853  §  18 ;  aWommfen,  ®rbred^t«entm.  §  25)  mit  bicfer 
fiegitimationdart  bie  SSirf ung,  bag  bad  unel^elid^c  Kinb  in  allen  ^e^iel^ungcn, 
inöbefonbere  aud^  in  erbred^tlid&er  Scjiel^ung  (ücrgl.  §  30  2lbf.  3,  §  1579  »erb. 
mit  §§  1965,  1975),  bic  red^tUd^c  ©teUung  eines  c^etid^cn  Kinbed  erlangt. 
9[us  bem  unbefc^ränlt  audgefprod^enen  ^rinjipc  bes  §  1579  ergicbt  fi^l,  bag 
bie  äBirfungen  bcr  Segitimation  burd^  nad^folgenbe  @|c  fid^  indbcfonbcre  aud^ 
auf  bic  Slbtömmlingc  bes  une^elid^en  ^inbed  fomie  auf  bic  SScrmanbten  bcd 
SSaterS  crftrecfen  unb  bag  burd^  biefclbc  aud^  sniifd^en  bem  (S^egatten  bes 
5{inbcd  ober  eines  älbfömmlingcs  besfelben  eincrfcits  unb  bem  iBater  unb  ber 
ÜRuttcr  anbcrcrfcits  ein  ©d^mägcrfd^aftSoer^ältnig  begrünbet  mirb.  3la^  äTlag^ 
gäbe  ber  naiveren  93eftimmungen  bes  @infül^rungsgefegeS  bleiben  iebod^  bie  lanbes^ 
gcfefelid&cn  93orfd^riften  über  bie  ©utjcffionsrcd^te  bcr  burd^  nad^folgcnbc  6l^e 
legitimirtcn  Äinber  in  Selben,  gibcifommif[e,  ©tamm*  unb  Bauerngüter,  fomie 
bic  aSorfc^riftcn  bes  fog.  $rit)atfürftenred^teS  unb  bie  bem  öffcntlid^cn  SRcd^tc 
angel^orcnben  33orfc^riften  über  ben  (grmerb  bes  Slbels  in  golge  Segitimation 
burc^  nac^folgcnbe  ®^e  unbcrül^rt.  93on  felbft  t)crftel|t  es  ftc^  femer,  bag, 
fomeit  bur^  ^ßrioatbispofition,  insbefonbere  burd^  ©tiftungcn,  ein  9led^ts« 
cnoerb  ben  legitimirtcn  Äinbern  tlar  unb  beutli^  ücrfagt  ift,  es  bei  bicfer 
S)iSpofition  fein  Semenben  l^at. 

3la^  §  1579  erlangt  inbeffen  bas  uncl^eUc^c  Äinb  bie  rcd^ttid^e  ©tellung    »««.»"« 
eines  cl^eUd^cn  Äinbes  nur  non  ber  Seit  ber  6^cfd[)lie6ung  an  für  bie  äwfunft.  ^^  ®*'**"3- 
2)ie  Segitimation  mirft  alfo  nid^t  bis  ju  ber  ©eburt  beS  ^inbeS  jurüc!.    @S 
entfprid^t  bieS  nid^t  nur  ben  allgemeinen  ®runbfä|en  unb  bcr  Silligfeit, 
f onbcm  aud^  bem  geltenbcn  SRcd^tc  (nergl.  inSbcf .  preufe.  21.  S.  91.  II,  2  §  598 ; 
ofterr.  ®.  93.  §  161 ;  fäddf.  ®.  33.  §  1780;  Ijcff.  ©ntro.  lU  Slrt.  60  ncbfl  aWotioen 


(SSewalt. 


924       Seöitimation  buri  nad^folöenbc  ®5e.    SSorauSf.;  Sirfuno-    §1579. 

S.  178;  fei'ner  in  erbrcd^tlidöcr  S3eiiel^unfl  lücimar.  Oef.  u.  6.  STpril  1833  §  17; 
Qltenb.  (Scf.  ü.  6.  3lpril  1841  §  18;  gotli.  (Scf.  t).  2.  3anuar  1844  §  22; 
(Sef.  für  SReufe  j.  S.  t).  10. 5Dejcmbcr  1853  §  18).  @inc  Äonfequenj  bcs  ©a^cd, 
bafe  bie  ficgitimation  nid^t  jurüdfroirft,  ift  ed  namcntUcf),  ba%,  rocnn  ein  SRec^tö- 
crrocrb  üon  bem  Sebcnöattcr  bcö  cl^cUd^en  Rinbcö  abl|ättgig  jjemaddt  ift,  bie 
bereits  t)or  ber  2egitimation  geborenen  el^clld^cn  Äinbcr  bcs  einen  ober  anbcren 
©tternt^eileö  alö  bie  älteren  anjufcfien  finb,  obwol^l  fie  in  SBirflid&feit  jünger 
fmb,  afe  bie  legitimirten  Äinber. 
ffitcriic^c  aiuö  bem  5ßrinjipc,  ba^  baß  une^elid&e  ftinb  Don  ber  3^it  ber  @f)cs 

fd^Iicgung  feiner  ©Item  an  bie  red)tlicf|e  Stellung  eines  e^eli^en  Äinbeö  erlangt, 
folgt  inöbefonbere  aud^,  bafe  mit  biefem  3^itpuntte  bie  elterlid^e  Ocioott  bcö 
e^emanncö  über  boö  minberiäl&rigc  Äinb  eintritt  (§  1501).  es  täfet  fid&  nid^t 
uerfcnncn,  ba§  baraus  für  foldie  gälle,  in  welken  in  jenem  3^itpunftc  bie 
SSaterfd^aft  beS  ß^emanneS  in  9lnfe^ung  bes  ÄinbeS  unb  fomit  ber  ©intritt 
ber  elterlid^en  (Seroalt  bcs  (Sl^emanneS  über  baßfelbe  oielleidöt  fubjcftio  nod& 
ungewiß  ift  unb  balier  bie  für  bas  Äinb  Dorl^er  angeorbncte  SSormunbfd^aft 
aud^  nad^  jenem  3^itP^"ft^  ^öd&  fortgefülirt  wirb,  im  ^inbtidfe  auf  bie  mit 
ber  etterlidden  ©eroatt  bcjro.  mit  bem  3lmte  beS  93ormunbcS  ncrbunbene  SSer* 
tretungsma^t  unter  Umflänben  bie  SRed^tSfid^er^eit  gefS^rbenbc  Unjuträglid^^ 
feiten  unb  Äonflifte  ftd^  ergeben  fonnen.  SJrofibem  mu^  es  als  bcbcnftid^ 
erad^tet  roerbcn,  bas  5ßrinjip  beS  §  1579,  um  jenen  Unsuträglid[)feitcn  ju 
begegnen,  in  2lnfel^ung  ber  elterlid^en  ®eroatt  burd^  eine  poptioe  SBorfd&rift  ju 
burd^bred^en,  fei  es  burd^  bie  S3eftimmung,  bafe  bie  elterliddc  Oeroalt  über  baö 
Äinb  nid^t  oor  bem  S^itpwnfte  eintritt,  in  roetd^em  bie  aSaterfd^aft  beS  eijc* 
mannes  nac§  SWafegabc  bes  §  1580  feftgeftellt  ift,  ober  burd(i  bie  Seftimmung, 
ba^  ber  (Sl^emann  bie  elterlid^e  (Seroalt  erft  bann  erlangt,  rotnn  bas  9Sor* 
munbfd^aftsgerid^t  bie  SBorausfefeungen  ber  Segitimation  bes  ÄinbeS  burd) 
nad^folgenbe  (Sf|e  als  gegeben  anerfannt  f|at.  3)as  Snftitut  ber  Segitimation 
foll  roefentlidö  bem  3ntercffc  bes  ÄinbeS  bienen.  35as  3ntcrejfe  bes  Äinbes 
aber  erl^eifd^t  es,  ba^  bie  mit  ber  elterlid()cn  (Seroalt  oerbunbene  5ßflid&t  ber 
gürforgc  für  basfelbe  mn  ber  Qtit  ber  ©^efdjliefeung  an  fraft  beS  (Sefc|es 
für  ben  ©fiemann  als  ben  93atcr  bes  Äinbes  begrünbet  wirb.  S)ie  anberen 
angebeuteten  SBege  eröffnen  bagcgen  bem  ©bemanne  bie  aJlöglid^feit,  ftdd  auf 
längere  3^it  ben  mit  ber  elterlid^en  (Seroalt  üerbunbenen  ^JJflidjten  ju  entjie^en. 
S)en  eintritt  ber  elterlid^en  ©eroalt  oon  einer  ©ntfd^eibung  bes  SBormunbfc^aftS- 
gerid^tes  abpngig  ju  madjien,  l^at  jubem  bas  SBebenfen  gegen  ftd&,  bafe  bie 
elterlid^e  ©eroalt  ein  an  fid^  projefefäl^iges  SHed^t  ift.  Um  fo  mel^r  nerbicnt 
es  ben  SSorjug,  in  Uebereinftimmung  mit  bem  geltenben  SHed^te  es  aud&  in 
9lnfe^ung  ber  elterlid^en  ©eroalt  bei  ben  ÄonfeQuenscn  bes  im  §  1579  auS= 
gefprod^enen  ^^Jrinjipes  ju  belaffen,  als  in  ber  großen  SWe^rja^l  ber  ^öDe  bie 
Segitimation  burd&  nad^folgenbe  ®^e  in  ben  erften  Sebensja^ren  beS  flinbcö 
erfolgt,  für  biefc  erften  Sebensja^re  aber  bie  mit  ber  elterlid^en  ©eroalt 
bejro.  mit  bem  2lmte  bes  93ormunbes  t)erbunbene  SBertretungSmad&t  gegen* 
über  ber  5ßflid^t  ti^atfäd^lic^er  gürforgc  für  baS  Äinb  in  ben  ^intergrunb 
tritt  unb  bem  praftifd^en  Sebcn  bie  mit  ben  oben  angebeuteten  pofitioen  83e- 
ftimmungen  »erbunbenen  SBeiterungen  fremb  ftnb.    Um  aber  ju  öer^inbcrn. 


Segitimation  burd^  na^folgcnbc  (Sit.    SSaterf^aft.    §  1580.  925 

bafe  bic  3lcd)töl^anblungen,  locld^e  oon  bem  SBormuiibe  beö  Äinbcö  in  bcr 
Sroifd^enjcit  äroifc^cn  ber  (S^efd^Iiefeung  unb  bcr  gcftftcllunfl  bcr  S3atcrfd;aft 
bcö  ß^cmanncd  üorgcnommcn  finb,  auf  ©nuib  bcr  SBcftimmung  bcö  §  1703 
2Ib[.  1  9tr.  2  bcr  3BirIfamfcit  cntbcl^rcn,  unb  bafe  in  bcr  S^ifcficnicit  baö  ilinb 
fd^ufiloö  ift,  l^at  bcr  ©ntrourf  int  §  1703  3lb[.  2  burd^  eine  bcfonbcrc  S3c* 
ftimmunfl  SBorforgc  getroffen,  baft  im  gaDe  bcr  Scgitimation  bcö  aJlünbete 
burdd  nad^folgenbe  ®f|c  bic  35ormunbfci(iaft  über  benfefben  nid^t  fd^on  mit 
bem  3^itpunfte  bcr  ß^cfd^licfeung  unb  bem  bamit  ocrbunbcnen  ©intrittc  ber 
elterlid^cn  (Seiuaft  beö  ®(|emanncö  bcenbigt  roirb  (ucrgl.  3al^rb.  ber  ©ntfd).  b. 
Äammergcr.  VI,  27;  ©ntfd^.  b.  9t.  ®.  in  ©traf f.  XV,  55). 

Ucbcr  bic  rcltgiofc  ®rjie^ung  entfd^cibcn,  mic  bei  el^clid^cn  ftinbern  sieugisfe  «r* 
(§  1508),  fo  and)  bei  bcn  burd&  nad&fotgenbc  &)t  legitimirten  Rinbern  bic    *'*^""® 
Sanbeögcfcße  (Dcrgl.  I^annoo.  aScrorbn.  v.  31.  3utt  1826  §  6;  walbedE.  ®ef. 
D.  28.  aWärj  1827  §  3;  barjr.  gicligionöcbift  o.  26.  ü)iai  1818  §  20;  roeimar. 
®cf.  ü.    7.  Dftobcr  1823  §  54;  fäd&f.  ®cf.  o.  1.  SRooember  1836  §  11; 
braunfd^ro.  ®cf.  o.  10.  aWai  1867  §  9). 


§  1580. 

®emeinred^tlid&  ift  bcftritten,  ob  bcr  Eintritt  ber  Legitimation  burd^  nad^^  »cwds  ber 
folgcnbc  ®f)t  burd^  bic  3lnerrennung  ber  aSaterfc^aft  Don  Seiten  beö  ©^e^  »aterf<^ft. 
manncö  bcbingt  ift  ober  ob  bic  SBaterfd^aft  auc^  auf  bem  SBcge  anbcrrociter  ^^^^^^ 
Scrociöfül^rung  ermittelt  merbcn  fann.  j)ic  Slnl&ängcr  bcr  Icötercn  9lnfid)t 
rocnbcn  in  bicfer  Scjic^ung  t^cilö  bic  allgemeinen  ®runbfä6e  an,  tl^eilö  bel^ncn 
fie  bic  aSorfd^riften,  roetd^e  für  bic  (Ermittelung  bcr  a3atcrfd(iaft  jum  3^^*^ 
ber  ®cltenbmac^ung  bcd  Unterl^aUdanfpruddcd  bed  unel^elid^cn  5linbeg  mag^ 
gcbcnb  finb,  aud^  auf  baö  f|icr  in  SRcbc  ftcl^cnbe  SScrl^öltnife  auö.  ©cmgcmäfe 
mirb  aud^  bic  gragc,  ob  bic  exceptio  plurium  concumbentium  juläffig  ift,  ocr:^ 
fd^ieben  bcantmortet  (oergl.  ©cuffert  XXX\X  174).  3lud^  über  bic  föe^ 
beutung  ber  SIncrfennung  bcr  SBatcrfd^aft  gelten  bic  9lnftd^tcn  in  bcr  gemein* 
rcd^tlic^en  35oftrin  auöcinanber.  3laä)  bcr  einen  STnfid^t  l^at  bicfelbc  einen 
fonftitutiDcn  ftarafter,  nad^  einer  anberen  äfnfid^t  bagegcn  nur  bic  S3cbcutung 
cincö  Scmciömittclö.  3)ic  gcmeinred&tUd^e  ^raf iö  fnüpft  an  bic  SIncrfennung 
bic  SBirfung,  bafe  baburdd,  unb  imar  aud^  gegenüber  35rittcn,  bic  93atcrfd&aft 
biß   jum   Scroeifc  bcö   ®cgcntl^eilcö   alö  feftgeftcDt  angefel^cn  roirb  (oergt. 

©cuffert  XI,  10,  XIII,  232,  XXI,  200,  XXII,  287,  288,  XXIV,  242, 
XXXVI,  174;  entfd^.  b.  di.  ®.  in  ©traff.  XIII,  41);  bod)  nimmt  bic 
5ßrariö  an,  bafe  bcn  Siedeten  beö  Äinbeö  burd)  bic  SIncrfennung  nid^t  prci^^ 
iubijirt  roerbe  (©cuffert  VIII,  344,  XI,  10,  XXIV,  242;  3a^rb.  bcr  (Sntfdj. 
b.  ftammcrgcr.  VI,  27). 

aSon  bcn  neueren  ®cfefegcbungen  mad^en  baö  preu^.  21.  S.  91.  II,  2 
§  596,  II,  1  §  1077  unb  baö  fäd&f.  ®.  33.  §§  1780,  1859,  1872  bic 
Scgitimation  •  burd^  nad^folgenbc  ®^c  nid^t  üon  bcr  2f nerfennung  bcr  SSater- 
fd^aft  von  ©citen  beö  ß^cmanncö  abhängig;  üiclmcfir  gilt  na6)  bicfcn  ®cfe6* 
gebungen  bcr  @{)cmann  a(ö  SBater  bcö  Einbeö,  roenn  er  inncrl^atb  bcr  in 
9(nfel^ung    bcö   Untcrl^altöanfprud^cö    beö   une^ctid^cn   ^inbeö   maggebcnbcn 


926  gcgitimatton  bur$  na^folficnbc  (gjc.    Satcrfd&aft.    §  1580. 

empfängnifejcit  mit  bcr  SKuttcr  bcö  Äinbcö  bcn  S3ci[d&laf  üottjogcn  ^ot.    3nö^ 

bcfonbcrc  ift  bic  exceptio  plurium  concumbentium  auÄflcfd^IojIctt.  ^nxd)  bic 
a3orfd)riftcn  bcö  prcufe.  ®cf.  v.  24.  Slpril  1854  ftnb  icnc  Seftimmungcn  beö 
prcufe.  91.  S.  %,  [otocit  bicfclbcn  [\6)  auf  bic  gcftftcHung  ber  SBatcrfd^aft  in 
Slnfe^ung  bcr  Scflitimation  burc^  nad^folgcnbc  ef|c  bcjicl^cn,  nid^t  bcrul^rt 
(ucrgl.  Urtti.  b.  Ob.  Strib.  v.  20.  ©cptcmbcr  1870  bei  ©ru^iot  xvn 
©.  822  ff.).  Ucbcr  bic  Sebeutung  bcr  Slncrfcnnung  ber  SBatcrfd&aft  in  bcr 
Ijier  froglici^cn  Sejiel^ung  cnt^&Ü  baö  preu^.  SRccftt  feine  bcfonbcrc  33eftimmung. 
©aä  oormalige  Dbcrtribunal  ju  33crlin  l^at  icbod^  mc^rfad^  erlannt,  ba^  bcl^ufö 
gü^rung  bcd  jur  Segitimation  bcö  Rinbeö  burd^  nad^folgcnbc  6^c  erforber* 
Ud^en  S3cn)cifcö  bcr  SBaterfd^aft  bcö  ß^emanncö  bic  von  bcm  festeren  erfolgte 
3Incrfennung  genüge  unb  bicfe  SInerfennung  aud^  nad^  ber  ß^efd^Ucfeung  unb 
felbft  nod^  nad^  äuftofung  bcr  @f|c  bur^  ben  SCob  ber  ®^cfrou  abgegeben 
toerben  fönnc  (oergt.  ©rud^ot  XVIT  ©.  818).  Sludfi  baö  fäd^f.  ®.  S3.  fd^roeigt 
über  bic  SBirfung  ber  STnerfennung.  9lad^  STnalogic  bcr  93orfd^riften  ber 
§§  1774—1778  wirb  anjuncljmcn  fein,  bafe  baburd^  bic  SBaterfc^aft  gegenüber 
bcm  ©bemanne  unbebingt  fcftgefteHt,  aber  roeber  ben  SRcd^tcn  dritter  nod^ 
benen  bcö  Äinbeö  präjubijirt  roirb. 

aWit  bcm  preufe.  unb  fäd&f.  3led&tc  ftimmt  bad  öfterr.  ®. ».  §§  161,  163, 
164  im  SBcfentlid^en  überein.  35ie  3ttIäfP9^W  ber  exceptio  plurium  concum- 
bentium ift  jmar  bcftritten,  wirb  aber  x>on  2^coric  unb  5ßrajiö  uormiegcnb 
Dcrncint. 

3m  ©egenfaftc  ju  ben  angeführten  neueren  ©cfefegebungen  mac^t  bas 
franj.  SWed^t  (code  civil  Slrt.  331 ;  uergl.  auc^  bab.  2.  SR.  ©aft  331;  ^eff.  (gntm.  III 
Slrt.  60)  ben  ©intritt  ber  Segitimation  burd^  nad^folgenbc  &)t  baoon  ab^ 
l)ängig,  bafe  bic  ©Itern  baö  Rinb  uor  ber  ©Ijcfd^licfeung  gefefemäfeig  ancrfannt 
I)aben  (code  civil  9lrt.  334—342;  bab.  S.  91.  ©afe  334—340,  340  a,  341,  342; 
^cjf.  ®ntm.  III  3lrt.  48—53).  Der  J^ejf.  ©ntm.  III  2lrt.  60  crflört  aud^  eine 
crft  nad&  bcr  ©Ijefd^Ucfeung  erfolgcnbc  Slncrfcnnung  für  genflgenb.  Durd^  bic 
Slncrfcnnung  mirb  nad^  frauj.  SRed^tc  bic  SBaterf^aft  bcjro.  bic  SÄutterfd^aft, 
üorbcJ^altlid^  ber  Seftimmung  beö  code  civil  Slrt.  339,  feftgeftcUt  (uergl.  6ntfd&. 
b.  %  ®.  in  ©iüilf.  V,  99). 
eianbpunft  2)cr  ©utmurf  l&at  [\d)  benienigcn  Siedeten  angefd^Ioffcn,  meldte  bcn  6in* 

entwarf«,  t^^itt  bcr  fiegitimation  burd^  nad^folgenbc  6l&e  uon  ber  3Inerfennung  ber  SSater* 
fd^aft  uon  Seiten  bcö  (Seemannes  nid^t  abljängig  mad^en,  fonbem  bic  ©r* 
mittclung  bcr  SSaterfd^aft  im  SBege  bcö  ^rojcffcö  julaffcn  unb  babei  bic 
ajlogtid^tcit  bcr  Sßaterf^aft  für  genügenb  erad&ten.  @ö  läfet  fid^  nic^t  ücr^ 
fennen,  bafe  für  ben  ©tanbpunft  beö  franj.  9ic^teö,  roeld^cr  nad^  einer  weit 
oerbrciteten  SJlnfid^t  aud^  ber  ©tanbpunft  bcö  gemeinen  SRcd^tcö  ift,  gcmid^tigc 
©rünbc  fpred^cn.  ®ö  ift  nid^t  unbebenflic^,  bic  ticfgreifenben  SBlrfungcn  ber 
Legitimation  burd^  naddfolgcnbe  ®^e,  bur^  meldte  baö  Äinb  im  aScr^ältnlRc 
JU  bcm  ©bemanne  unb  beffen  aSermanbten  in  allen  Sciicl^ungcn  bic  rec^tlid^c 
Stellung  eincö  e^elid&en  Hinbcö  erlangt,  o^nc  SHüdfftd^t  barauf,  ob  bcr  ©^ 
mann  baö  Slinb  alö  baö  feinige  ancrfannt  ^at,  lebiglid^  an  bic  2^atfad^en 
bcr  ©l^cfd^lic^ung  unb  ber  mögli^cn  Sßaterfd^aft  ju  fnüpfen  unb  baburd^  Inö^ 
bcfonbcrc  icbcm  S)rittcn,  meld^er  ein  3»itcrcjfc  baran  ^at,  \xx^  baö  Äinb  ein 


?c0itlmatfon  bur(j&  na^folgenbc  ®]6c.    Saterfd^aft.    §  1580.  927 

Icgitlmirteö  Ift,  [otangc  nid^t  baö  ©egcntl^eil  mi^  SDlaggabc  bcs  §  1632  burd^ 
Urtl^cil  feflgcftcllt  ift,  bic  aWöglid^fcit  ju  gcioä^rcn,  auf  ®runb  jener  S^^atfad^cn 
bte  ficgitimatlon  beö  Älnbeö  gcltenb  ju  mad^en  unb  im  SBege  beö  5ßrojeffeö, 
tro|bcm  ber  ©bemann  [eine  SSaterfd^aft  beftreitei,  burd^  ben  SRa^roeiö,  bafe  bic 
aßutier  beö  Äinbed  mit  bcmfclben  inncrl^atb  ber  ©mpfängnifejeit  ben  S3eifd^Iaf 
tJoDjogen  l^abe,  bie  Saterf^aft  ju  ermitteln  unb  feftjufteHen.  6ö  ift  ärocifeltos 
als  ein  ©croinn  ju  betrad^ten,  menn  berartige  5ßrojejfe  i)ermieben  werben 
fonncn.  2;ro6bcm  finb  bie  für  ben  ©tanbpunft  beö  (gntnjurfeö  fpred^cnbcn 
prinzipiellen  unb  praftifd^en  ©rünbe  ald  übenoiegenb  cnsufel^en.  ^it  bcm 
abfotuten  Äaraftcr  unb  ben  S^edfen  bed  ^ier  fraglichen  Snftituteö,  inöbefonberc 
mit  ber  SlfidCftd^t  auf  bad  ^[ntereffe  bed  jtinbed^  ift  ed  nid^t  vereinbar,  meun 
bic  rool^ltl&fitigen  SEBirfungcn  ber  Äegitimation  aud^  nur  inbireft  oon  bcm 
SBiDcn  bed  @[)emanned  abl^öngig  gemad^t  n)erben.  Der  @tanbpunft  bcö  franj, 
JRed^tcö  in  ber  ^ier  fraglid^en  Sejie^ung  ftcl^t  mit  anberen  in  baö  (Sefcßbud) 
nid^t  aufgenommenen  Snftituten  unb  Seftimmungcn  beö  franj.  SRec^teö,  inö^ 
bcfonbcre  mit  bem  @a|e  „la  recherche  de  la  paternit6  est  interdite*'  unb  bcm 
Snftitute  ber  Slncrlcnnung  unel^elid^er  Äinber,  in  engem  3ufammen]^ange,  unb 
fann  beöl^alb  bei  ber  oorlicgcnben  grage  auf  baö  franj.  Siedet  crl^cblid^cö 
®cn)ic^t  nid^t  gelegt  werben.  Slud^  bie  im  gemeinen  •Kcd^tc  üielfad^  vertretene 
9tnftd^t,  bafe  bie  ficgitimation  Sfnerfennung  ber  SBaterfc^aft  von  Seiten  bcö 
®l^emanncö  üorauöfefee,  l^ängt  mit  ben  Seftimmungcn  beö  in  9lnfe^ung  ber 
Slec^töfteUung  ber  unc^clid^en  Äinber  gegenüber  bem  ©rjcugcr  auf  einem 
anberen  SBoben  ftel^cnbcn  röm.  SRcd^teö  iufammen.  3luf  ber  anberen  ©eite 
^at  ber  Sntmurf  baö  preug.  dtz6)t,  baö  fäd^f.  @.  S9.  unb  jum  S^^eit  aud^  bie 
©oftrin  unb  ^rajiö  beö  gemeinen  Sled^teö  für  fid^.  ©ntfd^cibcnb  fällt  nament- 
lich inö  ®cmä)i,  bafe  bcm  praftifd^cn  S3cbürfnijfe  unb  ben  Slnforbcrungen  beö 
praftifd^cn  2ebcnö  nid^t  genügt  mirb,  menn  man  bic  SBirtungcn  ber  Segitima* 
tion  t)on  ber  älnerfcnnung  ber  SSaterfd^aft  burd^  ben  @^cmann  abl^ängig 
mad^t.  ©an)  befonberö  ift  bicö  ber  ^all,  wenn  man  eine  auöbrüdFlid^e  äßiHenö^ 
crflärung  tjcrlangt.  S)a  bicö  ber  ©itte  in  S)eutfd&lanb  nid^t  entfprid^t,  fo 
mürben  bic  Slncrfcnnungcn  in  mclen  gällcn  unterbleiben  unb  ber  Eintritt  ber 
3BirIungcn  ber  ficgitimation  mclir  ober  mcniger  t)on  jufälligcn  Umftänbcn 
abl)ängig  fein.  Slbcr  aud^  burd^  bic  3«fQÜung  ftillfd^mcigcnbcr  Slncrfcnnungcn 
mirb  bcm  Sntcrcffc  beö  Äinbcö  nid^t  genügt,  ba  ber  Scmciö  ber  Slnerfcnnung 
burdj)  fonflubcntc  ^anblungcn,  inöbefonberc  nadd  bem  ä^obe  bcö  (S^emanncö, 
oft  mit  großen  ©d^micrigfeiten  oerbunben  ift. 

©ne  anbere  grage  ift,  ob  man  nid^t,  wie  gegenüber  bem  UnterJ^altö^  Exceptio 
anfpruc^c  beö  unel^elid^en  Äinbcö  (§  1572),  fo  aud^  l^icr  bem  ©l^cmannc  bic  ^JamCunm! 
exceptio  plurium  concumbentiura  geftattcn  foll.  S)cr  ©cfid^töpunft,  bafe  cö 
fid^  bei  ber  Scgitimation  um  weit  eingreifenbere  SEBirfungen,  alö  bie  93egrün* 
bung  cineö  Untcrl^altöanfprud^eö,  ^anbelt,  fd&eint  ber  SScjal^ung  {euer  gragc 
baö  SBort  jU  reben.  Snbeffen  ift  bie  ©ad^lage  l^ier  boc^  infofern  eine  anbere, 
alö  ber  Seemann  vor  ber  ©^efd^lic^ung  in  ber  Sage  ift,  fid^  ju  crfunbigen, 
unb,  mcnn  er  nid^t  bie  Ucbcrjcugung  gewinnt,  bafe  er  ber  SBater  bcö  Äinbcö 
fei,  bie  (Sl^efd^liegung  ju  unter laffcn.  Daju  lommt,  bag  ber  @ntn)urf  jene 
Ginrebe  audE)  in  bem  ^alle  auögefd^loffen  l^at,  in  meldfcm  baö  Ainb  jmar  nad^ 


928  Seöitimation  burd^  na^folflenbc  (SJe.    Unöültigc  (Sf^t    §  1581. 

©d^ücfeung  bcr  6t)c  geboren,  aber  üor  Sd^Iie^ung  berfclben  empfongcu  ift 
(§  1470).  S)ie  ®rünbc,  auf  toeld&cn  blefc  Seftimmung  beruht  (üergt.  3ßotit)e 
ju  §  1470  oben  ©.  656),  treffen  im  SBefentlid^en  aud&  l^ier  ju.  S)em  ju- 
fälligen  Umftanbc,  ob  baö  ^inb  furje  3^^*  oor  ber  S^efd^Iiefeung  geboren 
ift,  fann  ein  fo  tiefgreifenbcr  ©influfe  auf  bie  Sled^töftellung  beöfelben 
nid^t  beigemcffen  werben.  aWit  bcm  ©tanbpunfte  beö  (Snlrourfeö  ftel^t  jubem 
überit)iegcnb  baö  geltenbe  Siedet,  inöbefonbere  baö  preufe.  Siedet  unb  baö  fäc^f. 
®.  S.,  im  @inf(angc. 

»nertennung  9lls  bebeuflid^  ift  CS  bogcgeu  erachtet  roorben,  in  "bcm  i^ier  fraglid^cn 

«ater^f^aft.  S^^^  ^^^  auöbrürflid^en  9lncrtennung  ber  58aterfd^aft  üon  Seiten  beö  ©^e^? 
mannet  biefelbe  SBirfung  bcijulegcn,  wie  in  bem  gaüe,  wenn  baö  Äinb  jroar 
oor  ber  ß^cfd^Iicfeung  empfangen,  aber  erft  nod^  bcrfelben  geboren  ift  (§§  1470 
bis  1472).  ©in  bringcnbcö  praftifd^eö  ^ebürfnife,  bem  ®l)emanne  auf  bem 
SBegc  ber  9lnerfcnnung  ber  SSaterfc^aft  ein  aWittel  an  bie  $anb  ju  geben, 
einem  üon  feiner  ß^efrau  por  ©d^liefeung  ber  @f)c  bereits  geborenen,  von 
\\)m  aber  nid^t  erjeugtcn  Äinbe  in  SJeranlaffung  unb  in  SBcrbinbung  mit 
ber  (S^efd&Iiefeung  i^m  gegenüber  bie  red^tUd^e  ©teUung  eines  cJ^elid^cn 
ÄinbeS  ju  üerfd^affcn,  fann  nid^t  aner!annt  werben.  ®ö  mürbe  baburd^ 
geroijfermaöen  eine  befonbere  3lrt  ber  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  ober  ber  ©(le- 
Ud^feitöerüärung,  jebodd  o^ne  bie  fd^ügcnben  formen  bicfer  3nftitutc  unb 
mit  n)eitergel)enben  SBirfungen,  als  bieicnigcn,  meldte  mit  biefen  Snftitutcn 
oerbunben  finb,  gefd^affen  werben.  3)ie  S3ebenfen,  mcld&e  fid^  bagegen  cr^ 
lieben,  ber  älnerfennung  ber  33aterfd(|aft  eine  fonftitutioc  SBirfung  in  bem 
©inne  beijutegen,  bafe  baburd^  bie  83aterfd)aft  atö  unbcbingt  feftgeftellt 
gilt,  werben  aud^  bann  nid^t  t)öUig  befeitigt,  wenn  man  jene  3BirIung 
Don  bcr  Swftiw^n^ung  beö  Äinbeö  abpngig  mad^t.  S)a§  ein  fold^eö  Snftitut 
burd^  ein  praftifd^cß  S3ebürfni6  nid^t  geboten  ift,  fonbern  bie  SRatur  bcr 
9lncrfennung  alö  eines  33cweißmittels  ben  2lnforberungen  beö  praHifd^cn  ficbcnö 
genügt,  crgiebt  fid^  fcf)on  barouö,  bafe  feineö  ber  befte^enben  JWcd^te,  auc^  nid)t 
baö  franj.  SRcd^t  (oergl.  code  civil  9lrt.  339),  bei  ber  Segitimation  burd^  nad^i* 
folgenbe  @^e  mit  ber  9lnerfennung  fo  weitge^cnbe,  ben  ^erfonenftanb  beö 
Hinbeö  änbernbe  SBirfungen  uerfnüpft  (ocrgl.  ©ntfd^.  b.  31.  ®.  in  ©traff.  1, 4, 
XIII,  41). 

§  1581. 

Ginfttti  ber  S)aö  gemeluc  dicä)t  unb  oerfd^icbenc  neuere  ©efeggcbungen  (oergl.  fadjf. 

"b??«l^^**'  ®.  93.  §  1782;  ^eff.  (Sntw.  III  3lrt.  62;  ferner  in  erbrcdjtlid^er  ^inftd^t  weimar. 
®cf.  r>.  6.  SKpril  1833  §§  16,  17;  altenb.  Ocf.  o.  6.  3lprU  1841  §§  17,  18; 
got^.  ©ef.  ü.  2.  Sanuar  1844  §§  19,  22;  ©ef.  für  aieufe  j.  S.  t).  lO.Dcjembcr 
1853  §§  17,  18)  latfen  bie  SBirfungen  ber  5ßutatioel)e  au^  ju  ©urtftcn  ber 
uor  ber  ©^efd^Iiefeung  bereits  geborenen  unc^etid^en  Äinber  bcr  ©Regatten  ein* 
treten,  iebod^  mit  ber  aWobififation,  ba^  biefelben  bie  ©tellung  legitimirtcr  Stinber 
erlangen,  dagegen  entfialten  ba^  preufe.  31.  S.  9t.,  baö  ofterr.  ®.  93.  unb  bcr 
code  civil  in  ber  l^ier  fraglid^en  §infid^t  feine  befonberen  SBorfd^riftcn  (t)crgl. 
preufe,  31.  S.  91.  II,  2  §§  50-57;  ofterr.  ®.  93.  §  160;  code  civil  3lrt.  201, 202). 


► 


Scöitittiation  bur(^  nad&f.  ei&c    abrötnmliiifle  bc8  Äinbc«.    §  1582.        929 

gür  boö  fronj.  SRed^t  wirb  inbcffcn  bic  Slnftd^t  vertreten,  bafe  burd)  eine 
^utatiüc^c  anä)  bic  t)or  ber  @^c  geborenen  Äinber  Icgitimirt  werben,  fofern 
nid^t  baß  ej^cj^inbernife  bereits  jur  Qdt  ber  ©rjeugnng  ber  Äinber  Dorl^onben 
gewefen  fei. 

Dicfelben  ©rünbe,  auf  roeld&en  bie  SSorfd^riften  ber  §§  1562—1567  be^ 
rufien,  muffen  bofiin  fütiren,  aud^  mit  einer  ungültigen  6^e  bic  SGBirfungen 
ber  Scgitimotion  burd^  nod^folgcnbc  @f)t  nod^  2Ra§gobc  jener  SSorfd^riften  ju 
Dcrbinbcn,  cd  fei  benn,  bag  bie  ©Ije  megen  cined  ^ormmangeld  bei  ber  @f)e^ 
fd^Iiefeung  nid^tig  ift.  2)ic  ^erbeifüfirung  ber  Scgitimation  ber  Äinbcr  ift  in 
Dielen  gcHcn  boö  ^auptmotii),  roeld^eö  bie  ©Item  ber  Äinbcr  ju  ber  ß^c« 
fd&Iic§nng  ücranlafet.  ®ö  würbe  eine  grofee  ^ärte  fein,  wenn  jene  SBirfung 
im  gaUe  ber  Ungültigfeit  ber  @f|c  DoUftanbig  ouögefd^Ioffen  mürbe.  SJqju 
fommt,  bofe  eö  ein  unnatürlid^cö  33crf)o[tnife  ift,  menn  bic  Äinbcr  berfelben 
eitern,  je  nad^bem  fie  t)or  ober  nad&  ber  ©^cfd^Iiefeung  geboren  finb,  eine 
Dcrfd^iebenc  rec^tlid^e  Stellung  gegenüber  ben  ©Item  unb  beren  SScrroanbtcn 
cinnefimen. 

§  1582. 

2)ie  Scftimmung  bcö  §  1582  entfprid^t  ber  öiDigfeit  unb  ber  Omnb«  sBirfun«  w- 
läge,  auf  rocld^cr  nod^  ber  Sluffoffung  bcö  ©ntmurfeß  bad  3nftitut  ber  fiegiti^  ^i^^^JT 
mation  burc^  nod^folgcnbe  e^e  bem^t;  fie  ftc^t  aud^  mit  ber  üWcl^rjat)I  ber  wrftortenen 
neueren  ©efcftgebungen  im  5ßrin5ipc  im  ©inflonge  {t)ergl.  preufe.  91.  S.  91.  II,  2    **"****' 
§  600;  Code  civü  Slrt.  332;  fäd^f.  ®.  95.  §§  1781,  2018;  l)eff.  ©ntro.  III  ^rt.  61 ; 
ferner  in  crbrc(i^tlid^er  ^inftd^t  fonberö^.  Sutjeffiondorbn.  v.  8.  3)ejembcr  1829 
§§  26,  27 ;  Weimar.  ®ef.  v.  6.  3lprit  1833  §  18 ;  altenb.  ®cf.  ü.  6.  SIpril  1841 
§  19 ;  gotf).  ®ef.  o.  2. 3onuar  1844  §  23 ;  ®ef.  für  Slcufe  i.  2.  ü.  10. 5Dcjember 
1853  §  19). 

3tuÄ  bem  §  30  ergiebt  fid^  üon  fetbft,  bafe  ju  ben  SKbfömmlingen  bcö 
uncl)cli(i^cn  Äinbcö  aud^  bic  uncficli^en  9lbfömmlinge  einer  oor  ber  (Sf)Cf 
f^licfeung  Dcrftorbencn  une^clid^en  S^od^tcr  geliorcn  (Dcrgl.  ouc^  §  1568),  ni(i^t 
bogegen  bie  uncljclid^cn  3lb!ommlingc  eines  unclielid^cn  So^ncö  (fäd&f.  ®.  99. 
§§  1781,  1874),  eö  fei  benn,  bafe  bic  Icfetcren  burd^  bic  nad^folgcnbc  e^c 
i^rcr  ©Item  Icgitimirt  morbcn  waren  unb  baburd^  gegenüber  bem  aSater  unb 
bcffen  aScrwonbten  bic  rcd^tlid^c  Stellung  ebclii^er  ftinber  erlangt  Ratten. 
Scgitimation  burc^  ei|clid^!eitöcrflämng  ober  3tnnal|mc  an  Äinbeöftatt  ftc^cn 
in  bicfcr  ^infi^t  ber  Scgitimation  burd^  nad^folgcnbc  ©I^c  ni^t  gleich,  weil 
burc^  jene  Snftitute  jwifd^cn  bem  Icgitimirtcn  ober  angenommenen  Äinbe  unb 
ben  äScrwanbtcn  bcö  Scgilimircnbcn  ober  Slnnc^mcnbcn  nac^  §§  1596,  1620 
ein  93crwanbtfd^aftöpcrbältni§  nid^t  begrünbet  wirb.  2)aöfclbc  gilt,  wenn  bic 
nad^folgcnbc  S^c  eineö  üor  ber  S^efc^ticfeung  feiner  ©Item  Dcrftorbencn 
So^ncö  ungültig  war  unb  auf  ®runb  bcö  §  1581  bie  93orfd)rift  bcö  §  1566 
3lbf.  2  SÄnwenbung  finbct.  5Die  SBorf^rift  bcö  prcufe.  31.  2.  S».  II,  2  §  600, 
bafe  bic  gCßirfungcn  ber  Scgitimation  burc^  nad^folgcnbe  ©f)c  immer  nur  in 
2Infc^ung  ber  clielicbcn  Slbfömmtinge  eineö  t)or  ber  ©Ijefd^liefeung  feiner  ©Item 
»crftorbencn  uncf|clid)cn  ftinbcö  eintreten  —  womit  im  SRcfultalc  aud^  boö 

motioc  |.  bargerl.  9t\t^huät.  IV.  ^^ 


^rnju  fei:  i:bcrr>r>^-:i.a::  — ,  htZiZ:  mu  Nat  Pix  2«i:  (hnpirö  atendmuai 


IL   ScfitnstiM  in4  f|ilid|fiilinniiBi 


r:iar*rrr:£  n«^  j*Lrnn:.krf:  j»^  rt5*jr^c'.jii.  j.riDirir.^  rrrmn rrira:  ln:r4  tbc^ 
l-.rfr::&crfl±rr:nr    :t:  JSrtcrJon.  ^^£  pnnrr-^rr  feris  iirr  ^a'  jnrÄra  srnixai 

L  5  t  &:  rrixi.  ä.  r.  ?l  IL  2  fi  ->: :— e:i :  r^nr.  *5.  Ä  ^i:  i-;±,  753,  756; 
y'zif^.  ^^.  ?.  II  i7ss  — :7V;,  l^:f^.  i^i.  fv^I— ^ItiS:  hanr.  5a^^  C-  »- 
l^x^^nrbcz  1>%5  ärLtoi.  £cr:'rm  :r:  I»ra:  ^rir,;.  5tr±:f  n:T-  Ans  haJ». 
i-  ?L  ^--£*:  rrrrrzrrr-rn&rn  :;rirfzm:  rr^i  n:  ^r^r.:«  tc  Her  ikc^^  ^ibta:^ 
rrrrrn;  nii  ^cr  J-i2r--.rsrr!Tf  r.  ^  ?.r:^r=:bcr  :^ir7  3:  J^rrteÄm^  nü:  ^aB 
5Lrtr:T^  r^rS  ^T:::rrr:^£r&  r.  1.  »r±rzir  :k>  ^^cr.r^nL  izi  in  tat  brn. 
fear,  in  ärt.  ».3  bo:  rj^r:»  3::^i2^:ti£  ^r^irr-^rn. 

ar^ilrwrr  m?  ^2S  txr  rrzz^iix  ^<:.\jl^  br-^^^2.:flL  o=^>ni  Iv^^dt  Mse 
brsizzz^  tu  ^bu  ^r^  rr^br.iirs  v::n>fT  e:  nrrn:r",>cr!:  rzl"  hex  Tirxr.idbcn 

»yr«  V* f''^,7';TT.^T!.r^    I^IZTi   ZLZ-i^I .Z€71^    ^X     vh.    ZLZTZCTZ^"^    •?*-»    ^X^lf    9CZllf 

u?r.^r:tc^  ^rj:,  ri  «4  n±  r.±:  r=~:r.c:  irfr^c.  Tiri  ica  ^rr;:cz^jf  !«• 
bcrr.  S-  3L  I,  5  I  1^  fc.  -5  nrJ»  i*rr±x>rr^  irKin^TÄtr  ^c^rj^fteL^cn 
•  orr;!.  r:r:^l  T^..  *i.  2n.  :>v«:  tz^  <^.  ^,  iit.  Ii4>  Sr.  .^:  er.  *x  Ä  §  232; 

>2u  ;-  brrrinfrr.,  =>rrj:  r^  5:.c'rz-.-nr-  r::r±  rj::r^.xf riÄ  ^*>c  icrdb  htm 
rrr  ^^^  iV-n^r  r^fr  r-is  £z>iTrn  '*''rjr.>rr:  unirÄ;.-^  o^r^^^^^^  it    Sir  €ix 

K-ä    V    •-•"  -■*--—    r*-^'^—«---'*    •""f    V^   .^,  — -V -^x^. .^,     •.-  „.^    i**-J<— ^JLf^—'v^   -aiP  ♦TjJ 

*{-^  ^•^  rr:rrt£  Zz^..inz  r:^^^^:•^T^J^£-f^,  ^:s  x^i^c-f-::  UrrKfrc  wxVt  gut 
vs  nif  {r.  ur^  >:r.  y.r^Trr.  r:£  rir:.:iv  3:^Z--i;   f^^,::^.T  v^nXx   ^::  r«r- 

ir.  v.r»:r.  si^:',  'jr,  ri-iir.  ^:£  ex  n::  Xt  iX-^rr  X-*  <:r.>»  r*xfc  cic^c.iA 
..,«..&  «.«H.  V. »«'——-—  — -—  «'—j»  .^  .  «.*.,%  ••»•  \_ •«*  *-»    «i»— , .^*,«  i,,»*  ««^9  H*n* 


e^cüd&feitöerHarunö.    Äaraftcr.    aSirfung.    §1583.  931 

^nb  inbcffcn  axxä)  fold^e  ^öDc  ju  bcrütffid^tigcn,  in  roetci^cn  bie  ©inge^ung  ber 
<Sf)t  mit  bcr  SRutter  bcö  ÄinbeS  jtDar  möglid^,  bcm  SSater  beö  Icgtcrcn  aber 
nid^t  juiumut^cn  ift,  j.  93.  rocil  bic  SKuttcr  fid^  fpäter  einem  lieberiic^en  Zcbm^^-^ 
lüanbel  ergeben  f)at,  ober  quo  fonftigen  Orünben  bie  S^efd^liefeung  alö  on- 
gemeffen  nid^t  erad^tet  werben  !ann.  Um  fo  mefir  ift  ein  Sebürfnife  oorl^anbcn, 
üud^  in  fo((^en  §äUen  bie  fiegitimation  burd^  @^e(id^teitderf(ärung  p  ermög- 
lid^cn,  o(ö  ber  ©ntrourf  baö  franj.  Snftitwt  ber  9lnerfcnnung  bcr  natürlid^en 
Äinber  nid^t  tcnnt  unb  ben  Srautfinbern  bem  une^elid^en  SBatcr  gegenüber  bie 
red^tlid^e  ©teUung  e^efid^er  Äinbcr  üerfogt  ^at.  2^av  ift  eö  nad^  bem  ®nt* 
tourfe  nid^t  audgefd^toffen^  bog  ber  $ater  fein  une^elid^eg  £inb  an  Jtinbedftatt 
iinnimmt;  aQein  baburd^  n}irb  bem  93ebürfniffe  nic^t  genügt^  ba  bie  9lnnQ{|me 
on  Äinbeöftott  in  mcl^rfod^er  ^infid^t  an  ftrengerc  93orau8fegungen  gefnüpft 
ift.  S)ie  red&tftpo(ijeilid^en  Sebenfen  aber,  meiere  fi^  gegen  bic  3u(aRung  ber 
Legitimation  burd^  ©^cli^feitöerflärung  namcnllid^  in  folc^en  %äUm  erbeten, 
in  n)eld^en  bie  Legitimation  burd^  na^folgenbe  ®^e  an  fic^  mögUd^  m&re,  oer^ 
Ueren  baburd^  an  ©emid^t,  bag  bie  Legitimation  burc^  (S^cKd^feitöcrflärung 
eine  SBcrfügung  ber  ©taatögeroalt  erforbert  (§  1583)  unb  bie  (S^elid&feitö^ 
erflärung  oerfagt  werben  !ann,  aud^  menn  if|r  ein  gcfe|[id^ed  ^inbernife  nid^t 
entgegcnftcldt  (§  1592).  2)aiu  tommt,  bag  aud^  ba&  geltenbe  Siecht  überroiegenb 
t)ic  SwWff^fltcit  ber  fiegitimation  burd^  ß^elic^fcitöcrHärung  nid^t  auf  ben  gall 
befd^ränft,  n)enn  bie  fiegitimation  burd^  näd^fo(genbe  @()e  nid^t  me^r  möglid^ 
ift-  3)icd  ift  inöbefonberc  ber  Stanbpunft  bed  gemeinen  5Re^teö,  be«  roürttemb. 
^fled&tes,  be«  preufe.  31.  fi.  SR.  II,  2  §  601,  bed  öflcrr.  ®.  93.  §  162  unb  beö 
ffi^f.  ®.  93.  §  1783;  aucö  bie  oben  angefii^rte  SBorf^rift  beö  bapr.  S.  SR. 
ipirb  ate  aufgehoben  angcfe^en. 

3m  ^inbtide  barauf,  ba§  bie  ß^elic^fcitöerffärung  eine  SScrfügung  ber  ^^  ^^^ 
Staatöflcroalt  erforbert  unb  aud^  bann  Dcrfagt  merben  fann,  menn  i^r  ein  ^Z^ 
flefeftti^efi  ^inbemife  nidfjt  entgegenftetit ,  ift  es  ferner  unbebenflid^,  im  Sln^  *ef''r<'?tiwi* 
f d^Iuffe  an  bie  SKetirja^I  bcr  SRed&te  (oergt.  roürttemb.  fi.  SR.  IV,  17  §§3,  4 ;  renb«n. 
preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §  607;  ofterr.  ®.  93.  §  162;  fä#  ®.  93.  §  1783,  2021) 
Don  ber  römifd^re^tlid^en  33efd^ränfung  abjufc^en,  ba§  bic  fiegitimation  burd^ 
<S^elid^fcitöerHärung  auögefd^Ioffcn  ift,  wenn  ber  SSater  beö  unefjdic^en  Kinbeö 
c^clic^c  3lbfömmlinge  ^at  (t)ergl.  aud^  ba^r.  fi.  SR.  I,  5  §  9  Sir.  3;  fieff. 
«ntro.  III  3trt.  63 ;  ital.  ®.  93.  3lrt.  198  SRr.  2).  3lud^  für  baß  gemeine 
tRed^t  mirb  oielfa^  ber  SBegfaH  jener  33efd^ränfung  behauptet.  2)ic  3uläffigfeit 
bcr  Slnna^mc  an  Äinbeöftatt  ^at  ber  ®ntn)urf  jroar  an  bic  SSorauöfcftung  gc^ 
fnüpft,  bafe  ber  3lnnc{|menbc  einen  c^eUd^cn  Slbfömmüng  nic^t  ^at  (§  1602); 
üUetn,  abgefc^en  baoon,  bafe  naä)  bem  Gntrourfc  bie  93eftätigung  bcr  3(n^ 
na^me  an  Äinbeöftatt  nur  bann  ju  Dcrfagen  ift,  menn  bcr  (enteren  ein  gefefe^ 
lidbeö  ^inberniö  entgegenfte^t  (§  1619),  ift  bic  Sad^Iage  bei  ber  Slnna^mc  an 
Äinbcöftatt  infofem  eine  oerfd^iebene,  als  biefe  ben  3n>e(f  oerfolgt,  finberlofcn 
?ßerfonen  bic  3Kög(id^Ieit  ju  geben,  fid^  auf  fünftlic^cm  3Begc  eine  Slad^^ 
fommenfd^aft  ju  oerfd^affen.  2)er  ^mcd  ber  fiegitimation  burd^  ®f)elidöfeitö^ 
erflärung  aber  ge^t  batjin,  uncl^elid^en  ilinbern  aud^  in  fold^en  ^Jällen,  in 
loeld^en  bie  fiegitimation  burd^  nad^fo(genbe  @t|e  nic^t  m5g[id^  ober  nid^t  mo^l 
tl)unlid^  ift,  bie  rcd^tlid^e  ©tellung  el^clid^cr  Äinber  il)rcö  SSatcrö  ju  oer* 

59* 


932  eöend&feltöcrffäruitö.    Äaraftcr.    SBirfung.    §1583. 

fdöaffcn.  Die  (Srrcld^ung  bicfcd  bcm  öffentlichen  S^tereRe,  wie  bcm  SntereRe 
bcr  unel^elidöen  Äinbcr  unb  il)rcfi  SSoterö  cntfprcd^cnben  unb  mit  bcm  95or^ 
l^anbenfein  c^cUd^cr  2lbfömmlingc  beö  legieren  vereinbaren  3wecfeÄ  mürbe 
ofine  3loil)  in  Dielen  gällen  unmöglid^  gemod^t,  wenn  beim  SBorl^anbenfein 
e{)elid^er  älbfömmlinge  bed  unel^elid^en  SSaterö  bie  Segiiimation  unbebingt  an&^ 
gefc^loffen  fein  foUte.  Der  ®efi(^tdpunft,  bafe  in  foldjcn  gäUen  bie  Segitimotion 
ben  l)äudli^en  ^rieben  gefä^rben  fönne^  fann  old  ftid^^altig  nid^t  angefe^ca 
werben.  2lud^  im  gaUe  beö  9lufifd^luffed  ber  Segitimation  fonn  bem  une^e« 
li(i^en  9Satcr  nid^t  »enoe^rt  werben,  baß  unel^elid)c  £inb  in  feine  gamilien^ 
gemcinfdöaft  aufjunetimen.  3^*^^^  fonn  in  fold^en  gälten,  in  meieren  bie 
Segitimation  fx6)  olö  unangemeffen  erroeift,  bie  Staatögcroatt  bie  ©tielid^feits*^ 
erflärung  nac^  freiem  (Srmcffcn  üerfagcn.  ©ine  anbere  unten  befonberö  ja 
erörternbe  grage  ift  eö,  ob  eö  fic^  emppetilt,  bie  e^elid^en  Slbfömmlinge  bed- 
Segitlmirenben  burd^  befonbcre  Seftimmungen  gegen  aSerfürjung  in  i^rcm 
©rbred&te  ju  fd^üßcn. 
une^eiic^feit  2.  Sine  begriff ömöfe ige  aSorauöfefcung  ber  Segitimotion  burd^  (S^elic^* 

^mi«nbef'feitöcrftärung  ift  bie  Une^elid^feit  beö  ju  tegitimirenbcn  Äinbcö  unb  bie  SBater^ 
Äinbefi.  ^(j^dft  bcöienigen,  beffen  Äinb  für  ein  e^elic^e«  erflärt  werben  foU.  9lnlangcnb^ 
bie  geftftellung  ber  SSaterfd^aft,  fo  wirb  in  biefer  ^infid^t  auf  bie  üßotioe  ja 
§§  1585,  1593  S3ejug  genommen.  3luö  bem  ©rforbeniiffe  ber  Unc^elic^feit 
beö  }u  legitimirenben  Äinbcö  ergiebt  fi^,  bafe  ein  Äinb,  melc^eö  jmar  ia 
SBirflic^feit  ein  unel^elic^eö  Äinb  beöienigen  ift,  roeldjer  bie  (S^elid^fcitöerflärung. 
beantragt,  noc^  ben  SBorfd^riften  über  bie  efieli^e  Slbftommung  {§§  1471 
biö  1473)  ober  olö  ein  el^elid^efi  Äinb  gilt,  nid^t  burc^  ©^elic^fcitöerflärung. 
legitimirt  werben  fann.  9lu^  bann  ift  bie  Segitimation  burd^  @^eli(^feitd^ 
erflärung  auögefc^loffen,  wenn  baö  Äinb  oor^er  auf  (Srunb  einer  Segitimation 
burc^  nad^folgcnbe  @f|e  ober  burd^  (S^elic^feit&erflärung  bereite  bie  red^tlid^ 
Stellung  eines  e^elic^en  Äinbcö  im  33er^ältniffe  ju  einem  Slnberen  erlangt  f)air 
in  biefen  göllen  iebod^  nid^t  beöl^alb,  weil  badfelbe  baburd^  aufgehört  ^ätte^ 
ein  une{|elid)eö  ju  fein^  fonbern  bed^alb,  weil  bereits  jener  älnbere  nac^  bea 
§§  1580,  1593  als  ber  JJater  beS  une^elid^en  ÄinbeS  gilt,  mehrere  ^^^rfoncn. 
aber  nid^t  SSäter  besfclben  Äinbes  fein  fönnen  (oergl.  ÜKotioe  ju  §  1579  obca 
©.  921). 
2e«itimation  3.  DoS  ffid&f.  ®.  95.  §  1783  (ocrgl.  aud^  ^eff.  (Snim.  III  Slrt  63;  itaL 

«fetti^Hnfle  ®-  ^-  ^'^*-  ^^^)  '^6*  ^"^  "^^  "^^  ^^^  ^^^^  ^^^  unel^elid^en  ÄinbeS  eine 

bed  »erfkorbe.  ®l^elic^feitSerf törung  ju  ©unften  ber  e^elic^en  Slbfömmlinge  bcsfelben  5U.   Gin. 

nen  ftinbe«.  jg^jj^^^^^^^  ^^^  änologie  beS  §  1582  eine  folc^e,  t^otfö^lid^  bie  ©fielid^feit«* 

erflärung  ber  ®nfel  juloffenbe  Seftimmuug  aufjune^men,  liegt  Jebocö  ni^t 

oor.    3lud)  ben  übrigen  in  2)eutfd^lanb  geltenben  SRed^ten  ift  eine  berortige 

Sluöbe^nung  ber  Segitimation  burd^  SReffript  fremb. 

Segitimation  4.  S)er  ©utwurf  fenut  in  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  SRed^te^ 

SeJ  S.  ^^^  P^^wfe-  31.  2. 5».  (oergl.  jeboc^  II,  2  §  608)  unb  bem  fäc^f.  ®.  93.  feine 

®^elid)feitöerflärung,  burdö   welche  auf  9lntrag  ber  3Jlutter  bas  une^eli^e 

Äinb  für  ein  c^elid^es  ftinb  feiner  SKutter  crflärt  werben  fönntc,  wä^renb  ber 

l^cff.  Cntw.  III  airt.  63  (oergl.  auä)  ital.  ®.  93.  3lrt.  198  3lr.  1)  aud^  eine 

fold^c  Gdelid^feitSerflorung  jutöfet.     SJom  Stanbpuufte  beS  ®ntwurfes  auS^. 


e^clic^fcitterfrcirunö.    Äarafter.    SBirfung.    §1583.  933 

TtQc^  loeld^cm  baö  uncfielid^e  Äinb  gegenüber  ber  2Rutter  unb  bereu  SSerroaubteu 
of)nc^in  im  SGBefcntli^en  bie  red&ttid^e  ©teHung  eines  e^clid^cn  Äinbeö  ^at 
(§§  1568—1570),  fef^lt  eö  an  einem  »cbürfniffe,  eine  foI(^e  e^erid^feitö* 
erflärung  sujulaffen,  jumol  bie  une{|cHd&e  SWutter  nad^  bem  ©ntmurfe  (§  1602) 
Ttic^t  bel)inbert  ift,  i^r  une^elid^eö  ftinb  an  ÄinbeSftatt  anjunetimcn  unb 
it|m  baburd^  bie  red^ttid^e  SteQung  eined  el^eüd^en  ^inbeö  i^r  gegenüber  gu 
Derfd^affen. 

5.  3n  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  SRed^te  unb  ben  übrigen  in  ©«^anbiun« 
^eutfc^Ianb  geltenben  fHe6)Un  (üergl.  mürttemb.  S.  SR.  IV,  17  §§  2—6  nebft  "^*  ZT"^ 
ben  roürttemb.  ©efefeen  v.  22.  3uni  1807  unb  o.  24.  Sanuar  1807  2lrt.  7,  15; 
i>ax)x.  2.  91.  I,  5  §  9;  preufe.  31.  2.  SR.  II,  2  §§  601,  602  unb  Silier^,  (grlafe 
V.  25.  9lpri[  1870;  öfterr.  ®.  93.  §  162;  fäd[)f.  ®.  ».  §  1783)  bcftimmt  ber 
§  1583  3tbf.  1,  bofe  bie  ©^elic^feiteerflärung  nur  burd^  eine  5Jerfügung  ber 
^taatdgeroalt,  fei  es  beö  2^räger«  berfelben  ober  eines  bc(egirten  Drganeö 
<§  1584),  erfolgen  fann,  unb  jroQr  bcljanbelt  ber  ©ntmurf  nad&  bem  SSorgangc 
ber  ongefü^rten  ©efefegebungen  unb  im  ©iuRange  mit  ber  l&errfc^enben  9lnfid6t 
i>ed  gemeinen  Stentes  bie  ©^elid^teilSerKärung  als  eine  Onabenfod^e,  fo  bafe 
boö  freie  ©rmeffeu  ber  Staatsgeroalt  unter  Serüdtfic^tigung  oHer  Umftänbe 
barüber  entfd&eiben  foll,  ob  bem  SIntragc  auf  ß^elid^feitScrHärung  ftattjugebcn 
ober  bie  legtcre  ju  Derfogcn  fei  (§  1592).  S)ie  l^ier  in  SHebe  fte^enbc  2egitimation 
itodf)  3lnalogie  ber  aSorfd^riften  über  bie  3lnnaf|me  an  ftinbesftott  (§§  1616 
bis  1619)  allgemein  ober  roenigftens  nad&  bem  £obe  ber  ÜRutter  bes  SlinbeS 
lebigfi^  auf  @runb  eines  red^tSgefd^aftUd^en  Slftes  beS  33aters  sujulaffen, 
fofern  nur  im  Uebrigen  bie  gefeglid^  beftimmten  SSorauSfegungen  ber  (Sf)t^ 
tid^teitserßarung  Dorliegen,  mürbe  im  ^o^en  ®rabe  bebenflidö  fein  unb  ins^ 
bcfonbere  bie  ®efal)r  mit  ftd)  bringen,  bie  im  SSotte  ^errf^enbe,  oon  ber  be* 
fteöenben  ®efefegebung  get^eilte  unb  gefd^üfete  Slnfd^auung  oon  ber  f)o^tn 
fojialen  SBebeutung  unb  üon  ber  $eilig!eit  ber  ®I)e  ju  erfc^üttem  unb  bas 
Äonfubinat,  überhaupt  bie  au§erel)elid^e  ®efd^Iec^tsgemeinfd^aft  ju  bef orbern. 
3m  ^inblide  auf  biefe  ®efaf)r  fann  eine  Slusna^me  oon  bem  roid^tigen  ®runb* 
fafte,  bafe  bie  fjcroorragenbe  SRed^tsftellung  eines  etiefi^en  ÄinbeS  auSfd^Iie6tid& 
auf  ber  6t|c  jmifd^en  ben  ©Item  besfelbcn  beruht,  nur  üon  bem  SCräger  ber 
Staatsgeroalt  ober  einem  belegirten  Organe  berfelben  jugelaffen  werben.  3)ie 
Slnalogie  ber  Slnna^me  an  Äinbesftatt  trifft  in  bicfer  SBejie^ung  ni^t  ju; 
benn  roenngfeid^  ber  ©ntrourf  bie  3lboption  eines  une^elid&en  ftinbes  burd^ 
bcffen  S3atcr  iuläfet  unb  bie  SKnnafjmc  an  Äinbesftatt  nic^t  als  ®nabenfa(^e 
bef^anbelt,  fo  fommt  bod)  anbererfeits  in  Setrad^t,  bafe  bie  Slnnal&me  an 
Äinbesftatt  an  roeit  ftrengere  gefefelid^e  SSorausfefeungen  gefnüpft  ift.  Sei  ber 
2egitimation  burd&  ©fieUd^fcitSerflftrung  aber  laffen  fid^  bie  SorauSfegungen, 
unter  roeld^en  biefelbe  allgemein  t)om  ©tanbpunfte  bes  öffentüdben  3ntereffes 
aus  als  unbebenflid&  }u  erad^ten  ift,  im  SBorauS  nid&t  burd^  ®efe6  genau 
prä5ifaren.  SCuf  ber  anberen  Seite  betrad^tet  inbeffen  ber  ©ntrourf  bie  aSer- 
fügung  ber  Staatsgeroalt  nid^t  als  eine  eigenttid^e  lex  specialis  in  bem  Sinne, 
bafe  bie  (SfielicfefeitSerfläruug  roirffam  ift,  aud&  roenn  es  an  einem  gefejlid^en 
©rforberniffe  berfelben  fel)lt;  Dielme^r  bifbet  ber  bas  Sefenntnife  ber  aSaterfd&aft 
entl)altenbe  Slntrag  bes  5Jaters  auf  ®()elid)feitserflärung,  rocld)er  fic^  als  eine 


934  @]^Hd&fett§erfIaruiig.    RaxOitt,    fflirfuna.    §1583. 

red^tögefc^fiftlid^e  @rf(ärung  begfctben  barfteUt  bic  ©runblaf^e  ber  (Sf)tlxd)UH&f^ 
crfiärung,  ju  njelc^cr  bic  SScrfügung  ber  8tQotegeroalt  a(ö  ein  kti  freier 
©nobe  unb  ald  S3eft(itigung  ber  SBiQenöernärung  bed  Soterd  {linjutreten  mu^ 
(ücrgl.  §§  42,  62,  701).  D^ne  biefc  Seftätigung  ift  bic  SBiUctiSerHärung  bc* 
Katers  DoUftänbig  noirfungdto^ ;  anbererfeitö  ift  aber  aud^  bie  bur^  bie  SBer^ 
fügung  ber  StaatögciDolt  iugclaffenc  @^eU^feitdernärung  nac^  SRaggabe  bei^ 
§  1593  unroirffam,  iDcnn  jene  SBittcnderMärung  beö  3Soterö  ober  ein  fonftigeft 
mä)  bem  ©efege  roefentli^eö  ©rforberniB  ber  ©^cU^tcitderHärung  fel^It. 

sBirfuitfl  ber  6-  STtttangcnb  bic  gSirfungen  ber  Segitimation  burd^  (g^cüd^fcitöcrMärung^ 

8e«ittmotion.  fo  f^abtxi  in  bicfcr  SBejie^ung  bie  beftel^enben  SRed^te  ücrfc^iebcnc  SBege  ein? 

*äSt**  gcf^Iagcn.  ©emcinrci^tUd^  f|at  bie  Segitimation  burd^  Sleffript  in  aUen  S3c*^ 
jie^ungen,  nid^t  nur  im  SScr^öItniffc  }n)if^en  bem  une^elid^en  ftinbe  unb  beffen 
aSotcr,  fonbcm  oud&  im  Sßer^ältniRe  ämif(^en  bem  erfteren  unb  bcn  SBenoanbten 
befi  legtercn  ate  Surrogat  ber  Segitimation  burc^  nad&folgenbc  6^e  bie  SBir* 
fungen  biefer  Segitimation  (ocrgL  auc^  l^eff.  @niXD,  III,  Slrt.  63).  ©ine  jroeite 
©ruppe  t)on  Sichten  lögt  burd^  bie  ^ier  fraglid^c  Segitimation  bie  äBirfungen 
ber  e^elic^en  SBermanbtfd^aft  nur  im  SSer^öltniffc  jmifc^en  bem  unc^elid^en 
Äinbe  unb  befjen  SBatcr  5ur  ©ntfte^ung  fommen  (roürttemb.  S.  9i.  IV,  17 
§§  2—6;  öftcrr.  ®.  83.  §§  162,  753,  756;  oergl.  auc^  baqr.  S.  91.  I,  5  §  » 
?lr.  3,  III,  12  §  2  3lv.  11).  5lad^  einer  britten  ©ruppe  üon  SRed^tcn  be* 
grünbct  bie  Segitimation  bur^  @^clid^teitöerf[ärung  traft  bed  ©efeged  ein  c^e» 
Ud^cS  SJermanbtfd^aftöDcr^ältnife  nur  jroifc^cn  bem  und^elic^en  Äinbe  unb  beffen 
3lbfömmlingcn  cincrfcitö  unb  bem  unelieüc^en  93ater  unb  bcffen  2lbfommIingen 
anbererfeitö.  3^^if^c^^  ^^^  une^clid^en  Jlinbc  unb  bcffen  StbfömmUngen  einer? 
feit«  unb  ben  fonftigen  SSermanbten  bcö  SBaterö  anbererfeitö  wirb  bagegcn  ein 
$em)anbtfc^aftöi)er()öltni6  nur  infomeit  ^ergefteUt,  a(d  bie  (enteren  cinjctn,. 
bejiD.  in  ber  gorm  cineö  gamilicnocrtrageö  ber  Segitimation  jugeftimmt  I)aben 
(oergl.  preufe.  31.  S.  SH.  II,  2  §§  603—608;  fäd^f.  ®.  ».  §§  1783, 1808,  1841, 
2021—2025;  ferner  in  erbred&tU^er  ^injt^t  roeimar.  ®ef.  t).  6.  9lpril  1833 
§§  22—26,  58;  fonbcrö^.  ©utscfftonöorbn.  o.  8.  S5e5ember  1829  §§  28—31; 
altenb.®ef.  ü.  6.  Slpril  1841  §§  24—28,  64;  got^.  ®cf.  x>.  2.  3anuar  1844 
§§  24—27,  33;  ®ef.  für  SHcufe  j.  S.  o.  10.  5Dejember  1853  §§  23-26,  59; 
SDlommfcn,  erbrec^töcntio.  §  26). 

etanbvunft  2)er  entmurf  (§  1583  Slbf.  2,  §  1596  3(bf.  1)  Dcrbinbet  mit  ber  Scgiti? 

entwürfe«  ^ö*^ö"  ^"^^  S^clic^fcitöerflärung  nic^t  bie  ooUen  SBirfungen  ber  Segitimation 
burc^  nad^folgenbc  ©f)c  (§  1579),  fonbern,  entfpred^cnb  ber  in  bem  über* 
beT'  micgenbcn  2^^cilc  S)eutfd^lanbd  eingetretenen  Sled^töentroidfelung,  ö^nüd^  mic 

sermanbten  Jet  bcr  Sluna^mc  ou  Äinbcöftatt  (§§  1601,  1620  Sffbf.  1),  nur  minbere  SBir? 

^  "**^'  fungen,  nömli^  nur  ein  SBcrmanbtfdiaftöoerpItnife  jmifd^cn  bem  une^cli^en 
Äinbc  unb  beffen  Slbfömmlingen  cincrfcitö  unb  bem  unel^eUd^cn  SBater  anberer? 
feitö.  2)ic  SwlöfRofcit  einer  (grrociterung  biefer  9Birfungcn  burd^  SBcrtrag  mit 
ben  SJcrroanbtcn  bcö  SSatcrö  ift  auögefc^IoRcn.  S)iefe  2lrt  ber  SHcgcIung  genügt 
bem  Sebürfniffe  unb  ^at  ben  SSorjug  ber  6infad^l)eit  für  fi^.  S)er  S^^d  bcr 
Segitimation  burd^  e^clid^feitöerfWrung,  bie  3of)l  ^^^  une^cUd)en  Äinber  ju 
oerminbcrn  unb  bem  unel)elid^cn  SSater  bie  ®clegen^eit  ju  geben,  fein  Unre^t 
mieber  gut  ju  mad)en  unb  ben  ftinbern  eine  9Bo^lt^at  ju  errocifen,  mirb 


Ser^Altnil 
JU 


ejelid&feit^crflärunö.    Äarafter.    SBirfung.    §1583.  935 

burc^  icnc  Oeftaltung  bcö  SBerl&ältniffeft  in  außrci^enbcm  aWafec  crreid^t.  ®ö 
ift  Qufeerbem  bcbcnflid^,  auf  bcn  einfciticjen  Slntrag  beö  33atcrö,  wenn  ax\6) 
mit  einroiUigung  beö  Äinbcö,  baö  für  cf^cUd^  ertlärtc  imcl^cli^c  Äiub  of)ue 
SBcitcrcfi  in  bic  Däterlid^e  gamilie  eintreten  ju  laffen  unb  i^m  baburd^ 
ein  @rbrcd)t  gegenüber  ben  SBenoanbten  bcö  SSoterö  ju  oerfc^affen  unb  ben 
leiteten  bic  gcfefilic^e  Unterl^Qltöoerpflid&tung  gegenüber  bem  J^inbe  aufjueriegen. 
2)iefe  Sebenfen  werben  allerbingö  befeitigt,  wenn  man  beftimmt,  bofe  jmif^cn 
bem  unef^elid^en  ftinbe  unb  beffen  3[bf5mmlingen  cinerfeits  unb  ben  SSermonbten 
bcö  aSoterd  anbererfeitö  ein  SBerroanbtfdioftßoerl^äftnife  nur  inforoctt  begrünbct 
wirb,  ate  fie  ber  fiegitimation  jugeftimmt  {|aben.  2tUein  eine  berartigc  95^» 
ftimmung  bringt  auf  ber  anberen  Seite  ben  SJlad^t^eil  mit  pd^,  ba§  baburd^ 
ba«  93crf|ältni6,  wenn  nid^t  fämmtlic^e  SSermanbte  beö  SBaterö  jugeftimmt 
l&abcn,  ein  fomplijirtcö  werben  fann  unb  ber  cin^eitlid^en  ©eftaltung  entbelirt. 
2)iefe8  Scbcnfen  fällt  jmar  weg,  menn  man  mit  bem  preufe.  31.  2.  SR.  II,  2 
§§  604,  605  ben  eintritt  bcd  unehelichen  Äinbeö  in  bie  Doterli^e  gamilic 
üon  einem  gamilieuDertrage  abf)ängig  mac^t.  ©ine  fold^c  SBeftimmung  ift  aber 
o^ne  erlieblic^e  praftifd^e  93cbeutung,  ba  bie  ©inroiDigung  einer  ganjen  gamilie 
fläufig  nur  fd^mer  ober  überl^aupt  nid^t  ju  bewirten  ift  (oergl.  ©efeferet)., 
^enf.  XV  S.  162).  ®egcn  bic  3lufna^me  beö  ^nftituteö  beö  ^ami(ient)ertrageö 
JU  bem  bejcid^netcn  ^totic  fprid&t  aufeerbem,  bafe  biefelbe  eine  SRcil^e  roeiterer 
aSorf^riften  barübcr  nötbig  mad^cn  mürbe,  in  roeld&er  9lrt  ein  alle  gamilien« 
mitglieber  binbenber  gamilicnücrtrag  ju  ©tanbe  fommt.  aBoUen  baö  Äinb 
unb  bie  aSermanbten  beö  SBatcrö  in  erbred^tU^e  SBejie^ungen  treten,  fo  bleibt 
i^nen  ber  SSbfd^Iufe  üon  ©rbeinfefcungöücrträgcn  nadft  aWafegabe  beö  ©rbred^tcö 
unbenommen. 

Slbroei^enb  von  ber  Slnnai^me  an  Äinbeöftatt  (§  1620  3lbf.  1),  foH  bie  «« *>«!  «*• 
Segitimation  burd^  G^end&feitSertlärung  fraft  ©efefecö  auc^  jmifd^en  ben  jur  b«  ÄinSS! 
3cit  ber  ®f)elid^feitßcrfiärung  bereits  üorl^anbenen  Slbtommlingcn  bcd  unel^elid^en 
Äinbcö  unb  bem  aSater  beö  le^tcrcn  ein  aSermanbtfd&aftöoertiöltnife  begrünben, 
ofinc  bafe  es  baju  ber  ©inmiUigung  biefer  Stbfommlingc  bebarf.  5Der  ^xotä 
ber  Segitimation  mürbe  fonft  nur  ungcnügcnb  erreid^t  roerben,  namentlid^  in 
fold^en  göDcn,  in  meldten  baö  unel|eücf)e  Äinb  mit  ^interlaffung  t)on  SÄbfömm^^ 
lingcn  oor  bem  unefieli^cn  SSater  pcrftirbt.  Daju  fommt,  bafe  eö  [xd)  ^ier, 
unb  jmar  im  aBcfentlid^en  ju  ©unften  beö  unehelichen  ftinbed  unb  ber  Stt* 
fbmmlinge  beöfelben,  um  bic  red^tlidfic  3lnerfcnnung  cinefi  natürlid&en  aSer^ 
^ältniffeö  ^anbelt,  rocld^cö,  ber  9latur  ber  ©a(fte  entfpre^enb,  t^unlid^ft  au^ 
red^tlic^  cin^citlid^  ju  geftalten  ift.  2Rit  bem  ©ntrourfc  ftimmen  infomeit  aud^ 
baö  gemeine  SRcc^t,  baö  preufe.  St.  2.  91.  unb  baö  fäd^f.  0.  S3.  überein. 

9luö  bcn  aSorfd^riftcn  beö  §  1583  9lbf.  2,  beö  §  1596  Slbf.  1  in  SBcr^  ^^l^ 
binbung  mit  ben  SSorfc^riften  beö  §  30  3lbf.  3  unb  ber  §§  1965,  1975  folgt  ^Ä'unT 
inöbcfonberc,  bafe  burd)  bic  l^ier  in  SRcbe  fte^enbc  Segitimation  jroifd^en  bem  ©eitenbe« 
unebeli(f)en  Äinbc  unb  bcffen  2lbfömmlingen  einerfcitö  unb  bem  une^elid^en     ««**• 
aSater  anbererfeitö  aud^  in  crbrcd[)t(id^er  S3ejicl^ung  baöfelbc  red&tlid^e  SSer^ältnife 
begrünbct  wirb,  wie  wenn  baö  legitimirtc  Äinb  ein  ctielidjeö  märe.  aSerfd^iebenc 
JHcc^te,  meldte,  wie  ber  ©ntmurf,  auc^  beim  aSorIjanbenfein  e^elid^er  58[bfömm= 
lingc  beö  unct|elid&en  aSatcrö  bic  Segitimation  cincö  uncfielid^en  Äinbcö  burd) 


936  (SbeIi(i6feitSerfIdrunö.    Äarafter.    SBirfung.    §1583. 

efldid^fcitöcrfläninfl  jutoRcn,  finb  bcftrebt,  bic  crbrcd^tUd^cn  3ntcrcRcn  ber  jur 
3cit  ber  Scgitimotion  bereite  Dor^onbeitcn  elieli^en  Slbfömmlinge  gegen 
Seeinträ^tigung  burd^  bic  ^ier  in  Siebe  fte^enbe  Segitimation  ju  fd^ü^en.  ©o 
beftimmt  boö  roürttcmb.  £.  %  IV,  17  §§  3, 4,  ba§,  wenn  in  bem  fiegitimotionfi« 
reffripte  nid^t  Quöbrüdtlid^  erroö^nt  fei,  ba§  bie  Segitimation  trofi  beö  93or* 
^anbcnfeinö  ber  etielic^en  Stbfömmtinge  erfolge,  bafi  legitimirte  Äinb  neben 
bcn  lefeteren  fein  ®rbred^t  gegenüber  bem  une^etid^en  SBoter  ^aben  foDe. 
3la6)  bem  preufe.  21.  2.  9t.  n,  2  §  607  foD,  roenn  ber  aSater  jur  3eit  ber 
Scgitimotion  fd^on  e^elid^e  3)efjenbenten  ^atte  unb  er  in  ber  gotge  einem 
berfelben  nur  bcn  5ßflid^ttt)eil  Iiinteriäfet,  bei  ber  »ered^nung  beö  Ie|teren  baö 
legitimirte  Äinb  nid^t  mitgejä^tt  werben,  gemer  fc^reibt  bo«  oltenb.  ®ef. 
0.  6.  3lpri(  1841  §  24  üor,  ba^  bei  Äonfurrenj  üon  e^elid&en  Äinbern 
iebes  ber  feftteren  ab  intestato  boppelt  fo  t)ict  a(ö  iebeö  ber  legitimirten  Äinber 
erben  foD  unb  bafe  bie  eJ^etid^en  Einber  unter  allen  Umftönben  bcn  i^nen  ol^ne 
^injurec^nung  ber  tegitimirten  Äinber  gebü^renben  5ßflid^tt^ei[  unoerfürjt 
l^aben  fotten. 
©tanbpunft  S)er  ©utmurf  l^at  in  Uebereinftimmung  mit  bem  ofterr.  (S.  95.  §§  753, 

«nt»«fe«.  756  unb  bem  fäd^f.  ®.  93.  §  2021,  fomie  mit  ber  Tlef)Xiaf)l  ber  oben  6.  943 
ongefü^rten  ©rbfolgegefefec  ber  t^üring.  Staaten  berartige  befonbere  SSor* 
fd^riften  jum  ©d^uge  ber  erbre^tlic^en  Sntereffen,  inöbefonbere  bcö  ^flid^t^ 
t^eiförec^te«,  ber  jur  3cit  ber  Segitimation  bereit«  Dor^anbenen  e^elid&cn  Slfc 
fömmlinge  beö  uncl^elid^en  aSaterö  nid^t  für  erforbcrlid^  erad^tet.  (Segen  fold^e 
3Sorfd^riften  fpri^t  von  Doml^crein,  ba6  bie  l^ier  fraglid^e  Seeintrad^tigung 
beö  ®rbred&te«  unb  5ßf(id^tt^eiferec^teft  nid^t  bie  Statur  einer  Sied^töoerle^ung 
f)at,  ha  ben  beeinträd^tigten  5ßerfonen  ein  jus  quaesitum  auf  ben  ber  bamaligen 
©ad^Iage  entfpred^enben  ©rbt^eil  bejn).  5|$f(id&ttl^eU  nic^t  jufte^t.  S)aju  fommt, 
bafe  ber  ©ntrourf  bie  ®^elid^feitöerf(ärung  als  eine  von  bem  freien  ©rmeffen 
ber  ©taatögemalt  abl^ängenbe  (Snabenfad^c  bel^anbeU.  2)aburd^  ift  bie  3R5g« 
lic^feit  auögefd^Ioffen,  bag  bie  @l^e(ic^feitdert(örung  miQfürlid^  baju  migbraud^t 
mirb,  um  SBcränberungen  in  ben  bie  ©eftaltung  bcö  5ßfItdött^eUöred&teö  bc* 
ftimmenben  9Sorauöfe|ungen  ber  Snteftaterbfotge  ^erbeijufü^ren.  3lud  äl)nlid&en 
©rünben  \)at  ber  Entwurf  auc^  üou  befonberen  93eftimmungen  5um  ©d^u^c 
beö  5ßflid^tt^cifercd^ted  ber  3)tutter  beö  une^clidtien  Äinbeö  (oergt.  got^.  (Sef. 
t).  2.  Sanuar  1844  §  33),  bcö  ^flic^ttl^eildre^teö  bcö  jur  3cit  ber  Segitimation 
bereitö  Dor^anbenen  @l)egatteit  cineö  für  el^elid^  crflärten  Äinbeö  ober  eineö 
feiner  3lbtömmlinge,  foioic  jum  ©d^ufee  beö  ^ßflid^tt^eilöred^teö  ber  (S^efrau 
beö  unehelichen  SSaterö  unb  ber  ©Item  beöfelben  abgefetien.  3n  Slnfc^ung  ber 
S^efrau  bcö  uncliclid^en  SJaterö  tritt  ju  ben  angefülirten  ©rünben  nod)  ber 
weitere  (Srunb  tiinju,  ba§  nad^  §  1587  ju  ber  S^elid^feitöerflärung,  fofern  ber 
aSatcr  ücrl^ciratl^iet  ift,  bic  einioilligung  ber  ®^efrau  beöfelben  erforberlic^  fein 
foD.  ^m  ^inblicte  auf  bie  Dorfte^cnbcn  ©rmägungen  fel)lt  eö  aud^  an  einem 
S3ebürfniffe,  nad&  bem  ajorgange  beö  fäd^f.  (S.  33.  §  2051  unb  einiger  ber 
oben  ©.  934  angeführten  t^üring.  ©rbfolgegefcfie  für  ben  %aU,  bafe  bie  ©^e« 
frau  bei  ber  93eerbung  bcö  @l)cmanncö  nur  mit  e^elid^  crflärten  Äinbern  ju^ 
fammcntrifft,  eine  errociterung  beö  gcfefelid&cn  ©rbred^teö  ber  ®^efrau  ein« 
treten  }u  laffen. 


e6cfi(i6feit«ei:ttärung.    Suftänblgfcit.    antrafl.    §§  1584,  1585.  937 

2)urd^  bic  öcftimmunß  beö  §  1583  Slbf.  2  foU  übrigen«  bcr  grage  ni^t 
präjubiilrt  rocrbcn,  ob  unb  inToictDcit  unb  mit  welchen  SBirtungcn  beim  ^of)en 
Slbcl  eine  fiegitimation  burd^  ©J^elid^feitöerflärung  5uläffig  ift,  ferner,  ob  bic 
legitimirten  fiinber  bcn  Ulbelftonb  befi  SSaterS  imb  Sulieffionöred^te  in  Selben, 
gibeifommiffc,  ©tamm*  unb  ©Querngiiter  erroerben.  3n  biefen  S3cjiel^nngen 
finb  bic  crforberUc^en  SSeftimmungen  bcm  6infüf|rungdgcfc|c  oorbe^olten. 

§  1584. 
(Semeinred^tlid^,  foroie  naäf  bem  öfterr.  ®;  39.  §  162  unb  bcm  fäc^f.  3«nÄnbiflfeu. 
©.  S.  §  1783  erfolgt  bic  S^elic^fcitöerMärung  burd^  ben  Sanbcö^crrn,  in 
^ßreufecn  burd^  bcn  Suftijminiftcr,  fofcrn  eö  fic^  jebod^  um  bic  ^ü^rung  eincö 
obeligen  ?Ramenö  ^anbelt,  burd&  bzn  Äönig  (prcufe.  31.  2.  SR.  II,  2  §  601; 
SBlerl^.  erlafe  ü.  25.  3lpril  1870),  in  gCBürttcmberg  bur^  bic  (Scripte  unb 
nur  bei  abeligcn  5ßerfoncn  burd^  ben  König  (mürttemb.  ©efefee  o.  22.  3uni  1807 
unb  ü.  24.  Sonuar  1879  3lrt.  7,  15),  in  Hamburg  (SSorm.  D.  v.  14.  S)e5 
jcmbcr  1883  ärt.  65)  burd^  ben  ©cnot.  SKit  SHücfTid&t  barauf,  bafe  ber  ©nt* 
rourf  bic  ©^cUd^fcitöerHärung  alfi  eine  ©nabenfa^c  bc^Qnbclt,  fomie  mit  9tüdE? 
fid^t  auf  bic  aScrfc^iebenl^eit  ber  ©cfeftgebungen  in  ben  cinjelnen  beutfd^en 
Staaten  bcftimmt  ber  §  1584,  bag  bie  3«ftänbigfeit  ju  ber  e^did^feitöcrflärung 
pc^  nad^  ben  Sanbeögefeftcn  richten  foU.  9lur  infomeit  regelt  ber  §  1584  bie 
Suftänbigfcitöfrage  jur  SJcrmcibung  t)on  ÄoUifionen  rcid^dgefefelid^,  als  er  auö* 
fprid^t,  bafe  bie  6f)elic^feitöcrflärung  bcmjenigcn  Staate  jufte^t,  meld^em  ber 
93atcr  angcprt.  S)ag  bic  Staatdange^örigteit,  unb  jmar  bie  bed  SSatcrö  tnU 
fd^eiben  foU,  red^tfertigt  fid^  burd^  bic  9latur  ber  S^cüd^feitdcrnörung  ate  einer 
©nabenfad^e  in  93crbinbung  bamit,  bag  bad  bur^  bie  Legitimation  begrünbete 
gamilicnpcr^ältnife  feine  SBirfungcn  übermiegenb  in  bcm  ©taatc  äußert,  welchem 
bcr  SSatcr  angeprt.  3"^^"^  P^^t  l^i^fc  Siegelung  im  ®inflange  mit  bcm  §  4 
bed  SH.  ©cf.  über  bcn  ®m)crb  unb  bcn  33crluft  bcr  ©taatöangc^örigfcit 
V.  1.  3uni  1870,  nad^  mc(d^em  bad  (egitimirte  jtinb  bie  Staatöange^örigfcit 
bcö  Satcrö  geminnt. 

§  1585. 
3n  Ucbereinftimmung  mit  bcm  gemeinen  SHcd&te  unb  ben  neueren  ©efcfe^  «ntro«  m 
gebungen  mad^t  bcr  §  1585  bie  (SficIidöfcUßcrflarung  t)on  bcm  9lntragc  beö    *"**'*" 
unc^elid^cn  SBatcrö   abhängig  (ocrgl.  bo^r.  S.  9J.  I,  5  §  9  SJlr.  3;  preuß. 
St.  S.  9i.  II,  2  §  601;  oftcrr.  ©.  33.  §  162;  fäd&f.  ®.  93.  §  1783).    95on  bcm 
gemeinen  Siedete  unb  bcm  fä(ftf.  @.  33.  §  1784  meidet  ber  ©ntrourf  jcboc^  in« 
fofcrn  ah,  ald  bie  ©^cUd^fcitöcrflärung  nad^  bem  festeren  nur  auf  SKntrag  beö 
SBaterö  erfolgen  fann,  mätirenb  jene  Siedete  für  bcn  gall,  mcnn  bcr  SSatcr  in 
feinem  3;cftamcntc  bcn  SBlUcn,  bafe  bafi  Äinb  ein  c^cUd^cö  fein  foUc,  auö* 
gcfprod^cn  ^at,  aud^  bcm  Jlinbc  baß  SRcd^t  geben,  nad^  bcm  2^obc  bcö  SBatcrö 
bic  (g()e[id^fcitöcrflärung  ju  beantragen.    9lad&  bcm  fäd^f.  ©.  ©.,  rocid&cö  pd& 
in  biefer  ^infid^t  einer  au^  für  baö  gemeine  9tc(ftt  ucrtrctcncn  9lnfi^t  an* 
gcfd^Ioffcn  ^at,  fann  in  bcm  bcjcic^nctcn  gaUe  au^  bic  SJluttcr  bcö  Kinbcö 
ouf  bcffen  ©^clid^fcitöcrHänrng  antragen. 


928  Seßitimation  bur$  nac^folflenbe  ®5c.    UnGÜltigc  ®6c.    §  1581. 

©d^liefeung  ber  6^c  geboren,  aber  üor  ©djiiefeung  berfclbeti  empfangen  ift 
(§  1470).  S)ic  Orünbe,  auf  roeld&en  biefe  SSeftimmung  beruht  (oergl.  SKotioc 
ju  §  1470  oben  S.  656),  treffen  im  9Befentli(i^en  auc^  f|ier  ju.  a)em  ju- 
fälligen  Umftonbc,  ob  baö  Äinb  furje  ^di  por  ber  (S^efc^üe^ung  geboren 
ift,  fann  ein  fo  tiefgreifenbcr  ©influfe  auf  bie  SRed^töftellung  beöfelben 
nid^t  beigemcffen  werben.  3Rit  bem  ©tanbpunfte  beö  (Sntrourfcö  fte^t  jubem 
überroiegcnb  baö  geltenbe  Siedet,  inöbefonbere  baö  preufe.  Siedet  unb  baö  fäd^f. 
®.  93.,  im  ©inffange. 

«nerfennung  2llö  bebeufUd^  ift  eö  bagegeu  erad&tet  morben,  in  T)em  ^ier  fraglid^en 

oattr'^aft.  S^'^^  ^^^  auöbrürfUd^en  9lncrfcnnung  ber  SBaterfd^aft  üon  ©eiten  beö  6^e^ 
manncö  biefclbc  9Birfung  bcijutegen,  wie  in  bem  gaUe,  menn  baö  ftinb  ixoax 
oor  ber  ®^cfd&ne6ung  empfangen,  aber  erft  naä)  berfelben  geboren  ift  (§§  1470 
biö  1472).  ein  bringenbcö  praftifd^eö  ^ebürfnife,  bem  ©l^emanne  auf  bem 
2Bege  ber  Slnerfennung  ber  SSaterfc^aft  ein  aMittel  an  bie  $anb  ju  geben, 
einem  oon  feiner  ®^efrau  oor  ©d^liefeung  ber  ef)c  bereitö  geborenen,  pon 
i^m  aber  nid^t  erjeugten  Äinbe  in  SSerantaffung  unb  in  Säerbinbung  mit 
ber  (S^efd^üegung  i^m  gegenüber  bie  red^ttid^e  ©tellung  eineö  e^elid^cn 
Äinbeö  JU  oerfdöaffen,  fann  nid^t  anerfannt  werben,  ©ö  mürbe  baburc^ 
gemiffermafeen  eine  befonbcre  9lrt  ber  Slnna^me  an  Äinbeöftalt  ober  ber  G^e« 
(id^feitöerflärung,  jebod^  ol^ne  bie  fc^ügcnben  gormen  bicfer  3nftitute  unb 
mit  rocitergetienben  SBirfungen,  alö  biejenigcn,  meldte  mit  biefcn  3nftituten 
üerbunben  finb,  gefc^affen  merben.  2)ic  33ebenfen,  rocid&e  fid)  bagcgen  er^ 
^eben , '  ber  9lnerfcnnung  ber  33aterf d^af t  eine  f onftitutioc  5E8irf ung  in  bem 
©inne  beijulegcn,  ba§  baburc^  bie  SSatcrfdiaft  olö  unbebingt  feftgefteUt 
gilt,  werben  aud&  bann  nid^t  pöUig  befeitigt,  wenn  man  jene  SBirtung 
oon  ber  3wftimmung  beö  Äinbeö  abhängig  mad^t.  35a6  ein  fold^eö  Snftitut 
burd^  ein  praftifd)cö  SBebürfnift  nid()t  geboten  ift,  fonbern  bie  9latur  ber 
3lnertennung  alö  eineö  53en)eiömittelö  ben  3lnforberungen  beö  praltif^en  fiebenö 
genügt,  ergiebt  ftc^  fd^on  barauö,  bag  feineö  ber  befte^enben  iRed^te,  aud^  ni^t 
baö  franj.  9led6t  (oergl.  code  civil  3lrt.  339),  bei  ber  Segitimation  burd^  nai)^ 
folgcnbe  (gfie  mit  ber  3lnerfennung  fo  meitgel^enbe,  ben  ^erfonenftanb  beö 
Minbeö  änbcmbe  SBirfungen  oerfnüpft  (oergl.  ©ntfc^.  b.  SR.  ®.  in  ©traff.  1, 4, 
XIII,  41). 

§  1581. 

cinfiui  ber  2)aö  gemeine  Jled^t  unb  oerfd^iebene  neuere  ©efcggebungcn  (oergl.  fäd)f. 

""bJ?et''*'  ©.  33.  §  1782;  ^eff.  ©ntm.  III  3trt.  62;  ferner  in  crbred^tlid^er  ^inftd&t  meimar. 
©cf.  0.  6.  9lpril  1833  §§  16,  17;  altenb.  ©cf.  o.  6.  3lpril  1841  §§  17,  18; 
got^.  ©ef.  D.  2.  3anuar  1844  §§  19,  22;  ©cf.  für  SWeufe  f.  2.  o.  lO.Sejembcr 
1853  §§  17,  18)  taffen  bie  SBirfungen  ber  5ßutatioel)e  aud^  ju  ©unftcn  ber 
üor  ber  ©^cfd^liefeung  bereitö  geborenen  uncl)elid^en  Äinbcr  ber  ©Regatten  eim 
treten,  jebod^  mit  ber  aWobififation,  ba6  biefelben  bie  ©tellung  Icgitimirter  Alinber 
erlangen,  ©agegen  entl)alten  baö  preufe.  91.  S.  91.,  baö  oftcrr.  ®.  S.  unb  ber 
code  civil  in  ber  l^icr  fragli^en  ipinfid^t  feine  bcfonberen  SBorfd^riftcn  (oergl. 
preu6.  91.  S.  31.  II,  2  §§  50-57;  5fterr.  ©.  33.  §  160;  code  civU  9lrt.  201,  202). 


i 


Seöitittiation  burt^  nac^f.  ffil&e.    9fBfötnmIm0C  bc8  Äinbc«.    §  1582.        929 

gür  boö  franj,  SRed^t  toirb  inbeffcn  bic  anfielt  üertrctcn,  bofe  burd)  eine 
^utatiDeI)c  and)  bic  üor  ber  ®^e  geborenen  Äinber  legitimitt  werben,  fofem 
ni^t  baö  ß^e^inbernife  bereits  jur  S^it  ber  ©rjeugung  ber  Jlinber  Dorl^anben 
geroefen  fei. 

Diefelben  ©rünbe,  auf  wcld^en  bie  Sorfd^riftcn  ber  §§  1562—1567  be^ 
ru^en,  muffen  bafjin  fül)ren,  auä)  mit  einer  ungültigen  S^e  bie  SBirfungen 
ber  2egitimation  burc^  nod^folgenbe  @^e  nad^  üßaggabe  iener  ^orfc^riften  ju 
Derbinben,  eö  fei  benn,  bafe  bie  ©^e  roegen  eines  gormmangels  bei  ber  ©l^e^ 
fc^Iiefeung  ni(i^tig  ift.  2)ie  Herbeiführung  ber  Segitimation  ber  Äinber  ift  in 
Dielen  göDen  bas  ^auptmotio,  roeld^es  bie  ©Item  ber  Jlinber  ju  ber  ©^c* 
fd^Uefeung  ueronlagt.  ©s  mürbe  eine  grofee  ^orte  fein,  menn  jene  SBirfung 
im  galle  ber  Ungültigfeit  ber  ©^e  DoUftänbig  ausgefd^loffen  mürbe.  3)qju 
fommt,  bofe  es  ein  unnatürlid^eS  aSerliältnife  ift,  menn  bie  Äinber  berfelben 
©Item,  je  nod^bem  fic  x)or  ober  nod^  ber  ©^efd^liefeung  geboren  finb,  eine 
Dcrfci^icbcnc  re^tli^e  Stellung  gegenüber  ben  ©Item  unb  bercn  SSermonbten 
einnehmen. 

§  1582. 

2)ie  Scftimmung  bes  §  1582  entfprid^t  ber  SiDigfeit  unb  ber  Omnb*  sBirfun«  ^tnf. 
läge,  auf  melier  nac^  ber  Sluffaffung  beS  ©ntmurfes  baS  3nftitut  ber  fiegitv^  ^^JbT 
mation  burc^  na^folgenbe  ©^e  beml^t;  fie  fte^t  aud^  mit  ber  üWe^rja^l  ber  «erftortenen 
neueren  ©efefegebungen  im  ^rinjipe  im  ©inllange  (oergl.  preufe.  91.  S.  dt,  II,  2 
§  600;  Code  dvü  3lrt.  332;  fä^f.  ®.  93.  §§  1781,  2018;  ^eff.  ©ntm.  III  Slrt.  61; 
ferner  in  erbrcd^tlid^er  .^infi^t  fonbcrs^.  Sufjefponöorbn.  d.  8.  3)ejember  1829 
§§  26,  27;  meimar.  ®ef.  v.  6.  3tpril  1833  §  18;  altenb.  ®ef.  v.  6.  3lpril  1841 
§  19 ;  got^.  ©ef.  d.  2. 3anuar  1844  §  23;  (Sef.  für  Sleufe  i.  2.  x>.  10.  Dejembcr 
1853  §  19). 

3Ius  bem  §  30  ergiebt  fid^  t)on  felbft,  ba§  ju  bcn  3lbfommlingen  beS 
une^elid^en  Äinbcs  aud^  bie  unel^eli^cn  2tbf5mmlinge  einer  uor  ber  ®^e* 
f^liefeung  üerftorbenen  une^elid[)en  3:od^ter  gehören  (t)ergl.  auc^  §  1568),  nid^t 
bagegcn  bic  unehelichen  3lbfommtinge  eines  unclieli^en  Sof)neS  (fäc^f.  ®.  33. 
§§  1781,  1874),  es  fei  benn,  bafe  bie  lefetercn  burd^  bie  nad^folgenbe  ©f)e 
i^rer  ©Itern  legitimirt  morben  maren  unb  baburd^  gegenüber  bem  SSater  unb 
bcRen  SBermanbten  bie  red^tlid^e  Stellung  e^eli^er  ftinber  erlangt  liatten. 
Segitimation  burd&  ©ficlid^fcitserKärnng  ober  3lnna^me  an  ftinbesftatt  ftetien 
in  biefer  ^inftc^t  ber  Segitimation  burd^  nac^folgcnbe  ©^c  ni^t  gleid^,  mcil 
burd^  jene  3nftitute  iroifd^en  bem  legitimirten  ober  angenommenen  Slinbe  unb 
bcn  33em)anbten  bes  Üegitimirenben  ober  3Innel|menben  na^l  §§  1596,  1620 
ein  aSermanbtfd^aftSDerpltnife  ni^t  begrünbet  wirb.  2)asfelbe  gilt,  menn  bic 
nad&folgenbe  ©^e  eines  Dor  ber  ©^ef^licftung  feiner  ©Item  t)erftorbencn 
Sohnes  ungültig  mar  unb  auf  ®runb  beS  §  1581  bie  aSorfd^rift  beS  §  1566 
2lbf.  2  SÄnmcnbung  finbct.  5Die  »orfd^rift  bes  preufe.  21.  ß.  SR.  II,  2  §  600, 
bafe  bie  SBirfungen  ber  Segitimation  burd^  nad^folgenbe  ©^e  immer  nur  in 
3rnfel)ung  ber  e^elicften  3lbfömmlinge  eines  üor  ber  ©liefd^liefeung  feiner  ©Item 
»crftorbcncn  uneficlid^en  Äinbes  eintreten  —  momit  im  SRcfultate  auc^  bas 

noÜDC  |.  bflrsni.  a(efetbu(^.  lY.  ^^ 


930      Scgitimation  bur*  e6eli*!eitecrf(drunö.   «araftcr.   aSirfung.   §1583. 

franj,  SRcd^t  übcreinftitnmt  — ,  l^ängt  mit  bem  von  beut  ©ntiourfc  abrocid^cnben 
©tanbpimttc  bcö  prcufe.  3t.  2.  SR.  II,  2  §  639  sufommen,  bofe  uncl^clic^c 
Äinbcr  wbcr  in  bic  gamilic  beö  SSatcrö,  nod^  in  bie  gamilic  ber  aJhitter 
eintreten,  einem  ©tanbpunfte,  weldöen  aud[)  baö  franj.  9?e^t  einnimmt. 


II«  gegitimatidtt  bttrd^  S^elid^IeitSetKanttig. 

§  1583. 

StttaR"««,  1.  35ic  aus  bem  röm.  SRed^tc  ftammenbc,  bem  öfteren  beulfd^en  SRe^tc 

iinbefannte  fog.  legitimatio  per  rescriptum  principis  (Segitimotion  bur^  ®^e* 
Ud^teitöerflörung)  ift  Seftonbtfieil  beö  gemeinen  SRed^tcö  unb  ber  meiften  neueren 
©efefegebungen  geworben  (üergl.  mürttemb.  2.  SR.  IV,  17  §§  2—6 ;  boijr.  2.  SR. 

1,  5  §  9;  preufe.  21.  2.  SR.  II,  2  §§  601—611;  öfterr,  ®.  39.  §§  162,  753,  756; 
\ää)l  ®.  93.  §§  1783—1786,  1808,  1841,  2021—2025;  ^omb.  SSorm.  D.  ü. 
14.  3)ejember  1883  3lrt.  65).     dagegen  ift  bem  franj.  SRed^te  unb  bem  bab. 

2.  SR.  biefe  2egitimationöart  unbefonnt;  bod^  ift  biefelbc  in  ber  preu^.  SR^ein* 
proüinj  nadö  ber  Äabinetöorbre  v.  6.  5Roüember  1827  in  93erbinbung  mit  bem 
SReffriptc  bed  3uftijminifterß  t).  1.  gebruar  1828  jugelaffen.  3lud&  in  bem  ^eff. 
6ntm.  III  9lrt.  63  ^at  biefelbe  2luf nal^me  gefunben. 

3)er  oorlicgenbe  ©ntmurf  l^at  ebenfaDd  ber  äRel^rja^l  ber  SRed^te  fid^  an- 
gef^loffcn  unb  bas  l^ier  fraglid^e  3nftitut  beibehalten.  3nbem  baöfelbe  baju 
beiträgt,  bie  ^af)l  ber  unel^elid^en  Äinber  ju  üemiinbern  unb  ben  natürli^en 
Sejiel^ungen  ju  iljrem  ©rjeüger  rec^tUd^e  STnerfennung  5U  oerlei^en,  bient  eö 
bem  offentlid^en  3nteref[e,  erroeift  eö  ben  unel^ielid^en  Äinbern  eine  SBo^It^at 
unb  giebt  eö  bem  ©rjeuger  ©elegenl^eit,  fein  Unrcd^t  mieber  gut  ju  mad^cn. 
ein  93cbürfni6  für  bie  SBeibe^oItung  biefeö  3nftituted  a(ö  eines  ©urrogateö 
ber  2egitimation  burd^  nod^folgenbe  @^e  ift  namentlid^  für  fo(d^e  gäUe  an* 
juerfennen,  in  meldten  burc^  2'ob,  ©eifteöfranf^eit,  SBerfd&oUen^cit  ber  SRutter 
ober  Qud  anberen  @rünben  bie  S^ef^tiegung  jmifd^en  bem  SSater  unb  ber 
3Rutter  bed  uncl^elid^en  Hinbed  unmoglid^  gen)orben  ift.  2)agegen  fann  ed 
äroeifell^oft  fein,  ob  e«  fidt)  nid^t  empf eitlen  mürbe,  nad^  bem  SBorgongc  be« 
baxjx.  2.  SR.  I,  5  §  9  Sir.  3  unb  Derfc^iebener  auöfänbifd^er  ©efeftgcbungen 
(üergl.  nieberl.  ®.  33.  2lrt.  330;  ital.  ®.  33.  3lrt.  198  SRr.  3;  jiir.  ®.  S.  §  232; 
bünbner.  ®.  33.  §  84)  bie  S^lciffigfcit  ber  l^icr  fragüd^en  2egitimation  auf  ben 
%aU  JU  befd^ränten,  menn  bie  2egitimation  burd^  nad^folgenbe  @§e  burd^  ben 
^ob  ber  äRutter  ober  auö  anberen  ®rünben  unmöglid^  geworben  ift.  gür  eine 
folc^e  ©infd)ränfung  fann  man  anfül^ren,  bafe,  folange  bie  @ingel^ung  ber  ®^e 
mit  ber  2)lutter  beö  iUnbeö  möglidj)  ift,  bie  @inge^ung  ber  ®^c  mit  bcrfelben 
baö  ber  fittüd^en  Drbnung  mie  ber  SRed^töorbnung  allein  entfpred^enbe  SKittel 
fei,  bie  geftörte  Drbnung  mieber^erjuftellen,  baö  begangene  Unred^t  roieber  gut 
ju  mad&en  unb  ben  Alinbern  bie  red^tlid^e  ©tcitung  el^eli^er  Einbcr  ju  oer^ 
fd^affcn,  ba§  ferner  bie  3ulafjung  ber  2egitimation  burd^  (S^ctid^feitderflärung 
in  fold^eu  gälten,  in  meldten  bie  @()e  mit  ber  äßutter  beö  Minbed  no(^  möglid^ 
ift,  bie  Ijoljc  33ebeutung  unb  baö  3lnfe^en  ber  ©^e  ju  fd^äbigcn  unb  baö  Äon* 
fubinat  auf  Äoften  ber  ßf)e  }u  bcförbern  geeignet  fei.    SKuf  ber  anberen  ©eite 


@6en(6fciteerflarun0.    Äaraftec,    aSirfuitg.    §1583.  931 

finb  inbcflcn  aud^  fol^e  gallc  ju  bcriitfftc^tigen,  in  toetd^cn  bic  6ingcl)ung  bcu 
<Bt)c  mit  bcr  SRutter  beö  Äinbcö  jroar  mögli^,  bcm  SSater  bcö  Icgtcren  aber 
ni^t  jujumut^cn  ift  J.  S3.  rocil  bic  3Jluttcr  fid&  fpätcr  einem  (icberlic^en  Sebend^ 
manbel  ergeben  f)at,  ober  ouö  fonftigcn  Oriinben  bie  ©^efdöliefeung  als  an-^ 
gcmeffen  nic^t  erod^tct  merben  fann.  Um  fo  me^r  ift  ein  Sebürfnife  oorl^anbcn, 
oud^  in  fold^en  ^&Den  bie  Legitimation  burd^  @^e[i(i^Ieitderf(örung  p  ermög« 
lid^en,  ate  ber  Sntrourf  baö  fronj.  Snftitut  ber  Slnerfennung  ber  natürtid^en 
Äinber  ni^t  fennt  uttb  ben  S3rautRnbern  bem  unel^elid^en  SBatcr  gegenüber  bie 
rec^tlid^e  ©tellung  el^efid^cr  Äinber  »erfagt  ^at.  3w)ar  ift  eö  nad^  bem  dnU 
lourfe  ni(^t  audgefd^ioffen^  bag  ber  93ater  fein  une^elid^ed  ßinb  an  JtinbeSftatt 
iinnimmt;  allein  baburd^  wirb  bem  95ebürfniffe  nic^t  genügt,  ba  bie  9Inna{|me 
<m  Äinbeöftatt  in  mel^rfad^er  ^infid^t  an  ftrengere  SBorausfeftungen  gefnüpft 
ift.  Die  red&tftpoHjeilid^en  Sebenfen  aber,  meldte  fid^  gegen  bie  S^f^fl^ng  ber 
Legitimation  burd^  @^e(id^{eitgerftärung  namcnttid^  in  folc^en  ^-äQen  ergeben, 
in  mefc^en  bie  Legitimation  bur^  nad^folgenbe  ®^e  an  fi^  mBglid^  mfire,  per^ 
liercn  baburd^  an  ©eroid^t,  bafe  bie  Legitimation  burd&  ®§elid&feitöerf[Srung 
eine  SBerfügung  ber  ©taatögcroatt  erforbert  (§  1583)  unb  bie  (S^eti^feitfi^ 
erflärung  t)erfagt  merben  !ann,  aud^  menn  ifir  ein  gefefelid^es  ^inbernife  nid^t 
entgegenftel^t  (§  1592).  2)aiu  tommt,  bag  aud^  bad  geltenbe  Siecht  übermiegenb 
t)ie  3wWfP9'cit  ^^^  Legitimation  burd^  ß^elid^feitöerflfirung  nid^t  auf  ben  gaU 
befd^ränft,  menn  bie  Legitimation  burd^  ndd&folgenbe  &)c  nid^t  mel^r  mögli^ 
ift.  ®ied  ift  inöbefonbere  ber  ©tanbpunft  be«  gemeinen  SHed^teö,  beö  roürttemb. 
^lecfetes,  beö  preufe.  31.  L.  SR.  II,  2  §  601,  beö  öfterr.  ®.  33.  §  162  unb  beö 
fä^f.  ®.  35.  §  1783;  au^  bie  oben  angeführte  SBorf^rift  beö  bapr.  L.  SR. 
loirb  a(d  aufgel^oben  angefe^en. 

3m  ^inblide  barauf,  ba§  bie  e^elid^feitöerfläruttg  eine  33crfügung  ber  *"«  »»r. 
©taatögeroalt  erforbert  unb  aud^  bann  Derfagt  merben  fann,  roenn  i^r  ein  ^eJJu^er" 
flefefttid^eö  ^inbemife  nidfjt  entgegenfte^t ,  ift  cö  ferner  unbebenflid^,  im  ''^^^^^^^, 
fd^Uiffe  an  bie  3Ret|r}a^l  bcrSRec^te  (oergl.  mürttemb.  L.  SR.  IV,  17  §§3,  4;  renb«n.  ' 
preu§.  31.  L.  SR.  II,  2  §  607;  öfterr.  @.  93.  §  162;  fäd^f.  ®.  95.  §  1783,  2021) 
Don  ber  römif^red^tli^cn  93efd&ränfung  abjufe^en,  bafe  bie  Legitimation  burd^ 
€^elid^feitöertlärung  auögefd^loRen  ift,  wenn  ber  SSatcr  beö  une^elid^en  Äinbeö 
el^elid^e  3lbfommlinge  i^ai  (oergl.  aud^  ba^r.  L.  SR.  I,  5  §  9  SRr.  3;  fieff. 
€ntm.  III  3lrt.  63 ;  ital.  ®.  95.  3rrt.  198  SRr.  2).  3lud&  für  baö  gemeine 
Siedet  mirb  oielfac^  ber  SBegfall  jener  93efd^ränfung  behauptet.  2)ie  Suläffiflfcit 
ber  Slnna^me  an  Äinbeöftatt  ^at  ber  ©ntmurf  jroar  an  bie  93oraudfe|ung  ge^ 
fnüpft,  bafe  ber  3lnne{)menbe  einen  c^elid^en  Slbfömmling  nid^t  l^at  (§  1602); 
üUein,  abgefef^en  baoon,  bafe  nad^  bem  ©ntrourfc  bie  93eftätigung  ber  Sfn^ 
Ttatimc  an  Sinbeöftatt  nur  bann  ju  üerfagen  ift,  wenn  ber  (enteren  ein  gefeg- 
ftd^eö  ^inbernife  entgegenfte^t  (§  1619),  ift  bie  Sad^Iage  bei  ber  ^[nna^me  an 
-Rinbcdftatt  infofem  eine  oerfd^iebene,  als  biefe  ben  3n)edE  verfolgt,  finbertofen 
?ßerfonen  bie  SWoglid^Ieit  ju  geben,  fi^  auf  fünftlic^cm  SBege  eine  SRac^^ 
fommenfd^aft  ju  oerfd^affen.  ©er  3rocct  ber  Legitimation  burd^  S^elic^feitö^ 
erflärung  aber  gel^t  batjin,  unel^efid^en  ilinbern  aud^  in  folgen  gällen,  in 
meldten  bie  Legitimation  burc^  nad^folgenbe  @()e  nid|t  mögüd^  ober  nic^t  mo^( 
tl)unlid&  ift,  bie  redjtlid^c  Stellung  e^etid&er  Äinber  ilireö  93aterd  ju  ocr^ 

59  • 


932  ejclid&feitöcrttäruitö.    Äaraftcr.    SBirfung.    §1583. 

fd^Qffcn.  Die  (Srrcid^ung  bicfcö  betn  öffentlichen  SntereRe,  wie  bcm  3^tcreffe 
bcr  unel^clid^en  Äinber  unb  if)refi  SBatcrö  cntfprcd^cnben  unb  mit  bcm  SSor- 
l^anbenfein  e()eUc^er  3Q)!omm(inge  bed  (enteren  Detcinbaren  3^^^cfcd  mürbe 
o^nc  3loÜ)  in  t)ie(en  goUen  unmöglid^  gemad^t^  menn  beim  SSor^anbenfein 
e^c[id)er  ^bfömmlinge  beö  une^eUd^en  SSaterö  bie  Segitimation  unbebingt  aud^ 
gefd^Ioffen  fein  foUte.  2)cr  ©efic^töpunft,  bafe  in  foWjcn  göUen  bie  Segitimation 
ben  l^&udlid^en  ^rieben  gefö^rben  fönne^  fann  ald  fti^^aüig  nid^t  angefe^ea 
werben.  Slud^  im  galle  bcfi  Stuöfd^luffeö  ber  Segitimation  fann  bem  unc^cs 
Hd^en  SBatcr  nlc^t  t)erme^rt  werben,  baö  unel^elid^c  Hinb  in  feine  gamilien^ 
gemeinfd^aft  aufjune^men.  3wbem  fann  in  fold^en  gälten,  in  meieren  bie 
Segitimation  fidd  ate  unangemeffen  ermeift,  bie  Staatögcmalt  bie  ®^elid^feitö* 
erüörung  nad^i  freiem  (Srmcffcn  oerfagcn.  ©ine  anbere  unten  befonbcrd  ju 
erörternbe  grage  ift  eö,  ob  eö  fid^  empfiehlt,  bie  c^eli^en  9lbfömmlinge  bed- 
Segitimirenben  burdt)  befonbere  Seftimmungen  gegen  aSerfürjung  in  i^rem 
©rbred^te  ju  fd^üßen. 
ttne^eiic^fett  2.  ®ine  begriffsmäßige  SBorauöfefeung  ber  Segitimation  burd^  ©f^elid^- 

*^wt«nlS!"'  fcitöerfläiüng  ift  bie  Une^elid&tcit  beä  ju  legitimirenben  Äinbcö  unb  bie  SBater^ 
Äinbe«.  i^Q^t  beöienigen,  beffen  Äinb  für  ein  e^eli^e«  erflärt  werben  foU.  Slnlangenb^ 
bie  geftftellung  ber  SJaterfc^aft,  fo  wirb  in  biefer  ^infi^t  auf  bie  SRotiüe  ja 
§§  1585,  1593  Sejug  genommen.  Slufi  bem  ®rforbemiffe  ber  Unei^eüc^fcit 
bcS  JU  legitimirenben  JÜnbeö  ergiebt  fid^,  ba§  ein  ttinb,  mcld^es  jroar  in. 
SBirflic^feit  ein  une^elidöeö  ftinb  beöienigen  ift,  roeld^er  bie  6^e[id)fcitöerf[ärung, 
beantragt,  nad^  ben  SBorfd^riften  über  bie  e^elid^e  Slbftammung  (§§  1471 
bis  1473)  aber  ate  ein  eJ&elid^eS  Äinb  gilt,  nid^t  burd^  e^elic^feitöerflärung, 
(egitimirt  werben  fann.  9lud^  bann  ift  bie  Segitimation  burd^  @^e(i(^feitd^ 
erflärung  auögefd^Ioffen,  wenn  baS  Äinb  oor^cr  auf  ©runb  einer  Segitimation 
burd^  nad^fo(genbe  @^e  ober  burc^  ®f)eUc^feitSerf(ärung  bereits  bie  re^tlid^ 
Stellung  eines  el^elic^en  Äinbes  im  SSer^ältniffe  ju  einem  2lnberen  erlangt  ^at,. 
in  biefen  gölten  jebod^  nid^t  bes^atb,  weil  basfetbe  baburc^  aufgehört  ^ätte^ 
ein  une^elid^eS  ju  fein,  fonbern  beS^alb,  weit  bereits  jener  Slnbere  nad^  ben. 
§§  1580,  1593  als  ber  SBater  bes  unei^elic^en  Ätnbes  gilt,  mehrere  ^rfoncn 
aber  nid|t  SBäter  besfctben  Äinbes  fein  fönnen  (oergl.  aKotioe  ju  §  1579  oben 
®.  921). 
fie«ttimatton  3.  3:aS  ffidjf.  ®.  93.  §  1783  (ücrgl.  auc^  ^eff.  ©ntw.ni  3lrt,  63;  itaL 

«bwmmitnfle  ®-  ®-  ^^*-  ^^^)  ^^6*  ^"^  "^^  "^^J  ^^  ^^^^  ^^^  unet}clid^en  Äinbes  eine 

bed  pcrftorb«.  ©j^cU^feitScrf törung  ju  ©unften  ber  eliclid^en  3tbf ömmtinge  besfelben  ju.   Siit 

nen  ftinbe«.  jg^^ji^^^i^^  ^^^  3lnalogie  bes  §  1582  eine  fold^e,  ttiatfä^li*  bie  e^eli^felts* 

erflärung  ber  ©nfel  jutaffenbe  39eftimmung  aufjunefimen,  liegt  ieboc^  ni^t 

t)or.    3lud)  ben  übrigen  in  I)eutfd&lanb  geltenben  SHcd^ten  ift  eine  berartige 

2lusbe^nung  ber  Segitimation  burd&  SHeffript  fremb. 

ßegitimation  4.  3)cr  Gutwurf  feuut  in  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  SRed^te, 

J«  Ä.  ^cm  preufe.  21.  S.  9t.  (oergl.  ieboc^  II,  2  §  608)  unb  bem  fäc^f.  ®.  93.  feine 

6f|clid^feitserttärung,  burd&   wcld^e  auf  3lntrag   ber  äßuttcr  bas  unc^elic^e 

Äiub  für  ein  c^elid^es  Äinb  feiner  SJlutter  erflärt  werben  fönnte,  wä^rcnb  ber 

^eff.  Gntro.  III  2lrt.  63  (oergl.  aud&  ital.  @.  93.  3lrt.  198  9lr.  1)  aud&  eine 

folddc  ©lielid^feitserftärung  julägt.     SBom  ©tanbpunfte  bes  ®ntwurfes  aus,. 


etelid^fcitterfrcirunö.    Äaraftcr.    SBirfung.    §1583.  933 

^^ad)  rocld^em  baö  unc^cttd^c  Äinb  gegenüber  bcr  SJlutter  unb  beten  SSerroanbten 
o^nefiin  im  SBefenttid^en  bie  red&tlid&c  ©tellung  eines  el^eUd&cn  Äinbeö  \)ai 
(§§  1568—1570),  fe^lt  es  an  einem  »ebürf niffe ,  eine  fotdie  e^elid^feitö* 
erflärung  jujulaffen,  jumol  bie  unel^elidöe  aMutter  nad)  bem  ©ntmurfc  (§  1602) 
nid^t  be{)inbert  ift,  il^r  unel^clid^eö  Äinb  an  Äinbeöftatt  aniunefimcn  unb 
i^m  baburdö  bie  re^tlid^e  ©tellung  eineö  ef^elid^en  Äinbeö  i^r  gegenüber  ju 
•oerfci^affen. 

5.  3n  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  SRed^te  unb  ben  übrigen  in  «e^mbiunö 
®eutf(^Ianb  geltenben  Siechten  (wrgl.  roürttemb.  S.  SR.  IV,  17  §§  2—6  nebft  "^*  ^alT"^ 
ben  mürttemb.  ©efefeen  ü.  22.  3uni  1807  unb  v.  24.  Sonuar  1807  3lrt.  7,  15; 
batjr.  S.  91.  I,  5  §  9;  preu§.  21.  S.  SR.  II,  2  §§  601,  602  unb  Silier^,  ©riafe 
V.  25.  Slpril  1870;  ofterr.  ®.  93.  §  162;  fäd&f.  ®.  S).  §  1783)  beftimmt  ber 
§  1583  9lbf.  1,  bafe  bie  ©^etid&feitdcrflärung  nur  burc^  eine  5Berfügung  ber 
^taatögeroatt,  fei  eö  beö  2^rägcrö  berfefben  ober  eines  bcleglrten  Drganeö 
<§  1584),  erfolgen  tann,  unb  jroar  be^onbelt  ber  ©ntrourf  nad^  bem  SSorgange 
ber  angeführten  ©efeggebungen  unb  im  ßinRonge  mit  bcr  l^errf^enben  Slnfid^t 
bes  gemeinen  9lcd^teS  bie  @t)eü(i^feitderf(ärung  als  eine  ©nabenfod^e,  fo  bag 
baö  freie  ©rmeffen  ber  ©taatdgemolt  unter  93erüdtfid^tigung  aller  Umftänbe 
barüber  entfc^eiben  foB,  ob  bem  9lntragc  auf  ß^elid^fcitsertlärung  ftattjugebcn 
ober  bie  le|tere  ju  üerfagen  fei  (§  1592).  S)ie  t)ier  in  SRebe  fte^enbe  Segitimation 
naö)  Slnalogie  ber  33orfd)riften  über  bie  2lnnal&me  an  ftinbedftatt  (§§  1616 
bis  1619)  allgemein  ober  roenigftenö  nad&  bem  2^obe  ber  SRutter  bes  ÄinbeS 
tebiglic^  auf  ©runb  eines  re^tsgefd^äftlid^en  Elftes  bes  SSaters  }U5ulaf)en, 
fofern  nur  im  Uebrigen  bie  gefeglic^  bcftimmten  SSoraufifegungen  ber  Gl^e« 
tidifeitfierflärung  vorliegen,  mürbe  im  ^ol&en  ®rabe  bebentlid^  fein  unb  ins^ 
befonbere  bie  ©efal)r  mit  fid)  bringen,  bie  im  SSolfc  ^errfd^enbe,  t)on  ber  be* 
fte^cnben  ©efefegebung  get^cilte  unb  gefd^üfete  Slnf^auung  üon  ber  l|ol|en 
fojialen  Sebeutung  unb  von  ber  ^eiligfeit  ber  6^e  ju  erfd&üttem  unb  bas 
Äonfubinot,  übertiaupt  bie  au§ere^elid^e  ©efd^ledötsgemeinfd^aft  ju  bcf orbern. 
3m  ^inblide  auf  biefe  ©efal^r  tann  eine  ^[usnalime  üon  bem  mid^tigen  ©runb* 
fa|e,  bag  bie  ^erüorragenbe  9)ed^tsftellung  eines  e^elid^en  JlinbeS  ausfd^lieglid) 
auf  bcr  6^e  jmifd^en  ben  ©Itern  bcsfclbcn  beruht,  nur  Don  bem  SCräger  ber 
©taatsgcmalt  ober  einem  belegirten  Organe  berfelben  jugclaffen  roerben.  3)ie 
9[nalogic  bcr  SÄnna^me  an  Äinbesftatt  trifft  in  bicfcr  Sejie^ung  nic^t  ju; 
benn  roennglei^  ber  ©ntmurf  bie  2lboption  eines  une^elid&en  ftinbes  burd^ 
bcffen  93ater  juläfet  unb  bie  Slnnalimc  an  Äinbesftatt  nid^t  als  ©nabenfad^e 
be^anbelt,  fo  fommt  bod)  anbcrerfeits  in  S3etrad()t,  bafe  bie  3lnnal&me  an 
Äinbesftatt  an  meit  ftrengere  gefefelid^e  SSorausfefeungen  gcfnüpft  ift.  Sei  ber 
Segitimation  burd^  ®ö^lid)feitßerflärung  aber  laffen  fid^  bie  SSorauSfefeungen, 
unter  meldten  biefctbe  allgemein  üom  ©tanbpunftc  bes  öffentlid)en  3ntereffes 
aus  als  unbebenflidö  ju  crad&ten  ift,  im  SSorauS  nid^t  bur^  ©efeg  genau 
projifiren.  Sluf  bcr  anberen  Seite  betrad^tet  inbeffen  ber  ©ntmurf  bie  ajer* 
fügung  ber  ©taatsgcmalt  nid^t  als  eine  eigcntlid&c  lex  specialis  in  bem  ©inne, 
ba^  bie  eöelidöfcitscrtlärung  mirtfam  ift,  au^  wenn  es  an  einem  gefe^lid^en 
©rforberniffe  berfelben  fel)lt ;  Dielmel^r  bilbet  bcr  bas  Sefenntnife  ber  93aterfd|af t 
entljaltenbe  9lntrag  bes  ajaters  auf  ®()clid^feitserflärung,  mcld)cr  fid)  als  eine 


934  etelidöWtöcrflärunfl.    Äaraftcr.    SBBirfunß.    §1583. 

red^tögefd^äftlid^e  Srflärung  bedfclben  barftellt  bie  ©runbtage  ber  &)tl\ifUiU^ 
crflärung,  ju  roctc^cr  bic  SBerfügung  bcr  ©toatögcroalt  als  ein  ktt  freier 
(Snabc  unb  olö  S3cftätigung  ber  SBiUcnfterflärung  beö  SBaterö  ^injutrcten  mu§. 
(oergl.  §§  42,  62,  701).  D^nc  biefe  »cftätigung  ift  bic  SBillcnöerHärung  be& 
^^oterö  t)olIftänbig  iDirfungölo^;  onbererfeitd  ift  aber  auc^  bie  burd^  bie  SBer- 
fügung  ber  StaatdgciDalt  ^ugcloffene  (S^eUd^feitderHärung  nod^  aßaggabe  bei^ 
§  1593  unmirffQm,  wenn  jene  aBiüenderfWnmg  beö  aSQterö  ober  ein  fonftigei^ 
nod)  bem  ®efe|e  roefentUd^eö  ©rforbernlp  ber  (S^elid^feitßerttärung  fe^It. 
iBirfunfl  ber  6-  9lnIongenb  bie  SBirfungen  ber  Segitimation  burc^  ß^elic^feitöcrflärung^ 

scfiitimatton.  |o  f)abtn  in  bicfer  Seiie^ung  bie  bcfte^enben  SRed^tc  üerf^iebcnc  Sßege  ein? 
*«St**  i^W^Q^^-  ®emeinred^tlid&  f)at  bic  Segitimation  burc^  JReffript  in  allen  Se^ 
jie^ungen,  nic^t  nur  im  SBer^äftniffe  jroifd&cn  bem  unc^eUcften  Äinbe  unb  beRen 
aSater,  fonbem  oud&  im  SSer^ältniRe  jmifc^en  bem  erftercn  unb  bcn  SBerroanbten 
bed  (enteren  a(d  (Surrogat  ber  Segitimation  burc^  nad^fotgenbe  @^e  bie  9Bir$ 
fungen  biefer  Segitimation  (ocrgl.  aud^  ^eff.  ©ntro.  III,  Slrt.  63).  ©ine  jroeite 
©ruppe  von  Siechten  lägt  burc^  bie  ^ier  fragliche  Segitimation  bie  äBirfungen 
ber  e^elid&en  SBcrmanbtfd&aft  nur  im  93erl|ältniffe  jioif^en  bem  unehelichen 
Äinbe  unb  befjen  SBater  jur  entftel^ung  tommen  (roürttemb.  S.  SH.  IV,  17 
§§  2—6;  öftcrr.  ®.  33.  §§  162,  753,  756;  oergl.  aud&  ba^r.  S.  91.  I,  5  §  9 
3lx.  3,  III,  12  §  2  3lv.  11).  3la(S)  einer  britten  ©ruppe  Don  Siedeten  be^ 
grünbet  bie  Segitimation  bur^  (S^eüd^feitöerHärung  fraft  bed  ©cfef^ed  ein  c^e^ 
Ud^ed  äSermanbtfd^aftdoer^ältnig  nur  }n)ifc^en  bem  unel)e(id^en  ^inbe  unb  bef(en 
älbfömmlingen  eincrfeitß  unb  bem  unehelichen  SSoter  unb  bejfen  Stbfommlingen 
anbererfeitö.  S^^'if^i^^  ^^^  unehelichen  Äinbc  unb  bef[en  3lMömm(ingen  einer^ 
feitö  unb  ben  fonftigen  93ern)anbten  bcd  Katers  anbererfeitd  mirb  bagegen  ein 
aSermanbtfd&aftfioerf^öltnife  nur  infomeit  ^ergcftellt,  ate  bie  Unteren  einjeln^ 
bejio.  in  ber  gorm  eines  gamilienoertragefi  ber  Segitimation  jugeftimmt  Ijaben 
(oergl.  preufe.  21.  S.  SR.  II,  2  §§  603—608 ;  fäd^f.  ©.  33.  §§  1783, 1808, 1841, 
2021—2025;  ferner  in  erbrcc^tüd^er  ^infic^t  roeimar.  ®ef.  o.  6.  2(pril  1833 
§§  22—26,  58;  fonberöl).  ©utjeffionftorbn.  t).  8.  SJejember  1829  §§  28—31; 
altenb.®cf.  o.  6.  Slpril  1841  §§  24—28,  64;  gotfi.  ®ef.  t>.  2.  3anuar  1844 
§§  24—27,  33;  ®ef.  für  9teufe  [.  S.  o.  10.  Dejember  1853  §§  23—26,  59; 
a)iommfen,  erbrec^töentm.  §  26). 
etanbvunft  S)er  (Sntmurf  (§  1583  Sttbf.  2,  §  1596  2tbf.  1)  oerbinbet  mit  ber  Segiti^ 

entwürfe«  ^^^^^^  ^"^^  ©^eüc^feitöerfläruug  nid&t  bie  ooUen  SBirfungen  bcr  Segitimation 
burd&  nac^folgenbe  (Bi)t  (§  1579),  fonbern,  cntfpred^enb  ber  in  bem  über* 
*Tu?en**  micgenben  2:f)cile  ©eutfc^Ianbö  eingetretenen  Sled^tdentmidEelung,  ä^nlid&  wie 
«ern>anbten  {>ei  bcr  Sluna^mc  ou  Äinbeöftatt  (§§  1601,  1620  2lbf.  1),  nur  minbcre  SBir* 
'  fungen,  nftmlic^  nur  ein  aSermanbtfc^aftdoer^ältnil  jmifd^en  bem  une^elid^cn 
Äinbe  unb  bt^en  3tbfommIingen  eiuerfcitfi  unb  bem  une^clid^en  Sßatcr  anberer^ 
fcitö.    Die  Swlöfriflff it  einer  ©rroeitcrung  biefer  SBirfungen  burd^  SSertrag  mit 
bcn  SBerroanbten  beö  SJaterö  ift  auögcfdiloften.    2)iefe  2(rt  ber  Siegelung  genügt 
bem  33ebürfniffe  unb  l|at  ben  SBorjug  ber  ©infad^^eit  für  fid^.    3)er  S^td  ber 
Segitimation  burd&  ß^elid&feitöerflörung,  bie  ^al)l  ber  unehelichen  Äinber  ju 
©erminbern  unb  bem  une^elid&en  SBater  bie  ®elegcnl^eit  ju  geben,  fein  Unre^t 
lieber  gut  }u  matten  unb  ben  ^inbern  eine  3Bo^(ti)at  ju  ermeifen,  mirb 


efeelid&feitöcrffäruno.    Äaraftcr.    SBirfung.    §1583.  935 

butd^  icne  ©eftattung  bed  93er{)ä(tniffed  in  ausreid^enbem  äßage  erreid^t.  @d 
ift  Qufecrbcm  bcbcnflid^,  auf  bcn  cinfciticjcn  9lntrag  befi  SBaterö,  wenn  a\i6) 
mit  ©inroiUigung  bcö  Jlinbcö,  boö  für  cfieüd^  crflärtc  imc^cHc^c  Äinb  o^ne 
SBcitcrcö  in  bic  uätcriid^c  gomilic  eintreten  ju  loffen  unb  i^m  baburd^ 
ein  ©rbrcd^t  gegenüber  ben  SBerroonbten  beö  SSaterö  ju  oerfc^Qffcn  unb  bzn 
Unteren  bie  gcfegli^e  Unter^altdoerpflid&tung  gegenüber  bem  Äinbe  auf juerlegen. 
35iefe  Sebcnfen  werben  aüerbingfi  befeitigt,  rocnn  man  bcftimmt,  bafe  jroif^cu 
bem  unc^eüd&en  ftinbe  unb  beffen  9lbfömmlingen  cinerfeitö  unb  ben  SBermanbten 
bcö  SBatcrö  anbererfeitö  ein  SBcmjanbtfc^aftöüer^ältnife  nur  inforoeit  begrünbct 
wirb,  affi  fic  ber  2egitimation  jugeftimmt  ^aben.  2lHein  eine  berartige  Se^ 
ftimmung  bringt  auf  ber  anberen  ©eite  bzn  9lad^tf|eil  mit  fid^,  bafe  baburd^ 
ba«  SBer^ältnife,  wenn  nid^t  fämmtüc^c  SSerroanbte  beö  SBatcrß  jugeftimmt 
^aben,  ein  fomplijirted  werben  fann  unb  ber  einheitlichen  ©eftaltung  entbefirt. 
35iefefi  SBebcnfen  fällt  jmar  weg,  wenn  man  mit  bem  preug.  91.  2.  91.  II,  2 
§§  f)04,  605  ben  ©intritt  beß  unefieüd^en  Äinbcö  in  bie  üoterlid^e  gamitic 
von  einem  gamitienoertragc  abl^ängig  mac^t.  Sine  fold^e  Scftimmung  ift  aber 
o^ne  cvf)thl\6)t  praftifd^e  Sebeutung,  ba  bie  @inmiDigung  einer  ganjen  ^^amilie 
häufig  nur  fd&roer  ober  überhaupt  ni^t  ju  bewirten  ift  (t)ergl.  ©efeferei)., 
$enf.  XV  S.  162).  Oegen  bie  aufnähme  beö  Snftituteö  beö  ^amilienoertrageö 
JU  bem  bejeid&ncten  groetfc  fprid^t  aufeerbem,  ba|  biefelbc  eine  dit\f)t  weiterer 
aSorfc^riften  barüber  nöt^ig  machen  würbe,  in  welker  9lrt  ein  alle  gamilien? 
mitglieber  binbcnber  gamilicnt)crtrag  ju  Staube  fommt.  SKoüen  bafi  Äinb 
unb  bic  aSerwanbten  beö  SSaterö  in  erbrec^tlid^c  Sejiefiungen  treten,  fo  bleibt 
i^nen  ber  9lbfd^(ug  Don  Srbetnfe^ungdDerträgen  nadb  ältaggabe  bed  @rbred^ted 
unbenommen. 

Slbweid&enb  Don  ber  3lnna^mc  an  ftinbedftatt  (§  1620  3l6f.  1),  foB  bie  ^J^^  ^ 
Legitimation  burc^  @^e(id^feitderf(ärung  fraft  ©efe^es  aud^  jwifd^en  ben  jur  ^^ruS^. 
3eit  ber  ©((eUc^feitficrflärung  bereitö  Dor^anbenen  2lbfömmlingen  beö  une^elid^en 
Äinbeö  unb  bem  Sßater  beö  (enteren  ein  aSerwanbtfd^aftöDer^öttnife  begrünben, 
ol)nc  ba%  cö  baju  ber  ®inwiUigung  biefer  9lbfömmlinge  bebarf.  2)er  3w>edf 
ber  Scgitimation  würbe  fonft  nur  ungenügenb  erreid^t  werben,  namentlich  in 
folgen  gäUen,  in  weld^cn  baö  unctKÜc^e  Äinb  mit  ^interlaffung  von  2lbtömms 
lingen  üor  bem  unef)clic^cn  SSater  ücrftirbt.  35a}u  tommt,  bafe  eö  fid^  f)ier, 
unb  jwar  im  SBefentlic^en  ju  Ounften  bcö  uneljcüd^cn  Einbeö  unb  ber  Slb« 
fommlingc  beöfelbcn,  um  bic  red&tli^c  9lnerfennung  cineö  natürlid&en  5Ber* 
lläUniffeö  ^anbett,  wetd^cö,  ber  9Jatur  ber  Saijt  entfpred)enb,  t^unlid&ft  au6) 
rc^tUcft  cin^eitlid^  ju  gcftalten  ift.  Tlit  bem  ©ntwurfe  ftimmen  infoweit  aud^ 
baö  gemeine  9lecl)t,  t>a^  preufe.  91.  2.  91.  unb  baö  fäd&f.  ©.  S3.  überein. 

9luö  bcn  aSorfd^riften  bcö  §  1583  9rbf.  2,  bcö  §  1596  9lbf.  1  in  SScr*  »J^«J^ 
binbung  mit  bcn  SBorfc^riften  bcö  §  30  9lbf.  3  unb  ber  §§  1965,  1975  folgt  "»«üe^tt««. 
inöbefonberc,  baf^  burd&  bic  ^ier  in  Siebe  ftc^enbc  Legitimation  jwifd^cn  bem  öettenbe« 
unef)elidf)cn  Äinbc  unb  bcffen  9lbfömmlingen  cinerfeitö  unb  bem  unefjelid^en     ««**• 
Sßotcr  anbcrerfeitö  aud&  in  crbrcc^tlid^cr  S3ejie^ung  baöfelbc  re^tlid^e  SBcrfiältnife 
begrünbct  wirb,  wie  wenn  baö  (egitimirtc  Äinb  ein  cf|end[)eö  wfirc.   aSerf^iebenc 
Mec^tc,  rod6)t,  wie  ber  ©ntwurf,  auc^  beim  a3orl;anbenfein  ef)e(idöer  9lbt5mms 
linge  bcö  uncfielidöen  SUatcrö  bic  Legitimation  cincö  unc^elicl)en  Äinbcö  burd) 


936  eWtileitgcrndruno.    Äarafter.    SKJirfung.    §1583. 

®^c(icöfcitöcrtlärunfl  juloffcn,  fmb  bcftrcbt  bie  crbrcditlid^cn  SntcveRcn  ber  jur 
3eit  ber  ScgitimQtion  bereits  oorlianbenen  el^eUd&en  Stbfömmfinge  gegen 
Beeinträchtigung  burd^  bie  Ijier  in  Siebe  ftcljenbe  Segitimation  ju  f(i&ü|en.  So 
beftimmt  baö  roürttemb.  2.  SR.  IV,  17  §§  3, 4,  ba§,  wenn  in  bem  Segitimationfi^ 
reffripte  nid^t  auöbrüdEIid^  ermähnt  fei,  bQfe  bie  SegitintQtion  trofe  beö  SSor^^ 
fianbenfeinö  ber  el^elic^en  Sübfömmlinge  erfolge,  ha^  (egitimirte  ftinb  neben 
bcn  lefeteren  fein  ©rbred^t  gegenüber  bem  une^elidien  Sßater  ^aben  foDe. 
yiaäi  bem  preufe.  21.  2.  91.  II,  2  §  607  foH,  rotm  ber  SBater  jur  3eit  ber 
2cgitimation  fc^on  e^elid^e  3)efjenbenten  l^atte  nnb  er  in  ber  golge  einem 
berfelben  nur  ben  5ßflid^tt^eil  ^inter(ä|t,  bei  ber  Sered^nung  beö  Unteren  baö 
legitimirtc  Jlinb  nid^t  mitgejäl^It  werben,  gerner  fc^reibt  bafi  oltcnb.  Oef. 
t).  6.  Slpril  1841  §  24  x»or,  bafe  bei  Äonfurrenj  oon  ef)elid&en  Äinbern 
jebeß  ber  legieren  ab  intestato  boppett  fo  oiel  ote  iebefi  ber  legitimirten  Äinber 
erben  foD  unb  ba^  bie  el^etid^en  Äinber  unter  allen  Umftänben  ben  il^nen  ol^ne 
^injured&nung  ber  legitimirten  ftinber  gebiifirenben  5ßf(id^ttl^eil  unoerfürift 
Ijaben  foHen. 
©tanbpimft  3)cr  ©ntrourf  ^at  in  Uebereinftimmung  mit  bem  ofterr.  ®.  85.  §§  753, 

«ntiÜlfe«.  756  unb  bem  föd^f.  ®.  33.  §  2021,  foroie  mit  ber  aWe^rjal^t  ber  oben  ©.  943 
angeführten  ©rbfolgegefege  ber  t^üring.  Staaten  berartige  befonbere  SSor* 
fd&riften  jum  ©d&uge  ber  erbred^tlid&en  3ntereffen,  tnfibefonbere  beö  ^ßflid^t* 
tl^eitered&tcö,  ber  jur  Qdt  ber  2egitimation  bereits  üorl^anbenen  c^elid^en  Slb* 
fömmlinge  beö  unel^etid&en  93aterö  nid^t  für  erforberli^  erad^tet.  (Segen  fold&e 
33orfc^riften  f priest  t)on  oom^erein,  bafe  bie  l^ier  fragliche  Seeinträd&tigung 
beö  ©rbred^teö  unb  ^ffid^tt^eilöred&teö  nid&t  bie  9latur  einer  9led&töt)erlefeung 
Iiat,  ba  ben  beeinträd)tigten  ^erfonen  ein  jus  quaesitum  ouf  ben  ber  bamaligen 
©ad&Iage  entfpred^enben  ©rbt^eil  bejro.  ^ßflid^ttl^eU  ni^t  suftel^t.  ®aju  fommt, 
ba^  ber  ©ntrourf  bie  (S^elid^feitöerflärung  alö  eine  t)on  bem  freien  ©rmeffen 
ber  Staatögenjalt  abliöngcnbe  ©nabenfac^e  befianbclt.  SaburdE)  ift  bie  3Äög« 
Ud^feit  auögefd&loffen,  bafe  bie  ©J^elid^feitöerHärung  roiDfürlid^  baju  mifebraud^t 
mirb,  um  SBeränbcrungen  in  ben  bie  ©eftaltung  beö  5ßflid^ttl^eitöredbteö  bc* 
ftimmenben  SSorauöfeßungen  ber  Snteftaterbfolge  ^erbeijufü^ren.  Sluö  ä(;nlid&en 
©rünben  ^at  ber  ©ntrourf  aud^  vc\\  befonberen  S3eftimmungcn  jum  Sd^ufte 
beö  ^flid^tt^eilörec^teö  ber  SRutter  beö  une^eüd&en  Äinbeö  (oergt.  got^.  ®ef. 
t).  2.  Sanuar  1844  §  33),  beö  ^ßflid^tt^eilöre^teö  beö  jur  3eit  ber  2egitimation 
bereitö  oor^anbencn  @[)egatten  eineö  für  e^elid^  erflärten  Äinbeö  ober  eineö 
feiner  3lbtömmfinge,  foioic  jum  ©d^u|^e  beö  ^flid^ttJ^eitöred^teö  ber  ©^efrau 
beö  une^elid^cu  aSaterö  unb  ber  ®ttern  beöfelben  abgefe^en.  3n  Slnfe^ung  ber 
©l^efrau  beö  uncfielid^en  ajaterö  tritt  ju  ben  angefüfirten  ©rünben  nod&  ber 
weitere  Orunb  Ijinsu,  bafe  nac^  §  1587  ju  ber  (S^elic^feitöerHärung,  fofern  ber 
aSater  Devise irat^et  ift,  bie  SintoiDigung  ber  @^efrau  beöfelben  erforberlicft  fein 
foD.  3m  ^inblirfe  auf  bie  üorfte^enben  ©rroägungen  fc^It  eö  aud)  an  einem 
fflebürf niffe ,  nad^  bem  SJorgange  beö  fad^f.  ®.  S3.  §  2051  unb  einiger  ber 
i)bcn  S.  934  angeführten  t^üring.  ®rbfolgegefe|fe  für  ben  galt,  bafe  bie  ®^e* 
frau  bei  ber  öeerbung  beö  e^emanneö  nur  mit  e^elidE)  erttärten  Äinbern  ju« 
fammentrifft,  eine  erroeiterung  beö  gefefelid&cn  ©rbred^teö  ber  S^efrau  ein« 
treten  ju  laffen. 


(56eIi*fcit«cr«änmG.    Suftänbigfett.    antrao-    §§  1584,  1585.  937 

S)ur(^  bie  SJeftimmung  bed  §  1583  Slbf.  2  foU  iibrigenö  bcr  grogc  nid^t 
prQjubijirt  werben,  ob  unb  intoieiDcit  unb  mit  toeld^en  SBirfungcn  beim  f)ol^en 
Slbel  eine  Segitimation  b\xxö)  ©^elid^feitöerttärung  juläffig  ift  ferner,  ob  bic 
legittmirten  Äinber  ben  Slbelftanb  beö  SBaterö  unb  ©utjeffionsred^te  in  2el|cn, 
gibeifommiffe,  ©tamm^  unb  SBauerngüter  erwerben.  3n  biefen  S3ejie]öungcn 
fmb  bie  erforberlid^en  S3eftimmungen  bem  ©infü^rungfigefefee  üorbeJ^alten. 

§  1584. 
®cmeinred&tli(^,  foroie  nod^  bem  öfterr.  ®.'93.  §  162  unb  bem  fäd^f.  8«nanMfl«eit 
®.  S3.  §  1783  erfolgt  bie  ©^eüd^feitfterftärung  burd&  ben  Sanbcö^errn,  in 
^reufecn  burd^  ben  Suftijminifter,  fofern  eß  fid^  jebod^  um  bie  gül^rung  eines 
abeligen  ?lamenß  l^anbelt,  burcö  ben  Äönig  (preufe.  Stt.  2.  3?.  II,  2  §  601; 
allerg,  erlaß  t).  25.  äpril  1870),  in  aSürttemberg  burc^  bie  ®crid&te  unb 
nur  bei  abeligen  5ßerfonen  burd&  ben  Äönig  (roürttemb.  (Sefc^e  t).  22.  3uni  1807 
unb  t).  24.  3anuar  1879  2lrt.  7,  15),  in  Hamburg  (SSorm.  D.  t).  14.  De* 
jember  1883  ärt.  65)  burd&  ben  Senat  SRit  SHücffic^t  barauf,  bafe  bcr  &iU 
n)urf  bie  @^e[ic^feitöertlörung  als  eine  ©nabenfad^e  be^anbelt,  fomie  mit  dlM^ 
fic^t  ouf  bie  SSerfd^iebenl^eit  ber  ©efeggebungcn  in  ben  einjelnen  beutfd^en 
(Staaten  beftimmt  ber  §  1584,  bafe  bie  3uftänbigfeit  ju  bcr  ®^elid&leitöerflärung 
fidö  nac^  ben  Sanbeögefe^en  richten  foU.  9lur  inforoeit  regelt  ber  §  1584  bie 
3uftänbigleitdfrage  jur  Sßermeibung  Don  JloQiftonen  reid^dgefe|li^,  ald  er  aud^^ 
fpric^t,  ba^  bie  ßlieUc^teitöerflärung  bemienigen  ©taate  juftei^t,  roeldöem  ber 
Später  angehört.  Dag  bie  8taatdangel)örigteit,  unb  }mar  bie  beß  ^aterö  ent* 
fd^ciben  foU,  red^tfertigt  ftc^  burc^  bie  9latur  ber  (g^elid^feitöerflärung  atö  einer 
(Snabenfac^e  in  33erbinbung  bamit,  ba|  bad  burc^  bie  Segitimation  begrünbete 
Samilient)er()ältnig  feine  SBirhtngen  überwiegenb  in  bem  ©taate  äußert,  meld^em 
ber  aSater  angeliört.  ^nhem  fte^t  bicfe  Siegelung  im  ©inflange  mit  bem  §  4 
beß  SR.  ®cf.  über  ben  (Srroerb  unb  ben  SBerfuft  ber  ©taatßangeprigfeit 
t).  1.  3uni  1870,  nad&  roetd^em  baß  legitimirte  Äinb  bie  ©taatßange^örigfeit 
beß  SSaterß  gewinnt. 

§  1585. 
3n  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  SRed&te  unb  ben  neueren  Oefefc*  ««t^a  ^«« 
gebungen  mad&t  ber  §  1585  bie  ©fjelidöfeitßerflärung  uon  bem  Slntrage  beß    *"*"* 
une^eli^en  SBaterß   abhängig  (cergl.  bapr.  2.  91.  I,  5  §  9  9lr.  3;  preuß. 
ä.  S.  SR.  II,  2  §  601;  öfterr.  ®.  S3.  §  162;  fäc^f.  ®.  ».  §  1783).    SBon  bem 
gemeinen  JRec^te  unb  bem  fäd^f.  @.  S.  §  1784  roei^t  ber  ©ntmurf  jcbodö  in* 
fofern  ab,  alß  bie  e^elid^feitßerflärung  na^  bem  lefeteren  nur  auf  Eintrag  beß 
SBaterß  erfolgen  fann,  roätirenb  iene  SRed&te  für  ben  gaU,  wenn  ber  aSater  in 
feinem  3:cftamente  ben  SBillen,  baß  ba^  Äinb  ein  el&elic^eß  fein  foUe,  auß* 
gefprod&en  ^at,  aud)  bem  Äinbe  baß  Siedet  geben,  nad^  bem  3:obe  beß  SSaterß 
bie  ef^cli^feitßerflärung  ju  beantragen.    3la6)  bem  fäc^f.  ®.  SB.,  mcld&eß  ftd^ 
in  biefer  ^inftc^t  einer  aud^  für  baß  gemeine  SHcd^t  uertretencn  Slnfid&t  an^ 
gefd^loffen  ^at,  fann  in  bem  bejeid^neten  galle  au^  bie  ÜKutter  beß  Äinbeß 
ouf  beffen  ß^eli^feitßerflärung  antragen. 


938  gßclicfcfcitöcrffärung.    Stntrag.    §1585. 

Lejritimatio  S)ic  3lufnQf|me  bcö  befonberen  3nftitutcd  bcr  fog.  legitimatio  per  testa- 

tegtomratum.  ™^ntuni  ift  burd^  ciu  proftifc^ed  Scbürfnife  nid^t  geboten,  tnöbefonbcrc  and) 
im  J&inblicfc  auf  folc^e  gftUc  nid^t  erforbcrlid^,  in  rocld^en  bcr  une^cü(i&e  5Boter 
fic^  fd^cut,  fd[)on  bei  feinen  Sebjeiten  bQmit  fjcroorjutreten,  bafe  er  ber  fßattt 
beö  unc^elid)en  Äinbcö  fei  ober  in  toeld&en  er  wegen  Äranftfcit  ober  fonftigcr 
2^obeögefaf|r  üorQUöfid^tUd^  nid^t  me^r  im  ©tanbe  ift,  Dor  feinem  S^obc  bie 
(Sdelid^feilöerHärung  ju  erroirfen  (oergl.  §  1595).  2)iefe(bcn  SBirtungen,  wie 
burd^  bie  erft  nad^  bem  2^obe  beö  SBoterfi  erfolgenbe  (S^clid^feitöerWärunar 
fonnen  im  aSefentlid^en  axi6)  burd^  leßtroillige  SSerfügung  ober  burd^  ®rk 
einfefeungöüertTQg  crreid^t  licrben.  3)ie  eo.  no^  befonberö  erroünfd&te  9iamcn«s 
änberung  fonn  baö  Äinb  baneben  burd&  aScrfügung  ber  juftänbigcn  SBcr^ 
maltungflbe^örbe  erroirfen.  Um  fo  me^r  empficl)It  e«  fid^,  oon  bcr  9(ufs 
nafime  beö  in  SRcbe  ftefjenben  befonberen  Snftituteö  absufc^en,  olö  mit  bem^ 
felben  ©d^roierigfcitcn  unb  SBerroidtelungen  in  erbred^tlid&er  ^infic^t  »er* 
fnüpft  fmb. 

*anu(^'cr  ®^^  5lntrQg  beö  aSoterfi,  welcher  bie  SBittcnderHärung  beö  legteren  in 

fid^  fd^ücfet,  bafe  er  bem  une^elid^en  Äinbe  bie  JRed^töftcUung  eincö  etictic^en 
Äinbeö  einräumen  rooUe,  l)at  ben  Rarofter  eineö  einfeitigcn  SRe^tögcfd&äfteö. 
@ö  finben  bafier  auf  jenen  3lntrQg,  foroeit  nid&t  in  bcn  §§  1586  ff.  etmaö 
ainbcrcö  bcftimmt  ift,  bie  allgemeinen  ©runbfäfec  über  einfeitige  SRed^tögefd^äfte, 
inftbefonbcre  bie  Orunbfäge  über  bie  5Rid&tigfeit  unb  5Änfed&tbarfeit  ber  9icd^tö^ 
gefd&äfte  wegen  SBillenömängel  (§§  95  ff.;  Dcrgl.  aud^  §  1600)  3lnmenbung. 

gefiiieaunfl  S)cr  ^utrag  muß, ferner  oon  bem  aSater  beö  unct)eUd6en  Äinbcö  gcftcHt 

öaterw^oft.  f^*"-  ®i^  bcfteficnben  iWedEitc  entfjalten  über  bie  grage,  mic  in  bicfem  gaUe 
bie  SSatcrfd^aft  feftjuftellcn  fei  unb  ob  aud^  nad^  ©rt^cilung  ber  ®^clid&!eitd* 
erflärung  bie  Unroirffamfeit  ber  Ic^tercn  auf  Orunb  ber  S3el)auptung,  baft  bcr 
in  ber  ©rfförung  alft  bcr  SSater  Sejeid^nete  nid^t  ber  mirfUc^e  SJater  beö 
ftinbeö  fei,  geltenb  gemacht  bejio.  bie  bie  Segitimation  auöfprc^enbe  SBcr^ 
fügung  ber  Staatögemalt  jurüdgejogen  werben  fann,  feine  befonberen  S3e* 
ftimmungen.  3"  ^'\^U^  S^agen  barf  iebod)  baö  ©efeft  ftd^  nid^t  fd^meigenb 
üerl^alten,  ba  fonft  eine  ©efäl^rbiing  ber  Sled^töftd&er^eit  ju  bcforgen  ift.  Der 
(Srttmurf  gel^t  baoon  auö,  ba|  ber  2lntrag  auf  ®^elidöfeitöerfifirung  baö  Sc^ 
fcnntnife  ber  SSaterfd^aft  entl^altcu  mufe  imb  bafe  burc^  biefcö  in  bem  9lm 
trage  entfialtene  SSetenntnife  bie  SBaterfd^aft,  Dorbe^altlid^  ber  ^Prüfung  ber 
mit  ber  ©^eli^teitöertlörung  betrauten  Sefiörbe,  ob  jeneö  93efcnntni|  bcr 
aSirflid^feit  entfprid^t,  in  ber  9lrt  feftgeftellt  werben  foU,  ba^,  wenn  bie  6^e« 
li^feitöerflärung  einmal  erfolgt  ift,  ber  Umftanb,  ba^  ber  in  ber  ©rflarung 
alö  ber  SBater  S3ejei(^ncte  nid&t  bcr  wirftid^e  93ater  ift,  bie  Unwirffamfeit  ber 
ß^elid^feitöerflärung  nid^t  jur  ^olge  fiat  (§  1593  ©aß  2).  auf  ber  anberen 
Seite  fann  ot)ne  jeneö  SBcfenntnife  bie  SBaterfd^aft  alö  feftftefienb  niemalö  er« 
od)tet  werben.  Snfofem  ift  baöfelbe  nid^t  minber  wefentlid^  alö  ber  Eintrag. 
2)a6  bie  betreffenbc  Se^örbe  bas  Scfenntnife  bcr  SBaterfd^aft,  wie  jcbe 
anbere  SSorauöfefeung  bcr  @^elid&feitöerflärung,  crforbcrti^enfallö  auf  feine 
9lid[)tigfeit  prüfen  fann  unb  muß,  Dcrfte^t  fic^  oon  felbft  unb  ergiebt  fid)  auö 
§  1592.  S)aburd&,  in  aSerbinbung  mit  ben  übrigen  in  ben  §§  1587—1591 
beftimmtcn  ajorauöfc^ungcn  ber  ß^clid&feitöerflärung,  wirb  eine  auöreiclienbe 


eWt^feiteerfrorunfl.    8eöitimation8fä6iflrdh    §1586.  939 

©arontic  gcfc^affen,  bofe  bic  ©^clid^fcitöerHärung  nur  auf  ^nixaci  bcö  luir^ 
lidöen  Söotcrö  erfolgt,  uub  ift  cö  unter  bicfen  Umftänbcn  unbebcnfUd^,  nac^ 
@rtl)cilung  ber  Legitimation  jeben  ©egenbemeid,  bag  ber  in  ber  (Srflörung  a(ö 
ber  aSatcr  S3ejcic^ncte  nic^t  ber  njirfüd^c  SBater  fei,  auöjufd^Ue&eu.  6ö  ift 
bied  l^ier  um  fo  unbebenfUc^er,  ate  burc^  biefe  Legitimation  ein  SSermanbt^ 
fd^afti^oerl^ältnig  jmifc^en  bem  une^elici^en  Jtinbe  unb  ben  SSermanbteu  bed 
SSaterß  überliaupt  nid^t  begrunbet  wirb.  3roar  tonnen  burd)  ben  2lufifdölu6 
befi  ©egenberoeifeß  unter  Umftänben  bie  erbrec^tli^en  3nterrcffen  beö  Äinbeö 
unb  ber  fonftigcn  müttcrlid^en  aSerioanbten,  wie  aud^  ber  SBerroanbten  bcß 
ißaterd,  beeintrö(i(|tigt  n)crben,  roenn  fpäter  fxd)  ^eraudftellen  follte,  bag  ha^ 
legitimirte  jlinb  ein  jlinb  beö  in  ber  ®rf(ärung  al^  SSater  Seieid^neten  nid^t 
ift;  oUein  ein  fold^er  ^eweid  wirb  angefid^td  ber  bur^  bad  @efeg  gef^affenen 
©arantieen  für  bie  gcftfteüung  ber  SBaterfd^aft  nur  in  ben  feltenften  göüen 
gelingen,  unb  fann  auf  eine  fo  entfernte  9Röglid^feit  gegenüber  ben  ^iorti^eUen 
ber  SRec^töftd^er^eit,  roeld&e  bic  ^Regelung  bcö  ©ntrourfeö  bietet,  entfc^eibcnbe« 
®tm(i)i  nid^t  gelegt  merben. 

2)ag  eine  ol^ne  ben  im  §  1585  bezeichneten  Eintrag  beö  SSaterd  erfolgte 
@^elic^leitdert(ärung,  Dorbe^altlid^  ber  ^eftimmung  bed  §  1593  Sag  2,  un« 
roirffam  ift,  ergiebt  fic^  aM  §  1593  Safe  1. 


§  1586 

Ob  in  93Iutfd&anbe  ober  im  ©debrud&e  erjeugtc  Äinber  bur^  SReftript  £e«itimo- 
legitimirt  werben  fonnen,  ift  gemeinred&tlic^  beftritten.  SBä^rcnb  bie  eine  ****"^J**fl' 
3lnfid()t  bie  gragc  unbebingt  uerneint,  eine  anberc  biefelbe  unbebingt  bejal^t,  ^^^^ 
ge^t  eine  britte  3lnftd^t  baüon  aud,  bog  bie  Legitimation  in  3(nfe^ung  biefer  nec^t 
jlinber  infomeit  }u(öf{ig  fei,  a(6  aud^  bic  Legitimation  burc^  nad}folgenbe  @^e 
möglich  gemefen  märe.  3n  ^nfe^ung  ber  im  (S^ebru^e  erjeugten  jlinber  bcjal^t 
bie  gemeinredf)tlid^e  5ßrartd  bie  Lcgitimationöfä^igfcit  (oergl.  ©euffert  111,  65, 
XIU,  42,  XIV,  239).  ^Stuc^  noc^  preufe.  9led)te  ift  eö  ftreitig,  ob  bic  l)ier 
fraglid^e  Legitimation  in  fold^cn  fällen  juläffig  ift,  in  meieren  bie  @(tem  bed 
Äinbed  megen  eine«  cntgegenfte^enben  SBerbotsgefefeed  fid^  nid^t  deirat^en 
fonnen,  alfo  namentUd^  bann,  menn  bad  Jiinb  in  93lutfd^anbe  ober  ©^ebru^ 
crjeugt  ift.  S)er  aSortlaut  bed  preufe.  31.  L.  SR.  II,  2  §  601  unb  bic  ©r* 
mägung,  ba|  badfelbc  feinen  Unlerfd^ieb  jmifd^en  t)crfd)iebenen  Wirten  une^e^ 
lieber  Äinber  mac^t,  fc^eint  für  bic  3wfoffigfeit  ber  Legitimation  ju  fprec^en 
(oergl.  aud^  ©efcfereo.,  «ßenf.  XV  ©.  161).  3m  fäd)f.  ©.  33.  §  1786  ift  bic 
Legitimationdfö^igfeit  ber  im  @§cbruc^e  erzeugten  Jlinber  audbrüd(id)  anerfannt. 
dagegen  fe^lt  cd  in  älnfe^ung  ber  in  33lutfd^anbe  erjeugten  Jlinber  on  einer 
befonbercn  Seftimmung.  S)er  §  1783  beö  fäc^f.  ®.  33.  unterfdieibct  nid()t 
5W)ifd&en  oerf^iebenen  2(rten  une^elid^er  Jlinber.  ^^ibeffen  mirb  aud&  für  baö 
fäc^f.  SRed^t  bie  älnftd^t  Dcrtretcn,  bag  nad^  allgemeinen  @runbfä|en  bie 
Legitimation  burd^  9leffript  infomeit  auögefd^loffen  fei,  alö  ein  inbidpenfablcö 
@i)et)erbot  entgegenfte^e. 

3)a  nad^  bem  ©ntrourfe  bad  S^ci^inbcrnig  beß  ©^ebruc^ed  nur  ein  auf;^  ©tonbpunft 
fc^iebenbeö  unb  jubem  bid)Mnfab(ed  @^e^inbcrnig.ift-(§§*-1237,  1244),  bie  «nt^rfe«. 


940  e6eli*feit8crf(arun0.    (Sintüiaiöunö  bcö  Äinbcö  k.    §  1587. 

©ntfc^eibung  über  bic  ©rt^cilung  ber  ©^eüc^fcitfierttärung  aber  in  bie  $anb 
bcr  ©taatögenjolt  a(ö  ein  9Ht  ber  ©nobe  gelegt  ift,  fo  fe^lt  cd  an  einem 
genügenben  (Srunbe,  btn  im  @f|ebrud&e  erjeugten  Äinbeni  bie  Segilimotionfi^ 
fä^igfeit  burd^  baß  ©efcfe  absufpred^cn.  9lnbererfeitß  fpred^cn  aber  über^ 
lüiegenbe  ®rünbc  bafür,  bic  ©^elid^tcitöerflfirung  burd^  baö  (Sefeg  für  un? 
jutäfftg  ju  erflären,  wenn  bie  ®l^e  jroifd&en  bem  SSater  unb  ber  2Kutter  beß 
Äinbeß  JU  ber  3^^  ber  ©rjcugung  beß  Icfeteren  nac^  ben  Scftimmungen  beß 
§  1236  megen  SSerroanbtfd^aft  ober  ©^roägerfd^aft  nid^t  gefc^Ioffcn  werben 
tonnte.  SEBenn  cß  au6)  ücreinjeltc  gällc  geben  mag,  in  meldten  tro^  ber  na^en 
SSerroanbtfd^aft  ober  ©d^mägcrfd^aft  bcr  @(tern  bie  Segitimation  oiellcid)!  ni^t 
a(ß  gerabeju  gegen  bie  öffentfid^c  Drbnung  üerftofeenb  erfc^einen  mag,  fo  mürbe 
bodE)  in  ber  •  übermiegenben  Slnja^t  foldier  %aUz  burd&  bie  3^föffung  ber 
Segitimation  gegen  bie  Segriffe  x»on  Siedet  unb  Sitte  rerftogen  merben.  ©aju 
tommt,  bafe  bie  ©taatßgeroalt  bei  5ßrüfung  eineß  Segitimationßgefud^cß  feineß^ 
megß  in  ber  Sage  ift,  p^er  ju  erfal^ren  ober  ju  ergeben,  ob  nid^t  jmifdöen  ben 
Gltern  beß  uneljeUd^en  Äinbcß  ein  aSermanbtfdEiaftß'  ober  ©d^roägerfcbaftß? 
üerl)ältni6  ber  im  §  1236  be^^eicbneten  SKrt  beftanben  Ijabt.  ®ß  fönnen  fogar 
bie  ©Itern  felbft  ftd^  eineß  fold^cn  jroifd^en  i^nen  beftefienben  SBcrl^cittniffeß  nic^t 
bemüht  fein  ober  geroefen  fein.  6ß  ift  aber  mifeü^,  in  berartigen  fällen, 
menn  nac^  ert^eiUer  Segitimation  baß  93eftef|en  eineß  fold&en  Sßer^ättniffeß  ftc^ 
ÖeraußfteDt,  bie  ®^elidöfeitßertlärung  alß  mirtfam  ju  be^anbctn,  obrool)!  bie 
©taatßgeroalt,  ^ötte  fie  üor  6rt^ei(ung  ber  Segitimation  bic  mafirc  ©ad^Iagc 
ge!annt,  bic  Segitimation  nic^t  crtfieilt  l^aben  mürbe.  3^^^  SSermeibung  eineß 
9tergemiffeß  unb  einer  ©rfd^ütterung  beß  SRc^tßgcfü^leß  ücrbicnt  cß  bcßl^alb  ben 
aSorjug,  unter  ben  SBoraußfe^ungen  beß  §  1586  bic  Segitimation  unbebingt 
JU  ücrbicten  (oergt.  §  1593).  9llß  entfd&cibcnb  für  bie  Scgitimationßunfä^igfeit 
fann  aber  nur  bic  ^txi  ber  (Srjcugung  beß  Stinbeß  angcfc^cn  merben.  SBenn 
j.  83.  erft  na^trägli^  ein  baß  $int)erni6  beß  §  1236  begrünbenbeß  ©d^mäger- 
fd^aftßoerl^dltnife  eingetreten  fein  foUte,  fo  bleibt  baß  t)orf|er  erjeugte  Äinb 
legitimationßfftfiig.  3n  einem  fold^en  galle  ift  bic  red^tlidöc  SKögUd^teit,  bafe 
ba^  Äinb  ein  cljcUdöcö  Äinb  feiner  ©Itcrn  fein  fönnte,  nidf^t  unbebingt  auß« 
gcfdjtoRcn. 

§  1587. 

«inwiaiflunfl  1,  2)ie  Scftimmung  beß  §  1587,  ba|  ju  ber  ®l)clidöreitßerflärung  bic 

'  ©inmiUigung  beß  Äinbeß  erforbcrlic^  ift,  cntfpcid^  bem  gemeinen  SRecbte,  bem 

ba^r.  S.  91.  I,  5  §  9  5Rr.  3  unb  bem  fäd^f.  ®.  ».  §  1785  (oergl.  aud&  I)e5f. 

entm.  III  Slrt.  63),  roö^rcnb  nad&  bem  preufe.  31.  S.  %  II,  2  §  602  bic  ©in^ 

mitligung  teß  Äinbeß  ein  mefentlid^eß  6rforbcrni|  nid^t  ift.    ©afe  im  ©cgen^ 

foßc  JU  ber  Segitimation  burd^  nat^folgenbe  61^'c  bic  ©inmiUigung  beß  Äinbc« 

cvforberl-idö  fein  foU,  red^tfertigt  fid&  burd^  bic  pöfitiDC  9latur  ber  l&ier  in  9lcbc 

ftcl^enben  Segitimationßart  unb  im  ^inblidte  auf  ben  tiefgreifenben  ©influfe, 

meieren  bie  Segitimation  auf  bic  perfönlid&en  unb  auf  bie  Dermogenßred^tlid&cn 

ajer^fiftniffe  beß  Äinbeß  äufeert. 

ber  «Hrou  2.  SSou  bcu  bcftcfienbcn  Siebten  roirb,  fofern  ber  SBater  beß  une^elid&en 

be8«otert;  ^}^j)^g  t)er^eiratf|ct  ift,  bie  ©inroilligung  ber  e^efrau  beßfelbcu  nid^t  Dcrlangt; 


(5]5cIid&!eit8ernarunG.    eintoiaiGung  be§  Ä1nbe§  jc.    §  1587.  941 

bod^  fönncn  nad^  bcm  fäc^f.  ®.  33.  §  1786  im  ß^cbrud^e  crjeugte  Äinbcr,  roenn 
bic  S^cfrou  beß  ß^cbrcd^crö  mit  bicfem  nod^  in  ber  ®^c  lebt,  nur  mit  ©in« 
roilligunfl  bcr  ©ficfrou  burd^  9icffript  Icgitimirt  werben,  2)er  §  1587  ftellt  in 
Ucbevcinftimmung  mit  bem  ^eff.  ®ntm.  III  airt  63  unb  bem  ital.  ®.  99. 
3(rt.  198  3ix.  4  bie  ©inmiUißung  ber  @l^efrau  bed  unel^elid^en  äSoterd  ganj 
oDgemein  a(d  ein  roefentlid&eö  ®rforbemi|  ^in  (t)ergl.  auc^  §  1606).  ®d  ift 
biefeö  ©rforbemife  burd^  bic  SRüdEfid&t  Quf  bofi  Sntereffe  unb  baö  ftttlid&e 
SBefen  ber  ®^c  ßebotcn.  ®s  miberftreitet  bem  fittlid&en  ©runbgebanlen  ber 
(enteren,  wenn  cö  bem  ©l^cmanne  (jeftattet  fein  foUte,  o^ne  bie  ©inroiDigunß 
ber  @^efrau  fein  natürüc^ed  ftinb  in  ber  red^tlid^en  Stellung  eined  el^eUd[)en 
in  bie  gomiliengemeinfddaft  auf june^men.  Ueberbicö  fommt  in  Setrad^t,  ba^ 
unter  Umftönben  burd^  bie  Legitimation  in  ba&  gefegUc^e  ©rbred^t  ber  @^efrau 
5um  9lQd^t^eiIc  ber  lefeteren  eingegriffen  wirb.  UnbebenfU^  ift  es  bagegen  ««ano^mc  im 
unb  onbererfeitö  im  Sntereffe  ber  SRcc^törtd^er^eit  (üergL  §  1593)  ongemeffen,  ^J^f 
in  Slnfel^ung  ber  ©inmilligung  ber  ß^efrou  bem  S^obe  ber  (efeteren  ben  gall,  eröärunß; 
wenn  biefelbe  für  tobt  erllärt  ift,  unbebingt  glei^jufteUen,  inforoeit  mithin  an 
bie  S^obederüärung  eine  über  bie  äSeftimmung  beö  §  21  W)l  1  ^inaudge^enbc 
SBirhing  ju  fnüpfen  (t)ergl,  aud^  §§  1606,  1611).  ©d  ift  bied  um  fo  um 
bebenflic^er,  ate  ber  Seemann  nad^  §  1464  auf  ©runb  ber  Xobeöerflörung 
fogor  eine  neue  ®^e  mirffam  fd^iefeen  fann. 

dagegen  I)at  ber  (Sntmurf  93ebenfen  getragen,  bem  S^obe  unb  ber  ^obeft^^  ser^inberung 
erflärung  ber  e^efrau  au^  ben  gall  gfeic^juftellen,  menn  bie  lefctere,  j.  93.  in  ^^  ®^*^^^ 
golgc  ©cifteöfranJE^cit,  jur  SÄbgabc  einer  6r!lärung  Dorauöft^tUc^  baucrnb 
außer  ©ionbc  ift  (oergf.  §  1238  3lbf.  1  ©afc  3).  3roar  ift  in  einem  foW)en 
^alle,  ba  nad^  §  1588  bie  SinmiQigung  ber  @^efrau  au^  burd^  beren  gefe^^ 
lid&cn  aSertrcter  nid^t  erfolgen  fann,  bie  aWoglid^feit  ber  e^elid&fcitderfläruug 
gön}(id^  audgcf d^löf|en ;  aQein  bie  @rünbe,  aus  meldten  bie  ßinmilligung  ber 
ß^cfrau  üorgef (^rieben  ift,  laffen  eß  bebenllid^  erfd^einen,  in  jenem  gaUc  oon 
bem  ©rforberniRe  i^rcr  (SinmiHigung  abjufel^cn,  ba  bie  3Jlöglid^!eit  einer 
Teilung  nid&t  auflgefc^Ioffcn  ift.  3"^^^  !önntc  im  gaUe  ber  SBicber^erfteDung 
leidet  ©trcit  barüber  entftc^en,  ob  bic  9Soraudf?§ung,  unter  welcher  bic  ®in? 
miDigung  ber  ®^efrau  nid^t  erforberlid^  mor,  jur  3cit  ber  (S^eüd^teitöerltärung 
vorgelegen  ^at  ober  nid^t,  ob  bic  lefeterc  mitl^in  mirffam  ober  unmirffam  ift. 

3.  2)ic  6^c(id&feitdcrMärung  nac^  Slnalogic  ber  für  bic  Slnna^me  on  «inwiaiflunfl 
Äinbcftftatt  gegebenen  SBorfd^rift  beß  §  1610  aud^  ©on  ber  ©inmiaigung  bcr  ^'''^„brt.*''* 
9Ruttcr  beß  jlinbcß  abhängig  ju  mad^en,  folange  baß  (entere  ba&  fünfunb^ 
jroanjigfte  fiebcnßial^r  nod^  nici)t  }urüdgelegt  I)at,  ift  a(ß  bebcnflid^  crad^tet. 
gür  jeneß  ©rforbemife  läßt  fi^  allerbingß  anführen,  ba^  bie  uncl^cli^e  ÜWutter 
in  ber  9lege(  bem  j^inbe  n&^cr  ftcl^t^  ate  ber  une^elid^c  93ater,  unb  bag  bie 
@^e(id^teitßer!(ärung  beß  Einbeß  in  nid^t  geringerem  3Rage,  mic  bie  9Innal)mc 
on  Äinbeßftatt,  in  baß  perfBnlid&c  SBer^ältnife  unb  bie  9ted6tßfteUung  ber 
SKutter  ju  iljrcm  Äinbc  tief  eingreift,  inßbef onbcrc  an6)  in  erbred&tti^er  ^infid^t, 
fomie  in  äinfcbung  ber  ber  une^eli^en  3Ruttcr  juftc^cnben  Sorge  für  bic 
?ßerfon  beßfelben  (§§  1570,  1597).  5Da  ieboc^  baß  ©rforbcrnife  ber  ©im 
miUigung  ber  aKutter  bem  gcltenbcn  SRcd^tc  fremb  ift,  fo  mürbe  bie  Sluf:^ 
fteUung  biefeß  ©rforberniffeß  fid^  nur  bann  rcd^tfcrtigcn  (offen,  menn  in  biefer 


942  @6en(6fcit«ecf(ärung.    SSertretung.    §1588. 

Slid^tiing  ein  SBcbürfnife  ^croorgctrctm  loäre.  S)ic«  ift  aber  ni^t  bcr  goU. 
^te  mit  ber  @^e(id^feitöert(örung  betrauten  99e^örben  loerben  oud^  o^ne  be« 
fonbere  SSorfc^rift,  foioeit  not^iß  imb  t^unlid&,  bie  3Rutter  befragen  unb 
oI)ne  i^re  @inn)iQigung  nur  audna^mdn)eife  bie  Segitimation  ert^ei(en. 
@(i^reibt  man  aber  bie  @inn)iUigung  ber  Sßutter  a(d  gefegtid^cö  @rforbemig 
t)or,  fo  entfielt  bie  ®efaf)r,  ba§  in  nid^t  feltencn  gäBen,  jumal  roenn  ber 
SSatcr  bes  ftinbeö  unb  bie  äRutter  jeben  5Ber!ef)r  abgebrod&en  l^aben  unb  in 
ganj  tjerfd^icbcnen  SBer^ältniffen  leben,  bie  aButter  auö  Xxoi  gegen  ben  SSater 
ober  im  miftoerftanbencn  Sntereffe  beö  Äinbefi  ober  oufi  perfönlid^er  Slücfftd^t^ 
na^me  auf  fid^  felbft  bie  an  fid&  oieHeic^t  Uf)v  im  3ntercffe  beö  Rinbed  gelegene 
Segitimation  burd&  SSermeigenmg  i^rer  ©inwiDigung  hintertreibt, 
sie^iiic^e  4.  2)ie  im  §  1587  oorgefc^riebenc  @inn)iUigung  bed  fiinbed  bejm.  ber 

^^jj^**"*  (g^efrau  l^at  ben  Äarafter  eineö  einfeitigen  SRec^tfigefd^äfteö,  n)el(^efi  ju  bem 
in  bem  ätntrage  bed  ^43aterd  auf  @^eli(bfeitderf(ärung  enthaltenen  einfeitigen 
Sled^tögefd^äfte  bed  (enteren  a(d  ein  gleid^faOö  n)efentlid^eö  SKoment  (§  1593) 
Einzutreten  mug.  2Benng(eic^  an  ftd^  bie  l^ier  fragtid^e  @inn)il(igung  unter 
ben  §  127  fällt,  fo  ift  biefelbc  bod^  im  ©injetnen  burd^  bie  befonberen  SBor^ 
fcbriftcn  bcr  §§  1591,  1593  Sag  1  felbftänbig  geregelt.  (Sine  ber  Seftimmung 
be«  §1611  ©a6  2  entfpred^enbe  SSorfd^rift  ift  i)kv  n\i)t  erf orberlic^ ,  ba  bie 
©^elid&tcitöerflärung  erft  burdö  bie  SJerfügung  ber  ©taatfigeroalt  erfolgt  unb 
ed  gu  biefer,  nid^t  aber  ju  bem  eintrage  bed  SBaterd  auf  S^elid^teitdertlärung 
ber  ©inmilligung  bebarf,  mitl^in  bie,  wenn  aud^  nad^  jenem  3lntrage,  aber 
oor  ber  (S^elidöteitÄcrHörung  erfolgte  S^^ftttnmung  ftc^  im  ©inne  beö  ©efeged 
(§  127  abf.  1)  no4i  alö  (ginroilligung  barftellt. 


§  1588. 

Bertretung  Slbgefe^eu  t)on  bem  fäd^f.  ®.  S.  §  1785,  n)eld&eö  üorfc^reibt,  ba|,  wenn 

Btmmtn  ""*^^  SSormunbfd&aft  ftel^enbe  5ßerfonen  e^elid^  erflärt  werben  f ollen,  meiere 
bad  uicrjel)nte  Sebendja^r  jurüdEgelcgt  Ijabcn,  ed  i^rer  eigenen  ©inroiHigung 
bebarf,  entlialten  bie  beftel^enben  Siedete  in  ben  im  §  1588  geregelten  33e=j 
jie^ungen  befonbere  Seftimmungen  nid&t.  SGBcimgleid^  bie  SBorfcftrift  bed  §  1588 
©afe  1  gegenüber  bem  geltcnben  SRed^te  jum  SC^eil  eine  Sleuerung  unb  gegen* 
über  bem  allgemeinen  aSertrctungdprinjipc  (§§  115,  1649,  1503  3lbf.  1)  eine 
Slbroeid&ung  cnt^ölt,  f o  empfiehlt  fi^  bie  9lufnaf|me  berfelben  bod^  im  ^inblidfe 
auf  ben  ^öd^ftperfonlicben  Äarafter  bcr  in  Siebe  ftcl^enben  SBtllenderflärungen, 
j^umal  biefe  Slürffic^t  in  allen  gteicftliegcnben  Sßerl^ältmffen,  indbefonbere  aud) 
bei  ber  3lnnal|mc  an  ftinbcdftatt,  jur  Slufna^me  ä^nlidöer  Seftimmungen 
gcfüljrt  ^at  (oergl.  namentlidb  §  1238  3lbf.  2,  §  1263  9lbf.  1,  §§  1474,  1612, 
1614).  eine  9ludnaf|mc  t)on  bcr  SReget  bed  §  1588  ©ag  1,  bafe  bie  ©in* 
TOiUigung  bed  Äinbcd  auc^  nid^t  burd^  ben  gefeglid^en  9}crtreter  bedfelbcn 
erfolgen  fann,  mad^t  bcr  §  1588  ©ag  2  iebod&  für  ben  gaU,  menn  bad  Äinb 
bad  Dicrje^nte  Sebcndja^r  noc^  nid)t  jurüdfgctegt  ^at  (t)ergt.  anä)  §  1612), 
bamit  nid^i  bie  ÜRöglid&feit,  ein  nod)  im  Äinbedalter  ftebenbed  Äinb  burdd 
©lielicEfeitdcrflärung  ju  legitimiren,  gänjlid^  abgefc^nitten  mirb  bejm.  bie  im 
3ntereffe  eined  nod^  im  jugenbüd^en  Sllter  fte^enbcn,  ber  not^igen  6infidf>t 


(äöcli^feitöctffdnmg.  ©cnc^migung  b.  aSormunbfd^aftögcri^tcg.  §  1589.       943 

entbe^renben  ftinbeö  Itegenbe  Legitimation  nid^t  an  bem  äSiberfprud^c  eines 
fold^en  ßinbed  fd^eitert.  9Ud  bie  entfd^eibenbe  SKter^^grenje  \)at  ber  Sntmurf 
im  älnfd^Iuffe  an  ba&  fäc^f.  ®.  ^.  unb  na(t)  Slna^ogie  ber  iiber  bie  älnna^me 
an  Äinbcöftatt  gcftenben  SBorfddriften  (ücrgl.  §  1612  ncbft  aWotiücn)  bas 
pollenbete  Dierjel^nte  fiebendja^r  l^ingeftcUt^  baoon  audge^enb,  bag,  xotnn 
aud^  ein  in  biefem  Sebendalter  fte^enbed  Kinb  bie  red^tü^e  99ebeutung  ber 
Legitimation  nic^t  DöDig  }u  begreifen  im  Stanbe  ift^  ein  folc^eö  ^inb  boc^ 
bie  mit  ber  Segitimatipn  für  badfelbe  rcrbunbenen  perf5nlid)en  SBirfungen 
fe^r  n)ol^l  ju  empfinben  uermag  unb  bag  ed  beöf^alb  ungered^tfertigt  unb 
mit  bem  3^^*^  ^^^  Legitimation,  ein  inniges  gamilienoerpltnife  iroifd^en 
bem  une^elid^en  £inbe  unb  bef[en  ißater  ju  begrünben,  nic^t  vereinbar  fein 
würbe,  ein  fold^eö  ftinb,  wenn  bafifetbe  trofe  beö  (Sinftuffcö  feines  gefegüd^en 
aSertrcterS  bei  feinem  SBiberfprud&e  beljarrt,  gegen  Steigung  unb  ©efü^l  }u 
}mingen,  ju  bem  unebelid^en  SBater  in  bas  mit  ber  Legitimation  burc^ 
@^eüc^feitserf(örung  rerbunbene  nal^e  93er^ä(tnig  ju  treten. 

§  1589. 

3)o6,  wenn  ber  SBater  ober  bas  Äinb  in  ber  Oef^äftsfäl^igfeit  befc^ränft  einwitttfl««« 
ift,  }u  bem  Slntragc  bes  SBaterS  bejro.  ju  ber  ©inroiUigung  bes  Äinbes  bie*^aStml^ 
©inroiUigung  bes  gefefetid^en  aSertreterS  erforbcrlid^  ift,  entfprid^t  ben  SBor* 
fd&riften  bes  §  65  Sttbf.  3  unb  ber  §§  70,  71  (oergL  fäAf.  0.  35.  §  1785; 
preufe.  21.  L.  31.  II,  2  §  602). 

®in  genügenber  ®runb,  bie  6^eUd)feitserHärung  für  unjuläffig  ju  «inber. 
erflären,  xotnn  ber  SJater  nod^  minberjätjrig  ift,  liegt  nic^t  ©or,  jumal  aud^'*^^^^'^*^*'** 
bie  (S^emünbigteit  bes  mfinntid^en  ©efd^Ie^tes  fd^on  mit  bem  jurüdgelegten 
jmanjigftcn  Lebensjahre  eintritt  (§  1233)  unb  mä^rcnb  ber  SWinberifi^rigfeit 
bie  elterHd^e  ©emalt  mit  Stusna^me  ber  elter(id^en  ^{ugniegung  nad^  äßaggabe 
bes  §  1554  nur  ru^t.  gür  bie  Legitimation  bur^  e^etic^feitsertlärung  fann 
aud&  nid&t  in  SSetrad^t  fommen,  bafe  bie  Slnna^me  an  Äinbesftatt  ein  beftimmtes 
^ö^eres  Lebensalter  bes  9lnnebmenben  oorausfegt  (§  1603)  unb  bag  nad^  ben 
33cftimmungen  bes  ©rbrec^tes  ein  SRinbcrjä^riger  burd^  ©rbeinfefeungsoertrag 
über  feinen  ^lad^ia^  ni^t  verfügen  fann  (§  1942);  benn  bei  ber  ß^elid^feits* 
erttörung  bilbet  im  ©egenfage  ju  ber  älnnalime  an  jiinbesftatt  bie  natürUd^e 
aSaterfd^aft  bie  ©runblage,  unb  auf  bie  angeführten  Seftimmungen  bes  @rb* 
re^tes  fann  entf^eibenbeS  ©eroic^t  nid^t  gelegt  merben,  ba  bas  @rbred^t  ^ier 
nur  bie  gefeftUd^e  golge  ber  Legitimation  ift.  äfusfcblaggebenb  für  bie  3"' 
(affung  ber  @^e[id^feitserf(ärung  aud^  bei  äßinberiä^rigfeit  bes  3iaUxi  ift  aber, 
abgefe^en  baoon,  bag  bicfelbe  mit  bem  geltenben  Steckte  im  ®in!(ange  fte^t, 
bie  2:^atfa(^e,  bafe  es  in  nic^t  feltenen  gällen  im  t)öc^ften  Sntereffe  üMinber* 
jöbtiger  gelegen  fein  fann,  menn  i^nen  bie  SHöglid^feit  gegeben  ift,  ein  natür* 
li^es  5liub  burcb  @^e(id()feitserf(ärung  in  bie  9(ed^tsfteUung  eines  e^elid^en 
Äinbes  ju  erl^eben,  jumal  ber  Entwurf  bas  befonbcre  3nftitut  ber  fog.  legiti- 
matio  per  testamentum  nid)t  aufgenommen  f|at.  2)a  bie  ®rt^eilung  ber  Legiti« 
mation  nad&  bem  ©ntmurfe  Onabenfad^e  ift  (§  1592),  fo  fann  barauf  oertraut 
werben,  bag  bie  mit  ber  Prüfung  bes  3(ntrageS  eines  älUnberiäl^rigen  betrauten 


944  eigelt^fettderfrärung.    (Sinipimgung.    ^om.    §§  1590,  1591. 

33eprbcn  a\x6)  barüber  ©tl^ebungen  anftcDen  werben,  ob  übcrroicgenbc  (Srünbe 

für  bie  ©rtl^eilung  ber  Segitimotion  uorliegen  ober  nlc^t,  inöbefonberc,  ob  nid^t 

im  SinjelfoIIe  überioiegcnbe  3ntereffen  S)rittcr  gegen  bie  ©rt^eilung  ber  Segiti? 

mation  fpred^en.    Ueberbied  bebarf  ed  ber  @tnn)illigung  bed  gefegUc^en  äier» 

treterd  unb  ber  Genehmigung  bed  SBormunbfc^aftdgerid^ted.     @d  ift  ba^er 

genügenb  geforgt,  bafe  bie  Sntereffen  bed  aWinberjäörigen  wie  brütet  ^e* 

tfieiUgter  berüdErid&tigt  werben. 

(Sene^mtgunfl  ©ie  SSorfd^rift,  büfe  in  ben  im  §  1589  bejeid^netcn  %&Utn  bie  ®c* 

''**S"^'^^N'9""8  ^*  aSormunbfc^oftögeric^teö  crforberfid^  ift  (oergl.  oud^  §  1613 

8ert«^te«.    3i5[.  1^  2),  red^tfertigt  fid^  im  ^inblirfe  auf  bie  SBid^tigteit  ber  Segitimation 

Surc^  (S^elic^feitdernärung  unb  ben  tiefgreifenben  Sinflug  berfelben  auf  bie 

perfönüc^en  unb  oermögendred^tli^en  S3eiie^ungen  bed  SBaterd,  wie  bed  Hinbed 

(rergl.  fäd^f.  ®.  33.  §  1785). 

gc^lt  in  ben  gäHen  bes  §  1589  bie  ®inn)iDigung  bed  gefc^Ud^en  SBers^ 
treterd  ober  bie  Oene^migung  bed  SSormunbfd^aftdgeric^tcd,  fo  ift  bie  S^e* 
lic^feitderfldrung  unroirtfam;  eine  nac^träglid^e  ©ene^migung  fonn  f)ier  — 
abmeid^enb  von  bem  galle  ber  3[nnal|me  an  Ainbedftatt  (oergl.  SRotioe  ju 
§  1613)  —  um  bedwiUen  nid^t  in  grage  fommen,  weil  ed  ftd&  bei  ber  (S^e* 
li^feitderflärung,  fooie(  ben  Slntrag  bed  93aterd  unb  bie  Einwilligung  bed 
Äinbed  betrifft,  nur  um  einf eitige  SRed^tdgefd&ofte  ^anbclt  (§  1593 ;  uergl.  au^ 
§  65  Slbf.  3,  §  1681  abf.  2,  §  1514). 


§  1590. 

«inwiuifluna  2)ie  Seftimmung  bed  §  1590  berul^t  auf  ber  perfön(id&en  5Ratur  bed  ^ier 

»i?«3litr  fröglid&en  einwiUigungdrcd^ted  unb  ftc^t  mit  anberen,  ö^nlid^e  93erl)ältniffc 
c^efrttu  bc«  betreffenben  SBorfd^riften  bed  ©ntwurfed  im  ©inftange  (oergl.  indbef.  §  1238 
^'''''    3lbf.  2  Saft  2,  §  1614  ©aß  2). 

§  1591. 

^orm  ber  äßenugleid^  nad^  bem  gettenbcn  Siechte  bie  im  §  1591  Saß  1  bejeic^ 

^^^•J*'i^  neten  SQBillcndrlläerungen  an  eine  beftimmte  gorm  ald  wefentlid^e  SBorauft* 
cet^eiiiaten,  feßuug  ber  ß^elidöfeitderftärung  nid^t  gebunben  finb,  fo  ift  ed  bod^  ate 
bebenKid^  erachtet,  ben  betreffenben  Staatdbe^örben,  weldbe  bie  Segitimation 
ju  ert^eilen  ^aben,  ju  überlof[en,  ftc^  m6)  i^rem  ©rmeffen  ju  üergewiffern, 
ob  bie  ald  wefentlid^  erforberten  ©rflärungen  abgegeben  finb.  ®d  würbe  bicd 
bie  ®cfal|r  mit  ^xä)  bringen,  bofe  berienigc,  weld^er  fic^  auf  bie  ®^eli^feitd« 
erflärung  beruft,  in  bie  £age  oerfeßt  wirb,  bewcifen  ju  muffen,  bafe  jene  98or* 
audfeßungen  bei  @rt^ei(ung  ber  Segitimation  vorgelegen  ^aben.  "SJlan  ffat 
nid&t  einmal  bie  ©id^er^eit,  ba^  bie  betreffenben  ©rflärungen  uon  ber 
Seprbc  aufgenommen  werben.  3lm  Rd^erften  ge^t  man,  unb  ed  entfprid^t 
au^  ber  wid^tigen  93ebeutung  ber  S^elid^feitderflärung  in  red^tli^er  unb 
fojialer  93eiie^ung,  wenn  man  bie  bejeid^neten  ©rflärungen  im  ©inHange 
mit  ben  t)on  bem  Entwürfe  in  ä^nlid^  Uegenben  gälten  gegebenen  SSorfd^riften 
in  ber  im  §  1591  Saß  1  beftimmten  aSeife  formalifirt  (t)ergl.  §  1616  3lbf.  2). 


(g^eli^feit&etfrorunfl.    ®nabenfa*c.    §1592.  945 

5lur  bic  im  §  1591  bcicid^nctcn  (Srftfirungen  foBcn  an  bic  gcric^ttid^c    »>«  ci«* 
ober  notartcUe  gorm  gcbunbcn  fein.    ®in  praftifcfieö  Scbürfnig,  ouc^  bie  im^'^Xr 
§  1589  bejeid^ncte  Einwilligung  beö  gefcfilid^cn  SBcrtreterö  ju  bem  älntroge  ««rtr«*«'«- 
beö  SSaterö  ober  ju  ber  ©inroiUigung  bcö  Äinbeö  —  in  Stbrocid^ung  t)on  ben 
allgemeinen  (Srunbfäfeen  ber  §§  65,  127  Slbf.  2  —  an  bie  gerid^tlid^e  ober 
notarielle  gorm  ju  binben,  fann  trog  ber  über  bie  junad^ft  Setticiligten  ^inauö 
ftc^  crftrecfenben  SDßirtungen  ber  ©{jelid^feitöcrttärung  nid^t  ancrfannt  locrben, 
iumat    bie  im  §   1589  t)orgefd^riebene  Genehmigung  bed  SSormnubfc^aftö:" 
geriddted  eine  audrei^enbe  ©arantie  bafür  bietet,  ba^  bie  Sinmilltgung  bed 
gefellid^en  SSertreterö  erfolgt  ift.    SKud^  bei  ber  6l^ef(^Ue§ung  unb  bei  ben 
e^eüerträgen  (oergl.  aWotiüc  ju  §  1335  oben  ©.  313  ff.)  ift  eö  nid^t  für 
erforberlidE)  unb  für  angcmeffen  erad^tet,  bie  ®inroiUigung  ober  ©enei^migung 
beö  gefcfelid^en  33ertrcterd  an  eine  gorm  ju  binben.   SBie  bort,  ift  aud^  ^ier  bie 
SRüdffid^t  auf  bie  2lufred^terf)altung  bcö  Slec^töafted  als  überroiegenb  anjufc^en. 

S)ie  aSorfd^rift  befi  §  1591  ©aß  2  bcjroedft  einerfcitö,  btn  S^ti^^l  ju  «riiävung». 
löfen,  mem  gegenüber  bie  ©inroiHigung  beö  Äinbeö  ober  ber  ®f|efrau  bcö  *^'"^^''"**'^- 
35aterö  erfolgen  mu§  (t)ergl.  §  127  Slbf.  1)  imb  baburd^  jugleic^  für  ben  gall 
ber  ainfe^tung  ber  (Sinroilligung  (§  1600)  im  §inblidEe  auf  §  113  Slbf.  2  ben 
SKnfed^tungögegner  in  einer  angcmeffcnen  SBeife  ju  bcftimmen,  anbererfeitö,  bie 
SBiberruflic^feit  ber  (SinmiHigung  oor  erfolgter  6f)elid^feitöerftärung,  entgegen  unwiberrut- 
ben  aSorfc^riften  beö  §  127  3lbf.  3  unb  beö  §  119  Slbf.  1,  auöjufc^liefeen  Äi^^ns. 
(rergl.  aud&  §  1616  Slbf.  2).  S)ie  Seftimmung,  bafe  bie  einmal  erfolgte  6im 
loilligung  unroibemiflid^  ift,  empfiehlt  fid&  auö  praftif^en  ©rünben,  um  ju 
oerl)inbern,  ba§  burd^  einen  millfürlid&en  aSibcrruf  ber  betreffenben  ^erfonen 
baö  ganje  weitere  aScrfa^ren  ein  oergeblic^eö  mirb  unb  oieDeid&t  erft  nad& 
ert^eilter  Segitimation  bie  Unroirffamfeit  ber  S^elid^feitöerKärung  auf  ©runb 
beö  üor^er  erfolgten  aSiberrufeö  ber  (ginmilligung  fid^  fjerauöfteHt.  2)iefe  mit 
ber  3i*löffung  beö  aCBiberrufeö  ocrbunbenen  Uebelftänbe  mürben  jmar,  menn 
man  oorfd&ricbe,  bafe  ber  SBiberruf,  um  roirffam  ju  fein,  gegenüber  ber  mit 
ber  ertl^eilung  ber  ©tieli^teitöerflärung  betrauten  33el)orbe  erflärt  werben 
muffe,  einigermaßen  geminbert,  aber  nld^t  bcfeitigt  werben.  35ie  Sluöfdbliefeung 
beö  SBiberrufeö  ift  anbererfeitö  audl)  unbebentlid^,  t^eilö  weil  bie  ©inwilligungö* 
ertlärung  burd)  §  1591  ©afe  1  formalifirt  ift  unb  bicfe  gorm  gegen  Ueber* 
cilung  fd^üfit,  tfieilö  im  ^inblirfe  barauf,  ba§  nad&  §  1589  in  einer  großen 
3a^l  t)on  gällcn  bie  ®enet)migung  beö  SBormunbfd^aftögerid&teö  erforberti^ 
ift,  biefcö  aber  feine  ©enc^migung  ücrfagen  wirb,  wenn  nac^  ®rtl^cilung  ber 
©inwiUigung  beö  Äinbeö  ober  ber  ©fiefrau  Umftänbe  eingetreten  fein  follten, 
weld)e  bie  ß^elid^feitöerftärung  oom  Stanbpunfte  beö  ^ntereffeö  beö  Äinbeö 
auö  alö  bebenfli(^  erfd^eincn  taffen.  2)ericnige,  weld^er  feine  ©inwifligung 
ertl)eilt  t|at,  bejw.  ber  gefefelid^e  SBertreter  beö  Äinbeö  fann  berartige  Umftänbe 
jur  Äenntniß  beö  aSormunbfd^aftögeridöteö  bringen. 


§  1592. 

Der  §  1592  bejwedft,  inöbefonbere  im  ^inblicfe  barauf,  baß  nac^  ge^  «orofter  aw 
meinem  SRed^te  barüber  geftritten  wirb,  ob  beim  SBorfianbenfein  ber  gefefelid^en  ®""^*"^***- 

OtotiDC  h.  bfiroerl.  Oefe^bud^.  IV.  60 


946  (5Wt*fcitgctfrorung.    Untoirffamfeit  k.    §§1593-1595/ 

©rforbemiffc  bcr  SBatcr  ein  SÄcd^t  auf  bic  @rtl^ci(un9  ber  ®]^eU(^fcitecrfWrun(| 
^abe^  )um  beutUd^en  Sludbrucfe  ju  bringen^  bag  bie  Sntf Reibung  über  ben 
Eintrag  bcs  ^aterd  auf  @l^eUd^feitderfIärung  Iraft  freier  @ntfc^üegung  ber 
©tnategcroatt  erfolgt,  mithin  olö  ©nabenfod&e  anjufe^en  ift  (t)ergl.  bie  üJlotiw 
ju  §  1588  oben  ©.  933  ff.)- 

§  1593. 

unwirrfoiiu  S)ie  SSorfd^rift  beö  §  1593  ©aß  1   entfd&eibet  bic  namentlid^  in  ber 

'^^^j'J^^'gcmeinred^tlid^cn  Suridprubenj  beftrittene  ^age,  ob  unb  inmicmeit  eine  troß 

ii<i^en  «rfor-  beÄ  9Wange(Ä  bcr  im  ©cfcfec  bcftimmtcn  SBorauöfcfeungen  ert^eilte  Scgitimation 

bentiffe«;   ^^^^  SReffript  wirffam  ift.    3nbcm  bcr  entiourf  bie  e^crid^fcitöcrttarung  für 

unroirffam  crttärt,  wenn  ein  gcfcfefid^cö  ©rforbernife  fel^It,  fd^üfet  er  bie  3ntcreffen, 

um  berenroinen  bic  gcfefelid&en  ©rforbcmiffc  aufgeftcHt  finb,  bcm  S^Qt  ber 

mobemcn  Slcd&tsentroidfefung  entfprcd^enb,  in  einer  t)on  ber  SScrroaltung  um 

abhängigen  unb  njirifamcn  2Beife  (oergf.  ajlotioe  ju  §  1583  oben  ©.  933  ff.). 

SBcgcn  ber  Seftimmung  bes  §  1593  ©aß  2  wirb  auf  bie  SRotioc  su 

§  1583  oben  ©.  932  unb  }u  §  1585  oben  ©.  938  ff.  99ejug  genommen. 


§  1594. 

»«ifft«u«fl  3)ie  Seftimmung  bcö  §  1594  folgt  auö  bcm  SBcfcn  ber  Scgitimation 

biiiflmig  ic.i  burd&  6^clid^feit«erflärung  ald  Segrünbungöart  eincö  ©Item*  unb  Rinbcs* 

ücrl^ältniffcö  unb  ftcl^t  mit  anberen  für  gleic^Iicgcnbe  58cr^filtniffc  gegebenen 

SSorfd^riften  bcö  ©ntrourfcö  im  ©inffange  (oergr.  §  1250  9lbf.  2,  §  1472  ©aß  3, 

§  1615). 

1595. 

xob  bcft  aSennglcidö  cd  nad^  bem  §  74  3lbf.  3  auf  bie  SDSirtfamfcit  einer  SBillend* 

b^^^tibe«.  erftärung  ol^ne  (Sinf(ug  ift,  xo^nn  bcr  Urheber  ftirbt,  nad^bem  er  bie  audbrucf^ 
(id^e  9i$iIIcnöcrf(ärung  bel^ufd  bcr  3lbfenbung  abgegeben  l^at^  fo  mug  bod^  ber 
Dor  bcr  Sl^clid^teitderfläning  erfolgte  3:;ob  bed  ^aterd  ober  bed  ftinbcd  bie 
Unn)ir!fam!cit  ber  @^cUd^fcit6erf(ärung  jur  ^olge  l^aben^  n)ci(  nac^  §  1583 
9lbf.  2  bie  (SJ^eUd^fcitderflfirung  erft  t)on  bcr  Qtit  bcr  Icßtercn  an  o^ne  Stüct» 
mirfung  auf  ben  3^itpuntt  bed  geftcUten  Slntragcd  auf  @^e(id^!eitdcrf(firung 
in  jtraft  tritt,  bie  ^egrünbung  bed  burd^  bie  @^elic^teitdernärung  beabftd^tigten 
perfönti(|cn  93er^fi(tniffcd  aber  nid^t  me^r  mögtid^  ift,  mtnn  cd  in  bem  ent« 
fcftcibcnben  3^itpunfte  an  bcm  erforbcrlid^en  ©ubiefte  für  bad  ju  begrünbenbc 
aScrJ^ältnife  fc^tt.  3)aju  lommt,  bag  bie  an  ben  a;ob  bejm.  an  bie  3^^*  \^^^^ 
®intrittcd  ftd^  Inüpfenben  crbrcd^tlid^cn  gotgen  burc^  bie  Scgitimation  nid&t 
me^r  geänbert  mcrben  bürfen. 

«efW«-  ainberd  liegt  bagegen  bic  ©ad(ie,  xotnn  bcr  SJater  ober  bod  Äinb  vox  ber 

mmmu  g^elic^fcitöcrflärung  gefc^äftdunfä^ig  werben  foUte.    Safe  ber  eintritt  ber 

©cfc^äftdunfö^igfeit  ouf  bie  SBirffamfeit  bcr  e^ead^feltderflärung  o^ne  ©nflufe 

ift,  mcnnglcid^  bic  ©taat^gcmalt  fclbftocrftönblid^  [xä^  babur(|  oeran(agt  feigen 

fann,  bie  Scgitimationdcrt^cihmg  ju  Dcrfagcn,  ergicbt  ftd^  fd^on  an  ber  ^anb 


®6en*fcit8crfrarunö.    Sem)anbtWaft  k.    §  1596.  947 

bcr  aUgcmeincn  ©runbffi^c  (§  74  SIbf.  3)  unb  braucht  bcöl^alb  nid^t  bcfonbcrö 
audgefprod^en  }u  iDerbett. 

Slnbcrcrfcitö  Dcrftc^t  cö  fxd^  in  (Srmangclung  einer  cntgcgcnftelienben  ««^««^««T«»" 
»eftimmung  (üergL  §  62  äbf.  2,  §  1617  ©aß  3)  von  felbft,  bog  bcr  SSater  an  ^  *"**^" 
feinen  9lntrog  cor  ©rt^eitung  bcr  Segitimation  nid)t  gebunbcn  ift,  fonbcrn 
benfclben  biß  ba^in  roiberrufen  fonn,  2)ic  bcfonbercn  ©rünbe,  rocid&e  ju  bcr 
bie  Sttnna^me  an  Äinbeöftatt  bctrcffenben  SBorfd^rlft  bcfi  §  1617  ©Qfe  3  gefüfirt 
^aben,  treffen  für  bic  l^ier  in  Siebe  fte^cnbe  einfeitige  SBiUenöerHärung  beö 
SSaterd  nid^t  ju. 

§  1596. 
1.  S)er  crfte  ©oft  beö  §  1596  Slbf.  1  fpri^t  nur  eine  Äonfequenj  beö  im  ^J^\ 
§  1583  atbf.  2  cnttialtenen  ^rinjipeö  aus.    Sei  ber  SBid^tigfeit  beö  legieren  "b«  »«"* 
ift  efi  iebod^  afö  rattifam  erad^tet,  ben  ©inn  unb  bie  XxaQvotitc  bcöfefben  »««^*f*«f'' 
burd^  bic  9lufnaf|me  jeneö  ©ogeö  ju  ocrbcuttid&en  unb  bem  aJlifeocrftonbniffe 
ju  begegnen^  alö  ob  bie  ^orfd^rift  bed  §  1563  3[bf.  2  fld^  [ebig(i^  auf  bad 
S3erf|ältni6  jraifi^cn  bem  SBater  unb  bem  Äinbe  bcjicl^c.    3m  Uebrigen  wirb 
rocgen  bcr  ©rünbc,  auf  meieren  cincrfcitd  bie  SSorfd^rift  beö  §  1596  3lbf.  1 
©afc  1,  anbererfeitß  bie  ate  eine  SKusna^mc  von  bem  ?ßrinjipe  be«  §  1583 
äbf.  2  fid^  barftcDcnbe  SBorfc^rift  beö  §  1596  Sttbf.  1  ©afc  2  beruht,  bafe  baö 
Äinb  unb  beffen  3lbtömmUnge  nid&t  bie  rcd^tlic^e  ©teltung  von  SJcrroanbtcn 
bcr  SSerroanbten  beö  SBatcrö  erlangen,  auf  bic  SRotioe  ju  §  1583  oben  ©.  934  ff. 
Sejug  genommen.    S)ur^  bicfe  lefetere  SBorfd^rift  wirb  felbfioerftänblid^  baö 
auf  bcr   natürlid&en   SScrroanbtfd^aft   beru^cnbe  (g^cl^inbcmife   jmifd^cn   bem 
unel^clic^cn  Äinbc  unb  bejfcn  Slbfömmfingen  cinerfcitö  unb  ben  SBermanbten 
beö  33aterö  anbercrfeitö  nac^  aJlafegabc  beö  §  1236  nid&t  berührt. 

SBcnngleidö  bur^  bie  (S^cIid&fcitöcrHärung  jmifd^cn  bem  unc^clid^cn 
Jlinbc  unb  bejfen  9lblömmlingcn  cinerfcitö  unb  ben  33ertoanbten  beö  SSatcrö 
anbercrfeitö  ein  rcd^tlid^eö  93ermanbtfd^aftöt)erl^öltnig  nid^t  begrünbet  mirb,  fo 
mirft  bod^  bie  @(|c(ic^teitöcrf (ärung ,  meil  baburd^  }n)ifdE|cn  bem  unehelichen 
Äinbc  unb  bcffcn  Sttbfömmlingcn  cinerfcitö  unb  bem  SSater  anbercrfeitö  ein 
SBcrmanbtfd&aftöoer^ältnife,  alfo  ein  abfotut  roirfenbcö  SSer^ältniß  jur  QnU 
fte^ung  fommt,  auf  bic  familienredötlid&en  Scjicl^ungcn  jmif^cn  btn  SSerroanbten 
beö  aSatcrö  unb  bem  tcßtercn  (oergt.  j.  93.  §§  1480,  1483  Slbf.  1,  §  1485)  unb 
inöbefonbere  auf  baö  ©rb^  unb  5ßPidE|tt^eifercd^t  bcrfefben  gegenüber  bem 
SJater  inbire!t  jurüdf.  SBcgen  bcr  ©rünbe,  auö  roetd^en  ber  ©ntrourf  cö  nic^t 
für  crforbcrlid^  erad^tet  l|at,  bie  erbrcd^tlid&en  Sntcreffen  icner  ^erfonen 
gegen  93ecinträd^tigung  burd^  bic  ®^clid^feitöerffärung  im  SBcgc  befonbcrer  Se^ 
ftimmungen  ju  fd&ügen,  wirb  auf  bie  3ßotit)c  ju  §  1583  oben  ©.  936  ff.  93cjug 
genommen. 

^ag  burd^  bie  @^c(id^fcitöcrf(ärung  jtoifdben  bem  SSater  unb  folgen 
SSerroanbten  beö  Äinbeö,  wcld&c  nicbt  Slbfommlingc  beö  legteren  finb,  ein 
S3ern)anbtf(^aftöocrl|äItni6  nid^t  entfielen  fann,  ergiebt  fid^  auö  bem  Segriffe 
ber  Scrmanbtfd^aft  alö  eineö  burd^  9lbftammung  von  einem  gemeinfd^aftH^en 
©tammoatcr  ücrmittciten  95crt)ältniffeö  (§  30)  oon  fcfbft,  ba  burd^  bie 
©^clidöfcitöerflärung  ein  gemcinf^aftfid&cr  ©tammoatcr  beö  SSatcrö  unb  ber 

60* 


948         e6eli*fcittoffcirun0.    Sorge  für  bic  9)crfon  bc«  Äinbc^.    §  1597. 

^enüQubten   beö  Rinbcö   nid^t   gefd^affen  toirb.     @benfon)enig  entfielt   ein 
Sc^ioägcrfc^Qflöüer^ältnife  jioifd^en  bcnfclben,  ba  ein  fold^eö  nod^  §  32  nur 
burc^  eine  &)t  vermittelt  wirb, 
in  snfe^unfl  2.  "S^aQtitn  toütht  ux  Stmongelung  einer  befonberen  S9eftimniung  burd^ 

^''^!^'"  i>ic  e^eli(^feitder!lärung  auf  ©runb  ber  SSorfd^riften  bes  §  1583  2tbf.  2,  bc& 
§  1596  Slbf.  1  Sq^  1  unb  bed  §  32  jroifc^en  ber  (g^efrau  beö  SSoterö  einerfeitj^ 
unb  bcm  (egitimirtcn  Äinbe  unb  beffen  3lbf5mmlingen  onbcrerfeitö ,  foroic 
imifdben  bem  (Sl^egatten  bed  ^inbed  ober  eined  älblömmUnges  bed  (enteren 
einerfeitö  unb  bem  Sßatcr  onbererfeitä  ein  ©d^iüägerfd&aftöDerl^ältnife  entfielen. 
SBenngleic^  bie  3lnerfennung  eines  foId)en  ©^roägerfd^aftöoer^öltnined  über 
ha&  im  §  1236  beftimmte,  o^ne  SRüdEfxd)t  auf  eine  ß^elii^feitficrHärunft 
begrünbete  ©^el^inbernife  l^inaud  red^tlic^  nur  oon  geringer  prattifd^er  Sebeutung. 
[ein  würbe  (oergl.  §  1638  3lbf.  1,  §  1678  2lbf.  l,  §  1713  3lbf.  1,  §  1715  äbf.2; 
6.  ^.  0.  §  41 5«r.  3,  §  348  9lr.  3,  §  358  5Rr.  3,  §§  367,  371, 373;  ©tr.  ^.  D. 
§  22  3flr.  3,  §  51  3lr.  3,  §§  57,  72,  74,  76),  fo  fei)«  eö  onbererfeitß  an  einem 
genügenben  ©runbe,  bie  SBirfungen  ber  (gfielic^teitderflorung  fo  weit  außjus^ 
bebnen.  S)er  §  1596  Slbf.  1  fd^liefet  beö^olb,  wie  bei  ber  annähme  an  Äinbe«* 
ftatt  (§  1620  älbf.  2),  bie  bejeid^nete  jlonfequen}  auöbrüdlid^  auö. 

lieber  bie  Studmirfung  ber  @l)eUd^feit3erf(firung  auf  bad  @rb«  unb 

$flid^tt()eiterec^t  ber  @{)efrau  bed  SSaterd  be}iD.  auf  bad  Srb^s  unb  ^f{ic^ttl^ei(d^ 

red)t  bed  ©Regatten  bed  ^inbed  ober  eined  3(bfömmUnged  bed  (enteren  uergL 

bie  3Kotit)e  ju  §  1583  oben  6.  936, 

lSif^*"bm  ^'  Slnlangenb  bie  SSeftimmung  bed  §  1596  2tbf.  2,  fo  fann  biefelbe  ote 

*"  juiTbe  *"*  felbftt)crftonblid&  betrad^tet  werben ;  i^re  Slufnal^me  ift  jebod^  im  Snt^^^cffe  ber 

©JJ^anbtc"  SSoUftänbigfcit  bed  ©efefeed  ald  angemeffen  erad)tet   (oergf.  au^  §  1625)* 

*^''"  *"  3lbgefel^en  t)on  ben  SSorfc^riften  bed  §  1238  3lbf.  1  ©afe  2  unb  ber  §§  1597,. 

1598  erfeibet  bic  Siegel,  bafe  burd^  bie  (g^elid^feitderMörung  bie  Siedete  unb 

^flid^ten  nid^t  berührt  werben,  meld&e  jmifd^en  bem  Äinbe  unb  beffen  SJer^ 

manbten  in  golge  ber  äSermanbtfd^aft  hefteten,  indbefonbere  eine  ä(udna^me 

in  erbred^tlid^er  Sejie^ung  infofcm,  ald  burd^  bie  ®^clid&feitderflärung  jugleidl) 

ein  ®rb«  bejm.  $flid^ttl^ei(dred^t  bed  ^aterd  gegenüber  bem  ßinbe  unb  beffen 

aibfömmlingen  begrünbet  (§  1583  3lbf.  2,  §  1596  9lbf.  1  ©oft  1  üerb.  mit 

§§  1966,  1968,  1975)  unb  baburd^  bad  ©rb*  unb  5ßflid^tt^eildred()t  ber  SSer* 

manbten  bed  Kinbed  biefem  gegenüber  befd()räntt  bejm.  audgefc^toffen  wirb.    9^ 

wirb  in  biefer  ^infid^t  ouf  bie  SWotioe  ju  §  1583  oben  ©.  936  Sejug  genommen. 


§  1597. 

©orflt  b«r  9hid  §  1583  9lbf.  2  in  83erbinbung  mit  §  1501  folgt,  bafe  burd&  bie 

'"^«^wl^beV^  6^^  t>^^  83ater  bie  eltcrlid^e  ©ewalt  über  bad  legitimirte 

Äinbe«.  tninberjä^rige  Äinb  erlangt.  Died  ift  auc^  ber  ©tanbpuntt  bed  gemeinen 
Slcd&tcd  unb  ber  neueren  ©efcfegebungen  (uergl.  bat)r.  S.  91.  I,  5  §  9  9lr.  3; 
preufe.  3t.  S.  $R.  II,  2  §  603;  fäc^f.  ®.33.  §  1808;  weimar.  ®ef.  o.27.aRätj  1872 
§  1).  ÜWit  ber  eltcriid&en  ©ewalt  bed  SBaterd  ift  ober  bad  nacft  §  1570  ber 
unc^elid^en  SRutter  juftebenbc  9led)t  unb  bie  i^r  obliegenbe  ^ßfli^t,  für  bic 
^^Jerfon  bed  Äinbed  ju  forgen,  iebenfalld  für  bie  3)auer  ber  3Iudubung  ber 


®beli4fclt«erf[ärunfl.  Unterhalt.  SßcrBciratßung  b.  Satcc?.  §§  1 598, 1599.       949 

clterlid^cu  ©croalt  unocrcinbar.  3nöbcfonbcrc  fantt  bad  im  §  1506  bcftimmtc 
aScrl^ältnife  ^icr  fclfeftoerftänbUd^  feine  SlniDenbung  pnben.  Sagegen  mürbe  in 
(Srmangelung  einer  bef onberen  Seftimmung  in  ©emdfe^eit  ber  JRegel  beö.  §  1596 
mbf.  2  bie  ^flid^t  unb  ba&  SHed^t  ber  aKutter,  naä)  aJlofegabe  bes  §  1570  für 
bic  5ßerfon  bcö  Äinbeö  ju  forgen,  roieber  eintreten,  wenn  bie  bem  SBater  auf 
Orunb  ber  elterlid^en  ©cmalt  jufte^enbe  ©orge  für  bie  ^erfon  beö  Äinbeö, 
fei  cö  in  golge  Seenbigung  ber  elterlid^en  (Scmalt  ober  in  golge  Slu^enö 
berfelbcn  ober  burc^  ®ntjic^ung  oon  ©eiten  beö  SSormunbfd^aftögerid^tcö,  ibeg^s 
gefallen  ift,  ba  in  biefcn  gölten  baö  SRed^t  bcö  SSaterö  bem  SRed^te  ber  SKutter 
cn  fld)  nid^t  me^r  entgegenftel^t.  S^öbefonbere  ronvbt  nad^  bem  2^obe  bed 
aSaterö  ^jSflid&t  unb  SRcd&t  ber  SKutter,  für  bie  5ßerfon  beS  Äinbeö  nac^  SRafe^ 
gäbe  beö  §  1570  ju  forgen,  roieber  eintreten  (oergl.  aud&  preufe.  SBorm.  O.  t). 
5.  3uli  1875  §  28;  fä#  ®.  SB.  §  1923;  loeimar.  ®ef.  o,  27.  aRärj  1827 
§§  1,  19).  (Sine  fold^c  (Scftaltung  fann  inbejfen  als  eine  angemeffene  nid&t 
crad^tet  werben.  S)a  bad  Äinb  burd&  bie  ©lielid^feitöerflärung  in  uielen  göUen 
ber  anutter  uöDig  entfrembet  n)irb  unb  in  fojialer  äSejie^ung  häufig  eine  ganj 
anbere  Sebenöftellung  afe  bie  SRutter  einnimmt,  fo  entfprid^t  eß  ber  ©ad^fage 
unb  bem  Sntcrcffe  beö  Äinbeö,  bafe  burd&  bie  g^elid&feitöerflärung  bie  ^flid&t 
unb  baö  SRed^t  ber  SRutter,  für  bie  ^jSerfon  beö  Äinbeö  ju  forgen,  bauernb 
aufgehoben  mirb  unb  bie  aßutter  biefe  ^flid^t  unb  biefcö  9led^t  aud^  bann 
nid[|t  loieber  erlangt,  wenn  bie  elterliche  (Semalt  beö  3Saterö  beenbigt  ift  ober 
nad^  aWaggabe  ber  §§  1546,  1554  auf  bie  eltertid^e  S^uftniefeung  befd^ränft  ift 
(ocrgl.  aud&  §  1626). 

3n  SHnfe^ung  ber  religiöfcn  ©r^iel^ung  beö  legitlmirten  Äinbeö  (oergf. 
l^annoü.  SBerorbn,  o.  21.  Suli  1826  §  6;  roalbecf.  ®ef.  o.  28.  ajlörj  1827  §3; 
fad&f.  ®ef.  t).  1.  SRouember  1836  §§  11,  18;  braunfd&m.  ®ef.  o.  10.  SKai  1867 
§  9)  cntfd&eiben  bie  Äanbeögefefee  (§  1508). 

3)a6  baö  legitimirte  Äinb  ben  Familiennamen  beö  aSaterö  fü^rt,  ergiebt  «fömiuen- 
fi^  auö  §  1583  Slbf.  2  in  SSerbinbung  mit  §  1497.    Ueber  ben  ©rmerb  beö    ""*^ 
äbelö  oergl.  aJiotioe  ju  §  1583  oben  ©•  937. 

§  1598. 
3)ie  Seftimmung  beö  §  1598  entfprid^t  ber  burd^  bie  e^etid&feitöerflärung     «"ter. 
begrünbeten  rec^itlid&en  ©tellung  beö  Rinbeö  (§  1583  9lbf.  2)  unb  ftelit  mit  bem  bSf  »Sfertl! 
§  1487  im  (SinKange  (oergf.  awä)  %  1627). 

§  1599. 

5Die  aSorfd&rift  beö  §  1599  (oergl.  ha^n  §  1242)  red^tfertigt  fic^i  burd^  «nfius  ber 
bie  Slnalogie  ber  SJerl^ältniffe.  S)ie  ©^elicfifeitöerHärung  atö  ©urrogat  ber  ^«irütlung 
Segitimation  burd&  nad^folgenbe  e^e  fte^t  in  ber  ^ier  fraglid^en  SBegiel^ung  ^«  »«*«»• 
ber  frütieren  &)t  gleid&  (oergl.  aud^  1623  2lbf.  3). 

®ine  bem  §  1623  3lbf.  1  entfpred^enbe  SBorfd&rift  ift  bei  ber  Segitimation 
burd&  6f|etl4|(eitöerflärung  nid^t  aufgenommen,  ba  eö  fid^  bei  ber  legteren  — 
im  ©egenfage  ju  ber  Slnna^me  an  Einbeöftatt  —  um  bie  red&ttid&e  SKnertennung 
cineö  natürli^en  3Serl^äItniffeö  l^anbelt. 


950  (S^clicfifeitöcrfrärung.    «nfc^tung.    §1600. 

§  1600. 

be"«ia«L  ®^^  §  ^^^^  Ö^^*  hci^on  ttuä,  bafe  in  Slnfcl^ung  bcr  Stnfcd^tung  bc§ 

unorun^ii.  älntraged  beö  SSaterd  auf  @^elid^feitgerf(ärung  (§  1585),  foiDte  in  Slnfel^ung 
bcr  9lnfcd^tung  ber  (Sinwilligung  beö  fiinbcö  nnb  bcr  (S^cfrau  bcö  SSatcrft 
(§  1587)  bic  allgemeinen  ©runbfäße  über  bic  9lnfcd^tbarfcit  bcr  SHcd^ögcfd^äfte 
(§§  103,  104,  112,  113)  anroenbung  finbcn.  ©in  acbürfnife,  bic  Scbcnlcn 
unb  S^^iM/  roeld^c  aus  ber  SKnroenbung  bcr  allgemeinen  ®runbfä|c  auf  bic 
I)ier  in  3?ebc  ftc^enben  gällc  in  bcr  einen  ober  anbcrcn  SRid^tung  etwa  ftd> 
ergeben  mögen,  burd^  befonbere  SBcftimmungcn  nad&  Slnalogic  bcr  SSorfd^riften 
über  bic  3lnfed^tung  bcr  @^e  (§  1266)  nnb  über  bic  SHnfed^tung  bcr  STn* 
erfennung  ber  ß^dic^feit  eines  Äinbeö  (§  1478)  }u  bcfeitigen  (oergl.  bic 
SRotiüc  au  §  1266  oben  ©.  95  ff.),  liegt  bei  bcr  ©dten^eit  bcr  in  Setrad^t 
fommenben  gälle  nid^t  oor.  Snöbefonbere  bebarf  cö  feiner  befonbercn  93c* 
ftimmung,  ba^  in  9lnfcl^ung  bcr  SJtnfcd^tung  beö  Slntragcö  beö  SBaterd  auf 
©^ctid^fcitöcrtlärung  baö  Äinb  bcr  9lnfed^tungögcgncr  fei.  SGBcnn  au^  bic 
allgemeinen  SSorfd^riftcn  bcß  §  113  cß  jrocifcl^aft  lajfcn  folltcn,  ob  in 
biefem  galle  nur  baö  Rinb  bcr  5!lnfcdjtungögcgncr  fei,  fo  genügt  eö  bod&,  bafe 
mä)  icnen  Siorfd^riftcn  iebenfalls  aud^  bas  fiinb  9lnfcd^tungögcgncr  ift. 
@bcnfon)cnig  cmpficfilt  es  fid^,  burd)  eine  befonbere  SBcftimmung  ju  cntfd^cibcn, 
roem  gegenüber  nad^  bcm  2'obc  bcß  9lnfcd^tungßgcgncrö  ober  cincß  oon 
mel^rcrcn  9lnfcd^tungßgcgncrn  bic  9lnfcd^tung  ju  erfolgen  l^at,  ba  biefclbc 
^age  aud&  in  anbercn  äfinlid^  ticgcnben  ^llen  fid&  crl^cben  fann  unb  on 
ber  §anb  bcr  allgemeinen  ©runbfä^c  ju  lofen  ift. 

SKuß  bcr  Slnmcnbung  bcr  allgemeinen  ©ninbfö^e  ergiebt  ftd^  namcntlid^, 
bafe,  loenn  eine  ber  im  §  1600  bejcid6neten  9Billenßerflärungcn  mit  ©rfolg  am 
gefod^ten  ift,  bic  te^tcren  fo  angcfeljcn  werben,  alß  feien  fic  nid^t  üor* 
genommen  (§  112),  morauß  weiter  folgt,  ba^  bic  ®l^elid^feitßcrflärung  roegcn 
SRangelß  cineß  gefcfelid^en  ©rforbcrniRcß  unroirtfam  ift  (§  1593).  SBirb  bem^ 
näcf)ft  nad^  erfolgter  9lnfed^tung  bic  SBirffamfeit  ober  Unmirffamfeit  bcr 
ei^elid^fcitßerflärung  unter  bcm  SSater  unb  bcm  Rinbc  in  ©treit  gejogen,  fo 
lianbelt  cß  fid6  lebiglid^  um  eine  geftftcllungßflage,  auf  meldte  bic  SSorfd^riften 
bcß  in  ber  SKnm.  ju  §  1476  mitget^cilten  neuen  §  627c  ber  ß.  ^.  D.  foroie 
bic  SBorfd^riften  bcß  §  1632  b.  ®ntm.  Slnrocnbung  finbcn.  S)aßfclbe  gilt  im 
«ii^tiÄWt.  goUc  bcr  9Jid^tigfcit  einer  ber  ^ier  in  Siebe  ftel^enbcn  SDßillcnßcrflärungen 
(oergl.  §  108).  Sic  allgemeinen  ©runbfäße  über  bic  SDÖirfung  bcr  Slnfcd^tborfcit 
unb  über  bic  9Jid^tigfeit  ber  aBillenßcrtlärungen  führen  bemnac^  }u  einem 
burd&auß  angemeffencn  ©rgcbniffc. 

Sie  befonbere  SKorfd^rift  bcß  §  1600  rcdf)tfcrtigt  ftd^  burd&  bicfclbcn  6r* 
Tagungen,  wie  bicienigen,  auf  meldten  bic  SBorfd^riften  bcr  §§  1588—1590 
bcrul^cn,  inßbcfonbcrc  burd)  bic  pcrföulid&c  Statur  unb  bic  9Bid)tigfcit  bcr  in 
Siebe  ftel^cnben  SBillcnßcrflärungen. 


annähme  an  ^mbeöftatt.    SorBemcrfunfl.    (§  1601.)  951 


®tcbentcr  Stitcl. 

^nna^xne  an  S^inöe^flatt 

1.  S)as  auö  bcm  röm.  SRed&tc  ftatnmcnbe  3nftitut  ber  Slnnal^mc  an  Swiaff«"«  ter 
Äinbcöftatt  t)ai  mit  bcr  SRejeption  bcö  rötn.  SWccfttcö  ate  gemeines  9lcc^t  in 'SÄ«" 
5Deutfd&Ianb  ©ingang  gefunben  unb  ift  bort  in  fteter,  tücnn  andi)  im  ®anjcn 
feltener,  SKnmenbung  geblieben.  Slud^  l^abcn  bie  fämmtlid^cn  neueren  beutfd^en 
©efegbüd^er,  ba&  bagr.  S.  SR.,  baß  preufe.  31.  S.  SR.,  baö  öfterr.  ®.  93.  unb 
bad  \&ä)l  ®,  33.,  ferner  bcr  l^eff.  (Sntro.  burd)  bie  33eibcl|altung  Jeneö  3nftitutefi 
beffen  praftifd&e  93ebeutung  anerfannt.  Sllö  ein  3^w9^ife  fü^  i^^n  SBert^  unb 
baß  93ebürfni|  bc«  ^nftituteö  ücrbient  femer  ^croorgc^oben  ju  werben,  bafe 
foroo^t  ber  code  civil  ald  baß  jür.  ®.  93.  baßfefte  aufgenommen  l^aben,  ob* 
roo^I  in  ^anlreid^  wie  in  S^xidi)  bie  annähme  an  ftinbeßftatt  biß  jur  ®in* 
fü^rung  jener  ©efe^büdier  unbetannt  mar.  ^uä)  baß  ital.  ®.  93.  f)at  fid^  für 
bie  2lnerfcnnung  beß  in  SRcbe  fte^enben  Snftituteß  entfd^ieben,  roäl^renb  aller* 
bingß  t)erfd)lebcne  anbere  neuere  ®efcftgebungen ,  inßbefonbere  eine  SReil^e 
fd&roeij.  ®efc6e  unb  ba&  nieberl.  ®.  93.,  baßfelbe  nic^t  aufgenommen  ^aben. 

6ß  Iä§t  fid^  ni4|t  üerfennen,  bafe  mand)e  Scbenfen  gegen  bie  aufnähme 
beß  3nftituteß  ber  Slnnal^me  an  Äinbeßftatt  erhoben  werben  fonnen.  Sßan 
^at  in  ber  BwWffiflf^it  ^^  Slnna^me  an  Äinbeßftatt  eine  93eförberung  ber 
©^eloftgfeit,  ein  Sßittcl  jur  93efriebigung  beß  ©Igennu^eß  auf  Seiten  beß 
Slnnel^mcnben,  eine  SBermirrung  unb  Sierbunfelung  ber  gamilienrec^te,  inß* 
befonbcre  aud^  einen  ungered^tfertigten  ©ingriff  in  bie  auf  93Iutßt)ern)anbtfd&aft 
bcrul^enbe  ©rbbered^tigung  ber  gamilie  beß  Sfnne^menben  gefeiten.  2)er  erftere 
®efid&tßpunft  mar  cß  namentlid^,  roetd^er  bei  ber  93eratbung  beß  ©ntmurfeß 
beß  code  civil  einen  lebl^aften  3Biberfprud&  gegen  bie  Slufnal^me  ber  Slnna^me 
an  Äinbeßftatt  in  baß  ©efeßbud^  ^eroorrief.  35ie  Ijcrüorge^obenen  93ebenten 
finb  inbcffen  tl^eilß  fold^e,  meldte  in  ber  SRed^tßbilbung  unb  in  htn  gegen* 
märtigen  fojialcn  3"ftönbcn  JDeutfd&lanbß  genügenben  Sfnl^alt  nid^t  finben, 
tl^eilß  ber  2lrt,  bafe  fie  burd^  geeignete  93eftimmungen  befeitigt  ober  bod&  gc* 
minbert  werben  !önnen.  3)a§  bur^  bie  S^Iöffung  ber  9lnnal^me  an  Äinbeß* 
ftatt  ber  6l)ctofigfeit  SSorfdiub  gelciftet  merbe,  ift  roenigftenß  jur  Qdi  in 
2)eutfd&Ianb  nid^t  ju  beforgen.  ©inb  eß  bod^  üor  SHllem  finberlofe  ©Regatten, 
meldie  t)on  ber  9lnna^me  an  Äinbeßftott  ®ebraud&  mad^en.  Ueberbieß  tritt 
biefeß  SBebenfen  in  ben  ^intergrunb,  wenn  man  bie  SKnnal^me  an  Äinbeßftatt 
fo  regelt,  bafe  fie  regelmäßig  nur  im  gallc  beß  Sebürfniffeß  jugelafjen  wirb, 
©benfo  lann  einem  aWifebraud^e  ber  9lnnal^mc  an  Äinbeßftatt  atß  eineß  aWittelß 
}ur  Scfriebigung  beß  ©igennufteß  auf  ©eiten  beß  3(nne^mcnben,  foroie  einer 
SJerbunfelung  ber  gamilienrec^te  unb  einer  93eeinträd^tigung  ber  crbred^ttid^en 


952  Stmia^me  an  ÄinbcöftaW.    aSorbcincrfuno.    (§  1601.) 

3ntcvcffcn  bcr  gamilic  beö  9lnnct)menben,  foroeit  nötl^ig,  burd^  jiücrfbicntid^c 
SJorfdjriften  entgegengetreten  werben. 

3n  iebem  galle  werben  bic  SBebcnfen,  roeld^e  gegen  bic  Slufnafime  beö 
l)icr  froglid^en  3nftituteö  fid^  erl^eben,  überwogen  burd^  bic  SSort^cile,  roeld^e 
baßfelbc  in  fojialer  unb  fittlid^er  33ejict}ung  mit  fic^  bringt.  Sic  3lnnal&me 
an  ÄinbeöftQtt  ift  namenttid^  für  rool^tl^abenbe,  ebelbentenbe  5ßerfonen,  n)eld&e 
in  finbcriofer  ®\)c  leben,  ein  enoünfd^tes  SKittel,  biefen  aWangel  ju  crfcgen. 
SBirb  baburd)  auf  ber  einen  Seite  (Selegen^cit  geboten,  inöbefonbcre  mittel* 
lofcn,  aber  oon  Jiatur  begabten  Äinbern  eine  große  Sffio^Itfjat  in  materieUer, 
lüic  in  geiftiger  SBejie^ung  ju  ermeifen  unb  baju  beijutragen,  bic  natürlid&cn 
9lnlagen  berfclbcn  jum  93cften  bcr  ©efcBfcbaft  ju  üoDfommcner  ©ntmidEcIung 
5U  bringen,  fo  wirb  auf  ber  anbcren  ©eite  burc^  bic  3lnnal^mc  t)on  Hinbern 
felir  {)äufig  ein  tief  cmpfunbcneö  geiftigcß  Sebürfnife  bcr  3lboptiocltcrn  befriebigt 
unb  bafi  ®lüdE  il^rcr  ei)c  befeftigt. 

Slbcr  aud^  bei  unoerfieiratf|ctcn  ^^erfoncn  lann  ber  bercditigte  SBunfd^ 
cntfteljcn,  Äinber  onjune^men,  um  in  beren  ®rjie^ung  unb  SSerforgung  eine 
Sebcnöaufgabc  ju  finben  ober  um  auf  biefem  SQ3ege  bad  3lnbcnfen  an  il^ren 
5Wamcn  unb  i^rc  gamilie  fortjupftanjenl  ^icr  mirb  bic  9lnnal)mc  an  Äinbcö* 
ftatt  namentUd^  in  fold[)en  gällcn  ©cbürfnife,  in  meldten  bem  9Inncl&menbcn 
burd)  irgcnb  meld)e  Umftftnbc  bic  ©d&Iicßung  einer  (S(|c  Dcrfagt  ift. 

©in  meiterer  mit  bem  3nftitutc  bcr  3lnnal^mc  an  Äinbcdftatt  ocrbunbcner, 
nid^t  ju  untcrfd^ägcnbcr  SSortl^cil  ift  eä,  ba^  baäfclbe  baju  beiträgt,  bic  3^^^ 
ber  illegitimen,  eines  gamilicnlcbcnö  entbe^renben  Äinber  ju  ücrminbern. 

Um  fo  unbebenflid^er  ift  cö,  baö  l^ier  fragliche  Snftitut  in  bem  ©cfefe^ 

bud^c  anjucrfcnnen,  alö  cö  fid^  für  ben  ©ntmurf  ni^t  barum  ^anbclt,  ein  biö 

bal&in  in  S)cutfd^tanb  unbelanntcö  Snftitut  neu  einjufü^rcn,  fonbcrn  ein  üon 

bem  geltcnben  ^cd^tc  anerfannted  unb  big  ba^in  aud^  ftctd  in  Uebung  ge* 

roefeneö  Snftitut  beijubelöalten. 

Suiäfftflieit  ©egcnübcr  bem  franj.  9led)te  unb  bem  bab.  S.  91.  enthalten  allcrbingö 

^''aKüIblr?"'  i>i^  aSorf d^rif tcn  bc«  (gntmurfcö  infofern  eine .  cr^cblid^c  errociterung  ber  3«- 

jä^rifler.    (fiffigfcit  bcr  Slnnaljmc  an  Äinbcöftatt,  alö  nad^  iencn  Siebten,  abgefcl^cn  Don 

bem  3ludnalimefaBc  bcr  fog.  adoptio  testamentaria,  nur  SBoöiätirigc  an  Äinbefi- 

ftatt  angenommen  roerben  tonnen  (code  civil  3lrt.  346,  366;  bab.  S.  91.  ©afe  346 

366).    ©ine  bcrartigc  Sefd^ränfung  ift  lebod^  rocber  bem  gemeinen  9lcd&te,  nod^ 

bem  preufe.  31.  2.  9i.,  bem  öfterr.  unb  bem  fäd^f.  ®.  93.  befannt;  fie  empfiehlt 

fid^  aud^  nid^t,  ba  gerabc  bic  SKnnal^mc  minberjä^riger  Kinber  an  Äinbcdftatt 

in  fojialer  unb  moralifd^er  ^infi^it  bcn  gröfeten  äBcrtl^  ^at,  ftc  üorjugöroeifc  ate 

Sebürfnife  empfunbcn  mirb  unb  im  praftifd^cn  Seben  am  meiften  oorlommt 

uniuiäffigfeit  Sluf  bcr  aubcrcn  ©eite  gcftattct  aber  ber  (Sntrourf,  abmcid^cnb  t)om  gc* 

^" '„"„""^""  meinen  9ic4|tc,  aber  in  Uebcreinftimmung  mit  ber  iöle^rja^l  bcr  neueren 

enfdtpQtt.  ©cfcfegcbungen,  nur  eine  9lnna^me  an  i^inbefiftatt,  nid&t  aud&  an  ©ntclöftatt. 

ein  SBebürfnife,  audb  bic  Icgterc  jujulaffcn,  liegt  nid^t  oor.    3^re  3utaj[ung 

im  röm.  9lcd^te  t|ängt  bamit  jufammen,  bafe  na6)  biefem  bic  oätcrlid^c  ©croalt 

fid^  aud&  auf  ©nfcl  crftrecft.    (Sin  auöbrüdlid^cd  SSerbot,  wie  cö  in  bicfcr  S3e* 

jie^ung  baö  föd^f.  0.  33.  §  1283  cntfjält,  ift  nid^t  crforberli^.    S)ic  UnjuIäffiB« 

feit  ber  Slnna^mc  an  ©nfclöftatt  ergicbt  fid)  auö  bem  ©d^mciflcn  beö  (Sefcßeö 


«litnaömc  an  ffiiiibe«ftatt.    Sorbcmcrfuno.    (§  1601.)  953 

von  fclbft.  (Sine  onbcrc  gragc  ift,  ob  unb  inroicmcit  bie  SBirfungcn  bcr  ^In^ 
na^mc  an  Äinbcöftatt  fi^  auä)  auf  bic  Slbförnmlingc  bcö  Slngcnommcnen 
crftrcdfcn  follcn  (§  1620  2lbf.  1). 

Ob  unb  iniöicrocit  bie  3lnnal^me  an  Äinbedftatt  in  ben  Äreifcn  beö  ^of)en 
9lbe(d  juläf jtg  fein  foU^  bleibt  ben  Seftimmungen  bcd  Sinfül^rungdgefegcd  vor- 
behalten. 

2.  Slbmeid^cnb  oon  bem  gemeinen  Stellte  unb  ben  übrigen  neueren  Qk\cp  ^PeÄrfinb. 
büdiern  fennen  baö  preufe,  21,  S.  di.  II,  2  §§  753  ff.  (üergl.  baju  ®ntfd&.  b.  ^**^*' 
91.  ®.  in  ©traff.  XIII,  47),  ber  code  civil  3Irt.  361—370  unb  boö  bab.  2.  dt. 
Saft  361—370  neben  bcm  Snftitute  ber  Slnna^mc  an  ftinbedftatt  nod^  bie  ^ßflege^ 
{inbfd^aft  ald  ein  befonbcred,  mit  gemiffen,  auf  bie  @orge  fär  bie  ^erfon  unb 
auf  ben  llntcrl^att  beö  Kinbeö  ftd^  be^ie^enben  äBirfungen  üerbunbencd  famiUen^: 
rc4|tad&cd  3nftitut. 

35er  ^med  ber  9lufna^me  biefefi  neuen  3nftituteö  in  boö  preufe.  91.  S.  91. 
war,  im  ^inblidc  auf  bie  grofec  3^^^  uncl^elic^cr  Äinbcr,  meldten  bie  ßltem 
Unterhalt  ni(I)t  geben  fönnea  ober  moQen,  anbere  gutbenfenbe  ^rfonen  burd) 
bie  mit  ber  ^^JffcgeRnbfd^aft  für  fie  juglcic^i  oerbunbenen  dlz6)U  ju  ermuntern, 
ftc^  folc^er  unglüd(id)er  Hinber  befto  el^er  anjune^men  unb  für  beren  @rjie()ung 
JU  braud^baren  SRitgUebern  bed  Staates  gu  forgen.  3)urd^  bie  SBeftimmung 
nomentlid),  bafe  ^flegefinber  gemeiner  ober  unbefannter  ^crtunft  ben  ^ßflege* 
eitern  ju  2)ienftleiftungcn  alö  ®ntf^äbigung  t)erpfli4|tct  fmb  (31.  Ü.  3i.  II,  2 
§§  764  ff.),  foUtcn  begüterte  ^erfonen  ermuntert  werben,  fid^  fold&er  oerlaffener 
Äinbcr  in  ber  i^offnung  ber  fünftig  oon  i^nen  ju  enoartcnben  2)icnftleiftungen 
anjune^men.  93ei  ber  9ieDifion  bed  preug.  91.  S.  9t.  mürbe  bie  Streichung 
I  bicfer  (enteren  93eftimmung  Dorgefc^tagen.    Sd^on  gegen  ben  gebrucften  Sntmurf 

I  bcd  preug.  91.  2.  9t.  mar  ber  @inmanb  er()oben,  bag  burd^  iene  ^eftimmung 

eine  Slrt  oon  Sflaoerei  gefdiaffen  werbe.  3m  Uebrigen  mürbe  bei  ber  ©efeft^ 
reoifton  bie  ^^flegefinbfd^aft  mit  geringen  Slbänberungen  atd  famiUenred)tli4ied 
Snftitut  beibehalten  (oergl.  ©efeftreo.,  5ßenf.  XV  S.  238  ff.). 

®inen  gan}  anberen  Jtarafter  unb  einen  ganj  anberen  3^^^/  ^(^  ^^^ 
lanbrec^tlidie  3nftitut  ber  ^flegefinbfd^aft,  l^at  bie  tutelle  officiense  beö  frani. 
9led(|tcö  unb  beö  bab.  S.  9t.  2)ie  tefttere  bient  alö  SSorbereitung  unb  SBorftufe 
ber  Slnna^me  an  jlinbeöftatt  unb  ift  Derantagt  burd^  bie  Sorfd^riften  beö 
franj.  9led)teö,  bafe  nur  SBoDiäl^rige  unb  nur  folc^e  ?ßerfonen  an  Äinbeöftatt 
angenommen  werben  tonnen,  wetd^e  ber  Slnne^mcnbe  mä^renb  i^rer  üRlnbcr« 
jäl^rigfeit  fed&ö  ^a\)vt  lang  unterftüftt  unb  oerpflegt  l^at  (code  civil  9lrt.  345). 
3)urd&  baö  3nftitut  ber  tutelle  officiense  foBte  bie  Strenge  jener  erftcn  SSor* 
fd&rift  gemilbert  unb  juglcid^  ein  bequemeö  SRittel  jur  ®rfüBung  ber  legteren 
3$orf4inft  an  bie  ^anb  gegeben  werben. 

Scr  ®ntwurf  ift  baoon  ausgegangen,  ba6  ein  33ebürfni6,  bie  5ßflege« 
finbfd^aft  mit  familienred^tlid)cn  SBirfungen  auöiuftatteu  unb  alö  felbftänbigeö 
familienrec^tlid^eö  3nftitut  in  boö  ©efeftbuc^  aufjuneljmen,  ni^t  oorliegt. 
Soweit  bie  3^1)1  fold)er  l)ülflofer  Älinber,  wie  fie  Suarej  bei  ber  S^affung 
beö  lanbrcd)tli(^en  3nftitutcö  im  9luge  I)atte,  n\(S)t  burd)  Scgitimation  ober 
atnnalime  an  Äinbeöftatt  oerminbert  wirb,  ^aben  bie  Drtöarment)erbänbe  unb 
bie  aSormunbfd&oftögeriditc  für  Untertommen,  ^-Pflege  unb  ©rjie^ung  berfelben 


954  9(nna5mc  an  Äinbcfiftatt.    Äaraftcr.    SBirfunß.    §  1601. 

3orfle  ju  tragen,  unb  fann  bicö  in  auörcid^enbcr  SBcife  auf  bcm  9Bcgc  oblU 
gatorifd^cr  SSerträge  gefd^e^en,  burc^  meiere  bie  SSerpfIcgung  unb  bie  Sludübung 
bcr  (£rjlcl)ung  anbeten  ^^crfoneu  njibcrruflid^  übertragen  wirb.  S)aö  S^ftitut 
beö  Oemeinberoaifenrat^eö  (§  1725),  für  roeld^cö  fid^  gcrobe  ^icr  ein  frud^tbareö 
gelb  ber  ^^ätigfeit  eröffnet,  forgt  ferner  bafür,  bafe  eö  nid^t  an  ber  gcnügenbcn 
9luffid^t  über  biejenigen  fe^It,  roetd^en  bie  ©orgc  für  baö  lorperlic^ie  unb 
geiftige  äßol^l  berartiger  ^ülftofer  jtinber  anvertraut  ift  Stattet  man  fold^e 
^^ftegecltcrn  mit  familienrcd^tüd^en  ©efugniffen  auö  unb  gicbt  man  il^nen 
banebcn  eine  fo  felbftänbige,  üon  jeber  SKuffid^t  befreite  ©tcBung,  wie  bieö 
bag  91.  S.  91.  tl^ut,  fo  liegt  bie  ©efa^r  na^e,  bag  eigennügige  ^roedt  bad 
SKotit)  jur  3lnna^me  x>on  ^flegefinbern  werben,  bafe  bie  [enteren  namentlid^ 
ju  bäwölic^en  2)ienften  mifebroudit  werben,  bie  ®rjie^ung  ju  taugli^en  9Äit* 
gliebern  ber  menfd&Iid^en  ©efeUfd&aft  aber  in  ben  ^intergrunb  tritt.  99ebcnflid& 
ift  namcntlicb  aud^  bie  »eftimmung  be«  21.  2.  91.  II,  2  §  771,  ha^  bie  ^Pflege* 
eitern  jeberjeit  i^ren  83eiftanb  roiebcr  jurüdEjieben  fönnen.  ©5  fe^It  mithin 
an  ieber  ©ernähr  für  bie  Aontinuitöt  ber  ©rjie^ung,  an  feber  ©emöl^r,  bag 
nid^t  bad  $f(egefinb  plöglid)  aud  guten  äSerböUniffen  wieber  in  bie  früheren 
fd)led^ten  SSerbältniffe  5urücfgeftogen  wirb,  an  weidet  ftd)  mieber  }u  gewöl^nen 
ie|t  ungtcicb  tiärter  unb  fc^roerer  ift.  Um  fo  weniger  liegt  SBcranlaffung  oor, 
bad  lanbredE)tUd^c  ^nftitut  in  baö  ©efegbud^  aufzunehmen,  ald  badfelbe  im 
9lcd^td(eben  er^eblit^e  praltifcbe  ^ebeutung  nid^t  erlangt  bc^t. 

9lurf)  bie  tutelle  officieuse  beö  franj.  Sled^teö  l^at  ftd&,  wie  bejeugt  wirb, 
nie  eingebürgert.  SBom  ©tanbpunfte  beö  ©ntwurfeö  auö  ift  biefcö  3nftitut 
um  fo  cntbcl)rlid&er,  alö  berfelbe  bie  oben  bejcid^ncten,  bie  guläfftgfeit  ber 
9lnnal)me  an  Äinbeöftatt  cinfd^ränfenben  SSorfd^riften  beö  franj.  Sled^teö  nid^t 
fennt.  9lucb  ber  l^eff.  ®nlw.  unb  baö  ital.  ®.  S.  liaben  jeneö  i3nftitut 
nid^t  aufgenommen,  obwol^I  benfelben  fonft  im  Sillgemeinen  ber  code  civil  alö 
SSorbilb  gebient  l^at. 

§  1601. 

Aaracter  unb  1.   ^Ia6)  röm.  Sled^tc  wor  bie  Slnna^me  an  Rinbeöftatt  urfprüitglid^ 

oirfunfl.    ^j^j  |p  i^j^j.  ^jj^  ajjittcl  jur  Segrünbung  eineö  ttinbeöoer^ältniffeö  fc^le^t^in, 

alö  ein  iÜUttel  jur  SIegrünbung  bcr  oäterlid^en  ®ewalt.    S)aö  fpäterc  röm. 
(Beitenbcfl   s)jed6t  fcnut  {cbod^  aud^  fotc^ic  gälle,  in  weld^en  burd^  bie  2lnna^me  an  Äinbcö* 
ftatt  ein  Hinbeöper^ältnife  oline  oäterlid^e  ©ewalt  begrünbet  wirb.    S)icö  ift 
bcr  gall  bei  ber  9lboption  burc^  grauen  unb  bei  ber  adoptio  minus  plena. 

3im  gemeinen  91cd}tc  l)ai  fid^  bie  ^a\)l  bcr  gälle  noc^  t>ermet|rt,  in 
welcf)cn  burd)  bie  Slnnabmc  an  Äinbcöftatt  feine  oäterlid^e  (Sewalt,  fonbcrn 
nur  ein  MinbeöoerbättniB  begrünbet  wirb,  bejw.  aucb  nac^i  Slufbebung  ber 
t)äterlidf)en  ®cwalt  ba&  ilinbeöoert)ältni6  bcftebcn  bleibt.  S)aö  ßrftcre  tritt 
ein  mit  bcr  9lnogation  eincö  DJanneö,  wcld^er  burc^  Segrünbung  eineö  eigenen 
^auöbaltcö  (separata  oeconomia)  bereitö  felbftänbig  geworben  war,  fowic  mit 
ber  9lrrogation  einer  ücrl^eiratljeten  grau,  ba  cö  nac^  gemeinem  Siedete  nidjt 
möglich  ift,  ba^  ein  3J2ann  mit  eigener  ^auö^altung  ober  eine  @b^ftau  noc^ 
unter  väterlicher  OJcwalt  ftcbt.    ©benfo  bleibt  troß  Sluf^ebung  ber  üätertidfecn 


«nna^mc  an  Äinbcöftalt.    Äaraftcr.    äSirfunß.    §  1601.  955 

©etüalt  burd)  beutfdireci^tltd^e  ©mQnjipation  bad  burd^  bie  älboption  begrünbete 
Äinbeöoerl^ältnife  befte^en  (oerfll.  ©cuffcrt  IX,  308,  XII,  42).  Sdion  l^ierauö 
ergiebt  fid),  bafe  ber  Äaraftcr  ber  2Iboption  im  gemeinen  Siedete  gegenüber 
bem  röm.  Siedete  fid^  mefentlid^  geänbert  \)at  S)ic  Segrünbung  cineö  Äinbeö- 
oer^ältniffefi  jnjifdien  bem  3lboptit)oater  unb  bem  9lboptiofinbe  qIö  3^^*  ber 
äfboption  ift  in  ben  SBorbergrunb  getreten,  bie  Segriinbung  ber  üätcrlid^en 
®en)oIt  bagegcn,  foroeit  bie  lefctere  unter  ben  fonfreten  93erl^ältnif|en  überl^oupt 
jur  ©ntfte^ung  fommcn  lonn,  erfd&eint  nur  alö  eine  golgc  beö  burd^  bie 
Slboption  begrünbeten  Äinbedt)er!)ältniffcö  (üergl.  oud&  ©ntfd).  b.  SR.  ®.  bei 
genner  unb  3Jlecfe  m,  120). 

Ueberl)Qupt  ^aben  ftd^  in  ben  ©ebieten  bed  gemeinen  9{ec^te&  bie  Unter« 
fd(|iebe  einerfeitö  jmifd&en  ber  arrogatio  unb  adoptio  im  engeren  Sinne,  anbercr* 
feitö  jroifdicn  ber  adoptio  plena  unb  minus  plena  bejro.  ber  9lboption  burc^ 
grauen  tl^cilö  burc^  bie  5ßrajid,  tfjeilö  burd)  bie  Oefefcgebung  uielfod)  uer* 
ringert.  Snöbefonbere  finb  in  9lnfel)ung  ber  gorm  Slrrogation  unb  2lboption 
im  engeren  ©inne  l^öufig  gleid^gcftellt,  fei  eö,  ba^  man  bie  gemeinrediitUd) 
bei  ber  crftercn  crforberIid(|c  lanbeöl^crrlid^e  Oencfimigung  auf  alle  3lboptionen 
auögebefint  ober  umgefeljrt  für  alle  3lrten  i)on  Slboptioncn  nur  eine  gerieft« 
tid^c  Seftätigung  üorgef^rieben  ^at  (üergl.  ÜKotiüe  ju  §  1617).  gerner  [xnb 
burd^  üerfd&iebenc  neuere  (Sefefte  in  erbred&tlid^er  Sejie^ung  bie  t^erfd&iebeneu 
Sfrten  ber  3(boption  einanber  gleicftgeftellt  (uergl.  weimar.  63ef.  o.  6.  9lpril 
1833  §  48;  attenb.  ®ef.  ü.  6.  9lpril  1841  §  53;  gotl^.  ®ef.  o.2.  Januar  1844 
§  28;  fonberfil).  6ufjeffion«orbn.  x>.  8.  Dejember  1829  §  ä2;  ®ef.  für  Sleufe  j.  2. 
t).  10.  Dejember  1853  §  49).  ©benforoenig  unterfd^eibet  in  9lnfel^ung  ber 
clterlid)cn  ®txoalt  baß  weimar.  ®cf.  u.  27.  3Rdrj  1872  jmif^en  Derfd^iebenen 
Slrten  ber  Slnnal^mc  an  Äinbeöftatt.  Sobann  Ijat  eine  3lnnäl|crung  ber 
aboption  burd&  grauen  an  bie  2lboption  burdi  SJtönner  melfad)  infofern  ftatt* 
gefunben,  als  man  bei  ber  erfteren  baö  ©rforbernife  beö  SSerlufteö  ber  eigenen 
Äinber  liat  fallen  taffen. 

9lbgefel)cn  t)on  bem  bai)r.  2.  3f}.  I,  5  §§  10,  11,  l^aben  aud;  bie  übrigen 
neueren  ®cfe^büdicr,  infibefonbere  ba«  preufe.  31.  2.  dt.  II,  2  §§  666  ff.,  bad 
ofterr.  ®.  fö.  §§  179  ff.,  ber  code  civil  3lrt.  343  ff.  unb  bafi  fäc^f.  ®.  93. 
§§  1787  ff.,  bie  Untcrfd&eibung  jmifdien  üerfd^iebenen  2lrten  ber  9tnna^me 
an  Äinbeöftatt  aufgegeben.  9hir  in  9lnfel;ung  ber  9lboption  burdd  grauen 
gelten  nad^  einem  2^t)eilc  Jener  ®efe^büc^er  in  einjelnen  93ejiel|ungen  nod^ 
abmeid^enbe  S3eftimmungen,  Slbioeid^ungen,  meldie  mefentlic^  bamit  jufammen- 
Rängen,  ba^  ben  betreffenben  ®efefebüdöern  eine  ber  t)äterlic^cn  ®eroalt  ent« 
fpred(ienbe  clterlid^c  ®en}alt  ber  3Dluttcr  unbefannt  ift.  ^m  änfd^luffe  an  bie 
©ntmidelung  beö  gemeinen  SRed^teö  faffen  jene  ®efefebü^cr  ferner  bie  3lns 
nabme  an  jtinbeöftatt  nid^t  alö  ein  SKittel  jur  ^egrtinbung  ber  üäterlid^en 
®en)alt,  fonbern  olß  ein  aWittel  jur  SBegriinbung  eines  ©Itern*  unb  Äinbed* 
üer^öltniffeö  auf,  bur^  meldieö  grunbfdftlid),  oorbel)altlid|  geroiffcr  ÜKobi« 
fifationen,  baöfelbc  gegenfeitige  SHe^tdt)erl)ältni6  jroifdjen  bem  Slnnel^menben 
unb  bem  Slngenommenen  l)ergefteUt  wirb,  wie  jroifd&en  einem  elielid^en  Äinbc 
unb  beffcn  ®ltern.  3luf  einem  abweidjenben  ©tanbpunfte  ftcl)t  jeboc^  ber 
code  civil  infofern,  alö  berfelbe  Jenen  ©ninbfa^  felbft  nid^t  aufftellt,  fonbern 


956  annähme  an  Äinbcßftatt    Äarafter.    SBirfunfl.    §  1601. 

nur  cinjcinc  familicnrcclitlid^c  SBirfungcn  mit  bcr  Slboption  ocrbinbct.  2lu§C!> 
bcm  fd^ränft  betreibe,  loic  in  bcr  33orbcmcrfung  oben  S.  952  bereits  J^eroor^^ 
flel)oben  würbe,  bie  Slboption  baburd^  erldeblidd  ein,  bafe  er,  abgcfe^en  t)on  bcr 
fofl.  adoptio  testamentaria  (2lrt.  366),  nur  bic  SKnna^me  eine«  SSoBiö^rigen 
an  Äinbeöftatt  juläfet  (2lrt.  346). 

Vriitiip  bea  2)em  ©ntmidclungögangc  beö  3nftituteö  bcr  9lnnal^mc  an  Äinbcöftatt  ent« 

fpred^enb  unb  im  ©inflange  mit  bcn  mobcrnen  ©cfcftgcbungcn  f)ai  a\x6)  bcr 
Entwurf  von  oerfd^iebenen  Slrtcn  bcr  9[nna^me  an  Ainbcdftatt  abgefe^cn,  bie 
te|tere  oietmct)r  ald  ein  cin^eit(id)eö  Snftitut,  unb  jmar  üon  bem  ®efid)td« 
punfte  auö  geftattct,  bafe  biefelbe  ein  ÜWittel  jur  ©cgrünbung  cincö  ©Itcrn:^ 
unb  ftinbedocr^öltniffed  fein  foU,  burd^  wel^ed  bcr  eingenommene  bic  rcd^t(t(^e 
iSteUung  eines  c^clic^cn  Hinbcd  bes  Slnnel^menben  erlangt,  fomcit  nid)t  aud 
bcm  Oefefec  (ocrgl.  inöbef.  §  1620  Slbf.  1,  §§  1622,  1623,  1624)  ein  ^[nbcrcd 
fid)  ergiebt.  3)ic  ©riinbc,  auf  meldten  bie  römifdired&tü^icn  Unterfcftcibungcn 
jroif^en  ocrfd^iebenen  9lrten  bcr  ätboption  berul)cn,  treffen  für  bie  gegen* 
roärtigen  SScr^ältnine  nid&t  me^r  ju.  3nöbefonbcrc  liegt  ein  Sebürfnife,  bcn 
Untcrfd^ieb  jroifd&en  Slrrogation  unb  äboption  im  engeren  ©inne  fcftsul^aUcn, 
icbenfaUs  bann  nid^t  üor,  menn,  mte  bied  na^  bem  Sntmurfc  bcr  ^aD  ift, 
bie  ftrengeren  gormen  unb  SSorausfe^ungen  ber  Slrrogation,  frcifid&  jum  Sl^^cil 
in  oeränbcrtcr  9lrt  unb  ©eftalt,  auf  bic  9lnnal)mc  an  ftinbeöftatt  überl^aupt 
übertragen  roerben.  2luc^  für  bic  93cfd&ränfung  ber  3lboptionöfäl^igfeit  bcr 
grauen  fel^lt  es  im  ^inbüde  auf  bcn  ocränbcrtcn  Aiaroftcr  unb  ^rotd  bcr 
9[nnat)me  an  ^inbeöftatt  an  iebcm  faltbaren  ©runbe.  S)a  ber  ©ntmurf  aucft 
eine  cUerUd^c  ©cmalt  bcr  3ttuttcr  fennt,  fo  Dcrfc^minbcn  im  äBcfcntUd^cn  aud^ 
bicjenigen  in  bcn  neueren  ©cfcftgcbungcn  fic^  nod&  finbcnbcn  Untcrfd^icbe 
jmifdjen  ber  SKnna^mc  an  Äinbeöftatt  burc^  SWänner  unb  burd^  ^auen,  weld&e 
barauö  fic^  ergeben,  bafe  jenen  ©efc^gebungcn  eine  elterlid^c  ©emalt  ber  üRutter 
nid)t  bcfannt  ift. 
9ie*i«*  2.  aSäfircnb  naä)  gemeinem  ditä)ic  bie  Slrrogation,  foioic  bic  Slboption 

*Ä«Ift^'^  oou  ©citen  einer  grau  burd)  fanbcd^crrlid^cd  9icffript,  bic  Slboption  im 
engeren  Sinne  aber  burd)  SHec^tsgefd^äft  jioifc^en  bcm  3n^abcr  ber  Dätertid&en 
Ocmalt  unb  bcm'  Slnnc^menbcn  erfolgt  unb  auf  ©citen  befi  Slnjunc^mcnbcn 
nur  3wftitnmung  bejm.  9licf)tmiberfprud)  crforberlid^  ift,  beftimmt  bcr  §  1601 
Slbf.  2  in  Uebcreinftimmung  mit  bcn  neueren  Ocfc^bü^ern  (ücrgl.  prcu§. 
Sl.  £.  SR.  II,  2  §  666;  code  civil  Slrt.  353;  fäd^f.  ®. ».  §  1787)  unb  ber 
3lainx  bcd  93crt)ättniffcs  entfpred^enb,  bag  bie  Slnna^me  an  Ainbeöftatt  einen 
jii)ifd)cn  bcm  Slnnc^mcnbcn  unb  bcm  Slniunc^mcnben  ju  fc^licgenbcn  93crtrag 
crforbcrt.  2)ic  and  bem  rom.  SHcd^te  ftammcnbc  SSorf^rift  bes  gemeinen 
91cd|tcd,  bafe  bic  Slboption  im  engeren  ©inne  fid&  burd&  Sled^tdgefd^Sft  jroifd&en 
bem  3nl)abcr  ber  Dfitcrlid^cn  ©eroalt  unb  bem  Slnnc^menbcn  ooUjiel^t,  §(ingt 
mit  bcm  römifd^rc4|tlid)cn  ftarafter  ber  Slboption  unb  bcr  oäterli^en  ©croatt 
jufammcn  unb  Fann  t)om  ©tanbpunfte  bcd  @ntrourfcs  aud  nic^t  in  ^age 
fommcn.  Ü)tit  SRüdEfid^t  barauf,  bafe  bie  »cftimmung  be«  §  1601  Slbf.  2  Don 
bcfonbcrer  SBid&tigtcit  ift,  rocil  bas  gcUenbc  Siedet  in  biefer  Sejiel^ung  ium 
Xi)t\l  auf  einem  anbcrcn  ©tanbpunfte  ftc^t  unb  weit  jene  83cftimmung  alle 
fpätcrcn  Scftimmungcn  bclierrfd)t,  empficijlt  cd  fid),  na^  bcm  SBorgange  be« 


annähme  an  iiinbcöftatt    SWanoct  cM.  9lbf6imirfinöc.    §  1602.  957 

prcufe.  91.  S.  m.  unb  bcfi  födjf.  ®.  S.  bicfclbc  an  bic  ©pigc  bcß  SCitcIö  über 
bic  SKnnal^me  an  Äinbcöftatt  ju  [teilen.  2)a6  bcr  SBcrtrag  jroifd^en  bem  Sin- 
nefjtncnbcn  unb  Slnjunc^menbcn  ni^t  genügt,  fonbern  jn  beRen  SBitffamfeit 
indbefonbere  nod)  bie  93cftätigüng  burd^  bas  iuftönbige  ©erid^t  ^injutreteu 
mufe,  ergicbt  bcr  §  1617.  äbroeld^enb  oon  bcr  ficgitimation  bur^  ©^cUd&fcitö- 
ertlärung  (§  1592)  bc^anbclt  aber  ber  ©ntrourf  bie  9Inna^me  an  Äinbcöftatt 
nic^t  alö  (Snabenfad&c  (§  1618).  3n  bicfcr  83ejict|ung  wirb  auf  bie  $Kotit>e 
JU  §  1618  Scjug  genommen. 

9lud  ber  SBorfd^rift  befi  §  1601  Slbf.  2  crgiebt  fid^  jugleid),  ba§  bem  AdopUo 
©ntmurfe  ein  adoptio  testamentaria  frcmb  ift.  S)amit  ftimmt  aud^  bad  gettcnbc  B.enuri». 
Siedet  überein.  6ine  9[uönaf)me  mad^t  jcbo^  baö  frauj.  Siedet  für  ben  fpcjieUen 
im  9lrt.  366  be«  code  civil  bejcid^neten  ^aU.  35iefe  9luönal)mc  f)ftngt  jufammcn 
mit  bem  franj.  3nftitute  ber  ^flegcRnbfd&aft,  ber  Utijuläfftgfeit  ber  9lboption 
SKinberjäiiriger  unb  ber  SBorfd&rift  bed  franj.  9led^teö,  bafe  man  nur  bcnjcnigen 
aboptiren  fann,  roeldöem  man  mäf)renb  feiner  SWinberjäfirigfeit  roenigftens  fed&fi 
3a^re  fang  Untcrftü^ung  unb  ununterbro^cne  Sorgfalt  ^at  jju  2:f)eil  werben 
(äffen.  2)a  bie  9Iboption  TOcfentlid^  auf  bie  Sebenöjeit  bcö  ainneljmenben  bc^ 
red^net  ift,  ber  ©ntmurf  bie  3^i'äfHo'^it  bcrfelben  oon  bcr  aSoUifif)rigteit  bcö 
9lnjuncl^menben  nid^t  abhängig  mad)t  (ocrgl.  SSorbemcrfung  oben  ©.  952), 
cbenforoenig  von  bem  ©rforberniffe  einer  ooraudgefjenben  ^Pflege  bcö  leßtcrcn 
(t)ergL  9(n^ang  ju  §§  1602—1613  unter  9lr.  7),  fo  liegt  ein  Sebürfnife,  eine 
9Cboption  burd&  2:eftament  äuäulajfcn,  nid^t  t)or. 


§  1602. 

2)ic  öcftimmung  bcö  §  1602  Saft  1  fte^t  mit  bem  ba^r.  2.  91.  I,  5  crforbewiffe. 
§  10  9h:.  2,  bem  prcufe.  9t.  S.  31.  II,  2  §  671,  bem  öfterr.  ®. ».  §  179,  bem  ^^^^^ 
Code  civil  ^xi.  343  unb  bem  bab.  S.  9t.  Saft  343  im  gintlangc  (t)erg(.  aud&  fömmiinfll 
l^cff.  gntro.  ni  ärt.  64).    9Jad&  gemeinem  9ie4|tc  wirb  bie  9lrrogation,  oon 
bcfonberen  Umftänbcn  abgefefien,  nid^t  bemiDigt,  wenn  ber  9lnncl)menbc  eigene 
Äinber  ^at.    Ob  bieg  auf  alle  9lboptlonen  auö jubcl)nen,  ift  beftrittcn.    3)ad 
fäd^f.  ®.  83.  enthält  eine  bcfd&räntenbe  SSorfc^rift  ber  ^ier  fragli^en  9lrt  nid&t, 
maß  bamit  jufammen^ängt,  bafe  baöfelbc  bie  9lnna^mc  an  Minbeöftatt  als 
Onabenfa^ie  be^anbclt. 

pr  ben  ©ntwurf  ift  bie  (grroägung  mafegebenb  geruefen,  bafe,  wenn 
bcr  9lnnc^menbe  einen  el^etid^en  9lbfomm(ing  ^at,  einerfcitö  für  eine  9lnna^mc 
an  Äinbe«ftatt  regetmäfeig  ein  »ebürfnife  nld^t  oorliegt,  anbererfeitö  bicfclbc 
bie  Oefal^r  mit  ft^  bringt,  bafe  burA  bic  9[ufna^me  eincfi  fremben  Äinbcd 
baö  ^«uölid^e  ®lücf  geftört  unb  bie  ©elcgenfieit  ju  aWifel^eDigfciten  jroifd&cti 
bem  9tnne^menben  unb  beffen  ef^etid^en  9Ibfommlingen  gegeben  mirb,  ÜRife* 
^elligfciten,  meldte  namentlid^  barau«  entftel^en  f önncn,  ba|  bur^  bic  9Inna^me 
an  Äinbesftatt  bie  Hoffnungen  ber  c^elid^en  9lbf5mmlinge  in  erbrcd^tlid^er 
^infidit  getäufd&t  werben.  9Beiter  fäBt  in«  ©emic^t  baö  fittlid&e  aWomcnt, 
bafe  bie  Bulaffung  ber  9lnna^me  an  ftinbcöftatt  in  gcmiffen  9lu»nal)mefäUen, 
j,  ©•  menn  ber  9Inncl)menbe  nur  9lbf5mmlinge  mciblidtien  ®efd^le(iited  ober 


958  3tnna6mc  an  ÄinbeSftatt.    SDtanflcl  cl&cf.  Slbfömmlirgc.    §  1602. 

nur  folc^c  9lbfömmüngc  ^at,  locfd&c  mit  Ociftcölranf^cit  ober  mit  anhectn 
fd^iDcreu,  bie  ^ortpflaiijung  bcö  ©efd^Icd^ted  Doroud{td^t(ic^  ^inbemben  Stxanh 
ijeiteu  beI)Qftet  ftnb  ober  TOeld^e  ber  ^amilie  ftc^  unmurbig  geieigt  ^aben, 
leidet  ^nla^  geben  fönnte^  bie  eigenen  9lbf5mm(inge  ^intanjufegen.  ^ud  biefen 
©rünben  ift  cö  aud^  ate  bebcnflid^  erad^tet,  oon  bem  l^ier  fraglid&en  (SrforbemiRe 
%oUi>    Sidpenfalion  itiiulaffen.    Sine  äludna^me  l^at  ber  ©ntmurjf  anä)  fftr  ben  ^aD 

ertwrunfl.  ^.^^  gcmud^t,  Wenn  ein  ef)ü\d)tx  ^[blömmling  bed  Slnne^menbcn  jur  3^^*  ^^ 
3lnna^mc  an  Äinbcöftatt  für  tobt  erflärt  mar.  ©teilt  fic^  fpäter  l^erauö,  bafe 
berfelbe  bamold  nod^  am  fieben  gemefen  ift^  fo  ift  mithin  bie  älnna^me  an 
Äinbcöftatt  nid&tig.  ©in  Sebürfnig,  für  biefen  gatt  on  bie  2:obcöerMärung 
eine  über  bie  Sßermutl^ung  bed  §  21  l)inaudge^enbe  SBirfung  ju  fnüpfen^  liegt 
nid&t  oor  unb  ift  im  Sntereffc  bed  für  tobt  ®rflärten,  ^ingcfe^en  auf  ben  galt 
feiner  SHütffel^r,  bebeuHid^. 

NMcitnnui.  2Bie  QM  bcv  ^affung  beö  §  1602  Safe  1  in  aScrbinbung  mit  bem 

©runbfafec  beö  §  3  fid^  ergiebt,  ift  aber  ein  nasciturus  fein  ^inbcrnife  ber 
9Innafjme  an  Äinbcöftatt  imb  bie  fpftter  erfolgenbe  ©cburt  beö  Äinbeß  auf 
bie  SBirffamfeit  ber  Slnna^me  an  Äinbcöftatt  o^ne  (Sinflufe.  6in  SBebürfnife, 
im  ^inblicfe  auf  bie  bem  Snftitutc  ber  9(nnal)me  an  Äinbcöftatt  ju  ®runbe 
licgenbe  ratio  ober  jum  S^^^^  ^^^  SBa^rung  fünftiger,  namentlich  erbred^t« 
lieber  3ntereffen  beö  nasciturus  baö  3Sorl&anbenfein  eincö  folc^en  ald  ein 
^inbernife  ber  9lnnal^me  an  Äinbesftatt  ^injuftellen,  ift  ni^it  anjuerfennen, 
jumal  nac^  §  1606  ein  @^egatte  nur  mit  SintoiHigung  bcö  anberen  @I)egatten 
an  Äinbeöftatt  annehmen  tann.  Sie  93crüdEfic^tigung  beö  nasciturus  in  ber 
l)ier  fraglid^en  ^infid^t  ift  um  fo  mifelic^er,  alö  biefelbe,  wenn  bcmnäd)ft  bie 
©eburt  beö  Äinbcö  erfolgt,  eine  ßrmittelung  nötfiig  ma^en  mürbe,  ob  bie 
9lnnabme  an  Äinbcöftatt  in  bie  ©mpfftngni^jeit  fällt,  unb  alö  bie  ^llid^tigfeit 
einer  Slnna^me  an  Äinbcöftatt  roegen  ber  mit  berfelben  üerbunbencn  roeittragen* 
ben  aSirfungen  aud&  im  SBcrl^ältniffe  ju  britten  ^erfonen  immer  mit  großen 
Uebelftänben  oerbunben  ift.  2)aö  93orl^anbenfein  eineö  nasciturus  ift  aud^  bann 
auf  bie  ©üttigfeit  ber  3lnna^me  an  Äinbcöftatt  o^ne  ©influfe,  mznn  ber  5Äns 
ne^menbe  in  biefcr  ^infid&t  im  3rrtbume  gemefen  fein  foUte,  ba  ein  fold^cr 
Srrt^um  fic^  nur  alö  ein  Srrt^um  im  Seroeggrunbe  barftcHt  (§  102).  ©benfo 
mürbe  bie  ber  annähme  an  Äinbcöftatt  etroa  beigefügte  SJorauöfeftung  beö 
Jlic^toor^anbenfcinö  eineö  nasciturus  nac^  ben  Orunbfafeen  beö  (Sntrourfeö  über 
bie  Sebeutung  einer  93orauöfefeung  bie  (Sültigfeit  ber  9lnnaf|me  an  Äinbcöftatt 
nid^t  berühren,  eö  fei  benn,  bag  bie  SSorauöfefeung  alö  Sebingung  auöjulegen 
möre,  in  melc^cm  galle  bie  Slnna^mc  an  Äinbcöftatt  nad^  §  1615  unioirtfam 
fein  mürbe. 

une^eii(^e  'Slaö)  §  1602  @afe  1   l^iubcrt  nur  baö  SSorl^anbenfein  eineö  el)elic^en 

**"^*rou""  Stbtommlingeö  beö  3lnnel&menben  bie  9lnna^me  an  Äinbcöftatt.  6inc  grau, 
meldte  nur  unel^etid^c  Äinber  ^at,  fann  mithin  mirifam  an  Äinbcöftatt  an* 
ncl)mcn.  5)er  3"^^^  ^cr  Slnnal^me  an  Äinbcöftatt  'ge^t  gerabe  babin,  burd^ 
biefetbe  für  ben  9lnnel^menben  eine  fiftioe  ebelid^e  9lad^fommenfd^aft  ju  be« 
grünbcn,  ^roat  ftcllt  ber  §  1568  bie  unebelid&cn  Äinber  einer  grau  im 
ik'injipc  ben  cl)clid^cn  Äinbern  gteid^  unb  fann  bie  3itt^ffw»^9  ^^^  3lnna^me 
an  Äinbcöftatt  in  bem  ^ier  in  9lebe  fte^enbcn  galle  ju  einer  ä3eeinträc^tigung 


«nnal^me  an  Äinbegftatt    gWanfiel  cljel.  abförnmlinoe.    §  1602.  959 

bcr  erbrcd^tlid^cn  3ntcref|cn  her  unc^clid^cn  Äinbci*  fül^ren;  inbcffen  fann 
barauf  um  fo  weniger  er^eWid^cö  ®tmüft  gelegt  werben,  als  a\x6)  bie  bcftefienben 
Siedete  bie  Slnnol^mc  an  Äinbeöftatt  nur  beim  SBor^anbenfein  ef;elid^er  316* 
fömmlingc  audfctiliefeen  (ocrgl.  preufe.  31.  S.  31.  II,  2  §  671 ;  öfterr.  ®.  93. 
§  179;  Code  civil  3(rt.  343),  unb  cß  fid^  jubem  um  fcltcne  ^äUe  ^onbelt. 

Xa%  ben  efielid^cn  Slbfömmtingen  übrigens  legitimirte  3lbfömmlinge  beö  seguimirtc 
3lnne^menben  gleid&fte^en,  ergicbt  jid^  üon  felbft  aus  bem  ^rinjipe,  bafe  j)^^  *^"'"'"^*"^*' 
lefetcren  bie  rec^tlid^e  Stellung  c()elid6cr  Slbfommlinge  l^aben  (oergl.  §§  1579, 

1582,  1583  3lbi.  2,  §  1596  Slbf.  1  ©afe  1), 

Sluö  bemfelben  Ocrid^töpunfte  roürbe  in  ©rmangelung  einer  befonbercn  «««««^w« 
SBeftimmung  aud^  berjenige  nid^t  an  Äinbeöftatt  annehmen  fönnen,  meld&er  genommenen 
bereits  auf  ©runb  einer  3[nnalimc  an  Äinbeöftatt  einen  Slbfömmting  ^at  ^'"^«"^ 
(§  1601  Slbf.  1,  §  1620  3lbf.  1).  Siefer  Äonfequenj  tritt  aber  bie  befonberc 
33eftimmung  beS  §  1602  ©aft  2  entgegen.  2)ie  leßtere  fteljt  im  ©inHange  mit 
bem  franj.  Dlcd&te  (code  civil  3irt.  348  Slbf.  3)  unb  bem  ^eff.  ©ntro.  III 
3lrt.  64.  3u  bemfelben  SHefultate  f ü^rt  in  biefer  aSejie^ung  baä  fäd^f.  ®.  SB., 
loeld^eö  bie  Slnna^me  an  Äinbcöftatt  felbft  beim  SBor^anbenfcin  el)etid&er  3lb* 
fömmlingc  beö  Slnne^menben  fraft  Oefefeeö  nid)t  auöfd^liefet.  S5aö  gemeine 
SRed^t  geftattet  bie  3lrrogation  aJle^rerer  nur  ex  josta  causa  (1.  15  §  3  D.  de 
adopt.  1, 7).  35aö  preufe.  31.  2.  SR.  unb  ba^  öfterr.  ®.  S.  entfd^eiben  bie 
grage  nid&t  auöbrüdflid^.  S)a  beibc  ©efeßbüd^er  oon  bem  ©runbfaßc  auö* 
ge^en,  bafe  ber  Slngenommene  bie  red^tlid^c  (Stellung  eincö  c^elid^en  Äinbed 
beö  9lnnebmenbcn  l^at  (preug.  91.  S.  91.  II,  2  §§  681,  707;  öfterr.  ®.  33. 
§  183),  fo  wirb  anjune^mcn  fein,  bafe  nad^  biefen  SRed^ten  baö  $Bor^anbenfein 
eineö  angenommenen  9lbfömmlingeö  eine  weitere  3lnna^me  an  ^iubeöftatt 
binbert.  gür  biefen  Icgteren  Stanbpuntt  fann  man  anführen  baä  3ntercffe 
beö  3lngenommenen,  beffen  auf  bie  SBerfjältniffe  jur  3^it  ber  3lnnabme  an 
Jlinbeöftatt  fid^  grünbenbc  ®rroartungen,  namentlich  in  erbred^tlidjer  93c* 
iiel^ung,  burd^  bie  3lnna^mc  weiterer  Äinbcr  gctciufc^t  werben  fönnen,  ferner 
bie  ®efal)r,  ba^  bnx6)  bie  9lnna^mc  rociterer  Äinber  ber  ^äuölid^e  ^rieben 
geftört  unb  SBeranlaffung  ju  aWife^elligfeiten  jioifd^en  ben  Slboptiogefd&roiftern 
gegeben  wirb,  jumal  bicfclben  burdf)  ein  natürlid^cö  33anb  nic^t  oerbunben 
finb,  enblid^  ben  Umftanb,  bafe  bem  Mangel  ebelid^er  $Rad)fommenfd^aft  burd^ 
bie  erfte  Slboption  regelmäßig  bereitö  abgeholfen  ift,  Ueberroicgenbc  ©rünbc 
fprcd^cn  inbeffen  für  bie  Seftimmung  beö  §  1602  Saß  2.  ©in  JRed&t  auf  ben 
Sluöfd&lufe  meitercr  Slboptioncn  ^at  ber  9lngenommene  burd^  bie  3lnnabme  an 
Äinbeöftatt  nid^t  erworben.  ®nttäufd^ungcn,  roeld&c  ju  aWife^clligfeiten  unb 
jur  Störung  beö  l^äuöUd^en  gricbenö  aSeranlaffung  geben  fönnten,  fmb  in 
ber  SRcgel  nid&t  ju  beforgen,  ba  bie  meiften  9lboptionen  in  ber  Äinbl^cit  beö 
3lngenommcncn  erfolgen.  3lnbererfeitö  wirb  burd&  bie  S^^löffung  roeiterer 
Slboptioncn  ber  SBortlieil  crreid^t,  baß  fold^c  ^erfonen,  roeldöe  in  ber  Sage 
finb,  mehrere  Jlinber  annehmen  ju  fönnen,  nidit  gel^inbert  werben,  aud^  nod& 
anberen  Äinbcrn  bie  SBo^lttiat  ber  Slboption  angcbeilien  ju  laffen.  Slußerbcm 
fommt  in  Setrod^t,  bafe  In  mand&en  gällen,  j.  S5.  wenn  baö  juerji  angc* 
nommene  Äinb  miferat^en  ober  in  Slöbfinn  verfallen  ift,  ein  Scbürfnife  jur 
Slnna^mc  nod^  anberer  ftinber  fi6)  nid^t  beftreiten  lägt. 


960        annojme  an  Äinbcßftatt.    aitcr  ber  SSct^eiligtcn.    §§  1603,  1604. 

§  1603. 

aifcr  bes  <j)ie  Scftimmung  beß  §  1603  Slbf.  1  beruht  öuf  ber  ©noägung,  bafe  bie 

neftmwben.  Slima^mc  QH  Äinbcöftütt  tiut  ein  fubftbiärcß  aJlittcI  fein  foU,  ein  ©(term  unb 
ÄinbeöocrEiQttnife  ju  begrünben.  Solange  biefcr  3"^^^  ^^öd^  auf  bem  SGBegc 
ber  elielic^en  B^wflung  erreid^t  werben  fann,  liegt  nid^t  nur  lein  Sebürfnife 
für  bic  Slnnal^me  an  Äinbcöftatt  oor,  fonbern  ift  aud^  beren  3iid^tju(a||ung  im 
Snlcreffe  ber  Scförbcrung  ber  ®^en  ratf)fam.  9(Iß  Sebenßgrenjc  bejcid[)net  ber 
§  1603  2lbf.  1  ia&  jurüdfgclcgte  fünfäigftc  Sebenßia^r,  baoon  außgel^cnb,  ba§ 
in  biefem  Sllter  bic  3cugungßfraft,  rotnn  aud6  nid^t  aufgehoben,  bod)  ge^ 
fcf)roäd&t  unb  bie  ffial^rfc^einlic^feit  ber  ©rjietung  eigener  Äinber  auf  bem  3Begc 
ber  cfielid)en  3^wgung  geringer  geworben  ift.  ®emeinredE|ttid&  entfc^eibct  bei 
9lrrogationen  boß  fed&jigfte  Scbenßial^r.  Ob  bicß  auf  alle  9lrten  oon  Slboptionen 
außäubelinen,  ift  beftritten.  3luc^  baß  bai)r.  £.  31. 1,  5  §  10  9ir.  3,  §  11  fteHt, 
unb  jroar  für  alle  Slrten  oou  Slboptionen,  bie  3^^ö^f^9W»ö  beß  fc^iigften 
Sebenßjalireß  alß  SBoraußfegung  l^in.  ®ß  empfiel^lt  fid^  jebod^,  inßbefonbere  um 
bic  3ö^l  ber  35ißpenfationßgefu^e  ju  ocrminbern,  auf  baß  fünfjigftc  Sebenß* 
jal^r  l^cruntcräugel^cn.  ©er  ©ntrourf  folgt  in  biefer  ^infic^t  ber  SWe^rja^l  ber 
neueren  ©efc^gcbungen  (oergl.  preufe.  21.  2.  9?.  n,  2  §  668;  öftere  ®.  S3.  §  180; 
Code  civil  3lrt.  343;  fäd^f.  ®.  93.  §  1791;  ^eff.  ©ntn).  III  Slrt.  64). 
DtspenfQtion.  Um  bic  Sluna^mc  an  Äinbcßftatt  aud^  für  fold^c  im  SBorauß  nid&t 

ju  überfel^enbc  gälle  ju  crmoglidlien,  in  roetd&en  ber  9lnncf|mcnbc  iroar  baß 
fünfjigftc  ficbcnßial^r  nod6  nid^t  jurüdfgelegt  liat,  nad^  bcn  inbioibucllcn  33er« 
f)ältnijfen  beßfelben  aber  anjune^men  ift,  bafe  berfelbe  leiblid^e  Jlinber  nid^t 
mcl}r  erjietcn  merbc,  erflärt  ber  §  1603  Slbf.  2  3)ißpenfation  üon  bem  im 
§  1603  Slbf.  1  aufgeftelltcn  erforberniffe  für  juläffig  (oergl.  1. 15  §  2  D.  de 
adopt.  1, 7;  bat)r.  S.  31.  I,  5  §  10  5«r.  2,  §  11;  preufe.  31.  2.  %  II,  2  §  669, 
fäd^f.  0.  33.  §  1791 ;  ^eff.  entro.  III  Slrt  65).  5Daß  preufe.  31.  2. 5R.  fnüpft 
bie  3ulöffigteit  ber  2)ißpenfation  an  bic  SSoraußfeßung,  bafe  nad^  bem  förper^ 
lid^cn  ober  ©cfunbfieitöjuftanbc  beß  Slnnc^mcnben  bie  ©rjeugung  natürlirf)cr 
ftinber  burc^  il)n  nid)t  ju  oermut^en  ift.  Slbgcfeficn  baoon,  bafe  biefc  SSor^ 
außfeßung  iebcnfalls  ju  eng  gefaxt  fein  mürbe,  ba  bie'  SBafirfd^cinlid^fcit,  bafe 
ber  3lnnel)menbc  nod^  natürlicf)c  Stinber  erjiclen  mcrbe,  au^  bur^  anberc 
perfonlidt)c  93er^ättniffe,,alß  bie  f5rpertid)c  33ef^affcnl^cit  beßfelben  außgefd&loifcn 
fein  fann,  ift  cß  nad^  bem  SSorgange  beß  fäd^f.  ®.  93.  überhaupt  alß  bebcnflic^ 
erachtet,  ber  Slußübung  cincß  Onabcnrcd^teß  berartigc  ©d)ranfen  ju  fegen. 
3^agegen  erfd^eint  cß  alß  angemeffen,  eine  3)ißpenfation  nur  im  §alle  ber 
aSolljälirigfcit  beß  Slnncl^menben  jujulaffen,  ba,  roenngleid&  nad^  §  1233  aud^ 
ein  SWinberjä^riger  eine  ®f)e  fd^liefeen  fann,  bod^  ein  93ebürfni6,  einem  SKinbcr« 
iä^rigen  bic  Slnnabmc  an  Hinbeßftatt  ju  gcftatten,  in  feinem  galle  an^ 
fiuerfennen  ift. 


§  1604. 

smttÜ.',  ®^^  P^^fe-  ^-  ^'  ^-  ^^'  2  §  ^^"^  verlangt  nur,  bafe  ber  3Cnjuttel^menbc 

jünger  fei,  alß  ber  Slnncl^mcnbe,  roä^renb  baß  gemeine  Siedet,  boß  ofterr.  ®.  93. 
§  180  unb  baß  fäd^f.  ®.  33.  §  1791  eine  Slltcrßbifferenj  t)on  ad^tje^n,  baß 


btfferen). 


STnit.  an  Äinbcöflatt.  Dtöpenfalicn.  einttJimGunöbc8@6eöattcn.  §§1605, 1606.  961 

froiij.  SRcd^t  —  abgcfcl^en  von  bctn  gallc  bcr  ficbcnörcttung,  in  rocld^cm  genügen 
foll,  bafe  ber  3lnne^mcnbe  älter  ift  als  ber  9lnjuncl^menbe  —  (code  civil 
airt.  343,  345)  unb  ber  ^eR.  ©ntn).  III  3lrt.  68  eine  Saitcröbifferenj  von  fünf^ 
je^n  Satiren  üorauöfeften. 

3lQd&  bem  (Srunbfa^c,  bafe  ba&  fünftlid^  gefrf)affene  Sinbeöoerljättnii 
bem  natürlidien  moglid^ft  cntfpred^en  unb  ein  mögtid^ft  inniges  werben  foll, 
foroie  mit  Slüctfid^t  auf  ble  erforberlid^e  ettcrlidöc  Slutorität,  mufe  ber  Unter* 
fc^ieb  bes  2llterö  ein  fold^er  fein,  bafe  ber  3lngenommenc  bem  älter  nad^  ein 
e^elid^eö  Äinb  beö  Sfnnc^menben  fein  fonntc.  SJemgemäfe  mürbe  an  fidfi  bie 
©ifferenj  jroifci^en  bem  9llter  beö  9lnne^menben  unb  9lnjunefimenbcn  in  einem 
bem  3lÜer  ber  ®^emünbigfeit  auf  ©eitcn  beö  9lnnel^menben  (§  1233)  unter 
ißinjured^nung  ber  ©mpfängnifejeit  (§  1467)  entfprcd^enben  3^itraume  befte{)en 
müjfen.  3m  Slnfd^tuffe  an  bie  aWel^rjaf)!  ber  SRed^te  I|at  jebod^  ber  ®ntrourf 
im  Sntereffe  ber  ©infad^^eit  beö  SRet^teö  für  Scanner  wie  für  grauen  biefelbe 
älteröbiffercnj  von  ad^tje^n  Sauren  alö  Siegel  aufgcftcHt,  jumal  nad^  §  1233 
auf  Orunb  einer  2)iöpenfation  aud^  aWänner  fd^on  mit  ad^tje^n  3a^ren  e^e* 
münbig  fein  fönnen.  ÜWit  bem  preufe.  Stt.  S.  dt.  ju  beftimmen,  bafe  eö  genügt, 
wenn  ber  Slnnel^menbe  älter  alö  ber  9lnjuncf)menbc  ift,  crfc^eint  bebcnflid^, 
wenn  man  bie  Sttnna^me  an  ftinbeöftatt  nid^t  als  Onabenfad^e  bc^anbett.  3n  a^iapenfotton. 
Uebereinftimmung  mit  bem  fäd^f.  ®.  SB.  §  1791  unb  bem  fieff.  ©ntio.  m  3Irt.  68 
erftärt  inbeffen  ber  ©ntmurf  ©iöpenfation  oon  bem  im  §  1604  9lbf.  1  be* 
ftimmtcn  ©rforberniffe  für  juläffig,  um  bie  5lnna^me  an  Äinbeöftatt  aud^  in 
fold^en  gälten  ju  ermoglid^en,  in  meldten  bcr  gefefeUd^e  ailteröunterfd^ieb  nid^t 
Dor^anben,  bie  ^Inna^me  an  ftinbeöftatt  aber  ben  Umftänben  nad^  münfd^enö* 
mcrt^  unb  angemeffen  ift. 


§  1605. 
®ic  aSorfc^riften  beö  §  1605  fd^tiefeen  fid^  ben  analogen  Seftimmungen  3«ftÄnWflfeit 
beö  §  1244  an.  »lÄation. 

§  1606. 

2Benngteid&  eö  baö  SWatürlic^ere  ift,  bafe  bei  finberlofer  ®f|c,  mcnn  eine  ««»taiauno 
5lnnal^me  an  Äinbeöftatt  beabfid)tigt  wirb,  biefe  von  beibcn  ©Regatten  ge?  ^^^J? «Jl**" 
meinfam  erfolgt,  fo  fann  boc^  bie  3lnna^me  eineö  Äinbeö  burc^  einen  ber  6l)e*  «c^menben. 
gatten  allein  nic^t  unbebingt  anögefc^loffen  werben,  ba  möglic^ermcifc  nur  ber 
eine  g^cgattc  red^tlid^  in  bcr  Sage  ift,  an  ftinbeöftatt  annehmen  ju  (önnen, 
i.  33.  romn  ber  anbcre  ©begatte  ein  ftinb  auö  früherer  6f|e  ^at  (oergl.  aud^ 
preufe.  21.  2. 5H.  II,  2  §§  675,  676;  code  civil  Slrt.  344;  fäd^f.  ®.  93.  §  1795). 
9ladb  bem  33organge  beö  code  civil  unb  beö  fäd&f.  ®.  93.  (t)crgl.  ferner  t)efj. 
entm.  III  Slrt.  67;  ital.  ®.  93.  Slrt.  208;  jür.  ®.  93.  §  208)  bcftimmt  aber 
ber  §  1606,  bafe  ein  ®f)egattc  ol&ne  bie  ©inmilligung  beö  anberen  ©l^egatten 
nid&t  an  Hinbeöftatt  annefimen  fann  (t)crgt.  ieboc^  §  1611).     ®ö  entfprid^t 
biefe  93cftimmung  bem  SBefen  unb  bem  ®runbgebanfen  ber  6^e.    93ei  bem 
na^en  SJer^ältniffe,  in  roeld^eö  ber  Slngenommene  ju  bem  Slnne^menben  tritt, 

SRoHm  t.  »UrgerL  Oefe^bu^.  IV.  Gl 


962       9lnna5mc  an  5ttnbcöftatt.  9Iim.  cineö  anbcrtrcit  9(nöenommcncn.  §  1607. 

wirb  im  gntte  ber  2lnnaf|mc  eines  Äinbcö  burcli  einen  ber  Sljegatten  baö 
SSerJ^öItnife  beö  in  bcrfelben  gamiüengemcinfd&aft  lebcnben  anbeten  ©Regatten 
t^atfäddlid^  unmittelbar  beriifirt,  fo  i>a^  eine  Störung  beö  c^elid^en  griebcnö  ju 
beforgen  ift,  roenn  ol)ne  SinroiUigung  beö  anberen  ®^egatten  ein  ftinb  in  bie 
©emeinfd^aft  aufgenommen  mirb  (Dcrgl.  aud^  §  1587).  33on  biefen  ÖJefid^tö« 
punften  aus  ift  eö  nid^t  gered^tfertigt,  nad&  bem  SSorbilbe  beö  preufe.  91.  S.  SR. 
II,  2  §§  675,  676  nur  bie  3lnna{)me  an  Äinbeäftatt  Don  Seiten  ber  ®^C' 
frau  an  bie  ©inmiHigung  beö  ß^emanneö,  nid^t  aber  umgefe^rt  oud^  bie  Slm 
nal^me  an  Äinbcöftatt  üon  Seiten  beö  ®^emanneö  an  bie  ©inroiUigung  ber 
ßl^efrau  ju  binbcn. 

§  1607. 

annähme  9luö  bem  5ßrinjipc  beö  §  1601  2lbf.  1  fönnte  in  ©rmangelung  einer 

"JJ^  ei*"Jj"  entgegenftel^enben  befonberen  Söeftimmung  abgeleitet  werben,  bafe  ber  Slm 
Mnberen  an.  genommene  audt)  üor  Sluf^ebung  beö  burdö  ^^^  Slnna^me  an  Jiinbeöftatt  be* 
^*"Äi!lbe*r"  grünbeten  SSer^ättnifleö  (§  1629)  oon  einem  9lnberen,  audE)  mtnn  biefer  nid^t 
ber  ®£iegatte  beö  3lnne]^menben  fei,  an  Äinbeöftatt  angenommen  werben  fönnc 
unb  bafe  in  einem  fold^en  galle  cbenfomenig,  mie  burd^  bie  erfte  ännal^me  an 
Slinbcöftatt  bie  red&tlid^en  Sejie^ungen  jmifc^en  bem  eingenommenen  unb  feinet 
natürlid^en  gamilie  (§  1625),  burd^  bie  jrocite  Slnna^me  an  Einbeöftatt  bie 
red^tlid^en  Sejiel^ungen  jroifd&en  bem  9lngenommenen  unb  bem  erften  2(m 
nel^menbcn  t)öUig  geloft  mürben,  fonbern  baö  burd&  bie  erfte  Slnnal^me  an 
i^inbeöftatt  begrünbete  ®Itern^  unb  Äinbeöoeri^ältnife  infomeit  befte^en  bleibe, 
alö  trofe  ber  erften  2lnnal|me  an  Äinbeöftatt  ba^  Söer^ältnife  äwifd^cn  bem  Sin* 
genommenen  unb  beffen  natürlid^en  gamitie  beftel^en  bleibe.  Sfficnn  nad^  röm. 
Sted^tc  burd^  eine  weitere  üoUfommene  9lboption  jebe  3Birfung  ber  erften 
3lboption  gänjtid^  befeitigt  wirb,  fo  f)ängt  bieö  bamit  jufammen,  bafe  nad^ 
röm.  SRec^te  bie  öoUfommenc  3lboption  mefentlid^  Segrünbung  ber  DÖtcrlid^en 
©eroalt  unb  ber  baburd^  oermittelten  Siedete  ber  9lgnatfd&aft  ift,  biefe  SBirfung 
aber  burd)  eine  neue  üoUtommene  Slboption  J^inroegfaDen  mufete.  Snbeffen 
aud^  üom  Stanbpunfte  beö  ©ntmurfeö  auö  fpred^en  überroiegenbe  ©rünbe,  inö« 
befonbere  bie  SÄüdEfid^t  auf  bie  fünfttid^e  Orunblage  beö  burdö  bie  Slnna^me  an 
ftinbeöftatt  begrünbeten  33crf)ältnijfeö,  bafür,  in  3lnfef)ung  beö  angenommenen, 
folange  baö  alte  burd&  bie  ^[nnafime  an  Äinbeöftatt  begrünbete  SBerljättnife  nod^ 
beftel^t,  bie  Segrünbung  eineö  neuen  3lboptionöoerl^ättniffeö,  burd)  meld^eö  berfelbe 
juglcid^  ju  einem  ©ritten  in  baö  SScrfjättnife  eineö  angenommenen  Äinbeö  tritt, 
für  unjutäffig  jU  crflären,  jumat  eö  an  einem  praftifd^en  Sebürfniffe  fcl^tt,  ein 
fo  fünftlid&eö  unb  fomplijirteö  aSerfjältnife  ju  geftatten.  3lnberö  liegt  jebod^ 
bie  Sad^e  in  bem  gaDe,  in  meld^em  ber  Slngenommene  nad&träglid^  aud^  t)on 
bem  ©liegatten  beö  9lnne^menben  an  Äinbeöftatt  angenommen  werben  foD.  3n 
einem  fotd^en  ^alle  entfielet  nad&  SKafegabe  beö  §  1621  wie  in  bem  gaHe, 
wenn  ®l^egatten  eine  5ßerfon  alö  gemeinfd^aftlid)eö  Äinb  anncl^men  (§  1608), 
ein  natürlid^eö  SSerl^ältnife  unb  lann  aud^  für  jenen  %aU  baö  93cbürfni6  ber 
gulajfung  einer  weiteren  Slnna^me  an  Äinbeöftatt  nid^t  beftritten  werben. 


9lnna]6me  als  öemeinfcßaftlid&c«  Äinb  2C.    §§  1608,  1609.  963 

§  1608. 

Safe  ®f)cflattcn  eine  5ßerfon  als  gemeinfdiaftUdEieö  Äinb  annel^nic^  fönnen  annähme  Qid 
<üergt.  §  161),  entfpricftt  ben  natürlichen  SSerpttniffen  unb  fte^t  mit  bem  Qt^  a^ÄtJ' 
meinen  Siedete  unb  ben  neueren  ©efefegebungen  im  ®inftange  (üergl.  preufe. 
31.  2.  31.  II,  2  §  687;  code  civil  Slrt.  344;  fäd^f.  ©.  93.  §  1792).    Gö  ift  bieö 
ein  ißauptfall,  in  meld)em  Don  bem  Snftitute  ber  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt 
praftifd^  (SebraudE)  gemad)t  wirb. 

^[nbererfeitö  folgt  auö  bem  ©rnnbfafee,  bafe  ba^  hnxä)  bie  Slnnal^mc  on 
^inbeßftatt  ju  begrünbenbe  SSerljaltnife  ber  9latur  nad^gebtlbet  werben  foU,  bafe 
Ttur  ©Regatten  eine  ^erfon  als  gemeinfd^aftlid^eö  Äinb  annelimen  fönnen;  benn 
tlliemanb  fann  baä  cJ^elid^e  Äinb  meljrerer  5ßerfonen  fein,  fofern  bie  lefeteren 
nid^t  mitcinanber  in  ber  Slje  leben  ober  gelebt  l^aben.  3^^^^  würbe  aud^  bie 
©d&roierigfeit  fid&  ergeben,  mie  bie  aus  bem  ©ttern^  nnb  Äinbeöt)erl)ältniife  ent« 
fpringenben  SHec^te  unb  ^jSflid^ten  unter  bie  t)erfd6iebenen  5ßerfonen  üertl^eilt 
werben  foDen,  eine  Sd^roierigfeit,  weld^c  in  bem  galle,  wenn  ©Regatten  eine 
?ßerfon  als  gemeinfd&aftlid^eö  Äinb  annel^tnen,  nicf)t  entfte^t  (t)ergl.  §  1621). 
9Rit  bem  ©ntrourfe  ftimmen  in  biefer  ^infidjt  baö  franj.  SRed^t  (code  civil 
mrt.  344),  baß  fäd^f.  ®.  33.  §  1792  unb  ber  fieff.  ©ntm.  III  3Irt.  68  überein, 
roä^renb  baö  preufe.  91.  S.  SR.  unb  baö  öfterr.  ®.  33.  auöbrüdflid&e  Seftimmungen 
inforoeit  nid^t  enthalten. 

§  1609. 

Safe  ©l^egatten  gemeinsam  oon  berfelben  5|}erfon  angenommen  werben  annähme 
fonnen,  oerfte^t  fid&  in  Ermangelung  einer  entgegenftcl^enben  33eftimmung  oon  a^alun. 
fclbft.  3la6)  franj.  SRed^te  .ift  eö  allerbingö  beftritten,  ob  ©Regatten  oon  ber* 
felbcn  $erfon  angenommen  werben  fonnen.  35icfe  Streitfrage  ift  inbeffen  nur 
burd^  bie  befonbere  33orfd^rift  beö  code  civil  Slrt.  348  ^eroorgerufen,  ia^  bie 
®^c  jwifd^cn  SlboptiDfinbcm  berfelben  5ßerfon  verboten  ift.  SSom  ©tanbpunfte 
beö  ©ntwurfeö  auö  (ocrgl.  §  1240)  fonn  biefe  Streitfrage  nid^t  entfte^en. 

©ine  anberc  grage  ift,  ob  beftimmt  werben  foB,  bafe  ein  ®^egatte  nur  cmwiniflunfl 
mit  ©inwilligung  beö  anberen  ©Regatten  an  Äinbeöftatt  foU  angenommen  werben ^\aTn!^^ 
fonnen.  Soweit  nad^  bem  geltenben  JRec^te  eine  S^efrau  alö  folcf)e  in  ber  8»"^'««"*>«"- 
Oefd^äftöfäliigfeit  befd^ränJt  ift,  fann  bicfclbe  auö  biefem  Orunbe  o^ne  ©in* 
wiDügung  beö  ©l^emanneö  aud^  nid^t  angenommen  werben,  ba  bie  Slnnal^me  an 
iitinbeöftatt  ein  SRed)tögefd&äft  ift  (ocrgl.  fädbf.  ®.  33.  §§  1638,  1795;  l^eff.  ©ntw. 
II  Slrt.  69  nebft  ü)iotioen  ju  III  S.  187).  Db  nad6  franj.  SRed^te  nur  bie 
^^efrau  ber  ©inwilligung  beö  @l)emanneö  ober  auc^  ber  legtere  ber  ©inwilligung 
ber  ©^efrau  bebarf,  ift  beftritten.  3m  ital.  ®.  33.  Slrt.  208  ift  bie  Streitfrage 
im  legtercn  Sinne  entfd&ieben.  35a  nad^  bem  ©ntwurfe  bie  ©(lefrau  alö  foldie 
in  ber  (Sefd^äftöfäl^igfeit  nid&t  befd^ränft  ift,  fo  bebarf  nad&  allgemeinen  ®runb* 
fögcn  fie  fo  wenig  ber  ©inwilligung  beö  ©^cmanneö,  alö  ber  lefttere  ber  ©in* 
willigung  ber  ©^efrau,  um  an  ftinbeöftatt  angenommen  ju  werben.  S^^^if^l* 
I)aft  fann  fein,  ob  eö  nid^t  b^n  SSorjug  oerbienen  würbe,  in  biefer  8e^ 
^ie^ung  eö  bei  ben  allgemeinen  ©runbfäßcn  ju  beladen,  ba  bie  33eftimmung  beö 
§  1609  wenigftenö  infoweit,  alö  nad^  berfelben  ber  Seemann  nur  mit  ©in* 

61* 


964  ^nmlmc  an  Äinbtöftatt.    eimviaiguno  bec  Sftrm.    §  1610. 

iDilligung  ber  S^efrou  an  ^tnbedftatt  angenommen  merben  fann,  gegenüber  bem 
gettenben  Siedete  allcrbingd  ate  eine  Steuerung  fid^  barftellt  unb  ber  Seemann 
aud^  fonft  ju  ben  feine  perföntid^en  JBer^ältniRe  betreffenben  3leci^tö^anblungcn 
im  älDgemeinen  ber  @inn)iUigung  ber  S^efrau  nic^t  bebarf.  ^ür  bte  99e^ 
ftimmung  beö  §  1609  (üergf.  baneben  §  1611)  fällt  inbcffen  entfc^eibenb  ber 
©efld^töpunft  ins  ©eroid^t,  baft  eö  mit  ber  Snnigfeit  ber  burd^  bie  @^c  bc^ 
grünbeten  Sebenfigemeinfd^aft  nid^t  vereinbar  ift  unb  bem  (Seifte  ber  §§  1272^ 
1273  nid^t  entfprid^t^  menn  ein  @^egatte  o^ne  bic  ßinmilligung  bed  anberen 
^^egatten  fic^  an  jiinbedftatt  annehmen  [ögt  unb  baburc^  oieI(eid)t  eine  t)5Uige^ 
aud^  auf  bie  pcrföntid^en  SBer^ältniffe  beö  anberen  ©Regatten  jurücfwirfenbe 
aienberung  feiner  fiebenöüer^ältnijfe  unb  feiner  pcrfönlic^en  Sejie^ungen  ^eroor- 
ruft.  6d  ift  JU  beforgen,  ba%  bie  ^äuölid^e  ©intrac^t  unb  ber  et^efic^e  gricbea 
baburd^  gefäf)rbet  mirb. 

§  1610. 

eiitiDiniflunfl  S)a  burdi  ben  Uebertritt  beö  Rinbeß  in  eine  anbere  gamifie  im  SBcge 

*^''%*J7*^*ber  Srnna^me  an  Äinbeöftatt  beibe  eitern  gleid^mä&ig  in  i^rcn  perfönlic^en 
june^menbc«,  SBejiefiungen  ju  bem  Äinbe  auf  ba%  3;ieffte  berührt  rocrben,  fo  ift  eö  geredet* 
fertigt,  —  abmeic^enb  oom  gemeinen  SRed^te  —  ju  ber  3lnna^me  an  Äinbeö* 
ftatt,  oorbcfialtlid^  ber  Seftimmung  beö  §  1611  ©og  1,  bie  ©inmilligung  ber 
©Itern  ofö  fold^er  unb  groar  nid^t  nur  bie  beö  SBaterö  (prcufe.  ST.  2.  SR.  II,  2 
§  679)  ober  nur  in  (Srmangelung  beö  93oterö  bie  ber  3)tutter  (ofterr.  ®.  8. 
§  181),  fonbern  nad^  bem  93orbilbe  beö  code  civil  Slrt.  346  unb  beö  fäd^f. 
O.  33.  §  1793  (oergl.  ferner  ^eff.  ©ntm.  III  Slrt.  69)  bic  einroiUigung  foroo^l 
beö  93aterö  alö  ber  ülutter  ju  crforbern.  @ö  mürbe  eine  grofee  ^ärtc  gegen 
bie  3)2utter  fein,  menn  ber  SSoter  if)r  auf  bem  SBege  ber  9lboption  baö  ftinb 
t^atfäd^Ud()  entiiel)en  unb  fie  baburd^  il)rer  @(temred^te  über  baö  Rinb  berauben 
tonnte  (oergl.  §  1626).  S)ic  Slnafogic  ber  für  bie  (Sl^efd^liefeung  gegebenen 
Syorfd^riften  beö  §  1238  3lbf.  1  ©ag  1  fann  in  ber  f|ier  fraglid^en  SejicI^unft 
alö  jutreffenb  nic^t  anertannt  merben,  ba  bic  e^efd^ließung  nur  ein  in  bem 
natürlid^en  entmidfetungögange  beö  Sebenö  beö  Äinbeö  licgenbeö  ©reignife  ift, 
mä^renb  ber  Sluötritt  beö  Äinbeö  auö  ber  gamilie  burd^  atnna^me  an  Äinbcö* 
ftatt  ganj  aufeerfialb  beö  regelmäßigen  SScrIaufeö  ber  3)ingc  liegt,  unb  bo 
überbieö  bie  3lboption  beö  Äinbeö  auf  baö  perfonlid^e  35erl|ältni§  beöfelben  ju 
ben  ©Itern,  inöbefonberc  bei  ©ol^nen,  f)äufig  roeit  einfc^ncibenber  einmirtt,  ate 
bie  G^efc^Uefeung,  unb  in  oielen  gällen  baö  Äinb  ben  ©Item  ganj  entfrcmbet. 
2luf  ber  anberen  ©eitc  crfd)cint  eö  aber  alö  angcmeffen,  nad^  9lnatogic  bcft 
§  1238  2lbf.  1  ©aft  1  unb  im  SKnfd^luffe  an  baö  franj.  Wed^t  (code  civü 
Slrt.  346)  bic  ©inmilligung  ber  ©ttern  nur  folange  ju  crforbern,  alö  baö  Äinb 
baö  fünfunbjmanjigfte  Sebenöial)r  nod^  nid^t  jurüdgclcgt  ^at  @ö  laffcn  fic^ 
allerbingö  geroid^tige  (Srünbe,  inöbefonberc  bic  JRücffid^t  auf  bic  ^JJietät  gcgea 
bic  ©Itern  unb  ber  ©efid^töpunft,  ba§  bie  9lnna^me  an  Äinbeöftatt  ein  fünft* 
Iidt)eö  S^ftitut  ift,  roä^renb  bic  ef)efd)tic6ung  beö  Äinbeö  bem  natürlid^en  Saufe 
ber  5Dinge  cntfprid)t,  bafür  anführen,  bic  9lotl)mcnbigfcit  ber  elterlichen  ©in« 
TOiUigung  ju  ber  3lnnaf)me  an  Äinbeöftatt  nic^t,  mie  bei  ber  ß^cfc^licftung,. 


annalfemc  an  Äinbegftatt.  Sob  2C.  beö  Stn»illiöunööbere(]6tigtcn.  §1611.       965 

ouf  bic  gebod^tc  ^tiiQxtnit  ju  befd&ränfcn,  fonbcm  mä)  bem  Sßorbilbc  Dcr^ 
fci^icbcncr  ©cfcfebüd^icr  (oergt.  prcufe.  91.  S.  SR.  II,  2  §  679 ;  fäd^f.  ©.  33.  §  1793) 
für  bic  Scbcnöjcit  bcr  ßltern  oorjufci^reibcn.  (Segen  eine  bcrartige  93orfd)rift 
fällt  inbcffcn  entfd^cibenb  inö  ©croid&t,  bo§  baburd^  ju  tief  in  bie  ©clbftänbigs 
feit  unb  bic  inbioibueUe  grei^eit  bcö  DoBiö^rigen  Äinbeö  eingegriffen  werben 
loürbe.  Slnbcrerfcitö  ift  eö  iebod^  bebcnfli(^,  nad^  crreidöter  SBoIIJä^rigfeit  bcö 
JElinbeö  oon  bcr  ©inmilligung  bcr  SItern  ganj  abjufe^en,  ba,  abgefel^cn  Don 
ben  SlüdEfid^tcn  ber  ?ßietät  gegen  bie  (SItern,  bafi  Äinb  alöbann  auf  bem  SBege 
ber  Slboption  ben  ®Itern  boö  benfclben  naä)  §  1238  bis  jum  jurüdfgelegten 
fünfunbjroanjigftcn  Scbcnöla^re  bcö  Äinbcö  jufte^enbe  SRcd^t  bcr  ©inroilligung 
jur  ß^cfc^Iic^ung  bcöfelbcn  entiie^cn  fonnte  (oergl.  §  1239).  Unter  biefen 
Umftänbcn  erfd^eint  bie  33eftimmung  bcö  §  1610  2lbf.  2  alö  eine  angemeffene 
3lußgleidE)ung  bcr  ücrfd&icbcnen  ^ntcrcffcn. 

2)afe  bei  ber  Slnnafimc  eines  unc^elid^en  Äinbeö  an  Äinbeöftatt  bie  ©in«  }^  ^r^, 
töiHigung  bcr  SKutter  bcö  Äinbcö  erforbcrlid^  ift,  cntfprid^t  bem  ^rinjipe  bcö  feiwerfwnmg 
§  1568  (t)crgt.  auä)  §  1238  3lbf.  1  ©aß  1).  5Diefcr  einmiUigung  bebarf  cö  ^^^|"^*J**" 
auä)  bann,  menn  baö  unef)elid^e  Äinb  burd)  ®I|cUd^fcitderfIärung  legitimirt  ift. 
©in  genügenber  ®runb,  in  biefem  galle,  wie  in  bem  %aUc  bcr  ©^cfc^Uefeung 
(§  1238  9lbf.  1  Safe  2),  oon  ber  ©inroilligung  ber  SKutter  abjufcl^en,  liegt 
nic^t  Dor,  ba  eö  fi(|  ^icr  um  ein  nur  au8nol^mfiu)cife  eintretenbcö  fünfttid^eö 
SBcr^ältnife  fianbelt.  ©incß  befonbercn  3luöbrudfcö,  ba&  aud^  im  galle  ber 
9lnnal^mc  eines  burd^  @^elid&fcitderflärung  legitimirten  Einbes  bie  ©inroilligung 
ber  aWutter  crforberlic^  ift,  bebarf  eö  nid^t,  ba  baö  Kinb  trog  ber  ©ficlid^fcitö' 
erflärung  nid^t  aufbort,  ein  unef)c(id&eö  Äinb  ju  fein  unb  nac^  §  1596  Stbf.  2 
burd^  bie  6^etid(|fcitöerMorung,  fomeit  nid^t  auö  bem  ©cfcfec  ein  9tnbcrcö  fid^ 
ergiebt,  bic  Siedete  unb  ^Pflid^tcn  nid&t  bcrüf)rt  roerben,  meldte  jroifd^cn  bem 
fiinbe  unb  beffen  SBcrmanbtcn  in  golge  ber  SBcrroanbtfd^aft  befte^en.  3)a§ 
neben  bcr  ©inroiDigung  bcr  aWutter  aud&  bic  bcö  SBatcrö  bcö  legitimirten 
Äinbcö  crforbcrtid^  ift,  ergiebt  fid^  auö  §  1610  2lbf.  1  in  Sßcrbinbung  mit 
§  1583  mf .  2. 

UnbebenHid^  unb  burd^  Wüdfid^tcn  praftifd&cr  3roe(fmä§igfeit  geboten  ift  ^^„^ioft 
cö,  bic  ©inroilligung  ber  ©Itcrn  nid^t  für  crforbcrlid^  ju  crflärcn,  vocnn  bcr  be«  gamuten. 
gamilicnftanb  bcö  Äinbeö  nid^t  ju  ermitteln  ift  (§  1610  2Ibf.  2).    D^nc  biefc    ^""*^*- 
S3cftimmung  mürbe  in  mand(icn  gällen  eine  an  fxd)  TOÜnfd^cnöroert^c  SKnna^mc 
eincö  Äinbeö,  namcntlid^  eineö  ginbcitinbcö,  unterbleiben  muffen  ober  bod^  nur 
mit  bcr  ©cfo^r  bcr  Slid^tigfcit  vorgenommen  mcrben  fönncn. 


§  1611. 

5Dic  Seftimmung  bcö  §  1611  ©a|  1,  bafe  bic  in  ben  §§  1606,  1609,  «ob  «.^ 

1610  t)orgcfd^ricbcne  ©inmilligung  eincö  Stritten  außer  im  gallc  bcö  SCobeö  bcö  wiaigunaö. 

festeren  aud^  bann  nid^t  crforbcrlid^  fein  foU,  menn  ber  ©ritte  für  tobt  crtlärt  ^'e**t9ten. 
ift,  bcrul^t  auf  ä^nlid^cn  ©rroägungcn,  mic  bic  SBorfd^rift  bcö  §  1587  ©a|  2. 

®ic  SBorfd&rift  bcö  §  1611  ©afe  2  ftcUt  ber  ©inroiHigung  bcö  SDritten,  ««- 

b.  ff.  bcr  vox  bem  Sttfc^tujfc  bcö  SBcrtragcö  über  bic  Annahme  an  Äinbcöftatt  "*^«*««"«- 
erfolgten  gi^fttw^w^i^^fl    ^^^  35rittcn  (t)crgt.  §  127  3lbf.  1),  auö  prattifd(icn 


968  9(nna5uie  an  Äiitbeöftatt.    Qtn^ano.    (§§  1602—1611.) 

feit  bcr  Slnnatimc  an  ftinbcöftatt  fc^ticfelid^  jur  (gingcl^ung  bcr  6^c  ocrantaRcn 
fann.  SnfaeRcn  bcrartige  S^ftönbe,  töeld&c  bic  Sßorauöfcßung  bcr  bcicic^nctcn 
®efa^r  bilben,  befielen  in  ©cutfd^Ianb  nur  auönoi^mömcifc  unb  finb  anä)  für 
bic  B^fwnft  nic^t  ju  bcforgcn. 

3rocifelt)aft  fann  eö  aOerbingö  fein,  ob  anä)  einer  grau  geftattet  fein  foU, 
if)r  unc^elid)cö  Äinb  an  Kinbcöftatt  anjuncfimcn.  SWan  fann  einroenben,  bafe 
es  bem  Sffiefen  ber  Slnnafimc  an  Äinbeöftatt  juroiber  fei,  wenn  iroifd^en  bem 
une^elid^cn  Äinbe  unb  beffen  äßuttcr  neben  bem  natürlid^en,  rec^tlid^  om 
erfannten  (gltem-  unb  ftinbcöoerl^ältniffe  (§  1568)  jugteid^  ein  fünftlid&es  bcr- 
artiges  SBerljältnife  begrünbet  werbe,  unb  ba§  bic  S^loffung  bcr  Slboption 
eines  une^elid&en  Äinbeö  burd^i  beffen  SRutter  ber  le|tcren  bic  OKögtic^feit 
geroäf)re,  ol^nc  bie  befonberen  SBorauöfclungen  ber  alö  @nabenfad)e  fid^  bar- 
ftellcnben  ©^clid^fcitdcrflärung  il^rem  Äinbe  bic  rcd^tlid^e  Stellung  eincö  cJ^e- 
liefen  Äinbeö  ju  oerfd&affen.  SlHcin  auf  ber  anberen  Seite  fommt  in  S3etrad)t, 
ba^  eine  fold^e  2lboption  unter  Umftänben  forool^I  im  3fntereffc  bcö  Äinbeö 
als  auä)  ber  SKutter  felbft  liegt  unb  als  ein  angemcffener  ©rfaß  für  ben  naä) 
bem  (gntrourfe  ber  Sßuttcr  oerfc^IoSfenen  9Beg  bcr  ©^clid^fcitserflärung 
crfdjcint,  insbefonbere  um  bcöroincn,  roeil  bie  Slboption  in  geeigneten  gällcn 
bas  ajlittcl  bietet,  ber  SWutter  bie  eltcrlid^e  (Seroalt  über  i^r  unel)efi(^es  Hinb 
JU  tJcrfd^affcn.  S)a  bie  3lboption  bes  minbcrjäfirigen  Äinbes  nad^  bem  §  6,5 
Slbf.  3  unb  bem  §  1613  an  bie  ©inroilligung  beß  gcfcfelid&en  aSertreterS  bcs 
Äinbeö  unb  an  bie  ©cncl^migung  bes  Sßormunbfd^aftsgeric^tcS  gebunben  ift, 
fo  ift  aud)  feine  ©cfa^r  für  bas  Äinb  ju  bcforgcn.  ©benforoenig  ift  ju  bc* 
fürd^tcn,  bafe  bie  S^^Ioffung  berartiger  Slboptioncn  bie  öffcntlid^c  Drbnung, 
insbefonbere  baS  SKnfe^en  bcr  ®\)t,  becintrSd^tigen  werbe,  jumal  nad&  §  1603 
aud)  eine  grau  uor  jurüdEgcIegtcm  fünfjigften  Scbeitsja^re  nur  auf  Onmb 
ert^eilter  S)ispcnfation  an  Äinbesftatt  anncl^men  fann. 
aBieber(>oite  6.  5Rad^  röm.  unb  gemeinem  Siedete  fann  ber  3[ngenommcne  nad^  feinem 

«nna^me.  gjustrittc  aus  bcr  gamilie  bes  SlboptioüaterS  ton  bem  lefetcren  nid^t  jum 
jrociten  SKate  an  Äinbcsftatt  angenommen  roerben.  2)urd^  bicfcs  aSerbot  foU 
ein  l^äufiger,  bem  SBefen  bes  S^ftitutcs  juroiberlaufenber  SBed^fel  ber  gamilie 
ücrmicben  roerben,  ein  SBec^fct,  roeld^cr  naä)  rom.  Siedete  um  fo  leidster  t)or* 
fommcn  fonntc,  olS  bie  9luf^cbung  bcs  Sßcrl^ältniffeS  burd&  ®manjipation, 
rocnnglcic^  Icgtcrc  nad^  ber  fierrfd^cnben  aWeinung  nid^t  gegen  bcn  SBillen  bcS 
^Angenommenen  erfolgen  fann,  boc^  nur  ben  5Rid^troibcrfprud&  bcsfclben  vov^ 
ausfegt.  3laä)  bem  SSorgange  bcr  neueren  ®cfe|gcbungcn  l^at  ber  ©ntrourf 
mit  9lüdfic^t  auf  bie  Seltenheit  ber  ^ier  in  SRebe  ftcl^enben  gäUe  bie  9luf* 
na^me  jenes  SSerbotcS  nid^t  als  burd^  ein  Sebürfnife  geboten  erad^tct. 
Ablauf  einer  7.  9lad^  frauj.  SRcd^tc  (code  civil  9lrt.  345)  fonn  nur  bcrjcnige  aboptirt 

^rüfungsjeit.  ^^^^^^^  mcld^cm  mö^rcnb  feiner  aKinbcriäl^rigfcit  pon  Seiten  bcs  3lnnc^mcnbcn 
roenigftens  fed^s  Satire  lang  Untcrftüfeung  unb  ununtcrbrod&ene  Sorgfalt  ju 
3^^eil  geroorben  ift  ober  rocldicr  bem  SKnncl^menbcn  in  einer  Scbenßgcfa^r  ba^ 
Seben  gerettet  l^at.  (Sine  3luSnal^me  finbet  nur  infofern  ftatt,  als,  roenn  ein 
^ftegeoater  nad^  fünfjähriger  Sauer  feiner  5ßflegc  in  bcr  SSorauSfid&t,  ba§  er  oor 
bcr  aSolljöl^rigfeit  bes  5ßftcgcfinbes  fterben  roerbe,  bas  tegtcre  in  feinem 
SCcftamcnte  aboptirt,  biefe  SSerfügung  gültig  fein  foll,  torausgcfcgt,  ba^  bcr 


annähme  an  Äinbeöflatt.    Sertretung.    §  1612.  969 

^ßfCegepater  rcd(|tmä§igc  Äinbcr  niä)t  l^intcrtä&t  (code  civil  3lrt.  366).  S)aö 
bab.  S.  91.  ©a|  345  a  fügt  bic  mcitcrc  9luönal^me  ^inju,  bafe  eö  ju  bcr  2lti* 
naf)mc  an  Äinbcöftatt  jener  früheren  Pflege  nid^t  bcbürfe,  wenn  ein  SSoB* 
iäl^riger  ein  uneficlid^eö,  ton  bem  Sßoter  noä)  nid^t  anerfannteö  unmünbigeö 
Äinb  einer  %tan,  roeld^e  er  l^ieiratl^et,  mit  beren  ©inroilligung  mittels  beö 
^eirat^oertrages  an  Äinbeöftatt  onnimmt. 

©0  bead^tenöroertl^  bie  Oefid^töpunfte,  auf  meldten  bie  angefül)rten  SBor* 
fc^riften  beö  franj.  SRed&teS  (tergf.  aud^  jür.  ®.  93.  §§  237,  238)  berufen, 
fein  mögen,  wenn  eö  fid&  barum  ^anbclt,  ob  baö  Sßormunbfd^aftögeric^t  bie 
®enef)migung  ju  ber  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  ertl^eilen  foH  (§  1613),  fo  fann 
bod&  nid^t  anerfannt  werben,  bafe  nur  unter  ben  bejeic^neten  SSorauöfeßungen 
eine  Garantie  für  eine  ernfte,  ftttlic^e  S3egrünbung  eineö  gaminenoer^äftniReö 
Dorl^anben  fei.  SKit  SRed^t  I)eben  bie  ^otioe  befi  f)ef?.  ©ntro.  m  ©.  187, 
meld^er  in  ber  f)ier  fraglid&en  33ejiel^ung  feinem  SBorbilbe,  bem  code  civil,  nid^t 
gefolgt  ift,  fieroor,  ba^  baö  ®efeg  bie  SWannigfaltigfeit  ber  SSerl^ältnijfe  im 
3}oraud  ju  überfe^en  niijt  im  ©tanbe  fei.  SBürbe  man  eine  annähme  an 
.^inbeöftatt  nur  unter  ben  bejeid^neten  erfd^merenben  Umftänben  jutaffen,  fo 
tonnte  baburd^  Dielen  fiinbern  eine  grofee  SBo^It^at  entjogen  merben,  menn 
bcrjenige,  meld^er  baö  Äinb  anjunefimen  roünfc^t,  t)or  SKblauf  bcr  ?ßrüfungsjeit 
ftirbt;  ja  ed  fönnte  bie  beabfic^tigte  9Bol^(t^at  j^um  Unglüdte  bed  Jtinbed  aud^ 
fd^Iagen,  wenn  baöfclbe,  3fa^re  lang  an  bejfere  SSerl^ältnijfe  gewohnt,  mieber  in 
bie  alten  SBerl^ättnijfc  jurüdfgeftofeen  mürbe,  ©egen  leid^tfinnigeö  SSorge^en 
fd^ü|en  bie  gorm  ber  Slnnal^me  an  S^inbeöftatt  unb,  wenn  ein  äRinberjäl^riger 
angenommen  werben  foU,  bie  nad^  §  1613  erforberlid^e  Oenel^migung  beö 
aSormunbfd&aftögerid^teö. 

8.  3)ic  grage,  ob  ein  Sluöfänber  im  Snlanbe  an  Rinbeöftatt  annefimen  «uÄMnber. 
ober  angenommen  werben  fann,  rid&tet  fid)  nad^  ben  ©runbfägen  beö  inter- 
nationalen  ^ripatred^ted. 


§  1612. 

S)ie  Seftimmungen  beö  §  1612  entfpred^en  ben  Seftimmungen  beö  «ertretung 
§  1588  unb  berul^en  auf  ö^ntid^en  ©rroögungen,  mie  biefe  (oergl.  bie  SKotioe  fSiie^wb«! 
ju  §  1588  oben  ©.  942  ff.).  Slnlangenb  ba«  befte^enbe  SRed^t,  f o  fte^t  bie  S3e* 
ftimmung  bes  §  1612  ©afe  1  mit  bem  preufe.  91.  Ä.  SR.  n,  2  §  678  unb  bem 
fäd^f.  ®.  93.  §  1794  im  (Sinflange.  9Jad^  gcmcinemJRed^te  ift  ju  ber  3lrrogation 
bic  auöbrüdlid^e  3wfti"ittiw"9  ^^ö  roillenöfä^igen  Äinbeö,  ju  bcr  Slboption  im 
engeren  ©innc  menigftens  SRid^tmiberfprud^  beö  perfönlid^  oor  bem  SRid^ter 
miterfd^icnenen  Äinbcö  erforberlid^.  2)aö  bai)r.  S.  SR.  I,  5  §  10  5Rr.  3,  §  11 
Dcrlangt  aud^  im  le^teren  gatle  auöbrüdflid&c  gwfti'^'^wttfl-  ^fJad)  bem  code 
civil,  roeld^ier,  abgefel^cn  oon  ber  adoptio  testamentaria,  nur  bic  3lnnal^me  eineö 
SSoUjä^rigen  juläfet,  bebarf  eft  ber  Suftintmung  beö  legteren  (SKrt.  353).  ^  ^aUt 
ber  adoptio  testamentaria  erfolgt  bie  älboption  burd^  bie  Slnna^mccrflfirung  beö  }U 
äboptirenben.  3)er  ^cjf.  ©ntn).  III  3lrt.  70  erforbert  bic  eigene  Swftitnmung 
beö  änjunelimcnben,  wenn  bcr  Icfeterc  über  fünfjet^n  Saläre  alt  ift. 


970  3Inna6mc  an ÄinbcSftatt.  ©encßmißunö b.  Sonnunbf^aftgöer.  2C.  §§  1613, 1614. 

§  1613. 

einmiuigunfl  2)ic  SBorfd^riftcn  bcö  §  1613  Slbf.  1,  2  red^tfcrtigcn  ftd^  burd&  bicfclben 

^  öem«e?«r  ©ruitbc,  loctc^c  ju  bcu  cntfprec^enbctt  Sorfc^riften  beö  §  1589  geführt  liabcn 

(Dcrgl.  bie  SWotiüe  ju  §  1589  oben  ©.  943  ff.),    ©afe,  rocnn  bcr  SS[njunef)menbe 

öene^migung  unter  SSotmunbfd^aft  ftc^t,  bie  (Genehmigung  bes  SSormunbfc^oftögeric^teö  er^ 

*''^^f*a^s""*''  forberüd^  ift,  roirb  anä)  von  bcn  beftef)enben  Siedeten  regelmäßig  oorgcfd^ricben 

geriefte?.    (^crgL  preufe.  91.  S.  91.  II,  2  §  680;  prcufe.  58orm.  D.  o.  5.  3uU  1875  §  42 

Sir.  2;  öfterr.  @.  93.  §  181;  fdc^f.  @.  93.  §  1794;  l^cff.  (Sntro.  III  airt.  69; 

baijr.  ®ntro.  bcr  $Borm.  C  d.  1874  SKrt.  62).    2)ic  3ludbef)nung  beö  ©rforber^ 

niffeö  ber  Oene^migung  beö  SBormunbfc^aftögerid^teö  auf  ben  gatt,  wenn  bcr 

Slnjunel^menbc  unter  elterlicher  Oeroalt  fte^t,  empfiehlt  ftd^  burd)  ben  oor* 

munbfc^aftlid^en  ftarafter  ber  (enteren  unb  im  ^inblide  auf  bie  SBid(|tigfeit 

beö  5Re(^tögefd)äfteö.    9luf  biefem  legieren  ©efid^töpunfte  beruht  aud&  bie  Sluö* 

bef)nung  ber  ©enel^migung  beö  SBormunbfd^aftögeric^teö  auf  ben  im  §  1613 

9lbf.  1  bejeid^neten  gall. 

9luö  ben  allgemeinen  ©runbfäfeen  ergiebt  ficft,  baß,  wenn  bie  9lnna^me 
an  Äinbcöftatt  o^ne  bie  erfolgte  ©inroilligung  beö  gefeglid^cn  SSertreterö  beö 
Slnne^menben  ober  beö  Slnjune^menben  erfolgt  fein  foÖte,  bie  annähme  an 
Äinbeöftatt  nid^t  nichtig  ift,  fonbern  burd)  bie,  mcnn  auc^  erft  nad^  ber  gerid^t- 
lid^cn  93cftätigung  beö  SSertrageö  (§  1617)  erfolgenbe  (Genehmigung  beö  gefegt 
Iid)cn  aSertreterö  rüdfmärtö  f)in  mirffam  mirb  (§  65  9lbf.  3,  §  127  9lbf.  4). 
©in  99ebiirfni6,  nad^  Slnatogie  beö  §  1611  ©aft  2,  um  jeben  ©d^roebcjuftanb 
ju  üermciben,  pofitiö  ju  beftimmen,  ba§  bie  ©enei^migung  roirffam  nur  oor 
ber  93eftätigung  beö  SSertrageö  erfolgen  fönne,  liegt  mit  Wüctftc^t  auf  bie 
Scltenf)eit  beö  in  $Rebe  fte^enbcn  galleö,  in  meld^em  baö  SSormunbf^aftögeri^t 
ben  SSertrag  genef)migt  unb  baö  ©erid&t  benfelben  beftätigt  f)ai,  trofebem  cö  an 
ber  ©inmiUigung  beö  gefegUd^cn  3Sertreterö  fel^Ite,  nid^t  oor. 
2(nnai)me  2)ic  an  äi}\\i[ä)c  Seftimmungeu  beö  röm.  unb  gemeinen  9ied&teö  unb 

^'"lun"^''' einiger  anbcrcr  9lcd&te  (tjcrgl.  1.  17  pr.  §  1,  1.  32  §1  D.  de  adopt.  1,7; 
bai)r.  2.  91.  I,  5  §  10  9Jr.  6;  württemb.  9lotariatögef.  0.  14.  3unl  1843 
9lrt.  48;  ^ef).  (Sntm.  III  9lrt.  78)  fid^  anfd^Iicfecnben  CrbnungötJorfd^riften 
beö  §  1013  9lbf.  3,  4  bcäiocdfen,  5U  i)erl)inbern,  baß  bie  2lnna^me  an  Äinbeö^ 
ftatt  oon  bcm  3lnnel)mcnben  auö  bcm  cigennflgigcn  93eroeggrunbe  mifebrauc^t 
wirb,  um  feine  fe^lerl;afte  ober  gar  untreue  SBerroaltung  afö  93ormunb  ober 
Pfleger  5U  üerbcdfcn,  inöbefonbere  ber  ^crauögabe  beö  üon  i^m  oermaltetcu 
SBermögcnö  beö  9ln}unef)menben  übert)oben  ju  merben.  3lad^  bem  ?ßrinjipc 
beö  §  1743  würbe  bie  «orfdfirift  beö  §  1613  3lbf.  3  Sag  1  an  [xi^  auf  jeben 
•ipflcger  cntfpredficnbe  9tnrocnbung  fmben.  ®ie  ratio  jener  SSorfd^rift  fiif)rt 
inbeffcn  bal^in,  bie  entfpred)enbe  Slnmenbung  jener  SSorfd^rift  auf  einen  jur 
SSermögenöücrroaltung  berufenen  5ßf(egcr  ju  bcfd^ränfen. 

§  1614. 
einroinigimg  2}ic  33orfd)riften  beö  g  1614  berufen  auf  ö^nlid^en  ©efic^töpunften,  mic 

«cneömioung  ^'^^  SJorfd^riftcu  beö  §  1588  Sag  1  unb  beö  §  1590  (oergl.  bie  aWotioe  ju 
eine«  xritten.  §§  1588, 1590  obeu  S.  942,  944).    aSon  bcr  SRcgel,  ba^  ber  SDritte,  mcnn  er  in 


annähme  an  Äinbcöftatt.    ScbingunG  2C.    JJorm.    §§1615,1616.         971 

ber  ©cfd^äftdföi^igfcit  bcfd^ränft  ift,  ju  bcr  (gitiroilligung  ober  ©cnclimigung  ^erföniic^c 
nid^t  bcr  ©inroitligung  feincö  gefc^Iid^cn  93ertrctcrö  bebarf,  maä)t  bcr  §  1614 
Sa§  2  icbod^  eine  Sluönal^me  für  bcn  gall,  rocnit  bcm  ©ritten  q(ö  3ttl)abcr 
ber  elterlichen  ©croalt  über  bcn  Slnjune^mcnben  bic  elterliche  ^lugniefeung  i\u 
ftef)t,  ba  in  biefem  gallc  mit  ber  ®inroilligung  ober  ©cne^migimg  beö  ©ritten 
JU  ber  Snnal^mc  an  Äinbeöftatt  ein  ajermögenöpcrluft  Dcrbunben  ift  (§  1626 
Slbf.  1).  9lllerbingö  beruht  ber  SBegfall  bcr  clterlid&cn  ^lufeniefeung  nid^t  auf 
bcm  rcd^tsgcfci^äftlici^en  SBillen  bcd  in  ber  Oefd^äftöfä^igfeit  befd^ränftcn  clm 
roilligcnbcn  6lterntf)eilc« ;  oielmc^r  tritt  ber  SBegfall  bcr  elterlichen  9iugs 
nieftung  als  eine  gefcftlid^e  SBirfung  bcr  älnna^me  an  Sinbcäftatt  ein.  9lud^ 
ift  ein  bcn  ©d^tuferoortcn  beö  §  1614  entfprcd^enbcr  3wfa|  in  9lnfe^iing  ber 
©inroilligung  eines  in  bcr  ®cfdt)äftdfä^igfeit  befd^ränften  ©Iternt^cilcö  jur  ß^c* 
fd^ic^ung  beö  Äinbcö  nid^t  gemad^t  (§  1238  Slbf.  2),  obroofil  aud)  burd^  bic 
©^cfd^tiefeung  eines  unter  eltcrlid^er  ©eroalt  ftc^enben  Äinbes  bic  clterlidje 
9Ju6nic§ung  cnbigt,  fofern  bic  ®^e  mit  ßinroiUigung  beö  bctreffenben  eitern« 
tt^cilcö  gefd^loRcn  ift  (§  1536).  3nbcf?cn  bei  bcr  e^cfd^licfeung  ift  bic  Sad^* 
(agc  infofern  eine  anberc,  atö  jene  bcm  natürlid^en  entroidclungögangc  beö 
Sebcnö  beö  Stinbcö  entfprid^t,  roäl^rcnb  ber  3luötritt  beö  Hinbeö  auö  bcr 
gamilic  im  SBcge  bcr  9lboption  aufeerlialb  beö  rcgclmftfeigeu  SScrlaufcö  ber 
SDingc  liegt  unb  cö  beöfialb  an  einer  genügenben  3?eranlaffung  fe^lt,  biefen 
Sluötritt  ju  crlcic^tem. 

§  1615. 

35ie  5Borfd)rift  beö  §  1615,  roeld&c  fic^  an  bic  analogen  93orfd&riften  beö  »etfüßunfl 
§  1250  3lbf.  2,  beö  §  1472  Safe  3  unb  beö  §  1594  anfd^licfet,  folgt  auö  bcm  scbinaung «. 
3Befcn  ber  3lnna^mc  an  ^Unbeöftatt  alö  einer  93egrünbungöart  eineö  ©Item* 
unb  Äinbeöoerljältniffeö  unb  bcm  Safec  „adoptio  Daturam  imitatur".  gic 
ntfprid^t  aucii  bcm  geltenben  SHed^te,  roennglcid^  bic  meiften  neueren  Gkfcß- 
gebungen,  inöbefonbere  baö  preufe.  31.  S.  9?.,  bcr  code  civil  unb  baö  fäd^f.  ®.  33., 
Cö  nid&t  für  n6tt)ig  erad^tet  ^aben,  biefelbe  befonberö  jum  3luöbnidfe  ju  bringen 
(pci-gl.  1.  34  D.  de  adopt.  1,  ?;  preufe.  ©efeferco.,  5ßcnf.  XV  S.  234;  bab.  S.  5H. 
Safe  343  a). 

§  1616. 

SBä^rcnb  baö  preufe.  31.  2.  9t.  II,  2  §  666  nur  bic  Sd^riftlid^feit  beö  gom  bc«  «n. 
3lnnof)mcocrtrageö  oerlangt,  ift  gcmcinrec^ttid)  bei  ber  3lboption  im  engeren  »mwa««. 
Sinne  ©rftänmg  bcr  .Hontra^entcn  ju  gcricfttlid^em  5ßrotofollc  crforberlid). 
Scftrittcn  ift,  ob  biefe  Grflärung,  roic  uad^  röm.,  fo  mä)  nad)  gemeinem 
Weckte  apud  rorapetentem  judicom  ju  erfolgen  l)abc.  3lad)  bem  code  civil 
Slrt.  353  muffen  bcr  9lnnel)mcnbc  unb  bcr  3lnjunel)mcnbc  i^re  ©rflärungen 
Dor  bem  griebcnöricftter  beö  SBo^nfifeeö  beö  3fnnc^mcnbcn  abgeben;  bcr  ^eff.  • 

(Sntro.  III  3lrt  72  fd^reibt  ©rric^tung  beö  35ertragcö  t)or  bcm  juftSnbigcn 
©injetric^ter  ober  Ucbcrreic^ung  beö  SBcrtrageö  in  einer  oon  bcn  Äontraljentcn 
unb  fonftigen  33etf|ciligtcn  unterjeic^ncten  Urfunbc  oor.  9lad^  bcm  fäd^f.  ®.  93. 
§  1787  mufe  bcr  SJertrag  oor  ©eridjt  gefc^loffcn  ober  anerfannt  werben  (oergl. 


972  5lnnal6mc  an  ^inbeöftatt.    ©crl^tlicfie  Scftätiguno.    §  1617. 

auä)  ®cf.  für  9tcu§  ä.  2.  v.  20.  gcbruar  1883);  nad&  bcr  fäc^f.  33crorbn.  o. 
9.  3iini  1865  §  13  foU  iiibeffcn  aud^  ein  Dor  einem  9iotarc  ju  ^ßrototoU  ge^ 
fc^loflener  Sßertrag  genügen. 

ajlit  SRücffid^t  auf  bie  SBic^tigfeit  beö  3lnnal^meocrtrageö  unb  bejfeti 
auf  lange  3^it  wnb  über  bie  SBertragfd^Iiefeenben  ^inauö  fid^  erftrecfcnbe  SBir* 
fungen  fann  cinfa^e  ©d^riftüc^feit  beö  aSertragefi  afe  genügcnb  nid^t  am 
gefeiten  werben.  9Kit  ber  gerichtlichen  ober  notariellen  gorm  ift  jugleic^  ber 
aSortl)eil  üerbunben,  bafe  bem  für  bie  Seftätigung  bcö  SBertrageö  juftänbigen 
©erid^te  (§  1617)  3lnnaf)met)erträge  regelmäßig  nur  bann  jur  ©eftätigung 
oorgetegt  werben,  roenn  bie  gefe|lic^en  ©rforberniffe  ber  Slnna^me  an  Äinbeö« 
ftatt  vorliegen.  S)er  ©ntrourf  begnügt  fid^  inbeffen  nid^t  mit  bcr  geroö^nlid^en 
geriditlic^en  ober  notariellen  gorm  in  bem  ©inne,  bafe  bie  SCßillenSerflärung 
ber  33ertragfd^lie6enben  audf)  ol^ne  gleid^jeitige  9lnmefen^eit  ber  legtercn  üor 
(Sendet  ober  9lotar  abgegeben  werben  fönnte,  fonbem  eö  muß  bcr  Slnna^mc* 
tjcrtrag  üor  ©eric^t  ober  5Rotar  gefd^loffen,  b.  t).  eö  muß,  wie  in  bem  galfe 
beö  §  868,  bie  SBillenöerHärung  ber  SSertragfd^ließenben  bei  gleic^jeitiger  3ln* 
rocfen^eit  berfelben  vor  Oeric^t  ober  9lotar  münblid^  abgegeben  werben.  S)iefc 
erfc^werenbe  ^orm  empfiel)lt  fid^  bei  ber  3Bid^tig!cit  beö  JBertrages,  um  eine 
größere  ©arantie  für  bie  gortbauer,  ©rnfttic^teit  unb  Uebereinftimmung  be« 
2BilIenß  ber  Äontral^enten  unb  gegen  unbefonneneö  SSorgei^en  ju  gewinnen, 
jumal  bie  SBertragfd^tießenben  nad^  §  1617  ©afe  2  an  ben  SBertrag  fc^on 
t)or  bcr  S3eftätigung  gebunbcn  fmb.  2)a  es  fic^  bei  ber  ©rrid&tung  beö  SBer* 
träges  Dor  ©erid^t  ober  3?otar  nid^t  um  eine  causae  cognitio,  fonbern  lebiglid^ 
um  bie  S3eurfunbung  ber  SBilIenßer!lärung  ber  SBertragf^ließenben  l^anbelt, 
\o  ift  bie  ©diließung  bes  SBertrageß  vor  einem  burc^  befonbere  Suftänbigfeitö« 
normen  beftimmten  ©eric^te  nid)t  erforberlid()  unb  beß^alb  auc^  bie  3wl^ffwng 
ber  SBertragfd^ließung  t)or  einem  5Rotare  unbebenftic^. 

?fMmberöm*  2)ie  SSorfd^riftcu  beö  §  1616  9lbf.  2  berufen  auf  benfelben  ©rwägungen, 

lütttiflungjc.  j^.^  bieienigcn,  weld^e  ju  ben  SSorfd^riften  bcö  §  1591  gefül)rt  l^aben.   ©ö  wirb 
bieferl)alb  auf  bie  aJlotioe  ju  §  1591  oben  ©.  944  ff.  ücrwiefen. 


§  1617. 

«cftätißung  9lac^  gemeinem  SRed^te  erfolgt  bie  Sttrrogation  fowie  bie  Slboption  Don 

^'l^txaX'  ®^^*^"  ^^^^^  S^^"  ^"^^  lanbcölierrlid^eß  SReffript,  wä^renb  bie  Slboption  im 

oertenbeö   ^'^9^^^^^  Sinuc  ©rftäruug  ber  Äontra^enten  ju  gerid^tlid^em  5ßrotofolIe  por* 

wcc^t.     auöfefet.     Ob  im  (enteren  gallc  baö  ©erid^t  bie  ©rflärung  nur  entgegen* 

junel^men  ober  nac^  ^^rüfung  beö  S)afeinö  ber  gefeglic^en  SBorauöfefeungcn  ju 

beftätigen  l|at,  ift  beftritten. 

Die  neueren  ©efefegebungen  ^aben  oerfd^iebene  SBegc  cingcfd^lagcn.  Qnm 
a^l^eil  galten  fte  an  ber  Unterfd^eibung  jwifc^cn  Slrrogation  unb  ^[boption  feft, 
in  bcr  9lrt,  ba^  bie  erftere  bem  Sanbeöl^errn  bejw.  bem  Suftijminlfterium  uor* 
behalten,  }u  ber  lefetercn  aber  bie  S3eftätigung  beö  juftänbigen  ©erid^teö 
erforberlid^  ift  (tjcrgl.  für  ?leu*33orpommern  unb  Slügen  preuß.  Scrorbn. 
t).  2.  Sanuar  1849  §  14  unb  preuß.  Sluöf.  ©ef .  j.  beutfd^cn  ®.  33.  ®.  v.  24,  ?lprit 


9Inna6inc  an  Äinbeöftatt.    ®eri*tli*c  Scftatigunö.    §  1617.  973 

1878  §  26  9ir.  2;  ferner  coburg^got^.  ®ef.  o.  21.  ©eptember  1857  §  2  nebft 
bem  3luöf.  ®ef.  j.  bcutfc^en  ®.  SB.  ®.  o.  7.  3lprU- 1879  §  5).  ©ine  anbere 
®ruppe  Don  SRec^tcn  uerlangt  für  jebe  9lnnal^me  an  ftiubcöftott  o^ne  Unter« 
fd^ieb  )n)ifd^en  älrrogation  unb  älboption  (anbedl^errlici^e  ®ene^migung  (fäc^f. 
@.  SB.  §  1787;  altenb.  ®blft  t).  18.  Slpril  1831  §  32  lit.  e,  altcnb.  ®ef. 
V.  14.  m&xi  1866  Slrt.  13  SRr.  3  unb  altenb.  SÄuöf.  ®ef.  j.  beutfc^en  ®.  SB.  ®. 
ü.  22.  anärj  1879  §  10;  ®ef.  für  SRcufe  ä.  S.  v.  1.  ©eptember  1868  §  8; 
öergl.  anä)  l^eR.  ßntro.  III  Strt.  72),  roä^renb  nad^  einer  britten  ®ruppc  x>o\\ 
®efe|cn  für  alle  Slrten  x>on  SKboptionen  Scftötigung  burd^  baö  juftänbigc 
©erid^t  üorgefc^rieben  ift  (ocrgl.  preufe.  3t.  S.  91.  II,  2  §  667,  preufe.  SSerorbn. 
D.  2.  Sanuar  1849  §  14,  preuft.  33erorbn.  o.  26.  3uni  1867  für  bie  1866  neu 
erworbenen  Sanbeötl^eite,  mit  SKuöna^mc  ber  ^ßrooinj  ^annooer,  bcö  Dberamtö? 
bejirleö  aWeifenl^eim  unb  ber  Stabt  grantfurt  a.  3K.,  preufe.  SBerorbn.  für  bie 
^ßroplnj  ^annooer  d.  4.  ©eptember  1867,  aillerl^.  ©riafe  p.  28.  Sluguft  1867 
für  granffurt  a.  an.,  preuß.  2luöf.  ®ef.  j.  beutfd^en  ®.  33.  ®.  d.  24. 2tpril  1878 
§  26  9ir.  2;  bo^r.  S.  5H.  1, 5  §  10  5ßr.  3  §  11  Derb,  mit  bem  bapr.  ®.  35.  ®. 
ü.  10. 9}ooember  1861  3trt.  18  unb  bem  bapr.  äufif.  ®ef. }.  beutfc^en  ®.  SB.®. 
V.  23.  gebruar  1879  Slrt.  15;  roürttcmb.  5Rotariatögef.  v.  1843  3lrt.  48  nebft 
ben  TOÜrttemb.  ®ef.  x>.  17. 3luguft  1849  3lrt.  6,  u.  13.  ÜJiärj  1868  9lrt.  15  3lx.  4 
unb  V.  24.  3anuar  1879  9lrt.  2,  7  j.  beutfd^en  ®.  3S.  ®.;  meimar.  ®ef. 
V.  15.  WH&xi  1850  §  7  unb  t).  24.  gebruar  1869).  3n  Hamburg,  Srcmen  unb 
SübedE  ift  bie  33eftätigung  ber  2lnna^mc  an  Äinbeßftatt  ben  SSormunbfd^aftd* 
beworben  übermiefen  (^amb.  33orm.  D.  p.  14.  ©ejcmber  1883  3lrt.  64, 96, 98, 
114;  gem.  S3ef(^eib  b.  brcm.  Dbergerid^teö  o.  23.  Januar  1873  unb  brcm.  ®ef., 
betr.  bie  2luöf.  b.  beutfd&en  ®.  35.  ®.  d.  17.  mai  1879  §§  106-117;  lübecf. 
33erorbn.  x>.  3.  gebruar  1879  §  49  III,  1,  betr.  2luöf.  b.  bcutfd^en  ®.  33.  ®.). 
SRad^  bem  code  civil  2lrt.  354—358  (oergl.  baj^u  in  9lnfcl)ung  ber  preufe.  dlf)tm 
prooins  preufe.  3luöf.  ®ef.  j.  beutfd)en  ®.  33.  ®.  d.  24.  Sttpril  1878  §§  28,  41, 
42,  49  3lx.  1,  §  57)  ift  jur  2Birffamfeit  ber  3lboption  bie  »cftätigung  beö 
©erid^ted  erftcr  Snftanj  unb  beö  3lppellationö^ofeö,  nad^  bem  bab.  S.  SR. 
Saft  354—358  unb  bem  bab.  ®cf.  t).  6.  gebruar  1879  §§  1,  8,  8b,  25,  bie  S3e* 
ftätigung  burd^  bafi  3lmtögerid(|t  unb  baö  Canbgerid^t  erforberlid^  (üergl.  jebod^ 
bab.  2.  9t.  ©0^345  a). 

SBenngleid^  ber  ®ntmurf  bie  9lnnal^mc  an  Äinbeöftatt  nic^t  ald  ®nabens  ©tanbpunft 
fac^e  bel^anbett  (oergl.  §  1619  nebft  ÜRotioen),  fo  ift  es  bod)  im  Slnfc^Iuffc  an  g„tS,**,je«. 
bie  in  biefer  Sejiel^ung  auf  bemfelben  S3oben,  wie  ber  ©ntmurf,  fte^enbcn 
Siedete,  inöbefonbere  nad^  bem  33organge  beö  preufe.  Sied^tcö,  als  angemejfen 
cra^tet,  bie  SBirffamfeit  beö  2lnnal^meoertrageö  von  ber  Seftätigung  beßfelbcn 
burd^  bad  }uftönbige  ®erid^t  abl^öngig  }u  mad^en.  2)ie  93eftätigung  f)ai  nad) 
bem  ©ntmurfc  nid^t  ben  3'^^^*/  ^^^  93ertrag  von  bem  ©eftc^töpunfte  befi 
äBo^leö  ber  33ertragfd^lie&enben  auö  ju  prüfen  unb  gemiRermafeen  bie  SBillenö* 
erflärungen  berfetben  ju  ergänjen,  fonbern  ben  9lbfd()lu§  ungültiger  9lboptioncn 
Toegen  ber  barauö  im  33erl)ältniffe  ju  britten  5ßerfonen  fic^  ergebenben  großen 
praftifd^en  Unjuträglid^feiten  unb  33ern}icfelungen ,  namcntlid^  im  öffentlichen 
3ntcref{c,  möglid^ft  ju  oer^üten.  5Diefcr  Äarafter  ber  Seftätigung  bringt  eö 
weiter  mit  fid^,  baß  bie  leßtere  ben  ©criditen  ju  übermcifen  ift. 


974  ?{i!na]&inc  an  ÄinbcSftatt.    ©erid^tlidfee  Scftdliguno.    §  1617. 

Suftanbigfat  Ucbcr  bic  orttid^c  unb  fad^lic^c  S^ftänbigfcit  bcö  Oerici^tcfi  fyxt  bcr 

®eri4>te«.   Gnttüurf  notiere  Scftimmungcn  nid&t  aufgenommen.    3nbem  er  aber  bcfrtmmt, 

bag  bie  Scftätigung  burc^  baö  juftänbige  (Serid^t  erforberli^  ift,  loeift  er  für 

bcn  gaU,  bafe  bie   örtlid^e  unb  fac^Iid^e  S^ftänbigfcit  burd^  ein  befonbcre« 

Sleid^ögefeg  über  baö  SBcrfol^ren  in  Saä)cn  bcr  nic^tftreitigen  ©crid^töbarfeit 

uid^t  beftimmt  merben  foUtc,  bie  Sanbedgefeggebungen  barauf  l^in^  bag  ^ier 

eine  von  i^nen  ouöjufüUenbe  üüdt  Dorliegt.    93orbe^oÜen  ift,  eo.  in  bcm 

föefefte  über  baö  SScrfa^ren  barüber  ju  entf (Reiben,  ob  unb  inroiemeit  bie  oon 

einem  örtlid^  ober  fac^lid^  un}uftänbigen  ©erid^te  erfolgte  ä3eft&tigung  aü 

nichtig  ju  erad^ten  fei.    ^n  Ermangelung  einer  anbermeiten  reic^gefegßd^en 

S3eftimmung  ^at  ber  SKangel  ber  örtUd^en  ober  fad^lid^en  3#änbigteit  bc« 

beftätigcnbcn  ©crid&ted  bie  9iic^tigfeit  bcr  Seftätigung  jur  golgc.    ©arauö 

fann  inbejfen  ein  Sebenfen  gegen  bie  3(ufna^me  beö  S^faftcö   „juftänbigc" 

im  §  1617  Sag  1  nic^t  hergeleitet  werben,  ba  in  ©rmangclung  einer  anber* 

weiten  rcid^ögcfcfelidien  S3cftimmung  bie  fionbeögefe^gebung  cö  in  ber  ^anb 

Ijot,  iebcd  ©erid^t  für  juftänbig  ju  erüären,  banebcn  aber  oorjufc^reiben,  baft 

nur  bic  näl)cr  bejeid^neten  ©crid^te  bic  33eftätigung  crt^eilcn  foUcn.    ♦ 

3c!tpunftbe8  ^laö)  §  1617  £0^2  tritt  mit  ber  S3eftätigung  bie  3lnna^mc  anÄinbeö* 

tretlnf  ber  P^tt  iu  ilroft.   Scr  93cftätigung  erft  noc^  ein  im  SBorfd^riften  über  bie  gorm 

anno^mp.   jjer  ß^c^Iiefeung  (§  1248)  nad^gebilbeteö  SSerfo^rcn  folgen  ju  laffen,  wie  bieö 

im  jür.  ®.  83.  §  245  oorgcfc^rieben  ift,  ift  bcm  in  2^eutf^Ianb  geltenben  Siedete 

fi'cmb  unb  burd^  ein  Sebürfnife  nid)t  geboten,  jumal  ber  3lnna^meoertrag  vov 

bcr  S3cftätigung  nad^  §  1616  2lbf.  1  vov  Oerid^t  ober  9Zotor  gcfd^(of?en  werben 

mufe.    91uf  ber  anberen  Seite  empfielilt  cö  fid^  nic^t,  nad^  bem  Sßorgange  beö 

Code  civil  3Irt.  359,  bic  SBirfungcn  ber  9lboption  erft  mit  bcr  Eintragung  ber 

le^teren  in  baö  ©tanbeöregifter  eintreten  ju  laffen.    6ö  wirb  baburd^  für  bcn 

Slnjunc^mcnbcn  bie  8Bo^ItI)at  bcr  9lboption  oljne  genügenben  Orunb  ju  weit 

I)inauögefd(|obcn,  wenngleid^   bie  Eintragung  auf  Setreiben  ber  einen  ober 

anberen  5ßartei  erfolgen  fann.    9luc^  erfd^eint  bie  Eintragung  in  ba&  S^viU 

ftaubörcgiftcr  (pcrgl.  §  26  bcö  SR.  ©ef.  über  bie  33curfunbung  beö  ^crfonen* 

ftanbeö  unb  bie  Efiefd^liefeung  v.  6.  gebruar  1875)  nid^t  fo  wefentlid^,  ba§  cd 

gerechtfertigt  wäre,  bie  3lboption  nad^  bem  93organge  beö  code  civil  ärt.  359 

für  wirfungöloö  ju  erflären,  wenn  bie  Eintragung  binnen  einer  beftimmtcn 

3cit  nid^t  erfolgt  ift.   Ein  beftimmter  einbeitlid^cr  3citpu^ft  aber,  mit  welchem 

bie  Seftätigung  unb  bcmgcmäfe  aud^  bie  2lnnal^me  an  Kinbeöftatt  in  ftraft 

tritt,  lägt  ^iä)  a\x6)  in  anberer  SBcife,  }.  S3.  burd^  S^^ftcDung  ber  bcn  SBertrag 

*  beftätigcnbcn  JBcrfügung  an  bcn  9lnnet)mcnben  fiyircn.   2)ie  nähere  Seftimmung 

in  biefer  i&infic^t  ift  et),  bcm  ©efefec  über  baö  SBcrfa^rcn  Dorbcl^alten.    Eine 

SScröffcntlid^ung   bcr  2tboption  (code  civil  5lrt.  358)  ift  neben  bcr  33orfd^rift 

bcö  §  26  beö  9t.  ©ef.  über  bie  93eurfunbung  beö  ^ßcrfoncnftanbeö  u.  f.  w. 

t).  6.  gebruar  1875  nic^t  für  crforberlid^  crad^tet. 

»inbung  bcv  ©c^t  wau  baoou  ouö,  bag  bic  3lnnal^me  an  Äinbeöftatt  mit  bcr  gerid^t* 

fSlnL  '^^)^"  Seftätigung  in  SBirffamfeit  tritt,  fo  erl^ebt  jad&  bie  weitere  gragc,  ob  bcr 

Dor  bcr  »c*  3lnna^mct)crtrag  audfi  erft  mit  biefcm  3^itpwnftc  für  bie  SBcrtragfd^liegenbcn 

ftättßunj.   jjjj^jjj»^^  jgjj^  jjjj^^  ^^  ^'^^  33inbung  berfclbcn  bereitö  mit  einem  frül^eren  S^iU 

punftc,  fei  cö  mit  bcm  Slbfc^luffc  bcö  SSertragcö,  fei  cö  mit  bem  B^Wpunftc 


2tnnaBmc  an  Ätnbeöftatt    Ocri^tli^c  »cftatigung.    §  1617.  975 

eintreten  foD,  in  roeld^em  ber  Sßertrag  von  hzn  SSertragfd^Iießenben  bem  ©e- 
rid^tc  }ur  Seftötigung  eingereid)t  roirb  (oergl.  §  62  9Ibf.  2,  §  828  aibf.  3). 
Slbgefei^en  von  bem  fäd^f.  ©.  8.,  roeld^eä  im  §  1789  beftimmt,  bafe  an^  einem 
SSertrage  über  bie  9lnna^me  an  Äinbeöftatt  eine  Älage  auf  ©in^olung  ber 
lanbeöl^errlic^en  ®enel)migung  nic^t  ftattfinbet  (uergl.  aud^  Seuffert  X V,  134 ; 
^eff.  (S^ntvD.  III  9lrt.  72),  enthalten  bie  neueren  ©efe^büd&er  in  biefer  SRid^tung 
feine  auöbrüdflid^en  33eftimmungen.    3n  ber  preufe.  Softrin  unb  5ßraf iö  wirb 
bie  9lnfid&t  vertreten,  bafe  bie  SBertragfc^Iiefecnben  fd^on  Dor  ber  Seftätigung  an 
ben  SBertrag  gebunben  feien.  3n  ber  fronj.  Suriöprubcnj  ift  bie  grage  beftritten. 
3n  bem  allgemeinen  S^^eile  beö  ©efegbud^eö  ift  eine  allgemeine  ^e^ 
ftimmung  barüber,  ob  unb  inroiefern  in  ben  gäDen,  in  n)eld()en  baö  ©cfeß 
für  ein  Stec^tögefd^äft  eine  befjörblid&e  SKitroirfung  burdl)  S3eftätigung  t)or? 
ft^reibt,  ben  Parteien  biß  jur  erfolgten  Scftätigung  ber  SRücftritt  geftattet  fei, 
nid^t  gegeben,  oieImel)r  ift  in  bem  ©ntrourfe  baoon  ausgegangen,  bafe  in  jebem 
einjcinen  galle  burc^  fpejicUe  S3eftimmungen  fein  ä^^if^I  barüber  ju  laffen 
fei,   roic   bie   einfd()Iogenbe   SBorfd^rift  ju  üerfteben.     6ö  fann  baf)ingeftellt 
bleiben,  roie  bie  in  SWebe  ftefienbe  grage,  rein  juriftifd)  betrad&tet,  nac^  ben  all^ 
gemeinen  ©runbfägen  ju   entfc^ciben  fein  mürbe.     %nx  bie  93eftimmung,  ba^ 
im  Dorliegenben  gallc  ber  SJertrag  bereits  mit  bem  3^itpunfte  beö  9lbfd^Iujfeö 
besfelben  für  bie  gSertragfd^Iießenben  binbenb  fein  foll  (§  1617  ©aft  3),  fällt  ent^ 
fd^eibenb  inö  ©eroid&t,  bafe  nad&  bem  ©ntrourfe  (§  1619)  bie  93eftätigung  nic^t 
ben  ftarafter  einer  bie  SBiUenöerflärungen  ber  Säertragfc^fiegenben  geroiffermafeen 
ergänjenben,  fonbern  bas  SSor^anbenfein  ber  gcfeglidien  ©rforberniffe  ber  Sin- 
naf)me  an  Äinbeöftatt  im  öffentlid^en  ^ntereffe  beflarirenben  SSerfügung  l^at. 
93ei  biefem  Äaraftcr  ber  Seftötigung  fe^It  eö,  namentlid^  t)om  ©tanbpunfte 
eineö  ©efe^bud&eö  aus,  melc^eö  auä)   in  tjerfd^iebcnen  anberen  gällen  eine 
Sinbung  ber  ®rflärenben  eintreten  läfet,  obrootil  ber  jur  üoHen  2Birffamfeit  bes 
Sled^tögefc^öfteö  erforberlic^e  2^f)otbeftanb  nod^  nic^t  tjoüftänbig  oorliegt  (oergl. 
§§  58,  62,  65  3lbf.  4,  §  123  9lbf.  2,  §§  310,  828  Slbf.  3,  §§  830,  876),  an  timrn 
auöreid^enben  ©runbe,  ben  ^Parteien  ben  JRüdEtritt  oon  bem  SSertrage  ju  ge^ 
ftatten,  folange  nic^t  bie  »eftätigung  red^töfräftig  terfagt  ift.    3)aiu  fommt, 
bafe  man  burd^  ben  Sluöfd^tufe  beö  $RüdEtritteö  bie  ©efafir  üermeibet,  bafe  ein 
roegen  eineö  injmifd^en  erfolgten  SRüdEtrittcß  nid^tiger  Vertrag  beftätigt  unb 
burd^  bie  Seftätigung  ber  ©d^ein  ber  ©ültigfeit  befifelben  erroedft  mirb.    9lud& 
ber  anbere  oben  angebcutete  SBeg,  bie  93inbung  mit  bem  S^itpunftc  eintreten 
JU  laufen,  in  roeld^em  ber  SBertrag  von  ben  5Bertragfd^Iie§enben  bem  ©erid^tc 
jur  93eftätigung  eingereid()t  mirb,  ift  um  beömiUen  bebenftid(),  mcit,  mcnn  ein 
SRüdftritt  erfolgt  ift,  bie  Unmirffamfeit  beöfelben  oon  bem  Slad^mcife  abf)ängen 
mürbe,  bafe  ber  aSertrag  Dor  ber  9lüdftritt«erflärung  t)on   beiben  aSertrag* 
fd^Iießenben  bem  ©erid^te  jur  33eftätigung  eingereidEjt  morben  fei.    25iefen  6r* 
mägungen  gegenüber  fann  auf  baö  Sebenfen,  bafe  bie  93inbung  ber  SBertrag* 
fd^iUcfeenben  fd^on  mit  bem  S^itpwnfte  beö  SSertragöabfd&Iuffeö  ber  9iatur  unb 
bem  Sw'ccfe  beö  perfönlicften  aSerfiältniffeö ,  mefd^eö  burd&  bie  Slnnafimc  an 
Äinbeöftatt  begrünbet  werben  foU,  nid^t  entfprec^e,  fotange  nid^t  bie  9lnnal^me 
an  Äinbeöftatt  felbft  jur  SBirffamteit  gelangt  fei,  er^ebtic^eö  ©eroid^t  nid^t 
gelegt  werben. 


976  anual^mc  an  Äinbeöftatt.    £ob  öor  ber  »cftätiflunö.    §  1618. 

iieine  jRücf-  SBenngleid)  md)  §  1617  ©afe  3  bie  SBcrtragfd^Iiefecnbcn  fc^on  oor  ber 

»rftätiflung!  SSeftätigung  an  bcn  SBertrag  gcbunbcn  finb,  fo  mxtt  boä)  bie  Seftätigung  nid^t 
auf  ben  S^itpunft  bcß  aScrtragdabfc^luRcö  jurücf  (tJcrgf.  auä)  §  1618);  mU 
me^r  tritt  bie  SlntiQ^mc  an  Äinbcöftatt  crft  mit  ber  Scftätigung  in  Äraft. 
®inc  SHücfjie^ung  ber  SBirfungen  auf  bcn  S^itP^^^^  ^^^  SSertragöabfd^Iuffeö, 
u)ie  bicö  ba&  itai.  ®.  33.  9lrt.  217  beftimmt  unb  anö)  in  ber  S)oftrin  beö  preu|. 
SRe^tcö  oert^eibigt  roorben  ift,  roibcrfprid^t  nid&t  allein  bcn  tl^atfäci^Uc^en  9Ser* 
^ältniflen,  roic  fie  oor  ber  gerid&tüc^en  SBeftätigung  beftanben  ^aben,  fonbcrn 
fann  oud^,  inöbefonbcre  im  3Jcrl^äItni{fc  ju  2)ritten,  ju  crl^eblid^cn  33ern)i(fcj= 
hingen  führen. 

3lnlangenb  bie  S3eftimmung,  ba§  Die  Sinbung  ber  93ertragf(^lic§cnben 
auftört,  wenn  bie  S3eftätigung  rec^töfräftig  Dcrfagt  mirb  (üergl.  §  62  Slbf.  2), 
fo  ift  bei  bicfer  93eftimmung  Doraudgefegt,  ba§  nod^  bcn  ju  ertaffenben  reid^ö^ 
gefeglid&cn,  co.  lanbeögefefilid^en  SBorfd^riften  über  baö  ^erfa^ren  gegen  ben 
bie  Seftätigung  oerfagcnben  33efd^(u6  beö  ©erid^teö  nur  fofortige  93efc^n)erbc 
im  Sinne  ber  ©.  ^.  D.  ftattfinbet. 


§  1618. 

öefc^äft*.  Xa  nai)  §  1617  ©ag  3  ber  3lnnal(imeoertrag  fc^on  t)or  ber  gerid^tlic^cn 

unfftijiQfeit,  33eftätigung  binbenb  ift,  fo  fann  eö  nad^  allgemeinen  @runbfä|en  nid^t  jroeifeU 

l^aft  fein,  bafe  bie  nad^  bem  3^itpw^K^  bc&  33ertragdabf(^tuffeö  eintretenbc 

©efd&äftäunfä^igteit  beö  9lnnefimenben  ober  beö  9lnjune^menben  auf  bie  SBirf- 

famteit  beö  aSertrageö  o^ne  (ginfTufe  ift  (oergl.  §  74  3lbf.  3,  §  89). 

sob  SBcldien  ©influfe  eö  auf  bie  SBirtfamfeit  ber  9lnnat)me  an  Äinbcöftatt 

"ÄuffSinbeT  l^öt  ^  wenn  ber  3lnne^menbe  ober  ber  3lnäunc^menbc  vor  ber  Seftätigung  beö 

»or  ber  «e- 2innal^mcoertragcö  ftirbt,  ift,  abgefel^en  Dom  code  civil,  in  bcn  beftc^cnben 

ftätigunfl.    jjj^^j^^  ^j^^  befonberö  cntfd^ieben.    Der  code  civil  3lrt.  360  beftimmt,  bafe, 

roenn  ber  3lnne^menbe  ftirbt,  nad)bem  ber  t)or  bem  griebenörid^ter  auf* 
genommene  3lft  jum  3"^^*^  ^^  93eftätigung  vov  bie  ©eri^te  gebrockt  ift, 
aber  bcoor  biefe  befinittp  gefprod^en  £)aben,  bie  3nftruftion  fortgefejt  unb  bie 
älboption,  romn  fie  fonft  ftatt^aft  ift,  jugelajfcn  merben  foU.  3)agcgen  fcfet 
ber  ^cff.  ©ntro.  III  3lrt.  72  Dorauö,  bafe  jur  3^^*  ^^^  Seftötigung  ber  9lm 
ne^menbe  unb  ber  Slnjunefimenbe  nod^  am  Seben  finb.  3n  ber  S)oftrin  beö 
preufe.  SRed^teö  finbet  fid^  umgete^rt  bie  Slnfid^t  vertreten,  baß  mit  JRücffid^t 
auf  bie  fdE)on  por  ber  Seftätigung  eintretenbc  SBinbung  ber  SScrtragfc^liefecnbcn 
unb  htn  bcflaratorifd^en  Äarafter  ber  Scftätigung  ber  2:ob  beö  Slnncl^mcnben 
ober  beö  3lnjune{|menben  bie  SBirffamfeit  ber  Slnna^mc  an  Äinbcöftatt  nid^t 
l)inbere.  S^ie  ia^  ©cgent^cil  auöfpred^enbe  Seftimmung  beö  §  1618  beruht 
auf  ben  gleid)en  ©rroögungcn,  roie  bieienigen,  mctd&e  ju  ber  SBorfd^rift  beö 
§  1595  geführt  ^aben  (ocrgl.  SKotioe  ju  §  1595  oben  ©.  946).  Slud^  ber 
Umftanb,  bafe  bie  SScrtragfc^liefeenben  fd^on  oor  ber  S3eftätigung  an  ben  Sep 
trag  gcbunbcn  finb,  Dcrmag  f|ier  ju  einem  anberen  3icfultate  nid^t  ju  führen, 
ba  cö  fic^  bei  ber  2lnnaf|me  an  Äinbcöftatt  um  bie  Segrünbung  cineö  perfön^ 
litten  33er^ältniffeö  jroifdicn  bem  3lnncl|mcnben  unb  äniune^menben  ^anbelt 


9tnna6mc  ön  Äinbeßftatt.    Äarafter  bcr  ^Beftottöuno.    §1619.^  9.77 

unb  mö)  %  1617  bic  Slnnal^mc  an  Äinbcfiftatt  crft  mit  ber  gcrid^tUdicn  Sc^ 
ftätigung  ofjnc  SRüdfwirhing  auf  bcn  S^itpunft  bcö  aScrtragöabfd^luRcs  in 
«raft  tritt. 

§  lßl9. 

3lad)  gemeinem  SRedjte  ^ängt  bie  Swloffung  einer  3trrogQtion,  foroie  einer  «arorter  bev 
9lboption  burd^  eine  grou,  aud^  wenn  bie  gefefilid^en  ©rforberniffc  t)orf)anbcn  b^'i^^^o^^^^^ 
fxnb,  von  bem  freien  ©rmeffen  beö  yanbcd^errn  ab.    2)ie  bei  3lrrogationen   ^trtra^t^. 
oorgefd^riebene  öorgängige  causae  cognitio  foU  fid&  jebod^  vor  3lUem  baraiif   ©eitenbe« 
rid^ten,  baft  nid&t  bie  Sntereffen  beö  Slnjune^menben  unter  ber  3lrrogation     ^*^* 
leiben.    33ei  ber  3lboption  im  engeren  Sinne  befddränft  fic^  bagegen  bie  causam 
cognitio,  rotnn  man  in  biefen  gäflen  nad&  gemeinem  9ledf|te  eine  93eftätigung 
burcö  ba&  ®erid)t  für  erforberlic^  erad)tet,  lebiglid^  auf  bic  ^^rüfung,  ob  bic 
gefe|Iid&en  ©rforberniifc  ber  9lboption  oorlicgcn.  SBo,  mic  in  ©ad^fen,  in  SHten^ 
bürg,  in  SHeufe  ä.  2.  (ücrgl.  bie  SSiotioc  ju  §  1617  oben  S.  973),  bic  lanbeö* 
f)errüd^e  33eftätigung  für  alle  3lrten  Don  älboptionen  tjorgefc^riebcn  ift,  t)at  bic 
Slnna^mc  an  Äinbcöftatt  bcn  .Harafter  einer  ©nabenfac^e,  fo  baß  biefetbe  auc^ 
beim  SSor^anbcnfcin  ber  gcfeglid^en  SSorauäfegungen  naä)  freiem  ©rmcffcn  beö 
yanbcöljcrrn  oerfagt  rocrbcn  fann.    Sttud^  na^  mürttemb.  9led)te  f|at  baö  mit 
ber  Seftätigung  betraute  Oerid^t  fid^  nic^t  bloö  auf  bie  'tßrüfung  beö  SSor- 
t)anbenfcinö  ber  gcfeßlic^en  ®rforbermjfe  ju  befd^ränfcn,  fonbern  aud^  bie  Sin- 
gemeffenficit  ber  2lnnaf)me  an  ttinbcöftatt  im  fonfreten  ^alle  ju  untcrfudjen. 

®ingcfd^ränft  ift  baö  ©rmeffen  beö  beftätigenben  ©erid^tcö  nad&  franj. 
Siedelte  infofern,  alö  bie  Unterfuc^ung  beö  ©erid^teö  fid^  barauf  5u  rid^ten  ^at, 
ob  alle  93ebingungcn  beö  ©cfcgcö  erfüllt  finb  unb  ob  ber  9lnncl)mcnbc  in 
gutem  SRufc  fte^t  (code  civil  Slrt.  353).  9iad^  prcufe.  diti)it  (preufe.  21.  2.  3i. 
II,  2  §  667  oerb.  mit  ber  preu&.  31.  (S).  D.  II,  2  §  28,  II,  8  §  22)  fann  bic 
gcrid^tlid^e  Seftätigung  nur  bann  tjcrfagt  merbcn,  wenn  ein  gefegtid^cd  ©r^ 
forbernife  ber  3tnna^me  an  SStinbeöftatt  mangelt. 

3)er  ©ntrourf  l^at  [lä)  bem  ©tanbpunfte  beö  preufe.  JWe^tcö  angcfdfitoffen.  atontpunft 
2)ie  Seftätigung  burd&  baö  ©erid^t  foU  nur  bcn  Siaraftcr  einer  baö  SSorlianbcn:^  entrourfec. 
fein  ber  gcfe|lid&cn  ©rforberniffc  ber  3Cnna^me  an  Minbcöftatt  im  Bffcntliddcn 
3ntereffe  beflarirenben  Verfügung  ^abcn.  Sluf  bic  3lngemcjfcnl)cit  ber  2tnnaf)mc 
an  Kinbeöftatt,  fei  eö  oom  red()töpotijeilid&cn,  fei  cö  Dom  ©tanbpunfte  beö 
i^ntercffcö  beö  2ln5unel^menben  auö,  foll  ftd^  bic  Prüfung  beö  ©erid^tcö  nic^t  er^ 
ftrcdcn.  ©ö  ift  ju  beforgen,  bafe  eine  SSorfd^rift,  meiere  baö  ©erid(|t  ermäd^tigt, 
bie  83cftätigung  aud^  bann  ju  ücrfagen,  roenn  cö  bic  3lnnal)me  an  Äinbcöftatt 
nid^t  alö  angemcffen  erad^tet,  eine  Unfid^erl^eit  unb  ein  ©d^manfen  in  ber 
^rajiö  ber  ©crid&tc  jur  gotge  ^abcn  wirb,  ©laubt  man  mit  SHücffid^t  auf  bic 
gegen  baö  Snftitut  ber  9lnna^me  an  Äinbcöftatt  fprcd^cnbcn  rcd^töpolijcilid^cn 
33ebenfcn  üom  Stanbpunite  beö  öffcntlidicn  3ntereffcö  anft  einen  rociter  geljenbcn 
Sddufc  gegen  5Ki§braud&  beö  Snftitutcö,  alö  bie  im  ©cfege  aufgeftcUtcn  bc- 
ftimmten  ©rforbcmiffc  ilin  bieten,  nid)t  entbehren  ju  fönncn,  fo  mürbe  cö  über^ 
l^aupt  bcn  SSorjug  Dcrbienen,  mit  ber  Seftätigung  nid^t  bic  ®erid)te  ju  be- 
trauen,  ba  biefe  nic^t  alö  bie  jur  SlBatirung  berartiger  öffcntlid&cr  !,^ntereffcn 

Stotioe  9.  »ttrgerl.  (Sefe^ud^.  IV.  62 


978  «imajmc  an  Äinbcßftatt.    SSertoanbtfifeaftöüetJältnifi  jc.    §  1620. 

berufenen  unb  geeigneten  Organe  anjufel^ien  ftnb.  Snbeflen  fonnen  bie  Se^* 
benten  gegen  bie  ©urd^ffi^rung  befi  bem  ©nhourfe  ju  ®runbe  liegenben  9lor* 
matioprinjipeö  ate  begrünbet  nid^t  anerfannt  werben.  3ene«  ^ringip  ^at  in 
bem  ©ebiete  beö  preufe.  SRed^te«,  fopiel  befannt,  ju  SWifeftönben  ni^t  gefül^rt 
SBeiter  fommt  in  äetrac^t,  bafe  in  btn  wic^tigften  unb  l(|äufigften  gällen,  nämlid^ 
in  ben  gäUen  ber  Sttboption  eineß  aRinbeqä^rigcn,  mäf  §  1613  bie  einer 
anberen  99eurtl^ei(ung  unterliegenbe  ©enel^migung  bed  SSormunbfd^aftdgerid^ted 
erforberlid^  ift. 

§  1620. 

aBirtunß  ^tnf.  3iai^  gemeinem  SRed^te  fommen  bei  ber  Slrrogation  nid^t  nur  bie  fpttter 

liSge  be«Tn*  geboreueu,  fonbem  aud^  bie  jur  Qüt  ber  Slrrogation  bereit«  Dorl^anbenen  STb* 
flenommenen,  f ömmlinge  beö  Slrrogirten, '  f omeit  biefelben  biß  bal^in  in  ber  (Seroalt  beö 
lefeteren  ftanben,  alö  ©nfel  in  bie  oatertid^e  ® eroalt  befi  Slrrogirenben  (§11 
Inst  de  adopt  1,  u ;  1.  40  pr.  D.  de  adopt  1,  ?).  SRad^  preufe.  91.  2.  SR.  II,  2 
§  707  unb  bem  ofterr.  ®.  33.  §  183  erftrectt  fid^  baö  burd^  bie  Slnna^me  an 
Äinbeöftatt  begrünbete  aScr^ättnife  fraft  Oefe^cö  aud^  auf  bie  Slbfömmlinge 
beö  Slngenommenen,  o\)m  Unterfd^ieb,  ob  biefelben  jur  ^cxt  ber  Ännal^me  an 
5tinbeöftatt  bereitö  oorl^anben  roaren  ober  nid^t  (Dergl.  aud^  in  erbred^tlid^er 
^inrxd&t  fäd^f.  ®.  33.  §§  2044,  2046,  2568 ;  l^amb.  SBorm.  D.  v.  14.  SJegember 
1883  airt.  64;  roeimar.  ®ef.  t).  6.  äpril  1833  §  52;  got^.  ®ef.  o.  2.  3anuar 
1844  §  31 ;  attenb.  ®ef.  x>.  6.  3lpril  1841  §  57 ;  f onber«^.  ©uf jeffionöorbn.  v. 
8.  ©ejember  1829  §  32).  SRad^  franj.  SRed^te  ift  eö  beftritten,  ob  unb  inroieioeit 
baö  Sted^töDer^ältnig  aud^  bie  ^btömmlinge  beö  Slngenommenen  mitumfagt. 

S)a  ber  Qvotd  ber  Slnnal^me  an  5tinbeöftatt  babin  gel^t,  in  Srmangelung 
el^elid^er  Ütad^Iommenfc^aft  eine  fiftioe  92ad^fommenfd^aft  ju  begrünben  unb 
bamit  aud(i  ber  äßunfd^  beö  Slnnel^menben  oerbunben  }u  fein  pflegt,  auf  biefe 
3Beife  baö  ä[nben!en  an  feinen  SRamen  unb  an  feine  gamilie  fortjupflanjen, 
fo  entfprid^t  eö  bem  Qrozdt  ber  Slnnal^me  an  Jtinbeöftatt  unb  bem  ^rinjipe 
beö  §  1601  Slbf.  1,  bag  aud^  bie  Slbtömmlinge  beö  Slngenommenen  gegenüber 
bem  Slnneljimenben  biefetbe  red^tlid^e  Stellung  einnel^men,  wie  bie  Stefömmlinge 
eineö  el^elid^en  jtinbeö.  Sluf  ber  anberen  Seite  ift  eö  feboc^  alö  bebenllid^ 
erad(|tet,  baö  burd^  bie  Slnna^me  an  5tinbeöftatt  begrünbete  SBerl^ältnig,  oor^ 
bebaltüc^  ber  SSorfd^rift  beö  §  1240,  traft  beö  ®efe6eö  auf  einen  jur  3cit  ber 
Sd^liegung  beö  SlnnaJ^meoertrageö  fc^on  Dor^anbenen  Slbt5mmling  unb  beffen 
fpäter  geborene  Slbfömmlinge  traft  beö  ®efegeö  ju  erftreden.  3^^^  if^  ^^ 
unb  für  fid^  eine  Derfc^iebene  33el^anblung  ber  sur  Qtxi  ber  Sd^liegung  beö 
Slnnal()met)ertrageö  bereitö  Dorl^anbenen  unb  ber  fpöter  geborenen  ^btömmlinge 
nid^t  roünfd^enöroert^,  ba  fte  leidet  )u  einer  SSerbunfelung  ber  ^milten« 
t)erl^ältnif[e  unb  ju  einer  Ungleid^^eit  ber  Slbfömmlinge  beö  Slngenommenen 
in  il^rer  SebenöfteUung  unb  in  il^ren  fojialen  SBerbältnijfen  fül^ren  fann.  SlHein 
biefe  ®e{td^töpunfte  roerben  überroogen  burd^  baö  33ebenfen,  bag  nac^  bem 
entrourfe  (§  1601  Slbf.  1  uerglid^en  mit  §§  1480  ff.)  für  bie  Slbfömmlinge  beö 
Slngenommenen  nid^t  bloö  9ted(|te,  fonbem  aud^  ^flic^ten,  nämlid^  bie  gefe^lid^e 
Unter^altöpflid^t,  gegenüber  bem  Slnne^mcnben  begrünbet  roerben  (üergL  bie 


Snnal&me  an  JUnbedflatt.    SSertDonbtfii&aftdDcrlgaltntg  k.    §  1620.         979 

aRoÜDe  gu  §  1627)^  ipöl^tenb  nad^  bem  preug.  9[.  2.  fR,,  totli)^  bte  äSirhtngen 
ber  älnnal^me  an  Jtinbedftatt  fraft  ®efe|ed  auci^  auf  bie  älblömmlinge  be0 
angenommenen  erftredt,  eine  gefeftlid^e  UnterJ&altdpflld^t  für  bcn  Slngenommencn 
unb  beffen  aftlommlinge  nici^t  entfielt  (prcufe.  21.  S.  SR.  n,  2  §§  691,  692). 
2)asu  tommt,  bag  iebenfaDd  in  bie  @elbftänbigleit  DoUiS^riger  Slbtömmlinge 
}u  tief  eingegriffen  werben  mflrbe,  nienn  biefelben  fraft  bed  ®efe|ed  ol^ne 
Slüdftd^t  auf  i^re  Sinmilligung  gegmungen  merben  fönnten,  in  ein  bürgerUd^ed 
S3enDanbtf(i^aftdt)erl^fi(tnig  gu  einem  2)ritten  }u  treten  unb  beffen  Flamen  gu 
führen,  ^aben  aber  bie  älbt5mm(inge  bed  eingenommenen  nod^  nid^t  bad 
Diei^el^nte  fiebendial^r  surücfgelegt  unb  {leiten  fte  unter  ber  elterlid^en  ©emolt 
bed  9[n}unel^menben,  f  o  tann  er  a(d  gefeglid^er  SSertreter  berfelben  ben  93ertrag 
jugleid^  für  fie  fd^Iiegen  (§  1613).  Qroax  bebarf  ed  baju  nad^  §  1613  Slbf.  2 
ber  ©enel^migung  bed  93ormunbfd^aftdgerid^teö ;  inbeffen  mirb  (egtered  biefe 
©enel^migung  nid^t  oerroeigem,  wenn  bie  ©rftredEung  ber  Annahme  an  Äinbeö^ 
ftatt  auf  bie  2lb!ömmUnge  be«  Slniunel^menben  im  Sntereffe  berfeCben  liegt 

a»it  giüdfrid^t  barauf,  bafe  naci^  §  1617  Saft  3  ber  a[nna]^met)ertrag 
fc^on  mit  bem  ^bfc^luffe  bed  (enteren  für  bie  SBertragfd^ftegenben  binbenb  ift, 
fomie  aud  Stüdfid^ten  prattifd^er  3n>ed(mägigfeit  foQ  aber  für  bie  @ntfc^eibung, 
ob  ein  SfblSmmling  bed  älngenommenen  ate  oor^anben  anjufel^en,  nid^t  ber 
3eitpunft  ber  Seftötigung,  fonbem  ber  ber  Sci^liegung  bed  Slnna^meoertraged 
maggebenb  fein. 

Sag  burc^  bie  älnna^me  an  fiinbedftatt  gniifd^en  bem  9(nnel^menben  unb 
fo(d^en  93ern)anbten  bed  eingenommenen,  meldte  nic^t  älbfömmlinge  bed  le|teren 
ftnb,  ein  SSermanbtfd^aftd^  ober  ©d^mögerfci^aftdDer^ältnig  nici^t  begrünbet  mirb 
(Dergl.  fäci^f.  ®.  8.  §  2045),  ergiebt  ftd^  aud  bem  »egriffe  ber  SBerroanbtfd^aft 
unb  ber  Sd^mSgerfd^aft  Don  fetbft  unb  brandet  bed^alb  nid^t  befonberd  aud^» 
gefprod^en  ju  nierben  (t)ergl.  bie  3)lotit)e  ju  §  1596  oben  ®.  947). 

dagegen  mürbe  auf  @runb  bed  im  §  1601  Slbf.  1  audgefprod^enen    m-^* 
^rinjiped  in  Ermangelung  einer  entgegenftel^enben  SBeftimmung  jmifd^en  bem*^J^t** 
Slnne^menben  unb  bem  ©Regatten  bed  angenommenen  ober  eined  von  ber  3lm   »enenjc, 
na^me  an  jtinbedßatt  mitbetroffenen  9lbIommlinged  bed  le^teren  ein  Sd^mäger» 
fd^aftdDerl^filtnig    begrünbet    merben.      2)iefe    im  franj.   Sted^te  beftrittene 
äSirhtng  fd^liegt  ber  §  1620  9[bf.  2  aud  ä^nlid^en  ©rünben,  mie  im  gaDe 
bed  §  1596  älbf.  1  @aft  2,  audbrücfUd^  aud  (t)ergl.  bie  SRotioe  gu  §  1596 
oben  ©.  948). 

älnlangenb  bad  93erl()Sltnig  bed  eingenommenen  gu  ben  SSermanbten  bed  w-  ber  »«r. 
ainnel{imenben,  f o  mirb  nad^  röm.  unb  gemeinem  SRed^te  bei  ber  adoptio  minua  """^^  ^ 
plena  unb  ber  Slboption  burci^  eine  grau  jmifd^en  bem  Angenommenen  unb  "e^menben, 
ben  SBermanbten  bed  Slnnel^menben  ein  93em)anbtfd^aftdt)er]^ältni|3  nic^t  be^ 
grünbet.     Sie  gegent^eilige  93orfd^rift  bed  r5m.  Sted^ted  für  bie  älrrogation 
unb  bie  adoptio  plena  l^ängt  mit  ber  befonberen  ©eftaltung  ber  röm.  gamilie 
jufammen.     Db   unb   inmiemeit   in   biefer  Sejie^ung   bie   ©runbffifee   ber 
älrrogation  unb  ber  adoptio  plena  gcmeinred^ttid^  nod^  anmenbbar  ftnb,  ift  be* 
ftritten.    3n  SBürttemberg  wirb  angenommen,  bafe  burc^  bie  Annahme  an 
Äinbedftatt  jmifd^en   bem  Slngenommenen  unb   ben   aSermanbten  bed  9ln« 
ne^menben  feine  SSermanbtfci^aft  entftel&t.    3)ied  ift  aud^  ber  ©tanbpunft  ber 

62* 


980  annähme  an  5«nbcöftatt  burd6  e^cgattm.    §  1621. 

neueren  ©efefegebungen  (oergl.  prcufe.  31.  2.  91.  II,  2  §§  708—710;  oftcrr. 
@.  93.  §§  183,  755;  code  chil  ärt.  348,  350;  fäd^f.  ®.  33.  §§  1799,  2044, 
2045;  M'  ®ntro.  III  3lrt.  77).  5Daö  preufe.  31.  S.  3i.  II,  2  §  710  geftattct 
jebod^,  bafe  burc^  einen  bcfonberen  gamiUenüertrag  aud)  jmifd^en  bem  3lm 
genommenen  unb  ben  SSerwanbten  beö  3lnnef)menben  eine  ^^öntilienoerbinbung 
l^ergefteBt  roirb. 

3)er  (gntrourf  (§  1620  3lbf.  2)  [daließt  ftd^  in  biefcr  a3cjie^ung  ben 
mobernen  SRec^ten  an.  6ine  3luöbe^nung  beö  burd^  bie  3lnnal^mc  an  Äinbed- 
ftatt  begrünbeten  Sßer^ältniffeö  auf  bie  SSermanbten  bes  3lnne^mcnben  würbe 
über  ben  Qrocd  beö  3»iftituteö  unb  baö  SSebürfnife  l^inauögeben  unb  ben 
l^eutigen  3rnfd^auungen  nid^t  cntfpred^en.  Oegen  bie  3u(ajfung  einer  fold^en 
©rroeiterung  im  3Bege  eines  ^amitient)erh:aged  fpred^en  aber,  abgefc^en  baoon, 
bafe  in  biefer  SRid^tung  ein  S3cbürfni6  nid^t  vorliegt,  biefelbcn  Sebenfcn,  roie 
bei  ber  Scgitimation  burcb  ®^efid^feitöerflärung  (oergl.  bie  3Rotipe  ju  §  1583 
oben  ©.  935). 
i)inf.  bed  Slbroei^enb  t)om  röm.  JRed^te  (1.  14  pr.  D.  de  ritu  nupt  23, 2)  unb  bem 

^''Är  preufe.  31.  ü.  SR.  II,  2  §  686  beftimmt  ferner  ber  §  1620  Slbf.  2,  ba^  burc^ 
nc^mcnben.  jjj^  3lnnaf)me  an  Äinbcßftatt  jmifd^en  bem  Slngenommenen  unb  bcffen  3lb? 
fömmlingen  einerfeitö  unb  bem  Sliegatten  beö  Slnnebmenben  anbererfeitß  fein 
©d^roägerfd^aftöocrl^ältnife  begrünbet  mirb  (oergt.  audb  §  1240).  ©ö  beruht 
biefe  SSorfd^rift  auf  äI)nUd^en  ©rroägungcn,  roie  biej[enigen,  roetd^e  ju  ber  ent? 
fpred)enben  33orfd^rift  beö  §  1596  Slbf.  1  ©afe  2  geführt  ^aben  (oergl.  bie 
aRotioe  JU  §  1596  oben  ©.  948). 

Ueber  ben  ^all,  wenn  ein  6^egattc  baß  Äinb  beö  anberen  an  Äinbeöftatt 
annimmt,  üergl.  §  1621. 


§  1G21. 

inTSe«  ®^^  Scftimmung  beö  §  1621,  bafe,  wenn  roä^renb  beftel^enber  @^e  Don 

bun*  beibe  beibeu  ©fjegatteu  biefclbe  5ßcrfon  an  Äinbeöftatt  angenommen  wirb,  ber  31m 

«^eflttttcti,  genommene  bie  red^tüd^e  Stellung  eines  gemeinfd^aftüd^cn  ebelid^en  Äinbcö 

beiber  ©Regatten  nad)  SKafegabc  ber  §§  1601,  1620  erlangt,  ift  eine  ber  ©ad^^ 

läge  unb  ber  Stbfid^t  ber  ©fiegatten  cntfpred&enbe  Äonfequenj  beö  im  §  1601 

Slbf.  1  auögefprod^enen  ^rinjipeö,  eine  Äonfequenj,  weld^e  in  ben  neueren 

©efe^gebungen  jroar  nidt)t  befonbers  lieroorgc^oben  wirb,  beren  auöbrüdflicbe 

^eroorbebung  fid^  aber  mit  SRücffid^t  barauf  empfiel^lt,  bafe  gerabc  berartigc 

gemeinfame  Slboptionen  burd^  ©b^flötten  am  böwfigften  Dorjufommen  pflegen. 

eines  S)em  ^alle,  wenn  mäbrcnb  befte^enber  ©£|c  oon  beiben  ©begatten  bicfelbe 

cinen*cj!'!  ^ßerfou  üu  Hiubcöftatt  angenommen  wirb,  ftellt  ber  §  1621  in  3lnfel(iung  ber 

^""*"b*"/n  ^^^'^^"9  ^^^  anberen  %aU  gleid&,  wenn  mäl^renb  befte^enber  ©^e  üon  einem 

©f)egatten  baö  Äinb  beö  anberen  ©fiegatten  an  Äinbeöftatt  angenommen  wirb. 

®er  SluöbrudE  „Aiinb"  begreift  nad^  bem  Oefege  (§  30  Slbf.  3)  aud&  baö  um 

tf)d\d)t  Äinb  ber  ©Ijefrau.     S)ie  befte^enben  SRec^te  übergeben  ben  \)iix  in 

Siebe  ftebenben  gall  mit  ©tillfd&meigen.    2BoBte  man  auf  benfelben  einfad^ 

bie  allgemeinen  Örunbfägc  über  bie  SBirfungen  ber  Slnnabme  an  Äinbeöftatt 

antoenbcn,   fo    würbe   fid&    barauö    in  ocrfd^iebenen  9lid&tungen  ein  DöHig 


3lnitä]&mc  an  Äinbcöftatt.    gamiKenitamc.    §1622.  981"' 

anotnaied  unb  bcm  SBiUen  ber  ©l^cgdtten  nid^t  cntfpreci^enbcö  33erl^ältni§  er-* 
geben.  Die  lÄnroenbung  bcr  attgcmcincn  ©runbfäfec  auf  bicfen  gatt  würbe 
namentlid^  bal^in  fiifiren,  bafe,  roenn  eine  ©[jefrau  baö  Äinb  bes  ©^cmanneö 
an  Äinbeöftatt  annimmt,  bie  cltcrlid^c  ©eroatt  beö  (enteren  über  ben  Stn- 
genommenen  bauernb  megfaDen  (§  1626  3lbf.  1)  unb  an  Stelle  berfelben  bie 
etterlld^e  ©emalt  ber  et)cfrau  treten  (§  1601  3lbf.  1,  §  1623),  ber  Slngenom* 
menc  aud^  ben  Familiennamen  ber  @{)efrau,  mcldjcn  bicfetbe  üor  ©d^lic^ung 
ber  (g^e  gefüfirt  liat,  erhalten  mürbe  (§  1622).  Slnbererfeitö  mürbe  in  bem 
umgef eierten  gälte,  menn  ber  Seemann  baö  ftinb  feiner  ß^efrau  an  Äinbeö* 
ftatt  annimmt,  bie  tefetere  bie  5ßflid)t  unb  bas  SRed^t  ber  ©orge  für  bie  ^crfon 
bcö  ftinbcö  na^  2Ra§gabe  ber  §§  1557,  1570  bauernb  verlieren  (§  1626 
3lbf.  2).  ©ine  berartige  ©eftaltung  ber  Söerl^ältniffe  mürbe  t)5Uig  anomal  fein 
unb  ben  S^ctfen,  meldte  bei  einer  fold)en  3lnna^me  an  ftinbcöftatt  t)erfolgt 
mcrben,  feineöroegö  entfpred^en.  83ielmcl|r  gellt  in  fold^en  gälten  bie  Slbfid^t 
ber  ©Regatten  baf|in,  bag  baö  Äinb  in  golge  ber  Slnnal^me  an  Sinbeöftatt 
bie  redfitlid^c  Stellung  eineö  gemeinf^aftlid&cn  e^ctidfien  Sinbeö  beibcr  ®l^e* 
gatten  erlange  unb  bemgemäfe  aud^  bie  elterlid^en  SRed^te  unb  5ßflidf|tcn,  inß? 
befonbere  au^  bie  3wfWnbigfeit  ber  elterlid^en  (Seroalt,  unter  i^nen  gc^ 
regelt  mcrbe. 

SBenngleid^  ber  §  1621  bie  bort  bejcid^neten  beiben  ,  gällc  in  i^rer 
SBirfung  gleidbftellt,  fo  finb  bicfelben  boä)  infofern  Derfd^iebcn,  alö  in  bem 
galle,  menn  ein  6^egatte  baö  Äinb  beö  anberen  ©Regatten  an  Äinbeöftatt  an« 
nimmt,  nur  ber  erftere,  nid&t  aud^  jugleidf)  ber  legtere  bcr  3lnncl^menbe  ift. 
3)er  leibli^e  ©Iterntlieil  beö  Äinbeö  nimmt  nid^t  alö  SKitfontrafient  an  bem 
3lnna^met)ertragc  SItieil,  fonbern  eö  genügt  bie  ©inroilligung  beöfclben  nad^ 
a»a6gabe  ber  §§  1606,  1610.  3)Ut  9lüciridf|t  barauf,  ba§  in  bem  in  SHebe 
fte^enben  galle  bie  Slnna^me  an  Äinbeöftatt  a\x6)  in  3lnfe^ung  bcö  SBcrl^ält^ 
niffeö  jmifdjcn  bcm  Slngenommencn  unb  beffen  ©Itcrntlieile  pofitit)e  SBirfungen 
erjcugt,  fd^eint  cö  an  [xi)  näbcr  ju  liegen,  ju  beftimmcn,  bafe  audf)  biefer 
©Iterntl^eil  ben  9lnnal^met)ertrag  mttabfd^lie^cn  muffe,  jumal  ber  §  1629  3lbf.  4 
benfelbcn  aud^  bei  bcr  3Bieberauft|ebung  ber  3lnnal[)me  an  Äinbeöftatt  burd& 
SSertrag  alö  3Jlittontra^enten  be^anbclt.  3)ie  Siegelung  bcö  ©ntrourfcö  t)cr* 
bicnt  ieboi^  ben  SBorjug,  tfieilö  um  in  bem  bi^^  fraglidfien  galle  bie  Slnnabme 
an  Jtinbeöftatt  ju  erlcid^tern,  t^cilö  um  beöroillcn,  roeil,  menn  bcr  ©Iternt^cil 
beö  Säniune^mcnbcn  alö  aWitfontral^ent  be^anbelt  roürbe,  baö  'JHifeoerftänbnift 
entftefien  fonnte,  alö  ob  berfclbe  ebenfallö  alö  änne^mcnbcr  $u  be^anbeln  fei 
unb  bcö^alb  audf)  in  feiner  ^erfon  bie  bcfonbcrcn  SJorauöfegungen  ber  Sln^ 
na^me  an  Äinbeöftatt  vorliegen  müßten. 

§  1622. 

3)ic  Seftimmung   beö  §  1622  Slbf.  l,   bafe   ber  9lngenommenc  ben  ?>«miiieiu 
Familiennamen  beö  9lnncl)mcnben  erholt,  ftel)t  mit  bcm  preufe.  91.  iJ.  SH.  II,  2  flen"ommenen!' 
§§  682,  688,  bem  öfterr.  ®.  33.  §  182  unb  bem  oode  civil  9trt.  347  (ocrgl. 
oud&  lieff.  entm.  III  9lrt.  73)  im  ©inf lange,  mfifircnb  nad^  bcm  föd^f.  ®.  S3. 
§  1796  ber  3lngenommene  feinem  Familiennamen  ben  beö  9lnnel}menben  bei* 


982  %malmt  an  Jtiitbedfiatt    gomtlieniiame.    §  1622. 

fugen  lann^  ober  md|t  tnug.  3)ie  be}et^nete  SBirfung  tft  eine  jtonfequetq  beft 
im  §  1601  abf.  1  auftgefprod|enen  ^rinsiped  (nergL  §§  1497,  1569)  nnb 
entfprid^t  bem  S^tdt  bed  3nftttuted,  bag  auf  bem  SBege  bet  Xnnal^e  an 
jtinbeöftatt  bec  9lame  unb  bie  gamilie  bed  Snnel^menben  fortgepflan)t  loerbe. 
3ug(eid^  n)irb  auf  btefe  98eife  bad  burd^  bie  SKnna^me  an  jtinbedftatt  ge« 
fd|afpene  9led|töoer^a(tnig  fiugerlid^  erfennbar  gemad|t 

9[ud|  bie  vmtttt  SSeftintntung  beö  §  1622  äßrf.  1,  bag  ber  älngenommene, 
iDenn  ber  älnnel^menbe  eine  ^au  ift,  rod^t  b\xv6)  Sd^Iiegung  einer  @^e  ben 
^miliennamen  bed  (Sl^emanned  erl^alten  ^at,  ben  ^rnUiennanten  tt\)Slt, 
roeliftn  biefelbe  oor  ©d^Hegung  ber  @^e  geführt  ^at,  ift  eine  jtonfequen}  bed 
$rin}iped  beö  §  1601  äPbf.  1.  SSon  biefer  jtonfequen}  ab}ugel^en,  empfiehlt 
^i)  um  fo  meniger,  ate  ber  eingenommene  ju  bem  S^egatten  bed  Snnel^menben 
unb  ju  ber  gamilie  beö  te|teren  in  leine  JBerbinbung  tritt  (oergL  aud^  §  1569). 
2)er  SnhDurf  ^at  beöl^alb  aud|  bie  Seftimmung  bed  preug.  91.  S.  91.  n,  2 
§  689  nid^t  aufgenommen,  bag  ber  9lame  bed  frühen  (S^emanned  einem 
f otd^en  jtinbe  unter  bef onberen  Umftdnben,  meldte  bie  93eforgnig  eined  SBiber« 
fprud^ed  Don  ©eiten  ber  ^mtlie  bed  (S^emanneö  audfd^tiegen,  burd|  audbrüdE:' 
lid^e  (anbedl^errUd|e  S9egnabigung  beigelegt  merben  fönne.  Uebrigend  ^at  iene 
S9eftimmung  fd^on  gegenwärtig  il^re  praftifd|e  ä3ebeutung  t)ertoren,  ba  an^ 
genommen  mirb,  bag  ber  älDer^öc^fte  @r(ag  v.  12.  Suli  1867,  burd^  meldten 
ben  9{egierungen  bie  S9efugnig  }ur  Srtl^eitung  ber  gefe^Hdl  erforberUd^en  ®e^ 
ne^migung  t)on  92amendfinberungen  beigelegt  ift,  aud^  bie  ^De  bed  §  689 
a.  fi.  91.  n,  2  umfagt. 

Sag,  menn  ber  eingenommene  eine  oer^eirat^ete  ober  oerl^eirati^et  ge« 
mefene  |$rau  ift,  biefelbe  lebigltd^  ben  Familiennamen  bed  @l^emanned  bel^t 
(§§  1274,  1455)  unb  burd^  bie  nad^  ber  @l^efd^liegung  erfolgte  älnnal^me  an 
Äinbcöftatt  nur  ber  gamiliennamc  eine  Äenberung  erleibct,  meldten  bie  ©l^efrau 
cor  ©d^liegung  ber  6^e  gefül^rt  l^at,  fann  nid|t  jmeifel^aft  fein  unb  bebarf 
feine«  befonberen  3lu«brudEeö. 

®ie  SBeftimmung  be«  §  1622  3lbf.  1  ©afe  2  entfprid&t  bem  ^rinjipe  be« 

§  1621  in  SBcrbinbung  mit  bem  §  1497. 

Bcifflgung  92eben  bem  neuen  9lamen  foD  ber  angenommene  ]ebod|  ben  bidl^erigen 

bii^^en  S<^i«iKennomen  fortführen  (§  1622  3lbf.  2).    ®d  ift  biefi  bur^  bad  6ffentlid|e 

Rammen.  Sutcreffc  geboten,  bamit  nid&t  bie  gefiftellung  ber  Sbentitdt  ber  ^rfon  bed 

nameni.    eingenommenen  erfd^roert  unb  feine,  fortbauembe  S^B^^^rigfeit  ju  feiner  natür* 

lid&en  gomilic  (§  1625)  oerbunfelt  wirb  (oergl.  aud^  öftcrr.  ®.  ».  §  182; 

Code  civü  3lrt.  347;  fäd&f.  ®.  ».  §  1796;  I|cff.  ®ntn).  IH  «rt.  72).     SKlt 

bem  öffentlid^en  Sntcreffe  unb  bem  ©runbfa^e  beö  öffentlid^en  SRed^tcfi,  bag 

bie  SHamcnöänbcrung  ber  ©iöpofttion  ber  ^ßrioaten  cntjogcn  ift,  fann  cd  au(^ 

nid^t  als  oercinbar  angefel^cn  werben,  bie  gortfü^rung  bcfi  bisherigen  gamilien* 

namend  nur  als  ein  Siedet,  nid^t  aud^  ald  eine  $flid^t  l^in^ufteDen  (t)ergl. 

preug.  91.  S.  SR.  II,  2  §  713)  ober  ben  ^Parteien  ju  geftatten,  in  bem  ännaJ^me* 

©ertrage  barüber  ju  bcftimmcn,  ob  ber  bisherige  Familienname  fortgeführt 

werben  foll.    ©egenüber  bem  öffcntlid^en  Sntereffe  mug  bie  SRüdffid^t  auf  bafi 

3ntere{fe,  weld^ed  ber  Slnne^menbe  unb  ber  älnjunel^menbe  unter  Umflfinben 

baran  ^aben  fönnen,  bog  ber  legtere  feinen  bid^erigen  F<^miliennamen  neben 


9nna]gme  an  fiinbe^ftatt.    Slterlid^e  @tti>alt    §  1623.  983 

bem  neuen  Slamen  nU&t  fortfül^re,  in  ben  ^intergrunb  treten.  3^^^"^  ^t^*t 
ed  benfelben  unbenommen,  geeignetenfaDd  im  ^Senoattungdmege  barauf  an- 
}utragen,  bog  bem  SKngenommenen  geftattet  merbe,  nur  ben  Flamen  bed  3ln« 
nel^menben  }u  fül^ren. 

3n)eifell^aft  !ann  ed  fein,  ob  beftimmt  merben  foD,  bog  ber  btdl[ierige 
^milienname  unter  S9eiffigung  bed  neuen  92amend  (code  civil  3lrt.  347; 
ffid^f.  ®.  S9.  §  1796)  ober  umgelel^rt  ber  (entere  unter  ÜBeiffigung  beö  erfteren 
ju  fähren  ift.  Sie  legtere  Siegelung  oerbient  iebod^  ben  ^orjug,  ba  fte  bem 
burdi  bie  älnnal^me  an  itinbeftftatt  begrünbeten  93erp(tniHe  unb  ber  @itte  in 
jDeutfd^lanb  om  meiften  entfprid^t. 

6ine  Seftimmung  barüber,  melci^en  6influ6  bie  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  ®to«J>*>e»«n' 
auf  ben  @tanb  bed  Stngenommenen  l^at,  ob  unb  unter  melci^en  SBoraudfe^ungen  ^ 
ber  legtere  namentlid^  ben  Slbel  bed  Slnnel^menben  ermirbt  (oergt.  preug. 
«.  2.  SR.  n,  2  §§  683—685,  STn^.  §  100;  öfterr.  ®.  S.  §  182;  ^eff.  ©ntu).  HI 
3lrt.  74),  ift  in  Uebereinftimmung  mit  bem  fäd&f.  ®.  83.  auö  benfelben  ©rünben 
nid^t  aufgenommen,  aud  meldten  aud^  in  anberen  al^nlid^  liegenben  göDen 
(wrgl.  bie  aRotipe  ju  §§  1274,  1497,  1583  oben  ©.  106  ff.,  937)  in  biefer 
93eiiel^ung  im  ©efege  gefd^miegen  ift. 


§  1623. 

Sud  bem  5ßrinjipe  bed  §  1601  Slbf.  1  in  aSerbinbung  mit  ben  §§  1501,  «*««*«  ®'; 
1502  folgt,  bafe  ber  Sinnel^menbe,  wenn  ber  Slngenommene  minberiä^rig  ift,  bie  "Se^menben"* 
elterlid^e  ©ewalt  aber  ben  legteren  nad^  SRaggabe  berienigen  SBeftimmungen 
erlangt,  meldte  für  bie  elterlid^e  ©emalt  über  e^elid^e  itinber  gelten.  Snd- 
befonbere  entfprid^t  ed  aud^  ienem  ^rinjipe  unb  ber  oon  bem  @ntn)urfe  an$ 
erfannten  elterlid^en  ©emalt  ber  el^elid^en  SRutter,  ba§,  wenn  ber  Slnne^menbc 
eine  grau  ift,  bie  befonberen  JJorfd&riften  bed  §  1538  3lbf.  1  SRr.  2, 3  unb  ber 
§§  1539—1543,  1558  entfpred^enbe  3lnn)enbung  finben  (§  1623  äbf.  4).  3n 
ben  ^Sütn  bed  §  1621  ergiebt  fid^  aud  bem  ®rutü)fage,  bag  ber  eingenommene 
bie  red^tlid^e  Stellung  eined  gemeinfd^aftlid^en  e^elid^en  Jtinbed  beiber  @l|egattcn 
^at,  o^ne  SBeitered,  bog  in  9[nfel[|ung  ber  elterlid^en  ®en)alt  bed  @^emanncd 
unb  ber  @I|efrau  biefelben  93orfd^riften  maggebenb  finb,  mie  menn  ber  9ln« 
genommene  ein  gemeinfd^aftlid^ed  el^clid^ed  ftinb  beiber  @I|egatten  n)are.  3)er 
@ntn)urf  ^at  !ein  93ebenfen  getragen,  oorbel^altlid^  ber  aud  bem  §  1623  fid^ 
ergebenden  SRobififationen,  ed  bei  ben  bejeidineten  ftonfe^uenjen  }u  belaffen. 
@d  lägt  ftd^  allerbingd  im  ^inblide  auf  bie  nad^  bem  @ntmurfe  mit  ber  etter^ 
lid^en  ©emalt  aud^  in  Slnfel^ung  bed  SSermögend  bed  fiinbed  üerbunbenen  meit^ 
ge^enben  SRed^te  nid^t  oerfennen,  bafe  bie  ©rlangung  jener  Siedete,  indbefonberc 
bed  Sled^ted  ber  elterli^en  äSermbgendoenoaltung  unb  ber  elterlid^en  ?lu(niegung^ 
für  ben  Slnnelimcnben  möglid^erroeife  bad  5Dlotit)  ber  Slnnalime  an  Äinbedftatt 
werben  fann  unb  bie  ®efal)r  bed  SKifebraud^cd  bed  SRcd^ted  ber  SBcrmogend- 
Denoaltung  um  fo  nö^er  liegt,  ald  ber  9lnne()menbe  unb  ber  eingenommene 
nid&t  burd^  ein  natürlid&ed  Sanb  mit  einanber  perbunben  finb.  enoägungcu 
ber  3lrt  l^aben  benn  aud^  bad  preufe.  31.  2.  SR.  II,  2  §§  694—700,  716,  bad 
fädbf.  ®.  ».  §§  1797, 1811, 1816  unb  ben  I6eif.  ®ntn).  III  3lrt  75,  76  beftimmt. 


984  Slnnal&mc  an  Äinbcöftatt.    (gltcrlt^c  &malt    §  1623. 

bic  ^flid^ten  imb  Slcd&te  bcr  pötcrlid^en  bejß).  ber  eltcrüd^cn  ©crooft  auf  ben 
Slnncl^mcnbcn  nur  in  Slnfc^ung  bcr  ^crfon  beß  Slngcnotnmcncn  ju  übertragen, 
in  Slnfcl^ung  ber  a3crm5genöt)crroattung  aber  eine  SBormunbfd^aft  bejro.  ^Peg- 
fdiaft  eintreten  ju  loRen  unb  bem  3lnne^menbcn  inöbefonbcre  aud^  bad  SRed^t 
ber  elterlid&en  Slugniefeung  ju  t)erfagcn.  ©incr  berartigen  J^^eilung  bcr  mit 
bcr  elterliddcn  ©croalt  t)erbunbencn  ^ßflid^tcn  unb  Siedete  ftcf^en  iebod&  cr^cblid&e 
Scbenfen  entgegen.  ®egen  bie  gortbauer  beö  3led^ted  ber  93ennogcnöt)crn)aItung 
in  ber  5ßerfon  bcö  leiblid^cn  eiternt^cileö  (preufe.  31.  S.  SR.  II,  2  §§  696—700, 
II,  18  §  814)  fprid^t  inöbefonbcre  bie  ©noögung,  ba%  bcr  Slngcnommcnc  burd^ 
bie  Slnnal^mc  an  Üinbeöftatt  fel^r  oft  in  eine  Äcbenöftettung  unb  in  fojiafe 
3SerpltniRe  fommt,  nicldfie  uon  bencn  bcö  Iciblid^en  eiternt^eilcö  DoDig  ocr* 
fd^iebcn  finb.  2)iefc  ©noägung  führte  aud&  bei  S3crat^ung  bcr  preufe,  33omt.  0. 
im  prcufe.  Sanbtage  baf|in,  entgegen  ber  Slegierungöoorlagc,  ein  oorjugöroeifcö 
9lnred^t  beö  lciblid()cn  SBaterö  auf  bie  SBormunbfc^aft  über  baö  t)on  einem  SInbcrn 
angenommene  Äinb  nid^t  anjuerfenncn.  S)iefeö  93cbcnfen  fann  man  ollcrbingö 
ücrmeibcn,  mcnn  man  nad^  bem  SSorbilbe  bcö  f|cff.  ©ntrourfeö  cö  bem  SBormunb:: 
fc^aftögerid^te  überläßt,  ben  Iciblidfien  ©Ilcrntt^cU  ober  ben  9lnncl^menbcn 
ober  aud^  eine  brittc  ^^crfon  alö  Pfleger  für  bie  aScrmögcnöDcrroaltung  ju 
beftellen.  ©ine  berartigc  Siegelung  mürbe  aud^  bem  gcgcnmcirtigcn  SRce^tö- 
äuftanbc  in  ben  ©cbicten  beö  preufe.  91.  S.  SR.  cntfpredficn,  menn  man  bic 
9lnftd&t  t^eilt,  ba§  bic  lanbred^llid^c  gefcftlicbe  SBormunbfd^aft  beö  Iciblid^cn  SSatcrö 
über  baö  angenommene  Äinb  burd^  bic  prcufe.  93orm.  D.  u.  5.  3uU  1875  §  102 
befeitigt  fei.  3l\ä)i  bcfcitigt  werben  aber  burd^  eine  fold^c  ^Regelung  bic  praf- 
tifd^cn  Unjutrögli^feitcn,  meldte  mit  einer  SBcrti^eilung  bcr  SScrtrclung  unter 
uerfd^icbene  5ßerfoncn  immer  t)crbunbcn  fmb.  Scibft  bann,  menn  man  bc^ 
ftimmtc,  bafe  bcr  SKnncl^mcnbc  fraft  beö  ©cfcgcö  alö  5ßf[cger  berufen  fein  foUc, 
mürbe  immer  nod^  bie  praftifd^e  ©djmierigtcit  bleiben,  iroifdfien  ben  nic^t- 
ücrmögcnöreddtlidficn  unb  ben  DcrmogcnörcdfitUd^cn  9lngclegcn^citen  beö  Äinbcö 
eine  f^arfe  Orcnjttnic  ju  jicl^cn,  eine  ©rcnjiinic,  mcld&c  gejogen  werben 
müfetc,  mcil  ber  9lnnel)mcnbe  in  feiner  ©igcnfd&aft  alö  Pfleger  Dietfad^en  93e' 
fc^ränfungen  untermorfcn  fein  mürbe,  meldten  er  alö  Sn^aber  bcr  cltcrlid&en 
Ocmalt  nid^t  unterliegt,  ^roax  fann  cö  nad^  bem  ©ntrourfc  aud&  in  uer- 
fd^iebenen  anbcrcn  gälten  oortommen,  bafe  bem  Snl^abcr  ber  elterlichen  ©eroalt 
bie  aScrmögenöt)crroaltung  nic^t  juftclit  (ocrgl.  §§  1510,  1546,  1550,  1553); 
iubeffen  ol)nc  SRotl^  ift  eine  fol^c  S^licilung  ber  33ertretung  nic^t  ratt^fam. 
2)aju  fommt,  bafe  bie  93ebcnfcn  gegen  bic  Ucbertragung  ber  t)oUcn  elterlid[)en 
(Sjcroalt  auf  ben  Slnncl^mcnbcn  ni^t  Don  crl^ebli^er  praftifd^er  Scbcutung  fxnb, 
ba  bic  ctterlid^e  ©eroalt  nad^  bem  ©ntrourfe  mit  bcr  3}oUiä^rigfeit  beö  Äinbcö 
cubigt,  bic  9lnnal)me  cincö  üRinbcriäl^rigcn  nacb  §  1613  Slbf.  2  an  bie  ©c- 
nelimigung  beö  33ormunbfd^aftögcrid)teö  gebunbcn  ift,  übcrbicö  ein  minber* 
jälirigeö  Äinb,  rocld^cö  aboptirt  roerben  foU,  regelmäßig  rocnig  ober  gar  fein 
Vermögen  befi^cn  roirb  unb  geeignetenfallö  nad^  §  1628  in  bem  Stnnal^mc* 
vertrage  bie  cltcrlidfie  ^tujnießung  auögcfd[)loffen  roerben  fann.  gcmer  bienen 
bie  befonberen  ©infc^ränfungen,  melden  na^  §  1623  Slbf.  1  in  geroiffen 
^)tidE)tungcn  bic  clterlid^e  ©eroalt  bcö  SKnnc^mcnbcn  unterliegen  foH,  baju,  um 
i)cm  Äinbe  einen  größeren  Sd^ufe  gegen  3Rißbraud[)  bcr  cttcrlid^cn  ©eroalt  ju 


annähme  an  Äinbeßftatt.    (grterrid&e  ®mdt    §  1623.  985 

gcroö^rcn.  2luf  bcr  anbeten  Seite  bietet  bic  Siegelung  bcö  ®ntrourfeö  ben 
großen  SBort^eil  bcr  @infad)^eit  imb  red^tfertigt  burd)  bie  grofeere  3lnlel^nung 
an  baö  jroifdicn  ben  leiblid&cn  6ltern  unb  cf)diä)tn  ftinbcrn  beftelienbe  93ep 
j^ältnife  bie  ©noarlung,  bafe  baö  fünftlid^  gcfdfiaffenc  aied^töoerl^öltnife  fid)  ebem 
faDö  ate  ein  inniges  geftalten  werbe.  83on  biefem  Stanbpunfte  auö  empficl^lt  es  ^^^^^^^l^^^ 
^6)  aud)  n\d)t,  bem  9lnnel^menben  Iraft  ©efegeft  bic  etterlid^e  Stujniefeiing  ju 
Dcrfagen.  Siefclbcn  ©rünbe,  rocld^e  ba^in  gefül^rt  l^aben,  mit  ber  eltcr^^ 
lid&en  ©croalt  überhaupt  bie  elterüd^e  Sftugniefeung  ju  oerbinben,  ins- 
befonbcre  bcr  Ocbonfe,  bafe  bie  ©teHung  bes  S^^abers  ber  citerliddcn  ©e:= 
walt  gegeniiber  bcm  ftinbe  eine  felbftänbige,  bas  Äinb  von  bem  crfteren 
abl|ängig  fein  muffe,  fprc(^cn  liier,  wo  nid^t  fd)on  bie  Sßatur  bas  ©efül^I 
bcr  9lb^ängigfeit  mit  fid^  bringt,  fonbern  es  fxd^  barum  l^anbclt,  ein  fünft- 
liebes  gamilicnücr^ftltnife  bem  natürlidficn  moglid^ft  anjunäticm,  in  er^ö^tem 
SRafee  bafür,  auä)  bem  Slnnel^mcnbcn  bic  clterüd^e  9lu|niefeung  etnjuräumen. 
SRit  bcm  ©ntmurfc  ftimmen  im  ^rinjipe  bas  gemeine  SWcd^t  unb  bas  bapr. 
S.  91.  T,  5  §  10  5Rr.  7,  §  11  in  Slnfel^ung  bcr  9lrrogation  unb  ber  adoptio 
plena,  fenicr  bos  öftcrr.  ®.  33.  §  183  unb  bas  rocimar.  ®ef.  v.  27.  aBörj  1872 
§§  3,  4  iibcrcin  (t)crgl.  aud^  jür.  ®.  S3.  §§  234,  246,  249,  251,  258,  261,  263). 
©cmcinrcc^Uid^  ift  allerbings  beftritten,  ob  bcr  leiblid&e  SBalcr  burd^  bie  adoptio 
plena  ben  on  ben  Slbücntijien  bes  ÄinbeS  bereits  ermorbcnen  ^licfebraud^  oer- 
liert  ober  ob  ber  Icfetcre  crft  mit  bcm  Xohe  bcS  leibli^cn  SSaters  auf  bm 
STboptioüatcr  übergebt.  ®iefe  Streitfrage  l^ängt  icbodf)  mit  ber  l^iftorifd&eu 
®ntn)icfelung  bes  Slboentijicnrcdjtcs  jufammen.  Da^  nad^  bem  oftcrr.  ®.  S. 
ber  9lboptiot)atcr  ben  SHic^raud^  am  Vermögen  beS  eingenommenen  nid^t 
erfangt,  ift  lebiglic^  eine  ilonfcquenj  bes  Safics,  bafe  nad)  bem  öfterr.  @.  S. 
mit  ber  oäterIid)cn  ©eraalt  ein  3l\t^hvauä)  am  aScrmögen  beS  Äinbcs  nid^t 
t)crbunben  ift. 

3m  ©injclnen  ift  ju  ben  aSorfdfiriftcn  bes  §  1623  nod^  golgcnbcS  ju 
bemcrfcn. 

1.  S)ic  Scftimmung  beS  §  1623  3lbf.  1  ©afe  1  ift  bem  §  1548  nac^^  ^''"euif«" "'^ 
gebilbct.    ©iefclbe   cmpfietilt   fid^  als  ftontrole   bcr  bcm  Slnne^mcnbcn  ju*  »ermögenö* 
fteficnbcn  SBermögcnSDcrroaltung  unb  im  ^inblidfc  auf  bic  bcmfclben   naä)  "«'"«^"^ff^^- 
Scenbigung  ber  elterUd^cn  ©emalt  obüegenbe  SBcrpflid^tung  5ur  SWcd&nungS? 

legung  unb  Verausgabe  bes  aScrmögcns  bes  ÄinbcS  (§  1700,  §  1503  3Ibf.  1). 
S)iefe  ®infd)räntung  ift  um  fo  me^r  angcjcigt,  als  bcm  9lnnel^mcnben  über^ 
roiegenb  nac^  bcm  geltenbcn  SRcc^tc  bie  aScnoaltung  beS  bem  3lngcnommcncn 
gel^brenbcn  SScrmögenS  übcrljaupt  nid^t  juftel)t. 

2.  Slnlangenb  bie  »eftimmungcn  bes  §  1623  3lbf.  1  Safe  2,  3,  fo  ift  ^^^f ^^^'«^^^^^^^ 
nid^t  iu  ocrtennen,  bafe  eine  gemiffc  ^ärte  gegen  ben  9lunel[)menbcn  barin     fd,aft«. 
liegt,  wenn  bas  SBormunbf^aftsgcriddt,    obroobl  basfelbe  bie  3lnna^me  an   o'^^'**«« 
ftinbesftatt  obnc  SBorbel^alt  genehmigt  ^at  (§  1613  3lbf.  2),  fofort  nadEi  bcr 
gerid&tlid&en  »cftötigung  mä)  9)Ja6gabc  bes  §  1547  9lbf.  1  Safe  2,  3  u.  3lbf.  2 

oI|ne  bic  im  §  1547  Slbf.  1  Safe  1  bc5eid^netcn  SBorauSfefeungen  foU  ein* 
greifen  fönncn,  mcnn  es  bic  betreff cnben  3lnorbnungen  im  ^ntercffc  bes 
KinbeS  für  crforbcrlid^  erad^tct.  ©s  fann  bcs^alb  jroeifel^aft  fein,  ob  es  nidtit 
ben  Sßorjug  ücrbicncn  mürbe,  cS  in  bicfcr  S3ejicl|ung  bei  ben  allgemeinen 


986  ^nnal^me  an  ^nbe^flatt.    SrBred^t.    §  1624. 

©runbfögen  bed  §  1547  beioenben  ju  laffett,  jumal  aud^  im  $aDe  ber  äSieber^ 
ocrl^ciratl^ung  bcä  3nl&aberd  ber  citcriid&en  Ocioalt  —  abgcfc^cn  oon  bcr 
33erpflid^tunfl  jur  ©nrcid&ung  cincd  SBcrmogcnötJei^cid&niffeö  —  befonbere 
SBeftitnmungen  jum  @d^uge  beö  ber  äSenoaltung  bed  3nl^^6erö  ber  elterlid^en 
©etoaU  unterdegenben  SBermogend  nid^t  fär  erforberUd^  erad^tet  finb  unb  bad 
Sortnunbfd^aftdgerid^t  es  in  ber  $anb  f)at,  bie  ©ene^igung  beö  ätnna^me^ 
Dertraged  t)on  einer  Dorgfingigen  ©id^erl^eitdleiftung  obl^fingig  )u  mad^en.  3m 
Einbilde  auf  bie  tünftlid^e  ©runblage  bed  burd^  bie  älnnal^me  an  jtinbedftatt 
gefd^affenen  93erl|ö(tni{fed  unb  mit  S^ödEftd^t  auf  bad  in  grogen  Sted^tögebieten 
geltenbe^  bem  Stnne^menben  ba&  9led^t  ber  SBermögendüermaltung  uberl^aupt 
oerfagenbe  geltenbe  3ttä)t  ift  es  jebod^  rat^famer,  bie  Sefugniffe  bed  SSormunb^ 
fd^aftdgerid^ted  gegenüber  bem  älnne^menben  in  ber  im  §  1623  W>1 1  Sag  2,  3 
bejeid&neten  Wct  ju  erweitern. 

a)ie  93orfd^rift  bed   §  1623  älbf.  2  bejiel^t  ftd^  aud^  auf  bieienigen 

burd^  ben  §  1621  betroffenen  ^De^  in  meldten  bie  leiblid^e  aßutter  bed  pon 

i^rem  ©bemanne  angenommenen  jtinbed  }u  ber  elterlid^en  ©emalt  gelangt 

Dbmol^l  in  biefen  ^öDen  bad  natürlid^e  Sanb  }n)ifd^en  ber  SRutter  unb  bem 

Äinbe  audreid^enbe  ©arantieen  gegen  einen  5Dli|braud^  ber  elterlid^en  ©eroatt 

}u  bieten  fd^eint^  fo  ift  bod^  im  ^tereffe  ber  @infad^^eit  bed  ©efeged  baoon 

3(bftanb  genommen^  in  biefen  ^Uen  bie  älnmenbung  ber  befonberen  93e^ 

ftimmungen  bed  §  1623  Slbf.  1  aud}ufd^Iie|en. 

<sH(^ue«unfl  3.  5[)ic  «eftimmung  bed  §  1623  Sttf.  3  (t)ergl.  baju  §  1242)  redbt^ 

ne^etibw.  fertigt  fidd  burd^  bie  Slnatogic  ber  SBerl^ättniffe.    Sie  nad&  ber  Slnna^me  an 

ftinbedftatt  t)on  bem  älnnel^menben  gefd^toffene  @§e  ^at  im  93er^ältnif[e  }u 

bem  Slngenommenen  materiell  ftetd  bie  SBÄeutung  einer  jmciten  @^e  (cergl. 

aud^  §  1599). 

wtera*e®e.  4.  ^it  SSorfd^rift  bed  §  1623  5Äbf.  4  bejicl^t  [xä)  nid^t  aud^  auf  bie 

"^Uöu""  Söß^  ^^ö  §  1621.    3n  biefen  göUen  ergiebt  ft^  bie  3lnmenbbarfeit  ber  be* 

fonberen  SBorfdfirlften  über  bie  elterli^j^e  ©eroalt  ber  SJhitter,  unb  jroar  ein* 

fd^Iiefelid^  bed  §  1538  Slbf.  1  3lx.  1  unb  3lbf.  2,  bireft  oud  bem  ^rinjipe  bed 

§  1621. 

^11?!?!!  ö-  Ueber  bie  religiöfe  ©rjic^ung  bed  Slngenommenen  entfd^eiben,  wie  bei 

"^""""^    el^elid^en  Äinbern  (§  1508),  bie  Äanbedgefefee  (t)ergl.  fäd^f.  ©ef.  v.  1.  9lo* 

Dember  1836  §  16 ;  bagr.  Sleligiondebift  t).  26.  aWai  1818  §  19). 


«rale^ung. 


§  1624. 

^ir'^^m!*  ^"^  ^^^  ^rinjipe  bed  §  1601  2lbf.  1  in  aSerbinbung  mit  ben  §§  30, 

mlnenTc!  1965  ff.,  1975  folgt  iu  ©Hnaugelung  einer  entgegenftel^enben  SBeftimmung  Don 
fclbft,  bafe  bem  Slngenommenen.  mic  anä)  ben  Slbfommlingen  bedfelben,  fomeit 
nad^  §  1620  5lbf.  1  bie  SEBirfungen  ber  SKnnal^me  an  ftinbedftatt  fid^  aud&  auf 
biefe  erftrcdfcn,  gegenüber  bem  Slnnel^menbcn  badfelbe  gefefelid^e  ©rbred^t  unb 
5ßflid^tt^cildredf|t  juftc^t,  mie  cl^eUd&en  Slbfommlingen.  Xamit  ftimmen  bad 
gemeine  SRed^t  (t)ergl.  ®ntfd^.  b.  SR.  ©.  in  6it)i(f.  VI,  45)  unb  im  ^rinjipe 
aud^  bie  neueren  ©efcfegebungen  überein  (tjergl.  preu§.  31.  S.  SR,  II,  2  §§  692, 
693,  707 ;  öfterr.  ©.  8.  §§  183,  755 ;  code  civil  Slrt.  350;  fäd^f.  ®.  85.  §§  2044, 


Stnnal^me  an  jeinbedftatt.    SrBred^t.    §  1624.  987 

2046,  2048,  2567).  ©ctncinrcd^tlid^  gcrofil^rt  icbod^  bic  adoptio  minus  plena 
bem  Slngcnommcnen  nur  ein  äfntcftafe,  nid&t  au6)  ein  SRotl&erbenrcd^t  3)cr 
fo)iQle  Sßert^  ber  älboptton  n)flrbe  erl^eUtd^  ftnfen,  toenn  nid^t  bem  älboptit)^ 
tinbe  burd^  bie  93eilegung  eined  JtinbederbreÄted  unb  ^ßid^tt^eildred^ted  attd^ 
nad^  bem  S^obe  beö  Slnne^menben  ble  ©rl^ialtung  berienigen  SebenßfteDung 
geftdiert  bliebe,  in  meld&e  baßfelbe  burd&  bic  SKnnal^me  an  Äinbesftatt  gdfommen 
ift.  Die  lefitere,  ftatt  eine  SBol^ltl^at  ju  fein,  fonnte  fonft  leidet  jum  Unglüdfe 
beö  9Q>optit)finbed  merben.  jDaju  tommt,  bag,  menn  bad  ^boptinfinb  bad 
Änbenfen  an  ben  3flamen  «nb  bie  gamilie  beö  Slnnel^menben  fortfegen  foll, 
bemfelben  aud^  bie  entfpred^enben  9Ritte(  gemährt  merben  muffen,  bied  im 
Sinne  unb  in  ber  älrt  beö  Slnnel^menben  tl^un  }u  lönnen.  dagegen  liegt 
fein  Sebürfnife  t)or,  neben  bem  Älnbeöerbred&te  unb  bem  ^flid^ttl^eitered&te  beö 
angenommenen  bie  fog.  Quarta  Divl  Pii  beö  röm.  9led&tcö  beiüubeftotten. 
Slbgefel^en  t)on  bem  ba^r.  S.  SR.  1, 5  §  10  9?r.  8  liaben  aud^  bie  neueren  Oefefe* 
gebungen  einen  berartigen  Slnfprud^  beö  3lngenommenen  nid&t  anerfannt. 

SRad&  bem  fädbf.  ®.  ».  §  2568  (oergl.  aud&  roeimar.  ®ef.  o.  6.  Sttprll  1833  mmt\i 
50,  79;   altenb.  ®ef.  v.  6.  Slpril  1841  §  86;  ®ef.  für  SReuB  j.  S.  n.  iBern>tt*^ten 


10.  ©ejember  1853  §§  51,  77)  erleibet  bie  SRegel,  bafe  baö  äboptiottnb  in  „^*^ 
erbred&tlid^er  ^inftd^t  bie  re^tlid^e  Stellung  eineö  e^elid^en  ftinbcö  l^at, 
infofem  eine  SKobififation,  alö  eö  beftlmmt,  bafe  burd^  bie  Slnnal^me  an 
Älnbeöftatt  ber  ^PPii^ttl^cil  ber  leiblid^en  SBenoanbten  beö  Slnnel^menben  nid&t 
öeriejt  werbe.  S)eögleid&en  foII  nad^  bem  preufe.  91.  2.  SR.  II,  2  §§  672,  673 
ben  (SItem  beö  Slnne^menben,  menn  biefe  nid^t  in  bie  9[boption  eingemiDigt 
l^aben,  i^r  Siedet  auf  ben  ^ßflid^ttJ^eil  an  bem  SRac^laffe  beö  3lnnel^menben  oor* 
behalten  bleiben,  ^a  nad^  bem  @ntn)urfe  nur  fold^e  ^erfonen  aboptiren 
lonnen,  rodi^t  einen  el^elid^en  älbfömmling  nid^t  l^aben  (§  1602),  ber  äln^ 
nel^enbe  augerbem  regelmögig  baö  fünf jigfte  Sebenöial^r  jurüdgetegt  ^aben 
mug  (§  1603),  ein  5ßflieött^eilöred&t  aber  nad^  bem  (gntmurfe  nur  bm  aftfbmm* 
llngen  unb  ben  (Sltttn  beö  ©rblafferö  ^wfte^t  (§  1675),  fo  ift  bie  grage,  ob 
burd^  bie  Slnnal^me  on  Äinbeöftatt  ber  ^^flld&ttlieil  ber  Iciblid&en  SSerroanbten 
beö  9lnncf|menben  unberülirt  bleiben  foII,  iebenfallö  nid^t  von  großer  praftlfd^er 
Sebeutung.  Die  SBemeinung  biefer  grage  ift  inbeffen  aud^  fad^tid^  gered^t^ 
fertigt,  ba  baö  $f[id^ttl^eilöred^t  fein  fd^on  vox  bem  2;obe  beö  @rbla{ferö 
ermorbeneö  SRec^t,  fonbem  nur  eine  ungemiffe  Sluöfid^t  ift,  roeld&e  auc^  auö 
anberen  ®rünben  uereitelt  merben  fann.  ©omeit  aber  SÄbfommlinge  in  grage 
fommen,  meldte  erft  nad^  ber  3lnnaf|me  an  Äinbeöftatt  erjeugt  finb,  fann  nid^t 
einmal  t)on  ber  SBereitetung  einer  Hoffnung  bic  SRebe  fein.  Stuf  bie  fcitencn 
gfiHe  aber,  in  meldten  eine  grau,  bie  bereitö  une^elid^e  Äinbcr  f^at,  ein 
frembcö  Äinb  an  Kinbeöftatt  annimmt  ober  in  meldten  jur  ^t\t  ber  annähme 
an  Äinbeöftatt  ein  nascitumiB  beö  Slnncl^menben  uorl^anben  roar  (oergl.  2Rotit)c 
JU  §  1602),  brandet  im  ©efefee  befonbcrc  SRüdEfid^t  nid^t  genommen  ju  merben. 

Die  meiterc  SBorfd^rlft  beö  preufe.  21.  £.  SR.  n,  2  §  676,  bafe,  menn  ein  ^^,*^^^" 
(Seemann  odne  ®inn}iUigung  feiner  (S^efrau  3emanben  an  Äinbcöftatt  am 
genommen  ^at,  baburd^  in  bem  ©rbred^tc  ber  ß^efrau  gegenüber  i^rem  6^e* 
manne  nid^tö  geänbcrt  werbe,  fommt  für  ben  ©ntiourf  nid^t  in  ^age,  ba  — 
abgefel^en  oon  bem  gatte  ber  S^obeöerflörung  (§  1611)  —  ein  ©begatte  nur 


988  9lnna]6me  an  Ätnbcgftatt.    (grbrcd&t.    §  1624. 

mit  (Sinroilligung  beä  anbcrcn  an  ÄinbcöftQtt  annel^mcn  fann  (§  1606),  9luö 
biefetn  ®runbc  liegt  anä)  fein  Sebürfnife  Dor,  md)  bem  aSorgongc  cinjetncr 
Oefege  (üergl.  altenb.  ®ef.  v.  6.  Slpril  1841  §  86;  ®cf.  für  9lcu§  j.  S.  d. 
10.  S)cjcmber  1853  §  77)  jii  beftimmcn,  bafe  burdö  bie  3lnnal^me  on  Äinbcö« 
ftatt  bcr  5ßflid)ttt)eil  beä  ©Regatten  beö  Slnnel^menben  nid^t  gef($mfttert  werbe, 
ober  mä)  bem  SBorbilbe  bcö  fäd^f.  @.  33.  §§  2050,  2578  (t)crgt.  ferner  rocimar. 
(Sjcf.  t).  6.  Slpril  1833  §  57;  altenb.  Oef.  v.  6.  Slprit  1841  §  63;  ®cf.  für 
Steufe  j.  2.  V.  10.  ©ejcmber  1853  §  58)  für  ben  gall,  wenn  ber  gcftorbenc 
®()egatte  anbcre  jur  gefc|U(f)cn  ©rbfolgc  bered^tigte  9lbf5mmlinge  nid^t  hinter- 
(ö^t,  als  folc^e,  TOcld^e  er  roä^rcnb  ber  (g^e  an  Äinbeöftott  angenommen  \)at, 
baö  gcfeßtid&e  ©rbred^t  beö  übericbenben  ©Regatten  auf  eine  größere  Quote  ju 
erroeitern  (oergl.  aud^  SRommfeu,  ©rbred^töentro.,  9Kotit)e  ©.  168). 
^t^w  2c.  Db  unb  inioieroeit  burd^  3lnnal)me  an  Äinbeöftatt  für  ben  3lngenommcnen 

©uf jeffionöred^te  aud^  in  Selben,  gibeifommiffe,  Stamm-  unb  Bauerngüter  bc« 
grünbet  werben,  rid&tet  fid&  nad^  bm  betreffenbcn  lanbeögefefeUdfien  ©onberred&ten, 
foiocit  bie  le^tercn  nad)  ÜRafegabe  ber  naiveren  Seftimmungen  beö  ©infü^rungs- 
gefcgcö  unberührt  bleiben. 
(si-bre^t  bcö  5ju^  Orunb  beö  im  §  1601  Slbf.  1  auögefprod)enen  ^^rinjipeö  n)ürbe  an 

nc^mc'nben.  fldf)  umgefel)rt  aud&  bem  Slnncl^menben  nad^  SKafegabe  ber  §§  1966,  1975  ein 
(Srb^  unb  ^^Jflid^tt^cilöredöt  gegenüber  bem  3lngenommenen  unb  beffen  Slbfornm? 
lingen,  foroeit  bie  SBirfungen  ber  2lnnal^me  an  Äinbeöftatt  nad^  §  1620  2(bf,  I 
aud^  auf  bie  legteren  fid^  erftrerfen,  jufte^cn.  Sn  biefer  ^infid&t  bcftimmt  jebod^ 
§  1624  auöbrüctUdi  baö  (Scgent^eil.  3)icfe  2luönal[)mc  t)on  bem  5ßrinjipe  beö 
§  1601  3lbf.  1  bejnjecft,  ju  t)erf)inbcrn,  bafe  bie  3lnnat)me  an  Äinbcöftatt  alö 
Dcdfmantel  cigcnnüfeiger  3"^^^^  ^^^  ölö  EDlittel  jur  Erlangung  uermogenö* 
red)tlid)er  aSortljeik  burd^  ben  Slnnel^menben  mifebraudfit  roerbe.  3)urdö  ben 
9luöfd)Iu6  beö  ©rb-  unb  ^f(idf)tt^cilöredf|teö  wirb  eine  grö&ere  ©arantie  bafür 
gewonnen,  bafe  cö  nur  fittlid^e,  eble  3Kotit)e  finb,  meldte  ben  3lnne^menben  bei 
ber  2lnnaf)me  an  Äinbeöftatt  leiten.  3luf  bemfctben  93oben  ftel^en  ba^  gemeine 
^'Hed^t  in  2lnfef|ung  ber  adoptio  minus  plena,  ferner  bie  ÜWe^rjalil  ber  neueren 
®efcfegcbungen  (ücrgl.  inöbef.  preufe.  Sff.  2.  SR.  II,  2  §§  •  694,  701 ;  ofterr. 
®.  S3.  §  756;  code  civil  3lrt.  351,  352;  fäd^f.  ®.  S3.  §§  1797,  2045).  S)a* 
gegen  begrünbet  nad^  gemeinem  Sled&te  bie  ärrogation,  bie  adoptio  plena  unb 
bie  3lboption  bur^  eine  grau  ein  gcgenfeitigeö  ©rb-  unb  ^flid^tt^eilöred^t. 
®egeu  bie  im  §  1624  bcftimmte  2[uönal^me  fann  allerbingö  ber  ©inmanb 
crl^oben  werben,  bafe  ber  9lnne^menbe  in  ben  meiften  gällen,  namentlid^  in 
fold^en  göllen,  in  meldten  ein  aßinberiä{)riger  angenommen  ift,  bem  9ln* 
genommenen  Diel  näber  ftel^en  mürbe,  alö  bie  leiblid^en  33ermanbten  beö 
tefeteren,  unb  bafe  eß  beöl^alb  bem  natürlid^en  ®efü^Ie  me^r  entfprec^e,  wenn 
ber  3lngenommene,  roeld[)cr  t)ieUeid&t  gerabe  burd^  bie  SKittel  beö  ainne^mcnben 
33ermögcn  erworben  ^at,  oon  biefcm  unb  nid^t  t)on  ben  leibtid^en  SBerwanbten 
beö  eingenommenen  beerbt  merbe,  metd)e  Icgteren  fid^  DieDeid^t  nie  um  ben 
eingenommenen  befümmcrt  ober  boc^  nad^  ber  9lnnal^me  an  Äinbeöftatt  ju 
bemfelbcn  in  tcinerlci  33ejiel|ungen  mc^r  geftanben  ^aben.  SlHein  biefeö  33c* 
benfen  fann  gegenüber  ben  obigen  ©rmägungen  unb  im  ^inbticfc  barauf,  bog 
bie  aSorfd^rift  bcö  §  1624  bem  3uge  ber  neueren  JRed^töentmidEetung  entfprld^t. 


Slnnabme  an  Äinbcöftatt.  SScr^ältnife  ju  bcn  leibl.  Scrtvanbtcn.  §  1625.      989 

alfi  burd^fd^Iogenb  nid^t  crad&tct  iDcrbcn,  jumal  eö  bcm  Slngcnommcncn 
unbenommen  bleibt,  burd^  SScrfügung  üon  2^obcömcgen ,  Dorbet)a(tIi(i&  bcö 
^ßfli^tt^eUdreddteö  ber  leiblidden  SBcnoanbtcn,  fein  Vermögen  bem  Slnnel^menbeu 
iujurocnben.  9tuci^  liegt  ein  ©cbürfnife,  naä)  bem  SBorgange  beö  franj.  Slec^teö 
(code  civU  Slrt.  351,  352;  Dergl.  Qud)  3Kommfen,  ©rbrcc^tßentm.  §  28  2lbf.  2) 
JU  ©unften  bcö  Slnne^menbcn  bcjro.  ber  SlbfSmmtinge  beöfelbcn  in  Slnfe^ung 
foldier  ©egenftönbe,  meldte  ber  SHngenommene  von  bem  3[nnef)menben  gefd^enft 
ober  aus  beffen  SRad&laRe  erfialten  liat,  ein  ^cimfallörcd^t  anjucrfennen,  nid&t 
Dor.  6ine  bcrartige  39eftimmung  mürbe  jubem  mit  ben  fonftigen  erbred[)tlid)cn 
©runbfögen  bed  @ntmurfeö,  naä)  meldten  eö  gleidigüttig  ift,  melier  bie  jiim 
SRad^Iajfe  gel^örenbcn  ©egenftönbe  ftammen,  nic^t  im  ©intlongc  ftcljeu  unb  bas 
®efe|  o()ne  9lot^  fomplijiren. 

§  l«2r). 
SGBie  ber  Slngenommene  auf  ber  einen  Seite  nidfit  in  bie  ^amilie  beö  ^»en^äitius 
ainne^menben  eintritt  (§  1620  3lbf.  2),  fo  ^ört  bcrfelbe  anbcrerfeitö  nid)t  auf,  f^X^T 
äRitglieb  feiner  natürlidtien  "gamilie  ju  fein.    S)aö  ©egentl^eil  mürbe  bem"'^"««*>^*^^«" 
3mecfe  ber  9lnna^mc  an  Äinbeöftatt,  meldte  bem  9lngenommenen  SSort^eile,    "^"" 
aber  feine  9lad^tl)eile  bringen  foU,  unb  ber  natürlid^en  ©runbloge  ber  fami[ieus= 
re^tlid^cn  Seäiel^ungen  nid&t  entfpred^en.    3)ie  nad^  rom,  SRec^te  mit  ber  Slrro^^ 
gation  unb  ber  DoUen  3(boption  Derbunbene  älugfd^eibung  au3  ber  bisherigen 
ägnatfddaft  unb  ber  SBerhift  ber  auf  biefer  berul^enben  SHed{)te  fann  ni^t  mcf)r 
in  Srage  fommen,  ba  ben  licutigen  Slnfc^auungen  bie  röm.  Unterfdjeibung  ber 
9lgnatfdfiaft  fremb  ift.    ©omeit  bal^er  auö  bem  ©efeße  ein  3lnbereö  pdf)  nic^t 
ergiebt  (oergl.  inöbef.  §  1626,  §  1635  Slbf.  2,  §  1729  3lbf.  2),  werben  burd)  bie 
Slnna^me  an  Äinbcöftatt  bie  9ledf|te  unb  ^ßflid^ten  nid&t  berül)rt,  meiere  jmifd^cn  i 
bem  Slngenommenen  unb  beffen  aSermanbten  in  ^olge  ber  SScrmanbtfd^aft  be- 
fte^en  (t)ergl.  aud^  §  1596  Stbf.  2).    ®ö  gilt  bieö  inöbefonbcrc  au^  Don  ben  erb*  i 
red^tlid^en  S3ejie{)ungen.    SJlit  bem  ^rinjipe  beö  §  1625  ftimmt,  fooiel  bie 
adoptio  minus  plena  unb  bie  Slboption  burd^  eine  grau  betrifft,  unb  bei  ber 
Strrogation  unb  ber  adoptio  plena  menigftenö  in  2lnfcf|ung  ber  auf  ber  natür- 
Ud&en  33Iutöt)ermanbtfd&aft  beru^cnben  S3ejiel^ungen  baö  gemeine  SRedfit  über* 
ein.    Seftritten  ift  iebod&,  ob  unb  inroieroeit  bie  erbrcc^tlid^cn  33ejiel)ungen 
jmifdfien  bem  Slngenommenen  unb  beffen  SBermanbten  burdi  bie  Slboption  be- 
rül^rt  werben.    Slud^  bie  neueren  ©efefegebungcn  ftefjen  in  ber  ^ier  fraglid^en 
^infidfit  mit  bem  ©ntmurfe  grunbfä^lid)  im  ©inflange  (t)erg(.  preufe.  9t.  2.  91. 
II,  2  §§  702,  711,  712;  öfterr.  0).  S3.  §§  183,  755;  code  civil  «Art.  348;  fad&f. 
©.  33.  §§  1798,  1840,  2047 ;    l)eff.  entm.  III  3lrt.  72 ;    femer  für  erbrcd)t 
roeimar.  ©ef.  r>.  6,  9lpril  1833  §  53;   got^.  ©ef.  o.  2.  Januar  1844  §  32; 
altenb.  ©ef.  t).  6.  Slpril  1841  §  58;  fonberßl).  Sufjeffionöorbn.  t).  8.  SDcjcmber 
1829  §§  36,  37 ;  ©ef.  für  9leu§  j.  2.  t).  10.  ©ejember  1 853  §  54 ;  ©ef.  für 
aieufe.  ä.  S.  0.  22.  Sanuar  1841  §  53).    SBenngleid)  ber  ©runbfafe  beö  §  1625 
fd^on  aus  ben  fonftigen  SJeftimmungen  über  bie  9lnna^me  an  Minbeöftatt  fier- 
juleiten  fein  mag,  fo  ift  bod^  bie  audbrücflid^e  .^eruor^ebung  beßfelbeu  megen 
feiner  großen  praftifd^en  SJebeutung  unb  im  3"tcreffe  ber  Durd^fid^tigteit  beö 
©efegeö  alö  rat^fam  erad^tet. 


990        ^Innal^me  an  J^nbedftatt.    ©teOuna  ber  leiUt^en  altera.    §  1626. 

§  1626. 

Gteaunfl  ber  ^ladf  xbm.  unb  gemeinem  Siedete  erlifd^t  bie  oäterlid^e  (Semalt  bed  leib^ 

«iterobftxn*  lici^^n  äSaterd  bauemb  butd^  Eingabe  bed  jtinbed  in  voUt  9lboption.  äluc^ 
flenommenen.  j^,i|.j)  \^i^x(f)  bit  lefitete,  fowie  butd^  Slrtogation  bie  ©tiie^ungfigeroalt  fomo||l 
bed  (eiblid^en  SSaterd  ate  ber  (eiblid^en  äßutter  audgefd^Ioffen.  3)agfe(be  toirb 
bei  ber  adoptio  minus  plena  unb  ber  älboption  burd^  eine  ^rau  anjune^men 
fein.  3)er  Sludfd^lug  ber  @r}te^ungdgen)Q(t  ber  leiblid^en  @(tem  ift  iebod^  {ein 
unbebingter.  SBirb  bie  ofiterlid^e  ©emalt  bed  älnne^menben  burd^  ^ob  beenbigt 
ober  mirb  ber  Stnne^menbe  unffi^ig^  bie  Srjiel^ungdgemalt  aud)uäben^  fo 
erlangt  ber  leiblid^e  ^ater  unb^  menn  berfelbe  nid^t  mel^r  am  Seben  ift^  bie 
leiblid&e  SRutter  baö  SRed&t  ber  (Srjie^ung  roieber.  5lad^  preu§.  31.  S.  SR.  n,  2 
§  697  verliert  ber  leiblid^e  SBater  in  golge  ber  Slboption  ben  SRiefebraud^  am 
93ermögen  bed  ^inbed  bauemb;  aud^  fann  er  bie  ®r}ie^ungdgen)a(t  nid^t  aud« 
üben,  folange  biefelbe  nad^  31.  S.  91.  II,  2  §§  681,  690  bem  3lnnel^menben  ju^ 
fielet.  Db  aber,  nenn  bie  @riiel^ungdgen)alt  bed  (enteren  weggefallen  ift,  bie 
©rjiel^ungdgetoalt  lieber  t)on  ben  leiblid^en  (Sltern  audgeübt  mirb,  ift  nid^t 
befonberd  beftimmt.  ^ad  ffid^f.  ®.  S9.  §  1830  fd^reibt  t)or,  bag  bie  oöterli^e 
©emalt  erlifd^t,  menn  ein  3[nberer  fte  burd^  Slnna^me  an  ftinbedftatt  erwirbt. 
3la^  §  1797  erlangt  ber  3lnne^menbe  aud^  bie  (Sriiel^ungdgewalt  Ob  unb 
inwieweit  aber  nad^  Sßegfall  ber  legteren  bie  Srjiel^ungdgewalt  ber  leiblid^en 
©Itern  wieber  eintritt,  ift  aud^  im  fäd^f.  ®.  9.  audbrüdEUd^  nid^t  entfd^ieben. 
®iterii<*e^  3)a^  j)er  leibliche  SBater  unb  bie  leiblid^e  aWutter  bie  elterlid^e  ©ewalt 

fXn  if'  über  bm  Slngenommenen  perlieren,  wenn  unb  folange  ber  Slnne^menbe  biefelbe 
erlangt  l^at,  perfte^t  fid^  im  ^inblidEe  auf  bie  3ludfd|lieglid^teit  ber  elterlid^en 
©ewalt  Don  felbft.  dagegen  würbe  in  Ermangelung  einer  befonberen  ^e« 
ftimmung  ber  3^^if^^  bleiben,  ob  nid^t  in  ©emSg^eit  bed  im  §  1625  aud« 
gefprod^enen  ^rintiped  bie  elterlid^e  ©ewalt  ber  leiblid^en  @ltem  infoweit 
wieber  eintreten  würbe,  ald  bem  Stnne^menben  bie  elterlid^e  ©ewalt  über  ben 
3lngenommenen  nid^t  juftel^t  ®ine  fold^e  ©eftaltung  entfprid^t  aber  weber  ber 
@ad^lage  noc^  bem  Sntereffe  bed  Slngenommenen,  ba  ber  le^tere  burd^  bie 
Slnnal^me  an  jtinbedftatt  feinen  leiblid^en  @ltern  unb  ben  bidl^erigen  SSer^ 
l^ältniffen  regelmäßig  mel^r  ober  weniger  entfrembet  wirb  unb  l^äufig  eine  ganj 
anbere  fo}iale  Stellung  einnimmt,  ald  feine  leiblid^en  @ltern.  2)er  §  1626 
bringt  bed^alb  jum  SludbrudEe,  bag  ber  leiblid^e  93ater  unb  bie  leiblid^e  iDhitter 
bie  elterlid^e  ©ewalt  über  ben  Slngenommenen  bauemb  Derlierm  (oergl.  aud^ 
fieff.  @ntw.  in  Slrt.  38)  unb  baß  üon  ber  5ßPic^t  unb  bem  Sled&te  ber  leiblic^n 
aWutter,  für  bie  5ßerfon  bed  Äinbcd  ju  forgen  (§§  1506,  1558,  1570),  bad 
©leid^e  gilt  (t)ergl.  aud^  §§  1239,  1597). 

^ie  elterliche  ©ewalt  ber  leiblid^en  (Sltern  unb  bie  $ßid^t  unb  bad  Sle^t 
ber  leiblid&en  SKutter,  für  bie  5ßerfon  bed  Äinbed  ju  forgen,  treten  aud^  bann 
nid^t  wieber  eiU/  wenn  bie  Slnnal^me  an  ftinbedftatt  nad^  §  1629  burd^  SBertrag 
wieber  aufgehoben  ift  (t)ergl.  aud^  §  1239).  3)amit  ftimmt  bad  rom.  unb 
gemeine  dltäfi  in  Slnfel^ung  ber  sollen  3lboption  infofern  überein,  ald  bie  burc^ 
bie  legtere  erlofd^ene  Döterlid^e  ©ewalt  bed  leiblid^en  93aterd  nad^  Sluflöfung 
bed  Slboptiondoerl^öltniffed  burd^  ©manjipation  nid^t  wieber  in  Araft  tritt. 


annähme  an  Äinbcöftatt.    Utdaf^altSpfiiäit    §  1627.  991 

S)agegen  fielen  in  biefer  9e}ic^ung  ba&  preug«  31.  fi.  fR.  11^  2  §  715^  bad 
ofterr.  ®.  95.  §  185  unb  baö  ffid^f.  ®.  33.  §  1800  auf  bem  cntgegengefefeten 
©tonbpunfte.  Ser  natürlid^en  @2id|(age  fd^eint  es  aDerbingd  ju  entfpred^en, 
wenn  nad^  älufl^ebung  ber  älnnal^me  an  itinbedftatt  bad  natürlid^e  @Item^ 
unb  5ttnbeöt)er^a[tnig  mit  aDen  Dont  ©efege  baran  gefnüpften  ^flid^ten  unb 
SRed&tcn  in  voUtm  Umfange  roieber  in  ftraft  tritt.  Sluf  ber  anberen  Seite 
fällt  inbeffen  entfd^eibenb  inö  ©eroid^t,  bafe  in  fe^r  Dielen  gatten  ein  SBlebcr* 
auf(eben  iener  99ejie^ungen  ju  ben  leibftd^en  (Sltem^  indbefonbere  ein  äSieber- 
aufleben  ber  elterlichen  ©etoalt  ber  legteren^  nid^t  angemeffen  fein  xonxbt, 
namentlid^  bann  ni^t,  menn  bie  älnnal^me  an  jtinbedftatt  fd^on  längere  Qtxt 
beftanben  l^atte  unb  baö  jtinb  feinen  in  anberen  fojialen  SSerpItniffen  lebenben 
leibtid^en  @Item  oieDeid^t  DöIIig  entfrembet  ift.  Ttan  lann  au^  nid^t  eim 
»enben,  bag  in  golge  ber  Sluf^ebung  ber  ä(nna^me  an  ßinbedftatt  baä  ftinb 
o^nel^in  aud  feiner  biöl^erigen  ÄcbenöjteHung  in  feine  frül^eren  fojialen  33er* 
l^ältniffe  }urfldEgemorfen  n>erbe;  benn  bod  ftinb  fann  bid  jur  äluf Hebung  ber 
Annahme  an  Äinbeöjtatt  ober  in  gotge  berfelben  aSermogen  erworben  l^abcn, 
toeld^ed  audreid^enb  ift^  bemfelben  bie  btöl^erige  Sebendftellung  ganj  ober  im 
äBefentUd^en  ju  er^alten^  ober  ed  l^at  injmifd^en  DieDeid^t  einen  99ilbungdgrab 
erlangt,  metd^er  ed  in  ben  ®tanb  fegt,  fid^  jur  @rl^a(tung  ber  bidl^erigen  Sebend* 
fteDung  aSermögen  ju  erwerben,  einen  SUbungögrob,  roeld&er  bem  ber  leib* 
Hd^en  @(tem  DieDeid^t  {cinedmegd  entfprtd^t  unb  eine  Uebertragung  ber 
elterlid^en  ©emalt  auf  biefclben  in  ^o^em  ®rabe  unangemeffen  erfd^einen 
(äffen  mürbe. 

9lad^  bem  ganjen  3ufammenl|ange  unb  ber  ratio  ber  93eftimmungen  beö 
§  1626  lann  eö  fibrigend  nid^t  }meifell^aft  fein,  bag  biefelben  auf  ben  gaQ, 
in  metd^em  bie  une^elid^e  SRutter  il^r  une^elid^eö  ftinb  an  Jtinbedftatt  annimmt, 
mitliin  ber  Slnnei^menbe  unb  ber  leibüd^e  ©ttemt^eil  biefetbe  5ßerfon  ift,  fomie 
auf  bie  gfille,  in  meldten  ein  @l^egatte  bad  Jtinb  beö  anberen  (Sl^egatten  am 
nimmt  unb  baburd^  bad  ftinb  nad^  §  1621  bie  red^tlid^e  SteDung  eines  gemein« 
fd^aftlid^en  el^elid^en  Jtinbed  beiber  Sl^egatten  er(angt,  nid^t  ju  be^ie^en  finb, 
ba  iene  SBeftimmungen  auf  ber  SBoraudfegung  berufen,  bag  ber  eingenommene 
in  golge  ber  äboption  ju  einer  oon  bem  teiblid&en  ®(terntlieile  Derfd^iebenen 
^erfon,  unb  nur  ju  biefer,  in  buÄ  red&tUd^e  SSer^ältnig  eineö  e^elid&en  Äinbeö 
eintritt  unb  burd^  bie  mit  ber  3Q)option  begrünbete  elterlid^e  ©emalt  bed  9ln* 
ne^menben  bie  bamit  in  SBiberftreit  ftc^enben  red^tüd^en  Sejiel^ungen  jroifd^en 
bem  leiblid^en  Slternt^eile  unb  bem  angenommenen  Jlinbe  in  9lnfe^ung  ber 
eltertid^en  ©emalt  unb  ber  gfirforge  für  bie  5ßerfon  beöfelben  gelöft  werben. 

§  1627. 

%M  bem  ^rinjipe  beö  §  1601  Äbf.  1  folgt,  bag  burd^  bie  Shimt^e  an  nnter^oit«. 
ftinbeöftatt  imifd^en  bem  SKnne^menben  einerfeitö  unb  bem  Slngenommenen  unb  j^if^lfbem 
bejfen  üon  ber  ännal&me  an  Äinbeöftatt  mitbetroffenen  Slbfömmlingen  anberer*  «nne^menben 
feitö  eine  gegenfeitige  Unter^altdpflid^t  nad^  aWaggabe  ber  §§  1480  ff.  begrünbet  nZl^JTzc. 
wirb.    Samit  ftimmen  bad  gemeine  Siedet  fomol^I  in  älnfel^ung  ber  Slrrogation 
unb  ber  adoptio  plena,  ald  aud^  in  9lnfe^ung  ber  Slboption  burd^  eine  grau 


992  ^nnafimc  an  ftinbc^ftatt.    Qntcröaltgpfli^t.    §  1627. 

unb  rid&tigcr  Slnfxcfit  naä).  in  Slnfcl^ung  bcr  adoptio  minus  plena  übcrcin,  ferner 
baö  franj.  SHcd&t  (code  civü  9lrt.  349)  unb  bie  fd&Icön).  l|olft.  Sttrmenorbn.  ü. 
29.  ©cjcmber  1841  §  15  (ocrgl.  aud^  ital.  @.  ».  2lrt.  211;  jür.  ®.  S3.  §246). 
2)aöfelbc  ift  in  ©rmangclung  einer  cntgegenftcl^cnbcn  SSorf^rift  für  baß  ofterr. 
®.  S.  in  Äonfequenj  beö  im  §  183  baf.  aufgeteilten  ©runbfaßeß  anjunel^men. 
S)aö  preufe.  91.  S.  SÄ.  II,  2  §  692  bcftimmt  außbrücflid^  nur  eine  Unterhalte* 
pfli(^t  beö  9Innel^menben  gegenüber  bem  Sttngenommenen.  ^ür  ben  umgete^rtcn 
gall  fel^lt  eö  an  einer  auöbrüdlid&cn  SBorfd&rift.  3luö  ber  aSorfc^rift  beß  prcufe. 
21.  £.  dt,  II,  2  §  694  in  »erbinbung  mit  ben  §§  691,  692  ergicbt  fid&  aber, 
bafe  ber  Slngenommene  jur  (Seroä^rung  beß  Unterijalteß  gegenüber  bem  2ln* 
ne^menben  ni^t  t)erpflid|tet  ift.  3m  \äd)l  ®.  S.  §  1797  unb  im  lieff.  ©ntro. 
III  3lrt.  75  ift  bicö  außbrücflid^  Dorgefd)rieben.  yiaä)  ber  altenb.  Slrmenorbn. 
ü.  9.  "Sluguft  1833  §  81  unb  bem  roeimar.  .öeimat^gcf.  o.  23.  gcbruar  1850 
§  42  entfd[|eibct  über  bie  Unter^aftßpflid&t  äroifd&cn  bem  9lnnel|menben  unb  bem 
3lngenommenen  ber  älnno^meoertrag. 

9iod)  ber  3luffaffung  beß  ©ntmurfeß  fe^lt  eß  an  außrcii^cnbcn  ©rünben, 
in  3lbn)cid)ung  oon  bem  ?ßrinäipe  beß  §  1601  3lbf.  1  bie  Unterl)a(tßpflid&t  beß 
2(ngenommencn  unb  ber  Don  ber  9lnnat)me  an  Äinbcßftatt  mitumfafeten  Sft* 
fömmlinge  beß  leftteren  gegenüber  bem  9lnnefimenben  außjufd^lie^en.  2)er  ©in- 
manb  ber  33iotioe  beß  ^eff.  ®ntm.  III  ©.  194,  bafe  ber  ^[nnel^menbe  burd^  bie 
älnnal^me  an  SEinbeßftatt  feinen  pefuniären  33ortfieil  erlangen  foU,  fann  olß 
burd^fd^logenb  nid)t  erachtet  werben,  ba  eß  faum  oortommcn  roirb,  bafe  3cmanb 
im  |)inbUcfe  auf  baß  ditd)i  ber  9lIimentation  an  ^inbeßftatl  annimmt,  anberer- 
feitß  ber  ©runbfaß,  bafe  bie  Slboption  bem  Slnne^menben  feinen  3Sort^ei(,  bem 
3lngcnommenen  feinen  Siad^tlieit  bringen  foU,  nid^t  bal^in  fü^rt,  ju  prüfen,  ob 
eine  einjclne  SUorfd^rift,  für  fid^  allein  betrautet,  biefem  ©runbfafee  entfprid)t, 
fonbcrn  ob  bie  3lboption,  im  ®anjen  genommen,  in  i^rer  gefammten  ®e^ 
ftaltung  für  ben  9lngenommenen  oort^eil^aft  ober  nad^t^eilig  ift.  ®ß  ift  sroar 
nid^t  JU  üerfennen,  bafe  bei  Slnertennung  ber  Unter^altßpftic^t  beß  Slngenom- 
menen  für  ben  legtcren  möglid^ermeife  bie  Saft  ber  Unter^altßpflid^t  fid^  oer- 
boppeln  fann,  inbem  er  nid^t  nur  ben  leiblid^en  ©Uern,  fonbern  aud^  bem  5än* 
ne^menben  Unterfialt  ju  gemöliren  oerpflid&tet  ift.  9lttein  berartigc  gälle  werben 
nur  feiten  fein.  3^^^^  ^ä&t  fid^  bie  Sllöglidöfcit,  ba§  bie  9lboption  in  bcr 
gufunft  burd^  SSeränberung  ber  Umftönbe  bem  9(ngenommenen  jum  Slad^t^cilc 
gereid|t,  nie  ganj  oermeiben.  3luf  ber  anberen  ©eite  fprec^en  aber  ®ränbc 
ber  Pietät  entfd^ieben  bafür,  anä)  eine  Unter^altßpflidEjt  beß  9lngenommenen 
gegenüber  bem  3lnnef|mcnben  anjuerfcnnen.  3ft  ber  9lnjunef)menbc  minbcr? 
jäl^rig,  fo  geroö^rt  jubem  baß  (Srforbernijs  ber  ®enel)migung  beß  33ormunb« 
fd^aftßgerid^teß  (§  1613  3[bf.  2)  bem  Slnjunc^menben  einen  außrcid^enben  ©c^ufe 
gegen  eine  bem  le^teren  uad^t^eilige  9lboption. 
3(nu)enbun9  ^ic  befoubcre  aSorfd[)rift  beß  §  1627  3lbf.  1  l^ängt  mit  ber  93orfd(|rift 

fd)dftcn  Tbcr  i^^ö  §  1624  jufammen.     S)a    nad&    ber    lefeteren  bur^   bie  Sttnna^me   au 
untcr^attö.  ginbeöftatt  für  ben  9lnnel)menben  ein  6rbred;t  nid^t  begrünbet  mirb,    bie 
toiltnb/en.  Sßorfc^rifteu  über  bie  gefegUd^e  Unterl^altßpflid^t  ber  SScrroanbtcn  aber  in  oer« 
fdf)iebenen  3lid^tungcn  fidf)  an  bie  aSorfd^riften  über  ba^  gefeglid^e  ©rbred^t  bcr 
aSerroanbten  anfd)lie§en,  fo  mürbe  bie  üfnmenbung  jener  aSorfdiriften  auf  bie 


9tnnabine  an  Äinbeöftatt.    aScrtraöSmäfeiöe  SRegcIung.    §  16^28.  993 

burd^  bic  2lnnal)mc  an  Äinbeöftatt  begrünbete  gegcnfeitigc  Unterf)altöpf(idf)t 
jroifd^cn  betn  Srnnel^menbcn  einerfeitö  unb  bem  3lngenommencn  bejro.  bt^tn 
äbförnrntingcn  anbererfeitö  ol^ne  bic  33cftimmung  beö  §  1627  2lbf.  1  tlieilö  ju 
unriditigcn  SRefuItaten  füfiren,  t^eilö  übcrl^aupt  auögcfd^toffcn  fein,  ©rftereö 
würbe  ber  galt  fein  in  Slnfel^ung  beö  §  1483  SIbf.  1.  3la6)  bem  5ffiortIautc 
bcö  §  1483  Slbf.  1  in  SBerbinbung  mit  §  1624  mürben  ol^ne  bie  SSorfcfirift  bcö 
§  1627  9lbf.  1  bie  leiblid^en  SBerroonbten  beö  Slngenommenen  in  geraber  Sinic 
bem  Slnne^menben  üorgefien,  mä^renb  biefelben,  entfpred^enb  bem  ^rinjipe  beö 
§  1601  9lbf.  1,  mit  bem  afnnel^menben,  menn  biefer  bebürfttg  ift,  fonfnrriren 
muffen.  Dline  bie  SSorfd^rift  beö  §  1627  Slbf.  1  mürbe  ferner,  menn  ber  9ln* 
nel^menbe  ber  33ebürftige  ift,  bie  9lnmenbung  beö  §  1490  3lbf.  2  ©afe  1  auö- 
gefd^loffen  fein. 

2)ie  aSorfdfirift  beö  §  1627  Slbf.  2,  meldte  fid^  nlö  eine  aJlobififation  bcö    «attunfl 
im  §  1625  Quögefprod^enen  ©runbfafeeö  barftellt,  berufit  Quf  ber  ©rroägung,  a„„ejmenbcii 
bafe  ber  Slngenommene  in  golge  ber  Slnnaf)me  an  Äinbeöftatt  in  ben  meiften    "«"^  ^«" 
gällen  bem  Slnncl^menben  nöl^er  ftel^t,  alö  ben  Iciblidfien  SSerroonbten  unb  eö  be^anflc? 
aud^  bem  ^votdt  ber  3lnnof)me  an  ftinbcöftatt  mel^r  entfpridf)t,  wenn  in  Slm  "'>'"»"«"'^"- 
fel)ung  ber  Unter^altöoerpflic^tung  ber  Slnne^menbe  t)or  ben  kiblidjen  SBer- 
manbten  beö  Slngenommenen  l^oftet.     Sluf  bemfetben  SBoben  fielen  baö  födfif. 
®.  33.  §§  1798,  1840,  baö  franj.  JRe^t  unb  ber  fiejf.  ®ntm.  TU  Slrt.  75  (oergf. 
anä)  xial  ®.  93.  Slrt.  211),    2)afe  in  ben  gällen  bcö  §  1621,  unb  jmar  audf) 
bann,  menn  bie  ©l^efrau  baö  Äinb  beö  6l|emanncö  annimmt,  ber  legtere  rcgel* 
mä^ig  ror  ber  ®^cfrau  i^aftet,  ergicbt  fidd  auö  §  1485  in  93erbinbung  mit 
bem  ^rinäipe  beö  §  1621  t)on  felbft. 


§  1()28. 

1.  2)ie  S^age,  ob  unb  inroieroeit  bie  gefe^Udfien  SBirhmgen  ber  ^^\^^'^J^^IIlll,, 
nafimc  an  ÄUnbeöftatt  in  bem  Slnnaf|met)ertrage  geönbert  werben  tonnen,  ift  »irfunflen 
im  gemeinen  unb  im  franj.  Siedete  nid^t  befonberö  geregelt  unb  beöl^alb  ön  ""^^JJJJJ^"'*' 
ber  $anb  ber  allgemeinen  ©runbfäte  ju  beurt^eilen.   5Daö  fädfif.  ®.  33.  §§  1797,   ^^^^^^^^^^^ 
2044  lä§t  ber  33ertragöfreil|eit  in  biefer  33ejie^ung  in  meitem  Umfange  SHaum,     «et^t. 
inbem  eö  beftimmt,  bafe  für  baö  gegenf eltige  9ted&töt)erl)ältni6  jmifd^en  bem 
Slnne^menben  unb  bem  Slngenommenen,  inöbefonbere  aud^  für  baö  ©rbredfit 
beö  le|teren  gegenüber  bem  erfteren,  junäd^ft  ber  3n^att  beö  Slnna^mcoertrageö 
maßgebenb  fei  (tjergt.  auc^,  fooicl  baö  ©rbred^t  betrifft,  meimar.  Oef.  t).  6.  Slpril 
1833  §  49;  altenb.  Oef.  v.  6.  Slpril  1841  §  54;  gotl^.  ®ef.  x>.  2.  Sonuar 
1844  §  28;  ®ef.  für  SReufe  j.  S.  x>.  10.  ©ejember  1853  §  50;  ®ef.  für 
9leu§  ö.  £.  0.  22.  Sanuar  1841  §  49).    $Ra*  bem  öfterr.  ®.  93.  §  184  ift 
eine  t)ertragömä6ige  Slenberung  ber  gefefelidden  SBirfungen   beö  §Knnal)me^ 
oertrageö  inforoeit  juläfftg,  alö  baburc^  bie  Ucbertragung  beö  Sßamenö  beö 
Slnnel^mcnben  auf  ben  änjunel^menben  nid^t  geönbert  unb  bem  9ledf|te  eineö 
©ritten  nid^t  ju  na^e  getreten  mirb.    5Daö  preuß.  Sl.  S.  91.  II,  2  §§  703—706 
jie^t  bagegen  ber  JSertragöfreil^eit  engere  ®renjen.    ^roax  geftattet  baöfclbc, 
bie  gefejlidjcn  Sßirfungen  ber  Slnna^me  an  üinbeöftatt  in  bem  Slnna^me* 
oertrage  anbcrö  feftjufeßen  (§  703),  fügt  aber  l)inju,  ba§  in  Slnfe^ung  ber 

aR^live  ).  aürgerl.  Oejet^buc^.  IV.  63 


n 


994  9lnna6me  an  Äinbeöftatt.    aSertragSmägioc  SReflcIung.    §  1628. 

pcrfönlid^cn  SScr^altniffc  bcrortige  Stenbcrungcn  nur  inforocit  iuläffig  fein  foUcn, 
als  boburdt)  boö  SBefeutlid^e  bcö  (Sefd^äftcö  nxä)t  anfgc{)obcn  wirb  (§  704). 
©ollcn  bic  gcfefelid^en  S3eftxntmungcn  in  Stnfcl^ung  bcö  SBcrmögcnö  burd^  SBcr- 
trag  geönbcrt  werben  unb  ift  ba&  onjunc^mcnbe  Äinb  nod^  minbcriö^rig ,  fo 
foll  boß  SBormunbfd^aftögcrid^t  fold^c  3lenberungen  unb,  ob  unter  S3erüctft(]^ti' 
gung  berfelben  bie  3lboption  bem  ftinbe  juträglid^  fei,  befonbcrö  prüfen  (§  705). 
©in  SScrtrag,  burd)  roeld^en  bem  3lnjunef|menben  ber  ^ßflid^ttl^eU  an  bem 
lünftigen  Slad^laffc  ber  leiblid^en  @Item  entjogen  roiib,  tann  nur  mit  einem 
aSoBjftfirigen  gcfd^loffen  werben  (§  706).  aBaö  nac^  ber  lanbred^tlid^en .  Sluf^ 
faffung  bei  ber  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  alö  roefentli^  ju  erad^ten,  ift  nici^t 
näficr  beftimmt.  S)er  9ln^.  §  102  entpit  nur  bie  SBorfd^rift,  bafe  bie  Se* 
fugnife,  bie  gefefelid^en  SBirfungen  in  bem  9lnnaf)mct)ertrage  ju  önbern,  nid&t 
auf  bie  SBorfc^riften  ber  §§  684,  689  über  bie  Uebcrtragung  bcß  3lbelö  beö 
ätnne^mcnben  bejro.  beö  oerftorbenen  ©l^emanneö  ber  Slnne^menben  auf  bcn 
angenommenen  ju  bejie^en  fei.  S)er  ©efefereoifor  (^cnf.  XV  S.  232  ff.),  im 
Uebrigen  bem  21.  2.  SR.  f olgenb ,  bef c^ränft  bie  SSertragöfreil^eit  auf  bie  per- 
mögenöred&tli^en  gefefeUd&en  SBirfungen  ber  3lboption.  3)amit  ftimmt  audf) 
ber  l^eff.  ©ntro.  III  9lrt.  79  übcrcin. 
wnip  bc3  ®er   üorliegenbe  ©ntrourf  gcl^t  bat)on  aM,  ba%  eine  9lenberung  ber 

Gntrourfe«.  gefe^Iidf|en  SBirfungen  ber  9lnna^me  an  Äinbeöftatt  in  bem  2lnna^met)ertragc 
infomeit  nic^t  jujulajfen  ift,  alö  baburdf)  ber  bicfem  Snftitute  eigent^ümlid^e 
,!Starafter  imb  ber  ^rocd  bcöfelben,  ein  bem  natürlid^en  ÄinbeSüer^äItnifi|c 
mögtid^ft  entfpred^enbeö  S3erf|ältni§  ju  fd^affen,  vereitelt  ober  beeinträchtigt 
werben  fönnte.  ®iefer  9luögangftpunft  mufe  aber  baliin  fül)ren,  im  3lnfd^luffc 
an  ben  SBorfd^lag  beö  ®efe|ret)iforö  unb  an  ben  lieff.  ©ntro.  eine  9lenberung 
ber  baö  perfönlid&c  SSerl^öltnife  jroifd^en  bem  9lnnel^menben  unb  bem  Slm 
jimel^menbcn  regelnben  gefe^Ud^en  93eftimmungen  in  bem  SlnnaJ^mepertrage 
auöjufd^Kefeen.  6ß  ift  ju  beforgen,  bafe  fonft  burd&  SSereinbarung  ber  aSertrag^ 
fd^Iiefeenben  im  SBege  ber  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  fünftUd[)e  SBer^ältniffc  ge? 
fd^affen  werben  fonnten,  welche  mit  ben  Qwtdzn,  bie  ben  ©efe^geber  bei  ber 
3ulaffung  unb  ber  2luftgeftaltung  bes  3nftituted  gefeitet  Ijoben,  in  aBiberfprud^ 
fielen,  ©in  praftifd^eö  33ebürfni§,  in  2)urd^brcd&ung  jenefi  ^ßrinjipcö  ben 
aSertragfd^liefeenben  etwa  ju  geftattcn,  in  bem  Slnna^meoertrage  über  bie  ^flid^t 
unb  baö  Siedet  ber  leiblichen  SKutter  jur  gürforge  für  bie  ^erfon  beö  an- 
genommenen Äinbeö  3lbweid&ungen  t)on  ben  gefe^Iic^en  SJorfd^riften  ju  beftimmen, 
fann  nid^t  anertannt  werben,  inöbefonbere  aud^  nid^t  im  ^inblitfe  auf  fold^e 
gälle,  in  wcld^en  ein  unoerl^eirat^eter  a)tann  ein  minberjä^rigeö  Äinb  an- 
nelimen  will.  S)em  9lnnel^menben  bleibt  eö  unbenommen,  nadf)  9Ra§gabe  ber 
allgemeinen  (Srunbfäge  beö  ©Iternred^teö  unb  beö  Dbligationenrec^teö  ber  leib* 
lid^en  3)Jutter  bie  äuöübung  beö  ©rjie^ungöred&teö  unb  bie  5ßf(ege  beö  Äinbeö 
JU  überlaffen,  unb  tann  auf  biefem  SBege  bem  SBebürfniffe  genügt  werben. 
SGBoUte  man  ben  ^Sertragfd&lie^enben  geftatten,  in  bem  Slnna^mcoertrage  bic 
gefefelid^en  SSorfdfiriften  über  bie  ^flic^t  unb  baö  SRed&t  ber  gürforge  für  bie 
5ßerfon  beö  Äinbeö  ju  önbern,  fo  fonnten  barauö  jubem,  l^ingefe^en  auf  baö 
aSerJ^öltnife  ber  ^flid^ten  unb  Siedete  beö  9lnne^menben  ju  ben  ^Pflid^ten  unb 
3ledE)ten  beö  leiblichen  ©Iterntfieileö,  leidet  3wcifel  unb  53erwirrungen  entfielen. 


annähme  an  Äinbeöftatt.    aSertragSmaötgc  SRegerunfl.    §  1628.  995 

6ine  fcftc  gefclUd^c  SRcgcl  über  bic  5ßffi(f)t  unb  baö  SRec^t  bcr  gürforge  für 
bic  ^^crfon  bcö  Äinbcö  ift  inöbefonbcrc  aud^  im  Stttcreffc  2)rittcr  geboten,  ha 
mit  ber  5ßf(id^t  ber  ©orge  für  bic  5ßerfon  beö  Hinbeö  ou^  bie  ^f[id)t  jur 
Sluffid^t  über  baöfelbc  oerbunben  ift  (§  1504),  bie  SScmad^Iäffigung  biefcr 
5ßPid^t  aber,  wenn  baburd^  2)ritte  befd^äbigt  werben,  bie  SSerpflid^tung  jum 
©c^abenöerfage  nod^  aKofegabe  ber  SBorfd^riften  über  unerlaubte  ^anblungen 
(§  710)  jur  golge  l)at.  31  ud^  für  ben  gall  ber  Sd^eibung  ber  ®^e  l^at  ber 
©ntrourf  eine  Dertragömäfeige  Siegelung  ber  ^Pid^t  unb  beö  9ted^teß  ber  gür* 
forge  für  bie  5ßerfon  ber  gemeinfd(iaftlid&en  Äinber  nic^t  jugelaffen  (oergl. 
aJlotioe  ju  §  1456  oben  6.  627  ff.). 

Sluß  biefen  ©rünben  mu^  bie  SBertragsfreil^eit  bei  ber  Slnnal^me  an 
Rinbeöftatt  iebenfallö  auf  baö  ®ebiet  ber  t)ermögenöred^tlid&en  a3erl)ä(tniffe  be* 
fd^ränft  werben.  Slber  aud^  auf  biefem  ©ebiete  ift  mit  SRüdEfid&t  auf  bic 
Smerfe  beö  l^ier  in  Siebe  ftel^enben  Snftituteö  eine  Slenberung  ber  gefe|Iid^en 
SDßirfungcn  ber  3lnna^me  an  Äinbeöftatt  inforoeit  auöjufd[)Üe§en,  alö  eine 
Slenberung  ber  entfpred^enben  gefefelid^en  SBirtungen  beö  natürlid^en  ©(tern? 
unb  ÄinbeöDcr^ältniffeö  burd&  aSertrag  jroifd^en  ©Itern  unb  Jiinbern  ober  burd^ 
cinfeitige  35iöpofition  unjuläffig  ift.  aSon  biefem  ©efid^töpunfte  auö  fann  in 
bem  ännafimeoertrage  namcntlid^  n\ä)t  bcftimmt  roerbcn,  bafe  bcm  3lnnel^menben 
bie  a3ermögenöt)erroaltung  in  SHnfel&ung  beö  bem  Slnjune^menben  ge^orcnben 
aSermögcnö  nid&t  jufte^cn  foUe.  ®in  SSebürfnife,  in  biefcr  ipinfic^t  eine  9luös 
naf^me  im  Sntcrejfe  beö  Slniunei^menbcn  jujulaffen,  liegt  nid(|t  oor,  ba  bie 
befonberen  aSorfc^riften  beö  §  1623  Slbf.  1  jum  Sd^ufee  beö  SHngenommenen 
auöreid^en.  5ßrüft  man,  mel^e  ciniclnen  mit  bem  ®ttern^  unb  Äinbeöoer^ätt* 
niffe  t)erbunbenen  gefejUdden  SBirfungen  ber  3)iöpofition  ber  (Sltern  unb 
ftinber  unterliegen,  fo  ergiebt  fid^,  bafe  biefelben  fämmtlid^,  mit  Sluönal^me  ber 
elterlid^en  Slugniegung  (§  1527)  unb  beö  @rbred^teö  unb  ^flid^tt^eitöred^teö 
(§  2019),  einen  abfoluten  Äarafter  ^aben.  Unter  biefen  Umftänben  ift  cö  im 
Sntereffe  ber  ©eutlid^feit  beö  ©efefeeö  unb  jur  3lbfd^ncibung  pon  S^Jctfcln 
öorjujiefien,  ftatt  beö  l^erDorge^obcnen  ^Prinjipeö  fpejiell  ju  beftimmen,  ba^  in 
bem  ^nna^meoertrage  bie  elterlid&e  Jlufeniefeung  auögefd^loffen  unb  baö  6rb* 
unb  ^flid^ttl^eilöred^t  beö  älnjune^menben  abweid^enb  t)on  ben  gefeglid^en  SSor^ 
fd^riften  geregelt  werben  tann. 

3m  Uebrigen  foll  eine  Slenberung  ber  gefeglic^en  SBirfungen  bcr  3tn* 
nat;me  an  Äinbeöftatt  in  bem  Slnna^mcöcrtragc  unjuläffig  fein,  inöbefonbcrc 
fann  in  bem  lefetcren  unb  alö  2^l^eil  beöfclben,  alfo  alö  SBirtung  ber  Slnna^me 
an  Rinbeöftatt  unb  o^ne  SSeobad^tung  bcr  befonberen  SSorauöfegungen  beö 
6rbeinfe6ungöt)ertragcö  (§  1940  ff.),  entgegen  ber  SSorfd^rift  beö  §  1627  aud^ 
ein  ©rbred^t  beö  3lnne^menben  gegenüber  bem  Slniunel^mcnbcn  ni^t  bcftimmt 
werben.  S^ax  wiberftreitet  bic  Segrünbung  cineö  fold^en  ©rbred^tcö  an  fid& 
nid^t  bem  Sßefcn  beö  burd^  bie  3lnna^me  an  j^inbeöftatt  ju  begrünbenben 
aScrl^ältniffeö,  pielmel^r  ftcHt  baöfelbc  fic^  alö  eine  Äonfequenj  beö  im  §  1601 
3bf.  1  auögefprod^enen  ^ßrinjipcö  bar.  Snbeffen  ift  bie  S^'^ffung  einer  vtt^ 
tragömägigen  Slenberung  ber  gefe^lid^en  Sßirfungcn  ber  Slnnalime  an  5tinbeö- 
ftatt  in  ber  l^icr  fraglid^en  Sejiel^ung  mit  ben  Orünben  nid^t  vereinbar,  auf 
weld^en  bie  pofitioe  SSorfd^rift  beö  §  1627  beruht,  ba^  bem  Slnnc^mcnbcn  ein 

63* 


996  5tnna6mc  on  ÄinbcßRatt.    Stufl&cbung  burd^  »ertrag.    §  1629. 

(grb^  unb  5ßflid^ttl^citercd^t  gegenüber  bem  Slnjunei^menben  nid^t  juftel^en  foD 
(oergl.  SRotioc  ju  §  1624  oben  ©.  988  ff.).  SDiefe  ®rünbe  oerlei^en  jener  SBor^ 
fd^rift  einen  abfolutcn  Äarofter.  S)q6  mand^c  on  fid&  toünfd&enöroert^c 
Sboption  minberiäl^riger  Äinber  unterbleiben  werbe,  rotnn  ble  SSertragöfreii^eit 
in  ber  l^ier  fragtid^cn  93ejiel^ung  Quögefd&Ioffen  wirb,  weit  ein  SRinbcrja^riger 
nad^  §  1942  im  SBege  eines  ®rbeinfe|ungßt)ertraged  einen  6rben  nid^t  ein* 
fegen  tann,  ift  nid^t  ju  beforgen.  3^^^"^  'li^öt  ^^""  ^^^  Slnnel^ntenbe  bie 
Äboption  baoon  obl^ängig  ntad&t,  baß  au^  er  ein  ©rbred^t  gegenüber  bem 
Slnjunel^menben  erlange,  ber  SSerbad^t  nafie,  bafe  ber  erftere  mit  ber  Slboption 
juglcid^  eigennüfeige  Qrotdt  ©erfolgt,  roeld&e  mit  ben  Qmtdtn,  bencn  boö  ^ier 
in  Siebe  ftel^enbe  Snftitut  ju  bienen  beftimmt  ift,  nid^t  vereinbar  fmb.  Uebrigens 
ift  eö  felbftoerftänblid^  bem  Slnjunel^menben  unbenommen,  bem  Slnnel^menben 
nad^  ben  allgemeinen  ®runbfä|en  beö  6rbeinfe|ungör)ertrageö  (§§  1940  ff.) 
ein  tjertragömäfeigeö  (Srbred^t  fid^  gegenüber  cinjuräumen. 

SBeld^en  ©influfe  cö  auf  bie  SBirffamfeit  ber  9lnnal^me  an  Äinbeöftatt 

l^at,  mcnn  in  bem  Slnnal^meoertrage  unjuläffige  Slbmeid^ungen  beftimmt  finb, 

trofebem  aber  baö  ®erid^t  ben  SBertrag  beftätigt  J^ai,  ift  nad^  bem  allgemeinen 

®runbfa|e  beö  §  114  }u  beurtl^cilen. 

«eretnö.  2.  ©old&e  SBereiubarungeu,  burd^  n)eld^e  bie  üermbgcnäred^tlid^en  33e? 

^i^r^me«.  Stellungen  jmifd^en  bem  9lnjunef|menben  unb  beffen  leiblid^cn  SSerroanbten  bei 

^^t^m^uT  ®^^^^^^^^^^  ^"^  ^"  Slnlafe  ber  9(nnal^me  an  Äinbeöftatt  in  einer  ton  ben 

gefefelid&en  SSorfd^riften  abmeid^enben  SBeife  geregelt  werben,  faraftcrifiren  fid^ 

re^tlid^  nid^t  als  Seftanbtl^eite  beö  Slnna^meoertragcö.    2)ie  3Birffamfeit  ber* 

artiger  SBcreinbarungen,  5.  83.  eines  ©rboerjid^tes  beö  Stnjune^menben  gegen« 

über  ben  leiblid^cn  SSerioanbten  beöfelbcn,  rid^tet  fid^  bal^er  nad^  ben  aU* 

gemeinen  ©runbfögen. 

9k(^träftiic^c         3.  ©benfo  entfd&eibet  bie  grage,   inmieroeit  bie  gefefelid^en  SBirfungen 

befg"eJSni>^2lnnafime  an  Äinbeöftatt  nad^trägtid^  burd^  bie  ©iöpofition  ber  »et^eiligtcn 

sirfuitflen.  geöubett  Werben  fönnen,  fid^  in  iebem  eiujelnen  %aUt  naä)  bem  Snl^alte  unb 

ber  red^tlid^en  9?atur  beö  betreffenben  9led&tögefd^äfteö.    Soweit  eine  fold^e 

SBereinbarung  jwifdien  leiblid^en  SItern  unb  itiren  Älnbern  gefd^Ioffen  werben 

fann,  ift  bicfelbe  aud^  jwifd^en  bem  2lnnel^menben  unb  bem  Stngenommenen 

julöffig.   ®ö  ergiebt  fid^  bieö  oon  felbft  auö  bem  5ßrinjipe  beö  §  1601  Slbf.  1. 


§  1629. 

«uf^e6un0  ^Rad^  röm.  unb  gemeinem  Siedete  fann  baö  burd^  3lboption  begrünbetc 

bur(^ «ertrag,  jgg^-f^g^^j^  j^^-^j^  ©manjipatiou  aufgehoben  werben.  Db  eine  fold^e  (Smanjipation 

mt^  auä)  gegen  ben  SBiDen  beö  SJlboptioIinbeö  erfolgen  fann,  ift  beftritten,  wirb 
aber  t)on  ber  2)oftrin  jefet  oorwiegenb  verneint  (oergl.  auc^,  fotjiel  baö  bem 
aboptiofinbe  juftel^cnbe  (grbred^t  betrifft,  weimar.  ®ef.  v.  6.  Slpril  1833  §  55; 
altenb.  ®ef.  t).  6.  Sffpril  1841  §  60;  got^  ®ef.  v.  2.  Januar  1844  §  30;  ®ef. 
für  3teu6  ä.  S.  0.  22.  3anuar  1841  §  55 ;  ®ef.  für  SReufe  i.  S.  0.  10. 5Dc« 
jember  1853  §  56).  5Rad^  württemb.  3lcd&te  (83crorbn.  0.  19.  3uni  1808 
§  20)  ift  aufeer  ber  S^ftimmung  beö  SIngenommencn  ju  ber  Smanjipation  bie 
gcrid^tUd^c  Seftätigung  erforbertid^,  weld^e  nur  an&  geredeten  Urfad^en  erfolgen 


2tnna]6tnc  an  ^nbc«[tatt.    äufJcBuuo  burd^  SSertraö.    §  1629.  997 

foD.  aSon  bcn  neueren  ©cfefegebungen  loffen  baö  prcufe.  31.  S.  dt,  II,  2  §  714 
(üergt.  auc^  ©efefereo.,  5ßenf.  XV  ©.  236),  boö  öfterr.  ®.  39.  §  185  unb  baö 
föd^f.  ®.  93.  §  1800  bie  Sluf^ebung  ber  Slnnal^me  on  Äinbeßftatt  burd^  aSertrag 
ju,  ebenfo  ber  l^cff.  ©nho.  III  Slrt.  85;  bod^  mufe  naci^  preiife.  St.  2.  SR.  gc^ 
rid^tlid^e  Seftätigung,  nod^  bcm  fäd^f.  (S.  S.  unb  bem  ficff.  ®ntn).  lanbcft« 
^errlid&e  ©enel^migung  l^injutreten.  ifla^  bem  preufe.  91.  2.  91.  I^at  aber  bie 
33eftätigung,  wie  bei  bem  älnna^meoertrage,  fo  au^  fiier  nur  ben  Äaratter 
einer  baö  SBor^anbenfein  ber  gefc|lid^en  ©rforberniffe  beö  SSertragcö  be* 
flarirenben  aSerfügung,  roäfircnb  nad^  bem  fäd^f.  ®.  33.  bie  ®enef)migung  beö 
fianbeö^errn  von  bejfen  freiem  ©rmeffen  abfiöngt.  ®er  l^cff.  (Sntnjurf  beftimmt, 
ba6  eine  9luf^ebung  ber  Slnna^me  an  Äinbcöftatt  burd^  aSertrag  nur  auö 
erl^ebUd^cn  ©rünben  erfolgen  fönne.  S)aö  franj.  SHed^t  fd&roeigt  über  bie  Sluf^ 
^ebung  ber  Slnna^me  an  Äinbeöftatt  burd^  aSertrag.  2)arauö  leitet  bie  Suriö* 
prubenj  bie  Unjuläffigteit  eincö  fold^en  aSertragcö  ab.  2)aö  bab.  2.  dl,  ©afe  343  a 
^at  biefelbe  auöbrüdflic^  beftimmt. 

3luö  bem  5ßrinjipe  beö  §  1601  3lbf.  1  roürbe  an  fi^  folgen,  bafe  baö  etanbpunrt 
burd^  bie  3lnnaf)me  an  Äinbeöftatt  begrünbete  aScr^öltni^  ebenforoenig,  mit  cm^urfe«. 
baö  natürlid^e  ©Iterm  unb  ÄinbeöoerfiäUnife,  burc^  aSertrag  aufgehoben  njcrben 
fonnte.    ®ie  S^löffigfeit  eineö  fold^cn  aSertrageö  ift  inbeffen  burc^  bie  33e* 
bürfniffe  beö  2ebcnö  geboten.    3)ie  9lüdffid)t  auf  bie  SBid^tigfeit  bicfeö  aSep 
trageö  unb  auf  ben  ©egcnftanb  bcöfelbcn  mufe  aber  bal^in  fül^rcn,  benfelben 
mit  ben  gleid&en  Äautclen  ju  umgeben,  mie  ben  3lnnaf)meocrtrag ,  unb  im 
aCBefentlid^cn  nad^  ber  Slnalogie  beö  leßteren  5U  geftalten  (§  1629  9lbf.  1,  5). 
Snöbcfonbcre  ift  cö  ratl^fam,  aud^  bie  SBirffamfeit  beö  siuf^cbungöoertrageö  aieri<^ti^e 
oon  ber  gerid^tlid^cn  Seftätigung  abhängig  }u  mad^en,  um  bcn  Slbfd^Iug  ®'^**^«""«- 
nid^tiger  9luf()ebungööerträge  tl^unlic^ft  ju  oermeiben.    ®ie  Seftätigung  beö 
©erid&teö  l^icr  nid&t  bloö  oon  bem  aSortianbenfein  ber  gefeglid^en  ©rforbemiffc 
beö  aScrtragcö,  fonbern  meiter  aud^  baoon  abl^Sngig  ju  mad&cn,  ba§  er^eblid^e 
®rünbe  für  bie  3lufl^ebung  fpred^en,  ift  burd^  ein  S3ebürfni§  nid^t  geboten 
unb  auö  benfelben  ®rünben  nid^t  ju  cmpfel^len,  meldte  ben  (Sntrourf  beftimmt 
l^aben,  ber  Seftätigung  beö  2lnnal)meocrtrageö  nur  ben  Äarafter  einer  baö 
aSor^anbenfcin  ber  gefefelid&en  ©rforbcrniffc  bellarirenbcn  aSerfügung  beijulegen. 

3m  ©injcinen  ift  jur  93egrünbung  ber  a3eftimmungcn  beö  §  1629  nod^ 
golgenbeö  tieroorjul^eben. 

1.  3n  ben  neueren  ®efcfegebungen,  n)eld)e,  mie  baö  preufe.  91.  S.  91.  II,  2  «ertrofl. 
§  707  unb  baö  öfterr.  ®.  33.  §  183,  baö  burd^  bie  9lnnalime  an  Äinbeöftatt  ^*"'^'"^*- 
begrünbete  aSer^ältnife  traft  beö  ®efe6cö  aud^  auf  bie  9lb!5mmlinge  beö  9lm 
genommenen  erftrcdfen,  fel^It  eö  an  einer  auöbrüdUd^en  33eftimmung  barüber, 
ob  an  bcm  9luft)ebungöi)ertrage  aud&  bie  9lbfömmlinge  S^^cil  nefimcn  muffen 
ober  ob  burdi)  SJertrag  jroifd^en  bem  9lnne^menben  unb  bcm  9lngenommenen 
Don  felbft  au^  baö  burd^  bie  9lboption  iwifd^cn  ben  9lbf5mmlingen  beö  lefeteren 
unb  ben  9lnncl)menbcn  begrünbete  aSer^ältnife  aufgel^oben  roirb.  SBic  eö 
fd&eint,  liegt  bem  prcufe.  91.  2.  di.  bicfe  lefetere  9luffaifung  p  ®runbe  (t)crgl. 
®cfe|rcD.,  ^enf.  XV  S.  236).  pr  baö  öfterr.  9led^t  ift  bie  g^^age  ftreitig. 
Sflad^  röm.  SWed&tc  l^at  bie  ßmanjipation  beö  9lboptii)finbeö  auf  baö  aSer^ältni^ 
feiner  in  ber  oöterlidjen  ©croalt  beö  9lboptioüatcrö  ftcfienben  9lbfömmlinge  ju 


998  annähme  an  5tinbcgftatt.    3luf5ebuu0  bur^  »ertrag.    §  1629. 

bcm  Icfetcrcn  feinen  (Sinflufe.  Sin  ber  ^onb  her  allgemctnen  ©runbföfee  gelangt 
man  ju  bem  SRefultate,  bafe  bie  ben  Slbfömmltngen  burc^  bie  Slboption 
erworbenen  JHeti^te  oi^ne  3^fti"^"^w^9  berfelben  burd^  SBertrag  jrotfd^en  bem 
Slnnel^menben  unb  ^angenommenen  nid^t  befeitigt  werben  fönnen.  3n  ©r« 
mangelung  jener  S^iftii^^^ung  würbe  ba^er  hnxä)  einen  fold^en  SBertrag  nur 
baö  burd^  bie  9lnnal^me  an  5?tnbeäftatt  begrünbete  SSerl^ältnife  jmifc^en  bem 
3lnnef)menben  unb  bcm  Slngenommenen  aufgel^oben  werben,  wäl^renb  baö  9Ser» 
l^ältnife  jwifd^en  bem  Slnnel^menben  unb  ben  t)on  ber  Slnnal^me  an  fiinbeöftatt 
mitbetroffenen  Slbfömmlingen  beö  2lngenommenen,  foweit  legtere  nid&t  ju^ 
gcftimmt  l^aben,  unberül^rt  bliebe.  ®in  fold^eö  JRefuItat  fann  inbeffen  als 
ein  angemejfenes  nici^t  erad^tet  werben.  3)er  baburd^  J^erbeigefül^rte  Sled&tö:^ 
juftanb  fann  leidet  ju  aSerwirrungen  2lnla§  geben,  namentlid^  wenn  einjelne 
Slbfömmlinge  fic^  an  bem  SÄuf^ebungöuertrage  bet^eiligen,  anbere  nid^t.  ©in 
fold&er  SRed^töjuftanb  entfprid&t  aud&  ni(§t  bem  3w>^*C/  weld^er  burd^  ben  SKuf^ 
l^ebungäüertrag  erreid^t  werben  foll,  inbem  bie  SBerbinbung  mit  bem  58[m 
nel^menben  bod^  nic^t  tJoDftänbig  geloft,  fonbem  burd^  bie  Slbfömmlinge  bes 
Slngenommenen,  welche  an  bem  Sluf^ebungöoertrage  nid^t  2^eil  genommen 
l^aben,  aufredet  crl^alten  werben  würbe;  er  fül^rt  femer,  wenn  etwo  gerabe 
bie  Slufred^terl^altung  beö  SBerl^ältniffeö  jwifd^en  bem  Slnnel^menben  unb  ben 
Slbfömmlingen  beö  Slngenommenen  bejwedt  fein  follte,  auf  einem  Umwege 
baju,  baö  oon  bcm  ©ntwurfe  nid^t  jugelaffcne  SBer^ältnife  ber  Slnnal^me  an 
©nfelöftatt  ju  begrünben.  Sluf  ber  anberen  Seite  mufe  man  inbeffen  Slnftanb 
nehmen,  bem  SSertrage  jwifd^en  bem  Slnne^menben  imb  bem  Slngenommenen 
bie  SBirfung  beijulegen,  bafe  baburd^  fraft  (Sefegeö  aud^  baö  burd^  bie  Sin« 
nal^me  an  Äinbeöftatt  begrünbete  SSer^ällnife  jwifd^en  bem  Slnnel^menben  unb 
ben  Slbfömmlingen  beö  Slngenommenen  aufgelöft  wirb.  Unter  biefen  Um« 
ftänben  erfd^cint  eö  alö  ber  angemeffenfte  Sluöweg,  eine  oertragömäfeige  5Äuf* 
Hebung  beö  burd^  bie  Slnnal)me  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  SSerpltniReö  über« 
l^aupt  nur  bann  ju  geftatten,  wenn  aufeer  bem  Slnnel^menben  unb  bem 
Slngenommenen  aud^  bie  fämmtlid&en  oon  ber  Slnnal^me  an  Rinbeöftatt  mit* 
betroffenen,  jur  3^it  ber  ©d^liefeung  beö  Sluf^ebungöoertragcö  oor^anbenen 
Slbfömmlinge  beö  Slngenommenen  an  bem  Sluffiebungöuertrage  2:i^eil  genommen 
l^abcn  (tjergl.  §  1620  Slbf.  1).  S)iefe  Slegetung,  weld^e  von  ber  ©in^eitlid&feit 
beö  burd^  bie  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  aSer^ältniffeö  auöge^t,  ifl 
aud^  Dom  ©tanbpunfte  beö  Sntereffeö  beö  Slnne^menben  unb  Slngenommenen 
ouö  unbebenfUd^,  ba,  wenn  ber  lefetere  bereitö  Slbfömmlinge  l^at,  bie  clterlid^c 
®ewalt  beö  Slnnel^menben  über  ben  Slngenommenen  regelmä|ig  ni^t  me^r 
beftet)t,  bie  perfönlid^en  93ejiel)ungen  jwifd^cn  bem  Slnnebmenben  unb  bem  Sn« 
genommenen  bal^er  o^neljin  mel)r  in  ben  .^intergrunb  treten  unb  unter  biefen 
Umftänben  ein  praftifd^eö  Sebürfnife,  bie  Sluf^ebung  beö  SSer^oltniffeö  jwifd^en 
bem  Slnncl^mcnben  unb  bem  Slngenommenen  oline  SRxicffid^t  auf  bie  X\)txU 
nal)me  ber  Slbfömmlinge  beö  Icöteren  ju  geftatten,  nid^t  anerfannt  werben 
fann.  3ubcm  bleibt  eö  bem  Slnnel^menben  unb  bem  Slngenommenen 
unbenommen,  cinjclnc  burd)  bie  Slnna^me  an  Rinbeöftatt  jwifd^en  il&nen 
bcgrünbctc  Dcrmögenöredötlid^c  Scjiet)ungen  nad^  ÜWafegabe  ber  allgemeinen 
©rnubfä^e    (oergl.   aWotioc   ju   §  1628   oben   ©.  996)   burd^    SBertrag   ju 


annähme  an  Äinbeöftatt.    aufj^cbung  burcfe  Sertrag.    §  1629.  999 

befcitigcn.  S)ic  angeführten  ©rünbe  ntüffen  aber  anbercrfcitö  anä)  bafiiu 
führen,  bei  Seb5eiten  beö  Slngenommenen  einen  Sluf^ebungöoertraß  jroifdicn 
bem  Stnne^mcnben  unb  ben  äbfommlinflen  beö  Slngenommenen  ober  jroifd^en 
bem  Slnnel^menben  unb  einem  bcr  von  ber  Slnna^me  an  Äinbeöftatt  mit^ 
betroffenen  Slbfommlinge  nid^t  ju  geftatten.  dagegen  ift  eö  unbebenflic^  unb 
angenteffen,  nad^  bem  2^obe  beö  9lngenommenen  bie  Sluf^ebung  beö  auö  ber 
Slnnal&me  an  Äinbeöftatt  entftonbenen  SBcrl^ältniffeö  unter  Seitritt  bcr  fämmt^? 
lid^en  älbtömmßnge  noci^  }Uiulaf[en. 

2)0  in  ben  gäUen  beö  §  1621  ber  Slngenommcnc  bie  red^tUd^e  Stellung 
eineö  gemeinfd^aftlic^en  e^eli^en  Äinbeö  beiber  fö^egotten  erlangt,  fo  entfprid&t 
eö  ber  ©ad^lage,  bafe  in  biefen  göllen,  folange  beibe  ©Regatten  leben,  ju  ber 
äluffiebung  beö  burd^  bie  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  SSer^ältniffeö 
ein  mit  beiben  ©Regatten  ju  fd^liefeenber  SSertrag  erforberlid^  ift,  unb  jioar 
aud5  in  bem  ^alle,  in  welchem  ein  @^egatte  baö  Hinb  beö  anberen  ©Regatten 
angenommen  ^at;  benn  menn  aud^  in  biefem  ^alle  ber  leiblid^e  ©Itemtl^eil 
nid^t  SSnnefimenber  ift  unb  burd^  einen  fotd^en  9lnna^met)ertrag  baö  Sled^tö:" 
Der^filtnig  beö  leiblid^en  ©Iternt^eileö  nid^t  gerabeju  in  baöjenige  eineö  ^optio- 
elterntl^eileö  umgemanbelt  mirb,  fo  erleibet  eö  bod^  erl^eblid^e  äßobififationen. 
9lad^  bem  J^obe  eineö  ber  ©Regatten  ift  eö  iebod^  angemef[en,  bie  Stuf^ebung 
beö  gmifd^en  bem  anberen  ©liegatten  unb  bem  eingenommenen  unb  beffen  älb- 
fömmlingen  begrünbeten  SSerl^ältniffeö  burd&  einen  jroifd^en  bem  anberen  ©tie- 
gatten  unb  bem  angenommenen  foroie  jenen  3lbfömmlingen  bejro.,  wenn  auc^ 
ber  angenommene  geftorben  ift,  jiDifd^cn  beffen  Slbfömmtingen  unb  bem  anberen 
©l^egatten  ju  fd^liefeenben  SBertrag  jujutaffen,  jumal  bie  (Srünbc,  meldte  eine 
Suf^ebung  beö  burd^  bie  9lnnal^me  an  ,Uinbeöftatt  begrünbeten  SBerfiättniffeö 
münfd&enöroert^  erfd^einen  laffen,  erft  nad^  bem  J^obe  beö  einen  ©l^egatten 
^croortrcten  fonnen.  3«  einem  fold^en  gatle  bleibt  aber  baö  burdi  bie  Sln^ 
na^me  an  5linbeöftatt  jmifc^en  bem  oerftorbenen  ©Regatten  unb  bem  Sin* 
genommenen  unb  beffen  Slbfömmlingen  begrünbctc  SSerl^ältnife  felbftt)erftänblld& 
unberührt.  S)ie  gortbauer  biefeö  33er^ältniffcö  ift  inöbefonbere  infofern  nod& 
t)on  praftifd^er  Sebeutung,  alö  ber  Slngenommene  ben  burd^  bie  Slnnal^mc 
on  Äinbeöftatt  etwa  erlangten  Flamen  beö  Derftorbenen  ©Regatten  fortjufül^ren 
perpflic^tet  ift. 

Snmiemeit  bei  bem  Sluf^ebungöoertragc  eine  5Bertrctung  burd^  gefetUd&e  BertKiun« 
Vertreter  juWffig  ift,  rid^tet  fic^  auf  ©runb  ber  aSorfc^rift  beö  §  1629  3lbf.  5  m^Xn. 
nad)  ben  33eftimmungen  beö  §  1612.  ©in  33ebürfni6,  für  biefen  gaH  bie 
SBertretungömac^t  beö  gefefelid^en  SSertretcrö  beö  9lnnefimenben  ober  beö  Sln^ 
genommenen  ober  eineö  9(bf5mmlingeö  beö  lefeteren  ju  erroeitern,  mcnn  ber  eine 
ober  anbere  berfelben  jroar  baö  oierjelintc  Sebenöja^r  jurüdfgelegt  i)at,  aber 
gefd^äftöunföl^ig-  ift,  um  für  fotdie  ^äUe  bie  naä)  ben  Umftönben  etwa  geredet* 
fertigte  Slufliebung  beö  burd^  bie  sinna^me  an  Äinbeöftatt  begrünbeten  SJer- 
l^ältniffeö  überl^aupt  ju  ermöglid&en,  liegt  nidit  oor.  ©aju  lommt,  bafe  ber 
2luf^ebungöoertrag,  namenttid)  für  bie  SJerliältniffc  beö  3lngenommenen  unb 
feiner  Slbfommlinge,  faft  no6)  mid&tiger  unb  eingreifenbcr  ift,  mic  ber  9ln* 
na^meoertrag,  unb  bafe  burd^  bie  ©teid^ftellung  ber  beiben  SBerträge  aud^  in 
ber  ^ier  fraglichen  99ejief|ung  bie  ©infad^i)eit  beö  ©efegeö  geförbert  mirb. 


1000  ?rnna5mc  an  iVinbcöftatt.    ^ufteBung  bur*  Sertrag.    §  1629. 

Ginroiniflwno  Xit  iu  bcu  §§  1606,  1609,  1610  für  bcn  SlnnaJ^mcDertrog  oorgefd&ricbcnc 

©inroilligung  3)rittcr  tommt  für  ben  äluf^cbungöücrtrag  nid^t  in  gragc  (oergl. 
föd^f.  ®.  93.  §  1800).  3)tc  Orünbc,  auö  roeld^cn  für  bcn  Slnnal^mcDcrtrag  bie 
©inroiHigung  jener  Dritten  üorgcfd^ricben  ift,  treffen  für  ben  3luff|ebungö^ 
oertrog  nid^t  ju. 

fflirfunfl  bei  S)ic  Sluf^ebung  beö  buxd)  bie  9lnnaf)me  an  Äinbeöftott  begrünbeten  9?er=^ 

""v^xaX  flöttniffeö  \)ai  in  Oemäfe^eit  ber  aUgcmeinen  ©runbfäfee  nur  bie  gSirfung,  bofe 
jeneö  9led^tSt)erl^äItni§  für  bie  S^f^^ft  ^"^  i^^r  von  ber  ^tit  ber  gerid&t^ 
lid^cn  93eftätigung  beä  Sluf^ebungöüertrageß  an  (§  1629  Slbf.  5,  §  1617 
Sag  2),  Qufgeljobcn  wirb.  @S  bleiben  bal^er  bie  auf  Orunb  ber  2(nnal^me  an 
Jiinbeßftatt  bereits  eingetretenen,  t)on  ber  ^ortbauer  biefeö  93er^ältniffcfi  um 
abliängigen,  abgelöften  SGßirhmgen  beftel^en.  ®ie  Orünbe,  auö  njeld^en  ber 
Entwurf  inöbefonberc  —  abroeid^enb  t)on  bem  preufe.  31.  Ä.  9i.  II,  2  §  715, 
bem  öftcrr.  ®.  S.  §  185  unb  bem  fäd&f.  ®.  33.  §  1800  —  bie  burd^  bie  2[n=^ 
na^me  an  Äinbcöftatt  einmal  aufgcl^obcnen  perfönlid^en  SSejieljungen  jroifd^en 
bem  Slngenommenen  unb  beffen  leiblid^en  SBermanbten  mit  ber  9luf^ebung  beö 
burd^  bie  2lnnal)me  an  Hinbeöftatt  begrünbeten  SSerl^ältniffeö  nid&t  mieber  in 
.Mraft  treten  lägt  (üergt.  §  1239  aibf.  2,  §  1626),  finb  bereit«  in  ben  aMotioen 
ju  §  1239  oben  ©.  30  unb  p  §  1626  oben  S.  990  ff.  bargelegt. 

2.  9tebcn  ber  uertragsmäfeigen  Sluf^ebung  unb  bem  im  §  1631  oor- 
gefel^encn  fpejicllcn  galle  fmb  anbere  33cenbigungsgrünbc  für  baö  burd^  bie 
9Innaf)me  an  ÄinbcSftatt  begrünbete  Serliältnife  bem  ©ntmurfe  fremb. 

Jöeenbiguitfl  ©aö  röm.  9lcd^t  geftattet  bem  roäl)renb  ber  Unmünbigfeit  3lrrogirten, 

"äuwries"  "^^  erreid^ter  aWünbigfcit  bie  emanjipation  ju  ©erlangen,  wenn  er  nad^roeift, 

««'      bafe  bie  9lrrogation  \\)m  unjutröglid^  fei,  unb  im  9lnfd^Iuffe  baran  beftimmt 

genommenen,  ^^^  ^„^^  ^  ^  g  ^50,  bafe  ber  TOätjrenb  ber  aninbcriälirigfeit  3lboptirtc  nac^ 

crreid)tcr  ^onjäl^rigfeit  auö  jureidfjcnbcn  (Srünben  bie  SBieberl^erftellung  beö 
3uftanbeö  üor  ber  2tboption  forbcrn  fonne.  SBenngleid^  nid&t  ju  oerfennen 
ift,  ba^  eine  bcrartige  Seftimmung  als  ©dfiug  ber  Sclbftänbigfeit  beö  mätirenb 
ber  SKinberjäfirigfeit  2lboptirtcn  93cad^tung  ocrbicnt,  fo  fommt  bod^  anberer= 
fcitö  in  Setrad^t,  bafe  burd)  eine  fold^c  33eftimmung  unerroünfditc  ^rojeffc 
l)en)orgerufen  mcrben  fonncn,  lücld^e,  roenn  fie  ju  Ungunften  beö  Äinbeö  auö^ 
fallen,  bie  SBieberlicrftellung  eincö  guten  S8erl)ältniffeö  bebeutenb  erfd^roeren, 
bafe  ferner  bie  Sllöglid^feit,  bemnäd^ft  bie  9luf^ebung  beö  aScr^ältniffeö  einfeitig 
beantragen  ju  fönnen,  auf  baö  'Kertjalten  beö  Äinbeß  gegenüber  bem  ^n-- 
nc^menben  nad&tt)eilig  einroirfen  unb  baju  beitragen  tann,  baö  33crl)ältni{i 
jmifd^cn  beiben  ü'^eilcn  ju  üerfd^limmern  unb  ben  Oebanicn  einer  3luöfö^nung 
in  weitere  ^^^rne  ju  rüdfen.  2)aju  fommt,  baß  mit  ber  33oUiäf)rigteit  beö 
.Uinbeö  bie  perfönlid^en  93ejiel|ungen,  meldte  bei  ber  ^rage,  ob  eine  2luf^ebung 
beö  SSerliättniffeö  ju  geftatten  fei,  oorroiegenb  inö  ©eroid^t  fallen,  o^nel^in  im 
2Befent[id^en  in  ben  .^intergrunb  treten.  9lac^  röm.  Sled&te  mar  bie  Sad&tage 
infofent  eine  anbere,  alö  bie  üätcrlidt)c  ©eroalt  beö  Slnnc^mcnben  unb  bie 
bamit  üerbunbene  9Winberung  ber  ^rinatred&töföliigfeit  mit  ber  SSolliäl^rigteit 
beö  Slngenommenen  nid&t  ibr  ©übe  erreid^te,  fonbern  nod&  lange  über  ienen 
,'5eitpunft  binauö  fortbauern  fonnte. 


«nnaftme  an  Äinbeöftatt.    anfcd&tung.    ei&eöerBot.    §§  1630, 1631.      1001 

SlcönUd^c  ©rroögungen  fprcd^cu  bagegcn,  nod^  bem  SSorbilbc  beß  jür.    ^^  ^«* 
0.  33.  §  250  lit,  c  bcm  Slnncl^mcnbcn  ein  JRcd^t  ju  geben,  bie  9luflöfung  bcö 
burd^  bie  9lnnaf|me  an  Äinbeöftott  begrünbeten  SScrl^ältniffcö  ju  Dcrlangen, 
Tücnn  ber  Slngenommenc  burd^  fein  S3crl)Qlten  ber  Äinbfd^aft  fxä)  uniüürbig 
gejelgt  ^at  (oergt.  aud^  ©efefereo.,  5ßenf.  XV  @.  237). 

^nä)  burd^  bcn  S^ob  bed  Slnnel^mcnben  wirb  baö  burd^  bie  2lnna§me  3:ob  m  ?cn. 
an  Äinbeöftatt  begrünbete  SSerl^ällnife  nid^t  aufgel^oben.  5ilbgefel^en  baüon,  bafe  "^^"'*"^*"- 
mit  bent  2^obc  beö  9lnnef)menbcn  baö  ©rbred^t  beö  ^Angenommenen  gegenüber 
bem  9Inne^menben  mirFfam  wirb  unb  ba§  in  ben  gälten  beö  §  1621  nad^ 
bem  3^obe  bcöjenigen  ©Iiegatten,  roeld&er  baö  Äinb  beö  anberen  ©liegatten 
angenommen  i^at,  bie  2lnna^me  an  Äinbeöftatt  i^rc  SBirhingen  nod&  in  Sin* 
fe^ung  beö  aScrtiältniReö  jroifd^en  bem  angenommenen  unb  feinem  leiblid^en 
©Iterntl^eile  SBirfungen  äufecrt,  foU  gerabe  jefet  bie  3lnnaf|me  an  Äinbeöftatt 
nad&  ber  SRid^tung  l^in  alö  mirffam  fid^  erroeifen,  bafe  ber  Sßame  unb  bie 
gamilie  beö  Slnnel^menben  burd^  ben  2lngenommencn  unb  beffcn  9lbfömnv^ 
linge  fortgepflanjt  mirb.  3)cr  2;ob  beö  9lnnef)menben  ^at  umgcfe^rt  bie  golge, 
ba§  baö  jmifd&en  bem  9lnne^menben  unb  bem  eingenommenen,  mie  beffen 
Sttbfömmlingen  begrünbete  SSerpltnife,  oorbe^altlid^  ber  Seftimmung  bcö  §  1629 
9lbf.  4,  überl^aupt  nid^t  mel^r  befeitigt  werben  fann. 


§  1G30. 

3)ie  Sßorfd^riften  bcö  §  1630  cntfpred^en  ben  SSorfd^riften  beö  §  1600  2infe(^tunfl 
unb  berut)cn  auf  äl)nUd)en  ©rmägungen,  mie  biefe.    ®ö  mirb  baf)er  auf  bie  ^*^^^^^'^^' 
aWotioe  au  §  1600  oben  ©.  950  Dcrmiefen.  «ut^ebunßs. 

©ine  Ucbertragung  ber  für  ben  galt  ber  5Rid&tigfeit  ober  Slnfed^tbarfeit  u.\.w, 
ber  ®^e  jum  ©d^ufee  bcö  guten  (Slaubenö  dritter  getroffenen  Seftimmungen 
{§§  1257,  1270)  auf  bie  9lnnal|me  an  Äinbeöftatt  ift  in  ©rmangelung  eineö 
praftifd^en  S3ebürfniffeö  niijt  für  erforbertid)  eradjtet.  Die  ^ier  in  33etrad^t 
fommenben  gälle  finb  fel&r  feiten,  unb  finb  beöl^alb  befonbcre  85cftimmungcn 
jum  ©d^uge  beö  guten  ©laubenö  im  Sntercffe  ber  Sid^erfieit  beö  S8erfcl)reö 
nid&t  geboten. 

3)ie  Seftimmung  beö  §  1631  3lbf.  1  ift  eine  notI)roenbige  golge  ber    sBirfun« 
Seftimmung  bcö  ©ntrourfeö,  bafe  Slboptiooerroanbtfd&aft  nur  ein  auffd^iebenbeö  Sb5pti»m" 
e^eliinbcrnife  begrünbet  (§  1240).  3ft  jmifd^en  ^erfonen,  meld&e  burd^  3lnna^me  "^^^^^l^^ 
an  Äinbeöftatt  ücrbunben  finb,  eine  gegen  baö  33erbot  bcö  §  1240  perfto§enbe      e^e. 
©^e  gcfd^loffcn  unb  biefe  eijc  gültig,  fo  fann  baneben  baö  burd^  bie  3tnna^me 
an  Äinbeöftatt  jmifd&en  biefen  ^^Jerfonen  begrünbete  SSerJ^dltni^  nid^t  fortbauenx 
(ücrgl.  aud^  preufe.  91.  2.  31.  II,  2  §  989).    Sin  fidt)  mürbe  cö  angemeffen  fein, 
in  bem  liier  fraglid^en  galle  baö  burd^  bie  Slnna^me  an  Äinbeöftatt  begrünbete 
33erl^ältni6  nic^t  nur  jmifd&en  bcn  (S^efc^lie^cnben  felbft,  fonbern  auc^  in 
Slnfel^ung  ber  anberen  ^crfonen,  auf  meldte  bie  SBirfungen  ber  Slnnalime  an 
Äinbeöftatt  fid^  erftrcdt  f)aben,  fraft  beö  ©efe^eö  eintreten  ju  laffcn  (ücrgl.  bie 


1002     gcfifteüuno  famtricnred6tlt(i6ec  aSerl&drtniffc.    aSorbemerfung.   (§  1632.) 

aWotioc  ju  §  1629  oficn  ©.  998) ;  allein  auf  bcr  anbeten  Seite  ift  eö  bebenflid^, 
an  bic  einfeitigc  ^anblung  bcr  (Sl^efd^liefeenben  für  iene  anbercn  5ßerfonen  ben 
SSertuft  ber  burd^  bic  3lnnal^me  on  Einbcöftatt  für  biefelben  begrünbeten  SHed^tc 
JU  fnüpfen. 

*T?eri""ni  ^^^  ^"  ^^^  ^^'^^  ^^  ^  ^^^^  ^^^'  ^  ^^^  ®^^  ^^^^^^  obcr  ift  bicfclbc 

"©wau /"  anfed^tbar  unb  angef ödsten,  fo  bleibt  anbererfeitö  baö  burd^  bic  Slnnal^me  an 

Äinbedftatt  begrünbete  SBerl^ältnife,  Dorbe^attlid^  ber  aus  §  1252  Slbf.  1  unb 

§  1260  Slbf.  1  in  aSerbinbung  mit  §  1631  9lbf.  1  ftd^  ergebenben  aHobififo^ 

tioncn,  beftelien  (oergl.  §  1252  3lbf.  2,  §  1260  Slbf.  2).    aWit  SRüdfTid^t  barauf 

aber,  bofe  burd^  bie  6ingel|ung  ber  formgültigen,  mennglcid^  im  Uebrigen 

ungültigen,  6l^e  baä  burd^  bie  9lnnal|me  an  Äinbeöftatt  smifdöen  ben  (Sf)^ 

fd^Ucjsenbcn  begrünbetc  ©Item*  unb  Äinbeöücrfiältnife  in  feiner  fittlid^en  ©runb* 

läge  jerftört  ift,  anbererfeitö  iebod^  baö  minberifil^rige  angenommene  5linb 

unter  bem  äWfebraud&c  beö  bem  Slnncl^menben  juftefienben  ©Itcmred&teö  nid&t 

leiben  foU,  beftimmt  ber  §  1631  3lbf.  2  im  ainfd^luffc  an  bie  auf  einem 

cH^nlid^en  ©ebanfen  berul^enben  aSorfd^riften  beö  preufe.  21.  2.  SR.  II,  2  §§  987, 

988,  ba^,  mcnn  bie  6^e  aM  einem  anberen  ©runbc  alö  megen  eincö  gorm? 

mangelö  nid^tig  ober  menn  biefelbe  anfcd^tbar  ift  unb  angef ödsten  mirb,  bie 

bem  einen  ©Regatten  über  ben  anberen  ©Regatten  etwa  iufte^enbe  elterli^ie 

Ocmalt  mit  ber  ©d^lie^ung  ber  ©l^e  Dcrroirft  fein  foll  (oergl.  aud&  §  1405 

Slbf.  1  3lr,  5).    SRod^  meiter  ju  geticn  unb  mit  bem  preufe.  31.  S.  SR.  ju 

beftimmen,  bafe  ber  S^nnel^menbc  alle  auö  ber  Slnnal^me  an  Äinbeöftatt  über 

bie  5ßerfon  unb  baö  aSermögen  beö  Slngcnommenen  entftanbenen  SRed^tc  vcv^ 

lieren,  bcr  legtere  bagegen  alle  für  if)n  burd^  bie  Slnna^me  an  Äinbeöftatt 

begrünbeten  SRed^te  betialten   folle,  ift  cinerfeitö  burd^  ein  Sebürfni^  nidbt 

geboten,   anbererfeitö   um  beöroiHen  nid^t   ongemeffcn,   roeil   eine  berartige 

Seftimmung    für   ben  Slnnel^menben   ben  Slaratter    einer  ©trafbeftimmung 

Iiaben  roürbc. 


Siebter  Xitel. 

»erfahren.  1.  3)a6  ^^^ftftctt^^^Söttögcn  bcr  im  §  1632  Slbf.  1  bejeid^neten  STrt  über^ 

St  ^^^Vt  äuläffig  finb  (oergl.  ©euffert  XXI,  92;  fäd^f.  ®.  83.  §  1855),  ergiebt  pc^ 
auö  §  231  ber  6.  ^.  D.  ©ine  roefcntlidbe  Slenberung  erleibet  aber  bie  ©.  5ß.  D. 
burd^  ben  in  bcr  Slnm.  ju  §  1476  mitgct^eiltcn ,  jur  Slufnal^mc  in  baö  ©im 
fül^rungögcf c|  beftimmten  neuen  §  627  c  bcr  6.  $.  D. ,  melier  auf  bic  Ijier 
in  SHcbc  ftcl^enbcn  9lcd6töftrcitigfcitcn  in  weitem  Umfange  baö  Dffijiat 
prinjip  jur  Slnmcnbung  bringt.  ®ic  Slncrfennung  bicfcö  5ßrinjipeö  in 
ben  liier  fraglidjen  gällcn  benilit  im  SBcfcntlid^cn  auf  benfelben  ©rünbcn, 
meld&e   ba^in    gcfütjrt   fiabcn,   aud^  baö  aScrfal^rcn    in  SRcd^töftreitigfeitcn, 


gcftftcKuiiö  famtrienre4tfid6er  Serjältniffe.    aSorBemerfung.   (§  1632.)     1003 

rocld^c  bic  Stnfed^tung  bcr  ß^clidöfcit  bc«  Äinbcö  ober  bic  atnfcci^tung 
bcr  Slncrfcnnung  ber  ©fielic^fett  beö  Äinbcö  von  ©exten  bed  (S^cmanncö 
jum  ©egenftanbe  fiobcn,  nad^  Slnalogie  ber  SSorfd&riften  ber  6.  %  D.  über 
baö  aSerfa^rcn  in  ß^efad^en  ju  geflalten  (tjergl.  bie  in  ber  Slnmerfung  ju 
§  1476  mitget^eilten  §§  627  a,  627  b  ber  e.  5ß.  D.;  aWotiüe  ju  §  1476  oben 
S.  672  ff),  es  ^onbett  fid^  I)Quptfäd&ad&  um  fold^e  gäUe,  in  roeldfien  bie  Mn^ 
güttigfeit  cineö  Slboptionöoertraged  ober  bie  Äegitintation  eines  une^elid&en 
Äinbeö  in  ^agc  fielet  ober  ein  Äinb  untergefd^oben  ober  geraubt  fein  foU  ober 
Semonb  ntit  ber  93el^auptung  auftritt,  er  fei  baö  unefielid^e  Äinb  einer  be- 
ftintmten  grau,  alfo  um  folci^e  SSerfiältniffe,  roeld&e  in  Slnfel^ung  ber  gi^age, 
ob  fie  beftc^en  ober  nid^t  befte^en,  ber  ^rioatbiöpofttion  ber  Parteien  ent^ 
jogen  fmb  unb  bei  beren  geftfteDung  baö  öffentU^e  Sntereffc  in  größerem 
ober  geringerem  Umfange  betfieiligt  ift. 

^uä)  ^ier  ift  eine  größere  (Sarantie  olö  biejenige,  metd&e  bie  aSerfianb^^ 
lungömarlme  m6)  ben  allgemeinen  ©runbfäßen  ber  ß.  5ß.  D.  bietet,  bafür 
erforberlid^,  baß  burc^  ba^  Urtl^cil  bie  materielle  SBa^r^eit  jur  Oeltung  fommt. 
SBenn  aucft  nic^t  für  alle  benfbaren  "^aUt,  in  meldten  baß  Sefte^en  ober  9lid^t' 
beftelien  ber  betreff enben  SSerJ^ältniffe  in  ©treit  gejogen  mirb,  geforgt  werben 
fann,  fonbern  bie  9lnerfennung  beö  Cffijialprinjipeö  auf  biejenigen  gäHe  bc* 
fd^ränft  merben  muß,  in  meldten  über  baö  33eftef|en  ober  3lid^tbeftef)en  bcr  bc* 
treffenben  SSerl^ältniffe  unter  ben  ^Parteien,  b.  1^.  jroifdöen  bem  fraglid^en  Äinbe 
unb  beffen  (Slterntfieile,  gcftritten  mirb,  fo  mirb  bod)  bie  l^eroorgc^obene 
©arantie  burd&  bie  93eftimmungcn  beö  neuen  §  627  c  ber  ©.  %  C  für  bic 
roic^tigften  gäUe  erreid^t. 

2)ie  naivere  Segrünbung  ber  einjelnen  SSorfd^riften  beö  §  627  c  ber 
©.  5ß.  D.  ift  ben  SWotioen  beö  einfül^ningögefefecö  tjorbetialten.  SBegen  beö 
3ufammenl|angeö  mit  ben  für  bie  Slnrocnbung  beö  §  1632  im  ©ingange  beö* 
felben  gejogenen  ®renjen  foD  fiier  iebod^  nod^  fieroorgel^oben  merben,  baß  ein 
»ebürfniß,  bie  aSorfd&riften  beö  §  627  c  ber  6.  %  C.  unb  beö  §  1632  b.  ©ntm. 
aud^  auf  fotd^e  SRe^töftreitigfeiten  auöjubel^nen,  meldte  bie  geftftettung  beö 
Sefte^enö  ober  3iid(>tbeftcl)enö  anberer  elterlid&er  Sted^te  ber  einen  5ßartei  über 
bie  anbere,  alö  ber  etterlid^en  ®emalt,  jum  ©cgenftanbe  \)Qbcn,  nid^t  vorliegt. 
3n  Slnfel^ung  ber  elterlid&en  (Semalt  ücr^ält  eö  fid&  megen  ber  mit  berfelben 
Derbunbenen,  aud^  im  SBerl^ältniffe  ju  ©ritten  fic^  äußemben,  meitge^enben 
SBirfungen  anberö. 

2.  3m  3tnfdf)tuffe  an  baö  gemeine  Sted^t  (1. 1  §  16,  l.  2,  3  D.  de  agnosc.    Äi«fle  ber 
et  alend.  üb.  25,8;    ©ntfc^.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  V,  101)  entf|ält  baö  fäd|f.  Tn  «at?/" 
©.  33.  §  1856  in  bem  9lbfd^nitte  über  bie  Mtagen  megen  beö  gamilienftanbeö  g^^^^J»^  ^ 
bie  33eftimmung,  baß  miber  ben  aSater,  meld&er  baö  Slnertenntniß  eineö  el^c*  b^^S«!* 
tid^en  Hinbeö  Derroeigert,  aud&  bie  2Kutter  eine  Älage  auf  Slncrfcnnung  unb 
(gmä^rung  beö  Äinbcö  l^abc.    6ine  berartigc  aSorfd&rift  ift  iebod^  burd^  ein 
33ebürfniß  nid^t  geboten. 

3.  2)aö  franj.  Stcd^t  (code  civil  9lrt.  329,  330;  Dcrgl.  aud^  f)cff.  ßntm.  III    öei»en»>- 
ärt.  15,  16)  enthält  bcfonbcrc  Seftimmungen,  mclc^ie  ba&  JRctftt  bcr  ©rben  "'Sn'* 
cincö  Äinbcö,  ben  cl)clid^en  ©tanb  beö  le^teren  gcltenb  ju  madEien,  menn  baö^*?"^**^"^* 
Äinb  feine  3lnfprüdE|C  nicf)t  gcltenb  gemad)t  \)ai,  bcfd^rönfcn.    3}er  biefen  SBor* 


1004     geftfteUuno  familicnre*tri*cr  3JcrWrtniffc.    SofBemcrfuiuj.   (§  163-2.) 

fd^riftcn  jn  ©riinbc  licgcnbc  ©cbanfe,  ba§  ein  gamilicnftanb,  rocid&en  ber 
(grblaffcr  geltcnb  ju  mad^cn  nid^t  für  gut  bcfunbcn  ober  überhaupt  untcrlaffcu 
f)a\,  im  3ntcrcffc  bcr  Siedete  ber  gamilie  auij  von  htn  ßrbeu  unb  SSerroanbtcn 
bcöfelben  nidit  mcl^r  foll  geltettb  gemad&t  roerben  fonnen,  fte^t  mit  ben  aß- 
gemeinen  ©runbfä^en  nid^t  im  ©inflange  unb  fann  inöbefonbcrc  bann,  wenn 
bcr  (grblaffer  aus  Unfenntni§  fid&  paffio  tjer^altcn  l^atte,  ju  großen  .gärten  für 
bic  33erroanbten  beö  ©rb(a?ferö  fül^ren.  S)a  bie  Sßermanbtfd&aftörecftte  dritter 
Don  bem  SSBilten  bcö  ©rblofferö  unabl^ängig  finb,  fo  fonnen  bicfe  Sfled^tc  ben- 
fclben  and)  baburd^  niAt  entjogen  roerben,  bafe  ber  ®rbla?fer  bie  (Scttenb^ 
mad^ung  feineö  gamilienftanbeö  unterloffen  f)at.  @ine  Slbroeid&ung  t)on  biefen 
allgemeinen  Orunbföfeen  ift  burd&  ein  Sebürfnife  nidE)t  geboten.  Uebrigenö 
fonnen  bie  6rben  ben  gamilienftanb  beö  ©rblajfers  nur  incidenter  afe  6Iement 
eines  burd^  biefen  gamilienftanb  bebingten  JHcd^teö  ober  geeignetenfaUö  nad^ 
3ßa6gabe  beö  §  231  ber  6.  ^.  D.  geltenb  machen.  2)ie  bcfonberen  35orfd^riften 
beö  neuen  §  627c  ber  ß.  5ß.  D.  finben  barauf  feine  2lnroenbung. 

unoeriä&r*  4.   S)er  code  civil  3lrt.  328  (oergl.  aud^  l^eff.  ©ntn).  III  9lrt.  14 ;  öftcrr. 

^"iiafle'"  ®.  ».  §§  1458,  1481;  fäd)f.  ®.  83.  §  151)  bcftimmt  auöbrücflic^,  bafe  bic 
Älage  auf  2lnertennung  beö  et)elid^en  ©tanbeö,  foroeit  biefelbe  bem  Äinbe  ju- 
ftefjt,  unoerjälö^bar  ift.  2)a  bie  ^ier  in  SRebe  fte^enben  SSerfjältniffc  ber  9latur 
ber  (Bad)t  nad&  burd^  aSerjö^rung  nidE)t  aufgefjoben  werben  fonnen,  fo  fonnen 
aud^  bie  Älagen,  roeld^c  bie  geftftellung  bcö  SBeftefjcnö  ober  5Wid&tbeftel^enö  ber 
^ier  in  Siebe  ftel^enben  SSerl^ältniffe  jum  ©egenftanbe  l^aben,  einer  SBerjäl^rung 
nid&t  unterliegen.  ®ineö  bcfonberen  3luöbrudEcö  bebarf  biefeö  um  fo  weniger, 
alö  ber  ©ntmurf  (§  154)  überhaupt  nur  eine  2lnfprud^öüeriäl)rung  fennt. 

»ewei«  ber  5.  ©er  code  civil  9lrt.  319—327  (oergl.  aud&  bab.  S.  91.  Sa^  319—327 

'Äunr  ^^^^'  ^^^  ^^^  JJöb.  2luöf.  ®ef.  jur  6.  ^.  0.  ü.  3.  2Rärj  1879  §  146)  enthält 
ferner  uod^  befonberc  ."öeftimmungen  über  ben  93erociö  ber  eldelid^en  Sfi)- 
ftammung,  wenn  bem  .Hinbe  bie  9lbftammung  t)on  einem  beftimmten  ß^epoare 
beftrittcn  mirb.  Dicfe  bcfonberen  Seftimmungen  ftcl^en  jum  2^^eil  mit  bem 
franj.  SSciociöred^te  im  3irfommcnt)ange  unb  finb  infomeit  mit  bem  §  14  9lr.  2 
beö  ©inf.  ®cf.  jur  6.  ^.  D.  nidi|t  ücreinbar  (oergl.  audb  in  3lnfe^ung  bcö 
code  civil  9lrt.  327  ben  §  261  ber  beutfddcn  ©tr.  ^.  C).  ©orocit  biefelben  ben 
Scrociö  ber  2lbftammung  burd&  93orlegung  bcö  (Seburtöf^cincö  betreffen,  finb 
bie  SBorfd^riftcn  über  bie  Seroeiöfraft  bcr  ©tanbcöregifter  (§  15  beö  91.  ®ef. 
über  bie  33curfunbung  beö  ^erfoncnftanbeö  u.  f.  m.  o.  6.  ^ebruar  1875)  mafe- 
gebcnb.  (Sin  Sebürfnife,  in  ©rmangelung  cincö  ®eburtöfd^eincö  ju  ®unften 
bcr  ftinber  an  ben  Scfißftanb  eine  9ledt)töocrmut^ung  ber  e\)ü\ä)cn  9lbftammung 
JU  fnüpfcn,  liegt  im  .^inbtidfc  auf  bie  ®runbfäge  ber  G.  5ß.  D  über  bie  freie 
23en)ciön)ürbigung  unb  ben  rid&terlid&cn  ®ib  nid^t  vov.  2)cr  Sefifeftanb  fann 
bei  bcr  S3crociöfül)rung  alö  unterftü|cnbcö  9Komcnt  bienen  (pcrgt,  ©ntfd^. 
b.  9t.  ®.  in  eioilf.  XI,  114)  unb  bei  ber  einftmeiligen  9tegelung  beö  bc* 
ftrittencn  SScrlö^ltnincs  im  SBcgc  cinftmeitiger  Sßerfügung  nad^  SDIafegabc 
ber  §§  814  ff.  ber  6.  %  D.  oon  Sebeutung  merben.  Stnlangenb  cnbtid(> 
bie  SSorfd^rift  beö  code  civil  3lrt.  322,  fo  fann  biefelbe  unter  Umftänben,  wenn 
fid^  fpäter  l^crauöftellen  follte,  bafe  baö  .Winb  untcrgefdöoben  mar,  5U  großen 
i&ärten  fül^ren. 


gejtftellmiö  fanülicnrcc^tri^cr  SSer^ältniffc.    SSorBemcrfung.   (§  1632.)     1005 

6.  3n  bcr  2:^corie  unb  ^rajiö  ift  beftrittcn,  ob  unb  inmctoeit  baö  3lcd&t  ^mtufn. 
auf  gü^rung  eincö  beftimmtcn  gomilicnnamcnö,  abgefcl)cn  t)on  gcroiffcn  burd^     "'*^*"' 
befonbcrc  Ocfcfcc  oncrfanntcn  Regierungen  (oergl..  §.  ®.  33.  2lrt.  16,  22,  26    ^^^fjf ' 
SÄbf.  2,  ärt.  27 ;  31.  ®ef.  über  ben  aMarfenfd^uß  p.  30.  Jloüember  1874  §§  13, 
14),  ote  ein  ^ßriDatrecJ^t  anjuerfennen  ift  unb  inöbefonberc  baö  3led&t  gemäl;rt, 
gegen  benjenigen,  roeld^er  unbefugter  SBeife  ben  gleid^n  Flamen  fü^rt,  auf  Untere: 
laRung  biefcr  5iamendfül|rung  ju  Magen  (ocrgl.  ©euffert  VI,  6,  XVII,  3,  58; 
XVm,  44,  XIX,  114;  ©ntfd^.  b.  31.  ®.  in  6it)ilf.  H,  39,  V,  45;  Urt^.  b.  3i.  ®. 
V.  5.  3lpril  1883,  abgebr.  im  Sleid&danjeiger  d.  25.  aWai  1883  3lx.  120  unb  im 
preufe.  3.  aw.  331.  o.  1884  3lr.  8  ®.  37  ff.).    a)er  ©ntrourf  \)at  aM  folgenbcn 
©rroägungen  befonbere  33eftimmungen  über  bie  xtä)ilx6)c  3laiux  unb  ben  Sn^alt 
beö  Slec^teö,  einen  bcftimmten  Familiennamen  }u  f ül)ren,  nid|t  oufgenommcn  : 

SBenn  bag  Oefeft  einer  5ßerfon  bie  Siefugnife  beilegt,  einen  bcftimmten 
Familiennamen  ju  führen  (pergl.  §§  1274,  1455,  1497,  1569,  1622),  fo  fann 
t^  nid&t  jroeifel^aft  fein,  bafe  baburt^  für  bie  betreffenbe  ^erfon  ein  fubieftiocö 
^riDatredjt  auf  F^firung  biefeis  beftimmten  Familiennamens  begrünbet  roirb 
unb  bafe  biefes  Siedet  einen  abfoluten  Slarafter  ^at.  3)arauö  folgt,  bag,  menn 
baö  fHeä)t  auf  Fü^ruttg  eines  beftimmten  Familiennamens  burc^  SBiberfpruc^ 
beeinträd^tigt  mirb,  ber  33ere(i&tigte  geeignetenfalls  nad^  aWafegabe  bcs  §  231  ber 
6. 5ß.D.  auf  Feftftellung  feines  9tcd&tes,  ben  beftimmten  Fomiliennamen  ju  fül)rcn, 
bejm.  nad^  ättafegabe  bes  §  704  3lbf.  2  in  aSerbinbung  mit  ben  §§  219,  221 
auf  ©d^abenserfag  ftagen  fann.  3)a  nad^  §  219  ber  ©dEiabcnserfafe  burc^ 
t^erftellung  besjenigen  3wftöubeS  ju  leiften  ift,  meld^er  oorlianben  fein  mürbe, 
tü^nn  ber  jum  ©rfafee  tJerpflid^tenbe  Umftanb  nid&t  eingetreten  märe,  fo  fann 
ber  33ered&tigte,  fofern  im  Uebrigen  bie  SSorausfegungen  eines  ©d^abenserfafe* 
anfprud^es  oorliegen,  auf  biefem  SBege  aud&  bie  Sefeitigung  bes  bas  Siedet 
auf  Führung  bes  F^^^i^ici^nömens  beeinträd^tigenben  SBiberfpruc^es  erroirfen, 
ba  in  biefem  F^Ue  gerabc  in  ber  S3efeitigung  beS  SBiberfprud^es  bie  ^erftellung 
befi  im  §  219  bejeid^neten  S^ftanbes  liegt,  ©ine  anbere  %vaQC  ift,  ob  aud& 
bann,  xotnn  ber  bas  Siedet  auf  Füfu^ung  eines  beftimmten  Familiennamens 
becinträc^tigenbe  SBiberfprud^  fic^  nid^t  als  eine  ju  bem  Slnfpruc^e  auf 
©d^abenSerfafe  bered^tigenbe  unerlaubte  ^anblung  barflcllt,  ber  93erle|te  nad^ 
9lnatogie  bes  §  943  unb  im  ^inblide  auf  §  190  3lbf.  2  verlangen  fann,  bafe 
berjenige,  meldier  bie  93eeinträd&tigung  bewirft  |at,  jur  Unterlaffung  weiterer 
33eeinträdrtigungen  tjerurt^eilt  werbe.  @in  33ebürfni6,  biefe  F^age  burd^  bas 
Oefet  befonbers  ju  entfdieiben,  ift  iebod^  nid^t  anjuerfennen.  S)ie  ^icr  in 
Setrad^t  fommenben  FöUe  pttb  feiten  unb  Don  geringer  praftifc^er  SBid^tigfeit 
Megetmäfeig  wirb  ber  SBerlefete  feinen  3w)edE,  ben  fein  Siecbt  beeinträd^tigenben 
SBiberfpruc^  ju  bcfeitigen,  jubem  auf  bem  SGBcge  ber  Fcftftellungsflage  erreichen 
fönnen.  Um  fo  weniger  ift  es  angemeffen,  in  ber  Ijicr  fraglid&en  Sejiel^ung 
poptio  einjugreifen,  als  es  fid^  in  SBirflid^feit  um  eine  allgemeinere  F^age 
^anbelt,  weld^e  ftd^  aud^  bei  allen  anberen  im  ©efefebud&e  nid^t  fpejiell  geregelten 
abfoluten  3led[)ten,  insbcfonbere  aud^  bei  ben  auf  bie  immateriellen  ©üter  ftd& 
bejiel^enben  9led|ten,  erl)ebt. 

SBerfd^ieben  üon  ber  oorftel^enb  be^anbelten  F^cige  ift  bie,  ob  bas  Siedet  ^^^^^^ 
auf  bie  Fft^^"^^9  ^i^^ö  beftimmten  F^^^iHennamenö  aud^  ben  weiteren  ^nl^alt    fü^rung' 


1006  gcftftettunö  famiüenre^tfid&cr  SSerJdltntffe.    UrtJ&cil.    §  1632. 

l^at,  bafe  bcr  Scrcci^tigte  gegen  benjenigen,  lüelcfier  unbefugter  aSeife  ben 
gleid^cn  9Iamen  fü^rt,  um  biefer  S^tiatfod^e  willen  auf  bie  Unterlaffung  biefer 
SJamensfü^rung  flogen  fann.  ®in  berartigeö  prbatrec^tUd^eö  aSerbietungßred^t 
qIö  Sluöfluö  beö  SRed^teö,  einen  beftimmtcn  gamiticnnamen  ju  führen,  läfet 
fid)  jebod^  quo  allgemeinen  Orunbfägen,  indbefonbcre  aus  bem  abfoluten 
Äarafter  iene&  SWed^teö,  nici^t  ableiten..  5Kud|  ift  bie  pofitioe  Slnerfennung  eineö 
fotd^eu  93erbietungsred&teö  burd^  ein  Sebürfnife  nid^t  geboten;  tjielme^r  ift  eö 
©ad^e  beö  öffentlid&cn  9ledt)tcs,  barübcr  ju  beftimmcn,  inroieroeit  unb  mit 
meldten  9Kitteln  ber  unbefugten  gül^rung  eines  ^Ramend  entgegengetreten  merben 
f oU  (oergl.  §  360  3lx.  8  beö  ©tr.  @.  S3.)-  Sfnberö  liegt  bie  ©ad&c  in  bem  galle, 
menn  bie  unbefugte  gul^rung  eineö  beftimmten  3iamens  obieftio  geeignet  ift, 
ben  ©ddein  falfd^er  gamilienjuge^örigfeit  ju  erregen.  3n  biefem  galle  fteUt 
baö  9lcd&t,  auf  Untertaffung  biefer  9lamengfü^rung  ju  tlagcn,  fid&,  nätier  be^ 
trachtet,  nid^t  alö  ein  Sluöflufe  beö  JRed^teö,  ben  Stamen  einer  beftimmten 
Familie  ju  fül)rcn,  f onbern  alö  äuöflufe  ber  S^^Ö^^ö^iöf^it  ju  einer  beftimmten 
gamilie  bar.  @ö  ^anbelt  fid&  um  bie  gragc,  ob  bie  Sufl^prigfcit  ju  einer 
beftimmten  gamilie  als  ein  ©tatuöred^t  unb  ob  cö  alö  eine  33erlefeung  beö^ 
felben  an jufel^en  ift,  wenn  ein  Slnberer  unbefugter  SBeifc  fid&  alö  biefer  gamilie 
angeliörcnb  bejeid&net.  @ine  fold&e  Slnmafeung  bcr  3wgel)örigfeit  ju  einer  ge? 
mifjen  gamilie  fann  aber  nid^t  nur  burd^  bie  unbefugte  gül)rung  beö  3Jamenö 
biefer  gamilie,  fonbcrn  aud^  in  anberer  9lrt,  j.  S3.  burd^  bie  unbefugte  gül^rung 
beö  SBappenö  biefer  gamilie,  erfolgen.  2)a  mit  ber  ^öfung  biefer  grage 
2;f|eorie  unb  ^ßrajiö  erft  in  neuerer  ^txi  eingel^enber  fidb  bef afet  l^aben,  oi^ne 
in  biefer  S3eiief|ung  biölang  ju  einem  fcften  Slefultate  unb  ju  einer  ©inigung 
über  baö  SBefen  beö  ^ier  in  SRebe  fte^enben  3lcd&teö  gelangt  ju  fein,  fo  ift  eö 
alö  bebentlidö  erad&tet,  ber  mifjenfd^aftlid&en  ©ntroicfelung  burd^  eine  gefeßlid&c 
©ntfd^eibung  ber  grage  oorjugreifen,  jumal  aud&  bie  beftebenben  ©efeßbüd^er 
einer  folc^en  ©ntfd^eibung  fid^  entl)alten  l^aben  unb  nid^t  ju  beforgen  ift,  bafe 
auö  bem  ©d^meigen  beö  Oefe^eö  eine  erfieblid^e  (3efäl)rbung  ber  Sted^töfid^er- 
beit  fid^  ergeben  merbc. 

§  1(k52. 

urt^eii.  Die  83eftimmung  beö  §  1632  3lbf.  l  ©afc  1  fd^liefet  fid^  an  bie  ä^nlic^ 

©ubjeftioer  Ucgeube  gälte  betreffcnben  Seftimmungen  ber  §§  1256, 1269, 1271, 1477, 1478 
TJmxX  ^^'  ^^^  ^"  i^^"  ^äH^n,  ift  eö  aud^  in  3lnfe^ung  ber  im  §  1632  Slbf.  1  be:= 
jeid^neten  SSerbältniffe  im  öffenttid^en  3ntereffe  gelegen,  bag  baö  Urt^eil,  meld&eö 
auf  bie  gcftftcllungötlage  ergangen  unb  noc^  mäl^renb  ber  Sebenöjeit  ber 
^Parteien  red^töfräftig  gemorben  ift,  für  unb  gegen  Sllle  mirft.  3lnbcrcrfeitö 
ift  biefe  3luöbe^nung  ber  SRec^töfraft  im  ^inblide  barauf,  bafe  nad^  bem  in 
ber  3lnmerfung  ju  §  1476  mitgetl^eilten  neuen  §  627c  bcr  6. 5ß.  D.  baö  Sßer* 
fahren  auf  ber  ©runblagc  beö  Dffijialprinjipeö  geftaltet  ift  (Dcrgl.  bie  SBor^ 
bemerfung  ju  biefem  ^itel  unter  1  oben  S.  1002),  unbebenfUd^.  SKit  ber  Se> 
ftimmung  beö  §  1632  5lbf.  1  ©afe  1  fte^t  jubem  bie  in  2)oftrin  unb  ^rayiö 
tjorroicgcnb  oertretene  unb  im  fäd^f.  ®.  33.  §  1857  jur  auöbrücllid^en  9ln* 
erfennung  gelangte  3luffaffung  im  ©inflange  (ocrgl.  im  Uebrigen  bie  aWotioe 
5U  §  1477  oben  ©.  673  ff.). 


gcftftcDuno  famtrienredttlic^er  Sertältnilfe.    Urtjcil.    §  1632.  1007 

2)ie  im  §  1632  3lbf.  1  ©afe  2  beigefügte  ünobifüation  beö  im  9tbf.  1 
©a|  1  auögefprod^enen  (Srunbfafieö  entfprid^t  ber  gemcinrcd^tUd^en  S)oftrin 

(oergt.  1.  42  D.  de  IIb.  causa  40,  i2 ;  1,  1,  5  D.  si  ingen.  40,  u)  unh  bcml)t  auf 

benfelbcn  ©noägungen,  mie  bicienigen,  meldte  ju  ber  S3eftimmung  beö  §  1256 
©afe  2  geflirrt  ^oben  (oergl.  bic  2»otioe  ju  §  1256  oben  ©.  63).  5Die  iJofung 
ber  QUO  biefer  ÜHobififation  mögüc^erroeife  fid^  ergebcnben  Äonflifte  fonn  bei 
ber  ©eltenl&eit  ber  gälle  ^ier,  mie  im  gatte  beö  §  1256  ©afe  2,  unbeben!(id^ 
ber  8Biffenf(f)Qft  unb  ^ßrajid  überlajfen  merben. 

S)ie  im  §  1632  3lbf.^  1  ©afe  1  beftimmte  SBorauöfefeung,  bafe  baö  Urll^eil 
mä^renb  ber  fiebcnöjeit  ber  5ßarteien  red^tsfräftig  gemorben  ift  (oergl.  §§  1256, 
1269,  1271,  1477),  ^ängt  mit  ber  in  bem  neuen  §  627c  ber  6. 5ß.  D.  für  ent^ 
fpre^enb  anmenbbor  erflfirten  §  627a  9(bf.  1  ©afe  2  ber  ß.  %  D.  (oergt.  9lnm. 
ju  §  1476)  jufommen. 

aibf.  2  beö  §  1632  entfprid^t  bem  3lbf.  3  beö  neuen  §  627c  ber  G.  ^.  D. 
S)a  ber  ©ntmurf  an  bie  une^elid&e  SBaterfd^oft  meitgel^enbc  familienred^tlid^c 
gBirfungcn  nid^t  fnüpft  (oergl.  §§  1236,  1571),  fo  fel^It  eö  on  einem  g3e^ 
bürfniffe,  oud^  auf  ben  Wec^töftreit,  mcld^er  bie  geftftellung  beö  Seftel^enö 
ober  beö  9tid^tbcfte^enö  ber  unel^elidöen  Sßaterfci^aft  jum  ©egcnftanbe  l^at,  bie 
befonberen  SBorfd^riften  beö  §  627c  3lbf.  1,  2  ber  ©.  ^.  D.  unb  beö  §  1632 
Slbf.  1  auöjubel^nen. 

Slnlangenb  ben  objeftiüen  Umfang  ber  Wed^töfraft  eineö  baö  Äinbeö^:  obiewo« 
oeri^oltnife  imifd&en  SBater  unb  ftinb  feftfteUenben,  naö)  SKafegabe  beö  neuen  «"j^^rran' 
§  627c  ber  S.  5ß.  D.  ergel^cnben  Urt^eiteö,  fo  fann  eö  nici^t  jTOcifell^aft  fein, 
bag  bie  9{ed^töfraft  eineö  fol^ien  Urt^eUeö  ber  9lnfed^tung  ber  @^e(id^Ieit  beö 
Äinbeö  nod^  Ü)lafegabe  ber  §§  1471  ff.  nid^t  entgegenfte^t,  meil  in  ienem  5ßro* 
jeffe  ber  angeblid^e  SBater  bie  ©l^elid^teit  beö  Minbeö  auö  bem  ©efid^töpunfte, 
bafe  baöfelbe  nid^t  el^elid^  crjeugt  fei,  nid^t  anfed^ten  fonnte,  fonbern  bicfe  ^n^ 
fe^tung  (§  1475  3lbf.  1)  nad^  bem  me^rerroä^nten  §  627c  9lbf.  2  ber  ß.  %  C. 
in  einem  befonberen  ^rojeffe  erfolgen  mug.  3n  beiben  ^rojeffen  ^anbelt  eö 
ftc^  um  einen  ganj  oerfd^iebenen  Streltgegenftanb.  3n  bem  5ßrojcRe,  mel^ier 
bie  geftfteUung  beö  ©Itern-  unb  Äinbeötjer^ältnlffeö  m6)  SWafegabc  beö  §  627c 
ber  6.  %  D.  jum  ©egenftanbc  l&at,  fte^t  nur  bie  ^age  jur  ©ntfd^eibung,  ob 
baö  Minb  Don  ber  ß^efrau  geboren  ift,  mäl^renb  bei  ber  ^(nfed^tungöflage  beö 
ß^emanneö  gegen  baö  Üinb  eö  pd^  um  bic  ©ntfd^cibung  ber  grage  ber  cl^e* 
lid^en  B^wgung  beö  Kinbeö  l^anbelt,  93eibe  ftlagen  unb  5ßrojeffc  finb  mithin 
ganj  unabhängig  oon  einanber.  @inc  befonbere  Seftimmung  in  ber  l^eroor* 
gehobenen  9lid^tung  ift  um  fo  weniger  angejeigt,  alö  berartlge  ^Stagen  aud&  in 
anberen  ölinlid^  liegenben  gäUen  fid&  erl^eben  fönnen,  j.  93.  roenn  eine  ®^e, 
nad&bem  bic  Älage  auf  SWid&tigfeitöerflarung  berfelben  red^töfräftig  abgeroiefen 
ift,  mcgen  eineö  älnfed^tungögrunbcö  angefod^ten  mirb.  ^\x6)  in  biefem  [enteren 
J^alle  mirb  bie  rid^tige  ©ntfd^eibung  an  ber  $anb  ber  fonftigen  SBorfd^riften 
(üergl.  ben  in  ber  9lnm.  1  ju  »ud^  IV  Slbfd&n.  2  Sit.  1  §§  1250  ff.  unter 
IT,  10  mitget^eilten  neuen  §  587  ber  ©.  5ß.  D.)  fid^  oon  felbft  ergeben. 


1008  SSonnunbf^aft.    attöcmeinc  ffleörimbuno.    (§§  1633—1748.) 


»icttcr  mmtt 
Hormiittbfdiafi 

SlKgettteine  SSegtättbung* 

I. 

9luöfc^cibiing  ber  baö  33crfa§ren  in  33ormunbfcf)aftöiQd^cn 

bctrcffcnbcn  SBcfttmmungcn. 

3)cr  ©ntrourf  orbnet  flnitibfäfelid^  nur  baö  materielle  aSormuHbfd^aftörcd&t 
unter  aiuöfd^eibung  ber  bog  SSerfol^ren  in  Sßormunbfd^aftöfadien  betrcffcnben 
Scftimmungen.  Dabei  ge^t  er  inbeffen  nid^t  boDon  auö,  bafe  biefc  festeren 
SBeftimmungen  in  ifirem  tJoUen  Umfange  ben  Sanbcögefefegebungen  ju  über* 
laffen  feien,  fonbern  er  {)ält  eö  für  angejeigt,  bafe  mit  ber  ©infü^rung  beß 
bürgerlid^en  Oefegbud^ed  befonbere  reid&ögefefelid^e  SSorfd^riften,  fei  eö  in  einem 
bcfonberen  ©efcfee  über  baö  Sßerfa^ren,  fei  eö  im  ©nfü^rungögefefic  jum 
bürgerlid&en  ©cfegbud&e,  erlaffen  werben,  meldte  nid^t  nur  baö  Sßerfal^ren  in 
Sßorniunbfd&aftöfad&en,  fonbern  überl^aupt  baö  SBerfa^ren  in  ben  baö  gamilicm 
red&t,  inöbefonbere  aud^  baö  ©(ternred&t,  betreff enben  Slngelegenl^eitcn  inforocit 
cinl^eitUd^  orbncn,  alö  fonft  bie  einl^eitHd&e  ©eltung  ber  materiellen  SBorfcftriften 
beö  bürgcrlid&en  ©cfefebud^eö  eine  93eeintrad^tigung  erleiben  mürbe.  3)ie  be? 
fonberen  reidöögefefelidt)en  93orf(^riften  werben  namentlid^  ju  beftimmcn  l^aben; 
über  bie  Swftänbigfeit  ber  SBormunbfdöaftöbeprben,  über  bie  SKnjcigepflic^t  in 
Seoormunbungöf allen,  über  bie  SSorauöfefeungen  ber  SBirffamfeit  ber  von  ben 
a3ormunbfd^aftöbel)örben  erlajfenen  SBcrfügungen  unb  über  bie  SBirfung  einer 
im  9led^tömitteloerfal)ren  ergangenen  abönbemben  (Sntfd^eibung  (oergl.  9lnm.  1 
JU  S3ud^  IV  §§  1227  ff),  ©aneben  finb  übrigenö  auc§  in  baö  ©efefebud^  felbft 
üerfd&iebene,  baö  SBerfal^ren  betreffenbe  SSorfd^riften  aufgenommen,  fomeit  bteö 
roegen  ifireö  3ufammenl^angeö  mit  materiellen  Sßorfd&riften  unb  jum  Qtotät 
ber  3)urd&fül^rung  ber  lefeteren  angejeigt  fdEiien,  6ö  gilt  bieö  j.  S.  Don  ben 
ba^  Snftitut  beö  gamilienrat^eö  regeinben  aSorfd^riften, 


II. 

Stellung  beö  ©ntrourfeö  jur  prcu^ifd^en  SSormunbfd^aftöorbnung 
im  Slllgemeinen.  Ueberfid^t  über  bie  mid^tigeren  bem  SSormunb^ 
fd^aftöre^te  beö  ©ntmurfeö  ju  ©runbe   liegenbcn  5ßrinjipicn. 

steaunabcfl  ©cm  ßntmurfe  l^at  bei  ber  ©eftaltung  beö  SBormunbfd^aftöred^teö  im 

Z^7X  SBcfentlid&en  bie  preu§.  aSorm.  D.  v.  5.  3uli  1875  alö  SSorbilb  gebtent.    ©ie 
«orm.  D.  legtere  ift  namenttid^  beöfialb  befonberö  geeignet,    alö  SBorbilb  für  baö  SSor* 


gSürmunbfiSaft.    aUgcmctne  Scßrünbunö.    (§§1633—1748.)  1009 

munbfd^^iftei^^clit  cincß  bcutfd&cn  bürgerüd&cn  ©efegbu^ieö  ju  bicncn,  lüeil  bie« 
felbc^  aud  grünblid^en  SBeratl^ungen  hervorgegangen  unb  für  ben  ganjen 
Umfang  bcr  prcufe.  aJionard^ie  beftimmt,  btn  Derfc^iebenften  SSerliältmifcn  in 
ben  cinjclnen  ^rotjinjen  unb  juglcid^  ben  brci  Sled^tßf^ftcmen  beö  preufe. 
31.  2.  SR.,  beö  gemeinen  SRec^teö  unb  beö  franj.  Stcc^teö  l^at  SRcd^nung  tragen 
müRen.  Sluf  ber  anberen  ©eite  meidet  iebod&  im  ©injelnen  bad  SBormunb? 
fd^aftöre^it  beö  (gntourfeö  oon  ber  preu^.  SSorm.  D.  oielfac^  ab.  2)icfe  äß)* 
meid&ungen  fmb  tl^eife  l^eroorgerufcn  burc^  ben  Sufammenl^ang  bed  S3ormunb=^ 
fdjaftöred&teö  mit  anberen  S^tieilen  be«  Oefefebud^eö,  inabefonbere  mit  ben 
äSeftimmungen  beö  aQgemeinen  SS^eileö  über  bie  ©efd^äftdföl^igteit  unb  mit  ben 
^eftimmungen  bed  gamilienred^ted  über  bie  elterliche  ©emalt.  92amentlid^  ^at 
bie  ^Sormunbfd^aft  über  STOinberiä^rige  burd^  bie  älnerfcnnung  bcr  elterlichen 
©emalt  ber  SOtutter,  fomie  baburc^,  bag  bem  (Sntmurfe  eine  93eenbigung  ber 
e(ter(id^en  ©enmlt  burd^  SSerl^eiratl^ung,  getrennte  ^audl^altung  unb  burd^ 
©ntlaffung  (oergl.  §  12  bcr  preu§.  SBorm.  D.)  unbefannt  ift,  in  üerfd^iebenen 
SRid^tungen  fid&  einfad&er  geftaltct.  3)aburd&  ift  }.  S3.  bie  Slncrfennung  einer 
gefeglic^en  SSormunbfc^aft  ber  ®Itern  über  bad  minberiä^rige  Rinb,  foroie  bie 
Slnerfennung  einer  befreiten  SSormunbfd^aft  ber  @(tern  über  SKinberjäl^rigc 
entbel^rlic^  geworben,  ©in  anberer  2^^eil  ber  oon  ber  preufe.  33orm.  0.  ab* 
meid^cnben  Säeftimmungen  ift  burc^  bie  ©rfal&rungen  Dcranla^t,  wetd^e  injroifd&en 
im  ©eltungdgebiete  bcr  preug.  93orm.  O.  in  älnfe^ung  ber  äSeftimmungen  ber 
leßtcren  gemad^t  roorben  finb.  3n  biefer  SBejie^ung  ift  ber  ©ntrourf  namentlid^ 
beftrebt  geroefcn,  unter  geft^altung  ber  (Srunbtogen  ber  preufe.  SBorm.  D., 
indbefonbere  bed  ^rinjiped  ber  Selbftänbigteit  bed  SSormunbed,  eine  größere 
Sid^erung  bed  3)2ünbeloermögend  )u  eriielen  t^eild  burd^  @rmeiterung  ber 
geilte,  in  meieren  ju  9led^tdgef4iäften  bed  äSormunbed  ober  bed  SRünbeld  bie 
®enel)migung  bc&  ^ormunbf^iaftdgerid^ted  ober  bie  bed  ©egenoormunbed  er* 
forberlid^  ift,  tl}eild  burd^  bie  @rn)eiterung  bed  älufftd^tdred^ted  bed  äSormunb* 
fd^aftdgerid^tcd,  t^eild  burd^  eine  umfangreid^ere  SSermert^ung  bed  ^nftituted 
ber  Hinterlegung  unb  ber  Umfd^reibung  pon  Sn^aberpapicren  auf  ben  9iamen 
bed  aßünbcld. 

3lnlangenb  bie  bem  SBormunbfd^aftdred^te  bed  ©ntmurfed  ju  Orunbe  i^nmipien 
liegenbcn,  für  ben  Sludbau  im  ®injelnen  befonberd  mic^tigen  ^^Srinjipien,  fo  «ntwurfe«. 
gellt  bcr  Sntmurf  in  Ucbereinftimmung  mit  ber  prcufe.  SSorm.  D.  junäd&ft     ^^^g^^ 
baoon  aud,  bafe  bie  Dbcroormunbfd^aft  ben  ©erid^ten  übertragen  werben  foll,i>er  oberwr. 
icbod^  Dorbc^altlid^  bcr  im  ©infü^rungdgefefee  ju  entfd^eibenben  grage,  ob  unb  "*""*'^*^"^ 
inroicmcit  ben  üanbedgefeggebungen  bad  dicä^t  einjuröumen  ift,  ©emeinbc* 
Organen  oberoormunbfc^aftlid^e  gunftionen  ju  übertragen,  fomie  porbe^altlid^ 
ber  S3eftimmungen  bcr  §§  1712  ff.,  nac^  meldten  bie  SRccfttc  unb  ^fti^itcn  bed 
aSormunbfd^aftdgerid&ted  audna^mdmeife  einem  gamilienratl^c  übertragen  merben 
f önnen.    3lbgcfc^en  oon  bem  gamilienrat^e,  ift  ber  gamilie  infofem  eine  WxU 
tüirfung  bei  gülirung  bcr  Dberoormunbfd^aft  eingeräumt,  ald  bad  SSormunb* 
f^oftdgerid^t  t)or  einer  il^m  jufte^enben  ©ntfd^eibung  auf  Slntrag  bed  Sßor* 
munbeö  ober  bed  ©egenoormunbed  unb  in  mid&tigen  9lngelcgen^eitcn  Don 
Slmtdiücgcn  SBerroanbte  ober  SBerfd^mägerte  bed  aWünbcld  gutac^tlidi  ^örcn  foll, 
fofern  bicd  oi)nt  ert)eblid^c  SBerjögerung  unb  o^nc  unoerJ^ältnifemöfeige  Äoftcn 

SRotive  }.  bi\v^ttl.  (Sefc^bui^.  IV.  64 


1010  SSorinunbfd&aft.    2(ffflemeine  SBeßtimbung.    (§§  1633—1748.) 

gcf(f)cl^cn  fann  (§  1678).  9luc^  bcn  ©cmcinbcn  ift  burd^  baö  Snftitut  bcd 
®cmeinbcn)aifcnratl|cö  (§  1725)  eine  ÜHittoirfung  bei  gü^rung  ber  Dbcr* 
oormunbfd^aft  gefiebert. 

se(bfiänbi9'  g[m  3lnfd^luffe  an  bic  preufe.  SSorm.  D.  beruht  ber  ©nlrourf  ferner  auf 

munbc«.^''  bem  ^rinjipc  ber  ©etbftänbigfeit  beö  aSormunbefi  gegenüber  ber  Dberoormunb* 
fd^aft.  ®er  SBormunb  \)ai  fclbftänbig  unb  auf  eigene  SSerantroortung  bie 
^ßffid^t  unb  baö  9?ed^t  für  bic  5ßcrfon  unb  baö  SBcrmögcn  beö  aWünbete  ju 
forgen  (§§  1648,  1696),  tnöbcfonbere  fte^t  i^m,  foroeit  baß  (Sefefe  feine  3lud* 
nofime  modit,  bie  unbefd^ränfte  SSertretung  in  3lnfe^ung  beö  SMünbelö  ju 
(§  1649).  ®runbfä6lid&  ift  cö  olfo  ber  SBorntunb,  roeld^er  tionbelt  unb  borübcr 
5U  cntfc^eiben  ^at,  ob  unb  roie  gelianbelt  werben  foU.  2)oc^  l)at  er  babei 
felbftoerftänblic^  bie  für  bic  oomtunbfd&aftlid^e  58ern)Qltung  gegebenen  gefeglid&cn 
'^orfd&riften  ju  beobad&ten,  unb  erleibet  feine  ©clbftQnbigfeit  aud&  infofern  eine 
geroiffe  Sefdjränfung,  als  feine  gefammte  2:^ätigfeit  ber  ftänbigen  3luffid^t  bcö 
ajormunbfd^aftögerid&teö  unterliegt  unb  ba&  tefttere  gegen  ^flid^troibrigfciten 
bcö  SSormunbeö  burd^  geeignete  ®ebotc  unb  33erbote  einjufd^reiten  i)at 
(§§  1684  ff.),  aiufeerbem  bient  boö  Snftitut  beö  ©emeinbeioaifenrat^eö  (§  1725) 
unb  beö  ©egcnDormunbeö  (§§  1647,  1654)  jur  Äontrolc  beö  33ormunbcö.  3n 
gcroifjen  gällen  räumt  ber  ©ntrourf  bem  9[5ormunbe  eine  befonbcrö  freie 
©teUung  ein  (§§  1690  ff.,  1733,  1734). 

oefieuungds  @in  TOeitcrcö,   bem  33ormunbfd^aftörcd^te  beö  ©ntmurfeö  ju  Orunbe 

prinsip.  i[^Q^xibe&  5ßrinjip  ift  baö  Seftellungöprinjip,  b.  f).  ber  ©ntmurf  ge^t  baoon 
QUO,  bofe  bie  ^ormunbfd^aft  in  feinem  gälte  unmittelbar  fraft  beö  ©efefecö 
eintritt,  fonbern  immer  nur  auf  ®runb  einer  9lnorbnung  beö  SBormunbfd^aftö^ 
gerid^teö  unb  bafe  5ßflid&t  unb  Siecht  beö  SBormunbeö  erft  mit  feiner  SöefteDung 
beginnt  (§§  1634, 1648).  SKbroeid&enb  t)on  ber  preufe.  aSorm.  D.  §§  12—14,  83 
l^at  ber  ©ntmurf  biefeö  ^ßrinjip  auöna^möloö  burd^gefüfirt.  9lur  in  Stnfe^ung 
beö  im  §  13  ber  prcufe.  33orm.  D.  Dorgefet)enen  galleö  foB  ben  fianbeögefeg^ 
gebungen  burd)  einen  SSorbc^alt  im  (Sinfüfirungögefeje  (oergl.  Slnm.  1  ju  §  1634) 
SRaum  gelaffcn  merben. 

sic^eriieounfl  ^n  Slnfel^ung  ber  Sid^erftellung  beö  3Wünbelö  fd^liefet  ber  (gntmurf  fic^ 

"  *  ■  ber  Seftimmung  ber  preufe.  SSorm.  D.  §  32  2Ibf.  6  an,  bag  ein  ^fanbred&t 
ober  ein  2:itel  jum  5ßfanbred^te  an  bem  SBermögcn  beö  SBormunbeö  burc^  bie 
aSormunbfc^aft  nid&t  entftel)t.  3)aö  aSormunbfc^aftögerid^t  fann  jeboc^  unter 
befonbercn  Umftänben  anorbnen,  bafe  ber  aSormunb  wegen  beö  feiner  aSer« 
loaltung  unterliegenben  93crmogenö  beö  üJlünbelö  biefem  Sic^er^eit  ju  teiften 
fiabc  (§  1689;  §  58  ber  preufe.  SSorm.  D.).  3"  ^inem  fold^en  galle  fonn  ober 
ber  aSormunb  bie  Ueberna^me  ber  SSormunbfd^aft  ablehnen  faejro.  feine  6nt« 
lajfung  alö  aSormunb  ücrlangen  (§  1643  9ir.  6,  §  1706  2(bf.  2;  preufe.  SJorm.  D. 
§  23  3ir.  6,  §  63  3tbf.  2).  S)en  SWangel  ber  pfanbred&tlidf)en  ©id&er^eit  unb 
ber  unbeblngten  33erpflid&tung  beö  aSormunbeö  jur  ©i^erl^eitöleiftung  fud&t  ber 
©ntrourf,  tl)eilö  in  3lnlel)nung  an  bie  33or|cbriften  ber  preufe.  SSorm.  O.  §§  39, 
41,  60,  tljeilö  barüber  l)inauögc^cnb,  nomentlid^  burcb  bic  öeftimmungen  über 
bie  Anlegung  ber  ^JOiünbetgelber  (§§  1664—1668),  über  baö  ©rforbernife  ber 
@cncl)migung  beö  (Segcnoormunbeö  bcjm.  beö  aSormunbfc^aftögerid^teö  ju  35er* 
fügungcn  beö  SJormunbeö  über  bie  bem  3)tünbel  juftc^cnben  Slnfprüd^e  (§  1669) 


3Sormunbfd6aft.    Stttgcmcine  SScgrünbung.    (§§1633—1748.)  1011 

"unb  bur^  eine  ausgiebigere  Sludnuftung  befl  3nftituteö  ber  Hinterlegung  unb 
beö  Snftituteö  beö  ©taatöfd^ulbbud^eö  (§§  1670—1673)  ju  erreid^en. 

93on  grunblegenber  Sebeutung  ift  ferner  ber  Unterf^ieb  in)ifd)en  SJor^      «<>'' 
munbfd^aft  unb  5|JfIegfcl^aft.    S)er  ©ntrourf  begreift  unter  SSormunbfd^aft  bie  ""inb" 
^älle,  in  n)eld)en  eö  [id^  um  bie  aBgemeine  gürforge  für  bie  5ßerfon  unb  baö  ^tiesW*. 
aSermögen  beö  aHünbelö  tianbelt  (§§  1633, 1726, 1727, 1737),  roäl^renb  er  eine 
tßffegfd^Qft  ba  eintreten  läfet,  wo  boö  SBebürfnife  beö  ©d^ujeö  nur  für  befonbere 
^ngelegenl^eiten  ongejeigt  ift  (§§  1738  ff.).    I)emgemä6  fennt  ber  ©ntrourf 
(§  1740)  —  im  ©egenfoge  jur  preufe.  SSorm.  D.  §  82  —  inöbefonbere  feine 
Slbiüefenl^citÄoormunbfd^aft,  fonbern  nur  eine  Slbroefenl^eitdpflegfd^aft. 

3n  ben  folgenben  9?ummem  ber  allgemeinen  93egrünbung  foHen  bie 
^eroorge^obenen,  bem  ©ntiourfe  ju  Orunbc  liegenben  5ßrinjipien  im  ®injelncn 
nät)er  gcred^tfertigt  werben. 


III. 

5)ic  Dberoormunbfd^aft.     SKitioirfuug  ber  ©emcinbc  unb  ber 

gamilie. 

3la(i)  gemeinem  SRe^te  unb  ber  OTef^rja^l  ber  neueren  Oefefigebungen  fte^t    orö««' 
bie  DberDormunbfd^aft  bem  Staate  ju,  unb  jroar  wirb  bicfelbc  ate  ein  Sc*  munbfd^^'^ 
ftanbtfjeil  ber  freiwilligen  ®eri(i)t«barfeit  üon  ben  ©erid^ten  ausgeübt  (oergt.   geitenbe« 
preufe.  21.  2.  31.  II,  18  §§  1,  56  ff. ;  preufe,  »orm.  D.  §§  1—10,  51  ff.,  ba^-     ««<^t 
neben  iebod^  §§  71—80;  ba^r.  Sluöf.  ®cf.  jum  ®.  58.  ®.  o.  23.  gebruar  1879    «ertöte 
mrt.  15  für  bie  ba^r.  2anbe«tl>eile  red^tö  beö  SR^einö;  fäd^f.  ®.  93.  §  1880 
nebft  ber  fä^f.  SBerorbn.  o.  9.  Januar  1865  §  22  unb  bem  fä#  3luöf.  ®ef. 
jum  ®.  SB.  ®.  t).  1.  aJiär*  1879  §  13;    grofel).  I^eff.  ®ef.  t).  18.  3uni  1887 
mrt.  7;  medflenb.fd^ioer.  SBerorbn.  jur  SKuöf.  beö  ®.  SB.  ®.  t).  17.  SKai  1879 
§§  54—57;  medflenb.  ftret.  SBerorbn.  jur  3luöf.  beö  ®.  SB,  ®.  d.  17.  9Kai  1879 
§§  49—52;  meimar.  ®ef.  u.  27.  anärj  1872  §§  101—122;  anmalt.  ®cf.  v. 

23.  gebruar  1877,  betr.  9lac^(a6^  Äuratel*  2c.  ©ad^en,  unb  9luöf.  ®cf.  jum 
®.  SB.  ®.  t).  1.  9lprit  1879  §  20;  olbenb.  ®efefee  jur  3luöf.  beö  ®.  SB.  ®.  u. 
2.  3IprU  1879  3(rt.  4,  5  unb  t),  10.  3lpril  1879  3lrt.  6  §§  1,  2;  altenb.  ®ef. 
jur  3lußf.  b.  ®.  SB.  ®.  t).  22.  aJiärj  1879  §  18 ;  ®ef.  für  SWeufe  j.  2.  jur 
muöf.  beö  ®.  SB.  @.  t).  22.  gebruar  1879  §  14 ;  braunfd&ro.  ®ef.  jur  SKuöf.  beö 
®.  SB.  ®.  V.  1.  3Ipri(  1879  §  20;  lippe^bctm.  ®ef.  jur  Sluöf.  beö  ®.  SB.  @.  x>. 

24.  ÜWärj  1879  §  15 ;  fd^aumb.tipp.  ®ef.  jur  3luöf.  beö  ®.  SB.  ®.  v.  30.  3uni 
1879  §  14).  S)ie  ju  biefer  ®ruppc  ge^örenben  Siedete  uerjid^ten  iebod&  teineö- 
locgö  auf  jcbe  SIhtroirfung  ber  ®emeinbe  ober  ber  gamitie  bei  ber  SSerroaltung 
beö  SBormunbfd^aftömefenö ;  vielmehr  oerroeifen  fie  ben  Stid^ter  ni^t  feiten  in 
mid)tigeren  9lngetegenl^eiten  auf  bie  9lnl^örung  Don  Slngcprigen  beö  3Wünbelö 
unb  überlaffen  t)äufig  ben  @emeinbebel)5rben  bie  9lnjeige  über  bie  ein« 
trctenbcn  S9euormunbungöfälle  unb  ben  bamit  eng  jufammenl^ängenben  SBor* 
fd^lag  ber  SBormünber.  3nbeffen  eine  eigenttid^  organifd&e  ©tetlung  innerhalb 
ber  Dberoormunbfd^aft  felbft  räumen  fie  roeber  ber  gamitie  nod^  ber  ®es 
tneinbe  ein,  unb  erft  in  neuerer  3^^  fi^i>/  worauf  unten  nod^  nä^er  einju* 

64* 


1012  aScnnunbfd&aft.    afföemcinc  SBeorünbung.    (§§  1633-1748.) 

flehen  fein  wirb,  SScrfud^c  gcmad^t,  bcn  ©cmcinben  einen  größeren  6inPu& 
auf  boö  a3ormunbfd)Qftött)efen  ju  fid^ern. 
öemrinb«.  ©ine  jiDeite  Oruppc  üon  Siedeten  f>ot  bic  obcn)onnunbfci&afttid)e  gürforge 

grunbfäftlid^  ben  ©cmcinben  übcriDiefen  ober  hod)  bcfonbcre,  jum  S^^cil  aud^ 
mit  nid^t  rcd^tögcle^rten  Oemcinbcmitgliebcrn  befcfetc  SBormunbfd^Qftöbe^orben 
bcftcHt.  3lbgefc^en  oon  ücrfd&iebcnen  fd^meij.  Siedeten  (ocrgl.  inöbef.  jür.  ®.  S» 
§  353),  fommen  für  ©cutfd^Ionb  »orjugömcifc  bic  in  SBürttembcrg  beftc^enben 
aSerl^ältniffc  in  33etrod^t.  gür  nic^t  cjemtc  5ßcrfonen  wirb  ^ier  bic  Dbcr«^ 
üormunbfd^aft  ausgeübt  junäd^ft  von  bem  SBaifengerid^tc,  einem  ju  bicfcm 
3medfe  gen)äi)Iten  Sluöfd^uffc  bcö  ©cmeinberat^cö,  in  mand^en  9lngelegen^eiten 
unter  aWitroirtung  eincö  9Jotarcö,  in  roid^tigercn  5lngelcgen[;eiten  von  bcm 
,  ©emeinberat^c  felbft,  immer  unter  bcr  aiuffid^t  ber  3lmtdgerid^tc  (ocrgl.  Serid^t 
bcr  3uftijfommiffion  ber  roürttcmb.  Hammer  über  ben  3lntrag  bcä  3lbg.  ^JlofjH^ 
betr.  bic  ©r^altung  bcä  mürttemb.  ^nftituteä  ber  für  bic  ©efd^äftc  bcr  frei* 
milligen  ©erid&töbarfeit  angcftelltcn  ®eridf|tö^  unb  3lmtS'5Rotarc,  v.  15.  2tuguft 
1879).  gerner  roirb  in  SDlcrflenburg  in  bcn  meiften  Stäbten  bic  Dberoor^^ 
munbfd^aft  an  ©teile  ber  3tmtdgerid^tc  uon  bcn  ©tabtmagiftraten  burd^  f^ 
fonbcrc  aBaifengerid)tc  ausgeübt  (ucrgl.  Ianbeßgrunbgcfe|L  @rbocrgIcid&  o* 
18.  3tpri(  1755  §  373;  SSerorbn.,  betr.  bic  Segitimation  in  ©rbfällcn,  o. 
30.  anai  1857  §  2;  mcdfenb.  fc^mer.  SBerorbn.  jur  aiuöf.  bcö  ©.  SB.  ©.  v. 
17.  aWai  1879  §  56  3lv.  2;  medlenb.  ftrel.  SScrorbn.  jur  3lusf.  bcö  ®.  98.  ®. 
V.  17.  aWoi  1879  §  51  3lx.  2).  3n  SübedE  finb  baö  Stabt^  unb  Sanbamt  unl> 
baö  9lmt  ^raoemünbe  a(S  SSormunbfd^aftöbeI)örbcn  bcftellt  (oerg(.  lübcdE. 
SSorm.D.  v.  11.  Dftober  1820  §§  111,  115  nebft  bcm  lübcdE.  ©cf.  jur  2lußf. 
bcö  ©.  SB.  ©.  V.  3.  gebruar  1879  §  49  9ir.  III).  ^n  Hamburg  beftc^t  für  bie 
Stabt,  bic  SSorftabt  St.  5ßauli  unb  bic  2anbcöt)crrfd^aften  bcr  ©ccft*  unb 
3)?arfd^Ianbc  eine  bcfonbcre  aus  SWitglicbcrn  bcö  Sanbgeri^teö  unb  nic^t 
rcd^tsgclel^rtcn  3Jlitgliebern  jufammengefe&tc  SBormunbfd^aftöbcl}orbe,  roä^renb 
in  ben  2anbeöl^crrfdf)aften  äii^cbüttel  unb  Sergeborf  bie  oberoormunbfd)aft* 
lid^cn  gunftioncn  bcm  SlmtöDcrroaltcr  bcjro.  bcm  2lmtöri(^tcr  jugcroiefen  finb 
(ucrgL  Ijamb.  SBorm.  D.  o.  14.  ©ci^embcr  1883  9lrt.  95  ff.,  110  ff.).  3n. 
S3rcmcn  wirb  bic  SBormunbfd^aftöbc^örbc  an&  bcn  3Ritglicbcm  bcö  Sanb- 
gcridjteö  ober  bcö  3lmtögcrid^tcö  (bcö  Jiid)tcrfoUcgiumö)  gebilbct.  ®ö  fönnen 
aber  auf  2lntrag  bcö  5Hid)tcrtollcgiumö  oom  ©cnatc  auc^  onbcrc  nid^t  bcm 
9lid)terfolIcgium  angc()5rcnbc  ^ßcrfoncn  ^n  üWitgliebcrn  bcr  aSormunbfd)aftös^ 
bcl)örbc  ernannt  mcrbcn.  gür  btn  3lmtögcrid)töbcjirf  Srcmcr^oocn  ift  bagcgen 
baö  bortige  2lmtögcrid)t  bie  SBormunbfd)aftöbe^örbc,  bod)  fönnen  bemfelben  auf 
beffcn  9lntrag  oom  ©cnatc  and)  nid)trid)tertid^e  ^JWitglicbcr  jugcorbnct  mcrben 
(ücrgl.  brem.  3tuöf.  ®cf .  jum  ®.  SB.  ®.  v.  17.  mai  1879  §§  106  ff. ;  brem. 
SBovm.  D.  V.  14.  aWai  1882  §  1). 

SKud^  oerfd^iebcne  anbere  Siedete,  mennglcid^  biefclben  bic  Dbcruormunb- 
fdiaft  nidit  in  bie  ^anb  uon  ®cmcinbcorgancn  ober  befonbercn,  jum  a::t|eil 
aud)  mit  ®emeinbcmitglicbcrn  befc^tcn  S3et)örbcn  legen,  ^abcn  bod)  bcn  &e^ 
mcinbcn  eine  gcwiffc  äftitroirtung  bei  2tuöübung  bcr  Dbcn)ormunbfc||aft  unb 
einen  gepd^ertcn  ®inf(uf3  auf  bie  gül)rung  ber  SBormunbfd^aftcn  eingeräumt 
®icö  gilt  inöbef onberc  oon  bcm  bab.  Siedete,  mcld^eö  im  Slnf^luffc  an  ältere 


Socmunbfd&aft.    aagcmeine  Scörütibung,    (§§  1633—1748.)  1013 

^inrid^tungen  boö  Snftttut  bf«  SBaifcnrid&terä  auögebilbct  f)at  3n  Sobcn  fü^rt 
baß  9lmtdgcrid^t  bie  Dberoormunbfdiaft.  ©oöfelbe  bcfd^Iiefet  in  bcn  hnvä)  ba« 
fcob.  2.  5W.  bem  gamilicnrot^c  jugcroicfcnen  9lnge[cgcnt}citcn  naci&  9lnl^örung 
icß  QUO  bcn  nöcöftcn  SScrroanbtcn  unb  SScrfd^roägertcn  beö  Sftünbclö  ju  jcber 
tBormunbfd^oft  ju  beruf cnbcn  ftänblgcn  S3eiratt)e«;  foroic  beö  SBaifcnrid^terö 
unb  unter  Umftänben  beö  ©egentjormunbeö.  3fn  ieber  ©emeinbe  werben  ein 
ober  mehrere  2Baifenrid)ter  auf  aSorfd^fag  beö  ©cmeinberatl^eö  oom  Slmtö- 
gerid^tc  beftatigt.  3f)r  9lmt  bauert  fed)ö  3a^re.  Sie  unterliegen  ber  35ienft* 
auffid^t  beö  9lmtögerid&teö.  ©ie  bejie^en  feinen  (Sel^alt,  aber  geroiffe  ©ebül^ren. 
3m  2lBgemeinen  liegt  ifjnen  bie  örtlid&c  Ueberroaciiung  beö  S3ormunbf(i|aftö« 
roefenö  ob,  forool^l  in  9lnfel)ung  ber  5ßerfon  alö  beö  33erm5genö  ber  aßünbet. 
3nöbefonbcre  l^aben  fie  bie  eintretenbcn  SeoormunbungöfäDe  bem  Slmtögerid^te 
§u  melben,  geeignete  SBormünber  in  SSorfd^Iag  ju  bringen,  §älle,  in  roelciien 
baö  3'^tereffc  beoormunbeter  unb  minberiöl^riger  ^ouöfinber  gefäfirbet  roirb, 
anjujeigen,  bie  auö  btn  SBerroanbten  unb  33erfd^rofigerten  beö  9Wünbelö  ge* 
bilbcten  93eirätt)c  in  geeigneten  gäUen  im  5Ramen  beö  9lmtögerid&teö  ju  oer* 
nel^men,  SSormunbfd^aftötabcIIen  ju  fül^ren,  bei  ber  Slbna^me  ber  Sßormunbfd^aftö« 
rei^nungen  unb  fonft  in  einer  Slujal)!  pofitit)  beftimmter  gäHe  mitjuiuirfen  (oergl. 
bab.  ®ef.,  bie  Serioaltung  ber  freimilligen  ©eric^töbarfeit  unb  baö  Slotariat  be^ 
treffcnb,  o.  6.  gcbruar  1879  §§  2, 11—16;  SJerorbn.  o.  17. 3uU  1879,  betreffenb 
bie  ©ienftanmeifung  für  bie  SBaifenrid^ter).  gerner  beftel)t  im  Orofel^erjogt^ume 
^cften  in  ben  ^rooinjen  ©tarfenburg  unb  Dber^effen  bie  ©inrid&tung,  ba§ 
ben  SSorfte^ern  ber  unter  bem  9?amen  uon  Drtögeri^ten  beftetienben  ©emeinbe* 
beworben  neben  ber  Slnjeige  ber  SSeüormunbungöföUe  unb  bem  SSorfd^fage  ber 
SSormünber  bie  33erpffid;tung  obüegt,  ÜRängel  in  ber  ©rjie^ung  unb  33cr=^ 
pflegung  ber  ÜJHinbel  ober  in  ber  SSermaltung  beö  SSermögenö  berfelben 
bem  35ormunbfcöaftögeridöte  aujujeigen  (fjeff.  ®bift  v.  15.  Dftober  18.52 
9lrt.  12,  15;  3nftr.  für  bie  Drtögerid^te  o.  26.  Dftober  1852  §§  28,  29;  IjeR. 
aSerorbn.  jur  Shiöf.  beö  ®.  50.  ®.  ü.  14.  SKai  1879  §§  1,  15).  ®aö  rocimar. 
®cf.  0.  27.  a»örj  1872  §§  108  ff.  überrocift  bem  ©cmeinbeoorftanbe  unter 
Umftänben  bie  uorlöufigc  ©id^erfteUung  beö  Slad^Iaffcö,  baneben  bie  Slnjeigc 
ber  Seuormunbungöfälle,  ben  SSorfd&Iag  ber  SSormünber,  bie  unmittelbare 
Sfuffic^t  über  bie  perfönlid&c  gürforge  für  bie  Sßünbel  unb  bie  5ßfli^t,  eine 
ctmaige  ®efä{)rbung  ber  Äinbcr  burc^  bie  ©Kern  ober  eine  ungehörige  2lmtö« 
fül^rung  ber  SBormünber  anjujeigen.  9lad^  ber  preu§.  SSorm.  D.  §§  52—54 
ftnb  bem  SSormunbfc^aftögeri^te  für  jebe  ©emeinbc  ober  für  örtUd^  abju« 
grenjenbe  ®emeinbetl;eile  ein  ober  mehrere  ®emeinbegUeber  alö  SBaifcnröt^c 
jur  ©eite  ju  fegen.  2)er  SBaifenratf)  ^at  bie  Sluffid^t  über  baö  perfönlid^e 
SGBo^I  beö  SMünbelö  unb  über  beffen  ©rjie^ung  ju  führen,  inöbefonbere  aßängel 
unb  ^flid^tmibrigfeiten,  roefd^c  er  bei  ber  förperlid^en  ober  fittlidfien  ©rjie^ung 
beö  SKünbelö  wahrnimmt,  anjujeigen,  audf)  auf  @rf orbern  über  bie  ?ßerfon 
beö  SRünbetö  9Iuöfunft  ju  ert^eiten.  ©r  l^at  aufeerbem  biejenigcn  ^JJerfoncn 
t)orjufd^(agen,  meiere  im  einjcinen  %aUc  jur  33erufung  alö  aSormunb  ober 
©egenoormunb  geeignet  erfdfieinen.  S)er  prcu§.  93orm.  O.  ^at  in  biefer  ^infid^t 
baö  anl^alt.  ®e[.  v.  23.  Februar  1877,  betr.  5Rad&Ia6^  Anratet  u.  f.  m. 
©ad^en,  fid^  angefd^toffen.    9iad^  bem  ba^r.  ®ntm.  einer  SSorm.  D.  t).  1874 


1014  aSormunbWaft.    attgcmcinc  Seörünbung.    (§§  1633—1748.) 

3[rt.  6  finb  bic  ©emcinbcbeprbcn  ocrpffid&tct,  bic  SSormunbfd^aftÄgcrid^tc  in 
il)rcr  3lufftci^töt^äti(jfcit  ju  untcrftä|cn,  bcnfclbcn  inöbcfonbcrc  aÄongel  ober 
'^Jffid^troibrigtcitcn,  toel^c  bei  ber  ©rjicliung  ber  üHünbel  iDa^rgcnommeu 
TDcrben,  anjujeigen  unb  über  bie  ^erfon  ber  SKünbet  Sluöfunft  ju  ert^eifcn. 
«famiiic  3tn  ©egenfafec  ju  bcn  bisher  angcfül^rten  Siebten,  rotid^t  bic  Oberst 

oormunbf^aft  in  bie  ^Qtib  offentlid;er  93c^örben  legen,  ^Qt  baö  franj.  SRed^t 
(code  civil  9lrt.  406—415)  bie  gunftionen  ber  DbcrDormunbfd^Qft  einem 
^Qmilienorgaue,  bem  gamitienrat^c  übertrogen.  2)ic  oberoormunbfd&QftlicI^en 
©efd&äftc  werben  beforgt  burcö  ben  gricbenörid^ter  unb  roenigftenö  fed^ö,  jur 
Raffte  von  oäterlid^er,  jur  anberen  .^älfte  von  mütterlid^er  Seite  nad)  ®rabea* 
nä^e  eintretenbc  SBerroanbte  ober  9Serf(^n)ägerte  beö  SKünbefs,  an  beren  ©teile 
notl^igenfoBö  oud)  onbere  geeignete  ^ßerfonen  berufen  werben  fönnen.  2)iefe 
^ßerfonen  bilbcn  inbeffen  feine  ftänbige  33eljörbe,  fonbern  [\t  werben  für  icben 
einjelnen  SSebürfnifefall  nad^  beftimmten  gefeglid&en  SBorfd^riftcn  jur  Sefci^Iufe^ 
fof^ung  jufammenberufen.  S)ie  S3efd&Iüj|c  biefeö  gomilienrotlieö  bebürfen  in 
roid^tigcn,  burdE)  baö  ©efefe  bcjeid&neten  gällen  ju  i^rer  ©uttigfeit  ber  S3e^ 
ftätigung  bed  AoQegialgeric^ted.  £egtereö  ift  Qud^  juftönbig  jur  @ntf4ieibung 
über  bie  gegen  bie  93ef^lüffc  beö  gamiUenrat^cö  julofrigcn  JRec^tömittet. 
S)em  fron}.  9led)te  ^ot  in  biefcr  93ejic^ung  ber  boi)r.  ©ntro.  o.  1874  fid&  am 
gefd^loifen.  3Bäl|renb  cd  in  ber  $falj  bei  bem  fronj.  Siechte  ocrbleiben  fott 
(2lrt.  132,  137),  foU  in  bcn  rcd)törl)einif(5en  Sanbcöt^cilcn  für  alle  SBormunb* 
fd)aftcn,  mit  toe[d)cu  eine  crl)eblid)e  SSermögenßocrJoaltung  oerbunbcn  ift,  bie 
Oberoormunbfdjoft  t)on  einem,  jebod)  ftänbigen,  cntfd)eibcnbcn  gamilienrat^e, 
gebifbct  auö  bem  ©injcfrid^ter  unb  jiDci  bis  t)icr  3)Jitgliebern,  ausgeübt  werben. 
Soweit  ein  gamilienratf)  nid^t  gebilbet  wirb,  werben  bcffen  Cbliegen^citen  oon 
bem  93ormunbfd)aftögerid^te  waljrgenommen  (3lrt.  5,  6,  12—29). 

®er  ^ejf.  ®ntw.  IV  9lrt.  3—17  unb  bie  bab.  ®efc|gebung  ^aben  jwar 
ha^  3nftitut  beö  gamilicnrat^cö  aufgenommen,  bem  (enteren  iebo4i  nur  bie 
Stellung  eines  bas  93ormunbfd)aftSgerid^t  in  3luSübung  ber  Dberoormunb^ 
fd^aft  unterftüfenben,  beratfjcnbcn  Drganes  gegeben.  3n  Saben  befd^Iicfet  bas 
3lmtSgerid)t  als  SBormunbfd)aftSgerid)t  nad^  Sln^Brung  ber  nädiftcn  9Ser:= 
wanbten  unb  3SerfdE)wägerten  beS  TOünbets.  gür  jebe  SSormunbfd^ft  werben 
jwei  ober  oier  im  Drte  ober  in  beffen  3läf)c  wo^ncnbe  näd^fte  SSerwanbte  ober 
33erfd&wägertc  bcS  ÜRünbelS,  womöglid^  je  jur  ^älfte  uon  t)äterlid)er  unb 
mütterlid^er  Seite,  berufen,  um  bem  SrmtSgerid^te  als  ftänbige  93eirätl)c  jur 
Seite  JU  fte^cn.  3n  ®rmangetung  üon  Sßcrwanbten  unb  33crfd(|wägertcn  treten 
aud^  {|ier  jwei  fonftige  geeignete  6inwol)ncr  beS  Ortes  an  Stelle  berfelben. 
3n  wid^tigen  unb  jweifelfjaften  göUen  ^nbet  bie  aSernef)mung  ber  Seirät^e 
burd^  bas  aimtsgeric^t  felbft  ftatt,  im  Uebrigen  fonn  biefelbe  burd^  einen 
(Semeinbebeamten  ober  5Jlotar  erfolgen  (oergl.  bab.  ®ef.  o.  6.  gcbruar  1879 
§§  2,  11-15). 

3n  ber  preufe.  3l^cinprooinj  ift  ber  gamilienratfj  bes  franj.  9Jed)teS  als 
obligatorifd;eS  Snftitut  burc^  bie  preufe.  SBorm.  C  befcitigt.  3)ic  Icßterc  l^at 
iebod),  namenttidj  um  bem  bisherigen  Slcd^tsjuftanbc  in  bem  Oebiete  bes  franj. 
9lcd)tcS  SJledinung  ju  tragen,  bie  ajtögtidljfeit  gewäl)rt,  bie  DbcrDormunbfc^aft 
einem  gamilicnrat^e  ju  überweifen,  unb  jwar  finb  bic  bctrcffenben  3)eftims 


S5urmunbf(6aft.    aOflemcine  Seörünbuno.    (§§1633—1748.)  1015 

mungcn  für  baß  ganjc  (ScKungßgcbict  ber  prcufe.  33orm.  0.  antücnbbar.  SZad^ 
bicfcii  Scftimmungen  miife  bcr  gQtnilicnratt),  ol)nc  bafe  bem  ©rmcflcn  bcö 
SBormunbfc^oftögcricI^ted  in  biefer  Scjicl^ung  ein  ©piclraum  gclaffcn  ift,  nic^t 
nur  bonn  gcbilbct  werben,  roenn  ber  5Boter  ober  bie  äRuttcr  bieß  angeorbnet 
l)Qt,  fonbern  awi)  bonn,  rocnn  brei  biß  jum  britten  (Srabe  mit  bem  aWünbel 
uerroonbte  ober  oerf^roögerte  ^erfonen  ober  bcr  SBormunb  ober  ber  Oegem 
üormunb  eß  beantragen.  9lud&  ^erfoncn,  roeld^e  nid&t  mit  bem  aJlünbel  oer- 
roanbt  ober  oerfd)roägert  ftnb,  fönnen  auf  STnorbnung  beß  33oterß  ober  ber 
ÜRulter  ober  auf  ®runb  eineß  Sefd^fuffeß  beß  gamilienrat^cß  ju  ÜRitgliebeni 
beß  [enteren  ernannt  werben.  I)en  SSorfift  fü^rt  fraft  beß  ©efegeß  ber  3Jor« 
munbfd^aftöric^ter.  S)er  fo  gebilbetc  gamilienrat^  ^at  im  SBefentlid^cn  alle 
SHed^tc  unb  ^^5flid)ten  beß  aSormunbfd^aftßgerid^teß  (preufe.  3Sorm.  D.  §§  71 
biß  80). 

3)ie  preufe.  SSorm.  D.  I^at  ber  gamilie  aber  auci&  infofern  bei  jeber  33ors 
munbfd)aft  eine  gemiffc  aWitroirfung  gefid^ert,  alß  baß  a3ormunbfd|aftßgerid|t 
t)or  einer  Don  i^m  ju  treffenben  2(norbnung  auf  Slntrag  beß  SSormunbeß  ober 
beß  Oegenoormunbeß  ober  eineß  Sßermanbten  ober  SSerfd^roägerten  beß  3Wünbelß 
brei  oon  ben  notieren  SBenoanbten  ober  33erfd^n)ägerten  beßfelben,  fofcrn  fie 
ofinc  äJerjug  erreichbar  fmb,  gutad^tlid^  ju  l^ören  ^at.  6ß  ftc^t  il^m  aufeerbem 
frei,  aud)  oljnc  2lntrag  aSerroanbte  ober  aSerfd^roägertc  beß  9Künbelß  gutad^tlid^ 
JU  i)bxQn  (preufe.  9Sorm.  D.  §  55).  9luc^  anbere  9lecl^te  üerroeifen  baß  S8op 
munbfc^aftßgeriddt,  ieboc^  in  formell  freier  2Beife,  auf  ben  oon  bemfelben  nad^ 
feinem  ©rmeffcn  ober  in  wichtigen  3lngelegen^eiten  cinjuljolcnben  diaif)  Slu^ 
gehöriger  beß  aKünbelö  (oergl.  1. 1  §  1  D.  ubi  pup.  27, 2 ;  preufe.  3t.  S.  fR.  II,  18 
§§  314,  330,  332,  II,  2  §  112;  öfterr.  ®.  S3.  §  252;  föcf)f.  ®.  S3.  §  1882; 
Weimar.  ®ef.  0.  27.  ajlärj  1872  §  105). 

3)cr  ©ntwurf  ge^t  baoon  auß,  bai  bie  Dberoormunbfd&aft  grunbfä|lid^  etanbpunft 
oon  ben  ©erid^ten  außgcübt,  bcr  ©emeinbe  unb  ber  gamilie  aber  eine  gcwiffc  «nttpurfes. 
a}Jitwirfung  bei  gül;ruug  ber  Dberoormunbfd^aft  geftd^ert  werben,  außna^mß^^ 
weife  aber  unter  gewiffcn  gefeglid^  nä^er  beftimmten  SSoraußfefiungen  bie 
Uebcrtragung  bcr  Dbcroormunbfd^aft  auf  einen  ju  bilbenben  gamilienratf) 
juläffig  fein  foU.  ®ie  nähere  83cftimmung  barüber,  wel^ie  ©eric^te  alß  SBor- 
munbf^aftßgerid^tc  ju  beftcUen  finb,  ift  befonberen  rei^ßgefefelidicn  Sßorfd^riften 
oorbe^alten  (oergl.  oben  SRr.  I  ©.  1008);  eß  ift  in  SKußfic^t  genommen,  ben 
3tmtßgcrid)ten  bie  §üt)rung  ber  Dbcroormunbfd^aft  ju  überweifen. 

g'ür  bie  Uebcrtragung  ber  Cberoormunbfd^aft  auf  bie  ©eric^tc  fällt  «runbwi<^ 
entfc^cibcnb  inß  ©ewic^t,  bafe  baburc^  für  baß  ©efe^bud^  bcr  rec^tßgefc^ic^tlid^c  "ef  d3S 
Sufammen^ang  mit  berjcnigcn  ©ntwicfclung  beß  SSormunbfc^aftßwefenß  gewahrt  j;j""j^^jJ*J^ 
bleibt,  wcldie  in  S)eutf erlaub  biß  na^cju  in  bie  Slnfönge  unferer  ©cfd^id^te   "ri<*te. 
jurucfreid^t,  ^weld^e  in  bem  gcltenbcn  SWed^te  ber  (Segenwart  b^n  wcitauß 
größten  2:ljeil  2)eutfd)lanbß  be^errfd^t  unb  wcld()c,  mag  fic  aud&,  wie  alle 
menfd)lid()cn  SBer^ältniffe,  nid)t  ctwaß  in  ieber  Sejie^iung  SBolltommeneß  fein, 
bod)  in  bcr  ^auptfadjc  befricbigcnbe  S^flönbc  l)crbeigcfü^rt  l^at.   91ur  äugen* 
fällige  3)Jängel  beß  bcftcbcnbcn   ober   überwicgcnbc  SBorjügc  eineß  anbercn 
©i)ftcmcß  würben  eß  rcditfertigen,  mit  bcr  SBcrgangcn^cit,  mit  einem  gerabe 
^icr  äwcifelloß   oorl;anbenen   Stücfc   nationaler   SHed^tßbilbung    ju    bred^en. 


1016  Srnnunbfd&aft.    anflemetnc  ©cflrünbung.    (§§  1633—1748.) 

SRönget  biefeö  S^^ftönbcö  ftnb  aber  üorjugöiocifc  nur  ba  ^eroorgetrctcn,  roo 
man  ben  ©inffufe  bcr  Dberoormunbfd^aft  übcrmäfeig  gcftcigcrt,  roo  man  ücr* 
fannt  l^attc,  bag  bcr  Slic^tcr  jroar  t)ortrcffUd^  ju  einer  formal  fid^ernbcn  unb 
beaufftd^tigenbcn  Sü^ätigfeit  im  SSormunbfd^aftdrocfen,  ju  einer  unmittelbar 
leitcnben  Stellung  aber  weniger  geeignet  ift. 

3n  jroeiter  Sinie  fommt  in  Setrad^t,  bafe  baß  5ßflid^tgcfül^l  roobl  bei 
feinem  ber  fonft  in  grage  fommenben  Organe  in  bcm  aWafee  ausgeprägt  ift, 
roic  bei  btn  Oerid^ten,  ferner,  bafe,  ba  baö  SBormunbf^aftöre^t  einen  2;^eil 
beö  5ßrioatred&tcÄ  bilbet  unb  bie  2:^ätigfeit  ber  Dberoormunbfd&aft  tjielfad^ 
JRcd^tötenntniffc  t)orauöfe|t,  bie  legtere  am  gecignetften  bemjenigen  Organe 
übertragen  mirb,  roelciied  baö  SRed^t  am  beften  fennt. 
TOitwirtunfl  ®ö  unterliegt  jmar  feinem  3w)cifel,  bafe  aud^  ber  ©emeinbe  ber  93eruf 

b««enieinbe.^^jj  bie  gfi^igfeit  ju  einer  »etbcitigung  am  aSormunbfd^aftöroefen  nid&t  be^ 
ftritten  werben  fann.  S)ie®emeinbe  bat  an  ber.5ßf[ege  beöSBo^lftanbeö  i^rer 
Sürger,  an  bem  Oebeiben  beö  b^^önroadbfenben  ©efd^Ied^teö  ein  ä^ntid^eö 
Sntercffe,  wie  ber  ©taat,  unb  tritt,  menn  ibr  baö  SBormunbfc^aftdroefen  über* 
taffen  mirb,  mit  ibr  eigentbümlid^en  SSorjügen  an  bicfe  Slufgabe  f)txan. 
Olcid^artige  SSerbältniffe  unb  enge  nad^barlid^e  SBejie^ungen  befSbifl^n  bie 
©emeinbegenoffen  in  befonberem  ®rabe,  bei  genauer  Äenntnife  unb  richtiger 
©infid^t  in  bie  Sebürfniffe  ber  SWitbürger  auf  eine  fad^gcmäfee  ©riebigung  aud^ 
ber  ©efd^äfte  ber  SSormunbfd^aften  ju  roirfen.  2luf  ber  anberen  Seite  beftebt 
aber  ber  9lad^tbeil,  bafe  bie  Oberoormunbfd^aft  unb  bie  9lrmenlaft  in  ber 
Oemeinbc  jufammenfaHen,  rooburd^  bie  im  S^tereffe  armer  aJlünbcl  roünfd^enö* 
roertlje  ®nergie  beö  SrudEeö  auf  ©eroä^rung  bintänglid^cr  Slrmenunterftügung 
abgefd^roäd^t  mirb.  3lud^  ftnb  bie  bejeid^neten  SSorjügc  meber  in  febr  großen, 
nod^  in  fe^r  flcinen  Oemeinben  oorbanben,  in  ben  crfteren  nid^t,  rocil  bie 
Äenntnife  ber  SSerbältniffc  bcr  Oemeinbegenoffen  unb  baö  SntereRe  bafür 
flcringer  ift,  in  ben  legieren  ni4|t,  weil  bie  Organe  ber  ©cmeinbeoerroattung 
nad^  ibrer  3ufctmmenfe|ung  regelmäßig  nid^t  biejenigc  ©arantie  bieten,  loeld^e 
bie  Uebertragung  ber  Oberoormunbfd^aft  auf  fic  erf orbcrt,  unb  geeignete  Äräfte, 
um  befonbere  Organe  für  bicfen  ^wtd  ju  bilben,  feblen.  Ueber^aupt  ift  bie 
Slnfnüpfung  ber  Oberoormunbfd^aft  an  befte^cnbe  ober  neu  ju  bilbcnb«  ©e* 
meinbeorgane  nur  ba  mögli^,  roo  baö  ©emeinbeteben  aud^  im  Uebrigen  biö 
JU  einem  geroiffen  ®rabe  entroidfett  ift,  wo  in  ben  ©emeinben  bie  SBereitroiDig* 
feit  unb  göbigfeit  jur  gübrung  öffenttid^er  ©efd^ftfte  im  Snigemeinen  üor« 
banben  unb  fo  ju  fagen  gefd^ult  ift.  6ö  mürbe  äufecrft  fd^roierig  unb  bebcnflidb 
fein,  in  ©egcnben,  meld&c  ein  an  fid^  nur  rocnig  entroidfcltefi  ©emeinbelcben 
tcnncn,  baö  SBormunbfciiaftömefen,  alö  etroaö  Sßereinjeltcö,  auf  bie  in  fold^en 
S)ingen  im  Uebrigen  uncrfatirenen  ©emeinben  ju  übertragen.  (Srfa^rungö* 
mäßig  mirb  bie  aWoglidöfcit  einer  erfpricfelidjen  Selbfttbätigfeit  ber  ©emeinben 
in  aSer^ältniffen  ber  SRed&töpflegc  burcb  einen  geroiffen  SBoblftanb  unb  längere 
•©emöl^nung  bebingt.  3n  Deutfd&tanb  finb  eö  aber  nur  Dcr^ältnifemäßig  fteine 
©ebiete,  in  meldten  bie  ©emeinben  bie  OberDormunbfd^aft  fübren  ober  biö  in 
bie  iüngfte  3eit  gefübrt  baben.  ^eilicf)  finb  bie  3uftänbe  ba,  mo  fot^e  ^cv^ 
bältniffe  üorfommen,  foDiel  befannt,  im  SlUgcmeinen  fcl^r  befricbigenbc.  ®ie 
I;ängen  aber  immer  mit  allgemeinen  aSer^ältni^len  jufammen,  inöbefonbere  in 


S5ormunbf(6aft    aUgemctne  Scgrünbung.    (§§1633—1748.)  1017 

SGBiirttcntbcrg  mit  einer  altcntioicfeltcn  Oemeinbetjcrfof^ung.  2lud^  im  Sanbc 
I^QbcIn  bcr  5ßrot)inj  §Qnnooer,  roo  biß  jum  Snfrafttreten  bcr  prcufe.  SBorm.  D. 
bic  Selbftänbigfeit  bcr  ©emeinbcn  ouf  biefem  Oebiete  xooijl  bie  größte  loar 
(oergl.  ^onnot).  SJerorbn.,  betr.  bie  SRed^töpflegc  im  Sonbe  fabeln,  d.  1.  ©eptember 
1852  §§  4,  5,  8),  ftanben  bie  anerfannteft  SSorjüge  be«  bortigen  SSormunb- 
fd^aftÄToefenö  mit  ben  örtlid^en  SSer^öItniffen  in  cngftcr  5EBec^feImirfung,  nSmlidf) 
mit  einer  mol^Il^abenben,  Sanbmlrt^fd^aft  trcibenben  Scoolferung,  mit  im 
©onjen  einfad^en  unb  gleic^ortigen  SScrl^öltniRen  unb  einer  t)on  3lltcrö  Ijer 
beftel^enben  ©clbftDcrroaltimg  unb  ®emeinbcgcrid)tdbQrfeit  im  meiteften  Um« 
fange.  2ln  berortigen  SSorauöfeftungen  einer  guten  ©emeinbcoormunbf^aftö* 
pflege  fe^It  ed  aber  in  bem  größeren  3::^eile  S)eutf^Ianbd,  unb  bie  neueren 
©efeggebungen,  roeld)e  bei  ©rlafe  von  SBormunbfc^aftöorbnungen  an  bie  ^ier 
in  Siebe  fte^enbe  grage  ^erontraten,  finb  übereinftimmcnb  ju  bcr  Ueberjeugung 
gelangt,  bafe  eö  mcnigftenö  jur  3^it  unmoglid^  fei,  bie  Dben)ormunbfd&aft  auf 
bie  Oemeinben  ju  übertragen  (tjcrgl.  SBotiüc  bcfi  ^eff.  ©ntro.  IV  ©.  202; 
aWotit)e  beö  bapr.  ©ntro.  ©.  33  ff . ;  SKotioe  beß  ®ntn).  ber  preufe.  SBorm.  D. 
©.  40  nebft  bem  ttommifftonßberid^te  beft  preufe.  ^aufcfi  ber  Sbgeorbneten, 
1875,  3lftenft.  311  ©.  1851,  unb  bem  Äommiffionöberid^te  beö  ^errenl^aufe«, 
1875,  «ftenft.  39  ©.  65,  69;  $auö  bcr  »bgeorbncten,  1875,  STttenft.  182 
§§  52—54). 

(Sleid^mol^I  finb  bie  neueren  ©efeftgebungen,  wie  bie  obige  Ueberftij^t  ©emeinb«- 
(©c  1012  ff.)  jeigt,  roiebcr  roefentUd^  übereinftimmcnb  baoon  ausgegangen,  bafe  cä  ""*^*"'"**- 
fd&on  gegenroärtig  jroedmäfeig  unb  mbglid^  fei,  in  ben  Oemeinbcbetiörbcn  ober 
JU  fd^affenben  befonberen  ©emcinbcmoifcnrätl^cn  auf  bem  %übt  ber  unmitteU 
baren  Sluffid^t  über  SSormünber  unb  ÜKünbet,  inftbcfonberc  foroeit  cä  fid^  um 
bie  pcrfönlid^e  gürforge  für  bie  (enteren,  namentUd^  gerabe  au<j^  in  größeren 
©tobten,  l^anbele,  geeignete  ^ülföorgane  ber  ©erid^tc  ju  fd^affen,  womit  fie 
ben  im  bab.  Siedete  üon  9Hterö  l^cr  audgcprögtcn  ©ebanfen  biß  ju  einem 
gen)iffen  ®rabe  aufgenommen  ^aben.  3n  biefem  ©innc  l^at  aud^  ber  jmolfte 
beutf^e  3uriftentag  in  ber  bctreffenben  9lbt{|eilung ,  nad^bem  junäc^ft  ein- 
ftimmig  befd^loffcn  mar,  bafe  bie  DberDormunbfd)aft  burd^  ©injctrid^ter  aus« 
juüben  fei,  jtd^  ba^in  auögefprod^en,  bafe  bei  allen  SSormunbfd^aftcn  eine 
Unterftügung  bed  93ormunbf(^aftsric{|tcrd  burd^  bie  ©emeinbe  münfc^endmert^ 
fei  unb  baß  bie  biefert)atb  ju  befteUcnben  ©emcinbcioaifenrät^c  bie  unmittelbare 
Stuffid^t  über  bie  perfönlid^en  Sßer^ältniffe  ber  SWünbcl  ju  führen  l^ätten 
(SBcrl^anbl.  bes  XXL  beutf4ien  ^uriftentagefi  93b.  3  ©.  95,  102,  107). 

2)cm  ©emi^te  biefcr  SBorgänge  fann  aud^  baö  bürgerlid^e  ©efeftbud^ 
fid&  nid&t  entjic^en.  SBennglei^  baö  3nftitut  beö  ©cmeinbcmaifcnratljc«  nad^ 
ber  im  ©ebiete  ber  preufe.  SBorm.  0.  gemad^ten  ©rfafirung  auf  bem 
Sanbe  bidl^cr  menig  SBurjcI  gefd^Iagen  ju  l^aben  fd^eint,  fo  lommt  bod^ 
anbererfeitd  in  33etrad^t,  bafe  icneö  3nftitut  in  ben  größeren  ©täbten 
me^r  ober  menigcr  in  gebeil^Ud^cr  ©ntroidfelung  fidf)  befinbet,  unb,  wenn 
geeignete  ?ßerf5nlid^feiten  ftd^  bcr  ©ad^e  anncl^mcn,  roo{)U^ätig  unb  fegcnörcid^ 
JU  mirfen  permag.  2m  ©injclncn  wirb,  fooiel  ben  Umfang  bcr  5Kitn)irfung 
beö  ©cmeinbemaifcnrat{)eö  betrifft,  auf  bic  a}orfcl)riften  bcö  §  1725  unb  bie 
9)lotit)e  5U  bemfclbcn  ucrroiefcn.     2)ic  jur  Sluöführung   jener  9Sorfd^riftcn 


1018  9;NDrmunbfd&aft.    Qiaöemeine  ©cgrünbung.    (§§1633—1748.) 

erforberlic^cn  Scftimmungcn  [inb  nacf)  naiverer  Seftimmung  bcö  Sinfü^rungö:^ 
gcfcfccö  bcn  Sanbcögefe^gcbungcn  ju  übcriaffcn. 
gomiitenwt^.  Slnlaiigcub  fobonn  baö  3nftitut  bcö  gamilicnrot^cö,  fo  finb  beRen  33or^ 

jügc  nomcntlid^  auä  bcn  Äreifcn  r^cinifd^cr  3uriften  lebhaft  l)txr>oxQtf)oUn,  ober 
ouc^  tjon  anberer  ©citc  gegenüber  bcn  ÖKfingcIn  beö  beftcl^cnben  SRed^tcö,  nid^t 
immer  ol)ne  eine  geroijfc  ©infeitigfeit,  gepriefen  (oergl.  ©(^enf,  bcr  gamiliem 
rotl)  ©.  57  ff.,  ©.  127—134).  3)er  Oebanfe,  bcr  organifirten  ^yömilie  ate 
foId)cr  einen  ma^gebcnben  ©influfe  auf  baö  ajormunbfci5aftön)efcn  }u  geben,  ift 
an  f\6)  ein  fo  natürli^cr  unb  auf  bcn  crftcn  93fidE  befted^cnber,  bafe  eö  naf|c 
JU  liegen  fc^cint,  fi^  aud^  in  I)cutf(^lanb  ju  einem  ©d)ritte  ju  entfc^Ucfeen, 
bcn  man  aufecr^alb  Seutfd^Ianbö  nad&  bcm  SBorgonge  granfreid)d  üiclfad^ 
getljan  f^ai  unb  bcr,  wie  man  anerfenncn  mufe,  in  jenen  Sänbcrn  im  2tUgcmeincn 
befriebigenbe  gwftönbe  jur  golge  getiabt  l)at  (oergl.  j.  S3.  bic  SWotioe  beö  bai)r. 
©ntro.  ©.  35).  SSon  Scbeutung  ift  inöbefonbere,  ba|  bie  bai)r.  ^Regierung  pd^ 
nod^  in  bcm  ©nlmurfe  einer  SSorm.  D.  für  93ai)crn  auö  bem  ^al)xc  1874  für 
bcn  gamilicnratf)  cntfd^ieben  ^at. 

®inc  näl)cre  Setrad&tung  seigt  inbeffen,  bafe  mit  bem  Snftitutc  beö 
gamiücnratfieö  fcincöroegö  nur  SBorjüge  oerbunben  ftnb,  fonbern  bie  Sic^t* 
feiten  beö  franj.  ©ijftemeö  üon  beffen  ©d^attenfeitcn  überroogen  merbcn. 

©ic^t  man  aud)  von  bcn  S3ebenfen  ab,  n)eld)C  nad^  i)crfd)icbcnen  JHic^ 
tungen  l^in,  inöbefonbcrc  fooiel  bie  Sttrt  bcr  Silbung  beö  gamilicnrat^cö  be« 
trifft,  auö  berienigen  befonberen  ©eftaltung  fid^  ergeben,  xodi^c  bcr  gamilicm 
rat^  gerabe  im  franj.  Siechte  erhalten  ^at,  93cbenfcn,  meiere  burd()  angemeficnc 
SReformen,  mic  bic  ©rfal^rung  jeigt,  fid^  bcfcitigen  laffen,  fo  fommcn  boc^ 
namentlich  bie  folgcnben,  mit  bcm  SBefcn  beö  gamiUenratl)cö  enger  äufammcn- 
l^ängcnbcn  fünfte  in  Setrad^t. 

2)cr  an  fid)  gefunbe  ©ebanfe  eineö  ^amilienorgancö  (ögt  ftd^  ni^lt 
burd^fü^ren.  ®ö  giebt  fcl^r  oicie  gftttc,  in  mefd^cn  ein  äWünbcI  an  bcm  Crtc, 
TOO  er  beoormunbet  werben  mu6,  entmeber  übcrtiaupt  feine  33crmanbtc  ober 
SScrf^mägcrte  ober  bod^  nid^t  fold^e  l^at,  auö  melden  ein  gamitienrai^  fid^ 
bilben  licfec,  gätte,  wel^e  befonberö  in  golge  bcr  grcijügigfeit  fid)  ücrmc^rt 
l^aben.  gür  fold^e  gällc  fiel;t  man  fid^  genot^igt,  auf  bie  3wiie^ung  oon 
^ermanbten  ober  SBerfd&roägertcn  ju  oerjid&ten  unb  in  3)urd^bred&ung  beö 
®runbprin}ipcö  beö  ©qftemcö  auf  fonftige  Staalöbürgcr  a(ö  3Ritglicber  beö 
^amilienratl)cö  ju  greifen  (ücrgf.  code  civil  2lrt.  409;  itaf.  ®.  33.  9lrt.  252, 
253;  ba^r.  (gntro.  3lrt.  13;  preufe.  SBorm.  D.  §  72;  ferner  in  ainfe^ung  beö 
bloö  berat^enben  gamilicnrattjeö  l^cff.  ©ntro.  IV  3lrt.  7;  bab.  ®ef.  o.  6.  ^e^ 
bruar  1879  §  11;  anberö  baö  jür.  ©.  SJ.  §  414  in  3lnfef|ung  bcr  J^o^^ili^n* 
beoogtigung). 

SDlit  9lcd)t  roirb  ferner  t)on  bcn  (Segnern  beö  gamilienrat^cö  barauf 
l^ingemiefcn,  bafe  bcr  leßterc  alö  Siegel  feineöroegö  in  bem  gleichen  SKafee,  wie 
bie  ©eric^tc,  bic  ®cn)ät)r  bafür  bietet,  bafe  bic  aSerioattung  fad^gemäfe  unb 
im  üollen  ^ntcreffe  beö  ÜKünbclö  gefül)rt  werbe.  Gö  ift  jwar  aniuerfennen, 
bafe  in  fold^cn  gcillen,  in  weld)en  bie  betreffcnbe  SScrwaltung  eine  befonbcrc 
Sad^fenntnife,  inöbefonbcrc  faufmännifd&c,  tanbwirtl^fd&aftli^e  ober  ted^nifti^e 
ilcnntnifje,  crforbert,  für  bie  aScrwaltung  gcwiRc  aSort^eilc  bamit  oerbunben 


SSormunbfcfiaft.    affgcmcinc  Seorünbuno.    (§§  1633—1748.)  1019 

fein  fonncn,  rocnn  bic  oberDormunbf^aftlidie  Seitung  in  bcr  ^onb  cineö 
gamilicnrat^c«  liegt,  befjcn  a)UtgIiebcr  jene  bem  Slid^tcr  oielleid^t  fe^Ienbc  be* 
fonbere  ©od^tenntnife  ju  ergänjen  vermögen.  3lBcin  in  ber  Siegel  fann  burd^- 
QUO  nid&t  barouf  gcrcd^nct  werben,  bofe  eine  fold^c  bcfonbcrc  ©ad^fenntnife  gcrabe 
bei  ben  SSerroanbtcn  ober  SBerfd^roägerten  bcö  aWünbelö  t)or^anben  fein  wirb, 
gonj  abgefel^en  baoon,  ba^  in  nid&t  feltenen  gallen  baö  Sntercffe  jener  ^erfonen 
nid^t  einmal  mit  bem  3ntercffe  beö  äßünbefe  übercinftimmt.  2)ie  S3eftimmung, 
bafe.  bod  betreffenbc  ÜKitglieb  bei  perfönlic^em  Sntereffe  fid)  ber  3tbftimmung 
ju  enthalten  ^obe  (ital.  ®:  33.  Slrt.  259),  gemalert  in  bicfer  SHic^tung  nur 
einen  unooBfommcnen  Schuft  (oergl.  SKotitJc  bcr  prcufe.  SSorm.  D.  ©.  12). 

3lud^  bie  follegiolifd&e  93erfaffung  beö  gamilienrat^cö  ift  minbeftenß  fein 
aSorjug  für  ein  Sßermaltungöorgan.  S)ie  ÄoBegiQlität  ^emmt  bie  2lftion, 
fd^möd^t  baö  perfönlid^c  Seroufetfein  ber  eigenen  SSerantmortUd^feit  ob  unb 
minbert  im  praftifc^en  SRcfultate  aud^  bie  juriftifd^e  3Jerantmortlid&feit. 

Sie  franjöftfdfie  @inrid()tung  ift  enbüd^  mit  einem  fe^r  bebeutenben  Stuf^^ 
manbe  an  9iRenfd()en,  S^it  unb  Soften  oerbunben.  2)er  in  ben  (Semeinben  fd^on 
ieftt  als  fd^roere  Saft  empfunbene  S)ienft  in  SSormunbfd^aftöfad&en  wirb  baburd^ 
noi)  gefteigert.  Sine  foldf)e  Steigerung  bcr  öffentlid&en  Saften  mürbe  ficf)  nur 
red^tfertigcn  laffen,  menn  man  mit  ber  franj.  (Sinrid^tung  nid^t  etwa  nur  auf 
äi^nlid^  gute,  fonbern  auf  fe^r  er^eblid^  beffere  ©rgebniffe  mic  mit  ber  beutfd^en 
©inric^tung  fidler  red)nen  bürftc.  S)afür  fel)It  eö  aber  ooUig  an  33en)eifen. 
3n  ben  aJlotioen  beö  bat)r.  6ntm.  ©.  36  roirb  biefe  Steigerung  ber  93or* 
munbfd^aftßlaft  gering  angcfd^fagen.  3Jlan  glaubt,  bafe  eine  33eläftigung  ber 
(Sinmofiner  nid^t  eintreten  merbe,  ba  jmei  SSermanbte  für  ben  gamilienratl) 
regelmäßig  ausreichen  mürben  unb  bei  jroccfmäfeiger  §anb^abung  ber  gcfc|:= 
lid^en  33cftimmungen  bie  bem  gamilienratlie  jugemiefenen  Slngclegen^citen  in 
ber  Siegel  fofort  bei  beffen  erftcm  S^^f^^^^^^tritte  i^re  ©rlebigung  finben 
fonnten.  2Benn  man  aber  aud^  anerfennt,  bafe  ber  baqr.  6ntm.  bem  gamilicn* 
rattie  bie  benfbar  lei^tefte  unb  jmecfmäfeigfte  (Scftalt  gegeben  ^ai,  beren  biefeö 
3nftitut  überhaupt  fä()ig  ift,  fo  roirb  man  bod^  nidf|t  leugnen  fönnen,  ba|  bie 
©teigerung  ber  SBormunbfd^aftölaft  gegenüber  bem  beftebenben  Siedete  aud^  fo 
nod^  eine  fe^r  erl^eblid^e  fein  mürbe.  3lud^  bie  Soften  ber  ®inrid^tung  fmb 
gröfeer  alö  in  Seutfd^lanb.  2)ie  Oefd^äftölaft  bcr  Oerid^te  roirb  babur^  ni^t 
ücrminbert,  fonbern,  ba  man  ben  Slid^ter  als  Sßorfilenben  beö  gamilienratbeö 
nid|t  roirb  entbehren  fönnen,  roefentlid^  erf|öt)t.  2)aburc^  roerben  bic  9Infprüd^e 
an  bie  Soften  ber  3ledf)töpflege  gefteigert,  unb  in  ö^nü^er  SBcifc  road&fen  bie 
aSerroaltungöfoftcn  aud^  für  bie  einjelne  9Sormunbfd)aft.  S)ic  2:^ätigfcit  ber 
aSerroonbten  im  gamilienrat^c  ift  jroar  atö  foId)e  burd&rocg  eine  unentgeltlid^e 
(bai}r.  entro.  2trt,  22;  ital.  0.  ».  3lrt.  263;  bab.  ®ef.  t).  6.  gebruar  1879 
§  15);  ein  ®rfat  für  ben  eigenen  3lufroanb  ber  3JlitgIieber  beö  gamilienrat^eö, 
inöbefonbcre  für  SReifcf oftcn  unb  2^agcgclber,  auö  bem  93ermögen  bcö  äßünbelö 
roirb  gleid()roobI  eintreten  muffen  (ba^r.  ©ntro.  3lrt.  22 ;  bab.  ®ef.  v.  6.  gebruar 
1879  §  15). 

2luö  allen  biefcn  Orünben  fann  eö  alö  ärocdfmäfeig  nid^t  erad^tet  roerben, 
baö  franj.  aSormunbfc^aftöf^ftem  bem  ©efegbud^e  5U  ©runbe  ju  legen.  ®er 
©lanbpunft  bcö  ©ntrourfcö  ftel^t  in  biefer  Sejie^ung  aud;  mit  ber  in  ©eutfdd* 


1020  a3onnunbfd6aft.    SfUgemeinc  Scßrünbung.    (§§  1633—1748.) 

lanb  überroicgcnb  l^errfd^enbcn  SKnfid&t  im  ©inflangc,  tocfd^c,  wie  man  mo^I 
bel^aupten  barf,  je  langer,  je  mc^r  bcr  S3eibe{)altung  bcö  ^cimifd^cn  JRcd^ted 
geneigt  geworben  ift  ober  hoä)  bic  Stb^ülfc  ber  in  biefem  etwa  oorl^anbenen 
ÜKöngel  x>on  einer  angemeffenen  Sleform  be«  eigenen  Sleij^te«,  nid^t  ober  üon 
bem  Uebergange  ju  einem  frcmben  S^fteme  erwartet.  6ö  ift  in  biefem  3w* 
fammen^ange  inöbefonberc  an  bie  SSorgänge  in  Sabcn  unb  in  $effen*S)annftabt 
JU  erinnern.  Sürofe  ber  engen  SSerroanbtfd&oft,  meldte  jroifd^en  ber  (Sefefcgebung 
bicfer  Sönber  unb  bem  franj.  Siedete  befte^t,  ^oben  jene  ©efefjgebungcn  eö  ab« 
geleldnt,  ben  franj.  gamilienrat^  als  entfd^eibenbeö  Organ  ber  DberDormunb« 
fd^aft  cinjufü^ren;  üielme^r  l^at  man  bie  Dberoormunbfd^aft  ^icr  formeB  frei 
in  bie  §anb  beö  9li(^terfi  gelegt  unb  i^n  lebiglid^  auf  ben  SBeiratb  eineö, 
allerbingö  nad^  franj.  aWuftcr  organiftrten,  gamilienrattieö  angeroiefen.  3nö* 
befonbere  üerfprid&t  ber  l^eff.  Gntro.  (SKotioe  ©.  202)  ftd^  für  bie  ^roüinj 
Sl^ein-^effen,  mo  ba^  fronj.  9led)t  gilt,  alß  golge  ber  Sefeitigung  beö  feit« 
l^erigen  gamilienrat^eß  eine  Steige  t)on  SSerbcRerungen  (üergl.  {ebod^  ^eff.  ®ef. 
t).  18.  3uni  1887  STrt.  7).  gür  ^ßreufeen  finbet  fid&  bereits  in  ben  arbeiten 
ber  (SefetfreDiFion  Don  1831  (^enf.  VIT,  aJlotioe  ©.  36  ff.)  eine  abfäUigc 
Seurt^eilung  beö  franj.  gamificnrat^e«.  ©benfo  fpreciien  bie  ÜKotiue  ber 
preuft.  aSorm.  D.  ©.  44—47  ftd^  im  SBefentfid^en  aus  ben  im  SBorftebenben 
in  Setra^t  gejogenen  Orünben  gegen  eine  Set^ciligung  ber  j5<^milie  an  ber 
Seitung  bes  SJormunbfd^aftftroefenS  in  ber  SBeife  bes  franj.  9led()tcS  aus.  ©ie 
bemerten  babei,  bafe  ber  franj.  Familienrat^  allerbings  in  ben  Jlreifen  ber 
rljeinifd^en  3uriften  eine  grofee  Qaifl  warmer  SSert^eibiger  gefunben,  bafe  ftc^ 
bagegen  in  ben  eingegangenen  93crid^ten  bcr  nid^t  bem  rl^ein.  franj.  SRec^tS- 
gebiete  ange^orenben  ®erid)te  eine  große  Uebereinftimmung  in  ber  SSermerfung 
ber  franj.  Sinrid^tung  hmbgegcben  f)abc.  (Segen  bie  ®infü^rung  beS  be« 
fcöließenben  gamilienrat^es  in  bas  beutfd&c  33ormunbfd&aft6n)efcn  Ijabcn  ftd^ 
aud^,  oorbel^altlid^  ber  grage  nad)  ber  3uläffigfeit  eines  fafultatioen  gamilien« 
rat^eS,  bie  erfte  unb  jmeite  Slbt^eihmg  beS  jroolften  beutfd)en  Swnftentages 
ausgefprod&en  (aSerl^anbl.  b.  XII.  bcutfd^en  SuriftentageS  93b.  1  ©.  8  ff.,  93b.  2 
©.  179  ff.,  93b.  3  S.  102  ff.). 

SBie  aber  aud^  ber  ©injetne  über  jene  ^age  benfen  mag,  fad^lid^  muß 
biefelbe  burd^  bie  preufe.  3Sorm.  0.  als  entfd&ieben  gelten.  ®ic  preufe.  ®efe|» 
gebung  fa^  fid^  t)or  bie  grage  geftellt,  ob  fte  bie  9?eform  i^res  SBormimbfc^aftS* 
re^tes  im  ©inne  beS  gemeinen  ober  in  bem  beS  franj.  SRed^tes  in  Angriff 
nehmen  foHe.  ©ie  l^at  [xä)  babei  nad&  forgfältiger  5ßrufung  bcS  ©cgen« 
ftonbes  in  roefentUd^er  Uebereinftimmung  bcr  ücrfd^icbenen  gaftoren  ber  ©efeß* 
gebung  für  bas  ©pftem  bes  gemeinen  JBed^tcS  entfd^ieben  unb  bie  Stufgabe 
in  biefem  ©inne  burciigefül^rt.  S)ie  SReid^Sgefefegebung  mürbe  fid^  über  bie 
Sebeutung  biefeS  erft  ber  iüngften  Vergangenheit  ange^orenbcn  SSorgangeS 
bcS  größten  beutfd^en  ©taates  nur  aus  ben  jwingenbften  ©rünben  ^inroeg* 
fe^en  tonnen. 

2luf  ber  anberen  ©eite  fprid)t  aber  ber  SJorgang  ber  preuß.  SSorm.  O. 
unb  bie  JRücffid&t  auf  biejenigcn  ©ebicte,  in  meldten  gegenwärtig  nod&  baS 
franj.  ©ijftcnt  in  (Seitung  ift,  bafür,  in  gcwiffen  SluSna^mef allen  burd^  3^- 
laffung  bcs  gamiIicnratf)cS  ber  j^i^^milie  eine  er^bl^tc  unb  einfhifercid&crc  Zf)ciU 


Sormunbfd&aft    Sragemeinc  ©cörünbunö.    (§§  1633—1748.)  1021 

na^me  an  bcr  Dbcroormunbfd^aft  ju  fid^crn,    SBcnn  oud&  im  ©cbiete  bcr 
prcufe.  SBorm.  D.  bic  3^^^  ^^^  iä^rdd^  onj^änfligcn  SBormunbfd^aften  mit 
gamilicnratl)  ocr^ättnifemäfeig  eine  er^ebtid^e  nxä)i  ift,  fo  Derbient  bo6)  bic 
S^^atfac^e  ^ead^tung^  bog  bie  3lnn)enbung  bed  ^nftttutcd  bed  gamilienrQtl^e& 
fid^  tcineömegö  auf  baö  ©ebiet  beö  franj.  Sled^tefi  befd^ränft,  fonbem  bafe 
boöfelbe  fid^  aud^  in  ben  übrigen  ©ebicten  ber  preufe.  aKonard&ic,  namentliti^ 
in  Oegenben  mit  außgcbel^ntem  gabrifbctriebe,  Eingang  ocrfd&afft  unb  man 
ungünftige  ®rfal^rungcn  in  Slnfc^ung  ieneö  3nftituteö  nic^t  gemalt  l^at.    (gi^ 
läfet  fid^  auä)  nid^t  tjerfcnncn,  bafe,  wenn  im  einjelnen  galle  SSerroanbte  ober 
33erfc^w)ägcrte  beß  SKünbete  uor^anben  finb,  t)on  benen  mon  überjeugt  fein 
fann,  bafe  [xt,  »on  lebenbigcm  gamilienintereffe  geleitet,  lebiglid^  baö  SBefte 
beö  SWünbelö  Dor  2lugen  ^aben  werben,  unb  xoznn  biefe  SSermanbten  ober  aScr^ 
fd^roägcrten  jugleid^  burd)  i^re  Sebenöoerf)ältniffe  unb  burdj)  i^re  ÄenntniRe 
Dorjugöroeifc  geeignet  erfd^einen,  bie  91ngclegenl^eiten  beö  äßünbelö  jutreffenb 
ju  bcurtt)ei(en,  bie  ^auptbebenfen  gegen  bad  Snftitut  bed  ^amilienratl^ed  vom 
@tanbpun!te  bed  3Sntereffcd  bed  SOtünbeld  aud  wegfallen  unb  bie  ^orjäge  bes 
3nftitutcd  ber  3lrt  in  ben  SSorbergrunb  treten,  bafe  ber  gamitienratlj  ate  ober^ 
Dormunbfd^aftUd^eg  Organ  bem  SSormunbfd^aftdgerid^te  minbeftenö  gleic^mert^ig 
an  bie  ©eite  gefcfet  werben  fann,    ®d  fommen  hierbei  inftbcfonbere  fold^e  gälle 
in  grage,  in  meldten  cfi  fid^  um  bie  gortfeftung  bebeutcnber  lanbmirtlifd^aft? 
lid^er  ober  inbuftrieller,  jum  SBermögen  beö  SKünbcte  ge^örenber  betriebe 
^anbelt  unb  bic  bem  33ormunbfd^aftörid^ter  in  biefen  Sejiel^ungcn  regetmäfeig 
felilenben  ted&nifd^cn  Äenntniffe  burd&  bie  SKitmirfung  geeigneter  aScrmanbten 
unb  SBerfd^roägertcn  crgänjt  werben  fönnen.    'S^ax  ift  cö  aud&  o^ne  Silbung 
eine«  gomilienratbeö  bem  SSormunbfd^aftagerid^te  unbenommen,  in  berartigcn 
gälten  bod  ®utad)ten  ®ac{|t)erftönbiger  unb  ben  diati)  geeigneter  gamilten^ 
mitglieber  einiu^olen;  allein  cd  befte^t  bod^  immer  ein  groger  Unterfd^ieb,  ob 
3emanb  fraft  feines  3lmteö  berufen  ift,  SRat^  ju  crtl^cilen  unb  bei  ber  ©nt* 
fd^eibung  mit ju wirf en  ober  ob  er  nur  bie  aWöglid^fcit  ^at,  fein  ©utad&ten 
abjugcben,    ^m  erfteren  galle  wirb  regelmägig  ber  (gifer  unb  baö  3ntereffe 
lebenbiger  unb  ba&  Sewugtfein  eigener  SBerantwortlid^feit  eine  größere  ©orantic 
für  bie  ®ütc  unb  bie  ®rünbtic^!cit  ber  bctreffenben  Slnorbnungcn  fein,   ©aju 
tommt,  bafe  es  gerabc  in  fold^en  gällen,  in  weld&en  grö&ere  gewerblid^e  S3e* 
triebe  jum  93ermögcn  bcS  OJlünbelö  gepren,  im  3»ttereffe  einer  nut(bringenben 
SSerwaltung  oft  fe^r  erwünfd^t  ift,  wenn  bic  Dbcroormunbfd^aft  bei  ©rt^eilung 
Don  ©ene^migungen  ni^t  allju  ängftlid^  ücrfäbrt,  3)er  ©injclridbtcr  wirb,  wenn 
bie  @ntfd^eibung  uon  i^m  allein  abl^öngt,  fd^on  mit  Stüdfid^t  auf  bie  xf)n 
trcffenbe  SBerantwortlid()feit  immer  e^er  bie  (Genehmigung  ju  oerfagen  geneigt 
fein,  wä^rcnb,  wenn  Saien  an  ber  Sefd^lufefaffung  2^^eil  nehmen,  bie  6nfe 
fd^eibung  l^äuftg  anberd  ausfallen  wirb.    Uebrigend  finb  aud^  nod^  anbere 
gölte  benfbar,  in  welchen  bie  S3itbung  eines  gamilienrat^es,  fei  es  burd^  bie 
2lrt  unb  SBeife  bcr  oon  ben  aWitgliebem  bes  gamilienrat^eS  traft  ilireS  Slmtes 
über  bie  oormunbfd&aftlic^e  3SerwaItung  }u  fü^renben  Slufftd^t,  fei  es  burdf) 
ben  moralifd^cn  ©influfe,  weld^en  fie  auf  ben  3Sormunb  ausüben,  fei  es  im 
^inblide  auf  bic  pcrfönlid^en  ober  gamilienoer{)ältniffe  bes  9KünbelS,  einen 
wefentlid^cn  Singen  gewähren  tann. 


1022  Sorimuibf(ftaft.    aUöcmcinc  »egrünbunö.    (§§  1633—1748.) 

93ci  bcr  Stuöflcftattung  beö  Snftitutcfi  bcd  gamilicnratfjcö  im  ©injclncn 
l)ai  ber  entiourf  (§§  1712  ff.)  ftd^  im  SBcfentüd^en  on  bic  Scftimmungen  bcr 
prciife.  SBorm.  D.  §§  71  ff.  ongcfd^toff cn ;  boc^  \)ai  er  bic  gfiBe,  in  lücld^cn 
ein  Familienrat^  gcbitbet  roerbcn  mufe,  ücrringert,  inbcm  er  in  ©rmangelung 
einer  bcÄfaUfigen  Slnorbnnng  beö  SSatcrft  ober  ber  eöelid^en  SWuttcr  bic  ®nU 
fci^cibung  ber  %va^t,  ob  ein  gamilienrat^  gebilbet  werben  foll,  wenn  ein  33er* 
TOQnbter  ober  aScrfd^mägerter  beö  aRünbeld  ober  ber  SSormunb  ober  (Segen* 
Dormunb  bic  (Sinfegung  beantragt  t)on  bem  @rmef[en  bed  SSormnnbfd^aftft* 
gerid&ted  abhängig  mad^t  (ücrgl.  §§  1713,  1736  b.  ©ntro.  mit  §  71  ber  preufe. 
SSorm.  D.).  SBegen  ber  Segrünbung  ber  einzelnen  93eftimmungcn  befi  6nt* 
rourfeö  über  ben  Familienrat^  wirb  auf  bie  befonberen  SKotioe  ju  ben  §§  1712  ff. 
ücrmiefen. 
©otifHge  3n  9lntnüpfung  an  biejenigen  ©cfeftgebiingen,  meldte,  wie  baö  bab.  SRed^t, 

^^^"'  einen  berat^cnben  Föntilienrat^  ttnwtn  ober  bod^,  roie  bie  preufe.  33orm.  0. 

«Hmbtenic.  §  55,  boö  SSormunbfc^aftdgcrid^t  oerpflid^ten,  unter  Umftänben  oor  einer  ju 
treffenben  Slnorbnung  SScrmanbtc  ober  ^erfd^mSgerte  bed  äOtünbelS  gutad^tlic^ 
i\u  Igoren,  ^at  auc^  ber  (gntrourf,  iebo4i  in  einer  freieren,  meniger  formaliftifd^en 
©eftatt,  burc^  bie  Seftimmung  beö  §  1678  bei  jeber  SSormunbfd^aft  ben  $8er« 
wanbten  unb  SSerfc^roögerten  beö  SRünbelö  eine  geroiffe  rcgetmöSigc  9Mit* 
toirfung  bei  Führung  ber  SSormunbfd^aft  gefid^ert.  S)ie  nä[;crc  SBegrünbung 
iener  Seftimmung  ift  ben  ÜRotioen  ju  §  1678  üorbe^altcn. 


IV. 
35aö  ^rinjip  bcr  Scibftänbigfeit  beö  SBormunbeö. 

2)aö  Snag  ber  Sclbftönbigfcit  unb  ber  eigenen  äSerantroortlid^tcit  beö 
SSormunbeö  bei  gü^rung  ber  oormunbfd^aftfid^en  SScrroaltung  ift  in  ben  bc* 
fteficnben  Siedeten  nid^t  glcid^mögig  geregelt,  ^an  lann  in  biefer  Sejie^ung 
brci  t)crfd)iebene  Slid^tungcn  unterfd^eiben,  n>eld^e  mau  nad^  if)vcn  roid^tigften 
aSertretcrn  afö  ben  ©tanbpunft  beö  gemeinen  Sled^teö,  ben  beö  preufe.  21.  S.  SR. 
unb  ben  beö  franj.  ^led^tcö  bejeid^ncn  barf. 
«citenbed  ©cmcinrcd^tlid^  liegt  bie  t)ormuubfc^aft[id^e  93ern)attung  in  ber  $anb 

**^  beö  SBormunbeö;  er  ift  bcr  gefeglic^e  SScrtrctcr  beö  aJlünbete  unb  fü^rt  bie 
SScrroaltung  m6)  eigenem  ©rmeffen  unb  auf  eigene  SScrantroortung.  SBfi^renb 
beftel^enber  SBormunbfc^aft  äußert  bie  Dbcroomtunbfd^aft  i^re  SBirlfamfeit 
in  bcr  regelmäßig  crforbcrlidicn  ©rt^cilung  beö  2)efretcö  ju  SSerfiufecrungcn. 
©ie  beauffid^tigt  bic  9Sermaltung  beö  SBormunbcö  unb  fann  i^n  nöt^igenfallö 
bur^i  unmittelbaren  'S^awQ  jur  ®rfiiUung  feiner  ?ßf(i^ten  anl^alten  unb  i^n 
megen  ^flid&troibrigfcitcn  ober  auö  fonftigen  gefe|Uc^cn  ©rünben  feineö  9lmteö 
cnttaflcn.  3)ie  roid&tigfte  ^anb^abe  biefer  beftänbigen  9luffid^t  finbet  fie  in  ber 
33orfd^rift  regelmäßiger  9l6legung  unb  9lbnal)mc  ber  SSormunbfc^aftöred&nungcn. 
Sie  Dberoormunbfd^aft  fann  aber  ben  SSormunb  nid^t  anroeifen,  wie  er  ^anbetn 
foD,  foroeit  er  nic^t  ju  einem  ©ingreifen  ber  Dbcroormunbfd^aft  auf  (Srunb 
beö  ber  Icfctcrcn  jufteljcnbcn  Sluffid^töred&teö,  bef[en  ©renjen  aUerbingö  im 
einjclnen  oft  fc^roierig  ju  gießen  finb,  SSerantaffung  giebt.    9iur  in  ganj  oer* 


aJormimbfcfiaft.    allgemeine  ©egrunbunß.    (§§  1633—1748.)  1023 

cinjeltcn  gfiUen  finb  bcr  DberDormunbfd()Qft  ^Qublungcu  bcr  cigentlid^eit  cor- 
munbfd^aftUcl^en  SSerrooltung  unmittelbar  fclbft  überiuiefcn.  ©ie  bcftimmt  ben 
aiufcnt^alt  bcö  ajlünbel«;  fic  ^ai  ferner  auf  ^[ntrag  beö  SSormunbeö  ben 
SSetrag  beöienigcn,  roaft  für  ben  93ebarf  beß  SWünbels  tjerroenbet  werben  barf, 
feftjufegen. 

2)iefer  gemeinrcd^tUd^e  Stanbpunft  ift  von  einer  SReifie  neuerer  ©efeg* 
gebungen,  inöbefonbere  von  bem  fäd&f.  ®.  39.  unb  bzn  l^anfeat.  aSormunbfd^aftSs 
orbnungen  ((übedf.  SBorm.  D.  v.  11.  Dftober  1820;  brem.  ajorm.  D.  v.  14.  SKai 
1882;  ^amb.  SBomt.  D.  v.  14.  ©cjember  1883)  im  SBefentlid^en  feftgel^attcn.  9luc^ 
bie  preufe.  SSorm.  D.  ift  in  ber  l^ier  fraglid^en  S3ejie^ung  bem  gemeinen  Siedete 
auf  bad  (Sngfte  oerroanbt;  fic  gel^t  glcid^fate  von  bem  ©runbgebanfen  aud, 
bafe  bie  üormunbfd^aftlid^c  SScrwaltung  fefbftänbig  in  ber  §anb  beö  SJor* 
munbcö  liegt  (§§  27,  37,  43,  49),  bem  93ormunbfd)aftögeri^tc  aber  über  bie 
gefammte  2:^ätigfcit  bcö  SBormunbcö  bie  9luffic^t  jufte^t  (§  51).  Ob  unb  in* 
wieiücit  auf  ©runb  bicfcö  Sluffid^töred^teß  bas  SBormunbfd^aftögcrid^t  olö  befugt 
onjufcl^cn  ift,  in  bie  SBcrroaftung  cinjugreifen,  inöbcfonbcre  in  3wedEmä6igfcitd* 
fragen  bem  SJormunbc  leitcnbe  ainroeifungen  ju  ert^eilen,  ift  in  ber  preufe. 
Suridprubenj  fe^r  beftritten  (tjcrgl.  3a^rb.  bcr  (Sntfc^.  b.  Äammerger.  IT,  23, 
24,  m,  29,  IV,  40). 

®ic  weitere  ©utroicfelung  beft  gemeinen  SWe^teß  l^at  bei  Dcrfd&iebencn 
dnbcren  Ocfeftgcbungen  ba^in  geführt,  ben  ©influfe  ber  Oberoormunbfd^aft  auf 
Äoften  ber  ©elbftänbig!cit  beö  SSormunbeö  mcl^r  ober  weniger  ju  fteigern.  3)aö 
micbtigfte  Seifpicl  biefcr  SRiciitung  ift  baö  prcufe.  21.  S.  5R.  ©aöfelbe  bejeid^net 
ben  aWünbel  ate  ^Pflegebefohlenen  beö  ©taateö  (II,  18  §§  3,  6)  unb  ben  SBor* 
munb  als  »cooBmäc^tigten  beß  ©taatcß  (II,  18  §  235).  3ebenfaBß  t^atfäc^lid^ 
ift  bie  93ormunbfd^aft  roefentlid^  in  bie  §anb  beß  SBormunbfd^aftßgerid^teß  ge^ 
legt.  S)aß  lefitere  ift  bered^tigt  unb  ocrpflid^tet,  ben  SBormunb  beftänbig  ju 
birigircn  unb  ju  beauffi^tigen  (II,  18  §  237);  cß  fann  bem  SSormunbe  Sln^^ 
meifungen  ert^eilen  (II,  18  §236);  bcr  33ormunb  l)at  uon  allen  erfjeblid^en 
^anblungen  bem  Oerid^te  Slnjcige  ju  mad^cn  unb  beffen  SKnroeifung  cin^ 
ju^olen  (II,  18  §§  238,  239).  S)em  Swedfe  ber  2luffic^t  bicnt  aud^  ^ier  eine 
regelmäßige  SHcc^nungötegung  an  baß  ©erid^t  (II,  18  §§  647—678).  2)icfem 
©9ftemc  entfpred^enb  ift  aud^  bie  aSerantwortlid^feit  beß  SSormunbcß  georbnet. 
6r  haftet  nic^t,  xotnn  baß  ©crid^t  felbft  ge^anbelt  ober  wtnn  er  auf  2ln* 
weifung  beß  Ic^teren  gcbanbelt  ^at,  fofern  nur  bicfer  Slnweifung  oon  i^m  auß* 
brücflid^  wibcrfprod^en  ift  (II,  18  §  300).  ©aneben  fennt  baß  preufe.  91. 2. 91. 
aUcrbingß  einen  außna^mßweifc  er^ebli^  felbftänbiger  gefteHten,  ben  fog.  be* 
freiten  SSormunb. 

SBie  baß  preufe.  21.  2.  91.  gelten  aud6  baß  Bfterr.  ®.  S.  unb  baß  jür. 
®.  33.  in  ber  S3cfd^ränfung  beß  SSormunbcß  über  ba^  gemeine  SRed^t  t)inauß, 
wenn  aud^  ni^t  in  glcid^em  üßafec. 

3m  ®egcnfa|e  ju  bem  bie  glcid^icitige  Sanbcßgcfcfegebung  in  S)eutfd^* 
lanb  bcl^errfc^enben  3wgc  auf  ©rweiterung  beß  33crufeß  bcr  Dberoormunbfc^aft 
l^at  ber  code  civil  ben  ©cbanfen  ber  ©elbftonbigfcit  beß  SSormunbcß  wicber 
mcbr  jur  ®c(tung  gcbrad^t,  inbcm  er  einen  SKittclweg  eingef^lagen  ^at.  S)ic 
aScrwaltung  ber  aSormunbfd^aft  in  i^rem  ganjcn  [Umfange  liegt  bem  SSor* 


1024  aSormunbfd&aft.    anßcmeinc  Scgrünbung.    (§§  1633-1748.) 

munbc  ob  (code  civil  3lrt.  450);  bcrfclbc  ift  inbcffcn  bei  jal^Ircid&en  JRcd^tö^ 
flcfd^Qftcn  imb  ^anblungcn  an  bic  ©cne^migung  bcö  gamUicnrat^cö  bcjm. 
bcö  ÄoUegialgcrid^tc«  gcbunbcn  (3lrt  450,  457,  461—465,  467,  468).  S)cr 
SBormunb  unterliegt  ber  Sluffic^t  beö  gamiticnrot^cö,  unb  bicfer  Slufrid&t  bient 
bcr  obligatorifd^e  ©cgenoormunb.  6ine  Sted^nungötegung  an  ben  gamifienrat^ 
pnbct  nid^t  ftatt;  ber  SBormunb  fonn  iebod^  tjon  bem  festeren  angehalten 
werben,  bem  Oegcnoormunbe  pcriobifd^e  Uebcrfid&ten  über  ben  S^ft^^i^  ^^ 
aSerroaltung  ju  geben  (9lrt.  470).  3lu6erbem  räumt  man  aber  bem  gamilien* 
rat^e  baö  SRed^t  ein,  bie  SBerroaltung  bcr  SSormunbfd&aft  }u  leiten.  Der 
gamilienratl^  ertl^eilt  bem  aSormunbe  inöbefonbcre  3lnroeifungen  roegen  ber  @r^ 
jiefjung  beö  äßünbelö ;  er  greift  ferner  mel^rfadj)  unmittelbar  felbft  ^anbelnb  in 
bie  SSerroaltung  ein  (oergl.  ärt.  454,  455,  457).  ©eeignetenfaHö.  fann  ber 
Familienrat^  ben  SSormunb  entfefeen  (Slrt.  421,  426,  446).  S)agegen  fc^lt  ea 
an  bidjiplinarifd^en  SBorfd^riften,  ein  3Rangel,  weld^cr  fid^  proftifd^  fühlbar 
gemad^t  ^at  (Dergl.  Sßotit>c  bed  l^eff.  @ntm.  ©.  203)  unb  burd^  bie  preug. 
©efcfigebung  (Äab.  O.  r>.  5.  2tpril  1835)  für  bie  SR^einprotjinj  ergänjt 
morben  mar  (oergl.  aud^  ^eft.  ®ef.,  betr.  bie  SKnlegung  üormunbfd^aftlic^er 
unb  pflegfd^aftlic^er  Selber  u.  f.  ro.  unb  bic  aScr^ängung  von  Drbnung«* 
[trafen  bei  SSormunbfc^aften  unb  5ßflegfc^aftcn,  o.  18.  3uni  1887  Slrt.  6  ncbft 
SRotiocn  ©.  12). 

2)er  b^R-  6ntn)urf  unb  ber  ba^r.  ©ntrourf  einer  SSormunbfd&aftÄorbnung 
V.  1874  fte^en  in  bicfer  gragc  rocfcntlidö  auf  bem  ©tanbpunfte  beö  franj. 
SRed^tcö.  änlangenb  inöbefonbcre  ben  ba^r.  ©ntmurf,  fo  fann  bic  Dber^ 
tjormunbfd^aft  bem  SBormunbe,  obwohl  bie  aSermaltung  ber  aSormunbfd&aft  an 
ftd^  ©ac^e  bcö  lc|tcren  ift  (9lrt.  54,  59,  63),  Slnrocifungcn  über  bic  erjiebung 
beö  ajiünbclö  ertl^ilcn  (9lrt.  59,  60);  fic  ^at  i^m  aufecrbem  Slnrocifungcn  ju 
ertl^eilen  bei  93eginn  bcr  SSormunbfc^aft,  fomic  naö)  bem  3lnfallc  eines  neuen 
SScrmbgcnö  in  Sejic^ung  auf  eine  SRci^c  befonberö  namhaft  gemad&ter  wichtiger 
gragen  ber  aSermögcnöocrroattung  unb  fann  aud^  in  anbercn  SBcrmaltungö* 
angclegenl^citcn  naä)  il^rem  ®rmeffcn  bem  SBormunbc  älnmcifungcn  für  bie 
®cf#ftöfü{)rung  crt^eilen  (Slrt.  66). 
6tatibpun{t  S)cr  oorlicgcnbc  ®ntn)urf  ^at  in  bcr  ^icr  fraglid^cn  Sciie^ung  bem 

«ntourfe«.  ^^"^J^P^  ^^^  gcmcincn  SRcd^tcö  unb  bcr  preufe.  aSorm.  O.  fid^  angcfc^loffcn. 
2)ie  ©rfa^rung  l^at  gejeigt,  bafe  ba,  mo  bic  Oerid^tc  bie  Dberoormunbfd^aft 
führen,  eine  Sluöbefinung  i^rer  Sefugniffe  im  ©inne  bcö  preufe.  91.  S.  dl, 
cntf4iieben  nad^t^eilig  roirft.  S)aö  Scbürfnife  einer  SReform  beö  33ormunb^ 
fd^aftöred^tcö  l^attc  fidj  in  ^ßrcufecn,  je  länger,  je  me^r  fühlbar  gcmad&t. 
®ic  33eoormunbung  ber  aSormünber  burc^  bie  ©erid^tc  unb  bic  baburd^ 
ücrurfad^te  ©d^roerfälligfcit  bcr  SScrroaltung,  auf  rodele  Ic^tcrc  namentUd^  bie 
tJcrmögcnöred^tUd^c  aScrantroortlid^fcit  bcö  9lid^tcrö  ^inroirfte,  foroie  bie  Ueber* 
laftung  ber  (Serid^te  unb  bie  bamit  für  bie  ©taatöfaffe  ücrbunbencn  Äoften 
mürben  alö  fernere  ajiängcl  cmpfunbcn.  ©ie  ftnb  in  ben  SKotiDcn  ber  prcufe, 
aSorm.  D.  ©.  21—31  cinge^enb  bargclcgt  unb  erörtert,  unb  barf  auf  bicfe 
©arftcBung  ^x  oermiefen  roerben.  S)er  ©d&ritt,  ju  roeld^em  bic  preufe. 
©efeggebung  burd^  bic  gemad^ten  ©rfabrungen  fidö  oerantafet  gefc^en  ^at,  mu& 
in  bicfer  SBcjic^ung  alö  entf^cibenb  angefc^cu  merbett.    3)ie  neue  preufe. 


SScrimtnbfd&aft.    attGemcine  ScflrünbunG.    {§§  1633—1748.)  1025 

SJorm.  D.  ift  im  aOScfcutUdjcn  iu  bcm  S^ftemc  bcö  (jcmeincn  5lcJ)tcö  jurücf* 
gefeiert.  Sic  \)at  nic^t  nur  bic  (anbredötlid^c  obligatorifd^c ,  fonbcru  and)  bic 
franäofifd^rcdjtlidic  fotultatitjc  Seitung  ber  üormunbfd^oftlid^en  ^^cvroaltung 
bxixd)  bic  Dbcroonnunbfd^oft  bcfcitigt  unb  mufetc  biefcn  Sd^ritt  t^un,  lüeim 
flc  bic  Dbcröortnunbfcl^Qft  bcn  ©crid^tcn  bclaj^cn  looUtc,  locil  mit  ©ic^crl)cit 
poroudgcfct)cu  werben  !onntc,  bofe,  wenn  man  ben  Oerid^ten  oud|  nur  boö 
ÜRcdjt  einräumen  mürbe,  bie  Seitung  ber  Dormunbfd&oftlic^en  SBerroattung  in 
bic  ^anb  ju  ncl)men,  tfiatfä^lid)  ber  biö()erigc  S^ftanb  im  ©rofecn  unb 
©onjen  befteljen  bleiben  unb  bic  Sefeitigung  ber  ^erüorgcf)obenen  Uebelftänbe 
nid^t  eneid^t  merben  mürbe.  S)em  ©croidjtc  biefeö  SJorgangcö  fann  baö 
bcutfdde  bfirgerlid^e  ©efeßbud^  ftd&  nid^t  entjiefien.  SoU  bie  gü^rung  ber 
Cberoormunbfd^aft  burd)  bie  ©crid^tc  bcibel^olten  merben,  fo  ergiebt  fid^ 
baraus  uon  fclbft  bic  9lot^roenbigtcit,  jur  SSermeibung  ber  bcjciciinctcn  UebeU 
ftänbe  bem  SSormunbc  im  SBefentlid^en  bie  Sßcrroaltung  ate  eine  felbftänbigc 
im  Sinne  beö  gemeinen  9ted|ted  ju  übermeifen. 

Slber  aud)  obgefefien  baoon  [teilt  bie  bem  gemeinen  SRcd^te  entfpred&enbe 
Crganifotion  bed  tjormunbfd&aftlid^en  Sd^ugeö,  nad^  meld^er  bic  eigentlid^c  SSer^^ 
roaitung  felbftänbig  in  bic  §Qnb  bcö  SBormunbeö  gelegt  roirb  unb  bic  Dber* 
Dormunbfd^oft  nur  bei  cinjclnen  bcftimmten  Slngclegcnl^eitcn  mltjumirfcn,  im 
Uebrigen  aber  bic  2:f|fitigteit  berfelben  ftc^  grunbfäfelid^  auf  eine  bie  ©efefemöfeig^ 
feit  unb  ^ßPid^tmäfeigfcit  ber  oormunbfd&aftUd^en  SScrmaltung  fid^ernbc  3lufftd&t 
ju  befd&rfinfen  ^at,  fi^  ofö  bie  natürlid^fte  unb  jmcdfcntfprcd^enbftc  gorm  bar,  in 
meldjcr  biefcr  Sd^u|  gemalert  merben  fann.  Sie  fd^Uefet  ftd^  bem  natürlid^cii 
95orbi(be  ber  SBormunbfd&aft,  ber  elterlid^en  (Scraalt,  an.  3ln  bic  Stelle  be& 
uerftorbenen  33aterö  bcjm.  ber  SMutter  tritt  ber  95ormunb  unb  übernimmt  an 
bcren  Stelle  bic  Sorge  für  bic  ^ßerfon  unb  baö  aSermögcn  bcö  Äinbeö.  2)ic 
SSermaltung  erl^ält  bur^)  biefe  Äonjentration  in  einer  .§anb  bm  burd^ 
feine  anbere  ©inridötimg  tJoUftänbig  ju  crfeftenbcn  SSort^eit  ber  ©in^eitlic^feit 
unb  ungctfieilten  33erantmortli(i|tcit.  Sobatb  man  bic  DberDormunbfd^aft, 
fei  eö  obligatorifc^  ober  fafultatiu,  nid^t  bloß  oberauffc^cnb,  fonbern  pofttio 
I)anbclnb  an  ber  SlJerroaltung  SCIjcil  nctimcn  täfet,  muß  infomeit  aud)  bic  93er^ 
antmortlid^fcit  von  bem  SBormunbc  auf  bic  DberDormunbfd^aft  übertragen  merben, 
^ic  gotgc  baoon  ift  bei  bem  franj.  gamilienratljc  eine  faft  oollftänbigc  SBer? 
ftüd&tigung  biefcr  aSerantmortlic^teit  gemcfen,  möljrenb  fic  im  (Seltungögebicte 
beö  prcufe.  91.  2.  91.  für  ben  SBormunbfc^aftörid^tcr  su  einer  brüdfcnben,  bie 
Gnergic  unb  SSermaltung  ^emmenben  gcffcl  gemorben  mar.  Oiebt  man  bcm 
58ormunbfd^aftögcrid^tc  aud^  nur  bie  Scfugnife,  bcm  SBormuube  Icitenbc,  auö 
bloßen  Swedfmäfeigfcitörüdffid^tcn  Iiergcnommcne  3lnmcifungen  ju  ert^eilen,  fo 
cntftcfjt  bic  (Sefa^r,  bafe  baöfclbc  üon  biefcr  Sefugnift  o^nc  3loÜ)  in  Dielen  gällen 
®ebraud)  mad)t,  bem  SSormunbc  babur^  Suft  unb  Siebe  jur  gü^rung  ber  SSor* 
munbfdiaft  benimmt  unb  bcnfelbcn  jum  Skd^tl^eilc  bcö  9)iünbclö  baran  gemöl^nt, 
ftatt  felbftänbig  unb  auf  eigene  33erantmortung  ju  l^anbeln,  bic  3lnmeifungen 
bcö  aSormunbfd^aftögerici^tcö  abjumarten.  S)er  ©ntmurf  plt  beö^alb  gninb* 
fä^Iidf}  baran  feft,  bafe  baö  SBormunbfd^aftögcric^t  nid^t  felbft  l^anbelnb  in  bic 
33crmaltung  eingreifen  barf  (tjcrgl.  jcbod^  §  1683)  unb  au^  nid&t  fraft  bcö 
if)m  äuftc^enben  Stuffid^töred^teö  (§  1684)  bic  Sefugnife  l)at,  in  Sro^cfmäfeigfcitö^ 

SRotioe }.  bflrgerl.  (Sefe^auc^.    IV.  65 


1026  aSormunbf$aft.    äagemetnc  S3cörühbung.    (§§  1633-1748.) 

fragen  bcm  Sßormunbc  Icitenbe  3lnrt)cifungen  5u  crt^cUcn  unb  feine  Slnfi^t  an 
bie  ©teile  ber  SSnfid)!  bcß  SBormunbcö  ju  fefecn.  ©elbft  in  ben  gäUen,  in 
TOeld^en  bei  einer  SBerfd^ieben^eit  ber  iDieinungen  unter  ntel^reren  SSormünbcm 
boö  aSormunbfd^aftägerid^t  jur  entfd^cibung  berufen  ift  (§§  1652,  1653),  ^at 
ba&  a3ormunbfd^aftßgerid)t  nur  bie  Sefugnife,  bem  einen  ober  anberen  Streife 
ber  SBormünber  beizutreten,  nid^t  aber  eine  neue  SSfnfid^t  aufjuftellen  unb  bie 
Siormünber  anjul^alten,  banod^  ju  l^anbeln.  ßine  3luönal^me  oon  bem  5ßrinjipc 
entfialten  bie  »eftimmungen  beö  §  1232  2lb[.  2  unb  beö  §  1685. 
«uffM^tare^t  stuf  ber  anberen  ©eite  barf  aber  baß  ?JJrinjip  ber  ©elbftänbigfeit  bcd 

*''^®X""^  ^0*^"^""^^^  gegenüber  ber  DbcrDormunbfd()aft  a\x6)  nid&t  ber  3trt  auf  bie 
gevi(^ie8.  ©pi|c  getrieben  werben,  ba^  baö  3luffid(|töred&t  bcö  aSormunbfd^aftögerid^tcß 
fid^  lebiglidö  auf  baö  SRed^t  ber  ftcnntnifenal^me,  auf  bas  Siecht,  9luöfunft  ju 
verlangen  (§  1686)  unb  auf  roal^rgenommenc  3)längel  ber  Dormunbfd^aftlid&cn 
SBerroaltung  aufmerffam  ju  mad^cn,  foroie  auf  baö  SRed^t,  ben  ^ormunb 
nöt^igenfaDö  ju  entladen  (§  1705),  befd^räntt.  Sttö  felbftoerftänblid^  betrad&tet 
ber  entrourf  eö  junöd^ft,  baß  baö  SBormunbfd^aftögerid^t  in  benienigen  gäUen, 
in  roeld^en  bem  SBormunbc  ein  beftimmtcö  ^anbeln  jur  ^^\ä)t  gemacht  ift,  fei  cö 
burd^  befonbere  gefeftlid^e  SBorfd^iriften  (oergl.  j.  93.  §§  1659, 1664—1668,  1670, 
1687),  fei  eö  burd^  befonbere  gültige  Slnorbnungen  a)ritter  (§  1660)  ober  burd^ 
ainorbnungcn,  roeld^ie  baö  SBormunbfd^aftögeridöt  jum  S^edEc  ber  Sluffid^t  ju 
treffen  burd^  baö  ©efefe  befonberö  ermächtigt  ift  (§  1670  2lbf.  3,  §§  1689, 1694), 
ben  SJormunb  fraft  feineö  3luffid&töredöteö  jur  Erfüllung  feiner  ^ftid^ten  burd^ 
geeignete  (Sebote  ober  Verbote  anl^alten  fann.  SlHein  baburd^  mirb  bem 
praftifdtien  Sebürfniffc  nid^t  genügt;  t)iclmel^r  ift  eö  jum  ©d&uße  ber  3ntcreffen 
beö  3}huibelö  geboten,  bem  SBormunbfd&aftögerid^te  ganj  allgemein  bie  Sefugnife 
JU  geben,  gegen  5ßflid)tmibrigfeiten  beö  SSormunbeö,  b.  1^.  in  allen  gällcn,  in 
meld&en  baö  SBerl^alten  beöfclben,  beftel^e  baöfelbe  nun  in  einem  pofitioen 
§anbeln  ober  in  einem  Unterlagen,  megen  eineö  bem  Sßormunbe  ä»^  2aft 
faHenben  SJerfd^ulbenö  (§  1696)  alö  eine  ^ßflid^tmibrigtcit  fid^  barftellt,  burd) 
geeignete  Oebote  ober  Sßerbote  cinjufd^reiten,  an6)  roenn  eö  fid^  nid&t  um  bie 
Sßerleftung  einer  im  ©efeftc  befonberö  l^eroorgel^obenen,  bem  Sluffid^töred^te 
biencnben  unb  ber  ©elbftänbigfeit  beö  SBormunbeö  in  ber  gül^rung  ber  SBor« 
munbfd^aft  ©d^ranfen  fefeenben  ^flid^t  l^anbelt  (§  1684).  ©egen  bie  Sßer* 
fagung  einer  fold^en,  ber  gefd^id^tlid&en  ©ntmicfelung  beö  oben)ormunbfd&oft* 
lid^en  Sluffid^töre^teö  im  gemeinen  SRcd^te  entfprcd()enben  SBefugnife  ergebt  fi^ 
tnöbefonbere  baö  fd^roenoiegenbe  33eben{en,  baß  o^ne  bicfe  Scfugnife  baft 
SSormunbfd^aftögerid^t  geuötfiigt  fein  mürbe,  entroeber  ru^ig  jujufe^en,  wenn 
ber  SBormunb  burd^  ein  jroar  nic^t  gegen  fpejielte  gefefelid&c  SBorf^riften  oer* 
ftofeenbeö,  aber  boc^  pftid^tmibrigcö  SJer^alten  bei  §"^^^""9  ^^  t)ormunbfd&aft^ 
li6)m  aSermaltung  ben  3)lünbel  ju  gefäf)vben  bro^t,  ober  fofort  ju  bem 
äufeerften  SOUttel,  bem  ber  ®ntlaf[ung  bcö  SBormunbeö,  ju  greifen.  3n  Dielen 
gälten  mirb  aber  bie  Slnmenbung  biefcö  äußerften  SDUttelö  5U  bem  ju  et* 
reid^enben  3njedEe  in  feinem  angemeffenen  Sßerl)ältniffe  ftel^en,  fonbern  ju  einem 
praftifd)  unerroünfdjten  SRefultate  fül)ren.  Äann  baö  aSormunbfd^aftögcrid^t 
ben  SSormunb  megen  beffcn  ^^flid^tmibrigfeit  cntlaffen,  fo  ift  cö  unbebenttid^, 
bem  5Bormunbfd&aftögerid)te  aud&  bie  SBefugnig  ju  geben,  gegen  eine  fold^c 


S3ormunb|4aft.    Stttöemeine  Scßrünbung.    (§§  1633—1748.)  1027 

Ißflid&tiüibrigfcU  burd)  geeignete  ©ebote  imb  Serbote  einjufdb^^^it^n.  Um  fo 
tnei^r  cmpficfilt  eö  fid^,  bem  SBormunbfd^aftftgerid^te  bie  ÜDlöglid^teit  ju  einem 
fol(^en  (ginfcl^rciten  ju  geroS^rcn,  ote  ber  SRünbel  burd&  ein  gefefeUd)eö  ^^fanb* 
xed&t  am  JBermögen  beö  SSonnunbeö  gegen  bcn  i^m  burd^  pflid^tmibrige  aSer* 
maltxing  beö  SBormunbeö  erroad^fenen  ©d^aben  nid^t  meljr  gefid^ert  ift  iinb 
•eine  Sid^erljcitftleiftung,  wenn  fie  aud^  nad^  §  1689  unter  befonberen  Um^ 
ftänbcn  bem  Sßormunbc  angefonnen  werben  tann,  bod^  infofern,  ote  fie  ben 
SJormunb  jur  Slblel^nung  ber  SSormunbfd^aft  bcjro.  jur  gorbenmg  feiner  Gnt^^ 
taffung  berechtigt  (§  1643  9lr.  6,  §  1706  3lbf.  2),  nid^t  eriwingbar  ift  nnb 
beöl^alb  nur  oufina^möroeife  ftattfinben  mirb.  ®ie  SBeforgnife,  baö  aufgeftcllte 
^rinjip  fonnc  bol^in  fixieren,  bofe  baö  aSormunbfd^aftögcrid^t  bie  Seitimg 
ier  t)ormunbfd^aftIid^en  SBerroöUung  ben  ^änben  beö  aSormnnbeö  entminbe, 
inbem  eö  leidet  geneigt  fein  werbe,  ein  33er^altcn  beö  SSormunbcö  fd^on  bann 
<xlö  pflid^troibrig  ju  betrad^ten,  wenn  nad^  feiner  Slnftd^t  ein  anbereö  SBer- 
galten  alö  jroecfmäfeiger  fid^  barftcüc,  fann  nid^t  getl^eilt  roerben,  3)aö  @efeg 
■felbft  läfet  für  eine  fold^c  Sluffaffung  feinen  SRaum,  wenn  baöfclbc  auöbrüdftici^ 
tcftimmt,  bafe  baö  aSormunbfd^aftögerid^t  nur  gegen  ^ftid&troibrigfelten  burd) 
•geeignete  ©ebote  ober  SSerbote  einjufd&reiten  befugt  ift  (§  1684).  ®aö  bürger« 
lid^e  ©cfefebud^  l&at  jubcm  nid^t  me^r,  mie  bie  preufe.  3Sorm.  D.,  ntit  bcn  auf 
ben  33eftimmungen  beö  preufe.  21.  S.  91.  über  bie  ©teUimg  beö  33ormunbeö 
gegenüber  bem  SJormunbfd^aftögerid^tc  berul^enben  Slnfd^auungen  ju  red^nen 
nnb  beöfialb  feinen  Slnlafe,  mit  SRücffid^t  auf  Ijergebrad&te,  mit  bem  5ßrinjipc 
ber  Scibftftnbigfcit  beö  SSormimbcö  nid^t  im  ©inftangc  ftef)enbe  unb  bie  SDurd^- 
ful^rung  jeneö  ^ßrinjipeö  erfd^roerenbe  unb  gefä^rbenbc  Slufd^auungen  baö 
iKuffid^töred^t  beö  aSormunbfd^aftögerid^teö  etma  burd&  fpejielle  gefeßlic^e  Sc- 
ftimmungen  bariiber,  in  meldjcn  einjelnen  göDen  baö  SSormunbfd^aftögeri^t 
"ben  3>ormunb  ju  einem  ^anbeln  ober  ju  einem  Unterlajfen  anlialten  fönne, 
.ju  begrenjen.  3"  ben  ©ebieten  beö  gemeinen  Sled^teö  f|at  baö  I)ier  frag^ 
lid)e,  im  §  1684  jum  3IuöbrudEc  gelangte  allgemeine  ^rinjip  ju  Ueber? 
griffen  beö  aSormunbfc^aftögerid^teö  in  bie  t)ormunbfd^aftIid&e  SBenoaltung 
ind)t  geführt,  fonbern  alö  praftifd^  braud^bar  fid&  bcroälSirt.  aSiffenfd^aft  unb 
Ißrayiö  werben  §ubem  einem  unrid^tigen  SSerftänbniffe  beö  ©efefecö  mirffam 
«entgegentreten. 

S)ie  bem  aSormunbfd^aftögerid^te  fraft  feineö  Slufftd^törcd^tcö  beigelegten  g^°JJ^J}*j^^^ 
S3efugniRe  in  33erbinbung  mit  ben  biefem  Sluffid^töred&te  bienenben  unb  bem  eeibfianwa*'^ 
freien  ®rmeffen  beö  SBormunbeö  bei  gü^rung  ber  uormunbfd&aftIid)en  SJer^ '"*^JJJ  ®'*^' 
maltung  Sd^ranfen  fegenbcn  befonbercn  Seftimmungen,  inöbefonbere  mit  ben 
"Seftimmungen  über  bie  Sßerpflid&tung  beö  SJormunbeö  jur  einrcid&ung  eineö 
SScrmogenöterjcidbniffeö    (§  1659)    unb    jur    periobifd^en    SRed^nungöIegung 
<§§  1687, 1688),  fiber  bie  9lnlegung  ber  a)lünbelgelber  (§§  1664  ff.)  unb  über 
bie  ^interlegungöpflidbt  (§§  1670— -1672),  ftellen  bem  aSormunbfd^aftögeridbte 
■auöreid^enbc  SMittel  ju  ©ebote,  um  bei  getoiffen^aftcr  unb  fad&gemäfeer  Seitung 
ber  Dberoormunbfd^aft  h^n  ©efa^ren,  meldte  unter  Umftänben  mit  bem  ^rinjipe 
i)er  ©elbftänbigfeit  beö  Sormunbeö  für  bie  Sid^erl^eit  beö  SDtünbelö  aUerbingö 
ijerbunben  fein  fonnen,  mirffam  ju  begegnen,  ©aju  f ommt,  ba^  in  geroiffen  gällen 
iic  aSertrctungömad^t  beö  SBormunbcö  auögefd&toffen  (§§  1650, 1651, 1661,  pergL 

65* 


1028  aSonmmfcfd&aft.    «möcmeinc  SBcörünbunQ.    (§§  1633—1748.) 

aiicS)  §  1677),  in  einer  großen  SRcitjc  onberer  gäüc  burd)  boö  erforbernife  bcr  ®e? 
ncfjmigung  beö  ®egent)ormunbcö  bejto.  beö  ajormunbfdjaftögcrid^tcd  cingcfd^iränft 

ift  (§  1666  5SPbf.  2,  §§  1669—1671,  1674—1676,  1681,  1682,  1731,  1732,  11^ 
1341  arbf.  2,  §  1431  äPbf.  2,  §§  1576,  1589,  1600,  1613  2ß)f.  1,  2,  §  162^ 
9tbf.  5,  §§  1630,  1957  9lbf.  3,  §  1962  9lbf.  2,  §  2020  Slbf.  1,  §§  2024,  2043^ 
2094  Slbf.  6).  2)ie  mit  ber  ©elbftänbigfeit  beö  SBormunbcÄ  oerbunbcnen  ®c^ 
fal)rcn  lücrben  ferner  geminbert  burd^  boö  SeftcIIungöprinjip  (§  1634;  t)crgl. 
3ir.  VI  bcr  allgemeinen  Segrünbung),  foroie  biirdö  baö  3nftitut  beö  SBaifenratl^ö^ 
(§  1725)  unb  baö  Snftitut  bcä  ©egenoormunbeö  (§§  1647,  1654,  1666,  1669, 
1676,  1679,  1682,  1686,  1687  Slbf.  6,  §§  1696,  1701).  @ö  fann  jugcgeben 
werben,  bafe  m6)  ©infüfirung  ber  preufe.  Söorm.  D.  bic  iunäd^ft  gcmad^tcit 
6rfal)rungen  in  ^ßreufeen  mand^c  Scbenfen  gegen  bie  bem  SSormunbc  cin«^ 
geräumte  freiere  Stellung  erregt  l)aben;  inbeffen  bie  gelicgten  Sefürd^tungcn, 
«jeld^e  man  an  jene  freiere  Stellung  beö  aSormunbcä  gefnüpft  l^at,  l^abeit 
löcber  in  ^^reufeen  nod^  in  anberen  Staaten  in  einem  fold^cn  Umfange  fic^ 
DcrTOirflid)t,  ba%  man  S3ebenfcn  tragen  müßte,  bcm  31^8^  ^^  neueren  SRed&tcft 
in  bcr  fjier  fraglichen  S3ejief|ung  ju  folgen.  3n  Preußen  Ijabcn  bie  göHe  ber 
Untreue  ber  SSormünber  feit  einer  SRei^e  oon  3a^ren  iäljrli^  abgenommen 
unb  in  Süb52)eutfd()lanb  l)at  ber  freiere  Stanbpunft,  meieren  oud^  bcr  (Sntrourf 
einnimmt,  ftd^  in  einer  SBcifc  bemäl^rt,  baß  man  bcffcn  Beibehaltung  nad&  bcm 
oorliegcnben  9lad&rid()ten  lcbl)aft  münfd^t.  3m  ©anjen  merbcn  bic  mit  einer 
größeren  83efd()ränhxng  ber  SWed^te  beö  SSormunbeö  Dcrbunbcncn  Sßortl^cilc  bur^ 
bic  mit  berfelbcn  ücrbunbcncn  9iac^tljeile  bei  aSBcitcm  übcrroogen. 


V. 

SScrmaltcnbcr  3Sormunb.    ©egenoormunb. 

««rtcnbe«  gaft  in  allen  9ficdf)tcn  finbet  ftd^  bcr  Unterfd^icb  jmifc^cn  cigcntlid^  oer^ 

^^"^^  maltcnbcn  SSormünbern  unb  ©^renoormünbern,  b.  l).  fold^en  SSormünbern^ 
meldte  gemiffermaßen  nur  in  jitjciter  Sinie  neben  bcm  ^auptoormunbe, 
inöbefonbcrc  aud^  iur  Sluffid^it  über  biefcn,  t)em)cnbet  merben.  3«  bicfcr 
jweiten  KlaRe  Don  SBormünbcrn  gel^oren  bic  tutores  lionorarii  ober  tutore» 
notitiae  causa  bcö  gemeinen  Sied&teö,  foroic  bie  Gfirenoormünbcr  beö  preuß. 
91.  S.  SR.  II,  18  §§  120,  121,  bcß  fäc^f.  ®.  93.  §  1691  unb  beö  rocimar.  ®cf. 
r).  27.  äWärj  1872  §  67.  3la6)  ben  Jied^ten  oon  Sübcdf,  93rcmen  unb  ^am* 
bürg  merben  regelmäßig  jroei  33ormünbcr  bcfteHt,  von  meldten  bcr  eine  bic 
aScrmaltung,  ber  anbere  bic  Sluffid^t  fü^rt.  ?lad^  ben  SRcc^ten  von  Sübecf  unb^ 
Hamburg  mcd^fclt,  menigftcnö  alö  Siegel,  bie  SBcrroaltting  unb  bic  Sluffid)t 
iä^rlid^  unter  ben  SSormünbcrn.  3^^  SBrcmcn  fann  bic  SSormunbfd^aftöbc^orbe- 
einen  fotd^cn  gBed^fcl  anorbnen  (tiibecf.  SSorm.  D.  v.  11.  Dftober  1820  §§  11, 12; 
brem.  SBorm.  D.  v.  14.  ällai  1882  §§  4, 47;  ^amb.  SBorm.  D.  v.  14.  ajcjembcr 
1883  Slrt.  10,  20).  gcrner  gehört  Ijicrl^cr  ber  tuteur  subroge  beö  franj.  3lc(i&tcö. 
(code  civil  Slrt.  420),  TOcldöcr  alö  ©cgenoormunb  in  bic  preuß.  SSorm.  D.  §  26- 
übergegangen  ift,  2)er  l^eff.  ©ntmurf  i)at  baö  3nftitut  beö  ®cgenoormunbcö. 
nid)t  übernommen,  crfennt  inbeffen  bic  3Röglid^fcit  bcr  Seftellung  tion  SSor^^ 


aSoi-munbfd&aft.    Stagcmcinc  Seörünbung.    (§§  1633—1748.)  1029 

tnünbcrn  mit  bcftimmten  Sluffic^töred^tcu  an  (^cf|.  ®ntn).  IV  3lrt.  4i  nebft 
ÜHotiücn  S.  235  ff.).  Sagcgen  finb  bem  bai)r.  ©ntrourfc  bloö  9luffid^t  fül)rcnbe 
SBormünbcr,  inöbefonberc  a\x6)  ber  Ocgcnüormunb,  unbefaunt,  ba  bic  3(uffid^t 
über  bcn  SBormunb  ©ad;c  bcö  gamilicnratl^eö  fei  (bar)r.  ®ntw).  9lrt.  19  nebft 
^otioen  ©.  64  ff.),  ©benfo  werben  im  ofterr.  @.  33.  nur  perwaltcnbc  Sßor- 
münber  crioäl^nt. 

3n  9lnfel^ung  ber  Qa^l  ber  bei  ber  einjclnen  33ormunbfd^aft  cintretenben 
»erroaltenbcn  SBormünber  ^errfd^t  unter  itn  Siedeten  feine  Uebereinftimmung. 
3)er  Stanbpunft  beö  älteren  beutfd^en  SHed&teö,  m6)  weld^em  immer  nur  ein 
SJormunb  bic  SSormunbfd^aft  filierte,  ift  namentlid^  uom  franj.  SWed^te  feft« 
(jel^alten  (code  civil  9lrt.  403,  404,  454;  t)ergL  iebod^  2lrt.  396).  dagegen 
fann  nod^  rom.,  wie  nad)  gemeinem  Siebte  ba^  aimt  beö  SSormunbeö  fowol;! 
einem  einjigen  SJormunbe  alö  mehreren  üJlitüormünbern  übertragen  werben, 
äßäljrenb  baö  preufe.  31.  2.  9t.  U,  18  §§  112,  113  unb  baö  ofterr.  ®.  53.  §  210 
I)ierin  bem  gemeinen  Siedete  folgen,  wirb  in  Derfc^iebenen  SSormunbfc^aftö- 
redeten,  j.  S.  in  einer  Slnjal^l,  namcntlid^  fdön)äbifdf)er,  Statuten,  in  83ai)crn  unb 
in  ben  ^anfeat.  SSormunbfd^aftßorbnungcn,  bic  33cftellung  mel^rerer  SSormünber 
fogar  als  Siegel  oorgefd^rieben.  Umgefel^rt  l^abcn  t)crfd()iebenc  neuere  Oefefec 
bic  33eftcUung  mel^rcrer  93ormünber  jioar  nidf)t  unbebingt,  aber  bod^  wenigftenö 
für  bic  S)atiot)ormimbf^aft  als  SRcgel  auögcfd)Ioffen  (fäd^f.  0.  33.  §§  1884, 
1957;  Weimar.  ®ef.  o.  27.  a)lärj  1872  §  28;  prcufe.  aSorm.  D.  §  19;  l^eff. 
€ntw.  IV  3lrt.  43,  44;  baijr.  (Sntw.  3lrt.  50). 

©benfowenig  finb  bic  ©cfcfce  in  Slnfc^ung  ber  SBorfd^riften  über  ben 
Gintritt  von  ©(irenoormünbcrn  neben  ben  t)erwaltenben  Sßormünbern  überein- 
ftimmenben  ©runbfäfeen  gefolgt.  Saffcn  biefelben  auc^  bic  S3cftellung  oon 
©l)rcnüormünbern  meiftenö  ju,  fo  bilben  bic  Icfiteren  bod&  feineöwegö  immer 
iiot^wenbige  Organe  ber  aSormunbfdEiaft.  inöbefonberc  ift  ber  Gintritt  eincö 
Dber  einjclncr  ®l)renoormünber  nad&  gemeinem  Siedete  nur  fafultatio.  Sie 
Säeftellung  eined  ®l)rent)ormunbeö  erfolgt  terJ^ältnifemö^ig  feiten;  bod()  ift  bciQ 
^erl^ättnife  namentlich  baburd^  t)on  einer  gewiffen  Sebeutung,  bafe  baö  gemeine 
Siedet  bemienigen  a)iitüormunbc,  welcher  mit  einem  3lnbcrcn  gemeinfd^aftlid) 
alö  Sßormunb  berufen  ift,  infoweit,  alö  bic  SSerwaltung  get^cilt  ober  bem 
anbcren  SRitoormunbc  überwiefen  wirb,  gegenüber  bem  le|teren  ftaft  bcö 
©cfcfeeö  bic  Stellung  eincö  Gl^renoormunbeö  juwcift.  S)aö  preufe.  31. 2. 9t.  II,  18 
§§  120,  121  fteljt  in  biefer  ^inftd^t  ganj  auf  bem  S3obcn  bcö  gemeinen  9tecbtcö. 
aiud^  nad)  bem  fäd)f.  ®.  ».  §  1961  unb  bem  weimar.  (Sef.  t).  27,  SRärj  1872 
§  67  ift  bic  JBeftellung  eincö  ©fircnuormunbeö  rein  fafultatio;  aber  ber  3Jlit' 
t)ormunb  ift  bei  gctljciltcr  SBcrwaltung  nid^t  mel^r  wie  mä)  gemeinem  9led^te 
G^renoormunb  feincö  2)titoormunbeö  (oergl.  jcboc^  weimar.  ®ef.  o.  27.  3)Järs 
1872  §  66). 

3m  Oegenfafec  ju  bm  angeführten  9tcdöten  bilbet  nad^  bcn  S.  1028  mit- 
getl^ciltcn  Seftimmungen  ber  Ijanfcat.  aSormunbfdbaftöorbnungcn,  nad)  welchen 
von  ben  ju  beftellenbcn  jwei  aSormünbern  ber  eine  bic  SScrwaltung,  ber  anberc  bic 
Sluffid^t  fü^rt,  ber  G^renoormunb  eine  regelmäßige  organifd^c  ©inrid^tung  bcö 
SBormunbfc^aftörcd^teö.  3n  ftrengfter  gorm  l)at  ferner  baö  franj.  9tcdöt  bic  9Jot^' 
wenbigfeit  eincö  G^rcnoormunbcö  in  feinen  Söcftimmungcn  über  bcn  tuteur 


1030  ä>cnnuubf(6aft.    Siaßcmcinc  fflcörünbung.    (§§  1633-1748.) 

subroge  burd^gcfü{)rt.  3)ic  Seftcllung  bcö  Icgtcrcn  barf  bei  feiner  SSonnuub:? 
fd^oft  unterbleiben,  eine  aSorfd&rift,  rocl^e  nic^t  einmal  für  bie  aSormunbfd^af t 
bcr  ßltcrn  eine  3luönal^ntc  crleibct  (code  civil  Slrt.  420).  9iur  für  bie  in  eine 
^^ffegeanftalt  aufgenommenen  SJiünbel,  meld^^  unter  ber  33ormunbfd&aft  bt^ 
silnftaltöDorftanbeö  [teilen,  ift  bie  SBefteüung  eines  ©egcnoormunbeö  ni^t  er^^ 
forbcriid).  Sie  preufe.  Sßorm.  D.  §  26  l)at  ben  ß^renoormunb  mcfentUd^  in 
ber  ©eftalt  beö  franj.  ©egenoormunbeö  aufgenommen;  feine  Dbliegenfieitcn 
begießen  pdf)  icbo^  ^auptfäd^Iid)  ouf  bie  SSermögenöocrroaltung  beä  aJormunbefr 
(§  31),  joä^renb  nac^  ber  perfbnlid^en  ©eitc  bie  3luffid^t  bem  SBaifenrotI;c 
obliegt  (§  53).  2)ie  Seftellung  beö  ©egcnoormunbeö  ift  nöt^ig,  menn  mit  ber 
SSormunbfd&aft  eine  SScrmögcnöocrnjaltung  oerbunben  ift;  bod^  fann  fie  in 
biefem  galle  oon  ben  ©Iteni  ocrboten  werben  (§  26,  2lbf.  2,  6).  3lud^  ift  bie 
93eftellung  eines  ©egcnoormunbeö  bann  nid^t  erforbcrlid^,  mcnn  mel^rerc  JJor- 
münber  ju  ungetrennter  aSerroaltung  bcftellt  fmb  (§  26  9lbf.  2).  gür  ben  gefe|s 
lid^en  aSormunb  (§§  12, 13,  83),  insbefonbere  für  ben  SSater,  ftnb  crlcid&ternbe 
SSorfd^riften  gegeben  (§  26  Slbf.  4).  gül)ren  mel^rcrc  SSormünber  bie  58cr^ 
loaltung  nad&  ©efd^äftöjroeigeu  getrennt,  fo  fann  ber  eine  jum  ©cgcnoormunbe 
bes  anbercn  beftcHt  werben  (§  26  Sttbf.  3). 

S)ie  gunftionen,  mit  meldten  bie  Siedete  ben  (Sfircnoormunb,  mic  biefcr 
in  ber  einen  ober  anbcren  gönn  oorfommt,  betrauen,  fmb  ocrfc^ieben.  3"- 
nädfift  liegt  ifim  regelmäßig  bie  3lufpc^t  über  bie  Sßenoattung  bcö  SBonnunbcft 
ob,  fo  nad^  gemeinem  Siechte,  bem  franjofifdfien  Siedete  unb  oerfd&iebcnen 
anbcren  neueren  ©cfegen  (preu§.  3t.  2.  SR.  II,  18  §  120;  fad&f.  ©.  93.  §  1961; 
roeimar.  ©ef.  o.  27. 5Wfirj  1872  §  67;  lübecf.  SSorm.  D.  §  33;  brem.  SBorm.  O. 
§  47;  tjamb.  SSorm.  D.  3lrt.  20;  preufe.  SBorm.  D.  §  31).  gerncr  ift  ju  ge^ 
loiffen  SRec^tögefd^äften  bie  ©enel^migung  beö  (gf)renoormunbeö  erforberlic^,  fei 
es  in  ber  2lrt,  ba^  bie  aDBirffamfcit  bcö  SRed^tögefd^äftcö  baoon  abf)ängt  ober 
bafe  bcr  aSormunb  nur  im  SBege  einer  Drbnungöoorfc^rift  genötl^igt  wirb,  fid^ 
ber  ©enel^migung  beö  ©J^rcnoormunbcö  ju  ocrgeroiffem  (preufe.  SJorm.  O* 
§§  39,  41 ;  brem.  SBorm.  D.  §  81 ;  f)amb.  3Sorm.  D.  2lrt.  20  SRr.  1).  S)cr 
Seiratl^  beö  ®^rcnoormunbcö  ift  bei  cr^eblid^cren  Slngclegen^eiten  oon  bem 
SSormunbe  cinjul^olen  (brem.  SSorm.  D.  §  81).  S)er  ©egenoormunb  ift  ju- 
8Ujiel)en  bei  ber  aufnähme  beö  Snoentareö  (code  civil  Slrt.  451,  1442 ;  preufe. 
aSorm.  D.  §  35) ;  feine  ©cgenroart  wirb  Dcrlangt  bei  SSeräufeenrng  beö  üKobi^ 
liarcö  unb  bei  ber  aSerfteigerung  oon  Immobilien  (code  civil  Slrt.  452,  459); 
er  mufe  ©orge  tragen  für  bie  rid^tige  (Eintragung  ber  oormunbfd^aftlid^cn 
§i)pot^efen  (code  civil  Slrt.  2137,  2142,  2143).  2)em  ß^renoormunbc  mirb 
ferner  eine  äßitroirfung  eingeräumt  bei  ber  SWedjnungölcgung  ober  ben  fonft 
oorfommenbcn  regelmäßigen  Jtontrolen  beö  SSormunbeö  (preufe.  SBorm.  D.  §§  56,^ 
57,  67;  code  civil  Slrt.  470;  lübedf.  Sßorm.  D.  §§  44,  68;  brem.  Sßorm.  D- 
§  83;  liamb.  SSorm.  D.  Slrt.  54).  3f|m  liegt  ob,  bie  wegen  ^fftd^troibrigfeit 
ober  Uufäf)igfeit  notl)ig  merbenbe  ©ntfernung  beö  aSormunbcö  (code  civil  Slrt.  446; 
prcufe.  aSorm.  D.  §  31 ;  brem.  SKonn.  D.  §  47),  fomie  bie  erforberlic^  merbenbe 
SeftcUung  eineö  neuen  SSormunbeö  (code  civil  Slrt.  453;  preuß.  SSorm.  D. 
§  65)  ju  betreiben,  ©r  tritt  cnblid^  unter  befonbcrcn  Umftänbcn  in  bie  Stellung 
cincö  Dcrwaltenbcn  SBormunbcö  ein,  fo  namentlid)  bei  ä}erl)inberung  beö  le^teren^ 


3Jcrmunb](j&aft.    Sttlgcmcinc  ffleöcünbunö.    (§§  1633—1748.)  1031 

infibcfonbcvc  bei  loUlblreubcm  Sntcrcffc,  alö  Spcsialhirator  (code  civil  3lrt.  420, 
450;  t)crgl.  aiid)  brcm.  93orm.  D.  §  98;  bogegen  aber  preuß.  93orm.  D.  §§  31, 
86;  fübecf.  SBorm.  D.  §  66). 

Sie  S^^atfad^e,  baß  bic  äKd^rjal^l  bei*  dicä)ic  einen  6I;renüormunb  lennt  stanbpmitt 
unb  bafe  berfclbc  in  ber  mannigfaltigften  SGBeife  ücrroertfiet  ift,  muß  t)on  Dont^  ©ntwurfe?. 
herein  barauf  l^inrocifen,  aud^  in  bem  ©efcgbud^e  ben  Unterfc^ieb  jroifc^en  vtx^ 
roaltcnben  SSormünbenx  unb  Gfjrenoormünbern  feftjuljalten. 

2)er  Gntiourf  gel)t  baoon  ouß,  baß  eö  für  bie  3)lef|rjal&I  ber  gäHe  ge^  »enuaitenbe 
nügen  unb  jmeifcHoö  jroedfmäfeig  fein  werbe,  für  jebc  SSorntunbfd^aft  nur  '^**'^'"""***^- 
einen  werroaltenben  SBormunb  ju  bcftcllen  unb  babei  bie  SJormunbfd^aft  über 
mel^rere  minberia^rigc  Oefd^wifter  ebenfaDö  nur  ald  eine  SSormunbfd^aft  ju 
be^anbeln  (§  1638  Sttbf.  2,  §  1637  3lbf.  4;  mgl.  preufe.  SBorm.  D.  §  19 
«bf.  3;  bai)r.  entw.  3lrt.  50).  ©Ieid)U)o^l  tann  ein  SBebürfnig  nid)t  an^ 
crfannt  werben,  im  ©egenfaße  jur  großen  üJlcl^rjaljI  ber  geltenben  Siedete  bic 
SeftcUung  nur  cinefi  Derwaltenben  aSomtunbeö  jur  aufinabmölofen  SKegel  iu 
mad^en.  33ielme^r  ift  cö  rid^tiger,  nic^t  nur  ben  jur  lefitwiBigen  93cnennung 
oon  3Sormünbern  bered^tigten  ^^erfonen  (§  1635  3lbf.  1  9lr.  1,  2,  §  1636), 
fonbcrn  unter  Umftänben  aud^  bem  aSormunbfd^aftögerid^te  bic  Seftelfung 
mcl^rerer  SSormünber  ju  geftatten  (§  1638  9lbf.  2,  §  1652).  Sei  größeren 
unb  fd^wierigereu  aSerwaltungcn  fann  ein  Sebürfniß  baju  in  ber  ^()at  üor^ 
ffanbcn  fein.  3)ie  3^^!  ber  julöffigcn  SSormünbcr  bem  ÜJlajimum  nad^  ju 
begreujen,  ift  nid^t  erforberlid^.  6in  praftifc^eö  Sebürfniß  ift  in  biefer  3iiä)^ 
tung  nid^t  hervorgetreten  unb  ein  aWißbrau^  burd^  bie  jur  Icfitwilligen  S3es= 
ncnnung  oon  Sßormünbern  bered^tigten  ^^Jerfonen  nid^t  ju  beforgen. 

Ocljt  man  baoon  auö,  baß  in  ber  SRegel  für  febc  aSormunbfd^aft  nur  ein  «^rcn- 
oerwaltenber  Sßormunb  beftcUt  wirb,  fo  ift  eö  um  fo  bebenflid^cr,  auf  bic  "^""""**- 
SSorjüge  ju  üeriid^ten,  weld^e  aud  einer  angemeffcncn  SBerwertljung  bcd  Syrern 
Dormunbed  für  bad  93ormunbfd^aftSred^t  jweifeUod  gejogen  werben  tonnen. 
2)em  SSormunbe  fann  unter  Umftönben  oie(  baran  liegen,  ba^  i^m  3cmanb 
iur  Seite  ftel^t,  bei  bem  er  SRatf),  ^alt  unb  Unterftüfeung  pnbet  unb  ju  finben 
bered^tigt  ift.  3Han  fann  ferner  ben  SBormunb  bei  wid)tigeren  SRed^tögefd^äftcn 
an  bie  (Genehmigung  beö  @{)rent)ormunbeö  binben  unb  baburd^  bie  'j^öUe,  in 
weld^en  [onft  bie  ©enel^migung  bed  %ormunbfd^aftdgerid)ted  oorgefc^rieben 
werben  müßte,  oerminbern,  auf  biefe  SBeifc  bie  33erwa[tung  oereinfad^en  unb 
bie  ©erid^tc  cntlaften,  ol^ne  bie  Sntereifen  beö  SRünbelö  ju  gefä^rben.  2)em 
9lid^ter  wirb  baran  liegen,  baß  man  eö  i^m  erleid)tert,  fid^  oor  ber  ©nt^ 
fd^eibung  über  bie  ju  einer  .^anblung  beö  SSormunbeö  erforberUd^c  ©e* 
ncl^migung  burd^  SHürffprac^e  mit  bem  S^renoormunbe  über  bic  3ad)(agc  ju 
unterrid^ten.  2)ie  Dberoormunbfdjaft  gewinnt  in  bem  Icßteren  ein  jwecE? 
wäßigcö  Drgan  ber  unmittelbaren  3luffid^t,  namentlid)  für  bic  aSermogenö^ 
uerwattimg.  3lber  awd)  fonft  laßt  ber  ß^renoormunb  fid)  in  mand^erlei  Sc^ 
jie^ung  in  ber  einen  ober  anberen  2lrt  jur  Sid^erung  unb  §örberung  ber 
Verwaltung  mit  3iuften  oerwertl^en. 

6d  liegt  aber  nal)e,  unb  bie  Grfaf)rung  Ijat  eö  beftätigt,  ba^  man  nur 
bann  f)o^zn  barf,  oon  bicfent  Snftitute  einen  wirfli^en  yini^tn  ju  jie^en, 
wenn  man  baöfelbe  fd^ärfer  betont,  in  ben  Crganiömuö  beö  33ormunbfdf|aftös 


1032  aSorwunbfdiaft.    allgemeine  Öeflrünfcmiö.    (§§  1633—1748.) 

rcd)tcö  cußcr  werpidjt  cilö  \>0i^  gemeine  dlcd()t  bicö  t^ut.  Soll  bas  3"ftitut 
bcibcf)Q(ten  unb  feine  Sebcnöfä^igfeit  gefiebert  werben,  fo  mufj  baö  ©efefebudfe 
bem  Görenüormunbe  eine  ganj  beftimmtc  (Stellung  anroeifen  imb  inöbefonbcrc 
bem  SHid^ter  jum  Sewufetfein  bringen,  ba^  eß  fein  cigeneö  bringenbcö 
Sntercffe  ift,  fid)  beö  ©öreuüormunbeö  in  ben  gäUen,  für  weld^c  baö  (Sefcg 
bie  Seftellung  eines  fold^en  als  jroedfmäfeig  t)orauöfcfet,  oud)  roirflid)  ju  bebienen. 
^I^S^J'en  3«  bead&tcn  ift  in  biefcr  3lic^tung  einerfeitö  ber  SSorgang  ber  lEionfcat. 

»cc^t  Sichte,  anbererfeitß  ber  beö  franj.  Slcd^teö.  9iod)  bciben  bilbet  ein  beouffid^ti« 
genber  ®I)renüormunb  ein  obUgatorifd()cö  Snftitut  beö  aSormunbfd^aftörei^teö. 
2)aß  I)aufcat.  Softem  mit  bem,  in  ber  neuen  brem.  SBorm.  D.  ü.  14.  SDiai  1882 
inbeffen  alö  Siegel  nid^t  me^r  feftgcl^altcnen,  iäf)rlid^en  SBeci^fel  jroeier  SSor- 
münber  in  SBcrroaltung  unb  Sluffid^t  l^at  ben  SSorjug,  bafe  jeber  Sd^ein  von 
®et|äffigfeit,  roeld^er  mit  einem  roefentlid^  einfeitig  ber  Äontrole  bienenben 
9lmte  Ieid)t  oerbunben  ift  unb  worauö  man  bem  franj.  ©rifteme  moljt  einen 
aSorrourf  gemad^t  Ijat,  uermieben  wirb.  S)er  ©tad^el  ber  Sitterfeit,  welchen 
berjenige,  weld^cm  bie  9lrbeit  obliegt,  fo  leid&t  empfinbet  im  Sßeröältniffc  ju 
einem  Slnberen,  beffen  ganje  ©telluug  roefentlid^)  burd)  ein  ÜKifetrauen  in  bie 
eigene  ©eroiffenljaftigfeit  unb  g-äfiigfeit  beö  SIrbeitenben  bebingt  ju  fein  fd^eint, 
fällt  Don  felbft  weg,  wenn  ber  3Irbeiter  unb  ber  9luffcl^er  alliä^rlic^  mit 
cinanber  ifjrc  Stollen  üertaufd^en.  S)ennod^  empfiehlt  eö  fid^  nid^t,  biefcft 
Sr)ftem  bem  ©efefebud^e  ju  ©runbe  ju  legen.  S)cr  j[ä^rlid()e  Uebergang  ber 
33erwaltung  oon  einer  §anb  in  bie  anbere  fann  ber  Kontinuität  ber  33er^ 
waltung  gcwife  ni^t  förbertid^  fein  unb  ift  mit  mand^ertei  Unbequemtid^fciten 
Derbuuben,  S5aju  fommt,  bag  jcneö  ©pftem  nur  in  einem  uer^ältnifemäfeig 
fleinen  2:i)eile  Seutfd^lanbö  in  (Seltung  fid&  befinbet. 
e9nembe9  ©cm  iu  bem  größten  ^^eite  ©eutfd^tanbö  geltenben  9led()te  lägt  ber 

I"b"*pK  ^^"^  3nftitute  beö  Gf)renoormunbes  ju  03runbe  liegenbe  ®ebanfe  fid^  weit 
fc^en  «ec^te«.  leichter  iu  ber  SBeife  beö  franj.  9led)teö  einfügen.  Ueber  bie  grage,  ob 
i)?rmu?ib!*  Co  äwedfmäfeig  fei,  ben  franj.  ©egenoormunb  in  baö  SSormunbfd^aftöre^t 
aufzunehmen,  finb  bie  Stnfid^ten  aflerbingö  nod)  jegt  get^eilt.  SBie  ber 
Ijeff.  ©ntw.  unb  in  neuefter  gcit  wiebcr  ber  bai)r.  ßntw.  oljnc  \i(x^  3nftitut 
beö  ©egenoormunbeö  auöfommen  ju  fönuen  geglaubt  l^aben,  fo  l)at  im 
3lal^re  1875  ber  beutfd)e  ^uriftentag  burc^  einen  aibt^eilungöbefd^lufe,  freiließ 
gegen  eine  nidt)t  unerhebliche  9)Hnberl;eit ,  fid)  ba^in  auögefproc^en,  ia^  bie 
Slufftellung  eineö  (Segenoormunbeö  Don  ®efe|eöwegen  nid&t  ju  empfeljlen  fei. 
Snöbefonberc  würbe  ber  bei  biefcr  ©elegenfieit  geftellte  2lntrag,  einen  ©egcm 
üormunb  bei  allen  SSormunbfd)aften  mit  SSermögenöoerwaltung,  fofem  nic^t 
meljrere  t)erwaltenbe  aSormünber  beftcDt  feien,  eintreten  ju  laffen,  abgelel^nt, 
ebenfo  ber  Stntrag,  \)Ci\f,  ein  ©egenoormunb  ein  für  alle  3)M  für  foüibirenbc 
Sntereffen  }u  beftellen  fei  (Serljanbl.  beö  XII.  beutfc^en  Suriftentagcö  ob.  3 
©.  111,  112).  Sagegen  Ijat  bie  preufe.  Sonn.  D.  ben  ©egenoormunb  auf- 
genommen, jebod^  nur  in  feinen  gunftionen  alö  9lufftd)töoormunb,  gewiffer* 
maßen  alö  gortbilbung  beö  gemeinre^tlid^en  Glirenoormunbeö ,  ni(^t  aud^  in 
feiner  ©tellung  alö  curator  perpetuus  für  follibirenbe  3ntereffen,  weld)e  i^m 
nad)  franj.  9ied)te  neben  ber  ©tellung  eineö  9luffid)töiiormunbeö  jufommt. 
2llö  Organ  ber  Sluffid&t  —  unb  nur  in  bicfer  SHid^tung,  nid)t  alö  ftänbiger 


aSoimunbfd&aft.    gittöemeinc  »eörünbung.    (§§  1633-174S.)  1033 

©pcjialfurotor  für  loDibircnbc  Snterejfcn,  fann  ber  ©egenüonnuub  für  bic 
bcutfd^en  SBcr^ältniffc  in  graßc  fommcn  —  war  ber  OegenDormunb  für  ben 
Code  civil  t)on  bcfoubcrcm  SBcrtl^c,  weil  er  jufllcid^  alö  Grfag  für  ben  iOlangcf 
einer  reflclntäBifl^n  SRcdjnungölegung  bcö  SBormunbeö  an  bie  Dberoormunbfdjaft 
bicnt.  ©icfcr  befonbcre  Orunb  für  bic  3lufnal)me  bcß  Snftitntcö  beö  ®egen* 
Dorntunbcö  fann  üom  Stanbpunftc  bcö  (Snttourfcä  an?i  aücrbingö  nid)t  in 
SSctrad^t  fommcn,  ba  bic  SBerpflid^tung  bcö  SBormunbcö  ju  einer  regelmäßigen 
Sied^nungölcgung  an  bic  Dbcrpormunbfd^iaft  für  unbcbingt  nottjrocnbig  ju  cr^ 
ad^ten  ift  (oergl.  §  1687  nebft  Tlotmn),  9lllcin,  wenn  and^  ouö  bem  ©efid^tö- 
punfte  eincö  ©rfafeeö  für  bie  SJcd^nungöIegung  bie  ©infübrung  beö  3nftitutcö 
bcö  ®egent)ormunbeö  burc§  ein  Sebürfniß  nid)t  geboten  ift,  fo  bleibt  bod^,  mie 
oben  bargelcgt  roorben,  immer  nod)  ein  weiter  Spielraum  für  eine  nüglidf)e 
iBermenbung  bcö  Ocgcnoormunbcö. 

2luf  ber  anbercn  ©cite  fann  aber  in  feiner  SBcife  baö  S3ebürfni6  an^^    «orauä. 
afannt  mcrbcn,  nad^  bem  3Sorgangc  beö  franj.  9tcd()tcö  bie  ScfteDung  eineö  ^*^"^^enun^ 
©egenoormunbeö  für  icbc  SBormunbfd^aft  obligatorifd^  ju  mad)en.    9lur  mo«*«««  ««a««* 
ein  S3cbürfni6  baju  oorlicgt,  foU  ein  (Scgcnoormunb  neben  bem  3Sormunbc  "'''^"*"" 
beftcUt  werben  fönncn  (§  1647  Slbf.  1  b.  ©ntw. ;  preufe.  SBorm.  D.  §  26  3tbf.  1). 
<Sin  fol^cö  »cbürfnife  ift  aber  mit  ber  preufe.  aSorm.  D.  §  26  3rbf.  2  alö 
Siegel  an5uerfcnnen,  wenn  mit  ber  SBormunbfd&aft  eine  aSermogenöoerroattung 
Dcrbunben  ift  (§  1647  SIbf.  2).     Sic  preufe,  SSorm.  D.  gel^t  aber  ju  weit, 
mcnn  bicfelbe  unter  biefer  SSorauöfcgung  —  menigftenö  bem  SBortlautc  na6)  — 
bie  ScftcDung    eincö  Ocgenoormnnbcö  unbcbingt   t)orfd()reibt,    [ofern    nid^t 
mebrere  SBormünbcr  ju  ungetrennter  SSerroaltung  beftcUt  finb.    3ft  bic  S8cr? 
maltung  eine  nid^t  cr^cblid^c  —  unb  bieö  ift  bei  einer  großen  3^^^  ^on  a3or== 
munbfd^aften  ber  gall  — ,  fo  fann,  f ofern  nid)t  befonbcre  Umftänbe  tro^bem 
bie  SeftcHung  eincö  (Segcnoormunbcö  angemeffen  crfd;cinen  laffen,  bie  gül)mng 
ber  95ormunbfd)aft  unbebcnfli^  einem  SBormunbc  unter  3luffid^t  beö  SSormunb^ 
fd^aftögcrid^tcö  überladen  roerbcn  (§  1647  3lbf.  2). 

Soweit  JU  SRcc^tögcf Gräften  beö  95ormunbeö,  wenn  ein  ©cgcnoormunb 
bcftcUt  ift,  bic  Ocne^migung  bt^  lefeteren  crforberlid^  ift,  tritt .  in  ben  gäDcn, 
in  weld^cn  ein  ©egenoormunb  nid^t  beftcUt  ift,  an  bic  Stelle  bcö  ©rforbcr- 
niffeö  ber  ©cncl^migung  bcö  ©egenoormunbeö  baö  ©rforbcrniß  ber  (Senebmi^ 
flung  bcö  aSormunbfd^aftögcrid&tcö  (§  1669  2lbf.  3),  fo  ba^  and)  in  bicfcn 
gällcn  ber  aWünbcl  bcö  Sd^ufeeö,  wcldien  baö  erforbernife  ber  Ocncl^migung 
beö  ©cgcnoormunbcö  ju  SRcd^tögcfd^äften  beö  SSormunbeö  i^m  ju  gewähren  bc- 
jwcdt,  nid^t  cntbef)rt.  3)a6,  wenn  bic  mit  ber  aSormunbfd^aft  ocrbunbenc 
SScrmögcnöocrwaltung  eine  crbcblid^c  nid^t  ift,  t)on  ber  SeftcHung  eincö  ©cgcn^ 
pormunbeö  abgcfc^cn  werben  fann,  fd^cint  nad^  ben  3)lotvotn  ber  SHcgicrungö:? 
tjorlagc  unb  naä)  9Icu§erungen  bei  ber  S8cratl)ung  im  Sanbtagc  (oergl.  SHc^ 
gicrungömotioe  S.  57;  83erid&t  ber  Äommiffton  beö  ^errenbaufcö  S.  40)  and) 
ber  ©cbanfe  ber  prcuß.  SBorm.  C  ju  fein;  inbcffen  ift  bic  grage  in  ber  preuß. 
3uriöprubenj  eine  beftrittene. 

3n  gewif[en  3luönal)mcfänen  foll  flbrigenö  bic  ScftcUung  eincö  (Segens 
pormunbeö  and)  bann  unterbleiben,  wenn  an  fid)  bic  9Sorauöfe|ungcn  oor- 
liegen,  unter  we(d&cn  nad)  §  1647  2[bf.  2  ein  ®egcnoormunb  ju  bcftcllen  märe 


1034  aScrmunbfcJ^aft.    Siaflcmeinc  «egrünfcunfl.    (§§  1633-1748.) 

(§§  1690,  1733).    3rt  bicfer  SScjiefiunfl  wirb  auf  bic  bcfonbcreu  SDiotioc  ju 

bcn  §§  1690,  1733  ücripicfcn. 
sirtung«*  2)ic  ^Quptaufgobc  befi  (Scgcitüormunbed  loirb  immer  auf  bem  (Scbictc 

'sient*    bcr  aScrmogenöintercffen  beö  aJHinbcIö  ließen  (ocrgl.  §§  1654,  1659  3lbf.  1, 
»ormunbe«.  §  iqqq  ^^^  j^  §§  jg^Q^  ^(573  gj^^^  j^  §§  ^679,  1687  3lbf.  6,  §  1700  mi  3, 

§  1701).  ®leid&n)ol)(  empfiehlt  cö  fid^  ni<j^t,  bicfelbe  flrunbfäfetid^  barauf  ju 
bcfd^rönfen,  it)ie  bie  preug.  SBorm.  D.  bied  tl^ut,  boDon  audgel^enb,  bag  bte 
Stiiffid^t  über  bie  perfonlid^en  aSer^ältniffc  beö  3Rünbete  Sad&e  bcö  ^ai\m^ 
ratljcö  fei.  ®ie  Sluffid^t  beö  SBaifcnrat^cö  ift  inbeffcn  il^rer  ganjen  S^cnbenj 
nad^  onberer  9lrt;  fic  ift  mel^r  allgemein  fojialer  9totur  iinb  bejielt  t)orjugö* 
weife  gerabe  fold^c  Scoolferungöf laff en ,  bei  beren  aSermSgenöoer^ältniffen  bic 
SBeftcUung  t)on  ©cgentiormünbern  regelmäßig  ganj  außer  gragc  bleibt.  S)ic 
9luf fid^töpflic^t  bcö  (SegcuDormunbeö  bagegen  ift  burcftauö  inbiüibueller  Sktur ; 
feine  ^flid^t  ift,  freilid^  in  eigent^ümli<j^er  gorm,  bie  ©orge  für  biefen  bc^ 
ftimmtcn  ^ilünbef.  ©in  innerer  (Srunb,  bei  bicfer  ^flid&t  einen  formalen 
Unterfd()icb  }n)ifd)cn  ber  5ßerfon  unb  bem  SSermögen  bcö  3Münbclö  ju  mad^en,. 
liegt  ni(f)t  oor  (oergt.  §  1654).  3!m  Uebrigen  wirb  wegen  bcr  einjelncn  S3c* 
ftimmungen  iibcr  itn  ©cgcnüormunb  auf  bie  bcfonberen  SRotiDC  üerwiefen. 


VI. 

Scftcllung  bcö  SSormunbcö.    ©cfeglid^c  SSormunbfc^aft. 

•eitenbc«  ^Md)  Sltcrcm  beutfd^cn  Siedete  treten  bie  SSerwanbten,  weld^c  gefcfeli^ 

****■  jur  SSormnnbfc^aft  berufen  waren,  mit  ber  ©röffnung  ber  aSormunbfd^aft  fraft 
beö  ®efe|cö  Don  felbft  in  ba&  9lmt  beö  ^ormunbeö  ein.  Sbenfo  war  eö  nad^ 
röm.  SHcdjte  in  9lnfel^ung  ber  burd^  gültige  IcßtwilUgc  SBcrfügung  ober  bur^ 
baö  ©efefe  jur  ^utel  berufenen  ^erfonen.  S)emgegenüber  ift  eö  ein  für  bie 
weitere  ®eftaltung  beö  SSormunbfd^aftöwefenö  in  2)eutfdl)tanb  wid^tiger  ©c^ritt 
gewefcn,  baß  baö  gemeine  dted^t  aud^  für  ben  burd^  le|twillige  SSerfügung 
ober  bur^  baö  ©efefi  berufenen  Sßormunb  ba^  ©rforbcrniß  einer  S3efteBung 
ober  Scftfltigung  burd^  bie  S3ef)örbe  aufftellte  (Slcid^öpolijeiorbn.  ü.  1577 
Sit.  32  §  2). 

®ic  neuere  beutfd^e  ®efc|gebung  l^at,  oon  ben  fpäter  ju  crwa^nenben 
äuönal^men  abgefel&en,  baö  SJefteUungöprinjip  im  wciteftcn  Umfange  bci^ 
beljalten  (preuß.  »orm.  D.  §  14;  fäd&f.  ®.  fd.  §  1884;  Weimar.  ®cf. 
V.  27.  a»ärs  1872  §  28;  lübccf.  93orm.  D.  §  14;  brcm.  SBorm.  D.  t).  14.  SWai 
1882  §  1;  ^amb.  SSorm.  D.  2lrt.  13;  ofterr.  ®.  83.  §§  190,  204).  S^agcgcn 
()at  bcr  Code  civil  (3lrt.  402—404  üerglidjen  mit  Slrt.  421,  422)  baöfelbc  auf« 
gegeben;  bie  burd^  baö  ®efe6  berufenen  SBormünber  treten  von  felbft  in  i^r 
9lmt  ein.  Sßon  bcn  SJad^fotgern  bcö  code  civil  finb  ber  Ijeff.  Gntw.  IV  9lrt  18, 
21  (ucrgl.  ÜJiotioe  S.  213),  bcr  bai)r.  ßntw.  3lrt.  1,  47,  52  unb  bie  bab. 
©cfeggebung  (®cf.  o.  6.  gcbruar  1879  §  18)  jum  aSeftcBungöprinjipc 
äurütfgefcl^rt. 
etonbvunft  2)ie  mit  bem  S3efteUungöprinjipc  (§  1634)  Dcrbunbenen  SBorjüge  für  bic 

entwürfe«.  Crbuuug  unb  Sidjerijcit  beö  aSormunbfd^aftöwefenö  finb  fo  augcufd^einlid^. 


SSormunbft^aft.    aaoemeinc  Scörünbunfl.    (§§  1633-1748.)  1035 

büfe  über  bic  SRotljtücubiflfcit,  boöfelbc  im  ©cfcßbud^c,  njcrüßftcnö  alä  Stcgel,  «eficnunfls* 
bei jube galten,  ein  3roeifel  faiim  obwalten  fann.  ^t  Dorbe^altlofer  man  beui  ^^"*'^' 
aSormunbc  bie  SteUnng  eines  ß^^feli^^"  aSertreterö  beö  ajJünbcte  einräumt, 
um  fo  bringenber  ift  eö  im  S^tereffe  bcö  üBünbelö  unb  35ritter  geboten,  bic 
grage,  wer  olö  aSormunb  für  ben  SKünbel  ju  Ijanbcfn  bered)tigt  ift,  ein  für 
alle  3Ral  im  SSorauö  feftjufteUen  unb  nid)t  bic  Gntfd^eibung  biefer  grage  bcm 
iufSfligen,  leidet  roed^fetooDcn  9luöfaUc  fpaterer  ^ßrojeffe  ju  übcriajfcn.  2)ad 
Seftellungdprinjip  übcrfjebt  ba&  ©efefebud^  überbied  ber  3lot^n)cnbig!cit,  SBor* 
f^riften  über  ben  protutor  aufäuftellen,  ein  S3cgriff,  für  beffcn  SluffteUung  ein 
pra!tifd)eö  Sebürfnife  oon  fclbft  wegfällt. 

2ln  bem  SSeftettungöprinjipe  ift  in  bem  ©efefebud^c  fclbft  oußnal)möloö 
fcftge^alten.  6in  33cbürfni§,  Don  biefem  5|Jrinjipe  für  gcmiffe  Sßormünber  eine 
9(usnabme  ju  nta<j^en,  liegt  nid^t  t)or. 

e«  fommcn  in  biefer  ^infidjt  Dorjugöwcifc  bie  eitern  beö  aRünbctö  in  ^^^ 
Setrad^t.  2lllcin  oom  ©t<inbpun!tc  beö  ©ntwurfeö  auö,  nac^  roeld^em  nidjt  munb^aft 
nur  bcm  SBoter,  fonbem  ani)  ber  aWutter  ber  Dormunbfc^afttid&c  ©d^ufe  il^rcr  ^"  ^"*''"' 
minberiö^rigen  Äinber  in  ber  gorm  ber  elterlid()en  ©cwalt  jufällt  (§§  1501, 
1555,  1557  3lbf.  2,  §  1559  Slbf.  2)  unb  inöbefonbcre  oud^  burd^  bie  ^eiratl) 
bcö  5linbeö  bic  elterlid;c  ©cwalt  über  baöfelbc  nid)t  beenbigt  wirb  (t)ergl. 
§§  1509,  1536),  bleibt  für  eine  gefcfelid^e  SJormunbfd^aft  ber  eitern  über  i^re 
minberiäljrigcn  Äinber  weber  SSebürfnife  nod^  iKaum,  inöbefonbcre  nid^t,  wie 
nad)  franj.  SRed^te  (code  civil  SIrt.  390;  preufe.  SJorm.  D.  §  95  Slbf.  2)  für 
ben  gaU  ber  3luflofung  ber  ef)c  ber  eitern  burd)  Sd^cibung  ober  burd^  btn 
Xob  eincö  berfetben  ober,  wie  nad^  ber  preufe.  SBorm.  D.  §  12,  für  ben  galt 
ber  Secnbigung  ber  tjöterlid^cn  ©ewalt  burd^  aJcr^eiratljung,  getrennte  ^auö^ 
Haltung  ober  entlaffung  beö  Äinbeö.  a)ic  (Srünbe,  auö  wcld^en  ber  entwurf 
eine  gefe|lid)e  SSormunbfd^aft  ber  une^elidE)cn  ^Rutter  über  tf|r  unc^clid^cö 
minberiäl)rigeö  Äinb  nid(|t  anerfannt  ^at,  finb  bercitö  in  ben  3)iotit)en  ju 
§  1570  S.  862  borgclegt. 

Slbwcld^cnb  oon  ber  preufe.  SSorm.  D.  §  83  äbf.  1,  wcld&e  bem  SSater 
bie  gefe|lid^e  SBorm^nbfd^aft  über  fein  tolliä^rigcö  Hinb  einräumt,  I)at  ber 
entwurf  oudö  Slnftanb  genommen,  eine  gefeglid^e  SJormunbfd^aft  ber  eitern 
über  iljr  ooUiöl^rigcö  Äinb  anjuerfennen.  2tn  unb  für  fid^  fd)on  crfd^eint  bic 
gcfc6lid)e  Sßormunbfdjaft  ber  eitern  über  iljr  üolljäl^rigcö  ftinb  ni^t  in  bem 
3)?a|c  burd)  bie  aSerl^ältniffc  geboten,  wie  bieö  in  ermangelung  ber  elterlid&cn 
®ewalt  bei  minbcrjäl^rigcn^Äinbern-allerbingö  ber  gall  fein  würbe.  2)aö  ^d 
bürfnife  einer  SBormunbfd&aft  tritt  bei  aSolljätirigen  nie  oon  fclbft,  fonbcrn  nur 
bann  ein,  wenn  baö  ® afein  ber  SBorauöfcfiungen  ber  SBormunbfd^aft  burd^  ein 
gerid^tlid^cö  SSerfafiren  auöbrüdElid)  feftgcftcllt  ift,  unb  einem  fold&en  SBcrfa^ren 
fdjliefet  fid)  bonn  bic  SScftcBung,  b.  \).  bie  formale  erflärung,  ia^  ber  aSatcr 
ober  bic  üJluttcr  nunmehr  bic  Cbliegenl)citcn  eincö  SSormunbeö  bobe,  gewiffer^^ 
mafeen  t)on  fclbft  an,  inöbefonbcre,  wenn  in  bem  ®efc6c  über  baö  SBcrfaljrcn 
bcftimmt  werben  foUte,  ba^  ha&  entmünbigungögcrid)t  juglcid^  baö  SBor* 
munbfd^aftögerid)t  ift.  etwaö  33erlegenbcö  fann  für  bic  eitern  in  bem  Scj* 
ftcllungöaltc  fd)wcrlid)  gefunbcn  werben.  aSor  SlUcm  fällt  aber  inö  ©ewid^t, 
bafe  bei  ber  93ornuinbfd)aft  über  SSoUiäljrigc  fcincöfallö  auf  bie  SKöglid^feit 


1036  SSorinunbic^aft.    ättöemclne  Seörünbimg.    (§§  1633—1748.) 

t)crsid)tct  werben  fmm,  beu  G^cgntten  beö  SKünbcfe  felbft  vor  ben  ßltcvtt  jiim 
23ormunbe  ju  bcftelleu  (§  1729  9lbf.  4,  5).  S)amit  ift  aber  eine  ßcfcgüc^e 
S3ormunbfd)aft  ber  ßltcru  nid)t  rool^I  vereinbar.  S)urd)  ieuc  SWöglici^fcit  bringt 
bicfclbe  bie  ©cfafir  einer  Unfid^erl^cit  ber  SSerl^ältniffe  mit  fidj.  Ueber^aupt 
pafet  eö  nid)t  ju  bem  SBefen  einer  gefcfelid^en  äJormunbfdöaft  bafe  bem  gefefe- 
lid^cn  aSormunbe  unter  Umftänben  ein  9lnberer  uorgc^en  ober  bafe  ber  3»f)öl5cr 
ber  gefeglid^en  Sßormunbfd^oft  biefelbe  mit  9lüctfid)t  auf  fpäter  tima  eintretenbc 
SBerl)äitni?fe  ju  ©unften  eines  Sauberen  gar  verlieren  foH.  ©emgemäjj  läßt 
benn  aud)  bie  prcufe.  aSorm.  D.  (oergl.  §  17  SÄbf.  3,  §  83  9[bf.  1,  2)  ben  SBater 
als  gefe^(id)en  93ormunb  bem  @()egatten  beö  3){änbelö  unbebingt  Dorge{|en. 
ber  von  9Joc^  TOcnigcr  empfiehlt  eö  fid),  anberen  5ßerfonen  alö  ben  ©itern  bcö 

«anSe"«orI  3)liinbelö,  inöbcfoubere  ben  oon  bfn  eitern  benannten  aSormünbem  ober  ben 
TOünber  ober  ©vofeelteni  bes  SJüinbelö,  bie  (Stellung  gcfefelid^er  Sßormünber  cinjuröumen. 
©ro^cTtem,  Sttußer^alb  beö  franj.  SRed^tögebieteö  fommt  eine  ^ol6)t  gefe|ti(i&c  aSormunbfd^aft 
in  S)eutfdjlanb  nur  fel^r  oereinjelt  Dor,  j.  93.  nac^  ber  fiamb.  SBorm.  D.  9trt.  13 
unb  einzelnen  bai)r.  Statuten.  ®ic  preufe.  SSorm.  D.  §  12  Ijat,  abgefeljen  dou 
ber  unten  nod;  bcfonberö  ju  berürffid^tigenben  gcfefelid&cn  9}ormunbfd^aft  beö 
aSaterß  ber  une^elid)en  3)iutter  über  ba&  Äinb  ber  (enteren,  eine  gefeftlic^c 
aSormunbfd^aft  fo  wenig  für  bie  uon  bm  ©Item  benannten  SJormünber,  wie 
für  bie  ©rofeeltem  bcö  2)tünbe(ö  anerfannt.  Sei  allen  biefen  ^^Jerfonen  fanu 
in  ber  2;()at  Don  einem  geraiffermafeen  natürlid^en  Siedete  auf  eine  gefeglid^c 
aJormunbfd^aft,  wie  bieö  bei  ben  ©Item  aUerbingö  nal^e  liegt,  nid^t  roo^l  bie 
SWebe  fein.  3lber  aucb  praftifd)  fü^rt  eine  gefefelid;e  aSormunbfd&aft  jener 
5ßerfonen  ju  Unjuträglid^feiten,  loeil  fie  jum  5Rad&t^cile  beö  3)iünbelö  unb 
dritter,  meldte  mit  bem  SJormunbe  in  3lngelegen^eiten  beö  9KünbeId  ju  üer^» 
l^anbeln  l^aben,  leidet  eine  Unfid^er^eit  barüber  oeranlafet,  wer  im  einseinen 
galle  a?ormunb  ift.  Snöbefonbere  ift  bie  ©ültigfcit  einer  burd)  le^tmiUigc 
SSerfügung  erfolgten  Berufung  eines  aSormunbeö  (§  1635  SKbf.  1  9Jr.  1,  2, 
§  1636)  t)on  ber  oft  jmeifel^aften  gragc  na6)  ber  ©ültigfeit  ber  (e|tn)illigen 
35erfügung  abl^ängig.  3"^^^  fommt  axiä)  \)\tx  in  Sctrad^t,  bafe  bie  a)iög[id^feit 
gen)äf)rt  merben  mufe,  ben  ©l^egatten  beö  Sßünbelö  vor  ben  burd^  le&tmilligc 
a^erfügung  benannten  ^erfonen  unb  uor  ben  ©rofeeltern  jum  JBormunbe  ju 
beftellen  (§  1637  9tbf.  3,  §  1729  9rbf.  4,  5),  moburd^  bei  Sttn^rfennung  einer 
gefefelid^en  SSormunbfd^aft  ber  bejcid^neten  ^erfonen  bie  ®efal)r  ber  Unfid)erl)cit 
ber  Sßerl^ältniffc  nod)  wäd^ft. 
be8»ater*ber  Sgic  fd^ou  ent)äl)nt,  beftimmt  bie  preufe.  SSorm.  D.  §  12  2(bf.  2,  bafe  über 

^"tter'über  ciu  unel)elid&eö  5linb  ber  SPater  ber  unel^clid^ien  SWutter  gefefelid^er  aSormunb 
*>ö««»»«^«"^«n)irb,  jebod^  nur,  folange  baö  a3ormunbfdt)aftögcric§t  nid^t  einen  anberen  SBor« 
^"'*'*  munb  beftellt.  3ene  an  bm  9lnl).  §  95  ju  91.  S.  91.  II,  2  §  614  \\6)  anle^nenbc 
S3eftimmung  uerbanft  ifirc  9lufnal)me  in  bie  preufe,  aSorm.  D.  ber  Äommiffion 
bcö  §errenl)aufeö.  3n  bem  83erid^ie  berfelben  (®rudffad&en  1875  Str.  39  S.  17) 
mirb  Ijeroorgeiloben,  eö  fei  jroedmäfeig,  baö  unel^elic^c  Äinb  möglldjft  in  bie 
gamilie  bcö  mütterlidjen  ©roftoaterö  Ijineinjujielien  unb  beöljatb  fei  bie  Sc* 
ftimmung  nüglid^,  inbcm  fie  bem  Gkofeuater  erleid^tere,  fid^  feineö  ©nfelö  of)ne 
©inmifd&ung  bcö  ®erid)tcö  anjuneljmen.  3n  ber  Slommiffion  beö  9tbgeorbnetem 
Ijaufeö  erad^tetcn  swar  9)iet;rere  bie  l)ier  in  9iebc  ftel;enbc  gefe^lid^e  SSormunb* 


aSormunbf^aft.    Stttcetncinc  SegrünbimQ.    (§§  1633—1748.)  1037 

fd^aft  für  unjiDcdmäfeig  unb  gcfäljrUd^;  von  anbcrcn  Seiten  würbe  bageßctt 
auf  bie  günftigcn  ©rfa^rungen  im  lanbred^tlid^cn  Gebiete  83cjug  genommen 
unb  namentlid^  betont,  bo6  burd^  bie  Ucbertrogung  ber  gefcglidE^cn  aSormunb^ 
f^aft  ber  Soter  ber  unc^clid^cn  aWutter  jur  bcffcren  gürforge  für  baö  une^clid()c 
Äinb  berfdben  Deronlofet  mcrbe  (513eri^t  ber  Äommifjion  beö  Slbgeorbneten^ 
f)an^c^  1875;  Slttenftücf  3lx.  311,  S.  1846  ber  ftenograp^ifd()en  SBeridjte  bc& 
A3aufcS  ber  Slbgeorbnetcn).  83ei  ben  aSer^anbfungen  im  ^errenl^aufe  (Sigung 
D.  16.  aJlärj  1875,  ©.  122  ff.  ber  ftenograpi^ifd^en  SeridE^te)  murbc  bie  3tuf^ 
na^me  ber  fraglidjen  Seftimmung  in  baö  @cfc|  cbcnfaDö  lebljaft  t)ertl^cibigt^ 
inöbefonberc  l;en)orgcI)oben,  bafe  fic  bem  praftifd;en  83cbürfniffe  unb  bem 
mirMid^en  Sebcn  entfpred&e  unb  ber  2ln{>.  §  95  im  (Sebietc  beö  Sanbred^teö 
fid^  au6erorbentUd()  beroäl^rt  Ijobc.  Die  3lblel;nung  ber  Seftimmung  würbe  ein 
bebauerlic^cr  ©ingriff  in  bie  ^amilienx)er^ältniffe  fein,  mie  fie  liielfad^  auf  bem 
Sanbe  lägen.  3lud^  bie  9legiening  trat  biefcr  Sluffaffung  bei.  S^ne  93e* 
ftimmuug  nit^alte  nur  eine  juriftifdE^e  gormuUrung  beö  tfiatfäd^Ud^en  3wftctnbe& 
im  Oebiete  beö  Sanbrcd^teö.  ^roar  trete  baö  Äinb  nad^  bem  31.  S.  91.  nid&t 
in  bie  gamilic  ber  3»utter  ein;  allein  baö  Scben  {;abe  fid^  anbcrö  geftaltet 
unb  me^r  9lüdfid()t  genommen  auf  bie  in  ber  l:f)at  oorfianbene  ^tutö:^ 
oerroanbtfd^aft. 

3:ro6  biefer  gefeggeberifdöen  SSorgängc  f)at  ber  ©ntrourf  3lnftanb  ge^^ 
nommen,  in  bicfcm  ^^unfte  ber  prcufe.  aSorm.  D.  ju  folgen.  Obgleich  nid)t  ju 
üerfcnnen  ift,  bafe  cö  in  fielen  gällen  bem  praftif^en  Sebürfniffe  unb  ben 
©cftaftungen  beö  Sebenö  entfprid^t,  wenn  ber  SJatcr  ber  unel)clidi)en  ÜRutter 
bie  9Sormunbfd)aft  über  feinen  une^clid^en  ©nfel  fü^rt,  fo  ift  bod^  neben  ben 
oben  bercitö  Ijeroorgel^obenen  Sebenfen,  meldte  überhaupt  gegen  iebc  gefeglid^e 
SJormunbfd^aft  namentfid^  bann  fid^  ergeben,  toenn  an  ©teile  beö  gefefelic^en 
93ormunbeö  ein  anberer  SJonnunb  beftellt  werben  fann,  anbererfeitö  ju  berüd:^ 
fid^tigen,  bafe  in  ni^t  minber  jaljlreid^cn  gällen  bie  f)ier  fraglid^e  gefeftlid^e 
aSormunbfc^aft  feine  auöreid^enbe  ©arantie  für  bie  gehörige  ^^Sflcge  unb  ©r^ 
jietjung  beö  unel^ctid&cn  ilinbeö  bietet.  3^^^^  f^^^  ^^^  a3ormunbfd^aftögerid)t 
na^  §  12  3lbf.  2  ber  preu§.  SJorm.  D.  ieberjcit  einen  anberen  SBormunb  be* 
ftellen;  altein  nur  feiten  wirb  baöfelbe  weranlafet  werben,  oon  biefer  93efugni& 
überfiaupt  ober  bod)  redE^tjeitig  ©cbrauc^  ju  machen,  ba  eine  gerid^tlid^c  33er- 
p^id^tung  beö  gefeglid^en  SSormunbeö  nid^t  ftattfinbet  unb  ber  legtere  auc^  im 
Saufe  ber  SBormunbfd^aft  mit  bem  SBormunbfd&aftögeri^te  nur  wenig  in  ge* 
fd()äftlid^e  SBerü^rung  ju  fommen  pflegt.  3"^^^  unterliegt  and)  ber  gefefetid^c 
aSormunb  ber  Slufftd^t  beö  SBaifenrat^eö;  inbeffen  fommt  eö  bod^  nur  ju  leicht 
Dor,  ba6  bcffen  Sj:i^ätigfeit  ftd^  wefenttid^  nur  auf  bie  bei  bem  SSormunbfdjaftö^ 
gerid^te  wirtlid^  geführten  aSormunbfc^aften  bef^ränft,  weil  eö  bei  ber  gcfefe* 
lid^en  93ormunbfd^aft  regelmäßig  an  äuj^eren  SInregungen  jur  ^uöübung  ber 
3lufftd()t  mangelt.  Snöbefonbcrc  gerät^  bei  einem  3Bcd^fel  beö  Slufent^altö^ 
ortcö  bie  f|ier  in  Siebe  ftc^cnbe  gefefelid^c  aSormunbfd^aft  leichter  in  'Ber* 
geffen^eit,  ba  eine  regctmöfeige  Äontrolc  oon  ©eiten  beö  SBormunbfd^aftögcridfiteö' 
über  bicfclbe  nid^t  gcfül^rt  unb  eine  SBenad&rid^tigung  an  ben  SBaifenrat^  beö 
neuen  9lufentl)a(töorteö  bal^er  regelmäßig  unterbleiben  wirb.  3"^^^*^  f^""  ^^ 
Sebürfniffc  aud)  baburd)  genügenb  JWed^nung  getragen  werben,  baß  bem  mutter^ 


1038  Sormunfcjd&aft.    Stttöemcine  S3eörünbunG.    (§§  1633—1748.) 

lid^cn  Orofeoatcr  ein  Doräugörocifeß  2lnrc(^t  auf  Ucbcrtragung  bcr  SSormunb^ 
f^aft  buxä)  ba^  aSormunbfdöaftögerlc^t  eingeräumt  wirb  (§  1635  Slbf.  1  9Jr.  4 ; 
oergl.  aber  baneben  §  1637  9Ibf.  3).  ©nDägt  man,  bafe  bie  Stellung  beß 
33ormunbeß  nac^  ber  prcufe.  aSorm.  D.  unb  nac^  bcm  ©ntrourfe  im  SSergtcid&c 
jum  21.  S.  SW.  eine  erfieblid^  felbftönbigere  ift,  baß  ferner  ba^  unel^elic^e  Äinb 
nad^  bem  ©ntrourfe  (§  1568)  red&tlid^  ber  mutterlid^en  gamilic  angehört,  fo 
ift  auc^  bie  Sefürd^tung  unbegrünbet,  baß  bie  (ginmifd)ung  beß  aSormunbfd&aftß- 
geric^teß  auf  bie  aSer^ältniffc  bcö  unel^elid^en  Äinbeß  ju  bcr  mfitterlid^en 
gamilie,  mic  fie  tl^atfäd)Ud)  im  Sehen  ^x6)  geftaftct  l^aben,  fc^öblid^  cinroirfen 
möcbte. 
<se|c*ii($e  3m  Stnfd^tuffc  an  ä^nlic^e  SBorfc^riften  beß  franj.  3led&tcß  (oergl.  aud^ 

^'mn^"  öfterr.  ^ofbefrct  t).  17.  2tuguft  1822;  Ijamb.  SSorm.  D.  9lrt.  9)  ^at  bie  preufe. 
beft  «nfiait8*s8orm.  D.  §  13  ferner  bie  Seftimmung  aufgenommen,  bafe  über  einen 
3Rünbel,  meld&er  in  eine  unter  aSermaltung  beß  ©taateß  ober  einer  ©emeinbc« 
bcl^örbe  ftel^enbe  äJerpftegungßanftalt  aufgenommen  ift,  biß  ju  bejfen  ©rofe- 
jä^rigfeit  ber  33orftanb  ber  Sinftalt  bie  Siedete  unb  ?JJfIid^ten  eineß  gefejüd^cn 
aSormunbeß  l^at,  folange  baß  33ormunbfd^aftßgerid^t  nid^t  einen  anberen  SBor* 
munb  beftcUt.  6ß  lägt  fid)  in  S^^if^l  jic^en,  ob  eine  berartige  SSorfd^rift 
iiberl^aupt  hnxi)  ein  Sebürfnife  geboten  ift.  2lud)  bie  9lngemeffen^eit  einer 
fold()en  aSorfc^rift  lägt  fid^  namentlich  t)on  bem  ©efic^tßpuntte  a\i&  beftreiten, 
bafe  baburd)  anomaler  9Bcife  eine  33el^orbe  bie  Stellung  eineß  SSormunbeß 
erlangt  unb  bamit  ber  Sluffid&t  beß  aSormunbfd^aftßgerid&teß  unterftellt  mirb. 
9luf  bcr  anberen  Seite  mu§  inbcRen  angegeben  roerben,  baß  mit  jener  S8or= 
fd^rift  aud^  praftifd^e  SSort^eile  Dcrbunben  finb.  Snßbefonbere  ift  eß  alß  ein 
©eroinn  ausuferen,  ba\i  biefelbe  bie  Seftellung  befonberer  SBormünber  für  bie 
in  eine  aScrpflegungöanftatt  ber  ^ier  fraglid^en  2lrt  aufgenommenen  SDMnber- 
jäfirigen  unnot^ig  madf)t  unb  baburd^  bie  anberrocite  SSermenbung  einer  großen 
3a^l  t)on  ^riüatperfoncn  im  SBormunbfc^aftßbienfte  ermoglid^t.  3lud^  fann 
bie  aSorfd^rift  infofern  mof)tt^ätig  mirten,  alß  baburd^  ber  ©influfe  ber  bi^r 
fraglid^en  2lnftaltcn  auf  if)re  3ögli"gc,  namcntlid)  für  bie  ^üt  na6)  bcm 
Slußtritte  berfelben  auö  ber  9lnftalt,  geftärft  unb  bie  aScrbinbung  ber  9rnftatt 
mit  ibren  359li^9^>^  ^^^^  f"^  i^»^  3^it  i"  mirffamer  SBeife  aufredöter^alten 
mirb.  (Segen  bie  gänjlidjc  Unterbrüdung  bcr  Seftimmung  fällt  ferner 
befonbcrß  inß  ©emi^t,  bafe  biefelbe  in  bem  großen  ©ebiete  bcr  prcuft. 
aSorm.  D.  geltenbeß  SRed^t  unb  auf  i^re  Slufna^me  in  bie  le|tere  fomoijl 
von  Seiten  ber  f)icr  in  Siebe  ftcbenbcn  3lnftalten  alß  oon  Seiten  beß 
preufe.  Sanbtageß  SBert^  gelegt  morben  ift,  Uebetftönbe  aber,  fot)iel  befannt, 
in  Preußen  aM  jener  ajorfd^rift  fid&  nid^t  ergeben  l)aben.  Unter  biefen  Um« 
ftänben  muß  man  Sebenfen  tragen,  jene  äSorfd^rift  ba,  wo  biefelbe  gcgenroärtig 
JU  Siedet  befte][)t,  §u  befeitigen.  3lnbererfeitß  ift  eß  aber  auc^  bebenflic^,  bie* 
felbe  in  foldbc  Oebietc,  metdben  eine  berartige  93eftimmung  gegenroärtig  frcmb 
ift,  rcid)ßgcfe|lid)  neu  einjufübren,  ba  fid^  nid^t  überfe^en  läßt,  ob  bie  ©in- 
rid^tungen  ber  Ijier  fraglid^en  9Inftalten  in  allen  Sunbcßftaaten  ber  9[rt  finb, 
bag  bie  Uebertragung  ber  Dormunbfd^aftlid^en  ^flid^ten  unb  9ted^te  auf  ben 
9lnftaltßüorftanb  einerfeitß  obne  ©cfäl^rbimg  beß  3nterejfeß  ber  SDlünbel, 
anbcrcrfcitß  im  ^inblitfe  auf  bie  fonftigen  bem  9tnftaltßüorftanbe  obliegenben 


Scrmimbfctaft.    Stnöemeiitc  5Pcorfmbuno.    (§§  1633—1748.)  1039 

amtUd^en  ©efd^äfte  o^nc  ©efäljirbung  beö  öffcntlid^en  Sntcrcffeö,  bc§  öffent^ 
fi^en  ©ieuftcö  erfolgen  tarn,  ®aju  fommt,  bofe  bic  eiurid^tuugeu  ber 
aCnftaltcn  unb  bic  Seftimmung  ber'  Slrt  unb  beö  Umfongcö  bcr  ben  öeamten 
berfelbcn  ju  überroeifenben  ©efd^äfte  bem  öffentlid^en  SWed^te  angel^örcn,  o()nc 
jroingenbe  praftlfd^c  ©riinbe  aber  ein  eingreifen  in  ba§^  öffentlid&c  SRed^t  bcr 
ciniclncn  Sunbeöftoatcn  fid^  nid^t  red^tfertigcn  läfet.  83ei  biefer  ©ad^fagc  er^ 
fd()cint  eö  als  ber  paRcnbftc  Stuöroeg,  ben  Sanbeßgefefegcbungen  bur(^  ben 
in  ber  Slnm.  ju  §  1634  bejcid^ncten,  ben  Seftimmungen  ber  preufe.  SBorm.  D. 
§§  13,  26  3lbf.  4  Derb,  mit  §  41,  §  62  9lbf.  2  fid^  anfd^Iiefeenben  aSorbel^oIt 
im  einfüJ^rungögefcgc  9laum  ju  laffcn.  a)ic  nftfierc  ^egrünbung  ber  bc* 
treffenben  SBorfd^rift  im  einselnen  ift  b^n  Sllotioen  jum  ©infft^rungsgcfc^c 
x)orbcf)a(ten. 

VIL 

Sic^erftellung  beß  3KfinbcIö  gegenüber  bem  33ormunbc. 

®emcinred^tlid&  ift  icber  SBormunb  bei  Uebernal^me  ber  a3ormunbfd)aft  oeitenbe« 
rcrpflid^tet,  bem  SRünbel  burd&  ^ßfanbred^t  ober  S3ürgcn  ©id^erl^cit  ju  leiften.     "**^* 
daneben  fte^t  bem  aKünbcI  ein  gefe|lid&es  ^JSfanbrcd&t  an  bem  gefammtcn 
SSermögen  beö  SBormunbeö  unb  ein  Privilegium  exigendi  wegen  oHcr  aus  bcr 
^ormunbfd^aft  fid^  crgebenben  gorbcrungcn  ju. 

S)aß  gefefelid^e  ^fanbrcd^t  bcs  SDlünbelö  ift  iebod&  burd)  bic  neuere  ©cfeg- 
gebung,  meldte  gefcßUd&e  5)Jfanbred^te  rcgcfmäfeig  überfiaupt  nid^t  !cnnt,  faft 
überall  befcitigt  (Dcrgl.  inöbej.  prcufe.  SSorm.  D.  §  32  SÄbf.  6)  unb  bem  üßünbet 
nur  ein  perfönlid^eö  SBorjugörcd^t  im  ftonfurfe  über  baö  SBermögen  beö  Sßor- 
munbeö  megen  feiner  gorberungen  aus  ber  tormunbfd&aftlid^en  aSermaltung 
eingeräumt.  Slbmeic^cnb  von  ben  beutfd^cn  ©cfcßgebungen  gemalert  bagcgen 
bas  franj.  9lec^t  bem  3)iünbel  jmar  fein  SSorjugSred^t  im  Jlonfurfc,  aber  eine 
(jcfcglid^c  ^x)potf)d  am  unbemeglid^en  aSermogen  bes  SBormunbeS  mit  bem  Sc* 
ginne  ber  SSormunbfc^aft  (code  civil  Slrt.  2135  5Rr.  1,  Slrt.  2137,  2141—2143; 
t)ab.  £.  S».  Safe  2135  3lx.  1,  ©.  2137,  2141—2143).  Sie  beutfd)C  Äonf.  D. 
§  54  3lx.  5  (ocrgl.  baju  ©ntfd^.  b.  91.  ®.  in  ©ioilf.  XVII,  10)  l)at  allgcmciu 
ben  gorberungen  ber  5ßflegebefol^lcncn  bes  ©emeinfd^ulbners  in  Slnfel^ung  il)rcö 
{jefcfelid^  bcr  aScrmaltung  besfelben  unterroorfenen  93ermogenS  ein  aSorjugSrec^t 
beigelegt;  boi)  ftel)t  ilincn  bas  Sßorjugsred^t  nid^t  ju,  wenn  bie  gorberung 
nid^t  binnen  jmci  3ctl|rcn  nad&  SBecnbigung  bcr  aSermögenSDcrroattung  gerid^tücö 
flcltenb  gemad^t  unb  bis  jur  ©roffnung  beS  ÄonfurSDcrfal^rcns  ijcrfolgt  morben 
ift.  S)as  preufe.  SluSf.  ©ef.  jur  Äonf.  D.  t).  6.  SDiärj  1879  §  8  ^at  bicfeö 
^^orjugSrcd^t  auf  bicienigcn  gällc  ausgebe^nt,  in  meieren  aufeer^alb  bes  fton? 
fursuerfo^rcns  eine  Scfricbigung  perföntidöer  ©laubiger  nad&  bem  9iangc  bcr 
gorberungen  ftattjufinben  f|at. 

3n  Slnfcl^ung  ber  Söerpflic^tung  beS  SSormunbeS  jur  ©idöerl^citsleiftimg 
^abcn  bie  neueren  ©efeßgebungen  ücrfd^icbcnc  SBcge  eingefdt)lagcn. 

©in  Zf)Q\l  berfelbcn  f)ätt  an  bem  ©runbfagc  bes  gemeinen  SRcd^tes  feft, 
ia^  ber  SSormunb  jur  Sid^er^eitsleiftung  Dcrp^idtitet  ift.  Snsbefonberc  bc« 
ftimmt  bas  preufe.  91.  S.  91.  II,  18  §§  424  ff.,  bafe  bcr  SBormunb  nac^  SSer^ 


1040  SScrmimbf^aft.    9taoemcmc  Scörünhmo.    (§§  1633-1748.) 

f)älin\^  bcßicnigcn  2^f;cilcß  bcö  SScrmogcns  uiib  bcr  ©Infimftc,  roeld&en  er  üou 
3cit  äu  3cit  in  ^änbcit  bcl)ält,  b\ix6)  93ürgcn  ober  5ßfönbcr  ober  bur(^  gerid^fc^ 
lx6)t  ©intragung  auf  Orunbftiitfc  Äaution  bcftcHen  muß;  bod^  fann  fein  3ior^ 
munb  roiber  feinen  SBillen  angel^olten  werben,  bie  erftc  ^älfte  bcö  9Bertr)c& 
feiner  (3runbftucfc  mit  einer  foId)en  Äaution  ju  befaftcn.  9luögemitteltc 
2)efefte  fönuen  auf  bie  unberoeglid^en  Oüter  beö  SSormunbeß  ouc^  ofine  beffen 
3uftimmung  eingetragen  roerben  (II,  18  §  296).  grei  oon  ber  Äautionöpflic^t 
finb  bie  vom  bcm  (Srblaffer  beö  aÄünbelö  ernannten  SJormünber,  bis  fie  bem 
©erid^tc  bebentlid;  werben.  5lud^  anbere  33ormünber,  ipeld^e  Äaution  iu  (eiften 
nid()t  im  ©tanbe  ftnb,  fönnen,  wenn  fie  fonft  in  bem  SRufe  unbefd^oltener 
9leblic^!eit  unb  orbentKdfter  SBirtl^fd^aft  ftel^en,  bcnnodj  als  aSormünber  beftellt 
imb  beibehalten  werben.  3n  foId)cn  g-öllen  fud^t  baö  (Sefeft  ben  SJtangel  ber 
Äaution  burd^  anbere  bcfonbere  Äautelaroorfc^riften  ju  erfefeen  (II,  18  §§  433 
bis  437). 

^^ad)  bem  fäd()f.  ®.  33.  §  1902  I)abcn  bie  aSormünber,  foweit  fie  roertl)* 
DoUc  beweglid^e  93ermögenögegenftanbe  i^reö  5ßpegebefol)fenen  in  bie  ^anbc 
betommen  ober  (Selber  einnel^men,  meldte  ben  ungefähren  S3etrag  ber  iä^rlid^cn 
Sluögaben  fiir  i^ren  5ßf[egebefof|Iencn  flberfteigen,  eine  nad&  rid)terli(^em  ©r? 
meffen  ju  bcftimmenbe  ©id^erfjeit  ju  leiften.  ©oweit  ber  SSormu nb  ©id)cr^eit 
JU  befteUen  oerbunben  ift,  !)at  ber  3Kflnbel  fraft  beö  (Scfefeeß  einen  2:itcl  jur 
Grmerbung  einer  öqpot^ef  an  ben  Orunbftüdfen  beö  aSormunbeö  (§  1902 
Safe  4,  §  392).  3m  Ucbrigen  fann  bie  ©id^erl^citöleiftung  nac^  SBaf|I  beö 
aSormunbeö  burd)  Hinterlegung  einer  ®elbfumme,  Uebergabe  eineö  "S^^uft- 
pfanbeö  ober  in  ermongelung  biefer  ©id^erungömittet  aud^  burd&  tüd^tige 
Bürgen  erfolgen,  ^at  ber  aSormunb  gorbcrungcn  an  feinen  ÜBüubel,  fo  fann 
er  aud)  bamit  ©id&erl^eit  leiften  (§  1902  ©afe  3,  §§  136—138).  ©aben  bie 
Gltern  beö  3)iinberiä^rigen  bem  SSormunbe  bie  SeftcBung  ber  ©id^crfieit 
crtaffcn,  fo  fann  biefelbe,  fofern  m6)i  S3cbcnfen  entgegenftel^en,  unterbleiben 
(§  1902  ©afe  2).  Unter  biefer  «orauöfefeung  ift  and)  bie  SKutter  alö  SSor* 
mflnberin  i^rer  Äinber  oon  ber  'iJerbinbtidtifeit  jur  ©id&er^eitöleiftung  frei 
(§  1905). 

2^aö  bai)r.  9ted)t  Ijat  jroar  bie  SBerpflid^tung  beö  Sormunbeö  jur  ©id^erljeitö* 
leiftung  im  SlUgemeincn  befeitigt,  geroSljrt  aber  bem  SRünbel  wegen  aller  auö 
ber  geführten  aSormunbfd^aft  begrünbeten  gorberungcn  einen  gefefelid^cn  3^itcl 
jur  Seftellung  einer  ^^potfief  an  ben  Immobilien  beö  SSormunbeö,  unb  jwar 
mit  einer  Summe,  beren  Setrag  bem  SBert^e  beö  in  ben  ^änben  beö  SSor^ 
munbeö  Derbleibenbeu  beweglid^en  aSennogenö  entfprid()t  9iur  bei  ga^rläffigfcit 
beö  aSormunbeö  fann  eine  ©rl^öfiung  biö  ju  bem  Setrage  ber  ju  terrcd^nenben 
©infünfte  für  bie  ^x6)  ergebenben  2)efefte  erwirft  werben  (bai)r.  Hi)pot^cfengef. 
V.  1.  3uni  1822  §  12  9Jr.  5,  §  22;  t)ergt.  aud&  baDr.  ©ntw.  ärt.  69). 

©inen  gefcfelid)en  J^itel  auf  Seftellung  einer  ^wotl^ef  an  ben  gntmobilien 
beö  aSormunbeö  gewähren  bem  SBlünbel  alö  Siegel  ferner  baö  altenb.  ®ef., 
bie  ®runb  unb  §i)pot^efenbüd()er  betr.,  o.  20.  3iooember  1858  §  36,  baö  ®ef. 
für  9ku{3  j.  S.,  bie  ©runb^  unb  $i)pot^efenbüd^er  betr.,  v,  20. 5Rot)ember  1858 
§  36,  baö  ®ef.  für  ÜReufe  ölt.  2.,  bie  ©runb^  unb  »^gpot^efenbüd^cr  betr.^ 
t).  27.  'gebruar  1873  §  38  unb  baö  mcining.  ©ef.  v.  15.  3uli  1862,  betr.  bie 


SSormimbf^aft.    Mflemeinc  SSeörünbung.    (§§  1633—1748.)  1041 

Slntcgung  von  ®runb:=  unb  ^ijpotl^efcnbüd^crn,  3lrt.  15  (oergt.  aud^  l^cff.  ®ntro.  IV 
Strt.  41 ;  onbcrö  boö  ^cff.  ©cj.  über  boö  ^Pfanbrcd^t  d.  19.  aWai  1858). 

3la6)  einer  anberen  ©nippe  von  IRtäjttn  ift  bie  aSerpflui^tung  beö  SBor^ 
munbeö  jur  ©i^erftellung  von  bem  ©rmeffen  beö  aSormunbf^aftögerid&teö  ob* 
I)fi«9i0  gemadfit  (oergl.  preufe.  93orm.  D.  §  58 ;  \6)Xoaxih.  rubolft.  ©ef .,  betr.  bie  SBer* 
beRerung  beö  ^ppot^efenwefcnö,  v.  6. 3uni  1856  §  16;  olbenb.  ©efe^e  d.  3. 3lprU 
1876,  28.  3anuar  unb  19.  aWärj  1879  ärt.  3, 4).  Snöbefonbere  beftimmt  bie 
preufe.  S3omt.  D.  a.  o.  D.,  ba§  SJormünber,  roeld&e  ein  erl^ebüd^eö  SSermogcn  ju 
üerioalten  ^aben,  von  bem  93ormunbfc^aftögerid)te  jur  Seftcllung  einer  ©id^er* 
fielt  angehalten  werben  tonnen,  beren  2lrt  xmb  Umfang  nad^  rid^terlid^em  (Sx^^ 
meffcn  beftimmt  wirb.  SBer  jur  Stellung  einer  foldt)en  ©ic^er^eitöleiftung  an? 
gehalten  wirb,  fann  iebod&  bie  Uebernal^me  einer  aSormunbf^aft  ablehnen 
bejro.  feine  (Sntlaffung  als  aSormunb  üerlangen  (§  23  3?r.  6,  §  63  3lbf.  2). 
S)ie  @ltern  beö  ÜWunbels  ftnb  bered^tigt,  ben  von  i^nen  benannten  33ormunb 
Don  ber  5ßflid&t  jur  Sid&er^eitöleiftung  ju  befreien;  bie  Befreiung  fällt  aber 
meg,  menn  Umftänbe  eingetreten  finb,  meld&e  nad^  bem  ®rmeifen  beö  93or* 
munbfd&aftßgerid&teö  eine  ©idfier^eitslciftung  not^roenbig  mad^en  (§  59  Stbf.  1, 2). 
^rner  finb  ber  SBater,  bie  aJlutter,  ber  (Seemann  unb  bie  ©rofecitern  als 
^ormünber  unb  ber  ©egenoormunb  üon  ber  ^ßflid^t  jur  ©id^er^eitdleiflung 
frei  (§  59  3lbf.  3). 

(Sine  britte  ©ruppe  t)on  ?led)ten  ^at  bie  SSerpflid^tung  bed  SSormunbeö 
5ur  ©id&er^eitsleiftung  gänjli^  befeitigt.  ®ö  ift  bieö  inöbefonbere  ber  gall 
nac^  franj.  SRec^te,  meldficö  [eboc^  nad^  Dbigem  bem  SRünbcl  eine  gefe|Ud&e 
^qpot^cf  au  bem  unbemeglid^en  SSermögen  beg  iSormunbed  gemö^rt,  nac^  bem 
öfterr.  ©.  33.  §  237  (fofange  ber  SSormunb  bie  burd^  baö  ©efefe  jur  ©ic^erlieit 
beö  SBermögenS  befte^enben  SBorfdfiriften  genau  beoba^tet  unb  jur  gehörigen 
3eit  orbentlid^  Sled^nung  legt),  femer  nad&  ben  l(ianfeatifd^en  SBormunbf^aftö' 
orbnungen  unb  bem  roürttemb.  SWedf)te.  "^ad  tefttere  geroäfirt  inbeffen  bem 
aWünbel  wegen  liquiber  Stec^nungöbefette  einen  gefe^lid&en  5ßfanbredt)tÄtitel 
(toürttemb.  5ßfanbgef.  v.  15.  aipril  1825  3lrt.  37). 

5Reben  ber  ©id^er^eitölciftung  bejro.  ald  ®rfafe  berfelben  l^at  in  ben 
neueren  beutfc^en  ©efegen  —  im  ©egcnfafee  jum  franj.  SRed&te  —  bie  hinter? 
tegung  üon  SBertl^fad^en,  inöbefonbere  üon  SBert^papicren  beö  SWünbete,  aU 
ein  SKittel  jur  ©i^erung  beö  lefeteren  bie  meitefte  SBerbreitung  gefunben.  9llö 
roeitereö  ©id^erungömittet  ift  in  neuerer  3^^*  bie  Umfdf)reibung  geroiffer,  jum 
SKünbeloermögen  gel^orenber  ©d^ulboerfd&reibungen  ouf  3nl(iaber  auf  ben 
5Ramen  beö  2Rünbelö  im  ©taatöfc^ulbbud&c  ^injugetreten.  3n  biefer  Scjie^ung, 
fomie  in  9lnfe^ung  ber  bie  Hinterlegung  betreffenben  SSorfd^riften  beö  geltenben 
9ledt)teö,  mirb  auf  bie  SWotioe  ju  §  1670  ocrroiefen. 

Der  ©ntrourf  gel)t  im  SKnfd&luffe  an  bie  preufe.  SBorm.  D.  baoon  auö,  etanbpuntt 
ba§  bem  SKünbcl  roeber  ein  gefcglidfieö  ^fanbred^t  an  bem  SBermögen,  inö*  entwürfe«. 
befonberc  bem  unberoeglid&en  33ermögcn,  beö  93ormunbeö  nod)  ein  gefeßUd&er 
2^itel  jur  ©rrocrbung  einer  ^r)poÜ)d  juftetien,  bem  93ormunbe  au^  eine  SBer* 
pflic^tung  jur  ©ic^cr^citöleiftung  regelmäßig  nid^t  obliegen  foH.    ©in  gefeg* 
lic^eö  ^^}fanbred)t  beö  SKünbelö  fann  fd^on  nac^  bem  bem  ©ntmurfe  ju  ©runbe 

gtotioe  {.  Mrflcrl.  Oefe^buc^.  lY.  66 


1042  gSormunbfSaft.    Stagcmcinc  »cöcunbunß.    (§§  1633—1748.) 

licgcnbcn  ^ßublljitäteprinjipc  nid^t  in  grogc  fommcn.  Slber  oud&  gegen  bie 
Snerfennung  einer  unbebingten  93erpfli(i)tung  bcö  3Sommnbcö  jur  ©id^cr^citÄ^ 
leiftnng,  foroie  gegen  bie  SÄnerfennung  eine«  gefeftlic^en  ^^potl^efentitete  fpred&en 
übenoiegenbe  ©rünbe.  Der  Staat  ^at  allcrbingö  bie  5ßflic^t,  bie  aWinber* 
jäl^rigen  unb  anbere  ju  beoormunbenbe  5ßerfonen  ju  fc^üfeen,  unb  ift  bered^tigt, 
ju  biefem  3^^^*^  ^i^  ©ienfte  feiner  Sürger  in  9lnfprud&  ju  nel^men.  2)er 
ßinjelne  fann  fid^  nid^t  weigern,  bem  ©enteinroefen  ju  biefem  @nbe  bie 
erforberli^cn  Opfer  an  S^it  unb  SWül^e  unentgeltlid)  jn  bringen,  nnb  ber 
Staat  ntu§  il^n  nöt^igenfallö  jroingcn  fonnen,  bieö  jn  t^un.  ©ine  ganj  anbere 
grage  ift,  ob  ber  Staat  roo^Itl^ut  ober  au^  nur  bcred^tigt  ift,  von  feinen 
3lngel(|örigen  neben  i^ren  perfonlid)en  ©ienften  nod&  Opfer  an  i^rem  SJermögen 
ober,  road  bem  glcic^ftel^t,  an  i^rem  Ärebite  ju  f orbern,  roa«  gefc^ic^t,  wenn 
man  fie  nöt^igt,  eine  Kaution  5u  beftellen.  2luf  bie  ÜJlöglid&fcit  einer  Sid^er* 
Ijeitölciftung  burd^  SBürgfd^aft  ift  bei  ben  gegenwärtig  l^errfd^enben  Sin* 
fc^auungen  unb  ©ewobnl^eiten  in  irgenbweld^em  er^eblid^eren  Umfange  nid^t 
ju  red^nen.  ®ö  bleibt  bed(;alb  lebiglic^  bie  Sid^er^eitdleiftung  burd^  gauft- 
pfanb  unb  burd^  ^ppotl^ef,  unb,  ba  bie  erftere  bod^  nur  audna^mdmeife  moglid^ 
fein  wirb,  oorjugöroeife  bie  Sic^er^eitöleiftung  bur^  §qpotl&ef  in  grage.  S)ic 
Si^er^eitölciftung  erfolgt  mitl^in  regelmäßig  auf  Soften  beö  Ärebiteö  beö  SBor* 
munbeö.  S)ie  alte  gemeinred^tlidf)e  OeneraH^^potl^ef  mad&te  ftc^  in  biefer 
^inftd&t  weniger  fühlbar.  3e  mtf)x  aber  baö  ^rinjip  ber  offentlicbcn  Spejial* 
I)Ppotl^ef  fid^  entroidfelte,  um  fo  augenfälliger  unb  empfinblid^er  mußte  bas  bem 
aSormunbe  in  biefer  SWid^tung  in  ber  S^^at  angefonnenc  rermögcnßrec^ttic^e 
Opfer  werben.  S)aö  praftifd&e  preuß.  ä.  S.  91.  I^at  bicfe  ^ärte  bereits  erfannt 
unb  beö^alb  beftimmt,  baß  bem  SBormunbe  wenigftenö  bie  erfte  ^älfte  beft 
aSert^efi  ber  ©runbftüdfe  frei  bleiben  muffe.  SKeinlid^  beftimmt  ber  l^eff. 
(Sntw.  IV  Slrt.  41,  baß  burd^  bie  Äaution  baß  licgenfc^aftlid^e  SBermögen  beö 
93ormunbeö  nur  biß  ju  einem  Drittel  bcfc^wert  werben  bürfe.  OTein  aud& 
mit  fold^en  (Sinfd&rönfungen  wirb  bie  ^ärte  beft  bem  SSormunbe  auferlegten 
Opfcrß  nur  gemilbert,  nid^t  aufgehoben.  Die  Äautionöpfli^t  bleibt  unter  oDen 
Umftänben  eine  mit  SRüdfi^t  öuf  if)^^  SSertl^eilung  auf  bie  Untertl^anen  üoltig 
prinjiplofe,  weil  oon  reinen  S^föDigleiten  abl^ängenbe,  SBcrmögenßfteuer. 
3lußerbem  bilbet  [le,  inbem  fie  t^atfäc^li^  nur  ben  ©runbbcfiler  trifft  — 
bcnn  nur  an  ©runbftütfen  unb  ben  bcnfelben  na^  §  781  gleid^gefleDten  S3es 
rcd^tigungen  fönnen  ^^potliefen  bcftellt  werben  (§§  1062,  1125)  — ,  il^rcm 
©rfolge  nad&  eine  einfeitige  ungerechte  Sclaftung  beß  ©rnubbefi^eß  gegenüber 
bem  beweglichen  Kapitale.  Slnbercrfeitß  f)ai  eß  wenig  Sinn,  gcrabe.  Don  bem 
©runbbefiöer  Sid^erfieit  ju  verlangen;  benn  an  unb  für  fid&  gewö^rt, 
wenigftenß  in  Oegenben  mit  nic^tt)crfd^ulbetem  (Srnubbefi^e,  ber  festere  alß 
fol^er  bem  SRünbel  tliatfäd^lidb  bie  bcfte  Sid^er^cit.  UnterfteDt  man  ober 
einen  unjtd^cren,  b.  1^.  überfd^ulbeten  ©runbbeftfeer,  fo  bot  bie  biefem  on* 
gcfonnene  ^ppotl^ef  für  ben  SKünbel  wenig  SGBert^.  Dies  wirb  wenigftenß  als 
Siegel  üoraußjufe^cn  fein,  wobei  bie  SJlöglid^feit  jablreid^er  9lußnabmen  felbft« 
ücrftönblic^  anertannt  werben  muß.  3Jlan  wirb  aber  um  beß  praftifc^cn 
Sinkens  willen,  weld&er  in  Slußna^mefäüen  bem  SWünbel  auß  ber  ^ppot^t 
allerbingö  erwad^fen  fann,  eine  on  fid^  i)olföwirtl)fd^aftlid&  rerwerflid^c  ©im 


ajormunbf^aft.    gtagemeine  Segrünbung*    (§§  1633-1748.)  1043 

rid&tung  nid&t  treffen  bürfen.  ®in  ftaatebfirgerlid^ed  ©l^renamt  mit  Sw^ongö^ 
pffid^t  iur  Uebemal^me  ift  mit  einer  Äoutionöpffid^t  nid^t  vereinbar. 

3n  biefem  ©inne  i)at  aud^  ein  Stttbcilungöbefdölnfe  beö  jroölften  beutfd&en 
3uriftentaged  einftimmig  ftd^  ouögcfprod^cn  (aSerfianbt.  S3b.  3  ©.  100,  114), 
unb  ju  bemfelben  Stefnltate  ift  im  Soufe  ber  Seratl^ung  auä)  bie  preufe.  93orm.  D. 
gelangt. 

©anj  onberö  liegt  bie  ©a^e  in  fold^en  göUen,  in  roeld^en  ed  fx6)  um 
83ormünber  ^anbclt,  meldte  bie  33ormunbf(^oft  nid^t  übernel(imen,  um  il^rer 
S3ürgerpflidt)t  ju  genügen,  fonbern  roeld^e  felbft  SRed^te  auf  Uebcrtragung  ber 
83ormunbfd^aft  in  Sttnfprud^  nel^men  ober  bod^  gemillt  finb,  bie  33ormunbf^aft 
freimiDig  ju  behalten.  Sinnen  gegenüber  fann  man  ben  Sntereffen  beö  äRünbelfi 
in  erfter  Sinie  SRedbnung  tragen  unb  i^nen  unbebenKid^  bie  ^ßflid^t  auferlegen, 
ba,  roo  baö  S3ebürfni§  es  forbert,  eine  ©id^erbeit  i^u  befteDen. 

5Äuf  @runb  bicfer  ©rmögungen  bcftimmt  ber  (gntmurf  (§  1689),  ba§ 
baö  33ormunbfd^aftßgerid^t  nur  unter  bcfonberen  Umftänben  anorbncn  fann, 
bafe  ber  SBormunb  megen  bcfi  feiner  SBermattung  unterliegcnben  3Sermögenö 
beö  aWünbctd  biefem  ©id^crbeit  ju  leiften  b^be,  ba|  aber  in  einem  folcben 
galle  ber  SSormunb  bie  Ueberna^me  ber  SBormunbfd^aft  abjulebnen  bejro.  feine 
©nttajfung  als  aSormunb  ju  verlangen  bered^tigt  fein  fotl  (§  1643  3h.  6, 
§  1706  Slbf.  2).  ®eroiffe  SSormünber  fmb,  menigftenö  ate  Siegel,  aud^  von 
ber  5ßfli*t,  in  ©emöfe^eit  beö  §  1689  ©i^erbeit  ju  leiften,  befreit  (§§  1692, 
1694,  1733).  35ie  gegen  eine  fol^e  Siegelung  t)om  ©tanbpunttc  beö  Sntereffeö 
bed  SRünbeld  aud  ju  erl^ebenben  praftifd^en  ^ebenlen  erlebigen  ftc^  indbefonbere 
burdt)  bie  93orfd&riften  bed  ©ntrourfeö  über  bie  Slnlegung  ber  SKünbelgelber 
(§§  1664—1668)  unb  über  bie  ^interlegungdpflid^t  (§§  1670—1672)  in  SBer^ 
binbung  mit  ben  SBorfd&riften  über  baß  ©rforberntfe  ber  ©ene^migung  beö  ®egen« 
Dormunbes  bejm.  beö  SSormunbfd^aftdgerid^ted  )u  Sled^tdgefd^äften  beg  fßov^ 
munbcd,  burc^  meldte  berfelbe  über  bie  bem  SJlünbel  }ufte^enben  Slnfprüc^e 
ober  über  bie  binterlegten  ©egenftönbe  tjcrfügt  ober  burd^  meld&e  eine  SSer^« 
pflicbtung  ju  einer  fold&en  93erfügung  begrünbet  werben  foU  (§  1668  3lbf.  2, 
§§  1669,  1671,  1672,  1674  5Rr.  2).  ®aju  fommen  bie  bem  SSormunbfc^aftö^ 
gerid^te  fraft  feines  Sluffid^töred^tcö  beigelegten  83efugniffe,  inöbefonbere  bie 
SBefugnife,  gegen  5ßflid^troibrigfeiten  burdt)  geeignete  ©cbote  ober  Sßcrbote  ein^^ 
jufd^reitcn  (§  1684),  femer  bie  Slontrole  burd^  ben  ©egenoormunb  (§  1654)  unb 
baö  bem  SWünbel  burd^  §  54  9lr.  5  ber  Sonf.  D.  im  Ronlurfe  über  baö 
33crmogen  bcö  SBormunbeS  beigelegte  SJorjugörecbt. 


vin. 

^ßflegfd^aft  im  ®egenfafee  jur  SSormunbfd^aft. 

93on  grunblegenbcr  93ebcutung  für  baß  im  ©efegbudfie  aufjuftellenbe 
®i)ftcm  beß  35ormunbf^aftßrcd)tcß  ift  ferner  ber  (Segenfaß  jmifd^en  Sormunb* 
fd)aft  unb  ^flegfdfiaft.  2)cr  ®egcnfa|  felbft  pnbct  ^\d)  in  allen  ©cfeßgebungen, 
locnnglcidf)  bie  gorm,  in  loeld^cr  er  crfd^cint,  unb  bie  3lrt  ber  ©urd^fü^rung 
eine  ucrfdjiebcne  ift. 

66* 


1044  gSormunbfdjaft.    aHocmeinc  Scßrünbunö.    (§§  1633-1748.) 

»efen  ber  3^rcm  SBcfcu  Tiad^  ift  bic  ©pcjiolfuratcl  nid)t  tninbcr  SBormunbfd^aft^ 

$fiegf(^ft.  j^.^  j^.^  allgemeine  aSonniinbfd^aft.  ®icö  ift  nid^t  nur  bcr  galt  naö)  benicnigeii 
Siedeten  ^  n)e[d^e^  n)ie  bad  röm.  Siecht ^  bieö  fc^on  äugerlid^  baburd^  befunben, 
bafe  fte  für  beibe  l^icr  in  JRcbe  ftel^enbe  SSer^ältniffc  bcnfelbcn  9}amcn  (cura^ 
gSormunbfc^aft)  gebraud^cn  (oergl.  fäd^f.  ®.  33.  §  1883;,n)eimar.  (Sef.  o.  27.  a»ätj 
1872  §§20,  21),  fonbern  aud^  nad&  ben  SReditcn,  roclc^c  mit  SRütfric^t  auf 
gemijfe  allerbingß  obmaltenbc,  aber  roefentlid^  nur  ben  Umfang  ber  ®efd^&fte 
bejiclenbe  Unterfd^iebe  bic  befonbcre  SSormunbfd^aft  nid^t  mit  bem  3lamcn 
5Bormunbfd&aft,  fonbern  mit  einem  anbcren  5Ramen  (Äuratel,  5ßflegfd^aft,  ®üter* 
pflege)  bejcic^nen  (t)ergl.  preufe.  ä.  S.  SR.  n,  18  §§  953,  956 ;  öften\  ®. ». 
§§  228,  282;  preufe.  SSorm.  D.  §  91;  l^eff.  (gntn).  IV  Slrt.  66;  ba^r.  ©ntio. 
Slrt.  4,  117).  9lad^  allen  corftel^cnb  angeführten  ©efcfegcbungörocrfen  finbcn 
auf  ben  ©pejialfurator  innerl^alb  bed  il^m  5ugen)iefcnen  älmtöfrcifeö  bie  für 
ben  orbentlid^en  äiormunb  geltenben  Sorfd^riften  älnmenbung,  fotoeit  nid^t  im 
®in5elnen  auöbrüdflid^e  9luönal^met)orfd^riften  gegeben  finb,  unb  bie  lefcteren,. 
wenig  ja^treid^,  mie  fte  regelmäßig  finb,  bejie^en  fic^  immer  nur  auf  öufecr* 
Hd^e,  bad  SBefen  ber  Dormunbfd^oftlid^en  Stellung  uid^t  berü^renbc  fünfte. 

S)er  begriffliche  ®egenfa|  ber  ^flegfd&aft  jur  5Bormunbf^aft  ift  lcbiglid(^ 
ber  bed  Sefonberen  jum  SlUgemeinen.  2)ie  93ormunbfd&aft,  meldt^er  in  biefcr 
9e}ie^ung  bie  elterlid^e  ®emalt,  fofern  bie  le^tere  nid^t  auf  bic  elterliche 
Slufeniefeung  befc^ränft  ift,  glcid^fte^t,  bejmedt  prinjiplell  bic  allgemeine  ^ür* 
forge  fomo^l  für  bie  ^erfon  alö  ba^  SSermogen,  fomol^l  nad^  ber  t^atfäd^lid^en 
©eite,  alö  nad^  ber  ©eite  ber  93ertretung  l)in.  3)agegen  finb  bic  Sefugniffe 
beö  Pflegers  begriff lid^  auf  befonbcre  Slngelcgenl^eiten,  fei  es  auf  cinjelne 
ober  auf  einen  beftimmten  Äreiö  t)on  Angelegenheiten,  bef darauf t.  ©olonge 
bic  elterlid^e  ®emalt  ober  bie  aSormunbfd)aft  bcftel^t,  bleibt  fie  begrifflid^  ba& 
allgemeine  Sfledjtßoer^ältniß ,  aud^  wenn  bie  tjormunbfd&aftlid^e  gürforge  für 
cinjelne  9lngetegenl)eiten  audgefd^icben  unb  einem  Pfleger  übertragen  ift 
(oergl.  §  1650).  3ln  fid&  ift  eö  immer  ber  SSormunb,  mcld^cm  bie  SJcrmut^ung, 
allgemeiner  9lepräfentant  beö  ÜJlünbelß  ju  fein,  jur  ©eite  fte^t.  dagegen 
fte^t  bem  5ßfleger  biefe  SSermut^ung  nie  jur  ©eite,  mögen  aud^  bie  i^m 
übertragenen  Slngclegen^eiten  noc^  fo  mid&tig  unb  umfangreich  fein;  üielmc^r 
ift  er  immer  nur  inforoeit  bered^tigt,  für  ben  SKünbel  ju  l^anbeln,  als  auß  bcr 
ücrftänbigen  Slußlcgung  beö  il^m  alö  'ißfleger  jugemiefcncn  SBirfungßfreifcö 
eine  93efugniß  jur  35orna^mc  gerabe  biefeö  ®ef(f)äftcö  fid^  ergiebt. 

sröit  ber  t)orfteI)enben  SBegriffßbcftimmung  ber  5ßflegfd&aft  ftimmt  im 
^rinjipe  öucl)  bie  preufe.  SBorm.  D.  §§  86—90  überein  (oergl.  entfd^.  b.  31.  ®. 
in  ©iüilf.  XIV,  71;  3a^rb.  ber  ©ntfd^.  b.  i^ammerger.  VI,  21,  28),  ebenfo  ber 
bat)r.  ©ntio.  3lrt.  4.  Die  prcuß.  93orm.  D.  I^at  jeneö  5ßrinjip  freiließ  nid^t 
immer  f eftgcl)altcn ,  j.  33.  nid^t  in  Slnfc^ung  ber  rormunbfc^aftUd^en  gürforge 
für  ben  Slbrocfenben,  loel^e  fie,  obroofil  eö  fid&  babei  nur  um  bic  gürforge  für 
baö  aSermögen  beö  SÄbrocfenbeu  Iianbelt,  als  33ormunbfd&oft,  nid&t  alö  ^fleg- 
fd)aft  auffafet,  roäfirenb  fie  anbercrfeitß  eine  üortäufigc  33eoormunbung  eineft 
nodf)  nid&t  entmünbigtcn  ®eifteflfranfen  nur  in  ber  gorm  ber  ^Pflegfc^aft  ein« 
treten  läßt  (§  81  9lr.  1  ocrglid^en  mit  §  90),  auc^  roenn  im  fonfreten  galle  baft 
33ebürfni6  eines  ©dbugcß  nur  für  befonbcre  2lngelegen^eiten  nid)t  angcjclgt 


aSormunbWaft.    aUöcmeinc  Scgrünbunö.    (§§  1633-174a)  1045 

ift.  9inerbingö  ift  cd  a\i6)  t)om  Stanbpunftc  bcs  ©ntrourfcs  quo  eine  ZiiaU 
frage,  ob  bcr  t)orl^onbcnc  SRongcl  eines  3SonnunbeS  ober  bie  eintretenbe  33e* 
^inbcrung  bcöfelben  baju  itot^igt,  einen  cinftrocUigen  SBormunb  ju  beftellen 
(t)ergl.  §  1637  3lbf.  2,  §  1638  Stbf.  3,  §  1737)  ober  ob  nid^t  rielme^r  mit 
9lü(fftc^t  auf  baö  nur  für  geroijfe  Slngelcgen^eiten  fül^Ibar  roerbenbc  Sebürfnife 
mit  einer  ^Jflegfd^aft  außjufommen  ift  (§  1738  S[bf.  1),  ba  aud&  biefe,  mie  bie 
Säormunbfd^aft,  für  einen  rorübergefienben  Sebürfni^fall  angcorbnet  werben 
fann.  Mein  begriffüd^  fc^Iiefet  baö  bloß  aSorübergel)enbe  beö  ©d&u|bebürf^ 
niifcö,  fofern  baöfelbe  im  Uebrigen  ein  allgemeincö  ift,  eine  SBormunbfd&aft 
nid^t  auft.  6inc  9lu8naf)me  ift  aus  befonbcren  ©rünben  im  3ntereffe  beö  3n* 
Iiabers  bcr  cttcrUd^eu  ©cmalt  im  §  1554  9lbf.  1  nur  infofem  gcmad&t,  atß 
auf  ®runb  einer  t^atfäc^Iid^en  SScr^inberung  beöfelben  bie  cttcrlid^e  ®emalt 
ouöjuüben,  baö  SRul^en  ber  Ie|tcren  unb  mithin  bie  9lnorbnung  einer 
33ormunbfd^aft  (§  1633)  nur  bann  eintreten  foH,  menn  bie  5Rot^n)enbig? 
feit  einer  ollgemeincn  gürforge  für  bie  ^crfon  unb  baö  93ermogen  ber 
Äinbcr  roä^renb  einer  t)orQudfid)tIid^  längeren  ^cxt  [xä)  ergiebt.  ^m  %aUc 
einer  t)orauöfi(i)tIid)  nic^t  [fingeren  t^atfä(i)lid^en  SSerl^inberung  foll  bem  Sd&ul^^ 
bcbürfnifje,  au^  wenn  biefefi  an  fidf)  ein  allgcmeineö  fein  foDte,  nur  burd^  bie 
5Snorbnung  einer  5ß{legfd&aft  für  bie  einjclnen  Slngctcgcnlöcitcn  ober  für  einen 
beftimmtcn  Sreiö  Don  9lngelegenf)citen  genügt  werben  (oergl.  bie  2»otioc  ju 
§  1554  oben  ©.  820). 

Sei  ber  83egrifföbeftimmung  ber  5ßf(egfc^aft  bietet  nur  ein  SBer^öItnife  ^»** 
eine  Sd^ioicrigfcit.  3n  faft  allen  Oefe^gebungen,  auc^  in  folgen,  roeld^e  bcmbd'Weut« 
®cgenfa|e  jn)ifdt)en  SBormunb  unb  ^^^ffcger  einen  gcfcfegeberifdien  Sluöbrucf  gc-  ,""Ti^ef 
geben  l^abcn,  fommen  SSormünbcr  t)or,  roeld^e  genau  biefelben  gunitionen 
^abcn,  votlä)t  ben  Pflegern  obliegen.  ®ö  finb  bicö  bie  SKitoormünber  mit  ge^ 
t^eiltcr  aSermaltung.  @inem  einjclnen,  }u  getl)eilter  SScrroaltung  beftcBteu 
aWitoormunbc  fann  ein  ©efd^äftöfreiö  überroiefen  fein,  mie  er  genau  fo  ber 
eincö  Pflegers  fein  fonnte.  2lud^  ber  ©ntmurf  gcl^t  baoon  auö,  bafe  bie  ÜKög« 
lid^feit,  mehrere  ücrroaltenbe  SBormünber  in  ber  Slrt  ju  beftellen,  bafe  bie  SSor- 
munbfd^aft  t)on  benfelben  na6)  beftimmtcn  SBirfungöfreifen  getl^eilt  geführt 
mirb,  icber  berfelben  ba^er  t^atfäd^Iid^  nur  bie  Stellung  eines  5ßflegerö  l^at, 
nidfit  au8gcfd)loffen  roerben  fann  (t)crgl.  §  1652  Slbf.  3,  4  nebft  SKotiücn).  ©ö 
brängt  fid&  ba^er  bie  t^tage  auf,  ob  unter  biefen  Umftanben  überhaupt  ein  Se^ 
bürfnil  oordanben  ift,  ben  ^^Jffeger  olö  eine  befonbere  Kategorie  bem  SJormunbe 
gegcnüberiuftellen,  unb  ob  nic^t  baß  ©efefe  an  ©infad^fieit  geroinnen  roürbc,  roenn 
badfelbe  nur  Don  SBormünbern  fpräd^e,  für  biefe  ober  nad^  Sebürfnife  eine  Sc« 
fd&rflnfung  ilirer  SBoDmad^t  iuliefee.  S)aö  in  golge  bcr  aW8glidf)feit  einer  S^^eilung 
bcr  SBerroaltung  unter  mel^rcre  aSormünber  eintretenbe  SSer^ältnife  f)at  inbejfen 
nur  bie  9iatur  einer  aus  3"'c^'"fi6i9^itörüdffid^ten  5ugelaffenen  Stuönal^me. 
®urd(|  eine  fold&c  rereinjelte  Sttufina^me  vertiert  bie  Unterfdficibung  jroifdjen 
33ormünbern  unb  Pflegern  roeber  il^re  prinjipiellc  Scred&tigung,  nod)  i^ren 
praftifd&cn  SBertl^.  3n  ber  le^tercn  §infidf)t  ift  junäd&ft  barauf  fjinjuroeifen, 
bafe  bie  meiften  neueren  ®efe|e  einen  fold^cn  Unterfd^icb  mad^en,  roic  man 
aud^  in  ber  gemeinred^tlid^en  ^rajid  baö  Sebürfnife  gefüfilt  f)ai,  bm  blofeen 
©peiialfurator  fpradt)lic^  t)on  bem  eigentlidt)en  93ormunbe  ju  unterfd&eiben,  roaö 


1046         a3ormimbf(]6aft  über  fWinbcrioJrißc.    SSoraußfcfeungcn.    §  1633. 

übcrcinftimmenb  ouf  ein  üorl^anbcncö  praftif(i)cd  Scbürfnife  ^inrocift,  einen 
f olc^cn  Untcrfc^ieb  ju  mad^cn.  Unb  in  ber  Xf^at  ift  eö  ein  praftif^er  (Seroinn, 
wenn  man  fd)on  am  $Ramen  erfennen  fann,  ob  bie  betreffenbe  ^crfon  ate 
SBormunb  im  S^ti^d  jur  aSertrctung  beö  aKünbete  allgemein  ober  nur  ate 
©pejialfurator  in  geroiften  Sttngelegen^eiten  legitimirt  ift.  S^bem  ift  cä  an^ 
gejeigt,  in  einjelnen  33ejief|ungen  für  aUe  ©pejialoormunbfd^aften  befonbere 
aSorfc^riften  ju  geben  (§§  1744—1748). 
Äotegorieen  Slnlongenb  bie  einjelnen  gälle,  in  roeld&en  nac^  bem  ©ntrourfe  eine 

qjp4fj«ft  ^ffcgf^oft  eintritt,  fo  wirb  in  biefer  ^tnfidfit  auf  bie  §§  1738—1742  unb  bie 
befonberen  3Rotit)e  ju  benfelben  Sejug  genommen  (oergl.  aufeerbem  bie 
§§  1827,  2059).  §ier  mag  nur  ^en)orgef)oben  werben,  bafe  nad^  bem  ©nt- 
rourfe  ber  Orunb  für  bie  elterlid^e  Oeroalt  ober  für  eine  33ormunbfd^aft  immer 
jugleid^  einen  ®runb  für  eine  ^flegfd^aft  bilbet,  menn  wegen  Unjuläuglid^feit 
beö  allgemeinen  elterii(i)en  ober  üormunbfd&aftlid^en  ©d^ußeö  für  eine  befonbere 
2lngelegen^eit  baft  Sebürfnife  eines  befonberen  ©d&ufeeö  ^erüortrltt  (§  1738 
2lbf.  1).  daneben  läfet  ber  ©ntrourf  nod^  in  einer  Steige  einzelner  gölte,  in 
meldten  in  Slnfel^ung  ber  eine«  oormunbfc^aftli^en  ©^ufeeö  bebürftigen  ^erfon 
eine  allgemeine  causa  tutelae  nid^t  vorliegt,  bie  3lnorbnung  einer  ^^Jflegfdfiaft 
jU  (§§  1739—1742,  1827,  2059  ff.). 

xerminoioflte.  gur  Sejcid^nung  beö  ^ier  fraglid^en  3nftituteö  ^at  ber  ©ntmurf  ben 

bereits  t)on  ber  preufe.  aSorm.  D.  gewählten  SKuäbrudE  ,,^{leger"  beibebatten,  ba 
berfclbe  als  bie  treffenbfte  Ueberfefeung  beS  für  biefes  aSerböltnife  bisher 
uorjugöTOeife  gebraudfitcn  grcmbroortes  „Äurator"  erfd^eint. 


erPer  Xitel. 


I.  Slnorbmmg  ber  93onttttiibfd^aft 

§  1633. 

»ottttt«*  2)em  §  1633  liegt  bas  ^ßrinjip  ju  (Srunbe,  bafe  eine  SBormunbfd^aft  — 

^'KUnb'r  in^  Oegenfafce  ju  ber  einen  befonberen  ©d^ug  für  geroijfe  3lngelegenbeiten 
\^t  bejTOedfenben  ^Pegfd^aft  (ücrgl.  §  1738  Slbf.  1)  —  bann  eintritt,  wenn  bas 
Sebürfnife  einer  allgemeinen  gürforge  für  bie  5ßerfon  unb  baS  SSermogcn  x>ox^ 
banben  ift  (üergl.  5lr.  VIII  ber  allg.  SBegr.  oben  ©.  1044  ff.).  S)iefe  SSorauS* 
fcfeung  ift  begrünbet,  wenn  ein  ÜJHnbcrjöbriger  nid&t  unter  elterlid^er  Oemalt 
ftebt  (üergl.  §§  1501,  1557—1560,  1566,  1570)  ober  mcnn  bie  elterlid^e  ®e* 
malt,  fei  es  in  golgc  ®ntäief)ung  bur^  bas  ^ormunbfd&aftsgerid^t  (§  1546) 
ober  in  golge  SRubenS  ber  elterlid^cn  Oemalt  (§§  1554—1556),  auf  bie  elter* 
lidE)e  3flu6nie§ung  befdfirönft  ift.  Äann  bagegen  bie  gürforge  bes  Snl^aberS 
ber  elterlid^en  ©emalt  für  einjelne  Slngelegenl^eiten  ober  für  einen  geroiffen 
Äreis  t)on  9lngelegenl)eiten  aus  einem  tl[|atfäd)Iid^en  ober  red^tlid^en  ©runbc 


SSormunbf^aft  x.    3tnorbnung.    fficrufunfl.    §§  1634,  1635.  1D47 

nid^t  eintreten,  fo  erhält  ber  aÄinberiäl^riae  einen  5ßfleger  (§  1738  9lbf.  1). 
©egenüber  bcm  geltenben  SRed^te  werben  bie  '^äUt,  in  weisen  über  einen 
aRinbcrjä^rigen  eine  SSormunbfdfiaft  anjnorbnen  ift,  baburc^  bebeutenb  üer^ 
minbcrt,  bafe  ber  ©ntrourf  eine  bie  SBormunbfd^aft  auöfc^Iicfeenbe  elterlici^e 
©eroalt  ber  etielic^en  SKutter  fcnnt  (oergt.  §§  1501,  1555,  1557  3rbf.  2,3, 
§§  1558,  1559  9lbf.  2,  §§  1560,  1564).  3m  Uebrigen  ftlmmt  ber  §  1633  im 
5ßrinjipe  mit  bem  geltenben  Sled&te  überein  (üergf.  prenfe.  SSorm.  D.  §§  11,  86; 
fäd)f.  ©.33.  §§  1875,  1883;  mcimor.  @ef.  v.  27.  SKörj  1872  §§  20,  21; 
ofterr.  ®.  33.  §§  187,  175,  176;  code  civü  Sttrt.  390—405;  lübed.  SSorm.  D. 
t).  11.  Dftober  1820  §  1;  brcm.  aSorm.  D.  x>.  14.  2Rai  1882  §§  4—9;  ^amb. 
aSorm.  D.  t).  14.  ©esember  1883  3lrt.  1,  6 ;  ^eff.  ©ntm.  IV  9lrt.  2,  III  3lrt.  26, 
29,35,40;  ba^r.  ©ntro.  3lrt.  1,  4). 

§  1634. 

Sie  ©rünbe,  auö  weld&en  ber  ©ntrourf,  abgefe^en  oon  bem  in  ber  3lnm.  «norbnung 
ju  §  1634  bejeid&neten,  jur  2lufnal[ime  in  boö  ®infü^rungsgefe6  beftimmten  *'7($^^''1JSII^' 
aSorbel^olte  für  bie  Sanbeßgefe^gebung,  eine  gefcfeü^e  aSormunbfc^aft  nid^t  am  «««roeaen. 
erfannt  l(iat,  eine  93ormunbfc^aft  oiclmel^r  immer  nur  auf  9lnorbnung  beß 
aSormunbfd^aftögeric^teö  eintreten  foB  (Seftellungöprinjip),   finb   bereits   in 
3lv.  VI  ber  allg.  SBegrünbung  bicfeö  9lbjd&n.,  oben  ©.  1034  ff.,  bargclegt,  unb 
ift  bort  auc^  baß  in  biefer  ^infici^t  geltenbe  dltäfi  berüdEfid^tigt. 

2)o6  boö  93ormunbf(iaftßgerid^t  t)on  2lmtßrocgen  verpflichtet  fein  mu§, 
bie  aSormunbfc^aft  anjnorbnen,  ergiebt  fid^  auß  S^^^  ^^^  SBefen  ber  Ober* 
Dormunbfc^aft.  ®ie  ÜWöglid^feit,  biefer  ^flic^t  ju  genügen,  roirb  in  einem 
©efc^e  über  baß  93erfa^ren  in  aSormunbfd^aftßfadf)en  bem  aSormunbfd^aftß^ 
gcridfite  burd)  befonbere  aSorfd^riften  über  bie  bemfelben  regelmäßig  ju  mai^enben 
3lnjeigen  ber  eintretenben  SeDormunbungöfäDe  (preufe.  SBorm.  D.  §  16)  }u 
fidlem  fein  (oergl.  bie  Slnm.  jnm  t)ierten  33ud^e  §§  1227  ff.  unb  3lr.  I  ber  allg. 
93egninbung  biefeß  2lbfd^n.,  oben  ©.  1008). 

S)ie  i^rage,  nad^  meld^em  9ledf)te  bie  aSorauöfeftungen  für  bie  Slnorbnung  «usuinber. 
ber  aSormunbfc^aft  über  einen  3lußlänber  ju  beurt^eilen  fmb  unb  ob  unb  in* 
mieroeit  aud&  für  Slußlänber  bie  3lnorbmmg  einer  aSormunbfd^aft  im  S^Ianbe 
JU  erfolgen  ^at  (oergl.  preufe.  SSorm.  D.  §  9;  bab.  ®ef.  v.  6. gebruar  1879  §  5b), 
ift  nad^  ben  ©runbföfeen  beß  internationalen  5Urioatred6teß  ju  beurtl^eilen. 


§  1635. 

2)ie  93eftimmungen  beß  §  1635  Slbf.  1  finben  i^re  3ledf)tfertigung  ^^  ^^^  ®SJjSr«„i"' 
©rroägung,  ba§  bem  3ntcref[e  beß  SRünbelö  t)orauflfidötlid&  am  beflen  gebient  f^tt, 
ift,  wenn  baß  9lmt  beß  aSormunbeß  vox  9lnberen  auf  fofdt)e  ^erfoncn  fiberj« 
tragen  wirb,  raeld&e  baß  aSertrauen  ber  eigenen  ®ltcrn  beß  SKünbelß  baju 
beruft,  unb  meitcr  barin,  bafe  in  ©rmangelung  einer  fold^en  Berufung  ber 
natürlid^en  a3erufung  ber  gamilie  für  bie  aSormunbfd^oft  aud^  baburd^  JRcd^nung 
getragen  werben  foU,  bafe  bie  näd^ften  Slngel^örigen  beß  üHünbelß  burc^  baß 
©efeft  alß  aSormünber  berufen  werben.    Xcr  ©ntwurf  fdfiliegt  fidf)  in  biefer 


1050  3Sormunbf(^aft  üBet  SWinberiä^riflc.    S3enifung.    §  1635. 

unb  ^t  inöbcfonbcre  bic  prcufe.  3Sorm.  D.  —  entgegen  bem  preufe.  8.  2.  91. 
II,  18  §§  192,  194  unb  bem  entro.  ber  preufe.  »orm.  D.  o.  1875  §  16  — 
jeneö  Stcd^t  beö  ®ro|Dater3^  um  ben  @inf{ug  ber  ^^omKie  ju  ftarfen,  jur  äln^ 
erfennung  gebracht  (pergl.  preufe.  SSorm.  D.  §  17  9h:.  5,  6;  Sjierr.  ®.  S. 
§  198;  Code  civü  2lrt.  402—404;  fäd^f.  ®.  ».  §  1890;  lüberf.  SBotm.  D.  §  11; 
brem.  äJorm.  D.  §  21;  Ijamb.  SSorm.  D.  ärt.  8,  13;  l^efl.  ©ntn).  IV  «rt.  26; 
ba^r.  @ntn).  9lrt.  30).  liefen  Snoögungen  gegenüber  fann  barauf,  bog  unter 
Umftänbcn  onbere  ^ermanbte  bed  äRünbete,  indbefonbere  erma^fene  ©efd^mifter 
bedfetben^  ald  SSormünber  geeigneter  finb,  erl^ebUd^ed  ©emid^t  ni^t  gelegt 
merben.  2)ad  Sntereffe  bed  SRünbete  mirb  in  audreic^enber  SBeife  baburc^ 
gema^rt,  bag  bad  SSormunbfc^aft&gerid^t  ben  @ro§Dater  aus  befonberen  @ränben 
}u  übcrgel^en  befugt  ift  (§  1637). 
onberer  »er«  J^ogegcu  empfiehlt  eö  fid^  nid^t,  eine  gefcßli^ie  S3erufung  noc^  anberer 

Monbe« *b!^  äJerroanbten  eintreten  ju  laRen,  ba  man,  foroeit  eß  fid^  nic^t  um  bie  aller- 
©roimutter.  nöd^fteu  2lngel|örigen  beö  2Rünbefe  ^anbelt,  ®efa^r  läuft,  burd^  bie  oon 
einer  gefeftlid^cn  Berufung  untrennbare  beftimmte  gefefeliciöe  Speisenfolge  ber 
Berufung  ber  SBermanbten  burd^auö  nid^t  immer  bie  jur  gü^ning  ber  33ormunb* 
fd&aft  Dorjugöroeife  geeigneten  5ßerfonen  ju  treffen.  Snöbefonbere  fann  eine 
gefefelid^e  ^Berufung  ber  ©rogmutter  als  angemeffen  nic^t  erad^tet  werben 
(ücrgt.  oudt)  prcufe.  aSorm.  D.  §  17;  lübedE.  SBorm.  D.  §  23;  code  civü  ärt.  405; 
^eff.  Q^nim.  IV  9lrt.  26;  ba^r.  ©ntm.  9lrt.  30).  Uebereinftimmenb  ^eben  bie 
aWotioe  neuerer  ©efcggebungömerle  l|croor,  bafe  bie  ®ro§mütter  ate  ältere 
grauen  erfal^rungömäfeig  fic^  feiten  geeignet  ermiefen  Ratten,  eine  SSormunb* 
fd^aft  iu  übernehmen  (oergl.  2Rotioe  bcö  ^eff.  ©ntm.  S.  217,  beö  baxjx.  entw. 
S.  59,  ber  preufe.  93orm.  D.  ©.  65).  93crf^iebene  ©efefee  nehmen  nad^  bem 
aSorgange  beö  gemeinen  9ledf)teß  allerbingö  einen  abmeid^enben  ©tanbpuntt  ein; 
fte  bcrüdffi4)tigen  me^rfa^  bie  ©rofemuttcr  (öfterr.  ©.  93.  §  198;  fäd&f.  ©.  39. 
§  1890;  brem.  SSorm.  D.  §§  21,  23a;  6amb.  aSorm.  D.  t).  14.  ©cjember  1883 
3lrt.  8),  alle  männli^en  Slfjenbenten  (code  civil  3lrt.  402—404),  überhaupt 
olle  männli^cn  SBerroanbten  im  meiteften  Umfange  (gemeines  SRcd&t ;  f od^f.  ®.  S. 
§  1890;  fiamb.  SBorm.  D.  9lrt.  8),  —  S3cftimmungen,  bei  meldten  man  faum 
nod)  fagen  fann,  ob  eö  fidt)  um  eine  ma^re  gefc^lid^e  a3erufung  lianbelt  ober 
um  eine  blo^c  Sln^eimgabc  für  ben  Dbcroormunb,  bei  ber  SJeftellung  bcö  aSor^ 
munbeö  junäd^ft  auf  geeignete  9lngcl^örige  beö  SWünbelö  ju  greifen  (oergl.  j.  33. 
preufe.  21.  £.  91.  II,  18  §§  192—194;  mcimar.  ®ef.  v.  27.  aüärj  1872  §  31; 
lübedf.  aSorm.  D.  §  11;  brem.  aSorm.  D.  §  21).  ®cm  gegenüber  ift  es  rid^tiger, 
in  Uebercinftimmung  mit  ben  neueren  ®efefegebungcn  ben  ®efid^tspuntt  ber 
gcfeßlic^cn  33crufung  bei  ben  entfernteren  aSertoanbten  gänjlic^  aufjugeben  unb 
ftatt  beffcn  birett  basjenige  ju  beftimmen,  um  was  eö  fic^  in  biefcn  $Berf)ältniffen 
fad&licö  nur  ^anbcln  fann,  nämlic^,  bafe  in  ©rmangelung  eines  gefefetid) 
berufenen  aSormunbcS  bas  aSormunbfdjaftSgerid&t  felbft  eine  5ßerfon  als  $}or* 
munb  ausjun)ät)lcn  unb  bei  ber  Slusroal^t  aScrroanbte  unb  aSerfd^roägerte  bes 
aWünbelö  junädöft  ju  berüdfpd&tigen  ^at  (§  1638  3lbf.  1). 
KobififQtton  5.  2)ic  im  §  1635  Slbf.  2  beftimmte  SRobififation  ber  gefeftlid^en  93e* 

»erufunfl  be9  rufuug  bcS  ©rofeoaters  bes  ÜMünbels  berul^t  auf  ber  ©rroögung,  bafe  ber  ^\u 
«rofoaterö.  genommene  unb  bie  3lbfömmlinge  besfelben,  auf  meldte  bic  Slnna^mc  an 


SSormunbfcöaft  üBcr  SKInbcriäßrIöe.    Scrufuno.    §  1635.  1051 

Äinbeöftalt  fid^  miterftrctft  \)at,  burd^  bic  3lnnaf|me  an  Äinbcöftatt  U)rcr  natür? 
liefen  gamilic  tinb  bcn  bisherigen  SSer^ältniffen  regelmäßig  tnel)r  ober  toeniger 
entfrembet  werben  unb  fjöufig  eine  ganj  anbere  fojiate  ©tellung,  alö  bic  natür? 
lid^en  aScrroanbten,  einnel^men  unb  bofe  beö^alb  im  gallc  einer  2lnnal)mc  an 
Äinbcöflatt  bie  ®rünbe,  auf  roet^en  bie  SBorfciirift  beö  §  1635  3tbf.  1  5Rr.  3,  4 
liber  bie  gefefelid^e  ^Berufung  beö  natürlid^en  ©rofeoQterd  beruF|t,  nid)t  jutrcffen 
(üergl.  aud)  §§  1239,  1626).  S)aju  fommt,  bafe,  rocnn  im  gaUc  ber  9lnna^me 
an  Äinbeöftatt  ber  natürli^e  Orofeoater  bcfi  SRünbelö  berufen  wirb,  fi^  für 
ben  gall  ein  Äonflift  ergiebt,  in  welchem  ber  SWünbel  in  gotge  ber  Slnnal^me 
an  Äinbeßftatt  in  ber  ^crfon  beö  Slnncl^menben  einen  jroeiten  Orofeoater  üon 
üäterlidjer  Seite  erl)alten  ^at  (§  1601  2lbf.  1,  §  1620),  ein  Äonflift,  roeld^er 
burd)  eine  befonbere  93eftimmung  ju  lofen  fein  roürbe.  ®emeinred)tli(i  werben 
bie  auf  ber  Slutfioerroanbtfd^aft  beru^enbcn  Serufungftgrünbe  jur  SBormunb* 
fd^aft  burd^  bie  äboption  nic^t  befeitigt.  2lud&  bie  neueren  ©efejgebungen  cnl* 
l^alten  in  ber  l^ier  fraglichen  9lic^tung  feine  befonbercn  83cftimmungen.  Sluf 
einem  äf)nlid^en  ©ebanfen,  mie  bie  aSorfc^rift  beö  §  1635  9lbf.  2,  berufien  jeboc^ 
bie  Söorfd^riften  ber  preui  SBorm.  D.  §  17  5Rr.  1,  3. 

SDie  Seftimmung  beö  §  1635  9lbf.  2  trifft  bem  SBortlaute  nad^  nic^t  audt) 
ben  gall,  menn  ber  leiblid^e  ©roferater  feinen  @nfcl  an  Jlinbeöftatt  angenommen 
^ai,  ba  biefelbe  oorausfefet,  bafe  ber  ÜJHinbel  oon  einem  SKnbercn  an  Äinbeß^^ 
ftatt  angenommen  ift.  ©er  leiblid^e  ®ro§t)ater  ift  mithin  in  biefem  ^allc  nadf) 
aWafegabe  beö  §  1635  SIbf.  1  alö  SSormunb  feineö  enfetö  bemfcn.  2)iefeö 
Jlefultat  fann  an  fid^  jmar  olö  ein  bcfriebigenbeö  unb  forreftcö  nic^t  angefefien 
werben,  ba,  wenn  bem  ©rofeoater  ote  änncfimenbem  auö  befonberen  ®rünben 
bie  e(terUdE)e  ®en)alt  über  ben  von  i^m  an  ftinbeöftatt  angenommenen  @nfe( 
nid^t  jufte^t,  biefe  ®rünbe  audt)  feiner  SefteDung  ate  SBormunb  für  ben  @nfel 
entgegenftelden.  3nbeffen  brandet  biefer  feltene  ^aü  nic^t  befonberö  berücffidf)tigt 
JU  werben,  ba  in  bem  ^ier  fragUdt)en  gaUe  bic  93crl)ftltniRe  immer  fo  liegen, 
ba%  ba&  SSormunbfd^aftögerid^t  ben  in  feiner  @igenfd^aft  a(ö  ©roguater  nad^ 
Sßafegabc  beö  §  1635  9lbf.  1  alö  SSormunb  berufenen  SlboptiDoatcr  auf  ®runb 
beö  §  1637  9lbf.  1  aud&  o^ne  bcfjen  Bi^ftiinmunfl  übergefien  fann.  3luf  ber 
anbercn  Seite  ift  eö  alö  bebenfUd^  crad^tet,  bie  SBorte  „üon  einem  Slnberen" 
ffli  ftrei^en,  weil  baburd^  baö  SKifeüerftänbnife  entfte^en  fönntc,  alö  ob  ber^ 
jenigc,  weld^er  auf  ®runb  einer  Slnna^mc  an  Äinbeöftatt  gegenüber  bem 
aWünbel  bie  red&tlid^e  Stellung  eineö  ®ro6oaterö  erlangt  tiat  (§  1601  9lbf.  1, 
§  1620  SÄbf.  1),  alö  aSormunb  nid^t  berufen  fei. 

3laä)  ben  Sd)lu§worten  finbet  bie  Seftimmung  beö  §  1635  Slbf.  2  icbod) 
feine  Stnwenbung,  wenn  ber  9lnne^menbc  ber  ©begatte  beö  SSaterö  ober  ber 
SKutter  beö  9lngenommencn  ift  (§  1621),  ba  in  biefem  galle  bie  ratio  jener 
aiuönal^me  üon  ber  Siegel  beö  §  1635  9lbf.  1,  nämlid^  ber  ©eftd^töpuntt,  bafe 
burt^  bie  3lnna^me  an  Äinbeöftatt  ber  9lngcnommene  unb  be^fen  3lbfömmlinge, 
fowcit  bie  SBirfungen  ber  Slnna^me  an  Üinbeöftatt  auf  bie  lefetercn  fic^  mit* 
erftrcden,  i^rer  natürlid&cn  gamilie  regelmäßig  mefir  ober  weniger  entfrembet 
werben,  ni^t  jutrifft. 

6.  Unter  bic  Seftimmung  beö  §  1635  3lbf.  1  9h\  4  f öHt  auc^  ber  SBater  ^•JJl^'Jf^^;;* 
ber  unehelichen  äßutter  alö  ©roßoater  mütterlid^erfeitö.     @ö  ergiebt  fid^  bieö  «ro^oaterft 


1052  S}crmuiibf<]&aft  über  gRinbcriabridc.    SScrufunö.    §  1635. 

be«  une^e.  in  gimangclimfl  einer  cntgcgenftc^cubcn  SSorfd^rift  t)on  fclbft  auö  §  30  Sttf.  3 
»ü?w«.  unb  §  1568.  6in  auörci^cnbcr  ®runb,  in  bicfer  33eiie^un9  eine  Aus* 
natfmc  jn  mad^en,  liegt  nid^t  üor.  SDBie  bereits  in  9lr.  VI  ber  allgemeinen 
33cgrünbung  (oben  ©.  1036  ff.)  ermähnt  würbe,  entfprid^t  cd  in  oielen  ^Ucn 
bem  praftifc^en  SebürfniRc  unb  ber  ©eftaltung  bed  Sebenö,  wtnn  ber  33ater 
ber  une^elid^en  ÜRutier  bie  33ormiinbfd^aft  über  feinen  une^elid&en  ©nfcl  fü^rt/ 
Sie  Sebcnfen,  roeld&c  bort  gegen  bie  gcfefelid^e  SSormunbfd^aft  beö  mütterlid^en 
©rofeoaterö  über  feinen  unefielic^en  @nfel  geltenb  gemad^t  rourben,  fallen  im 
SBefentlid&en  fort,  roenn  man  bemfelben  nur  ein  gefellid^cö  anredet  auf  lieber- 
tragung  ber  Sßormunbfd&aft  einräumt,  jumal  nad^  §  1637  äbf.  3  bie  unc^e« 
lid^e  SRuttcr  oor  bem  mütterlid^en  ©ro^üater  }um  Sßormunbe  beftellt  merben 
borf.  aWit  bem  Stanbpunfte  beö  (gntrourfcß,  ba§  ber  mütterlid^e  ®ro§oater 
aud)  in  Slnfcl^ung  bcö  une^elid^cn  (Snfete  fraft  ®efe|eö  ote  SBormunb  benifen 
ift,  ftimmcu  baö  gemeine  Sfled^t  unb  baö  föd^f.  ®. ».  §§  1874,  1890  überein 
(oergl.  awä)  an^alt^beff.  aScrorbn.  o.  30.  2Rai  1815  §  2  nebft  bem  ®ef.  o. 
1.  3»li  1864  §  1  5Rr.  2).  SJagcgen  ift  nad^  benjenigen  ®efe|gebungen,  roeldbe, 
wie  ber  code  civil,  bas  preufe.  31.  2.  SR.  unb  baö  ofterr.  ®.  89.,  baö  une^e* 
lid^c  üiinb  nid)t  in  bie  müttertid^e  gamilie  eintreten  laffen,  felbftDerftönblit^ 
audl)  t)on  einer  ^Berufung  bcö  mütterlichen  ®ro6t)aterö  jum  5Bormunbe  bcß 
uncl)elid^en  ©nfete  feine  Siebe  (oergt.  {ebö^  2ln^.  §  95  ju  preufe.  31.  ü.  SR.  II,  2 
§  614).  Sic  aSorfd&rift  ber  prcufe.  »orm.  C.  §  12  3lbf.  2,  ba&  ber  »ater  ber 
unel)eUdE)en  SJlutter  gefe^lid^cr  93ormunb  über  baö  unel)clid^e  Einb  ber  le^teren 
ift,  folange  baö  93ormunbfc^aft8gcrid)t  einen  anbcren  33ormunb  nic^t  beftcDt 
(oergl.  auc^  bai)r.  Qnixo.  3lrt.  31),  fommt  aber  bem  Stanbpuntte  beö  Sntmurfcd 
feljr  waijc. 

eine  aßobififation  ber  im  §  1635  3lbf.  1  5Rr.  4  in  Slnfe^ung  bcö  ®ro6* 
üatevö  üon  müttcrlid^cr  Seite  aufgeftcllten  Siegel  für  ben  gall  eintreten  ju 
laffen,  wenn  ber  SKünbel  burdE)  @^elid^{eitöerflärung  legitimirt  ober  bef^en 
gSatcr  ober  ÜKuttcr  für  e^clid)  crflärt  ift  (§§  1583,  1596),  ift  nid&t  für 
crforbcrlid^  erad^tet.  @in  Honflift,  mie  im  ^aUc  ber  Slnna^me  an  Hinbeöftatt 
(oben  ©.  1051),  fanu  ^icr  nid^t  eintreten,  ba  im  galle  ber  Legitimation  burdb 
@l}elid^!eitderflörung  immer  nur  ber  natürliche  ®rogt)ater  üon  mütterlid^er 
Seite  in  ^rage  fommt.  3(u(^  liegt  l^ier  bie  Sad)e  infofern  anberd,  alö  man 
nid^t  fd^led^tl^in  fagen  fann,  bafe  baö  Äinb  burc^  @^elicl)feitöcrflärung  rcgel* 
mägig  in  ganj  anbcrc  fojialc  SSerl^ältniffe  fommt. 
(»t\t%udit  7.  2)ie  in  ben  mciftcn  Siedeten  fid)  finbenbe  Seftimmung,  bafe  bie  el^e* 

'ejlen^en*^'' lid)e  SKuttcr  fraft  ®efe|cd  oor  anbcren  aSermanbten  alö  SSormunb  i^rer  c^e« 
9»utter.  ^j^g„  tninberiä^rigen  Äinber  berufen  ift  (oergl.  prcujj.  93orm.  C.  §  17  9lr.  3, 
§  21  aibf.  2  unb  bie  ÜRotioe  ju  §§  1501,  1502  oben  S.  734),  fommt  uom 
Stanbpunfte  bcö  ©ntrourfcö  auö,  md)  roetd^em  ber  SRutter  in  ©rmangelung 
ber  clterlid^cn  ®en)alt  beö  SSaterö  regelmäßig  bie  elterlid^e  ®emolt  über  i^re 
minberiäl)rigen  cfielic^en  Äinber  jufte^t  (§  1501  Slbf.  2,  §§  1555,  1557 
3lbf.  2,  3,  §  1559  Slbf.  2,  §  1560),  md)t  in  grage.  Soweit  aber  baö  ®efcft 
ber  SKuttcr  ben  uormunbfd^aftlid&en  Sd^ufe  ber  Äinber  in  ber  gorm  ber  elter* 
lid^en  ®en)alt  t)erfagt,  fann  auö  benfelbcn  ®rünben,  auf  meldten  biefe  33cr* 
fagung  berul^t,  ber  Butter  audf)  ein  gefeglid^eö  Slnred^t  ouf  Uebertragung  ber 


SScrmunbfc^aft  üBcc  5J(inbeiiä6rioc.    Scrufuuö.    Sorm.    §  1636.        1053 

93ormunbfd)aft  nic^t  }uoeftanbcn,  fonbern  mug  cd  nnc^  Snoggabe  bes  §  1638 
W^l  1  bcm  6nncf[cii  bcö  SSormunbfc^aftßgcrit^tcö  übcrtoRen  lucrbcn,  ob  cö  in 
Ermangelung  eines  waä)  SJlaggabe  bed  §  1635  berufenen  ^ormunbed  im 
foniretcn  goDe  unbebenlHd^  ift  unb  im  Sntereffe  bcr  Äinber  Hegt,  bic  SDUilter 
jum  SSormunbe  }u  befteOen.  @d  gilt  bieö  indbefonbere  oud)  in  bem  ^oKe,  in 
welchem  bic  ctterlidbe  ©emalt  bcr  aiÄutter  baburc^  beenbigt  mirb,  bafe  bic 
aSuttcr  eine  neue  ©^c  fdölicfet  (ocrgl.  §  1558  ncbft  aHotioen  oben  ©.  834). 
6inc  anbere  grogc  ift,  ob  ni(^t  bcr  unc^elidficn  SKutter  ein  2lnred^t  auf  Uebcr^^ 
tragung  bcr  SSormunbfd^aft  über  i^r  uncl;elid)eö  Äinb  eingeräumt  merben  foH. 
3)er  ©ntwurf  ^at  bicfc  gragc  inbcffcn  cbenfaHö  ücnieint,  bagegcn  im  §  1637 
Slbf.  3  beftimmt,  bafe,  romn  einem  unehelichen  Äinbe  ein  aSormunb  ju  be^^ 
ftcUcn  ift;  oor  bem  mütterlichen  (Srofeoater  bieSWutter  jum  SBormunbe  bcftcUt 
merben  barf.  SSJegen  ber  93egrünbung  biefeö  ©tanbpunfteö  mirb  auf  bic 
SRotioc  JU  §  1637  Dcrroicfen,  mo  bed  3^f^w^*"€^^öngeö  roegcn  aud^  baö  auf 
jene  grage  fid&  bcjie^enbe  gcltenbe  Siedet  mitget^eilt  ift. 

8.  3lad)  ber  gaffung  bcö  §  1635  Slbf.  1  fann  cd  nid&t  }«)eifeH)aft  fein,  sncceasio 
ba%  in  2lnfcl|ung  bcr  cinjcfncn  ©clatiouögrünbc  eine  successio  graduum  ftatt^  gradaum. 
finbet,  unb  jroar  au^  bann,  roenn  mö^renb  bcr  bereits  bcftcficnbcn  Sormunb^^ 
fd&aft  baö  3(mt  bcö  93ormunbeS  burd)  ben  SBcgfall  bcö  frül^ercn  SBormunbcö 
erlcbigt  wirb.  Se^tcred  ift  audf)  n)ol)l  burc^ge^enbö  ber  ©tdnbpunft  bcr  neueren 
©efefee,  inöbcfonbcrc  axid^  ber  preufe.  aSorm.  D.  (ocrgl.  fäd&f.  ®.  33.  §  1893; 
preufe.  SUorm.  C  §  17).  S)ad  rSm.  SRcc^t  enthält  in  biefer  §infid)t  allcrbingö 
ttbmcici^enbc,  fel^r  fompUjirtc  aSorf^riften,  meldte  jum  2:^cil  auf  einer  fel^r 
feinen  Seobad^tung  ber  aScr^ältniffc  bcö  einjclnen  gaDcö  bcrutjcn,  bcren 
praltifd&er  93ebeutung  man  aber  im  SBcfentlic^cn  geredet  mirb,  loenn  man  für 
bic  5ßflegfd^oft  abroeic^cnb  t)on  ber  a5ormunbfcI)aft  ben  ©runbfafe  ber  reinen 
©atiDfuratel  alö  SRcgel  aufftcUt  (oergl.  §§  1744,  1745). 

§  1636. 

®a  cö  fidf)  bei  bcr  Benennung  bcö  aSormunbeö  t)on  ©citen  bcö  SSatcrö  »«n«»»«««« 
ober  ber  Sßuttcr  um  eine  SJerfügung  Ijanbelt,  meldte  mit  bem  2^obe  bcö  aSer*  bte^'Stem. 
fügenbcn  in  Äraft  treten  foH,  unb  ba  ber  @ntmurf  baö  SRcd&t  bcr  Benennung 
cineö  aSormunbeö  alö  einen  Sluöffufe  bcr  eltcrlid^cn  Ocmalt  be^anbclt,  auf 
bcren  Sluöübung  nidt)t  tjerjic^tet  merben  tann,  fo  entfpri^t  eö  ber  ©ad^tage, 
bafe  bic  Benennung  bcö  aSormunbeö  üon  Seiten  bcö  äSatcrö  ober  bcr  aMutter 
bcö  aWünbelö  nur  burd&  tefttroinige  Sßerfügung  erfolgen  fann.    3n  (grmangclung  ^j***^J|{»* 
einer  befonberen  SBcftimmung  ergiebt  fic^  barauö  üon  fclbft,  bafe  auf  eine  fol^e    "  *""*' 
Ic^tmiUigc  aSerfügung,  namentlid)  fooicl  bic  aSorauöfcfeungen  bcr  ©rrid^tung, 
ber  Slnfed&tbarfcit  unb  bcr  Sluf^cbung  berfelben  betrifft,  bic  allgemeinen  erb- 
rcc^tlidf)cn  ©runbfafee  Slnrocnbung  finben  (ocrgl.  §§  1753,  1780  ff.,  1911  ff., 

1955,  1956,  2021). 

®cmeinre^tUd&  mu§  bic  Ernennung  in  einem  gültigen  STcftamcntc  ober 
in  einem  teftamentarifd^  beftätigten  Äobi jille  gefd^clicn ;  eine  ungültige  Icttroilligc 
©rnennung  fann  aber,  fofern  biefclbc  nicl)t  roegcn  Unfä^igfeit  bcö  ©mannten 
ungültig  ift,  oon  bcr  öberoormunbfdtiaft  bcftätigt  werben.    3n  ben  neueren 


1054       SSormunbfcfeaft  üBer  5!Rinberid]&nflc.    ^Berufung,    gorm.    §  1636. 

©efegen  ift  in  Slnfcl^ung  ber  in  3lcbc  ftc^cnbcn  IcfetroiHigcn  SBcrfuflung 
me^rfadf)  eine  gormerlcidöterung  jugclaRcn  (oergl.  prcufe.  31.  S.  91.  U,  18 
§§  176,  177;  prcufe.  aSorm.  D.  §  17  3lx.  %  4;  faciif.  ®.  93.  §  1886;  code 
civil  2lrt.  398,  392;  ^cft.  ©ntro.  IV  Slrt.  24;  ba^r.  entro.  3lrt.  33).  3)cr 
®ntn)urf  ^at  jcbod^  im  ^inblicfc  auf  bie  groge  SSJid^tigfcit  bcr  f|icr  fraglid^cn 
SScrfugungen  Scbenfcn  getragen,  in  biefcr  §infid(|t  t)on  ben  allgemeinen  SSor» 
fd^riften  bcö  ®rbred^ted  abjuroeic^en  unb  baburd^  bie  Oarantieen,  inöbefonbcre 
für  baö  SBo^lcrmogenfein  bcr  33crfügung,  abjuminbern. 

«ertrag.  ®ur(]&  bic  33cftimmung  beö  §  1635  ©afc  1  ertebigt  S"^^  Q"(ä&  i>ic  grage, 

ob  bie  Benennung  beö  5Bormunbeö  in  einem  SSertragc  erfolgen  fann,  eine 
grage,  loeld&e  für  bad  gemeine  Siedet,  menigftenö  für  ©rboerträge,  meiftenö 
bcjafit  wirb  unb  in  bemfelben  ©inne  aud^  burc^  rerfd^iebene  neuere  Oefefce 
cntf Rieben  ift  (oergl.  preufe.  91.  ß.  SR.  n,  18  §  178;  bapr.  S.  31.  I,  7  §  5 
5ftr.  7;  fäd^f.  ®.  93.  §  1886;  lübedE.  »orm.  D.  §  11),  oon  fctbft  ba^in,  bafe 
bie  Benennung  beö  aSormunbeö  ©egcnftanb  eines  SSertraged,  inöbefonbcrc  eine« 
©rbocrtragcö,  nid^t  fein  fann  (ocrgl.  §§  1956,  2021);  bod^  ift  eö  nic^t  auö^ 
gcfd^lofjcn,  baß  eine  le^troillige  33erfügung  ber  l)ier  fragüd^cn  3lrt  ate  fold^c 
roirffam  aud^  in  einem  ®rboertrage  getroffen  werben  fann  (§  1955). 

»eifüguitg  sjßflg  j)gj.  sjorfd^rift,  ba6  bic  Benennung  beö  33ormunbeö  burc^  IcgtroiHige 

biiflunfl  K.  SScrfügung  erfolgt,  tn  SScrbinbung  mit  ben  allgemeinen  crbrcc^tlid^cn  Orunb^ 
fo^cn  ergiebt  fid^,  bn§  ber  Icßtmilligen  SSerfügung  auc^  eine  SBcbingung  ober 
Scitbeftimmung  roirffam  beigefügt  werben  fann  (§§  1753, 1760).  Sie. unter  einer 
äjcbingung  ober  Scü^eftimmung  erfolgte  Berufung  wirb  jeboc^  nid&t  berüd* 
fidjtigt,  xozwxi  bie  Sebingung  ober  ber  a:ermin  ju  ber  S^it/  in  loeld^er  bic 
9lnorbnung  ber  aSormunbfdfiaft  ju  erfolgen  f)at,  noc^  nid^t  eingetreten  ift.  3n 
einem  fold^cn  galle  ift  bcr  berufene  ju  jener  3cit  rcrl^inbcrt,  bic  3Sormunbs 
fdf)aft  fofort  ju  übernehmen  (§  1637  9lbf.  1).  9Bar  jebod^  baö  burd^  bie  93c* 
biugung  ober  bic  3^it6cftimmung  begrünbete  ^inbernife  nur  ein  oorübcrgc^cnbeö, 
fo  finbct  bic  93eftimmung  beö  §  1637  9lbf.  2  Sänrocnbung,  unb  mirb  cö  auf 
bicfe  SBcifc  möglid),  einer  fad)gemä6cn  3lnorbnung  ber  ©Itcrn  trog  bcr  bei* 
gefügten  93cbingung  ober  S^itbeftimmung  geredet  ju  werben.  3)a6  bic  93ci* 
fügung  einer  Slcfolutiübcbingung  ober  eineö  ®nbtermineö  baö  2lmt  beö  ein* 
mal  bcftellten  SSormunbeö  nidf)t  beenbigt,  mcnn  bie  SRcfofutiobebingung  ober 
ber  ®nbtcrmin  eintritt,  folgt  auö  ben  §§  1704—1707;  bod^  fann  nad^ 
§  1638  9lbf.  3  bei  ber  93eftellung  beö  aSormunbeö  beffcn  ©ntlaRung  für  ben 
^aU  bcö  ©intritteö  ber  93ebingung  ober  beö  ©nbtcrmincö  oorbcl^attcn  werben. 
Saö  röm.  SWed)t  gel;t,  fooiel  bie  3"Wffigfeit  ber  93eifügung  einer  93cbingung 
ober  3^itbeftimmung  bei  ber  93enennung  eineö  33ormunbcö  burc^  Ic^twiHigc 
3Serfügung  betrifft,  infofern  weiter,  alö  baöfelbc  auc^  in  einem  fofc^en  gallc 
bic  bcbingtc  ober  betagte  93erufung  unbebingt  aufredet  erplt.  SBä^rcnb  bcö 
Sdjwcbcnö  bcr  auffd)iebenben  9}ebingung  unb  üor  Eintritt  berfelbcn  wirb 
immer  burd)  bic  Dbrigfeit  ein  interimiftifdfier  93ormunb  ernannt.  6ine  bcr« 
artige  Siegelung  ift  inbeffen  mit  bem  mobernen  93cftcUungöprinjipe  unb  bcm 
nad)brücftid)cr  betonten  5laratter  bcr  93ormunbf(^aft  alö  eineö  öffcntlid)en 
91mtcö,  fowic  mit  ben  ©rünben  nid^t  vereinbar,  auf  weld^en  bie  93eftimmung 
bcö  §  1638  9(bf.  1  bcruljt,  bafe  ber  berufene  ol^ne  feine  3uftimmung  über* 


SSormunbfcJaft  üBcr  SWinbcriäBnöc    SBerufunfl.    gorm.    §  1636.        1053 

ßangcn  werben  fann,  mtnn  er  bie  3Sormunbfci&aft  ju  übcrncl^men  oer^inbert 
ift  (rcrgl.  aßotioe  ju  §  1637).  ®ad  preufe.  St.  S.  SR.  II,  18  §§  126,  127  ge* 
ftattct  jroar  bie  Benennung  cineö  SSormunbes  unter  Beifügung  einer  Scbingung 
ober  3ci*l>cft™^w"fl/  i^fiumt  aber  ber  Dberoormunbfc^aft  einer  folcben  3In^ 
orbnung  gegenüber  ein  weites  ©rmeffen  ein.  S)ie  preufe.  SBorm.  D.  entl^ält 
in  biefer  9lid^tung  befonbere  Seftimmungen  überhaupt  nicbt. 

2)ie  Seftimmung  beß  §  1636  ©afe  2,  roetd^e  bie  materiellen  aSorauö^:  aRaterteDe 
fefeungen  ber  roirffamen  93enennung  eines  SBormunbeS  oon  ©eiten  bes  SSatcrs  \!^mQtn. 
ober  ber  aWutter  feftfefet,  berul^t  auf  bem  ©ebanfen,  bafe  bie  Benennung  bes 
SBormunbeS  fid^  als  eine  5Rac^n)irfung  ber  elterlid&en  Oeroolt  unb  getoifjcrs 
mafeen  oIs  eine  93erfügung  über  bie  mit  berfelben  rcrfrunbenen  SBefugniffe  in 
Slnfel^ung  ber  ©orge  für  bie  5ßerfon  unb  bas  5Bermogen  bes  Äinbes  borfteDt. 
3)tefer  Oebante  mufe  bal^in  führen,  bie  SBirffamteit  ber  Benennung  baoon  ab- 
pngig  ju  mad^en,  bafe  ber  SBiUe  beö  Sencnnenben  in  betreff  ber  ©orge  für 
bie  ^crfon  unb  bas  SBermögen  bes  5linbes  nod^  jur  3cit  beS  S^obes  beS  crfteren 
mafegebenb  gctoef en  ift  (oergl.  aud^  1.  1,  2  D.  de  testam.  tut  26, 2 ;  preu&. 
SJorm.  D.  §  17  9flr.  2,  4).  2Rit  bem  ©runbgebanfen  unb  ber  ratio  bes  ben 
©Item  als  3luöflu§  ber  elterli^en  ©eroalt  eingeräumten  Senennungsred^tes 
mürbe  es  insbefonbere  aud^  nic^t  vereinbar  fein,  ber  aSerfügung  bcs  SSaterS 
ober  ber  Sßuttcr  SBirffamfeit  beizulegen,  trofebem  jur  Qtit  bes  3;obcS  bcS  ^e^ 
nenncnben  bem  (enteren  bie  elterlid&e  ©eroalt,  roenn  aud^  nur  in  Sänfel^ung 
ber  ©orge  für  bie  5Jkrfon  ober  nur  in  3lnfel^ung  ber  ©orge  für  bas  SSer^ 
mögen  beS  Äinbcs,  burc^  bas  93ormunbfd^aftsgeri^t  entjogen  roar  (§§  1546, 
1550),  ba  in  einem  folgen  galle  ber  3nbaber  ber  elterlichen  ©croalt  inforoeit, 
als  i^m  bie  ©orge  für  bie  5ßerfon  ober  baS  SBcrmögen  entjogen  ift,  bas  93er* 
trauen,  auf  roelc^em  bas  SBenennungSred^t  berul|t,  nid^t  ücrbient,  bie  ©teHung 
bes  aSormunbcs  aber  ftd^  auf  bie  ©orge  für  bie  5ßerfon  unb  bas  95ermögen 
bes  ajlünbefs  jufammen  bejicfit.  3)em  %aUe,  in  rocld^cm  bas  aSormunbf^afts^ 
geridt)t  bem  ^n^aber  ber  elterlichen  ©eroali  bie  SSermögenSoerroaltung  auf 
©runb  bes  §  1547  t)erb.  mit  §  1550  roegcn  a3ermögenst)crfalles  cntjogen  f)ai, 
mufe  ber  gaÜ,  in  roeldt)em  ber  3nl)aber  ber  clterli^en  ©croalt  bie  SSerroaltung 
bes  bem  Äinbe  gel^orenben  aSermögens  in  golge  ber  ©röffnung  bes  Äonfurfes 
über  fein  SSermogen  oerloren  bot  (§  1553),  notl^roenbig  gleid^geftcDt  rocrben, 
bo  aud^  bie  ©ntjiebung  ber  etterlid^cn  SBermögenSüerroaltung  roegcn  aScr^s 
mögensoerfalles  bes  3n^aberS  ber  elterlid^en  ©eroalt  nid^t  üorausfefet,  bafe 
ben  lefeteren  in  biefer  SSejicbung  ein  aSerfdfiulben  treffe,  3lud^  aus  bem  ©runbe 
empfiehlt  es  fid^,  ben  ÄonfursfaD  ebenfo  ju  beurtbeilen,  roeil  bie  SBer^ältniffe 
fo  liegen  tonnen,  baß,  wenn  nid^t  ber  3nl|abcr  ber  elterlid)cn  ©croalt  bie 
aSermögensoerroaltung  bereits  in  golge  ber  ÄonfurSeröffnung  verloren  l^ätte,  bas 
aSormunbfd^aftsgerid&t  il)m  bicfelbe  aus  einem  anberen  ©runbe  entjogen  l^aben 
roürbe.  3lud^  nadb  bem  preufe.  SRed&tc  (prcufe.  aSorm.  D.  §  17  5Rr.  2  oerb. 
mit  31.  S.  SR.  IT,  2  §  268)  ift  in  bem  ÄonfursfaHe  bie  t)on  bem  aSatcr  aus* 
gegangene  Benennung  bcs  aSormunbcS  unroirtfam.  SRid^t  minbcr  bebenflicb  00m 
©tanbpunfte  bcS  ^ntcrcffcs  bcs  ÄinbcS  aus  roürbe  es  fein,  bie  aScrfügung  bes 
aSatcrS  ober  ber  aRuttcr  als  roirffam  ju  bel^anbetn,  vozm  bie  cltcrlid^c  ©eroalt  bes 
Senennenben  jur  3cit  bcs  X^obcs  bcrfelbcn  ruljtc,  roeil  er  roegcn  aSerfd^roenbung 


1056     aScrmunbfd&aft  ükr  SWinberiätrifle.    Serufung.    SBirfttnö.    §  1637. 

cntmünbigt  roar  (ocrgl.  ou^  prcu§.  SSorm.  C  §  17  9lr.  2  Derb,  mit  31.  2,  3i 
11^  2  §  256).  9[uc^  in  bem  ^aUe^  in  vocUicm  bem  Senennenben  als  ^n^^ber 
ber  elterlichen  @etoalt  bie  Sorge  für  bie  $erfon  unb  bad  $$ennogen  bcd 
flinbcd  niemald^  n)eber  jur  3^it  ber  SJetfügung  no^  aud^  fpfiter  jugefionben 
\)ai,  j.  ^.  votnn  bie  minberiä^rige  3Rutter^  rodäjt  legtmillig  einen  SSormunb 
benannt  ^atte,  roä^renb  il^rer  SWinberifil^rigteit  gcftorben  ift  (§  1554),  trifft 
bie  ratio  bed  Senennungdred^ted,  bag  ber  3n^<iber  ber  elterlid^en  ®en)alt  am 
beften  {u  beurteilen  im  @tanbe  fei,  meiere  Werfen  ate  3?ormunb  für  bod 
jlinb  mit  dtüdfic^t  auf  beffen  perfönlid^e  unb  93ermögendoer^ä(tniffe  Dorjugö^ 
weife  fid^  eigene,  ftd^tbar  ni^t  ju.  dagegen  fann  eft  allerbingö  gmeifelbaft 
fein,  ob  ni^t  für  fold^e  ^Ue  anberd  ju  entfd^etben  fei,  in  n>el(^en  bie  elter« 
lid^e  @emalt  bed  betreffenben  (Sltemt^iled  jur  3^it  beö  ^obed  bedfelben  mcgen 
®efd^öft6unffilEligfeit  ober  t^atföd^lic^er  93e^inberung  bedfelben  in  ber  9ludäbung 
ber  elterlid^en  ©emalt  ru^te  (§  1554),  bemfelben  aber  gur  3^t  ber  ä^erfügung 
ober  nad^lier  bie  @orge  für  bie  ^erfon  unb  bad  äSermögen  beft  Rinbed  ju« 
geftanben  l^at.  Snbeffen  mürbe  aud^  in  biefen  ^Uen  bie  älnerfennung  ber 
9Bir!famfeit  ber  ^erfügtmg  fid^  ate  eine  älbmeid^ung  Don  bem  ^rinjipe 
barftellen,  meldte  burd^  bringenbe  Orünbc  praftifd^er  3w)edfmö§igfeit  ni^t  ge* 
boten  ift. 

3flic^t  erforberlid&  jur  SDBirffamfeit  ber  Benennung  ift  eö,  ba%  bem  SBe« 
nennenben  bie  eltcrlid^e  ©emalt  über  baö  JSinb  fc^on  jur  ^tit  ber  SBerfügung 
juftanb.  @ö  fönnen  ba^r  ber  93ater  ober  bie  SRutter  aud^  im  ^inbtide  auf 
i^re  fünftigen  ftinber  einen  33ormunb  unter  ben  fonftigen  SSorauöfeßungen 
bed  §  1636  mirffam  benennen. 

§  1637. 

»ebcutung  ^ie  SSebeutung,  meldte  bie  einjelnen  Siedete  ben  auf  legtmiUiger  93er:« 

»eruTunofl.  föfl^^Ö  ^ber  Unmittelbar  auf  ©efefe  beru^nben  3)elationögrünben  beilegen,  ift 

grünbe.    eine  oerfd^iebene.    SBö^enb  bie  einen  aud^  gegenüber  biefen  S)elationögrünben 

«eitettbc«  bem  freien  ©rmeffen  bed  ben  SBormunb  beftellenben  9li(!^terö  weiten  9laum 

^^'^^      geben,  baö  3Serl^ältni§  mithin  mefentlid^  alö  ®atiotutcl  unb  bie  Delation«* 

grünbc  alö  blofec  Slu^altöpunttc  für  ben  SRid^ter  bel^anbeln,  erfcnncn  bie 

anberen  ein  feftcö  JRcd^t  beö  berufenen  auf  bie  Uebcrtragung  ber  SSormunb* 

fd&aft  an  unb  geftattcn  bem  3lidf)ter  nur  auß  gefefelidd  beftimmten  ©rünben, 

ben  berufenen  ju  überge^n. 

SBie  baö  gemeine  Siedet  in  biefer  ^infid^t  aufjufaffen,  ift  beftritten. 
aSon  ber  einen  Seite  wirb  bie  9[nfid)t  oertreten,  ba§  ber  gefefelid^  Senifene 
ein  nur  auö  beftimmten  ©rünben  entjie^bareö  SRe^t  auf  bie  SSormunbft^aft 
Ijabc;  oon  ber  onbercn  Seite  fie^t  man  in  ben  3)elationögrünben  lebigtid^ 
einen  2ln^altöpunft  für  bie  bcftellenbe  Sel^örbe.  Diefen  legieren  Stanbpunft 
^aben  ocrfd^iebcne  Sanbcögefege  biö  in  bie  neuefte  3^1*  feftge^alten  (oergl. 
preufe.  21.  S.  SR.  II,  18  §§  184,  187,  192—195;  fä^f.  ®.  ».  §§  1886, 1890; 
mcimar.  ®ef.  o.  27.  aWörj  1872  §§  29,  30;  brem.  «orm,  D.  §§  19,  21). 
Xk  meiften  neueren  ©cfeße  finb  bagegcn  baoon  auögegangen,  ba|  bem 
berufenen  ein  feftes  iHedfit  auf  bie  aSormunbfc^aft  ju  fidlem  fei,  moburc^  fie 


a5onmmbfd&aft  üßcr  SOTinbciiäJ&ciflc.    Senifuuö.    aöirfuno.    §1637.     1057 

bcm  ©ebaufcn  9ludbvucf  geben,  voclä)tn  baö  franj.  SHed)t  burd)  bic  gcfcglidjc 
aSortnunbfd&aft  beö  berufenen  nod^  ftorfer  betont  (oergt.  f)ejf.  (Sntio.  IV  9lrt.  21 
nebft  aWottoen  S.  213;  bab.  Oef.  o.  6.  gcbmar  1879  §  18;  bai)r.  entw. 
3lrt.  34,  37).  5Der  (gntro.  ber  preufe.  5Borm.  D.  §  17  entlieft  gleidjfoHö  bie 
©eftimmung,  bafe  ber  berufene  nur  wegen  Unfä^igfeit  o[)nc  feine  3i*ftimmung 
übergangen  werben  bürfe.  Sic  preufe.  SBorm.  D.  §  18  ge[)t  febod^  nid^t  gonj 
fo  weit.  aJlan  roünfd^tc  mit  Slütfric^t  auf  bie  fel^r  freie  Stellung  beö  SSor* 
munbed  im  Sntereffe  ber  Sid^eri^eit  beö  SKünbelö  baö  rid^terlid^e  ©rmeffen  ju 
erweitern  (oergl.  S3crid)t  ber  ^crrenl^auöfommiffion  ©.  23,  26)  unb  gcftattete 
bcöljalb  bem  Slid^ter,  bcn  Serufeuen  awd)  bann  ju  iibergel^en,  wenn  Umftänbc 
eingetreten  finb,  wel^e  bic  SeftcUung  beöfclben  für  ben  liDhmbel  alö  nac^tf)eiUg 
erfd&einen  laffen,  gab  bafür  aber  bem  berufenen  für  ben  ^oH  feincö  SBiber:* 
fprud)eö  ein  5lc(i)t  auf  bie  unmittelbare  (gntfd^eibung  beö  Sefd)werbegerid^teö. 

S)er  Entwurf  (§  1637  9(bf.  1)  f^Iicfet  [xd)  im  ^ßrinjipe  biefcr  Icfetercn  @to«bpunft 
©ruppc  von  ©efeßen  an,  um  bcn  6influ|  ber  @Item  unb  ber  gamilie  auf  Gntwurfe«. 
bic  gül^rung  ber  SBormunbfd^aft  511  ftärfen. 

2)a6  ber  in  ©cmöfe^cit  beö  §  1635  alö  5Bormunb  berufene  ol^ne  feine  ueberöe^una 
3uftimmung  bann  übergangen  werben  barf,  wenn  er  unfäl^ig  ift,  SSormunb  unfaSöfcit, 
ju  fein  (§  1640),  fann  alö  fetbftoaftänblid^  erad^tet  werben.    ®urd)  bic  §cp 
Dorl^ebung  biefcö  Sageö  gewinnt  inbeffen  baö  @cfeg  an  Alar^eit,  unb  werben 
3wcifel  ücrmiebcn  (oergl.  and)  bax)x.  @ntw.  9lrt.  34), 

Gin  weiterer  ®runb,  an^  wcld)em  ber  in  ©emäfel^eit  beö  §  1635  alö  »»f«««  ««f 
SSormunb  berufene  o^ne  feine  3uftimmung  foU  übergangen  werben  bürfcn,  **"^*^""^' 
ift  bie  ^Scrl^inbcrung  beöfclben,  in  bem  3citpu"fte,  in  wctdfiem  bic  Slnorbming 
ber  5ßormunbfd)aft  noti^wcnbig  wirb,  bic  lefttcrc  fofort  ju  übernehmen.  @ö 
cntfprid^t  bicö  ber  Sad^lage  unb  ber  9lüdEfid)t  auf  bie  Kontinuität  ber  jjor^ 
munbf(i)afttid^cn  SBcrwaltung.  6iu  Sßed^fel  beö  SBormunbeö  ift  tl[|unlidöft  ju 
ücrmeibcn.  3luf  ber  anbercn  ©cite  empfictilt  eö  fid^  iebodf),  für  ben  gall, 
wenn  ber  berufene  nur  üorübcrgc^cnb  tjer^inbert  ift,  bemfelbcn  baö  Siedet  }u 
geben,  nad^  Sefcitigung  ber  aSerl^inbcrung  ju  uerlangcn,  bafe  er  an  ©teile  beö 
biöfjcrigcn  5Bormunbeö  jum  JBormunbc  bcftcDt  werbe  (§  1637  9lbf.  2).  9Iuf 
biefe  SDBcifc  wirb  aud^  im  ^ntcrcffc  beö  3Jlünbclö  bic  üRoglic^feit  gewahrt,  bafe 
ber  junäd^ft  berufene,  wcldjcr  jur  gü^rung  ber  'Bormunbfc^aft  oieUcic^t 
befonberö  geeignet,  aber  üorübergc^enb  t)erf|inbert  ift,  bic  33ormunbfc^aft  ju 
übernehmen,  nid^t  burd^  bic  injwifdficn  erfolgte  Öeftellung  eineö  anbercn  93or^ 
munbeö  bauernb  auögcfd)loffcn  wirb. 

Surd)  bic  JRüdffic^t  auf  baö  Sntcrcffc  beö  aWünbclö  unb  im  ^inblicfe  njene«  ®«- 
auf  bic  freie  Stellung,  wcld&e  ber  ©ntwurf  bcm  SBormunbc  einräumt,  ift  eö  ^* ^iSi«!** 
femer  alö  geboten  crad^tet,  im  2(nfd^luffe  an  bic  Seftimmungcn  ber  §§  1546, 
1547  über  bie  öcfugnife  beö  SBormunbfc^aftögcrid^teö  jum  ©inf^reiten  gegen 
ben  3nf|abcr  ber  eltcrlidt)en  ®cwalt  (oergl.  ferner  preufe.  33orm.  D.  §  18  Slbf.  2) 
bcm  '^ormunbfd)aftögeridE)tc  aud)  bann  5U  geftattcn,  ben  in  ©emäg^eit  beö 
§  1635  93crufenen  o^nc  bcffcn  3uftimmung  ju  übergeben,  wenn  auö  ber  93c* 
ftcllung  beöfclben  eine  crl)eblid^c  ®cfäl)rbung  beö  3»tercffeö  beö  3Wünbelö  %n 
beforgen  ift  (oergl.  and)  %  1705  'JJr.  1).  ©ö  fann  jwcifel^aft  fein,  ob  nid)t 
oon  bem  3"fW  ,,cr^eblidS)c"  abjufcljcn  ift,  ba  cö  fid)  fjicr  ni^t,  wie  bei  ber 

SWotipe  j.  bürgerl.  (8efe^6uc$.  IV.  67 


1058     35ormunbf*aft  ufccr  aJJinbcriä^riöe.    Scrufung.    SBirfung.    §  1637. 

elterlichen  Oewalt,  um  bic  ©rttjiel^ung  cineß  eigenen  SRed^teß  beß  berufenen 
l^anbelt  unb  beßI;Q(b  (ebiglid^  baß  ^ntereffe  beß  9)lünbelß  maggebenb  fein 
mufe.  9luf  bcr  anbcren  ©eite  ift  iebod^  ju  beforgen,  ba^  bnxä)  bic  SBeglaffung 
icneß  Sufafeeß  bcr  ©inffuß  ber  ®Itern  unb  bcr  göntiUe  auf  bic  gü^ruug  bcr 
SJormunbfd^aft,  inßbefonbcrc  baß  3lnred)t  beß  burd^  IcfetroiUigc  SJerfügung 
bcr  (SItcrn  ^Berufenen  auf  bic  Uebertragung  bcr  SSormunbfd^aft,  gegen  baö 
3nteref[e  beß  SJlünbelß  unb  bcr  f^amilie  ju  fc^r  abgefd^roSd^t  if  itb.  Ucbrigend 
mad^t  CO  —  loaß  nad^  bcr  preufe.  Sßorm.  D.  mit  Siüdfidjt  auf  bie  gaRung 
beß  §  18  2lbf.  2  beftritten  ift  —  feinen  Unterfd&icb,  ob  bem  Senenncnbcn  ber 
©runb,  auß  wcld&em  bie  93efteIIung  beß  berufenen  jum  aSorntunbe  eine  er« 
Ijcblid^e  Ocfä^rbung  beß  3ntercffcß  beß  2)lünbclß  l^erbeijufü^ren  bro^t,  befonnt 
mar  ober  nid^t.  äWit  SRüdffid^t  auf  unücrftänbigc,  bic  Sntcreffen  beß  ÜRünbeIß 
er[)eb(id^  gefS^rbenbc  Slnorbnungen  ber  &itxn  unb  mit  Sflüdiid^t  auf  bie 
©^mierigfcit  ber  ©rmittelung,  ob  bem  Stnorbnenben  bic  Umftänbe  t)oUftfinbig 
unb  in  i^rem  maleren  Sidfitc  befannt  waren,  ift  cß  bebenftid^,  bem  93ormunb* 
fd^aftßgerid&te  bic  Scfugniß,  aM  bem  l^ier  in  SRebe  ftcl^enbcn  ©rimbc  bcn 
berufenen  o^ne  beffen  3^fti*^*ttwng  ju  übergel^en,  bann  ju  ücrfagcn,  wenn 
bem  2lnorbnenben  bie  bctreffenbcn  Umftänbe  befannt  gcroefen  finb.  ©ß  mürbe 
bieß  aud&  mit  ber  Seftimmung  beß  §  1705  Str.  1  nid^t  im  ©inflange  ftcljien^ 
nadj  mcld^cr  ba^  aSormunbfd^aftßgerid&t  bcn  Söormunb  ju  entlaffen  ^at,  menn 
auß  bcr  gortfül^rung  bcr  SSormunbfd&aft  burd^  bcnfelbcn  eine  erl&cbli^c  ©e* 
fä^rbung  beß  3ntercffeß  beß  aWünbelß  ju  beforgen  ift.  ®ie  preu§.  SSorm.  D. 
§  18  Slbf.  2,  roctd&e  bem  Jßonnunbfd&aftßgerid^tc  geftattet,  bcn  auf  ®ninb  einer 
IcgtroiHigen  SBcrfügung  ober  fraft  beß  ©efegeß  berufenen  o^ne  beffen  S^ftim- 
mung  ju  übcrgel^en,  wenn  Umftänbe  eingetreten  finb,  meldte  bie  SeftcDung 
beß  Senifencn  alß  nad&tl;cilig  für  bcn  SKünbcI  erfd&cinen  laifen,  fud^t  boö 
atcd^t  beß  ^Berufenen  baburd)  nod^  mel^r  ju  fid&ern,  bag  bei  beffen  SBiberfpnwi^ 
bic  Gntfc^eibung  beß  93efd^«)crbcgeri4iteß  cinjuljolcn  ift.  (Sine  berartige  S3c« 
ftimmung  empfiehlt  fid^  inbeffen  nid^t,  töeilß  roeil  fie  im  Snigemeinen  eine 
bißl;armonifc^e  ift,  tl^citß  roeil  fie  ben  änfd&ein  cineß  ungered&tfertigtcn,  mit 
bem  ©eifte  ber  ©erid^tßbarfeit  nid^t  roo^t  vereinbaren  SDlifetrauenß  in  bie  orbent^ 
Ud&en  ©erid^tc  crroedt,  ju  rocld^cm  in  biefem  fpcjicUcn  galle  bod&  fein  ftSrtercr 
®runb  vorliegt  alß  in  anbcren  nid^t  minbcr  roid&tigen  gäDen.  Snmicioeit 
gegen  bie  ®ntfc^eibung  beß  5ßormunbfd)aftßgerid(|teß  bie  S3efc^roerbe  juläffig  ift^ 
riddtct  fid),  forocit  in  biefcr  Sejici^ung  befonbere  rei^ßgcfc|lid^e  SBorfd^riften 
nic^t  erlaffen  roerben  foHten,  nac^  bcn  Sanbeßgefefeen. 
»efien  Set'  Sag  baß  SSormuubfd^aftßgcrid^t  bcn  in  ®cmä§l^eit  beß  §  1635  SSe« 

jöflcrunß,   i^yfgj^^ji  Qu^  i)0,i,i  übergeben  barf,  wtnn  berfclbe  ju  ber  Qzxt,  in  roeld&er  bic 

3lnorbnung  bcr  aSormunbfc^aft  ju  erfolgen  l^at,  bic  Icfetcrc  fofort  ju  über^^ 
ncl^men  nid^t  bereit  ift,  brandet  nid(|t  befonberß  außgefprod&en  ju  merben,  ba 
in  einem  fold^cn  gallc  ber  berufene  in  feine  Ueberge^ung  einwilligt  unb 
burd^  bie  in  golge  feiner  Sßid^tbereitfd^aft  jur  fofortigen  Uebernal^me  ber  SJor* 
munbfd^aft  not^roenbig  geroorbene  33efteUung  cineß  anbcren  SBormunbcß  fein 
9lnrcd;t  auf  bie  Sßormunbfd^aft  bauernb  t)crIorcn  ^at. 
loeflen  «e^  ©cr  2(bf.  3  bcß  §  1637  enthält  sunäd^ft  infofern  eine  2)lobififation  beß 

eSner^l^^'c^  bcßicnigcn,  welker  in  ©emSfe^eit  ber  SSorfd^rlften  beß  §1635  oto 


aSormunbf*aft  übet  SWinberia^rigc.    SScrufunß.    fflirfung.    §1637.     1059 

^otmunb  berufen  ift,  atö  er  beftimmt,  bafe,  totnn  einer  ß^cfrau  ein  aSormunb 
ju  befteUcn  ift,  üor  bcn  im  §  1635  SCbf.  1  5lr.  1—4  bejei^neten  ^erfoncn  bcr 
^l^emann  jum  SBormunbe  befteDt  werben  barf.  3«  ber  Seljanblung  beö  ®^e=^ 
-gatten,  inßbefonbere  beö  ®l&cmanneö,  in  Sejug  auf  bie  SBormunbfd^aft  über 
ben  anberen  ®|iegattcn  befleißt  in  ben  9led(|ten  ein  tieffjreifenber  Unterfd^ieb. 
SDaö  rom.  SRcd^t  unb,  hierin  bem  lefeteren  folgenb,  rool^I  anä)  baö  gemeine 
Siedet,  erflären  ben  ß^emann  für  unfähig,  SSormunb  feiner  ®^efrau  ju  fein, 
tmb  biefen  ©tanbpunft  l^at  baö  fä#  0. 83.  §§  1876, 1885  feftge^aften.  3m 
Oegenfafee  baju  berief  baö  beutfci^e  Siedet  ben  ©l^cmann  t)on  Sflcd^töroegen  jur 
SBormunbfd^aft  über  feine  ®^efrau,  unb  biefer  ©a|  l|at  fidd  in  ben  5ßartifuTar- 
ted^ten  biöweilen  erl^alten.  ^nä)  baö  frauj,  SHedjt  f)at  bie  gefefelid^e  Anratet 
beö  ©liemanneö  über  feine  minberiäl&rige  (S^efrau  beibehalten  (code  civil  arg. 
3lrt.  2208),  unb  t)on  ber  SHd^tigfeit  biefeö  ©ebanfenö  gelten  offenbar  biejenigen 
fHed^te  aM,  meld&e  ben  Sag  „§eirat^  mad^t  münbig"  für  g^iefraucn  auffteUen, 
inbem  fic  üorauöfefeen,  bafe  bie  @l}efrau  t^iatffid^lid)  ben  erforberlid&en  Sd&ug 
burd)  ben  @^emann  er^ialten  mcrbe.  ®ieö  ift  j.  89.  ber  ©tanbpunft  beö  bapr. 
€ntn).,  meld^er  ienen  ©afc  anerfennt  unb  bementfpred^enb  einer  gefefelid)en 
Scnifung  beö  ©Regatten  nur  ffir  bie  SSormunbfd^aft  aSoDiSl^riger  bebarf  (bat)r. 
<Sntn).  9lrt.  30  3lv.  1  nebft  aJlotioen  ©.  59). 

®er  ©tanbpunft  beö  rom.  SRed^teö  ift,  meil  er  ben  l^eutigen  9lnfd^auungen 
nid^t  cntfprid^t,  lebenfaKö  niddt  ju  empfehlen.  Sluf  ber  anberen  ©eite  ift  eö 
«aber  mefentUd^  auö  benfelben  ©rünben,  meldte  neben  anberen  jur  9?id^tanna{|me 
beö  ©afceö  „^eirotb  mad)t  münbig"  gefül;rt  l^aben,  bcbenflid),  ben  (Bl)tmann 
unter  allen  Umftänben  jur  SSormunbfd^aft  über  feine  ß^efrau  ju  berufen, 
loenngleid^  nid^t  ju  t)erfennen  ift,  ba6  eö  in  üielen  göllen  burd^auö  angeseigt 
unb  jmedmögig  erfd^eint,  ben  Seemann  jum  SSormunbe  feiner  (Sl^efrau  ju 
ftefteUen.  Unter  biefen  Umftänben  ift  eö  ber  angemeffenfte  Stuöroeg,  bem  SBor^ 
munbfd^aftögerid&te  bie  Sefugnife  ju  geben,  nad^  feinem  ©rmeffen  ben  (gl^emann 
t)or  ben  im  §  1635  Slbf.  1  3lv.  1—4  bejeid^neten  5ßerfonen  jum  SBormunbc  feiner 
^^efrau  ju  befteUen.  SBoHte  man  etma  ben  ®()emann  fraft  (Sefefeeö  junädöft 
berufen,  baneben  aber  bdö  SJormurtbfd^aftögerid&t  ermäd^tigen,  i^n  geeigneten- 
faDö  JU  übergel&en,  fo  fann  eine  fold^c  Uebergeljung  leidet  etmaö  ©e^äffigeö 
i)aben,  maö  DöQig  Dermieben  mirb,  menn  eö  ftd^  (ebiglid^  barum  l^anbelt,  bag 
ber  ©l^emann  ben  im  §  1635  Slbf.  1  bejeid^neten  5ßerfoncn  im  fonfreten  galle 
nur  nid^t  oorgejogen  wirb,  ©inen  fold^en  SKittelroeg  l^aben  neuere  (Sefege 
mebrfad^  eingefc^tegen,  in  äbnlid^cr  SBeife  bai  preu§.  91.  S.  JR.  II,  18  §  140 
unb  baö  öfterr.  ®.  83.  §§  260, 175,  ganj  in  Uebereinftimmung  mit  bem  ßnt- 
TOurfc  bie  preufe.  SBorm.  D.  §  17  S^bf.  3. 

3lad)  §  1635  Slbf.  3  erleibet  ferner  baö  SRed^t  beö  mütterlid^en  ©rofeüaterö  ber  une^e* 
uuf  Uebertragung  ber  Söormunbfd^aft  über  feinen  une^elid^en  ©nfel  babur^  bet*9»n51bl{«! 
eine  gcmiffe  Slbfd&rofi^ung,  ba§,  wenn  einem  unel^elid&en  Äinbe  ein  SBormunb  ^^^^^^^ 
in  befteüen  ift,  t)or  bem  mütterlid^en  ©rofeüater  bie  SKutter  jum  SBormunbc     9i«*t. 
ftcftcUt  werben  barf.     ®ie  grage,  ob  bie  unel^elid^e  SKuttcr  jur  gütining 
ber  SSormunbfd^aft  iiber  il^r  unel^elid^eö  Äinb  ffiliig  ift  ober  nid^t,  unb  ob  im 
crfteren  galle  berifelben  ein  t)orjugön)eifeö  Slnred^t  auf  Uebertragung  ber  SBor^ 
tnunbfd^aft  jufte^t,  wirb  aud^  t)on  bcnjenigen  Siedelten,  roeldjie  ber  unel^elic^ien 

67* 


1060    SSormunbfc^aft  ü(er  SRinbcrjäl^cide.    ISerufuno.    SBtcfung.    §  1637. 

3Ruttcr  lieber  bic  cltcrdd^e  @cmali,  nod)  bic  gcfcglic^e  äSormunbfd^ft  eiiu 
räumen  (oergl.  9Kotioc  ju  §  1570  3.  860),  Derfd^ieben  beantioortct.  ^floxfy  gc^ 
meinem  9le(^te  fann  bie  une^eli^e  Snutter  bic  SSormunbfci^aft  über  i^r  une^e^ 
(ic^ed  Ainb  nid^t  führen,  ^nä)  nad^  preug.  a.  S.  9t.  II,  2  §  615  (pergL  ieboii^ 
II,  18  §  143)  mirb  angenommen,  bog  bie  une^etid^c  äihttter  von  ber  9}or^ 
munbfd^aft  audgefd^toffen  fei  (oergl.  ^Slotxvc  befi  @ntmurfed  ber  prcu§.  SBorm.  O. 
3.  63  SInm.  3).  Ob  bicd  aud^  na^  5fterr.  üte^te  ber  gaU,  ift  bcftrittcn 
(üergt.  ofterr.  ®.  33.  §§  165,  166,  192,  198).  ©ad  Coburg.  ®ef.  o.  28.  3ult 
1858  3(rt  18  bcftimntt,  bag  bem  unel^elid^en  jtinbe  ein  jur  ^^rung  ber  93pr^ 
munbfd^aft  geeigneter  äßann  ate  93ormunb  ju  bcfteOen  fei.  3la6f  bem 
mcining.  ®ef.  o.  9.  @eptember  1844  3ixt  12  ift  bic  93efteIIung  ber  ^Rutter  jum 
33ormunbe  jroar  nid^t  unjutöffig,  iebod^  nur  bann  geftattet,  n)enn  überioiegenbe 
@rfinbc  bafür  fpre^en.  O^ne  biefe  (Sinfd^ränfung  orbnet  ba^  got^.  @ef. 
0. 1.  3wli  1869  Sttrt  7  an,  bafe  bie  une^elid^c  üKutter  jum  SBormunbc  beftcDt 
merben  fann.  ^arnit  ftimmt  bie  preug.  SBorm.  O.  §  21  übercin.  3lai^  §  19  baf. 
ift  bie  unel^eli^e  äßutter,  mcnn  fie  jur  ^l^rung  ber  SSormunbf^aft  geeignet 
ift,  a(ö  ^ermanbte  bcö  äßänbeld  fogar  junäd^ft  ju  berücffid^tigen.  9lad^  bem 
fäd^f.  ®.  39.  §§  1874,  1885,  1890  ift  bie  aJlutter  ate  nfi^c  5ur  gefeßUc^cn 
©rbfolgc  berufene  aSerroanbte,  wie  bic  e^elid^e  üWuttcr,  jum  Sormunbe  ju 
beftcllen,  fofern  gegen  bereu  SefteDuug  fein  S9cbenfcn  vorliegt.  Äud^  ber 
bat)r.  QntxD.  3lrt.  30  giebt  ber  une^clid^en  a^utter,  folangc  fie  nic^t  ncrl^eirat^et 
ift,  ein  Siedet  auf  gülEirung  ber  aSormunbfdJiaft.  SRad^  3lrt  34  fann  fte  nur 
im  gallc  cined  gefeglid^en  Unfäl^igfeitSgrunbcö  bei  ber  93efteUung  ber  SSor- 
munbfddaft  übergangen  roerbcn  (Dcrgl.  9Irt.  37). 
etniibpttnjt  2)er  ©ntrourf  t)ai  im  SESefentUd^en  auö  benfelben  Orünben,  wel^c  in 

cntwurffö.  bcn  üKotitJcu  5U  §  1570  ©.  860  ff.  gegen  bie  Ucbertragung  ber  elterlid&en 
©eioalt  unb  ber  gefeglid^en' SSdtmunbfd^aft  gcitenb  gemad(|t  loorbcn  finb,  3St^ 
bcnfen  getragen,  ber  tmel^eli^en  äßutter  audb  t^ur  ein  gefe|Ud^ed  ^nred^t  auf 
güfirung  ber  SSormunbfd^aft  ju  übertragen.  Sluf  ber  anbcren  ©cite  mürbe  cd- 
jcbod^  ungercd&tfertigt  fein,  bic  unel^eUd&e  3Kutter  non  ber  gül^rung  ber  SSor^: 
munbfd^aft  ganj  audjuf daliegen,  ba  bicfe(be  in  Dielen  gfiDen  tro|  i^red  ^l^r^ 
tritted  audreid^enbe  ©aranticen  für  eine  pfliddttreuc  Su^ntng  ber  93ormunbfd)aft 
über  i^r  une^eHddes  Stinb  bietet,  ^n  fold^en  t^fiQen  ift  aber  bie  33efteQung 
ber  une^elidjen  äWutter  jum  SBormunbe  baß  JßatürUd^fte  unb  Slngemeffenfte. 
2)cö^alb  geftattct  ber  §  1637  Slbf.  3  bem  SBormunbfd^aftögeri^tc,  in  geeigneten 
gäUcn  bie  unel^elid^e  3)luttcr  tjor  bem  mütterlid^en  ©ro^oater  jum  93ormunbc 
bed  uuel^eti^cn  jUinbed  ju  befteQen. .  Saburd^  mirb  bcn  Dcrfd^iebenen  in  33etrad^t 
fommenben  SRüdfid&tcn  am  jmecfmäfeigften  9lcd^nung  getragen. 
»eftcnunö  2)ic  bem  bai)r.  ©ntro.  3lrt.  50  Slbf.  3  fid>  aufd^liefecnbe  SJorf^rift  bcfi- 

ImLTh^.  §  1637  3lbf.  4  cntfpri^t  ber  SBcftimmung  be«  §  1643  9Ir.  7,  bafe  bie  Ucbcr* 
na^mc  ber  SBormunbfd^aft  ableljnen  fann,  wer  mit  einem  Slnberen  ju  ber 
gcmeinf^aftlid^en  gül^rung  ber  aSormunbf^aft  bcfteUt  werben  foD.  Ol^ne  icnc 
^Jorfd&rift  fönnte  bem  in  ®cmä6{)eit  beö  §  1635  äbf.  1  ate  SBormunb  a3e^ 
rufcnen  fein  Siedet  auf  güfjrung  ber  SBormunbfd^aft  burd&  baö  SBormunbfd&aftö^^ 
gcrid^t  im  SBcgc  ber  Seftellung  cincfi  liDiitoormunbcd  oertümmert  werben. 


aSonnunbfcfaft  ükr  SMinberiä^riöc.    £atiüöormunbf*aft.    §  1638.       1061 

§  1638. 

Saö  9ted^t  trcr  Dbevüormuubfd^aft,  in  (Srmangclung  cincö  burd^  le^t*«"«»«^!  ^e* 
TOiDiflc  aScrfügung  ober  burd&  baö  ®cfcg  berufenen  SBormunbeö,  felbft  eine  bur"*^«"««. 
?ßerfon  als  aSormunb  ouöjuroä^Ien,  liegt  in  ber  3flatnr  ber  ^a(S)c  unb  ift  in  »««bWaft«* 
bcn  geltcnben  Siedeten  burd&rocg  anerfannt  (üergl.  code  civil  9lrt.  405 ;  preuß. 
tBorm.  D.  §  19  2lbf.  1).  S)a  ber  Entwurf,  fooiel  bic  ©rünbe  ber  Unfäl;igfeit, 
^ormunb  5«  fein,  betrifft,  eine  ©eneralKaufel  nic^t  aufgenommen  t)at  (§  Ißio), 
jo  ift  cö  olö  angemeffen  erad^tet,  im  §  1638  9Ibf.  1  jum  SÄuöbmcfe  ju  bringen, 
bafe  baß  33ormunbf(]5aflßgerid^t  eine  ^erfon  alö  SBormunb  auöjnn)Sl)Ien  f)at, 
lueld^c  mö)  il;ren  perfonlid^en  9Sert}äItnifien  unb  naä)  il)ren  SSermögenö^ 
Der^ältniffen  foroie  nodfi  bcn  fonftigen  Umftfinben  beö  gaDes  jur  giil^ruug  ber 
^ormunbfd^aft  geeignet  ift  (üergl.  bie  ÜÄotiue  ju  §  1640  unter  3lx.  7).  SBie 
in  ben  aWotiüen  ju  §  1635  oben  S.  1050  bereits  ^erüorgel)oben  rourbe,  ift  eß 
jroecfmäfeiQ,  baö  S8ormunbfd&aftögerid)t  baneben  nod)  bcfonberd  barauf  f|in^ 
pmeifen,  ba§  bei  ber  Sluöioa^I  33ern)anbtc  ober  SJerfd^roSgerte  beö  a)iünbete  «ernwnbte 
junäd&ft  8U  berüdftd^tigen  flnb  (preufe.  83orm.  D.  §  19  9lbf.  1 ;  mcimnr.  ®cf.  [^wä^l 
V.  27.  ÜWfirj  1872  §  31 ;  ba^r.  (gntro.  STrt.  35).  dagegen  ift  cö  nid)t  alö 
rat^fam  crad^tet,  außerbem  ctroa  üorjuf^rciben,  bafe,  menn  einer  ß^efrau  ein 
^ormunb  ju  beftellen  fei,  baö  aSormunbfd)aftögerid^t  oor  ben  Sßermanbtcn  unb 
^crfc^roägerten  ber  S^efrau  ben  Seemann  ber  lefetercn  berüdfid&tigen  folle.  ®a  ö^man«. 
wegen  beö  elielid&cn  ®üterrc^teö  bie  Sntereffen  ber  ©Regatten  nid)t  feiten 
loüibiren,  fo  ift  cö  üom  Stanbpunfte  ber  ©id&erung  ber  ®f)efrau  auö  bc- 
benftid),  bem  Sormunbfd^aftögerid^tc  bic  t)orjugön)eife  93crüdtfi^tigung  beö 
(S^emanneö  befonberö  jur  i^flid)t  5U  machen.  ®ine  berartige  SBorfd^rift  ift 
iinbcrcrfeitö  auä)  entbe^rtid),  ba  ber  §  1638  9lbf.  1  Saft  2  ben  83erroanbten 
nnb  aSerfd&rofigcrtcn  beö  aJtünbelö  fein  SRcd^t  auf  Dorjugöroeife  33erüdEfid^tigung 
flcmä^rt  unb  baö  aSormunbfd&aflögerid^t  bal)er  nid^t  geliinbert  ift,  geeigneten- 
fallö  bem  ©l&emannc  ber  SWünbct  vox  beren  Sßerroanbtcn  iinb  aSerfd&roagertcn 
bcn  SSorjug  ju  geben.  S)ie  Analogie  beö  §  1637  Slbf.  3  trifft  nid^t  5U,  ba  in 
bcn  gfiUen  beö  §  1635  2lbf.  1  obne  bie  äufaßbeftimmung  beö  §  1637  3lbf.  3 
ber  ©bemann  wegen  ber  SSorfd&rift  bcö  §  1637  3lbf.  1  uicmalö  an  ©teile  beö 
in  ®emäfel)eit  bcö  §  1635  9lbf.  1  berufenen  5um  l^ormunbe  mürbe  bcftellt 
werben  fönnen. 

©benfowenig  ift  eö  alö  angemeffen  cradfitct,  iiad^  bem  Sßorbitbe  ber  preug.  wengisfe« 
tßorm.  D.  §  19  9lbf.  2  bie  Seftimmung  aufjunel)men,  bafe  bei  ber  Sluömal&l  *'''""*'"^- 
leö  SBormunbeö  auf  ba^  religiofe  Sefenntnife  beö  aKünbelö  SRüdfidit  ju  nefimcn 
fei.  ©ö  ift  bcbenflidö,  bicö  im  (Befege  befonberö  ju  betonen  unb  baburd^  ben 
^genfag  beö  fonfefrionclleu  83ewu6tfeinö  im  beutfd^en  aSolfe  oljne  jroingenbe 
3lotl)  JU  oerfd^örfen.  3nöbcfonberc  ift  axici)  ju  beforgcn,  bafe,  wenn  eine  ber* 
artige  9Sorfd)rift  Slufnaljmc  finbet,  bei  gemifd^ten  (gl^en  gegen  ba&  Sntereffc 
bcö  SKünbelö  bei  ber  9Iuöwabl  bcö  SSormunbcö  unter  ^intanfc|ung  fonftigcr 
3ludffic^ten  ju  grofeeö  ©ewidijt  auf  ba^  retigiöfc  33efenntni6  beö  SWünbelö 
{jelcgt  wirb.  !Ca6  im  Uebrigen  bei  ber  9luömal)l  beö  SSormunbcö  aud^  auf 
baö  rcIigiöfc  Sefenntnife  bcö  aJlünbclö  SWuctfid^t  ju  ncljmen  ift,  t)erftet)t  fid^ 
t)on  felbft. 


1062        aSonmmbfd&aft  üBer  a»inbcriäl6ri0c.    Ue6erna5mcpflid6t.   §  1639. 

«n^örunfl  bes  2)0  bct  (Sntiüurf  bod  Sttftitut  bcö  ©emclnbeiDaifcurat^  überl^aupt  auf:? 

wSt^eV  senommcn  ^at  (§  1725),  fo  ift  cä  jmecfmöfeifl,  ju  bcftimmcn,  baß  bad  SBor^ 
munbdfd^aftdgerid^t  naä)  Stul^orung  bcd  ©emeiiibeiDaifentrat^ed  bic  äludiual^l 
bcö  33ormunbcd  ooriuncl&tncn  l^abe,  iiimal  bic  ©erld^te  crfal^rungömafeifl  mcift 
gar  n\ä)t  in  ber  Sage  ftnb,  geeignete  aSormünber  o{)ne  bic  Unterftüßung  ort- 
(id^er  Organe  in  ben  Oemeinben  ju  finben  (preufe.  aSorm.  D.  §  19  3lbf.  !)• 
3m  3ufammcn^angc  bamit  fte^t  bie  aSorfd&rift  beö  §  1725  Slbf.  3,  bafe  ber 
SBaifenratfi  bem  aSormunbfci^aftdgeri^te  bie  5ßerfonen  Dorjufd^tagen  l&at,  loeld&c 
er  in  ben  einjelncn  gaUen  jiir  SeftcBung  al&  aSormunb  für  geeignet  eraditet. 
Xk  aSorfc^rift,  bafe  baß  aSormunbfd&aftögeriddt  üor  ber  3Iufin)al&l  bcö  83or^ 
munbcö  btn  SBaifenrat^  l&oren  foB,  l^at  inbeffen  nur  ben  Sinn,  bafe  bem 
legtercn  bie  ©elegen^eit,  ^d^  ju  finfecrn,  gegeben  wirb.  3Radit  berfetbe  oon 
feiner  Sefugnife  feinen  ©cbraud^,  obroo^t  if|m  bie  (Sclegcnl^eit  baju  geboten 
ift,  fo  fann  ba^  S8ormunbfd^aftögcrid(|t  o^ne  SRüdEfi^t  auf  il^n  bie  ^erfon  be& 
^ormunbcS  beftimmen. 

Safti  ber  Cor.  3Begen  ber  »egrünbung  bcö  §  1638  Slbf,  2  wirb  auf  bie  3lr.  V  ber  all* 

meinen  Segrünbung  biefeö  Slbf^nitteö  oben  S.  1031  oerroiefen. 

»orbe^üit  ber  2)ie  Scftimmung  beS  §  1638  Slbf.  3  beruht  auf  ä^nlid^en  ©rünben,  mic 

entiaifunfl.  j^j^j^^jg^^^  ,j,^{^g  ^^^  ^^^  SSorfd^rift  bcö  §  1637  mbf.  2  geführt  ^aben  (DcrgL 

aWotioe  JU  §  1637  oben  ©.  1057).  Slud^  gemeinre^tKd&  fann  bie  obrigfeitlid&e 
aScftellung  eines  aSormunbeö,  roenngleid^  nid^t  unter  einer  Sebingung  ober 
3eitbeftimmung,  fo  bod&  für  einen  oorübergefienben  SäebürfnifefoB  erfolgen 
(oergl.  ferner  preufe.  21.  S.  9t.  II,  18  §§  125—127;  öften\  ®.  »•  §  256; 
föd^f.  ®.  S-  §§  1900,  1901 ;  Weimar.  ®ef.  ü.  27.  3ßörj  1872  §  79).  S)ic 
preufe.  aSorm.  D.  entf)ält  in  ber  l&ier  fraglidfien  Slid^tung  feine  befonbere  Sc* 
ftimmung.  2)ie  Suriöprubenj  nimmt  aber  an,  bafe  eine  ©eftcKung  be«  3Jor* 
munbeö  auf  3^W  juläffig  fei  (oergl.  ü)Jotit)e  ju  §  23  beß  ©ntio.  ber  preufe. 
aSorm.  D.  ©.  68).  Sieben  bem  Eintritte  eines  fünftigen  ©reigniffeS  aud&  noc^ 
ben  2lbfauf  einer  beftimmten  3^it  ju  berücffid^tigen,  ift  nid^t  für  erforbcrIi(^ 
gefjaltcn,  ba  fjier  eine  beftimmte  3cit  praftifd^  immer  nur  im  3ufammen^ange 
mit  einem  beftimmten  ©reigniffe  in  Srage  fommcn  loirb  unb  es  bebcnflid^  ift, 
o^ne  einen  fold^en  3wfömmen^ang  bem  93ormunbSfd^aftSgerid&tc  bie  Sefugniß 
JU  geben,  bie  ©ntlaffung  na^  Slblauf  einer  beftimmten  ^c\t  bei  ber  39e* 
ftcUung  üorjube^altcn. 

§  1639. 

Berpfi^tuufl  <^xc  ©cfegc  crflörcu  bic  Uebernal^me  ber  Sßormunbfd^aft  tljcilö  aus^ 

*"m"me."'  brüdfUd)  für  eine  Staatsbürgerpflid^t  (preufe.  21.  Ö.  9t.  II  18  §  109 ;  preufe. 
aSorm.  D.  §20;  brem.  aSorm.D.  §3;  ^amb.  aSorm.D.  2lrt.  17;  bapr.  ®ntro. 
2lrt.  36),  t{)eite  fcften  fic  bieS  ftillfdEiroeigenb  woraus  (fäd^f.  ®.  83.  §  1881; 
oftcrr.  ®.  33.  §§  200,  193,  195;  code  civü  2Irt.  427 ;  loeimar.  ®ef.  o.  27.  ÜJtärj 
1872  §  35;  f)eff.  entio.  IV  2lrt.  35).  S)ie  Sftottjroenbigfeit  einer  Seftimmung, 
bur^  TOcld^e  bie  Uebernal^me  ber  aSormunbfd&aft  für  einen  3eben,  melcfter 
fä()ig  ift,  aSormunb  ju  fein,  unb  n)eld)em  ein  2lblel^nungsgrunb  ni^t  jur 
Seite  ftcl)t,  für  eine  3mangSpf[id^t  erflärt  wirb,  {e()rt  bie  ©rfabrung,  nad^ 


Sßormunbfc^aft  iiBcr  t3Itnbcnäl6nöc.    UctcrnaJmcVflidjt.    §  1639.        1063 

TOcId^cr  auf  bic  ^Jcrcitfd^aft  ju  einer  frciiDiUigcu  Uebcrual)me  tcineöwegö  in 
qHcu  gäDcn  mit  ©id^er^eit  ßered&nct  werben  borf.  2)em  Äarafter  eines 
gcmeinfameu  bürgerlid^en  (Sefefibud^eö  entfprid^t  eö,  in  Ülnfe^ung  ber  ^fli^t 
äur  Uebernafime  ber  SBormunbfdjaft  an  bic  JRcic^öangeljöriflfeit,  nid)t  a\i 
bic  Stoatöongetiöriflfcit  in  ben  einjclnen  SÖunbeöftaoten,  in  n)cld)en  bie  Sc* 
üormuubung  einjutreten  \)at,  anjufnüpfen  (ücrgl.  mä)  brem.  88orm.  D.  §  3). 
3)ogegcn  foB  Sluölänbern,  awä)  wenn  fic  in  3^eut[d&Ionb  n)oI;ncn,  eine  aScr* 
pffid^tung  jur  Uebema^mc  einer  SBormunbfd^oft  nid^t  auferlegt  roerben  (oergl. 
aWotioc  ber  preufe.  SBorm.  D.  S.  65). 

2)ic  im  §  1639  befttmmte  SBcrpfüd^tung  jur  Ucberna^mc  einer  SJor* 
wunbfd^aft  trifft  iebod^  nur  benjenigcn,  weldier  auf  Orunb  bcö  §  1638  3lbf.  1 
burd^  bad  'Sormunbfd^aftdgeriddt  ate  SBormunb  audgewäl^It^  ni^t  aud^  ben* 
ienigcn,  rocld^er  ouf  ®runb  bcö  §  1635  9lbf.  1  alö  SSormunb  berufen  ift. 
35er  ©ntrourf  gel^t  booon  aM,  bafe  bic  S3erufung  auf  ®runb  bcö  §  1635 
9lbf.  1  nur  bic  Sebeutimg  f)at,  bcm  berufenen  ein  Dorjugöroeifcö  SRed^t  auf 
bic  aSormunbfd&aft  ju  gewahren  (oergl.  bapr.  ®nlro.  9Irt.  36,  30,  35),  unb  bafe 
inöbcfonberc  burd&  eine  IcgtroiDigc  ^Beifügung  einem  S)ritten  grunbfäfelid^  eine 
3JcrpfIid^tung  ni^t  auferlegt  werben  fann.  Der  Stanbpunft  bcö  Gntmurfeö 
^at  au(^  praftifd^e  SBebeutung  für  fold^e  gfille,  in  meldten  mel&rere  auf  Orunb 
bcö  §  1635  Slbf.  1  nad^  cinanbcr  berufene  ^erfonen  oor^anben  finb  unb  ber 
junäd^ft  berufene  bic  aSormunbfd)aft  nid&t  iibcrnel^men  will,  ba  in  bicfcm 
^llc  baö  S8ormunbfd)aftögeridöt  bcn  lc|tercn  wegen  bcö  nadf)  il^m  Scrnfenen 
nid^t  auf  Orunb  bcö  §  1638  3lbf.  1  jum  SBormunbc  beftellen  unb  baburd^ 
baö  9icd(|t  bcöfelben,  bie  Uebcrnafimc  ber  SBormunbfd^aft  auf  Orunb  ber 
nadft  §  1635  Slbf.  1  erfolgten  Berufung  ju  verweigern,  iUuforifd^  mad^en  fann. 

iJer  ®ntwurf  bcf(anbclt  bic  SBcrpflid^tung  jur  Uebcrna^me  ber  ^ö'-'*  ^*'«"i!^' 
munbf^aft  ni^t  bloö  alö  eine  offcntUddrcd^tlidjc,  fonbcrn  alö  eine  aud^  gegen* 
über  bcm  aWünbcl  bcgrünbctc  gcfegUd&c  SBcrpffid^tung,  wcld)e,  wenn  fic  aud& 
nid^t  im  JRe^töwcgc  erjwingbar  ift,  bod^  im  gaüc  it)rer  SBcrtcfeung  bie  Haftung  ^'2|J"jJJ,^|JJ* 
jum  Sd^abcnöerfafcc  gegenüber  bcm  3ßünbel  mit  [xd)  bringt,  gür  baö  röm.  "eV*" ' 
Siedet,  naä)  wcld^cm  ber  Senifcnc  oI)ne  weitere  SefteUung  SSormunb  würbe, 
ergab  fid)  bic  priDatrcd&ttid^c  aScrantwortlid^feit  im  SBcgc  ber  actio  tutelae 
oon  fclbft,  wenn  ber  ^Berufene  baöjcnige  nid^t  tf)at,  W05U  er  t)crpflid&tet  war, 
unb  für  baö  gemeine  9ted^t  ergiebt  ftd)  ein  ö^nlid^cö  'Ser{)ältnig,  wenn  man 
ben  SBcnifcncn  btofflr  t)crantwortli(^  mad&t,  bafe  er  feinerfeitö  bic  rid)tertid}c 
ScftcUung  nad^fud^t.  2(ud&  nad^  franj.  JRcd^tc  beginnt  bic  SScrantworttid^feit 
gegenüber  bcm  9Wünbel  mit  ber  .Henntnife  ber  ^Berufung,  unb  jwar  ^aftet  ber 
Scnifcnc,  biö  fein  etwaiger  SBcigerungögrunb  red^tlid^  anerfannt  ift,  bcm 
'ÜWünbcl  für  Sd&abenöcrfaß  wegen  ^flid^toerlcfeung  (code  civil  9Crt.  440). 
9lber  and)  bicjcnigcn  Ocfcfie,  wetd&c  oon  bcm  ScftcUungöprinjipc  auögc^cn, 
geben  Aem  ü)Jänbel  liäufig  fraft  pofitioer  SSorfcftrift  einen  Slnfprud^  auf  ®rfafe 
bcö  il)m  auö  ber  grunbtofen  SBcigcrung  bcö  alö  SBormunb  Scnifcncn  ent* 
ftanbcncn  Sd^abenö  (preufe.  9r.  S.  91.  II,  18  §  204;  öften\  ®.  33.  §  203; 
fäd&f.  ®.  SB.  §  1899;  tübccf.  3?orm.  D.  §  21;  brem.  a3onn.C.  §  26;  ^amb. 
33orm.  D.  2lrt.  17).  I^cr  Gntw.  ber  preufe.  93orm.  D.  entl)ielt  im  §  19  eben* 
fallö  eine  fold&c  Seftimmung.    3n  bic  preufe.  SSorm.  C  ift  fte  inbcfien  nid^t 


1062        aSonnunbfd&aft  üBer  SKinbcrialSriöc.    Ucberna5ntc^?flid6t.   §  1639. 

aii^örujtfl  be«  2)a  bcr  (gntmurf  baß  3nftitut  bcö  ©cmcinbcroaifcnratöcö  ubcrl^aupt  auf:? 

x^\^^m-  Senommcn  ^at  (§  1725),  fo  ift  cö  jmcdhnäfeiö,  ju  bcftimmcn,  ba^  baö  S8or^ 
munböf^aftfigcridöt  nad&  Sluprung  bc«  Oemeinberoaifcnratficö  bic  äuömal^l 
bcö  33ormunbcß  oorjuncl^men  l^obe,  jumal  bic  ®crid)tc  crfatirungömäfeig  mcift 
gar  niä)t  in  bcr  Sage  ftnb,  geeignete  SJormünber  ol)ne  bie  Untcrftüfeung  ort* 
(ic^cr  Organe  in  ben  (Semeinben  ju  finbcn  (preufe.  SBorm.  D.  §  19  aibf.  1). 
3m  3ufammcn^angc  bamit  ftc|t  bie  aSorfd^rift  bcö  §  1725  Slbf.  3,  bafe  bcr 
äBaifenratfi  bcm  SBormunbfd&aftögcric^te  bie  ^erfonen  oorjufdjilagcn  ^at,  rocid&c 
er  in  ben  einjelncn  gällen  jiir  Scftellung  als  äSormunb  für  geeignet  erad^tet. 
3}ie  aSorfc^rift,  bafe  baii  a3ormunbfdöaftdgerid&t  üor  bcr  3ludma^l  bcö  ^or:^ 
munbcö  ben  SBaifcnratl^  ^oren  foH,  l^at  inbe^fcn  nur  ben  Sinn,  bofe  bem 
lefttcrcn  bie  Oelcgcni^eit,  pd^  ju  äufeern,  gegeben  wirb.  3)la6ft  berfelbc  t>on 
feiner  Sefugnife  feinen  ©cbraud),  obroo{)l  i^m  bic  ©elegetiljcit  baju  geboten 
ift,  fo  fann  baö  aSormunbfd^aftftgcrid^t  ol^ne  SlüdEfidöt  auf  if|n  bie  ^erfon  be& 
$8ormunbcS  beftimmcn. 

Sa^i  ber  «or*  2Begen  bcr  »cgrünbung  befi  §  1638  Slbf.  2  mirb  auf  bie  3lr.  V  bcr  all* 

meinen  Scgrünbung  biefcß  9lbf(J6nitted  oben  S.  1031  oerroicfen. 

^euÄ'n*'*''  ®^^  »cftimmung  bcö  §  1638  3lbf.  3  beruht  auf  ä^nlid^en  (Srünben,  mie 

entta  ung.  j^j^j^j^^g^^^  ^j,^{^^  ^^  ^^  SSorfd^rift  beö  §  1637  2(bf.  2  gcfötirt  ^abtn  (t)crgL 

aWotipe  5u  §  1637  oben  S.  1057).  ^nä)  gemeinred^tUd^  fann  bic  obrigfeitlic^c 
SefteUung  cineß  aSormunbcß,  menngleid)  nid^t  unter  einer  Sebingung  ober 
3citbeftimmung,  fo  bod&  für  einen  oorübcrgef)enben  Scbürfnifefall  erfolgen 
(Dcrgt.  ferner  preufe.  31.  S.  91.  II,  18  §§  125—127;  öfterr.  ®.  S.  §  256; 
fSd^f.  ®.  33.  §§  1900,  1901 ;  Weimar.  ®cf.  u.  27.  3ßärj  1872  §  79).  S)ic 
preufe.  Sßorm.  D.  cntf(ä(t  in  ber  l^ier  fraglidfien  9lid^tung  feine  befonberc  Sc* 
ftimmung.  2)ie  Surißprubenj  nimmt  aber  an,  ba^  eine  ScftcHung  bcß  ajor* 
munbcß  auf  ^z\t  juläffig  fei  (Dcrgl.  SWotiüc  ju  §  23  bcß  ©ntm.  ber  preuft. 
aSorm.  D.  S.  68).  Sieben  bem  ©intritte  eines  fünftigen  ®reigniffeß  a\i6)  noc^ 
ben  Slblauf  einer  beftimmteu  'S^xt  ju  bcrüdfrid^tigcn,  ift  nid^t  für  crforberH(^ 
gdjaltcn,  ba  I)ier  eine  beftimmte  3cit  praftifd^  immer  nur  im  3wfömmenl)ange 
mit  einem  beftimmtcn  ©reigniffc  in  grage  fommcn  wirb  unb  eß  bebenflid^  ift, 
of)m  einen  fold^en  S^fammcn^ang  bem  aSormunböfd^aftfigerid^tc  bie  Sefugnip 
JU  geben,  bie  ©ntlaffung  nad^  2lblauf  einer  beftimmtcn  3^*it  bei  bcr  39e* 
ftcllung  tjorjubcl^aftcn. 

§  1639. 
s5crvfii<^tuH8  <^x^  ©cfcßc  crflörcu  bic  Ucbcrnal^me  ber  SJormunbfd^aft  t^cilß  aM^ 

*"«tt^me!"  brüdflid)  für  eine  Staatßbürgerppid^t  (preufe.  31.  S.  9i.  II  18  §  109 ;  prcufe. 
aSorm.  D.  §  20;  brem.  SSorm.D.  §  3;  ^amb.  a3orm.D.  3lrt.  17;  ba^r.  (Sntto. 
3lrt.  36),  ttjcife  fegen  fie  bieß  ftillfd^mcigcnb  üorauß  (fä#  ©.95.  §  1881; 
öfterr.  ®.  33.  §§  200,  193,  195 ;  code  civü  3Irt.  427 ;  meimar.  ®cf.  o.  27.  ÜMfirj 
1872  §  35;  ^ejf.  ©ntm.  IV  Slrt.  35).  S)ie  9ftotf)menbigfeit  einer  33eftimmung, 
burdö  tocld^e  bie  Ucbcrnafime  bcr  aSormunbf^aft  für  einen  Seben,  mclc^er 
fd[)ig  ift,  aSormunb  ju  fein,  unb  roeldöcm  ein  3lble^mingßgrunb  nid^t  jur 
Seite  fte^t,  für  eine  3'^Q"9öpftid)t  crHärt  wirb,  (c()rt  bic  (Srfabrung,  nad^ 


aSoiinunbfcfeaft  üba  tüliubcriäjriijc.    Uctcrnaljmcvflidjt.    §  1639.        1063 

rodd^er  auf  bic  Scrcitfd^aft  ju  einer  frciroilligen  Ucbcrua^me  tcineömegö  in 
ollen  %aUcn  mit  Si^crf)cit  gered^net  locrben  borf.  25em  Slarafter  eines 
gemcinfamen  bürgerlid^en  ®eMbud)ed  entfprid^t  cö,  in  2lntel)ung  bcr  ^^fli^t 
jur  Uebemafimc  ber  a5ormunbyd)aft  an  bic  Sleic^öangel^origfeit,  nid^t  an 
bie  Staatöangetjorigfeit  in  ben  einjelnen  SÖnnbcöftaatcn,  in  roeWjcn  bie  Se- 
üormunbung  einjutreten  l&at  anjuifnüpfen  (tjcrgl.  aud^  brem.  aSorm.  D.  §  3). 
3)ogcgcn  foD  Sluölänbern,  aud)  wenn  fic  in  3^eutfd^(anb  n)oI;nen,  eine  aScr- 
pfftd^tung  jur  Uebemafjmc  einer  3Sormunbfdf|aft  nid^t  auferlegt  werben  (oergt. 
aRotioc  ber  prenfe.  aSorm.  D.  S.  65). 

2)ic  im  §  1639  bcftlmmtc  a3erpflid)tung  jur  Uebernal)me  einer  aSor* 
munbfd&aft  trifft  iebod^  nur  benienigen,  wetdder  auf  ®runb  beö  §  1638  Slbf.  1 
burd^  bad  ^ormunbfd^aftdgerid^t  ald  aSormunb  audgemö^lt^  nid^t  aud^  ben^ 
ienigen,  roeld&er  auf  ®runb  beö  §  1635  Slbf.  1  als  aSormunb  berufen  ift. 
35er  ©ntrourf  gel(|t  bonon  auö,  ba^  bic  S3erufung  auf  ®runb  beö  §  1635 
Slbf.  1  nur  bie  93ebeutung  ^at,  bem  berufenen  ein  ooräugömcifcö  Siedet  auf 
bic  aSormunbfdjoft  ju  gewähren  (oergl.  bapr.  @nJro.  Slrt.  36,  30,  35),  unb  bafe 
inftbefonbcrc  burd^  eine  tcfttmillige  aSerfügung  einem  ©ritten  grunbfä^lid^  eine 
aSerpflid^tung  ni^t  auferlegt  werben  fann.  2)er  Stanbpunft  beö  ©ntwurfes 
^at  aud)  praftifdde  83ebeutung  für  fold^e  gälle,  in  roetd^en  mcl&rere  auf  Orunb 
beö  §  1635  Slbf.  1  nad^  einanbcr  berufene  5ßerfonen  üor^anben  fmb  unb  ber 
junä(^ft  berufene  bie  aSormunbfd^aft  nidfit  übernel^men  mill,  ba  in  biefem 
^llc  baö  aSormunbfdjaftögeri^t  ben  tegteren  wegen  beö  nad^  i^m  83crnfenen 
nid&t  auf  ®runb  beö  §  1638  Slbf.  1  jum  aSormunbc  beftellen  unb  baburd^ 
baö  Med&t  beöfelben,  bic  Ueberna^mc  ber  a^ormunbfd^aft  auf  ®runb  ber 
nad)  §  1635  Slbf.  1  erfolgten  83crufimg  ju  ücnoeigern,  illuforifd^  mad^en  fann. 

2)er  Entwurf  be{)anbelt  bic  aScrpflid^tung  jur  Uebernal)mc  ber  aSor^  *"*'?"^' 
munbf^aft  nid^t  bloö  alö  eine  offentlic^rcd^tli(^e,  fonbcrn  alö  eine  ani)  gegen*  ^  *  ""* 
über  bem  aWünbel  begrünbete  gefefelid&e  aSerpflid&tung,  TOcld[ie,  wenn  fie  au^ 
nid^t  im  SRed^töroegc  eriwingbar  ift,  bod^  im  gallc  it)rer  SBerlcfeung  bie  Haftung  ^tung  für 
jum  Sd^abenöerfafee  gegenüber  bem  üJlünbel  mit  fic^  bringt.  %nx  baö  röm.  ""ei^^^*' 
9led^t,  nacö  meld^em  ber  berufene  oI)ne  weitere  SBefteDung  aSormunb  würbe, 
ergab  fid)  bic  pricatred^tlid^c  aScrantwortlid^fcit  im  2Begc  bcr  actio  tutelae 
t)on  fctbft,  wenn  ber  ^Berufene  baöienigc  nid&t  tl(at,  woju  er  ücrpflid&tct  war, 
unb  für  baö  gemeine  SRed^t  ergiebt  fid)  ein  ä^nlid^cö  ^Scr^ältnife,  wenn  man 
ben  berufenen  Itofür  ncrantwortlid^  mad&t,  ba%  er  feinerfeitö  bic  rid)terlid)e 
Seftellung  nadjifu^t.  Slud^  nad^  franj.  ^t6)it  beginnt  bie  a3erantwortlid)feit 
gegenüber  bem  9Wünbel  mit  ber  .Henntnife  ber  Berufung,  unb  jwar  l^aftet  ber 
berufene,  biö  fein  etwaiger  aSeigerungögrunb  red^tlid^  anerfannt  ift,  bem 
'ÜWünbel  für  Sd^abenöerfaß  wegen  ^Pid^tücrlefeung  (code  civil  Slrt.  440). 
Slber  and)  bicjcnigen  ®efege,  wcld^e  von  bem  95eftcllungöprinjipc  auögcf^en, 
geben  Aem  SWünbcl  pufig  fraft  pofitioer  aSorfdfirift  einen  Slnfprud)  auf  ®rfag 
beö  i^m  an&  ber  grunblofen  aBeigerung  beö  alö  aSormunb  Senifcnen  cnt* 
ftanbencn  Sd^abenö  (preufe.  Sl.  2.  91.  II,  18  §  204;  öften*.  ®.  93.  §  203; 
fäc^f.  ®. ».  §  1809;  tübecf.  «onn.  0.  §  21;  brem.  aSonn.C.  §  26;  \)amb. 
aSorm.  D.  Slrt.  17).  2^er  Gnlw.  ber  preufe.  ajorm.  D.  entt)ielt  im  §  19  eben* 
fallö  eine  foldde  Seftimmung.    3n  bie  preufe.  aSorm.  C  ift  fie  inbcffen  nid^t 


1064        9Sonnunbfd&aft  üBcc  SWinberjal&rioe.    Uebcrna^mcpfü*!.    §  1639. 

übernommen,  meil  man  bcrfclbcn  im  c^inblitfe  auf  bic  ©d^roicrigfeit  bcö  ju 
fül)rcnbcn  Sewcifeö  praftifd^  feine  grofec  Scbcutung  beilegte  (Scrid^t  ber 
^crrenI)auöfommiffion  6.  30).  ©bcnfo  fcnnt  ber  bapr.  Gntro.  STrt.  86, 
121,  42  eine  priDatred&tlid&e  ^aftppici^t  nnr  für  bcn  befteUtcn  SBormunb,  nid^t 
and)  für  bcn,  mclcftcr  fic^  weigert,  fici^  jnm  SBormimbe  beftcHen  ju  laRen 
(oergl.  ferner  meimor.  ®ef.  x>.  27.  äJiärj  1872  §§  38,  43). 

SBcnngleid^  ber  t|ier  frogli^cn  SBorfd&rift  eine  grofee  praftifd^c  ©ebeutung 
nid^t  jufommen  mag,  fo  cmpfiel[)It  biefelbe  fid^  bod^  mit  Stürfftd^t  auf 
baö  3ntereffe  beö  ü)lünbcte,  wenn  im  befonberen  galle  ber  Seweiö 
geführt  werben  fann,  baß  bcm  Sßünbel  auß  ber  Sßcrlc|ung  ber  in  SHcbc 
ftefienben  SScrbinblid^feit  ein  beftimmter  Schoben  crwad^fen  ift,  fowic  von 
bem  ©efid^töpunftc  anß,  bafe  bic  aSorf^rift  fid&  afe  eine  angemejfene  ^u^ 
gleid^ung  jwifddcn  bem  Sefteüimgöprinjipe  beö  ©ntwurfeö  imb  bem  ©tanb* 
punfte  bcrienigen  JHed^te  barftellt,  naä)  wcld^en  bie  ^ßflid^t  beö  SBormunbeö 
bcreitö  mit  ber  Berufung  jur  SBormunbfc^aft  beginnt.  Slud^  wirb  bic  SBor^ 
fdE)rift  im  9lUgemeinen  baju  beitragen,  grunblofe  SBcigerungen  ju  oerminbern. 
3n  bem  ®efe|c  über  bie  gragc  ju  fd&wcigen  unb  bie  Söfung  berfelben  an  ber  §anb 
ber  allgemeinen  ©rimbfäfec,  namentlid^  im  4>inblic!e  auf  bie  Seftimmung  beö  §  704 
9lbf.  1,  ber  3uriöprubcnj  ju  überlaffen,  ift  alö  bebcnflid^  eradjitet,  ba  eö  crl&cb^ 
lid^en  S^^eifeln  unterliegt,  ob  in  Ermangelung  einer  befonberen  33eftimmung 
bic  SBcrpflic^tung  jur  Uebernal^mc  ber  SSormunbfd^oft  nidfit  nur  als  eine 
publi5iftifd^e,  fonbern  a\i6)  alö  eine  gegenüber  bem  aJlünbel  begrünbete  priDat* 
rccfttlid)e  5ßfj[id&t  angefcljcn,  bejw.  ob  auö  bem  §  704  9lbf.  1  eine  aScrpflid^tung 
jum  Sc^abenöerfagc  oon  bcm  Oefid^töpunfte  eincö  ©cliftcö  auö  l^ergeleitet 
werben  fönnte.  S)aju  fommt,  bafe  auö  bem  §  704  9lbf.  1  eine  fold^c  33a^ 
pftid^tung  fid^  icbenfallö  nur  bann  ergeben  würbe,  wenn  ber  bie  Ueber* 
naijme  ber  50ormunbfd&aft  aSBeigernbe  ben  auö  ber  SEBeigcrung  entftanbcnen 
©dbaben  f)at  üorauöfcI)cn  fönncn,  bur^  eine  fold&e  ©infd&ränfung  ber  f|ier  in 
SRcbe  ftef)enben  SSerpPid}tung  jum  ©djabenöerfafec  aber  bic  (entere  i^rcn 
praftifc^en  SBertlj  cin5ubü6en  brol)t. 
^ftwfeT'  ^^^^"  ^^^  prioatrcd^tlid&en  aScrantwortli^fcit  läßt  ber  Entwurf  (§  1639 

©afe  3,  4)  nad^  bcm  SJorgange  ber  meiften  ©cfcfec  unb  inöbefonbere  im 
engen  Slufd^luffe  an  bie  preufe.  SBorm.  0.  gegen  ben  ber  Ueberna^me  fid^ 
aBeigernbcn  bie  3lnwenbung  eineö  öffentlid^cn  Sn^^J^ÜC^  8^  (oergl.  prcuß. 
31.  2.  SR.  II,  18  §§  202,  205;  preufe.  aSomi.  D.  §  20  aibf.  2,  3;  fädfif.  ®. ». 
§  20;  Weimar.  ®cf.  o.  27.  SDMrj  1872  §  38;  tübedf.  93orm.  D.  §  16;  ^amb. 
aSorm.  D.  9lrt.  17;  öfterr.  ®.  83.  §  203;  bai)r.  ßntw.  9W.  121).  5Dcr  Entwurf 
gef|t  baoon  ax\&,  bafe  nur  ein  mäßiger  Bw'ö^fl^  "i^t  ^"^  abfoluter  S^anQ 
äsujulaffen  ift,  ha  berienige,  weld^cr  eine  beftimmte  aSormunbfd^aft  mit  cnt* 
fd^iebenem  SBibcrwillcn  übernimmt,  t)orauörid)tIicft  fein  guter  9Jormunb  fein 
wirb  (uergf.  SDlotioe  beö  bai)r.  Entw.  ©.  95).  3t)rcr  5Watur  nad&  I)at  bic  im 
§  1639  5ugelaffenc  Strafe  nur  ben  ftaraftcr  einer  Drbnungöftrafe,  wcld&c  bcn 
3werf  f)at,  gegen  bcn  aScrpflid&teten  einen  ^roanq  ju  einem  beftimmten  2:^un 
auö5uüben,  nid^t  aber  I;at  fic  einen  ftrafredbtlid)cn  Äarafta\  Eine  aSerwanbelung 
ber  ©clbftrafc  für  ben  gall  ber  Unbcibringlidjfeit  fann  ba^er  nad^  allgemeinen 
©runbffifecn  nid)t  eintreten.     Eö  empficf)It  fid)  and)  uid^t,  eine  folc^e  Um^ 


aSonnunbf*aft  ükr  aJlm^eriaWoe.    Unfal)iöfcit.    §  1640.  1065 

Toanblung  pofitit)  jusulaffcn  ober  neben  bcr  ®elbftrnfc  auö)  eine  greiljcitß* 
ftrafc  anjubrol^cn,  wie  bieö  naä)  bem  fäc^if.  ®.  f8.  §  1881  nnb  bem  bai)r.  ©ntw. 
^rt.  121  ber  gaD  ift.  Sabci  ^onbelt  eß  fid^  nalürlid)  immer  nur  nm  bcn 
Swang  pr  Uebernaljmc  einer  bcftimmten  SSormunbfdJlöft.  ©elbftrebenb  ftel)t 
lüd^tö  im  SBege,  benjenigen,  roeld)er  f)eute  mit  ©rfolg  fid^  weigert,  eine  if|m 
angetragene  SBormunbfd&aft  ju  übernehmen,  morgen  ju  einer  anberen  SBormunb- 
fd&aft  ^erouiujiel^en,  fo  bafe  eß  nid^t  etwa  bem  SReid^en  frciftefit,  fid^  ber  SSor- 
tnunbfd^aftßlaft  für  ein  ©cringeß  jum  9Jad^tl^eiIe  feiner  minber  mol^I^abenben 
^Bürger  ein  für  alle  3Rol  ju  entfd)lagen. 

Dafe  bie  SBeigerung,  bie  Sßormunbfd^oft  ju  übernehmen,  eine  unbegrünbete 
fein  mufe,  «m  bie  Slnmenbung  dou  3wJongßmaferegeln  ju  red^tfertigen,  ift  alß 
felbftperftänblid^  erQ^tet.  ©agegen  ift  bie  9lnbro^ung  t)on  Drbnungßftrafen 
Jiid&t  t)on  einer  porgfingigen  ünterfud&ung  ber  grage  abfiängtg,  ob  bie  SBeigerung 
ober  aSerjögerung  ber  Ueberna^me  olß  eine  fdEiulbDoDe  fid^  borftellt.  2)ie 
©d^ulbfrage  fommt  erft  banrt  in  33etrad^t,  rocnn  eß  fid^  barum  Ijonbclt,  ob 
bie  Drbnungßftrofe  verwirft  ober  auf  Orunb  norgebradfiter  ©ntfd^ulbigungß- 
flrünbe  oon  berfelben  Slbftonb  ju  nehmen  ift.  ®benfo  t)erftef|t  eß  fid&  t)on 
felbft,  bofe  ber  grunbloß  fi^  SBcigernbe  bie  burdE)  bie  SBeigerung  entftanbenen 
Äloften  nad^  SRaggabe  ber  Äoftengefefee  inforoeit  ju  trogen  Ijot,  alß  burd)  bie 
SBeigerung  befonbere,  nid[|t  bereitß  burd^  bie  aDgemeincn,  bem  üRünbeloermögen  • 
jur  Saft  faHenben  Äoften  beß  SBormunbfd^aftßmefenß  gebetfte  Soften  entftanben 
fmb,  unb  bafe  eo.  ber  aJlünbel  bie  il^m  barauß  etwa  erroad^fenen  Soften  auf 
©runb  ber  S3eftimmung  beß  §  1639  ©afi  2  erfefet  verlangen  fann. 

S)aß  in  t)erfd)iebenen  ®ef efeen  bem  3lid^ter  eingeräumte  SRed&t,  auf  ®efal^r  ^«^'»"fl  '*** 
unb  ftoften  beß  fi^  SBeigernben  einen  anberen  SBormunb  ju  beftellen  (ocrgj.  ^beruatöT 
preufe.  21.  S.  SR.  U,  18  §§  205,  206;  fäd&f.  @.S3.  §  1899;  lübecf.  SSorm.  D.  «'''"«"*^- 
§  16),  foU,  meil  ju  meitgelienb,  bem  SRid^ter  nid^t  iufte^en.    3(ud&  bie  preufe. 
35orm.  D.  unb  ber  bai)r.  (Sntrourf  I;aben  eine  berartige  pofitioe  SSorfd^rift  nic^t 
aufgenommen. 

§  1640. 
SBenngleid^  ber  §  1638  S[bf.  1  baß  Sßormunbfc^aftßgerid&t  anioeift,  nur  unta^iflfeit, 
<?ine  fold^e  5ßerfon  alß  SSormunb  außjuroäblen,  weld^e  nad^  i{)ren  perföntid^en  *^"{dn!*  *" 
aSerliältnijfen  unb  nad^  il^ren  SBermogenßüerFiältniRen  fomie  nad^  ben  fonftigen 
Umftänben  beß  gallcß  jur  güfirung  ber  9Sormunbfd&aft  geeignet  ift,  fo  ift  eß 
bod^  nad)  bem  übereinftimmenbcn  SSorgange  ber  geltenben  SRed&te  angezeigt, 
beftimmte  gefefelid^e  Unfäl^igfeitßgrünbe  auf juftcllen,  meiere  baß  SBormunbfd^aftß' 
gerid^t  nötl^igen,  gemiffe  5ßerfonen  unter  beftimmten  SSoraußfcgungen  in  feinem 
gaUe  iu  SBormünbern  ju  befteDen.    Slufeerbem  ift  bie  Shifftellung  bcftimmter 
Unfätjigfeitßgrünbe  mit  JRüctpdjt  auf  bie  nad)  §  1635  2lbf.  1  berufenen  nid^t 
jU  entbel^ren  (üergl.  §  1635  2(bf.  1).    ®er  Gntrourf  gef)t  aber,  namentüd) 
ium  ©d^u|c  beß  SRed^teß  ber  in  ®emäfeljeit  beß  §  1635  3ibf.  1  berufenen, 
fomie  mit  Slüdftd^t  auf  bie  bem  ©rmeffen  beß  33ormunbfd(iaftßgerid)teß  weiten 
SRaum  Ia?fenbe  Sßorfd^rift  beß  §  1638  Slbf.  1,  baoon  auß,  bafe  alß  Unfäljigfeitß^ 
grünbe  nur  fold^e  St^atfad^en  anjuerfennen  fmb,  auß  roeldEien  bie  Untaugüd;- 


1066  aSormunbf^aft  üBcr  SKinbcriaWQe.    Unfä^ioWt    §  1640. 

feit,  aSortnunb  jii  fein,  oI}ue  SBcitereö  pd^  crgicbt,  b.  1).  o^nc  bafe  cö  einer 
näfieren  ^ßrüfung  bcr  fonfretcn  Umftänbc  unb  aSerl^ättniffc  pon  Seiten  beft 
aSormunbfd^aftöflcrid)teö  bebarf. 

Sßennglcid^  bic  im  §  16i0  bcftimmten  Unfäl)i9feitöflrünbc,  abgefe^en  von 
bem  gallc  ber  ®efdfcfft«unfä^igfcit  bed  befteBten  SBormunbeß  (§  1640  9lr.  1), 
nad^  §  1646  auf  bie  ©ültigfeit  bcr  SeftcBung  otjnc  ©influfe  ftnb  unb  beöl^alb 
in  9BirfIid)feit  nur  bcn  Äarafter  von  Untauglic^fcitögrünben  im  ©inne  beft 
gemeinen  3led}teS  f)abtn,  fo  ift  bodö  eine  furje  ted^nifd^e  33cjeid^nung  ber  Ijicr 
in  SRebc  ftel^cnben  gälle  au0  reboftioncUcn  ©rünben  nic^t  rool^I  ju  entbcl^i^cn,. 
ber  äußbrud  „unfäl^ig''  aber  bem  Sluöbrude  „untaugfid^"  namcntlid^  um  bcö* 
millen  uorjugie^en,  meil  baburd)  bie  ^äDc  bed  §  1640  t)on  benjenigen  ^aKcn, 
in  n)e(d)en  eine  ^erfon  aud  anberen  ©riinben  nid^t  old  geeignet  erf^eint, 
jum  aSormunbe  beftellt  ju  n>erben  (§  1638  3lbf.  1),  fd^arfer  abgehoben  loerbcn 
unb  jubem  aud^  baß  Str.  ®.  93.  §  34  9ir.  6,  foroie  bic  preufe.  SBorm.  D.  §  21 
ftd^  befi  Sluöbrudeß  „unfäl^ig"  bebienen. 

3m  Ucbrigen  ift  jum  §  1640  im  (ginjelncn  uo^  golgenbeö  ju  bemerteu: 

«efc^f»*  1.  2)a6  eine  gefd^äftßunfä^igc  ober  in  bcr  (Scfd&äftßfäl^igfeit  befdbräntte 

«nfä^iflfeitacspgj^^j^  (oergl.  §§  64,  65,  70,  71)  unfal)ig  ift,  «ormunb  ju  fein,  liegt  in  ber 

3Jatur  ber  ©ad^c.  9lnbererfcitß  fe^lt  eß  an  einem  außrcid^enbcn  ©runbe,. 
einen  a)iinberi8I)rigen,  meld&cr  für  üoUiä^rig  crflärt  ift,  in  3lbn)cidöung  von 
bem  ^rinjipe  beß  §  26  für  unfähig  ju  crflärcn,  SSormunb  ju  fein,  roenngleit^ 
üerfd)iebenc  (Sefeggebungen,  inöbefonbere  anä)  bie  preuft.  95orm.  D.,  in  biefer 
^infidjt  auf  bem  cntgegengefefeten  ©tanbpunfte  ftel^en  (ücrgl.  1.  5  Cod.  de  leg. 
tut.  5,3o;  preufe.  aSorm.  D.  §  21  3lv.  1,  2;  ofterr.  0.  95.  §  191;  föd^f.  ®.  93. 
§  1885  9ir.  2,  3;  meimar.  ®ef.  v.  27.  aßärj  1872  §  32;  lübed.  Sorm.  D. 
§  23;  brem.  aSorm.  D.  §  23  lit  b— d;  l^amb.  SSorm.  D.  9lrt  16  5Rr.  1; 
Code  civil  2lrt.  442,  396;  Ijeff.  Qntm.  IV  Slrt.  29;  ba^r.  ®ntro.  »rt.  37 
9lr.  2,  3). 

«flenf<^ft  2.  2)er  im  §  1640  3lv.  2  anerfanntc  Unfäf)igfeitßgrunb  entfprid^t  ber 

""fÄ«"'  P'^^"^-  ''^^^^'  ^'  §  "^^  ^^^'  ^  ""^  uerfd^iebenen  anberen  neueren  ©efefi* 
gebungen  (ücrgl.  brem.  SJorm.  D.  §  23  lit.  g;  lübed.  aSorm.  D.  §  23  lit.  c; 
l^amb.  Sßorm.  D.  3lrt.  16  3Jr.  2).  Slbcr  aud^  fold^e  ©efege,  meldte  in  bicfer 
93ejief)ung  eine  außbrüdUc^e  93orfd^rift  nid^t  enthalten,  gemö^ren  bod)  mittelbar 
ber  Oberoormunbfd^aft  regelmäßig  bie  SRoglid^feit,  ben  ®emeinfdf)ulbncr  alß 
eine  bcbenflid&e  ^^Jerfon  von  ber  '^ormunbf^aft  außjHfd&tiefeeu.  3)er  baqr. 
©ntmurf  (uergl.  3)lotiüe  beßf.  S.  63)  crfennt  baß  Sebürfnife,  bm  \)kx  fragli^en 
Unfäf)igfeitßgrimb  aufjufteHen,  uic^t  an.  Ueberroiegenbc  ©rünbe,  inßbefonbcrc 
bic  Siüdfid^t  auf  baß  Sfitercffe  beß  ÜKünbclß  unb  auf  ben  öffentlid^cn  3lnftanb, 
fpred)en  inbetlcn  für  bie  9tufnal^mc  bcr  93eftimmung  (uergl.  aud&  §  1553). 

öCTiufi  ber  3.  2)ie  ©cfefee  gcroöfiren  regclmäfeig  bie  3Hi>g(idöfeit,  ^ßerfoncn,  meldte 

«?J?^*^tT  ^^8^"  fd^rocrcr  aSerbred^cn  ober  iJcrgel^en  ftrafrcd^tlid^  ücrurtl^eilt  fmb,  üon 
einer  Siormunbfd^aft  außjufd^Iicfeen,  fei  cß,  baß  fic  in  gemiffen  gäUcn  an  bic 
3Serurtf|cilung  bie  Unfäf)igfcit,  aSormunb  ju  fein,  fnüpfen,  fei  eß,  bag  jie 
bem  aSormunbfdöaftßgcrid)tc  im  rocitcftcn  Umfange  bic  9M5gIid^feit  gemfi^rcn, 
?ßerfoncn,  gegen  bereu  33eftcIIung  ju  aSormünbern  33cbenfcn  üorliegen,  üon  bcr 


SScnmmbf^aft  üfcr  SWhibcriä^rißc.    Unfäfiöfcit.    §  1640.  1067 

SSormuubfd^Qft  ouöiufd^Uc6cn  (ocrfli.  fäd&f.  ®.  93.  §§  1886,  1889,  1890, 1893; 
rocimar.  ®cf.  o.  27.  üKörj  1872  §  32;  ofterr.  ©.35.  §  191  unb  öftcn:.  ®ef. 
ü.  15.  Sioocmbcr  1867;  lübedE.  33orw.  D.  §  23;  brcm.  aJorm.  C.  §  23  lit.  g; 
[)Qmb.  »omt.  D.  2lrt.  16  9?r.  3,  4;  code  civil  airt.  25,  443,  444;  ^cff. 
entw.  IV  3lrt.  28—30;  bQi)r.  entro.  STrt.  37  im  ®ing.).  2)er  ©ntiüuvf  löfet 
cö  in  bicfcr  cfeinfid^t  in  Uebcvcinftimmung  mit  ber  prcufe.  aSorm.  D.  §  21 
3lx.  3  bei  bcn  ^eftimmungcn  bcö  Str.  ®.  S.  §  34  9lr.  6  bcjoenbcn.  Sluö 
bcr  goffunfl  bcö  §  1640  91r.  3  crgiebt  fid^,  ba%  ba^  jerocilige  ©trafßefcfebud^ 
mo6gebenb  ift,  eine  Slcnbcrunfl  bcö  gegenwärtigen  ©trafgefefebud^eö  in  ben 
(jier  fraglid[)en  33c}ic]^ungen  mitljin  eine  glei^ieitige  3lenberung  bed  bürget« 
ticken  ®e[e^bud^eö  nid^t  crforberUd)  mad^t. 

4.  3n  Ucbercinftimmung  mit  bem  geltenben  Siedete  l^ält  ber  ©ntrourf  ,JJ"^S|^* 
als  Siegel  baran  feft,  bafe  eine  grau  unfQl)ig  ift,  SSormunb  ju  fein^).  S)er 
Umftanb,  bog  bad  ®efe|bud^  bie  unbefd^ränfte  ®efd[}äftöfä^igteit  ber  grauen 
auf  bem  ®ebietc  beß  ^rioatreddteß  anertennt  imb  ber  SWutter  gegenüber  i^ren 
Äinbern  bie  eltcrUdde  (Seroalt  einräumt,  fann  in  feiner  SBeife  baju  nöt^igen, 
aud)  ben  ^ier  fraglid^cn  Unfä^igfeitögrunb  allgemein  aufjugeben.  SRidfitiger  ift 
eö  t)ielmel^r  unb  gerabc  auc^  im  3ntereffe  ber  grauen  geboten,  biefctbcn  mit 
ber  ^^fli^t  jur  Uebemal)me  öffentlid^er  Slemter  unb  in  biefem  ©innc  aud&  mit 
ber  ^Pflidjit  beß  SBormunbfd^aftßbienfteß  ju  -  t)erf d^onen.  3nßbefonberc  ift,  mcnn 
ber  ^ier  in  Jlebe  ftelienbc  Unfö^igfeitögrunb  allgemein  aufgegeben  wirb,  ju  be« 
forgen,  ba^  gegen  baß  3ntereffe  ber  aWünbel  unb  gegen  baß  3ntereffc  beß 
öffcntlid^en  2)ienfteß  oon  ber  SBefugnife,  grauen  atß  SSormünbcr  ju  beftellen, 
in  JU  gro§em  Umfange  ®ebraud>  gemad^t  werben  fönntc.  ®leid^molöl  finb  «««»w^me, 
nad^  bem  nal^eju  übereinftimmenben  SJorgange  ber  geltenben  9led)tc  (uergl. 
bagegen  lübedP.  SSorm.  D.  §  23 ;  jür.  ®.  93.  §  334)  gemiRc  9lußna^men  an- 
juerfennen.  liefen  Slußnal^men  liegt  ber  ©ebanfe  ju  ®runbe,  baß  in  befonberö 
nal)eu  uermanbtfd^aftlid^en  ^Ser^öltnif[en  au(S)  bei  grauen  bie  ®rünbc  nid^t 
obmalten,  meldte  eß  n)iberratl[)en,  bie  grauen  im  ^}lllgemetneu  gleich  ben  aßännern 
5um  aSormunbfd&aftßbienfte  ^eranjujlel^en,  inbem  l(ier  ber  ®efid&tßpunft  beß 
offentlid^en  3lmteß,  ber  ©rfüBung  ftaatßbürgerlid^er  ^fKd^ten,  in  ben  hinter- 
grunb  tritt  gegenüber  bem  ®eftd^tßpunfte  eineß  inbiuibuellen  93erufeß  im 
Snncrn  ber  gamilic,  ju  beffen  ©rfüDung  aud^  bie  grau  fe^r  mol^l  geeignet  ift 
unb,  ot)ne  bafe  i^re  SBürbc  barunter  leibet,  l)erangejogen  werben  !ann.  3nß* 
befonbere  ift  eß  in  Dielen  göUen  baß  Siatürlid^ftc  unb  2lngemejfenfte,  roenn  bie 
Snutter  aud)  in  fold^en  gällen,  iuiweld^en  il)r  bie  elterli^e  ©emalt  uerfagt 
wirb  (oergl.  inßbef.  §§  1558,  1570),  mä)  bem  (grmeffen  beß  SBormunbfd^aftß^ 
gerid&teß  jum  SSormunbc  über  il^r  minberjä^rigeß  Äinb  beftellt  werben  fann. 
2)iefe  3lußna^me  fteljt  aud^  mit  bem  geltenben  Siedete  im  ©inflange.  SRegel* 
mä§ig  ift  im  Slufd^tuffe  an  baß  rom.  Jled&t  aud^  bie  ©rogmutter  für  fällig 
frflärt,  gSonnunb  ju  fein  (oergl.  preufe.  31.  S.  %  II,  18  §  143;  preuft.  SSorm.  D. 
§21  3lbf.  2;  ofterr.  ®.  SS.  §  198;  fäddf.  ©.  93.  §  1885;  weimar.  ©ef.  o. 


^)  SSergl.  baöegcu  ^-^ctiticn  beS  aHo.  bcutfd&eu  JraucnüereincS  an  ben  3{eid&ßtag, 
afcflcbrudft  in  ,?lcue  Safincn",  Drgan  beS  aDfl.  bciitfd^crt  ^raucnccreincö,  SBb.  xn, 
1877,  5Rr.  8. 


1068  93Drmunbf*aft  über  affiuberiä^rioe.    Unfäl^iöfcit.    §  1640. 

27.  aWärj  1872  §  32;  brem.  Sßortn.  D.  §  23  Ut,  a;  \)amb.  SBorm.  D.  9lrt.  16, 8; 

codo  civil  3(vt.  442 ;  I}eff.  (Sntro.  IV  3lrt,  29),  roicroo^I  cinjclnc  JRcd^te,  fo  bnö 

loürttemb.  SRccftt  (pcrgf.  auä)  ha\)v.  ®ntn).  2[rt.  37  9lr.  1),  fic  md)t  jufancn. 

3nöbefonberc  war  anä)  in  bem  ßntiü.  bcr  preuß.  SBorm.  D.  §  20  3lx.  3  bic 

©rofemuttcr  aiiögcfd^loffcn.    JBcreiiö  bie  Rommiffion  bcö  ^errcnl^aufcö  (ftom- 

tniffionöbcridjlt  ®'  31)  erklärte  pd^  jcbo^  für  bic  S^^'ßüwng  bcr  ©rofemuttcr. 

Snbcm  fic  bic  gragc,  ob  bic  Unfäfiiöfcit  bcr  grauen,  SBormünbcr  ju  fein,  nad) 

i^n  gütigen  SScr^ältniRcn  nidf|t  überhaupt  aufiUßcbcn  fei,  ücrncintc,  wfinfcfttc 

fic  auf  bcr  anbcrcn  ©citc  bringcnbc  Scbürfniffc  in  bicfer  SRld^tuncj  ju  bcrücf^ 

ftc^figcn.    9Iud^  bcr  uorlicgcnbc  (Sntmurf  Ijat  fid^  unbcbcnfüd^  iu  ©unftcn  bcr 

gäl^igfcit  bcr  ©rofemuttcr  cntfd&icbcn.     5Rod)  weiter  ju  gc^cn  unb  mit  bcm 

Code  civil  ärt.  442  unb  bem  ital.  ®.  93.  3lrt.  268  übcrl^anpt  wcibüd^c  3lf jcn^ 

beuten  ober  mit  bcm  ital.  ®.  ffl.  Wct.  268  unücr^cirat^etc  t)onburtigc  ©d^rocftcm 

pjulaffcn,  empfiehlt  fid^  iebod^  nid^t;  bagcgcn  ift  cd  unbcbcnflid^,  nac^  bcm 

Vorgänge  bcr  preufe.  SJorm.  D.  §  21  9(bf.  2  grauen,  rocld&c  nac^  bcn  S3c5 

ftimmungcn  bcr  §§  1635,  1636  jur  SSormunbfdJiaft  berufen  fmb,  ffir  fäl;ig  ju 

erMären,  ^ormünber  ju  fein. 

«^efrouen.  ®ie  gäj^igfeit  ciucr  grau,  in  bcn  jugclaffcnen  gälten  aSormunb  ju  fein, 

ift  nic^t  bauon  abl^ängig  gemalt,  ba%  bic  grau  unocrl^cirattict  ift.   3n  lieber- 

cinftimmung  mit  bcr  prcufe.  SBorm.  D.  §  21  Slbf.  3  ^at  icbod^  bcr  ©ntwurf 

bem  3ntercffe  bcö  ©l^emanncö,  bamit  feine  6()efrau  burd^  bereu  SeftcBung  jum 

aSormunbc  bcn  i^r  in  gotge  bcr  cljclid^en  ©emcinfd^aft  oblicgcnbcn  5ßfH(^tcn 

nid}t  entjogen  werbe  (ucrgl.  §  1275),  burd^  bic  SSorf^rift  bc«  §  1641  SRcd^nung 

getragen,  baft  eine  (g^efrau,  weld^c  mit  einem  3lnberen  afe  bem  SSater  bc« 

3)iünbcld  Dcrl&ciratlict  ift,  nur  mit  Swftinimung  i^rcß  ®^cmanncö  jum  95or* 

munbc  beftcHt  werben  barf  (ocrgl.  ferner  §  1705  9lr.  3).   ©in  SSebürfnife,  eine 

©Hrau  fdbledfitfiin  für  unfäfiig  ju  erflärcn,  fann  im  fiinblidfc  auf  bic  S^or- 

fd^riftcn  bcö  §  1637  9lbf.  1  unb  bcö  §  1638  9lbf.  1,  wcld&c  bem  ermeffen  bcö 

aSormunbfc^aftögerid^tcö  für  bcn  cinjclnen  gall  auörcid^cnben  Spielraum  laffen 

(ücrgl.  aud^  §  1707),  nii^t  anerfannt  werben.    9luö  bicfcm  (Srunbe  {)at  bcr 

Entwurf  aud[i  bie  in  bcr  preufe.  SSorm.  D.  §  21  9lbf.  2  fidji  finbenbc,  auf  einem 

93cfd^luf[e  bcr  Äommiffion  bcö  $errenl)aufeö  beru^enbc  33cftimmung,  bafe  bic 

aJhittcr  unb  bic  ©rofemutter  jur  güljrung  bcr  SJormunbfd^aft  unfäf)ig  fein 

follen,  wenn  fic  bei  etwaiger  J'rcnnung  bcr  @f)c  für  ben  fd&ulbigen  2:^cil  er* 

hört  fmb,  alö  cntbcf)rlid^  crad^tet.    3cnc  öeftimmung  ge^t  awi)  ju  weit,   ©ö 

fann  unter  Umftänben  unbcbcnflid)  unb  fogar  angemcffen  fein,  au^  in  einem 

fold^en  galle  jene  ^erfonen  alö  SSormünber  ju  beftcUen. 

«uM^uc^uns  5.    2)cr  im  §  1640  9lr.  5  anerfannte  Unfäl^igfeitögrunb  cntfprid^t  einer 

»aÄrbie  fl^ofe^"  3öf|l  ^ou  Dlcdjtcn.    ® IC  Ic^tcrcn  geben  baö  SRc^t,  beftimmte  ^erfonen 

wutter.    x)ün  bcr  ajormunbfdfiaft  auöjufd&Iicfecn,  jum  2^^eil  nur  bcm  83atcr  (preufe. 

31.  2.  SR.  ir,  18  §  143;  öftcrr.  ®.  58.  §  193;  lübed.  SSorm.  D.  §  23  lit.  d; 

brem.  SBorm.  D.  §  23  lit  li;  ^amb.  SSorm.  D.  3lrt.  16  9lr.  6),  jum  S^eit 

aber  bcm  Sßater  unb  bcr  SKutter  (1.  m  §  i>  D.  de  tut  dat.  26,  d;  1.  un.  Cod. 

si  contra  matr.  vol.  5,4?;  fäd^f.  ®.  S.  §  1887;  preufe.  SJorm.  O.  §  21  3lr.  6; 

Ijclf.  entw.  IV  9lrt.  30  9ir.  3,  9lrt.  23;  baijr.  ©ntw.  9lrt.  38).    ®aö  franj. 

Siedet  fcnnt  bcn  I)icr  in  9Jcbc  ftcl^cnbcn  llnfä^igfcitögrunb  fibcrl;aupt  nic^t. 


Sormunbfd&aft  ükr  2)?infccria5riöe.    Unfä^iofcit.    §  1640.  10G9 

Scr  ©ntwurf  ift  bcnicnigcn  SRcd^tcn  ßcfolflt,  wcld^c  baä  Siecht  bcr  3luö=^ 
f^ticfeung  bcm  aSatcr  unb  bei*  3ßuttcr  einräumen;  er  gicbt  aber  bei  wiber* 
fprec^enben  SJlnorbnungen  bcr  Stnorbnung  bej5  SBaterö  vov  ber  bcr  ÜKuttcr 
unbcbingt  bcn  SBorjug  unb  beftimmt  bcö^alb  —  abiDcid^enb  üon  bem  l^cff. 
©ntn).  IV  Slrt;  30  3lx.  3,  9lrt.  23,  nad^  njeld&em  rcgetmäfeig  nur  ber  leßt^ 
(ebenbe  @(terntl^ei(,  n)ic  baö  ätcd^t  ber  Benennung,  fo  aud)  bod  ber  9lus- 
fdilliefeung  l&at  —  bafe  ber  in  (Semöfel^eit.ber  §§  1635,  1636  t)on  bem  SBatcr 
alß  aSormunb  benannte  von  bcr  äWutter  nidit  ouögefd^lojfcn  werben  faniu 
2)iefer  oon  bcm  ©ntrourfe  eingef d^lagenc  SDSeg  entfprid&t  cinerf eitd  bem  ^rinjipe 
ber  ^lttxi\6)cn  ®en)o(t  beiber  ©ttern,  anbererfeitö  bem  im  §  1635  Slbf.  1  unl> 
in  anbercn  Scftimmungen  be«  ©ntmurfeö  (§§  1693,  1718  Slbf.  2)  jum  3luß^ 
brude  gelangten  ©ebanfen,  bag  bcm  SBater  ein  flberroiegenber  @influ§  gebftl^rt ; 
er  beseitigt  Äonflitte  jroifd^en  cinanbcr  roibcrfprcd&cnben  SBerfügungen  bcft. 
93aterö  unb  bcr  aJlutter  unb  genügt  bem  prattifddcn  Scbürfnijfe.  (Segen  bie 
in  Siebe  ftel^cnbc  Seftimmung  fann  aud&  barauÄ  ein  83ebenfen  nidbt  entnommen 
merbcn,  baß  auf  bicfc  SBeife  bcr  SJater  aud^  bie  iülutter  üon  ber  SSormunb«^ 
fd^aft  auöiuf daliegen  bcred^tigt  ift,  ba  bied  nur  in  fotd^cn  fällen  praftifd^ 
werben  fann,  in  meldten  bcr  äWuttcr  auöna^mömeife  bie  elterliche  ©ewalt 
nid&t  iuftcl[)t,  in  biefen  gSllen  aber,  inöbcfonberc  in  bem  gaDe,  in  weld^cm 
bie  aölutter  bie  clterlid^c  ©croalt  burdd  ©d&liefeung  einer  neuen  6^e  tjcrlicrt,. 
bie  Scfugnife  beö  58aterö,  bie  aJluttcr  von  ber  SBormunbfddaft  audxufd^tiefeen^ 
bcn  SBcr^ältniffcn  burd^ouö  cntfprid&t.  Uebrigend  rfiumt  bcr  §  1640  3lv.  d- 
bcm  3Satcr  unb  ber  üButtcr  nur  baö  9le^t  ein,  beftimmt  beseid^nctc  ^Perfonen 
Don  ber  SBormunbfdfiaft  auöjufd^liefecn.  Slnorbnungen ,  burd)  meldte  ganje 
Älaffcn  pon  5ßerfoncn  außgefd^to^fen  werben,  foll  bie  SBirfung,  bafe  baburd> 
fammtlid[ic  Slnge^origen  fold^er  Älaffen  gefeßlid^  unfähig  roiirben,  nid&t  bci«^ 
gelegt  werben. 

3n  Slnfe^ung  ber  SBoraußfefeungen,  von  weld^en  baß  Slußfd^liefeungßrcc^t 
bcß  aSaterß  unb  ber  aJlutter  ab^öngig  ift,  wirb  auf  bie  SWotioe  ju  §  1636 
Sejug  genommen. 

Stnberen  5ßcrfonen,  alß  bcm  aSatcr  unb  ber  Sßutter,  räumt  ber  ©ntwurf 
ein  älußfd^liegungßreddt  nid^t  ein,  inßbefonbere  nid^t  bem  ©rogoater  ober  bcm 
2^cftator  ober  bem  ©d^enfcr  in  Slnfel^ung  bcß  jugewcnbcten  SBermögcnß, 
wie  bieß  nad^  ber  brem.  SBorm.  D.  §  23  lit  li  unb  ber  ^amb.  SSorm.  D. 
9lrt.  16  3lt.  6  ber  gall  ift. 

6.   SSerfd^iebene  9led^te  liaben  nod^  eine  Slnjal^l  anberer  Unfäl^igfcitß^  stie^tiunff 
grünbe  aufgcftcDt.    So  werben  alß  unfä^iig  bejeid^net  fold^c  ^erfoncn,  weld^c  un"ätifltehd* 
offenfunbig  einen  unfitttid&en  üebeußwanbel  fül^ren  (prcufe.  SSorm.  0.  §  21     aröw^e. 
3ir.  5;  code  civil  Slrt.  444;  baxjx.  6ntw.  9lrt.  37  3lv,  4),  weld(|c  bereitß  cim 
mal  eineß  oormunbfd^aftlid^en  SImteß  entfegt  finb  (lübecf.  93orm.  D.  §  23 
lit.  b;  brem.  SSorm.  0.  §  23  lit  f;  prcufe.  31.  S.  SR.  II,  18  §  136;  hav)x. 
@ntw.  Slrt.  37  91r.  5),  weld^e  in  fd^led^ten,  inßbefonbere  in  jerrüttetcn  SScr* 
mögenßoerl^ältniffen  leben  (lübcd.  SBorm.  D.  §  23  lit  c;  brem.  SSorm.  D. 
§  23  lit  g;  liamb.  aSorm.  D.  3lrt.  16  3lx.  2);  ferner  ^erfonen,  wcld^en  cß 
an  bcr  erforberlic^en  83ilbung  fe^lt,   inßbefonbere  Sefenß*  ober  ©^reibenß* 
unfäljigc  (württemb.  9lcdS)t;  Iflbecf.  SBorm.  D.  §  12;  liamb.  »orm.  D.  3lrt.  16 


1070  S3ormunbf$aft  ü6cr  aninbcriajriöe.    Unfa6ig!eit.    §  1640. 

3lv.  7;  öftcrr.  ®.  95.  §  191;  M.  Qntro.  IV  3lrt.  30  5Rr.  5);  ^erfoncn,  welche 
tnit  bcrtt  aWünbcI  ober  bejfcu  ©Itcrit  in  einen  9ied&tfiftreit  tjerroidelt  fmb  (code 
dvü  ärt.  442;  preug.  31.  S.  SR.  II,  18  §  145;  ofterr.  ®.  93.  §  193;  lübcdf. 
«orm.  D.  §  23;  brem.  SJorm.  D.  §  23  lit.  c;  ^amb.  Sßorm.  D.  9lrt.  16  9lr.  5; 
fieff.  6ntm.  IV  3lrt.  30)  ober  beren  ^ntereffen  fonft  mit  bcnen  bcö  a»ünbcte, 
tiamentlid^  wegen  eineß  jmifdöen  il^nen  beftel&enbcn  ©ci^ulboerliältniffeö,  foflibircn 
<6rem.  SBonn.  D.  §  23  lit.  c;  l|omb.  SBorm.  D.  3lrt.  16  SRr.  5).  ««eben  biefcn 
I)äufi8er  beräcffiddtigten  ©rfinben  finben  ftd)  l^in  ttnb  n)ieber  nod^  Unfä^igfeitö^ 
flrünbc  für  STuölänber  (oergt.  roürttemb.  ®ef.  x>.  28.  3uni  1876  Slrt.  1),  für 
€^riftcn  unb  5lid&td^riftcn  untereinonber  (preufe.  3(.  2.  SR.  II,  18  §  137 ;  Dergl. 
3Rotiue  ber  preufe.  SSorm.  D.  ©.  66  unb  Serid^t  ber  ^crrenJ^aufifontmiffion 
©.  34),  für  DrbenögeiftUd&e,  ©pitalpfrünbner,  ftranfe  unb  Oebred^üdje,  ©tief- 
Dätcr  (entw.  ber  prcufe.  SBorm.  D.  §  20  nebfi  SWotipen  ©.  66  unb  93eri(^t 
ber  ^errenl^auöfommiffion  ©.  33),  ferner  für  bcn  unel^elid&en  ©rjeuger  (©ntn). 
t)cr  preufe.  95orm.  0.  §  20  nebft  SSerid^t  ber  ^errcn^auöfommiffion  @.  33) 
iinb  für  eine  SRcil&e  anberer  5ßcrfonen  crroäl^nt,  roeld&e  einjeln  anjufüfircn 
oljnc  3ntcreife  ift.  2)ie  einfielet,  bafe  eö  im  SBege  ber  Äafuiftif  bod)  niemals  er- 
x^\6)i  werben  fann,  baö  Sntereffe  beö  Sßünbefe  gegen  bie  SefteDung  eines  i^m 
{)effiI;rKd(|en  93ormunbeS  ju  fd^|en,  \)at  bie  ©efege  Dielfad^  bal^in  gebröngt, 
burd^  mel&r  ober  weniger  allgemeine  Älaufeln  ber  Dberoormunbfd&aft  bie 
URogli^feit  ju  gewäl^rcn,  eine  im  befonbcren  galle  ungeeignete  5ßerfon  aus 
Orünben  bes  einjelnen  galles  pon  ber  Sßormunbfd^aft  auSjufd^liefeen.  3nß* 
befonberc  ift  nad^  gemeinem  SRedJite  bie  Dberüormunbfd^aft  befugt,  aud&  in 
joldS)en  göUen,  in  weld^en  ein  eigentUd^er  Unfäl^igfeitsgrunb  ni^t  t)orIie9t, 
bie  2:auglid&feit  bc«  S3erufenen  im  befonberen  gaUe  im  weiteften  Umfange  ju 
prüfen  (oergt.  1.  3  §  12  D.  de  susp.  26,  lo).  SRadj)  bem  fäd^f.  ®.  83.  §§  1886, 
1889,  1890  ift  ferner  ber  SRid^tcr  niemals  genötl^igt,  einen  SBormunb  ju  be^^ 
ftellcn,  wenn  bemfelben  33ebenfen  entgegcnfte^en.  Slud)  bas  preufe.  31.  S.  SR. 
II,  18  §§  110, 129  giebt  in  biefer  SRidfitung  bem  SRid^ter  jebe  erforbedid^c  grci^ 
J^eit;  ebenfo  flnb  anbere  ©efefec  bemüht  gewefen,  burd^  eine  l^inreid^cnb  weite 
gaffung  ber  cinjelnen  Unfäl^igfeitsgrünbc  bem  rid^terlid^en  ®rmeffen  einen  ge« 
wiffen  ©pielraum  ju  lajfen  (t)ergl.  j.  93.  öftcrr.  ®.  93.  §  191 ;  ^eff.  ©ntw.  IV 
mrt.  30  SRr.  4,  5). 

®er  ®ntwurf  ^at  es  ni^t  für  angemcffen,  aud&  nid^t  für  erforberlid^ 
<radf|tet,  neben  ben  im  §  1640  beftimmten  Unfäf|igteitSgrünben  nod^  weitere 
Unfä^igfeitsgrünbe  oufjufteDen,  ba  bas  Sntereffe  beS  SKünbelß  im  Uebrigen 
burd^  bie  95cftimmungen  bes  §  1637  Slbf.  1  unb  bes  §  1638  Sftf.  1,  welche 
iem  Grmeffen  bes  SSormunbfd^aftSgerid^tes  fiinreid^cnben  Spielraum  laRen, 
genügcnb  gefd^ü|t  ifl  (oergl.  oben  S.  1065).  Slus  bicfem  ©runbe  liegt  ins- 
iefonbere  aucft  fein  Sebürfnift  t)or,  mit  ber  preufe.  SBorm.  D.  §  21  SRr.  5 
<Dergt.  oben  ©.  1069)  bcnjenigen  für  unfäl^ig  ju  ertlären,  SBormunb  ju  fein, 
wetd^er  offenfunbig  einen  unfittlid^en  Sebenswanbel  fü^rt.  S)aju  tommt,  bafe 
We  aSorauSfefeungen  biefes  Unfäl^igfeitsgrunbes  ju  unbeftimmt  unb  ju  wenig 
greifbar  ftnb,  um  lebiglid^  barauf  bie  93efugni6  bes  9Sormunbfd(iaftsgerid^teS, 
btn  in  ©emäfe^ieit  beS  §  1635  3lbf.  1  als  9Sormunb  95erufenen  ol^ne  beffen 
^uftimmung  ju  übergel)cn  (§  1637  3lbf.  1),  grünben  ju  fönnen.  3m  Uebrigen 


S5onnunbi"4.  über  SWinbcrj.  SeiMung  einer  gfiefrau  2C.  §§1641,1642.     1071 

fielet  ber  »on  bem  ©ntrourfc  cingefd^Iagene  9Beg  mit  bcr  preufe.  5Borm.  D. 
§  18  Stbf.  2,  §  19  3lbf.  1,  §  21  im  ^:ßrinjipe  im  einflonge. 

§  1641. 

S)ic  Orünbe,  aus  rocld^en  bcr  ©ntmurf  eine  ©(lefrau  nid^t  fdökd^tl^i»^  3«fti«nn!una 
für  unfäl^ig  erMdrt,  SBormunb  ju  fein,  aber  porfd^reibt,  bafe  bicfelbe  nur  mit  Gö«mf„„e«. 
3uftimmung  il^reö  ß^emanneö  jum  SBormunbe  befteHt  werben  barf  (oergl.  audb  »«p««"«« 
§  1705  5ßr.  3),  ftnb  bereits  in  ben  SOlotioen  ju  §  1640  unter  SRr.  4  ©.  1068""''®^*^'"^ 
bargelegt.     93on  biefer  SSorfd^rift  ift  j|ebocb  nad)  bem  äSorgange  ber  prettß. 
SBorm.  D.  §  21  aibf.  3  für  ben  gaH  eine  3luönal;me  gemad^t,  wenn  ber  ©^e« 
mann  ber  ^ater  beö  aJliinbete  ift,  ba  in  biefem  gaHe  bie  güt)rung  ber  SSor^s 
munbfd&aft  burd^  bie  ß^efrau  mit  ben  il)r  auf  ®runb  ber  c^elid&en  Sebenfis 
gemeinfd^aft  obliegenben  ^ftid^ten  gegenüber  bem  @l^emanne  nicmate  als  un« 
vereinbar  betrad^tet  merben  fann. 

§  1642. 

®ie  Uebernaljme   oon  SBormunbfd^aftcn  ift   eine    allgemeine  ©taatö*  »efieaun« 
bürgerpflid^t,  locld&e  möglid^ft  glcidö  t)ert(|eilt  werben  mufe.    Gö  ift  ba^er  im  ©eamtl^^ob« 
^rinjipe  baoon  auöjugel^en,  bafe  ^rioilcgien  in  biefer  ^infid^t  nid^t  ^^lafe  «eiiflion»- 
flreifen  bürfen.    Sluönal^men  finb  nur  inforoeit  anjuerfenncn,  alö  fic  burd^  baö    **'*"***' 
iffentlid^e  Sntercffe  geboten  fmb.    3Som  Stanbpunfte  beß  öffenttid^en  3ntereRcö 
nuö  fann  eö  aber  erforberlid^  werben,  bafe  beftimmtc  Älaffen  oon  ^erfoncn 
nid&t  burd^  ^eranjiefiung  jum  SBormunbfdjaftöbienfte  il^rcm  fonftigen,  bem 
ftoatlid^en  3ntereffe  bienenben  Serufe  entjogen  werben. 

2)ie  beftel^enben  9ied^te  l^aben  biefem  ©cfid^töpunfte  in  Derfd&iebener 
SBeife  3led&nung  getragen,  inbem  fie  tbcite  beftimmcn,  bafe  ^Pcrfonen,  weld&c 
jjewiffe  STemter  bef leiben,  ol^ne  oorgängige  (Genehmigung  ber  Dorgefeßten 
S3el^örbe  burd^  bad  93ormunbfd[)aftdgerid^t  a(ö  Sßormünber  nid^t  befteQt  werben 
foDen,  tl^eite  bm  gebadeten  5ßerfonen .  mit  SiüdEfid&t  auf  baö  Don  il^nen  bef leibete 
9lmt  ein  3lblel^nung«red^t  geben. 

3u  ber  erften  ©ruppe  Don  ©efegen  geboren  inßbefonberc  bie  preufe.  oeitenbe« 
«orm.  D.  §  22  unb  baö  weimar.  ®ef.  r>.  27.  SWörj  1872  §§  33,  34  (ocrgl.  ****• 
aud^  bapr.  (Sntw.  9lrt.  36,  39  nebft  SWotioen  ©.  61),  ju  ber  jweiten  ©ruppe 
namentlid^  ba&  gemeine  SHed&t,  baö  prcufe.  31.  S.  9i.  11,  18  §§  208,  213,  baß 
üftcrr.  ®. ».  §  195,  baß  fäd^f.  ®.  33.  §  1897  unb  ber  code  civU  3lrt.  427 
biß  431  (oergl.  femer  l^eff.  (Sntw.  IV  3lrt  34  nebft  aWotioen  ©.  224,  225). 
Slud^  ba^  31.  anil.  ©ef.  o.  2.  aWai  1874  §  41  giebt  ben  3»ilitfirperfonen 
beß  griebenßftanbeß  unb  ben  3ioilbeamten  ber  aßilitfiroerwaltung  ein  3lb' 
le^nungßred^t,  beftimmt  aber  baneben,  bag  biefelben  }ur  Uebemal^me  einer 
SSormunbfd^aft  nur  mit  ©ene^migung  i^rer  SBorgefegten  bered&tigt  Tinb.  gür 
bie  SReid^ßbeamten  fel^lt  eß  in  biefer  ^infid^t  an  einer  außbrüdfU^en  S3eftimmung 
(oergl.  iebod^  §  19  beß  9ieid^ßbeamtengef.  o.  31.  SWärj  1873). 

®a  eß  fid^  nur  barum  l^anbelt,  ju  oerl^inbern,  bag  gewifje  Jtlaffen  oon  stgu^mmaft« 
^erfonen  jum  ©d&aben  anberer  ftaatlic^er  Sntereffen  jum  SBormunbfd^aftß*     "**• 


1072     SSonmmbfd&aft  uBcc  SWiitbcriäßriflc.  Scftclluno  eincö  Beamten  jc.  §  1642. 

bicnftc  l^crangcäoßcn  tücrbcn,  miltjiii  uid)t  ein  ©d^ug  prioatrcd^tUd^ev  3ntcvcffcn, 
fonbcrn  baö  offcntlid)c  Sntcreffc  allein  in  "^xac^c  ftcl)t,  fo  I)filt  bcv  ©ntrourf  in 
Uebcrcinftimtnung  mit  ber  prcug.  93orm.  D.  (ücrßl.  SKotioc  jn  bcrfclbcn  ©.  67) 
unb  mit  bem  bavjv.  ©nlro.  cd  prinsipicll  nid^t  für  gcrcd^tfertigt,  mit  bcr  ^c^ 
jtein  «Me^.  flcibung  gcroiffcv  Slcmtcr  ober  bcr  3hiöübung  geroiffcr  äcniföartcn  ein  Slb- 
nung  re  .  (g^j^^jj^gg^^^j^j  jy  perbirtbcn  unb  babnrd)  gcmiffen  Älaffcn  Don  5[Jcrfonen  ein 
Sonberrcd^t  in  änfefiung  bcr  ^ftid)t  jur  Ucbcrnafjmc  einer  SSormunbfd^aft 
einjuräumen.  3(uf  bcr  anbcren  Seite  mirb  jubem  burd)  bie  Einräumung  eine& 
SlblclÖnungdrcd^tcö  allein  bcm  öffcntlid^cn  Sntereffe  nid^t  genügt,  weil  ba& 
SKble^nungdred^t  uerlorcn  gel^t,  menn  baöfetbe  nid^t  bei  bem  ^ormunbfc^aftd^ 
geridjtc  por  ber  SSerpflid^tung  geltenb  gcmadjt  mirb  (§  1644  Stbf.  1).  ^a^ 
öffeutlid^c  Sntereffe  wirb  Dietme^r  nur  bann  genügenb  gcfd&üfet,  romn  beftimmt 
(sriaubuip  lüitb,  bajj  bie  betreffenben  ^erfoncn  ol^ne  bie  Dorgcfc^riebcnc  ©rlaubnife  bcr 
m&erno^me.  oorgcfcfetcn  öcl^orbe  nid^t  als  93ormünber  bcfteUt  werben  bürfcn  bcjn).  ju  ent* 
laffcn  ftnb,  wenn  iene  6rlaubni§  oerfagt  ober  jurüdEgenommen  wirb  (§§  1642, 
1705  9Jr.  4).  2)iefcn  ©rmägungen  gegenüber  fann  ber  Ocfid^töpunft,  ba& 
bie  betreffenben  5ßerfonen  felbft  am  beften  bcurtl)eilen  fonntcn,  ob  ftc  o^nc 
33ccinträd^tigung  ber  il)nen  obtiegenbcn  ©efd^äfte  bie  SBormuubfd^aft  ju  über* 
nehmen  im  ©tanbe  feien,  bafe  bie  SScrfagung  bcö  Slblel^nungÄredbteö  bie  ®c* 
fd^öftc  bcr  Dorgefcgten  93c^orben  nid^t  uncrlicblic^  ju  Dcrmel&ren  brol^jc  unb  in 
benienigen  SRed^tögcblcten,  in  roeld&en  baö  3lbleljnungöred&t  gegenroärtig  heftete, 
eine  ©rtaubnife  ber  Dorgefegten  93el;örbe  jur  Uebernat)me  ber  83ormunbf(Jaft 
aber  nid^t  Dorgefd^rieben  fei,  bie  Sanbedgefeggebungen  in  bie  Slotl^roenbigfeit 
ücrfcftc,  in  bcr  t)icr  fraglichen  ©infid^t  neue  93eftimmungen  ju  treffen,  ebenfo* 
wenig  alö  burd^fd^lagenb  crad^tct  werben,  wie  ber  Umftanb,  bafe  audj  bcr 
§  41  bes  SR.  aMil.  ®ef.  \).  2.  Ü)lai  1874  ben  2)lilitfirperfonen  bcö  Sanb^ccrcft 
ein  foldöcö  2lb(el|nungöred&t  gewäl;rt.  6^cr  fonnte  cd  in  gragc  fommcn, 
ob  nidjt,  um  bie  3}iilitärperfonen  in  biefcr  Sciieljung  mit  bcn  Sanbeöbeamten 
gleidöjuftcUen,  baö  bcn  erftercn  gewäl^rte  9lbtel^nungörcdöt  cbenfalld  ju  bcfeitigcu 
fei.  Snicin  eine  fold^c  9lcnbcruug  bcö  91.  3Wi(.  ®cf.  ift  bebcnflic^  unb  würbe 
mit  bem  ^^Jrinjipe,  baß  baö  beftel^cnbe  SHeid^sred^t  t^unlid^ft  aufred^tcrfiattcn 
werben  foU,  nid&t  im  ©inflange  fte^en. 
«cflrctiiunö  ®ic  Scurtficitung  ber  grage,  ob  eine  befonbere  Erlaubnis  jur  Ueber- 

Äotejoriee«.  ua^mc  ciucr  SBormunbfc^aft  in  bcn  in  SBetrad^t  tommenben  gällen  burd^  bai^ 
offentlid^e  3ntcreffc  geboten  erfd^cint,  ift  ©ac^c  bcr  cinjelnen  Sanbcögcfcös: 
gebungen,  ba  bie  ®ntfd)eibung  icner  gragc  nid^t  bem  bürgerlid&en,  fonbern 
bem  5ffentlid^en  dicd)te  angehört;  bod)  liegt  cd  innerl^alb  bed  9tal^mend  bcd> 
bürgcrtid^cn  SRcd^teö,  bie  ©renjen  }u  jie^en,  innerhalb  bcren  einer  t)orgc= 
fd&riebcnen  befonbercn  ©rlaubnife  jur  Uebernal;me  einer  SSormimbfd^aft  bie  im 
§  1642  beftimmtc  SBirfung  übcrl)aupt  beigelegt  werben  foH  (ucrgl.  aud^  §  1243). 
I)cr  Entwurf  iict;t  bicfc  (Srciiäcn  burc^  bie  Seftimmung  bcö  §  1642  fo  weit^ 
bag  bie  Sanbedgcfcggcbung  in  ber  Sage  ift,  burd^  geeignete  ^eftimmungen  bad^ 
öffcntlid^e  Sntcrcffc  nac^  allen  SRid^tungen  Ijin  ju  fd^üfecn.  Sndbefonberc  ge* 
wäljrt  bcr  §  1642,  entfprecftcnb  bem  ^rinjipe  ber  ©Icid^ftellung  ber  pcr^ 
fcfticbcncn  Äonfcffionen,  bcr  yanbcßgefcggcbung  bie  aWöglid^fcit,  icbcn  SRcligionö* 
biencr  o^ne  Unterf^ieb  bcr  SHctigion,  fowett  ttjatföd^lic^  ein  öcbürfnife  baju 


aSormunbfiJ^aft  über  SWinberiS^rifle.    abIe6nuito3rcd6t.    §  1643.         1073 

Dorliegt,  gegen  bic  ^eranjiel^ung  jum  SSormunbfd^aftöbienfte  ju  fd^üfeen  (t)ergl. 
cud^  §  34  3lx.  7,  §  85  be«  ®.  58.  ®.;  §  196  beö  ©tr.  0.  S5.)-  dagegen  a»iiitar- 
fd^ioeigt  bcr  ©ntrourf  in  3lnfe^ung  ber  aJlHitärperfonen  unb  in  ^r\\tf)unQ'^^^^^^^aZl 
ber  SHcic^öbcamtcn.  6in  Sebürfnife,  im  bürgerlid^en  ©cfelbud^e  ouc^  biefc 
ÄQtegorlcen  ju  berüdfidötigen,  liegt  nid^t  por.  3n  9lnfcf|ung  beö  Sanbl^cereß 
finbet  bic  »eftimmung  beö  §  41  beö  SR.  aWU.  @ef.  t).  2.  SWai  1874  änroenbung. 
®ic  Scrücffid^tigung  ber  SRilitfirperfoncn  im  §  1243  in  Slnfel^ung  ber  ®r? 
laubnife  jur  (gl^efd^Iiefeung  bcrul^t  auf  befonbercn,  l^icr  nid^t  jutreffenben 
©rünben  (oergl.  §  38  beö  SR.  @ef.  über  bie  93eurtunbung  bcö  5ßerfonen* 
ftanbeö  2c.  t).  6.  gebruar  1875).  SBeri^iält  baö  bürgcrlid^c  ©efeftbud^  ftd^  in 
9lnfe^ung  ber  3KUitärperfonen  unb  ber  SReid^öbeamtcn  fdE)H)eigenb,  fo  ergicbt 
fic^  ollerbingß  eine  SüdEc  in  Slnfel^ung  ber  bcr  SKarine  angef)örenben  ^ßer- 
fönen  unb  ber  SRcid^öbcamtcn,  fofern  nid^t  für  bie  legteren  ber  §  19  beö 
SReid^öbeamtengef.  o.  31.  SRärj  1873  qIö  mafegebenb  ju  bctrad^ten  fein  foUte. 
Snbejfen  \)at  bic  SReid^ögefe^gebung  eö  in  ber  $anb,  bicfe  Südfe,  foroeit  ein 
Sebürfnife  oorliegen  foUte,  ieberjeit  burd^  ©pcjialgefeßc  auöjufüDen. 


§  1643. 

SRad^  bem  SSorgonge  beö  gemeinen  SRed^tcö  unb  bcr  aJlel^rjol^I  bcr  neueren  «Meinung 
Oefejgebungcn,  inöbefonberc  aud^  ber  preufe.  SSorm.  D.  §  23,  ftcUt  bcr  ©ntrourf  uebc^a^me 
eine  SlnjQ^t  bcftimmtcr  ©rünbc  auf,  ioeld^e  ben  t)on  bem  SSormunbfd^aftöj^  «*"«f  «»'* 
gcrid&tc  alö  5Bormunb  3luöcrroäf)Iten  unbcbingt  bcrcd^tigcn,  bic  Ucberna^me  """^*"^'- 
bcr  aSormunbfd^aft  abjulcl^ncn.  9lur  einjelnc  Siechte  (ücrgl.  j.  93.  bagr.  2.  SR. 
I,  7  §  21)  übcriaffen  in  biefcr  ^inftd^t  bic  ©ntfd^cibung  Icbiglid^  bem  freien 
©rmcffcn  ber  Dbcrüormunbfd^aft.  S)a  nad^  bem  ©ntmurfc  eine  ^Bcrpflid^tung, 
bic  aSormunbfd&aft  ju  übcrnei)mcn,  nur  für  bcnienigen  begrünbct  ift,  meldten 
baö  93ormunbfdE)aftögcrid&t  in  ©cmäfei^icit  beö  §  1638  alö  SSormunb  auömä^lt 
(§  1639),  bem  SSormunbfd^aftögcridötc  aber  bei  bcr  Sluöroal^l  fcinerici  bccngcnbc 
Sd^ranfen  gcjogcn  fmb,  fo  ift  ein  Söcbürfnife  nid^t  oorfianbcn,  befonbcrö  auö* 
jufprec^en,  bafe  ber  Siid^ter  auc^  bann,  wenn  einer  ber  gcfcglidE)en  Scfrciungö^^ 
grünbc  nid^t  oorlicgt,  berechtigt  fein  foll,  eine  ^crfon  auö  cr^ebUd^cn  (Srünbcn 
üon  bcr  Ucbernafimc  ber  SBormunbfd^aft  ju  cntbinben,  roie  bieö  j.  93.  in  ben 
f)anf cat.  58ormunbfc^af töorbnungcn  (lübedE .  $8orm.  D.  §  18  Slbf.  2 ;  brcm.  aSorm.  D. 
§  24  9lbf.  2 ;  ^amb.  93orm.  D.  2lrt.  17  3lbf.  2)  unb  in  bem  bapr.  entro.  airt.  40 
gefd^c^en  ift.  2)aö  gemeine  SRcd^t,  baö  franj.  SRcd^t  unb  bic  prcufe.  SSorm.  D. 
§  23  befdE)ränfcn  fid^  auf  bic  SttufftcUung  bcftimmtcr  ©rünbc  im  ©cfcße. 
ein  SBcbürfnife,  im  änfd^Iuife  an  baö  fäcftf.  ®.  93.  §  1897  bic  93eftlmmung 
aufjunclimcn,  ba%  ber  SRid^tcr  unter  befonbercn  Umftänbcn,  namcntlidö  in  ®r* 
mangclung  anberer  geeigneter  ^crfonen,  aud^  fold^c  ^crfonen,  meldten  ein 
9lblcf)nungägrunb  jur  Seite  ftc^t,  jur  Ueberna^mc  bcr  SSormunbfd^aft  anju- 
fialtcn  befugt  fein  foll,  liegt  nid^t  t)or. 

3m  Ucbrigcn  ift  ju  ben  cinjetncn  9lblcl)nungögrünbcn  nodö  S^Igcnbcö  «brc&nunfls« 
JU  bemerren.  «'^"'*' 

1.  S)er  im  §  1643  $Rr.  1  beftimmtc  2lblef)nungögrunb  fdjticöt  fic^  ber    S"»««- 
preufe.  aSorm.  D.  §  23  5Rr.  1  unb  bem  ba^r.  ®ntn).  9lrt.  39  5Rr.  1  an  unb 

SRotioe  ).  bürgerl.  (Bt\c%bü^.  lY.  68 


1074         23ormunbfd&aft  über  SKinberiä^rtöe.    3lbIc6nuno«re(]&t.    §  1643. 

cntfprid^t  bcr  ©ad^c  nad^  bem  gemeinen  Siedete,  rocld^eö  ber  üWutter  unb  ber 
©rogmuttcr  baö  Med^t  auf  Uebcrtragung  ber  SBormunbfd^aft  giebt,  ol^ne  ben« 
felben  eine  5ßflid^t  jur  Ucbema^me  aufjuerlegen.  ©injelne  (Sefe|e  Derfagen 
allerbingß  ber  3)lutter  beä  aWünbefe  ben  f)ier  fraglid^en  STblel^nungögrunb 
(ücrgl.  fäd^f.  ®.  93.  §  1897  3lx.  5;  rocimar.  ®cf.  t).  27.  aßärj  1872  §  35  SRr.  3, 
§  32  3lx.  1 ;  brem.  aSorm.  D.  §  23  lit.  a,  §  24),  5Bom  ©tanbpunfte  bcß  (SnU 
rourfeö  aus  ift  eine  fold^e  SÄuöna^me  inbcffen  burd^  ein  93ebürfni§  iebenfallö 
nid^t  geboten,  ba  ber  2Rutter  regetmäfeig  bie  elterlid^e  ©eroatt  suftel^t  unb  fie 
auf  biefe  nid&t  werjid^ten  fann. 
3urürf.  2.  Oemeinrcd^tltd^  ift  bcrjenigc,  roeldjer  ba§  ficbenjigftc  Sebendja^r  jurüdE^ 

fe^^Ä«  gelegt  l^at,  t)on  ber  SBerpflid^tung,  eine  SSormunbfc^aft  ju  übemel^men,  befreit. 
2eben«}a^r.  gjjijelne  5ßartifularred^te,  inöbefonbere  baö  roürttemb.  SRed&t  unb  pcrfd&iebenc 
ba^r.  Statuten,  l^aben  biefe  9llterögrenje  feftgel^alten.  dagegen  laffen  bie 
neueren  ©efefee  bie  Befreiung  regelmöfeig  frül^er  eintreten,  5um  Xf)dl  mit  bem 
äurüdEgelegten  fünfunbfed^öjigften  Äebensja^re  (code  civil  §ttrt.  433;  lübcdE. 
5Borm.  D.  §  18  5«r.  4;  ^eff.  ©ntro.  IV  3lrt.  35),  meiftenö  fd&on  mit  bem 
jurüdEgelegten  fcd^öjigften  Sebenöjal^re  (preuß.  31.  S.  91.  IT,  18  §  208;  prcu§. 
aSorm.  D.  §  23  3lx.  2 ;  öfterr.  ®.  93.  §  195 ;  fädjf.  ®.  93.  §  1897 ;  roeimar.  ®ef. 
0.  27.  aKärj  1872  §  35;  brem.  aSorm.  D.  §  24  lit.  c;  ^amb.  58orm.  D.  Slrt.  17 
9ir.  2;  bapr.  ©ntm.  2lrt.  39  5ßr.  2).  2)er  (gntrourf  f|at  f\ä)  ben  giedöten  bcr 
legten  ®ruppe  ongefc^Ioffen. 
»«ft^j  eigener  3.  S)er  im  §  1643  5lr.  3  beftimmte  9(blel^nungögrunb  red^tfertigt  fid^ 

burd^  bie  ®rmägung,  ba§  cö  unbillig  ift,  bemjenigen,  metd^em  bereits  im 
eigenen  §aufe  bie  Saft  ber  ©orge  für  eine  größere  Slnjalit  eigener  fiinbcr 
obliegt,  baneben  nod&  bie  Saft  aufjuerlegen,  für  frembe  kinber  forgen  ju 
muffen.  3m  Slnfd^luffe  an  baö  gemeine  SRed^t  tragen  aud^  bie  meiften  neueren 
®efefee,  inöbefonbere  bie  preug.  SSorm.  D.,  biefem  Silligfeitßgrunbe  Sled^nung 
(oergl.  preug.  91.  S.  SR.  II,  18  §  210;  preufe.  aSorm.  D.  §  23  3lx.  7 ;  öfterr.  ®.  93. 
§  195;  code  civü  2lrt.  436;  föd^f.  ®.  93.  §  1897  3lx.  3;  lübecf.  aSorm.  D.  §  18 
3lx.  1;  brem.  aSorm.  D.  §  24  lit.  a;  Ijamb.  aSorm.  D.  2lrt.  17  5Rr.  3;  ^eff. 
(gntro.  IV  Slrt.  35).  dagegen  ift  bem  meimar.  ®ef.  o.  27.  aWärj  1872  §  35 
unb  bem  haxjx.  ©ntro.  3lrt.  39  (pergl.  baju  aKotipc  ©.  63)  ber  ^ier  fragliche 
9lblel^nungögrunb  unbcfannt  ©in  93ebürfni6,  in  biefer  9lid^tung  eine  Slenbe^ 
rung  in  bem  l^ergebrad^ten  ©pfteme  ber  aSert^eilung  ber  öffentlichen  Saften 
eintreten  ju  laflen,  fann  inbeffen  nid^t  anerfannt  werben. 

2)te  ^a\)l  von  minbeftenö  fünf  Äinbern  entfprid^t  bem,  maß  bisher  bie 
JRegel  bilbete.  ©injelne  SRed^te  nennen  neben  Äinbem  aud&  @nfel,  jäl^len 
iiinber  eines  oorocrftorbenen  ^auöfol^neö  an  beffen  ©teile  mit,  ebenfo  bie  oor 
bem  geinbe  ober  im  Äriegöbienfte  beö  eigenen  Sanbeö  geftorbenen  ftinber  ober 
legen  SBerti^  barauf,  bafe  bie  Äinber  bejro.  ©nfel  noc^  unuerforgt  ftnb.  SUlc 
biefe  Unterfd^eibungen  fmb  im  Slnfd^luffe  an  bie  preu§.  aSorm.  D.  alö  entbel^rlid^ 
erad^tet.  2)ur(^  bie  93eftimmung  beö  §  1643  5Rr.  2  wirb  regelmäßig  bafi 
TOd^tige  getroffen. 

2)a6  legitimirte  unb  an  Hinbeöftatt  angenommene  Äinber  ben  e^elid^cn 
in  ber  l^ier  fraglid^en  ^infid^t  gleid&ftel^en,  ergicbt  fid^  aus  ben  93efiimmungen 
ber  §§  1579,  1583  9lbf.  2  unb  beö  §  1601  Slbf.  1.    Slnbererfeitö  ftnb  nad&  ber 


S3ormunbf(5aft  über  SKihbcrid^ctge.    ablc^nungSrcd&t.    §  1643.         1075 

ratio  bcr  SBcflimmung  für  bic  Iciblid^en  ßltcrn  bcrcn  ron  einem  ©ritten  an 
ftinbeöftott  angenommene  Äinber  in  Uebereinftimmung  mit  ber  preufe.  SBorm.  D. 
nid&t  in  Setrad^t  ju  jiel^en. 

4.  ®er  Slblel^nungögrunb  unter  3lr.  4  fd^Iiegt  fid^  an  ä^ntid^e  SBor*  Ärattr^ctt 
fd^riften  beö  gemeinen  Siedete«  unb  ber  meiften  neueren  ©efefegebungen  an  ©eb^e^e«. 
(oergl.  preufe.  31.  S.  91.  II,  18  §  209;  preug.  93orm.  D.  §  23  3lx.  4;  code  civü 

S[rt.  434;  lübect.  aSorm.  D.  §  18  3lx.  3;  ^omb.  aSorm.  D.  Skt.  17  5»r.  4; 
l^eff.  &ntm.  IV  STrt.  35). 

5.  3)er  im  §  1643  3lr.  5  anerfannte  9lbtel(inungögrunb  beruht  auf  ber  entfernter 
©rmägung,  bafe  bie  gül^rung  bcr  aSormunbfd^aft  jmar  nid^t  immer,  ober  bod^  »»^«f»»- 
in  bcr  SRegel  eine  unocrf|äItni§mä§ig  größere  Seläfligung  für  ben  aSormunb 

mit  fid^  bringt,  mcnn  er  genotl^igt  roirb,  mit  einem  fremben  Ocrid^te  ju  t)er* 
I^Qnbeln,  als  wenn  er  bie  ©efd^äfte  bei  bemienigcn  Ocrid&tc  erlebigen  fonn, 
roetd^eö  an  bem  Orte  feinen  ©ife  f)at,  auf  meieren  er  in  feinen  gcfd^äftlic^en 
©ejic^ungen  im  Mgemeinen  angemiefen  ift.  ®aö  ©ntfd^eibenbc  ift  ^iemad^ 
mcfentUd^  bie  ©ntfernung  bcö  ajormunbfd^aftögerid^teö  ron  bem  aCßol^nfiße  beö 
aSormunbeö.  Sd^on  baö  röm.  SWed^t  berüdrid&tigt  neben  bem  SKangel  beö 
©erid^tsjroangeö  ben  Umftanb,  bafe  ber  aSormunb  burd^  bic  aSerroaltung  ju 
©cfd&äftcn  in  entfernten  ©cgenbcn  genötl^igt  fein  mürbe.  3lud&  bas  franj.  9ltä)t 
trägt  ber  ©ntfernung  beö  5Bol^nfl6eö  in  gcroiffer  SBeife  Slcdönung  (code  civil 
airt.  432;  pcrgl.  aud^  l^eff.  entro.  IV  3lrt.  37).  S)aö  preufe.  31.  S.  91.  II,  18 
§§  150—154  geftattct  nur  auö  befonbercn  ©rünbcn,  anbere  ^JJerfoncn  alö 
©erid^töcingefeffcne  ju  SBormünbem  ju  bcftellen.  ®ie  preufe.  SBorm.  D.  §  23 
9lr.  5  ftcfjt  mit  bem  ©ntrourfe  im  ©inflangc.  ©rfafirungömäfeig  mirb  bem 
praftifc^en  S3ebürfnif[e  genügt,  oud&  wenn  man  ben  SBo^nfig  beö  SSormunbcö 
im  ^cjirfe  beö  93ormunbfd^aftögerid^teö  a(ö  baö  @ntfd^eibenbe  ^inftcUt. 

6.  aSSegcn  ber  Segrünbung  beö  im  §  1643  5Rr.  6  bcicid^neten  3lblel^nungö*  ©i<*eri^«. 
grunbeö  wirb  auf  bic  Sluöfü^rungcn  unter  9lr.  VII  ber  allgemeinen  Segrünbung    ^*'*""®' 
ju  biefem  Slbfd^nitte,  oben  ©.  1041  ff.,  Sejug  genommen. 

7.  S)ie  Söeftimmung  unter  3lx.  7  beö  §  1643  fd^liefet  fxd^  bem  fäd^f.  »eneaung 
®.  S3.  §  1897  9lr.  6  unb  bem  mcimar.  ®ef.  v.  27.  SWärj  1872  §  35  9lr.  4  „?rmuSl«. 
an  (ocrgl.  ferner  l^eff.  ©ntro.  IV  3lrt.  44  nebft  aWotioen  ©.  236).   ©ö  fönnte  ju 
großen  gärten  füfiren,  mcnn  3emanb  fid^  gefallen  laRen  müßte,  mit  einem 
Slnberen  jur  gemeinfc^aftlid^en  gü^rung  ber  SBormunbfd^aft  beftellt  ju  roerben 

(§  1652),  fomolil  mit  mdfx6)t  auf  bie  eigene  aSerantroortlid^fcit  (§  1696)  alö 
auf  bie  9lot^roenbigfeit,  in  feiner  Slmtöfü^rung  an  einen  il|m  rielleid^t  per* 
fontid^  unangencl[imen  unb  unbequemen  2Witoormunb  gebunben  ju  fein  (§  1652). 

8.  3)ie  Seftimmung  beö  §  1643  9lr.  8  bejmcdft  einen  ©d^uft  gegen  einegü^runfline^- 
unbillige  ^eranjie^ung  jum  SBormunbfd^aftöbicnfte  unb  entfprid^t  fil^nlid&en  im  ,JSJ|  ^afun 
gemeinen  Siedete  unb  in  ben  neueren  ©efegen   fid^  finbenben  SBorfd^riften  o»>er|jfiefl. 
(Dcrgl.  preufe.  31.  2.  %  II,  18  §  210;  preuß.  aSorm.  D.  §  23  3lr.  3;  öfterr.    ^*"^*"- 
®.  93.  §  195;  code  civil  Slrt.  435;  fäd&f.  ®.  93.  §  1897;  meimar.  ®ef.  o. 

27.  anärj  1872  §  35;  lübedE.  aSorm.  D.  §  18  9ir.  2;  brem.  aSorm.  D.  §  24 

lit.  b;  l^amb.  aSorm.  D.  Slrt.  17  3lr.  1;  ^ejf.  (gntm.  IV  Slrt.  35;  baDr.  (gntro. 

a^rt.  39  5Rr.  3). 

68* 


1076         aSormunbfd&aft  üBcr  SDWnbcriojriflc.    ^IBIe^nunöörcd&t.    §  1643. 

S)a§  fc^on  bte  ^ü^rung  von  jroei  SSomtunbfd^aften  Don  ber  Ueber^ 
nal^me  weiterer  SSortnunbfd&aften  befreien  foK,  ol^ne  Untcrfd^ieb  jroifd^en  ein* 
fad^en  unb  fd^roierigen  ober  lafticjen  SBormunbfd^aften,  ftel^t  insbcfonbere  mit 
bem  franj.  Siedete  unb  ber  preufe.  SBorm.  D.  im  (ginftonge.  Die  Oteid^ftellung 
einer  5ßfi[egfdE)aft  mit  einer  SBormunbfd^oft  in  ber  l^ier  fraglichen  Sejiel^ung 
red^tfertigt  pd^  boburdE),  bofe  bie  5ßf[egfd&aft  ron  ber  SBormunbfd^aft  begrifftid^ 
nid^t  rerfd^ieben  ift  unb  aud^  umfänglid^  ber  legieren  in  Dielen  ^aUtn  feines* 
roegä  nadE)ftel(|t.  9lud^  bie  preug.  SBorm.  D.  öat  93ormunbfc^aft  unb  ?ßfleg* 
fd^aft  in  biefer  ^infid^t  einanber  gleid^geftellt.  Dbn)o^l  biefe  ©lei^fteDung 
fd^on  ouß  bem  ^Prinjipe  beö  §  1743  abgeleitet  werben  fönnte,  fo  ift  eä  bocf^ 
im  Stttcreffe  ber  ©eutlid^leit  beö  ©efefeeö  als  rat^cim  erad^tet,  biefelbc  be* 
fonberö  ^eroorjul^eben,  um  feinen  S^^^i^t  barüber  ju  laffen,  bafe  aud&  ber* 
ienige  jur  3lblebnung  bcred^tigt  ift,  roeld^er  neben  einer  SSormunbfd^aft  eine 
5ßflegf(^aft  fü^rt. 
wic^berürf-  5luf  ber  anberen  ©eite  f olt  bagegen,  ebenfaltö  in  Uebereinftimmung  mit  ber 

ein«Xen.  Pteufe.  aSorm.  D.  §  23  2lbf.  2  —  obroobl  ber  ©inn  ber  legtcren  nidjt  unbeftritten 
Bormunb.  ift  —^  feie  gü^ruug  einer  ©egenoormunbfd^aft  nid^t  in  93etrad&t  fommen.   Ob 
^^^'     naä)  franj.  Siedete  bie  ©egenoormunbfd^aft  in  ber  l^ier  fraglidien  ^infid&t  ber 
aSormunbfd&aft  gleid^fte^t,  ift  beftritten.    pr  biefe  ©lei^ftcUung  Ififet  ftd^ 
allerbingö  geltenb  mad^en,  bafe  aud^  ber  ©egenoormunb  begriff lid^  SBormunb 
ift  unb  bie  Saft  ber  ©cfd^äfte  eineö  (Segent)ormunbeö  feincöroegs  eine  abfolut 
geringere  ift  alö  bie  eines  SSormunbeö,  mcnngleid^  fie  bei  einer  unb  berfelben 
SBormunbfd^aft  im  SBerpltnijfc  ju  ber  Saft  beö  üerroaltenben  SBormunbeä  bie 
geringere  ift.    3)iefe  ©efid^töpunfte  fönnen  inbeffen  gegenüber  ber  ©rrofigung, 
bafe  jene  (Sleid^ftellung  einen  aJlangel  an  SBormünbem,  inöbefonbere  an  gc* 
eigneten  ©egenwormünbern ,  l^erbeijufübren  bro^t,   als  burd^fc^lagenb  nicftt 
erad^tct  werben,  um  eine  Slbroeid^ung  non  ber  preufe.  SSorm.  D.  ju   red^t* 
fertigen,  jumal  bie  lefetcre,  fooiel  befannt,  in  biefer  ^infid&t  ju  aWifeftfinben 
nid^t  geführt  ^at. 
»ormunb*  ^iu  uul)  wieber  ift  in  ben  ©efegcn  auöbrüdflid^  beftimmt,  ba§  bie  SBor* 

ttb«r^1?!jrcre  ^"*^^f<^öf*  Über  mehrere  ©efd^miftcr,  folange  biefelbe  eine  einfieittic^e  SBer- 
öe^wiftci.  maltung  bilbe,  ate  eine  SSormunbfd^aft  gelten  foUe  (fäd^f.  ®.  S3.  §  1897 ;  l^eff. 
entw.  IV  3lrt.  35),  wä^renb  anberc  ©cfegc,  j.  93.  baö  franj.  SRed^t,  bieg  ftiü* 
fc^weigcnb  tjorauöfegen  (ocrgl.  aud^  bie  ajlotioe  beö  bapr.  ®ntw.  ju  2lrt.  39 
©.  63).  2)ie  grage,  unter  weld&en  SSorauöfegungen  bie  83erwaltung  in  bem 
l^ier  fraglidien  galle  alö  eine  einl^eitlid^e  betrad)tet  werben  fann,  läßt  ficf^ 
icbod^  nad^  praftifd^  braud^baren  Kriterien  nid^t  leidet  beantworten;  inö* 
befonbere  ift  eö  bcbenflic^,  allein  barauf  ©cwid^t  ju  legen,  ob  baö  JBermögen 
nod^  unget^eilt  (ocrgl.  fäcbf.  ®.  93.  §  1897 ;  l^cff.  (gntw.  IV  Slrt.  35)  ober  ob 
bem  Sßormunbe  eine  gemcinfd^aftli^e  ober  getrennte  9led^nungöfüf)rung  gc* 
ftattet  ift  (t)ergl.  §  5  Inst,  de  excus.  1,26;  1.  31  §  4  D.  de  excus.  27,  i). 
^an  benfe  nur  an  bie  fraft  ©efegcö  eintretcnbe  Si^l^eilung  ber  Slad&lafe* 
forberungcn  (§  2051)  unb  bie  oft  lebiglidE)  an^  S^JcdEmöfeigfeitörüctfid^ten 
ftattfinbcnbc  befonbere  SRecbnungöfütirung  für  meljrere  ©efd^wifter,  Umftfinbe, 
weld^c  gewiß  nid^t  immer  baju  nöt^igen,  bie  betrcffenbc  SSormunbfd&aft  nidbt 
me^r  als  eine  einl^citlid^ie  ju  bctrad^ten.    S)cr  §  1643  9lr,  8  beftimmt  beö^alb 


»ormunbf^aft  über  SKinberiaJriöc.    ablcjnuttflßre^t.    §  1644.         1077 

jur  Sefeitigung  von  Sxoex^tln  auöbrüdfßd^,  bofe  bie  aSortnunbfd^aft  ober  ?ßfleg* 
fd&aft  über  mel^rere  ©ef^roifter  als  eine  gilt,  ©in  SBebürfnife,  in  Slbroeid^ung 
von  ber  preufe.  SBorm.  D.  etwa  bemienigen  ein  Slble^nungöred^t  einjuräumen, 
roeld^er  eine  fünf  ober  mel^r  Ocfd^raifter  betreffcnbc  SBormunbfd^aft  ober  ^fleg* 
fd^Qft  fü^rt,  ^at  fid^  nid^t  füfjlbar  gemad^t,  Slud^  fonn  bie  Slnatogic  bcö  im 
§  1643  SRr.  3  beftimmten  Slble^nungögrunbefl  in  bicfer  Slllgemcin^eit  Qte  ju* 
treffenb  nid^t  anerfannt  werben. 


§  1644. 

®ie .  Seftimmung  beö  §  1644  Säbf.  1  fd^Uefet  ftd^i  eng  an  bie  preufe.  ^^^^'^ 
SBorm.  D.  §  23  9lbf.  3  an  (oergl,  ferner  1.  2,  1.  6  Cod.  de  excus.  5,  62 ;  ffid^f.  HbieS"2„gj! 
©.  93.  §  1898;  roeimar.  ®ef.  t).  27.  3Rärj  1872  §  36;  lübedE.  SSorm.  D.  §  19;  «**««• 
brem.  SBorm.  D.  §  25;  IjQmb.  33orm.  D.  Slrt.  17;  l^eff.  ©ntro.  IV  Slrt.  39; 
bapr.  ©ntro.  Slrt.  39).  ©iefelbe  red^tfertigt  fid^  aud^  inforocit,  als  ber  ®c[xd)i&^ 
punft  beö  aSerjid^teö  nid^t  jutrifft,  burd^  bie  ©rroägung,  ba§  ein  SBed^fet  beö 
einmal  beftcllten  SBormunbefi  im  Sntcreffe  ber  Dormunbfd^aftUd^en  SBerroaltung 
mogtid^ft  ju  Dermciben  ift.  2)er  SBeftimmung  einer  grift,  binnen  roctd^er  baö 
Slbte^nungöred^t  gegenüber  bem  SRid^ter  geltenb  ju  mad^en  ift,  bebarf  eö  nidE)t. 
®a  es  fid^  bei  ber  Ucbcma^mc  ber  SBormunbfd&aft  um  bie  ©rfüllung  einer 
offentUd&en  SSerpflid^tung  gegenüber  ber  ©taatßgeroalt  I)anbelt,  fo  l^aben  ®r^ 
flfirungen  bcö  ate  SSormunb  Sluögemä^Iten,  burd^  mcld^ie  er  bie  Ucbcrna^me 
ber  aSormunbfd^aft  gegenüber  ben  Slngc^örigen,  inöbefonbcre  bem  SSater, 
beö  3Rünbe(ö  nerfprod^en  \)at  (ocrgl.  1.  15  §  1  D.  de  excus.  27,  i;  §  9 
Inst,  de  excus.  1,25),  bcn  SBerluft  bcö  9lblel)nungörec^tcö  nid^t  jur  golge. 
JRid^tiger  ift  cö,  berartigen  ©rHörungen  nur  eine  moralifd^e  Sebeutung 
bcijulegen. 

®ie  (Sntfd^eibung  über  baö  SSorl^anbenfein  eincö  Slblel^nungögrunbeö  SuftÄnbigfeit 
ftel^t  bem  SBormunbfd^aftögerid^te  ju.    2)er  ^rojefemeg  (Dcrgl.  preug.  9t.  fi.  SR.  ^ft^eiLng"*' 
II,  18  §  203)  über  biefe  grage  foll  nid^t  5utäffig  fein.    Snroierocit  bem  93c* 
tl^eiligten  gegen  bie  ben  geltenb  gemad^ten  Slbtel^nungögrunb  nerroerfenbe  93er* 
fügung  ein  SRed^tömittel  iuftel)t,  rid^tet   pd^,  fofern  in  bicfer  93cjiel^ung  in 
einem  ®efc|e  über  baö  SBerfa^ren  befonbcre  reid^ögcfe|lid^e  93orfd&riften  nic^t 
erlaffcn  werben,  nad^  ben  £anbeögcfe|en.    Ungead^tct  ber  gegen  bie  93erfügung  „^J^*"?me 
beö  SBormunbfc^aftögcrid^teö  julftffigen  Med^tömittel  foU  aber  ber  Slble^ncnbeberöonnunb. 
ijerpflid^tct  fein,  auf  ©rforbcm  bcö  93ormunbf^aftögerid^teö  bie  9Sormunbfd[iaft     ^^*^- 
t)orläufig  ju  überncl^men,  ba  baö  ©crid^t  in  ber  2age  fein  mug,  unter  allen 
Umftfinben  fofort  einen  9Sormunb  beftcllen  ju  tonnen,  eine  prattifd&e  ?lotl^' 
menbigfeit,  meiere  ba&  geltenbe  SRed^t  regelmäßig  baburd^  anerfannt  ^at,  baß 
cö  ber  93efdön)erbc  in  9Sormunbfd&aftöfad^en  auffd^icbcnbe  SGBirfung  nid^t  bei* 
legt.    93eftimmungen  ä^nlid^er  9Irt,  wie  bie  l)ier  fraglid^c,  finben  fi^  inö* 
befonbcre  im  franj.  SRcd^tc  (code  civil  3lrt.  440)  unb  in  ben  ^anfeat.  9Sormunb* 
fd^aftöorbnungen  (lübcdE.  aSorm.  D.  §  21 ;  brem.  SBorm.  0.  §  26 ;  ^amb.  SBorm.  D. 
3lrt.  17  2lbf.  3). 


1078     aSormunbWaft  über  SKinbcriätriöe,  SScftcKunö  beö  SSonnunbcö.  §1645. 

§  1645. 

öefteaungbeft  3laä)  bctit  §  1645  9lbf.  1  ftcllt  bie  ©cftcBung  bcö  SBormunbcö  fi(J  nid^t 

«omiunbeä.  ^jg  ^^^  ^^j^  citifeitifler  Seftätigungöaft  beö  SBomtunbfd^aftöflcridötcß  bor,  fonbcm 

als  ein  fold&cr  9lft,  burd^  roeld^cn  bcr  SSormunb,  roälircnb  er  bie  rid^tcrlid^e 

SBeftätigung  crJ^fttt,  gteid^ijcitig  bcroufet  unb  formell  freiwillig  boö  ämt  bcfi 

aSortnunbeö  übernimmt.    ®iefe  Sttuffoffung  ift  oUcrbingö  nic^t  bie  beö  rom. 

unb  gemeinen  SRed^teö;  rielme^r  erf^eint  nad^  jenem  bie  obrigfeitlid^e  S3c^ 

rufung,  nad^  biefem  bie  Seftätigung  olö  ein  cinfeitiger  3ßt  ber  Scl^orbe;  baö 

Slmt  beö  aSormunbeö  wirb  bort  burd^  bcn  S3efe^t  beö  SRagiftroteö,  l^ier  burd& 

bie  Eröffnung  ober  Sel^änbigung  ber  Seftätigungöücrfügung  begrünbet.    3)ie 

S3eftellung  ift  l^ier  ctmaö  Don  bcr  SBerpflid&tung  an  ftdd  SSerfd^icbeneö,  U)eI(Jeö 

ber  S^it  nad&  begrifflich  nid^t  pfammenjufallen  brandet,    ©benfo  liegt  bie 

©Qd^e  n)of)[  mä)  bem  fronj.  SRed^tc,  roeld^eö  auf  bie  ©rncnnung  boö  ent* 

fd^eibenbe  ©croid^t  legt  (code  civil  9lrt.  418,  438,  439;  t)ergf.  Qud&  bab.  ®ef. 

t).  6.  gcbruar  1879  §  21).    dagegen  l^oben  bie  meiften  neueren  ©efcfegebungen 

bie  rid^tcrlid^c  Seftötigung  unb  bie  SSerpflid&tung,  burd&  rocld^c  bcr  SSormunb 

aud^  feinerfeitö  bie  SBormunbfd^oft  übernefimcn  ju  wollen  erflört,  begrifflid&  in 

eiaien  9ßt  Dcrfd^moljen  (oergt.  preufe.  21.  S.  31.  II,  18  §  220 ;  preufe.  83orm.  D. 

§  24  aibf.  1;  fäd&f.  0.  ».  §§  1900,  1901  nebft  ber  föd^f.  prooif.  ®er.  D.  §  42; 

mürttcmb.  JRed^t;  fieff.  ©ntm.  IV  3lrt.  22;  bav)v.  (Sntn).  3lrt.  52,  53). 

gormberJBer-  Sttulangcnb  bic  gorm  ber  aSerpfüd^tung,  fo  fd^reibt  baö  gemeine  Siedet 

Pfiic^tung.  jjj^  g3ecibigung  beö  SBormunbcö  üor  (t)ergl.  auö)  fiomb.  SSorm.  D.  9rrt.  13; 

l^cff.  ®ntn).  IV  2lrt.  22).    Wogegen  erfolgt  nod^  ben  meiften  neueren  ©cfefeen 

bie  aSerpflid^tung  mittelö  ^anbfd^lagcö  an  ©ibeöftatt  (preufe.  91.  S.  M.  II,  18 

§  220;  prcufe.  aSorm.  D.  §  24  3lbf.  1;  lübedf.  SSorm.  D.  §  14;  brem.  aSorm.  O. 

§  24)  ober  burc^  ©elobcn  on  ®ibeöftatt  (mürttemb.  $Red6t ;  ba^r.  ©ntm.  3lrt.  52). 

©injctne  ©efege  begnügen  fid^  mit  einem  einfad^en  ©elübbe  mittelö  ^anb? 

fd)lageö  (öftcrr.  ©.  93.  §  205;  fäd^f.  prooif.  ©er.  D.  §  42;  roeimor.  ©ef.  v. 

27.  aWärj  1872  §  39). 

S)er  ©ntrourf  f)at  fid^  aud^  in  bicfcr  Scjie^ung  an  bie  preufe.  SBorm.  D. 
angefd^toffen.  SBenngleid^  bie  SBcrleßung  beö  üorgefd^riebenen  eibeöftattlid^en 
Slngclöbniffeö  ftrafred^tlid^e  folgen  nidbt  nac^  fic^  jiel^t ,  fo  ift  bod&  bic  Sei* 
befialtung  biefcr  quo  ber  gcmeinred^ttid^en  ^ßröjiö  in  böö  preufe.  91.  S.  9?.  unb 
auö  biefem  in  bie  preu§.  SSorm.  D.  übergegangenen  unb  aud^  in  anberen  SRcd&tö* 
gebieten  feftgeljaltenen  9lrt  bcö  9lngelöbniffcö  bei  ber  SSerpflic^tung  bcö  aSor* 
munbcö  roegen  ber  barin  cntljaltcnen  ^inroeifung  auf  bie  bem  ßibe  glcid^^ 
ftef)cnbc  fittlid&e  Sebcutung  beö  ©etöbnifSeö  alö  augemeffcn  erad^tet,  STud^ 
üom  praftifd^cn  ©tanbpunfte  auö  ift  bie  Beibehaltung  beö  ©ibcömomenteö 
Icincörocgö  uncrf)cbtid^.  2Bic  bie  S)ingc  jur  3^it  "o^  Dielfad&  liegen,  bilbet 
bcr  gclciftcte  ®ib  jiDcifctloö  einen  ©d^u^  für  bie  aSormünbcr  felbft,  inbcm  bie^ 
felbcn  gegenüber  ©ritten  crfalirungömäßig  gern  auf  i^ren  @ib  [xä)  berufen, 
um  bic  it)nen  gcmad)ten  3ii"iiitl^ungcn,  inöbcfonbcrc  bie  i^nen  auf  Jloften  beö 
SDiünbcfö  oft  angcfonnencn  flcinen  ©cfölligtcitcn  an  9Jad&barn  ober  ^^Srosefe« 
gcgncr,  abjufd^lagen.  9hif  ber  anberen  Seite  empfiet)lt  eö  fic^  nic^t,  ftatt  bcr 
iöerpflicfitung  mittelö  .^anbfdjlagcö  an  ©ibcöftatt  bie  SSerpflid^tung  mittelö 


^ 


ouf  b\e  aSergangen^eit  begtefit,  in  bem  ^ier  in  3iebe  ftefienben  galle  es  f«^ 
aber  um  ein  ätngelöbnig  fQr  bie  3utunft  fianbelt.  £aju  fomtnt,  bag  boiS  91ns 
getöbnife  mittel«  §anbf(^Iagc«  einer  alten  Sitte  unb  übetroiegenb  bem  geltenben 
aiet^te  entfprtc^t. 

Sie  ^eftimmung  bee  g  1645  ^bf.  2  ftimmt  im  SBefentUdicn  mit  ber  «(paDung. 
pteu^.  aSonn.  O.  §  24  9Ibf.  2  überein.  SIucE»  nod&  gemeinem  9te(f)te  unb  ben 
meiften  neueren  ®efe(;en  roirb  bem  58ormunbe  eine  Urfunbe  über  bie  erfolgte 
Seftellung  Dom  ©etidite  nuögeftellt,  ous  roetdier  bie  für  bie  SierljältnifTe  ber 
9äormunbfd&aft  ooi^ugflnieife  roicfitigen  Umftönbe  erfi^tli^  fein  foUen  (oergl. 
fQ#  0.  S8.  §  1901;  roeimnr.  @ef.  u.  27.  aWürj  1872  §  40;  lüberf.  aSorm.  0. 
§  15;  brem.  «orm.  D.  §  32;  ^amb.  Sßorm.  O.  9trt.  14;  öfterr.  ®.  ©.  §  206; 
lieff.  entro.  IV  9[rt.  22). 

Sie  bem  Sionnunbe  ausge!)äiibigtc  Seftollung  fiat  nac^  ollgemeinen  flmatut  ut 
Orunbfäßen  an  fi*  nur  bie  SBebeutung  eine«  9erid)tlicl)cn  Beugniftea,  bafe  bie  »'«"""'ft 
barin  bejeic^nete  ^rfon  nac^  3J!a6gabe  bes  ^n^oltc«  ber  Seftallung  nis  Soor' 
munb  bcflellt  roorben  ift,  nit^t  ober  ben  Karofter  einer  felbftänbigen  ©r* 
mäi^tigung  jum  atbfd&Iuffe  tion  9tect)tSgefdi(iften,  eines  iiegitimationSpapiercS 
in  bem  ©inne,  bofe  ber  gutgliSubige  ©ritte,  roett^er  auf  ®runb  ber  i^m  von 
gelegten  ^eftoUnng  mit  bem  SSormunbe  auf  Steditsgefdiäfte  fii^  einläßt,  gegen 
injioifdieH  eingetretene,  ou«  ber  SBeftaHung  [i^  nictit  ergebeube  Slenberungen 
ber  aSertretungämac^t  bes  in  ber  BeftaUung  beäeicfinelen  58ormunbe«  gefi^u|t 
loirb,  ber  aJiünbel  mitfjin  bie  bomit  nerbunbenen  noi^tljciligen  golgcn  ju 
tragen  l)at,  2)te  Seftallung  ganj  allgemein  mie  eine  SoUrnadit  ju  betianbeln 
unb  bie  Siorfi^riften  bc«  §  121  auf  bie  öeftallung  für  entfpredjenb  anrocnbbor 
8u  erflären,  mürbe  jebenfallä  ju  roeit  ge^en.  Sie  lätnalogie  fiitirt  an  fic^  nidit 
ju  einer  (oli^en  aiuSbe&nung.  Sic  ©ac^tage  tft  bei  ber  aüoIJmat^t  unb  ber 
^u«l)änbtgung  ber  Seftottung  nidit  bie  gleite.  Sie  SSeftellung  eines  ScdoU= 
mäct)tigten  unb  bie  Slus^änbigung  einer  aJoUmat^iläurEunbe  beruht  auf  bem 
eigenen  Tillen  bes  SSoIImai^tgeber«.  ^^m  roirb  badcr  nii^t  ju  naEje  getreten, 
nienn  er  bie  mit  ber  Slusftellung  einer  foliftcn  Urfuiibe  oerbunbenen  ®efat)ren 
für  bie  aUerte^rsri^erlieit  ju  tragen  tiat,  jumat  bie  bircHe  Stell  Dertrcfiing  fic^ 
a(«  ein  pofitiDes,  rorjugsroeifc  bem  3ntcre((e  beö  ajollmac^tgeberä  bienenbc« 
3nftitut  borftellt.  Sei  ber  2Bal)[  bes  Süormunbee  unb  ber  9Iu6t)änbigung  ber 
SöefioUung  ift  bogegen  ber  'iÖJünbel  felbft  nftio  nic^t  bctE)ci(igt  unb  bei  ber 
©eftaltung  bes  SBormunbfd)aftSrec[)teS  mufe  in  erfter  ^tnic  bas  3ntcrcffe  be« 
ÜJlünbels  mafegebenb  fein.  Saju  Tommt,  bafe  bem  geltenben  9!ed)tc  bie  Be^ 
^onbtuitg  bei  Seflaüung  noi^  ben  (^nmbfäjcn  ber  ^ollmoc^t  unbe!ünnt  ift. 
Snsbefonbere  Tann,  fooiel  baö  gemeine  iRcc^t  betrifft,  ouS  ber  1.  14  §§  1,  2 
D.  de  solut  40,  s  ber  ©a^,  bafe  gutgläubige  Srittc  ju  fi^ü^en  feien,  nidjt 
f)ergelcitet  roerben.  ebenforoenig  ^at  nai^  bei  preuß.  a^Sorm.  O.  bie  ©eftaUung 
ben  Äaraftcr  einer  ajoUniocfit.  *^enigftetis  ift  bieß  bie  Ijerrfc^enbc  ainftd)t. 
Saraus,  baß  bie  Scflallung  nidjt  ben  Harnfter  eines  Segitimationapapicrcs 
lint.  llrtbcU  fidi  '  ■..  iii.'lmli.liLii  'fHiriiiu  llii;iitni(ili(iifcitfn  unb  Sdnuimg- 
feiltn   in  Vluji'!  !;!i;i.  v,i   'ji  ii:iij::uLi^';i  :.ü   -L-,.;i!iinDco,  m[d)i  M}u\  briiiigcn. 


1 080    aSormunbf 4af t  üBcr  aWinbcriaJrifle.  »efteHung  bc»  SBormunbeß.  §  1645, 

im  Sntercffc  bcr  ©id^erfieit  beö  ^crlcl^rcÄ  unb  im  eigenen  3*itcrcjfe  befi 
SRünbelö  bo«  beftcf)cnbc  SRcd^t  in  biefer  SRid^tung  ju  änbern,  nid^t  ergeben. 
3m  gemöl^nlici^en  ^^erlel^re  Dertraut  man  ber  in  ben  ^finben  bed  SBormunbed 
befinbUd^en  ^eftallung^  ba  bie  %&U^,  in  meldten  biefelbe  bem  n>ii:fßc^en  @ad^ 
oer^ade  nid^t  entfpric^t  unb  t)on  bem  barin  bejeic^neten  SSormunbe  migbraud^t 
wirb,  nur  feiten  fmb.  Sw^^if^I^^ft^^  f^^^  ^  f^i"/  ob  nid^t  mit  SRüdEjtd^t 
auf  [old^e  ?{älle,  in  meldten  ber  SSormunb  ein  ©rroerbögcfd^äft  im  5Ramcn  beö 
aWünbcIö  betreibt,  foroie  im  ipinblidfe  auf  ben  SSerfel^r  mit  Beamten,  ©par^ 
f äffen,  hinter legungöftellen  unb  anbcren  berartigen  3nftituten,  bei  meldten 
burc^  bie  SKenge  ber  ©cfd&äftc  bie  Prüfung  ber  Segitimation  erfd^roert,  anberer* 
feitd  bei  Prüfung  ber  Segitimationdfrage  Dorftd^tiger  p  SBerfe  gegangen  mirb, 
ein  Sebürfniß  anjuerfenncn  ift,  bem  SBormunbfd^aftögerid^te  bie  Sefugnife  bei* 
julegen,  in  größerem  ober  geringerem  Umfange  jum  3"^^^^  ^^  Segitimation 
beö  SBormunbcö  neben  ber  Scftallung  bem  SSormunbe  ein  gerid^tUc^ed  ScwS^^ife 
über  beffen  93ertretungdmad^t  mit  ber  äSirfung  audjuftellen,  bag  fp&ter  eim 
getretene  Slenberungen  ber  ^ertretungdmad^t  gegenüber  bem  gutgläubigen 
dritten  nid^t  in  ©etrod^t  fommcn  (t)ergl.  ®cf.  über  bie  eingefd^riebencn 
^ülföfaffen  d.  7.  Slpril  1876  §  17  2tbf.  2;  Oero.  O.  §  101  3lbf.  3,  §  104  i 
Slbf.  2;  Unfatoerfic^erungögcf.  v.  6.  3«H  1884  §  23  3lbf.  3).  Snbcffen  fprid^t 
aud^  gegen  eine  bcrartige  Seftimmung,  ba§  fie  gegenüber  bem  gelteriben  9led^te 
eine  Steuerung  entl^ält  unb  baö  Sebürfnife  einer  Slenberung  beöfelben  ouc^ 
infomeit  fid^  nid^t  ober  bod^  menigftend  nid^t  in  befonberd  l^eroorragenber 
2Beife  fül^Ibar  gemad^t  f|at.  @ö  ift  nid^t  ju  beforgen,  bafe  in  ©rmangelung 
eines  fo(d(|cn  Scgitimationßpapiereö  bie  l^icr  in  Sctrac^t  lommenben  Sßcrfel^rd' 
inftitute  ftd^  jum  9ladötl(|eile  ber  2Wünbel  auf  Oefd^äfte  mit  ben  nur  mit  einer 
geroöfinlicften  93eftallung  auögeftatteten  SBormünbcrn  nid^t  einlaffen  merben. 
Slöt^igenfallfi  fann  auc^  auf  bem  SBege  geholfen  werben,  ba§  ber  SBormunb 
jum  Qxocdt  ber  SBornal^me  bcr  ^ier  fragUdE)cn  Oefd^öfte  einem  9lnberen  Sßoll* 
mad^t  ert^eilt  unb  unter  ber  93oDmac^töurhinbe  baö  ^ormunbfc^aftdgerid^t 
bie  Segitimation  beö  3luöftenerö  alö  33ormunbeö  jur  geit  ber  3luöfteUung  ber 
^oUmad^töurfunbe  bejeugt.  ^a  eine  f old^e  SSoIImac^t  nid^t  mit  ber  ^cenbigung 
beö  üormunbfd^aftlid^en  3lmteö  beö  SluöfteUcrö  erlifd^t,  fo  geniefet  ber  3)ritte, 
meld&er  ftd^  in  gutem  (Stauben  mit  einem  fold^en  33et^ciligten  einläßt,  ben 
8d^u^,  meldten  bie  aSorfd^riften  beö  §  121  einem  ©ritten  gemäl^ren.  ©in 
SJebürfniß,  jum  3w)edfe  ber  Segitimation  beö  SSormunbeö  ein  befonberc« 
Segitimationöpapier  }u  fd^affen,  ift  um  fo  weniger  anjuerfennen,  alö  aud^ 
bie  Segitimation  beö  3nt)aberö  ber  elterUd^en  ©emalt,  beö  gefefilid^en  SJer* 
treterö  ber  juriftifc^en  ^^^crfonen  unb  beö  Äonfuröoerroalterö  fid^  lebiglicft  nad^ 
ben  allgemeinen  ®runbfä|cn  rid^tct.  3^^  beachten  ift  ferner,  baß,  abgefel^cn 
oon  einer  geroiffcn  ®efäl)rbung  beö  9Künbetö,  eine  beftimmte  2lbgrenjung  ber 
gällc,  in  meldten  baö  SSormunbfd^aftögeriddt  eine  fold^e  Urhinbe  auöjufteUen 
l^at,  untf)unlid^  ift  unb  baß,  roenn  man  bem  SBormunbfd^aftögerid^te  bie  alt 
gemeine  SBefugniß  beilegt,  bem  ajormunbe  jum  3roecfe  feiner  Segitimation  für 
einjclne  ober  mclirerc  beftimmte  SRed^tögefd^äfte  eine  befonbere  Urfunbe  ouö^ 
5uftcIIen,  bie  ©cfalir  na^e  liegt,  baß  im  ^erfel^re  mit  SSormünbcm  ftc^  bie 
^^rajiö  bilbct,  bc^ufö  größerer  @id&crf)eit  allgemein  auf  Vorlegung  einer 


S3ormimbf(i6aft  üBcr  ÜRlnberia^riflc.  nnfä^ißfett  jc.  fflcbcutung.  §1646.     1081 

fold^cn  Urfunbc  ju  bcftcl^en,  road  ju  einer  ßtofecn  SBetäftigung  ber  aSormunb== 
fc^aftößerid^te  unb  einer  erl^cblid^en  JBermel^rung  iljrcr  aSeranhüortüd^feit  ju 
führen  brol^t. 

§  1646. 

®ie  Seftimmung  bcö  §  1646  9lbf.  1,  roeld^e  fic^  ber  preufe.  SBorm.  D.  »ebeutung 
§25  äbf.  1  onfc^Iiefet,  ergiebt  fic^  aus  bem  5Be[cn  ber  ®ef(^äftfiunfät)ig!cit  ftS 
Don  fclbft  (ocrgl.  §  64).  3m  Uebrigen  follen  mäf  §  1646  3lbf.  2,  ebenfallß  in 
Uebcreinflimmung  mit  ber  preufe.  SSorm.  0.  §  25  Slbf.  3,  bie  im  §  1640  be^ 
jeid^neten  Unfal^iglcitegrünbe  fomic  ber  aKangel  ber  naä)  ber  SBorfd^rift  beß 
§  1641  erforberüd^en  3uftimmiing  beö  (Sl^emanneö  ober  ber  in  OemÄfe^cit  ber 
Seftimmung  bcö  §  1642  erforberlid^en  ©riaubnife  auf  bic  ©ültigteit  ber  SBe* 
fteUung  ol^nc  ©influfe  fein  unb  ber  SeftcIItc  bie  SSormunbfc^aft  fo  lange  führen, 
bid  er  enllaffcn  ift  (§  1705  9lr.  2,  3).  ßö  entfpridöt  bieö  ber  öffentfid^red^t^ 
lid&cn  ©teUung  beö  aSormunbeö  unb  bem  bem  ©ntrourfe  ju  ©runbe  licgenben 
Seftellungöprinjipe.  6d  wirb  burd^  biefe  9lrt  ber  Siegelung  jubem  bie  ©efa^r 
t)crmieben,  baß  bie  9ied&töl^anblungen  beö  beftcUten  SSormunbeß  rocgen  eineö 
unbefannt  gebliebenen  Unfo^igteitegrunbeö  fpätcr  als  l^infällig  fid^  erroeifen, 
eine  Oefafir,  beren  SBermcibung  nid^t  nur  im  Sntereffe  2)ritter,  fonbern  aud^ 
im  eigenen  Sntereffc  bcö  SMünbelö  liegt,  unb  roeld^e  iebcnfaHö  weit  größer  ift, 
alö  bie  ®efal^r,  meld&e  bem  SRünbel  barauö  ermad&fen  fonn,  bafe  im  ein jelnen  gaUc 
DicDcid^t  ein  in  ber  ®efd^äftfifät)igfeit  Sefc^ränf ter  ober  eine  ^^Jerfon  alö  SSormunb 
befteUt  ift,  meldte  fid^  nid&t  im  S3efifte  ber  bürgerlid^en  ®f|renred^te  befinbet.  Ob 
bie  für  biefen  tefeteren  gall  im  §  34  3lx.  6  beö  ©tr.  ®.  33.  beftimmte  Unfä^igfeit, 
SSormunb  iu  fein,  in  bcmfelben  ©inne  aufjufaffen  ift,  roie  bieö.nad^  bcmßnt* 
murfe  ber  gall,  fann  f)ier  bal)ingeftellt  bleiben.  SBöllig  abroeid^enbe,  Ijingefe^en 
auf  ifire  praftifd^e  33raud^barfeit  inbcffen  crl^eblid^en  SBebenfen  unterlicgenbc 
®runbfä|e  enthält  in  ber  ^ier  fraglid&en  3lid^tung  bafi  gemeine  3ied^t,  roetd^eö 
jmifd^en  Unfäfiigfeitögrünbcn  unb  Untauglid^feitögrünben  unterfd&eibet.  S)ie 
Unfai^igfeitögrünbe  bcÄ  gemeinen  SRed^teö  finb  burd^auö  pofitioer  9iatur.  Um 
fällig  ftnb  grauen,  SRinbcriä^rige  unb  ©olbaten,  roä^renb  j.  93.  ber  ®eifteö^ 
tranfe  nur  untauglich  ift.  2)ie  Seftellung  eineö  unfäl^igen  SSormunbeö  ift 
nid^tig.  Slud^  nad^  franj.  SWec^te  fmb  9ied^tÄ^anblungen,  meldte  ein  jur 
gü^rung  ber  SBormunbfd^aft  Unfähiger  ober  ein  üon  ber  SSormimbfd^aft 
3luögcfc^loffener  (code  civil  3Irt.  442— 444)  alö  SSormunb  rorgenommen  ^at, 
unmirffam. 

Slnlangenb  bie  gragen,  ob  bie  33eftellung  eines  SBormunbeS  in  ©rmange*  swanoei  ber 
lung  ber  gefeßlid^en  SBorausfefeungen  für  bie  Slnorbnung  einer  SBormunbfd^aft    f^ungjji 
(§  1633)  bejm.  bann  als  nid^tig  anjufe^cn  ift,  wenn  bereits  ein  SBormunb  be*  J^JJJ^  ®!^^' 
ftcUt  mar  unb  bie  93eftellung  eines  jroeiten  SSormunbcS  nur  in  bem  Srrtftume """ 
erfolgte,  baß  ber  SKünbel  nod^  unbeoormunbet  fei  (pergl.  ©ntfd^.  b.  51.  ®.  in 
ffiipilf.  IX,  45  ©.  183,  XIV,  71,  in  ©traf f.  XI,  55  ©.  201),  fo  fxnb  biefe 
gragen,  fomie  bie  grage,  ob  bie  Unjuftänbigfeit  bes  beftellenben  ®crid^tes  bie 
SWid^tigfeit  ber  33eftellung  jur  golge  l^at  ober  nid&t,  foroeit  nötl)ig,  in  bem 
®efc6e  über  bas  JBerfal^ren  ju  entfd^eiben. 


1082  aSormunbf dfeaft  2c.  ©eflcnbormunb.  ©tcKuiiöbcßSSormunbc«.  §§1647,1648. 

§  1647. 

»efteüunfl  SBcgeit  bcr  93eörünbung  bcr  SBorfd^riftcn  beö  §1647  2lbf.  1,  2  loirb  auf 

Tormu^Sa"*  bie  Sluöfüfirungcn  unter  9ir.  V  bcr  allgemeinen  SBegrünbung  bicfeö  Slbfd^nittcö, 
oben  ©.  1032  ff.,  uerroiefcn. 

2)ie  SBorfd^riften  beö  §  1647  W)\.  3,  4  fmb  ber  preug.  33orm.  D.  §  26 
W)l  3,  5  nad^gebilbet. 

II.  Sit^rung  ber  9Si)nitiiiibfd|aft 

§  1648. 
?fii<^tcn  unb  3)er  §  1648  ©Qfe  1  bringt  einerfeitö  boö  5ßrinjip  ber  ©clbftänbiflfeit  beö 

aomunbc*.  SSomtunbcö  gegenüber  ber  Dberüormunbfd^aft  (oergt.  in  biefcr  ^infid^t  9ir.  n 
ber  aDgetncinen  SBegrünbung  biefeö  Slbfd^nitteö,  oben  S.  1022  ff.),  anbercr^ 
feitö  baö  SBefen  ber  SBormunbfd^aft  als  ber  allgemeinen  gürforge  im  Oegenfa^c 
ju  ber  auf  befonbere  3rnge(egeni)citen  befd^ränften  ^ßPcgfd^aft  oorjugöroeife  jum 
SluSbrucfe  (oergl.  3lv.  VIII  bcr  allgemeinen  SBcgrünbung,  oben  ©.  1043  ff.), 
©einem  Sn^altc  nadE)  ftimmt  bcr  Dormunbfd^aftUc^e  ©d&ug  ganj  mit  bemienigcn 
©d^uge  überein,  roet(^er  bem  SKinbcrjöl^rigen  regelmäßig  burd^  bie  elterliche 
(Seroalt  ju  S^fieil  roirb  (§  1502  9lr.  1) ;  er  begreift  foroo^l  bie  ©orge  für  bie 
^^erf on  als  für  baö  SSermogen  beö  SMünbclö.  3n  biefer  SBeife  roirb  ber  3nl^att 
beö  üormunbfd^aftlidöen  ©c^ugeö  unb  bcmgcmöfe  ber  Umfang  ber  ^ßflid^tcn  unb 
SRed^te  beö  SSormunbeö  aud^  oon  bcn  beftclienben  ©efegen  übereinftimmcnb  be* 
ftimmt  (oergt.  preufe.  a3orm.D.  §27;  preu§.  91.  S.31.  II,  18  §231;  ofterr. 
®.  33.  §  188;  fäd^f.  ®.  93.  §§  1922  ff.,  1926  ff.;  rocimar.  ®ef.  o.  27.  SRärj 
1872  §§  41,  49,  51;  code  civil  9lrt.  450;  lübedf.  SSorm.  D.  §  25;  brem. 
aSorm.  D.  §  29;  fiamb.  SSorm.  D.  3lrt.  19;  öejf.  ©ntro.  IV  3lrt.  43,  54;  bagr. 
entro.  3lrt.  59,  63). 

2lnlangcnb  bie  ©orge  für  baö  9Sermögen  beö  SWünbelö,  fo  l(|ot  felbft* 
ücrftänblid^  in  2lnfel^ung  einer  betjormunbettn  ß^efrau  bcr  SBormunb  bie 
5ßftid^t  unb  baö  SRed&t,  für  baö  SSermögen  berfelben  ju  forgen,  nur  unbefc^abet 
ber  bem  ©bemanne  nad^  Sßaggabe  beö  et)etid&cn  ©ütcrftanbeö  iuftc^enben 
SRed^te  (t)ergl.  bie  a«otit)c  ju  §  1509  ©.  759). 
*1ei[L^"'  S)ie  a3orfd)rift  beö  §  1648  ©afe  2  ift  eine  Äonfcquens  beö  ScftcUungö* 

prinjipeö  (t)ergt.  9Jr.  VI  ber  allgemeinen  93egrünbung,  oben  ©.  1034  ff.;  ofterr. 
®.  33.  §  204;  preufe.  5Borm.  D.  §  32  3lbf.  2;  bab.  ©ef.  o.  6.  gebruar  1879  §  21; 
f)eff.  ©ntro.  IV  3lrt.  22;  bax)x.  ©ntro.  2lrt.  41).  ein  »cbürfnife,  nad^  bem 
aSorgange  einzelner  3led&te  (preufe.  91.  S.  SR.  II,  18  §  226;  brem.  SBorm.  D. 
§  20)  bcn  butd)  Ic^troiUigc  S3crfügung  ober  fraft  beö  ©cfc^eö  als  SSormunb 
berufenen  ju  oerpftid&ten  ober  il)m  }u  gcftatten,  in  eiligen  gäBcn  fc^on  t)or  ber 
Seftellung  alö  Söormunb  ju  Ijanbcln,  ober  bcmfelbcn  roenigftcnö  —  roaö  ge* 
meinred)tlict)  gcletjrt  roirb  —  bie  S3crpflid^tung  aufjuerlcgcn,  feinerfeitö  bie 
rid)terlid)c  33eftcllung  auöjumirfcn,  liegt  nid6t  t)or.  2)er  ®ntrourf  mad^t  bem 
©erid^te  bie  Scftellung  beö  SBormunbcö  oon  9lmtöroegen  jur  ^flic^t,  unb  in 
einem  bcfonbcrcn  ©cfe^e  über  baö  SSerfa^rcn  ober  in  bem  ©infü^rungögefegc 
roirb  bafür  geforgt  roerbcn,  bafe  baö  ©cri^t  oon  eintrctcnbcn  SBcüormunbungös 


L 


1084        aSormunbfd&aft  über  SWlnbcnä^rige.    Sertretunßßmad&t.    §  1649. 

fd^Qftöred&tcö  in  crfter  Sinic  boö  Sntcrcffe  be«  SRünbcIö  mafegcbenb  fein  muß. 
9lu(i|  in  anbcrcn  Scjicl^ungcn  liegen  bic  SBer^ättniffe  bei  ben  juriftifc^en 
5ßerfoncn  unb  bei  ber  SBormunbfd^aft  nid^t  ßlcici^.  9Ba^renb  bie  SBertrctungö^ 
mod^t  bcß  gcfefcUd^cn  SBertrcterö  ber  juriftifc^en  5ßerfon  burtö  bie  SBerfaffung 
in  ber  SRegcI  näl}er  beftimmt  unb  cingefd&ränft  werben  fann  (§  44),  ift  bie 
3SertretungömQd)t  befl  SSormunbcS  ouf  bem  ^ier  Dorjugöioeife  in  S3etrac^t 
fommcnben  (Scbiete  fQftifxi^er  ^anbtungen  eine  unbefd&ränfte,  mithin  bie  bem 
aWünbcl  brol^cnbe  ©efa^r  bei  entfpred^enber  SInrocnbung  befi  §  46  auf  benfelben 
eine  grö&ere,  a(ö  bei  ben  juriftifd^en  5ßcrfonen.  Slud^  bie  für  eine  weiter^ 
ge^enbe  Haftung  ber  legieren  quo  ber  Äomplijirtl^eit  i^rer  SSerl^ältniffe  im 
^ntercffe  ber  SSerfe^röfid^erljeit  ju  entnel^menben  ©rünbe  treffen  bei  ben 
ÜWünbcIn  nid^t  ju.  ©in  33ebürfni§,  bie  Haftung  ber  ajlünbel  für  bie  ^anblungen 
ber  aSormünber  in  9lbiüeid^ung  von  bem  geltenben  SRed^te  noc^  ÜJlofegabe  befi 
§  46  iu  erweitern,  ift  jubem,  fot)ieI  befonnt,  im  SBerfel^re  nid^t  l^en)orgetretcn. 
3n  t)ielen  ber  ^icr  in  Setrod^t  fommenben  %aUe  l^onbett  eö  fid^  um  bie 
erfüIIuna,gcfegH^er  Obligationen.  Sluf  biefe  gälle  finbct  ber  §  224  Slbf.  2 
Slnroenbung.  3n  mand&en  fallen  ^aftet  aufeerbem  ber  SBormunb,  wenn  er 
burd^  bic  9lid^tbead^tung  eines  93erbotö?  ober  ©ebotögefefeeö  in  Slusübung 
feines  oormunbfd^aftlicben  9lmteS  einem  ©ritten  ©d^abcn  jufügt,  fei  t^  auf 
®runb  allgemeiner  »eftimmungen  (oergl.  §§  710,  734  3lbf.  2,  §  735  3lbf.  3)^ 
fei  es  im  ©inne  bcs  fpejiellen  ©cfcgcs,  pcrfönlid^.  Ob  unb  inmicroeit  ber 
3Künbel  nad^  allgemeinen  (Srunbfäften  megen  eines  bei  Slbfd^lufe  eines  Sted^ts* 
gefdE)äfteS  begangenen  SSerfd^ulbcnS  bes  SSormimbeS,  insbefonbere  wegen  eines 
üon  bemfetben  bei  Slbfd^lufe  eines  9?edE)tsgefd^äfteS  begangenen  Betruges  ober 
Sroanges,  für  ©d^abenöerfafc  haftet,  fjängt  oon  ber  Beantwortung  ber  Don 
bem  ©ntwurfe  abfid^tlid)  unentfd&ieben  gelaffenen  ^rage  ab,  ob  bie  Haftung 
wegen  fog.  culpa  in  contrahendo  als  eine  red^tsgefd^äftli^e  ober  als  eine 
Haftung  aus  einem  35clifte  aufjufaffen  ift. 
umfon«  ber  2)ie  93ertretungsmac^t  beS  SSormunbeS  ift  nad)  bem  Segriffe  ber  SBor^ 

®*  m^Sl"**'  munbfc^aft  (oergl.  5ßr.  vni  ber  aUgemeinen  SBegrünbung  biefes  Slbfc^nittes 
©.  1043 ff.)  an  fid^  eine  allgemeine;  fie  erftredt  fid^  jeboc^  nid^t  auf  fold^e 
Slngelegenl^citcn,  für  weld^e  eine  5ßflegfd&aft  befielt  ober  weld^e  im  gaUe  ber 
3::i)eilung  ber  33ormunbfd^aft  unter  mehrere  SKitoormünber  bem  SKitPormunbe 
jugewiefcn  finb  (§§  1650,  1652).  SRu^t  bie  ©orge  für  bie  ^ßerfon  unb  bie 
©orge  für  bas  aSermogen  in  oerf^iebenen  ^änben,  fo  ift  es  als  felbftDerftänblid& 
ju  betrachten,  ba§  bie  erftere  bie  SSertretungSmad^t  aud^  in  fold^en  3(ngelegen* 
Öeiten  umfaßt,  mit  wetd&en  traft  (SefefeeS  nermögenSred^ttid^e  golgen  oerbunben 
fmb;  benn  bie  3lüdfwirfung  bes  bie  perfonlid^en  3lngelegenl^eiten  betreffcnben 
SRed^tsgefd^äftes  auf  bas  SBermögen  bes  aWünbets  berul^t  in  ben  norausgefefetcn 
gäBen  nid^t  auf  bem  red&tsgefd^äftlid^en  SBillen  bes  aSertreterS,  fonbem  auf 
bem  ©efege.  3m  Uebrigen  bebarf  es,  wenn  eine  ^anblung  fowol^l  in  ben 
Sereidö  ber  ©orge  für  bie  ^erfon,  als  in  ben  Serei^  ber  ©orge  für  bos 
aSermogen  fällt,  ber  3ßitwirfung  ber  mehreren  aSertreter.  S6ei  einer  aSer* 
fd^ieben^eit  ber  SReinungen  ift  bie  aSorfd^rift  beS  §  1653  mafegebenb. 
»«'  9Ius  bem  Begriffe  beS  gefeglid^en  aSertreters  im  ©inne  bes  ©efegbud^es 

<^ränhiiigcn.  ^^gj^j^j  j-j^  fcmer,  ba§  bie  aSertretungSmad^t  bes  aSormunbeS  an  fid&  eine 


I 


1086        Sßorinunbfd&aft  über  SKinberiäJ&rißc.    aSeitretungßmadbt.    §  1649. 

bcm  (Sebictc  bcr  ©orge  für  baö  SSermögcn  von  ber  Unbcfd&räntt^cit  ber  Scr^ 
trctungömad^t  ausjuge^cn  unb  bic  le^tcre  burd^  SlufftcHung  cinjclner  bcftimmter 
unb  greifbarer  Eategorieen  ju  befd^ränfen,  im  Uebrigcn  aber  mit  ber  SScrant- 
TOortlid^fcit  beß  SSormunbeö  ftd^  ju  begnügen  (§  1696),  ein  ©tanbpunft,  loeld^er 
üorroiegenb  anä)  ber  bes  geltenben  9*ed|teö  ift. 
Bormunb«!  ®emeinred)tlid^  fmb  fold^e  von  bem  aSormunbe  im  5Ramen  bes  SÄünbete 

*  vorgenommene  SRcd^tögef^äftc  für  ben  3ÄunbeI  unoerbinblid^,  meldte  ftd^  als 
ein  argliftiger  ©ingriff  in  baö  SJermögen  beö  SWünbelö  barftellen  (oergl.  1.  7 
§  3  D.  pro  emt  41, 1;  ©euffert  XXIV,  126;  ©ntfdö.  b.  5R.  ®.  in  6iolIf.  XV,  42). 
©ine  berartige  ©inf^rcintung  ber  SBertretungömad^t  fmbet  fid^  inbejfen  in  ben 
neueren  ®cfe|cn  nid^t;  fte  ift  aud^  mit  bem  ©ebanfcn  ber  Slepräfentatiogcmalt 
beß  aSormunbeö  nid^t  t)ereinbar.  3m  engftcn  S^fommen^onge  bamit  ftefjt  cß, 
bafe  ber  ©ntmurf  aud^  bie  gemeinred^tlid^e  SBiebercinfefeung  in  ben  üorigcn 
©tanb  gegen  ffied&tsgefdjäfte  beö  SSormunbeö  auf  ®runb  ber  aKinberJä^rigfcit 
aufgegeben  t)at.  ^ier,  roie  bort  ift  baoon  ausgegangen,  bafe  ber  Jiugen, 
meld^er  im  SlUgemeincn  für  bie  Sid^erljeit  bcs  9Sertef)reö  unb  baö  SntercRc 
beS  äUünbels  barauö  crroäd^ft,  bafe  bas  ®efe6  für  eine  ftd&ere,  frebitroirfenbc 
SJertretung  bes  SWünbels  forgt,  fd^it^erer  miegt,  als  bie  ®efa^ren,  meldte  in 
cinjelnen  gäUen  für  ben  2RunbeI  baraus  entfte^en  fönnen,  bafe  ber  58ormunb 
feine  SBertretungömad^t  argliftig  jum  9lad^t^eile  bcS  SKünbelS  mifebraud^t 
33ofer  SBille  ift  es  Derl^öltnifemäfeig  am  aüerroenigften,  woraus  bem  aJlünbel 
®cfal)r  brol^t,  unb  gegen  aSerbred^cn  fann  fd^Iieglid^  fein  ®efeg  fd^ü^en, 
3li(^tiger  ift  es,  in  bicfer  ^infid^t  eS  bei  bem  allgemeinen  ftrafred^tlid^en 
Sd^ufee  gegen  Untreue  beö  SSormunbeö  (§  266  beS  ©tr.  ®.  S3.)  unb  bei  bcffen 
perfönlid^er  5BerantmortUd^teit  (§  1696)  beroenben  ju  lajfen  unb  foroeit 
bem  mobernen  9led)te  ju  folgen,  meld^es  burd^  bas  ©rforbernife  ber  ©enc^- 
migung  bes  SBormunbfd^aftsgerid^tes  bejm.  bes  ®cgenoormunbeS  ju  mid^tigeren 
®efd^äften  unb  burd^  bie  regelmäßige  S3eaufftd^tigung  beS  SöormunbeS  bic 
3!ntereifen  bcs  3RünbelS  im  3lllgcmeinen  roir!famer  fd^üfet,  als  bies  bem  rom. 
3led^tc  mittels  feiner  aScrflaufulirung  ber  aScrtretungSmad^t  bes  SBormunbeS 
gelungen  ift. 

2)er  ba^r.  ©ntm.  Slrt.  54  befd^ränft  bie  SJlad^t  beS  aSormunbcö,  ben 

3Äünbel  JU  vertreten,  auf  fold^e  göUe,  in  meldten  ber  lefetcrc  nid^t  fä^ig  ift, 

felbft  5lc(|tsl)anblungen  gültig  t)orjunel&men.  ©ine  fold^e  SBefd^ränfung  empfiel^tt 

fid^  icboc^  nid^t.    SBcnnglcid^  bie  SSertretungSmad^t  beS  SOormunbeS  im  SID* 

gemeinen  i^ren  ®runb  in  bem  Sebürfniffe  einer  ©rgänjung  ber  befd^ränftcn 

®efd^äftsfä^igfeit  bcS  aWünbelS  l^at,  fo  ift  biefclbc  bod^  t^rem  Umfange  na^ 

t)on  bcm  im  bcfonberen  gälte  t^atfäd^lid)  üor^anbenen  33ebürfniRe  burd&auö 

unabljängig.   SnSbefonbere  foU  bcr  ^ormunb  bered^tigt  fein,  aud^  fold^e  9te^ts^ 

gefd^öfte  im  Sfamen  bes  3KünbelS  oorjune^men,   burd^   meldte  bcr  ÜÄünbel 

Icbiglid^  Siedete  erroirbt  ober  Icbiglid^  von  SBcrbinblid^fciten  befreit  mirb,  aud^ 

TOcnn  ber  aWünbel  felbft  jur  9Sorna^me  jener  SWed^tsgefd^äfte  fä^ig  fein  mürbe 

(§  65  9rbf.  2). 

^üb^  bf*'  ®^"  Sebürfnig,  ben  SBormunb  im  ®efege  befonbcrs  barauf  l^injuroeifen, 

»Irtreumgfl.  bafe  cr  als  gcfcßlid^cr  SSertreter  beS  Sßünbcls  gegenüber  bcm  teßtcrcn  bic 

mQ<^t.     s;ßf[i^t  Ijat,  je  nad^bem  bas  Sebürfnife  es  erforbert,  ben  aotünbcl  ju  vertreten 


@enel)miflunfl  ju  ert^eilen  ober  ju  oerroetgem,  liegt  im  ^inblirfe  auf  bie 
aUßemeine  SSefümmung  bes  §  1648  (oergl.  aucti  §  1696)  ni^t  vox.  ©benfos 
roenig  empfiehlt  eö  [xd^,  DDtjufcftreibcn,  bafe  ber  aSormunb  in  allen  fallen,  in 
meii^en  ec  materieQ  @ef^äfte  bcs  äüünbclfi  beforgt,  biefelben  aucfi  focmeU  itn 
3Iamen  befi  aBünbele  {oergl.  §  116)  fcftlie^cn  (oll.  eine  fo[^e  SSorfc&rift 
entl^ält  atletbingä  isas  fäc^f.  @.  S9.  g  1910,  unb  auä)  ein  in  ber  Jtommtfflon 
beß  preu§.  ^etren^aufeS  geftellter,  aber  abgelel)nter  Antrag  besmedte  bie  aiuf= 
naljme  einer  foldien  Siotf^lrift  in  bie  pteufe.  Sßorm.  O.  (oergl.  SSeri^t  ber 
§crrenl)ü«ftIoinnii[fion  @.  43).  ©ine  berorlige  Siorfc^rift  ift  inbcRen  praEtift^ 
ni^  burc^iufüljren,  ha  es  rie(e  ©efc^Üftc  gicbt,  roel^ic  etfa^rungsmäfeig  nii^t 
auf  einen  beftimmten  91ameii  flefdjIoUcn  roerben  unb  roeii^ie  aucf)  ein  SSormunb 
trog  einer  bies  oertangenben  gefeglii^en  SJorfc^rift  t^atfäc^tic^  niemals  auf  ben 
31amen  beS  äHünbefS  f{^[ie6en  roirb,  j.  S.  alle  geringfügigen  ©aareinfäufe  in 
Säbcn  ober  auf  ben  äßärften.  3)Ian  mürbe  bes[)a[b  eine  foldie  Seftimmung 
ftiUfc^roeigenb  als  auf  er^eblidiete  @efcl)äfte  beft^iänft  jfi  betrachten  l)aben, 
3Iber  auc^  in  biefet  31id)tung  fann  man  9lllefl  fügli^  ber  allgemeinen  ^ev- 
pflic^tung  bes  SSormunbee  übeclaffen,  fo  ;u  ^anbeln,  niie  eS  im  {on!reten 
goUc  bas  SBefte  be8  aHünbelS  nerlangt.  Sana^  ift  ber  5ßormunb  immer  oer^ 
pftic^let,  im  9!omen  bc9  aJiünbete  ju  Itanbeln,  wenn  ein  entgegengefe&te« 
SSerfo^ten  bem  9)lünbel  gefä^rlii^  roerben  lann.  3)er  SSormunb  roirb  bicfl 
jubem  ttjatföc^lic^  fd&on  befl^ttib  regelmöfeig  l^un,  roeil  er  nur  babur(^  feine 
eigene  Haftung  gegenüber  bem  Sritlcn  oon  fi(fi  abroenbet.  ^or  allem  tommt 
femer  in  93etrai$t,  ba%  man  ben  beabfic^iigten  '^ntd,  ben  SRünbel  gegen 
ungerecf)tfertigte8  a3erfQ6ren  bea  SSormunbeS  r'c^erjuftellcn,  bur{|  bie  f)ier  in 
SHebe  ftc^enbe  SBorfc^rift  au^  feineSroegS  erreicfit,  ba  man  ben  SJormunb 
formcU  ni^t  jroingen  fann,  im  einjelnen  golle  nic^t  bennod)  gegen  eine  foli^e 
Sßorfd&rift  gu  ^anbeln.  3ln  bem  einen  roie  bem  anberen  %aUt  bleibt  bot)cr  ber 
aSünbel  auf  bie  SSerontroortltc^Ieit  bea  58ormunbe6  angeroiefen.  SHc^t  ju  übers 
fe^en  ift  fetner,  bafe  bei  einer  JHei^e  roiiiitiger  9te^tsgefd)äfle  bie  SBirtfamfeit 
berfelben  oon  ber  ©eneljmigung  bea  SßDrmunbfdjaftsgeri^les  bcjro.  bes  (Segen* 
oormunbes  ob^ngig  ift,  bicfe  ©enetjmigung  aber  nur  bann  erttieilt  roerben 
roirb,  roenn  baa  ©cfdiäft  in  einer  ben  aJIünbel  fii^ernben  9Irt  abgefc^Ioffen  ift. 

§  16r.O. 

38enngleid)  bie  bem  §  27  ber  preufe.  SJorm.  D.  ficj  anfd)[iefeenbe  SBes  «»n'une'ij 
ftimmung  bea  §  1650  als  felbftBerftänblif^  crac&tet  roerben  tonn,  fo  ift  bod^  »om"^»e« 
bie  aufnähme  berfelben  im  Jintereffe  ber  Surdirii^tigteit  bes  ®efegea  unb  jut  ""J  ""'* 
Stlartegung  be«  Sßer^ältniffea  bea  Sßormunbes  ä"  einem  baneben  befteUten  '""*' 
^Pfleget  (oetgl.  9Ir.  vni  ber  allgemeinen  Segrünbung  biefeö  atbfi^nittea  oben 
©.  1044)  als  angemeffen  unb  rat^fam  erachtet  roorben  (oergl.  auc^  SOlotioe  ju 
§  1649  oben  ©.  1084). 

SBegen  ber  ©rünbe,  auS  meieren  ber  ©ntrourf  eine  bem  §  1510  ent; 
(pre(^enbe  9iotf4rift  in  bas  Sßormunbfc^aftsretdt  ni(^t  aufgenommen  l)«t, 
bie  iKiii   •Hüvmuiiin'    i>blii-gfiiöf   SofiU'    jüv  bdQ  ^i'i'nnögcn   in  ?ln)i,'l)iiug  ber 


1088        a3ormimbfd6aft  üBcr  SJlinbcrioiriflc.    Scrttctunö8ma<]&t.    §  1651. 

bort  bcjcid&nctcn  SSermogcnögegcnftänbc  bal^cr  crft  burd^  bic  nad^  SKafegabc 
bcö  §  1738  2lbf.  1  Safe  2  n)irtad&  crfofgtc  SefteUung  cincö  5ßPcgcr« 
Qußgcfd^loRcn  fein  foD,  roirb  Quf  bic  SWotioe  ju  bcn  §§  1510,  1738  33cjug 
genommen. 

§  1651. 

«»«ft^iiciuufl  SBic  bie  Raffung  bcö  §  1651  im  ©ingangc  (pcrgl.  aud^  §  45  Saft  1) 

tmungTmUt  ^^w"i*  ctfenncn  läfet,  ift  in  hm  gälten  beö  §  1651  bie  aBincnöerHärung 

bes      bc8  SSormunbeö  nid&t  ctroa  alö  nid^tig,  fonbern  alö  üon  einem  nid^t  mit  SSer* 

tretungömad&t  auögeftatteten  SBertretcr  ausgegangen  (§§  123—126)  anjufcl^en. 

@d  entfprid^t   bieg    ben   allgemeinen  ©runbfägen,    von   benen   ab)un)eid^cn 

um  fo  weniger  ein  Sebürfnife  vorliegt,  afe  bic  jad^Iid^en  SScrfd^iebcnl^eitcn, 

ic  nad^bem  man  eö  in  biefer  S3ejie^ung  bei  ben  allgemeinen  ©runbfäftcn 

belöfet  ober  bie  aBiUcnöerflärung  bcö  SBormunbeö  als  nid^tig  be^anbclt,  nid^t 

von  erl^eblid^er  praftifd^cr  fflebeutung  finb  unb  bie  3lnn)cnbung  ber  allgemeinen 

©runbfäfte  in  geroiffen  göllen  im  iginblidEc  auf  bie  33orfd^rift  bcö  §  126  ©aft  2 

bem  SWünbcl  fogar  günftiger  ift,  alö  wenn  man  bie  9lid^tigfeit  ber  SBiDcnö^ 

erflörung  beö  9Sormunbcö  vorfd^reibt.    3^^^"^  ^^t  ber  ©ntrourf  eö  au6)  in 

bem  analogen  gallc  beö  §  45  ©aft  1  in  biefer  ^infic^t  bei  bcn  allgemeinen 

©runbfäften  bemcnben  laffcn. 

9luö  bem  9luöfd^luffe  von  ber  gefcftUd&en  aSertretung  ergicbt  fid^  ferner 
von  fctbft,  bafe  bem  SSormunbc  in  ben  fallen  bcö  §  1651  aud^  baö  in 
ben  cinjctncn  Seftimmungen  bcö  ©cfeftbud^cö  bem  gcfeftlid^cn  aScrtrctcr  alö 
fotd()em  beigelegte  Siedet,  bie  ©inroilligung  ober  Oenc^migung  ju  SRcdötögefd^äftcn 
JU  ertl)ei[cn  ober  ju  vcrrveigern,  nid^t  juftel^t  (vcrgl.  §  65  älbf.  3). 

3u  ben  einjelnen  S3eftimmungcn  beö  §  1651  ift  golgenbcö  ju  bemerfen: 

«ec^tä*  1.  33cm  (Sntrourfe  liegt  baö  ^ßrinjip  ju  ©runbc,  bafe  ber  aSertreter  einer 

m^^^ntov»  ^ctrfon  mit  ftd^  felbft  im  eigenen  SRamen  ober  im  Flamen  einer  von  i^m  eben* 

munb  unb  ^^U^  vcrtrctcncn  anberen  5ßerfon  mirtfam  fontral^ircn  fann  (vcrgl.  §  45  2lbf.  1 

©aft  2,  §  805  3lbf.  2).    3n  ©rmangetung  einer  cntgcgcnftc^enben  befonbcrcn 

aSorfd&rift  mürbe   ba^er   aud^  ber  aSormunb    bei   SHed^tögcfd^öftcn  jroif^cn 

itim  felbft  unb  bem  3Künbcl  von  ber  gefcftlid^cn   aScrtretung  bcö  festeren 

ni^t  anögefd^loffen  fein.    6ö  ^at  fid^  iebo^  jrocifclloö  ba&  SBcbürfnife  gc* 

jcigt,  in  fold^cn  gälten  bic   von   bem  (Sefefte   verliehene  aSertretungömad&t 

jum  ©dfiufte  bcö  aWünbclö  gegen  SRifebraud^  berfetben  auöjufd^licgcn.    3nö* 

©eitenbe«   bcfoubcrc  ift  im  gcmcincn  3lcdE)tc  unb  in  vcrfd)icbcncn  neueren  ©efeften  an* 

^^**      erfannt,  bafe  ber  aSormunb  aUünbelfad^en,  abgcfclicn  von  ber  im  röm.  SRc^te 

bcftimmtcn  unb  in  bcn  neueren  ©efeften  mct)r  ober  roeniger  beibcl^altcncn 

3luöna^mc  bcö  galleö,  in  mcld^cm  „palara"  gclianbelt  ift,  burd^  Sauf  nid^t 

crmcrbcn  fann  (vergl.  ®ntfd^.  b.  91.  ©.  in  ßivilf.  VI,  3  ©.  15;  code  civil 

3lrt.  450;  lübcdf.  a$orm.D.  §  57;  brem.  9Sorm.  D.  §  76;  fäd^f.  ©.  95.  §  1919 

unb  baju  ©iebcnljaar,  Kommentar  III  ©.  192  ff.;  I^cf).  ©ntn).  IV  ärt.  76). 

(Sinselnc  ©cfc^c  verbieten  ferner  ben  93erfauf  von  ©ad^cn  beö  SBormunbeö  an 

bcn  aJiünbcl  (vcrgl.  fäd)f.  ®.  93.  §  1919;  lübcdf.  93orm.  D.  §  58;  brcnu  SBorm.  D. 

§  77)  ober  baö  aJlictl)cn  unb  5ßad)ten  von  Sßünbclfad^en,  inöbcfonbere  von 


SJom.  O.  §  53;  bcem.  SBorm.  O.  §  72;  f)t%  Gntro.  IV  atrl.  72),  foioie  bie  §m= 
ga6e  eines  ^clc^enfi  aiifl  bem  äjermägett  befi  Sltiinbela  an  ben  33ormunb 
(pteufe.  'X  a.  9J.  II,  18  §  485;  brcm.  Sßonn.  O.  §.  64;  Ijef^.  Sntro.  IV  31«.  64; 
rergl.  omJi  (tamb.  5Bonn.  O.  9ttt.  60,  45 ;  W.oim  bes  ba^r.  (Stttro.  ä"  Strt.  75 
S.  80).  lEagegcn  ift  noi^  gemeinem  iRt6)te  ber  Sßormuiib  berechtigt,  fw^ 
felbfl  QU»  bem  ^ennögen  befi  äßünbele  ein  Tiai:(et)en  ju  geben,  roäEirenb  cd 
iit)eifcIf)oft  ift,  ob  ber  aSormunb  oua  feinem  eigenen  aiennogen  bem  'ülünbel 
ein  S)QrIe[)en  gemähten  (ann  {»ergl.  ).  9  §  7  D.  de  administr.  26,7;   ®ntfc^. 

b.  9t.  (S.  in  Simtf.  vi,  3  ©.  15). 

SBcitct  fommm  l|icu  foldie  ©cfc^e  in  3ktrati)t,  iue[c£)c  Dorf t^rci ben,  bajj 
ber  iDliiiibci  bei  bem  aibfi^liiile  Don  a^eclrägcn  jit>ifd}en  bem  3Jormunbe  unb 
bem  äßünbef  ([iibecf.  SJorm.  C.  §  SB;  brcm.  ilorm.  O.  §  77;  t}amb.  i^arm.  C. 
9Iri.  60;  Dcrgl.  anc^  prcufe.  a.  Ü.  S.  II,  18  gg  46,  253,  254),  ober  boc^  bei 
Vertrügen  jmifc^en  bem  SJotmunbe  nnb  bem  'iiiünbet,  burd;  raelrfte  ber  letztere 
Dcrpflic^tet  niirb  (fä^f.  ®.  SJ.  §  1919;  roeimar.  (^ef.  t).  27.  aHärä  IST-J  g  26), 
ober  im  %aÜe  eiiica  EoIIibircnben  3ntere[yes  jioif^cn  bem  3Jormnnbe  nnb  bem 
'Jiünbcf  (coile  civil  9tri.  420;  [)amb.  SJorm.  O.  Slrt.  60;  cergl.  mid)  batfx. 
ISnlro.  31«.  56)  burd)  einen  Spejialfiirator  »ettreten  roerben  foU.  Iiic  preuft. 
SJorm.  D.  entiiätt  in  biefer  ^infiii&t  feine  oufibriidltcfie  ^(orfdtrift.  Sic  bc 
ftimmt  äioar  im  §  86,  ba^  bei  einem  Siberftreite  crlicblii^er  Onterefjen  mebrcrec 
'Bhinbcl  bcöfelben  'liormunbeö  icbem  ^Uünbci  ein  pfleget  bcftellt  luerbcn  foU, 
and)  i>a^  ein  '^iflcgcc  für  ben  iDfünbei  ju  beflellcn  ift  in  9[ngclfgent)eitcn,  bei 
roeldien  bie  91u6iibniig  ber  rormnnbfi^Qftiitbcn  3ic[f)te  crforberüc^  ift,  ober  aus 
l^nlfäd)licften  ober  recfttlidien  (Srünbeii  nidjt  ftaftfiiiben  fanii;  fie  läfil  ober  bie 
gragc  offen,  ob  ber  Süormiinb  übertjaupt  bcjm,  in  roelc^cn  befonbcrcii  g^Uen 
befugl  ift,  nlö  'Hertreter  bra  üJfünbelß  mit  fid)  fclbft  ©efc^äftc  nbjufdjiicfeen. 
3n  ben  "Diotiöcn  S.  180  fd)eint  oUerbingö  für  bie  %&\lc  eines  foUibireiibcn 
3nterciTefl  jiij!frf)en  SSornuinb  unb  ÜJiünbci  eine  rec&tiidie  iSe^inberung  bea 
erfteren  atfgemein  angenommen  jn  roerben  (uergl.  aucft  ©nlfd).  b.  3i.  @.  in 
Sioilf.  VI,  3  ©.  Iß  unb  in  Straff.  IX,  loa  S.  340,  XIII,  99). 

3im  9tnf(^liijfc  an  ben  ben  nngcfüljrten  gcfcßlicben  iöeftimmiingen  ju  s 
(Srunbc  [iegenbcu  (Bcban!en  bcftimmt  mid}  ber  ßntrouvf  im  §  1651  9ir.  1,  öqö  ^ 
ber  SBormunb  oon  ber  gefe^Iic^en  Söertrctung  beö  älfünbcls  anägefcöioifen  [ein 
foU  bei  l^lfedltögcft^ölte«  »nb  3lei$tsftreiligtciten  jroifdien  bem  SBormnnbe  fclbfl 
unb  bem  ÜJJiinbct.  I^urc^  bicfc  äcftimmung  loirb  aud)  ber  «alt  geberfl,  roenn 
ein  3ted)lägefdiäft  gegenüber  einem  9Inbcreii  »orgenommen  loirb  (§  llö).  ^ic 
jener  Seftimmung  ju  (Srunbc  liegenbe  mtio,  nömli(^  ber  SdjuB  beö  3JIitnbelS 
gegen  bie  llerfolgung  eigennüßiger  3[ntcreffen  beö  'üomtunbes,  läßt  cö  inbeffeii 
als  ratljfflm  unb  angcmeffen  erfd)einen,  bie  'ilerlretungflmadjt  bcS  liormnnbcß 
and)  in  bem  im  §  1651  32r.  1  bcftimmtcn  incitcrcn  Umfange  aua.^nfdiüeöeii. 
"Jled]  loeitev  ju  gelten  unb  bie  ^^crtrctiingömactt  btö  Üormunbcö  in  allen 
fällen  frnft  beä  Wefe^eö  aufljufdilic^cn,  in  meieren  ber  3iid)tcr  nnd)  ÜRafis 
gnbe  beö  g  4o  9ir.  3  ber  G.  1'.  O.  wegen  feiner  2.*enuanbtft^üft  ober  3djroäge^ 
fd)aft  mit  einer  ber  ^Jßarteicn  uon  ber  5luänbung  be9  Süc^teromleS  aus- 
gefdiloffcn  ift,  ift  bagegen  al6  bebeiitlid)  eradjlcl.    33ei  ber  jnriflifdicn  "llerfon 


1090        aSormunbfd&aft  über  2yitnberi%iflc    Scrtretiinö§uia*t.    §1651. 

^at  ber  ©ntrourf  jtd^  barauf  bcfci^räntt,  bei  einem  SRcc^tögefd^äftc  jroifd^en  bcr 
Äörpcrfd^aft  unb  einem  äßitgliebc  beö  SBorftanbeö,  foroic  bei  einem  SRed^tö^ 
ftrcitc  jroifdEien  bcnfelben  boö  bet^eiügte  SRitflUeb  t)on  ber  SBertretung  ber 
ÄörperfdEiaft  auöjufdilieBen  (§  45  Safe  1).  3nbeffen  bei  ber  iuriftifd&en  ^crfon 
unb  ber  SSormunbfd^aft  ift  bie  ©ad^lage  nomentlid^  um  beöroillen  nic^t  bic 
gleid^e,  roeil  bie  Sntereffen  beö  äWünbefe  in  l^öl^erem  aWafee  beö  ©d^ußeö 
bebürftig  [inb  unb  bei  ber  SSormunbfdiaft  jubem  bie  Sluöfd^liefeung  ber  SSer- 
tretungömod^t  in  bem  im  §  1651  9lr.  1  bejeid^neten  weiteren  Umfonge  im 
§inbtidfe  auf  baö  Snftitut  ber  5ßflegfd^aft  Dom  proftifd&en  ©tanbpunfte  aud 
meniger  SBebenfen  gegen  fid&  ^ot,  alö  bieß  bei  ber  juriftifd^en  5ßerfon  wegen 
ber  mit  ber  Se^inbcrung  beö  58orftanbeö  leidet  eintretenben  SBciterungen  unb 
©torungen  in  bem  ©efd^äftöbetriebe  ber  "^aU  ift. 

SSon  bem  ^rinjipe  beö  §  1651  3lx.  1  eine  9luönQ^me  in  3lnfe^ung  ber 
SRed^tögefd^äfte  unb  Dlec^töftreitigfeiten  jmifd^en  9lbfömmlingen  beö  SBormunbeö 
5u  ma6)tn,  ift  l^ier  nocf)  meniger  angcjeigt,  qIö  bei  bcr  elterlid^en  ©eroalt 
(oergl.  bie  Sßotioe  ju  §  1503  oben  S.  740  ff.).  2)ie  %&Uz  fönnen  fo  liegen,  bafe 
ber  SBormunb  für  einen  feiner  9lbfömmlinge  ein  befonbereö  3nterejfc  l^at  unb 
bcöfialb  baö  Snicrefje  ber  anberen  Slbfömmlinge  gefäl^rbet  ju  werben  bro^t, 
wenn  man  ben  SBormunb  md)t  nad)  äßafegabe  beö  §  1651  Sir.  1  üon  ber 
gefe6lid)en  SKertreiung  auöfd^liefet.  SRamentlic^  fommen  fold^e  gälle  in  SBe- 
trad^t,  in  rocldjen  eö  fid^  um  Slbfömmlinge  auö  uerfd&iebcnen  ®^cn  ^anbelt. 
auflnoi^mc  33on  ber  SRegct  beö  §  1651  9lr.  1  mad&t  icbod^  ber  ©ntrourf  —  abgefe^en 

örfflaungs-  ^^"  ^^^  fpejiellen  a3orfd)riften  beö  §  1326  3lbf.  2  unb  beö  §  1370  —  um  ben 
flcfc^aften.  ainforberungen  beö  Sebenö  gerecht  ju  werben  unb  ben  Unjuträglid&feiten  ju 
begegnen,  weld^e  mit  ber  unbebingten  ©urd&fü^rung  ber  Siegel  ocrbunbcn  fein 
würben,  bie,  aud)  oom  ©tanbpunfte  beö  Snterejfeö  beö  3Künbelö  auö  un* 
bebenflidbc,  allgemeine  9luönal|me,  baß  bem  SSormunbe  aud^  in  ben  gälleu 
beö  §  1651  9]r.  1  bie  SBertretungömad&t  aufteilen  foU  in  Slnfel^ung  fold&cr  9led^tö= 
gefd^äfte,  weld^e  auöfd^liefelidö  in  ber  (Erfüllung  einer  SSerbinblid^teit  befte^en 
(oergl.  §  45  Safe  1).  2lud^  nad^  'gemeinem  SWed^te  finb  SöWw'^Ö^"/  roeld^c 
ber  aSormunb  an  fid)  felbft  alö  ©laubiger  beö  aWünbclö  auö  beffen  SSer* 
mögen  ober  alö  Sd^ulbner  beö  aWünbelö  auö  feinem  eigenen  SOermögen  on 
ficb  felbft  alö  SBotmunb  leiftet,  wirffam  (1.  9  §  5  D.  de  administr.  26, 7; 
entfd^.  b.  SR.  ©.  in  SiDilf.  VI,  3  ©.  14  unb  in  Straff.  IX,  77  S.  250).  @benfo 
geftattet  taö  franj.  SHed&t  bem  SBormunbe,  fid^  felbft  wegen  ber  i^m  gegen  ben 
3)lünbel  juftc^enben  gorberungen  beja^lt  ju  mad^en.  3^*  bemfelben  SRefultate, 
wie  bcr  Entwurf,  fül;rt  in  bicfer  SBejie^ung  bie  SSorfc^rift  beö  fäc^f.  ®.  33. 
§  1919,  bafe  bie  Seftellung  eineö  befonberen  3Sormunbeö  bei  fold&en  SSerträgen 
jwifc^en  bem  SSormunbe  unb  bem  ÜRünbel  erforberlic!^  ift,  burd^  weld^c  ber 
lefetere  Derpfliditet  werben  foll.  SDurd^  bie  im  §  1651  3Jr.  1  am  ©d^luffe  bc^ 
ftimmte  9luönal|me  wirb  inöbefonbere  bie  3lbwicfelung  berjenigen  ©d^ulb* 
üer^ättniffe,  welche  alö  golge  ber  SSormunbfd^aftöfü^rung  felbft  jwifc^en  bem 
SSormunbe  unb  bem  OJlünbet  entftel^en  (§§  1696—1699),  fd^on  roä^renb  bc^ 
ftc^enber  SBonnunbfc^aft  ermöglid^t.  Uebrigenö  wirb  burd^  bie  Seftlmmung, 
ba^  eö  in  ben  gällen  beö  §  1651  9Jr.  1  bei  fold&en  SRed^tögefd^öften,  wet^c 
lebiglic^  in  ber  ©rfüUung  einer  Sßerbinblid^feit  bcftel^cn,  ber  33efteltung  eineö 


1092        a5crmunbfd6att  über  SKmbcridJriflc.    Scrtrdunggma^t    §  1651. 

j.  S3.  in  golgc  bcr  aBieberocr^ciratl^ung  (ocrgl,  §§  1&48,  1734),  erfolgten  83er* 
mogeni&audetnanberfe^ung  S(^u(bner  bed  SRünbelö  gemorben  ift  unb  n)egen 
biefer  @(^ulb  bem  Sßunbel  Sid^eri^t  befteDt  f)at  ^ür  bad  Sormunbfc^aftd^ 
rcd^t  ^at  bie  33cftimmung  beö  §  1651  9?r.  3  im  ^inblicfe  auf  bie  33orf^riften 
bed  §  1669  unb  bed  §  1674  3lv.  13  Derb,  mit  §§  1681,  1682  aDerbingd  nic^t 
eine  fo  er^eblid)e  ä3ebeutung,  nne  für  bad  Siedet  ber  tlicdxdfcn  @emalt,  auf 
weld^ed  burd^  §  1503  älbf.  1  bie  93eftimmungen  bed  §  1651  für  entfpred^enb 
anmenbbar  erfUrt  ftnb,  ba  fär  bie  elterli^e  ®eroalt  äSorfd^riften,  melc^  bem 
§  1669  unb  bem  §  1674  9lr.  13  entfprec^en,  nic^t  gegeben  finb  unb  galle  ber 
im  §  1651  5lt.  3  bejeidönetcn  Strt  in  bem  SSer^altniffe  jroifi^n  bem  SSormunbe 
unb  feinem  SRünbel  überl^aupt  nid^t  fo  ^aufig  norfommen  merben,  mie  in  bem 
SSerl^ältniffe  jroifd^en  bem  3nt|ober  ber  dUxliä^n  (Seroalt  unb.  feinem  Äinbe. 
Snbeffcn  ift  eö  aud^  auf  bem  Oebictc  beö  SSormunbf^oftörcd^teä  ein  (Seroinn^ 
ba§  in  ben  l^ier  in  9lebe  fte^enben  '^Utn  bie  Sefteüung  eines  Pflegers  erforber* 
lid^  wirb  (§  1738  3l6f.  1)  unb  baburd^  baö  83ormunbfd^aftögeri<^t  bejro.  ber 
©egenüormunb  beffcr  in  bcn  ©tanb  gefegt  roirb,  bie  älngemeffenl^eit  beö  Sled&tö* 
gefd^äftcö  auf  ®runb  ber  ©rmittelungen  beö  5ßflcgerö  ju  prüfen.  3"i>^"i  finben 
bie  83orf(^riften  bed  §  1669  aud^  auf  bem  ©ebiete  bed  3}ormunbfc^aftdred[)ted 
in  oerfc^iebcnen  gäUcn  feine  Slnroenbung  (§§  1690,  1733).  (Sin  Scbürfnife^ 
nod&  weiter  ju  gelten  imb  aud^  in  2lnfel^ung  ber  SSerfügung  über  nid^tocrfid^ertc 
^orberungen  be«  5Qlünbe(ö  gegen  ben  93ormunb  über  bie  gälle  bed  §  1654  9h:.  l 
l^inaue  bie  SSertretungdmad^t  bed  Sßormunbed  unbebingt  aud)ufd^(iegen,  fann 
bagegcn  nid^t  anerfannt  werben.  3nforocit  genügt  bcr  burd^  bie  5Borfd^riften 
beö  §  1669  bem  aSünbcl  gemährte  ©d^u|. 
cntsie^unö  4.  ^{^  Seftimmuug  beö  §  1651  31t.  4,  roeldl^e  jtd&  benienigen  ©efefc* 

ÄoaTfSn"bcr  gebungen  notiert,  bie  für  ben  gaU  foUibirenber  3nteref[en  beö  SOormunbeö 
Sntereffeii.  ^^jj  jj^g  gRünbcIö  bie  SefteUung  eineö  5ßf[egerö  öorfd^reiben  (oergl.  oben  unter 
3lv.  1  ©.  1089),  empfiefitt  ftd^  namenttid^  mit  SlüdEft^t  auf  eilige  gSIIe  unb 
auf  fold&e  gctDe,  in  roeldEien  ber  SBormunb  an  ber  33omal^me  non  äted^tö* 
l^anbiungen  für  bcn  ÜKünbcI  in  geroijfen  9lngelegenl^citen  beö  Ic|teren  für  bie 
3ufunft  tjcrl^inbcrt  rocrbcn  foD,  ol^ne  bafe  eö  ber  Slnorbnung  einer  ^fleg* 
fd^aft  jur  3cit  bcbarf. 
«rwerb  einer  5.  giad^  bcr  prcufe.  SBoHU.  D.  §  40  2lbf.  2  barf  ber  SSormunb  eine  auf 

09Pot^ef  K.  ^^.^^^  ©runbftücfc  ^aftenbe  §i)pot^cf  ober  Orunbfdiulb  für  hcn  2ßünbet  nic^t 
©runbfiütfe  enoerbcn.  2)cr  ©ntrourf  f)ai  eine  berartigc  SSorfd^rift  nid^t  aufgenommen, 
oomunbeö.  ®ö  ift  jTOor  uid^t  JU  Dcrfcnncu,  bafe  im  galle  einer  fold^en  ©rrocrbung  eine 
geroiffe  ÄoUifion  bcr  3ntcreffcn  l^erbcigefül^rt  roirb,  rocld^c  nid^t  roünfd&cn&= 
rocrtf)  ift.  (Segen  bie  3lufnal)me  einer  fofd^en  SBorfd^rift,  rocl(^e  jubem  nur 
ben  Äaratter  einer  Drbnungöoorfd^rift  l^at,  fprid^t  inbejfen,  bafe  biefelbc  eine 
fafuiftifc^c  ift  unb  bafe  man  für  aUe  gälte,  in  meldten  äJ^nlid^c  ÄoDifionen  bcr 
3ntereffcn  eintreten,  ben  aSormunb  bo(^  nid^t  in  gleid^er  ©eifc  befd&ränfen 
fann.  3ft  bie  Seforgniß  bcgrünbet,  ba§  auö  bem  aSBiberftreite  ber  3ntcreffen 
bem  aWünbet  ein  Slad&tl^eil  erroäd^ft,  fo  bleibt  immer  bie  Stbl^ülfc,  ba§  baö 
93ormunbfd^aftögerid&t  bem  SSormunbc  in  ber  betreffenben  Slngelegen^cit  bie 
6orge  für  baö  SBermögen  cntjiefien  unb  einen  5Pffcgcr  beftcllen  fann  (§  1651 
3lx.  4,  §  1738  3lbf.  1),  moburd^  eine  bcr  Sid^cr^eit  beö  ÜÄünbelö  entfpred^enbe 


l 


1094     aSormunbfd&aft  üfccr  SWinberja^rige.    SKeJrcre  Sormünbcr.    §  1652. 

bcftimmt  bcr  §  1652  3lbf.  1  im  anfd^Iujyc  an  baö  preufe.  31.  £.  SR.  II,  18 
§§  115,  116,  an  bic  prcufe.  aSorm.  D.  §  30  unb  baö  fäd^f.  ®.  83.  §  1957, 
ba^  mclircrc  SBormünbcr  bic  SSormunbfd^aft  gcmcinfd&aftlid^  führen,  b.  ^.  nur 
in  ilircr  ®cfammtl|cit  l^anbcln  fönnen.  S)icfc  3lrt  bcr  Siegelung  ift  nid^t  allein 
bie  natürlichere,  fonbcm  aud^  bic  jrocdcntlpred&cnbcre.  Uebrigenfi  ge^t  ber 
©ntrourf  baüon  auö,  bofe,  wenn  ein  2)litt)ormunb  roegföHt,  bie  übrigbleibenbcn 
SSormünber  bis  jur  etwaigen  SefteHung  eineö  neuen  2)liti)onnunbeö  bie  93or* 
ntunbfd&aft  aBein  fortjufül^ren  l^aben  (preufe.  SBorm.  D.  §  65  3lbf.  2). 
(jntfc^ibuna  S)ie  SBorfd^rift  beö  §  1652  9lbf.  2,  bai  im  gallc  ber  gSerfd^iebenl^eit  ber 

TOciminfl»-  aWeinungen  baö  ajormunbfd^aftögerid^t  entfci^eibet,   [^liefet  ftd^  bcm  preu§. 

3lrt.  43  an;  bagegen  roeid^t  bicfelbe  üon  ber  preufe.  SSorm.  D.  §  30  Slbf.  2 
(oergl.  aud^  bapr.  S.  31.  I,  7  §  31  9?r.  8)  infofern  ab,  alö  bei  ÜReinungö* 
perfddieben^eiten  unter  ben  aKitoormünbem  nid^t  junäd&ft  bie  SDlel^rl^eit,  fonbem 
ol^ne  SlüdEfidEit  barauf  baö  9Sonnunbfd()aftögerid&t  cntf^eiben  foD.  S)ie  S3c^ 
ftlmmung  bcr  preufe.  SSorm.  D.  empfiehlt  fid^  namentlich  beöl^alb  nic^t,  weil 
fie  ju  3wjeifeln  megen  bcr  ©tellung  ber  SSormünber  na6)  aufeen  SJcranlaffung 
giebt.  6inc  unjuläffigc  Steigerung  bcö  @inf(uffcö  ber  DberDormunbfd^aft  ift 
t)on  ber  Siegelung  bcö  ©ntrourfeß  nid^t  ju  befürd^tcn.  Uebrigenö  ift  baö  aSor* 
munbfc^aftögcriddt  aud)  nur  befugt,  bcm  einen  ober  anbcrcn  S^l^cilc  bcijutretcn, 
nid&t  aber,  eine  neue  2lnftdE|t  aufjuftellen  unb  bic  SSormfinber  anjul^alten, 
banad^  ju  l^anbeln,  eö  fei  benn,  bafe  im  fonfreten  gallc  ein  fold&eö  ©ingrcifen 
burd^  baö  Sluffidötöred^t  (§  1684)  begrünbet  fein  foUte.  SDic  (Sd&Iufemorte  bcÄ 
§  1652  9lbf.  2  foUen  bcm  aSormunbfdEiaftögerid&tc  bic  3Möglid^feit  gcroä^ren, 
über  bic  3luögleid^ung  non  9)leinungöoerfd^iebenl^eiten  im  Sßorauö  ein  Stnbcrcö 
JU  beftimmen,  fomeit  bicö  im  !onfrcten  galle  jn)crfmö6ig  erfc^eint. 
j&eiiuufl  bcr  3n  Ucbereinftimmung  mit  bcm  gemeinen  Siedete  unb  ben  neueren  ®e? 

®eT*«ttc.    ^^^^^  ^jj^^^  ^^^  g  ^^^2  3ibf.  3  eine  3;f|cilung  ber  $öormunbfd^aftöfül&rung 

unter  mehrere  SSormünbfcr  nad&  bcftimmtcn  SSSirfungötrcifen  in  ber  STrt,  baß 
im  gaUe  einer  fold^en  S^^cilung  bie  SSormunbfdEiaft  oon  iebem  SOormunbe  für 
ben  i^m  übermiefencn  SBirfungöfrciö  felbftänbig  geführt  wirb,  für  juläffig, 
legt  biefcr  2;f|cilung  inbeffen  nur  bann  red^ttidde  Sebeutung  bei,  wenn  biefelbe 
Don  bcm  Söormunbfcl)aftögeriddtc  angeorbnct  ift  (oergl.  preufe.  21.  2.  31.  11,  18 
§§  118,  119;  preufe.  aSorm.  D.  §  30  3lbf.  3,  4,  §  24  äbf.  2;  öftcrr.  ®.  ». 
§  210;  fäd^f.  ®.  33.  §§  1958, 1960;  roeimar.  ®cf.  o.  27.  aJlörj  1872  §§  64,  65; 
bapr.  entro.  9lrt.  42  3lbf.  3,  3lrt.  51  nebft  aWotioen  ©.  64). 

3n  mcld^er  3lrt  im  gaUe  ber  2:f)cilung  bcr  aSonnunbfd^aft  ber  SBirfungö« 
freiö  bcö  cinäclncn  93ormunbeö  abgegrenjt  roerben  foll,  überläßt  ber  (Sntmurf 
bcm  ßrmeffen  bcö  aSormunbfd^aftögcrid^tcö.  3nöbefonbere  ge^t  bcr  ©ntmurf, 
abroeid^cnb  t)on  bcm  ofterr.  ®.  S3.  §  210,  bat)on  auö,  baß  nid&t  not^menbig 
einer  bcr  SSormünbcr  bie  ©tcUung  eines  ^auptoormunbcö  ju  erl^altcn  braui^t, 
©oioeit  eine  3lngelcgen^cit  nid^t  auöfd[)ließlid)  in  ben  SBtrfungöfreiö  bcö  einen 
aSormunbeö  fällt,  tritt  bie  Siegel  bcö  §  1635  Slbf.  1  ein. 
Hnorbmutflcii  ©ic  SSorfc^rift  bcö   §  1652  Slbf.  4  beruht  auf  äl^nlid)cn  ©npägungen, 

ber  eitern.    ^.^  ^^^  ^^^  ^^^^^  ^^^  ^^^  ^^^^^^^   .^^^  g  ^^^  ^^^    ^^  g  ^^^  j^  g  ^^3g  j^.^ 

gelegte  Siedet,  einen  SSormunb  ju  benennen.   6ö  ^anbelt  ftc^  bei  ben  im  §  1652 


a 


preufe.  aSorm.  O.  §  30  aibf.  i,  §  17  9Ir.  2,  4;  |ü(fif.  ®.  S.  §  1960;  roeimov. 
®ef.  B.  27.  aJIätj  1872  §  65;  bogt.  ©ntm.  Slrt.  61  aibf.  2).  a)em  SerteKungs^ 
ptingipe  entfprtc^t  es  aber,  bag  bte  elterüi^c  9[iiorbnun(|  niemals  fraft  bes 
©effßeS  bie  i^eilunfl  ^ecbcifül)rt,  fonbern  nur  eine  3!öfl)i3ung  für  baS  9ior- 
munbfc^aftdgerii^t  enthält,  bie  33armünber  ju  gett)et[ter  i^eriDaltung  ju  bc> 
fteDen.  SJafe  bie  in  Jfebe  fteftenben  Slnorbnunßen  beS  a3atcr«  ober  ber  5Kuttct 
nirf)t  JU  befolgen  Rnb,  roenn  aus  beren  Sefofgung  eine  ertjeblti^e  ©efö^ibung 
brt  ^ntereRes  be«  ÜJlünbelÄ  ju  beforgcii  ift,  enlfpric^t  ber  ^Analogie  be«  §  1637 
%bl  1  (oergl.  oudj  preuft.  aSorm.  0.  §  30  9tbf.  4  rcrb.  mit  §  17  91r.  2,  4 
unb  §  18  aibf.  1). 

§  l«5;i. 

Xic  a3eftimmung  bcs  g  1653  betrifft  einen  beni  Solle  beS  §  1652  9lbf.  2  en'!**"""-« 
analogen  ^aQ  unb  bejmccft,  ju  uer^inbern,  ba§  eine  im  2[titerc|fe  beft  SRünbelä   «ntinungts. 
roünfc^enäroerl^e  .ÜKairegcI,  roeti^e  in  ben  Sffiirfungflfreie  ber  oerfrftiebeneii  "J(^*J,%"' 
^ormtiiiber  fällt,  in  Solge  beß  maierieU  unbegrünbeten  SBiberfprudies  eineö    amennur 
ber  33ormünber  unterbleiben  muß.  '^n  ben  befle^enben  SHei^leu  finbet  fic&  eine  ^'""""""b 
berarlige  ousbrüdlidie  aSorfc^rift  aUerbingö  ni{^t.     T^tefelbe  fann  aber   im 
^inblicfc   oiif   bog  ^rinjip   ber  Sctbftänbigteit  bcä  aSormunbeö    als   felbft^ 
iwrftänbiic^  md)t  eroctitet  roerbcn.    ^näbefonbere  ift  biefelbe  nic&t  etroa  roegeu 
bes  bem  SJormunbfc^Qftsgeric^te  norf)  §  1084  juftc^eiiben  Siufft^tßrei^teä  cnt^ 
belirlicb,  ba  bae  [entere  für  foii^e  ^älle  nii^t  ousreidit,  in  roeldicn  haa  93er' 
galten  bcs  einen  ober  onbcren  Siormunbeß  fid)  ni^t  atä  eine  ^flii^troibrigfeit 
barftellt,  (onbetn   bie  Slleinungen  berfetben  über  ^roedmäSigfeitäf ragen  aua  = 
einonbcrge^en.     2ßie  in  bem  gaUe  bes  §  1652  Ibf.  2,  ift  aber  auc^   in 
bem  [)ier  in  jHebe  fte^enben  gatle  baa  aSormnnbfi^aftsgerii^t  nur  befugt,  ber 
einen  ober  anbeten  Meinung  beizutreten. 

^ic  9.!orfc[)rift  bes  §  1653  ift  befonbet«  ouf  bem  ©ebiele  ber  clterlid)en 
Oeroatt  uon  39cbeutung  (oergl.  §  1503  'Ibf.  1),  inbem  bort  bie  '^IxUe,  in 
nwlf^cu  bie  Sorge  für  bie  5ßctfon  unb  bie  Sorge  für  ha^  SSermögen  wer- 
fcbiebeuen  ^-ßcrfoicn,  nämlid)  bem  3nf)aber  ber  elterltii)en  ©crooll  bejit).  einem 
Pfleger  (§  1738  9(bf.  1)  obliegt,  [jäufigcr  »orfommcn  roerbeii,  mie  bei  einer 
9?ocmunbf(i)aft  (ocrgl.  g§  1546—1548,  1550,  lö-V")). 

Sßcgcn  ber  39egrünbung  befl  S  16ö4  (»crgl.  §§  31,  115  9lbf.  1  ber  preufe.  sitfiuifl*. 
Sßorm.  C)  roirb  ouf  bie  SHuafüfirungcn  unter  31r.  v  ber  allgemeinen  Sßegrünbung  'JJ^^ 
biefes  9lbf(f)n.,  oben  S.  1034,  Scjug  genommen.  »ocniun»*.. 

liic  ©rünbe,  aua  roelrf)cn  ber  ©ntmurf  9(nftanb  genommen  I)at,  nad^ 
bem  'llorgonge  ber  preufe.  Sßorm.  C.  §  31  3lbf.  1  bem  (Scgenpormunbe  o^nc 
Sßeiteres  au^  bie  Seaditung  eines  an  StcHc  bcs  Dcr^inbctten  ^ormunbcft 
eintretenben  ^ßflegers  jur  $fli(^t  ju  ma^en,  Rnb  in  ben  aWotioen  ju  §  174(1 
borgclegt. 


1096     aSormunbfd&aft  üBcr  SKinberjä^rtöc    ©orßc  für  bic  5)erfon.    §  1655. 

* 

§  1655. 

sorflcfürbic  1.  2)ie  2lna[o9ic  jTOifd&cn  bcr  cltcrlid&en  ©craolt,  roic  bicfclbc  in  bcm 

^Äeisf  ®ntrourfc  gcftaltct  ift,  unb  jroifd^cn  bcr  SOormunbfd&Qft  unb  baö-^ßrinjip  bcr 
Selbftanbigfcit  bcö  33ormunbcö  muffen  baljin  führen,  bcm  SBormunbe  in. 
Slnfel^ung  ber  Sorge  für  bic  5ßerfon  beö  aUünbclö  bic  glcid^cn  ^fttd^tcn  unb 
$Hcd^tc  bcijulegcn,  mic  bicfclben  in  bcn  §§  1504,  1505,  1509  bcm  Snl^abcr 
bcr  elterlichen  ©eroalt  in  3lnfcf)ung  bcr  ©orge  für  bic  5ßcrfon  bcfi  Rinbcö  bei* 
gelegt  ^xnb.  ®aö  6rjiel^ungöred&t  in  Slnfc^ung  bcö  aWünbete  in  bic  ^onb  ber 
DberDormunbfd^aft  ju  legen,  roic  bicö  nod^  gemeinem  SRcd&tc  unb  cinjclncn 
neueren  ©cfefeen,  j.  8.  bcm  fäd&f.  ®.  S.  bcr  gaU  ift,  fann  alö  jrocctmäfeig  nid^t 
crad^tet  roerben,  ba  ber  SSormunb  bic  in  biefcr  ^infid^t  in  33ctrad&t  fommenben 
33er^ältniffc  regelmäßig  beffer  ju  beurt^eilcn  in  ber  Sage  ift,  als  baä  aSor* 
munbfd&aftögerid&t.  STud^  bic  meiften  neueren  ©efe^c  l^abcn  in  biefcr  Sejic^ung 
an  bcm  5ßrinjipe  ber  Sclbftänbigfcit  beß  SSormunbeö  feftgcl^altcn  (oergl.  prcufe. 
91.  2.  SR.  11, 18  §§  308  ff.;  preuß.  SSorm.  D.  §  27;  ofterr.  ®.  33.  §§  216,  217; 
Code  civil  3Irt.  450,  468;  fäd^f.  ®.  33.  §§  1922, 1923;  roeimar.  ®cf.  v.  27.  a»ärj 
1872  §§  41,  49;  lübedE.  SSorm.  D.  §§  25,  27,  31;  brcm.  SSorm.  D.  §§  38,  39; 
Ijamb.  33orm.  D.  9lrt.  22,  23;  ^eff.  ©ntro.  IV  ärt.  45—48;  ba^r.  (Sntro.  Slrt.  59 
bis  62).  ©ine  2luönal^mc  t)on  bcm  ^^rinjipc  bcr  ©clbftänbigfcit  bcö  üßor* 
munbes  auf  bcm  ®ebietc  ber  ©orge  für  bic  5ßerfon  enthalten  iebod^  bic 
'i?orfd)riften  beö  §  1232  Slbf.  2  unb  bcö  §  1685  (ücrgl.  bic  aKotioe  jU  §§  1232, 
1685).  Slufeerbcm  ift  bei  einjclnen  roid^tigcren,  bic  perfönlid^cn  aScrJ^öltniffc 
bcö  SJlünbclö  betreffenben  SRci^töaftcn  bic  SBcrtrctungömad^t  bcö  aSormunbeö 
burd^  baö  ©rforbcmiß  ber  ®encl)migung  bcö  SSormunbfdiaftögcrid^tcö  ein^ 
gefd)rän!t  (t)crgl.  §§  67,  1589,  1600,  1613,  1629  2lbf.  5,  §§  1630,  1657). 
SBcitcr  crleibet  bic  ^^flid(|t  unb  baö  9lcdE)t  bcö  SSormunbeö,  für  bic  ^erfon  bcö 
SWünbclö  5U  forgcn,  eine  6infd)ränfung  burd&  bic  33cftimmung  beö  §  1656. 

3m  Uebrigen  roirb,  fooicl  bic  im  §  1655  bcftimmtc  entfpred^cnbc  Sin- 

roenbung  ber  §§  1504, 1505, 1509  betrifft,  auf  bic  SWotioe  511  bicfcn  ^^Jaragrap^cn 

33cjug  genommen. 

ü^eftimmuitfl  2.  S)ie  ©clbftänbigfcit  bcr  58crroaltung,  meldte  ber  ©ntrourf  bcm  33or^ 

unte/^ou«*  munbc  auc^  nad^  ber  pcrfonlic^cn  ©cite  bcr  oormunbfd^aftlid^cn  gürforgc 

aufroanbeö;  einröumt,  bringt  cö  mit  fid^,  bag  ber  SBormunb  nad^  eigenem  pflid^tmäfeigcn 

©rmeffen  bic  für  bcn  Untcrlialt  unb  bic  6rjicl^ung  bcö  SJfünbclö  ju  oerrocnbcnbc 

Summe  ju  beftimmcn  l)at.    3in  biefcr  ^infic^t  gc^t  bcr  ©ntrourf  über  baö 

gemeine  5Rcd&t  ^inauö,  rocld^eö  baö  SKafe  beö  Untcrl^altö^  unb  ®rjict)ungöauf:j 

nmnbcö  burc^  bic  Dberüormunbfd^aft  beftimmcn  läßt  (1. 3  pr.  D.  uhi  pup.  27,  a), 

eine  ^Borfc^rift,  roeldöc  mit  ber  äluffaffung  bcö  röm.  unb  gemeinen  SHcd^tcö,  bafe 

bic  (Srjie^ungögcroalt  ni^t  bcm  58ormunbc,  fonbem  bcr  Dbcroormunbfd^aft 

5uftef)t,  in  engem  3ufammen^angc  fte^t  unb,  rocnnglcid^  jum  Xf)t\l  mit  einigen 

^Wobififationen,  aud^  in  ücrfdiicbcnc  neuere  ®cfcggcbungen  übergegangen  .ift 

foergl.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  18  §§  335—337;  ofterr.  ®.  33.  §  219;  fäd^f.  ®.  33. 

§  1922;  Code  cinl  3lrt.  454;  f|eff.  ®ntro.  IV  9lrt.  48;  bapr.  ©ntro.  9lrt.  61). 

ainbcre   ®efc|c    überlaffen    äroar    an    f\d)    bcm   aSormunbc   bic  33e5 

ftimmung  ber  Sebarföfumme,   fd^reiben  aber  üor,   bafe,  rocnn  bic  Icfetcrc 


roerben  bacf  {lübcd.  aSotm.  O.  §  28;  ^omb.  aSorm.  D.  ärt.  53;  rorimar.  Oef-  «'■'"»«"": 
V.  27.  anärj  1872  §  50;  ocrgt.  ferner  fät^f.  ®.  S8.  §  1925;  ba^r.  entro.  2Irt.  61 
9lbf.  2).  Wogegen  gcftnttet  bie  preiife.  Sonn.  O.  §  37  bcm  a^ormmibe,  fetbftänbig 
baS  Stomraoermöaen  anjugreifen,  roenn  bie  Einfiinfte  bcsfetben  jur  Seftreitung 
ber  ®rite()ungaroften  nidfit  nusreidien.  5Dcc  entniutf  ift  ber  preufe.  93orm.  O. 
gefolgt,  o^ne  bag  ed  einer  auäbrüiflif^en  33cftimmung  in  btefa  ^infic^t  bcbarf. 
©ine  ^orfd)tift,  roeli^e  ben  Siormunb  in  ber  93erroenbung  bes  StammöcrmögenB 
}u  ben  Soften  bcä  Unterhaltes  unb  ber  (^jte^ung  bes  ^ünbels  be(ci)ränft,  l^at 
praftifi^en  SBcrtt)  überhaupt  nur  für  fo[i^e  ^älle,  in  roeldien  bie  ©iiifünfte 
bca  aJiünbeltermögens  allenfalls  baju  ausreißen,  ben  !Dliinbel  ju  unter[)alten 
unb  JU  einem  mit  geringeren  5Iufroenbungen  uecbunbenen  a^crufe  auSjubilbcn, 
in  ii)eld)en  es  iebodö  in  (yrogc  fommt,  ob  es  nicfit  im  3nl^«ift  beä  9)tünbel6 
üngemeffencr  ift,  bemfelben  eine  mit  größeren  .Höften  uerbunbeiie  ©rjic^ung 
unb  äluöbilbung  ju  S^cil  incrben  ju  laffetx  unb  i^u  biefem  3ioecfe  bas  £tamm= 
Dermögen  beö  aüünbels  ganj  ober  t^eilioeife  ju  oerioenDcn.  götle  biefer  3Irt 
ftnb  aber  bie  fcitcneren.  3n  ber  großen  Slfel)CiaI)[  ber  3^Ile  reti^en  bie  @in= 
Fünfte  beä  'iuiünbeloermögcne  ju  bem  Unterhalte  unb  pr  @t}ie^ung  bcS 
SUünbels  nid)t  oiiö,  fo  bo^  e8  nicf)t  jroeifelliaft  fein  lonn,  ob  bafi  ®tQmra= 
Dcrmögen  ju  biefem  ^roecfe  üerroenbet  roerben  foll.  Segt  boä  ©efefe  bem  a3or= 
munbe  bie  ^ffitflt  "wf/  in  oUen  bicfen  'JäHen  bie  ©enefjmigung  bes  SBor= 
ntunbfii)aftsgeri(ftleö  ju  ber  aScrroenbung  pon  ©tammüermögeii  beö  ÜJlünbel« 
jnm  Qmedc  bc«  Unterftalteß  unb  ber  ©rjiel)ung  beöfelben  einju^olen,  fo 
crroädjft  barous  nic^t  allein  ben  aSormünbem,  fonbem  aud&  hen  Sormunb' 
fiftciftSgetid)ten  eine  gro^c  Scläftigung,  lueii^e  ju  ben  aSort^eileii,  roelt^c  man 
fici)  aus  einer  ben  aiormunb  in  ber  fiier  fraglictjen  ^infictit  I)efd)rän!enben 
Sorfi^rift  Dcrfpri^t,  in  feinem  a.lerl!)ältniife  ftc^t.  SJopi  tommt,  bofe  bie 
3ionnunb[i^aftflgerid)ie  bei  ßntfi^eibung  ber  T^roge,  ob  bas  Stommoermögen 
ongegtiffen  roerben  foU,  um  baburi^  eine  beffcte  ©rjie^ung  beö  2)Jünbel6 
unb  bie  ^usbilbung  besfelben  ju  einem  f}öbeten  !6crufe  ju  ermoglii^en, 
erfabningsmäfeig  oft  ju  ängftlit^  »erfahren  unb  jum  Sdiaben  bes  tünftigen 
^orttommens  bes  "iDIiinbels  auf  bie  Erltaltung  beS  ©tammoermögcns  ju  guofees 
Qkxoiätt  fegen. 

3.  3iert^icbrne  ©efefigebviHgen  beftimmen,  bofe  bei  ber  Sorge  für  bie  «'«H'*«  «"' 
Werfen  bcß  3)(ünbels  auf  bie  änorbnungcn  ber  eitern  Stüdfi^t  genommen  " """'"' 
roerben  foUe  (pcrgl.  ].  l  §  l  D.  ubi  pup.  27,  a;  preufi.  3t.  ü.  3*1.  II,  IK 
§§  312—316;  fä(^f.  ®.  33.  !?§  1922,  19-2G;  roeimor.  ©ej.  D.  27. 'JJJärj  1872 
§41;  lüberf.  3^orm.  C.  §  27;  ^eR.  entro.  IV  91«.  48;  baijr.  Gntro.  91rt.  59, 
64),  I)ie  ®rünbe,  aus  roeli^en  ber  Sntrourf  in  Ucbereinftimmung  mit  ben 
übrigen  neueren  ®efegen,  insbef.  mit  ber  preufe.  3!onn.  C.  (oecgl.  ieboc&  Urt^. 
b.  3i.  ©.  bei  ©ruc&ot  XXVri  8. 1051),  Slnftanb  genommen  ^at,  bem  aSater 
unb  ber  aßutter  als  9lusflu6  ber  elterli^en  ©eroalt  nad)  ÜBofegabe  ber  ^or: 
fünften  bes  §  1636  baS  9ic$t  beijulegen,  binbenbe  Slnorbnungen  für  ben 
Sormunb  in  ber  3lrt  ju  treffen,  bafe  biefelben  ju  befolgen  fmb,  fofcrn  ni^t 
aus  beren  »efolßung  eine  erljeblic^e  ©effl^rbung  bcfl  OTünbels  ju  beforgen 


1098     aSormunbf d6.  über  SminbcriaWöc.  ©orge  für  ble  33crfon.  §§1656,1657. 

ift  (üergl.  §  1637  Slbf.  1),  finb  bicfclbcn,  roctc^c  bcn  ©ntiourf  bcftimmt  l^abcn, 
bctn  SSotcr  ober  bcr  3Rutter  alö  3n^<ibcr  ber  cöcrüd^cn  ©cmalt  ein  fold&cÄ 
SRcd^t  auä)  nici)t  in  STnfcl^ung  bcr  SScnooItung  bcß  SBcrmögenö  bcß  SDWinbcte 
cinjuräumcn.  (So  wirb  ba^er  in  bicfcr  ^inftd^t  Quf  bic  Sffufifü^rungen  in  bcn 
aWotiocn  ju  §  1660  Dcrmiefen. 


§  1656. 

^Trfoi  *"''  ®^^  3lufnatime  beö  §  1656  ift  im  Sntercjyc  ber  Seuttid^feit  bcd  ©cfefeeö 

etcaunfl  bcr  ^^*  angemej^cn  erad^tct,  um  namentlid^  für  bic  au6)  nad^  bem  ©ntrourfe  ntd^t 
eitern,  jeltcn  üorfommenbcn  gälte,  in  rocld^en  bcr  äJlntter  in  3lnfcl^ung  i^rcö  bcoor^ 
munbeten  Äinbed  unter  bcr  9luffid|t  bcö  SSormunbeö  als  S3ciftanbeö  bie  Sorge 
für  bie  ^crfon  beö  Rinbeö  unter  SluSfdEjlufe  bcr  gcfcfelic^en  aScrtrctung  jufte^t 
(ücrgl.  §  1554  2lbf.  2,  §§  1558,  1565,  1566,  1570),  auf  bie  (Stellung  ber 
3Kuttcr  gegenüber  bem  SSormunbc  l^injuroeifen  \mb  baö  SKi^perftäubnife  auö- 
jufd&Iicßen,  als  ob  forool^I  ber  SBormunb  als  anä)  bie  üßutter  bie  5ßf[id^t  unb 
baß  SRed^t  ber  Sorge  für  bie  5ßcrfon  bcö  ttinbeö  in  bcr  bejeid^neten  SRid^- 
tung  l^abc. 

S)a  jcbod^  nad^  §  1554  9lbf.  2  ber  gaD  üorfommcn  !ann,  bofe  aud&  bem 
33oter  bcö  3JlünbcIö  bic  Sorge  für  bic  ^erfon  bcß  Icfttcrcn  felbftänbig  jufte^t, 
fo  fprid^t  bcr  §  1656  ganj  allgemein  oon  bcn  gällen,  in  meieren  ein  ©Itcrns 
tfjcil  bie  ^ßflid^t  unb  baß  Siedet  bcr  Sorge  für  bic  5ßcrfon  beß  SRünbelß  \)ai. 


§  1657. 


entraffutifl  2)ie  33cftimmung  beß  §  1657  Safe  1,  meldte  fid)  an  ä^nlid^e  aSorfd&riften 

beöSKünbew  p^^^^jg^g^^^  ucucrcr  ©cfcfegcbungcn  anfc^Iicfet  (oergl.  preufe.  31.  S.  9i.  II,  17 
^'mfanb-'^'  §  129 ;  preufe.  aSorm.  D.  §  42  SRr.  1 ;  roürttcmb.  S3orm.  D.  x>.  15.  Sluguft 
1817  §§  4,  6;  ^amb.  SSorm.  D.  3lrt.  63  Slbf.  2;  ba^r.  (gntro.  STrt  62 
3lv.  3, 4),  bcru()t  auf  ä^nlid&cn  ©rmägungen,  mic  bic  Seftimmung  beß  §  1507 
(üergl.  ÜRotioe  ju  §  1507  oben  S.  756  ff.).  2)ic  aSorfd^rift  bcß  §  1657  Soft  2 
empfiehlt  fidf)  mit  älüdEfid^t  auf  bic  SBid^tigteit  bcr  l^icr  fraglid^cH  angelegen« 
f)cit  (Dcrgl.  §  1678). 

©in  33cbürfni6,  etroa  weiter  ju  bcftimmcn,  bafe  ber  3Jotmunb  bem 
OJJünbcI  of)nc  ®enc()migung  bcß  a?ormunbfd^aftßgcrid^teß  einen  baucmbcn 
9lufcntf)alt  im  9lußlanbe  nid^t  gcftattcn  bürfe,  um  ju  t)crf|inbcrn,  ba%  ber 
aJlünbcI  bur^  jcliniäljrigcn  2Iufcnt^alt  im  Slußlanbc  feine  Staatöangcprigfeit 
o^nc  ®cncf)migung  bcö  aSormunbfi^aftßgcrid^tcö  Dcriiere,  liegt  nid&t  oor.  S)ie 
^flid^t  bcß  aSormunbcö,  bcn  SWünbcl  oor  einem  auß  längerem  3lufentf)alte  im 
Slußlanbe  cnoad^fcnbcn  5lad&tf)cilc  5U  bcptcn,  t)erftcl^t  fid^  Don  felbft.  2)icfer 
3lad^t(jeil  ift  jubcm  nad)  bem  9t.  ®cf.  über  bcn  ©rmcrb  unb  Säcrluft  ber 
Stoatöangc^örigtcit  t).  1.  3uli  1870  §§  20,  22  nur  unter  bcfonberen  Um- 
ftänbcn  JU  befürd)tcn  unb  leidet  ju  ^eben,  fo  bafe  cß  um  fo  mcniger  in  biefer 
9lid^tung  einer  bcfonberen  aSorfd(|rift  bebarf. 


3)ie  SBorJ^cifl  Ws  §  1658  entfpti^t  faem  §  1508  uitb  fern  ©rroöflungeii,  » 
ouf  roelc^eti  bitfe  SSotfc^rift  beruht  (oetfll.  baijr.  SReliflionsebitt  d.  26.  aüoi  1818  " 
§  22;  ^aiiitoö.  JBetotbn.  v.  7.  Oftober  1823  §  55;  bob.  Oef.  o.  9.  Oftober 
1860  §  2;  roeimar.  ®bift  v.  7.  Cftotier  1823  §  55;  frantf.  ®ef.  d.  5.  Sep= 
tember  1811  3Irt.  14  unb  v.  30.  33ejembcr  1819;  roalbetf.  ®cf.  o.  28.  3J!eiri 
1827  §  4;  preufe.  91.  S?.  9^1.  II,  2  §§  753,  754  iwbft  2ln^.  §  104).  Die  aiuf= 
na^mc  einer  ^öeftimmung,  bafe,  wenn  bei  SDIünbel  nüi^  'ilaftgobe  bcr  3ior= 
(d^riften  über  bie  reiigtöfe  erjiei^ung  nic^l  in  bem  religibfen  SJctenntniffe  bcfi 
SBormunbcS  äu  crjiE^en  ifl,  bem  legieren  inforoeit  bie  ©orgc  für  bie  ^erfon 
beö  2)Iünbelß  uon  bem  SBormunbfcf)QftÄgeriijte  cntjogen  tticrbcn  tonne,  um 
nöt^igenfaDs  eine  riicf^aitslofe  33cfoigung  ber  für  bie  religiöfe  6räiei)ung  bes 
'iRünbeia  mofegebcnben  iBorfi^riften  ju  fiebern  unb  unbcrei^tigtcn  ©inftüffen 
in  biefer  Sejieijung  energif^  entgegentreten  ju  lonnen,  ift  iücf)t  als  angemeffeii 
etQi^let,  jumal  ber  ©ntrourf  eine  bem  §  19  9Ibf.  2  ber  preiil.  iBorm.  D.  enl= 
fpre^enbe  aSorfrfirift  nii^t  aufgenommen  i)al.  ®ie  ®rünbe,  roelc&e  ju  ber 
Slic^taufna^me  biefer  leßtercn  SJorfdfjrift  gefüljrt  ^oben  (»crgf.  ÜHotioe  ju 
§  16.38  oben  £.  lOfil),  treffen,  roenigftenä  pim  S^^cil,  audj  tiicc  ju. 


§  1(!59. 

3)ie  SBcrpftid&tung  be6  Sßormunbeft  jur  ^nocntarifotion  be«  SHünbeU  .i""«""!- 
oermögenö  fte^t  mit  bem  gemeinen  31cd)te  unb  ben  neueren  ©efegen  im  ©in:  '  ""i^  '  ' 
Hange  (nergl.  pteuß.  9t.  Ö.  31.  II,  18  §§  376  ff.;  preufe.  SSorm.  O.  §  35;  ««'""'"'*«■ 
öfiert.  ®.  S.  §  222;  code  civil  9lrt.  451;  fäc^f.  ®.  ©.  ^  1906  nebft  bcr 
proDif.  ©er.  0.  §  47;  baitr.  ^Jlotariatagef.  o.  10.  3iooember  1861  Sürt.  19; 
nieimar.  PSef.  u.  27.  OTörj  1872  §  45;  lübed.  SGorm.  O.  §  35;  brem.  33orm.  O. 
§  35;  i)amb.  ißorm.  O.  3trl.  26;  [)e(f.  Gntro.  IV  9lrl.  49,  50;  bavft.  Entw. 
9Irt.  65).  ^et  eittrourf  fafel  bie  im  §  1659  befummle  Ißflic^t  beS  aSormunbe« 
lebiglic^  al&  eine  publijiftifd)e  ^flic^t,  ni^t  jugleic^  als  eine  prioatre^tlidie 
^flidflt  gegenüber  bem  iOlünbel  auf.  2>er  SSormunb  fann  hal)er  iiad;  3luf^ 
na^me  bc«  3noentares  nicftt  etina  auf  (SJrunb  be6  §  777  äiir  aiblciftung  beö 
Dffenbarungacibeö  angehalten  werben.  ^Dagegen  ift  er  nai^  Scenbigung  feines 
Docmunbf^aftlic^en  Slmtca  in  Sßerbinbung  mit  ber  aSerpflic^fung,  bem  inünbet 
bas  Bon  i^m  oetioaltete  aSermögen  ^eraufljugcben  unb  über  bie  SBerroaltung 
SRet^nung  ju  legen  (§  1700),  auf  Sßerlangen  be«  ÜHünbets  bejro.  bcffen  gefe|= 
lidjen  5ßcrtcetcrS  ben  Dffenbarungfleib  nad)  Maßgabe  bes  §  777  abjuleiften 
ocrpfIid)tet  (oergl.  'üJoline  ju  §  1700). 

3kct)  bem  SUorgange  bes  gemeinen  SHed&leS  fdjreiben  ncrfdjicbene'  ber  s»™ "" 
angefül)rten  neueren  ©cfeje  für  bie  ©rrii^tung  beö  3lnöentürefl  eine  öffentlidie 
^orm  Dor;  bo^  geftalten  einige  bcrfeiben  boneben  für  etnfni^ere  aJer^üUniflc 
auc^  eine  9(ufnal)me  unter  ber  §Qnb  ober  unter  ©eobac^tung  geringerer  ^bnn; 
lic^feitcn.  Siogegen  i)Qben  bie  mciflen  neueren  Wefeßgebungen,  insbefonbcre  bie 
preufe.  ajorm.  C,  bos  fodjf.  Siecht,  i>a&  roeimor.  Oef.  v.  27.  Wärj  1872  unb 
ber  bfl^r.  Gntro.,  bas  Grforbevnife  einer  öffentlichen  gorm  ganj  aufgegeben. 


1100  aSormunbWaft  üBcr  aJWnbcriaferigc.    SnDentar.    §1659. 

3)icfcn  SSorgängen  fd^Ucfet  bcr  ©ntrourf  ftd^  an.  S)ie  Scftimmimg,  bafe  bei 
bei*  9lufna^mc  bcö  SBcrjcid^niffcö  bcr  ®egent)ormunb  jugejogcn  rocrben  foH, 
tocnn  ein  fotcf)er  oor^Qitbcn  ift,  unb  bafe  ber  aSormunb  unb  ber  Oegenoormunb 
bie  pftid^tmäfeige  SSerfid^erung  ber  Slid&tigfeit  unb  SBoUftänbigfeit  beö  SBer^^ 
jeic^niffeä  abzugeben  l^aben,  entfprid^t  bcr  prcufe.  93orm.  D.  §  35  Stbf.  1 
(ocrgf.  in  crfterer  ^infid^t  anif  code  civil  2Irt.  451).  3)em  SSormunbfd^aftfi* 
gcrid^te  im  3lnfdjluffe  an  boö  fäd^f.  0.  S3.  §  1906  unb  boö  roeimar.  ®ef.  x>. 
27.  aßörj  1872  §  45  baß  Sle^t  beijutegen,  bie  eiblid^e  S3eftär!ung  befi  »er^ 
jcid^niReö  }u  oerlangen,  ift  burd^  ein  Seb&rfnife  nid^t  geboten. 
Mufno^me  Ucbrigcuö  betrod^tet  ber  (Sntrourf  eö  als  felbfioerftonbüd^,  bofe  baö  S8or^ 

^'«clttln!"  ntunbfd^aftögerid^t,  wenn  baö  cingereid^te  SScrjeid^nife  ungenügenb  unb  nad^ 
Sage  bcr  Sadjc  bie  9lufna^me  bcö  SBerjeid^niffeö  burd^  einen  öffentlid&en  föt^ 
amtcn  erforberlid^  erfd^eint,  im  9luffid^tön)ege  bie  6inreid&ung  eines  oon  einem 
öffentlid^en  Beamten  aufgenommenen  SSerjeid&niffeö  verlangen  fann.  SnbeRen 
ift  cd  bcbenflic^,  im  ©efefie  befonberö  barauf  fjinjumeifen,  ba  ju  beforgen  ift, 
bafe  bie  SSormunbfd^aftägcric^tc  aißbann  ju  ftrenge  Slnforberungen  an  bie  SSor^ 
mflnber  in  9lnfcf)ung  beö  aufjune^menben  Serjeid^nijfeö  fteHen  unb  t)on  ber 
Sefugnig,  bie  ©inrcid^ung  eines  üon  einem  öffentlid^en  Beamten  aufgenommenen 
SJcrjeid^niffcS  5U  verlangen,  ol^ne  9iotI)  in  ju  grofeem  Umfange  Oebraud^ 
machen  föunten,  mas  megen  ber  mit  einer  fold^en  ^noentaraufnal^me  üer- 
bunbenen  Äoften  unb  aud^  im  Sntereffe  bes  öffentlid^en  S)ienfteS  nid&t 
münfd^enSmertl^  ift.  3n  vkkn  gälten  fann  ber  ^n>td  in  ausreid^enber  SQBeifc 
unb  mit  geringeren  Höften  burd^  bie  Swjiei^ung  einer  anberen  fad^üerftänbigen 
^^Jerfon  als  eines  offentlid^cn  33eamten  erreid^t  merben. 

2luf  ber  anberen  Seite  ift  es  jebod^  bei  ber  großen  proftifd^en  SBid^tigteit 
bcr  gragc  ols  rat^fam  crad^tet,  im  §  1659  9lbf.  2  ausbrüdlidö  ju  beftimmcn, 
bafe  ber  SSormunb  fid^  bei  bcr  Slufna^mc  bes  aSerjcid&nijfcs  ber  :&ülfe  eines 
öffentlichen  Scamten  bebienen  fonne,  bie  baburd^  entftctienbcn  Äoften  mithin 
bem  aWünbcl  jur  Saft  fallen,  mcnnglcidö  auä)  biefe  SBeftimmung  als  felbft* 
Dcrftänblid^  betradE)tet  mcrben  !ann.  3ft  ber  SBormunb  befugt,  auf  Äoften  bes 
SJlünbelS  [\ä)  bei  9lufnaf)me  bes  SSeräcid^niffcS  ber  §ülfe  eines  öffentUd^en 
S3eamten  ju  bebienen,  fo  ift  um  fo  mel)r  bie  mit  geringeren  Äoften  tjcrbunbcne 
3ujie^ung  eines  anberen  ©ad^oerftänbigen  als  julöffig  ju  crad()ten. 
^ift  für  bie  ®ine  gefcglid&e  grift  jur  ®rrid^tung  bes  ^ti'J^ntarcS  (oergl.  code  civil 

«ufnaötne.  gj^  ^^^ .  {^^^^  ^^^^^  q^  gg  3^^  37^  ^^  ^^j  oorgcfd^ricbcn.    giid^tigcr  ift 

es,  in  biefer  Sejie^ung  9lltes  bem  ©rmejfen  bes  ©erlebtes  unter  S3erü(tftd^tiguna 
ber  SSerf)ältniffe  beS  einzelnen  galles  ju  überladen.  35a6  bcr  SSormunb  um 
ücrjüglidl^  jur  Slufna^me  beö  ^noentarcs  ju  fd^reiten  l^at,  ücrftc^t  fid^  üon  felbft 
(oergl.  preufe.  91.  S.  di.  II,  18  §  376;  preufe.  aSorm.  D.  §  35  nebft  aßotioen 
S.  75;  fäd^f.  0.83.  §  1906;  rocimar.  ®ef.  t).  27.  aßärj  1872  §  45;  tübed. 
aSorm.  D.  §  34;  ^cff.  ©ntro.  IV  2lrt.  49;  bapr.  gntro.  3lrt.  65).  3Jerj5gcrt 
ber  aSormunb  bie  9lufnal)me  bes  Snoentarcö,  fo  fann  er  boju  pom  SJormunb* 
fd^aftsgeric^te  im  Sluffic^tSrocgc  (§  1684)  angehalten  merben. 
Umfang.  S)ie  SBcrpflid^tung  trifft  ben  aSormunb  forool^l  in  ä^nfe^ung  besicnigen 

aScrmögenS,  mclc^es  bei  ber  3lnorbnung  ber  33ormunbfd^aft  oorl^anben,  als 
aud^  in  9lnfe^ung  besicnigen,  meld^es  bem  SRünbcl  fpäter  jugefoUen  ift  (Dcrgt, 


S3ormunbf(6aft  üBer  TOiuberiä^rioe.    Snöcntar.    §1659.  1101 

prcufe.  SBorm.  D,  §  35;  fäd&f.  ®.  93.  §  1906;  toeimor.  ®ef.  d.  27.  aWörj  1872 
§  45;  lübccf.  aSorm.  D.  §  73;  brem.  SSorm.  D.  §  87;  ^amb.  «orm.  D.  3lrt.  24; 
bagr.  @ntn).  3lrt.  65). 

®mc  aSorfd&rift,  bafe  bem  Snocntarc  eine  ©d^ä|ung  ober  Soje  beö  SBcr?  »ertDangabe. 
mogcnö  beigefügt  werbe,  toaö  in  einzelnen  ©efefeen  allerbingö  oorgefd^rieben 
ifi,  l^at  ber  ©ntrourf  nid()t  oufgenommen,  ba  biefelbe  ol^ne  proftifd^en  SBert^ 
ift  nnb  ber  aSormunb,  weld^er  als  folc^er  baö  Snüentor  oufjunebmcn  l^at, 
perfönlid^  in  ben  feltenften  gällcn  in  ber  Sage  fein  wirb,  ben  Sßertl^  ber  Dor:: 
^onbenen  ©ad^en  in  einer  objeftiD  rid&tigen  Sßeifc  ju  fd^dfeen.  2)er  SSormunb 
wirb  t)ictme{|r  im  einzelnen  %aUt  naä)  ^xo^dm^^xQtcit  ju  oerfa^ren,  mitt|in, 
wenn  bieö  jnr  Sefd&reibung  bes  SSermögenö  angemeffen  ift,  einen  geroiffcn 
SBertl^anfc^lag  in  baö  ^noentar  Qufjunel^men  ^aben,  roa&  \6)on  beötialb  fxd) 
Don  felbft  Derftefjt,  weil  er  fid^  unb  ber  Dbert)ormunbfd&aft  iiber  bie  ©otüenj 
beö  SSermogend  unb  bie  aWögtid^feit  ber  güfirung  beö  ^ouöfialteö  für  ben 
äKünbel  ©eroifefieit  Derfd&affen  mu§. 

©benforoenig  ift  eß  bei  ben  nid^t  beengenben  gormoorfd^riften,  roeld^c  ^^"^***' 
ber  ®ntrourf  für  baö  3nt)entar  Qufftellt,  erforberlid^,  nod&  bcfonbere  9liiöna^men  ^ananbeiJ! 
für  fold^e  gäDe  ju  beftimmen,  in  roeldfeen  boö  93ermBgen  beö  aWünbelö  in  einem 
^anbelögefd^öfte  ober  einem  anberen  größeren  geroerblid^en  Unternel^men  fi(^ 
bcfinbet,  mie  bieö  in  einzelnen  ©efegcn  aüerbingö  gcfd&el^en  ift  (tjamb.  SJorm.  D. 
2lrt.  29;-  Dergt.  auä)  fäd^f.  ®.  93.  §  1908;  Weimar.  ®ef.  d.  27.  aKärj  1872 
§  47).  ©oroeit  eö  fid^  in  biefer  i&infid^t  um  bered[)tigte  SBünfd^e  93ett|eiügter 
wegen  ®ef)eim{|altung  ber  93erl|ältniffe  lianbelt,  mirb  benfelben  burd&  bie  be* 
fonbere  3Sorfd^rift  beö  §  1695  Sled^nnng  getragen.  3in  Uebrigcn  l^at  ber 
©ntmurf  roeber  bem  95ater  unb  ber  aWutter  beö  SRünbelö,  nod^  bemjcnigcn, 
meld&er  bem  aWünbet  SSermogen  ^interfaffen  ober  jugemenbet  ^at,  baö  ?fic6)i 
eingeräumt,  bem  SSormunbe  bie  9lufna{)me  unb  ©inreid^ung  cineö  3noentareö 
JU  erlajfen  (oergl.  §§  1660,  1690—1692). 

2tuö  bem  93egriffe  ber  SBormunbfc^aft,  meld&e  bie  allgemeine  gürforge  ^^^^IJ^f  Jjf* 
für  ben  SMünbel  umfaßt,  folgt  Don  felbft,  bafe  aud&  in  ber  l^ier  fraglid&en 
^infiddt  jmifd^en  inlänbifd^em  unb  auölänbifd^cm  33erm5gen  ober  jmifd^en 
fold^em  SSermbgen,  meld&eö  innerhalb  beö  93cjirfeö  beö  93ormunbfd^aftögerid&teö 
ober  augerl^alb  beöfelben  belegen  ift,  fein  Unterfd^ieb  flattfinbet.  93efonbcre 
SSorfd^riften,  mie  ber  Sßormunb  in  3lnfel)ung  ber  il^m  obliegenben  SSerpflid^tung 
jur  Snüentarifirung  auömärtigen  33ermögenö  ju  ©erfahren  f)at,  finb  nid()t 
erforberlid^.  6ine  SBerpflic^tung,  fid^  unter  alten  Umftänben  an  Ort  unb 
Stelle  JU  begeben,  ift  felbftDerftänblid^  unmBglid^.  a3ielmel)r  fte^t  eö  i^m  frei, 
geeignetenfallö  93eamte  ober  93ef)örben  am  Orte  ber  belegenen  ©ad^e  um  3luf^ 
nafime  beö  Snoentareö  ju  erfud^en  unb  ju  biefem  ^roedt  fid^  aud^  an  baö 
aSormunbfd&aftögerid^t  ju  menben  (oergl.  Sßotioe  ber  preufe.  SSorm.  D.  ©.  70 ; 
anbererfeitö  preug.  31.  S.  SW.  II,  18  §  379;  öfterr.  ®.  93.  §§  22^—227;  ^ejf. 
@ntro.  IV  9lrt.  52  nebft  aWotioen  ©.  242). 

$Rad^  gemeinem  SRe^te  ift  bie  aSerföumung  ber  9lufna^mc  beö  SSer^ '^^^^^^l^^^^^^^ 
jeid^niffeö  mit  ber  3lbfefcung  beö  SSormunbcö  unb  ber  Suloffung  beö  SJlünbelö  fatilnsifii^t. 
jum  SBürberungöeibe  bebrolit.    Slud^  einige  neuere  5Redf|te  fnüpfen  an  bie 
Slid^taufna^me  beö  Sncentareö  befonbere  $Rad&tl[)eile  (t)ergl.  lübetf.  58orm.  D. 


1102     SSormunbf(6aft  über  SRinberjafirioe.    9tnocbnungcn  ©rittet.    §1660. 

§  34 ;  \)amb.  SSortn.  D.  Slrt.  28).    ®ö  reid^en  in  biefcr  SJejiel^ung  jebod^  bte 
allgemeinen  ®ninbfä|e  beö  SSormunbfd&aftßre^teö  (§§  1696,  1684,  1705  3h.  1) 
bejn).  beä  ^ßrojefered^teö  auö  (§  260  ber  S.  %  D.). 
«ngabc  SSon  felbft  ergiebt  [x6),  bafe  ber  aSovmunb  Dcrpflid^tct  ift,  in  bem  ^n- 

^f^xtn^tn.  ücntare  auä)  fotd)c  gorberungjp  anjugeben,  n)eld&e  il^m  felbft  gegen  ben 
aWünbet  ober  biefem  gegen  if)n  juftcl^en.  3n  bciben  SRid&tungen  treten  als 
golge  ber  Siid^tangabe  lebiglid^  biejenigen  SJad^t^cile  ein,  roeldie  an  ^ßflid^t:^ 
Verlegungen  bcö  SSormunbeö  nod&  ben  allgemeinen  (Srunbfägen  befi  aSormunb? 
fd&aftörecftteö  (§§  1696,  1705  3lx.  1),  nad^  Umftänben  aud)  beft  ©trafrcd&teö 
(§  266  beö  ©tr.  ®.  a.)/  gcfnüpft  Rnb.  S)ie  befonberen  9lad^t^eile,  weld^c  in 
beiben  Schiebungen  baö  gemeine  9ied^t  eintreten  läfet  (33erluft  ber  gorberung 
bejro.  Jlid^tbefreiung  burd&  S^ilgung  mä^renb  ber  SSormunbfd^aft)  —  Nov.  72 
c.  4 ;  ©euffert  XXVI,  249  —  führen  leid&t  ju  großen  gärten  unb  in  ber 
SGßeife,  roie  fie  von  bem  franj.  Siedete  beibehalten  fmb  (code  civil  Slrt.  451; 
ücrgl.  aud^  l)eff.  ©ntto.  IV  9lrt.  53),  ju  einem  nid&t  angemeffencn  gormatiömuö. 
©in  praftifd^eö  Sebürfnife  befonberer  Sled&tönad^tlieile  liegt  nid^t  üor,  roie  fd^on 
barous  ^en)orgel)t,  bafe  biefelben  ben  meiftcn  neueren  (Sefefeen  unbefannt  ftnb. 
93on  allen  befonberen  SSeftimmungen  in  biefer  SWid^tung  ift  bie  Seftimmung 
ber  l^amb.  SSorm.  D.  3lrt.  16,  metd&e  bie  5Rid^tanjeige  neben  ben  allgemeinen 
folgen  mit  Meinen  Oelbftrafen  bcbrol|t,  an  fid^  gcroife  nid&t  nur  bie  praftifd^ 
jwetfmöfeigftc,  fonbern  aud^  bie  bem  mobemen  (Sered^tigfeitsgcfü^le,  roeld^cfi 
an  ber  millfürli^en  §ärte  ber  röm.  ^rioatftrafen  Slnftofe  nimmt,  am  meiften 
entfpred^enbe.  (Sleid^roolil  ift  ein  SBebürfnife  einer  befonberen  ©trafoorfd^rift 
aud&  in  biefer  ^infid^t  nid^t  anjuerknncn. 

§  16()0. 

«norbnunden  SGßölirenb  baö  föd^f.  0.  S.  §  1926  unb  ber  bai)r.  ®ntro.  3lrt.  64  ben 

^bie  oerr  Sluorbnungeu  ber  ®ltern  afe  fold^er  einen  ©influfe  auf  bie  3Sem)altung  beö 
roaitunfl,  ajJünbeloermögens  überliaupt  beilegen,  ol^ne  Söefd^ränfung  auf  bafi  t)on  i^nen 
bem  aWünbel  ^interlaffene  SBermögen,  gewähren  anbere  SRed^te,  inöbefonbere 
baö  preu§.  21.  £.  SR.  II,  18  §  438,  bie  preufe.  aSorm.  D.  §  36  unb  bie  brem. 
aSorm.  D.  §§  89,  68,  nur  bem  ©rblajfer  (bie  brem.  aSorm.  D.  auc^  bem 
Sd^enfer)  bie  Sefugnife,  in  Slnfel|ung  beö  bem  SRünbel  l^interlaffenen  aSer* 
mbgenö  für  ben  äSormunb  Derbinblid&e  Slnorbnungen  über  bie  aScrroaltung  }u 
treffen  (oergl.  and)  meimar.  ®ef.  o.  16.  3uli  1881  §  4).  fiegtereö  mirb  aud) 
nad^  franj.  SRed&te  angenommen.  Db  nad^  gemeinem  Siedete  bie  Sefugnife  beö 
aSaterö,  Slnorbnungen  über  bie  aSermögenöDerroaltung  ju  treffen,  fid^  auf  baö 
von  i^m  t)interlaffene  aSermögen  bcfd^r&nft,  ift  nid&t  ol^ne  3w>^if^I  (oergl.  1.  5 

§§  8,  9  D.  de  administr.  26,  7 ;  1.  47  §  4,  1.  58  pr.  D.  eod.;  1.  1  §  2,  1.  14  D. 
de  reb.  eor.  27,  9 ;  1.  7  Cod.  de  administr.  tut.  5, 8?). 

anorbnungen  gg  loffeu  ftd^  uid&t  unerl)eblid^e  (Srünbe  bafür  anfuhren,  nad^  Slnalogie 

ber  ertem.  ^^^  g  ^^^^  ^^^  ^^^^^  ^^^  ^^^  SSlntttx  alö  aiuöflufe  ber  elterlid^en  ©eroatt 

baö  SWed^t  beijulegen,  über  bie  aSermaltung  beö  Sßünbelnermogenö,  o^ne  SHüdf* 
fid&t  barauf,  ob  biefelben  bem  3)lünbel  aSermögen  l)tnterlaffen  l^aben,  binbcnbc 
Slnorbnungen  für  ben  58ormunb  ju  treffen,  Dorbeljalttid^  ber  Scfugnife  beö 


uiijulutluti:!!,  iveiiii  uu»  ueitii  «quiuuitu  tute  is^qui^cuuiiy  oea  a/(unueiB  ju  iie= 
fotgen  ijl  (oergl.  audi  33eti(^t  bei-  fiommiffion  befl  pteiife.  ^erren^aufcfl  über 
ben  ©ntro.  bet  preufe.  Sotm.  D.,  1875  3!r.  39  S.  48).  Ucberroiegeribe  Oriinbc 
fpret^en  inbeflen  hagegen,  mit  bcr  etterlic&en  Oeitialt  übet  ben  Xob  befi  3n- 
fiobere  f)inau8  3(ac[|roirfiingen  bet  ^ict  ftaglic&en  9ltt  ju  nerbinben.  lierartigc 
Slai^Tolttungen  finb  poriÜB  itnb  bcsfiaib  nur  inforoeit  getedttfertigt,  als  ea  Dom 
Stanbpunfte  bee  ^nteteneS  beS  ältünbela  auS  bur<^  übcrroiegenbr,  ^iet  jeboi^ 
nic^t  onjuerlennenbe  (Srünbe  praftifc()er  S^^^t^äfeigfett  geboten  ift,  jumol  bie 
in  Stebe  fte^enben  9Inorbnungen  fic^  olä  ein  ©inc^riff  in  baa  hem  öffent= 
ticken  JRecdte  angc^örenbe  Siormunbidioftsre^t  batftellcn.  23aß  ^iotütlii^ere 
unb  atngemeRenere  ift  eS,  roenn  über  bie  91tt  bet  gürforge  für  faoS  Sßetmögcn 
bce  aJIünbele  baa  pftii^tmäfeige  ©tmenen  bca  SJonnunbea  entfi^eibft,  ba  bic 
3roetfmä&igteit  einer  Stnorbnung  ber  ^icr  fraglichen  aitt  roefentlic^  boDon  ab- 
Elfingt,  bofe  biefefbe  auf  @ninb  ber  Sicrt)äItniRe  bcr  unmittelbaren  Oegenroart 
erfolgt,  ber  Sßormunb  aber  biefen  ißetpltniffen  in  gebül)renbet  9Bei|e  9tccf)nung 
trogen  Tann,  roäfircnb  bie  Eltern  nid)f  im  ©tonbe  fmb,  ju  überfeticn,  ob  unb 
inroieroeit  if)rc  ainotbnungm  oudi  für  bie  3w^""ft  bem  ^"'«tffle  beä  ailünbels 
entfptec^en  roerben.  2)ent  ißormunbe  in  biefet  ^infidit  auf  ®runb  ber  3ln= 
orbnungen  bea  aSatere  ober  ber  SDJutter  traft  Äecfitenfl  geifeln  anjulegen,  tann 
bealiatb  leicht  bem  ailünbci  el)er  jum  9!od)tt)eitc  ale  jum  aSort^cile  gcteiifien. 
S)iefe  Oefa^r  wirb  oud)  ntt^t  DöÜtg  befeitigt,  roenn  man  beftimmt,  ba^  mit 
(Senedmigung  bea  ^otmunbfi^aftagen^tcö  non  ben  Slnorbnimgen  bea  Katers 
ober  bcr  IKutter  obgcroii^cn  roerben  fönne,  fofcrn  oua  beren  Sefotgung  eine 
(Sefä[)rbung  bes  ^ntereifea  bea  aJIünbete  ju  beforgen  fei.  3"bem  entfptiiit  ee 
bem  ^rinjipe  ber  Sctbftänbigfeit  bea  Siormunbea  mcl)r,  roenn  man  bie  ©nt^ 
fc&eibung  bec  groge,  ob  ca  im  3nteref|e  hei  ÜHünbelö  liegt,  bie  änorbnungen 
ber  ®[tcm  jU  befotgen,  nid^t  in  bie  ^aub  bes  aSormunbf^aftageric^tca,  fonbern 
bea  aSotmunbea  [egt  unb  »on  beffen  pftiditmä^igem  gimeffen  abtjüngig  mad|t. 
üDer  ©efiditepuntt,  ba^  bie  bem  SKünbef  unb  ben  ^ier  in  Setta^t  tommenben 
a3n[;ältni(fen  am  nödiften  flefeenben  ©[tem  am  beften  ju  beutt^cilen  in  bet 
Sage  feien,  roelc^e  art  ber  gürfotge  für  bos  Vermögen  bcö  SJIünbela  bem 
Snfereife  beä  legieren  norjuganieife  entfpre^e,  unb  baß  best)alb  i^re  Slnotbnungen, 
»on  meieren  corauagefefit  roerben  bütfe,  bafe  bie  ©Itern  fie^  babei  non  bcr 
Siebe  ju  ilirem  Slinbe  unb  oan  bem  ^"tereffe  bea  [enteren  Ratten  feiten  lafjen, 
befonbere  %rücEfii§tigung  uerbienten,  nöt^igt  nii^t  baju,  ber  ©clbftänbigfeit 
bea  Sormunbea  in  ben  ^icr  fraglic&cn  S8eiie£)ungen  rec^tlic^e  Sc^ranten 
ju  fegen.  3lu^  roenn  er  on  bie  ätnorbnungcn  ber  eitern  nid)t  gebunbcn 
ift,  fo  ift  boi$  iü  beacEiten,  bog  benfe(6en,  roenn  audi  feine  re^tUt^e, 
fo  bod(  eine  motaUfd)e  Jttaft  inncroo^nt,  roelc(ier,  foroeit  bie«  im  3ntercifc 
bes  aWünbelä  liegt,  aui^  ber  aSotmunb  fid)  nidtit  entjieften  roirb.  3m 
Sntereffe  ber  Kontinuität  ber  Sermügenanerrooltung  roirb  er  auf  Icgtroillige 
9Inorbnungcn  ber  ©Item  nii^t  minber  gcbu^renbe  SRütfRdit  nefimen,  als  auf 
ben  buri^  bie  bia&erige  9ttt  ber  93ernio[twng  tiintfäc^iic^  tunbgegcbencn  aßiUen 
berfclben.  %ü-c  bie  Snerfennung  ber  tec^tiii^en  Sinbung  beä  Sßormunbefl  an 
bie  ^ier  in  9tebe  ftelgenben  älnorbnungen  Conn  man  ft*^  a^ä)  nicf)t  auf  bie 


1104     aSormunbf^aft  üBcc  SWinbcriäfinfle.    Snorbnunßen  Dritter.    §1660. 

Analogie  bcr  »eftimmunocn  bcö  §  1635  3lt.  1,  2,  beö  §  1636  unb  1652  SÄbf.  4, 
foroic  bericnigen  Scftimmungcn  berufen,  roeld^c  beti  ßltem  bie  SBefugnife  bcU 
legen,  bcn  Don  i^nen  benannten  SSormunbern  burd^  Icfttwilligc  SSerfügung  Qt:^ 
TOiffc  Befreiungen  ju  ^^eil  werben  ju  toffen  (§§  1690  ff.).  3^^^  I)onbcIt  eö 
pd^  anä)  in  biefen  gälten  um  9lad^n)lrfungen  ber  clterlid^en  ©croalt  für  bie 
3eit  nad^  bem  ^obc  beß  betreffenbcn  ©Iterntl^cilcö  unb  um  SInorbnungen  für 
bie  3wfunft;  inbeffen  ift  in  biefen  fallen  bod^  bie  ©ad^logc  infofem  eine 
mefentlicö  anbere,  als  bie  5ßerfönUd^feit  beö  .benannten  SSormunbeö  unb  bie 
perfönlid^en  ®igenfd^aften  bcöfelben,  meldte  ben  SBater  ober  bie  3ßutter  ju  bcn 
^Befreiungen  bcftimmt  tiaben,  weit  fettener  im  Saufe  ber  3^i*  f^^  änbern,  afö 
biejenigen  Sßerl^ältniffe,  meldte  für  bie  Slnorbnungen  bcr  6Itern  über  bie  SBer* 
mattung  bes  aJlünbetoermögcnö  mafegebenb  geroefcn  pnb  unb  bcren  gortbaucr 
bie  ®ttern  bei  i^rcn  2lnorbnungen  Dorauögefefet  ^aben.  S)aju  tommt,  bo§  bie 
Befreiungen  bem  SSormunbe  feine  Süffeln  anlegen  unb  if|u  in  feinem  freien 
©rmeffen  nid^t  beengen,  gür  ben  ©tanbpunft  beö  ©ntmurfcö  fällt  ferner  inö 
(Seroid^t,  bafe  bcrfetbe  mit  bem  in  ben  mciften  SRed^tßgebieten  gcttenbcn  JRed^te, 
namentlid^  mit  ber  preufe.  SBorm.  D.,  im  ©inHange  ftct)t. 
bc«  Stuf  ber  anbcren  ©eite  empfie^tt  eö  fid&,  im  Stnfd^fuffe  an  bie  preufe. 

mv^TC  3}orm.  D.  unb  bie  übrigen  oben  ©.  1102  angefüfirten  SRcc^te  bem  erblaffer, 
meld^em,  mie  in  ben  gälten  ber  §§  1287,  1347,  1510,  1517,  fo  oud&  ^ier  bcr^ 
ienige  glei^äuftellen  ift,  meld^er  bem  SWünbel  einen  SSermogenögcgenftanb  burd^ 
SRed&tögefd^äft  unter  Sebenben  jugeroenbet  ^at  (Dergl.  brem.  aSorm.  D.  §  89; 
ba^r.  ©ntio.  Sttrt.  64),  bie  Scfugnife  einjuräumen,  nad&  SWafegabe  beö  §  1660 
in  9lnfet|ung  ber  bort  bejcid&neten  ©egenftänbe  für  bcn  SSormunb  oerbinblic^c 
Slnorbnungen  über  bie  SSermattung  ju  treffen.  2)urd&  bie  l^ier  in  JRebe 
ftetienben  S3eftimmimgen  werben  bie  allgemeinen  (Srunbfäfee  beö  ©rbred^tcö 
unb  bcö  Dbligationenred^teö  in  Betreff  ber  grage,  inmicroeit  berjenige,  rocld^er 
bem  SKünbel  SBermogen  J^interläfet  ober  burd^  Med&tögcfc^äft  unter  Sebenben 
93ermogenögegenftänbe  jurocnbct,  Slnorbnungen  über  bie  SJermattung  ber  hinter* 
laffenen  ober  jugeroenbeten  (Segenftänbe  in  ber  gorm  ber  Bebingung,  bcr 
SBorauöfefeung  ober  ber  Sluftage  mirffam  treffen  fann  (Dcrgt.  §§  448,  742, 
1781,  §§  1886  ff.),  überall  ni^t  berül^rt.  2)ie  Beftimmungcn  bcö  §  1660  bc* 
jiel^cn  fid&  t)iclmcl^r  auf  fotd^e  gälte,  in  meldten  bie  bctreffenbe  Slnorbnung 
nic^t  ben  Äarafter  einer  bcr  SScrmögenöjumcnbung  beigefügten  Bebingung, 
33orauöfe^ung  ober  Sluftage  ^at.  Slntangenb  inöbefonbere  bie  Sluftage,  fo  bc* 
ftet)t  baö  SBcfen  berfetben  barin,  bafe  bem  Bebad^ten  eine  obligatorifc^c  SBer* 
pflid&tung  auferlegt  mirb.  3n  bcn  ^ier  in  9lebe  ftcl^cnben  gälten  l^anbett  eö 
fid^  bagegen  um  Slnorbnungen,  metc^e  nid^t  ben  Bebad^ten,  bcn  SDlünbel,  be* 
taften,  fonbern  für  ben  Bormunb  bei  gü^rung  ber  93ormunbfd^aft  in  Slnfc^ung 
ber  bem  SJiünbel  l^intcrlaffenen  ober  jugeroenbeten  SBcrmögenögegcnftänbc  eine 
^ftiddt  gegenüber  bem  SWünbel  begriinben  foUcn.  ©old&e  Slnorbnungen 
mürben,  ba  fie  nii^t  ben  Äaraftcr  einer  Sluftage  l^abcn,  fonbern  bie  Siegelung 
bcr  bem  Söormunbc  atö  fold&em  obliegenben  Dormunbfd&afttid&en  SSerroattung 
betreffen,  mittiin  in  bie  bem  öffentlid^en  Siedete  angeprenben  Bcftimmimgen 
beö  33ormunbfd^aftörcd&teö  befd^rän!cnb  eingreifen,  in  ©rmangetung  einer  bc* 
fonbcrcn  Bcftimmung  ol^nc  rcd^ttid^e  SBirfung  fein.    2)ic  3^löfiwi^9  fotd^cr 


I 


ciiiiuycii  »ui.  Hill  VJn:iKi^iiiiyuiiy  u(u  wiiiiuiiu|U)U[iu})tiiu)ii;u  uu]|4)[i|i(ii     3iainin> 

joerben  barf  ((übccf.  5Botm.  D.  §  28;  ^omb.  3Jorm.  O.  ^rt.  53;  lorimat.  @ef.  «^»b*»*- 
V.  27.  aWätj  1872  §  50;  oergl.  ferner  fäi^f.  ®.  SB.  §  1925;  bavfi.  Entm.  9[rt.  61 
9Ibf.  2).  dagegen  gcftüttet  bie  preufe.  iöorni.  D.  §  37  bcm  SJormunbe,  felbftflnbig 
bas  ©tammuennögcn  anjiigreifen,  rocnn  bie  Eiiitünfte  bcajelbett  jur  öeftreitung 
ber  ©rjie^ungstoflcn  nic^t  ausreii^cn.  SDer  Entrourf  ift  ber  prcufe.  SJorm.  D. 
gefolgt,  o^nc  bofe  efl  einer  a«6brütf[id)en  Säcftimmung  in  biefcr  ^infic^t  bebürf. 
©ne  Sorfi^rtft,  rocld)e  ben  Sßormunb  in  ber  SSeriDenbung  beS  StammDermögen« 
ju  ben  Äoftcn  bcs  Unterljoltcö  unb  ber  ©rjieliung  be8  aJlünbetfl  bcfrfiränd,  Iiot 
prQftifdben  ifflertt)  überhaupt  nur  für  fol^e  giSIle,  in  roelijeti  bie  ©inffinftc 
bca  aJIimbelDermögens  üUenfaDö  boju  ausreißen,  ben  'iDIünbel  ju  untctfwlten 
unb  iu  einem  mit  geringeren  Slufroenbungen  uerbunbenen  Berufe  auajubtlben, 
in  loel^en  es  jebo^  in  ^ragc  fommt,  ob  eö  nicfit  im  ^nterelfe  beö  'iOIünbeld 
angemeftener  ift,  bcmfctbeit  eine  mit  größeren  Soften  uerbimbene  (Srjic^ung 
unb  atusbilbung  ju  Zf)eH  roetbcn  ju  laflcn  unb  ju  biefem  Srofäc  bü9  3tomm; 
nermögcn  bc8  'älliinbele  ganj  ober  t^cilroeife  ju  oermenöen.  ^ällc  biefer  9lrt 
ftnb  aber  bie  felteneren.  3n  ber  großen  3)ie]&rjal)[  ber  "^aUe  reiben  bie  ein= 
fünfte  beS  'üJÜinbeitiermögena  ju  bem  Unterhalte  unb  ä^f  ©rjieliung  beö 
3KünbeIs  ni(f|t  ouä,  fo  bo6  c9  ni^t  jnictfetÖQf'  ff*"  tann,  ob  bae  StQmni= 
BcrmBgen  äu  biefem  '^meic  oermenbet  rocrben  foU.  2egt  bas  Oefeß  bem  5ßor= 
munbe  bie  ^j^idtil  auf,  in  allen  bicfcn  fällen  bie  ®enel)miguitg  beö  aSop 
munbfc^aftsgcri^teö  ju  ber  aSermenbung  oon  ©tammoermögeH  bcs  lB!iiibel6 
ium  Bwetfe  bea  Unler^altce  unb  ber  erjie^ung  beafelben  einjutiolcn,  fo 
erroäi^ft  baroitä  ni(fet  allein  ben  95ormürtbcrn,  fonbcrn  aud)  ben  Siormunb: 
f^oftageriiftten  eine  grofee  Selaftigung,  roeli^e  ju  ben  SßDrt&eilen,  rocl^e  man 
fi(^  aus  einer  ben  Siormunb  in  ber  ^ict  fraglichen  liinfic^t  befi^räntcnben 
Sßorfcfiriff  iierfprid)t,  in  feinem  ller^ftltniffe  ftef)t.  3)ajU  fommt,  bafe  Mc 
93ormunbfd|QftBgcric[)lc  bei  ©ntfcfteibung  ber  t^rage,  ob  bas  StommDcrmögen 
angegriffen  roerben  joll,  um  bnburi^  eine  beffere  ©riie^ung  beö  5D!iinbeIö 
unb  bie  Stuabilbung  bcöfelben  ju  einem  (jo^eren  Serufc  ju  ermöglidien, 
erfalirungamäSig  oft  >,a  ängftlicfi  ocrfabren  unb  jum  ©c&aben  bcs  fünftigen 
gortlommena  bes  ^iinbcla  auf  bie  etf)a[tung  befl  ©tammnermügenfl  ju  grofeefl 
®eroi(f)t  legen. 

3.  5!erf(!&iebcne  ©efe^gebimgen  beftimmen,  bofe  bei  ber  Sorge  für  bie  '»«"*  »" 
^erfon  bes  älJünbelö  auf  bie  3tnorbnungen  ber  ©Itern  9tücffi(f)t  genommen  "  """**"' 
werben  foUe  (Dcrgl.  1.  1  §  1  D.  ubi  pup.  '27,  s;  preufe.  9t.  id.  SU.  11,  18 
§§  312—310;  fÖ^f.  @.  93.  §§  1922,  1926;  roeimar.  ®ef.  V.  27.  «lärs  1872 
%  41 ;  (übetf.  aiorm.  C.  §  27;  befi.  ©ntro.  IV  3trt.  48;  baqr.  Gntro.  SIrt.  59, 
64),  3)ie  ®rünbe,  aua  roeldten  ber  entniurf  in  Uebereinftimmung  mit  ben 
übrigen  neueren  ©cfeßen,  inflbef.  mit  ber  prcufe.  SJorm.  C  (oergl.  jeboi^  Urt^. 
b.  3}.  ®.  bei  ©ru^ot  XXVll  ©.  1051),  Slnftanb  genommen  t)ot,  bem  5Bater 
unb  ber  a)!utter  ale  9Iu6flu6  ber  elterüiicn  ©cioall  nac&  üKofegabe  ber  3ior: 
fdiriftcn  beö  §  1636  ta^  'Jieiit  beijutegen,  binbenbe  3lixorbiiungen  für  ben 
Stormunb  in  ber  9lrt  mi  treiten,  bafe  biefelbcn  i,\\  bcfpl((cn  fiub,  (offrn  tii<tit 
fllio    bcrni   'ilqulaunii    .;;;;.;    .■!!;,  h:i,l;;    (^■.vr.ihi.Mii!,)    ^l■■i    A"i;!;]i;''''.-..   j:    l'.iV'jni 


1106  aSormunbfd&aft  über  SDltnberl55riflc.    ©cßenfungcn.    §  1661. 

fange  ber  S)ritte  lebt,  beffen  Suftimmung  ju  einer  Sttroeld^ung  t)on  ben  Sln^ 
orbnnngen  erforbertid^  unb  genügenb  ift. 

3luß  ber  ^a^m^  beö  §  1660  3lbf.  1  ©afe  2  ergiebt  fid^  übrigens  jur 
©enuge,  bag  cd  bem  pfftd^tmäfeigen  ©rmeffcn  beö  SSormunbeß  überfaffen  bleibt, 
ob  SBeronlaRung  Dorlicgt,  bie  Oenel^migung  beö  S8ormunbfd^aft«gerid6tcfi  ju 
einer  3lbn)eiciiiung  einjul^olen,  unb  baß  er  geeignctenfaUö  bem  SBormunbfd^afte:? 
gerid^te  Slnicigc  ju  ntadden  perpflid^tet  ift,  anbererfeitö,  ba^  aud^  für  einen 
einjefnen  gall,  unter  fonftiger  Slufred^ter^altung  ber  Slnorbnung,  Don  ber 
lejtercn  abgeroid^en  werben  fann. 


§  1661. 

e^hxntn  3)er  ©runbfafe,  bafe  ber  SBormunb  eine  ©d^enfung  für  ben  3Rünbel 

b«n  sRflnbei.  "^^*  t)omef)men  fann,  ergiebt  fid^  auft  bem  Sw^^cfe  jeber  SBerroaltung  eines 

oermöflett.  frembeu  S8erm5gend  unb  fte^t  mit  bem  gemeinen  SRed^tc,  foroic  mit  ben  neueren 

©efefecn,  inöbefonbere  bem  preu§.,  franj.  unb  fäd^if.  SHcd^te,  im  6inf(ange 

(Dergl.  1.  12  §§  2,  3,  L  13  §  2  D.  de  administr.  26,  ?;  preufe.  Sorm.  D. 
§  38;  fäd^f.  ®.  85.  §  1947;  meimar.  ®cf.  t).  27.  aRärj  1872  §  55;  bagr. 
©ntn).  Slrt.  76). 

5£)a  bic  tJoffung  beö  §  38  ber  preuß.  SSorm.  D.  ju  bem  3n>^if^l  SScr^^ 
anlaffung  gegeben  f)at,  ob  baä  SBerbot  beö  §  38  aud^  auf  ben  gatt  fid^  bejie^e, 
in  metd^em  eine  ©d^cnfung  Don  bem  SWünbel  mit  ©inroilligung  ober  ®c* 
ne^migung  beö  SBormunbcö  oorgcnommen  merbe  (ocrgl.  Urt^.  b.  SR.  ®.  bei 
®rud^ot  Beiträge  S3b.  XXX  ©.  1046),  fo  ift  eö  alö  angemeffen  erad^tet,  im 
§  1661  auöbrüdEIid^  l^eroorjul^eben,  bag  ber  §  1661  auc^  auf  jenen  %aU  fid^ 
crftrectc,  obwohl  bem  ©ntmurfe  ganj  allgemein  baö  ^rinjip  ju  ®runbe  liegt, 
bafe  einerfcitö  bie  gcfefelid^e  SSertretungömad^t  aud^  baö  SRed^t  beö  gefefclid^en 
aSertreterö,  ju  SRed^tögefd^fiften  beö  SBertretenen  bie  erforberlid^e  ©inroiHigung 
ober  ®enelimigung  ju  ertl^eilen,  anbererfeitö  bic  Sluöfd^liefeung  von  ber  gcfeß- 
lid^en  aSertretung  aud^  bie  Sluöfd^liefeung  jeneö  SRed^teö  umfaßt. 

umfonsbei  ^ti  ber  prcuß.  Suriöprubenj  befte^t  ©treit,  ob  baö  in  ber  preufe. 

^iJSotS*'  aSorm.  D.  §  38  auögefprod^ene  ©d^enlungöüerbot  nur  auf  ©ddenfungen  im 
juriftifd^en  ©inne  ober  aud&  auf  fonftige  Sibcralitäten,  meldte  nic^t  ©d^cnfungen 
fmb,  }U  bejiel^en  fei.  35er  ©ntmurf  uerftel^t  im  §  1661  unter  ©d^enfungen 
nur  ©d^cnfungen  im  engeren,  juriftifd^ien  ©inne  (§§  437—439).  ©in  Sebürfniß, 
baö  aSerbot  beö  §  1661  auf  fonftige  Siberatitäten,  meldte  nid^t  ©d^enlungen 
in  bem  bejeid^neten  ©inne  finb,  auöjubel^nen,  liegt  nid^t  Dor.  3^^  ben  t)or^ 
jugömeife  bier  in  S3etrad&t  fommcnben  göDen,  nämlid^  in  btn  gäUen  ber  Suf* 
gäbe  ober  SJlinberung  ber  für  einen  3lnfpru^  beö  SMünbclö  beftellten  ©ic^er* 
bcit,  beö  ©rboerjid^teö,  ber  Sluf^ebung  cineö  Dcrtragömäßigen  ©rbred^teö,  fomie 
ber  Sluöfd^lagung  einer  ®rbfcbaft  ober  cineö  aScrmäd^tniffcö,  meldte  angefallen, 
aber  nod^  ntdftt  angenommen  finb,  ift  ber  aBünbel  gegen  einen  ÜRifebraud^  beö 
bem  aSormunbc  juftcbenben  SRcd^teö  ber  aSermogenöocrmaltung  baburdd  genügenb 
gefd^üfet,  baß  bic  SBirffamfeit  icner  SRcd^tögefd&äfte  Don  ber  ®ene]^migung  beö 
aSormunbfd^aftögcrid^teö  abfjängig  gemad^t  ift  (oergt.  §  1674  SRr.  13,  §  1957 
2lbf.  3,  §  1962  3lbf.  2,  §  2020  3lbf.  1,  §§  2043,  1873).    S)ie  »uöbe^nung 


I'ic  Ülorfdjrift  beS  S  lf>58  ciitfvcid)!  bcm  §  1508  uiib  bcn  ©ciDögungcn,  « 
auf  rodi^cu  Wie  aSorfiijnft  bmi^t  (wrgl.  bai)r.  Sfligionöfbitt  v.  2«.  )Slai  1818  " 
g  22;  ^aiinoD.  SJetorbn.  d.  7.  Cttober  1823  §  55;  bab.  ®cf.  d.  9.  Otlobcr 
1860  g  2;  iBciinar.  ebift  n.  7.  Cftober  1823  §  55;  fronff.  föcf.  ».  5.  Sep= 
lember  1811  2Irt.  U  unb  ».  30.  Sejmbcr  181!) ;  luntbeö.  ®cf.  ö.  28.  Sifirj 
1827  §  4;  prnife.  3[.  S.  9i.  II,  2  §§  753,  754  iiebft  3[nb.  §  104J.  Sic  9twf= 
nat)mc  einer  ©cftimmung,  bofe,  roeim  bec  Sliiinbet  i:a(^  'ifnftgabe  bct  3ior= 
(c^riftcn  über  bie  reüfitöfe  SräieEjiina  iiidit  in  bcm  religiöfen  Sicfcnntniüe  bcS 
•BormnnbcS  ju  eräieljeii  ift,  bcm  legieren  inforoeit  bie  Sorge  für  bie  ^erfon 
bea  ajfünbelo  uoit  bcm  SCormiinbfdjaflfigeriditc  cntjogen  loerbcn  fönnc,  um 
nöt^igenfalls  eine  rücthattelofe  Befolgung  bcr  fiir  Die  religiöfe  Öriicftung  be« 
■•Ktiinbele  maögcbcnben  ilSorfdiriftcn  511  (id)crn  tmb  imbcreAtigtcti  ßiiiflüf)cii 
in  biefcr  Sejicliung  cncrgifift  entgegentreten  jn  Eönncn,  ift  \\\d}t  als  anflcmefim 
erachtet,  jumol  ber  entimirf  eine  bcm  g  lil  3Ib|,  2  bcr  preu^.  iÖorm.  D.  ent= 
fprecficnbe  SSorf^rift  nid)t  aufgenommen  [)«t.  Iiie  ©rünbe,  meiere  ju  bct 
^Jlid)taufnQl)me  biefcr  Icßtcren  3iorfi^rift  gcfiifirt  !)abcn  (DCi-g(.  ätJotiue  ju 
§  Iß-SS  oben  3.  lom),  treffen,  mciiigftcnä  .iiirn  Ji)cil,  and}  l}\n  },u. 


§  i(;r);t. 

Eie  3Jcr;ifIid]tung  bcS  ^iormunbeö   juc  3;nucntnrifQtion  bcö  4,'Iimbci-  -i' 


netmogcnö  ftetjl  mit  bcin  gemeinen  ;>icd}le  unb  ben  neueren  Ölcfegcn  im  @in' 
[lange  (ocrgl.  preitfe.  91.  li!.  ;H.  II,  IS  §§  37«  ff.;  prenfe.  ißonn.  C.  §  35;  *' 
öfterr.  (S).  93.  g  222;  iwie  civi!  9trt.  451;  fäiftf.  @.  33.  g  1906  nebft  bct 
proöif.  ®er.  D.  §  47;  bonr.  ■Jlotariategcf.  v.  10.  ^ionembcv  1801  9lrt.  10; 
TOcimar.  C^ef.  v.  27.  atfärj  1872  %  45;  tübecf.  ^orm.  C.  §  35;  brcm.  Sorm.  C. 
g  35;  homb.  ';öomi.  D.  91r{.  20;  tieif.  entro.  IV  SIrt.  49,  50;  bai)r.  (Siitiü. 
9Irt.  65).  Ter  (Sntrourf  faßt  bie  im  §  1659  beftimmte  ^flid)t  bes  Sormunbcs 
lebigtid)  als  eine  publijiftif^e  *^Jftitftt,  nic^t  jiigieiii)  aia  eine  prioaltcditltdic 
¥flid)t  gegenüber  bem  '.üüinbel  auf.  S)er  Siormunb  fnnn  batict  nac^  5hif- 
na^ime  bca  ^nncntoreö  nidjt  elioa  auf  ÖSrunb  bes  g  777  jut  Slbtctftung  bce 
Offenbarungöeibeö  anfleljfllten  roetben.  i^ogcgen  ift  er  nadj  söcenbigung  fcincö 
üEinmmbfd)aft!i(i)cn  Sfmteö  in  3!etbinbung  mit  bcr  'itetpilid)tung,  bem  "Dlünbcl 
ba&  öon  ilim  Dcrronitete  Vermögen  Ijeraufisugcbcn  unb  über  bie  Jierroaltung 
SHecfinung  }\i  legen  {§  1700),  auf  5Bcrlangen  bes  Üiünbels  bcjro.  beffen  gefeg; 
liefen  aiicrtretcrö  ben  OffenborungSeib  nnd)  iViofegabe  bcs  g  777  abjiilctflcn 
uerpRiditet  (üctfll.  SHotioc  ju  g  1700). 

"l|ad)  bem  iöorgange  bcö  gemeinen  3ied)teö  fi^reiben  Bctfcbiebcne  ber  !■ 
nnsefiiljvten  neueren  (Sefe^f  füt  bie  ©tric&tnng  bcs  3"Dentarcfi  eine  öffentlidje  ' 
^orm  Dov;  botft  geftatten  einige  berfetbeii  baneben  für  einfad&ere  iÖecI)äItniffe 
aui^  eine  Slnfnaijme  unter  bcr  ,öanb  ober  unter  iöeobQ(^tung  geringerer  ^önn: 
Urteilen.  Sagegen  ^aben  bie  meiften  neueren  (^cfepgebungen,  inöbefonbece  bie 
prcnfe.  aJorm.  C,  bas  fädjf.  ;)kd)t,  ba^  rocimar.  ®cf.  ».  27.  Ülarj  1872  unb 
ber  bai)t.  Gntni.,  hoä  tftfptbernife  einer  BffentÜcften  ^orm  ganj  aufgegeben. 


iiioiitrfliiijt 


1108         aSormimbfdbaft  über  SKinberiäl&rigc.    (SnrerBöocWäff.    §  1663. 

fDlünbcIgcIbcr  niddt  in  feinen  Stuften  pcrrocnben  (oergl  1.  7  §§  4, 10, 12  D.  de 
administr.  26, 7;  preu§,  31.  S.  SR.  II,  18  §  486;  fäd^f.  ®. ».  §  1937;  roeimar. 
Ocf.  t).  27.  m&xi  1872  §  58;  l^amb.  SSonn.  D.  ärt.  62;  ^cff.  ©ntn).  IV  ärt.  59; 
bo^r.  6ntn).  2lrt.  75),  auä)  nid)t  —  abroeid&cnb  Dom  röm.  unb  ßcmcinen  SWcdbtc 
(1. 9  §  7  D.  de  administr.)  —  in  bcr  gorm  eincö  SJarlcl^enö  (üergl.  §  1651  3lv,  1). 
9lbcr  a\iä)  bcr  blofee  ©ebraud^  Don  SRünbelfad^en  ift  bcm  SBormunbe  burd)  bie 
^orfd^rift  bcö  §  1662  untcrfagt  (oergl.  §  793),  fofern  il^m  bcrfelbc  nid^t  biird^ 
ein  gültiges  Sttbfommcn  jugcftanben  ift. 

^anbclt  bcr  SSormunb  gegen  bic  33prfd()rift  bcö  §  1662,  fo  treffen  i(|u 
nad^  ben  Umftönben  bie  ntel^r  ober  ntinber  ftrcngen  golgcn  pflid^troibrigeti 
^anbelnö,  inflbefonbcre  haftet  er  bem  3WünbeI  njcgcn  Sd^abenöerfofteö  (oergL 
§§  1684,  1696,  1697,  1705  3lv.  1  bcö  (Sntn).;  §  266  bcö  ©tr.  ®.  93.). 


1663. 

«efiinn  unb  SBcgcn  bcr  Scgrünbung  bcr  SBorfc^rift  beö  §  1663,  roeld&e  fid^  an  äl^n* 

*dne«"^  lid&e  aSorfd^riften  Dcrfd&icbencr  neuerer  ©efeftc  Qnfd()Iie6t  (Dcrgl.  preu^.  31.  S.  91. 
s^ÄiuV.  ^^'  ^^  §§  605 ff.;  preufe.  58orm.  D.  §  42  5Rr.  9;  öftcrr.  @.».  §  223;  lübcrf. 
SBorm.  D.  §  59;  brem.  SSorm.  D.  §  68;  l^amb.  aSorm.  0.  3lrt.  29;  roeimar. 
®cf.  t).  27.  aKärj  1872  §  52  lit.  a;  Ijcff.  (gntro.  IV  3lrt.  86—90;  ba^r.  ento. 
3lrt.  66  3lx.  1),  roirb  auf  bie  aWotit)e  ju  §  1515  oben  ©.  768  ff.  93cjug  genommen^ 
©ort  fmb  oud^  bie  Oriinbc  bereite  bargcicgt,  quo  rocid&cn  ibcr  ©ntrourf  im 
©egenfaftc  ju  ber  SSorfd^rift  beö  §  1515  l^ier  and)  bie  Sluflöfung  cineö  bcfte^cnbcn 
©rroerbögefd&öfteö  burdd  bcn  aSormunb  an  bic  ©cnel^migung  beö  aSormunbfdbaftö* 
gerid&tcö  binbet.  3"^  ©rgänjung  bcr  tcbiglid)  ben  Äaraftcr  einer  Drbnungö* 
Dorft^rift  an  fic^  tragenben  Scftintmung  bcö  §  1663  bicncn  bie  SBorfd&riften 
beö  §  1674  9lr.  5,  7,  14  t)erb.  mit  §  1681  (ocrgt.  aufeerbcm  §  1680). 


§  1664. 

Änfeflunfl  S)ic  Scftimmungcu  bcö  §  1664  gelten  oon  bcr  bem  ®ntn)urfc  überhaupt 

^^^^  jw  ©runbc  tiegenben  3luffanung  au'ö,  bafe  bic  aSerroaltung  bcö  ÜÄünbct 
t)ermögenö  an  fid&  in  ber  ^anb  bcö  SSormunbcö  liegt,  nid^t  aber  von  ber 
Dbcroormunbfd^aft  geführt  unb  geleitet  wirb.  SJcmgemSfe  ift  cö  ©ac^e  bcft 
aSormunbeö,  ben  für  bie  aSermögenöDcrroaltung  im  3lllgemeinen  inncju^altcnben 
|)auö]^aItöpIon  aufiuftcUcn  unb  fclbftänbig  ju  ermcffen,  roiemel  er  alö  33etriebö« 
fonbö  für  aScrroaltungöfoften  unb  Untcrl^alt  bcö  SKünbelö  in  ^änbcn  bel^altcn 
mufe,  Dorbel^altlid)  feiner  eigenen  aSerantmortlic^fcit  für  fd^lcd^te  aScrmaltunft 
(§  1696)  unb  bcö  nad^  allgemeinen  Orunbfäftcn  cintretenbcn  äuffid&törcd^tcö 
ber  Dberoormunbfd&aft  (§§  1684  ff.);  nid&t  aber  ift  il^m,  mic  bieö  nad^  franj. 
Siedete  ber  gaD  ift,  ein  bcftimmter  ^auötialteptan  Don  ber  Dberoormunbfd^aft 
Dorjufd^reibcn  unb  bie  ©umme  ju  beftimmen,  mit  merc^er  bie  aScrpflid&tung,. 
oor^anbene  93aarfd&aften  ju  belegen,  für  if|n  beginnt  (oergl.  code  civil  Strt.  454,. 
455;  lieff.  ®ntro.  IV  3lrt.  57;  hax)x.  ®ntn).  3[rt.  66  3lx.  1,  4). 

35ie  aScrpflid^tung  bcö  SSormunbeö,  Dcrfügbarc  SWünbelgelber  jinöbar 
anjutcgcn,  ift  t)on  fämmtlid^cn  9?ed()ten  ancrfannt.    35ie  entgegengefejtcn  SSor* 


t^riftcn  ber  iuftinianifd^cn  ©cfcfegcbung  (Nov.  72  c  2—4)  jtnb  aud^  gemein^ 

xtä)tl\ä)  nid^t  praftifc^  gcroorbcn.    2BÄl)renb  ba^  frang.  Siedet  befonberc  SBor^ 

fd&riften  über  bic  9ln(cgutig  uon  ÜRünbcIgelbcrn  in  beftimmtcn  SGBcrtf)cn  nid^t 

«uf [teilt  (oergl.  ©ntf^.  b.  31.  ®.  in  6it)i(f.  VIII,  74),  entgolten  bic  beutfd^en 

iSefeßc  in  bicfer  Scjie^ung  regclmäfeig  eingel^enbc  SBorfd^riften  (üergl.  bie 

SufamnienftcKung  bei  ^tä)i,  3JlmbcU  unb  ©tiftungögelber,  1875,  ©.  1.53, 

205,  220;   aufecrbem  preiii  SBorm.  0.  §  39;   lübedE.  ®cf.  t).  20.  SRai  1877; 

roeimar.  ®ef.  d.  16.  3uli  1881;  meining.  ®ef.  v.  12.  3lpril  1882;  brem.  ®cf. 

V.  15.  aWärj  1887;  braunfd&ro.  ®ef.  ü.  8.  gcbruQr  1883;  \)amh.  aSorm.  0.  t). 

14.  ©ejcmber  1883  3lrt.  45,  46;  ^eff.  ®ef.,  bie  Slnlegung  Dormunbfd&aftlidöer 

nnb  pPegfd^aftlid&er  ®elber  u.  f.  ro.  betr.,  d.  18.  3uni  1887  SIrt.  1—3;  3*.  ®ef., 

betr.  Äranfcnoerfid^erung  ber  Slrbciter,  t).   15.  3uni  1883  §  40;   Unfat 

Derftc^crungögef.  t).  6.  3uU  1884  §  76;  ®cf.,  betr.  bie  Unfall*  unb  Äranfem 

tjerftd^erung  ber  in  lonb^^  unb  forftroirtl^fd^aftUdöcn  Setrieben  befd^äftigten 

^crfonen,  t).  5.  SMai  1886  §  85;  ®ef.,  betr.  bie  UnfaÜDerfidfierung  ber  ©ce* 

teutc  unb  anberer  bei  ber  ©eefd[)ifffttt|rt  bet^eiligter  5|Jerfonen,  ü.  13.  3uU  1887 

§  88).    SSom  ©tanbpunfte  beö  (Sntrourfcö  aM  ift  bic  3lufftettung  berortiger 

äjorfd^riftcn  um  fo  weniger  ju  entbefiren,  afe  eö  bei  ber  bcm  SSormunbe  ein* 

geräumten  freien  Stellung  gerabe  aud^  für  biefcn  felbft  von  SBert^  ift,  xotnn 

i^m  bie  in  biefer  9lid^tung  einjufd^lagenben  SBcge  n)enigftcnd  im  Slllgemeinen 

bairc^  baö  ©cfeß  Dorgefd^ricben  werben.    S)ie  Sebcutung  ber  im  §  1664  ge*  »ebetttung 

gcbenen  SSorfd^riften  ift  iebod^,  wie  boö  SGßort  „nur"  im  ©ingange  bcö  §  1664  «orf«^riften 

mf.  2  beutti^  erfenncn  löfet,  nid^t  bie,  bafe  eine  nad^  aWafegabe  bcö  §  1664  ^»^^^^c 

crfolgenbc  9lnlcgung  ber  ajlünbelgclber  ben  93ormunb  unb  ben  ®cgenoormunb 

(oergl.  §  1666  3lbf.  1)  fd^led&tl)in  t)on  ber  aScrantmortlid^Ieit  befreit;  melmefir 

bleiben  biefetben  bem  SRünbel  in  jebem  einjelnen  galle  nad&  SKafegabe  ber 

allgemeinen  ®runbfäfee  bcö  SSormunbfdjaftöred^teö  (§  1696)  für  ein  fie  trcffcnbcd 

SBerfd^ulben  Dcrl^aftet.    3lnbererfeitö  barf  aber  ber  aSormunb  bie  im  §  1664 

9lbf.  1  bcjeid&nctcn,  jur  bauernben  Kapitalanlage  beftimmtcn  ®elbcr,  oor* 

be^altli(^  ber  Seftimmung  bcö  §  1667,  in  anberer  3lrt,  alö  im  §  1664 

3lbf.  2,  3  oorgcfdiiriebcn  ift,  nic^t  jinöbar  anlegen.    X^nt  er  eö  gleid&rool^l, 

f 0  fann  jroar  ber  SHünbel  eine  nid&t  in  ©emäfelieit  ber  gefeftlid^en  SBeftimmungen 

für  i^n  erfolgte  Äopitalanlage  nid^t  überhaupt  jurüdEmeifen,  ba  bie  Seftimmungcn 

beö  §  1664  nur  ben  Äarafter  von  DrbnungöDorfd&rif ten  l^aben.   2)aö  aSormunb* . 

f d^aftögerid&t  ift  aber  in  einem  fold&en  galle  befugt,  ben  SBormunb  im  3luffid^tö* 

wegc  anju^atten,  bie  nid^t  üorfd^riftömÄfeige  9lntegung  ju  befcitigen  unb  eine 

onbermeite  Anlegung  l^erbeijufüfiren  (§  1684).    3nn)ien)eit  ber  aSormunb  in 

einem  fold^en  gaUe  bem  aWünbet  aud&  perfönlic^  oerantroortlid^  ift,  inöbefonbere 

bcm  leftteren  roegen  ©c^abenöcrfafecö  l^aftet  unb  im  2Bege  ber  Älage  von 

©eitcn  beö  SWünbelö  angehalten  merben  fann,  eine  anberroeite  3lnlegung  ju 

bcmirfen,  rid&tct  fid&  nad^  ben  allgemeinen  ®runbfäfeen  (ücrgl.  §§  1696,  218, 

219;  ©ntfdö.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  IV,  48,  XI,  70,  XVI,  47). 

Slnlangenb  bie  SKrt  ber  nuftbaren  ainlegung  ber  aHünbelgclber,  fo  fann    «rt  b« 
—  abmeid^enb  t)om  röm.  3led&tc  —  naä)  ben  heutigen  mirt^fd^aftlid^en  S8er*  «"JJJmefnelT 
j^ältniffen  felbftt)erftänblid&  bie  Slnlegung  ber  ®elber  burd&  ben  Slnfauf  Don 
frud&ttragenben  ®runbftüdfen  in   crfter  Sinie    nid^t  Dorgcfd^rieben  merben; 


1110    SSormunbfd&aft  über  SWinberj.    änleflunö  bcr  SWfinberflcIbcn    §1664. 

Dtcimctir  fann  cä  fid^  im  ungemeinen  nur  barum  ^anbeln,  bcm  SSormunbe 
jur  ^ßflid^t  ju  mad^en,  bie  verfügbaren  ©eiber  in  ^gpotl^efen  ober  Orunb* 
fd^ulben,  in  ©taatßpopieren  ober  anbercn,  benfelben  gleid&juftellenbcn  SBertl^en 
ober  aud&  bei  Sparfaffen  anjulegen.  3[uf  ber  anberen  ©eitc  foU  eä  bem  SSor* 
munbc  jebod^  mä)i  Denoel[)rt  fein,  bie  ÜJHinbelgelber,  foroeit  bicö  nad^  bcn 
SBerl^ältnijfen  bem  3Rünbel  üortl^eil^after  ift,  anä)  in  anberer  3lrt,  als  burd^ 
jinöbare  Anlegung,  nufebar  ju  mad()en,  fei  eß  bur^  änfanf  oon  ©runbftüdfen 
ober  burd^  Stnlegung  ber  ©eiber  in  einem  i^anbetegeroerbc  ober  in  einem 
anberen  geroerblid&en  ^Betriebe  u.  bergl.  (üergl.  3ßotioe  beö  bagr.  ©ntm.  ©.  70),. 
felbftDerftänbUdd  aber  unter  58eobad&tung  ber  in  biefen  9lid^tungen  gegebenen 
befonberen  SBorfd^riften  (t)ergl.  §  1674  3lx.  5,  7,  14,  §  1663).  3ene  greifteit 
ber  SBerroaltung  wirb  bem  SBormunbe  burd^  bie  93eftimmung  beö  §  1664  Slbf.  1 
geroal^rt,  nad^  meld^er  bie  5ßflid^t  beö  SSormunbeö,  bie  SRünbelgelber  nac^  SDlafe* 
gäbe  ber  SBorfd&riftcn  beö  §  1664  2lbf.  2,  3  jinöbar  anjulegen,  fid&  nur  auf 
fold^e  ©eiber  begießt,  meldte  nid^t  erforbcrli^  finb,  um  bie  laufenben  unb 
anbere  burd^  bie  Sßermögenöoermaltung  begrünbete  Sluögaben  ju  beftreiten 
(üergl.  preufe.  SBorm.  D.  §  39 ;  meining.  ©ef.  v.  12.  äpril  1882 ;  l^ejf .  ©ef.,  betr. 
bie  Slnlegung  Dormunbfd^aftlid^er  unb  pflegfddaftUd&er  ©elbcr  u.  f.  to.  o.  18. 3uni 
1887  3lrt.  1). 

3m  Uebrigen  ift  ju  bcn  einzelnen  Seftimmungcn  beö  §  1664  nod^ 
golgenbeö  ju  bemerfen: 
^qpot^efen  1.  S)em    Äarafter  beö   ©efe^bud&eö  alö    eiueö  beutf(^en  bürgertid^en 

"^^iiub^r'  ©efe|bu^eö  in  SBerbinbung  mit  bem  einfieitlid^en  ^ßrojefeoerfa^ren  cntfprid^t 
eö,  bie  S^läfftgfeit  ber  Slntegung  ber  SRünbelgelber  in  fid&eren  ^^pot^clen 
ober  ©runbfd^ulben  auf  inlänbifd^c  ©runbftüdfe  allgemein  ju  erftrecfcn.  Slnberer^ 
feitö  foU  eine  3lnlegung  in  aufeerbeutfd&en  ^ijpot^efen  regelmäßig  auögcfd&lojfen 
fein.  ®ie  ©efefee  enthalten  jum  SC^eil  eine  fold^e  auöbrüdflid^c  aSefc^ränfung 
aUerbingö  nid^t  (oergl.  j.  S3.  fäd&f.  ©.  ».  §  1934;  preufe.  »orm.  D.  §  39  Slbf.  1). 
3nbef[en  ift  ber  ©rroerb  augerbeutfd&er  i&gpotliefen  Dom  ©tanbpunfte  beö 
Sntereffeö  beö  SRünbclö  auö  regelmäßig  bebenflid^  unb  bie  S^toffung  einer 
folc^en  Sünlegung  burd&  ein  Sebürfnife  nid^t  geboten,  gür  befonbere  gälle, 
inöbefonbere  für  ben  ©renjoerfe^r,  gemalert  bie  SJorfd^rift  beö  §  1667  ben  er* 
forberlid&en  SRaum. 
»eiei^unß«.  ^n  9lnfef)ung  ber  SSorauöfeftungcn,  unter  meldten  allein  eine  ^gpotl^et 

®*"***-  ober  ©runbfd^ulb  alö  fidler  anjufe^en  ift,  enthalten  baö  gemeine  unb  baö 
franj.  Siedet  feine  naiveren  SBorfd^riften  (ocrgl.  aud^  bagr.  6ntn).  Slrt.  73 
nebft  3ßotiüen  ©.  80).  dagegen  ^aben  bie  neueren  ©efefee  überroiegenb  nähere 
Seftimmungen  über  bie  pupillarifd&e  ©id^erl^eit  für  erforbertid^  erad^tet  (oergL 
inöbef.  preug.  SSorm.  ©•  §  39  3lbf.  3;  fäd^f.  ©.  S3.  §1935;  roürttemb.  ©ef. 
0.  28.  9ioocmber  1833  Strt.  1,  2 ;  öftcrr.  ©.  33.  §  230 ;  lübecf.  ©ef .  t).  30.  aWai 
1877;  meimar.  ©ef.  d.  16.  3wfi  1881  §  2;  meining.  ©ef.  t.  12.  Slpril  1882; 
brem.  SBonn.  D.  u.  14.  aWai  1882  §  61;  liamb.  SBorm.  0.  d.  14.  ©ejcmbcr  1883 
3lrt.  45 ;  ^eff .  ©ef.,  betr.  bie  ^Anlegung  Dormunbfd&af tlidder  ober  pflegfd&af tlid&er 
©eiber  u.  f.  m.,  v.  18.  3[uni  1887  2lrt.  2).  5Dem  aSorgange  biefer  ©efefee  l^at 
aud^  ber  ©ntrourf  pd^  angefd^Ioffen  (§  1664  3lbf.  3  ©ag  1).  Säon  näheren 
33eftimmungen  über  bie  pupillarifc^e  ©id^erl)eit  ganj  abjufel^en  unb  eö  lebiglid^ 


nur  in  fi(fteten  §^pot^efen  ober  ©runbf^ulben  erfolgen  foUe,  lonn  oom  Stanb^ 
punite  befl  3nterefies  beS  aWünbelS  ans  unb,  fiingefe^en  auf  bie  58erantn)orts 
iti^Ieit  bee  aSormunbcB,  aui^  »om  Stanbpunlte  befl  leßtcrcn  QUä  ntc^t  olfi 
onflemeRen  unb  ratf)fom  ero^tet  rocrben.  ©agu  fommt,  bafe  nähere  Se* 
ftimmungen  über  bie  pupiHoriff^e  ©i^er^eit  ani)  um  bEflioiDen  nid)t  ioo£)( 
entbehrt  nierbm  fännen,  roeit  biefelben  melfoc^  in  anbeten  gefeßlic^en  Ses 
ftimmungen  oorausgefegt  toerben,  nwti^e  o^ne  fo[^e  !8eftimmungen  bcr  @rgänjung 
bebürfen  mürben  (oergt.  inflbef .  §§  203, 1034, 1292, 1323, 1815  b.  entro. ;  SR.  @ef., 
belr.  bie  AranfenDerTicöeriing  bcr  Slrbeiter,  r.  15.  3Smi  1883  §  40  9Ibf.  3). 
älus  biefem  [enteren  @runbe  tnsbefonbere  empfiehlt  eS  ftc^  awii  nic^t,  bie 
m1)en  Seflimmung  bet  ©runbfätse  über  bie  pupittarife^e  Si^er^eit  oUgemetn 
ber  Sonbefigefelgebung  ju  überiajfen,  jumot  eS  unfii^er  ift,  ob  bie  Sanbeagefeßs 
gebung  in  ber  ^icr  fraglidien  SBejie^ung  überall  eingreifen  roürbe.  3)ie  Sßers 
IfäftniRe  in  ben  einjelnen  S:&eifen  äSeutfcEiIanbö  finb  oud)  feinesroegs  fo  nee» 
trieben,  ba%  bie  93eIei^ungAgrenje  eintieitlic^  nic^t  feftgej^eUt  merben  Fönntc. 
3n  bem  größten  ST^eile  ©eutf^Ianbfl,  namentlich  in  JJJteiifeen  unb  in  ©oc^fen, 
iß  fie  im  Sffiefentlicden  in  betfelben  91rt  feftgefleUt,  roie  biea  im  Entrourfe 
(§  1664  aibf.  3  Sag  1)  gefi^eljen  ifl  (oergl.  auc&  roeimar.  ®ef.  w.  16.  3luli 
1881  §  2).  3ift  eine  einlieittidie  Segefung  bet  aitt  o^ne  bie  ©efä^rbung 
ber  3ntcre|fen  bes  5Dlünbe(a  in  ber  ganjen  preufe.  aJlonarc^ie  mögti^  geroefen 
trog  bcr  fc^r  werfc^iebenen  roirft)fd)ofilii^cn  SJerl^SItniffe  in  ben  einjelnen  ^ros 
utnjen,  fo  brau<$t  man  au^  ni<it  oor  einer  einEieitlii^en  Siegelung  für  bas 
gonje  beutji^e  SReicE)  äurüdjufrf)recfen. 

Sie  a3e(eif)ungögrenje  entgegen  bem  in  bem  grBfelen  X^tUt  Seutfi^Ianbfl, 
namentliii  in  ^ßreu^en,  @ad)fen  unb  nadti  ber  ^rofifl  aui^  in  Saijcrn,  gertenben 
SIedfite  au^  bei  tanbnitrtlifc^aftiicöen  ©runbftücten  auf  bie  ^ätfte  fjerabjufe^en 
(oergl.  j.  33.  roürttemb.  ®ef.  v.  28.  Sfooember  1833  Sri.  1,  2;  lübecf.  @e[.  v. 
30.  SRoi  1877;  meining.  Oef.  ».  12.  3tpri(  1882;  ^omb.  SBorm.  O.  9(rt.  45; 
tjeff.  gntio.  IV  3[rt.  58),  ift  einerfeitft  mit  JRücEricöt  auf  bie  Si^ert)eit  be« 
SWünbcta  trog  ber  ©dinianhingen  in  bem  Üßert^e  ber  ©runbftüde  ni^t  ole 
geböten,  anbercrfeits  mit  ?Hütfriilt  Quf  iiie  lanbroirt^fc^aftlic&en  Rrebitoer^ättniffe 
olS  bebenflicö  ju  erac&fen.  ^ufiem  roirb  bet  Sonbeagefeßgebung  buri^  bie  9iot= 
fc^rift  bce  §  1664  2lbf.  3  Saß  2  ein  ?DiitteI  an  bie  -§anb  gegeben,  inbireft 
bur(^  5!orf4riften  über  bie  9trt  ber  3Bertficnnitte[ung  bie  im  §  1664  ^b\.  3 
©ag  1  beftimmte  Selcttjungsgrenje  ju  befii)ränfen,  roenn  fie  biea  etma  mit 
JHüdrii^t  auf  bie  SiIjroonEungen  bes  SSett^eft  ber  Oninbftüde  in  bem  betreffenben 
SBunbcaftaote  ober  in  3:^ei(en  bc«  legieren  für  angemeffcn  erachten  follte. 

9tnbcr6,  ole  in  9Infe^ung  bcr  ^eftimmungen  über  bie  Seteifningagrenje,  S^«"' 
oer^Ält  ea  f't^  in  9InfcI)img  ber  ©runbfüße  über  bie  aBert^etmittelnng.    3!n  ***  ^' 
btefcT  33ejiet)ung  ift  eö  untt)unlid),  teirfiSgefeglii^  einfieitlic^e  ©tunbfdge  ouf'  «"■*»' 
ju^teBen,  bo  bie  f)ierbei  in  %trac^t  (ommenben  SSer^ältniife  unb  @inricl)tungen 
in  ben  einjelnen  S^be'lcn  Xieutfi^lanbfl  ju  T)erf{f)icben  fxnb.    ©6  (ann  jn)eifefi)üft 
fein,  ob  ea  berartiger  ®runbfäge  überhaupt  bebarf  unb  ob  es  nic^t  bem  ^ot> 
miinbe  ju  übcrfaffen  ift,  in  roetciier  9lrt  et  fid)  über  ben  SBertb  beS  betreffenben 
O^niiiöfiüiifö  ^/ciui^iicii  iH'iiiiwiit'u  uiii)  fitfi  K'u  .'itciüciü,  Daf)  «  bic  ~Iliiuiöel= 


1112     SSormunbfd&aft  über  SWlnbcrj.    9lnlcflunö  ber  Wünbelgclbcr.    §1664. 

gelber  innertjalb  ber  erften  jroei  35ritttt|eile  bcjiü.  innerl^alb  ber  erften  ^älfte 
beö  Sßert()cö  bcö  betreffenbcn  Orunbftücteö  angelegt  l^abe,  ftd^ern  wolle.  Slud^ 
o^ne  bcrartige  (Srunbfäfee  l^at  bie  SSeftimmung  beö  §  1664  9l6f.  3  ©aft  1  t)om 
©tanbpunfte  beö  3[nteref?eö  beö  3JlünbcIö  unb  beö  SBormunbeö  auö  immer  nod^ 
praftifd^en  SBert^,  roeil  fie  bem  SBormunbe  objettiüe  3ln]^altöpunftc  für  bie 
2lnlegung  an  bie  §anb  giebt  unb  il^n  in  bcn  ©tanb  fe|t,  [eine  33erantn)ort* 
lid^teit  einigermaßen  ju  überfeinen.  3m  ^inblidEc  auf  baö  in  großen  ©ebieten 
geüenbe  Siedet  (nergl,  inöbef.  preuß.  SBorm.  0.  §  39  2lbf.  3;  lübecf.  (Sef.  t). 
30.  9)Jai  1877 ;  mcining.  (Sef.  o.  12.  9lpril  1882)  unb  um  bem  aSormunbc  bie 
SBertJiermittelung  ju  erleid^tern  unb  feine  aSerantroortlid&feit  ju  minbem,  ift  cö 
icbod)  ratl[)fam,  ber  Sanbeögefejgebung  in  ber  l^ier  fraglid^en  Sejicl^ung  für  bie 
innerhalb  i^reö  (Seltungögebieteö  belegenen  ©runbftüdte  9taum  ju  geben.  2)aß 
bie  2anbeögcfe|gebung  Don  bem  il^r  eingeräumten  SJled&tc  ju  bem  Qiozdt  Oe^ 
braud&  mad)cn  tonnte,  um  inbircft  bie  Säelei^ungögrcnje  5u  erl^ö^cn  unb  auf 
biefe  SBeife  im  Sntereffe  beö  laubTOirt^fd^aftUd^cn  Ärebiteö  auf  Roften  ber 
©idöer^eit  ber  3JlünbeI  bie  3WünbeIgelbcr  an  fid^  ju  }icl)en,  ift  nid&t  5U  beforgcn. 
Sefbftoerftänblidö  ift  eine  lanbeögefefeUd^c  Seftimmung  über  bie  Orunbfäfee, 
nad)  meldten  ber  SBert^  ber  (SrunbftüdEe  feftjuftellen  ift,  foroeit  cö  fid^  um 
SKnlegung  Don  9WünbeIgcIbern  in  §t)pot^efcn  ober  (Srunbfd&ulbcn  an  bcn  in 
bem  bctrcffenbcn  93unbeöftaate  belegenen  (Srunbftüdfen  ^anbelt,  für  alle,  auc^ 
in  anbercn  Sunbeöftaaten  anpngigcn  SBormunbfd&aften  maßgebcnb. 
»oritflung  Ucbrigcuö  ge^t  ber  ©ntmurf  baoon  auö,  baß  ber  SBormunb,  aucb  menn 

°^*"  er  o^ne  a?orlegung  einer  S^ajc  3Künbelgelber  in  ^gpot^efen  ober  ©runb* 
fd^ulbcn  angelegt  ^at,  fid^  t)on  feiner  aSerantroortlid^feit  burd^  bcn  fpfitercn 
Jla^ioeiö  befreien  fann,  baß  bie  9lnlegung  inncrl^alb  ber  erften  jroci  S)ritt* 
tbeilc  bcjro.  ber  erften  ^älfte  beö  mirflid^en  ober,  fallö  lanbcögefeglid^e  S8or^ 
fd^riften  über  bie  SGBert^ermittelung  oor^anben  fmb,  beö  nad^  bicfcn  gu 
ermittclnben  2Bertl)eö  beö  ©runbftürfeö  erfolgt  fei,  Dorauögcfcfit,  baß  i^n  im 
Uebrigen  fein  aSerfd&ulben  trifft  (t)crgl.  ©ntfc^.  b.  31.  (S.  in  ßioilf.  IV,  48, 
banebcn  aber  XI,  70). 
e<^uibi>er.  2.  35ie  Seftimmungen  beö  §  1664  Slbf.  2  3lt.  2,  3  fd^licßen  fid^  an 

b^rS"  ^^^  SSorf d&riftcn  beö  $W.  ®ef.  d.  23.  SWai  1873  über  bcn  3fleid^ö*3nüalibenfonbö  an 
ober  eine«  (ocrgl.  aud^  ©cf.  D.  30.  äßai  1873  über  bcn  9teid&ö-geftungöbauf onbö ;  §  40 
iiaatcV'  2[bf.  4  beö  @ef.,  betr.  bie  Äranfcnnerfidnerung  ber  2lrbeitcr,  v.  15.  3uni  1883; 
§  76  beö  Unfallocrfi^crungögef.  o.  6.  3uli  1884;  §  85  beö  ®ef.,  betr.  bie  Un« 
fall*  unb  Äranfenoerfid^erung  ber  in  lanb-  nt\b  forftroirtl^fd^aftlid^cn  Setrieben 
befd^äftigten  5ßerfonen,  o.  5.  aßai  1886;  §  88  beö  ®ef.,  betr.  bie  Unfall* 
ücrrid^crung  ber  ©celeute  u.  f.  n).,  o.  13.  3uU  1887),  fomic  an  oerfc^icbene 
Sanbeögefefee,  inöbef.  bie  preuß.  SSorm.  D.  (preuß,  SBonn.  0.  §  39  SKbf.  1; 
mcining.  ©cf.  t).  12.  äpril  1882;  braunfd^m.  ®ef.  x>.  8.  gebruar  1883  §  1; 
bagr.  ®ntm.  Slrt.  73;  meimar.  ®ef,  t).  16.  3uli  1881  §  3;  ^eff.  ®ef.,  betr. 
bie  3lnlegung  Dormunbfd^aftlic^er  unb  pftegfd^aftlid^cr  ®clber  u.  f.  m.,  t). 
18.  3wni  1887  Slrt.  2  $Rr.  2,  3).  3)ie  in  ben  angcfül&rten  ^ieid&ögefcfeen  unb 
}um  3;^eil  aud^  in  ben  angefüljrten  Sanbeögefegen,  namentlich  in  ber  preuß. 
SSorm.  D.,  fid)  finbenben  3ufä|e,  baß  bie  ©d^ulbuerfd^reibungen  „mit  gefeft* 
lid^er  6rmäd()tigung"  auögeftcllt,  bejm.  bie  aSerjinfung  „gcfeftlid^"  garantirt  fein 


lam 


SJornmnbft^oft  ihn  OTinberj.    anfcflimj  ter  SBünbcIfldbtir.    §1664.     1113 

müßten,  tiat  bec  ISntrourf  ieboc^  nli^t  mit  übernommen.  S)ie  ^iniiifüguiig 
jener  SBotte  ift  nidit  flUein  überflüfrig,  ia  bet  SBormunb  bie  ®etber  (etbfti 
oerRänblii^  nur  in  gültigen  (^c^utbuerfd^ceibungen  bei  ^iec  fragtic^cn  ätct  ans 
Icflen  batf  unb  in  jebem  einjciiien  goUe  bie  Oültigfcit  berfelben,  mithin  audj 
bie  @efegmÖgig(eit  ber  Smifjion,  ju  prüfen  ^al,  fonbern  audi  ni(^t  uölli(t 
torreft,  bo  buri$  jene  SBorte  nur  ein  einjelneS  ©rfotbernife  ber  3ieti)tsgültiiiteit 
^erDorget)oben  mirb  unb  biejefben  jubem  jii  bem  aJIi^werftänbniffe  oerleitcn 
f&nnen,  ald  ob  eine  fpejicUe  [|e[eg(id)e  ®nnäd)tigung  erforberlid)  fei. 

3n  bem  §  40  2Ibf.  4  beä  SR.  Oef.,  betr.  bie  SronfenoerTitöerunfl  ber 
Arbeiter,  v.  15.  3uni  1883  nierben  neben  ben  non  bem  beutf^eii  üRcid&e  ober 
Don  einem  beutfc^en  33unbeaftaote  ausgefteHten  Si^ulbuerfi^reibungcn  noc^  bie 
oon  bem  9Iei<^alanbe  &l|ag'Sot[|ringen  auägefleQieu  Sdiulboerfc^reibunQen  be^ 
fonbcta  ermähnt.  3n  biefer  .öinfic^t  ift  ber  S9eratl)ung  befl  ©infü^rungSgefe^ee 
bie  ^Prüfung  »orbeljalten,  ob  in  bicjem  eine  allgemeine  ffleftimmung  beä  ^n; 
^altce  aufi^une^men  fein  loirb,  bag  ber  äCuöbrucf  „^unbeeftaat"  im  <Sinne 
bcs  @efegbu(^e$  oui^  baS  9tei<^Ianb  @lfag<Sotbringen  mitumfaf^e  (ncrgl.  auc^ 
§  701  abf.  1  b.  ©ntro.;  ®cf.,  betr.  bie  ISinf.  be«  Str.  @.  S.  für  bafi  bcutfctic 
SReitEi  in  ßlfa&=£ot6ringen  d.  30.  Sluguft  1871). 

3.  3tu^  bie  SBorfc^rift  bcö  §  1664  9lbf.  2  SUr.  4  ftimmt  mit  ben  oben  e*u[b«i. 
©.  1112  nnier  9ir.  2  bcjeidHieten  (Scfeßen,  iii&bef.  mit  ber  preu^.  SBorm.  O.,  K^S« 
bem  ®ef.,  betr.  bie  5lranfenBertid)crung  ber  2lrbciter,  o.  15.  3uni  1883  §  W  ^^-u^' 
Stbf.  3  unb  bem  Unfallöerfidieningagef.  im  aBefentIii|ien  überein.    Sie  in  jenen 
Oejc^cn  iiinlcr  bem  iffioric  „Mürperjrftöftcn"  f\d)  jtnbenben  SIBovtc  „(^praiiinjcn, 
«reifen,  ©emcinbcn  u.  f.  id.)"  finb  aiä  cntbcijtlidj  mcggelnifcn,  jumal  bie  *JiQ"i" 

tliefc  bod)  iiii^t  alle  Ijicr  in  S3etro(!)t  fommenben  fornmiinalcn  ftörpcrfdjnftcn 
in  bell  einjcliicn  SJunbeäftaatcn,  j.  i\  bie  9ImtSoerbänbe,  umfaßt. 

4.  SffiSiirenb  bie  prenfe.  Sorm.  O.  %  39  9lbf.  2  {oergl.  and]  brcm.  Wef.  sv^"n'n. 
0.  15.  OTorj  1887  9lbf,  2)  bie  3uläfftgteit  ber  jinsbaren  Belegung  uon  aj!iinbet= 
gcibern  bei  einer  öffentüdjen,  obriflfcitlicö  bcftätigtcn,  ntdit  unter  bie  im  9Ibf.  1  beö 

§  39  erroä[)nten  .ftrebitonftallen  beulf(^er  Fommunaler  .Korporationen  follcuben 
Sparföffe  uon  ber  be[d)ron!enben  iiorüuSfefiing  abtiöngig  rnndjl,  bafe  bie 
ÜSetber  tu  ber  im  §  39  91i)[.  1  beäcit^ncten  9Seife  nod)  ben  obroaltenben  Um' 
flänbcn  nid)t  Angelegt  roerben  !önncn,  geftottet  ber  §  1664  9Ibf.  2  •ilr.  5  aud) 
bie  bouernbe  jin-Sbare  3In[egung  ber  aiJünbelgelbcr  bei  einer  öffentiic^cn  unb 
obrigfeitlid)  beftfltigten  Sporfaffc  {öergl.  födjf.  ®.  33.  §  1935;  iBcimor.  (Sef.  v. 
16.  3uli  1881  §  3  ^r.  7;  meining.  ©ef.  d.  12.  3tpri[  1882;  braunfc^ro.  ®cf.  b. 
8.  gebruar  1883  §  1;  ))amb.  iöorm.  D.  3Irt.  45;  baijr.  Cntro.  9frt.  73  9lbf.  2 
lit.  b;  ^cff.  @ef.,  betr.  bie  Slnlegung  oormunb[d)Qfllicöer  unb  pflegfd)aft= 
lidtcr  (Selber  u.  f.  id.,  u.  18.  3luni  1887  STri.  2  '31r.  6;  ferner  @ef.,  betr. 
bie  «ranfenoerricfterung  ber  3Irbeiter,  ».  15.  ^mi  1883  §  40  aibf.  2;  Unfall^ 
Bcrfic^erungsgef.  v.  6.  3u[i  1884  §  76  9tbf.  1;  ®cf.,  betr.  bie  Unfall^  nnb 
.^iranfenuerfidierung  ber  in  Ianb=  unb  forftn)irtf}fc^afUi(^cn  Setrieben  be^ 
f(5nftigtcn  ^Icrfonen,  v.  5.  atni  1886  §  85  9tbf.  1;  ®ef.,  betr.  bie  Unfall* 
werfi^crung  ber  ©ccteute  u.  f.  id.,  v.  13.  3uli  1887  §  88  3lbf.  1).  Sie  9In= 
[egung  ber  iülünbelgelbcr  bei  einer  iniAnbifcftcn  bffcntlidjen  nnb  obrigteitlid) 
beftötiflten  Sportaffc  ift   in   Dielen   ilynllfn,   nnmcntlid)  mcnn   baS   .^apital= 


1114     aSormmibWaft  über  SDWnberi.    anleautifl  ber  OTünbelßcIbcr.    §1664. 

Dcrmogcn  beö  3HünbeIö  nid^t  erl^eblid^  ift  unb  üoraufiftd^tUd^  im  Saufe  ber 
SSormunbfd^aft  jum  Qxotdt  bcs  Untcrl^altcd  beö  Sßünbclö  naä)  unb  nadö  auf* 
gcbraudit  roerben  mu^,  bie  cinfad^fte  unb  bcqucmftc  Sfrt  bcr  Anregung,  xotläfc 
crfjcblid^c  S8ortf|cUe  bietet,  otjne  onbererfeitö  bie  ©id^erl^eit  ber  SWünbelgelber 
}u  gcfälirben.  ©ie  überl^ebt  ben  SBormunb  ber,  namentlich  auf  bem  Sanbe 
unb  in  ben  {(einen  ©täbtcn,  mit  bem  Stnfaufe  unb  bem  nid^t  feiten  not^* 
TOcnbig  roerbenben  Umfafte  ber  SBert^papierc  perbunbenen  SGBeiterungen  unb 
ber  9lotl^n)cnbigfeit,  bie  Slußloofung  ber  5ßapiere  f ortlauf enb  ju  fontrolircn, 
n)Oiu  ber  SSormunb  l^äufig  gar  nid^t  im  ©tanbe  unb  in  ber  Sage  ift.  ©ie 
üerminbert  femer  bie  mit  bem  SBefige  t)on  SGßert^papieren  Derbunbenen  ©e- 
fafiren  beö  SSerlufteö  berfelben  unb  gemährt  bem  SBormunbe  bie  ÜMöglid^feit, 
bie  (Selber  ju  jeber  3^^*  in  beliebigen  Slaten  ju  ergeben.  Diefen  SBort^eilen 
gegenüber  fann  barauf,  ba§  bie  SKnlegung  ber  (Selber  bei  einer  ©parfaffe  in 
ber  Siegel  etmaö  geringere  S^n^en  gerofifirt,  als  bie  Slnlegtmg  in  SBcrtJ^papirrcn, 
erhebliches  ©emic^t  nid^t  gelegt  werben.  ®ie  f|ier  fraglid^e  Seftimmung  ift 
aud^  nic^t  etroa  im  ^inblicte  auf  bie  5lr.  4  beö  §  1664  Slbf.  2.  alö  entbel^rlid^ 
ju  eraddten,  ba  bie  ©parfaRen,  aud^  mcnn  biefelben  Don  ©emeinben  ober 
anberen  Rommunafoerbänben  gehalten  werben,  im  ^inblicfe  auf  ben  3"^^/ 
meldten  fie  verfolgen,  nid^t  ober  bod^  nid&t  burd^gängig  ben  Äarafter  t)on 
Ärebitinftitutcn  ber  ©emeinben  ober  ber  anberen  Äommunatoerbänbe  l^aben 
unb  iebenfaUö  bie  felbftänbigen,  üon  ben  fommunalen  Äbrpcrfddaften  nur 
garantirten  ©parlaffen  nid^t  unter  bie  SWr.  4  beö  §  1664  faDen.  j)aö  S3e* 
beuten,  cö  fei  jmeifel^aft,  ob  bie  öffentlid&en  unb  obrigfeitUd^  betätigten  ©par* 
faffen  burd^gc^enbö  in  ©eutfd&lanb  eine  auöreic^nbe  ©id&crl^eit  bieten,  fann 
alö  begrünbet  nid^t  anerfannt  werben.  3)ie  ^ragc,  meiere  ©parfaffen  alö 
öffenttid^  unb  obrigfeiilid^  beftätigte  ©parfaffen  anjufel^en  finb,  entfd^eibet  fid& 
nac^  Sanbeöred^t.  6ö  fann  barauf  oertraut  werben,  ba§  bie  obrigfeitlid[|e 
33eftätigung  einer  ©parfaffe  nur  bann  erfolgen  wirb,  wenn  bie  ©id^erl^eit  ber^ 

felbcn  aufeer  3^ciH  f*^^*- 

Mnicflunfl  5.  SBeber  t)om  ©tanbpunfte  beö  ^ntereffeö   beö  9Wünbelö  nod^  mit 

'"ffimt**"  SHüdffid&t    auf   bie   allgemeinen  ÄrebitbebörfniJle  würbe  cö  angemeRen  fein, 

papieren.  ^\^  Slnlcgung  uon  ÜJHinbelgelbem  in  anberen  alö  ben  unter  9lr.  2—4  beö 
§  1664  9lbf.  2  bcjeid^neten  aCBertfipapieren  unbebingt  auöjufd^licfeen.  3nö* 
befonbcre  fommen  ^icr  in  Setrad^t  bie  ^Pfanbbriefe  ber  Derfc^iebencn  RxchxU 
inftitute,  weld)e,  wenn  fie  oft  anä)  rec^tlidd  nur  ein  perfonlid&eö  gorberungö- 
rcd[)t  gegenüber  bem  Ärebitinftitute  begrünben,  in  Dielen  göUen  bod^  t^atfäc^lid) 
eine  ö^nlid^e  Sid^cr^eit  wie  ©pejiall^Qpot^efen  gewähren  unb  pd^  jur  SÄnlcgung 
Don  SDlünbclgelbern  burd^auö  eignen.  S)ie  SBorauöfefeungen,  unter  welken 
biefe  unb  anberc  nid&t  unter  bie  9lr.  2—4  beö  §  1664  3lbf.  2  faUenbe  gSertl)* 
papiere  alö  jur  Slnlegung  oon  SRünbelgelbern  geeignet  anjufe^en  finb,  laufen 
[x6)  iebod^  burc^  eine  allgemeine  gefeftlid^e  Seftimmung  nid^t  bejeid&nen;  üiel* 
mel^r  mufe  bie  grage,  ob  ein  nid&t  unter  bie  9lr.  2—4  fallenbeö  SBertl^papier 
fid&  jur  Slnlegung  oon  aWünbelgelbcrn  eignet,  fonfret  geprüft  unb  entfd^ieben 
werben.  S)a  bie  einjelnen  S3unbeöftaaten  ben  mafegebenben  SBerl^ältniifen  am 
nädöftcn  fteficn  unb  biefe  om  beften  ju  bcurtfieilen  in  ber  Sage  finb,  fo  liegt 
eö  nal)e,  jene  S3eftimmung,  wennglcidö  eö  fld^  babei  nid^t  um  eine  groge 


««■üai^ 


geprenbcn  (Segenftanb  be6  iUoimunt)f(^affsred)teä  ^anbclt,  bcn  äanbeegefe^ 
flebungen  ober  ben  SanbcBreßierungen  ju  überlofTen  (uerul.  tjeff.  ®ef.,  betr.  bic 
StnUguiig  cocmunbf^oftlicber  unb  pPegfiJaftlii^er  (Selber  u.  (.  ro.,  d.  18.  3uni 
1887  3Irl.  2  9Ir.  5).  3)ofür  läfet  fi^  fernev  geltenb  madien,  ba^  bic  einjelncn 
SSiinbeöftaaten  ein  beoc^tenBniert^eö  ^itfi^ciTe  baren  Ijoben,  bofe  gemifyen  in 
i^ren  Oebieten  beftetjenben,  gemcinnüfeige«  Si^fdcn  bienenben,  ober  nie^t  unter 
bie  9!r.  4  beft  §  1664  foBenben  ^nftttulen,  fofcrn  noc^  iljrem  —  DOtouflfitdtli^l 
unpartetifdien  —  ecmcilen  biefetben  auärei^enbe  ©id)er^eit  bieten,  bie  aJlünbel* 
gelber  nii^t  entzogen  roerben.  Wlein  btcfen  ©eficdtapunften  fann  entfd&eibenbefl 
®cn)id)t  ni^t  beigemeilen  roerben  gegenüber  ber  Srroägung,  bofe,  nwnn  man 
bie  Seftimmung  barüber,  in  welchen  onberen  5[8ertt)pQpieren,  a[8  in  ben  unter 
Str.  2—4  bea  §  1664  bejeic^netcn,  bic  aintegunfl  ber  aKfmbelgelber  foll  erfolgen 
tonnen,  ben  einjelnen  Öunbesflooten  überläßt,  man  bamit  in  einer  proltift^ 
IierDorroflenb  roii^tigen  SDIaterie  bce  SBflrmunbf^oftärei^tes  auf  eine  ein^citiii^c 
Siegelung  oeräli^tet  unb  ber  große  Uebelftanb  entftefit,  baß  bie  Sirage,  in  roeliien 
fonftigen  papieren  bie  Stnlegung  ber  äüünbelgelber  erfolgen  barf,  je  no^bem 
eine  SBormunbfcfiQft  in  bem  einen  ober  in  bem  onberen  Sunbeflftaate  anhängig 
ifi,  nod)  nerfcbtebenem  Steinte  ju  beurtf)eilen  fein  roiirbe,  ein  Uebelftanb,  roeldier 
gonj  befonbers  ^eroortritt,  roenn  bic  ört[i(I)e  3»ftänbigfeit  ber  Siormunbfi^aftft! 
geriefte  o^ne  9Iüdfid)t  auf  bie  ©taatäange^örigFeit  bed  ^^iünbela  ju  bent  be^ 
treffcnbeii  SunbeSftaate,  roeldiem  bo«  aSormunbfdtaftögeric^t  ongeliört,  geregelt 
roerben  foUte.  3)aju  fomml,  bafe  on  oerfctiicbenen  onberen  ©teUen  beß  (Sefe^ 
bi4tÄ  (ucrgl.  §§  201,  1034,  1292,  1323,  1815)  ouf  bie  Sßorfd&riften  über  bie 
ainlegung  oon  SDIünbelgelbem  »cnoiefen  niirb  (nergl.  quc^  §  40  3lbf.  3  b.  fH.  ®ef., 
betr.  bie  Äronfenaerfiiimmg  berSrbeiter,  n.  15.3uni  1883;  §  76  bcS  Unfatt= 
Merficöerungflgef.  ».  6.  3uti  1884),  in  jenen  iÖ^iebungen  Dber  auf  eine  ein^elüi^e 
9iege[ung  teineSfaHa  Derii{5tet  roerben  barf.  S"""^  '"6*  ^^^^  eintieitli^  We* 
flelung  fii^  outft  burtfi  bie  Seftimniung  erreichen,  boß  bie  in  ber  l}ier  fraglidden 
§inric[)t  non  bem  einen  ober  onberen  ©unbeflftoote  erlaffenen  iOorfi^riftcn  nicf)t 
nur  für  bie  in  biefem,  fonbern  au^  für  bie  in  onberen  Sunbeeftonten  ans 
gängigen  Sßormunbfc^affen  bei  Entf^eibung  ber  grage,  in  roetcfien  aBertb= 
papieren  bic  ainlegung  ber  OTünbelgelber  erfoigcn  bürfc,  ol«  ipaßgcbenb  ju 
bctracf)len  feien.  Slllein  eine  fol^e  ©eflimmnng  mürbe,  obgefeljen  con  ber 
Slnomfltie,  roetdie  borin  liegt,  bog  bie  Sanbcagefe^c  bcß  einen  Sunbesftootea 
auc^  für  bie  in  einem  onberen  SunbeSfloate  an^ditgigen  SJormunbfd&aften 
maßgcbenb  fein  folfen,  oon  roirtfjf^aftli^em  Stonbpunftc  aus  in  f)of)em  @rnbe 
bebentlid)  (ein.  Unter  biefen  Umftäuben  bleibt  nur  übrig,  bie  ^ier  fi-aglicfic 
Seftimmuug  ber  SReii^sfpeäiolgefeßgebung  ober  bem  SBunbeSratfie  ju  überladen. 
gür  ben  crftercn  9Beg  fpric^t,  baß  eS  fti^  um  eine  praftifd)  fc^r  roit^tigc, 
jubcm  in  bic  allgemeinen  ScebitDcrljältniffe  eingreifenbe  Seftimmnng  beS  SSor* 
mimbfdiaftsrec^tes  l)anbe[!,  roeld)e  an  ftd)  nii^f  Orgenftanb  beä  ißerorbnung«; 
rechtes,  (onbern  ber  ©efc^gcbung  ift  unb  insbcfonbere  auct)  in  ^rciißcn  biätjer 
einen  ©cgenflanb  ber  (Scfeggebung  gcbilbet  IjQt.  9tiif  ber  nnbcrcn  Seite  fommt 
icbpd)  in  5'dracl)t,  rui",  ".       <  '.   ■  ■  "[i': 

fi'lbtii  nmfigi-btnötn  iiai/^.UiLJji  lIju.  JuHui  üikIj  iL'.i.iJjxiLnu  jiiu>,  iiuiifujci  uiier 


1116     SormimbWaft  über  SKlnbcrj.    Stnlegunfl  bcr  SWunbcIflelbcr.    §1665. 

Slenberung  bcbürfcn  rocrbcn  unb  cö  aus  bicfem  ©runbc  nid^t  jmcdEmä^ifl  ift 
locnn  jebcö  ÜWoI  bcr  fd^roerfäUigcrc  unb  weitläufigere  SBcg  ber  ©cfeggebung 
betreten  werben  müfete.  ^uS)  ift  efi  fad&Iici^  unbebenfiidj,  bm  ©rfofe  bcr 
SBorf^riften  bem  93unbedratl^e  ju  überladen,  ©erfelbe  wirb  bei  ber  3[ufin)al^l 
ber  Sßcrtl^papiere  auf  bic  SSerl^ältniffe  in  bcn  einjclncn  Sunbeßftaaten  unb  auf 
bie  bcadötenöwertl^en  aBünfd^e  unb  Sntcreffen  ber  [enteren  bic  gebül^rcnbc 
SRücffic&t  nel^mcn. 
ffla^i  ber  An.  ß.  gpgie  bic  ga^ung  bcä  §  1664  Slbf.  2  crgicbt,  ift  ber  SBormunb  in 

leguitflsart.  ^^^^^^^^  ^^^  ^^^  j^  §  {^^^  g[bf.  2  jur  SBa^I  gcftcUtcu  arten  ber  3lnlegung 

an  eine  beftimmtc  SRcil^enfolgc  nid^t  gebunben. 

Sn^obcr.  7.  Sei   ber   äntegung   ber  3BünbcIgcIbcr  foU   ber   Sßormunb   fclbft* 

Tattoni!''  ücrftänblic^  ftctö  im  S«amcn  bcö  aWünbcIä  t)anbeln.    ®ie  bcfonbere  9lrt  ber 

papiere.    sinlcgung  bringt  ieboc^   Untcrfd^iebe  mit  fid^,  loeld^c  auf  bic  @in}ie[)ungö« 

befugnig  bed  ^ormunbed  von  @inf[ug  ftnb.    @§  fann  bie  ©läubigerfd^aft 

ftrcng  an  bie  5ßerf on  beö  3BünbcIö  gcfnüpft  fein ;  cö  fann  ferner  ber  9DlünbcI 

ixoav  jum  ©laubiger  gemad^t,  bem  ©d&ulbner  aber  iuglcid^  bie  Sefugnife  ein* 

geräumt  rocrben,  bur^  S^^hing  an  bcn  Snl^abcr  cineß  Scgitimationöpapicrcß 

fid^  ju  befreien  (§  703),  unb  cnblid^  fann  bic  OKubigerfc^aft  an  bic  Sn^ 

Labung  einer  ©c^ulbt)erfd&reibung  gcfnüpft  fein  (§  685).    3)ic  SBorfd^riften 

beö  §  1664  befd^ränfen  bcn  SBormunb  nic^t  auf  eine  beftimmtc  3lntcgungßart 

in  biefer  3lid6tung,  menn  nur  übcrliaupt  in  t)orgefd)ricbencr  SBcife  angelegt 

mirb.    (Segen  bic  ©efal^rcn,  roel^c  für  bcn  SKunbct  aus  ber  Anlegung  in 

3nl)abcrpapieren  ober  gegen  SluöfteUung  Don  fiegitimationöpapieren  bcr  oben 

gebadjtcn  9lrt  fid^   ergeben   fönnten,  fd^üfecn    bie  SSorfc^riften  beß  §    1666 

9lbf.  2,  beö  §  1669  3lbf.  2  unb  ber  §§  1670,  1671. 

»ei  »eßinn  8.  Scfoubcvc  SBorfd^riftcu  barüber,  wie  ber  SSormunb  in  Slnfctiung 

^'m!^T  f oW)cr  Sapitalanfagcn  ju  ücrfa^ren  ^at,  nieldje  ft*  im  SBcrmogcn  beß  SKünbcte 

^anbeneÄopu  bercitß  üorftnbcn  unb  nid^t  bic  Dorgefd&riebcne  eid&erl^cit  gemäl^rcn  (oergf. 

*""'"•     j.  58.  preufe.  21.  S.  SR.  II,  18  §§  455  ff.;  Ijamb.  SBorm.  D.  9lrt.  46;  meimar. 

Ocf.  ü.  16.  3uli  1881  §  4;  ^cff.  ®ef.,  betr.  bic  3lnlegung  üormunbfdjaftüc^er 

(Selber  u.  f.  ro.,  v.  18.  Suni  1887  3lrt.  4),  l)at  bcr  ©ntmurf  nid&t  auf* 

genommen,  bat)on  außge()enb,  bag  cß  ri^tigcr  ift,  cß  bem  SSormunbc  ju  über* 

laffen,  mic  er  nad^  bcn  Umftänbcn  beß  einjelnen  gallcß  alß  guter  ^außDater 

glaubt  Ijanbcln  }u  muffen.    @ß  ift  unmöglich,  bem  ^ormunbc  ol^ne  SBeitcred 

bcn  Umfag  fämmtlid^er  SBert^papicre  in  pupillarifd^   [\(t)m  Rapiere  por« 

iuf d^reibcn ;  cß  mürben  bamit  oft  crl^cbUd&c  (Sinnafimc^  ober  SScrmögcnßoerluftc 

Dcrbunbcn  fein.    S)a6  er  befonberß  unfi^ere  5ßapierc,  foroeit  cß  ol^ne  grofec 

?lad)tl)eile  gefd^el^en  fann,  umjufe^cn  bemüht  fein  mufe,  fo[gt  auß  allgemeinen 

(Srunbfägcn  (%  1696),  ebenfo  ba6  er  unjid^crc  ^riüat^qpot^cfcn  regelmäßig 

}u  fünbigeu  I)at;  inbe^en  mirb  au^  in  biefer  ^inftd^t  Slllcß  nad^  bcn  befonberen 

Umftänbcn  fid^  rid^ten  muffen. 

§  1G65. 
«sorüber«  2)cr  §  1665  bcimcdt,  bem  SSormunbc  jur  $f{id^t  ju  ma^cn,  bie  im 

^^^^unT'  §  ^^^^  ^^^*  ^  bcäci^nctcn  ®clber  menigftcnß  oorübergcl^cnb  ju  belegen,  mcnn 
eine  bauernbe  3lnlagc  nadd  ^^"  obmaltcnbcn  Umftänbcn  nid^t  in  bcr  im  §  1664 


»erriÄierunfl  ber  SKrbeitet,  d.  15.  ^uni  1883  §  40  äbf.  4;  UnfotlBetrKfeermtflflgef. 
0.  6.  3iili  1884  §  76  «bf.  2).  ©egenübcr  bct  preufe.  Sßorm.  0.  enllwlt  bev 
§  1665  tnfofem  eine  &rmeiteruiig,  als  er  bie  SBelegung  nidit  nur  bei  ber 
:)lei^ebQnf,  fonbcm  aui$  bei  ben  anbercn  im  §  1665  nä^er  bejeii^nelen  Sanfen, 
(oroie  bei  einer  Bffentliiicn  ^intcrlegungaftcUc  gcftottet,  fofern  biefcr  bie  5Äns 
na^mc  füld)er  (Selber  lanbcStjcfeBtic^  neftattet  ift  (§  280).  ffiiefe  errociterung 
ip  einerfetta  »om  ©tanbimnCtc  bcB  3ntcreRca  bes  9)Iünbeifl  aus  unbebenfliift, 
anbererfeitfi  mit  Slüdfic^t  auf  bie  in  ben  einzelnen  Sunbedftaaten  beftcEienben, 
bem  ^ier  fraglichen  ^medc  bienenben  ßinric^tungen  angemeffen.  2)ie  preug. 
ajonn.  D.  §  39  Slbf.  2  erroäbnt  neben  ber  3ieiii)8banf  Bffentüd&e,  obrigteitlic^ 
beftätigte  Sparfaffen.  gür  ben  (Sntniurf  fommen  bie  legteren  megcn  ber  !Bes 
ftimmung  im  §  1664  3Ibf.  2  31r.  5  tiier  ni^t  in  a3dra(f|t. 

2)nfi  prenfe.  Siedet  fcbricb  für  ^er^ältniffc  ber  i)kt  in  5Rebe  fietienben 
9(rt  bie  gEridjlli^e  Seponirunfi  ber  (Selber  Dor  (oernt,  preufe.  91.  9.  9t.  II,  18 
§§  422,  454).  Somit  [)ing  bie  biiri^  bie  2)eporitalorbn.  o.  15.  September 
1783  gtregcHc  gericfitiidic  SepofilalDfrroQltnng  jii[nmmcn,  roelcbc  iebod),  mcit 
für  bicfclbe  nat^  ben  93erl)älfniffen  ber  Oegenroart  ein  Sebürfnift  nit^t  mef)r 
bcftaub  unb  fte  äubem  mit  einer  nncrträglid)cn  Öeläftigung  für  bie  ®crid)tc  unb 
aüä)  mit  fonftigen  Uebelftönben  ocrbunbcn  mar,  burd)  bie  pceiig.  %orm.  O. 
beteiligt  ifl  (oergt.  Sßoiioe  gu  ber  preufe.  Sorm.  O.  S.  93,  95).  Som  Stonbj 
punfte  bcs  (Sntronrfca  auö,  nie[ci)er  auf  bem  ^rinjipe  ber  <Sc(bftfinbigfeit  beö 
93ormunbefl  berul)t,  fann  eine  SBieberberftellung  be«  filteren  preufe.  S^ftcmee 
in  biefet  Sichtung  nii^t  in  ^agc  tommcn.  3n8bcfonbere  ift  bie«  auäi  im 
Sntcreffe  ber  Si^erbeit  be«  3)lünbe[8  nlcfet  geboten,  ba  bie  im  §  1665  bc= 
jeidincten  ^nftitute  auörcic^eiibe  Sit^crbeit  gercätjrcn. 

(Segen  bie  ®efül)rcn,  rocli^e  für  ben  51IünbeI  aus  einer  Belegung  bei 
ben  im  §  1665  bcj^cidincten  ^nflituten  gegen  SluS^änbigung  üon  3in[)Qbers 
papieren  ober  SegilimationSpapicrcn  (§  703)  Tni)  ergeben  Ifinnten,  fcfiüBen  bie 
aSorfc&riftcn  br«  §  1666  äfaf.  2  ocrb.  mit  §  1669  Sbf.  2  (»ergl.  aHotioe  ju 
§  1664  oben  S.  1116). 

§  1666. 
3;ie  an  bie  preufe.  aSorm.  D.   §  39  SHbf.  l  oerb.  mit  g  46  fii^  on=  TOii»ii[""« 
f^Iiefernbe  Sßorfrfjrifl  bea  §  1666  Sbf.  1  eafi  1  Ijat  nur  ben  flarafter  einer  ,%S. 
Crbnnngeoorftiirift.    Sie  SBirffamfcit  ber  bur(§  ben  aSormunb  erfolgten  Mn^ 
legung  ber  (Selber  »on  ber  ®cnef)migung  befl  ©egenoormunbes  ober  bes  Sßor= 
munbfi^aftflgeric^tcs  ober  ftete  eon  ber  (Senebmigung  befi  [enteren  abhängig 
%\x.  «iQii)en  (»ergl.  §2  0.®.  Inst.  quib.  aliea.  2,  s;  prcu&.  21.  2.   JH.   II,  18 
§§471,479;  braunfdiro.  aSerorbn,  ».  3.  ^bruar  1814  §  50  nerb.  mit  bem 
braunfcfiro.  Oef.  v.  8.  gebruar  1883  §  1),  ift  alß  beb«nKi(^  era^tet.   ^mav 
lägt  ft(^  bafür  anffiljren,  bog  baburt^  bie  iiorf<^rift8mä6ige  Anlegung  ber 
aßünbelgelber    nac^    2Rafigabe    be«    §  1664    in    ^B^erem  ^a^e   geriiftert 
loetbe  unb  insbefonbere  ba&  @rforbemig  ber  @enet|migung  be«  9}ormunbf4)aftes 


1118     Sormunbfc^aft  üBcc  SWtnbcri.    Slnlcöung  ber  SWunbelgelbcr.    §1666. 

flcrid^ted  eine  größere  ©eroäfir  bafür  biete,  bafe  nid^t  bei  ber  ^[nfegunfl  burd^ 
ben  SSormunb  bie  ^üttbigung  ju  iDeit  ^inaudgefd^oben  unb  baburd^  ba&  Sto^itaU 
üermögen  beö  SKünbels  feftgelegt  werbe.  Snbeifen  finb  bie  anbererfeitfi  mit 
einer  berartigen,  bie  SEBirffamfeit  ber  Anlegung  t)on  ber  ®ene^migung  beft 
©egenoormunbeö  ober  beö  aSormunbfd^aftsgerid^teö  ober  t)on  ber  ©enel^mi* 
gung  bed  (enteren  allein  abl^öngig  ntad^cnben  ^eftimmung  für  ben  äßünbel 
oerbunbenen  Ocfal^ren  größer,  alö  bie  von  berfelben  ju  erroartenben  SBort^eite. 
SBirb  bie  Oenel^migung  ju  ber  erfolgten  2lnlegung  nad^träglid^  üerroeigert,  fo 
fann  jroar  ber  3Wünbel  baö  Oeleiftetc  fofort  im  SBege  ber  Äonbiftion  jurüdE* 
f orbern;  anbercrfeitö  fommt  aber  in  Setrad^t,  bafe  bicfer  Ronbiftionöanfprud^ 
ber  binglid&en  ©ic^erl^eit  burd^  bie  befteHte  ^qpot^ef  entbel^rt.  Unter  bicfen 
Umftänben  üerbient  eö  ben  SSorjug,  in  ber  l^ier  fraglid^en  SSciieJ^ung  ber 
preufe.  SBorm.  D.  ju  folgen.  S)aö  im  §  1666  Sttf.  1  oorgcfd^riebenc  S^föw^ 
menroirfen  beö  SSormunbeö  unb  beö  ©egenoormunbefi  unb  bie  SBerantroort^ 
lid^feit  bciber  (§  1696)  bietet  in  ber  großen  3ße^rja^I  ber  gälte  für  ben 
SKünbel  auöreid^enbe  (Sarantieen,  bafe  bie  SKnIegung  nid&t  in  einer  bie  Snter- 
cffen  beö  Ic|teren  gefäl^rbenben  SBeife  erfolgen  mirb.  Slel^nlid^e  ®rroägungen, 
wie  bie  uorftei^cnben,  fpred^en  aud&  bagcgen,  bie  SBirffamfeit  ber  bem  3lnlage* 
gefd^äfte  felbft  t)orl^crgel^enben  obligatorifd^en,  auf  bie  Sluöleiliung  von  ©clbern, 
fowie  auf  ben  Srmerb  tjon  SBert^papieren  unb  üon  bcftel^cnben  ^gpot^efen 
ober  ©runbfd^utben  gerid^teten  9le(^tögef(^äfte  t)on  ber  Oenei^migung  beö  SBor* 
munbfd^aftögerid^teö  abl^öngig  ju  mad^en.  Slud^  von  bem  ©efid^töpunfte  aud 
ift  bie  3lufnal^me  einer  berartigen  Seftimmung  burd^  ein  Sebürfnife  nid^t 
geboten,  bafe  biefelbe  baju  beitragen  werbe,  ben  SSormunb  an  ©pcfulationen 
mit  bem  aRünbeloermogen  ju  üerl^inbem.  ®ie  ©efa^r,  ba^  ber  SBormunb 
für  9led^nung  beö  SKünbelö  auf  ©pefutationögefd^äfte  fid^  einladen  werbe, 
liegt  fe^r  fern.  ®egen  böfen  aCBiUcn  beö  SBormunbeö  vermag  in  biefer 
^infic^t  aud^  bie  bejeid^nete  Seftimmung  ben  ÜRünbel  ni^t  ju  fd&üften, 
ba  ber  Sßormunb,  wenn  er  will,  eö  in  ber  ^anb  f)at,  bnv6)  ©efd&afte 
anberer  SKrt  ju  fpefuliren.  S^^i^^w^  ift  ^^^^  fötd^e  S3eftimmung  bem  geftenben 
SHed^te  fremb. 

Um  fd^ärfer  jum  3luöbrudEe  ju  bringen,  ba^,  wenn  einmal  nad^  SWafe* 

gäbe  beö  §  1647  ein  Oegenoormunb  befteUt  worben,  berfelbe  aber  fpäter,  j.  SB. 

in  golge  S^obeö,  weggefallen  unb  ein  neuer  ®egent)ormunb  nod^  nid&t  befteHt, 

ber  (Srunb  für  bie  SefteHung  eineö  fold^en  aud^  nid^t  weggefallen  ift,  bie  jinö* 

bare  Slnlegung  oon  ©eiten  beö  SBormunbeö  nid^t  e^er  erfolgen  foK,  alö  biö 

ein  anberer  ©egenoormunb  befteUt  ift  unb  biefer  feine  (Senel^migung  ert^cilt 

Ijat,  bebient  ber  ©ntwurf  im  §  1666  SIbf.  1  ©aft  1  [xä)  ber  SBorte  „wenn 

ein  ©cgenoormunb  befteUt  worben  ift"  (oergt.  aud^  §§  1679,  1687  3[bf.  6), 

löäl^renb  er  in  foId(ien  gäHen,  in  weld^en  eö  nur  barauf  antommt,  ob  gegen« 

wärtig  ein  Oegenoormunb  üor^anben  ift,  ben  SÄuöbrudf  gebrandet  „wenn  ein 

©egenoormunb  oorlianben  ift"  (oergL  j.  93.  §  1659). 

(srfetungber  Xit  SSorfd^rift  beö  §  1666  9lbf.  1  ©afe  2  bejwedt,  für  ben  gaU,  wenn  ber 

trt  Ce^  aSormunb  nac^  aJla&gabe  beö  §  1664  in  einer  beftimmten  Slrt  bie  ÜRünbetgelbcr 

Dormunbe«.  anlegen  will,  baö  erforberlid(ie  ©inücrftänbnife  beö  (Segenoormunbeö  aber  ni^t 

JU  erlangen  ift,  bem  aSormunbc  im  3ntereffe  einer  angemeffcnen  58ermogenö« 


einer  inlfinbift^en  Bffentlid)eii  unb  obrigCeitlid)  befiätigtm  Spartaffe  au^  o(inc 
bie  Ocne^mtgung  befl  ©eflcnoormunbefl  bouetnb  anleflcn  borf  (§  1660  9Ibf.  2 
oergUti&en  mit  §  1664  äbf.  2  Sftr.  5),  reicht  nic(|t  au«,  bn  in  oieten  güUcn  eine 
bouexnbe  Einlage  bei  einer  Sportoffe  im  ^inblide  auf  bcn  geringeren  3'"ff"= 
genug  ober  aufl  fonftigen  ©rünben  fii^  nic^t  als  bie  geeignetfte  Anlage  er: 
weifen  roiib.  S^eifel^aft  tann  ea  oUerbingS  fein,  ob  nicbt  bie  ausbrüdlidie 
aSorf^rift  bc«  §  1666  9lbf.  1  Sag  2  im  ^inblitfc  ouf  bie  ©eftimmung  befl 
§  1669  W}\.  3,  nad)  melier  fogar  in  ben  gätten  beS  §  1669  bie  juc  ^irfs 
famfeit  bc8  Mtc^tßgefdiÖftefi  erforberlit^e  ©ene^migung  bes  ©egenoormunbe« 
burd^  bie  Genehmigung  btä  aSormunbfi^aftögcriditeA  erfegt  merben  tann,  fotoie 
im  ©inbliie  botauf,  bafe  bie  in  ben  gäflen  beß  §  1664  erforberlic^e  Oenelimi! 
gung  beö  ©egenöormunbe«  fii^  nur  a£s  ein  äusPufe  feine«  atuffid^tSre^te« 
barfteUt,  ald  felbftoerftänbli^  unb  bestia!b  als  eutbetirü^  ju  erachten  iß,  gumal 
aviif  bie  preuß-  aSorm.  D.  eine  berortige  ouebrütflic^e  Sßorfdjrift  ni(^t  auf* 
genommen  ^ot.  3m  3ntereffe  ber  Seutlid&teit  beB  Oefegca  unb  mit  ^üctfic^t 
borauf,  bog  bafl  ©c&meigen  bec  pceu§.  aSorm.  D.  in  btefer  ©ejie^ung  ju 
Streitfragen  gefütirt  ^at,  ift  eS  jebot^  ratlifamer,  bie  Sßorft^rift  aufjunelimen. 
aiufl  §  1679  ergiebt  [i^  übrigens,  bog  au^  in  bem  ^Ue  bes  §  1666 
Sbf.  1  ©aß  2  bas  aSormunbfcfiaftagettdit  nor  feiner  ©ntfc^eibung  ben  ©egen^ 
Dormunb  ^ören  foD.  ' 

^ennglei^  bei  37teinungsbtfferen)en  irotfc^en  bem  iQormunbe  unb  bem  < 
©cgenoormunbe  über  bie  Slrt  ber  jinflboten  Stntegung  bet  3)lünbelge(bet  nacd  IX)!!Iflt t«" 
§  1666  9lbf.  1  ber  Sßormnnb  ben  Erfaß  bet  fef)Ienben  Genehmigung  beS  Segens  »B«*nii. 
DormunbeS  buri^  91o^fu(^ung  bec  ®enel)migung  bea  aSormunbfcfeoftSgcri^tcs  '""'' 
^erbeifütiren  tann,  fo  mug  hoä}  bafür  geforgt  merben,  bag  bei  iQormunb  bie 
©eiber  in  ber  Sro'f^enicit  o^ne  bie  Genehmigung  bes  ©egenootmunbea  onlegen 
fann.  SSoDte  man  ben  IGormunb  in  einem  folgen  ^alle  bloa  auf  bcn  SSeg 
befl  §  1665  Detroeifen,  fo  ergiebt  fi(^  ber  Uebelftanb,  bag  bie  ©eiber  nottöufig 
mSglli^erroeife  unoetjinslidi  ober  ju  un»er^ä[tnifemä6ig  niebrigcn  3itifen  belegt 
nierben  muffen.  Um  biefen  Uebelftanb  ju  »ermeiben,  befttmmt  ber  (Sntroucf, 
ba§  eß  ni^t  nur  ju  einer  unter  bie  Seftimmung  be«  §  1665,  fonbern  au^ 
gu  eimr  unter  bie  Seftimmung  be«  §  1664  3lv,  5  faUcnben  ainlegung,  b.  i.  jur 
^Anlegung  bei  einer  inlänbift^en  unb  obrigfeitli^  beftätigten  Spartaffe,  ber 
Genehmigung  bea  ©egenvormunbea  nic^t  bebarf,  obmolil  ber  Sntmucf  bie  9Ins 
legung  bei  einer  folgen  Sportaffe  nirfit  btos  oorübecge^enb,  fonbern  bauemb 
geftattet.  3m  prattlfc^en  SRefuHate  ftimmt  in  biefer  §infid|t  au^  bie  preufe. 
SÖorm.  O.  §  39  atbf.  2  mit  bem  entrourfe  überein. 

S)er  SBormunb  foU  aber  na^  §  1666  2Ibf.  2,  »orbe^altlitl  ber  Im  ©efeße  ■"  i«  »«• 
beftimmten  Kuftnatimen  (§§  1690, 1733),  eine  unter  bie  33orf(%riften  bea  §  1664  m^2X 
3Ibf.  2  Sdr.  5  unb  befl  §  1665  follenbe  Anlegung  nur  mit  ber  Seftimmung  *«  *"«- 
beitiirfen^  ha%  jur  ©ctiebung  ber  ©eiber  bie  Genehmigung  bes  ©egenDocmunbcs  "'*"'"'^ 
ober  bea  aSormunbfdiaftageric^tea  (§  1669)  erforberlifi^  ift.  aSüre  ca  in  ben 
^ier  fraalit^en  göKen  bem  aSormutibe  geftattet,  bie  Gelber  bei  Spartaffen  unb 
ben  vm  §  1665  bejelc^neten  3nftituten  gegen  *Beirabfolgung  non  3nUberpapieren 


1 1 20     SScrmunbf*.  ütct  mnttxi.  anlegung  bcr  aRünbcIocfter.  §§  1667, 1668. 

ober  ScgitiinotionÄpapicren  bcr  im  §  703  bcjeid^nctcn  Slrt  onjutcgcn,  fo  toürbe 
n,  ba  bie  Sr^ebungdbefugnig  bed  äSormunbeß  atebonn  nii)t  naä)  ben  SSor- 
fd&riftcn  über  feine  ScfugiüRe  ate  Sßormunb,  fonbern  md)  ben  ^orfc^riftcn 
über  bic  3n](iaberpapicre  unb  Segitimationöpapicre  fid^  rid^ten  loürbc,  bie  nad) 
§  1669  (ocrgl.  ttuc§  §  1671)  prinjipiett  i^m  Derfagte  freie  »efugniß  jur  ®im 
jicljung  burc^  bie  SKrt  bcr  Anlegung  fid^  oei-fd^affcn  tonnen  (oergf.  Sßotioe  ju 
§  1669). 

§  1667. 

Mnberroeite  S)ie  t)on  bcr  prcufe.  Sßorm.  0.  §  39  (ücrgf.  Scridjt  bcr  ^crrcnljauös 

i?ö!nebmu 'ommiffion  6.  53)  abrocid^enbc,  aber  bem  in  üerfti^iebencn  anberen  SBed^te^ 


mit 


flunflbe«»or*  gebieten  gcttcnben  Siedete  (ocrgl.  fäd^f.  proüif.  ©er.  D.  §  57;  roürttcmb.  (Sef. 

Te"Ä«"*  ^-  28.  SRooembcr  1833  STrt.  3;  braunfd^ro.  (Scf.  v.  8.  gebruar  1883  §  1; 
brem.  SBorm.  D.  §  61  unb  brem.  ®ef.  o.  15.  anörj  1887 ;  IJiamb.  SSorm.  D. 
airt.  45;  bapr.  (Sntn).  3Irt.  66,  73  nebft  3Kotiüen  ©.  80;  J^eff.  ©ntro.  IV 
Slrt.  58 ;  l^cff.  (Sef .,  betr.  bie  ^Anlegung  oormunbfd^aftUc^cr  unb  pffegfc^aftlid^er 
©clber  u.  f.  ro.,  o.  18.  3uni  1887  ärt  3)  fid^  aufd^Uefeenbe  58orfd^rift  be« 
§  1667  ift  namcntüd^  für  fo[d^e  gäHe  t)on  5Bcrtt|,  in  roeld^en  bcr  SKünbcI, 
j.  93.  in  golgc  einer  ©rbfd^aft,  Äapitalocrmogcn  in  auötänbifc^cn  aCBcrt^cn 
befigt  unb  im  3wfontmenf|angc  mit  biefcm  33cfige  jum  S^t^e  bcr  SBcrmcibung 
fonft  bT^)l)cnber  großer  SScrtuflc  bie  roeitcre  ^Anlegung  oon  SKünbelgcIbcrn  in 
fold&cn  2Bcrtl)cn,  fei  cä  burd^  Sluöübung  eines  Scjugörcd^teö,  fei  eö  burd^  3la^ 
jot|Iungen,  crforberlid^  roirb,  ober  in  TOcId^cn  cß  fxä)  barum  l^anbelt,  bem  SBotcr 
ober  bcr  SKutter  bcö  2)Jünbe(ö  burd^  bic  ^ingobc  eincfi  3)arlet|en8  gegen  ^r)^ 
pottjcf  ben  Scfife  eincö  im  Sluölanbc  belegenen  (Srunbftüdfcö  ju  crtjcltcn,  loenn 
burd)  bic  ®rl^altung  biefcö  Sefigcö  bic  ©ubfiftcnj  bcr  gamilie  unb  beö  3ßünbeld 
fclbft  bebingt  ift.  S)a  oud^  in  ben  gällcn  bcö  §  1667  immer  eine  fidlere  9ln* 
legung  bcr  SDiünbcIgelbcr  ooraußgefefet  mirb  unb  ba&  93ormunbfc6oftögerid^t 
rocgen  feiner  (Scnetimigung  oerantroortlid^  ift  (§  1702),  fo  fte^t  bcr  SBcftimmung 
beö  §  1667  auc§  oom  ©toubpuntte  bcr  ©id^cr^eit  bcö  9Künbe(ö  auö  ein  be^ 
grünbeteß  Sebenfen  nid&t  entgegen. 

§  1668. 

hauchen  ®^^  Seftimmung  bcö  §  1668  ©ag  1  in  SBerbinbung  mit  bem  §  1669 

«Sng  2lbf.  2  ©afi  1  bejrocdft,  bem  SBormunbe  in  bcr  Belegung  unb  ®r^ebung  bcr 
^Ä«  *  ^^  §  ^^^®  ®^&  ^  bcjcic^nctcn  ®elber,  b.  1^.  berienigen  ®elber,  auf  weld^e  bic 
SBorfd^riften  bcr  §§  1664—1667  fid^  nid^t  bcjielicn,  freie  §anb  ju  laffcn.  3)en 
aSormunb  in  3lnfel)ung  bcr  aBiebercr^cbung  biefer  ©eiber  bcr  regelmäßigen 
Sefd^ränlung  bcö  §  1669  ju  unlermerfen,  empfiehlt  fid^  nid^t  ®ine  folc^e 
Sefd^ränfung  würbe  l|ier  rocgen  beö  Sebürfniffcö  micbcrldolter  ©r^ebungen  oon 
fleinen  ^ßoften  oon  bem  SSormunbc,  mie  oon  bem  ©d^ulbner  läftig  empfunben 
mcrben.  3lud6  bic  preu§.  SBorm.  D.  §  41  5Rr.  2  cntptt  in  S^nfel^ung  bcr  ^icr 
fraglid^en  ©ctbcr  feine  Scfd^ränlung  beö  SSormunbeö. 

Xxc  aSorfd&rift  beö  §  1668  ©afe  2  in  SBcrbinbung  mit  bcr  aSotfd&rift 
beö  §  1668  ©aß  1  bringt  im  Sntcreffe  bcr  S)eutlid^fcit  beö  ©efcftcö  ferner 


'*- 


jum  3ludbru(fc,  bofe  bic  SBcftimmung  barübcr,  in  tocld^cr  3lrt  für  bic  fid^crc 
SBclcßung  ber  im  §  1668  ©afe  1  bcjeiti&nctcn  ©clbcr  ju  forgen  fei  unb  ob 
tinb  in  rocld^er  9lrt  etwa  aud^  eine  Dorübcrßcl&cnbc  Belegung  bicfcr  (Selber, 
j.  33.  in  ber  gorm  cinefi  Äontofurrentoerfel^red  mit  einem  juoerläffigen 
SBonfier,  erfolgen  fotle,  bcm  pflid^tmäfeigen  ©rmcffen  be«  SBormunbeö  überladen 
bleibt  unb  bejfen  aSerantroortUti&feit  in  biefer  Sejic^ung  fid^  na6)  ben  allgemeinen 
©runbföfcen  über  bie  Sßerantroortlid&feit  befi  JBormunbeö  (§  1696)  richtet.  Sluf 
bemfetben  ©tanbpnnfte  ftcl^t  bie  preufe.  SBorm.  D.,  wenngleich  bicfeCbe  eö  nid^t 
audbrüdlid^  ondfprid^t. 

§  1669. 
I.  ®er  ©runbfoft,  ba§  bie  JBertretnngömttd&t  beö  SBormnnbeö  eine  um  «wfügunfl 
befd^ränfte  ift  (§  1649  nebft  ÜKotiüen  ©.  1084),  erleibet  bur^  bie  »cftimmungen  «„f^J^e  be» 
beö  §  1669  in  9lnfel^ung  ber  bem  3Künbel  juftel^enben  2lnfprü^c  eine  meit^  swünbei«. 
greifenbe  aiußnal^mc.  Slud^  nad^  bem  geltenben  SHe^tc  ift  bie  aSertretungsmac^t  «citenbe» 
bcö  aSormunbeö  in  ben  ](|icr  fraglid^en  SRid^tungen  balb  me^r  balb  weniger  ^***' 
gemiflen  SBefd^ränfungen  untermorfen.  Snßbefonbere  l^aben  nad^  bem  Sor* 
gange  beö  gemeinen  Stentes  (1. 25  Cod.  de  admin.  tut  5,  s? ;  §  2  Inst  quib.  alienare 
2, «)  aud&  neuere  ©efefte  oielfac^  bie  SBirtfomfeit  ber  Slnnoi^me  uon  3a^lungen 
burd&  ben  aSormunb,  foroeit  e&  fi^  um  bie  ©r^ebung  befi  ©tammefi  einer 
gorberung  l^anbelt,  t)on  ber  (Senel^migung  befi  aSormunbfddaftfigerid^tefi  ab* 
l^ängig  gemad^t  (oergl.  preufe.  21.2.91.  II,  18  §§  499,  500;  öfterr.  ©.». 
§  234;  fäd^f.  ®.  33.  §  1038;  meimar.  ®ef.  v.  27.  2Kärj  1872  §  52  5«r.  5). 
Db  nad^  gemeinem  SRed^te  aud^  bie  Abtretung  einer  bem  aJlünbel  jufte^enben 
Äapitalforberung  ber  (Senel^migung  befi  SBormunbfddaftfigeric^tcfi  bcborf,  ift 
beftritten;  bod6  mirb  biefi  üon  2;i^corie  unb  ^ßrajifi  Dorioiegenb  angenommen 
(pcrgl.  entfd^.  b.  31.  ®.  in  ©bUf.  XII,  34,  XVI,  24).  SKuf  bemfelben  Söoben 
[teilen  aud&  t)erf d^iebene  neuere  ©efefte  (oergl.  öfterr.  ® .  33.  §  233 ;  fäd^f.  ®.  33. 
§§  1941,  1946;  meimar.  ®ef.  t).  27.  aßärj  1872  §  52  5lr.  6;  ^eff.  ©ntm.  IV  ' 
Sttrt.  78 ;  haxjx.  ©ntn).  2lrt.  78  3lr.  3).  3um  Sl^eil  fe^cn  inbeRcn  bie  aru 
gefül^rten  ©efefec,  foüiel  bic  Slnnal^me  oon  3öi&Iungen  unb  bie  3lbtretung  oon 
gorberungen  betrifft,  für  geringere  gorberungen  t)on  bem  erforberniffe  ber 
©enel^migung  befi  ^Bormunbfd^aftfigerid^tefi  ab  (oergl.  fäd^f.  ®.  33.  §§  1946, 
1938;  roeimar.  ®ef.  o.  27.  SDlärj  1872  §  52  3tr.  5,  6).  ©agegen  ift  na^ 
fronj.  3led()tc  bem  58ormunbe  bie  ©injie^ung  unb  SIbtretung  ber  bem  ÖJIünbel 
jufte^enbcn  SDIobiliarforberungen  felbftänbig  überladen.  9lud^  bie  brcm. 
aSorm.  D.  §  48  unb  ©erfd^iebene  bai)r.  Statuten  fiaben  bie  Sßerfügung  befi 
33ormunbeö  in  2lnfe](iung  ber  bem  SWünbel  juftel&enben  gorberungen  einer 
SBefd&ränhing  nid^t  untermorfen  (rergl.  femer,  fot)iel  bic  SUnna^me  oon 
Ballungen  betrifft,  l^amb.  SBorm.  D.  Slrt.  48;  bat)r.  entm.  Slrt  79).  ©inen 
üTiittcImeg  l^at  bie  preufe.  SSorm.  D.  §§  41,  46  eingefd^Iagen.  9iad^  biefer 
bcbarf  efi  ber  ©enci^migung  befi  ®egem)ormunbefi  jur  SBcräulerung  von  SBertl)« 
papieren,  ferner  jur  ©injiel^ung,  Slbtrctung  ober  SBerpfänbung  t)on  Äopitalien, 
fofcrn  bie  lefcteren  nid^t  bei  ©parfaRen  belegt  finb.  S)ic  ©cnel^migung  bc& 
©cgenoormunbefi  fann  burd)  bic  ®enel^migung  befi  33ormunbfd^aftfigeric^tefi 
crfcßt  werben. 

aXottoc  t.  bOrgerL  aefc|bu<(.  lY.  71 


11Z£      =üotmunD|tv.  UDCt'^cinoeri.  V2;eneijmiguny  oe»  vs/eöenoüniiuriDCü.  ^iüdi?. 

«tanbpunft  3)ie  3lrt  unb  5lBcife,  lüic  ber  Umfang  ber  Sßcrtretungßmad^t  bcö  SJor- 

«ntourfeB.  tTtuubcö  Iti  9lnfc^ung  ber  aSerfügung  über  bie  bcm  SKünbct  juftcfjenben  3In5 
fprüd^e,  namcntli^  in  3lnfcf|ung  ber  eiujic^ung  ber  gorberungcn,  geregelt 
Toirb,  ift  einerfeitä  für  bie  ©id^crtieit  beö  SKünbete,  anbererfeitö  für  ben 
aSerfel^r,  für  bie  SSe^töftcHung  beö  Sd^ulbnerö,  oon  befonbcrß  groger  93e* 
beutung.  S)a§  ©trcben  nad)  größerer  ©id^erl^eit  beö  ÜRünbelö  ift  bie 
Stellung  beö  ©d&ulbncrö,  auf  iüeld)e  bie  ^icr  einfd^lagenben  Seftimmungen, 
unabhängig  x»on  bem  3BiUen  beöfelben,  einroirten,  leidet  ju  gefäl^rben  geeignet. 
Sic  SHüdEfic^t  auf  ben  Sd^ulbner  perbietet  eä  namentlid^,  bie  befreienbc 
SBirfung  x>o\x  Seiftungen  irgenb  melier  9Irt,  roetd^e  burdd  ben  ©c^ulbner  an 
ben  SJJünbel  ju  beroirfen  fmb,  im  3ntcreffc  größerer  Sicherung  bed  Ic^teren 
gegen  SSeruntreuungen  beß  SBormunbeö  baran  ju  fnüpfen,  baß  bie  Seiftung 
an  eine  öffentliche  ^intcrlegungöfteHe  gefd^elje,  ganj  abgefe^en  oon  ben  mit 
einer  fold^en  Siegelung  oerbunbenen  ftoften  unb  fonftigen  praftifd^cn  Um 
juträglid^feitcn.  Slüdfic^ten  prattifc^er  Srocdmäfeigfeit,  insbefonberc  bie  diM- 
fid^t  auf  bie  S3equemlid&feit  ber  93et^eiligten  unb  auf  bie  aScrminbcrung  ber 
(Scfd&äftötaft  ber  Oerid^le  fpred^en  ferner  bagegcn,  bie  SBirtfamteit  ber  ^ier 
fraglichen  ©efc^äfte,  meldte  bei  einer  aSermögendoermaltung  Ijäufiger  vov^vLf 
fommen  pflegen,  ftets  t)on  ber  Oenel^migung  beö  ^ormunbfd^,aft8gerid&ted 
öene^mißimg  a6l|ängig  JU  mad^en.  3m  ^ntereffe  ber  ©i^er^eit  beö  SRünbefe  ift  eö  oiefc 
»wmurtbS  tnel^r  regelmäßig  als  genügenb  ju  erad^ten,  meitn  ber  5Bormunb  bei  $Bornal)me 
ber  l^ier  in  SHebe  ftel^enben  ©efd^äftc  an  bie  (Genehmigung  beö  Oegcn* 
Dormunbeö  gebunben  (oergL  §  1682)  unb  nur  bann  bie  Oene^migung  beö 
beaw.beö«or*SBormunbfd&aftögeric^teö  für  erforberlic^  ertlärt  mirb,  menn  ein  ©egen* 
"aertl^te«*'  t)ormunb  nic^t  beftellt  ift.  S)urdö  baö  ©rforberniß  ber  ©cne^migung  beö 
(Segenoormunöeö  wirb  ber  le^tere  in  ben  ©tanb  gefegt,  ba^  weitere  orbnungö* 
mäßige  aSerfal^ren  beö  93ormunbeö  ju  beauffid^tigen  unb,  mcnu  Sebenfen  pd& 
ergeben  foUten,  bie  nöt^igen  Sd^ritte  ju  tl^un,  um  bie  Oefä^rbung  beö 
SRünbelö  abjuroeifiren ,  inöbefonbere  bur^  Slnjeige  an  baö  93ormunbfd&aftö« 
geriet  (§  1654).  ®ie  ©efaljr,  baß  ber  ®egent)ormunb  im  (Sinoerftänbnijfc 
mit  bem  SSormunbe  einer  Untreue  fid^  fd^ulbig  mad^t,  liegt  fe^r  fern.  3" 
bead^ten  ift  baneben,  baß  bem  3Jormunbfd&aftögeri^te  burd^  bie  S3eftimmungen 
über  bie  aSerpfti^tung  beö  SSormunbeö,  bem  SBormnubfc^aftögerid^te  jä^rlic^ 
über  bie  3Jern)oltung  beö  aWünbeloermögenö  Sled^nung  ju  legen  (§§  1687, 
1688),  bie  3Äögtid^feit  gemalert  mirb,  bei  (Setegenl^eit  ber  Prüfung  ber 
SRec^nung  fic§  bat)on  ju  überjcugen,  ba^  ber  33ormunb  inöbefonbere  aud^  in 
3lnfel^ung  ber  9lnlegung  ber  SWünbelgelber  bie  il^m  obliegenben  ^flic^tcn 
erfüllt  l^at.  ®ö  oerftel^t  ft^  oon  felbft,  baß  ba^  SBormunbfc^aftögerid^t  and) 
nad)  biefer  9lid&tung  ^in  bie  fad^lid&e  5ßrüfung  ber  SRe^nung  ju  erftrcdfen  l^at. 
©in  33ebürfniß,  burd^  eine  befonbere  S3eftimmung  58orforge  ju  treffen,  baß 
ba^  aSormuubfd^aftögeri^t  mit  Slüctfid^t  auf  ba&  bemfelben  juftelienbe  ftänbige 
aiuffid^törcd^t  (§  1684)  in  allen  gällen,  in  meieren  ber  ®egent)ormunb  bcm 
aSormunbe  bie  erforberli^c  (Senc^migung  namentlich  jur  STnnal^mc  einer 
Seiftung  ertfieilt  f|at,  burcf)  ben  ©egenoormunb  fofort  oon  bem  ©tanbc  ber 
3)inge  in  ber  Ijier  fraglichen  Sejic^ung  in  Äcnntniß  gefegt  wirb,  um  auc^ 
feinerfeitö  bie  shöglicbfeit  ju  tiaben,  barauf  einjuroirfen,  ba^  bie  Slntegung 


aSonnimbidb.  übcr^JJJinbcrj.  ©encßmigungbcßOcöcnöormunbeö.  §1669.     1123 

ier  3BunbcIgeIbcr  o^nc  aScvjogcning  Dorfd&riftömäfeio  erfolgt,  liegt  im  ^inblicfc 
<juf  bic  bem  ®egcnt)ormunbc  allgemein  oblicgenbe  33erpfli(^tung,  etwaige 
Ißflid&troibrigfcitcn  beö  35ormunbcö  bem  93ormunbf^aftögerid^te  untjcrjüglid^ 
-aujujeigcn  (§  1654),  foroic  im  ^inblicfc  auf  bic  bem  SBonnunbfd^aftögcric^te 
r\a6)  %  1686  jufte^enbe  SSefuguig,  audd  ot)ne  eine  fold^c  Sluseigc  fraft  feincö 
tttuffi^törei^ted  von  bem  SBormunbe  9luöfunft  ju  ocrlangeu,  nid^t  vov, 
Ueberbicö  ift  eine  bcfonbcre  SJorfd^rift  ber  beäeid^neten  2lrt,  Eingefeuert  auf 
bie  bamit  oerbunbene  erljö^te  93erantn)ort(i(i^feit  beö  ©egenoormunbeö  unb 
beö  33ormunbfci^aftögerid^teö,  foroie  auf  bie  baburd^  I)erbcigefül)rte  33ermet)vung 
ber  ®cf^äftc  ber  SBormunbfd^aftfigcrid^te  bebenflid^. 

5Kte  bebcnflid^  ift  cß  aud^  eradfitet,  ben  ©egenoormunb  burd^  eine  be^ 
-fonbcre  Seftimmung  anjuroeifen,  für  ben  galt,  wenn  (Selber  anjunel^men  fmb, 
lüel^e  nad^  ben  SSorfd^riften  beö  §  1664  angelegt  werben  f ollen,  bie  Oe^ 
iiel^migung  jur  Stnnafime  nur  bann  ju  crtl^cilen,  wenn  bie  Slnlcgung  gefid&ert 
toirb.  S)urd^  eine  berartige  S3eftimmung  mürbe  baö  Oefcg  STnforberungen  an 
ben  ©cgenoormunb  ftellen,  meldten  berfelbe  nur  bann  einigermaßen  mürbe  nad^« 
fommen  fönnen,  mcnn  i^m  bie  ©tellung  eines  SRitoormunbeö  eingeräumt 
Tt)ürbe  unb  er  fid)  bemgemäß  in  bie  aJlitin^abung  ber  (Selber  bejm.  ber  SBcrtl^* 
:papierc  fegen  fönnte.  (Sine  fo((^e  Stellung  mürbe  aber  mit  ber  ©igcnfd^aft 
beö  ©egenoormunbeö  alö  eines  3tuffid^töorganeö  nid^t  im  6inf(ange  ftellen. 
■©ö  genügt,  baß  ber  (Segenoormunb  in  golge  beö  ®rforberniffeö  feiner  (Se« 
itetimigung  Äenntnife  erhält,  roenn  bem  SBormunbe  ©eiber  ober  SBcrt^papiere 
geiciftet  werben.  Ob  ein  SWifetrauen  in  baö  tünftige  rcbUd^e  3Scrfal^ren  beö 
IBormunbeö  für  ben  ©egenoormunb  einen  gcnügenbcn  ©runb  abgiebt,  feine 
<Senel)migung  jurüdfjul^alten,  fann  nur  nad^  ben  befonbercn  Umftfinben  beö 
einjelnen  galleö  beurtt)ei(t  werben. 

3m  einjelnen  ift  ju  ben  93eftimmungen  beö  §  1669  nod^  gotgenbeö  ju 
temerf  en : 

1.  SBie  bereits  oben  ©.  1121  erwäl^nt  würbe,  verlangt  bie  preufe.  SSorm.  D.  «"»t«"«  *>«f 
*§  41  bie  ©enc^migung  beö  ©cgcnoormunbeö  außer  jur  SSeräußerung  üon  bim  ®^JI? 
tBertlipapieren  jur  6injiel)ung,  STbtretung  ober  33erpfänbung  von  Kapitalien,  t*««*^««««^' 
jofern  biefelben  ni^t  bei  ©parfaffen  belegt  finb.  3)er  ©ntwurf  get)t  in  ber 
iBefd^rönfung  beö  SBormunbeö  weiter,  inbem  er  ganj  allgemein  für  bie  93er* 
äußcrung  cineö  bem  2Rünbel  juftel^enben  2lnfprud&eö  bic  ©cnetimigung  beö 
Oegent)ormunbeö  oorfd^reibt,  foweit  baju  nid^t  nad^  ben  aSorfc^riften  ber 
§§  1671,  1674  bie  ©ene^migung  beö  93ormunbfd^aftögeri(^teö  erforbertid^  ift. 
^ö  mac^t  alfo  feinen  Unterfd^ieb,  ob  baö  SRed^t  beö  SKünbelö  auf  eine  Seiftung 
auf  einem  ©d^ulboerl^ältniffe  im  engeren  ©inne  ober  auf  einem  anberen  SRed^tö* 
grunbe,  inöbefonbcrc  einem  binglid(ien  9ted&töoerl^filtniffc,  berul^t  (§  154)  ober 
ob,  wie  im  galle  ber  ©runbfd^ulb  (§  1135),  eine  beftimmte  Seiftung  ni^t  in 
obligatione,  fonbcrn  in  solutione  ift,  3nöbefonbere  ^at  ber  ©ntwurf  aud^  bie 
SBefd^ränfung  auf  „Kapitalien"  aufgegeben,  ba  bicfer  ^uöbrud  an  einer  gewiffcn, 
t)ie  ©id^erlieit  beö  93ertel^reö  gefälirbenben  Unbeftimmtl^eit  leibet  unb  inöbcfonbere 
iwcifel^aft  läßt,  ob  unb  inwieweit  baruntcr  aud^  ber  no^  auöftefienbc  Äauf* 
preis  für  nerfaufte  SKünbelfad^en,  inöbcfonbere  für  oerfaufte  ©runbftüdEc  beö 
IDiünbelö,  fällt,  eö  aber  bebenflid^  fein  würbe,  folc^e  Slnfprüc^c  beö  ÜRünbelö 

71» 


1124     S3cmiunbf(6.  üBerSWinberj,  ®enc]&miöun0bc§@c0enüormunbcg.  §1669. 

üon  her  im  §  1669  beftimmtcn  Sefd^rSnfung  bcr  SScrtrctungömad^t  bcö  SSor^ 
munbefi  auöjunclimcn.    3Wit  3lüdf[id)t  auf  il^rc  bcfonbcre  aSidötigfcit  tinb  jur 
SBermcibung  t)on  S^eifctn  l^ebt  bcr  §  1669  Slbf.  1  auöbrücflicl^  l^croor,  ba^ 
an6)  ^ppotl^efen,  (Srunbf^ulbcn  unb  SBcrtfipopicrc  unter  bie  bort  bcjcid^neten. 
3lnfprü(^c  fallen.    9BcnngIeid&  ber  ©ntrourf  ju  einem  SRcc^tÄgcfdjäfte,  bur^ 
weld^eö  ein  3itä)t  an  einem  ©runbftüdfe  ueräufeert  wirb,  im  Ucbrigen  grunb*- 
fä|Iid)  bie  ©ene^migung  be«  a3ormunbf(]&aftögeri(]&tcd  Derfangt  (§  1674  9lr.  1), 
fo  l^at  er  bod^  bie  SSeröu^erung  tjon  ^t)potl^eIen  unb  ©runbf^ulben,  ba  bie* 
felben  u)irtt|f(i^aftlid&  bem  gorberungöocrlel^re  angepren,  bie  SSerfügung  über 
biefclbcn  aud^  nid^t  über  bie  (Srenjen  bcr  geroo^nlid^en  SBermögendoermoItung. 
Ijinauöge^t  unb  eine  freiere  Serocgung  in  biefer  Sejiel^ung  in  fielen  göUcn 
aud)  im  Sntereffe  beö  3WünbeId  felbft  liegt  (uergl.  bie  SRotiüe  ju  §  1511  oben- 
©.  765  ff.),  bem  §  1669  unterfteUt  (üergl.  aud&  §  1432  3lbf.  2  9]r.  2).  ©omeit. 
iebod)  bie  für  einen  9lnfprud^  beß  3Künbeld  beftelienbe  $ppotl|cf  aufgepben 
ober  geminbert  werben  foU,  ift  nac§  §  1674  Jlr.  13  —  abroeid^cnb  üon  ber 
prcufe.  33orm.  D.  §  41  3lx.  3  —  bie  Oenel^migung  beö  93ormunbf(|aftfigeric^ted. 
erf orber lid^  (tjergl.  SKotioe  ju  §  1674). 
mit  »atffic^t  2.  ^a  ber  äludbrudt  ^.^eröugerung''  nad^   bem  @prad^gebraudf)e  bed- 

beö  w«^^  ©cfefebud^cö  nur  bie  Uebertragung  unb  baö  9luf geben  beö  Stentes  in  feiner 
Qtmm'  SEotalilät  umfaßt  (uergl.  j.  93.  §§  107,  1300,  1511  SRr.  l),  fo  ift  neben  ber 
aSeraufeerung  im  §  1669  Slbf.  1  no^  befonberö  bie  Selaftung  ermähnt,  um. 
bie  Seftellung  t)on  SRicfebraud^ö«  unb  inöbefonberc  von  5|Jfonbrcd{|ten  an  ben. 
^ier  fraglichen  ®egenftänben  ju  treffen,  gerner  ftellt  ber  §  1669  9lbf.  1,  bamit. 
ber  beabfic^tigtc  3roed  nid^t  vereitelt  mirb,  bem  binglid^en  SRec^tßgcfc^äftc- 
baö  obligatorifd^e  äled^tögefd^äft  gleich,  burd^  meld^ed  bie  ^erpflid^tung  jU: 
einer  SSeräufeerung  ober  S3elaftung  ber  im  §  1669  9lbf.  1  bejcid^neten  9lrt  be* 
grünbet  wirb  (t)crgl.  aud&  §  1674  3lr.  1). 

©ine  9luönal|me  uon  bem  ©runbfa^e,  bafe  jur  SSeräufeerung  ober  ?3e* 
(aftung   eineö  bem  SWünbel  juftel^enben  SKnfprud^eö  bie  ©enel^migung  beö- 
©egenüormunbeö  erforberlid^  ift,  ^at  ber  ©ntmurf  oud&  n\6)t  für  ben  gott. 
gemaddt,  menn  bem  ©ritten  ein  Siecht  auf  bie  SScräufeerung  jufte^t  (oergl. 
fäc^f.  ®.  33.  §  1946).    SBennglcid^  bie  Sluönal^me  an  fid^  innerlid^  bcgrünbct. 
ift,  fo  pafet  fie  bodd  nid^t  für  fold(ie  gälte,  in  meldten  über  ein  SReddt  on  einem 
©runbftüdfe  ober  über  ein  SRcd^t  an  einem  fold^en  Steinte  ju  verfügen  ift,  ba. 
bie  Legitimation  jur  SBornal^me  t)on  9icd&töf|anbtungen,  meldte  auf  baö  ©runb« 
bud^  fic^  bejiel)cn,  eine  unbebingte  unb  für  ben  ©runbbud&rid^ter  fidler  erfennbore 
fein  mu6  (oergl.  §  1318  3lx.  1).   Unter  biefen  Umftänben  ift  cö  im  Sutereffe 
ber  ®infa^^eit  beö  ©efegbud^eö  angemeffener,  oon  jener  Sluönal^me  überliaupt 
abjufelien.    S)aö  ©rforbernife  ber  ©enelimigung  in  gällen  bcr  l^ier  fraglid&en. 
3lrt  f)ai  maleriell  nur  bie  Sebeutung,  ba^  ber  ©egenuormunb  ju  prüfen  ^at,. 
ob  bem  ©ritten  ein  SRed^t  auf  bie  aSeräufecrung  roirflid^  juftc^t.    SBirb  bie 
©enelimigung  ücrmeigert,  fo  fann  ber  ©ritte  felbftoerftänblid[i  feinen  Slnfprud^^ 
gegen  ben  SWünbel  im  SBcge  beö  ?ßrojeffeö  geltenb  mad^en.    3m  §  1676  ift 
ouöbrüdElid^  beftimmt,  bafe  eö  ju  ber  aSeräufeerung  ober  a3claftung  eineö  ©egen- 
ftanbcö  im  SBcge  einer  gegen  ben  äßünbet  gcri^teten  3w)angöi)oUftredEung  ber 
©cnet)migung  beö  ©egenoormunbeö  nid^t  bebarf. 


M 


1126     S5örmimbfd&.  übcrTOnbcri.  ®eneBmigunobeö®cöenuormunbeö.  §1669. 

®elbcrn  erfüllt  wirb,  rod(f)c  m6)  SWofegabc  bcr  S3cftimmung  beö  §  1668  be^ 
legt  ftnb,  wirb  auf  bie  3Kotit)c  ju  §  1668  oben  ©.  1120  93ejug  genommen, 
83on  ber  SWcgel,  bo^  jur  ©inäicl;ung  üon  Äopitalicn  bic  (Genehmigung 
bcö  ©egcnoormunbcö  erforbcrlid^  ift,  läfet  bie  preufe.  93orm.  D.  §  41  9ir.  2 
eine  9luSnol^mc  eintreten  für  fold^e  Sapitalien,  weld^c  bei  ©parfajfen  belegt 
finb.  SBenngleid^  biefe  Sttuönolime  geeignet  ift,  ben  gcfc^äftlid^en  SBerfe^r  mit 
ben  Sparfaffen  ju  erleid)tern,  ein  ©cfxd^töpunft,  meld^er  bafür  fprid^t,  biefe 
9luönal^me  aud^  auf  bie  ^tiebung  bcr  nad^  SKafegabe  beö  §  1665  belegten 
©eiber  auöjubel^ncn,  fo  ift  cö.bod^  im  3ntereffe  ber  ©iti^erl^eit  bcö  SRünbefe 
alö  bebenlli^  era^tet,  in  biefen  gälten,  in  meld&en  eö  fid)  möglicher  SBeife 
um  bie  (Srl^ebung  fel^r  beträd^tlid^er,  an  fid)  ju  einer  baucrnben  3lnlegung  be^ 
ftimmter  ®elber  ^anbelt,  üon  bem  (Srforberniffe  ber  ©eneljmigung  beö  ®cgen^ 
uormunbcö  abjufe^en  (t)ergl.  aud^  §  1666  9lbf.  2  nebft  SKotiuen  oben  S.  1119  ff.)- 
2)ic  an  ölinlid^e  Scftimmungen  beö  föd^f.  ®.  33.  §  1938  unb  beö  weimar. 
®ef.  V.  27.  3ßärj  1872  §  52  3lx.  5  ftd^  anfd^Ucöenbc  SKuönalimc  im  §  166^ 
9lbf.  2  ©afe  2  beruht  auf  ber  ®rn)ägung,  ba§  bei  SBormunbfd&aften  mit  einiger- 
mafeen  erl^cblid)cr  SSermögenöüermaltung  bcm  SSormunbe  bic  SScrroaltung  be& 
SWünbeloermögenö  nid^t  ju  fel^r  erfd^mert  unb  er  in  ber  grei^cit  feiner  93e* 
megung  nid&t  in  einer  mit  ben  SJebürfniffen  beö  praftifd^eu  Sebenö  nic^t  im 
©inffange  ftet;enben  SBeife  beengt  mcrben  barf.  3)icfcr  Srmägung  gegenüber 
fann  auf  baö  33ebenfen,  ba§  biefe  2luönat)me  bem  minbcr  begüterten  SKüubel 
in  9lnfel^ung  ber  bcmfclben  juftei^enbcn  .Kapitalien  ben  ©d&ufe  entäiel^c,  u}cld)en 
bie  Siegel  bcö  §  1669  bem  rcidjcn  Sßünbel  burd^  baö  ©rforbernife  bcr  ®c^ 
nel^migung  bcö  33ormunbfd^aftögcrid^teö  gen)ät;re,  entfd^eibcnbcö  ®croid&t  nid^t 
gelegt  werben,  jumal  bei  minbcr  begüterten  9Jlünbetn  bie  jlnöbare  Selcgunft 
ber  SJJünbelgelber  oorjugömcife  bei  einer  ©partaffc  ju  erfolgen  pflegt,  in  einem 
fold{|cn  gallc  aber  bic  Ijier  fraglid^e  3luönat)mc  nad)  ben  ©^luferoortcn  bc^ 
§  1669  3lbf.  2  feine  3lnn)enbung  finbet,  fofern,  roie  bieö  na6)  §  1666  äbf.  2 
gcfd^elien  foU,  bie  SKnlegung  mit  ber  Seftimmung  bewirft  ift,  bafe  jur  ©r^ebuna 
bcr  ®elber  bie  ®cncl^migung  beö  ©egenoormunbeö  ober  beö  SBormunbfd&aftö^ 
gerid^teö  crforberlid^  fei.  ©benfowenig  foH  bie  9luöna^me  in  Slnfcl^ung  ber 
3urüdfjal)lung  ber  nad^  SKafegabe  beö  §  1665  belegten  ®elbcr  ^ßlafi  greifen^ 
wenn  biefelben  in  ®emä6bcit  bcö  §  1666  3lbf.  2  mit  bcr  bort  bejcid^netcn 
SBcftimmung  angelegt  finb.  ®ie  2luöbel^nung  ber  ^icr  in  SHebe  fte^enben  3luö^ 
na^mc  auf  fold^c  ®clber,  weld(ie  mit  ber  im  §  1666  9lbf.  2  bejcid&neten  8e^ 
ftimmung  angelegt  finb,  würbe  mit  bem  3^^^^  ber  5Borfd^rift  bcö  §  166^ 
Slbf.  2  nic^t  im  ©inflange  ftel;cn.  Uebrigenö  ift  für  bic  im  §  1669  aibf.  2 
©a|  2  bcftimmtc  Sluöna^me,  wie  aud;  bie  gaffung  ergiebt,  nid^t  bcr  Sctrag 
bcr  Seiftung,  fonbcrn  beö  3lnfprud^eö  mafegebenb,  fobafe  bcr  SBormunb,  wenn 
bcr  93ctrag  beö  3lnfpruc^eö  breil^unbcrt  2Rarf  überfteigt,  auc^  3;^cilja^lungcn, 
weld^c  Jenen  93ctrag  nid^t  überfteigen,  ol^ne  ©cnel^migung  bcö  ®egenr)ormunbcÄ 
wirffam  nid^t  annel;men  fann.  S)ie  ©ntfd&cibung  ber  grage,  wann  ein  ein* 
l^citlidicr  3lnfprud^  ober  eine  3)lel)r]^eit  üon  älnfprüdien  vorliegt,  ^ängt  Don 
ben  fonfreten  Umftftnben  ab  unb  ift  bcr  Suriöprubenj  ju  überlaffen. 
jtünbigung  4,    j^ie  prcufe.  93orm.  D.  §  41  5Rr.  2  ©erlangt  bie  ®ene^migung  beö 

»mffagung.  ©cgcttüormunbcö  jur  ©injicl^ung  uon  Kapitalien.     Db  bcr  Sluöbrucf  ,,6im 


agcrmunbf c6.  üBcr  TOtnberi.  ©ciicl^mtöuno  beß  ©cßcitüormunbeS.  §  1669.     1127 

jic^unfl"  axiäj  bic  Äünbigung,  foroic  bic  ©inffagung  mitumfafet,  ift  beftrittcn. 
S)cr  ©ntiüurf  bcfd^ränft  bcn  33onnunb  iDcber  in  ber  einen  nod&  in  bor  anbeten 
S9ejieJ)ung.  ©ine  befonbere  (Scfäfirbung  crgicbt  fi(j&  für  bcn  3Künbcl  aus  ber 
blofeen  Äünbigung  nid^t.  ®cgen  einen  ÜKifebrau^  ber  freien  Äünbigungö* 
bcfugnife  beö  5Bormunbeö  ift  ber  äßünbel  burd^  bie  pcrfönlid^e  83erantn)ortIi(j&^ 
feit  beö  aSormunbeö  genügenb  gefc^üfct.  Stuf  ber  anberen  Seite  fann  eine 
93e|c^ränfung  bicfer  SScfugnife  für  ben  SKünbel  unter  Umftänben  nad&t^eilig 
wirfen,  wenn  cö  firf)  wm  eine  Sef^Icunigung  jur  Slbroenbung  öon  ©efafiren 
^anbclt  (oa-gl.  prcu§.  91.  S.  91.  II,  18  §  497;  abrocid&enb  braunfd^n).  SBerorbn. 
V.  3.  '^cbruQr  1814  §  50;  öfterr.  ®.  33.  §  233). 

SEBegen  ber  ®rünbe^  auö  roeld^en  ber  ©ntiDurf  ben  SSormunb  in  ber 
Sefugnife  jur  ^ßrojefefü^rung  nid^t  befdjronft,  wirb  auf  bie  9JlotiDe  ju  §  1674 
Dcriüiefen. 

5.  Sie  Seftimmüng  beö  §  1669  3Ibf.  3  ©afe  1  entfprid&t  bem  §  '^^^^^^^ 
2lbf.  2  ber  preufe.  aSorm.  C     3luä  §  1679  ergiebt  fid)  übrigens,  bafe  baö   'f^^a^SII" 
aSormunbfc^aftögerid&t,  bet)or  baöfelbe  burc^  feine  ®enef)migung  bie  beö  Oegcn^   aeric^te«. 
Dormunbeä  erfe|t,  ben  lefeteren  f)ören  foH. 

©in  Sebürfnife,  für  ben  gall,  wenn  ber  ®egcnt)ormunb  feine  (Se- 
nefimigung  jur  Slnnatime  einer  Seiftung  üerfagt,  bem  SSormunbe  baö  dt€ä)t 
beijulegen,  von  bem  ©d^ulbner  bie  öffentliche  Hinterlegung  ber  Seiftung  ju 
verlangen,  bamit  bic  ©injie^ung  ber  gorberung  nid^t  oerjögert  mirb  unb  ber 
aJlünbel  nid&t  in  3tnna^mcoerjug  gerötfi,  (iegt  nid^t  oor.  S)er  regelmäßige 
Sluöroeg  liegt  in  einem  fofd^en  gallc  in  ber  5Jad)fud^ung  ber  Oencl^migung 
beö  5}ormunbfd^aftögericf)teö  burd^  ben  SSormunb.  3"^^^^  ift  ^'^  berartiger 
Hintcrlcgungöjmang  gegen  bcn  ©d^ulbner  nid&t  gcred&tfertigt. 

S)ic  weitere  93eftimmung  beö  §  1669  aibf.  3  ©aft  2,  bafe  bie  ®e^ 
nefimigung  beö  93ormunbfd)aftögerid&teö  audd  ^^^^  erforberlidö  ift,  menn  ein 
®egent)ormunb  nid^t  beftellt  ift  —  mag  nun  bic  ^lid^tbefteDung  orbnungö* 
mäfeig  fein  ober  nid^t  (§  1647)  — ,  fd^neibet  einerfeitö  bic  an  bcn  §  41  ber 
preufe.  5Jorm.  D.  fid^  fnüpfenbc  Streitfrage  ab,  ob,  wenn  baö  ©cridjt  tfiat* 
födblid^  einen  ©cgcnoormunb  nid&t  beftellt  l^at,  obrool^l  ein  fol^er  nad|  ber 
aSorfc^rift  beö  ©efc^cö  (§  26  Slbf.  2  ber  preufe.  SSorm.  D.)  ^ättc  beftcHt 
werben  muffen,  bie  im  §  41  bcjcid^nctcn  SJerfügungen  beö  aSormunbeö  fo 
longc  unroirffam  finb,  biö  bic  ©enc^migung  eincö  ©cgcnoormunbcö  erfolgt  ift 
(üergt.  3a^rb.  ber  (Sntfd^.  beö  Hammerger.  IV,  38,  39),  unb  forgt  anbcrerfeitö 
bafür,  ba§  auc^  in  fold^cn  gällcn,  in  meldten  ein  ©egenoormunb  nid^t  beftellt 
ift,  weil  ein  fold^cr  nac^  ber  33orfc^rift  beö  ®efe|eö  (§  1647)  nid^t  beftellt  ju 
werben  brandete,  bem  SKünbcl  ber  ©d)u6,  rocldficn  il^m  ber  §  1669  2lbf.  1  im 
gallc  ber  SeftcDung  eincö  ®cgeni)ormunbeö  burd^  baö  ©rforbernife  ber  ©c- 
nel)migung  beö  Icgtcren  ju  geroä^ren  bcjroedEt,  burd&  baö  ®rforbemi6  ber  ®c- 
ne^migung  beö  3]ormunbfd^aftögcric§tcö  ju  2:i^cil  mirb.  ®cl|t  man  einmal 
baoon  auö,  bafe  im  3^tcreffc  ber  Sidf)crt)cit  beö  SÖtünbclö  bem  aSormunbc  bic 
im  §  1669  bejcic^netcn  SRed^tögefd(|äftc  nid^t  allein  überlaffcn  werben  bürfen, 
fo  würbe  eö  infonfequent  fein  unb  ber  inneren  SSegrünbung  entbel^rcn,  bem 
ÜKünbel  biefc  ©ic^ierung  nur  bann  jU  gcwäl^ren,  wenn  ein  ®cgcnt)ormunb  beftellt 
ift  ober  bod^  nad^  ber  9tbftd^t  beö  ®efe6eö  ^ätte  beftellt  werben  follen,  il^m 


biefelbe  aber  ju  Dccfagen,  mm  ein  ©cgenoormunb,  j.  ^.  ivcqcn  Uner^cblitiitelt 

bct  SSermöflenÄoenoaltung,  nic^t  befteUt  tft.     aiiii|  bei  einer  «ner^ebli^en 

aScrmBgenaDeriDallung  fönncn  bte  im  §  1669  bejeidineten  SJe^tflgefi^ofte  vov 

fommen  unb  ))at  in  fo[d)en  ^äUeti  ber  iveniger  begüterte  ^ünbel  ni(^t  minbcr 

roie  ber  reii^e  SDlünbel  ein  3ntercile  boron,  bafe  i^m  bur^  boa  ©rforbemife 

ber  Genehmigung  etneä  Suffid)taorganefi  eine  grdgerc  @ici)er^eit  gemährt  niicb. 

«i  Sßon  facr  SBcftimmung,  ba%  cS  in  bcn  %äüen  beS  §  1669,  rocun  ein 

iti^i'HknBai.  ©egcnoonnunb  ni^t  befleüt  ift,  ber  (Sene^migung  befl  Sßormunbfc^iQftBgerit^tc« 

tj^^^bebarf,  mo^t  ieboi^  ber  §  1669  3[bf.  3  <Ba%  2  im  ainfdiluiye  an  bie  SBod 

■  fdiriften  ber  preufe.  ißorm.  D.  §§  41,  26  Slbf.  S  eine  3Iu6nafime   für  ben 

gnK,  ntenn  me^te  SJormünber   hie  aSormunbfd^oft  semeinfd)aftli^  führen. 

ffiiefe  Shisnn^me  rctfitfertigt  [läf  b\xtä^  bie  ©rroflgung,  ba|  in  biefem  %a\le  bec 

Sßangei    ber   @ene[)migung    eineg    9Iufft(^t3organeä    burt^    bie    gegenfeitige 

Sontrole  ber  aJlitoormünber  unb  bie  SJorft^rift  erfe^t  roirb,  bofe  biefelben  nur 

flenieinfiiafttid)  |anbeln  tonnen,  bei  äßcinungSncrf^ieben^eiten  aber  bas  Sßor' 

munbfdjQftisgerii^t  entfrfieibet  (§  1652). 

SBeitere  ausnahmen  döu  ber  Meflet  be«  §  1669  rmö  t"  l>en  §§  1676, 

1690,  1733  beftimnit  (oergl.  ferner  bie  in  ber  5(Inm.  1  ju  §  163i  entgoltene, 

für  bas  ©infü^runflSgcfeg  bcftimmte  93acTt&rift).     Segen  biefer  Sluflna^me 

mirb  auf  bie  ^Jlotitie  ju  ienen  Paragraphen  Sejug  genommen. 

B(rtu*HiinB  II.   ®emeinre^tli(ö  ift  juc  SBeröu^ening  ni^t  nur  Bon  unberoegli^cn, 

'ptawT'  fonbcm  fludi  »on  beroeglicf)en  SHünbetfac^en  bie  oberBormunbfc^oftliffte  ©es 

f"*'"-     ne^migung  erforberli^.     2lu6genommen  fini'  i^bo^i  bie  ®in[ünfte  unb  ganj 

ttiert^lofe  unb  überftüffige  ©ac^en. 

Sie  neueren  Oefege  Öaben  ben  SSormunb  in  9lnfel)ung  ber  SßcräuSening 
beroeglicfier  SDlünbelfac^cn  meift  freier  gefteßt;  jum  X^tH  f ^reiben  fie  um= 
gefe^rt  bem  Säormunbe  bie  fofortige  aSerfilberung  befl  berocglit^en  SBermögens 
»or  unb  geftotten  bemfelben  nur  aufina^msroeifc,  inflbefonbcre  mit  obers 
normunbfdiaftiidiec  Genehmigung,  bie  33eräugerung  ju  unteriaffcn.  Segterefl 
ift  namentlich  ber  ©tanbpunft  bea  franj.  SHe^tes  (code  civil  airt.  452,  45S; 
Dcrg!.  QuiJ  l)c)).  Qntn.  IV  3(rt.  55;  bat)r.  ©iitro.  3frt.  70),  faioic  im  ifficfcnt= 
litficn  ber  beS  prcu^.  31.  Ü.  3).  II,  18  §§  439  ff.  unb  bcS  öftcrt.  ®.  S.  g  231. 
SIuc^  nad)  roücttemb.  Siechte  foU  bie  ga^mife  mit  9tuQnal)mc  (otdier  @egcn= 
ftänbe,  roclrfiet  ber  3Jliinbcl  felbft  bebacf,  »erfnuft  mecbcn;  roenn  aber  beren 
9Bert^  50  '^l.  überftcigt,  ift  bie  (Senelimigung  ber  DberDormunbft^aft  cr= 
forbcrlitf).  T'aö  föi^f.  (S.  93.  §  1940  mai^t  bem  Siormunbc  jur  'Pflidit,  6e= 
locglii^e  Sachen,  roeli^e  ot)ne  ©cfattr  unb  ©cf)abeu  nid)t  aufbema^rt  werben 
tonnen,  ju  »cräufeern. 

®er  entmucf  ge[)t  baoon  aus,  ba6  ber  Söormunb  in  9Infeö»ng  ber  ajcr« 
äugerung  bcn)egli{f)cr  Sad)cn  roeber  nad)  ber  einen  nod)  nnt^  ber  onberen 
;)iid)tung  I)in  on  eine  allgemeine  Stcgcl  gcbunbcn  fein,  cfl  iE)m  Diclmebr  üben 
Iflflen  bleiben  foO,  im  einjelnen  gallc  \d  ju  «erfahren,  loic  ca  nacft  feinem  ®r» 
mcReii  bem  3i"'erci)c  beö  SHünbelfi  am  mciften  enlfpridjt  (rcrgl,  aud)  lüberf. 
SJorm.  D.  §  54;  brem.  SSorm.  D.  §  52;  prcufe.  Sorm.  C.  g  41  nebfl  OTotioen 
S.  77).    atudi  bie  in  neueren  Oefe^en  (nergl.  prcufi.  51.2.91.  11,  18  §  441; 


S3ormunbf(Saft  2c.    3nl6öBcrpa|)ierc  2C.    |)intcrlegunö  2C.    §1670.        1129 

öftevr.  ®.  33.  §  231;  code  civil  «rt.  452;  lübcd.  aSorm.  D.  §  54;  brem. 
aSorm.  D.  §  52;  ^omb.  JBonn.  D.  Strt.  44;  l^eff.  ®ntn).  IV  Slrt.  55;  bapr. 
©ntro,  Slrt.  72)  l^äuftg  fid^  finbenbc,  bcm  gemeinen  Sled&te,  bcm  fäd^f.  ®.  S. 
nnb  ber  preug.  SBorm.  D.  (Dcrgl.  SWotipe  ju  berf.  S.  77)  bagegen  unbcfannte 
S8orf<^rift,  bofe  bie  aSeräufeerung  bcrocgli^er  ©ad^cn  In  ber  JRegel  im  SBege 
öffentlid^er  SScrflelgerung  erfolgen  folfe,  ^at  ber  ©ntrourf  nid^t  aufgenommen, 
weit  fie  ben  Sßormunb  in  ber  grei^eit  ber  SJerroaltung  o^ne  9lot^  jn  fel^r  beengt 

®ine  3luönal^me  pon  ber  Stegel,  bafe  ber  aSormunb  in  Änfel^ung  ber  ••t*^^'*»*«"- 
aSeräufeerung  beraeglid^er  ©ad^en  einer  aScfd^ränfung  nid^t  unterliegt,  ift  aud^ 
nid^t  für  Äoftbarfeiten  gemad^t,  obmo^t  t)erfd&iebene  neuere  (Sefcße  bie  aSer« 
äu^erung  ber  lefiteren  an  oberoormunbfd^aftlic^e  ©enel&migung  binben  (oergl. 
prcu|.  Sr.  S.  91.  II,  18  §§  445—447;  ffid&f.  ©.33.  §  1940;  meimor.  ®ef. 
D.  27.  aWärj  1872  §  52  3lv.  6).  5Der  Segriff  ber  Äoftbarfeiten  ift  ein  fel)r 
unbeftimmter,  unb  ift  eö  beöl^alb  in  ^o^em  SWafee  bebenfUd^,  ben  Urnftonb, 
bafe  eö  ftd^  um  ftoftbarfeiten  l&anbett,  in  bie  aSorauöfegung  einer  3fled&t8norm 
Qufjunel^men,  meldte  nid^t  nur  bie  9led&tfibejiet|ungen  jroifd^en  aSormunb 
unb  ÜRünbcI  betrifft,  fonbern  audd  nad&  außen  wirft.  3)ian  Bnnte  bee^s 
l^olb  nur  an  eine  inftruftioneHe  3}orfd^rift  beuten.  3)er  praftifd^e  SRufeen 
einer  fotd^cn  aSorfd^rift  für  ben  SDlünbel  ift  inbeffen  ein  fo  geringer,  ba^  il^re 
9lufnat)me  mit  3flüdEfid&t  auf  bie  mit  einer  fold^en  aSorfc^rift  t)erbunbenen  &c^ 
fd^roerungcn  unb  a3cläftigungen  ber  Dormunbfd^aftlid^en  aSerwaltung  nid(|t  als 
angemeffen  erad&tet  werben  fann.  3)er  Gntmurf  ber  preug.  aSorm.  D.  fteHte 
allerbingö  für  bie  aSeräufeerung  Don  Äoftbarfeiten  baß  ®rforberni§  ber  ®e* 
nel^migung  beö  ©egenoormunbeö  auf.  3)urd^  bie  Äommiffton  bed  Ferren« 
Kaufes  mürbe  biefe  a3eftimmung  iebod^  geftrid^en  unb  finbet  fld^  in  ber  preufe. 
aSorm.  D.  felbft  nid^t  me^r. 

?ßur  in  bem  gaUe,  wenn  Äoftbarleiten  beö  ÜWünbelö  auf  3lnorbnung 
beö  aSormunbfd&aftögerid^teö  hinterlegt  fmb  (§  1670  3lbf.  3),  ift  in  2lnfel^ung 
berfelben  bie  aSertretungöma^t  be«  aSormunbed  nad^  SWafegabe  beö  §  1671 
9lbf.  1  befd&ränft. 

§  1670. 

1.  SEBenngteid^  nid^t  üerfannt  wirb,  baß  bie  im  §  1670  3lbf.  1  be^    ^^^^l' 
ftimmte  gefe^Kd^e  aSerpflid^tung  beö  aSormunbeö  gegenüber  bem  in  bem  größten  «intet cegung ; 
SC^eile  ©eutfd^lanbö  gcttenben  Siedete,  namentlich  gegenüber  bcm  gemeinen  ""*'*^"**""^' 
SRe^te,  bem  franj.  SRed^te,  ber  preu§.  aSorm.  6.  §  60  (oergl.  aud&  §  24 
befi  preuß.  ®ef.,  betr.  bad  ©taatfifd^ulbbud^,  o.  20.  3uli  1883)  unb  bem 
fäd&f.  ®,  33.  §  1904,  eine  Sßeuerung  entl&alt    (oergl.  femer  elf.lot^r.  ®cf. 
t).  16.  3uni  1887  §  3;   ^ejf.  ®ef.,  betr.  bie  Anlegung  oormunbfd&aftlid^er 
unb  pPegfd&aftlid&er  (Selber,  fomie  bie  Slufbemaldrung  ber  aBcrtl^papiere  u.  f.  m., 
0.   18.  3uni  1887  Slrt.  5;   bagr.  ©ntm.  Slrt.  68),   roenngleid^  ferner  ju^ 
gegeben  werben  mag,  baß  iene  aSerpffid^tung  infofern  bie  aSerantmorttid^feit 
bed  aSormunbefi  fteigert,  alö  bcrfelbe  bei  fd^ulbooHer  aSerjögerung  ber  gefefe« 
lid^en  aSerpflid^tung  bie  ©efa^r  beö  aSerlufteö  ber  ^ier  fraglid^en  Rapiere 
burd^  S)iebfta^l,  »ranbunglüdE  u.  f.  ro.  trögt,  unb  baß  ber  ^interlegungö* 


1130       2l5onnunbfd?att  K.    SnoaberWicre  2C.    4)mrerlcöuiiG  2C.    §1670. 

jroang  bei  gröfeciem  SBcrmögcn  bic  SBcrroaltung  bcö  3Sormunbed  crfd^iocrcti 
tann,  bic  SSovmunbfd^aftögcrid^te  aber  im  ^inblicfc  auf  if)rc  SBerantroort^ 
lici^feit  (§  1702)  nid)t  leidet  geneigt  fein  loerben,  ben  SJormunb  oon  ber 
J)ier  fraglid^eu  gefefelidöen  95crpfli(i^tung  ju  bißpcnfiren  (§  1670  3lbf.  2),  fo 
fmb  bo^  bic  für  bic  93cftimmung  beö  §  1670  3Ibf.  1  fpred^enbcn  ®rünbe 
alö  überroiegenb  ju  erad&tcn.  ©ntfdbeibenb  fällt  ins  ©eroid^t,  ba§  baburd^ 
ber  9)JünbcI  gegen  bie  mit  ber  5ßotur  ber  3n^abcrpapiere  ücrbunbenen 
©efo^ren  bcficr  gefd^ü^t  mirb.  S)ie  ©rünbe,  auf  roeldjcn  bic  33eftimmungen 
beö  §  1669  beruljen,  ia^  ber  Sßormuub  über  2lnfprüd^c  beö  SKünbelö  tegefc 
mäfeig  nid^t  oljnc  bic  ©ene^migung  beö  ©cgenoormunbeö  ober  beö  SSormunb* 
fc^aftögerid^tcö  foU  Derfügen  fönncn,  fprec^en  bafür,  bei  3nbaberpapicren  bic 
Hinterlegung  ober  bie  Umfd^reibung  auf  ben  5Ramen  beö  SKünbclö,  fofern  bicö 
juläfftg  ift  (üergt.  prcufe.  ®ef.,  betr.  baö  Staatöfd^utbbud^,  v.  20.  3uli 
1883;  fädjf.  ®ef.,  baö  ©taatöf^ulbbud)  betr.,  t).  25.  3lpril  1884),  oor* 
jufd^reiben,  um  bm  SBormunb  ju  t)erf)inbern,  bafe  er  alö  3nl^aber  über  jene 
5ßapierc  otine  bic  ©cnel^migung  beö  ©egenüormunbcö  ober  beö  3Sonnunbfd^aftö^ 
gerid&teö  verfügt.  2)iefer  ©djug  beö  SWünbelö  gegen  Untreue  beö  5Bormunbeö 
ift  um  fo  mel^r  angejcigt,  alö  ber  SBormunb  nid^t  melir  jur  Äautionöfciftung 
gejTOungen  roerbcn  fann  (§  1689  ücrb.  mit  §  1643  5Rr.  6  unb  §  1706  3lbf.  2) 
unb  bem  SKünbel  eine  gcfeglid^c  ^ppotl^ef  an  bcm  SSermögen  beö  SBormunbcö 
nid)t  me^r  juftet|t.  5lber  nid&t  nur  von  bcm  ©cfid^töpunfte  beö  Sd^ugeö  gegen 
ben  3Sormunb  auö,  fonbern  t)ornct)mUd^  jum  ©d^ugc  gegen  ben  SSerluft  ber 
Rapiere  burd^  jufällige  Umftänbc  ift  bic  Hinterlegung  ober  bie  Umf^rcibung 
ber  5ßapicrc  auf  ben  5Ramen  beö  5DlünbcIö  alö  angemcffen  ju  erad)ten.  58on 
biefem  lefetcren  ©efid^töpunftc  auö  bctrad^tet,  liegt  bic  3Ra§rcgel  aud^  in  bcm 
eigenen  3fntercffc  beö  SSormunbeö,  mcld^er  auf  biefe  SBeifc  ber  SSerantroorllic^^ 
feit  in  3lnfe^ung  ber  eigenen  SBerroatirung  ber  Rapiere  überl^oben  wirb.  S)aö 
Sebcnten,  bafe  bei  einer  größeren  SJermögenöocrmaltung  ber  ^interlcgungö« 
iioang  für  ben  SBormunb  mit  fielen  SBeiterungen  unb  Sclaftigungcn  ücr* 
bunbcn  ift,  roirb,  abgcfcl^en  baoon,  ba%  bcm  33ormunbfd^aftögcrid6tc  nad^ 
§  1670  9lbf.  2  bie  S3efugni^  juftel^t,  ben  Sßormunb  gccignetcnfallö  von  ber  im 
§  1670  9lbf.  1  beftimmten  SScrpflid^tung  gänjtid^  ju  entbinben,  mefcntlidi  ba« 
burd^  gemilbert,  bag  bic  l;ier  fraglid()c  gefcgtid^e  35crpP[id{|tung  beö  SBormunbcft 
auf  bic  3ii^öfd&einc,  5{cntcnfuponö,  ©cminnantl^eitöfd^einc  unb  bic  ©rneuenmgö« 
f(^cinc  fid^  nid^t  bejic^en  foU.  Um  fo  unbcbcnflid^cr  ift  bie  ©eftimmung  beö 
§  1670  3lbf.  1,  alö  erfal^rungömäfeig  im  ©cbictc  ber  prcufe.  Sßorm.  D.  in  ber 
großen  aßet)rjal^l  ber  göHc  bic  3»^^öbcrpapiere  beö  3Wünbclö  l^interlcgt 
aufeer  Äurö  gefegt  ober  nad^  SKafegabc  beö  preufe.  ©ef.  t).  20.  3uli  1883, 
betr.  ba&  ©taatöfdf)ulbbud),  auf  ben  Flamen  beö  aßünbclö  im  ©taatöfc^ulb^ 
buc^c  umgcfc^ricben  roerben.  9lud^  in  fold^en  9lcd^tögcbicten,  in  meldten,  wie 
in  S8ai)crn  (ücrgt.  ba^r.  ^^potl^.  ©ef.  d.  1.  3uni  1822  §  20)  unb  ia 
SBürttemberg  (3uftijminifterialt)crfügungcn  t).  28.  äUärj  1856  u.  d.  9.  Dftober 
1863)  ä^nlic^e  SBorf d)rif ten ,  mic  bic  5Borfd&rift  beö  §  1669  9lbf.  1,  fd^on  feit 
längerer  Seit  befte^en,  ^abcn  biefetbcn  praftifd^  fid^  bemäfirt,  unb  aud^  in 
neuerer  3^'*  fti^ö  in  tjcrfc^icbenen  anberen  ©ebietcn  ä^nlid^c  SBorfc^riftcu  a« 
lafjcn  (olbcnb.  ©efegc  ü.  3.  3lprit  1876  5lrt.  2,  v.  28.  Januar  1879  3lrt.  2 


S8ormimbfc6aft  2C.    Sn^flberpcipierc  k.    |)intcrTcöuiig  k.    §1670.        1131 

unb  D.  19.  üKärj  1879  Slrt.  2;  brnunfd&w.  @cf.  v.  8.  gcbruor  1883  §  2; 
brem.  ®cf.  d.  15.  SKär}  1887;  ocrcjl.  oud^  bofi  %  ®cf.,  betr.  bic  Äronfen^ 
Dcrfic^crung  bev  9lrbcitcr,  d.  15.  3uni  1883  §  40;  ®ef.,  betr.  bic  Unfall* 
Dcrfidöcrung  bor  bei  93auten  bcfd^öftigten  9lrbciter,  v.  11.  3uli  1887  §  43; 
öfterr.  ®.  33.  §  229).  3^  bcod^tcn  ift  ferner,  bafe,  wenn  man  bic  ^intcr^ 
legung  bejm.  bic  Umfd&rcibung  ate  SWegel  üorfd^rcibt,  ftatt  mit  bcn  oben 
S.  1129  angeführten  ®efe5en  bic  nmgefe^rtc  SRegct  aufjuftellen  nnb  bem  93or* 
munbfd^aftögerid^te  nur  bic  Sefugnife  bcijulcgcn,  eine  berartigc  9lnorbnung  ju 
treffen,  bic  SWaferegel  bcn  Marafter  einer  aus  befonbcrem  aWifetraucn  ^crDor^^ 
gegangenen  SÖiafercgcI  ücriiert  unb  einer  ungteid&en  ^^Jrayiö  in  bcr  f)icr  frag* 
lid&en  Sejic^ung  entgegengetreten  mirb. 

2.  S)ic   im   §  1670  2lbf.  1  beftimmte,  fraft  ®efetcö  cintretenbe  SSer*  «eflenftanb 
pflid^tung  befd^ränft  ftd^  auf  bie  auf  3ln^aber  (autenben  Sd^ulbncrfci^reibungcn  ^tnterieüung. 
unb  Slftien  beö  9)Jünbel8.     Unter  bcn  Sn^aberpapicren  finb  aber  nid^t  aud^ 
S3Ianfon)cd[)feI  unb   anbere  Drbre*  ober  9lamcnpapicre  ju  Dcrftcfien,  beren 
Uebertragung  in  blanco  gefd&ef)en  fann.    ©in  Sebürfnife,  bic  93cftimmung  beö 

§  1670  3lb|.  1  aud&  auf  anbere  Sfficrt^papiere,  inöbefonbere  auf  fog.  unnoB* 
fommenc  3nl)abcrpapicrc  (§  703),  auöjube^nen,  liegt  nid^t  Dor.  Snfomcit 
reid^en  bic  93eftimmungen  beö  §  1669  auö.  Slnlangenb  namcntlid)  bie  ©par* 
faffenbüd^cr,  foroic  bic  nad^  9)ta6gabe  beö  §  1665  bei  bcn  bort  bcjciddnctcn 
3nftituten  Dorübergc^enb  belegten  ®elbcr,  fo  ift  inforoeit  burd^  bic  Seftimmung 
beö  §  1666  9tbf.  2  auörcid^cnb  SSorforgc  getroffen,  ba§  eine  unter  bie  S3e* 
ftimmung  beö  §  1664  9Ibf.  2  3lr.  5  unb  beö  §  1665  fallcnbc  3lnlcgung 
nur  mit  bcr  Seftimmung  beroirft  merben  foll,  bafe  jur  ®rl)ebung  bcr  ®elber 
bie  ®ene^migung  beö  ©egenoormunbeö  ober  beö  SSormunbfdöaftögcrid^teö  er* 
forbcrlid^  ift. 

3.  S)ic  Hinterlegung  foII  bei  bcr  9lcidt|öbanf  ober  einer  anberen  baju     4^mter. 
burd^  bie  Sanbcögcfc^c  für  geeignet  crHörtcn  Stelle  erfolgen  (ocrgl.  preu§.  ^*«""8*^*"*' 
aSorm.  D.  §  60  nebft  bcr  preu§.  §intcrl.  D.  o.  14.  a)iärä   1879   §§  46 

biö  52;  ba^r.  $i)poti  ®ef.  o.  1.  3uni  1822  §  20;  föd^f.  ®.  93.  §  1904; 
roeimor.  ®ef.  o.  27.  9)lärj  1872  §  44;  braunfd^ro.  ®cf.  o.  8.  gebruar  1883 
§  2;  brem.  ®cf.  v.  15.  aWärs  1887;  baDr.  entro.  2lrt.  68;  ^eff.  ®ef.,  betr.  bic 
2tnlegung  Dormunbfd&aftIid[)er  unb  pflcgfd&aftlidjcr  ® eiber  u.  f.  ro.,  v.  18.  3uni 
1887  9lrt.  5).  2)ie  fianbeögefc^gebung  bat  eö  f)kxnaä)  in  bcr  §anb,  5u  bc* 
ftimmen,  ba§  bie  Hinterlegung  aud)  bei  bcn  offcntlidden  Hinterlegungöftellen 
(§  280)  erfolgen  fann. 

4.  S)er  ^xocd  bcr  im  §  1670  2lbf.  1  beftimmten  gcfejlid^en  9Serpflid)tung  «rt  b«r  oc» 
beö  aSormunbeö  bringt  eö  mit  fid[),  ba^,  roenn  eine  Hinterlegung  in  Erfüllung  JllS*J|JgJJ,g 
iener  SScrpflidlitung  erfolgt  ift,  bie  ®enc^migung  beö  a3ormunbfd^aftögerid[)teö      »^ 
jur  ®rt)ebung  bcr  hinterlegten  Sn^abcrpapiere   für  erforberlid^  erflärt  ^pj^j,  ""^^^»^"*«"fl- 
(§  1671  2lbf.  1).     ebcnfo  bebarf  eö  nad&  §  1671  2lbf.  2,  roenn  eine  Um* 
f(^reibung  in  Erfüllung  bcr  im  §  1670  2lbf.  1  beftimmten  gefe^lid)en  33er* 
pflid^tung  erfolgt  ift,  bcr  ®cncf|migung  beö  SBormunbfd&aftögeric^tcö  jur  @r* 

fefeung  bcr  umgefd^riebenen  Rapiere  burd^  3nl^aberpapicrc  unb  jur  ©rftebung 
ber  lejtcrcn  (oergl.  bic  aKotioe  ju  §  1671).  S)agcgen  mu§  in  folgen  gällcn, 
in  meldten  ber  JBormunb  auönaljmömcifc  ju  ber  Hi"tc^*f^n""9  ^^^*  i^^  35e* 


1132       2}ormunbfd&aft  k.    3n6öbetpcH)icre  k.    |)interreoung  jc.    §1670. 

rolrhing  ber  UmfdEireibiing  nid&t  DcrpPid&tct  xoax  (ocrgl.  §  1670  9lbf.  2,  §§  1692^ 
1733),  er  aber  quo  freien  Stüdfen  icnc  ajtofercgeln  ergriffen  f)al  bemfelben 
bie  Sefugnife  eingeräumt  werben,  auä)  o^ne  Ocne^migung  beö  SSormunbfcfiaftö* 
gcridfited  jene  SRafercgeln  roieber  aufju^eben  (§  1672).  3lu8  biefem  ©runbe 
ift  eö  erforberlid^,  jroifd^en  fotd^en  gällen,  in  weisen  ber  SSormunb  bie  üWa^^ 
regeln  in  ©rfüDung  feiner  gefefelid^en  SBerpfli^tung,  unb  fold^en  goDcn,  in 
w)eld)en  er  biefelben  o^ne  9lötl)igung  ergriffen  I)at,  eine  Unterfc^eibung  auf^ 
juftetten.  3"  i^cm  ©nbe  empfiehlt  eö  fxd^,  im  Sinfdiluffe  on  bie  fi^ntid^e  93or= 
fd^rift  beö  §  1666  Slbf.  2  ju  bcftimmen,  bog  ber  SSormunb,  roenn  er  jum 
3n)edfe  ber  ©rfüUung  feiner  gefefeli^en  SBerpflid^tung  bie  3n^oberpapierc  l^inter^ 
legt  ober  ouf  ben  9lomen  beö  aKünbefe  umfd^rciben  tä§t,  bie  Hinterlegung 
bejn).  bie  Umf^reibung  mit  ber  im  §  1670  3lbf.  1  bejei^ncten  33eftimmung 
bemirfen  foH  (Dcrgl.  aud&  preufe.  ^intcrl.  0.  v.  14.  SKärj  1879  §§  48—51; 
brem.  ®ef.  v.  15.  aWärj  1887).  2)a  bie  im  §  1671  beftimmten  Sefd^ränhtngen 
ber  SSertretungömad^t  beö  33ormunbed  in  Slnfe^ung  ber  l^interlegten  Oegem 
ftänbe  unb  umgefd^riebenen  Rapiere  nur  bann  eintreten,  romn  bie  hinter* 
legung  ober  Umfd^reibung  mit  ber  fraglid^en  Älaufel  nad&  aWafegabe  beö 
§  1670  erfolgt  ift,  fo  wirb  auf  biefe  SBeife  {ebe  ©efä^rbung  ber  ©id^crl^eit 
beö  SBerfcl^reö  oermieben. 
**aibem""^  5.   S)ie  SSorf^rift  beö  §  1670  2lbf   3,  mel^e  ftd^  an  ä^nlid&c  93or* 

sBcrt^papim  fd^rifteu  nerfd^iebener  neuerer  ©efcfee  anfd^lie^t  (Dergl.  preufe.  33orm.  0.  §  60 
"tarwt^'^  ""*^  preufe.  ®ef.,  betr.  baß  ©taatöfd^utbbud),  t).  20.  3uli  1883  §  24;  fSd&f. 
0.  33.  §  1904;  meimar.  ®ef.  d.  27.  aWärj  1872  §  44;  olbenb.  ®ef.  v.  3.  äpril 
1876  9lrt.  2,  ü.  28.  Sanuar  1879  9lrt.  2  unb  ü.  19.  üßärj  1879  9lrt.  2;  banr. 
6ntm.  3lrt.  68;  l^eff.  ®ef.,  betr.  bie  Slnlegung  Dormunbfd^aftlid^er  unb  pflege 
f^aftlid^er  ®elber  u.  f.  m.,  v.  18.  3uni  1887  9lrt.  5)  ift  namentli^  für  fol(§e 
gälle  nid^t  5U  entbehren,  in  roetdöcn  ba&  SSormunbfd&aftögerid^t  bcm  SJor- 
munbe  mißtraut  ober  in  weld^en  ber  Icfetere  außer  ©tanbc  ift,  felbft  für 
eine  gehörige  Slufberoa^rung  ber  im  §  1670  Slbf.  3  begeid^neten  ®egenftänbe 
JU  forgen.  2luf  ©runb  beö  §  1670  Slbf.  3  fann  bafi  Söormunbfd&aftögerid^t 
inöbefonbere  aud^  bie  Hinterlegung  ber  im  §  1670  9lbf.  1  bcjeid^neten  3in8* 
fd^eine,  9lententuponä,  ®en)innantf|eilfd&eine  unb  S^alonö  anorbnen.  SSon  bc* 
fonberer  SBi^tigleit  ift  bie  9Sorfd&rift  beö  §  1670  2lbf.  3  megen  ber  na^  §  1671 
9lbf.  1  an  bie  Hinterlegung  fxd^  fnüpfenben  Sefd^ränfungen  ber  SScrtretungd^ 
ma^t  beö  SBormunbeö  in  9lnfe^ung  ber  hinterlegten  ©egenftänbe. 

ein  Sebürfnife,  bie  im  §  1670  9lbf.  3  bem  aSormunbfd^aftögerid^te  bct^ 
gelegte  Scfugniß  au^  nod^  auf  anbere  ©egenftänbe,  alö  bie  bort  bejeid^ncten, 
auöjubeljncn,  inöbefonbere  auf  baareö  ®elb  (roeimar.  ®ef.  d.  27.  SWörj  1872 
§  44;  ^eff.  ©ntn).  IV  9lrt.  42;  bagr.  @ntn).  68)  ober  allgemein  auf  ©^ulb* 
urfunben  ober  aud^  auf  fonftige  Ur!unben  (preuß.  21.  S.  91.  II,  18  §  422 
Derb,  mit  ber  preuß.  5Berorbn.  t).  19.  3uli  1849;  öfterr.  ®.  S3.  §  229;  fSc^f.  ®.  33. 
§  1904;  meimar.  ®ef.  x>.  27.  üßärj  1872  §  44;  olbenb.  ©efefee  t).  3.  3lpril  1876 
Slrt.  2,  ü.  28.  Sanuar  1879  9lrt.  2  unb  v.  19.  2»ärj  1879  3lrt.  2;  bapr.  ©ntm. 
9lrt.  68),  fann  bagcgen  nid^t  anerfannt  werben,  ©omeit  ber  93ormunb  baareö 
®elb  in  Hönben  ^at,  lommen  bie  SBorfd^riftcn  ber  §§  1664—1668  jut 
änroenbung. 


SBonnunbfd&aft  2c.    3n5öBer)>apiere  k.    '|)mterle0imö  JC.    §1671.       1133 

6.  Sinige  ®efe|c  fd^rcibcn  bic  SKufeerturöfclung  her  bcm  SKünbct  gc^^  ««Mur«- 
l^örcnbcn  Sn^abcrpapicrc  vox  ober  gcftottcn  bcr  Dberüortnunbfd^aft,  eine  fold^e    '**""^* 
anjuorbncn  (ocrgl.  prcufe.  aSonn.  D.  §  60;  brem.  ®cf.  d.  15.  SHärj  1887; 

ba^r.  entro.  3lrt.  66  3lx.  2).  2)cr  ©ntrourf  l^at  boö  Snftitut  bcr  Slufecrfurfi^ 
fcfeung  nici[)t  oufgcnommcn  (»ergl.  §  700).  Slbcr  auc^,  wenn  tttoa  im  ©in* 
fü^rungdgcfege  bcn  2anbedgcfc|gebungen  bie  93etbel^a(tung  ober  @infü^rung 
iencö  Snftituteß  gcftattct  loerbcn  foUte,  empfiel^lt  cö  fid^  nid^t,  bie  Slufeerfurfi* 
fc^ung  bcr  bcm  SKünbet  gcl^örenben  Snl^aberpapiere  ald  ein  loeitereö  ©id^erungö* 
mittel  jur  SBal^l  ju  ftcHen,  ba  eine  fold^e  aWafercgel  für  bie  ÜWarftgängigfeit 
bcr  5ßopierc  mit  Jlad^t^citen  uerbunben  fein  fann,  anbererfeit«  bie  Seftinp 
mungen  bcÄ  §  1670  3lbf.  1  ben  Sßünbel  gegen  bie  Oefal^rcn  bcr  3[nl^aber* 
papiere  audreid^cnb  fd^ägen. 

7.  6in  33ebürfni§,  baö  SSormunbf^aftögeri^t  and)  auf  Slntrag  beß  aSor*  4^interiegunö 
munbe«  ju  ücrpfKd&tcn,  eine  Hinterlegung  naö)  aKafegabe  bed  §  1670  äbf.  3  um^^bung 
eintreten  ju  laffen  (Dcrgl.  preufe.  aSorm.  D.  §  60  3lbf.  3 ;  f äd&f .  ®.  33.  §  1904 ;  «*!  ««*W8. 
Weimar.  ®ef.  v.  27.  aWärj  1872  §  44;  bagr.  entro.  Slrt.  68),  tiegt  nid^t  t)or. 

@ine  berartige  aSorfd^rift  pagt  aud^  nid^t  ju  ben  nad^  §  1671  an  bie  ^inter^ 
legung  gefnüpften  SBirfungen.  2)em  aSormunbe  ftel^t  eö  aber  frei,  aud^  in* 
fomeit,  ald  eine  9iöt^igung  jur  Hinterlegung  nid^t  beftel^t,  nad^  äl'laggabe  bed 
§  1672  aBert^popiere  unb  Äoftbarfeiten  ju  hinterlegen,  bejro.  bie  in  3nl^aber* 
papieren  beftc^enben  SBertl^papiere  auf  ben  Flamen  bed  äKünbeld  umfd^reiben 
JU  loffen.  Der  Sanbefigefejgebung  ift  cö  übrigenö  unbenommen,  ju  beftimmen, 
bag  bad  aSormunbfd^aftdgcrid^t  in  fold^en  fällen  auf  älntrag  bed  aSormunbcd 
Dcrpflid^tet  fein  foU,  eine  berartige  Hinterlegung  ober  Umfd^reibung  t^atfSd^lidd 
JU  vermitteln. 

§  1671. 

3n  bcr  prcufe.  3uridprubenj  ift  cd  beftritten,  meldte  53ebeutung  eine  nad&  »efc^ramung 
ÜKafegabe  bed  §  60  bcr  prcug.  aSorm.  D.  auf  geri^tlid^e  2lnorbnung  erfolgte  «ertretung«* 
Hinterlegung  ^at.  S)ie  eine  Slnfid^t  ge^t  baoon  aud,  baß  jene  aSorfc^rift  Icbiglid^  *"««**  *>«« 
eine  Sicherung  gegen  bie  ®efa^r  bed  Slb^anbenfommend  bcr  hinterlegten  ©egen^    *^'"'""    * 
ftänbe,  nid^t  aud^  eine  Sid^erung  bed  £D2ünbeld  gegen  ben  aSormunb  bejmedCe, 
bcr  lefitere  ba^er  burd&  eine  fold^e  aWaferegel  in  feiner  aScrfügungdgcroalt  rcd^t^^ 
lid^  überall  nid^t  befd&ränft  merbe,  aud^  bie  SBirffamfcit  bcr  SHüdEgabe  bcr  l^inter=^ 
legten  ®egenftänbe  an  ben  SSormunb  nad^  bcr  aSorm.  O.  t)on  ber  ®enel^migung 
bed  äiormunbfd^aftdgcrid^ted  nid^t  abhängig  fei.  dagegen  mirb  in  le^teraSejie^ung 
t)on  bcr  ^crrfd^cnbcn  SRcinung  bad  ®cgent^eil  angenommen.  3lnbere  gel)en  nod^ 
weiter  imb  finb  ber  9lnfid&t,  bafe  bie  aSerroafirungdanorbnung  fraft  ®efe|ed 
eine  aScrfügungdbefd^ränfung  bed  Sormunbed  enthalte  ober  boc^  t)on  bcm  aSor« 
munbfd^aftdgerid^tc  mit  biefer  SBirfung  erlajfcn  werben  fbnne.  2)urd^  bie  preug. 
Hintcrt.  D.  v.  14.  3Wärj  1879  §  51  ift  für  bie  unter  biefelbe  fallenben  Hinter* 
legungen  audbrücflid^  beftimmt,  ba^  cd  jur  H^^^ndgabe  ber  nad^  §  60  älbf.  1 
ber  prcug.  9}orm.  O.  auf  älnorbnung  bed  aSormunbfc^aftdgcrid^tcd  tiinterlegten 
©cgcnftänbc  an  ben  aSormunb  ber  ®eneömigung  bed  aSormunbfd^aftdgcrid^ted 
bcbarf.    3Hnä)  wirb,  wenn  auf  ®runb  bed  preug.  ®ef.,  betr.  bad  Staatdfd^ulb^ 


büäf,  0.  20.  3uli  1883  §  24  bas  SBDnnunbf(f)aft6gcric^t  ongeorbnct  bat,  bafe 
bie  ©intvagung  tec  bem  9)Iünbel  get)örcnben  Sc^ulbüerfc&reiOiingen  auf  bot 
31amen  besfelbcn  im  iStaatöfe^uIbbuc^e  facaittraflt  luetbc,  auf  5Snlrflfl  eine  Sc 
fdirfintiing  bcä  SSocmuiibeä  im  <Stnat6fi$u[bbuc^c  eingetragen,  ba§  bie  ^ud: 
rei^ung  Don  Slaatfltdtuibuettc^rctbunflen  gegen  SöfdiHiig  bct  eingetragenen 
J^orbcrung  nur  mit  ®cnc()migung  bes  $ormunbf(^aftögcri(^tes  juiäffig  fei 
(oergl.  aUg.  Söcrf.  befi  SuftiiminificrS  v.  17.  ©egemba  1884  im  preufe.  3uft.  SDIin. 
ÖL  1884  S.  288;  ferner  e[f.iott)r.  ®cf.  n.  16.  3uni  1887  g  6). 
M  «^esung  S3ie  ©rüubc,  anf  töeti^en  bie  Seftimmnngen  beS  §  1670  betuljcn,  muffen 

sininiuint  «ot^iDcnbig  ba[)in  füftren,  wenn  eine  ^interCcgung  iiod)  äßo^gabc  bcr  Se; 
«t«(Rfia«M,  ftimtnungen  bes  §  1G70  erfolgt  ift,  bie  ©i-^ebung  ber  tjintcrlegteu  ©egenftfinbe 
burd)  ben  SBormunb  an  bie  ©ene^migung  bcß  93ormunbfiJ)Qftflgcri^tcS  ju 
binbcn,  bo  fene  SSeftimmwngen  audf  eine  Sid)erung  bca  SWünbclö  gegen  ben 
3}onnimb  unb  ben  ©fgenoormunb  bcjmetfen  imb  nur  baß  ^ormunbic^aftS: 
gend)t  oon  ber  im  §  1670  Slbf.  1  beftimmten  S3erpfticl)tung  ben  iöormunb  ju 
entbinben  bereditigt  ift,  and)  bie  gortbauer  einer  auf  ®runb  be«  §  1670 
9lbf.  3  erfolgten  Slnocbnung  von  bem  ©i-mejfen  beö  SJormunbfcöüftflgerifJteä 
ob^ängt. 
M  !M,te.  ailQdtt  mou  ober  bie  aSirffamfcit  ber  ©r^ebung  ber  t)intct(cgten  ©egen* 

(,,*^^{^J^„  ftünbe  Don  ber  Genehmigung  be«  ajormunbft^aftÄgeric^tcS  abfiüngig,  crocfitet 
'  man  bemnat^  in  biefer  ^inftdit  bie  Genehmigung  beS  ©egenDormunbefi  nac^ 
ajlafegobe  beS  §  1669  niiftt  aii  auflreicficnb,  fo  ift  efi  fonfequent,  oud)  bie  SBirfs 
famleit  eines  leben  91e({|t&gefcl)äftce,  burdi  me(d)ee  bie  I)interlegten  ©egenftänbe 
unb  bie  ^opolHcn  ober  ©runbfcfiulbfn,  auf  ioeId)e  bie  [)iuterlegten  §i)po- 
t^efenbriefe  ober  ©runbfc^ulbbriefe  fidi  beiiefien,  »eräufeert  ober  bcfaftct  tverben 
ober  bie  93crpfli{filung  ju  einer  fofdien  ajeräufecrung  oba-  SSetoftung  begrünbet 
roirb,  in  Sfbroeic^ung  oon  ber  Jtegel  bee  §  1669  nidjt  oon  bcr  Genehmigung 
bea  Gegenoormunbeö,  fonbern  ftetfl  uon  bcr  Genehmigung  be«  Sormunbf»^üft6= 
getii^tea  abhängig  ju  machen.  ®s  ift  ju  befotgcn,  bofe  o^ne  eine  fotrfie  Se= 
ftimmung  bet  Siocd  bet  Siorf^riften  befl  §  1670  in  Dielen  gälten,  namentli(t 
in  folc^en,  in  roeldjen  baö  5ßormunbf(6oftßgeri(ibt  bie  Hinterlegung  angcorbnct 
^Qt  ober  in  ©rmangelung  bcr  im  §  1670  9[bf.  1  beftimmten  gcfeglic^en  Sßer= 
pflicbtung  befl  5ßormnnbe6  ongcorbnel  öaben  mürbe,  roeil  eö  bem  SGormunbe 
unb  bem  Gegenuotmunbc  fein  »oUeö  SJcrtroucn  fdientt,  oercitett  rocvbcn  fönnte. 
^on  bcfonberem  praftifdiem  SSJert^e  ift  bie  fiier  fraglidie  SBorf^rift  ferner 
im  §inblide  auf  bie  ^cfttmmungen  beö  §  1547  für  bie  eltcriirfie  Gcnwlt,  ba 
auf  bie  legtcre  bie  aSorfi^riften  bes  §  1669  feine  älnroenbung  finben  (oergt.  bie 
aHotiDC  ju  g  1547  oben  ©.  809  ff.). 

Sie  mit  ber  Hinterlegung  in  anfe^nng  ber  im  §  1671  äbf.  1  bejelc^ncten 
91ec^tflgefc^ofte  oetbunbene  befonberc  SBirfung  foU  inbeffen  nur  eintreten,  fo= 
lange  bie  ©r^ebung  ber  fiinterlegten  Gegenftönbe  nii^t  erfolgt  ift.  S3iefc  Scs 
fi^ränfung  \\l  im  ^ntereffe  ber  Sicticr^cit  unb  ber  ©vlei^terung  bea  aUerfe^refl 
geboten,  jumal  bie  ^ier  froglic^i;  Söcftimmung  nit^t  ben  Sarofter  eine«  SBers 
ünlerungSDcrbotcS  (§  107),  fonbern  ben  einer  Scfc^räntung  ber  SJertretungfis 
niad)t  beS  SiormunbeS  Iiat,  ber  dritte  mitliin,  menn  bie  @r^ebung  ber 
hinterlegten  ©egenftänbe  oljne  bie  Genehmigung  be«  9Jormunbf(^oftdgerid)tea 


aSormunbfctaft  ic.  Sn^abcrpapierc  2C.  |)mterle0un9  2C.   §§1672,1673.     1135 

erfolgt  fein  fottte,  o^ne  jenen  bcfd^rönfenben  3^ifö6  ^^^  ^^^t  ^^^^  feinen 
guten  ©louben  gefd^üfet  fein  würbe,  rotnn  er  fic^  mit  bcm  SBormunbe  olä 
fofd^cm  auf  Sled&tögcfd^äfte  über  bic  ju  Unred&t  erl^obcnen  ©egenftonbe,  nament* 
lid)  über  bie  §i)pot^efen  unb  Orunbfd^ulben,  in  2lnfc{)ung  beren  bie  ^i)pot^efen5 
briefe  unb  bie  ©runbfd^ulbbriefe  ouf  Stnorbnung  bcö  SJormunbfd^Qftögcrid&teö 
hinterlegt  roorbcn  ftnb,  einlast.  2Iud^  in  Slnfcl^ung  ber  bem  SWünbel  gcl^örenben 
3nf|abcrpQpierc,  roeld^e  bcr  SSormunb  naij  §  1670  3(bf.  1  Iraft  beö  ©efefeeö 
JU  f)intcrlegen  ober  auf  ben  ^tarnen  beö  aJlünbelö  umfd^rciben  ju  taffcn  uer* 
pflid)tet  ift,  lann  jener  bcfd^rönfenbc  S^fag  nid^t  cntbcfjrt  werben,  ba  fonft 
ber  S8erte{|r  jroifdEien  bem  Söormunbe  unb  ©ritten  in  Stnfel^ung  ber  Snl^aber* 
papiere  mcgcn  ber  atöbann  bcm  ©ritten  obtiegcnben  ©rfunbigungöpffid^t,  ob 
ber  SSormunb  oon  ber  ^icr  fraglici[)en  SSerpflid^tung  befreit  fei  (t)crgl.  §  1670 
9lbf.  2,  §§  1692,  1733),  ju  fcf|r  erfd^roert  unb  gefäl;rbct  werben  würbe. 
3ubcm  würbe  ber  Srocd  einer  in  Slnfebung  ber  3n^aberpapierc  üon  jenem 
faefd)ränfenben  B^f^gc  abfe^cnbcn  SBeftimmung,  ben  2Rünbcl  aucfi  in  fold^en 
göHen  mel^r  ju  fid^ern,  in  wctd^en  ber  SSormunb  feiner  im  §  1670  Slbf.  1 
beftimmten  33erpftid^tung  nid^t  nad^gefommcn  ober  bie  6rf|ebung  ber  5ßapierc 
ol^ne  ©ene^migung  bcö  SBormunbf^aftögerid&teö  erfolgt  ift,  auf  biefem  SBcge 
bod^  nur  unoollfommen  erreid^t  werben,  ba  ber  SSormunb,  wenn  er  will,  afe 
3nbaber  über  bic  Rapiere  ju  Dcrfügcn  in  ber  Sage  ift  unb  alöbann  bem  Dritten 
bie  aSorfd^riften  bcr  §§  687,  877,  879  fd^üfcenb  jur  ©cite  ftel^en. 

S)ie  S3cftimmungen  beö  §  1671  3lbf.  2  bcni^en  auf  Sfinlid^cn  ®r*  über  umöe. 
wäflungen,  wie  bicjenigcn,  weld^c  ju  ben  S3cftimmungen  beö  §  1671  3lbf.  1  l^aiuw* 
geführt  ^aben. 

§  1672. 

SBenngleid)  bie  SSorfd^riften  bcö  §  1672  alö  fclbftüerftänbtid^  crad^tet  Sfreiwimgc 
werben  fönncn,  fo  ift  eö  bod^  wegen  ber  praftifcben  SBid^tigfcit  bcrfclben     ^S,«""^ 
(Dcrgt.  inöbcfonbere  bie  §§  1692,  1733)  unb  nad)  SKnalogie  beö  §  1668  alö  ^»"Wretbung. 
angemeffcn  crad^tct,  bicfelbcn  im  ®efcfec  befonberö  jum  Sluöbrudfe  ju  bringen 
(ücrgL  SRotiüc  ju  §  1670  oben  ©.  1133;  preufe.  Wintert.  D.  v.  14.  aWärs 
1879  §§  46,  50;  preufe.  ®ef.,  betr.  baö  ©taatöfd&ulbbudö,  v.  20.  3uH  1883 
§  7;  fäd^f.  ®ef.,  baö  ©taatöfd^ulbbud^  betr.,  v.  25.  9lprit  1884  §  7).    3ft 
eine  Hinterlegung  ober  Umfd^rcibung  na^  SWafegabc  beö  §  1672  erfolgt,  fo 
pnben,  foDiel  bie  Sefugnife  beö  3Sormunbcö  jur  SJoma^mc  bcr  im  §  1671  bc* 
jcid&nctcn  9tcc[)tögefd^äftc  betrifft,  an  ©teile  bcr  SSorfd^riften  bcr  §§  1670^ 
1671    bie   allgemeinen  SSorfd^riften   3lnwenbung   (ocrgl.  §  1669   Derb,  mit 

§§  1690,  1733). 

§  1673. 

®a  bic  im  §  1673  bejeid^neten  Äoftcn  fxd)  alö  allgemeine  SSerwaltungö^  ^^^^  ^*' 
f often  barftelten,  f o  muffen  bicfelbcn  bcm  Sttünbct  jur  Saft  fallen.  3m  Sntcreffe  *  "*ob«  ""* 
bcr  ©cutlid^fcit  beö  ©cfejeö  ift  cö  al^  angcmcffen  era^tct,  bieö  befonberö  jum  »«f*«*«»«««- 
Sluöbrudc  ju  bringen  (uergl.  aud^  §  1549). 


§  1674. 

atnt^iRigung  I.  ^[t  Sefttmtnungen  t)eä  §  1674  berufen  im  SIQgetnctnen  auf  bcm 

'"'!^™(Ji"'*©ebQnfcn,  bofe  in  Slnfe^ung  befonbers  roit^tiger  unb  übet  bie  Otenjcn  ein« 

Kti«tc«  iu  gemö^nli^en  SerwQttwnQ   fiinauSge^enber  DJedjtSgcfeEiöfte,    o^ne   Unterfcftieb, 

gtfitwtn.  oh   ber  ^ormunb    biefelben    al&   Vertreter    bcä  3)iiinbe(jS   im    Flamen   befl 

legieren  ober  ob  ber  aUünbel  felbft  f\e  unter  ^injutritt  ber  ©iniDiUiflung 

ober  Genehmigung  beg  33onnunbcä  oornimmt,  bic  ^crtretungsmodit  beä  ^on 

munbeö  in  ber  äirt  cingeft^ränft  nierben  foU,  t>a%  ju  ben  fonftigen  allgemeinen 

©rforbcrnilien  ber  SBirffamfeit  befl  betteffenben  SRedjtögcfcöäftcs  als  loeiteues 

@rforb(rni|  bie  Genehmigung  bcfi  ^iormunbfi^aftegeric^teö  Einzutreten  mu§ 

(üergi.  §  1681).    3n  ben  aWotioen  ju  §  1649  oben  S.  1085  ff.  ift  bereits 

borauf  ^ingeroiefcn,  bafe  es  ni^t  mög[id)  ift,  bie  nu^ctiialb  ber  geroö^ntidjen 

aSerrooItung  liegenben  ©efc^äfte  burdj  eine  allgemeine  prinji;)iene  aSorfi^rift 

ju  treffen,  fonbetn  bafe  bas  ®efcg  [i^  begnügen  mufe,  bie  SQertretungSmoc^t 

bes  SormunbeS  burtf)  bie  äufftellung  cinjclnec  beftimmter  unb  greifborcr  Mos 

tegorieen  ju  befdjcänfen. 

9Bfi£)renb  bet  bem  §  1674  cntfprccfienbe,  auf  bie  etterli^e  ©eroalt  T^ 
bejiedenbe  §  1511  im  Eingänge  ben  ^inrocis  auf  foId)e  92e^tsgefc^äftc  entl)fllt, 
meiere  ba9  ber  elteclidien  SSermaltung  untecüegcnbe  aScrmögen  beö  AinbeS 
betreffen,  ift  im  §  1674  oon  einem  foli^cn  §innieifc  abgcfe^en.  Sie  @a<^Iagc 
bei  bem  §  1511  ift  infofcrn  eine  onbcre,  alg  eincSt^eilö  bet  §  1511  eine  ber 
31r.  8  bes  §  1674  entfprc^enbe,  aüä}  nid)t  oermögenSrci^Hii^e  9ted)t6gcf(^äfte 
umfaffenbe  Seftimmunfl  nic^t  enthält,  onberent^eilfl  im  §  1511  [)ttt  jum  ^u3= 
brucfe  gebrat^t  roerben  foUen,  bfl§  bet  §  15U  auf  bafi  bet  elterlidjen  SBetnialtung 
cntjogene,  oon  einem  Pfleger  oerroaitete  Sßermögen  beö  fiinbes  (§  1738)  feine 
Snroenbung  finbet,  roäb^nb  bet  §  1674  o^ne  Siüdfi^t  botouf  mofegebenb  ift, 
ob  baS  VermBgen  bes  ^ünbeCs  oon  bem  ^ormunbe  ober  non  einem  pfleget 
»etroaltet  roirh  (oergl.  §  1743). 

UebrigenS  ftnb  im  §  1674  bieienigen  KeditSgefd^äftc,  bcren  SBirtfamfeit 
Don  bet  ©enetimiguug  beS  3iormunbfd)aftSgeni$tcS  abt)ängig  gemacht  ift, 
feineSroegs  crfdibpfcnb  aufgefü[)rt;  uiclmelit  ift  not^  in  einer  91eif)e  anbetet 
gälle  im  Sufiwicn^ange  mit  anbeten  ÜRatcticn  bie  ®enel)migung  beS  93ots 
munbfi^aftSgetiditcS  als  ©cforbetnife  bet  9i?itffamfeit  eines  9tec(itsgefcf)äfteft 
uotgef^tieben  (tcrgl.  §  1341  Sbf.  2,  §  1431  aibf.  2,  §§  1576,  1589,  1600, 
1613,  1629  abf.  5,  §  1630,  §  1669  3Ibf.  3,  §  1671,  §  1957  aibf.  3,  §§  i960, 
1962  aibf.  2,  §  2020  aibf.  1,  §  2013,  §  2094  9lbf.  6). 

^  Sinjelnen  ift  ju  ben  ^cftimmungcn  bcS  §  1674  golgenbes  ju 

bemer!en: 

««•  1.  3)ie  Sßorfc^tift,  bofe  ju  einem  Slec^tsgefi^äfte ,  burd)  rocli^e«  ein 

scIwiTmU  ©funbftüd  Detäufecri  niitb,  bie  ©cnc^migung  beS  33onnunbf4oftSfletid)teÄ 

9™"!*'"''  erforbetli^  fein  foU,  betu()t  auf  bem  ©efi^ltspunfte,  ba^  bet  ©tuubbefig  olft 

fo[*nI!''"einc,  namentlii^  in  fojialer  §in[x(f)t,  befonbet«  roetl()DoUe  aiit  bes  Sßermögena 

bem  ^ünbet  regclmfi^ig  ju  erl)Qlten  ift  unb  bes^alb  nur  unter  erfebnierenben 

aSorauSfeßungen  foU  oerüußctt  roetbcn  fönnen.    3Jlit  bem  ©ntroutfe  ftimmen  in 

biefet  .^iiifif^t  baS  gemeine  Äci^t  unb  bie  ncueten  ©efcße  im  ^tinjipc  übeteia 


aSormunbf^aft  2C.  ©eneftmißuno  bcö  aSormunbfAaftögcric^teö.  §1674.     1137 

(ücrgl.  ptcufe.  31.  S.  9t.  II,  18  §  550;  prcufe.  «Dan.  D.  §  42  3ir.  5;  öftcrr. 
®.  ».  §  232;  fäd&f.  ®.  ».  §  1942;  iDcimar.  ®cf.  t).  27.  aWörj  1872  §  52; 
brcm.  gSorm.  D.  §  74;  l^amb.  SBomt.  D.  Slrt.  42;  ^cff.  entro.  IV  3lit  73;  barjr. 
entro.  art.  78  3lv.  1).  SRac^  bem  franj.  SRcd^te  (code  civil  3lrt.  457,  458)  ift 
neben  ber  (Scne^migung  bed  ^amilienrat^eö  bie  ^eftätlgung  bed  ^oDegial- 
gerid^tcö  erforbcriidb- 

2)ic  grage,  ob  bie  ©cnel^migung  bcö  SBormunbfd^oftögcrid&tefi  nod) 
§  1674  3lx.  1  au^  }u  einem  fold^cn  SRc^tögefd^öftc  erforberti^  ift,  roel^cö 
lebiglic^  bad  3Iuf geben,  indbefonbere  bie  Uebertragung,  bed  ^eftged  eines  im 
S3efige  bcd  äßünbetd  beftnbUdden  ©runbftücfed  }um  ©egenftanbe  t|at  tmb  bei 
metd^em  nid^t  menigftend  eoentuell  ber  Sßille  oud^  auf  Uebertragung  beö 
SRed&teö  an  bem  Orunbftiicfe  gerichtet  ift  (t)ergl.  §§  808,  809),  t|ot  ber  ©nt* 
tourf  ebenforoenig,  wie  bie  befte^enben  ©efefee,  bur^  eine  befonbere  Seftimmung 
entfd^ieben.  S)ie  Slufna^mc  einer  bie  alienatio  possessionis  ber  alienatio  rei  in 
ber  ^ier  fraglid^en  ^infid^t  unbebingt  gleid^ftettenben  SJorfd&rift,  um  bem 
aWünbel  bie  condictio  possessionis  (§  737  2lbf.  3  ncrb.  mit  §  748)  5U  fidlem, 
menn  ber  SSormunb  ol^ne  ©ene^migung  bed  3}ormunbfd(iaftdgeric(|ted  ben  ^eftg 
eineö  ©runbftücfed  aufgegeben  bot,  ift  bei  ber  ©elten^eit  ber  \)kx  in  S3etrad(|t 
fommenben  gälle  burd^  ein  proftifdbeö  S5ebürfni§  ni^t  geboten,  auä)  —  ^in- 
gefefien  namentlid^  auf  fol^e  ^öUe,  in  n)eld[)en  über  bad  (Sigentl^um  beö 
©ritten  an  einem  Don  bem  SRünbel  ofine  SRe^tögrunb  befeffenen  Orunbftürfe 
gar  fein  3w)eifel  befte^t,  bie  Uebertragung  bed  S3efi|ed  an  ben  3)ritten  für 
ha&  Äinb  mithin  eine  SSermögendoerminberung  überall  nid^t  entl^alt  —  nid^t  ald 
angemeffen  era^tct  roorben.  Um  fo  bebenflid^er  mürbe  ed  fein,  ^ier  eine 
befonbere  SSorfd&rift  aufjunel^men,  ald  ber  ©ntmurf  aud^  in  anberen  ä^nlid& 
liegcnben  gfiUen  (ocrgl.  §§  107,  1300)  bie  grage,  ob  unb  inroierocit  bad  3lufs 
geben  bt&  Sefifted  einer  ©ad^c  ber  SScräufeerung  ber  (Bad)t  felbft  gleid^5uftenen 
fei,  unentf^ieben  gelaffen  ^at,  bie  9lufna^me  einer  befonberen  SBeftimmung  an 
biefer  ©teile  ba^er  ju  einem  irrefü^renben  argumentum  e  contrario  SBeranlaffung 
geben  fönnte. 

aSie  jxd^  aud  §  781  ergiebt,  ftel&en  ben  ©runbftüdEcn  im  ©inne  bed 
§  1674  9lr.  1  fotd^e  93ered[)tigungen  glei^,  mct^e  ein  Slatt  im  ®runbbud[)e 
erhalten  fönnen.  gemcr  ftellt  ber  §  1674  3lx.  1  htn  ®runbftüdEen  bie  SRed^tc 
an  einem  ©runbftütfe  gleid^,  mit  S[udnat|me  ber  ^ppot^cf cn  unb  ©runb^ 
f^ulben.  S)ie  ©rünbe,  aud  melden  ber  ©ntmurf  bie  ^x)poti)tUn  unb  ©runb* 
fdbulben  non  ber  f)kx  fraglid^en  Seftimmung  audgenommen  unb  bem  §  1669 
untcrfteUt  l)at  (nergl.  iebod&  §  1670  3lbf.  3  unb  §  1671  2lbf.  1),  finb  bereitd 
in  ben  SMotinen  ju  §  1669  oben  ©.  1124  bargelegt  (oergt.  aud^  bie  liDiotine  ju 
§  1511  oben  ©.  765  ff.).  Slnberd  ald  bei  ben  ^w^ti^efen  unb  ©runbfd^ulben 
liegt  bagegen  bie  ©acJ^e  bei  ben  fonftigen  9ledE)ten  an  ©runbftücfen.  S)a  bad 
®rbbaured[)t  nad^  ben  §§  961,  962,  781  ben  Orunbftücfen  gleid^gefteUt  ift,  bad 
bingli^e  aSorfaufdrcd^t  nad^  ben  §§  954,  486  auf  einen  9lnberen  nid^t  über* 
tragen  unb  eine  ©runbbienftbarfeit  non  bem  l[ierrfd^cnben  ©nmbftürfe  nic^t 
getrennt  werben  fann  (§  974),  fo  fommen  \)xcx  —  non  einem  SBerjid^te  auf 
ein  aSorfaufdred^t  ober  auf  eine  ©runbbienftbarfelt  abgcfel[ien  —  allerbingd 
nur  ber  SRiefebraud^  an  ©runbftüden  (§  1011),  unter  Umftfinben  befd^rSnfte 

IRotiot  i.  6tti«er(.  akfe|bu(^.  IV.  72 


perfönlic^e  SÜenftbürfeitcn  (§  1047)  unb  bie  ju  ©unften  einet  beftimmten 
'':]3etfon  befte^enben  SHcallapen  (§§  1057,  1059)  in  Setrod&t.  SBenngleie^  bie 
^^äQe,  in  meieren  berartige  Steinte  an  ©runbftücfen  )u  bem  33crm5gen  bed 
Sllünbela  gehören,  fcltener  fmb  wnb  bes^aib  bie  Srnge,  ob  ber  aSormunb  bei 
bec  SßeräuSerunfl  berfetben  an  bie  ©enc^migung  bea  5Bonnunbf(^aft«geri^teB 
gebunöen  nterben  foD  ober  nic^t,  oon  geringerer  proltift^er  Sßiijtigfeit  ift,  fo 
fäUt  bod)  anberetfeits  cntfijeibenb  tnä  ©ernicbt,  ba§  bie  ^ier  frogÜii^en  Seii^te, 
nomcntiid)  bie  IReoHoften,  aiii^  nodi  ber  heutigen  Siet^tSs  unb  ®erfe^r9= 
auffaTIung  ju  bcm  unben)cg(id)en  a3ennögen  gerccljnet  ju  mecben  pflegen  (cergl. 
§  1432  nebft  SJIotinen  oben  S.  551),  ferner,  ba|  bie  SSctfiigung  über  bie  ^iet 
in  SRebe  fte^enben  3ied)tc  bwrd)  ben  regelmü&igen  Sauf  ber  58errooItung  nid|t 
geboten  wirb,  fonbern  elroas  Sliifeergeroö^nlidicß  ift.  aJIit  bem  ©ntrourfe 
ftimmen  in  ber  ^icr  frogtidjen  SScsie^ung  boä  gemeine  Seijt,  bas  preufe.  unb 
bas  fä^f.  Sedit  übcretn  (»ergl,  ].  3  §§  4,  5  D.  de  rebus  eomm  27, »;  preufe. 
Sorm.O.  §  42  SUr.  5  »erb.  mit  preufe.  31.  2.  3t.  I,  2  §§  6—9,  boju  Urtfi. 
b.  Ob.  arrib.  bei  Oru^ot  XXIII  S.  917;  fäcfef.  ®.  S.  §§  59,  60,  1942). 
Sturfi  nad)  frön;.  91ed|te  xoitb  ongenommen,  ba|  ben  (Srunbfiüden  bie  3m= 
moftiliarrcdite  gleic^fte^cn. 

9tu8  benfelben  (Sriinben,  roie  im  §  1669  9lbf.  1  {Bcrgl.  bie  9MotiDe  ju 
§  1669  oben  ©.  1124),  emtäfint  aui^  öiet  ber  ©ntrourf  neben  ber  SBeräii^erung 
bie  Selaftung  (oergl.  1.  3  §  6,  1.  7  §  5  D.  de  rebus  eorum  27,«;  preufe. 
aSorm.  O.  §  42  31t.  5;  code  civil  STtt.  457;  föd)f.  ®.  ».  §  1942),  joroie  bie 
Segrünbung  ber  9ierpfltä)tung  jii  einer  iöeräuSetung  ober  Selaftung  bet  im 
§  1674  9ir.  1  bejeidineten  Sri. 

9icrf(ftiebene  Slci^te  matten  Bon  bem  etfotbctniffc  ber  ©eneEimigung 
bc8  SSormunbfdfaftägetic^tea  für  fol^e  göHe  eine  ^[usna^me,  in  melden  eine 
aSetppic^tung  befl  SOTünbelfl  gut  ^eräufeetung  befielt  (uergl.  LI  §  2,  1.  5 
§§  6,  7  D.  de  rebus  eorum  27, »;  code  civil  9Irt.  460  unb  baju  ©ntfd).  b.  9J.  ®. 
in  eitiilf.  XI,  81;  fnd)f.  @.  S.  §  1945;  roetmor.  ®ef.  o.  27.  äÜörj  1872 
§  52  9ir.  6).  Sic  ©rünbc,  ntelcfee  ben  entnturf  beftimmt  ^aben,  non  einer 
foliiien  älusna^me  abjufefien,  ftnb  biefclben,  aua  roeli^en  au^  für  bie  '^Ue 
be«  g  1669  eine  3Iuanatime  nid&t  ata  angemeffen  era^tet  ift  (oergt.  bie  2Botioe 
JU  §  1669  oben  ©.  1124).  dagegen  ift  nac^  bem  Sotgangc  bet  pteufe.  aSorm.  D. 
§  42  31r.  5  im  §  1676  ouabrücfüc^  »orgef^riebcn,  ba^  ea  ju  bet  ^Jcräufeerung 
ober  33elaftung  eines  ©egenftonbea  im  SBege  einer  gegen  ben  SHünbel  ge* 
ricfitelen  ^roangäDotlfttcctyng  ber  ©ene^migung  beö  SJormnnbfdiaftagcri^tefl 
ni(^t  bebatf.  üßegen  btefcr  ffleftimmung  unb  bet  im  §  1676  gegebenen  roeiteren 
ajorf^rift,  bafe  bie  ©ene^mtgung  bea  Siormunbfdiaftsgeri^fes  nicftt  erfotberlic^ 
ift  JU  bcm  äintrage,  einen  gemeinf^oftlidien  ®egenftanb  jum  3roede  ber  atuf* 
^ebwng  ber  ©emeinfc^aft  nac^  aHaigabe  bea  §  769  9rbf.  2  ju  nertoufen,  roirb 
ouf  bie  aJiotioe  gu  §  1676  a3ejug  genommen. 

91ttd|  röm.  Steckte  barf  bie  obetBotmunbfiftaftti^e  ©ene^migung  pr  3Jer» 

"  Qufeerung  bei  Süermeibung  bet  Jlic^tigfeit  nur  aus  ©riinben  bet  «dot^roenbigj 

feit,  nic^t  au*  aua  Slüßlic^feitagriinben  crifteift  loerben.    Ob  gemeinreditlic^ 

bie  ettt)eilung  ber  ©ene^migung  qu<^  au«  ^lü^Ii^rcitagrünben  erfolgen  (onn, 

ift  bcftritten.    Die  neueren  @efe|e  geftotten  regelmofeig  bie  Serflufeerung  au* 


aJormunbf$aft  2c.   Oenc^mtöung  beö  S3orntunbf$aft§gcri(i^tcS.  §1674.     1139 

aud  StDedfmäfeigfcitßgrünben  (ücrgt.  prcufe.  21.  S.  SR.  II,  18  §§  555,  563; 
oftcrr.  ®.  33.  §  232;  föd^f.  0.93.  §  1943;  rocimar.  Ocf.  t).  27.2n8rj  1872 
§  53 ;  brcm.  58orm.  O.  §  74 ;  f)amh.  SBorm.  D.  2lrt.  42 ;  toürttcmb.  9lotarlotegcf . 
V.  14.  3uni  1843  9lrt.  21 ;  code  civil  9lrt.  457 ;  ^eff.  ®ntn).  IV  Slrt.  74). 
Slnbcrc  neuere  ®efe|c  erroöl^nen  ben  Unterfciiicb  jroif^cn  5Rotl^n)cnbigIeit  unb 
JlugUd^fclt  überliaupt  nid&t  mctir,  fonbern  überloffen  in  bicfer  93cjie^ung  STUeö 
bem  t)on  bem  Sntcrcffe  bed  ajlünbete  geleiteten  oerftänbigen  (Srmeffen  ber  Ober« 
üormunbfd^Qft  (ucrgl.  preufe.  SSorm.  D.  §  42  3lx.  5,  §  44  nebft  3Kotiüen  ©.  78; 
ba^r.  ©ntro.  Slrt.  78  3lx.  1).  3)ieö  ift  ou^  ber  ©tonbpuntt  beö  ®ntn)urfeö. 
©ine  ©infdfiränhing  beö  ©rmeffenö  beö  5Bonnunbfci&aftögeri^teö  burd^  bcftimmte 
3)ireftiDen  ift  im  ^inblicfe  auf  bie  aSietgeftoltung  beö  Sebenö  ni^t  afe  am 
gemeffen  ju  erad^ten,  aud^  für  bie  SBormunbfd^aftögerid^te,  l^ingefe^en  auf  bie 
aSerantwortlid^feit  berfelben  (§  1702),  mit  großen  ©efa^ren  oerbunben  unb 
fann  ba^in  führen,  bafe  von  ben  SSormunbfd^aftögerid^ten  bei  ©rt^eilung  ber 
Oene^migung  jum  SJiadEit^eitc  beö  3ßünbetö  ju  ängftli^  üerfa^ren  wirb.  3Son 
felbft  Derftel;t  cö  fid^  übrigenö,  baß  in  biefem  gatte,  mie  übcrl^aupt  in  allen 
gäUen,  in  meldten  bie  ©ene^migung  beö  SBormunbfd^aftögerid^teö  ju  einem 
SRed^tögef^äfte  ober  ju  einer  ^anblung  beö  SBormunbeö  erforbert  wirb,  baö 
33ormunbfd^aftögerid[)t  fid^  nid^t  bloö  auf  bie  Prüfung  ju  befd^ränfen  ^at,  ob 
bie  aSorna^me  beö  SHed^tögefd^äfteö  eine  ^flid^troibrigfeit  beö  SSormunbeö  ni^t 
entl^ält  unb  nid^t  mit  befonberen  SRad&t^eilen  für  bm  5Wünbel  Derbunben  ift, 
fonbern  bie  ®enef)migung  nur  bann  ert^eilen  barf,  wenn  eö  bie  Ueberjeugung 
gewonnen  ^at,  bafe  bie  SSoma^me  beö  Sled^tögefc^äfteö  bem  Sntereffe  beö 
2RünbeIö  entfpri^t,  roibrigenfallö  baö  SBormunbfddaftögerid^t  bem  SJlünbel  ft^ 
nad^  3Ba6gabe  beö  §  1702  uerantroortUd^  mad^t.  2)aö  SSormunbf^aftögerid^t 
nimmt  in  biefer  ^infid^t  ganj  biefelbe  Stellung  ein,  mie  ber  SSormunb  bei 
ber  @inn)ittigung  ober  ©enel^migung  ju  einem  9led^tögefd^äftc  beö  aWünbcIö. 

3luö  äl&nU^en  ©rmägungen  ^at  ber  ®ntn)urf  aud^  über  bie  9(rt  ber  ^^^^  ^^  ««- 
aSeräufeerung,  inöbcfonbere  nad^  ber  SHid^tung  f)in,  ha^  biefelbe  bei  ©runb^  öu^cning. 
ftücfen  regelmäßig  im  SBege  ber  ©ub^aftation  ju  erfolgen  l^abe  (oergl.  preufe. 
31.  2.  K.  II,  18  §§  550,  558,  574—582,  636;  öfterr.  ®.  35.  §  232;  code  civil 
2lrt.  459;  bab.  @ef.,  baö  3;i^eilungöüerfal^ren  unb  bie  aSeräufeerung  oon 
Sßünbelgütern  u.  f.  io.  betr.,  v,  26.  SIpril  1886;  roeimar.  ®ef.  v.  27.  äßärj 
1872  §  53;  ^eff.  ©ntro.  IV,  75;  ba^r.  (Snixo.  Slrt.  78  5Rr.  1),  fpejieDe  »eftim^ 
mungen  nid^t  aufgenommen,  fonbern  aud^  in  bicfer  33ejie^ung  nad^  bem  SSor» 
gange  beö  gemeinen  Sled^teö  unb  oerfd^iebener  neuerer  ©efefee  bem  üon  bem 
Sntercjfc  beö  Sttünbelö  geleiteten  oerftänbigen  ©rmcffen  beö  aSormunbfd^aftö* 
gerid^teö  SHaum  gelaffen  (oergl.  preufe.  58orm.  D.  §  44;  fäd(if.  ®.  33.  §§  1942  ff.; 
brem.  SBorm.  D.  §  74;  ^amb.  58orm.  D.  9lrt.  42).  ©ineö  befonberen  9luö^ 
brudeö  im  ®efe|e  bebarf  bieö  ni^t.  S)a  baö  aSormunbfd^aftögerid^t  feine 
®enel^migung  uon  geroiffen  Söorauöfejungen  abf)ängig  machen  fann,  fo  ^at 
baöfelbe  eö  in  ber  §anb,  feinerfeitö  eine  beftimmte  Slrt  ber  SBeräufeerung  por* 
jufd^reiben. 

2.  2)ie  93eftimmung  beö  §  1674  3lx.  2,  meldte  fid^  alö  eine  3luönal^me  »«äu^erung 
von  bem  ^rinjipe  beö  §  1669  barftellt,  berul^t  auf  ber  ©rroägung,  ba^  bie  ammobutar* 
i&ier  fraglld^en  Slnfprü^e,  mirt^fd^aftlid^  betrad^tct,  ben  in  ber  SRr.  1  beö  ««fpfft*«^ 

72* 


auäj  bei  t>cc  ©cmeinfi^aft  beB  beniegli^en  SJermägertS  uttb  ber  Scrungenf^aft 
iti  ber  äJe^immung  beS  §  1432  äfbf.  2  9h.  j  geführt  ^ot. 
Brtaustruna  3,  Sie  bem  §  1353  3[bf.  1   fi*  anfc^  liefe  Mibe  aSorfdfcift  bes  §  1674 

^ifle"n™t.  ^^r.  3  reditfettigt  fic^  burc^  bie  befonbcre  Sffii^tigfcit  unb  ben  ateatoritc^eii 
fiaraftet  bct  im  §  1674  9!r.  3  bejeit^ncten,  jubem  über  bie  ©renjen  einer  ge* 
ni5^nli(^en  SJennaltung  ^inau&ge^enben,  nur  in  augerorbentlid^n  ^Ken  alfi 
ongemeffeu  ju  eroditenbeii  ©eft^äftc. 
8«ti(a«iib«  4.  Die  an  ü^n(i(^e  äJorfd&riften  neuerer  ©efeje  {preufe.  SJomi.  O.  §  42 

«r.  9Ir.  4;  brem.  aSorm.  C  §  79;  bopr.  ©ntro.  3lrt.  78  Dir.  5)  ftc^  anfctiüefeenbe 
"•  SJorfiftrift  be*  §  1674  9Jr.  4  empfiehlt  fi^  namentli^  oon  bem  praftifi^ien 
©efii^tSpunfte  QUfi,  bafe  in  einer  grogen  Qaf)l  von  ^äüm  bie  nomtunbfi^afts 
litfte  SBemialtung  mit  einer  erbauaeinonberfeßung  beginnt  unb  biefe  bie  Sofis 
für  bie  roettere  ©eftattung  ber  normunbf^afttidien  SBerrooltung  bilbet,  ba^  e« 
ober  jiDectmöfeig  ift,  wenn  baS  SßormwTibfdiaftflfleriit  in  gotge  ber  'SloÜf 
rocnbigfeit  feiner  Sßitmirfung  bei  ber  ®rbau6einanberfe|ung  »on  ben  SSer^ältj 
niffen  fofort  unb  nic^t  erft  bei  Prüfung  ber  nädiften  ^a^refire^iiung  Aenntnife 
erlangt,  ^nfofern  ift  bei  ber  33ormunbfrf)Qft  bie  ©oi^Iage  eine  anbere,  alft 
bei  ber  elterlichen  ©eroatt,  für  roeti^c  eine  bem  g  1676  3ir.  i  entfpre^nbe 
SSorf^rift  in  §  1511  mcf)t  aufgenommen  ift.  2ier  Stonbpunft  bes  franj. 
9}ec^teä  unb  anberer  ®cfe|e,  bo§  bie  ©rbt^eilung,  roenn  SDlinbcrjü^rige  ober 
fonftigc  Seoormunbete  bei  berfelbeu  betdeiligt  [inh,  immer  gertd)t[id|  erfolgen 
mw6  {oergl.  code  civil  3Irt.  4(i6,  838—840;  füdif.  @.  33.  §  2349),  ^at  in  ben 
erbrei^tlidjen  Seftimmitngen  bc8  ©ntrourfeS  (§§  2151  ff.)  leine  ^Knccleiinung 
gefunben.  ©in  ^ebürfnife,  in  biefer  Mid^tung  befonbere  Sßorf^riften  p  geben, 
liegt  nii^t  vor. 

3)ie  aJorfclirift  beS  §  1674  31t,  4  begießt  ftc^  nur  ouf  aSertröge  über 
bie  Sluöetnanberfe^ung  in  Slnfe^ng  einer  @rbfi$aft.  Slagcgen  ift  bie  @e= 
ne^migung  beä  ^ormunbf^aftögeriditefi  ntcE)t  erforberlic^  jur  @i^ebung  ber 
3:tieilungdflage  ober  ju  bem  antrage,  bie  gu  einer  gemeinfc|aft[id|en  &:bf(^aft 
ge^örenben  ©cgenftänbe  jum  ^oxdt  ber  ^ufficbung  ber  ©emeinfi^aft  nad^ 
aWafegabe  be«  §  769  Sbf.  2  ju  ocrfoufen  (oergl.  in  biefer  aSeiietjung  §  1676 
nebft  aKotitien). 

3n  Uebereinftimmung  mit  ber  pcufe.  Siotm.  O.  §  43  —  abroeit^enb  »on 

bem  iireufe.  91. 2.  SR.  11,  18  §  409  —  ge^t  übrigens  ber  (Sntrourf  baoon  ou*,. 

bafe  bas  ^ormunbfdiaftögencbt  uon  bem  Siormunbe   bie  Herbeiführung  bec 

©rbfluaeinanberfe^ung  regelmöfeig  ni^t  uerlongen  (onn,  fonbetn  ber  SJormunb 

JU  ermcffen  l)at,  ob  bie  Sluseinanberfeßung  erfolgen  foU.    3n  ©rmangeluna 

einer  entgcgcngefeglen  33orf^rift  ergicbt  fiiJ)  bieS  aufl  bem  ^rinjipe  ber  ©etb* 

ftünbigfeit  beS  93ormunbeö  oon  felbft  (§  1C48),  ofjite  bofe  e6  eines  befonberen 

äuBbrucEea  im  ©efe((e  bebarf  (nergl.  iebodj  §  1734  »erb.  mit  §  1548). 

»"•  5,    2)er  entgeltlii^e  Snoerb  »on  Orunbftütfen  für  ben  STIünbel  fonn 

"n  bem  aSormunbe  ni^t  gänjlidi  unterfagt  werben.    äBenngleit^  es  in  ber  5Regel 

itof  oorjngif^en  fein  roirb,  bte  äßunbelgelber  in  anberer  SBetfe  nu^bar  gu  machen, 

fo  ift  boi^  nid)!  gu  oerFennen,  bog  unter  Um^änbcn  oucl)  ber  ßnoerb  oon 

©runbbefi^  für  ben  iOlünbel  iroedmä&ig,  oicBei^t  fogar  bur^  baa  3nteref(e 


SSormunbf(6aft  2C.  ©cne^miguno  beö  S3onnunbf(6aft8fleri(6tc§.  §1674.     1141 

bed  3Rünbe(d  geboten  fein  lann.  ^q  bied  iebod^  nur  audnal^mSmetfe  ber  %aU 
iinb  ba^  Ocfd^äft  oon  bcfonberer  SBid^tigteit  ift,  fo  empfiehlt  cö  \iä),  bie 
SBirffamfeit  bc«  ouf  ben  entgcttlid^en  ©rroerb  eineö^  ©runbftüdfeö  geri^tetcn 
aScrtrogcö  von  ber  ©cnc^migung  bed  SBormunbf^of tegerid^teö .  abl^ängig  ju 
mo^en  (§  1674  9Jr.  5).  2)er  ratio  biefer  SSorfd^rift  entfprici[)t  eö,  bcn  (Srunb:^ 
ftücfen  oud^  in  ber  ^ier  fraglid^en  Sejiel^ung  biejenigcn  SRed&te  unb  Slnfprü^e 
gIeidE)jufteIIcn,  ju  beren  SBcräufecrung  naä)  ben  Scftimmungen  ber  9Jr.  1,  2 
bed  §  1674  bie  Ocnei^migung  beö  SBormunbfd^aftögerid^teö  erforbcrli^  ift. 
3nöbefonberc  trifft  bie  ratio  ju  ouf  einen  SBcrtrag  über  ben  entgettUd^cn  ®r* 
rocrb  cineö  Sßicfebroud^eö  (Dergl,  preufe.  31.  S.  SR.  II,  18  §§  597—599 ;  prcu§. 
aSorm.  D.  §  42  3\x.  6;  brem.  SSonn.  D.  §  73;  ^omb.  SBonn.  D.  3lrt.  49;  bopr. 
entro.  2lrt.  78  3lx,  1). 

6.  SBäl^renb  gemcinred^tlid^  ber  Söormunb  in  bcm  älbfd^luffe  oon  ^aä)U  3»iet^.  unb 
unb  ÜWictIdDerträgen  für  ben  aWünbel  na^  aufecn  ^in  überall  nid^t  befd^rönft  °t*T  w'*^* 
ift  (uergl.  ©euffert  XXIV,  126),  geftattet  ba§  fronj.  Siedet  bentfctben  SScr* 
mietl^ungen  unb  aSerpad^tungcn  Don  SKünbelgütem  biß  auf  bie  2)auer  oon 
neun  3Q^ren.  darüber  l^inauö  fann  er  audE)  mit  ©enefimigung  bed  gamilien« 
rat^  nid^t  Dermietl^en  ober  ücrpad^ten  (code  civil  9lrt.  1718,  1429,  1430). 
3)iefer  Unteren  2lrt  ber  Siegelung  fielen  alle  Sebenfen  entgegen,  rocld^c  gegen 
berartige  abfolute  5Bcrn)aItungöüorf^riftcn  überhaupt  fpred^en.  (So  wirb  immer 
gäUe  geben,  in  meldten  baö  3ntcrejfe  beö  SMünbelö  baburd^  gefd&äbigt  mirb. 
©d&on  bie  für  Sanbgüter  ^in  unb  roieber  üblid^cn  längeren  ^ad^tperioben 
bürfen  nidE)t  unberütffid^tigt  gelaffen  werben.  Sluf  ber  onberen  ©eite  ift  eö 
ober  für  ben  3Äünbel  gefäfjrtid^,  bem  SSomiunbe  bie  9Kad&t  einjuröumen,  ben 
erfteren  burd^  berortige  SJertröge  unbefd^ränft  oud^  über  bod  ^^oUiä^rigfeitö* 
olter  ^inouß  binben  unb  baburd&  bie  greitieit  ber  ?}erocgung  beö  ooHiäl^rig 
geworbenen  aJlünbefe  bceintrö^tigen  ju  fönnen.  Unter  biefen  Umftönben 
crfd^eint  eö  otö  ein  ongemeffener  3luön)eg,  im  Slnfd^tuffc  on  ä^nlid^e  SSor* 
f^riften  neuerer  ©cfefte  (oergL  preufe.  9Sorm.  D.  §  42  5«r.  7 ;  fä^f.  ®.  93. 
§  1915;  roeimor.  ®ef.  d.  27.  3Kärj  1872  §  52  9lr.  2;  brem.  SBorm.  D.  §  71; 
Itiomb.  SSorm.  D.  9lrt.  50;  l^cff.  (gntro.  IV  3lrt.  69;  bar)r.  ©ntm.  3lrt.  78  3lx.  2) 
ben  aSormunb  in  9lnfel|ung  ber  ©d&Iiefeung  fold^er  SRietf)*  unb  ^ßo^toertröge, 
beren  SBirfungen  über  baö  3?oIIiä^rigfeitöaIter  l^inauö  fid^  erftreden  foUen,  an 
bie  Oenel^migung  beö  l^ormunbfd^aftögeric^tcö  ju  binben,  jebod^  nodf)  bem  SJor^ 
gonge  bed  fäd^f.  ®.  93.  unb  beö  meimor.  ®ef.  v.  27.  aJMrj  1872  (oergf.  au^ 
bopr.  6ntro.  o.  o.  D.)  nur  bonn,  menn  bos  aSertrogöüerf)äItni§  über  ein  3atir 
nod^  erreid^ter  SäoUiö^rigfeit  beö  aJIünbetö  l^inouö  fortbouern  foH  (§  1674 
9Jr.  6).  S)ie  Weinen  SBermiet^ungen  unb  SSerpod^tungen  von  SBol^nungen, 
aicfcrlonb  unb  ©ortenlonb  für  boö  toufenbe  ^a\)v  bejm.  biö  jum  2^ermine  ber 
näd^ftcn  ®rnte  tonnen  unbebenflid^  bcm  SJormunbe  allein  überlaffen  werben, 
oud^  wenn  biefelben  im  legten  Softre  ber  aRinbcriäl^rig!eit  beö  SMünbelö 
erfolgen.  2lud&  in  fold&en  gällen  bie  ©ene^migung  beö  ^Bormunbfdfioftö* 
gerid^teö  ju  erforbcm,  mürbe  ju  einer  unnöt^igen  ©rfd^merung  ber  oormunb? 
fd^oftlid^en  33ermoltung  unb  ju  einer  unnot^igen  SSermel^rung  ber  ©efd^äftöloft 
ber  aSormunbfd^oftögerid^tc  fül^ren.  S)er  ratio  ber  ^ier  froglid^en  93cftimmung 
entfprid^t  eö  ober,  blefelbe  altgemein  auf  aWiet^*  unb  ^odjjtoerträge   auö* 


1142     aSormunbWaft  K.  Oencjmigunö  bc8  SSonnunbf(l&aftegeri(5ttf.  §1674. 

jubcl^ncn,  ol^nc  jiDifd^cn  unbcrocgtid^ctt  ©od^cn  unb  anbeten  ©egenjtänben  ju 
unterfd^elben,  unb  ol^ne  Unterfd&ieb,  ob  für  ben  ÜRünbel  Dermictl^ct  ober  t)cr« 
pad^tct  ober  ob  für  benfelben  ßcmietl^et  ober  gepad^tet  tocrben  foH.  SUd^t 
minbcr  trifft  bic  ratio  ju  für  alle  anberen  SSerträge,  burd^  toeld^e  für  ben 
ÜRünbel  bie  SBcrpflid^tung  ju  roieberfetirenben  Seiftungen  begrünbet  werben 
foH,  j.  33.  für  aSerjxc^erungöoerträge  ober  für  einen  SBertrag,  bur^  toeld^en  ber 
ÜRünbel  als  ^anblungsge^ülfe  in  bafi  (Sefd&aft  eincö  ainbercn  eintritt  (oergL 
au^i  fäc^f.  0.  33.  §  1915;  roeimar.-  Oef.  ü.  27.  ÜRärj  1872  §  52  3lx.  2). 

Um  ftar  ju  fteUcn,  bafe  im  ©inne  beö  §  1674  SRr.  6  bie  »oUiSl^rigfeitö^ 
erflärung  ber  SSoIIjläl^rigteit  nicfit  glei^fte^cn  foD  (üergl.  §  26),  lägt  ber  &nU 
murf  ftatt  ber  SBoUiä^rigfeit  beö  SWünbetö  baö  jurüdfgclegte  einunbjmanjigfte 
ßebenöia^r  mafegebenb  fein.  S)ie  ©leid&fteHung  ber  SSonjä^rigleitöerflfirung 
mit  ber  SSoDiäl^rigfeit  würbe  eine  bebenflid^e  Unftd^erl&eit  ber  oon  bem  5Bor^ 
munbe  allein  o^ne  ©ene^migung  beö  aSormunbfd^iaftögerid^ted  gefd^toffenen 
aSerträgc  jur  golge  l^aben. 

gel^It  bie  nadE)  §  1674  3lr.  6  erforberlid&c  ©ene^migung  beö  aSormunb^ 
fd^aftögerid^teö,  fo  ift  ber  gan^ie  SBertrag,  nid^t  bloö  berjenige  2:i^ei[  beöfelben^ 
weld^er  über  bie  im  §  1674  3lx.  6  beftimmte  Orcnse  f|inauöliegt,  nad^  SKafe^ 
gäbe  beö  §  1681  unmirffam,  cö  fei  benn,  bafe  bie  SBertragfd&Iiefeenben  ben 
SSertrag  überfiaupt  nid^t  alö  einen  cintieitli^en  gerooBt  fiaben. 

^tt<^toerträ8c  7.  S)ie  Seftimmuug  beö  §  1674  9lr.  7  bejmedt,  btn  SSormunb  bei 

san^^üter  I>^fonberö  wid^tigeu  SBerpad&tungcn  immer  an  bie  (Senel^migung  beö  38or* 

unb  flwcrb.  munbfd[)aflögerid^teö  ju  binben,  o^ne  9lärffidE)t  barauf,  ob  baö  SSertragöüer^äUnife 

lic^e  «etriebc. « j^^^  j^.^  .^  g  ^^^^  ^^^  ^  beicid^ucte  ©renje  f ortbauern  foU  ober  nid^t.    3n 

©rmangelung  einer  ein^eitlid^en  (Srunbfteuergefefegebung  fann  babei  Jebod^ 
nid[|t  mit  ber  preufe.  S3orm.  O.  §  42  Sßr.  7  auf  bie  ^b\)t  beö  Orunbfteuer* 
reincrtragcö  abgeftettt  werben.  Uebcrbieö  fianbelt  eö  fxä)  babei  um  einen  rein 
formalen,  ben  praftifd^en  33cbürfniffen  beö  Scbenö  oft  nid&t  entfpred&cnben 
ÜRafeftab.  (So  fommt  barauf  an,  bem  aJlünbel  bei  ^ßad^toerträgen  über  ein 
Sanbgut  ober  über  mebrere  jum  betriebe  ber  Sanbroirtl^fd^aft  ocrbunbene 
©runbftüdfe  ober  über  einen  geroerblid^en  ^Betrieb  einen  größeren  ©d&ufe  ju 
gewähren,  ba  berartige  SSertröge,  au^  wenn  baö  5ßad[|tDcrl^fiItni6  nid(|t  über 
bie  im  §  1674  3lr.  6  bejeidEinete  ®renje  l^inauö  fortbauern  foll,  für  bie  ®e» 
fammtmirtl^fd^aft  beö  SJlünbcIö  oon  einfd^neibenber  S3ebeutung  finb,  ber  3Ibfd&Iu6 
von  5ßad&toerträgen  ber  l^ier  fraglid&en  3lrt  jubcm  in  ber  Siegel  ein  fd^mierigcö 
unb  lompUjirteö  Oefd^Sft  ift  unb,  wenn  baö  3ttt)cntar  beö  SKünbcIö  oon  bem 
^äd^tcr  burd^  Äauf  übernommen  wirb,  bor  ajormunb  oft  grofee  ©etbbeträgc 
für  ben  SJlünbel  in  feine  ^änbe  befommt.  S)ie  S3orf^rift  beö  §  1663  reicht 
inforoeit  nid^t  auö,  ba  biefelbe  nur  ben  Äarafter  einer  Drbnungöoorfd^rift  ^at 
3luf  ber  anberen  ©eitc  mürbe  eö  ju  weit  ge^cn  unb  eine  ju  gro§e  83eläftigung 
beö  aSormunbeö  unb  beö  aSormunbfd^aftögerid&teö  mit  fidb  bringen,  votnn  bie 
©enei^migung  beö  (enteren  allgemein  ju  bem  ^ßad^toertrage  über  ein  einielneft 
lanbmirt^f^aftUdfieö  ©runbftüdf  crforberIid&  fein  foUte,  namentlid^  in  fold^en 
©egcnben,  in  meldEjen  eö  üb(id&  ift,  ganje  2anbgüter  in  einjelnen  ^ßarjeUen  ju 
ocrpa^ten. 


aSormwnbf (jj^aft  K.   ©encftmigung  bc3  2}ormunbfd5aftSöcrid&tcß.  §1674,     1143 

8.  (Scmcinrcd^tlicfi  ift  ju  einem  SSergleid^e  unb  bemgemäfe  nad)  §  851    sscrouic^ 
ber  6.  5ß.  O.  anä)  ju  einem  ©d^icböoertrage  bic  ©ene^migung  bes  SBor^^  ""»emat** 
munbfd^aftögerid^tcö  inforoeit  crf orberlid^ ,  olö  berfelbe  eine  SBerfiufeerung  Don 
aßünbelfadö^tt  in  fid^  f ^tiefet  (1.  46  §  ult  D.  de  adm.  et  per.  26, 7 ;  1.  4  Cod. 

de  praed.  et  aliis  reb.  min.  5,7i).  SBerfd&iebene  neuere  ©cfc^e  fd^reiben  für 
bie  bejeid^neten  SBerträge  gonj  attgemein  bie  ©cne^migung  beö  SSormunbfd^aftö- 
flcrid^ted  Dor  (üergl.  preufe.  91.  S.  K.  II,  18  §.  521;  öfterr.  ®.  SB.  §  233;  fä^f. 
®.  33.  §  1917 ;  mürttemb.  Sßotoriatögef.  u.  14.  3uni  1843  3lrL  20  nebft  §  31 
ber  reüib.  SSorfd^riften  für  5ßflege  v.  26.  3uni  1843  unb  bem  mürttemb.  9lußf. 
®ef.  jur  e.  5ß.  O.  t)..  18.  Sluguft  1879  9lrt.  15 ;  lüberf.  SBorm.  D.  §  64 ;  tieff. 
entm.  IV  3lrt.  78;  bo^r.  (SntTO.  3lrt.  78  5Rr.  5, 7).  3la(l)  fronj.  Siebte  beborf 
eö  neben  ber  ©rmäd^tigung  bcö  gamitienrat^eö  ber  an  geroiffe  görmlid^feiten 
gebunbenen  S3eftätigung  burd^  bafi  ®erid&t  erfter  Snftanj  (code  civil  9lrt.  467 ; 
t)ergl.  ferner  bab.  ®ef.  v.  6.  gebruar  1879  §  19 ;  bar)r.  Sluöf.  ®ef.  jur  6.  %  D. 
t).  23.  gebruor  1879  3lrt.  177).  SDie  auö  praftifd&en  giüdfid&ten  einen  mUttU 
weg  einf^Iagenbe  Seftimmung  beö  §  1674  Sßr.  8  fd&ticfet  ftd^  —  abgefel^en 
baoon,  ba^  fie  bie  Seroeiölaft  in  einer  bem  äWünbel  günftigeren  SBeife  regelt  — 
an  bie  preufe.  SBorm.  D.  §  42  5Rr.  8  in  aSerbinbung  mit  bem  §  851  ber  6. 5ß.  O. 
an  (Dergt.  aud^  roeimar.  ®ef.  t).  27.  aWörj  1872  §  52  $ßr.  4 ;  brem.  SBorm.  D.  §  44 ; 
l^amb.  aSorm.  D.  3lrt.  52).  SBon  felbft  Derfte{)t  eö  fid^,  ba^  inforoeit,  als  ber 
aSerglcid^  ftd[)  als  SSeröufeerung  eineö  ber  unter  bie  5lm.  1—3  beö  §  1674 
fattenben  ©egenftänbe  barftettt,  bie  Sßrn.  1—3  o^nc  Siürifftd^t  barauf  3lnroenbung 
finben,  ob  ber  ©egenftanb  ben  93etrag  von  breil^unbert  SKarf  überfteigt  ober  nid&t. 
Db  bie  S3eftimmung  beö  §  1674  9lr.  8  burd&  ben  §  52  ber  6.  5ß.  D. 
für  5ßroie6t)crgIei^e  eine  aWobifilation  erleibct,  I|ängt  oon  ber  in  biefer  9iidS)tung 
aDerbingß  fetir  beftrittenen  9ludlegung  beö  §  52  ber  ß.  %  D.  ab  (t)ergl. 
übrigenö  bie  Oftotioe  ju  §§  1352,  1353  oben  ©.  360).  ®benfo  ift  bie  ©nt^ 
fd^eibung  ber  ftreitigen  grage,  ob  ju  einem  3w)angöt)ergteid^e  im  Äonfurö* 
üerfafiren  (§§  160  ff.  ber  Äonf.  D.)  bie  ®enef|migung  beö  a5ormunbfd^aftö:= 
geriddtcö  crforberlic^  ift  (oergt.  brem.  SBorm.  D.  §  44),  t)on  ber  projeffualif^en 
äSorfrage  abhängig,  ob  ber  SroangötJergleid^  bie  ?latur  einer  gerid^tUd^en  ®nU 
fd^eibung  ober  eineö  eigentlid^en  93ergleid^eö  I)at. 

9.  S)ie  Seftimmung  beö  §  1674  3lr,  9  (oergf.  aber  baneben  §  1675)  ec^uibm^r. 
rcdjtfertigt  ftc^  burc^  bie  SBic^tigleit  unb  bie  ®efäf)rUc^feit  ber  (ginge^ung  ber  ^^«;^J«^" 
l^ier  fraglid^en  aSerbinblid&fciten.    5Die  preufe.  SSorm.  D.  §  42  Sßr.  10  fc^reibt  on^aber  jc. 
bie  ®enel&migung  beö  SSormunbfd&aftögerid&teö   t)or  jur  ®inge^ung  med^fet 
mäßiger  S?erbinblid^feiten.    Der  ©ntrourf  l(iat  ben  3luöbruct   „roed^felmägige 
aSerbinblid^feiten"  wegen  feiner  Unbeftimmtlieit  »ermieben;  er  fteDt  aber  ber 
aSerbinblid^feit  auö  einem  SBed^fel  bie  äSerbinblid^feit  auö  einer  anbcrcn  Urfunbe, 

meldte  bur^  Snboffament  übertragen  werben  fann  (oergl.  §  1225),  gleid^. 
2Bie  bei  SBed^feln  (3lrt.  82  ber  SB.  D.),  liegt  baö  ®cfätirlic^e  ber  (ginge^ung 
jener  a3erbinblid[)feiten  barin,  bafe  ber  SBerpflid^tete  fid^  nur  fold^er  ©inreben 
bebienen  fann,  meldte  if|m  naö)  SKaßgabe  ber  Urfunbe  felbft  ober  unmittelbar 
gegen  ben  jebeömaligen  Älägcr  juftef)en  (t)ergl.  Slrt.  302  beö  ^.  ®.  S3.). 

©er  @ntrourf  gel^t  über  bie  preufe.  SSorm.  D.  §  42  3lx.  10  femer  infofern 
l^inauö,  alö  er  megcn  gleid^er  ratio  hm  SBerbinblid^feiten  auö  SBec^feln  unb 


1144     3.>ortnunbfd&aft  2C.  ©cnel^miguno  bed  Sormunbfd&aftdgeriAted.  §1674. 

bcn  anbcrcn  im  §  1674  3lx.  9  bcjelcä^ncten  Urhinbcn  aud^  bic  S^erbinblid^feiten 
aus  ©d^ulbocrfd^rcibungcn  ouf  Sn^obcr  flleid^fteHt  (ocrgL  §  689).  ®icfc  Äuö^ 
be^nung  giebt  trog  bcd  tDeiten  Umfanged,  in  toeld^em  naä)  §  702  ^n^aber^ 
papierc  gcfd^offcn  werben  töntien,  ju  praftifd^en  Scbenfen  feinen  älnlag; 
anbererfeitd  würbe  bie  9ludbel^nung  (ebigli^  auf  fold^e  2Ett{|aberpaptere^  ipeld^ 
eine  (Selbfummc  jum  Ocgenftanbc  ^abcn,  nid^t  genügen. 

^^^^nawe  10.   ®emeinrc(i|t(id^  ift  jur  2tufnal^me  eineö  2)or(c^enö  für  bcn  SRünbet 

be^Ärebit  be"«  bie  ©cuei^migung  bcr  Dberoormunbfd^oft  nid^t  erforberlid^.  9Kit  9lüc!|id(>t  auf 
wünbe».  uerfd^icbene  ©teilen  bed  röm.  SRe^teß  (1.  2  D.  quod  jussu  15, 4;  1.  3  Cod.  quando 
ex  pactis  tut,  0,39;  1.  27  D.  de  reb.  ored.  12, 1)  ift  aber  bcftrittcn,  ob  ber 
3)tünbel  aus  einem  üon  bem  5Bormunbe  aufgenommenen  3)arie^en  nur  bann 
haftet,  roenn  baöfelbe  in  feinen  3lu^tn  üerroenbet  ift  (oergt.  ©euffert  XXVr,  44, 
XXVIII,  213,  XXXII,  152).  ®ie  neueren  (Sefeße  ^aben  meiftenö  ben  93or^ 
munb  bei  9lufnal)me  üon  2)arlel^en  an  bie  (Sene^miguug  bcß  SSormunbfc^aftö^ 
gerid^teö  gebunbcn  (Dergl.  preufe.  91.  S.  SR.  II,  18  §§  525, 526;  preuß.  5?orm.  D. 
§  42  5nr.  12;  roeimar.  ®cf.  t).  27.  SKäri  1872  §  52  5Rr.  3;  code  civil  girt  457, 
458;  ^ef).  ©ntn).  IV  9lrt.  78;  bapr.  Cntro.  9lrt.  78  9lr.  4). 

2)er  ©ntrourf  folgt  biefen  jutcfet  angeführten  ®efe|gebungen,  bc^nt  aber 
bic  SSefd^rönfung  beö  3Sormunbe8  auf  alle  Oefd^äfte  auö,  burd^  roel^e  berfelbe 
(Selb  auf  ben  Rrebit  bcö  iDlünbelö  entnimmt,  ©erartige  Oefd&äftc  finb  burd& 
ben  regelmäßigen  iJauf  ber  SSermaltung  ni^t  geboten  uub  fönnen  jubcm  gro§c 
®efal)ren  für  ben  3}Hiubel  mit  fid^  bringen.  Dl)ne  bie  im  §  1674  9lr.  10 
beftimmte  93efd^ränfung  mürben  überliaupt  alle  übrigen  SBefd^rönfungen  ber 
55ertretungömad^t  befi  J?ormunbeö  erl^eblid^  an  praftifd^cm  SBert^c  verlieren 
(üergl.  jebod[)  §  1675).  Co  fanu  jmeifel^aft  fein,  ob  ni^t  in  ber  Sefd^ränfung 
ber  SScrtrctungömad^t  beö  3Sormunbe8  nod)  weiter  ju  ge^cn  unb  für  ben  9lb? 
fd^luj^  Tjon  Ärebitgef^äfteu  überhaupt  ober  bod^,  um  ber  fonft  leidet  möglid^cn 
Umgel)ung  ber  ^ier  fraglid^en  Scftimmung  entgegcnjutreten,  menigftend  aud^ 
für  bie  ®ingel)ung  oon  Käufen  auf  93org  (oergl.  ^.  ®.  93.  9lrt.  497)  bie 
©cne^migung  beö  35ormunbfd^aftßgerid^tcd  üorjufd^reiben  märe.  9luf  ber  an? 
bcren  ©eite  ift  inbeffen  ju  berüdEfid&tigcn,  ba^  eine  fo  mcitge^cnbc  Sefd^ränfung, 
inöbefonbcre  megen  i^rer  Unbeftimmtl)eit,  aud^  fd^äblid^  mirfen  fann,  bafe  bic* 
felbe  bcn  Sebürfuiffen  beö  ficbcnö  n\ä)i  geredet  wirb  unb  eine  Ueber^äufung 
ber  93ormunbfd^aft0gcrid^te  mit  ©efd^äftcn  J^crbcijufü^ren  brol)t.  9tud^  baß 
bcftcljcnbc  ?Rcd)t  gebt  nid^t  fo  meit. 

ueb«nia[,me  n.  2)ic  äJorfd^rift  bcö  §  1674  3lv.  11  (ücrgl.  aber  bancben  §  1675) 

""c^binwij)!"  f^  niit  ber  preufe.  ä5orm.  D.  §  42  3lx.  13  im  Ginflange  unb  empfiehlt 
''^'*-  fid^  megcn  ber  ®efä^rlic^!eit  ber  t|ier  in  SRebe  ftel^enben  ®efd^äftc  unb  in  ber 
ßrroägung,  baß  es  fid)  babei  nid&t  um  einen  Umfafe  r>on  SSermogcnöobjefteu 
^anbclt.  ©er  äluöbrudf  „Ueberna^me  frcmber  äJcrbinblid^feitcn"  fann  jmar 
megcn  feiner  Unbeftimmt^eit  ju  äl)nlid^cn  Streitfragen  SJcranlaffung  geben, 
mic  ber  SBegriff  ber  Sutcrjefrion  nad^  röm.  unb  gemeinem  SRcd^te.  Stii^cffen 
eine  fafuiftifc^e  9luffül)rung  ber  cinjclncn  l&ier  in  S3etrac^t  fommenben  gälle 
ift  im  ^inblicfc  auf  bie  ®efa^r  ber  Unoollftänbigkit  unb  auf  bie  ganje  9lnlagc 
beö  ©efegbudjcö  nidt|t  ratl)fam,  auc^   bat,  fooiel  befannt,.  im  ©cbietc   ber 


3Sormunbfd6oft  K.  ©enc^migung  be§  SBormunbfd&aftöoerid&tcß.  §1674.     1145 

prcufe.  SBorm.  D.  bic  in  SRcbe  ftcl^cnbe  ScftimmuitB  ju  befonbercn  Sw^^if^l« 
bei  bcr  praftif^en  Slnrocnbung  feine  Scranlojfung  gegeben. 

12.  3)iit  Sflücffid^t  auf  bie  an  bie  ©rt^eilung  einer  5ßrofura  ftd^  f nüpfenben  crt^eiiimg 
roid^tigen  golgen  (oergl.  ^.  @.  S3.  Slrt.  42 — 45)  ift  no^  bem  93organge  ber    ^«"ura. 
preufe.  aSorm.  D.  §  42  9lr.  11  aud^  für  bic  Grtöeilung  einer  5ßrotura  bie  @^ 
nel^migung  bed  ^ormunbfc^aftdgerid^ted  Dorgefd^rieben^  gumal  bie  ^rofura 

iur  ®ingel^ung  ber  unter  3lx.  9—11  bed  §  1674  bejeid^neten  9led(|tögef^äfte 
ermäd&tigt  ber  Umfang  ber  mit  ber  5ßrofura  fraft  Oefe^eö  üerbunbenen  SSer* 
tretungfimad^t  aber  gegenüber  dritten  ni^t  befd^ränft  werben  fann. 

13.  2Ba^rcnb  nad&  ber  preufe.  aSorm.  D.  §  41  9ir.  3  ju  ben  im  §  1674  «ufi^ebunfl 
3lx.  13  bejeiddneten  SRcd^tögefd&äftcn  nur  bic  (Sene^migung  bed  (Segenoormunbcö  winbernng 
crforberli(^  ift  beftimmt  ber  ©ntmurf  im  §  1674  3lx.  13  für  iene  3led&td^  ^.''^'^. 
gcfc^äfte  ba&  ftrengere  ©rforbernife  ber  Ocne^migung  beö  aSormunbfdEiaftd^ 
gerid^tcö.    @inc  fold^c  ©trcnge  rcd^tfertigt  fid^  burd&  bie  ®r5§e  ber  auö  fold^en 
(Scf^äften  ju  befürd^tcnbcn  ?Rad&tl&eiIe  unb  bie  Ungeroöl^nlidöfeit  fold^er  @e^ 

fd^äfte  (Dcrgt.  aud&  fä^f.  0.  33.  §  1942).  SSon  felbft  ocrfte^t  eß  ftd^,  bafe  baö 
83onnunbfd)aftögerid^t  bie  ©cnctimigung  ju  ben  im  §  1674  3lv.  13  bcjcid^neten 
JRed^tögefd&öften  nur  innerhalb  ber  burd&  bie  Sorfd&riften  bed  §  1664  für  bie 
Slnlcgung  von  ®clbcrn  gezogenen  ®renjcn  ertl^eiten  barf. 

14.  S)ie  aSorfd^rift  beö  §  1674  9ir.  14  (Dcrgl.  preu§.  )i}orm.  D.  §  42  catgeitiic^r 
5lr.  9  pcrb.  mit  §  44)  ftellt  fxd^  afe  eine  angemejfene  ©rgänjung  beö  nur  ben  ^"^ilV' 
Harafter  einer  DrbnungöDorfc^rift  an  ftd^  tragenben  unb  nur  hen  faftifd^cn    örroerw. 
S3cginn  unb  bic  faftifc^c  3lufl5fung  eines  erroerbögefc^äftcö  treffenbcn  §  1663  ^'^*'^''*- 
bar  unb  empficfjlt  ftd)  aus  ö^nlid^cn  (Srünben,  rote  bicjcnigen,  roeld^c  ju  ben 
SBeftimmungen  bcö  §  1674  5Rr.  5  unb  7  gefül^rt  l^aben.    S)a  ju  bem  ©rmerbe 

eines  ©rroerbsgefd&öftcs  burd&  ©rbfolgc  ober  a3ermäd[)tni6  bic  ©cncl^migung  bcS 
aSormunbfd^aftsgcrid^teS  ni^t  crforberlidE)  ift,  fo  ift  cS  als  angcmejfcn  era^tct, 
ienen  gällen  ben  gall  bcS  ©rroerbes  eines  ©noerbsgcfc^äftcs  burd&  ©d^enfung 
gleid[)äuftencn  unb  bcslialb  bie  SBorfd^rift  bcS  §  1674  5Rr.  14,  fonicl  ben  erroerb 
eines  ©rroerbsgefd^äfteS  burd^  SScrtrag  betrifft,  auf  ben  entgeltlid^en  ©rroerb  ju 
bcfd)ränfen.    ©s  entfpri^t  bics  jubem  ber  5Rr.  5  bes  §  1674. 

15.  aScrfc^iebene  Oefe^c  cntl^attcn  nod)  SJorfd^riften  über  bie  Sefdfiränfung 
ber  aSormunbeS  in  Scjic^ung  auf  größere  9lnIogcn,  Sleubauten,  ^aupt- 
reparaturen  u.  bergl.  (ncrgl.  preuß.  31;  £.  K.  II,  18  §§  537,  538;  föd^f. 
©.  a.  §  1931;  Weimar.  03ef.  v.  27.  ÜKärj  1872  §  52  5Rr.  8;  brcm.  SJorm.  D. 
§  51 ;  ^amb.  SBorm.  O.  3lrt.  41 ;  f)eff.  ©utTO.  IV  Slrt.  67).  5Die  $ßirffamfeit 
ber  einjcinen  in  Siebe  fte^enben  3led&tSgefd^äfte  t)on  ber  (Genehmigung  bes  SBor- 
munbfd&aftgeric^teS  abhängig  5U  mad^en,  mürbe  für  bie  Sid^erfieit  beS  aScp 
fel^res  in  l^ol^em  ®rabe  bcbcnflid^  fein,  ba  es  in  Dielen  gälten  ber  2Biffenfdf)aft 
bes  ©ritten  fid^  gönjlidE)  cntjie^t,  ob  bas  cinjelne  Sled&tsgefd^äft  für  einen 
Jieubau  ober  eine  ^auptreparatur  beftimmt  ift.  QubQm  lajfcn  f\ä)  bie  eigent* 
lid^  gefä^rlid^en  SSerträge  ber  f)ier  fraglid^en  9lrt  burd^  eine  gefc^lid^e  aSor- 
fd^rift  nid^t  treffen.  9lud(i  liegt  bie  praftifd&e  ©efa^r  eines  9)iiftbraud[)eS  l&icr 
fcl)r  fem.  3n  Uebereinftimmung  mit  bem  gemeinen  unb  bem  franj.  Siechte, 
ber  preuft.  aSorm.  D.  imb  bem  bai)r.  ®ntn).  I^at  bes^alb  bcr  ©ntrourf  be^ 
fonbere  aSorfd^riften  in  ben  bcjcid^nctcn  9Jid&tungcn  ni^t  aufgenommen,  fonbern 


(§  1696)  beroenben  laufen, 
c  %üä)  nai^  anberen  91id)tungen  titn,  inebefonbere  in  Snfel^ung  ber  93er: 

füfliing  über  immalerielle  Sledite,  ftnfa  loeiltre  einfi^ranhingeii  ber  aSertretungS« 
tnai^t  be€  ^ormunbefi  nii^t  als  ongejeigt  eracEitet. 

II.  3m  ©egenfo^c  jum  gemeinen  SRedite,  ju  ber  preug,  aSorm.  D.  (»ergl. 
ieborf)  §  41  5Rr.  2  baf.  in  Setreff  ber  gingiebung  »on  gorberungen  unb  baju 
bie  anotine  jU  §  1669  oben  ©.  1126  ff.),  bem  roeimor.  Oef.  v.  27.  aßärä  1872 
unb  bcn  ^anfeat.  Sjormunbfi^aftgorbnungen  i)at  eine  bleibe  anberer  9ted|te  bie 
^ßrojefefü^tung  be9  SJormunbes  balb  in  gröfeerem,  balb  in  geringerem  Umfongc 
Don  ber  ©enebmigiing  befl  Sßormunbfc&aftSgeridfite«  abhängig  gemocbt  (oergl. 
preufe.  a.  S.  91.  n,  18  §§  501—507 ;  öfterr.  @.  S.  §  233 ;  fdrfif.  (S.  Ö.  §  1916 ; 
code  civü  ärt.  464;  bcil-  ®ntro.  IV  3lrt.  83;  ba^r.  ©rttni.  3Irt.  78  9Jr.  8).  3lo(^ 
roürttemb.  91e(i)lc  (uergl  roürttemb.  atusf.  ®ef.  jur  S.  5|J.  O.  r.  18.  auguft 
1879  arrt.  15)  ift  bie  ©ültigteit  ber  ^rojefefü^ning  ber  ^ionnfmber  burc^  bie 
oberoormunbfcfiflftliile  ermS(f)figung  nid)t  bebingt;  bod)  fmb  bie  SJormünber 
oerpftii^tet,  bie  ©ene^migung  ber  SormunbfcfeaftäbeiiBrbe  jur  ^bcng  »on 
■iptojenen  einsuboten.  Slurd)  bie  G.  5ß.  O.  fiiib  bie  Sßorfdiriften  bcft  bürger* 
li(ben  91cd|teä,  nacb  meli^cn  bie  ^irffamFeit  ber  ^rojegfübrung  befl  ^ou 
munbcö  uon  ber  oberpormunbf^aftiirfien  Oenelimigung  abhängig  gemai^t  ift, 
nid)t  befeitigt  (oergf.  §§  50,  52,  54,  §  513  91r.  3,  g  542  31t.  4  ber  ffi.  ^.  D.). 
3ur  aSereinfad^ung  unb  Si^erung  ber  ftreitigen  Slec^tepflege  fteOt  abet 
ber  §  52  ber  6.  %  0.  boS  roirfttigc  ^ringip  ouf,  bog  einjclne  ^rojefe* 
I)anblungen,  ju  roelc^en  na(b  ben  SSorfdiriften  beS  bürgerlii^en  Slc^teä  eine 
befonbere  ©rmäc^figung  erforberlirf)  ift,  o^ne  biefetbe  gültig  fttib,  roenn  bie 
©rmorfitigung  jur  ^ßrojefefü^rung  im  SIBgemeinen  ertt)cilt  ober  bie  ^rojefes 
fübning  owcb  o^nc  eine  foii^e  Ermäcbtigung  im  9lHgemeinen  ftattI)Qft  ift. 
Ueber  bie  S^ragrocite  befl  Sluflbrucfcs  „^rojefifiQnbEungen"  gc^en  jebocb  bie 
Slnfidlten  aufleinanber;  insbefonbeie  ift  es,  mic  bereits  oben  @.  1143  ^docs 
geI)oben  n)ur^e,  beftritten,  ob  jener  Sluflbrud  aucE)  ben  ^^^rojegoergleid)  unb 
(inbere  projeffualifi^e  SRerfifsgefi^äfte  mitumfaftt  (oetgf.  bagegen  roürttemb. 
9ru6f.  ®cf.  jur  6.  ^.  D.  o.  18.  9Juguft  1879  9lrt.  15  3lbf.  3). 

3)er  ©ntrourf  bot  norbe^altlirf)  ber  Seftimmung  beß  §  11  ©oft  3,  fein 
Sebeiifcit  getragen,  bie  ^rojegfübning  befl  ^ormunbeö  alfl  fo(d)e  fflr  ben 
SKünbel,  (ei  c8  als  J^Inger  ober  als  SBetlagtcn,  oon  einer  ©rmäditigung  be« 
aSormunbfc^affsgeritöteS  nirfjl  abbängig  ju  madjen.  Sie  ^rojcfefü^rung  alfi 
foirfje  ift  (ein  9tufgcben  oon  Sfled)tcn;  fe  ift,  ^ingefeöen  auf  bie  ©eföbrbuna 
ber  9le(^te  bcs  ailünbelä,  roeit  uncr^ebü^cr,  als  jafiireii^c  einjelne  ^irojefe* 
t)anblungen,  roic  (Seftänbniffe,  ©ibefljufiicbungen,  Stnfgeben  ron  Seroeiß« 
mittein  n.  bergl.,  bei  roeldien  man  ben  'iSormunb  an  eine  ©ene^migung  befi 
(Seric^teS  im  ©injelnen  niemals  roirb  biiiben  tonnen,  roenn  mon  nic^t  bie 
^4Jroie6fül)rung  im  91amcn  bes  aUünbds  i[)atfätf)Ud)  in  bie  §onb  befl  93orraunb» 
frfiaflSgeritbfl«  legen  roiK,  rocldjes  leitete  baburc^  in  unerträgli^ier  2Betfe  mit 
@efd)äftcn  überbäuft  rocrben  roürbe.  Unterroirft  man  ober  ben  aSormunb  in 
anfctmiifl  foti^er  ^ßrojcfefianblungen  feiner  Jlcfcbränfung,  fo  liegt  fein  @runb 
Bor,  if)n  bejüglid)  ber  '■^rojcfefübrung  im  9Illgemeiiten  an  eine  ©ene^migung 


SSomtunbf 4af t  k.  ©cnc^mißunö  bcö  SSormunbf 4af töfleri^teö  k.  §  1 675.     1 1 47 

ju  binbcn,  ba  bic  (Scfal^r,  rocld^cr  bcr  aWünbcl  burd^  bie  ^ßrojcfefül^rung  als 
fotd^e  auögcfefet  ift,  ftd^  ouf  bic  ®cfal)r  bcr  S^ragung  bcr  ^ßrojcfefoftcn  bc* 
fd^ränft,  unb  bic  Scforgnife,  bafe  bcr  33ormunb  geneigt  fein  werbe,  ftd^  Icid^t^: 
fertig  fiir  bzn  aWünbel  in  ^ßrojcffc  ju  ftürjcn,  fd^on  beöl^alb  unbcgrünbct  ift, 
Tocil  bcm  SSormunbc  ouö  bcr  ^Projcfefülörung  9Wü^e  unb  Unbequemlid^fcit  crj= 
road^fcn.  2)ic  ©cfa^r  für  b^n  äWünbcI  liegt  nid^t  borin,  bafe  bcr  SBormunb 
für  i^n  überl^oupt  ^ßrojcifc  fül^rt,  fonbern  barin,  bafe  er  fic  niogüd^cnocifc 
fd^Ied^t  fül^rt.  ®cgcn  bicfc  (Sefa^r  tjcrntag  man  i^n  aber  burd^  ba^  ©rforbemife 
bcr  ©cncl^migung  beö  SSormunbfd^aftögcrid^teö  bod^  nid^t  ju  fd^üfeen,  md) 
aufeen  f)xn  fd^on  im  fiinblicfc  auf  bic  SSorfd^riften  beö  ^ßrojcfercd^tcö  (§  52  bcr 
6. 5ß.  D)  ni^it,  nad&  innen  auö  fad^Iid^cn  ©rünbcn  ebenforoenig.  ®cr  SRünbcI 
bleibt  bemnad^  in  Scjicl^ung  auf  eine  fcfelcd^tc  ^ßrojcfefül^rung  bcö  SBormunbeö 
unter  allen  Umftönben  auf  feinen  pcrfönli^en  SRücfgriff  gegen  ben  SBormunb 
angeroiefcn  (§  1696),  unb  bicfc  aSerantwortlid^fcit  bcö  SSormunbeö  bleibt  im 
SBcfcntlid^cn  bicfclbe,  mag  bie  grage,  ob  übcrbaupt  ein  ^ßrojcfe  gefül^rt  merben 
foD,  vom  3Sormunbfd&aftögcrid^te  Dorl^cr  geprüft  fein  ober  nid^t. 


§  1675. 

S)er  (Sntrourf  gel^t  bauon  auö,  bafe  bie  ju  einem  Sled^tögcfd^äftc  erforber^  «aßemeine 
lid&c  Ocncfimigung  bcö  aSormunbfd^aftögerid^teö  i^rem  3"^^*^  entfprcd^enb  ®JII*^*^8?® 
rcgclmäfeig  nur  für  ieben  cinjcincn  gall  roirffam  crtl^eilt  merbcn  fann.  9lad^  aewaftw. 
bcm  SSorgange  bcö  barir.  ©ntro.  3Irt.  78  9lbf.  2  bcm  SBormunbfd&aftögerid^tc 
ganj  allgemein  bic  S3efugni&  ju  geben,  bcm  5Öormunbe  bic  ©rmäd^tigung  ju 
beftimmten  bcr  Genehmigung  bcbürftigcn  9led&tögcfd)äften  im  33orauö,  unb 
jmar  unbefd^ränft  ober  mit  befonbcrcn  (Sinfd^ränfungen,  ju  crt^eiten,  ift  afe 
bcbcnflid^  erad^tet.  3)agcgcn  ift  aücrbingö  für  eine  Slnjal&t  von  SRcd^tögcfd^äftcu 
ba&  33cbürfni|,  eine  allgemeine  ©rmäd&tigung  bcö  83ormunbfd)aftögcrid(itcö 
iujulaffcn,  anjuerfenncn,  namenttid^  im  ^inbttdfc  auf  fotd^c  gälte,  in  roetd^en 
für  bcn  ÜJlünbel  ein  ©rmcrbögcfd^öft  betrieben  wirb.  ®in  berartigeö  93cbürfni6 
befielet  inbcffen  nid)t  nur  für  bie  ©ingc^ung  rocc^fctmäfeigcr  SBcrbinblid^fcitcn, 
bcn  cinjigcn  gall,  für  meldten  cö  in  bcr  prcufe.  aSorm.  D.  §  45  93erücffi(^tigung 
gefunbcn  ^at,  fonbern  aud&  für  bie  3Iufnal^me  con  (Selb  auf  ben  Ärcbit  bcö 
aJlünbelö,  für  bie  Uebema^me  frcmbcr  SBcrbinblid&fcitcn  (§  1674  9?r.9— 11),  fomic 
für  bicienigen  SRcd^tögcfd^äftc,  ju  meldfien  nad^  ben  SBorfd^riftcn  bcö  §  1669 
bie  ®cnct)migung  bcö  ©cgcncormunbcö  erforbertid^  unb  gcnügcnb  ift.  Snö- 
befonberc  ift  bic  3wtoffung  einer  allgemeinen  ©rmöd^tigung  aud^  ju  ben  unter 
3lv.  11  bcö  §  1674  bcjctd^netcn  Stcd^tögcfd^äftcn  unter  Umftönben,  j.  33.  wenn 
für  bcn  aWünbcl  ein  Slommiffionögcfd^äft  fortgefegt  wirb  (ücrgl.  9lrt.  370  bcö 
$.  ®.  93.)/  tiid^t  ju  entbehren,  meit  fonft  ein  berartigeö  ©rmerbögefd&äft  über- 
l^aupt  nid^t  betrieben  merbcn  fann. 

Die  Slufna^mc  bcr  nur  bcn  Starafter  einer  Crbnungöüorfd^rift  an  fid^ 
tragenben  Seftimmung  bcö  §  1675  Slbf.  2  ift,  rocnnglcid^  bicfclbe  an  ftd^  alö 
cntbc^rlid^  crad^tct  merben  fann,  bod^  a(ö  angemeffen  crad^tet,  5uma(  anä)  bic 
preufe.  aSorm.  D.  §  45  einen  öl^nlid^cn  ^inroeiö  enthält. 


bie  ®rtl)eilun9  ber  fiicr  ftaglii^en  ©nnäi^tigunfl  nur  burt^  Slufno^me  in  bie 
SeftaDung  (§  1645  äCtif.  2)  etfolsen  fönnc,  ber  äJeftaUung  aber,  oim^  btefeüe 
im  Uebrigen  nur  ben  ^arafter  eines  f|eri(E)llid)cn  Scugniffee  ^at  (oergl.  IDtotitie 
iu  §  1645  oben  ©.  1079  ff.)/  ^i^i^  aufina^msroeife  ben  Äaralter  einer  33olImQ(Öt 
naif  ältaggabc  beä  §  121  beijulegen,  fann  nicbt  anecFannt  nierben. 

§  1C76. 

antrofl  1,    jiflg  gemeine  !Hed)t  be^anbelt   ben  Slnlrag    bcS  aSotmunbe«  ouf 

°"  «ints  ""*  S^eilung    eines   gemcinfcf|afllid)en  Oegenftonbes  ata  eine  SJeräufeerung  im 

H4"*'ek°oi'.  ^'""^  bcrjcnigen  iBorfdirift,  nad)  roetdier  jur  SBerän^ening  einer  aÜünbelfai^e 

ft«i.»(^,    bie  oberoormunbyd)oftli(ie  ©cnefimigung  ecforberli(§  ift  (»etgl.  l.  l  §  2,  1.  7 

pr.  D.  de  rebus  forum  27, 9;  1,  17  Cod.  de  praediis  «"t  alüs  rebus  minorum  5, 17). 

33if8  ift  oudt  ber  Stnnbpuntt  bes  fronj.  Sftei^tes  (code  civil  9Irt.  465;  tergl, 

ober  bftflr.  9luSf.  ©cf.  jur  6.  %  0.  n.  23.  Sebruar  1879  ärt.  180;  ^. 

lusf.  @ef.  jur  6.  ^.  0.  d.  4.  3uni  1879  airt.  191).     ©benfo  loirb  für  bie 

preufe.  Sßorm.  D.  ongenommen,  ba§  ber  Slntrog  auf  3:[)eilung  einer  im  aiiiteigen* 

ttjume  beS  ^HlünbelS  fte^enben  unbenieglii^en  @a^e  unter  bie  SQorfc^nft  bes 

!5  42  9Ir.  5  ber  prcufe.  Sorm.  D.  fäHt,  nadti  roel^cr  jur  SBerÖu^erung  einer 

unberocglicEicn  Sacfie  bie  ®cne^mi(iung  bcs  aiormunbfdiaflSgerii^ieB  crforbertiii 

ift  (oergf.  Scrtd)t  ber  ^crrenE)aiiSfommiffion  ©,  60). 

3)a  boS  Ocfcgbuc^  betiufs  3Iuf&ebung  einer  Oemcinfc^aft  ein  ^C^eilungS' 
uerfoOren  mit  fonftitutioem  S^eilung8urtl)ctle  ni^t  fennt,  fo  fann  in  ber  ©tj 
bebung  einer  S^beilnngaftogc  eine  unter  bie  5yorfd)riften  ber  g§  1669,  1671, 
1674  follenbc  SÖeräu^crung  jcbenfaUs  nirfit  gefunben  werben.  3lai^  §  769 
füf)ct  bie  S^btÜungsflage  q[s  fol^e  niemals  ju  einer  ^Jeräugerung  burd^ 
ric^teriicbcS  3^()ei(ung6ucif)eil,  fonbcrit  bas  auf  bie  S^eitungSflage  ergebenbe 
Uribcii  (prid)t  im  J^alle  ber  Sterurtbeilung  bcS  Setiagtcn  nur  aus,  ba%  ber 
(cßtere  uerpfüditct  ift,  btc  3:t)eilung  in  ber  in  bem  Urtl)etle  bejeidineien  3[rt 
gefc^cbeu  ju  Ittffcn.  2)urcEj  ein  folijcs  ju  (fünften  bes  Jtlägers  ergetienbe« 
Urti)ei(  loirb  ber  legtcrc  aud)  nicfit  einmal  mittelbar  ju  einer  ^teraufeerung 
bcs  gemcinf(ftaftlid)en  (Segenftanbes  gcjmungcn,  bn  auö  bem  Urtbeile  nur  er, 
nid)t  aber  and)  ber  ^ctlagte  einen  crimingbarcn  älnfpnii^  ouf  ^^eilung  na^ 
'Äa^gobe  bcs  Uri^eilea  gcroinnl.  ©ine  asieräufeerung  «on  ©eilen  bes  ftlägcrS 
fommt  erft  bann  in  ^rage,  roenn  er  bie  ?b<^t'ui<9  bemnäi^ft  nac^  SHa^gabe 
bes  Urttieiles  in  itoHjug  fegen  roiH.  Sautetc  baS  Uriiieil  auf  Siornabme  einer 
Slaturoltfieilung  in  ©emäfe^cU  befl  §  7(i9  9lbf.  1,  fo  enthält  bie  Uebcrtragung 
ber  nad)  bem  llrtE)eile  bem  ^eflagtcn  juFommenben  STbeile  ober  @egenftänbe 
DOn  Seiten  bea  Jtlägere  on  ben  S8cflag(en  jineifcltos  eine  Steräufeening,  jm 
meli^cr,  roenn  ber  gemeinf$flftlid)c  ©egenftanb  unter  bie  ^iorfi^riftcn  ber 
§§  1669,  1671,  1674  fällt,  bie  (Senebmigung  beä  ®egen»ormunbeö  bejm.  beB 
itonnunbfdiafiegfric^tea  erforberlid)  ift. 

3)agegen  ift  bie  ^rage,  ob,  iuriftifi^  betrad)tet,  ber  Slnlrag,  einen 
gemeinfdjaftlidjen  ©egenftanb  jum  Sroede  ber  äuffiebung  ber  ©emeinfc^afl 
nat^  9)Ia6gobe  bea  §  769  STbf.  2  ju  nerfaufen,  ficd  überbaupt  o[s  eine  Sßer« 


SSormunbf^aft  2C.  UcBcrIaffunfl  \>on  Scrmößcn  an  ben  Wünbcl.  §  1677.     1 149 

äufeerung  borftcUt,  eine  jroeifell^Qftc,  namentlid^,  roenn  man  bie  2Cuffaffunfl 
i\)dlt,  bag  bei  ber  3ii>^^Sd^^^t^i0^^^9  ^^^  Sßeräugerung^  votnn  aud^  auf 
Wxixaq,  burd^  btn  bie  3n><^ngdDerfteigerung  leitenben  Beamten  fraft  Slmtd^ 
geioatt  erfolge.  S5ei  ber  prottifd^en  SBid&tigfeit  ber  grage  barf  baö  (Sefefe  bic^ 
fette  nid^t  unentfd^ieben  laffen.  SBetd^e  Slnfid^t  oont  rein  iüriftifd^en  ©tonb* 
punfte  aud  ben  93or}ug  Derbient  !ann  ba^ingeftellt  bleiben^  ba  iebenfaUd  üom 
©tanbpunfte  bed  Snterefleö  bcö  Äinbeö  auö  fein  Sebürfnig  oortiegt,  ben 
bejeid^neten  Eintrag  an  bie  @enel)migung  bed  SSormunbfd^aftgerid^ted  }u  binben. 
5Die  Herbeiführung  ber  2^öei(ung  eines  gemeinfd^oftlid^en  ©cgenftanbeö  ift 
etroaö  burd&  bie  3latnx  beö  SSer^ältniffeö  Oebotencd  unb  liegt  im  natürlid&en 
©ntmidfelungögonge  einer  Oemeinfd^aft.  Um  fo  unbebenflid^er  ift  eö,  Don  ber 
$Rot^n)enbigfeit  ber  ©enel^migung  beö  (Segenoormunbcö  bejm.  beö  SJormunb- 
fd^aftdgerid^teö  l^ier  abjufel^en^  alö  bie  2:^eilung  aud^  gegen  btn  äSiUen 
bcÄ  SSormunbed  von  ben  anberen  2^^eil^abern  ber  ©emeinfd^aft  burd&gefefet 
merben  fann. 

2.  3n  ben  3»otiDen  ju  §§  1669  unb  1674  oben  ©.  1124,  1138  pnb  We  fjj^"^^™;;^ 
®rünbe  bargetegt,  auö  meldjicn  ber  ©ntmurf  üon  ber  Siegel,  ba6  ju  ber  JBer- Jouiiredunft«- 
äufeerung  ober  a3eloftung  eine«  unter  bie  §§  1669,  1671,  1674  foUenben  »«^^'»^'^«'• 
©egenftanbeö  bie  ©enel^migung  bed  ©egenoormunbeö  be^m.  bed  ^^ormunbfd^oftö^ 
gerid&teö  erforberlid^  ift,  aud&  für  ben  gaU  feine  3ludnal>me  mad&t,  wenn  eine 
SJerpflid^tung  beö  3Hünbelö  ju  einer  fold^en  SJeräufeerung  ober  Selaftung 
befte^t.    2)agegen  fann  bie  (Genehmigung  beö  Oegenoormunbeö  ober  beö  SSor- 
munbfd&aftögerid^teö  ju  ber  aSeräufeerung  ober  93elaftung  eincö  Ocgenftanbeö 
im  2J8ege   einer   gegen  ben   äWünbel   gerid^teten  3w)angöt)oUftrecfung   nid^t 
erforberlid^  fein.    5Da  inbeffen  aud^  eine  im  SBcge  ber  ^wöngöooHftrecfung 
erfolgenbe  SBeräufeerung  fid^  alö  eine  3Jeräu§erung  von  ©eiten  beöjenigcn  auf= 
faffen  lägt,  gegen  meldten  bie  3n>o^S^ooDft^^äung  ftd^  rid^tet,  fo  ift  eö  nad^ 
bem  aSorgange  ber  preu|.  aSorm.  C  §  42  9Jr.  5  jur  aSermeibung  von  3n)eifeln 
alö  ratl^fam  erad^tet,  jenen  ©ag  im  @efege  auöbrücflid^  auöjufpred^en. 


§  1()77. 

aCBegen  ber  »egrünbung  beö  §  1677  wirb  auf  bie  iSfloiivt  ju  bem  §  1512,  lu&^rtonung 
meld^er  bem  §  1677  entfpric^t,  oben  ©.  767  ff.  Sejug  genommen.  ben  wunbci. 


§  1678. 

3n  ber  allgemeinen  Segrünbung  ju  biefem  Slbfd^nitte  unter  3lx.  III  oben  «"^»'»«fl 
©.  1012  ff.  ift  bereitö  barauf  ^ingeroiefen,  bag  aud^  fold^e  3?ed^te,  meldte  bie  Ober*  »anM^Vc. 
pormunbfd^aft  in  bie  §anb  ber  (Sendete  legen,  beftrebt  gemefen  flnb,  ber  gamilic 
beö  aWünbelö  einen  geroiffen  ®influ6  auf  bie  güfirung  ber  aSormunbfd^aft  ju 
fidlem,  inbem  pe  t^eilö  jum  3n)edfe  ber  gutac^tlid^en  aWitmirfung  ber  gamilie  ein 
nad^  beftimmten  9tegeln  }ufammengefegteö  förmlid^eö  f^amilienorgan,  einen 
beratl^enben  Familienrat^,  fd^affen,  mie  bie  bab.  (Sefefegebung  unb  ber  ^eff. 
©ntmurf,  tl^eilö  baö  aSormunbfd^aftögerid^t  in  formell  freier  gCSeife  auf  ben 
oon  il^m  nad^  feinem  @rmef[en  ober  in  n)id^tigen  älngelegen^eiten  einju^olenben 


1150     SJormunbfd&aft  üBcr  üRinbeci.   Anhörung  üon  aScrwanbtcn  k.   §1678. 

diati)  Don  Slngcfiörigen  bc8  ÜRiinbcIö  ocrroeifen,  n)ic  bicö  namentlid^  naäf  bem 
prcufe.  31.  S.  SHv  bcm  öftcrr.  unb  bem  fäd^f.  ®.  33.,  foroic  nad^  bcm  rocimar. 
®cf.  V.  27.  aKärj  1872  b^r  gall  ift.  (Smcn  cigent^iimlid^cn  SBcg  ^at  in  bcr 
fjicr  fraglid^en  33cjicl^ung  bic  preufe.  38orm.  D.  §  55  9lbf.  1  cingcfd^Iagcn.  ©ic 
vcxpf[\6)iti  baß  SBormunbfd^aftögcrid^t,  Dor  einer  oon  i^m  ju  treffcnben  3ln« 
orbnung  auf  9lntrag  beä  SBormunbeö  ober  beö  Oegenoormunbeö  ober  eincö 
aSenoanbten  ober  SBerfd^roägerten  bcö  SKünbefe  brei  oon  ben  näheren  33er? 
loanbten  ober  SScrfd^roögerten  beöfetben,  fofern  fte  o^ne  SSerjug  erreici^bar  ftnb, 
gutad^tlid^  ju  Igoren.  ®ö  fielet  i^m  frei,  aud^  ol^ne  Slntrag  SBerroanbte  ober 
SSerfd^roägertc  beö  ajlünbelö  gutad^tüd^  ju  l^ören.  2)ie  jefeige  gaffung  beö  §  55 
9lbf.  1  ber  preufe.  SBorm.  D.  flammt  aud  ber  Slommiffion  bcö  ^errcntiaufeö 
(üergl.  33erid[|t  jener  Stommif jton  9lr.  39  ©.  69  ff.),  ©ie  rourbe  namentlid^ 
t3on  ben  SR^einlänbern  als  (Srfaft  für  ben  gamlfienrat^  beö  r^ein.  Sled^teö, 
loeld^en  ber  ©ntrourf  ber  preufe.  SJorm.  D.  nur  in  fel^r  befd^ränfter  SBcife  ju- 
laffen  wollte,  befürwortet  unb  in  biefem  ©inne  t)on  ber  ^Regierung  gebilligt. 
3)ie  33eftimmung  ift  bann  flehen  geblieben,  aud&  nad&bem  in  ber  33orm.  D.  bcr 
Familienrat^  in  weit  größerem  Umfange  fafultatio  jugelaffen  unb  bamit  ber 
uäd^fte  (Srunb,  meld^er  jur  9lufnal^me  berfetben  geführt  ^atte,  weggefallen  mar. 

Slud^  ber  ©ntmurf  \)&H  eö  im  SntercRe  beö  3ßünbelö  für  angemeffen, 
ber  gamilic  beöfelben  eine  gutad[)tlid^e  SRitroirfung  bei  gü^rung  bcr  SBor? 
munbfd&aft  ju  fidlem;  er  ge^t  aber  weiter  baoon  aM,  bafe  für  biefe  SKit? 
mirfung  bie  freie  gorm  ben  ^Sorj^ug  oerbient,  ba^  eö  inöbefonbere  rid&tiger  ift, 
über  3ö^l  unb  ©rabeänöl^e  ber  ju  l;5renben  33ermanbten  unb  SBerfc^mägcrten 
nid^ts  JU  bcftimmen,  auc^  feine  jmingenbcn  33orfd^riften  über  bie  3lrt  il^rcr 
SSernel^mung  aufjunel^men.  S)er  tjormunbfd^aftlid^cn  aScrroaltung  wirb  gerabe 
bann  am  beften  gebleut,  rotnn  in  biefer  §infid&t  SllleS  bem  freien,  geroiffen? 
t)aften  ©rmejfen  beö  93ormunbfd^aftdgerid&ted  überladen  bleibt;  bad  SBormunb* 
fd^aftdgerid)t  ift  bann  in  ber  Sage,  gerabe  fold^e  SBermanbte  ober  SSerfd^mfigcrtc 
beö  3Rünbetö  ju  Igoren,  bei  meldten  cd  bie  reinfte  Dermanbtfd&aftlid^e  Oefinnung 
gegen  ben  3Rünbel  ober  bie  meifte  ©ad^fenntnife  Dorauöfefcen  barf;  cd  erfährt 
im  SBege  münblid^er  Sefpred^ung  ober  eineö  ^rioatbriefmed^felö  häufig  mctir 
alö  burd^  eine  förmlid^e  SSerne^mung.  2)iefe  SRoglid^feit  Derfd&licfet  man  i^m 
aber  fad^lid^,  wenn  man  i^n  an  ben  amtlid^en  33eirat^  beftimmter  gamilicm 
mitglieber  uermeift;  benn  in  biefem  galle  liegt  in  ber  3"^öt^cjlc^ung  anberer 
35erroanbten  unb  SBerfd^mägerten,  mag  fie  öffentlid^  ober  gemiffermafeen  hinter 
bem  3lürfen  ber  berufenen  gamilienrat^dmitglieber  gefd&e^en,  leid&t  ttroa&  ®c* 
Ijäffigeö.  Den  fog.  berat^enben  gamilienrat^  trifft  in  ber  S^^at  biß  ju  einem 
gemiffen  (Srabe  ber  aSorrourf  einer  l^albcn  SKaferegel.  3Kan  übernimmt  bamit 
roefentlid^e  SRad^t^eile  beö  franj.  ©i)ftemeö,  o^ne  bie  biefem  in  feiner  DolIen 
©urd^fül^rung  mieber  cigent^ümlid&en  aSorjüge  ju  crreid^en.  S)ie  Dorftefienben 
(Sefid^töpuntte  fpred^cn  jum  Slfieil  aud^  gegen  htn  von  ber  preufe.  SSorm.  O. 
eingefd^lagenen  SBeg  infomeit,  als  banad^  bad  93ormunbfc^aftdgerid^t  auf  Eintrag 
ber  bort  bcjeid&neten  ^ßerfoncn  ocrpflid^tet  ift,  brei  von  ben  naiveren  SBermanbten 
ober  aSerfc^roägerten  beö  9Künbelö  gutad&tlid^  ju  §oren. 

9luf  ber  anberen  ©cite  gel^t  ber  ©ntmurf  über  ben  Don  ben  beutfc^cn 
®efefegebungen  regelmäßig  feftgel)altenen  ©tanbpunft  infofern  ^inauö,  ate  er 


S8onnunbfd6aft  über  SKinbcri.  Stn^örung  bc8  ©egentoormunbeö.  §  1679.     1 151 

bem  SBormunbfc^aftdgerid^te  nid^t  nur  freifteQt  fonbern  baefelbe  audbrücflic^ 
Dcrpftid^tct,  Dor  einer  i^m  juftel^enben  ©rttfd^eiburtg  auf  Slntrag  bcö  SBormunbeö 
ober  ©cgcnDormunbed  unb  in  wid&tigen  Slngclegen^citen  (Dergl.  aud^  §  1657) 
Don  3lmtdTücgcn  aSemjanble  ober  33erfd^n)ägcrte  bcö  aWünbete  gutad^tlid^  ju 
pren,  fofern  bieö  ol^ne  er^eblid&e  aSerjögerung  \mb  o^ne  unoerl^ältnigmäfeige 
koftcn  gcfd&el^en  fann.  6d  foü  baburd^  bem  ©ebanfen  ein  beftimmterer  SIuö* 
bruä  gegeben  roerben^  bag  bad  ©efeg  grunbfäg[id^  barauf  98ertf|  (egt^  ben 
SufQmmen^ang  ber  i)ormunbfd)aftIid&en  SSerroaltung  mit  ben  3lnfd&auungen 
ber  gami[ie  beö  3Künbete  ju  pflegen,  unb  bafe  boö  3}ormunbfd)aftögerid^t  in 
mid^tigen  3Ingctegen^eiten  regetmöfeiger,  als  bieö  in  ber  bisherigen  5ßrajiö 
gefc^e^en  fein  mag,  fid^  über  bie  Slnfic^ten  ber  näd&ftcn  ^Angehörigen  beö 
SWünbelö  ju  nergerolffern  t^erpflid^tet  fein  foü. 

SBic  bie  gaifung  beö  §  1678  Slbf.  1  crgicbt,  f)at  bie  ^ier  fragtid^e  ^t^  ^arafter  ber 
ftimmung  übrigens  nur  ben  Slarafter  einer  Drbnungöoorfd^rift  (oergl.  aud^   '^ovw-\\t. 
preufe.  SSorm.  D.  §  55  3lbf.  4).    S)ie  2Bir!famfeit  ber  ©ntf^cibung  Don  ber 
Seobad^tung  ber  SBorfd&rift  beö  §  1678 .9lbf.  1  abl^ängig  5u  mad^en,  mürbe, 
abgefe^en  oon  ber  Unbeftimmtf)cit  beä  93egriffcö  einer  roid&tigen  3lngelegertf;eit, 
JU  meit  gefien. 

2)aö  fäd^f.  ®.  8.  §  1882  beftimmt,  bafe  bie  oom  aSormunbf^aftdgerid)te  ^li^terjiDinfl. 
aufgeforberten  SBermanbten  ober  SSerfd^mägerten  beö  ÜJlünbelö  i^rcn  diaÜ)  ol^ne 
cr^eblic^e  (Srünbe  nid^t  üermeigem  bürfen.  Sine  berartige  33orfd&rift  \)at  ber 
(Sntmurf  nid^t  aufgenommen,  ba  biefelbe  einen  praftifd^en  Stufen  nid^t  ju 
gemä^ren  üerfprid&t.  ©in  Statin  na^er  9lnge^5riger  beö  aWünbcIö  toirb  reget 
mäßig  nur  bann  non  SBertl^  fein,  menn  er  freimillig  ertl^eilt  wirb. 

®ine  SeloJ^nung  follen  bie  aSermanbten  ober  SBerfd&mfigerten  beö  SRünbelö  js«i«»  ^" 
für  bie  ©rt^eilung  beö  ©utad^tenö  nid^t  in  9lnfprud&  nel^mcn  förtnen.  ©agegen  '^"*^"^*"' 
ift  eö  rat^fam,  benfelben  baö  SRed^t  beijulegen,  oon  bem  SKünbel  ©rfafe  ber 
i^nen  entftanbenen  baaren  3luölagen  ju  forberrt  (oergt.  aud^  fäd^f.  @.  93.  §  1882). 
SBürbe  man  i^nen  biefeö  SRed^t  oerfagert,  fo  ift  ju  beforgen,  baß  ber  Qroti 
beö  §  1678  in  oielen  ^fiUen  oerfel^It  werben  mürbe,  ba  bie  aSermanbten  ober 
aSerfd^roägerten  beö  SBünbelö  nic^t  immer  in  ber  Sage  ober  gemiUt  finb,  bie 
baaren  äuötagen  felbft  ju  tragen.  2luf  ber  anberen  ©eite  fefjlt  eö  aber  an 
einem  93ebürfniffe,  über  bie  S3eftimmung  beö  §  1678  ^inauöjuge^en  unb  etwa 
bie  SBorfd^riften  beö  §  1698  auf  bie  SBermanbten  unb  SSerfd^mägerten  beö 
aWünbelö  für  entfpred^enb  anmenbbar  ju  erflären  (oergl.  auc^  §  1720). 

®ic  aSeftimmung  beö  §  1678  äbf.  2  ©afc  2,  bafe  ber  SÄnfprud^  auf  ©rfag 
ber  baaren  Sluölagen  in  Slnfe^ung  beö  Setrageö  nid^t  projeßfä^ig  fein,  fonbern 
ber  lefetere  oon  bem  SBormunbfd^aftögerid^te  feftgefefet  werben  foU,  empfiehlt 
ftd^  auö  ©rünben  praltifd^er  3n)edmä6igleit  unb  im  ^inbliäe  auf  bie  Slnalogie 
ber  geftfefcung  ber  3ci*9^nflc6ü^i^cn  (oergl.  aud^  §  1720). 


§  1679. 

5Die  aSorfc^rift  beö  §  1679,  meiere  auf  berßrmägung  beruht,  baß  eö  imanöömn^bos 
3nteref[c  einer  fad^gemäßen  ©ntfd&eibung  beö  SSormunbfd^aftögerid^teö  liegt,  ^o®X"be.5. 
wenn  baö  lefetere  bei  ^Prüfung  ber  grage,  oh  ju  einer  ,^anblung  beö  SBor* 


1152     SSormunbfd&aft  über  2»inbcria5nge.    anßöruno  be§  aWünbelS.   §1680. 

i 

munbcö  bic  crforberlid^c  ©cnc^migung  ertl^eilt  rocrbcn  foU,  fid^  nic^t  Icbiglii^ 
auf  bic  9luötunft  bes  5Bonnunbcö  befd^ränft,  fonbcru  vor  feiner  ©ntfd&cibung 
auä)  ben  ©egenüormunb  l^ört,  fofern  ein  fold&cr  beftcüt  roorben  ift,  fd^Iiefet  fic^ 
ber  preufe.  SBomt.  D.  §  55  3lbf.  2,  3  an.  S)a  bcr  §  1679  aud^  auf  folc^e 
gälle  Slnroenbung  finben  foll,  in  roeld^en  nid^t  bic  ©enebmigung  ju  einem 
SRcd^tSgefd^äfte,  fonbern  ju  einem  faftifd^en  ^anbeln  beö  33ormunbeg  in  gragc 
fte^t  (üergl.  §  1663),  fo  ift  ber  9ludbru(f  ,,su  einer  ^anblung  bcö  aSormunbeö" 
gebrandet. 

SBegen  ber  gaffung  ,,n)enn  ein  fotd^cr  beftcBt  morben  ift"  oergt.  bie 
a)totioe  ju  §  1666  oben  @.  1118. 

3n  Uebercinftimmung  mit  ber  preufe.  SSorm.  D.  §  55  3lbf.  4  ^at  bie 
aSorfdfjrift  beö  §  1679  nur  ben  Äarattcr  einer  Drbnungöoorfd^rift.  2)ie  SBirf* 
famfeit  ber  ertl^cilten  Oene^miguijg  von  ber  Seobad^tung  ber  SBorfd^rift  beö 
§  1679  abl^ängig  ju  mad^en,  mürbe  mit  ber  ©id^er^eit  beö  3Jcrte^re6  nic^t 
oereinbar  fein. 

§  1680. 

atn^örung  be4  <S)\c  au  öfinlid^c  SSorfd^riftcu  neuerer  (Sefege  (tjcrgl.  preufe.  3(.  S.  9?.  II,  18 

wünbeu.  gg  243—246,  330,  II,  2  §§  110,  112,  115;  preufe.  SBorm.  D.  §  55  3lbf.  3,  4; 
fäd&f.  0.  33.  §  1922  nebft  ber  prooif.  ©er.  D.  §  20;  roeimar.  ®ef.  d.  27.  aWärj 
1872  §  104;  brem.  3Sorm.  D.  §§  71,  74;  bai)r.  (Sntro.  3lrt.  55)  fic^  am 
lel^nenbe,  ben  Saratter  einer  OrbnungöDorfd^rift  an  fid^  tragenbe  SSorfd&rift 
beö  §  1680  beni^t  auf  bem  (Sebanlen,  bag  eö  eine  angemeffene  (Semfi^r  für 
bie  3intereffen  beö  SHünbefö  bietet,  wenn  bem  Söormunbfd^aftögerid^te  bie  ^flid^t 
auferlegt  mirb,  ben  3KünbeI,  meld^er  bereitö  baö  ad^tjcfinte  üebcnöiafir  jurürf- 
gelegt  l^at  unb  bei  meld^em  beö^alb  baö  erforberlid^e  '^erftdnbnig  Dorauögefegt 
werben  barf,  in  fold&en  gölten  Dor  ber  ©ntfd&eibung  über  bie  ©encl^migung  ju 
einer  .^aublung  bcö  33ormunbeö  ju  t)ören,  in  meldten  eine  ^anblung  in  grage 
ftel^t,  meldte  il^rer  33efd^affenl;eit  nad^  für  bie  aSer^ättniffe  beö  aRünbelö  von 
befonberer  SBid^tigfeit  ift,  namenttid^  auf  bie  perföntid^en  SSerl^ältniffc  unb  bic 
fünftige  ficbcnöftcllung  bcö  SKünbcIö  einmirft  (oergl.  aud^  §  1341  9lbf.  2, 
§  1431  aibf.  2,  §  1657).  SBcnnglcidö  bie  öeftimmung  bcö  §  1680,  foroeit  bie* 
felbe  auf  bie  im  §  1674  3lv.  1,  2,  5  bcjeid^neten  SRcd^tögefdfiäftc  ftd^  erftredEt, 
einjcine  gäUe  umfaßt,  auf  meldte  bie  ratio  berfelbcn  roeniger  jutreffen  mog  unb 
für  meld&e,  menn  fie  allein  in  gragc  ftänbcn,  feine  genügcnbe  SJeranlaRung 
oorlicgcn  mürbe,  bie  S^ji^^w^S  i>^ö  aWünbclö  üorjufd^rciben,  fo  fprid^t  boc§ 
bcr  ©eftd^töpunft,  bafe  in  ben  9irn.  1,  2,  5  beö  §  1674  ben  (Snmbftücfen  bic 
Siedete  an  ©runbftüdfcn  mit  3luönal)me  ber  §i)pot^efen  unb  Orunbfd&ulbcn 
unb  in  ben  9irn.  1,  2  bcr  aSeräugerung  bie  Selaftung  glcic^gefteDt  ift,  bofür, 
l^ier  in  gleid^er  SBcife  ju  Dcrfa^rcn,  alfo  bie  3iiji^'^w"9  ^cö  SKünbclö,  au^er 
ju  ben  in  3lx.  14  bejeid^neten  SRed^tögcfd^äftcn,  ju  allen  Slcd^tögcfd^äften  oor- 
äufd^rcibcn,  meld&e  baö  Smmobiliarocrmögcn  beöfelbcn  im  ©innc  ber  3flm.  1, 2 
beö  §  1674  betreffen  ober  ben  cntgcttlid^en  (Srmerb  von  3mmobi[ian)ermögen 
im  Sinne  bcr  3lxn.  1,  2  beö  §  1674  jum  ©egenftonbc  ^aben.  3nöbefonbere 
mürbe  eö  bebcnflid^  fein,  bie  Sclaftung  cineö  Orunbftüdfeö,  namcntlid^  mit 


aSonnuubfdfeaft  ?c.  Äaraftcr  bcr  ©eneljmiounö  bcö  3>orm.  ®cr.  §  1681.     1 153 

(Srunbgcrcd^tigfcitcn,  ganj  ouöjufd^ncßcn,  ba  bcrartigc  Sclaftungcn  bcu  Äaiaftcr 
beö  (SrunbftüdEeö  unter  Umftänbcn  TOefcntnd^  t)cränbern  unb  bcnt  ©igcnt^ümcr 
ben  Scfiß  bcöfelbcn  tJöUig  verleiben  fönuen.  (Sine  fafuiftifd^e  Untcrfd^eibung 
ift  aber  nid^t  olö  angemcffen  ju  erati^ten. 

2)a6  eß  bem  SBormunbfd^aftögeric^te  frei  fte^t,  aud^  in  anbcrcn  als  bm 
im  §  1680  bcicid^neten  gällen  üor  feiner  ©ntfd&eibung  ben  SWünbel  jii  Ijören^ 
ücrfte()t  fid^  ton  felbft. 

Gbenfo  betrachtet  ber  ©ntrourf  ed  als  eine  felbftDerftänblid^e,  burd)  bie 
Dormunbfd^aftfid^c  Sierroaltung  begrünbete  5ßf[id^t  beö  SJormiinbcö,  in  geeigneten 
gällcn  ben  reiferen  äRünbel  t)or  ber  9luöfül^rung  n)id)tigcr  33ern)altungö* 
maßregeln  ju  I)ören,  namcntUd)  wenn  eö  fi(^  um  aWagregeln  f)anbelt,  weld&e 
bie  5ßerfon  beöfelben  betreffen  unb,  wie  j.  S9.  bic .  Seftimmung  bes  S3erufcö, 
burd^  bie  Sieigungeu  unb  bie  8Bünfd)e  beö  ÜRünbetä  felbft  mit  bebingt  fmb. 
3n  meldten  gäUen  biefe  WW  eintritt,  läfet  fid^  im  3Sorauö  gefefelic^  nid)t 
genauer  beftimmen;  eö  f;ängt  bieö  mefentlid^  ab  von  ber  Stnroefen^eit  beß 
üDtünbefö,  bem  ®rabe  feiner  6inrid)t  unb  ber  9lrt  ber  ju  treffenben  aWafercget. 


§  1681. 

^a  bie  ju  einem  9icd)tögcfd)äftc  erforber{id)e  ®encl;migung  bcö  SSor-    Aiarcrfter 
munbfd^aftögeric^teö  infofern,  atö  fie  bie  aSertretungömadit  beö  Sßormunbcö  ju  ging^bT/lo» 
befd&rÄntcn  bejmedEt,  bcnfelben  Äarofter  l;at,  mic  bie  ju  einem  9led)tögefd^äftc  «««Woftfl- 
beö  äWünbelö  erforberlid)c  ©inroilligung  ober  (Sene^migung  beö  SBormunbeö,    ®'^ 
fo  muß  bie  3lnaIogie  bal;in  fül^ren,  ber  ©cne^migung  beö  ajormunbfd^aftß- 
gerid^teö  im  5ßrinjipe  unb  im  3nigemeinen  biefclbe  red^ttid^e  33ebeutung  bei^^ 
julegen,  meldte  nad^  ben  33orfd^riftcn  beö  §  65  Slbf.  3—6  ber  ©inroiUigung 
bejro.  ber  ©ene^migung  bcö  33ormunbeö  ju  einem  Sled^tögefd^öfte  beö  SRünbetö 
jufommt  (oergl.  auc^  preufe.  SBorm.  C  §  46). 

3m  ©injelnen  ift  ju  ben  Scftimmungen  bcö   §   1681  golgcnbcö  ju 
bcmerfen. 

1.  SBie  auö  §  65  3lbf.  3  uerb.  mit  §  127  Slbf.  1  fid&  ergiebt,  fann  bie  ajorflängiÄe, 
ju  einem  5led)tögefdEiäfte  bcö  aWünbelö  erforberlic^e   ©inroiUigung  beö  SBor- 
munbeö  forool^t  gegenüber  bem  äWünbel  ote  aud^  gegenüber  bem  onberen  Se^ 
t()eiligten  erflärt  werben.    3n  Grmangelung  einer   entfpred^enben  SSorfd^rift 

mürbe  nad^  §  127  Slbf.  1  aud^  bie  tjorl^erige  ©enel^migung  beö  SBormunb^ 
fd^aftögerid^teö  nid^t  nur  gegenüber  bem  SSormunbe,  fonbern  aud^  gegenüber 
bem  2)ritten  mirffam  erllärt  merben  fonnen.  Sefetereö  entfprid^t  aber  meber 
ber  ©tellung  beö  SSormunbfd&aftögerid^teö,  nod^  ber  beö  SSormunbeö.  2)er  erfte 
3tbf.  beö  §  1681  beftimmt  bcö^alb,  bofe,  menn  ju  einem  SRed^tögcfd^äfte  bie 
(S)enel)migung  beö  3Sormunbfd^aftögerid^tcö  erforberlid^  ift,  biefe  ©enel^migung 
im  aSorouö  nur  gegenüber  bem  Sßormunbe  erflärt  werben  fönne. 

2.  2)ic  aSorfdhriftbcö  §  1681  3lbf.  2  entfpridbt  bem  §  65  3tbf.  3  ©afe  2.  na<^traöH<^e 

3.  9luö  ber  SSorfd^rift  beö  §  127  9(bf.  1  mürbe  in  ©rmangelung  einer  be^  gun«;  »er. 
fonberen  Seftimmung  folgen,  bafe  bie  ©enel^migung  bcö  SBormunbfd^aftögerid^teö  "*{J!J^en!^*'^ 
ober  bie  SBermeigerung  ber  ©eneljmigung  bem  bct^eiligten  ©ritten  gegenüber 

SRotioe  }.  bflrgerl.  Oefe^bue^.  IV.  73 


Itqon  oaoüia)  ziiirtiainieii  enangtc,  uoß  uie  Deiverreni'e  ^errugung  uem 
©ritten  ober  bem  aSormunbe  oon  Seiten  beS  3Jotmunbfrf)Qft6gcti^te8  mits 
get^eUt  iDütbc.  3n  biefer  93ejiel)unfl  enthält  ber  §  1681  Slbf.  3  ©Q^  1  bie 
abtoeic^enbc  33orfi$rtft,  bog  bie  nadjträQCiifie  Genehmigung  bee  $onnunbfc^afts= 
getii^teB  foroie  bie  Sßcrroeigerung  biefer  ©eneltmigung  gegenüber  bem  anbeten 
33ertragfc(iliegcnbcn  nur  boburi^  SBirf[amfeU  erlangt,  bag  fie  betnfelben  burc^ 
ben  SSomninb  mitget^eilt  roirb.  SJiefe  mit  ber  Sßorftlirift  be«  §  1681  9lbf.  1  im 
@inflauge  fte(|enbe  9(rt  ber  Sf{ege(ung  entfprid)!  ntdit  aDein  bet  prinjiptellen 
Stellung  beS  SßormunbeS  als  be«  Meptäfentantcii  be«  aWünbclfl  na^  aufeen, 
fonbern  uerbient  aud)  oom  Stanbpunfte  beö  2!>iterejiefi  befl  ^Aünbels  au0  um 
beeniiUcn  ben  iGoigug,  meil  ^le  bem  ^ormuiibe  bie  ^itöglidileit  getoä^rt,  bie 
SBerfügung  beö  Sßormunbfc^aftageri^te«  im  aSege  ber  Sefdttroerbe  mit  Scfolg 
anfeilten  ju  Tonnen,  roenn  biefetbe  bem  3ntercffe  be8  Sftünbels  na^  feiner 
Slnfid)!  miberftreitct. 

^^t*M  ®"  formale  Äonlequenj  beS  bem  §  1681  ju  ©runbe  liegenben  $rin= 

snntunM.  Mpcfi  tn  SScrbinbung  mit  bem  §  65  9Ibf.  4  roiirbe  roeiter  ba^in  führen, 
mtc  in  bem  galle  beö  §  65  äbf.  4  bem  33linberiä^rigen,  fo  ^ier  bem  93or= 
munbe  ben  ^Jücftritt  non  bem  Vertrage,  (otange  bie  Genehmigung  bee  9Jot> 
munbfd&oftögerii^te«  nidjt  oeriDcigert  ift,  ju  uerfagcn.  Sfnbeffen  ber  materielle 
©runb,  anf  roeld)cm  bie  Sefttmmung  befl  §  65  9lbf.  4  benit)t,  nämlidEi  ber 
Oerti^tßpunft,  ba6  ber  SUinbcrjäfirige,  roeil  er  in  ber  ©efc^öftfifö^igtett  bc 
fdiränft  ift,  aud)  bie  iljm  burrf)  ben  9tbfct)[u6  beö  SßertrageS  crroorbene  günfiige 
^ofttion  ber  Binbung  beö  anberen  a^tiettcs  nic^t  oufgeben  fann,  trifft  für 
ben  Sjormunb  in  bem  tn  ^cbe  ftc^enben  f^aUe  ni^t  )u.  2)(e  SJertretungS^ 
modtit  beä  SSormunbeö  ift  grunbfäglid)  eine  unbef^räufte.  3n  ermongelung 
einer  entgegenfte^enben  pofttitien  Beftimmung  fann  er  beötialb  in  ^äQen  ber 
£)ier  fraglii^en  ävt  oui^  ouf  bie  burdi  ben  Slbf^lufe  beS  SBertragefl  bem 
^iinbel  erraorbeiie  günftige  ^ofition  loirffam  Derjic^ten.  @in  ^ebürfnig,  tn 
biefer  9ejie()nng  bie  ^ertretungsma(i^t  bcS  iQormunbefi  ju  bef($rän!en,  liegt 
Hill  fü  iUL'iUiicr  liüf,  nlö  ci  und)  eine  uaii  bem  Siitti'u  gcmürfjtt,  Üicfcii 
binbcnbc  Offerte  objuleljnen  befugt  ift.  aSeilec  fommt  in  Sctroi^t,  ba%  naäi 
§  1681  9(bf.  3  gegen  ben  SBißcn  beä  iOormunbrs  ein  9Icd)t9gefciiäft  burcfe  bie 
G5eHel)migung  beö  3>ormuiibfd)Qfl4gerid)teß  ofineI)in  iiidit  loirffom  locvben  tonn. 
©cftattct  man  aber  bem  SBocmunbe,  non  bem  SJcrttnge  juräcfgutreten 
(g  1681  3I6f.  3  eng  2),  fo  ift  es  fonfequeut,  aud)  ben  8  65  3Ibf.  5  mir  mit 
ber  a)InfjgQbf  I)ier[)cr  ju  übertragen,  bafe  bie  bort  bcjeii^ncte  9tufforbcrung 
nii$t  (in  baä  3iormunbfdiQftfigerid)l,  fonbern  nn  ben  SSormunb  ;u  cridüeu  ifl 
unb  in  einein  fold)en  gallc  bie  Uniulrffamfeil  beö  SJertragcfi  boDon  ab^Öngi)] 
gcmadjt  luirb,  ba^  ber  aSormiinb  innerl)nlb  ber  bcftimmteu  grifi  bem 
anberen  ^Uertragftölicßciiben  bie  Ocnc&migung  bcs  a?ormunbfi^flftflgerid)te6 
nid)t  mittl)cilt, 
»tni.u«g  i.  s^ic  iöorf(ftrifl  beö  §  1681  9H)f.  4  fd)liefit  [lä)  mit  ber  nus  §  1681 

^'z^«!""  3Ibi.  ;J  £a&  2  ficb  ergcüenbeti,  unter  9Ir.  3  91bf.  2  gcrcd)tfcrtigtcn  SDIobintotion 
bem  §  Co  3rbf.  4  an. 

BtmBmijuno  5.    Xxe  'Borfdinft  beö  g  HiSl  9Ibf.  5  übcrfc^t  ben  §  65  Bbf.  6. 


®ene6m.  b.  ©cGeutJorm.  §  1682.  JJürforgc  2C.  b.  »orm.  ®crid6te§.  §§  1683, 1684.  1155 

6.  9luö  bcm  ^vinjipc  bcö  §  1681  9lbf.  2  in  aSerbinbung  mit  §  127  »tttfroirfun« 
W)l  4  crgicbt  fid^  t)on  fcfbft,  bafe  bic  nod&träglid^c  ©encl^migung  bcö  SSor-  „e^^ 
ittunbfd^aftögcrid^tcß  ju  einem  aSertragc  in  glcid^er  SBeife,  mie  bie  Oencl^migung 
ieö  gefegUd^en  aSertrcterö  m6)  ÜRafegabc  bcß  §  127  3lbf.  4  rücfroirfcnbc  Straft  Ijat. 


§  1682. 

3)ic  cntfpre^cnbc  Slnroenbung  ber  SSorfd^riften  beß  §  1681  auf  biejenigen  ^a^ohtt  hn 
gällc,  in  weld^en  ju  einem  SRed^tögefd^äfte  bic  ©encl^migung  bcö  ©egcnpor?  ^*S^^* 
munbcö  ober  an  Stelle  berfelben  bie  Ocncl^migung  bcö  SSormunbfd&aftögerid^teö  »o"»"»^»«»- 
erforberlid^  ift  (§  1669),  rcd^tfertigt  fid^  wegen  ©leid^l^cit  beö  (Srunbcö  (Dcrgf. 
cnö)  preufe.  SSorm.  D.  §  46). 


III.  SlOgemeitte  itirforge  nnh  Stttffid^t  bed  Sormttnbfd^aftSgerid^te». 

§  1683. 

S)ic  SBeftimmung  bcö  §  1683  eröffnet  bcm  aSormunbfd^aftögcrid^tc  bie  einnmcuige 
^JJIöglid^fcit  unb  legt  bemfdbcn  jugtcidj  bic  5PfIid^t  auf,  in  fotci^cn  gällcn,  inbe?»omimtM 
njeld&en  für  bcn  äWünbel  ein  SSormunb  nocft  nid^t  beftcDt  ober  ber  befteütc    J^jJJJ^ 
SSormunb  für  bic  ?ßcrfon  ober  baö  SSermögen  bcö  Icfetcrcn  iu  forgen  bcl^inbcrt 
ift,  burd^  einftroeiligc  SJlafercgcIn  bcm  3ntcrcffe  bcö  aWünbelö  ju  ^ülfc  ju 
f ommcn.    3)a  ein  fold^eö  Scbürfnife  norjugöroeifc  in  eiligen  gäUcn  unb  ^äupg 
cufecrl^alb  bcö  Sejirfeö  bcö  regclmäfeigcn  aSormunbfd^aftögcrid^tcö  l^eroortretcn 
wirb,  fo  ift  cö  tjorbcl^altcn,  in  bcm  (Scfcgc  über  baö  SSerfal^rcn  in  SSormunb^: 
-fd^aftöfad^cn  (oergl.  bic  Slnm.  ju  bcm  4.  93ud^c  §§  1227  ff.)  für  bie  3lnorbnung 
ber  I)ier  fraglid^cn  SWafercgcIn  icbeö  Slmtögcrid^t  für  iuftanbig  ju  erflärcn,  in 
beffen  SBcjirfc  baö  Sebürfnife  t^atfäd(|Ii(^  l^croortritt  (Dcrgl.  preufe.  SSorm.  D. 
•§  15;  meimar.  ®ef.  x>.  27.  üJlärj  1872  §  121;  bai)r.  ©ntn).  3lrL  48;  ^eff.  ©ntro. 
IV  3lrt.  20). 

Snroieroeit  baö  SBormunbfd&aftögerid^t  in  bcn  l^icr  in  SRcbc  ftel^enben 
gäUcn  an  ©teile  beö  SSormunbeö  felbft  l^anbcln  ober  jur  Seforgung  ber  ht^ 
treffcnbcn  bcfonbcren  3lngelegenl|cit  einen  5ßflcger  bcftcllcn  roiD  (§  1738),  ift 
■feinem  (Srmeffen  ju  ubcriaffen. 

^anbclt  cö  fid&  um  bic  ©id^erftcUung  eineö  ?Jlad^taffeö,  bei  roeld&em  ein  6i<^eriien»nft 
SWünbcI  alö  erbe  bct^eiligt  ift  (mgt.  preufe.  aSorm.  D.  §  15),  fo  ift  nad^  «a^f^e». 
§  2058  baö  9lad^[a6gcrid^t  juftänbig  unb  Dcrpflid&tct,  t)on  Slmtörocgcn  für  bie 
Sid^cning  bcö  9Jad)Iaffcö  infomeit  ju  forgen,  atö  baö  Sebürfnife  eö  crforbcrt. 


§  1684. 
aBcgcn  ber  Scgrünbung  bcö  §  1684  (Dcrgl.  preufe.  SSorm.  0.  §  51;    ^mt 
1ä#  ®. ».  §§  1880  1881;  baijr.  entm.  9lrt.  6)  loirb  auf  bic  3luöfü^rungcn  ^^'^^ST^ 
4mter  3lx.  rv  ber  allgemeinen  Scgrünbung  bicfeö  Slbfd^nittcö,  oben  ©.  1026  ff.,   «ent^e«. 
tBcjug  genommen. 

73  • 


aJie  cvtoi:OerUd)cii  !Oe)timmungen  über  Die  ijmQiigSfleroait  öca  JüocmuiiDs 
fd)aftdgeri(^tcs,  infibefonbere  über  bad  die^t,  gegen  ben  93onnunb  unb  bcn 
(Segenpotmunb  DtbnungSfttofeit  ju  oer^ängen  (uetgl.  prcufe.  93orm.  D.  §  51 
3tb[.  2;  fä#  ®.  S.  §  1881 ;  baijc.  enlro.  9[tt.  123;  M-  ®cf.  ».  18.  ^uni  1887 
9[rt.  6),  fmb  bem  ©efeße  über  baä  SSerfa^cen  jii  überladen. 


§  1685. 

unui.  Sßeiingletiii  nii^t  uerfannt  toitb,  ba%  btc  SSeftimmung  beä  §  1685,  roclc^e 

«ttSwii^bem  Sommnbfi^ttftageric^te  bas  9tecfit  gicbt,  bie  bort  bcjeidinete  SDIaferegel 

"""fl*"«-  au(f)  gegen  ben  SBiDen  bes  58onnunbc6  im  3nt«fcRc  beä  Münbeffl  felbfl  bann 

SamUK  K.  JU  befd)Iiegcii,  rocnii  bem  äSormunbe  eine  ^flic^tmtbcigFcit  in  ^nfetiung  bcr 

©rjie^ung  bes  SOIünbelS  nicfit  jur  Saft  fällt,  einen  Eingriff  in  bie  fonft  bem. 

aSormunbe  (elbftänfaig  äuffe^cnbc  Grjie^imgSgeroalt  enthält  {§§  1648,  1655), 

fo  fönt  bod)  für  bie  aufnähme  jener  Seftimntung  onbercrfeitö  cntfilictbenb 

in«  ®eroi(§l,  boß  eö  im  öffcntlidien  Stnterejfe  a(a  in  ^oE)cm  ©robc  nngemeffeii 

erfrfjeint,  bem  SBormunbfc^offsgcridlte  bie  5D}ögIt(^Icit  ju  gerofi^ren,  jur  ajcr=- 

^ütung  roeifercc  fitt[i(5er  35o:rooE)r(ofunfl  eines  ÜHünbets  in  ber  tiier  frogUiöen 

j[rt  energif^  eingreifen  jn  tonnen,    Safe  baS  83ormunbfc&aftsgeri^t  Don  bcr 

tftm  eingeräumten  Sefugnife  o^nc  bringenben  9[nla|  ©ebrttudti  machen  roerbe, 

ift  nitfit  5u  beforgen.    ©ceignelenfaUa  geroätirt  au^  bciS  SHct^tSmittet  bcr  Söe» 

f^raerbe  ben  nött)igen  Sc^ug. 

a)cc  S^fofi  i""  Jineiten  ©age  be«  §  1685  fflnn  als  fclbftiKtftÖnblic^  er^ 
achtet  roerben,  ba  bie  @rjte^ungSgenia[t  ber  Stutter  bejiv.  im  gaDe  bcS  §  1554 
%b\.  2  bie  (Srgic^ungegemalt  bes  ätatcrs  na^  bem  @ntn)nrfe  als  ein  residaum. 
ber  eltetlii^en  ©eroalt  unter  ben  Segeln  bct  leiteten  fte^t  (oergt.  §  1656). 
SBei  bem  aUgemeinen  Wortlaute  bes  §  1685  Sag  1  ift  ienet  S^\a%  {eboi)  im 
Sntereffc  ber  3)etitlid|Feit  beS  @efe|ed  alfl  rat^fam  erachtet. 

'X>uri>  bie  aSorf^rift  be*  §  1685  roerben  übrigen«  bie  [onbeßgefeftlid&cii. 
33orf$riflen  über  bie  3'co<tg'^<^ME^ung  nennalirlofter  ^inber  nad)  näherer 
^Beftimmuug  beS  fSinfü^rungsgefeges  (tierg[.  bie  Biotine  ju  §  1546  oben 
S.  806  ff.),  iii^t  berüE)rt ;  inSbefonbcre  niirb  burdi  biefetbe  leine  SBcrpPic^tung 
begrünbet,  einen  naäf  Snafigabe  bes  §  16S5  oon  bem  !Gonnunbfd)aftSgerid)te 
gcfafeten  Säef^dife  e».  nnf  öffentlidjc  Soften  juc  9lu8füf|ning  jn  bringen. 


§  IG&J. 
CbiQo^t  bie  ^eftimmung  be«  §  1686  fd)on  au«  bem  ^ed|te  bcr 
Sluffidjt  t)ergeleitet  roerben  fann  (oergl.  §  1684),  fo  ift  cfl  bod),  um  ÜHi6= 
^' nerftönbniffcn  eutgegcnjutreten ,  vom  pratttf({)en  ©tanbpuni^c  au«  rattifam, 
bas  %ormnnbfd)aftsgerid)t  borauf  ^injurocifeit,  bog  cS  von  bem  ÜJormuiibe 
«nb  bem  ©egenoormwnbe  icbcrjeit  äuäfunft  über  bie  güf)rang  bcr  5ßormunb: 
fdiaft,  unb  jiDor  insbefonbevc  audi  in  5Infe^ung  bcr  *Jierfon  bcö  SIKinbel«, 
forbern  fann.  ©er  3"fiB'  bafe  bas  iKct^t,  31«sfunft  ju  ocrtangcn,  fte^  inS^ 
bcfonbcre  avä)  auf  bie  pcrf&ntid)cn  S8ert)filtniffc  beä  SDlünbcIS  crftredc  (oergl. 
prcuß.  3t.  S.  %  II,  18  §  ^27;  lubccE.  33orm.  C.  %  -31 ;  brem.  a^orm.  D.  §  88),. 


SSormunbfd&aft  ütcc  SJlmberia^rigc.    SRciJ^nungöIeöunö.    §1687.        1157 

ift  uamentlid)  mit  Jiüdffid^t  bavauf  alö  ongemcffcn  crod^tet,  ba6  bcfonbcrc  35ors 
fd^riftcn  iibcr  fog.  @rjie^ung§bcrid)tc  nid)t  aufgenommen  [inb.     S)erortige  Gr-jic^ung«. 
<grjiel^ungöberid^te  ^aben  feinen  erJ^ebUdjcn  proftifd^en  2BertI)  unb  finb  t^eilö    ^*''****' 
im  ^inblirfc  auf  boö  ^i^ftitut  beö  ©emeinbemaifenratl^cö  (§  1725),  tl;ei(ö  im 
^inWidfe  auf  bie  bem  aSormunbfd^aftögerid^le  burd)  bie  §§  1684,  1686  ein^ 
geröumten  Scfugnifie  cntbe^rüd^. 


§  1687. 

3lci6)  bem  SBorgange  beö  gemeinen  SRed^teö  Derppid)ten  bie  meiften  ^enobiwe 
neueren  (Sefeggebungcn  ben  SBonnunb,  bem  5Bormunbfd(iaftögerid^te  über  bie  ^^UßTnT' 
SSermaltung  beö  SBermögenö  beö  3)tünbelö  regelmä|ig  SRe^nung  ju  legen 
(Dcrgt.  preufe.  31.  S.  SR.  II,  18  §§  647—678;  preufe.  SBorm.  D.  §  56;  öfteiT. 
®.  83.  §§  238—242 ;  fä^f.  ®.  SB.  §§  1950,  1951  ncbft  bcr  prooif.  ©er.  D, 
§§61—72;  mürttcmb.  5Rotariatögef.  v.  14.  3um  1843  9lrt.  51;  meimar.  ®ef. 
t).  27.  aJläti  1872  §  59;  bob.  @ef.  t).  6.  gcbruar  1879  §  22;  lubetf.  SBorm.D. 
§§68—75;  brem.  SBorm.  C.  §§  82—91;  l^eff.  entro.  IV  3lrt.  96  ff.;  bai)'r. 
€ntn).  3rrt.  89  ff.),  ©agegen  ift  ber  Ijamb.  SJorm.  C.  Slrt.  54—57,  70—74 
imb  bem  franj.  SRed^tc  eine  pcriobifc^c  SRed^nungöfegung  an  bie  Dberoormunb* 
fd^aft  fremb;  bod)  fann  nad^  bem  [enteren  (code  civil  3(rt.  470)  bcr  33ormunb, 
©Itern  auögenommcn,  im  SluffK^tömege  angehalten  merben,  bem  ©egeu:^ 
Dormunbe  periobifd^  eine  Ueberfid^t  feiner  aSermaltung  ju  liefern. 

2)er  (Sntmurf  gef)t  im  9lnfd(|Iuffe  an  bie  3Re^r5aI;l  bcr  beftel)enben 
Sled&te,  inöbcfonbere  aud^  fold&cr,  meld)e,  mic  bie  prcu^.  35orm.  C.  unb  baö 
bab.  SRed^t,  ia^  Snftitut  beö  ©cgcnüormunbcö  aufgenommen  l^abcn  ober,  mic 
bie  [fibedf.  SBorm.  D.,  ftetö  bie  9lufrid)t  über  ben  Dcrmaltenben  SSormunb  burd^ 
txnen  jrociten  SBormunb  eintreten  (äffen,  bat)on  aus,  bafe  trofc  ber  3lufnal)mc 
beö  3nftituteö  beö  ©egenoormunbeö  bie  rcgctmäBiS^ '  SRed^nungölegung  alö  ein 
SRitlel  bcr  ©elbftfontrolc  beö  SBormunbeö  unb  alö  bie  roirffamftc  ^anbl^abc 
für  bie  83eauffid)tigung  beöfclben  nid^t  cntbel)rt  mcrbcn  fann  (oergf.  SWotioc 
ber  preufe.  SSorm.  C.  ©.  86  ff.;  üJlotiDc  beö  ba^r.  ®ntm.  ©.  82  ff.),  ©em^ 
gemäß  ift  im  §  1687  3lbf.  1  beftimmt,  bafe  ber  SSormunb,  oorbef)altiid)  bcr  auö 
ben  §§  1691,  17.33  fid)  crgebenbcn  3luönai)men,  DerpfUd)tet  ift,  bem  33ormunb* 
fc^aftögcriddte  über  bie  SBermattung  beö  aSermögenö  jä^rlid^  SRcc^nung  ju  legen, 
^^on  bcr  preufe.  SJorm.  C  §  56  3lbf.  1  ©afc  l  meidet  bicfe  33cftimmung  infofern 
ab,  alö  bcr  SSormunb  nid^t  btoö  auf  @rforbern  beö  SBormünbfd^aftögerid^teö, 
fonbern  fraft  beö  ®efcfecö  jöl^rlid^  SRcd&nung  ju  legen  Dcrppid^tct  fein  foll. 
IDiefc,  bem  gemeinen  SRcd^tc  unb  ben  meiften  neueren  ©efeften  cntfprcd^enbc 
3lrt  bcr  ^Regelung  ift  ni^t  allein  bie  näf^cr  liegenbe,  fonbern  ift  audd  um  beö^ 
roillcn  üorju5ie]^cn,  weil  fie  bie  SBcrantmortUd^fcit  beö  SSormunbcö  megen  SSer* 
jögerung  bcr  SRcd^nungöIcgung  nid^t  Don  einer  Dorgängigen  9lufforberung  beö 
SSormunbfd^aftögcrid^tcö  abhängig  madbt. 

SJic  im  §  1687  3lbf.  1  beftimmte  SScrpflic^tung  beö  93ormunbeö  \)at  aber  ««after  ber 
Tiidjt  Icbiglid)  ben  Äarafter  einer  im  Stuffid^tömege  (§  1684)  ersmingbaren  **^^^*'**""^' 
öffentlid^re^tlid^en  ^ßftid^t    gegenüber    bem    Sßormunbf^aftögerid^te,    fonbern 
3ug(cid&  ben  Äaraftcr  einer  bem  äRünbel  gegenüber  begrünbeten  prioatrcd^t* 


einen  ju  Wefem  3roe(fe  faeftellten  ^ffcger  crjnningen  nierben  tann  (oergf.  i)c^. 
®ntu).  IV  ärt.  96).  Sfn  engem  Bufammen^itge  mit  'V^  Suffoffunß  bei 
®ntinurfes  fte^t  bie  93orf^riff  beä  §  1700  atf.  2,  bofe  ber  SOIünbel  oon  bem 
SSormunbe  no{§  ber  Seenbigung  be*  3lintefi  bcfl  leßtercn  nicfit  nodimale  über 
bic  ganje  normunbfrfioftlic^e  aSerroaltunfl  bie  ficgung  einer  neuen  SHec^nung 
nerlangcn  Fann,  fonbem  bag,  foioeit  ber  S^ormunb  bem  SSormunbfi^aftesertt^te 
eine  JRecInung  gelegt  Ijat,  bie  öejugnolime  ouf  biefc  Siet^nung  genügen  foH. 
K<4nuns<<  33ic  Seftimmuiig  bes  SRedimingsia^res,  foroic  be«  Sfitpunfteß  ber  ©ins 

adi^»  in  i'cif^wiS    ber  9ied)iiung  foU  bem  aiormunbfc^aftagertc^te  überloflen  roerben 
«itrdflmiB,  (oergl.  fcic^f.  prooif.  ©er.  D.  §  62).  ES  cmpfiet)It  ft^  bics  f^on  be«i)olb,  bamit 
nicf)t  bic  SJormunbfc^aftsgecidlite  auf  ein  3J1qI  burt^  beti  Singong  (flmmttic^er 
Wc^inungcn  mit  ©ej^Öften  überhäuft  rocrben. 
BnWBBMviiB  gür  unbebeutettbere  SJcrmögenaoerrooItungen  ift  eine  ttHjö^rlidtie  9iec^ 

Mi  f.iie»<.  nungelegung  erfaljrungftmofeig  ent&e^rlii^.  3)ur(^  bie  SBorfe^rift  bcfl  §  1687 
abf.  3  ift  bem  SßormunbfrfiQftÄgerit^te  baficr  bos  SRcc^t  eingerßumt,  bie 
Segung  ber  SRe(ftnung  bei  einer  SBcrroaltung  oon  geringem  Umfange  au(^  für 
einen  längeren  Seit^aum,  n)cld)cr  jeboi^  bret  3o[)re  tüdjt  überfteigen  borf,  ju 
geftatteii  {ocrgl.  preuß.  33orm.  D.  §  56  aibf.  l).  SÄngere  Sci'röuine  ä"i"' 
laffcn,  ift  im  ^nteretje  ber  9luffirf)t6fßf)rung  nirfit  vat^fam,  n>enng(eieE)  iit  ber 
^rari«  unb  in  bcn  @efe|en  biaroeilen  qu(^  Dier=,  felbft  fünfiä^rigc  ^etioben 
jiigelQiTen  icerben  (uergl.  bab.  ®ef.  v.  6.  gcbruQc  1879  §  22).  3m  Sinf^luffc 
an  bie  preu^.  3!orm.  D.  §  56  SIbf.  1  foU  aber  baä  Süormunbfi^Qftflgerii^t  bie 
Segung  ber  9Iei^nung  für  einen  längeren  3citQW(il"i't  "'ß  t""  ""^8  3Qljrcft 
erft  mit  Regung  ber  Sici^nung  bcfl  erften  3olirca  geflotten  bürfen,  ba  es  al8= 
bann  bef^er  ju  beurtl)ci(en  im  Stanbe  ift,  ob  bie  ^erfon  befl  Sßormunbes  unb 
bie  9Irt  ber  bist)erigen  Sßcrroaltung  beafelbcn  ju  Sebcnfen  3InIo6  geben 
ober  nic^t. 
««mtuns  Die  in  ber  Raffung  an  ben  §  591  Saft  2  jt(^  antc^nenbe  Seftimmung 

*"  "'*'"'"'  bes  §  1687  aibf.  4  berul^t  ouf  ber  enoögung,  bafe  in  Slnfe^ung  ber  aiet^nung 
o^nc  9Iot^  ni^t  ju  gro^e  Sinforberungeu  an  ben  SSormunb  gefteUt  itietbcn 
bürfen.  Ea  mürbe  inabefonbere  eine  ju  grofee  Saft  für  ben  ^ormunb  fein, 
wenn  bcrfelbe  oerpfliditet  fein  foUic,  bei  jcbcrJRec^nung  eine  uoUftänbige  Ucber^ 
fi^t  über  ben  gcgenmärligen  Stanb  befl  Vermögens  ju  geben.  3^"  ^inblide 
auf  baS  bei  Seginn  ber  ffiormunbfc&oft  ju  befc^affenbc  3"i»cntar  (§  1659) 
genügt  eS,  tocnn  bie  9ted)nung  bic  9lngabcn  über  ben  aib=  unb  Big""!!  *** 
Siermögenfl  enthält  (uergl.  peeu^.  Siorm.  D.  §  56  Slbf.  3).  3"ifi^eit  bic 
Sefdiaffung  ber  Söetege  erforberlit^  ift,  unterliegt  ber  DerflÖnbigen  Seurt^cilunß 
bes  %onnunbf^aflageri(^tes  unter  ^erüdfti^tigung  ber  Umftünbc  bcä  einzelnen 
galles. 
B«fi*eruna  'Ztz  in  ber  preu§.  9Jorm.  D.  §  56  äbf.  3  Saft  2  [id)  finbenbc  3"f<ift' 

3K^t(i(.  ba^  ber  ^ormunb  unter  bct  3iec^nung  oerTti^em  foDe,  bog  er  alle  @inna^men 
Derre(i)nrt  i)abt  unb  au^er  bcn  in  ber  9ted)nung  auftjefü^rtcn  pormunbfi^Qftj 
Eitlen  ^ermögeitöftücFen  anbcrc  nii^t  uerroa^re,  ift  ola  entbcftriic^  nid)t  auf- 
genommen, ba  es  felbftoerftänbliii  ift,  bafe  bie  ^iJei^nung  ooQftönbig  [ein  mufe, 
unb  ba  bie  Vorlegung  einer  Slet^nung  nac^  bem  3<i)<^(fc  unb  bem  Begriffe 


SSormunbfd^aft  üBcr  SWinbcrial^riöc.  ^^rüfimo  bcr  Stec&ming  k,  §  1688.     1 159 

Der  SRc^mmg  fd&ou  oon  fclbft  bic  @rftärunfl  bcr  SBoüftänbigfcit  unb  9lid)tig* 
feit  bcrfelbcu  in  fid^  fd)lic6t.  6in  Scbürfnife,  bem  93ormunbc  bicd  uod^ 
befonbcrö  jiim  SBcroufetfcin  511  bringen,  liegt  nid^t  vor.  Sluf  ber  anberen  ©eitc 
ifi  ber  S^f^fe  ober  a\x6)  bebentlid^,  ba,  rctnn  bic  SBerftc^erung  unter  ber 
Sfled^mtng  fel^It,  bad  93ormunbfc^afti^gcrid(|t,  um  ftd^  nid)t  t)crantn)ortlid^  5u 
tna^en,  bic  9{ed^nting  jurücf geben  mug  nnb  baburdb  bie  Prüfung  berfelben 
üerjogcrt  loirb.  3wbem  ^at  eine  berortige  SSerfid^enmg  erfal^rungÄmQ6ig 
geringen  SBert^,  namentlid)  wenn  fie  formularmäfeig  erfolgt. 

2)ie  »eftimmung  beö  §  1687  3lbf .  5  fd^tiefet  [\i^  an  bad  preufe.  3t.  2. 9t.  »"««« 
n,  18  §  653  nnb  bie  fäc^f.  proüif.  ©er.  D.  §  67  an.  SJafe  bcr  3ludbnicf  ,,fauf^  "*"""* 
männifd^c  Sud^fü^rung"  ju  bem  SHifeDcrftönbrnffe  ^nla^  geben  fonne,  bic  Sc- 
ftimmung  bcß  §  1687  2lbf.  5  foBe  nur  bei  faufmönnifc^en  Oefd^äftcn  3lnn)enbung 
finben,  ift  nidjt  ju  beforgen.  ®ntfd&eibcnb  ift,  ob  in  bem  Setriebe  beö  be* 
treffenben  (Srmerbögefd&äftcö  bie  Suc^fü^rung  nac^  bcnfelben  ®runbfä|cn  er* 
folgt,  wie  bei  faufmännifd^en  ®efd&äften,  fo  ba§  eine  Silanj  im  ted^nifd^en 
©inne  auö  bcn  S5fld&em  gcjogen  werben  fann.  S)em  3Sormunbe  ift  cd  fclbft* 
Dcrftänblid^  unbenommen,  bei  3i<^^w"9  ber  Silanj  and  bcn  SBüd^crn  ftd)  ber 
^ülfc  eines  ©ad^oerftänbigen  }u  bcbicncn ;  bod^  mufe  baran  feftge^alten  werben, 
bafe,  ba  bie  Silanj  bic  ©teile  ber  SReddnung  oalritt,  ber  aSormunb  bie  Slid^tig* 
feit  ber  33ilanj  nad&  2)la6gabe  ber  angemeinen  ®runbfä^c  über  bic  SBcrant* 
roortlid&fcit  beö  SBormunbeö  bei  gul^rung  ber  aSerwaltung  ju  oertrctcn  ^at 
(Dcrgl.  fä^f.  prooif.  ©er.  D.  §  67).  ©runbfäfelid^  mufe  ferner  bem  SBormunb* 
fd&aftögcrid)tc  bad  Siedet  oorbetialtcn  werben,  audj  bic  SSorlegung  ber  Sucher 
unb  ber  fonftigen  93elegc  ju  verlangen,  c^ält  ia^  SBormunbfd^aftögcrid&t  bicfl 
aud  befonberen  ©rünben  für  erforberlid^,  fo  mufe  bic  SRüdEfiddt  auf  etwaige 
©efd&äftdgcldeimniffe  in  bcn  ^intergrunb  treten,  foweit  nid^t  bic  33orfd^riftcn 
beö  §  1695  ^lag  greifen. 

25ic  Seftimmung  bed  §  1687  2lbf.  6  ftimmt  fa^lid^  mit  ber  preug.  witmirfung 
aSorm.  D.  §  56  aibf.  4  überein  (ocrgl.  aud^  preufe.  21.  S.  9t.  II,  18  §§  664  ^JLS 
bid  666;  lübcdE.  33orm.  D.  §  68;  brem.  »orm.  D.  §  83).    gßcgen  bcr  gSortc 
„wenn  ein  ©egenoormunb  beftcHt  worben  ift"  ucrgl.  bie  aWotioe  ju  §  1666 
oben  ©.  1118. 

2)a6   mcl^rcrc   5U   ungetrennter  SScrwaltung   bcftelltc  5Bormünber  bic  Mec^nun««* 
Siec^nung  gemcinfc^aftlic^  su  legen  I}aben  (oergl.  prcufe.  »orm.  C.  §  55  3lb|.  2),  ^'^""^t.^"'* 
folgt  aud  ber  SSorfd^rift  bed  §  1652  Don  felbft  unb  bcbarf  bal^er  feincd  be*  wrmanber. 
fonbercn  3Iudbnirfcd. 


§  1G88. 

Sic  Scftimmung  bed  §  1688  2lbf.  1  ergiebt  fid^  a\\^  bem  3wedEc  bcr  im  ?rafmiß  ber 
§  1687  bcftimmten  aScrpfli^tung  bed  aSormunbcd  jur  9icd)nungdlcgung,  fowie  ^**"«"ö' 
oud  bcr  ^ßflid^t  unb  bem  Sichte  bcr  Sluffid^t  bt^  aSormunbfd&aftdgerid^ted  (oergl. 
aud^  prcufe.  21.  S.  9t.  II,  18  §§  662—671;  preufe.  SSonn.  C.  §  56  3lbf.  5; 
oftcrr.  ®.  a.  §  241;  fäd^f.  ©.  83.  §  1950  nebft  bcr  prooif.  ©er.  C.  §§  70—72; 
Weimar,  ©ef.  v.  27.  anärj  1872  §  59;  lübccf.  SBorm.  D.  §§  74,  75;  brem. 
SBorm.  D.  §  90;  ba^r.  (Sntw.  9trt.  83).    SBon  fctbft  oerfte^t  cd  ftc^,  bafe  bad 


1 160     a>ocmuttbfd&aft  über  OTinberia^riöP.  Prüfung  bec  Sted&nung  k,  §  1688. 

SSormunbfc^aftögeridjt  bic  fad^Ud)C  Prüfung  bcr  Stcd^nung  inöbefonbcre  awä) 
auf  bic  ^jjpic^tmä&igfcit  bcr  3lnlcgutig  von  ©clbcrn  ju  crftrcdcn  l^at  iinb 
flccignctcnfallö  bcl^iifö  SBortiafimc  bcr  5|irufung  bic  SSortcgung  bcr  in  bcn 
§änbcn  bcö  SSormunbcö  bcfinblid^cn  ©d)ulburhinbeu  unb  SBcrt^apierc  bcö 
SKiinbcIö  nid^t  nur  Dcrtangcn  fann,  fonbcrn  awä),  foiocit  namentlich  bic 
Prüfung  bcr  3lcd)nung  baju  9lnlafe  gicbt,  ju  Dcrlangcn  ocrpfCid&tct  ift.  Sluf 
bcr  aubcrcn  ©citc  roiirbc  cö  aber  ju  mit  gelten,  baö  SSormunbfd^aftdgerid^t 
unbcbingt  ju  Dcrpflid^ten,  bei  {cbcr  SRcd^nungöIcgung  fW^  t)on  bcm  SSor^anben* 
fein  bcr  bcjcid)ncten  Rapiere  ju  iibcrscugcn  unb  bic  üorgclegten  5ßapierc  barauf 
l^in  ju  prüfen,  ob  bic  Slnfcgung  bcr  aKünbcfgctbcr  Dorfd^riftömä^ig  erfolgt  ift, 
Ginc  bcrortige  Scftimmung  würbe  bcm  SBormunbc  unb  bcm  SSormunbfd^aftö« 
gcrid^te  eine  ju  gro^c  Saft  aufbürben,  aud^  bic  SScrantitJortlid^teit  bcö  lefetercn 
in  einer  bcbcntlic^cn  SBcifc'Dcrme^ren.  S)icfclbe  ift  burd^  ein  S3ebürfni§  um 
fo  weniger  geboten,  als  nad^  §  1687  9lbf.  6  bcr  SBormunb  bcm  Ocgcnoormunbc 
bcn  SScrmögcnöbcftanb  nad^juroeifcn  ^at. 
*bw  «r"^  aBcnnglcid^  baö  aSormunbfd^aftögcrid^t,  foroeit  crforberlid^,  bic  Serid^tigung 

innerungen.  luxb  ©rgSujung  bcr  9lcd)nung  im  Slufrid^törocgc  l^crbeijufü^ren  bcrcd^tigt  ift, 
fo  ftct)t  bod&  bemfelbcn  nad^  allgemeinen  ©runbfäfccn  fraft  feines  Stuffid^tö^ 
rcd^tcö  nid;t  bic  Scfugnife  ju,  bcn  SSormunb  unter  bcm  ^räiubijc  beö 
Sfncrfcnntniffcö  für  bcn  gall  bcr  Slid^tcrf fönmg  (ocrgl.  lübcdE.  aSorm.  D.  §  75 ; 
brem.  aSorm.  O.  §  91)  ju  einer  ©rtlärung  über  bic  SRid^tigfeit  einer  gcftcUten 
©rinncrung  ansu^altcn.  ©benforoenig  ift  es  bered^tigt,  über  uncriebigt  bleibcnbc 
3lnfprüd^e  bcö  aSormunbeö  ju  entfd^eiben.  ©elbft  bic  ©rfüHung  anerfanntcr 
9lnfprüd^c  bcö  2Künbc(ö  gegen  bcn  a?ormunb  fann  eö  üon  bcm  Icßtcrcn  ouf 
Orunb  bcr  ildm  juftcljcnben  Swangögemalt  nid^t  crjmingcn.  Um  SWifeocrftönb^ 
niffen  ju  begegnen,  ift  bicö  im  §  1688  SÄbf.  2  ©afc  1  befonberö  jum  äuöbrurfc 
gebradjt.  Sieö  ift  aud)  bcr  ®tanbpunft  beö  gemeinen  SRcdöteö  unb  bcr  meiften 
neueren  ©efefte  (oergl.  preufe.  SBorm.  D.  §  56  Slbf.  5  unb  SBcrid^t  bcr  Äom^^ 
miffion  bcö  ^crrcnl^aufcö  ©.  72;  fäd^f.  prooif.  ©er.  D.  §  71;  ^cff.  ©ntm.  IV 
9Irt.  98  nebft  3»otiocn  ©.  264;  bai)r.  ©ntro.  3lrt.  84  nebft  aÄotioen  ©.  85). 
dagegen  fiat  baö  preufe.  91.  2.  SR.  IT,  18  §§  669,  671  jraar  bic  ©nifd^cibung 
bejügüdö  nid)t  anerfanntcr  Defefte  bcm  Slcc^tömcge-  Dorbebatten,  bk  ©refution 
mcgcn  anerfanntcr  S)efeftc  aber  bcm  aSormunbfd&aftögcrid)te  übermicfen.  Ginc 
berartige  pofitioe  S5orfd)rift  ift  jcbod^  nid^t  bnxä)  ein  Sebürfniß  geboten, 
©erii^tiic^e  SBäl^rcnb  nad)  rom.  unb  gemeinem  Siedete  bic  9lnfprüd&c  bcö  aSormunbeö 

moi^uV  ober  bcö  a}lünbclö  fomol^t  von  bcm  SSormunbc  alö  bcm  äRünbcI  erft  nad& 
^«n?^ra4e*'^  Sccnbiguttg  ber  SJormunbfd^aft  gcrid^ttid)  gcitcnb  gemacht  merben  fönnen,  gcl^t 
bcr  ©ntrourf  in  Uebereinftimmung  mit  bcn  neueren  ©cfefegebungcn  bauon  auö, 
ba^  bic  gcrid)tlid^e  ©cttenbma^ung  biefer  9lnfprüd^c  fd^on  mö^renb  bcö 
33eftcl)enö  ber  SSormunbfd^aft  in  einem  5ßrojeffc  jmifd^cn  bcm  SSormunbc  unb 
einem  bcm  SMünbet  ju  biefem  B'oedc  iu  beftcUenben  Pfleger  (§  1738)  juläffig 
ift  (§  1688  9lbf.  2  Safe  2).  5Dicö  ift  inöbefonbere  au^  ber  ©tanbpunft  befi 
fäd&f.  SRcd^tcö  (proDif.  ©er.  0.  §  71)  unb  bcö  bapr.  ©ntw.  Slrt.  84.  S)aft* 
fclbc  ift,  obrool^I  barüber  ©treit  bcftc^t,  in  ©rmangclung  einer  entgegen^ 
ftcl)cnbcn  Scftimmung  alö  bcr  ©tanbpunft  bcr  preufe.  SSorm.  D.  anjufe^en 
(ücrgl.  ©ntfd;.  b.  9t.  ©.  in  ©iüilf.  XVI,  47).    ©in  genflgenber  ©nmb,  bic 


SJormunb^aft  über  gWinberjältriflc.    ©ic^crrjeitSleiftuno.    §1689.        1161 

^ü^nmg  cineft  Slcci^tdftrcitcö  über  9Infprüd)c  beö  SBormunbeö  ober  beß  ällunbelö 
auö  ber  üortnunbfd^aftlid^en  SBerrooItuiifl  rofil^rcnb  beft  Sefte^enö  ber  SBormimb* 
fd^aft  gänjiicö  auöjufcöüeßen,  ift  nid^t  Dortionbcn.  3«^  ©egent^eile  liegt  cö 
tuimentlid)  im  Sntcrefje  ber  ©id)erl^eit  beö  aWünbcIft  unb  bient  eö  jur  aSermeibung 
ber  aSerbunlelung  ber  l^ier  fraglid^cn  3lnfprfid&e,  roenn  biefelben  fd^on  lüäfirenb 
beö  Sefie^enö  ber  aSormunbfdjaft  gerid^tUci^  geltenb  getnad^t  werben  fönnen. 

Sic  aSorfd^rift  ber  preufe.  SBorm.  D.  §  56  Slbf.  5,  ba6  nad^  ©rlebigung  md^abt  ber 
ber  Grinncrungcn  bafi  aSormunbfd^aftögerid)!  bem  aSonnimbe  bie  Selege  mit    ^Jj^t 
einem  SBermerfc  beö  erfolgten  ©ebroud^eö  jurüdfjugcben  unb  auf  SSerlangen  ^«f  s»«*^"«»«- 
3lbfd^rift  ber  SRed&nung  ju  ertticilen  l^abe,  {)Qt  ber  ©ntrourf  nid^t  aufgenommen, 
ba  bicfelbe,  fomel  bie  9lüdfgabc  ber  Sciegc  onlangt,  in  biefer  STOgemeinljeit 
bebenflid)   ift   unb   bef?cr   bem  (grmejfcn  beß   SSormunbfd^oftßgeri^teß   nadf> 
a3cfd)affenl|eit  beß  gallcö  uberlaffen  bleibt,  in  3InfeI)ung  ber  2lbfd&rift  ber 
dled^nung  aber  auß  allgemeinen  ©runbfögen  folgt. 

SBenngleid^  ber  Entwurf  baoon  außge^t,  bafe  bie  fiegung  ber  So^teß-  »«*>««t«»fl 
red&nungen  gegenüber  bem  Sormimbfd^aftßgcridjte  jugleid^  eine  Segung  ber^wStw^* 
felbcn  gegenüber  bem  2)lünbel  ift  (oergl.  §  1700  9tbf.  2  unb  Sßotiüe  ju  §  1687 
oben  ©.  1157  ff.),  fo  fann  bod^  eine  eigentlid^e  3lbnal^mc  ber  Sicd^nung  mit 
materieller  ©rlcbigung  burd^  baß  SBormunbfd&aftßgerid)t  nid&t  ftattfinben,  ba 
ia&  lefitere  bie  JRedjnung  nur  fraft  beß  9tuffid^tßred^tcß  prüft,  eine  SBcrtretungß* 
mad^t  für  ben  äRünbel  aber  nid^t  befigt.  2)aburd^,  bag  baß  93ormunbfd^aftß^ 
flerid^t  bie  Sal^reßred^nungen  alß  orbnungßmä^ig  ancrfannt  l^at,  wirb  batjer 
bem  SWed^tc  beß  SOlünbelß,  naä)  33eenbigung  beß  9lmteß  beß  SSormunbeß  gegen 
bie  früheren  Sled^nungen  Slußftellungen  ju  erfiebcn,  in  feiner  SBeife  präiubijirt 
(uergl.  födbf.  prooif.  ©er.  D.  §  71).  9luß  bicfem  ©nmbe  ift  eß  audf>  rermieben, 
eine  $?orfd)rift  aufjunel)men,  ba6  baß  S8ormunbfd&aftßgerid&t  bem  SSormunbe 
wegen  ber  SRed&nungßlegung  Quittung  ober  SJed^arge  ju  ertfieilen  l}abc  (oergl. 
f öd&f.  proüif.  ©er.  D.  §  72 ;  lübedf.  93orm.  C.  §  75),  ba  biefelbe  in  ber  bejeid^neten 
Slid&tung  ju  ajhfeoerftftnbniffen  SSeranlaf^ung  geben  fönnte,  infoweit  aber,  alö 
fic  bem  X^ormunbc  ben  Seweiß  fidjcrn  foll,  ba§  er  feiner  im  §  1687  beftimmtcn 
S3crpflid)tung  genügt  l)abe,  felbftt)erftfinblid&  ift. 


§  1689. 

Sßegcn  ber  Segrünbung  ber  33orfd()riften  beß  §  1689  9(bf.  1—3,  5,  welche  sic^er^ei». 
fidd  im  Sßefentlid^en  an  bie  aSorfd&riften  ber  prcufe.  SBorm.  D.  §  53  anfd^liefeen,    ^"^""^' 
wirb  auf  bie  3lußfüf|rungen  unter  9lr.  VII  ber  allgemeinen  Segrünbung  biefcß 
9lbfd()nitteß,  oben  ©.  1039  ff.,  unb  in  ben  9)iotit)en  ju  §  1673,  oben  ©.  1135, 
S3e5ug  genommen  (t)ergl.  aud)  bie  §§  1547, 1551).  * 

2)urcö  ben  in  ber  preuS.  95orm.  C  §  58  fid^  nidbt  finbenben  S^f^ft  i«^ 
§  1689  2lbf.  3  „folange  baß  9Imt  beß  SSormunbeß  nid^t  beenbigt  ift"  foU 
bem  SOhfeücrftänbnirtc  begegnet  werben,  alß  ob  baß  SSormunbfd&aftßgerid^t  aud) 
no^  nad^  3IufI)ebung  beß  oormunbfd^aftlid^en  9lmteß  bie  SBerminberung  ober 
9luf^ebung  ber  üon  bem  95ormunbe  auf  ©runb  beß  §  1689  bcftelltcn  ©i^er{)cit 
anjuorbnen  befugt  fei.  Sffiennglei^  in  ben  liier  fraglid^en  gälten  ber  SÄünbcl 
ein  9lcd)t  auf  bie  beftellte  ©id&erl;eit  nidE)t  fd&led^t^in,  fonbem  nur  in  3(b* 


1 162     a3ormunb[d&.  nbct  2Riubcri.  befreite  SSormunbfcfiaft.  (§§  1690—1695). 

l^ängigfcit  ooii  bem  @rmef[eit  bed  äJorntunbfd^aftögerici^ted  ald  älufftd^tdlteprbe 
ermorbeu  l^at^  fo  l^ört  bod^  mit  ber  Seenbigung  bed  oormunbfd5aftUd(^eit 
aimtcö  bafi  3lcc||t  bcö  SBormunbfd^aftögcrid^tcö  auf,  ote  3lufftd^töbcl^5rbe  nad^ 
bicfer  aiid^tung  im  aSerl^iältnijfe  bcö  äßüubete  ju  bem  früheren  SBormunbc 
cinjugreifen. 

Sic  SBcftimmung  bcö  §  1689  3lbf.  4  ftcttt  fx6)  ate  eine  auf  3n)etfmfi6ig!eitö^ 
riidEfK^tcn  berul^cnbe  pofitiüe  SBorfd^rift  bar  (pcrgL  ffid^f.  proüif.  ©er.  D.  §  48). 
3ii  Ermangelung  einer  befonbcrcn  SJeftimmung  mürbe  bie  nad^  ben  allgemeinen 
©runbfäften  jur  93efteUung,  Slenberung  ober  Sluf Hebung  ber  ©id^erl^eit  cr^ 
forbcrliclie  aKitroirfung  beöienigen,  meld&em  bie  ©id&erl^eit  ju  befteUcn  ift,  l^ier 
nur  in  ber  Slrt  erfolgen  fönnen,  bafe  bem  ättünbcl  in  ©emäfel^eit  befi  §  1651 
9ir.  1  unb  bcä  §  1738  ein  5ßPegcr  beftcUt  mürbe.  S)a  iebod&  biefer  SBBeg 
unter  Umftänben  längere  3cit  in  3lnfprud^  nel^men  fann,  in  ben  in  Siebe 
fte^enben  gällcu  aber,  menn  ber  ^mtd  erreicht  werben  foB,  oft  @ile  geboten 
ift,  fo  liegt  eö  im  3ntereffe  beß  aOlünbelö  unb  erfd&eint  cö  alö  baö  SRatürlid^fte, 
l^ier  audnal^mdmeife  ron  ber  $)eftellung  eined  Pflegers  abjufel^en  unb  auf  baö 
aSormunbfd&aftögcricIit  gemiffermafeen  bie  gunftion  eine«  SBertrcterß  beö  SRünbelö 
ju  übertragen  in  ber  3lrt,  bag  bie  älnorbnung  bed  ^ormunbfd^aftögerid^tcft 
bie  an  fxä)  erforberlid&e  aRitmirfung  beö  ÜRünbetß  erfefet. 

Die  2lrt  unb  SBeife,  in  wetdöer  bie  Erfüllung  ber  bem  SSormunbe  auf^ 
erlegten  ©ic|ier^eitßleiftung  gegen  ben  aSormunb  erjmungcn  werben  fann, 
ift  CO.  in  bem  Oefe^c  über  baß  SBerfal^rcn  in  SBormunbfdjaftßfad^en  nä^er 
iu  regeln. 

Sßegen  ber  oon  ber  SRegel  beß  §  1689  beftimmten  Slußnal^men  oergl. 
bie  §§  1692,  1733. 


lY.   »efrette  Sotmttttbfdiaft 

§§  1690-1695. 

"Äffun*""  ®^"  Sebürfni§,  oon  ben  allgemeinen  Orunbfäßen  beß  SSormunbfd^aftö^ 

redjtcß  9lußna^mcbcftimmungcn  ju  (Sunften  gemijfer  SBormünber  ju  trcf^n, 
wirb  in  um  fo  größerem  SRafee  Iieroortreten,  je  mel^r  ber  Sßormunb  nad^  ber 
JRegel  beß  siedjteß  in  ber  grciljeit  feiner  Seroegung  bef^ränft  ift.  ©er 
Stanbpuntt  ber  beftel^enben  dit(S)ic  ift  in  biefer  Scjiel)ung  ein  fel^r  oerfd^ieben* 
artiger.  3ltß  ® jtreme  fönnen  einerfeitß  baß  preug.  21.  Ä.  31.,  anbererfeitß  büft 
frauj.  SHed^t  beieid^net  werben.  Saß  erftere,  weil  eß  ben  SBormunb  übermofetg 
bcf^ränft,  mufe  oon  bem  3nftitute  beß  befreiten  Sßormunbeß  ben  wcitge^enbften 
(Sebraudb  madben,  baß  lefctere  bagegen.  weldbeß  bem  SSormunbe  immer  ein  qq^ 
nügcubcß  SWafe  freier  Bewegung  geftattct,  fennt,  abgefe^en  Don  bem  SBcr^ 
^ältniffe  ber  ©Itern  alß  aSormünber  itirer  Äinbcr,  Befreiungen  fo  gut  wie 
gar  nid^t.  Saß  gemeine  Stecht  unb  bie  bcmfelben  oerwanbten  Siedete,  inß:^ 
befonbere  aud^  bie  preufe.  SSorm.  D.,  nel^men  in  biefer  Sejiel^ung  eine  SBittct 
ftcUung  ein. 

®ß  fommen  bei  ber  grage,  ob  unb  weld^en  SBormünbem  Sefreiungeu 
eingeräumt  werben  f ollen,  in  SBetrad^t  bie  (Sttern,  fonftige  93erwanbte,  ber 


Sßccmunbf4  üfier  gJIinbeti.  befreite  SßcniiuubMaft.  (§§1690—1695.)     1163 

S^cgalte  bca  SnünbciS  unb  bie  von  bem  fHatct  ober  bct  3Rudcr  m^  Ma^Qabc 
befl  §  1635  3Ir.  1,  2  utib  bcfl  §  1636  (Kiiannten  SBormutiber.  Sic  im  §  13 
her  prcufe.  9Jorm.  0.  tinertanntc,  mit  flcroificn  SBcfreiuitgen  (oergi.  §  26  3tbf.  4 
ucrb.  mit  §  41  baf.)  ousgeftottcte  flefcllidjc  aSormunbfi^aft  gcroifiet  SInftolteii 
f^cibct  für  ben  ©ntiuurf,  luelc^er  eine  bem  §  13  bcu  prciig.  aSorm.  O.  cnt= 
fprccficnbe  SQorf^rift  nid)t  aufgenommen  fjat,  auß  (nergi.  iebod)  bic  Slnm.  ju 
§  1634). 

1.  Snlaiigenb  bic  gefeglic^en  Befreiungen  ber  ©ttcrii  ol«  Sormünber  swrriun» 
ilircr  minberjä^rigen  Äinber,  fo"  fommcii  folc^c  SBefceiunflcii  für  biciciiiflen  *"  """^ 
©cfcggebunflSrocrtc,  ioeIcf)c,  mie  bcr  ^«H-  ®ntro.,  bas  roeimar.  ®ef.  c.  27.  ÜJIärj  »«ritnb«» 
1872  unb  bnfl  ifal.  ®.  S.,  bie  cltcrlirfie  Oeroalt  n\ii)t  nur  bem  58Qter,  fonbem  *"*'■ 
üüäi  bcr  2)!uttcr  eiiitäumen,  rcge(mä§ig  Don  felbft  nid)t  in  "^xOQt.  dagegen 
modbt  fid)  für  fotdöe  Diei^tc,  iDcIdje  eine  elterliche  (Seroatt  bcr  aiiuttcr  nic^t 
fcnncn,  ^auptfäi^tid)  in  9lnfc^ung  bcr  Snutter  al6  a}onnunb  i^rer  e^c[td)cn 
Üinber  ein  proftifc^es  SScbürfiiife,  gemifle  Befreiungen  aniuerfennen,  geltcnb. 
Srogbem  finb  bem  gemeinen  JHedjle,  ber  liibedE.  Siorm.  0.  (oergl.  iebod» 
§§  26,  70  3tr.  2  büf.)  unb  bcr  brcm.  SBorm.  D.  (oergl.  ttbcr  §§  7—9)  bcr= 
ortiflc  (ruft  bcfl  ©cfegefl  eintrctenbc  Befreiungen,  inabefonbere  avdt  ber 
liDlutter,  gäntlid)  unbeFannt.  3[uf  bemfetben  @tanbpunFte  ^e^cn  im  äScfents 
(iiftcn  bo«  öftcrr.  ®.  B-,  bnfl  fronj.  Me^t,  i)a&  \ää)\.  <S.  B.,  bie  Ijamb. 
aSorm.  O.  nnb  ber  boiir.  Gntro.  (nergl.  jcbodi  öftcrr.  ®.  S8.  §  205;  code 
civil  ärt.  453—456,  470;  fä#  ®.  B.  §  1905;  ^amb.  '^üorm.  C.  atrt.  13,  24 
3lbf.  2 ;  baijr.  ©ntro.  Krt.  67  ncbft  aJlotioen  S.  74).  Wogegen  ^at  bie  pccufe. 
Borm.  O.  bem  Büter  unb  bcr  iOlutter  bcfl  minberiä^rigen  aiiünbcla  in  weiterem 
Umfange  Befreiungen  ju  ^[)cil  nicrbcn  laff^n,  uor  ^^Ucm  bem  Bater  als  ge^ 
fcgli^em  Bormunbe  (»ergl.  §§  12,  24,  §  26  9lbf.  4  oerb.  mit  §  41,  §  35 
3Ibf.  2  ber  prcufe.  Bonn.  C).  ®enjiffe  Befreiungen  finb  ferner  bem  Batcr 
o^ne  Mürffid)!  barauf  eingcriSumt,  ob  et  gcfeßEicEier  ober  beftellter  Sßormunb 
ift  (»ergl.  g§  57,  59,  60  Slbf.  2  baf.);  bie  Icfeteren  fielen  jum  a:f)cil  oucf)  ber 
aWutter  JU  (§§  57,  59). 

2)er  ©ntinurf  gel)t  booon  oua,  ba6  für  bie  Bormunbfcf)aft  über  SKinber-  «"«tp«"« 
jättrigc  —  im  ®egen[a|e  ju  ber  Bormunbfc^oft  über  BoUiä^rige  (oergL  onwucks. 
§  1733)  —  (ein  Bebürfnife  corliegt,  c6  rielme^c  bebenftii^  fein  mürbe, 
bem  Bater  ober  ber  iOIuttcr  bcö  minberiö^riflen  aJlünbelß  für  bcn  nai$  bem 
©ntrourfe  allein  in  Bctracftt  tommenbcn  gall,  menn  fie  ole  SJormünber 
itjres  minberjä^riflcn  Rinbea  beftellt  finb,  befonbere  gefeßii^e  Befreiungen 
einjuröiimen.  Da  na^  bem  ©ntrourfc  bos  ctielidic  minberiö^rige  Sinb  unter 
bcr  cltcrlidjen  ©eroalt  bcö  Baters  unb  na^i  beffem  2:obe  unter  ber  elierli^en 
(Gewalt  bcr  :WJiittct  ftcljt  (§  15011  unb  find)  bei  ^.'cbjcitcn  bcS  itotn-fl  im 
Jalle  bca  3iii[]cn6  bcr  cltcilii^en  ©cmalt  beß  legieren  in  bcr  Siegel  bie 
c[tcrlid)e  ©croalt  bcr  iüJnttcr  mit  ^luönaljmc  bcr  bem  Bater  ucrbleibenben 
cllcrlid)en  Dlugniefeung  eintritt  (§  1555;  »ergl.  aufeerbcm  §  1557  Slbf.  2,  3, 
g  1559  9I6f.  2,  §  1564),  ferner  burc^  bie  Berljcirottjung  bcß  minberialfrigen 
Mtnbcß  bie  citcriidie  OJeiuait  nid){  bccnbigt  roirb  {§§  1509,  1530),  fo  lommt 
uom  Stanbpunftc  beS  Sntmuvfcs  aus  eine  3Jormunbfd)aft  bcß  Batcrö  ober 
bcr  ÜHuttcr  über  i^r  minberiöfivigca  Sinb  regelraaBig  ni^t  in  S'^agc.    3» 


1 164     aSorniunbf*.  über  mwhcxl  S?cfrcitc  »ormunbfiaft.  (§§  1690—1695.) 

3lnfcl)img  bcö  Sßatevö  rcrbient  bcr  fcitcnc  "^dü,  in  roelc^em  über  baf^  von 
einem  2lnbercn  an  Äinbeßftatt  angenommene  5?inb,  j.  35.  nad)  bem  S^obe 
beß  Srnnc^mcnben,  bic  3lnovbnnng  einer  JKormunbf^aft  crforbcrlid)  wirb 
(üergl.  §  1557  3lbf.  2,  §  1626)  unb  ber  Ieiblid)e  Sater  jum  SBormunbc  bcö 
,^inbeö  befteHt  ift  —  abgefel)en  baüon,  bag  cö  audj  an  einem  genflgcnbcn 
Onmbc  fe^It,  in  einem  fold^en  galle  bem  SSater  befonbere  Befreiungen  fraft 
bcö  ©efefecö  ju  2;^cil  merbcn  ju  laRen  — ,  feine  befonbere  Serücffidjtrgung 
im  ©efeftc.  3n  anberen  gällcn  aber,  in  wclci^en  bei  Scbjciten  beö  SBatcrö  bie 
9lnorbnung  einer  33ormunbfd;aft  für  fein  minberiä^rigeö  Äinb  crforbcrlid)  wirb, 
fei  eö,  baß  bie  elterlid^e  ©croalt  beö  SSatcrö  rut)t  ober  cntjogen  ober  ücrmirft 
ift  ober  anö  anberen  ©rünben  il)m  ui^t  jufte^t  (ocrgl.  §§  1555,  1547, 
1559,  1564,  1566),  fann  non  einer  SeftcUnng  bcö  SBatcrö  jum  SBormunbc 
fcincö  minbcriäljrlgen  Äinbeö  felbftDerftänbUd^  feine  SRcbc  fein. 

häufiger  finb  aUerbingö  bic  gällc,  in  rocld^en  aud^  rom  ©tanbpunftc 
bcö  (Sntronrfeö  auö  bie  JBeftcKung  ber  3)Jntter  jum  SSormunbc  i^rcö  minbcr* 
itil^rigen  Xlinbcö  in  grage  fommen  fann.  ®inc  Seftellung  ber  2)tuttcr  jum 
S?ormunbe  il)reö  minbcrjä^rigcn  Rinbeö  fann  namentlich  üorfommcn,  mcnn 
bic  elterlid)c  ©eroalt  bcö  SJatcrö  in  golge  ber  ©ntmünbigung  bcöfelben  wegen 
SJcrJci^roenbung  rut|t  ober  wenn  biefclbc  auö  einem  anberen  ®runbc  rul)t,  bic 
Cbc  ber  ©Itern  bcö  Äinbeö  aber  aufgclöft  ift  (§  1555  3lbf.  2),  romx  baö 
SJormunbfd&aftögericbt  bem  3Satcr  bic  cltcrlid)e  ©croalt  mit  Sluönal^mc  bcr 
eltcrlid^cn  Slufenicgung  entjogen  (§  1547)  ober  ber  SBater  bic  cltcrüd^c  Ocroalt 
uerrairft  (§  1559)  ober  —  unb  bicö  fmb  praftifd^  bic  ^auptfSHc  —  menu  bie 
3Rnttcr  burd)  bic  ©d^Iicfeung  einer  neuen  @I)c  bie  clterüdjc  ©cmalt  ücrlorcn 
f|at  (§  1558)  ober  rocnn  cö  fxd>  um  bie  SBormunbf(^aft  über  ein  minbcr* 
]äl)rigeö  uncl)clid&cö  ftinb  bcr  9)hittcr  Ijanbclt  (§  1570).  3n  aßen  bicfcn 
fällen  fpre^cn  aber  bicfelben  ®rünbc,  roddde  bal^in  geführt  f)aben, 
nid)t  bic  cltcrlid^c  ©eroalt  ber  9)hittcr  eintreten  ju  laffen,  mcf)r  ober 
roeniger  aud^  bagegcn,  bcr  jum  SSormunbc  ifircö  Äinbcö  beftcUten  9)hittcr 
befonbere  gefefelid)c  S3efrciungcn  cinjurSumen.  9iamcntlid^  gilt  bicö  für  bie 
beiben  julcgt  l)cn)orgeI)obcnen,  praftifd)  l^auptfäd&Ii^  in  Setrad^t  fommenben 
gäUe.  ^wav  roirb  in  benfelben  ha^  SSormunbfd^aftögcrid^t  bic  äKutter 
nur  bann  jum  SBormnnbe  beftellen,  rocnn  bicö  nac^  ben  obroaltcnbcn  Um* 
ftänbcn,  inöbcfonbcre  mit  SHudfid^t  auf  bie  ^erfonli^fcit  bcr  aJluttcr,  alö 
nnbebenflid^  ju  erad)len  ift;  allein  l^äufig  werben  bic  83crl)äUniffc  fo  liegen, 
ia^  ha&  93ormunbfdöaftögerid)t  fein  SBcbcnfen  tragen  wirb,  bie  aSormnnbfc^aft 
in  ben  l^ier  fraglid^cn  gällen  bcr  2)lutter  ju  übertragen,  rotnn  biefc  alö  a>or* 
ntunb  bcnfelbcn  33efd^ränfungcn  unb  berfclbcn  SKuffid^t  unterliegt,  wie  anbcrc 
SJormünber,  wöbrcnb,  rvmn  man  il^r  eine  freiere  Stellung  einräumt,  baö 
SSormunbfd&aftögcridjt,  obwol^l  il^re  Seftcllung  jum  SBormunbe  an  fid^ 
ii)ünfd)enöwcrtl)  wäre,  leidet  9lnftanb  ncl^men  wirb,  il)r  bic  SBormunbfd&oft 
JU  übertragen.  5Dicfen  ©rünbcn  gegenüber  fann  barauf,  baß  bic  preufe. 
SSorm.  D.  aud^  in  ben  Ijicr  in  SWebe  ftclicnbcn  gällen  bcr  SÖluttcr  alö  3>or* 
munb  iljrcö  minberiäljrigcn  Äinbcö  gewiffe  gefcfelid()c  ^Befreiungen  ju  J'&cil 
werben  läßt  unb  ia^  eö  im  Sntcreffe  bcr  ©infad^l^cit  bcö  ©efeftcö  an  ^\d) 
angc5elgt  crfd&cincn  fönnte,  ben  ßltern,  mögen  bicfelben  alö  58ormünbcr  i^rcö 


aSorinunbf *.  üBcr  SKuibcri.  fflcfrcitc  aScrmunbf^af t.  (§§  1690-1695.)     1165 

miubcriäl^riflcn  ober  tJoHifil^rigcn  Äinbcö  bcftcUt  fein,  bicfclbe  ©teDung  ein* 
iuräumen,  evI^ebUd^eö.  Oeroid&t  nid&t  gelegt  werben.  2)er  ©tonbpunft  ber 
preufe.  aSomt.  D.  I^ängt  auf  baö  ©ngftc  bomit  jufammen,  ba§  berfclben  eine 
elterli^c  Oewalt  ber  ÜRutter  unbcfannt  ift  unb  fic  halber  T)omei)mlic|i  mit 
bem  gaUc  ju  red^ncn  ge{)abt  f)at,  in  roeldjcm  m6)  beut  ^obe  beö  SBatcrö 
bic  Ü}luttcr  jum  SBormunbe  über  i^r  minberiä^rigcö  Äinb  bcftcHt  roirb.  Sin* 
longenb  aber  bie  SSomiunbfd^aft  ber  ©Itcrn  über  i^rc  roUiäl^rigen  Äinbcr,  fo 
fontmen  für  biefelbe  in  biefer  33ejiel^ung  befonbere  für  bie  l^ier  in  Sflebe 
fte^enben  %&Uc  nid^t  jutreffenbc  ®efic||töpunfte  in  Setrod^t  (oergt.  3RotiDc  ju 
§  1733). 

2.  Slud^  für  fonftigc  aSermanbte  beö  ÜRünbelö,  inöbefonberc  für  bic  ^onfiifle  oer» 
Orogcftern  beöfelben,  obrool^l  bie  leftteren  mäf  §  1635  9ir.  3, 4  froft  bcö  ©e^ 

fcgcö  als  aSormünber  berufen  fmb,  fiat  ber  ®ntn)urf,  obroei^enb  üon  ber 
preuß.  aSornt.  D.  §§  57,  59,  aber  in  Uebereinftimmung  mit  itn  übrigen 
Siebten,  Befreiungen  nid^t  jugelaffen,  ba  in  biefer  Sejiel^ung  ein  S9ebürfni6 
nid&t  anjuerfcnncn  ift.  ®ic  m^  ber  prcufe.  SBorm.  D.  §§  12,  26  3lbf.  4  rerb. 
mit  §  41  bem  aSatcr  ber  unel^elid^cn  äßutter  als  gefeglid^em  SSormunbc  beö 
une^clid^en  Äinbeö  eingerSumtc  bct)oräugte  Stellung  fommt  für  ben  ®ntrourf, 
lueld^er  eine  fold^e  gefefclid^c  aSormunbfdjaft  nid^t  fennt,  nid^t  weiter  in  gi^age. 

3.  ©benfomenig  fann  cä  für  bie  gällc,   in  loeld^en  ein  (S^egotte  jum  s^eflattenL 
äJormunbe  beö  anbercn  nod)  minberjätirigen  G^cgatten  beftellt  mirb,  als  am 
gemeffen  erad^tet  werben,  gefefelid^e  Befreiungen  eintreten  ju  Iaf[cn.   S)er  %a\i, 

bafe  bie  @l^efrau  sum  aSormunbc  i^rcö  minberjäl^rigen  Seemannes  beftellt  wirb, 
ift  im  .^inblirfe  auf  bic  »orfd^riften  beö  §  1233  unb  beö  §  1640  9h\  4  in 
aSerbinbung  mit  ben  §§  1635,  1636  unter  Umftänben  ivoax  red^tlid^  möglid^, 
uom  praftifd)en  Stanbpuntte  auö  aber  nic^t  bcfonberö  }u  bcad^ten.  älnlangenb 
aber  btn  gall,  rotnn  bie  3lnorbnung  einer  iBormuubfd^aft  über  eine  minber* 
jährige  ©l^cfrau  erforberlid^  wirb,  fo  fann  eö  jroar  unter  Umftönben  angcmeffen 
fein,  ben  (Sfiemann  trog  ber  auf  ®runb  beö  cöelid&en  @üterred)tcö  in  mand^en 
gällen  cintretenben  ÄoHifion  ber  Sntereffen  5um  SJormunbc  feiner  (S^efrau 
5U  bcftellen;  bcmfelben  aber  in  biefem  golle  eine  beoorjugte  Stellung  ju^jeben, 
wie  bic  preufe.  aijorm.  0.  §§  57,  59  bieö  in  einsclnen  SRid^tungen  allerbingö 
getl^an  l^at,  erfd^eint  bebenflid^  unb  fann  bal^in  führen,  bag  baö  aSormunbfd^aftö« 
gerid&t  aud&  in  fold^en  fallen,  in  wctd)en  cö  an  fid^  angcseigt  ift,  ben  ®l^e* 
mann  5um  ajormunbc  ju  bcftellen,  9lnftanb  nefimcn  wirb,  bcmfelben  bie  aSor- 
munbfd&aft  5U  übertragen. 

•     SBefonbcrc  Bcftimmungen  über  baQ  33erl)öltni6  ber  bem  ©bemanne  nad)  steDuna  bes^ 
3}to6gabe  beö  e^clid&en  ©ütcrftanbeö  suftel^enben  SRed^tc  on  bem  aSermögcn  ber  ^mmit 
©^efrau  ju  feiner  Stellung  als  aSormunb  ber  le|tcren,  wenn  er  atö  fol^cr    «"^  ^ß» 
beftellt  worben  ift,  Ijat  ber  Sntwurf  alö  cntbel^rlid^  crad^tet.    Daö  ®cfc^  ©u^tem^t 
crgiebt  mit  genügenber  ftlar^eit,  bag  bem  Sl^emannc  bie  il)m  nad^  aßaggabc 
beö  e^clid^en  ©ütcrftanbeö  {uftclienbcn  Siedete  alö  eigene  9led^te  ücrliel^cn  fmb 
(ocrgl.  ®ntfd&.  b.  SR.  ®.  in  ßioilf.  XVI,  32).    3ft  bieö  aber  ber  gall,  fo  fann 
cö  nid^t  jweifcl^aft  fein,  baft  bicfc  JRcd^te  beö  (gf)cmanncö  cbcnfowcnig,  wie 
anbcrc  il^m  an  bem  aScrmogen  ber  ©l^cfrau,  5.  33.  auf  ®runb  eineö  buvi) 
lc§twiUigc  aSerfügung  beö  Grblafferö  begrünbeten  Sliefebraudööredöteö,  jufte^cnbc 


1 166     aSormunbf*.  üBcr  3Kmberi.  Scfrcitc  SJörmunbf^aft.  (§§  1690-1695.) 

Siedete  burd^  [eine  ©igenfd^Qft  q(ö  SSormunb  bcr  ß^efrau  bcrul^rt  roerben,  bo6 
er  namentlid^  in  Slnfel^uitfl  beö  auf  Orunb  beö  el^elid&en  ©üterre^teö  feinem 
SScrroaltungöred^tc  untcriiegenben  SSermögenö  ber  ß^efrou  jur  J&interlcgung 
imb  ©id^erfteUung  nad^  SKafegabe  bcr  Seftimmungen  ber  §§  1670,  1689  nid^t 
Dcrpflid^tet  ift,  weil  bieö  fid&  als  eine  Scfd^ränfung  feiner  el|emännlid&en  SRed&tc 
an  bem  SScrmögen  ber  ©^efrau  barfteHen  würbe,  unb  bafe  feine  SeftcUung 
jum  SBormunbc  ber  Unteren  if)n  nid^t  l^inbcrt,  nad^  aRa§gabe  beö  e^elid^en 
Oüterftanbeö  über  baß  Sßcrmögen  ber  ß^rau  ju  oerfügen.  S)ie  ©tettung 
beö  ß^emanneö  jur  SBormunbfd^aft  ift  in  ben  l^ier  fraglid&en  öejie^ungen  in 
bem  gatte,  in  roeld^em  er  fetbft  ber  35ormunb  ber  ß^efrau  ift,  feine  anbere, 
mie  in  bem  gaDe,  in  roeld^em  ein  Sritter  bie  SBormunbfd^aft  über  bie  ßl^efrau 
fü^rt  (oergl.  SRotiüe  ju  §  1648  oben  ©.  1082).  S)er  SBorgang  bcr  prcufe. 
35orm.  D.,  meiere  im  §  95  Slbf.  1  allerbingß  beftimmt,  bag  bie  Sefugniffe, 
mel^e  ©Item  ober  S^egatten  traft  gefcfelid&er  3lu6nie|ung  am  SBermogen  ber 
Äinber  ober  traft  c^elid&en  Oüterre^teß  suftel^cn,  tjon  ienem  ©efefec  nid&t 
berührt  werben  (oergl.  aud^  haxjx.  9luöf.  ®ef.  }ur  ®.  5ß.  D.  t).  23.  gebruar  1879 
Slrt.  98  Slbf.  1),  fann  l&ier  nid^t  mafegebenb  fein.  35om  ©tanbpuntte  ber  preufe. 
SSorm.  D.  alö  cincö  ©pejiatgefeleö  aus  mag  bie  9Iufnal^me  jener  Seftimmiing 
jum  3roedEe  ber  S3efeitigung  oon  S^^cifeln  angemeffen  geroefen  fein.  3«  fold^en 
S^^ifcln  giebt  aber  baö  Oefegbud^,  meld^eä  baß  c^elid^e  Oüterree^t  fefbftSnbig 
regelt,  feine  SSeranlaffung. 
sinorbnuna  4.  SBöJ^rcnb  bcr  ßntrourf  auö  ben  oorftcl&enb  bargelegten  Orünben  ge- 

bet eitern,  j^gj^^.  Scfrciungcn  eineö  SSormunbcö  nid&t  anerfennt,  gicbt  er  bagcgen,  gc* 
oertenbes  (eitct  üon  ber  ©rroägung,  ba§  baö  Oefeg  feine  58orfd^riften  nur  ber  Siegel  beö 
**^*'  Sebenö  cntncfimcn  fann,  in  Scjie^ung  auf  bie  S3efreiung  beö  SBormuubeö  ber 
^ßrioatroinfür  in  geroiffen  SRid&tungen  3laum,  um  auf  biefe  SBeifc  ben  fonfreten 
aSerliältniffen,  meldte  eine  ©rmeiterung  ber  gefeglid^cn  ©d^ranfen  jutaffen,  o^nc 
bie  ©id&erfieit  beö  ÜJiünbelö  ju  gefäl^rben,  Sled^nung  ju  tragen.  Samit 
ftimmt,  abgefe^en  üon  bem  franj.  SRe^te,  baö  gcitenbc  Siedet  übercin.  ^'i- 
beffen  gel)en  aud^  biejenigen  Slcd&te,  meldte  ber  ^rioatioillfür  in  biefcr  $infid[)t 
einen  gemiffen  ©pielraum  geroä^ren,  in  bcr  Seftimmung  bcrienigen  ?ßcrfoncn 
auöeinanber,  melden  baö  SRed&t  juftei^t,  berartige  Befreiungen  anjuorbnen. 
S3alb  ift  eö  ber  ßrblajfer,  meld&em  ein  fold&eö  Siedet  eingeräumt  mirb,  fei  cö 
nur  in  Slnfel^ung  beö  ron  ifim  felbft  ober  aud^  beö  oon  Slnberen  l^errü^renben 
SJermögenö,  balb  nur  ber  ßrbfaffer,  meld^er  ben  ^ßflic^ttl^eil  ^interläSt,  balb 
ber  ßrblaRer  ober  ber  ©d^enfer  (oergl.  1.  13  §  1  Cod.  arb.  tut.  5, 6i ;  L  i  §  2, 

1.  14  D.  de  reb.  eorum  27^ »;  1.  3  Cod.  quando  decr.  5, 7«;  ©euffcrt  V,  192, 
VI,  225;  preufe.  31.  S.  SR.  II,  18  §§  681—694,  Sln^.  §  166,  H,  18  §  175; 
öfterr.  ®.  S.  §  238;  brem.  SBorm.  D.  §§  36,  49,  52,  68,  89),  balb  fmb  eö 
bie  eitern  (ffid^f.  ©.  83.  §  1907,  1926;  roeimar.  ®ef.  v.  27.  SKärj  1872 
§§  41,  46),  balb  forool^l  bie  ßltern  alö  aud^  bcrjenige,  ron  roeld^em  baö  SBer« 
mögen  l^errül^rt  (bapr.  ßntn).  3lrt,  51,  59,  64,  67,  81).  Slnbere  Oefefee  l^aben 
«in  beftimmteö  5ßrinjip  überliaupt  nid^t  feftgcl^alten,  j.  33.  bie  lübetf.  SBorm.  0., 
meldte  baö  9le^t  in  einjelnen  gftHen  bem  SBater,  in  anberen  bem  erblaffer 
mräumt  (§§  41,  59,  70  oerglid&en  mit  §§  41, 47),  unb  bie  prcufe.  SBorm.  D., 
nad^  mcld^er  in  btn  gälten  beö  §  35  3lbf.  3  bem  ßrblaffer,  in  ben  gSUcn  bcr 


aSormunbf*.  üBcr  SWinbcrj.  Scfrcitc  aSormunbf^aft.  (§§  1690—1695.)     1 167 

§§  26,  57,  59  bcm  SBatcr  unb  bcr  aßuttcr,  in  bcn  gällcn  bcr  §§  47,  60  oKcin 
bcm  SSater  baö  fRc6)t  jugeftanben  ipirb. 

3m  Slnfd^Iuffe  an  baö  bcm  SBoter  unb  bcr  SWuttcr  nad&  bcn  SSorfd^riftcn  ©tanbpimft 
bcß  §  1635  3lt.  1,  2  unb  bcö  §  1636  beigelegte  SRed^t,  burd^  tcfetiüilligc  SBcr*  e„tl^««. 
fügung  einen  SSormunb  für  il^rc  minbcriöl^rigen  ftinbcr  ju  benennen,  unb  in 
nfil^erer  Sludgeftaltung  biefed  9led^ted  f)at  bcr  @ntn)urf  junöci^ft  bcm  SSater, 
foroic  bcr  cl^eliti^cn  aJluttcr  beß  aWünbefe  ofe  Sluöffufe  bcr  cltcrlid^cn  Oemalt 
boö  mcitere  SRed^t  beigelegt,  ju  ©unften  beö  t)on  ilinen  benannten  SBormunbcö 
nad&  aWafegabe  bcr  aSorfd^riften  beö  §  1636  bie  in  bcn  §§  1690—1692  bc^- 
jeic^ncten  Befreiungen  üon  bcn  fonft  mafegebenben  allgemeinen  Seftimmungcn 
beö  äSormunbfc^aftörcd^tcö  anjuorbncn,  bat)on  auögel^enb,  bag  man  }u  ben 
©Itern  mcgen  i^rer  Siebe  ju  bcn  Äinbern  unb  megen  il^rer  ©infid&t  in  bic 
SSerl^ältnijfc  berfelbcn  am  unbebenflie^ften  baö  S^t^^^w^^^  ¥q^^  fonn,  bafe  fie 
bie  l^ier  in  SRebe  ftel^enben  Befreiungen  nur  bann  anorbnen  roerben,  menn  fie 
jum  Beften  beö  3HünbeIö  gereid^en.  Die  Befugnife  fte^t  bcn  @Itern,  ba  bie* 
felbc  eine  SRad^roirfung  bcr  elterlie^en  ©cmalt  ift,  ol^nc  SRüdffid^t  barauf 
JU,  ob  baö  bcr  SScrmaltung  beö  SSormunbeö  unterliegenbe  aSermogen  von 
il^nen  l^errül^rt  ober  nid^t.  ®inc  Unbilligfeit  gegen  ben  ©ritten,  lueld^er  bcm 
aJlünbel  baö  SSermögen  iugemenbet  l^at,  liegt  barin  nid^t,  ba  nad^  §  1738  W)l  1 
bcm  ©ritten  baö  SHed&t  aufteilt,  bie  SScrroaltung  beö  }ugcroenbeten  SBcrm5genö 
bem  allgemeinen  SBormunbe  vbUxQ  ju  cntjielien  unb  baburd^  bcr  üon  ben 
©Itern  angeorbneten  Befreiung  beö  lefetcrcn  ieben  ©influfe  auf  bie  SBerroaltung 
beö  jugeroenbeten  SSermögenö  ju  benel^men  (uergl.  aud^  §§  1744, 1745).  Slnbcrer- 
feitö  foHen  bic  üon  ben  ©Item  angeorbneten  Befreiungen  nur  ben  von  il^neu 
benannten  SSormünbem  }u  S^^cil  mcrbcn,  ba  bie  grage,  ob  bic  Befreiungen 
unbebenflid^  finb  unb  im  3ntercffe  beö  aJlünbclö  liegen,  fid)  nur  im  ^inblidfe 
auf  bie  ^erfönlid^fcit  eineö  beftimmten  SSormunbeö  angemeffen  beantmortcn 
lägt  (oergl.  preufe.  aSorm.  D.  §§  47,  59,  60).  ©runbfäfetid^  geftattet  bcr 
©ntrourf  ferner  ben  ©Item  nur  bic  Slnorbnung  fold^er  Befreiungen,  meldte  bic 
®ltern  fclbft  alö  bcftcUte  SBormünber  über  il^rc  roUiäl^rigcn  ftinbcr  geniefeen 
(§  1733). 

5lebcn  ben  @ltcrn  f|at  bcr  ©ntiourf  in  bcfd&ränftem  Umfange  aud^  bcm*  «norbnuna 
ienigen,  rocld&er  bem  SRünbcl  aSermögen  jugeroenbet  Ijat,  inöbefonberc  bem    ^^Z 
@rblaf)er,  baö  9led^t  beigelegt,  geroiRc  Befreiungen  anjuorbnen.    S)cr  \na%^  su»enber«. 
gebenbc  ©eftd^töpunft  ift  l^ier  nid^t  baö  natürlid^c  Banb,  fonbcm  bie  ©rrofigung, 
Äa6  man  bemienigen,  metd^er  burd)  feine  Siiw'c^^wng  ein  befonbereö  3&o\)U 
moUen  unb  Sntercffc  für  ben  SRünbcl  an  bcn  2:ag  legt,  f^on  im  3ntereRe  beö 
2)lünbclö  nid^t  motit  bic  Befugnife  ücrfagcn  fann,  in  Slnfc^ung  berienigen  aSer* 
l)ältniffc,  mel^c  alö  eine  unmittelbare  ^olgc  biefcö  SBoJ^lmoUcnö  crf^cincn, 
mithin  in  2lnfcl)ung  beö  jugcmcnbetcn  aSermögenö  ju  ©unften  eineö  ton  if|m 
benannten  5ßflegcrö  ä^nlid^e  Slnorbnungen  ju  treffen,  wie  fic  ben  ©Itcrn  für 
t)ic  Dormunbfd^aftli^e  aScrmaltung  allgemein  geftattet  werben.    S)ie  barauf 
fecjüglidjcn  Bcftimmungcn  fxnb  in  bem  2:itcl  über  bie  ^egfd^aft  (§  1745) 
flcgcben. 

Slufecrbcm  gemalert  ber  ©ntrourf  im  §  1695  bemienigen,  meld^cr  bem 
aWünbct  aSermogen  iugcmcnbet  l^at,  abgefel^en  t)on  bcr  ajorfd^rift  beö  §  1660, 


1168     aScrmunbfd&aft  über  SRinbcriä^riöc    Scfrcitc  25crnumb|<5aft   §1690. 

noä)  infofcrit  einen  ®inpu6  auf  bie  allgemeine  Stellung  beö  33onnunbeö,  ate 
er  if)m  in  3lnfe^ung  beö  jugeroenbeten  3Sermogcnö  baft  9tcd)t  beifegt,  nad^  SBafe^^ 
gäbe  beö  §  1695  bic  Dffcnfegung  beö  SSermögenöDerjeii^mffes  (§  1659)  ju 
verbieten.  3m  Ucbrigen  ift  ber  SJermogcnösurocnber  burdö  9lnorbnung  uon 
?)efreiungen  in  bie  üovmunbfd^aftUd;e  SSerroaltung  cinjugreifen  nid^t  bered^tigt. 

SBegen  ber  Segrünbung  im  ©injelnen  wirb  auf  bie  befonbercn  aWotioc 
ju  bcn  §§  1690—1695,  1744  t)ern)icfcn. 


§  1690. 

ginorbnung  2)ie  Seftimmung  beö  §  1690  ©aö  1  fd&Kefet  fid^  ber  preu§.  SBorm.  D. 

t'Ä  §  26  3lbf.  6  an.    3ft  auf  ©runb  bkfer  öeftimmung  ein  ©egeuDormunb  nic^t 

eines  ®eflen-  befteUt,  fo  ergiebt  ftd&  a\{&  §  1666  9tbf.  1  t)on  felbft,  iag  ber  SSormunb  aud^ 

x)orm««be«;  ^^  ^^^  .^  g  ^^^^  ^^^^^  ^  ^^  ^_^^  ^  beftimmteu  Slnlegung  oon  ©etbcrn  beö 

aKünbetö  weber  ber  ©enel^migung  beö  Oegenoormunbcö  nod)  ber  ®t^ 
ncfimigung  beö  SSormunbft^aftögerid^teö  bebarf.  3)agegcn  wiirbe  in  ©r- 
mangelung  einer  befonberen  33cftimmung  nad)  §  1669  Sttbf.  3  in  ben  gSUcn 
beö  §  1669  9lbf.  1,  2  an  SteUc  ber  Oene^migung  beö  nid)t  beftetttcn  ®egcn^ 
Dormunbeö  bie  Oenel^migung  beö  Sßormunbfd^aftögerid^teö  erforberlid^  fein  unb 
trog  ber  Tjier  fraglid^en  3lnorbnung  ber  aSormunb  öerpfli^tet  bleiben,  in  bcn 
gällen  beö  §  1664  3lbf.  2  3flr.  5  unb  beö  §  1665  bie  Anlegung  mit  ber  im 
§  1666  3lbf.  2  bejeid^ncten  Seftimmung  ju  beroirfen.  S)iefeö  Sftefultat  ift  aber 
mit  bem  ^roedt  ber  älnorbnung,  bag  ein  ©egencormunb  nid^t  ju  befteUen 
fei,  ni^t  t)creinbar;  benn  cö  ift  gerabe  ber  ^tocd  Jener  t)om  ©efcfte  jugelaRenen 
3lnorbnung,  für  ben  SSormunb-  ©rleic^terungen  eintreten  ju  taffen  unb  i§m 
eine  freiere  ©teUung  ju  geroäfiren.  ©tatt  einer  ©rleid^tenmg  lonnte  auö  bem 
9luöfd^luffe  ber  ©efteUung  eineö  ©egenoormunbeö  bem  SBormunbc  eine  (Sr* 
fd^merung  erroad^fen,  wenn  in  biefem  galle  an  ©teile  ber  (Genehmigung  beft 
®egenüormunbeö  bie  ©enel&migung  beö  SBormunbfdöoftögerid^tcfl  crforberlid^ 
werben  mürbe.  Sluö  biefem  ©runbe  beftimmt  ber  §  1690  am  ©dbluffc  in 
fad)lid)er  Uebereinftimmung  mit  ber  preufe.  SBorm.  D.  §  26  9l6f.  6  unb  §  41, 
ba§  in  ber  9lnorbnung,  ba6  ein  ©egenoormimb  nid(>t  ju  beftellen  fei,  bie 
weiteren  im  §  1690  ©ag  2  bejeid^neten  älnorbnungen  alö  entl^alten  aniufel;en 
öefc^ranfung  fiub.    fiönneu  aber  bic  Gltern  b\xx6)  bie  Untcrfagung  ber  öeftellung  einc& 

dlwToi^Vn  ®cöc"^ö^^""^^ö  ^^^  ^ö"  i^"^'^  benannten  SSormunb  inbireft  von  ber  9iot^* 
«norbnuitfl  roenbigfcit  ber  ©enel&migung  beö  @egent)ormunbeö  ober  beö  SSormunbfd&aftö* 
«T/rdunflw.  gcrid^teö  in  ben  gällen  beö  §  1669  befreien  unb  üon  ber  SSerpflid^tung  ent* 
binben,  5U  ber  9lnlegung  ron  ©etbern  beö  2Rünbelö  bie  ©enel^migung  beö 
©egent)ormunbeö  ober  bie  ®enel)migung  beö  ^ormunbfd^aftögeric^teö  eim 
iuliolen  unb  in  ben  gäKen  beö  §  166*4  Slbf.  2  5ßr.  5  unb  beö  §  1665  bic  än^ 
legung  ^mit  ber  im  §  1666  3lbf.  2  bejeidtineten  Sefiimmung  ju  bemirlen,  fo 
wirb  man  ben  Altern  aud^  baö  9)}inuö  geftatten  muffen,  bem  SSormunbe  o^nc 
Sytücffid^t  barauf,  ob  bie  Seftellung  eineö  ©egenoormunbeö  mn  i^nen  untere 
fagt  ift,  bie  im  §  1690  Safe  2  bejeid()neten  Befreiungen  ober  bie  eine  ober 
anbere  berfelben  ju  S:^eil  roerbcn  ju  laffen  <oergl.  aud&  prcufe.  SBorm.  D.  §  47). 


SSorntimbfcfcaf t  ü6cc  SWinberiä^rlöe.    »efrcttc  SSormunb^aft.    §  1C90.     1 169 

3laä^  ber  prcufe.  SBortn.  D.  §  47  2lbf.  2  tritt,  rocnn  ber  aSotcr  beö  ffiirtfamfeit 
OKünbcld  in  ber  in  §  17  9lr.  2  baf.  bcftimmtcn  gorm  bcn  von  iljm  benannten  «uo^bnuno. 
aSormunb  von  ber  SRot^ioenbiofcit  ber  ©enel^miflung  beö  ©egenüormunbcs  jn 
bcn  im  §  40  bejeie^ncten  ^anbUmgcn  befreit  ^at,  eine  folc^e  Befreiung  ni^t 
unmittelbar  auf  ©runb  ber  Dätcriid&en  9tnorbnung,  fonbern  evft  baini  ein, 
wenn  auf  ®runb  berfelbcn  baß  SSormunbfd^aftögericidt  bem  SBormunbe  in  bor 
93eftallung  bie  allgemeine  ©rmäd^tigung  jur  93ornaf)me  ber  bcjeid&ncten  §anb* 
lungen  ertl^eilt  ^at.  3luf  ©runb  bicfer  33eftimmung  nimmt  bie  Suriöprubenj 
weiter  an,  bafe,  wenn  einmal  eine  foId;e  ©rmäd^tigung  crtl^eilt  raorben  ift,  bie 
Unroirffomfeit  ber  von  bem  SSormunbe  ofint  ©ene^migung  bcö  ©egenüormuubcö 
vorgenommenen,  unter  bie  93eftimmungen  beö  §  40  fallenben  Sled^tögef^öfte  auf 
bie  Ungültigfeit  ber  bie  Befreiung  anorbnenben  SScrfügung  beö  SSaterö  nid^t 
geftüfet  werben  fönne.  gür  eine  berartige  Siegelung  fann  man  geltenb  machen, 
bog  baburd)  in  9lnfe^ung  ber  unter  bie  Seftimmungen  beö  §  1669  fallenbcii 
Sied&tßgefd^äfte  bie  ©ic^erl^cit  bcö  93erfel^rcö  geförbert  werbe,  ?Jroje{?e  über  bie 
©ültigfeit  ber  I|icr  fraglichen  SKnorbnungen  abgcfd&nitten  unb  Slonflifte  swifc^cn 
bem  3Sormunbe  unb  bem  SSormunbfdjaftögcrid^te  oermiebcn  würben,  aucb  bem 
lefeteren,  wenn  baöfetbc  bafür  t)alte,  ba^  auö  ber  Befreiung  eine  ©efäl^rbung 
bcö  aWünbelö  ju  bcforgen  fei  (§  1694),  bie  aWöglid^feit  gcwäl^rt  werbe,  dou 
üorn^ercin  ber  angeorbncten  SJcfreiung  burd^  SBerweigerung  ber  ©rt^eilung 
ber  allgemeinen  ©rmäd^tigung  jebe  SBirffamfcit  ju  entäiel)en,  fobag  ber  SSor« 
munb  in  feinem  Slugenblicte  bie  üBad^t  f)abe,  bie  im  §  1669  bejeid^netcu 
SRcd^tögefd^äftc  ofine  bie  ©ene^migung  beö  ©egenoormunbeö  ober  beö  SSor- 
munbfc^aftögcric^teö  wirffam  uorjunelimen.  2Beungteid&  baö  ®crv\i)t  biefcr 
©rünbe  nidbt  ju  üerfennen  ift,  fo  fommt  bo^  onbererfeitö  entfdjeibenb  in  Sc* 
trad^t,  bafe  eine  berartige,  einen  pofitiüen  JUarafter  an  fidj  tragenbe  Siegelung 
ben  6inn  ber  Icfttwilligen  SSerfügung  in  einer  bem  SBillcn  beö  SSerfügenbcu 
nic^t  cntfprcd^enben  SJBeifc  umbeutet  unb  bie  ©ntfc^eibung  ber  an  ftd^  projefe* 
fälligen  grage,  ob  bie  Icgtwillige  SSerfügung  unb  bie  auf  ©runb  berfelben  von 
bem  aSormunbe  of)nc  bie  ©enelimigung  beö  ©egenoormunbeö  ober  beö  SSor- 
munbfdjaftögerid^teö  vorgenommenen  9led)lögefd^äfte  gültig  finb  ober  nic^t, 
bem  ^jjrojeferid&ter  entjiel)t.  9ludö  ift  eine  Seftimmung  ber  ^ier  fraglichen  3(rt 
burc^  ein  praftifd^eö  SBebürfni^  nid&t  geboten.  3}nöbefonbere  fann  bie  Sc* 
forgnife,  bafe  ol^ne  eine  folifte  SBeftimmung  bie  ©id^erfieit  beö  93erfe^rcö  gc* 
fälirbet  werbe,  nic^t  gctl^eilt  werben,  um  fo  weniger,  atö  eö  nid^t  auögefd^toffcn 
ift,  ba§  ia&  SSormunbfd&aftögeric^t  über  baö  Sefte^en  ber  betreffenben  58e* 
freiungen  ein  gerid^tlid^cö  S^ugnife  ertl)cilt  ober  biefelben  in  ber  93eftallung  er* 
wäljnt.  Sm  SJerfe^re  wirb  man  mit  einem  fold^en  gerid&tlid^en  3^9i^ift^ 
regelmäßig  pd)  begnügen  unb  fein  Sebenfen  tragen,  auf  ©runb  beöfelben  mit 
bem  SSormunbe  auf  9ied)tögefd&öfte  fic^  einjulaffen. 

Dbwobl  bie  preufe.  93orm.  D.  mit  bem  lanbred^tlidden  ©qfteme  über^^  «udfc^iie^ung 
mäßiger  Sefd^ränfung  beö  SSormunbcö  gebrochen  l^at  unb  uon  bem  ^rinsipe  ©cnejmioung 
auögel)t,  bcn  33ormunb  fd)on  nad^  ber  SHegel  beö  SRed^teö  fo  frei  alö  möglich  i>«««ormunb. 
}u  ftellen,  fo  fjat  fie  benuod^  alö  SJad^flang  an  ben  befreiten  SBormunb  bcö    ^^^tci. 
prcuß.  31.  S.  31.  —  wclc^eö  bem  (Srblaffer,  wenn  biefer  bem  Sßünbcl  me^r  alö  ben 
5ßftid&tt^eil  juwenbct,  bie  Sefugniß  gicbt,  ben  von  il^m  benannten  SSormunb 

SRotioc  }.  e&rger(.  Oefe|6u((.  IV.  74 


1170     aSormunbfd&aft  über  gRinbcriSBrigc.    Scfrcitc  SBormunbfc^aft.   §1691. 

in  roeitcftcm  Umfange  inöbcfonbcrc  anä)  von  ber  fonft  oorgcfd^riebcncn  3JliU 
wirfung  bcö  SSormunbfd^aftögeric^tcö  bei  SRcd^tö^anblungcn  bcö  SBormunbcö  ju 
befreien  (tjergl.  II,  18  §§  681—684,  3lnt|.  §§  166,  167)  — ,  in  §  47  bic  im 
SRegierungßcntrourfe  fel^tenbe,  auf  einem  93efd^Iuffe  ber  Slommiffion  bcd  ^crren^ 
liaufeß  (Serid&t  ©,  63)  berul^enbe  SBorfd^rift  aufgenommen,  ba^  ber  SBata" 
beö  SKünbelä  bered^tigt  ift,  in  ber  im  §  17  3lt.  2  bcftimmten  gorm  ben  von 
i^m  benannten  SBormunb  aud^  t)on  ber  5Rot^menbigfeit  ber  ©enel^migung  bcö 
SBormunbfd&aftögeric^teö  ju  ben  im  §  42  3lr.  4—14  unb  im  §  44  bejeicöncten 
^anblungen  ju  befreien,  3)anaci(i  fann  ber  Sßater  bem  Don  il^m  benannten 
SSormunbe  eine  meit  freiere  Stellung  einräumen,  als  er  felbft,  fei  cö  afe  ^Ütu^ 
l^aber  ber  räterlid&en  Ocmalt,  fei  es  alö  gefefeUd^er  ober  beftcltter  SBormunb, 
einnimmt.  3nöbefonbere  fann  banad^  bie  fonft  not^menbige  ©enel^migung  beß 
aSormunbfd^aftfigerid^teö  in  SKnfel^ung  ber  83ermögenöt)ermaltung  üoUig  auö^ 
gefd^loffen  merben. 

dagegen  geftatten  —  abgefelien  t)om  gemeinen  Siedete,  nad^  metd^em  bic 
oberoormunbfd^aftlid^e  @enel^migung  ju  äSeräugerungen  burd^  bie  @riaubnig 
beß  ©rblafferö,  uon  wcld&em  bie  ju  ücräu^ernbe  ©ad^e  l^errü^rt,  erfegt  mirb 

(1.  1  §  2,  1.  14  D.  de  rebus  eorum  27,  » ;  1.  3  Cod.  quando  decr.  5, 72)  —  bic 

übrigen  ©efefcgebungßmerle,  inßbefonbere  baß  öfterr.  unb  baß  fäd&f.  ®.  S3.,  fo« 
mie  ber  ^eff.  unb  ber  bagr.  ©ntrourf  (3Jlotivt  ©.  74),  mcber  ben  ©Itern  nod& 
bem  ©rbiaffer,  bic  gefefelid^  üorgefd^riebene  ©enel^migung  beß  SBormunbfd^aftß^ 
gerid^teß  in  irgenb  einem  gatte  außjufd(>Iie6en. 

2)iefer  legten  ©ruppe  t)on  ©efeggebungen  folgt  audti  ber  ©ntmurf.  3n 
weiterem  Umfange,  alß  bieß  im  §  1690  gefd^el^en  ift,  eine  Befreiung  beß 
Sßormunbeß  von  ber  ©enebmigung  beß  Sßormunbf^aftßgerid&teß  jujulaffcn,  ift 
im  Sntereffe  ber  ©i^erl^cit  beß  äRünbelß  bebenflid^  [unb  anbcrerfeitß  burd^ 
ein  93ebürfnig  nid[)t  geboten,  ba  bie  Tiotl^menbigfeit  ber  ©enel^migung  beß 
Süormunbfd^aftßgerid^teß  ol^nel^in  auf  eine  ücrJ^ältnifemäfeig  geringe  ^a^  üon 
göUen  befdiränft  ift. 

§  1691. 

»efrd«n9  ©ic  ©tcBung  ber  ©efeße  gegenüber  ber  gragc  nad^  ber  3wIäfPfl^it  ber 

9tlmn\s  ^^^^^^"9  ^^^  SSormunbeß  üon  ber  im  '§  1687  bcftimmten  aScrpflid^tung, 

leflwig. '  roäfirenb  beß  Seftebenß  ber  SBormunbfd^ft  SRed^nung  ju  legen,  ift  eine  oa> 

fd^iebenc.    3laä)  gemeinem  SKcd^te,  für  meldfieß  allerbingß  au^  bie  gcgentbciligc 

9lnpd^t  bißmeilen  tjcrtbeibigt  ift,  nad^  bem  franj.  .SRed^te,  bem  föd^f.  ®.  83, 

§  1951  unb  bem  meimar.  ©ef.  v.  27.  aWärj  1872  §  60  ift  eine  fol^c  Sc* 

frciung  im  SGBcge  ber  5ßrit)atmiUfür  unftattl^aft.    3)agegen  laffen  baß  prcufe. 

21.  2.  SR.  II,  18  §§  681—694,  bie  preufe.  SBorm.  D.  §  57,  baß  öfterr.  ®. ». 

§  238,  bie  brem.  SBorm.  D.  §  89  unb  ber  bar)r.  ßntm.  Slrt  81,  in  einem 

befd&rfinften  aRafee  aud&  ber  beff.  ©ntm.  IV  3lrt.  97,  ber  ^SrioatmiDfür  SRaum, 

inbem  fte  tl^eilß  bem  @rblaffcr,  tl^eilß  aud^  ben  @(tem  bad  !Red(|t  einräumen^ 

eine  ^Befreiung  Don  ber  SRed^nungßlegung  anjuorbnen, 

aSenngleidd  —  f)ingefel^en  auf  bie  3w)edEe,  meldte  bic  im  §  1687  bcflimmte 
3Serpftid^tung  beß  SBormunbeß  jur  SRed^nungßlegung  verfolgt  (oergl.  ÜRotioe 
JU  §  1687  oben  ©.  1157  ff.),  unb   mit  SRürffid^t  barauf,  baS   bie  SRcd^ 


Sormunbfc^aft  üBcr  SJtmberiaJrigc.    S3cfrcitc  SSormunbfc^aft.    §  1691.     1171 

iiungötcgung  roo^rcnb  beS  S3cftcf|cnö  ber  SBormunbfd^oft  bic  ©runblagc  bilbct 
für  bic  bem  aSormunbc  naä)  93ecnbigung  bcö  rormunbfd^aftlidöcn  3lmtcj5  ob* 
licgcnbc  ^ßflidöt/  ^^^  2Jlünbel  SRcc^nung  ju  legen  (§  1700)  —  üom  ©tttnbpuntte 
bcö  3ntercffcö  bcö  aWünbeld  ouö  geroid^tige  Scbcnfen  bagcgen  erl^oben  werben 
fönnen,  in  ber  l^ier  fraglid^cn  Scjieldung  ber  ^rioatroiUfür  SRaum  ju  geben,  . 
to  [inb  bod^  bie  für  ben  Stonbpunft  beö  ©ntrourfcö  fpred^enben  (Srünbc  qIö 
überroiegenb  ju  eroditcn.  3)ic  unbebingte  ©urdifü^rung  bes  ben  SSormunb 
jur  periobifd&en  SWed^nungöIegung  Derpflid&tenben  ©runbfogeö  gel^t  ju  weit.  S)aß 
praftifc^e  Sebürfnife  forbert  es,  SSorforge  ju  treffen,  bo^  unter  Umftänbcn  uon 
jenem  ©runbfafcc  abgeroid^en  werben  fonn.  58[m  näd^ften  liegt  eö,  im  3lm 
td^Iuffc  an  bie  preufe.  3Sorm.  D.  §  57  3lbf.  1,  bic  ®ntfd^eibnng  ber  grage,  ob 
eine  fold^c  3lbn)eidE)ung  ftattfinben  foH,  in  SSerbinbung  mit  bem  Siedete,  einen 
SSormunb  ju  benennen,  in  bie  §anb  ber  ®Itern  ju  legen,  ba  barauf  üertrout 
TOcrben  fonn,  bofe  biefelben  ben  üon  itinen  benannten  SBormunb  oon  ber  SBer* 
pflic^tung  jur  SRed^nungöIegung  nur  bann  befreien  rocrben,  wenn  bieö  mit 
JRüdEfid^t  auf  bic  ifinen  bctanntc  ^erfönlic^fclt  beöfelben  unbcbenüid^  ift 
unb  jum  Seften  bes  SKünbeld  gereid^t.  6s  ift  ju  bcforgen,  bafe  ol^ne  bic 
3ulaffung  einer  fold^cn  Befreiung  bic  ron  ben  ®Itern  alö  SBormünber  be« 
nannten  ^^Jcrfonen,  bercn  SeftcHung  ju  SBormünbcrn  im  Sntcrcffc  befi  SWünbete 
liegt,  auö  ©d^cu  Dor  ben  mit  einer  pcriobifd^en  9led&nungötegung  für 
fic  Dcrbunbcncn  Seläftigungen  unb  SGBciterungen  fid^  meniger  leidet  baju 
t)erftc^en  rocrbcn,  bie  i^nen  angetragene  SBormunbfd^aft  ju  übernel^mcn.  Um 
fo  unbcbcnflid(|cr  ift  eä,  ber  prcufe.  aSorm.  D.  in  biefer  ^infic^t  ju  folgen,  alö 
im  ©ebiete  berfctbcn  au3  ber  in  SHcbe  fte^cnbcn '  Befreiung  Uebelftänbc  fid^ 
uid&t  ergeben  l)aben. 

Um  icbod^  baä  SSormunbfc^aftögeric^t  in  'ben  ©tanb  ju  fefcen,  ftänbig  «nwic^un« 
fontroliren  ju  fönnen,  meiere  ©inroirfung  auf  baö  aSermogen  bie  aSerroattung  »ermd«en«* 
bcö  üon  ber  ^piic^t  jur  Stcd^nungölcgung  befreiten  SSormunbeö  fiat,  ift  eö  im  «^»n^^*«- 
Sntcreffe  bed  SWünbetö  unb  namcntlid^  im  ^inbtidfe  barauf,  ha^  bic  ^erfom 
lid&tcit  bcö  Don  ben  ©(tern  benannten  SSormunbeö  unb  bcf[en  aScrl^ättniffc  im 
Saufe  ber  3<^it  f^^  änbern  fönnen,  alö  angcmcffcn  crad^tet,  bem  oon  ber 
^flid&t  }ur  SRcd^nungölegung  befreiten  SSormunbc  nid^t  bloö  auf  ®rforbem  bcö 
ajormunbfd&aftögerid^teö  (oergl.  preufe.  SBorm.  D.  §  57  3lbf.  2),  fonbcm  froft 
bcö  ©cfcgeö  bie  SScrpflid^tung  aufjuerlegen,  nad&  9lblauf  Don  je  jmei  S^^^^cn 
tinc  hm  bermaligen  Scftanb  bcö  33ermögcnö  bcö  üKünbelö  crgebcnbc  Ueberfid^t 
nad&  ajlafegabe  ber  notieren,  an  bie  preufe.  aSorm.  D.  §  57  2lbf.  2  im  Ucbrigen 
fidd  antcljnenbcn  Seftimmungen  bcö  §  1691  Slbf.  1  Safe  2,  3  bem  aSor:* 
munbfc^aftögerid^te  cinjurcii^en.  Siefe  aSerpflid^tung  ron  einer  rorgängigen 
3lnorbnung  bcö  aSormunbfc^aftögcric^tcö  abl)ängig  ju  mad^cn,  empfict)lt  fid^ 
nid^t,  weil  alöbann  bie  ©ad^c  praftifd^  fid^  Ici^t  fo  gcftalten  roirb,  ba^  bic 
©inreic^ung  einer  aSermogcnöübcrfid^t  regelmöfeig  überhaupt  unterbleibt.  3)em 
S3ebürfniffe  in  befonbcrcn  göUcn  trögt  bie  Scftimmung  bcö  1691  Slbf.  2  in 
ouöreic^enber  SBcifc  Jied^nung.  2)iefe  9trt  ber  Siegelung  in  ajerbinbung  mit 
ber  aSorfdirift  bcö  §  1694  ftcUt  f\ä)  alö  eine  angcmcjfenc  3luögleid^ung  ber 
rcrfd^icbcncn  9iütffid^ten  unb  ber  oerfc^iebencn  im  gcltenbcn  Siedete  vertretenen 
Hluffaffungen  bar. 

74» 


1 


1172     aSormunb[*aft  üBcc  »Hnberj.   befreite  SSormimbfci&aft.  §§  1692, 1693. 

»efreiuKfloon  S)a  bos  üott  bem  Sßormunbc  naä)  §  1659  einjurcid&cnbc  3nDentar  bic 

^*'' *"Jrt  ^*"*  (Srunblage  für  bic  bem  SSormunbc  nod^  Sccnbigunfl  bcs  oormunbid^aftUti^cn 
Snoetttarcs.  gitutcö  obUcgenbc  ^ftld^t  bilbct,  bem  aWünbcI  baö  oon  ilim  oerroaltetc  SScr- 
mögen  l^crauöjugeben  unb  über  bic  SBcrroaltung  SRcd&nung  5U  legen  (§  1700), 
eine  ^Befreiung  von  bicfer  ^flid^t  aber  na6)  bem  ©ntiourfe  ni^t  juläffig  ift 
(tjergl.  aWotiüc  ju  §  1700),  fo  \)at  bcr  ©ntrourf  in  Uebercinftimmnng  mit  bem 
gemeinen  Siedete  unb  ben  neueren  ©efeggebungen  (oergl.  prcufe.  21.  S.  9t.  II,  18 
§§376—408;  preug.  SSorm.  D.  §  35  nebft  SKotiüen  ©.  74;  öftcrr.  ®.  S. 
§  223;  Code  civil  3lrt.  451;  fä#  ®.  33.  §§  1906—1908;  rocimar.  (Scf.  d. 
27.  aWärj  1872  §§  45—47;  lübecf.  SBorm.  D.  §§  34—43;  brem.  aSorm.  C. 
§§  34—37;  l^omb.  SBorm.  D.  2lrt.  24,  25;  tieff.  entro.  IV  SKrt.  51;  boiir. 
®ntn).  3lrt.  65)  ben  Eltern  als  foldjcn  nid^t  and)  boö  Siecht  eingeräumt,  ben 
von  i^nen  benonnten  Sßormunb  oon  ber  9lufnaf)mc  unb  ber  ©inreicftung  eined 
Snücntareö  ju  befreien.  SBegen  ber  groge,  ob  bemienigcn,  welcher  bem  ÜÄünbcI 
SSermögen  jugerocnbet  ^at,  in  SÄnfe^ung  beö  jugeroenbeten  5Bermögcnö  eine 
fold^e  33efugni6  eingeräumt  werben  foU,  mirb  auf  bic  ÜWotioc  ju  §  1695  per= 
miefen.  3)ort  finb  audj  bie  Orünbc  bargelegt,  auä  metdien  ber  ©ntrourf  — 
abmeid&enb  üon  bem  födif.  ®.  93.  §  1907  unb  bem  roeimar.  ®ef.  v.  27.  aJiärj 
1872  §  46  —  ben  ©Itern  alö  fold^en  nid&t  geftattet,  bic  Offenlegung  beö  aSer^ 
mögenöoerscidinijfcö  ju  verbieten. 


§  1692. 

»efrciunft  ©ic  93cftimmung  bcä  §  1692  f^licfet  ftd^  ben  a5orfd)riften  beö  §  59  aftf.  1 

^irruauna""^  bcö  §  60  2lbf.  2  bcr  prcufe.  aSorm.  D.,  fomic  beö  prcufe.  ®ef.,  betr.  boÄ 
2c.  (Staatöfd)ulbbud&,  v.  20.  3uli  1883  §  24  Sttbf.  2  an  unb  ift  namentlich  im 
^inblide  auf  bie  bem  58ormunbf^aftögerid)te  im  §  1694  beigelegte  33efugni& 
(uergl.  preu^.  SSorm.  D.  §  59  9lbf.  2)  unbebenftid^.  S)ie  gotge  ber  ^icr  frag* 
li(i[)cn  aSefrciung  ift,  ba^,  wenn  ber  SBormunb  trofcbem  aCBcrtl^popicrc  unb 
5loftbarfeiten  beö  SDlünbelö  bei  einem  S)rittcn  l)intertcgt  ober  bic  in  Sn^abcr* 
papieren  beftel^enben  SBcrtljpapierc  auf  ben  Flamen  bcö  SKünbctö  umfc^rciben 
läfet,  bie  bic  aScrtretungömad&t  beö  aSormunbeö  befd^ränfenbcn  befonberen  SBor* 
fdiriften  bcr  §§  1670,  1671  feine  Slnmcnbung  finbcn  (oergL  §  1672). 


§  1693. 

*°'^°"*ber  SBcgcn  ber  Segrünbung  beö  §  1693  ©afe  1  mirb  auf  bic  allgemeinen 

citciiic^cn  äJlotiüc  JU  ben  §§  1690—1695  oben  @.  1167  unb  auf  bic  audd  ^icr  jutreffenben 

*"''**"""8*"- 9luöfüt)rungcn  in  ben  ÜKotiDcn  ju  §  1636  oben  ©.  1053,  1055  93cjug  gc^ 

nommen  (oergt.  aud)  preug.  58orm.  D.  §  26  SÄbf.  6,  §  57  5lbf.  1,  §  59  9lbf.  1, 

§  60  3lbf.  3  in  aSerbinbung  mit  §  17  3lv.  2). 

2)ic  93eftimmung  beö  §  1693  ©aß  2  bcrul^t  auf  bcnfelben  ®rünbcn, 
meldte  ju  ber  aSorfdjrift  beö  §  1635  9lbf.  1  gefüfirt  l^aben,  bafe  bcr  üon  bem 
aSatcr  alö  aSormunb  SSenannte  bem  üon  bcr  3Jluttcr  atö  aSormunb  benannten 
t)orgc||t  (ücrgl.  SWotioe  ju  §  1635  ©.  1048,  §  1640  3lt.  5,  §  1718  9lbf.  2). 


j 


aSormunbfdbaft  über  SWinbcrj.  S3cfrcitc  SSorwunbf^aft.  §§  1694, 1695.     1173 

§  1694. 

S)ic  Scftimmung  bcä  §  1694  ift  eine  Äonfcqucnj  bcß  §  1637  Stbf.  1  unb  «uierfroft- 
cwpficlilt  fid),  Qbflcfet)cn  bavon,  f^on  um  bcßroillcn,  lucil  jic  in  mand^en  SöD^'^  sÄnln*^^^^^^^ 
bic  fonft  cintretcnbc  SRotl^rocnbigfcit,  fofort  jur  ©nttaffung  bt^  SSormunbeö  ju 
fd)rcitcn  (§  1705  SRr.  1),  abfddncibcn  wirb  (ocrgt.  prcui  21.  S.  dt.  II,  18  §§  688 
bis  691;  brcm.  aSorm.  0.  §  89;  bQi)r.  ento.  3lrt.  81).  Die  prcu^.  SSonn.  D. 
})ai  in  biefcr  ^infid^t  weiter  feine  Quöbrüdflic^e  Scftimmung,  alö  bie  im  §  59 
2lbf.  2  enthaltene,  bofe  bic  angeorbnctc  Befreiung  oon  ber  ©id^crl^eitdlciftung 
mcgföUt,  loenn  Umftänbe  eingetreten  fxnb,  roeld^e  nad&  bem  ©rmeifen  bcß  SBor^ 
munbfcliaftdgcrid^teö  eine  @id)er^eitd(eiftung  not^roenbig  mad^en  (DcrgL  iebod^ 
baneben  §  18  3lbf.  2,  §  36  baf.).  Db  unter  ber  glcid^en  SSorauöfegung  baß 
a3ormunbfd^aftßgerid)t  oud&  in  ben  gällen  ber  §§  47,  57,  60  bie  9lnorbnung 
oufecr  Äraft  fcfien  fonn,  ift  ftreitig. 

§  lfi95. 

3la(i)  gemeinem  SRed^te  fann  ber  ©rbfaf^er  bie  3nt)cntarifirung  beß  non  »criiot  ber 
if)m  riinterloffcnen  SSermögenß  mirffam  verbieten  (1. 13  §  1  Cod.  arb.  tut.  5, 5i);  ^tfeia«««"« 
bo^  wirb  üictfod^  angenommen,  bafe  in  einem  folc^cn  galle  menigftenß  ein  «emdgen«. 
5ßriüatt)crjcicftni6  aufgenommen  werben  muffe  (ücrgl.  ©euffert  V,  192,  VI,  225).  '**^*"*"^*^'*- 
Sie  neuen  CJcfe^e  ^aben  bagegcn  übereinftimmenb  bem  ©rblaffer  bie  S3efugni§  **jj*^t** 
Dcrfagt,  ben  SSormunb  in  Slnfeljung  bcß  ^interlaffenen  SBcrmögcnß  Don  ber 
93crpfl[id)tung  jur  Slufnafimc  unb  ®inreic^ung  cincß  a3crscid)niffcß  gänjlid^  ju 
befreien  (uergl.  bie  in  ben  SKotiocn  ju  §  1691  oben  ©.  1172  angcfüf)rtcn 
©cfefee).  3m  änfd^lujfe  an  bic  Seftimmungen  bcß  preufe.  31.  2. 5H.  II,  18 
§§  399—408  l^at  icbod^  bie  preufe.  SBorm.  D.  §  35  9lbf.  3  (oergl.  aud^  ^amb. 
aSorm.  D.  9lrt.  29)  bem  ©rblaffcr  bcß  2JlünbcIß  ba^  9led)t  eingeräumt,  in  ber 
§  17  9lr.  2  beftimmtcn  gorm  bie  Offenlegung  bcß  SBcrjeic^niffcß  f cincß  5Ra(^^ 
laffcß  mit  ber  SSBirhmg  ju  verbieten,  baß  baß  non  bem  SSormunbe  ein- 
jurcid)enbc  aScrjeiddnig  t)on  bem  S8ormunbfd&aftßgcrid)te,  unb  jmar  auf  aSer^ 
langen  bcß  aSormunbeß  in  bcRen  Ocgenroart,  einjufiegcin  ift  unb  baß  aSor^ 
munbfc^aftßgcri^t  nur  auß  bcfonbcren  ©rünbcn,  über  meldte  ber  aSormuub  ju 
l^örcn  ift,  t)on  bem  Snl^alte  biefcß  a[5crieid()niffcß  Renntnife  netimcn  barf.  Sleljn- 
lidje  aBirfungen  treten  nad^  bem  fäd^f.  ®.  83.  §  1907  unb  bem  meimar.  Oef. 
ü.  27.  aWärj  1872  §  46  bann  ein,  wenn  Don  ben  ©Itern  bcß  3WünbcIß  alß 
folc^en  bie  9lufna^me  cincß  aScrmögcnßocrjcic^niffeß  nerboten  roorben  ift. 
Slnbcre  SRcd^tc,  Inßbcfonbcre  baß  öfterr.  ®.  SB.  §  223,  ber  code  civil  3lrt.  451, 
bie  lübedE.  58orm.  D.  §  41  unb  bie  brcm.  SSorm.  D.  §§  36,  37  (oergt.  femer 
F)c{f.  Gntm.  IV  9lrt.  51;  ba^r.  ©ntro.  2lrt.  65)  geftatten  aud^  in  ber  f)ier 
fraglid^cn  53ejief)ung  mcber  bem  ©rblajfcr  nod&  ben  Altern  alß  fold^en  einen 
(Sinflufe  auf  bie  gcfcglidden  SBorfd^riften  über  bie  2lufnal)me  unb  ©inreid^ung 
bcß  aScrmögenßücrjeid^niffeß. 

5Wad^  bem  aSorgangc  ber  neueren  ©cfcfce  l^at  ani)  ber  ©ntwurf  Sebenfcn  «tanbpunft 
getragen,  bem  Srblaffer  bic  Sefugnig  beijulcgcn,  in  3lnfel^ung  bcß   l^inter«  ^t^u'rfe«. 
laffencn  aSermögenß  ben  aSormunb  ober  einen  Don  i^m  benannten  5ßPcger 
(§  1745)  Don  ber  im  §  1659  beftimmtcn  aScrpftid&tung  jur  9lufnal^mc  unb 


Öaflcn  (ocrof.  preug.  31.  S.  31.  II,  18  §  275;  preufe.  SBorm.  D.  §  32;  code  civü 
lUrt.  450;  oflerr.  ®.  ©.  §  228;  lübedf.  SBorm.  D.  §  32;  brcm.  SBorm.  D.  §§  45, 46; 
bomb.  33onn.  D.  3Irt.  19;  l^cff.  entm.  IV  9lrt.  45,  54;  bo^r.  entro.  5lrt.  42). 
S)icfcr  Icfetcn  ®ruppe  t)on  ©cfcfecn  I^Qt  bcr  ©ntrourf  [xä)  angcfc^Ioffcn  (§  1696 
9lbf.  1).  gür  bic  gemcinred)tlidöe  öcfd^ränfung  ber  Haftpflicht  bcs  SSormunbcö 
loffcn  [\6)  allcvbingö  gcroif^e  Siüdffid^tcn  bcr  SBilligfcit  geltenb  mai)tn,  iiamcntU^ 
Die  ©cfid^täpuiiftc,  baß  bic  3Sormiinbfd6aft  rcgclmäfeig  unfreiwillig  übernommen 
tüirb  unb  bcm  SSormunbe  felbft  feinen  33ortl^eiI  bringt.  3lud)  lo&t  fx^  nid^t 
Dcrtcnnen,  bo^  baö  9Iufgcben  bcö  gemeinred^tlid^en  Stonbpunftcö  für  größere 
(Scbictc  2)eutfdölanbö  im  ^ßrinjipc  eine  Steigerung  bcr  an  fid^  fd^on  oft  fcftrocr 
cmpfunbcnen  Soft  bcö  SSormunbfd^aftöbienftcö  bebeutet  unb  bie  9lbneigung 
gegen  bie  Ucbcrnatjmc  t)on  33ormunbfd^aften  ju  erf)5t;en  geeignet  ift.  Sluf 
bcr  aiibercn  Seite  fommt  inbeffcn  in  Setrodjt,  bafe,  obwohl  in  neuerer  3cit 
loegen  9luöbct;nung  ber  Sefbftoerroaltung  ber  ©injelne  jur  Uebernaf)mc  Don 
^unftionen  im  öffentüd&cn  Siitcreffc  I)äufiger  f)crangcjogen  wirb,  alö  frülicr,  man 
Oierbci  troß  bcö  gegen  bcn  ^crangcjogcncn  geübten  Sw^^^W^  ^^^  ^^  ^^ 
•)legcl  fcftgcljaltcn  l;at,  bajj  bcr  ^crangcjogcne  bei  ©rfüflung  feiner  Obliegen^ 
I)eitcn  fd&[cd)tl)in  lücgcn  "galirlcifrigfcit  t)aftct.  Sei  bcm  Sßormunbe  uon  bicfer 
Siegel  (oergf.  §§  144,224  3lbf.  1)  abjumcidicn,  liegt  ein  jureidjenber  ©runb  nid&t 
Dor.  3m  (Scbictc  bcö  prcuf^.  SRcd^tcö  namcntlid^  {)at  bie  regetmäfeige  Haftung 
beö  SBormunbcö  ju  Unjuträglidjfcitcn  nid^t  gcfül^rt.  ©ine  SSerfd&ärfung  ber 
Haftung  bcö  ä^ormunbcö  gegenüber  bcr  im  gemeinen  SWed^te  abgefd)H3ädE)ten 
Haftung  culfprid^t  bcr  größeren  SScrfügungöfrei^eit,  iDcId&c  ber  Gntrourf  bcm 
SSormunbc  einräumt,  unb  ift  erforberlid^,  um  bcn  auö  ber  Sriueiterung  bcr 
a)lad)tbcfugnifjc  bcö  3?ormunbeö  für  bcn  3)Muibct  fid^  ergcbcnben  ©efaf)rcn  cnt- 
gegcujutretcn.  2)ic  ScftcIIung  einer  in  iljrcn  eigenen  9lngelcgen[;citen  na^- 
läffigcu  ^^icrfon  5um  35ormunbc  lüiivbe  anbcrenfaüö  ju  Senad^tl^eitigungcn  beö 
aJZünbcIö  füf)rcn,  für  iücld)e  mcber  bcr  3?ormunb  nod^  ba9^  bcftcHenbc  S3or* 
munbfdiaftögcric^t  aufjufommen  Ijättc. 
^aftupfl  bc§  3)ie  üorftcljcnbcn  ©riüägungcn  treffen  in  glcid^er  3Beife  aud^  bei  bcm 

«ommL.  ©egcnüormunbc  ju  (ocrgl.  preufe.  aSonn.  D.  §  53  3lbf.  1). 

SBie  bie  allgemeine  S'^ffung  beö  §  1696  9lbf.  1  ergiebt,  besiegt  fid^  bic 
äJorfdjrift  bcöfclben  foiuol)!  auf  bic  bcm  aSormunbe  unb  ©egenoormunbe  in 
2tnfe^ung  bcr  Sorge  für  baö  SBermogen  alö  aud&  auf  bie  benfelben  in  9ln* 
fe^ung  ber  Sorge  für  bic  ^>ßcrfon  beö  9J}ünbe(ö  obliegenben  SSerpffi^tungcn. 
©in  gcnügcnbcr  ©runb,  bie  S8orfd(iriften  über  bic  Haftung  auf  bie  aScrmogenfi* 
Dcnualtung  ju  befd)ränfen  (oergl.  öfterr.  ®.  33.  §  228;  code  civil  2lrt.  450; 
lübccf.  aSorm.  C.  §  32 ;  brcm.  SSorm.  D.  §  45)  liegt  nid^t  oor. 

gür  befonbere  aScrljftltniffc  eine  9JJobifitation  ber  im  §  1696  äbf.  1 
beftimmten  Siegel  eintreten  unb  ben  SSormunb  nur  megen  grober  ^^^tläffigfeit 
l;aftcn  su  laffen  (ocrgl.  1.  7  §  2  D.  de  admin.  20, 7;  preufe.  91.  S.  SR.  II,  18 
g§  513,  462,  284,  285),  ift  burdj  ein  »ebürfnife  uid)t  geboten.  Sic  neueren 
©efefee,  inöbefonbere  aud^  bie  preufe.  93orm.  D.,  l;aben  fold^e  Unterfd^eibungcn 
mit  gutem  ®runbe  aufgegeben. 
Ginpu6  ber  S)ie  prcufe.  S^orm.  C  §  49  beftimmt  auöbrüdflid^,  ba^  burd&  bic  Oc* 

f  »om  öe?  ncl)migung  cincö  ©cfd^äftcö  feitenö  beö  ©cgcnoormunbeö  ber  aSormunb,  bur^ 


aSormunb^aft  üBcc  SWinbcti.   aSerBinblid&feiten  auö  bcrfcIBc«.  §  1696.     1175 

©cgcnfafec  ju  ben  in  ben  §§  1690—1692  bcftimmtcn  Befreiungen  (oergl. 
§  1694),  bem  SBomtunbfci^Qftögericötc,  t)orbel^oltIi(§  ber  Seftimmungen  beö 
§  1695  Sttbf.  2  unb  Stbf.  4  ©aß  2,  ein  JRed^t,  blc  l^ier  fraglid^en  3lnorbnungen 
aufeer  Äroft  ju  fegen,  nici^t  beigelegt,  ©incö  bcfonberen  3[uöbrudEcd  bebarf 
bieö  nid^t  weit  eö  ftd&  fd&on  aus  ben  übrigen  Seftimmungen  beö  §  1695,  ins* 
befonbcre  auö  bem  jiDeiten  Stbfafte  beö  §  1696  t)on  felbft  crgiebt  (t)erg(.  an6) 
preui  SSomt.  D.  §  35  3Ibf.  3). 

3m  Uebrigen  roirb,  foDiel  bic  im  §  1695  9lbf.  1,  4  beftimmten  SBorauß* 
fefeungen  ber  ^ier  fraglid^en  STnorbnungen  betrifft,  auf  bie  SRotiüe  beö  einen 
analogen  gnU  betreffenben  §  1660  oben  S.  1105  93ejug  genommen. 

Ueber  bie  93orf(^riftcn  ber  §§  1695,  1660  ^inaud  f)ot  ber  ®ntmurf  bem    eonftiae 
©rblaffer  beö  SKünbelö  ober  bem  fonftigen  aSermogenSjuroenbcr,  Dorbel^öltlic^  «norbimnaw 
ber  33cftimmungen  beö  §  1745,  roetd&e  ben  gall  betreffen,  roenn  biefelben  für  ®*^'f  ^^J*' 
bic  SSerroaltung  beö  jugeroenbeten  SSermogenö  einen  ^ßficger  benannt  l^aben,  *""^*" 
einen  Ginflug  auf  bic  allgemeine  ©tellung  beö  SSormimbeö  nid^t  gcftattet 
(tjcrgf.  aui)  bie  SSotioe  ju  §  1700),  bcnfelben  —  abmeid&enb  oom  gemeinen 

9le($te  (1.  1  §  2,  1.  14  D.  de  rebus  eorum  27,  9;  I.  3  Cod.  quando  decr.  5, 72) 

unb  bem  preufe.  31.  S.  SR.  IL  18  §§  681  ff.  —  inöbefonbere  nid^t  bie  33efugni§ 
gegeben,  ben  SSormunb  t)on  ber  9lotl^menbigfeit  ber  Oenel^migung  beö  ©egen- 
üormunbeö  ober  ber  ©enel^migung  beö  aSormunbfd^aftögerid^tcö  ju  SRed^tö^ 
gefd^öften,  meldte  baö  jugemenbete  SSermögen  betreffen,  ju  befreien.  2luö  erb* 
red&tUd^cn  ®rünben  lägt  eine  folc^e  Sefugnife  fid^  nid^t  ableiten;  ebenf omenig 
wie  ber  ©rblaffcr  ben  3JlünbcI  üon  ber  SRitroirfung  beö  58ormunbeö  5U  SRec^tö^ 
gcfd&öften,  mefd^c  auf  ben  Jiac^Iafe  fid)  bejief)en,  cntbinben  unb  infomcit 
gefd^äftöföl)ig  mad^en  fann,  Dcrmag  er  bie  ber  SSertretungömad^t  beö  SBor^ 
munbcö  gcfefe(id&  gcjogencn,  bem  öffentlichen  5Red&tc  ange^örenben  ©d&ranfen  ju 
erweitern.  35  on  felbft  rerfte^t  eö  fid&  ttbrigenö,  bafe,  foroeit  bie  9lnorbnungen 
beö  ©rblafferö  bm  Äara!ter  eineö  SBermäd^tniffeö  ober  einer  2luf(age  l)aben 
foUten,  cö  bei  ben  erbred^tlid^en  93orfd&riften  bemenbct.  3n  fold^en  fällen  mu§ 
ber  ©egenuormunb  bejm.  baö  Sßormunbfddaftögeriddt  bie  (Senebmigung  ertl^eilen; 
et),  fann  bie  auö  bem  SSermäd^tniffe  ober  auö  ber  2luflage  entfpringenbe 
93erpPicf)tung  beö  3Rünbelö  im  SBcge  ber  Älage  eriwungeu  werben. 


y.  JBerbinbli^feUen  stuifd^ett  Sottntmb  imb  SRünbel.    Haftung 

be$  Sottnttnbfd^aft^rid^ter«. 

§  1696. 

SBäbrenb  nad^  gemeinem  SRecbtc  unb  aud&  mä)  uerfd^iebenen  5ßartifu(ar^  Mtuna  ^ 
rechten  (oergl.  inöbefonbere  roürttemb.  £.  SR.  II,  26  §  1 ;  fäddf.  ®.  33.  §§  1949,  T^^l 
121,  122,  750;  Weimar.  ®ef.  v.  27.  m&Xi  1872  §  42;  bai)r.  S.  SR.  I,  7  §  14    ^^^ 
5Rr.  1)  ber  33ormunb  in  9lnfel^ung  ber  ©rfüllung  ber  i^m  obliegenben  9Jer^ 
pfliübtungen  nur  für  bie  9Inwenbung  berjenigen  ©orgfalt  liaftet,  weld^e  er  in 
eigenen  2lnge(egenl^eiten  anjuwcnben  pPegt,  (äffen  bie  meiften  neueren  Oefeße 
benfelben  für  bie  Sfnwenbung  ber  Sorgfalt  eincö  orbentlid&en  ^auötjaterö 


««itppm  SBä^renb  nad&  flcmeinem  JRcc^te  (L  12,  1.  49  D.  de  O.  et  A.  44, 7; 

*"  ^"*'-  1.  39  §  6  D.  de  adiu.  26,  t),  bcm  preu&.  31.  S.  %  II,  18  §§  293,  294  unb 

bcr  brcm.  Sßocm.  D.  §  46  bic  ®r6en  bea  Jßotmunbes  nur  roegm  Slcglift  ober 

locgeii  grober  ga^rläJSigfeit  itjrcä  ©r&IaRerä  in  2lnfptu^  genommen  roerben 

fbimen,  t&  [ei  benii,  bafi  ber  ^iifpcud)  fdion  bei  Sebjetteit  be6  @rb[afferS  le^tSs 

Itängig  geroorben  rcäre,  löfet  ber  ®ntimirf  es  im  ainfc^Iujfe  an  bcn  Stanbpuntt 

bcr  meiftcn  neueren  ©cfcge,  insbefonbcte   bc8  [ä(6|.  0.  S.  unb  ber  preu^. 

aSorm.  0.  (ocrgl.  SOiotioe  ju  bev  leiteten  6.  71),  bei  ben  allgemeinen  ©runbs 

fä|cn  (g  292)  beioenben,  ba  eö  an  einem  genügenbcn  ©runbe  fe^lt,  in  biefec 

Sßidltung  bie  Srben  bcö  ^ormunbcS  ober  bcö  ^genootmunbed  auf  Jtoften  bc& 

3JIönbclä  ju  begünfligen. 

eattuna  S!ic  aacftimmung  bea  §  1696  9lbf.  2,  bafe,  roenn  51IeI)rece  Derautroorlticö 

"«rfilLb  *  ffb,  biefelbcn  als  ®efammtfcl)ulbncc  Ijaften,  cnffpttdit  ber  foliborifi^cn  Haftung, 

'*""""■-   roel^e  fc^on  baa  gemeine  Steigt  eintreten  Iä|t  unb  in  ben  neueren  @c|c^eii 

beibet)altcn  ift  (oergl.  preufe.  9J.  £.  31.  II,  18  §  288;  preufi.  S8orm.  O.  §  32 

aibf.  4  ncbft  aßotioen  S.  71;  ofterr.  ®.  S.  §  210;  fäc^f.  ®.  SB.  §§  1958, 

1020;  roeimar.  @ef.  0.  27.  aHärj  1872  §  64;  lübecf.  aiorm.  O.  §  33;  brem. 

aSorm.  D.  §  45;  bomb.  Socm.  O.   Slrt.  19;    bnqr.  entm.  Slrt.  42  nebft 

SDIotioen  £.  64).    äßie  aua  bem  Eingänge  bea  §  1696  Sbf.  2  mit  genügenber 

Seuttic^tcit  ^erDorge^t,  ftaftet  inbefjen  ein  33onnunb  für  ben  au8  einer  ^anb« 

[ung  beö  üDIttoormunbeö  entftanbenen  Sdjaben  nur  bann,  roenn  i^m  in  älm 

fc^ung  bicfefl  ereigniiyeö  jelbft  ein  93crfc^ulben  jnr  Saft  fällt.    Eie«  ift  in8= 

befonberc  audj  ber  Stanbpuntt  bcg  gemeinen  !Hed)tc6,  befl  fäcftf.  0.  S.  unb 

bcr  pteuß.  5Jorm.  D.  (cergl.  ^Dtotiüc  ber  legieren  S.  73). 

«iniAe  btr  3m  ^ntercifc  größerer  Sidjcrtjeit  bc8  SWünbclS    ift  bie  ©inrebc  bcr 

«Seiiuiig.   rj^difyng^  iöelcj)e  boa  gemeine  SRe^t  julä&t,  burd)  bie  neueren  ©efege  reget 

mÖfeig  befeitigt  (ocrgl.  preufe.  SJorm.  D.  §  32  3lbf.  4;  f(ici)f.  ®.  S.  §§  1958, 

1020,  1024).    S)a  na(^  bem  entrourfe  (§  324)  bei  einem  (Sefammtfc^ull^ 

oerljältniffc  bie  Sinrebe  ber  ^^eilung  übcrbaupt  aiiegefi^loffen  ift,  fo  bebarf 

CS  in  biffcr  Scjte^ung  für  baa  Sßocmuiibfdiaftstcdit  einer  befonbjrcn  ffles 

ftimmung  nici)t.    @in  @runb,  jene  Sinrebc  ^ier  auänalimeroetfe  gu^ulalfen, 

liegt  nid)t  cor. 

flenci  3Cnbererfetta  ergiebt  fi^  aus  bcn  allgemeinen  5ßorf(^ciften  über   bie 

©efammtid)ulbocr[)altniife  »on  felbft,  bafe,  roenn  mebrerc  SJocmiinber  ob« 

©egenöonniinbcr  oerantroortlid)  finb,  biefelben  im  Sier^ältniffe  ju  einanbcr 

ju  gleichen  Slntljeilen  oetpflidjtel  (inb  «nb  bcricnige,  melier  me^r  a(6  feinen 

3Int^eil  gcleiftet  bot  tnforoett  »on  bcn  übrigen  3)Iitoeröafteten,  oorbetialtli^ 

ber  ^efCimmung  bea  ^  338,  nac^  ällaggabe  bcö  §  337  @rfag  ;u  »erlangen 

bered)tigt  ift.    Damit  ftimmen  namentti^  baS  gemeine  SRet^t  unb  boS  pteufe. 

3le^t  (31.  y.  %  II,  18  §  289,  I,  5  §§  443  ff.)  überein  (abioei^enb  fä#f.  0.  33. 

§§  1958,  1036). 

eutfibta«  3lad}  gemeinem  Medite  boftct  beim  SJor^anbcnfein  mebrerer  SDJitüormünbec 

^'ifli*(^  berjenige  aJütoormunb,  nieldjen  bcöfiatb  ein  SJorroucf  trifft,  roeil  er  ftdi  eine 

rfi*iifl"i-  aScvfäumung    in   SJnfe^ung   ber    Ucbetroo^ung    ber   3)iitDonnünber   ^at  ju 

Sd)ulbcn  fommcn   Iflffen  ober  toeit  er  feinerfeita  T'^  ä'"  ©odie  nid&t  an» 

genommen  ^at,  ana  bcn  gestern  ber  SDlitöormünber  erft  in  jnieiter  Sinie. 


aSormunbfdjaft  über  Winberia^rige.  C)aftuno  beS  SBormunbcö  2C.  §  1696.     1177 

bic  ®cncl)migun9  fcitenö  beö  Sßormunbfciöaftögcrid^tcs  bcr  SSormunb  unb  bcr 
OcgcnDonnunb  t)on  ilircr  Haftpflicht  bem  3)lünbel  gegenüber  ni^t  befreit 
tocrben.  S)er  ©ntrourf  l^ot  eine  berortige  93efttmmung,  roeil  biefelbe,  richtig 
DerftQnben,  felbftoerftänblid^  ift,  mä)i  aufgenommen.  3Som  Stanbpunftc  ber 
preu^.  aSorm.  D.  aus  mag  bie  Slufnal^me  jener  33eftimmung  jroecfmäfeig  ge* 
roefen  fein,  um  bic  SSormünber  auf  bie  Äonfequenjen  bcr  i^nen  nac^  ber 
preu&.  9Sorm.  D.  im  ®egenfa|e  jum  preufe.  31.  S.  SR.  jugeroiefcnen  fefb=j 
ftönbigcn  Stellung  aud^  in  ber  ^ier  fraglid^en  S3ejiel;ung  l^injuroeifen.  ©icfcr 
©runb  fommt  aber  für  baö  bärger[id)e  ©efe^bud^,  rocld^eö  mit  ben  auf  ben 
Sßorfd)riften  beö  preuß.  91.  S.  91.  berufienben  Slnfc^auungen  über  bie  Stellung 
bcö  33ormunbeß  gegenüber  bem  SSormunbfd^aftögerid^tc  nid^t  mcl^r  ju  red^nen 
l)at,  nid^t  in  Söetrac^t.  9luf  ber  anbcren  Seite  ift  bie  3lufnal)me  bcr  in  SRebe 
ftel)enben  Seftimmung  aber  aud^  bebenlüd^,  tl)eil3  meit  fie  baftin  fül^ren  fann, 
baß  ber  aSormunb  jum  9lad^t()eite  bcö  SWünbelö  allju  ängfttic^  ©erfährt,  t^eitö 
weil  fic  bem  3)li§oerftänbniffc  außgefegt  ift,  als  ob  bie  ©enel^migung  beö 
aSormunbfdjaftögerid^teö  ben  SSormunb  ober  ben  (Segenoormunb  in  feinem 
galle  ju  entfd&utbigcn  geeignet  fei.  Db  bic  ®in^otung  bcr  ©enel^migung  beö 
S8ormunbfd)aftdgerid&teö  unb  bic  6rtl)eitung  ber  te|tcren  baö  aSerfd^utbcn  beö 
banad^  Ijanbctnben  93ormunbcö  auöfd^licßt,  ift  eine  2^)atfrage,  beren  ®nt== 
fd}cibung  üon  ber  93eurtf|citung  ber  Umftänbe  beö  einjelnen  gallcö  abl)ftngt. 
9Ud^tig  ift  nur,  bafe,  roenn  bem  SSormunbe  ober  bem  ©egenüormunbc  ein  33er* 
fd^utben  jur  2aft  fällt,  er  t)on  bcr  Haftung  rocgen  biefeö  33crfd)ulbcnö  nid^t 
burd^  bic  2:^atfad;c  befreit  ift,  baß  baö  S3ormunbfd&aftögeridj)t  bic  ^anblung 
gcncl;migt  Ijat. 

®a6  bic  SSerantroortlic^fcit  beö  SSormunbeö  unb  bei  Oegenoormunbeö  »«fl'«"  ^ 
mit  bem  3eitpuufte  ber  »eftcUung  beginnt  (§  32  9rbf.  2  ber  preufe.  Sßorm.  D.),  ^'^*^^^**- 
ift  fclbftoerftänblid^  unb  braud)t  nid^t  befonberö  lierüorgc^oben  ju  merben 
(ücrgl.  §  1648  Safe  2). 

3)ie  S3ebeutung  ber  SSorfd^rift  bcö  §  1696  9lbf.  1  ift  eine  boppelte.  3)er  »«bcutunfl 
S8ormunb  ober  ber  ®egcnt)ormunb,  roetd^cr  nic^t  nad^  SKafegabe  jener  35or* 
fd^rift  ücrfölirt,  l)anbelt  pflid^troibrig  unb  fann  beö^alb  üom  SSormunbfd^aftö* 
gcrid^te  im  3lufft(^tön)cgc  ben  angemejfenen  aRaferegetn  untermorfen,  inö- 
bcfonbcre  auc^  nad)  Umftänben  feineö  9lmtcö  enttaffen  roerben  (§§  1684,  1705 
9Jr.  1).  daneben  begrünbet  bie  ^ftid}tn)ibrigfeit  nad^  ben  allgemeinen  ®runb* 
fofeen  einen  S^abcnöcrfafeanfpruc^  bcö  9Künbefö  gegen  ben  SSormunb.  ©in 
fofd)cr  Sd^abcnöerfafeanfprud^  wirb  üon  ben  befte^enben  Mec^ten  allgemein 
entmeber  auöbrücflid^  gegeben  ober  atö  fetbftDcrftfinbUd^  Dorauögefcfet  (oergl. 
preug.  91.  S.  91.  II,  18  §§  275,  282,  287;  öfterr.  ®.  SS.  §  210;  lübedE. 
a^orm.  D.  §  33;  brem.  aSorm.  D.  §  45;  ^amb.  SSorm.  D.  9lrt.  19;  code 
civil  Slrt.  450;  f)eff.  entm.  IV  9Irt,  54;  ba^r.  (Sntro.  9Irt.  42). 

gßic  in  ben  aWotiücn  ju  §  1688  oben  S.  1160  bereitö  auögefüf)rt 
würbe,  gc^t  ber  ©ntrourf,  abroeid^cnb  üom  gemeinen  9led^te,  baüon  auö,  bafe 
ber  bem  SWünbel  gegen  ben  SSormunb  jufte^enbe  9Infprud^  auf  Sd^obenöerfafe 
aud^  fd[)on  njftlircnb  bcö  Seftcljenö  ber  a5ormunbfd)aft  gerid^tlid^  gcltenb  gcmad)t 
roerben  fann. 

SBegen  ber  Sßerjä^rung  ücrgl.  §  168. 


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ift.  Sffud^  Tücnn  mon  bic  ^oftpffid^t  bcö  ®{|cmanncö  auf  bcn  gall  bcfd^ränfcu 
lüonte,  in  TDcfd^cm  er  bic  Uebcrna^me  ober  bie  gortfegung  bor  SSormunbfd^aft 
burd)  bic  ©ficfrou  gcnel;migt  Ijat  (§§  1641,  1705  9lr.  3),  roürbe  bcnnod^  bie 
SJorfci^rift  immer  nod^  einen  pofitiücn  Äorafter  behalten,  inbcm  bem  mirflid^en 
SBillcu  bcö  ®enel;migenben  biird}  bic  9luölegung  als  SBürgfd^Qftöroillen  ein 
ni(i^t  geringer  ^mawQ  anget^an  mürbe. 


§  1697. 

sBerjinfunßö.  SBö^rcub  uaä)  bcm  aSorgangc  bes  gemeinen  SRe^teö  (1.  7  §  11,  1.  15 

»«8?ßermlfl  ^-  ^^  ^^^'  ^^z  *^)  ^"^  Dcrfd)iebene  neuere  (Sefc^e  ni^t  feiten  längere  ober 

ber  «nicfluno  f ürjerc  griftcu  norf^reiben,  innerl;alb  mclc^er  berSSormunb  bic  SWünbcIgcIber 

rn,  j{^gjj^^.  Q^jiii^gj.,^  ijf^i^  roibrigenfaUß  er  bicfelben  ju  ocrjinfcn  ücrpffi^tet  fein 

foK  (ocrgl.  code  civil  9lrt.  455,  456;  fäd^f,  ®.  93.  §§  1936,  1937;  meimor. 

fsJcf.  0.  27.  gWftrj  1872  §  57 ;  f)Qmb.  S8orm.  D.  Slrt.  45 ;  f|eff .  entro.  IV  9lrt.  59), 

fjaben  anberc  ®efe|c  üon  bcr  Slufftcllung  einer  bcftimmten  grift  Slbftanb 

genommen    unb  2lUeö    bcr   33eurtt)eilung    bcö   befonberen  galleß  überladen 

(oergt.  preu§.  SSorm.  C  §  39  9lbf.  5;  lübcd.  33orm.  O.  §  48;  brem.  9Sorm.  D. 

§  60;  meining.  ®ef.  ü.  12.  9lpri[  1882;  bQi)r.  ©utro.  airt.  74).    ®iefe  9lrt 

bcr  Siegelung   oerbicnt   bcn  93orjug,  ba  bic   ^^^ftfegung  einer  grift  immer 

mclir  ober  meniger  roillüirlid)  ift.    9lbmci(^cnb  üon  bcr  prcu^.  SSorm.  O.  §  39 

9lbf.  5,  mcld)c  im  goDc  bcr  SSerfäumnife  ober  SScrjögerung  bcr  9lnlcgung  bcr 

9)lünbclgelbcr  bie  üon  bem  SSormunbc  ju  jal)lenbcn  3'^^^^^  ^^f  fccibö  --ßrojent 

fcftfc^t  (t)crg(.  ttud^  fäd)f.  ®.  33.  §  1937;  meining.  ®ef.  o.  12.  3lpril  1882), 

Idfet  bcr  entrourf  im  9lnfdb(uffe  an  baö  gemeine  Siedet  (1.  7  §  10  D.  de  adm.  26,  ?), 

nad()  melddem  bcr  SBormunb  lanbcöübfid^c  3i"f^'^  jal^fen  mufe,  cö  bei  bem  aM 

§  217  fid)  crgcbenbcn  B^i^fufe^  ^on  fünf  ^rojcnt  berocnbcn,  ba  fein  genügcnbcr 

®runb  vorliegt,  in  biefer  §infid)t  I)ier  üon  bcn  allgemeinen  ®runbfägcn  ab« 

äumeid)cn.    3laä)  §  1697  9lbf.  2  bleibt  bcr  Slnfprud^  bcö  9)hmbelö  auf  ©rfaß 

eines  mcitergel^cnben  ©djabenö  iebod&  unberührt. 

6ei  S)ie  93cftimmung  bes  §  1697  Slbf.  1  ©ag  2  gel^t  über  bic  cntfprcd^cnben 

«errpenbunö  sß^rfd^riftcu  bcr  prcufe.  aSorm.  D.  §  40  Slbf.  1  unb  bcö  fäc^f.  ®.  33.  §  1937 

»ermögen   (pergl.  auö)  §  593  bcö  ©utmurfcö)  infofern  f|inauö,  afö  er  bic  $Berjinfungöpfiid|t 

"»"4T''"bcö  aSormunbeö  nid)t  nur  für  bcn  gall,  rotnn  berfclbe  ®elb  bcö  9)lünbclö, 

fonbcrn  awä)  für  bcn  gaü  t)orfd)reibt,  menn  er  anberc  93ermögenögegcnftänbe 

bcöfclben  in    eigenen  5lugen  oerroenbet  l^at.    Slud^  in  göKcn  bcr  (enteren 

9lrt  ift  eine  ©rlcid^terung  bcö  SScroeifcö  bcr  ®röfec  bcö  bcm  a)lünbcl  crmad&fencn 

©d^abcnö  im  Sntcrcfjc  bcö  SWünbcfö  angemeffcn.    9luf  bcr  anbcrcn  Seite 

empfiehlt  cö  fi^  aber  ni^t,  entgegen  bcn  allgemeinen  ®runbfä6cn  nadö  bem 

33organge  bcr  preufe.  SSorm.  D.  §  40  9lbf.  1  bcm  SSormunbfc^aftögcridjte  in 

bcn  gftUen  bcö  §  1697  9lbf.  1  ©ag  2  bie  93cfugni6  beijutegen,  bcn  3i"öfw6  "^d^ 

feinem  ®rmcffen  auf  ac^t  biö  jroanjig  ^rojent  5U  beftimmen.    6in  33cbürfnii 

jiur  9lufnaf|me  einer  fold^cn,  einen  pönalen  Slaraftcr  on  fid^  tragenbcn  3?or* 

fc^rift  !ann  im  ^inbtidfe  auf  bie  aSorfd^riften  bcö  §  260  bcr  6.  5ß.  0.  ni^t 


SSomtunbfd&aft  über  aWinbcriä^nöc.  Haftung  be§  SSormunbcß  2C.  §  1696.     1179 

3Iud&  nad)  preufe.  31.  S.  3i.  n,  18  §§  286,  287, 291, 292  ift  eine  foId)e  fubftbiärc 
Haftung  begrünbct,  wenn  bic  SBormünber  burd^  ^Priootabfornmcn  bic  SSer- 
roaltung  unter  fid^  get^eilt  l^abcn  ober  roenn  ein  ©fjrcnoormunb  ober  bei  einer 
burd^  ben  SRid^tcr  oorgenommencu  S^cilung  bcr  Oefd^äftc  ein  3KitDormunb 
wegen  SSerfäumung  ber  SKufftd^t  über  ben  üerroaltenbcn  SSormunb  fid)  Der* 
antroortUd^  gemad^t  f)at  S)agegen  ift  bcr  preufe.  SBorm.  D.  eine  fold^c  fub^ 
Itbiärc  Haftung,  namcntlidö  au^  beö  ©cgenoormunbcö,  unbcfannt  (ocrgl.  Urtl^. 
b.  SR.  (S.  bei  ©ruc^ot  XXVII  ©.  1052),  cbenfo  bcm  fäd)f.  ®.  33.  §§  1958, 
1036.  Sind)  bcr  ©ntrourf  gcl^t  baüon  auö,  ba§  in  ©emägfieit  bcr  allgemeinen 
S3eftimmungen  über  ®efommtfd)uIbt)erl^äItniffe  (§  324)  bie  fammtlid^cn  SSor* 
münbcr  ober  ©egcnüormünber,  roeldöe  im  bcfonberen  gallc  über[)aupt  ein 
Sßerfd^ulben  trifft,  bem  9Wünbel  gegenüber  prinjipal  J)Qften.  9luf  bcr  anbcrcn 
Seite  fpred^en  aber  überroiegentc  SHüdEfid^tcn  ber  Silligfcit  bafür,  in  ben  gäKcn, 
in  rocid&cn  bcr  Oegcnoormunb  für  ben  von  bcm  SSormunbc  ober  bcr  SKitoormunb 
für  ben  oon  einem  2ßitoormunbc  jugefügtcn  ©droben  nur  rocgcn  SScrlcfeung 
ber  3lufrid^töppi(^t  Dcrantroortlid^  ift,  im  33er^ä(tnifie  ber  beiben  93erpflid^tctcn 
ju  cinonber  in  SIbrocid&ung  oon  ber  Siegel  beö  §  337  Slbf.  1  benicnigcn, 
welcher  ben  ©droben  jugcfügt  \)ai,  für  aDcin  ocrpftid^tct  ju  erftärcn  (§  1696 
9Ibf.  3).  ®ine  Haftung  wegen  blofecr  58crlc|ung  bcr  STuffid^töpfli^t  fann  nid)t 
bloß  bei  bcm  ©egenoormunbc,  fonbern  unter  Umftänbcn  aud^  bei  einem  SOlit^ 
tJormunbc  eintreten,  wenn  bie  Ucberlaffung  ber  SBcrmottung  in  3lnfcl^ung  gc* 
miffer  ©efc^äftc  an  ben  anbcrcn  3Sormunb,  j.  33.  bcr  förpcrlid^cn  3»I|öl>wng 
einer  Sod^c  bcö  SWünbelö,  naä)  ben  fonfreten  Umftänbcn  bcm  aSorrourfc  einer 
faEirlaffigcn  ober  orgliftigcn  ^anblungörocife  cntjogen  ift. 

9lud^  bem  bloö  9luffi^tSpflid&tigcn  foU  jebo^  bcr  SRüdEgriff  im  galle 
beö  §  338  Dcrfogt  fein  (ocrgf.  1.  1  §  14  D.  de  tutelae  27,3;  1.  38  §  2 
D.  de  adm.  26,  ?). 

Slnmicroeit  berienige,  meiner  nad^  SWafegobe  bcö  §  1696  3lbf.  3  im  SBcr:? 
][)ciltniffc  iu  bcm  anbcrcn  SBcrpflidötetcn  allein  t)erpflid)tct  ift,  oon  bem  lefetcrcn 
nad)  §  337  3lbf.  1  nid^t  nur  ©rfaß,  fonbern  aud)  fof ortige  33cfreiung  oon 
feiner  95erbinblid()fcit  gegenüber  bem  SRünbcl  ocrlangcn  fann,  ift  nad)  hcn 
aSorfd)riftcn  bcö  §  337  9Ibf.  1  ju  bcurtljcilcn. 

3«  9Infnüpfung  an  baö  franj.  9^cdöt,  na^  roetd^cm  bcr  6[)cmann  bcr  e«t*""8  ^«» 
fidö  n)icbcn)crf|eiratl)cnbcn  3)Juttcr,  roetdjc  ^ormunb  itjrcr  Kinber  auö  früljcrcr  einer^sttm 
®f)e  ift,  jum  SRitoormunbc  beftcllt  werben  mu§  unb  alöbann  für  bie  nad&  ber  ^J^^iy^^y** 
©^cfd^liefeung  geführte  oormunbfdöafttidjc  aScrroaltung  folibarifd)   mit  feiner 
ß^cfrau  ocrantroortlid^  ift   (code  civil   Särt.  396;    ocrgt.  aber  anä)  preufe. 
31.  S.  SR.  II,  18  §  949),  beftimmt  bic   preufe.  SBorm.  D.  §  32  3Ibf.  3,   bafe 
bcr  @I)cmann  einer  jum  SSormunbe  bcftclttcn  grau,  wenn  er  nid^t  ber  SBatcr 
bcö  SJlünbclö  ift,  wegen  bcr  oormnubfc^aftlid^en  33crwaltung  a(ö  Sürge  l^aftet. 
S)cr  ©ntwurf  f)at  eine  berartigc  S3cftimmung  nid^t  aufgenommen,  weil  baburd^ 
bem  ©fjcmanne  ein  nid^t  gcredötfertigtcr  S^^öi^Ö  anget^an  wirb.    2)ie  3luf* 
brängung  einer  fotd^cn  93ürgcn^aftung  wirb  namentlidl)  burd^  ben  ®influ6, 
wetd^en  ber  ©Ijcmann  regelmäßig  auf  bic  ®f)cfrau  Ijat,  nid)t  gcnügcnb  gcrcd^t^ 
fertigt,  jumal  ein  fold^cr  Einfluß  tl)atfäd()lid)  burdiauö  nxi)i  in  allen  fällen 
bcftc^t  unb,  wo  er  beftcllt,  ein  SRißbraudö  beöfetben  baljin,  baß  bie  ®^efrau  ju 


tur  H>Fiegcr  o.  26.  yunt  1843  §  38)  uuD  Die  ^amö.  )üorm.  äj.  ^iirt.  75  (ocrgi. 
Qud&  l^cR.  ßntiü.  IV  3Irt.  92),  in  SKnlc^nung  on  bas  ältere  bcutfd&c  Mcd^t 
bem  SSormunbc  regelmäßig  einen  Slnfprud)  auf  ein  Honorar  einräumen, 
Qnbererfeitö  ju  bem  franj.  Siedete,  nad^  melt^em  bie  Sßormunbfd^aft,  obgefel^en 
von  einer  bem  33ormunbe  lefetroillig  jugerocnbeten  SSergütung,  ftets  unentgeltlich 
5U  führen  ift,  obwohl  man  neuerbingö  auä)  ^ier  geneigt  ju  [ein  fc^eint,  bem 
gomilienrat^e  baö  Siecht  jur  SewiDigung  eines  ^onorareö  an  ben  3Sormunb 
cinäuräumen. 

Siefer  le^tere  ©tanbpunlt,  nad^  roetd^em  aud^  ein  fclbft  mitteltofer  SBor^ 
munb  genötl^igt  mirb,  baö  SSermögen  feincö  reid^en  SKünbelß  unentgeltlid^  ju 
uerroatten,  ift  n)irt{)fdE)aftlid^  nid^t  ju  billigen,  inbem  er  ju  einer  ungcred^t^ 
fertigten  33cfteuerung  ber  3lrbeitötraft  ju  ©unften  beö  Äapitaleö  fü^rt.  Ueber« 
bieö  mibcrratlien  i^n,  wie  bieg  in  ben  3)lotiüen  neuerer  ©efefegebungöroertc 
n)ieberl)olt  l)erDorgef)oben  mirb  (t)ergl.  SJJotiüe  beö  tjcjf.  ©ntro.  ©.  261,  ber 
preufe.  aSorm.  D.  ©.  73  unb  beö  bai)r.  ©ntro.  ©.  65),  ©rünbe  ber  !^mti^ 
mäfeigfeit  unb  ber  33iUigfeit  foroofil  üom  ©tanbpunftc  beö  SBormunbeö  wie 
beö  9Jlünbelö  auö,  inbem  bie  unbebingte  Serfagung  eineö  ^onorarcö  inöbefonberc 
jum  9lad)tf)eite  beö  5Bormunbfd)aftöroefenö  baju  beiträgt,  bie  Slbneigung  gegen 
btn  a3ormunbfd()aftöbienft  nur  ju  fteigern. 

9luf  ber  anberen  ©eite  ift  eö  inbeffen  audl)  bebenfUd^,  bem  Sßormunbc 
fraft  ©efe^cö  einen  mirtlid^en  9lnfpruc^  auf  ein  Honorar  nod^  rid^tertld&er 
(Srmäfeigung  einjuräumen;  üielmeljr  t)erbient  cö  ben  SSorjug,  im  STnfd^luffe 
an  bie  erfte  ©ruppe  von  9led)ten  bie  Seroilligung  beö  ^onorareö,  roie  aud& 
bcffen  .^öi)t  bem  oerftänbigen  ®rme5fen  beö  83ormunbf(^aftögcric^tcö  ju  über* 
lajfcn.  ®abei  gel;t  ber  ©ntrourf,  inforoeit  abroeid^enb  Don  ber  preufe.  aSorm,  D. 
§  34  3lbf.  2,  baDon  auö,  bafe  ein  jureid^cnber  ©runb  für  bie  Scroilligung  beö 
^onorareö  nid^t  lebiglid^  in  bem  Umfange  ber  aSermogenöDerroattung  }u  finbcn 
ift,  fonbern  auc^  burdE)  ben  Umfang  unb  bie  a3ebeutung  ber  fonftigen  bie 
^erfon  beö  SWünbelö  betreffcnben  oormunbfd^afttidj)en  ©efd^äfte  gegeben  fein 
fann.  ©benforoenig  empfiehlt  eö  fid^,  über  bie  §o^e  beö  iuloffigen  ^onorareö 
nähere  SJorfd^riften  ju  geben,  obgleid^  ©erfd^iebene  ©efege  in  biefcr  SRid^tung 
Sßorfd)riften  über  eine  beftimmte  ©fala  ober  über  beftimmte  ^ßrojentfäfee  tnU 
l;alten.  Slud^  ift  eö  nid)t  jmedEmäfeig,  baö  SJormunbfc^aftögerid^t  allgemein 
ouf  bie  aSemilligung  eineö  „mäßigen"  ^onorareö  ju  befd^ränten,  ba  blc 
©d^mälerung  beö  ^onorareö  auf  bie  ©üte  ber  für  baöfelbc  ju  tciftenben 
©ienfte  oon  (Sinfluß  ift  unb  fomit  bem  SRünbel  jum  SWad^tl^eile  gereid^en  fann. 
^T^^eJi.^**  2Bäl|renb  bie  preuß.  Sßorm.  D.  §  34  3ß)f.  3  bem  SBormunbfc^aftögeri^te 

»onnunbeä.  uiemolö  geftattct,  bem  ©egenoormunbe  ein  Honorar  ju  bewilligen  (t)ergl. 
ajlotiüe  ber  preufe.  aSorm.  D.  ©.  73),  crflärt  ber  ©ntmurf  unter  befonbcren 
Umftänben  aud^  bie  Semilligung  eineö  §onorareö  an  ben  ©cgenoormunb  für 
juläffig.  5!Benngleic^  tl^atfä^Uc^  bie  3}eranta|fung  ju  einer  fold^en  Scroilligung 
fcltener  fein  mirb,  fo  ift  eö  bod^  nidE)t  gered^tfertigt,  bie  ^onororberoilligung 
bei  bem  ©egenoormunbe  prinjipiell  auösufd^tießen,  ba  aud^  er  bcgrifflidö  3Jors 
munb  ift  unb,  wenn  aud^  in  eigentl)ümlid&er  9lidj)tung,  fo  bod^  alö  ein  für 
geroiffe  äSormunbfd^aften  organifd^  roi^tigeö  ©lieb  ber  Dormunbfd^aftlid^en  aSer^ 
maltung  t)ormunbfd^aftlic^e  gunftionen  Derfiel^t. 


SßDniumbfd&.üBerSKinbeiji.  2luftt)cnbunocnbcg9ScrmunfceS2C.  §§1198,1699.  1181 

Qnerfonnt  tücrbcn.  SKit  bcm  (Sntrourfc  ftimmt  in  blefcr  ^infid^t  baö  föc^f, 
®.  83.  §  1937  iibcrcin ;  icbod)  f)at  baö  lefetcrc  ben  S^i^öfufe  awä)  für  biefc  goUc 
auf  fcd^ö  ^rojent  feftgefc^t,  roöfircnb  r\ad)  bem  ©ntrourfe  bcr  SBormunb,  t)or* 
be^Qltlid)  bcr  Sßorfd&rift  bcö  §  1697  3lbf.  2,  mir  fünf  ^ßrojcnt  3infcn  (§  217) 
ju  5Qt)Icn  ocrpflid^tct  ift. 

§  1698. 

S)ic  aSorfc^rift  bcö  §  1698  ©Qfc  1  rcd)tfcrti9t  \i6)  burd)  bic  Slnatogic  ^^^^^"^^ 
jroifc^en  aSormunbfdöoft  unb  SWanbat  unb  cntfprid^t  int  SBefentlic^cn  bcm  sormunbe« 
gcitenben  Siechte  (üerol.  1.  1  §  6,  1.  3  pr.,  §§  1,  7,  8  D.  de  contr.  tut.  27, 4;  ''^;^^^^^ 
prcufe.  9r.  2.  9?.  II,  18  §§  255,  258,  259;   prcufe.  aSorm.  D.  §  33  9lbf.  2; 
föd^f.  ®.  83.  §  1953;  lücimor.  ®cf.  u.  27.  aWarj  1872  §  62;  code  civil  3lrt.  471; 
^cff.  ßntro.  IV  9lrt.  51 ;  haxjv.  ©ntro.  9trt.  46).   2)ic  cntfprcd&cnbc  Slnrocnbung 
bcö  §  594  -über  bic  ^ßfüd^t  jur  aSorfd^ufeleiftung  fann  namcntlid^  in  foldjcn 
göBen  üon  praftifd}cr  33cbcutung  werben,  in  roeldjcn  ein  OegciiDormnnb  bcl^ufö 
Erfüllung  feiner  ^ftid^ten  Slufroenbungen  ju  ntodjen  f)at  ober  in  roetd)cn  einem 
aSormunbc  ftüffige  ÜHittel  nid^t  ju  (Sebote  ftcl)cn,  roft^rcnb  ein  anberer  aSormunb 
ober  ein  ?ßfleger  beö  9Künbc(ö  fotc^e  in  ^änben  l^at.     2)ie  SJorfc^rlft  beö 
§  595  9lbf.  3  ift  namenttid^  im  galle  bcr  33eenbigung  ber  aSormunbf^oft  von 
SBid)tigfeit. 

Sie  83eftimmung  beö  §  1698  Safe  2,  meldte  fid)  bcr  prenfe.  aSorm.  D. 
§  33  9lbf.  3  Qnfdölicfet  (ücrgt.  aiid^  preug.  91.  2.  3t.  II,  18  §  262;  fäd^f.  ®.  33. 
§  1956;  TOcimar.  ®ef.  t).  27.  SKärä  1872  §  70;  bax)v.  ©ntro.  9lrt.  46),  beruljt 
auf  bem  ©ebanfen,  ba§  jwar  bic  Sieget  ber  Uncntgeltlid)feit  ber  oon  bem 
aSormunbc  geleifteten  S)ienftc  feftju^atten,  eö  aber  billig  ift  unb  aud^  im 
eigenen  ^ntereffe  beö  SKünbelö  liegt,  für  fol^e  gälte  eine  9luönal^me  am 
juerfcnnen,  in  roctd^en  bcr  Sormunb  eine  aSergütung  für  geleiftcte  SDienftc 
aud)  non  einer  ieben  anbercn  5ßerfon  ju  forbern  bered^tigt  fein  mürbe. 

Sarüber,  ha^  ber  aSormunb  unb  ber  ©egenoormunb  bic  l)ier  fraglid^en 
9lnfprüdöe  aud&  fd^on  mä^renb  beö  33cfte^enö  bcr  aSormunbfd^aft  gerid)tlid) 
geltenb  mad^en  fönncn,  ücrgt.  bic  SJlotiDc  ju  §  1688  oben  S.  1160  unb  roegcn 
ber  aScrjälirung  §  168. 

§  1699. 

2)ie  aSeftimmungen  bcö  §  1699  ©ag  1,  2,  fomeit  biefclben  bm  aSormunb  |'j;"„";J^ 
betreffen,  fd^tiefeen  fid^  im  aOBcfentlic^en  bcm  gemeinen  Siedete  unb  einer  SRcilie 
neuerer  ©efege,  inöbcfonbcrc  ber  preufe.  aSorm.  D.  an  (ocrgt.  preufe.  91.  S.  dl 
n,  18  §§  263  —  269;  preug.  aSorm.  D.  §  33  9lbf.  1,  §  34;  fäd^f.  ®.  93. 
§§  1954, 1955  nebft  bcr  prooif.  ®er.  D.  §  73;  meimar.  ®cf.  0.  27.  «Wärj  1872 
§§  68,  69;  lübedE.  SBorm.  D.  §  79;  brcm.  aiJorm.  D.  §  31;  ofterr.  ®.  93. 
§§  266,  267;  ba^r.  (Sntw.  9lrt.  45).  ®er  (Sntmurf  ftc^t  mit  biefer  9lrt  ber 
Siegelung  im  ©cgcnfafec  cinerfeitö  ju  benicnigen  Siedeten,  rocl^e,  wie  ocr^: 
fd^iebcnc  bar)r.  SRcd^tc,  inöbcfonbcrc  baö  bar)r.  S.  31.  I,  7  §  15  9ir.  4,  unb 
mic  baö  mürttcmb.  9lcd^t  (aSerorbn.  0.  14.  aKärj  1809  §  11;  aSorfd[)riften 


,,-_     y-., ,     ^ y      ,^ ^J JJ ^ 


berartige  öefugnife  alö  9lu§ftii§  bcr  clterlid^cn  Ocroalt  cinjuräumcn,  ba  cd 
über  bcu  5lQl^mcn  bcr  elterlichen  Oeroalt  l^inauöge^t,  bcn  @Iterii  eine  berartige 
SBerfiigung  über  ba^  von  ifinen  nid^t  fierrüfirenbe  93erm5gen  bed  aRünbclö  511 
Ounftcn  eines  ©ritten  ju  geftatten.  @in  Sebürfnife  in  biefer  SRic^tung  liegt 
um  fo  weniger  cor,  als  eä  ben  ©Item  unbenommen  ift,  inStnfe^ung  beö  dou 
i^ncn  ^errü^renben  33ermögenö  na6)  SWa^gabe  bcr  allgemeinen  erbred^tlid&en 
SBorfd)riften  bem  SBormunbc  eine  SSergütung  jujumenben. 

§  1700. 

^eraudßabe  S)ie  Scftimmung  beä  §  1700  9(bf.  1  ergiebt  [xä)  auö  bcr  9Jatur  beö 

»ermböens.  93erf|ältnifleß  unb  ftelit  mit  bem  gcitenbcn  gied)te  im  ©inflangc  (ocrgf.  1.  1 

We^inunfl«.    §  ^  ^^^  ^^«  ^^^^^^^  -^^  ^i^^  ^^^  ^^^-  ^^^'  ^/  *^  i   P^^^^^'  21.  S.  SR.  II,  18  §§  861, 

lefluna.     863;  preug.  SSorm.  D.  §  67  3lbf.  1 ;  code  civil  atrt.  469;  bab.  ®cf,  r>.  6.  gcbruar 

1879  §  22  unb  5Rotoriatdgef.  v.  7.  3uli  1864  §  82;   fäc^f.  @.  33.  §  1952; 

öfterr.  ®.  33.  §§  262,  263;   roeimor.  ®ef.  o.  27.  äßärj  1872  §  61;   lübecf. 

aSorm.  D.  §  76;  brcm.  SSorm.  D.  §  93;  ^amb.  SBorm.  D.  9trt.  70—74;  ^cff. 

entro.  IV  airt.  99—101 ;  bopr.  entro.  3lrt.  91—93).    3n  9lnfe^ung  ber  SJer- 

pflirfltung  beö  SSormunbeö,  auf  a3er(angen  beö  2WiinbeIö  ben  Dffenbarungöcib 

ju  leiften,  verbleibt  eö  bei  ben  oHgemeinen  ©runbfä^en  (§  777),  ebenfo  in 

älnfe^ung  ber  33cn)eiö(aft  bei  SÄnfprüd^en  beö  3)lünbelö  auf  ^erauögabe  eineö 

aSermogenögegcnftanbeö  ober  auf  ®ntfd)äbigung  (ücrgt.  bie  SWotiüc  ju  §  1503 

oben  ©.  746  ff.). 

»ejuflna^ine  ©ic  im  §  1700  Slbf.  1  bcftimmtc  aSerpflic^tung  jur  SRedönungöIegung 

Äungw.  bejie^t  fid)  nidit  bloö  auf  bie  SSerroaltung  ber  lefeten  Stec^nungöperiobe,  fonbern 

auf  bie  aSerroaltung  roäfirenb  bcr  gonjen  2)auer  beö  oormunbfc^aftlidb^n  SImteö. 

3lad)  §  1700  2lbf.  2  foU  jeboc^,  fomeit  ber  SSonnunb  bem  93ormunbfd)aftö^ 

gerid^te  eine  3lec^nung  gelegt,  b.  \).  foroeit  baöienige,  loaö  ber  SBormunb  nac^ 

2Ra^gabe  beö  §  1687  bem  93ormunbfd^aftögeri(4te  afö  SRec^nung  oorgelegt  1)ai, 

ben  !^arafter  einer  SRed^nung  an  fid^  trägt,  eine  Sejugna^me  auf  biefe  9{ed)nung 

genügen.    6ö  gelangt  baburd)  ber  Oebanfe  beö  ©ntrourfeö  jum  äuöbrucfc,  bafe 

bie  im  §  1687  beftimmte  3led)nungölegung  fid^  jugfeid^  alö  3ledj)nungölegung 

gegenüber  bem  äßünbet  barftellt,  jebod^  ol&nc  ^räjubij  für  bie  SRec^tc  beö 

3KünbeIö,  gegen  bie  früheren  Jted^nungen  9luöfteüungen  ju  cr^bcn  (ocrgL 

aWotiüe  ju  §  1688  oben  ©.  1161).    SJon  felbft  t)erftef|t  eö  fid)  ferner,  bafe  ber 

aRünbcI  berechtigte  ©rgänjungen  unb  Serid^tigungen  ber  früheren  SRec^nungen 

verlangen  fann,  ba  inforoeit  bie  lefeteren  nid)t  bm  Äaratter  einer  orbnungö« 

mäßigen  Sled^nung  f)aben. 

switwirfunfl  2)ic  Scftimmung  beö  §  1700  9lbf.  3  fdblieöt  fid^  im  SBefentlid^en  ou  bie 

IfxmZti  V^^^^'  33orm.  O.  §  67  3lbf.  2  an  (ücrgl.  aud&  §  1687  3lbf.  6  beö  entwürfe«). 

Seit  ber  3"  üerfd^icbcnen  ©efegen  finb  bem  SBormunbe  für  bie  ^ier  in  3Rebe 

9te(^nungft>.  fte^cube  Mcdinungölegung  griften  üorgefd&rieben  (ocrgl.  preufe.  21.  2.  SR.  II,  18 

*®""**     §  261;  preuö.  SBorm.  D.  §  67  3lbf.  1;   ofterr.  ®.  33.  §  262;  fäddf.  ©.  ». 

§§  1952,  1972;  Weimar.  ®cf.  ü.  27.  SRärj  1872  §§  61,  76).    SDagegcn  fmb 

bem  gemeinen  unb  franj.  SRed&te,  wie  auc&  bem  ^cff.  unb  bem  batjr.  ©ntw.  folc^e 


SSormunbfc^aft  üBcr  ÜRinbcriätrioe.   Honorar  bcß  Sormunbcö.   §1699.     1183 

S)urd)  bic  rocitcre  in  bcr  preu§.  SSorm,  D.  fc^Icnbc  Scftimmung  beö  stuf^ebimg 
§  1699  ©aß  3,  \>a^  bie  Setüilligung  beö  ^onorarcö  oon  bcm  SBormuubfd^aftö^  8te,°b^^„g 
gcrid^tc  ju  jcbcr  Qdt  für  bic  S^fwnft  aufgcl^obcn  ober  geänbert  tüerbcn  fann,*»«'  4&onorar* 
fon  bcr  Sluffajfung  entgegengetreten  roerben,  als  ob  bcr  SBormunb  ober  ®cgen-  ^*  '°""^ 
üormunb  bwcä)  bic  SubiHigung  beö  ^onororeö  von  ©eiten  bcs  äJormunbf^aftös 
gcrid^tcö  für  bic  3wtunft  ein  fcftcö  n)ol)teriüorbened,  anä)  im  5ßroje§n)egc  ücr^ 
folgbareß  JRcd^t  auf  baö  Honorar  erlangt  l^abe  unb  x\)m  baöfelbc  bafier  fpäter 
troß  t)cränbcrter  Umftänbc  burdö  baö  SBormunbfc^aftögcrid^t  nid^t  roieber  cnt^^ 
jogen  ober  fingef^ränft  werben  tonne,  eine  2Iuffaffung,  xodd)t  für  bic  preu§. 
SSorm.  D.  von  tJcrf^icbcncn  Seiten  oertreten  wirb.  3)icfc  Sluffaffung  ift  jcbod^ 
mit  bcm  3ntcre5fc  bcöSKünbcIö  nid)t  vereinbar;  üiclmcl^r  muß  baö  93ormunb^ 
fd^aftögeri(^t  in  bcr  Sage  fein,  baö  äugebilligtc  §onorar  für  bic  S^funft  ju 
entjie^cn  ober  ju  minbern,  mcnn  cö  bieö  mit  SRüdEfid^t  auf  9lenbcrungen  in 
bcr  9lrt  unb  bcm  Umfange  bcr  SScnüaltung  olö  angemcRcn  crad^tet.  ®aö  SBor* 
munbfd^aftögcrid^t,  inbem  eö  ba^  Honorar  bcroilligt,  fd^tiefet  nidfit  alö  SScrtreter 
beö  SWünbcIö  mit  bcm  SBormunbc  einen  SSertrag  ab,  fonbcrn  l)anbelt  traft 
feiner  SImtögemalt  unb  gcmäfirt  in  biefer  ©igenfd^aft  bcm  SSormunbc  ein  3itä)t 
gegen  bcn  SKünbcl,  aber  nur  ein  fol^eö  SRcd^t,  roeld&eö  in  feinem  Seftanbc 
von  bcm  ®rmcffen  beö  aSormunbfd^aftögcrid^tcö  abl^ängig  bleiben  foU.  ©olangc 
baö  3Sormunbfdjaftögerid^t  iene  Sßerfügung  n\ä)i  geänbert  f)ot,  ift  bagcgen  für 
bic  SBcrgangen^cit  bcm  SSormunbc  ein  fcftcö  Siedet  erioorbcn,  mcld^eö  i^m 
nid)t  me^r  entjogen  unb  nötl^igcnfaDö  im  ^rojeferoege  geltcnb  gemat^t  merben 
fann.  2luö  biefer  9luffaffung  ergicbt  fid^  oon  fclbft,  bofe  bie  SScrfügung  beö 
aSormunbfd^aftögerid^teö,  burd^  roel^eö  baö  Honorar  jugcbilligt  mirb,  auc^  im 
3Begc  bcr  93efd^n)crbe  roiber  baö  ©erid^t  abgcänbert  merben  fann.  Die  näf)cren 
93eftimmungcn  in  biefer  Scjicl^ung,  namentlid^  über  bic  SBirtung  einer  im 
9lcd^tömittelt)crfal^rcn  ergc^enben  abänbcrnbcn  ®ntf d^cibung ,  finb  co.  in  bcm 
Ocfcfec  über  baö  SSerfa^ren  in  Sßormunbfdjaftöfad^en  ju  treffen. 

S)ic  S3cftimmung  beö  §  1699  ©ag  4  bejrocdft,  eincrfeitö  baö  3nterejfc  «n^»f«nß  *>«» 
beö  Sßormunbeö  ju  fid^ern,  onbcrcrfeitö  baö  9Sormunbfd[)aftögerid^t  anju^alten,  „„b JSöefleti- 
für  bcn  gall,  wenn  ein  ©cgcntjormunb  bcftellt  morben  ift,  aud^  biefcn  im  »onnunbe*. 
3ntcrcffe  einer  fa^gemäfeen  ©ntfd^eibung  Dorl^cr  ju  f|5ren  (ocrgl.  au^  prcufe. 
aSorm.  0.  §  34  5lbf.  3). 

Sßerfd^iebene  ©efeftc  lieben  nod^  auöbrüdEfid^  l^croor,  ba^  bcm  SBormunbc  «onoror- 
cin  Honorar  aud^  bann  iuftcl^t,  romn  i^m  ein  fold^eö  burd^  bcn  ©rblaRcr  ju*   '"ui^""* 
gebilligt  morben  ift  (oergl.  preufe.  91.  2.  JR.  II,  18  §269;  prcufe.  SBorm.  0.  »>««  «^J^Mer. 
§  34  3lbf.  1;   fäd^f.  ®.  93.  §  1955;  rocimar.  ®cf.  v.  27.  2Rärj  1872  §  69; 
l^cff.  ®ntn).  IV  Slrt.  93 ;  ba^r,  ®ntm.  9lrt.  45).    2)cr  ©ntrourf  f)at  eine  ber^^ 
artige  S3cftimmung  nid^t  aufgenommen,  ba  cö  felbftDcrftänbtid^  ift,  ba^  bcr 
©rbtaffer  bcm  SBormunbc  nad&  ajlafegabc  ber  SBorfd^riften  beö  ©rbrcd^teö  in 
bcr  ^orm  beö  83crmäd)tnijfcö  ein  Honorar  jumenben  fann. 

9lad^  gemeinem  SWed^tc  (1.  33  §  3  D.  de  adm.  26,  7;  l.  l  §  6  D.  de  anorbmiuß 
tutelae  27,  s)  j^at  bcr  SBormunb  aber  aud^  bann  einen  Slnfprud^  auf  ein   ^    **^ 
Honorar,  menn  i^m  ein  fold^eö  burd)  bcn  58ater  bei  bcr  ®rncnnung,  unb  nad^ 
bcm  baqr.  ®ntu).  Slrt.  45,  mcnn  i^m  ein  fold^cö  Don  bcn  t)erftorbenen  ©Itern 
ouögefcfet  morben  ift.    3n  Ucbereinftimmung  mit  ber  aRcl^rjal^t  bcftcl^cnbcr 


1 1 84     S5ormunbfd}af t  k.  ^erauSßabc  beS  aScrmöflcnö ;  S^fugrcdiminfl.  §  1700, 

9lcd)tc  l)ai  her  (SntiDurf  icbod&  93cbcn!cn  getragen,  ben  ®(tcrii  ald  folgen  eine 
bcrartigc  Scfugnife  ald  SluöPtu^  ber  clterUd^cti  (Seroalt  einzuräumen,  ba  cd 
über  bcu  Stal^mcn  ber  elterlichen  Oeroatt  ^inauögel^t,  bcn  @ltern  eine  bcrartige 
aSerfiigung  über  baft  üon  i^nen  nid^t  ^errü^renbe  93ermogen  bed  "äihmbete  ju 
Ounftcn  eines  ©ritten  ju  geftatten.  @in  Sebürfnife  in  biefer  SRic^tung  liegt 
um  fo  weniger  cor,  olö  es  bcn  ©Iteru  unbenommen  ift,  in  Slnfc^ung  befi  oon 
il)ncn  ^errü^renben  33ermogenö  nad^  SWa^gobc  ber  allgemeinen  erbrec^tli^cn 
33orfd)riften  bem  93ormunbe  eine  SBergütung  jujuroenbcn. 


§  1700. 

^erauäflaDe  S)ie  Scftimmuug  beä  §  1700  9tbf.  1  ergiebt  fid^  auö  ber  !Jlatur  bc« 

Bermögen«.  9Serl)ältnineß  unb  [teilt  mit  bem  gcltenben  SWed^tc  im  ©intlangc  (oergt.  1.  1 

wec^nunfla*  §  ^  D.  (Ic  tutclae  27,  3;  1.  9  Cod.  arb.  tut.  5, 6i ;  preug.  ä.  S.  dt.  II,  18  §§  861, 

lefluiifl.     863;  preufe.  Sorm.  D.  §  67  3lbf.  1 ;  code  civil  3(rt,  469;  bab.  @cf.  o.  6.  gebniQr 

1879  §  22  unb  Slotariatsgef.  v.  7.  3uli  1864  §  82;  fäd&f,  ®.  ».  §  1952; 

öftcrr.  ®.  SB.  §§  262,  263;  loeimar.  ®ef.  u.  27.  äßärj  1872  §  61;  lübcrf. 

aSorm.  D.  §  76;  brem.  aSorm.  D.  §  93;  l^amb.  SBorm.  O.  9lrt.  70—74;  W- 

entro.  IV  9Irt.  99—101 ;  bapr.  (gntro.  3lrt.  91—93).    3n  Stnfc^ung  ber  Scp 

pflic^tung  bcö  aSormunbeö,  auf  SJerlangen  beö  2Wiinbelö  ben  Dffcnbarungdcib 

JU  leiften,  verbleibt  eö  bei  ben  allgemeinen  ©runbfä^en  (§  777),  ebcnfo  in 

2lnfel)ung  ber  Seroeiölaft  bei  9lnfprü(^en  beö  3Jlünbete  auf  Verausgabe  cined 

aSermogenSgegenftanbeS  ober  auf  ®ntfd()äbigung  (pergl.  bie  aJlotioe  ju  §  1503 

oben  ©.  746  ff.). 

»eiugntt^me  ©ic  im  §  1700  2lbf.  1  beftimmte  aSerpflicJ^tung  jur  SRcc^nimgslegung 

Se^nunten.  bcjie^t  fid)  uid^t  bloS  auf  bie  aSerroattung  ber  testen  Siec^nungöperiobe,  fonbern 

auf  bie  aScrroaltung  roä^renb  ber  ganjen  S)auer  beS  oormunbfdöaftlid^n  ämtcfi. 

5ßadb  §  1700  9lbf.  2  foll  icbod^,  foroeit  ber  aSonnunb  bem  aSormunbfc^aftß* 

gerid^te  eine  ^ied^nung  gelegt,  b.  l).  foroeit  basjenige,  roas  ber  aSormunb  nocj 

äßaggabe  bcs  §  1687  bem  aSormunbfc^aftSgerid^te  als  SRec^nung  oorgelegt  H 

ben  Äarafter  einer  Stec^nung  an  fid^  trägt,  eine  Sejugna^me  auf  biefe  Sied&nung 

genügen.    @s  gelangt  baburd^  ber  ©cbanfe  beS  ©ntrourfeS  jum  Slusbrucfe,  ba§ 

bie  im  §  1687  beftimmte  Sierfinungßlegung  fid&  jugleic^  als  JRcd&nungStegunj 

gegenüber  bem  3Jlünbcl  barftellt,  jebod^  ol^ne  ^räiubij  für  bie  Siechte  befl 

aJJünbels,  gegen  bie  früheren  SHerfinungen  Slusftellungen  ju  er^ben  (ocrgL 

aWotioe  JU  §  1688  oben  ©.  1161).    aSon  felbft  oerftel^t  es  fid)  ferner,  baft  b« 

aJlünbcl  bcred^tigte  ©rgänjungen  unb  Serid&tigungen  ber  früheren  Slec^nungen 

©erlangen  fann,  ba  inforoeit  bie  le^tcren  nid)t  bcn  Äarattcr  einer  orbnung** 

mäßigen  SRed^nung  l)aben. 

swuroirfunfl  S)ie  SSeftimmuug  beS  §  1700  9lbf.  3  fcftliefet  ftc^  im  aSefcntlid^en  on  bie 

lox^nZ  P^^wfe.  aSorm.  D.  §  67  3lbf.  2  an  (uergl.  aud)  §  1687  2lbf.  6  beS  gntrourfe«). 

Seit  ber  3^  üerfc^iebeueu  ©efegen  finb  bem  SSormunbc  für  bie  ^icr  in  Äebe 

***"«"«*-  ftelienbe  SRed^nungslegung  griften  üorgefd^rieben  (t)ergl.  preug.  91.  £•  91.  II,  18 

''""^'     §  261;  preuö.  aSorm.  D.  §  67  9lbf.  1;  öfterr,  ®.  53.  §  262;  fäddf.  ®. ». 

§§  1952,  1972;  roeimar.  ®ef.  v.  27.  SWärj  1872  §§  61,  76).    SJagegen  fin» 

bem  gemeinen  unb  franj.  SRed&te,  role  auc^  bem  ^cjf.  unb  bem  baijr.  @ntn).  fol<^ 


SSormunbf d&aft  K.  ^erau8öö6ebeö3>ermo9enö.  ©cfaluBced&nunö-  §1700.     1185 

Triften  unbcfannt.  9lud^  bcr  üorlicgcnbc  ©ntrourf  l)at  cö  oorgejogcn,  eine 
55tiftbeftimmung  nid&t  aufjune^me»,  baooit  audgcfienb,  bofe  bie  im  §  1700 
Slbf.  1  beftimmtc  aSeq)flid^tung  jur  SWedjnungöIegung  fofort  mit  ber  Secnbigung 
beö  üormunbfd^aftUd^cn  Slmtcö  eintritt  (§  231  9lbf.  1),  bcm  SSormunbc  jebo^ 
md)  bcn  allgemeinen  (Srunbfofeen  beö  Cbligationcnre^teß  felbftüerftänbllc^  eine 
ongemeffene,  ben  SSerl^ätnijfen  beö  einjcinen  goUeö  cntfpred^cnbc  grift  jiir  SBe^ 
roirlung  ber  i^rcr  ?latur  mä)  eine  gemiRe  3^it  ^^  9lnfprud^  nel^menben 
Sciftung  frei  bleibt.  SWon  üermeibct  auf  biefe  SBeifc  bie  ©d^roierigfeit,  ben 
Umfong  ber  grift,  foroie  ben  33eginn  beö  Saufeö  berfelben,  inöbefonbere  ben 
(Srben  gegenüber  (preufe.  aSorm.  D.  §  67  Slbf.  4),  in  einer  allgemein  an^ 
gemeRenen  SBeife  ju  beftimmen. 

®a6  betreffenbcnfallö  ber  93ormunb  nic^t  bem  SWiinbcl  felbft,  fonbern  »ec^nunflö. 
bejfcn  SWed^tönad^folger  ober  bem  neu  beftellten  SSormunbe  baö  üon  iljm  Der^    "*^'"*'^' 
mattete  SBermögen  l^crauöjugcben  unb  9Zed)nung  über  bie  SScrmaltung  ju  legen 
\)at  (ocrgl.  preufe.  93orm.  D.  §  67  3lbf.  1),  ift,  meil  felbftDerfteinblid&,  nid)t  be^ 
fonberö  jum  5luöbrucfc  gebrad)t, 

©benforoenig  liegt  ein  Sebürfui^  dov,  außbrüdflid)  ju  beftimmen,  bafe  bic"'^^«^»^*'« 
^Pflid^t  jur  SRedinungölegung  ouf  bie  ©rben  übergel)t  (preu§.  aSorm.  D.  §  67  ti^trhtn, 
3lbf.  4;  fäd^f.  ®.  33.  §  1972;  meimar.  ®cf.  ü.  27.  äßcirj  1872  §  76;  liibedF. 
aSorm,  D.  §  84;  brem.  SBorm.  D.  §  98,  l)cff.  ®ntn).  IV  3lrt.  101,  107;  bai)r. 
ßntro.  9lrt.  91),  ober  bafe  bie  ©rben  beö  SSormunbeö  Derpfli^tet  [xnb,  baö 
aSermogen  l^erauöjugeben  unb  biö  ju  biefem  3^itpunfte  für  bie  Sidjcrftcllung 
ber  im  SWac^laffc  befinblidö^n  aSermögenögegenftäube  beö  3Künbelö  ju  forgeu 
(preufe.  aSonn.  D.  §  65  3lbf.  1;  l)c%  ©ntn).  IV  9lrt.  105  nebft  9)lotiücu 
S.  274;  bar)r.  ®ntn).  3lrt.  94),  ba  eö  ficb  nid)t  um  bie  33eftimmung  bcfonbcrer 
in  ber  ^erfon  ber  ©rben  neu  entftel^enbcr  aSerbinblid^fciten  Ijanbelt,  fonbern 
nur  um  geroiffc  aM  ben  allgemeinen  ajorfc^riften  über  Sd^ulboerliftltniffc 
(§  292)  fic^  ergebenbe  Ronfequenjen,  meiere  Ijier  ebenfomenig  beftimmt  ju 
werben  brauchen,  mie  bieö  beim  Wanbate  gcf(^el)en  ift. 

2)ie  preufe.  aSorm.  D.  §  67  9lbf.  4  entljött  ferner  bie  S3eftimmuug,  »«t  bcn 
ba6  bie  l^ier  in  SRebe  ftel^enbe  ^flic^t  beö  SJormunbeö  jur  Sled^nungölegung  vcTmaiuv. 
auf  ben  aSermalter  im  Äonfuröüerfal)ren  übergelie.  2)iefe  Seftimmung  ift 
nid^t  etroa,  mie  bie  üHotiüe  ber  preug.  aSorm.  C.  (3)lotioe  beö  ©ntio.  ©.  56) 
anjuncl^men  fd^einen,  auö  allgemeinen  ©ninbfä^cn  abjuleitcn,  fonbei-n  pofitioer 
$Ratur.  3)a  ber  Slnfprud^  auf  9led)nungölenung  im  ©egenfafee  5U  bem  9lm 
fprud^c  auf  baö  auö  bcr  9lcd&nungölcgung  fid^  ergebenbe  ©uttjabcn  fein  91^ 
fprud^  auö  bem  aSermögen  beö  ®emeinfd)ulbuerö  ift,  fo  liegt  infomcit  eine 
Äonturöforberung  nid^t  oor  (§  2  ber  ÄonF.  D.).  ©benforocnig  ift  ber  9lnfprud) 
beö  3Künbelö  auf  9led()nungölcgung  mi)  allgemeinen  ©runbfdgen  alö  ein 
aWajfeanfprud^  anjufe^en  (ücrgl.  ®ntfd).  beö  3:rib.  ju  ßelle  VI,  209).  3fad) 
allgemeinen  ©runbfägen  ift  cö  üielmcl)r  ©ad^e  beö  SBünbelö,  feine  9lnfprüd^e 
aM  bcr  üormunbfd^aftlid&en  aSerroaltung  im  Slonfurfc  ju  fubftantüren  unb, 
foroeit  nöt^ig,  ju  biefem  ^xocdc  ben  ©emcinfc^ulbner  außerhalb  beö  Stonfurfeö 
iur  JRec^nungölegung  anjulialten.  aBennglelt^  nid^t  ju  t)er!ennen  ift,  bafe  bem 
ajlünbel  l^ierauö  unter  Umftänben  ©d&roierigfeiten  bei  ber  ©eltcnbmad^ung 
feiner  9lnfpriid^e  ermad^fen  fönnen  unb  biefe  ©d^roierigfeiten,  menn  aud^  nid^t 

OIoHm  |.  bftrgcrL  0<fc|6tt4  IV.  75 


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SSormmibfcfiaft  über  aWinbeq.    @c6Iu§re(^mmG.    ^ISttafeme.    §  170L     1187 

fofec  ju  bic[cn  ©cfcfien  J^obcn  anbcrc  Ocfcfcc  luebcr  bie  ®inrcid^uug  bcr  3lcd)5 
nung  bei  bcr  Dbcroormunbfdööft  nod^  eine  Prüfung  biirrf)  bicfelbc  porgcfc^ricbcn. 
S)al^in  gcprt  au  fid&  baö  gemeine  Siecht;  inbcffcn  ift  bieS  nid^t  unjrocifelfiaft 
unb  in  bcr  gemcinred^tUd&cn  ^ßrajis  wirb  icbenfoH«  ttjotföd^lid)  aud^  bie 
Sd^fu&rcd^nung  tJielfad^  burd)  boö  ©cric^t  geprüft  Sluci^  baö  franj.  Siedet 
be^anbelt  bie  Slbnal^me  bcr  ^ier  froglic^cri  9?ed)nung  afe  reine  ^ßrioatfod^c 
jroifd^en  bcm  aSormunbe  unb  bcm  aßünbcl.  9luf  bemfelben  33oben  ftel(|t  bcr 
bar)r.  ©ntro.  9lrt.  92,  93,  iebod^  mit  bcr  aWobififotion,  ba^,  wenn  loäl^renb  ber 
5ßormunbf(f|aft  bie  ©ntl^ebung  bcö  SBormunbcö  ober  beffen  Xob  eintritt,  oon 
bcm  abtretcnben  aSormunbe  ober  bcffen  ©rben  bie  Sd^Iufered^nuug  bei  bcm 
aSormunbfc^aftögerid^te  Qbiulegen  ift  unb  bcr  gamilienratf)  bie  Mcd&nung  ju 
prüfen  i)at 

©inen  bcfonbcren  SBeg  l^at  ba&  preufe.  31.  S.  91.  II,  18  §§  861,  880, 
885  eingef dalagen;  boöfclbc  fc^reibt  iwar  eine  Prüfung  ber  Sd^tuferec^nung 
burd^  boö  ©erid^t  nid^t  Dor,  mol^I  aber  bie  Slblcgung  bcrfelben  vox  bcm  aSor^ 
munbfd^aftdgerid^tc  (ocrgf.  SRotiüe  bcr  prcujj.  SSorm.  D.  S.  101;  33erid^t  ber 
Äommiffion  bcö  ^errenl^aufcö  ©.  95). 

S)cr  ©ntrourf  bcr  preufe.  5Borm.^C.  §  77  mad)te  bie  Segung  ber  Sd^Iufe- 
rec^nung  ju  einer  rein  aufecrgcric^tlidjen  ^riüatfad)e  jmifd^en  bcm  58ormunbc 
unb  bem  3)iünbeL  3n  ber  Eommiffion  bcö  ^crrcn^aufcö  erl^oben  fid^  inbcffen 
Stimmen  für  bie  Siücdtmö^igfeit  einer  ücrmittetnben  2^^Ätigfeit  bcö  SSormunb^ 
fd^aftögerici)tcö  bei  fiegung  bcr  Sd^Iuferc^nung  im  Sutercffe  einer  rafd)cren 
SlbroidEelung  fd^roieriger  aSerf)äItniffe,  unb  bieö  l;atte  jur  golge,  bafe  bie  in  ber 
prcufe.  aSorm.  D.  §  67  9lbf.  3  [xd)  finbenbe  Sßorfd^rift  aufgenommen  rourbe. 
I)onad&  ift  bie  ©c^Iufered^nung  bem  SBormunbfd^oftögcrid^te  einjureid^cn,  mcld^cö 
le^tere  bicfelbe  bem  äßünbel  ober  beffen  Slcc^tönad^fofger  ober  bcm  neu  be« 
ftcUten  aSormunbe  jur  ©rllärung  Dorjulcgcn  unb,  menn  aiuöftcUungcn  nid^t 
gemad^t  werben,  bie  ©ntlaftung  l^crbeijufü^rcn  ^at. 

SWad^  ber  3luffoffung  bcö  ©ntmurfcö  ift  cö  burd&  ein  praftifd)cö  Sc*  etanbpunrt 
bürfnife  im  Sntcreffe  ber  ©ricbigung  bcr  ctroa  obroaltenbcn  ©treitigfeiten  unb  entwürfe«, 
im  Sntcreffc  bcö  üRünbelö  geboten,  ba^  ba^  aSormunbf^aftögcridjt,  roclt^cö 
mit  ben  33er^ältniffcn  genau  bcfannt  unb  feiner  ganjcn  ©tcüung  nad&  be* 
fonbcrö  geeignet  ift,  bie  STuöcinanbcrfcgung  über  bie  ©c^tufercc^nung  sroifd^cn 
aSormunb  unb  äJlünbel  l^crbeijufüfircn,  ni^t  ctroa  bloö  auf  Slntrag,  fonbern 
oon  äfmtömcgcn  tt)ätig  wirb,  um  bie  2lbnaljme  bcr  SHed&ming  ju  ücranlafjcn. 
®o6  in  golge  beffcn  bie  2:(jätigfcit  bcö  9[5ormuubfd)aftögerid&tcö  in  bie  3cit 
fid^  crftrcdEt,  in  meld^er  bie  SSormunbfdjaft  bereitö  bcenbigt  ift  unb  ber  biö^ 
Ijcrige  aWünbel  fcineö  ©(^u^eö  mcljr  bcbarf,  fann  93cbcnfcn  nid)t  erregen,  ba 
anbererfeitö  für  ben  eben  bcr  SSormunbfdjaft  cntmadjfencn  unb  in  bcr  eigenen 
Oefd^äftöfü^rung  nod)  nid^t  geübten  SJlünbcl  a\\^  jener  Sluöbe^nung  bcr  obcr^ 
Dormunbfd^aftlid^en  ^f)ütigfeit  ein  nid;t  ju  unterfc^äfecnber  aSortl^eil  fic^  er^ 
giebt.  ^ßraftifd^e  SWüdEfid^ten  fprcd^en  aber  loeiter  bafür,  über  bie  SBorfd^riftcn 
bcö  preufe.  SRed^teö  l^inauö,  im  9lnfd^[uf[c  an  bie  ber  oben  bcieid^nctcn  erften 
®ruppe  t)on  Siedeten  angcf)6rcnbcn  Ocfcgc,  bcm  aSormunbfd^aftögcric^tc  ju* 
glcid^  bie  5Pflid)t  aufjucrlcgen,  bie  SRedfinung  rcd&nungömä^ig  unb  fad;Iid)  ju 
prüfen  unb  burd)  bie  aJiittljcitung  bcr  SHcfultate  bicfcr  5ßrüfung  bem  Sted^nungö^ 

75  ♦ 


gcjTDunscii  luicb,  bm  roflfpieligcii  SScg  bcd  Ißi'ojcilcS  }u  betreten.  Ifluc^  lö^t 
fic^  ntdjt  »crtctmen,  baß  bnfl  Sßormimbf^nftsgciidjl,  roeil  baßfctbe  ber  ®ad)c 
am  nädiftcn  fte^t,  tu  bcv  JRcget  bcfonberS  geeignet  fein  loirb,  ju  beurt^eileii, 
ob  bie  Sluöftellungen  eine  reelle  Uiiterloge  Ijabcn  ober  niia  ber  Suft  gegriffen 
finb.  ^iibclfcn  tonnen  bicfe  Sriuägniigcit  nidjt  ali  aueveit^cnb  erad)tet  roerben, 
lim  in  biefer  SRidjtunfl  bic  allflemeinen  ©ntnbläßc  jii  bnrc&bredjen.  Set  93or= 
munb,  welket  allen  feinen  $crbinblid)feiten  genügt  t)flt,  tann  im  ^rojegmegc 
bie  auf^ebung  ber  ©ic^crljeit  wrlongcn  unb  im  galle  eine«  aSerjngeä  be« 
aKiinbctfl  Qud)  etroaige  Sdiobensanfpriidie  gcUcnb  ma^en. 


§  1702. 
»  1.  3lQtf)  gemeinem  fRtd)k  ift  ber  Dberuormnnb,  roelctier  bie  ilim  ob« 

'  Ucgcnben  DbcroormunbfdiQfKidien  $f[i(^tcn  quo  SJorfa^  ober  gaf)rläffigfeit 
Dcricgt,  bcm  aHiinbet  fiir  bcn  hieraus  entftc^enben  ©i^Q&cn  oerantroorttic^. 
®er  SInfprud)  beS  aHünbelS  Ijot  ober  nidjt  ben  Äarntter  eine*  Slelittonfpru^e«, 
fonbern  bcn  eine«  9[n[prui$es  quo  einem  Oiiafttontrafte  (oergl.  Seuffert  V, 
298,  XI,  252,  XXX,  253). 

Sm  Slnftfiluffe  an  baS  gemeine  SRec&f  ftabcn  quc^  oecfc^icbcne  neuere 
©cfc&e  ouabril(flii$  ouflgcfpro^en,  bofe  bie  aSormuubfdiQftebeöbrbc  roegcu  5Ber= 
nat^täffigung  ber  il)r  bei  bec  Sluorbmmg  unb  SBerrootiung  ber  Sormunbfc^nften 
obticgcnben  $f[id)tcn  bem  33tüubfl  erfaßvfliiitig  fei  (ocrgf.  bapr.  8.  ^.  I,  7 
§  29;  niütltemb.  9iotariat6gcf.  n.  14.  3nni  1843  ÜTrt.  67—75;  brem.  SJorm.  O. 
§§  112—116;  öfterr.  ®.  S.  §265).  ©afl  prenfe.  91.  S.  ?H.  11,  18  §  301  bc= 
ftimmt,  bafe  ber  SJormunbfc^nf tarierter  bem  5DIünbct  roegeit  mäßigen  Serfedcnft 
(löftet,  n)eld)efl  er  bei  Scftellimg  beä  SBormunbefl  ober  bei  ber  gütirung  ber 
Slnffit^t  unb  ©itettiou  über  benfclben  begangen  I)Qt  (öergl.  banebeu  II,  18 
§  170).  Siefe  bcfonbercn  Ianbred)tHd)cn  Seftimmiingen  ü6er  bie  3icrant= 
iBOrttidfleit  bcß  £ßormimbfd)Qfisrid)ter6  finb  ieboc^  bnrd)  bic  preuß.  33orm.D. 
§  102  befcitigt,  oline  hau  neue  befoiibere  Sßorfc^riften  in  biefer  SBejicljung  an 
bic  ©teile  getreten  finb.  @§  ridjtct  fid)  bcflljolb  in  ^reufeen  bic  Haftung  bcö 
S3ormunb|d)aftörid|terö  ie|t  nad)  ben  allgemeinen  @runbfä|cn  über  bie  ^ftung 
ber  iöcamlcn  megen  i8erIe|Hng  i^rer  9[niH3pfIid)t.  9}a^  biefen  allgemeinen 
©runbfät^cn  ift  aber  ber  SBormunbfi^nf törichter  rocgcn  SJcrna^Ififfigung  ber 
itim  oblicgenbcn  Slmtöpflidjtcn  jcbem  ©ritten  fiir  ben  nue  biefer  aSerlegung 
entflonbcncn  ed)aben  oerantroorllicÖ  (ocrgt.  91  S.  M.  II,  10  §§  88—91).  Slud) 
bafi  ffid)f.  ®.  S.  entt)n(t  über  bie  ^oftpflidjt  bcs  Sßormunbf^aftärid)tera  feine 
befonbercn  Seftimmungen.  ©S  finbet  bntjer  in  biefer  Sejic^ung  bic  allgemeine 
Sßorfdjrift  bcS  §  1506  bee  ffidjf.  &.  S.  Slniuenbung,  nod)  nicli^er  berjenige, 
rocld)cc  burcö  tibrid)tliiic  SBerfi^ulbung  ober  burd)  grobe  ga^rlöffigfeit  einca 
riditcrlic^cn  Seamten  in  @Efd)äflen  ber  freimiUigcn  ©eridjlabarFeit  ©c^aben 
ctleibet,  ©rfn^  oon  bem  fc^ulbigen  SQeamtcn  forbcrn  fann.  Db  unb  inroienicit 
nad)  franj.  3ted)te,  welc^cß  ben  atUlgliebem  bcs  ^nmilienrotltes  rocgcn  ber  oon 
i^nen  gefallen  ©efd)IüRe  (eine  bcfonbcre  3Scranttoortlid)fett  oufcrlegt,  biefelbcn 


aSormunbWaft  fiter  2Winberi.    ©^lufirecbnung.    9l6na]&me.    §1701.     1189 

SRcd^nung  ju  enoirfcn.  3"^^^  "i^^*  ^^^  §  231  bcr  6. 5ß.  C.  bie  Suläfftflfeit 
bcr  geftftcUunflöflage  boüon  abhängig,  bafe  ber  Kläger  ein  rcd)tlid^eö  3ntercRc 
bavan  1)at,  bofe  baö  9le(i^tet)erl^ä(tm6  alöbalb  feftgefteüt  werbe;  ollcin  biefc 
SBorQußfefeung  roirb  in  gällen  ber  ^ier  froglid^en  9lrt  immer  vorliegen.  916er 
axiä)  Qbgcfel^en  booon  ift  eö  bcbenflid^,  ben  SKünbel  ju  jroingen,  im  SBege  beö 
9ie^tögcfd&ofteö  einer  xlfm  günftigen  SRed^tepontion  fid^  ju  begeben,  ol&nc  bofe 
er  oielleid^t  jur  3cit  über  alle  5ßunfte  ber  aSermaltung  beö  SBormunbed  gc* 
nügenb  inftniirt  ift. 

©benfowenig  fann  ein  Sebürfni^  anerfanut  werben,  pofitiü  ju  beftimmen,  «orbc^ait 
bo6  im  galle  fcfiriftti^er  9lncrfennung  bcr  3led;nung  ein  roegen  einjclner  ginerfennung. 
3lu8fteKungcn  gemachter  aSorbcf)alt  nur  bann  SBirffamfeit  f)abe,  roenn  er  in 
bie  über  bie  9lnerfennung  ausgefteüte  Urtunbc  aufgenommen  fei,  jumal  ber 
aSormunb  jeberjeit  nad^  ^Kafegabe  bcs  §  231  bcr  6.  ^.  D.  auf  geftftellung  ber 
Dorbe^altencn  5ßunftc  ffagen  fann  unb  gegenüber  ber  oorbe^alttoö  auögefteütcn 
Urfunbe  bem  SKünbel  bcr  Semeis  obliegt,  ba^  unb  inrolcmeit  ein  münblid^er 
SSorbcfialt  gemad^t  ift  unb  bafe  berfelbe  nad^  ber  9lbfid^t  ber  ^Parteien  neben 
bcr  Urfunbe  roirffam  fein  foKe. 

9lud^  über  bie  SSoraußfefeungen  unb  bie  SBirfungen  einer  ücrtragömäfeigen   »ertrüß«» 
Slnerfennung  ber  9lcd)nung  (oergL  preufe.  9f.  S.  91.  11,  18  §§  895- 897 ;  a„eÄung. 
preufe.  aSorm.  C.  §  69  9lbf.  4;  bai)r.  ®ntu).  9lrt.  96)  bebarf  cd  bcfonberer 
SBorfd^riften  nid)t.    @ö  pnb  in  biefcr  S3cjiel)ung  bie  allgemeinen  ©runbfäfec 
beö  entrourfeö  (§§  683,  684,  290)  mafegebenb. 

3,  ©ine  bcfonbere  Scftimmung,  bag  ber  3)lünbet  bem  SSormunbe  über  c^wi««««- 
bie  Slufionttüortung  bcö  aSermögenö  Quittung  ju  crtl;eilen  l^abe  (preufe.  aSorm.C 

§  69  2lbf.  2 ;  föd)f.  prooif.  ®cr.  0.  §  78),  ift  im  ^inblidfe  auf  bie  SBorfd^rift 
beö  §  269  entbe^rlid^. 

4.  3laä)  allgemeinen  (Srunbfäfccn  oerfte^t  eö  ftdb  ferner  oon  felbft,  bafe  ««f^cbuns 
ber  aSormunb  bie  5luf^cbung  beim,  bie  S^^^'üdfgabc  bcr  bcftellten  ®i(^erl)eit  3„rüigaB€ 
verlangen  fann,  wenn  er  feine  SScrbinblid^feiten  erfüllt  l;at  (ocrgl.  preuß.  ^J^L^^ 
aSorm.  D.  §  70;  födjf.  ®.  83.  §  1953;  meimar.  ®ef.  o.  27.  JDJcirj  1872  §  62; 

^ejf.  ©ntm.  IV  3lrt.  107).  2)ie  preufe.  aSorm.  D.  §  70  entf|dlt  banebcn  bie 
weitere  Seftimmung,  bafe,  wenn  bei  ber  Quittung  unb  Sntlaftung  ein  5}or* 
bcl^alt  gemad)t  ift,  baö  9Sormunbfd^aftögcrid)t  ju  entfd^eiben  \)ai,  ob  unb  wie 
üiel  von  bcr  6id^erl(ieit  jurücf jube^altcn  ober  von  ber  ^^potfief  fteljcn  5U  tafjen 
fei.  9luö  allgemeinen  ©runbfögen  löfet  ein  folc^eö  9icd^t  bcö  aSormunbfd^aftö^ 
gcri(^teö  ftd^  nid)t  ableiten ;  benn,  n)enngtcid&  in  folgen  gällcn,  in  mcld;cn  bcr 
aSormunb  auf  Slnorbnung  bcö  a3ormunbfd}aftögcrid)tcö  nat^  SKafegabe  bcö 
§  1689  ©i^er^eit  befteOt  ^at,  ein  9led&l  bcö  ajJünbclö  auf  bie  ©id)erl)eit  ni^t 
fdjled^t^in,  fonbern  nur  in  9lb^ängigfeit  Don  bem  l;ierüber  5unäd)ft  cntfd^eibcn' 
ben  ©rmeffen  bcö  SSormunbfd&aftögeri^teö  ate  SÄufrid^töbe^örbe  erworben 
wirb,  fo  l^ort  bod^  mit  ber  Seenbigung  bcr  aSormunbfd)aft  ba^  Siedet  bcö  aSor^ 
munbfd^aftögerid^tcö,  alö  Stufftdjtöbe^örbe  in  baö  9led;t  bcö  SWünbclö  ein- 
jugrcifen,  auf.  aSom  ©tanbpunfte  bcö  aSormunbeö  auö  lafjen  ficb  allerbingö 
SlüdEfic^ten  bcr  33illigfcit  unb  ber  3^<^rf^ä6igfcit  für  bie  in  Siebe  ftcl;cnbc 
SBcftimmung  ber  prcuß.  aSorm.  D.  anfüfjrcn.  @ö  wirb  baburd^  inöbcfonbcre 
errcid^t,   baß  bei  offenbar   frioolen  unb  unbcgrünbctcn   SluöftcUungcu   bcö 


liai)t.  y.  91.  I,  7  §  29,  fac8  lofirttcml).  3lotariQt8gcf.  d.  14.  3uni  IS43  Sri  67, 
75,  bct  tivcin.  aSortn.  D.  §§  114,  115  iiiib  brS  eftciT.  @.  93.  g  265.  ebenso 
bcftimml  boö  prcufe.  ä.  2. 9i.  II,  18  §§  302,  303,  ba%  her  93onnuiibf(^afts= 
ric^tri  von  bcm  ()e[d}äbigteii  3)}üiibr(  mir  fudftbidr  in  STnfptc^  genommen  inerbcn 
(aiiii.  3)uv(I)  bell  §  102  bcv  prcujj.  5!onn.  D.  fmb  jioar  in  5ßrew6en  bie  bi6= 
Ijetiflcn  Oc(oiibercn  ®orf[|)rtftcn  iiticv  bic  ^croutroorilic^fcit  bc6  aSormunbf^aftä^ 
rid)tcrS  licfciligt;  inbcffcn  füt)ccii  ait^  bie  jcgt  rnftfegebcnben  allocmeincn 
®ninb[ägc  über  bie  $Qftunfl  bec  Seamten  rorgcn  !ÜctIc|uiig  ber  ämtappidit 
nur  ju  einer  fubfibiöreii  .^aftung  brS  Sßormunbfrfiaftörii^ierS  in  bcc  3rt,  bog 
bicfe  Itüftung  erft  eintritt,  loenn  fein  anberea  gcfeßmö^igea  SOlittel,  bur^ 
iDe(<$ce  bcn  nac^ttieiligcn  folgen  bcv  ^tlic^tvcrlelung  a6ge^o[fen  werben 
rennte,  me^t  übrig  ift  (»crgl.  preufe.  3r.  S.,%  il,  10  §  91;  SScrorbn.,  betr. 
bie  allgemeine  Siegelung  ber  Staatabicncroer^filtniffe  in  ben  neu  ermorbencn 
ÜQnbeflt^eilcn,  a.  23.  September  1867  §  1).  3iad)  bem  ffl^f.  @.  33.  §  1506 
fäQt  ber  Slnfprui^  auf  Sdiabenserfa^  gtgcn  bcn  Beamten  nur  bann  loeg, 
iDetin  ber  Verlegte  Sici^tfimittel  ni^t  gcbraud)t  ^at,  burd)  nicli^e  bcrfelbe  bie 
i()m  Sdjabcn  bringcnbe  ^anblung  ^ättc  abmcnbcn  fi^nnen. 

S)ie  @rüiibc,  luelc^c  ben  Entwurf  bcfttnimt  (jaben,  bic  Haftpflicht  ber 
SBcamtcn  lucgcn  SJerIcgung  ber  gegeniiber  ©ritten  gcfeglirf)  i^nen  obltegenben 
aimtäpPtditcn  in  bcn  gölleii  bea  §  736  rcic^sgefe^li^  überhaupt  iiic^t  baoon 
abhängig  jn  niadjcn,  ba%  ber  Scfifiäbigte  auf  onbcre  SJcife  ©rfots  bc6  ©(^abcnö 
nit^t  ju  erlangen  oermng  (ocrgl.  iDIottue  ä"  §  736),  muffen  baf)in  führen, 
aud)  bic  aSciantmortlic^teit  bcö  ißormunbfi^QftSri^tcrä  gegenüber  bcm  S^ünbel 
in  bcifclbcn  9Irl  ju  regeln.  3it  bcm  Ijicr  in  SRcbc  fte^enbcn  golle  oon  jenem 
®runbfa|e  i«  ©uiiften  beö  58Drmunbfd)nf(6rii^terS  jum  9Ia(^t6cile  bea  aJlün' 
bei«  eine  Sluöitatimc  ju  machen,  la^t  ft^  nic^t  re^tfertigen.  Sogegen  gilt 
nac^  §  1702  in  äjerbinbuug  mit  ben  a3orfc^riflen  be*  §  736  3lbf.  2  unb  beB 
§  713  im  58erl}ältniife  äinifdien  bem  3!ormunbf(^aftaridjtCT  einerfeit«  unb  bem 
äjormunbe  besro.  bcm  ©egenoonminbe  onbercrfcits  nüd)  IKnologie  beö  §  l69fi 
91bf,  3  ber  Siormuiib  bcäin.  Oegenoormuiih,  iinbcfc^abct  ber  Ißorfdirift  bea 
?!  338,  ale  aliein  ocrpflic^tci.  Ucbrigcna  bejic^t  fi^  bec  in  ber  9lnm.  ju  §  73C 
eriuäC)nte,  für  bnö  Sinfüljrungägcfe^  in  ^usfidit  genommene  ^orbc^alt  für 
bic  aanbcsgefcüe  aud)  auf  bic  3iercintroort[i(^Eeit  bcS  Sßormunbfcfiafl6rid)ter6 
gegenüber  bem  2J!ünbel. 
sigtniMi  3.  älls  aSonnunbfd)aftSrid)ler  im  Sinne  bea  §  1702  ift  felbftDerftänbli^ 

^JJ^^J™",;^' jcber  ri^lcrlid)e  ©eamte  nniiifcl)eii,  melcfiem  nod)  ben  mafegcbcnben  Seftim= 
mungen  über  baä  ^crfa^rcn  in  ^ormutibfi^aftafac^cn  bic  Slufiübiing  bct 
©criditöbnrleit  in  33ormunbfiftaft6fod)en,  fei  ce  in  erfter  Snftana  ober  in 
Ijätjercii  3"flQ"if''/  übertragen  ift.  Sollte  im  ©infü^rungSgefcSc  ber  Sonbefr 
gcfe^gebung  oorbel)aUen  bleiben,  bic  im^  bem  bürgerlid)en  ©efet^bud^e  bem 
5Bormunbfd)aftsgcncf)te  jugcmicfciie  ©crtd)t6barfcit  ni(^trtd)tcrlic%en  Se^örbcn 
jii  übertragen,  tinb  bie  £a]ibcagefc|3gcbung  oon  btefem  Sßorbe[)a[te  @ebrauc^ 
madjeti,  fo  Dcrftcljt  eö  fiel)  ferner  Don  fclbft,  bofe  bic  bem  materiellen  33or= 
niunbfc^aftflrcdjtc  angcljorcnbcn  öcflimmungen  bcB  §  1702  au^  auf  bic  ai!it= 
glicbcr  jener  33ei)örben  9Iimienbung  fiiiben,  rocil  fie   bie  Stellung  bes  9Jor* 


SSormunbf<6aft  k.    4)afluiiö  bc8  Sormunbfd&aftöri^tcrö.    §  1702.       1191 

fllcid^ioo^I,  Qud^  Qbgcfcl)cn  t)on  bcm  goUc  bcr  Slrglift,  naä)  bcn  oBgcmcinen 
»cftimmungcn  (code  civil  9lrt.  1382,  1383)  wegen  S«od^läffigfeit  betn  3KünbcI 
I^Qften,  ift  ftreitig. 

2)a6  bcr  SSormunbfd^aftSrid^ter  lücgen  einer  fold^en  ^ßffid^tocrlegung,  ^tanbpunft 
weld^e  mit  einer  im  3Bege  bed  gerid^tlid^en  Strafoerfa^renö  ju  t)er]^ängenben  entwurfeft. 
Strafe  bebrof)t  ift  ober  einen  eingriff  in  bcn  Rreiö  ber  abfoluten  3icd)k  eincö  gj^iur 
2lnbcrcn  cnt^öft,  bcm  babnrd^  Sefd^äbigtcn  mi)  SWaßgabe  ber  allgemeinen  ««^  ««f««« 
®ninbfä6e  über  ©d^öbenöerfafe  auö  unerlaubten  ^anblungen  (§  704)  t)er**'''  *"^*""^" 
ontmortH^  ift,  fann  einem  Si^^if^I  ^W  unterliegen.  S)agegen  l^ängt  bie 
®ntf(i^eibung  ber  §rage,  ob  berfelbe  rocgen  einer  ^flic^tüerlcfeung  anbcrer  31  et 
für  ben  hieraus  einem  ©ritten  entftanbencn  ©^aben  oerantroortlic^  ift,  ab^ 
gefeiten  von  bem  l^ier  jur  Slnmenbung  faum  geeigneten  §  705,  md)  §  736  9lbf.  1 
baoon  ab,  ob  anjunel^men,  bafe  bie  von  i^m  ücrlefete  3lmtöpflici^t  i^m  aud^ 
gegenüber  SJritten  l&at  auferlegt  werben  follen.  3n  ©rmangclung  bcfonbercr 
Seftimmungen  mürbe  bie  ©ntfc^eibung  biefer  grage  bcr  rid^terlid&en  Sluölegung 
bcr  betreffenben,  jene  5ßf[id^t  auferlegenbcn  Sßorfd^riftcn  bcfi  93ormunbfd&aftö* 
red)tcö  überlaffen  bleiben.  S)cr  S^cd  bcö  §  1702  ift,  in  biefer  Siid^tung  bie 
93orf(i[)riftcn  bcö  SSormunbfddaftöred^tcß  baljin  iu  ocrbeutlid^en,  bafe  bie  bem 
93ormunbf(i[)aftöri(]öter  in  3lnfe^img  bcr  9lnorbnung  ober  gül)rung  ber  SBor^^ 
munbfd^aft  oblicgenbcn  Slmtßpflid&tcn  alö  folc^e  aufjufajfcn  finb,  xvcl6)t  im 
Sinne  bcö  §  736  9lbf.  1  il^m  gegenüber  bem  SÖlünbcl,  b.  l).  gegenüber  bem^ 
fenigcn  obliegen,  über  rocl(i[)en  bie  SBormunbfd^aft  anjuorbnen  ift  ober  befielet, 
bie  aSerlcftung  jener  ^ßflid^ten  mitliin  gegenüber  bem  äßünbcl  alö  eine  miber? 
xci)Hxi)t  ^anblung  im  Sinne  bcö  §  704  3lbf.  1  fid^  barftellt.  SJiefe  Sluf- 
faffung  ber  Seftimmungen  bcö  aSormunbfd^aftörcd^tcö  entfprid^t  bem  ©eifle 
bcrfelben,  ba  biefelben  gerabc  ben  Sd^uft  unb  bie  Sid^erung  fold&cr  ^jSerfonen 
bejroedfen,  meldte  bcö  Dormnubf^aftlid^cn  Sd[)ugcö  bebürftig  finb.  Slnbcrerfeitö 
mürbe  cö  mit  ber  ^^cnbenj  bcr  l^icr  fraglid^en  SBeftimmungen  nid&t  im  ßinflangc 
ftel^cn  unb  ju  meit  führen,  menn  auf  bie  üßcrlclung  ber  be5eid)netcn  5}Jflid)ten 
Qnä)  fonftige  britte  5ßerfonen,  bereu  3ntcreffe  baburi^  berührt  ift,  Sd)abens^ 
erfa|anfprü(^e  foUten  grünbcn  fönnen;  benn  in  il)rem  Sntcrcjfe  finb  bcm  SSor- 
munbfd^aftöri(i[|ter  jene  ^flic^tcn  nidjt  auferlegt,  wenngteid^  bicfclbcn  mittelbar 
anö)  i^nen  ju  Oute  fommen  mögen.  Sie  fönnen  bal^cr  ben  3Sormunbfc^aftö* 
riddter  megen  einer  ^flid)tocrlc6ung  nur  bann  in  9lnfprud)  nclimcn,  wenn  biefe 
na^  SWafegabe  bcr  fonftigcn  S3eftimmungcn  alö  SScrlc^ung  einer  abfoluten 
9lorm  ober  alö  ein  eingriff  in  ben  Slrciö  i^rer  abfoluten  Siedete  fid^  barftellt. 
SGßcnngleid^  bie  Dcrbcutlidöenbe  Seftimmung  beö  §  1702  oielleic^t  alö  cntbel^rlid) 
angefel)cn  werben  fann,  fo  ift  bie  9lufnal)mc  bcrfelben  bod)  jur  SScrmeibung 
Don  3rocifcln  im  Sntercffe  bcr  Stcd^töfii^erl^eit  alö  angemcffcn  cradjtet,  um  fo 
meljr,  alö  in  t)crfd(|iebenen  JRcdjtögebieten  nad&  bcm  gegenmärtig  beftelienbcn 
SWed^tc  ber  93ormunbf(^aftörid)ter  wegen  a3erlc6ung  ber  ilim  oblicgenbcn  5ßp[id^tcn 
nid^t  bloö  gegenüber  bem  SRünbcl,  fonbern  aud)  gegenüber  anbcren  ^erfoncn 
oerantwortlid^  ift. 

2.  9iad)  bcn  mciften  bcflcljcnben  9lcd[)tcn  ift  bie  Haftung  bcö  SSormunb^  eubfiMoritat 
fdöaftörid)tcrö  nur  eine  fubfibiäre,  b.  l;.  fie  tritt  nur  bann  ein,  wenn  webcr    ^ftung. 
pon  bem  SSormunbe  nod)  Don  ben  für  i^n  Ijaftenben  5iebcnpcrfonen  etwaö  }u 


1192       aSormunbfc^aft  K.    ^afhino  bcß  ajormunbfci&aftgri^terd.    §1702. 

crfangcu  ift,  2)ieö  ift  nQmcntIi(^  Der  Stanbpuntt  bcö  gemeinen  Sled^teö,  be^ 
baijr.  SJ.  9t.  I,  7  §  29,  bcö  württcmb.  3lotQriatdgcf.  t).  14.  3um  1843  »rt  67, 
75,  bor  bvcm.  SBorm.  D.  §§  114,  115  \m\>  bcö  öfterr.  ®.  33.  §  265.  (Sbenfo 
bcftimmt  boö  prcufe.  91.  2. 9t.  II,  18  §§  302,  303,  bofe  ber  SBormunbf^^afts^ 
ridjtcv  Don  bcm  gefd^äbigtcn  üJlünbcI  nur  fubfibiär  in  3fnfprd^  genommen  locrben 
fann.  2)urd)  ben  §  102  bcr  preujj.  93orm.  D.  ftub  jroar  in  5ßreu6cn  bie  bifi^ 
I;crigcn  befouberen  SBorfd^riftcn  über  bie  iierontmortlid&feit  bcö  SBormunbfd&aftß^ 
rid)terd  bcfcitigt;  inbcjfen  fiUjrcn  and)  bie  jcfet  ma^gebenben  ollgemcincn 
©runbfäfee  Aber  bie  Haftung  bcr  Beamten  mcgcn  Sßcriefeung  ber  9(mtdpf[i(^t 
nur  jn  einer  fubfibiörcn  .^oflung  bcö  aSormunbfd^aflörid&terö  in  bcr  STrt,  bag 
biefc  Haftung  erft  eintritt,  wenn  fein  onbcrcö  gcfefemäfeigeö  aRittel,  bnxi) 
rocld^cö  bcn  no^t^eiligcn  gotgen  bcr  5ßflid^tDcrIefenng  abgeholfen  toerben 
fönnte,  melir  übrig  ift  (ücrgl.  prcufe.  ST.  fi.  9t.  II,  10  §  91;  »crorbn.,  betr. 
bie  oBgemeine  9legc[ung  bcr  ©taatöbicnerocrI)ftItniRe  in  ben  neu  ermorbencn 
«anbcßt^eifen,  o.  23.  ©cptember  1867  §  1).  ^lad)  bcm  föcibf.  ®.83.  §  1506 
fällt  bcr  3lnfprud&  auf  Sd^abcnöerfn^  gegen  bcn  Beamten  nur  bann  weg, 
roewn  bcr  9}erlc^te  9Ic(^tdmittel  nid}t  gcbraud)t  ^at,  burc^  meiere  bcrfelbe  bie 
iljm  Sd;abcn  bringcnbc  ^anblung  ^ättc  abmcnbcn  fönncn. 

S)ie  Orünbe,  tücld^c  ben  ©ntwurf  bcftimmt  l;abcn,  bie  ^aftpflid^t  bcr 
S3camten  mcgcn  SSerlcfeung  ber  gegenüber  ©ritten  gcfc|lid^  il^ncn  obUegenben 
Stmtdpflid^tcn  in  ben  pllcn  bcd  §  736  rcic^dgefej^lid^  überliaupt  ni(^t  baoon 
abhängig  ju  mad^cn,  bog  bcr  %ef(^Qbigte  auf  anberc  SBcife  @rfag  bcö  @d^abcnö 
nicl)t  ju  erlangen  ücrmag  (ocrgl.  äWotiüe  5U  §  736),  müjfen  bal^in  führen, 
awä)  bie  SBerantmortlid^fcit  bcö  5Bormunbfd)aftöri(iÖtcr6  gegenüber  bcm  fröünbei 
in  berfelbcn  3lrt  ju  regeln.  3n  bcm  l;ier  in  Siebe  fte^enben  galle  t)on  fenem 
®runbfa|c  ju  ©unftcn  bcö  ajormunbfdöaftörid^terö  jum  Stad^t^eilc  bcö  ÜHün« 
bcld  eine  äluenal^mc  ju  mad^cn,  lägt  fid^  nid^t  red^tfertigen.  dagegen  gilt 
nad)  §  1702  in  SBerbinbung  mit  ben  SBorfd^riften  bcö  §  736  Äbf.  2  unb  bcö 
§  713  im  SJerliältniffe  jn)ifd)en  bcm  SBormunbfcbaftöridjtcr  cincrfcitö  unb  bem 
SSormunbe  bcjro.  bcm  (Scgcnüormunbc  anbercrfeitö  nad&  2lnalogie  bcö  §  1696 
3lbf.  3  bcr  SSormunb  bejm.  ©cgcnoormunb,  unbefc^abet  ber  33orf4irift  bcö 
§  338,  alö  allein  Dcrpftid^tct.  Uebrigcnö  bcjie^t  fid^  bcr  in  ber  9lnm.  ju  §  736 
cnuä^nte,  für  ba^  @infüljrungögcfcg  in  Sluöfid^t  genommene  93orbc^alt  für 
bie  Sanbcögefcße  aud^  auf  bie  Syerantn)ortlid)fcit  bcö  JBormunbfddaftöritftterfi 
gegenüber  bem  aJlünbct. 
(Siflenf4aft  3.  9llö  aSonnunbfdjaftßvid&tcr  im  ©innc  bcö  §  1702  ift  felbfti)crftänbli(i& 

XftSer'i^^^^  rid;tcrlid;c  93camte  anjufel^en,  meldjcm  nad^  ben  mafegcbcnben  Seftim- 
mungcn  über  baö  SSerfal^ren  in  58ormunbfd&aftöfad^cn  bie  aiuöübung  bcr 
©crid^töbartcit  in  93ormunbfd)aftfifad^en,  fei  cö  in  erftcr  Snftanj  ober  in 
ljöl)crcn  ^nftanjcn,  übertragen  ift.  Sollte  im  ©infül^rungögcfcfte  bcr  Sanbcö* 
gcfc^gcbung  vorbehalten  bleiben,  bie  nad^  bcm  bürgerli(^en  ®cfe|bud[|e  bem 
S3ormunbfd^aftögcrid)tc  jugemicfene  (Scrid^töbarfeit  nidötrid^terlic^cn  Seprbcn 
5u  übertragen,  unb  bie  Sanbcögcfc^gcbung  Don  bicfem  ^orbcl^alte  ©ebrouc^ 
mad^en,  fo  ücrftcljt  cö  fid)  ferner  von  fclbft,  bafe  bie  bem  materiellen  SSor* 
munbfc^aftörcd)tc  angcljorcuben  Scftimmungcn  bcö  §  1702  oud^  auf  bie  9)Kt* 
glicbcr  jener  S3el)orben  9lnmenbung  finbcn,  meil  fie  bie  ©tcUung  beö  33or* 


aSormunbfd&aft  üBec  aKmberiaWge.    Scenbiöuiiö.    §1703.  1193 

munbfd&aftörid^tcrß  im  ©inne  beö  bürgerlid^cn  ©efcfebud^c«  imb  bomit  aucft 
bic  ^füd)tcn  cincfi  fold^cn  ^abcn  (ucrgl.  auä)  §  1719  3lbf.  1). 

3rt  bic  bcn  aWünbcI  bcna^tl^ciligcnbc  SBcrfügung  Don  einem  ÄoUegium 
ausgegangen^  fo  ftnb  nad|  9)2aggabe  bcr  allgemeinen  ©runbfQge  nur  bie 
f(i[)u(bigen  SWitglieber,  bicfe  aber  ate  ®efammtf(i[)ulbner  für  ben  ©(^aben  ner« 
antroortlid),  ba  ber  ©ntwurf  befonbere  Seftimmungen  über  bie  Haftung  von 
ÄoIIegicn  in  gaUen  ber  ärt  nid^t  gegeben  I)at  (oergl.  §§  713,  714,  736; 
iKotiüe  ju  §  736). 

4.  3ta6)  gemeinem  dicä)tt  gel^t,  obrool^I  ber  aSormunbfc^aftßrid^ter  megen  ^ft^na  t>cr 
ieber  Slad^Iöfftgfeit  l^aftct,  bie  33erpf[id)tung  bcöfclbcn  ouf  befjcn  Srben  nur  ®'^^"'' 
über,  forocit  pe  auf  grober  gal^rtäffigfcit  beruht.  SHel^nlid^e  bic  ©rbcn  be^ 
günftigenbc  Seftimmungen  finb  aud^  in  einjetne  neuere  ®cfe|e  übergegangen 
(Dcrgl.  21.  2.  SR.  II,  18  §§  304,  293,  294;  brcm.  »orm.  D.  §  113).  3n 
^reufecn  finb  jehodö  in  golgc  bcr  preufe.  aSorm.  D.  §  102  an  ©teile  ber 
bcfonbcren  Ianbred(>tlid^cn  SSorfdiriften  in  ben  ^ier  fragti^en  Sejie^ungen  bie 
allgemeinen  Orunbfäfee  über  bic  Haftung  ber  (Srben  eines  Beamten  megen  SSer* 
leftung  ber  SKmtspflidöt  getreten,  ©anad^  l^aft